
        
                           Andreas Heinrich Buchholtz
Des Christlichen Teutschen Gross-Fürsten Herkules und der Böhmischen Königlichen
                       Fräulein Valiska Wunder-Geschichte
 In acht Bücher und zween Teile abgefasset und allen Gott- und Tugendliebenden
       Seelen zur Christ- und ehrlichen Ergezligkeit ans Licht gestellet
 Dem AllerDurchleuchtigsten / Grossmächtigsten und Vnüberwindlichsten Fürsten und
                              Herrn /Herrn Leopold
Erwähletem Römischen Käyser / zu allen Zeiten Mehrern des Reichs / In Germanien
   / zu Hungarn /Böheim / Dalmatien / Croatien und Sclavonien / etc. Könige;
 ErzHertzogen zu Oesterreich; Herzogen zu Burgund / zu Braband / zu Steier / zu
Cärnten / zu Crain / zu Lützenburg / zu Würtemberg / Ober- und Nider-Schlesien;
  Fürsten zu Schwaben; Marggrafen des Heil. Römischen Reichs / zu Burggaw / zu
Mähren / Ober- und NiderLaussnitz; Gefürsteten Grafen zu Habspurg / zu Tyrol / zu
Pfirdt / zu Kyburg und zu Görtz; Land Grafen im Elsass; Herrn auf der Windischen
                    Mark / zu Portenau und zu Salins / etc.
GOttes gnädigen Schutz / nebest langem Leben /Gesundheit / glücklicher Herschung
              / Friede / Sieg /und allem Käyserlichen Wolergehen.
 
                        Allergnädigster Käyser und Herr.
So Eurer Käyserl. Majestät wirdigsten Füssen leget gegenwärtiger / der Teutschen
angeführter GrossFürst Herkules / sampt seiner ihm vertraueten Königl. Böhmischen
Fräulein Valisken sich allerdemütigst nieder; uñ solches aus tiefstschuldiger
dankbarkeit; nachdem von Käyserl. Majest. höchstmildest-gewogener Hand / sie
ehmals einen Gnaden-Reichs-Stab und Krohn (im sechsten Buche dieser Geschichten
zu sehen) einpfangen haben.
    Wolte der Himmel! dass mit Eurer Käyserl. Majest: allergnädigster
einwilligung und gefallen diese ihre Darstellung möchte geschehen sein; alsdann
würden sie den Zwegk ihres höchsten wunsches schon erreichet haben; und würde
ihr geträuester Bruder / der Böhmische König Ladisla sich dessen zugleich
innigst erfreuen.
    Zwar es ist ausser allem zweifel gesezt / dz alles /was vor Eurer Käyserl.
Majest. preisswürdigsten ReichsStuel zutreten sich unternehme darf / nit allein
rein und lauter / sondern auch ganz vortreflich uñ allerdinge volkommen sein
müsse; und solches nicht allein nach dem Wesen / sondern auch nach dem
äusserlichen Schmucke.
    Massen Käyserl. Majest: ohn jemandes einrede /vor die allerhöchste Heilige
Würde in der ganzen Christen-Welt geehret wird; welche als Gottes Statalter /
der allerheiligsten Gerechtigkeit vorstehet; welchem nach / vor dere
ruhmwirdigste Augen sich niemand wird stellen dürffe / der durch iñerliche oder
äusserliche unsauberkeit dieselbe etwa betrüben oder beleidige möchte.
    Vnd weil nit so bald ichtwas durch sich selbst sich alhier vor düchtig wird
melden können / sondern nur /was Käyserl. Majest. allergnädigster MachtSpruch
davor erklären wird.
    Als suchet gegenwärtiger Teutscher Herkules uñ seine Böhmische Valiska in
dieser irdische Welt nichts höhers / dann dass Eure Käys. Maj. mit
allergnädigsten Augen sie ansehen / und die wirdigkeit /so sie bei ihnen selbst
nit wissen noch finden / ihnen mitzuteilen / allergnädigst geruhe wolle; welches
zuerlangen sie untertähnigst hoffen / in betrachtung / dz diese ihre Geschichte
niemand zubeleidigen / noch mit Stachel-Reden zu verwunden / sondern bloss zur
geistliche und ehrliebenden Gemühts-ergetzligkeit angesehen ist.
    Der grosse Gott / welcher sich gegen Abraham den Almächtigen neñet / liess
zeit des Alten Bundes ihm nit nur der wolbegüterten ihre feiste ausgemästete
Ochsen uñ gewaltige grosse FeldZehenden / sondern auch die leichten Täubelein
und einzelne Garbe der armen Leute wolgefalle / wañ sie von guter Seele in
rechtschaffener andacht geopfert wurde. Und ebe dieses war die ursach / dass
Abels kleiner Heerd / mit dem wenige Fette seiner Erstlinge betropfet / ungleich
heller und anmuhtiger vor Gottes Angesicht brennete /als wann der freche Kain
tausend aufgebansete Garben angezündet hätte / deren Lohe sich höher in die
Lufft erheben mögen / als dass MenschenAugen sie hätten können abmässen.
    Im Neuen Gnaden-Bunde hat Gott in angenomener Menscheit uns eben dessen
versichern wollen / da er seine lieben Jünger vergewisserte / dass der armen
Wittiben eingelegte zwei Scherflein / vor GottesOhren einen viel hellern und
angenehmern Klang von sich gaben / als die schweren güldenen uñ silbernen
Opferstücke / welche von den Reichen ohn Andacht /und aus Hochmut in den
GottesKasten geworffen wurden.
    Die hohe Obrigkeit hat die Ehre in der Heiligen Schrift / dass sie Götter
genennet werden; anzudeuten /dass in vielen stücken sie sich dem wahren einige
Gotte gleich zubezeigen pflegen; insonderheit in diesem / dass der unvermögenden
Gehorsamen ergebener Wille ihnen angenehmer ist / als was von haabseligen durch
Zwang heraus gekeltert / oder aus Furcht geliefert wird.
    Welches dann unsern Teutschen Herkules / und seine Böhmische Valisken
muhtiget / und in volle hofnung setzet / ihre gutwilligkeit / Eurer Käys. Maj.
sich vor eigen zuergebe / werde den abgang ihres unvermögens erstatte / ohn
welches vertrauen sie nimmermehr würden geherzt gewesen sein / vor dero
allergrossmächtigstem Stuel sich finden zulassen.
    Dafern nun dere / Gegenwart und alleruntertähnigste Darstellung
allergnädigst wird können geduldet werden / müssen sie sich billich vor
glückselig schätzen / und die Stunde gesegnen / an welcher sie dieser Welt bekant
worden sind. Dann sie werden unter diesen mächtigen Adlersflügeln / Schuz und
gnugsame Sicherheit antreffen / wider alle Freveler und verwägene Geizhälse /
welche sonsten sich nicht möchten scheuhen dürffen / diese Geschichte / wider
das siebende Geboht des Heil. Göttlichen Gesetzes unter gestohlner Kleidung in
die Welt auszustreue; mit welchen schlimmen Diebs-Nägeln in diesen lezten Zeiten
sich ihrer viel kratzen. Ja es werden zugleich auch andere missgünstige
abgeschrecket werde / ihren unbefugten Geifer und Neid-bittere Galle / wider
dieses wolgemeinete Werk auszuspeie / wann ihnen zu Ohren kommen sollte / der
unüberwindliche Adler (HErr Gott / gib du ihm Krafft / verjunge und erhalte ihn
/ dass er sein vermögen nicht / als am lezten Tage dieser Welt verliere) habe
unter seine sichere Schuz-Flügel angenommen
    Eurer Römischen Käyserlichen Majestät
                                                           alleruntertähnigste /
                                                               allergehorsambste
                                                             Diener und Dienerin
                                                                                
                                                                        Herkules
                                                                             und
                                                                       Valisken.
 
                             Freundliche Erinnerung
                      An den Christlichen Tugendliebenden
                         Leser des Teutschen Herkules /
  Welcher gebeten wird / diese Geschichte nicht vorzunehmen / ehe und bevor er
           folgende kurtze Vermahnung durchgelesen und vernommen hat.
Es hat der UhrSchreiber dieses Buchs vor eine Nohtwendigkeit erachtet / dem
gewogenen Leser / bald im ersten Eingange / den Zweg seines Vorhabens
vorzustellen / was gestalt seine Andacht in diesem ganzen Wercke eigentlich
dahin gerichtet sei / dass des Gemühts Erfrischung / so man im durchlesen
anmuhtiger Geschichte suchet / allemahl mit gotfürchtigen Gedanken vermischet
sein möge / und die Erkäntnis der himlischen Warheit auch daselbst befodert
werde / da man sichs nicht vermuhten wahr; massen dadurch andächtige Seelen oft
veranlasst werden / ihre Seufzer mitten in solcher Lesung gen Himmel zu
schicken /damit die irdische Gesonnenheit am Zeitlichen sich nicht zu heftig
vergassen / noch den Lüsten zu viel Raum geben möge.
    Das schandsüchtige Amadis Buch hat mañichen Liebhaber auch unter dem
Frauenzimer / deren noch keine dadurch gebessert / aber wohl unterschiedliche zur
unziemliche Frecheit angesponnet sind / wañ sie solche Begebnissen vor Augen
gemahlet sehen / welche wohl die unverschämtesten vor der Sonnen zu verrichten
scheu tragen. Dass ich alhier nicht allein der handgreiflichen Contradictionen
und Widersprechungen / womit der Tichter sich selbst zum oftern in die Backen
häuet; samt den ungläub-scheinlichen Fällen und mehr als kindischen
Zeitverwirrungen / deren das ganze Buch durchgehend vol ist; sondern auch der
teils närrischen / teils gotlosen Bezäuberungen geschweige / deren so
vielfältige Meldung geschiehet /und doch so wenig Geschmak als Glaubwürdigkeit
haben / nicht desto weniger aber diese teuflische Kunst nit allein vor gut
uñzugelassen sondern wohl gar vor Christ- und götlich will gehalten werden / als
deren sich Christliche Käyser / Könige und Ritter ohn Gewissens-Anstoss
gebrauchet, und dadurch mannichem Unglück / aus sonderbahrer Schickung Gottes
entrissen / auch viel Gutes zu volführen gestärket sein sollen. Wil nicht sagen
/ wie leicht unbesonnene lüsterne Weibesbilder hiedurch / der Zäuberei sich zu
ergeben / möchten veranlasst werden. Woraus dann zur gnüge erscheinet / dass der
leicht bewäglichen Jugend mit obgedachtem Buche nicht besser gedienet währe /
als wann es nur den Schaben und Motten durchzublättern / und der ewigen
Vergessenheit übergeben würde.
    Ob dann einiger Amadis-Schützer einwerffen wollte / die lustbringende
Erfindungen macheten diesem Buche sein Ansehen / und entrissen es der Verwesung;
so mag ehrliebenden Herzen dieses noch lange nicht genug sein. Dann die
Leichtfertigkeiten hecheln gar zu grob / und die unziemliche Betreibungen
zwischen jungen verliebeten hohen Standes-Leuten brechen so unverschämt los /
dass von keuschen Herzen es ohn ärgernis nicht wohl kann gelesen werden; was wollte
dann von frech-wilden geschehen? Zwar ein gefusseter ehrliebender Geist achtet
dessen wenig; aber wer vermuhtet sich eines solchen bei der lustsüchtigen
Jugend? wird demnach keine Entschuldigung übrig sein / und wer ohn verdacht
leichtsinniges Gemühts und Lebens bleiben will / entält sich billich von solchen
uñ dergleichen Büchern / welche die unzüchtige Kitzelungen mit der Höfligkeit
gar zu merckern durcheinander flechten / uñ den Stachel der unbillichen
Begierden rägen und hägen; dann menschliche Bosheit ist schon mehr als zu heftig
/ und bedarfs nicht / dass man Wasser ins Meer trage / oder Oel ans Feur schütte.
Ob auch dem Königl. und Fürstl. Frauenzimmer / durch Tichtung so mannicherlei
unzüchtigen Buhlereien nicht gar zu nahe getreten sei / gebe ich allen
Vernünftigen zu betrachten.
    Mir zweifelt nicht / der trefliche Barklaius mit seiner berümten Argenis;
Herr Sidnei mit seiner Arkadia; Herr Marets mit seiner Ariana / und andere
dergleichen züchtige ehrliebende Geschecht Schreiber /haben / der Jugend den
Amadis aus den Händen zureissen / nicht die geringste Ursach genomen / jhre
Schriften hervorzugeben / Und muss ein jeder gestehen / dass jezt gedachte Bücher
ohn Anstoss uñ ärgerniss wohl können gelesen werden; aber die wahre Gottesfurcht
ist in denselben nicht eingeführet / viel weniger des Christlichen Glaubens
einige Meldung geschehen; daher mein Siñ uñ vielleicht anderer mehr / durch
solche nicht vergnüget ist; Wiewol obgedachte sinreiche Köpfe zu tadeln / ich
nicht gemeinet bin / sondern sie vielmehr preise / und gerne gestehe / dass sie
jhres Lobes wert sind; Nur allein hoffe ich bei dem Leser diesen Ruhm zu
erhalten / dass er zeugen wird / er finde in fleissiger Lesung dieses Werks was
nicht allein sein Welt wallendes / sondern zugleich auch sein Geist himlisches
Gemüht erquicken / und jhn auff der Bahn der rechtschaffenen Gotseligkeit
erhalten könne; gestaltsam der Christliche Herkules jhm gnugsam zeigt / wie man
weder durch irdische Glükseligkeit noch durch Unglücksfälle sich von Gott und vom
Christlichen Wandel abziehen lassen / sondern allemahl seinen Heiland im Herzen
haben / Christlich leben / die Welt verachten / Fleisch- und Blutes Bewegung und
die reitzende Lüste dämpfen / der Untugend absagen / den wahren Gott vor der
Welt bekennen / der Tugend nachsetzen / und äussersten Vermögens seines Nähesten
Besserung und Rettung jhm angelegen sein lassen müsse. Dann jezterwehneter
Grossfürst Herkules ist uns als ein Ebenbilde eines nach vermögen volkommenen
Christen der im weltlichen Stande lebet / vorgestellt und der durch getrieb
seiner vernünftigen Seele zu allen löblichen Tugenden / auch nach empfangener
gnädigen Erleuchtung / zur Gottesfurcht sich ernstlich hinwendet / wie
imgleichen auch seine unvergleichliche tapffere und gottfürchtige Valiska / zu
ehren dem weiblichen Geschlechte / und zu behäupten / dass auch bei jhnen wahre
Tugend statt und raum finde. Ladisla / Fabius / und andere / zeigen auch Tugend-
und nach jhrer Bekehrung Christergebene Herzen; jedoch / welche / wegen zu
heftiger Fleisches und Blutes Bewägung / an die höchste volkommenheit nicht
gelangen. Phraortes / Pharnabazus / Artaxerxes / Mazeus / und andere jhres
gleichen / stellen sich zum Beispiel deren / die ausser der Erkäntnis des wahren
GOttes / dannoch der Tugend folge leisten / und gleichwol der ewigen Seligkeit
wenig nachdenken / viel weniger der Gelegenheit wahrnehmen / die jhnen durch
Gottes Gütigkeit zur Bekehrung dargebohten wird. Hergegen stehen Arbianes /
Fabius / Leches / Neda und andere / als Ebenbilder deren / die sich von Gott /
etliche leichter /etliche langsamer ziehen lassen; und zwar unter diesen ist
Ladisla der hartnäckesten einer / mit denen es viel zu tun hat / ehe sie den
alten eingewurzelten Wahn des falschen Gottesdienstes jhrer Voreltern ablegen
können.
    Gleich wie aber eines Dinges Eigenschaft und Art am besten und
volkommensten erkennet wird / wann man sein wiederwertiges zugleich betrachtet
und dagegen stellet / also hat der Meister dieses Werks an unterschiedlichen
Mannes- und Weibesbildern die schnödesten Untugenden / wiewol unter
Zuchtliebender Rede-Art / einführen wollen; Als da der verstokte Geta / ein
Muster solcher Bosheit ist / die nicht allein weder durch Dräuung noch Streichen
nicht kann aussgetrieben werden / sondern über das noch ein sonderliches Lob
suchet / dass sie von allem Guten ganz abgefernet ist. Artabanus der Parter
meldet sich an Wütrichsstat / der seinen schändlichen Lüsten nicht /als durch
Furcht oder Zwang einreden darff. Orsillos gibt dir die Unbarmherzigkeit zu
erkennen / welche ungestrafft nicht bleiben kann. Gamaxus uñ Pines /die weder
Gott noch Menschen achten / müssen jhres Hochmuhts billiche Straffe über sich
nehmen / biss sie durch schwere Züchtigung sich selbst lernen kennen /und dass
jhre viehische Leibeskrafft durchaus nicht zuachten sei / wann Gott straffen
will. Einen ganz unbesonnenen und verwägenen Bösewicht / dem sein Frevel eine
Zeitlang hingehet / wirst du an dem Böhmischen Nintsla erkennen / welchen doch
Gottes Gericht noch endlich trifft. Wiederumb sihest du ein Vorbilde hoher Leute
schweres Unfals an König Notesterich / dessen sich Gott endlich wieder erbarmet
/und jhn zu ehren bringt Bagophanes / Bagoas und Dropion / sind der Könige und
Fürsten allerschädlichste Pestilenz; dieser / in dem er durch verwägene Künheit
sich unterwindet / seinen König selbst aus dem Sattel zuheben / welcher behueff
er die vornehmsten Ehren- und Krieges-ämter seinen Geschöpffen und Verbundenen
austeilet / und hingegen andere redliche und geträue Diener zu unterdrücken
suchet; jene / in dem sie als liebkosende Schmeichler durch jhr Fuchsschwänzen
und alles-gut heissen / eines Fürsten Leumut verderben und zunichte machen /
wann sie demselben das höchst-schädliche quod libet licet, Tue was dir gefält /
einbilden / und jhn bereden /sein Wille sei frei und von allen Gesetzen
ungebunden / so dass er nach Belieben machen möge; worauff nichts anders als
Landesverderb / und aller Tugend Untergang folgen kann; welches ob es ohn des
Fürsten selbst eigene Gefahr und Schaden geschehen möge /wird Artabanus und
Gobares schwerer Fall Zeugnis geben. Hingegen kann Agiss dir einen geträuen Diener
seines Herrn darstellen / der weder durch Glück noch Gefahr von redlicher
Auffrichtigkeit sich abziehen lässet / so hohes Ruhmes wirdig / als wenig seines
gleichen an Herrn Höfen möge gefunden werden. König Mnata warnet durch seinen
Unfal alle hohe Häupter / dass sie keinem Bedieneten zu grosse Gewalt einräumen
sollen / damit sie nicht jhre Verderbens Schlang in jhrem eigenen Busem nähren.
Vor allen Dingen aber wird der Leser gebehten / die Darstellung der geilen
Statiren / und jhren gedoppelten Ehebruch ohn böse Gedanken zu lesen / auch
daneben Kleons Unglück zu beklagen / welcher der Unkeuscheit vor sich selbst
nicht zugetan / aus Furcht des Todes als ein Heide / in solches Laster
eingewilliget /welches er gleichwol nachgehends in seiner Freiheit nicht allein
vor sich meldet / sondern auch die unzüchtige Statiren zur Busse und Tugend
leitet. Vologeses der älter / und Pakorus legen an den Tag / dass man die Tugend
auch an seinem Feinde loben / aber doch sich durchaus zu keiner Unträu oder
Verräterei wenden / jedoch auch an seinem eigenen Herren die Bosheit und
Untugend hassen / und solche / als viel möglich / hintertreiben und abwenden
müsse. Anderer Anführungen / deren dieses Buch vol ist / geliebter Kürze halben
zu geschweigen / weil der Leser in Verfolg dieser Geschichte sie ohn schwer wird
anmerken können; wie dann diese Schrifft eigentlich zu dem Ende auffgesetzt ist
/ dass nebest der Ergezligkeit man auch nüzlich möge erbauet werde; wobei man
gleichwol zu Zeiten einen und andern kurzweiligen Auffzug hat wollen einmischen
/ weil solche Verenderung vielen annehmlich ist. Jedoch soll der Leser hiemit
Christlich vermahnet sein / dieses Buch nicht dergestalt zu lesen / dass er nur
die weltlichen Begebnissen zur sinlichen Ergezligkeit heraus nehmen / und die
eingemischeten geistlichen Sachen vorbei gehen wollte; sondern vor allen Dingen
die Christlichen Unterrichtungen wohl beobachte / sie ins Herz schreibe /und
darnach sein Leben zurichten / jhm lasse angelegen sein / insonderheit den zum
Ende gesezten Begrieff des algemeinen Christlichen Glaubens nach allen seinen
Stücken recht fasse / als welcher jhm zur Richtschnuhr seines Christentuhms
dienen / und die Erkäntnis der Christlichen Lehre wohl beibringen kann. Solte aber
jemand sich gelüsten lassen / meinen wolgemeinten Vorsaz zu tadeln / und die in
aller Einfalt durchgesetzete geistliche Unterrichtungen zu verwerffen / als ob
sie von schlechter Wichtigkeit / oder an ungehörige Örter eingeflochten währen
/ der soll wissen / dass ich jhn nicht als vom guten Geist getrieben / achten kann
/ weil er ungütlich mit mir ümgehet /und meine gute Andacht (über welche ich den
einigen Herzenkündiger zum Zeugen ruffe) zu verargen suchet / die doch einig nur
des Nähesten Besserung / auch daselbst jhr lässet angelegen sein / und zwar zur
himlischen Seligkeit / wo vor diesem noch kein ander (als viel mir bewust) sich
darumb gross bemühet hat; und ich zu dem Ende mich der lieben Einfalt beflissen
/auch keine Streitigkeiten der Lehre (als welche zu jenen Zeiten noch
schlieffen) einmengen wollen / auff dass auch die Ungelehrten es begreiffen / und
friedliebende Herzen es zu lesen nicht scheu tragen mögen; deswegen wird Gott
das Gedeien geben / wie ich der ungezweifelten Hoffnung bin / dass noch mannicher
Leser / wann ers selber nicht meint  / zur geistlichen Besserung wird gerühret
werde; welches zu erfahren /dem UhrSchreiber die grösseste Vergnügung sein wird.
Solten auch hohe Leute und FürstenStandes diss mein Buch zulesen wirdigen / wird
jhnen vielleicht ein ziemlicher Abriss vorgestellt sein / daher sie jhre
gebührliche Vollkommenheit anzumercken / und jhr Lobwürdiges fortzusetzen / das
Unständige aber abzulegen Anlass nehmen können.
    Zum schliesslichen Nachricht ahne ich / dass die Liebe zu meinem Vaterlande
diesen Christlichen Teutschen Herkules in meiner Seele gebildet und aussgebrütet
/ wie dann ohn zweifel unser Teutschland mannichen tapffern Held und Fürsten
auch zu jenen Zeiten gezeuget / deren Lob der Unteutschen Neid /und Mangel der
GeschichtSchreiber unterdrücket /und der Vergessenheit gewidmet hat. So haben
auch die Böhmen / Goten / Schweden / Dänen / und andere Nordische Völcker nicht
lauter wilde Säue und Bähren / sondern mannichen trefflichen Fürsten und Ritter
unter sich gehabt / deren löblichen Tahten den Griechen und Römern nichts bevor
geben würden /wañ sie auffgezeichnet währen. Wer wollte mirs dañ verargen / dass
aus diesen Landschaften ich etliche wenige hervor gesuchet / die uns an statt
einer Entwerffung dienen können / Ungeachtet der Spanische Hochtrab / die
Italiänische Ruhmrähtigkeit und der Französische eingebildete Vorzug (ich rede
nicht von allen / viel weniger einigen zu verunglimpfen) die Nase drüber rumpfen
/ und den groben Ländern / wie sie meinen / solches Lob nit gönnen möchten / da
sie doch wider jhren Willen gestehen müssen / dass dieser streitbaren
VölckerEinigkeit gnug währe / des Türken / Tartern und Persen Hochmuht und
Gewalt zu dämpfen; Und wollte Gott / dass die Teutsche und Schwedische Macht / von
so viel Jahren her zu unserm eigenen Verderben angewand / die Ungläubigen
getroffen hätte; Konstantinopel / GriechenLand uñ ganz Natolien sollte /
menschlicher weise davon zu reden / wider Christlich / und der Erbfeind daraus
vertilget sein. Was würde dann werden / wañ ich die angewendete Macht von der
ersten Weissen-Berges-Schlacht her rechnen wollte?
    Aber den begierigen Leser nicht länger auffzuhalten / noch dessen Gedult zu
missbrauchen / wird derselbe gebührlich ersuchet und gebehten / keinen Verdruss an
dieses Werkes Weltläufftigkeit zu tragen /weil es ausdrücklich die Gestalt einer
aussführlichen Geschichte hat haben sollen.
    Ich will mich hieselbst nicht mit vielen Worten entschuldigen / warum ich an
statt des unteutschen Wortes Majestät / das Wort Hochheit gebrauchet habe /noch
mit denen mich zanken / welche meine / dass dieses Wort der grossen Könige
Vortrefligkeit zu melden gar zu geringe sei. Wer ein besseres und bequemeres hat
/ kann es anzeigen / obs etwa in Ubung gebracht werden wollte; Ich nehme dieses
eben so hoch als jenes Unteutsche / hätte auch lieber die ümschweiffende
Benennungen / Eure Königl. Hochheit; Eure GrossFürstl. Durchleuchtigkeit / und
dergleichen / gar gemieden / wañ sie bei uns Teutschen nicht so gar die Oberhand
genommen hätten; welches mit wenigem anzudeuten / ich vor nöhtig erachtet habe.
    Solte aber sonsten etwas versehen sein / welches menschlicher Schwachheit /
sonderlich denen leicht begegnen kann / die nöhtigere Sachen zu treiben haben /
und ein so grosses Werk nur bei einzelnen Ruhe-Stunden auffsetzen / zweifele ich
nicht an des guterzigen Lesers günstiger Verzeihung / welchen ich dem Schuz
Gottes zu aller Leibes und Seelen Wolfahrt hiemit empfele / etc.
                             An den Nase-Klügling.
Was wolgemeint / und zur Erbauung dienet /
Das fichte nicht mit Läster-Reden an.
Wer sich so leicht zum tadelen erkühnet /
Und keine Schrifft ohn Schmähung lassen kann;
Der wisse / dass sein Straffe-Lohn schon grünet /
Sein Geifer wird verflucht von jederman.
              Kurtzer Inhalt des Christlichen Teutschen Herkules.
Demnach nicht gezweifelt wird / es werde der Leser den kurzen Begrieff dieser
    weitläufftigen Geschichte gerne wissen wollen / ümb einen Vorschmak dessen
    zu haben / was in diesen Acht Büchern eigentlich gehandelt wird / und aber
    solches durch das ganze Werk verstecket ist; als hat man dessen Begierde
    ganz gerne ein Genügen tun / und den Inhalt auffs kürzeste anhero setzen
    wollen / wie folget.
    Herkules sehr zierlicher Gestalt / ein Ebenbild der wahren Herzhaftigkeit /
Tugend uñ Gottesfurcht / im Jahr nach unsers Heilandes Geburt CCIV, am XV Tage
des April Monats / von dem GrossFürsten der Freien Teutschen Herren Henrich / und
Frau Gertrud / König Ragwalds in Schweden Tochter ehelich gezeuget / gibt in
seinen kindlichen Jahren durch Erleg-und Fahung etlicher Wölffe / seine
Herzhaftigkeit an den Tag. (Wird im dritten Buch erzählt.)
    Als er VII Jahr und XIX Wochen alt ist / wird jhm seines Herr Vaters
SchwesterSohn Ladisla der junge Fürst aus Böhmen (welcher dazumal X Jahr und XIV
Wochen alt) zugesellet / welcher nachgehends von jhm durch kein Mittel hat
können lebendig abgetrennet werden / daher man sie zusamen gelassen / und sind
in fleissiger Lernung der Sprachen und allerhand Fürstlichen Ubungen aufferzogen
worden. Herkules da er XV Jahr alt / erleget vor der Faust einen Teutschen
Ritter Nahmens Inge von / welcher ein armes Bauern Mägdlein nohtzüchtigen wollte
/ geräht darüber (weil alles Balgen verbohten wahr) in seines Vaters Grossfürst
Henrichs Hafft / und wird von Ladisla mit gewaltsamer Hand der versamleten
Bauern erlediget. (Wird im vierden Buch erzählet.)
    Sie reisen beide nach Schweden in den Krieg / als Herkules XVII Jahr /
Ladisla XX Jahr alt ist / und nach zweien Jahren ziehen sie mit einander nach
Böhmen zu Ladisla Eltern / woselbst Herkules sich mit Ladisla Fräulein Schwester
/ Fräulein Valiska heimlich verliebet und verlobet / da er XIX Jahr / sie aber
XIII Jahr und III Monat alt ist; ein Fräulein / an Heldenmuht / Schönheit /
Tugend und Gottesfurcht unvergleichlich / als ein vollkommenes Muster und
Aussbund weibliches Geschlechtes / jhrem Herkules sehr gleich und ähnlich. Zu
Prag geräht dazumal Herkules mit einem Pannonischen Gesandten / Nahmens Bato in
Zwiespalt / hält nacket einen Kampff mit jhm / und sieget ob; wird bald darauff
von Pannonischen Räubern in einem Walde gefangen aber durch Römische Frei Beuter
denen wieder abgenommen und zu Rom vor Leibeigen an Herren Zinna verkaufft /
dessen Tochter Zezilia anfangs / bald auch dessen Gemahl Fr. Sulpizia seiner zu
unziemlicher Liebe begehret / welches er durch List ablehnet / in jhrer Gunst
dannoch verbleibet / und hernach das Christentum annimt. Ladisla suchet seinen
verlohrnen Freund Herkules (in der Knechtschaft Oedemeier genennet / ) gibt
sich deswegen in Römische KriegsDienste unter dem Nahmen Winnibald / jhm desto
besser nachzufragen / weil er so viel Nachricht hatte / dass er in der Römer
Hände gefallen wahr / und nach Verlauff eines Jahrs und XI Wochen / erfähret er
dessen Zustand /als er bald darauff mit einem Pannonischen Strunzer einen Kampff
hält / und jhm angewinnet. Er will Herkules durch bedrauliche Schreiben von
seinem Christentum abschrecken / weil es aber vergeblich /reiset er hin zu jhm
nach Rom / machet jhn der Leibeigenschaft los / und verbindet sich mit jhm
auffs neue in fester Freundschaft / ungeachtet jhres Glaubens Ungleichheit.
(Dieses wird teils im fünften / und teils im sechsten Buch erzählt.)
                            Inhalt des ersten Buchs.
Als sie beide des Vorhabens sind / bald von Rom zu ziehen / und die Welt zu
besehen / bekömt Ladisla durch den alten Böhmischen Aussreiter Wenzesla /von
seiner Fr. Mutter Königin Hedewig traurige Schreiben / dass sein Herr Vater (wie
sie gänzlich meinten) auff der Jagt umkommen sei / und werden beide Helden bald
darauff in jhrer Herberge von XVI Räubern mördlich überfallen / welche sie alle
erlegen / aber darüber hart verwundet werden. Nach jhrer Heilung schreibet
Ladisla an seine Fr. Mutter / Herkules an das Fräulein / und durchreisen Italien
/ gerahten vor Padua in einem Walde an drei von fünff Räubern entführete
vornehme Römische Fräulein / erlegen die Menschen Diebe / und erlösen die
Geraubeten / in deren eine und vornehmste Frl. Sophia / Herrn Q. Fabius /
Römischen Stadtalters zu Padua Tochter / sich Ladisla heftig verliebet /
gerahten mit dieser Fräulein Bruder K. Fabius (der die Räuber verfolgete) und
seinen Leuten / aus Unwissenheit in Streit / werden wieder verglichen / und
ziehen mit einander nach Padua / woselbst Ladisla sich dem Fräulein offenbahret
und seine Liebes-Bande fest leget. Sein Mitbuhler Fulvius kömt daselbst an / dem
der Vater seine Tochter (jedoch jhr unwissend) versprochen hatte / dieselbe hält
es mit Ladisla / der Vater mit keinem; Fulvius gibt Ladislaen Ursach zum Kampff
in welchem jener erleget wird. Der Stadtalter stürzet darauf Ladislaen uñ seine
Tochter auf unterschiedliche weise in eine vermeinte grosse Lebensgefahr /
macht auch durch listigen Anschlag / dass das Frl. Ladislaen Reden als eine
wägerung jhrer Heirat annehmen muss / uñ bald darauf verspricht er sie jhm / so
dass sie noch diesen Abend müssen das Beilager halten / welches dem jungen Fabius
mit Frl. Ursul auff seiner Schwester Getrieb auch gegönnet wird / da unterdessen
Herkules an der von einem Räuber empfangenen Wunde betlägerig ist. Nach dessen
Genäsung leiten sie zur Lust nach einem Vorwerke / da Herkules mit seinem
ritterlichen Diener Klodius allem auff die Jagt reitet / und des Stadtalters
Bruders Tochter von Rom / Fräulein Sibylla Fabia aus des Räubers Silvans Händen
erlöset. Worauff sie des folgenden Tages ohngefähr an eine gefährliche
Räuber-Höhle von 194. Räubern besetzet / gerahten / und dieselbe (da sie überal
nur 42 Mann stark sind) bestreiten / erobern und überaus grosse Schätze darinnen
antreffen; werden deswegen von dem damahligen Römischen Käyser Alexander Severus
treflich geehret und begabet. Ladisla Hochzeitfest wird bestimmet / und sendet
Herkules seinem vertrauten Fräulein Valisken köstliche Geschenke nach Prag;
woselbst des Franken und Sikambern jungen GrossFürsten Markomirs Gesandten sich
anfinden / und ümb Frl. Valisken werben / welches freundlich angenommen wird /
und das Fräulein einwendet / sie müsse jhrem sonderlich getanen Verheissen nach
/solches jhrem Herrn Bruder zuvor anmelden / womit der Gesandter abgefertiget
wird. Die Böhmischen Stände senden jhre Abgeordenten nach Padua / jhrem Könige
Reise-Gelder überzubringen / welche daselbst kurz vor dessen Hochzeitfest
ankommen. Des Tages nach deren Abzug von Prag / gelanget daselbst Ladisla Bohte
an / und ladet die Königin und das Fräulein zur Hochzeit / gleich als das
Fräulein durch heimliche Nachstellung auff der Jagt in grosse Lebensgefahr
geräht / und sich noch durch Schwimmen lossreisset. Herkules Geschenke an das
Fräulein kommen des folgenden Tages zu Prag an / da sie bei jhrer Fr. Mutter und
den Landständen so lange ansuchet / dass jhr endlich erlaubet wird / nach Padua
auff jhres Herrn Bruders Hochzeitfest zu reisen / und machet sie sich geschwinde
fort. Zu Padua wird bei der Hochzeit ein Freistechen gehalten / worbei ein
vornehmer Persischer Herr / Nahmens Pharnabazus sich findet / welcher mit
Herkules Freundschaft machet. In Herkules Mahrstalle richten die Gespenster ein
greuliches Wesen an / und geräht Herkules in ungewöhnliche Schwermühtigkeit /
welche durch unglückliche Träume vermehret wird / und alles daher rührete / das
Frl. Valiska von etlichen Räubern vor Padua gefangen / und davon geführet wahr.
                            Inhalt des andern Buchs.
Die unglückliche Gefängnis der Fräulein / wird durch jhrer Reuter einen / Nahmens
Neklam / unsern Helden kund getan / welche darüber in ohmächtige Traurigkeit
gerahten / und sich mit einer Reuter-Gesellschaft nach dem Flecken machen / da
das Unglück sich zugetragen hatte / erfahren daselbst etlicher massen /wohin die
Räuber mit dem Fräulein (die in Jünglings Gestalt mit jhren zwo Leib-Jungfern /
Libussen und Brelen weggeführet worden) sich gewendet haben. In der Nachfolge
treffen sie einen Teil dieser Räuber an / deren Führer Gallus / die eine
Jungfer Libussen bei sich hatte; dieser Gallus erlanget Gnade bei den unsern /
verpflichtet sich zu jhren geträuen Diensten /und geht mit Herkules in den Wald
nach jhrer heimlichen Räuberhöhle (nachdem Sie ihre Angesichter mit einer
Kunstfarbe verstellet hatten) da auff diesem Wege Gallus den ehemahls
verleugneten Christlichen Glauben wieder annimt / finden das Fräulein nicht in
der Höhle / weil fremde Meer-Räuber ohngefähr daselbst angelanget wahren /
welche gleich diesen Morgen alle Räuber erschlagen / und den vermeinten Jüngling
/ der sich Herkuliskus nennete / mit samt seiner Jungfer Brelen mit sich nach
jhrem Schiffe genommen hatten. Herkules entbeut solches seinem Ladisla / und
geht mit Gallus zu Schiffe / das Fräulein zu suchen / welche noch in Jünglings
Gestalt nach Kreta / und von dar ab weiter nach Tyrus geführet wird / von dannen
sie nach Charas soll gebracht / und dem Parter Könige Artabanus geschenket
werden. Zu Padua entstehet ein falsches Geschrei von unserer Helden Niederlage /
worüber sich Ladisla Gemahl Fr. Sophia schier aus Ungeduld erstochen hätte;
Herkuliskus steiget in Kreta aus / schneidet in einen Nussbaum / wohin sie
geführet werde / und langet von darab zu Tyrus an. Herkules (der sich Valikules
nennet) schiffet nach Korint / kehret bei einem mörderischen Wirt ein / der jhm
nach dem Leben trachtet /verlässet die Herberge / und geräht an einen frommen
Christlichen Wirt / bei welchem er etliche Jünglinge antrift / welche nach Elis
auff die Olympische Spiele wollen. Gallus zeigt diesem frommen Wirte an / mit
was Bosheit sein voriger Wirt ümgehe; welcher darauff eingesetzt wird / und muss
Herkules mit zween Rittern deswegen kämpffen / die er auch erleget. Reiset
darauff mit nach den Olympischen Spielen / wird auff dem Wege von vier Rittern
beschimpffet / und bricht jhren Hochmuht. Zu Elis in der Herberge kömt er aber
mit einem gewaltigen Grichischen Herrn /Nahmens Parmenio zu platze / und
erschlägt jhn im Kampffe / worauff er sich wieder auff den Weg nach Korint
begibt. Ladisla und der junge Fabius machen sich zu Padua fertig / Herkules und
das verlohrne Fräulein zu suchen / und rüsten darzu zwei Schiffe aus / da Fabius
mit Leches und Markus (Ladislaen ritterlichen Dienern) Ladisla aber mit Klodius
(Herkules edlem Diener) zu schiffe gehen / samt jhrer Mannschaft / werden von
dreien Pannonischen Schiffen angegriffen / und erhalten die Uberwindung /hernach
wählen sie zween unterschiedliche Wege. Zu Prag geben sich abermal Fränkische
Heirahts Werber an / bei denen der junge Fürst in Gestalt eines geheimen
Schreibers sich befindet / haben in der nähe ein grosses Kriegsheer / und
gedencken Gewalt zu gebrauchen / welchem vorgebauet wird. Der junge Fürst
entsetzet sich über der Zeitung / dass das Fräulein sollte geraubet sein / will es
anfangs nicht glauben; reiset hernach betrübt wieder zu seinen Eltern / und hält
ümb Vergünstigung an / das Fräulein zu suchen / welches jhm abgeschlagen / uñ
ein Ritter / Namens Farabert / nach Padua geschicket wird / etwas Gewissheit von
dem geraubeten Fräulein einzuziehen; welcher dem Franken Könige Hilderich von
Herkules trauriger Bezeigung und Nachfolgung Bericht tut; worüber sein Sohn
Markomir der junge Fürst / Anfangs in grosse Traurigkeit und Zweiffelmuht / bald
darauff gar in Wahnwiz geräht / dass er muss eingeschlossen und verwahret werden.
Herkules (jetzo Valikules genant) wird von einem falschen Ritter auff einen
Gefahrweg verleitet / da er wegen dess von jhm erlegeten Parmenions / von dessen
Bruders Charidemus Leuten gefangen genommen / und mit seinem Diener Gallus zum
Tode verurteilet wird / aber bei der Aussführung erschlägt er die Schergen / und
kömt samt Gallus durch die Flucht zu Fusse davon. Er schicket seinen Gallus nach
Korint, weiters nach Padua / ümb Gelder abzuholen / fortzugehen / welcher am
Meers-Gestade den jungen Fabius antrifft / sich (weil er durch die Kunstfarbe
verstellet wahr) vor einen Kauffman bei jhm angibt / und Herkules Unfal
anzeiget / welcher samt Leches / Markus und seinen Leuten dahin geht / den
alten Charidemus deswegen tödten lässet / und dessen junges Gemahl Fr.
Euphrosynen / dem Markus freiet; welche Frau unserm Herkules bei Gallus in
geheim gnugsame Gelder übermachet; und er darauff nach Korint reiset von Elis
ab / woselbst er Markus und Frau Euphrosynen antrifft / und dieselbe anspricht.
Hieselbst finden sich acht Griechische Ritter / welche Frau Euphrosynen
verleumden / und von Herkules gezähmet werden. Klodius kömt sehr verwundet zu
Herkules / und zeigt jhm an / was Gestalt sein Freund Ladisla bei Patræ mit
einem Griechischen Herrn /Nahmens Perdickas gekämpffet / und nach erhaltenem
Siege von dem alten Kleander gefangen hinweg geschleppet währe. Derselbe nun
wollte jhn lassen entäupten / weil er seinen Sohn Ariston im Kampff erleget
hatte / und als sein Gemahl die junge Agata jhm heimlich davon helffen wollte /
wahr der Alte willens sie deswegen lebendig zu verbrennen; aber Herkules mit
Markus und seinen Kriegsknechten zeuhet hin /und erlöset Ladisla aus des Henkers
Hand / gibt sich nicht zu erkennen / und reitet heimlich davon. Klodius
heirahtet die nachgelassene Fr. Agaten. Herkules schiffet nach Kreta / wird
auff dem Schiffe von etlichen Mördern angesprenget / und erleget dieselben.
Steiget in Kreta aus / und trifft der Fräulein Schrifft an dem Nussbaume an /
erfähret also jhren Weg; findet in der Stadt Gnossus zween Betrieger / die sich
vor Herkules und Ladisla aussgeben / und machet sie zu schanden. Ladisla und
Fabius mit jhrer Gesellschaft halten sich etliche Zeit auff zu Korint bei
Markus / da eine kurzweilige Heirat abgehandelt wird. Ladisla Leibknabe von
Patræ entrunnen / kömt zu Padua an / und erwecket daselbst grosse Traurigkeit /
welche Klodius Ankunft daselbst / auffhebet /und der Stadtalter denselben zum
Obersten der Besatzung machet. Ein verwägener Bube Volumnius stellet Klodius
Eheliebesten Fr. Agaten nach jhrer Ehre / und verwundet jhn selbst meuchlischer
Weise /deswegen er nach erlangeter Gesundheit denselben im Kampf erleget.
                           Inhalt des dritten Buchs.
Inzwischen wird der vermumte Herkuliskus zu Tyrus eingebracht / verlobet jhre
Jungfer Brelen an jhrer Meer Räuber einen / Nahmens Alexander von Griechischem
Adel / und sendet sie beide zurück nach Padua. Er selbst muss mit den Partern
fort nach Damaskus und so weiters. Alexander und Brela treffen Herkules in Kreta
an / tun jhm der Fräulein Zustand zuwissen / worauff er nach dem judischen
Lande schiffet / nach Jerusalem reiset / und zu Betabara sich läuffen lässet /
geräht mit einem frechen Judischen Ritter Ben-Levi in Streit / erschlägt jhn /
uñ macht mit dem Römische Stadtalter zu Jerusalem /Herrn Pompeius gute
Freundschaft / dessen einige Frl. Tochter / Frl. Lukrezie jhm hohe Gewogenheit
zuwendet. Er wird von etlichen Juden verwundet /welche gefangen genommen werden
/ und hernach gebührlich abgestraffet / ohn die den Christlichen Glauben
annehmen. Ladisla / der junge Fabius uñ Leches nehmen jhren Weg von Korint nach
Zypern / und förder nach Seleuzien Alexander und Brela komen zu Padua an / der
Stadtalter daselbst machet jhn zum Stadt Hauptmann / wird aber nach wenig Tagen
von seinem Spiessgesellen erstochen / uñ nimt Brela jhren ersten Bräutigam Ritter
Neda aus Böhmen wieder an /der von der Böhmischen Königin nach Padua gesendet
wahr. Herkules bricht von Jerusalem auff / und reiset nach Tyrus / woselbst er
seiner Fräulein sonderliches Zeichen angemahlet findet / welche mit jhrer
Gesellschaft über den Eufrat / und Tygerfluss geht (und allentalben jezt
gemeldetes Zeichen ankreitet) biss in Assyrien / da sie in einem Walde von einer
Räuber-Schar überfallen / und biss auff Herkuliskus und seinen Dolmetscher
Timokles alle erschlagen werden. Von diesen Räubern werden diese beide nach
Meden geführet biss zu Herren Mazeus / welcher die Räuber niedermachen lässet /
und Herkuliskus samt Timokles gnädig annimt / woselbst dieser verstellete
Jüngling Wunder mit schiessen treibet. Dieser Herr sendet jhn nach Ekbatana dem
Medischen GrossFürsten Phraortes zu / dessen Sohn Fürst Arbianes jhm Brüderliche
Hulde zuwendet / und übet er sich auch daselbst im Schiessen. Herr Mazeus folget
nach Ekbatana / dessen Gemahlin Schwester Fräulein Barsene sich heftig in
Herkuliskus verliebet. Herr Pharnabazus der Medischen Gross-Fürstin Frauen
Saptinen Bruder / kömt von seiner Italiänischen Reise zu Ekbatana an / sihet /
dass dieser Herkuliskus dem Herkules so ähnlich ist / und erhält / dass dieser
vermummeter Jüngling (der sich vor Herkules Vaters Schwester Sohn aussgab) dieses
seines Oheims Verhaltung in seiner Jugend erzählet. Ladisla reiset mit seinen
Gesellen und Dienern über den Tygerfluss / gerahten mit VI. Rittern in Kampff /
erlegen dieselben / und bekommen gute Beute. Valikules geht auch über den
Eufrat / hernach aber den Tygerfluss / nach dem er und seine
Kauffmans-Gesellschaft ein hartes Treffen mit einer Rauber Schaar in Mesopotamien
gehalten. Herkuliskus zähmet zu Ekbatana ein unbendiges ädles Pferd / und wird
dem grossen Partischen Könige Artabanus von Phraortes / Pharnabazus und Mazeus
endlich zugeführet nach der Stadt Charas / da sie zuvor Herrn Mazeus seinem
Gemahl Fr. Roxanen sich zuerkennen gibt. Ladisla geht mit seiner Gesellschaft
fort biss an die Persischen Grenzen / woselbst Fabius von etlichen Räubern listig
gefangen / und an einen unbarmherzigen Herrn / Nahmens Orsillos / verkaufft wird
/ welcher jhn sehr übel hält / und jhn endlich an einen Freiherrn / Nahmens
Nabarzanes verkaufft /dessen Gemahl Fr. Statira jhm ungebührliche Liebe
zuwendet. Herkuliskus kömt zu Charas an / und wird dem grossen Konige
vorgestellt / welcher sich durch keine Rede will bewägen lassen / jhn seiner
Mutter wieder zuzusenden / sondern befihlet / dass er hingeführet und
verschnitten werde / er aber erschlägt die /so es verrichten wollen / gibt sein
weibliches Geschlechte zu erkennen / nennet sich Herkuliska / und wird von dem
Könige vor seine Braut und künftiges Gemahl angenommen / da er jhr zuvor
versprechen muss / sie in Jahrs frist und länger / nicht zu berühren / weil jhrem
ertichteten vorgeben nach / sie biss dahin der Göttin Vesta verlobet währe; daher
sie auff ein absonderliches Schloss daselbst mit einem Frauenzimmer verwahrlich
gebracht wird; und jhr Timokles sich in einer Herberge auffhalten muss. Valikules
kömt von seiner Fräulein Spuhr ab / weil er jhr Zeichen nirgend mehr angemahlet
sihet / doch einem nächtlichen Gesichte folgend trifft er den rechten Weg wieder
an /entgehet der Gefahr durch List / uñ kömt bei Mazeus an / von welchem er der
Fräulein Zustand erfähret /zenht nach Ekbatana / und geräht auff dem Wege mit
einem verwägenen Skyten in harten Streit / den er niederleget / und wird zu
Ekbatana wohl empfangen /da er sich ziemlich lange auffhalten muss. Ladisla / in
dem er den verlohrnen Fabius emsig / aber vergebens suchet / kömt mit etlichen
Persischen Herren in Streit / denen er ansieget / wird von jhren Verwanten
verfolget / und machet sich durch einen herben Kampff los /da er von den Feinden
den ritterlichen Tyriotes zum geträuen Diener bekömt. Fabius / jezt Kleon genant
/wird von seines Herrn Gemahl Fr. Statiren zur unbilligen Liebe genöhtiget / und
hernach wolgehalten; sein Herr merket solches / und will jhn beurlauben /worin
sie aber nicht willigen will. Fürst Gobares von Susa findet sich bei dieser
Frauen / als seiner alten Buhlen / und schenket dem Kleon seinen ehemahligen
Herrn Orsillos vor leibeigen / dem er seine Unbarmherzigkeit hart einbringet. Zu
Ekbatana wird ein Freistechen gehalten / bei welchem sich Ladisla einstellet /
und unwissend mit seinem Herkules sticht / erkennen sich mit Freuden / und nimt
Ladisla den Christlichen Glauben an. Ein Jude wird von dreien Hunden /wegen
seiner Lästerung wider den Sohn Gottes / zurissen / worüber etliche Juden wider
einen Christen sich verbinden / und gestrafft werden. Leches wird auch ein
Christ / und die unsern währen gerne bald auffgebrochen nach Charas / woselbst
üm die Zeit Fräulein Herkuliska aus Verlangen nach jhrem Herkules in eine
Krankheit geräht / befestiget jhr Getichte wegen Verlobung an die Göttin Vesta
bei dem Könige / und genäset wieder. Die Böhmischen Gesanten bringen der alten
Königin nach Praag von Padua ab / Zeitung von dem geraubeten Fräulein; Frau
Sophia reiset mit Frl. Sibylla nach Rom / werden von dem Käyser und seiner
Mutter Fr. Mammea wohl empfangen / ziehen wieder nach Padua und bekommen daselbst
Schreiben von unsern Helden; diese aber brechen von Ekbatana auf nach Charas.
                           Inhalt des vierdten Buchs.
Fürst Gobares von Susa merket Fr. Statiren buhlerei mit Kleon / und trachtet jhm
deswegen nach dem Leben; aber sie verbirget jhn bei sich auf einem Gemache /
vorgebend / Er sei auff der Jagt erschlagen. Zu Padua genäset sein Gemahl eines
jungen Söhnleins. Ladisla und Herkules mit jhrer kleinen Gesellschaft gerahten
vor Charas mit des grossen Königes Sohn und dessen Leuten / unwissend in Streit
/ und erlegt Herkules denselben / wenden sich auff einen andern Weg / und ziehen
zur Stadt ein / beschauen der Fräulein Schloss / und sehen sie am Fenster stehen
Timokles der Fräulein Dolmetscher / kömpt mit jhnen in kundschaft / tuht jhr
deren Ankunft durch Zeichen zu wissen / und schiessen Herkules und sie einem
andern Brieffe zu in hohlen Pfeilen. Der Morgenländischen Fürsten Verbündnis
wieder König Artabanus /wird zu Charas ruchtbar. Phraortes Grossfürst von
Ekbatana kompt an zu Charas / führet Herkules in angestrichener Farbe als einen
teutschen ritterlichen Diener mit auff des Königes Schloss / da er dem Könige der
Fräulein Herkommen und Tahten erzählet / unter dem Vorgeben / er habe an jhres
Herrn Vaters Hofe auf gewartet / und von demselben den ritterlichen Orden
empfangen. König Artabanus erläubet jhnen beiden das Fräulein zu besuchen / da
Herkules mit jhr die Liebe erneuert und sie zum Christentuhm bekehret. Der König
nimt Herkules (bei jhm Valikules genennet) in Dienste / jhn nach der Fräulein
Fr. Mutter zu verschicken. Herkules besuchet das Fräulein zum andernmahl und
stärcket sie im Glauben. Etliche Hoffdiener der Partischen Fürsten reiben sich
an jhm / die er zu Fusse fechtend erleget; mit einem andern Nahmens Mitrenes
hält er den Kampf zu Pferde unter der Fräulein Schloss / sieget / und wird von
dessen Herrn / dem jüngern Vologeses mördlich überfallen / welchen das Fräulein
vom Schloss erscheust. Herkules besuchet darauf sein Fräulein zum dritten mahle
/ und volstrecket mit jhr die Ehe; Er sendet Leches nach Padua und Prag / mit
vielen Schätzen / ümb etliche Völcker zu werben / und nach Persepolis zubringen;
und reiten die unsern mit Phraortes nach Persepolis zu Grossfürst Artaxerxes /
welcher das Häupt der Verbündnis war / dem Kriegsraht daselbst beizuwohnen;
schicken auch alsbald an Artabanus einen freundlichen Brieff / in welchem sie
ümb jhrer Fräulein Schwester Erlösung anhalten. Sie kommen zu Persepolis an /
und werden von der Fürstlichen Verbündnis wolempfangen / ohn allein Fürst
Gobares wirfft einen Unwillen auff sie. Artabanus erkläret sich auff die getahne
anfoderung / das er das Fräulein nicht lassen könne / sondern ehelichen wolle /
ladet unser beide Helden ein zum HochzeitFest / und sendet jhnen statliche
Geschenke. Die unsern schicken die Geschenke wieder zurücke / und fodern das
Fräulein ernstlich und unter Bedräuung. Zu Persepolis wird Kriegsraht gehalten /
wo bei Gobares unsere Helden nicht zulasse will / die Sache wird endlich
beigelegt; Herkules schicket seinen Dolmetscher Plautus nach Jerusalem / und bei
jhm grosse Verehrungen an Frl. Lukrezien. Artabanus beginnet um schleunige
Heirat bei dem Fräulein anzuhalten / welches sie jhrem Herkules zuschreibet.
Die andere Anfoderung unserer Helden wird von dem Könige ungnädig aufgenommen /
und dräuet dieselben mit Ruhten streichen zu lassen. Das Fräulein aber erhält
bei jhm durch listige Erfindung / XV. Wochen aufschud zum Beilager; welches sie
Herkules zuschreibet. Kleon kann wegen Gobares nachstellung sich bei Fr. Statiren
nicht länger heimlich aufhalten / erhält von jhr Urlaub davon zu ziehen / und
geht nach Armuzia. Unsere Helden auf angehörete Dräuung wegen des
Ruhtenstreichens / fallen mit 16000. Reutern / in des PartersLand / brennen uñ
würgen / halten mit dem Königlichen Feld-Herrn Spitamenes eine Schlacht /
erlegen von 24000. Feinden /21000. Mann / und nehmen 3000. sampt den Feldherrn
gefangen; welche aber alle ohn entgelt lossgelassen werden. Die unsern kommen mit
grosser Beute zu Persepolis an. Gotarzes / Königes Artabanus unehlicher Sohn
stellet dem Fräulein auff jhrem Schloss nach jhrer Ehre bei Nachtzeit / und
wird darüber von jhr erstochen. Spitamenes meldet seinem Könige die erlittene
Niderlage an / welcher darüber erzürnet /einen andern verwägenen Feldherrn
Madates mit 40000. Mann wieder die unsern ausssendet / mit Befehl / unsere Helden
durch XX. bestellete Ritter zu greiffe / und seiner StäupRuhten zuzuführen /
welches Vologeses der älter / wiederäht. Die unsern gehen diesem Feinde mit
26000. Mann entgegen aber etwas späte / daher jene dem Persen zimlichen Schaden
im Lande tuhn / werden noch gestutzet / ritterlich angegriffen und aufs Häupt
erleget / ohn Madates und seine XX. Ritter werden lebendig gefangen / und mit
Ruhten gestrichen / weil jhr Vorhaben den unsern verrahten wahr. Herkules in
Valikules Gestalt und Nahmen / machet sich mit kleiner Gesellschaft nach Charas /
das Fräulein durch List zuerlösen. Leches kompt zu Padua an / hält daselbst mit
Libussen / auch Neda mit Brelen das Beilager / erzählt der unsern Zustand / und
erhält bei Fr. Sophien (die eines jungen Söhnleins Herku Ladisla genesen wahr)
das sie gleich jhren Gemahl / den Christlichen Glauben annimt. Zu Padua werden
7000. Mann vor unsere Helden geworben; Leches und Neda sampt jhren junge Frauen
reisen eilig nach Prag / überliefern die Briefe uñ Geschencke / da gleich der
alte GrossFürst / Herkules Herr Vater / samt seinem Gemahl und Frl Tochter /Frl
Klaren daselbst anlangen / und der Ehe zwischen Herkules und Valissken berichtet
werden / worüber die Müttere beiderseits sich hoch erfreuen / und der Vater
seinem Sohn 6000. auserlesene Teutsche Völcker schencket / worzu der Bömische
Ritter Prinsla 6000. Böhmen wirdet / da 300. ädle jünglinge aus Böhmen / jhrem
Könige in der fremde aufzuwarten sich zu jhm schlagen / gehen ingesamt nach
Padua /empfangen daselbst jhre Fähnlein / treten samt den Römischen Völckern zu
Schiffe / machen auff der See gute Beute / und zihen durch Syrien nach dem
Eufrat. Herkules kömt zu Charas an / gibt dem Fräulein sein Vorhaben durch
Schreiben im hohlen Pfeile zu wissen; meldet sich bei dem Könige ob sei er von
seinen ungeträuen Medischen Begleitern beraubet / und mit Noht lebendig
entrunnen. Das Fräulein teilt Gelder aus unter jhren Frauen-Zimmer / davor sie
folgendes Tages von zwo fremden Krämerinnen sollen Waaren käuffen; diese
Krämerinnen (wahren Persische verkleidete ädle Jünglinge) führet Herkules mit
sich auf jhr Schloss / sie selbst aber in Kramer Kleidern / und mit verstelletem
Angesicht / mit sich vom Schloss nach seiner Herberge / leget jhr Ritterliche
Kleider an / und kommen zu Pferde glücklich davon. Gleichwol lässet das Fräulein
einen Brief auf jhrem Zimmer / in welchem sie jhrer Hofmeisterin Sysigambis jhre
Flucht entdecket / un sie auch zur Flucht vermahnet /welche sich warnen lässet /
und jhr Leben rettet. Des folgendes Tages erfähret der König der Fräulein Flucht
/ erschricket darüber heftig / und entstehet grosse Unruhe in der ganzen Stadt.
Sein Hofmeister Bagophanes muss sie mit einem Heer 18000. starck verfolgen / und
gibt jhm der König ein freundliches Schreiben mit an sie. Herkules hat etwas
Anfall auf dem Wege / komt aber mit den seinen wohl durch. Madates kömt zu Charas
an / meldet seine Niderlage /und setzen Pakorus und Vologeses den König zu rede
wegen seines unbillichen Vornehmens gegen die fremden Fürsten. Herkules kömt in
einer Persischen Grenze Stadt wohl an / und nimt Völcker dahinein zu seinem
Schutze. Bagophanes findet sich daselbst mit seinem Heer / fodert das Fräulein
von jhm und auf Verwegerung fället er die Stad feindlich an / wird aber
geschlagen / gefangen / und endlich wieder los gegeben. Herkules bricht mit dem
Fräulein / und gefangenen Völckern auff nach Persepolis Ladisla wartet daselbst
mit Verlangen auf jhn / und erzählt Artaxerxes seines Herkules LebensLauff in
der jugend. Fürst Gobares komt mit seinem Heer zu Persepolis an; Ladisla und
Arbianes gehen mit etlichen Völckern aus / Herkules entgege / welcher jhne mit
Frl. Valissken begegnet / da sie einander freundlich empfangen. Als sie zu
Persepolis anlangen / suchet Gobares bei dem Frl. üm unbilliche Liebe an /
worauf sie jhm harte Antwort erteilet. Fabius wirbet in Armuzia 1000. Reuter /
des Vorsatzes Ladisla zu suchen Bagophanes kömt zu Charas an / und ist ein Zeuge
seiner Niderlage. Artabanus schicket sich zu seinem grossen Feldzuge / uñ wird
vor gut angesehe das Fürst Vologeses nochmahls mit einem Heer 36000. starck an
die Persischen Grenzen gehen muss / die Art zu kriegen unsern Helden abzumercken;
Unsere Helden neben Pharnabazus und Arbianes gehen ihm mit 31000 Reutern
entgegen / unter denen 9000. Susianer auf Gobares anstiften mit Verräterei
umgehen / werden aber gedämpfet / und endlich der Sieg wieder Vologeses / wiewol
mit zimlichen Verlust erhalten. Leches und Neda / auch Klodius und Markus kommen
mit jhren Völckern etliche Meile von Persepolis an /da Fabius auf sie stosset /
und von jhnen zum Gross-Feldherrn gesetzet wird; bald treffen sie auf Gobares und
sein Heer / welcher Frl Valissken verrähterischer Weise von Persepolis gefangen
mit sich führete / aus toller Liebe darzu verleitet / sein Heer wird von Fabius
geschlagen / er selber gefangen / uñ das Fräulein samt jhrem Zimmer / aller
Ehren unverletzet / erlöset /welche sich über Libussen / Brelen / Euphrosynen
und Agaten Ankunft sehr erfreuet.
                  Ende des kurtzen Inhalts des ersten Teils.
                           Inhalt des fünften Buchs.
Herkules und Ladisla kommen zu Persepolis an / erfahren die bübische Entführung
/ welche gleich diesen Morgen in Artaxerxes abwesenheit geschehen / setzen
Gobares nach / erfreuen sich der schon geschehenen Erlosung / empfangen jhre
tapferen Völcker / und wird Gobares entäuptet / Frl. Valissken aber dessen
Fürstentum geschenket / welches sie Pharnabazus wieder zuwendet. Vologeses
meldet seine Niderlage zu Charas an Pharnabazus wird mit Frl. Barsenen
versprochen / als Phraortes mit seinen Völckern zu Persepolis ankomt / und wird
zu dieser / wie auch zu Herkules und Valissken Hochzeit Feste anstalt gemacht.
Des Tages vor der Hochzeit meldet sich Artabanus Gesanter Sysimitres zu
Persepolis an / bringt dem Fräulein und unsern Helden falsche freundliche
Schreiben und Geschencke von dem Könige / muss auf der Hochzeit sich finden
lassen / uñ wird damit weggewiesen. Libussa verleurt Frl. Klaren aus Teutschland
Brustbildichen / welches Arbianes findet / und sich heftig daran verliebet.
Orsillos erhält durch Fr. Valissken Vorbitte / Freilassung bei Fabius / reiset
nach Fr. Statiren und erzählet jhr Fabius Zustand; Nabarzanes jhr Ehherr wird
auf der Jagt von einem Löuen getödtet. An beiden Seiten bereitet man sich zu der
FeldSchlacht / im Persischen Heer finde sich 204000. Reuter; 161000. zu Fuss;
jngesamt 365000. Mann. An Partischer Seiten 296000. zu Ross /194000. zu Fuss;
ingesamt 490000. Mann. Valisska erfähret Arbianes Verliebung / und sendet Neklam
nach Teutschland / eine Heirat zwischen jhm und Frl. Klaren / zu befodern.
Fabius geht mit 24000 Reutern vor dem Herr aus / trift auf den Partischen
vortrab / welchen Dorylaus 40000. starck führet / erleget das ganze Heer auf
wenig nahe / schneidet allen erschlagenen die Zunge ab / weil sie den Persen ein
solches gedräuet hatten / und wird von unsern Helden nach erhaltenem Siege
frölich empfangen. Die wenige Gefangene werden Artabanus mit allen
abgeschnittenen Zungen zugeschicket / worüber er sich sehr eifert. Die
HauptSchlacht wird gehalten und allerseits zu Pferde heftig gefochten / biss ein
grosses Ungewitter entstehet / und sie trennet / nachdem an Partischer Seiten
145000 erschlagen und 21800. verwundet worden; an Persischer nur 47154. Tod / uñ
11755. beschädiget sind. Des andern Tages stärcken sie beiderseits jhre Reuterei
mit grossem neuen Zusaz von den besten Fuss Völkern / und trift erstlich die
Reuterei / hernach die Elefanten / endlich das FussVolk / da nach langem
ernstlichen Gefechte der Sieg den Persen zu teile wird / die Parter das Feld
räumen / und den Abzug in jhr Lager nehmen müsse / nach dem jhrer Reuterei an
diesem Tage 117000. erschlagen /15000. hart verwundet / und 21500 gefangen / von
den Fuss Völkern aber 82450. niedergemacht / 1420. hart beschädiget / und 12000.
gefangen wahren. Da hingegen an Persischer Seite 43150 Reuter und 58225.
Fussknechte erleget; 49850. Reuter und 20275 Fussknecht verwundet wahren. Die
Unsern rücken alsbald vor das Partische Hauptlager / nehmen alle Elefanten und
Wagen / mit Speisen und Waffen aus jhrem neben Lager / und bringen solches in
gute sicherheit. Des Nachts geht Artabanus mit allen seinen Völkern flüchtig
davon / in grosser Furcht biss nach Charas / und bekommen die unsern überaus
grosse Beute. Artabanus kann dennoch der Liebe nicht vergessen / rüstet sich aufs
neue / und gibt sich ein ungeheurer grosser Indischer Kämpfer / Gamaxus seines
herkomens ein Baur bei jhm an / welchen er unsere Helden zu bestreiten bestellet
/ wie auch vier Hirkanische ädle Jünglinge / welche dieselben mit Gift
hinrichten sollen; diese stellen sich bald ein / und werden von Herkules in
Dienste genommen. Gamaxus geht unter der begleitung 40000. Reuter an die
Persischen Grentzen / fodert durch einen Heerhold unsere Helden aus zum
absonderlichen Kampfe / und wird als ein Baur abgewiesen / welches jhn sehr
verdreust / und es an den König gelangen lässet / der jhn für einen Fürsten in
OberMeden erkläret. Die Hirkanische ädel Knaben / als sie die Vergiftung wollen
verrichten /gereuet es deren einen / Nahmens Bazaentes / und zeigt es Fr
Valissken an; die andern verrichten die Vergiftung an der Fürsten Handschuhen /
werden darüber ertappet / eingezogen / mit jhrem eigenen Gift beschmiret und
lebendig verbrennet / doch noch einer jhres Mittels / weil er willig bekennete /
im Gefängnis behalten. Gamaxus fodert die unsern abermahl aus / und wird der
Kampf von Herkules angenommen / der Heerhold aber schimpflich gehalten. Unsere
Helden samt Artaxerxes und Phraortes brechen mit einem Heer auf nach den Grenzen
/ Herkules trit den Kampf an / Gott stehet jhm wunderlich bei / und verleihet
jhm Sieg / das er den ungeheuren Gamaxus lebendig gefangen bekomt / worüber noch
das Partische Heer geschlagen / gefangen / und drei Grenze Städte eingenomen
werden. Gamaxus wird krum und lahm geheilet / auch / weil er schmähet / mit
Ruhten gestrichen biss er gebendiget wird. Zu Charas entstehet deswegen grosses
Leid / und komt die Fürstliche Verbündnis zu Persepolis zusammen auf das Freuden
Fest. Fr. Statira komt auch daselbst an / Fabius zu besuchen / welcher jhr bei
Pharnabazus Gnade erwirbet / und sie an einen vornehmen Herrn wieder ehelich
verspricht / da sie hernach jhr Leben gebessert. Ladisla erzählet Artaxerxes
vollends Herkules Wunder-Begebnissen; Unsere Helden werden von der Verbündnis
überaus hoch beschencket / uñ brechen die unsern auf nach jhrem Vaterlande
zugehen; auf der Reise bei dem Tygerfluss treffen sie 8000. Partische
neugeworbene Völcker an / welche sie gefangen nehmen / und nach Persepolis
schicken / bei deren Obersten Sysimitres Fr. Valisska an Artabanus schreibet;
bekommen noch 50 Reuter-Werber gefangen / mit XX. Tonnen Goldes baarschaft /
und gehen auf Damaskus. Fr. Valissken Abgesanten nach Teutschland kommen zu
Magdeburg an / überliefern die Briefe und Kleinot dem Fräulein und jhren Eltern
/ und bekommen zimliche Erklärung. Zu Damaskus nimt Fabius den Christlichen
Glauben an / von dannen die unsern aufbrechen / das heilige Land besehen / und
zu Betabara sich tauffen lassen /zihen in aller stille nach Jerusalem / und
werden von Herrn Pompeius Stadtalter daselbst wohl empfangen /woselbst Fr.
Valissken Abgesanten aus Teutschland anlangen / und vor Arbianes (der daselbst
bei den unsern wahr / und mit in Teutschland reisen wollte) gute Zeitung wegen
der Heirat bringen Fr. Valisska geneset alhie eines jungen Söhnleins / welcher
in der Tauffe Herkulisskus genennet wird / und nehmen sie nach geendigten sechs
Wochen jhre Reise über Meer nach Padua vor / da Frl. Lukrezie mit jhnen
fortschiffet. Sysimitres bringt die Zeitung von Fr. Valissken abreise nach
Teutschland / nach Charas / worüber Artabanus sich anfangs betrübet / nachgehens
vol Eifers wird. Die unsern länden frölich in Kreta an / finden die
ingeschnittene Schrifft am Nussbaume / schiffen nach Korint / und weiters nach
Padua.
                           Inhalt des sechsten Buchs.
Fürst Baldrich / Herkules Bruder / und Fürst Siegward aus Schweden / kommen bei
Padua an / und erlösen Fr. Sophien / Fr. Ursulen / und Frl. Sybillen aus Räubers
Händen / welche sie in einer höhle gefangen hielten / da Siegward sich in das
Fräulein sehr verliebet. Herkules / Ladisla / und Fabius kommen zu Padua einsam
an / erfahren dieses Frauenzimmers entführung / reiten hinaus uñ begegnen
obgedachten beiden Fürsten / von denen sie zum Kampf aussgefodert werden /
treffen mit einander und erkennen sich endlich / da Ladisla sein Gemahl frölich
empfähet / machen sich ingesamt nach Padua / und zihen Fr. Valissken entgegen /
welche von den Paduanischen Frauenzimer freundlich empfange wird. Die
Stadt-Obrigkeit daselbst bewirten die unsern auf jhrer neu-erbauten Burg / und
verliebet sich Baldrich in Frl-Lukrezien. Die gefangenen Räuber werden des
folgenden Tages bei Padua gekreuziget / wobei die beiden Fürsten jhren Fräulein
jhre Liebe antragen / und zimlich Gehör erlangen / biss endlich durch Fr. Sophien
unterhandlung die beiden Fräulein sich noch besser erklären / und freiet
dieselbe Gallussen jhre ädle Leibdienerin jungfer Beaten zu. Die beiden Fräulein
zeigen jhren Buhlen an / das sie Christen sein / und keine andere als Christen
heirahten wollen / welches jhnen anfangs etwas hart eingehet / und sich doch
bald zimlich erklären. Frr. Valisska und Sophia erlangen der beiden Fräulein
einwilligung zur Heirat. Die beiden Fürsten haben diese Nacht überaus schwere
Anfechtung von den Teufeln in gestalt der falschen Gözen /wodurch sie furchtsam
gemacht / und vom Christentuhm zimlich abgeschrecket werden / aber Valisska
tröstet sie / das sie ein Herz fassen / und durch ein anmuhtiger Gesichte in
jhrem guten Vorsaz gestärcket werden / daher sie Valisska in der Lehre
unterrichtet / welche sie begierig annehmen / und darauf zu den beiden Frl. auf
jhr Schlafgemach geführet werden / woselbst die völlige Zusage vor sich geht.
Die Fürstliche Gesellschaft fähret hinaus das RaubNest zu verstören / da Baldrich
und Frl. Lukrezie / als sie im Walde miteinander gehen / von zween Bären
angefallen werden / welche er zwar erleget / aber zugleich das Frl. zimlich hart
verwundet / nach deren heilung Gallus mit seiner Beaten (deren Vater er Zeit
seines Rauberstandes heftig beleidiget hatte) Hochzeit machet / und die beiden
Fürsten das Beilager halten /wobei Arbianes ein Freistechen anstellet. Ein
Römischer Herr / Nahmens Skaurus heirahtet Frl. Helenen Valisska erzählt auf
begehren Fr. Sybillen / wie es mit jhrer Verliebung und Verlobung mit Herkules
zugangen sei. Farabert der Frankische Ritter / welcher bisher zu Padua sich
aufgehalte / gibt sich an bei Valissken / klaget jhr seines junge Fürsten
Markomirs Unglück / uñ hält bitlich an / das sie an jhn einen freundlichen Brief
wolle abgehen lassen / welches sie gerne leistet / auch schöne Kleinot und
andere köstliche Sachen dem Fürsten und seiner Fr. Mutter übersendet / welche
Farabert selbst überbringet. Herkules und Ladisla schickten dem Käyser und
seiner Fr. Mutter nach Rom einen köstlichen Beutpfennig / da sie beide sich
erklären zu Padua bei der jungen Fürsten jhrem Hochzeitfeste zuerscheine /
werden auch daselbst prächtig empfangen / und leget der Käyser mit unsern Helden
grosse Freundschaft zu. Fr. Sibylla treibet es bei dieser Hochzeit / das die
Heirat zwischen Herr Pupienus und Frl. Virginia von Rom vor sich geht / bei
welcher Handelung zimliche Verwirrungen vorlauffen. Prokulus ein Römischer
Ritter fodert Baldrich aus / vorgebend er habe jhm Frl. Lukrezien abgespenstiget
/ desse er auch Siegwarden beschuldiget / legt darüber ertichtete Briefe auf /
durch welche er von andern aufgetrieben war / und wird im Kampfe verletzet. Fr.
Lukrezie erhält bei dem Käyser / das jhr Vater Statalter wird zu Kölln am Rein.
Valisska in Amazonischer Gestalt mit angestrichenem Angesicht stellet ein
vierfaches Ritter Spiel in des Käysers gegenwart an / in welchem sie und
Herkules den höchsten Preis davon tragen. Ein Pannonischer Gesanter / nahmens
Pines mit etlichen Rittern komt zu Padua an / beut einen Kampf aus nach habender
Volmacht von seinem Könige / das auf dem fall seines Verlusts das Pannonische
Reich den Römern X. Jahr lang die Schatzung entrichten wolle; Herkules nimt
solches mit jhm an / überwindet jhn / und nimt jhn vor leibeigen / wie auch
dessen MitRitter von Ladisla und andern überwunden werden. Die Gefangene stellen
sich unbendig / und werden mit Ruhten gezähmet. Der Käyser zur Dancksagung /
krönet Herkules und Ladisla / auch jhre Gemahlinnen als freie Könige der
Teutschen und Böhmen / und tuht jhnen statliche Geschenke. Herkules und Ladisla
Partische Leibeigene halten an üm die versprochene Freiheit / erhalten dieselbe
/ werden mit ritterlichem Gewehr versehen /uñ Arbianes untergeben; uñ schicken
sich die unsern zur Reise nach Prag. Die gefangenen Pannonier werden auf die
Ruder Schiffe geschmiedet. Endlich brechen die unsern von Padua auf / halten das
erste Nachtlager in dem unglücklichen Flecken / woselbst ein Kühhirt jhne von
den ehemaligen Verfolgungen wieder die Christen etwas erzählet. Die Pannonier
warten den Unsern an den Grenzen auf / sie zu berauben und niderzumachen / daher
ein hartes Treffen entstehet / und werden die Pannonier fast alle erschlagen.
Worauf die unsern sicher die Böhmischen Grentzen erlange / den alten Pribisla in
jhre Gesellschaft bekomen / jhre Völcker uñ Wagen zurück lassen / uñ in aller
stille nach Prag fahre / da sie die alte Königin durch jhre unvermuhtliche
Ankunft hoch erfreuen / uñ dem ganzen Lande grosse freude erwecken / uñ wird
gegen Ladisla angesetzete Krönung gute anstalt gemachet. Ritter Farabert aus
Franken komt bei seinem Könige an / bringt das Schreiben und die Schenkungen
wohl über; worauf der junge Fürst Markomir wieder zur völligen Gesundheit
gelanget.
                          Inhalt des siebenden Buchs.
Zu Prag kömt unverhoffete Zeitung / das Herkules Eltern und Frl. Schwester von
dem Wendischen Fürsten Krito und seinem Sohn Gotschalk geraubet und gefangen
nach Friessland geführet sind / welches die unsern aufmuntert / dass sie nach
mögligkeit Völker zusammen bringen / von Prag eilend durch Teutschland nach
Friesland gehen / und die Räuber mit jhrem Heer erreichen / da Vater uñ Sohn
über dem Fräulein uneins worden sind; vergleichen sich aus Noht / und treten mit
den unsern die Schlacht an / aus welcher Gotschalk mit einer Schaar hinweg
reitet / das Fräulein mit sich über die Isel führet / und sie nach Dänenmarck
bringen will / üm sie daselbst zu heirahten / aber Arbianes / der sie liebete /
setzet jhm nach /erschlägt den Räuber und rettet sie / da er kurz zuvor jhre
Eltern frei gemacht / und nach jhrem Lager fortgeschikt hatte. Krito wird in der
Schlacht gefangen. Arbianes kann wegen der verschlagenen Völker mit dem Fräulein
nicht nach jhrem Lager sicher durchkommen / begibt sich mit jhr auf einen Abweg
/uñ gibt sich ihr zuerkennen. GrossFürst Henrich mit seinem Gemahl komt zu seinem
Sohn Baldrich / den er bisher vor tod geschätzet hatte / erfreuet sich über jhn
/ wird aber betrübt als er vernimt das er auch ein Christ worden sei / doch gibt
er sich bald zu frieden /und erkläret sich / seinen Söhnen das Christentuhm frei
zu gönnen; worauf Herkules (der sich bisher verborgen gehalten) sich seinen
Eltern zuerkennen gibt /uñ mit Freuden angenommen wird. Krito machet sich in
seiner haft unnütze. Arbianes / um Gefahr zu meiden / führet das Fräulein nach
einem abgelegenen Dorffe / da er sich wege mördlicher Nachstellung in eines
Bauern häuslein nebest dem Fräulein verstecket / welcher Witto hiesse /
daselbst sind sie auf dem Häu sicher / erquicken sich mit Speise und Tranck /und
hält er bei dem Fräulein so inständig an / das sie jhm endlich die Ehe
verspricht. Etliche Reuter fragen vor dem Häusslein nach jhnen / lassen sich aber
aus furcht / es möchten Feinde sein / verleugnen / da sie doch zu jhrem besten
ausgeschickt wahren. Herkules erzählt seinen Eltern / wie er zum Christentuhm
kommen sei / und bewäget sie / dasselbe anzunehmen. Die beiden verliebeten
müssen wegen der verschlagenen Völcker des andern Tages biss gegen den Abend auf
dem Häu zubringen / da sie jhre beredung halten. Des folgenden Morgens nach der
Schlacht gibt Herkules sich jhrem Heer zuerkennen / und wird mit Freuden
angenommen. Der Wendische Verrähter Niklot wird lebendig gespiesset / und
hernach Krito wie heftig er sich gleich sträubet / mit dem Schwerte gerichtet /
und gehen die unsern fort / Friesland einzunehmen. Arbianes bringt dem Frl. auf
dem Häu den Christlichen Glauben bei. Hernach verstellet er jhr Angesicht mit
der KunstFarbe / legen bäurische Kleider an / sagen dem alten Bauern Witto
grosse Vergeltung zu / und mit dessen Bruder Sohn den jungen Wolfgang gehen sie
nach dem nähesten Städtlein /werden auf dem Wege von verlauffenen Wenden
angriffen / und erlegen dieselben. Das Frl. wird von etlichen trunkenen Bauern
zum Tantz genöhtiget / und gelangen endlich im Stadtlein an / da sie bei
Wolfganges Haussherren die Herberge nehmen / und jhnen neue schlechte Kleider
machen lassen / des Willens nach jhrem Lager zuzihen / sie gerahten aber in
Feuers noht / lauffen zum Städtlein hinaus mit Wolfgangen / und werden von vier
Bürgern verfolget / als währen sie Mordbrenner / welche Arbianes erleget /das
Fräulein aber inzwischen aus Angst mit Wolfgang davon läuft / und also von jhren
lieben Fürsten abgeschieden wird. Unsere Helden nehmen ganz Friesland ein / biss
auf eine Festung / welche Fürst Olaf aus Dänenmarck inne hatte / der dañ / weil
der letzt verstorbene FriesenKönig jhn zum Erben erkläret / ansprach an das
Königreich zu haben vermeinte / aber Herkules überwindet jhn im Kampfe / machet
mit jhm Vertrauliche Freundschaft / und schencket jhm Wendland / wohin alsbald
ein Heer geschicket wird / es einzunehmen / welches Fürst Siegward führete.
Baldrich wird zum Könige in Friesland willig angenommen und gekrönet. Der alte
Baur Witto komt zu unser Fürstlichen Gesellschaft / und bringt Zeitung von
Arbianes und den Fräulein / sie senden etliche aus / nach dem Städtlein / von
jhnen bessere Kundschaft einzuzihen / uñ erfahren so viel das sie im Feur nicht
aufgangen / sondern davon kommen sein. Die Fürstliche Gesellschaft bricht aus
Friesland auf nach Teutschland; Ein Teutscher Pfaffe vom Teufel angetrieben
/wiegelt Teutschland auf wieder jhre Fürsten wegen des Christlichen Glaubens /
das sie in grosser Menge jhnen entgegen zihen / umb sie zuzwingen / den
Christlichen Glauben zu verleugnen / und wird das Teutsche und Böhmische Heer so
bei den Fürsten wahr / zugleich mit aufrührisch gemacht / welche aber
befriediget und zum Gehorsam gebracht werden / und ob zwar zimlich Blut
vergossen wird / legen endlich unsere Fürsten die Streitigkeit bei / nach dem
allen Inwohnern jhres Aberglaubens Freiheit bestätiget wird. Worauf beides
Grossfürst Henrich / und sein Sohn Herkules / vor der freien Teutschen Könige von
dem Volck ausgeruffen und bestätiget werden / reisen nach Magdeburg und lassen
sich daselbst krönen /sind aber sehr betrübt / dass sie daselbst nichts von dem
verlohrnen Fräulein erfahren möge. Das Fräulein mit Wolfgang läuft durch ein
Wasser aus Angst davon / und ermüdet gar / hält Arbianes vor erschlagen / uñ will
sich nicht trösten lassen / gerahten unter dreier Diebe Hände / und werden
beraubet / wandeln ganz ermüdet fort / und kommen endlich auf eine Heerstrasse /
da Wolfgang einen Fuhrman wegen seines an dem Fräulein verübeten frevels
erschläget und bei dessen Weibe einkehret / will auf einer Karre das Fräulein
nach der Elbe bringen / werden abermahl beraubt / gehen nach einem Flecken /
woselbst sie sich etliche Tage bei einer Witwen aufhält / uñ jhr Kinderzeug
nähet. Arbianes suchet jhr nach / findet zwar durch Gottes Schickung den rechten
Weg / kann sie aber nicht antreffen / und geräht in manniche Noht /welches er im
achten Buche erzählt. Das Fräulein wird von einer ädlen Frauen hintergangen und
über Rein geführet vor eine Magd / da sie sich vor Wolfgangs Ehefrau angibt /
muss etliche Wochen bei jhr dienen / und wird gar hart und elend gehalten /
welches alles sie in Christlicher Gedult überwindet. Fürst Siegward nimt
Wendland ein / und bestätigt die alte Fürstin / welche Olaf zum Erben annimt;
Siegward komt zu Magdeburg an / und reiset mit der Gesellschaft nach Prag / wie
auch Fürst Olaf. Farabert komt zu Prag an / mit grossen Geschencken von dem
Francken Könige Hilderich / an Königin Valisken / und meldet des jungen Fürsten
Markomirs volkommene Gesundheit. Wolfgang leget mit einem / Nahmens Reichard an
/ das Fräulein durch Gewalt zu erlösen /und nach der Elbe zu bringen / welche
von jhrem Haussherren zur Unzucht angesuchet / und von jhrer Frauen übel
geschlagen ward. Der Anschlag geräht wohl / aber auf der Reise nach Magdeburg /
will Reichard selbst das Fräulein schänden / wird drüber gefangen genommen / uñ
komt sie Gesund zu Magdeburg an. Auf der Reise von Magdeburg nach Prag /trift
sie jhren Arbianes in Betlers Kleidern an / erfreuen sich hertzlich in
rechtschaffener Dancksagung zu Gott; gehen als Krämer zur Fürstlichen
Gesellschaft und verkaufen jhnen etliche Waaren; Hernach kleiden sie sich
fürstlich / legen die angestrichene Farbe ab /treten unvermercket zum
Fürstlichen Saal hinein / und erwecken grosse Freude / da sie miteinander
versprochen werden. Wolfgang und die IIX. Reuter / welche das Fräulein hatten
lossgemacht / werden hoch begnadet. Reichart vor Gericht gestellet / verurteilet
/ und wieder begnadet / reiset nach seiner Heimat / und sendet das Fräulein
jhrer gewesenen Frauen dreien Töchtern Geschenke. Die Römische Herren von Padua
kommen zu Prag an / und hält Arbianes mit Frl. Klaren das Beilager.
                            Inhalt des achten Buchs.
Auf dem Wall zu Prag machen die Gespenster viel Unruhe uñ komt alsbald darauf
die leidige Zeitung /dass des Pannonischen Königes Mnata sein FeldMarschalk
Dropion (des ehmaligen Bato / und des Pines Bruder) mit einem grossen Heer in
Böhmen eingefallen sei / uñ alles mit Raub / Mord uñ Brand erfülle /Baldrich und
Siegward gehen demselben entgegen mit einem zimlichen Heer / und fält dieser dem
Feind glücklich ein / Herkules machet sich hin zu seinem Bruder / findet dessen
Lager wolbeschaffen / und lässet denselben nebest Siegward dem Feind entgegen
zihen / welche in Gefahr gerahten / aber von Fabius entsetzet werden und den
feindlichen Vortrab aufs Häupt erlegen Leches geht des andern Tages wieder auf
Kundschaft aus / und wird jhm ein Reuter Grozemisla abgefangen / welcher durch
Lügen sich von den Pannoniern losswirket; Dropion belägert der unsern Lager /
worüber das ledige Pannonische Lager durch Grozemisla anstiftung angezündet wird
/ welches Dropion nicht gross achtet / und der unsern Lager auffodert / welche
jhn diesen Tag mit guten Worten hinhalten. Ladisla komt ins Lager / und auf
abermahlige aufffoderung gibt er bedräuliche Antwort / worauf der Feind den
Sturm eiferig antrit / wird abgeschlage /und geht wegen Speisemangels wieder
zurück nach den Pannonischen Grenzen. Die unsern verfolgen jhn / halten jhn in
seinem Lager fest eingeschlossen / fallen in Pannonien / und machen sehr grosse
Beute. Mnata zeuhet seinem Dropion mit 150000. Mann zu Hülfe / deswegen gehen
die unsern wieder zurück nach jhrem vorigen wolbefestigten Lager. Mnata und
Dropion belagern die unsern zum andernmahl / lassen jhnen zum Schrecken einen
Galgen aufrichten / fodern das Lager auf zur Ubergabe / bekomen schimpfliche
Antwort / und tuhn darauf einen grausamen Sturm /da sie mit grossem Verlust
abgeschlagen werden; darauf geschihet ein treffen zu Pferde mit zimlichen
Verlust an beiden seiten. Mnata und Dropion zweien sich in etwas / und erfähret
Mnata / das Dropion mit Verräterei ümgehet / dagegen er sich verwahret durch
beistand seines geträuen Agiss. Es wird ein fünftägiger Anstand gemacht / in
welchem doch ein kleines treffen von 120. Mann an beiden seiten gehalten wird /
da die unsern obsiegen. Mnata bekömt heimlich einen grossen Entsaz / fodert die
unsern zur Schlacht aus / welche gehalten wird / und fügen die unsern dem Feinde
grossen Schaden zu / biss ein grosses Ungewitter sie von einander trennet / und
inzwischen den Feinden der grosse Entsatz 80000. stark / zukomt. Die unsern
erschrecken darüber / treten doch die Schlacht wieder an / und tun anfangs gute
Gegenwehr / biss jhre Völker algemach nachlassen und ausreissen / worüber König
Ladisla / Henrich uñ andere Fürsten mehr gefangen werden; Herkules nimt den
Pannonischen König gefangen / und sendet jhn nach Prag / wird hernach selbst
gefangen / und die Schlacht an der unsern seite verloren / da von allen Fürsten
nur Arbianes aus der Schlacht entrinnet. Dropion will unsere Könige und Fürsten
henken lassen / werden auch schon nach dem Galgen geführet / aber von etlichen
Pannonischen Obersten (die jhres Königes Heil betrachteten) beim Leben erhalten.
Des folgenden Morgens komt durch Gottes Schickung Valisska /Baldrich und Arbianes
mit einem grossen Heer an /auch zugleich von Süden her der Frankische Grossfürst
Markomir mit 50000. Reutern / uñ bald darauf noch ein Hülfheer von Norden 60000.
stark aus Wendland / da allentalben die Schlacht tapfer angehet / Valisska aber
inzwischen der Feinde Lager einnimt und die gefangenen Fürsten erlöset / welche
sich verteilen / und der Schlacht allentalben bei wohnen / in welcher viel
merkliches vorgehet / biss endlich die unsern den böseligen Sieg behäupten /viel
Feinde erlegen / und das ganze feindliche Heer gefangen bekommen / welche alle
zu Leibeigene gemacht werden. König Mnata und Dropion mit seinem Anhange werden
vor Gericht gestellet / da König Mnata unter schwerer Bedingung das Leben und
Königreich erhält / Dropion aber und sein Anhang zur abscheulichen Straffe
verdammet werden. Der ehmalige Reichard hatte Arbianes Leben in der Schlacht
gerettet / und bekomt völlige Gnade / auch grosse Vergeltung. Fürst Olaf geht
mit einem Heer nach Pannonien / da die Inwohner sich ergeben. Gallus muss nach
Rom dem Käyser den Pannonischen Beutpfennig bringen. Mnata erlanget der unsern
gute Gunst je länger je mehr / und werden in Pannonien die begehrete Leibeigene
frei gelassen. Arbianes erzählt wie wunder-gefährlich es jhm bei dem Nachsuchen
seiner Fräulein ergangen sei. Der alte Friesische Baur Witto komt zu Prag an /
und wird wohl empfangen. Reichard heirahtet in seiner Heimat zum andern mahl /uñ
nimt jungfer Adelheid / komt mit jhr zu Prag an /und werden wohl angenommen. Die
eingeladenen Könige aus Schweden / Dänenmarck und Gallien kommen nach Prag. Der
alte Böhmische König Notesterich / den jederman vor tod hielt / komt aus der
Pannonischen Leibeigenschaft wieder zu Prag an / und wird mit grossen Freuden
von den seinen empfangen /Er lässet Ninisla uñ Urisla seine Untertahnen (die jhn
in diss Unglück gestürzet hatten) gefangen einhohlen. König Mnata verliebet sich
mit dem Wendischen Fräulein Vanda / und Fürst Olaf (der seine Unglücksfälle
erzählt) mit dem Schwedischen Fräulein Schulda / welche heirahten Valisska
befodert. Arbianes erzählt eine sonderliche Anfechtung / so er von dem Teufel
in der Einöde erlitten. Ninisla und Urisla werden herzu gebracht / und bekennen
jhre Bosheit /worauf König Notesterich erzählet / wie elendig sie jhn drei
viertel jahr im engen Gefängnis gehalten /biss etliche Pannonische Räuber jhn
daraus gezogen /und vor Leibeigen mit sich in Pannonien geführet. Die beiden
Ubeltäter werden verurteilet und gestraffet. König Notesterich nimt den
Christlichen Glauben an; Mnata und Olaf halten Beilager / und bald hernach das
Hochzeit Fest / wobei allerhand Ritterliche Ubungen vorgenommen werden /
insonderheit ein denkwirdiges Freistechen. Fürst Pharnabazus mit seiner
Gesellschaft komt aus Persen zu Prag an / bringt grosse Geschenke / uñ den
ungeheuren Gamaxus mit sich / dem Herkules Gnade erzeiget. Der verwägene Pines
machet sich von den RuderBänken los / komt in Pannonien / wird von Mastyes
seinem Könige nach Prag zugeschikt / und erlanget gleicher gestalt Gnade bei
Herkules. König Notesterich erzählet / wie hart es jhm in seiner Leibeigenschaft
ergangen / biss er endlich samt andern Böhmischen Leuten der Knechtschaft
erlassen / in freien Stand gesetzet / und wieder in sein Königreich komen ist.
Valisska stellet ein vierfaches Freischiessen an; Herkules ehmaliger Tidullus
komt aus seiner Pañonische Leibeigenschaft zu Prag an / wird vor Königin Sophien
Bastard Bruder erkennten vor ehelich erkläret. Die viele Leibeigene Pannonier
werden auf erlegung grosser Lösegelder von Herkules und Ladisla frei gegeben.
Etliche junge Königinnen uñ Fürstiñen genesen etlicher junger Herrlein und
Fräulein. Arbianes reiset mit seinem Gemahl und Kriegsheer nach Versen / und
wird das ganze Werk mit einführung der ganzen Christlichen Glaubens Lehre
beschlossen.
          Ende des kurzen Inhalts des Christlichen Teutschen Herkules.
 
                                  Erster Teil
                                   Erstes Buch.
Die wunderschöne Morgenröhte / welche dem Silberbleichen Monde seinen Schein zu
raube sich bemühete / war aus ihrem Lager kaum hervor gekrochen / da erwachete
Herkules vom Schlaffe / stieg seiner gewonheit nach / sanfte aus dem Bette / dass
sein Freund Ladisla dessen nicht gewahr wurde / legte sich auf die Knie / und
betete in herzlicher andacht seinen Christlichen Morgen-Segen. Du grosser Gott
(sagte er mit leiser stimme und erhobenen Händen) mit was inbrunst soll ich
deiner Barmherzigkeit mein schuldiges Danckopffer leisten? dass du mich diese
Nacht und die ganze Zeit meines Lebens so gnädig und väterlich bewahret hast /
vor des Teufels List und Gewalt / vor bösem schnellen Tode / vor Kranckheit und
andern schädlichen fällen / durch welche ich ohn wahre Busse meiner vielfältigen
Sünden plözlich hätte untergehen und ewig verderben können. Dir sei Dank in
Ewigkeit / mein Schöpfer / vor diesen gnädigen Schuz meiner Seelen und Leibes.
Gesegne und heilige alles mein tuhn / heut und die folgende Zeit meines Lebens;
Verzeihe mir alle begangene Sünde / und bewahre mich heut diesen Tag /dass ich
nicht in muhtwillige Untaten falle / die wider das Gewissen streiten / und
deines Geistes Einwohnung von uns treiben. Nim mich unter die Beschirmung deiner
Flügel / dass mich kein Unfall erlege; gib dass dir alles mein tuhn gefallen moge
/ und wende von mir / was mir an Leib und Seel schaden kann. HErr mein Gott / dir
befehle ich meine liebe Eltern / Bruder / Schwester und Anverwandten; bekehre
sie von dem heidnischen Irrtum; und wie du mich aus lauter Güte und
Barmherzigkeit aus der schnöden Unwissenheit gerissen / und in die Klarheit der
Erkenntnis deines Sohns meines Heilandes versetzet hast / also handele auch mit
jhnen allen / nicht nach jhren Sünden / sondern nach deiner Güte / dass jhnen /
HErr Gott / dein heiliger Nahme / und den du uns zum Heil gesand hast / JEsus
Christ kund werde / Amen. Hierauff sprach er das heilige Vater Unser / den
Christlichen allgemeinen Glauben / und etliche Buss Gebeht Davids; und als er
seine Andacht mit diesen Worten endigte: O mein HErr JEsus Christ / dir lebe ich
/ dir sterbe ich / dein bin ich todt und lebendig; Da erwachete sein Freund
Ladisla; und wie derselbe gewohnt war sein Gebet un Gottesdienst gering zu
achten / sagte er zu jhm: Herzlieber Bruder / wann dein Jesus so mächtig währe /
wie du und andere Christen jhn halten / alsdann könnte es nicht fehlen / er müste
an statt deines verscherzeten GrossFürstentuhms / wo nicht ein grösseres / zum
wenigsten gleichmässiges Königreich dir schencke / weil du bloss üm seinet willen
deines Vaterlandes müssig gehen / und deines angebohrnen Erbes must entsetzet
sein; sehe aber noch zur zeit nicht / dass sichs im wenigsten darzu schicken
sollte. Herkules / nach seiner Christlichen Sanftmuht / antwortete jhm: Liebster
Bruder / ich bin deines Gespöttes nunmehr fast gewohnt / welches mich zwar
schmerzet / und doch aus Hoffnung / dich der eins zu gewinnen / es gerne
gedulde: Zweiffele aber nicht / da in meinem Gebet bei meinem HErrn Jesus ich üm
mein angebornes GrossFürstentuhm oder andere weltliche Herrschaften anhielte /
wurde er mir solches nicht wegern / bevorab / wann es mir und seiner
Christlichen Kirchen heilsam und erspriesslich währe. Aber mein Heiland weiss /
dass ein solches bei jhm ich durchaus nicht suche / sondern jhm von grund meiner
Seele danke / dass er einen so treflichen Tausch mit mir gehalte / und vor einen
engen Winkel dieser unsaubern Welt / mir das grosse heilige Reich seiner Gnaden
geschenket / und durch sein vollgültiges Blut mich von Sünden abgewaschen hat;
Ja mein Bruder /wann du die Herrligkeit / deren ich schon in fester Hoffnung
geniesse / mit den Augen des Glaubens erkennen und betrachten köntest / bin ich
schon versichert / du würdest zugleich mit mir alle Irdischeit dieser Welt vor
stinckenden Koht / und was du Herrschaften nennest / vor eine schlimme
Dienstbarkeit halten; dann so viel das grosse Sonnen-Liecht eine angezündete
Kerzen übertrifft / ist die himlische Seeligkeit höher / als alles köstliche
dieser Welt zu schätzen; Warumb sollte ich dann nach meinem verlohrnen
GrossFürstentuhm einiges Verlangen tragen / wann umb dieser faulen Erdschollen
willen / ich die allerköstlichste Perle des Himmelreichs sollte in die Schanze
setzen. O nein / mein Freund / Gottes Gnade ist grösser bei uns Christen / als
dass wir dieselbe ümb dasselbe vertauschen wollten / was auch wohl vernünftige
Heiden vor nichtig gehalten haben. Er wollte weiter reden / aber Ladisla fiel ihm
also ein: Genug mein Bruder / genug vor dissmahl / ich weiss schon wohl /dass von
deiner eingebildeten Pfafferei ich dich heut nicht abbringen werde. So wirstu
aber / antwortete er / deinem gestrigen Versprechen gnug tuhn / uñ mit mir die
Christliche Versamlung besuchen / üm zu vernehmen / und mit Augen anzusehen /
wie fälschlich wir unschuldige Christen von den heidnischen Verfolgern
verleumbdet / und / weiss nicht / welcher abscheulichen Sünden beschuldiget
werden. Ja wohl /sagte Ladisla / es ist mir zwar mein verbrechen (wollte sagen
mein versprechen) schon halb leid / als der ich fürchte / meine Götter / durch
Beiwohnung solcher abergläubischen Sachen / höchlich zu beleidigen; jedoch /
weil geschehene Zusage auffzuruffen / einem Bidermanne nicht anstehet / und ich
aus Liebe zu dir /wohl ehe wider meine Götter gehandelt habe / will ich mich
fertig machen / mit dir zu gehen; wiewol mit dem Bedinge / dass weder du / noch
einiger Christ mich nöhtige / euren Sitten und Andachten mich gleich zustellen /
ausser dem / was die Erbarkeit mich heissen wird / alsdann will ich hinwiederumb
in aller stille / und ohn gegebene ärgerniss euren Gottesdienst ansehen / als
lange ich hören werde / dz nichts Gotteslästerliches wider meine Götter geredet
wird; dann sonst würde ichs nicht lange machen / sondern diese Herberge bald
suchen. Dass deiner vermeinten Götter keine Meldung geschehen soll / sagte
Herkules / habe ich bei dem Ehrwürdigen Lehrer bittsweise erhalten; und pfleget
man ohn das deren in Predigten wenig zu gedencken / weil fast alle mal heimliche
Aufmercker sich finden / ob sie etwas erschnappen mögen / wodurch wir Christen
in Noht und Gefahr / ja umb Leib und Leben können gebracht werden. Wann aber
unsere Lehrer ümbher gehen / die Gläubigen zu besuchen /und sie in ihrem
Christentuhm zu stärcken / alsdañ werden wir zu aller gnüge unterrichtet / was
vor ohnmächtige Götzen euer Jupiter / Mars / Vulkahn / Neptun / und andere jhres
gleiche sein / weil sie kein wahres lebendiges Wesen / viel weniger eine
allmächtige Krafft / sondern nur der lügenreichen Fantasten ihre Tichtereien
sind / nach deren Träumen man sie nachgehends aus groben Holz und Steinen
geschnitzet uñ gehauen / und mit weiss und roht / welches endlich Mäuse uñ Ratzen
abnagen / zierlich angestrichen hat. O der elenden / O der närrischen Gotteit!
Mir zweifelt nicht / wann das Arkadische Tier nur vom Saktragen muhs hette /
und ein Krühmlein Verstandes /wollte ich jhm diese heidnische Torheit mit
leichter Mühe zu erkennen geben. Aber damit wir uns nicht auffhalten / noch ich
deinen Götzeneiver reize meines Heilandes zu spotten / wollen wir uns auf den
Weg machen / dann ich weiss / dass dem Gottesdienst der Anfang schon gemacht ist /
uñ ich mich schämen muss / einer von den letzten zu sein / der ich billich der
erste bin / umb / meinem Gott vor seine unausssprechliche Gnade zu danken / die
er mir armen Sünder in meiner Bekehrung erzeiget hat. Ladisla hatte sich schon
gespitzet / seinen Götzen das Wort zu sprechen; aber Herkules fassete jhn bei
der Hand / und führete jhn zur Kammer hinaus. Also giengen sie beide dem Orte zu
/ wo Herkules wusste / dass sich die Gläubigen zu versamlen / und jhres
Gottesdienstes in aller stille abzuwarten pflegeten. Sie waren nicht weit gangen
/ da sahen sie einen frembden Reuter jhnen entgegen reiten / welcher als in
tieffen Gedancken in die Höhe sah / und wenig acht hatte / was auff der Gasse
vorgieng. Ladisla kennete jhn alsbald und sagte: O Bruder / dort komt Wenzesla
her / meines Hn. Vaters alter Leibdiener; O dass wir uns verbergen könten! Lieber
lass uns das Angesicht mit dem Mantel verhüllen / dass er uns nicht kenne / warumb
ich nicht ein grosses nehmen wollte. Aber es war schier zu lange geharret / und
der Reuter jhnen auff den Füssen / der sie freundlich grüssete / mit Bitte / ihm
einen Gastoff zu zeigen / da man nach allerhand Zeitungen sich am besten
befragen könnte. Ladisla blieb ohn einiges Wort sprechen / und ging allgemach
fort. Herkules wollte sich auch nicht kund gebe / weil er wusste /dass sein Freund
wollte ungemeldet sein / und zweiffelte / ob er antworten sollte. Der fremde
verwunderte sich ihres stillschweigens / wusste nicht / ob es aus Furcht / oder
Hochmuht / oder Unverstand geschahe /weil sie als mit fleiss das Angesicht
verborgen hielten; Er sah / dass sie adelich gnug gekleidet waren / und zwar
nach Römischer art / schwieg ein wenig / und sagte bald darauff zu jhnen: Ihr
junge Herren werdet gewisslich nicht Römisch sein / oder es muss sich hieselbst
von XXX Jahren her / als viel die Sitten betrifft / sehr verendert haben.
Herkules schämete sich des verweisslichen Auffrückens / und weil er meinte
/nicht so leicht erkennet zu werden / taht er den Mantel ein wenig beiseit / und
gab diese ernstliche antwort: Mein Freund / jhr solt dannoch wissen / dass wir
der Unhöfligkeit nicht so gar ergeben sind / wie jhr uns beschuldigen möchtet /
nur weil wir kaum vor dreien Tagen Rom erst gesehen / werdet jhr uns verzeihen
/dass wir eurem begehren nicht gnüge tuhn können. Nun sah Wenzesla unsern
Herkules / weil er antwortete / steiff an / und gebauchte jhn / denselben mehr
gesehen haben; kunte sich doch so schleunig nicht besinnen / lauschete jhnen
aber / weil sie davon eileten /mit unverrückten Augen nach / biss sie etwa LXXX
Schritte von ihm hinweg wahre / da sagte er in sich selbst: O ihr Götter /
redete nicht der trefliche Fürst Herkules mit mir? und wer weiss / ob nicht Fürst
Ladisla sein Gefärte ist? der sein Angesicht so fleissig verhüllete / dass er von
mir nicht erkennet würde; rante jhnen auch Sporenstreichs nach / umb zu erfahren
/ ob er recht wähnete. Ladisla hörete die HuefEisen und sagete zu Herkules: Gilt
Binder / wir sind erkennet / lass uns in diss enge Gäschen streichen / da man zu
Pferde uns nicht verfolgen kann / unser Vorsatz dürffte sonst gebrochen werden.
Sie tahten hiemit einen Sprung / und lieffen geschwinde fort / dem Alten zu
entwischen; der jhrer Flucht bald innen ward / und biss vor das Gäschen jhnen
nachsetzete / da er vom Pferde stieg / und äussersten Vermögens hinter ihnen
herlief; wahr doch so fertig nicht / diese hatten sich schon verstecket / und
seinen Augen sich entrissen; Welches nicht allein ihm sehr leid wahr / sondern
zugleich hohes verwundern brachte / aus was ursachen sie vor jhm fliehen möchten
/ weil sie durchaus nichts arges sich von jhm zu befahren hätten; Doch weil bei
so früher Tageszeit die Häuser noch verschlossen wahren / hoffete er / sie
würden jhm so leicht nicht entgehen; Lieff also immer fort / biss er vor ein
Hüttchen kam / dessen UnterTühr offen stund / und gedachte bald / sie würden
dahinein geschlossen sein; trat hinein und sah sich fleissig ümb / biss er jhrer
im finstern Winkel / hinter einem grossen Weinfasse gewahr ward. Diese
verwunderten sich / wie sie jhn sahen / und fing Ladisla mit ertichtetem Zorn
und abgekehrtem Angesicht an: Alter / jhr möget wohl ein unhöflicher Geselle sein
/ dass jhr fremde dergestalt verfolget / die umb gewisser Ursach zu Rom nicht
erkennet sein wollen. So geht nun eures weges / und lasset uns des unsern
abwarten / sonst werdet jhr empfinden / dass meine Fäuste nicht wichtloss sind;
oder gedencket jhr etwa / Rom sei eine Freistadt alles Vorwitzes? Er wollte in
seiner Dräurede fortfahren /aber Wezesla / der jhn an der Stimme keñete / fiel
vor jhm in die Knie und sagete: Durchleuchtigster Fürst /wess zeihen sich eure
Gnaden? kennen die jhren alten Diener Wenzesla nit mehr / der ich mannichen
beschwerlichen Weg / dieselbe ausszukundschaffen / geritten habe? Dieser kunte
sich weiter nicht verstellen /fassete jhn beim Arme / hiess jhn auffstehen / und
fragete / was er neues aus Böhmen brächte / auch / ob seine Eltern und Frl.
Schwester annoch frisch und gesund währen. Wenzesla wollte ihm keinen schleunigen
Schrecken einjagen / und gab zur Antwort: Er wüste nicht anders / ohn dass der
König bei seiner Abreise ziemlich schwach gewesen; könnte nicht eigentlich sagen
/ wie es umb jhn stünde. Ich muhtmassete wohl /sagte Ladisla zu Herkules / dass
mein gestriges Nasebluten mir nichts gutes bedeuten würde; aber was stehen wir
in dieser Hütten? Du sihest / lieber Bruder /dass wir an unserm Kirchgange
verstöret werden; wird demnach das beste sein / dass wir umbkehren nach unser
Herberge. So werde ich vorhin lauffen / sagte Wenzesla / umb mein Pferd zu
suchen / welches ich unferne von hinnen habe stehen lassen. Er eilete geschwinde
fort / und als er des Gäschen ende erreichet hatte / und nach seinem Pferde sich
umsah / ward er zweer Buben gewahr / welche dasselbe vor sich hintrieben /
wiewol es sich heftig sträubete / und mit allen vieren von sich schlug. Erst
bedachte der Alte seine Torheit / durch hinterlassung des Pferdes begangen;
lief / so fast er mochte / hinten nach / und schrihe die Diebe an / wohin sie
mit seinem Pferde gedächten; welche sich doch daran wenig kehreten /und jmmerzu
bemühet wahren / den auffgebundenen Wetscher vom Pferde zu reissen / der sie wohl
bespickt sein dauchte; geriet auch endlich dem einen / dass er sich in den Sattel
schwang / und die Beute ablösete /welche auf die Erde fiel. Der ander war nicht
faul bei der Auffhebung; doch sass jhm Wenzesla zu früh auff der Haube / riss ihm
den Wetscher unterm Arme hinweg / und sagte: Du wirst mir gleichwol diesen liebe
Schatz nicht ohn alle Einsprach entführen; Zum wenigsten werde ich das Luder mit
dir drum ziehen. Inzwischen schlug das Pferd hinten aus / und traff diesen Buben
auff die Hufft / dz er niederstürzete / und der Ohnmacht nicht ferne war; Sein
Geselle aber setzte sich im Sattel feste / stiess das Pferd an / und rante in
aller eile davon / jhm selbst fluchend / dass er den Wetscher mit so grosser Mühe
lossgemacht / und sein Glück / wie er meinte / auff die Erde geworffen hatte.
Herkules und Ladisla sahen der Kurtzweil von ferne zu / traten endlich näher /
und erinnerten Wenzesla / er sollte sich des Pferdes begeben / und den
geschlagenen Knecht liegen lassen / sie wollten jhm schon zu einem andern
verhelffen. Er aber / wie sehr er sich wegen des geretteten Wetschers freuete /
so war er doch über der kühnen Dieberei so hart ergrimmet / dass er den
beschädigten Dieb zwang sich zu erheben / damit er durch jhn seines Pferdes
wieder habhaft werden möchte; musste also dieser arme Tropff mit zuschlagener
Hufft fortkriechen biss in Herkules Herberge / da jhn Wenzesla band / und in eine
finstere Kammer versperrete; folgete hernach den beiden Fürsten auff jhr Gemach
/ öffnete den Wetscher / und nahm ein Schreiben heraus / welches er Ladisla mit
diesen Worten einhändigte: Durchleuchtigster Fürst; was massen wir Menschen ohn
Standes unterscheid der Gebrechligkeit des fleisches / ja dem Tode selbst
unterworffen sind / erfahren wir täglich in allen Ständen. Nun ist mir leid /
dass ich der UnglücksBohte sein / und Euer Durchl. melden muss / was massen durch
einen kläglichen Fall / die Götter nach jhrem unerforschlichen Raht und willen /
den Grossmächtigsten Unüberwindlichsten Fürsten und Herrn / Herrn Notestrich /
unsern weiland herrschenden König / Euer Durchl. Herrn Vater / zu sich
abgefodert haben / wodurch unser ganzes Königreich in einen sehr leidigen Stand
gesetzet ist / insonderheit / weil Eure Gn. ausser Landes in der frembde sich
schon eine geraume Zeit aufgehalten / uñ kein Mensch erfahren können /an was Ort
oder Enden dieselben anzutreffen sein; Da dañ unterschiedliche Diener von Euer
Gn. Fr. Mutter /unser gnädigsten Königin uñ den Landständen ausgeschicket sind /
umb zu erforschen / in was Landschaften Eure Gn. zu suchen währe / nachdem
schon etliche sich unterstanden / allerhand Zeitungen von deren Tode
ausszusprengen / und Euer Erb Königreich zu verunruhen / welches aber bisher von
Euer Gn. Fr. Mutter und wenig anderer Vorsichtigkeit ist verhindert worden /
sonst möchte das Land durch iñerliche Aufruhr wohl schon in vollem
Unglücks-brande stehen. Wie hohes Verlagen nun das ganze Reich nach Euer Gn.
Ankunft trage / wird dieses Schreiben in etwas vermelden. Ladisla erseufftzete
über dieser Zeitung /und lase folgenden Inhalt mit trähnenden Augen:
    Hedewig / verwittibte Königin in Böhmen / gebohrne GrossFürstin aus
Teutschland / entbeut jhrem Sohn Fürst Ladisla / mütterlichen Gruss: Der grimmige
Todt / welcher weder Tugend noch Frömmigkeit schonet / hat leider meinen
liebsten König und Gemahl von meiner Seiten gerissen / und mich in den leidigen
Witwenstand /dich aber und deine Fräulein Schwester ins Wäysen-Buch
eingeschrieben. Du kanst nicht gläuben / lieber Sohn /mit was heissen Trähnen
das ganze Reich jhren verlohrnen frommen Herrn und liebreichen Vater beweinen;
und vermehret diese Traurigkeit nicht umb ein geringes / dass sie dein / als
jhres Erb Königes nicht allein entbehren /sondern nicht eins wissen müssen / in
was Stand oder Land du deine Jugend zubringest. Ich habe hin uñ wieder nach dir
aussgeschicket / hoffe es werde dich endlich einer aussfragen / wo du sonst noch
lebest. Sei ja nicht träge / so bald du dieses inne wirst / dich auff die Fahrt
zu machen / damit ich und dieses Land erstes Tages die Krone auff deinem Häupte
sehen mögen; sonst dürffte einem andern / der sich in sie verliebet / die Lunge
darnach hängen / welcher dir in wenig Tagen so viel ungelegenheit einstreuen
könnte / dass du es in geraumer Zeit abzukehren Mühe haben müstest. Und damit dirs
an Zehrungskosten nicht gebreche / hastu bei Zeigern Wenzesla eine Anzahl
Kleinot / auff 30000 Kronen / und einen offenen Wechsel biss auff 100000 Kronen
zu empfahen. Gehabe dich wohl / und erfreue deiner betrübten Mutter Seele durch
deine fröliche Wiederkunft. Gegeben auff dem Königlichen Schloss zu Prag / von
deiner getreuen Mutter. Hedwig. Nach Verlesung reichte ers seinem Herkules hin
und sagte: Geliebter Bruder / ich find alhie sehr leidige Zeitung; wollest /
bitte ich / den Brief lesen / und mir deine Meinung darüber eröffnen. Dieser
lase es mit grosser Traurigkeit behende durch / und antwortete ihm: Herzlieber
Bruder; Gott ist mein Zeuge / wie heftig der klägliche Tod deines Herr Vaters
mir zu herzen geht; und mag Böhmen wohl mit Warheit klagen dass es den
gerechtesten und gnädigsten König an jhm verlohre hat. Wann wir aber betrachten
/ dass jedweder diesen Weg alles Fleisches gehen / und das irdische dereins
ablegen muss / sollen wir unsere Traurigkeit billich mässigen / und gedenken /
dass an den unsern nichts neues geschiehet /wann ihnen die Nohtwendigkeit
zustosset / die uns allen gemein ist. Zwar es geht uns saur ein / diesen Trost
stracks anfangs zu ergreiffen; Dann wer wollte seiner lieben Eltern Abscheid aus
dieser Welt / mit Trähnen unbegleitet lassen? jedoch / weil durch dieselben
nichts wiederzubringen ist / muss man billich im Leide masse halten /
insonderheit wann wir versichert sind / dass die Verstorbenen bei allen Bekandten
einen guten Namen / und stete Gedächtnis jhrer Tugend hinterlassen / welches Lob
dem weiland Grossmächtigsten Herrn und Könige / Herrn Notesterich keine
Vergängligkeit hemmen / viel weniger rauben wird. Er wollte in dieser Trostrede
fortfahren / ward aber iñen / dass die Haus-Tühr mit Gewalt auffgebrochen ward /
daher sie beide alsbald den Helm auffsetzeten / Schild und Schwert zun Händen
nahmen / und hinunter vom Gemache ins Haus traten / da sie gleich funden / dass
sechzehn freche / zum teil übel gekleidete / aber mit Schwertern alle
wolversehene Wagehälse zur Tühr eindrungen / und durch einander riefen / wo der
Gefangene / den das Pferd geschlagen /hinkommen währe. Unsere Helden traten
gehertzt zu ihnen ein / uñ fragete sie Herkules / wer sie so kühn gemacht hätte
/ jhre Herberge unabgesagt zuüberfallen. Der Rottmeister eine Helle Barte in der
Hand haltend / lächelte jhn an und sagte: Es wehre immer und ewig schade / dass
der Himmel sich an jhm geirret /und jhn nicht zum Weibsbilde gemacht hätte /
auff welchen fall er jhn vor seine Meisterin anzunehmen willens währe. Herkules
war ungewohnet / dergleichen Reden gedultig anzuhören / und gab jhm zur Antwort;
Er sollte sich nur bald zur Tühr hinaus packen / ehe jhm der Abzug verlegt würde
/ hätte er aber über ichtwas zu sprechen / sollte ers mit recht tun /da man sich
zur Antwort erböte. Ja schöner Herr /antwortete dieser / ich will euer Erinnerung
statt geben / wiewol mit dem bedinge / dass jhr und euer Geselle mit uns geht;
griff mit diesem Worte nach jhm / in Meinung jhn zu fahen; aber Herkules trat
zurücke /zog das Schwerd / und hieb von der Seiten her jhm das Angesicht vor dem
Kopffe hinweg / dass es wie eine Vorhaube auff die Erde fiel / und er zugleich
mit niederstürzete. Nun fahre hin / sagte Herkules / du wirst fort mehr keiner
Meisterin bedürffen. Als seine DiebsRotte solches sah / drungen sie einmühtig
auff unsere Helden zu / die sich aber auch nicht seumeten /sondern ein solches
Spiel unter jhnen anfiengen / dass ehe sie XX Streiche führeten / schon achte /
teils erschlagen / teils zur Gegenwehr undüchtig gemacht wahren; wiewol auch
Ladisla eine tieffe Wunde in die rechte Seite bekam / woraus das Blut auff
Herkules Kleider sprützete / und er gezwungen ward / einen Abtritt zu nehmen /
indem Herkules sich unter die acht übrigen mischete / und wie ein ergrimmeter
Löwe um sich schlug und stach / dass noch drei erlegt wurden / und die andern
nicht an jhn durfften / ungeachtet er auch an unterschiedlichen Orten seines
Leibes verwundet wahr. Als er ein wenig Lufft empfand /kehrete er sich nach
Ladisla / und fragete / wie es umb jhn stünde / welcher mit schwacher Stimme
antwortete: Sehr wohl mein Bruder / wann die Götter dich nur erhalten. Mit
welchen Worten er sanft zur Erden nieder sanck; Worüber sein Freund als ein
Löwe auffs neue lossgieng / des ganzlichen Vorsatzes / mit Ladisla zu sterben /
oder seinen Todt zu rächen; schlug demnach so eiferig unter sie / dass sein
Schwert auch durch die Pantzer ging / mit welchen jhrer etliche sich unter den
Kleidern verwahret hatten / biss sie /ausser zween / zur Erde stürtzeten / und er
hingegen auch anfing kraftlos zu werden. Der alte Wenzesla hatte sich bisher
nicht gereget / stund auff dem Gemache als ein Verzukter / und sah diesem
Wunder-handel zu; endlich trat er zurück in die Kammer / machte mit den
auffgehengeten Harnischen ein grosses Geräusche / kam bald wieder / und rieff
mit starker Stimme hinter sich: Ihr meine geträue Diener komt / und fahet mir
die Schelmen lebendig / dass sie nicht entrinne; wodurch diese höchlich
erschrecket / das Gewehr von sich warffen / und der Tühr zulieffen. Aber
Herkules ermannete sich / trat jhnen entgegen / und stiess jhnen das Schwerd
durch die Gurgel; rieff darauff den alten Wenzesla zu sich / und befahl / dass er
alsbald den WundArzt / so gegen über wohnete / herzu holen sollte. Derselbe war
mit zween Gesellen bald verhanden / sah den jungen Held mit blutigem Schwerd
und Kleidern zwischen so vielen Erschlagenen stehen /und kunte vor verwunderung
kein Wort spreche; Da Herkules zu jhm sagte: Mein Freund / da lieget mein Bruder
hart verwundet / wo nicht gar erschlagen; sehet ob noch Leben in jhm sei / ich
will euch der Mühe redlich lohnen. Wenzesla gehub sich als ein Verzweiffelter /
und wollte viel rüttels an jhm machen; Aber Galehn der Artzt redete jhm ein; Er
sollte ihm den Verwundeten helffen sanfte auffheben / und auffs Gemach tragen;
Zohe jhm das Wames als einem Todten ab / und bestrich die SchlagAdern und
Naselöcher mit kräfftigem Wasser / dass er endlich noch ein Lebenszeichen von
sich gab; deswegen er jhm allerhand Blutstillung gebrauchte / und insonderheit
die gefährlichste Seitenwunde wohl in acht nam. Herkules / wie schwach er gleich
war / wollte sich nicht verbinden lassen / seufzete / und gehub sich kläglich /
biss jhm Galehn zurief; Sein Bruder lebete noch / und sollte guter Hoffnung nach /
geheilet werden; Worauff er zuliess / dass der eine Geselle ihm die Kleider abzohe
/und seine Wunden / deren er XXIV hatte / verband /worüber er gleichwol etliche
mahl in Ohnmacht fiel /weil jhm fast kein Blut mehr im Leibe übrig war. Als
Ladisla zu sich selbst kam / schlug er die Augen schwächlich auff / und fragete
mit liegender Zunge /ob sein Herkules lebete; und weil der Arzt seine Rede nicht
verstund / noch jhm Antwort gab / entwarff er sich und sagete: Wer hat euch
befohlen / mich zu verbinden / weil mein einig geliebter Bruder tod ist / und
ich keine Stunde nach ihm überbleiben will? Wenzesla kam zu allem Glück darzu und
antwortete: Gnädiger Herr / euer Herkules ist nicht todt / sondern nach
erhaltenem Siege stärcker als jhr. Wol! so last mich jhn sehen / sagte er / oder
meinen Geist ohn ferner auffhalten ihm nachreisen. Herkules war drunten im Hause
verbunden / hatte sich schon ziemlich erhohlet / uñ liess sich die Steige hinauff
leiten. So bald jhn Ladisla sah / sagte er mit blinzenden Augen zu jhm: Mein
Brüderchen / lebe / so will ich auch bald genesen. O meiner Seelen Liebe /
antwortete er / bekümmere dich nur meint  wegen nicht im geringsten / sondern
lass dir helffen / ich bin GOtt Lob / ausser Todes Gefahr. Der Arzt warnete sie
beiderseits träulich / sie sollten den Liebes-bewägungen nicht zusehr nachhängen
/ sonst würden sie übel ärger machen / welches fast schon auffs höchste kommen
währe; Die Gedanken müsten so wohl als der Leib ruhen / sollte jhnen sonst
geholffen sein. Daher Herkules seinen Ladisla erinnerte / dem Arzt folge zu
leisten / wo er sonst durch seinen Tod jhn nicht zugleich mit hinreissen wollte.
Also wurden sie beide befriediget / lagen gegen einander über auff Bankpolstern
/ uñ wurde von des Arztes Gesellen fleissig gewartet. Inzwischen hatte jhr
Hausswirt Sabihn sich mit seinem Gesinde wieder hervor gemacht / welche im
anfange des blutigen Kampffs davon geflohen waren / und in Winkeln sich hin und
wieder verstecket hatten / wo sie meinte am sichersten zu sein. Sie kunten sich
nicht gnug verwundern / dass das Haus voll Blutes stund / und mit Erschlagenen
angefüllet war; und wollte der Wirt von Wenzesla fast mit Gewalt wissen / was die
Ursach dieses mördlichen überfalles sein möchte; wovon er jhn doch keinen
bescheid zu geben wusste / und gleich in dem gewahr ward / dass ein Räuber noch
nicht verschieden war / liess jhn durch kräfftige sachen erquicken / und mit
Dränung schwerer Peinigung befragen; welcher aber wegen seiner Wunden Schmerzen
nicht viel reden kunte / baht sehr / jhm seine Pein durch schleunigen Todt zu
verkürzen / und den Gefangenen vorzunehmen / der umb alles Wissenschaft trüge;
worauff diesem die Seele aussfuhr. Wenzesla schleppete seinen Gefangenen aus der
finstern Kamer hervor / der alles angehöret / und so viel seine Schmertzen
zuliessen / sich darüber gnug belustiget hatte; sagte auch / wie er die
Erschlagenen sah: O jhr nichtswerte verzagte Hudler; billich müsst jhr da
gestreckt liegen / weil jhr euch vor zween jungen Kerlen nicht habet schützen
können / denen ich / wann ich gesund und frei währe / allein Mannes gnug sein
wollte. Indem er aber den Hausswirt unvermutlich erblickete / hielt er die Arme
vor das Angesicht / um nicht erkennet zu werden. Wenzesla dräuete jhm den
abscheulichsten Todt / wo er auff seine Frage nicht gleich zu antworten würde.
Er aber sagte: Lasset zuvor euren Hausswirt abtreten / alsdann gelebe ich eures
willens. Sabihn gebauchte die Stimme zu kennen / reiss jhm die Arme vom Gesichte
hinweg / und nach fleissiger Besichtigung / erkennete er jhn vor seinen Knecht
Geta / der jhm vor zwei Jahren / da er in einem andern Hause wohnete /
entlauffen war / und einen Zehrpfennig auff 200 Kronen mitgenommen hatte;
erblassete demnach vor Zorn / und sagte: O du abgefeimter Bube / gerähtestu also
wieder unter meine Hände? gewiss wird dir das Glück nicht so günstig sein / dass
du ungefoltert verscheidest. Erzählete darauff Wenzeslaen / wie er vor ungefehr
drittehalb Jahren diesen leibeigenen getauschet / der sich anfangs sehr wohl
gehalten / endlich aber der Gelegenheit wahr genommen / ihm die Laden
auffgebrochen / und was er an Barschaften funden / mit weg genommen hätte. Der
verwägene Geta antwortete ihm: Herr / jetzt betreffe ich euch auff einer
gedoppelten Lügen; dann vorerst habe ich eure Lade nicht auffgebroche / sondern
mit meinem Nachschlüssel / der zu allen eure Schlössern gerecht war /
auffgeschlossen. Vors ander / habe ich mich an eurer Seiten nie wohl gehalten /
sondern allemahl abgeknappet / wie und was ich gekunt; und hätte ich gewust /
dass hier eure Wohnung währe /sollte mich der alte KrumReuter wohl nicht über eure
Schwelle gebracht haben. Mir genüget an deiner gutwilligen Bekenntnis / sagte
Sabihn / werde auch desto mehr ursach haben / dir nach Verdienste abzulohnen.
Aber sage mir / wer hat diss übel in meinem Hause gestifftet? Je wer anders
antwortete er / als die / so diese meine feige Gesellen erschlagen haben? Wer
sind aber diese deine ehrliche Gesellen? fragte Sabihn. Besehet sie / antwortete
der Bube / wie jhr mir getahn /so werdet ihr eigentlich befinden / dass sie eben
diese sind / welche da todt liegen. Sabihn ergrimmete des Spottes / und sagte:
Ey so mustu mir heut noch anders reden / es wäre dann / dass dein Fleisch ja so
steiff als dein Sinn sein möchte. Tuht euer bestes / antwortete dieser / dz
werde ich auch tuhn / und diesen Saz halten müssen. Die anwesenden Knechte
entblösseten ihn am ganzen Leibe / und mit scharffen Geisseln strichen sie ihn
allentalben / dass das Blut von ihm flosse; Er aber stund an der Säule als ein
unempfindlicher Kloz / biss er von Schmerzen in Ohnmacht fiel. Sie labeten ihn
bald mit kråfftigen Sachen / und dräueten ihn weiter zu geisseln / wo er nicht
bekennen würde / durch wessen Anstifftung der mördliche überfall geschehen
währe; kunten aber nicht das geringste aus ihm bringen / ohn dass er ein bitteres
Gelächter anfing / und zur Antwort gab; Er müste wohl ein verzagter Mensch sein /
wann er seine eigene Zunge nicht bendigen / und gute Freunde zu verrahten
abhalten könnte; möchten sich derhalben umb nichts bekümmern / als wie sie das
wenige übrige seines Lebens mit neuen Geisseln vollends heraus peitscheten / dem
er von herzen feind währe / weil es ihm so ungehorsam / und auff sein begehren
nicht willig aussweichen wollte. Niemand kunte sich des Frevels gnug verwundern /
und sagte Wenzesla: Ich weiss nicht / ob ich heut grössere Tugend an unsern
Helden / oder an diesem verwägenen Tropff steiffere Hartnäckigkeit gesehen habe;
und wann ich wissen sollte / dass die Bosheit in ihm könnte gedämpffet werden /
wollte ich ihm das Leben helffen verbitten. Worauff der verstokte Geta zur
Antwort gab: Ich habe mir bisher steiff vorgenommen / nimmermehr zu tuhn / was
die / so man Tugendhafte nennet / gut heissen / gläube auch noch diese Stunde
nicht / dass ich meine Flecken oder Haut endern werde. Die Haut / sagte Sabihn /
wirstu ohn Zweiffel endern / da du leben solt / sintemahl die alte dir
dergestalt zukerbet ist / das davon nicht viel mehr übrig scheinet. Ey so reibet
mich fein mit Salz / antwortete er / und waschet mich mit Allaunwasser /damit
das alte gar hinweg gebeizet werde; alsdañ möchte ich mich vielleicht etwas
bessern; aber die Bosheit / wie jhrs nennet / welche gar zu tieff bei mir
eingewurzelt ist / wird der Tugend in meiner Seele nimmermehr Raum gönnen; dann
ich fühle / dass mein innerstes nichts als abgeschäumeter Frevel und begierige
Widerspenstigkeit ist / dabei ichs dann werde bewenden lassen. Hierauff ruhete
er ein wenig / ob schlieffe er / dann des Fleisches Schmerzen wahr überaus gross;
ermunterte sich aber bald wieder / und sagte mit schwacher stimme: gute Nacht /
ich scheide von hinnen; so erfüllet nun / bitte ich / meinen lezten Willen / und
schreibet mir diesen Grabe-Reim zu ewiger Gedächtnis / gilt gleich / an die
Galgen-Säule /welches ich lieber wollte / oder auff einen Marmelstein:
Hier liegt Geta / dessen Geist
Allen Frevel Tugend heist /
Der ihm Bosheit hat erkohren;
Der nie gutes hat gewolt /
Darumb ist / O schönster Sold!
Sein Gedächtnis unverlohren.
Mit dieser Rede ging das lezte seiner Seele aus jhm /also dass kein Zeichen
einiger Ungebärde an jhm gesehen ward. Wenzesla nam sein fleissig wahr / meinte
nicht / dass ihm der Todt so nahe gewesen währe / als er jhn aber keinen Finger
mehr regen sah / fieng er zu den Anwesenden an: Immer schade ist es / dass
dieser Mensch in seiner ersten Jugend nicht unter die Hand guter Lehrmeister
gerahten ist / welche das zarte Gemüht bald anfangs zur Erbarkeit hätten
angehalten; Dann währe dieses Reiss recht gewehnet / was vor herrliche Früchte
sollte der Baum zu seiner Zeit getragen haben. Ja / sagte Sabihn / hätte jhn mein
Herr damahls gekennet / wie ich jhn bekam / würde er ihn vor den ausrichtigsten
Menschen gehalten haben; dann nebest den Fleiss und Wachsamkeit wusste er sich
demühtig uñ dienstaft zu halten / dass ich mich glückselig schätzete / einen
solchen Knecht angetroffen zu haben; wahr auch gesinnet / ihm seine Dienste
dereins mit der Freiheit zu belohnen / und die Verwaltung meines Landguts zu
vertrauen. Ihr würdet euch aber im Ausskehrich hesslich betrogen funden haben
/sagte Wenzesla / wo sonst seiner lezten Beichte / die er mit seinem Tode
bekräfftiget hat / einiger Glaube beizumässen ist. Dess will ich jhm auch eine
wirdige Urtel sprechen / antwortete Sabihn; hiess ihn damit neben den andern
Leichen auf die Schindgrube schleppen / und den Hunden und Raben vorwerffen.
    Unsere hart verwundete Helden wussten diesen Tag wenig umb sich selbst /
insonderheit Ladisla welcher gewisslich des Todes hätte sein müssen / wann des
Arztes grosse Erfahrenheit und Träne nicht gewesen währe; dann es ging ihm eine
Ohmacht über die andere zu / dass er kaum den Odem zihen kunte; und nicht desto
weniger wollte er immer seines Herkules Zustandes berichtet sein / welcher gegen
Abend etwas Speise genoss / und auf seinem Lager sich auffrichtete; welches
Ladisla ersehend / eine lebendige Farbe unter dem Angesichte bekam / sich auch
mit gutem Willen handeln und verbinden liess. Des folgenden Tages besah der Arzt
Herkules Wunden / und zeigte an; er müste ohn zweifel bei den Göttern in grossen
Gnaden sein / massen unterschiedliche Hiebe so gar gefährlich gangen / und doch
wunderlich abgeglitschet wehren / da er sonst ohn alle Hülffe hätte sterben
müssen; Wolte jhn aber schon versichern / dass auff gebührliches Verhalten / er
innerhalb drei Wochen / seine völlige Gesundheit wieder haben sollte; Welches
Ladisla mit sonderlicher Belustigung anhörete / der nur acht Wunden hatte / die
nicht sonderlich zu bedeuten /ohn die in der rechten Seite / welche Galehn noch
nicht öffnen wollte / weil er sich einer neuen Verblutung befahrete, doch weil
die übrigen sich wohl anliessen / fassete er auch wegen dieser eine gute
Hoffnung. Nun hatte er aber noch keinen Heller / so wenig wegen des ersten
Bandes / als auff das künftige empfangen / wusste auch nicht / woher jhm seine
teure Arznei-kosten / und die grosse Mühe- und Kunst-anwendung sollte belohnet
werden; massen sie in diesem Wirtshause etwa IX Tage sich auffgehalten / und
weder Knecht noch Diener / ausser einen Leibknaben hatten / der ihnen noch des
vorigen Tages entlauffen wahr / und des Wirts Haussknecht jhnen die Pferde
warten musste. Dass nun Galehn gleichwol im gewissesten sein möchte / erinnerte er
den alten Wenzesla /die Kranken zu fragen / ob sie die Arzneien selbst
einkäuffen / oder jhm solche bezahlen wollten. Sie hetten sehr zarte Leiber /
dergleichen ihm nie vorkommen; so wehre die Verwundung / wie sie selbst wüsten /
gross und gefährlich / welche mit Hausskräutern sich nicht wollte heilen lassen;
möchte also gerne wissen / wessen er sich hinfüro verhalten sollte. Wenzesla
solches Herkulessen auf teutsch zu verstehen / der ihm befahl / einen rohten
Wetscher aus der verschlossenen Lade zu holen; redete inzwischen mit Galehn /und
sagte: Mein Freund / verzeihet / bitte ich / unser gestrigen Schwachheit /
welche verhindert hat / dass wir unser schuldigen Dankbarkeit nicht haben können
eingedenke sein / und lasset eure beide Gesellen herzuruffen. Dieser holete sie
selber / dass Herkules Zeit hatte / etliche Sachen zu sich zu nehmen; und als sie
alle drei sich einstelleten / gab Herkules dem Meister einen schönen Ring von 50
Kronen / und so viel Barschaft / zu jhm sagend; Sehet da mein Freund /hiemit
sei euch der erste Band und der schon angewandte Fleiss vergolten / so es gnug
sein wird / und begehret jhr ein mehrers / soll es euch zu allem Danke werden.
Dieser war jhm solcher Freigebigkeit nicht vermuhten / wegerte sich / alles zu
nehmen / und auff Nöhtigung erbot er sich / es in künftig mit seinen geträuen
Diensten zu erkennen / und allerhand nöhtige Arzneien davon einzukauffen / boht
auch jedem Gesellen eine Krone von dem empfangenen; Da Herkules ihm einredete /
er sollte dieses vor sich behalten /und gab ihnen XXIV Kronen / unter sich
gebührlich zu teilen; Wodurch sie ingesamt dermassen zum fleiss auffgemuntert
wurden / dass sie stets auffwarteten /und zu allen Diensten sich willig
einstelleten. Bei spätem Abend machte sich Galehn an Ladislaen Seitenschaden /
lösete jhn sorgfältig auf / und nach fleissiger Besichtigung sagte er zu
Herkules: Mein Herr /euer Bruder soll mit der Götter Hülffe an dieser Wunde nicht
sterben / dafern er sich nur aller Sorge und Schwermühtigkeit entschlagen / und
meiner geträuen Warnung folgen wird. Davor sei Gott im Himmel Dank / antwortete
er; vermahnete hernach seinen lieben Freund / sein selbst acht zu haben / damit
er nicht Mörder an seinem Leibe würde; welches Ladisla also beantwortete: Mein
Bruder / bekümmere dich nur meinetwegen nicht; ich will / wie bisher geschehen
/deines Willens gerne leben / unter der Hoffnung / die Götter werden unsere /
kaum vor neun Wochen wieder erneuerte Freundschaft nicht so schleunig
zureissen. Aber deine Gesundheit wird das heilsamste Pflaster zu meinen Wunden
sein / deswegen / ihr mein geträuer Arzt / sagte er zu Galehn / leget nur Fleis
an meines lieben Bruders Heilung / und seid versichert /dass ich euch nicht
doppelt / sondern vielfach lohnen werde. Mein Herr / antwortete dieser; ob ich
wohl zu euer Gesundheit sehr gute Anzeigung spüre / möchte ich doch von herzen
wündschen / dass ihr erst in dem Stande währet / darin euer Bruder sich befindet
/ alsdann wollte ich euch beide inwendig XIV Tagen gehen und reiten lassen /
wohin euchs gelüsten möchte; wolle demnach mein Herr wegen seines Bruders sich
nicht bekümmern / der in fünff Tagen vor ihm stehen und sitzen soll. Dieses
erfolgete auch in der taht / massen nach solcher Zeit Herkules sich des Tages
etliche Stunden von seinem Lager auffmachete / da hingegen Ladisla annoch grosse
Gefahr hatte; biss nach Verlauff eilff Tagen / da Herkules schon gehen kunte /
der Arzt nach Besichtigung des gefährlichsten Schadens sagete; Nunmehr habe ich
/ dem Himmel sei Dank / die unfehlbaren Zeichen / dass am Eingeweide durchaus
nichts verletzet / oder doch schon alles wieder geheilet ist; Wann nun mein Herr
sich mehr wird zur Speise halten / damit Leib und Geist Krafft bekommen / und
der angewandten Kunst zu Hülffe treten / soll durch der Götter Segen und meinen
Fleiss / heut über drei Wochen diese schädliche Wunde keines verbindens mehr
bedürffen. Dessen nicht allein Herkules / sondern auch Wenzesla froh ward / so
dass dieser schon aussrechnen durffte / auff welchen Tag er mit seinem Herrn sich
auff dem Prager Schloss finden wollte. Am siebenzehenden Tage nach der
Verwundung / legte Herkules seine Kleider an / und ob gleich Ladisla der
grössesten Gefahr entrunnen war / hielt doch seine Schwachheit sehr an /daher
Wenzesla sich eines langwierigen Lagers befürchtend / ihn diesen Tag erinnerte /
es würde die Königin seine Fr. Mutter sonder Zweifel sich heftig bekümmern /
dass sie so gar keine Zeitung von ihm hätte; wollte deswegen / da es seiner Gn.
gefällig /eine schnelle Botschaft ablauffen lassen / damit sie in ihrem Trübsal
getröstet würde. Aber Ladisla wehrete ihm solches / einwendend / er hätte
Schwachheit halber noch nicht Zeit gehabt / darauff zu sinnen / wessen er sich
erklären wollte; so bedürfte es keines anderen Bohten; Er Wenzesla selbst sollte
fortgehen / so bald er schwachheit halben schreiben könnte. Dem Alten kam diese
Antwort verdächtig vor / und hielt nochmahl an / da Ihre Durchl. es zugeben
könnte /wollte er deren Gesundheit abwarten / und Ihr in künftig auff der Reise
auffwärtig sein; Aber Ladisla wollte ihm nicht Wiederspiel halten / weil er
seinen Schluss bei sich schon gemacht hatte.
    Des folgenden Tages / da er mit seinem Herkules allein wahr / und derselbe
vor seinem Bette sass / redete er ihn also an: Herzlieber Bruder / ich halte vor
unnöhtig / unser höchstvertrauliche Freundschaft und Liebe / die von dem ersten
Tage unser Kundschaft her / ausser dem neulich ertichteten Unwillen / allemahl
zwischen uns steiff und fest bestanden / dich weitläufftig zu erinnern; eines
meine ich / dir allerdinge unverborgen zu sein / dass ich lieber sterben /als
deiner angenehmen Gegenwart beraubet sein wollte / daher du keines weges gedenken
darffst / ich werde mein Königreich antreten / und dich von mir lassen; So ist
dir gnug bekant / dass mir der Odem nach der ReichsKron nicht stinket / sondern
gesonnen bin / meine blühende Jugend in ritterlichen übungen /und Erfahrung
fremder Sitten / auch besuchung abgelegener Länder anzuwenden; iedoch möchte ich
gerne hierüber deine Meinung vernehmen / ob du lieber mit mir zugleich
gewaltiger König in Böhmen sein / und nach deines Herrn Vaters Absterben /
meiner Länder Macht / zur Eroberung deines GrossFürstentuhms anwenden; oder aber
/ welches ich lieber wollte / unser genommenen Abrede nach / die Welt versuchen /
und deine Mannheit / der ich keine zuvergleichen weiss / in ritterlichen Tahten
eine zeitlang neben mir üben und prüfen woltest. Herkules kunte ihm nicht länger
zuhören / und antwortete: Davor behüte mich mein Gott /dass dein Erb-Königreich
zugleich neben dir einen andern König haben und ernehren; oder ich wider meines
Vaters und des Landes Willen / einen Fuss / geschweige grosse feindliche
Kriegesheere in mein Vaterland bringen sollte. O nein / O nein! Herkules hat so
viel Gnade und Vergnügung von Gott / dass er mit gutem Gewissen lieber im Elende
/ ja in äusserster Armut und Dienstbarkeit sein Leben zubringen / als wider
Gewissen ichtwas besitzen und beherschen will / wie ich dessen schon andertalb
Jahr einen guten Beweistuhm abgelegt habe. So kanstu nicht gläuben /geliebter
Bruder / wie höchlich ich mich freue / dass ich dich erster Zeit einen gewaltigen
herschenden König wissen soll; gelebe auch der gänzlichen Zuversicht / du werdest
durch solche Erhöhung / und auff deinem stolzen Schloss deines geträuen
Herkules nicht allerdinge vergessen / sondern unser geschwornen Freundschaft
eingedencke sein; Ich hingegen verspreche dir / dass mein Herz und Gemüht
nimmermehr von dir absetzen soll / sondern in allen Ländern /da ich sein und
ehrlich leben werde (dann ohne Ehre verderbe ich lieber) / ich zu deiner
Gedächtnis deinen und meinen Nahmen in einer füglichen Vermischung führen will.
Inzwischen wollestu / bitte ich / deiner Heilung durch widrige Gedanken keine
Hinderung geben / sondern des Arztes vorgeschriebenen Satzungen dich gemäss
verhalten / auff dass du desto zeitiger in dem Königreich zihen könnest; mich
wird mein Gott und Heiland schon führen / wie ers gnädig versehen hat. Hiemit
fiel er seinem liebsten Freunde umb den Hals / und küssete ihn aus herzlicher
Gewogenheit / als einen / mit dem er sich schier letzen würde. Ladisla empfand
sein Herz vor Liebe auffwallen / dass zu befürchten wahr / es möchte die
gefährliche Seitenwunde / die sich ein wenig zugesezt hatte / wieder
auffbrechen; sah doch seinen allerliebsten Freund gar lieblich an / und sagte
mit sanfter Stimme: So merke ich wohl / Herkules stecket in dem Wahn / als ob
Ladisla ohn jhn König sein / oder jhn ohne seine Gesellschaft könne reisen
lassen? Ja / wann Böhmen die ganze Welt währe / dann könnte ich meinem Herkules
folgen mit dem Hofstabe / und meinen Stuel setzen /wo jhn zu sein beliebete.
Herkules wiederantwortete: So sollte Böhmen meinetwegen unselig und ihres Königes
beraubet sein? Ladisla: So sollte Ladisla umb der Böhmischen Krone willen unselig
/ und seines lieben Herkules beraubet sein? Herkules: Ich bleibe der Deine nicht
desto weniger; oder meinst du / Herkules könne eines Königes Freund nicht sein?
Lieber rede mir hievon nichts mehr / sagte Ladisla; ich schwöre bei dem Gott
aller Götter / dass ich mit willen mich von dir nicht trennen werde; würdestu
aber beschworne Träue brechen / und Zeit meiner Schwachheit heimlich von mir
scheiden; sihe so will ich mich / wie krank ich bin / zu Pferde setzen / und
nicht auffhören in der Welt umbzureiten / biss ich dich aussspüre; sterbe ich dañ
solcher gestalt / so soll mein Geist dich allentalben verunruhen / und deine
Träulosigkeit dir vorhalten. Diese Worte redete er mit solcher Bewägung / dass
jhm das Blut aus der Nasen hervor schwitzete / sah auch Herkules mit verwendete
Auge an / als einer / der leztzügig ligt; dessen er höchlich erschrak / ihn
umfing / und sagete: Herzallerliebster Bruder / was verursachet dich zu dieser
heftigen Verenderung? hältestu mich für einen meineidigen Bösewicht / der sich
von dir ohn Abscheid hinweg stehlen will / so verzeihe dirs mein Gott. Hiedurch
ersetzete Ladisla alsbald seine Sinnen / drückete ihm die Hand aus innerlicher
Hertzensliebe / und antwortete ihm: Habe ich mich an dir zu hoch vergiffen / so
räche dich ohn schonen; kanstu aber den Fehler verzeihen / welcher aus der
allerlautersten Liebe entstehet / so bleibe mein Herkules / wie ich dein Ladisla
bleiben werde; und höre meines Herzen unbewäglichen Schluss: Mein Königreich soll
mich durchaus nicht sehen / du geleitest mich denn dahin mit freiem und aller
dinge ungezwungenen Willen und Vorsaz. So ist meine Fr. Mutter verständig gnug /
die Herschaft zu verwalten / weil ich ausser Landes bin. Würde nun der Himmel
es schicken / dass ich auff unser Reise etwa durch unfall das Leben einbüssen
sollte / und du mein Königreich anzunehmen dich wegern woltest / so ist meine
Meinung / dass dein Bruder Baldrich meine Frl. Schwester Valisken (die nunmehr
von XIV Jahren) heirahten / und Sie Ihm mein Königreich zur Heimsteur zubringen
soll. Herkules wollte jhm hierauff Antwort geben; aber Ladisla kam ihm zuvor / und
sagte; Ehe ich dir einige Antwort gönne /beschwöre ich dich zuvor bei dem wahren
Gott Himmels und Erden / und bei deinem Jesus / den du täglich anbehtest / dass
du dich nicht unterstehest / mich von meiner vorgenomenen Reise abzumahnen; Du
weist / dass mein Königreich dein ist / und du mir keinen grössern Dienst tuhn
köntest / als dasselbe mit mir gemein zu haben; sintemahl dir aber nicht
gefällig ist / deine Jugend daselbst in Müssigang und üppigkeit zuzubringen /
ich dir auch solches nicht rahten kann / will ich dich fortin nicht mehr darzu
reizen /sondern habe nun selbst diss mein Land auff gewisse Zeit in meinem Herzen
verschworen; deswegen soll und muss unser gemachter Schluss fest bleiben / und so
bald ich genese / ins Werk gerichtet werden. Herkules sagte: Böhmen möchte
wündschen / dass ich nie geboren währe / oder du mich niemahls mit Augen gesehen
hättest; dann so viel ich mercke / wird solches Land meinetwegen ohn seinen
König sein müssen /welches ich auff ein oder ander Jahr noch so gross nicht
achten wollte; Wie aber / wann mir mein Gott in weit abgelegener Ferne etwa
Kriegsdienste / oder wohl gar eine Herrschaft versehen hätte / woltestu alsdann
dein Reich angeben / und bei mir bleiben? Lieber bedenke doch / mein Bruder /
was unbilliche Sache du vornimst / und verschwöre nicht in deinem Herzen /wozu
dich Gott selbst beruffen und verordnet hat. So will ich nun / angesehen deine
hohe Beteurung / dich in meiner Gesellschaft herzlich gerne eine zeitlang
wissen / allein beschwöre mich nach diesem nicht mehr so hoch / auf dass ich
nicht gehindert werde /mein geträues Bedenken dir anzudeuten. Was endlich meinen
lieben Bruder Baldrich betrift / so hat derselbe durch GOttes Gnade in künftig
(weil ich ja enterbet sein soll) so viel Länder zu beherrschen / dass er ein
mehres weder verwalten noch begehren kann; Zweifele auch sehr / ob die LandStände
deines Reichs damit würden friedlich sein; Und warumb woltestu mit Schliessung
solcher Heirat zwischen deiner Frl. Schwester und meinem Bruder so schleunig
verfahren? nach dem mahl dieser erst von XIIX Jahren ist /und man nicht wissen
kann / ob eins dem andern von Gott versehen sei; welche lezten Worte er mit
sonderlicher Bewägung vorbrachte. Ich will alles nach deinem Gutdünken machen /
sagte Ladisla / nur dass unser abgefasseter Schluss nicht gebrochen werde /ohn dass
wir uns mit mehr Dienern versehen / als wir sonst willens wahren / weil aus
Böhmen ich nun Mittel gnug haben kann / sie zu unterhalten. Wie es dir gefält /
mein Bruder / antwortete er; doch sehe jch nicht / wie wir uns nur vor
umschweiffende Ritter aussgeben können / wann wir mit zu grosser Menge reitender
Diener einher prangen; hätte ein jedweder einen Handfesten ädlen Diener / der
uns ein gutes Leib-Ross nachführete / und einen Knaben / auff unsern Leib zu
warten / währe meines ermässens / übrig gnug; und solche zu unterhalten / wie es
dir ein geringes / also kann mir auch nicht mangeln / weil meine Fr. Mutter mir
im neulichsten Schreiben Hoch Ritterliche Zehrungskosten versprochen hat; und
wer weiss / was vor Glük uns durch Abenteuer zustossen möchte / dass wir in der
Fremde mehr Gelder überkähmen / als wir aus unserm Vaterlande zugewarten haben?
O dass ich nur erst recht gesund währe / sagte Ladisla / damit an Verhinderung
unsers löblichen Vorsatzes ich nicht länger schuld trüge. Wir sind ja / weiss
nicht wie / zu diesen Wunden kommen / antwortete Herkules / und was hätten wir
vor Ruhm davon / wenn diese heillosen Diebe uns hätten gar erschlagen? Ich hatte
mich meines Lebens gar zeitig erwogen / sagte Ladisla / als ich sah / dass die
frechen Buben so muhtig in unsere Schwerdter lieffen; Zweifele auch nicht / da
der verwägene Geta seine Fäuste mit gebrauchen können /würde es noch
gefährlicher umb uns gestanden sein; jedoch geschehene Dinge sind nicht zu
wiederbringen / nur dass sie uns zur Lehre dienen / dergleichen unlöbliche
Streite / so viel möglich zu meiden / welche viel Wunden und wenig Ehre geben;
Wann ich nun wissen möchte / wie bald ich völlig genesen sollte /hätten wir
unsere Sachen darnach anzustellen. Wenzesla sass im Neben-gemache / und hörete
alle vermahnungen / damit Herkules Ladislaen zur reise nach Böhmen bewägen wollte
/ aber weil derselbe wegen schwachheit zu sanfte redete / kunte er dessen
antwort nicht vernehmen; meinte auch / Herkules unwillige reden gingen auff
etwas anders als auff eine verwegerung / nach Böhmen zu ziehen. Galehn störete
ihr Gespräch durch seine ankunft / zu welchem Herkules sagete; Gewisslich / mein
Freund / wird mein Bruder schlimmer Haut zu heilen haben als ich. Ja mein Herr /
antwortete er; Herr Ladisla ist flüssiger und schwermühtiger art; wiewol des
Herrn wunden gegen diesen Seiten-Schaden nicht zu rechnen sind; doch haben wir
das gefährligste schon vorbei gebracht. Er lösete hiemit die Binde auff / und
als er das Pflaster hinweg taht / drang ein zimlich teil Blut hervor; dessen er
sich übel gehuhb / fing an zu schelten / und verwies ihm mit harten worten /
warumb er sich so heftig bewäget / dass die Wunde einen Bruch bekommen; es
dürffte leicht geschehen / dass das lezte ärger würde als das erste / und er sein
lebelang ein krummer Mensch bliebe; trüge demnach bedenken / die heilung allein
über sich zu nehmen / wan er seinem geträuen Raht nicht folgen wollte / damit man
ihn hernähst nit der versäumnis oder des Unverstandes zu beschuldigen hätte.
Herkules hatte ihm seine Geldliebe schon abgemerket / sah gleichwol / dass eine
grosse Verenderung an der Wunde wahr / dessen Ursach er wohl wusste / und sagte zu
ihm; hätte sein Bruder sich vielleicht übersehen /sollte es hinfort nicht mehr
geschehen / und möchte er gebeten sein / allen fleiss an zuwenden / dass die
heilung in kurzer zeit verrichtet würde / des wollten sie sich dankbarlich
einzustellen wissen. Galehn wusste wohl / dass er ein mehres nicht fodern durfte /
weil er vor sich schon über 160 Kronen baar empfangen hatte; wollte sich
gleichwol dieses erbietens gebrauchen / und fragete / ob ihnen daneben an der
eile so gross gelegen währe / so wollte er inwendig drei wochen / von heut an
zurechnen / den Schaden ganz heile schaffen; und ob sie ihm noch etwas vor seine
mühe zuwenden wollten / stellete er ihrer hohen Freigebigkeit anheim. Warumb
sollte euch eure mühe unvergolten bleiben? sagte Herkules; tut ihr nur fleiss
/dass die Wunde von grundaus geheilet werde / alsdan solt ihr vor diese drei
Wochen noch XL Kronen haben. Wie aber / sagte Galehn / wann ich den Kranken vor
aussgang der drei Wochen gesund schaffete? Ladisla wahr dieses eine angenehme
rede / und antwortete ihm: So mannichen Tag ihr mir an dieser Zeit verkürzet /
so manniche Sechs Kronen solt ihr über die versprochenen haben / und würde mir
nichts lieber sein / als dass ich diesen Tag völlig gesund würde /das Geld wollte
ich euch willig zahlen / und noch wohl ein neues Kleid zum überschusse. Ich
bedanke mich des milden erbietens / sagte Galehn; ging hin / hohlete ein neues
Pflaster / und vermass sich / dafern dieses nach seinem Willen / wie er hoffete /
wirken würde /wollte er sich morgen einer kürzern Zeit erklären; Wie dann
wirklich erfolgete; massen dieses so gute Hülffe taht / dass des neunden Tages
hernach Ladisla gesund wahr / und das versprochene gerne erlegete. Da kunte nun
Wenzesla / der mit Schmerzen diese Tage geharret / jhm keine andere Rechnung
machen / als dass Ladisla mit ihm nach Böhmen reisen würde; Deswegen er / wie
unsere Helden diesen Abend im Brete spieleten / zu ihm sagete: Uber drei Wochen
/ geliebts den Göttern / spielen Eure Gn. mit Ihrer Frl. Schwester /welche / wie
ich mir sagen lassen / in diesem Spiel sehr schlauh und erfahren sein soll; so
habe ich noch zur Zeit / wegen Traurigkeit und Kummer / meiner Gnäd. Fräulein
Befehl nicht verrichten können / da sie selbst zu mir ans Pferd kam / und mich
ihren Durchl. Oheim und Bruder GrossFürst Herkules schwesterlich grüssen hiess /
dafern ich ihn bei ihrem Hn. Bruder Ladisla vermuhtlich antreffen würde; Das
Wahrzeichen meiner Schwesterlichen Träue und Auffrichtigkeit / sagte sie / gebet
ihm bei dem mir geraubeten Bande / welches er als ein Gedächtnis wieder meinen
willen zu sich genommen / und so hoher Ehr nicht wirdig ist / deswegen seine
Liebe ich bitten lasse /das unter den Kleinoten eingewickelte Armband von XXV
Demanten zusammen gesezt / von mir anzunehme / und es mir zu gefallen stets am
rechten Arme zutragen. Ging hiemit zu dem Wetscher / hohlete es her / und
lieferte es mit diesen Worten: Durchleuchtigster Fürst / ich wünsche dass mein
Gn. Fräulein keinem Unwirdigern etwas schenken möge. Ladisla lachete des
Wunsches / und sagte: Wie so mein Wenzesla? wollet ihr dañ nicht auch etwas von
meiner Frl. Schwester geschenket haben? Ja / Gnädiger Herr /antwortete er / ich
nehme trauen lieber als ich gebe; aber meine Reden halten eine sonderliche
Heimligkeit in sich / die ich dereins deutlicher ausslegen werde. Herkules ward
nicht allein des übergeschikten Armbandes / sondern auch des entbohtenen
unfehlbaren Warzeichens ihrer unbrüchigen träue höchst erfreuet /dann er hatte
biss daher in ängstiger Furcht gelebet /sie würde wegen seines langen
aussenbleibens / und dass er nie no comma? an sie geschrieben / sein schon
vorlängst vergessen haben / oder da sie seines Christentums innen würde / ihm
deswegen nicht weniger als sein leiblicher Vater selbst / Hass und Wiederwillen
zulegen; nach dem er aber dieser Furcht gänzlich entoben ward / nam er das
Armband mit sonderlicher Ehrerbietigkeit an / zog ein kleines Ringelein hohes
Werts vom Finger / und überreichte es Wenzesla mit diesen Worten: Es ist mir
sehr lieb / dass meine Durchl. Frl. Wase und Schwester / ihres so lange Zeit
abwesenden Dieners eingedenke ist; wollet ihr demnach nähst Anmeldung meines
Grusses und meiner bereitwilligsten Dienste / diesen schlechten Ring hinwieder
zustellen / und dass ich mich erbiete / ihrer Liebe der eins mich mit wirdigerer
bezeigung der schuldigen Dankbarkeit finden zulassen / welches mir vor dissmahl
nicht der wille / sondern bloss das unvermögen verbeut. Wenzesla nam den Ring zu
sich / mit dem versprechen / ihn gebührlich einzulieffern /bekam aber sehr
fremde gedanken / dass er nicht vielmehr Ladisla als ihm den Ring zustellete. So
bald sich Ladisla zur ruhe gelegt hatte / verfertigte Herkules in aller stille
ein Schreiben an das Fräulein / und gab es Wenzesla noch desselben Abends mit
diesem befehl: Sehet / dieses Schreiben / in welchem ich meine Frl. Wase umb
eine mir nöhtige Werbung an meine Fr. Mutter die Königin bitte / wollet ihr in
gute verwahrung nehmen / und es hochgedachtem Fräulein in höchster geheim
zustellen / dass dessen kein einiger Mensch innen werde / weil auch die Fr.
Königin selbst nicht wissen darff / dass ich ein solches suche; hilfft mir Gott
der eins / wie ich hoffe / wieder in mein Vaterland / soll euch dieser dienst wohl
vergolten werden. Meldet sonst dem Fräul. wege des angefoderten Bandes / es
werde keines andern / als des Räubers Hand ihr solches einliefern / biss dahin
sie ihr die Zeit nit wollte lange wehren lassen / und inzwischen mit
versprochener Schwesterlicher hulde mir gewogen verbleiben. Des folgenden
Morgens machte Ladisla auch zwei Schreiben an seine Fr. Mutter fertig / deren
das eine zugleich mit an die Landstände gerichtet wahr / als in welchem er
anzeigete / wie es Zeit seines abwesens mit des Reichs verwaltung sollte gehalten
werden; Im andern baht er von ihr vertraulich / was ihm jährlich zum unterhalt
sollte nach Rom durch Wechsel übergemacht werden. Und nach dem er sie wohl
versiegelt hatte / händigte er sie Wenzesla solcher Gestalt ein: Hier sind zween
Brieffe an meine Fr. Mutter / die sollet ihr auff schneller eile überbringen
/und nichts als dieses wenige vermelden; Ich verbleibe ihr gehorsamer Sohn / als
lange ich lebe; dafern sie aber ein Mütterliches Herz zu mir träget / wolle sie
ihr den Inhalt / wo nicht beider / doch des grösseren Schreibens gnädigst
gefallen lassen; und wann deren keines sein könne / habe sie macht / nicht
allein als eine Mutter / sondern auch als eine gebietende Königin mit mir zu
schalten. Wenzesla antwortete: wie dann gnädigster Herr / soll ich das Glük und
die Ehre nicht haben / Ihre Durchl. nach Prag zubegleiten? was wird meine
allergnädigste Königin sagen / dass von euer Durchl. ich geschieden bin / und
derselben nicht auffwarte? Bekümmert euch umb nichts / sagte Ladisla / meine Fr.
Mutter wird nach verlesung meiner Schreiben mit mir und euch schon zufrieden
sein; nur grüsset mir daneben meine geliebtste Frl. Schwester /und andere gute
Freunde. Also musste Wenzesla von Rom hinweg voll Unmuht und missligkeit / dass er
seinen Herren nicht mit bringen sollte; wie wohl er noch der guten zuversicht
lebete / er würde bald nachfolgen / und die Herrschaft antreten.
    Nach seinem Abzuge bereiteten sich unsere Helden / ihren Ritterzug
vorzunehmen. Sie hatten schon drei gute Pferde / zu denen kaufften sie noch
fünffe / und vier Ritter Harnische von schlechtem ansehen / aber sehr feste / uñ
in Sizilien geschmiedet / nahmen zween Leibknaben an / gutes Römischen Adels /
welche Sie in roht Scharlaken mit einer güldenen Borte kleideten; Vor sich
selbst aber jeder drei köstliche Kleider machen liessen / bestelleten auch zween
ritterliche Diener / in Waffen wohl geübet / und von den Römischen Geschlechtern
/ die aber in tieffen Schulden stecketen / dass sie ümb Sold dienen mussten / weil
sie von ihren Gläubigern hart gedränget wurden / dass sie von jhren Gütern wenig
zu geniessen hatten. Sabihn ihr Wirt verwunderte sich / woher ihnen so viel
Mittel kähmen / angesehen sie vor ihrer Verwundung gar kärglich gelebet / und
sich keines überflusses hatten merken lassen. Weil ihm nun alles / was verzehret
wahr / auff einem Bredte bezahlet wurde /hätte er solche Gäste gerne länger
behalten / daher er ihnen nach Mögligkeit vorging. Des sechsten Tages nach
Wenzesla Abschied / erhielt Herkules bei seinem Ladisla / dass er mit ihm in die
Christliche Versamlung ging / und jhrem Gottesdienste beiwohnete /so viel einem
Ungetaufften zugelassen wahr; und ob er gleich alles vor Aberglauben und
Kindische Gebräuche hielt / so begunte er doch den Christen etwas geneigter zu
werden / weil er sah und hörete / dass jhr Gottesdienst viel anders beschaffen
wahr / und der Gottlosigkeiten sich keine befunden / deren sie von den
Weltweisen und Heidnischen Pfaffen beschuldiget wurden. Nach vollendetem
Gottesdienste trat Herkules zu dem damahligen Bischoff Urban / und lieferte jhm
100. Kronen / unter die nohtleidende Christen ausszuteilen / mit dem Versprechen
/ dass / wann ihm Gott zu seiner Reise Glük geben würde / wollte er hernähst ein
mehres bei den Armen tuhn; begehrete daneben / dass er jhn ins gemeine Gebeht
einschliessen / und vor seinen lieben Gesellen zu Gott bitten wollte / dass er zum
Christentuhm erleuchtet würde; ging mit Ladisla wieder nach der Herberge / und
liess daselbst zwölff lahme gebrechliche Christen speisen /und Tuch zu Kleidern
geben / hernach besah er den Ort / wo die beiden vortreflichsten Bohten und
Jünger des Herrn / Peter und Paul / jhr Leben durch willigen Todt umb des Nahmen
Jesus willen zugesezt hatten /da der heilige Peter gekreuziget / und Paul
entauptet wahr / da dann Ladisla sich in seiner Gesellschaft befand. Endlich
bestelleten sie ihren Wirt Sabihn zum Verweser und Auffheber aller künftigen
WechselGelder und Briefen / beides die sie von anderwerz bekommen / und die sie
an gewisse örter schreiben und übermachen würden / davor sie ihm jährlich 150
Kronen vermacheten / und auff ein Jahr vorauss bezahleten. Dem Arzt schenketen
sie zum Abzuge XX Kronen / und beiden Gesellen X; kaufften auch umb XX Kronen
eine köstliche WundSalbe von jhm / womit man alle frische Wunden in kurzer frist
heilen kunte /und nahmen des folgenden Tages gar früh Abscheid /in hoffnung /
Gott würde sie an ort und ende führen /woselbst sie Ruhm und Preis erwerben
könten. Als sie über die Gasse vor Herr Zinna / Herkules gewesenen Herrn Wohnung
vorbei ritten / ward dessen Tochter / Fr. Zezilia jhrer gewahr / winkete ihrem
lieben Herkules / auff ein Wort stille zu halten / verwies ihm höchlich / dass er
sich so lange noch zu Rom auffgehalten / und ihr kein mahl zugesprochen hätte.
Er aber entschuldigte sich sehr / dass er und sein Freund vor etlichen Wochen
gefährlich verwundet / und kaum vor wenig Tagen erst genesen währen; hätte
gestriges Tages Zeitung von Hause gehabt / sich eilend daselbst einzustellen /
weil seine Fr. Mutter todes verblichen / und er die Hausshaltung wider seinen
Willen antreten müste; bähte demnach dienstlich / ihm zu verzeihen / dass er ihr
länger Gesellschaft nicht leisten könnte. Ich habe wohl gewust / sagte sie / dass
ihr noch stets zu Rom seid gewesen / aber eure Herberge nicht erfahren können /
sonst hätte ich euch diesen Denkring meiner guten Gewogenheit / durch meine
Leibdienerin zugeschikt / welchen ich euch nun selbst liefern will / mit Bitte /
jhn eurer ergebenen Freundin Zezilien wegen zu tragen / und bei demselben der
Engelländische Geschichte (diese ist im fünften Buche zu lesen) stets eingedenke
zu sein. Hochwerte wahre Freundin / antwortete er; ich bedanke mich der annoch
ferner bezeigeten Gutwilligkeit / die ich / wo ich leben soll / zu ersetzen /
unvergessen sein werde; Die Erinnerung aber der Geschichte wird sie ohn Zweifel
mit solchem Herzen vorbringen / als ich sie auffnehme; und wolle / bitte ich
sehr / ihre geliebte Eltern unser beider wegen dienstlich grüssen; vielleicht
gibt es die Gelegenheit / dass wir uns dereins wieder sprechen. Hieb damit sein
Ross an / und rante mit seiner Gesellschaft eilig fort / weil er sich befürchtete
/ von Herrn Zinna auffgehalten zu werden. Als er zum äussersten Tohr aussritte /
seufzete er / und sagte zu Ladisla: Nimmermehr werde ich das allerliebste Rom
aus meinem Gedächtnis kommen lassen / ob ich gleich noch hundert Jahr leben
sollte; Dann ungeachtet ich hieselbst andertalbjährige Leibeigenschaft und
harte Dienstbarkeit aussgestanden / muss ich doch gestehen / dass nähst Gott / ich
diesem Orte allein meiner Seelen Wolfahrt / und Gewissensvergnügung zu danken
habe; weil ich hieselbst endlich funden / was meinen Verstand erleuchtet /
meinen Willen sättiget /mich in Traurigkeit freudig machet / und wider alle
Unfälle mich kräfftiget und stärket. O glückseliger Tag / da ich im Böhmerwalde
von den Pannonischen Räubern gefangen; noch glückseliger / da ich von den
Römischen jhnen wieder geraubet / und in dieser Stadt verkauft ward; Dann durch
diese gelegenheit bin ich zur Erkenntnis meines Gottes und Heilandes kommen / ohn
welche ich ungezweifelt hätte ewig müssen verdamt und verloren sein. Ich weiss
nicht / antwortete Ladisla / was sonderliches du doch in diesem Glauben funden
hast / ohn einen vermeinten neuen Gott / der etwa vor 225 Jahren / wie du selbst
gestehest / von schlechten armen Eltern im Viehstalle geboren / in Mangel und
Armut auferzogen / von seinen eigenen Freunden und Blutsverwandten verachtet /
verfolget /endlich gar als ein Ubeltähter zwischen zween Mördern ans Kreuz
auffgehenket ist. Nun betrachte dagegen unsere Götter; wie von grossen Leuten /
ja von Göttern selbst sind sie entsprossen; wie herrliche Tahten haben sie
verrichtet / und umb die ganze Welt sich so hoch verdient gemacht / dz man sie
daher nach ihrem Tode billich geehret / und unter der Götter Zahl auffgenommen
hat. Herkules antwortete ihm: Mich jamert dein von Herzen / lieber Bruder / dass
du von geistlichen und göttlichen Sachen so gar fleischlich /und da ichs sagen
darff / kindisch redest; will demnach dir alles beides / so wohl / was du von
meinem HErrn JEsus / als von deiner vermeinten Götzen Geburt /Leben und Tahten
meldest / in aller Kürze und Einfalt beantworten. Und zwar vor erst gestehe ich
/ dass meines lieben Heilandes Geburt / seinem Fleische nach /äusserlich sehr
armselig und geringe vor der Welt scheinet / weil sein Pflege-Vater Joseph nur
ein Zimmerman / und seine liebe Mutter / die keusche Jungfer Maria ein
verlassenes Wäyselein wahr; aber dagegen waren sie dannoch beiderseits von dem
allervortrefflichsten Königlichen Geblüt und Artstamme / welches jemahl in der
Welt gewesen; mussten aber aus Furcht des Todes ihr Herkommen vertuschen / weil
Herodes alle Nachkommen des Königs David suchte ausszurotten. Betrachte aber
meines HErrn JEsus Geburt nach jhrer innerlichen Treffligkeit und Wirde / dann
wird mir kein Mensch derselben gleichen zeigen können; massen einmal wahr ist /
dass er ohn Zutun eines Mannes / bloss nur durch Krafft und Wirkung des
Almächtigen Gottes / von hochgedachter Jungfer Marien empfangen / und ihre
Jungfrauschaft durch einigen Menschen niemahls ist verletzet worden. Sie gebahr
jhr Söhnlein zwar im Viehstalle / aber zu Trost allen armseligen Menschen / dass
Er / dieser Himmels König / auch der allergeringsten sich annehmen / und sie zum
ewigen Leben befodern wollte. Jedoch musste seine Geburt gleichwol nicht ohn alles
Gepränge sein / sondern von dem grossen Engel und Himmels-Bohten Gabriel / den
Hirten auf dem Felde angekündiget /und von der unzahlbaren menge der himlische
Heerscharen besungen werden; Zugeschweigen / dass auch die Weisen Weltgelehrten
aus Morgenlande ihn zu verehren / sich bald nach seiner Geburt eingestellet /und
mit Golde / Weihrauch und Myrrhen jhn beschenket haben. Nun wirffestu mir ein
seine armselige Aufferziehung / und schmählichen Todt; aber wann du mit mir
erkennen köntest / dass dieser unser Heiland /wann es ihm umb gute Tage / und
treflichen Pracht währe zu tuhn gewesen / wohl hätte in seiner himlischen Hocheit
bleiben mögen; währe diesem Zweifel schon abgeholffen; es ist dir aber noch zu
hoch und schwer in deiner heidnischen Blindheit; Dann sein Vorsaz wahr / uns
sündhafte Menschen bei seinem erzörneten Vater wiederumb ausszusöhnen; und weil
dessen Gerechtigkeit vor das Verbrechen auch Gnugtuhung erfoderte / ja auch vor
die begangene Sünde und Missetaht Straffe erteilen wollte; und aber wir
nicht-werte Menschen weder seinem heiligen Willen gnug tuhn / noch die Straffen
des starken Armes unsers Gottes ertragen kunten; Als stellete sich unser Heiland
zwischen Gott und uns / erfüllete durch sein unsträfliches Leben den Willen
Gottes / und in aller Verfolgung und Todesangst fühlete er an unser statt die
harten Schläge Gottes / wodurch wir dem himlischen Vater hinwiederumb versöhnet
/ und zu Gnaden auffgenommen sind / dafern wir nur auff diesen unsern Heiland
uns verlassend / uns vor mutwilligen Sünden hüten / und nach dem Willen Gottes
unser Leben anstellen. Du wirst dich aber auch erinnern /was ich dir ehmahls zu
wissen getahn / wie dass dieser unser Helffer Jesus nicht lange im Tode und Grabe
verblieben / sondern am dritten Tage als ein gewaltiger Siegsheld lebendig sich
hervor gemacht / und am vierzigsten Tage hernach / sichtbarlich auf gen Himmel
gefahren ist / da Er sich zur Rechten Hand Gottes gesezt hat / auch von dañen am
lieben jüngsten Tage kommen wird / zu richten alle Menschen / die vom Anfange
der Welt biss auff die lezte Zeit gelebet haben / und noch leben werden. Und wann
du fragen woltest / wie ich solches gedenke zubeweisen / will ich dir vor dissmahl
nur zu bedenken vorstellen / dass die / so mit dem Herren Jesus auff Erden
gewandelt / und seine Lehre angenommen / nachgehends weder durch Pein noch Todt
haben können gezwungen werden / dieses zu verleugnen / welches sie ja nimmermehr
als vernünftige Menschen würden gelitten haben / dafern sie nicht währen
versichert gewesen alles dessen / warumb sie den Todt vor das Leben erwählet. Du
aber /mein Bruder / zeige mir einen Heiden / der die Meinung von seinen Götzen
mit seinem Blute jemahls bestetiget und versiegelt habe. Ladisla gab hier auff
zur antwort; Ich höre deinen Reden zu / und zwar mit gutem willen / aber nicht
anders gedeucht michs / als da meine Fr. Mutter mir in der zarten Kindheit ein
Mehrlein zu erzählen pflegte. Ja mein Bruder / sagte Herkules / das äusserliche
hören stehet in unserm wilkühr und freien Willen / aber es innerlich annehmen
/und den Glauben daran haben / können wir selbst in uns nicht wirken / sondern
solches muss von Gott kommen; Zu dem ich der tröstlichen Hoffnung gelebe / Er
werde mein tägliches Gebet und inbrünstige Seuffzer der eins erhören / und durch
Krafft des Heiligen Geistes den Glauben in dir wirken. Ladisla antwortete; du
weist / mein Bruder / wie inniglich ich dich liebe / aber doch biss an die Götter
/ die ich umb Menschen willen nicht verleugnen kann; so wirstu dich auch unser
Abrede erinnern / und mich so wenig / als ich dich / des Glaubens wegen
nöhtigen. Davor behüte dich und mich der Allmächtige Gott / sagte Herkules / dass
wir ja keinem Menschen zugefallen ichtwas in unserm Glauben endern; O nein /
diese Meinung hats durchaus nicht; vielmehr rahte ich dir selber /dass du ehe
nicht abtretest von deinen Götzen / biss der wahre Gott dir den Willen darzu
verleihet; denn sonst währestu ein Heuchler und Spötter unsers Gottes. Ich muss
aber das andere Stük deines Einwurffs dir nicht unbeantwortet lassen / woselbst
du deiner Götter statliches Herkommen / grosse Tahten / und herrliche
Verrichtungen ans Bret stellest / wodurch sie sollen verdienet haben / dass man
sie unter die Zahl der Götter auffgenommen. O Ladisla / betrachte / bitte ich /
was du redest; Sind deine Götter von Menschen gezeuget /je so sind sie ia keine
Götter; Deñ wie könten Menschen / die sterblich sind / unsterbliche Götter
ausshecken? Hat auch wohl der Ochse jemahls einen wahren Menschen zum Sohn gehabt?
Haben aber deine Götzen / zeit ihrer Menscheit / löbliche Tahten verrichtet /
darzu verbindet sie die Erbarkeit / wie uns Menschen alle miteinander. Du weist
aber dannoch /wie viel Untahten sie zugleich daneben begangen /und dadurch sich
selbst geschändet. Jupiter / der beste unter allen / vertrieb seinen leiblichen
Vater den Saturn / und legte jhm solche Schande an / welche ich nicht melden
mag; Ja er nam seine Schwester Juno zum Weibe / wider die weltkündigen
eingepflanzeten Rechte; trieb auch Unzucht / Ehebruch uñ andere abscheuliche
Bosheiten. Dein Bacchus wahr ein Säuffer und Schwelger: Merkuhr / aller Diebe
und Räuber Schuzherr; Herkules tahten sind dir bekant / beides die ruhmwirdigen
und lasterreichen. Venus wahr einer gemeinen Metzen / die mit jhrem Leibe Geld
verdienet / ähnlicher / als einer tugendhaften Frauen. Noch darff man sie vor
Götter angeben / ja vor Himmels Götter. O der schändlichen Gotteit / die mit
Laster und Unzucht sich besudelt / wovor auch die gebrechliche Menschen abscheu
tragen. Eure Gelehrte wissen und behäupten / dass der Himmel ein reines Wesen sei
/ von allem Unflat gesaubert; Und in solchem reinen Hause sollten so unreine
Herren wohne? Sie wissen und behäupte / dass die Gotteit alles gute / alle
Vollkommenheit in sich begreiffe; und die Götter sollten solche tugendlose
Untiehre sein? Aber ich weiss deine Entschuldigung wohl / welche du noch selber
nicht weissest. Man müsse der Heidnischen Tichter uñ Bücherschreiber Retten von
den Göttern nicht nach dem Buchstaben / sondern nach dem innerlichen Verstande
ansehen und aussdeuten; man müsse durch Saturn die Unvergängligkeit; durch
Jupiter die weit-breite Lufft; durch sein Weib und Schwester Juno die Erde
verstehen / und durch ihren Beischlaff oder Vermischung /die Befruchtung /
welche die Erde von der warmen Lufft empfähet / und was dergleichen Auffzüge
mehr sind. Höre aber / mein Bruder / ist die Lufft dein Gott? ist die Erde deine
Göttin? ie warumb fluchest und speiestu dann alles in die Lufft hin? je warumb
trittestu die Erde mit Füssen / und besudelst sie mit deinem unflätigen Kote?
Ich sage mehr; wann die Lufft vergifftet ist / dass sie dir die anklebenden
Seuchen verursachet / ist dann auch dem höchster Gott vergifftet? Und wann du
die Erde mit dem Pfluge oder Grabeisen umbkehrest / schneidestu dann der
vornehmsten Ober-Göttin so manniche Wunden? Zum Beschluss / dass ich dich nicht zu
lange auffhalte / gibstu vor / die Menschen haben jhnen die Gotteit nach ihrem
Tode zugeleget. Ey der schönen Götter / die von Menschen darzu gemacht werden!
Kan auch der Mensch einem Lebendigen die unsterbligkeit und Almacht schencken /
die er selber nicht hat? Mein Bruder / fodere / bitte ich / von diesen
Göttermachern zum Beweisstuhm ihrer Kunst / dass sie mir aus einem Baum einen
lebendigen Ochsen / aus einem Esel einen vernünftigen Menschen / ja dass sie nur
aus einem vierwöchigem Kalbe / inwendig solcher Zeit eine erwachsene Kuh machen;
fehlen sie aber hierin /so gläube ihnen doch nicht / wann sie rühmen / sie haben
einen verstorbene Menschen mit der Gotteit überkleidet / und ihn ohn Leitern in
den obersten Himmel bracht. Uñ gedenkestu / derselbe sei alsbald ein Gott / der
von Menschen davor erkläret wird? Ladisla antwortete: Du must zu Rom fleissig in
die Schuel gangen sein / und einen spitzigen Meister gehabt haben. Ich lasse
aber alle deine Einwendungen die Pfaffheit verantworten / denen solches oblieget
/und könnte inzwische auch sehr viel von deinem Jesus beibringen / welches gnug
währe / darzutuhn / dass derselbe kein Gott sei: Streue immerhin ein / und bringe
alles bei / was du kanst / sagte Herkules /wann es nur nicht mit Unwarheit und
Lästerung geschihet. Jedoch weiss ich vor erst / dass du ihn keiner Sünde / oder
einiges Unrechts zeihen kanst. Vors ander gestehe ich / dass seiner menschlichen
Art und Wesen nach / er nicht ein Gott und Geist ist / auch nicht ewig / noch
durch Eigenschaft der Menscheit allmächtig oder allentalben gegenwärtig:
sondern /weil die Göttliche Art oder Natur mit der menschlichen in einem
selbständigen vernünftigen Wesen /oder / wie die Gelehrten reden / in einer
Person verknüpffet und unaussprechlicher unauflösslicher weise vereiniget ist /
so ist er Gott und Mensch zugleich / so dass die Gotteit gleichwol der
Menschheit ihre Eigenschaften / so viel sie dere kann fähig sein / mitgeteilet
hat; wie diss hohe geheimniss ich vor diesem dir einfältig erkläret habe / als
viel menschliche schwachheit begreiffen / uñ in diesem tunkeln Lichte der
gebrechlichen Vernunft fassen kann. Behalte dir deine tunkelen uñ
überverständlichen Glaube / sagte Ladisla / ich vor mein Häupt kann mir das
Gehirn nit damit verwirren /un will viel lieber von dir vernehmen / wie wir
unsern Weg am füglichsten fortsetzen können / dz wir die vornehmsten Städte und
Landschaften in Italien und Griechenland besehen mögen / ehe wir über das
Syrische Meer nach dem verstöreten Judenreich zu gehen /welches du umb deines
JEsus willen so gerne besuchen / und im Jordan die Tauffe empfangen wilt.
Herkules wollte ihm antworten / aber sein Leibknabe Publius zeigete an / wie eine
zimliche Anzahl Reuter mit verhängetem Zaum hinter ihnen her jageten / wornach
unsere Helden sich umbsahn / und sich verwunderten / warumb sie ihre blanken
Schwerter ümb den Kopff gehen liessen / und dabei ein wüstes Geschrei
anstelleten. Herkules sagte: Diese haben wenig gutes im Sinne; müssen demnach
fortreiten / das wir eine Enge vor uns einnehmen / und vor ümringung sicher
bleiben. Also mussten die Leibknaben vorhin / ihre Ritterliche Diener aber
Klodius und Markus (denen sie nicht allerdinge traueten) folgen / und blieben
sie selbst zuhinterst / da sie ihrer Verfolger geschrei endlich verstunden / dass
sie halten / und sehen lassen sollten / ob sie so wohl ritterlich zu Kämpffen /
als unbewehrte Knechte niderzumachen das Herz hätten. Worauff Ladisla zu
Herkules sagte; Schicke dich mein Bruder zum KlingenSpiel; wir hören was vor
leute wir bestehen sollen / ich zweiffele nicht / unsere gute Sache soll oberhand
behalten. Sie foderten ihre beiden Diener vor sich / und frageten / ob sie
bedacht währen als ehrliche von Adel sich zuhalten / und ihrem geleisteten
Handschlage nachzukommen; Worauff sie antworteten / dass sie ihren redlichen
Nahmen nimmermehr schänden / und heut diesen Tag wollten sehen lassen / was vor
redliche Träue sie zu ihren Herren trügen. Unsere Helden höreten solches gerne /
hiessen sie neben sich halten / und schicketen sich unerschrocken zum Streit.
Ihre Verfolger / sechszehen an der Zahl / renneten eiferig herzu / und als sie
sahen /dass sie die unsern nicht nach willen umgeben kunten /stutzeten sie / und
ritten die vier ansehnlichsten zusammen / einen Raht zuhalten / schikten bald
darauff einen Diener ab / welcher den unsern diese Anmuhtung vortrug: Meine vier
Gnädige Herren / so dort mit ihren ritterlichen Leuten halten / erinnern sich
billich /was gestalt ihr mit eurer gewafneten Gesellschaft vor etlichen wochen
ihre unschuldigen Knechte erschlagen / welches sie / als ihnen selbst geschehen
/ sich zu gemüht ziehen; gedenken es auch mit ihren Schwertern an eurem Leben
zurächen / dafern ihr nicht vor jeden Erschlagenen ihnen 300 Kronen zahlen /
eure Pferde / Harnisch und Gewehr ihnen liefern / und wegen des begangenen
Frevels / demütige abbitte tuhn werdet. Wer sind aber deine Herren? fragte
Herkules. Vier streitbahre Römische Ritter / antwortete er / vor deren Schwerter
Schärffe / Stahl und Eisen brechen muss. So sage du ihnen hinwieder / sagte
Herkules / dass ich und meine Gesellen / in betrachtung ihrer Anmuhtung / sie
mehr vor Räuber und StrassenDiebe halten / biss sie bessere ritterliche tahten
werden sehen lassen / als durch überfall ihrer diebischen Buben geschehen; dann
was müssen dieses vor unnütze Herren sein / die öffentliche Diebe auff der Sträu
halten? Ladisla kunte seinen Zorn länger nicht meistern / und taht hinzu: sage
jenen StrassenRäubern / da sie die abgefoderte Kronen empfangen wollen / müssen
sie uns näher komen; aber hiemit (das Schwerd zeigend) wollen wir ihnen die
Zahlung vergnügen / und ihnen die Häuptkronen dergestalt striegeln / dass sie der
Geldkronen nicht mehr gedenken sollen. Der Abgeschikte wunderte sich dieser
Kühnheit / und hinterbrachte die Antwort seinen Herren / welche darauff ihre
Knechte (die zum Pferdestreit nicht geschikt wahren) zum frischen gefechte
Auffmunterten: Sie sollten nur geherzt von sich hauen / und gülte gleich / ob sie
Mann oder Pferd verwundeten; diese viere / so einen grossen Schaz mit sich
führeten / sollten ihnen nur eine Handvoll sein. Klodius wollte seinem lieben
Herzen den ersten Beweis seiner Ritterschaft sehen lassen / und baht instendig
/ ihm zu gönnen / dass er der Räuber einen zum absonderlichen Kampff aussfodern
möchte; der ihm aber antwortete: Mein Freund / deine Tapfferkeit gefält mir wohl
/ könnte dir auch solches zu deiner Ehre Auffnahme wohl gönnen; aber sihestu nicht
/ dass sie Räuber und keine redliche Ritter sind? wer will dich versichern / dass
nur einer / und nicht vielmehr die ganze Rotte sich an dich machen werde? sollten
wir dich dann / wie billich / entsetzen / so begäben wir uns aus unserm Vortel.
Aber höre meine Meinung: du sihest Handgreifflich / dass die zwölff Diener des
Ritterstreits unerfahren sind; unter dieselben soltu und Marx dich mischen / und
mehr mit dräuen als Wunden sie umtreiben; so will ich und mein Bruder die vier
Ritter bestehen / und sehen was hinter ihnen stecket. Hiemit legten Herkules und
Ladisla ihre Speere ein / und ranten auff die viere hin /die sich nur mit
Schwertern versehen hatten; huben deren alsbald zween aus dem Sattel / so dass
der von Herkules getroffene / das Genik abstürzete. Bald darauff griffen unsere
Helden zu den Schwertern / nahmen jeder einen vor sich / und putzeten sie in
wenig streichen dergestalt / dass das Blut von allen Orten hervor drang / und sie
endlich todt niederfielen. Inzwischen hatten Klodius und Marx mit ihren Speeren
zween Knechte durch und durch gerennet / zogen von Leder / und fingen an
scharffe Stösse ausszuteilen /deren diese nicht gewohnt wahren / worffen das
Gewehr von sich / und bahten mit gefaltenen Hände umb Lebensfristung / welches
sie mit diesem Bedinge erhielten / dz sie allen jhren Pferden die Span Ader
abhaue / und die Waffen von sich legen sollten / welches sie willig verrichteten.
Unterdessen sah Klodius /dass der von Ladisla abgestochene / weil der
Schwertstreit wehrete / sich wieder zu pferde machete / in Meinung / davon zu
rennen; deswegen er ihm eiferig nachsetzete / und eines von hinten zu über die
Schulder gab / dass der rohte Schweiss folgete / fassete ihn hernach bei dem Arme
/ dass er sich ergeben / und mit ihm fortreiten musste / da derweile Markus der
erschrockenen Diener hütete. Klodius brachte seinen Gefangenen herzu / gleich da
unsere Helden mit ihren Feinden fertig wahren / und sagte zu Herkules: Gnädiger
Herr / hie stelle ich den Aussreisser wieder / der seiner Geburt nach zwar
Römisches Adels / und mir leider in etwas verwand ist; nach dem er aber sich und
sein Geschlecht durch Strassenraub geschändet / ist er ferneres Lebens unwirdig;
bitte demnach / jhn mir zur straffe zu übergeben. Der Gefangene hatte gehoffet
/Klodius würde wegen der Verwandschaft vor ihn bitten / vernam aber das
Widerspiel / und hielt bei Ladisla an / umb Lebensfristung; welcher ihm
antwortete: Du wirst sehen / wie du mit deinem Befreundten handeln kanst; aber
zeige mir zuvor die Ursach an dieses mörderischen überfalles. Dieser ward froh
/meinte durch die warhafte Aussage das Leben zu erhalten / und meldete an / er
und seine erschlagene Gesellen währen durch Wolleben in Armut gerahten /und
hätten jhren Stand ohn dieses Mittel nicht führen können / daher sie ihren
Knechten freie Beute / wo sie anzutreffen währe / vergönnet. Nun hätte vor wenig
Wochen jhrer Knechte einer ein sehr gutes Pferd eingebracht / mit Vermeldung /
sein Geselle Geta / der einen wolbespikten Wetscher ergriffen /währe vom Pferde
geschlagen / und gefangen hinweg geführet / und weil derselbe in Frechheit und
kühnen Anschlägen seines gleichen nicht gehabt / hätten seine Mitgesellen ihn
ungerettet nicht lassen wollen / damit er nicht vor die Obrigkeit gestellet /
und seine verschworne zuverrahten gezwungen würde. Zwar er müste gestehen / dass
den Wetscher zugleich mit davon zubringen / sie aussgangen währen / nicht aber
/den blutigen Kampff anzufahen. O du meinäidiger Bube / antwortete Ladisla; ist
dass der Weg / worauff ädle Ritter wandeln sollen? Gnädiger Herr / sagte Klodius
/ man hat von dieser verschworne Gesellschaft etliche Zeit her geargwohnet /
und die rechtschuldigen doch nicht erfahren können / deren gleichwol eine
zimliche Anzahl sein soll / und unter ihnen etliche vornehme Herren. Ich meines
teils bin von unterschiedlichen etlichemahl erinnert / und von diesem
gegenwärtigen selbst / warumb ich von meinen Gläubigern mich so viel plagen /
und ihnen meine Güter zuverzehren frei liesse; man hätte ja Mittel /Geld zu
erwerben / und die verschuldeten Güter frei zu machen / welches mir da ich nur
wollte / ja so zulässig als andern währe; weil ich aber eines ungebührlichen
Vorschlages mich besorgete / habe ich nie weiter nachfragen wollen: und haben
meine Gnädige Herren zu bedenken / obs rahtsam sei / diesem mit unser
augenscheinlichen Gefahr / das Leben zu schenken /da er ohn zweifel durch seine
verschworne sich zu rächen / allen fleiss anlegen würde. Ladisla stellete ihm
frei / nach belieben zu handeln / deswegen er dem Räuber das Schwert durch den
Leib sties / dass er zu boden stürzete. Sein Geselle trieb die neun übrigen
Knechte auch herzu / welche endlich angeloben mussten / diesen Tag aus Rom zu
bleiben / und des nähst folgenden nach Herren Sabihn Behausung zu gehen /ihm
allen Verlauff anzuzeigen. Klodius und Markus hielten plünderung / nahmen den
erschlagenen Rittern ihre Ringe / Armbänder und baaren Gelder / auff 1200 Kronen
gerechnet / und wollten sie gar entkleiden; aber Herkules wehrete ihnen; es währe
nicht ritterlich / dass man todte Leichnam so beschimpffete; sie hätten ihre
zeitliche Straffe hinweg / und durch den Todt überstanden. Unsere Helden nahmen
hierauff ihren Weg nach der Landschaft Etrurien / welche die ädleste in ganz
Italia ist / reiseten selbe von Süde nach Norden durch / und besahen / was
daselbst denkwirdig wahr. Aus dieser kahmen sie in Flaminien / und lagen in der
Stadt Ravenna wenig tage stille. Von dannen begaben sie sich gen Mantua / eine
sehr alte Stadt / 670 Jahr wie man meint  / vor Rom erbauet / und 60 Jahr älter
als Troja. Von hierab gingen sie nach Verohn / und endlich nach Padua / in
Meinung / von dannen nach Aquileja zu reiten / und aus dem nähesten Hafen nach
Korint in Griechenland zu schiffen. Sie traffen auff der ganzen Reise keine
ritterliche Ubung an / ohn in den grossen Städten sahen sie viel Fechter / die
ihre ertichtete Feindschaft mit trockenen Schlägen aussführeten. Als sie von
Verohn nach Padua in einem Walde etwas irre ritten / höreten sie gar von ferne
ein geschrei etlicher Weiber / die sich kläglich hielten / ob wollte man ihrer
Keuschheit Gewalt anlegen; daher Herkules zu Ladisla sagte: Mir zweiffelt nicht
/ diese schreiende werden unser Hülffe hart benöhtiget sein / wann wir nur mit
unsern Pferden zu ihnen gelangen könten; Aber ihre bemühung durch das Reisich zu
brechen / war umsonst / stiegen deswegen ab / gaben ihren Dienern die Pferde zu
halten / und gingen im vollen Harnisch mit Schild und Schwert dem jämmerlichen
Geschrei nach / welches sich stets mehrete / nachdem es ein wenig auffgehöret
hatte. Als sie nun die dornichten Hecken nicht ohn Mühe durchgekrochen / kamen
sie auff einen lustigen grünen Platz / mit hohen Bäumen zimlich weit von einander
besezt / daselbst erblicketen sie fünff starke grosse Männer mit blossen
Schwertern / welche drei sehr schöne Weibesbilder vor sich auff der Erden liegen
hatten / die sich mit Händen und Füssen umklemmeten / und wie Schlangen sich
zusammen wickelten; Die jüngste unter ihnen wahr mutternacket / die zwo übrigen
nur mit einem zarten Hemde bekleidet / und lagen ihre bunte Seidene mit Gold
gestickete Kleider halb zurissen / etliche Schritte von ihnen. So bald unsere
Helden von diesen Räubern gesehen wurden /mussten sie ihr anschreihen hören / dass
sie stille stehen / uñ ihrer Ankunft ursach melden sollten; auch traten ihrer
viere (deren drei gepanzert wahren) alsbald zu ihnen ein / in Meinung / sie
durch pochen zu erschrecken / brülleten mit scheusslicher Stimme / was vor unglück
sie daher führete / ihren lezten Odem hie zu endigen. Unsere Helden hatten jhre
Helme unter dem Arme / dass man ihre Gesichter erkennen kunte /und verwunderten
sich die Räuber über Herkules treflicher Schönheit dermassen / dass der
ansehnlichste unter jhnen zu seiner Gesellschaft sagete: Ihr Brüder /ich lasse
euch jenen unsern Raub zu eurem / Willen über / wann ich nur diese (auff
Herkules zeigend) zu meinem Buhlen haben mag / welche ausser Zweifel von guter
Kühnheit sein / und sich meiner Art viel vergleichen muss / weil sie sich im
Harnische darff finden lassen; und wie könnte so trefliche Schönheit einem andern
/ als Weibesbilde beiwohnen? Herkules gab jhm zur Antwort: Als viel ich merke /
dürffte ich schier in dieser Wildnis einen zahmen Buhlen bekommen; aber du must
mir meine weise nicht verübeln / dass ich keinen Liebhaber annehme / der nicht
zuvor einen scharffen Streit mit mir versucht hat; setzete hiemit / wie auch
Ladisla / den Helm auff / und bereiteten sich zum Ernste. Dieser aber rief ihnen
zu /sie sollten sich nichts widriges zu ihnen versehen; steckete sein Schwert ein
/ und trat ihnen näher / umb ein Liebes Gespräch mit Herkules zuhalten; der ihm
aber / angesehen seiner viehischen Leibesstärke nicht trauen wollte / sondern
hiess jhn zurück bleiben / oder des Angriffs gewärtig sein. Der Räuber schätzete
diese Dräuung geringe / und in dem er auff jhn zugieng / sagte er: Schönes Lieb
/ leget euren schweren Harnisch ab / und werdet mir in der Liebe zuwillen /weil
es anders doch nicht sein kann / ich will mich versichert gar freundlich zu euch
halten / und meine Küsse anzubringen wissen / dass euch nach mehren verlangen
soll; griff auch mit der rechten Hand nach jhm / in Meinung / sein alsbald
mächtig zu werden; aber Herkules schlug ihn mit seines Schwertes Fläche (dann er
jhn vorsezlich nicht verwunden wollte) über die Faust / dass er sie saursichtig
nach sich ziehen musste / und sagte zugleich: Du unflätiger Schelm /wiltu auch
noch Gewalt brauchen? Bald nim dein Schwert in die Faust / oder ich werde dich
dannoch niedermachen. Der Wüterich zog hierauff von Leder /und nam nur Herkules
Hiebe aus (der ungeseumet zu jhm einstürmete) / vermahnete ihn auch noch immerzu
/ einzuhalten / und jhm zuvor seine Begierden zu vergnügen / alsdañ wollte er ihm
hernach Streits nicht versage / wann es anders nicht sein könnte. Aber Herkules
achtete seiner Rede nicht / sondern traff jhn /weil er ungepanzert wahr / in die
seite / dass das Blut häuffig hervor sprützete; wodurch dieser seine
Liebesgedanken aufgeben / und rechtmässige Gegenwehr /mit Schwert und Schild
vornehmen musste / sagte auch mit grausamer Stimme: O du elende / ob ich gleich
nie kein Schwert über ein Weibesbild gezücket / so verdienet doch deine
Verwägenheit / dz du gezüchtiget werdest; fiel auch mit solchem Ungestüm auff
jhn / dass er seiner Wuht drei Schritte weichen musste /dessen er sich vor Ladisla
nicht wenig schämete; fassete doch bald wieder Stand / und nam seiner Schanze
fleissig wahr; Sie trieben das Gefechte über eine viertelstunde ohn auffhören /
dass die anwesende sich dessen verwunderten. Der Räuber hatte zeit seines Lebens
solchen Widerstand nicht erfahren / weil er nicht allein ein Baumstarker Mann /
über vierdehalb Ellen lang / sondern auch der beruffenste Fechter wahr / und
niemand / der ihn kennete / ihn bestehen durffte; Daher nam ihn wunder / dass in
Weibes Armen / wie er ihm gänzlich eingebildet / solche Krafft sein sollte /und
sagte zu jhm: Jungfrau / ich weiss nicht / ob ich euch vor ein Gespenst halten
soll / dass ihr euch meiner Gewalt so lange erwehret. So hältestu mich nun vor ein
Gespenst? antwortete er; ich dich aber vor einen Räuber und Jungferndieb; werde
dir auch meine Fäuste noch etwas besser zu erkennen geben. Damit ging der
Kampff wieder an / und ward Herkules oben am Halse verwundet; welches jhm aber
sein gutes Herz nicht minderte / sondern trieb den Feind so lange um /biss ihm
ein Unterhieb geriet / mit welchem er ihm de Ellenboge spaltete / dz er das
Schwerd aus der Faust fallen liess / und vor Schmerzen laut schrihe; aber
Herkules doppelte den Streich / und lösete jhm damit den ganzen Arm von der
Schulder / dass ihm derselbe nur an der Haut hangen blieb / womit er zu Bodem
stürzete / wie ein Ochs brüllete / und sich auf dem Grase walzete / biss er die
gottlose Seele mit dem lezten Blute aussbliess. Die drei gepanzerte Räuber
entsetzeten sich höchlich über diesen unfall / und überfielen Herkules ingesamt
/ daher Ladisla auch nicht feirete / mit eintrat / und zu ihnen sagete: Ihr
Ertzdiebe / dürffen euer drei sich zugleich wohl an eine Jungfer machen? fassete
sein Schwert mit aller Krafft / und spaltete dem einen den Kopff vonander / dass
nunmehr der Streit gleich geteilet wahr. Die erschrockenen nacketen Weibesbilder
höreten zwar den harten Kampff / aber wegen des fünften Räubers / der ihrer
hütete / durfften sie kein Wort reden / noch sich umsehen / weil er das Schwert
in der Hand hielt / und sie zu erstechen dräuete / wo sie sich regen würden;
nicht desto weniger fassete die jüngste ganz nackete einen Muht / sah sich um /
und ward gewahr / dass schon zween Räuber gestrekt lagen / und die übrige beiden
sich kaum mehr schützen kunten / daher sie zu ihren Gespielen sagte: Die Götter
/ geliebte Schwestern /wollen uns vor dissmähl gnädig retten. Ihr Hüter hatte
sich auffgemacht / seinen Gesellen Beistand zu leisten / und als er diese Wort
hörete / stund er / und bedachte sich / ob er sie alle drei zuvor erwürgen sollte
/hätte auch ohn Zweifel diese Mordtaht vollzogen /wann nicht Ladisla gleich mit
seinem Manne währe fertig worden / dass er sich gegen jhn hätte wenden müssen /
als welcher sich dieses Bubenstüks besorgete / und jhm zurieff; dafern er sich
an diesen Weibesbildern vergreiffen würde / müste er durch alle Pein sterben.
Hiedurch wurden diese elende dem Tode entrissen / dann Ladisla trieb den Räuber
dergestalt umb / weil er ihn zu erschlagen noch nicht willens wahr /dass er jhn
von den Weibern abzog / und er hingegen jhnen näher kam / da er sie fragete / ob
jhnen auch an jhren Ehren Abbruch geschehen währe die jüngste aber zur Antwort
gab; es währe ihnen die Schande zwar sehr nahe gewesen / aber durch der Götter
Schuz / und ihrer beider Hülffe abgekehret und hintertrieben. Der Räuber selbst
fing zu ihm an: Ich weiss nicht / was vor Unfelde euch beide lebendige Teuffel
daher geführet / uns in unserm vorhaben zu stören / gleich da wir meinten / am
sichersten zu sein und unser Liebe wirklich zu geniessen; fassete damit alle
seine Kräffte zusammen / und wagete den äussersten Fall /ob er jhm den Harnisch
durchhauen könnte. Immittels dieses heftigen Streits er sah die ganz nackete
ihr zurissenes Hemdlein / lieff hin / wickelte sich drein als best sie mochte /
und setzte sich wieder zu jhren Gespielen / gleich als Ladisla seinen Feind mit
einem Stosse in den Unterleib zur Erden fellete / dass er mit einem Gebölke die
unreine Seele samt den Mist aussschüttete. Herkules wahr auch seines Gegeners
Meister worden / dann weil jhm die beiden stärkesten und erfahrensten
auffgestossen wahren / hielt der Kampff ziemlich an / und mattete sich sehr ab /
dass nach des Räubers Fällung er gezwunge ward / sich nider zusetzen. Ladisla
aber ging nach erhaltenem Siege zu dem Frauezimmer / taht seinen Helm ab / und
nach freundlicher Begrüssung zeigete er sein Mitleiden wegen ihres Unfalles an /
sie daneben tröstend / weil ihre Zucht und Ehre unverlezt blieben währe /
möchten sie das übrige mit Geduld überwinden. Diese verwunderten sich seiner
guten Gestalt und Jugend über die masse / und bahten dienstlich umb Verzeihung /
dass wegen ihrer Blösse sie nicht auffstehen / noch jhn gebührlich ehren könten /
wie er solches umb sie verdienet hätte; insonderheit sah jhn die zuvor ganz
nackete / nunmehr halb eingewickelte mit schamhaftigen Augen an / und baht sehr
/ er möchte sich so hoch verdient umb sie machen / und der Röcke einen ihr
unbeschweret zuwerffen / damit sie sich bedecken könnte; welches er ihr nicht
versagen wollte; legte ihr auch denselben ganz höflich umb die Schuldern /
unterdessen die andern einen Abtrit nahmen / und wie best sie mochten / sich in
der Eile bekleideten. Ladisla vergaffete sich an der entblösseten so gar / dass
er sein selbst drüber vergass / fragete sie doch / ob sie auch meinten / dass
noch etwas Gefahr vorhanden währe; und als er vernam / dass ohn die fünff
erschlagene sie keinen Mensche gemerket / lösete er seinen Harnisch auff / etwas
Kühlung einzunehmen / da dieses Fräulein / ihren dankbaren Willen zu erzeigen
/jhm die hülfliche Hand boht / und dauchte sie / nie keinen so wolgestalten
Ritter gesehen zu haben / setzete auch auff sein inständiges anhalten sich zu
ihm in den Schatten des Baums nider / da der gute Ladisla durch Gelegenheit und
Liebe verleitet / sie freundlich küssete / und mit allerhand Liebesreden sich
gegen sie zu allen Diensten anerboht; worüber das Jungfräulein verursachet ward
/ ihn flehlich zu bitten / er wollte doch jhrer Ehren wider sich selbst
Beschützer sein /die er aus den Händen der boshaften Räuber so ritterlich
erlöset hätte. Und ob er gleich / sagte sie / mit alle meinem Vermögen mich jhm
verbunden hat /zweifele ich doch an seiner hohen Tugend nicht / die mich alles
dessen versichern muss / was zu Beschützung meiner Zucht erfodert wird; ich müste
sonst dem Himmel klagen / dz er mir eine kurze Freude zugeschicket / und
dieselbe mir bald darauff mit der allerbitterste Wermut versalzen hätte / die
nichts als den gewissen Todt in mir verursachen würde / gestaltsam meinem Herrn
ich zu allen Göttern schwöre / dass /dafern mir einige Gewalt sollte angelegt
werden / ich nach dem keine Stunde mehr leben will. Ladisla erhohlete sich
hierauff / lobete ihre Keuscheit in seinem vernünftigen Herzen / und antwortete
ihr: Schönstes Jungfräulein / ich bitte sehr / mir zuverzeihen / dass durch Liebe
übernommen / ich mich zuviel unterstehen dürffen / da ich sie doch versichere /
dass ich keinen Gedancken zu jhrer Ehrenkränckung gefasset /wie dann solches
keinem redlichen Ritter zustehen will / nur ist mir selbst leid / dz eure
aussbündige Schönheit mich dahin entzücket / wohin ich vor diesem nie kommen bin.
Diese ward nicht allein der Ehren versicherung sehr froh / sondern lies ihr die
anmuhtige Zuneigung auch gefallen / dass sie viel freundlicher uñ kühner mit ihm
sprachte als vorhin / insonderheit /weil durch Ehren bezeigung er sein keusches
Herz ihr gnug zu erkennen gab. Herkules hatte sich auch wieder erhoben / zu
welchem die andern beiden Fräulein traten / und ihm grosse Ehr und höffligkeit
erzeigeten / mit Bitte / ihnen zu vergünstigen / dass sie ihm als ihrem Erlöser
die Rüstung abzihen / und da er beschädiget währe / seine Wunden verbinden
möchten. Zwar er wegerte sich dessen etwas / aber weil sie sahen / dass er der
Kühlung benöhtigt wahr / nahmen sie jhm ein Stück nach dem andern ab / wiewol
anfangs nur den Helm; da sie über seiner zarten Schönheit sich fast entsetzeten
/ auch der Halswunde gewahr wurden / welche sie bei sanfter Reinigung nicht so
gar gefährlich befunden / und sie mit möglichem Fleiss verbunden. Es verwunderte
sich Herkules nicht wenig / was Ladisla bei der einen sich hinter dem Baum so
lange auffhielte / meinte anfangs / er würde etwa verwundet sein / und wahr
willens zu ihm hin zugehen; weil er aber von dem Frauenzimmer berichtet ward dass
er keinen Schaden genommen / sondern sich des Baums zur Kühlung gebrauchte / und
von ihrer Wasen mit Gespräch unterhalten würde / blieb er an seinem Orte. Nun
hätte Ladisla in seiner Verliebung wohl den ganzen Tag auff solche weise
zugebracht / dafern er von dem Fräulein nicht erinnert währe / seinen
ritterlichen Gesellen zu besuchen / ob er vielleicht verwundet währe / da sie
jhn bei der Hand fassete / und zugleich baht / er möchte der schon geleisteten
Woltaht noch diese hinzu tuhn / und sie nach jhres Vaters Wohnung begleiten /
damit sie neben den jhren Gelegenheit hätte / die gebührliche Dankbarkeit sehen
zu lassen. Zum ersten wahr er willig / weil er selbst fürchtete / es möchte
seinem Herkules etwas widriges zugestossen sein. Das andere hätte er gerne
versprochen / wann ihm nur Herkules Meinung währe bewust gewesen / dem er nicht
vorgreiffen wollte; deswegen er zur Antwort gab: Wann sein Geselle / der ihm zu
gebieten hätte / mit nach ihren Eltern zu reisen einwilligen würde / sollte es an
jhm nicht mangeln; aber meine geliebte Freundin sagte er / woselbst sind dann
ihre Eltern anzutreffen? Sophia (so hiess dieses Fräulein) antwortete: Ihr Herr
Vater / von dem uhralten Fabier Geschlechte wähdazu Padua über diese ganze
Landschaft Römischer Käyserl. Stadtalter. Nun wusste Ladisla wohl / was vor ein
hohes Ampt dieses wahr / so dass auch Könige sich vor ihnen demütigen mussten /
deswegen er sich tieff gegen sie neigete / und also anfing: Hochgebohrnes
Fräulein; ich bitte ganz dienstlich / meiner Grobheit zu verzeihen / dass
derselben ich die gebührliche Ehre nicht geleistet / in dem ich ihres Standes
allerdinge unberichtet gewesen / so dass wegen meines Frevels ich ohn Zweifel
jhrer Vortrefligkeit mehr widriges /als durch beschehene Erlösung / Dienst und
Freundschaft erzeiget habe; wegere mich daher nicht / die Straffe / welche sie
mir aufflegen wird / geduldig über mich zu nehmen / wiewol ich bei Ritterlichen
Ehren beteuren kann dass mich keine Frecheit / sondern eine auffrichtige Zuneigung
so kühn gemacht hat; nahm damit ihre Hand / dieselbe ehrerbietig zu küssen;
dessen sie sich doch wegerte / und jhm diese Antwort gab: Mein Herr / es sei /
dass mein Herr Vater dieses Orts zu gebieten habe / und vielleicht wegen Käyserl.
hohen Gnade noch viel ein grösseres vermöchte / so wird er doch / seiner / ohn
Ruhm beiwohnenden Klugheit nach wissen und erkennen / wie viel er meinem
Hochwerten Herrn und seinem tapfferen Gesellen schuldig ist. Dass aber mein Herr
sich bei meiner Wenigkeit über die Gebühr entschuldiget / weiss ich nicht zu
beantworten / ohn dass ich denselben wohl versichern kann / dass mir die höchste
Vergnügung dieser Welt jezt diese Stunde begegnet ist / in dem die gütigen
Götter mir gegönnet / den Erlöser meiner Ehr und Lebens in etwas zu erkennen /
dessen bessere Kundschaft mir der Himmel / wie ich hoffe / zugeben wird.
Ladisla machte ihm aus dieser Antwort gute Hoffnung eines glücklichen Fortganges
seiner vorgenommenen Liebe; küssete jhr die Hand mit hoher Ehrerbietung /und im
fortgehen gab er zur Wiederantwort: Durchleuchtiges Fräulein / die von mir
beschehene Rettung ist gedenkens nicht wert / würde auch der Himmel nimmermehr
zugegeben haben / dass einem solchen vollkomenen Fräulein von diesen schändlichen
Räubern einige Gewaltsamkeit hätte sollen angelegt werden / sondern vielmehr
hätten die Bäume selbst sich aus der Erde reissen / und diese Buben erschlagen
müssen; dass also ich nur bloss vor eine Glükseligkeit rechnen muss / dass die
Götter meiner schlechten Dienste hieselbst gebrauchen wollen / dessen ich mich
zeit meines Lebens mehr / als aller meiner vorigen Glükseligkeiten rühmen werde.
Mein Herr / sagete sie; seine grosse Höfligkeit machet ihn also reden /welche
ihre eigene Tahten zu preisen ungewohnt ist; mir aber will gebühren / die
empfangene Woltaht zu erkennen / dessen ich mich äusserst bemühen werde; Vor
dissmahl bitte ich / meiner unwitzigen Jugend hochgünstig zu verzeihen / dass
anfangs ohn gegebene Ursach / sein tugend-ergebenes Herz / welches aus seinen
Worten und Tahten eben so klar / als aus seiner Tapferkeit hervor strahlet / ich
in Zweifel zihen dürffen; welches wie ich hoffe / mein Herr / in Betrachtung der
Jungfräulichen Zucht und Vorsorge /mir wohl übersehen wird. Ladisla verwunderte
sich über jhre vernünftige Reden / und wahr willens / es zu beantworten; hielt
aber zurück / da er hörete / dass sie also fort fuhr; Ich will aber die gebührliche
Abbite meines Fehlers biss auff gelegenere Zeit verschieben /und mein erstes
wiederhohlen / dass mein Herr mir zu ehren sich mit mir nach Padua erheben wolle
/ umb /sein hochgeltendes Zeugnis / meiner / dem Himmel sei Dank / erhaltenen
Keuscheit / bei meinen Eltern abzulegen; fassete hiemit seine Hand und sagete:
Mein Herr / diese streitbahre Hand / wie kräfftig sie gleich ist / will ich
gefangen halten / biss sie durch des Mundes Zusage sich frei machen wird. So
würde ich viel lieber ein solches nimmermehr zusagen / antwortete er / dass meine
unwirdige Hand von so zarten allerschönsten Händichen immer und ewig möchte
gehalten werden. Das Fräulein erröhtete vor dieser Rede / fand sich doch bald /
und sagete: Meinen Herren beliebet dergleichen höfflichen Scherz mit mir
zutreiben / und dafern er gedenket / mit solcher Antwort mich von meinem
bittlichen Ansuchen abwendig zu machen / wird es eine vergebliche Mühe sein /
weil die schon empfangene Woltat mich zimlich kühn gemacht / nach Art aller
unverschämten und geizigen immerhin in der Anfoderung zu bleiben; deswegen ichs
dann nicht allein will erwiedert haben / sondern auch angenehmer Antwort mich ohn
ferners wegern versehen. Mein Fräulein / sagete er / ich verspreche alles / was
in meinem äussersten vermögen / und ienem meinem Gesellen nicht zu wieder ist.
Je mein Herr / sagte sie / ist iener dann zugleich euer Geselle und Gebieter? Ja
mein Fräulein / antwortete er / darzu habe ich ihn erwählet / ungeachtet wir
gleiches Standes / und ich in etwas älter bin. So mus eures Gesellen Stolz ja so
gross / als eure Demuht sein / sagte sie / wann er sich über seines gleichen /
und zwar älterern / der Botmässigkeit annimt. Ich habe ihm diese Gewalt so
willig übergeben / sagte er / als gerne er mir ein gleichmässiges gönnet / da
ich michs nur gebrauchen wollte. Wol / sagte sie / so hat mein Herr seiner
bedingung den Kauff selber auffgesagt / und dafern er günstig und gewogen ist /
wird er sich auffs minste in diesem Stük / seiner Freiheit gebrauchen. Mit
diesem Worte gelangeten sie bei Herkules an / dem Frl. Sophia sehr tieffe
Ehrerbietung erzeigete / und seine Gestalt fast vor übermenschlich hielt / so
dass sie schier auff des ersten Räubers Wahn gerahten währe / und redete ihn also
an: Vortrefflicher Ritter und Herr /wann wir die Heldentahten nicht gesehen
hätten / die euer unüberwindlicher Arm glücklich vollenbracht hat / könten wir
dem scheine nach / anders nicht Urteilen / als dass ihr mit uns eines
Geschlechtes währet; weil aber nicht vermuhtlich ist / dass unter einer
weiblichen Brust solche Krafft und stärke wohnen sollte / müssen wir eure Manheit
nicht in zweifel ziehen; Ich und meine Gespielen schreiben es billich der
himlischen Allmacht zu / welche euch meine hochwerte Herren zu unser Ehren- und
lebens rettung hieher gesand hat /die unkeusche Bosheit der Räuber abzustraffen;
welches zu erkennen / die Erbarkeit und die eingepflanzeten Rechte selbst uns zu
ruffen / dafern unser vermögen nur so weit reichen wollte; da wir dann nicht
zweiffeln / die götter selbst werden unsere Stete vertreten helffen / damit
diese hochrühmliche Taht mit gebührlichem preise durch die ganze Welt verehret
werde / nachdem eines Ritters höchstes Lob in dem bestehet / dass er den
schwachen beistand / den unschuldigen hülffe / und den nohtleidenden rettung
geleistet / welches von meinen Herren vor dissmal uns allerdinge unbekanten / so
überflüssig begegnet ist /dass niemand als die unbescheidene Undankbarkeit ein
wiedriges reden und zeugen wird. Aber mein Herr /sagte sie zu Ladisla / werde
ich auch diese Kühnheit nehmen dürffen eine gleichmässige Bitte an euren Freund
/ wie an euch / zu legen? Durchleuchtiges Fräulein / antwortete er / demnach sie
nicht allein in betrachtung ihres Herrn Vaters / des Hochmögenden Herrn
Stadtalters zu Padua / sondern auch wegen ihrer selbst eigenen wirdigkeit uns
zu befehlen hat /wird sie diese Frage vor einen überflus erkennen. Herkules / da
er aus dieser Rede die Hocheit dieser Fräulein vernam / erzeigete ihr grosse
Ehre / und fing an: Durchl. Fräulein / ihre vernünftige reden zeigen leicht an
/ von was vortrefflichen Leuten sie müsse gezeuget und erzogen sein; das hohe
Lob aber / welches meiner geringfügigkeit zuzulegen / ihr gefallen wollen /
reichet bei weitem noch nicht an meine schlechte Tahte / daher dieselben weit
über Verdienst sind erhoben / in dem mit ihren zierlichen reden sie sich haben
schmücken lassen / gleich wie man ein unwirdiges Hölzlein mit güldenen Kleidern
behänget /dass eine ansehnliche Tocke draus wird; woselbst meinem Fräulein
einzureden / ich die Kühnheit noch nicht ergreiffen kann. Dass aber dannoch der
Gnädige Gott als Beschützer aller unschuld / und Rächer aller Bosheit / meinen
lieben Freund und mich / zu so heilsamer Stunde in diese Gegend geführet / dass
wir unser hochwerten Fräulein klägliches Geschrei ohn gefehr vernehmen / und
wider die verfluchten Räuber / ihnen Beistand leisten können / rechnen wir
billig unter unsere Glükseligkeiten mit; gestaltsam ein redlicher Ritter das
Schwert zu dem Ende gebrauchen soll / dass den unterdrükten Hülffe / und der
Bosheit eintrag geschehe; daher leicht erhellet / dass unsere jetzige Verrichtung
aus blosser schuldigkeit / damit wir der Erbarkeit und allen redlichen Menschen
verhaftet sind /herrühret / und umb so viel weniger Dank und vergeltung
verdienet / die dannoch durch meiner Fräulein hochgeneigte Lobreden uns in so
häuffiger menge schon wirklich eingeliefert ist / dass wir uns derselben zu allem
schuldigen Gehorsam darstellen müssen /und daher sie neben ihren hochädlen
Gespielen bei uns nichts durch Bitte zu suchen / sondern durch Befehl alles
auffzulegen berechtiget sind; ist also meiner Fräulein an mich getahne Foderung
/ die mein Geselle wissen wird / meines teils eine Schuld / wann sie dem nicht
zu wieder ist / der mir zubefehlen hat. Mein Herr und Erretter / antwortete das
Fräulein / ich bin viel zu ungeschikt / seine reden zu beantworten / biss ich
eine geraume Zeit von sehr vernünftige Lehrmeistern darüber werde unterrichtet
sein; aber dass ich den Zweg meines vorhabens umb so viel zeitiger erreichen möge
/ bitte meinen Herren ich Ehrenfreundlich / mir an zu zeigen / woselbst ich
seinen Gebieter /auff den er sich berufft / antreffen solle. Dieser ist es
/sagte er (auff Ladisla zeigend) / der mein Fräulein aus Räubers Händen errettet
hat. Ich weiss nicht mein Herr / antwortete sie mit einem holdseligen Lächeln /
ob dieser euer Freund sich einiges Befehls über euch annehmen werde / als
welcher meine Bitte mit eben der Bedingung eingewilliget hat; daher dann ihrem
über dieser Frage vermuhtlichen Streite vorzukommen /wer unter euch beiden einer
dem andern zu gebieten habe / ist mein ehrengebührliches Ansuchen / diese meine
beide Fräulein Wasen vor düchtige Richterinnen zu erkennen / ob meine Bitte der
billigkeit gemäss / und meine Herren / selbe abzuschlagen befuget sein werden
oder nicht. Die älteste / so von XIIX Jahren wahr / nahmens Ursula Kornelia /
fiel ihr in die Rede und sagte: Frl. Wase / wie beschimpffet ihr uns beide so
gar hoch / durch diesen euren gar zu kühnen Vorschlag? meint  ihr den Nahmen
einer dankbahren allein davon zu tragen / und aus uns so verwägene zu machen /
dass wir uns diesen vortreflichen Rittern und Herren sollten zu Richterinnen
setzen und bestellen lassen / die uns zur äussersten Schande schon verurteilete
/ jezt diese Stunde / durch die kräfftige sieghafte gegenurtel ihres
unüberwindlichen Schwerts davon los gearbeitet? O nein! wir versagen euch allen
gehorsam / und wollen uns viel lieber von diesen Herren vor Richterinnen wieder
euch bestellen lassen / da ihr trauen eines harten Spruchs euch werdet befahren
müssen / umb dass ihr unserer Erlöser willens Freiheit durch bestellete Richter
einzuziehen / euch dürffet gelüsten lassen; und wer hat euch doch in so kurzer
Zeit so kühn uñ beherzt gemacht / da ihr sonsten wie ein Espinlaub zittertet /
uñ so bloss an Blut uñ Kühnheit /als an Kleidern wahret? Wer mit kühnen Leuten
umgehet / antwortete Frl. Sophia / der gewehnet sich zu gleicher Tugend.
Versichert euch aber / meine Schwester / dass ich diese mir angelegte
beschimpfung zu eivern / nicht in vergess stellen werde. Habe ich nicht schon
ursach gnug / und mehr als euer keine / meine Augen schamhaftig
niederzuschlagen? Und ihr dürffet mir solches durch Aufrückung noch
verzweifachen / gerade als wann ich schuld dran trüge? Nun / nun; wer borget /
der gedenke / dass die Zahlwoche folgen müsse. Ich will mich aber mit euch nicht
weiter zanken / sondern zu meinen Herren mich wenden / und durch Vortragung
meiner Bitte / mich eurer ungütlichen Auflage losswircken / erinnere dieselben
demnach bei der hohen und schon geleisteten Bedienung /sie wollen sich
grossehrengünstig gefallen lassen / mit uns nach Padua zu kehren / nicht allein /
dass ihre kräfftige Hand uns biss dahin sichern Schuz halte /sondern uns auch
Gelegenheit gönnen / unsere Danckschuldigkeit sehen zu lassen / nach dem wir mit
höchsten Freuden anhören werden / dass sie wegen unser unbeflekten Zucht und
Keuschheit / bei unsern Eltern gnugsame Zeugnis ablegen; wie dann mein Herr
(auff Ladisla zeigend) aus des lezten Räubers eigener Bekäntnis / dessen ich
mich sehr freue / verstanden hat. Herkules befand eine ungewöhnliche Verenderung
an Ladisla / und dass er ohn unterlass dieses Fräulein mit unverwendeten Augen
ansah / woraus er bald schloss / das er müste getroffen sein; liess sichs doch
nicht merken / und gab auff der Fräulein vorbringen zur Antwort: Wann ich hätte
wissen sollen / dass ihrer Durchl. begehren also beschaffen / wollte ich mich
darzu unwägerlich erbohten haben / massen mein Freund und ich / uns schuldig
erachten / sie nach Padua zu begleiten / und nach aller mögligkeit ihnen Schuz
zu leisten; nur allein zeigete er an / dass ihre Reise der eile unterworffen /
keine Verzögerung leiden wollte / und daher dienstlich baht / sie durch nöhtigung
daselbst nicht auffzuhalten: auch / wo möglich / bei ihren Eltern ihrer nicht zu
gedenken. Mein Herr / sagte Frl. Sophia / ich verspreche alles zu leisten / was
mir möglich / und der Erbarkeit nicht zu wieder ist. Aber mein Herr (redete sie
zu Ladisla) /wird er sich dann nicht mit belieben lassen / dass in seiner sichern
Gesellschaft ich mit fortreisen möge? vor meine Gespielen ein Wort mehr zu
verlieren /halte ich vergeblich sein / weil sie diese meine Bitte als eine
grosse und straffwirdige Unbilligkeit angeklaget haben / und sie / wie ich
muhtmasse / bei diesen erschlagenen / trauer- und Schildwache halten wollen /
biss sie von andern ihres gleichen abgelanget werden. Verzeihet uns / geliebte
Schwester / sagte Frl. Ursula / dass wir eure Bitte nicht rieche können / und
noch wohl unser guten Sache so viel trauen / sie wieder euch / jedoch vor
unverdächtigen Richtern (wobei sie schmuzerlachete) ausszuführen. Ob wir auff
diesem Platze lange verweilen / und diese Räuber bewachen wollen / wird sich bei
dem Auffbruche dieser Ritter aussweisen / deren willen euch allein zu erwerben
/und uns Abzuspenstigen / ihr bemühet gnug seid. Wir unsers teils zweiffeln gar
nicht / es werden diese Herren zu aussführung ihrer preisswirdigen Ehren / uns den
Weg neben herzulauffen / und unter ihrem Schatten die angenehme sicherheits
Kühlung gerne gestatten; wobei sich dann aussfündig machen wird / welche unter
uns die frischeste zu Fuss sein / oder am liebesten zurück bleiben wird. O nein
herzgeliebte Schwester / antwortete Frl. Sophia / ich will meines Anspruchs
wieder euch / mich gerne begeben / nur allein lasset mich nicht dahinden / weil
euch bewust ist /dass meine Beine mich einen so fernen Weg nicht tragen können /
wo ich nicht bissweilen ruhe nehme. Aber ihr meine Herren / verzeihet unserm
kindischen Zanke / der sich umb eine Beute zweiet / ehe sie erlanget ist / und
ich doch hoffe / mein Herr (auff Ladisla zeigend) werde nunmehr seine gewogene
Einwilligung uns erfreulich anhören lassen. Ladisla wahr nicht allein durch ihre
allerdinge vollkommene Schönheit / sondern auch nunmehr durch ihren freundlichen
Verstand und vernünftige Freundligkeit dermassen in liebe entzündet / dass / wo
Herkules gegenwart nicht gewesen / er seinen begierden den Zaum so fest nicht
halten köñen; aber die furchtsame Ehrerbietigkeit / die er von jugend auff gegen
diesen Tugendvollen Helden trug / fesselte seines herzen Inbrunst / damit ja
sein Herkules ihn keines Frevels möchte zu beschuldigen haben. Jedoch dem
Fräulein seine Ergebenheit zu erzeigen / küssete er ihr die Hand und sagte: Er
befünde durch ihre hohe Tugend sich verbunden / ihr zugehorsamen / auch mit
williger vergiessung seines Bluts und Lebens ihr Verfechter zu sein / damit er
dem schweren Laster der Undankbarkeit entginge / welches ihm billich müste
zugelegt werden / wann er sich ihrem Befehl wiederspenstig erzeigen würde; bähte
demnach / ihm kühnlich zubefehlen / ob er vielleicht einiges Geboht zu
verrichten /tüchtig und bestand währe. Das Fräulein hatte seiner Liebes-blicke
in guter Auffmerkung wahrgenommen /die durch diese reden ihr so viel
annehmlicher gemacht wurden / dass nicht allein Herkules / sondern auch die
beiden Fräulein den Schuss merketen / und Herkules seinem Freund zu gefallen
bemühet wahr /dieser beider Auffmerkung von den verliebeten abzuwenden /
deswegen er mit ihnen ein sonderliches Gespräch anfing / welches diesen
liebes-Arbeitern nicht ungenehme wahr / massen sie daher Luft bekahmen /sich
durch unterredung in bessere Kundschaft zu setzen; wie wohl das Fräulein nach
ihrer Verschlagenheit und Zucht / ihre schon entzündete Flammen ihm nicht so
leicht scheinen lassen wollte / und die vorige Rede ihm also beantwortete: Mein
Herr seine Höffligkeit /deren er sich im Erbieten gebrauchet / ist viel zu gross
/ dass sie von mir unerzogenen Schülerin / durch gleichwirdige Antwort sollte
köñen erwiedert werden. Ich habe demselben ja die allergeringste Dankbarkeit zu
erzeigen / sowol wegen meiner Armut an diesem Orte / als kürze der Zeit / und
mangel der Gelegenheit / nicht mächtig sein können; So ist meinem Herrn biss
daher / nicht nur mein Unvermögen / sondern auch die Willigkeit allerdinge
unbekant gewesen / darff auch wohl sagen / mein stand und Wesen / weil meinen
Herrn jemahls vor diesem gesehen zu haben / mich nicht zuerinnern weiss; Wie
sollte er mir dann so hoch / wie seine Reden gehen / verbunden sein können / da
ich schon mehr gutes von seinem mitleidige herzen in dieser einige Stunde
eingenomen / als ich zeit meines Lebens nit bezahle kann / und noch den
allergeringsten anfang darzu nicht gemacht habe / wo nicht mein Herr meinen
guten Willen vor den ersten Grund der künftigen Folge / da einige Mögligkeit
bei mir ist / rechnen wird. Wolle demnach mein Herr der Undankbarkeit sich zu
beschuldigen auffhören / als welche bei ihm / da ers gleich suchete / keine statt
haben kann; Das hohe Erbieten / sich meiner nach wie vor / geträulich anzunehmen
/ macht wegen künftigen Unglücks mich schon aller Furchtloss / weil unter diesen
unüberwindlichen Händen / den Tugendliebenden nur Sicherheit und Schuz / den
Boshaften aber billiche Straffen begegnen können; Wie sollte ich dann einigen
Befehl über diesen mich anmassen / dessen Gunst und Güte meiner Ehre noch länger
zu leben gebohten hat / uñ ich deswegen ihm zur schuldigen Dankbarkeit billich
in Ehren auffwärtig bin. Verzeihet / mein Fräulein /wiederantwortete er / eurem
dienstergebenen Knechte / dass derselbe ihrem Vorbringen einzureden sich
unterstehet / da im übrigen er in allem biss zum Tode willig und gehorsam ist.
Ich will nicht einführen / wie ein unverdientes Lob ihre holdreiche Zunge nur
zuleget; nur dass ich meine gedoppelte Schuldigkeit / welche mein Fräulein
auffzuheben bemühet ist / fest setzen möge / die vor erst in dem bestehet / dass
als lange ich der Tugend ergebener sein will / nohtwendig der Unschuld mich nach
allen Kräfften annehmen muss /und wann ich solches unterliesse / mich alsbald
gegen den Himmel undankbar erzeigen würde / als welcher mir zu dem Ende vor
aller Gefahr biss daher Schuz gehalten hat / dass ich ihm nach meiner Wenigkeit
folge leisten / und so weit ichs vermag / nacheivern solle; jedoch dieses aus
der acht gesezt / bin ich doch nicht minder gehalten / meiner Fräulein als ihren
Verschuldeten mich darzustelle / würde auch in dessen Unterlassung / unter dz
Fähnlein der unverschämtesten undankbahren mich schreiben lassen müssen /
gestaltsam mein Fräulein mir ein Loblied / ehe ichs verdienet / aus Gewogenheit
gesungen / uñ einen Ruhm mir bei der Welt zu erwerben sich günstig anerbeut /
dessen ich nicht fähig bin; ich darff mich weiter nicht erkühnen / mein Fräulein
/ eine noch viel grössere Gewalt auszudrücken / welche zu jhren diensten mich so
heftig antreibet / dass ich sanfter sterben / als dessen mich entbrechen werde;
und würde ich die höchste Stuhffe meines Glückes schon erstiegen haben / wann
der Himmel mich nur düchtigen wollte / dessen durch Verdienst und Tugend wirdig
zu sein / was ich Geblüts halben wohl suchen dürffte; auch das günstige Glük
meiner gehorsamsten Auffwartung eine unablöschliche Grundfarbe anstreichen
möchte / welche ihrer Vortrefligkeit die Ergebenheit meines Willens in etwas zu
entwerffen scheinlich währe. Das gute Fräulein / die dergleichen heftigen
Anlauff niemahls erfahren / sintemahl sie mit Mannesbildern sehr wenig umgangen
/ und ihres Alters sechzehnde Jahr kaum geendiget hatte / wusste in der Eile
keine Antwort zu finden / wahr ihr doch sehr angenehm / dass sie ihn hohes
Geschlechtes zu sein / vermerkete / wollte auch seine Rede nur auff eine gemeine
Gutwilligkeit zihen /und dannoch so viel verdeckete Merkzeichen einstreuen / dass
an ihrer Gewogenheit zu verzweifeln er nicht ursach haben sollte. In dem sie aber
also anfing: Treflicher Ritter / meiner Jugend Unverstand und Unerfahrenheit /
weiss die gebührliche Antwort keines weges zu ersinnen; Da hörete Ladisla ein
helschallendes Hörnlein / je länger je heftiger blasen / wie ers dann mit seinem
Markus abgeredet hatte / dass wann er etwas wichtiges vernehmen würde / er
solches durch dieses Zeichen anmelden sollte; machte ihm desswege bald die
Rechnung / es würde was neues vorhanden sein / daher er etliche Schritte nach
Herkules tretend, sagete: Mein Bruder / wir werden uns in die Waffen begeben
müssen. Ja / antwortete er / ich gehe gleich mit den Gedanken üm; baht auch das
Frauenzimmer / sich hinter den Baum zu stellen /gegen welchen sie den Rücken
kehren wollten / und einen guten Muht zu haben. Guter Raht war hie sehr teuer /
weil die ohndas erschrockene gänzlich meinten / es würde eine frische
RäuberSchaar verhanden sein / der jezt erschlagenen Tod zu rächen / daher sie
voller Furcht und Schrecken in einander fielen / und ihr unglück mit Trähnen
beklageten. Nun hatte gleichwol Markus ursach gnug / dieses Zeichen zu geben
/weil er in die XI. Reuter zustreuet von der rechten seiten über das querfeld
daher rennen sah / welches er unangezeiget nicht lassen wollte; wiewol er mit
seinem pfeiffen schier ein unwiederbringliches übel verursachet hätte. Dann
diese Reuter folgeten der Spuhr eines Wagen / auff welchem die drei Fräulein von
den Räubern hinweg geführet wahren. Als nun jhr Führer das Hörnlein hörete /
rieff er den seinen zu: Auff / auff /ihr Brüder auff! Die räuberische Diebe
haben ihre Wachten aussgesezt / und halten dort vor uns im Pusch; Lasset uns
demnach ihnen den Lohn ihrer Bosheit geben. Rante hiemit in grossem Eiver dahin
/woselbst Klodius und Markus in vollem Harnische mit beiden ädelknaben und vier
ledigen Pferden hielten / welche / da sie merketen / dass jhnen feindlich wollte
zugesezt werden / gedachten sie ihr Leben teuer gnug zu verkauffen / und begaben
sich in die enge / so dass die ädelknaben mit den ledigen Pferden hinter ihnen
halten mussten. Der Befehlichshaber jagete eines steinwurffs vor seinen Leuten
her / rieff auch / die unsern sollten sich ergeben / oder in Stücken gehauen
werden. Klodius gab zur Antwort: Ritter / wer mich gleichwol in Stücken hauen
will / muss meiner Fäuste Gewicht zuvor auch empfinden; aber was Raserei treibet
euch / Fremde also anzufallen? Dieser gedachte / er wollte ihn mit vergeblichen
Worten / und listiger Verstellung / biss zu seiner Mitgehülffen Ankunft
aufhalten / meinte also / er hätte die Räuber gewiss antroffen und sagte: Ihr
Diebe und Räuber / wohin habt ihr die entführten Fräulein geschleppet? Klodius
antwortete: Vor diesen Schimpff soltu mir gerecht sein; Ich bin ein ehrlicher
Römer / komme gleich von Verohn mit meiner Gesellschaft / und weiss von den
nachgefrageten Fräulein nichts zu sagen / es möchten dann diese sein / die wir
vor etwa einer Stunde kläglich genug ruffen gehöret. Dieser schämete sich / dass
er durch Zorn sich so weit vergangen hatte / wollte doch allerdinge nicht trauen
/ sondern sagte: Dafern ihr mich werdet dahin führen / woselbst ihr meint  /das
Geschrei gewesen sein / halte ich euch vor entschuldiget / und will mich bemühen
/ meinen Fehler zu verbessern. Weil nun Klodius sah / dass er übermannet wahr /
und doch diese Schmach zu rächen ihm vorbehielt / stieg er ab vom Pferde / und
sagete: Wer mir folgen will / mag sich auf die Füsse wagen weil man reitend nicht
hindurch brechen kann. Worauf dieser mit seiner halbe Schaar sich zu Fusse begab
/ und die andere Helffte bei Markus warten hiess / biss sie weitern Befehl
vernehmen würden. Es wollte Klodius jhn gleichwol unterrichten / dass zween Ritter
zu der Schreienden Rettung hingangen währen / und er nicht wissen könnte / ob sie
gesieget oder verloren hätten /weil der Streit als von weitem eine zeitlang
gehöret worden / und nachgehends alle Zeichen des weitern ergehens sich
verloren hätten. Aber dieser wahr von Zorn taub und blind / und eilete nur fort
/ den Ort zuerreichen / da er die begangene Untaht rächen könnte; ward auch
endlich unserer Helden in vollem Harnisch gewahr / fassete sein Schwerd und
Schild / dann andere Waffen hatten er und seine Leute wegen der eile nicht
angelegt / und lieff auff die unsern mit diesen Worten zu: Haha ihr
Fräulein-Räuber / jezt sollet jhr den Frevelmuht teuer genug bezahlen. Klodius
trabete neben ihn her / und wollte ihn noch seines Irtums unterrichten; aber da
halff alles nichts; Er ging wie ein erzörneter Eber hinzu / und schlug heftig
gnug von sich. Nun merketen unsere Helden seinen Irtuhm leicht / deswegen sie
der Anfallenden Hiebe nur mit den Schilden aussnahmen / und anfangs niemand
beschädigten / weil ihnen aber gar zu heftig zugesetzet ward / und Klodius sich
neben sie an den Baum stellete / dass sie nicht kunten von hinten zu angegriffen
werden / wollten sie jhnen gleichwol zu erkennen geben / mit was Leuten sie es zu
tuhn hätten / und aus höchstem Nohtzwange hieben sie jhrer sechsen die Köpffe
vonander / dass sie todt zur Erde stürzeten. Ihr Führer wollte solches rächen /
und setzete auff Herkules heftig an / der aus seiner Gestalt urteilete / dass er
was vornehmes sein müste / daher er jhn nicht beschädigen wollte / sondern schlug
ihn mit der Fläche seines Schwerts über den Kopff / dass er taumlich ward /
gleich da Ladisla zu den Fräulein trat / und ihnen zurieff: Lieber bemühet euch
diese eure ohn Zweifel bekannte zu befriedigen / dass wir nicht zu mehrer
Blutstürzung gezwungen werden. Erst gedachten diese / es würden ihre Leute / und
wegen jhrer Rettung ausgezogen sein / deswegen Frl. Sophia ungescheuhet hinzu
lief / wie der von Herkules geschlagene sich wieder erhohlet hatte / und einen
behuetsamern Kampff mit ihm angetreten wahr / so dass wenig fehlete / er hätte
jhn gezwungen niderschlagen müssen / weil er mit gar zu heftigem wüten auff ihn
drang / und die bisher geschehene Verschonung der Unerfahrenheit seines
Bestreiters zulegete. So bald ihn das Fräulein erblickete / rieff sie überlaut;
herzliebster Bruder / wiltu unsern besten Freunden keinen bessern Dank sehen
lassen? tue gemach / tue gemach / du hast keine Feinde vor dir. Als ihr Bruder
Kajus Fabius solches hörete / zohe er sich zurück / gab auch seinen leuten einen
Wink einzuhalten / und antwortete ihr; wie dann / Schwester / ist dir durch die
gewaltsame entführung eine Freundschaft erwiesen /so hüte dich / dass du
nimmermehr deinen Eltern unter die Augen kommest; und wollte hiemit den Kampff
wieder anheben. Aber das Fräulein / nebest ihren Gespielen / stelleten sich
zwischen die blossen Schwerter / und fiel diese ihrem Bruder in die Arme / mit
heissen trähnen sagend: O Bruder öffne doch die Augen deiner Vernunft und
leibes / und sihe dort die erschlagene boshafte Räuber / welche von diesen
beiden tapfferen Helden erlegt / und wir dadurch bei Ehren erhalten sind. So
bald er dieses hörete / warff er den Schild nider / nahete sich zu Herkules /
und boht ihm sein Schwert mit diesen Worten: Gewaltiger Ritter / wer ihr seid /
ich bezeuge mit übergabe meines Schwerts / dass ich wider Rittergebühr mich an
euch vergriffen / indem vor eure Woltaht ich euch unabgesagt und feindlich
überfallen; Welches / da es von mir lebendig kann gebüsst werden / soll mein
äusserstes Vermögen zu euren Diensten sein; wo nicht; so nehmet von mir die
gebührliche Rache / nach meiner eigenen Urtel. Hiemit boht er ihm sein Häupt dar
/ und sagete: Weil dieses Gehirn so unwitzig verfahren /muss es der Straffe sich
nicht entbrechen. Fräulein Sophia währe hierüber schier in Ohmacht gerahten /
nur die vermeinte Gefahr ihres Bruders erhielt ihre Krafft / dass sie Ladisla
zun Füssen fiel / und heftig weinend zu ihm sagete: Ach mein Herr / dieser ist
mein leiblicher und einiger Bruder / die ganze Hoffnung seiner Eltern; bitte
deswegen demühtigst / ihm von meinetwegen zu verzeihen / dess will ich zeit meines
Lebens mich zu allen euren Diensten schuldig erkennen. Durchl. Fräulein /
antwortete er / sie zuvor auffhebend; ich verbleibe ihr gehorsamer Knecht /und
versichere sie / dz sie meines Gesellen Höfligkeit weder in diesem noch andern
Stücken wird zu beschuldigen haben. Wie dann Herkules solches in der Taht erwies
/ da er dem jungen Fabius diese Antwort gab; Mein Herr / ihr beweiset mir mit
diesem zumuhten mehr Verdriessligkeit / als vorhin mit eurem überfall / nach dem
ich euch nicht verdenken muss / dass ihr wegen Entführung dieses treflichen
Frauenzimmers entrüstet seid; aber nicht absehen kann / was gestalt ich das
übrige entschuldigen soll; nur ist mir sehr leid / dass durch diesen Irtuhm
Menschenblut hat müssen vergossen / und sechs Seelen eurer Reuter auffgeopffert
werden / als deren mein Geselle und ich uns aus gezwungener Noht erwehren
müssen. Mein Herr /antwortete er / meine Reuter haben nicht auff Römisch
gehandelt / dass ihrer so viel ohn mein Geheiss drei Ritter angegriffen; ist ihnen
darob etwz zugestanden / haben sie es jhrem Frevel zuzuschreiben; ich aber bin
wohl vergnüget / dass eure Leiber von mir und den meinen unverlezt blieben sind;
werde mich auch befleissigen / eurem guten Willen Abtrag zu machen /so viel mein
unvermögen zulässet. Er kunte sich aber über Herkules Schönheit und Stärke in
dieser seiner Jugend nicht gnug verwundern / daher er ihn mit unverwendeten
Augen ansah. Hingegen wahr das Frauenzimmer von Herzen froh / dass es zum
Vertrage kommen / und ein so gefährlicher Streit beigelegt wahr / und vermahnete
Frl. Sophia ihren Bruder / er möchte diese fremde nöhtigen / mit nach Padua zu
kehren; Worauff er antwortete: Du hast der gebührlichen Bescheidenheit mich
billich erinnert; dañ an statt des ersten Schwertschlages hätte ich solches
verrichten sollen. Hierauff hielt er bei jhnen gar inständig an / sie möchten
neben jhren Dienern mit ihm reiten /und der ganzen Freundschaft gönnen / wegen
geleisteter Rettung ihre Dankbarkeit abzulegen. Die Fräulein traten mit herbei /
und erhielten ihr Begehren. Fabius ging vor seinem Abzuge hin / die
erschlagenen Räuber zu besichtigen / die er alsbald / insonderheit den ersten /
vor die beschrihenste Fechter erkennete / und zu seinen Leuten sagete; Er hielte
fast vor unmenschlich / dass diese zween junge Ritter solche ausgeübete Fechter
vor der Faust erlegt hätten. Aber Frl. Sophia / die mit jhm ging / wusste ihm
das Gefechte so zu beschreiben / dass er öffentlich sagete: Dafern er wissen
sollte / dass diese Helden Göttliches Herkommens währen / wollte er sie davor gerne
erkennen und ehren; Kehrete wieder umb / und zeigete ihnen an / sie würde
schwerlich gläuben / was vor einen ruhmwirdigen Sieg sie an den Erschlagenen
behäuptet / als welche XX Geharnischten nicht würden entlauffen sein / sondern
die überwindung ihnen zweifelhaftig gnug gemacht haben. Worauff Ladisla
antwortete; Es könnte wohl sein / dass in einer an ihrer Seiten so gerechten Sache
/ sie ihnen viel zu schwach gewesen währen; Weil aber die Billigkeit / sagte er
/unsere Schwerter selbst führete / auch diese trefliche Fräulein mit jhrem
andächtigen Wunsch uns zu hülffe kahmen / und Krafft erteileten / haben sie dem
Tode nit entgehen können; massen solche leichtfertige Buben durch Göttliche
Rache fallen müssen / als auff die jhr eigenes Gewissen selbst tapffer
zuschlagen hilfft. Fabius schätzete seine höfliche Demuht sehr hoch / liess seine
erschlagene Reuter in die Erde verscharren / und sah / dass noch fünfe ziemliche
Wunden davon getragen hatten. Inzwischen trat Klodius zu seinem Herrn /
andeutend / es hätte ihn einer dieses Hauffens vor unredlich gescholten / bähte
/ dass zu erster Gelegenheit er solches ritterlich ausszutragen /Freiheit haben
möchte; welches er ihm einwilligte; und liess Ladisla der fünff Räuber grosse
Schwerter und Schilde / auff welchen sie ihre Nahmen eingeetzet hatten / zum
Siegszeichen mit nehmen; machten sich wieder durch das dicke Gesträuch zu jhrer
Gesellschaft / und hinterlassenen Pferden / da Ladisla sein geliebtes Fräulein
/ Herkules Frl. Helenen / und Fabius seine heimlich verlobete Ursul bei der Hand
hindurch führeten / Ladisla aber mit gutem Willen etwas dahinten blieb / sich
durch freundliches Gespräch bei dem Fräulein besser einzudingen; fand auch allen
freundlichen Willen / ohn dass auff Vortragung seiner Liebe sie allemahl eine
Scherzantwort gab / oder doch sich dessen so gar fremde stellete / als hätte sie
es nicht verstanden; wodurch seine erhitzete Begierden je mehr und mehr
entzündet wurden. Als sie endlich mit Mühe die Hecken hinter sich gelegt /
nöhtigte Fabius unsere Helden im ersten Gliede vorne an zu reiten / so wollte er
als ihr Verbundener ihnen folgen; welches sie aber nicht gestatten wollten /
sondern es gebrauchte sich Ladisla dieser Gelegenheit / und ordente / dass
Herkules und Fabius im ersten; Er und Frl. Sophia im andern; und die andern
beiden Fräulein im dritten Gliede retten sollten / weil man weder Gutschen noch
Sänften vor das Frauenzimmer haben kunte / und sie deswegen sich mit zu Pferde
setzen mussten. Nun ritte Fräulein Sophia Ladislaen Handpferd / welches aber von
diesem leichten Reuter sich nicht wollte zwingen lassen / sondern / wie es ohn
das etwas unbendig wahr / begunte es gleich im auffsteigen mit jhr ausszureissen.
Ladisla erwischete sie bald wieder / suchte hiedurch gelegenheit / sie näher zu
bekommen / und weil er den mehrenteil seiner Rüstung abgelegt hatte / erboht er
sich / sie auff seinem Pferde vor sich zu führen / dessen sie sich anfangs
wegerte /einwendend / sie würde jhm gar zu beschwerlich sein; aber auff jhres
Bruders / und der beiden Fräulein (welche alle ihr Liebesfeur merketen) Zuredung
/ liess sie sich zu ihm hinauff heben / da zur anzeige seiner vergnügung / die er
hiedurch empfing / er ihre Hände freundlich drückete / und sie es mit einem
freundlichen Anblik ersetzete. Es kunte Fabius unsern Herkules nicht gnug
anschauen / und empfand solche neigung in seiner Seele gegen ihn / dass ihm
unmöglich wahr / selbe weiter zu verbergen / daher er diese Rede an ihn abgehen
lies: Mein Herr / der von mir aus Unvorsichtigkeit begangene Frevel / hält mit
der begierde zu seiner Freundschaft einen heftigen Streit in meinen Herzen /
dass / so viel diese mich zu ihm hinträget / mich jener hingegen zurück zeuhet /
weil ich des gar zu groben Fehlers mich wohl erinnern kann; nach dem aber auff
seine freundliche verzeihung ich mich verlasse / und dieselbe meinem Verbrechen
entgegen setze / hat endlich mein vertrauen der Zungen anbefohlen / die Furcht
hinter sich zu legen / und des Herzen Wunsch ausszudrucken. Herkules fiel ihm in
die Rede / und zeigete an / dass wann er des im Gehölze aus blosser Unwissenheit
begangenen / nicht in vergess stellen / sondern mehr gedenken würde / könnte er
keinen Schrit weiter mit ihm reiten / dann ich versichere ihn / sagte er / dass /
in seine Kund- und Freundschaft auffgenommen zu sein / ich nur vor eine
sonderliche Ehr und Glükseligkeit rechne. Fabius / nach gebehtener Verzeihung /
fuhr in seiner Rede also fort: Es pflegen die Sternkündiger dem Himmel
zuzuschreiben / was dem Menschen vor Glük und Unglück zustosset; ja wann etliche
Gemühter sich mit einander Verbinden / muss dieser oder jener Stern solches
verursachet haben. Ich vor meine Wenigkeit wollte vielmehr halten / dass eine
jnnerliche Krafft der Seelen uns reize und zwinge / diesem anzuhangen und jenes
gehässig zu meiden / oder wohl gar feindselig zu verfolgen; und wohl denen / die
der Tugend-liebe nachsetzen / und durch den äusserlichen falschen Schein der
Sinnen-süssen Uppigkeit sich zur verderblichen Wollust nicht verleiten lassen.
Freundschaft und Liebe ist heut zu tage auff der Zungen sehr gemein / dass
nichts wolfeilers mag gefunden werden / und hat die leichtfertige Jugend den
bekanten schnöden Brauch / dass wann sie zusammen kommen / und einer von dem
andern weder gutes noch böses nie gesehen / oder gehöret hat / sie als bald
brüderliche Freundschaft unter sich auffrichten / so bald der Wein ihre Herzen
mit einem Tropffen über Durst anfeuchtet; und meinen /es fliesse aus dem Glase
alles her / was den Nahmen wahrer Freundschaft gebieret. Mein Sinn ist dieser
Leichtfertigkeit nie hold / viel weniger zugetan und ergeben gewesen / sondern
so selzam und wenig ich die Tugend bei meines gleichen jungen leuten antreffe /
so geringe ist auch die Anzahl meiner erkieseten freunde; aber dass kann ich
sonder sparung der Warheit wohl beteuren / dass nie kein Fremder / als mein Herr
/mich zu seiner Hulde so sehr gezogen hat. Zwar es möchte mañicher mich vor
unbesoñen schelten / dass ich so leichtbewägig bin / einem zu wahrer
Freundschaft mich zu verbinden / dessen Nahmen ich kaum zweimahl nennen hören /
und gar nicht weiss / wer oder wess standes er sei. Ich aber halte vielmehr / dass
mir solches zum besten Aussgedeutet werden müsse /inbetrachtung / ich kein
äusserliches an ihm / und was dass unbeständige Glük verleihet / sondern seine
hochbegabte Art und Tugend liebe und ehre / die er heut auff einmal durch
Barmherzigkeit und mitleiden gegen dass gefangene Frauenzimmer / durch
Herzhaftigkeit und stärke gegen die Räuber / und durch gütige Höffligkeit und
vergebung gegen mich / mit vollem Strohme aussgeschüttet und zuerkennen gegeben
hat. Nun kann wohl sein / dass mein Herr von geblüte höher ist als ich und die
meinen; aber sollte er gleich eines Hirten Sohn sein / würde doch seine Tugend
bei mir nicht umb ein Haar weniger gelten / als wann er der mächtigste König der
unüberwindlichen Teutschen währe. Diesem nach Bitte ich dienstlich / weil mein
begangener Fehler mir schon gänzlich nachgelassen ist / es wolle mein Herr mich
unter die Zahl seiner geträuen Freunde auffnehmen / und zwar unter diese /welche
sich durchaus nicht wegern / Leib und Blut vor ihn in die Schanze zu schlagen /
und vor seine Wolfahrt gutwillig auffzuopffern. Herkules gab eben acht auff
seine reden / spürete auch aus allen seinen geberden / dass seine Zunge nicht
vermochte so viel ausszusprechen / als die Seele ihr vorzubringen befahl / weil
unter den reden er seine Gestalt oft verenderte /und nach Eigenschaft der
worte bald erröhtete / bald anbleichete / auch bissweilen im ausssprechen etwas
ansties und halten blieb. Antwortete ihm deswegen ganz freundlich und sagete:
Mein Herr / es ist freilich ein närrisches Getichte / dass man den himlischen
Lichtern eine solche Wirkung in unsere Seele aufflegen will / und damit zugleich
unsern Mutwillen schmücken und entschuldigen / wann er in der Büberei sich
vertieffet; gestaltsam auff diese Weise mein Geselle und ich / den boshaften
Räubern die unverantwortlichste Gewalt müsten angetan haben / als die nit aus
getrieb ihrer eigenen wilkühr / sondern durch unvermeidliche Wirkung des Himmels
diese züchtige Fräulein geraubet zu haben sich entschuldigen könten. Und wer
sieht nicht / dass durch diesen Unweg nicht allein den Lastern Tühr und Tohr
geöffnet / sondern auch die Straffe gehemmet / ja der Tugend ihr gebührliches
Lob entzogen würde? Freilich mein Herr / stecket es in unser Seele / so wohl was
lob-als was scheltwürdig ist / nicht weniger / als eben derselben Kräffte die
Gemühter verbinden / und gemeiniglich gleich zu gleichen gesellen. Wer nun
ausser dieser Meinung der Freundschaft Band und Gültigkeit suchet / gibt
scheinbahr an den Tag / wie wenig er derselben Art und Eigenschaft verstehe.
Die vollen Becher / wie leicht sie zur Kundschaft anlocken / so leicht brechen
sie auch dieselbe wiederumb /und ist nichts gemeiners / als dass solche
WeinBrüder sich in einer Stunde dutzen uñ mutzen / schmatzen und kratzen / da
dann die Wirkung auff beiden Blättern uns lesen lässet / was von dieser art
Freundschaft zu halten sei. Dass ich nun aber etwas näher trete / so kann mit
meinen Gedanken ich nicht absehen / was mein Herr an meiner Geringfügigkeit mag
gespüret haben / welches eine so hohe Neigung gegen mich einen schlechten
aussländischen umschweiffenden Ritter und unbekanten Menschen erwecken könnte.
Zwar einen Liebhaber und Anbehter aller auffrichtigen Tugend gebe ich mich an;
wiewol auch dieses mir zur Ruhmretigkeit möchte gedeien / angesehen der grossen
Gebrechligkeit / die ich täglich bei mir verspüre / dass also mich ein jeder
billich / wo nicht aus anderm Grunde / zum wenigsten meiner Jugend halben vor
frevelmühtig schelten müste / dafern ich mich grosser Geschikligkeit und Tugend
rühmen wollte; weil zu Erweisung eines so volkommenen gutes /lange Zeit erfodert
wird; jedoch wie dem allen / Bitte ich freundlich / mein Herr wolle / als lange
er einige Liebe und begierde gutes zu tun / an mir spüret /mich in dem
Gedächtnis-Buche seiner Diener und Freunde angezeichnet stehen lassen; ist dann
gleich mein vermögen zu schwach / grosse bedienungen zuleisten / soll doch mein
ergebener Wille keine Gelegenheit durch Vorsaz verseumen / sich meinem Herrn als
Freunde zu aller mögligkeit darzulegen. Weil Herkules dieses vorbrachte / sah
ihn Fabius mit starrem Gesichte an / und nach seiner Rede endigung sagete er:
Mein Herr / mir genüget an seinem Erbieten /wegen angenommener Freundschaft dass
übrige sei zu seinem Wolgefallen gesprochen; ohn dass ich unberühret nicht lassen
kann / dass ein Verständiger die Tugend nicht aus dem Alter / sondern bloss aus der
gültigen Volkommenheit urteilt; wie dann mannicher junger Baum viel gesundere
und schönere Frucht bringt / als der mit mossigten ästen sich zwanzig Ellen
aussbreitet; und will nicht sagen dass die Tugend sich allemahl scheinbahrer in
jungen / als in alten erzeiget /weil in diesen dass löbliche aus Mangel und
Abgang der Bewägungen viel leichter / als in der hitzigen Jugend / statt findet /
und daher / was so gemein nicht ist / uns viel ädler als das tägliche sein
dünket; Alte Rosen sind auch roht / aber die sich erst von einander tuhn /
ungleich lieblicher / auch besseren Geruchs und Krafft / welches niemand / als
vielleicht zum scherze leugnen wird. Also führeten diese neuen Freunde ihr
sinnreiches Gespräch / biss sie vor Padua anlangeten /und verbunden sich ihre
Herzen auff so kurzem Wege in wenig Stunden dermassen fest zusammen / dass
solches Band nimermehr kunte auffgelöset noch zurissen werden. Ladisla übersah
unterdessen seine Schanze auch nicht; dann weil er sein liebstes Fräulein vor
sich führete / und ihr in geheim alles reden kunte / suchete er alle Gelegenheit
/ eine genehme Erklärung von ihr zu erlangen; da sie dann allemahl sich gar
höfflich und gewogen / doch nicht nach seinem Willen vernehmen lies / deswegen
er ihr solches unter verblümten reden abzugehen / zu ihr sagete: Mein Fräulein /
es fället mir eine Geschichte ein / die sich in meinem Vaterlande zugetragen /
und wann es ihr nicht zu wieder währe / ich selbige / die Zeit zu vertreiben /
und des unsanften sitzens sie vergessen zu machen / gerne erzählen wollte. Mein
Herr / antwortete sie / sider dem ich aus Räubers Hände errettet bin /habe ich
über lange Zeit nicht zuklagen gehabt / und ist mir leid / dass mein Herr wegen
des unsanften sitzens sich beschweren muss / dessen ich die einzige Ursach bin /
und ihm alle diese Ungelegenheit zuzihe. Ich versichere viel mehr mein Fräulein
/ sagte er / dass Zeit meines lebens ich nie auff keinem Pferde bequemer
gesessen; würde mich auch nicht wegern / auff solche Weise die ganze Welt
durchzureiten. Das Fräulein sah ihn an mit lieblichen blicken und sagte; Seine
Höffligkeit mein Herr / ist so gross / und die mir erzeigete Woltahten so häuffig
/ dass ich mich erkenne in alle dem ihm schuldig und verbunden zu sein / was ihm
belieben kann und mag; meine Ehr ausszunehmen halte ich unvonnöhten / weil ein so
ehrliebender Mensch wider Ehre nichts begehren wird / der mit Darstreckung
seines Leib und Lebens mir dieselbe beschützet / und als sie gleich sollte
geraubet werden /erlöset und frei gemacht hat. Aber ich bitte sehr /mein Herr
wolle seinem Erbieten nachkommen / und die erwähnete Geschichte seines
Vaterlandes mir zuerzählen unbeschweret sein / weil von Kindesbeinen auff / ich
meine beste Lust in Les- und Anhörung löblicher und denkwirdiger Geschichten
suche und empfinde. Ladisla bedankete sich anfangs des hohen Erbietens / welches
er zwar nicht verdienet hätte / und doch vor den glückseligsten Ritter sich
schätzen würde / dafern sie ihn dessen wirdig hielte. Sagte hernach; die
Geschichte währe kurz und vielleicht unlieblich /aber die Ursach seiner
Erinnerung unterschiedlich /möchte auch Wünsche / dass über die Menschen /deren
er gedenken würde / sie ihre Urtel ohn einige Gunst oder Ungunst zu sprechen /
ihr könnte gefallen lassen / und zwar solcher Gestalt / als sie über sich selbst
in gleichen fällen wollte gesprochen haben. Mein Verstand im Urtelsprechen /
sagte sie / ist sehr schlecht und kindisch / doch meine unmassgebliche Meinung
darüber anzudeuten / bin ich meinem Herren gerne Gehorsam. Hierauff nun fing
Ladisla also an: In meinem Vaterlande lag eine wunderschöne Jungfer in einem
tieffen Turm gefangen / woselbst sie von gifftigen Schlangen und allerhand
schädlichem Ungezieffer gar ümringet wahr / dass Menschlichem Ansehen nach /
unmöglich schien / sie daraus hätte können errettet werden. Sie wahr aller ihrer
Kleider beraubet / mit Händen und Füssen angeschlossen /dass sie weder weichen
noch sich wehren kunte / und erwartete alle Augenblick / wann dass Ungezieffer
/welches mit dem vergiffteten anhauchen ihr schon dräuete / sie anfallen und
verzehren würde. Nun fügeten es die Götter / dass ein Ritter ohngefehr vorüber
ging / ihr klägliches Geschrei hörete / und zu allem Glük einen losen Stein in
der Untermauer des Turmes antraff / welchen er ausshub / und sich in die
Gefängnis hinunter liess / machte sich an das gifftige Gewürm / zutrat sie / und
führete die Jungfer frei und gesund heraus / so gar / dass sie nachgehends
niemand weiter besprechen durffte / weil ihre Unschuld ans Licht kam. Die
Jungfer bedankete sich mit worten höchlich gegen den Ritter / versprach auch die
geleistete Rettung in der Taht zu vergelten / und nöhtigete ihn mit zu gehen /
damit sie ihm seine Dienste belohnen könnte. Dieser wahr hierzu willig und
folgete nach /biss sie zu einem verborgenen tieffen Loche kahmen /dahinein sties
sie diesen frommen guterzigen Ritter /legte einen Stein vor das Loch / dass es
kein Mensch erfahren sollte / ging davon / und lies ihn elendig sterben und
verschmachten. Hieselbst wolle nun mein Fräulein / getanem Versprechen nach /
ohn alles ansehen Urteilen / was der Ritter wegen geleisteter Rettung; die
Jungfer aber vor ihre Dankbezeigung verdienet habe. Frl. Sophia antwortete; Mein
Herr / ich entsetze mich über dieser Erzählung / und hätte nicht gemeinet / dass
so grosse Bosheit bei einigem Menschen / geschweige bei einem Weibesbilde sollte
gefunden werden; da auch meine Urtel gelten sollte /spreche ich ohn Gunst und
Ungunst / wie ich über mich selbst wollte sprechen lassen / dass diese schnöde
Jungfer verdienet / vor erst in die vorige Gefängnis geworffen / und mit
zehenfachen Unzieffer geplaget zu werden; jedoch / dafern mein Herr mich
berichten wird / ob auch der Ritter diese Jungfer nach geschehener Erlösung an
ihren Ehren gekränket habe; wo nicht / muss die Urtel billig gültig sein / wie
gesagt; der Ritter aber sollte nicht allein errettet / sondern zum Herren über
alle ihre güter eingesezt werden; sollte über dass täglich viermahl hingehen / und
an der Straffe seiner Feindin sich ergetzen; auch das Gewürm reizen / dass es
dieser grausamen und Undankbaren die aller empfindlichsten Schmerzen anlegete. O
mein Fräulein / antwortete Ladisla; der gütige Himmel wende ja diese Urtel / und
lasse vielmehr alles über mich ergehen. Sie erblassete vor schrecken über diese
Worte / und sagete zu ihm; Wie so mein Herr? habe ich ihm zum Verdries
geurteilet / warumb hat er mich dann so hoch dazu vermahnet? Ach ach / sagte er
/ ich kann dieser Urtel nicht beipflichten / weil die Jungfer mir lieber / als
mein eigen Herz; der Ritter aber mir sehr verwand ist. Jezt merkete sie sein
Räzel / wohin es zielete / taht aber nicht desgleichen / sondern gab zur
Antwort: Eure Liebe und Freundschaft mein Herr / ist mir allerdinge unwissend;
unterdessen aber halte ich meine Urtel den Rechten noch gemäss. O mein Fräulein /
sagte er / viel zu stränge viel zu stränge! warumb aber zu stränge? fragte sie;
ich meine / der Himmel selbst werde meinen Schluss billichen / als welcher nichts
so sehr / als die Undankbarkeit hasset; möchte doch gerne von ihm hören / wie
ich die Urtel anders fassen sollte. Meine Meinung währe / antwortete er / es
sollte diese Jungfer vor erst gehalten sein /den unschuldigen frommen Ritter aus
dem Loche zu ziehen / und ihm eine bessere Dankbarkeit zu erweisen; würde
hernach der Ritter zugeben können / welches ich doch nie gläube / dass sie in
vorige Gefängnis gelegt würde / stünde davon zu rahtschlagen / wie /welcher
gestalt / und wie lange; ja würde der Ritter nicht klagen / so bedürffte es
keines weitern Spruchs. Bei meiner Träue / sagte sie / es währe eine wolbedachte
/ aber gar gelinde Urtel an der Jungfern Seite /und geschähe über das dem Ritter
kein Genügen. Meiner Fräulein Spruch aber / sagte er / würde gar zu scharff sein
/ nicht minder wider den Ritter / als die Jungfer selbst / ungeachtet der Ritter
ihr zuvor kein Leid angetahn. Gegen den Ritter zu scharff; Dann es möchte sein /
dass nach seiner Erledigung er seine Liebe zu jhr / nicht ablegen könnte / und wohl
lieber sterben / als sie unter den Würmen verderben lassen wollte. Also würde die
gesprochene Urtel den unschuldigen mit dem schuldigen treffen. Gegen die Jungfer
zu scharff; dann es möchte ihr das übel nachgehends leid werden; hätte über das
/ weil der Ritter ja erlediget währe / den Tod nicht verdienet / sondern stünde
vielleicht in dessen ferner Wilkühr / mit jhr zu handeln. Mein Herr / sagte sie
hierauff / ich bin viel zu schlecht und unverständig / diesen wichtigen Einwurff
zu lösen; er lerne auch daher / wie ein schweres Werck das Richter Amt sei /
welchem Unerfahrne keines weges sollen vorgesezt werden; Daher auch mein Herr
übel getahn / dass er mich vor eine Richterin auffgeworffen hat. Wann mir aber
keine Frage verarget würde / möchte ich wohl wissen / ob auch jezgedachter Ritter
so wohl Standes als Tugendhalber wirdig gewesen / von dieser Jungfer nicht allein
lossgelassen / sondern auch geliebt zu werden. Ladisla merkete ihre
Verschlagenheit / dass sie seinen Vorsaz errahten hatte / und zugleich sich
seines Standes erkündige wollte / und gab zur Antwort: So viel mir bewust / hat
dieser Ritter stets nach Ehr und Tugend gestrebet / sich aber äusserlich uñ vor
den Leuten aus höchstwichtige Ursachen schlecht und geringe gehalten /
ungeachtet er von hohem / ja von dem höchsten Stande seines Vaterlandes wahr.
Vielleicht hat dann die Jungfer / sagte sie / seines Herkomens keine
Wissenschaft gehabt / sonst würde sie ohn zweifel sich so unfreundlich gegen
ihn nicht verhalten haben; und dafern dem also / hätte der Ritter / meiner
Einfalt nach / sehr wohl getahn / wann er bald anfangs sich ihr hätte zu erkennen
gegeben. Es stund wegen eines schweren Gelübdes in seiner Macht nicht /
antwortete er / sonst hätte er vielleicht der Jungfer ohn einiges Bedenken sein
ganzes Herz vertrauet; Und was meinem hochwerten Fräulein ich anjezt vorgetragen
/ kann ich anders nicht rechnen / als ein lebendiges Vorbilde meines jetzigen
unfals. Sie hörete den Fuchs wohl schleichen / weil er ohn das nicht so gar leise
niedertrat / liess sichs doch nicht merken / sondern fragete als mit
Verwunderung; Wie mein Herr? ist ihm dann ehmahls desgleichen auch begegnet / so
erfreue ich mich seiner errettung von ganzem Herzen / weil ohn dieselbe ich
nicht würde errettet sein; Und hat er daher sich wohl vorzusehen / dass er nicht
allem äusserlichen Schein traue / insonderheit / weil sein Verlust vielen
Nohtleidenden zum Verderben gereichen würde / die sich seiner Rettung / bis
lange er lebet / zu getrösten haben. Ich vor meine Wenigkeit / werde die mir
erwiesene zu preisen wissen / so lange ich mich selbst kennen kann / und daneben
bemühet sein / meinem Ehren- und LebensSchützer eine bessere Dankbarkeit / als
gedachte seine Landmännin / zu erzeigen. Ladisla wollte nun länger nicht unter
dem Hütlein spielen /sondern fing mit bewäglicher Rede an: O mein ausserwähltes
Fräulein / wie so hohe Vergnügung ist es meiner Seele / dass mit meinen geringen
Diensten ich ihrer Vortrefligkeit einigen beistand getahn und tuhn können; wird
auch / weil ich lebe / und dessen gedenken kann / meinem Herzen die
allergrösseste Freude schaffen / insonderheit / weil derselben / es zu gedenken
/ behäglich ist. Aber O dass entweder ich blind /oder mein Fräulein unsichtbar
gewesen / und noch währe / dass ihre aussbündige Schönheit mir unwissend sein
möchte / weil durch dieselbe ich leider in die grundlose Liebes-Grube gestürzet
bin / in welcher ohn jhre Rettung / die allem ansehen nach / ich nicht eins zu
hoffen habe / ich gewisslich umbkommen und verderben muss. Aber du gefangener
Ladisla / nim den Lohn deiner Verwägenheit nur gutwillig an / weil du liebest /
da du deiner Liebe keinen Grund findest /und daselbst zu lieben begehrest / wo
deine Seele nicht haften kann; jedoch versuche noch einmal zu guter lezt / ob
das vortrefliche Fräulein zur Erbarmung und Mitleiden könne erweichet werden /
und sie dich aus diesem Verderbensloche lossreissen wolle /dahinein dich jhre
Schönheit gestossen; wo nicht / so bitte die Götter / dass ihre selbst
gesprochene Urtel sie ja nicht treffen möge / du lebest gleich mit ihr / oder
stirbest ihretwegen. Hiemit endete er seine Rede / und hing auff dem Pferde als
in halber Ohmacht; Welche Verenderung das Fräulein aus seiner Stille und Farbe
merkend überaus hoch erschrak / drückete ihm die Hand und sagete: Begreiffet
euch / mein hochwerter Herr und Freund / oder besser zu sagen / mein Ritter und
Erretter von den bösen Würme und gifftigen Schlangen / welche freilich mich
gefangene und nackete schon anhaucheten / und zu erwürgen dräueten. Ich erkenne
ja die hohe Woltaht eurer Erlösung / und billich / wollte auch lieber eines bösen
Todes sterben /als einen so hochverdienten Freund in einiges UnglücksLoch stossen
/ oder zu seinem Verderben die allergeringste Ursach geben. Ich bitte aber ganz
freundlich / mir ein widriges nicht anzutichten / welches mir / bei des Himmels
Zeugnis / nie in den Sinn kommen ist. Ich verstehe zwar in etwas / wohin er mit
seiner Erzählung gezielet / aber nimmermehr werde ich leiden / dass die
Aussdeutung auff mich könne gerichtet werden; So ist auch meine Schönheit bei
weitem noch der Vortrefligkeit nicht / dass ein solcher volkommener Ritter durch
dieselbe sollte können eingenommen oder gefangen werden; Ist aber etwas an mir /
welches ihm gefallen möchte / erachte durch seine Woltahten ich mich verbunden /
solches vielmehr zu seiner Vergnügung als Verderben auzuwenden; Nur bitte ich
inständig und von herzen / mein Freund und Erlöser wolle in eine annoch
Unbekante nicht weiter dringen / als dieselbe sich zu erklären /Macht und Gewalt
hat / auch Jungfräuliche Zucht und Scham ihr zulassen will. Ja mein Fräulein /
antwortete er: Wann hungerige Magen und durstige Herzen mit Worten könten
ersättiget und gelabet werden; Was hilfft mir hungerigen die Farbe und Geruch
eines schönen wolschmeckenden Apffels / wann ich jhn nur auff dem Baume sehen /
und nicht geniessen soll; wird nicht meine Begierde nur dadurch gepeiniget? Mein
Herr / antwortete sie / was würde er dann des schönen Apffels achten / wann er
jhn zuvor in den Koht getreten hätte / dass er durch und durch besudelt würde?
würde er denselben nicht alsbald verfluchen / und einen Abscheu daran haben?
Verflucht sein alle /sagte er / die solchen unbillichen Vorsaz haben / und wie
sollte ich den lieben Apfel in Koht werffen / dessen Niessung ich umb alles mein
Gut lösen wollte /meinen dringenden Hunger zu stillen? Das Fräulein antwortete:
Mannicher Lustunger ist so unordentlich und böse / dass er auch die Speise
verdirbet / die durch dessen Antrieb genossen wird. Ey so sei auch der verflucht
/ sagte er / welcher solchen ungebührlichen Lustunger bei sich hat; Ich beteuere
es / mein Fräulein / so hoch ein Ritter kann und soll / dass mit keiner anderen /
als auffrichtiger geträuer und keuscher Liebe ich derselben zugetahn bin / so
dass ich lieber eines grausamen Todes sterben / als einige Unbilligkeit ihr
zumuhten wollte; hat aber mein Fräulein etwa schon einem andern sich selbst
zugedacht und ergeben / bitte ich / mich solches wissen zu lassen / damit auff
solchen Unglücksfall ich zeit meines Lebens beklagen möge / dass ich so ein liebes
Täubelein einem andern zum besten / aus des Geiers Klauen habe helffen
lossreissen. Nein mein Herr / fiel sie ihm in die Rede / er hat sich zu
versichern / dass wie ich zeit meines Lebens von keinem Mannes bilde / als heut
diesen Tag bin angesucht / also habe ich auch noch keinen zu meiner Liebe
erkieset; jedoch sein Erbieten / mein Freund / nehme ich mit gutem Herzen auf;
Dass ich aber ihm völlige Antwort nicht folgen lasse / wird er mir ja nicht
verargen / angesehen / ihm mein und der meinigen zustand annoch allerdinge
unbekant ist /und ich nicht wissen kann / ob er mit solchem hernähst werde
friedlich sein; bin auch versichert / dass mein Herr mirs dereins auffrücken
würde / wann in so weniger Kundschaft ich mich so weit vergehen / und nach
seiner Ansuchung ohn meiner lieben Eltern Bewilligung / die ein solches umb mich
nicht verschuldet / mich in unständiger Frecheit ausdrücklich erklären sollte.
Lasset euch / bitte ich / ein Zeichen meines guten Willens sein / dass wie er der
erste ist / von dem ich dergleichen Anmuhtungen bekommen / ich von Herzen
wünsche / dass ichs von keinem in der Welt mehr hören möge; welche lezte Worte
sie zu seinem Troste nicht ohn starke Schamröhte mit leiser Stimme
hervorbrachte. Ladisla merkete aus dieser Antwort /dass sie nicht willens wahr /
ihm ihre Liebe unbedinget zu versprechen / ehe sie seines Standes unterrichtet
währe; hatte sich auch schon auff eine vernünftige Antwort geschicket; Aber sie
naheten dem StadTohr /dass das Fräulein absteigen / und sich auff ein Pferd
setzen / auch böse Nachrede zu meiden / von seiner Seiten ab / sich zu ihren
Gespielen begeben musste /welches sie mit solcher Freundligkeit taht / dass er
ihre gute Gewogenheit wohl verspürete. Ladisla und Fabius nahmen Herkules wider
seinen Willen in die Mitte /und wollten gleich zur Stadt einreiten / da Klodius
aus der Ordnung sich vor seinem Herrn stellete / und jhn seines heutigen
Versprechens erinnerte / auch von jhm Erläubniss bekam / sein Anliegen
vorzutragen; Worauff er Herrn Kajus Fabius also anredete: Ihr werdet euch
besinnen / Ritter / was gestalt ihr bei eurer ersten Ankunft / meine
Ritterliche Ehr zu kränken euch unterstanden / und mich vor einen Dieb und
Räuber aussgeruffen; Weil ich aber solcher Untaht mich allerdinge frei weiss / und
so wohl ein Römischer ädelman bin als ihr / ob gleich wegen Abgang zeitlicher
Güter / uñ etwas zu erfahren / ich mich / meines Adels ungeschändet / in meines
Gn. Herrn Dienste begeben / so bin ich bereit und erbötig / meine Ehe mit der
Fast zu handhaben / umb zu erweisen / dass ihr mit Unwarheit mich vor solchen
Unmann aussgeruffen; sage euch deswegen ab / und fodere euch zum Kampff / es sei
mit dem Speer oder Schwert / oder beides. Herkules ward auff seinen Diener
zornig / und sagte zu ihm: Nimmermehr hätte ich gedacht / dass du mir diesen
Schimpff machen würdest; so hastu mir auch den Mann nicht genennet / mit dem du
es zu tuhn hättest /ich wollte diesen Spau sonst leicht entschieden haben. Fabius
hielt bei Herkules umb Verzeihung an / und gab seinem Aussforderer zur Antwort:
Ritter / ich meine nicht anders / als dass ich meines Irtums wegen einen
Wiederuff getahn / so bald ich dessen inneworden bin; weiss auch von euch nichts
unehrliches / sondern halte euch vor den ihr euch aussgebet; Weil ihr aber damit
nicht könnet friedlich sein / und Lust habt / euch mit mir zu versuchen / will
ich euch gerne zu willen sein / damit jhr hernach möget auffhören euch weiters
über mich zu beschweren. Herkules wollte seinem Diener den Kampff verbieten;
derselbe aber wante ein / ihre Gn. möchten bedenken / was jhm hierauss vor ein
Schimpff entstehen würde / und müste er eines solchen Herrn unwirdig sein / wann
er seiner Ehren keine gebührliche Obacht hätte. So hielt Fabius selbst bei
Herkules an / nicht weiter darzwischen zu reden / weil ja auff geschehene
Aussfoderung Ritters gebühr müste geleistet werden. Also musste ers endlich /
wiewol mit höchstem Unwillen geschehenlassen. So bald Fabius seinen Harnisch und
etliche Speer hatte herzu hohlen lassen / reichete er Klodius eines /und zeigete
jhm den Kampffplaz / wohin er ihm bald folgen wollte; Wie dann auff dessen
Ankunft der Ernst ohn verweilen vorgenomen ward / da sie behutsam auff einander
ranten / dass die Speere Splitterweise in die Lufft flogen / und keiner gefellet
ward; deswegen sie andere Speere foderten / die man jhnen mit unwillen gab /
weil die Zuseher sagten; sie hätten ihren Ehren beiderseits ein Genügen getahn;
welches sie aber nicht achteten / und Fabius zur Antwort gab: Die Götter behüten
mich vor diesen Schimpf / dass ich so schlecht vom Platze reiten sollte; viel
besser / ich werde davon getragen. Wageten darauff den andern Saz / dass sie
beide hinter sich bogen; aber noch unverwendet den Lauff zu ende brachten; musste
also der dritte Fall mit neuen Speeren gewaget sein / und hielten beiderseits
ihren Gegener vor einen handfesten Ritter. Sie nahmen jhnen vor / in diesem
Treffen Bischoff oder Bader zu spielen / ranten auch so ungestüm auff einander /
dass nach Brechung der Speere Ross und Mann mit den Leibern zusamen stiessen /und
Fabius samt dem Pferde übern hauffen fiel / Klodius aber eine Splitterwunde in
den Arm bekam / und vom Pferde stürzete; wahren doch beide geschwinde auff /
griffen zu den Schwertern / und wollten damit ersetzen / was die Speere nicht
verrichten möge. Herkules aber setzete sich zwischen sie / uñ hielt bei Fabius
durch bitte an / sich des Schwertstreits zubegeben. Zu Klodius aber sagte er
bedraulich; dafern er nicht einhalten würde / sollte ers mit ihm zu tuhn habe;
welcher darauf zur antwort gab: Gn. Herr / ich gelebe eures befehls; aber Fabius
wird mich vor einen redlichen Ritter erkennen. Ich habe euch nie anders gehalten
/ sagte dieser; hättet auch wenig ursach zu diesem Streite gehabt / angesehe ich
eine gedoppelte Verzeihungsbitte bei euch abgelegt. Ja Herr Fabius /antwortete
er / ihr wisset sehr wohl / dz sichs dergestalt mit Ritters Ehr nit scherzen oder
spiele lässet. Die Scheltworte wahren öffentlich gesprochen / aber nit
öffentlich widerruffen / welches ich euch auch nicht anmuhten wollen / nunmehr
aber bin ich vergnüget /und gelebe hinfort euer Diener. Nicht mein Diener /sagte
Fabius / sondern mein Freund und Mit-Römer; und dass ihr meines Irtuhms wirkliche
Erkenntnis habt / will ich euch mit einem guten Pferde / volständiger Rüstung /
und 500 Kronen verfallen sein. Zeit wehrendes Kampffes / wahr Frl. Sophia wegen
ihres Bruders sehr leidig / aus furcht / ihm möchte ein Unfall begegnen / weil
solche Spiele grossen teils in Glükshänden stehen; fing auch an / vor angst laut
zu ruffen / da sie jhn mit dem Pferde stürzen sah; und kunte Frl. Ursula ihre
Liebe ja so wenig bergen / so dass wenig fehlete / sie aus Ohmacht vom Pferde
gestürzet währe. Nach dem aber der Streit geendiget /und Fabius ohn allen Mangel
blieben wahr / ohn dass er im falle die lincke Hand verstossen hatte / die ihm
alsbald wieder eingerichtet ward / legten sie jhre Angst und Sorge ab / bekahmen
jhre gewöhnliche Farbe wieder / und ritten ingesampt der Stadt zu / da sie von
der Bürgerschaft mit einem Freudengeschrei empfangen wurden / ihre Fröligkeit an
den Tag zu geben dass der vornehmsten Herren Töchter /unverlezt jhrer Ehren
wieder erlediget wahren / wie man jhnen durch einen Reuter hatte lassen
andeuten. Herkules / Ladisla und Fabius ritten forne an / denen die drei
Fräulein mit ihren zurissenen Kleidern folgeten / und wunderten sich alle
Zuseher / wer die beiden junge Herren währen / denen Fabius (welcher schon ein
Römischer Rittmeister wahr) so grosse Ehre taht /und ihnen die Oberstelle gab.
Etliche sageten / es währen vornehme Römische Herren / des Statalters nahe
Anverwanten / welche nur zum Possen die Fräulein entführet hätten / ihnen einen
kurzweiligen Schrecken einzulagen. Andere gaben vor; die Fräulein hätten es mit
ihnen also angelegt / sie heimlich zu entführen / weil sie sich mit ihnen wieder
der Eltern Willen verliebet / und dieselben nunmehr Gott danken würden / dass sie
einwilligten / nach dem sie etliche Stunden mit ihnen im Pusche allein gewese.
Andere brachten ein anders auff die Bahn / nach dem ein jeder seinen eigenen
Gedanken nachhängete / und dieselben vor Warheit angeben dürffte. Als sie vor
des Statalters Herren Quintus Fabius herrlichen Hoff kahmen /und derselbe mit
seinem Gemahl Fr. Sabina Pompeja biss vor das äusserste Tohr an der Gassen hervor
gangen wahr / sah der junge Fabius sie stehen / zeigete sie seinen Gefärten und
sagete: Dorten warten meine Eltern auff uns / dass sie uns empfangen mögen; und
als er näher kam / stieg er ab vom Pferde / trat zu ihnen hin und sagete: Diese
beide Helden haben unsere Fräulein aus den Fäusten der fünff aller verwägensten
Räuber mächtig errettet / uñ bei ihren jungfräulichen Ehren sie erhalten / die
ohn ihre Hülffe nicht hätte können geschützet werden; davor wir dann schuldig
sind / Zeit unsers lebens ein dankbares Herz gegen sie zu tragen. Unsere Helden
wahren auch schon abgestiegen / und verwunderten sich über dass herrliche Ansehen
des Statalters / der ein Herr ohngefehr von 52 Jahren wahr; Er hatte einen
schönen breiten Bart / welcher Anfing sich grau zu färben; hielt einen
Helffenbeinen Stab in der Hand / und stunden sechs Diener hinter ihm in roht
gekleidet. Er wahr mittelmässiger länge / stark von Leibe / eines kästenbraunen
Haars mit etwas grau vermischet / und bräunlich von Angesicht / grosser Stirn /
und scharffsichtiger Augen. Sein Gemahl vom Geblüte des grossen Pompeius /
welcher ehrmahls mit Kajus Julius Käyser umb der Welt Herschaft stritte / stund
ihm zur linken; eine gar schöne Frau / zimlicher länge und etwas feist / ihres
Alters XLI Jahr / hatte sich ihrem Gemahl gleich in schwarzen Sammet mit
güldenen Blumen gekleidet / welches ihr ein treffliches Ansehen gab. Sie wahr
lebhafter Farbe / doch mehr weiss als roht / und nach ihrem Alter sehr jung
anzusehen; eingezogener und stiller Sitten / und dabei zu zeiten etwas
schwermühtig; begegnete ihrem Gemahl mit gebührlichem Gehorsam und lies ihr die
Hausssorge insonderheit angelegen sein / umb welche sich ihr Herr wenig
bekümmerte. Als diese beide ihres Sohns Rede vernahmen wie wohl ihnen schon
vorhin die geschehene Rettung angemeldet wahr / erfreueten sie sich doch von
neuen / und redete der Statalter unsere Helden / gleich da sie ihm den
demühtigen Handkuss leisten wollten / also an: Hochädle mannhafte Ritter /dass
eure Tugend euch aufgemahnet hat / meine einige Tochter / und ihre Gespielen /
meine Bässlein / von den unzüchtigen Räubern zu erlösen / und sie vor Schande zu
bewahren / davor bedanken wir uns billig / und von Herzen / werden auch / so
weit unser Vermögen sich erstrecken wird / die wirkliche Dankbarkeit sehen zu
lassen / unvergessen sein / in hoffnung /den Abgang an unser Seite / werden die
reichen Götter ersetzen. Vor dissmahl halte ich bei jhnen bitlich an / meine
Wohnung durch jhr einkehren zubeseligen und mit dem / was das Haus in der eile
Vermögen wird / freundlich vor lieb und gut zunehmen / wie in betrachtung ihres
sehr geneigeten willens / ich mich dessen zu ihnen ungezweiffelt versehe. Unsere
Helden tahten ihm und seinem Gemahl grosse Ehre / entschuldigten sich mit ihrer
unwirdigkeit / und dass sie so hohes Erbieten / Zeit ihres lebens mit keinem Wort
zuersetzen vermöchten / viel weniger währen sie der wirde / dass so ein mächtiger
Römischer Herr und Käyserl. Statalter ihnen biss auff die Gasse entgegen treten
/ und sie daselbst mündlich Einladen und empfangen sollte; bahten sehr / ihre Gn.
wollten in ihren Hoff einkehren; sie als gehorsame Diener währen demselben
auffzuwarten bereit und schuldig. In dessen hatte man den Fräulein ingesamt von
den Pferden geholffen / da Frl. Sophia sich zu ihrer Fr. Mutter nahete / und von
ihr mit freuden trähnen empfangen und geherzet ward / weil sie diese Tochter
mehr als sich selbst liebete. Herr Kornelius / Frl. Ursulen; und Herr Emilus /
Frl. Helenen Vater / beide sehr mächtige und reiche Stadjunkern und RahtsHerren
von Rom /die zu Padua ihre Höffe und statliche Landgüter hatten / und daselbst
lieber als in Rom lebeten / kahmen darzu / und funden ihre geliebete Töchter und
einige Kinder frisch und gesund wieder / dessende sich herzlich freueten / und
vor beschehene Rettung sich sehr hoch erbohten; zu denen der Statalter sagete:
Geliebte Herren Schwägere und Brüder / sie werden sich gefallen lassen / mit mir
einzukehren / und diesen Erlösern unserer Kinder annehmliche Gesellschaft
leisten /wie sie dasselbe nicht weniger umb euch / als mich verdienet haben /
und wir demnach durch die erbare Billigkeit gehalten sind / ihnen eine mögliche
Wiederkehr zu tun. Hieselbst wollten nun die Fräulein auff der Gasse ihren
Eltern erzählen / in was grosser Gefahr sie gewesen / und durch dieser
RitterMannheit erlediget währen; aber der Statalter sagte zu ihnen: Geliebte
Kinder / eure zurissene Kleider sind Gefahrszeichen gnug; aber dass einsame
Lustfahren /hat wohl ehemahl einer Jungfer den teuresten Kranz gekostet; und
würde ich euch ein solches wohl nicht eingewilliget haben / da ichs zeitiger
erfahren hätte; jedoch / geschehene Dinge sind nicht zu endern / wie wohl ihr
eine rechtschaffene Straffe verdienet / und mein Gemahl nicht weniger / die den
Töchterchen diesen leichten Willen so bald / und ohn mein Vorwissen gestattet
hat. Ich mag euch aber vor diesen fremden Herren weiters nicht beschämen / noch
mit mehrer Züchtigung auffhalten / weil eure leere Magen ohn zweifel
rechtschaffen murren / und wird Zeit sein /die Mahlzeit zuhalten / womit wir biss
auff eure Wiederkunft gewartet. Wann ihr nun den Madensak werdet gefüllet haben
/ wird noch Zeit übrig sein / den Verlauff eurer Entführung / und erfolgeten
glücklichen Rettung zuerzählen. Hierauff nam er Herkules / sein Gemahl aber
Ladisla bei der Hand und führeten sie in den Vorhoff / dessen Hintergebäu von
Marmel und Alabaster sehr köstlich auffgebauet / und Königlich gezieret wahr. Da
sah man an den wänden die alten Römischen Geschichte so eigentlich und
Kunstreich abgemahlet / dass es Wunder wahr. Gar zu foderst im Eingange stund
eine sehr grosse aus Korintischen Erz gegossene Wölffin auff einer Säule / zehen
Ellen hoch / die hatte von ihren Haaren ein Nest gemacht / worinnen zwei kleine
ganz nackete Knäblein lagen / und an der Wölffin Euter hingen / die mit den
hinter- und förder Füssen sich in artiger Stellung hielt / das die Kinderchen
hinzu reichen kunten. Frl. Sophia / die mit ihren Gespielen allernähest hinter
ihren Eltern herging / trat hervor / und sagte zu unsern Helden; Ihr meine
Herren / geliebt euch zu sehen die ersten Erbauer unser Stadt Rom / den Romulus
und Remus / wie sie von der Wölffin sind gesäuget worden / so können sie ein
wenig sich nach der Rechten umsehen. Ja mein Fräulein / antwortete Herkules /
wir bedanken uns der Ehren; und ist dieser trauen nicht ein schlimmer Meister
gewesen / der die Geschichte so lebhaft hat abgiessen können / desgleichen mir
zu Rom selbst nicht vorkommen ist. Sie gingen weiter durch den andern Schwibogen
in den innern Hoff / da Romulus und Remus in ihren Waffen stunden / und mit
erhobenen Angesichtern acht gaben / welchem unter ihnen die Vögel dass erste
Glükzeichen der Herschaft geben wollten; und fing das Fräulein aber an; Sehet da
/ mein Herr Ladisla / zween leibliche Zwilling-Brüder; unter denen aber bei
weitem so veste Vertrauligkeit und Liebe nicht wahr / als zwischen meinem Herren
und seinem Freunde Herkules sich findet; massen diese sich umb die Herschaft
zanken und gar erschlagen /da hingegen ihr nur suchet / wie einer dem andern
sich unterwerffen / und von ihm befehliget werden möge. Frau Pompeja hörete
ihren Reden zu / und gefiel ihr der Tochter Gespräch nicht übel; sagte demnach
zu ihr; Geliebtes Kind / du redest mit diesen beiden Herren / als ob du sie von
langer Zeit her kennetest / und ihres ganzen lebens völlige Wissenschaft
trügest / du ich mich doch nicht zuerinnern weiss / dass ich Zeit meines Lebens
sie gesehen hätte. Herzliebe Fr. Mutter / antwortete sie / so ist auch heut
gewiss der erste Tag / dass zu meinem höchsten Glük ich ihre Kundschaft erlanget;
weil aber wahre Tugend nicht lange verborgen bleiben kann / welche in diesen
Helden so klar als die Sonne im Mittage leuchtet / habe ich selbe aus ihren
tahten und reden unschwer vernehmen können. Herkules hörete dieses / kehrete
sich nach ihr umb / und antwortete: Durchleuchtiges Fräulein / ich Bitte sehr /
sie wolle uns nicht gar zu schamroht machen / als die wir durch ihre hohe
Vernunft schon übrig gelehret sind / wie wir billig beschaffen sein müsten / da
wir einiger Volkommenheit wollten gerühmet werden; weil aber eine solche
unsträfliche Bildung der Tugend / welche sie in ihrem Verstande abgerissen / an
menschliche schwachheit nicht bald reichen wird / hoffen wir / sie werde mit
unserm Unvermögen geduld tragen / angesehen wir noch in den Lehrjahren uns
befinden / und der Unterweisung fähig sind: Worauff das Fräulein antwortete:
Herr Herkules / ich kann so gar kein Recht mit jhm bekomen / wie ichs auch anfahe
/ es währe dann / dass ich euch und eure ruhmwirdige Tahten lästerte / welches
ich vor eine Todtsünde halte, deswegen will ich nichts mehr mit euch reden / ich
werde dann von euch befraget / oder darzu erbehten. Mein Fräulein / antwortete
er; so bitte ich eins vor alles / sie wolle dann mein stilschweigen vor ein
stetes fragen / und meine Rede vor ein unaufhörliches bitten halten uñ
auffnehmen. Je mein Herr / sagte sie mit einem holdseligen lachen; so müste ich
ja immerzu uñ ohn aufhören in die Lufft hinein schwatzen / da ich dann entweder
viel müste wissen / oder sehr wohl tichten können. Ihre süss kluge Zunge /
antwortete er / wird gewiss so viel nicht reden / dass ich nicht stets begierig
sein sollte / ihren vernünftigen Worten zuzuhören. Meinem Herrn beliebet nach
seiner Höfligkeit also zu reden / sagte sie /aber mein ungeschiktes Geplauder
würde seinen Ohren in kurzem so beschwerlichen Verdruss erwecken / dass er
wünschen sollte / mich nie gehöret zu haben. Der Statalter sah / dass dieses
Gespräch sich lange verzihen dürffte / wann niemand darzwischen kähme / drumb /
solches zu stören / er der Tochter also einredete: Ich weiss schon wohl / zweifele
auch nicht / diese Herren werden es zeitig an dir gemerket haben / dass dein Mund
zur Klapper unverdorben ist; uñ halte ich / du wollest diese Herren mit leeren
Worten speisen; gedenkestu nicht / dass sie deinetwegen viel Mühe und Arbeit
aussgestanden / und der Labung bedürffen? Das Fräulein erröhtete sehr / dass ihr
Vater / der sie allemahl hart und unter dem Zwange hielt /sie auch in beisein
dieser Fremden also beschämete. Herkules aber vertrat ihre Stelle mit diesen
Worten: Hochmögender Herr Statalter; es müste mir immer und ewig leid sein /
dass ein so züchtiges und verständiges Fräulein / durch meine Veranlassung
einigen Unwillen von ihrem Hn. Vater einnehmen würde / da vielmehr ich selbst
strafbahrer währe / angesehen ich ihrer Rede die einige Ursach bin. Mein Herr
verzeihe mir / antwortete der Statalter / und besorge sich durchaus keines
Unwillens bei mir gegen mein Kind. Wir Römer halten es mit unsern Kindern also /
dass sie uns zugleich lieben und fürchten / auch ohn Anzeige einiges Unwillens
von uns annehmen müssen / was uns gefält ihnen einzureden / wann sie gleich im
geringsten nichts verschuldet hätten; dann hiedurch wird mannicher Tochter ihr
steiffer Sinn gebrochen / die sonst durch Zärtligkeit nur gastärket würde /
welches hernähst im Ehestande ihnen als eine gefundene Beute ist / dass sie ihrem
Ehegatten zu gehorsamen / und dessen Willen zu gelebe / schon gewähnet sind.
Herkules wunderte sich der strängen Zucht / in anderheit /da das Fräulein hin zu
jhrem Vater trat / und ihm als vor eine sonderliche empfangene Gunst die Hand
küssete / sich ihres Frevels schuldig gab / und ganz demühtig umb Verzeihung
anhielt; aber doch keine andere Antwort erlangete / als; Sie sollte hingehen und
sich bessern. Gleichwol wollte die Mutter ihrer lieben Tochter Ansehen bei den
Fremden gerne wieder in Auffnahme bringen / und wahr unwillig / dass dieselbe ohn
Ursach sollte verhönet werden; durffte doch jhrem Gemahl / dessen Ernst sie
fürchtete / nicht kühnlich einreden / daher sie mit glimpflichen Worten sagete:
Geliebter Herr / ich will nicht hoffen / dass ihr Ursach haben sollet / auff unser
Kind unwillig zu sein; massen euch nicht unbewust ist / wie wenig sie sonst in
unser Gegenwart zu Reden pfleget; und halte ich / sie tue es vor dissmahl bloss
euch zu erfreuen / und zugleich andern anzuzeigen / dass in ihrer aufferzihung
wir unsern fleiss nicht gesparet haben. Der Vater schüttelte hierüber den Kopff /
und sagete mit einem lachen: Frau / ledige Magen und müde Glieder sind mit
worten nicht auffzuhalten; sonst klage ich noch so gross nicht über unsere
Tochter / und mag sie nach gehaltener Mahlzeit / diesen Herren zu Liebe und
Gefallen immerhin reden / biss sie von ihr selbst auffhören wird; soll mir auch
umb so viel lieber sein / wann ihr guten fleiss bei ihrer Aufferzihung angewand
habet. Die Mutter befahrete sich / er würde mehr zur heimlichen Beschimpfung /
so wohl ihrer selbst / als der Tochter / fliegen lassen / welches zu verhüten /
sie Gelegenheit suchte / wegzugehen / baht Ladisla /ihren Abtrit / wegen
nöhtiger Anordnung / nicht ungleich auffzunehmen / und befahl der Tochter / ihn
zubegleiten; dessen diese beiderseits wohl zu friede wahren / dann es dauchte sie
/ sie währen schon viel zu lange von einander gewesen. Also gingen sie durch den
innersten Platz nach der Steige auff den grossen Saal / der so köstlich erbanet
und geschmücket wahr /dass sichs Ansehen lies / es währen des reichen Römers
Krassus Schätze ein grosser Teil daran verwendet; dann wo die Schildereien
auffhöreten / da glänzeten die kostbahresten Steine mit eingeschnjetzten
künstlichen Bildern hervor. An der rechten Seite wahr die Belagerung der Stadt
Troja so artig gemahlet / dass jedes Lager der Griechen nach gutem Unterscheid
kunte gesehen werden. Dorten hielt der hochmuhtige Obriste Feldherr / Agamemnon
/ und sein Bruder Menelaus; dorten der listige Vlysses; hie der starcke Ajax; Am
andern Orte der steinalte Nestor; das betriegliche hölzerne Pferd stund auff
Rädern / und lieffen Jung und Alt aus der Stadt / es als eine sonderliche Gabe /
an Stricken in die Stadt zuzihen / zu welchem Ende eine grosse Lücke in die
Stadmaur gebrochen wahr / weil mans wegen seiner grösse in das Tohr nicht
bringen kunte. Der Trojanischen Helden und ihrer Bundgenossen / wahr dabei nicht
vergessen. Hektor / Sarpedon / Paris (dieses Unglücks Stiffter) und neben ihn die
berüchtigte Helena (umb deren willen an Griechischer Seite in die 880000; an
Trojanischer 686000 / also ingesamt 1566000 Seelen Auffgeopffert sind) / Eneas /
Antenor / Memnon / und der Alte Priamus / hielten ausswendig umb der Stadmaur her
/ und wahr des Kriegerischen Weibes Pentesilea Schlacht mit Achilles gar
zierlich abgemahlet / da sie von ihm vom Pferde herunter geschlagen / und halb
Tod ins Wasser geworffen und ertränket ward. Kurz davon zu reden / so wahr kein
denkwirdiger Kampff der Griechische und Trojanischen Helden aussgelassen; aber
EneasBildnis wahr das Ansehnlichste / über welchem diese Worte stunden: Huic
parenti originem debet Roma. Das ist: Diesen hat Rom zum Vater. An der andern
Seite des Saals wahr die Stadt Rom abgebildet / nach dem Pracht / wie sie
ohngefehr vor 240 Jahren / zun zeiten Käysers Augustus in höchster Volkommenheit
gestanden. Oben auff der Stadmaur umher liessen sich Romulus / Numa / Brutus der
Könige Feind; unterschiedliche Fabier / Kokles / Skevola Kamillus / Regulus /
Skivio / Pompeius / Augustus Käyser / und viel andere Römische Helden als
Schuz-Götter sehen; hatten ihre Pfeile und Schwerter in den Händen / und
dräueten damit den Feinden der Stad Rom. Die erschrökliche Niederlagen / welche
die Römer von den Galliern / Hannibal und Zimbern erlitten / wahren hin und
wieder abgerissen / insonderheit / da die 300 Fabier von den Veienten listig
hintergangen / und alle erschlagen worden. Unsere Helden besahen diese
treffliche Gemälde fleissig / und erinnerten sich aller dieser Geschichten /
welche sie in der Kindheit beim Homerus / Livius und anderen gelesen / und
schien / als ob sie ihrer selbst drüber vergessen hätten / biss endlich Frl.
Ursula sagete: Herr Herkules / ich meine es währe fast Zeit / die Waffen
abzulegen / und der aussgestandenen Mühe sich zu ergetzen / insonderheit aber
bitte ich / mir zu verzeihen / dass ohn geheiss ich dem WundArzt Botschaft getan
/ ihm seine Halsswunde besser / als von mir geschehen / zuverbinden. Die
Anwesende / wie sie solches höreten / stelleten sich leidig wegen seiner
Verwundung / welches durch beteurung / dass gar keine Gefahr dabei währe / er
ihnen bald aussredete / doch in einem Nebengemache sich verbinden liess / da ihn
der Arzt warnete / den Schaden nicht zu verachten /als welcher sich schon in
etwas entzündet hätte / und er deswegen vor starker bewägung und schädlichen
Speisen sich hüten müste / welches aber er wenig achtete. Nach geschehener
Verbindung legten er und Ladisla ihre Sommerkleider an / die von Sittichgrünen
Atlass mit silbern Blumen durchwirket / und mit ädlen Steinen reichlich besezt
wahren / Strümpffe und Federbüsche wahren gleicher Farbe; Kniebänder und
Schuchrosen mit silbern Spitzen besetzet / so dass ihre Kleider gleich / und ohn
einigen Unterscheid / die Einigkeit ihrer Gemühter wohl zuerkennen gaben. In
dieser Gleichheit traten sie zum Saal hinein / und muhtmasseten die Anwesenden
daher / dass sie mehr als ädle Ritter sein müsten. Es hatten die drei Fräulein
nicht minder sich zierlich angelegt / so viel in der eile geschehen mögen / und
bemühete sich Frl. Sophia insonderheit / ihrem liebsten Ladisla sehen zu lassen
/wie ihr die Kleider stünden. Als nun diese drei Engelchen in den Saal traten /
fehlete wenig / es hätten weder unsere Helden diese / noch sie jene gekennet /
und traff ein / das Frl. Sophia eben die Sittich grüne Farbe gewählet hatte.
Keiner wahr zugegen / der sich an Herkules Schönheit und Ladisla anmuhtiger
Liebligkeit nicht verwunderte. Sie wahren beide zimlicher / und fast gleicher
länge / schwank von Leibe und fester wolgesetzter Gliedmassen. Herkules hatte
ein schön gelbes Haar / welches ihm wie krause Locken über die Schultern hing;
seine Hände wahren plüsslich und schneweiss / mit blaulichten Adern / das
Angesicht weiss-zart / mit rohtem vermischet / dass wer ihn sah / nicht anders
gedenken kunte / er währe ein Weibesbild in Manneskleidern / weil noch kein
Häärlein an seinem Kinn erschien; die Augen stunden ihm wie den Falken / doch
voller Liebligkeit und blaulicht. Die Stirne glat / und ein Zeichen seines
auffrichtigen Herzen; die Nase etwas erhaben und gerade zu /fast länglicher dann
kurzlecht / und strahlete aus allen seinen Blicken eine so anmuhtige
Freundligkeit hervor / dass wer ihn sah / zu seiner Liebe und Gewogenheit
angereizet ward / weil alle seine Geberden insonderlicher Demuht und mannlicher
freier Ernstaftigkeit bestunden Ladisla wahr etwas bräunlicher /doch zugleich
zart / hatte ein braun kraus Haar / in zimlicher dicke / und einen kleinen Bart
gleicher Farbe; am Leibe wahr er etwas stärcker anzusehen als Herkules. Sein
Geblüt wallete ihm in allen Adern auff / da er sein geliebtes Fräulein so
zierlich herein treten sah; wie auch ihre Liebesreizungen nicht weniger
auffgetrieben wurden / dass er in solcher kostbahren Kleidung sich stellete / und
sie daher beständig muhtmassete / er müste auffs wenigste FürstenStandes sein;
ihr auch gänzlich vornam / auff sein weiters Anhalten ihm behägliche Antwort zu
geben / da sie seines Wesens nur in etwas Bericht haben könnte / dann seine
Ansträngungen hatten sie dermassen eingenommen / und die empfangene Woltaht sie
bezwungen /dass sie entschlossen wahr / keinem Menschen als ihm ihr Herz
einzuräumen; so beredete sie auch ihre angebohrne Keuscheit uñ Zucht / dz weil
er sie ganz nacket antroffen uñ gesehen / sie sich dessen zeit ihres lebens
schämen müste wañ sie nit sein Ehegemahl würde. So bald die ersten speisen
aufgesetzt wurde /ging dz nöhtigen wege des obersitzes an biss der Statalter bei
seinen Gästen / alles nach gefallen zuordnen / Freiheit erhielt; worauf er Frl.
Ursulen hinter am Tische die Oberstelle nehmen hiess; welches sie vor einen
scherz aufnam / bald aber / den ernst sehend / gerne gehorsamete. Den andern
Platz musste Herkules; de dritten Frl. Helena; den vierden Ladisla bekleide / der
schon in der angst stund / sein Frl. würde ihm entfernet werden; als er aber von
ihrem Vater den befehl hörete / sich zu ihm niderzulassen / hielt ers vor ein
zeichen eines glücklichen aussganges seiner Liebe. Diese Bank wahr nun mit den
fünffen besetzet / uñ wollte der Statalter gleichwol seine Sohn von dieser liebe
Gesellschaft nit abtreñen / daher er zu ihm sagete: weil dich das gute Glük zu
ihnen hin in de Wald geführet hat / magstu ihres nähern Beisitzens auch allhier
geniessen: weisete ihn hin vor den Tisch auf einen Stuel sich niderzusetze / da
er seiner vertrauete Frl. an die seite kam. Dieser junge Fabius war sonst ein
wolgestalter ansehnlicher Ritter seines alters von XXIV Jahren / in adelichen
Sitten und ritterlichen übungen von jugend auff wohl unterwiesen / worauf sein
Vater desto mehr fleiss wendete / weil ihm von eine Geburtskündiger geweissaget
wahr / er würde in seinem ersten mannlichen Alter überaus grosse Mühe und Gefahr
über sich zu nehmen haben; Es wahr auch an ihm nichts zu tadeln / ohn dass er
seinen Zorn nicht wohl meistern kunte. Der Statalter sah diese junge Leute
hinter dem Tische an / uñ sagte zu den andern Anwesenden: Verzeihet mir /
geliebte Freunde / dass vor dissmahl ich unsere Kinder so hoch ehre / und sie über
uns Eltern zu diesen fremden Herren setze; dann ich habe billich sein erachtet /
dass welche heut in der Gefahr so nahe bei einander gewesen / jezt in der
Sicherheit nicht so schleunig getrennet werden / weil alle schnelle verenderung
/ wie man saget / gefährlich sein soll. Ladisla gedachte / diss währe schon das
andere Zeichen seines gehofften gute Fortganges. Aber Herr Kornelius antwortete
dem Statalter; es währe solches von jhm sehr wohl geordnet; welcher dañ
aufbegehre sich zu dem jungen Fabius setzete / und sein Gemahl Frau Fausta / des
Statalters Mutter Schwester Tochter / der Skipionen Geschlechts / neben jhn
/gegen ihre Tochter Frl. Ursulen über. Herr Emilius folgete ihr / und sein
Gemahl Fr. Julia / eine Pollionin / der Statalterin Halbschwester von der
Mutter her /welche neben ihr die Stelle nam / so dass der Statalter zu unterst
vor dem Tische alleine sass / und an der rechten Hand seine Tochter hatte /
welche wegen seiner nahen Gegenwart mit ihrem Ladisla nicht reden durffte. Der
junge Fabius verrichtete das Vorschneider-Amt / und nöhtigte die anwesenden
höflich / so mangelte es zeit wehrender Mahlzeit am guten Seitenspiele nicht /
welches Herkules und Ladisla / als die darin wohl geübet / sehr liebeten. Bei dem
Essen fiel mannicherlei Gespräch / biss nach aufgehobenen Speisen die
Statalterin an ihren Gemahl begehrete /ihr ein Viertelstündichen ihren Willen
zu gönnen; wollte hoffen / den Anwesenden ingesamt würde es nicht zuwider sein.
Der Statalter liess es gerne geschehen / der ihr Vorhaben schon merkete; Worauf
sie die drei Fräulein anredete / und ihnen eins zu werden befahl / welche unter
ihnen gleich jezt öffentlich erzählen sollte / auff was weise sie geraubet / und
von diesen Herren wieder errettet währen; würden sie aber sich dessen wegern /
dann sollten sie diesen Tag auff keinen Tanz hoffen. Frl. Ursula / als die
älteste antwortete: sie wüste niemand / die solchem Befehl besser gehorsamen
könnte / als Frl. Sophia; dann sie währe unter ihnen die geherzeste gewesen / und
hätte den grausamen Kampff guten teils angesehen. Frl. Helena stimmete mit ein /
und baht / dass sie die Mühe über sich nehmen möchte; welche aber zur Antwort
gab: Ich erinnere mich billich / dass heut vor Essens mein Herr Vater wegen
meines unnützen Gewäsches mich gestraffet / und ihr wollet mich noch in weitere
Ungelegenheit setzen / dass ichs immerzu gröber mache? Auff diese weise / sagte
Frl. Ursula darff unser keine rede weil auch unsere geliebte Eltern zugegen
sind. Der Statalter sagte lachend: wiewol mein Bässlein Ursul / als die älteste
billich das Wort führen sollte / so mögen sie sich doch darüber vergleichen. So
muss / antwortete diese / nit die älteste / sondern beretste solchs über sich
nehmen; daher meine Schwester Frl. Sophia sich dessen nicht entbrechen wird. So
höre ich wohl / fing diese an / ihr ruffet mich vor die schwazhafteste aus. Ihr
Vater sagte mit einem Gelächter: dz du wolgelöseter Zunge bist / kuntestu in
deiner dreijährigen Kindheit schon zimliche anzeige tuhn. Je Herzen Herr Vater /
antwortete sie / ich bitte kindlich / mich in dieser Gesellschaft nit so hoch zu
beschäme. Was hastu dich mit mir zu zanke sagte er; ich heisse dich ja weder
reden noch schweigen; uñ hastu an deiner Wafen schon Widerhalts gnug; jedoch hat
meine Pompeja ein lustiges Spiel angerichtet / und gelebe ich der Hoffnung / wir
werden ein acht tägiges zanken anzuhören haben / ehe uñ bevor diese jhres dinges
eins werden. Fr. Pompeja wollte diesen streit aufruffen / und sagete; ob sie
gleich des Verlaufs gerne möchte berichtet sein / würde sie doch jhre begierde
müssen auffschieben / biss sie mit jhrer Tochter allein währe. Aber der
Statalter antwortete: durchaus nicht / sondern weil das spiel angefangen ist /
muss es auch geendiget werden / dann mich verlanget selbst nach umbständlicher
erzählung. Weil dañ der Hahne auf seinem Miste am kühnlichsten krähet / uñ ich
meiner Tochter zu gebieten habe / soll sie uns dessen bericht gebe / so gut sie
kann. Ich gelebe meines H. Vaters gebohts billich / sagte das Fräulein / wie
ungeschikt ich mich auch hierzu befinde / uñ schon weiss / dz meine verwirrete
reden den zweg ihres begehrens nit treffen können; aber unter der hoffnung / dz
meine Jugend sich ohn mein Vorwort entschuldiget / uñ meine Frll. Schwestere
meinem mangel zu hülffe komen werden /will ich zum versuch mich erkühnen. Anfangs
wird meine Fr. Mutter sich eriñern / dz wie meine Frll. Schwestere zugleich mit
mir fleissig um erläubnis anhielte / uns de Lustweg nach unserm Vorwerke / eine
grosse Meile von hiñen gelegen / zu göñen / umb dieser ersten lieblichen
Frühlingszeit in etwz zugeniessen / und die schönen Merzenblumen unsers
neu-angelegten Garten zubesichtigen / wir solchs endlich erhielten / und um 7
uhr ohn gefehr davon fuhren. Wir hielten uns vier stunden daselbst auf uñ
machten unterschiedliche Kränze / die wir unsern Eltern mitbringe wollten;
liessen uns Milch und Eyer zur speise kochen / uñ wahren fertig / nach gelegter
Hitze uns wieder auf den Rükweg zubegebe; woran wir anfangs durch dz schwere
Doñerwetter / welches in einen grossen Baum unsers Garten einschlug / uñ ohn
zweifel unsers bevorstehenden Unglücks Vorbotte wahr / verhindert wurden / weil
der heftige Regen drei stunde lang anhielt; nach dessen endigung wir uns auf
den weg machete / die Stadt vor dem Tohrschliessen zuerreichen; aber über der
gar zu grossen eile / rennete der Gutscher mit der vorder Axe wieder einen im
Holwege hervorstehenden Stein / dz die Stellung in stücken ging / und die
Gutsche daselbst zu brochen stehen bleiben musste; Wir aber vors beste hielten /
nach dem Vorwerke wieder zukehren / da wir eine Viertelmeile im glatten Koht und
tieffen pfützen mit grossem Ungemache zu ende brachten / eine frische
Buttermilch /und was das Haus bescherete / zur Abendspeise vor lieb nahmen / und
in der Vorstuben eine gemeine Sträu machten / darauff wir uns zur ruhe legeten
/auch unsern Gutscher und andere des Vorwerks jeden an seinen Ort verwiesen /
weil wir allein sein wollten /und uns keiner Wiederwertigkeit bei diesen
friedsamen Zeiten befürchteten. Unsere ermüdete Füsse machten uns die Nacht
hindurch schlaffen; aber als die Morgenröhte hervorbrach / schlug ich meine
Augen auff / und sah mit herzbrechendem Schrecken drei grosse gepanzerte Männer
/ deren Angesichter mich dauchte / mehrmahl gesehen haben / mit blossen
Schwertern in die Stube tretten / da der vörderste mit leiser Stimme zu mir
sagete: Fräulein / werdet ihr ein Geschrei machen / umb das Gesinde aufzuwecken
/wollen wir straks Angesichts euch alle drei erwürgen; sonsten sind wir nicht
willens / euch einiges Leid anzutun / sondern werden euch in guter Gewarsam und
Schnz eurer Ehr und Lebens halten / biss eure reiche Eltern / welche wir wohl
kennen / ein Stük Geldes vor eure Erlösung uns zustellen. In dieser äussersten
Angst begriff ich mich nach Vermögen / und gedachte bei mir selbst: Ist es jhnen
nur umbs Geld zu tuhn /so werden unsere Eltern hierzu Raht schaffen / und uns
lösen können; antwortete ihnen auch / sie möchten mich und meine Gespielen
unbetrübt lassen; ich wollte ihnen äidlich angeloben / ihnen sollte das begehrte
Lösegeld an ort und ende sie es haben wollten /aussgezahlet werden / so bald wir
nur zu Padua anlangen würden; dessen diese Buben lacheten / vorwendend / ich
sollte sie nicht so albern ansehen / sondern meine Gespielen / die sie bei Namen
zu nennen wussten / auffwecken / oder die angebohtene Gnade würde in schwere
Straffe Ehr und Lebens verwandelt werden. Es wahr zu verwundern / dass meine
Schwestern von diesem Gepoche nicht erwacheten / und musste in meiner
allergrössesten Seelenangst ich sie mit rütteln uñ schütteln munter machen / da
sie nach öffnung ihrer Augen / vor den blossen Schwertern sich so heftig
entsetzeten / dass ihnen die Ohmacht nicht ferne wahr; Die erschröklichen
Dräuungen aber / die wir höreten / machten uns geschwinde fertig / die Kleider
in aller Eile anzulegen; Worauff sie uns unter die Arme fasseten / und wie
Lämmer zum Hause hinaus trugen / legten uns auff einen stinkenden Wagen in rauhe
Ochsenhäute / warffen eine kötigte Decke über uns / und jageten / als viel sie
nachlauffen kunten / mit uns davon. Als wir auff den Wagen gehoben wurden / sah
solches ein Hirt nahe bei der Trinkrennen / und machte ein Geschrei / welches
ihm sein unschuldiges Leben kostete; massen noch zween andere verhande wahren /
die ihn alsbald niderschlugen / dass wir zusahn / und von unsern Räubern dieses
zur Lehre und Warnung bekahmen / dafern wir das Maul nicht halten würden /
sollten wir auff eben diese weise gestillet werden. Mit was betrübtem Herzen wir
nun die vier Stunden / wie uns dauchte / in den stinkenden Fellen lagen / wird
der Himmel uns Zeugnis geben; Dieses einige tröstete mich / dz sie uns unser
Ehren Versicherung / wie ich meinte / getahn hätten. Ich empfand sonst an den
harten Stössen wohl / dass der Wagen nicht im gebahneten Wege / sondern über Stein
und Blok ginge / auch die Hecken oft umb die Felle herschlugen; hörete auch
endlich die Räuber / so bald hinter, bald neben dem Wagen her lieffen / etliche
unzüchtige Reden führen / da unter andern der allergrösseste / so von Herrn
Herkules zu erst erlegt worden / zu den übrigen sagete: Ich als euer Fürst und
Herzog behalte mir des Stadtalters Tochter diesen Tag zur Lust; an den beiden
übrigen habet jhr beide Obristen die erste niessung als lange es euch gefällig;
hernach werdet ihr diesen euren Spiessgesellen und Hauptleuten auch guten willen
gönnen. Was vor Herzleid mir dieses brachte / ist unmüglich auszusprechen / und
suchte ich schon mein kleines Messerchen hervor / dieser Schande vorzukommen;
aber es wahr (welches ich damahls beklagete) des vorigen Abends auff dem Tische
liegen blieben; doch ward ich noch in etwas getröstet / da ich den einen also
antworten hörete: Ich riehte / dass man dieser Fräulein Ehre unangefochten
liesse; es dürffte uns daher nichts gutes entstehen und ist zu fürchten / nicht
allein unsere Fürsten / sondern auch die ganze Brüderschaft möchte drüber
entrüstet werden / weil es wieder erteileten Befehl streitet. Was ihm nun zur
Antwort gegeben ward / kunte ich nicht vernehmen / wiewol ichs nach meiner
Hoffnungs auffs beste deutete. Endlich nahmen sie die Decke von uns hinweg /
huben uns herunter / da es voller Hecken stund / und leiteten uns zu Fusse ohn
einiges Gespräch durch Püsche und Dornen / fast eine halbe Stunde / biss wir auff
einen lustigen Platz kahmen / auff welchem sehr hohe Bäume zimlich weit von
einander stunden / woselbst auch diese beide Herren uns angetroffen haben. Fr:
Pompeja kunte des Endes nicht abwarten / sondern fragete / wie dann unsere
Helden diesen verborgenen Ort zu so gelegener Zeit hätten finden und antreffen
können; Aber der Statalter redete ihr ein; sie möchte sich biss dahin gedulden /
und ihrer Tochter wolgefassete Gedanken nicht stören. Also fuhr sie weiters
fort: So bald wir auff diesen Platz kahmen / liessen sich unterschiedliche
scheussliche Raben / oben von den Bäumen mit gresslichem Geschrei hören / dass auch
die Räuber selbst sich davor entsetzeten / und ihr Führer /in die Höhe sehend /
ihnen zurieff / sie sollten über ihren eigenen Hals schreihen; Da bald ein Rabe /
(ich halte gänzlich / es sei meines Hochlöblichen Anherren M. Valerius Korvinus
Schuz-Rabe gewesen) vom Baum herunter flog / und schlug einen Kreis umb dieses
Räubers Häupt so niedrig / dass mann ihn mit dem Schwert hätte abreichen mögen;
welches er vor ein sonderliches Glükszeichen hielt / dadurch die Götter ihm
seines Vorhabens guten Verfolg anzeigeten. Mitten auff dem Platze setzeten sie
uns bei einem hohen Baum nider / und trugen uns vor; Unsere Eltern müsten ihnen
drei Tonnen Schaz vor unsere Erlösung zustellen / und im nähestem Dorffe / auff
einen bezeichneten freien Platz niedersetzen lassen / so dass kein Mensch sich
dabei finden liesse / der einige Rache vornehmen könnte / sonst würden wir nicht
wieder los kommen. Wir höreten zwar / dass es viel und grosse Gelder betraff /
tahten ihnen doch aus Furcht und Angst alle Versicherung / es sollte nach ihrem
Willen gelieffert werden / dafern wir nur Gelegenheit hätten / es nach Padua
zuberichten. Diese Anfoderung / sagte ihr Führer / soll Morgen zeitig gnug den
euren zuentbohten werden / und müsst ihr biss dahin euch unsere liebe
Gesellschaft an diesem Orte so gefallen lassen; habet auch wegen Speise und
Trank nicht zu sorgen / dessen wir euch allen Uberfluss verschaffen wollen. Ich
sah eigentlich / dass dieser nichts gutes mit mir im Sinne hatte / wollte sich
auch gar zutäppisch machen / und mit hervorgesuchten gnug unzüchtigen reden mir
seine sonderliche Neigung zu verstehen geben; er währe / sagte er / ein
erwählter Fürst und Herzog über viel Völker / und sollte ich in kurzer Zeit seine
Macht und Herligkeit schon erfahren; bähte / ich möchte ihm meine Liebe
versprechen /so wollte er inwendig viertel Jahrs ungezweiffelt das offentliche
Beilager mit mir zu Padua auff dem Käyserlichen Schloss halten / und mich zur
Fürstin einer grossen Landschaft / dass ich nicht vermeinte / einsetzen. Ich
fassete wegen der ihm gegebenen Antwort / die ich auff dem Wagen gehöret hatte /
einen Muht /da ich keinen hatte / und sagte: Er würde mich mit dieser Anmuhtung
verschonen / ich wüste mich nicht zuerinnern / dass zwischen Padua und Rom
dergleichen Fürsten lebeten / davor er sich aussgäbe; währe auch kein Fürstlicher
Auffzug / unschuldige Weibesbilder zu rauben / und ums Geld zu schätzen; ich
lebete in meiner lieben Eltern Gewalt / bei denen müste ein solches / und zwar
auff weit andere Weise gesucht werden; ich vor mich selbst / würde mich keinem
Unbekanten unter dem blossen Himmel versprechen. Diese entschuldigung achtete er
aber wenig / hielt mir vor / ich könnte wegen meiner Jugend Unverstand nicht
erkennen / in was Gefahr ich steckete / wann ich durch Schimpff- und
verächtliche reden ihn schmähen / oder seinen Fürsten Stand / welcher sich bald
melden sollte / in zweifel zihen würde; müste mich demnach eines andern bedenken
/ und einen solchen Freier / der noch wohl ein bessers tuhn könnte / nicht mit so
hönischen Worten abspeisen. Zwar mein Herz schlug mir im Leibe / als wollte es
zerbrechen / aber die Furcht meiner Ehre unterwiess mich doch / was ich Antworten
sollte / da ich sagte: Ich bin nicht der Meinung / euren Fürsten Stand zu
schmälern; erkenne auch / dass ich unter euer Hand und Gewalt bin; doch sehe ich
euch ingesamt vor so redlich an / dass ihr die mir getahne Versicherung / wegen
meiner und dieser meiner Wasen Ehre / auffrichtig halten werdet, habt ihr aber /
(sagte ich zu dem ersten) einen redlichen und keuschen Willen zu mir / und seid
des Standes /wie ihr euch aussgebet / so machet euch an meine Eltern / die ihr /
aller anzeige nach / wohl kennet / und was dieselben hierin tun und lassen
werden / müssen billich ihr und ich zu frieden sein; ein weiters wird kein
Mensch aus mich bringen / noch von mir begehren / dass ich wieder der Götter und
eingepflanzeten Rechte Verbot / meinen Eltern den gebührlichen Gehorsam versagen
sollte. Dieser / als er solches von mir hörete / und aus seiner Gesellen
bezeigung ihren Missfallen merkete; stund er auff / und foderte die zween
vornehmsten absonderlich / hielt mit ihnen anfangs ein Gezänke; bald darauff
eine freundliche Unterredung; kehreten wieder zu uns / und brachten ihr begehren
durch ihren Führer meines Behalts / mit diesen Worten vor: Aedle schöne
Fräulein; ob wir zwar zu dem Ende euch an diesen Ort geführet / dass eure Eltern
uns dass bestimmte Lösegeld aussreichen sollten; so hat doch eure Schönheit
dergestalt uns eingenomen /dass wir anjezt mit euch beides die Verlöbnis der
ehelichen Gemahlschaft unter dem freien Himmel äidlich abreden / und das
Beilager volziehen / über ein viertel Jahr aber das Hochzeitfest Fürstlich
halten / und euch freistellen wollen / ob ihr diese Zeit über lieber bei uns
bleiben / oder bissdahin in euer Eltern Gewahrsam sein wollet / mit bem bedinge /
dass ihr unser Heirat ihnen inzwischen nicht die allergeringste Meldung tut;
und werden wir also nicht allein die angemuhtete Schatzung euch gänzlich
erlassen / sondern unser Herz und treffliche Schätze die wir besitzen / in eure
Gewalt einliefern; Hierauff werdet ihr euch in der güte zuerklären wissen /
damit wir nicht verursachet werden / durch Gewalt zuerhalten / welches wir von
euch ungleich lieber aus eigener Bewägung und gutwilliger gegen Liebe annehmen
wollten. Als wir diesen Antrag mit zittern und zagen angehöret hatten / fielen
wir auffs flehen; sie möchten so gewaltähtig mit uns nicht verfahren / sondern
unsern Stand und Eltern betrachten; wir währen / die Warheit zu sagen / schon
alle drei verlobete Bräute / daher wir ihnen nicht könten zuteil werden. Hier
sollten wir ihnen nun unsere Bräutigamb nahmhaftig machen /dessen ich mich nicht
wegerte / und die drei ersten Römischen Herren / so mir einfielen / angab / aber
zum Bescheide bekam; sie wollten uns versichern / ehe dann drei Wochen verlieffen
/ sollten diese drei erschlagen und hingerichtet sein; müsten deswegen ihnen
nicht weiters wiedersprechen / sondern so glückliche Heirahte gerne annehmen /
und den Göttern davor danken / also würden wir ihnen Anlass geben /dass sie in
künftig uns desto herzlicher liebeten. Hiemit legten sie ihre Schwerter ab /
und wollten die beide (dann der Führer hatte keinen an) ihre Panzer von sich tuhn
/ uñ sich zu uns nidersetzen; welches wir merkend / das allerkläglichste
Geschrei anfingen /welches unter dem Himmel je mag erhöret sein; und rücketen
wir so fest zusammen / dass wir uns mit Händen und Füssen umklemmeten; daher sie
das Panzer-ausszihen vergassen / und sich an uns macheten / uns von einander zu
reissen. Da liessen wir uns nun zausen und trecken / hielten so fest zusammen /
dass uns die Hände schmerzeten / und schrihen inzwischen /dass es einen
Widerschall gab; worüber die Räuber endlich von uns abzulassen bewogen wurden /
und auffs neue uns gütlich erinnerten / alle Widersezligkeit einzustellen /
sonsten wollten sie uns nach angelegter Schande ihren Knechten zum Muhtwillen
untergeben / mit denen wir unsere Lebenszeit im höchsten Elende zubringen
sollten. Wir töhrichte Kinder wollten uns auff die Fleheseite legen / und bahten
mit gefaltenen Händen / so übel mit uns nicht zu verfahren; unsere Eltern sollten
ihnen geben / was sie begehren würden. Sie hingegen gebrauchten sich dieser
Gelegenheit und trenneten uns mit leichter Mühe / rissen uns die Kleider vom
Leibe ganz grimmig hinweg /und meinten schon gewonnen zu habe; aber wir huben
das Geschrei heftiger an als zuvor; fielen ihnen umb die Beine / dass sie nach
willen mit uns nicht schaffen kunten; und als wir uns so nahe wieder beisamen
funden / liessen wir von ihnen / und umbgaben uns stärker denn vorhin. Ich kann
wohl sagen /dass Angst und Noht Kräffte verleihet / massen was ich fassete /
dergestalt beklämmet ward / dass ich mich lieber in stücken zureissen lassen /
als die Hände abzihen wollen. Wir schlungen uns durch einander / wie man die
Erdwürmlein sihet sich verwickeln / und hielten an mit schreihen / so oft sie
hand an uns legeten. Aber endlich würde es den Stich nicht gehalten haben /
zumahl sie durch Eifer und Begierde übernommen /alle Sanftmuht beiseit legte /
und durch Erbrechung unser Finger uns gar leicht trenneten / wir auch ohn alle
Barmhertzigkeit und Hülffe uns der Schande untergeben müssen / dafern dieser
unser Erretter glückliche / und von den Göttern selbst versehene Ankunft den
Willen der Räuber nicht gestöret hätte. Dann wir höreten anfangs das rasseln
ihrer Harnische zwischen den Sträuchen / und bald darauff sahen wir sie in
zimlicher Eile herzu treten; dessen sich die Räuber nicht versehen hätten / und
vorerst meinten / ihrer würde eine zimliche Menge sein / dz ich eigentlich
ihren Schrecken merken kunte / welcher sich doch bald verlohr / und sie gewisse
Hoffnung eines schleunigen Sieges fasseten. Hierauff baht sie ihren Ladisla / er
möchte den ersten Anfang ihres Kampffs zu erzählen unbeschweret sein; welches er
einwilligte / und biss dahin ausführete / wie Herkules seinen ersten Ansprenger
gefället / und darauf von dreien zugleich angefallen worden; woselbst das
Fräulein ihre Erzählung fortsetzete / einwendend / sie würde / umb die Warheit
anzuzeigen / gezwungen ihm in die Rede zu fallen / weil er ihren Sieg gar zu
geringe machete; beschrieb demnach so best sie kunte / die Heldentaht und wie
Ladisla ihrer aller Leben vor dem letzten Räuber ihrem Hüter gerettet / da sie
sonst ohn alle Gnade hätten sterben müssen / welches ihnen doch erträglicher als
ihrer Ehren Verlust sollte gewesen sein. Als sie nun hiemit ihrer Erzählung ein
Ende gab /sagte der junge Fabius; es möchte vielleicht dieser ruhmwirdige Sieg
von denen nicht so hoch geachtet werden / welchen der Räuber Krafft und
Erfahrenheit unbekant währe; Wer aber den Meister aller Fechter /den
hochbeschrihenen Orgetorix / und seine Gesellen Dumnorix und Ambiorix vor
etlichen Jahren gekennet / und sie fechten gesehen / der würde die
Vortrefligkeit dieser überwindung wohl urteilen; dann diese hätte er alle drei
auf dem platze tod angetroffen / und noch zween andere ansehnliche grosse Räuber
/ die ihm unbekant währe / ihre Namen aber auf ihren Schwertern / als Fimbria
und Sergius / eingeetzet stünden. Der Statalter erschrak dieser Rede / und
sagte: Ich gläube ja nimmermehr / dass diese drei unvergleichliche Fechter sich
in Räuber Gesellschaft begeben / angesehen / sie durch ihre Kunst und Stärke
viel tausend Kronen erworben / und allein durch meine befoderung ein grosses Gut
bekommen. Zwar man hat fast zwei Jahr nicht erfahren können / wo sie gestecket /
und ist man in dem Wahn gewesen / dass sie nach Gallien in jhr Vaterland gezogen
/ oder in den Morgenländern Geld zu verdienen / sich auffhielten / so höre ich
nun mit Bestürzung / dass sie zu Räuber gedien sind. Den Fimbria und Sergius
betreffend / sind mir dieselben nit unbekant / sondern dieser ein Mantuanischer
/jener ein Ravennischer vom Adel / beide umb Untaht willen aus dem Reiche
verbannet. Die gröste Verwägenheit aber / die hierunter stecket / ist / dass der
unbendige Orgetorix sich vor einen Fürsten hat angeben / und nicht allein nach
meiner Tochter freien / sondern das Hochzeitfest auff dem Käyserlichen Schloss
hieselbst zu halten / sich dürffen verlauten lassen; Nun wahr er zu jener Zeit
gar kein Auffschneider / sondern jederman hielt jhn vor warhaft / und von
Tahten fester / als ruhmrähtig; muss also die Hoffnung mein Kind zu bereden / ihm
diese Liebeslüge eingeblasen haben. Es sei aber wie ihm wolle / so dürfte
hierunter was gefährlichers stecke / als man gedenken möchte; welches ich
dissmahl beiseit setze; muss mich aber über euch beiden / Herr Herkules und Herr
Ladisla /verwundern / dass eure Schwerter so kräfftig / und die Hände so erfahren
gewesen sind / diese freche Räuber auffzureiben / welches ausser allem Zweiffel
durch sonderlichen Beistand der Götter hat geschehen müssen. Alle anwesende
fingen an diese Taht dergestalt zu erheben / dass das Frauenzimmer (aussgenommen
die Statalterin / die eine Christin wahr) in den Wahn gerieten / ob nicht etwa
Herkules der Gott Apollo /und Ladisla Merkur oder Romulus selbst währe. Diese
beide aber hatten grossen Verdruss an der häuffigen Lobrede / dass endlich
Herkules sie ingesamt mit entblössetem Häupte baht / diese schlechte Taht nicht
so hoch zu erheben / zumahl er billich zweifeln müste / ob der Streit mit
Mördern / Dieben und MenschenRäubern / mit unter die Zahl der ruhmwirdigen zu
setzen währe. Sie vor ihr Häupt würden sich dessen umb keiner andern Ursach
willen erfreuen / als dass sie Gelegenheit gehabt / so vortreflichen Fräulein /
als Kleinoten der Welt / Dienste / und ihren hochansehnlichen Eltern
Freundschaft zu leiste. Das ist aller Helden Eigenschaft / antwortete der
junge Fabius; nicht desto weniger aber muss derselbe die Guttaht erkennen / der
sie empfangen hat; wiewol ich einen schlimen Anfang darzu gemacht habe. Wie so?
fiel ihm sein Vater in die Rede; ich hoffe ja nicht / dass du wider Römische
Sitten gehandelt / uñ durch Undankbarkeit dir und deinem Geschlecht einen
Schandflek angeworffen habest. Davor behüten mich die Götter / antwortete der
Sohn; Viel lieber wollte ich mich ohn Leben / als ohn Ehre wissen. Das Fräulein
wollte den Vater des Argwohns benehmen / und zeigete an / was vor ein Streit
zwischen jhnen sich aus Irtuhm erhoben; Worauf der Vater den Sohn erinnerte /
den blinden Zorn hinfüro zu mässigen / als welcher ein Zeichen eines grossen
Vernunftmangels währe.
    Die mitleidige Mütter sassen und kunten ihre Trähnen nicht stillen / in
betrachtung der grossen Gefahr ihrer Töchter / biss sie von ihren Gemahlen
auffgefodert wurden / einen kurzen Abtrit mit ihnen zu nehmen / da sie sich
miteinander berahtfrageten; auff was Weise sie unsern Helden ihre Dankbarkeit
erzeigen und beibringen wollten; liessen hernach Frl. Sophien zu sich ruffen /
und nach gemachtem Schlusse / setzete sich jedweder an seine Stelle / ohn dass
die Müttere nach Hause gingen / und nach Verlauff einer halben Stunde sich
wieder einstelleten. Nicht lange hernach traten drei wolgeputzete Dirnen ins
Gemach / deren jede ein treffliches Lädichen trug von Hebenholz mit güldenem
Beschlage / künstlicher Arbeit / welche sie Frl. Sophien überreicheten; ihnen
folgeten zwölff in Scharlaken gekleidete Diener / und hatte jeder ein sehr
grosses güldenes Trinkgeschir / mit allerhand köstlichen Steinen aussgesezt / die
mit dem besten gepregeten Arabischen Golde gefüllet wahren / welche sie nach der
reihe auff den Tisch stelleten / und lies keiner sich eines Worts verlauten /
biss Frl. Sophia die Lädichen öffnete / einen kostbahren Schaz von güldenen
Ringen / Armbändern / Halssketten und anderm Zieraht / auff 150000 Kronen
geschätzet / daraus auff den Tisch schüttete / und also anfing: Ihr meine
Hochwerte Herren / Herr Herkules und Herr Ladisla /die ihr billig meine uñ
meiner geliebten Schwestern Schuzgötter zunennen seid / nachdem wir und ihr
selber ja bekennen müsst / dass nähst dem Himmel wir niemand als euren
kräfftigen Armen und mitleidigen Herzen unsere Ehr und Leben zudanken haben /so
lasset / bitten wir drei Erlösete / euch dieses schlechte Opffer gefallen /
welches zur anzeige eines dankbaren Willens / wir aus geheiss unser lieben Eltern
euch überreichen / nicht unter der Hoffnung / die uns erzeigete Woltaht hiedurch
zuersetzen / sintemahl Ehr und Leben mit keinem irdischen Schein zu vergleichen
ist / sondern dass wir uns dem Laster der abscheulichen Undankbarkeit entreissen
mögen ist / wie gesagt / dieses nicht anders / als ein geringes Zeichen eines
Herzen / welches da wünschet / ein gleiches legen zu können / aber wegen der
lautern Unmögligkeit zugleich seuffzet / das die reichen Götter hieselbst unsere
Stelle vertreten wollen / da unser können auffzuhören gezwungen wird / und doch
allemahl tichtet / mit der Zeit ein besser Mittel zu erdenken /welches den
Schein dieser schlechten Kleinot übergehen möchte.
    Unsere Helden erstauneten über diesem Anmuhten / und in dem einer den andern
ansah / und keiner wusste / was er dazu sagen sollte / stund der Statalter von
seiner Stelle auf / und redete sie also an: Ihr ruhmwirdige / und von den
himlischen Göttern hochbegabte Ritter und Herren: Ob zwar mein Wunsch die
Erkäntnis eures Standes gewaltig nachsuchet / damit denselben ich die
gebührliche Ehre bieten dürffte / will ich solches doch mit eurem guten Willen
lieber entrahten / als demselben zuwieder / wissen / und mir genügen lassen an
dem / dass die gütigen Götter euch nicht allein meinem Kinde und Bässlein /
sondern viel tausend anderen bedrångeten und durch Gewalt unterdrücketen zu
hüffe und Trost an diese Welt kommen /und in Herzhafter Tapfferkeit
vortrefflich werden lassen. Wahr ist es / dass wann Gefahr von uns abgekehret
wird / wir der Götter Rettung solches zuschreiben müssen; wer aber dem Werkzeuge
/ durch welches sie uns beispringen / Undank zu Lohne legen / oder auch solche
Guttaht und Hülffe verachten und in den Wind schlagen wollte / derselbe müste
billig in aller Götter Ungnade fallen / nicht anders / als der den Göttern vor
des Tages Liecht danken / und daneben der Sonnen alle Beschimpfung erweisen
würde. Dass ich und diese meine bei den Freunde Töchter haben / dancken wir dem
göttlichen Segen / welcher alle Geschöpff durch Mittel ausshecket; hätten wir
ungerahtene Töchter / müsten wirs dem Unglück zuschreiben. Dass sie aber nicht
grausamer Weise durch räuberische Unzucht genoht zwänget / und hernach gar in
stücken gehauen / oder den nichtigsten Hundsbuben zu aller Schande unter die
Füsse geworffen sind / kann von uns keinen andern Uhrhebern / als bloss eurem
recht Fürstlichen Mitleiden und daher entspringender kräfftigen Hülffe zugelegt
werden / als die ihr euer Leben in dieser euer Jugend geringe geschätzet / und
dem Mörderischen Schwerte dargebohten / nur dass ihr diese dazumahl aller
unglückseligste Kinder retten / und mit vergiessung eures Blutes in die heutige
Wolfahrt versetzen möchtet. Versichert euch / ihr meine Hochwerte Herren und
Freunde / dass wir des Unverstandes nicht sind / diese eure Guttaht mit
stillschweigen zu begraben / sondern es soll vielmehr durch das ganze Romische
Reich und benachbarte Herrschaften von uns aussgebreitet werden / dass nehmlich
die Tugend /was sie wohl in hundert Jahren in mir und vielen andern schwerlich
zeugen würde / bei euch in dieser eurer Jugend schon so völlig wirken und
scheinen lassen / als hättet ihr nach Ablegung der ersten grauen Haare diese
jezige Jugend auffs neue angenommen. Römische Auffrichtigkeit / deren ich mich /
ohn unzeitigen Ruhm / alle mahl beflissen / hat einen Abscheuh an
schmeichelhaften Lobreden / drumb wollen sie / bitte ich / mich dessen nicht
zeihen. Was ich empfangen habe / preise ich billich / nachdem es dessen wert ist
/ und preise es nicht allein mit Worten / da ich Werke empfangen habe / sondern
suche mit allen dankbahren / und vor dissmahl mit diesen meinen Herren Schwägern
und deren Gemahlen / mögliche gelegenheit / ein wirkliches zu erklären / welches
wir euch auff diese weise darzulegen verabscheidet haben; dass vor erst diese
zwölff Becher jhr von unser Hand annehmen / und nach unserm Tode mit unsern
Kindern zu gleicher Teilung aller unser Güter gehen wollet. Ist dann ein mehres
/ damit ihnen könnte gedienet sein / und von uns zu leisten möglich / wollen sie
kühnlich fodern / und des gewehrens sich von uns versichern.
    Herkules und Ladisla stunden als die Stummen /schlugen die Augen vor sich
nider / und liessen aus jhren Geberden gnug sehen / dass sie nicht geringe
Bewägung in ihrer Seele empfunden; worüber das gesamte Frauenzimmer sich hoch
erfreuete / in Meinung / es währe ein Zeichen grosser Freude / wegen getahner
Schenkung und künftiger Erbschaft; biss Herkules / nach dem er sah / dass
Ladisla nicht wollte / dieses antwortete: Das wolle Gott nimmermehr / dass das
ungerechte Lösegeld / welches die meinäidigen Räuber gesuchet / wir an jhrer
statt empfangen; vielweniger das angebohrne Erbe dieser Durchll. Fräulein
schwächen und mindern sollten: Hochmögender Herr Statalter / auch Römische
Herren / Frauen und Fräulein; verzeihet uns / bitten wir / diese Frage / ob sie
nicht unserer Ritterlichen Ehren beschirmer ja so willig sein wollten / als wir
ihnen samt und sonders zu dienen / höchstbegierig sind; Verfluchet müsten ich
und mein bründerlicher Geselle sein / wann wir andere Gedanken von ihnen
fasseten / zumahl ihre hohe gewogenheit auff der allerhöchsten
Vergeltungs-Stuffe sich sichtbarlich erzeiget / in dem wir wegen einer
Viertelstunde Arbeit / die ohn sonderliche Gefahr gewesen / als leiblichen
Söhnen / so grosses Erbe uns angebohte sein / hören müssen / dass wir unsern
Ohren kaum trauen durffen. Betrachtet aber / bitten wir / obs ohn Verletzung
unser Ritterlichen Ehre von uns könne angenommen werden / weil wir nichts
durchaus geleistet / als wozu uns das eingepflanzete Gesez verbindet: dann sehet
doch; wir haben gewaltleiden der Fräulein klågliches geschrei vernommen; Wen
sollte das nicht zum mitleiden bewägen? Wir haben gesucht / dessen ursach zu
erkennen / wer würde solches ohn Nachrede einer Kleinmühtigkeit unterlassen? Wir
haben uns der anlauffen den Räuber erwehret / ehe und bevor wir einige
wissenschaft gehabt / ob sie rechtmässige Richter der klagenden /oder boshafte
Ansprenger währen; wer könnte hier sein Schwert in der Scheide behalten / und
sich niderschmeissen lassen? Sehet / hochwerte Herren / Frauen und Fråulein /
was von uns vor Gegenwehr geleistet /ist bloss zu unserm besten vorgenommen / ja
von uns erzwungen; Wir sind nicht aussgeritten / den Fräulein Hülffe zu leisten;
Wir haben sie biss zu allerlezt ohn Rettung in ihres Huters Hand stecken lassen;
Ja das ich ohn Anröhtung nicht sagen kann / ich bin so unhöflich gewesen / und
habe dieses Durchl. Frauenzimmer nicht eins besuchet / sondern sie haben sich
gedemühtiget / seind zu mir kommen / meine Waffen mir abgezogen / meine Wunde
verbunden / und / mit einem Worte / sich so verdient umb mich gemacht / dab ob
ich gleich hundert Jahr leben sollte / ich doch in ihrer Schuld sterben müste;
und ich sollte ihnen diesen Dank davor erzeigen / und sie ihres väterlichen Erbes
zum halben Teil helffen berauben? Dieses Laster wende Gott von mir ab und von
meinem Gesellen /damit wir nicht Erz Räuber über die heut erschlagenen werden /
und morgen dem billichen Råcher in die Hånde fallen. Ich sage nicht / Durchll.
Herren / Frauen und Fräulein / dass sie uns ein solches unter dem schein einiges
Lasters anmuhten / aber / weil ihr hohes erbieten nicht ohn Laster von uns kann
angenommen werden / ei so gebet unser Entschuldigung statt / damit unser
Ritterstand / den wir kaum vor drei Jahren angefangen / nicht durch
unverantwortlichen Geiz und Unbescheidenheit im ersten Grase ersticket werde /
sondern wir von diesem Laster befreit / sie uñ andere Woltähter frei ansehen /
und so grobes verbrechens uns nicht schämen dürffen. Ein Zeichen dieser hohen
ganz unverdieneten Ehre anzunehmen / wegern wir uns nicht / sondern soll uns
vielmehr eine stete Erinnerung sein / wie fest Euren Durchleuchtigkeiten wir
verbunden bleiben. Nam hiemit ein zierliches Ringelein von den aussgeschüttene
Kleinoten /steckete es auf den Goldfinger / uñ taht ihm Ladisla ein gleiches
nach; hernach fuhr er in seiner Rede also fort: Ja meine hochwerte Herren /
Frauen uñ Fräulein / wir wollen uns noch einer kühnern Freiheit unternehmen / uñ
diese aufgesetzete köstliche Geschenke von ihrer gar zu freigebigen Hand
empfahen; aber mit diesem bedinge / dass unsere gebietende Frauen / die drei
Müttere sie mögen in guter verwahrung bei sich behalten / damit wir dermahl eins
solche alle / diesen dreien Fräulein in künftig zum Brautgeschenke bei ihren
hochzeitlichen Ehrentagen einliefern können. Den hohen Ruhm / von unserm
gnädigen Herrn dem Statalter uns zugelegt / schreiben wir billich seiner
ungezweifelten väterliche Gewogenheit zu / wollen uns auch befleissigen / dass ob
wir gleich keine gebohrne Söhne / wir dannoch keine andere Herzen / so lange wir
leben / unserm Herrn als Vater erzeigen. Nach geendigter Rede raffeten sie die
Kleinoten wieder in die Lådichen / und lieferten sie nebest obgedachten Bechern
den dreien Frauen ein / mit bitte /dieselben in gute verwahrung anzunehmen. Die
Anwesenden alle beantworteten dieses anmuhten mit einem freundliche Lachen. Nur
der Statalter sagte drauff: Ihr meine Herren und Freunde; wann eurer Antwort
auff meine gehaltene Rede ich mit einer neuen begegnen sollte / würde solches /
bekenne ich /nicht sonder Anwendung der wolgegründeten Vernunft geschehen
können; währe auch zu befahren / dz entweder meine entgegen gestellete Ursachen
zurück prallen / oder ihre angeführete ausflüchte angegriffen werden müsten;
gestehe sonst gerne / dass Herr Herkules uns anjetzo nicht weniger jhrer beider
hohen Verstand und wolgebildete Geringschätzung zeitlicher Güter / als unsern
Kindern / ja auch unsern Feinden jhre unüberwindliche Herzhaftigkeit zu
erkennen gegeben. Ich will vor dissmahl weder ihre getahne Verehrung an unsere
Töchter wieder ruffen / noch mich der geschehenen wegerung beschweren / sondern
wie ihnen ich allen freien Willen hierin lasse / also werden sie / ich müste
dann gar unglückselig sein / mir dieses mein ansuchen weder streitig noch
abschlägig machen / da ich sie freundlich ersuche / nicht schleunig von uns
hinweg zu zihen / sondern umb bessere Kundschaft zu machen / etliche Zeit bei
und zu verbleiben. Keine angenehmere Bitte håtte dem verliebeten Ladisla können
angelegt werden / und kunte dannoch über sein Herz nicht bringen / sie zu
beantworten / weil Herkules Wille ihm unbewust wahr; welcher aber zu seines
Freundes Vergnügung diese Antwort gab: Höchstgewogener Herr als Vater / wir
müsten zumahl baurisch und unbehöfelt sein / wann wir ohn Urlaub hinter der Tühr
Abscheid nehmen würden; erkennen uns schuldig / unsern Herren / Frauen und
Fräulein gehorsam und ehrerbietig auffzuwarten / und zweifeln im wenigsten nicht
/ sie werden auff geleistetes begehren uns zu unser nöhtigen Reise hinwiederumb
beförderlich sein.
    Der Statalter kunte sich des jungen Herren unausssinlicher Verschlagenheit
nicht gnug wundern / dass er im Augenblick so vorträgliche Antwort zufinden wusste
/ nicht allein dass angebohtene höfflich ausszuschlagen / sondern auch dass
begehrete auff solche Weise zu verheissen / dass er immerzu unverbunden bleiben /
und sein Versprechen nach belieben auffruffen kunte. Sein Gemahl aber wollte weil
der Abend einbrach / dieses Gespräch aufheben / daher sagete sie: Unsere Töchter
/ wie ich merke / sollten fast mehr belieben nach einem Tanze als ferneren
höfflichen reden tragen: hiess demnach die Spielleute und Diener (welche bisher
einen Abtrit genommen) wieder herein gehen / und nach etlichen künstlichen
stücken einen Tanz auffmachen / da Frl. Sophia mit Frl. Ursulen einen zierlichen
Reihen Tanz mit gefasseten Händen; hernach jede einen absonderlich vor sich /
wiewol zugleich / und nahe bei einander hielt / nach dessen Endigung diese zu
jener sagete: Betriege mich meine Augen nicht / Herzen Schwester / so werden die
eure von Herr Ladisla nicht angefeindet; und die Götter geben euch ja nimmermehr
keinen unwirdigern Buhlen. Herzliebe Schwester / antwortete Frl. Sophia / ob
Herr Ladisla mich nicht anfeindet / so habe ich ihm darzu auch keine Ursach
gegeben / da es nicht durch Beschwerung auff dem Pferde geschehen ist. Es ist
mir aber lieb / Gelegenheit zu haben / euch eure grosse Unträue vorzuhalten /
welche ihr mir heut in dem Unglückswalde erzeigetet / in dem ihr mich nacket und
bloss bei H. Ladisla einem Wildfremden so gar allein liesset; nimmermehr könnte
ich euch ein solches Bubenstük antun. Dass ihr mir aber keinen unwirdigern
Buhlen wünschet als diesen / kann ich anders nicht aussdeuten / als dass ich gar
keinen haben soll; dann wo würde mann sein und seines Gesellen gleichen finden?
Frl. Ursula sagte hierauff; Ich sah uñ merkete wohl / mein Schwesterchen / dass
euch beiderseits geliebte allein zu sein (dann sonst währet ihr wohl mit uns
zugleich davon gangen) darumb wollte ich euch einen Dienst durch unser beider
abweichen tun / wie mich dann eigen gedauchte / ihr hättet mir deswegen einen
Wink gegeben. Sahe sie hierauff traurig an / und fuhr also fort: Es ist aber
iezt nicht Zeit zuscherzen / sondern wann ich bei euch der Verschwiegenheit
versichert währe / müste unser Freundschaft nach ich euch eine wichtige
Heimligkeit offenbahren /die ihr sonst zuspät erfahren möchtet. Diese bekam
grosse Begierde solches zu vernehmen / und lobete an / Hand und Mund zu halten.
Worauff jene sagte: Wisset ihr auch / Schwester / dass ihr schon eine verlobete
Braut seid? Was? antwortete diese; bin ich eine Verlobete? fing aber bald an
zulachen / und sagte: Haltet ihr mich dann vor so frech / dass ich mich diesem
Fremden sollte so leicht und bald versprochen haben? aber ich werde schon
Gelegenheit finden / euch dieses Auffzuges gereuen zu machen. Leget meine Reden
nicht ungleich noch vor einen Auffzug aus / antwortete jene; und seid ihr eures
eigenen Zustandes noch unberichtet / stehet es umb eure Sache so viel
gefährlicher / weil ich fürchte / der Bräutigam möchte euch ungenehmer als der
Tod selbst sein; Ich verlasse mich aber auf eure Zusage / und frage in allem
Ernst / wie euch der geizige Fulvius gefalle / welchen ich trauen umb aller Welt
Gut nicht heirahten wollte / ungeachtet ich keines Statalters Tochter bin wie
ihr. Frl. Sophia erinnerte sich / dass ihr Vater etliche Zeit her diesen
Römischen Herren in ihrer Gegenwart zun offtern trefflich gerühmet hatte / mit
vermeldung / es währe kein Römischer Herr / der ihm eine Tochter versagen würde;
fassete deswegen traurige Gedanken / und sagte: Ach herzgeliebte Schwester / ich
bitte zum allerhöchsten mir zu vertrauen / von wem ihr dessen berichtet seid.
Was geht euch dass an? antwortete sie /ists nicht gnug / dass ich euch die
Heimligkeit selbst vertraue? die so gewiss ist / dass wo ich fehle / ihr mir alle
Freundschaft auffkündigen sollet. Ich sage euch noch mehr; Fulvius ist schon
auff dem Wege / euch abzuhohlen / weil euer H. Vater / ungeachtet alles
Wiedersprechens / von euer Fr. Mutter geschehen /ihm völlige uñ unbedingte
Zusage getahn hat; welches ich von niemand anders habe / als der mit dabei
gewesen ist. Werdet ihr mich nun verrahten / so bringt ihr mich in die gröste
Ungelegenheit. Schwester /ich kann Gott Lob wohl schweigen / antwortete sie /aber
von dieser Heirat werden mich die Götter / oder der Tod frei sprechen / dessen
seid ungezweifelt versichert. Ich danke euch aber von herze dieser eurer träue /
die ich / wo ich leben soll / unvergolten nicht lassen will. Aber wir stehen
allhier zu lange / und möchte unser Gespräch etlichen einen Argwohn bringen.
Seid aber gebehten / und führet H. Ladisla unsere Schwester Helenen zu / dass wir
sehen / ob diese sonst so volkommene Ritter auch den Tanzbodem besuchet haben.
Was habe ich vor Ursach / sagte Frl. Ursula / ihm Helenen zuzuführen? Ihr habt
selbst eines geträuen Freundes von nöhten / der euch von Fulvius losswirke / und
wisset nur / dass ichs heut wohl sah / wie kek er sich der guten Gelegenheit
hinter dem Baum gebrauchete. Herzen Schwester / antwortete sie / das Gesicht muss
euch mächtig betrogen haben / welches ich auff bessere Gelegenheit verfechten
will /mit dem Tanze aber möget ihrs nach eurem willen ordnen. Also bestellete
Frl. Ursula einen sonderlichen neuen Tanz / und foderte Ladisla mit diesen
worten auff: Hochwerter Herr / da ich sonder Unhöffligkeit ihm meine herzliebe
Frl. Schwester an die Hand bieten darff / nach belieben sie bei sich
niederzusetzen oder zum Tanze zufuhren / will ich dessen nicht länger Auffschub
nehmen. Ladisla bedankete sich der Ehren und fing nach Anleitung seiner
Liebesbegierden einen sehr zierlichen Tanz mit ihr an / nach dessen Endigung sie
zu ihm sagete: Mein Herr / ihr wisset gewisslich nicht minder beim Tanze / als
bei dem Kampffe, euch ganz volkommen zu halten. Höchst geliebtes Fräulein /
antwortete er; dass mir dann auch der Himmel diese Gutigkeit zufliessen lassen
wollte / bei meinem Fräulein können angenehm zu sein / weil ohn ihre Gunst und
Gegenliebe ich ausser allem zweifel untergehen und verderben muss. Mein Herr /
sagte sie / ich bitte sehr / mir dieses Fråulein nahmhaft zu machen / deren
Gewogenheit er so embsig suchet; kann ich ihm dann bei derselben den gewünschten
Trost erwerben / als dann soll er dabei prüffen / ob ich nicht willig bin / ihm
verbeschehene Rettung tråulich zu dienen. Nun merkete sie / dass er mit einer
weitlåufftigen Erklärung losszubrechen willens wahr / welches /weil vieler Augen
auff sie gekehret wahren / sie mit diesen worten abwendete: Mein Herr / ich will
noch hinte seine mir vielleicht nicht unbewusste Ausslegung sehr willig anhören;
aber dafern ihm beliebet / noch einen Tanz mit mir zuhalten / wird dieses Orts
solches niemand verdacht. Er gebrauchte sich dieser Anfoderung / bestellete mit
einer Handvol Kronen einen Tanz / und befliss sich aller Zierligkeit / damit er
ja seinem Fråulein gefallen möchte. Herkules hatte unvermerket gar genaue acht
auff alles sein tun; er wusste / dass er von jugend auff dieser Ubung wenig
zugetahn wahr / und sah doch vor Augen / dass die Liebe ihm die Füsse gleichsam
beflugelte; gedachte demnach / ihm nach allem vermögen zum gewünschten Zweg
zuverhelffen / was ihm auch druber zustossen möchte; nur lag ihm allermeist im
Wege / dass auff solche Weise ihr Stand und Wesen müste offenbahr werden / weil
so hohe leute mit unbekanten sich zubefreunden / grosses Bedenken tragen würden;
jedoch / weil ihm seines Freundes Wille lieber als sein eigener wahr / setzete
er alles übrige zurück / und zu Gottes versehung. Der junge Fabius ward auch
vermahnet / mit Frl. Ursulen einen Tanz zuverrichten /diese aber / weil ihre
Kundschaft und Vertauligkeit schon von zwei Jahrenher viel heimlicher wahr /
als die im Tanze bestehet oder gilt / luden sich auff ein Abendgespråch / nach
geendigter Gåsterei. Herkules /der im tanzen und springen seines gleichen nicht
hatte / sass dannoch lieber stille / als dass er solcher Uppigkeit hätte
nachtrachten sollen; so wollte ihn auch niemand wegen empfangener Wunde / zum
Tanze nöhtigen; weil aber Ladisla merkete / dass er den andern fleissig zusah /
gab er seinem Fräulein zuverstehen /Er sähe gerne / dass Herkules ein Tanz
gebracht würde; die solches zuleisten sich willig anerboht /wann sie nur wissen
sollte / dass sie es wagen dürffte /uñ es ihm wegen der Wunde nicht beschwerlich
währe. Doch führete sie ihm Frl. Helenen zu / da er anfangs sich mit seiner
Unwissenheit entschuldigte /und nicht destoweniger solche Schnitsprünge
/schrenkungen und andere Zierligkeiten mit seinen leichten und geraden Fussen
verrichtete / dass die Zuseher sageten / es müste dieser Herr in dem
allerglücklichsten Zeichen des himlischen Gestirns geboren sein / weil alle
Leibes und Seelen Zierde in so grosser Volkommenheit bei ihm hervorglånzeten.
Aber niemand rühmete ihn höher im Herzen als eben seine Neben Tänzerin / dann
sie hatte sich dergestalt an ihm vergaffet / dass sie fast sich selber nicht
kennete; wie wohl der Pfeil umbsonst verschossen wahr / und die Karte an iener
Seite schon dergestalt verstecket / dass der guten Fråulein Gedanken sich in eine
grundlose See versenketen.
    Die schon halb verlauffene Nacht erinnerte nunmehr die Anwesenden / dass es
Zeit sein würde / sich dem Lager zu widmen / daher der junge Fabius es Herkules
frei stellete / wie früh oder späht er Ruhe nehmen wollte; der aber seinem
Freunde Raum zumachen suchete / seiner Liebe in etwas nachzuhången /weil er sah
/ dass ihm nicht gefiel / so zeitig Abscheid zunehmen; daher er sich gegen Fabius
vernehmen liess / da es ihm so geliebete / wollte er noch ein halb stundichen mit
ihm sprachen. Dem Statalter und andern Gästen wahr dieses sehr angenehm / und
begunte ein jeder ihm einen Sprachgesellen ausszusehen. Die drei Frauen traten
zusammen / und überlegeten das grosse Elende ihrer Töchter / welches sie
unvermeidlich hätten angehen müssen / dafern dieser Helden Hülffe nicht so
schleunig kommen währe; und sagte Fr. Pompeja; es währe sehr gefährlich / eine
mannbare Tochter in der Eltern Wohnung / und nichts sicherer /als dass man ihr
einen Mann gäbe; Aber ihre Schwester Fr. Julia antwortete: Sie hielte davor /
dass die Töchter in der Eltern Häusern sicherer währen / als wann man sie nach
jhren Willen ausfahren liesse. Der Statalter und seine Schwäger hatten sich an
einem andern Orte zur Unterredung nidergesezt; so nam Ladisla dieser guten
Gelegenheit wahr / wie imgleichen Frl. Sophia dieselbe nicht verseumen wollte;
traten von den andern in einer zimliche Absonderung zusammen / und brachte er
seine Werbung folgender gestalt vor: Hochgebohrnes Fräulein / demnach ich schon
zu unterschiedlichen mahlen ihr meine ungefärbte Liebe und herzergebene Träne
angemeldet /und doch nicht die geringste Gewissheit eines Ja oder Nein erhalten
mögens mir aber unmöglich ist / die über mich schlagenden Flammen ohn Kühlung
länger zu erdulden / sintemahl ich ungleich grossere Angst /als mein Fråulein
unter Räubers Händen / in meiner Seele empfinde / so dass den Schmerzen / welchen
die Erkenntnis durch den Dienst meiner Augen eingenommen in mir wirket / und ihre
aussbündige Schönheit einig verursachet / ich nicht ertragen mag; als bitte ich
von Grund meines Hertzen / sie wolle mich nicht ohn Mitleiden verderben lassen /
noch zugeben / dass derselbe durch ihre Grausamkeit getödtet werde / welcher vor
jhre Wolfahrt zu sterben / sich nun und nimmermehr wegern wird; jedoch / dafern
mit und bei ihr zu leben / mir nicht kann zugelassen sein / ei so verweile sie
nur nicht / mir die Urtel wegen meines Frevels zu sprechen / weil ich rundaus
bekenne / dass denselben ich niderzulegen weder willens noch vermögens bin; sollte
aber mein Fräulein sich erklären können / mich vor den ihren in ehelicher
Verbindung aufzunehmen /als dañ wolle sie ihre gedanken mir nicht länger
verbergen / damit ich meine unruhigen Geister stillen /und inkünftig bedenken
möge / was zu Fortsetzung meines Wunsches dienen kann. Das Fråulein wahr nicht
willens / länger unter der Decke zu spielen /weil die Gefahr mit Fulvius jhr zu
hart anlag / deswegen sie ihm mit dieser Antwort begegnete: Der Himmel ist mein
Zeuge / mein Herr / dass ich bisher keinen Liebesgedancken in meinem Herzen
empfunden /ehe und bevor ich seiner Kundschaft bekommen; habe auch noch in dem
unverständigen Alter gelebet /welches von dergleichen Sachen sehr wenige
Erkenntnis / viel weniger Geniess hat; so bin ich über das /Zeit meines Lebens
unter so strängem Zwange von meinen Eltern gehalten / dass ich nirgend in
Gesellschaften mich dürffen finden lassen / ohn wo sie mit zugegen gewesen /
nur dass mir gestern mit meinen Wasen ausszufahren gegönnet ward / welches /
dafern euer mitleidiges Herz nicht gewesen / mir übel bekommen währe. Ich lasse
mich aber bedünken / mein Herr habe in seiner Rede mir mit verdekten Worten /den
entblösseten zustand wollen zu Gemüht führen /in welchem er mich angetroffen; da
ich dann bekennen muss / dass / wann es mit meinem guten Willen geschehe währe /
ich billich vor das leichtfertigste Weibesbild musste gehalten werden / die
jemahls gelebet; weil es aber durch unwidertriebliche Gewalt also ergange /
welche doch / den Göttern sei Dank / ausser dem sehen nichts an mir gehabt /
hoffe ich gnug entschuldigt zu sein; und kann ich mich so viel besser trösten /
dass die leichtfertigen Buben des an mir begangenen Frevels sich nicht rühmen
können / sintemahl eure Ritterliche Faust jhnen solches wohl verbohten hat. Dass
ich nun auff den Zweg seiner Reden komme / so wundert mich sehr / dass mein Herr
sich so verliebet anstellet / da er mich doch nicht wirdiget / mir seines Wesens
etwas vertraulichere Kundschaft zu gonnen. Er sihet und kennet nunmehr meinen
und der meinigen Zustand; und ruffe ich die Warheit zum Zeugen / dass an seinem
gnugwirdigen Adel und Herkommen ich vor mich nicht zweifele / sondern ihn so
hoch schätze als keine andern in ganz Rom; jedoch müste mirs ohnfehlbar zur
unbesoñensten Leichtfertigkeit aussgelegt werden / wann ich vor dieser
gebührlichen Nachfrage / mich auf getahne Anmuhtung richtig erklären würde; ja
wann ich mein Herz demselben ergäbe / von welchem ich noch nicht so viel weiss /
ob er mir eins seinen rechten Nahmen offenbahret habe. Min Herr / fuhr sie fort
/ ich gestehe gerne / dass ich ihm höher verpflichtet bin / als zeit meines
Lebens ich nicht vergelten kann; jedoch halte ich auch davor / dass / wie grosse
Woltaht gleich ein Ritter einem Weibesbilde erzeiget / er dannoch gehalten sei /
ihrer Ehren und guten Leumuts acht zu haben. Nicht rede ich solches / ob trüge
ich einigen Zweifel an seiner Redligkeit / sondern bloss zu erforschen / ob auff
ihn mich verlassend / ich auff festen Grund oder auff Triebsand bauen würde. Da
nun mein Herr einige beständige Antwort von mir erwartet / uñ meines Herzen
erklärung zu vernehme / belieben träget / wird er mich seiner heimligkeiten etwz
bessere Kundschaft göñen / damit ich wisse / wen ich lieben soll / uñ von wem
ich geliebt werde; als dann versichere ich ihn hinwiederumb bei meinen
Jungfräulichen Ehren / deren Retter er heut gewesen ist / dass alles heimliche
zuverschweigen / ich mich so kräfftig befinde / dass weder Vater noch Mutter /
noch ichtwas in dieser Welt durch einigerlei weise dessen das allergeringste aus
mir erzwingen soll. Würde aber mein Herr dieses mein anmuhten ungleich verstehen
/ als es von mir nicht gemeinet ist / so bedenke er doch / ob auch einige Eltern
in der Welt gefunden werden möchten / die ihr liebes Kind einem allerdinge
Unbekanten gönnen würden / geschweige dann diese /deren Macht so gross ist / dass
sie von ihren Kindern nohtwendig müssen gefürchtet werden.
    Ladisla erkennete in seinem Herzen wohl / dass die Erbarkeit selbst sie zu
dieser Nachforschung seines Standes antriebe / und hielt die Libe zu dem
Fräulein / und die seinem Herkules geschworne Verschwiegenheit einen starken
Kampff in seiner Seele / ob er sich ihr gänzlich sollte zuerkennen geben; doch
ging er endlich in sich / gab der Vernunft Platz / und antwortete ihr folgender
Gestalt: Hochgeliebtes Fräulein; ich erkenne euer rechtmässiges Begehren / und
tut mir von Herzen leid / dass durch Aidschwur gehindert / ich ihr nicht bald
anfangs meinen Stand wissen lassen dürffen / wie ich gerne gewolt hätte. Ich
gestehe / dass ich eine zeitlang meinen rechten Nahmen verendert /und in
nachsuchung meines Herkules / welchen ich vor wenig Monaten erst wieder
angetroffen / mich Winnibald nennen lassen; anjetzo aber meinen vorigen Nahmen
wieder angenommen habe / vielmehr darff ich diese Stunde nicht von mir sagen /
biss mein Herkules mich des getahnen äydes erlassen wird /welches ich leicht
erhalten werde Vor dissmahl nur schwöre ich bei meinen ritterlichen Ehren / dass
ich ein gebohrner und Herschender König bin / über ein Reich / welches weder dem
Römischen Käyser noch einigen andern / Schatzung oder pflichtschuldigen Gehorsam
gestehet / sondern nähest seinen Göttern mich allein vor die höchste Obrigkeit
erkennet und ehret; bitte aber / mein herzgeliebtes Fräulein diese Geheimnis
noch zur Zeit vor sich allein wissen / und umb wichtiger Ursachen willen
verschwiegen halte wolle. Das Fräulein erbleichete vor dieser Rede / und
antwortete gar furchtsam: O ihr Götter! warumb habt ihr heut einen mächtigen
König meinetwegen in Lebensgefahr stürzen wollen / dessen Verlust tausendmahl
grösser als der meine gewesen währe? Ja ihr Götter /habt ihr mich eure Magd
deswegen in Råuber Hände gerahten lassen / dass ein König mich nicht allein
retten / sondern dessen ich nicht fähig bin / mir seine eheliche Liebe antragen
müssen? Ladisla baht sehr /ihn fortin weder heimlich noch öffentlich anders als
einen Herren Standes zuhalten / und wo möglich /auff sein inbrünstiges Ansuchen
ihm gewirige Erklärung wiederfahren zu lassen; dessen er von ihr mit diesen
Worten gewehret ward: Ja mein Herr / sintemahl es ihm also gefällig ist / will
ich noch zur Zeit selber nicht wissen / wer er ist / und wie hoch ich ihn zu
ehren schuldig bin. Wegen angetragener Liebe bedanke ich mich von ganzer Seele /
und auff sein inständiges Anfodern verhiesse ich in aller beständigen Träue / so
viel in meiner Macht sein kann / als nehmlich / dass entweder Herr Ladisla allein
/ da sonst meiner Eltern bewilligung folgen kann / oder doch kein ander
Mannesbilde eheliche Gewalt über mich haben soll; und ob durch våterlichen Zwang
zur brechung dieses Gelübdes ich sollte genöhtiget werden / will ich entweder
Herren Ladisla / wie ers begehren wird /durch Noht und Gefahr folgen / oder den
Tod mit frölichem Herzen angehen. Auff diese Antwort küssete ihr Ladisla die
Hände / und sagte: So schwöre ich hinwiederumb bei den mächtigen Göttern / dass
ich ihr als meinem einig geliebten Fräulein die versprochene Träue und eheliche
liebe halten / und durch kein Ding der Welt mich davon abwendigen lassen will; so
gar / dass ob sie mir durch jemand sollte versaget werden / ich meines Reichs
ganze Macht dran wagen / und lebendig mich ihrer nicht begeben will. Da gingen
nun die herzvergnügliche Reden erst recht an / und bemühete sich jeder Teil /
dem andern sich behäglich gnug zu machen. Als aber Ladisla durch hitzige
Liebesflammen übernomen / umb schleunigen wirklichen Verfolg anhielt / wusste sie
ihm dergestalt mit holdseliger Einrede zu begegnen / und ihn der gebührlichen
Mässigkeit zu erinnern / dass er seiner ansuchung sich selbst straffen musste.
Mein Herr / sagte sie zu ihm; wie sollte er dem überfluss seiner Liebesbegierden
nicht können die billiche Masse setzen / da er doch in alle seinem Vornehmen
sich der allergeringsten Ungebuhr nicht merken låsset? Es weiss ja mein Herr /
und vertrauter Freund / dass ich numehr die seine bin und bleiben werde / jedoch
so lange in keuscher Zusage / biss die Götter uns die eheliche Vermählung
wiederfahren lassen. Wird demnach mein Seelen-Schaz selbst verhüten helffen /
dass schier heut oder morgen uns kein Mensch der Leichtfertigkeit mit Warheit
zeihen könne; Was aber ausser diesem ist und bestehet / damit weiss meinem Herrn
ich mich unwegerlich verbunden. Nun wird aber Zeit sein / dz ich ihm eine
heimliche Gefahr offenbahre / deren ich kaum vor dreien Stunden von einer
hochvertraueten Freundin berichtet bin; Dass nehmlich mein Herr Vater mich einem
Romischen Ritter / nahmens Fulvius / soll ehelich versprochen haben / welcher
zwar reich an Gütern / aber an Wiz und Tugend nicht viel zu verlieren hat;
denselben nun an meine Seite kommen zu lassen / werde ich wohl nimermehr
einwilligen / es sei dann / dz mich grössere Gewalt / als die heutige unter
Räubers Händen / darzu unvermeidlich zwinge und vergewaltsame; vernehme zugleich
/ er dürffte sich erstes Tages einstellen / mich abzulange /welches ich mir doch
nicht einbilden kann / angesehen meine Eltern noch jemand anders / mich davon
kein einiges Wörtlein haben wissen lassen. Ladisla versprach ihr / allen
möglichen Zwang seiner Begierden /und sagte: Es währe jhm sehr lieb / dass er des
Bulers zeitig inne würde / hielte in Betrachtung des strången Ernstes ihres H.
Vaters / wohl davor / dass vor geschlossener Heirat er ihr wenig davon sagen
möchte / wollte nur wünschen / dass die Götter den vermeinten Bräutigam ehist
herzu führeten / als dann würde sich schon Gelegenheit an die Hand geben / sich
durch einen rechtmässigen Kampff seiner zu entledigen / ob es gleich ihrem H.
Vater nicht allerdinge mit währe. Ach mein Herr / antwortete sie; sollte er sich
meinetwegen noch in weitere Gefahr einlassen? Ich meine ja / die heutige sei
schon gar zu gross gewesen; meine Meinung aber zu sagen / halte ich zwar wohl
etwas dran zusein / aber noch ungeschlossen / welches ich zu muhtmassen grosse
Ursachen habe; und könnte mein Herr meinem geträuen Raht folgen / sollte ers
kühnlich wagen / und erstes Tages mich an meine Eltern begehren; Ich hielte
gänzlich davor / es wurde ihm / in Betrachtung seiner mir erzeigeten Rettung
/nicht abgeschlagen werden / insonderheit / wann mein Herr Vater seiner Königl.
Würde sollte berichtet sein. Ich will / sagte Ladisla / mich diese Nacht eines
endlichen Schlusses mit meinem Herkules vergleichen /und vor dissmahl diese
Beredung abbrechen / weil ich euren Bruder sehe zu uns treten. Eben dieser /
sagte sie / kann in unserm Vorhaben uns sehr behülflich sein / dessen wir uns
bedienen werden.
    Nun hatte aber der junge Fabius dieser beider Liebe sich von Frl. Ursulen
vertraulich berichten lassen / dessen er selbst schon argwohn hatte / wahr ihm
doch nicht ungenehm / weil er nichts höhers wünschete / als ihm einen solchen
Schwager mit seiner Schwester zu machen. Er wollte aber in H. Ladisla Gemüht sich
unvermerkt hinein schlingen / umb zu vernehmen / ob die äusserlichen Geberden
ihm von Herzen gingen; daher er ihn solcher gestalt anredete: Mein Herr /ich
spüre / dass meine geliebte Schwester in gebührlicher danckbarkeit sich gerne
wollte finden lassen /wañs in ihrem vermögen wäre / wird sich aber ihrer
schwacheit leicht erinnern / und deswegen durch Bitte zu erhalten sich bemühen /
dass mein Herr in mangel der Taht / an ihrem guten Willen keinen Unwillen tragen
wolle. Ladisla wahr wegen tieffer Liebsgedanken fast nicht bei jhm selber /
antwortete demnach so ungereimet / dass das Fräulein sich dessen schämete /und
ihrem Bruder hernach zur Antwort gab: Herzgeliebter Bruder / mein Vermögen ist
freilich viel zu geringe / diesem Herren den wirdigen Dank darzulegen
/insonderheit / weil der unsern keiner noch absehen kann / durch was Mittel man
solches vornehmen sollte. Zwar die Ritter unsers Landes solle / wie ich mir sagen
lassen / keiner adelichen Jungfer ein Geschenk /aus Freundes Herzen herrührend
aussschlagen / wie mir und meinen Schwestern heut begegnet ist / da wir mit
zimlicher Anröhtung haben abzihen / und alles angebohtene auf künftige
Verheiratung wieder annehmen mussen. Ladisla wollte Fabius antwort nicht erwarten
/ sondern fing an; Ich würde auch das Buch der Unhöfligkeit gar durchblättert
haben / wann einigem Fräulein ich meine Gutwilligkeit / in Annehmung eines
Geschenkes / das als ein Warzeichen solcher Gunst könnte gerechnet werden /
entziehen würde; weil aber ein solches von meinem höchstwerten Fräulein mir
nicht gebohten ist / sondern ich mir ganze Laden vol habe müssen vorschütten
lassen / welches kein Zeichen / sondern eine überwage zunennen / hoffe ich
gänzlich / es werde meiner Fråulein Beschuldigung weder meinen Freund Herkules
noch mich treffen können. Es höre ich wohl / sagte sie / es durffte der mangel
endlich auff mich fallen / als die ich ein Zeichen williger Dankbarkeit meinem
Herrn zu bieten /muss bekennen / unterlassen habe. Wol dann / ich gestehe den
Fehler / und müste mir leid sein / dass ich ihn nicht stündlich verbesserte /
weil in beisein meines liebe Bruders ich solches noch wohl leiste kann. Nam hiemit
einen köstlichen Ring / den sie in eine Haarlocke über der linken Achsel hangend
/ eingeflochten hatte / zog ihn heraus / und steckete ihm denselben an seinen
Finger mit diesen Worten: Mein Herr / lasset / bitte ich / dieses das erste
Zeichen der Willigkeit sein / damit wegen geschehener kråfftigen Rettung meiner
Ehren / ich demselben zeit meines Lebens verhaftet bleibe; ist es dann gleich
schlecht /und viel zu geringe an diesem Finger getragen zu werden / wird der
Wille deren / die es liefert / den Abgang der Wirdigkeit zu ersetzen / sich
nimmer faul und müssig finden lassen. Ladisla gab durch einen freundliche
Handkuss seine Vergnügung zu verstehen / bedankete sich der erzeigeten Ehre / und
dass er dieses empfangene umb das teureste Kleinot der Welt nicht vertauschen
wollte; lieferte ihr darauff hinwieder umb einen viel köstlichern Ring / dessen
Demant helle fünkelte / und baht sehr denselben als ein Zeichen aller
Ergebenheit anzunehmen. Das Fräulein wegerte sich wegen ihres Bruders / ein
wenig / nam ihn doch zu sich / und steckete ihn in ihren Busem / dass er von
andern nicht möchte gesehen werden. Sie wollte auch eine Antwort dabei geben /
sah aber / dass ihr von ihrer Fr. Mutter gewinket ward / zeigete solches an /
und wünschete ihrem Vertraueten eine gerusame Nacht / auch dass er des ersten
Traums / der ihm zu Padua vorkommen wurde / möchte unvergessen sein. Also musste
er / weil es hohe Zeit schlaffens wahr /von ihr scheiden / da er mit Herkules in
ein Gemach zur Ruhe geführet ward.
    Der Statalter legte sich auch mit seinem Gemahl /und schlieff das Fråulein
/ ihrer steten Gewohnheit nach / im Rolbetlein zu ihren Fussen. Der Vater
gedachte / sie würde wegen der heutigen Unruhe schon fest eingeschlaffen sein /
ihn aber liessen die Gedanken wegen seiner neuen Gäste kein Auge zugehen. So
wahr Fr. Pompeja auch unruhig / welches er merkend / zu ihr sagete: Nun möchte
ich herzlich gerne wissen / was vor junge Herren wir jetzo bei uns haben.
Romische sind sie nicht; Griechen auch nicht; und zeigt ihre weisse Farbe / dass
das schwarze Afrika /oder dass gelbangelauffene Asia sie nicht gezeuget hat.
Geringes Standes können sie nicht sein / weil sie Römische von Adel vor ihre
Diener haben bestellen dürffen. Ihre Sitten und Geberden neben der prächtigen
Kleidung und hohen Rede / geben sie vor Fürst- und Königliche Herren an / und
sollte ich rahten / hielte ich sie vor Teutsche / oder derselben Grenz Nachbarn;
wo sie nicht gar aus den Mitternächtigen Reichen /Dännemark oder Schweden
kommen. Aber diese Völker übern hauffen sind von art grob und unsittig / wie wohl
ich etliche Teutschen zu Rom gesehe / die von ihrer Jugend an / in Höffligkeiten
unterwiesen wahren / welche sie dergestalt begriffen hatten / dass sie den
trefflichsten Hofeleuten nichts bevor gaben. Es sei aber wie ihm wolle / so
werde ich doch nicht ruhen /biss ich ihrer bessere Kundschaft habe / die unserer
Töchter Ehr und Leben zu retten / sich so ritterlich gewaget / und dass äusserste
dran gewendet / welches kein ander hätte dürffen gedenken. Fr. Pompeja
antwortete: Wann mein liebster Herr hierzu so grosse Begierde träget / können
wir in der Nachfrage niemand besser / als unsere Tochter gebrauchen / und
treuget mich mein Sinn nicht / sind H. Ladisla und sie eins dem andern nicht
ungewogen. Eben dieses / sagte er / hält mich schlaffloss / und kann ich mich uber
des Medchens Kuhnheit nicht gnug verwundern / welche mit ihm nicht anders
umbgehet / als währe sie mit ihm aufferzogen / oder wohl gar versprochen. Ich
habe an ihr Beispiels gnug / dass die eingepflanzete Regung über die Lehr geht /
massen ich weis / dass sie bissdaher mit Mannesbildern nicht umgangen ist. O hohe
Zeit hohe Zeit / dass mit der geschlossenen Heirat ehist verfahren werde / es
dürfften sonst diese beiden wohl gar einen neuen Kauff machen; jedoch hätte ich
sie nicht schon einem andern versprochen / und dieser sie in Ehren meinte / wie
ich fast nicht zweiffele /wüste ich sie ihm nicht zu versagen / im falle ers
alsdann an mich begehrete / weil sie ihm doch Ehr und Leben zu danken hat; wovon
aber nunmehr nicht zu sagen ist. Geliebter Herr / antwortete sie / ihr wisset
/wie hart mir euer Vornehmen zuwieder gewesen / absonderlich / das unser Kind
biss auff diese Stunde nichts darumb wissen müssen / und gläube ich nimmermehr /
dass sie diese Heirat mit gutem willen bestätigen werde; Solte sie dann in
gezwungener Ehe leben / währe mir leid / dürffte auch nichts gutes daraus
erfolgen / weil ihre angebohrne Grossmütigkeit mir viel zu wohl bekant ist.
Schweiget / sagte er mit sonderlichem Eyfer; sie muss ihren Vater nicht schänden
/ oder dessen Maul zur Tasche machen; viellieber wollte ich / sie währe schon
tod. Es liegt mir aber allermeist im Sinne / dass ich mit Fulvius Abrede genommen
/ auf morgen diese Heirat zu volzihen / und zweifele nicht / er werde sich
zeitig gnug einstellen; weiss aber nicht / wie ichs best anschlage / dass ich ihm
unsere Tochter ohn der Fremden Vorwissen zuführe und beilege; Ehrenhalben muss
ich sie dazu bitten / wo ich nicht die Gesetze der gebührlichen Dankbarkeit
brechen will. Ach mein Herr / antwortete sie: sollte Fulvius sich morgen
einstellen / fürchte ich sehr / es werde ohn Lermen nicht abgehen; dann wo sonst
Herr Ladisla unser Kind von Herzen meint  / wird er sich ihrer in diesem falle
mehr / als heut im Walde /annehmen / und sein Leben nicht sparen / umb zu
besitzen / was er mit Ritterlicher Fast erworben hat. Wir wollen ein bessers
hoffen / sagte er / und müsst ihr mit unser Tochter reden / etliche Zeichen
einzuzihen /umb dasselbe / was wir furchten / eigentlich zu erkennen / als dann
werde ich meine Sachen darnach anzustellen haben / damit ich bei Ehren meiner
Zusage bleibe / und alles Unheil vermieden werde; gaben hiemit ihrem Gespräch
die Endschaft / und nahmen die Ruhe ein. Frl. Sophia hörete alles an / und nam
es vor eine sonderliche Schickung der Götter auff / dann sie hätte ihr
nimmermehr einbilden können / dass ihr Unglück so nahe vor der Tühr hielte; doch
liess sie sich nichts merken / lag und dachte fleissig nach / wessen sie gegen
ihre Fr. Mutter sich erklären wollte / wofern sie der Abrede nachkommen würde /
und als sie ihres Schlusses gewiss wahr / schlieff sie frölich ein. Kurz vor der
Sonnen Auffgang kam ihr im Schlaffe vor /wie ein schåndlicher Bähre sie anfiele
und zureissen wollte; woruber sie in solche Angst geriet / dz sie im Schlaffe
überlaut schrihe: O Herr Ladisla / errettet die eure von dem grausamen Bähren /
und verlasset mich nicht in dieser äussersten Noht. Ihr Vater wahr gleich
erwachet / hörete ihr Geschrei / und störete sie doch nicht / biss sie über eine
kurze weile sagete: Ey Gott lob / mein Schaz / dass der Bähre tod / und ihr
unbeschädiget seid; da rieff er sie mit Nahmen / und was sie im Schlaffe zu
plaudern hätte. Sie aber fuhr auf /und dankete sehr / dass er sie durch
Auffweckung aus der Angst eines bösen Traums gerissen hätte / und hielte sie
davor / es fiele ihr der gestrige Schrecken im Schlaffe wieder ein; wie wohl ihr
Vater an der rechten Deutung nicht umb ein Haar fehlete.
    Als Ladisla des Morgens erwachte / fragte er seinen Herkules / wie er
geruhet / uñ sich wegen seiner Wunde befünde; der ihm anzeigete / es währe
zimlich schlecht bestellet / fühlete nicht geringe Schmerzen /und befahrete sich
eines Fiebers / dass er diesen und etliche Tage wohl des Bettes würde hüten
müssen. Ladisla hatte ihm des Abends alles angezeiget / wie er sich in das
Fräulein verliebet / und auff sein heftiges anhalten ihre Einwilligung zur
künftigen Ehe erhalten / jedoch mit dem Bedinge / dass sie seines Standes und
Wesens zuvor wollte berichtet sein / hätte ihm doch ändlich angelobet / solches
keinem Menschen ohn seinen ausdrücklichen Befehl zu offenbahren. Welches ihm
Herkules nach getahner Glükwunschung gerne Einwilligte / doch dass er von ihm
nichts eigentliches melden / noch in ehelicher Ansuchung die Eltern vorbei gehen
möchte. Dieser da er seines lieben Freundes Schwacheit vernommen / lies er den
WundArzt alsbald hohlen / der aus Herkules Farbe ein schlimmes Zeichen nam /
auch nach besichtigung des Schadens / ihm vorhielt; er hätte ohn zweifel die
gestrige Erinnerung aus der acht gelassen; machete nach Gewohnheit dieser Leute
den Schaden sehr gefåhrlich; es währe leicht geschehen / dass eine Schnader
anginge; die Halsswunden währen ohn dass nicht zuverachten / und könnte mannicher
durch eine geringe vers / hrung an diesem Orte umb seine Gesundheit / ja umb
Leib und Leben kommen. Ladisla geriet hieduch in grössere Angst als er selbst /
und taht den Vorschlag / er wollte einen erfahrnen hochgelarten Meister der
Arznei herhohlen lassen / damit ja nichts verabseumet würde. Aber dieser / sich
befürchtend / sein wort würde mehr vor einen andern als vor sich selbst
gesprochen sein / wollte ungerne darein willigen /wante vor / diese hochgelarten
Leute währen den Wundärzten gemeiniglich in der Heilung zuwider /braucheten
kostbahre sachen / die wenig nützeten /und nähmen ihm der Mühe Belohnung vor dem
Maule hinweg. Worauff Ladisla ihm zur Antwort gab: Er hätte sich darumb nichts
zu bekummern / und sollte nur alsbald sagen was er vor seine mühe und arztung
haben wollte; gab ihm auch XXV Kronen / da er X foderte / und wollte seinen
Vorschlag ins Werk richten; Aber der Statalter / der Herkules Schwacheit schon
erfahren hatte / kam gleich darzu / zeigete sein Mitleiden an / uñ eriñerte den
Wund-Arzt / alles sein Vermögen anzuwenden; gab ihm auch alsbald eine Handvoll
Kronen / deren er hoch erfreuet ward / alsbald bessern Trost gab / und selber
riet / dass ein Gelehrter der Arznei herzugeholet würde; welcher da er kam / und
die Wunde besah / sagte er: Mein Herr /nach getahner Arbeit soll man ruhen / und
nach empfangener Wunde sich stille und mässig halten; welches aber / wie ich
merke / von meinem Herren inetwas übergangen ist; doch soll ihm ob Gott will /
noch nichts tödliches gedräuet werden / nur dass er sich etliche Tage einhalte /
als dann wird dem ubel durch Mittel schon zurahten sein. Lies ihm hierauff die
Ader springen / uñ verordnete etliche Arzneien / die teils innerlich / teils von
aussen umb den Hals und Achseln mussten geschlagen werden / damit den Zufällen
den Weg zu der Wunde verlegt würde. Inzwischen lag Fr. Pompeja / und sinnete
nach / wie sie der Tochter hinter die Künste kommen möchte: und als sie dieselbe
merkete wache sein / fragete sie / ob sie auff den gestrigen Schrecken auch
geschlaffen hätte; und bald hernach; wie nahe die Gefahr ihrer Kenscheit gewesen
währe. Worauff sie anfangs anzeigete / dz Gottes Gnade und dieser Helden Muht /
insonderheit Herren Ladisla eifferiger Beistand ihre Ehre / wie wohl kummerlich /
geschützet und errettet / und wollte sie ihrer Herzlieben Fr. Mutter alles
erzählen / welches bei anderer Anwesenheit vorzubringen sie gestriges Tages
scheuh getragen. So wåhre nun die Schande ihr am allernähesten gewesen / in dem
sie nicht allein der Kleider / sondern auch ihres Hemdes beraubet / sich des
allermuhtwilligsten Bubens / welcher sich sehr unverschämt erzeiget / nicht
würde länger haben erwehren können / dafern der Himmel dieses Mittel ihrer
Erlösung ihr nicht zugeschikt hätte. Die Mutter fragete weiter / ob dañ Herr
Ladisla sie in solcher Gestalt angetroffen; welches zu sagen sie sich schämete
/und doch gedachte / es würde dieses zu ihrem Vorhaben sehr erspriesslich sein /
ob gleich die Eltern sich ein mehres / als wahr / befahren würden; demnach
deutete sie an / dass er freilich sie also gefunden / jedoch / als ihre Wasen
schon davon gangen / sich zubekleiden / hätte sie anfangs dass gar zurissene
Hemde geholet / und er hernach ihr die Kleider gebracht /welche er ihr auch
helffen anlege / dessen sie sich zwar überaus sehr geschämet / und ihm doch
solches nicht verwehren können / insonderheit / weil sie ihre blösse bei der
Bekleidung noch håtte am meisten sehen lassen müssen; inzwischen hätte er gegen
sie sehr verliebte Reden gefuhret / und ihr mit hochbewäglichen Worten seine
Inbrunst zuerkennen gegeben / jedoch auff ihr flehliches bitten sich aller
Ungebühr entalten / und doch umb versprechung der Gegenliebe immerzu
angesuchet; Welches er auch auff der Heimreise / da er sie vor sich auff dem
Pferde geführet / so vielfältig / und mit Seuffzen wiederhohlet /dass sie nicht
gewust was sie antworten sollen / auch nicht wüste / was sie geantwortet håtte.
Die Mutter nam alles gefåhrlicher auff / als es an ihm selber wahr / und fragete
weiter / ob sie dann guten Willen zu ihm hätte; worauff sie diese Antwort / wie
wohl mit grosser Schamhaftigkeit gab; Herzgeliebte Fr. Mutter / es hat dieser
Held sein Leben vor meine Ehr und Leben gewaget und in die Schanze geschlagen /
da er keine einige Guttaht von mir empfangen hatte / desshalben ich ihm euer
eigenen Bekäntnis nach / biss in den Tod verbunden bin / werde mich auch nicht
wegern / ihm alle ehrenbillige Dankbarkeit zuleisten / so viel an mir sein wird;
Zwar ich weiss sehr wohl / was vor Gehorsam ich auch meinen lieben Eltern erzeigen
muss / und wieder derselben Willen mich in keine Heirat einlassen soll; aber
dieses habe ich dem Himmel angelobet /dass dafern dieser mein Erretter durch
deren Willen mir zum Ehgemahl nicht werden kann / ich unser Göttin Vesta mich zur
ewigen Jungfrauschaft übergeben will / weil ich schon wohl weis / das meine liebe
Eltern mich wieder meine Willen zu keiner Heirat zwingen werden. Ich weiss nicht
/ sagte die Mutter / was geschehen dörffte / aber dass weis ich wohl / dass dein
Vater dich schier ausszusteuren Bedacht ist / so dass du wohl schon einem
gnugwirdigen Römischen Herren möchtest versprochen sein. Schon versprochen?
antwortete sie; dass währe sehr Ungnädig / dass solches hinter meinem Wissen und
Willen geschehen währe /und möchte ich auff solchen Fall wünschen / dass die
gestrigen Räuber mich erwürget håtten / so dürffte ich nicht selbst Mörder an
mir werden. Dass währe wohl ein schöner Gehorsam / sagte die Mutter / und eben der
/ welchen du bisher deinen Eltern so artig hast verheissen können / dass wann man
den Töchterchen ihren Willen nicht lassen will / sie mit der Vesten /oder wohl gar
mit dem Mordmesser dräuen dürffen. Diese Wort gingen dem Fräulein dergestalt
durchs Herz / dass sie des Weinens sich nicht entalten kunte; die Tränen
brachen ihr durch die Augen wie kleine Bächlein / und sagete endlich zu ihrer
Mutter: Fr. Mutter / ich bin euer Kind / dass gestehe und erkenne ich; aber ihr
habt mich auch zur Dankbarkeit angewiesen / dess bin ich eingedenke gewesen /
welches ich nicht leugnen kann; zugeschweigen / dass ich davor gehalten habe / es
währe besser / mich ehelich an einen wirdigen zu versprechen / als Gewaltsamkeit
zuerwarten / wovor anfangs ich mich nicht wenig fürchtete / weil ichs ja alles
aussbeichten musshättet ihr mich aber versagen wollen / wåhre nicht unbillig mir
solches angedeutet / damit ich wissen mögen / was ich tuhn oder lassen sollen.
Nun aber habe ich meinem Erretter auf sein inbrünstiges anhalten mich schon
ergeben; solches will ich auch halten / wanns mit meiner lieben Eltern Willen
geschehen kann / oder aber mich sterbens nicht wegern; und wisset ihr / Herzen
Fr. Mutter / keinen bessern Trost vor mich / als den jezt gesprochenen / alsdann
sollet ihr mit der Götter hülffe nit XXIV Stunden an mir eine ungehorsame
Tochter haben / als welche euch in diesem fall allen Gehorsam auffzukündigen
gezwungen ist / doch nicht aus Widerspenstigkeit / welches mein unschuldiges
Blut vor die Götter kommen lassen soll / sondern weil ihrs durch euer
stillschweigen und hinterrükliches verspreche also verursachet habet. Ihre
Mutter entsetzete sich zum höchsten über dieser Erklärung / erinnerte sich auch
/ dass mit ihrer Heirat es nicht viel anders ergangen wahr / da sie wider ihren
Willen einen alten Römischen Herren durch Zwang ihrer Eltern nehmen sollte / und
mit Quintus Fabius heimlich davon zog; Hiess demnach die Tochter gutes muhts sein
/ mit angehängtem Troste / Gott könnte es noch zum besten schicken: Es wåhre aber
gleichwol eine grosse Unvorsichtigkeit von ihr / dass sie sich einem zum Gemahl
verspreche dürffen / den sie nicht kennete / viel weniger wüste / ob er Standes
halben ihrer auch wirdig währe; da sie dann ihres Vaters Einwilligung nimmermehr
erlangen würde / wann er nicht ådel gnug wåhre. Aedel gnug? fragte das Fråulein;
kommen wir biss an diese Frage / hätte ich zu wünschen / dass ich ihm nur ädel
gnug sein möchte; dann ob ich gleich nicht eigen weiss / wer er ist / möget ihr
euch doch wohl versichern / dass weder König noch Käyser ihm Standes halben ein
Fråulein zum Gemahl versagen würde; dann ich halte davor / er erkenne keinen
Oberherrn / als den Himel und das Schwert. Behüte Gott mein Kind /sagte die
Mutter / was redestu da? auff diese weise dürffte er wohl gar ein Feind des
Römischen Reichs sein. Ja warumb dann / antwortete sie / was würde er dann in
Italien umher zihen / mit seinem Freunde Herkules? der ohn zweifel mit ihm
gleiches Standes sein muss. Doch lasset jhn feind sein; könnte er nicht durch
meine Heirat zum Freunde und Bundsgenossen gedeien? welches auff solchen fall
ich wohl vorher zusagen dürffte. Nun ich merke wohl / sagte die Mutter /dass du
dich schon zu tieff mit diesem fremden Herrn eingelassen hast / und kann ich
nicht absehen / wie dein Vater hiemit wird einstimmen können; dann ich melde dir
in höchstem Vertrauen / dass vielleicht heut diesen Tag noch wohl ein Römischer
Herr / nahmens Fulvius / nicht weiss ich / ob du je von ihm gehöret hast / uns zu
besuchen kommen wird / dem dein Vater deiner Heirat halben mag etwas Hoffnung
gemacht haben; Lass dich aber gegen niemand merken / dass du wissenschaft hierumb
tragest / sondern stelle dich /wann er komt / ernstlich / doch nicht störrisch
gegen ihn; zu H. Ladisla aber halte dich freundlicher / ob vielleicht sein
Gemüht hiedurch von dir könnte abgezogen werden. O des elenden Fulvius /
antwortete sie; sollte ich dem Sudeler / dem Unflaht zu gute von meinen lieben
Eltern so sorgfältig aufferzogen / und von meinen Errettern aus Räubers Händen
lossgerissen sein? viellieber wollte ich mich diese Stunde dem Mörderischen
Schwerte dieser Räuber darstellen /wann sie noch lebeten. Ja Fr. Mutter / ich
ruffe dessen alle Götter zu Zeugen / dass ich meines Herzen ernstliche Meinung
sage. Und wie kömt doch mein lieber hochweiser H. Vater auff diesen Unsin?
fürchtet er /ich werde keinen Freier bekommen können? oder meint  er / ich sei
schon veraltet? Ich bin zugeringe /von meines H. Vaters Händeln zu urteilen;
aber sollte dieses unter die Leute kommen / zweifele ich nicht /es würde seinem
herrlichen Ansehen keinen geringen Stoss geben; massen von diesem vergeizigten
Fulvius ich zwar viel / aber durchaus nichts rühmliches gehöret habe; Versichere
demnach ich meine Fr. Mutter /dafern dieser Unhold etwas tähtliches anfahen /
oder steiff auff meine Heirat bestehen würde / dürffte es ihm von H. Ladisla
schwerlich zu gute gehalten werden. Ich bedanke mich aber der mütterlichen
Warnung und geträuen Rahts von Herzen / uñ will schon wissen / den vermeinten
Buhler also zu empfahen / dass er zwar mit fuge über mich nicht klagen / aber
gleichwol auch meine Freundligkeit zu rühmen / wenig ursach haben soll. Der
Statalter kam gleich in die Kammer getreten / er mahnete sie auffzustehen / und
die Kleider ohn sonderliche Zier anzulegen / weil Herr Herkules an der
empfangenen Wunde sich zimlich schwach befünde; über das hätte er Zeitung / dass
der vortrefliche Römische Ritter Herr Fulvius ihn zu besuchen kommen währe /
welcher von dir / sagte er zu der Tochter / in Betrachtung seiner hohen
Wirdigkeit /auffs beste soll gewilkommet / und als mir selbst /Ehre erzeiget
werden. Ja billich empfahe ich jhn ehrerbietig / Herzen Herr Vater / sagte sie;
aber meinen lieben Eltern ihn gleich zu rechne / wüste ich keine ursach / als
bloss euren guten Willen / weil ich niemand als meinen lieben Eltern kindlichen
Gehorsam schuldig bin / es währen dann meine allernäheste Anverwante. Der Vater
gab hierauff keine Antwort / ging hinaus / und hiess sein Gemahl ihm folgen /
welche ihm alles erzählete / in was gestalt H. Ladisla ihr Kind angetroffen /
eheliche Zusage begehret / und vielleicht heftige Liebesbrunst sehen lassen /
so dass das Fräulein in Betrachtung der empfangenen Woltaht / biss auff der Eltern
Einwilligung / die Zusage ohn zweifel möchte geleistet haben / welches sie
vermuhtlich nicht getahn hätte / da sie ihres Vaters Vorhaben hätte wissen
sollen; über das zweifelte sie fast nicht /es währe ihr dieses Herrn Stand
wissend / hätte aber aus jhr nichts weiters locken köñen / als dz er ein grosser
mächtiger Herr / sein selbst / und keinem Oberherrn verpflichtet währe. Dieser
Rede ward er überaus besturzet / stund ein wenig in gedanken / und sagte
nachgehends; So ist er gleichwol zu Padua kein solcher / sondern zu gehorsamen
schuldig / und währen seine gar zu hohe woltahten nicht / müste das ubrige alles
mir wenig Hinderung schaffen; aber in Betrachtung derselben / muss ich säuberlich
fahren /und schier gestehen / dass ich sie ihm zu ehren schuldig währe / wanns
noch in meiner Gewalt stünde; ich hoffe aber / wann er vernimt / dz sie von mir
schon einem andern versprochen sei / werde er sich die Tugend lassen meistern /
uñ ein fremdes Gut nicht begehren. Ja lieber Herr / antwortete sie / wann unsere
Tochter sich ihm vor fremde / oder einem andern vor versprochen hielte / und
nicht vielmehr sich diesem ergeben hätte / wie ich nicht ohn ursach fürchte /
dass wohl schon ein festeres Band sie wirklich verknüpffet /welches weder Eltern
noch Gesetze aufflösen können. Bedencket mein Herr / bitte ich / er hat sie an
ihren Ehren vor den abscheuhlichen Räubern geschützet /die so hesslicher gestalt
wahren / dass kein Weibsbilde sie ansehen / geschweige ehelichen / oder sonst
dessen etwas mit ihnen pflegen konnen; ja er hat sie von gegenwärtigem Tode
erlöset / welches auch den aller und dankbarsten Menschen zur Gutwilligkeit
bewägen sollte. So hat er sie nacket angetroffen / ist eine gute Zeit mit ihr
allein gewesen / seine Liebe bei frischer Gedächtnis seiner Dienste ihr
vorgetragen / und ihr ganz erschrockenes Herz so zu reden / in seinen Hånden
gehabt; Ob seine Gestalt / Sitten und Reden ein Fräulein in solchem Zustande
einnehmen / und zu seinem Willen bringen können / lasse ich euch selbst
urteilen; ja ob ein Mannesbilde sich bei solcher Gelegenheit zu entalten /
mächtig gnug sei. Ich meines teils halte davor / wåhre sie von ihm noch
unberühret / würde sie vor Scham kein Auge vor ihm auffschlagen durffen. Aber
ich fürchte sehr / das heimliche Gespräch / welches sie gestern mit einander
hielten /rühre aus viel vertraulicher Kundschaft her. Diesem allen nach wolle
mein liebster Herr die Nohtwendigkeit dem Willen vorziehen / und in dieser
hochbedenklichen Sache sich nicht überschnellen / gestaltsam ich ihre Erklärung
nicht ohn entsetzen angehöret / dass entweder sie ihre Zusage diesem Herrn
halten; oder da wirs nicht nachgeben können / durch Verlöbnis an eure Göttin
Vesten / oder ja durch einen denkwirdigen Tod sich von eines andern Heirat
loswirken wolle; auff welche Begebnis ich vor Herzleid in die Erde sinken müste;
und wer weiss / wessen H. Ladisla sich hierinnen verhalten werde? meint ihr
/mein Schaz / dass weil er lebet / er dieses einem andern gönnen könne / was er
schon im Besiz zu haben vermeint / oder wohl gar hat? Liebet er Schönheit / so
kann er mit der ihren wohl vergnüget sein; sucht er Freundligkeit / die erzeiget
sie ihm häuffiger / als ich mir von jhr einbilden mögen; trachtet er nach Stand
und Adel / so wird er bei allen Römern nicht höher kommen; vielleicht mag ihr
Verstand ihn auch nicht wenig erfreuen. Welches alles / wann ichs zusammen fasse
/ gibt mirs diesen traurigen gedanken auch wider meinen Willen an die Hand; Er /
oder Fulvius werde dieser Heirat wegen das Leben einbüssen / wo nicht unsere
Tochter mit ihm / welches ja der barmherzige Gott allergnädigst abwende / und
mich lieber aus diesem Leben abfodere. Diese ihre Rede beschloss sie mit
häuffigen Trähnen / und weil sie ihren Gemahl sehr verwirret sah / erwartete
sie mit verlangen seiner Antwort / die er solcher gestalt vorbrachte: Frau
/unser Töchterchen hätte nie keinen bessern Vorsprach als euch / bekommen mögen
/ zu deren Befriedigung zur Lüsternheit jhr fast lieber / als zur Erhaltung
meines Ansehens und Glaubens dürfftet geflissen sein; aber die Götter werdens
schon nach ihrer Versehung schicken / wobei ich nicht unterlassen werde / meinen
Wiz zu gebrauchen. Eins gebiete ich euch vor alles /dass ihr euch nicht
unterstehet / mit ihr an einem Luder zu zihen / ich würde sonst zur Erhaltung
meiner Ehren etwas tuhn / das mir gar nicht lieb wåhre.
    Das Fräulein hatte sich inzwischen von dem SchlaffGemache hinweg begeben /
uñ wehrete ihr die Zeit eben lange / ehe sie ihren Ladisla sah / welcher
ebenmässig sich bemühete zu jhr zu kommen; fügete sich auch von ungefehr / dass
sie sich einander auff dem Gange oben unter dem Dache begegneten / da das
Fräulein zur Tühr hinaus / und er hinein treten wollte; Weil er nun in tieffen
Gedancken ging / und nirgend auff acht hatte / stiess er sich an ihren Leib /ehe
er sie sah. Wie nun mein Herr / sagte sie darauf; geht man in so verwickelten
Gedanken? wunschete ihm hiemit einen guten Morgen / und fragete / wie er nach
gestriger schwerer Arbeit geruchet håtte. Er aber schämete sich des Fehlers /
hielt demütig umb Verzeihung an / mit angehängter Bitte / sie wollte doch sein
LiebesLeiden beobachten / und die hochgewünschete Hülffe ihm nicht versagen /
nachdem sie in der Taht spürete / dass er seiner Sinnen nicht mehr mächtig /und
vor Liebe blind währe. Dieses brachte er mit so traurigen Geberden vor / dass sie
ihren Trost ihm nicht versagen wollte / und ihm zur Antwort gab: Mein
herzgeliebter Herr und Vertrauter; warum sollte ich ihm einige gebührliche Hülffe
versagen / da er deren benöhtiget währe / und solche von meiner Wenigkeit
herrühren könnte? angesehen er mir viel eine grössere wiederfahren lassen / als
zu vergelten mir nicht möglich sein wird. Nicht wolle er / bitte ich / ein
solches Misstrauen in mich setzen / sondern nachdem ich ihm Herz und Willen
übergeben / hat er alles mein Vermögen in seiner Gewalt / und zu seiner
Vergnügung /so weit eine Braut ihrem Verlobeten schuldig ist oder sein kann / so
gar / dass an meinem ergebenen Gehorsam er nicht ohn Sünde zweifeln würde. Solte
aber mein höchstwerter Schaz / wie ich nicht hoffen will /dasselbe schon an mich
begehren wollen / was jungfråuliche Zucht verletzen könnte / alsdañ bitte ich von
grund meiner ihm untergebener Seele / er wolle seiner hohen Vernunft die
Meisterschaft über die Liebesreizungen und Begierden gönnen / und nicht ursach
geben / dass man schier heut oder morgen anders als keusche Zucht von uns sagen
sollte. Ich bin die Eure /und sonst keines andern / es gehe mir drüber wie es
wolle; aber diss gelobe ich an diesem nüchtern morgen / dass in eheliche
Volstreckung ich nicht gehehlen will / biss entweder er meiner lieben Eltern
Willen erlanget / oder mich in seiner Gewarsam ausser meines Vaters Wohnung hat.
Verspricht nun mein Herr / hierin einzuwilligen / und diesem zuwider mich auf
nichts zu nöhtigen / so will alsbald mit ihm ich mich an einen geheimen ort
verfügen / in vertrauen zu berichten /was ich diese Nacht wunderbahrer weise
erfahren /und zu Fortsetzung unsers Vorhabens ihm nicht länger verschweigen kann.
Ladisla erkennete hieraus ihr ehrliebendes keusches Herz / gab der Vernunft
Raum / und verhiess ihr begehren ohn arge List einzugehen; dessen sie sehr
erfrewet ward / weil sie vor Liebesgewalt sich befürchete; ging mit ihm auff ein
abgelegenes Gemach / und begehrete vorerst / jhr die eheliche Träue zu schwöre /
welches er willig leistete / und mit abermahliger übergabe eines sehr köstlichen
Ringes bekråfftigte. Darauff taht sie ein solches hinwiederum / mit versprechen
/ ehe den Tod zu wählen / als einen andern Bråutigam anzunehmen. Erzählete
hernach alles / was ihre Eltern mit einander auff dem Bette /und hernach die
Mutter mit ihr absonderlich geredet /auch wessen sie sich erkläret hätte. Aber /
sagte sie /mein vermeinter Schaz Fulvius hat sich schon eingestellet / die
Eheverlöbniss / oder wohl gar das Beilager zu volzihen / welches ich aber mit
dieser Hand abzuwenden entschlossen bin / ich treffe dañ sein oder mein eigen
Herz mit dem kalten Eisen; jedoch vor Wagnis des äussersten / müssen wir der
Vernunft gebrauchen / und werde ich anfangs meine schlechte Liebe zu ihm / und
die lebhaftere zu euch / jhm durch Geberden und Worten zuerkennen geben / ob
die hoffnung ihm dadurch könnte abgeschnitten werden; würde er sich aber dessen
über mich beschweren dürffen / will ich eine solche Erklärung fasse / welche
weder mir selbst unehrlich / noch ihm behäglich sein soll; nur eins tuht mir leid
/ dass mein Herr Vater / dem ansehen nach / schon zimlich weit mit ihm muss
eingestiegen sein / und ich daher gezwungen werde / in diesem stük mich seinem
gehorsam zu entbrechen /welches ohn sonderliche beleidigung zu tuhn / ich noch
gute hofnung habe; zum wenigsten muss sein angelegtes Beilager noch auf etliche
Wochen verschoben werde / da wir dann inzwischen unser bestes in acht zu nehmen
unvergessen sein wollen. Ladisla erschrak der Zeitung von herzen / und fürchtete
nichts so sehr / als von der eile überfallen zu werden: dem übrigen meinte er
sonst wohl vorzukommen; nur baht er / sie möchte ihm nichts verschweigen / wie
gefährlich es gleich wåhre / damit man beizeiten vorbauen könnte.
    Unter diesem ihrem Gespräch lies der Vater die Tochter suchen / da die Magd
berichtete / sie hätte vor kurzem sie mit H. Ladisla auff dem Obergange sehen
sprache halten / und mit einander weg gehen; dessen er sich nicht wenig
bekümmerte / und nicht anders meinte / als das ihr Band feste gnug zu knüpffen
sie unvergessen sein würden; wusste doch den sachen nicht zu rahten / weil ers in
seiner Heirat nicht viel anders getrieben hatte. Sein schlimmestes wahr / dass
er seiner Anverwanten Raht nicht ersuchen durffte /weil er wieder deren Willen
sich mit Fulvius so weit eingelassen hatte / und zwar auff dessen Vaters Bruder
Getrieb / der sein guter Freund wahr / und ihm diesen Unwirdige so hoch
gerühmet. Uber dass kunte ers Ladisla nicht vor übel halten / als dessen Liebe
auff der Träue gegründet sein / er nicht zweiffelte. Nur gingen alle seine
Gedanken dahin / wie er entweder diesem durch vernunftige Ursachen die Liebe
benehmen / oder des Fulvius los werden möchte; und weil dieses ihm unmöglich
dauchte / angesehen er völlige Zusage getahn / sinnete er jenem desto fleissiger
nach / wozu er sehr dienlich erachtete / wann er zuvor seiner Tochter Willen
brechen / oder sie auffs wenigste Zaghaft machen würde. Diese nun fürchtete
sich / ihre Abwesenheit möchte ihr ungleich aussgelegt werden / daher sie nach
kurzer Ergezligkeit ihrer zuchtigen Liebe Herren Ladisla bei der Hand nam /vom
Gemache führete / und sehr baht / ein gutes Herz zuhaben / weil sie nicht
glåuben könnte / dass sie ohn gefehr / und nicht vielmehr durch der Götter
schickung an einander gerahlen währen / da er sie ihm erwerben müssen / ehe Er
sie jemahls gesehen håtte; sie erkennete solches billig / der Hoffnung gelebend
/ ob sichs gleich im Anfange etwas stossen würde / sollte doch der Ausgang
glücklich und gewünschet sein. Ladisla umbfing sie lieblich / und wahr ihm schwer
/schon abzuscheiden; dass übrige schlug er von der Hand / vorgebend / es könten
Ritter wohl hundert Gelegenheiten finden / sich an einander zu reiben / sähe auch
vor Augen / dass er Fulvius würde durch einen Kampff abtreiben müssen; auff
welchen Fall er sich der Götter hülffe / und seiner guten Sache tröstete /weil
er wüste / dass sie keinem andern als ihm allein /eheliche Träue verheissen / und
in ihres Vaters Versprechen nicht allein nicht eingewilliget / sondern auch
davon dass allergeringste nicht gewust hätte. Dessen ruffe ich die Götter zu
zeugen / antwortete sie / dass mein Herz noch keinem Menschen als euch mein Schaz
ist ergeben gewesen / und ich vor dieser meiner Liebe Anfang / von meines H.
Vaters Vorhaben nicht dass allergeringste gewust / wie wohl ich nimmermehr in
solche Ehe würde gehehlet haben. Es müste mir aber schmerzlich leid sein / wann
ihr meint  wegen euch noch weiter in Gefahr setzen soltet /und ich doch selbst
ein solches befürchte; verspreche aber hiemit / dass wann der Unfall / welches
der Himmel abwende / euch ja treffen sollte / ich als dañ keine Stunde euch
überleben will / damit unsere Seelen im Tode ungetrennet bleiben mögen / wann das
herbe Glük uns dieses lebens Vergnügung nicht gönnen wollte. Er baht höchlich /
sie möchte dergleichen unlustige Gedanken nicht fassen; ihm währen Fulvius
gleichen wohl ehe auffgestossen / denen der Himmel keinen Sieg über ihn verhänget
hätte; hoffete auch diesen / wann er ihn vor der Faust håtte / redlich zu
bestehen / dass er seiner unbilligen Liebe drüber vergessen / und sie nach diesem
schon unverunruhet lassen sollte; machte sich auff genomenen Abscheid nach
Herkules / und ging sie zwischen Furcht uñ Hoffnung nach ihrer Fr. Mutter
Gemache / woselbst ihr Vater gleich ankommen wahr / mit ihr zureden / wessen er
sich gegen Fulvius erklären wollte / der ihm schon hatte lassen anmelden / dafern
es ihm nicht zu wieder / währe er bereit ihm auffzuwarten / und dass bewusste
schleunigst zuvolziehen / weil in Käyserl. hochwichtigen Geschäfften (welches
doch errichtet) er stündlich auffbrechen / und eine ansehnliche Gesandschaft
über sich nehmen müste; hätte aber das Beilager zuvor halten / und das
Hochzeitfest zugleich bestimmen wollen / welches auff seine wiederkunft alsbald
sollte gefeiret / und dabei ein Freistechen angestellet werden. Als nun der
Statalter seine Tochter sah ins Gemach treten / empfing er sie mit diesen
worten: Ich bin Herzlich erfreuet / dass du gestern vor Unehr beschützet bist; es
verhüten aber die Götter / dass durch deine Rettung ich nicht höher / als durch
die Entführung betrübet werde. Das Fräulein stellete sich geherzt und
antwortete: Sie könnte nicht absehen / was ihr H. Vater sich ihretwegen
zubefahren hätte / nachdem sie ihm in seine Gewarsam wieder gelieffert währe; so
währen ihre Erretter so auffrichtige redliche Ritter und Herren / hielten auch
ihren H. Vater in solcher Ehr und Wirde / dass er ihretwegen keine Sorge noch
widrige Gedanken haben dürffte; sollten aber die Götter ein Unglück / das ihr H.
Vater zuvor sähe / beschlossen haben / möchten dieselben alles über sie allein
aussschütte / und ihrer herzlieben Eltern / auch wanns möglich währe / jhrer
gütigen Erretter schonen. Ihr Vater befand sich mit der aller schweresten
Traurigkeit beladen / aber sein Gemahl tröstete ihn mit diesen Worten: Mein
herzgeliebter Herr / was hermet ihr euch so? unsere Tochter ist Gott Lob / so
verständig / dass sie wohl erkennen wird / wie sie euch zu allem Gehorsam
verbunden sei; und nachdem es hohe Zeit ist / ihr das bisher verschwiegene zu
offenbahren / soll mans länger nicht hinterhalten. Ja / mein liebes Kind / sagte
er hierauff zu dem Fråulein; du weist /mit was grosser Vorsorge wir dich erzogen
/ unter der hoffnung / schier Freude an dir zu erleben; können dir auch kein
ander zeugniss geben / als dass du bisher uns in allem bist gehorsam gewesen / wie
einem frommen Kinde wohl anstehet; Nun bistu zu den Jahren kommen / dass uns Zeit
deucht / dir ein Gemahl zu ersehen / der am Stande / Tugend und Gütern dir
gleich sei; haben auch denselben nach unserm wunsch angetroffen / und zweifeln
nicht / du werdest auch in diesem Stük / welches der rechte Beweisstuhm deines
Gehorsams sein wird / uns gerne und willig folgen / und denselben vor deinen
liebsten Bräutigam und künftigen Gemahl mit Herzenslust annehmen / welchen wir
mit reiffem Raht und wolbedachter Vorsichtigkeit uns zum Sohn und Tochtermann
erkohren haben / der dich auch nach deinem Stande gebührlich wird zu halten /
lieben und ehre wissen. Das Fräulein antwortete hierauff: Gnädige
herzallerliebste Eltern; ihre bisher getragene herzliche Vorsorge vor mich /
wird kein Mensch / vielweniger / die ichs genossen / in zweifel zihen; aber zu
höchst erfreuet mich / dass mein Gehorsam so beschaffen ist / das er gültig und
gnugsam erkennet wird /welchen dañ Zeit meines Lebens fortzusetzen / ich so
willig als schuldig bin; dass aber mein Herr Vater mir so gar unvermuhtlich eine
Heirat vorträget / weis in ansehung meiner einfältigen Jugend / ich so
schleunig nicht zubeantworten; bitte demnach / mein H. Vater wolle mir den
Freier nennen / und mir Bedenkzeit geben / mich wohl und gnugsam zubesinnen; an
welcher Vergünstigung / ich umb so viel weniger zweiffeln darff / weil ich schon
weiss / dass meine liebe Eltern mich weder verkäuffen noch verschenken / noch
wider meinen Willen verheiraten werden / und ich billig mit Wissenschaft
darumb haben muss / in Betrachtung dieses / den einigen Tod aussgenommen /meine
wichtigste und schwereste Verenderung sein wird / da ich meinen
herzallerliebsten Eltern mich entzihen / und mich einem andern untergeben soll.
Ihr Vater merkete wohl / dass sie auff diese Antwort fleissig bedacht gewesen wahr
/ und auff solche weise ihr nicht würde beizukommen sein; deswegen er ihr aus
einem stärkern Fasse einschenken wollte / und sie also anfuhr: Ich will nicht
hoffen / dass du vorsichtiger und klüger sein will / als ich; oder gedenkestu /
ich werde ohn Raht und Bedenken in so wichtiger Sache verfahren / und deines
rahtens bedürffen? O nein? wie undüchtig du hiezu bist / so wenig werde ich dir
einräumen. Du woltest aber vielleicht den Bråutigam gerne eine Zeit zuvor
genennet habe / dass du ihn hernähst mit deines gleichen aussmustern könnest / ob
er dir zu schwarz / oder zu weiss / zu lang oder zu kurz / zu feist oder zu mager
/ zu alt oder zu jung sei / worzu etliche deiner Gespielen sich weidlich sollten
gebrauchen lassen / und dürffte dergestalt noch erst gebohre / oder wohl gar
gemahlet werden müssen / der dir und jederman gefallen sollte; Deswegen antworte
mir ohn Bedingung / ob du meiner väterlichen Vorsorge / und bei andern Leuten
gnug geltendem Witze dich ergeben / und meinem Willen folge leisten wollest.
Mein Herr und Vater / antwortete sie / ich gehorsame in aller Mögligkeit so
lange ich lebe / und ohn Bedingung; aber mich einem allerdinge unbekanten und
ungenanten zu verspreche / davor erwähle ich den Tod / weil ich in der Furcht
stehe / mein Gemüht könne sich mit demselben nicht vereinigen; oder auch wohl /
dass vielleicht derselbe ein Ehrenkränkliches Gebrechen an sich hätte / dass
meinen lieben Eltern verborgen wåhre. Wolle demnach mein H. Vater / zu bezeugung
väterlicher Hulde / mir den Bråutigam gnådig nennen; nicht dass ich ihn von
allentalben zu überlegen / uñ mit andern durch die Hechel zuzihen willens bin /
sondern / damit ich meiner Freiheit die mir Gott und das Glük durch meine Eltern
begönnet hat / mich gebrauchen möge; sonst währe heut der erste Tag / dass ich
klagen müste / mein H. Vater handelte mit mir seiner einigen Tochter gar
zustränge /wovor ich durch alle Götter Bitte. Fiel hiemit vor ihm nieder /
küssete ihm die Hände / und netzete sie dergestalt mit Trähnen / dass sie
tropffeten; welches auch mehr als einiges ander Mittel bei ihm wirkete / dass er
zur Erkäntnis kam / und die Wichtigkeit ihrer Wegerung beobachtete. Gleichwol
halte er noch Hoffnung /sie zugewinnen / hiess sie auffstehen / und sagete: Er
könnte nicht ausssinnen / aus was Ursachen sie in dieses Misstrauen gerahten währe:
wollte nit destoweniger es in Bedacht zihen / und vor dissmahl sie nur des
heutigen befehls erinnern / den vortrefflichen Romischen Herren / H. Fulvius
auffs ehrlichste zuempfahen. O ja mein herzlieber H. Vater ganz gerne / sagte
sie / ungeachtet ich sein gar keine Kundschaft habe /auch niemahls zuhaben
begehre / weil seine Ehre gar krank sein soll / und ihm ein sehr schlechtes
Loblied nachgesungen wird; welches mich doch nicht angehet / und ich einen
andern gerne sein lasse der er ist. Den Vater ward wegen dieser Rede schwinden /
und fragete / ob sie närrisch währe: H. Fulvius gleichen lebete in ganz Rom
nicht / und würde sie vielleicht durch Irtuhm wegen des Nahmens betrogen sein.
Den ich meine / antwortete sie / soll Markus Aurelius Fulvius heissen / zwar ein
reicher / aber filziger Mensch / von Jugend auf zu Lügen gewåhnet /
grosssprechern und unreines Mauls / der Unzucht ergebe / und daneben frech und
verwågen; der durch viehische kråffte etliche Siege erstritten / weil ihn
vernünftige Feinde noch nicht angegriffen; und ob er gleich von grossen Gütern /
solle er doch seine Diener in der Kleidung den Schmiedeknechten gleich halten /
weil er selbst kaum so viel Lust habe / renliche Kleider anzulegen. Nun wusste
ihr Vater wohl / dass nicht alles von ihr ertichtet wahr / wiewol das Gerüchte
immerzu ein Ding grösser pflegt zumachen; wollte ihr aber durchaus nichts
gestehen / dann sein Reichtuhm hatte ihn verblendet /und lebete der Hoffnung /
ein Tugendsames Weib würde seinen Gebrechen wohl abhelffen können; straffete sie
demnach mit harten worten; wessen sie sich zeihen dürffte / einen Unschuldigen
zulästern; das Gerücht währe falsch / und H. Fulvius aller Römer Zierde. Sie
aber antwortete unerschrocken: meinetwegen bleibe er der er ist / wann ich nur
mich über ihn nicht zu beschweren habe; ich will meinem Herrn Vater zugehorsamen
/ ihm mehr Ehre erzeigen als er wert ist /aber lieber tausendmahl sterben / als
nur ein Augenblick solchem Unhold geneiget sein. Seine Gebrechen sind kündiger /
als dass sie meines Beweisstuhms bedürffen / und bleibe nur mein H. Vater mir
bissdahin väterlich gewogen / dass mir an Zeugen in dieser Sache gebrechen wird;
ich bin / dem Himmel sei dank / von meinen lieben Eltern allemahl zur Tugend
angehalten / darumb will ich Tugendhaften folgen / so dass keiner nimmermehr Raum
oder Gunst bei mir finden soll / der Tugendloss ist / und so mannichen Lastern
sich zueigen ergeben hat. Dieser Aussschlag gab ihrem Vater Nachricht gnug /
wessen sie gegen diesem Freier gesonnen wahr / und dass alles sein vorhaben durch
åussersten Zwang zu werke gerichtet / oder gar zu Wasser werden müste / daher
befahl er den Göttern die Schickung / weil ihm sein Herz sagete / es würde viel
anders als nach seinen Gedanken gehen /liess die Tochter bei der Mutter / und
ging hin Herkules zu besuchen. So bald er hinweg wahr / baht das Fräulein ihre
Mutter mit heissen Trähnen / dem Vater diesen Vorsaz aus dem Sinne zu bringen /
massen sie viel lieber den allergrausamsten Tod und alle Pein gedultig angehen /
als diesem filzigen Lügener sich ergeben / oder ihm ihr Herz zuwenden wollte. Die
Mutter aber gab zur Antwort: Sie wüste nicht viel gutes Rahts; Ladisla und sie
müsten ein gutes Herz uñ unbewäglichen vorsaz ergreiffen / dass Fulvius
Einbildung den Krebsgang gewünne / und wann es ja auffs äusserste kommen sollte /
möchte sie versuchen / mit Ladisla heimlich davon zuzihen; welches sie
vorbrachte / umb zuerforschen / wie weit sie sich mit ihm eingelassen hätte. Und
zwar hierdurch ward das gute Fräulein gefangen; dann sie fiel der Mutter umb den
Hals / herzete und küssete sie / und baht / in solcher Gewogenheit fortzufahren;
daher die Mutter spürete /dz der Brei schon versalzen / und das abmahnen viel zu
späte währe; hiess sie deswegen gutes muhts sein /und dass es alles noch gut
werden könnte; nur müste sie ihre heutige Lehre in acht nehmen / den ohn das
argewöhnischen Fulvius zum Widerwillen anzuspornen; würde dann hiedurch Ladisla
mit ins Spiel kommen /dass es zum Streit geriete / welches sie doch ungerne wollte
/ müste er trauen sein bestes wissen / nachdem sie kein ander Mittel sähe / und
ihr Vater vor sein Häupt / wegen getahner Zusage nicht anders könnte /als seiner
Ehre durch die Leistung ein Genügen tuhn. Ey so wollen wir die Sache der
himlischen Versehung befehlen / sagte das Fräulein nach deren Schluss muss es doch
den Aussschlag nehmen / wir sinnen und richten was wir wollen und können; setzete
sich nider /liess von der Mutter ihr die Haar etwas zierlicher auffbinden / und
redete von den hohen Tugenden der beiden Helden / mit diesem Schluss / dass sie
sich vor die glückseligste schätzen würde / wann sie mit derer einem sollte
vermählet werden. Ladisla hatte sich zu seinem Herkules verfüget / zeigete ihm
Fulvius ansuchen an / und dz allem ansehen nach er ihn mit dem Schwerte würde
abweisen müssen; welches er ihm heftig wiederriet; er sollte der Vernunft
gebrauche /und durch morden und todschlagen ein Gemahl zu erwerben sich nicht
unterfangen; Es währe wider die Erbarkeit welches Gott nicht gut heissen / viel
weniger Glük und Segen darzu verleihen könnte / insonderheit /wo Fulvius mit ihr
schon sollte versprochen sein. Ladisla taht ihm der Fräulein Widerwillen zu
wissen /und dass sie diesem ihr Herz zuzuwenden nie währe bedacht gewesen / noch
ihres Vaters Vorhaben gewust hätte. Worauff ihm Herkules antworten wollte /sah
aber den Stalhalter zur Tühr hinein treten / und gaben diesem Gespräch Anstand /
weil ohn das derselbe sie erinnerte / dass des Arztes wolmeinung müste in Obacht
genommen / und H. Herkules in der Ruhe gelassen werden. Also musste nur sein
Leibknabe bei ihm bleiben / da im hingehen der Statalter zu Ladisla sagete: es
tuht mir sehr leid / mein Herr / dz sein Freund meiner Tochter wege in diese
schwacheit gerahten ist; iedoch hoffe ich zu den Göttern / es werde sich mit ihm
bald zur Besserung schicken; bitte unterdessen fleissig / sie wollen bei mir
sich aller Freiheit gebrauchen / als ob sie bei den ihren daheim währen. Und
weil mir heut ein fremder Gast von Rom / Herr Fulvius zusprechen wird / ich aber
wegen einer Unpässlichkeit / und dass wegen eines entstandenen Eckels vor der
Fleischspeise / der Mahlzeit nicht beiwohne kann / wolle mein Herr neben andern
Eingeladenen sich bei derselben frölich erzeigen / ich will nach abgetragenen
Speisen mich bei ihnen einstellen /und gebührliche Gesellschaft leisten.
Angenehmere Zeitung hätte unserm Ladisla nicht vorkommen mögen / und gedauchte
ihn / als sähe er seinen Mitbuhler schon zu seinen Füssen liegen / welches doch
zu verhehlen / er antwortete: Hochwerter Herr / als Vater; ob zwar wegen
schwacheit meines Freundes ich nicht wenig bestürtzt bin / und schlechte Lust
habe zu frölicher Gesellschaft / will ich doch in diesem uñ allem was mir möglich
sein wird / meinem Herrn gerne und willig gehorsamen / wünsche nicht mehr / als
dass meine geringe Dienste meinem Herrn nur könten behäglich sein / und mit
solchem väterlichen Herzen angenommen werden als sie aus kindlichem herrühren.
Mein Herr / und geliebter Freund als Sohn / antwortete er / ich nehme diss hohe
Erbieten mit solchem Herzen auff / welches sich überall vergnüget befindet /
errinere mich wohl / wie hoch ich ihm verpflichtet bin / uñ bitte die Götter /
mir Krafft und Freiheit zu verleihen / sein gutes Herz und gewogenheit ersetzen
zu können. Der junge Fabius kam darzu / uñ nam der Alte einen Abtrit nach seinem
geheimen Zimmer / woselbst er sein Unglück und die instehende Gefahr beweinete /
und dz durch Unbedachtsamkeit er sich so schlim verwickelt hatte.
    Kaum wahr er hinweg gangen / da stellete Fulvius sich ein / hatte sich
statlich heraus geputzet / und sechs wolbekleidete Diener hinter sich her treten
/deren Mantel mit Sammet durchfüttert wahren / wiewol er leiden musste / er hätte
sie von andern entlehnet. Er wahr gross und starker Gliedmassen / hatte ein
schwaz dicke Krausshaar / welches er selten zu kämmen pflegete / schwarzgelbe
Farbe / magere Backen und lange Habichsnase / wusste sich zimlich höfflich
anzustellen / aber man merkete / dass es gezwungen Ding wahr. Als dem Statalter
seine Ankunft vermeldet ward / ging er ihm entgegen / nam ein fröliches Gesicht
an / und hies ihn wilkommen sein. Ladisla und der junge Fabius traten auch zu
ihm hin / und empfingen ihn nach wirdigkeit / wiewol Ladisla über Gewohnheit
sich gar ernstaft und mit kurzen Worten vernehmen lies. Die Statalterin kam
mit ihrer Tochter / den Gast zu wilkommen / welches die Mutter mit guter
Freundligkeit / die Tochter aber so kaltsinnig und mit gezwungenem Hochmuht
verrichtete /dass ihr Bruder bald merkete / es müste ein angelegtes Spiel sein /
sonderlich / weil er vor wenig Tagen in erfahrung kommen wahr / dass sein Vater
mit dieser Heirat umbginge / in welchem Wahn er durch dessen Rede gestärket
ward / da derselbe / wie er der Tochter Entführung vernahm / also lossbrach: O
dass nun H. Fulvius verhanden währe / und die Rettung selbst verrichten möchte.
Nun wahr diesem das Geschrei seiner Untugend wohl bewust / nahm ihm auch vor /
die Heirat nach allen Kräfften zuhindern / insonderheit als er zu der
Schwägerschaft mit Ladisla Hoffnung hatte. Fulvius / so bald er das Fräulein
sah / befand er sich verliebet / redete / ungeachtet ihrer Ernstaftigkeit sie
freundlich an / und gab ihr sein grosses Mitleiden wegen gestriger Gefahr zu
vernehmen / mit bezeugung / wie bereit und willig er sein wollen / sie
loszumachen / da er dessen einige Wissenschaft gehabt hätte. Sie bedankete sich
des Erbietens gar nicht / sondern sagete: Die Götter behüten mich vor
dergleichen Gefahr / und dass ich ja nimmermehr wieder in Tugendloser Leute
Gewalt fallen möge; Dass ich aber bei Ehr und Leben erhalten bin /habe ich diesem
meinem höchstwerten Herren und unvergleichlichen Helde zu danken / dem ich mich
daher in ehren ganz verpflichtet weiss und wissen muss. Fulvius sah Ladisla an /
lachete in seinem Herzen dieser hohen Benahmung / und sagte zu ihm: Herr und
unbetanter Freund / dass er dieser treflichen Fräulein in ihren nöhten zu Hülffe
getreten ist / dessen bedancke ich mich gegen ihn / und erkenne mich demselben
hinwiederumb mit einem Ritterdienste verbunden. Herr und unbekanter Freund /
antwortete Ladisla /dass wenige so etwa in Rettung dieser Durchl. Fräulein ich
verrichten mögen / darzu hat mich die Pflicht meiner selbsteigenen Ehre
verbunden / gebühret mir also von keinem Menschen dank davor / wiewol ich
Unwirdiger von meinem Gnädigen Fräulein so hohe Vergeltung ihrer Gutwilligkeit
wieder meinen Willen annehmen müssen / dass ich mich schuldig erkenne /derselben
Zeit meines Lebens als ein verpflichteter Knecht und Diener ohn einige Aussrede
auffzuwarten. Ach mein Herr / antwortete sie / ich bitte sehr / meine
geringfügige Dankbarkeit nicht so hoch zuerheben weil dieselbe viel zu schwach
ist / an dass minste seiner hohen Verdienste zu reichen; dann weil ja über Ehr
und Leben kein Ding in der Welt mag geschätzet werden / und aber dieses beides
euer siegreiches Schwert mir erhalten hat / muss ich die allmögenden Götter
bitten / den Abgang meines unvermögens zuersetzen / und wird mir Vergnügungs
gnug sein / wann ich sehen werde / dass mein dankbegieriger Wille meinem Herren
nicht wird unangenehme sein. Mein Fräulein / wieder antwortete er; was erhebet
sie ihres unwerten Dieners gar zu schlechte Dienste über allen Verdienst / dass
ich vor anderen deswegen schamroht stehen muss? Ihre ja ihre Krafft / so in ihrer
Tugend und Volkommmheit bestehet / wahr nicht allein meines leichte Schwertes
Nachdruk / sondern benam den Råubern alle Muht und stärke / und stürzete sie zur
Erden / dass ihnen weder Vermögen mich zubeschädigen / noch sich zubeschützen
übrig blieb. Das Fräulein blickete ihn hierauff mit liebreizenden Augelein an /
und sagete: Mein Herr und wahrer Freund; es beliebet ihn also / mich leichtes
Federchen zu schmucken / die ich Ungültigkeit halben wohl hätte verstäuben
müssen; Dann O weh mir elenden / wann sonst keine mächtigere / als meine eigene
Krafft sich meiner angenommen hätte / so würde ich schon entehret / und kein
Mensch mehr sein; Wolle demnach mein Erretter mir gönnen / seinen hochverdienten
Preis ausszutragen / und beides Freunden und Feinden bekant zu machen / dass wie
ich ihm alles was ich bin / zu danken habe / also auch solches zu bekennen nicht
möge gehindert werden. Fulvius hörete diesen ihren freundlichen Reden zu / als
ein Entzükter /kunte sie nicht gnug anschauen / die ihm doch kein Auge zuwendete
/ sondern / als wåhre er nicht zugegen / sich nach Ladisla kehrete; worüber der
Statalter schier in die Erde gesunken wåhre / weil er sah /dz dieses
Trauerspiel sich schon bei nüchterm Munde anspinnen wollte; suchte desshalben
Ursach davon zu scheiden / und baht Fulvius höchlich umb Verzeihung / dass er ihm
/ Schwachheit halber / bei der Mahlzeit nicht könnte Gesellschaft leisten;
hoffete doch / sein Gemahl / Sohn und Tochter / neben andern erbehetenen
Freunden / würden seine stelle biss nach abgetragenem Tische vertreten / da er
sich willig bei ihnen wollte finden lassen. Herzlieber H. Vater / sagte das
Fräulein zu ihm: Ich bitte kindlich / mir zu gönnen /dass ich euch in euer
Unpassligkeit auffwarten möge. Nein / geliebtes Kind / antwortete er / gehe du
mit diesen beiden Herren zum essen / und leiste ihnen als eine Haus Tochter
gebührliche Gesellschaft / ich werde mich hernach schon finden. Es hätte
Fulvius mit dem Vater gerne noch vor der Mahlzeit die Ehe abgeredet / damit er
sie bei Tische als eine Braut neben sich haben / uns hiemit Ladisla / den er
schon neidete / höhnen möchte; weil aber der Statalter eilig davon ging / musste
er sich gedulden / und nahm ihn Fr. Pompeja bei der Hand / das Fräulein aber
ihren liebsten Ladisla / biss sie den Essesaal erreicheten. Ehe die Speisen
auffgesetzt wurden / spracheten sie stehend miteinander / da der junge Fabius
seiner Schwester winkete / und zu jhr sagete: Weistu auch /dass man dir diesen
Filz und Lügener zufreien will? mich würde deines Elendes jamern / wann du in
dieser Unglückspfütze soltest versinken; so sihe dich nun vor / nim deine
Vernunft zu hülffe / und halte feste /was mich dünket schon in deiner Hand zu
sein. Das Fräulein ward hiedurch herzlich erfreuet / und antwortete:
Herzallerliebster Bruder / ich habe gleich diesen morgen mein unglück erfahre /
aber der Tod soll mich davon befreien / wann ichs lebendig nicht meiden kann. Ich
untergebe mich deinem willen / will auch deinem Raht geträulich nachkomen / nur
biss gebehten /und leiste im fall der noht Herrn Ladisla beistand. Zweifele daran
nicht / sagte er / ich habe schon anordnung gemacht / dass es nicht noht haben
soll. Es hatte aber Fulvius / seinen Pracht sehen zu lassen / 120 Reuter auff
einen Monat in Dienste genommen / mit denen er zu Padua eingeritte wahr. Dieses
wusste der junge Fabius / gedachte deswegen / wann sich etwa ein Aufflauff
erregen sollte / müste man auch Leute umb sich haben; und liess seine bei ihm
habende Ritterschaft sich schleunig / doch in aller stille wapnen /mahnete
darzu 80 junge vom Adel in der Stadt heimlich auff / und gab ihnen das Zeichen /
wann sie vor seines Vaters Hofe würden hören in die Tromete stossen / sollten sie
zur HinterTühr hinein dringen / und fernerer Anordnung gewärtig sein. Fulvius
wahr so grobes Verstandes nicht / dass er der Fräulein gute Gewogenheit gegen
Ladisla nicht sollte gemerket haben; Er verliess sich aber auf des Alten so münd-
als schrifftliche Verheissung / und entschuldigte sie in etwas / dass sie ihn als
ihren Erretter zu ehren gehalten währe; dass sie aber gegen ihn so freundlich
sich nicht bezeigete / hätte er jungfräulicher blödigkeit gerne zugelegt / und
dass sie so gar seiner keine Kundschaft hatte; blieb also anfangs ohn
sonderlichen Eifer / welchen ihm doch sein argwöhnisches Herz alle Augenblick
mehrete / dass er bald hernach vornam / ihr dieses / so bald er sie in seiner
Gewalt haben würde / rechtschaffen einzukerben. Die nöhtigung sich zu setzen
/ging an / und stellete der junge Fabius / diesen beiden Herren frei / einen Siz
nach belieben zu erwählen. Ladisla wollte keine Unhöfligkeit gebrauchen / und
nöhtigte den fremden / die Oberstelle zu nehmen / der gleichwol auch scheinen
lassen wollte / dass er nicht unter den Bauern auffgewachsen währe / wegerte sich
fast / uñ baht endlich / dass H. Ladisla ihm zugefallen den Obersiz bekleiden
möchte / welches er dann /unter der Vorschützung eines willigen Gehorsams
höflich annahm / da dieser doch einer weiteren Wegerung ihm vermuhten wahr / und
jhn nicht wenig verdross / dass er dieses Streichs sich selber nicht gebrauchet
hätte; liess auch seinen Stolz in dem sehen / dass er Ladisla nicht folgen wollte /
sondern umb Freiheit /einen annehmlichen Siz zu wählen / anhielt / auch bald
darauff sich auff des Statalters seinem Wirtsstuel / gerade gegen Ladisla über
setzete. Herr Kornelius ermahnete Frl. Sophien / sich zu Fulvius niderzusetzen;
und dieser selbst hielt darumb beständig an / mit Einwendung / dass er eigentlich
diese Reise getahn /umb ihre bessere Kundschaft zu erlangen / und nähme ihn
wunder / da sie solches annoch nicht wissen sollte. Sie aber brachte höflich vom
es wollte einer Tochter des Hauses nicht gebühren / über erbehtene Herren und
Gäste sich zusetzen / sondern gar vom Tische zu bleiben oder den untersten Platz
zunehmen; das übrige währe nach seinem Gefallen / wie wohl in sehr
handgreiflichem Scherze geredet / und währe nichts neues / dass die einfältigen
Paduanischen Medchen sich von den Römischen Herren zur Kurzweil müsten auffzihen
lassen / als deren Unachtsamkeit nicht verdienete / dass man ihretwegen einen
Schrit /geschweige / zehn und mehr tägige Reisen tuhn sollte /wiewol sie ihres
teils solches in höchster Warheit nicht begehrte / sondern ihrer geringfügigkeit
sich wohl erinnerte / welches Herr Fulvius / wie sie bähte / eins vor alle mahl
wollte lassen geantwortet sein. Dieser wollte solches beantworten / und umb das
beisitzen weiters anhalten; aber Frl. Ursul und Helehn traten gleich in den Saal
/ die von Frl. Sophien empfangen und zum Tische geführet wurden; da Ladisla von
seiner Stelle hervor sprang / uñ diesen beiden Fråulein selbige einräumete /
sich aber neben sie niederliess /da Frl. Sophia ihm ungenöhtiget folgete / als an
den untersten Ort; worüber Fulvius schier währe rasend worden; meinte / es
håtte Ladisla ein solches mit ihr angelegt / und schwuhr bei sich selbst / es
ungerochen nicht zu verdäuen. Ladisla merkete aus seiner Gesichtsverenderung /
dz ihm das Herz gerühret wahr / liess sich doch nichts anfechte / sondern
erzeigete sich gar freimuhtig. Der junge Fabius setzete sich wieder an seiner
Ursulen seite; Herr Kornelius blieb bei Fulvius / dem H. Emilius / und zulezt
die Statalterin folgete. Frl. Sophia nam auf ihres Bruders Vermahnung das
Vorschneideramt über sich / und reichete Ladisla das erste; welches er der
Stadtalterin gab. Sie boht ihm das ander und dritte / aber die beiden Fräulein
mussten es von ihm nehmen. Als sie ihm nun das vierde zuhielt / baht sie ihn / es
ohn fernere Wegerung zu behalten; worauff er gehorsamete. Das fünfte ubergab
sie Frl. Helenen / mit Bitte / es H. Fulvius zu reichen. Dieser hatte sich
inzwischen eines andern bedacht / und den äusserlichen Zorn sinken lassen / weil
er Ladislaen freimühtigkeit sah / und ward die halbe Mahlzeit ohn denkwirdiges
verrichtet /nur / da Fulvius Frl. Ursulen ein Glas mit Wein einreichen / und die
zierliche Höfligkeit gar zu gross machen wollte / schüttete er ihr solches
unversehens in den Busem / dass ihr der Wein am Leibe gar hinunter biss auff die
Knie lief / und sie sich des Schrekschreiens nicht entalten kunte. Frl. Sophia
hatte dieses Plumpstükchen nicht gesehen / erschrak daher über ihrem ruffen /
und fragete ängstig was ihr gebräche? Sie aber antwortete: mir gebricht nichts /
Herzen Schwester / nur dass ich gar zuviel bekomme. Ladisla håtte diesen Grobrunk
nicht umb viel gemisset / taht doch / als såhe ers nicht / und blieb in seinem
Gespräch mit Frl. Helenen / welche fleissig nachfragete /warumb Herr Herkules
nicht zu Tisch kommen wåhre / und als sie seiner Unpässlichkeit bericht einnahm
/ward sie dessen leidig. Der junge Fabius nam hieselbst gelegenheit / dessen
Tugend zu ruhmen / wünschend / dz er den Kampf mit Orgetorix hätte mögen
ansehen; welches Fulvius also beantwortete: Zwar den besten sihet man nicht /
massen ein jeder / wañ er in der Welt umsuchet / allemal seines gleichen findet;
jedoch möchte ich eines solchen Ritters Kundschaft /wie dieser beschrieben wird
/ wohl haben / dem das Glük sehr günstig muss gewesen sein / dass er dem jeztge
dachten guten Fechter hat anfiegen können /welches ich mit rühmen will / weil ich
nicht zweifele /es werde im Kampffe auffrichtig zugangen sein. Ladisla hörete
den Spot und Beschimpffung mit grosser Empfindligkeit / begriff sich aber / und
antwortete: Herr / dieses Ritters Kundschaft / der nie als auffrichtig
gekämpffet / und sich mehr auff seine Tugend als auff das blinde Glük verlassen
hat / wird euch unversaget sein / so bald er Schwachheit halber das Lager wird
angeben köñen. Dieser aber / weil er Ladislaen biss auff den Tod gehässig wahr /
sagte nichts darauf / sondern stellete sich / als hörete ers nicht; welches
jener zwar mit brennendem Zorn auffnam /und es doch verschmerzete / weil er
bequemere Gelegenheit sich zu rächen hoffete. Herr Kornelius / der Fulviussen am
nähesten sass / wollte ihn mit freundlichem Gespräch unterhalte; bekahm aber
allemahl kurze hochmuhtige Antwort / welches ihn nicht wenig verdross / weil er
in der Jugend auch Ritterschaft getrieben / und in mannichem Schimpf und Ernst
guten Preis erworben hatte; doch übersah er ihm nach seiner Sanftmuht / und
liess nicht ab mit ihm zu reden /weil das Frauenzimmer sich an ihn gar nicht
kehren wollte / die nur mit Ladisla und Fabius ihr Gespräch fortsetzeten / da
Frl. Sophia nicht unterliess / den grossen Unterscheid der Ritter einzuführen /
und dass diesen Stand nichts so sehr zierete / als die Höfligkeit und Demuht / so
dass ein Ritter mit diesen beiden stücken begabet / insonderheit des
Frauenzimmers Gewogenheit wirdig währe weil dieselben mehr hierauf / als auff
scharffe Schwerter und spitze Speere hielten. Fulvius / dass er Kundschaft mit
ihr machen möchte / beantwortete dieses also: Ja mein Fräulein /die
jezterzähleten Stücke stehen einem Ritter in Wirtschaften nichtübel an / wann
sie bei gebührlichen Leuten angewendet werden; aber ihrer viel (ich schlieffe
meiner Fräulein gleichen aus) wollen diesen Bogen gar zu stränge spannen dass er
zu zeiten drüber brechen muss; weil der ritterliche Muht die unterste Stuffe ohn
Verletzung seines Ansehens nicht betreten kann. Frl. Sophia aber wollte sich
hierüber mit ihm nicht einlassen / welches Ursul merkend / nur dieser rede ihre
stelle vertrat: Ich halte davor / Herr Fulvius /meine Frl. Schwester rede nicht
von den unvernünftigen / die Ritters Hocheit nicht beobachten / und sie biss an
die unverantwortliche beschimpfliche Demuht herunter ziehen wollen / sondern
ihre Meinung ist bloss auff diesen Zweg gerichtet / dass die ungefårbete
Freundligkeit eine sonderliche Zier an einem Ritter /wie die Sonne am Himmel
sei. Herr Komelius fürchtete sich / es möchte diese Verantwortung von ihm
ungleich auffgenommen werden / mischete sich deswegen mit ein / und sagete:
Beiderseits Meinung währe recht und gut / als die nicht wider einander stritten.
Welches Frl. Sophia also beantwortete: Herr Vetter Kornelius / streite sie nicht
/ so reimen sie sich auch nicht. Aber der hölzerne Bock Fulvius merkete nicht /
dass seine ungereimete Antwort hiedurch verlachet ward. H. Kornelius veranlassete
ihn zum weitern Gespräch / in dem er ihn fragete / ob nicht neulicher Zeit zu
Rom sich etwas denkwirdiges zugetragen hätte; wodurch er ihm die Tühr zu seinen
Lügen auffsperrete / dass er bald von hier / bald von dar / ohn Ordnung und
Aussführung etwas hervor brachte / und allemahl seinen eigenen Ruhm einmischete /
wiewol mit so handgreiflichen Lugen / dass Ladisla der von vielen / guten
bescheid wusste / sich der unwarheit seir verwunderte. Endlich nam Fulvius ihm
vor / Frl. Sophien einen verdekten streich zu versetzen / welches er durch
dieses Getichte sehr artig zuverrichten meinte / da er also anfing: Es fält mir
gleich iezt ein lächerlicher Possen ein / der ohngefehr vor XVI Tagen sich zu
Rom begeben, nehmlich / ein vermeintes züchtiges Fräulein ward einem trefflichen
Römichen Herrn / meinem vertraueten Freunde / von ihren Eltern zugefreiet /
deren Nahmen ich nicht nennen will. Als nun der Ritter sich einstellete / die
Heirat zu volführen / kam er dieser guten Jungfer unvermuhtlich / und fand sie
bei einem unachtsamen jungen Aedelman sitzen / mit dem sie allerhand närrischer
Kurzweil und Affenwerk trieb / welches diesem ernstaften Ritter anzusehen
ungelegen wahr; hies derhalben den jungen Laffen auffstehen; und als er sichs
wegerte / trieb er ihn mit prügeln aus / gab hernach der Jungfer einen guten
Ausswischer / und lies sie ungeheirahtet sitzen /womit ihre Eltern zwar übel
zufriede wahren / aber doch den Schimpff hinnehmen mussten / weil sie der frechen
Tochter gar zuviel Willen gegönnet hatten. Hiemit brach er die ungeschikte
Erzählung ab / und wahr niemand zugegen / der seinen Zweg nicht verstanden hätte
/ nur dass sichs niemand wollte annehmen / ohn Frl. Sophia schrieb ihm gar zuviel
Witzes zu / ob hätte er ihre vorige Stachelrede hiemit ersetzen wollen; gedachte
endlich / es müste ihm dieses Wagstük nicht so hingehen / und fing zu den beide
Fräulein also an: Herzgeliebete Schwestern / es hat H. Fulvius uns eine
Geschicht erzählet / ohn zweifel /unsere geringe Urtel darüber zuvernehmen /
und wohl auch / dass sie uns zum Beispiel diene / uns beides vor Affenwerk / und
vor solche ernstafte Freier wohl zuhühten; bitte demnach schwesterlich / sie
wollen /die lange Zeit zuvertreiben / sich unbeschwert heraus lassen / was sie
von dieses Freiers ritterlicher Taht halten. Die beiden Fräulein beredeten sich
kürzlich /und gaben ihr zur Antwort: Herzgeliebte Frl. Schwester / wir haben die
erzählete Geschicht nicht so eigentlich mit allen ihren umbständen in acht
genommen /wollen deswegen ihre Meinung zuvor hören / und nachgehends / wo es uns
gegönnet ist / unsere Gedanken auch darüber vernehmen lassen. Ich muss euch wohl
zugefallen sein / sagte das Fräulein / dann womit wollten wir sonst die Zeit
hinbringen? Jedoch / wann ich zuvor wissen sollte ob Herr Fulvius uns diese
Kurzweil gönnen könne. Ey warumb nicht / mein Fräulein / antwortete er / massen
ich solche Begebnis zu dem Ende vorgetragen habe. Dass muss mir lieb sein / sagte
sie; kehrete sich zu ihren Gespielen / und fuhr also fort: Ob ihr / meine
Schwesterchen dass erzählete vor eine Geschichte / oder Getichte haltet /kann ich
nicht wissen; doch stehet uns allerseits frei /unsere Gedanken davon zu haben;
aber auff den fall der Warheit / sage ich / dass dieser Ritter sich als ein
ungeschliffener grober Flegel hat sehen lassen / indem er diesem Fräulein ein
solches zur Unzimligkeit aussgeleget / welches sie zweiffels ohn aus Höfligkeit
getahn / und dieser Büffelsochse wohl aller Zucht mag entfernet sein / welches er
gar zu merklich an den Tag gegeben / in dem er den jungen Aedelmann nicht als
ein Ritter / sondern als ein Steckenknecht überfiel /welches ich ihm nicht würde
gesehenket haben /währe ich in dessen stelle gewesen. Es hat sich aber das gute
Fräulein nebest ihren Eltern billich zu erfreuen / dass sie eines solchen
ungehöfelte Klotzes abkommen; dann sie möchte lieber tausendmal sterben / als
eine Stunde sein Ehgatte sein. Dafern ihr nun herzliebe Schwestern / mit mir
eines sein könnet / wollen wir diesem nichtwerten Ritter die Urtel sprechen /
dass er vorerst des Ritterstandes soll entsetzet / und unfähig sein / sich neben
einem ehrliebenden Fräulein niderzusetzen; ja er soll aus allem adelichen
Frauenzimmer in Ewigkeit verbannet sein und bleiben. Die anwesenden lacheten /
dass sie dieses mit solchem Eyfer vorbrachte / ohn Fulvius begunte den Auffzug
zumerken / und schwur im Herzen / ihr solches bald ersten tages seiner Heirat
mit schwerem Wucher einzubringen. Herr Emilius furchtete sehr / es dürffte
dieser Scherz einen groben unglücklichen Ernst verursachen /welchem vorzubauen /
er Fulvius zuredete; Er zweifelte nicht / seine hohe Vernunft wurde des
Frauenzimmers kurzweilige Scherzreden im besten vermerken; fragete darauff / ob
die Ritterlichen Ubungen zu Rom stark im schwange gingen / und die Strassen
sicher zu reisen währen. Welches er beantwortete: Man hätte eine Zeiter nichts
von Mordtahten vernomen / ohn dass ohngefehr vor acht oder neun Wochen vier
statliche Ritter gutes Römischen Adels / von vier verwägenen Strassenräubern
überfallen / ermordet /und nacket ausgezogen währen; nennete sie auch bei nahmen
/ dass Ladisla eigendlich hörete / er redete von denen / welche er und Herkules
im Kampff nidergelegt hatten / gedachte demnach / dieses fügen die Götter also
zu des lügeners Straffe; gab ihm auch diese Antwort: Der Herr verzeihe mir; ich
komme auch von Rom / und weiss sehr wohl umb diese Begebnis / dass gedachte vier
Ritter nicht von vier Råubern oder Mördern / sondern von zween fremden Rittern
im auffrichtigen Kampffe / durch eine rechtmässige Nohtwehr erleget sind / weil
sie diese mit räuberischer Faust angriffen / und ihnen eine Beute abzujagen sich
unterstunden. Fulvius antwortete: Er währe ganz unrecht berichtet; die Sache
währe ihm gar zuwol bewust /hätte auch der Ermordeten gute Kundschaft gehabt
/und würde es nimmermehr guteissen / so jemand /wer der auch währe / solche
ehrliche Ritter vor Strassenräuber aussruffen wollte; wüste aber ungezweifelt /dass
sie von solchen unredlichen Buben schelmischer Weise ermordet währen. Herr
bedenket euch was ihr redet / sagte Ladisla / es könnte etwa einer in dieser
ehrlichen Gesellschaft sein / der von diesen vier Räubern angefallen / und ihnen
ihren Lohn erteilet hätte. Wann ich solches wissen könnte / antwortete Fulvius
/müste der bübische Mörder den Seelen der erschlagenen zum Versöhnopffer mit
meinem Schwerte abgeschlachtet werden. Ladisla kunte den Zorn nicht länger
verbergen / und sagte: Höret Fulvius / gedenket ihr dieses zu hand haben? ja /
antwortete er / gegen jederman den es gelüstet. Ey wolan / sagte jener; so
gestehe ich vor dieser löblichen Gesellschaft / dass mein Freund Herkules und ich
/ von diesen vier Räubern auff freier Strasse ohn alle gegebene Ursach
überfallen sind / und wir ihnen den Lohn ihres Frevels in einem offenen Kampffe
zugestellet haben / welchen sie billiger von des Büttels Hand empfangen hätten.
Weil ihr dañ Fulvius meinen Freund und mich ohn alle Ursach vor Räuber /
Schelmen und Buben scheltet / will ich unser beider Ehre / dafern ihr keinen
Wiederruff tut / wieder euch handhabe / schiebe die Schmach in euren eigenen
Busem / sage euch auff Leib und Leben ab / und fodere euch zum offentliche
Kampff aus / auff dass ihr sehen lasset / ob ihr so wohl fechten als schänden
könnet. Das anwesende Frauenzimmer erschrak über die masse / als sie Ladisla so
reden höreten / und seine feurige Augen sahen / die ihm im Häupte funkelten;
keiner aber von den Anwesenden kunte ihm solches vor übel halten / dass auch der
junge Fabius zu Fulvius sagete: Herr ihr handelt nicht ritterlich an diesem
Helden / welches ich mit meinem Schwerte behäupten will. Dieser antwortete mit
gresslichem Gesichte: Ey so wapnet euch ihr junge Bratvögel / dass ich bald prüfen
möge was ihr auff der Schuele gelernet habet / nur ist mir leid / das mein
sieghaftes Schwert ich auff solche Lassen zücken soll. Hunde können nichts als
rasen; und Narren / als grosssprechen / sagte Ladisla; biss aber versichert / dass
ich dessen eine Reue in dich bringen werde. Frl. Sophia redete mit ein / und
sagte zu Fulvius; O ihr boshafter ehrendiebischer Ritter / was vor Unglück
richtet ihr mit eurem Lügenmaule an. Der Statalter hatte sich in seinem nahen
Zimmer biss daher stille gehalten / und alles angehöret / als er aber den
Aufflauff vernam /sprang er in den Saal / und geboht Friede zuhalten /oder er
würde sich seines Haussrechts nebest habender Römischer Gewalt zugebrauchen
wissen. Ladisla lieff ihm entgegen / und gab zur Antwort: Mein hochwerter Herr
als Vater / ich beruffe mich auff diese ehrliche Gesellschaft / dass ich
gezwungen werde / mit der Götter Hülffe darzutun / dass mein Geselle und ich des
Lasters unschuldig sein / dess uns dieser Verleumder zeihet / oder eines
ehrlichen todes zusterben. Ihr könnet nicht wohl anders sagte der Statalter /
demnach ichs selber angehöret / wie nahe mans euch geleget hat / zweiffele nicht
/ die Götter werden der Unschuld beistehen.
    Inzwischen wahr Fulvius hinunter gelauffen / seine Reuter zusamlen / und
lies der junge Fabius das verabredete Zeichen mit der Tromete geben / da seine
Leute fast im Augenblick beisammen wahren / und zum Hintertohr hinein drungen.
Ladisla aber machte sich hin zu Herkules und gab ihm dass verlauffene kürzlich
zuverstehen; der sich unlustig befand / dass er dem Streit nicht beiwohnen / noch
seine Ehre selber retten kunte. Der junge Fabius folgete ihm auff dem Fusse nach
/ und erboht sich gegen Herkules / vor ihm die Stelle zu vertreten; aber Ladisla
gab zur antwort: Er möchte sich gedulden / den Schänder würde der Frevel in
kurzem gereuen. Nun wahr ihm des vorigen Tages sein Schild und Harnisch von den
Räubern übel zugerichtet / daher liess der junge Fabius ihm trefliche gute Waffen
bringen / mit welchen er sich fertig machete. Er ward aber der Reuter im Platze
gewahr /und fragete / was diese wollten? da ihn Fabius berichtete: weil Fulvius
mit einer starken ReuterSchaar ankommen / und ihm bald anfangs nichts gutes
geträumet / hätte er auch eine Mannschaft auffgebohten /dass man im fall der
noht bestand sein könnte / wie ers wählen würde. Ladisla sprang dessen vor
freuden auff / weil er bübischer hinterlist sich nicht zu befürchten hatte. Sein
Fräulein kam auch darzu / und klagete /wie der Schänder zum Abzuge sie vor eine
leichtfertige junge Metze gescholten / und möchte sie wünschen / dass dieser
Schimpf zugleich mit könnte gerochen werden; Worauf er antwortete: Mein Fräulein
/ traget nur ein wenig Geduld / ich will meiner eigenen Schmach vergessen / biss
die ihre wird gerochen sein; nur bitte ich / mir eine Gunst mitzuteilen / unter
deren Krafft und Wirkung ich desto geherzter fechten möge. Sie sah umb sich /
und als sie merkete / dass sie viere nur daselbst wahren / trat sie zu ihm /
küssete ihn freundlich / und sagete: Ich hoffe nicht / dass H. Herkules und mein
Bruder mir dieses zur Leichtfertigkeit aussdeuten werden. Fabius antwortete: So
werde aber ich dirs nicht zugute halten / es sei dann / dass du deinem Liebsten
noch einen Kuss / und äusserliches Gunstzeichen mitteilest / welches er seinem
feinde aufm Helme zeigen könne. Meinem Liebsten? sagte sie; so müste ich ja
meinen H. Vater küssen; jedoch /weil derselbe abwesend / mag H. Ladisla / da es
ihm gefällig / dessen stelle vor dissmahl vertreten; also verrichtete sie ihres
Bruders Befehl zu dreien mahlen /und empfing gleiche Münze zur Bezahlung.
Hernach spannete sie eine Halsskette von den reinesten Demanten ab / wickelte sie
umb den Adier / der auff seinem Helme stund / und baht die Götter / dafern sie
unschuldig / möchten sie diesem Ketchen die Krafft verleihen dass des frechen
Schänders Gewissen / wann Ers sehen würde / gerühret und zaghaft gemacht würde.
So bald er und Fabius gewapnet wahren /nahme sie feste Speere zu sich / zeigeten
ihren Reutern die Ursach ihres Streites an / und bahten im fall der Noht ihnen
beizustehen / welches von ihnen mit darbietung Leib und Lebens versprochen ward.
Frl. Sophia wollte diesem Streit zusehen / setzete sich mit den beiden Fräulein
auff eine Gutsche / und fuhr hin nach einem hohen Zwänger / von welchem sie die
Streitbahn übersehen kunten / da das Fräulein sich gånzlich ergab / im fall ihr
Ladisla das Leben verlieren würde / sich da herunter zu stürzen / und ihm im
Tode Gesellschaft zu leisten. Fulvius hielt schon draussen vor dem Tohr mit
seinen leuten / und befand sich so gar erbittert / dass er vor Rachgier fast
blind wahr. Ladisla und Fabius folgeten ihm bald mit ihren Reutern in zierlicher
Ordnung / da Ladisla ädler Knecht Markus vorhin reiten / und Fulvius in seines
Herren nahmen auff Speer und Schwert aussfodern musste; oder da er so kühn nicht
sein würde / sich Mann an Mann zuwagen / stünde ihm frei sich seiner Leute
zugebrauchen / denen gebührlich sollte begegnet werden; die Wahlstat währe der
grüne Anger / recht an dem Stadgraben / woselbst die Tugend den frevel
abstraffen sollte. Fulvius gab ihm zur Antwort: Reite hin und sage den beiden
Laffen / dass sie sich nur gefasset halten / ich werde jezt da sein / uñ ihnen
die Milchzähne beklopffen. Du schändest diese Ritter /sagte Marx / als ein
Verleumder / welches ich an dir behäupten wollte / da ich meinem Herrn
vorgreiffen dürffte. Dieser sah sich nach seinen Leuten umb /und fragete; ob
nicht einer Lust hätte XX Kronen zu verdienen / und diesem elenden das fell zu
krauen. Bald taht sich einer hervor / rante und rieff Markus nach (weil er schon
hinritte / die Antwort zu bringen) er sollte die Antwort zuvor recht einnehmen.
Nun meinte dieser / es würde Fulvius etwas nachbieten wollen / hielt stille /
und liess ihn näher kommen; der aber an statt der Worte ihn mit dem Schwerte
überfiel / dass er kaum zeit hatte / das seine zu entblössen; da er dann / wie er
zum Gewehr kam / einen heftigen Kampff mit ihm hielt / schlugen verwägen auff
einander los / und gaben mit wenig Streichen ihrem erhitzen Blute Lufft / dass
sie beiderseits hart verwundet wurden / biss endlich Marx mit einem stosse / den
er seinem Feinde durch die Gurgel gab / den vollen Sieg davon brachte / und
seinen Weg mit verhängtem Zaume vornam / weil er merkete / dass etliche sich los
gaben / ihn anzugreiffen. Ladisla sah ihn so blutig daher rennen / und sagte zu
Fabius: das muss ein verwägener Schelm sein / der eines Abgesandten Werbung
solcher gestalt beantwortet / welches ich ihm wieder hoffe einzubringen. Als er
aber von ihm alles Verlauffs berichtet ward / lobete er seine Mannheit /die er
unvergolten nicht lassen wollte; stellete seine Leute in eine zierliche Ordnung /
mit Befehl / kein Gewehr zu zücken / biss Fulvius Hauffe sich regen würde / und
setzete er sich auff die Bahn / seines feindes mit verlangen erwartend; welcher
auff einem grossen schwarzen Hengste daher trabete / und seinen Reutern geboht /
sich des Streits nicht anzunehmen /es währe dann / dass sie darzu gefodert oder
gezwungen würden. Er aber schickete sich zum Treffen / und begegnete ihm Ladisla
sehr eifrig; hielten doch so feste / dz keiner den andern im Sattel bewägen
mochte / ungeachtet die Speere in stücken zersprungen / und Fulvius schon
erkennete / dass er kein Kind vor sich hatte. Sie nahmen neue Speere zur hand /
wiewol Fulvius das Schwert lieber gebraucht hätte / mit welchem er rechtschaffen
zu wüten pflegete / weil es ihm weder an Verwägenheit noch Leibeskräfften
mangelte. Aber der andere Rit musste gewaget sein / da sie als blinde allerseits
nebe hin stachen / und doch mit Pferden und Leibern einander dergestalt rüreten
/ dass Ross und Mañ beiderseits übern hauffen fiel / und alle Zuseher meinten /
es währe unmöglich / dass sie unbeschädiget blieben währen / dann ihre Pferde
zappelten und verschieden in weniger zeit. Sie aber arbeiteten sich ungeseumet
hervor / dann sie wahren unverletzt blieben / wiewol sie des harten falles beide
wohl empfunden / nahmen Schwert und Schild zur Hand / und hoffeten beide den Sieg
zu erstreiten / der nur einem zu teil werden kunte. Es wahr ein grausamer Kampf
anzusehen / massen sie einander zuhämmerten / dass es funken bei hellem Tage gab;
dann Fulvius wahr in Waffen lange Zeit geübet / und wollte seinem feinde keinen
fuss weichen / sondern da er über vermuhten dessen festen Stand sah / mehrete er
seine Wuht je länger je heftiger. Ladisla hingegen ging im anfange behuhtsamer
/ dann er merkete / dass hinter seinem feinde kräffte stecketen / auf welche er
die seinen spare musste; schützete deswegen sich mehr / als er seinen feind
verletzete / der ihm solches vor eine Zagheit ausslegte / da er zu ihm sagete:
Gilt mein Kerl / es ist sicherer spielen unter den Metzen / als unter dem
Schwerte; über welchen Schimpf er sich dergestalt eiferte / dass er seiner
behuhtsamkeit vergass / und so heftig auff ihn ging / dass wie ungerne Fulvius
wollte /er ihm etliche Schritte weichen musste / und darüber eine zimliche Wunde
in die linke Schulder bekam. Das Fräulein wahr anfangs sehr traurig auff der
Zinnen; als sie aber Ladisla vermehrete Kråffte spürete /ward sie von herzen
froh / und empfing Hoffnung zum Siege; wiewol Fulvius / ungeachtet seiner Wunde
/ sich bald wieder erhohlete / und mit solchem nachdruk anfiel / dass Ladisla
hernach oft gestund / ihm währen seines gleichen wenig vorkommen. Sie trieben
dieses eiferige Gefechte eine halbe Stunde ohn auffhören / biss sie genöhtiget
wurden Odem zu schöpffen; stunden und sahen einander mit verwunderung an /und
wie heftig Fulvius die Wunde schmähete / so höchlich freuete sich Ladisla
derselben. Nach kurzer Erhohlung munterten sie ihre fäuste wieder auff / und
sagte Fulvius: Mein Kerl / was wird die Metze sagen /wann sie dich tod vor ihren
füssen sehen wird? Je du Schänder / antwortete er / hastu dann schon so grossen
fortel erstritten / dass du mir den Tod ansagen darffst? fielen hiemit auffs neue
an einander / ob håtten sie noch keine Arbeit verrichtet; aber Ladisla brauchte
sich der Vorsichtigkeit / und liess jenen sich abmatten / dessen unerhörtes wüten
doch so viel durchdrang / dass jener eine fleischwunde ins rechte Oberbein bekam
/ welches das Fråulein ersehend / vor angst den Nahmen Ladisla überlaut rieff.
Er vernam ihre stimme gar eigen / schämete sich fast / und in dem er seine Hiebe
verdoppelte / sagte er: Ich werde ja dein rasen noch endlich brechen / wo mir
sonst die Götter nicht ungnädig sind / brachte ihm auch mit dem Worte einen
streich über das linke Bein / dass er strauchelte / und keinen festen Trit mehr
setzen kunte; worüber niemand so hoch / als das Frl. erfreuet ward. Fulvius sah
nunmehr / dass er dem Tode nicht entgehe würde / worin er sich unwillig gab /
meinte auch /auffs wenigste seinen Bestreiter mitzunehmen / und warff ihm seine
Schild wider die Brust / dass er strauchelte / und des falles sich kaum entalten
kunte; jedoch erhohlete er sich / und sagte: Bistu Bösewicht ein Ritter / und
wirffst den Schild mutwillig von dir? trat ihm ein / und nach etlichen Hieben /
deren er keinen aussnehmen kunte / schlug er ihn mit vollen Kräfften über das
Helmgesichte / dass es sich aufftaht / führete darauff einen andern streich / und
hieb ihm die Zunge im Maul hinweg / dass zugleich beide Kinnebacken abgelöset
wurden / und der Unterteil des Angesichtes nur an der Haut behangen blieb / dass
er alsbald tod zur Erden stürzete / da ihm Ladisla mit einem bittern Spotte
zurieff: Höre nun auff zu rasen und zu buhlen. Das Fräulein / solchen fall
ersehend /sprang vor freuden auff / und sagte: Ey dem Himmel sei Dank / dass ich
von diesem grimmigen Bähren erlöset bin / der mich hinte im Schlaf zureissen
wollte; liess auch alsbald einen Diener hin lauffen / ihren Eltern des Kampfs
aussgang anzumelden.
    Der junge Fabius rennete hin zu Ladisla / wünschete im Glük zum Siege / und
meinte / er würde alsbald nach der Stat zureiten / dessen er aber nicht willens
wahr / sondern ihm sein ander Leibross zu führen lies / zu Fulvius hauffen ritte
/ und mit starcker Stimme sie also anredete: Ihr Ritter / sagte er / deren jeden
ich ehrlicher als euren gewesenen Herren den Ehrenschänder halte; ich habe nun
an diesem Trotzer ein hohes Fräulein gerochen / die er in höchster Unschuld
geschmähet hat; bin aber an ihm noch nicht vergnüget / sondern weil er noch
eines redlichen Ritters / und meine selbst eigene Ehre boshafter Weise
angegriffen / suche ich einen unter euch / der etwa solche schändung gut heissen
wollte / auff dass derselbe des erschlagenen Stelle wieder mich vertrete / und ich
Gelegenheit habe / meines Freundes / und meine selbst eigene Ehre zu schützen;
dem ich auff den fall meines Sieges / Lebens Freiheit verspreche / wann er
Fulvius Bosheit bekennen wird. Dieser ganze Hauffe hatte seine Krafft und
Erfahrenheit gesehen / meinten / er würde sich so gar abgemattet haben / dass er
weitere Bemühung nicht suchen dürffte; als sie aber ihn noch so frisch reden
höreten / wollte ihm niemand Antwort geben; biss endlich ein junger frischer
Ritter / nahmens Messala / des ertödteten Anverwanter aus der Ordnung hervor
sprengete / und zu ihm sagte: Ritter /ob ihr redlich seid / weil ich nicht
wieder fechten /weil ich euer keine Kundschaft habe; dass ihr aber den redlichen
Herren Fulvius vor unredlich scheltet /dem wiederspreche ich so weit / dass ich
dessen von ihm nie ichtwas vernommen; nehme demnach / seine Ehre zuverfechten
auff mich / weil er bisher den Ritterstand nicht geschändet / sondern gezieret /
auch durch feindes Hand sein Leben unerschrocken geendet hat. So bistu der Mann
/ sagte Ladisla / der böse Buben from sprechen will? kehrete damit umb / und
erwartete seines feindes mit dem Speer / da sie bald unmenschlich stränge
auffeinander zusetzeten / auch zu beiden seiten traffen / wiewol mit ungleicher
Wirkung / massen dem Messala dass rechte Bein durchstochen ward / das dass halbe
Speer drinnen stecken blieb / und er halb ohmächtig vom Pferde stürzete. Ladisla
sprang ihm nach / reiss ihm den Helm ab / und sagete: Nun erkenne Fulvius Bosheit
/ oder stirb. Dieser schlug die Augen auff / und antwortete: Mein Leben stehet
in deiner Hand / und sage noch wie vorhin / dass ich von Fulvius nichts
unredliches weis /ohn dass du ihn dessen jetzo zeihest / welches wegen meiner
Unwissenheit / ich weder bejahen noch leugnen kann / und da dem also ist / als
dann werde ich keine Warheit zu lügen machen; Ihr seid kein unhöfflicher Ritter
/ sagte Ladisla / deswegen lasset euch heilen und lebet; schwang sich bald auffs
Pferd / und wollte nach Fabius reiten; welcher aber nach Fulvius leuten sich hin
begeben hatte / und ihnen dieses andeutete: Er hätte einen lieben Freund /
dessen Ehre ihr Führer unredlicher Weise gescholten / und da einer ihres mittels
des erschlagenen Stelle behäupten wollte / sollte er sich melden / und sein Leben
an seines wagen. Bald ritte ein kurzer unansehnlicher Ritter hervor / und
antwortete: Mein Herr / ich lasse euren Freund so redlich als er ist / aber wann
mir jemand wiedersprechen wollte / da ich gestehe / das Fulvius ein Grosspraler
gewesen / währe ich gesoñen / es mit meinem Speer zuerhalten. Was bistu dann vor
ein Ritter sagte Fabius / dass du in eines solchen Dienste dich begeben hast?
dieser antwortete: Ich habe es erst erfahren / nachdem ich mich bestellen lassen
/ sonsten wollte ich wohl einen andern Herren gefunden haben. Aber ich sehe / dass
ihr gerne ein Speer brechen wollet / drum bin ich euch zugefallen / nicht aus
Feindschaft / sondern meine Mañheit gegen die eure zuversuchen /sage euch auch
weiter nicht ab / als auff ein Schimpffspiel. Dieser wahr froh / dass er nicht
gar ohn Streit abzihen sollte / ranten beide auffeinander / dass die Speer in die
Lufft flogen / und doch keiner beschädiget noch im Sattel bewäget ward / dessen
Fabius sich fast schämete. Sie legten zum andern mahle ein / mit gleichem
Aussgange; aber im dritten Satze gingen ihre Pferde beiderseits übern hauffen.
Fabius machte sich bald los / und erinnerte seinen Gegener /welcher Kurzius
genennet ward / er sollte sich auff die Füsse machen / und den Streit verfolgen;
aber er gab zur Antwort: Mein Herr / alles was möglich ist / bin ich euch gerne
zuwillen / aber dieses ist unmöglich; begehrete auch / dass man ihm auffhelffen
möchte / da alsbald erschien das er nur einen Fuss hatte / und das eine unter
Bein ihm biss zur helffte mangelte / welches er im Streit wieder die Parter
verloren hatte; sagte demnach zu Fabius; da sehet ihr mein Gebrechen; ich soll
auf die füsse treten / und habe nur einen; überdas bin ich euch / krafft meiner
Bedingung mehr streitens nicht geständig; begehret ihr aber meiner Dienste
/sintemahl ich vernehme / dass ihr ein Romischer Ritmeister seid / sollet ihr
mich nach eurem Willen und nach meinem Verdienste haben / der ich schon vor acht
Jahren ein UnterRitmeister gewesen bin. Fabius liess ihm solches gefallen / und
gab ihm Bestallung /welches die andern sehend / alle umb Dienste anhielten /
dessen er sich sehr freuete / weil seine ReuterSchaar neulicher zeit durch
feindes überfall sehr geschwächet wahr; liess sie alle seinem Fähnlein schwören /
und unter Kurzius befehl nach dem Lager zihen /da er ihnen ein Monat Sold
vergnuget hatte / und Messala sich verpflichten musste / ihnen 2500 Kronen zu
schaffen / welche Fulvius ihnen hatte versprochen.
    Die unsern kehreten wieder umb mit dem hocherfreueten Frauenzimmer nach des
Statalters Hofe /welcher von Herzen betrübt wahr / dass wegen seiner
unbedachtsamen Zusage Fulvius das Leben einbüssen müssen; erkennete doch Gottes
Versehung / und sagte zu seinem Gemahl: Dieser Römische Herr und erster
Bräutigam unser Tochter ist zum dahin / und hat umb ihret willen / man kehre es
wie man will / unter feindes hand erliegen müssen / da hingegen ich gemeinet wahr
/ ihm mein Kind diesen Abend beizulegen. Jedoch doch will ich gleichwol in diesem
stük meinen freien Willen haben / und ihr noch vor morgen einen /den ich mir
dieses Augenblick in meinem Herzen erkohren / an die hand geben / und ehelich
zuführen /damit ich des Unwesens abkomme / und weitere Unlust verhütet werde;
Ich erinnere euch aber / so lieb euch meine Huld ist / dass ihr mir im geringsten
nicht dawider redet / dann ich will / wie gesagt / durchaus meinen Willen haben.
Sie erschrak zwar dieser Rede auffs heftigste / durffte aber nicht
widersprechen /nur dass sie zur antwort gab: das Fräulein währe seine Tochter /
und würde er nach seiner Weissheit und angebohrnen Güte wohl mit ihr verfahren. Ja
/ sagte er; sie hat ein trotziges halsstarriges Gemüht / wie ich heut zum ersten
mahl erfahren; aber ich werde versuchen / ob das Reiss mir schon entwachsen sei /
dass ichs nicht mehr beugen könne. Der Diener meldete ihm H. Ladisla wiederkunft
an / der auch ungefodert hinauff trat / und nach beschehener Ehrerbietung zu dem
Statalter sagete: Mein Herr / nachdem ich Ehrenhalben anders nicht gekunt / als
dem Schänder Fulvius das Haupt zubieten / die Götter auch der Unschuld sich
angenomen / uñ mir den sieg verlihen; als bitte dienstlich / mich des
ungebührliche Aufflaufs grossgeneigt entschuldiget zu nehme. Mein Herr /
antwortete er / ich habe euren harten Kampf durch ein klares Durchsicht / oben
auf meinem Turm gar eben angesehen; kann wege geschehener Ehrenrettung ihm nichts
verübeln / nur dass mir leid ist / dass Fulvius sich so mutwillig in sein
Verderben gestürzet / an dem gleichwol Rom nicht einen verzagten Ritter
verloren hat. Baht hierauff Herrn Kornelius und Emilius / sie möchten ein halb
stündichen allein zu sein / sich nicht verdriessen lassen / weil Ladisla nach
Herkules ging / und er mit seinen Kindern und Gemahl etwas zu reden hätte / dass
ihm gleich jetzo unter die Hand gefallen währe; ging alsbald mit denselben auf
ein besonderes Gemach / und nam die Tochter also vor: Liebes Kind / du hast
diese beiden Tage sehr grosse Widerwertigkeit und Anfechtung ausstehen müssen /
und solches doch nicht umb Missetaht / sondern um deiner Tugend und Gaben
willen. Gestern haben dich die Räuber in ihren händen gehabt; heut ist der
treflichste Ritter aus Rom / Herr Fulvius deinet / ja bloss deinet wegen
erschlagen. Nun bin ich aber nicht bedacht /solcher gefahr hinfüro mehr gewärtig
zu sein; viel weniger noch / meinen einmal gefasseten Schluss zu endern /
sondern was ich in meinem Herzen geschworen habe / soll und muss diesen Tag
erfüllet werden /nehmlich dass du diesen Abend einem / den ich mir alsbald nach
geendigtem Kampffe ausersehen / ehelich beigeleget werdest; ist dann der
Bräutigam gleich nicht aus Rom / so finden sich auch noch zu Padua gnug-ådle
Herren / die dein wert sind / und ich denselben schon weiss / welcher dir
gefallen soll und muss; hüte dich aber bei straffe meiner Ungnade / dass du mir mit
deiner heutigen Leir nicht wieder aufgezogen kommest / mit welcher du dir selbst
diesen Tanz gefidelt hast / und ich sonst so eilig mit dir zu verfahren nicht
gemeinet war. Hier befand sich das Frl. in den höchsten nöhten / dariñen sie
jemals gewesen war /und kunte vor Herzensprast kein Wort sagen / desswege er also
fort fuhr: jezt will ich in deiner Mutter uñ deines Bruders gegenwart kurzum von
dir wissen / ob du gehorsamen wollest; wo nicht / werde ich schon mein
Vaterrecht mit zu hülffe nehmen. Nicht viel fehlete / ihr wäre vor Angst
geschwunde; sie stund zitternd vor ihm / weil er sie ohn unterlass zur antwort
antrieb / da sie endlich ihren Bruder kläglich ansah /uñ mit einem Wink
zuverstehen gab / er möchte ihre Stelle zur Antwort vertreten; wie er dann von
ihm selber schon des willens wahr. Aber der Vater hies ihn schweigen / und
sagete: Was hastu dich weiter einzumischen / als ich dichs heisse? hat sie
selber nicht Mauls gnug? heut über Tische kunte sie ja den ansehnlichen Herrn
Fulvius trotzig gnug / und mit höhnischen reden über das Maul fahren / dass mich
dessen Geduld gross Wunder nahm; wie ist sie dann nun so sprachloss / da sie ihrem
Vater den schuldigen Gehorsam versprechen soll? Als das Fräulein diesen
hartnäckigen Vorsaz sah / überging sie der kalte Schweiss /setzete sich nieder
auff die Bank / und fiel in tieffe Ohmacht / dass die Mutter sie schon vor Tod
hielt. Aber der Vater risse ihr die Kleider auff / rüttelte sie /und befahl der
Mutter Krafftwasser zu hohlen / welches sie im Augenblick verrichtete / dass also
das Fräulein wieder zu rechte gebracht ward; die aber ihre Mutter baht / sie
möchte doch den angenehmen Tod ihr nicht hindern / weil sie unter keinem
gnädigen Vater mehr Leben könnte. Er aber sagte / was heissestu einen gnädigen
Vater? einen solchen / der dir allen eigenen Willen gönnen / und deine Wolfahrt
nicht betrachten soll? O nein / dass heisset nicht ein gnädiger /sondern ein
unvernünftiger Vater. Oder meinestu /ich habe nicht höchstwichtige Ursachen
dieses meines vornehmens? traue mir / dein Vater bedenket wohl dieses / was dir
nicht eins zu sinne steigen mag; deswegen sihe dieses mein beginnen nicht anders
an / als welches die dringende Noht erfodert und haben will. Ach mein
allerliebster Herr und Vater / antwortete sie / ich will folge leisten / wanns
nur nicht so eilig ist. Ey wanne / sagte er; so wiltu mir gehorche / aber nicht
wanns mir / sondern dir gelegen ist? sehet doch die gehorsame Tochter / von der
alle Paduanische billich ein Beispiel nehmen sollten. Ach ihr Götter / fuhr sie
fort / benehmet meinen H. Vater diesen gefasseten Zorn / oder gebet meiner Seele
den gewünschten Abscheid von ihrem Leibe. Du antwortest mir hiemit auff meine
frage nicht / sagte er; und was gedenkestu mich mit leeren Worten abzuspeisen?
geschwinde und sage mir / wessen du gesonnen seist / und erinnere dich / dass
nicht allein VatersRecht / sondern auch Römischer habender Gewalt dich zwingen
kann. Ach mein Herr und Vater / antwortete sie / ist dañ euer väterliches Herz
nicht zu bewägen / dass mir nur ein einziger Tag Bedenkzeit gegöñet würde? Was
Bedenkzeit / sagte er; nicht ein halb viertel stündichen; dann was hastu nöhtig
dich zu bedenken / ob du mir wollest gehorsam sein? oder hastu etwa einen
Rükhalter ohn meinen Willen erkieset / auff welchen du dich steurest? O der
vergeblichen Gedanken! Aber auch O des elenden Römischen Statalters / der sich
dieser gestalt von seinen eigenen Kindern hintergehen liesse! Nur noch eins /
mein Herr Vater / sagte sie; betrachtet bitte ich ob ihr euer liebes Kind in
einer gezwungenen Ehe werdet können sehen aus verzweifelung dahin sterben. Dahin
sterben? antwortete er; ich will dz du es nit vor eine gezwungene / sondern
gutwillige Ehe haltest. Doch was zanke ich mich lange mit dir? sprich bald ohn
ferner bedenken / ob du gehorsamen wollest oder nicht. Hieraus merkete sie / dass
alle ihre Hoffnung vergebens / uñ ihr die Zuflucht zu Ladisla vor der faust
abgeschnitten wahr; daher erwog sie sich zusterben / und gab diese Antwort: Nun
dann mein Herr Vater / ihr habt euch schon gar zu lange über den Ungehorsam
eurer Tochter beschweret / welches keinem Menschen heftiger als mir selbst
zuherzen geht; will demnach mich dieser beschuldigung entbrechen / und euch eben
den Gehorsam leisten / der keinen höhern zulässet / auch die Götter selbst
keinen grösseren erfinden können; als nehmlich / ich will eures willens geleben /
oder da ich nicht kann / durch willige Todesstraffe der Anklage des ungehorsams
entnomen sein. Recht so / antwortete er; dass will ich auch haben von allen meinen
Kindern / wann ich ihrer gleich tausend hätte / dass sie mir entweder gehorsamen
/ oder den Tod drum leiden sollen; und solches hat mich mein Uhr Anherr T.
Manlius Torquatus schon vor 562 Jahren gelehret. Dann so wenig dieser seinem
Sohn den freien willen zu streiten gönnen wollte / eben so wenig werde ich
zugeben / dass du deines gefallens einen Bråutigam wåhlen / sondern den ich dir
geben werde /annehmen solt / ob er gleich in deinen Augen der
allerverächtlichste sein würde. Jaja mein Herr Vater /sagte sie / ich bin viel
zugeringe / eurem Willen zu widerstreben / wovor auch ohn das die Götter mich
wohl behüten werden; deswegen ordnetes mit mir / wie es euch best dünket. Der
Vater stellete sich / als verstünde er ihre rede nit / und sagte: Warumb
kuntestu mir nicht bald anfangs diese einwilligung in die Heirat geben / dass
ich mich mit dir zuvor überwerffen muss? Ich aber / sagte er zu seinem Gemahl /
geht hin / und machet die Kleider fertig; der Bräutigam wird bald verhanden
sein / und in unser dreien einsamen Gegenwart meiner Tochter verehlichet werden
/ nachdem sie mir nunmehr den gebührlichen Gehorsam verspricht / dass ichs ordnen
möge / wie michs best dünket. Ja Herr Vater / sagte das Fräulein / ich bleibe
beständig dabei / machets nach eurem Gutdünken /ich will mich der zugelassenen
Wahl nicht begeben /sondern weil ich nicht gehorsamen kann / gerne sterben. Ihr
Vater kunte sich dieser Beständigkeit nicht gnug verwundern / meinte gleichwol
noch / sie zu beugen / und sagte: So viel ich höre / gehestu wieder hinter dich
wie der Krebs, und meinst du etwa ein Scherzspiel drauss zu machen? Nein O nein
/ sondern wiltu wählen so wähle; dann ehe eine Stunde vergehet / soltu
verheirahtet / oder kein Mensch mehr sein; alsdann kann ich erst rühmen / dass ich
eine gehorsame Tochter gehabt habe. Die Mutter kunte den Jamer länger nicht
ansehen / begab sich auffs weinen und flehen / und musste auff ernstlichen befehl
ihres Gemahls weg gehen. Er aber kehrete sich nach der Wand / und besah etliche
Schwerter / die daselbst bloss aufgehenket wahren; daher das Fräulein ihr keine
andere Rechnung / als zum gewissen und schleunigen Tode machete / und ihrem
Herzen nichts so wehe taht / als dass sie von ihrem Ladisla nicht eins Abscheid
nehmen sollte. Da nun ihr Vater zu ihr trat / und sie abereins erinnerte / sich
im Augenblick zu bedenken / weil nach einmal geschehener Wahl er die Enderung
schwerlich zulassen würde; setzete sie sich vor ihm auff die Knie / küssete und
netzete ihm die Hände mit Trähnen / dz sie auf die Erde stelen / begriff sich
bald darauf / und fing diese Rede an: Herzallerliebster Herr uñ Vater; die
Götter habe mich unglücklich gemacht / dz ich eures väterlichen begehrens / wie
ich billig sollte /nicht geleben kann; aber dannoch mir diesen Gnadenblik dagegen
verlihen dz ich meinen Ungehorsam mit meinem Blute bussen und bezahlen mag. Ich
erkenne die hohe väterliche Gnade / Liebe und Vorsorge /deren ich Zeit meines
lebens so überflüssig genossen /dass ich derselben weiters nicht wert bin; uñ ob
ich zwar mir gänzlich vorgenommen hatte / nimmermehr ichtwas wieder meines Herrn
Vaters Willen zu wollen oder wågern / so hat doch der kleinste Gott von allen
mich davon abgeleitet / welches ich / viel einen grössern zu können / nicht
getrauete. Ich erkenne meine Schuld / mein Herr Vater / und ist mir / sage ich
nochmahl / Lieb / dass sie kann gebüsst werden; bedanke mich (eure Gütigkeit
nicht länger zumissbrauchen) der mir bisher erzeigeten Liebe und Hulde /wünsche
meinen Eltern langes Leben / beständige Gesundheit und immerwehrendes wohl
ergehen / insonderheit / dass die Götter ihnen eine gehorsamere Tochter an meines
lieben Bruders künftigem Gemahl geben mögen / als ich leider nicht sein kann;
bitte /meinen Erettern; O ja meinem höchstverdienten Ladisla / den lezten Gruss
meiner unbrüchigen Gewogenheit und Träue anzumelden / welches mein Bruder mir
nicht abschlagen wird / und wähle mir hiemit einen schleunigen Tod / aber von
dessen Händen / der mir das Leben gegeben hat. Hierauff rieff sie den Himmel an
/ er möchte ihrer Seele die Gesellschaft der seligen nicht missgönnen. Der Vater
lies sie gar aussreden /und sagte hernach: So wählestu dir den Tod? hastu dann
etwa verredet / ehelich zu werden? dieses nicht Herr Vater / antwortete sie. Wie
kanstu dann / fragete er / dir den Tod schlechter Dinge wählen / ehe und bevor
du vernimst / welchen ich dir ausersehen habe; jedoch / damit ich weder dich
noch mich länger auffhalte / sondern die Volstreckung / wie ich geschworen
ehistes leiste / will ich dir den Bräutigam zuvor nahmhaft machen / dem du
diesen Abend hättest sollen beigelegt werden / wie wohl ich anfangs nicht bedacht
wahr / dir ihn wissen zu lassen / welcher gleichwol /so bald du wegen deines
Ungehorsams abgetahn bist /den gebührlichen Brautschaz / und nach meinem Tode
die helffte aller meiner Güter heben soll; diese nun /gib acht / ist eben der /
welcher gestern und heut deiner ehren verfechter gewesen / Herr Ladisla; trat
hiemit nach der Wand nam ein Schwert in die Hand /und stellete sich / als wollte
er ohn Wortsprechen ihr das Häupt herunter schlagen. Das Fräulein / ihres Vaters
letzten Worte hörend / fiel vor freuden in Ohmacht / und lag gestrekt auff ihrem
Angesicht. Der Sohn trat zwischen den Vater und die Schwester / und sagete: Herr
Vater / ist euch mit meiner Schwester Blute dann so wohl gedienet / wann es durch
eure selbst eigene Hand auff die Erde geschüttet wird / so vermischet das meine
mit dem ihren / ob eure Vergnügung hiedurch könnte vermehret werden; dann ich
verschwöre dessen Vaters lebendiger Sohn länger zu sein / der eine so gehorsame
Tochter tödten will / und mir viel ungehorsamern das Leben lässet; ists aber
möglich / dass meine kindliche Bitte mag angenommen werden / so verzetet doch
mir und ihr diesen fehler / dessen ursach ich die blosse Unwissenheit halte /
weil ich nicht zweifele / sie werde nunmehr sich dem schuldigen Gehorsam nit
entbrechen. Der Vater legte das Schwert von sich / und sagete: So merke ich wohl
/ dass du umb ihre Heimligkeit mit weissest / und hast mir solches verschweigen
können? Herr Vater / antwortete er; ich beruffe mich auch die Götter / dass ich
ausser ungewisser Muhtmassung nicht das allergeringste habe / wie vielleicht
mein Herr Vater auch nicht / daher ich wohl entschuldiget sein werde. Das
Fräulein lag noch in tieffer Ohmacht / aber ihr Bruder rüttelte sie / dass sie
wieder Lufft bekam / richtete sich gemehlich auff / und stritte Schahm und
freude dergestalt in ihrem Herzen / dass ihr Wiz und Vernunft / ja alle Gedanken
stehen blieben; endlich / da der Bruder sie der Dankbarkeit erinnerte / fiel sie
dem Vater mit unzåhligen Küssen und Trähnen umb den Hals / und fing also an: O
mein herzgeliebter Herr und Vater / jezt komme ich zur Erkenntnis / wie hoch ich
mich versündiget / indem ohn euer Vorwissen ich mir einen zum Bräutigam belieben
lassen; ich schwöre aber bei den himlischen Göttern / dass weder Vermässenheit
noch leichtfertige Bewägungen / sondern bloss die vermeinte Schuld der
Dankbarkeit mich darzu verleitet hat / und zwar zu keiner weiteren Verheissung /
als biss auff das väterliche bewilligen; auff welche Verwegerung zwar Herrn
Ladisla zu meiden / aber auch keinen andern nimermehr auzunehmen / ich mich bei
der Götter Ungnade verlobet habe; Dieses ist meine begangene Sünde /die hernähst
mit allem kindlichen Gehorsam zu ersetzen / mich befleissigen will. Ich könnte
zwar Herrn Ladislaen überaus heftiges anhalten / und meine Unwissenheit / schon
verlobet zu sein / zu meiner Entschuldigung anführen / wann ich mich nicht ganz
gerne vor allerdinge schuldig angeben wollte. Ich verzeihe dir dein Verbrechen /
sagte der Vater / und bekräfftige dein Versprechen / doch dass du zuvor hingehest
/ und dich bei H. Ladisla selbst seines eigentliche Standes und Wesens
erkündigest / damit ich wisse / wovor ich ihn halten soll / und ob er vor der
Heirat Käyserlicher Gnade bedürffe; aber mit dieser ernstlichen Verwarung / dass
wo du ihm auch nur den allergeringsten Wink dieser meiner Einwilligung geben
wirst / ehe ich dichs heisse / du bei mir verfluchet / und von aller meiner
Hulde verbannet sein sollest; will auch alles wiederruffen / uñ dich als eine
mutwillige ungehorsame zu straffen wissen. Das Fräulein lobete beständig an /
alles nach seinem Willen zu verrichten / liess Ladisla von der Gesellschaft
fodern / unter dem schein / als wollte der Vater selbst ihn sprechen; Als er nun
kam / und sie mit ihm gar allein wahr / sagte sie zu ihm: Mein Herr und wahrer
Freund / mir zweifelt nicht / seine mir hochbeteurete Liebe stehe auf
unwankelbahren füssen / und habe er das vertrauen zu mir / ob ich eine
verborgene frage /aus höchstzwingender noht an ihn würde abgehen lassen / die
ihm (welches ich äidlich angelobe) nit soll schädlich sein / er werde solches von
mir nicht ungleich auffnehmen. Er durch Liebe bezwungen willigte ihr alles ein;
Und fuhr sie weiter also fort: So ist nun meine herzliche Bitte / mir in
Vertrauen zu sagen / wer / und aus was Landschaft er eigentlich entsprossen sei;
sonst ist unmöglich / dass ich euer Liebe trauen / oder auff geschehene Zusage
mich verlassen kann. Nun hatte er mit Herkules schon abgeredet wie weit er sich
heraus lassen sollte; wunderte sich aber nicht wenig des ernstlichen
nachforschens / und gab zur Antwort: Sie wüste ja / dass sie sein Herz und Seele
in ihrer Gewalt zu ihrem Willen hätte / deswegen wollte er ihr / als seiner
Vertraueten diese Heimligkeit gerne offenbahren / wie auch zum teil schon
geschehen / dafern sie nur solches verschwiegen halten könnte. Was zweifelt mein
Schaz an meiner träue / sagte sie / meint  er / ich werde ursach seiner
Ungelegenheit sein wollen? doch nehme ich dieses aus / wann mein Herr Vater von
euch dereins wegen meiner Heirat bespreche werden sollte / meint  er alsdann /
demselben dieses zu verbergen / und gleichwol seinen Willen zuerhalten? Nein /
sagte er / auff solchen fall werde ich mich ihm eben so kund geben / wie ich
anjezt meinem höchstgeliebeten Fräulein in reiner Warheit zu wissen tuhe / dass
mein Herr Vater vor neun Monat ohngefehr / todes verblichen / der ein
herschender König in Böhmen wahr / uñ hat durch diesen seinen Todes fall mir
seinem einigen Sohn das ganze Reich verlassen / welches ich meiner Fr. Mutter /
Herkules Vaters Schwester biss auff meine Wiederkunft zu geträuen Händen
befohlen; Ja mein Schaz / ich habe unter dem Nahmen Winnibald in Römischen
Käyserl. Diensten mich in die andertalb Jahr zu Felde gegen die Pannonier
gebrauchen lassen / und durch Niederlegung eines Pannonischen Kämpfers verdienet
/ dass man mir das Römische BürgerRecht angebohten. Sonst habe ich eine einzige
Schwester von ohngefehr XV Jahren / mit welcher mein Schaz dereins
Schwesterliche Liebe wohl wird halten können. Das Fräulein bedankete sich
herzlich / und zum Zeichen ihrer Vergnügung küssete sie ihn etliche mahl /
dessen er sich in hoher Belüstigung verwunderte / massen sie noch nie in der
Einsamkeit sich gegen ihn dergestalt bezeiget hatte. Nachgehends fragete sie /
wie es mit seiner Wunde beschaffen währe; und da sie vernam / dass er selbst
köstliche Salbe mit von Rom gebracht / uñ sie damit verbunden / auch keine
Schmerzen noch einige Hindernis daher empfünde / baht sie umb Verzeihung ihres
nöhtigen Abscheidens / und brachte ihrem Vater die Antwort; welcher zu ihr
sagte: Nun den Göttern sei Dank / dass du dergestalt versorget bist / wiewol ich
lieber sehen möchte / dass er eines Königes Bruder / als ein herschender König
währe. Befahl hierauff /dass Mutter / Sohn und Tochter auff ein Gemach gehen /
und was sie auch vernehmen würden / von dannen nit weichen sollten / biss er sie
würde fodern lassen; dem sie auch gehorsamlich nachkahme. Er verfügete sich
darauf nach einem andern / von diesem weit abgelegene Zimer / in welchem nichts
als die vier Wände / und oben in der Höhe / kleine vergitterte Fenster zu sehen
wahren. Auff dieses lies er Ladisla zu sich fodern / welcher willig erschien /
fand den Statalter in tieffen Gedanken gehen / und in der Hand zwei grosse
Schreiben halten mit dem Käyserlichen Pitschaft. Auff seine Befragung / was der
Herr Statalter so tieff nachsinnete / bekam er zur Antwort: Es währen ihm von
seinem allergnådigsten Käyser Alexander / etliche Schreiben / unterschiedliches
Inhalts zukommen / welches er teils gerne / teils mit höchster Wiederwertigkeit
verrichtete / weil er fürchtete / es möchte grosse Unruhe verursachen. O mein
Herr / taht er hinzu / es ist höchlich zubeklagen / dass mein allergnädigster
Käyser nicht nach seinem Willen schaffen darff / sondern offtmahl sich von
andern gezwungen muss beherschen und nötigen lassen. Er hatte diese Worte kaum
geredet / da erhub sich ein grosses Getümmel auff der Gassen / und im Plaze des
Hoffes / auch zugleich ein Geschrei; es hielten sich Römische Feinde in der Stat
auff / welche gegriffen / und nach Rom zu gebührlicher Straffe sollten
hingeführet werden. Sie höreten dieses eigendlich / aber der Statalter nam sich
dessen gar nicht an / sondern baht Ladisla umb verzeihung wegen eines geringen
Abtrittes /dass er vernehmen möchte / aus was Ursachen sie bei ihrem Vorhaben so
unbendig schriehen; ging hiemit von ihm / und zog die eiserne Tür nach sich zu.
Nun hörete Ladisla das Geruffe sich stets vermehren / auch endlich einen mit
harter Stimme sagen; suchet fleissig ihr redlichen Soldaten / dass wir den andern
Schelmen und verrähterischen Bösewicht auch sahen mögen; der eine ist schon auff
dem Bette in seiner ertichteten Krankheit ergriffen / und soll sein Geselle
allhie vor einer Viertelstunde auch gesehen sein / daher er ohn zweifel dieses
Orts sich muss verborgen halten. Hierüber erschrak er so heftig / dass ihm das
Geblüt zum Herzen lieff: Römische Feinde? sagte er bei sich selbst; Römische
Feinde? und derselben zween? vielleicht bin ich und Herkules verrahten / dass man
uns wegen der Verstellung vor Feinde oder Kundschafter hält; ja vielleicht ist
mein Herkules wohl schon gefangen. Lieff hiemit zur Tür / zu sehen / wie es
seinem Freunde ginge; aber er fand dieselbe so fest versperret / dass ihm
unmöglich wahr / sie zu öffnen. Jezt gedachte er / der Statalter hätte ihn in
diese Gefängnis gelocket / dass er ihn den Aussspehern lieffern möchte /und fiel
ihm ein / wie beschweret er sich befunden /dem Käyserl. Befehl nachzukommen.
Bald hörete er einen zum andern mahl ruffen; und dauchte ihn des Statalters
Stimme sein; man sollte nur fleissig suchen / alsdann würde sich der Verrähter
schon finden / weil sein Geselle selbst Anzeige getahn / dass er noch auff dem
Hofe sein müste. Hierauff schlug er allen Zweifel aus / und machete ihm die
unfehlbare Rechnung /er und kein ander würde gesuchet; und wie er etwas
jachzornig wahr / lieff er voll Galle / und fieng an sein Unglück zu verfluchen;
durffte auch die Gedanken fassen / ob jhm etwa durch Fräulein Sophien
nachgestellet würde / und sie zu seinem Unglück mit listigen Worten seinen
Zustand aussgeforschet hätte. O ich Unglückseliger sagte er / nun muss ich
entwender mein Leben verlieren / oder den Römern mein Königreich zinssbar machen
/ wo nicht gar in die Hände liefern; doch will ich lieber sterben / als mein
liebes Vaterland verrahten / oder dessen Freiheit übergeben. Aber rühme dich nun
/ Ladisla / du habest zu Padua Heirat gesucht / und dein Leben drüber
zugesetzet. O Fräulein Sophia / ist dieses die Liebe und Träue / welche ihr mir
versprochen? Ist diss der Lohn / dass ich euret wegen mein Leben so liderlich
geschätzet / und zu euer Rettung gewaget? doch ergehe mirs nach der Götter
Schluss; Dieselben erhalten nur meinen lieben Herkules / der wird mich schon
rächen / und nicht unterlassen / mein Reich zu schützen / auch wann er seines
wieder erlanget hat / den Römern ein solches Blutbad anrichten / dass mein Tod
ihnen teuer stehen soll / wo sie nicht gar drüber zu grunde gehen müssen. Nun dann
mein Herkules / so bewahre dich dein GOTT / und lasse diss Ungewitter über mich
allein ergehen. Aber was rede ich? habe ich doch mit meinen Ohren angehöret dass
man dich gefangen / und wie sie meinen / in ertichteter Krankheit angetroffen
hat. O was gedenkestu / wo ich stecken möge? dass ich dich in deiner äussersten
Noht verlasse? und wie wird dein unüberwindliches Herz diese Schmach immermehr
erdulden können? dass du von den Schergen dich must schleppen und stossen lassen.
Ich fürchte / ja ich fürchte / deine Grossfürstliche Seele habe den allerädlesten
Leib schon verlassen / und solches vor grossem Unmuht. Nun mein Herkules /
Geduld / Geduld! bistu dahin / so will ich dir bald folgen / es sei dann / dass
ich mein Leben / dich zu rächen fristen könne; alsdann will ich diese Stadt
schleiffen / und ein Erbfeind des Römischen Nahmens leben und sterben; ja ich
will alle meine Nachbarn umb mich her / samt den Nordischen Reichen auffwiegeln /
und ganz Italien als eine fluht überschwemmen / biss dein unschazbares Blut durch
ganze Blutströme geroche sei. Es rief aber zum dritten mahle einer im Platze /
an der Stimme Herrn Kornelius nicht ungleich: Habt ihr dann den Bösewicht noch
nie ertappet? Er liegt ohn zweifel dieses Orts verborgen; so bemühet euch nun /
dass wir sein mächtig werden / alsdann soll es jhm ergehen gleich wie seinem
schelmichten Gesellen. Ey sagte er hierauff; so gnade dir dein Gott / liebe
Seele / du unvergleichlicher Held in Verstand und Tugend; aber pfui mich / dass
ich mein Schwert von der seite gegürtet habe; könnte dann dieser Buben ich mich
nicht länger erwehren / so hätte ich ja zum wenigsten / damit ich mich selbst
entleiben / und dieser Schmach entgehen könnte / dass ich dir / O mein geträuester
Freund und Bruder im Tode Gesellschaft leistete / weil das feindselige Glük uns
diese Lufft länger nicht gönnen will. Aber O ihr unsinnigen Römer / ist das euer
hochberuhmter Verstand / dass jhr dieselben alsbald wegen ihres Herkommens vor
Feinde haltet / die euch nie kein Leid getahn / sondern alles gutes gewünschet
haben? Hier hörete er endlich die Trommete blasen /und alles Volk verlauffen /
welches jhn wunder nahm.
    Nun wahr der Statalter allemahl haussen vor der Tühr stehen blieben / und
hatte seine Reden venommen / wornach ihn nur einig verlangete; als er aber
hörete / dass er mit wütigen Gedanken umbging / und der Verzweifelung nicht ferne
wahr / fiel ihm ein / er möchte in Mangel des Schwerts etwa mit dem Kopffe wider
die eiserne Tühr lauffen / oder das Brodmesser hervor suchen / sich zuentleiben;
öfnete deswegen die Tühr gar sanftmühtig / nam sich durchaus keines dinges an /
sondern trat mit gewöhnlichen Geberden zu jhm hinein / und sagte: Verzeihet mir.
Ladisla aber fiel ihm alsbald in die Rede / sah ihn mit überaus gresslichen
Augen an / und sagte: Was verzeihen; saget mir Herr Statalter / wie es meinem
Bruder Herkules gehe / und gedenket nicht / dass ich seinen Schimpf lebendig
werde ungerochen lassen. Ey wie so mein Herr / anwortete er gar sanftmühtig; es
geht ja dem frommen Helden nicht anders als wohl / ohn was die empfangene Wunde
betrifft. Was vor Wunde / fragete er; wer hat dañ das unschuldige Herz
verwundet? Mein Herr begreiffe sich / antwortete der Statalter /es ist ja Herr
Herkules wegen gestriger Wunde etwas schwach. Wie? sagte dieser; träumet mir
dann / oder ist mir das Gehirn verrükt? Ich meine ja nicht anders / es haben
sich etliche hören lassen / wie sie ihn auff dem Bette in ertichteter Krankheit
ergriffen. Da begunte nun der Statalter sich überaus leidig anzustellen / und
antwortete: O mein lieber Herr und Freund /es ist mir sehr leid / dz durch die
unvorsichtige Tühr versperrung ich ihm so ungenehme Gedanken erwecket habe. Aber
dieser stund annoch im zweifel / lieff nach der Tühr / und kuckete hinaus / ob
einige Verräterei verhanden währe; und wie stille er gleich alles sah / lag
ihm doch die Einbildung so stark im Gehirn / dass er sagete: Mein Herr / wie
unschuldig ich mich gleich aller Untaht weiss / kann ich mich doch nicht wohl
bereden / dass ich weit irre / es werde mir dann angezeiget was vor ein Getümmel
unten im Hofe gewesen / und was vor verstekte man gesuchet. O mein werter Herr /
antwortete er / ists wohl möglich /dass er daher einige widrige Gedanken schöpffen
mögen? so muss ich mich selbst anklagen / dass durch meine Unvorsichtigkeit er
darzu veranlasst ist. Er weiss / dass ich zweier Käyserl. Schreiben gedacht
/deren wichtigstes eine ungewöhnliche durchgehende Schatzung fodert / welche /
wie ich fürchte / grosse Unruhe verursachen wird. Das andere betrifft das jezt
ergangene / und werde ich befehlichet / fleissige Nachsuchung auff dem Lande und
in den Städten zu tuhn / ob nicht etliche Auffrührer von der Besatzung zu Rom /
welche aussgerissen / sich hieherumb auffhalten möchten / auff dieselben sollte
ich ein gewisses Geld schlagen / und wann sie ergriffen würden / lebendig gen
Rom liefern lassen. Als solches durch den Schreiher kund worden / hat man
alsbald einen Feldwebel und Fähndrich aussgespüret / die zwar angepacket / aber
bald wieder aussgerissen / und sich auff meinem Hofe verstecket hatten / find
doch / einer im Pferdestalle auff meines Reit Knechts Bette / der ander gleich
hierunter im Waschhause wieder ergiffen worden.
    Ladisla erhohlete sich hierauff / stund als währe er vom Schlaffe erwachet /
und wollte das Misstrauen noch nicht allerdinge weichen / sondern hielt an / dz
ihm möchte vergönnet sein / nach seinem lieben Herkules zu gehen. Je warum nicht
/ sagte der Statalter /nur allein bitte ich / mein Herr wolle ihm ja nichts
widriges von mir einbilden / oder meine Träue in Zweifel zihen. Davor behüten
mich die Götter / antwortete er / dz solche Gedanke meinen Siñ einnehmen sollten;
aber ich bin die zeit meines Lebens in so grosser Angst nicht gewesen / als
diese halbe Stunde / und ist mein bestes / dass ich kein Schwert bei mir gehabt /
ich hätte sonst vielleicht / Schimpf zu meiden / mir das Leben abgekurzet / da
ich ruffen hörete / der eine währe schon gefangen / und nach Verdienst
zugerichtet / und hielte sich der ander auch dieses Orts auff. Ob nun wohl ich
mir durchaus nichts böses bewust bin / dessen ich meinem eigenen Gewissen
Zeugnis abfodere / ist doch die Verräterei und Hinterlist so gross /dass man der
Welt nicht trauen darff; und machte ich mir die Gedanken / ob nicht etwa Fulvius
Freunde solchen Lerm erwecketen / und durch unbillige Rache mein Verderbe
sucheten; welches unter falschem scheine / dass ich ein fremder bin / sie leicht
hätten zu werk richten mögen. Als der Statalter dieses hörete /liess er sein
betrübtes Angesicht sehen / uñ sagte: Es möchte eine blosse Unvorsichtigkeit
niemahls so grossen schrecken erwecket haben / als aniezt leider geschehen währe
/ welchen aber durch ein angenehmers zuersetzen er ihm wollte lassen angelegen
sein. Führete ihn auch mit sich über den Platz nach einem köstlichen Gemache / da
ihm Herkules Leibknabe begegnete / und von demselben seiner übrigen Sorge
gänzlich entlediget ward.
    Inzwischen hatte die Mutter ihre Tochter als eine Fürstl. Braut aussgeputzet
/ da sie wie ein gemahletes Bildichen glänzete. Ihr langes gelbes Haar hing ihr
auff dem Rücken nieder; oben auff dem Häupte hatte sie einen grünen Kranz mit
schönen Blumen und köstlichen Kleinoten durchsetzet; jhr Oberkleid wahr ein
schneweisses Silberstük / mit eingewirketen Blumen; der Unterrok ein Tyrischer
Purpur mit einer Perlenschweiff / und forne herab mit vierdoppelter Reihen
Demanten verbremet; aber dz scheinbahreste an ihr wahren die verliebeten
Aügelein / welche die übermachte herzens Freude dañoch so völlig nit entwerffen
kunten / wie sehr auch die lebhafte Farbe des nach wunsch gebildeten zarten
Angesichts sich bemühete / ihnen die hülffliche Hand zu bieten. In beiden Ohren
hatte sie zwo Perlen hangen als eine grosse Haselnus / die auff 6000 Kronen
geschätzet wurden. Ihr Halssketchen wahr von eingefasseten Demanten fünffdoppelt
umb den Hals / und hing zu unterst dran recht zwischen ihren Brüsten ein Kleinot
in Gestalt des kleinen Liebegottes / grosses werds. Auff dem Daumen trug sie
einen grossen güldenen Ring mit einem Demant / der seiner grösse und reinigkeit
wegen hoch geschätzet wahr / mit welchem sie ihrem liebsten sollte vermählet
werden. Der Statalter wahr kaum mit Ladisla auff das zierliche Gemach getreten
/da kam ein kleines Mägdelein / und zeigete an / man wartete auff nichts / als
auff seinen Befehl; da er alsbald Ladisla also anredete: Mein hochgeliebter Herr
und Freund; billig müste ich von den Göttern gehasset / und von allen redlichen
Menschen geschändet werden / wann ich unbemühet bliebe / etwa eine Gelegenheit
zu ergreiffen / wodurch die treflichen Dienste / unter Lebensgefahr mir und den
meinen erzeiget / in etwas erkennet würden. Nun weiss ich schon vorhin wohl / dass
mein Geld und Gut / ob ich dessen gleich /den Göttern sei Dank / zur zeitlichen
Notturfft übrig habe / der Gültigkeit eurer Woltahten die Wage nicht halten kann;
ja von meinen Herren uñ Freunden nicht eins will angenommen werden / wie
insonderheit sein Freund Herr Herkules sich dessen am meisten wegert; so habe
ich doch unter andern ein mir sehr beliebtes /bisher wohl verwahrtes / und meinem
bedünken nach /zimlichen werdes Kleinot / welches ich vielleicht aus
sonderlicher Neigung höher als ein ander schätzen mag; Dieses meinem Herrn / als
der insonderheit sich meiner Tochter angenommen / einzuliefern / habe ich mir
gänzlich vorgesetzet der Hoffnung gelebend / er werde mir solches nicht / wie
das gestrige / verächtlich aussschlagen / sondern von meiner Hand unwegerlich
annehmen. Ladisla antwortete ihm: Mein hochwerter Herr; ich bitte sehr / meine
geringschätzigen Dienste nicht so gar über ihre Wirdigkeit zu erheben / als die
gestriges Tages mit wenigen Schwertschlägen verrichtet sind / und mein Freund
Herkules mehr als ich dabei geleistet hat. Wie sollte dann mit gutem Gewissen /
uñ Verletzung meines Ritterstandes ich davor so hohe Belohnung annehmen / und
ein so liebes hochwertes Kleinot ihm abhändig machen können? gnug ist mirs / und
über gnug / dass ich die Ehre gehabt / den unschuldigen hochbetrübten Fräulein in
ihrer gefahr beizuspringen / als durch welches mittel ich in meines Herrn
kundschaft gerahten bin. Dafern nun mein Herr einigen guten willen zu mir tråget
/bitte ich von herze / mich mit weiterer nöhtigung / das Kleinot anzunehmen /
günstig zuverschonen. Nun mein Herr / sagte der Statalter / so schlaget ihr mir
auch dieses mein Erbieten vor der Faust rein abe? wohl dañ / so muss ich gleichwol
versuchen / ob meiner Tochter hände geschikter uñ glückseliger sind / euch
solches beizubringen. Ladisla wollte nochmahls umb verzeihung seines wegerns
anhalten; aber das Fräulein trat gleich zur Tühr hinein / welche diesen Weg mit
so erschrockenem Herzen ging / als sollte sie einem ganz unbekanten zugeführet
werden / dass sie schier nicht wusste / ob sie gehen oder verzihen sollte; endlich
straffete sie sich selbst / dass sie Ursach der Verzögerung ihrer Vergnügung
währe / machte sich mit geraden Füssen fort / und trat nach ihres Vaters
Anordnung ein kleines Mägdlein mit einem kleinen vergüldeten Schrein hinter ihr
her. Es schwebeten aber so viel und mannicherlei Gedanken in ihrem Gehirn umbher
/ dass sie als eine trunckene wankete / und mit dem Fusse / da sie ins Gemach
trat / wieder die Unterschwelle sties / dass der Kranz auff ihrem Häupte los ward
/ und sie denselben herunter nehmen / und in der Hand tragen musste. Ihr Vater
aber stellete das kleine Mägdlein ihr an die Seite / und redete sie also an:
Geliebtes Kind; die Vergeltung / so ich Herren Ladisla heut / wie du weist / vor
seine hohe Dienste zugedacht habe / kann ich ihn nicht bereden / dass ers annehme
/wie fleissig ich auch bei ihm anhalte / und mich dessen doch nicht würde
unterstanden haben / wann du mich nicht viel eines andern berichtet hättest. Sie
aber ward dieser Rede schamroht / und lächelte / in Meinung / ihr H. Vater wollte
sie noch weiter auffzihen /daher sie nichts antwortete. Ladisla wahr sehr
betrübet / dass er so hart genöhtiget ward / hätte auch schier Eingewilliget / in
Betrachtung / dass er das Geschenke in andere wege mit gleichem Werd ersetzen
könnte; aber Herkules Widerwille / und der übelstand fiel ihm zu stark ein / dass
jhm unmüglich wahr / sich zu erklären / uñ ja so stille als das Fräulein
schwieg; die jhn mit höchster Verwunderung ansah / und nit wusste /wessen sie
sich verhalten sollte; endlich aber antwortete sie ihrem Vater also: Solte Herrn
Ladisla sein stille schweigen oder Verwegerung ungetichtet sein / als dann würde
ich mich in die Welt nicht zuschicken wissen / sondern hätte ursach / mich
dessen zubeschweren. Durch diese Hefftigkeit ward Ladisla bewogen in des
Statalters Begehren einzuwilligen; welches derselbe merkend / ihm mit dieser
Rede zuvorkam. Nun wolan Herr Ladisla / es haben gewisslich ihrer wenig sich zu
rühmen / dass ich ihnen gegenwärtiges mein liebstes Kleinot angebohten; weil er
mir aber solches lieber / als ihm selber gönnet / will ich ihn weiters nicht
bemühen / sondern es einem andern vorbehalten / und doch auff andere Mittel
bedacht sein / ihm seine Freundschaft und Dienste zuvergelten; aber dein
wundere ich mich / sagte er zu der Tochter / dass du mich viel eines andern
berichtet hast. Wem wahr lieber als Ladisla / dass er wieder seinen Willen nichts
nehmen sollte? er fing an sich zu bedanken / dass er der Anmuhtung mit gutem
Willen überhoben währe / heffete auch / sein hochgewogenes Fräulein / welche
vielleicht seine Gedanken nicht recht möchte gefasset haben / würde ihm solches
zum ärgesten nicht aussdeuten / weil er sich einer so teuren Vergeltung unwirdig
schätzete / er auch seine Dienste nicht in solchem Vorsatze angewendet hätte;
und währe ihm lieb dass dieselbe einem wirdigern vorbehalten würde / er hätte an
der blossen Gutwilligkeit und angebohtenen Ehre übrig gnug; jedoch / wann er die
Kühnheit brauchen dürffte; wollte er umb die freie Wahl eines Geschenks bitten /
da es sonst zugleich mit der Fräulein Willen geschehen könnte. Der Statalter
hätte der Antwort gerne gelachet / da er seiner Tochter braungefårbeten Eyfer
sah / der sich bald in eine bleiche verenderte / und sie ihn schon von der
Seiten sehr saursichtig anblickete / ihr gänzlich einbildend / Er würde wegen
dass ihr Vater sie ihm angebohten / wiedrige Gedanken jhrer Ehren und guten
Leumuts geschöpffet / und des Kauffs Reue bekommen haben. Ladisla harrete
inzwischen auff des Statalters Einwilligung wegen seines anmuhtens / welcher zu
ihm sagete; Mein Herr / er weiss ja ohn dass /welche Freiheit ich ihm zugestellet
/ nach seinem Willen zu fodern und zubegehren; daher mir nichts liebers sein kann
/ als wañ er sich dessen kühnlich gebrauchen würde; weil ich aber befürchten muss
/ dass er umb ein so geringes anhalten möchte / welches ohn meine Beschimpffung
den nahmen eines Geschenks nicht haben könnte / wird er mir verzeihen / dass ich
biss auff dass ergangene Anheischen / die Einwilligung auffschiebe. Ich will nicht
hoffen / antwortete er / dass ich meinem Herren zuwieder etwas wählen werde
/sondern meine Bitte reichet nur biss an dass köstliche Krånzlein / welches mein
Fräulein auff ihrer Hand träget / und ich auff Einwilligung vor eine mehr als
überflüssige Belohnung meiner geringfügigen Dienste rechnen würde; trat hiemit
zu ihr hin / in hoffnung /den Kranz ohn Wegerung von ihr zu empfangen. Aber er
ward hesslich betrogen; massen sie auff seine näherung zu rük trat / und mit
verächtlicher Rede sagete: O nein ihr falscher Ladisla / ist es euch so ein
geringes / Götter und Menschen zu täuschen und eine Kunst / ein einfältiges
Fräulein auffzuzihen / werdet ihr trauen von mir unwirdig geschätzet / die
geringste Blume / ich geschweige diesen Kranz zuerhalten. Der arme Ladisla
erschrak über ihren unfreundlichen Anblicken und sauerer Rede so hart / dass ihm
unmöglich wahr / ein wörtlein vorzubringen / oder einen Fuss aus der Stelle
zusetzen endlich fing er an: Nun nun mein Fräulein / hat euer gehorsamster
Knecht / welches er doch nicht weiss / sich an euch versündiget / so nehmet / zur
bezeugung seiner Unschuld diese letzte entschuldigung von ihm an. Er wollte
weiter reden / aber die Zunge versagete dem Willen weitern Gehorsam /und suchte
die Ohmacht das übrige zu volstrecken; welches der Statalter ersehend / ihn bei
dem Arme schüttelte / und zu ihm sagte: Nicht also mein geliebter Herr / nicht
meiner Tochter Kranz / sondern wer denselben / weil es ihr Brautkranz ist / von
ihr begehret / muss sie darzu nehmen; und zwar diese meine liebste einige Tochter
ist eben das Kleinot und Geschenk / welches ich ihm zu lieffern willens bin /
und er mir solches / ohn zweifel aus Irtuhm und Unwissenheit aussschläget / und
nichts mehr als diesen elenden Kranz an ihre Stat fodert. Dieses nun brachte ihm
eine so gelinge Verenderung / dass er vor freuden sein selbst vergass. O mein
hochgeneigter Herr und Vater /sagte er; ich verfluche meiner Jugend Tohrheit /
in dem ich unbedachtsamer Weise mich eines dinges wegere / dass mir lieber als
meine Seele ist; küssete ihm die Hände aus grosser Liebe / und fuhr also fort;
Ich hätte nimmermehr gedacht / dass so grosse Hulde euer Vaterherz eingenommen /
die dieses volkommene Frl. mir zur Vergeltung würde folgen lassen; sonsten müste
ich schandwirdig sein / wann ich mich hierzu sollte lassen bitten / warumb ich so
inständige Ansuchung getahn; Es ist aber meine Vergnügung viel grösser / als dass
ich sie mit Worten oder Geberden sollte können an den Tag geben / daher mein Herr
und Vater keiner andern Danksagung gewärtig sein wolle / als welche in steter
Bereitwilligkeit stehet /dessen Gebohten und Befehlen Tag und Nacht zugehorsame
/ als lange meine Seele in mir wird rege sein. Geliebter Herr und Sohn /
antwortete er; mein Wort ist gesprochen / weil ich in heimliche Erfahrung /nicht
ohn sonderbahre Herzensfreude kommen bin /dass mit dieser Vergeltung ich euch den
angenehmsten Willen erzeigen wurde / wie ihr dessen nicht allein wirdig seid /
sondern ich auch erkennen muss / dass jhr sie gedoppelt mit dem Schwerte gewonnen
/ jhre Ehre und Leben gerettet / und durch eure herrliche Tugend sie euch
verbunden gemacht; daher mirs billich zum höchsten Unglimpf müste aussgeleget
werden / wann ich sie seinem Willen eine Stunde vorentielte; Ist demnach mein
ganzer Vorsaz / dass sie diesen Abend meinem Herrn Sohn ehelich vertrauet und
beigelegt werde / welches die Götter mir zur freude auf meinen Geburstag also
schicken; und kann das HochzeitFest nach seinem belieben erstes Tages folgen / so
bald Herr Herkules völlig wird genesen sein. Da ging nun Ladisla verliebte Seele
in vollen sprüngen / als er hörete / dass er seiner Liebe den freien Zaum dürffte
schiessen lassen.
    Das Fräulein hatte sehr ungleiche Gedanken von ihm geschöpffet / vernam aber
nunmehr den Irtuhm /und hermete sich überaus sehr / wegen der aussgestossenen
Reden / dass sie weder jhren Vater noch Liebsten ansehen durffte. So hatte auch
Ladisla das Herz nicht / zu ihr hinzutreten / biss der Vater zu ihm sagete: Ich
weiss nicht / Herr Sohn / warumb er anjetzo weniger / als vorhin sich zu meiner
Tochter nahet / da sie doch schon seine ist? Worauff er antwortete: Seine Liebe
währe zwar im höchsten Gipfel / aber die Glükseligkeit so gross / dass sie von
seinen Gedanken nicht könnte abgefasset werden. Ey / sagte der Vater / so will ich
durch meinen Abtrit euch Raum geben / eure Gedanken recht zu samlen. Du aber /
sagte er zu der Tochter / schicke dich auff eine gebührliche Abbitte /deiner
begangenen Grobheit; ging also davon / und liess H. Kornelius und H. Emilius mit
ihren Gemahlen und Töchtern anfodern / auff sein Geburts Tages-Fest in
feierlicher Kleidung zu erscheinen / wie sie darzu schon erbehten währen. Nach
seinem Abtrit umbfing Ladisla sein Fräulein gar lieblich / und rühmete sein Glük
/ dass er nunmehr die Freiheit haben würde /sich an seiner Hochgeliebten zu
ergetzen / wiewol er nicht absehen könnte / was vor Bewägung den Vater zu so
hoher Begünstigung angetrieben håtte. Sie aber fing mit demühtiger Rede an / den
begangenen frevel jhr nicht zu verargen / dessen ursach er selbst erkennen würde
/ erboht boht sich nach diesem zu allem Gehorsam / als viel einem Gemahl zu
leisten möglich währe / und sagte hernach: Wir haben den Göttern hoch zu danken
/ vor ihre uns erzeigete Gnade / aber die jetzige freude ist mir vor einer
Stunde dergestalt besalzen / dz ich des schreckens in einem Monat nicht
vergessen werde / angesehen ich mich dem Tobe schon ergeben / und den Hals dem
Richtschwerte willig dargebohten hatte; erzählete hiemit kürzlich / wie der
Vater mit ihr geberdet / und nach Anzeige ihrer Frau Mutter / bloss allein zur
straffe / dass sie ohn der Eltern Vorwissen und Bewilligung so kühn gewesen /sich
ehelich mit ihm zu versprechen. Ladisla klagete ihr sein übergestandenes auch /
welches ohn zweifel jhm aus eben der Ursach begegnet währe / und er doch gerne
verschmerzen wollte / ungeachtet er dem Tode sich nie so ängstig als dissmahl
ergeben hätte; aber / sagte er / diss sind gar zu traurige Gespräche /und reimen
sich nicht zu unser Wollust. Das Fräulein erinnerte ihn / sie würden vor dissmahl
nicht lange zeit zum Gespräch haben / sondern er würde sich gefallen lassen /
die täglichen Kleider abzulegen / weil ihre Verwanten sich bald zur Vermählung
einstellen würden; daher er nach freundlich genommenem Abscheide hin zu Herkules
ging / und ihm seinen Zustand zuwissen taht / der ihm Glük und Gottes Segen
darzu wünschete. Inzwischen wählete er aus seinen vier Kleidern eines von
Silberstük gemacht / dass er dem Fräulein möchte gleich gekleidet sein; steckete
einen langen schneweissen Federbusch auff den Huet / an dem ein Kleinot in
Gestalt eines Löuen der ein Schäfflein im Rachen trug / gehefftet wahr. Das
Feldzeichen / in welchem er einen leichten vergüldeten Degen trug / wahr
purpurfarbe / mit schönen morgenländischen Perlen hin und wieder als mit Trähnen
behefftet. Er legte auch eine köstliche Demant Kette umb den Huet / und ein par
Armbänder / von gleicher Art umb die Arme; wickelte zwölff stücke der
zierlichsten Kleinot in ein schneweisses seidenes Tüchlein / und sendete sie dem
Fräulein bei Tullius seinem Leibknaben / welche sie in Gegenwart ihrer Eltern
empfing / und sich sämptlich verwunderten / dass ein umbschweiffender Ritter
solche sachen bei sich führete. Bald darauff stelleten sich die erbehtenen
Anverwanten ein / denen es fremde wahr / dass in ihren besten Kleidern zu
erscheinen sie ersuchet wahren.
    Der junge Fabius baht seine Schwester / dass sie mit Frl. Ursulen auff ein
Nebengemach gehen möchte / woselbst er mit ihr absonderlich zu reden hätte; Wie
er dann folgender gestalt sich daselbst heraus liess: Herzliebe Schwester / wie
heffrig mir deine heutige Angst zu Herzen gangen / so hoch erfreue ich mich
deines jetzigen Glückes / worauss ich dieses zur Lehre fasse / dass die Götter uns
Menschen wunderselten eine Vergnügung gönnen / bevor sie uns den bittern
Leidensbecher zu trincken geben; wünsche dir aber Glük und den himlischen Segen
zu deiner instehenden Heirat / und kann nicht umb hin / dir meine bisher
verschwiegene Heimligkeit zu entdecken / wie ich nunmehr in die zwei Jahr mit
meinem herzgeliebten Fräulein gegenwärtig / in vertraulicher Liebe gelebet /so
dass wir nicht als durch den Tod mögen gescheiden werden; Wann du nun bei unsern
Eltern durch deine Vorbitte erhalten köntest / dass unser Beilager zugleich mit
deinem fortginge müsten wir dir deswegen höchlich verpflichtet sein. Frl. Sophia
sah ihre Wasen an uñ lächelte; welche Fabius Reden gerne geleugnet hätte; weil
sie aber keine Zeit zum langen Gespräch übrig hatten / bekam der Bruder die
Verheissung von der Schwester / sie wollte sein Beilager ihr eben so hoch als ihr
eigenes lassen angelegen sein /hoffete auch / durch Ladisla Vorbitte wohl
durchzudringen. Sie verfügeten sich also wieder nach dem Saal / gleich wie der
Bräutigam durch eine andere Tühr hinein trat / und der Statalter jhn nach
freundlichem empfahen dem Fräulein zuführete; welches die anwesende nicht wenig
befremdete / aber durch des Statalters Vorbringen bald unterrichtet wurden /
welcher also anfing: Geliebte Herren und Freunde; da sehet ihr den vortreflichen
Ritter und Herrn / Herrn Ladisla / dem zwar viel ein höher EhrenNahme zustehet /
welchen ich doch / weil es ihm also gefället /gerne ungemeldet lasse. Dieser
Herr / was massen er meiner liebsten einigen Tochter Ehr und Leben gestern und
heut geschützet / ist niemand unter euch unwissend. Als ich nun gemerket / dass
eine brünstige wiewol zuchtige Liebesflame sich zwischen ihnen angezündet / dass
sie lieber allein / als in anderer Gegenwart mit einander schwatzen wollen / und
aber in meiner Jugend an mir selbst und meiner Pompejen erfahren / dass wann die
Vogel beginnen zu nisten / sie sich schon vergesellet haben / und auff weiteres
gedenken /so habe ich das rahtsamste zu sein gemeinet / jhnen den Zweg umb so
viel näher zu stecken / damit allerhand Ungelegenheit und Verdacht möge
abgewendet werden; bin demnach entschlossen / ihnen diesen Abend das Beilager zu
machen / damit nicht morgen ein ander kome / der / wie heut geschehen / meiner
Tochter halben des Lebens ohn werde / oder es einem andern nehme. Was diesen
Ritter und Herren betrifft /dafern ich nicht wüste / ihn meiner Tochter gnug
wirdig zu sein / hätte ich ein so wichtiges Werck in langwieriges Bedenken
gezogen / ohngeachtet er meine Tochter ihm selbst erstritten hat; Wollen demnach
meine Herren und Freunde dieser Schleunigkeit sich nicht verwundern / oder
einige ungleiche Gedanken daraus schöpffen / nachdem ich sie bei meinen Ehren
versichern kann / dass der H. Bräutigam und die Braut dieses mein Vorhaben kaum
vor andertalb Stunden selbst erfahren. Die Anwesende gaben ihm recht / nur dass
H / Kornelius / der ihm am nähesten stund / ihm heimlich ins Ohr raunete; Er
wünschete von herzen Glük und Heil zu der Heirat / hätte daran durchaus nichts
zu tadeln / wann es nur von andern im besten auffgenommen würde / dass man so
geschwinde verführe / und gleichwol fein stünde / dass man Herrn Ladisla ehe vor
einen Freier als Bräutigam erkennete. Aber der Statalter gab zur Antwort: Es
hinderten ihn böser Leute Mäuler nicht / die viel zu geringe währen / seinen
heiligen Vorsaz wanken zu machen. Indessen fing Ladisla also an: Hochmögender
Herr und Vater /auch Gn. Fr. Mutter / und sämtliche werte Herren /Frauen /
Fräulein und Freunde: Das eigenwillige Glük / welches mir / ungeachtet meiner
Jugend / manniche Tük erwiesen / hat sich heut so überflüssig günstig erzeigt /
dz ich alles vorige hiedurch tausendfach ersetzet halte / indem es meinen Herrn
Vater beredet / das Durchleuchtige mit allen jungfräulichen Gaben und Tugenden
aussgezierte Fräulein / seine herzvielgeliebte Frl. Tochter mir nicht allein zu
versprechen / sondern alsbald darauff an die eheliche Hand zu geben. Wie ich nun
hiedurch den inniglichen Wunsch meiner Seele erhalten / also befinde ich mich
schuldig / vorerst meinem Herr Vater und Fr. Mutter / Dank und kindlichen
Gehorsam / meiner herzgeliebten Frl. Braut eheliche Träue und Ergebenheit; und
der gesamten hochansehnlichen Freundschaft / gebührliche Ehre zu leisten. Weil
aber solches in einem oder wenig Tagen von mir gebührlich nicht verrichtet
werden kann / bitte ich sehr / mir die Zeit zu gönnen / welche mein Gemüht
allerwerts erzeigen / und mich ihren nicht allerdinge unwirdige Sohn / Ehegemahl
/Schwager und Freund erweisen könne. Der Statalter antwortete: Geehrter Herr
und Sohn / es ist sein Gemüht und Wille uns durch eine solche Taht erzeiget und
kund getahn / dass man an dem künftigen durchaus nicht zuzweifeln hat. Wir an
unser seite erklären uns hinwieder zu aller Elterlichen und Schwägerlichen
Freundschaft und Liebediensten / hoffen daneben / mein geliebtes Kind werde von
uns dergestalt aufferzogen und unterrichtet sein / dass sie jhren Herrn und
Ehegemahl wird gebührlich zu ehren und lieben wissen / worzu sie nochmahls in
Gegenwart dieser Gesellschaft von mir väterlich ermahnet wird. Hierauff befahl
er / den Römischen Vermählungsgebräuchen den Anfang zu machen. Aber die Braut
trat hin zu ihrem Vater / vorgebend / ehe alles vorginge /hätte sie mit ihren
lieben Eltern ingeheim zu reden /wobei sie Herrn Ladisla / auch H. Kornelius und
dessen Ehegemahl als Zeugen erbähte; und als ihr solches eingewilliget ward /
gingen sie in das näheste Gemach / da sie also anfing: Herzgeliebete Eltern; es
müste mir sehr leid sein / dass nach meiner Verheirahtung / mein allerliebster
und einiger Bruder noch ferner im ledigen Stande leben / und meiner Eltern
Hoffnung / wegen der nachkommenden Fabier / weiter ausssetzen sollte; möchte
demnach von herzen wünschen / dz meine Eltern seine Heirat gleich diesen Abend
mit fortsetzen wollten / weil ich in gewisse Erfahrung kommen bin / dass er vor
zweien Jahren sich mit einem ehrlichen / schönen und seines Standes gemässen
Fräulein verbunden / auch vielleicht mit derselben schon weiter eingetreten ist
/ als dass sie koñen getrennet werden / daher dann aus fernerer Auffschiebung
ihres öffentlichen Beilagers nichts als Ungelegenheit erfolgen möchte. Der Vater
gab ihr zur Antwort: Ich merke wohl / nun dir geholffen ist / wiltu deinem Bruder
wieder helffen; Du solt aber gemach tuhn / und nicht alles nach deinem Willen
und Gefallen ordnen; oder meinestu etwa / es würden auff zwo unterschiedliche
Hochzeiten gar zu viel Kosten gehen / und wilt demnach mit einem Feur zwo Stuben
hitzen? nim du vor dissmahl dein Glück vorlieb / und lass dir genügen; ich werde
Zeit nehmen / mich hierauff zu bedenken. Ach Herzen H. Vater / sagte sie / euer
Verstand fodert so lange Bedenkzeit nicht / welches an dieser meiner Heirat
gnug erscheinet; die andere Entschuldigung ist nur zum Scherze vorgebracht.
Kehrete sich hernach zu H. Kornelius und dessen Gemahl / sie höchlich bittend /
ihr bei ihren Eltern zu hülffe zu kommen / dass ihrem Bruder gerahten würde /
welches sie neben ihn zu verschulden / stets wollte geflissen sein; Sie hätte
zwar ihren Herrn und Bräutigam mit herzu gebehten / aber dessen Unterhandlung
wollte sie zum lezten Stichblade behalten / wann ihres Herrn Vettern Vorbitte
nicht würde zureichen können / welches sie doch nicht meinen wollte; Dass sie aber
ihr Vorsprach Amt desto kühner auff sich nehmen könten / wollte sie ihren Glauben
verpfänden / dz eines des andern wert währe. H. Kornelius gab ihr zur Antwort:
Herzliebe Frl. Wase und Tochter / ich bitte /mich mit dieser anmuhtung zu
verschonen / dass ich heimliche Verlöbnissen / so hinter den Eltern her geschehen
/ billichen / ja befodern sollte; Ich habe nie dergleichen Winkelheirahten gut
geheissen / bin auch noch nicht willens / mich dabei gebrauchen zu lassen. Zwar
euer H. Bruder ist ein Ritter und KriegsBeampter / der seine mänliche Jahr
erreichet / und mit gutem fuge solche Ehrensachen vornehmen / auch seiner Eltern
Meinung darüber hören kann; aber dem Fräulein halte ich sehr vor übel / dass
dieselbe sich von ihm bereden lassen / und nicht zuvor Nachforschung getahn / ob
seine Eltern auch einwilligen würden; Und da auch ihre Eltern oder Anverwandten
keine Wissenschaft drum haben / währe sie andern zum Beispiel harter Straffe
wirdig / dass sie eurem Bruder / wie eure Reden fast gehen / sich so leicht
gegöñet hat. Mein Herr Vetter / antwortete sie; das Alter hat leider diesen
gebrechen an sich / dass es der Jugend Tohrheit nit erkennen kann / welcher in den
frischen Jahren / alle jetzige graue Håupter sind unterworffen gewesen / und
nach ihrer festgegründeten Weissheit / die der Jugend doch nicht beiwohnet / alle
Menschen wollen gerichtet haben. Mein Herr und Vetter rede doch / bitte ich /
von meinem Bruder / und seinem ganz geheimen Fräulein / wie ihr euch dazumahl
wünschetet / da ihr meine hochgeliebte Wase Fr. Fausten zum ersten mahle mit
Liebes-Augen anblicketet; alsdann werdet ihr diesen verliebten beiden /viel eine
billichere Urtel sprechen; Wegert ihr euch aber ferner / so will ich meinen
Liebsten bitten / dass er solches an euch begehre / dem ihr / in betrachtung
seiner geleisteten Dienste / es nicht werdet abschlagen köñen. Frl. Wase / sagte
er hierauf; Ihr dürfftet auf solche weise alles leicht erhalten / was euch
gelüstet /und uns zu leisten möglich währe; aber ist eures H. Vaters Sinn
dadurch schon erstritten? doch will ich euch endlich zu willen sein; fing damit
an / dem Statalter zu gemühte zuführen / was vor Unraht aus verzögerung dieser
Heirat entstehen könnte / die allem ansehen nach schwerlich würde zu
hintertreiben sein /in Betrachtung / dass sein Sohn schon in Römischen Diensten
währe / und seines willens geleben könnte /ob gleich die Eltern Hinderung machen
wollten / insonderheit / weil seine Tochter diesen Grund setzete /dass er ein
Standes-mässiges Fräulein liebete. Fr. Fausta kam mit darzu / und redete das
beste zur Sache; es hätten sich wohl ehe junge Leute hinter der Eltern Wissen
eingelassen / und eine gute Ehe gehabt. Der Statalter merkete seiner Tochter
Auffzug / dessen er gleichwol gewiss sein wollte / und fragete sie / ob seinem
heutigen Befehl gelebet währe; und als sie sich keines Befehls zuerinnern wusste
/ rief er sie absonderlich / und sagte zu jhr: Offenbahre mir mit wenigem /ob du
nicht von Fräulein Ursulen redest. Ja Herr Vater / sagte sie; aber ich bitte
kindlich / euren väterlichen Willen drein zu geben; sonst hat mein Bruder mirs
etwa vor einer Viertelstunde geoffenbahret / und mich zu dieser Unterhandlung
vermocht. Gnug / sagte der Vater / ich habe diese Heirat selbst vorgehabt. Sie
traten wieder hin zu der andern Gesellschaft / und gab der Vater Herrn Kornelius
diese Antwort: Es befremdet mich eure Vorbitte in etwas / weil ihr von dieser
Sache redet / als müste ich nohtwendig einwilligen / und euch die vermeinte
Braut gnug bekant währe; Werdet demnach mir dieselbe auch nennen /dass ich mich
zuerklären wisse. Dieses Verdachtes antwortete er / befahrete ich mich gleich
anfangs / und ist mir leid / dass ich meiner Frl. Wasen gehorsamet; kann aber bei
meinen Ehren erhalten / dass ich von der angemeldeten Braut nicht das geringste
weiss. Der Statalter fragete sein Gemahl: Was gebet ihr aber vor eine Stimme?
könnet ihr ein Fräulein zur Töchter annehmen / ehe ihr sie kennet? Mein Raht ist
der geringste / antwortete sie / doch währe sie ein solches Fräulein / wie mein
Kind sie beschreibet / und sie unserm Sohn gefiele / der verhoffentlich keine
unwirdige zum Gemahl ausssehen wird / müste ich mirs mit gefallen lassen. Ich
aber nicht also / sagte der Vater /sondern will zuvor etwas mehr drumb wissen /
und zwar / ob sie unter andern auch von guten Mitteln sei / welches ich mir
nicht einbilden kann. Zwar vor sich /sagte Frl. Sophia / hat sie einen gar
geringen Brautschaz / aber ich hoffe Herrn Kornelius zuerbitten / dass er seine
milde Hand aufftuhe / und als ihr Unterhändler ein par Tonnen Schatzes zuschisse
/weil er grosses Vermögens ist / und nur eine einzige Tochter hat. Nein geliebte
Wase / antwortete er; dass wird Kornelius wohl nicht tuhn / welcher mit dieser
Anmuhtung will verschonet sein. Ey / sagte das Fräulein; die Braut ist dem Herrn
Vetter verwand / drumb wird er ihr seine Hülffe nicht so gar versagen. Verwand?
sagte er; dass ist kein ander Mensch / als Kajus Salvius Tochter / die
springfüssige Agnes. O du leichtfertiges Tihrichen / hastu schon zwei Jahr her
dich der Liebe beflissen / und bist kaum XVI Jahr alt? ich habe nicht ersinnen
können / worauff dein Vater und du so pochest in der äussersten Armut / so ists
dieses / dass ihr Herren Fabius und Kornelius güter miteinander verprassen
wollet? aber geliebte Wase / wer hat doch euren Bruder an diese Heirat
gebracht? zwar unehrliches weis ich nicht von ihr / ist auch schön genug und
gutes Standes / aber wie wird man doch ihren auffgeblasenen Geist vergnügen
können? Ach mein H. Vetter / sagte sie / mein Bruder ist des viel zuwitzig / mit
diesem Fräulein sich einzulassen; Aber H. Vater / wann ihr nun an dem Fräulein
nichts zu tadeln wüstet / und ihre Eltern auch einwilligten / könnte es dann
nicht alsbald fortgesetzet werden? Der Vater antwortete; tadele ich sonst nichts
an ihr / so tadele ich doch mit H. Kornelius / dass sie ohn ihrer Eltern
Vorwissen sich meinem Sohn weiter / als einer Fräulein gebühret / gegönnet hat;
doch will ich mich väterlich heraus lassen / wann du mir das Fräulein nunmehr
nennen wirst. Ich bedanke mich kindlich der genehmen Antwort / sagte sie / und
muss gar ein Wunderding sein / dass meine geliebte Eltern meines Herrn Bräutigams
und meine Liebe / so zurechnen /im Augenblick aussgespüret / aber durchaus nicht
merken können / dass mein Bruder nicht ohn Ursach abends spät und morgens früh /
zwei ganzer Jahr her / wann er daheim gewesen / sein geliebtes wirdiges Fräulein
/ meine herzallerliebste Schwester / Frl. Ursul Korneliin besuchet hat.
Kornelius und Fausta erschraken / dass ihnen die Sprache verging / und als sie
sich erhohlet hatten / dräueten sie der guten Tochter / weiss nicht was vor
lächerliche Straffen / welches sie mit sonderlichem Ernste vorbrachte / und die
Anwesende sich dessen wohl zulacheten; biss der Statalter sagete: Wie nun
Schwager Kornelius / ist meine Tochter Ursul noch eine solche / bei welcher ihr
eurem täglichen Vorgeben nach / so gar keine eheliche Begierde merken könnet /
dass ihr euch befürchtet / sie habe sich etwa unser Vesten verlobet? gewisslich
hat mein Kind euch jezt redlich vergolten / was ihr mir vorhin ins Ohr raunetet.
Aber dass wir zur Sache schreiten / hoffe ich ja / mein lieber Sohn habe bisher
sich also verhalten / dass er dem Römischen Adel und seiner Freundschaft kein
Schandflek sei; und gelebe daher der Zuversicht / ihr werdet meiner Bitte Platz
geben / und euch unser Kinder Heirat gefallen lassen / mit welcher mein Gemüht
über ein Jahr schon umbgangen ist / und ich daher auff ihr tuhn und lassen so
viel weniger acht gegeben. Kornelius antwortete: Hochwerter Herr Schwager; ich
bedanke mich der hohen Gewogenheit gegen mich und meine Tochter /und weil ich
mir einen liebern Sohn nicht wünschen kann / stelle ichs zu seinen Händen / und
vermache dem Bräutigam zur Heimsteur die Helffte aller meiner liegenden und
fahrenden Haabe / und nach meinem Tode das übrige alles. So recht mein Herr
Vetter /sagte Frl. Sophia / ich wusste vorhin wohl / dass ihr dem Fräulein die
Ausssteur nicht versagen würdet. Also wahr dieser Kauff geschlossen / und wurden
die junge Leute nach Römischem Gebrauch ehelich vermählet. Bei der Abendmahlzeit
gingen allerhand kurzweilige Unterredungen vor / da Frl. Ursul sich
rechtschaffen leiden musste; dann Frl. Sophia / umb ein Gelächter zu machen /
sagte zu ihr: Herzliebe Schwester / ihr meint  nun aller Gefahr entrunnen sein /
weil ihr mit eurem Liebsten vermählet seid / aber die euch von den Eltern
angedräuete Straffen werden euch den Kitzel rechtschaffen vertreiben / massen
euer H. Vater euch frische Ruhten gebunden / und die unbarmherzige Mutter euch
in die finstere Kammer sperren will /dass euch in vier Wochen kein Tagesliecht
bescheinen soll; den Brodkorb wird sie euch so hoch hången / dass ihr täglich nur
einmal essen / und die ganze Zeit über das klare Wasser trinken / auch kein
weiss leinen Gerähte anlegen sollet. Was gebet ihr mir nun / dass ich meinen
Bruder bitte / euch in der Finsternis Gesellschaft zu leisten? Ich kenne ohn das
euer furchtsames Herz / und dass ihr vor grauen in der Einsamkeit würdet müssen
des Todes sein. Frl. Ursul hatte einen breiten Rücken / achtete des Gespöttes
und entstandenen Gelächters nicht gross / sondern gab mit höflicher Antwort so
viel zu verstehen / dass sie ihr Glük und Heil zu verschlaffen nicht währe
gesinnet gewesen; dann / sagte sie / meine Fr. Mutter hätte mein sechzigstes
Jahr abgewartet / ehe sie mir von heirahten das allergeringste gesaget. Muss ich
nun die Schuld tragen? antwortete ihre Mutter / die etwas einfältig wahr; hastu
dich doch kein mahl nicht verlauten lassen / dass du zu heirahten willens
währest; Welches noch vor das kurzweiligste auffgenommen ward / und der
Statalter es also beantwortete: So hat mein Sohn wohl getahn / dass wie er der
Mutter verseumniss / und der Tochter Blödigkeit verspüret / er durch seine
gutwillige Anbietung nicht allein den Mutterplatz vertreten /sondern auch der
Tochter Ansuchen zuvor kommen ist; gleich wie aber H. Kornelius und sein Gemahl
sich heut als Vorbitter meines Sohns haben gebrauchen lassen; also will ich
hinwiederumb mich ihrer Frl. Tochter annehmen / und die scharffen Ruhten und
stokfinstere Kammer von ihr abzuwenden / gefliessen sein.
    Nach abgehobenen Speisen erklang das Seitenspiel in drei unterschiedlichen
Verteilungen / und fehlete nichts bei dieser Lust / als Herkules Gegenwart / umb
dessen Abwesenheit Frl. Helena sehr traurig wahr /weil sie sah / dass ihre
Gespielen den Zweg ihres Wunsches erreichet / sie aber ohn allen Trost in ihrem
verborgenen Feur sich selbst verzehren musste. Hingegen wahr Frl. Sophia so
voller Lust / dass sie meinte / alles Unglück währe nun überwunden / und hätte
niemand mehr Ursach traurig zu sein; doch wahr Helenen Unmuht ihr unverborgen /
welchen zu vertreiben sie schon alle gedanken anwendete; setzete sich vor
dissmahl zu ihr nieder / und fragete nach der Ursach ihrer schwermühtigen
Traurigkeit / ob derselben nicht raht zu schaffen wåhre. Diese / nachdem sie
einen tieffen Seuffzer aus dem verborgenste ihres Herzen her vorgesucht / gab
zur Antwort: Ach herzliebe Schwester / die Ursach meiner Traurigkeit ist
wichtiger / als dass ihr durch andere Mittel ohn durch den Tod sollte können
abgeholffen werden; Bitte deswegen / dieser Nachfrage euch zubegeben / und meine
Bekümmernis ungestöret zulassen. Ey dass währe Wunder / sagte Sophia / dass mein
Vermögen so schlecht / und euer Ubel so unheilbar sein sollte; lasset mich /
bitte ich / euer Anliegen wissen / vielleicht habe ich noch ein Kunststükchen in
meinem Arznei Buche / dessen ihr mir zudanken hättet. Ach nein /antwortete sie;
Unmögligkeit ist viel zuschwer; eure Arzneikunst mit allen ihren Kräutern und
Wurzeln reichet noch lange nicht so weit. Es kann sein / sagte jene / dass mein
Vermögen geringe ist / aber der Wille soll mir nimmer mangeln / euch zu dienen;
und wann ihr mirs nicht vor übel hieltet / wollte ich euer Gebreche noch wohl
errahten. So müstet ihr / antwortete diese / sehr gescheid sein / wann ihr
wissen köntet /was ich meinem Herzen selbst nicht offenbahren darff. Daher
erkenne ichs desto leichter / sagte Frl. Sophia; und höret nur die rechte reine
Warheit; ihr liebt / ja ihr liebt was vortreffliches. Ja sagte jene /den
Himmel liebe ich / oder vielmehr den allerschönsten Stern des Himmels / die mit
aller klar- und Volkommenheit angefüllete Sonne; diese behte ich in meinem
Herzen an / und verehre sie mit unablässigem Seuffzen. Ach nein / antwortete
diese; es ist die Sonne nicht; es ist ein vortrefflicher mit aller Tugend und
Schönheit hochbegabter Ritter; der hat euer Herz eingenommen / mit den Strahlen
seiner Volkomenheit mit dem Schein seiner unvergleichlichen Strahlen. Wie
entsetzet ihr euch so / herzliebe Schwester? was will die Verenderung eurer
Farbe? habe ich euch am rechten Orte getroffen / so leugnet mirs nicht / dass ich
Raht schaffe; wonicht / so verzeihet meinem wolgemeinten Irrtum. O weit weit
gefehlet / herzliebe Schwester / antwortete sie; Mannes Liebe hat bisher mein
Herz wohl mussen unbelåstiget lassen / an welcher ich mir nichts anmuhtiges
einbilden kann. Nein o nein du gifftige Todseuche / dich will ich gerne meiden;
und was sollte mir Mannes Joch? O die Freiheit die Freiheit ist der Knechtschaft
weit weit vorzuzihen; jezt lebe ich meines gefallens; jezt stehe ich auff und
lege mich nieder / wie und wann ich will. Solte ich mich binden lassen / da mir
aller Wille vergönnet ist? diesen Unsin wird mir kein Mensch beibringen; Frl.
Sophia mag immerhin sich unter das Joch zwingen lassen; Helena will ihr eigen
Herr sein und bleiben. Verschonet mich deswegen herzen Schwester mit dieser
Aufflage / und versichert euch / dass Helena viel witziger ist / als dass sie
muhtwillig ins Feuer lauffen /oder sich ins Meer stürzen wollte. O Schwester
Schwester / sagte Sophia hierauff; wie kann doch das Herz der Zungen solchen
Muhtwillen übersehen / dass sie wieder Wissen und Gewissen reden darff? bedenket
/ bitte ich / wie oft ich und andere an euch dieses Laster gestraffet / dass ihr
stets widrige Gedanken und reden führet. Meine Last will ich mit der Götter
Hülffe noch wohl tragen / könnte auch vielleicht helffen / dass eure Seele eben so
wohl befriediget würde; aber wer seine Krankheit halssstarrig verhehlet / dem kann
nimmermehr geholffen werden. Sie wollte mit dieser Verweissrede fortfahren / ward
aber von Ladisla zum Tanze aufgefodert / nach dessen endigung sie ihm anzeigete
/ wie verliebet Frl. Helena sich gegen Herkules befünde / und es gleichwol aus
Scham nicht gestehen dürffte; dessen er nicht wenig betrübt ward / und sie nach
kurzem Bedenken fleissig baht / ihr diese Gedanken zubenehmen / dann es wüde zu
keiner Wirkung gelangen / massen ein wichtiges (er verstund aber sein
Christentuhm) im wege täge / welches solche Heirat nicht zulassen würde.
Worauff sie auch ihr Vorhaben enderte / und doch gross Mitleiden mit dem Fräulein
hatte. Als nun die Zeit zur Ruhe verhanden wahr / wurden die neuen Eheleute zu
Bette geführet / da Ladisla den mehrenteil der Nacht mit seinem Fräulein in
freundlichem Gespräch zubrachte / biss sie gegen den Morgen einschlieffen. Umb
sieben Uhr / da die Sonne ihre helle Strahlen auff ihr Bette warff / ermunterten
sie sich / und wahren mit diesem Himmes Lichte nicht aller dinge zufrieden / das
es nicht etwas länger mit seinem Anbruch verweilete; stunden auff /und nahmen
ihre Kleider zur Hand / da das Fräulein einen zierlich geschriebene Brief unter
ihrem Brusttuche fand / welchen sie öffnete / und folgendes Hochzeit Gericht
laut daraus her lase:
                           Herzlicher Glückes-Wunsch
                           An Fräulein Sophia Fabia.
                                       1
O Fräulein! deren Tugendschein
So wenig kann verborgen sein /
Als im Mittage Sonnenstrahlen /
Wann alle Lufft ist Wolken-los /
Und sich dass Himmel blau läst bloss
Ohn alle schwarze Striemen mahlen.
                                       2
O Fräulein! euren klugen Wiz /
Der seinen unverrükten Siz
In euer Seel' hat wollen wählen /
Kan mein geringes Reimgeticht
In dieser Sterbligkeit gar nicht
Nach wirdiger Gebühr erzählen.
                                       3
Ja wann des Glückes falscher Neid
Von eurem Leben sich so weit
Abhielt' / als Tugenden beiwohnen;
Dan würd euch diese grosse Welt /
Und was darin sich Erbar hält /
Mit allen Glückes Gaben lohnen.
                                       4
Euer' allerschönsten Augelein /
Die wohl zwo klare Sonnen sein /
Der Rosen-Mund / die vollen Wagen /
Des wolgeschaffnen Leibes Zier
Bricht alles dergestalt herfür /
Dass ichs und keiner wird ablangen.
                                       5
Wann euer süsses Zünglein spricht /
schafft sie / dass Feindes wüten bricht /
Sie kann die Helden niderschmeissen;
Sie kann dem schwarzen Zornes Grim
Und allem groben Ungestüm
Die Waffen aus den Händen reissen.
                                       6
Glükselig lebet dieser Held /
Dem eure Gunst wird zugestelt /
Dem ihr euch ehlich habt ergeben;
Ich spreche / dass derselbe Mann
Ihm besser Glük nicht wünschen kann /
Wie hoch ihn Ehr auch mag erheben.
                                       7
Mein teurer Wunsch ist diss allein /
Dass ihr mögt beide frölich sein /
Als lang in euch das Blut kann wehren;
Was aber eurer Tugendpracht
Betrifft / weiss ich / dass keine Macht
Des Alters solche wird verzehren.
Das Fräulein lobete der Reimen (dann sie wahren in Lateinischer Sprache
geschrieben) Anmuhtigkeit /aber der Inhalt / sagte sie / ist auff eine viel
volkommenere angesehen; halte mich doch diesem Tichter hoch verpflichtet sein /
dass er mich so wohl unterrichtet / wie ich geartet sein müste / wann ich seines
Lobes fähig / und euer Liebe / mein Schaz / wirdig sein wollte. Aber ich kann
nicht wissen / auff was weise dieser Brief mir hieher geliefert ist / es währe
dann / dass meine Leibdienerin ihn schon gestern Abend mit den Kleidern herein
getragen hätte. Ladisla besah die Hand gar eigen / kunte aber nichts daraus
erkennen / und erboht sich / da er den Tichter erfahren würde / ihm die Kunst
und Mühe mit ein paar hundert Kronen zu ersetzen; Dann / sagte er / ob die
Arbeit sich gleich gering ansehen lässet / auch der Meister es in weniger Zeit
mag auffgesetzet haben / ist doch zubetrachten / wie lange Zeit / Kosten und
fleiss er angewendet / ehe er zu dieser fertigkeit kommen ist. Als sie nun ihre
Kleider gar angelegt hatten / und Ladisla den Huet auffsetzen wollte / fiel ihm
eine gleichmässige Schrifft heraus / welche er auffhuhb / und dem Fräulein
vorlase.
                           Herzlicher Glückes-Wunsch
                               An Herrn Ladisla.
                           (Sophia heisset Weissheit)
                                       1
Wann sich Glük uns will verbinden /
Müssen wir in Sträuchen auch
Unsers Herzen Labsaal finden.
Seht Herr Bräutigam / der Rauch
Der Euch gestern angewehet /
Ist in lauter Lust verdrehet.
                                       2
Eures festen Herzen Stärke
Träget euch zur Weissheit hin /
Deren Tugend / wie ich merke /
Euren unbestritnen Sin
Ihr ganz eigen hat gemachet /
Dessen ihr vor Freuden lachet.
                                       3
Wann der schonen Weissheit Flammen
Und ein ungezwungner Muht
Sich ohn arge List zusammen
Halten / muss des Unfals Wuht
Seinen Neid vergeblich tragen /
Und sich durch sich selber schlagen.
                                       4
Ladisla Eur blanker Degen
Welchen ihr so herzhaft führt /
Hat der Weissheit Gunst und Segen /
Wie ein jeder gnugsam spürt /
Durch die Tugend eurer Sitten
Im Pusch und Gehölz' erstritten.
                                       5
Jezt geniest ihr aller Lüste /
Welche Weissheit schaffen kann /
Ihre nimmer-leere Brüste
Nähren euch jezt umb und an /
Die durch ihrer Milch aussfliessen
Eur Herz durch und durch begiessen.
                                       6
Nehmet es zu gutem Danke /
Dass die Weissheit Euch so wohl
Ist gewogen; Wann der Kranke
Wird genesen; alsdann soll
Seine Stimm' und Lautenklingen
Euer Glük noch mehr besingen.
Nach verlesung lachete Ladisla vor freuden und sagete: Höret ihr den Tichter /
herzgeliebter Schaz / den kranken Tichter nicht? kein Mensch als mein bester
Herkules hat diese Reimen auffgesezt / und durch einen fremden abschreiben
lasse? dann seine Art ist mir ohn dass mehr als zuwol bekant; hat auch
ohnzweiffel sie in allerstille herein geschafft / da mein Tullius gestern Abend
mir das Kleid nachbrachte. Ey so müssen wir den allerliebsten Freund in seiner
Schwacheit besuchen / und ihm vor diese Ehre gebührlich danken / sagte sie;
gingen mit einander hin /und funden den Statalter schon bei ihm vor dem Bette
sitzen / und die beiden Aerzte zur Seite stehen /die nach auffgelösetem Schaden
guten Trost gaben /dass inwendig zehen Tagen er völlig sollte genesen /dafern er
sich nicht mit schwermühtigen Gedanken plagen / sondern der Heilung in
ungestöreter Ruhe auff seinem Lager fein abwarten würde; welches ihnen allen
sehr angenehm zu hören wahr. Der junge Fabius kam auch zu ihnen / und als sie
ingesamt von ihm Abscheid nahmen / baht er Ladisla und den jungen Fabius / ihm
noch ein Stündichen Gesellschaft zutuhn / worzu sie willig wahren.
    Nun hatte ihm der Statalter des vorigen tages auff sein Begehren etliche
Bücher zustellen lassen / vor die lange Weile darin zulesen / unter welchen des
Plinius Schrifften wahren von der Welt Geschichten; aus dessen andern Buche
hatte Herkules die Gotteslästerlichen Worte angemerket / welche er führet von
Gottes Allmacht / die er ausdrücklich leugnet. Es fielen ihm gleich dazumahl
solche lästerungen ein / schlug den Ort auf / und gab ihn Ladisla zu lesen / mit
Bitte /ihm ungescheuet zu sagen / was er von dieses hochgelahrten Mannes Meinung
hielte. Dieser nahm das Buch / und lase diese Worte laut uñ deutlich: Die
vornehmesten Tröstungen der Unvolkommenheit am Menschen sind diese: dass auch
Gott selbst nicht alles könne; dann er kann ihm selbst den Tod nicht antuhn / ob
er gleich wollte / welches er doch dem Menschen als sein bestes / in den so
grossen Lebensstraffen mitgeteilet hat. Dass er auch nicht könne die Sterblichen
mit der Ewigkeit begaben / noch die Verstorbenen wieder zum Leben hervor ruffen;
noch machen / dass der gelebet hat / nicht sollte gelebet haben / der Ehrenämpter
verwaltet hat / sie nicht sollte verwaltet haben. Habe auch über vergangene Dinge
kein Recht / als das Recht der Vergessenheit; könne endlich auch nicht machen /
dass zweimahl zehne nicht zwanzig währen.
    Nach verlesung bedachte er sich ein wenig / und bald darauff sagete er: Gilt
Bruder / dieser hochgelehrte Man wird dich in die Schule führen / und dir deinen
Glauben (er redete aber Bömisch / dass Fabius es nicht verstehen sollte) zur
Tohrheit machen; massen ich mit aller meiner Vernunft nicht begreiffen kann /wie
dieses zu wiederlege sei. Lieber Bruder / antwortete er auff Lateinisch / es ist
mir lieb / dass du mir deine Blindheit fein gerade zu bekennest / und mit diesem
Lästerer Gottes Allmacht in zweifel zuzihen gestehest / welches mir doch nicht
lieb ist. Aber Herr Fabius / was haltet ihr von dieser Meinung? Ich halte meine
Urtel hieselbst billig zurück / sagte er / weil es über meinen Verstand geht /
habe auch wohl ehemahls etliche davon reden hören / die am Ende ihres Gesprächs
weniger wussten / als im Anfange. Sie sind darin zuentschuldigen gewesen / sagte
Herkules; Ursach; sie haben den Felsen nicht erkennet / auff welchem Gottes
Almacht unbewäglich gegründet ist / und wider das toben dieses wütigen Hundes
auch wohl in Ewigkeit fest bleiben wird. Ich würde mich vor glückselig schätzen /
sagte Fabius / wann ich dieses Felsens Erkenntnis hätte / und des Plinius
angeführte Worte aus dem Grunde zuwiderlegen wüste. Mein Herr / antwortete er;
Er gebrauche sich nur der gesunden Vernunft / so wird er beides die
ungezweifelte Allmacht Gottes erkennen / und des Plinius kindische / ja
viehische Einwürffe mit leichter Mühe umstossen. Weil sie nun beide von jhm gute
Anleitung hierzu begehreten / fing er also an: Demnach der Mensch aus dem
grossen Weltbuche sehen und lernen kann / dass ein Gott sei / und nohtwendig ein
Gott sein müsse /so wird er zugleich auch daher erkennen / die Allmacht Gottes
des HErrn / als des grossen Schöpffers /oder nur Erhalters der Welt. Ja besinnen
wir uns ein wenig / so gibt uns die Vernunft alsbald an die Hand / dass Gott ein
Allmächtiges Wesen sei. Dann sollte es ihm an einiger Krafft oder Macht mangeln /
so würde er nicht Gott / das ist / er würde nicht der kräfftigste noch
mächtigste sein / sondern einen noch kräfftigern und mächtigern über sich haben
/ und also währe er nicht Gott / dann über Gott kann und muss nichts sein. Wer
dann nun erkennet / dz Gott Gott ist / der sihet und erkeñet zugleich / dass er
allmächtig ist / und alles tuhn kann / was er will / im Himmel / auff Erden / im
Meer und in allen Tieffen; ja dass durchaus kein ding bei ihm unmöglich ist. Dann
also schleust unsere Vernunft ohn Anstoss und Zweifel / da sie richtig zugehet.
Alle vernünftige Heiden haben einen Gott gegläubet / und die denselben
gegläubet haben / die habe ihm zugleich auch die Allmacht zugelegt; Daher
spricht Homerus (Odys. XVI.) Gott kann alles. Und was ist bei den Lateinischen
Tichtern / Virgilius / Horatius /Ovidius und andern mehr / gebråuchlicher / als
eben ihr Jupiter omnipotens / dass sie jhren höchsten Gott den Allmächtigen
nennen? Zizero bekennet Gottes Allmacht mit klaren Worten / wann er im dritten
Buch von der Götter Art spricht: Nichts ist / das Gott nicht sollte tuhn können /
und zwar ohn alle Mühe. Der uhralte Linus / des Orpheus Lehrmeister hat solches
mit diesen Worten gestanden: Gotte ist alles leicht zu tuhn / und nichts ist ihm
unmöglich. O ja / wer nur das einige Geschöpff Gottes / das unvergleichliche
Sonnenliecht ansihet uñ betrachtet / muss sich freilich uber des Schöpffers
Allmacht zum höchsten verwundern. Die Himmelsverständige haben durch ihre
Rechnung abgemässen / dass die Sonnenkugel CLXVI mahl grösser / als die ganze
Meer- und Erdenkugel ist. Hat nun die Erde in ihrem Umkreiss 5400 Teutsche Meilen
/ so muss ja die Sonnenkugel in ihrem Umkreiss 896400 Teutscher Meilen haben;
welches zwar den Ungelehrten aller dinge ungläublich vorkomt weil sie ihnen /
dem ansehen nach kaum so gross als eine Klaffter scheinet; aber wer da betrachtet
ihre sehr weit abgelegene Höhe von der Erden / als von deren mitteltippelichen
sie 1039500 / das ist / tausend mahl tausend / neun und dreissig tausend und
fünffhundert Meilen entfernet ist / der wird ihm der Sonnen Grösse nicht
unmöglich vorkommen lassen. Bei welcher Grösse / wann wir zugleich ihren
schnellen Lauff erwägen / haben wir wohl ursach mit dem weisen Jüdischen Lehrer
Syrach zu sprechen: Das muss ein grosser HErr sein / der sie gemacht hat / und
hat sie heissen so schnell lauffen. Doch zu unsem Zweg näher zu zielen / wann
wir Gottes Allmacht eigentlich erkennen wollen / müssen wir zuvor wissen und
verstehen / was Allmächtig sei und heisse. Allmächtig sein / heisset nicht /
beides das gute und böse verrichten können. Allmächtig sein / heisset nicht /
sich selbst nicht allein erhalten / sondern auch verderben und vernichten
können. Allmächtig sein / heisset nicht / die ewige /bei Gott selbst bestehende
/ und dem Geschöpff nach seiner masse mitgeteilete wesentliche Warheit
auffheben; oder dass ichs kurz sage / was einmal wahr gewesen ist / zu falsch
und Lügen machen können. Massen / wer böses tuhn kann / der ist nicht allerdinge
Gut / vielweniger wird er Gott sein. Verstörete er dann sein Wesen / so währe er
nichts mehr. Leistete er aber das lezte / so machte er falsch / was er zuvor
selbst wahr gemacht hat / uñ sündigte also wider sich selbst. Was heisset dann /
Allmächtig sein? Gutes / und lauter gutes / auch alles gute / nichts aber wider
sich selbst tuhn können / und zugleich von aller Zuneigung uñ Gefahr des bösen /
des Schaden / der Sünde /und des Verderbens aller Dinge / und durch sich selbst
befreit sein. Sehet / das heisset Allmächtig sein. Hätte nun der in diesem Stük
unverständige Plinius diesem etwas besser nachgedacht / würde er / in
Verleugnung der Allmacht Gottes seinen mehr als kindischen Unverstand nicht mit
eigener Feder verrahten haben. Betrachten wir aber seine obangezogene Worte / so
ist dabei anzumerken / dass er sie in dieser Andacht vorträget / umb zu behäupten
/ dass Gott nicht ein selbständiges Wesen ausser der Welt / sondern eben die
Krafft sei / die im Wesen / oder (wie die Gelehrten reden) in der Natur Himmels
/ Erden und anderer Geschöpffen ist und stecket / wie er solches ausdrücklich
hinzusetzet. Aber O der verwägenen / O der blinden Tohrheit! Hier muss trauen
Plinius /einer von den Allerweltweisesten / mit seinem Beispiel bekräfftigen /
dass es wahr sei / was ein Christlicher Lehrer saget: GOtt habe die Weissheit
dieser Welt zur Tohrheit gemacht. Und abermahl: Die Welt habe durch ihre
Weissheit Gott in seiner Weissheit nicht erkennet. Er ist ja in seinem tichten
eitel worden / und sein unverständiges Herz ist verfinstert; Da er sich vor
weise hielt / ist er zum Narren worden. Dann vorerst zweifelt er auff gut
Epicurisch / ob auch ein Gott sei; was sollte er dann wohl gesundes von Gottes
Wesen und Allmacht vorbringen? jedoch lasset uns vernehmen / obs gleich der Mühe
nicht wert ist / was hinter seiner vermeinten Weissheit sonderliches stecke /
damit dieser ohmächtige Erdwurm den allmächtigen Gott anhauchen darff. Anfangs
meint  er; Es gereiche den Menschen zum sonderlichen Troste / dass Gott nicht
allmächtig sei. Aus des elenden / des faulen und nichtigen Trostes! sollte es
auch wohl einem Kinde Trost bringen / dass sein Vater ihm weder rahten noch
helffen kann / wañ es in schwerer Krankheit darnieder lieget? Kein Witziger redet
so unwitzig. Oder sollte einem Untertahnen es tröstlich sein / dass seine
Obrigkeit ihn vor seinen Feinden / die sein Verderben suchen / nicht schützen
kann? das muss auff gut Plinisch freilich ein sonderbahrer Trost sein. Wer aber
den Sachen vernünftig nachsiñet / wird ohn zweifel gerade das Gegenspiel vor
wahr halten, nehmlich / der vornehmste Trost des Menschen in allen seinen Nöhten
sei / dass sein liebreicher Gott alles könne / und ihm durchaus kein Ding
unmöglich sei. Dann wer an Gottes Allmacht zweifelt / wie kann derselbe ichtwas
vertraulich von Gott bitten? muss er nicht auff gut beraht behten / unter der
Furcht / obs auch in Gottes Macht stehe / ihm zugeben was er bittet? Also hat
dieser elende Mensch ihm einen Trost gemacht aus eitelem Schrecken / und wie ein
alter Jüdischer König von den Gottlosen spricht: Sie fürchten sich da nichts zu
fürchte ist; Also tröstet sich dieser / da nichts weniger als Trost sich
eräuget. Zwar ein gottloses Weltkind / möchte vielleicht aus Gottes Unmacht
einen Trost fassen / und sagen: Was schadet mirs dann endlich / oder was soll ich
mich gross drum bekümmern / dass ich dieses oder jenes gute / welches mir zwar wohl
anstünde / nicht leisten kann? Kan doch Gott selbst nicht alles / wie sollte ich
dann alles können? Aber was dieser Trost ihm nützen werde / wird sein künftiges
Ach und Weh offenbahr machen / in welches er durch diesen greulichen
Lästerungstrost sich selbst stürzet. Höret nun weiter / aus was Gründen der
Lästerer Gottes Allmacht bestürme: Gott kann ihm selbst den Tod nicht antuhn / ob
er gleich wollte; spricht er vorerst: Ist eben so viel gesagt: Der Demant
verbrennet nicht im Feur / wie Stoppeln; schmelzet nicht / wie Butter an der
Sonnen; vergehet nicht / wie der Rauch; derwegen ist er nicht so standfest /
hart und daurhaft als diese Dinge. Ja ein tiefersinneter Schluss! Oder / als
wann ich sagen wollte: Die Sonne verleuret sich nicht wie der Staub / darumb ist
sie nicht so kräfftig. Wer sollte diese Blindheit nicht beklagen / dass eben aus
der grössesten Macht Gottes /dieser unwitziger / Gottes Unmacht und Gebrechen
erzwingen will? Je könnte Gott sterben / so währe er nicht Gott / so währe er
nicht allmächtig / sondern der Tod wäre mächtiger dann er / währe sein Gott und
sein Meister. Weil es nun eine allerdinge lautere Unmögligkeit ist / dass Gott
sterben könne / so sollte Plinius vielmehr also geschlossen haben: Gott kann nicht
sterben / deswegen ist er allmächtig; nehmlich / es ist keine äusserliche noch
innerliche Macht / welche Gott den HErrn könnte zu nichte machen. Das
Drachenschwänzlein / so er hinan hånget / da er spricht: Ob Gott gleich wollte /
könne er ihm doch den Tod nicht antuhn; Ist nicht eine geringe Lästerung; Dann
wie wollte das allerhöchste und vollkommenste Gut wollen / dass es stürbe; und wie
kann das sterben wollen / das von Ewigkeit her / und das Leben selber ist? Es ist
aber dem Plinius noch nicht gnug an diesem Unwitze / sondern tuht noch hinzu:
Der Mensch in seinem grossen Lebensunglück habe diss / als das beste Mittel von
GOTT / bekommen / dass er sich selbst entleiben kann. O der Gottlosigkeit! Hat
dann GOTT dem Menschen die wirkliche Sterbligkeit anerschaffen / oder ihm gut
geheissen und befohlen / sich selbst des Lebens zuberauben? Nein / O Nein! Die
Sünde / die Sünde hat ihm dieses Leid zur harten Straffe zu wegen gebracht. Dann
håtte der erste Mensch nicht gesündiget / sondern an Gottes Gebot sich fest
gehalte / würde er nimmermehr in den Tod gerahten sein / sondern so lange in
dieser jrdischen Welt gelebet haben / biss ihn Gott nach seinem gnädigen Willen
in die Ewigkeit auffgenommen håtte. Ist demnach die Unsterbligkeit den Menschen
von dem leidigen Teufel durch die Sünde geraubet und der Tod beigebracht. Doch
hat man dieses mit Plinius als einem Heiden nicht zu streiten /als welchem diese
geoffenbahrete Glaubenslehre / von des ersten Menschen anerschaffener
Unsterbligkeit unbekant ist. Aber auch / wann der Mensch den Vorsatz und Willen
nimt / sich selbst zuermorden / das rühret trauen nicht her von GOtt / sondern
von des Teuffels eingeben / als der von Anfang ein Mörder ist. GOtt setzet ja in
seinen heiligen zehen Gebohten / hat es auch den Menschen ins Herz gepflanzet /
Du solt nicht tödten; so wenig dich selbst als einen andern. Wie sollte dann Gott
den Menschen das heissen oder eingeben / was Er ihm so ernstlich verbohten hat?
Kan die Obrigkeit ihren Untertahnen auch wohl gebieten / wieder die Gesetze zu
sündigen / welche sie durchaus will gehalten haben? was haben wir dann vor Ursach
/ dem allergerechtesten und heiligsten Gott mehr Ungerechtigkeit und Sünde / als
den Menschen anzurichten? Nun währe es aber Sünde / wann Gott dem Menschen gäbe
was Sünde ist. Aber O nein! kein witziger Mensch wird Gott einiger Sünde zeihen.
Andere vernünftige Heiden haben viel heiligere Gedanke von Gott geführet: Plato
spricht in seinem Buche von den Gesetze: Gott sei eine Ursach alles guten /und
keines bösen. Aristoteles spricht im neunden Buch Metaphys: Bei dem ewigen Wesen
ist weder böses /noch Verderbung / noch Sünde; Und in seinem siebenden Sitten
Buche an Nikomachus schreibet er: Gleich wie dem unvernünftigen Vieh kein
Laster beiwohnet /also auch Gotte nicht. Ja sprichstu; Es hat aber Plinius nach
Stoischer Meinung die ansich selbst-Handanlegung vor eine Helden Tugend gehalten
/ und daher Gott keiner Sünde geziehen / oder dass er an der Sünde Wolgefallen
hätte. Antwort: Er hat aber daran sehr geirret / welches er aus anderer Heiden
Schrifften / insonderheit des Aristoteles herrlichen Sittenbuche erlernen sollen
/ da er im fünften Buche schreibet: Die Gesetze verbieten / dass jemand sich
selbst tödte; dann spricht er; Dass Gemeine Beste werde dadurch beleidiget / und
werde demnach ein solcher nach seinem Tode billig durch Schmach gezeichnet / und
vor Ehrloss gehalten. Zum wenigsten hätte Plinius von diesem schändlichen Irtuhm
durch die abscheuliche Folge / so dannenhero entstehet / sich sollen abschrecken
lassen; dann ist / sich-selbst-entleiben-können / eine Krafft /ein sonderliches
Vermögen / und ein gutes Ding / und zwar ein solches / welches Gott dem Menschen
verlihen / und ers doch selber nicht hat; je so wird ja folgen müssen I das Gott
dem Menschen einige Krafft gegeben / die er selber nicht hat; und also 2 Gott
den Menschen mächtiger gemacht habe / als er selber ist /zum wenigsten in diesem
Stücke. Worzu 3 noch dieses kömt / dass des Menschen Glükseligkeit auch wohl in
seinem Verderben / in seinem tode und Untergange bestehen kann. Wer hat solche
unbesonnene Tohrheiten von einem vernünftigen Menschen je gehöret? Noch dannoch
fähret er fort / Gottes Allmacht aus einem andern faulen Grunde anzufechten /
nehmlich das er die Sterblichen mit der Ewigkeit nicht begaben könne. Diesen
eiteln Wahn zu hintertreiben / ist zu merken / dass die Ewigkeit auff zweierlei
Art verstanden werde. Erstlich heisset Ewig; dass ohn Anfang gewesen ist / und
ohn auffhören bleiben wird. Hernach; dass zwar in der Zeit / oder ja mit der Zeit
einen Anfang genommen /aber doch kein Ende nehmen wird. Nach dem ersten
Verstande ist allein Gott / und kein ander Ding Ewig; nach dem andern / ist die
Ewigkeit allen Engeln uñ vernünftigen Seelen von Gott mitgeteilet / wird auch
nach dieser Sterbligkeit in der Aufferstehung von den Todten / unsern Leibern
zugeleget werden. Von den Engeln ist unnöhtig / alhier zu handeln / weil deren
Erkäntnis aus dem Lichte der Vernunft sehr geringe ist. Der Seelen Ewigkeit
wird von den verständigen Heiden gerne gegläubet und vor wahr gehalten / welches
auch von Plato und Aristoteles durch wolgesezte Gründe bewehret ist. Der
trefliche Römische Bürgemeister M. Tullius in seinem Buche von den Gesetzen
schleust also: Weil die (heidnische) Gesetze wollen /dass etliche von den
Menschen / als Herkules und andere / sollen vor Götter geehret werden / sei
solches ja eine Anzeigung / dass die Seelen unsterblich sein. Und ob dieses
gleich kein bündiger Beweisstuhm ist /so folget doch daher / dass der Seelen
Unsterbligkeit sei von den Gesezgebern vor gewiss gehalten worden. Am andern Orte
(lib. I. tusculan. quæstion.) beweiset er der Seelen Unsterbligkeit daher / dass
alle Menschen / was sich nach dem Tode zutragen werde /ihnen lassen angelegen
sein. Ovidius sagets rund und dürre heraus / und spricht im XV Buche seiner
Verwandelungen: Morte carent animæ. Die Seelen sterbe nicht. Dass aber unsere
Leiber nach diesem Leben aus dem Staube der Erden dereins wiederumb werden
hervor komen / ist zwar der Vernunft ein verborgenes Geheimnis / und allein den
Glåubigen aus Gottes Worte offenbahr; jedoch hat Plinius noch lange nicht ursach
gnug / so verwägen zu leugnen / dass Gott die Sterblichen mit der Ewigkeit nicht
begaben könnte /ob er gleich dessen kein Beispiel gesehen hatte; dann was sollte
Gott verhindern / dasselbe ewig zuerhalten /was er aus nichts erschaffen hat /
wann es nur sein Wille währe? Ja möchte jemand zu Plinius seiner Entschuldigung
einwenden; so kann gleichwol Gott keinem Geschöpffe die erste Art der Ewigkeit
mitteilen. Ist gar ein ungereimter Einwurff. Dann ist dieses oder jenes ein
Geschöpff; das heisset; ist es gemacht worden / so muss es ja einen Anfang
genommen haben; hat es aber einen Anfang genommen / so kans ja nicht von
Ewigkeit stets gewesen sein. Dass nun GOtt nicht kann machen / dass ein Geschöpf
von Ewigkeit her sei; solches gibt seiner Allmacht keinen Abbruch / sondern weil
es / wie die Gelehrten reden / Contradictoria / widersprechige Dinge sind; Von
Ewigkeit her sein. Und: Nicht von Ewigkeit her sein; oder einen Anfang gehabt
haben; so währe es wider Gottes ewige Warheit / aus dem einen das andere /
nämlich aus dem Ja / Nein; und aus dem Nein / Ja machen; und würde also Gott
seine Warheit selbst auffheben; welches an ihm keine Almacht sondern grosse
Unbestendigkeit und Falscheit sein wurde. Was Plinius weiter heraus köcket; Gott
konne die Abgelebeten nicht wieder zurück ruffen; das ist: Er könne die Todten
nicht wieder zum Leben aufferwecken / solches wird er dereins am jüngste Tage
viel anders / wiewol mit seinem grossen Schaden / ja mit Ach und Weh erfahren /
da er wegen dieser Verkleinerung der Allmacht Gottes /sehr schwere
Hellenstraffen wird über sich nehmen müssen / deren Vorschmak er schon in diesem
Leben empfunden / als ihn der Dampff des Feur und Schwefels / welches der Berg
Vesuvius ausswarff / erstickete / wie heftig er sich auch bemühete / demselben
zuentgehen. O hätte er nur ein wenig nachgefraget / was etwa XLIV Jahr zuvor /
als er diese seine Geschicht Bücher dem Römischen Bürgemeister Titus Vespasianus
zuschrieb / sich im judischen Lande hatte zugetragen / da der welt Heiland Jesus
/ etliche verstorbene zum Leben aufferweckete / alsdann würde er seine gar zu
verwägene Feder nicht so leichtfertig wieder Gottes Allmacht geschärffet haben.
Seine übrigen Einwürffe / da er vorgibt / Gott könne nicht machen. Dass der
gelebet hat / nicht sollte gelebet haben; der Ehrenämter bedienet hat / sie nicht
sollte bedienet haben; oder; das zweimahl zehn nicht zwanzig machten; sind aus
obigem leicht zu entscheiden. Dann machte GOTT solches / so machte er aus der
Warheit Lügen und Unwarheit. Dass müste aber wohl ein feiner GOTT sein /der sich
in seiner Warheit selbst zum Lügner machte! So wenig nun Gottes Almacht dadurch
verletzet wird / dass er sich selbst nicht würgen kann; eben so wenig tuht es
seiner Allmacht schaden / dass er sich selbst nicht zum lügner machet; noch was
einmal wahr gewesen / heisset eine Lügen uñ Unwarheit sein; noch die
nohtwendige Folge (zweimahl zehn sind zwanzig) / welche er der Vernunft als
eine unvermeidliche Warheit eingepflanzet / auffhebet und fälschet. Eines ist
noch ubrig zuberühren / dass er hinzu tuht: Gott habe nullum in præterita jus,
præterquam oblivionis. Kein Recht über die vergangenen Dinge / als das Recht der
Vergessenheit; ist etwas dunkel geredet; Und heisset entweder so viel / dass Gott
die vergangenen Dinge vergessen könne / oder dass er sie nicht vergessen könne.
Verstehet er dass lezte / so lasse ichs in so weit lauffen / dass Gotte die
vergangenen Dinge freilich stets vor Augen stehen / aber er dannoch viel ein
grösser Recht uber dieselben habe / als nur allein /dass er sie nicht vergessen
könne. Nimt er dass erste; so ist er gedoppelt gottloss; massen die Vergessenheit
keine Stat noch Raum findet bei Gott / als welchem nichts vergangen / nichts
zukünftig / sondern alles gegenwärtig ist / welches Aristoteles bekennet /
(lib. de bon. fortun.) da er spricht: Gott sihet gar wohl das Gegenwärtige /
vergangene und Zukünftige. Und Homerus (Odys. IV) Die Götter wissen alles Und
was wollte das wohl vor ein Gott sein / dessen Gedächtnis die Vergessenheit
beschleichen könnte? Es ist fast eine unnütze mühe / und vergebliche Arbeit /
sich in Wiederlegung eines so handgreifflichen Irtuhms länger auffzuhalten /
insonderheit / weil meine Herren und Brüderliche Freunde ohn zweifel ihre
gedanken am andern Orte haben; zu beklagen aber ist es / dass in andern Künsten
und Wissenschaften ein so hocherfahrner fast unvergleichlicher Man / in diese
tieffe und unsinnige Finsternis gerahten ist / dass er die augenscheinliche
Allmacht Gottes anzufechten / und ein grösser Himmelsstürmer / als des Ovidius
seine / zu werden / sich nicht gescheuhet hat; da andere verständige Heiden nie
gebilliget haben / was Gott zur Beschimpffung gereichen kann; dz dem nach des
vorgedachten M. Tullius Warnung ihn von solcher gottlosigkeit hätte billig
abhalten sollen / welcher im andern Buche von der Götter Art / also schreibet:
Es ist eine böse und Gottlose Gewohnheit / wieder die Götter zureden / es
geschehe gleich aus Ernst / oder nur zum Scherze. Hiemit gab er seiner rede die
Endschaft / und weil der junge Fabius alle seine Worte in sein Handbüchlein
schrieb / sagte er zu ihm: Mein Herr / ich bitte sehr / er wolle meine Reden
keinem verständigen zeigen / damit seine Schrifft nicht ein Zeuge sei meines
geringen Verstandes. Ich werde diese Unterrichtung vielmehr tåglich durchlesen /
sagte er / damit ich mich befleissige / den Göttern ihre gebührliche Ehre
zugeben / und mich vor deren Läster- und Beschimpffung zu hüten. Herkules wollte
sie nicht länger aufhalten / baht nochmals / dass sie es / als unter der Rose
geredet / verschweigen möchten / und lies sie damit von sich; da auff dem Wege
Fabius zu Ladisla sagte: Er hielte vor gewiss / dass wo nach etlicher Meinung die
Seelen der verstorbenen in andere Leiber gegossen würden / müsten die Götter
drei unterschiedliche / als die verständigste / herzhafteste und freundligste
zusammen verknüpffet / und diesen Helden damit volkommen gemacht haben; und
dürffte ich fast wähnen /sagte er / es sei Herr Herkules dem Christlichen
Glauben zugetahn. Ist mein Herr Schwager und Bruder der Meinung / sagte Ladisla
/ so ist mein fleissiges Ansuchen / er wolle solches vor sich allein meinen;
welches er dañ gerne versprach. Die zehen Tage über / dass Herkules sich in
seiner Kammer halten musste / dauchten der Gesellschaft länger als ihm selbst /
weil er ihrer aller Herzen ihm fast eigen gemacht hatte. Am eilfsten Tage legte
er seine Kleider an / und ging mit den andern zu Tische / da der Statalter eine
fröliche Gästerei / und dabei ein herrliches Seitenspiel anstellete. Weil dann
Ladisla seiner liebsten / Herkules anmuhtige Spiel- und Singekunst gerühmet
hatte / suchte dieselbe alle Gelegenheit / wie sie ihn hören möchte / merkete
aber / dass er bei so grosser Gesellschaft kein belieben darzu trug daher sie
solches bei spätem Abend / als die Fremden alle hinweg wahren / von ihm erbaht /
da er die Laute nahm / und weil es zwischen Ostern und Himmelfahr wahr / dieses
Teutsche Osterlied / welches er selbst gesezt hatte / sang und spielete:
                                       1
Nun hat das heilge Gottes Lam /
Dem man am Kreuz das Leben nam /
Den schönen Sieg an Hell' und Tod
Behäuptet als ein wahrer Gott.
                                       2
Sein Ferssensi ich gibt nicht mehr Blut /
Verschwunden ist der Schlangen Muht;
Ihr Häupt ist nun zerknirschet gar /
Das bei dem Kreuz so freche wahr-
                                       3
Der Drache hat sich eingehult /
Sein Troz und Frevel ist gestilt /
Sein Gift macht ihm selbst angst und Pein /
Und dringet auff sein Herz hinein.
                                       4
Wo ist O Tod / dein Stachel jez?
Wo habt ihr Teuffel euren Wiz?
Wo ist der Hellen Macht und Sieg?
Wer führet wieder uns den Krieg?
                                       5
Das Lam / dass der Welt Sunde trägt /
Hat eure Macht in Koht gelegt.
Es herschet kräfftig dort und hier /
Und eur Leid wehret für und für.
                                       6
Ja liebster Heiland / deine Krafft
Hat uns nun Fried und Ruh geschafft;
Die Feinde die uns drångten sehr /
Sind mat und gelten fort nicht mehr.
                                       7
Was murret ihr / ihr Teuffel noch?
Was sperret sich der Hellen Loch?
Und dürffen Gottes seiner Schaar
Noch Marter dräuen und Gefahr.
                                       8
Das Lämlein dass erwürget wahr
Bricht eure Wuht und Rachgier gar.
Der Löu' aus Juda steht uns bei /
Und macht von eurem Zorn uns frei.
                                       9
Der Simson bricht der Hellen Tühr /
Der kühne David trit herfür.
Der Goliat liegt schon gestrekt /
Und die Philister sind erschrekt.
                                       10
Du Heiland / du geherzter Held
Hast aller Feinde Macht gefelt /
In dem du aus dem Grab auffstehst /
Und wieder ein zum Leben gehst.
                                       11
Was wollten wir dann fürchten sehr
Des Todes Macht / das hellisch' Heer?
Las toben was da will und kann /
Trit nur den Kampff mit ihnen an.
                                       12
Ist deine Macht O Mensch / gleich schwach /
So hebt dein Heiland hinten nach.
Durch dessen Krafft wirstu bestehn /
Und dein Feind muss zu Boden gehn.
                                       13
O Heiland hilff zu aller Frist /
Der du vom Tod erstanden bist;
Trit her zu uns in aller noht /
Führ' uns ins Leben durch den Tod.
Die Anwesenden höreten der lieblichen Gesangs-weise zu / weil sie von den Worten
nichts verstunden / ohn allein Ladisla / der es aber wenig achtete; Und weil sie
wussten / dass Herkules alles gegenwärtige Lob sehr zuwider wahr / sagten sie
nichts darzu / ohn dass Frau Sophia sich der geschehenen Ehre höchlich bedankete
/ nebest dem Wunsche / dass sie dessgleiche oft zu hören mochte gewirdiget
werden; welches doch selten geschahe. Diesen Abend bestimmete er mit Ladisla die
Zeit zum Hochzeitfeste / und dass er seiner Fr. Mutter die Heirat durch eigene
Botschaft zu wissen tuhn wollte / damit sie ihm nöhtige Gelder zu seinem Vorhaben
übermachen / und er der ansehnlichen Freundschaft sein Vermögen und Herligkeit
sehen lassen könnte.
    Am ein und zwanzigsten Tage nach seiner Verwundung / da er allerdinge gesund
uñ stark wahr / bekam er Lust ein wenig ausszureiten / und erbohten sich Ladisla
und Fabius / ihm Geferten zu geben. Der Statalter solches hörend / sagete: So
lasset uns mit einander nach meinem Vorwerke reiten / und den Ort in Augenschein
nehmen / woselbst meine Töchter von den Räubern auffgefangen und hinweg
geschleppet sind. Die Statalterin wollte mit / und ihre beiden Töchter bei sich
haben / deswegen eine Gutsche vor sie zugerichtet ward; aber die Herren setzeten
sich ingesamt zu Pferde / und liessen Klodius uñ Marx samt andern XXXVI
wolbewapneten Reutern mit zur Begleitung zihen. Sie ergetzeten sich den Tag über
im grünen / und hatte das Frauenzimmer ihre Kurzweil bei der fliessenden Bach /
die durch den Lust Garten lief / und voll herrlicher Fische wahr / deren sie
mannichen mit dem Angel heraus fingen / und auff die Abendmahlzeit spareten /
genossen auch sonst der schönen Sommerzeit (massen es der erste Tag des Mäi
Monats wahr) mit guter Fröligkeit. Herkules kunte nicht lange stille sein / hiess
Klodius / sein Pferd und Brust Harnisch samt Schild und Helm herbringen / nam
ein Strik Winde zu sich / die Klodius führen musste / und ritte hinaus auffs Feld
/ etwa einen Hasen / oder (wo das Glük wollte) Hirsch auffzutreiben. Er wahr kaum
eine Viertelmeile vom Vorwerke /da sah er von ferne eine Gutsche von
Violenbraunen Sammet / mit breiten güldenen Schnüren besetzet /welche umbher
zugemacht wahr; ritte näher hinzu /und fragete den Gutscher / ob er nicht wissen
dürffte /wer in der unbegleiteten Gutsche sässe? der jhm zur Antwort gab: Wann
er vor einer Viertelstunde kommen währe / würde er eines vornehmen Römischen
Herrn Tochter drinnen angetroffen haben / die von dreien vermummeten Räubern mit
gewalt davon gerissen / und hinweg getragen währe / dass er nicht wissen könnte /
wohin man sie geschleppet hätte. Wie fährestu dann mit dem Wagen davon /
antwortete er / und låssest die Geraubete im stiche? Was kann ich ihr helffen?
sagte dieser; es ist mir noch lieb / dass ich Pferde und Wagen gerettet habe /
als welche mir anvertrauet sind. Das währe ein schlechter Verlust / sagte
Herkules; Du must aber ein Pferd aussspannen / und mich des Weges fuhren / ob ich
auff die Spuhr kommen /und dem Fräulein Hülffe tuhn könnte. Darauff stehet grosse
Gefahr / sagte dieser; doch weil ihr michs heisset / will ich gehorsamen; ritte
also mit ihm fort / und funden nach Verlauff einer halben Viertelstunde /einen
mit Gold und Perlen gestikten Schuch / welchen Klodius auffheben musste / und sie
leicht urteileten /die Geraubete würde ihn vor angst haben fallen lassen; und
weil sie der Spuhr eigentlich nachsehen kunten / liessen sie den Gutscher zurück
reiten / und nach Padua fahren; Sie aber renneten noch eine Viertelmeile weiter
fort / und merketen an der Räuber Fussstapfen / dass sie vom gemeinen Wege
abgewichen / und nach der Rechten zu sich in einen Pusch begeben hatten / sahen
auch / dass auff ihre Ankunft ein Ungewapneter von einem Baume stieg / uñ die
Hecke suchte / eileten ihm nach / und vernahmen aus ihrer Hunde bellen / dass
etwas wachsames verhanden wahr. Herkules / so bald er den Pusch erreichete /
rief mit starker Stimme hinein / dafern einiger Mensch daselbst verborgen låge /
und sich nicht melden würde / sollte es ihm sein Leben kosten; aber niemand wollte
sich kund geben; biss Klodius auff fleissiges umsuchen /einen geharnischten
Ritter hinter einer Nebenhecke daher traben sah / und es seinem Herrn anzeigete
/welcher ihm gerade entgegen ritte. Dieser solches sehend / rief ihm mit starker
Stimme zu / was er hie suchete oder begehrete. Herkules merkend / dass er seinen
Mann gefunden hatte / gab zur Antwort: Es håtten etliche boshafte Schelmen ein
Römisches Fräulein aus ihrem Wagen hinweg geführet / die er zu retten willens
währe. Der Ritter / welcher Silvan hiess / fragete weiter / was ihn dieses
Fräulein anginge? Er meinte ja nicht / dass er Ansprache an sie hätte. Es sei
wie ihm wolle / antwortete er / so bin ich dannoch willens / jhr in Nöhten
beizuspringen / wie alle redliche Ritter dem ehrlichen Frauenzimmer verbunden
sind. Beispringen? sagte dieser; hat sie euch doch keinen Bohten geschikt; und
was wisset ihr / ob sie nicht mit gutem Willen / oder auffs wenigste zu jhrem
guten Glük entführet ist? Zankens ist hier nicht Zeit /sagte Herkules; ob sie
mir aber gleich keine Bohten geschicket / so hat sie ohn zweifel die Råuber zu
diesem Bubenstük auch nicht eingeladen; und habt ihr Wissenschaft hierumb / so
saget mirs / dz ich mich darnach zu richten habe. Silvan antwortete: Ob ich
Wissenschaft drum hätte / wer wollte mich zwingen es zu sagen? Auff welchen Troz
er antwortete: trauen Ritter / eure Höfligkeit ist klein / wie gross jhr sonst
von Leibe und Hochmuht seid; wann ich aber wissen sollte / dass ihr an diesem
Raube schuldig wäret /würde ich versuchen / des übels eine Reue in euch
zubringen. O du elender / sagte Silvan / darffstu mir noch darzu dräuen / und
währest eines Unterhåndlers und Vorbitters so hoch benöhtiget / wann du ohn
Straffe entgehen woltest? fassete alsbald sein Schwert / und rante mit vollem
Grim auff ihn zu / der Meinung / ihn eines Hiebes zu fellen. Aber Herkules / der
des Schimpffs auch gewohnet / weich ihm aus dem Streiche / setzete ihm nach /
dass er sich wenden musste /und fingen einen so heftigen streit mit einander an
/dass Silvan sich daruber entsetzete / und zu seinem Gegener sagte: Du must
gewisslich in einer guten Schuele gelernet haben / und jammert mich dein / dass du
so früh sterben must. Ja wann du mich mit dem Maule überwinden köntest /
antwortete er / würde es an deinem Willen nicht mangeln / wie aber / wann du
Rechnung ohn den Wirt gemacht hättest? doppelte hiemit seine Hiebe / dass jener
zu weichen gedrungen ward / weil er schon etliche Wunden empfangen hatte.
Herkules aber liess nicht nach / sondern trieb jhn / biss er ihm endlich unter das
Schwert kam / ihm den Helm vom Häupte riss / und den Tod dräuete / wo er sich
nicht ergeben würde; Weil er nun merkete / dass er ausszureissen willens wahr /
warff er jhn vom Pferde /sprang ihm nach / sezte ihm das Schwert an die Gurgel /
und sagte: Bald lass mir das Fräulein kommen /oder du must sterben. Ritter / ihr
seid der erste / antwortete er / vor dem ich mich demühtigen muss; Ihr fodert
aber einen Schatz von mir / welcher mir eben so lieb als mein Leben ist. Daran
lieget nichts / sagte er / und hastu Recht darzu / soll sie dir schon bleiben
/aber du must durchaus und ohn verweilen schaffen /dass ich mit ihr rede Ja /
antwortete Silvan / ihr solt sie sprechen; liess sich auch von Klodius biss an den
Pusch leiten / und rief überlaut: Sosius führe das Fräulein her. Dieser kennete
die Stimme / und trat mit ihr daher / die einer Leiche ähnlicher als einem
lebendigen Menschen wahr; doch wie sie Silvan wehrloss sah / fiel sie vor
Herkules nieder / und sagte: O ådler Ritter und Herr / rettet mich elende aus
dieses verfluchten Räubers Händen / dess will ich euch zeit meines Lebens
verpflichtet sein. Stehet auff mein Fräulein / antwortete er / und beschimpffet
mich nicht solcher gestalt / sondern zeigt an / ob euren Ehren Gewalt angelegt
sei. Nein mein Herr / sagte sie / eure Zukunft hat die Schande von mir
abgekehret. Silvan /der vor Liebe brante / sah / dass er diese Beute sollte
fahren lassen / wollte aber lieber sterben / und da er Gelegenheit sah / rückete
er Klodius das Schwert aus der Faust / und setzete mit grossem wüten auff
Herkules an; der ihm aber tühnlich begegnete / und weil jener ohn Schild und
Helm wahr / zerspillete er ihm das Häupt biss auff die Zähne / womit der Kampff
sein Ende nahm. Das Fräulein ward dessen hoch erfreuet /empfing ihren Schuch von
Klodius / und baht Herkules mit überaus bewäglichen Worten / er möchte ihrer
Ehren Hühter sein / und sie nach Padua bringen / woselbst jhm seine Dienste
sollten vergolten werden. Er erboht sich darzu willig / und fragte Silvans Knecht
/ob noch Ritter in diesem Pusche währen / davon er bei straffe des Todes die
Warheit sagen sollte; welcher durch die Gefahr geschrecket / gutwillig bekennete:
Es hielten eine geringe halbe Meile XL Reuter und XXX Fussknechte von hinnen / zu
welchen seine Mitknechte schon hingelauffen währen / sie zu hohlen. Herkules
befahl / es sollte Klodius auffs geschwindeste hinreiten / umb Ladisla anzumelden
/ dass er mit seinen Völkern ihm zum Entsatz eilete. Setzete sich nach dessen
Abschied auch zu Pferde / und das Fräulein vor sich / weil ruhens zeit nicht
sein wollte.
    Nun hatte Herkules seinen Helm biss daher noch nicht geöffnet / betrachtete
doch dieser Fräulein Schönheit vor sich auff dem Pferde / und weil ihn dauchte /
dass ihr Angesicht mit seiner herzgeliebten Fräulein Valissken Gestalt in etwas
überein kähme /liess er aus herzlichem Verlangen einen tieffen Seuffzer gehen /
setzete den Helm ab / und drückete ihr die zarte Hand mit diesen Worten:
Hochgebohrnes Fräulein / ich habe heut ein unschatzbares Glük gehabt /indem ich
von Gott gewirdiget bin / ein so trefliches Fräulein zuretten / und ob derselben
ich gleich unbekant bin / hoffe ich doch / sie werde meine geringe Gesellschaft
ihr nicht lassen zuwider sein / und mit mir auff das näheste Dörflein reiten /
weil wir Padua heut nicht erreichen mögen; Ich will sie / wils Gott /zu einer
Gesellschaft bringen / deren sie wird sehr wilkommen sein. Das Fräulein / so
noch voller Schrecken wahr / verwunderte sich über seiner Schönheit und Jugend /
baht / umb der Gefahr willen / sehr zu eilen / und weil er sich so freundlich
gegen sie mit Reden / Geberden und Handdrücken erzeigete / geriet sie in furcht
einer unbillichen Liebe / und gab ihm diese Antwort: Vortreflicher Ritter / und
hochwerter Herr; mein Vermögen wird nimmermehr bestand sein / ihm die
gebührliche Vergeltung vor geleistete Hülffe abzulegen; weil einig und allein
durch seine Tapfferkeit ich vor dem gräulichen Silvan geschützet / und der Unehr
entrissen bin; gelebe auch zu meinem Herrn der tröstlichen Zuversicht / er werde
sich meiner Ehre ferner annehmen / damit ich unbeflekt bei meinen Verwanten zu
Padua anlangen möge; alsdann will ich nicht allein seine Mañheit / sondern auch
sein Tugendergebenes keusches Herz zu rühmen nicht unterlassen; und da jhm mit
einer guten Anzahl Gelder gedienet ist / soll er dessen nach seinem Willen von
den Meinen empfangen. Herkules wollte ihre Zucht etwas besser prüfen / welches
ihn hernach oft gereuete / und gab zur Wiederantwort: Schönstes Fräulein /ich
wundere mich nicht / dass jhretwegen die Ritter sich vergehen / und zu
StrassenRäuber werden / insonderheit / wann sie Standeshalben ihrer Hulde und
Liebe können fähig sein; massen die Strahlen ihrer anzündenden Augelein /
dergestalt kräfftig und durchdringend sind / dass auch das allerhärteste Herz
dadurch sollte erweichet / und zu ihrer Liebe angestränget werden; bitte demnach
dienstlich / mir nicht zu verdencken / dass ich nichts mehr wünsche / als ihr
Knecht und Diener genennet zu werden; ob ich dann gleich in jhren Diensten
sterben und untergehen sollte / würde ich diesen sanften Tod vor ihre Ungunst
erwählen; deswegen wolle sie an meiner Wenigkeit nicht zweifeln / dass ich nicht
alles mein Vermögen dran strecken werde / sie in gute sicherheit zu führen. Mit
welchen Worten er ihr die Hand freundlich küssete / uñ zugleich von der
Heerstrassen ab / das quer Feld einnam / nach einer Grund zu / da ihn dauchte es
der näheste Weg nach dem Vorwerke währe. Das Fräulein aber urteilete daraus / er
wollte sie gar entführen / und zu seinem Willen nöhtigen / daher sie also anfing:
Ach mein Herr / warumb meidet er doch die rechte Strasse? Ich bitte und ermahne
ihn bei seiner Ritterlichen Krafft / die er heut in Rettung meiner angewendet /
er wolle nichts ungebührliches wider mich vornehmen / noch durch eine solche
Taht seine selbst eigene Ehre beschimpffen / welches ihm kein Meer abwaschen
könnte. Uber das bin ich von solchen Leuten / welche ihm nicht allein die
erzeigete Rettung / nach seinem Willen vergelten / sondern auch / da er einigen
Missbrauch an mich legen würde / eine sehr schwere Rache wider ihn ausszuführen
måchtig gnug sind; doch wie dem allen / so rede ich solches nicht aus Hochmuht
oder Ruhmrätigkeit / sondern bitte demühtig / er wolle mit mir dergestalt
verfahren / dass ich ursach haben möge / ihn zeit meines Lebens / als meinen
Erretter zu ehren und lieben / sonsten da seine Gedanken mit anderm Begiñen
sollten schwanger gehen / müste ich seine Rettung nur vor einen Raub halten /
dessen ich mich zu seiner Auffrichtigkeit nicht versehen will. Trefliches
Fräulein / antwortete er / sie hat sich meinetwegen nichts arges zubefahren;
aber würden ihre Eltern und Anverwanden mirs auch verargen können / da ich
meiner erstrittenen Beute bessere Kundschaft mir wünschete? ich bin ja
unverheirahtet / und sie lebet auch ohn Gemahl. Ach mein Herr / sagte sie / er
wolle seinen Begierden nicht selber schmeicheln / noch vor zulässig halten / was
in aller Welt vor unbillich gescholten wird; sollte er aber seinen worten nach /
nichts als bessere Kundschaft begehren / kann ihm darinnen wohl gewilfahret
werden /nur wolle er von diesem verdächtigen Wege abkehren / und der Strasse
folgen / damit ich meinem Hn. Vetter / dem Römischen Käyserl. Statalter zu
Padua ohn Schmälerung meiner jungfräulichen Zucht und Ehre möge geliefert
werden; alsdann wird diese seine Taht zu Rom nicht geringer geschätzet sein /
als der vortreflichen fremden Herren / die meine herzgeliebte Wase und Schwester
Frl. Sophia Fabia aus Räuber händen erlediget / und ihrer einer dieselbe auff
gebührliches Ansuchen zum Gemahl erhalten hat; ich auch mich ausdrücklich zu dem
Ende auff diese Reise begeben / dass ich meiner Frl. Schwester bei ihrem
Hochzeitfest möge auffwärtig und bedienet sein. Hier bekam nun Herkules grosse
Reue / seiner ertichteten Anmuhtung / küssete ihr die Hand und sagete:
Durchleuchtiges Fräulein / ist dann Fr. Sophia Fabia ihre so nahe Anverwantin?
Ja mein Herr / antwortete sie; Wir sind zweer Brüder Kinder / und ist mein Nahme
Sibylla Fabia. Hochgebohrnes Fräulein / sagte hierauff Herkules: Der wahre Gott
Himels und Erden ist mein Zeuge / dass Zeit meines Lebens ich keinem einigen
Weibsbilde Ungebühr zugemuhtet / auch gegen ihre Durchl. dessen im
allergeringsten nicht gesinnet bin /sondern meine Reden sind eines teils zum
Scherze /andern teils dahin gemeinet / dass weil ich lebe / ich euer
Vortrefligkeit ergebener Knecht und Diener sein und bleiben will; und ist mir
herzlich leid / dass sie meine Worte ungleich auffgenommen / oder wegen dieses
Abweges Argwohn gefasset hat / welchen ich aber bloss / der Gefahr zuentgehen /
und sie in Sicherheit zu angenehmer Gesellschaft hinzuführen / vorgenommen habe /
weil ich befürchte / des erschlagenen Miträuber dürfften dem gemeinen Wege bald
folgen; weil ich mich auch unwirdig erkenne / ein so hohes Fräulein vor mir auff
dem Pferde zu führen / will ich willig absteigen / und neben ihr zu fusse
herlauffen. Ach nein / mein Herr / antwortete sie; so währe ich das unhöflichste
Weibesbild / wann ich meinen Erlöser vom Pferde stossen / und an seine stelle
mich drauff setzen würde. Ich bedanke mich aber von herzen vor das hoheerbieten
/ vernehme daher sein ehrliebendes Gemüht / welches ich weit höher als seine
Tapfferkeit schätze / und ich die meinen auch dahin vermahnen will / ihm alle
mögliche Dankbarkeit zu erzeigen. Aber mein Herr / vielleicht ist er selbst
deren einer / die meine Fr. Schwester von den Räubern erlöset habe. Ich bin
meiner Fräulein / wie auch ihrer Fr. Schwester stets ergebener Knecht /
antwortete er; uñ jenes Gebäu / welches dort vor uns liget / ist der ort
/woselbst mein Frl. in Gesellschaft eines hochädlen Frauenzimers zur
Nachterberge grossgünstig vorlieb nehme wird.
    Frr. Ursul und Sophia gingen haussen vor dem Vorwerke / umb zu sehen / ob
Herkules mit dem fremden Fräulein / wovon ihnen Klodius gesagt hatte / bald
kommen wurde; Und als sie ihn von ferne erblicketen / lieffen sie ihm frölich
entgegen / da ihm Fr. Sophia zurieff: Mein Herr Bruder / Herr Herkules / was vor
ein schönes zahmes habt ihr gefangen / und seid nur dem Wilde nach geritte? Das
Fräulein erkeñete alsbald ihre Stimme / und sagte zu Herkules: Ach mein Herr /
warumb hat er sich mir nicht wollen zuerkennen geben / dass ich ihm die
gebührliche Ehre geleistet hätte / nachdem sein hochberümter Nahme aus meiner
Fr. Schwester Schreiben mir wolbekant ist? Er aber stieg vom Pferde / und huhb
sie herab /über welche die beide Frauen sich zum höchsten verwunderten / sie
freundlich umbfingen / und zu ihr sageten: O Herzen Schwesterchen / wie sehen
wir euch so unvermuhtlich / und ohn Gesellschaft? diese antwortete: Sie währe
vor wenig stunden von dem schnöden Silvan geraubet / håtte auch ohn zweifel Ehr
und Leben einbüssen müssen / wann dieser tapffere Ritter und Herr sie nicht
errettet und den Räuber erschlagen hätte. Worauff Fr. Sophia sagte: Muss dann
Herr Herkules den Fabier Töchtern zum Heil und ihrer ehren Rettung geboren
sein? O wie hoch ist ihm Herr M. Fabius hierumb verbunden / weil er nur dieses
einige Kind hat / durch deren Verlust alle seine Freude zugleich mit würde
verschwunde sein. Herkules antwortete; seine schlechte Dienste währen dessen
nichts wirdig; aber hat mein Klodius / sagte er / sich noch nicht eingestellet?
O ja / sagte sie / er hat meinen Gemahl und Bruder mit der ganzen Reuterei
auffgemahnet / sind auch biss auff meinen H. Vater und IV Reuter alle fortgangen.
Herkules hörete solches gerne /lies ihm ein geruhetes Pferd und das
hinterstellige seines Harnisches geben / und setzete ihnen frisch nach. Der
Statalter und sein Gemahl empfingen das Fråulein / als ihr eigen Kind / und
frageten / wie ihre Eltern sie so einsam hätten reisen lassen / freueten sich
nicht minder ihrer Zukunft / dann ihr Vater H. Markus Fabius wahr des
Statalters einiger Bruder / ein trefflicher Herr zu Rom / der die höchsten
Ehrenämter bedienete / und am Käyserlichen Hoffe viel vermochte / auch bei des
Käysers Mutter Fr. Mammea in sonderlichem Ansehen wahr. Ihre Mutter Fr. Plazida
/Herren Cassius Apronianus / gewesenen Römischen Bürgemeisters Tochter / hatte
sie zu allen jungfräulichen Tugende erzogen / dass ihres gleichen zu Rom wenig
gefunden ward. Als nun die Gesellschaft zu wissen begehrete / wie sie von
Herkules gerettet worden / der vor wenig stunden von ihnen geritten wåhre;
antwortete sie. Hochwerter Herr Vetter; nachdem mein H. Vater der gluklichen
Heirat meiner Fr. Schwester ist berichtet worden / und dass das Hochzeitfest in
weniger Zeit folgen würde; habe ich der Zeit nicht können erwarten / sondern bei
meinen Eltern bitlich angehalten / dass ich alsbald herüber reisen / und meiner
Fr. Schwester Gesellschaft und auffwartung leisten möchte / welches sie mir
endlich bewilliget / und mit XVI Reutern mich auff meiner Gutsche begleiten
lassen; wie ich nun in guter Sicherheit fortgezogen bin / hat ein Hetrurischer
Herr / nahmens Silvan mit seiner grosse Gesellschaft mich heut überfallen / meine
Reuter alle erschlagen / und mich noch eine Stunde fortfahren lassen / jedoch
mir etliche Räuber nach geschicket / welche mich und meine Dienerin aus der
Gutsche in einen Pusch getragen / und mich dem Silvan / welcher sich daselbst
allein befand / eingelieffert. Dieser Räuber hat vor sechs wochen bei meinen
Eltern umb mich angehalten / und als er abschlägige Antwort bekommen / sich
heftiger Dräuunge vernehmen lassen / wie hart er diesen vermeinten Schimpff
zurächen / und dannoch meiner /wo nicht zu ehren / doch zu seinem Willen mächtig
zuwerden / Raht wüste; hätte auch ohn zweifel seine Bosheit an mir volstrecket
/ wo nicht Herr Herkules durch mächtige Erlosung mich von ihm lossgemacht hätte.
Der Statalter tröstete sie / wegen überstandener Gefahr / und dass sie diesen
Unfal nicht zu sehr sollte zu herzen nehmen / weil noch alles durch der Götter
schickung wohl abgelauffen / und ihre Ehr und Gesundheit unverletzet blieben
währe. Inzwischen hatten Silvans abgelauffene Knechte seinen Völkern angedeutet
/ dass ihr Herr von einem Ritter angesprenget / und schon so weit gezwungen wåhre
/ dass er ihm das Fräulein zustellen müssen / dürffte auch wohl gar Lebensgefahr
ausstehen / wo man ihm nicht zu Hülffe kähme. Worauff Silvans Schwester Sohn /
nahmens Vinius / ein verwägener frecher Mensch / mit der ganzen Reuterei sich
auffmachete / und den Fussknechten zu folgen / Befehl erteilete. Er kam bald bei
Silvans Leichnam an / und verstund von Sosius / wie sichs begeben hatte;
bekümmerte sich doch wenig wegen des Unfals / weil er ihm alsbald Hoffnung
machte /das Fräulein vor sich wieder zuerstreiten / ging also fort / und folgete
Klodius seiner Spuhr nach / da er der Fräulein Magd antraff / und sie bei sich
behielt /umb / wie er sagte / sie dem Fräulein wieder zuzuführen. Ladisla
setzete mit seinen Leuten auch frisch fort / und wahr kaum bei der Heerstrasse
angelanget / da er von ferne den Staub vor sich sah; hielt darauff stille / und
stellete die seinen in Ordnung dafern man ihn rechtfertigen würde. Vinius stach
vor seinen Reutern her / und so bald er der unsern gewahr wurde / rante er zu
ihnen hin / und fragete; ob ihnen nicht ein Ritter aufgestossen währe mit einem
Fräulein in lichtrohter Kleidung. Klodius musste ihm auff Befehl antworten /und
fragen / was er auff das Fräulein zu sprechen hätte; es währe ihnen ja ein
solcher Ritter begegnet /dem sie Schuz und Beistand auff allen Fall leisten
wollten. Dieser gab hönisch zur Antwort: Er hätte anjezo nicht Zeit / sich bei
ihnen auffzuhalten / damit ihm das Fråulein nicht entführet würde / möchten sich
deswegen gedulden / biss auf seine Zurükkunft / als dann wollte er ihnen Fuss
halten; auff was Weise sie es begehren würden. Schwenkete hiemit seine Schaar
/und wollte neben ihnen weg reiten; aber Ladisla stellete sich ihm in
aussgebreiteter Ordnung entgege / und fragete nochmal / was vor Recht er zu dem
Fräulein hätte / nebest der Bedrauung / er sollte sich der Nachfolge begeben /
oder ihn zum Feinde haben. Dieser sah dass ihm der Weg verleget wahr /
zweiffelte zwar am Siege nicht / weil er die unsern an Mannschaft übertraff; nur
besorgete er / dz auf diese weise das Fräulein ihm möchte entrücket werden /
versuchte deswegen noch einmal / in güte zuerhalten / dass er seinen Weg
ungehindert möchte fortsetzen / mit åidlichem Versprechen / er wollte hernach den
unsern gedoppelt zuwillen sein; dafern sie ihm aber sein Glük würden verhindern
/ müsten sie es alle mit dem Halse bezahlen. Ladisla wollte ihm darauff nicht
antworten / sondern beredete sich mit Fabius / wessen er sich zu seinen Reutern
zuversehen hätte / es tähten ihm die schmåhliche Dräuworte sehr wehe / die er
auff sich nicht könnte ersitze lassen / und hätten sie sich billich zuschämen /
dass sie solchen Troz erdulden müsten / da sie an der Zahl ihm beinahe gleich
währen. Fabius redete hierauff seine Reuter an / und als sie sich erbohten /
ihrer Pflicht biss in den Tod eingedenk zu sein / sagte Ladisla zu Vinius / er
sollte des Nachjagens / oder seiner Freundschaft sich begebe /man hätte seine
stolzen Dräuungen schon viel zuviel ubersehen. Wolan / antwortete dieser; dein
lezter Tag ist kommen / welcher dir so viel unerträglicher fallen soll / weil du
mir an meiner höchsterwünscheten Glükseligkeit verhinderlich bist. Womit sie von
einander zogen / und die ihren zum Treffen ordneten. Herkules kam gleich hinzu
gerennet / vernam von Ladisla allen Verlauff / und wahr des gänzlichen vorhabens
/ die Blutstürzung abzuwenden / schickete alsbald seinen Klodius an Vinius / und
lies ihm sagen; der so das Fråulein gerettet / und schon in Sicherheit gebracht
/währe gleich jezo wiederkommen / und liesse ihm sagen / dass wann er etwas auff
ihn zusprechen hätte /sollte er solches mit seinem Schwerte wieder ihn aussfechten
/ und zu weiterm Mord keine Ursach geben /und stünde ihm frei / mit ihm oder
Ladisla den Kampff anzutreten. Der Räuber soll wilkommen sein /antwortete Vinius
/ und sage ihm / das er sich fertig halte. Klodius hies ihn einen Lügener / und
das er auff seine Schanze acht gäbe; hinterbrachte die Antwort /und machete
Ladisla traurig / dass er ohn Streit abzihen sollte / musste doch einwilligen / und
fielen die beide ganz eiferig mit den Schwertern aufeinander /da Vinius durch
seine erste Wuht zimlich Stand hielt; aber Herkules ward bald sein Meister /
lähmete ihm vor erst den rechten Arm / und gab ihm also fort einen Stoss in die
Gurgel / dass er Tod niderstürzete. Seine Reuter erschraken der schleunigen
Niderlage / und auff Ladisla Befragung / ob sie umbkehren / oder gleicher
Belohnung wollten gewärtig sein / bahten sie umb schön Wetter / gaben der
Fråulein Magd von sich / uñ auf Vergunstigung führeten sie den Erschlagenen mit
sich davon. Herkules dankete Gott / dass ohn weiteres Blutvergissen der Streit
geendiget wahr /und befragete die feindlichen Reuter / auff was vor einen
Anschlag sie eigendlich ausgezogen währen; welche zur Antwort gaben; es hätten
ihre beide Erschlagene Herre nebest andern gewaltigen Rittern sich verschworen /
Herren Fulvius Tod an den beiden fremden Herren zu Padua zu rächen; weil nun
Silvan von Rom vertrauliche Nachricht bekommen / dass das Fräulein auff dem Wege
nach Padua währe / hätte er solche aufffangen / und sie ihm ehelichen wollen.
Herkules gab zur Antwort: Ich bin einer von den fremden zu Padua; weil dann eure
beide Herre eine unverdiente Feindschaft mir zugeworffen / haben sie durch
Gottes Rache den Lohn schon hinweg; Kehrete mit seiner Gesellschaft wieder um
nach dem Vorwerke / und wurden daselbst frölich empfangen.
    Bei der Abendmahlzeit sass Herkules auff Fr. Sophien Anordnung bei dem
Fräulein / redete aber wenig mit ihr / weil er sich seines gebrauchten Frevels
nicht wenig schämete. Die Nacht ruheten sie auff zwei gemeinen Lagern / und
wahren früh morgens mit dem Tage wache / da Fr. Sophien eine sonderliche Lust
ankam / den Platz im Walde zu besichtigen / da sie aus Räubershänden erlöset /
in ihres lieben Ladisla erste Kundschaft gerahten wahr / welches ihr so heftig
anlag / dass sie nicht ruhen kunte / ihn zu bitten / dass er die Gesellschaft
vermögen möchte / mit zureiten / dann sie währe willens / an dem Orte eine
sonderliche Gedächtnis zu stifften / welcher sie seiner Liebe zu allererst
wirdig gemacht hätte. Ladisla kunte ihr ohn das nichts versagen; so wahr es auch
ein kurtzer Weg / der in zwo Stunden mit ihren schnellen Pferden kunte erreichet
werden; begrüssete demnach seinen Herkules und den jungen Fabius / ihm
Gesellschaft zu leisten. Der Statalter erboht sich / selbst mitzuzihen; auch
wollte seine Gemahl den Ort besichtigen / dass also sie ingesamt in den ersten
Frühstunden sich auffmachten / und den Weg vor sich nahmen; wollten zwar anfangs
ohn Waffen reiten / aber auff des Statalters anmahnen / legten sie dieselben an
/ weil man nicht wissen könnte / was vor Unfall sich zutragen möchte. Als sie den
Pusch erreicheten / mussten sie die Pferde unter der Verwahrung etlicher Reuter
Jungen hinter sich lassen / und zu fusse durch die Hecken brechen / welches dem
Frauenzimer nicht eine geringe Beschwerung gab; wiewol sie gute Gehülffen bei
sich hatten; massen der Statalter sein Gemahl / wie auch Ladisla und Fabius die
ihren mehrenteils schleppeten und trugen. Herkules führete Frl. Sibyllen mit
ihrer guten Vergnügung / der sich doch noch immerzu furchtete / sie würde wegen
seiner gestrigen Reden einen heimlichen Unwillen auff ihn geworffen haben /daher
er auch vor dissmahl zu ihr sagete: Durchl. Fräulein / wann ich an mein gestriges
Verbrechen gedenke / da ich so ungebührlichen Schertz mit ihr treiben dürffen /
schäme ich mich fast / sie kühnlich anzusehen / und wundere mich ihrer hohen
Gütigkeit /dass sie meinem Muhtwillen so leicht verzeihen können / und mich ihrer
Gefährtschaft noch wirdiget; versichere sie aber / dass zeit meines Lebens ich
mich äusserst bemühen will / diesen Frevel durch ein bereitwilliges Herz jhr
zudienen / abzutragen / und wünsche nicht mehr / als dass ich des beschehenen
vollige Verzeihung bitten dürffte. Das Fräulein / die an seiner Zucht und
Schönheit überaus grosses Gefallen trug /antwortete ihm: Ach mein Herr / ich
bitte freundlich /er wolle sich allerdinge Unschuldigen nicht anklagen
/gestaltsam ich von jhm ja nichts als alles gutes empfangen; hätte auch vielmehr
umb Verzeihung zu bitten / dass ich sein ehrliebendes Gemüht in zweifel zihen /
und mich uber ihn beschweren dürffen / wovor ich gerne Abtrag machen wollte /
wann ich nur des Vermögens währe. Er hingegen wendete ein / es währe seine
höchste Vergnugung / wann sie sein Verbrechen übersehen und vergessen wollte;
huhb sie auch über alles Gesträuche mit anmuhtigen Bezeugungen seines ergebenen
Willens / dessen sie mit guter Auffmerkung wahr nam / weil sie ohn das eine
Schuldigkeit der Vergeltung vor geleistete hohe Dienste in ihrem Herzen empfand
/ daher sie ihm alles gutes / wie ihr selbst / gönnete; betrachtete auch nicht
allein seine Tugend mit den Gedanken ihrer hochvernünftigen Seele / sondern
sah sein liebreiches Angesicht ohn alle Einbildung der Geniesswilligen Liebe zum
oftern an / und hütete sich nicht vor dem Gift / welcher durch der Augen und
Zungen Bedienung sich biss in das innerste des Herzen hinein zu senken pfleget
/weil sie nicht allein noch jung / und im XVI Jahre ihres Alters / sondern auch
von ihren Eltern in höchster Zucht aufferzogen / und von allerleichtfertigen
Gesellschaft abgehalten wahr / welche offters der zarten Jugend viel schädlicher
/ als die gifftigsten Schlangen sind. Die holdseligen Unterredungen kurzeten
ihnen des Weges Länge / und machten sie des mühseligen gehens wenig empfinden /
dass ehe sie sichs versahn / sie sich schon auff dem Platze befunden / und nicht
ohn Bestürzung sechs auffgerichteter herrlicher Mahlzeichen gewahr wurden / daher
sie anfangs meinte / sie hätten den rechten Ort nicht angetroffen / eileten
doch nicht destoweniger / die erhabenen aussgehauenen Steine zubesichtigen /
unter denen der eine sechs Ellen lang und drittehalb Ellen breit /ganz glat
gehauen wahr / an dem sie diese Messinges künstlich eingegossene Schrifft lasen:
Stetswehrendes Ehren Gedächtnis der treflichen Helden / welche auff diesem
unseligen Platze von vierzig Romischen Rittern unredlicher weise angegriffen /
und nach langem ernstlichen Gefechte übermannet und erschlagen sind; deren Todt
an den Mordern und ihren Helffers-Helffern zu rächen / die löbliche verschworne
Gesellschaft ihr vorbehalten hat.
    Unten am Steine wahr die Jahr-Monat und Tagezahl solcher Niederlage
abgehauen. Der Stein so diesem am nähesten stund / wahr ein grosses Mannesbilde
/ welches in der Rechten ein Schwert / und in der Linken einen Schild hielte /
und lase man zu oberst auff einem Getäffel diese Schrifft: Orgetorix der grosse
von Leibe / Gemüht / Kunst und Kräfften / aller Fechter Ehr und überwinder /
bestalter Herzog über 38000 Mann / lieget unter diesem Steine begraben / von XV
geharnischten Rittern schelmisch überfallen / deren er vor seinem Tode zwei
nidergehauen; dessen Blut umb Rache schreihet. Nähest ihm stund ein gepanzertes
Bilde mit gleichem Gewehr / und mit dieser Uberschrifft: Herr Dumnorix Obrister
über 4000 lieget unter diesem Steine / von acht Rittern unredlicher Weise
erschlagen. Das folgende Bild gleicher Gestalt / wahr unter dieser Schrifft
zuerkennen: Herr Ambiorix /Obrister über 3000 / hat allhier seinen kühnen Geist
aufgegeben / von acht Rittern nidergemacht. An den zweien übrigen
auffgerichteten Steinen / in nicht so hoher grösse / lasen sie diese Worte; als
am ersten: Fimbria / Herren Dumnorix Obrister Wachtmeister / von fünff Rittern
ermordet / hat seinem Obristen im Tode Gesellschaft leisten wollen. An dem
lezten: Sergius / Herren Ambiorix Häuptman über ein Freifähnlein / ist alhie von
vier Rittern erleget worden. Sie verwunderten sich dieser Begebnis zum höchsten
/ und sagte Herkules. Die Nahmen und Zeitbenennungen geben gnug an den Tag / dass
den von uns erschlagenen Räubern diese vermeinte Ehren Gedächtnis auffgerichtet
worden; warumb man aber solche Taht XL Rittern zuschreiben wollen / ist mir
unwissend / es geschåhe dann aus grosspralerei / den Buben ein so viel grösser
Ansehen zu machen / welches ich doch wenig achte / und nur nachsinne / wer immer
und ewig so verwägen sein dürffen / diese Steine herzusetzen / und zwar ohn
Vorwissen der Landes Obrigkeit; muhtmasse daher /es müsse eine grosse Menge der
verschwornen Räuber obhanden / und vielleicht wohl gar in der nähe sein;
angesehen / dass in so kurzer Zeit dieses alles nicht allein geschwinde
verfertiget / sondern auch auffgerichtet ist. Ich weiss nicht / antwortete der
Statalter / ob dieses ein verzaubertes oder wahrhaftes Werk ist; dann Römische
Untertahnen haben diese Bilder ja nit öffentlich hauen / vielweniger die Dräuung
der Rache hinzusetzen dürffen; daher ich wähne / dem Römischen Reiche stehe eine
grosse annoch verdeckete Gefahr vor / welches etlicher massen aus des Orgetorix
reden gegen meine Tochter / erscheinet. Der junge Fabius sah ohngefehr an einem
grossen Baume eine weisse steinerne Taffel blänken /ging hinzu / und lase daran
folgenden Inhalt: Diss sind die sechs unehrliche Ritter / welche durch die Hände
der Helden vor ihrem Tode auffgeopffert sind. Er rief die andern herzu / es zu
lesen / sah über sich / und ward sechs auffgehenkter Leichnam gewahr / die
endlich vor seine Reuter erkennet wurden / welche Herkules und Ladisla bei
seinem unvorsichtigen Anfall erschlagen hatten / und nachgehends in die Erde
verscharren lassen / welche wieder aussgegraben / und an diesen Baum geknüpffet
wahren. Als Ladisla sie besah / sagte er: Ohn zweifel haben die Uhrheber dieses
Werks ihre Auffmerker in Padua / welche ihnen alle Beschaffenheit wohl werden
eingebracht haben /dass also der blosse Hochmuht ihnen diese Lügen eingeblasen
hat. Niemand wahr bestürzter hierüber / als Fr. Sophia / und gedauchte sie / die
Steine müsten in der Nähe gearbeitet / und heimlich herzugebracht sein / worüber
sie zu ihrem Vater sagete: Jezt erkenne ich erst meine grosse Gefahr / in
welcher ich dazumahl gestecket; dann sollte ein grösser Hauffe Räuber den
damahligen Verlauff erfahren haben / und ihnen Hulffe geleistet / hätten wir
alle das Leben einbüssen müssen. Sie ging aber fleissig umher / ob sie nicht
irgendwo ein Merkmahl antreffen möchte / wodurch man der Sache bessere
Kundschaft einzöge; und ward endlich nach fleissiger Nachspürung gewahr /dass
nach der linken seite des Gehölzes inwarz / das Grass sehr zutreten wahr / und
eine Wagenleise / die fast gar zugescharret / sich etlicher massen vernehmen
liess; welches sie jhrem Ladisla anzeigete / und bei ihm anhielt / etliche von
den Reutern ausszusenden /die dem Wege nachgingen / und bericht einhohleten. Aber
Herkules / der mit gleichmässigen Gedanken umging / sagte: der Sinn trüge ihm
etwas sonderliches zu; wollte demnach die ganze ritterliche Gesellschaft
freundlich ermahnet haben / ihr Gewehr zu beobachten / und redete den Statalter
also an: Hochmögender Herr / mir zweifelt nit / diese ganze Landschaft / wo
nicht der Käyserliche Stuel selbst / sei einer grossen råuberische Gesellschaft
zur Beute ausserkohren / so dass erster Zeit / ehe und bevor der Rauch auffgehet
/ein hellbrennendes Feur Städte und Dörffer verzehren möchte; und wer weiss / ob
dasselbe nicht alhier in der Nähe unter der Asche glimmet / dass mans durch gute
Vorsicht dämpffen könnte / ehe es hervor gescharret würde; und ob gleich unsere
Gesellschaft klein und geringe ist / sind wir doch mit Waffen so wohl versehen
/dass wir uns eines räuberischen Sturmes mit der Hülffe des Allmächtigen Gottes
wohl erwehren können; deswegen auff des Herrn Statalters Vergünstigung /ich wohl
der Meinung währe / einen kurzen Weg ins Gehölz zu nehmen / ob sich einiger
Räuberhauffe wollte blicken lassen. Der Statalter liess ihm solches wolgefallen /
und erboht sich / selbst mitzugehen /nahmen das Frauenzimmer zwischen sich / und
gingen in guter Ordnung den getretenen ungleichen Weg eine ganze stunde lang /
ehe sie etwas gewahr wurden; Daher Fr. Pompeja wegen Müdigkeit anhielt /wieder
umzukehren; Ihre Tochter aber hingegen sie baht / noch ein wenig fortzugehen /
weil der Weg je länger je gebahneter fiele. Der junge Fabius trat eines guten
Steinwurffs vorauss / und ward dreier gepanzerter grosser Männer innen / die
unter einem schattichten Pusche schlieffen / und ihr Gewehr neben sich liegen
hatten. Er wendete sich umb / winkete der Gesellschaft stille zu sein / ging mit
grossen Schritten dem Pusche zu / stiess den einen mit dem Fusse in die seite /
dass er erwachete / und fragete ihn / wie er den rechten Weg nach Padua wieder
antreffen möchte / weil er im Walde irre ginge. Dieser verwunderte sich neben
seinen Gesellen / woher dieser gewapnete Ritter so einig zu fusse herkähme / und
gab ihm zur Antwort: Du gehest nicht irre / guter Geselle / sondern bist auff
dem Wege deines guten Glüks; stund hiemit auff /und griff nach seinem Schwerte;
Fabius aber / der seinen mörderischen Vorsaz merkete / liess ihm so viel Zeit
nicht / sondern wie er sich bückete / das Gewehr auffzuheben / versetzte er ihm
eines in den Nacken /dass jhm der Kopff vor seine eigene Füsse fiel; wodurch die
übrigen beide auffgemuntert / ihn mit grossem wüten anfielen / deren er sich
ritterlich erwehrete / biss Herkules und Ladisla ihm zu hülffe eileten /und den
ganzen Hauffen folgen liessen; daher die Räuber als ungeharnischte mit leichten
Sprüngen sich davon machten / und zueilen nicht auffhöreten / biss sie vor einer
mit Dornhecken umgebenen Höhle anlangeten / und sich daselbst verkrochen.
    Die unseren verfolgeten sie / so viel wegen Verhinderung der Waffen
geschehen kunte / biss sie bei diesem Orte ankahmen / des verdeckten Loches sich
verwunderten / und näher hinzu traten / auch ein grosses Getümmel und
Waffen-geråusche unter der Erden vernahmen / worüber Herkules sich hoch
erfreuete / rieff die ganze Gesellschaft herbei / und fügete ihnen zu wissen;
hie wåhre ohn Zweifel das gefährliche Raubnest / welches sie durch GOTtes Hülffe
gedächten zustören / dafern sie als ehrliche Rittersleute geträuen Beistand
leisten / ihre Schwerter frisch gebrauchen /und dieser unsterblichen Ehre mit
teilhaftig sein wollten; welches sie ihm alle schwuren. Wie geherzt sich nun
unsere Helden erzeigeten / so erschrocken stellete sich das kleinmuhtige
Frauenzimmer / insonderheit Fräulein Sibylla / ungeachtet Herkules sie tröstete
/und ihnen drei Hüter vor einen ungewarneten überfall zuordnete. Frau Pompeja
begunte mit ihrer Tochter zu schelten / dass sie die einige Ursach dieser Gefahr
währe / in welcher sie vielleicht alle umkommen müsten / die sich aber bester
massen entschuldigte; es währe ja alles ohn jhr wissen geschehen / und möchte
die Mutter sich zu frieden geben. Der Statalter wahr ohn Waffen / und hatte nur
sein leichtes Seiten-Gewehr bei sich / daher Ladisla ihn vermahnete / bei dem
Frauenzimmer zu bleiben / biss man bessere Kundschaft eingezogen hätte. Welches
er also beantwortete: Wie mein geliebter Herr Sohn / seid ihr dann diesem Lande
mehr schuldig als ich / dass ihr fechten /und ich in der Sicherheit verborgen
liegen sollte? fing hierauff an / die anwesende Reuter also anzureden: Nun lasset
sehen / ihr meine Söhne / wie träulich ihrs mit dem Vaterlande meint . Hier ist
Ehre / Ruhm und Belohnung zu erstreiten / so dass euch das Glük mit beiden Händen
zur Niessung ihrer Gaben herzuwinket; Lasset euch nur eine geringe Gefahr nicht
abschrecken / noch eine kurtze Arbeit verdriesslich sein; Ich verspreche euch bei
meiner Redligkeit / höhere Vergeltung als ihr selbst nicht gedenken möget; tuht
nur die Augen und Ohren auff / und folget euren Führern / welche / ungeachtet
sie Fremdlinge sind / dannoch sich willig vor die Wolfahrt unsers Landes
darbieten / in welchem sie nicht einen fussbreit eigenes haben. Dafern nun die
feindselige Räuber sich werden hervormachen dürffen / so greiffet sie frisch und
tapffer an / ich will vor eines jeden Feindes Häupt hundert Kronen erlegen. Uber
dieses erbieten wurden sie dergestalt beherzt gemacht / dass sie versprachen /
ritterlich zu siegen oder ruhmlich zu sterben.
    Herkules blieb inzwischen immer fleissig vor der Höhle stehen / und nach
tiefsinniger Horchung merkete er / dass das Getümmel sich immer weiter hinein
zohe / deswegen er X Reuter wählete welche den Harnisch ablegen / und umbher
gehe mussten / zuvernehmen / ob die Hohle etwa mehr Eingänge hätte; besetzete
dieses Loch mit drei Mann / und stellete die Völker in gute Ordnung / mit Befehl
/ wessen sie auff Begebenheit sich verhalten sollten. Es stund nicht lange an /
da kahmen die aussgeschikten wieder herzu / und brachten Kundschaft ein / dass
sie noch eines Loches gewahr worden / aus welchem sich gepanzerte Männer hervor
tåhten / und zum Streit fertig macheten. Nun dann geschwinde auff / sagte
Herkules; trat zwischen Ladisla und den jungen Fabius vorne an / und hies
Klodius mit XIV Mann folgen; die übrigen aber unter Markus Befehl sich gefasset
halten. Sie funden /dass sich schon XX Räuber aus der Höhle hervorgemacht / und
das Loch ringsumher besetzet hatten /daher Herkules sagte; man müste allen Fleis
anwenden / dass nur der Eingang erstritten / und die Feinde davon abgetrieben
würden; tahten hiemit den Angriff / und funden wieder vermuhten starke Gegenwehr
/weil jene den äussersten Fleiss anwendeten / des Lochs Meister zubleiben; dann
also ward ihr Hauffe immer gemehret / so lange sie Freiheit hatten heraus zu
steigen. Herkules lies Markus mit XII Mann zu sich fodern / ging neben Ladisla
mit ungläublicher Krafft auff die Räuber / und kunte doch ihrer keinen weichen
machen / sondern auff dem Platze ihres ersten Standes liessen sie sich
niederhauen; welchen Verlust die lebendigen nichts achteten / weil ihr Hauffe
stets gemehret ward. Klodius merkete dass auff der andern Seite des Loches der
Feind so festen Stand nicht fassen kunte / deswegen er selbst sechse durch die
Hecken brach / und nach kurzem Gefechte das Loch dieses Orts erstritte / dessen
Herkules sich freuete / und seine Tapfferkeit rühmete / weil dem Feinde das
Ausssteigen hiedurch schon benommen wahr; muhtigte daher seine Leute auff / und
das mit Abschneidung der Råuber-Köpffe sie sich nicht hindern sollten / er wollte
ihres wolverhaltens ihnen schon Zeugnis geben / und ihnen das versprochene Geld
zehnfach verschaffen. Darauf ging das schlachten grausam fort / und wurden XXXVI
Räuber hieselbst erschlagen / das nur ein einziger davon aussreiss / welchen sie
zwar leicht håtten nidermachen können / aber Herkules wehrete solches / und
befahl / ihn lauffen zu lassen / jedoch zu verfolgen / dass man sähe / wohin er
sich wendete / würde alsdann ohn zweifel ihnen an statt eines Spürhundes dienen
können. Er aber besetzete dieses Loch mit drei Mann / und vernam nicht ohn
schmertzen / dass er bei dieser Schlacht drei Reuter eingebusset hatte. Seine
Völker mussten alle zusammen treten / ohn die das Frauenzimmer und die beiden
Löcher bewahreten / und befand / dass sie noch drei und dreissig Mann stark
fechten kunten; hielt eine kurze Vermahnung / in welcher er ihre schon erzeigete
Tapfferkeit rühmete / und zur Standhaftigkeit sie ermahnete / welches ihnen mit
statlichen Schenkungen sollte vergolten werden. Der Statalter nahm eines
entleibeten Räubers Schild und Schwert zur hand / hatte bisher nur mit worten
geholffen / und wollte nunmehr selbst mit fechten / dann er hörete / dass die / so
dem flüchtigen gefolget wahren / die Zeitung brachten / sie hätten noch ein Loch
angetroffe / wobei sich etwa XVI Mann / und zween in vollen Ritterharnische
sehen liessen. Da wollte nun nicht lange harrens Zeit sein / gingen also frisch
fort /und funden / dass schon XXIV Räuber in fester Ordnung stunden / und teils
mit langen Spiessen umb das Loch hielten / dass sie keinen Schrit sich von ihrer
Stelle begaben / sondern das Loch zubeschirmen /willens wahren. Ein grosser
ansehnlicher Räuber aber trat aus ihrem Mittel in vollem Harnische hervor / und
rieff über laut; ob ein redlicher beherzter Ritter unter den unsern währe /
sollte derselbe mit ihm einen absonderlichen Kampff annehmen; und dürfte einer es
nicht wagen / möchte er selb ander kommen. Herkules aber sagte zu Ladisla; mein
Bruder; dieser suchet nichts / als Zeit zugewinnen / dass sein Hauffe vermehret
werde / deswegen greiff nur die Räuber frisch an / mit der ganzen Macht / ich
will mit Gottes Hülffe diesem verwägenen den Troz bald legen / und dir hernach
beispringen. Der junge Fabius wollte ihm den einzelnen Kampff wiederrahten / und
als solches nicht haftete / boht er sich ihm zu beistand an / weil das
Ungeheuer es selbst also begehret håtte. Aber Herkules sagte zu ihm: Mein Freund
/ dort wird eure Hülffe nöhtiger sein / hier gilt nicht nöhtigens / geht hin
/ich will geliebts Gott schier folgen. Trat hiemit unerschrocken auff seinen
Aussfoderer ein / nach dem er sich mit seinem gewöhnlichen Gebet Gott also
befohlen hatte: HErr Gott / du starker Schuz aller / die auff dich hoffen; stehe
mir schwachen bei mit deiner Krafft /und gib gnädig / dass dieses verwägenen
Menschen sein Frevel gebrochen / und seine Bosheit gestraffet werde; mir aber
verleihe den Sieg / weil ich nicht aus Liebe /Menschenblut zuvergiessen /
sondern aus unvermeidlicher Noht / dieses Kampffs mich unternehmen muss. Sein
Feind ging mit Wuht und rasen auff ihn los / dann er hatte fast Riesenstärke /
daher Herkules ihn sich anfangs abarbeiten liess / weich ihm mehr aus / als dass
er die Hiebe mit dem Schilde abgewendet hätte; endlich da er sich sehr verhauen
hatte / lieff er ihm ein und verwundete ihn am linken Arme / dass er vor
Schmerzen den Schild fallen liess / jedoch aus grossem Eifer imer heftiger von
sich schlug / worüber er aller Beschützung vergessend / sich in der Bemühung gar
bloss gab / dass ihm Herkules einen geraden Stich in das rechte Auge anbrachte /
und bald darauff einen unter dem Brustarnische in den Leib / einer halben Ellen
tieff; worauff er zurück trat / und sich in ein wolgemässenes Lager stellete. Der
grosse Ruland fühlete / dass er tödlich verwundet wahr / wollte doch seine Feind
gerne mit in den Tod nehmen / lieff unsinnig ein / und taht einen solchen
kräfftigen streich / welchen kein Stahl hätte mögen auffhalten / aber er fiel zu
kurz / und traff ihm doch etwas an der seite auff den Helm / dass ihm das
straucheln nicht ferne wahr; erholete sich doch bald / und sah seinen Feind vor
Ohnmacht wanken / und bald darauf in die Knie schiessen; trat zu ihm und sagte:
Nun wirstu mir den MeisterSatz halten / riss ihm den Helm hinweg / und schlug ihm
das Haupt von der Schulder. Der andere geharnischte Räuber / so bald er seinen
Gesellen straucheln sah / gab sich aus der gemeinen Schlacht / und rieff
Herkules zu / gleich da er den lezten Hieb taht: Ritter halt ein / oder du must
sterben; welches er aber nicht achtete / sondern nach vollbrachtem Schlage
antwortete: Dieser hat seinen Lohn hinweg / und wird Gottes Hand dich auch bald
finden. Sie hielten kein langes Gespräch / sondern fingen an so grausam auff
einander zu schlagen / dass die Zuseher sich darob entsetzete; und ob zwar der
Räuber an Leibeskrafft den Vorzug hatte / so ging ihm Herkules doch mit seiner
Geschikligkeit weit vor / indem er jhn von allen seiten anfiel / den schweren
Hiebe ausstrat / und im Augenblick wieder lossging / wann jener sich verhauen hatte
/ dass er ihn daher in kurzer Zeit an vier Orten verwundete. Der Statalter hatte
bisher seinem Gefechte mit höchster Verwunderung zugesehen / und fing an
zuruffen: Ihr Götter haltet diesem Helden Schutz / wie ers durch seine
Frömmigkeit verdienet. So bald Herkules seine Stimme hörete / dauchte ihn /er
empfinge neue Krafft / wollte die Zeit mit diesem nicht so lange zubringen /
sondern warff sein eigen Schwert von sich / und riss dem Räuber seines aus der
Faust; welcher sich des Schimpfs schämete / warff den Schild hinweg / uñ suchte
Gelegenheit mit ihm zu ringen / fühlete aber sein eigen Schwert gar zu bald in
den Rippen / dz er zu bodem fiel / mit händen und füssen zappelte / uñ kein wort
mehr sprach. Herkules riss jhm de Helm herunter / schlug ihm dz Häupt ab /und
reichte dem Statalter den Helm mit diesen worten: Da mein Herr / setzet um
gefahr wille diesen auf /dz ihr bessern schirm habe möget. Dieser nam solches
mit Dank an / uñ traten mit einander den ihren zu hülffe / da inzwische Ladisla
seine Leute geherzt anführete / und eine heftige Schlacht gehalte hatte / so dz
der feinde schon XX an diesem Ort erlegt waren /uñ kunten doch den Eingang nit
erstreite. Herkules rieff überlaut; man müste durchdringen / sonst währe alle
Arbeit vergebens; dann er sah dass der Feinde Anzahl sich immerzu mehrete / uñ
eines erschlagenen Platz geschwinde wieder ersetzet ward. Die Räuber empfunden
Herkules Fäuste bald / und hatten mit grosser Bestürzung angesehen / was Gestalt
er ihre beide Oberste Vorsteher hingerichtet; deswegen sie auff ihn als eine
Fluht stürmeten; aber Ladisla und Fabius leisteten ihm redlichen Beistand / biss
er aus diesem Gedrånge sich los arbeitete / und mit acht Mann / unter denen
Klodius wahr / auff der ander Seite einbrach / woselbst er in kurzerzeit IX
Räuber mit seiner Faust erlegete. Die andern feireten auch nicht / weil der
Feinde Geschrei in der höhle sich nur immerzu hören lies / beschützet den
Ausgang; ja sie drungen so häuffig hervor / dz ihrer etliche der Schilde
vergassen / und nur mit den Schwertern auff ihre Fechtkunst sich verlassend /
den Streit auffnahmen /daher sie weidlich einbüsseten / dass das Loch umbher mit
den erschlagenen umbschanzet ward / und die Feinde sich des Gewehrs nicht mehr
gebrauchen kunten / weil die unsern ohn Ruhe auff sie angingen. Ein ansehnlicher
Räuber / da er den Statalter / den er wohl kennete / gegenwertig sah /
überlieff er ihn ganz verwäge und sagte: So mustu dich dañoch nicht rühmen /dass
du die bisher so glückliche Gesellschaft zustöret /und ihren Schaz erstritten
hast; führete damit einen gewaltigen Hieb / in Meinung / ihn in der mitte von
einander zuschlagen; er aber weich ihm aus / trat wieder nach / und schlug ihm
das Häupt fast gar herunter; doch wahr ihm die Gefahr so nahe / dass ihm nicht
allein das Wammes vorne auffgehauen / sondern auch der Bauch geritzet wahr;
Ladisla und sein Sohn sahen dieses erst nach verrichteter Taht / wollten ihn
nicht weiter allein lassen / sondern nahmen ihn zwischen sich / und hielten ihm
kräftigen Schuz / weil sie sah /dz schon mehr Räuber sich an ihm reiben wollten.
Herkules unüberwindliche Faust drang endlich Sieghaft durch / das er einen
freien Gang zu der Höhle machte / die er vieren zuverwahren gab; er aber mit den
übrigen schlug von hinten zu in die Feinde / dass sie endlich verzageten / und
sich wie das Vieh hinmätschen liessen; ohn ein junger frischer Råuber hielt sich
wohl / dem Herkules Gnade anboht / wo er sich willig geben würde; dessen er sich
nicht lange bedachte / Schwert und Schild von sich warff / und sich erboht /
alles was er könnte / willig zu leisten. Herkules fragete ihn alsbald / ob die
Höhle noch mehr als drei Aussgänge hätte. Nein antwortete er / sie sind ihnen nun
alle versperret / und währet ihr nicht so glückselig gewesen / sie so zeittig
ausszuforschen /wurde euer ubel gewartet sein; dann ich versichere euch / dass bei
eurer Ankunft unsere Gesellschaft 194 Mann stark gewesen. Mich betreffend / bin
ich erst vor zehen tagen durch List und Gewalt von meiner Anverwanten einem
hieher gebracht / und zu einem Häuptman uber 400 Mann gesetzet; ist mir aber
sehr lieb / dass diese Räuber vor erfüllung ihrer angelegten Grausamkeit den
verdienten Lohn empfahen; und muss eine sonderliche schickung Gottes sein / dass
ihr gleich jezo kommet / da alle ihre Kriegsamten bei einander sind / welches
sonst selten geschihet; zweiffele nicht / die auffgerichtete Ehrengedächtnis
werde euch darzu veranlasst haben / welches die Verstendigsten befürchteten /
und doch / als überstimmet /nicht abwehren können. Ladisla lies inzwischen die
erschlagenen Räuber zählen / deren bei diesem Loche LVI wahren / und sie daher
aussrechneten dass noch C in der Höhle sein mussten; woruber der Statalter nicht
wenig erschrak / aber durch Herkules Freihmutigkeit getröstet ward / der seine
Gesellschaft also anredete: Ihr redlichen Brüder / sehet wie eine Menge der
Schelmen wir schon abgeschlachtet / und deren gleichwol noch so viel in der
Höhle sich auffhalten; aber lasset euch vor denselben nicht grauen; die
stärkeste sind erleget; ihre beide Führer dürffe vor Häuptweh nichts mehr
gebrauchen / die Gottes Allmacht durch meine schwache Hand abgestraffet hat.
Freuet euch aber / dass wir der Höhle Meister sind /und sie ohn unsere
Vergünstigung nicht heraus kriechen können. Wiewol ich willens bin / ihnen ein
Loch zu machen / dass wir sie locken / und zur gebührlichen Straffe zihen; dann
ich bin des gänzlichen vorsatzes /diesen Ort nicht zuverlassen / biss der
herrliche Sieg völlig wird erstritten sein. Seine Leute riefen / er möchte nach
seiner Weissheit ordnen / sie wollten alles gerne bei ihm und bei ihrem Ritmeister
auffsetzen. Darauff lies er sie Odem schöpffen / zählete sie / und befand / dass
er bei diesem andern treffen vier gute Kerle zugesetzet hatte / und ihrer sechse
zimlich verwundet wahren / welche er nach dem Frauenzimmer schickete / da man
sie verbunden hatte / und die aussgeruheten von dannen abfoderte / das sein
Häufflein noch in dreissig bewehrten bestund / dieselben mitgerechnet / welche
die Aussgänge verwahren mussten.
    Es lieff aber ein Reuter herzu von der ersten Höhle / und schrei über laut /
Waffen Waffen? Herkules ging ihm mit den seinen entgegen / und vernam dass seine
beide Gesellen mit pfeilen aus der Höhle verwundet / und dieser entrunnen wåhre
/ der Feinde ausssteigen anzumelden; eilete deswegen fort / und sah / dass schon
drei und zwanzig hervorgekrochen wahren / denen das Gewehr aus der Höhle
zugerichtet ward. Er überfiel sie mit ganzer Macht / und wurgete mit den seinen
immer vor sich weg / dass sie auff den Erschlagenen stehen und fechten mussten.
Der junge gefangene Räuber wollte sein Leben wieder verdienen / stritte gewaltig
/ und erlegte drei Feinde in kurzer Zeit; welches Herkules sehend / zu ihm
sagete: Halte dich wohl mein Kerl / du solt dessen geniessen / davor will ich dir
Bürge und Schuldmann sein. Die gewapneten Reuter sahen dieses Tapfferkeit zu
ihrer Erinnerung an / dass sie sich selbst auffmunterten / und eiferiger als
vorhin fochten / daher sie in einer halben Stunde LII Råuber dieses Orts
erlegeten / hingegen an ihrer Seite drei nider gehauen / und viere verwundet
wurden; und kam den unsern sonderlich zu statten /dass Ladisla den Feind gar
zeitig vom Loche trieb /und sie sich weiters nicht heraus wagen durften. Nun
hielten sich doch nach des Räubers Anzeige / noch XLII darinnen auff / da
hingegen ihrer nur zwei und zwanzig gesunde übrig / und zwar zimlich mat wahren
/ weil sie des Tages weder Speise noch Trank genossen hatten. Ladisla gab acht /
dass die Aussgänge fleissig besezt würden / und als er zimliche Sicherheit vernam
/ ging er zu dem Frauenzimmer / die vor Angst schier verschmachteten / weil sie
hinter dem Gepüsche das klappern der Waffen / das schreihen der kämpfenden / und
das Geheule der sterbenden höreten. Seine Ankunft gab ihnen grossen Trost /
insonderheit / weil sie vernahmen / dass er ohn wunden war. Sie fragten alle
zugleich / ob der grausame Streit sich nicht schier geendiget / und die Räuber
erschlagen währen. Denen er zur Antwort gab: wann sie ein andertalb hundert
todter Leichnam sehen / und die annoch übrigen Räuber erwürgen helffen wollten /
müsten sie nicht lange seumen; tröstete sie in ihrem zagen / uñ machte sich
wieder zu seiner Gesellschaft /welche durch des jungen Räubers Anleitung einen
lustigen Brunnen antraffen / und sich zimlich labeten /weil es ein heisser Tag
wahr. Unsere Helden aber hielten Raht / wie es weiter anzugreiffen sein würde;
Sie wahren an Mannschaft schwach / und fast ermüdet; hingegen die in der Höhle
frisch und in grosser menge; daher wollte der Statalter / dass man auff die
nähesten Dörffer schickete / und Bauern herzu ruffen liesse. Aber Herkules
wendete dagegen ein / die Dörffer währen zimlich weit abgelegen / und würde ihre
ohn das geringe Mannschaft dadurch geschwächet; wie bald könnte sichs zutragen /
dass die in der Höhle sich aus Verzweifelung ermanneten / und einen verwägenen
Aussfall hielten: Seine Meinung währe / dass man bei einander bliebe / und in
Gottes Namen das Werk zum Ende brächte; setzete den Helm auff / und redete sein
Häuflein also an: Wie wollen wirs nun weiter halten / ihr lieben Brüder? sollen
wir den Lauff einstellen / da wir den Zweg auf einen Sprung nahe ergriffen? ja
sollen wir als die flüchtigen zurück lauffen / und etwa den schlimmen Bauern die
Ehre und den Ruhm des Sieges abtreten / den wir biss auf wenig Hieben in der
Faust haben? ich meines teils bin viel anders gesinnet; bedenket / wie treflich
Käyserl. Hocheit / und die Stad Rom / ja das ganze Römische Reich euch ruhmen
werden / euch Segen und Wolfahrt zuruffen; und denen unter euch mit Gelde
gedienet ist / sollen dessen volauff empfangen; ja wer weiss / was vor ein
treflicher Schatz hieselbst verborgen ist / dessen ihr billich mit geniessen
müsst; blösset nur die Schwerter zu guter letzt noch dissmahl / und fechtet
behutsam / ich hoffe euer keinen mehr zu verlieren; und jene unsere Brüder / die
dort erschlagen liegen /haben höhern Preis durch ihren ruhmwürdigen Tod erworben
/ als die grössesten Hauptleute / die in der Schlacht wider einen öffentlichen
Feind ihr Leben einbüssen. So erkläret euch nun / wessen ihr gesonnen seid / ich
weiss / dass ihr schon alle an meiner Seiten stehet. Ja / riefen sie einhellig /
wir wollen sterben oder siegen / da wir nur die Feinde heraus locken können.
    Die in der Höhe hielten auch Raht / ob sie sich ergeben / oder den Streit
fortsetzen sollten; weil sie aber meistenteil Römische / und wegen Missetaht
verbannete wahren / hatten sie durchaus keine andere Hoffnung / als dass sie alle
müsten gekreuziget werden; wollten also lieber im Kampff als durch schwere Pein
sterben; daher sie durch einen guten Trunk Wein sich beherzt macheten / und im
andern Aussgange dergestalt mit Pfeilen von sich heraus schossen / dass die Hühter
zuweichen gezwungen wurden. Herkules bekam dessen frühe Nachricht / ging mit der
gesamten Mannschaft dahin / wie schon zwei und zwanzig mit ihrem Gewehr sich
umb dass Loch gestellet hatten /und mit verwägenem Trotze seiner Ankunft
erwarteten. Ladisla taht mit neun Mann den ersten Angriff /aber es wahr ihm
unmöglich durchzubrechen / ob sie gleich viel Blut vergossen. Fabius trat ihm
selb viere zu / da ging es noch schårffer daher. Aber ein Räuber von grosser
Krafft / muhtigte die seinen / und rieff überlaut: Stehet fest ihr Brüder / was
weichet ihr /fechtet getrost; was sollte uns diese elende handvol Reuter
angewinnen? bedenket eure Wolfahrt / welche im Siege oder Tode bestehet / und
lasset euch nicht von dem Loche abtreibe. Ladisla trat diesem Schreier näher /
und traff ihn dergestalt / dass er im dritten Hiebe zur Erden stürzete. Herkules
uñ der Statalter setzeten mit den übrigen an / da ging es über die Råuber /
welche als halbtrunkene ganz verzweiffelt fochten / und sich selbst wenig
beschützeten / wann sie nur den unsern eine Wunde anbringen kunten; daher wahr
dieses dass allerheftigste treffen / in welchem die unsern meist verwundet /
aber nur zween erschlagen wurden. Endlich drang unser Helden Schwert noch durch
/ das die Feinde abgetrieben / die Höhle ausswendig wieder besezt / und die
draussen sich befunden / alle erlegt wurden / ohn dass vier verwundete sich ins
Gesträuche verstecketen / und ihr leben retteten / die nachgehends Frau Sophien
und ihre Gesellschaft in grosse Angst brachten / wie im anfange des sechsten
Buches wird zuvernehmen sein. Der Räuber kahmen in diesem Treffen XX umb ihr
Leben. Hingegen wahr Ladisla / der junge Fabius / Klodius / Markus und die
anderen alle verwundet / ohn Herkules /der Statalter uñ drei Reuter; wiewol
Ladisla uñ Fabius jedweder nur zwo Fleischwunden an Armen und Beinen empfingen.
Herkules wahr über die masse betrübt / als er die seinen dergestalt zugerichtet
sah /ging deswegen vor das Loch / umb zuversuchen / ob er die übrigen / an der
Zahl XIIX zu williger Ergebung bewegen möchte / und rieff hinein / dafern sie
sich auff Gnade stellen / und ohn Gewehr hervorgehen würden / sollte ihnen das
Leben geschenket / und sie auffs höchste mit der Landesverweisung gestraffet
werden; dessen sie sehr froh wurden; dann ihre Häupter wahren erschlagen / und
wussten diese nicht / wie stark sie draussen wahren; ergaben sich also mit gutem
Willen / und stiegen ihrer zehne nach einander heraus. Herkules hies die ubrigen
in der Höhle verharren / biss diese gebunden wåhren / dann er wollte sich ihrer
versichern / dass sie nicht rükfällig würden / und seine Leute in ihrer
Schwacheit erwürgeten; diese aber bedingeten sich dessen anfangs / und als
Herkules sie wollte angreiffen lassen / gingen sie von einander / ergriffen der
ertödteten Schwerter / und überfielen die unsern mit grosser Verwägenheit;
schriehen auch den übrigen in der Höhle zu / sie sollten hervor steigen / und den
Sieg erstreiten helffen. Aber ihre Freude wehrete nicht lange / dann Herkules
und Ladisla hieben alsbald ihrer fünffe danieder; der Statalter und sein Sohn
neben den dreien gesunden Reutern traten auch herzu / daher die annoch lebendige
zum teil verwundete das Herz fallen liessen / sich ergaben / und gebunden
angenommen wurden; welches die übrigen achte in der Höhle ersehend / die schon
ergriffene Schwerter von sich legten / und sich der vorigen Gnade ergeben
wollten; Aber Herkules sagte; sie sollten hervor gehen und sich keiner Bedingung
verlauten lassen / wo sie nicht alsbald sterben wollten. Die geringe Hoffnung der
gnade beredete sie / dass sie einwilligten / und sich binden liessen / wahren
also XIII gefangene / uñ der begnadete junge Räuber von der ganzen Menge übrig /
und erfreueten die unsern sich des herrlichen Sieges / weil nur zwölffe von ihrer
Anzahl erschlagen / und XXV verwundet wahren. Herkules ging darauff ein wenig
beiseit / taht seinen Helm ab / und mit gefaltenen Händen und trähnenden Augen
richtete er dieses Gebeht kniend zu Gott. Mein Helffer Jesus Christ / wie kann
ich dir gnug danken vor deinen Schutz und mächtigen Beistand / über welchen sich
alle Welt verwundern wird; möchte wünschen /dass sie ihn nur erkenneten. O stehe
mir ferner bei / du mein geträuer Heiland / und gib / dass ich ja nicht
unschuldig Blut vergiesse / sondern die Bosheit straffen /und die Gerechtigkeit
beschützen helffen möge. Dir mein Gott sei Lob / Ehr / Preis und Herligkeit /
von nun an biss in Ewigkeit / Amen.
    Nachgehends befahl er / dass die Reuter sich alle entwapnen und Lufft
schopffen sollten; ging zu den Gefangenen / und fragete / ob nicht Wundsalbe in
der Höhle zubekomen. Der älteste Räubersgenosse / nahmens Servilius / ein Mann
von LXV Jahren / antwortete: Mein Herr / schenket mir Leben und Freiheit /ich
bin ein Wundarzt / und habe allerhand köstliche Wundsalben in der Höhle / will
auch allen geträuen fleiss anwenden / dass nicht allein euren Wunden raht
geschaffet / sondern auch überfluss an Speise und Trank aufgetragen werden soll.
Ja Alter / sagte Herkules / ihr solt Leben und Freiheit / darzu eine sonderliche
Gnade haben / da ihr eurem versprechen redlich nachkommet. Hiess ihn alsbald
lossbinden / und sprach ihn der Statalter frei; wofür dieser auff den Knien und
mit Trähnen dankete; hohlete bald sein Bindezeug hervor / und baht / dass dem
einen Gefangenen auch Gnade wiederfahren möchte / weil er nichts übels getahn /
und ihr Koch währe / würde jhnen auch Speise gnug schaffen. Diesem ward gefolget
/ und Ladisla samt Fabius / Klodius und Markus vorerst / hernach auch die andern
alle verbunden / deren XXI wahren. Servilius vertröstete sie alle der folgenden
Gesundheit / ohn dz ihrer viere hinkend / einer an beiden Beinen / und funffe an
einer Hand lahm bleiben würden / welches auch erfolgete; der Statalter aber
ihnen die Verheissung taht / dass sie zeit ihres Lebens reichlichen Unterhalt
haben sollten. Herkules ging unterdess ungewapnet nach dem Frauenzimmer /die wegen
des lezten Streites sich mehr als vorhin entsetzet hatten; dann die
halbtrunkenen führeten ein grausames Geschrei / daher sie durch seine Ankunft
sehr erfreuet wurden / und wahr ihre erste frage / ob die ihren noch alle
lebeten / und das blutvergiessen schier ein ende genommen hätte. Ja / sagte er /
dem ewigen allmächtigen Gott sei Lob und Preis; die geschwornen Feinde dieser
ganzen Landschaft sind gedämpffet / und viel tausend unschuldige Seelen von dem
Verderben befreit; und ob schon von unser Gesellschaft etliche das Leben
ritterlich zugesetzet /haben sie doch einen unsterblichen Nahmen erstritten /
der ihnen / weil Padua stehet / bleiben muss. Er wollte weiter reden / aber Fr.
Ursul hielt gänzlich davor / jhr Fabius würde drauff gangen sein / fiel ihm in
die Rede / und sagete: O Herr Herkules / hat etwa mein Gemahl das Leben
verloren? O ihr Götter! Behüte Gott / antwortete er / warumb gedenket meine
Freundin ein so unglückliches? ich komme zu dem ende / dass ich sie abhohlen / und
auff eine Feldmahlzeit einladen will / womit sie vor dissmahl vorlieb nehmen
werden. Dem Allerhöchsten sei hievor Lob und Dank gesaget / antwortete die
Statalterin / der wolle umb seines lieben Sohns willen die meinen ferner
schützen und bewahren. Sophia / Ursula und Sibylla fasseten sich bei den Händen
/ und gingen voran /Herkules aber begleitete die Statalterin mit sonderlicher
Herzensfreude / und sagte zu ihr Hochwerte Fr. Mutter; grössere Vergnügung habe
ich zu Padua nicht funden / als dass ich anjezt mit sonderlicher freude vernehme
/ dass sie eine Christin ist / dann diesem Glauben bin ich auch / Gott Lob / von
herzen zugetahn und ergeben. Mein geliebter Sohn / antwortete sie / ich habe es
zu unterschiedenen mahlen aus seinen Reden gemuhtmasset / und erfreue mich
seines Christentuhms sehr / möchte wünschen / dass mein Sohn H. Ladisla auch
darzu könnte gebracht werden /alsdann würde meine Tochter sich leicht bereden
lassen / ihm zu folgen. Ich gelebe der tröstlichen Zuversicht zu Gott / sagte er
/ dass ich ihn mit der Zeit gewinnen werde / aber so schleunig wird es nicht
geschehen / weil er der Abgötterei gar zu sehr anhanget. Gott wird es nach
seinem gnädigen Willen schicken /sagte sie / wann nur einige Hoffnung übrig ist;
Ich aber will nicht unterlassen / in meinem täglichen Gebeht bei Gott anzuhalten
/ dass der Heilige Geist der meinigen Herz erleuchten wolle. Herkules fragete /
ob nicht ein Christlicher Lehrer sich zu Padua auffhielte; und als er von ihr
vernam / dz die Christliche Gemeine des Orts über 1500 Getauffte / und 3000
Ungetauffte stark währe / auch ein treflicher Lehrer alle Woche den Glauben
ausslegete / verhiess er ihr / in erster Versamlung mit zuerscheinen. Als sie bei
der Höhle anlangeten / und das Frauenzimmer das geronnene Blut auff der Erden
stehen / auch die abscheuhlichen Todten sahen / welche das bedrauliche Gesicht
noch nicht abgelegt hatten; erschraken sie über alle masse / insonderheit / da
sie Ladisla und Fabius Wunden inne wurden. Der alte Servilius trug ihnen die
kalte Küche auf von allerhand Gebratens und anderen niedlichen Speisen /
schenkete ihnen daneben einen Wein ein / desgleichen der Statalter selbst im
Keller nicht hatte / wodurch sie allesamt erquicket und gelabet wurden.
    Nach gehaltener kurzen Mahlzeit foderte Servilius Herrn Herkules auff einen
Ort allein / und sagete zu ihm: Gn. Herr / nach dem Eure Gn. mir Leben und
Freiheit gnådig versprochen / wollte derselben ich mich gerne dankbar erzeigen /
und ihr ingeheim solchen Schatz die Hand spielen / der einen Fürsten vor Armut
wohl befreien soll. Er aber wollte ihm hierauff nicht antworten / sondern foderte
Ladisla und den jungen Fabius herzu / und in deren gegenwart sagete er zu jhm:
Höret Alter / was ihr jezt mir allein zuwenden woltet / das zeigt uns zugleich
an / dann ich trage bedenken / mit euch absonderlich hievon zuhandeln. Servilius
taht solches ungerne / hielt auch zurück / nur dass er bat / sie möchten mit ihm
in die Höhle steigen / da könnte er seine worte wirklich leisten. Sie gingen samt
den Statalter und Frauenzimmer hinein / und verwunderten sich zum höchsten uber
der Zierligkeit dieses verborgenen Gebäues / in welchem alles so renlich und
sauber wahr. Zu unterst wahr es mit Steinen ubersetzet / und ganz durch und
durch gewölbet; der gemeine Platz drinnen war so weit begriffen / dass 500 Mann
sich daselbst auffhalten kunten. Das Gewölbe lag auff herrlichen Pfeilern /
welche fünff Ellen lang / und wahr mit dicker Erde überschüttet / und mit
dornichten Hecken / welche mit fleiss darauff gepflanzet / so dichte bewachsen /
dass kein Hase hindurch kriechen mögen / daher man die runden Klaffter-weiten
Löcher / durch welche von oben herab das Liecht hinein fiel / von aussen gar
nicht sehen kunte. Die drei Eingänge wahren rund und zwo Klaffter weit / in
welchen starke Leitern stunde / darauff man ein und aus steigen kunte. Inwendig
wahr ein gegrabener Brunnen von klarem lieblichen Wasser / worauss man mit der
Hand schöpffen kunte. Vorne im ersten Eingange hing eine Messinges Taffel /
deren eingegossene Schrift meldete dieses Gebäues Alter / dass es vor etliche und
dreissig Jahr / nämlich im zwölfften Jahre Käysers L. Aurelius Commodus / da zu
Rom die Friedes- wie auch die Vesten-Kirchen abgebrant war / erbauet wåhre. Die
unsern besahen alles gar genaue /verwunderten sich / dass dieses Gebäu in solcher
stille hätte können verfertiget werden / dass kein Mensch dessen inne worden. Da
Servilius ihnen anzeigete / es währe über Menschengedenken eine Mördergrube
/aber nit dergestalt aussgeführet gewesen / biss man sich nach Ausssage der Taffel
unterwunden / das Gemåuer zu legen; die Steine währen mehrenteils mit händen bei
Nachtzeit herzugetrage; Bauleute hätte man hin und wieder auffgefangen / mit
verbundenen Augen herbei geführet / und zeit wehrender Arbeit sie mit guter
Speise und grossen Verheissungen auffgehalten / aber nachgehends sie alle im
Schlaffe erwürget. Ich / sagte Servilius / bin nunmehr 38 Jahr in dieser
Gesellschaft gewesen / und drei Jahr vor Aussführung dieses Gebäues zum WundArzt
/ vor XX Jahren aber zum Schazmeister von ihnen bestellet; habe zwar ihrer Beute
/ so viel das Maul verzehret / mit genossen / aber nie keinen Mord oder Raub
volbringen oder befodern helffen / dessen ich die Götter zu Zeugen ruffe.
Herkules fragete ihn / ob nicht Nebengemächer währen / in welchen die Räuber
ihre Waffen und Speisen håtten / weil man in diesem grossen Platze dessen nichts
fünde. Ja mein Herr / antwortete er / wir wollen alles besichtige; führete sie
an die seite ostwerz / und öfnete eine Tühr zu einem langen und weiten Gemache /
woselbst ein solcher Vorraht an Früchten / Meel / gesalzenem Fleisch und
gedorreten Fischen / auch an Wein uñ eingewürzeten köstlichen sachen war / dz
4000 Mañ etliche Jahr damit zu aller Notturft wären versorgt gewesen / sintemal
er aus den Rechnunge darlegete / dz dieser Vorraht sich auf 5 Toñen Goldes
belief. Hernach führete er sie nach der seite gegen Westen; öfnete ein Gemach
gleicher grösse / uñ zeigete ihne die treflichsten Harnische und Schwerter in so
überflüssiger menge schimern / dz sie ein entsetze darob hatte; dañ ein
Kriegsheer von 6000 Reutern uñ 44000 zu fusse kunte alhier aussgerüstet werden;
uñ erstreckete sich seiner anzeige nach / dieser Waffen ihr wert auf IX Toñen
Goldes. Nun mein Gott / sagte Herkules / wer hat jemahls eine solche Rüstung in
Räuberhöle gesuchet? aber ist man auch willens gewesen / solche unter einer
Mañschaft ausszuteile? Ja mein Herr / antwortete Servilius; währe diese Höhle
noch ein viertel Jahr verborgen blieben /würden 50000 Mann sich in einer Woche
eingestellet / und das Gewehr empfangen haben; und werden eure Gefangene unter
scharffer frage wohl bekennen müssen / was vor ein Anschlag über ganz Italien
gemacht worden. Der Statalter foderte Dinten und Papier /schrieb einen Brieff
nach Padua / und begehrete an den Raht / dass sie 1500 Mañ mit 200 oder mehr
Wagen / straks Angesichts herschicken sollten / und musste der eine unverwundete
Reuter nach eingenommener gnugsamer Labung das Schreiben überbringen / da
Servilius ihm anleitung gab / er würde im näheste Dorffe ein Pferd in der
Schenke mit allem Zubehör finden / das sollte er nur im Namen Klaudius Bessus
(welches ein ertichteter Nahme währe) abfodern / und auffs schnelleste fort
reiten; Er aber ging mit unser Gesellschaft in der Höhle sudwarz / öffnete ihnen
eine grosse Kammer / die mit seidenen Waaren / Purpur /Silber und Güldenen
Stücken dermassen erfüllet wahr / dass man eine kleine Messe damit håtte
auffschlagen mögen. Sehet meine Herren / sagte er / hie werdet ihr auff zwanzig
Tonnen Goldes die allerköstlichsten Waaren finden / die von allen Ecken her
zusammen geraubet und gestohlen sind. Das Frauenzimmer entsetzete sich über
dieser Menge / aber Herkules befahl Servilius von den schönsten Sachen alles
vierdoppelt ausszusuchen / welches dem Frauenzimmer zur ersten Aussbeute
eingeliefert ward / so dass ein jeder seinem Gemahl / Herkules aber Frl. Sibyllen
solches einhåndigte / die sich dessen allerseits bedanketen. Hier machte sich
nun der Alte abermahl an Herkules allein / und sagte: Mein Herr / ich erachte
das bisher gelieferte gnug zu sein / wobei eure Gesellen zu gleicher Teilung
gehen / deswegen / da es euch geliebt / so geht mit mir unvermerket an einen
Ort / woselbst euer Glük vorbehalten wird. Er aber antwortete: Eure Gewogenheit
/ mein Freund / habe ich gnug verspüret / ist aber noch etwas übrig / so lassets
diese Herren zugleich mit wissen; dann ich werde hinter ihnen her mir nichts
zuwenden lassen. Mein Herr bedenke sich /sagte er; rieff die andern herzu / und
baht / mit ihm Nordwerz zugehen / und ihm eine Tühr helffen zu öffnen / welche
mit acht dicken eisern Stäben verriegelt /mit so viel starken Mahl Schlössern
verwahret / und mit groben Brettern ausswendig überzogen wahr / dass kein Mensch
sich daselbst eines Gemaches hätte können vermuhten sein. Sie hatten Mühe gnug /
dieselbe auffzumachen / und da sie hinein traten / funden sie zwölff mit grobem
Eisen beschlagene Kasten / die mit gemünzetem Silber und Golde gefüllet waren /
und trug dieser Schatz sechzig Tonnen Goldes aus; wobei Servilius berichtete /
dass vor zwölff Wochen den Werbern zehn Tonnen Goldes zugestellet währen / die
anjezt in Teutschland / Pannonien / Gallien / Spanien und Griechenland Reuter
und Fussvolk bestelleten. O ihr Götter / rieff der Statalter / wie kann das
Römische Reich euch vor diese gnädige Rettung gnug danken / oder diesen Helden
gebührliche Vergeltung legen? Freilich gebühret den Göttern Dank / antwortete
Ladisla / aber unser Vermögen ist zu geringe /dass man sich deswegen umb einige
Vergeltung bekümmern wollte. Ja meine Herren / sagte der Statalter / ich
zweifele nicht / Rom werde noch Leute vom Verstande haben / davon wir dissmahl
weiters nicht reden wollen.
    Nach dieser Besichtigung setzeten sie sich nieder zum Trunke / hielten
mannicherlei Unterredung von dem grausamen Vornehmen dieser Räuber / und
verfügete sich Servilius zu Frl. Sibyllen / zu ihr sagend: Gn. Fräulein / wo ich
nicht irre / so ist der junge Herr entweder ihr naher Anverwanter / oder ihr
liebster /dem ich gerne ein Glük vor andern gönnen möchte /aber bisher solches
von ihm nicht erhalten können /dass ers annehme; seid demnach gebehten / und
beredet ihn hierzu / welches ohn zweifel zu eurem besten mit gereichen wird.
Frl. Sibylla antwortete ihm schamhaftig; es währe dieser Herr zwar ihr guter
Freund von gestern her / aber nicht weiters / jedoch wollte sie sein Begehren
durch andere versuchen; ging zu Fr. Sophien / und taht es ihr zu wissen.
Dieselbe nun baht Herkules in Ladislaen Gegenwart / er möchte sich dessen ferner
nicht wegern / damit kein Schaz untergeschlagen würde; zu geschweigen / dass sie
als die einige wahre Uhrheber dieses fast unglåublichen Sieges / der Beute von
rechts wegen zu geniessen hätten. Er aber entschuldigte sich / um Geizes
Verdacht zu meiden / wollte auch nicht antworte / biss der Statalter und sein
Sohn zuvor Wissenschaft drumb hätten. Hernach ging er hin zu Servilius / und
sagte; Alter / ihr habt euch wohl vorzusehen / dass ihr ja durchaus kein
verborgenes oder beigelegtes verschweiget / unter der Hoffnung / ihr wollet
solches schier heut oder Morgen nachhohlen; dann ich versichere euch / dass nicht
allein dieses Raubnest erstes tages aus dem Grunde verstöret / und ihr nicht
wieder hieher gelassen werden sollet; sondern da sich ichtwas finden wird /
dürffte euch solches zu grosser Gefahr gereichen / welches mir dann euret wegen
Leid sein würde / und ich euch doch im geringsten nicht retten könnte. Gn. Herr /
antwortete er / diese Rechnung habe ich mir leicht zu machen / uñ müste meiner
Sinnen wohl beraubet sein / wann ich etwas zuverhehlen mich unterstünde; sondern
ich suche Gelegenheit / dass annoch ungemeldete euer Gn. absonderlich
einzuhändigen. Euer Wille mag wohl gut sein / sagte Herkules /mir aber ist er
nicht angenehm / weil ich nichts in dieser Welt habe / welches ich mit diesen
meinen Freunden nicht gerne teilen wollte. So mag ich euch / sagte Servilius / in
diesem Stücke mit unsern gewesenen dreien Fürsten / Orgetorix / und den beiden /
so im Ritterharnische gestritten / wohl vergleichen; massen dieselben ihres
dinges so einig wahren / dass keiner vor dem andern Gewalt / Reichtuhm oder Ehre
begehrete / sondern alles gemein hatten / auch vor einen Mann stunden. Aber doch
folgen ihre Gn. mir allein /bitte ich sehr / ob nicht ein oder etliche Stücke
sein möchten / die er zu sich nehmen / und einem guten Freunde oder Freundin zum
Beutpfennige liefern könnte. Gingen also beide hin / öffneten ein verborgenes
Tührlein / welches ausswendig mit Brettern wunderlich vermacht wahr / dass kein
Mensch dessen inne werden mögen. Sehet / sagte Servilius / heut lebet kein
Mensch als ich / der dieses heimliche Gemach weiss; Ja unsere drei Fürsten und
ich haben nur Wissenschaft darumb gehabt; führete ihn hinein / uñ zeigete ihm
zwanzig Laden / mit Kleinoten so reichlich aussgefüllet dass ein König zu diesen
zeiten es nicht wurde bezahlen können / und fuhr er in seiner Rede also fort:
Hier liefere meine Herrn ich vorerst die gemeinen Kleinot / vor Ritmeistere /
Häuptleute uñ Fähndriche hingelegt / als 680 par Armbänder / jedes par zu 140
Kronen am Wert; gleich so viel Halssketten / jede von 125 Kronen; und so viel
Ringe / jeder zu 60 Kronen; auch 680 Kleinot auf dem Hute zu tragen / jedes von
150 Kronen. dabei liefere ich vor ihre Weiber dergleichen Sachen / in eben der
Zahl und dem Wert. Welches alles sechs Toñen Goldes uñ 46000 Kronen ausstråget.
Vors ander vor XII Obristen zu Ross / deren jeder 1000 Reuter; und vor XXII
Obristen zu Fuss / deren jeder 4000 Knechte; unter X Fähnlein führen sollte /
stelle ich meinem Herrn zu 34 Degen Gefäss mit Demanten aussgesezt / jedes zu 4000
Kronen; so viel Ringe / jede zu 2000; so viel par Armbänder / jedes par zu 3000
Krone; so viel Demanten Halsketten / jede von 6000 Kronen; und gleich so viel
Kleinot an Hüten zutragen / jedes auff 4000 Kronen; schliesslich so viel Kleinot
an die Halsketten zu hefften / jedes auch 4000 Kronen gerechnet; Und dann vor
ihre Gemahlen in gleicher Anzahl und Kostbarkeit eben so viel weibliche Stücke /
da an Stat der Gefäss Leibgürtel geleget sind / tragen XV Tonnen Schatzes / und
darüber 64000 Kronen aus. Drittens sind alhie zu empfahen drei Degen Gefäss und
drei Weibergürtel / jedes Stük in guter geltung eine Tonne Schaz; sechs Kleinot
/ halb Weibliche und halb Mänliche / jedes Stük 50000 Kronen; so viel Halsketten
von Demanten / jede eine Tonne Schaz; sechs par Armbänder von Demanten / jedes
par eine Tonne Schaz; so viel Ringe; jeder 34000 Kronen; so viel par Ohren
gehänge / jedes par 20000 Kronen; drei Messerscheiden / und Demantketchen dran /
jede zu 12000 Krone; träget XXIV Tonnen Goldes 60000 Kronen aus / welches nur
unsern dreien Fürsten und ihren Gemahlen hingeleget ist. Uber das finden sich
noch allerhand ungefassete ädelgesteine und Perlen vor VI Tonnen Goldes / und
endlich allerhand gemeine Ringe / Ketten / Armbänder und Kleinoten zum
Pferdeschmuk / in die IV Tonnen Goldes am wert; dass also mein Herr in diesem
einzigen Gemache fast LVI Tonnen Goldes an Kleinoten findet; und dass bisher
gezeigete ingesamt über CL Tonnen Goldes / oder XV Millionen aussträget / welche
dem Römischen Käyser so bald auffzubringen / schwer genug fallen würde. Hernach
nam er einen vollen Schmuk Fürstlicher Weiberkleinot / und einer Obristin ganzes
Gepränge / wickelte es in zwei Bündlein zusammen /und hielt es ihm mit diesen
Worten zu: Gn. Herr / wer weis ob des Käysers / oder ja seiner Mutter Geiz euer
Gn. von diesen kostbahren Sachen viel zuwenden wird? deswegen nehme er auffs
minste doch diese wenigen Stücke zu sich / ob er etwa dermahleins seiner
liebsten etwas schenken wollte / umb deretwillen ich umb gnådige Einwilligung
anhalte. Herkules gedachte / es möchte vielleicht also ergehen / hätte doch
dessen nichts genomen / aber weil er seiner höchstgeliebeten Frl. Valisken
eingedenke ward / sagte er: Wolan; dass ihr gleichwol meinen guten Willen sehet /
will ich euch solches nicht abschlagen / und hernähst eures besten eingedenke
sein. Es hat sich aber der günstige Leser über der grossen Menge dieser Schätze
nit zuverwundern / wann er vor erst betrachtet / das Italien zu der Zeit mit
Reichtuhm fast über schwemmet wahr / als dahin alle Länder ihre Schatzungen so
geraume Zeit hatten einlieffern müssen / daher man ädle Bürger zu Rom fand / die
vor sich mehr als Königliche Schätze besassen; dann dass ich des überaus reichen
Krassus geschweige / so meldet der Römische Geschichtschreiber Kassius Dio /
welcher Zeit dieser Begebnis gelebet / dass etliche zwanzig Jahr vor dieser
Geschichte / ein Römischer Bürgemeister / nahmens L. Septimius Plautianus / dem
Antoninus Karakalla (welcher nachgehends an seines Vaters / Käysers Severus
Stelle / das Reich bekommen) seine Tochter verheirahtet / und ihr solche
Ausssteuer mit gegeben /welche funffzig Königinnen währe gnug gewesen. Nun aber
hatten die Räuber nicht allein so lange Jahr her geraubet und gestohlen /
sondern mehr als hundert vertribene reiche Bürger aus Rom und andern grossen
Städten hatten sich zu ihnen geschlagen / und ihre Gelder mit sich genommen.
    Klodius / wie verwundet er auch wahr / gedachte ohn Beute nicht zu scheiden;
dann als er einen erschlagenen besuchte / ward er nicht allein geldes /sondern
auch Ringe und Armbänder bei ihm gewahr /zeigete solches seinem Gesellen Markus
an / und ersuchten sie ihre Herren / ob ihnen könnte gegönnet werden die
erschlagenen zuplündern / da ihn Herkules an den Statalter verwies / welcher zu
ihm sagte: Mein guter Freund Klodius; ihr und euer Geselle Markus habt vor eures
Vaterlandes Wolfahrt redlich gefochten / und euer Blut nicht gesparet / dessen
ihr unfehlbare Vergeltung zu hoffen habet; geht aber hin mit eurem Gesellen /
und suchet euch den vierdenteil aller erschlagenen aus; was ihr bei denselben
findet /soll euer sein; ohn das eurem Herren Herkules die beide Geharnischte
vorbehalten werden; die übrigen drei Teile sollen meines Sohns Reuter zur Beute
haben. Diese sagten davor grossen dank / nahmen den jungen Räuber zu sich der
ihnen die vornehmsten zeigen musste / und schleppeten der erschlagenen XLIII auff
einen Ort allein / bei denen sie XIV Halssketten /ingesamt 5000 Kronen am wert;
XXXII par Armbänder / auff 4500 Kronen geschätzet; C Ringe auff 8000 Kronen; und
an Barschaft 15000 Kronen erschnappeten / welches sie aller Schmerzen
vergessen machte / und sie meinten / ihre Mühe währe ihnen schon zehnfach
ersetzet. Bei den übrigen erschlagenen /deren CXXXII wahren / funden die Reuter
an Geschmeide und Barschaft 66400 Kronen wert. Und weil die unsern sich
verwunderten warumb diese Räuber so grosse Barschaften an Gold bei sich hätten;
zeigete Servilius ihnen an / weil es alle / Obristen und vornehme Hauptleute
währen / hätten sie solches Geschmeide täglich am Leibe; die Barschaften aber
währen nichts als Spielgelder / weil sie mit Würffeln und Karten die Zeit
pflegeten zuzubringen; Und ob zwar viel unzüchtige Buben mit drunter gewesen
/håtten doch ihre Fürsten nie zugeben wollen / dz einiges Weibesbilde herein
gebracht würde. Nun hielt Herkules sich viel zu ädel / die erschlagenen
zuentwapnen / und liess Fabius solches durch den jungen Räuber tun / welcher
ihre Kleider von güldenen Stücken gemacht / und mit 1000 Zahlperlen (deren jedes
Stük 100 Kronen kostete /) gestikt / herzu brachte / nebest zwo Demanten
Halsketten und so viel par Armbänder gleicher gattung / auff zwo Tonnen Goldes
an wert. Sechs Ringe wurden von ihren Fingern gezogen / gleicher Schatzbarkeit /
dass also diese stolze Räuber V Tonnen Goldes kostbarkeiten an ihrem nichtwerten
Leibe trugen. Dieses alles lieferte Fabius seinem Vater / welcher es Herkules
mit diesen Worten einreichete: Hier ist das Zeichen eures herrlichen Sieges / da
der Himmel euch die Ehre gegönnet hat / die grössesten Feinde des Römischen
Reichs mit eurer siegreichen Faust zuerlegen / welches Käyserl. Hochwürde / und
der Raht zu Rom schon erkeñen wird. Was nun diese Buben vor hohe Gedanken
geführet haben / ist aus diesem Pracht in etwz abzunehmen / und wird mein
geliebter Herr sich nicht wegern / dieses Siegzeichen anzunehmen / da ihm sonst
seine angewante Mühe nicht gereuet / welches ich nimmermehr hoffen will. Herkules
/ nachdem ers zu sich genommen hatte / antwortete hierauff: Hochwerter Herr und
Vater; dem grossen Gott sei Dank vor seine unausssprechliche gnade und kräftigen
Beisand / durch welchen ich diese Wüteriche hingerichtet / dann sonst würde
meine geringe Krafft viel zu schwach gewesen sein / ihren Streichen zuentgehen;
der Allmåchtige wolle meinen Wunsch bestätigen / dass an ihren Häuptern aller
mitverschwornen Frevel zugleich mit abgehauen sei; und ob dieses
Kleinot-geprånge gleich mehr vor eine Belohnung als Gedenkzeichen könnte
gerechnet werden / will ichs doch unter beiderlei Benenung annehmen; jedoch dass
meinen lieben Freunden auch ein Stük davon werde / wobei sie sich dieses unsers
Glüks erinnern können. Hiemit teilete er die vier Armbänder unter das
Frauenzimmer aus; dem Statalter und seinem Sohn steckete er einen Ring an / uñ
warff Ladisla eine Kette umb den Hals; das übrige samt den abgeschnittenen 1000
Perlen / nahm er zu sich / und mahnete die Gesellschaft an / den Abzug
zubeschleunigen / weil man der verschriebenen Wagen Ankunft vernahm. Servilius
trat hervor / und zeigete an; Es währe noch das silberne und güldene Geschir /
samt den gearbeiteten Kleidern (welches er vergessen) nicht gezeiget; schloss
einen grossen Kleiderkasten auff / in welchem XXX Fürstliche Mannes-und
Frauenkleider hingen / die nicht unter V Tonnen Schaz gezeuget wahren;
Allernähest dabei wahr die Silberkammer / in welcher auf drei Fürstliche lange
Speisetische alles beieinander wahr; und hierüber viel ander silber und gülden
Geschir / ingesamt auf zwo Tonnen Goldes gerechnet. Der Statalter nahm vier
kleine köstliche Goldbecher davon / und stellete sie dem Frauenzimmer zu;
zeigete daneben an / dass er gesinnet währe / alle eroberte Sachen nach Padua zu
schaffen / und biss auff Kåyserl. Hocheit fernere Anordnung in Verwahrung zu
nehmen; welches ihnen allen wolgefiel. Wurden demnach LXXX Wagen mit gemünzetem
Silber / XXV mit gemünzetem Golde; XVI mit Kleinoten und Geschirren / und LXXIIX
mit köstlichen Waaren beladen; und weil man die grossen Geldkasten nicht erheben
mochte / ward das Meel aus den Tonnen und ledern Säcken geschüttet / und das
Geld dahinein gepacket. Jedem angekommenen Soldaten und Wagenknecht wurden durch
die Bank hin zwo Kronen verehret / und mussten 500 Kriegsknechte diese Nacht die
Höhle bewachen / auff dass man folgender Tage die Essewaaren und Gewehr abführen
könnte / da dann bei Lebensstraffe keiner in die Höhle sollte gelassen werden /
ohn Servilius und etliche ihm zugegebene / den Völckern Speise uñ Trank nach
Notturfft ausszureichen. Die Verwundeten und Gefangenen wurden mit auffgeladen /
und des nähesten Weges nach der Stad geführet. Auf V Wagen fuhren die Unsern /
unter der Begleitung 50 Kriegsknechte /daher sie kommen wahren / da sie die
auffgerichteten Steine zerschlugen / die erhenketen in die Erde scharreten / und
den beschwerlichen Weg durchs Gepüsche nach ihren Pferden zu fusse vor sich
nahmen. Ladisla und Fabius hatten wegen ihrer Wunden mit sich selbst zu tuhn /
daher sie etlichen Kriegsleuten befahlen / ihren Gemahlen durchs Gehecke zu
helffen / und Herkules ehrenhalber nicht vorüber kunte / sich der Fräulein
wieder anzunehmen / und sie über Püsche und Sträucher zu heben / welches sie
zwar vor lieb nahm / jedoch schamhaftig zu ihm sagete: Mein Herr / es tuht mir
sehr leid / dass ich leider ihm zu nichts diene / als nur Ungelegenheit zu
machen; Gestern war ich ihm beschwerlich auff dem Pferde; jezt muss er mich gar
tragen und schleppen / wo ich sonst mit fort soll; nur möchte ich von Herzen
wunschen / dass meine Eltern Gelegenheit finden könten / seine mir bezeigete hohe
Dienste wirdig zu vergelten / welches doch nimmermehr geschehen wird / weil ich
sehen und erfahren muss / dass / da ich schuldig bin / er noch zum überfluss ein so
köstliches Kleinot mir umb den Arm gespannet / welches gnug wåhre / der Käyserin
selbst vor ein wirdiges Geschenk darzulegen. Also sperret mein Herr mir nur den
Weg / dass ich ja nur immer tieffer in die Schuld gerahten / und alle Gedanken zu
einer Wiederkehr ablegen muss. Herkules gab zur Antwort: Hochgebohrnes Fräulein;
es gefält ihr ja so /meine schlechte Bezeigungen dergestalt zu erheben /da doch
ich und jederman die Geringfügigkeit derselben längst erkennet; Dann was etwa
gestern mag vorgangen sein / so hat mein Frevel das gute weit überwogen / dass
ich mehr umb Verzeihung zubitte / als Vergeltung zugewarten habe; des heutigen
weiss ich mich nichts zuerinnen / als wovor ich doppelt und dreifach danken muss /
in dem mein Fräulein mir unwirdigen die Ehre ihrer Begleitung gegönnet / und die
schlechte Gedächtnis des heutigen Streits von mir annimt; erkenne uberdas noch
meine Schuld / dass von Rechtswegen ich gehalten bin / grossgeneigete Verzeihung
des bei ihr erwecketen Schreckens zu bitten /welche / da ich sie nebest der
gestrigen gebehtenen erhalten werde / habe ich tausend Ursachen schon /Eurer
Durchl. zeit meines Lebens davor in allem Gehorsam auffzuwarten. Ach mein Herr /
antwortete sie /wie gar weit überwieget doch seine Höfligkeit die Erkenntnis /
und sein erbieten mein Unvermögen; Kan dann einem Fräulein höhere Woltaht
begegnen / als dass sie aus Räubers Händen gerissen / und bei Ehren erhalten
wird? Ich bitte aber sehr / sich einiger Unbilligkeit nicht anzuklagen / deren
ich ja nicht die allergeringste von ihm eingenommen / ohn was seiner angebohrnen
Freundligkeit zu reden beliebet / und mir durchaus nit schädlich; ja / nachdem
ich sein ehrliebendes Gemüht verspüret / durchaus nicht zuwider gewesen;
deswegen / wo mein bitliches ansuchen etwas bei ihm zuerhalten wirdig ist /
wolle er dessen nicht gedenken / sondern mir nicht weniger das nachsinnen einer
gebührlichen Dankbarkeit / als die Betrachtung der empfangenen Rettung und
Guttaht frei und ungehindert gönnen; alsdann werde ich in der Taht erkennen /
dass sein guter Wille ohn Tichtung /und seine Höfligkeit ohn eitele
Entschuldigung mir zugetahn und in Ehren gewogen ist. Ich weiss nicht /antwortete
er / warum mein Fräulein meine Erkenntnis zu binden / uñ die wahre Erzählung
meines Verbrechens auffzuheben / so bemühet ist / es sei dann / dass hie durch
der helle Strahl ihrer treflichen Tugend /mein versuchen der Nachfolge / durch
den ersten Anschein straks überleuchten und verfinstern soll / welches ohn das
wohl geschiehet / angesehen meine Unmacht mich schon gnug hindert / höflich zu
sein / und der schwere Stein der bäurischen Ungeschikligkeit mir an den Füssen
hanget / der mein bemühen nicht über sich steigen / viel weniger ihrer
Volkommenheit zur seiten schweben lässet; jedoch / weil aus jhrem Verboht ich
die Vergebung meiner Unbescheidenheit hervorblicken sehe / will ich / dafern sie
nur kann / solches der Vergessenheit mit stets dankbegierigem Herzen gerne
übergeben / demühtig bittend / meinem schlechten Vermögen mit ihrem überfluss
ausszuhelffen / als lange sie mich Tugendbegierig kennen und halten wird /
welches / da ichs selbst nicht kann / will ich suchen / durch meiner Fr. Schwester
Fr. Sophien kräfftige Vorbitte es zuerhalten. Ja mein Herr / sagte sie; eben diss
sind die Beweisstumsreden / die ihn mehr höflich als (um Vergebung zu sagen)
warhaftig angeben; dann vor erst will er durch eine Arbeit zugleich den Glanz
seiner Sonnen mit den Wolken der nichtigen Beschuldigung verbergen / und die
kaum glimmende Funken meiner unrühmlichen Asche über alle Himmel erheben; wiewol
mit keinem glücklichern Verfolg / als dass er mich erstlich an seinem guten willen
zweifeln machet / und hernach / weil ich stets schamroht vor ihm stehen muss /
mich von seinem Gespräch gar abschrecket / welches dañ nohtwendig folgen muss /
weil ich weder die warheit zubekennen /noch die Gebühr zubeobachten freiheit
haben soll; Sehet mein Herr / wie gerne wollte er mir einbilden /er währe in meine
Schuld durch seine mir erzeigete Woltaht gerahten / und weil er meiner Dienste
keine zu finden weiss / tichtet er / dass ichs recht sage / eine Finsternis / da
nicht ein Schatten ist; nehmlich / er will sich als ein Verbrecher beschuldigen /
und hat dessen nicht den allergeringsten Schein / oder hat er den Schein / so
ist es mein falscher / welchen er mir durch seine äidliche Entschuldigung /
deren ich mich wohl erinnere / so gar benommen hat / dass ich mich meines
bäurischen Irtuhms recht schåmen muss; also /mein Herr / habe ich vor dissmahl aus
dringender Noht unhöflich sein / und ihn erinnern müssen / mit mir hernähst
dergestalt nicht zuspielen / und vielleicht durch gar zu grosse Höfligkeit in
den Mund zu fühlen / ob der Hoffart Zähne mir aussgebrochen oder eingesenket
sein; möchte zwar mit einem so Tugendliebenden Herrn gerne umgehen / wann ich
nur durch den unverdienten Ruhm davon nicht abgeschrecket würde. Herkules
küssete ihr die Hand aus ehrliebender Gewogenheit / und gab zur Antwort: Ich
gestehe mein Verbrechen / hochgebohrnes Fräulein / dass ich derselben zuwider
geredet habe / welches doch von mir nicht kann wiederruffen werden / nur dass ichs
in ihrer Gegenwart nicht hätte alles vorbringen sollen / weil ich dadurch
einiger Schmeichelei / dere ich doch ferne bin / kann beschuldiget werden; bitte
demnach demühtig umb Vergebung / und verspreche hiemit /dass ich hernähst des
sichersten spielen / und nachdem ich jhren Willen erkennet / demselben
wissentlich nicht zuwider reden will.
    Sie brachten ihren gang mit solchen höfflichen geschwätzen zu / biss sie bei
ihren Pferden anlangeten /da der Fräulein Gutscher sich eingestellet hatte /
weil er von dem abgeschikten Reuter ihre Rettung vernommen / und dass sie bei
dieser Gesellschaft währe /daher sie sich auff ihre Gutsche setzete / und Fr.
Sophien baht / ihr Gesellschaft zu leisten; welche ihr gerne zu Willen wahr /
weil sie ohn dass Beliebung trug / etwas vertraulich mit ihr zu rede / nachdem
sie in jahresfrist einander nicht gesprochen hatten. Es fiel ihr aber das
Liebesgespräch ein / welches Ladisla mit ihr auff diesem Wege nach geschehener
Erlösung geführet / welches sie dem Fräulein nach der länge erzählete / und bald
darauff der beiden Helden Tugend /Frömmigkeit und höffliche Zucht dergestalt
rühmete /dass das Fräulein sich nicht entalten kunte zu fragen /wer doch dann
eigentlich diese Herren / und aus was Landschaft sie währen; bekam aber zur
Antwort / sie müsten ohnzweiffel sehr hohes Standes fein / ungeachtet sie sich
davor nicht aussgäben / und doch aus allen ihren Werken erschiene / insonderheit
/ weil sie grosse Gelder und statliche Kleinoten bei sich führeten / und alles
was man ihnen schenken wollte / verächtlich aussschlügen; man hätte aber gemerket
/ dass sie noch zur Zeit nicht wollten erkennet sein / daher man sie mit vieler
Nachfrage gerne verschonete. Das Fräulein merkete / dass ihre Frage zukühn
gewesen /baht dessen verzeihung / und gedachte doch in ihrem unbetrieglichen
Herzen / es währe nicht minder kühn /sich einem allerdinge unbekanten so gar
schleunig in ehelicher Liebe zuergeben / wie wohl sie muhtmassete / dass sie mehr
wüste als zu bekennen willens währe. Als sie mit dem spätesten Abend zu Padua
anlangeten / nahmen sie eine kurze Mahlzeit ein / und legten sich zur Ruhe / da
Herkules und Ladisla bei einander blieben / und Frl. Sibylla Fr. Sophien
Schlaffgesellin sein musste; der Statalter aber ging nach seinem absonderlichen
Gemache / und verfertigte an den Käyser folgendes Schreiben:
    Allergrossmächtigster unüberwindlichster Käyser / alzeit mehrer des Reichs /
allergnädigster Herr; Ihrer Käyserl. Hoheit berichte ich hiemit in
untertähnigstem Gehorsam / was Gestalt zween fremde Ritter und Herren / nahmens
Herkules und Ladisla / deren Herkommen und Vaterland uns von ihnen verschwiegen
wird / vor drei wochen alhier bei mir angelanget / und meine Tochter neben
andern Römischen Fräulein aus der allerfrechesten fünff Räuber Händen durch die
Krafft ihrer einzelnen Schwerter erlöset / auch bald darauff der eine / nehmlich
Herr Ladisla / meine Tochter geheiratet. Als wir nun heut früh XLII bewehrter
Reuter stark / mit wenigem Frauenzimmer hinaus zogen / den Ort der geschehenen
Rettung zu besichtigen / werden wir daselbst fünff aus Steinen gehauener / und
den erschlagenen Räubern zum Gedächtnis auffgerichteter Bilder gewahr / deren
vornehmster / Fürst Orgetorix (der ehmahls beschriehene Fechter) / Herzog über
38000 Mann genennet ward /daher wir muhtmasseten / es müste ohn zweifel eine
sehr gefährliche Bundniss vieler Räuber wider das Römische Reich obhanden sein /
welche auszuspüren unser einiger Wunsch wahr / da meine Tochter Sophia
unterdessen eines heimlichen Weges durch fleissige Nachsuchung gewahr ward / und
desswege anhielt / denselben zugehen /welches unter dem Getrieb und Anführung
obgedachter beiden Ritter stündlich zu fusse verrichtet ward / deren
hochrühmliche Klugheit ein gefährliches wolerbautes Raubnest unter der Erden
ausskundschaffete / mit 194 Mann besetzet / deren keiner geringer als eine
Häuptmanschaft bedienete / und durchgehend aussgeübete Fechter wahren / aber
durch der Götter Hülffe und obgedachter fremder Ritter preisswürdigen Heldenmuht
/ sind sie mit so geringem Beistande meines Sohns und XXXIIX Reuter / biss auff
XIV so gefangen / und IV so aussgerissen /alle mit einander in öffentlicher
Schlacht vor freier Faust erleget / ihre beide Fürsten Kajus Azerius und Markus
Trebellius in vollem Ritterharnische von Herkules in absonderlichem Kampfe
nidergeschlagen / und endlich der Sieg völlig erhalten / wie Zeiger dieses / so
mit gefochten / weitläufftig erzählen kann. Währe nun diese schädliche Verbündnis
uns noch XII Wochen verborgen blieben /würden wir ganz Italien mit 100000
Feinden überschwemmet gesehen haben / welche in Teutschland /Pannonien und
andern Ländern schon auff den Beinen stehen / und die helffte aus gedachter Höle
sollte bewaffnet worden sein. Denn Römischen Schutz Göttern sei Danck vor diese
Errettung / welche ausser zweifel diese beiden Helden (also mag ich sie /
ungeachtet ihrer Jugend / mit Recht nennen) uns zu hülffe gesand haben /die
werden wie bisher / ihnen unsere Wolfahrt ferner lassen befohlen sein / uñ wird
Ihre Kåyserl. Hocheit mir allergnädigst anzeigen / wie ichs mit der grossen
erstrittenen Beute halten / auch was sonst obgedachten beiden Herren / die sich
umb uns so hoch verdient gemacht / ich anmelden soll. Befehle mich dero Käyserl.
beharlichen Gnaden / verbleibend / weil ich lebe / meines Allergnädigsten Herrn
und Käysers alleruntertähnigster Knecht Quintus Fabius.
    Hiebei ward aller Gefangenen beständige Urgicht /welche man inzwischen von
ihnen nam / geleget / und machte er ein kurzes Denkzettel an seinen Bruder M.
Fabius / bei Kåyserl. Hocheit zuvernehmen / wie es mit den Gefangenen / deren
Beschaffenheit und unterschiedlichen Zustand der Bohte berichten würde /auch mit
der treflich- uñ kaum vor XXXV Jahren erbaueten Råuberhöhle sollte gehalten
werden. Absonderlich schrieb er ihm / was gestalt Herkules des Tages zuvor seine
Tochter Sibyllen aus des Räubers Silvans händen gerissen / und ihre Ehr errettet
/ bähte demnach / er möchte fleissig befodern helffen / dass diesen beiden
unvergleichlichen Helden gebührlicher Dank möchte bezeiget werden / deren
Tapfferkeit mit seiner Feder nicht könnte beschrieben werden / und würde seines
ermässens löblich sein / wann man ihnen die erstrittene Beute zuspräche /
wodurch andere fremde angelocket werden könten / dem Römischen Reiche Dienst und
Hülffe zuleisten. Dieses alles stellete er dem einen unbeschådigten Reuter zu /
mit Befehl / allentalben auf sein Freibrieflein frische Pferde zu fodern / uñ
aufs allerschnelleste nach Rom zu reiten / damit er der erste Zeitungs-bringer
wäre / welches ihm kein geringes Geschenk eintragen würde; den wahren Verlauff
sollte er nach allen Umständen erzählen / und insonderheit der beiden fremden
Herren gebuhrliches Lob kühnlich und wirdig vortragen. Also musste dieser in der
Nacht auffbrechen / seumete sich auch nicht / biss er das anbefohlene verrichtet
hatte / dessen ihm zu Rom von dem Käyser und andern grossen Herren an die 12000
Kronen zum Botenbrod geschenket wurden. Umb Mitternacht kahmen die beladene
Wagen an / welche biss an den Morgen bewachet wurden / uñ vertröstete der
Statalter die verwundeten Reuter / sie sollte sich wenig Tage gedulden / ihre
wundenfleissig verbinden / und sich aufs beste speisen lassen / welches er alles
bezahlen / und ihnen von Käys. Hocheit reiche belohnung verschaffe wollte.
    Des Morgens ging Herkules in die Christliche Versamlung / und hörete den
zehnden Saz des XXVII Psalms: Mein Vater und Mutter verlassen mich / aber der
Herr nimt mich auff; sehr tröstlich ausslegen / welches der Lehrer so artig
deutete / als hätte ers eigentlich auf ihn gerichtet; dann weil etliche unter
den zuhörern junge Leute wahren / die den Glauben wieder ihrer Eltern Willen
angenommen / und deswegen von denselben sehr gehasset wurden / tröstete er sie;
man müste Gott mehr als den Menschen gehorchen / und wegen der Eltern Unwillen
die Wahrheit nicht verlassen / noch die Seligkeit in die Schantze schlage; es
hätte zwar Gott gebohten / die Eltern zu ehre und ihnen zu gehorchen / aber
Gottes Ehr und Gehorsam ginge noch weit vor / der währe der höchste Vater / so
dass man die leiblichen Eltern auch hassen müste /wann dieselben uns von Gott
abwendig machen wollten; ja wann wir umb der himlischen Warheit willen der Eltern
und Anverwanten Hulde uñ Gunst verlöhren / tråte Gott zu / und ersetzete alles
tausendfach an deren Stat. Herkules hielt es vor ein sonderliches Zeichen
göttlicher Gnade / dass er ohn gefehr / diese Predigt anzuhören kommen wahr /
trat nach verrichtetem Gottesdienste zu dem Lehrer (der schon wusste / was vor
Tahten er gestriges tages verrichtet) und stellete ihm 500 Kronen zu / unter die
Armen zuverteilen /nebest dem Versprechen / nach diesem ein mehres zu tuhn; ging
wieder hin nach Ladisla / und sagte; wir sind freilich schuldig / dem wahren
Gott zu danken /dass er uns gestern so grossen Sieg verlihen / und vor
sonderliche Gefahr beschirmet hat; zweiffele nicht /wir werden ohn hohe
Vergeltung nicht bleiben / so wohl an seiten Käyserl. Hocheit als auch dieser
umbliegenden Landschaft. Fr. Sophia kam auch darzu gangen / zu sehen / wie es
mit ihres Gemahls Verwundung beschaffen währe / und vernam mit freuden /dass
nicht allein Servilius ihm erläubete zu gehen wie er wollte / sondern auch
inwendig neun tagen völlige Heilung versprach. Sie sagete aber zu Herkules; mein
Herr Bruder / ich freue mich von Herzen / dass er von dem Räuberischen Schwerte
dissmahl unverletzet blieben / und möchte dannoch zugleich mit wünschen /dass er
auch ein Wündichen in Gesellschaft empfangen hätte. Ladisla fragete sie / warumb
sie ihm übels anwünschen könnte / welches ihm trauen wenig freude brächte / und
ob sie meinte / der Sieg währe nicht rühmlich gnug / wann man ungeschlagen
davon kähme. Sie aber gab zur Antwort: Versichert euch /mein Schaz / ob ihr
euren Herkules als einen geträuen Bruder liebt / dass ich ihn nicht weniger als
eine ergebene Schwester meine und Ehre; aus welchen Worten er ihr Räzel bald
verstund / dass sie von einer Liebes-Wunde redete / und auff Frl. Sibyllen
zielete; so wahr auch Herkules nicht so einfältig / dass er eines Dolmetschers
bedurfft hätte / wie wohl er sichs nicht merken lies / sondern antwortete; Ich
gebe meiner herzgeliebten Fr. Schwester nicht unrecht / gestaltsam ich wohl
bekennen muss / dass ich mit meinem täglichen Muhtwillen Straffe gnug verdiene /
weil mich aber mein Gott vor Wunden und Wündichen bewahret hat / werde ich
schuldig sein / ihm davor zu danken. Sie wåhre ihm gerne näher getreten / aber
weil Ladisla ihr einen heimlichen Wink gab / zohe sie die Pfeiffe ein /damit sie
ihm nicht zuwieder handelte / und zeigete an / der Schneider håtte ihre weisse
atlassen Sommer-Kleider fertig gemacht / da sie dieselben in dieser Hitze
anlegen wollten; welches sie nach ihrem Abtrit verrichteten / und bald darauff
von dem Statalter nach dem Saal erbehten wurden / da die vornehmsten Herren der
Stat bei ihm wahren / die mit grosser Ehrerbietung ihnen entgegen traten / und
nach verrichteter gewöhnlicher Höffligkeit Herr Fabius anfing: Hochtapffere
Herren und hochgeliebte Söhne Herr Herkules und Herr Ladisla / billich bedanke
wegen Römischer Käyserl. Hocheit / und des Römischen Rahts uñ Volkes ich mich
gegen euch gebührlich /dass ihr gestriges tages zu eurem unsterblichen Preis und
Ruhm / nicht allein dieser Stad / sondern ganz Italien / bloss aus liebe zur
Gerechtigkeit / so grosse Dienste erwiesen / in dem ihr durch eure ritterliche
Klugheit und unverzagte Helden Krafft / Brand /Mord / und verwüstung / und mit
einem Worte / dass unvermeidliche algemeine Verderben abgekehret /und glücklich
hintertrieben habet / welches wir und unsere Nachkomen / weil die Welt stehet /
rühmen müssen. Ich bedenke mit höchster Erschutterung / was vor ein Jammer in
dieser Stad und Gegne / über XII wochen / ist eine geringe Zeit / sich würde
zugetragen haben / wan eure Vorsichtigkeit nicht gewesen / ja wann nicht der
Himmel aus sonderlicher Gnade euch zu uns hergeschicket håtte / gleich an dem
Tage / da die Räuber an meiner lieben Tochter und ihren Gespielen den Anfang
macheten. Vor dissmahl habe ich nicht mehr vorzubringen / als dass meine
hochgeliebte Herren und Freunde / eine kleine Verzögerung nicht verunwilligen
wollen / welche zwischen euren Verdienst und billiche Erkåntnis nur biss dahin
eingeschoben wird / dass mein allergnädigster Käyser und die Stad Rom mir Befehl
erteilen / ihre Dankbarkeit euch wissen zu lassen. Als der Statalter diese Rede
geendiget hatte / fing ein ansehnlicher Paduanischer Herr /nahmens Zezilius
Antenor / der vortreflichste unter dem Adel selbigen Ortes / und der Stad
oberster Vorsteher / jm Nahmen der Stad also an: Durchl. Herren /Herr Herkules
und Ladisla (vielmehr Teseus zunennen) / ihr warhafte Schützer und Erretter
unsers Vaterlandes; Was massen unsere Stad Padua und ihre Einwohner / ja alle
umliegende Landschaften und Stådte euch nähst Gott alle Wolfahrt und das Leben
selbst zu danken haben / als die ihr das augenscheinliche Verderben von uns
allen abgewendet / solches hat der hochansehnliche Römische Statalter Herr
Fabius anjetzo nicht ohn ursach eingeführet; weil aber Euren Durchll. der
eigentliche Bericht des mörderischen vorhabens noch so ausführlich nicht
entdecket ist / gebe denselben ich zu vernehmen / dass nach angestelleter
peinlicher Frage / wir von ihren Gefangenen diesen einhelligen Bericht
eingezogen / womit Servilius gutwillige Bekenntnis allerdinge einstimmet / dass
nehmlich M. Trebellius / K. Azerius / beide verbannete Römische Herren / und
Orgetorix ein Gallier / jener beiden Drittes-Mañ / mit ihrem grausamen vorhaben
schon drei Jahr schwanger gangen / und inwendig vier Monat auffs höchste solches
ins werk zu richten /entschlossen gewesen; Sie wollten mit 100000 Mann in dreien
unterschiedlichen Kriegsheeren diese Stad Padua / Mantua und Ravenna zugleich
anfallen / den ganzen Adel und alle verheirahtete / auch unmanbahre Töchter ohn
einige Verschonung erwürgen / die mannbahren Fräulein und Jungfern zu ihrer
Heirat und unkeuschen Willen behalten / ja alle freie Menschen erwürgen / den
Leibeigenen von allenhalben her / Freiheit und das Bürgerrecht schenken / und
nach dem Vorbilde Romulus und Remus ein neues Reich anrichten / da dann
jeztgenante drei Städte ihre drei Fürstlichen Sitze hätten sein sollen; Ihre
geworbene blutdürstige Völker hätten die Anreitsgelder schon empfangen / lågen
hin und wieder in Feindes Ländern verstreuet / und warteten nur auff Befehl
ihrer Fürsten / wann sie aufbrechen und die Waffen empfangen sollten; Es ist vor
Menschen Augen unmöglich / dass man die Gefahr hätte können abwenden / gestaltsam
sie uns würden über den Hals komen sein / ehe wirs inne werden mögen / und wahr
der eine Sammelplatz uns so nahe / nehmlich die erstrittene Höhle / dass viel
1000 Mann in einer Nacht daselbst die Waffen hätten ergreiffen / und mit dem
frühzeitigen Tohr auffschliessen uns in den Betten überfallen können. Sehet ihr
Durchll. Herren / dieses Verderben hat eure glückliche Aussforschung und herrlicher
Sieg von unsern Hälsen hinweg gerissen / unser Leben bestehet durch eure Hand /
unsere Weiber und Kinder ruffen und frohlocken / dass die unvergleichliche Helden
Herr Ladisla und Herr Herkules zu ihrer Rettung erschienen sind; Unsere manbahre
Töchter rühmen / dass sie nicht dürffen den Räubern auffwarten und zu dienste
stehen / ja dass sie jhrer Eltern leibeigene Knechte zu heirahten nicht gezwungen
werden; So sind wir ja nun schuldig / so vielfältige Guttaht zuerkennen; so
müssen wir ja billich ein williges Herz darbieten zur Dankbarkeit. Und deswegen
sind wir von dem Raht und Gemeine dieser Stad abgeordnet / sie als unsere
sonders geehrte Herren und Schützer freund- und dienstfleissig zu bitten / dass
sie aus dieser Stad nicht weichen wollen /ehe uñ bevor sie an Römische Käyserl.
Hocheit diese ihre höchstrümliche Taht eilig gelangen lassen / und wessen sie
sich hierin verhalten sollen / unterrichter sind; inzwischen stehet alle unsere
Haabe und Vermögen / ja unser Leib und Leben zu ihrem Dienste / werden auch
nicht unterlassen / uns zubemühen / damit unser guter Wille in der Taht möge
erscheinen können.
    Unsere Helden hatten dieser hohen Ehr sich nicht versehen / denen ohn dass
kein Ehrgeiz beiwohnete /uñ antwortete Herkules folgender Gestalt:
Durchleuchtiger Herr Statalter / Hochansehnliche Herren Abgeordnete / sonders
gnädiger Herr Vater und geneigete Herren; Mein Brüderlicher Geselle und ich
schätzen uns vielzugeringe die von eurer Gn. und Herrligkeiten jezt gehaltene
Lob- und Dankreden auff uns zuzihen; ja wann unsere Nahmen von ihnen nicht
ausdrücklich gemeldet währen / würden wir der Antwort uns nicht erkühnen /
angesehen / wir so hohen Ruhm und Dank zuverdienen uns gar zu unbestand und
geringe achten / dass wir vor Schützer dieser mächtigen Stad uns sollten angeben
lassen / ohn deren Ankunft ihre Wolfahrt nicht hätte können erhalten werden. O
wer weis nicht / dass Padua durch der Inwohner Vernunft und Vermögen wohl
königlichen Gewalt und Anlauff hintertreiben / geschweige / eine Handvol Räuber
dämpffen sollte / insonderheit / da sie unter den Schuzflügeln des
Allergrossmächtigsten Römischen Käysers / unsers allerseits gnädigsten Herren
/Sicherheit und Schirm gnug haben kann und hat; müsten demnach der unsinnigen
Verwägenheit in- und ausswendig uns gewidmet haben / wann wir solches nicht
erkennen / oder nur in zweifel zihen wollten. Zwar wir danken es der gnädigen
himlischen Versehung / dass wir das Glük gehabt / nicht allein durch des
Orgetorix und seiner boshaften Gesellen Bestreitung die erste Ursach dem
gestrigen Siege zugeben /sondern dass wir auch diesem ohn zweifel herrlichen
Werke beizuwohnen beseliget gewesen / weil dannoch der Räuberische Frevel viel
Ungelegenheit machen können / da er nicht in der Aschen würde gedämpffet sein;
aber / hochansehnliche Herren / was schreibet man uns beiden einzelnen / die
glückliche Verrichtung allein zu? warumb hinterhält der hochmögende Herr
Statalter seine eigene Tahten / die nicht geringer / sondern grösser als die
unsern zu schätzen sind? dann seine geleistete Gegenwehr ist den Räubern so
schädlich / als sein heilsamer kluger Raht uns nüzlich gewesen; zu geschweigen /
dass seine blosse Gegenwart jene zu schrecken und uns zu muhtigen kräfftig gnug
wahr / dass also demselben der höchste Preis und Dank / da sonst einiger
erstritten ist / von Gott- und Rechts wegen gebuhret. Aber Durchleuchtiger und
Wolgebohrne Herren / warumb muss der tapffere Held / Herr K. Fabius / es Herrn
Statalters an Muht und Tugend gleich gerahtener Sohn /seines verdienten Lobes
beraubet sein / und uns alles gar abtreten / der trauen seine Sinne und Fåuste
hiebei nicht umb dass geringste weniger gesparet als wir? Ja wo bleibet seiner
Reuter löbliches Wolverhalten /ohn deren Hülffe und Beistand wir unser Leben
nicht hätten mögen davon bringen / und wir ihnen deswegen Dank und Vergeltung
schuldig sind. Muss also diese Taht dem Herrn Statalter und seinem Sohn billig
beigemässen werden / weil dieselben nicht allein das Amt unverzageter Streiter /
sondern auch vorsichtiger Befehlhaber geleistet / uñ die Mañschaft
hinzugeführet / durch dere Schwerter schärffe die Feinde hingerichtet / und dem
Henker entwichen sind; uns beiden aber ist es gnug / wann unsere schlechte
Nebenhülffe und Beistand hat angenehm und ersprisslich sein können; wodurch aber
die uns angebohtene Ehre wir so gar nicht verdienen mögen / dass auch ohn unsere
Gegenwart der völlige Sieg ihnen hätte bleiben müssen. In erwågung dessen alles
bitten wir sehr /uns über unser Verdienst und Wirdigkeit nicht zuehren / damit
uns nicht mehr Ursach / uns zu schämen /als sie zu lieben / gegeben werde; unser
stets begieriger Wille / ihnen samt und sonders mögliche Dienste zu leisten /
soll auff alle Begebenheit sich bereit halten und finden lassen / deren gute
Gewogenheit unsere Verrichtungen schon mehr als zu viel vergolten hat /wovor wir
zugleich uns höchlich bedanken / und / wie gesagt / hinwiederumb zu aller
Mögligkeit uns verbinden. Der Statalter gab zur Antwort: Ihr meine
hochgeliebete Herren und Freunde / was habe ich doch bei diesem grimmigen
Kampffe mehr tuhn / als euch glücklichen Fortgang und Sieg wünschen können? bin
ich nicht als ein überflüssiger Stummer in diesem Spiel gewesen? hingegen habet
ihr / Herr Herkules / nicht geordnet / versehen / die unsern angeführet /
gestärket / entsetzet / ja die beiden Fürsten und Führer der Räuberischen
Verbündnis / einen nach dem andern mit eurem Schwerte im absonderlichen Kampffe
erleget / und mich hernach mit ihren Waffen aussgerüstet? Mein Herr Schwieger
Sohn aber mit seiner Hand beschützet / und den feindlichen Anfall von mir auff
sich selbst gezogen / dass ich unbeleidiget bliebe? Meinen Sohn betreffend / was
könnte mir ergetzlicher sein / als dass er die Ehre gehabt / euch in diesem
rühmlichen Werke beistand zu leisten / und unter eurer Anführung das seine zu
tuhn / welches aber an eure Verrichtungen bei weitem nicht reichet. Hat er dann
gleich mit gefochte / so habt doch ihr die stårkeste Feindesmacht gebrochen; hat
er den Räubern sich entgegen gesezt / so ist ers als einheimischer dem
Vaterlande schuldig. Ihr aber als fremde / und uns allerdinge unverbundene habt
euch nit gewegert /eure Leiber unter so grosse menge der Räuber zustellen / und
allen ihren Anfall auff euch hinzurichten /nur dass deren über uns beschlossener
Mord auffgehaben / Landesverwüstung abgewendet / und wir allesamt der Sicherheit
und Ruhe geniessen möchten. Dieser euer Ruhm / ihr unvergleichliche Helde muss
nicht verschwiegen werde / dafern wir nicht durch Undankbarkeit der Götter
Ungnade und gebührliche Straffen über unsern Hals zihen wollten / wovor die
Ewarkeit selbst uns bewahren wird. Hernach wendete er sich zu den Abgeordneten /
und baht sie / nachdem sie unserer Helden Antwort würden hinterbracht haben /
sich bei ihm zur Mahlzeit einzustellen / und jhnen Gesellschaft zu leisten. Es
hatte aber der Raht zu Padua allen Verlauf nach Mantua und Ravenna /auch andern
Städten geschrieben / und der gebührlichen Dankbarkeit sie erinnert / welche
sich alsbald bemüheten / eine mögliche Vergeltung sehen zu lassen. Fr. Sophien
wehrete inzwischen die zeit lange /ehe sie mit jhrem Ladisla allein zu reden kam
/ liess jhn nach der Abgeordneten Abtritt zu sich in den Garten fodern / und nach
kurzer Unterredung fragete sie /wie ihm jhre Wase Frl. Sibylla gefiele; und als
er sich vernehmen liess / dass sie gar ein züchtiges und schönes Fräulein währe /
dergleichen er wenig gesehen; antwortete sie / jezt lässet sie sich auff ihr
Römisch schmücken / weil ihre Kleider ihr auff der Gutsche unverrücket blieben
sind; Ich aber habe diese Nacht wenig geschlaffen / sondern an ihrem anmuhtigem
Gespräch mich erlustiget; sonsten gefiel mir gestern sehr wohl / dass Herr
Herkules sich ihrer im Gepüsche so fleissig annam / dann anfangs befurchte ich /
er würde ohn Freundligkeit mit ihr fortgehen / wie vor diesem mit Frl. Helenen /
aber ich merke wohl / dass er ein guter Erkenner in Unterscheid der Schönheit ist;
dañ ob ich gleich an dieser wenig zu tadeln habe / kann ich sie doch mit jener
nicht vergleichen. Ladisla merkete jhr Vorhaben / und antwortete: Euer Vorsaz
/mein Herz / währe wohl gut / aber sehet zu / und machet euch nicht Ungunst an
der andern Seite. Ey /sagte sie / ich handele nach Recht und Warheit / und nicht
nach Gunst / drum werde ich nicht sündigen; Aber sehet dorten Herr Herkules
hertreten / welcher schon meint  / gar zu lange von euch gewesen sein; Lieber
gönnet mirs / ein wenig mit ihm zu scherzen /ich weiss wohl / wo ich zukehren soll;
Sie gingen mit einander ihm entgegen / und sagte sie zu ihm: Mein Herr Bruder /
wie geht seine Liebe so einsam und ohn alle Gesellschaft? Darumb / antwortet er
/ dass niemand mit mir gehen will / und ich daher Gesellschaft suchen muss. Ja /
sagte sie / vielleicht wollet ihr niemand bei euch haben / sonsten fünde sich
die Gesellschaft wohl ungesucht. Meine Anmuhtigkeit ist so schlecht / sagte er /
dass meiner wenig begehren /weiss auch fast selber nicht / woher meine Schwermuht
entstehen mag. Sie antwortete: Mancher kann auch in der Demuht stoltz sein /
welches ich vor den grössesten Stoltz halte; und dass dieses auff euch geredet
sei / will ich nicht leugnen / dann ihr meidet die fröliche Gesellschaft mit
fleiss / und leget hernach die Ursach eurer Einsamkeit auff andere / die doch
gerne mit euch umgingen. Ob die Schuld an mir liege /sagte er / dass ich gemieden
werde / kann wohl sein / gestehe es auch selber / wann mir nur zugelassen ist /des
beschuldigten Stoltzes mich zuentledigen / dessen ich ungerne wollte teilhaftig
sein; findet aber meine Fr. Schwester dieses oder andere unzimliche Laster an
mir / wolle sie meiner nur nicht verschonen / weil ich meine Gebrechen nicht
allemahl von mir selbst erkennen kann; deswegen sind dieselben meine
allerliebesten Freunde / welche sich meiner Besserung annehmen / und selbe
fortzusetzen bemühet sind / zweifele auch nicht / da meine Fr. Schwester täglich
mit ihrem Verweisstuhm fortfahren wird / solle es sehr viel bei mir fruchten. Ach
ja freilich / antwortete sie / mit dergleichen spitzigen Pfeilen muss man auff
träuherzige Freunde zuschiessen / damit man abgeschrecket wird /dz man kein
Schertzwort mit euch reden darff. Ladisla lachete / dass ihr gefiderter Bolzen so
zeitig zurück prallete / wie sie dann weiters nicht vorzubringen wusste / und
Herkules schon auf eine Antwort bedacht wahr; aber sie fiel jhm ein / und sagte:
Nun sehet euch umb / Herr Herkules / jhr seid schon tähtlich wiederleget / als
wollte niemand eure Gesellschaft haben /dann dort lässet meine Frl. Schwester
Frl. Sibylla sich von meiner Fr. Mutter herleite / damit sie eure Einsamkeit
breche / deren sie ohn zweifel wird wahr genommen haben. Es gingen aber diese
beiden frisch fort / dann sie nahmen jener hinter dem Rosenpusche nicht wahr /
biss sie in den offenen Weg traten / welches das Fräulein ersehend / alsbald
stutzete / dann sie kennete unsere Helden nicht so bald. Aber Fr. Sophia rieff
ihr zu: Geliebte Frl. Schwester / komt mir doch zum Beistande / dann ich bin zu
wenig und schwach / diesen beiden Herren allein zu antworten. Herkules trat ihr
höflich entgegen / empfing sie mit einem Handkusse / und nach Wünschung eines
frölichen Morgen fragete er / ob sie nach dem eingenommene Schrecken wolgeruhet
hätte. Sie hingegen baht um Verzeihung / dz sie durch ihre Ankunft ihre
Unterredung störete / sah jhn unterdessen in diesem dünnen Kleide an / und
verwunderte sich so gar über die volkommene Zierligkeit seines Leibes und aller
Gliedmassen / dass sie fast erstummete; und als Fr. Sophia jhre Verenderung sah
/ kam sie ihr zu Hülffe / und sagete: Herzgeliebete Frl. Schwester / meint  sie
wohl / dass dieser Herr noch eben derselbe sei /welcher gestriges Tages ein
solches Gemetze unter den Räubern hielt / dz wir Ohren und Augen zudrücken
mussten? Ach nein / sagte Frl. Sibylla / wann mir das Angesicht nicht bekant
währe / würde ichs schwerlich gläuben. So geliebt meiner Frau Schwester es gar
oft / sagte Herkules / mich bei fremden stum zu machen. Bei fremden? fragete
sie; je wer ist dann alhie fremde? Meine Fr. Mutter / euren Ladisla und mich /
werdet ihr ja nicht vor fremde schelten; ist euch dann meine Frl. Schwester so
frembde / und habet schon unterschiedliche Reisen zu Pferde und zu fusse mit ihr
gehalten? da werdet ihr ja mit einander etwas Kundschaft gemacht haben. Es ist
mir leid gnug / antwortete er / dass das Durchl. Fräulein ich vom gehen so
ermüdet sehen musste; weil ichs aber nicht endern kunte / hoffe ich deswegen
entschuldiget zu sein. Mein Herr / antwortete das Fräulein / weil mein eigener
Vorwitz mich zu dieser Reise getrieben /habe ich das ritzen und stechen der
Dornen billich erlitten / und halte / meine Frau Schwester werde das ihre auch
empfunden haben. Ich? sagte Fr. Sophia; trauet mir sicher / herzgeliebtes
Schwesterchen / dass diese Dornen mich so gar nicht gereuen / dass ich sie
vielmehr liebe / weil unter denselben ich meine allerliebste Rose (auff Ladisla
zeigend) gebrochen / und möchte in Warheit euch wohl ein gleiches Dornen-oder
vielmehr Rosenglück wündschen und gönnen. Das Fräulein ward hierüber schamroht /
begriff sich aber bald / und gab zur Antwort: Ich bedanke mich alles guten / und
dass meine Fr. Schwester so grosse vergnügung zwischen den Dornen empfangen /
erfreue ich mich ihretwegen billich; mich aber betreffend / habe ich nie
grössere Angst als in den Dornen gehabt / aus welchen Hn. Herkules sieghaftes
Schwert mich vorgestern lossgewirket / wovor meine geliebte Eltern dankschuldige
Gemühter erzeigen werden /weil ichs nicht als mit geflissener Ehrerbietung
zuersetzen weiss. Herkules hatte grosses gefallen an den züchtigen Reden dieser
überausfrommen Fräulein /und antwortete hierauff: Durchl. Fråulein / ich bitte
Gott / dass er euer Wirdigkeit gleichmässiges Glük zuschicken / und wahre Tugend
mit erwünscheter Erstattung beseligen wolle; betreffend meine geringe /und des
gedenkens nicht werte Dienste / sind solche tausendfach in dem ersetzet / dass
sie mit ihrem belieben und vergnügen geschehen / und wer mit so reicher
Erstattung nicht friedlich sein kann / währe meiner Urtel nach unwirdig / von
redlichen Leuten geliebt zu werden. Hiemit kann vielleicht mein Herr sich
befriedigen / antwortete sie / aber meine Schuld sich nicht loswirken / dann das
empfangene fodert mehr Pflicht / als die Worte Leistung / und währe trauen gar
eine schlechte Dankbarkeit / die sich nur unter diesem erbieten finden liesse /
dass die Woltahten angenehm währen; O nein / mir ist gar zu häuffige
Gutwilligkeit erzeiget / welche mit Worten nicht kann abgetragen werden / sondern
auffs minste den steten Willen verdienet / so weit das Unvermögen keinen
wirklichen Abtrag zulassen will. So musste ich ein glückseliger Mensch sein / sagte
Herkules / wann mit einem Schwertschlage ich solchen Dank erfechten könnte;
jedoch weil mein Fräulein ja einige Schuld und Verhaftung alhie an ihrer Seiten
fodert / und ich Unhöfligkeit zu meiden / ihr nicht widersprechen darff /so
bitte ich dienstlich / dieselbe wolle ihre Schuld sein lassen dass sie mir
befehle / und in ihren Diensten mich gebrauche / damit in der Zahl ihrer minsten
Diener zuverbleiben / ich die grosse Ehre haben möge; welche lezten Worte nicht
allein bei Fr. Sophien / und ihrer Fr. Mutter / sondern bei Ladisla selbst einen
Argwohn entstandener Liebe verursacheten. Und die Warheit zu sagen / empfand
Herkules grosse zuneigung in seinem Herzen gegen dieses Fråulein / dass / dafern
solches noch frei und unbewohnet gewesen / er vielleicht die stete unverrückete
Wohnung derselben darinnen gegönnet håtte; aber seiner Beståndigkeit und Tråue /
die er einmal von sich gegeben / wahr viel ein fester Schloss vorgehenket / als
dass es durch einigen Menschen hätte können gebroche werden / insonderheit / weil
er noch an keiner andern sah / dass seines Herzens Schatz in etwa einer
Volkommenheit übertroffen hätte / nur dass seine Erndte noch nicht in reiffer
Saat schnitte / sondern annoch im blühenden Grase wahr / welches aber doch so
unfehlbare Hoffnung der allervolkommenste Früchte zeigete / dass weder ein
besseres hätte können gewünschet / noch dieses von einigem andern hintertrieben
werden; daher Fr. Sophien Hoffnung bloss in der Einbildung sich kitzelte / indem
sie eine Ehestifftung zwischen ihm un diesem Fräulein anzurichten vorhabens
wahr. Als sie nun dissmahl sah /dass das Fräulein auff Herkules lezte Reden
zuantworten zückete / wollte sie etwas darzwischen einschiessen / und sagete zu
ihm: H. Herkules / meint  Eure Liebe dann / dass meine Frl. Wase eine ganze Stad
voll Diener halte / dass er nur unter die geringsten will eingeschrieben sein? O
nein / ich halte nicht / dass sie jemahl einen einzigen in Bestallung genommen
habe. Ich widerspreche diesem gar nicht / antwortete er / uñ merke dañoch mit
freuden / dass / ob das Frauenzimmer gleich keine Diener bestellet / sie doch
geträue Dienste nicht ausschlagen / die aus gutem Herzen fliessen. Ein solches
erfodert die Erbarkeit und unsere Notturfft / die vieler Hulffe und Beistandes
benöhtiget ist / sagte Fr. Sophia / aber dannoch glåube ich nicht / dass meine
Frl. Schwester sich von vielen bedienen lasse. Sibylla wollte die angebohtene
Dienstwilligkeit selber beantworten / und fing also an: Tapferer Herr Herkules /
seine mir erzeigete Woltaht ist so beschaffen / dass ich deren weniger als meiner
selbst vergessen werde / ich auch keine andere Ursach habe / als ihn an die
seite meiner allernähesten Blutsverwanten hinbei zusetzen; dann weil Ehr und
Leben in gleichem Gewicht hangen / weiss ich schon /dass ich jhm nähst meinen
Eltern verpflichtet bin. Er nam diese Antwort mit sonderlicher Ehrerbietung auff
/ und wünschete / das Vermögen der Erkenntnis so hohes erbietens von Gott
zuerlangen. In dem wurden sie zur Mahlzeit gefodert / da im hingehen Fr. Sophia
jhre Wasen fragete / wie jhr Herkules nach seiner Art und Leben gefiele; sie
aber seine freundliche Geberden / artige Geschikligkeit und demuhtige Reden so
hoch rühmete / dass sie auch wunschete / die Götter ihr einen solchen Bruder
hätten gönnen mögen.
    Diese und folgende Tage wurden mit fröligkeit zugebracht / biss am sechsten
nach bestürmung des Raubnestes sich der obgedachten dreien Städte abgeordente
angeben liessen / eine schöne Dank- und Lobrede an unsere Helden ablegeten / und
hernach bahten / sie möchten sich hochgünstig gefallen lassen mit ihnen in den
Unter Platz zugehen / woselbst drei treffliche Gutschen von Blauen / Grünen und
Purpur Sammet mit güldenen Borten verbremet hielten / und vor jeder acht muhtige
Pferde in gleichem Zeuge / wie die Gutsche / bespannet wahren / hinter denen
hielten XXIV treffliche ReitPferde mit köstlich gestickete Satteln und Silbern
Gebiss / deren jedes von zween freigegebenen Leibeigenen / in Blauen / Grünen /
und Purpur Sammet gekleidet / geleitet ward; welches alles Herr Zezilius Antenor
im nahmen der zehn nachbar Städte also überliefferte: Hochberühmte Herren und
grosse Freunde / Herr Herkules und Herr Ladisla; vorerwähneter Städte Raht und
Bürgerschaft haben sich gescheuhet / mit blossen uñ leeren Worten die
gebührliche Danksagung / wegen des zu störeten Raubnestes abzustatten;
übersenden diese Gutschen /Pferde und LIV Teutsche Leibeigene freigekauffte
Knechte / mit dem was dabei mag gefunden werden /zum Zeichen ihrer
Dankbegierigkeit / unter der ungezweiffelten Zuversicht / sie werden solches von
ihrer Hand gutwillig annehmen / da ihnen zugleich alhie zu Padua / Mantua und
Ravenna eine Herren Wohnung soll erbauet / und inwendig jahresfrist fertig
überlieffert werden / mit diesem Anhange / dass sie vor die höchsten Geschlechter
dieser Städte / und nähesten Beisitzer des herschenden Burgemeisters öffentlich
erkläret / und aussgeruffen werden sollen; auch / so bald Römische Käyserl.
Hocheit ihre weitere anordnung allergnädigst einkommen lassen wird / werden die
Städte ein mehres von ihnen als hochgewogenen Herren zu bitten / Kühnheit
nehmen. Unsere Helden entsetzeten sich der Liefferung nicht so viel / als des
angeheffteten Erbietens / und gab ihnen Ladisla zur Antwort; Hochansehnliche
Herren; die gar zu starke Uberladung ihrer Freigebigkeit / benimt uns dz
Vermögen zu antworten / nachdem uns unverdienten so grosse Fürstliche
Schenkungen auffgedrungen werden / denen dz allergeringste zuerwiedern wir gar
zu wenig sind. Ob wir nun gleich sehen / dass wir das Gegenwärtige anzunehmen uns
nicht werden entreissen können / damit wir keine Unhöffligkeit über uns laden /
so bitten wir doch von Herzen / sie wollen das übrige gar zu unmässige Erbieten
nur auff den Willen beruhen lassen / und soll uns mehr als gnug sein / dass wir in
die Bücher ihrer ädlen Geschlechter verzeichnet werden. Grosse prächtige Gebäu
und Wohnungen bei ihnen zu besitzen stehet uns nit an / die wir des Vorhabens
sind / die Welt zu versuchen / vielweniger /dass wir junge unerfahrne Ritter in
ihres hochweisen Rahts Versamlungen nieder sitzen sollten. Bedanken uns demnach
nicht weniger vor das hohe erbieten / als vor die herzugeführete Geschenke ganz
dienstlich /und verpflichten uns hinwiederumb zu ihren Diensten ingesamt und
insonderheit; die Anwesende unsere hochwerte Herren gebührlich ersuchend / sie
wollen diesen und folgenden Tag uns hieselbst Gesellschaft leisten / und ihre
bessere sehr angenehme Kundschaft uns ungewegert gönnen. Hierauff mussten die
bestelleten Diener zwo grosse und ein kleines Lädichen von jeder Gutsche abheben
/ die auff den Saal getragen wurden / und unsere Helden sich sehr ungeduldig
bezeigeten / dass ihnen noch ein so verborgenes geliefert ward / dann in den
sechs grossen Laden wahren drei Tonnen Schaz gemüntzet Gold eingehämmert / und
die Kleinot in den dreien kleinen Laden / trugen auch so viel aus. Die Gutschen
Wagen- und Reitpferde samt dem Zeuge und erkåufften Leibeigenen / wahr alles mit
einer Tonne Schaz bezahlet / und wurden insonderheit die Gutschen (doch nicht
der Schaz darauff) im nahmen der offtgeneñeten dreien Städte eingelieffert.
Zulezt kahmen zween ansehnliche frei erkauffte Teutsche auff zwei schneweissen
wolgeputzeten Pferden / führeten auff dem linken Schenkel ein grüngemahltes
Ritterspeer mit ganz güldene Spitzen /in der rechter Hand ein Schwert / dessen
Gefäss von Demanten glänzete / Sattel und Zeug schimmerte von Gold und Perlen /
und der ganze Ritterharnisch wahr stark übergüldet; den Schild hatten sie auff
dem Rücken hangen / in deren jedem ein Löue stund / welcher in der rechten ein
Schwert / in der linken Tatzen einen Schild hielt mit dieser Umschrifft:
Peregrini Leones Aquilam liberarunt prudenter et fortiter ab Ursorum rabie. Das
ist: Die fremden Löuen haben den Adler von der Bähren Wuht klüglich und
herzhaft erlöset. Auff ihre Helmen stund ein Adler und Löue / die sich mit
Tatzen und Klauen freundlich umbfingen / und lase man an einem Täfflein diese
Schrifft: Quam benè conveniunt! Das ist: Wie vertragen sich diese so wohl
miteinander! Als diese Geharnischte zu unsern Helden naheten / tahten sie beide
den Helm ab / und weil sie Teutsche Herren Standes / und vor sieben jahren auf
einem Streiff gefangen und Leibeigen verkaufft wahren / wussten sie sich wohl
zuschicken / hatten auch die Sprache wolgefasset / und fing der eine diese Rede
an: Hochberühmte Helden; wir ehemahs gefangene /der Geburt Teutsche ädle / sind
von unsern Ober Herren der dreien Städte gnädig befehlichet / ihnen uns mit
Pferd und Gewehr untertähnig einzulieffern / hoffen auch / angenommen zu werden
/ und durch getreue Dienste dereins die Freiheit wieder zuerlangen. Unsere
Helden kenneten diese alsbald / dañ sie wahren in ihrer jugend am
Grossfürstlichen Hofe in Teutschland schon erwachsene Hoffjunkern gewesen / deren
einer Lutter / der ander Friedrich hiess / und gab ihnen Herkules zur Antwort;
Sie bedanketen sich gegen die hochlöblichen Städte ihrer gar zumilden Güte /
könten eines so Rittermässigen Geschenkes sich nicht wegern / und wollten ihr
voriges erbieten hieselbst wiederholet haben. Als Friedrich seine Sprache hörete
/uñ beider Gesichte erwog / sagte er zu seinem Gesellen auff Teutsch: Bruder ich
habe nit geirret / es sind in Warheit die Königliche Fürsten; stiegen hiemit
voller freude von den Pferden / und wollten sich vor ihnen niderlegen; aber
Herkules der solches merkete / sagte mit Teutschen worten zu ihne; sehet ihr uns
vor bekannte an / so lasset uns ungemeldet; daher diese zwar ihr Vorhaben
enderten / aber die Sache wahr schon verrahten / dann weil sie zu Ravenna beide
dieneten /und unter den Nahmen Herkules und Ladisla ihre Heldentaht rühmen
höreten / sagte Friedrich zu seinem Herren daselbst / er hielte gänzlich davor /
sein Landes Fürst und dessen Verwanter der Königliche Furst aus Böhmen würden
diese Helden sein / welche nit allein diese Nahmen führeten / sondern schon in
der kindlichen Jugend gewisse anzeige ihres unvergleichlichen Helden Muhts
hätten sehen lassen. Dieser machete dem ganzen Raht daselbst solches zuwissen /
die es weiter ausstrugen / das ein gemeines Geschrei sich erhub / die Teutschen
Könige währen kommen / und hätten Italien von den Räubern erlöset. Den andern
Städten wahr eben dieses zugeschrieben /daher man aus solcher Mutmassung die
obgedachten Schilde und Helme gebildet hatte. Als sie nun sahen /wie die beide
geharnischte das abgeredete Wahrzeichen der Ehrerbietung unterliessen / geriet
der meiste teil in zweifel / ob sie die Fürsten währen; aber Friedrich
berichtete seinen Herren / der zugegen wahr / er hätte nicht gefehlet / aber sie
wollten noch zur Zeit durchaus nicht erkant sein / daher ward in allen Städten
bei Leibesstraffe verbohten / von den fremden Helden / was ihren Stand uñ
Vaterland beträffe / einige Meldung und Nachfrage zutuhn.
    Diese beide Tage nun wurden in fröligkeit verzehret / und bekam Herkules
hohe Begierde / an sein herzgeliebtes Fräulein zuschreiben / sagte deswegen zu
Ladisla; dafern es ihm gefällig / wollte er alle ihnen geschenkte Teutschen nicht
allein frei lassen / sondern sie wolbegabet nach Haus schicken / die jhm heut
oder morgen grossen Vorschub / sein GrossFürstentuhm zuerhalten / tuhn könten;
welches er nicht allein gerne bewilligte / sondern zugleich anhielt / dass sie
jhren Weg auff Prag nehmen möchten /dann er währe gesonnen dahin zu schreiben /
ungeachtet er schon / wie er wüste / vor eilff Tagen einen eigenen Bohten dahin
gesendet; machten also jhre Schreiben fertig / und foderten jhre Leibeigene / an
der zahl LVI Mann / unter denen XXX gutes Adels /die übrigen versuchte teutsche
Reuter wahren / vor sich / welche Herkules auff teutsch also anredete: Gewisslich
habt jhr euch meines Gesellen und meines Glückes mit zuerfreuen / weil jhr durch
dieses Mittel uns überliefert / und von eurer vorigen Knechtschaft lossgemacht
seid / dann jhr sollet wissen / dass gegenwärtiger mein Herr Bruder / der
Grossmächtigste König aus Böhmen / und ich / eures herschende GrossFürsten / Herrn
Henrichs Erstgebohrner Sohn Herkules bin / welches jhr gleichwol in diesen
Ländern bei Leibesstraffe nicht melden sollet. Wir wollen euch nach angebohrner
milden Güte / nicht allein in vorige Freiheit setzen / sondern mit nöhtigen
Zehrungskosten versehen / dass ihr wieder in unser Vaterland zihen / und des
euren abwarten könnet / wovor ich von euch weiters nichts heische / als dz ihr
dereins dessen eingedenke seid / und bei meinen Eltern und angebohrnen
Untertahnen meiner im besten gedenket; sollet auch nicht verschweigen / was jhr
alhie gesehen und erfahren habet. Hernach rief er Friederich und Lutter
absonderlich zu sich / und sagete: Wann ich an euer Träue zweifel trüge / würde
ich euch diese eingemachte kostbahre Kleinot nicht anvertrauen; gab hiemit
Friedrichen ein Schreiben an seine Fr. Mutter /dieses Inhalts:
    Herzallerliebste Fr. Mutter; Ich euer gehorsamer Sohn Herkules / füge Euer
Gn. zu wissen / was gestalt mein gnädiger allein wahrer Gott mich nicht allein
meiner andertalbjährigen Knechtschaft entrissen / sondern so hoch begnadet /
dass ich in meinem vertriebene Stande mehr Ehr und Gelder erstritten / als ich
mir in Teutschland vermuhten sein könnte / wie Zeiger dieses berichten wird. Was
ihre verteufelte LügenPfaffen von mir låstern /wollen sie ja nicht glåuben /
sondern sich versichern / dass ich einem so heiligen und reinen Gott diene /
welcher durchaus keine üppigkeit und Unzucht / oder was dem anhanget / dulden
noch ungestraffet lassen kann. Bitte kindlich / meinen allerliebsten / wiewol /
als ich vernehme / ungnädigen Herrn Vater / zugrüssen / dessen abgeneigter Wille
mich mehr als andere Unlust schmertzet; Meinem geliebeten Bruder Baldrich
überschicke ich sechs Reitpferde mit allem Zubehör / auch einen köstlichen
Harnisch / und nebest sechs Kleinoten 20000 Kronen gemünztes Goldes zum
Beutpfennige / hoffe / er werde aller Fürstlichen Tugend und der löblichen
Ritterschaft eiferig nachsetzen / und sich durch falsche Verleumdungen von
Brüderlicher Gewogenheit und Träue nicht abwenden lassen. Was meiner herzlieben
Frl. Schwester absonderlich versiegelt ist (dieses wahren acht herrliche Kleinot)
wird meine Gn Frau Mutter derselben schon einliefern lassen. Befehle sie hiermit
alle meines wahren Gottes und Heilandes Obacht geträulich / lebe auch und sterbe
Ihr biss an Gott gehorsamer Sohn Herkules.
    Nach Einhändigung dieses Briefes stellete er jhm die Kleinot in einem
ledernen Beutel zu / und wurden die Baarschafte auff die sechs Pferde gebunden
/ mit erteiletem gnugsamen Bericht / wie es mit allem und jedem sollte gehalten
werden. Hernach ging er mit Luttern auff sein Schlaffgemach / und sagete zu ihm:
Sihe da / erinnere dich der Gnaden / die ich dir heut erzeige / uñ reise nicht
von Prag hinweg / biss du dieses Schreiben samt beigefugeten Sachen selbst / uñ
in möglicher Geheim dem Königlichen Fräulein daselbst / zu sicheren Händen wirst
gestellet haben / als welches alles jhr von Fr. Sophien ihrer Schwågerin
zugeschicket wird; Was du aber zu liefern hast / ist ein stoltzes Handpferd mit
köstlichem Zeuge / eine Gutsche mit sechs Pferden / (wahr die geschenkete blaue)
und eine verschlossene Lade auff derselben. Dieser versprach / alles geträu und
fleissig in acht zunehmen und zu bestellen. Darauff teilten Herkules und
Ladisla unter den XXX ådelgebohrne 21000 Kronen aus /und den übrigen XXVIgen /
7800 Kronen / dass sie sich davon rusten uñ beritten machen sollten; aber
Friedrich und Lutter bekahmen jeder ein wolgerustetes Pferd / guten
Ritterharnisch / und noch 1500 Kronen über das vorige / und als sie von Ladisla
ein Schreiben an seine Fr. Mutter empfangen hatten / gingen sie in aller Eile
fort.
    Es wahr dieser der ander Tag / an welchem unsere Helden der Städte
Abgeordnete zu Gaste hatten / und sich gar frölich erzeigeten / insonderheit
Herkules /welcher viel uñ oft an sein Fräulein gedenkend eine sonderliche
Vergnugung spuren liess / und daher mit Frl. Sibyllen so viel freundlicher
umging; worüber Frl. Helena einen starken Eifer in ihrer Seele empfand / weil
sie in der furcht stund / sie würde von jener aussgestochen werden; ja / sagete
sie in ihrem Herzen /wer weiss / was unter ihnen schon abgeredet ist / oder sonst
vorgangen / weil er sie im freien Felde allein gefunden / und einen guten Weg
mit sich geführet hat; kunte demnach vor dissmahl ihren Missgunst nicht bergen /
sondern da sie mit Frau Sophien nach dem Garten / die angenehme Kühlung zu
empfahen / gangen wahr / sagte sie zu ihr: Es würde ihr bestes sein / dass nach
diesem sie daheim bliebe / weil ihre Hellerchen hieselbst nicht mehr gelte
wollten. Diese hatte nun schon etliche Zeichen ihrer Unwilligkeit angemerket
/weil sie nicht allein Frl. Sibyllen wenig Freundschaft erzeigete / sondern
zuzeiten ihr auch gnug gramselige Anblicke verlihe / dessen ursach sie leicht
erriet / aber sichs nicht merken liess / sondern zur Antwort gab; Sie wollte nicht
hoffen / dass sie ursach hätte / dergleichen von jhr zu argwohnen; währe jhr aber
etwas zuwider geschehen / bähte sie / jhr solches zuoffenbahren / alsdann wollte
sie an ihrer Bemühung nichts erwinden lassen / dass es nicht allein abgestellet /
sondern auch verbessert wurde. Frl. Helena wahr schon leidig / dass durch
Eiversucht verleitet / sie sich so weit bloss gegeben hatte / wollte gleichwol
nicht angesehen sehr / als klagete sie ohn ursach / und fuhr also fort: Es kähme
jhr zu Ohren und Gesicht / dass zuzeiten sie von Frl. Sibyllen verächtlich und
hönisch gehalten würde / wüste doch dessen ja keine Ursach /es währe dann / dass
die von Rom so frisch ankähmen und neue Kleiderart mitbrächten / sich vor andern
was sonderliches einbildeten; doch bähte sie / hievon nichts zugedenken / dann
sie wollte nicht gerne ihre Feindschaft haben / sondern ungleich lieber nachgeben
/ und die geringste sein. Ach nein / antwortete Fr. Sophia / warumb soltet ihr
ohn ursach nachgeben /und unbilligkeit verschmerzen / sintemal ihr ja beide
eines Standes und Wirden seid / und euch Alters halben noch ein Vorzug gebühret;
saget mir nur / bitte ich / in welcher Sache jhr euch beleidiget haltet / und
lasset mich vor das übrige sorgen und antworten. Diese bedankete sich des guten
willens / und gab vor /sie hätte jhr steiff vorgenommen das ergangene zu
verschmerzen / und keinem Menschen zu melden / nur dass sie gleichwol so
einfältig nicht angesehen wurde /ob währe sie allerdinge merkloss / wollte sie nit
unterlassen / die erstkünftige Beleidigung jhr anzudeuten. Fr. Sophia wollte
dieses feur lieber dämpffen als schüren / und sagte zu jhr; es könnte sein / dass
falsche Mäuler sucheten / einiges Mistrauen zwischen jhnen anzurichten / oder
eine ungegründete Einbildung könnte sie verleiten; und wann ich nicht wissen
darff /sagte sie / wessen sich meine Frl. Schwester eigentlich zubeschweren hat
/ währe viel besser geschwiegen / als nichts gewisses sagen; sonste kann ich wohl
äidlich bekräfftigen / dass Frl. Sibylla der Art nicht ist / einigen Menschen /
geschweige jhre so nahe Anverwantin zuverhöhnen; ja Herr Herkules selber
verwundert sich jhrer frommen unbetrieglichen Einfalt /daher er auch mit jhr
mehr als mit einiger andern gerne umgehet / welches doch nicht aus Liebe zu
jhrer Schönheit / sondern wegen jhrer aufrichtigkeit geschihet / als der schon
an einem andern sehr hohen Orte verbunden ist. Helena währe dieser lezten Rede
schier zur Erden nider gesunken / sie verlohr alles jhr Geblüt unter dem
Angesichte / dass sie einer neulich verschiedenen Leiche nicht unåhnlich wahr /
und Frau Sophia sie fragete / was dieser gelingen Verenderung ursach währe;
worauff sie antwortete: Ich weiss selber nicht wie mir geschihet / es musste mich
dann ein gifftiger Wurm aus diesem Rosenpusche anhauchen. Fr. Sophia merkete jhr
Anliegen / taht doch nicht desgleichen / sondern fassete sie beim Arme / und
führete sie in die Läube / da sie bald wieder zurechte kam / und jhr voriges
Gespräch folgender gestalt wieder anfing: Es kann sein / dass von meiner Wasen
Sibyllen ich mir ein mehres eingebildet / als an sich selbst ist / und da
solches aus jhrer folgenden Bezeigung erscheinen wird / will ich allen Unwillen
ablegen / und als eine Freundin jhr Unglück beklagen helffen. Unglück? sagte Fr.
Sophia; stehet jhr dann ein Unglück vor / so helffets nicht beklagen / sondern
abwenden / und offenbahret es mir / dass man demselben vorbaue / ehe es
lossbricht. Ja wann sichs nur wollte lassen vorbauen /antwortete sie; die Liebe
ist blind und eigensinnig /wo nicht wohl gar unsinnig / und lässet jhr nit rahten
wie die geübten zu klagen pflegen; nun kann ich aber aus allen jhren Geberden und
Vornehmen nicht anders schliessen / als dass sie wegen Herrn Herkules Heirat
nicht geringe Hoffnung gefasset / worin sie ohn zweifel sich wird hesslich
betrogen finden / als viel ich aus eurer jetzigen Erzählung verstehe. Ach nein /
sagte Fr. Sophia / jhr jrret in eurer Urtel sehr weit / und kann ich euch dessen
wohl versichern / massen ich weiss / dass sie jhren Anteil zu Rom schon hat / ob
sie mir gleich solches nicht gestehen will. Ja / Fr. Schwester / antwortete sie /
warumb will sie es aber nicht gestehen? Je / dass sie dessen gerne wieder absein
wollte / weil jhr dieses Leckerbisslein ungleich besser gefält. Ey ei / geliebte
Schwester / sagte sie / wie habt jhr so unehrbare Gedanken von diesem überaus
frommen und keuschen Fråulein; ich habe euch ja nie von einer fremden viel
geringern so verächtlich reden hören /und wollte nit ein grosses drumb nehmen /
dass sie solches erfahren sollte; darumb verschonet sie mit dergleichen
ungebührlichen Aufflagen / weil sie dessen ganz unschuldig ist / und gebet
nicht ursach / dass sie sich gegen meine und eure Eltern über euch zubeschweren
habe. Diese fing an sich zuschämen / und es vor einen halben Scherz ausszugeben;
aber Fr. Sophia wollte sie von solchem Unwege abführen / und sagete; es währe
diese Entschuldigung zumahl unerheblich /und müste man trauen von solchen hohen
Standes Fräulein dergleichen schlimmen und ehrenverkleinerlichen Schertz nicht
tichten / vielweniger über die Zunge lauffen lassen; Sie vor jhr Håupt wollte die
ursach jhres Widerwillens zum teil schier errahten /welches aber alles in einem
falschen Wahn bestünde /wollten demnach dieses Gespräch auffruffen / und dessen
nimmermehr wieder gedenken. Gingen darauff wieder nach der Gesellschaft / uñ
funden Herkules mit dem Fräulein ein liebliches Gespräch halten / welches in
diesem Herzen den Eiver auffs neue anzündete / so dz sie aus Missmuht nach hause
ging.
    Des folgenden tages wurden auff Fr. Sophien Angeben / die vornehmsten jungen
von Adel / nebest den ådlen Jungfern / jene im nahmen Herkules / diese im namen
Frll. Sibyllen / und Helenen auff eine Maalzeit und Tanz eingeladen / deren eine
zimliche Menge fast in gleicher Anzahl erschiene. Herkules musste auff Fr.
Sophien Anhalten sich zu dem Frauenzimmer setzen /da er seine stelle bei Frl.
Luzilla Antenoria nam / und sie ingesamt nebest fleissiger nöhtigung zum essen
/mit einem freundlichen Gespräch ergetzete / durch welches ihrer viel / ungleich
vergnuglicher / als mit den Speisen gesättiget wurden. Nach der Mahlzeit ging
der Tantz an / und ward dadurch ein bundter Reihen-Sitz veranlasst / da ein
Paduanischer ädler Jungling / Nahmens Avonius Priscus sich zu Frl. Helenen fand;
er wahr gutes herkommens / reich / und in ritterlichen Ubungen wohl unterwiesen /
der auch seinen Mann wohl stehen durffte / nur das er von Gesicht etwas Ungestalt
/ und in der Welt wenig versucht wahr / wovon seine Eltern ihn als ihren
einzigen Sohn durch Zwang abgehalten hatten. Er hatte durch seinen Vater bei der
Fräulein Eltern schon unterschiedliche mahl Ansuchung getahn / auch biss auff der
Tochter Erklärung gute vertröstung erhalten / jedoch allemahl unter der
Verwahrung / dass sie ihrer Tochter allen freien Willen in Heirahtsachen lassen
wollten / deren Einwilligung zuerlangen er sich zubemuhen hätte. Sie aber wahr
ihm spinne feind / dass sie ihn nicht ansehen mochte / verdross ihr auch höchlich
/ dass er noch weiter sich bei ihr angeben durffte / da sie doch bei seiner
eigenen Schwester / Jungfer Pulcheria ihm ausdrücklich hatte sagen lassen / sie
bedankete sich gegen ihn wegen der zu ihr tragenden guten Gewogenheit /und bähte
daneben sehr / er wollte nach diesem sie mit solchen Anmuhtungen verschonen / uñ
sonst seines freien gefallens sich nach einer liebsten umbtuhn /weil kein
einiges tröpflein der liebes Neigung sich in ihrem Herzen befünde. Als er vor
dissmal sich zu ihr nidersetzete / baht er anfangs um verzeihung uñ lies aus
seinen Worten gnug spüren / dz ob sie ihm gleich bei seiner Schwester eine
solche Antwort zuentbohten / die nichts als Abweisung nach sich führete / so
erinnerte er sich dannoch / dass einem getreuen Liebhaber obläge / auff
erstmahlige Verwägerung inständiger anzuhalten / auff dass daher erschiene / dass
die Liebe nicht nur auff der äussersten Borke / sondern in dem tieffeste des
Herzen haftete; bähte demnach dienstlich / ihm sein kühnes Vornehmen
hochgünstig zuverzeihen / und mit seinem übel ein Mitleiden zu tragen. Dieser
stund ohn der Kopff nicht recht / weil Herkules sich zu Frl. Sibyllen
nidergesezt hatte / und verdross sie heftig / dass sie einen so ungleichen
Auffwarter haben sollte / daher sagete sie zu ihm; nachdem er den Worten seiner
Schwester nicht trauen wollte / müste sie / seiner auff einmal abzukommen / eine
Erklärung fassen / deren sie sonst gerne möchte überhoben sein / und sollte er
demnach wissen / dass seine Auffwartung ihr allerdinge unangenehm wåhre / auch
unmöglich / dass sie in seinen Willen gehehlen könnte /sollte deswegen ihrer
hinfuro allerdinge müssig gehen / und ihm eine andere Beisitzerin erwählen /
damit sie nicht gezwungen würde / ihre Stelle zuverlassen / und nach hause
zugehen. Der gute Mensch entsetzete sich zum höchsten / und fragete sie / ob ihr
dann mit seinem Tode gedienet währe; worauff sie zur Antwort gab: Er möchte
ihret halben immerhin leben / so lange es den Göttern gefiele / nur sollte er
festiglich gläuben / dass wann sie auff andere Weise sich seiner nicht entbrechen
könnte / wollte sie ihr den Tod wünschen /wie lieb ihr sonst das leben währe. Wol
mein Fräulein / antwortete er / so sehe ich nunmehr / das mein Herz Feur / und
das eure Wasser ist; dass auch meine Neigung weiss und die ihre schwarz ist /
welche nimmermehr vereiniget werden können / muss also ihr als einem Fräulein die
freie Zunge ungehemet lassen /und mich bemühen / dasselbe zuverachten was mich
vor nichts hält; stund hiemit von ihr auff / und taht einen zierlichen Tanz mit
einer recht schönen und wolerzogenen ädlen Jungfer / nahmens Urbina. Es hatte
aber Fräulein Luzilla Antenoria / des Avonius Mutter Schwester Tochter das
obgesetzete Gespräch alles angehöret / taht es auch Avonius Schwester alsbald
zuwissen / welche ohn dass hitzig vor der Stirne wahr / und auff Gelegenheit
tichtete / ihres Bruders Schimpff zu rächen / welches sie also ins Werk
richtete: Als sie mit einem Paduanischen ädlen Jüngling /nahmens Fulzinus / der
ihr heimlicher Buhle wahr /einen Tanz hielt / und bei Helenen hertanzete / trat
sie derselben vorsezlich / doch als ohngefehr auff den Fuss / dass ihr solches
heftig schmerzete / und sie deswegen vor eine grobe unvorsichtige aussschalt /
welche dieses biss nach geendetem Tanze unbeantwortet liess; hernach aber sich zu
ihr nidersetzete / und dass das beisitzende Frauenzimmer es eigentlich vernehmen
kunte / sie also anredete: Helena Emilia von Rom / wz vor eine freche Freiheit
bildet ihr euch ein /dass wann ihr unter dem Tanze die Füsse weiter aussstrecket /
als unsers gleichen geziemet / und man alsdann unversehens dieselbe berühret /
ihr eine ehrliche Jungfer / die allerdinge eures gleichen ist / und ja so gut
als ihr / vor eine grobe unvorsichtige dirne /vor einer solchen adelichen
Gesellschaft aussschelten dürffet? trauen ihr habt hiedurch eure Römische
Höffligkeit wenig blicken lassen / und bedürfftets besser als ich / dass man euch
das grobe abhöfelte; will euch aber diesen schlimmen Streich auff dissmahl zu gute
halten / und werdet mir zu danken haben / dass ich euch hiedurch anlass gebe /
eure Fusse hernähst etwas züchtiger einzuzihen. Die so es höreten / erschraken
dieser rede / und Helena selbst erstarrete vor Zorn und Eyver; endlich da ihr
die Vernunft und Sprache wieder kam / sagte sie: Wer Pech angreifft der
besudelt sich damit. Und wer auff Koht trit / antwortete jene /der macht in
flissen und sprützen; sind euch aber die Paduanische ädlen Jungfern als Pech /
so könnet ihr euch ja derselben entalten / dass von ihrer groben
unvorsichtigkeit ihr unbesudelt bleibet; wisset aber / dass wir unsere vier
Viertel ja so lang rechnen als ihr eure Elle. Fr. Sophia ward dieses Zankes inne
/ trat hinzu /und sagte als im scherze; Sie wollte nicht hoffen / dass man diesen
Jungfern Streit mit scharffen Schwertern beilegen müste. Nein / antwortete
Avonius Schwester / nur wolle ihre Gn. meine Beisitzerin abmahnen /dass sie
hernähst nicht mehr ehrliche ädle Jungfern in solchen hochansehnlichen
Geselschaften vor grobe unvorsichtige Dirnen aussschelte / oder man wird ihr
solche vorsichtige Höffligkeit nicht allemahl zu gute halten; vor dissmahl aber /
weil ich Gelegenheit gehabt mich gebührlich zuverantworten / soll ihr verzihen
sein. Fr. Sophia wollte keinem Teil zu oder abfallen / sondern erinnerte sie
beiderseits / ihren Jungfråulichen Wolstand zubeobachten / damit nicht die
anwesende junge Aedelleute einen Spot mit ihnen trieben; welches die Paduanische
mit einer sonderlichen Freimühtigkeit auffnam / und sich davor bedankete / mit
der Beteurung / dass wann diese Erinnerung ihr zeitiger währe vorgehalten / wollte
sie die hohe Beschimpffung verschmerzet haben. Helena aber / welche meinte / es
sollte Fr. Sophia mit jener anlegen und sie vertreten / ward hierüber so
entrüstet / dass sie zur Antwort gab / wann ihre Fr. Wase sie noch weiters hätte
beschimpffen wollen / währe solches am fug- und leidlichsten ohn anderer beisein
geschehe; stund damit auff und ging mit ihrer Leibdienerin davon / welche schon
mit der andern ihrer folge Magd angebunden hatte / und wenig fehlete / dass sie
ihrer Jungfern Ansehen zu schützen / ein artiges Haarzausen angefangen hätte /
dem einig nur hiedurch vorgebauet ward. Die Fehde wahr gleichwol hiemit
gestillet / und machte der gute Avonius so gute Kundschaft mit gedachter
Jungfer Urbinichen / dass er Helenen der Vergessenheit übergab / und bald hernach
mit dieser Verlöbnis hielt.
    Es wurden die übrigen Tage mit allerhand ehrliebender Kurzweile zugebracht /
biss der Statalter von seinem Bruder durch schnelle Botschaft berichtet ward /
dz die Käyserlichen Schreiben / nach allem Wunsch auffgesetzet / ihm des
folgenden tages wurden eingelieffert werden; und hätte zwar Käyserl. Hocheit
dieselben mit zuzihung des Römischen Rahts verfertigen lassen / aber von allen
Anwesenden den Aid genommen / nichts davon anders wohin zuberichten / biss die
Volstreckung zu Padua geschehen währe. Diese Zeitung hielt er in geheim / und
stellete auff denselben Tag eine weitläufftige Gästerei an / worzu alle
Rahtsherren und ädle / samt ihren Frauen und Töchtern eingeladen wurden. Nach
abgetragenen Speisen stund der Statalter an seiner stelle auff / entblössete
sein Häupt / nam einen grossen Brieff in die Hand (welchen er vor einer Stunde
empfangen) und redete unsere Helden also an: Durchleuchtige Herren
/hochgeliebete Freunde / Herr Herkules und Herr Ladisla; Mein allergnädigster
Käyser / Herr Aurelius Alexander Severus / dann auch der Raht und Gemeine der
Stad Rom / lassen meinen Herren durch mich jhren Gruss / geneigten Willen und
Freundschaft anmelden. Diese stunden alsbald an jhrem Orte ganz ehrerbietig
auff / neigeten die Häupter biss zum Tische nider / und bedanketen sich der hohen
Käyserlichen Gnade / imgleichen der grossen Gewogenheit der Stad Rom / deren
keines sie fähig währen / noch zuersetzen wüsten. Ihr meine Herren / fuhr der
Statalter fort; es ist mir jetzt diese Stunde eine Käyserliche und Römische
Versehung allergnädigst in diesem Schreiben auffgetragen / welches eigentlich
sie beide betrifft /und mir der Inhalt annoch verborgen ist / hoffe / sie werden
mir verwilligen / solche alhie öffentlich zu verlesen / und durch günstige
Einwilligung alles gut heissen. Herkules antwortete / jhr Allergnädigster Käyser
hätte mit jhnen zuschaffen volkommene Gewalt / dessen Hocheit sie in aller
Untertähnigkeit zu gehorsamen bereit stunden; Worauff er das Siegel brach / und
folgende Worte lase:
    Dein / und der Stadt Padua Schreiben / lieber Quintus Fabius / sind bevorab
Käyserl. Hocheit / hernach dem Raht und Gemeine der Stad Rom wohl eingeliefert /
in welchem Bericht getahn wird / was massen die Römischen gutigen Schutz Götter
durch Klug- und Hertzhaftigkeit der beiden teuren fremden Ritter und Helden
/Herrn Herkules und Herrn Ladisla / das vor Augen schwebende Verderben / dem
ganzen Römischen Reiche / insonderheit den Städten Padua / Mantua und Ravenna
/von der boshaften Räuberischen Verbündnis angedräuet / gnädig abgewendet / den
verborgenen Ort der schnöden Versamlung wunderbahrer weise kund gemacht / und
eine so grosse Menge der Redlensführer abgestraffet /welche / da sie wenig
Wochen hätten leben sollen / die Wolfahrt des Römischen Reichs ungezweifelt
wurden zuruttet / Italien verheeret / und ein grosses Blutbad vieler
unschuldigen angerichtet haben. Wann dann Käyserl. Hocheit / als auch der Raht
und Gemeine der Stadt Rom /diesen augenscheinlichen Beistand der Götter erkennen
/und die Heldentaht obgedachter guten Ritter hoch preisen / Als haben sie
schuldiger Dankbarkeit zu folge / beides Göttern und Menschen / davor
gebuhrlichen Abtrag zumachen / ernstlich nachgesinnet / auch jene alsbald durch
ein dreitågiges Dankfest und vielfältige Opffer verhoffentlich begnüget /
nachgehends einhellig beliebet / und auff Kåyserl. Hocheit allergnädigsten
Vortrag beschlossen / gesetzet / und bestätiget; schliessen / setzen und
beståtigen auch hiemit und krafft dieses öffentlich / dass wolgedachten
Heldmuhtigen Rittern und Freunden des Römischen Reichs folgender gestalt
dankbarlich soll begegnet werden: Als vorerst wird ihnen und allen ihren
Nidersteigenden- und Seiten-verwanten das Römische Burgerrecht mit allen
Freiheiten geschenket / und werden sie II. in den höchsten Adelstand
auffgenommen. Folgends wird jhnen III. jedwedem eine güldene Kron /als
sieghaften Uberwindern zugesand; und soll IV. jedwedem eine Ehren-Seule zu Rom
auff dem Marsplatze mit der überschrifft: Liberatores Antenoridum, Protectores
Italiæ, & Imperii amicissimi, (das ist: Diese sind der Stad Padua Erretter /
des Italienlandes Schützer / und des Römischen Reichs liebeste Freunde);
auffgerichtet werden. V. Dafern sie freie Herrschaften besitzen / oder in
Erbschaft zu gewarten haben / soll ihnen solche Freiheit bestätiget / und alle
deren Inwohner / wann sie es begehren / Freunde des Römischen Reichs genennet
werden. VI. Würden aber ihre Herschaften verpflichtet sein / soll ihnen
zehnjährige Schatzung erlassen werden. VII. Hätten obgedachte Ritter Lust /
Römische Kriegsbestallung anzunehmen / sollen jedem sechs Legionen (36000 Mann)
untergeben / und ihnen vor ihr Häupt / als lange sie dienen / doppelter Sold
vermachet werden / neben freier Wahl / wider was Feinde des Römischen Reichs zu
kriegen / ihnen belieben würde. IIX. Haben sie Krieg wider ihre eigene Feinde /
so nicht Römische Bundgenossen oder Untertahnen sind / soll ihnen die Römische
Reichshülffe biss auff 120000 Mann zuzihen. IX. Ihre aus dem besten Korintischen
Ertz gegossene Bildnissen zu fusse / und ihre Pferde hinter ihnen stehend
(welches die Ehre ist / dass sie zu fusse gesieget) sollen zu Padua /Mantua und
Ravenna vor dem Rahtause / mitten auff den Marktplaz gesetzet werden / mit
dieser schriftlichen Ehrengedächtniss: Hercules & Ladislaus, peregrini, nunc
cives & amici, Rempublicam nostram ab interitu vindicarunt. Dz ist: Herkules
und Ladisla die fremden /jezt Bürger und Freunde / haben unsere Herschaft vom
Verderben errettet. X. Die in der Höhle eroberte Beute / Silber / Gold / Kleinot
/ ådelgestein / Waaren /Waffen / Speise / Trank / alles gross und klein / nichts
ausgenommen / soll ihnen als ihr Eigentuhm eingeliefert werden / dass ohn jemands
Einrede sie damit schalten und walten mögen nach freien belieben. XI. Die
vorgenommene Dankbarkeit der Städte wird gut geheissen / auch dass die Fürstliche
Häuser auffgerichtet / und jedes mit einem vor selben Städten belegenen Landgute
eigentühmlich versehen werde / deren jedes zum wenigsten jåhrlich 6000 Kronen
auffbringen kann / und sollen dieselbe halb aus der Stådte gemeinen Seckel / halb
aus unser Rentkammer daselbst erkaufft werden. XII. Alwo sie im Römischen
Gebiete reisen würden / soll jeder auff XII Diener oder Gefårten und XXIV Pferde
kostfrei gehalten werden. XIII. Geliebet ihnen endlich in der Stad Rom zu wohnen
/ wird ihnen eine Rahtsstelle / und freier Zutrit zu allen Ehrenämtern
angebohten / und sollen sie bei Kåyserl. Hocheit ihren täglichen Speisetisch
auch allernähest der Burg ihre wirdige Wohnungen haben / dann sie werde von nun
an geheissen Imperij filij & Imperatoris fratres; Das ist / des Römischen
Reichs Söhne / und des Käysers Brüder. Sonsten da ihnen mit etwas annehmlichers
sollte können an die hand gegangen werden /es sei zu Wasser oder zu Lande / wird
ihnen solches freiwilliger geleistet werden / als sie es fodern oder begehren
können.
    Nach endigung dieses Vortrages bedanketen sich unsere Helden der überaus
hohen Gnade untertåhnigst / wünscheten Käyserlicher Hocheit glückliche Herschung
/ der Stad Rom dem Häupte der Welt stetes auffnehmen / dem ganzen Römischen
Reich Gottes Schuz wieder ihre unbillichen Feinde / allen Inwohnern glückliches
Gedeien / und dem H. Statalter zeitliche und ewige Wolfahrt / mit dem erbieten
/ der Römischen Käyserl. Hocheit und des Römischen Reichs geträueste Diener und
Freunde / biss an ihre und der ihren Freiheit zu sein und bleiben. Der Statalter
setzete ihnen die übergeschicketen Kronen auff ihre Häupter / und hiess alsbald
künstliche Mahler kommen / welche sie nach Lebens grösse eigentlich abreissen
mussten; wornach Giesszeug gemachet werden sollte / in welchem sie von aus
oberwähnetem kostbahren Zeuge ganz geharmscht / doch mit blossem Angesicht
abgegossen wurden. Bald nach geschehener Bekrönung liefferte er ihnen die
Schlüssel zu den Gemächern / auff welchen die Råuberbeute verwahret ward /
welche sie auch wieder ihren Willen zu sich nehmen mussten. Die anwesende Gäste
wunscheten ihnen Glük und stete Vermehrung ihrer ehren / wovor sie sich höflich
bedanketen. Der Statalter hörete /dass seine Tochter bei dem Kunstmahler
bestellete /ihr Angesicht abzubilden / und in ihres Gemahls Abrisses linke Seite
zusetzen / mit dieser umbschrifft: Hoc in corde quiescit Sophia Fabia. Das ist:
in diesem Herzen ruhet Sophia Fabius Tochter / welches er sich zwar nicht übel
gefallen lies / und doch zu ihr sagete: Ich merke wohl / du währest auch alhie zu
Padua gerne mit im Spiel / lässet sichs aber auch verantworten? und ist dirs
nicht gnug / dass zu Rom deine Ehren Seule neben deinem Gemahl auffgerichtet ist?
Worauff sie antwortete: Gn. Herr Vater / ist dieses euer Ernst / so lassets mich
/ bitte ich / recht wissen. Er streich ihr über das Häupt und sagete; Ich weis
schon wohl / dass du angebohtene Ehre nicht aussschlågest, nam den Brieff wieder
hervor / und lase überlaut folgende Worte daraus: Die erste Rahtgeberin Sophia
Fabia welche ohn zweifel durch eingeben der Götter getrieben /die Nachsuchung
der Räuber befodert hat / soll vor erst ihrem Gemahl auff dem Marssplatze zur
linken stehen /mit dieser Gedåchtnis-Schrifft: Romanarum mulierum decus, SOPHIA
FABIA, das ist: Sophia Fabius Tochter ist die Zierde der Römischen Frauen. Vors
ander wird ihr ein güldenes Krönichen gesand / und Zeit ihres lebens zutragen
erläubet. Wird dann drittens geheissen eine Schwester des Römischen Kåysers. Als
ihr nun das Krönichen auffgesetzet ward / ging sie auff die Knie sitzen
/bedankete sich alleruntertähnigst gegen Römische Käyserliche Hocheit / Raht und
Gemeine der Stad Rom / wünschend / die Götter wollten ihr liebes Vaterland
hinfüro mit solcher Gefahr gnädig verschonen / und dessen Auffnehmen ihnen
lassen anbefohlen sein; stund wieder auff / und baht ihren Vater / er möchte der
Gesellschaft ohn weiteres Auffschieben anzeigen / was vor ein Ehrengedåchtnis
ihm selbst zugesprochen währe; worauff er zur Antwort gab; es ist mir Ehre gnug
/ dass dem rechtschuldigen alles nach meinem Wunsch begegnet ist / und hat man
dannoch meiner hiebei nicht vergessen wollen / sondern mir zwischen Herren
Herkules und Ladisla eine Ehrenseule zu Rom erkennet / an welcher diese löbliche
Taht zum stetswehrenden Gedächnis geschrieben worden /und zu oberst diese Worte:
Q: FABIVS, FELIX, PIVS, VICTOR GLORIOSVS. Das ist: Q. Fabius der Glukselige /
Gottfürchtige / Sieghafte / Preisswirdige. Hier wartete nun Fr. Ursul mit
Verlangen / was jhr liebster K. Fabius doch zu hoffen hätte / weil er ja im
Streite nicht geschlaffen / sondern sein äusserstes biss auff Vergiessung seines
Bluts mit angewendet. Der Schwiegervater merkete ihren Ehrgeitz / uñ stellete
sich / als ob nichts mehr übrig währe / woruber sie fast betrubet ward / dass sie
zu sagen sich nicht entalten kunte: Gnådiger Herr und Vater / mein Liebster hat
sich zwar des Sieges mit zuerfreuen / aber vielleicht keinen Teil an der
ausgeteileten Römischen Gnade. Worüber er lachete / und zur Antwort gab: Es ist
der Weiber gemeine Krankheit / dass sie ihre Männer gerne geehret sehen. Hiess
damit seinen Sohn auffstehen / und Kåyserl. Gnade und Willen vernehmen; Zohe das
Schreiben wieder hervor / und lase daraus: Den jungen K. Fabius / Römischen
bestalten Ritmeister /soll I auff dem Marsplaze eine etwas nidrigere Seule vor
des Vaters Fussen gesetzet werden / mit eben der Uberschrifft / die den Helden
gegeben ist. II Sol er zum Obristen über eine Römische grosse Geschwade oder
Legion bestellet werden / und III über den gewöhnlichen Sold aus der Rentkammer
jährlich als lange erlebet / 6000 Krone heben / auch IV In der ersten Wahl zum
Rahtsherren in Rom gekieset werden Dieser erbleichete vor solcher Ehre / sagte
vorerst Römischer Käyserl. Hocheit und der Stad Rom in tieffster Untertähnigkeit
Dank / erinnerte sich gerne / dass es eine blosse freigebigkeit währe / zu
welcher er durchaus nicht hätte Anlass geben können / rechnete es dahin / dass man
ihm hiemit anzeigen wollte / was er dem Vaterlande schuldig / und er alle
Belohnung vorher einnehmen müste / ehe er einige verdienet.
    Des folgenden Morgens liess der Statalter alle Reuter / so dem Streite
beigewohnt hatten / vor sich ruffen / erzählete ihnen / wie er ihr Wolverhalten
nach Rom berichtet / und darauff eine Käyserliche Gnade einkommen währe / welche
er ihnen vorlesen wollte /und also lautete: Die so dem Streite wieder die Räuber
beigewohnt / uñ zu Beschutzung des Vaterlandes ihr Blut und Leben nicht
geschonet haben / sollen jedweder ohn unterscheid 8000 Kronen aus der Rentkammer
empfahen / nebest einem Ritterharnisch / Pferde / und allem Zubehör / auff 400
Kronen geschätzet / und so etliche von ihnen das Römische Bürger Recht nicht
haben / sollen sie selbst erscheinen / oder ihre Namen einschicken /und ins Stad
Buch eingeschrieben werden; auch da sie weiter begehren zu dienen / sollen sie
nach belieben / zu Ross oder zu Fuss / alle miteinander vor Unterhäuptleute hiemit
bestellet und angenommen sein / und solchen Platz zuerlangen sich zu Rom
anfinden. Die aber / so in dem Gefechte ihre Gesundheit eingebüsst / und einige
Lähmniss an Händen oder Fussen bekommen / sollen über obgesetzete Verehrung
jährlich / so lange sie leben 300 Kronen zu ihres Lebens unterhalt / von den
dreien Städten Padua / Mantua und Ravenna zuempfangen haben. Die so ihr Leben
vor das Vaterland in diesem denkwirdigen Kampffe eingebüsst / weil sie vor sich
selbst der Vergeltung nicht geniessen können / sollen zu Padua an dem
ehrlichsten Orte begraben / und ihnen gehauene Grabe Steine auffgerichtet /
ihren nähesten Erben aber 6400 Kronen aus gemeinen Reichs Aufkunften abgefolget
werden. Und weil die beide Römische vom Adel / Klodius und Markus ihres
tapfferen wolverhaltens / vor andern gerühmet werden / soll ihnen alles dreifach
gegeben werden / auch / dafern sie ihrer jetzigen Herren Dienste mit gutem
Willen können erlassen sein / vor Römische Ritmeister alsbald bestellet werden.
Nach Verlesung liess er jhnen die Gelder baar ausszahlen / und die versprochene
Waffen und Pferde einhändigen / neben der Erinnerung / es würde jhnen zum besten
gereichen /wann sie alle mit einander nach Rom reiten / und Käyserlicher Hocheit
alleruntertähnigst danken würde / worzu sie dann alle sehr willig waren.
Schliesslich wurden alle Gefangene herzu geführet / und ihnen dieses vorgelesen:
Die erschlagene vermeinte Räuber-Fürsten / auch der aussgegrabene Orgetorix
sollen gevierteilet / und umb Padua / Mantua und Ravenna auff freier Heerstrasse
auffgehenket / die andere getödtete an Kreuze umb die Räuberhöhle gehefftet
werden. Die annoch lebendige Räuber stehen in ihrer Uberwinder freien Händen /
und mögen sie nach belieben deren etliche begnaden / und die andern entweder
selbst straffen / oder hieher nach Rom senden. Weil nun unsere Helden deswegen
mit dem Statalter schon Abrede genommen hatten / dass der junge Räuber / welcher
sich im Gefecht ergeben / samt Servilius und dem Koche nur allein sollten
begnadet sein / wurden die übrigen eilfe auff Wagen geschmiedet und nach Rom
fortgeschicket.
    Es foderten Herkules und Ladisla ihre beiden Ritterlichen Diener Klodius und
Markus vor sich / und zeigeten ihnen an / dass sie nicht gemeinet währen /ihnen
ihr Glük uñ Befoderung zu hemmen / sondern sollten hiemit jhrer Dienste erlassen
sein / nach belieben hinzureisen / und die angebohtene Ritmeisterschaft zu
behäupten / wollten nicht hoffen / dass sie einiger ungebühr sich über sie würden
mit fuge beschweren können / und währen sie erböhtig / jhnen allerhand
Befoderung bei Kåyserl. Hocheit zubeweisen. Klodius aber fing mit betrübeter
Rede vor sich also an: Durchleuchtiger Gnädiger Herr / Ihre Gn. haben mich auff
zwei Jahr in Dienste genommen / so lange dero ich mich auch verbunden / und
ruffe ich mein Gewissen zum Zeugen / dz ich biss daher in dieser Welt nichts mehr
gewünschet / als Ihrer Gn. in meiner untertähnig-gehorsamsten Auffwartung
gefallen zu können; gelebe demnach der tröstlichen Zuversicht /Eure Gn. werden
mich nicht so schleunig aus ihrem Dienste verstossen / sondern die versprochene
Zeit mich aushalten lassen / dann ich bin des gänzlichen vorhabens / in Euer Gn.
Lehr Schuele erst recht zu fassen / wie ich dermahleins eine Häuptmanschaft mit
Ruhm verwalten alten könne. Markus gab eben dieses vor / und hielten an / dass
ihnen nur gnådig vergönnet werden möchte / mit der Reuter Gesellschaft nach Rom
zureiten / umb / jhre erworbene Gelder überzubringen / und ihre verpfändeten
Güter damit grösten teils frei zu machen / welche von den geitzigen Gläubigern
durch gar zu schweren Wucher aussgesogen / würden. Sie verwunderten sich dieser
Erklärung / spüreten daher ihre Träue und Liebe / und vermacheten ihnen wegen
der künftigen Dienste dreifachen Sold / hielten auch jedem einen Leibknecht /
der jhnen die Pferde versehen musste / dass sie fast wie Spiessgesellen von jhnen
gehalten wurden; Die Reise nach Rom / sageten sie / könnte ihnen nicht gehindert
werden / sollten nur zuvor alle Reuter / so dem Streite beigewohnt / herzu
fodern; und als dieselben ankahmen / redete Herkules sie also an: Ihr redliche
Spiessgesellen / wir erinnern uns billich eures ritterlichen Beistandes und
gutwilligen Gehorsambs / welchen jhr in neulicher Bestürmung des Raub Nestes uns
geleistet / und weder Blut noch Mühe gesparet / sondern durch solche Tapfferkeit
uns die empfangene hohe Ehre erstreiten helffen; Hievor erkennen wir uns in
eurer Schuld sein / wollen uns auch bemühen / euch deswegen in etwas zu ergetzen
/ nicht zweifelnd / jhr werdet unsere Gutwilligkeit annehmen / und so bald jhr
zu Rom ankommet / Römischer Käyserl. Hocheit und dem Raht unsere
alleruntertähnigste Dienste / Gehorsam und Gruss anmelden / auch / dass wir
inwendig eines Monden frist uns selbst einstellen wollen / vor empfangene Gnade
zu danken. Die Reuter wünscheten jhnen zu jhren Ehren Glük / wendeten ein /
Römische Käyserl. Hocheit hätte jhre Mühe und Wunden satsam vergolten / währe
also unvonnöhten / dass Ihre Gnn. sich deswegen einige Gedanken macheten; Jedoch
/ da dieselbe jhnen ein geringes Gedächtnis hinterlassen wollten / wobei sie sich
der Ehre erinnern könten / dass unter ihrer glücklichen Anfuhrung sie gestritten
/ sollte jhnen solches von hertzenlieb und angenehm sein; erböhten sich sonsten
zu allen möglichen Diensten uñ Gehorsam / und sollte jhr Befehl nicht aus der
acht gelassen werden. Darauff mussten Klodius und Markus jhrer jedem 4000 Kronen
zur Verehrung / und 200 Kronen zum neue Kleide austeilen / welches anzunehme sie
sich anfangs sehr wegerten / aber doch durch Nöhtigung sichs nicht entbrechen
kunten; da dann die drei Städte sie auch nicht wollten unbegabet lassen / sondern
einem jeden Reuter 2000 Kronen / Klodius und Markus aber / jedem 8000 Kronen
einreicheten. Als nun diese beide auff Abfärtigung nach Rom warteten / fragete
Herkules seinen Klodius / wie es mit seinen Gütern zu Rom beschaffen währe / und
ob er davon etwas zu heben hätte. Er schämete sich anfangs solches zu sagen;
Daher begehrete Ladisla von Markus zu wissen / was vor einen Zustandes mit
seinen Gütern hätte; welcher ohn weiters bedenken anzeigete / seine liegende
Gründe / Haus und Hoff / wåhren auff 85000 Kronen angeschlagen / und haftete
wenig über die helffte / als 46000 Kronen Schulden darauff / welche aber nicht
allein alle jährliche Auffkünfte verzehrete / sondern den Schuld Hauptstuel
stets grösser macheten; Die Gelder währen nicht aus üppigkeit oder Mutwillen
erborget / sondern von seinen Eltern / die vor zwei Jahren gestorben / und
zwölff Jahr beide krank gelegen /auff Arzte gewendet; Weil er aber diese wenige
Zeit so grosses Glük gehabt / und schon ein mehres / als er schuldig währe /
erworben håtte / wollte er sie frei machen / und seinen Anverwanten auff etliche
Jahr austuhn. Klodius legete die unzeitige Scham auch ab /und deutete auff
abermahlige Erinnerung an / seine Güter währen 112000 Kronen an Wert; Nun hätte
sich aber sein Vater Seel. vor seiner Mutter Bruder (welcher durch Unglück
hernach umb alles seine kommen) auf 40000 Kronen in Bürgschaft eingelassen /und
seine drei verheirahtete Schwestern hätten jede wegen 6000 Kronen Hauptstuel /
die übrigen besten Stücke zugeniessen / dass er jährlich kaum 150 Kronen
einnehmen könnte; wollte nun gleich wie Markus sich von der Bürgschaft loswirken
/ und mit jhm sich auffs geschwindeste wieder einstellen. Herkules antwortete
ihm: es ist dir nicht zurahten / dass du aller deiner Barschaften dich
entblössest; lege sie hin /dass du sie dereins findest / wann du zu heirahten
gedenkest; sihe da / weil du aus Lust / in meinen Diensten länger zusein / deine
Befoderung aussschlågest /will ich dir meinen guten Willen wiederumb sehen lassen
/ und strecke dir 40000 Kronen vier Jahr ohn Zinsen vor / so bistu nach deinem
Stande dein lebelang geborgen / und lebe nur der Zuversicht / dass nach Befindung
deiner künftigen Dienste ich sie dir gar schenken kann. Ladisla bezeigete sich
gegen Markus desgleichen / und empfingen dagegen auffs neue Verheissung in jhren
Diensten weder Blut noch Leben zusparen. Sie schicketen aber jhrem Arzt Galenus
400 /seinen beiden Gesellen ingesamt 100 Kronen zum Beutpfennige. Dem Römischen
Bischoffe machte Herkules 12000 Kronen über / auff Rente zulegen /und die
Auffkünfte in dreien gleichen Teilen auff Armen / Kirchendiener / und
SchuelLehrer zu verwenden. Die in der Räuber Höhle gefundene Waffen schichteten
sie gleich / und sendeten dem Käyser die Halbscheid nach Rom zum Gedächtnis /
nebest allem Pracht von Kleinoten / Silbern und Gülden-Geschir auch zierlicher
Rustung / die einem RäuberFürsten beigelegt wahr; daneben 50 Wagen mit Meel / 20
mit Wein / 24 mit eingesalzenem Fleisch uñ Fischwerk /und drei Tonnen Schaz an
gepregetem Golde und Silber. Weil jhnen auch Frau Mammcen des Käysers Mutter
Geitz wohl bekant wahr / schicketen sie derselben zwo Tonnen Schaz an Gold und
Silber; Eine Tonne an allerhand Kleinot / vier schwerbeladene Wagen von Purpur /
Seiden / Silbern und Gülden-Stücken / und den ganzen Schmuck auff eine Räuber
Fürstin beigelegt / schrieben daneben an den Käyser und seine Fr. Mutter hohe
Danksagungs Briefe / und erbohten sich / nach Verlauff vier oder fünff Wochen
sich einzustellen / woran sie doch durch einen merklichen Unfall verhindert
wurden.
    Des fünften tages nach solcher Abfärtigung stelleten sie eine grosse
Gästerei an / worauff 670 Rahts Herren und Aedle / aus Padua / den umbliegenden
Städten / und vom Lande; und über dieselben noch 30 Herren Standes / mit ihren
Gemahlen und Mannbaren Töchtern eingeladen wurden / die sich alle willig
einstelleten. Die Speisen und herrlichsten Weine wurden in grossem überflusse
auffgesetzet / und alles Fürstlich angerichtet / dann sie spareten weder Kosten
noch Mühe / uñ hatten auff dem weiten schönen Anger / woselbst Fulvius erleget
wahr / eine sehr grosse Läube machen lassen / in welcher 2300 Menschen / als 700
Männer / und 1600 Weibesbilder an 130 langen Tischen gespeiset wurden. Nach
gehaltener Mahlzeit ward von dem Frauenzimmer ein zierlicher Tanz gehalten /
wobei unsere Helden und andere junge Herren sich finden liessen / biss umb ein
nidersitzen angehalten ward / da Herkules und Ladisla aufftraten / und etliche
Laden bei sich nidersetzen liessen / auch Ladisla also anfing: Hochmögender Herr
Statalter und Fr. Statalterin / Wolgebohrne Herren / Frauen und Fräulein /
Hochädle Herren /Frauen und Jungfern: Mein brüderlicher Freund Herr Herkules und
ich / bedanken uns sehr dienst und freundlich / dass auff unsere einladung sie
alhier erschinen / und ihre angenehme Kundschaft uns gönnen wollen / welches
Zeit unsers lebens zu ruhmen wir Ursach haben werden. Es wissen sich aber unsere
anwesende Herren und Freunde / ohn unsere Anzeige zuerinnern / was Gestalt
Römische Käyserl. Hocheit /unser allerseits allergnädigster Herr / uns beide
dermassen hoch begnadet / dass wir solches nicht eins recht begreiffen /
geschweige ersetzen werden / uñ deswegen uns in stäter Verwunderung
stillschweigend bezeigen / weil wirs mit wirdigen Worten nicht aussreden können;
dann nicht allein die angetahne Ehr ist zu gross und uberschwänglich / sondern
auch die gelieferten Schätze und Reichtuhm mehr als Königlich. Wir unsers teils
sind nicht Willens / so hohe Gnade zuverschweigen / sondern davon mit Mund
/Herzen und bezeigungen zu reden / auch denen die es nicht recht wissen / anlass
zugeben / dass sie es etlicher massen begreiffen und neben uns rühmen mögen;
geleben demnach der gänzlichen Zuversicht / unsere sämtlich Anwesende
hochgeneigete Herren / Frauen /Fräulein und Jungfern werden ohn Wiederrede unser
Vornehmen sich gefallen lassen / und ein geringes Dankzeichen / welches wir
einliefern wollen / mit günstigem Willen / als ein schlechtes Pfand unsers
bereitwilligen Herzen zu ihren Diensten / von uns auff und annehmen. Niemand
wahr / der hierauff antworten wollte / biss der Statalter auffstund / und dieses
vorbrachte: Durchll. Herren / Freunde und Schwigersohn; es hat Römische Käyserl.
Hocheit und der Raht zu Rom sich noch allemahl wohl vorgesehen / dass sie weder
die empfangene Woltahten undankbarlich vergessen / noch Unwirdige gross ehren /
daher dañ kein Mensch an eurer Wirdigkeit zweiffeln muss noch kann /welche durch
so klare Zeugnisse uns vor Augen leuchtet / dass ein Maulwurff-blinder sie sehen
und Fühlloser sie greiffen sollte; gnug aber ist es Käyserl. Hocheit und dem Raht
zu Rom / auch uns allen Herzerfreulich / dass eure Liebden die beschehene
Dank-ehre vor wichtig und genehm halten / und sich der stäten Gedächtnis
anerbieten / welche auch an dieser Seite nicht soll in vergess gestellet werden.
Das Denkzeichen / welches unsere allerseits hochwerte Herren uns anbiete / währe
ganz unvonnöhten / massen viel ein kråfftigers schon in unsern Herzen stecket /
welches nur der Tod heraus reissen / die Dankbarkeit aber auff die Nachkommen
fortsetzen uñ unsterblich machen wird; jedoch / dass wir nicht vor unhöfliche
mögen angesehen werden / lassen wir uns ihr Vornehmen nohtwendig gefallen / aber
mit dem bedinge /dass es vor erst nicht einem Geschenke als Denkmahl ähnlicher
sei; vors ander / dass es wegen der grossen Menge dieser Anwesenden / nicht auff
einzelne Häupter / sondern Städte und örter möge angeschlagen werden. Durchl.
Herr Statalter / Gn. Herr als Vater /antwortete Herkules / wie auch Wolgebohrne
und hochädle anwesende Herren / Frauen und Jungfrauen; mein geliebter Bruder
Ladisla und ich bedanken uns Dienstlich ihrer hohen Gewogenheit / und
beschehener Einwilligung / wollen auch des Herrn Statalters erste Bedingung
gerne in acht nehmen / und daneben hoffen / die andere könne uns wohl erlassen
werden /wañ sie unsers Vorhabens werden berichtet sein; Als nämlich / es haben
die vermeinte Räuber-Fürsten auff XXXIV Obristen und deren Weiber / dañ vor 680
Häuptleute und ihre Weiber etliche Kleinot unterschidlicher Gattung beigelegt /
von denen wir nur etliche dieser hochlöblichen Gesellschaft aussteilen wollen /
nit als ein Geschenke / sondern blosses Denkzeichen des ergangenen. Als nun
niemand dawieder redete / wurden vor erst den Anwesenden 540 ädlen Frauen so
viel Häuptmans Weiber Ringe aussgeteilet /deren jeder 60 Kronen galt; den ädel
Jungfern an der Zahl 850 wurden so viel Haupmans Weiber Armbänder gegeben /
jedes zu 70 Kronen. Darnach wendeten sie sich zu den Herre Standes Frauen /
deren 100 wahren / und lieferten ihnen so viel Häupmans Weiber Halsketten / jede
zu 125 Kronen; den Frei Fräulein aber / deren 106 anwesend / jeder ein
Hauptman-Weiblich Kleinot / jedes zu 150 Kronen. Nach diesem legte Ladisla Frl.
Helenen eine Obristin-Halskette mit angeheffteten Kleinot umb den Hals / am
gewehr 10000 Kronen. Herkules gab Frl. Sibyllen ein gleichmåssiges / und überdass
einen Ring und par Armbånder / jener 2000 diese 3000 Kronen wert. Fr. Ursul aber
ward von Ladisla mit einem vollen Obristin-Schmuk / auff 23000 Kronen / und die
Statalterin mit gleichmässigem / überdass noch mit einer Hauptmann in ganzem
Zieraht von Herkules beleget; welches alles zusammen gerechnet 176705 Kronen
ausstrug. Nach solcher Verrichtung wurden 560 Rahtsherren und ädlen Rittern so
viel Hauptmans Ringe; noch 130 Rahtsherren / so Herren Standes /Hauptmans
Ketten; Herren Kornelius / Emilius / und Zezilius Antenor auch den beiden
Burgemeistern von Mantua uñ Raveña / jedem ein ganzer Hauptmansschmuk; dem
jungen Fabius eines Obristen volståndiges / und endlich dem Statalter eines
Obristen und Hauptmans Zieraht gegeben; dass alles unter die Männer verteilete
sich auf 101130 Kronen belief. Alle Anwesende namen diese grosse Freigebigkeit
mit höchstem Unwillen auff / dass auch der Statalter sich darüber ungeduldig
erzeigete; mussten es doch geschehen lassen / und erbohten sich / Gelegenheit
zusuchen / dass es verschuldet würde. Es wahr aber hiemit noch nicht geendet /
sondern unsere Helden liessen 150 Reuter Harnische und 3000 Rüstungen zu fusse
auff den Platz führen / welche sie in drei gleiche Teile legeten / und den drei
Stådten solche zum stetswehrenden Gedächtnis zustelleten / mit Bitte / eigene
kleine Zeughäuser auffzubauen (dero behnef bei jedem Teil 6000 Kronen gelegt
wahren) und es alle darin verwahrlich zubehalten; bei jedem Teil wurden V Fuder
Meel / IV Fuder Wein / und VI Fuder Fleisch und Fische / nebest 6000 Kronen wert
silbern Münze geleget / solches alles unter die Armut in den dreien Städten /
wess Glaubens sie auch sein möchten / ausszuteilen. Dem Statalter und seinem Sohn
stelleten sie jedem 20 Ritterwaffen und 50 Fussknechte Gewehr zu / und fing
darauff Herkules an / diesen beiden folgende Anmuhtung zu tuhn: Durchll. Herren
/Herr Vater / und Herr Bruder; ist es / dass dieselben meinen Bruder Ladisla und
mich / wie wir dann nicht zweiffeln / Väter- und Brüderlich lieben / werden sie
nicht allein unsere Bitte in gutem auffnehmen / sondern auch gelten lassen / so
dass sie alle übrige Beute mit uns gleich teilen / und willig zu sich nehmen
wollen / welches wir Zeit unsers Lebens Kind- und Brüderlich ruhmen / und daher
ihre ungefärbete Neigung verspüren wollen; weil ihnen ja solches von rechtswegen
schon zugehöret / als welche gleiche Arbeit mit uns überstanden haben. Niemand
kunte sich dieses Erbietens gnug verwundern / aber der Statalter gab darauff
diese Antwort: Durchll. Herren / hochgeliebte Freunde als Söhne; ihr gewogenes
Freunde herz gegen mich und meinen Sohn / ist durch so hohe Bezeigungen schon
kund gemacht / dass wir ohn Sünde daran nicht zweiffeln könen / daher wir in alle
mögligkeiten ihrem begehren nachzusetzen / hinwiederumb schuldig und verbunden
sind; betreffend die geschehene Anmuhtung / ob sie gleich ihnen nicht anders als
zur rühmlichsten Tugend der hohen-Freigebigkeit aussgeleget werden kann / müsten
wir an unser Seiten dagegen vor die unbesonnesten Menschen gescholten werde /
dafern wir dieselbe eingingen; dañ vorerst wollen sie bitte ich / ihrer mir
ehmahls gegebenen Antwort sich erinnern / als vor ihre hohe Bedienungen / ich
nebest meinen Anverwanten ihnen gleiche Erbschaft mit unsern Kindern anboht /
und ich diese ihre Entschuldigung musste gelten lassen / Gott möchte ja verhüten
/ dass unser Kinder Erbteil durch sie nicht geschwächet würde; warumb sollte dann
ihr Gut durch uns gemindert werden? Dass ihr aber meinen an Kayserl. Hocheit
getahnen Bericht (wie ich in Erfahrung komme) beschuldiget / ob hätte ich eure
verhalten zu gross / mein uñ meines Sohns aber zu geringe gemacht / und das währe
die ursach / dass man euch die Beute allein zugesprochen / welches ich hie
nohtwendig erwåhnen muss / so kann solcher Auflage ich mich gedoppelt entbrechen:
Vorerst / bin ich und mein Sohn Römer / und in Römischen Dienste / und ob wir
gleich allein diesen Schatz erstritten hätten / welches doch gar nicht ist /
währe solcher nicht uns / sondern der höchsten Obrigkeit heimgefallen; welches
sie unbeschwert bedenken wollen; Hernach ist der abgefårtigte Reuter vor dem
versamleten Römischen Raht über den wahren Verlauff äidlich abgehöret /und mir
ein zimlich harter Verweis zugeschrieben /den ich aufflegen kann / warumb ich
diese herrliche Taht nicht mit mehren ümständen in meinem Briefe erzählet håtte;
dass also dieses Verdachtes ich mich gnug entschuldiget weiss / und sie daher nit
gedenken dürffen / als wurde Käyserl. Hocheit ein anders in der Sache
geschlossen haben / wañ ich schon eure und unsere Tahten (das mit unwarheit
geschehen müssen) gleich gehalten hätte. Jedoch / damit unser Streit auffgehoben
werde / und wir ja so wenig unhöflich sein möge / als sie bei Annehmung unsers
ersten anmuhtens wahren / sehet da / meine liebe Herren Söhne / so nehmen wir
die richtige Halbscheid aller annoch unverschenketer Beute an / aber solcher
gestalt / dass ich verfluchet sein will / wofern ich nicht alles / klein und gross
/ derselben Fräulein zum besten verwahre / die meinem hochwerten Herrn Sohn /
Herrn Herkules /nach des Himmels Versehung dereins ehelich soll zugeführet
werden. Ich aber / fing der junge Fabius an /bedanke mich zufoderst der gar zu
grossen Ehr und Schenkung / wovor ich meinen beiden Herren und brüderlichen
Freunden ohn einige Bedingung zu dienste verbunden bleibe / schlage das
angebohtene nicht aus / dafern meine Fr. Schwester Sophia / es mit diesem
Vorbehalt wieder von mir annimt / dass sie dessen meinem Gemahl nicht eines
Hellers wert zuwende /deren ich hiemit alles annehmens ernstlich untersagen will
/ und da ich solches nicht erhalten sollte / werden meine Herren eine ganz
abschlägige Antwort mir nicht verdenken / und nicht desto weniger mich vor ihren
geträuen Knecht und Diener halten; Dann warumb sollte ich mich mit der schon viel
zu grossen von Käyserl. Hocheit empfangenen Gnade nicht begnügen lassen? Ja /
warumb sollte ich ohn einigen Verdienst /da meine Herren selbst keine ursach
anzeigen können / ein solches mir zuwenden lassen / welches zeit meines Lebens
ich nicht allein nicht vergelten / sondern auch vor ehrliebende / insonderheit
vor Käyserl. Hocheit nicht verantworten könnte? Diesem nach bitte ich dienstlich
/ meine Herren wollen ihre hohe Neigungen mir dergestalt sehen lassen / dass ohn
Verletzung meiner Gebühr ich dieselbe zulassen und annehmen könne / und
wiederhohle hiemit mein voriges auffrichtiges Erbieten. Unsere Helden stelleten
sich über diese Wegerung traurig / aber der Statalter sagte mit einem
scherzhaften Lachen: Sehet ihr nun /meine Herren / dass man zuzeiten den
Kauffman mit seiner Waare bezahlen kann? Ihr habt mir vor diesem den Peltz auch
gewaschen / und nicht nass gemachet /deswegen verdenket mirs ja nicht / dz mein
Hündichen-Gedenks / ein gleichmässiges Gebelle von sich giebet; dann ich beteuere
hoch / dass ichs von niemand anders / als von euch Herren gelernet / und meiner
Meinung nach diese Kunst gar zu gelegener Zeit angebracht habe; sollte jhnen
solches nun unangenehme sein / da ich doch das gar zu hohe Erbieten in keine
wege verdienet / so werden sie nun erst erkennen / wie heftig mich ihre
ehmahlige Wegerung muss geschmerzet haben; wollens aber zugleich auffruffen /und
Zeit unsers Lebens einander Träue und Freundschaft / ja alles können und
vermögen schuldig bleiben / je länger wirs leisten und sehen lassen / welches
die Volkommenheit der auffrichtigen Freundschaft ist. Hierauff hiess er die
Spielleute frisch auffmachen /und fing Herkules Römischer Käyserl. Hocheit
Gesundheit / Ladisla aber des Römischen Reichs Auffnehmen an zu trincken /
welches mit entblösseten Häuptern stehend verrichtet / und zur sonderlichen
Ehrerbietigkeit auffgenommen / auch nachgehends dem Kåyser mit seiner hohe
Vergnügung erzählet ward. Fr. Ursul / da sie dieses sah / trat sie mit Frl.
Sibyllen zu unsern Helden / bedanketen sich im Nahmen des ganzen Frauenzimmers /
wegen der ausgeteileten Kleinot / und wünscheten ihnen stäte Auffnahme ihrer
Ehren / langes Leben und beständiges Wolergehen / damit sie noch mannichem
bedrängeten zur Hulffe und Rettung sich gebrauchen lassen könten; liessen
hernach zwei güldene Becherlein mit Wein füllen / welche das ganze Frauenzimmer
auff der teuren Helden Gesundheit ausstrunken. Es wehrete diese Gästerei biss in
die sinkende Nacht / und wahr von unsern Helden bestellet / dz auff diesen Tag
alle Arbeiter an den dreien Fürstlichen Gebäuen in den dreien Städten / auff
ihre angerichtete Kosten mussten gespeiset und mit gutem Wein beräuschet werden;
liessen auch aller geladenen Gäste Dienern und Mågden /jedem eine Krone / und
des Statalters seinem Gesinde / jedem X Kronen zum Beutpfennige zustellen
/worauf 4000 Kronen verwendet wurden. Des folgenden Morgens foderte Herkules von
dem Christlichen Lehrer des Ortes die Zahl der armen Christen / deren sich 400
alte unvermögende / 200 Wåiselein / 150 Lahme und Krüppel / und 300 arme Schüler
angaben / welche er alle mit Kleidern und Schuhen versehen liess / auch den
Vorstehern 150000 Kronen zustellete /dass sie beleget / und die Auffkünfte zum
Unterhalt der Armen angewendet würden. Die Städte Padua /Mantua und Ravenna
stelleten auch trefliche Gästereien an / nur unsern Helden zu ehren / welche
dahin ritten / und mit Furstlichem Gepränge empfangen wurde.
    Des zwölfften Tages nach dem Käyserlichen angelangeten Befehl / wurden die
gegossene Bilder auff eine Stunde in allen dreien Städten auffgerichtet / da
alle Einwohner hinzudrungen / und gerne Hand mit anlegen wollten. Alle Häuser umb
den Markt her /wahren mit Menschen angefüllet / biss endlich einer herzu trat /
der mit seiner Gesellschaft einen runden leeren Kreis umb die Bilder machete /
in welchem zwanzig Spielleute mit Pauken und Trometen ein lustig Feldstük hören
liessen / dass die ganze Stad erschallete / nach dessen endigung kahmen zwanzig
andere an ihre stelle mit sanftem Seitenspiel / grossen und kleinen Lauten /
Geigen und Harffen / stimmeten sehr artig mit einander ein / biss nach Verlauff
einer halben Stunde drei zierliche Knaben zu ihne traten /und mit
unterschidlichen Stimmen nach der Singe-kunst gesetzet / folgendes Lob- und
Danklied in dz Seitenspiel erschallen liessen.
                                       1
Last die Helden uns besingen /
Ja die Helden / deren Preis
Keiner gnug zu rühmen weiss /
Die uns Heil und Leben bringen;
Ja die Helden / denen wir
Schuldig bleiben für und für.
                                       2
Ihre Klugheit / die den Jahren
Trefflich vor gewachsen ist /
Hat der frechen Räuber List /
Und verfluchten Bund erfahren;
Ihre Klugheit / deren wir
Schuldig bleiben für und für.
                                       3
Ihre Kühnheit / zu beschützen /
Die in Noht und Trübsal stehn /
Hat uns Rettung lassen sehn /
So dass wir noch sicher sitzen;
Ihre Kühnheit / denen wir
Schuldig bleiben für und für.
                                       4
Herkules ist unser Leben /
Ladisla ist unser Geist /
Die man billich Schützer heist /
Denen / weil sie vor uns streben /
Unsre Kinder und auch wir
Schuldig bleiben für und für.
                                       5
O ihr Götter unsrer Mauren /
O vergeltet diese Taht /
Lasset sie nach eurem Raht
Dieser Welt noch lange tauren /
Biss ihr sie durch freie Wahl
Uberschreibt in eure Zahl.
Nach Endigung dieses Liedes nahmen die drei Sänger Abtrit / und stelleten sich
sechs Paduanische Frauen /halb Adel / halb Bürgerstandes / auch drei ädle
Jungfern (unter denen ein Frei Fråulein wahr) und so viel Bürgers Töchter an
ihre stäte / schlugen einen engen Kreis umb die auffgerichteten Bilder / und
hielten einen zierlichen Tanz; hernach fingen sie mit einander bei dem
Lautenspiel dieses Lied mit sehr anmuhtiger Stimme an:
                                       1
Kompt ihr Paduansche Frauen /
Und ihr Fräulein komt herbei /
Dass wir uns zum Lobe zauen,
Derer / die uns wieder frei
Und von neuen Leben machen /
Komt ihr Jungfern / singt zugleich /
Dann die vor den Ehstand wachen /
Sorgen eben wohl vor euch.
                                       2
Unser' Ehr und Leben stunden
Schon in frecher Räuber Hand /
Die sich dort zusammen funden;
Ihr Grim / über uns entbrand /
Wahr schon an der Schwerter Spitzen /
An den Spiessen auffgestekt /
Da wir sollten Blut nur schwitzen /
Biss wir lägen aussgestrekt.
                                       3
Herkules der Uberwinder /
Ladisla / der Sieges Held /
Wolten nicht dass unsre Kinder /
Eltern / Männer / Häuser / Feld /
Gar zu scheitern sollten gehen /
Ihr unüberwindlich Schwert
Liess so schleunig Straffe sehen /
Wie der Bliz vom Himmel fährt.
                                       4
Sie verwehten das Gewitter /
Eh man dessen Wuht empfand /
Eine kleine Hand vol Ritter
Hielt den Fechtern Wiederstand /
Sie bestürmten ihre Gänge /
Sie zubrachen ihren Schluss /
Dass sie lagen nach der länge /
Recht wie Bosheit sterben muss.
                                       5
Schreibet dieses an die Wände /
Schreibet dieses in das Herz /
Herkules Siegreichen Hände
Treiben alles hinterwerz
Was uns suchet zu verhehren /
Ladisla hält unsern Geist /
Dass er noch muss lange wehren /
Und nicht wie der Strohm verscheust.
                                       6
Nun ihr Helden / last euch preisen /
Wie ihr solches wohl verdient /
Euer Lol soll nicht vergreisen /
Weil die hohe Tanne grünt /
Weil die Hirsch' in Auen weiden /
Massen eure Siegeshand /
Hat Raub / Mord / Angst / Noht und Leiden
Von uns allen abgewand.
Nach dem Gesange hielten sie den andern Tanz umb die Bilder / und nahmen mit
tieffen Neigungen einen höflichen Abtrit; darauff kahmen allerhand Blase-Trommel
und Seitenspiel in grosser Anzahl in dem Kreisse beieinander / und macheten ein
Stük / welches zwar in ungleichem Klange / aber Singe-künstlicher Gleicheit
einstimmete / die Pauker hatten wie auch die Blaser und Pfeiffer ihr Zeug so
viel möglich /gedämpffet / welches aber doch das Seitenspiel zimlich
überschallete / und dannoch nicht unlieblich anzuhören wahr / insonderheit dass
die Heerpauker die küstlichen Abteilungen der Schläge / so artig in acht nahmen
/ uñ nicht allein nach Gelegenheit bald hart bald sanfte / sondern bei den
ganzen und halben Schlägen ein zierlich-buntes Gehacke macheten / und hingegen /
wann die Trometer züngelten / die Pfeiffer und Seitenspieler auch ihre
künstlichen Läuffchen verblümeten / sie sich langsam / als ob sie die Masse
hielten / vernehmen liessen. Als dieses eine Stunde gewehret / kahmen drei
unterschiedliche Hauffen von zwölff Männern / zwölff Knaben und Mägdlein
gleicher Teilung / und zwölff Frauen und Jungfern / auch jedes zur Halbscheid in
den Platz / stelleten sich in die drei Ecken des Kreisses / und in dem alles
Spielzeug auff das sanfteste ging / fingen sie ihr Pindarisches Lied an / in
welchem der Manneshauffe den ersten Saz also anstimmete:
                                       1
So müssen wir der teuren Helden Preis
Gebuhrlich und mit vollem Munde singen
Auff auff! und last das Seitenspiel erklingen /
Wer Pauken nach der Kunst zu rühren weiss /
Muss seinen Dank mit geben; blaset frisch
Auff Zinken / auf Posaunen und Schalmeien /
Das Orgelwerk bestimmet wohl und risch /
Trometer auff! mit her an diesen Reihen;
Ihr Sänger ihr / verblümlets krauss und bund /
Ihr Männer komt / last hören Herz und Mund;
Ihr Kinder solt die zarte Stimm' erheben;
Ihr Weiber auch / und reine jungfern Zucht /
Dann eure Ehr stund schon auff Windesflucht /
Dass nur ein Schrit wahr zwischen Tod und Lebe.
    Diese Aussfoderung beantworteten die Knaben und Mägdlein im Gegensatze mit so
erbärmlicher und zugleich anmuhtiger bewäglicher Stimme / dass allen zuhörern die
Tråhnen aus den Augen hervor drungen /indem sie also sungen:
Herr Herkules / der grosse Sieges Held /
Herr Ladisla der trefftlich' Uberwinder /
Beschützen uns arm' und elende Kinder /
Ihr blankes Schwert besichert Vieh und Feld.
Drum nehmen wir noch füsse Nahrung ein;
Sie haben sich vor diesen Riss gestellet /
Durch welchen wir ermordet sollten sein /
Die freche Schaar ist bloss durch sie gefellet.
O Padua! wo währestu wohl iez /
Wann Herkules und Ladislaen Wiz
Das heimliche Gebäu nicht hätte funden?
Du währest schon Asch' und ein Lösche-brand /
Und deine Mark ein durchaus Wustesland;
Wem sind wir dann als diesen / mehr verbunden?
    Den Nachsaz hielten die Frauen und Jungfern / so dass das sanfte Flöht- und
Seitespiel auff Geigen und Harffen mit einstimmete / wie folget:
Herr Herkules / Herr Ladisla /
Wir Frauenzimmer sind jetzt da /
Eur teurerworbnes Lob nach Mögligkeit zu preisen.
Eur Ehr und Nahme soll alhier
Bei Jung- und Alten für und für
Voll blühen / und zu keiner Zeit vergreisen.
So opfern wir an können-statt
Das wollen / das euch zuerheben
Ihr Helden / diss Geticht
Verschmähet uns doch nicht /
Gönnt uns das freie rühmen;
Ob unser Mund
Es gleich so bund
Nicht kann noch mag verblümen;
Noch niemahls sich gewegert hat /
Dann ihr seid unser' Ehr und Leben.
Als dieses ausgesungen / und der Kinder / auch Frauen und Jungfern Tantz
gehalten / und zulezt noch ein mahl mit volstimmenden Zeuge auffgespielet wahr
/trat ein Redener auff / und meldete den Anwesenden an / was gestalt Römische
Käyserl. Hocheit die Auffricht- und Einweihung dieser Bildnissen der Durchll.
Herren und unüberwindlichen Ritter / Herrn Herkules und Herrn Ladisla /
allergnädigst befohlen und angeordnet hätte; zeigete daneben die ursach an /
rühmete die Weissheit / Tapferkeit und freundliche Demuht unserer Helden /
wünschete ihnen Glük / Heil / Gesundheit / langes Leben / und ståte Auffnahme
jhrer Ehren und Preises / stellete sie zum Vorbilde der Römischen Jugend vor /
uñ vermahnete dieselbe zur möglichen Nachfolge. Fr. Sophia und Ursul / mit Frl.
Sibyllen /stunden oben auff dem Rahtause / sahen die Auffrichtung der Bilder /
und was dabei vorging / alles an / liessen sich auch der Gesånge Abschrifft
geben /und brachten sie den unsern hin; welche solches alles mit grosser
Ungeduld lasen und erzählen höreten /dass auch Herkules sagte; wann er hätte
wissen sollen / dass man ihn solcher gestalt schier zu einem Abgott machen wollen
/ wollte er nach erhaltenem Siege keinen Tag in Italien blieben sein; dann wer
wollte sich nicht schämen / sagte er / eine solche ganz unverdienete und
übermenschliche Ehr anzunehmen / insonderheit / wann sie durch gemeinen Schluss
geleistet wird. Aber der Statalter redete ihm solches auffs beste aus dem
Sinne; es könten dankwillige Gemühter ja nicht anders / als ihre Freude wegen
geschehener Rettung an den Tag geben / vornemlich / weil sie versichert währen /
dass Käyserl. Hocheit daran ein gnädigstes Gefallen tragen wurde / welche / sagte
er /grosse Begierde haben soll / euch gegenwärtig zu sehen / allermeist / weil er
vernommen / dass ihr / Herr Herkules / mit ihm fast eines Alters seid. Unter
diesem Gespräch trat ein Diener in den Saal / und meldete an / dass eine grosse
Menge Spielleute und Sänger /klein und gross / Mannes und Weibesbilder / umb
Erläubniss anhielten / dass sie in den innersten Platz des Hofes möchten gelassen
werden / woselbst sie den beiden Helden zu ehren auch wollten hören lassen /wie
ihre auffgerichtete Bilder eingeweiht wären. Herkules durffte nicht
widersprechen / weil der Statalter alsbald ja sagete / fürchtete sich auch / es
möchte ihm sein Missfallen ungleich ausgeleget werden / uñ stellete sich mit
Ladisla vor ein versperretes Fenster / durch welches sie alles sehen / aber
nicht wieder kunten gesehe werden; als auch alles in gleicher Art und Stellung /
wie vorhin auff dem Marktplatze verrichtet wahr / liessen sie den Spielleuten /
deren an der Zahl 80 wahren / 4000 Kronen austeilen / den Frauen /Jungfern /
Knaben und Mägdlein aber / wie auch den Månnern / so das singen mit einander
verrichteten /ward Seiden Gewand zu Kleidern / und jedem klein und gross durch
die Bank hin 50 Kronen dabei gegeben / auch über das dem Frauenzimer güldene
Ringe /jeder 50 Kronen wert. So liess Ladisla den Spielleuten in ein Wirtshauss
zwei Fass Wein bringen / und Mahlzeit anrichten / bekahmen aber des folgenden
Morgens die Zeitung / der Wein währe gar zu kräfftig gewesen / welcher die
ohndas halbnärrischen Spielleute vollends der Sinne beraubet / dass sie sich wohl
abgeschmissen / und vor etliche hundert Kronen Spielzeug zuschlagen hätten. Der
Christliche Lehrer aber zu Padua / schickete diesen Morgen ein Schreiben an
Herkules / in welchem er den XXXIII und XLVI Psalm des Geistreichen Königes
David nach Tichterkunst in Griechischer Sprache geschrieben hatte / also auff
teutsch lautend:
                               Der XXXIII Psalm.
                                       1
Ihr Gerechten freuet euch
Uber GOttes hohe Güte /
Preist ihr Frommen ihn zugleich /
Und erhebet eur Gemühte;
Lasset eure Harff' erklingen;
Lasset uns sein Lob besingen.
                                       2
Stimmet stimmet freudig an
Alle zehen Psalter-Seiten /
Lasset uns bei jederman
Singend GOttes Lob ausbreiten /
Machets gut ihm zu gefallen /
Dass die Seiten frisch erschallen.
                                       3
GOttes Wort das treuget nicht /
Amen ist was er verheisset;
Rechte liebt er und Gericht /
Und den der sich dess befleisset;
Seht wie seine Güte quillet /
Die den Erden Kreis erfüllet.
                                       4
Alles was man Himmel heist /
Ist durch Gottes Wort gemachet /
Und durch seines Mundes Geist
Das Heer das am Himmel wachet /
Das der Welt in diesem Leben
Klarheit muss und Wärme geben,
                                       5
Er hat aller Wasser Macht /
Die wir in den Meeren sehen /
Als in einen Schlauch gebracht /
Daraus sie nicht müssen gehen
Und der Abgrund hohe Tieffen
Sind ungreiflich einbegrieffen.
                                       6
Fürchte Gott du ganze Welt /
Richte hin zu ihm dein Schreien /
Und was sich auff Erden hält /
Müsse seine Hocheit scheuhen /
Dann sein Wort kann alle Sachen
Durch Gebieten fertig machen.
                                       7
Aller stoltzen Heiden Raht
Stürzet unser Gott in Schanden /
Was das freche Volk vorhat
Ist aus und nicht mehr verhanden /
Aber Gottes Raht muss bleiben
Und sein Vorsatz wohl bekleiben.
                                       8
Wol dem Volk und aber wohl /
Das in Gott recht kann genesen /
Und sein Eigentuhm sein soll /
Wie ers ihm hat auserlesen /
So dass er durch Glaubens werben
Sol den Himmels Saal beerben.
                                       9
GOtt besiht von oben her
Aller Menschen Kinder tichten /
Was auff Erden der und der
Sich vermisset auszurichten /
Kan vom Stuel an ihren Werken
Alles böse ' und gute merken.
                                       10
Was des Reichs Vermögen schafft
Kan den König nicht vom bösen /
Noch der Glieder starke Krafft
Keinen Riesen nicht erlösen;
Starke Rosse / wie sie springen /
Können doch nicht Hülffe bringen.
                                       11
Sihe GOttes Augeschaut
Hin auff diese die ihn ehren /
Deren Hoffnung auff ihn baut /
Die zu seiner Güte kehren /
Auff dass er dem Tode wehre /
Und in Teurung sie ernehre.
                                       12
Drumb will unsre Seel an Gott
Fest ohn alles wanken hangen /
Weil von ihm in aller Noht
Wir gewissen Trost erlangen /
Als der unsern Schild sich nennet /
Und uns seine Hülffe gönnet.
                                       13
Unser Herz ist voller Lust /
Weil wir seiner Gunst geniessen /
Und sein Nahm ist uns bewust
Dem wir zu vertrauen wissen.
O lass deine Güt uns offen /
Wie wir HErr Gott auff dich hoffen.
                                Der XLVI Psalm.
                                       1
GOtt ist unser festes Schloss /
Unser Hülff' und ganze Stärke /
Ob die Noht noch eins so gross
Währ' / als ich sie jetzund merke /
Das sie uns schon troffen hat /
Ist doch unsre Furcht geringe /
Ob die Welt gleich unterginge /
Dann wir wissen Trost und Raht.
                                       2
Solten auch die Berg' hinein
In der Fluten Abgrund sinken /
Wolte das Meer rasend sein /
Und von eitel Wellen blinken /
So dass seine Macht und Wuht
Nichts als hohe Bülgen währen /
Tahl und Berge zu verheeren /
Bleibt uns doch der freie Muht.
                                       3
Dann des grossen GOttes Stad
Muss frisch / fest und lustig bleiben /
Und die Brünlein die sie hat /
Immer süsses Wasser treiben /
Da der Heilgen HüttenBau
Des Allmächtigen bestehet /
Welcher nimmer untergehet /
Nimmer schwach wird oder grau.
                                       4
GOtt hat drinnen das Gezelt
Seiner Wohnung auffgeschlagen /
Der sie immerzu erhält /
Drumb bleibt sie ohn Furcht und Zagen /
Dann bei früher Tages Zeit
Wil ihr Gott Heil lassen spüren /
Sie aus Ungewitter führen
Unters Dach der Sicherheit.
                                       5
Heiden müssen Herz und Sinn /
Händ' und Füsse sinken lassen /
Königreiche fallen hin /
Wissen keinen Stand zu fassen /
Ja die ganze weite Welt
Muss in einem Nuh vergehen /
Wann er seinen Zorn läst sehen /
Und gerichtlich Sprache hält.
                                       6
Dieser HErr und starcke Gott
Ein Beherscher der Heerscharen
Trit zu uns her in der Noht /
Jakobs Gott will uns bewahren.
Komt und schauet wie er fährt /
Der die Erd' erschreklich zwinget /
Und in grosses Schrecken bringt /
Ja das oberst unterst kehrt.
                                       7
Der die Krieger nidersticht /
Und macht Fried an allen Enden /
Der die Bogen gar zubricht /
Dass sie nicht mehr Pfeile senden /
Der des Spiesses schafft zuschlägt /
Der die grossen Heereswagen /
Wann er sie nicht kann vertragen /
Durchs Feur in die Asche legt.
                                       8
Stille seid / und denket dran /
Dass ich Gott stark bin von Tahten /
Dann ich will bei jederman
Meiner Ehr schon selber rahten /
Und auff Erden weit und breit.
Mit uns ist der HErr der Schaaren /
Jakobs Gott will uns bewahren /
Der uns schützet jeder Zeit.
Herkules lies diese geistreiche Gerichte ihm wohl gefallen / lase sie mit
sonderlicher Andacht / und unterlies nicht / so oft die Christen zusammen
kahmen /sich bei ihnen anzufinden / wie wohl in solcher Geheim / dass der
Statalter dessen nicht gewahr ward /welcher doch aus seinen reden wohl merkete /
dass er dem Christlichen Glauben zugetahn wahr / und sich dessen doch nicht
vernehmen lies. Sonsten brachten sie die übrigen Tage biss zu der angesetzeten
Hochzeit in allerhand zugelassener Kurzweil zu / und entstund durch die tägliche
Beiwohnung eine wahre brüderliche Freundschaft zwischen Herkules und Frl.
Sibyllen / dass sie nicht wohl kunten lange vonander sein /so dass der Statalter
und Ladisla selbst in den wahn gerieten / sie müsten sich ehelich versprochen
haben /welches sie umb so viel mehr gläubeten / weil Herkules einesmahls über
Tische sich bei ihr anmeldete /dafern sie willens währe / ihre liebe Eltern
schier zubesuchen / wollte er sie nach Rom begeiten / dessen sie dann wohl
zufrieden wahr. Inzwischen quälete sich Frl. Helena mit ihrem heimlichen liebes
Leiden / das ihr Fleisch und Farbe entging / worzu der Eyver wieder Frl.
Sibyllen nicht wenig halff / und ob sie gleich durch mannichen tieffen Seuffzer
gnug zuerkennen gab / wie unruhig ihre Geister wahren / wollte sie doch dessen
nicht dass allergeringste gegen einigen Menschen gestehen / sondern wendete
allemahl ein / es läge ihr der eingenomene Schimpff von Avonius Schwester so
heftig an / dass sie eine stetswehrende Unruhe in ihrem Herzen empfünde / welche
ihr ohn zweifel in kurzem den Lebensfadem brechen würde. Fr. Sophia fragete sie
/ wodurch sie dann meinte /dass ihre Seele in Ruhe könnte gesetzet werden;
worauff sie antwortete: Durch süsse Vergnügung / oder durch den Tod. Sehet so /
mein Schwesterchen / gab sie zur wiederantwort; also habt ihr freilich ein ander
heimliches Leiden als dass aus Beschimpffung entstehet / massen dieses nicht
durch süsse Vergnugung /sondern durch andere Mittel müste vertrieben werden.
Jene hatte sich verhauen / und sagte: Man müste einem geängsteten Herzen nicht
verubeln / wann es zu zeiten ungereimete reden führete / und währe ihr nichts
angenehmer / als dass man Sie über ihr Anliegen nicht zu scharff befragete /
insonderheit / wann man nicht wollte oder nicht könnte raht und Enderung schaffen.
So muss ich mich dann nach eurem Willen richten / sagte Fr. Sophia / wann ihr
mich aber in dem Verdacht habet / dass ich zu eurem besten mich nicht wolle
gebrauchen lassen / tuht ihr mir dass grösseste Unrecht von der Welt / welches
ich doch auff den unverhoffeten Fall gerne verschmerzen / und nicht destoweniger
eure geträueste Freundin und Schwester sein und bleiben will; womit sie zu
diesemmahle beschlossen / weil Fr. Ursul zu ihnen trat / und anmeldete /dass der
morgende Tag zur Lustfahrt berahmet währe; welches Frl. Helena beantwortete; so
mussten nur die Lust-vollen ihre Gesellschaft vermehren uñ die Angst-traurigen
daheim bleiben; wie man sie auch darzu nicht vermöge kunte / dass sie mit
gefahren währe; Und wann Herkules abscheid (davon im anderen Buche) sich nicht
hätte zugetragen / würde sie ausser allem zweifel ihr Leben eingebüsst haben.
    Es wird nunmehr Zeit sein / dass wir dem Alten Wenzesla dereins nachfragen /
wie es ihm auff der Rükreise von Rom nach Prag ergangen / auff welcher er XV
wochen zu brachte; eilete zwar anfangs / so viel sein Pferd ertragen kunte /
aber da er in einem Dorffe nicht weit von Salzburg benachtete / und nach dem Heu
auff einer alten Leiter stiege / fiel er oben herunter / und taht einen so
schweren Fall auff das Hinterhäupt / dass er als ein Todter Mensch liegen blieb /
ward doch von den frommen Leuten endlich wieder erquicket / aber er lag als ein
Vernunft-loser /und kunte sich durchaus nicht begreiffen / so gar / dass er zehn
Wochen ohn Verstand wahr / hätte auch in solchem Elende sterben müssen / wann
ihm nicht von einem alten Weibe Raht geschaffet wåhre / welche ihn mit Kräutern
aus- und inwendig heilete / dass er algemach wieder zu sich selber kam / und
seinen Wirt vor rasend hielt / wie derselbe jhm die lange Zeit seiner Schwacheit
zu wissen taht; dessen der gute Mann lachete / und ihm zum unfehlbaren Zeichen
gab / er möchte nur sein Haar / Bart und Nägel an Händen und Füssen beobachten /
die würden ihm ansagen /wie neulich ohngefehr er sich hätte putzen lassen. Er
hermete sich hierüber gewaltig / meinte vor gewiss /sein König würde zu Prag
schon gekrönet sein / und wollte sich alsbald auff den Weg machen / aber auff
Raht seiner Artztin musste er noch acht Tage ausshalten. Nun hatte ihm sein Wirt
alle Sachen fleissig verwahret / ohn dass er sein Pferd im Pfluge und vor dem
Wagen gebraucht / dass es nunmehr besser zum zihen als reiten wahr; welches er
aber nicht achtete / sondern weil er ZehrGelder gnug bei sich hatte / machte er
alles richtig / und kam XV Wochen nach seinem Abzuge aus Rom im Königreich
Böhmen wieder an /da er allentalben nach seines Königes Wiederkunft fragete /
und mit Schmerzen vernam / dass kein Mensch die allergeringste Zeitung von ihm
wüste; worüber er desto heftiger nach Prag eilete / wahr auch der Königin sehr
angenehm / da er sich bei jhr angeben liess / so dass sie ihn straks angesichts
anredete: Wie mein guter Wenzesla? was bringt ihr mir vor Zeitung von meinem
Sohn eurem Könige? die übrigen Ausreiter sind schon vorlängst mit keiner Antwort
wieder kommen / und hat meine Hoffnung sich einzig und allein auf euch gegründet;
so saget mir nur bald /ob ich noch eines Sohnes Mutter bin. Ich weiss nicht
anders / sagte er; dann wie ich meinen Gn. Herrn leztmahl gesprochen / wahr er
frisch und gesund. Ey so sei den Göttern dank / antwortete sie; aber warumb
bringt ihr jhn nicht mit euch? Dieser wusste nicht / was er vor erst anzeigen
sollte / weil sein Häupt ohn das noch nicht allerdinge richtig wahr / sagete
endlich: Eure Hocheit wollen mir gnädigst verzeihen /wann derselben wegen
ausgestandener langwierigen Krankheit und Håuptes Verwirrung / ich alles der
gebühr nicht vortragen kann; ich bin vor XV Wochen bei meinem Gn. Herrn Ladisla
zu Rom gewesen / habe auch fleissig bei jhm geworben / mit überzukommen /aber
solches keinerlei weise erhalten / ja nicht eins erfahren können / ob er willens
währe zu folgen oder nicht; aber so viel merkete ich an beiden / dass sie
eilfertig wahren zu einer Reise / wohin / kann ich gar nicht wissen / nur dass ich
nach wiedererlangeter Gesundheit die Hoffnung fassete / mein Gn. Herr würde
vorlångst sich schon eingestellet haben. Wie seid jhr närrisch Wenzesla? fragete
die Königin; ihr schwätzet mir ja Sachen vor / die weder gehauen noch gestochen
sind. Ja was soll ich anders melden / antwortete er /weil ich selber nichts
gewisses weiss / als dass seine Ankunft gar ungewiss ist. Wisset jhr mir dann
keinen bessern Trost zu geben / als diesen / sagete sie / so habe ich an euch
den rechten abgefärtiget. Ach / gnädigste Königin / antwortete er / die Götter
sind meine Zeugen / dass aus seinem Munde ich keine andere Antwort bringen mögen
/ als dass Eure Hocheit mit jhm und mit mir wohl friedlich sein würde / so bald
sie nur seine Schreiben würde gelesen haben. Nun sehe ich eigen / sagte sie /
dass euer Witz zurück blieben sei /dann ihr saget mir von Briefe-lesen / und habt
mir noch keinen gezeiget. Er schämete sich dessen sehr /baht umb Verzeihung /
und gab ihr beide Schreiben gebührlich ein / deren grösseren sie alsbald öffnete
/und ihn mit fleiss durchlase / aber der Inhalt wahr ihr allerdinge zuwider / wie
höchlich sie gleich seiner Gesundheit sich erfreuete. Frl. Valisska kam gleich
von der Jagt zu hause / da ihre Fr. Mutter dem Briefe nachsinnete; Als sie nun
den alten Wenzesla neben ihr stehen / und das Schreiben in ihren Händen sah
/fragete sie ihn alsbald / ob er ihren lieben Bruder angetroffen håtte; da die
Mutter ihr zur Antwort gab: Er hätte ihn zwar gefunden / brächte aber nichts als
lauter ungewisses von ihm. Das kann nicht wohl sein / antwortete sie; ob gleich
seine Ankunft mag ungewisse sein / dessen ursach ohn zweifel seines Herkules
Verlust sein wird. Den hat er schon wieder funden / antwortete die Königin /
welches ich vorhin aus meines Bruders Schreiben wohl habe muhtmassen können /wann
er nur auch sein Königreich wieder finden könnte. Wie dann mein guter Wenzesla /
sagte das Fräulein / wisset ihr uns dann nicht zu berichten / wie es eigentlich
umb meinen Herr Bruder beschaffen sei? Dieser gab zur antwort: Er währe nach
seinem Abscheide von Rom in eine Häuptverstörung gerahten / erzählete auch
solchen Unfal gar umständlich / und sagete hernach; der Königin starkes
nachfragen hätte ihn so verwirret gemacht / weil er den Schaden noch nit
allerdinge überwunden hätte / wann ihm aber etwa ein halb stündichen Bedenkzeit
gegönnet würde /wollte er sich wohl wieder erhohlen. Das Fräulein hatte / weiss nit
was vor Hoffnung guter Zeitung von ihrem Herkules / daher sie zu ihm sagete: Ey
so geht mit mir auff mein Gemach / und erhohlet daselbst eure verstörete
Gedanken; ging mit ihm hin / uñ wie sie allein wahren / fragete sie / wie es
dann eigentlich umb ihres Bruders Wolergehen beschaffen währe. Er aber
antwortete; Durchleuchtigstes Fräulein / ich bitte untertähnigst mir etwas
Bedenkzeit zu gönnen; nam hiermit Herkules Schreiben hervor / und lieferte es
mit diesen Worten ein: An Ihre Durchl. habe ich nicht allein von ihrem Herr
Bruder / sondern auch von dem tapfersten und schönsten Fürsten der Welt / Herrn
Herkules / einen brüderlichen Gruss anzumelden / und von diesem zugleich ein sehr
geheimes Schreiben /welches Ihrer Gn. in höchster geheim einzuliefern ich
befehlichet bin / nebest Anzeigung / Ihre Gn. würde /ungemeldet / dass sie dieses
Schreiben bekomen / den Inhalt bei ihrer Fr. Mutter wohl verrichte. Es ist mir
sehr lieb / sagte sie / dass ich solches allen unwissend empfangen / dann ich kann
ohn das schon errahten /was der Inhalt sein wird / welches zwar nicht heimlich
ist / oder ichtwas sonderliches auff sich hat / nur dass es gleichwol von keinem
als von mir kann verrichtet werden / und dannoch meine Fr. Mutter nicht wissen
darff / dass ichs auff sein Vorwissen treibe; steckete hiemit das Briefelein in
ihren Busem / und fragete weiter / ob er ihrem Oheim auch das übergeschikte
Armband eingeliefert / und das abgenommene Bändichen gefodert hätte. Er aber
antwortete: das Schreiben würde vielleicht anzeigen / dass es von jhm fleissig
verrichtet wåhre / und hätte Herr Herkules ihm dieses Ringelein hinwieder
zugestellet / Ihrer Durchl. seinetwegen es einzuhändigen / aber das Bändichen
nicht von sich geben wollen / vorwendend / er wäre willens sein versprechen zu
halten / und Ihrer Gn. es selber wieder einzuliefern. Sie nam den Ring mit
grosser Herzensbewägung zu sich / und sagete zu ihm: Verunruhet euch weiter
nicht in euren Gedanken / damit ihr die Erzählung eures Verrichtens bei meiner
Fr. Mutter gebuhrlich leisten möget / ich will inzwischen in mein Nebenkämmerlein
treten / und des Briefes Inhalt durchsehen; Denselben fand sie nun dieser
gestalt: Durchleuchtigstes Fräulein / die gröste Pein meines bisher
aussgestandenen Unglücks ist das langwierige Abwesen von der vergnugliche
Gegenwart eurer untadelhafte Volkommenheit / welche je länger je mehr sich in
meine Sinnen einwickelt / und ohn durch den Tod nicht verjaget werden kann. O
wollte Gott / dass meine Frl. Schwester ihres ergebenen Knechtes auch zuzeiten
eingedenk währe / dessen / der nunmehr andertalb Jahr sich als ein verkauffter
Leibeigener hat müssen zu Rom drücken und schmiegen / nur dass er des prügelns
und anderer Straffen möchte entoben sein / und dannoch in dieser schweren
Dienstbarkeit etwas funden hat / welches ihm lieber als Eltern und alle Welt ist
/ nehmlich die Erkenntnis des einigen wahren Gottes / die nach diesem sterblichen
Leben uns allein allein zur himlischen Seligkeit bringen kann. Also ist meine
geistliche Liebe zu Rom / meine leibliche zu Prag unverrücket gewesen / und kann
jene nunmehr allentalben frei / diese aber nur auff dem Königlichen Böhmischen
Schloss sein / als lange jhre Liebe solches nicht verlässet; verlässet sie es
aber / so wird meine Seele folgen / und verlässet sie es umb Liebe willen zu
einem andern / werde ich dannoch nicht zurück bleiben / sondern zum wenigsten dem
Geliebeten missgönnen / dass er den unvergleichlichen Schatz erlanget /welcher
meiner Seele so gar eingebildet / und in das innerste meines Herzen gegraben
ist. Verzeihet eurem unwirdigsten Knechte / mein Fräulein / dass er als gewesener
Sklave eines Sklaven der Untugend / noch hoffen darff /was ihm kindliche
Kühnheit einbilden dürffen / uñ versichert euch daneben / dass er der Welt und
allen Fürstlichen Gedanken andertalb Jahr abgestorben / bloss ihretwegen solche
wieder annimpt / sonst / da ihre Vortrefligkeit nicht währe / er kein
Fürstliches Blutströpflein behalten würde / welches er dann inkünftig noch
alles aufzuschütten / gänzlich bedacht ist so bald ihm die Zeitung kommen sollte
/ dass er sei aussgetahn bei derselben / die er weit über sich selbst liebt / und
vor allen jrdischen Menschen der Welt erhebet. Es erhält jhn aber bisher noch /
ihre ihm bekannte auffrichtige Tugend und Redligkeit / welches umb ein grosses
vermehret hat der übergeschikte Gruss und das höchstangenehme Armband / welches
von seinem Arme nicht kommen wird / es sei dann / dass er noch weitere und
festere Versicherung habe dessen das da hoffet und inniglich wünschet / Ihrer
unvergleichlichen Volkommenheit untergebenster Knecht /bisher Oedemeier / jetzt
wieder genant Herkules. Geschrieben aus Rom am XXII Tage des Jenners / im Jahr
nach meines Heilandes Geburt CCXXVI.
    Das verliebete Fråulein ward uberauss hoch erfreuet / da sie dieser
Bestendigkeit innen ward / vermerkete aber doch zugleich zweierlei; als dass vor
erst er diese Zeit über in schlimmer Dienstbarkeit müste zugebracht haben /
welches ihre Seele zum trähnenden Mitleiden bewägete; hernach / dass er gleichwol
ein sehr angenehmes Laabsal in diesem Unglück / in Erkäntnis Gottes bestehend /
funden / worüber sie sich herzlich erfreuete; dann ob zwar sein Herr Vater ihrer
Fr. Mutter hatte zugeschrieben / wie sein Sohn Herkules nicht allein seine alten
Götter schändete / sondern einen neuen gekreuzigten angenommen / und in eine
abscheuhliche Gesellschaft / die Christen genennet /sich begeben / welche aller
Keuscheit und Tugend abgesagete Feinde / in heimlichen Sünden uñ Schanden sich
wälzeten / und daher von der Obrigkeit allentalben durchåchtet und gestraffet
würden / kunte doch weder sie noch ihre Fr. Mutter ein solches dem züchtigen
fromen Herkules zutraue / insonderheit / weil nur die Teutschen Pfaffen solches
ohn Grund redeten /die in dergleichen Sachen sich ohn dass wieder andere Götter
gerne gebrauchen liessen / dass sie die ihren desto höher erheben / und sich
selbst dadurch ein Ansehen machen möchten; doch dachte sie dissmahl diesem lezten
gar wenig nach / sondern trug sehnliches Verlangen / des widrigen aussgestandenen
Unglücks Wissenschaft zuhaben / ging demnach wieder hin zu Wenzesla / der sich
unterdessen fein bedacht hatte /wie er alles ordentlich vorbringen wollte /
welches er ihr rühmete / und nach der Königin mitzugehen anhielt; sie aber zuvor
von ihm zu wissen begehrete / ob ihm Herkules Begebnissen / in was Stande er
bisher gelebet / nicht bewust wåren; welches er ihr alles anmeldete / wie er von
Pannonischen Räubern im Bömischen Walde weggeführet / durch andere Römische
denen abgenommen / und nach Rom gebracht / woselbst er einem Geizigen Herren /
vor Leibeigen verkaufft worden / dem er die Pferde putzen und abrichten / auch
andere schwere Arbeit über sich nehmen mussen / und dannoch davon frei zu werden
nicht begehret / weil er sich in eine neue Lehre verliebet gehabt / davon er
weder mit güte noch bedräuung des allerschåndlichsten Todes könnte abgebracht
werden /sondern hielte sich noch vor glückselig / wann er umb solcher Lehre
willen sein Blut zuvergiessen sollte gewirdiget sein; wie ich dann / sagete er /
solche Leute auff meiner hinreise in Italien selbst gesehen / welche sich lieber
lebendig auffs Feur setzen liessen / als dz sie den Römischen Göttern ein wenig
Weir auch hätten auff die Kohlen streuen wollen. Das übrige wusste er nun aus
Ladisla Munde zuerzählen / der ihm solches alles umbständlich kundgetahn / auch
wie er nach fleissiger Nachforschung / seiner Leibeigenschaft endlich währe
inne worden / und ihn wieder lossgemacht. Sie fragete / ob dann ihr Herr Bruder
nicht allezeit bei Herkules zu Rom gewesen? Nein sagte er; er hat sich / weiss
nicht wo / in Kriegsdiensten auffgehalten / da er vermeint / seinem Herkules am
besten nachfragen zu können / auch daselbst endlich so viel aussgekundschaffet /
dass er seines zustandes berichtet worden / selbst nach ihm gereiset / und durch
seines Feldherren Vorschrifft ihn lossgemacht hätte. Ey / antwortete sie / so
werden sie noch wohl an ihr Vaterland gedenken / und zu rechter Zeit sich
einstellen; aber wir wollen nach meiner Fr. Mutter kehren / und meines Herren
Bruders Erklärung vernehmen. Diese aber sass in schweren Gedanken / überlegte den
gelesenen grösseren Brieff auffs genaueste / biss sie endlich an den andern auch
gedachte / welchen sie eben durchsah / als das Fräulein wieder zu ihr kam /und
diesen Inhalt lase: Gnädigste Fr. Mutter und Königin; dass mir eine lautere
unmögligkeit sei / die schwere Last der Kron und Herschaft in dieser meiner
Jugend über mich zu nehmen / ehe und bevor ich ein Königreich zuverwalten
gelernet / welches aber nicht hinter dem Ofen / sondern durch Erfahrung muss
gefasset werden /hat mein grösseres Schreiben gemeldet; wann dann solche
Schuelen zimliche Kosten erfodern / zweifelt mir nicht / sie werde aus
mutterlicher Bewägung gegen meinen Herkules und mich / hierzu gerne Raht
schaffen /dass aus meinem ErbReiche ich ohn sonderliche Beschwerung der
Untertahnen / nöhtige LebensMittel haben möge; wie viel oder wenig / stelle
ihrer mütterlichen Anlage ich anheim / als welche meinen Stand wohl beobachten /
und mich nicht schimpfflich stecken lassen wird. Wir werden ehist auffbrechen /
unsere Reise vorzunehmen / und zu Padua uns umb ein Schiff bemühen /woselbst /
die nach Rom an Herren Sabinus / bei Janus Kirche wohnend uns etwa Schreiben
oder Wechsel überbringen würden / unter dem Tohre nachfragen können /ob wir
vielleicht unsern Verwalter daselbst bestelle möchten / dass nicht nöhtig währe
nach Rom zuzihen. Verlasse mich hierzu Kindlich / und nach vermeldung eines
herzlich gemeineten Grusses an meine Fr. Mutter und Frl. Schwester von meinem
Herkules und mir / empfehle ich sie der geträuen Obacht aller frommen gütigen
Götter /verbleibend / weil ich Lebe / meiner herzgeliebten Fr. Mutter und
Königin gehorsamster Sohn Ladisla / bisher Winnibald geheissen.
    Als sie den Brieff verlesen hatten / hielt ihr das Fräulein ihren Goldfinger
zu / und sagete: Sehet gnädige Fr. Mutter / wie ein artiges Ringelein hat mein
Oheim und Bruder Fürst Herkules mir zugeschicket; ja liebes Kind / antwortete
sie / er schenket dir einen Ring / und raubet dir deinen einzigen Bruder. Ich
will dem nicht wiedersprechen / gab sie zur wiederantwort; dann kunte Ladisla in
der Kindheit seine Eltern hindan setzen / nur dass er seinen Herkules haben
möchte / wird er nach befestigter Freundschaft schwerlich von ihm abzubringen
sein. Was abzubringen / sagte die Königin / sie möchten immerhin beisammen sein
/ wann nun Herkules ihn nicht in die weit abgelegenen Länder / umb Ritterschaft
zu üben /verlockert / sondern mit ihm sich hieher machete /damit wir nicht
zuklagen hätten / dass er unsers Wåysentuhms Ursach währe. Aber Wenzesla / habt
ihr euer Gehirn schier wieder gesamlet / dass euch entflossen wahr? Ja /
allergnädigste Königin / antwortete er / ich weis iezt wiederumb / dass ich zu
Prag auff dem Schloss bin / und werde doch von neuen wieder wankelmühtig und
irre gemacht / in dem eure Hocheit ich uber Fürst Herkules klagen höre / und
gleichwol nimmermehr nicht gläuben kann / dass die ubergebrachten Schreiben
solches verursachen sollten / angesehen ich mit meinen Ohren gehöret / wie
herzlich er meinen Gn. Herrn anmahnete / sich auff den Weg zumachen /und sein
Königreich anzutreten / dessen Antwort aber wegen Schwacheit seiner Sprache ich
nicht vernehmen kunte / dann er lag damahls noch an seinen Wunden hart danieder;
Ja ich habe des Fürsten freiwilliges Erbieten lauschend gehöret / dass er mit ihm
ziehen /und eine zeitlang sich bei ihm zu Prag auffhalten wollte. Die Königin
kunte ihm långer nicht zuhören /sondern fiel ihm also ein: Was saget ihr mir von
Wunden? Ist dann mein Sohn verwundet gewesen? Ja freilich / antwortete er / und
zwar so hart / dass wir ihn schon vor todt handelten. Und sein Herkules kunte
zugeben / sagte die Königin / dass er solcher gestalt verwundet würde? O der
geträue Herkules / antwortete er; Hätte sein unvergleichlicher Muht nicht getahn
/ würden wir keinen lebendigen König haben /wiewol er auch XXIV / aber nicht so
gefährliche Wunden bekam. Erzählete hierauff von anfange / wie er sie ohngefehr
auff der Gassen angetroffen / das Pferd verloren / und sie nachgehends von den
Dieben im Hause überfallen währen / so dass er dessen nichts vorbei ging / was
Zeit seiner Anwesenheit sich zu Rom zugetragen hatte. Nach Endigung seines
vorbringens sagete das Fräulein lächelnd zu jhm: Als viel ich aus eurer
Erzåhlung vernehme / habt ihr meinen Herren Brüdern im Gefechte wider die
gottlosen Diebe tapfern Beistand geleistet. Was sollte ich geleistet haben /
antwortete er / mit lachendem Munde; Mein stumpffes Schwert galt an dem Orte
nichts / so würden die tapffersten Helden der Welt meine Hülffe nicht haben
angenomen; ja mich zubeschutzen / hätten sie nicht lassen würden; und hatte
endlich meine Gnädigste Königin mich nicht aussgesand zu fechten /sondern ihrem
Herr Sohn nachzufragen / dass also Euer Gn. ich vier Entschuldigungen vor eine
anmelden kann / da ich noch die fünfte uñ wichtigste verschweige. Die wollte ich
leicht errahten / sagte das Fräulein / wann ihrs von mir begehretet. Nimmermehr
/ antwortete er / reichen Euer Gn. Gedanken so weit. So weit? sagte sie; gilt
Wenzesla / ihr habt euch euer Haut gefürchtet. Nein / antwortete er / Eure Gn.
schiessen zwar sehr nahe / aber sie treffen das Ziel nicht; ich furchte noch
mehr meines Fleisches und meiner Knochen / als der Haut. Dessen die Königin samt
dem Fräulein heftig lachen mussten. Diese nun kunte nicht länger harren / ihrer
vertraueten Leibjungfer Libussen solche fröliche Zeitung mitzuteilen / foderte
dieselbe nach ihrem absonderlichen Gemache /fiel ihr frölich umb den Hals / und
sagte zu ihr: Herzliebes Kind / was habe ich hinte diese Nacht einen uberaus
erfreulichen Traum gehabt / welchen ich dir nicht muchte nüchtern ansagen. Ja /
ja / antwortete sie; gilt Gnädigstes Fräulein / wo nicht der alte Wenzesla /
welchen ich gleich jetzt gesehen / solchen Traum mit sich als eine sicher
warheit hergebracht hat. Du hasts recht errahten / sagte sie / und höre; Mein
Herkules / mein allerschönster Herkules lebet noch / und bleibet in meiner Liebe
fest und beständig. Die Jungfer zohe jhrer Art nach / sie auff jhre Schoss
/herzete und drückete sie / und antwortete: Mein herzallerliebstes Fräulein /
wird Ihre Gn. mir dann nun schier danken / dass ich sie von dem hartnäckigten
Vornehmen zu sterben / abgehalten / und ihren steiffen Unsin nach Mögligkeit
gebrochen habe? sehet /sehet / bitte ich / was Eure Gn. diesem ihren ergebenen
Fürsten vor ein Herzleid wurde gemacht haben /wann sie in ihrer Meinung fort
gefahren währe; hätte ers auch erdulden können / wann er vernommen / dass umb
seinet willen die unvergleichliche Valisska ihr den Tod angetahn? Schweige mit
deiner unvergleichlichen / sagte das Fräulein / sie sanfte auff die Backen
schlagend / du weist / wie abhold ich diesem Nahmen und deiner Schmeichelei bin.
Das gewähnet Ihre Gn. mir nimmermehr ab / antwortete sie / biss dieselbe mir
zuvor ihres gleichen zeigen wird; dass ich mich aber der Schmeichelei muss
beschuldigen lassen / solches geschihet wider Euer Gn. Wissen und Gewissen; dann
Schmeichler und Fuchsschwäntzer sind keinem Menschen träue / sagen auch niemand
unter Augen / was sie meinen unangenehm zu sein; Ob nun mit Euer Gn. ichs bisher
auch also gehalten habe /werden sie am besten wissen. O wie viel sind wohl meines
gleichen zu finden / sagte das Fräulein / ob ich sie dir gleich nicht zunennen
weiss; und höre nur einen; übergehet mein Herkules / der volkommene Herkules mich
nicht in allen Stücken? Ich vermische Eure Gn. mit Fürst Herkules nicht /
antwortete jene: Er ist der unvergleichliche / und sie die unvergleichliche /
die sich / O des Glüks! mit einander auffs allerähnlichste vergleichen werden.
Und O dass der unvergleichliche jetzt an meiner Stelle sitzen / und die
unvergleichliche solcher gestalt / wie ich / auff seiner Schoss erst halten
möchte / oder dass zum wenigsten er nur Euer Gn. erwachsener Manbarkeit sollte
berichtet sein / alsdann würde ohn zweifel er nicht lange seumen / dieselbe
zubesuchen. Er wird schon zu rechter Zeit kommen / da er leben soll / sagte sie /
und da ihm dieses sollte geraubet werden / will ich meiner einmal gefasseten
Beståndigkeit nach / ihm im Tode folgen; aber mein Kind / sihe / das ist (auff
den Ring zeigend) die Gedächtnis meines Herkules / und dieses (ihr den
Brieffreichend) die Versicherung seiner beständigen Liebe. Libussa lase jhn
alsbald durch / und sagte: betrachtet nun / Gn. Fräulein / wie hoch jhr euch an
eurem ergebenen Schatze vergriffen / indem jhr wegen seines Nicht-schreibens /
seine Träue und Beständigkeit in zweifel gezogen / und tuht dessen alsbald
gebührliche abbitte / welche an seine statt ich annehmen / und weil ich seinen
Sinn wohl weiss (dann ich habe auch ein Schreiben von ihm empfangen) Euer Gn. die
von ihm bestimmete Busse aufflegen will. Das Fråulein meinte nicht anders / sie
hätte wahr geredet /und fing an ganz inniglich zu begehren / dass ihr das
Schreiben gezeiget / oder zum wenigsten nur der Inhalt gesaget würde; Aber
Libussa sass und lachete der Liebe Leichtgläubigkeit / zohe sie auch noch besser
auff / und gab vor / Herkules begehrete von ihr / sie möchte unvermerkt befodern
/ dass ihm das Fräulein mutter-nacket abgemahlet überschicket würde; wodurch sie
sich etwas beleidiget befand / daher Libussa jhr diesen Irtuhm bald wieder benam
/ und dass alles ihr ertichteter Schertz wåhre; Herkules Zucht währe jhr ja
bekant / welche sie nicht in zweifel zihen würde; Aber / sagte sie / wollte oder
könnte Ihre Gn. ihm nicht gönnen / euer nacketes Bildnis zusehen / da sie ihn
doch nicht allein nacket beschauet / sondern des schändlichen Pannoniers Blut
von seinem blossen Leibe abwaschen helffen? Solches geschahe / antwortete sie /
aus kindlicher Einfalt uñ schwesterlicher Liebe / weil ichs vor sein selbst
eigen Blut hielt / und die vermeinte Wunde suchete. Meinestu Nårrin aber wohl /
dass ich mich einem schlimmen Mahler würde nacket vorstellen / mich abzubilden.
Ich kann die Kunst selber / sagte Libussa / drum komme Eure Gn. mit mir / so will
ich den Pinsel alsbald ansetzen. Halt ein mit deiner Torheit / antwortete sie /
und wiltu ein abgemahletes Weibesbild haben / so lass dich abschildern / und
öffentlich aushängen / ob einer währe dem du gefallen köntest; Höre aber liebes
Kind / ich will nun meine Klage- und Traurlieder alle mit einanderverbrennen /
und nach diesem der Hoffnung und Beständigkeit Gesänge tichten / wañ ich nur bald
Gelegenheit hätte / ihm sein Schreiben zu beantworten. Es wahr dieses Fräulein
vor ohngefehr einem ViertelJahre in das sechszehende Jahr jhres Alters getreten
/aber schon so manbar / dass man sie vor siebenzehnjährig schåtzete; ihrem
grossmuhtigen Hertzen und geschiklicher Vernunft taht kein ander ich was bevor
/dass jederman sie vor ein Wunder der Welt / uñ volkommenes Meisterstück des
Himmels hielt / ward auch nach jhres Herrn Vaters Hintrit nicht viel minder von
den Landständen / als eine herschende Königin geehret. Der Himmel hatte sie mit
einer überschwenglichen Schönheit begabet / dass wer sie sah / sich an jhr
vergaffete / als an dem volkommensten Kunstwerk dieser Irdischeit. Von Art und
angebohrner Eigenschaft wahr sie frisch und ohn Schwermühtigkeit /aber sider
Herkules Entführung ganz umgekehret /dass man sie immerzu traurig sah / und zu
keiner frölichen Gesellschaft bringen kunte. Ihre einige Vergnügung wahr Jungfer
Libussa / welche jhr Herz in Händen hatte / uñ aller ihrer Heimligkeit
Wissenschaft trug / so gar / dass das Fräulein die allerinnersten Gedanken ihr
nicht verbergen kunte / und währe diese nicht gewesen / würde sie ohn Zweiffel
drauff gangen sein. Ihrer Fr. Mutter zu gefallen / musste sie bissweilen sich
frölich erzeige / aber so gezwungen ding es wahr / so selten geschahe es auch /
da dañ die Trauertråhnen sich gemeiniglich mit einmischeten / dessen zwar die
Mutter oft wahr nam / aber deren eigene Ursach aus ihr nicht bringen kunte /
sondern da wante sie anfangs ihres lieben Bruders Abwesenheit / nachgehends auch
des Vaters elenden fall und Untergang ein; Ja / wann sie ihre Mutter traurig und
betrübt sah / wusste sie solches als eine quelle ihrer Trähnen anzugeben / weil
ihre Schwermuht nicht abe- sondern biss an Wenzesla Ankunft täglich zunam /
welche sie zuzeiten durch Tichtung allerhand Klage Lieder suchte zuvertreiben /
und wahr doch nicht anders als wann man Oel ins Feur schüttet. Ausser diesem
einigen Verlust ihres liebesten Herkules / wahr nicht leicht etwas / welches sie
zur sonderlichen Gemühtesbewägung håtte antreiben können / dann ihr Herz wahr so
frisch / ihre Seele so gar ohn Furcht / ihre Geister so munter und zageloss / dz
schon in der Kindheit bei eiteler Nacht ohn alle Gesellschaft sie von einem
Gemache auff das ander ging / und dieselben verlachete /welche vor Gespensten
sich so hart fürchteten; dann ob sie wohl zugab / dass solche gefunden würden /
und zu Nachtzeiten ihr Wesen und Gepölter trieben /musste doch ein Mensch sich
vielmehr auff der Götter Schutz und sein gutes Gewissen verlassen / als
dergleichen Begebnissen fürchten. Sie wahr so grossmühtig / dass sie oft sich
verlauten liess / wann sie dereins eines herschenden Fürsten Gemahl werden sollte
/wollte sie nit zugeben / dass die Töchter nur bloss zur Hausarbeit gewåhnet würden
/ sondern anordnen /dass sie täglich etliche Stunden sich im schiessen /werffen
und andern Waffen ubeten / dass in zeit der Noht sie sich nicht in Kellern
verstecketen / sondern dem Vaterlande zu hülffe kåmen / und ihre Ehemånner nicht
im stiche liessen. Weher aber kunte ihr niemand tuhn / als wann man ihr in
diesem das Wiederspiel hielt / und weibliches Geschlechts Untuchtigkeit
einwendete / dessen ausser ihren Eltern sich keiner durffte unterstehen. Ihres
Leibes beschaffenheit betreffend / hat wohl kein Mensch ein volkommener
Liebreitzungs-Bilde in dieser Welt gesehen; an ihrem ganzen Leibe wahr nicht
ein ungestaltes Flecklein /die Gliedmassen zart und gelenke / die Haut Milchweiss
/ das Fleisch weich aber nicht welk oder hangend / die Knochen klein aber fest /
und jhre Sehnadern so stark und rege / dass sie im vierzehnden Jahr jhres Alters
den arbeitsamsten Mägden den Arm mit einer Hand so fest halten kunte / dass jhnen
unmöglich wahr / denselben ohn jhre willige Erlassung losszureissen. In jhrer
zarten Jugend wollte man sie in weiblichen Künsten / als nähen / stricken /
Klöppeln / Goldspinnen und dergleiche unterrichten / aber sie verachtete solches
/ vorgebend / es währe Mägde Arbeit / die sich damit ernehren müsten; ging viel
lieber nach der Schule / dann ihr Herr Vater hielt ihr eine gelehrten Römer zum
Lehrmeister; doch da sie etwas älter ward / sah sie bissweilen den Kunstlerinnen
zu / die mit der Nadel und zarter Seide das zierliche Mahlwerk nicht allein
nachmacheten / sondern wohl übertraffen /nam auch wohl das Werk selbst zur hand /
und nach kurtzer Unterweisung gab sie den Meisterinnen nichts bevor. Die
Lateinische und Griechische Sprache fassete sie sehr wohl / dass im dreizehnden
Jahre ihres Alters sie den Römische Livius und Griechischen Herodotus fertig
lesen und verstehen / auch ohn Hülffe einiges Wort-Buches auslegen / die
Griechische Geschichte Lateinisch / diese hinwieder Griechisch / und beides auff
gut Teutsch und Böhmisch erzählen kunte / welches in ihrem folgenden Unglück ihr
bester behelff und Vortel wahr. Ihre beiden Leib Jungfern Libussen und Brelen
führete sie zur Lust mit an / dass sie solche beide Sprachen lernen mussten.
Ovidius Schrifften rühmete sie wegen des anmuhtigen sehr artigen Lateins und
fliessender Tichter Kunst / aber weil er zu unzüchtig von Göttern und Menschen
schrieb / meidete sie alle seine verdächtige Bücher; über Horatius Flackus
kurzgezwungener Art verwunderte sie sich / und lase seine Oden- oder
Lieder-bücher gerne / aber Virgilius Maro / sagte sie / ist der Lateinischen
Tichter Adler / dem der Griechen Ruhm Homerus es lange noch nicht gleich tuht /
dann er ist gar zu lugenreich / und weiss ihm die Farbe nicht so wohl als jener
anzustreichen / hat auch den Göttern gar zu ungereimete Sachen zugelegt / als ob
dieselben umb der Menschen willen unter sich Krieg und Streitigkeiten anfingen /
und Gottloser meinäidiger Leute Bübereien verfechten wollten; sonsten hielt sie
die Geschichte von der Griechische Helenen Entführung /von Alexander Paris
geschehen / vor ein Getichte; dann / sagte sie / wie sollte ein ehrliches Weib
ihren Gemahl verlassen / und so weit über Meer sich mit Willen als eine
Ehebrecherin entführen lassen? Ist sie aber so ehren-vergessig gewesen / und hat
ihr Königliches Herkommen dergestalt geschändet / was hätten dann die Gerecht-
uñ Frömmigkeit-liebende Griechen nach diesem schändlichen Weibe gefraget / es
währe dañ / dass sie / Rache zu üben / und ihre Unkeuscheit zu straffen / den Zug
in Asien vorgenommen hätten; aber hiemit stimmen die Schreiber nicht zu /
sondern Menelaus habe sie als ein Gemahl wieder gefodert / ja sie nach
erhaltenem herben Siege als ein frommes Weib wieder zu sich genommen / welche
Narren-Liebe ich straffbahrer als Helenen Leichtfertigkeit achte / und rühme des
streitbaren Helden Ajax Raht weit vor des Ulysses / da er dieser Ehebrecherin
den Tod soll zugesprochen haben / worüber er dann sein Leben durch Verräterei
und Meuchelmord einbüssen müssen. Wann man sie dann fragete / wovor sie solche
Tichtereien hielte / wendete sie ein / wann es nicht gar erlogen währe / wollte
sie unter der Helenen Nahmen etwa ein schönes fruchtbahres Eiland in dem
Egeischen Meer verstehen / welches die Trojaner den Griechen in des Beherschers
Abwesenheit durch der Inwohner Verräterei und Gutwilligkeit entwendet /und
darüber in diesen schweren Krieg sich gestürtzet hätten; pflag sich gleichwol
dabei zu bedingen / ein jeder möchte hierin seines Glaubens leben / sie hätte
ihre Meinung vor sich. Solcher gestalt sinnete sie den Sachen schon in der
Jugend nach / welche sie bei den alten Schreibern lase / und verfluchete der
Teutschen und Böhmen Unverstand / dass sie ihrer Vorfahren Heldentahten
aufzuschreiben so gar nicht achteten. Jedoch wahren die Bücher nicht ihre ganze
Lust / sondern Waffen und Rüstung / Schwerter und Bogen /Pferde und Sturmzeug
liebete sie überaus sehr / aber in nichts übete sie sich so heftig / als im
schiessen und reiten / wiewol die Pferde / als lange ihr Herr Vater lebete / ihr
nicht allemahl bewilliget wurden. Im zwölfften Jahr ihres alters lies sie
leichte Fechtschwerter machen / und in solcher Kunst sich unterrichten / welches
neben dem schiessen ihr von den Eltern wohl gegönnet wahr / und sie daher in
beiderlei überaus fertig ward. Als ihr Herr Vater sein Reich gesegnet /
gebrauchte sie sich des reitens freier / dass man sie selten auff der Gutsche
fahren sah / wann sie es nicht ihrer Fr. Mutter zur Gesellschaft tuhn musste. Im
jagen übete sie sich fast täglich / führete ihre Pfeil und Bogen zu Pferde / und
befliss sich nur das Wild reittend zu fellen / worüber sie so gewiss von freier
Faust ziehlen lernete / dass sie auch in vollem rennen die Hasen niederschoss /
und selten fehlete. Zu Pferde sass sie so geschikt und feste / dass ihres gleichen
im ganzen Königreiche nicht wahr; die Muhtigen ritte sie am liebesten / dann
sagete sie / das Herz nimt bei mir zu / wann ich sehe das Tihr / welches ich
beschreite /einen sonderlichen Geist haben. So lange lag sie ihrer Fr. Mutter an
/ da sie XIV Jahr alt wahr / dass sie ihr endlich gönnete einen Reitarnisch
machen zu lassen / welchen sie täglich anlegete / und etliche Stunden darin auff
dem Gemache umbher ging / auch wohl inwendig in dem verschlossenen Burgplatze
also bewapnet ihr Pferd tummelte / das Schwert an der Seite / und das Ritter
Speer auf dem Schenkel führend / dass ihre Fr Mutter oft zu sagen pflag;
bildestu dir ein /liebes Kind / durch diese Ubungen vielleicht ein Mannesbilde
zu werden? Sie aber allemahl zur Antwort gab; sie möchte wünschen / dass solches
möglich währe / oder doch zum wenigsten der Brauch sein möchte / dass das
Weibliche Geschlecht den Ritterlichen Ubungen nachzöge; so gar hatte die
Tapfferkeit ihr Gemüht eingenomen / und wahr doch daneben ohn alle blutgierig-
und grausamkeit. In Sitten und Geberden bezeigete sie sich nach aller Menschen
Wunsch; man hörete sie weder fluchen / noch schelten / man sah weder
leichtfertig Ding noch uppigkeiten an ihr /darumb liebete und ehrete sie
jederman; dem Stolz und der Unfreundligkeit wahr sie von Herzen feind /und wan
sie sich gegen jewand von Herzen freundlich und gewogen stellete / als dann
wahren ihre Aügelein und ganzes Angesicht so voller Reizungen / dass auch das
Frauenzimmer selbst sich in sie verliebete / daher es kam / dass ihre Eltern /
wann sie recht bewäglich umb etwas anhielt / ihr solches nicht bald abschlagen
kunten. Im Tanzen übete sie sich gerne / aber nach Herkules Verlust lies die
Bekümmernis ihr diese Lustübung nicht zu / nur wann Jungfer Libussa ihr zuzeiten
die Schwermühtigkeit aussredete / und sie nicht weniger seines Lebens als
standhafter Träue durch allerhand bewägliche muhtmassungen versicherte /dann
lies sie sich bereden / insonderheit / wann diese Jungfer nach ihrer
beiwohnenden Anmuhtigkeit sie baht / auff des allerliebsten Fürsten Herkules
Gesundheit diesen oder jenen Tanz zutuhn / welchen die Jungfer auff der Laute
dann zuspielen pflegte: Sie liebete überdass die Singekunst und das Seitenspiel
überaus hoch / dann ihr Stimmichen wahr so rein / helle und hoch / auch die
Kehle der allerkrausesten verblümlungen und bald gebrochenen bald überhüpffenden
schnellen läuffchen dermassen gelernig / dass keine Faust ihr solches auff Geigen
oder Flöhten nach machen kunte; doch hatte die durchdringende Art /langsam und
mit bebender Verweilung die wichtigen Wörter ausszudrücken / noch die
allerlieblichste / Anmuhtigkeit in ihrem Gesinge. Die Stimme allein lies sie
nicht gerne hören / sondern schlug selbst entweder die Laute oder Harffe / und
lies alsdan die Liederchen erschallen / deren Reimen und Singeweisen sie selbst
setzete / massen sie nicht allein zierliche Teutsche /sondern auch Griechische
und Lateinsche Verse schrieb. Ob nun gleich alle ehrbare Menschen dieser
Tugendergebenen Fräulein hold und günstig wahren /lies doch das boshafte Glük
ihr in der Jugend zu unterschiedlichen mahlen sehen / dz es weder Schönheit noch
Frömmigkeit achtet / wie ihr dann sehr früh geweissaget ward / dass sie Glückes
Tücke würde erfahren müssen; Acht Stunden vor ihrer Geburt / taht ihre Fr.
Mutter einen gefåhrlichen Fall / dass man in grossen furchten stund / es möchte
die Frucht schaden genommen haben; und gleich da sie geboren ward /ritte der
König ihr Herr Vater von der Jagt nach seinem Schloss / da ihm ein Balke von
einem alt verfallenen Hause auff der Burgstrasse seinen Leibdiener /welcher
allernähest hinter ihm her ritte / erschlug; welches beides also aussgeleget ward
/ dass das liebe Fräulein nicht ohn wunderselzame und lebensgefährliche Fälle
bleiben würde; welches dann zimlich früh an ihr erfüllet ward; massen als sie
kaum neun Wochen alt wahr / nam ein Affe (der auff dem Schloss /als gezähmet
umbher lieff) / sie unvermerket aus der Wiege / und trug sie auff ein hohes
Gebäu / so dass /wann Gottes Engel nicht ihr Schuz gewesen währe /sie ohn
zweifel das Leben hätte einbüssen müssen /uñ ward sie mit grosser Mühe wieder
herunter gelassen / worüber doch zween Dachdecker den Hals abstürzeten. Wann
ihre Fr. Mutter sie des nachtes an der Brust liegen hatte / und sie drüber
einschlieff / tråumete ihr unterschiedliche mahl / als wann sie eine Schlange
neben sich hätte / worüber sie erwachend /das liebe Kind zu dreien mahlen von
sich weg aus dem Bette warff / welches doch immer ohn Schaden blieb. Als sie im
zehnden Jahr ihres alters wahr / und mit etlichen des Frauenzimmers nach der
Stadkirchen ging / den gemeinen Opffern beizuwohnen / worzu sie dann sonderliche
Lust hatte / da lieff ein ergrimmeter wutiger Ochse in vollen sprüngen und mit
aussgestrecketem Halse ihr entgegen. Ihre zugegebene Gesellschaft sahen ihn
zeitig daher kommen / riefen dem Fräulein / die ein wenig vor ihnen herging
flohen davon / und verstecketen sich im nähesten Hause / in Meinung sie würde /
ihrer geradigkeit nach / mit lauffen / und ihrer Rettung selbst acht haben; aber
sie weich nicht umb einen Schrit / sondern / wie er mit allermacht auff sie
zustürmete / sprang sie ihm gerade auff den Hals / hielt sich mit der Linken am
Horne /wie sie best kunte / und mit der Rechten zohe sie ihr Messerlein hervor /
welches sie an der Seite in einer silbern Scheide trug / uñ als sie ihn nirgend
besser zuverwunden wusste / sties sie ihm solches ins Auge so tief sie kunte /
machte sich ringfertig wieder herunter /und lies ihn immerhin rasen / dañ er
kehrete sich nicht mehr an sie / sondern lief wegen empfindender Schmerzen die
quere uñ breite / und in dem er das Messer an einem hervorstehenden Holze
aussreiben wollte / sties ers nur tieffer hinein / biss er endlich mit heftigem
gebrülle zur Erden stürzete / und mit allen vieren von sich schlug. Ihr
Frauenzimmer höreten solches und misseten das Fräulein / durfften doch nicht aus
der Tühr hervor gehen / sondern kucketen durch ein Loch / und sahen sie mit
schimmernden Augen und zornigem Angesicht stehen / dass die rechte Hand und Ermel
ihr mit Blute gar besprützet wahr; fingen deswegen ein klägliches geheule an /
dass die Leute des Hauses herzu gelauffen kahmen / und ihres Geschreies Ursach
nachfrageten. Das Fräulein trat zu ihnen hinein / straffete sie wegen ihres
weglauffens /und sagete: So viel ich merke / dürfftet ihr mich leicht im Stiche
lassen / und nur eures Heils warnehmen /wann sich die Gefahr eräugete / dass nach
diesem ich nicht Mädchen / sondern Kerle zu meiner Auffsicht haben müste;
erzåhlete ihnen hernach / wie es ihr mit dem Ochsen ergangen währe. Der König
erfuhr solches zeitig / foderte sie vor sich / und mit halbnassen Augen sagte er
zu ihr: Mein Herzen Valissken / wie dass du nicht vor dem wütigen Ochsen dich
scheuhetest / und ihm gar auff den Hals springen durfftest? Gnädigster Herr
Vater / antwortete sie / freilich scheuete ich mich vor ihm / aber weil ich der
Flucht nicht trauete / musste ich mich ja retten / als best ich kunte / sonst
hätte er mich gar zu Tode gestossen. Er aber straffete sie / neben der
erinnerung / die jungen Fräulein müsten sich so verwägener Kühnheit nicht
gebrauchen / die wohl den herzhaften Männern misglücketen. Sie hingegen wante
ein / sie währe so wohl gesinnet / ihr Leben durch allerhand Mittel zu retten /
als ein Mann; und wer weis / sagete sie / ob ich nicht habe sollen ein Knabe
werden / weil meine Seele viel lieber mit männlichen als weiblichen Sachen
umbgehet; hätte ich nur meinen Bogen bei mir gehabt / ich wollte ihm die Augen
beide aus dem Kopffe geschossen haben / ehe er mir so nahe kommen währe / dz er
mich mit den Hörnern erreichen können; will mich auch hernåhst wohl besser
vorsehen /dass ich meine Rettung nicht mit einem Brodmesser vornehmen dürffe. Ihr
Herr Vater kunte vor verwunderung ihr keine Antwort gebe / streich ihr
etlichemahl über das Häupt und sagete: Die gütigen Götter steuren allen
wiedrigen Fällen / und behüten dich / dz ihre Versehung an dir zu allem guten
vollendet werde. Sonst taht sie mannichen hohen Fall / welches doch immer ohn
sonderlichen Schaden abging; insonderheit hatte sie kein Glük auff dem Wasser /
daher sie auch selten sich der Schiffart vertrauete. Drei Tage vor ihres Herr
Vaters Verlust / ging sie mit einer kleinen Dirne abermahl hin / dem
Gottesdienst in der Stad und den gewöhnlichen Opffern beizuwohne / da lieff ihr
ein sehr grosser toller Hund entgegen / vor dem sie zu rücke hinter eine
Brunnenseule weich / und da sie ihn eigentlich auff sich zu springen sah /
fassete sie mit der Linken einen zimlichen Stein / mit der Rechten aber ihren
Dolch / welchen sie nach erlegung des Ochsen stets / wo sie auch ging / zu sich
nam; als nun der Hund ihr nach dem Gesichte sprang / sties sie ihm den Stein in
den Rachen / und stach ihm zugleich die Kehle ab / dass er zu ihren Füssen nieder
fiel; lies sich doch hiedurch von der Beiwohnung des Gottesdienstes nicht
abschrecken / sondern hielt bei den Pfaffen an / dass sie vor ihres Herren Vaters
Wolfahrt ein Opffer schlachten möchten / welches auch geschahe / da nach
fleissiger Besichtigung der Leber und des Herzen ein alter Pfaffe ihr zuschrie:
Durchleuchtigstes Frl. meldet / bitte ich / eurem Herr Vater / unserm
allergnädigsten Könige an / dz seine Konigl. Hocheit sich in VI Tagen nicht von
ihrem Schloss begebe /noch falscher Lockung folge / dañ es stehe deroselben ein
nahes Unglück bevor / welches viel unleidlicher als der Tod / oder auffs wenigste
der Tod sein wird; Euer Gnaden will das gute Glük auch noch nicht geträulich
beistehen / sondern dräuet derselben unsägliche Noht und Gefahr / welches aber
noch weiter zurücke stehet. Das Fräulein hielt viel auff dergleichen
Opfferzeichen / da hingegen ihr Herr Vater sich nicht sonderlich dran zu kehren
pflegete / schlug auch vor dissmal alles in den Wind / wie bewäglich gleich das
Fräulein ihm solches vortrug / auch zugleich den Unfall mit dem wütigen Hunde
hinzusetzete; da dann der elende Verlust bald drauff erfolgete / wodurch das
ganze Königreich in grosses Hertzleid gesetzet ward / und sein Gemahl die
fromme Königin seinen unglücklichen Tod eine geraume Zeit beklagete.
    Wir wenden uns aber wieder hin zu dem Fräulein /sie in ihrer hohen
Vergnügung anzuschauen / welche sie aus Herkules Schreiben empfing / und ihrer
Seele unmöglich wahr / die innigliche Freude recht ausszudrücken; dessen Libussa
wohl wahr nam / und ihr Herz durch ein anmuhtiges Liebesgespräch je mehr und mehr
auffwallete / dass sie endlich eine Schreibfeder ergriff / und von freier Hand
ein Liedlein auffsetzete /auch demselben eine frische anmuhtige weise gab / da
inzwischen Libussa ihr die Laute (welche in guter Zeit nicht gebrauchet wahr)
ganz neu bezog / die begehrete Stimmung einrichtete / und mit Verlangen
erwartete / was vor Einfälle dem Fräulein vor dissmahl fugen wollten; welche bald
darauff dieses sang und spielete:
                                       1
Nun Seele / nim nun sanfte rast /
Nachdem du wieder funden hast /
Den du vorlängst erkohren;
Mein Herz / nim die erquickung an /
Dann der dich völlig trösten kann /
Ist nicht so gar verloren.
                                       2
Der allerschönste dieser Welt /
Der dich vor seine schönste hält /
Bleibt nach wie vor dein eigen;
Wie weit er dir entrissen ist /
Wird er dannoch zu keiner frist
Sein Seelchen von dir neigen.
                                       3
Du schönster Stern am Himmels Saal /
Hab' ich das Glük zu deiner Wahl?
Sol ich dein noch geniessen?
Du Strahlen-helles Sonnen-licht /
Vor dessen Schein der meine bricht /
Und fält zu deinen Füssen.
                                       4
Wann wirstu meine wolken dann
Vertreiben / dass ich sehen kann /
Wie deine Tugend spielet?
Die bloss nur auff Volkommenheit /
Mehr als die Jugend deiner Zeit
Ertragen kann / hinzielet.
                                       5
Du Ebenbild der keuschen Zucht /
Betrachte deiner Jahre flucht /
Sei nicht so gar vermässen
Im Streiten wieder Frevelmuht /
Dann wer im Treffen alles tuht /
Wird endlich doch gefressen.
                                       6
Fälst aber du / so fall' ich auch /
Dich wehe Lufft an oder Rauch /
Ich will mit dir nur stehen /
Nicht ohne dich / du bist allein /
Was meinem Leibe Geist kann sein /
Dein Tod ist mein vergehen.
                                       7
Solt' aber meine Seele noch
Mit deiner dass gewünschte Joch
Der keuschen Liebe tragen;
So hab ich was mein Herz begehrt /
Und wann mir solches wiederfährt /
Wil ich nicht weiters klagen.
Ach mein tausend schönstes Fräulein / sagte Libussa nach des Gesanges endigung;
dass doch der allerliebste Furst dieses Liedchen von so anmuhtiger Stimme
gesungen / anhören möchte; aber eure Gn. tuhe ihm diese Gunst / und sende ihm
dessen Abschrifft zu / ich weis / es wird die Krafft haben / ihn von dem ende
der Welt nach Prage zu treiben. Bei leibe schweig mein herzen Kind / antwortete
das Fräulein / würde er mich nicht vor eine leichtsinnige halten / wann er
dessen inne würde? ich nähme nicht dass halbe Rom drum /dass ein ander Mensch als
du / dieses Lied sähe oder hörete; dann ob ich gleich wohl leiden kann / dass er
meiner geträuen Liebe inne werde / muss es doch weder durch mich noch durch meine
Reimen dergestalt geschehen / dz michs einiger weise in ungleiche Nachrede
stürzen könnte; ein freundliches Brieflein an ihn zu schreiben will ich mich nicht
wegern / aber von solcher worten Gattung muss es trauen nicht gestellet sein. Ja
ja / sagte Libussa / liebt eure Gn. so bedachtsam / so liebt sie noch in so
flammichter Hitze nit / als ihre Schwermütigkeit michs eine zeitlang hat bereden
wollen / doch rühme ich dieses an euer Gn. billich / und bitte die gütigen
Götter / dass sie ihre Gedanken vor aussgang eines Monats befriedigen.
Befriedigen? antwortete das Fräulein; doch ja / es heisse also / dañ ich bin
noch zur Zeit befriediget / wann ich nur oft Schreiben von ihm haben / oder
(ach Glük erfreue Hoffnung) seine liebreiche Augen gegenwärtig schauen möchte.
Diesen Wunsch wird der Himmel bald erfüllen / sagete Libussa; aber eure Gn.
wünschet schon mehr Schreiben / uñ hat dieses durchzulesen kaum Zeit gehabt; wer
weiss was folgen kann? geduldet euch mein Fräulein / nichts wächset und reiffet
auff einen Tag; gebet dem lieben Fürsten Ruhe / dass er die Schreibfeder aus der
Hand legen / und andere Nohtwendigkeiten verrichten möge. Auff diese Weise
reizete sie das Fräulein / biss sie zur Mahlzeit gefodert ward / da ihre Fr.
Mutter mit ihr abredete / dass sie alsbald einen Landtag aussschreiben / und den
Reichsständen ihres Königes Gesundheit und Vorhaben aus seinem eigenen Schreiben
anzeigen wollte.
    Des folgenden tages gab sich vor dem Stadtohr ein Königlicher Gesanter aus
Gallien oder Frankreich an /120 Pferde stark / und begehrete von der Königin und
dem Königlichen Fräulein / im Nahmen und von wegen seines Königes / gehöret zu
werden. Die Königin liess ihn in der Stad mit seinen Leuten verlegen /und setzete
ihm den dritten Tag zur Verhörung an /unter welcher Zeit er nicht allein sich
der Fräulein Wesens und Eigenschaften erforschete / sondern sie einsmahls auff
die Jagt ausreiten sah / und in seinem Hertzen gestund / dass er nie etwas
volkommeners gesehen hätte. Es liess aber die Königin alsbald etliche vornehme
Herren / als den Reichs Kantzler / Herrn Bretisla / Herrn Pribisla / Herrn
Krokus / Herrn Stanisla und Herrn Bugesla zu sich nacher Prage fodern /in deren
Gegenwart die Königliche Gesandschaft sollte abgelegt werden. Dem verliebeten
Fräulein schwanete nichts gutes / massen sie wusste / dass der Sikamber König in
Gallien (welches ein Teutsches Volck wahr) zimlich schwach war / und einen
tapfferen hochberühmten Sohn hatte / so noch unverheirahtet / uñ nach des Vaters
Hintrit in der Herschaft folgen wurde; foderte demnach ihre Libussen zu sich
/und sagete zu ihr: Mein Kind / was soll ich nun beginnen? gilt wo diese
Gesandschaft nicht bloss meiner wegen angestellet ist? Wie aber / wann meiner
Fr. Mutter diese Heirat gefiele / und die Reichs Sassen mit zurieten? Ich weiss
nicht / wodurch ich das leidige Glük dergestalt mag wider mich erzürnet haben /
dass mirs so gar keinen frölichen Tag gönnet / der nicht mit Unruhe und Angst
sollte versalzen sein? Jedoch mag dieser Gesandter bringen was er will und kann /
so soll und muss ich meinem Herkules vorbehalten sein /oder allein durch einen
schmerzhaften Tod von ihm abgeschieden werden. Ich stehe mit Eurer Gn. in
gleichen Gedanken / sagte Libussa / will auch nimmermehr rahten / dass dieselbe
ichtwas eingehe / welches dem allergeträuesten Liebhaber Fürst Herkules könnte
nachteilig sein / weil ich ohndas wohl weiss / dass mein Gn. Fräulein in diesem
Stük keinen Wechsel oder Tausch nimmermehr bewilligen wird; nur allein muss die
Sache auffs vorsichtigste und klüglichste gehandelt / und entweder abgelehnet /
oder unter lauter Ungewissheit auffgeschoben werden / auff dass die Zeit verlauffe
/ und wir Fürst Herkules von allem gute Nachricht geben können / welcher auff
solchen fall schon wissen wird / wie er seine Bände fest legen /und diesen
MitBuhler abweisen soll. Das Fräulein stund in tieffen Gedanken / und gab zur
Antwort: Je länger ich dem dinge nachsinne / je gefährlicher mir alles vorkomt;
Dann vorerst muss nohtwendig meiner Fr. Mutter / und allen andern / meine Fürst
Herkules geschehene Verheissung verborgen bleiben / und darff ich mich im
geringsten nicht verlauten lassen / dass ich nicht mehr frei bin. Hernach werde
ich solche Ursachen müssen einführen / durch welche des schlauhen Kantzlers Raht
und Meinung (dann vor diesem fürchte ich mich am meisten) hintertrieben werde;
und schliesslich muss ich dannoch gegen den Gesandten mich also bezeigen / dass ich
weder vor eine stoltze /noch unfreundliche / noch verwägene in seines Königes
Lande aussgeruffen werde. Wie aber / sagete Libussa / wann dieser in andern
Geschäfften abgeschikt / und alle unsere Furcht und Sorge umsonst und vergebens
währe? wie dann sehr oft geschiehet / dass wann ein König etwa willens ist /
einen andern zu bekriegen / versichert er zuvor durch Gesandten sich anderer
Landschaften / damit dieselben sich nicht einmischen / und an seinem Vorhaben
ihm hinderlich sein mögen. Nein / mein Libuschen / sagte sie / dz Hertz saget
mir eigen / dass eine Freiwerbung vorhanden ist / sollte ich aber solches umsonst
fürchten /werde ich dessen froher als kein ander sein. Weil es nun der näheste
Tag wahr vor der Verhörung / nam sie jhre Zuflucht zu der instehenden Nacht /
welche ihr einen heilsamen Fund an die Hand geben würde. Des Morgens da sie
auffstund / war sie ziemlich frölich / und ziegete Libussen an / wessen sie sich
in ihrem Hertzen erkläret hätte / nicht zweifelnd / es sollte solches von
Einheimischen und Fremden wichtig gnug geachtet werden / dass man den Gesanten
gleich so klug wieder hinzihen liesse / als er kommen wahr. Sie liess sich auch
von Libussen treflich ausputzen /und sollte diese ihr bei der Gesandschaft
auffwarten. Die Königin hatte jhre Traurkleider angelegt / zu ihrer Rechten
stund ein Königlicher Stuel / mit einer güldenen Decke behänget / auff welchem
die Königliche Kron / der Reichs Apfel und ein blosses Schwert lage; Allernähest
sass sie / uñ zu ihrer linken das Königliche Fräulein. An der linken Seite des
Gemachs sassen obgedachter Kantzler und die vier Böhmische Herren / und wahr zur
Rechten des Gemachs ein schöner Stuel vor den fremden Gesandten hingesetzet;
welcher / als er zur Tühr hinein trat / ehrete er die Königin und das Fräulein
gebührlich / und liess anfangs der Königin einen Begläubigungs Schein einhändigen
/welchen sie erbrach / und folgenden Inhalt lase: Hilderich / der alten
Teutschen Sikambrer GrossFürst /König der Franken in Gallien / wunschet der
Grossmächtigsten unüberwindlichsten Königin und Frauen / Frauen Heidewieg /
gebohrner GrossFürstin der Teutschen anjetzo herschender Königin in Böhmen /
seinen Gruss und alles Liebes; Dero Liebe hiemit anzeigend / dass der Einbringer
dieses / der ådle Klogio / von uns und unserm freundlichen lieben Herr Sohn /
GrossFürst Markomir /unsers Reichs und Stuels kunftigen Besitzer / ausdrüklich
aus unserm Reich nach Prage an Eure Liebe gesand sei / eine unter Königl. und
GrossFürstlicher Träue und Glauben gemeinete Werbung bei Euer Liebe und dem
Durchleuchtigsten Königlichen Fräulein in Böhmen /Fräulein Valissken anzutragen /
und bitten Eure Liebden freundlich / dieselben wollen geneñeten unserm Gesanten
Freiheit geben / die Werbung abzulegen / auch demselben / als uns selbst /
vollkommenen Glauben zustellen.
                                                            Hilderich der Konig.
    Nach Verlesung sah die Königin / dass ihr muhtmassen (welches sie bisher
niemande offenbahret hatte) sie nicht triegen würde / meinte aber / das
Fräulein würde dessen nicht die geringsten Gedanken tragen / und gab ihr den
Brief zulesen; welche ihrem Vorsatze nach / sich noch allerdinge frei und
unwissend stellete. Dem Kantzler ward darauf der Brieff von der Königin
zugeschikt / und befohlen / mit dem Gesanten in ihrem Nahmen gebührlich zu
reden; welcher auch nach Verlesung den Gesanten fragete / wie sein Nahme währe;
und als derselbe sich Klogio /einen Ritter und Königlichen geheimen Raht und
Oberkammer-Herrn nennete; fuhr der Kantzler also fort: Wolgebohrner Herr Klogio;
es hat euer allergnädigster König / und dessen Herr Sohn / der Grossmächtigste
Unüberwindlichste König und GrossFürst der Sikambrer uñ Franken in Gallien / uñ
der Durchleuchtigste Königliche Fürst und gebohrner Grossfürst Herr Markomir / an
die auch Grossmächtigste Unuberwindlichste Königin der Böhmen / gebohrne
GrossFürstin der Teutschen / meine allergnädigste Königin / und an das
Durchleuchtigste Königliche Fräulein /beide gegenwärtig / euch abgefertiget /
Ihrer Königlichen Hocheit und dero Frl. Tochter einige Werbung vorzutragen; und
weil Ihre Hocheit und Durchleuchtigkeit dieselbe freundlich anzuhören bereit und
willig sind / ist von allerhöchstgemelter Königin euch hiemit Freiheit gegeben /
dasselbe / warumb ihr gesendet worden seid / anzumelden / und darauf
freundlicher Antwort gewärtig zu sein. Der Gesandte neigete sich hierauff sehr
tieff und ehrerbietig / und fing also an: Grossmächtigste Unüberwindlichste
Königin / auch Durchleuchtigstes Fräulein; Der auch Grossmächtigste
Unüberwindlichste König und Grossfürst der Sikambrer und der Franken in Gallien /
und Ihrer Königl. Hocheit Herr Sohn / der Durchleuchtigste GrossFurst Herr
Markomir / entbieten Eurer Königl. Hocheit und Durchleuchtigkeit / jhren
freundlichen Gruss und alles Liebes / durch mich unwirdigen / ihren
gevolmächtigten Gesanten; und geben Ihrer Hocheit und Durchl. Oheimb- und
freundlich zuvernehmen / was gestalt höchstgedachter mein allergnädigster König
wegen allerhand Leibesschwacheiten / allergnädigst gewilliget sei / die
Herschaft abzulegen / und selbe seinem freundl. lieben Herrn Sohn völlig
auffzutragen; Weil nun dessen Durchleuchtigkeit annoch unverheirahtet ist / und
Königl. Hocheit nichts so heftig wunschet uñ begehret / als dass höchstgedachter
sein Herr Sohn mit einem wolwürdigen Königlichen Gemahl möchte versehen sein /
welche mit demselben zugleich gekrönet und eingeführet würde / und aber Ihrer
Königl. Hocheit Fräulein Tochter / die Durchleuchtigste Frl. Valisska / meinem
Könige und dessen Herrn Sohn /als die allerpreisswirdigste und vortreflichste
Fürstin dieses Erdbodems / von unterschiedlichen Orten her gerühmet wird / als
wünschet und begehret mein König in dieser Welt nichts höhers und liebers / als
einer solchen mit Königlichen Tugenden volbegabten Fräulein Vater; dessen Herr
Sohn aber / deroselben Bräutigam und Gemahl zu werden; Da auch solcher ihr
Wunsch und Begehren zur glücklichen Endschaft sollte können gebracht werden /
erbieten sich Ihre Königliche Hocheit und Grossfürstl. Durchleuchtigkeit /gegen
das Durchl. Königl. Fräulein / Fräulein Valisska sich dergestalt zuerzeigen / dass
grössere väterliche Liebe und Hulde / als bei dem Könige / und mehr ergebene
eheliche Träue / als bei dem Durchl. Grossfürsten / Herrn Markomir / dero
Durchleuchtigkeit in dieser ganzen weiten Welt nicht antreffen noch finden
werden. Die Königin nam diese Werbung mit grosser Ehrerbietung an / foderte den
Kantzler zu sich / und nach kurtzer Beredung mit dem Fräulein (welche sich so
gar ohn alle Bewägung und Verenderung bezeigete / als ginge sie solches nicht
an) sagte die Königin dem Kantzler / was er antworten sollte; wie dann derselbe
alsbald also anfing: Gegen den Grossmächtigsten König der Sikambrer und Franken
/als auch dessen Herr Sohn den Durchleuchtigsten Grossfürsten Herrn Markomir /
bedanket ihre Königl. Hocheit und dz Durchleuchtigste Fräulein sich Wase-und
freundlich / wegen der geschehene huldreichen Anwerbung / erklären sich auch
gegen den Herrn Gesanten gnädigst / demselben ihrer jetzigen gelegenheit nach /
auff morgen umb diese Zeit / eine auffrichtige wolgemeinete Antwort zuerteilen;
und wird der Herr Gesanter gnädigst ersuchet / auff den Mittag sich bei
Königlicher Mahlzeit anzufinden. Also nam Klogio hiemit seinen Abtrit / voller
Hoffnung / er würde seinem Könige und dem verliebeten Fürsten eine behågliche
Antwort überbringen / insonderheit / weil er auff sehr fleissige Nachfrage / ob
das Fräulein schon Freiwerber gehabt / einerlei Antwort bekam / dass man davon
noch zur Zeit nicht das allergeringste vernommen hätte. So bald dieser Gesante
weggangen wahr /begehreten der Kanzler und die andere Böhmische Herren / es
möchte die Königin und das Fräulein sich gnädigst heraus lassen / wessen in
dieser hochwichtigen Sache sie gesonnen währen. Das Fräulein gab ihrer Fr.
Mutter an / sie möchte nach des fremden und ihr ganz unbekanten Königes und
seines Sohns Wesen Nachfrage tuhn / damit man vor allen dingen wissen könnte / ob
sie auch der Wirdigkeit währen /sich mit ihnen einzulassen. Diese Frage stellete
die Königin den anwesenden vor / worauff der Kanzler antwortete; es währe ihm
dieser Franken Könige Zustand zimlicher massen bekant / und hätte er in seiner
Jugend vor XXX Jahren sich eine zeitlang an des jetzigen Königes Herrn Vaters
Hofe auffgehalten / welcher Hunno geheissen / ein vortreflicher berühmter Herr /
der unterschiedliche herrliche Siege von den Römern / wie auch von den Galliern
erhalte / uñ seine Herschaft statlich erweitert; der jetzige König Hilderich /
wäre zu der Zeit ein junger Herr von X Jahren gewesen / an dem man eine hohe
Geburtsart verspüret hätte; doch würde Herr Bugesla ohn zweifel von demselben
ein mehres erzählen können / weil dessen Sohn / wie ihm gesagt währe / vor
etlichen Wochen aus demselben Königreich zu Hause kommen. Ja / fing Bugesla an /
mein Sohn Nostriz / welcher nunmehr VI Jahr in fremden Landen sich auffgehalten
/ und Ritterschaft gepflogen auch vor wenig Tagen wieder fortgezogen ist / hat
mir von diesem Könige viel lobwirdiges gesaget / als welcher ein sehr Weltweiser
verständiger Herr sei / unerschrocken und glückhaftig /ein Schrecken aller
seiner Feinde / werde auch von seinen Untertahnen wegen seiner sanftmühtigen
Herschung dergestalt geliebt / dass sie alle bereit und willig sind vor ihn
zusterben; Er hat schon XII Jahr nach seines Vaters Königes Hunno Absterben das
Reich löblich verwaltet / und soll einen schlimmen Schaden bekommen haben / daran
er befürchtet / das Leben einzubüssen / wiewol die Aerzte gute Trost zur
Gesundheit geben sollen; Er hat ein junges Gemahl /welche ihm schon IIX Söhne
gezeuget / die aber auf den einzigen Markomir alle hingestorben sind; dieser
junge Herr ist erst von XIIX Jahren / aber sehr tapffer und streitbar / dessen
er beides in- und ausserhalb Reichs einen grossen Nahmen erworben hat / soll vor
einem halben Jahre stillschweigend mit wenig geträuen Dienern aus dem Lande
gezogen / und nach Verlauff XV Wochen wieder kommen sein / aber voller Traur-
und Schwermühtigkeit / so dass er weder bei fröliche Geselschaften noch bei
ritterlichen übungen sich finde lässet / welches doch sider der Zeit er wiederum
mag geendert habe. Mutter uñ Tochter höreten dieser Erzählung fleissig zu / uñ
begehrete darauf die Königin / das Fräulein sollte sich vernehmen lassen /wessen
sie in dieser Sache gesiñet wäre; welches sie aber züchtig von sich ablehnete;
es wollte ihr als einer jungen Tochter nicht gebühren / ihrer gnädigsten Frau
Mutter hierin vorzugreiffen / zweiffelte nicht / dieselbe würde mit den
gegenwärtigen Herren es reifflich überlege / damit sie wüste / was in dieser
Sache sie weiters vornehmen / und ihrem Herr Bruder / der nunmehr auch ihr
gebietender König währe / davon überschreiben sollte / massen sie nunmehr
gezwungen würde / ihrer Gn. Fr. Mutter / uñ anderen guten Freunden zu
offenbahren / was Gestalt ihr Herr Bruder / da er hätte hinreisen wollen /
seinem verlornen Herkules nach zu forschen / er sie des Abends zuvor zu sich
allein in den Königlichen Lustgarten gefodert / und mit höchstbewäglichen /
teils freundliche / teils bedraulichen worten von ihr begehret / sie sollte ihm
als eine geträue Schwester äidlich angeloben / dass als lange er lebete / sie in
keine Heirat gehehlen / vielweniger dieselbe schliessen wollte / ehe und bevor
sie ihn dessen berichtet / und von ihm brüderliche Einwilligung erhalten hätte.
Nun hätte sie zwar anfangs sich gegen denselben gewegert / icht was von
Heirahtsachen zu reden / weil sie noch ein Kind / und daran nie gedacht håtte /
aber weil er sie solcher Anfoderung nicht erlassen wollen / hätte sie seinem
Willen ein Genügen getahn / welches sie auch / umb Meinäid und der Götter
Ungnade zuverhüten / auffrichtig halten und leisten wollte. Ihre Fr. Mutter /
welche nicht wusste / ob dieses ertichtet / oder wahr währe / hatte daran ein
gutes Wolgefallen / wie wohl / sich dessen nicht merken zu lassen / sie zu ihr
sagete; sie hätte nicht wohl getahn / dass sie mit solcher Verheissung sich
überschnellet / und es nicht alsbald ihren Eltern angezeiget / welche damahls
solche Zusage und äidliche Verbindung hätten auffruffen und abschaffen können /
welches nunmehr nit würde geschehen dürffen / zweiffelte auch sehr / ob einiger
von den gegenwärtigen Herren darzu rahten / und ihres Königes Ungnade würde auff
sich laden wollen. Dieses wahr alles das rechte Wasser auff der Fräulein Mühle /
stellete sich doch / als währe ihr die getahne aidliche Verheissung leid / und
sagte; Es würde gleichwol nicht destoweniger ihrer Gn. Fr. Mutter frei stehen /
es mit den anwesenden Herren zu berahtschlage / ob diese Heirat anzunehmen
währe oder nicht / welches sie alsdan ihrem Herr Bruder zuschreiben wollte /
dessen Sin und Meinung ihr allerdinge unbewust wåhre /ober diese Werbung würde
belieben oder verbieten; und da es ihne ingesamt also gefiele / wollte sie mit
ihrer vertraueten und verschwiegenen Leib-Jungfer Libussen gerne einen Abtrit
nehmen / und ihnen freiheit geben / nach belieben zuhandeln. So bald sie in ein
abgelegenes Gemach sich begeben hatte / fing die Königin zu den anwesenden an;
liebe geträue; ob ich zwar bald anfangs der Meinung gewesen bin / diesem jungen
Fürsten der Sikambrer und Franken mein liebes Kind zuversprechen / insonderheit
/ weil Herr Bugesla demselben ein so gutes Zeugnis nachredet / welches ich weder
vor errichtet noch vor falsch halten kann / so stosset mich doch dass jetzige
Vorbringen meines Kindes gewaltig vor den Kopff / dass ich demselben durchaus
nichts gewisses zuzusagen weiss /sondern ihn hinweisen muss / biss mein lieber Herr
Sohn seinen Willen hierüber erklären wird. Der Kanzler Herr Bretisla antwortete;
er müste bekennen / dass der Fräulein Vorbringen ihm über alle masse fremd
vorkähme / dem er zuwiedersprechen sich wohl nimmermehr erkühnen würde; nur
allein befürchtete er sehr / es möchte der Franken König / ein sehr gewaltiger
und mächtiger Herr diese Einwendung vor ein Getichte und verdeckete abschlägige
Antwort halten /woraus dem ganzen Königreiche nichts gutes erwachsen könnte. Die
Königin / der diese Heirat im hertzen allerdinge zuwieder wahr / weil sie mit
viel andern Gedanken umbgieng / antwortete ihm darauff; sie vor ihr Håupt wüste
ihre Frl. Tochter von allen lügenhaften Tichtereien sehr ferne sein / hätte
auch ein kräffliges Zeichen / dz sichs also verhielte; masse als ihr Herr Sohn
von ihr und dem Fräulein heimlichen Abscheid genommen / hätte er dieselbe einer
getahnen Verheissung erinnert / worauff sie zur Antwort gegeben / dass sie lieber
sterben als aidbrüchig werden wollte. Ob aber der Franken König solches vor ein
Geticht achten wollte oder nicht / stünde nicht bei ihr /es zu verhindern / als
durch ein aufrichtiges bejahen; doch wie dem allen / so hoffete sie ja nicht /
dass sie eben schuldig währe diesem König zum Gehorsam zu stehen; Und was wollte
er machen / sagte sie / wann mein Kind diese Heirat / ihrer Freiheit nach / gar
abschlüge / wanns mit gebührlicher Höfligkeit geschähe? Der Kanzler / dem
vielleicht grosse Verheissungen mochten geschehe sein / bedachte sich hierauff
eines andern / brachte vor / es währe seine Rede nicht so gemeinet / auch nit so
weit bedacht / wollte auch hernähst es dergestalt wissen zu überlegen / dass seine
gnädigste Königin daran ein gnugsames Wolgefallen haben würde. Herr Pribisla /
welcher unserm Herkules das Fräulein in seinem Herzen schon zugedacht hatte /
gab diese Stimme: Die geschehene Werbung währe ehrlich und dankens wert / aber
dem Fräulein durch brechung ihres getahnen äides / ihr Gewissen zu verunruhen /
wollte er nun und nimmermehr rahten; Ja / sagte er / wer weiss / was vor
hochwichtige und dringende Ursachen unser gnådigster König gehabt / diese
hochbeteurliche Verheissung von seiner Frl. Schwester zunehmen / welche ich
/weil ich sie ohndas nur muhtmasse / in meines Hertzen innersten lieber
vertuschen als lossdrücken will. Die Königin merkete / dass dieser mit ihr einerlei
Gedanken führete / wollte doch kein Wort darzu reden /sondern der übrigen Meinung
auch vernehmen; welche aber mit Pribisla ganz einig wahren / auch einen festen
Schluss macheten / was vor eine Antwort dem Gesandten sollte mitgeteilet werden /
welche dem Fräulein vorher anzumelden / ihre Fr. Mutter auff sich nam.
Unterdessen erfreuete sich das Fräulein mit jhrer Libussen / dass jhr diese
Erfindung so wohl gerahten war / und / wie sichs ansehen liesse / der Fr. Mutter
Herz schon gewonnen hätte; da endlich die Jungfer zu ihr sagete: Gn. Fräulein /
wie komt es doch / dass ein Warheit liebender Mensch zeit der Noht so glücklich
liegen kann? Ich halte / es komme daher / weil man sich der Unwarheit zu einem
solchen nicht versiehet. Du loser Balg / antwortete sie / schiltestu mich so
kühnlich vor eine Lügnerin? Weistu nit / dass man die Nohtlügen mit unter die
Warheiten rechnet? Doch sihe / habe ich nicht die lautere reine Warheit / ja
noch viel zu wenig geredet / nur dass vor Herkules ich meine Bruder genennet habe
/ welcher aber ja auch mein Bruder / ach ja mein herzallerliebstes Brüderchen
und Tausend Schätzchen ist / mit welchem zehnmahl hundert tausend mal tausend
mahl tausend Markomiren / und wann ihr gleich noch eins so viel währen / ich mit
nichten vergleichen vielweniger vertauschen kann? Die Königin trat gleich zu jhr
in das Zimmer / machete jhr den Schluss zuwissen / und befahl jhr / dass gegen den
Gesandten sie sich freundlich bezeigen sollte / dessen sie sich willig erboht.
Bei der Mahlzeit geschahe demselben nun alle Ehre / und wahr er gleich als
verzukt über der Fräulein Volkommenheiten / kitzelte sich auch dergestalt in
seiner Hoffnung / dass er schon festiglich gläubete / er würde seinem jungen
Grossfürsten die rechte Arznei mitbringen. Nach geendigtem Mahle hielt er bei dem
Frl. an / ihm die Gnade eines absonderlichen Gesprächs zu verleihen; welches sie
mit freundlicher Höfligkeit ablehnete / biss die Antwort auff seine Werbung ihm
würde erteilet sein. Des folgenden Morgens ward er wieder vor gefodert / da der
Kanzler im nahmen der Königin die Danksagung vor geschehene ehrliebende
Anwerbung wiederhohlete; und darauff anzeigete / ob zwar ihre Königl. Hocheit
nichts liebers wünschete /als dz ihrem freundlichen lieben Oheimben / dem
Grossmächtigsten Könige der Franken und Sikambern / uñ dessen Herrn Sohn dem
Durchleuchtigsten GrossFürsten Herrn Markomir / sie eine völlig klare Antwort
erteilen und zuentbieten könnte / so verursachete doch ihres freundlichen lieben
Herrn Sohns Herren Ladislaen Abwesenheit ein wiedriges / und zwar aus diesem
Häuptgrunde / dass das Fräulein demselben /als ihrem Herrn Bruder / vor mehr als
anderhalb Jahren die äidliche Verheissung tuhn müssen / dass ohn dessen bewust
und Einwilligung sie keine Heirahtshandelung anstellen / vielweniger bestätigen
oder schliessen wollte; Krafft deren äidesleistung man nun gehalten währe / die
getahne wirdige Anwerbung demselben in fremde Lande eiligst zuzuschreiben /und
gelebete man der gänzlichen Zuversicht es würde an anderer Seiten nicht allein
solche verzögerung nit ungleich auffgenommen / sondern auch geduldet werden /
wann etwa über verhoffen (wovon man doch dass allergeringste nicht wüste) der
Grossmächtigste König in Böhmen / Herr Ladisla / seine geliebete Fräulein
Schwester schon anderwerts sollte versprochen haben. Dem Gesanten wahr dieses
eine unvermuhtliche Erklärung / ward auch so dutzig / dass er nicht ein Wort
darauff antworten kunte; endlich zeigete er an / dass er alles wohl verstanden /
hätte doch gehoffet / eine glücklichere Verrichtung zu leisten / und mit einer
höchstannehmlichen Gewissheit seine gnädigste Herren zuerfreuen. Worauff die
Königin selbst zur Antwort gab; Geleistete äide verknüpfeten gar zu hart /
welches vor dissmahl eine nähere Erklärung ganz nit zulassen wollte / sollten aber
die gütigen Götter diese Heirat versehen haben / an welcher sie ihres teils
auff ihres Herrn Sohns Einwilligung ein gutes Genügen haben könnte / währe
hernähst weiters hierüber zuhandeln /welches ihm vordismahl zur schlisslichen
Antwort müste angemeldet sein / würde es seinen Gnädigsten Herren
bescheidentlich zuhinterbringen / vor geschehene gewogene Werbung zu danken /
und ihren Gruss hinwie derumb anzumelden wissen. Hierauff musste Jungfer Libussa
ihm eine statliche schwere Kette / mit angebundenen Kleinot einreichen und an
den Hals legen / welche er mit untertähnigster Danksagung annam / hörete auch
gegenwärtig an / dass die Königin ihrem Reichs Kanzler befahl eine gehörige
Antwort auff den eingelieferten Begläubigungs-Brieff auffzusetzen / und dem
Herrn Gesanten nach Verlauff einer Stunde einhändigen zulassen / damit derselbe
an seiner Reise nicht gehindert noch auffgehalten würde. Klogio hörete solches
ungerne / und zeigete an / es bestünde seine Reise nicht auff solcher
Eilfertigkeit /und baht umb Freiheit / noch etliche Tage sich hieselbst
auffzuhalten; welches jhm dann ganz willig gegönnet ward. Diesen ganzen Tag
schlug dieser sich mit Grillen / lies sich auch entschuldigen / bei der
Königlichen Mahlzeit zuerscheinen / aber des folgenden Morgens hielt er abermahl
umb ein absonderliches Gespräch bei dem Fräulein an / welches auff ihrer Fr.
Mutter Bewilligung sie ihm gönnete. Da er nun auf ihr eigenes Zimmer zu jhr kam
/ und daselbst keinen weiblichen Zierraht / sondern Bogen / Pfeile /Schwerter /
Harnisch und allerhand Pferdezeug sah /wunderte er sich dessen nicht wenig /
nam auch daher ursach / das Fräulein also anzureden; Wann ich nicht so eigen
wüste / Durchleuchtigstes Fräulein / dass ich auff dem Königlichen Böhmischen
Schloss zu Prage bin / würde ich dieses Zimmer vor meines gnädigsten
Grossfürsten des unvergleichlichen Helden Markomir seine Gewehrkammer halten /
auff welcher von seiner Durchl. ich Abscheid nam / als er mich hieher sendete /
umb dieselbe Arznei jhm zusuchen / ohn welche seine fast ausgehellichte Seele
ausser allem Zweiffel den wolgebildeten Leib bald verlassen wird; Ja /Durchl.
Fräulein / gläubet / bitte ich / meiner Rede /welche derselben vorzutragen ich
stark befehlichet bin / dass nämlich höchstgedachter mein gnädigster Grossfürst
durch das allerdurch dringendeste Feur eurer wunderschönen Aügelein in seiner
Seele und allen Empfindligkeiten dergestalt entzündet ist / dass die hitzige Glut
ihn bald verzehren und zu Asche verbrennen wird / dafern ihm nicht durch eben
dasselbe raht geschaffet werden sollte / was ihn so hart verletzet hat. Ach
gnädigstes Fräulein / gebet / bitte ich / nicht zu /dass derselbe der Würmer
Speise werde / der sich zu ihren gehorsamsten Diensten verlobet hat / und
gebrauchet euch eurer angebohrnen Freiheit / welche eurem Herr Bruder keine
Herrschaft über Eure Durchl. gegeben hat; ob dann gleich mein gnädigstes
Fräulein in ihren kindlichen Jahren demselben aus Unverstande einen solchen äid
geleistet haben möchte / so ist doch dieselbe meines ermässens daran mit nichten
gebunden / insonderheit / da derselbe in fremden abgelegenen Landen sich
auffhält / so dass man nicht eins weiss / an was Ort und Enden dessen Durchl. mag
anzutreffen sein. Er hatte diese Worte kaum ausgeredet / da klopffte eine des
Frauenzimmers an die Tühr welche das Fräulein / weil sie gar allein bei jhm wahr
/ aufmachete / und etliche fremde Diener stehen sah / so vier schwere Laden
herzu getragen hatten / lieferten auch dieselben / als hätten sie dessen gute
Freiheit / gar auff das Gemach; welche Kühnheit jhr nicht wenig zu hertzen ging
/ so dass sie sich nicht entalten kunte / zu fragen / auff wessen Geheiss sie
solches zu tuhn sich unterstünden. Welches Klogio der Gesandte also
beantwortete: Durchl. Frl. es übersendet mein gnädigster Grossfürst / Herr
Markomir deroselben ein geringes Zeiche seiner Ergebenheit / untertähnig bittend
/ dieselbe solches mit gnädiger Gewogenheit annehmen / und dadurch sein
nohtleidendes Hertze was beruhige wolle. Herr Gesanter / antwortete sie mit
einem Ernste / seid ihr auff euer erstes Anbringen einer Antwort von mir
gewärtig / so lasset alsbald diese eure unhöflichen Diener alle herzugetragene
Sachen wieder hinweg in eure Herberge bringen biss auff weiteren Bescheid / dann
es müssen solche unhöfliche Gesellen wissen / dz jhnen nicht erläubet sei / ohn
meine ausdrükliche Zulassung / dieses mein Zimmer zubetreten / vielweniger mich
so verächtlich zuhalten / dass auff meine Frage sie mich nicht eins einer Antwort
gewirdiget; Werdet ihr aber solches nicht schaffen / werde ich schon die rechte
Zeit wissen / mich dessen bei eurem Grossfürsten zu beschweren. Klogio entsetzete
sich hierüber / und mit einem Wink gab er seinen Dienern zuverstehen /dass sie
ohn Auffschub mit allen Sachen wieder hingehen mussten / daher sie kommen wahren.
Hernach fiel er in die flehe / und baht mit einem Fussfalle umb gnådige Vergebung
/ einwendend / dass er den groben Tölpeln solche Frecheit nicht befohlen hätte /
er auch dieselben / da Ihre Durchl. es begehreten / deswegen am Leben straffen
wollte. Das Fräulein richtete ihn freundlich auff / und antwortete ihm: Aus
seinen Reden erkennete sie seine Unschuld / und sollte hiemit alles vergeben und
vergessen sein; bald hernach gab sie ihm zu vernehmen / wie sie nicht unwillig
wåhre sein Vorbringen zubeantworten / nur möchte sie zuvor von ihm gerne
berichtet sein / ob sein Grossfürst Herr Markomir sie dann gesehen hätte / wie
aus seinen Reden sie nicht anders muhtmassen könnte. Ja /gnådigstes Fräulein /
antwortete er / es wolle / bitte ich / Eure Durchl. sich gn. erinnern / dass vor
ungefehr neun Wochen deroselben ein junger Ritter mit einem Purpur ReitRocke und
langem weissen Federpusche im Gehöltze auff der Jagt ohngefehr begegnet / sie
freundlich gegrüsset / und gefraget / ob sein Weg recht nach Prag zuginge;
Worauff sie jhm mit einem kurtzen Ja geantwortet / und ohn verweilen dem Wilde
nachgeeilet. Es kann sein / antwortete sie / wiewol ich mich dessen kaum
erinnere. Ist aber derselbe euer Grossfürst gewesen? Ja / sagte er; und hat
dessen Durchl. sich darauff XII Tage in Prag als ein schlechter Ritter
auffgehalten / auch täglich Gelegenheit gesucht / ihr allerliebreizendeste
Angesicht zusehen /worüber er vor unleidlicher Liebeshitze in eine gefährliche
Krankheit gerahten ist / dass er sich also schwach hat müssen lassen nach seiner
Heimat hinführen / ist auch sider dem nicht genesen / sondern des steiffen
Vorsatzes verblieben / seinem Kummer durch den Tod die Endschaft zugeben; biss
der König sein Herr Vater durch einen jungen ädelman / welchen der junge
Grossfürst heftig liebt / die Ursach seiner Schwacheit in Erfahrung gebracht /
und ihn heissen gutes muhts sein / unter der verheissung / durchaus nichts zu
sparen / biss er ihm diese wirdige Heirat hätte zuwege gebracht / ob er gleich
sein ganzes Vermögen dran setzen sollte. Sehet / Gnädigstes Fråulein /einen
solchen inbrünstigen Liebhaber hat dieselbe an meinem Gnädigsten Grossfürsten /
welcher meines ermässens verdienet / dass durch Euer Gn. Begünstigung sein Leben
gerettet und dem frühzeitigen Tode entrissen werde. Es müste mir sehr leid sein
/ antwortete das Fräulein / dass ein so ruhmwirdiger Fürst meint  wegen einiges
Ungemach erleiden sollte / weiss auch wohl / dass meine ganz' geringe Schönheit der
Wirkung nicht ist / einen solchen Fürsten in LiebesLeiden zu stürzen / sondern
eine falsche Einbildung / oder sonsten ein schädlicher Zufal muss dieses bei ihm
verursachet haben. Doch wie dem allen / so vernehmet /Herr Gesanter / meine
Gewissens nöhtige Antwort auff euer erstes vorbringen. Ihr rahtet mir / ich
solle meiner angebohrnen Freiheit mich gebrauchen / und wollet mir zugleich
einbilden / der meinem Herr Bruder von mir geleistete äid verbinde mich nicht
zum gehorsam dessen / was ich so teuer versprochen habe. Zwar es mag der Herr
Gesandter / angesehen meine Jugend und weibliches Geschlecht / mich vor so
unverständig halten / als wüste ich diesem seinen Vorbringen nicht mit gültiger
Wiederlegung zu begegnen; und gestehe ich gerne / dass meine Einfalt vielleicht
nicht sihet / was verständigere sehen; aber dass ich gleichwol nicht gar in der
Maulwurffs-blindheit liege / wird verhoffentlich meine kurtze Antwort in etwas
Anzeige tuhn. Der Herr Gesanter erinnert mich meiner Freiheit / die ich Gott Lob
von meiner Geburtsart habe; Ja ich erinnere mich derselben ohndas selber
/wollte sie auch nicht umb aller Welt Gut vertauschen /aber dieselbe heisset mich
nicht / meines Herrn Bruders (welche nunmehr auch mein gebietender König ist)
wolgemeineten recht brüderlichen Willen (dessen ich ganz gewiss bin) zuverachten
/ oder vor nichts zu schätzen / sondern meine Vernunft heisset mich vielmehr
meine angebohrne Freiheit allemahl mit dem Zucht- und Tugendstabe zu mässen /
und ausser derselben keine freiheit zu begehren. Ja Herr Gesanter / ich
gebrauche mich meiner freiheit recht und gebührlich / indem ich mich von
demselben nicht bereden lassen will / etwas zubegehren / das nicht aus freiheit /
sondern aus frecheit entspringen würde / wañ ichs tähte. Dann sehet weiter / ihr
woltet mir gerne /weiss nicht durch was vor einen nichtigen blauen Dunst /
einbilden / ich währe nicht schuldig meinen geleisteten hoch beschwornen äid zu
halten; dann es währe in kindlichen Jahren geschehen / es währe aus Unverstande
geschehen / und mein Herr Bruder und König währe nicht anheimisch / sondern in
fremden Landen. Gnug lasset ihr euch dadurch vernehmen /dass ihr mich vor eine
unverständige haltet / davor ihr mich ausdrüklich scheltet / und ich eurem
Verstande zu gute halte; Aber heisset nach diesem eure Kinder die äide brechen /
welche man Göttern aus wolbedachtem Muhte schwöret / und nicht mich / die ich
von Jugend auff von meinen lieben Eltern zur Gottesfurcht angewiesen bin /
keiner Götter zu spotten /sondern lieber zu sterben / als wider dieselben zu
sündigen; Ja wagets vor euch selbst / und brechet die Gelübde den Göttern getahn
/ ich werde euch in dieser Lehre nimmermehr folge leisten; Habe ich dann in
kindlicher Jugend den äid abgestattet / so habe ichs doch / ohn Ruhm zu melden /
wohl verstanden / was ein äid nach sich führet / und hätte ichs aus Unverstande
getahn / so würde gleichwol diese Zeit her derselbe in etwas verringert sein /
da ich jhn noch diese Stunde vor verbindlich halte / und biss an meines Lebens
Ende halten will. Dass aber mein Herr Bruder nicht hier bei uns ist / so würde
mich ein solches von dem Meinäide nicht befreien / so lange ihr mir nicht
dartuhn könnet / dass die Götter auch nicht bei uns sein / bei welchen ich
geschworen habe. Klogio wahr durch diese Antwort dergestalt beschämet / dass er
kein Wort dawider reden kunte; endlich noch fing er an: Durchl. Fräulein / ist
etwa ein verflogen unbedachtsam Wort aus meinem Munde mir entwischet /dass ich
aus Kummer über meines Durchl. Grossfürsten elenden Zustand nicht alles so genaue
überlegen kann / bitte ich untertähnigst / mir solches gnädigst zu verzeihen; Und
nachdem ich einen solchen hohen Verstand bei Eurer Durchl. Jugend finde /
welcher in wenig grauen Häuptern zu suchen ist / so flehe dieselbe ich durch
alle Götter an / vor meinen fast leztzügigen Grossfürsten eine heilsame Arztnei
mir gnädigst mitzuteilen. Solte euer Grossfürst meint  wegen in einige
Ungelegenheit gerahten sein / solches würde mich nicht wenig bekummern / sagte
sie; und ist es euch ein Ernst / bei mir Raht zu suchen / so will nach meinem
geringen Verstande ich euch einen solchen mitteilen / welchen verhoffentlich
kein Verständiger tadeln / und kein Mensch verbessern wird. Unterrichtet euren
Fürsten / oder führet jhm zu Gedächtnis / dass ein jeder / er sei Fürst oder Baur
/ seinen Willen in der Götter Willen hinstellen / und mit deren Schickung
allemahl friedlich sein müsse / so dass wider deren Versehung er nichts begehren
soll; Hat nun der Himmel mich diesem euren Grossfürsten zum Gemahl ausersehen /
als dann werden die Götter es fügen / dass mein Herr Bruder sich dagegen nit
sperre; würden aber die Götter mit eurem Grossfürsten / wie auch mit mir ein
anders vorhaben / alsdann wird unser keiner den Himmel stürmen / noch den Schluss
der allwaltigen Versehung brechen können; ich meines teils versichere den Herrn
Gesanten / dass kraft meines getahnen äides ich nicht anders fahren kann noch will
/sondern lieber tausend Seelen / wann ich sie hätte /mit meinem Blute aussspeien
/ als mich in der Götter schwere und unvermeidliche Ungnade stürtzen. O ein
guter und heilsamer Raht vor einen vernunftmächtigen Menschen / antwortete
Klogio / aber wo die Liebesbegierden die Herschaft führen / da hilfft er zu
nichts / als zum schleunigen Verderben. So muss auch ein Mensch lieber verderben
/ als wider die Götter sich aufflehnen / antwortete sie / und ist dieser Raht
eurem Grossfürsten nicht behäglich / müsst ihr euch nach einem bessern umtuhn /
aber danebe wissen /dass wann eures Königes von euch angeführete Reden / zur
Bedräuung sollten gemeinet sein / nehmlich / er wolle sein ganzes Vermögen dran
setzen / mich seinem Sohn zu liefern; sage ich euch zu / dass eures Königes
Vermögen / ja der ganzen Welt Macht nicht stark gnug sei / mich von der Götter
gehorsam abzuschrecken / als lange ich solcher Gottlosigkeit durch einen
ruhmwirdigen ehrlichen Tod vorkommen kann; und will auff solchen unverhoffeten
fall euch gewisslich nicht bergen / dass gleichwol hinter dem Berge auch Leute
wohnen. Wil nun euer König weisslich handeln / wie er ja wegen seiner
vorsichtigen Klugheit hochberühmet ist / so wird er meines Herrn Bruders
Erklärung erwarten / ob gleich dieselbe sich in etwas verweilen dürffte /
insonderheit / weil wir beiderseits noch so zu rechnen Kinder sind / und zu
heirahten Zeit genug vor uns haben; Dieses ist meine Erklärung / dabei bleibe
ich beständig biss in den Tod. Ich muss mich damit befriedigen lassen / antwortete
er / wie wenig Trost auch mein Fürst daraus zuschöpffen hat /nur wolle Eure Gn.
meines Königes erbieten gegen seinen lieben Sohn nicht gefährlich ausdeuten.
Eines aber hoffe ich noch zuerhalten / dass Eure Durchl. dieses von dero
ergebenem Knechte geschriebene Brieflein gnädig anzunehmen jhr werde gefallen
lassen; mit welchem Worte er solches einzuliefern bedacht wahr; dessen sie sich
aber also wegerte: Es will einem züchtigen Fräulein nicht anstehen / hinter ihrer
Fr. Mutter Wissen von jungen verliebeten Fürsten / Briefe zu nehmen / aber wann
er mir solchen in dero Gegenwart darbeut / und ihr Befehl mit zustimmet / bin
ich darzu willig. Muste also der gute Klogio auch hieselbst einen blossen
schlagen / und das Schreiben zurück halten / weil er ausdrüklichen Befehl hatte /
es ihr in geheim beizubringen; Und als er sah / dass durch weitere Ansträngung
er die Sache nur verderben würde /brach er nach kurzgenommenem Abscheid des
folgenden Tages auff / voll Unmuht / dass er weniger als nichts verrichtet hatte.
Sein Abzug wahr allen angenehm / und geboht die Königin auf der Fräulein
begehren / den Böhmischen Herren / welche hierumb Wissenschaft trugen / ganz
ernstlich / dass sie keinen Menschen davon sagen sollten. Auff den angesetzeten
Reichstag erschienen die Stände willig / denen die Königin durch Herr Bretisla
ihren Kanzler vortragen liess: es hätte ihr lieber geträuer Wenzesla ihren Sohn
Herr Ladisla ohngefehr zu Rom angetroffen / da er desselben Tages neben seinem
brüderlichen Freunde Fürst Herkules einen gefährlichen Kampff wieder XVI Räuber
angetreten / aber durch ihre Mannheit /wiewol nicht ohn empfangene Wunden sich
lossgearbeitet. Zwar sie hätte an ihren Herr Sohn inständig begehret / dass er
sich eh ist einstellen / und die Herschaft antreten möchte / aber die Ursach
seines aussenbleibens würden sie aus seinem Schreiben selbst vernehmen. Hierauff
zohe die Königin das grössere Schreiben hervor / und reichte es dem Kanzler /
welcher es überlaut lase / dass alle Anwesende es deutlich vernehmen kunten:
    Ladisla / Erbkönig in Böhmen / entbeut der Grossmächtigsten Fürstin und
Frauen / Frauen Heidewieg / gebohrner Gross-Fürstin aus Teutschland / gekroneter
verwittibter Königin in Böhmen / seiner Gn. Fr. Mutter / Kindliche Liebe und
Träue bevor. Herzgeliebte Fr. Mutter /euer Schreiben neben übergeschikten
Kleinoten und Wechselbriefen habe ich von Zeigern Wenzesla wohl empfangen /
bedanke mich kindlich der geleisteten mütterlichen Träue / und ist mir herzlich
leid / dass mein Gn. Herr Vater / Herr Notesterich / König in Böhmen / diese Welt
gesegnet / und durch einen leidigen Unfall seinen Untertahnen / Gemahl und
Kindern von der Seite hinweg gerissen ist / empfinde doch daneben einen
sonderlichen Trost aus obgedachtem Schreiben / dass das ganze Königreich der
Woltahten meines Herrn Vaters höchstseel. eingedenke / mich ihren angebohrnen
Reichs Erben von Herzen wünsche / und zu ihren König zu krönen begierig sind
/welches zeit meines Lebens mit sonderlichen Gnaden zu erkennen ich mich
schuldig befinde. Als ich aber ein hartverbindliches Gelübde in meinen
äussersten Nöhten dem höchsten Gott Jupiter geleistet / dass zur Dankbarkeit vor
die erwiesene Hülffe ich seine Kirche in Libyen zum Jupiter Hammon genennet /
besuchen wollte / und daher in meinem Gewissen nicht ruhig sein kann / biss ich
mein versprochenes Opffer daselbst gegenwärtig geleistet / so zweiffelt mir
nicht / es werde meine Fr. Mutter und die sämtlichen löblichen Stände meines Erb
Königreichs ihne solches gefallen lassen / insonderheit / weil der Durchl.
Grossfürst Herkules auff mein bittliches Ansuchen mich dahin begleiten wird. Weil
ich dann nicht wissen kann /wie bald meine Reise möchte geendiget werden / und
dannoch inzwischen das Königreich ein gegenwärtiges Häupt haben muss / als wird
meine Fr. Mutter mit Zuzihung der grössesten Landes Herren (die im
eingeschlossene Zettel nahmhaftig gemacht) die Reichsverwaltung biss dahin
geträulich handhaben / dass auff meine (so die Götter wollen) Wiederkunft / dem
ganzen Reiche deswegen gebuhrliche Rechenschaft könne gegeben werden; im fall
aber der Tod mich übereilen sollte / ist meine geliebte Frl. Schwester / Frl.
Valisska / die näheste Erbin /dessen sie mit keinem Rechte mag beraubet werden.
Jedoch getraue ich den gütigen Göttern / sie werden inwendig zweier Jahre frist
mich wiederumb nach Hause bringen. Die mächtigen Rükhalter unsers Königreichs
(da innerliche Empörung oder äusserlicher Krieg entstehen würde) weiss meine Fr.
Mutter ohn mein erinnern / nehmlich den Grossmächtigsten GrossFürsten der
Teutschen /Herrn Henrich / wie auch den Grossmächtigsten König in Schweden Herrn
Haron / welche auff begehren ihnen keine Hülffe versagen werden. Empfehle hiemit
mein geliebtes Reich / Fr. Mutter und Frl. Schwester dem Schutz aller Götter.
Gegeben in Rom am XXIX Tage des Jenners / an welchem Tage vor XXV Jahren meine
Eltern ihr Königliches Verlöbnis auff dem Schloss zu Prag gehalten.
                                                                        Ladisla.
    Nach verlesung lies die Königin den Brieff in der Versamlung umbher reichen
/ nicht allein die Hand und das Pitschaft / zuerkennen / sondern es auch selbst
durchzulesen / dessen sie sich alle wegerten /als welche an der Königin
Aufrichtigkeit nicht zweiffelten / ausser einer / nahmens Herr Ninisla / besah
es hinten und fornen / lase und wiederlase es / und stellete sich dabei zimlich
ungeberdig / welches den meisten Anwesenden sehr übel gefiel / dass endlich Herr
Krokus / der ihm am nähesten sass / zu ihm sagete, Ob er etwas Zweiffel hätte /
möchte ers ihm nur in vertrauen andeuten. Dieser antwortete / es könnte solches
hernach geschehen / nur möchte man den Nebenzettel sehen lassen / auff welchem
die ReichsRähte verzeichnet stünden. Es ward solches alsbald geleistet / und
befunden sich diese Nahmen: Herr Bretisla wiederbestätigter Reichskanzler / Herr
Zeches / Herr Wlodimir / Herr Vorich / Herr Bela / bestätigte Land-Kriegs- und
Schaz Rähte; Herr Krokus / Herr Bugesla / Herr Stanisla / Beisitzer. Ninisla
hatte gehoffet / mit unter dieser Anzahl zu sein / und als er ein wiedriges
befand / hielt er an / dass etliche von der Ritterschaft /welche er mit Nahmen
nennete / einen Abtrit mit ihm nehmen möchten. Es ward ihm solches gerne
erläubet / weil die benenneten sich nur auff XIV Håupter ersträcketen / unter
welchen sein Sohn Urisla mit wahr. Als diese von den andern abgesondert stunden
/fing Ninisla also an: Ihr meine liebe Herren und Anverwanten / was dünket euch
bei dem abgelesenen Schreiben? Es ist zu Rom geschrieben / bei unsern und aller
freien Königreichen abgesageten Feinden; es ist ein Befehlschreiben an alle
Stände von einem der noch nicht zur Kron befodert ist; der Urschreiber setzet
nach freiem Willen Vorsteher des Landes / und fraget die Stände nicht eins / da
er selbst noch zur Zeit weder Stand noch Håupt ist. Uber dass komt mir das
Schreiben an sich selbst sehr verdächtig vor / und klinget in meinen Ohren nicht
anders als hätte Bretisla der stoltze Mann es selbst auffgesetzet; welches ich
umb so viel mehr vor wahr halte / weil vor wenig Tagen mir ein reitender Bohte
aus Rom begegnet /welcher auff meine Nachfrage nach neuen zeitungen /mich unter
anderen berichtete / es währen zween junge fremde Ritter vor weniger Zeit in Rom
von XVI Häschern nidergemacht / welche von dem Käyser befehlichet gewesen /
dieselben als feindliche Kindschafter gefänglich anzunehmen / weil sie aber
sich nicht ergeben wollen / währen sie also nidergestossen. Was wollen wir nun
tuhn / ihr meine Freunde / wollen wir schweigen oder reden? wollen wir das
Vaterland verrahten oder retten? Zwar unsere Macht ist geringe /aber gebet mir
Volmacht zu reden / und stehet fest bei mir / was gilts / wir wollen den Strik
zureissen /damit man uns fesseln will. Ninisla wahr bei dieser Rotte in grossem
Ansehen / und däuchte sie sein Vorbringen der Wahrheit gemåss / daher sie ihm
allen Beistand verhiessen; er aber alsbald Freiheit zu reden von der Königin
begehrete. Der Kanzler wusste dass er ein Unruhiger und Ehrgeiziger Mensch wahr /
redete mit der Königin / und auff deren Guteissen antwortete er also: Ihr
begehret gehöret zu werden / Herr Ninisla / und seid so kühn gewesen / in
gegenwart unser allergnädigsten Königin und der Durchl. Fräulein / etliche eurer
Anverwanten auffzufodern / und mit denen einen absonderlichen Rahtschlag zu
halten / noch ehe dann unsere allerseits höchstgebietende Königin alle Notturfft
vorgetragen hat. O sehet euch ja vor und machet euch nicht selbst Ungelegenheit;
habt ihr aber etwas anzumelden / so lasset zuvor alles ungestöret geschehen /
was unsere gnädigste Königin zu handeln willens ist. Also musste dieser ruhen /
und zuvor anhören was der Alte wenzesla auff der Königin Befehl mündlich
vortrug; er hätte auff gut Gluk seinen Weg auff Rom genommen / weil ihm sein
Herz zugetragen / sein König würde daselbst anzutreffen sein / welcher ihm auch
bei seinem Einzuge in der Stad / auff der Gassen nebest Fürst Herkules begegnet
/ und ihn mit sich in ihre Herberge geführet / da sie bald darauff von XVI
Dieben mit Schwertern überfallen währen /hätten sie aber durch ihre Krafft alle
nidergeschlagen /und durch fleiss eines berühmten Arztes nahmens Galenus / währen
sie an ihren Wunden geheilet / welche ganze Zeit uber er ihnen auffgewartet /
biss sie ihre völlige Gesundheit erlanget / und zu einer weiten Reise sich fertig
gemacht hätten; ihr damahliger Römischer Wirt hiesse Sabinus / wohnete nicht
weit von der Kirche Panteon / woselbst alles vorgelauffen währe; bei dem könnte
man sich erkunden / und stünde er hieselbst / den abscheuhlichsten Tod zu leiden
/ wo sichs anders verhielte. Ninisla begunte von seinem Gewissen geängstet zu
werden / welches ihm Krokus rührete / da nach Wenzesla gehaltener Rede er ihn
träulich warnete / sich wohl vorzusehen / um weitern Verdacht zu meiden; er wüste
dass ihm schon ungleiche Nachrede erwachsen währe / darumb dass er den König auff
die Jagt gelocket / woselbst er erschlagen worden. Ninisla sagte zu ihm / er
wollte ihm bald Genügen tuhn; stund auff und meldete dem Kanzler an /er und
andere mit ihm / währen ihres zweiffels durch des alten Aussreiters Erzählung
entnommen / dass er nichts vorzutragen hätte / nur dz er hoffen wollte / man würde
einen redlichen Freund des Vaterlandes seiner Freiheit nicht berauben / bei
Reichsversamlungen etwas vorzutragen / dann ob er gleich in keinen Reichsamtern
sässe / liesse er dannoch ohn Ruhm zumelden / ihm des Landes Wolfahrt ja so
eiferig / als ein ander / angelegen sein. Daran handelt ihr recht und löblich
antwortete der Kanzler / und wann mit etliche tausend Kronen ich mich von meinem
mühseligen Ampte losskäuffen könnte / wollte ich solches mit freuden tuhn. Jener
taht / als ginge ihn diese Rede nicht an / sondern wendete sich zu Krokus / und
gab vor; dass er seinen Weiland gnädigsten König auff die Jagt geruffen / währe
auff dessen ausdrücklichen Geheiss geschehen / und da jemand deswegen ichtwas auff
ihn zu sprechen hätte / sollte er solches mit recht tuhn / als dann wollte er
demselben redlich zubegegnen wisse; könnte aber dannoch nicht unterlassen / es
seuffzend zu beklagen / dass das Reich einen / und doch keinen König hätte; doch
was die gesamten Stände vor gut achten würde / sollte ihm mit gefallen. Dieselben
nun / nach kurzer beredung / befahlen der Königin die oberste Auffsicht / und
den acht genenneten Herren die Miterschaft; als sie auch vernahmen /dass
vielleicht ihr König noch wohl zu Padua sein möchte / oder zum wenigsten daselbst
unter den Tohren Nachricht verlassen hätte / welchen Weg er eigentlich genommen
/ beschlossen sie / etliche ihres mittels dahin zu senden; zu welcher Reise dann
Herr Ninisla sich gutwillig anerboht / aber den Bescheid bekam / die Königin mit
zuziehung der Herren ReichsRähte wurden schon wählen / welche sie darzu düchtig
erkenneten da es ihn so bald als einen andern treffen könnte. Als nun die ganze
Versamlung voneinander gehen wollte / deutete ein alter vornehmer Herr /nahmens
Pribisla an / er hätte der hochansehnlichen Versamlung etwas guter Meinung
vorzutragen / da er sonst könnte gehöret werden; und auff erläubnis fing er also
an: Hochädle Herren und Freunde / wir tuhn recht und wohl / dass wir unserm
Erbkönige / dem Durchleuchtigsten Fürsten und Herren / Herren Ladisla / durch
Abgesanten unsern Gehorsam und untertähnigste Dienste anmelden wollen / welches
auch seine Durchl. ohn zweifel gnädigst annehmen und aussdeuten wird; aber ihr
meine Herren / auff was Art und Weise wollen wir solches verrichten? ists etwan
gnug / dass die künftige Herren Abgesanten / wer sie dann sein werden / ihre
Werbung mündlich vortragen /oder etwa ein Schreiben / von unser allerseits
gnädigsten Königin / und den hochansehnlichen Herren ReichsRäten versiegelt und
unterzeichnet / zum Beweisstuhm mit sich nehmen? Solches wird ja niemand vor gut
halten / der nur bedenket / dass unser Herr und König nit zu Prag auff dem
Schloss / noch in Teutschland bei seiner Fr. Mutter Herr Bruder dem
Grossmåchtigsten Grossfürsten / sondern in der Wildfremde sich auffhålt / wo
selbst seine Durchl. eben so viel eigenes hat / als der geringste von unsern
Dienern; warumb wollten wir ihn dann hulffloss lassen /und nicht mit gebührlichen
Königlichen Lebensmitteln versehen? Währe es anderst zurechnen / ihr meine
Herren / als dass er sich mit unserm guten Willen aus seinem Eygentuhm verbannete
/ und dessen nicht eins zu seiner Notturfft zu geniessen hätte? Die
Vernunftlosen Bienen unterhalten ja ihren König / fliegen aus / uñ hohlen ihm
dass allersüsseste ein; und wir wollten unsern König / da er / dem Böhmischen
Nahmen Ruhm zuerwerben aussfleuget / und uns als faule Hummeln im Stocke zehren
lässet / ohn Mittel / ohn Gelder / und nöhtige zehrungskosten / darben und
verderben lassen? Ich schäme mich / das Beispiel der unflätigen Ratzen
einzuführen / von denen die Mäusefänger melden / dass sie ihrem Könige den besten
überfluss zuschleppen. So lasset uns nun die unvernünftigen Tihre fragen / was
Gestalt unsere Abgesanten vor unserm Könige erscheinen müssen / die werdens uns
schon sagen / die werden uns dieses in die Ohren ruffen; eurem Konige ist weder
mit süssen worten / noch bundgemahleten Brieffen / noch darstellung etlicher
Bömischen Untertahnen gedienet; schaffet ihm / dass er seinem Stande gemäss leben
könne / alsdan werdet ihr als rechtschaffene Untertahnen bei eurem Könige
handeln. Damit ich aber nicht vor einen Grosssprecher angesehen werde / der viel
rede / und wenig tuhe / wolan / so habe ich zwar zween Erben / einen Sohn und
eine Tochter / aber dieselben will ich vor erst also versorgen / meinen Sohn
Leches vermache ich meinem gnädigsten Könige zum Leibdiener / und meine Tochter
untergebe ich meinem gnädigsten Königlichen Fräulein zur Magd und auffwärterin;
hernach biete ich alle meine fahr- und liegende Haabe / Lehn und Erbe aus
zukauffe / dass die Herrn Abgesanten das Geld davor meinem gnädigsten Könige mit
übernehmen / damit seine Durchl. in der fremde nicht mangel leide / sondern sich
noch Bömischer Zusteuer zuerfreuen habe / und warte ich auff nichts anders / als
dass sich ein Käuffer angebe / die lieferung soll auff erlegung der Gelder
stündlich folgen. Die Versamlung schämete sich nicht wenig / dass sie dieses
nicht zuvor bedacht / rühmeten Herren Pribisla Vermahnung / und erkenneten /
sich ihm deswegen verbunden sein / traten zusammen / beredeten sich einer
freiwilligen Steuer / und wie hoch dieselbe sich erstrecken sollte. Ninisla gab
sein Bedenken / es möchten die Untertahnen sehr ubel empfinden / dass man der
gleichen ungewöhnliche Nebenschatzung ansetzen wollte / die Königliche Kammer
würde ausser zweifel wohl mit so vielem versehen sein / als ihr künftiger König
mit etliche wenig Dienern verzehren würde / der vielleicht nur als ein
schweiffender Ritter zu reisen gesonnen währe; jedoch könnte er ihrem Gut dünken
sich nicht wiedersetzen / nur dz er hoffete /man würde ihn damit verschonen /
weil die Pannonischen Räuber ihn nit allein abgeplündert / sondern sein Gut
reinweg gebrand / auch sein Weib / Kinder (ohn den ältesten Sohn) und alles
Gesinde nidergeschlagen / ja ihm nichts als seine liegende Guter und aussstehende
Gelder / übrig gelassen / davon er mit genauer Noht seinen Stand führen könnte.
Herr Bugesla gab ihm zur Antwort; es währe auff keine gezwungene Schatzung
angesehen / sondern es sollte Herre /Aedlen / Bürger und Bauer frei gestellet
werden / was sie tuhn oder nicht tuhn wollten; und sollten redliche Leute aus
allen Ständen erwählet werden / die alles /was eingebracht würde / auffheben /
und dagegen einen Schein von sich geben sollten. Hiemit wahr diesem
wiederwertigen das Maul / aber nicht der Unsin gestopffet / und schlossen sie /
dass ihrem Könige / als lange er ausserhalb Landes sein würde / jährlich 100000
Kronen / dieses erste Jahr aber alsbald eins so viel nach Padua sollte
übergemachet werden / auff dass er sich zur Reise desto besser aussrüsten könnte;
macheten auch die drei erwähleten Beisitzer / als Herren Krokus / Bugesla und
Stanisla aus / der Königin und dem Fräulein solches anzudeuten / doch dass Herr
Pribisla als der erste nachsinnige Rahtgeber mit ihnen ginge. Die Königin
erfreuete sich des erbietens höchlich / und versprach Pribislaen / ihr Herr Sohn
sollte es / wo nicht an ihm selbst / zum wenigsten an seinen Kindern zu
verschulden wissen / dz er nicht allein den ersten Vorschlag getahn / sondern
alle seine Güter dieser Behueff freiwillig zukauffe aussgebohten / und wollte sie
ihn hiemit vor ihren geheimen Raht und Drosten erkläret / angenommen uñ
bestätiget haben. Dieser aber antwortete hierauff: Allergnädigste Königin / ich
will nimmermehr hoffen / dass ihre Hocheit im sechs und siebentzigsten Jahre
meines alters mich mit dieser unerträglichen Burde belegen wird; ich habe
nunmehr XLVI Jahr aneinander dem Vaterlande unter bedienungen auffgewartet / uñ
mir die unfehlbahre Hoffnung gemacht / ihre Hocheit würden mich anjezt aller
solchen beschwerden gnädigst erlassen / weil ich mir gänzlich vorgenommen
/hierumb untertähnigst anzuhalten; dann meine Schuldern sind nunmehr unvermögen
/ die Beine wanken /und ist nichts an mir / als der blosse Wille / welches nicht
der Ruhe begehren sollte. Ich habe aber einen Sohn / wie eure Hocheit weiss / der
ist jung und stark /und hat fünff Jahr lang den ritterlichen übunge nachgesetzet
/ denselben will ich meinem Könige zusenden / ihm auff der Reise auffwärtig zu
sein / oder da er schon fortgezogen ist / ihm zu folgen / auff dass er in der
fremde einen angebohrnen Untertahnen zum Diener habe / dem er kühnlich trauen
dürffe. Mein guter Pribisla / antwortete die Königin / ich erlasse euch /weil
ihr lebet / meiner Dienste nicht / jedoch trage ich sie euch auch nicht auff /
ob soltet ihr mit ungemach hieselbst arbeiten und aufwarten / sondern ihr sollet
alle eure freiheit haben / und nach belieben / wie und wann ihr wollet / zu Hofe
sein / aber nicht desto minder eure Bestallung haben; und ob ihr solches nicht
gerne annehmen woltet / müsst und könnet ihr mirs doch nicht versagen. Als die
Königin ausgeredet hatte / trat das Fräulein mit der allerbewäglichsten
freundligkeit zu ihm / hatte ein schönes Kleinot vorne an der Brust
auffgehefftet / welches sie abreiss / und es ihm mit diesen Worten einreichete:
Mein guter Freund Pribisla / hie will ich euch dieses Pfand zu verwahren geben /
als eine Handschrifft dieser Verheissung / dass wo mein Herr Bruder die
Vergeltung eurer heutigen Träue zu leisten nicht erleben sollte / ich an dessen
statt treten / und das von meiner Fr. Mutter versprochene erfüllen will. Der Alte
bedankete sich der hohen Gnade / nam das Kleinot willig zu sich / und gab zur
Antwort: O jhr Götter / lasset mich nur so lange leben / dass ich mit meinen
dunkelen Augen dieses unvergleichliche Fräulein mag sehen zur Traue fuhren / und
schicket ihr den wirdigen Bräutigam zu / alsdann will ich nicht allein dieses
Kleinot gebührlich wieder einliefern / sondern auff Ihrer Durchl. Beilager
zwanzig Fuder Wein mit meinen Kosten aus Italien herbeischaffen. Wie nun
Pribisla? sagte sie hierauf / meint  jhr / dass ich euch dieses geringe auff so
schweren Zinss leihen wolle? O nein / mein Freund / solchen Schacher-Handel
treibe ich trauen nicht. Behüten mich ja die Gotter vor solche Gedanken /
antwortete er; es ist Euer Durchl. freigebigstes Herz mir gar zu wohl bekant /
nur bitte ich untertähnigst / dieselbe wolle ihres unwirdigen allen Knechtes
Erbieten nicht verstossen / wie zu deren Gn. ich in aller Untertähnigkeit die
feste Zuversicht trage. Wolan / sagte sie / so nehme ichs auff meiner Fr. Mutter
Bewilligung gerne an / aber mit dem bedinge / dass wann nach der Götter Willen
ich dereins verheirahtet sein werde / ich eure Tochter / wo sie noch ledig sein
wird / von dem meinen ausssteuren / und sie nach Standes Wirde mit einem Gemahl
versehen will / dessen euer Adel uñ Freundschaft sich nicht schämen soll / dann
mir ist nicht unwissend / dass sie ihrer Mutter wegen mir noch etwas verwand ist;
sollte sie aber schon verheirahtet sein / soll ihrem Liebste das erste grosse Lehn
in dem Lande verfallen sein / in welchem ich wohnen werde. Pribisla bedankete
sich untertähnigst dieses hohen Erbietens / und sagete: Jezt erfahre ich des
alten Sprichwortes Gültigkeit / dass wer auff fruchtbaren Acker säet / zehnfachen
Gewin zuerwarten habe. Euer Gn. aber ergebe ich mich samt allen den meinen zur
beståndigen Gewogenheit / als lange sie uns untertåhnig-getråu spüren werden.
Weil diese so redete /hielt die Konigin Raht mit den gesamten ReichsRähten / was
vor Gesanten zuerwählen wären / und hielt gänzlich davor / es wurde den Ständen
angenehm sein / wañ man diese drei Herren darzu verordnete / nehmlich Krokus /
Bugesla und Stanisla / welche sie als jetzige ihre Abgeschikten darzu gleichsam
vorgeschlagen hätten; wie sie dann solches vor ein Zeichen sonderlicher Gnade
auslegeten / und ihnen Volmacht gaben / hin und wieder zuschreiben / dass die
gewilligte Geldhulffe auffs schleunigste bei einander gebracht würde / weil man
nohtwendig damit eilen müste / und auffs höchste nach Verlauff XII Tagen die
Reise geschehen sollte. Inzwischen verfertigte die Königin samt den Landständen
ein Schreiben an Ladisla /wobei sie als Mutter noch ein absonderliches legete.
Frl. Valisska wollte diese Gelegenheit nicht versäumen / setzete sich mit jhrer
vertraueten Libussen auff ihr verriegeltes Gemach / daselbst musste sie ihr
etliche Haar von ihrem Häupte schneiden / und weil sie mit dergleichen Arbeit
wohl umbzugehen wusste / ein mit Perlen durchseztes Armband machen; unterdessen
nam sie die Feder zur hand / und setzete ein Brieflein an ihren Herkules auff /
welches ihr nimmer gut genug dauchte / daher sie es wohl dreimal enderte /und
endlich auff diese weise abschrieb.
    Durchleuchtigster GrossFürst / hochwerter Herr Oheim und Bruder; wie
schmerzlich euer Liebe aussgestandenes Ungluk mich gequälet / so hoch bin ich
durch dessen Endigung ergetzet worden / insonderheit / dass dieselbe dannoch
mitten in dem Leiden der unverschuldeten Knechtschaft einige Vergnügung durch
die Erkäntnis des einigen wahren Gottes eingenommen / welche zu fassen / ich
hohes Verlangen trage. Der von zeigern dieses Wenzesla / übergebrachte schöne
und sehr angenehme Ring ist mir wohl eingelieffert / werde mich durch dessen
stätiges anschauen euer Liebe geträues auffrichtiges Herz täglich vorstellen /
und dass zur gebührlichen Dankbarkeit derselben ich mich schuldig halten muss / so
dass / wie geschehener teurer Verpflichtung an meiner Seite noch kein Häärlein
entgangen / ich hinfüro auff so fest beschwornen Grund / weder Werke noch Worte
/ noch Gedanken baue / als die euer Liebe können behäglich sein. Dieses zu
leisten / dessen mein Gewissen mir Zeugnis gibt / habe ich mich bisher beflissen
/ und wird sein einiger wahrer Gott / der auch mein Gott sein soll / mir die
Krafft verleihen /diesem bestendigen Vorsatze so wenig Abbruch zu tuhn /als
wenig ich mich selbst zu hassen oder zu schänden gesonnen bin. Die Kühnheit
meines Schreibens wird eure Liebe durch meine Jugend entschuldigen lassen /
welche ohndass frevelkuhn ist / wie dessen dass geringschätzige beigefügete
(welches angenehm zu sein ich wünsche) noch stärker bekräfftigen kann. Dass ich
mich aber hierzu selbst bereden können / machet einig / dass ich sein und bleiben
muss / meinem höchstwerten Herkules / dem teuren GrossFürsten / zu ehren stets
verbundene Valisska.
    Dieses stellete sie dem alten Wenzesla in grosser Geheim mit diesen Worten
zu: jhr wisset mein Freund / dass jhr mir neulich ein vertrauliches Schreiben von
Fürst Herkules übergebracht / und habe ich seinem Begehren / so viel ich gekunt
/ gnug getahn / wie er aus diesem Brieffe sehen wird / welchen jhr jhm ohn
einiges Menschen Beisein oder Anmerkung einhändigen sollet. In diesem
versiegelten Büchslein aber ist ein Ring der in Blutstillung oft bewehret ist /
welchen jhr jhm / also vermachet / einreichen / und meinetwege jhn erinnern
werdet / dass wo möglich / er meinen Herrn Bruder von der gefährlichen weiten
Reise abmahne; dafern sie aber schon würden fortgangen sein / alsdann stellet
dieses alles Ritter Leches zu / dass ers in seiner Nachfolge mit übernehme. Nun
hatte sie aber nicht allein gedachten Ring / sondern auch das köstliche Armband
mit hinein vermachet / deswegen sie jhm solches so fleissig zu geträuen Händen
befahl; nam hernach ein eingewickeltes sehr köstliches Brust Kleinot hervor /
von 48. Demanten in gestalt eines Habichts gemacht / welcher in der rechten
Klaue ein Täublein / in der linken / ein Zettel hielt / mit diesen Buchstaben:
S.F.C. welche bedeuteten: Secura facilè capitur. Eine sichere wird leicht
gefangen. Dieses sollte jhrem Bruder H. Ladisla mit übergebracht werden /und dass
ers wirdigen möchte / nicht allein brüderlich anzunehmen / sondern auch dereins
schier seiner Liebesten zu schenken / welches / dass es bald geschehen möchte /
jhr höchster Wunsch währe. Wenzesla bedankete sich der hohen Gnade / dass jhre
Durchl. jhn solches zu verrichten wirdigte / versprach allen untertähnigen
Gehorsam und Fleiss / und wie er nicht allein kurzweilig wahr / sondern sich
einer heimlichen Liebe zwischen Herkules und dem Fräulein vermuhtete /fing er an
denselben der gestalt zu rühmen / und nicht allein seine Tapferkeit / sondern
auch seine Freundligkeit und Gestalt zu erheben / dass sie leicht merkete /zu was
Ende dieses angesehen währe / liess sich aber nichts vernehmen / sondern gab zur
Antwort; es ist mir lieb / dass mein Herr Oheim und Bruder lobwirdig ist / möchte
nur wünschen / dass er die weiten Reisen einstellete / und vielmehr sich nach
Schweden erhöbe / damit sein verlobetes Königliches Fräulein / Frl. Schulda jhn
schier wieder zusehen bekähme; welches sie so ernstlich vorzubringen wusste / dass
diesem seine vorige Muhtmassung gänzlich benommen ward.
    Es hatten die sämtlichen Landstände sich zimlich angegriffen / und drei
Tonnen Schaz zusammen gelegt / welche auff Wagen geladen / und des folgenden
Morgens / nachdem das Fräulein dem Alten das Schreiben eingehändiget / in
Begleitung 500 Reuter /biss an die Römischen Grenzen fortgebracht wurden /und
folgeten die drei Gesanten nebest Leches und Wenzesla / mit acht Dienern bald
hernach. Gleich da sie das Römische Gebiet erreiteten / liessen sie jhre
Mannschaft wieder zu rücke gehen / zeigeten jhren Schein Brieff von der Königin
auf / in welchem gebehten ward / diese jhre Leute samt bei sich habenden Wagen
und Sachen frei und sicher nach Padua ziehen zu lassen / und gingen ohn
Hinderung mit grossen Tagereisen fort / biss sie in einem Dörfflein / eine Meile
von Padua gelegen / anlangeten / woselbst sie in ein Wirtshauss einkehreten /
sich von Koht und Staub zureinigen / auff dass sie in gutem Ansehen den Einzug in
die Stadt halten möchten. Sie frageten diese einfåltigen Leute nach neuen
Zeitungen / und empfingen Bericht / es würde folgendes Tages des Römischen
Statalters Tochter zu Padua mit einem fremden Herrn Hochzeit machen / wobei ein
Ritterliches Stechen sollte gehalten werden / und allen / so wohl fremden als
jnheimischen Rittern die Rennebahn erlåubet sein; den Dank würde die Braut
selbst neben anderen Römischen Fråulein austeilen / doch hielte es jederman
davor / wann der Bräutigam und sein Bruder mit stechen sollten / hätte kein ander
Hoffnung / den Preis zuerwerben, erzähleten daneben / was wegen Zerstörung des
RaubNestes sich zugetragen / nur dass sie unserer Helden Nahmen dabei nicht
meldeten. Hieraus verstunden die Gesanten / dass jhnen an der Eile würde gelegen
sein / damit jhnen die Herbergen nicht berennet werden möchten. Unter dem Tohr
frageten sie nach der Königin geheiss / ob nicht fremde Ritter bei dem Tohrhüter
verlassen hätten / dass / wann etliche Schreiben oder andere Sachen ankähmen /
sie an bestimmete örter abgeleget werden sollten; weil aber unsere Helden dieses
aus der acht geschlagen / ward jhnen mit einem kurzen Nein geantwortet / womit
sie auch zu frieden wahren / in Hoffnung / unter andern Tohren bessere Nachricht
zu finden; ritten also die Gasse hin / biss sie auff den Markt kahmen / und der
aufgerichteten Bilder gewahr wurden / ümb welche die kleinen Knaben und Mägdlein
von drei biss zu sieben Jahren in grosser Menge als an einem Reihen tanzeten /
und dieses Kinderliedlein sungen:
Die Helden haben Trost und Leben
Uns armen Kinderlein gegeben /
Und Räubers Frevel abgekehrt;
Drum wollen wir sie stets besingen /
Und lassen unser Lied erklingen
So lange Welt und Himmel wehrt.
Herr Krokus befahl Wenzesla näher zu reiten / ümb diese Bilder recht zu
beschauen / welcher nicht allein aus der überschrift / sondern auch aus den
bekanten Angesichtern die Warheit bald fassete / aber wegen Verwunderung hielt
er als ein gehauenes Bild stokstille / wiewol sein Pferd anfing zuspringen /
worüber die Kinder erschrecket wurden / dass sie mit einem Geschrei davon flohen.
Etliche vornehme Bürger stunden auf dem Platze / und stelleten jhn zu rede /
warümb er die Kinder so verjagete / uñ von jhrem wolzugelassenen Spiele
abschreckete; woran er sich aber wenig kehrete / sprengete hinter sich nach
seiner Gesellschaft / und sagte zu jhnen: Ihr meine Herren / ich bringe euch das
grösseste Wunder zur neuen Zeitung /dann entweder ist unser König und der junge
Teutsche Grossfürst in jene Bilder verwandelt / oder sie sind jhnen zu
sonderlichen und unsterblichen Ehren auffgerichtet / dañ sie heissen Herkules
und Ladisla die Fremden; Sie ritten ingesamt dahin / fundens also /und frageten
die Anwesenden mit sonderlicher Freundligkeit / ob die Ritter / von denen dies.
Bildnissen genomen währen / sich in der nähe auffhielten. Ward jhnen aber
geantwortet / dieselben müsten aus abgelegener fremde kommen / denen solches
unbewust wåhre; das grosse angelegete Werk gegen dem Stadhause über / würde auff
Käyserliche Anordnung jhnen zur erblichen Burg erbauet / biss zu deren
Verfertigung sie vieleicht bei dem Römischen Statalter Herrn Fabius sich
auffhalten würden; gaben jhnen auch Nachricht / welche Gasse sie reiten müsten.
Aber Wenzesla hielt nicht vor rahtsam / unangemeldet bei ihnen einzukehren /
weil sie vielleicht unerkennet sein wollten / welches er muhtmassete / weil jhres
Standes und Vaterlandes bei der Oberschrifft nicht gedacht ward zogen demnach
diese Gasse zwar hin / aber sie wollten in eine Herberge nicht weit von des
Statalters Wohnung einkehren / da jhnen doch der Einzug / mit vorwenden / das
Haus währe von andern Rittern besprochen / abgeschlagen ward; doch so bald
Wenzesla anzeigete / sie wåhren Herrn Ladisla Diener / wurden sie mit
sonderlicher Ehrerbietung auffgenommen. Ehe sie jhre Ankunft anmeldeten /
ersuchete Leches die Gesellschaft / sie möchten seine Gegenwart verhehlen / er
währe willens / sich als ein Unbekanter auf der Morgenden Steche-Bahn finden zu
lasse / ob er etwa in seines Königes Gegenwart seine Ritterschaft zu prüfen
Gelegenheit haben könnte; welches sie jhm nicht allein gerne zu liessen /sondern
auch Mittel zur nöhtigen Aussrüstung gaben /mit Ermahnung / alles sein Vermögen
anzuwenden /damit sein ganzes Vaterland durch jhn geehret würde / worauff er
Abscheid von jhne nam / und in eine abgelegene Herberge sich legete. Wenzesla
aber ritte nach des Statalters Hoff / ob er seinem Konige jhre Ankunft in
geheim andeuten könnte / traf einen prächtig-gekleideten ädel Knaben vor der
Pforten an / welcher Tullius wahr / denselben baht er / die Mühe auff sich zu
nehmen / dass er Herrn Ladisla eigenen Diener könnte zusprechen bekommen; Derselbe
/ mein Herr /bin ich / sagte er / und wann bei seiner Gn. jhr etwas wollet
bestellet haben / möget jhr mir solches befehlen. Es ist mir sehr lieb /
antwortete er / und zeigt nur eurem Gn. Herrn in höchster geheim an / es sei
einer / Nahmens Wenzesla / der jhn gerne sprechen wollte. Dieser lief geschwinde
hin / fand jhn bei dem Frauenzimmer / uñ machete jhm das anbefohlne zu wissen
worüber er sich entfårbete / in Meinung / er würde so einsam von seiner Fr.
Mutter und den Landständen auff das Hochzeitfest abgeschicket sein; nam einen
Abtrit / einwendend / Herr Herkules liesse jhn fodern / zu welchem er ging / und
mit jhm abredete /dass sie Wenzesla einen Wink geben wollten / in etwa eine
Herberge zu reiten / welches auch geschahe / und sie jhm auf dem Hueffschlage zu
Fusse nachfolgeten. Die Gesanten hatten sich auff ein absonderliches Gemach
gelegt / und wahr Wenzesla allein unten im Hause / der sie ehrerbietig empfing.
Ladisla fragete jhn / wie er so einsam kähme / und ob niemand von den Ständen
abgeschicket währe / auf seinem Hochzeitfeste zuerscheinen. Hochzeitfest? sagete
dieser: ich versichere eure Gn. dass weder deren Fr. Mutter /noch einiger Mensch
des allergeringste von dieser hocherfreulichen Zeitung ichtwas vernommen;
beklagete hernach sein Unglück / dass er so lange Zeit auff der Reise von Rom nach
Prage zubringen müssen /und meldete der dreier Gesanten gegenwart an / welche
sich alsbald würden einstellen / wann sie nur wüsten / wovor jhre Durchl. sie
bei andern ehren sollten. Sie sollen / antwortete Ladisla / uns beide gleich
ehren; dann wer ich bin / ist nunmehr den Vornehmsten bewust / aber Herkules
Vaterland soll aus gewissen Ursachen verschwiegen bleiben. Der Alte meldete jhnen
solches an / daher sie alsbald mit gebührender untertähniger Ehrerbietung zu
jhnen traten / und freundlich empfangen wurden / da Krokus also anfing: Unsere
allergnädigste Konigin / und gnädigstes Fråulein entbieten jhren Durchll.
beiderseits Mütter-und Schwesterlichen Gruss / die såmtlichen Landstånde aber
untertähnigsten Gehorsam; haben jhrer Durchl. höchstbeliebtes Schreiben / wiewol
etwas späte empfangen / dero Gesundheit auch mit Freudentränen vernomen: und
als die Landstånde berichtet sind / dass jhr Gnädigster König willens / sich eine
Zeitlang in der Fremde aufzuhalte / haben sie in untertähnigstem gehorsam damit
friedlich sein müsse /ob uns gleich in dieser Welt nicht liebers / als unsers
Königes leibliche Gegenwart wåhre. Dieses jhrer Durchl. anzudeuten / sind wir
von höchstgedachten /unser Fr. Königin und dem Königl. Fräulein / dann auch den
sämtlichen Landständen abgefertiget / und daneben dieses Schreiben nebest 300000
Kronen freiwilliger Landsteur / behuef jhrer Durchl. Königlicher ausrüstung zu
vorgenommener Reise / untertänigst einzulieffern. Ladisla bedankete sich des
übergebrachten Grusses / nebest angedeuteter Freude über der Landstände
Gutwilligkeit / erkennete daraus jhre gewogene Herzen / welche zu vergelten / er
stets wollte gefliessen sein; brach das Schreiben / und fand dariñen / was
gestalt sie alle mit einander seiner vorgenommenen sehr beschwer- und
gefährlichen Reise halber ganz unmuhtig währen / und die Königin vor andern
inständig anhielt / sich deren zu begeben / und durch abgeordnete das Gelübde
abzulegen / damit sie der muhseligen Reichsverwaltung benommen / ihr angehendes
Alter in Ruhe setzen / und den angebohrnen Erbherren erstes Tages möchte die
Herschaft führen sehen. Nachgehends rühmete sie der Untertahnen Gutwilligkeit
wegen der aufgebrachten Gelder / insonderheit was der alte geträue Pribisla
dabei verichtet / und zu seines Königes Unterhalt alle seine Güter lossschlagen
wollen / welches die Stände nur verhindert /und ihrem Könige / als lange er in
der fremde sein würde / jährlich 100000 Kronen überzumachen sich anerböhten. Die
vorgeschlagene ReichsRähte währen alle beliebet / die Herschaft in gutem
Wolstande /und so wohl innerlich als äusserlich Friede und Ruhe. Als er alles
gelesen / lieferte ihm Wenzesla wegen der Fräulein das Brust Kleinot mit eben
den befohlenen Worten; Worauf er zur Antwort gab: Meine Frl. Schwester wird
vielleicht einen WarsagerGeist haben / dass gleich diesen lezten Tag vor der
Hochzeit sie mir solches anbefihlet / welches nach jhrem Begehren fleissig soll
verrichtet werden. Inzwischen wartete Herkules mit grossem Verlangen / was vor
Zeitung er von seinem Fräulein haben würde / und ob er schrifftlicher Antwort
gewirdiget währe; hatte aber noch keine Gelegenheit / Wenzesla abzufodern / dann
es wahr Ladisla in voller Erzählung seiner Heirat begriffen / dem sie alle
fleissig zuhöreten / und ihm darzu Glük und Segen wünscheten. Nun wollte
gleichwol der Alte seine Werbung bei Herkules gerne ablegen / darumb gab er vor
/ er währe von der Königin befehlichet / etwas absonderlich mit jhm zureden;
ging auch mit ihm aus dem Gemache / nam das Schreiben nebest dem versiegelten
Schächtelchen hervor / und sagete zu ihm: Durchl. Fürst / das mir anvertrauete
Schreiben habe ich an gebührlichen Ort nebest beigefügetem Ringe geträulich
eingeliefert / und wird ohn zweifel das Fräulein alles seinem begehren nach /
verrichtet haben / krafft dieses Schreibens Anzeige; sonsten habe ich gnädigsten
Befehl / ihre Durchl. von meinem Gn. Fräulein freundlich zugrüssen / und daneben
anzudeuten / dass sie in diesem versiegelten Büchslein derselben einen Ring
übersende / dessen Krafft in der Blutstillung treflich bewähret sei; schliesslich
auch / dass das Durchl. Königl. Fräulein in Schweden höchlich wünschen solle /
ihren verlobeten Fürsten / Herrn Herkules schier zu sehen; möchte daher seine
Reise auffschieben / uñ dieselbe vorher zu besuche unbeschweret sein. Wie
erfreulich ihm das empfangene Schreiben wahr / so fremde kahmen ihm die lezten
Reden vor / merkete doch bald /dass sie selbst unter dieser Bemäntelung jhre
eigene Begierde ihn zu sehen / hätte anzeigen wollen / daher er sich ihrer
Beständigkeit übrig schon versicherte /stellete sich doch allein in einen Winkel
/ uñ nach Verlesung des Briefes / als mit inniglichster Vergnügung überhäuffet /
gab er zur Antwort: Mein Freund Wenzesla / eure fleissige Verrichtung hat meine
Frl. Schwester mir gerühmet / welche zu seiner Zeit ich unvergolten nicht lassen
werde; der meiste Inhalt dieses Briefes ist / dass die Fr. Königin samt dem
Fräulein mich hart ansträngen / ich möge meinen Bruder Herrn Ladisla von der
gefährlichen Reise abwendig machen / welches ich schon auff einen guten fuss
gesetzet / und seine Heirat zu dem ende aus allen Kräfften befodert habe;
zweifele auch nicht / ich werde ihn endlich bereden / meinem ansuchen statt zu
geben. Eben dieses bei Euer Durchl. zuwerben / sagte er / hat mein Gn. Fräulein
/ und Königl. Hocheit selbst mir anbefohlen / unter welchem Scheine Eure Durchl.
ich auch abgefodert habe. Gingen hiemit wieder hin zu den andern / und hielten
mannicherlei Unterredung / da die Gesandten / Herkules / der Königin / der
Fräulein / und gesamten Landstände Gruss und untertähnigste Dienste anmeldeten /
uñ dz er in ihres Königes geträuer freundschaft wie bisher / beständig
verbleiben möchte / dann würden sie dereins bei Beherschung ihrer Reiche keine
ausländische Macht zu fürchten haben. Auff welches Vorbringen er wegen des
beschehenen Grusses sich anfangs kind-brüder-und freundlich bedankete / hernach
anzeigete / wie er seinem geliebeten Bruder Herrn Ladisla durch so unzähliche
brüderliche Bezeigungen dergestalt verpflichtet währe / dass er Gottes Straffen
billich zubefürchten hätte / wann durch einige Widerwärtigkeit oder Furcht er
sich von seiner Freundschaft anwendig machen liesse. Aber / sagte er / es
wundert mich höchlich / dass unsere Fr. Mutter die Königin meines Bruders Heirat
noch allerdinge unberichtet ist / angesehen vor sieben Wochen schon deroselben
es bei eigener reitender Botschaft zuwissen gemacht worden / und wir über das
zum andern mahl geschrieben /welches / da es recht zugienge / auch schon bei
eurem abreisen müste eingeliefert sein. Wenzesla antwortete / sein eigen
Beispiel lehrete / wie leicht einem einzelnen Bohten auff so weiten Reisen /
langwierige Verhindernissen einfallen könten / und möchte vielleicht wohl alsbald
nach ihrem Abzuge der Bote angelanget sein; wie er auch hieran nicht fehlete;
dann Ladisla erster Abgeschikter wahr mit dem Pferde auff der Reise gestürzet /
und hatte ein Bein und einen Arm zubrochen / dass er sich etliche Wochen
verbinden lassen müssen; jedoch kam er des andern Nachmittages nach der Gesanten
Abreise / zu Prag an / liess sich bei der Königin angeben / und lieferte ihr
diesen Brief von ihrem Sohn Ladisla ein:
    Herzgeliebte Fr. Mutter; ich kann nicht ümhin / euch mit frölichem Herzen zu
vermelden / was gestalt durch sonderbahre Schickung unser gütigen Götter mit dem
Durchleuchtigen Hochgebohrnen Fräulein / Frl. Sophia Fabiin / des Hochmögenden
Herrn / Herrn Q. Fabius /Römischen Statalters zu Padua Frl. Tochter / auff
jhrer Hochansehnlichen Eltern und meines lieben Bruders Herkules Bewilligung ich
mich ehelich eingelassen und versprochen / auch willens bin / auff schier
kunftigen XVII Tag des Brachmonats / das Hochzeit fest Fürst- und gebührlich
anzustellen; wann denn ich nicht zweifele /eure Mütterliche Hulde werde hierin
gerne einwilligen /und dieses Fräulein / in betrachtung jhrer Tugend und sehr
hohen Römischen Geblütes / vor eine künftige Schwieger Tochter unwegerlich auff
und annehmen /und aber zu bevorstehendem Ehrenwerke nicht geringe Kosten
erfodert werden / als gelanget an die Fr. Mutter mein Kindliches ersuchen / mir
mit etwa 150000 Kronen beirähtig zu sein / damit ich mein Vermögen der
hochansehnlichen Freundschaft meiner herzgeliebeten Fräulein / dartuhn / und
nicht nötig haben möge / dass aus derselben Beutel (deren Heirahtsgelder sich
über 1200000 Kronen erstrecken) alles bezahlet werden dürffe; konnte ich dann
daneben das Glük haben / dass meine herzgeliebte Fr. Mutter / oder auffs wenigste
(woran ich nicht zweifeln will) meine Frl. Schwester auff angesetzetes
Heirahtfest allhier erscheinen würde / sollte mir ein solches die höchste
Vergnügung bringen. Ich gelebe der Zuversicht / meine Fr. Mutter werde mich
keine Fehlbitte / wo imer möglich / tuhn lassen / welche nebest meiner auch
herzgeliebeten Frl. Schwester von meinem Herkules Kind- und Brüderlich gegrüsset
wird; dessen Vergnügung über meine Heirat / aus beigelegeten Beilager-Getichten
(wahren die / welche am 113 und folgendem Blade stehen) kann erkennet werden.
Geschrieben zu Padua am XXII. Tage des April Monats / von Eurer Mütterlichen
Gnaden gehorsamstem Sohn Ladisla.
    Die Königin ward dieser Zeitung überaus hoch erfreuet / liess die ReichsRähte
und Herren Pribisla vor sich ruffen / und sagete zu ihnen: Geliebte Freunde /ich
habe von eurem künftigen Könige meinem herzliebhen Sohne ein beliebtes
Schreiben empfange /welches allen Schrecken des kaum vergangenen grausamen
Donnerwetters mir benommen hat / möchte zwar wünschen / dass unsere Gesanten noch
alhie währen / doch werden wir sie nicht dürffen zurück fodern / wann sie nur der
verspochenen Eyle sich erinnern möchten; reichete ihnen hiemit das Schreiben
/dessen Inhalt ihnen grosse Vergnügung brachte / und fragete Pribisla / warumb
das Fräulein nicht gegenwärtig währe. Ach / sagete die Königin / ihre
Abwesenheit machet / dass meine Freude nicht recht losbrechen kann / massen sie
heut früh mit etlichen Jägerknechten und Reutern hinaus auff die Jagt geritten
/und noch nicht zu Hause kommen ist; fürchte sehr /dass sie etwa von dem Gewitter
beschädiget / oder sonst zu Unfal kommen sei; das leidige Jagen ist ihr ja von
ihrem höchst Seel. Herr Vater leider angeerbet / wovon sie nicht kann abgehalten
werden / dessen ich mich nicht wenig bekümere. Niemand wollte sie misströsten /
nur dass sie alle wünscheten / ein Mittel zu erfinden / dass das Fräulein von
dieser Ubung könnte abgezogen werden / und hielt der Kanzler vor rahtsam / dz
etliche aussgeschickt würden / ihr nachzuforschen / ob sie irgend wegen des
harten Donnerwetters sich in einem Dorffe verspätet haben möchte. Als sie noch
hievon redeten / trat sie mit ihren pfützenassen Kleidern ins Gemach / und gab
durch ihre todten-bleiche Farbe gnug zu verstehen / dass es nach ihrem behagen
nicht ergangen wahr. Die Mutter empfing sie mit zimlich harten worten / und
sagte; Geliebtes Kind / wie machestu mir doch so mannichlei Angst und herzleid
mit deinem verfluchten Jagen; bedenke doch dass mein geliebter Sohn Herkules auff
der Jagt gefangen / ja dein Herr Vater gar drauff umbkommen / und sein Leben
elendig eingebüsst hat; drumb so lass doch ab von dieser / meines erachtens /
unlustigen und gefährlichen Lust / damit ich nicht mehr Bekümmernis daher
einnehmen dürffe. Das Fräulein ward bestürtzet / dass in der ReichsRähte
gegenwart die Mutter ihr so hart zuredete / daher sie anfangs bedenken trug /
ihre aussgestandene grosse Gefahr zuerzählen; die Königin aber fuhr also fort:
Wie sehe ich dich so bleich / nass und Ungestalt / mein Kind? gilt wo du nicht in
Lebensgefahr gestecket hast / und mit grosser Mühe erhalten bist? davor ich dann
den Göttern billich danke. Ich weiss fast selber nicht / herzliebe Fr. Mutter /
antwortete sie / ob ich den heutigen Tag / unter die Glüklichen oder
Unglücklichen schreiben soll; sonst muss ich wohl gestehen / dass mir Zeit meines
Lebens / Wetter und Menschen nie so heftig / als eben heut zugesetzet / so dass
ich mich wundere / wie ich der grausame Verfolgung habe entgehen können. Die
Königin entsetzete sich vor solcher Rede / hub die Hände auff gen Himmel und
sagete; Nun ihr hülffreichen gütigen Götter / ich danke euch vor diese heutige
Rettung /und dass ihr der unbedachtsamen Jugend eure kräfftige Hand habt bieten
wollen; wirstu mir aber nach diesem das Reiten und Jagen so heftig treiben /
soltu nicht sagen / dass du mein Kind seist / dann du gönnest mir ja fast keinen
ruhige Tag / dass ich deinet wegen nicht in Sorgen stehen müste. Ach / Gn. Fr.
Mutter / sagte sie / eifert euch nicht so sehr / und verzeihet mir die bisher
begangene Fehler; ich will nach diesem schon wissen mich zumässigen / zweiffele
auch nicht / der Himmel selbst / und meine ärgesten Feinde zugleich /haben mich
hievon heut diesen Tag abschrecken wollen. Die Anwesende sämptlich bahten
solches zuerzählen / sie aber ging zuvor nach ihrem Zimmer / und musste Libussa
ihr ganz andere Kleider anzihen / welche auff ihrem zarten Leibe noch zimlich
viel Koht sehend / zu ihr sagte; wie geht diss zu Gn. Fräulein? hat dieselbe
sich mit den Säuen im Mistlachen gewälzet? O mein liebes Kind / antwortete sie /
was vor einem unsäglichen Unglück und verderben bin ich heut entgangen! Himmel /
Erde und Wasser haben mich vertilgen wollen / so dass ichs vor ein Wunder rechne
/und mir selbst kaum trauen darff / dass ich lebendig alhier wieder angelanget
bin. Diese wollte alsbald alles verlauffs berichtet sein; aber sie befahl ihr mit
nach ihrer Fr. Mutter Zimmer zugehen / da sie alles vernehmen würde / wo sonst
der Schrecken ihr so viel Verstand und Worte übrig gelassen hätte / dass sie
alles in die Nachdanken fassen und aussreden könnte. Als sie nun zu ihrer Fr.
Mutter sich nidergesetzet hatte / fing sie also an: Hat der Himmel mich heut
gerettet / so hat er mich nicht weniger geschrecket dass ich gänzlich davor halte
/ die Göttliche Versehung habe mir zeigen wollen / wie hart sie dieselben
angreiffe / die ihrem Grimme unterworffen sind. Als ich heut früh mit meiner
Gesellschaft aussritte / warnete mich ein alter Pfaffe / ich sollte zwar Hasenart
nicht hindan setzen / aber doch der Entvogel Weise fleissig in acht nehmen;
welches ich nicht verstund noch gross achtete / biss die Noht michs rechtschaffen
gelehret /und an die Hand gegeben hat. Vor erst wollte mein Pferd sich weder
satteln noch zäumen lassen / biss ichs zum Gehorsam prügelte; und als ichs uber
die Brücke ritte (hie warnete mich der Pfaffe) sträubete es sich heftig / stund
als ein verschüchtertes Rehe / und hielt sich nicht anders / als ob es über ein
Feur hätte gehen sollen, ich hatte fast immer an ihm zu stossen und schelten /
biss ichs ihm endlich mude machete / dass es Gehorsam leistete. Etwa eine halbe
Meile von der Stad sties ich auff ein artiges Rehe / dem ich mannichen Pfeil
nachschikte / ehe sichs legen wollte / und wie es den Tod im Herzen fühlete /
fiel es mit so erbårmlichen Geberden nider / dass michs höchlich jammerte. Bald
darauff ward ich etlicher Reuter gewahr /die mit verbundenen Maul und Wangen /
dass man sie nicht keñen sollte / zerstreuet umbher ritten / woruber ich in
Argwohn eines Auffsatzes geriet; wie auch meinen Reutern und Jägerknechten nicht
wohl dabei wahr / und mich warneten / ich sollte mich wieder zurück zihen / weil
sichs ohn dass zum schweren Wetter ansehen liesse; taht ihnen auch folge / hies
das Rehe auff den mitgeführten Karren legen / und nach der Stad eilen; aber ehe
ich michs versah / wahr ich umbgeben / und zählete XII auff vorgemeldete Weise
vermummete Reuter / welche mir nach schrihen / ich möchte stille halten / und so
hart nicht eilen / sie wollten meine geträue Begleitsleute sein / und mich an Ort
und Ende führen / da mir besser bei einem jungen Bräutigam / als bei der alte
Mutter sein würde. Meines lachens wahr hie nicht viel übrig / insonderheit /als
ich sah / dass ihrer sechse auff meine Leute zusetzeten / und sie alle in
stücken hieben. O mein herzen Kind rief die Königin / schweige schweige / und
lass mich ja bei leibe kein grösser Unglück hören. Aber Pribisla redete ihr ein /
Ihre Hocheit möchte sichs gefallen lassen / dass das Fräulein alles anzeigete /
weil sie durch der Götter Hülffe entrunnen / und alhie frisch und gesund wieder
ankommen währe. Meine Reuter und Jägerknechte / fuhr das Fräulein fort /wahren
hiemit auffgeopfert / und hatte ich noch drei Pfeile im Vorraht / deren ich mich
zugebrauchen bedacht wahr; weil sie aber den Weg nach der Stad zu /gar
verlegeten / und zugleich mir auff den Leib rücketen / zog ich von Leder / und
suchete mit Gewalt durchzubrechen / wie ich dann ihrer drei also zurichtete /
dass sie es nicht nachsagen werden / bekam auch hiedurch so viel Lufft / dass ich
aus ihrem Gedränge mich losswickelte / und das freie Feld einnam / der Hoffnung /
ich würde nunmehr gewonnen / und meine Seele gerettet haben / und ob gleich das
grausame Donnerwetter schon angangen wahr / dass der Blitz alles feurig scheinen
machete / liessen doch jene so wenig nach / mich zuverfolgen / als ich mich
bemühete auszureissen; doch hatte ich diesen Vorzug / dass mein Pferd schneller
von Schenkeln wahr / und einen guten Vorsprung in kurtzer Zeit gewan. Aber umb
Verzeihung / sagte sie / dass ich mein mattes Hertz zulaben genöhtiget werde;
stund auff / und taht einen guten Trunk aus ihrer Fr. Mutter Becher / da die
Königin unterdessen sagete: O Kind / Kind / wann der Himel sich dein nicht
erbarmet håtte / würdestu ohn zweifel schon tod oder geschändet sein / und hat
wohl niemand als dein Schutz Gott deinem Pferde so gerade Füsse gemacht. O nein
Herzen Fr. Mutter / antwortete sie / der Himmel hat mich in das grösseste Unglück
gestürzet / massen wie ich in vollem rennen wahr / und mein gutes Pferd nicht
anders als ein Vogel daher flohe / taht der Himmel einen heftigen Doñerschlag /
dass der feurstrahlende Keil in eine hohe Eiche fuhr / und dieselbe mitten
voneinander spaltete / wandte sich hernach zur seiten / und ging dergestalt
unter meinem Pferde her / dass ihm das rechte Vörder- und linke Hinter-Bein ober
dem Knie glat abgeschlagen ward / und ich mit ihm zur Erden stürzete / dessen
meine Verfolger sich höchlich freueten / überfielen mich auch / weil ich unter
dem Pferde mich nicht lossarbeiten kunte / und nahmen mich /wiewol mit zimlich
freundlichen Worten gefangen. Mein Schwert / Bogen und Köcher ward einem zur
Verwahrung eingeliefert / mich aber nam ein ander vor sich auffs Pferd / und
begunten mit mir fortzuzihen / da wir inwendig einer Stunde an die Molda kahmen
/ und ich auff meine frage / wohin sie mich dann zu führen willens währen /
keine andere Antwort bekam / als / mein Bräutigam (welches sie aus auffrichtiger
Einfalt erzählete) würde diese Nacht sich so freundlich gegen mich erzeigen /
dass mich von ihm zu scheiden kein Verlangen tragen würde. Es wahr mir solches
eine verdächtige Rede / daher ich alle meine Gedanken anwendete / wie ich mich
lossmachen könnte. Nun sah ich von ferne VI ledige Bauernpferde in der Weide
gehen / und ritten wir in einem tieffen Wege /da nur zween bei einander her
zihen kunten / hatten uns auch schon von der Molda hinweg gewand und die
Heerstrasse erreichet / da mein Führer stille hielt /und von seinem Gesellen ein
Leilach foderte / in welches er mich ganz einhüllen wollte / damit ich
unerkäntlich währe; ich aber ward meines heimliche Dolches eingedenk / zog ihn
unvermerket aus / drückete ihm denselben ins Herz / dass er ohn Wortsprechen vom
Pferde stürzete / und schwang ich mich glücklich auff das hohe Ufer des engen
Fahrweges /dass mir kein Pferd folgen kunte / lief darauf / so schnel ich muchte
/ nach den obgedachten Bauern Pferden / setzete mich auf deren eines / und rante
Spornstreichs gleich auf die Molda zu. Die hintersten Reuter wahren meiner
Flucht zeitig inne worden / hatten sich ümgewand / und bearbeiteten sich / mir
den Weg abzuschneiden; mir aber fiel zwar zum gefährlichen / aber doch gutem
Glücke des alten Pfaffen warnung ein; und da ich nach der Hafen art durch das
Feld davon zufliehen keine mögligkeit sah / nam ich der Entvogel gebrauch an
mich und setzete gerade auf die Molda zu. Am Ufer kam mir ein erschrekliches
grausen an / dann der schnelle Strohm bildete mir nicht allein den gewissen Tod
vor die Augen / sondern das hohe Ufer / von welchem ich etliche klafter hinab
sah / machte mich verzaget / dass ich den Sprung nicht wagen durffte / hielt
also stille / biss die leidigen Verfolger sich naheten / denen ich zurief / sie
sollten mich meines weges ziehen lassen / oder ich wollte mich ins Wasser stürzen;
welches sie auch ein wenig stutzen machte / dass sie anfingen mir gute Worte zu
geben / vorwendend / sie sucheten ja mein Verderben nicht / ich hätte mich des
allergeringsten nicht zu befürchten / meine Wolfahrt bestünde in diesem / wann
ich mit jhnen unwegerlich fortzihen würde; aber dieses wahr noch lange die
rechte Lokpfeiffe nicht / sondern ich fragete besser nach / was vor einen
Bräutigam sie mir dañ vorschlügen / sollten sie mich wissen lassen / alsdañ würde
ich mich erklären können. Dieses anzudeuten wahr jhnen ungelege /ümsetzeten mir
meinen Weg / dass ich weder zur seiten noch hinterwarz fliehen kunte / sondern
bloss nur der tieffe Fluss mir offen stund. Die übrigen Reuter kahmen auch
angestiegen / deren einer von ferne rief /sie sollten mich anfassen / es hätte
nichts zu bedeuten /dass ich mich in das Wasser stürzen würde. Nun muss ich
bekennen / dass ich sehr zweiffelmühtig wahr /dann weil ich des Schwimmens aller
dinge unerfahren / sah ich auff solchen Fal / dass ich mich in den Tod stürzen
würde / jedoch / weil jhrer viere zugleich von den Pferden stiegen / und auf
mich zudrungen / fassete ich eine kurze Erklärung / sah gen Himmel und rief mit
andächtigem Herzen; du warhaftiger Gott /wie du auch heissest / hilf mir aus der
Wassers Noht /wie du mich von dem Donnerkeil und diesen Räubern hast erlöset;
und als diese Buben gleich nach mir griffen / wagete ich den sprung frisch zum
Ufer hinab / da der Wind und unter meine Kleider mich fassete / und mich wohl VI
grosser Schritte hinein führete / dass ich schon daher schwam wie ein Entvogel /
wiewol die augenblikliche Wasserkälte auf den heissen schweiss mir gar ungewohne
taht. Es dauchte mich ein Spielwerk sein / so lange meine Kleider trocken wahren
/und der Strohm mich nicht fassete / aber hernach galt es trauen todes Angst;
ich hatte wohl ehmals schwimmen gesehen / aber es wollte mir nicht fugen / massen
wann ich mit den Füssen zuschlagen anfing / zogen sich meine durchnetzeten
Kleider zusammen / dass ich nur drinnen verwickelt ward. Bald darauf geriet ich
in den Strohm / der mich über und über purzelte / und ich mich dem Tode
gutwillig er gab / nur dass ich mich scheuhete / das unreine Wasser zu trinken /
und daher meinen Mund feste zuhielt / biss ich das Häupt ausserhalb Wassers
merkete / dañ schöpfete ich Lufft / und durch dieses Mittel entging ich dem
heftigsten Strom / in dem ich mit den Füssen unterwarts / und mit den Händen
nach dem andern Ufer zu arbeitete /biss ich an einen Sandhügel geriet / da mir
das Wasser nährlich an den Leib reichete / und ich fein aufrecht stund mich
auszuruhen. Meine Verfolger hielten am Ufer und riefen mir zu / ich sollte mich
ja nicht durch die Flucht von dem gefasseten Stande lassen abtreiben / das
Wasser währe an der noch übrigen seiten unergründlich / darinnen ich ohn alle
Hülfe ersauffen müste; es hätten jhrer etliche sich fast ausgezogen /die mir
nach schwimmen / und mich retten sollten. Als ich diesen unangenehmen Trost
hörete / rief ich die himlische Hülfe zum andern mahle an und sagete; du Gott /
der du bisher mein Schiff / Ruder und Steurman gewesen bist / gib nicht zu / dass
die mehr als halb geleistete Rettung an mir vergeblich sei. Wagete mich also mit
Trost vollem Herzen wieder fort /arbeitete auch auf die vorige weise / dass mir
der Mund stets ausserhalb Wassers blieb / daher ich Gottes unfehlbaren Beistand
spürete / und nichts höhers wünschete / als dass dieser mein hülfreicher Gott mir
bekant sein möchte / ümb jhm meine Dankbarkeit sehen zu lassen. Es wehrete mein
after schwimmen zwar noch eine gute weile / doch ehe ich michs versah / stiess
ich mit einem Fusse wieder den Grund /dass ich den übrigen Weg im Wasser gehend
endigte /und Gesund ans trokne Ufer trat. Hie sah ich mich erst kühnlich umb /
und ward gewahr / dass die langen nassen Kleider mir am Lauffe sehr hinderlich
sein würden / und ich doch einen weiten Weg zu Fusse wandern musste / warf
deswegen das Oberkleid gar hinweg / ruhete ein wenig auf die Schwimme-Müdigkeit
/ und dankete dem Gott inniglich / der mir so weit in sicherheit geholffen
hatte. Bald naheten sich zween Buben / welche weit obenwertz des Flusses sich
ganz nacket hinein gewaget / und die Schwerter ins Maul gefasset / ohn zweifel
des Vorhabens / mich zuerschlagen / da sie mich lebendig nicht würden über
bringen können; weil mich aber Gott vor dissmahl retten wollte / traf ich VI
bequeme Werfsteine an / deren ich mich getröstete / liess den fördersten zu mir
ankommen / welchem ich / da er das Ufer fast erreichet hatte / die Stirne mit
einem / und bald darauf das Maul mit dem ander stein der gestalt küssete / dass
er niderstürzete; ich behende zu jhm hin / nam sein Schwert zu mir / und
erwartete des andern ohn alle Furcht / nur dass ich abscheuh an dem nacketen und
unflätigen Buben hatte / welcher ganz verwägen auf mich anging / rüffend; weil
jhr / schönstes Fräulein /nicht habt glücklich leben wollen / müsst jhr
unglücklich sterben; ich schätzete sein Dräuen gar liederlich /mich nähst Gott
auff meine zimliche Fechter-Erfahrenheit verlassend / stellete mich in ein
bequemes Lager / und sah der Unflat daraus / dass ich mich meiner Haut erwehren
würde / welcher von der Fechtkunst wenig vergessen hatte / dass ich vor jhm mich
leicht beschützete / jhm auch Gnade und Leben anboht / dafern er sich mir
ergeben / und die Anstiffter dieser Freveltaht nahmhaft machen wollte; weil er
dessen sich aber wegerte / und endlich als ein rasender anfiel / liess ich jhn in
mein Schwert lauffen / dass jhm das Herz durchbohret ward. Nicht desto weniger
ritten die übrigen jenseit des Ufers auff und nider / ob sie mit den Pferden
durchsetzen könten / daher ich mich eines neuen überfalls befürchtend / meine
Füsse auffmunterte / und mit rischen Sprüngen das blutige Schwert auff allen
Nohtfall in der Faust haltend /mich nach der Stad kehrete / da ich mein
Niderkleid biss an die Knie auffheben musste / dz ich am lauffen nicht verhindert
würde; es dauchte mich nicht raht sein / am Ufer hinzulauffen / damit ich den
Schelmen nicht allemahl im Gesichte bliebe / sah von ferne eine Hecke / hinter
dieselbe begab ich mich / und lauschete / wz sie anfahen würden merkete auch /
dass sie sich unter einander nidermacheten; doch wollte ich ihr leztes nicht
abwarten / sondern nach andenrtalbstündigem irrelauffen traf ich ein altes Weib
an / die ihrer Sage nach / Grass vor ihre Kuh samlete / und fragete sie / ob ich
den nähesten Weg zur Stad vor mir hätte; welche mich sehend / beide Hände
zusamen schlug / und zu mir sagete; O allerschönste Jungfer / wie kommet ihr an
diesen Ort? Ich gab ihr zur Antwort / sie sollte hiernach nicht fragen /sondern
mir Anleitung geben / wie ich hinweg kommen möchte. Ja wohl / sagte sie / der Weg
ist viel zuweit / welchen euch eure zarten Beine nicht tragen können. Ich aber
hätte mich schier über der Vettel erzürnet / bekam doch endlich noch einen so
verwirreten Bescheid / dass ich ungewisser von ihr ging als ich kommen wahr /
dann sie beschrieb mirs so kunterbund durch einander / ich müste erst Hotte /
hernach wieder Schwade / dann etwas gleich vor mich hin /den ungebahneten Weg
gehen / sonst würde ich in die Pfützen biss über die Ohren gerahten; welches ich
zwar mit einem Gelächter beantwortete / aber rechtschaffen zufunde kam / indem
ich biss an den Leib durch de weichgefahrnen Koht waden / und hernach mich in
einer Bach dabei wieder abwaschen musste. Kaum wahr solches geschehen / da stiess
ein Reuter auff mich / den ich vor einen verwägenen Puschklöpffer hielt / sah
mich von ferne kommen /stieg ab von seinem Pferde / band es an eine Staube /und
blieb stille stehen / als er merkete / dass ich gerade und ungescheuhet auff ihn
zuging / ihn auch fragete / ob diss der rechte und näheste Weg nach der Stad
währe; worauff er mir zur antwort gab / es nähme ihn gross wunder / wie so eine
ådle schöne Jungfer mit blossem Schwerte in diesem weiten Felde so einsam ginge
/ griff auch nach mir / uñ sagete zugleich / er hätte nie das Glük gehabt
dasselbe anzutreffen / was ihn vergnügete / ohn vor dissmahl; Ich wiche
hinterwarz / boht ihm die Spitze und warnete ihn / sich wohl vorzusehen / und
nicht weiter zu gedenken als mein guter Wille währe; woran er sich doch wenig
kehrete /sondern mich baht / seine Liebe mir gefallen zu lassen / und mich
hinter die Hecke zu ihm niderzusetzen; suchete auch / wie er mir das Schwert
ausschlagen / und sich meiner bemåchtigen könnte; worauff ich zu ihm sagete: Du
schändlicher Bube / weiche und lass mir dein Ross / oder wehre dich meiner; schlug
ihn auch flächlings über die Ohren / dass er dessen wohl empfand; noch wollte er
sich nicht warnen lassen / und drang immer heftiger zu mir ein / worüber ich
ihm eine Wunde über die linke Faust gab / dass er schrihe /und sich seines
Schwerts zugebrauchen anfing / da ich ihm nach kurtzem Gefechte das Eisen durch
die Gurgel stiess / und mir hiedurch ein Pferd erstritten hatte /auff welches ich
mich setzete / des Ertodteten Schwert an meine Seite hing / und von einem Bauern
auf den rechten Weg gefuhret ward / welchen ich bald kennete / und auffs
schnelleste fortjagete / die Stad schier zu erreichen. Es begegneten mir aber
zween andere / die mich frageten / wie ich zu dem Pferde und Schwerte kommen
währe; denen ich gleich zu antwortete / wie es ergangen wahr. Diese aber darauff
sagten / ich würde meine Leute bei mir gehabt haben / welche ihren redlichen
Gesellen abgesetzet / oder wohl gar ermordet hätten / und begunte der eine schon
sein Schwert zu zücken / dem ich doch / ehe er sichs versah / einen Schnit über
die Kehle gab / dz er die Erde suchete / auch den andern / wie er sich an mich
machte / dergestalt abfertigte / dass sein Pferd / wie des vorigen / ohn seinen
Reuter davon lief / ich aber nach eilferlei Gefahr / und Niederschlagung neun
gottloser Schelmen / (dem Himmel und dem wahren Gott / der drinnen herrschet /
sei dank) gesund und frisch dieses Schloss wieder erreichet habe / und ist mir
nicht unangenehm / dass ich die Zubereitung des Abendessens sehe / wobei ich mein
Frühstücke einnehmen will. Es hatten ihre Fr. Mutter und alle anwesende die
Erzählung mit Verwunderung angehöret / dass die Königin zu unterschiedlichen
mahlen darüber erstarrete / und alle lebendige Farbe verlohr / fingen auch an zu
überlegen / wer doch imermehr des ersten überfalles Stiffter sein möchte / da
etlicher Muhtmassung recht zutraff / wiewol sie es nicht durfften melden / und
erst lange hernach an Tageslicht kam. Bei der Mahlzeit sagete die Königin zu dem
Fräulein: Herzallerliebstes Kind / soll ich dich nach abgelegetem Schrecken mit
einer gewünscheten Zeitung erfreuen? O ja / Gn. Fr. Mutter / antwortete sie /
habt ihr etwa von meinem Herr Bruder etwas gutes / so teilt mirs mit. Siehe da
/ sagte sie / lise dieses / so weistu so viel als ich und wir alle mit einander.
Aber die gute Mutter wusste nicht / wie hoch sie ihre Tochter hiedurch erfreuete
/welche auch jhre Hertzensvergnügung nicht verbergen kunte / da sie nach
Verlesung saget: Ach mein Gott /der du mir heut so ganz gnädig geholffen hast /
gib doch / dass ich diese meine Fr. Schwägerin und Schwester ja eh ist sehen und
umfahen möge / weil ich schon wohl weiss / dass mein Herr Bruder kein unwirdiges
Fräulein heirahten wird; fassete auch alsbald die Gedanken / wie sie erhalten
möchte / die Reise auff das Hochzeitfest erstes Tages vorzunehmen / und wahr ihr
sehr leid / dass sie ihr heutiges Unglück so umständig erzählet / und dadurch
ihrer Mutter Sorge und Bekümmernis rege gemacht hatte. Nach der Mahlzeit ging
sie mit Libussen ein halbstündichen auff ihr Zimmer / da sie mit betrübeten
Worten zu jhr sagete: Ich habe heut überaus grosse Angst in meiner Seele
empfunden / aber wann mein Herkules mich mit einem Briefelein begrüsset und
erfreuet hätte / wollte ichs alles vor gedoppelt ersetzet rechnen; meinestu aber
nicht / geliebetes Kind / dass ich nicht ursach gnug habe / mich über ihn
zubeschweren / weil er bei meines Bruders eigenem Bohten mir nicht schreiben
wollen? O wie könnte ich doch ein solches über mein Herz bringen / dass ich so
gute Gelegenheit verabseumete? Libussa lachete dess / und gab zur Antwort: Gn.
Fräulein / ich hätte nicht gemeinet / dass der Liebe eine solche Vergessenheit
sollte beiwohnen; bedenket Eure Gn. nicht / dz ihr Antwort-Schreiben gestern früh
erst fortgeschicket / und dem lieben Fürsten noch nicht geliefert ist? oder
meint  sie / er habe solches so lange vorher riechen können? muss er nicht zuvor
wissen / ob seine Schreiben auch angenommen werden oder nicht? Was würde sie
doch von jhm halten oder urteilen / wann er sie mit seinen täglichen Briefen
uberstürmete / ehe und bevor er einige Antwort bekommen? Wolle demnach Eure Gn.
dieser Bezichtigung ihn schwesterlich erlassen / biss er jhrer Antwort kann
habhaft sein / und verabseumet er alsdann einige Gelegenheit / ists doch noch
früh genug ihn anzuklagen. Mein Herkules muss dir ohn zweifel Jahrsbestallung
geben / sagte sie / dass du allemal wider mich sein wort redest / oder hastu etwa
so gute Kundschaft mit ihm gepflogen / so sage mirs / dass ich dich wegen seiner
gewirdigten Liebe gebührlich ehren möge. So musste die Geige gestimmet werden /
antwortete jene /wo sie sonst scharff klingen soll / und hat der Eifer mein Gn.
Fräulein schon eingenommen / so ist mirs halb leid / dz ich mich nicht
zutähtiger bei ihm gemacht habe / vielleicht hätte ich auch noch eine bessere /
als gemeine Gunst von ihm erhalten / dann ich getraue durch meine Gestalt und
Freundligkeit noch wohl einen Fürsten zu meiner Nebenliebe zubewägen / ob er mir
gleich nicht werden kann. Dem Fräulein wahren ihre lustige Schwänke und
ehrliebendes Herz bekant /sonst würde sie ihr diesen Streich schwerlich zu gute
gehalten haben; doch sagte sie zu ihr; Kind Kind / fidelstu nicht zu grob auff
kleinen Seiten? wie würde dir solches ein ander als ich / zum besten aussdeuten
köñen? Sihe dich aber wohl vor / dass du ja nicht aus unbedacht in anderer Leute
Gegenwart dergleichen Scherz treibest / du dürftest dir sonst Ungelegenheit ohn
dein Verbrechen verursachen. Ja mein Fräulein ja / antwortete sie / da Scherz
keinen Käuffer hat / lasse ich ihn wohl unaussgebohten; ihre Gn. haben mich ja
viel anders geprüfet; dass aber bei derselben ich solche Kühnheit gebrauche / ist
die einige Ursach / dass vor übermässiger herzens Liebe ich nicht weiss / auff was
Art euer Gn. ich Lust und anmuht erwecken will /und wann ich wissen sollte / dass
dieselbe ich hiedurch verunwilligte / wollte ich mir lieber die Zunge abbeissen /
als ein Wörtlein ihr zu wieder reden. So magstu immerhin plaudern / sagte sie /
wann wir allein sind. Diese Erläubnis / fuhr jene fort / wollte ich gerne haben /
und kann nunmehr nicht verbergen / wie lieb mirs ist / dass eure Gn. heut mit
zween nacketen hat fechten müssen. Je / antwortete sie / du wirst ja nicht gar
aus der Erbarkeit Schranken losbrechen. Lasset michs doch zuvor alles aussagen /
wieder antwortete jene; dann hätten die frechen Buben volle Ritterharnische
angehabt / samt Schild und Helm / durffte umb Eure Gn. es gefährlich gestanden
sein. Ich aber /sagte das Fräulein / möchte wünschen / dass ein ieder drei
Harnische angehabt hätte. Wie so? fragte iene. Bistu nicht eine Närrin? sagte
sie / dann unter solcher Last hätten sie ja im Wasser ersauffen mussen. Libussa
schämete sich der Fehlfrage / und fing an: Was habe ich mich dann auch gross umb
diese Buben zu bekümmern? viellieber fahre ich fort in des allertrefflichsten
Fürsten Verteidigung / und wage eine Wette /ob nicht innerhalb kurtzer Zeit Eure
Gn. Schreiben von ihm hat; und nicht allein nur Schreiben / sondern wegen des
Haaren Armbandes zehnfache Erstatung; aber wie dann Gn. Fräulein / wann ich
Arbeitslohn ihm angefodert / und zuwissen getahn hätte / dass ich die Künstlerin
gewesen bin? O du dumkühnes Tihr /antwortete sie / du wirst ja so unverschämt
nicht sein. Unverschämt? sagte Libussa; heisset man das unverschämt / wann der
Arbeiter seinen Lohn fodert? Du loser Sak / antwortete sie mit einem lachen /
ich habe noch nicht viel Briefe gesehen / in welchen er deine Arbeit angefodert;
wiltu aber Arbeitslohn haben / so fodere ihn von mir / und nicht von meinem
Herkules. Ich will schon wissen / ihn von beiden auff einmal zufodern / sagte
sie / aber dass euchs schwer gnug fallen soll / mich zu befriedigen. Ey dräue so
hart nicht /anwortete das Fräulein / können wir dañ den Häuptstuel so geschwinde
und auff ein mahl nicht abtragen /wollen wir die Zinsen richtig mache / Gott
gebe nur /dass die Zeit schier komme / dass du uns beide in einem Gemache mahnen
könnest. Also führeten sie ihr ehrliebendes Gespräch / und wusste diese Jungfer
dem Fräulein so genehm vorzuschwätzen / dass sie oft ja so befriediget sich
befand / als wann sie auff ihres Herkules Schosse gesessen währe.
    Des nähstfolgenden Morgens ward auff dem Königlichen Schloss angemeldet /
es währe eine Gesellschaft von LVI Reutern / in lauter Sammet gekleidet vor dem
Stadtohr / welche vorgäben / sie kähmen von jhrem Könige Ladisla aus Italien.
Die Königin liess das Fräulein solches wissen / dass sie nach angelegetem Schmuk
zu ihr kähme / und der Gesanten Werbung mit anhörete / welche dann alle
eingelassen /und in die besten Herbergen verlegt wurden / von denen Friederich
und Lutter allein sich nach Hofe verfügeten / und nach abgelegetem Kind- und
Brüderlichen Gruss von Ladisla und Herkules an die Königin und das Fräulein /
reicheten sie Ladisla Schreiben ein also lautend: Gnådigste Fr Mutter; ich will
nicht zweiffeln / jhr werde mein Schreiben / in welchem ich meine sehr glückliche
Heirat angemeldet / wohl eingelieffert sein; Mein Hochzeitliche Freudenfest wird
auff bestimmete Zeit / da ich lebe / vor sich gehen / möchte meiner Fr. Mutter
und Frl. Schwester gegenwart von Herzen wunschen / damit nicht allein ich jhnen
mein allerliebstes und mit allen Fürstlichen Tugenden begabtes Fräulein /sondern
zugleich auch andere Ehren-Begebnissen zeigen möchte / deren wir von Käyserl
Hocheit noch viel mehr gewärtig sind / wie zeigere dieses / Friederich und
Lutter werden berichten könne / denen sie vollen Glauben zustellen wollen; und
weil ich willig gestehen muss / dass mein Herkules aller meiner Ehren die einige
Ursach ist /dessen Heldenmuht und Tugend zubeschreiben ich undüchtig bin / wird
meine Fr. Mutter leicht erkennen /wie hoch wir demselben verpflichtet sind. Die
begehreten Gelder wolle meine Fr. Mutter nur zurück behalten: weil deren ich über
Notturfft habe / und in kurzem eines grösseren Schatzes mir vermuhten bin;
möchte nochmahls von Herzen gerne jhre und meiner Frl. Schwester Anwesenheit /
wo möglich / hieselbst wissen und sehen. Gegeben zu Padua am XII. Tage des Mei
Monats / von ihrem gehorsamen Sohn Ladisla.
    Mutter und Tochter lasen es zugleich mit einander /und ging dieser ihres
Herkules Ruhm dergestalt durchs Herz dass sie sich / von ihm geliebt zuwerden /
viel zugeringe schätzete Weil sie dann verlangen trugen Ladislaen Glük zu
erfahren / musste Friederich solches mit allen umbständen erzählen / welcher
dabei vermeldete / es zweiffelte niemand / die eroberte Beute in der Räuber
Höhle würde Herkules und Ladisla von dem Römischen Käyser ganz und gar
geschenket werden / ungeachtet dieselbe sich uber die CL Tonnen Goldes belieffe
/ welches die Königin vor ungläublich hielt. Lutter wahr vielfältig drauff
bedacht / wie er dem Fräulein die Sachen neben dem Schreiben heimlich beibringen
wollte / dass er von seiner Gesellschaft sich nicht trennen / sondern zugleich mit
ihnen nach Teutschland gehen möchte / hatte nun schon vernommen / wie gute Lust
sie zu schönen Pferden trüge / daher er die / so Herkules seinem Bruder
schickete / hoch zurühmen anfing / nebest anzeige / dass dem Durchl. Fräulein von
Fürst Herkules er auch eines zu liefern hätte / dafern dieselbe ihm gnädigst
befehlen wollte es herzuhohlen. das Fräulein verstund alsbald / dass er sie allein
zusprechen Gelegenheit suchete / sagte demnach zu ihm / er möchte sie alle
bringe / dass sie dieselben beschauete / als dann wollte sie biss in den grösten
Vorplaz folgen; welches dann alsbald geschahe / da die sechs nach Teutschland
übermachte zur Seite gestellet wurden / deren mit Gold und Perlen gestickete
Sättel und Zeug nach abgezogenen rohten ledernen uberzügen statlich hervor
blicketen; der Fräulein schneweisses / mit langer liechtrohter Mähne und
Schwantze ward von zween Teutschen absonderlich geleitet. Lutter hatte die zu
Padua empfangene ganz güldene Huefeisen ihm zu Prag mit silbern Nägeln
unterlegen lassen. Naseband /Gebiss / Stangen Steiffbügel und Spangen wahr alles
klammer Gold mit ädlen Steinen aussgesezt / vor dem Häupte hatte es ein Kleinot
hangen in gestalt eines halben Monden / welches von Demanten schimmerte; Zaum /
Sattel / Vor- und hinderzeug wahr mit Gold und Perlen auffs reichlichste
gesticket / uñ die Decke so auff dem Pferde lag / und an beiden Seiten den
Steiffbügeln gleich hing / wahr ein gülden Stük in grün / dass desgleichen Pracht
daselbst nie gesehen wahr. Ober dem Kleinot vor der Stirn wahr ein zartes
weisses Leder angehefftet / und auff demselben der Nahme VALISCA, mit guldenen
Buchstaben. Hinter dem Pferde folgete die blaue Sammete Gutsche mit sechs
muhtigen Blänken im güldenen Zeuge / welches alles das Fråulein mit Verwunderung
ansah / und Lutter ihr solches also einlieferte: Durchleuchtigstes Königliches
Fräulein / der auch Durchleuchtigste Fürst und siegreiche Held / Grossfürst
Herkules / hat mir gnädigst anbefohlen / ihrer Durchl. dieses Pferd /welches in
dem Eilande Sizilien geworffen und abgerichtet ist / in seiner Durchl. Nahmen
untertähnigst einzuhändigen / mit Bitte / solches an Stat eines geraubeten
Bandes unbeschwert anzunehmen / und mit schwesterlicher Gewogenheit im stets
zugetahn zu verbleiben. Die Gutsche samt auffgesetzeter Lade wird gleicher
Gestalt euer Durchl. von höchstgedachtem Fürsten zugeschicket / wobei ich den
Befehl habe / deroselben dieses Schreiben / und dabei gefugeten /zu der Lade
gehörigen versiegelten Schlüssel / ohn anderer auffmerkung zuzustellen / welches
ich hiemit an diesem bequemen Orte will geleistet haben / und wird eure Durchl.
mir göñen / dass die Lade alsbald auff ihr eigenes Zimmer getragen werde. Mein
Herr Oheim und Bruder / der Durchl. Grossfürst / antwortete sie / hat gar zu
übrige Kosten an den Pferdeschmuk geleget / welches ich nit zu vergelten weiss /
als nur mit einem schwesterlichen Willen / der zu keiner taht gelangen kann. Die
Lade werdet ihr hintragen lassen wie ihr befehlichet seid / und will ich schon
sehen wohin dieselbe etwa weiters soll fortgeschicket werden. Ihrer andern Leib
Jungfer Brelen befahl sie nach ihrem Zimmer mit Luttern zu gehen / denselben biss
auff ihre Ankunft mit unterredung auffzuhalten / und die Lade in ihr
absonderliches Kämmerlein niderzusetzen. Sie aber ging mit Libussen nach der
Königin /rühmete den überaus kostbahren Schmuk des von Herkules geschikten
Pferdes / und die wolgemachte Gutsche / zeigete daneben an / der Uberbringer
wollte von wegen ihres Herrn Bruders und dessen Frl. Braut sie gerne absonderlich
sprechen / wollte ihn deswegen auff ihr Zimmer führen / dafern es die Fr. Mutter
vor gut hilte; machte sich auff Bewilligung mit Libussen dahin / hiess Brelen
einen Abtrit nehmen und bei der Königin auffwarten / aber in Libussen Gegenwart
taht sie bei Luttern allerhand Nachfrage / und merkete /dass ihm ihre und
Herkules Liebe unbewust wahr /daher sie ihn abfertigte / mit dem Versprechen /
dass sie seine fleissige Verrichtung dereins zu seiner Befoderung wollte zu rühmen
wissen; gab ihm damit urlaub / ging mit der Jungfer in die absonderliche kleine
Nebenkammer / in welcher die Lade nidergesetzet wahr / machte den Schlussel los
/ und wollte alsbald auffschliessen / da sie von der Jungfer erinnert ward /den
Brieff erst zu lesen. Ach / sagte sie / aus übermässigen freuden habe ich dessen
gar vergessen; zog ihn hervor / und sagete weiter: Kom doch mein Kind /und hilff
mir meines Herkules Schreiben lesen / ich darffs allein nicht-erbrechen / aus
furcht / es möchte etwas wiedriges darinnen stehen. Etwas wiedriges? antwortete
sie; wisset ihr auch mein Fråulein / warumb er euer Gn. dass köstliche Pferd und
die schöne Gutsche geschicket hat? nirgend umb / als dass ihr darauff sollet zu
ihm nach Padua reiten oder fahren. O meine Herzen Libussa / sagte das Fräulein /
nun liebe ich dich erst recht / weil du so gar meine Gedanken sehen kanst /
welche mich diese ganze Nacht schlaffloss gehalten / ob ich nicht ein Mittel /
diese reise bei meiner Fr. Mutter zuerhalten / ausssinnen möchte / ist aber alles
vergeblich gewesen / biss das Glük mir solches ohngefehr jezt diesen Morgen an
die Hand gegeben / und ich darzu schon den ersten Anfang gemacht. O behüte Gott
behüte Gott / sagte die Jungfer: Eure Gn. werden ja diese meine Scherzrede nicht
in ernst auffnehmen; dann wer wollte zu dieser gefährlichen Reise rahten können /
angesehen ihre Gn. kaum vorm Stadtohr sicher ist / und ihrer Schönheit wegen so
heftige Nachstellung erfahren muss? Was? antwortete sie / woltestu mir nicht
bessern Trost geben / und in meinem Vorhaben mir hinderlich sein? glåube mir bei
meinen Ehren / dass ich dir mein Lebelang nicht trauen / noch dich lieben will /
wo du mir ein Wörtlein hierin zuwieder redest; mein Schluss stehet feste / ich
muss auff meines Herren Bruders Hochzeitfest / es gehe auch wie es wolle. Libussa
sah ihren Ernst /und gab zur Antwort; ihre Gn. wüste ja wohl / dass sie mit
willen ihr nicht zuwieder tuhn noch reden könnte /und wañ sie meinte sicher
durchzukommen / wollte sie es nicht allein gar nicht hindern / sondern
untertähnigst ansuchen / dass sie in ihrer Gesellschaft bleiben möchte. Ja
meinestu / sagte das Fräulein / ich werde ohn dich fortzihen? ich muss ja einen
geträuen Menschen bei mir haben / und wen wollte ich zwischen Herkules und mich
gebrauchen können / als dich meine andere Hand? Diese kunte ihren Scherz noch
nicht einzihen / uñ sagte; ich wundere mich uber euch / Gn. Fräulein / dass sie
den Wagen schon anspannet / ja dass in Gedanken sie sich schon zu Padua befindet
/ willens / mich an den Fürsten hinzuschicken / da sie doch noch nit eins weiss /
ob auch Fürst Herkules sie des Orts / wissen will; eure Gn. lese doch zu vor das
Schreiben / dann hat sie noch Zeit gnug übrig / sich zuerklären. Sie erbrach
dasselbe zwischen Furcht und Freude / und fand diesen beliebten Inhalt: Mein
Schöpffer / der allerhöchste und einige Gott / gibt meinem Gewissen und diesem
Schreiben Zeugnis / dass in diesem jrdischen mich nach nichts so sehr verlanget
/als zu erfahren meiner Durchl. Frl. Schwester Wolergehen / und ob sie ihres
unwirdigen / doch Herz- und Seelen-ergebenen Knechtes Herkules in
Schwesterlicher Gewogenheit und versprochener Liebe zuzeiten könne eingedenke
sein. Das Fräulein brach hieselbst ab / uñ sagte; O du mein höchstgeliebtes
allerwirdigstes Herz / warumb magstu doch an meiner träue zweiffeln /oder dich
selbst vor unwirdig schätzen uñ schelten /da doch mein unvolkommenes Wesen an
deinen Ehrenpreis noch lange und bei weitem nicht reichet? Geträue Liebe wanket
zwar nicht / anwortete Libussa / aber in langer Abwesenheit und weiter Ferne
fürchtet oder eifert sie noch wohl / insonderheit / wann man von dem so gar keine
Zeitung hat / dass man so heftig liebt. Wie leicht kann euer Herkules ihm diese
Gedanken machen; dass treflichste Königliche Fräulein der Welt / ist nunmehr in
die mannbahren Jahre getreten; ihre Schönheit leuchtet allen andern vor;
Dännenmark / Schweden / Wenden / und andere Königreiche (des neulichen Markomirs
hätte ich schier vergessen, haben ihre junge erwachsene Fürsten / deren keiner
sich wegern sollte / ein solches Kleinot der Welt mit seinem Blute zuerstreiten.
Ists dann Wunder / mein Fräulein / dass der teure Liebhaber / der beständige
Anbehter eurer Vortrefligkeit / die wahrhafte Wissenschaft eurer Gegenliebe
wünschet? Ich sage vielmehr / tähte ers nicht / ja fürchtete er das oberwähnete
nicht / so währe er entweder kein Erkenner eurer Schönheit / oder liebete nur
oben hin auff ein gut beraht. Lasset ihn demnach / Gn. Fräulein / wünschen und
wiederwünschen / biss er nach erhaltener Besitzung nicht mehr wünschen noch
fürchten / sondern nur trauen und geniessen darff. Es mangelt mir jezt gm
kleinen Gelde / sagte das Fräulein / sonst müste ich dir einen Heller schencken
/ welchen das in Gegenwart gesprochene Lob verdienet; aber ich will durch dein
Geplauder mich im lesen ferner nicht stören lassen; fuhr auch also aus dem
Schreiben fort. Verzeihet / Durchl. Fräulein / meiner Verwågenheit / und
schreibet sie / bitte ich / derselben Krafft zu / die solche in mir wirket;
eurem volkommenen Geiste / der nichts als Tugend bläset; euren durchbrechenden
Augelein / die alle Hertzen durchdringen; eurer unvergleichlichen Schönheit /
die sich bemühet / den Leib zur wirdigen Herberge einer so auserlesenen
kostlichen Seele zu machen.
    Recht so / Fürst Herkules / recht so / fing Libussa an; straffet mich nun
nach diesem mehr / mein Fräulein / wann ich eure Wirdigkeit preise; sehet / euer
Herkules / dem jhr vielmehr trauen müsst / sagets nicht allein in die
vergengliche Lufft / sondern er schreibets aus wolbedachtem Vorsaz auff
ewigwehrende Blätter / dass es bekleiden und bleiben soll. O Fürst Herkules / wie
einen breiten Schild gebet jhr mir in die Hand / welchen ich allen
Straff-pfeilen meiner Gn. Fräulein vorwerffen / und sie unbeschädiget auffangen
kann. Sprechet nun auch / mein Fräulein; Herkules du Fuchs Schwänzer / du
Schmeichler / du Liebkoser; Ja suchet eure kleine Gelderchen hervor /und bietet
ihm einen Schårf zum Schreibelohn / oder ist Schreiberei kostbahrer als
mündliches Vorbringen / so bietet ihm zween. Ey ei / sagte sie mit einem
Handklitschen / wie einen bewehrten Zeugen habe ich nun ohn alles gefehr
bekommen / den ich um viel nicht missen wollte. Frl. Valisska musste des
Vorbringens laut lachen / sagte endlich: es ist mir leid / dass ich den Brief
nicht allein gelesen / und dich nit davon gelassen habe; Nun könnte ich dir deine
Ruhmrätigkeit mit einem Worte umbstossen / wann ich bloss allein sagete; Mein
Herkules wisse aller unverständigen Kinder art uñ weise / dass sie niemand
günstiger sein /als der sie lobet; aber ich will mich nicht immerfort mit dir
katz-balgen / und gebiete dir / dass du mich vor Verlesung dieses allerliebsten
und herzerquiklichen Briefes ungestöret lassest. Nur noch ein Wort / mein
Fräulein / sagte sie / ist es der allerliebste und herzerquikliche Brief / so
ist er auch mit lauter Warheit angefüllet / dann Lügen und Unwarheit haben Euer
Gn. noch nie gefallen. Unterscheide die Lügen vom höflichen Scherze / antwortete
sie / so wirstu bald hinter die rechte Meinung kommen; lase damit weiter
folgenden Anhang: Diese Volkommenheiten / beteuere ich / wirken allein / dass ich
wünschen darff / dessen ich nicht fähig bin / und doch auff ihre beiwohnende
Güte mich verlassend / noch nicht gar von der Hoffnung abtrete /des so
köstlichen Gutes / welches die Welt kaum wert ist / und dem der eins völlig
geniessenden mehr Neider als Gönner machen wird. O Wunder dieser Welt! setzet
/bitte ich / meiner flatternden Seele einen festen Grund /welches nur mit diesen
Worten geschehen könnte / wann ihre holdselige Zunge ihrer Feder diss zu schreiben
anbefehlen wollte: Frl. Valisska erinnert sich des versprochenen
unwidersprechlich. O des süssen Klanges / O des erquiklichen Trostes! Nun mein
Fräulein / werde ichs schier erhalten / so bin ich genesen; verfehle ich aber
des Wunsches / so geniesse ein wirdiger und glückseliger als ich nicht bin /
wanns nur ohn meinen Willen geschihet /der sich unterstehen wird (wo möglich ohn
meiner Fräulein Verletzuug) ihm so hohe Vergnügung zu missgönnen; umb dessen
Abwendung ich meinen Gott täglich anruffe / und bei demselben nicht minder
Erhörung / als bei meinem Fräulein Beständigkeit zu finden hoffe. Beigefügetes
Reitpferd nebest bespanneter Gutsche und auffgesetzeter Lade / wolle mein
Fräulein von ihrem Diener Herkules als ein mögliches Zeichen seiner
unbewäglichen Untergebenheit auffzunehmen unbeschweret sein /und verbleibe ich
Zeit meines Lebens / Meiner gebietenden Fräulein gehorsamster und ganz
eigen-ergebener Knecht Herkules.
    O Fürst Herkules Fürst Herkules / sagte sie hierauff / warumb mag eure gar
zu zweifel spitzige Feder mir die Seele so durchstechen; oder was vor Ursach
habt jhr / mich vor träuloss und unbestendig zu argwohnen. Nichts / durchaus
nichts / antwortete Libussa / als nur / was dieser Brieff anzeiget / eure
Volkommenheit / deren zugeniessen er so hoch wünschet /und sie zu verlieren sich
befürchtet: wie er dann wohl gedenken mag / dass mehr junge Fürsten als er und
Markomir das schönste wählen. Und bedenket nur /mein Fräulein / ob jhr dieser
Steknadel so acht habet /als eures kostbahresten Kleinots; jene stecket jhr in
ein Nadelküssen / bleibet sie; gut; wo nicht / macht jhr euch weiter keine
Gedanken; dieses aber verschliesset jhr nicht allein in feste / mit eisen
beschlagene Truhen / sondern setzet es auff das wolverwahrteste Gemach / und
dannoch fürchtet jhr euch noch wohl vor Dieben. Warumb gönnet jhr eurem Herkules
nicht eben diese gebührliche Freiheit / sich der Diebe zu besorgen / die euch so
heftig nachstellen? Dieser Vorsorge verdenke ich jhn nicht / antwortete das
Fräulein / wann er nur meine Träue nicht in zweifel zöge / die ich bei Markomirs
anwerbung / und noch gestern / meiner Meinung nach / völlig dargelegt / in dem
ich seinet / ja bloss seinetwegen mich dem wütigen Strohm anvertrauet / ob ich
jhm zu gute uñ zu seiner Vergnügung mein Leben retten könnte / welches ich mir
sonst im troknen lieber hätte durchs Schwert kürzen lassen / sollte es auch mein
eigenes verrichtet haben / da mirs zur Hand gewesen währe. Wol / sehr wohl getahn
/ sagte die Jungfer; eure unvergleichliche Seele / eure geträueste Bestendigkeit
flammet aus dieser Taht Sonnen-klar hervor: aber gönnet doch / mein Fräulein /
gönnet dem durch hin verliebeten Fürsten dessen zuvor Wissenschaft / ehe jhr
seinen Zweifel /der doch so gar Zweiffelmuhtig nicht ist / anklaget und entgegen
feindet Aber will dann jhre Gn. die gelieferte Lade auch unbesehen wieder hinweg
tragen lassen / wie des Markomirs seinen geschahe? das wirstu bald erfahren /
antwortete sie / ergreif den Schlüssel / öfnete das wohl verwahrete Schloss / und
fand anfangs ein seidenes Tuch / als eine Hülle; nahm dasselbe hinweg / und zohe
etliche Stük der besten Güldenen Stük Tücher hervor dreierlei Gattung / jhr zu
Kleidern; Unter diesen stund eine helffenbeinen Schachtel in welcher zwölf
trefliche Stük allerhand Häupt- und Brust-Kleinote lagen; noch ein schwarzes
Schåchtelchen mit Gold belegt / welches da es geöfnet ward / blitzeten die
Strahlen von den kostbahresten Demanten hervor / dann es wahr der ganze
Räuber-Fürstin Schmuk / welchen Servilius jhm in der Höhle unvermerket
eingehändiget hatte. In beiden Schachteln lag ein kleines Brieflein / welches
andeutete / dass solches alles dem Fräulein von Herkules geschicket würde / zur
Vergeltung der jhm ehmals erzeigeten abwaschung des unsaubern Pannonischen
Blutes. Die dritte und vierde Schachtel fand sich auch / da in der einen eine
köstliche Halsskette von Rubinen und Smaragden üms ander geheftet / gedoppelt
drei Ellen lang / ein par Armbänder fünffdoppelt gleicher Art / ein Leib Gürtel
und Messerketchen eben derselben Arbeit / zwei Ohrengehänge und sechs Ringe mit
grossen Rubinen / gelegt wahren / auch ein beigefügetes Zettel anzeige taht /
dass es als ein Beutpfennig der Königin von Herkules sollte eingereichet werden.
In der lezten lagen zehn par güldene Armbånder und zehn Ringe / vor das adeliche
Frauenzimmer der Königlichen Fräulein / so dass jene schwarz und weiss verblümet /
und auff jedem Schloss ein schöner Rubin eingefasset wahr / diese aber drei
Rubinen in gestalt eines Kleeblades hatten; noch zwei par Armbänder von Rubinen
und Schmaragden / und zween Ringe von köstlichen Demanten / vor der Fräulein zwo
Leib Jungfern; und endlich XII köstliche Ringe von allerhand Steinen vor das
Fräulein selbst / welches alles auch ein Zettel anzeigete. Als Libussa nun die
schönen Tücher zu den Kleidern besah / fiel ein kleiner praller Beutel heraus /
von silbern Stük gemacht / uñ oben darauf zwo sehr schöne Korallen an statt der
Knöpfe / welchen sie ofnete / und tausend Stük ZahlPerlen darinnen fand /
(welche von der Räuber Fürsten jhren Kleidern abgeschnitten wahren) über deren
volkommener Reinigkeit / Grösse und Runde sie sich verwunderte / und den
überschlag machete / dass sie über eine Tonne Schaz austrugen. Hiemit wahr die
Lade / dem Ansehen nach / ledig / und doch sehr schwer zu heben / merketen auch
das ein Missscheid in der Lade wahr / weil sie den Bodem fast in der Mitte sahen
/ funden bald / dass derselbe kunte hinweg getahn werden / und traffen unter
demselben 15000 eingepackete Kronen an / dabei dieses Zettel lag: Der
Königlichen Fräulein Valisska Handpfennig auff ein Jahr 15000 Kronen. Nach kurzer
Betrachtung sagete das Fräulein; iezt klage ich meines Herkules Verschwendung
mehr an / als seinen vorigen Zweifel; dann lebet er ohn Gewissheit meiner Liebe /
warum schenket er mir dann mehr als mein ganzes Heirat Gut anträget? Sie
stellete Libussen ihre Anteil zu / welche davor dankete / legte ihren ganzen
Schmuk an / und nam der Königin überschiktes mit sich in der Schachtel. Als
dieselbe nun jhre Tochter mit solcher Kostbarkeit zu jhr treten sah /
entsetzete sie sich darüber / und sagte: Hatte der fremde dieses bei dir zu
werben? Sage mir doch / liebes Kind / von wannen komt dir ein solcher fünkelnder
Schaz? Ich will meiner Gn. Fr. Mutter den jhren zuvor auch anlegen / sagte sie /
und hernach die Zettel zeigen / welche uns den milden Geber kund machen sollen.
Die Königin stund als im Traum / als ihr so viel Stücke von dem Fräulein
gelieffert wurden / sah auch aus den Bei Brieffen Herkules Freigebigkeit / und
gingen jhr die Augen vor Freude über / da sie zu jhrer Tochter sagte: Du bist
wohl eine teure Bademagd; doch die Götter geben dir keinen unwirdigern zu waschen
/ als meinen Sohn Herkules / und weil derselbe dich mit einem so reichen
Handpfennige versehen / wirstu mir nichts mehr abfodern. Diese Worte durchgingen
der Fräulein Mark und Seele / dass ihr unmöglich wahr / ihre Liebesveränderung zu
verhehlen / dessen auch die Mutter wahr nam / und die Gedanken zufassen begunte
/diese beide würden schon ein mehres als Brüderschaft gemacht haben / welches
dann ihr einiger Wunsch wahr / uñ sichs doch nicht merken liess. Libussa musste
der Fräulein adeliches Zimmer herzu hohlen / denen die übergeschikte Sachen
eingereichet wurden / und Jungfer Brela als die andere / und nähst Libussen die
geheimeste Leib Jungfer / den andern Teil des vornehmsten bekam; nach deren
Abtrit fing das Fräulein also an: Herzallerliebste Fr. Mutter / ob gleich der
heutige fremde mir im Nahmen Fürst Herkules alle erwähnete Sachen eingeliefert
hat / ist doch dieses nicht seine Häupt- sondern nur Nebenwerbung gewesen / dann
er wahr eigentlich von meinem Herr Bruder Ladisla und dessen Frl. Braut
befehlichet / mir anzudeuten / dass wo einige Schwester- und Schwägerliche Liebe
ich gegen sie trüge / würde ich nicht unterlassen / auff ihrem Hochzeitfeir
zuerscheinen /da sie mir den wolverwahrten Beutpfennig selbst einliefern wollten
/ der nicht geringer als der übermachte sein sollte; und hätte Furst Herkules bei
dieser Gelegenheit solches verrichten wollen / weil er nöhtiger Geschäfte wegen
nach Rom reisen müste / und dem Beilager nicht beiwohnen könnte; Zwar sie
wünscheten beiderseits nichts liebers / als zugleich auch der Fr. Mutter
Gegenwart; weil aber die Landschaft unser beider Reise schwerlich einwilligen
würde /hätten sie darauff so hart nicht dringen dürffen. Nun wollte ich meiner
herzgeliebten künftigen Fr. Schwester ihr erstes Begehren nicht gerne
abschlagen /wanns immer mensch- und möglich bei der Fr. Mutter zuerhalten währe
/ warumb ich dann kindlich und demühtig bitte. Die Königin erschrak der Werbung
/und gedachte sie eins vor alles abzuweisen / gab ihr demnach diese Antwort:
Herzliebes Kind / sage mir davon ja kein Wort mehr; ich bin schon diese Nacht in
so grosser Angst wegen deines gestrigen Unglücks gewesen / dass mich alle mahl
gedauchte / du währest mir von der Seite gerissen; Ja wann du hinaus vor das
Tohr reitest / verlanget mich / dass ich dein Angesicht wieder sehe / uñ ich
sollte dich einen so langen gefährlichen Weg reisen lassen? bedenke / ob ich
solches vor dem Himmel und der Welt verantworten könnte /wann durch diese
Zulassung ich dein Unglück und Verderben befoderte? Dein Bruder wird ohn zweifel
mit seinem Gemahl hieselbst bald ankommen / dañ hastu noch Zeit genug / dein
Schwesterliches Hertz jhnen zu erzeigen; dass sie dir aber solches zumuhten
/geschihet nur Ehrenhalben / dann sie selbst würden mirs verdenken / wann ich
dich dergestalt hinzihen liesse. So entschlage dich nun solcher Gedanken / und
betrachte dein gestriges Unglück / als dañ wird dir dieser Vorsaz selbst
missfallen. Diese abschlägige Antwort trieb dem Fräulein die Trähnen aus den
Augen /welches die Königin sehr befremdete / und daher in ihren vorige Gedanken
/ wegen ihrer Verliebung gegen Herkules gestärket ward / dann sie kennete jhren
festen Sinn / und dass jhr Herz zuvor bluten musste / ehe das Augenwasser hervor
brach / hörete auch diese Rede der Fräulein mit sonderlicher bewågung an:
Gnådigste Fr. Mutter / es tuht meiner innigen Seele leid / und ist ihr fast
unerträglich / dass ich meinem einigen Herr Bruder auff seinem gewünscheten
Beilager nicht Gesellschaft leisten soll; Ja wann etwa Kriege oder andere Unruhe
währen / die mich hievon abhielten / dann hätte ich Entschuldigung einzuwenden;
soll ich aber mein nicht-erscheinen bloss hiemit beschönen / dass meine Fr. Mutter
mir solches nicht gönnen wollen / weiss ich nicht / ob redliche Leute daran ein
genügen haben werden. Mein Herr Bruder ist gleichwol ein berühmter und mächtiger
König / aber auff seinem eigenen Beilager wird er ein verlassener ohn-freund
sein / absonderlich / weil sein Herkules ihm keinen Beistand leisten kann; jedoch
muss ich meiner Fr. Mutter billich gehorsamen /wie schwer mirs auch in diesem
Stücke fället / wiewol ich noch der feste Zuversicht gelebe / sie werde sich
eines andern bedenken / uñ in einer so schlechten Sache meinen Herrn Bruder
nicht schimpflich stecken lassen. Ein Baur folget ja seinen Verwanten von einem
Dorffe zum andern; ein Burger von einer Stad zur andern / warumb sollten dann
Königliches Standes Schwester uñ Brüder einander diese Freundschaft nicht
leisten? Ich habe ja des Meers wüten nicht zubefürchten / dann die Gutsche kann
mich dahin tragen; so sind auch noch so viel Reuter wohl in Böhmen / die mich
sicher begleiten können / wann es nur meiner herzallerliebsten Fr. Mutter
gefallen wollte / welche noch dieses bedenken wird / wie ungleich die Frl. Braut
/ und jhre Eltern es ausdeuten werden / dass kein Anverwanter auff dem Beilager
erscheinet. Freilich werden sie argwohnen / als achte man diese Römische Braut /
und ihre Eltern zu geringe; welches wohl immerzu ein schlimmes Misstrauen
verursachen dürffte. Die Königin hatte sie uberaus lieb / hörete nicht allein
ihre wehmühtige Reden und nachdenkliche Ursachen /sondern sah daneben ihre
Trähnen herunter fliessen /welche sie länger nicht reitzen kunte / daher sie
antwortete: Gedulde dich liebes Kind / ich will noch weder ja noch nein gesagt
haben / sondern es vorhin mit den ReichsRähten in bedacht zihen / dann es ist
nicht so ein geringes / wie deiner Jugend nach du es von der Hand schlägest;
Wann du noch ein unmanbahres Fräulein währest / hätte ich so viel weniger
zubedenken; nun du aber schon ansehnlicher bist / als dein Alter mit sich
zubringen pfleget / muss ich so viel mehr und grössere sorge vor dich tragen. Ey
herzen Fr. Mutter / sagte sie / hindert mich sonst nichts an der Reise / so
könnte ich mich leicht mit einem Mañeskleide verstellen / uñ euch dieser angst
mit einem par Hosen benehme. Die Königin lachete des anschlags /uñ gab zur
antwort: O mein Schätzgen / meinestu dz dich iemand wege eines par Hosen vor
einen Jungling halte werde? Nein o nein! deine Zarteit / uñ dz du zimlich schon
gebrüstet bist / würde dich viel zu bald verrahten. Meinen Busem / sagte sie
weiss ich wohl zuvermachen; so war jensmal meines Bruders Fürst Herkules Zarteit
nicht viel geringer als die meine. Seine Sitten und Geberden / sagte die Königin
/ auch die Gliedmassen / gingen der Mannheit näher als deine. Ich will mich in
solchem allen auch wohl zwingen / antwortete das Fräulein / und ob ihr meine Haar
mir vorwerffen würdet / soll ein leichter Helm dieselben bald unsichtbar machen.
Du hast es schon gar fleissig übergeleget / sagte die Mutter / gehe hin und heiss
mir den Kanzler herkommen / dass ich seine Gedanken hierüber vernehme. Das
Fräulein seumete sich nicht / redete ihn mit höchster Freundligkeit an / er
möchte sich vor dissmahl als ein rechtschaffener Freund sehen lassen / und ihre
Reise befodern / welches nicht allein sie / sondern auch ihr H. Bruder
verschulden sollte; wer ihr aber hierin zuwieder sein würde / nachdem sie ihre
Fr. Mutter schon gewoñen hätte / an dem wollte sie sich schier heut oder Morgen /
als an ihrem ärgesten Feinde rächen; welche Dräuung er nicht unbillich zu herzen
zog. Sie hingegen wahr so schlauch / dass sie die versamleten ReichsRähte / bei
denen auch Pribisla wahr / stehendes Fusses besuchete / und eben die Verheissung
und bedraulichen Trozworte ihnen vorbrachte / worauff dieselben ungefodert nach
der Königin gingen / es mit ihr zu berahtschlagen / da das Fräulein vorher
Pribislaen seiner getahnen Zusage erinnerte / und mit diesen Worten beschloss: In
diesem Stük will ich euch redlich prüfen / ob ihr ein Werk- oder Mund-Freund
seid. Sie alle aber / wie auch zuvor der Kanzler versprachen ihr alle Befoderung
ihrer Reise / und liessen ihr doch die Gefahr nicht unangezeiget; welches sie
mit einem Gelächter und dieser Rede beantwortete: Gott hat mich gestern nicht zu
dem Ende im Wasser erhalten / dass ich Morgen oder übermorgen zwischen hie und
Padua soll erschlagen werden. Vielmehr sollen die Herren ReichsRähte betrachten /
dass ich durch diese Gelegenheit sie der schweren Last grossenteils enteben /und
ihren König mit mir überbringen werde. Als die ReichsRähte bei der Königin
anlangeten / und dieselbe ihnen ihrer Frl. Tochter heftiges und mit Trähnen
vermischetes begehren vorgetragen hatte / antwortete Herr Bretisla als
Reichskanzler also: Ihrer Königl. Hocheit Vorbringen ist von uns untertähnigst
angehöret / und schon von dem Durchl. Fräulein an uns fast heftig begehret
worden / dass wir in diese Reise einwilligen möchten. Meine Meinung nun hierüber
zu eröffnen / so gestehe ich / dass ich zwischen Tühr und Angel so klam nie
gestecket / als eben jezt; dann diese gefährliche Reise zu rahten / und die
Verantwortung auff mich zu nehmen / da ihrer Gn. einiger Unfal zustossen sollte /
ist mir nicht tuhnlich / dann es würde /wie billich / bei mir gesucht werden;
dem Fräulein aber steiff zuwiederstehen / will ich lieber die Kanzlei Bedienung
auffruffen / weil ihren gewissen Zorn und schwere Rache ich über mich zihen
würde. Die andern wahren alle der Meinung / aber niemand betrübeter als Pribisla
/ dass er auff sich selbst ungehalten wahr / umb / dz er nicht von Hoffe gezogen
währe. Endlich ward der Schluss gemacht / die Königin möchte das Fräulein
absonderlich vornehmen / ob sie von der Reise könnte abgebracht werden / wo nicht
/sollte man sie auff der sämtlichen Landstände Bewilligung hin weisen / so
verflösse inzwischen die Zeit /und würde das Beilager oder Hochzeitfest
gehalten. Die Königin liess sich alles wolgefallen / ohn dass sie der ReichsRähte
Gegenwart dabei wissen wollte; foderte das Fräulein vor / und nach wiederhohlung
der grossen Gefahr / vermahnete sie dieselben mit gütigen Worten / von diesem
Vornehmen abzustehen / dann /sagte sie / es könnte kein verständiger solches gut
heissen. Als sie diesen unbedingeten Abschlag hörete /überging sie zugleich ein
Herzbrechendes Leiden und rachgieriger Eyfer / und gab mit gebrochener Rede
diese Antwort; Nun wolan / du liebe Geduld / ergib dich deiner Fr. Mutter Gebot
in gehorsam / nach dem deren Wille / meinem Herr Bruder dem Könige / und mir des
Königes Schwester / zu wieder gemacht ist; sihe dich aber nach diesem vor /
Valiska / wem du trauest. Kehrete hiemit umb / und wollte davon gehen /aber der
Zorn übermeisterte sie / dass alles ihr rohtes in eine bräune verendert ward /
und sie im hingehen mit einem bitteren Lachen anfing: Ich hätte der gebührlichen
Dankbarkeit schier vergessen / damit ich den Herren Rähten samt und sonders
verbunden bin /umb dass ihr versprechen sie so fleissig ins Werk gerichtet; sie
sollen aber dannoch wissen / dass wann sie keinen andern Vorsaz gehabt / sie ihr
reiches Erbieten wohl sparen / und andere als ein Königliches Fräulein mit leeren
Worten speisen möchten. Nun nun / die Geduld / wie schon erwähnet / muss hie
Meister spielen / aber biss dahin. Unmöglich wahr ihr / ein mehres vorzubringen /
oder weiter fortzugehen / setzete sich deswegen auff den nähesten Stuel nider /
der Hoffnung / sie würde bessern Bescheid erhalten. Es erschraken aber die Rähte
dergestalt über ihre spitzige Reden / dass sie nicht umbhin kunten / durch den
Kanzler ihr also zu antworten. Durchleuchtigstes Fräulein / unsere
untertähnigste Bitte ist / uns des Argwohns gnädigst zuerlassen / und ihren Zorn
von uns abzuwenden / die Götter wissen das wir bereit und erbötig sind / auch
unser Blut vor ihrer Durchl. Wolfahrt auffzuopffern; ist dann ihre Gn. mit der
Frau Königin Antwort nicht friedlich / so geruhe sie doch gnädigst / es den
versamleten Landständen vortragen zu lassen / damit hernähst uns wenigen es
nicht in die Schuch möge gegossen werden / und man / welches ja der Himmel
abwende / uns nicht vor Verrähter des Königlichen Geblüts angeben und straffen
möge. Die Königin redete ihr auch ein / was diese Verwågenheit sollte / dass sie
denen dräuen dürfte / die an Stat des Königes herscheten; sie hätte sich
vorzusehen / und des ergangenen Abtrag zu machen. Gn. Fr. Mutter /antwortete sie
/ wann die Herren ReichsRähte also anstat des Königes herscheten / dass sie
dessen redlichem willen sich gemäss bezeigeten / währe ich straffwirdig; weil sie
aber wieder ihren König und dessen willen (der ihnen aus des Königes einladungs
Schreiben bekant ist) herschen wollen / werde ich ihnen nimmermehr gut heissen /
viel weniger der König; doch habe euer Mütterlichen Gn. ich zu heftig geredet /
so bitte ich dessen herzliche verzeihung; dz aber der Kanzler sich unterstehen
darff / mich über dz noch auffzuzihen / sage ich nochmahls / ich müsse es biss
dahin der Geduld befehlen. Dieser wusste vor Angst nicht zuantworten / endlich
entschuldigte er sich mit grossen verfluchungen / dass ihm solch bübisches
Vornehmen nie in den Sin gestigen währe. Worauff sie zur Antwort gab: Herr
Reichskanzler / ich nehme eure Entschuldigung an / wann ihr mir dagegen den Wahn
abnehmet / dass euer Vorschlag wegen der Landstände Versamlung auff nichts anders
gemeinet ist / als mir ein Näsichen anzudrehen / und durch diese Verzögerung die
Zeit des Beilagers vorbei zuspielen; wisset ihr nicht / dass am XVII dieses / das
Fest bestimmet ist? oder meint  ihr / ich könne ohn federn hinüber fliegen? Doch
/ ich will dieses alles nicht so hoch treiben / sondern sage nur so viel: Ist
eure Entschuldigung euch ernstlicher / als dass heutige Versprechen / so machets
also: Gebet unterschiedlichen Aussreitern einen offenen Brieff; traget in
demselben den vornehmsten Ständen des Königes Willen und mein Ansuchen redlich
vor / und hohlet also ihre Stimmen ein / als dann will ich euch vor unschuldig
halten / und sonst keines weges. Diesen Vorschlag /dessen sie sich wunderten /
mussten sie eingehen / und wiederhohlete der Kanzler seine Abbitte und
Entschuldigung / welche das Fräulein mit hohem Erbieten annam. Ihre Mutter
merkete wohl / was vor ein Hake sie so heftig nach Padua zohe / lies sichs aber
nicht vernehmen / und fragete doch / was sie bewöge /diese Reise so unablässig
zu begehren; welches sie beantwortete; Vor erst währe dass grosse Verlangen
/ihrem Herrn Bruder und künftiger Fr. Schwester zu gehorsamen; hernach bildete
sie sich gänzlich ein /wer ihr die Reise hemmen wollte / würde ihres Glüks
verhinderung sein / weil vor einem viertel Jahre ihr im Traume vorkommen / als
ob sie in Italien in der Stad Padua (welche sie nicht als aus den
GeschichtBüchern kennete) aus einem grossen Dornpusche /eine treffliche güldene
Kron / wie wohl nicht ohn Mühe hervorgezogen / da zwar die Dornen sie gestochen
/und doch nicht blutig gemacht; die gifftigen Schlangen unter dem Pusche sie
vielfåltig angehauchet / und doch nicht vergifftet hätten. Die Königin gab zur
Antwort; Ob sie sich dann vor solchen Dornen und Schlangen nicht fürchtete? es
währe ja leicht geschehen / dass ein Fräulein zuschaden und schanden kähme; sollte
demnach vielmehr sich durch diesen Traum von solcher Reise abschrecken lassen.
Nein Gn. Fr. Mutter / sagte sie; wer den Kern essen will /muss zuvor die Schale
zubrechen; die Kirschen oben im Gipffel werden zwar mit Gefahr abgebrochen /aber
sie schmecken doch am süssesten; so lasts nun sein / ob mich Dornen stechen /
wann sie mich nur nicht verwunden; dass mich Schlangen anhauchen /wann sie mich
nur nicht vergifften. Biss zu frieden /antwortete die Königin / die Aussreiter
sollen Tag uñ Nacht mit schnellen Pferden eilen / und der Landstände Meinung
einhohlen / aber deren Schluss soltu dich unterwerffen. Also wurden die Schreiben
schleunigst verfertiget / in welchen alles nach der Fräulein begehren angeführet
ward / neben angehengter Frage / in wie starker Bekleitung sie fortgehen sollte /
dañ es wollte der Kanzler sich alles verdachts entbrechen. Nun wollte aber Frl.
Valiska des gewissesten spielen /machte in aller stille ein kurzes
Nebenschreiben /darin sie umb Vergünstigung / und des Königes Willen zu geleben
anhielt / auch sich aller Dankbarkeit erboht; welches dann so wohl wirkete / dass
sie alle einwilligten / und die Anzahl der Begleitung den Reichs-Rähten
heimstelleten / ohn allein Herr Ninisla lobete nicht allein der Fräulein
Vornehme / sondern taht hinzu / es würde ein sonderlicher Wolstand sein /wann
sie als ein frisches Frl. etwa mit V oder VI Reutern fortzöge / gleich ob sie
eine Amazonin währe. Die Reichs-Rähte gaben ihr biss an die Römischen Grenzen 250
Reuter zu / deren hernach 110 umbkehren / und 40 gar mit ihr fortgehen sollten.
Frl. Valiska seumete sich nicht / sondern / nachdem sie umb der Braut
anverwanten willen eine Tonne Goldes an Barschaft / uñ treffliche Kleider vor
sich und den Bräutigam / wie auch eine gute Anzahl Kleinot in Wetscher gepacket
und auff MaulEsel geladen hatte /setzete sie sich mit Libussen und Brelen auf
eine Gutsche / lies ihr gewöhnliches PrunkRoss ihr nach führen / uñ eilete den
Weg in guter Sicherheit frölich fort /biss sie an einem Abend zimlich späte in
einem offenen Flecken vier kleine Teutsche Meile von Padua einkehrete / der
Meinung / am folgenden Morgen unbekanter weise den Einzug zu halten / und
anfangs keinen / ohn den alten Wenzesla ihre Ankunft wissen zu lassen. Weil sie
aber zu dem Hochzeitfest zu späte / und zu ihrem Unglück viel zu früh kahmen /
sparen wir ihre Begebnis biss dahin / und wenden uns nach Padua ins Wirtshauss /
woselbst Herkules und Ladisla / wie oberwähnet / bei den Böhmische Gesanten sich
etliche Stunden auffhielten / hernach Abscheid von ihnen nahmen / und dem
Statalter ihre Ankunft zuwissen macheten / der dessen froh wahr / und sie auff
seiner Leib-Gutsche zum Abendessen einhohlen liess /verwunderte sich ihres
herrlichen Ansehens / und ehrete sie als Königliche Gesanten. Die übergebrachten
Gelder liess Ladisla von des Statalters Rentschreiber annehmen / uñ seinem
Gemahl Fr. Sophien einliefern / ob sie gleich nicht zur Hochzeit / sondern zur
Reise geordnet wahren. Diesen Abend feirete Ritter Leches auch nicht / sondern
kauffte eine gute Rüstung nach seinem Willen / damit er auff der Stechebahn
erscheinen wollte.
    Es trug sich aber des Abends gar späte zu / dass der Statalter / indem er
die Steige hinunter ging / einen Brief mit dem Wischtuche unversehens auswarff
/welchen Fr. Sophia / die hinter ihn herging / auffhub /und unwissend des
Inhalts ihn in den Busem steckete; Weil auch unsere Helden die Vornacht bemühet
wahren / zum morgenden stechen alles anzuordnen /musste Frl. Sibylla bei ihr
schlaffen / da / indem sie die Kleider von sich legeten / der gefundene Brief /
an welchen sie nicht mehr gedachte / ihr aus dem Busen auff die Erde fiel;
dessen das Fräulein inne ward / und sie fragete / von wannen er kähme. Jene aber
zur Antwort gab: sie hätte ihn ohngefehr gefunden / wüste nicht / wer ihn
verloren / oder was ermeldete. Ey so lasset uns zusehen / sagte das Fräulein /
ob vielleicht etwas dran gelegen währe / dass mans seinem rechten Herrn wieder
zustellen möge. Als sie ihn nun auffalzeten / sahen sie / dass Herr M. Fabius der
Fräulein Vater ihn von Rom an den Statalter geschrieben hatte / legeten ihn
deswegen wieder zusammen / weil sie nicht begehreten ihrer Eltern Heimligkeiten
nachzuforschen; aber das Fräulein machte sich allerhand gedancken / dass ihr
Vater nicht an sie geschrieben /auch ihr Vetter ihr nicht eins den Elterlichen
Gruss angemeldet; daher sie sagete: Ich will ja nicht hoffen /dass etwa böse
Zeitung in diesem Schreiben begriffen sei; meine Fr. Mutter wahr nicht zum
besten auf / uñ wird mein H. Vater an seiner Zipperleinsplage niderliegen /
sonst währe er schon hie; einmal weiss ich wohl / dass Klodius und Markus die
Botschaft brachten / er währe etwas unpass gewesen. Fr. Sophien selbst wahr
nicht gar wohl dabei / wollte sie doch nit misströsten / sondern gab vor / sie
würde ja auch etwas drum wissen / wann ein sonderliches Unglück sich zugetragen
hätte; aber diese ward nur in ihrer furcht gestärket / dass sie endlich nicht
umhin kunte /sie zu bitten / den Inhalt ein wenig nachzusehen; worin sie ihr
gern zuwillen wahr / und diese Worte heimlich lase:
    Herzlieber Bruder / aller der deinen gutes Wolergehen habe ich beides aus
jetzigem und vorigem Schreiben ersehen; und wirstu Käyserlicher Hocheit
sonders-gnädigste Gewogenheit gegen die beiden fremden Helden wohl erfahren haben
/ deren ehiste Ankunft man sich dieses Orts mit Freuden vermuhtet. Wann dann
deiner Meinung nach / der Ritterliche Held Herr Herkules eine züchtige ehrliche
Liebe zu meinem Kinde tragen sollte /wollestu unbeschweret sein / mit ihnen
überzukommen /und unsere beiden Töchter mitzubringen / da dann wolgedachter Herr
ohn zweifel die gebührliche Anwerbung vor die Hand nehmen / und alles nach
Standes Erheischung vollenzihen wird. Dass aber meine Sibylla ihm so geheim sein
/ und vielfältige Unterredung mit ihm pflegen soll / ungeachtet ich an
beiderseits Zucht / krafft deiner Vergewisserung nicht zweifele / so nimt michs
dannoch nicht wenig wunder / weil bissdaher man sie / mit Mannesbildern umzugehen
/ nicht hat bereden können; doch ist sie Fleisch und Blut / hat auch eine
dankbare Seele / die ohn zweifel eine Gegenliebe in ihr wirket /weil sie von
diesem Helden Ehr und Leben hat. Wollest mich demnach eure Ankunft etliche Tage
zuvor wissen lassen / dass ich auff so wirdige Gäste / unangesehen meines
Zipperlein / mich in etwas schicken möge. Gehabe dich wohl / und biss neben den
deinen gegrüsset von deinem Bruder M. Fabius.
    Das Fräulein kunte des Endes kaum erwarten / aber auff ihre Frage gab Fr.
Sophia ihr zur antwort: Es kähme ihr die Hand unleserlich vor / deswegen sie ihr
einhelffen möchte. Meines Herr Vaters Hand / sagte sie / ist mir gar leicht zu
lesen / trat hinzu / uñ lase frisch weg / biss sie an die geschriebene Liebe kam
/da die Schamhaftigkeit sie dergestalt überfiel / dz sie kein Auge auffschlagen
durffte / sondern zu Fr. Sophien sagete: Geliebete Fr. Schwester / was vor Lust
hat sie doch an dieser Aufftreiberei? ich habe ja solches um euch wissentlich
nicht verschuldet. Sie hingegen beteuerte ihre Unschuld hoch / dass sie weder umb
diese Sache noch des Schreibens Inhalt ichtwas gewust hätte / biss auff ihr
Anhalten sie dessen inne worden; und was werffet ihr mir Aufftreiberei vor?
sagte sie / ist es eures Vaters Hand / werdet ihr wissen. Ach ja / antwortete
das Fräulein / es ist freilich dessen Hand / aber wie mag er doch immermehr auff
solche Gedanken gerahten sein? Lasset uns den Brief vollends durchlesen / sagte
Fr. Sophia / so finden wir vielleicht / das uns aus dem Zweifel helffen kann.
Weil sich aber das Fräulein weiteres lesens wegerte / lase sie ihr das übrige
fein deutlich vor / worüber sie vor Scham nicht mehr bei ihr bleiben kunte /
sondern legete ihre Niderkleider ab / und machte sich nach dem Bette; und als
Fr. Sophia ihr alsbald folgete / fing jene an: Ach herzgeliebte Fr. Schwester /
was vor Unglück doch / hat euch diesen Brief in die Hände gebracht? nun sind ja
die Götter meine unfehlbare Zeugen / dass weder Herr Herkules dergleichen Liebe
je an mich gesoñen / noch ich gegen einigen Menschen mich dessen verlauten
lassen; aber das Schreiben gibt mir ausdrüklich so viel an die Hand / dass mein
Herr Vetter der Statalter uns beide in Verdacht halten muss / worin er uns gewiss
das gröste Unrecht tuht /weil wir dessen aller dinge unschuldig sind; aber
dieses gestehe ich euch / dass auff sein ehrliebendes Anhalten ich ihm
Schwesterliche Liebe und Träue verheissen / welches ich umb so viel lieber
getahn / weil ich des Vorsatzes bin / dass / wann mir der Himmel einen solchen
leiblichen Bruder gegeben hätte / ich an andere Mannes- als Vater- und
Bruder-Liebe nimmermehr gedenken wollte. Fr. Sophia antwortete: Herzen Schwester
/ warumb machet ihr euch deswegen so bekümerte Gedanken? Dann vorerst ist ja
nichts im Schreiben / das euch zu Schimpff oder Unehr könnte ausgedeutet werden /
und währe über das diese Ehe ja so uneben noch nicht angeleget / in Betrachtung
/mein Herr Bruder Herr Herkules hohes Fürstenstandes ist / wie ihr wohl gläuben
möget / und ihr eins des andern wohl wert währet; Ist nun mein Herr Vater durch
eure freundliche Unterredung uñ sonst bisher gepflogene Freundschaft in diese
Gedanken gerahten / das lasset euch ja nicht wundern / dann ich will euch
bekennen / dass ich eben der Meinung gewesen bin /aber dessen mich gegen niemand
verlauten lassen /weil euer keiner mir dessen ichtwas vertrauet hat. Saget mir
aber eure herzliche Meinung / wann Herr Herkules umb Heirat anhielte / woltet
ihr ihm solches abschlagen? Darzu ist er viel zu verståndig / antwortete sie /
dass er solches nicht bei mir / sondern bei denen / die über mich zugebieten
haben / suchen würde; bitte deswegen / die Fr. Schwester wolle dieses Fass
zuschlagen / und von ungefangenen Fischen keine Mahlzeit anrichten; ich habe ihr
schon mehr /als meine Scham ertragen kann / zugehöret. Fr. Sophia sollte aus der
Fräulein Reden billich gemuhtmasset haben / dass Herkules keine eheliche Liebe
gegen dieselbe trüge / aber ihre Einbildung wahr so starck auff diese Ehe
gerichtet / dass sie noch immerzu einen guten Ausschlag hoffete; brach doch vor
dissmahl ab /und begab sich zur Ruhe. So bald der Sonnen Vorbohte den Himel
Bleichroht / und die Erde süss-feuchte gemacht / wahren diese beide schon wache /
und liessen sich auffs allerbeste ausputzen. Fr. Sophia merkete / dass das
Fräulein nie so grossen fleiss auff ihren Schmuk / als dissmahl angewendet / uñ
dass ihr einfältiges frommes Herz immer zutähtiger ward /daher sie umb so viel
mehr ihr Vorhaben ins werk zurichten sich entschloss / so bald einige Gelegenheit
sich eräugen würde. Es wahr gar ein schöner lustiger Tag / und weil die
Stechebahn nahe vor der Stad wahr / wollten sie sich der Gutschen nicht
gebrauchen / sondern zu fusse hinaus gehen / da der Statalter und sein Gemahl
voraus traten / und folgeten nach der Ordnung / Ladisla mit seinem Gemahl /
Herkules mit Frl. Sibyllen; der junge Fabius mit Fr. Ursulen / und hinter ihnen
die Böhmischen Gesandten. Herkules wahr wegen versicherter Liebe seiner Frl.
Valissken so voller Vergnügung / dass er sich nicht mässigen kunte; und weil er
Frl. Sibyllen in so treflicher Zierde neben sich sah / lag ihm die andere so
viel stärker im Gedächtnis / daher er mit dieser sich desto freundlicher
geberdete / dessen Fr. Sophia fleissig wahr nam. Auff der SchauBühne nahmen sie
den Sitz nach der Ordnung des Ganges / aber Frl. Helena / da sie Herkules nicht
zum Begleiter haben sollte / sondern Frl. Sibylla ihr vorgezogen ward / stellete
sie sich krank und ging nach Hause. Die drei Geschenke / so den Uberwindern
sollten eingereichet werden / wahren ein Halssband am Wert 3000; ein Armband 1600;
und ein Ring 1000 Krone, welche Fr. Sophia / Frl. Sibylla und Fr. Ursul
austeilen sollten; auch waren so viel grüne / mit treflichen Perlen durchzogene
Krånze dabei gelegt. Die Gesetze wurden abgelesen / und offentlich auffgehenkt;
als I. sollte weder scharff noch feindselig / sondern mit stumpffen Speeren
gestochen werden. II. Der Gefellete sollte seinen Gegener nicht weiter bemühen.
III Schwertstreit währe allerdinge verbohten. Hierauff hielten die Ritter ihren
Einzug in die Schranken / CXXV an der Zahl; Der erste wahr ein ansehnlicher Herr
/ der auff seinem Helm eine Engel führete / in dessen Rechten ein Schildlein
hing mit dieser Schrifft: Benè si honestè. Gut genug / wanns erbar ist. In
seinem Schilde stund ein Ritter / da einen Riesen umbrachte / und diese Worte
dabei: Robur cedat fortitudini. Leibeskrafft muss der Hertzhaftigkeit weiche.
Seine Feldbinde wahr Karmesihn roht mit treflichen Perlen durch und durch
gesticket / und die Pferdedecke gleicher Farbe mit Silber durchwircket; sein
Harnisch blau angelauffen / mit silbern Sternichen / und sein Pferd weiss mit
braunen Flecken / als mit Aepffeln beworffen. Wie er auff die Bahn ritte /schlug
er den Helm auff / und erwies den Zusehern grosse Ehr und Höfligkeit im grüssen
/ dass niemand zweiffelte / er müste ein grosser Herz sein / wie er dann sechs
wolgeputzete reitende Diener hatte; unter dem Angesicht wahr er schwarzbraun /
doch lieblicher Gestalt / seines Alters ohngefehr von XXIIX Jahren.
    Nach ihm kam ein Ritter in schwarzem Harnische /und überal schwarzem Zeuge /
welches so artig gemacht wahr / als kröche es vol kleiner Würmlein. Im Schilde
stund eine Jungfer / die einen Ritter umbfangen hielt / und ein ander zohe sie /
wie wohl vergebens und wieder ihren Willen zu sich; die Umbschrifft wahr: Aut tu
meus, aut ego vermium cibus; Du must meine / oder ich der Würmer Speise sein.
Auff dem Helm hatte er den Tod mit der Sichel / der diesen Spruch in der Linken
führete: Præstat mori quam sperni: Besser Tod als verachtet sein. Es wahr dieser
ein vornehmer Römischer Herr / gegen Frl. Sibyllen mit Liebe verhaftet / daher
trug er gegen Herkules einen starken Eyfer / weil er ihn vor ihren Bräutigam
hielt / dz wo er sich vor dem Käyser nicht gefürchtet / er ihn gewiss zum Kampf
aussgefodert hätte. Der dritte wahr mit einer lichtblanken Rustung gezieret / mit
schwarzem Blumwerk; Feldzeichen und Pferdedecke wahren auch weiss / mit schwarzen
Korallen gesticket / und das Pferd glänzend schwarz. Im Schilde stund ein
Uberwundener mit frölichem Angesicht / ungeachtet ihm Helm / Schild und Harnisch
zuschlagen / und das Blut im aus den Wunden floss / mit diesen Worten rings
umbher: Victus sæpè Victore fortior. Der Uberwundene ist oft herzhafter als
der Uberwinder. Auff dem Helme lies sich ein nidergelegter Löue sehen /und diese
Worte auff einem Nebentäflein; Succumbo Sorti. Ich unterwerffe mich dem Glücke.
Nach ihm folgeten die übrigen in feiner Ordnung; aber der lezte hatte die
meisten Anschauer / dessen Harnisch mit fleiss geetzet wahr / als ob er ganz
restig währe. Feldbinde und Pferdedecke wahr Himmelblau / aber mit Seide artig
durchwircket / als obs mit Koht hin und wieder beworffen währe / daher etliche
ihn den Kotigten / andere den rostigen Ritter nenneten. Im Schilde führete er
einen Hinkenden mit diesen Worten; Pedis vitium me fecit ultimum. Meines Fusses
Mangel macht dass ich der lezte bin. Auff dem Helm stund ein hesslicher Mann /
welcher die linke Hand vor die Augen hielt / und in der Rechten ein Täflein mit
diesem Spruche: Nocte latent mendæ. Bei Nachtzeit sihet man den Mangel nicht.
Als die Schranken geschlossen wahren / stellete sich ein unbewapneter Reuter vor
die Schaubühne / und fragete: Ob von dem Römischen Statalter ihm vergünstiget
währe / eine Frage vorzubringen. Und als ihm von demselben mit ja geantwortet
ward / sagte er: Es währe ein vornehmer Herr unweit von hinnen / welcher vor
etlichen Wochen einen sehr lieben Freud / nahmens Silvan der Grosstähtige / durch
unfal verloren hätte; weil dann derselbe willens währe / den Tod seines
Freundes an dem Tähter zurächen / und aber er denselben nicht ausforschen könnte
/ als bähte er diese hochlöbliche Versamlung durch Rittersehre / da ihrer einem
solcher Tähter kund währe / und wo er anzutreffen / ihn dessen zuverständigen /
damit er seinem Vorsaz ein genügen tuhn könnte. Herkules hörete bald / dass es
eine errichtete Frage wahr / baht den Statalter umb urlaub zu antworten / und
sagete zu dem Abgeschikten: Mein Freund / ich erinnere mich / mit einem Silvan
Händel gehabt zu haben / welcher aber kein Grosstähtiger /sondern ein
StrassenRäuber und gewalttähtiger Menschen Dieb wahr / auch besser des Büttels
als eines Ritters Schwert verdienet hatte / welchen demnach kein redlicher
Ritter zurächen vornehmen wird; jedoch / wann dein Herr gleichwol solch unsauber
Blut seiner Rache wirdig achten sollte / kann er sich melden / und sein Heil
versuchen / welches in solchen ungerechten Sachen sehr geringe pfleget zu sein.
Dieser gab zur Antwort; es würde seinem Herren sehr lieb sein / dass er seinen
Mann angetroffen / und wann derselbe bei dem Statalter könnte erhalten / dass er
sich weder vor noch nach dem Kampffe nennen und sein Angesicht zeigen dürfte (es
währe dann dass sein Feind ihn dazuzwünge) wollte er sich inwendig zwo Stunden
einstellen / und seiner Verpflichtung ein Genügen tuhn. Herkules antwortete: Er
könnte sich mit keinem Ungenanten schlagen / es währe dann dass ein Bürge sich
stellete / welcher bezeugete / dass sein Aussfoderer kein Ubeltähter oder Unmann /
sondern ein redlicher Ritter währe. Jener wiederantwortete darauff; Sein Herr
währe hohes Adels und ritterlicher Redligkeit / aber dass er nicht wollte erkennet
sein /währe bloss die Ursach / dass er seines Feindes gar zu grossen Freund den
Römischen Käyser fürchten müste; wåhre doch des steiffen vorsatzes auff
unverhoffete abschlägige Antwort nicht zuruhen / biss er den Todschläger seines
allerbesten Freundes / auff was Weise es auch geschehen möchte / nidergeworffen
hätte. Herkules lachete dessen und sagte; Mein Kerl / wann ich vor diesem
Trotzer mich fürchtete / würde ich dich mit gutem Recht und fuge lassen auff die
Folter legen / biss du mir deines Herrn Schlupffwinkel meldetest / welcher mir
vor Käysl. Hocheit Rede und Antwort geben müste; aber dass ich in seiner
Vermässenheit ihn nicht steiffe / so nehme ich den Kampff an mit samt der
bedingung / welche ihm redlich soll gehalten werden. Zwar der Statalter wollte
einsperrung machen / mit beteurung / es sollte dieser Bube / weil er eine
gewaltsame Räubertaht verfechten wollte / am Leben gestraffet werden; aber
Herkules Wille ging vor / und musste ihm Klodius sein Pferd und Rustung / die er
ihm bezeichnete / aus der Stad hohlen / da Ladisla und Fabius die ihre auch
bringen liessen. Inzwischen ging das Stechen in den Schranken an / da die
vornehmsten ruhig wahren /und die Unachtsamere sich dergestalt tummelten / dass
sie mehrenteils die Erde küsseten. Silvans Rächer blieb nicht gar eine Stunde
aus / und hatte Herkules sich kaum mit Ladisla und Fabius ins Feld gesetzet /da
er einen sehr grossen Ritter in ganz schwarzer Rustung sah über das quer Feld
mit sanftmühtigem Schritte daher kommen. Derselbe wahr von seinem Abgeschikten
berichtet / mit was vor einem unbärtigen schwanken Jüngling ers würde zutuhn
haben; dessen er dann so unmuhtig wahr / dass er vermeinte / lauter Schande an
demselben zu erstreitten. Nun wollte Herkules vor dem Kampff mit seinem
Wiedersacher sprache halten / und als er solches einwilligte /ritten sie gegen
einander / da Herkules seinen Helm auffschlug / und zu ihm sagete: Ritter / ehe
ich mit euch Kämpffe / möchte ich von euch gerne berichtet sein / ob ihr
eigentlich wisset / in was vor schändlicher Taht ich den Silvan ertappet / und
nidergelegt habe. Silvan der Grosståhtige / antwortete dieser / hat nie was
schändliches begangen / sondern er als ein Aussbund der löbliche Ritterschaft
verdienet / dass hundert tausend Ritter sein ådles Blut rächen / welches ohn
allen zweifel unredlicher Weise muss vergossen sein; kann auch nimmermehr glåuben
dass von eurer Federleichten Hand er auff Ritters Weise im wenigsten habe können
beschädiget werden / wovon ich weiters nicht reden noch hören / sondern also mit
euch handeln will / dass ihr dem tapffern Silvan zum Opffer geschlachtet werdet.
Mein Kerl / sagte Herkules / ich höre schon das ein Räuber den andern lobet
/möchte aber wünschen dass du dein dräuen einstelletest / damit ich Ursach hätte
/ mit dir etwas freundlich umbzugehen; weil du aber nur schlachten wilt / ob
währestu ein Metscher und ich ein Schaff / so muss ich mich bemühen / dessen eine
Reue in dich zubringen. Ja antwortete dieser / wann deiner ein par Dutzet währen
/ möchtestu dräuen; dass du aber mit wenigem wissest / wornach du dich zu richten
habest / zeige ich dir hiemit an / dass dieser Streit sein soll ein Kampff ohn
Gnade. Wolan / sagte Herkules / ihm sei also /wo du nicht bald dich eines
bessern bedenkest; kehreten hiemit beide umb / und auff den ersten Trometen
Schal renneten sie mit eingelegten Speeren so grimmig auffeinander / dass die
ganze versamlete Ritterschaft und alle andere Zuseher dessen sich entsetzeten /
auch ins gemein dem Fremden den Sieg zulegeten. Sie traffen beiderseits wohl /
doch weil Herkules grosse Krafft anwendete / musste der Fremde im Sattel
schwanken / dass ihm der Fal sehr nahe wahr / und er hingegen unbewägt vorbei
rennete. Weil auch die Speere gar zusplittert wahren / griffen sie zu den
Schwertern / wiewol der Fremde sich nicht wenig entsetzete / dass sein Feind
ungefellet blieben wahr / und noch den Vortel erhalten hatte. Ihr
Schwertgefechte ging an / so bald sie sich erreichen kunten / und meinte der
Rächer añoch / mit Herkules bald fertig zu werden / deswegen er als ein Rasender
auff ihn anfiel / dass er anfangs gnug zutuhn hatte / seine grimmigen Streiche
teils auszunehmen / teils durch aussweichen abzulehnen / wozu dann sein Pferd wohl
abgerichtet wahr. Endlich / wie dieser ohn auffhören fortstürmete / brach
Herkules weidlich los mit seinen Doppelhieben / dass der vor erst nur wütete /
nunmehr sich schützen musste / und wehrete dieser Kampff über eine halbe Stunde /
ehe man an ihnen einige müdigkeit vernam; aber endlich gingen des Rächers Hiebe
langsamer und schwächer / dessen sich Herkules zum Vortel gebrauchete / und ihm
dergestalt zusetzete /dass ihm das Blut an unterschiedlichen Orten seines Leibes
hervor sprützete / uñ er selbst zweiffelte / ob er unserm Helden in die Harre
würde können zu Pferde ausshalten. Weil er dann / angesehen seiner gewaltigen
Leibes grösse / den Sieg zu Fusse ihm gänzlich einbildete / gab er Herkules
Pferde eins in die linke Seite / dass es ganz undüchtig zum Gefechte ward. Dieser
ergrimmete über solchem Schelmstucke /sprang geschwinde herunter / hieb seines
Feindes Pferde das Maul enzwei / und zwang ihn / gleicher gestalt herunter zu
steigen; worauff der Kampff von neuen / und gar auff eine andere Art anging;
dann hier wollte Herkules weder weichen / noch einigen Schlag unbezahlt lassen /
sondern taht seinem Feinde so gedrange / dass er etliche Schrit hinter sich
zuweichen gezwungen ward. Es wollte aber Herkules demselben kein Wort / weder
böses noch gutes zu reden / sondern je mehr derselbe an Kräfften abnam / je
heftiger er ihm zusetzete; worüber er ihm mit dem Schwert hinter den Schild kam
/ und ihn am linken Arm so hart verwundete / dass er den Schild fallen lies /
daher dieser ihm die Rechnung einer kurzen Niderlage leicht zu machen hatte /
verwunderte sich aber / als er sah /dass sein Feind den Schild auch von sich
legete / und zwar bloss nur darumb / dass er keinen Vortel vor ihn haben wollte;
noch dannoch wahr der Rächer so frevelmühtig / dass er kein Wort reden wollte /
weswegen Herkules ihm dergestalt umb die Ohren ging / dass ihm geschwand /
welches er merkend / zu ihm trat /ihm den Helm vom Kopffe reiss / und zu ihm
sagete: Nun habe ich dich gezwungen / mir dein Angesicht sehen zulassen / und
melde mir ja bald deinen Nahmen / oder unser Streit muss ein Kampff ohn Gnade
sein. Der Rächer bisse die Zähne im Kopffe / und weil er bei dem Käyser keine
Gnade zuhoffen hatte /setzete er stilschweigens auff Herkules mit höchster Wuht
/ welches aber einen kurzen Lauff hatte / massen er gar bald einen Stoss ins
rechte Auge bekam /dass er zu Bodem fiel. Er fragete ihn also liegend / ob er
lieber seinen Nahmen von sich geben / oder den Kopff verlieren wollte; Und als
dieser an statt der Demuht noch schmäheworte vernehme lies / schlug er ihm das
Häupt mit einem Streiche herunter / wischete sein Schwert / und ging ganz
unverwundet nach seinem Ladisla zu / welcher ihm mit einem ledigen Pferde
entgegen rante / worauff er sich setzete / und den Statalter baht / dass er den
Reutern ihres todten Herren Leichnam wegzuführen gönnen möchte; welches er
leicht erhielt. Die Anwesende Ritterschaft verwunderte sich zum höchsten über
Herkules Tapfferkeit /und riefen ihm alle Glük zum Siege zu / denen er mit
blossem Häupte / und frischen freundlichen Angesicht dankete; baht auch den
Statalter / dass das Stechen alsbald seinen Fortgang wieder gewinnen möchte
/nachdem er seine übung geendiget / deren er sich nicht vermuhten gewest währe.
Der Einrit in die Schranken geschahe nach der erstgehaltenen Ordnung / und
versuchten sich noch etliche Ritter / die kein sonderliches Zeichen löseten; biss
der zum ersten eingerittene sich auff die Bahn setzete / seinen Helm auffschlug
/ und ins gemein redete: da einer oder der ander ihn eines Rittes wirdigen wollte
/ währe er solches zuerkennen willig. Der schwarze Ritter gewehrete jhn des
Ansuchens / traffen zu beiden seiten wohl /uñ liessen sich keines Wanks merken;
im and'n Ritte entwischete dem Schwarzen der rechte Stegreif / aber im dritten
musste er gar herunter / da doch jener stets fest sitzen blieb / auch bald
ümkehrete / und den gefelleten üm Verzeihung baht / indem er zugleich dessen
Manheit preisete / und den Fall bloss auff das Gluk legete; welche Höfftigkeit
unseren Helden wolgefiel. Nach diesem Verlauf stellete sich der blanke Ritter
ein / und baht ümb einen Versuch; worauff ein starker ansehnlicher aus dem
Hauffen hervorsprengete / und diese Antwort gab: Ritter ich bin euch zugefallen
/ dafern ich nicht zu dem andern treffen genöhtiget werde. Dem Blanken dauchte
diese Anmuhtung etwas stolz sein / und sagete: Ritter / wir wollen zuvor den
ersten Gang versuchen / und den andern auff gut Glük aussetzen. Es führete sein
Gegener einen Uhr Ochsen im Schilde / welcher mit den Hörnern wieder einen
grossen Baum lief / mit dieser ümbschrifft; Ne quid nimis. Vermiss dich nicht zu
viel. Auf dem Helme stund das Glückes-Bilde / und diese Worte dabei: Per me
succumbit fortior. Wañ ich will muss der Stärkere unterliegen. Sie nahmen beide
einen langen Lauff /traffen nicht allein mit den Speeren / sondern auch mit den
Pferden und Leibern dergestalt / dass sie ubern hauffen fielen / und jederman
gedachte / sie hätten unter jhren Pferden das Herz im Leibe zubrochen;
arbeiteten sich doch los / und sahen mit Verwunderung / wie jhre Pferde alle
riere von sich strecketen und verschieden / dass man sie musste hinweg schleppen
lassen; bekahmen aber von den Zusehern ein gutes Lob jhrer Manheit / und ward
jhnen gegönnet / andere Pferde hohlen zu lassen. Nachgehends renneten noch
manniche zusammen / und empfingen einander zimlich rauch; da Frl. Sophia
Gelegenheit nam / mit jhrem Ladisla zu reden wegen Herkules und Sibyllen Heirat
/ nachdem sie aus jhren freundlichen Gesprächen eine heimliche Liebe / jhrem
Vorgeben nach /muhtmassete; worauf er zur Antwort gab; er wüste nicht / was er
in diesem Stük von jhm gedenken sollte; sie würde aber von dem Fräulein zu
vernehmen haben / ob er bei jhr dessen etwas geworben håtte / dann wo solches
nicht sollte geschehen sein / hätte man kein Wort deswegen zu verlieren; welche
Antwort sie fast aller Hoffnung beraubete. Der erste Ritter mit dem Riesen ward
von einem ansehnlichen Herrn ausgefodert / welches jhn doch bald gereuete / weil
er im ersten Ritte springen musste. Der Kotigte wollte sich biss daher an nichts
kehren / hielt gar am Ende / ob währe er ümb zusehens ankommen / dass man schon
einen gemeinen Spot aus jhm machete / und ein stolzer Ritter / welcher im
Schilde einen Sperber führete / der eine gefangene Taube hielt / sich offentlich
verlauten lies / er müste mit diesem Rostigen eine kurzweil anrichten; ritte
auch zu jhm / und sagte: Ritter / ich meine / jhr seid auch erschienen / ein
Speer zu brechen / welches ich mit euch gerne versuchen wollte. Dieser hatte
gleich seine Gedanken am anderen Orte /und betrachtete Herkules tapferes
Gefechte / desgleichen er nie mit Augen angesehen hatte / daher gab er auff
solche Rede keine Antwort; welches jener jhm vor eine Furchtsamkeit auslegete /
und in dem er jhn beim Arme fassete / also fort fuhr: Ritter jhr haltet in
tieffen Gedanken; oder wegert jhr euch meines Ansuchens / so muss ich weiter
gehen. Dieser schämete sich des Fehlers / und gab zur Antwort: Gewisslich Herr
Ritter / ich habe nicht gemeinet / dass seine ehrliche Anfoderung an mich
gerichtet wåhre / sonst würde ich gebührlich geantwortet haben. Es ist noch
Zeitig gnug / sagte jener / wañ ichs nur gewehret werde. Ganz gerne / antwortete
dieser; dann wer einen Rit scheuhet / muss warlich ausserhalb Schranken bleiben.
Nahmen hierauf ohn ferner Wortwechseln die Bahn ein / und warteten alle
Anwesende mit Verlangen / was dieser Kotigte gutes verrichten würde. Sie sahen
dass er im Sattel sich sehr wohl hielt / das Pferd artig zu tummeln uñ sein Speer
geschiklich zu schwenken wusste; aber sein Gegenteil versprach jhm selbst de Sieg
so gewiss / als hätte er jhn schon in Fåusten gehabt; wiewol das Treffen viel
einanders auswiess; dañ er ward von dem Kotigten so unsanft auff die Erde gesetzt
/ dass jhm sehen und hören verging / und man jhn mit zubrochenem Arme von der
Bahn hinweg tragen musste / da doch jener sich im geringsten nicht bewägete / und
aller Zuseher Gunst bekam / welche sageten / dem Hochmuht währe recht gelohnet.
Des herabgestochenen Bruder wollte diesen Schimpf rächen / welcher im Eifer zu
jhm ritte und also redete; Rostiger; das Ungluk hat meinen Bruder durch eure
unwirdige Hand abgesezt / der sonst eurer dreien sollte Fuss gehalten haben; ich
aber werde nach endigung dieses Schimpffspiels wissen / euch deswege zu
besprechen. Dieser gab jhm zur Antwort; Glänzender und Wolgepuzter / ich habe
eurer Zungenkraft schon erfahren /was aber euer Arm vermag / muss ich biss dahin
aussetzen / und sollet jhr mich nach alle eurem Begehren finden. Der Statalter
und unsere Helden höreten diesen Zank und verdross sie nicht wenig / dass der
Aussfoderer solchen Frevel gebrauchen durfte / daher jhm der Statalter selbst
geboht / sich als ein Schänder seiner Gesetze bald zupacken / oder der straffe
gewärtig zu sein; Aber der Rostige antwortete darauff; Gnädigster Herr
Statalter; es geliebe eurer Durchl. diesem Ritter gn. zu verzeihen / und uns
beiden zu erläuben / dass wir alsbald unsern Span ausser den Schranken mit Speer
und Schwert schlichten mögen. Der Statalter beredete es kürzlich mit unsern
Helden / und gab jhm zur Antwort: wohl an Tugendhafter Ritter / ich willige in
euer Begehren. Sie wurde des beiderseits froh / machten sich hinweg und nahmen
jhre scharffen Speere zur Hand / da der Ausfoderer an der rechten Schulder hart
verwundet / zur Erde geworffen ward; daher der Obsieger abstieg / den
Schwertstreit zu Fusse mit jhm antrat / jener aber wegen empfangener Wunde
schlechten Wiederstand taht / dass dieser ihn leicht hätte niderschlagen könne;
Er wollte aber nicht / sondern sagte zu jhm: Mein Freund / könnet jhr von der
ganz unbillichen Rache abstehen / will ich euch des Streits gerne erlassen / weil
ich sehe / dass die empfangene Wunde euch an weiterm Gefechte sehr hinderlich
ist. Dieser wollte solches ehrliche Erbieten nicht ausschlagen / und gab zur
Antwort: Ritter ich erkeñe eure Höfligkeit / die mich euch zu aller freundschaft
verbindet; gaben darauff einander die Hände / und schieden wohl vergnüget; wiewol
der Rostige sich wieder in die Schranken begab / da sich alsbald fünff Ritter
nach einander an jhm rieben / welche alle springen mussten / dass seine vorige
Verachtung in den höchsten Ruhm verwandelt ward. Nun meinte der Schwarze Ritter
an diesem zuerlangen / was er an dem ersten verloren hatte / traffen auch
zweimahl mit gleicher Standhaftigkeit / aber im dritten Satze ging es mit jhm
wie vorhin. So hatte der Blanke auch ein Pferd wieder bekommen / und versuchte
sich mit jhm / hielt auch zween harte Püffe aus / aber im dritten ging er über
und über. Der mit dem Uhr Ochsen wagete sich an den ersten / und ward gleicher
gestalt im dritten Treffen nidergeleget. Es hütete sich aber der Rostige mit
fleiss / diesem ersten kein Anlass zum ansfoderen zu geben / und tummelte sich mit
andern weidlich herum / die ihm alle denunwilligen Fussfall tahten; wie gleicher
weise jener erste sich auch nicht säumete / und ebenmässige Krafft sehen liess /
daher alle wünscheten / dass diese beide es mit einander auffnehmen möchten /
damit man den besten kennete; uñ hoffete zwar dieser / es würde der Rostige ihm
die Spitze bieten; weil es aber nicht geschahe / machte er sich zu ihm / uñ
sagte: Ritter / ihr seid in diesem Spiel oft ausgefodert / aber allemahl zu
euren Ehren /welches ich eurer Tapfferkeit wohl gönne / und schier nicht wagen
darff / euch ein mehres anzumuhten; hätte demnach wünschen mögen / dass unsere
Speere sich einander auch gegrüsset hätten / welches zwar das meine noch gerne
leisten wollte / wann ichs ohn Unhöfligkeit bitten dürffte. Der ander merkte wohl
/dass dieser ein grosser Herr sein müste / und antwortete ihm mit demühtigen
Worten: Er achtete sich dieser Ehr unwirdig / mit dem weiter noch zu stechen
/welcher ausser allem Zweiffel den höchsten Preis schon erworben / wollte auch
sein begehren / wann es ohn Verletzung Ritterlicher Ehr geschehen könnte /gerne
von sich lehnen / weil er aber hoffete / ihm durch Wilfåhrigkeit einen Dienst zu
tuhn / währe er bereit ihm zugehorsamen. Herkules hörete ihn reden /und sagte zu
Ladisla: Dieser Ritter zeigt inner- und äusserlich seine Demuht an / hält sich
vor Rost- und kötig / und ist der wolgeputzeten einer / dessen Kundschaft ich
wohl haben möchte. Dem Ausfoderer gefiel seine Höfligkeit nicht weniger / baht /
mit dem unverdienten Lobe sein zu verschonen / und würde ihm /sich mit jhm
zuversuchen / angenehmer sein / als alles übrige schon geleistete. Worauff jener
abermahl seine Willigkeit anboht. Sie foderten feste Speer / begegneten einander
zierlich und herzhaft / dass die Speere splittersweise in die Lufft flogen / und
keiner im Sattel bewäget ward. Diese beide stechen umb den ersten Preis / sagte
der Statalter zu Ladisla / wo sie ihn nicht beide gewinnen. Ich fürchte eben
dasselbe /antwortete dieser / schikte deswegen nach der Stad /ein Halsband / dem
ersten gleich / herzuhohlen. Die Stecher foderten neue Speere / und wurden auff
sich selbst unwillig / dass sie im andern Ritte beiderseits fehleten / weil jeder
sich bemühete / dem andern aus dem Stosse zuweichen / und seinen anzubringen;
tahten darauff den dritten so viel heftiger und gerade zu / da sie beide hinter
sich bogen / auch der Rostige einen Stegreiff verlohr / dessen doch niemand
innen ward; und weil die Speere abermahl zubrochen wahren / nahmen sie nochmahls
andere / ranten als blindling / und traffen sehr wohl / auch ohn alles wanken; im
vorübertraben aber griffen sie einer nach dem andern / zogen sich von ihren
Pferden / sprungen bald auff / und fingen an mit einander zu ringen / in welchem
der Rostige schier sollte Meister worden sein; weil aber die Richter auffklopffen
und sie warnen liessen / traten sie voneinander / und lieffen ihren Pferden zu.
Bald darauff ward das Stechen auffgeruffen / und den Rittern ins gemein Dank
gesagt / welche auff den folgenden Tag wieder eingeladen wurden. Die Richter /
Herren Kornelius und Emilius traten mit Fr. Sophien / Frl. Sibyllen und Fr.
Ursulen zusammen / und urteileten / dass der erste und lezte in gleichem Wert den
höchsten Preis verdienet hätten; den andern legten sie dem Blanken / und den
dritten dem Schwarzen zu. Da liess nun Fr. Sophia die ersten beiden vor sich
fodern / und redete sie also an: Manhafte /hochädle Ritter / wie selten es
geschihet / dass zween zugleich den höchsten Preis verdienen / so hoch verwundert
man sich über euer beider gleichmässigem Wolverhalten / und dass man ihre
Tapfferkeit so gar nicht zu unterscheiden weiss / ohn dass der eine hat müssen
scharff fechten. Der erste entschuldigte sich der Ehren / und legete dem
Rostigen das höchste Lob zu; dieser gab dagegen vor / sein Stechen währe mit
dieses seinem nicht zuvergleichen / welches alle anwesende würden bezeugen
müssen. Aber Fr. Sophia sagte: Ihr Herren Ritter / werdet ja unserer Herren
Richter Urtel nicht ungültig machen / sondern dieses unwägerlich als einen
wolverdienten Gewin annehmen; reichte damit einem jeden das Halsband ein /und
dass sie dabei sich ihres Wolverhaltens allemahl zuerinnern hätten. Der Rostige
aber taht seinen Helm ab / dann er wahr der Böhmische Ritter Leches / ging
ungefodert nach Ladisla auff die SchauBühne / setzete sich vor ihm auf die Knie
/ und sagete überlaut: Durchleuchtigster / gnädigster Herr; dass gestriges Tages
Euer Durchl. ich die Hände untertähnigst zuküssen unterlassen / bitte ich umb
gnädigste Verzeihung / bin sonst mit den Königlichen Herren Gesanten herüber
kommen / keiner andern Ursach wegen /als Ihrer Durchl. untertähnigst
auffzuwarten / und in meines Königes Diensten zu sterben; Zog sein Schreiben
hervor / und übergab es seinem Herrn / welches die Königin ihm absonderlich
mitgegeben / und darinnen seines Vaters des alten Pribisla Träue überschrieben
hatte; begehrete auch / diesen guten Ritter in geheime Dienste zunehmen / und
als einen Königlichen Verwanten zu halten. Ladisla wahr nicht allein seiner
Ankunft froh / sondern freuete sich insonderheit / dass er sich im Kampff und
Stechen so ritterlich verhalten hatte / hiess ihn auffstehen / boht ihm die Hand
(welche er küssete) und versprach ihm alle, Gnade und Gewogenheit. Inzwischen
stellete Frl. Sidylla dem Blanken / und Fr. Ursul dem Schwarzen Ritter das
andere und dritte Geschenk zu / und gingen nach Vollendung wieder hin nach des
Statalters Hof. Bei dem Abendtanze ging alles lustig zu / wobei Frl. Helena
Ehrenhalben sich musste finden lassen / deren Eifer gegen Frl. Sibyllen Herkules
gemerket hatte /und jhm übel gefiel / insonderheit / weil er schon andere
Unarten an ihr spürete / welche nirgends als aus ihrer Eltern Nachlässigkeit
herrühreten / massen dieselben wegen gar zu grosser Liebe jhre Gebrechen nicht
sahen / viel weniger abgewehneten; Weil dann Herkules dergleichen
Unvolkommenheiten nicht kunte zugetahn sein / entielt er sich ihrer mit fleiss /
und näherte sich Frl. Sibyllen umb so viel mehr / weil er sonst keine
Gesellschaft hatte / und Fr. Sophien ihren Ladisla gönnen musste. Dieses
verursachete / dass man ihn vor verliebet schätzete / welches doch in sein Herz
nicht kommen wahr / hütete sich auch fleissig / kein Liebes-Gespräch mit ihr
zuhalten / weil er merkete /dass ihr Herz eines mehren / als der brüderlichen
Freundschaft sich gerne hätte bereden lassen / wann er Anlass darzu geben
wollen. Frau Sophia hermete sich sehr / dass sie nichts gewisses von ihm erfahren
kunte / taht ihr auch leid / dass das liebe Fräulein bei ihren Eltern selbst in
diesem Verdacht sein / und vielleicht durch vergebliche Hoffnung auff Herkules
/alles andere Glük verscherzen sollte: zu geschweigen /dass ihr solche Kundschaft
mit ihm / übel ausgedeutet / und von andern gemeidet werden möchte / dass sie wohl
gar darüber dürffte sitzen bleiben. Dieses wo möglich / abzukehren / setzete sie
sich zu Herkules an die ander Seite / und fragete / ob sie den dritten
Sprachmann geben dürffte; baht ihn hernach / er möchte helffen die heutigen
Ritter beobachten / unter welchen etliche vornehme Römische Herren währen /aus
denen sie die Wirdigsten hervor suchen / und sie ihren beiden Frll. Wasen / als
Frl. Helenen und Frl. Sibyllen freien wollte. Sibylla aber die solches hörete
/auch ihren Vorsaz wohl verstund / dessen sie sich doch nicht merken lies / gab
zur Antwort; sie gedächte noch auff kein heirahten / wollte auch nicht hoffen
/dass man Ursach hätte / sie so freigebig ausszubieten; zweiffelte daneben / ob
sonderliche vornehme Römische Herren bei dem heutigen Ritterspiel sich
angefunden / massen sie kein sonderliches Wolverhalten von ihnen gesehen hätte.
Herkules gab ihr Beifal /und rühmete an ihr / dass sie ihres Glüks abzuwarten
willens währe. Dessen Fr. Sophia lachete / und zu ihm sagete; wie wann dann
etliche sich bemüheten /dem Herr Bruder auch eine an die Hand zubringen? was
gilt / wo er alsdan einen so geträuen Beistand an meiner Frl. Schwester haben
würde? Dass hat mit mir nichts zu bedeuten / antwortete er / massen meine Sachen
noch zur Zeit also beschaffen sind / dass ich an heirahten oder Liebe nicht
gedenken muss / wann gleich meine Jugend nicht währe; mit ernst aber von meiner
hochgebohrnen Frl. Schwester zu reden /möchte ich wünschen Gelegenheit zu haben
/ ihr dereins auff ihren hochzeitlichen Ehrentagen auffzuwarten / und sehe ich
dieselbe vor so verständig an / dass sie sich nicht wird überschnellen lassen;
meines teils muss ich mit derselben bekennen / dass sonderlicher Herren Gegenwart
ich heut nicht verspüret / und ob mir gleich nicht geziemen will einigen Menschen
verächtlich zu schätzen / so kann ich doch nicht umbhin /meines Herzen Gedanken
zu offenbahren / dass unter der heutigen Ritterschaft (wann ihrer gleich XII in
einander geschmolzen würden) ich keinen gesehen /der meiner Frl. Schwester Liebe
zur Heirat wirdig währe. Ach mein Herr / antwortete das Frl. ich hätte solches
Lobes mich billich zubedanken / wanns nicht gar zu hoch währe / nach dem meine
geringfügigkeit mir wohl bewust ist / und ich von den hohen Tugend-volkommenen
Rittern und Herren mir keine Hoffnung zu machen habe. Der Tanz verstörete dieses
Gespräch / weil Herkules ein vornehmes Paduanisches Fräulein zugeführet ward /
mit welcher er einen zierlichen Tanz hielt / kam hernach mit dem Statalter ins
Gespräch / welcher von ihm zu wissen begehrete / wie bald er die Reise nach Rom
fortsetzen würde; dem er zur Antwort gab; er wollte inwendig acht Tagen mit
schnellen Pferden fortgehen / Käyserl. Hocheit untertähnigst auffzuwarten / und
bald darauff eine höchstnötige Reise vornehmen; welche Antwort den Statalter
nicht wenig befremdete / als welcher ihm viel andere Gedanken eingebildet hatte.
Herkules redete ihm zwar die Warheit seines Vorsatzes / welche er diese Nacht
bei sich beschlossen hatte / dz nach abgelegter Reise nach Rom / er Ladisla
(unter dem Schein einen Christlichen Ort seinem Gelübde nach / allein
zubesuchen) zu Padua verlassen / und in geheim nach Böhmen reiten wollte / in dem
nähesten Städlein bei Prag sich auffhalten / seine Anwesenheit dem Fräulein
zuwissen machen / und durch seine Gegenwart uñ mündliche Unterredung einen
festen Schluss ihrer künftigen Ehe setzen / welche er nach zweier Jahre verlauff
(die er in den Morgenlåndern durch Ritterschaft zubringen wollte) zu volzihen
Hoffnung fassete. Aber Gott schikte es viel anders / wie in folgenden Büchern
wir werden zuvernehmen haben.
    Diese Nacht erhub in unserer Helden Marstalle sich ein gräuliches gepölter /
dass die Pferde vor Angst strampfeten / und die Knechte aus Furcht sich
verbergeten; welches des folgenden Morgens angemeldet /und daraus gemuhtmasset
ward / es würde heut beim Stechen scharff daher gehen; welches aber nicht
erfolgete / sondern gelinder als das vorige wahr / ohn das zween Ritter im
herunter fallen das Genik abstürzeten / und einer von seinem Pferde geschleiffet
ward / dass er des dritten Tages hernach die Seele ausbliess. Die Preissträger des
vorigen Tages / liessen sich heut nicht gebrauchen / daher jener mit dem Uhr
Ochsen den ersten Dank / eine Huhtschnur von Demanten auf 1000 Kronen; Klodius
den andern / einen Federpusch mit einem Kleinot / auf 800 Kronen; Und Markus den
dritten / ein Käyserl: Brustbilde mit Demanten eingefasset / auf 600 Kronen /
davon brachten. Diese Nacht hielt die Spükerei in dem Marstalle an / und wahr
heftiger dann vorhin so dass die Pferde sprungen /schlugen uñ wrinscheten / dass
kein Diener hinzu nahen durfte / welches Herkules anfangs vor ein solches Werk
des Teufels hielt / durch welches derselbe ihm eine missgläubige Furcht einjagen
wollte; Verfugete sich auch zimlich früh nach dem Obristen Christlichen Lehrer
daselbst / es mit jhm zu bereden / welcher es auf gleiche Weise auslegete / und
sich erbot / mit der ganzen Christlichen Gemeine es in sein andächtiges Gebeht
zu nehmen / und Gott den Herrn inbrünstig anzuruffen / dass er des Teufels Werk
zerstören /und alles Unglück gnädig abwenden wollte. Ladisla nam es auch sehr zu
Herzen / und durch Fr. Sophien lies er die heidnischen Pfaffen ersuchen / den
Göttern Opfer zu schlachten / welche nicht allein solches über sich nahmen /
sondern auch ohn Herkules Vorbewust (der es sonst nicht wurde eingewilliget
haben) allerhand Räuchwerk und andere abergläubische Dinge in dem Stalle
verrichteten / mit dem vorgeben / dafern diese Nacht sichs nicht enderte / müste
man auff vier Wochen den Stal räumen / das Pflaster ümkehren und das Dach mit
neuen Steinen belegen.
    An diesem dritten Tage ward ein Ringel rennen gehalten / bei welchem sich
Herkules in prächtiger Kleidung finden lies / tummelte sein Pferd dermassen /
dass aller anwesenden Augen sich nach jhm kehreten. Bei dem Rennen bedingete er
sich / zwar zur Lust und in Gesellschaft mit zumachen / aber keinen Teil am
Gewinn zu haben. Weil ers dann allen andern weit zuvor taht / schikte jhm das
Frauenzimmer einen schönen Blumen Kranz mit köstlichen Perlen und ädlensteinen
ümbwunden / welchen er mit höflicher Ehrerbietung an den rechten Arm steckete.
Der ordentliche Siegesdanck ward dem fremden zuerkennet /welcher des ersten
Tages nebest Leches den höchsten Gewinn erhalten hatte; nehmlich / eine güldene
Speer Spitze mit Rubinen eingelegt / ein par güldener Sporen / und ein par Steig
Bugel auff gleiche art gezieret /ingesamt am Wert 4000 Kronen. Dieser håtte
unsers Herkules Kundschaft gerne gehabt / weil er jhm über die masse gewogen
wahr; nachdem er aber eine schleunige Reise fortzusetzen hatte / ritte er nach
geendigter übung zu jhm hin / und redete jhn also an: Hochberümter Ritter und
Herr; ich dieses Orts ein Fremder auch Ausländischer / möchte wünschen / die
Gelegenheit zu haben / mit demselben in bessere Kundschaft / und da ichs wert
sein könnte / vertraulichere Freundschaft einzutreten / als welcher vor
RittersEhr und Zier nicht unbillich von jederman geschätzet wird; weil aber die
Nohtwendigkeit mir befihlet / meine Reise straks Angesichts fortzusetzen /bitte
ich sehr / mein Herr wolle mich / Nahmens Pharnabazus aus Persen / unter die
Zahl seiner auffrichtigen Diener und geträuen Freunde auffnehmen / und bei
diesem schlechten Ringe (welchen er jhm reichete / uñ über 3000 Kronen wert
wahr) meiner stets eingedenke sein / da dañ meine höchste Vergnügung sein würde
/ meinem Herrn der eins angenehme Dienste leisten zu können. Herkules bedankete
sich dessen mit sonderlicher Freundligkeit / und sagete: Mein Herr /ich schätze
mich ganz unwirdig des gesprochenen Lobes; Die verheissene Freundschaft ist mir
tausendmahl angenehmer / trage meinem Herrn ein gleichmässiges aus redlichem
Herzen auff / uñ möchte sich wohl begeben / dass ich die abgelegenen Morgenländer
besuchete / da seinem lieben Nahmen nachzufragen /ich unvergessen sein werde /
wann ich nur des Orts etwas genauere Nachricht haben könnte; reichete jhm auch
einen Ring ein / köstlicher als der empfangene /und nöhtigte ihn / bei dem
Statalter mit einzukehren. Dieser nam die Gedächtnis mit hohem Dank zu sich
/dabei anzeigend / sein Nahme währe bei den Fürsten Höfen in Assyrien / Susiana
/ Persen / Meden / uñ andern mehr / auch in der Partischen Hauptstad selbst
zimlicher massen bekant / wann man nur fragete nach Pharnabazus des Persen
Artaxerxes Oheim. Nachgehends meldete er ihm vertraulich an / es würden in
kurzer Zeit solche Verenderungen und Begebnissen in den Morgenländern vorgehen /
dergleichen in mehr als 400 Jahren nicht erhöret währen / und dafern er
/Herkules / belieben trüge / in fremden Kriegen / Lob /Ehr und Gut zuerstreiten
/ wurde in der ganzen Welt ihm bessere Gelegenheit nicht zustossen / wollte ihn
auch bei seiner Redligkeit versichern / dass an Persischer seiten ihm seine
Kriegsdienste dergestalt sollten ersetzet werden / als er würde wünschen können.
Dass er aber nach seinem begehren mit ihm vor dissmahl nicht einkehrete /
verhinderte seine höchste Eile /worauff vieler tausend Seelen Wolfahrt haftete
/ und er sich hieselbst / bloss aus Begierde seiner Kundschaft / schon zu lange
auffgehalten hätte / welches er mit Nachtreisen einbringen müste; nam hiemit
Abscheid / baht / das eröffnete ingeheim zuhalten / und den Durchleuchtigsten
Fürsten Herrn Ladisla untertähnig grüssen. Herkules kunte ihn wider seinen
Willen nicht auffhalten / wünschete ihm Glük zu alle seinem wichtigen Vorhaben /
versprach auch / inwendig Jahrs frist / da er lebete / mit einer kleinen
Ritterlichen Schaar / bei welcher er vor Räuber Anfall gesichert sein könnte /
sich in Persen finden zu lassen /welches diesem Herrn überaus angenehm wahr /
auch zuvernehmen gab / je stärker er kommen würde / je angenehmer würde er sein
/ ungeachtet man auff allen fall zum überfluss Völcker hätte. Also begab sich
Herkules nach Hofe / woselbst über Tische von diesem fremden Herrn viel geredet
ward / und schätzete ihn der Statalter vor einen Partischen Gesanken / der
irgend bei dem Käyser nöhtige Werbung zuverrichten hätte / worin er doch irrete
/ massen er von andern Morgenlåndischen Fürsten abgesendet wahr. Des Abends nach
der Mahlzeit bei dem Tanze / überfiel Herkules eine ungewöhnliche Traurigkeit /
deren er sich durchaus nicht entschlagen kunte / wie sehr er sich gleich der
Fröligkeit annahm. Ladisla merkete solches an ihm / und fragete / ob er sich
nicht wohl befunde; dem er antwortete: Ich weiss fast selber nicht /wie mir ist;
mein Gemüht in mir ist als zerschlagen /mein Herz ligt mir im Leibe als ein
Kiselstein / und weiss dessen doch nicht die allergeringeste Ursach; darumb bitte
ich meinen Gott / dz er von uns alles schädliche gnädig abwenden wolle. Mir ist
nicht viel besser zu sinne / sagte Ladisla / weiss nicht / ob etwa die
vielfältigen Gåstereien solchen Ekel und Widrigkeit erwecken mögen; sähe demnach
gerne / dass du dich zur ruhe legtest / so will ich dir bald folgen. Ich bin
gleich des willens / antwortete er; rief Klodius zu sich / und befahl ihm / dass
er 1000 Kronen morgen gar früh dem Christlichen Lehrer bringen sollte / dieselben
unter die Arme auszuteilen; schrieb auch / da er in seiner Schlaffkammer
angelanget wahr / ein Brieflein an denselben / offenbahrete ihm sein trauriges
Anliegen / und begehrete / dass gegen morgen früh er sich auff eine Trostpredigt
schicken möchte / nach deren Anhörung er willens währe etwas auszureiten.
Richtete hiemit seine herzliche Andacht zu Gott / und sprach unter andern dieses
Gebeht: Gnädiger Helffer! mein Heiland JEsus Christ; verzeihe mir gnädig die
bisher begangene grosse üppigkeit / und dass ich schier ohn einigen
rechtschaffenen Gottesdienst / diese Tage in der Weltpracht und nichtigen
Fleischeswerken zugebracht habe; Du weist / HErr mein Gott / dass ich wider
meinen Willen mich dabei finden lassen muss / und viel lieber in stiller
Einsamkeit dir dienete / dein heiliges Wort zubetrachten; allein ich lebe ja
leider in der Welt / in der heidnischen Welt / da ich manniche Abgötterei und
Bosheit anzuhören gezwungen werde / und mich solchem unbillichen Wesen nicht
widersetzen darff. HErr sihe mich an mit den Augen deiner väterlichen
Barmhertzigkeit; wende von mir des Herzen Traurigkeit / uñ gib mir einen ruhigen
FreudenGeist / welcher von der welt sich abzihen und dir in beharlicher furcht
dienen möge. Solte aber etwa ein schweres Unglück wegen meiner vielfältigen Sünde
mir bevor stehen; O HErr so wende es in Gnaden von mir / und stehe mir zur
Rechten / dass ich darunter nicht erliegen möge; alsdann will ichs durch deine
Hülffe gerne tragen / und deine Züchtigung zur heilsamen Besserung annehmen;
dann ich weiss HErr /dass des Fleisches Wolergehen mich auff dem Wege zum Himmel
nicht erhalten kann / sondern deine Gläubigen dir durch viel Trübsal nachfolgen
müssen. Erhöre mich HErr mein Gott umb deiner Barmherzigkeit willen / und lass
deine Güte über mich walten / wie ich auff dich hoffe.
    Nach geendigtem Gebeht legte er sich und schlug alle weltliche Gedanken aus
dem Sinne. Ladisla wollte samt seinem Gemahl mit Herkules in einem Gemache
schlaffen / weil er seine Traurigkeit sah; folgete ihm auch bald nach / und
funden ihn schon in voller Ruhe / da er einem Engel Gottes ähnlicher als einem
Menschen sah. Die Arme hatte er nacket aus dem Bette liegen / und die Hände
gefalzet / dann über dem Gebeht (welches stets seine Gewonheit) wahr er
eingeschlaffen. Sie wollten ihn in seiner Ruhe nicht stören / legten sich auch so
sanfte nider / dass er ihrer Anwesenheit nicht inne ward. Als es gegen den
Morgen ging / liess er einen schweren Seufzen im Slaffe hören / worüber Ladisla
erwachete / und ihn bewäglich fragte / ob er sich nit wohl befünde. Er vernam nun
erst / dass er mit ihm auff einem Gemache schlieff /und gab zur Antwort; Ey dz
Gott walte / wie schrecken mich die leidigen Träume und einbildungen; Gott
behüte mich und alle die meinen vor schwerem und unerträglichem Unglück. Fr.
Sophia baht ihn / sein Anliegen zu melden; welches er ihr nicht versagen wollte /
und zeigete an / es währe ihm vorkommen / als hätte ein listiger Fuchs einen
grossen hauffen hungeringer Wölffe auff ihn gehetzet / welche ihn grimmig
angefallen / und das Herz ihm aus dem Leibe gerissen /welches er zwar endlich /
aber mit unausssprechlicher Mühe und Lebensgefahr wieder bekommen / da er sich zu
Wasser und Lande darnach wagen müssen. Ladisla sagete darauff; alle böse
Deutungen gehen über unsere Feinde; aber Fr. Sophia / welche ihnen die traurigen
Gedanken benehmen wollte / machte einen Scherz daraus / gab vor / sie könnte daher
anders nichts schliessen / als das ein schönes verständiges Fräulein ihn
verliebet machen / und der Liebes Gott seine Pfeile mit hauffen auff sein Herz
zuschiessen würde / biss er sein ander Herz erlangete und in seine Gewalt
bråchte; welches er mit wenigem beantwortete / uñ sie darauff / weil es noch
sehr früh wahr / bald wieder einschlieffen / ohn Herkules / der ohn unterlass in
seinem herzlichen Gebeht zu Gott anhielt / dass er doch die allerschärffesten
Straffruhten ihn nicht wollte fühlen lasse / sondern als ein gnädiger Vater mit
ihm handeln. Behtete darauff den XXV, XXXI, CXXI, CXXX, und andere Psalmen
Davids mehr / und verrichtete seine Christeiferige Andacht nicht ohn Trähnen.
Als er nun eine Stunde also mit Gott geredet hatte / fuhr Ladisla aus dem
Schlaffe und sagte; Die Götter behüten dich vor allem übel. Wen mein Schaz / wen
sollen die Götter behüten / fragete ihn Fr. Sophia. Ich rede es wegen meiner
Frl. Schwester / antwortete er / die mich dauchte in grosser Ohmacht liegen / an
Händen und Füssen gebunden / da sie zu mir sagte: Mein Bruder / wilt dann weder
du noch Herkules eure Schwester Valissken retten / die umb euret willen dem
grimmigen Drachen soll vorgeworffen werden? Sein Gemahl redete ihm ein / man
müste auff Träume nicht achten / als durch welche die Menschen gemeinlich
betöhret würden. Aber Herkules ward hiedurch noch leidiger; dañ er deutete sein
geraubetes Herz schon auff nichts anders aus auf sein allerliebstes Fräulein;
daher baht er Gott inständig / er möchte sie gnädigst bewahren / dass sie nicht
im Heidentuhm unterginge; hernach sagte er zu Ladisla: Mein Bruder / ich fürchte
sehr / es werde zu Prag nicht am besten zugehen / oder doch ein feindlicher
Anfal nit weit sein / welchen zu hindern uns ohnzweiffel die Träume anreizen
wollen; und wer weiss / was der Pannonier im Schilde führet / welcher schon bei
deines H. Vaters Lebzeiten Ursach und Gelegenheit zum Kriege suchete; währe
demnach nicht undienlich / dz du mit deinem Gemahl dich nach deinem Königreiche
erhöbest /und deines Heils wahr nähmest. Ja mein Bruder / antwortete er; Mein
Gemahl und ich sind darzu bereit und fertig / nur mangelts bloss an dir / ob du
dich erklären könnest / mit uns fortzuzihen / alsdañ soll der erste Tag mir der
liebeste sein. Herkules erseufzete über diesem anmuhten / und sagte; wann ich
dir sonderlich nütze in deinem Königreiche währe / wollte ich dir ein solches
nicht versagen. Er wollte weiter in der Rede fortfahren / aber Klodius klopfete
an / uñ als ihm Herkules befahl hinein zu trete / meldete er an /es währe diese
Nacht ein solches Unwesen in ihrem Marstalle gewesen / dz das vorige nur ein
Kinderspiel dagegen zu rechne währe / und wañ sie die wirkung des ergangenen
übels sehen wollten / stünde solche zu jhrem belieben / nachdem nun mehr vor
einer halben Stunde sich alles gestillet hätte. Herkules wusste nicht / was er
daraus machen sollte; und Ladisla fing an ungeduldig drüber zu werden; ob dann
der Teufel auff jhren Pferden Ritter werden wollte. Sie machten sich bald dahin
in den äussersten Vorhoff / da jhr Marstal wahr / und sahen nicht allein / dass
XXIV statliche /teils Gutsch-teils ReitPferde daselbst im Platze tod lagen /
sondern auch acht übel zugerichtete Pferdeknechte / denen Arm uñ Beine entzwei
geschlagen wahren. Das ganze Dach war über die Statmaur hinweg geführet / und
das Pflaster des Stalles wahr dergestalt ümbgewühlet / dass kein Stein an seinem
vorigen Orte lag. Ladisla rief einen Gutscher herzu / und fragete / wie es
zugangen währe; welcher diese Erzählung vorbrachte: Gleich üm die Mitternacht
ging das vorige Unwesen an da die Pferde prausteten und trampfeten / biss ein
heftiges peitschen gehöret ward /worauff die Pferde jhre Halfter zurissen / los
wurden /und ein solches wrinschen / schlagen und beissen unter sich anfingen /
dass wir alle miteinander nicht anders gedenken kunten / als das sie alle drauf
gehen würden; Unser etliche machten sich auf / ümb den Stal zu öffnen / worüber
jene arme Kerle von den Pferden so elendig zugerichtet sind; mir aber fugete das
Glük dass ich zu der Stal Tühr nahete / und sie auffstiess / worauff die Pferde
als wild und tol hinaus sprungen / auch so bald sie unter den blossen Himmel
kahmen / ganz stille und ruhig wurden / als währen sie auff der Weide gangen. Im
Stalle aber wahr ein solches Wesen / als hätte man ihn gar ümwerffen wollen /
biss endlich ein starker Sturmwind das Dach fassete / und es in einem Stücke
durch die Luft hinweg führete / da dann diese XXIV Pferde drüber zu nicht kommen
/ die übrigen aber / ohn vier verwundete /Gesund blieben sind. Herkules sagte zu
Ladissla; wir wollen dem Teufel zu Troz dieses alles verachten /verlachen / und
kein Wort davon reden / er mag imerhin sich in dem stinkenden Pferdestal lustig
machen; ging mit jhm hin in den LustGarten / und als sie vor einem Rosenstocke
vorbei traten / ward Herkules gewahr / dass unter den weissen Rosen eine rohte
oben im Gipfel sass / dessen er sich wunderte / und es Ladisla zeigete. Frl.
Sibylla machte sich zeitig nach Fr. Sophien / und wahr jhre erste Frage / warumb
Herr Herkules des vorigen Abends so schwermühtig gewesen / uñ wieder seine
Gewonheit stilschweigens Abscheid genommen hätte; worauff sie antwortete: Er
hätte sich etwas übel befunden / währe aber schon besser mit jhm. Als sie
gekleidet wahren gingen sie nach dem Garten / da jhnen Herkules die Blutrohte
Rose unter den Schneweissen zeigete / welches Fr. Sophia vor ein sonderliches
Unglücks-Zeichen hielt /und das nöhtig währe / durch Opfer die zornigen Götter zu
versöhnen. Aber Herkules / der solche Abgötterei nicht stärken wollte / gab zur
Antwort: man müste kein aberglåubisch Ding aus den Gewåchsen machen; es trüge
sich desgleichen an den Zwiebelgewächsen zu / dass sie wohl alle Jahr jhre Farbe
enderten. Dieses brachte er zwar mit dem Munde vor / aber sein Herz legte es
viel anders aus / und baht Gott um abwendung alles übels. Sie hatten abgeredet /
heut zur Lust auszufahren / aber Fr. Sophia wiederriet es bei dem Frühstücke /
welches sie zu dem Ende hatten zurichten lassen / dann sie befürchtete sich / es
möchte jhnen auf so mancherlei Zeichen etwa ein Unglück zustossen.
                             Ende des Ersten Buchs.
 
                                 Anderes Buch.
Die Böhmischen Gesanten hatten gleich diesen Morgen unter sich abgeredet / ihren
Herrn und König umb gnädigste Erlassung zur Heimreise untertähnigst zubegrüssen
/ und wo möglich / folgendes Tages ihren Rükweg vorzunehmen / der ungezweifelten
Hoffnung / es würde ihr König nunmehr seine Gedanken und Vorsaz geendert / und
der fernen Reise sich begeben haben / so dass er entweder mit seinem Gemahl eine
zeitlang zu Padua verbleiben / oder in kurzen nach Böhmen folgen / und die
vollige Beherschung antreten würde. Herkules wahr die Mahlzeit über mit
gleichmässigen Gedanken beladen / und wusste nicht /wessen er sich hinfüro
zuverhalten hätte. Zwar er kunte ihm nicht einbilden / dass sein lieber Ladisla
weiters noch mit ihm zureisen sollte gesonnen sein nachdem er sein herzgeliebtes
Fräulein sich hatte trauen und ehelich beilegen lassen; jedoch weil er sah /dass
diese Verenderung ihm nicht das allergeringeste von der alten eingewurzelten
Freundschaft benam /kunte er nichts gewisses schliessen / vielweniger ersinnen
/ auff was weise er sich würde von ihm trennen können / dass es mit seinem guten
willen geschähe; dann er wahr des steiffen Vorsatzes / keines weges zu Padua
ober in Böhmen seine Jugend zuzubringe / ehe er die Welt / insonderheit die
beschrihenen Reiche /Griechenland und Asia / auch wo möglich / Egypten besucht /
und daselbst Ritterschaft geübet hätte. Weil er aber hierin so bald keinen
gewissen Schluss machen kunte / befahl er seinem Gotte die Sache / der
ungezweifelten Hoffnung / er würde alles nach seinem gnädigen willen schaffen
und zum besten schicken. Als er in diesen Gedanken begriffen wahr / trat sein
Leibknabe Publius vor den Tisch / und meldete an /es währe ein verwundeter
blutiger Reuter in fremder Kleidung haussen vor dem Hof-Tohr / dessen Reden und
Seufzen niemand verstehen könnte / ohn dass er die Nahmen Wenzesla und Ladisla
oft widerhohlete. Der Statalter hatte dem Wenzesla die Ehre angetahn /und ihn
mit zur Mahlzeit gefodert / und sagte Herkules zu ihm: Lieber geht doch hin /
und vernehmet /obs etwan der Herren Gesanten Diener einer sei; dann ich mache
mir die Gedanken / sie werden entweder unter sich selbst / oder mit andern in
Zänkerei Wunden gewechselt haben. Der Knabe antwortete: es währen ihm der Herren
Gesanten Diener alle miteinander sehr wohl bekant / dieser aber währe gar ein
fremder /und führete zween zimlich schwer beladene Maul Esel an der Hand.
Wenzesla ging eilends hinaus / umb die eigentliche Warheit zuvernehmen / und
sah über alles vermuhten in höchster Verwunderung seines Bruders Sohn Neklam
vor dem Tohr halten / ganz blutig / schwach und erschrocken / welchen er alsbald
fragete / wie dieses zuginge / und was vor Unglück ihn also zugerichtet hätte.
Dieser liess einen tieffen seufzer aus seinem Herzen / schlug die Hände zusammen
/und sagete: O Verlust über Verlust / Elend über Elend! fing hiemit an so
bitterlich zu weinen und sich zu geberden / dass er kein Wort aussprechen kunte.
Wenzesla erzitterte hierüber / dann es wahr ihm Neklams fester Muht und steiffe
Hartnäckigkeit wohl bekant / redete ihm dannoch ein / das weibische weinen
zumässigen / und den schweren unfall zuerzählen; Welcher darauff diese Worte als
mit einer stürmenden Fluht heraus brach: Ach ach! ach des Jammers! unser
Fräulein Valisska! ach unser Fräulein Valisska ist diesen Morgen gefangen hinweg
geführet / und alle ihre Leute erschlagen. Kein Donnerschlag hätte den Alten
härter treffen mögen / als diese elende Zeitung / gestaltsam er im Augenblick
auff sein Angesicht zur Erden stürzete / und in harter Ohmacht liegen blieb. Der
Torhüter ersah dieses hohlete eine Schale mit kaltem Wasser / legte ihn auff
den Rücken / und netzete ihn unter dem Angesichte; wodurch er sich wieder
ermunterte / stund auff / und fragete Neklam / ob er irgend seinen Wiz verloren
hätte. Ja wohl verloren / lieber Vetter / sagte dieser; was ich leider nicht
allein mit meinen Augen angesehen / sondern dabei drei zimliche Wunden empfangen
habe / kann ich wohl bezeugen; und wollte Gott / ich redete aus Aberwitz. Der Alte
wusste nicht / was er vor Traurigkeit und Herzensangst taht oder redete / und
fragte weiter / wo dann das Fräulein währe. Ach / sagte er / wann ich wüste /
wohin sie von den Räubern geführet worden /könnte man umb so viel besser jhnen
nachsetzen. Wo aber / und wann ist dieses geschehen? fragete Wenzesla weiter.
Heut morgen sehr früh / antwortete er /in einem offenen Flecken / vier Meile von
hinnen. Wie komt dann das Fräulein daher? sagte der Alte; und antwortete ihm
Neklam: Sie ist im Begleitung XL Reuter herüber gereiset / dem Hochzeit Feste
ihres Herrn Bruders beizuwohnen. O ihr Götter / sagte Wenzesla / warum lasset
ihr über die volkommenste Blume dieser Welt ein solches Unglück aus? die euch
doch nie mit keinem Worte zuwider gelebet. Befahl hierauf dem Tohrhüter alsbald
einen Arzt herzuhohlen / damit dieser Reuter / welcher Herrn Ladisla Diener
/verbunden / und mit Speise und Trank gelabet würde; Er aber fassete selbst sein
Pferd beim Zügel / führete ihn samt den MaulEseln in den Vorhof / und liess
etliche anwesende Diener die Wetscher abheben und auff den Esse-Saal ihm
nachtragen / da er vorhin ging tod-bleich und zitternd / als ein verurteileter
Mensch /dem der ScharffRichter das Schwert über dem Kopffe hält. Ladisla sah
ihn hinein treten / und sagte: Was Zeitung bringt ihr Wenzesla? wie sehe ich
euer Angesicht so bleich und erschrocken? nimmermehr geht dieses recht zu. O
gnädigster; antwortete er; mit welchem Worte er abermahl in Ohmacht fiel / und
alle viere von sich streckete. Die Fråulein und andere anwesende entsetzeten
sich über alle masse / hiessen die Diener ihn auffheben / und Erquickung
beibringen; welche allen fleiss anwendeten / biss sie jhn wieder zurechte
brachten. Herkules empfand unsägliche Angst in seiner Seele / und sagte zu
Ladisla in Teutscher Sprache: Mein Herz hat mir ohn zweifel vorher angedeutet /
welches wir schier vernehmen werden / und fehlet nicht / es muss sich ein sehr
schweres Unglück zugetragen haben / welches eigentlich uns angehet; deswegen
lieber Bruder Ladisla / fasse ein standfestes Herz / und lass deinen Muht nicht
sinken. Herzlieber Bruder / antwortete er / ich fürchte sehr böse Zeitung von
Hause / wo die unsern nicht wohl gar von unvermuhtlichen ReichsFeinden /
Pannoniern oder andern gefänglich hinweg geführet / oder erschlagen sind. Wir
wollen so gar ein unglückliches nicht hoffen / sagete Herkules / wie wohl es nicht
viel besser sein möchte. Wenzesla kam wieder zu sich selbst / wrang die Hände /
rauffte das Haar / und rieff alle Götter umb Rettung an. Herkules kunte auff
seiner Stelle nicht bleiben / trat hin zu ihm und erinnerte ihn / anzudeuten /
aus was Ursachen er sich so kläglich geberdete. O so erbarme es die Götter /
sagte er darauff /dass ich dieser leidigen Zeitung anbringer sein muss; sah
hiemit Herkules sehr traurig an / und auff Teutsch sagte er mit leiser Stimme zu
ihm: Ach Fürst Herkules / unser Fräulein Valisska / unser Frl. Valisska! damit
verging ihm die Rede und der Odem zugleich. Als Herkules diesen allerliebsten
Nahmen hörete / erstarreten alle seine Gliedmassen / das Geblüt aus allen Adern
lieff ihm zum Herzen / dass ihm ein kalter Schweiss aussbrach / und er nur diese
Worte sagte: O du allerliebstes Seelichen! o wo bistu / wo bistu? womit er
sanftiglich zur Erden niderfiel / uñ unbewäglich liegen blieb. Frl. Sibylla
stund ihm allernähest / sah ihn sinken / und ward dadurch so bestürzet / dass
ihr gleiche Ohmacht überging / und sie auff ihn dahin fiel. Der Statalter sah
den grossen Jammer / schlug die Hände zusammen / und wünschete ihm selber den
Tod. Ladisla stund wie ein Stein /kunte weder reden noch schweigen / biss ihm der
grosse Herzensprast diese Worte heraus drängete: Sol es dann also aus Angst und
Trübnis gestorben sein /werde ich gewisslich nicht der lezte überbleiben. Der
junge Fabius tröstete ihn / er sollte sich seines unüberwindlichen Gemühts
erinnern / dem Unglück geherzt das Häupt bieten / und nicht mit todes Gedanken
umbgehen / sondern anordnen helffen / dass sein Freund gelabet würde. Damit trat
die Statalterin hinzu / risse Frl. Sibyllen den Busem auff / und besprützete
sie mit kühlem Wasser. Ladisla rüttelte und schüttelte seinen Herkules /
wischete ihm den Angstschweiss ab / und bestreich ihn mit Krafftwasser / zu ihm
sagend: Mein Bruder / hastu Ursach gnug zusterben / so nim deinen Ladisla mit /
der dich nimmermehr überleben wird. Fabius taht ihm geträuen Beistand / dass er
endlich zu ihm selber kam / und mit einem tieffen Seuffzer und halb
verschlossenen Augen wieder zu Teutsch anfing: O du allerliebstes Seelichen? o
du unvergleichlicher Weltschaz! soll ich dich dann in der ewigen Seligkeit nicht
sehen? O du allerliebstes Seelichen / o wo bistu? Ladisla trat hin zu Wenzesla /
(der wieder zun Füssen kommen wahr /und neben den Gesanten diss grosse Unglück
beklagete) und fragete ihn / ob dann seine Frl. Schwester todes verblichen
währe. Nein Gn. Herr / antwortete er / aber sie ist gefangen und in Räuber
Händen. Nun dann sagete er / so stehet ihr ja noch zu helffen; ging wieder zu
Herkules / und sagte zu ihm: Mein allerliebster Bruder / unsere Schwester
Valiska lebet. O Bruder o Bruder / antwortete er / ertichtete Hoffnung zergehet
bald; und sagte weiter: O du ädle Seele / du aussbund menschliches Geschlechts /
währestu doch nur vor deinem Ende zur erkåntnis deines Heilandes kommen; o so
durftestu die ewige Verdamnis nit ertragen. Wenzesla trat auch zu ihm /
sprechend: Gewisslich Gn. Herr / eure Frl. Swester lebet und ist gesund / nur dass
sie von etlichen Räubern gefangen gehalten wird. Hierauff besan er sich /
fürchtend / er hätte etwa in dieser Angst sich etlicher Reden vernehmen lassen /
wodurch seine Liebe könnte geargwohnet werden; stund auff und sagte: Ich bin
meiner Frl. Wasen uñ Schwester ohn zweifel mein Leben schuldig / welches
zurächen / sie vor zwei jahren so bereit und willig wahr / da es die Noht
erfodert hätte; in betrachtung dessen / muss ihre Gefängnis oder meines
Lebensfadem gebrochen werden / welches ich in keinem wirdigern Dienste
anzuwenden weiss. Er nahete sich zum Tische / mit einem Trunk Wein seine matten
Geister zu laben / sah aber das Fr. Sophia deren niemand acht hatte / auff
ihres H. Vaters Stuele in der tieffsten Ohmacht sass / und kein Lebenszeichen
sehen lies / welches vor seinem Ladisla zu verbergen / er ihr den Busem öffnete
/ und den Wein unter das Angesicht streich / dass sie zur empfindnis kam / und zu
ihm sagete: Herzgeliebeter Herr Bruder / ich gedachte / wir währen alle mit
einander verschieden; O saget mir doch / was vor eine hellische Unholdin hat uns
unschuldige so heftig erschrecket? Ach meine Fr. Schwester / antwortete er;
meine Fräulein Wase und Schwester / Frl. Valisska ist gefangen und in Räuber
Hände gerahten. O ihr Götter! o du bitteres Verhängnis! sagte sie; verlohr die
lebendigen Geister zum andernmahle / und hatte Fr. Ursul mit ihrer erquickung
gnug zu tuhn. Herkules rieff seinem Knaben / befahl sein Pferd und Rustung
ungeseumet zubringen / und fragete Wenzesla / woher er doch eigentlich wüste
/dass sie noch im Leben / und nur gefangen währe. Der Bohte / sagte er / welcher
mir die leidige Zeitung bringt / hat mirs also erzählet. Und wo ist dann dieser
unselige Bohte? fragete Herkules. Draussen im Vorhofe / antwortete er / da ihm
seine Wunden verbunden werden / die er bei dem grossen Unglück empfangen hat;
dann wie ich vernehme / ist er von XL allein übrig blieben. Wie? fragte Herkules
/ ist es dann in der nähe geschehen? Ja / sagte er / es hat der elende
Ungluksfal sich drei oder vier Meile von hinnen in einem Flecken zu getragen.
Ladisla fiel ihm in die Rede / und sagte zu ihm: Wie raset ihr etwa Wenzesla /
oder habt ihr euch von einem Possenreisser aufftreiben lassen? O dass ich biss an
mein Ende immerhin rasete / antwortete er und nur dieses Unglück erlogen währe!
Das Fräulein hat euer Gn. auff ihrem hochzeitlichen Ehrenfeste Gesellschaft zu
leisten / sich herüber gewaget / und ist drüber gefangen / dessen jene Wetscher
Zeugnis gnug geben / die mit dem Bömischen Reichswapen bezeichnet sind / uñ vor
den Räubern erhalten worden / werden ohn zweifel mit der Fräulein Schmuk und
Kleidern angefüllet sein. Ey Gott lob / sagte Herkules / dass es dannoch in der
nähe geschehen ist / und wir verhoffentlich ihr desto ehe können zu Hülffe
kommen.
    Die Gesanten stunden in höchster Betrübnis als die ausgehauene Bilder / und
wahr ihrer keiner der eines Wörtleins hätte mächtig sein können; biss endlich
Herr Stanisla sagete: Es ist meiner Meinung / ein liderliches beginnen / dass man
dem jungen frischen Fräulein diese Reise entweder angemuhtet oder gegönnet hat /
da man weiss / dass jhr unterschiedliche mahl solche Unfälle aufgestossen sind /
die man vor rauberische Nachstellung hat halten müssen. Der Statalter lies alle
junge Mannschaft auffbieten / mit jhrem Gewehr alsbald fertig zu sein / wohin
man sie seinem Schwieger Sohn zu Dienste führen würde; die sich dann hiezu
willig finden liessen / und schwuhr Herkules allen Anwesenden / in Padua nicht
wieder zukommen / noch seine Seele zu befriedigen / biss das Fräulein erlöset
währe / da sie sonst noch lebete; sollte sie aber verschieden sein / wollte er
ihren Tod an den Räubern der gestalt rächen / dass die ganze ümliegende Gegend
davon sollte zu sagen wissen. Die Pferde wahren gesattelt / Herkules / Ladisla
und der junge Fabius mit jhren ritterlichen Dienern sassen auf / und liessen dem
verwundeten Zeitungs bringer / nachdem er verbunden und gelabet wahr / ein
geruhetes Pferd geben / umb jhnen den Weg zu zeigen. Es folgeten jhnen 200
Reuter und 2000 zu Fusse nach / aber weil Herkules die geringe Zahl der annoch
übrigen Räuber von Neklam verstund / hiess er die Völker ümkehren /und behielt
nur 50 wolberittene / du jhm folgen mussten. Sie ranten aus allen Kräften fort /
was die Pferde lauffen kunten / biss Fabius zu ihnen sagete; jhr Herren bedenket
/ bitte ich / dass wir vier Meile vor uns haben / sollten wir nun also fort fahren
/ würde die Pferde zeitig ümfallen; ihr sehet schon wie unsere Reuter dahinden
bleiben. Herkules merkete wohl / dass jhm alles an der Eile würde gelegen sein /
musste doch den Pferden luft gönnen / damit sie deren länger gebrauchen könten /
und rieff Neklam zu sich / dass er ausführlich erzählete / wie es in raubung des
Frauleins ergangen währe; welcher darzu willig wahr / und also anfing: Gnädigste
Herren / als unser gnädigsten Frauen der Königin / jhres Herrn Sohns Heirat zu
wissen gemacht ward / hielt das Fräulein ganz inständig ümb Erläubnis an /
derselben beizuwohnen / welches doch jhre Hocheit vor jhr Häupt / wie auch die
Herren Reichs-Rähte nicht einwilligen wollten / biss endlich die gesamten
Landstände mit darzu gezogen /und von dem Fräulein auf jhre Seite gebracht
wurden / welche jhr 40 Reuter zur Begleitung mitgaben. Das Fräulein hatte jhre
zwo vertrauete ädle Leibjungfern /Libussen und Brelen bei sich in der Gutsche /
und etliche Wetscher auff zween MaulEseln / welche ich /ausser einen / gerettet
/ und zu Padua unversehret überlieffert habe. Unsere Reise ging nach allem
Wunsch schnelle und glücklich fort / biss wir in dem unseligen Flecken ankahmen /
und in zwei nahe beieinander gelegene Wirtshäuser einkehreten / die Speise
einnahmen / und uns zeitig an die Ruhe legeten /weil das Fräulein Anordnung
machete / folgendes Tages sehr früh auffzusein. Sie wollte anfangs sich zu Padua
ungemeldet auffhalten / und niemand als meinem alten Vetter Wezesla ihre
Anwesenheit zuwissen tuhn; hatte einen sonderlichen kurzweiligen Auffzug vor /
in welchem ich des Narren spielen sollte; Sie mit ihren beiden Jungfrauen wollten
die drei Göttinnen der Freundligkeit sein; ihr angemasseter Name wahr Aglaia /
Libussa sollte Talia / Brela aber Euphrosyne heissen / und sollte diesen Abend
solche Mummenschanze ihrem Herr Bruder und dessen Gemahl gebracht worden sein /
neben einem sonderlichen von ihrer Gn. selbst erfundenem neuen Tanze / in
welchem sie sich alle Abend und Morgen auff den Herbergen dieser ganzen Reise
fleissig übeten. Ihre Durchl. selbst hatte einen kleinen zierlichen Handbogen
mit einem Köcher voll kleiner güldenen Pfeilichen / an denen fornen eine
kleberige Salbe geschmieret wahr / dass sie haften blieben / worauff man sie
schoss. Mit diesen / sagte sie / will ich allem Frauenzimmer auff der Hochzeit
eine furcht einjagen / und ihnen die Pfeilichen in den Busem schiessen / da man
ein lustiges Schreckgeruffe hören soll; und wer weiss /ob nicht etliche gar
schreien uñ klagen werden / dass sie verwundet sein; befahl auch ihren beiden
Jungfern ihre kleine mit rohter Farbe gefüllete Spritzichen frisch zugebrauchen
/ und ihnen den Busem damit zu netzen / damit sie in den Wahn gerieten / es
währe ihr eigen Blut. Herkules wie betrübt er wahr / musste der lustigen
Erfindung lachen / und sagte: Wolte Gott /dass ihr dieser Possen angangen währe /
sie sollte dessen schleunige Vergebung erhalten haben; Aber wie bezeigete sich
das Fräulein sonst auff der Reise? Gnädigster Fürst / antwortete er; Ihr Herz
wahr mit freuden erfüllet / weil sie schon alle Gefahr meinte überwunden haben
/ und hatte / weiss nicht wz vor ein heimliches Gespräch mit Jungfer Libussen /
die ihr überaus geheim war / dass sie sich auch mannichmahl mit ihr herzete; sie
hatten einen kleinen Brief / welcher kreuzweise zusammen gefalzet wahr /
denselben lasen sie oft durch mit sonderlicher Belustigung. Herkules hörete an
diesem Zeichen / dass es sein leztgeschriebenes Brieflein wahr / und erkennete
daher unfehlbar / sie währe eigentlich durch die herzliche Liebe gegen ihn zu
dieser Reise bewogen worden / welches er in seinem Hertzen ängstiglich
beklagete. Neklam fuhr inzwischen in seiner Erzählung fort / und sagete: Als wir
die letzte Tagesreise nach dem Flecken fortsetzeten / ging es uns etliche mahl
gar selzam: Ihre Gutsche schlug auff ebener Erde umb / dass kein Mensch die
Ursach solches Unfals ergründen kunte; und ob gleich dz Fräulein samt den beiden
Jungfern aus dem Wagen über und über tummelten /bekam doch ihrer keine einigen
Schaden. Kaum hatten sie sich mit lachendem Munde wieder auffgesetzet / da wollte
unsers Führers Pferd nicht aus der Stelle gehen / und als es rechtschaffen
gestriegelt ward / geriet es in ein rasen / dass es mit ihm querfeld einlieff
/und ers durchaus nicht zwingen kunte; bald darauff erging es uns ingesamt
gleich also / da wir im Felde so wunderlich durch einander hersprengeten / als
währen wir alle mit einander toll gewesen / und währete solches ohngefehr eine
gute Viertelstunde / da liessen sich die Pferde wieder nach unsern Willen
lenken. Das Fräulein ward froh / da sie sah / dass wir wiederumb eine richtige
Ordnung schlossen / und fragete uns / ob wir oder unsere Pferde vom Tolkraut
gefressen hätten; aber ein Reuter unsers Mittels rieff überlaut: Ihr Brüder
schieket euch auff eine redliche Abendteur / die ohn Blut und Wunden nicht
abgehen wird. Wir gedachten ein jeder das seine / und zogen fort / biss wir den
Flecken erreicheten / und wie oberwähnet / uns daselbst einlegeten. Es wahr die
ganze Nacht zimlich stille / ohn dz die Hunde ein erschrekliches Geheule trieben
/ wobei sich die Eulen weidlich mit hören liessen / dass auch etliche an das
Kamerfenster geflogen kahmen / wo dz Frl. schlief / und war uns trauen hiebei
nit so gar wohl / dz wir auch die ganze Nacht gewaffnet blieben / uñ die
Schildwachte ausssetzeten / welche kurz vor Morgens ein Geschrei machte / der
Flecken währe erstiegen / uñ voller Feinde. So bald das Frl. dessen gewahr ward
/ rief sie mir / weil ich auf ihrer Kamer wachen musste / und sagete: Geschwinde
auff Neklam / und trage mir diese Wetscher etwa in einen Kühe- oder Schweinstall
/ verbirge sie unter die Streu oder sonst in heimlichen Winkeln / und wann sichs
ja zutragen sollte / dass alles über und über ginge / so bemühe dich / diese
Sachen nach Padua zu bringen. Gnädigstes Fräulein / antwortete ich / die Götter
werden uns behüten / und alle Feindseligkeit von uns abwenden. Nach weniger Zeit
höreten wir ein mächtiges gestürme und brechen an der Hausstühr / welche endlich
mit Gewalt auffgetreten ward / unterdessen ich empfangenem Befehl nach / die
Wetscher hinweg trug / ohn einen sehr schweren / den ich wegen des starken
gefechtes im Hause /nicht fortbringen kunte. Es funden sich zu unserm Unglück nur
XIIX unser Gesellschaft bei dem Fräulein die übrigen wahren in der andern
Herberge zur nähesten Wand; noch stritten wir mit den Räubern eine gute Stunde /
und erlegten ihrer etliche und zwanzig /biss ich sah dass meine Gesellschaft fast
alle erschlagen / und die wenige übrige biss auff den Tod verwundet wahren /
empfing auch meine Wunden in diesem Gefechte / und hatte mich erkläret / mit
meinen Brüdern ehrlich zusterben / biss mir endlich der Fräulein Befehl zu
Gedächtnis kam / da ich aus der Hintertühr in den Hoff sprang / nach dem
Kuhstalle (in welche ich mein Pferd und beide MaulEsel gezogen hatte) mich zu
verbergen / eilete / und daselbst alles vernehmen kunte. Unsere Gesellschaft in
der nähesten Herberge / währen dem Fräulein gerne zu hülffe kommen / wurden aber
von den Räubern so warm gehalten /dass ihnen unmöglich wahr durch zubrechen / und
hörete ich ein solches gemätsche und Winseln der Sterbende / dass mir die Haar zu
berge stunden. Das Fräulein lies ihr anfangs ein Schwert und Schild / neben
ihren scharffen Pfeilen und Bogen auff die Kammer reichen / und zohe nachgehends
die angesezte Leiter zu sich hinauff. Die ganze Reise hatte sie Mannskleider
unter ihrem Rok angeleget / welche sie auch zu Nachtzeit gar selten abzohe.
Endlich sah ich mit grossem Schrecken / dass in solchen Manneskleidern sie mit
ihren beiden Jungfern zugleich auff die Gutsche gesetzet und zum Flecken hinaus
geführet ward / nach dem die Räuber alle unsere Pferde aus den Ställen gezogen /
und mit sich hinweg nahmen. Als ich nun in meiner Gewarsam merkete / dass alles
stille wahr / wie sie dann gewaltig hinweg eileten / kroch ich hervor /und hatte
mich zimlich verblutet / wagete mich ins Haus / und sah den abscheulichen
Anblik der Erschlagenen / unter denen die unsern mutternacket ausgezogen wahren
/ welche aber so redlich gefochten hatten / dass die Räuber etliche siebenzig in
beiden Häusern eingebüsst / dagegen auch die unsern sämtlich dz Leben
zugesetzet hatten. Zu meinem sonderlichen Glücke wahr ein Pannonischer Knecht in
unserm Wirtshause / mit welchem ich reden kunte / der zeigete mir an / dass die
Räuber über 100 Mann anfangs stark / kaum mit etlichen und zwanzigen wieder
abgezogen währen / zu denen ausserhalb des Flecken noch XX gestossen / welche
denselben ausswendig besetzet gehalten / hätten den Einwohnern kein Leid getahn
/noch ihnen einigen Hellerswert entwendet / und vorgeben / Sie hätten ihre und
des Reichs Feinde zuerschlagen von der Obrigkeit Befehl / da sie sich nicht
gutwillig ergeben würden; währen sehr betrübet /wegen des grossen verlustes der
ihrigen / davon gezogen / ohn dass über die Gefangene und einen grossen Wetscher
/ in dem viel Gold und etliche Kleider gewesen / sie sich höchlich erfreuet
hätten. Auff mein fleissiges nachfragen berichtete er mich ferner / dass wie alle
die unsern erschlagen / währe das Fräulein in Manneskleidern an die Kammertühr
getreten / und mit ihren Pfeilen dermassen von sich geschossen / dass fünffe
davon niedergefallen und umbkommen / welche ich auch liegen sah / und die
Pfeile in ihren Leibern stecken. Die Räuber hierdurch höchlich erzürnet / hätten
eine Leiter angeschlagen / und zu ihr hinauff klimmen wollen; sie håtte aber dem
ersten und andern den Weg mit dem Schwerte dergestalt zurück gewiesen /dass sie
Tod hinunter gepurzelt / uñ sich keiner mehr zu ihr machen dürffen; ja es währe
eine solche furcht unter ihnen entstanden / da sie die übertrefliche Schönheit
dieses vermeinten Jünglings / und dessen feur brennende Augen erblickt / dass
der gröste Teil in dem Wahn gestanden / er währe etwa ein Gott / biss endlich
einer unter ihnen geruffen / man sollte feur herbringen / und die Kammer anzünden
/ dafern er sich nicht ergeben würde; wollte er aber mit seiner Gesellschaft
herunter steigen / sollte ihnen sämtlich / Lebens- und ehren- sicherheit äidlich
versprochen werden. Hierauff währe der trefliche Jüngling in die Kammertühr
getreten / und sie mit herzhaften Worten angeredet; er könnte nicht ausssinnen /
was Feindseligkeit man ihm und den seinen angelegt / und so viel unschuldig Blut
vergossen hätte / da er doch keine Ursach oder Anlass darzugegeben / noch einigen
Menschen beleidiget; so währe er ja kein Feind noch verrähter / vielweniger ein
verurteileter / sondern ein grosser Herr / und des Römischen Käysers Anverwanter
/ möchten sich demnach wohl versichern / dafern ihm oder dem bei sich habenden
ädlen Frauenzimmer Schimpff angeleget wurde / es an ihnen sehr schwehr würde
gerochen werden. Könte es nun sein / dass man ihn mit den seinen nach Padua frei
und ungehindert abzihen liesse / wollte er ihnen hiemit eine hohe Anzahl Geldes
äidlich versprechen / und ohn List und gefährde ehistes einliefern lassen;
meinten sie aber /hiedurch noch nicht gnug versichert zu sein / wollte er samt
seinen Jungfern sich ihnen ergeben / und mit ihnen in ihre Gewahrsam zihen / biss
ihnen die Lösegelder gezählet währen / auch zugleich verheissen /dass es an ihrer
keinem sollte geeifert noch gerochen werden; jedoch sollten sie zuvor ihm einen
leiblichen äid schwören / und zuhalten angeloben / dz ihm und den seinen / wie
sie sich anjezt erbohten hätten / an Ehr und Leben nichts widriges sollte
angelegt werden; wo nicht / wåhre er gänzlich entschlossen / sich viel ehe mit
Feur verbrennen zulassen; alsdann habt ihr nicht allein unserer euch gar nicht
bemächtiget / hatte er gesagt / sondern werdet keinen Heller Lösegeld
zugeniessen haben / da ich euch aus freiem Willen hundert tausend Kronen zu
geben / mich hiemit anerbiete. Fabius der weder Böhmisch noch Teutsch verstund
/hätte auch gerne den Verlauff gewust / deswegen Herkules jhm alles kürzlich
erzählete / und darauff von jhm gefraget ward / wie alt dann dieses Fräulein
währe; er aber zur Antwort gab: Den Jahren nach kann sie sich keines hohen Alters
rühmen / gestaltsam sie vor wenig Monaten ins sechzehnde Jahr jhres Alters
getreten ist; jhre Tugend aber leuchtet der Welt schon dergestalt vor / dass wann
sie bereit graues Haar truge / man schwerlich ein mehres von jhr fodern könnte.
Aber berichtet uns nun weiter / sagte er zu Neklam /ob die Räuber den gefoderten
äid auch geleistet haben. Ja gn. Herr / antwortete er / sie sind einträchtig vor
die Kammer getreten / und haben solchen äid /wie er jhnen von dem Fräulein
vorgesprochen worden / mit ausgerekten Arme und erhobenen Fingern nachgesaget /
worauf das Frl. ganz beherzt / die beiden Jungfern aber sehr betrübt und mit
weinenden Augen herunter gestiegen wahren / und verwunderte ich mich / sagte der
Pannonische Knecht zu mir / wie mänlich es dem ertichteten jüngling anstund /
welchen ich zwar des vorigen Abends in weiblichen Kleidern und langen schönen
Haaren gesehen hatte / die jhr aber jezt als einem jungen Gesellen abgeschnitten
wahren. Ich bat den Knecht / dass er mir vergönnete auf die Kammer zusteigen /
woselbst ich unter der Bettestet ein zusammen gewickeltes Bündlein jhrer Haar /
uñ diese vier guldene Ringe daneben fand / welches alles ich zu mir nam / üm
meinem gn. Könige es einzuliefern. Ladisla nam es zu sich / uñ als Fabius das
Haar so glänzender Goldfarbe sah / sagte er: Kömt die übrige schönheit dieser
Fräulein mit diesem Haar überein; so muss sie keine gleichen haben. Herkules sah
dasselbe mit betrübten Augen an / und fehlete wenig /er währe vom Pferde
gesunken / erhohlete sich doch /und baht Ladisla / jhm des Haars ein wenig zum
Gedächtnis zu verehren / der jhm das ganze Bündlein reichete / welches er
alsbald von ander machete / und seinen an das Fräulein geschriebenen Brief
darinnen fand / den er allen unvermerket zu sich nam / nachgehends das Haar in
drei Teile legete / gab deren zween Ladisla und Fabius / den dritten und grösten
behielt er vor sich / und mit sonderlichem Eifer sagte er: Gebe mir Gott das
Gluk / dieser Schelmen mächtig zu werden / welche das Fräulein in die äusserste
Noht / jhr schönstes Haar abzuschneiden / gestürzet haben / sie sollens
gewisslich mit dem Halse / und zwar nicht ohn Pein bezahlen. Von den Ringen
behielt Ladisla der Fräulein kleines Pitschier / in dessen schwarzen Stein ein
Löue mit einem zweifachen Herzen geschnitten wahr / und umher der Nahme VALISCA.
Die übrigen drei überlieferte er Herkules / welcher nach Beschauung alsbald
denselben darunter fand / den er ihr bei Wenzesla geschicket hatte. Der
ansehnlichste / ihr DaumenRing hatte einen grossen feurrohten Stein /worauff zwo
zusammen geschlagene Hände stunden /zwischen deren Fingern ein Pfeil
durchflochten war; innerhalb des Ringes lase er diese Buchstaben:
HVEARLCIVSLCEAS; die er etliche mahl besah /und seiner Spizfindigkeit bald
innen ward / dass sein und der Fräulein Nahme durch einander versetzet wahr / so
dass die ungeraden / HERCVLES, die geraden aber VALISCA mussten gelesen werden. Im
dritten Ringe wahr ein trefflicher Rubin / und in demselben ein Greif
geschnitten / der ein Lämlein zwischen den Klauen führete / mit dieser
ümschrifft: LVBENS FEROR. Ich lasse mich gerne also führen. Er hätte sie gerne
alle drei behalten / musste aber ehren halben Fabius einen bieten / zu welchem er
/ den lezten hinreichend / sagete: Mein Herr Bruder / jhr werdet dem Fräulein zu
Liebe diesen FingerReiff tragen / und jhn nicht von euch lassen kommen / biss sie
selbst jhn wied' abfoderen möchte. Dieser bedankete sich hoch /uñ gelobete / dass
kein Mensch / ohn das Fräulein selbst diese allerliebeste Gedächtnis von jhm
bekommen sollte. Herkules redete Neklam an / und sagete: Guter Geselle / nach dem
jhr diese eure Träue erwiesen / und diss Haar neben den Ringen uns eingehändiget
/ auch sonst als ein redlicher Diener euch in dieser Gefåhrligkeit bezeiget habt
/ will ich euch dessen dergestalt zuergetzen wissen / dass jhr euch Armut nicht
sollet zu befürchten haben / und wird mein Bruder euer Herr und König Ladisla
sich auf meine Vorbitte nicht wegern / euch wege eures wolverhaltens in den
Böhmischen Adel- und Ritterstand aufzunehmen. Ladisla antwortete: Sei du nur
gefliessen Neklam / dass wir die Räuber antreffen mögen / was ohn meines Bruders
Vorbitte / ich die zugedacht habe / soll dir nicht entwischen / dessen du dich
wohl versichern magst. Dieser wusste nicht / wessen auff so hohe angebohtene Gnade
er sich verhalten sollte / und antwortete: Ihr meine gnädigste Herren / ich bin
ja euer Durchll. gar zu unwirdiger Knecht / habe auch nicht das minste der
überflüssigen Gnade Verdienen mögen / und wollte Gott / dass ich die mörderischen
Råuber ausspüren könnte / wollte ich mein Leben gerne dabei zusetzen / nur dass
mein gn. Fräulein gerettet würde, uñ sehet da vor uns den unseligen Flecken
dieses so grossen Verlustes. Herkules wallete das Blut in allen Adern auff /
hoffete noch / das liebe Fråulein loszumachen / weil ja fast unmöglich währe /
dass man einem so grossen Hauffen zu Pferde nicht sollte nachspüren können / und
begehrete von Neklam / er sollte in seiner Erzählung fort fahren / da ers bei
Einlieferung der Ringe gelassen håtte. Ja Gn. Fürst / antwortete er; es
berichtete mich der Pannonische Knecht endlich / dass wie unser vermummeter
Jüngling samt den Jungfern herunter gestiegen / er die Räuber / als währe er ihr
Befehlichshaber gewesen / ermahnet hätte / sich an seinen Jungfern nicht
zuvergreiffen /und ihres äides eingedenke zu sein; welches sie ihm auffs neue
versprochen / und mit ihnen also davon gezogen währen. Herkules erseuffzete
hierüber / und sagte: Erbarme es Gott / dass diese allerädleste Seele /welche /
so viel ihre Vernunft und Wissenschaft vermag / sich aller Tugend befleissiget
/ unter den Hånden dieser schnöden Räuber sich muss zwingen lassen! Ladisla
sagte: Ich hoffe / es soll ihre Ehr und Leben des Himmels ungezweifelten Schutzes
geniessen / insonderheit / weil sie sich vor einen Jüngling ausgibt / und ihren
angenommene Stand wohl wird zu spielen wissen. Unter diesem Gespräch langeten sie
in dem Flecken an / und funden die Inwohner bemühet /Gruben zu machen / in
welche sie die Erschlagenen ohn Unterscheid verscharren wollten; aber Fabius /den
sie wohl kenneten / verboht ihnen solches / hiess die Böhmischen ehrlich begraben
/ und die Räuber alle an Kreuze hefften. Stiegen von ihren Pferden /denen sie
Futter geben liessen / und forscheten fleissig nach / wer diese Räuber sein
möchten / und wohin sie sich gewendet hätten; wovon ihnen anfangs niemand
Bericht zugeben wusste / nur dass der Wirt anzeigete /es währe ein fremder
unansehnlicher Mann / welcher Würffel und Karten feil trüge / und sich offters
bei ihm finden liesse / kurz vor der fremden Ankunft bei ihm eingekehret / die
Nachterberge zunehme / hätte sich aber / da er diese fremden gesehen / und
genaue acht auff alles ihr Tuhn gegeben / fast im Augenblick verloren / möchte
wohl sein / dass er ein Kundschaffer und Verrähter währe / und alles dieses
Unglücks Stiffter; würde er sich nun schier heut oder morgen wieder hieselbst
finden lassen / sollte er handfeste gemacht /und der Obrigkeit eingeliefert
werden; vielleicht erführe man von jhm / an was Ort und enden diese böse Rotte
sich auffhielte; es mussten aber etliche bekannte unter diesen Räubern sein /
sagte der Wirt / weil ihrer sechse sich vermummet hatten / und ihre Gesichter
nicht wollten sehen lassen; und diese / wie sie gnug zu verstehen gaben / hatten
den andern zugebieten / nahmen auch die Beute zu sich / und halte ich gänzlich
davor / es müsse zu ihrem Verderben ausschlagen /dass sie so viel Pferde mit
genommen haben / dann der Huefschlag wird sie nohtwendig verrahten. Zum gutes
Glück kam gleich ein Baur in dieses Wirtshaus / und begehrete einen Trunk Wein
umb Geld. Herkules sah ihn / und fragete alsbald / woher er kähme / und was
neues er wüste. Dieser antwortete / er kähme von einem Dorffe zwo Meile von
hinnen / und währe ihm eine reitende Schaar auffgestossen / welche drei schöne
junge Leute / als einen fast Göttlichen Jüngling /und zwo Jungfern mit garstigen
Lumpen behänget /zwischen sich auf Pferden geführet / und da ich nicht weit von
ihnen gangen wahr / sagte er / fand ich eine gar schöne Gutsche im Felde ledig
stehen / welche sie zweifels ohn abgeplündert und verlassen haben; ich meines
teils möchte wünschen / dass die Räder davon auff meinem Hofe stünden / und ich
sie bezahlet hätte. Die unsern vernahmen aus des Bauern Rede / dass das liebe
Fräulein annoch lebete / verspüreten auch der Räuber List / dass sie Argwohn uñ
Erkenntnis / oder Nachforschung zu meiden / ihre Gefangene so elendig behänget
hatten. Herkules fragete fleissig nach / ob er den Gefangenen nahe gewesen / und
ihres tuhns wahr genommen hätte. Ja / sagte dieser / ich hatte einen alten
lumpichten Rock an / den kaufften sie mir abe umb IIX Groschen / legte ihn dem
Jünglinge über die Schulder / und bedecketen damit in etwas sein Angesicht /
desen er sich übel gehuhb / und sich etlicher Dräuworte vernehmen liess / sah
auch so frisch uñ unverzaget aus / als hätte er sie alle gehöhnet / da hingegen
den Jungfern es an Trähnen nicht mangelte /und wahren ihnen die Augen roht von
vielem weinen. O du furchtlose Seele / sagte Herkules / der Almächtige Gott
bewahre dich / dass dein unüberwindlicher Muht dir ja nicht schaden möge;
begehrete darauff weiter zu wissen / ob sie dem Jüngling etwa leid angetahn /
und wie bald man sie wohl erreichen könnte. Der Baur antwortete / ausser dass man
ihn mit Lumpen behänget / hätte er nicht gemerket / dass ihm leid sollte geschehen
sein; ob man sie auch vor Abends erreichen würde / zweifelte er sehr / massen er
vernomen / dass die meisten von ihren Pferden abgestiegen /und sich dermassen
verteilt hätten / dass nit über fünffe bei einander blieben währen / ohn dass
etwa jhrer zehne die gesamten Pferde gekoppelt / und mit der ansehnlichsten
Jungfer die Heerstrasse gezogen /der Jüngling und die andere Jungfer aber währen
zu fusse mit in das Gehölz geführet; als er ihn nun nachsehe wollen / håtten sie
ihm zugeruffen / er sollte seines weges ohn umsehen fortgehen / ob' der Hals
würde ihm gebroche werde. Herkules ward hierüber sehr betrübt / bedachte sich
ein wenig / uñ hielt nit vor rahtsam / dz seine ganze Gesellschaft mit ritte.
Aber Ladisla redete ihm ein / er möchte sie auf allen fall mit zihen lassen / ob
man ihrer zugebrauchen hätte; wo nit / könnte sie allezeit frühe gnug wieder
umbkehren; die Begebnissen währen selzam / und nimer also beschaffen wie man sie
ihm selbst einbildete. Also lies sichs Herkules gefallen / hies den Bauern ein
geruhetes Pferd aus dem Flecken nehmen /gab ihm zwo Kronen / uñ sagte zu ihm; er
würde sich gefallen lassen / mit ihm an den Ort zu reiten / wo er diesen hauffen
zulezt gesehe / dann er müste wo möglich / den geraubeten Jungling sprechen /
woran ihm viel gelegen währe. Der Baur wahr des Geldes froh /und willig mit zu
reiten / versprach auch inwendig einer Stunde frist / sie an den Ort zubringen;
ritten ingesamt eilig fort / und kahmen vor erst nach des Bauern ansssage an die
leere Gutsche / hernach in das Gehölze / da der Baur ihnen anzeigete / diss wåhre
die Stelle / da er die Reuter leztmahls gesehen / würden sich demnach bemühen /
bei ihnen anzulangen / weil er seinem Versprechen gnug getahn / und ein mehres
nicht zu leisten wüste. Herkules hies den Bauern etwas warten / weil er
zweiffelte / ob ihm auch zutrauen stünde / sendete Leches / Klodius und Markus
mit der meisten Reuterei den geraubeten Pferden nach /mit dem Befehl / alle
wiederspenstigen niderzuhauen /und die übrigen gefangen zunehmen / insonderheit
sich zu bemühen / dass sie den Führer lebendig bekähmen / welcher nachricht würde
geben können / wohin die übrigen sich gewendet hätten. Diese ritten alsbald fort
und folgeten dem frischen Hueffschlage / unter der Hoffnung etwas nüzliches
ausszurichte. Nachgehends ermahnete Herkules den Bauern / er müste etwas besser
aussbeichten / wie und wo er die Räuber gesehen sich verteilen; welcher aber mit
hohen Schwüren bekräfftigte / dass er davon nicht dass geringste zu sage wüste /
weil sie ihm gar zu hart verbohten / zuzusehen; jedoch gedäuchte ihn / man hätte
den schönen Jüngling samt der Jungfer nach der rechten Hand hingeführet / und
dürffte ich schwören /sagte er / eben der Jüngling währe euer leiblicher Bruder
/ so gar åhnlich ist er euch. Herkules antwortete ihm: Freund / ihr habt
vielleicht so gar unrecht nicht gesehen; lies ihn von sich / und hielt mit den
andern Raht / wie es fortin anzugreiffen. Diese wahren sehr betrübt und stunden
ihnen die Augen vol Wasser /dass Herkules sagete: O wollte Gott dass ich mich mit
den Räubern drum schlagen sollte / aber mit der Unwissenheit zu kämpffen / dass
ist über mein vermögen. Doch ich will meinem Gott trauen / und nicht zweifeln /
er werde mich leiten und führen / dass ich erfahre /und finde / was ich suche.
Stieg hiemit vom Pferde /und wollte von Ladisla und Fabius abschied nehmen /umb
allein in den Wald zugehen / und zu vernehmen /wohin die Räuber sich gewendet
håtten. Aber Ladisla zohe ihn zurück / sprechend: Liebster Bruder / meinestu ich
werde dich allein lassen? es ist meine leibliche Schwester / der ich so wohl und
mehr nachzusuchen schuldig bin / als sonsten niemand. Doch währe mein Raht / wir
sendete zuvor unsers mittels etliche durch de Wald / etwas Kundschaft
einzuhohlen / und erwarteten alhie Leches Ankunft / ob er uns Zeitung brächte /
worauff wir ohn Irtuhm fortgingen; dann die Zeit unnüzlich verzehren / wird
meiner Frl. Schwester am schädlichsten sein. Fabius sagte; auff euer verbessern
ihr Herren / währe meine Meinung dass wir Leches nachfolgeten / das Werk desto
glücklicher zubeschleunigen / dann hätten wir nur einen gefangenen von den
Räubern / wollten wir schon erfahren / wohin man sich wenden müste. Herkules wahr
so verwirret /dass er seiner Vernunft fast nicht mächtig wahr / hielt endlich
diesen Raht vor den besten / und in dem er sich wieder auff das Pferd setzete /
sagte er: Nun so lasset uns in dem Nahmen des Almächtigen Gottes reiten und
Leches folgen / vielleicht bedürffen sie unsers rahts und Hülffe; ordente doch
zuvor zehne aus ihrer Gesellschaft / welche den Wald hin uñ wieder durch reiten
sollten / ob sie etwas aussforschen möchten; er mit den übrigen folgete Leches
Spuhr / kunten ihn doch nicht erreichen / weil er einen grossen Vorsprung vor
ihnen hatte; dann er jagete mit seinen leuten immer fort biss an den späten Abend
/ da sah er ein Dörflein vor ihm liegen / worauff die Råuber nach aussweisung
des Hueffschlages / zugezogen wahren. Er baht Klodius voraus zusetzen / und in
der Stille nachzuforschen / ob sie in diesem Dorffe blieben /oder weiter
fortgezogen währen; welcher dann schnelle forteilete / und die andern der weil
sich hinter einer Hecken verborgen hielten / traff eine erwachsene Bauern Dirne
an / welche der Kälber hütete / und fragete sie / ob nicht Reuter mit ledigen
Pferden daher geritten währen. Ja sagte sie / es währen Reuter und ledige Pferde
dahergezogen / ob sie aber alle geritten / oder etliche zu fusse gangen / hätte
sie so eigentlich nicht acht gehabt. Klodius wie betrübt er wahr / musste doch
der Einfalt lachen / und fragete ihn die Dirne / ob er zu den andern gehörete /
und sie gedächte zuerreichen / müste er nicht lange Gefatternsprache halten /
dann sie währen sehr eilig fortgezogen / und hätte sie im vorüber reiten von
ihne gehöret / dass sie in dem Flecken / welcher eine Meile von hinnen låge / ihr
Nachtlager halten wollten. Klodius winkete seinen Gesellen / welche bald herbei
rücketen / nahmen einen Bauern aus dem Dorffe mit sich ums Lohn / ihnen den
rechten Weg zuzeigen. Zwischen einer guten Viertelstunde kam Herkules mit den
seinen eben bei demselben Dorffe an / rieff einem Bauern zu / ob nicht eine
zimliche Schaar Reuter hieselbst durch gezogen währe. Ja / antwortete dieser /
sie sind kurz vor euch hinweg /und haben meinen Nachbar gedinget / ihnen den Weg
zum nähesten Flecken zuzeigen / vorgebend / sie folgeten ihrer Gesellschaft /
die vor drittehalb Stunden mit vielen ledigen Pferden hindurch gezogen sind /und
daselbst benachten werden. Er ward der Zeitung froh / uñ sagte zu ihm: Mein
Freund / da habt ihr eine halbe Krone; lieber seid gebehten / und führet uns
auch dahin / dass wir zu unsern Leuten kommen mögen / weil uns daran gelegen ist.
Behüte Gott / antwortete der Bauer: sollte ich so viel Geld davor nehmen? ich bin
euch gerne zu dienst / aber umb die gebührliche Billigkeit / als drei Groschen /
ein mehres nehme ich nicht. Lieber Gott / sagte Herkules / dass alle Welt dieser
Genügsamkeit möchte ergeben sein /wie mannicher unnützer Streit würde alsdann
unterwegen bleiben; hiess den Bauern ein Pferd hohlen /und vor ihnen her reiten /
weil sie eilen müsten; die Belohnung sollte ihm nach seinem Willen werden. Sie
seumeten sich nicht lange / und traffen Leches mit den seinen an / da sie gleich
von den Pferden gestiegen /und den Flecken zuersteigen sich fertig gemacht
hatten. Als sie nun der Reuter hinter ihnen gewahr wurden / meinten sie / es
währen Räuber / lieffen ihren Pferden zu / und wollten auffsitzen; welchen Irtuhm
Fabius merkend / allein zu ihnen hin ritte / und diese Worte redete: Herkules
ist verhanden; Worauff sie alsbald stille wurde. Der Flecken ward ausswendig mit
XV Mann besetzet / mit den übrigen ging Herkules zu fusse nach dem Tohr / und
spürete / dass es inwendig nicht sonderlich fest verriegelt wahr / setzeten
deswegen ihre Schuldern ingesamt dagegen / und schoben es auff / gingen hin /
und traffen einen alten Mann auff der Gassen an / welchen Herkules mit
freundlichen Worten fragete / in was Herberge die Gesellschaft mit den ledige
Pferden eingekehret währe. Dieser gab zur Antwort: Herr / sie liegen dort gleich
vor euch in jenem Hause / da ihr die Liechter scheinen sehet. Ladisla fragete
weiter / ob sie alle bei einander in einem Hause währen / auch wie viel ihrer
wohl sein möchten. Mich deucht / antwortete er / ich habe ihrer zehne gezählet /
haben wohl 50 Pferde bei sich / und gar ein schönes Weibesbilde / welche sie ohn
zweifel geraubet haben / nachdem sie sich sehr trostloss bezeiget. Ja sagte
Herkules / freilich habe sie das gute Mensch gewaltsam entführet / welches ihnen
übel bekommen soll. Wol wohl ihr Herren / sagte er /sie werden reiff sein zur
Straffe / wiewol sie hieran wenig gedenken / sondern mit ihrem Wirte / der nicht
umb ein Haar besser sein mag als sie / sich lustig machen / teilen auch einen
treflichen hauffen schönes Goldes unter sich / wie ich jezt gesehen / da ich vor
dem Fenster hergangen bin / und gebe euch Gott das Glük / diese Buben zuertappen
/ welches durch eure Vorsichtigkeit leicht geschehen kann. Gebet euch zu frieden
/ sagte Herkules / wir sind von dem Römischen Statalter zu Padua ausgeschikt /
sie zu fahen /uñ zur gebührlichen Straffe zu zihen / deswegen / da sich etwa
über vermuhten ein Aufflauff erregen sollte /so machet es den Inwohnern zuwissen
/ dass sie ruhig und ohn furcht sein / auch sich keines dinges annehmen / damit
sie nicht in Ungelegenheit gerahten / dañ haussen vorm Tohr haben wir eine gute
Anzahl Völcker stehen. Ging hierauf mit den seinen gerade fort und in aller
stille / besetzete das Haus rings umher /trat hernach selb viere hinein /
öffnete die Stubentühr / und wünschete der Gesellschaft einen gluklichen Abend.
Die Räuber sassen am Tische / hatten schon Mahlzeit gehalten / und zecheten
weidlich herumb: Der vornehmste unter ihnen / den sie vor ihren Häuptman
scholten / sass oben an / hatte die Jungfer neben sich / und suchte durch
allerhand freundliche Reden sie zur Fröligkeit zubewägen / welche ihre Zeit mit
stetem seuffzen und weinen zubrachte / und ihr nur den Tod wünschete / weil sie
wusste / dass sie dieses frechen Räubers boshaften Willen zuersättigen /
vorbehalten ward. Herkules sah die Jungfer / und erkennete sie alsbald vor
dieselbe / welche er stets dei dem Fräulein zu Prag gesehen hatte / wollte sich
aber ihr nicht alsbald offenbaren / noch die Räuber überfallen / sondern redete
sie freundlich an; er såhe / dass eine erbare Gesellschaft bei einander währe / uñ
weil er samt seinen Gefärten von der Reise ermüdet / uñ unter dem schweren
Reuter harnische / welches er zu fusse trüge / etwas matt worden / hätte er lust
ein Stündichen frölich und guter dinge mit ihnen zu sein / insonderheit / weil
es hie so schönes Frauenzimmer gäbe. Die Råuber hatten ihr Gewehr neben sich
liegen / verwunderten sich ihrer stillen Ankunft / da sie doch von fuss auff
gewapnet wahren / und ungeachtet ihres widrigen vorgebens / ausser Zweifel zu
Pferde müsten ankommen sein; stutzeten daher anfangs /endlich antwortete der
vornehmste: er und die seinen hätten in diesem Hause nicht zu gebiete / und wann
sie dem Wirte wilkommen währen / müsten sie auch friedlich sein. Der Wirt aber
redete alsbald darzwischen / er hätte sein Haus voll Gäste / welche alle
reisende Kauffleute währen / und sie umb anderer willen nicht ausweisen könnte;
wer ehe kähme der mahlete ehe; müsten also nach einer andern Herberge sich
umsehen / deren es im Flecken gnug gäbe. Herkules aber sagte zu ihm: Gebet euch
zufrieden / guter Freund /ich kann hinte nicht weiter gehen / und wollen wir noch
vor schlaffens gut Geschir machen; zeigete ihm hiemit eine Hand vol Kronen / und
sagete weiter: Diese müssen verzehret sein / ehe ich aus dieser Herberge gehe
/doch mit dem bedinge / dass mir Raum bei der schönen Jungfer gemacht werde; dann
ich sehe schon / ihr Buhler gefället ihr nicht / ob ich mich etwa zutähtiger
machen / und ihr Herz besser gewinnen könnte. Zu dem Räuber aber sagete er: Guter
Freund / stehet nicht mit euch zuhandeln / dass mir die Jungfer zu teil würde /
nachdem / wie ich merke / sie euch ihre Gunst nicht geben will. Dieser merkete
unraht / und stellete sich gleichwol zornig; was er ihm die Jungfer anzufodern
hätte? dieselbe währe sein / und hätte sonst niemand Ansprache auff sie /
hoffete auch vor sich allein Freude mit ihr zu haben. Herkules antwortete: wie
aber / meine liebe Jungfer / wollet ihr nicht lieber mir beiwohnen? Sehet da /
ich versichere euch Ehr und Leben / und alles was ihr wünschet / das in meinen
Händen stehet. Die Jungfer ward inniglich seuffzen /empfing doch etwas Hoffnung
aus dieser Rede / und durffte gleichwol vor Angst kein Wort sprechen; dann ihr
nähester Beisitzer machte sich schon zum Gefechte bereit / greiff zum Degen /
und ermahnete die seinen / geherzt und frisch drauff zuschlagen. Aber Herkules
zog von Leder samt die bei ihm wahren / und sagte: Ihr meinäidigen
ehrvergessenen Bösewichter /bald ergebet euch dem Römischen Statalter zu Padua
/ oder ihr sollet alsbald in stücken zerhauen werden; rief auch zur Tühr hinaus:
Herein / und packet mir diese leichtfertigen Schelmen an / dass ihrer keiner
entrinne. Worauff Leches mit etlichen ungestüm zur Tühr hinein drang / welches
die Räuber sehend / sich nach den Fenstern kehreten / in Meinung hinaus
zuspringen / sahen aber nach Eröffnung / dass alles mit Bewapneten besetzet wahr.
Herkules foderte ihnen die Schwerter ab / welche sie willig von sich gaben / und
vor Angst kein Wort sprechen kunten. Leches / so bald er die Jungfer sah /
deren er sein Herz schon etliche Jahr / aber bisher umbsonst angebohten hatte
/kunte seine Flammen länger nicht bergen / trat mit entblössetem Häupte vor den
Tisch / damit sie ihn kennen möchte / und sagte: Jungfer Libussa / hochgeliebte
Wase / wie gehets euch alhier? habt ihr auch irgend Schande und Schmach von
diesen Buben erleiden müssen? Die geängstete Jungfer kennete ihn alsbald / und
antwortete: O herzlieber Vetter Leches, wie kommet ihr mir zu so gelegener Zeit
zuhülffe! sprang hiemit über den Tisch zu ihm / und sagte weiter: Meine Ehre ist
GottLob añoch unverletzet / wañ nur unser Gn. Frl. möchte gerettet sein.
Herkules befahl /dz man die Räuber samt de Wirte festbinden sollte /zohe den Helm
ab / und ümfing die Jungfer gar freundlich / boht jhr auch einen Kuss / und sagte
zu jhr: Ich freue mich sehr / dass ich meine geliebete Freundin gesund und
ungeschmåhet antreffe / und an jhr einen guten Anfang der Erlösung gemacht habe.
O Durchl. Fürst / antwortete sie / hat jhre Gn. üm mich unwirdige so grosse Mühe
über sich genommen? Nun nun / die Götter retten nur unser allerliebstes
Fräulein; was ich dann zu vergelten zu unvermögen bin /werden andere
zuverschulden jhnen lassen angelegen sein. Wolte jhm hiemit die Hand küssen /
welches er doch nicht zugebe wollte / sondern zeigete jhr Ladisla / zu dem sie
ganz ehrerbietig nahete / und von jhm wohl empfangen ward. Inzwischen kehrete
Herkules sich zu den Gefangenen / und sagete zu dem Vornehmesten: Geschwinde /
und sage mir / wo sind deine Gesellen mit dem gefangenen Junglinge und der
andern Jungfer blieben? Dieser antwortete: Mein Herr /schenket mir das Leben /
so will ich euch dahin führen / und den Jüngling wieder liefern / sonst wird euch
unmöglich sein jhn anzutreffen / viel weniger zu erretten. Wissen dann diese
deine Mitgesellen auch /sagte Herkules / wo sie sich auffhalten? Ja / antwortete
er / wo sie hinte diese Nacht bleiben werden / ist jhnen bewust / aber nicht /
wohin man sie morgen führen wird. Nun dann / sagte Herkules zu Fabius / so wird
mein Herr Bruder wissen / sie nach Römischen Recht abzustraffen als gewaltsame
Räuber und Mörder. Dieser nam sie an / übergab sie seinen Reutern wohl
zuverwahren / und schwuhr / er wollte sie in dem Flecken lebendig kreuzigen
lassen / woselbst sie den Mord und Raub verübet hätten; über welcher Urtel sie
dermassen erschracken / dass sie jhre Gesellen glückselig preiseten / die im
Streit ümkommen wahren. Der Wirt durfte viel Entschuldigung einwenden / aber die
Räuber begunten schon darüber zu murren / und redete Herkules den Vornehmesten
unter jhnen / welcher Gallus hies / also an: Ob du wohl dein Leben so wohl /und
vielleicht mehr als diese anderen verwirket hast /soll es dir dannoch geschenket
sein / dessen du mir wohl trauen magst / dafern du mich zu dem Jünglinge führest
/ wo er ist / damit ich denselben meinen geliebten Bruder wieder überkommen
möge; aber sage mir ohn einige Falscheit: träget der Wirt auch Wissenschaft ümb
diese Taht? Herr / sagte Gallus / die gröste Schuld dieser übeltaht haftet auff
jhm / gestaltsam er den Anschlag gemacht / und uns auf getrieb eines fremden
unbekanten Ritters / Nahmens Victor /fast wieder unsern Willen darzu verleitet
hat / massen unser Frevel vor diesem nie so gross gewesen ist / die Leute in
beschlossenen Flecken zu überfallen; ja sein ganzes tuhn ist anders nichts / als
dass er uns bisher ausgespüret hat / wo in der nähe ein Raub zuerhaschen ist.
Bistu dann derselbe / fragete jhn Herkules /der gestern Abend in jener unseligen
Herberge die Würffel und Karten feil getragen hat? Ja eben derselbe ist er /
sagte Gallus / welches sich leicht ausfündig machen wird / wañ meine Herren jhn
nur werden dahin bringen lassen. Hierauff sagte der Wirt zu jhm; O du
meinäidiger Verrähter / ist das mein Dank und Lohn / dass ich dir so mannichen
Dienst zu Tag und Nacht geleistet habe? Fabius lachete des / und sagte: Gib dich
zu frieden du gotloser Schelm / ich werde dir schon davor lohnen / und in Padua
eine solche Rache von dir nehmen / dass andere deines gleichen sich daran zu
spiegeln haben. Herkules wahr willens / alsbald wieder auffzusitzen / und sein
allerliebstes Fräulein zuretten; weil er aber sah dz seine Leute mat und müde
wahren / überdas auch von Gallus vernam / dass die Eile ihnen zu nichts dienen /
und die helle Tageszeit ihnen vorträglicher sein würde / den Anschlag ins Werk
zurichten / hiess er die Wirtin essen aufftragen /so gut sie es zuschaffen wüste
/ und einen TrunkWein dabei / welches ihr richtig sollte bezahlet werden. Die
gemachte Beute brachte Gallus alles wieder bei / so wohl an Gelde als Kleidern /
welches Ladisla geliefert ward / und funden sich an Barschaft etliche tausend
Kronen / auch köstliche Weiberkleider / die dem Fräulein zustunden. Des Goldes
teilten sie etwas unter ihre Reuter aus / dass jeder XII Kronen bekam /wodurch
sie so gutwillig gemacht wurden / dass sie alle sich erbohten / das Leben vor sie
zu lassen. Die Wirtin schaffete Wein gnung / der sehr gut wahr /aber die Speise
wollte anfangs nicht zureichen biss sie aus der Nachbarschaft so viel zusammen
brachte /dass sie alle gesättiget wurden. Nach gehaltener Mahlzeit begehrete
Herkules die Rechnung von der Wirtin / und weil dieselbe gar leidlich gestellet
wahr / zahlete er ihr ein übriges; welche Freigebigkeit ihr gar wohl gefiel / und
sie immerzu fleissig auffwartete. Sie wahr feiner Gestalt / und etwa ihres
Alters von XXVI Jahren / taht als bekümmerte sie sich um nichts / so dass sie
auch anfangs sich ihres Mannes im wenigsten nicht annam / biss sie mit Herkules
etwas Kundschaft gemacht hatte / da fragete sie denselben mit halblachenden
Worten: Ob dann nicht gnade vor ihren Mann übrig währe. Er aber antwortete ihr /
es währe davon nichts zu reden / weil es in seiner Macht nicht stünde; in andern
dingen wollte er ihr gerne zu gefallen sein. Ey mein Herr / fuhr sie fort / und
zwar mit gleichmässigen frölichen Geberden: Ihr köntet gleichwol noch ein gut
Wort vor ihn einlegen / weil er selber nicht gemordet oder geraubet hat. Hehler
und Stähler sind gleiche gut / antwortete er / und ist diese Taht viel zu böse /
welche keines weges ungestraffet hingehen kann / sondern muss mit dem Leben
bezahlet und gebüsst werden; ihr aber habt euch nicht zubefürchten / sondern
sollet bei dem euren geschützet werden / es sei dann / dass einer oder ander
kommen /und sein geraubetes Gut wieder fodern würde. Die Frau wendete sich zu
ihrem Manne / und sagte: Da sehet ihr noch mein gutes Herz / welches ich zu euch
trage / indem ich vor euer Leben bitte / welches ihr nimmermehr tuhn würdet / da
ich in eurer stelle stehen sollte. Ja / antwortete ihr Mann / dz mögen die Götter
wissen / wie deine Vorbitte von Herzen gehe /welches dein leichtfertiges
Lache-Maul schon mehr als zu viel verräht / und behüte mich nur der Himmel /dass
ich deiner Gnade oder Vorbitte nicht bedürffe. Diese taht / als hörete sie
solches nicht / sondern fragete mit etwas betrübtem Angesicht / ob dann ihr Mann
gewisslich sterben müste; und als ihr mit beständigem Ja geantwortet ward / dz
sie daran nit mehr zu zweifeln hatte / kehrete sie sich abermal nach demselben
um / und fing mit erblassetem Gesicht also an: Nun so gebe Gott / dz dich der
Henker vor deinem Ende so peinigen und quälen möge / wie du boshafter Mörder /
Dieb uñ Ehebrecher mich armes unschuldiges Weib diese zwei Jahr geängstet hast /
und ich erfahre / dz dir mit vollem masse gelohnet sei. Dieser beiss vor Eifer
die Zähne im Kopfe zusamen / uñ deutete an / er währe ihm gar keine andere
Vorbitte bei seine frechen gottlosen Weibe vermuhten gewesen /wollte auch gerne
sterben / wañ er ihr nur den Lohn ihres verdienstes geben sollte; bekeñete
daneben er währe des vorigen tages daran verhindert worden /sonst sollte sie sein
Unglück nit erlebet haben. Herkules uñ seine Gefärte höreten mit Verwunderung zu
/und begehreten von dem Weibe die Ursach ihrer so heftigen Feindschaft / und
unversöhnlichen Widerwillens zu wissen; worauff sie antwortete: Mein Herr / wañ
ich mein Unglück und Widerwärtigkeit alles erzählen sollte / welches ich von
diesem Gottlosen ehrvergessene Buben habe annehmen und ausstehen müssen / würde
ichs im Sommerlangen Tage nit können zum Ende bringen. Der Mann wollte ihr
einreden /und seine entschuldigung tuhn; aber sie sagte zu ihm; schweig du
Verrähter / du hast keine Ehre zusprechen. Es merketen die unsern was vor ein
Kraut sie vor sich hätten / und liessen sie immerhin waschen / da sie also
fortfuhr; Meine Herren; zwei Jahr habe ich mit diesem Lausshunde in der Ehe
gelebet / aber keine friedliche noch fröliche Stunde bei ihm gehabt / da er mir
doch alle seine Wohlfahrt zu danken hat; er wahr nacket und bloss / und wann ichs
ja sagen soll / vol Unziefer / da ich mich sein erbarmete / und ihn zu mir nam.
Ach was hatte ich vorhin einen feinen frommen Mann / sagte sie mit erdichteten
Trähnen; des Abends brachte er mich zu Bette / und verrichtete noch etliche
Stunden die nöhtige Arbeit; des morgens stund er auff und lies mich schlaffen.
Dieser leidige böse Schelm ging nach meines Mannes Tode mir so listig nach /dass
ich mich sein nicht länger erwehren kunte / und ihm die Ehe versprach; und als
ich ihm bald darauff mehr gönnete / als mir jezt lieb ist / musste ich hernach
stets seines Willens Leben / welches ich dann taht /umb einen guten Grund zur
friedsamen Ehe zulegen; aber ich meine er hat mirs vergolten; er ging mit meinen
Gütern umb als die Prasser pflegen; vor musste er mit Wasser und Brod vor lieb
nehmen / jezt wahr ihm der Landwein zu herbe / und die Haussspeise zu
unverdäulich; doch hätte ichs noch alles verschmerzet /und fünffe gerade sein
lassen / nach Art meiner angebohrnen Frömmigkeit (welches ruhms die ganze
Gesellschaft lachete) wann er mir nur währe geträu gewesen / aber ungeachtet ich
/ ohn Ruhm zu melden die schönste Frau des ganzen Flecken bin / mitete er doch
allemahl die hübschesten Mägde / die zubekommen wahren / hohlete sie über
etliche Meileweges her / hielt mit ihnen als ein Ehebrecher zu / und lies mich
armes Weib gehen / als hätte er mich etwa hinter dem Zaune auffgeraffet. Wañ ich
mich dann dessen beklagete / und mich an den leichtfärtigen Ehebrecherischen
Huren rächen wollte / so musste ich mich so elendig von ihm stossen und prügeln
lassen / dass es einen Stein in der Erden hätte erbarmen mögen; aber ich hoffe /
es soll ihm schier vergolten werden / dann der Himmel hat mein Elend nicht länger
ansehen können /die Erde ist zu müde solchen Unflaht zu tragen / und die Lufft
sehnet sich dass er in ihr ehröhet / das Angst-wasser schwitze / und das
Angst-feur im Herzen fühle. Kehrete sich hiemit zu ihrem Manne / und sagte:
Kanstu noch nicht erkennen / dass die Götter müde sind meinen Jammer zuerdulden /
welchen du Wüterich und greulicher Blutund mir zugefüget hast? fahre hin an den
Galgen und an das Rad; ich will wohl einen Kerl haben / wann du schon am Kreuze
verdorret bist / der mich besser in ehren halten / und meine Wirdigkeit erkennen
soll / als du nacketer Bettelbube nie getahn hast! Sie wollte in ihrer rede
fortfahre / aber Ladisla hies sie schweigen / und fragete den Wirt / warumb er
sich so hart und undankbar gegen sein Weib verhalten / die Zeit seines elendes
ihn auffgenommen hätte. Ach mein Herr / antwortete er / gut ists / dass ihr das
schwäzhafte Weib habt schweigen heissen / es würde ihr sonst unmöglich sein das
Ende ihrer Rede zu finden / und dürffte ihr gehen wie einer Art Vogel / davon
man saget / dass sie sich zu tode singen sollen. Sie wollte dieses nicht
unbeantwortet lassen / aber Herkules hielt vors beste /dass man sie hinaus
schaffete; welches abzuwenden /sie versprach stille zu sein. Worauff ihr Mann
also fortfuhr: Ob ich gleich weiss / dass ich zu einem grausamen Tode behalten
werde / gläube ich doch nicht /dass des Henkers Peinigung schwerer sein könne /
als dieses heillosen Weibes. Ich kann wohl sagen / dass ich die zweijährige Helle
schon an ihr versucht / aber auch mit ihr gebauet habe; Ich habe diese ganze
zeit über nicht ein gutes Wort von ihr gehabt / sondern lauter schnarchen /
murren uñ schelten / und kunte ichs ihr nimmer zu danke machen / ich griffe es
gleich link oder recht / oben oder unten an; trunk ich ein Maass Wein mit meinem
Nachbar / oder einem andern / dabei ich wohl fünffe verdienete / so musste ich ihr
Verbringer sein; lag ich bei ihr auff dem Bette / so musste ich ihr fauler
Schlüngel sein; stund ich dann auf / so hiess es / ich schleppete mich mit den
Mägden; Dieses stieg mir endlich zu Kopffe / dass ich auff Mittel bedacht wahr /
sie zu zwingen / und den bösen Teufel aus ihr zu treiben; und muss bekennen / dass
ich sie oft gar übel zugerichtet habe / insonderheit /wann sie die jungen
frischen Gåste in ihrer Völlerei durch unzüchtige Schandreden zu allerhand
Unzimligkeit reizete / und ohn scheuh sich mit ihnen herzete und zausete /
einwendend / die Wirtinnen müsten freundlich sein / wann die Gäste das Geld bei
ihnen verzehren sollten; und was mir endlich daran abginge /behielte ich doch
alles was ich schon hätte; Ja ich darff vor züchtigen Ohren nicht erzählen / wie
sie in Reden und Geberden sich oft erzeiget hat; darauff legete ich dann wohl
die schwere Hand / aber alles umbsonst und vergebens / daher ich mir endlich
vornam /sie im Schlaffe zu erwürgen / und sollte mein gröster Trost sein / wann
es nur geschehen währe. Ladisla antwortete: als viel ich aus euer beiden Rede
vermerke / ist garstiger Spek umb stinkende Butter vertauschet / und bedürffte
ein Richter guter Leute Raht /umb zu entscheiden / wer unter euch mit der
grösten Schuld behaftet währe. Die Wirtin sagte: O ihr lieben Herren / helffet
ja / dz er nicht wieder los kömt /sonst müste ich elendes Weib es verlauffen.
Herkules verdross bei so gestalten Sachen dieses langwierige Narrenwerk / geboht
der Fraue ruhig zu sein; es würde dieser ihr Mann sie förder nicht weiter
belästigen; Er wollte ihr aber diese Lehre geben / wann sie den dritten nehme
würde / sollte sie sich sein demühtig züchtig und gehorsam gegen ihn verhalten /
und nicht ursach zu Zorn und Widerwillen geben. Ja mein Herr / sagte sie /
bedenket aber / dass ich gleichwol Frau des Hauses bin / und diesen Schlüngel aus
Erbarmung zu mir eingenommen habe / sollte ich dann mein Recht und Herschaft so
gar abtreten / und mich ihm zur Magd geliefert haben? doch wann diesem die Raben
nur erst die Augen möchten ausgehacket / und sein faules Fleisch verzehret habe
/ sollte der dritte Bräutigam sich wohl bald finden. Herkules sah / was vor ein
Unkraut in ihr steckte / wollte ihr nicht zu fernerem Geschwätze Gelegenheit
geben / sondern befahl seinen Leuten / die Ruhe zu nehmen / und gegen
frühzeitigen Auffbruch sich gefasset zu halten / vor allen Dingen aber die
Gefangenen wohl zu verwahren / dass ihrer keiner entwischete / der ihnen den
ganzen Handel durch Verraht leicht verderben würde. Den Wirt /sagete Ladisla /
wollen wir der Wirtin zu hüten geben / die wird ihn nicht entlauffen lassen. Das
Weib hörete es / und sagete: Wol meine Herren / gebet mir Gewalt über ihn / so
will ich ihm die Daumen und grosse Zee kreuzweise zusammen binden / uñ ihn diese
Nacht in meiner Kammer auff die blosse Erde legen /mit welcher Peinigung er mich
wohl zwanzig mahl beleget hat / auff dass er nur empfinden möge / wie mir ein
solches bekommen ist / und ich noch zu guter lezt meine Augenweide und
Herzenslust an ihm haben möge. Fabius sagte zu Ladisla: behüte der Himmel einen
jeden redlichen Mann vor solchen Ehegatten; ich halte nicht / dz dieses Weibes
gleichen je geboren sei. Sie stund nicht weit davon / hörete es / und gab zur
Antwort: Ja wohl mein Herr / so mussten meine beide Nachbariñen / oben und unten /
nicht sein /welche mir oft verweisslich gnug vorwerffen / was ich mich von so
einem lausichten Hunde dermassen verachten und schmähen lasse; dann ihre Männer
/ die ungleich grösser / stärker und ansehnlicher sind / als mein Hudler /
müssen ihnen in allem Gehorsam sein /und tanzen / wann sie nur die Pfeiffe
stimmen / wollen sie aber nicht / so treiben sie die Esel aus dem Hause /
schlagen ihnen die Tühr vor der Nasen zu /und lassen sie lange gnug um schön
Wetter bitten; aber dahin habe ichs mit diesem Aur Ochsen nicht bringen können.
Herkules sagte zu Fabius: Geliebter Bruder; je mehr man den Zunder bläset / je
weiter er glimmet. Freilich mein Herr / sagte das Weib / und hätte ich meinem
Kerl nicht bald anfangs so viel Wind gegeben / sollte er so stark nicht geglimmet
haben; aber geschehene Dinge sind zu beklagen /nicht zu verbessern. Niemand
wollte ihr antworten /weil ihr Blasebalg dadurch nur gefüllet ward. Dem Wirte
aber taht seine Gefängnis nicht so weh / als die verächtliche Reden seines
frechen Weibes / gedachte aber fleissig nach / ob er nicht vor seinem Abscheide
sich an ihr rächen könnte; sprach sie an umb einen Trunk Wein / sein mattes Herz
zu laben / stellete sich auch / als währe ihm herzlich leid / was er ihr bisher
zu leide getahn / uñ baht sehr umb Verzeihung / weil er doch nun sterben müste;
wünschete ihr langes Leben uñ allen glücklichen Fortgang in ihrer Nahrung / und
hielt an / sie möchte alles vergessen / und guten Abscheid von ihm nehmen / auch
gedenken / dass sie gleichwol Eheleute mit einander währen. Das Weib nahete sich
zu ihm / und begunte sich mitleidig zu stellen / da er sie eriñerte / etwas
weiter mit ihm von der Gesellschaft zu treten / weil er ihr vertrauen und
offenbahren wollte / was vor ansehnliche Schulden er in dem Flecken hin und
wieder ausstehen hätte /davon er ihr bisher nichts sagen wollen. Sie wahr ihm
gerne zu willen / und ging mit ihm in den Winkel hinter die Tühr stehen / da er
sie fein an die Wand drängete / dass sie ihm nicht entweichen kunte / und weil
ihm die Hände auff dem Rücken gebunden wahren /drückete er sie mit seinen Knien
und dem Leibe fest an die Wand / fiel sie mit den Zähnen an / uñ bisse ihr /
Nasen / Ohren und beide Lippen abe / zureiss ihr auch die Wangen dergestalt / dass
sie keinem Menschen ähnlich sah. Das Weib sträubete sich zwar mit den Händen
und schriehe jämmerlich / aber er zauete sich so eilig mit seiner Rache / dass
ehe jemand zu ihrer Errettung nahete / er sie schon also zugerichtet hatte / dass
ihn selbst dauchte / es könnte gnug sein; liess auch von ihr ab / und sagte: Nun
meine Herren /ich will nun gerne sterben / nachdem ich den Schimpff etlicher
massen ersetzet und gerochen habe / den ich von ihr einnehme müssen / hoffe auch
/ dieses schandlose Weib sei nunmehr unter ihrem Gesicht dergestalt zugerichtet
/ dz ihre ehebrecherische Buhler / deren sie nicht wenig hat / fortin so
häuffig nach ihr nicht mehr lauffen sollen. Das Weib lag in tieffster Ohmacht /
biss ihre Magd sie erquickete / fand sie aber dermassen zerbissen / dass jederman
abscheuh daran hatte. Herkules gab Befehl / sie nach dem Arzt zubringen / und
straffete den Wirt mit harten Worten wegen des begangenen Frevels; weil aber
geschehene Dinge nicht zu endern stunden / musste sie damit zu frieden sein; dann
sie ingesamt bekenneten / es håtte das Weib mit jhrem frechen Maul ihr dieses
Unglück selbst muhtwillig zu wege gebracht. Jungfer Libussa hätte mit Herkules
gerne allein geredet / und ihm der Fräulein lezten Willen angezeiget / weil es
aber sehr späte wahr / und jeder die Ruhe begehrete / musste sie es biss auff
näheste bessere Gelegenheit auffschieben.
    Die meiste Zeit der Nacht brachte Herkules mit behten zu / und rieff Gottes
Barmherzigkeit an / jhm die Gnade zu verleihen / dass er das Fräulein aus der
Räuber Händen erlösen möchte / insonderheit / dass Gott jhre Ehr und Zucht in
seinen Schuz nehmen /und sie vor allem unfal bewahren wollte; befahl sich endlich
selbst seinem Erlöser / und schlieff ruhig ein. Kurz vor Tage erschien jhm im
Schlaffe ein Gesichte /nehmlich ein sehr ansehnliches schönes Weibesbilde
zeigete jhm eine köstliche güldene Kron / mit dieser ümschrifft: Hoc Emolumentum
Redimit Christiana Virtus Labore Et Spe Zu Teutsch: Diesen Nutzen löset die
Christliche Tugend durch Arbeit und Hoffnung. In der anderen Hand führete sie
eine Fahne / in welcher die Wollust wieder die Gottesfurcht streitend gemahlet
wahr / und stunden diese Worte über jhren Häuptern: Volentibus Adest Levamen
Jehovæ, Sistit´q; Coronam Aeternitatis. Das ist: Gottes Hülffe stehet den
Willigen bei / und stellet jhnen die Kron der Ewigkeit zu. Unten zu den Füssen
der Gottesfurcht lase er diese Teutsche Reimen:
                                       1
Lass das Unglück immer wüten /
Lass die Weltergrimmet sein;
Gott wird Unschuld wohl behuten /
Was schafft dir dann Glückes schein?
Wer den bösen will gefallen /
Hat durchaus nicht festen Fuss /
Er bleibt wohl des Glückes Ballen /
Biss er gar verderben muss.
                                       2
Einer ist / der wird dich führen /
Du kennst seinen Nahmen schon;
Dessen Rettung wirstu spüren /
Biss er dir den Gnaden-Lohn
Der Unsterbligkeit wird schenken.
Ey so brich durch Noht und Pein /
JESUS wird an dich gedenken /
Drum mustu gerettet sein.
An der Gottlosigkeit oder Wollust seite / wahr dieser Reim mit rohten (die
vorigen aber mit güldenen) Buchstaben gesetzet:
Fleisches Lust kann Gott nicht ehren
Tügend fält durch Fleisches Lust;
Was die Straffen soll abkehren
Komt aus einer reinen Brust.
Neben der Gottesfurcht stunden diese Worte:
Wann der Teufel noch so wütet /
Wann gleich alles uns gebricht /
Und die Welt nur Unglück brütet /
Läst doch Gott die seinen nicht.
Sonst gedauchte jhn / das trefliche Bilde hätte ihn etlichemahl ganz freundlich
angelachet / und diese Worte jhm zum drittenmahl zugeruffen / da sie die beiden
vördersten Finger jhrer rechten Hand aufrecht hielt:
Was du suchest soltu finden /
Doch mustu im Glauben fest
Dich auff Gottes Beistand gründen /
Der die seinen nicht verläst.
Als dieses Gesichte hierauff verschwand / erwachete Herkules / empfand einen
sonderlichen Trost uñ geistliche Freude in seinem Herzen / und sprach dieses
Gebeht zu Gott: O du Schöpfer und Erlöser des menschlichen Geschlechtes / gib
mir wahre Beständigkeit / deinem heiligen Willen folge zu leisten / und die
schnöde Wollust der üppigen gellen Welt zufliehen / auff dass ich durch wahren
Glauben auff dein Verdienst gerechtfärtiget / die himlische Kron der
Gerechtigkeit / welche du allen Auserwählten von Ewigkeit bereitet hast / aus
deiner Gnaden Hand empfahen / und durch keine Bosheit mich deren verlustig
machen möge. Er verrichtete ferner sein gewöhnliches Morgen Gebeht / und so bald
die Sonne die hohen Berges-Spitzen der Finsternis entreiss / befahl er die Pferde
zu satteln / und so wohl die von den Räubern entführete / als ihre eigene fertig
zuhalten / des gewissen Vorsatzes / sein herzgeliebtes Fräulein auffs
fleissigste zu suchen / ob jhm gleich Ketten und Bande / ja der Tod selbst
drüber zustossen sollte. Fabius lies die Gefangenen fest binden und auff Pferde
setzen / macheten sich auff und nahmen den Rükweg nach dem Gehölze wieder vor
sich / da die Jungfer zwischen Herkules und Ladisla reiten / und ihnen erzählen
musste / was sich irgend zu Prag sieder jhrem Abwesen denkwirdiges zugetragen
hatte / biss Ladisla wegen enge des Weges hinter sich zu Fabius ritte / und sie
Gelegenheit hatte mit Herkules in geheim zureden / an dessen Finger sie
ohngefehr den obgedachten Ring mit den eingeschlossenen Händen sah / und zu jhm
sagete: Durchl. Fürst / ich erinnere mich / diesen Ring mehr gesehen haben / und
nimt mich wunder woher er euer Durchl. sei zu teil worden. Nach dem sie aber von
jhm Bericht empfing /was gestalt Neklam denselben nebest anderen Sachen
überbracht hätte / nam sie daraus gute Hoffnung / es würde das Fräulein dieser
Gefahr entrinnen / und mit dem Fürsten verehelichet werden; fing demnach an /und
sagete zu jhm: Ich habe von gestern Abend her Gelegenheit gesuchet / mit euer
Gn. in geheim zu reden / hoffe zuerst dieselbe werden mir gnädigst verzeihen /
dass ümb deren heimligkeit ich gute Wissenschaft von anfang her getragen / auch
die einige Ursach gewest bin / dass mein gn. Fräulein euer Gn. Brieff bei
Wenzesla beantwortet / halte auch / dafern meinem gn. Fräulein ich zu Zeiten mit
Trost nicht beigesprungen währe / sie würde schwerlich euer Gn. Verlust lange
uberlebet haben; wolle demnach mein gn. Furst sich vor mir nicht verbergen; ich
wegen Pflicht und Schuld / damit meinem gn. Fräulein verhaftet bin / kann nicht
unterlassen / euer Gn. jhren lezten willen zu eröffnen / nehmlich / als im
Geholz sie hat müssen von mir scheiden / wahr sie mehr auf jhres allerliebsten
Fürsten als auff ihre eigene Wolfahrt bedacht / befahl mir deswegen / alle
Mogligkeit anzuwenden / dass jhrer Gn. ich jhren Verlust / durch alle Mittel
alsbald zu wissen tähte / und dabei andeutete /dass ja dieselbe sich jhretwegen
in keinerlei Gefahr einliesse / sie währe dann mit solcher Hülffe versehe /dass
sie den Räubern bestand gnug sein könnte. Herkules antwortete: es ist mir sehr
lieb / ädle Jungfer / dass ich solches alles von jhr vernehme / will auch / da mir
das Leben übrig bleibet / allen Fleiss anwenden / die Dienste / welche sie meinem
Fräulein uñ mir getahn /nach Vermögen zuverschulde; betreffend aber deren
Warnung / werde nach gestalten Sachen ich mich schicken und verhalten müssen /
auch meinem Gott trauen / er werde mir in Ungluk und Gefahr beistehen. Ich
möchte aber gerne sehen / dass sie zu Padua verbliebe / und von dannen nicht
wieche / biss sie von dem Fräulein oder von mir gewisse Zeitung hätte /müste ich
ihr dann in fremde Lånder folgen / dahin sie geführet würde / wie ich doch nicht
hoffen will / werde ich an euch nach Padua zuschreiben / nicht unterlassen;
erfahret ihr aber wo ich bin / und geht etwas /mir nöhtig zu wissen / vor / kann
sie bei eigenem Bohten solches verrichte; doch als lange ich meinem Fräulein
nachsuche / wird mein Name nicht Herkules /sondern Valikules sein; sonsten dass
unsere Liebe noch zur Zeit gegen jedermännig müsse verschwiegen gehalten werden
/ wird unnöhtig sein / euch zu erinnern. Aber lieber saget mir / da ichs wissen
darff /was doch mein höchstgeliebetes Fräulein eigentlich bewogen / diese
schleunige Reise auff sich zunehmen? Ach mein Durchl. Fürst / antwortete sie /
wie hat mein Gn. Fräulein Tag und Nacht auf Gelegenheit getichtet / Eure Gn. zu
sehen / und etwa nur ein Stündichen mit derselben zu sprachen / umb zuerfahren
/ob dieselbe dann ihre hochlöbliche Art durch den neuen Glauben so gar verendert
/ wie man in Teutschland hat vorgebe dürffen; mag demnach Eure Gn. sich kühnlich
versichern / dz weder ihr Herr Bruder noch dessen Gemahl sie von Prag nach Padua
würde gelocket haben / wann Eure Durchl. nie daselbst gewesen wäre. Ach ach mein
Frl. sagte Herkules / das leidige Glük hat uns biss daher diese Ergezligkeit
nicht göñen wollen / dz wir durch mündliche Unterredung unsere Liebe erneuert
hätten; einmal ist es ein Schwert in meinem Herzen / dz ein solches Fräulein
meinetwegen in diese Angst und Gefahr gerahten ist; doch / hilfft mir der
allmächtige Gott / will ich nicht ruhen / biss sie gerettet / und die Bosheit
gestraffet sei; vor dissmal will ich euch den Brieff in Verwahrung geben / welchen
ich in ihren allerschönsten Haaren funden / ob mein Fråulein ihn wieder fodern
würde. Libussa nahm ihn zu sich / mit Erbietung / ihn wohl auffzuheben
/ungeachtet das Fräulein ihn so oft gelesen hätte / dass sie ihn fertig
herzusage wüste. Indem sie also fort ritten / ersah Herkules etliche Reuter
stark auff sie ansetzen / uñ ward bald innen / dass es die aussgeschikte Speher
wahren / welche Zeitung brachten / dass sie zwar etliche Mäñer mit Holzaxten im
Walde hin und wieder zerstreuet angetroffen / welche aber von keinen Räubern
zusagen gewust. Gallus zeigete ihnen an /eben diss währen die rechten / und
möchte wünschen /dass sie entweder ihr Nachsuchen gar unterlassen /oder deren
einen gefangen mit sich gebracht hätten /alsdann würde man einige Nachricht von
ihnen haben einnehmen können / welches nun schwer zugehen dürffte / dafern man
ihnen nicht biss in ihre heimliche zimlich-abgelegene Schlüpff-winkel nachsuchen
würde. Herkules sah wohl / dass ihm kein Mensch als dieser Räuber zu seinem
Vorhaben könnte behülflich sein / und fragete ihn / ob er dann ihrer abgelegenen
Höhlen Wissenschaft hätte. Ja / bekennete dieser / er währe ihrer vornehmsten
Häuptleute einer / und hätte aller Heimligkeiten durchgehende Kundschaft /
wollte es auch mit Worten dahin bringen / dass der gefangene Jüngling neben der
Jungfer sollte lossgelassen werden; zwar die versamlete Herren möchten wohl
gedenken /er redete solches / sich etwa losszuwirken / und hernach davon
zulauffen; aber sein Vorsaz währe nicht also beschaffen / welches sie ihm wohl
trauen möchten. Herkules nam ihn darauff absonderlich vor und redete ihn also
an: Höre Gallus / uñ erinnere dich der Gnaden dass ich dich vom Kreuz lossgewirket
/ an welchem du sonst in grössester Pein sterben müstest /und betrachte / dass du
mir davor verhaftest seist; wiltu mir nun träue und redligkeit beweisen / dein
Leben hinfüro in besserung stellen / und in meinem Vorhaben mir nach aller
mögligkeit beirähtig sein /so verspreche ich dir hinwiederumb / bei meinen
ritterlichen Ehren / welche zu schänden ich nicht bedacht bin / dass ich dich
hernähst dergestalt begütern und erheben will / mehr als du jemahls hättest
hoffen oder dir einbilden können. Gallus antwortete mit einfältigen Geberden:
Gn. Herr / der Gott der über alles herschet / ist mein Zeuge / dass aus
höchstdringender Noht / und mein Leben zu retten / ich mich in die Räuber
Gesellschaft begeben / massen ich fünff Jahr ein Römischer Feldwebel gewesen /
biss ich beim Trunke wegen eines Spieles / darin mir Unrecht geschahe / meinen
Fåhndrich erstochen / und deswegen aussreissen müssen; und weil ich nirgend
sicher wahr /habe ich mich drei Jahr in den Wildnissen auffgehalten / und zu
Zeiten geraubet / wovon ich das Leben erhalten / biss vor vier Jahren ich in
diese Räubergeselschaft gerahten bin; ich gelobe aber ihrer Gn. bei dem
höchsten Gott / dz dero getreuester Knecht biss an meines lebens Ende ich sein
und bleiben will /nicht so viel wegen jeziger gar zu hoher Zusage /deren ich
nicht fähig bin / als dass dieselbe mich der Kreuzespein entoben / und mir dz
Leben geschenket / welches durch meine Untahten ich hundertfach verwirket habe.
Herkules sagte zu ihm: Nun / du beruffest dich auff den wahren Gott / der würde
dich auch mit harter Straff-hand angreiffen / wann denselben zu täuschen du
gesinnet währest / welches ich dir doch nicht zutraue / sondern nehme dein
Erbieten als fest und redlich gemeinet an / und versichere dich hinwiederumb /
dass deine kunftige Dienste ich dir nach getahnen versprechen vergelten will;
kehrete sich hiemit nach Fabius / und begehrete von ihm / er möchte als ein von
dem Römischen Statalter gevolmächtigter /ihm zu Liebe und Freundschaft diesen
seinen neuen Diener Gallus frei und ehrlich / auch aller Straffe los und ledig
sprechen. Dieser wahr hirzu willig / lies ihm die Bande an Händen uñ Armen
entzwei schneiden / und erklärete ihn ehrlich / frei / uñ aller Anklage
entoben; worüber der recht büssende Mensch höchst erfreuet / auff seine Knie
niderfiel / und mit trähnenden Augen vor beschehene Gnade dankete; sagete; er
währe nun reich und glückselig genug / und wollte in ihren Diensten gerne und mit
freuden sterben. Sie ritten frisch fort / biss sie endlich an die Stelle kahmen /
da die Räuber sich geteilet hatten / woselbst Herkules seine lieben Freunde
allein zu sich foderte /umb zu bereden / wie die Sachen am tuhnlichsten
anzugreiffen sein möchten; aber da wahr mancherlei und keine beständige Meinung
/ weil niemand etwas gewisses hatte / darauff er fussen kunte / daher Herkules
zu ihnen sagete; Ich merke wohl / dass mein Gallus hierin der beste Rahtgeber sein
wird / rieff ihn herzu /und befahl ihm seine Gedanken hierüber frei und
ungescheuhet zueröffnen. Dieser aber baht sehr / seine Gñ. Herren wollten doch
nach belieben rahten / er wollte alles nach Vermögen ins Werk richten helffen /ob
er gleich das äusserste darüber ausstehen sollte; dann würde ich einen Anschlag
machen / sagte er /und es geriete zum ärgesten / wie ich doch nicht hoffen wollte
/ möchte ich einiger Verräterei verdacht werden. Mein Gallus / antwortete
Herkules / wann ich diese Gedanken von euch hätte / würde ich euch so ledig und
los neben mir nicht reiten lassen / drumb lasset hören was euch dünket. Gn. Herr
/ sagte er / so bitte ich untertähnig / mir zu verzeihen / wann irgend mein
Vorschlag nicht beliebet sein könnte / ausser dem wir aber unser Vorhaben
schwerlich erreichen werden / dann die aussspehung eurer Reuter hat mir die Sache
sehr verwirret / und die Räuber aus der nähe in ihre heimliche Gewahrsam
getrieben; dahin /währe ich der Meinung / mich zu begeben / und einen geträuen
Menschen eures mittels zu mir zunehmen /welcher sichs nicht würde müssen
verdriessen lassen /mit mir durch Hecken und Püsche zu fusse zu krichen / und
sich zu stellen / als währe er von mir vor einen Räuber-Landsknecht geworben;
sollte man dann nach seinem zustande fragen / könnte er irgend vorgeben / er hätte
einen Todschlag hie oder da begangen / dass er flüchtig sein müste / und sich im
verborgenen zuhalten gezwungen würde; währe uns dann Gott beiständig / wie ich
gänzlich hoffe / dass wir den geraubeten Jüngling anträffen / sollte er euch Zeit
/ Ort / und Weise eurer Ankunft und überfals berichten / wie ichs finden würde
/ am sichersten und bequemesten zu sein / im falle ich sie in der Güte nicht
bereden könnte / die Gefangenen neben der Beute von sich zugeben. Sie hielten
diesen Raht alle vor gut / lobeten seine vernünftigen Anschläge / und reizeten
ihn mit grossen verheissungen zur bestendigkeit. Und als man darüber
rahtschlagete / wer Gallus zugegeben werden sollte / schlug Ladisla seinen Leches
vor / Fabius stimmete auff Klodius; Herkules aber baht / man möchte ihm die Wahl
gönnen / welchen er darzu würde düchtig erachten / und nach bewilligung stieg er
vom Pferde / sprechend: Ich werde mich zu dieser Abenteur selbst gebrauchen
lassen / und traue meinem Gott ungezweiffelt / er werde mir Glük und guten
fortgang verleihen. Ladisla und Fabius bahten ihn sehr / von solchem Vorhaben
abzustehen / angesehen der grossen Gefahr / wann er erkennet würde. Gallus
selbst riet ihn träulich ab / allermeist / dass die andern nicht in ungleiche
Gedanken gerahten möchten / ob suchete er an diesem Herren einige Verräterei zu
üben. Herkules aber fragete ihn / ob neulich etliche von den Räubern zu Padua
gewesen / und als er dz Wiederspiel vernam / sagte er; so bringt mich niemand
als Gottes Gewalt von diesem Vorsatze; legte sein Harnisch abe / ging mit
Klodius hinter eine Hecke und nam dessen ledernes Kleid vor sein Scharlaken /
suchte die kostbahren Kleinot / die darin vermacht wahren / zusammen / und nach
kurz genommener Abrede / lies er sich als einen geworbenen Räuber hinleiten.
Ladisla aber kehrete mit der Gesellschaft umb nach dem Flecken / da das Unglück
sich zugetragen hatte / und erwartete daselbst seines lieben Herkules
Wiederkunft. Derselbe nun eilete geschwinde fort / damit er sein geliebtes
Fräulein schier aus Räuberhänden frei machen möchte / so dz Gallus kaum mit ihm
fortkommen kunte / welcher ihn aber baht / er möchte gemachsam fahren / es währe
das Schlupffloch nicht so nahe / dass mans mit einem lauffe erreichen würde /
hielte auch vor sicherer / späte als früh bei ihnen anzulangen / dann sie würden
ohn zweifel sehr verschüchtert sein / und wegen seiner unvermuhtlichen Ankunft
sich nicht ein geringes verwundern / welches er ihnen doch bald benehmen wollte.
Herkules lies sich weisen / befahl sich Gott seinem Erlöser in grosser Andacht /
und lies Gallus vorhin gehen / weil er seiner Träue noch nicht aller dinge
versichert wahr / ob er ihm gleich zimlichen Glauben zustellete. Sie kahmen an
eine Bach / bei welcher ein dickes Gesträuche stund / in welches Gallus ohn
Verzug hinein kroch / und bei einer Viertelstunde darinnen verzog / dass Herkules
nicht wusste / ob er verrahten oder verlassen wahr; als er nun wieder hervor kam
/ hatte er sein Angesicht dermassen unkäntlich gemacht / dass Herkules anfangs
meinte / es währe ein ander. Gallus merkete solches / und sagte zu ihm:
Gnädiger Herr / Eure Gn. kennen mich zweiffels ohn wegen dieser Verstellung
nicht mehr. Die Kleider /antwortete er / sind mir neben der Rede nicht unbekant
/ aber seid jhr der vorige Gallus / so werdet ihr etwa euren Kopff in diesem
Pusche vertauschet haben. Dieses sagte er nicht ohn ursach / dann er wahr ganz
anders gestalt als vorhin; Sein Haar und Bart wahren sonst gelbröhtlich / das
Angesicht weissroht und wohl gebildet; jezt aber wahr sein ganzes Haar
schwarzbraun / und sein Gesicht als währe es von der Sonnen schwarzgelb gebrant.
Gallus lachete der Rede / und sagte zu ihm: Gnädiger Herr / eben diese Kunst soll
ob Gott will Eure Gn. eben so unkäntlich als mich selbst machen / und wann mir
dieses Mittel nicht bewust währe / hätte Eure Gn. ich nimmermehr mit mir
genommen / massen euer Angesicht der gewisse Verrähter sein / und des Jünglings
Bruder kund machen würde. Bei leibe / sagte Herkules / lasset diese hohe Ehren
Nahmen / mich Eure Gn. zuheissen / unterwegen / und nennet mich bei meinem
Nahmen schlecht hin / und ob euch derselbe unwissend ist / so heisse ich
Valikules. Unterdessen / als er dieses redete / greiff er ihm nach dem Häupte
und Angesicht / dann er meinte gänzlich / er hätte eine Haarhaube und falsches
Gesicht angeleget / nachdem er aber die blosse Haut fühlete / entsetzete er sich
in etwas / und hielt es vor eine Zäuberei; welches Gallus merkend / ein
Wandläplein nahm / und damit sein Angesicht rieb / wie auch Haar und Bart / da
ward alles wie vorhin / dass auch nicht das geringste Fleklein übrig blieb;
sagete darauff: Mein hochgeehrter Herr / hier offenbare ich ihm die erste
Heimligkeit der Räuber / welche nur unser dreien wissend ist; nam ein Büchslein
mit graugelblichem Staube gefüllet /schüttete es in ein Gefäss / und dessen gar
wenig / rührete es mit Wasser ümb / netzete jhm damit sein Gesichte / Haar und
Hände / und lies es an der Sonnen trocken werden / da bekam er angesichts die
schwärzlichte Farbe / und weil er einen alten Spiegel mit aus der Höhle gebracht
hatte / hielt er ihm denselben vor /und sagte: Wann meines Herrn seine Gesellen
jhn jetzo sehen sollten / würden sie ihn schwerlich kennen. Herkules besah sich
selbst mit Verwunderung / und wahr ihm zu dieser Verstellung sehr liebe /
begehrete auch an Gallus / wo des Kunst-Staubes mehr verhanden währe / möchte er
einen guten Anteil zu sich nehmen / ob sie dieses Weges nicht wieder gehen
würden / dann er wollte dessen hernähst zu seiner Lust gebrauchen. Aber / sagte
er / lässet sichs nicht mit Wasser oder Lauge abwaschen? Nein / antwortete er /
je mehr mans wäschet / je mehr es färbet / aber sonst verleuret sichs innerhalb
zwölff Wochen allgemach / kann doch /wie mein Herr gesehe / mit einem geringen
Läplein /welches mit einem gemeinen Dinge bestrichen wird /und man dessen
allentalben habhaft sein kann /leicht abgerieben werden / so dass die Haut
klärer wird dann vorhin. Kroch darauff zum andern mahl in das Gepüsche / nam des
Kunst-Staubes eine zimlichen ledern Beutel voll zu sich / brachte auch Brod uñ
Käse zum Frühstücke mit / welches sie assen / und einen Trunk aus der klaren
Bach darzu tahten. Nach gehaltenem kurze Inbiss begab er sich abermal ins
Gesträuche / und hohlete zween unansehnliche zimlich lange Springstecken hervor
/ deren einen er Herkules mit diesen Worten reichete: Sehet da mein Herr /
dieses wird ihm hinfüro eine zeitlang an statt des Schwerts vor ein Gewehr dienen
müssen / wollen derweile sein Schwert in diesem Pusche wohl verwahren / hilfft
uns dann Gott wieder zurück / wie ich hoffe / soll mein Herr dasselbe unversehret
wieder nehmen. Herkules wahr nicht bedacht das Schwert von sich zu legen / und
sagete: Ich folgete euch zwar gerne / aber womit wehren wir uns / wann wir
irgend Anfechtung haben sollten /nam gleichwol den angebohtenen Stab zu sich /
und dauchte ihn derselbe viel schwerer sein / als dessen grösse mit sich
brachte. Gallus sagte zu ihm: Diese Stäbe werde uns schon Schwert und
Spiessverschaffen; zohe unten am Stabe ein kleines Häklein los / da sprang ein
vierecketes spitziges Eisen einer Ellen lang hervor / welches einer Hellebarten
nicht ungleich sah. Mein Gott / sagete Herkules / geht doch die Bosheit
heimlich zu schaden / mit mehrer Verschlagenheit umb / als auffrichtige
Gegenwehr Klugheit anwenden mag. Ja mein Herr / sagte Gallus / diss ist das erste
Gewehr / da man sich frei wenden kann /sollte dieses aber unnüzlich zugebranchen
sein / dann werffe ich den ganzen Stab hinweg und behalte nur de obersten
Handgriff. Indem er dieses sagete / zohe er ein trefliches Schwert heraus /
hatte eine runde Plate bei sich / die er mit aus dem Pusche gebracht / steckete
sie an statt eines Gefässes daran / dass die Hand dahinter sicher und beschirmet
wahr / und reichete Herkules eine gleichmässige. Der besah nun seinen Stab
eigentlich / fand ihn auff gleiche Art zugerichtet / und legte das Schwert
willig ab; Sie ginge miteinander die Räuber-Bahn fort / da sie oft durch
verwachsene Hecken kriechen mussten / welche Zeit über Herkules ohn unterlass mit
seinem Gott redete / und mit vielen Seuffzen baht / ihm die Gnade zu verleihen /
dz er sein geliebtes Fräulein zum Christlichen Glauben bringen möchte. Gallus
sah ihm unvermerket fleissig zu / und spürete / dass er in seiner Andacht den
Nahmen Jesus offters nennete / woraus er erkennete / dass er ein Christ wahr /
seuffzete daher inniglich und sagete: O mein Herr / es stosset mir gleich jezo
meine allergröbeste Sünde ans Herz / die ich ehmal begangen / und fürchte sehr /
sie werde mir nimmermehr vergeben werden. Herkules antwortete: ist sie euch von
Herzen leid / so bittet den wahren Gott um Verzeihung / und hütet euch hinfüro
vor dergleichen. Wie gerne tähte ich solches / sagte er / wañ ich nur wüste /wie
ichs anfahen sollte. Dafern ihr nicht beschweret seid / mir die Sünde wissen zu
lassen / sagte Herkules / will ich euch meinen geträuen Raht gerne mitteilen. Ach
mein Herr / antwortete er / ich bin in der Jugend von meinen Eltern fleissig zur
Schuel gehalten /und habe einen frommen Lehrmeister gehabt / der mich träulich
in der Gottesfurcht unterwiese / unter andern mich einen Gott anbehten lehrete /
welcher JEsus Christus heisset / und vor der Welt Sünde im Judischen Lande soll
gestorben sein; in dem Glauben blieb ich etliche Zeit / biss Käyser Septimius
Severus vor XXIV Jahren die grausame Verfolgung wider die Christen anstellete /
und alles was diesen Glauben bekennete / peinigen und tödten liess: Ich wahr
dazumahl von ungefehr XIV Jahren / und verrieten mich meine gewesene Mitschüler
/ dass ich ein Christ währe /ward deswegen hingeführet / entweder lebendig
verbrennet zu werden / oder den heidnischen Göttern zu opffern / und den
Christen Gott zu verleugnen. Zwar eines gelindern Todes währe ich umb des
Christlichen Glaubens willen gerne gestorben / aber vor des Feuers Hitze
erschrak ich so heftig / dass ich mich durch Fleisch und Blut verführen liess /
den HErrn JEsus verleugnete / und dem heidnischen Gott Jupiter Weir auch auff
die Kohlen schüttete. Dieses halte ich vor die einzige Ursach alles meines
Unglücks / und peniget mein erschrockenes Gewissen so heftig / dass ichs keinem
Menschen klagen kann. O wollte Gott / ich hätte meines Heilandes Gnade wieder /
welchen ich bösslich verleugnet habe / wie gerne wollte ich mich zehn und mehr
mahl verbrennen lassen. Dieses / mein Herr / habe zu offenbahren ich nicht umhin
köñ n /weil aus seiner Andacht ich gespüret / dass er ein Christ sein muss / dann
wir elende Heiden haben ein solches Vertrauen nicht zu Gott / dass wir in Nöhten
uns solcher gestalt begreiffen / und mit GOttes Barmhertzigkeit uns trösten
könten. Herkules sah ihn freundlich an / und sagte zu ihm: Mein Gallus / ist
diese Busse euch ein rechter Ernst / und gedenket ihr euch wieder zu dem
Heilande der sundlichen Welt zubekehren / so danket vor erst Gott / dass ihr
anfangs in meine Hafft / hernach in meine Gesellschaft kommen seid / dann ich
bin ein Christ / und gehe gleich jetzo in meiner Andacht / welche ich zu diesem
meinem Heilande gerichtet. Ich habe solches dabei vermerket / sagte Gallus / dass
mein Herr den süssen Nahmen JEsus so oft nennete / vor welchen ich mich bisher
ungleich mehr / als vor alle Waffen gefürchtet habe; dann mein Herr weiss und muss
gestehen / dass er der warhaftige Gottes Sohn ist; Was mir nun dasselbe vor eine
Seelen-Angst gebieret / so oft ich dran gedenke / ist der Zunge unmöglich
auszusprechen. Ja mein Gallus / sagte er / ihr habt in Warheit eine
erschrekliche Sünde begangen / nicht allein / in dem ihr euren Heiland
verleugnet / welcher euch zu gute Mensch worden / und umb eurer Seligkeit willen
sein heiliges unschuldiges Blut am Stamme des Kreuzes vergossen hat / und ihr
habt euch gescheuhet / umb seines Nahmens willen das eure wieder zu vergiessen /
oder im Feur verzehren zu lassen; Dieses / sage ich /ist nicht allein eine
überaus schwere Sünde / sondern dass ihr überdas noch eine so geraume Zeit / XXIV
Jahr lang in solcher Gottlosigkeit verblieben / und euch nicht wieder durch
herzliche Reu angemeldet /und zur Christlichen Kirchen begeben habt; trauet mir
/ dass alle eure Bosheit / die ihr mit Stehlen / Rauben /Morden oder sonsten
begangen / gegen diese Sünde nicht eins zurechnen sei / dann jenes beleidiget
eigentlich die Menschen / dieses aber ist schnuhr gerade wieder GOtt im Himmel
selbst gerichtet. Jedoch; ist es euch von Herzen leid / und habt jhr den steifen
Vorsaz / diese Sünde der Verleugnung nimmermehr wieder zu begehen / sondern bei
eurem Heilande in Schande und Ehre / in Glük uñ Wiederwärtigkeit fest zu halten
/ so das weder Feur noch Schwert / Wasser noch Strik / Angst noch Pein euch
davon scheiden soll; daneben auch aller Bosheit / so viel mensch-uñ möglich /
euch hinfüro zuentalten / und mit wahrem Glauben dem Sohn Gottes anzuhangen /
auch ein Christliches Gottseliges Leben zu führen gesonnen seid / so verspreche
ich euch / dass Christus solche und alle andere Sünde / keine ausgenommen / euch
gnädig verzihen / und in die tieffe des Meers versenket hat. O wollte Gott /
sagte Gallus / dass ich dieses gläuben / und in mein Herz fassen könnte / wie
gerne wollte ich mich selber bei den Richtern vor einen Christen angeben / und zu
aller zeitlichen Pein und Straffe meinen Leib frölich darbieten. Dieses müsst
jhr gläuben sagte Herkules / und was hält euch abe /dass jhrs nicht in euer Herz
bringen könnet? Gallus antwortete: O der schwere Stein meiner Sünden / welcher
mich hinunter biss in die unterste Helle drücket! Eure Sünde? sagte Herkules /
wisset jhr nicht / das Jesus in die Welt kommen ist / nicht üm der Frommen oder
Gerechten / sondern ümb der Sünder willen? Spricht er nicht selber / er sei
kommen / zu suchen was verloren wahr? Ja / lässet er nicht ümb eines einzigen
verlohrnen Schaffes willen die ganze Herde in der Wüsten / und geht diesem nach
/ biss ers finde / leget es hernach auff seine Achseln mit Freude / und träget es
wieder hin in seinen Schaffstal / da es das Leben uñ volle Gnüge habe muss? Was
saget jhr mir dañ von euren Sünden? Solte die den Gnadenbrun der Barmherzigkeit
Gottes wohl ausgetroknet haben? Lasset jhr nur abe vom bösen / bereuet eure
übertretung /eure verleugnung und übeltahten / und kehret euch wieder hin zu dem
/ welchen jhr aus Fleisches Schwacheit / nicht aus frevelmühtiger Bosheit
verleugnet habet; Wann dann eure Sünde gleich Blutroht sind / sollen sie doch
Schneweis werden / wann sie sind wie Rosinfarbe / sollen sie wie die weisse
Wolle werden. Dieses spricht Gott selber / der Mund der unstråflichen Warheit /
der nicht liegen kann / und unmöglich ist / dass er liegen sollte. Höret höret /
wie Christus Jesus euch und eures gleichen ruffet: Kommet her zu mir alle die
jhr mühselig uñ beladen seid /ich will / nicht allein ich kann / sondern ich will /
ich will euch erquicken. Zweifelt jhr ferner / ob der Sohn Gottes eine solche
Sünde / eine solche Verleugnung euch vergeben wolle? Sehet an die den HErrn
selbst gekreuziget haben / wie hart sündigeten die? Noch dannoch vergab er jhnen
nicht allein gerne und willig /noch ehe sie jhn darumb ersucheten / sondern er
baht auch vor sie zu Gott seinem himlischen Vater. Und deucht euch auch dieses
noch nicht gnug? Ey so nehmet vor euch den Apostel und Jünger des HErrn den
Petrus: wahr derselbe nicht etliche Jahr mit dem HErrn ümher gereiset? Hatte er
nicht seine Zeichen und Wunder gesehen? Ja hatte er nicht bekennet / du bist
Christ der Sohn des lebendigen Gottes? Vermass er endlich sich nicht gar / mit
jhm in Gefängnis und in den Tod zu gehen? Gallus sagete: Mein Herr / ich
erinnere mich sehr wohl / dieses alles in meiner Jugend gehöret zu haben. Je
wisset jhr dañ nicht / fuhr Herkules fort / dass eben dieser Petrus seinen HErrn
und Meister verleugnete? Nicht aus furcht vor dem Feur /wie jhr getahn / sondern
da er durch einer armen Magd stimme vom Feur / dabei er sich wärmete / hinweg
getrieben / und nur bloss gefraget ward / ob er deren einer währe / die dem JEsus
von Nazaret zu folgen pflegeten; sehet was vor ein Fall wahr dieser. Nicht
desto weniger nam jhn der HErr stündlich wieder zu Gnaden an / da er seine Sünde
herzlich beweinete; ja noch ehe dann er sie beweinete. O du grundgütiger Gott /
sagte hierauff Gallus / so biss doch auch mir armen Sünder / mir boshaftigen
Verleugner / mir Råuber und Mörder / gnädig und barmherzig / und lass meine
Beichte und Busse dir zu herzen gehen /wie du des Mörders seine / welcher mit
dir gekreuziget ward / dir zu herzen gehen liessest; fing damit an so bitterlich
zu weinen / dass Herkules ein grosses Mitleiden mit jhm trug / und zu jhm sagete:
Seid versichert / mein Gallus / dass JEsus der Sohn Gottes diese eure Trähnen
durch den heiligen Geist in euch wirket / uñ trauet Ihm nur gewiss / dass Er euch
alle eure Sünde aus Gnaden verzihen uñ vergeben hat /laut Seiner teuren
Verheissung / Er wolle deren keinen hinaus stossen / die durch wahre Reu und
Busse in wahrem Glauben zu Ihm kommen. O ja mein Herr /antwortete er / mein Herz
empfindet schon die Gegenwart der Barmherzigkeit Gottes / daher mir eine solche
Freudigkeit entstehet / als ob ich von neuen geboren wåhre / und in der
allergrösten Himmels-Freude schon sässe. Dieses / sagte Herkules / ist eben das
Zeugnis / dass wir Gottes Kinder sind / wann unser Geist durch den Geist Gottes
also auffgerichtet / und aus dem Sumpfe der Verzweifelung hervorgerissen wird /
dann ein jeder der wirklich in den Bund Gottes auffgenommen ist / uñ in wahrem
Glauben seinem Erlöser anhanget / dessen Herz kann durchaus / auch in der
allergrössesten Wiederwertigkeit / der geistlichen Freude nicht beraubet werden
/ massen alles was die Weltweisen oder Irdisch-Gelehrten von dem höchsten Gute
schreiben / und dessen doch das allergeringste nicht geniessen / dass findet sich
alles bei eines Christen Seele / die in Gott gestärket ist / welches aber nicht
aus unser Krafft und Erwerbung / sondern einzig und allein aus dem Gnadenschaz
Gottes herruhret. O das muss ein überaus gnädiger Gott sein / sagete Gallus / der
die groben mutwilligen Sünder ümsonst wieder zu Gnaden annimt ja antwortete
Herkules / wann es an unser seite nicht ümsonst geschähe / so geschähe es
nimmermehr; gestaltsam nichts düchtiges an uns ist / welches Gottes Güte
erwerben könnte; daher meldet auch die Heilige Schrifft / der Sohn Gottes sei vor
uns gestorben / da wir noch Sünder / ja da wir noch seine Feinde wahren /
anzudeuten / dass das Werk unser Begnadigung ohn alles unser Zutuhn geschehen
sei. Gallus sagete; mein Herr / ich habe mich nach meiner Verleugnung allemahl
vor Gottes gesträngem Recht gefürchtet / und nicht gewust / dass seine
Barmherzigkeit demselben begegnen und selbiges stelle könnte. Billich furchtet
sich ein Mensch vor Gottes Gerechtigkeit / sagete Herkules / als oft er seine
unwirdigkeit betrachtet; aber dass jhr euch darein recht zuschicken wisset / so
nehmet diesen kurzen Bericht ein / der euch nun in einer kindlichen Furcht
stärken / uñ die knechtische schüchternheit abnehme wird; es ist freilich Gott
der HErr beides eingerechter und zugleich ein barmherziger Gott / bleibet auch
in alle Ewigkeit so wohl gerecht als barmherzig; Und weil wir Mensche alle
miteinander die Gerechtigkeit Gottes mit unsern Sünden hoch beleidiget und zu
Zorn gereizet hatten / musste trauen derselben Gerechtigkeit Gottes ein genügen /
und zwar ein völliges Genügen geschehen / sonsten währe Gott nicht gerecht; als
aber in keines Menschen Vermögen wahr / diese Gerechtigkeit durch seine Werke
zubegütigen / und dannoch die barmherzigkeit Gottes aller Menschen Verdamnis
nicht zugeben kunte / da erweckete diese Barmherzigkeit den ewigen Sohn Gottes /
die andere Person des einigen ewigen göttlichen Wesens / dass dieselbe sich
freiwillig erboht / der Gerechtigkeit gnüge zuleisten /und zwar in unserm
menschlichen Fleische / als welches dem Zorn unterworffen wahr; solches
zuerfüllen / nam dieser ewige Sohn Gottes vor 227 Jahren (nach der wahren
Rechnung) unsern menschlichen Leib und Seele in dem Leibe der keuschen
Jungfrauen Marien an sich / lag / wie andere Menschen / XL Wochen unter dem
gereinigten Herzen seiner lieben Mutter /lies sich hernach von derselben als
einander Mensch in armseliger kindlicher Gestalt an diese Welt gebehren / sich
mit seiner Mutter Brüsten speisen / mit Essen und Trank aufferzihen / unterwarff
sich allen menschlichen Gebrechligkeiten / ausser der Sünde /lebete allerdinge
heilig und nach allen Gebohten Gottes unsträfflich / wie es die Gerechtigkeit
Gottes schnur gleich und nach der höchsten stränge erfodert /uñ als er das
männliche Alter erlanget hatte / trat er in sein Messias- oder Erlösungs Amt /
lehrete und predigte / verrichtete allerhand göttliche Wunder / in dem er die
Blinden sehen / die Tauben hören / die Lahmen gehen / die Aufsätzigen rein / die
Kranken gesund / ja die Todten lebendig machte / biss die Zeit kam / dass er vor
unsere Ubertretung leiden uñ sterben musste / da lies er sich von seinem eigenen
Volke den Juden /sahen / verspeien / höhnen / geisseln / kreuzigen uñ tödten.
Sehet nun Gallus / alles was der ewige Sohn Gottes in seinem angenommenen
Fleische gutes taht und böses litte / dass geschahe einzig und allein zu dem Ende
/ dass er der Gerechtigkeit Gottes ein Genügen tuhn möchte / damit dieselbe
gestillet / der Barmherzigkeit hinfüro über uns die Herschaft und freie Hülffe
gönnete. Weil dann nun unser Heiland an unser Stelle Gottes Gerechtigkeit
erfüllet / und uns bei derselben aussgesöhnet hat / können und dürffen wir
getrost und freidig vor seinen Gnadenstuel treten / und auff Christus Gnugtuhung
uns verlassend / ja dieselbe Gott dem Vater vorstellend / umb vergebung aller
unser Sünde kühnlich und in fester Zuversicht anhalten / dann so will er / in
ansehung dieses völligen Gehorsams uns seine Barmherzigkeit und dass ewige Leben
nicht versagen. Ja er ruffet uns selber zu sich /wir sollen durch wahre Busse
uns zu ihm bekehren /dann wolle er sich unser erbarmen wie grob wirs auch mit
unsern Sunden gemacht haben. Gedenket deswegen ja nicht / als fodere Gott etwa
einige Gnugtuhung von euch; Nein / nichts mehr als ein williges Herz /dass wir
der Wirkung Gottes des Heiligen Geistes nicht wiederstreben / sondern uns von
ihm zihen und lenken lassen / und unsere Gerechtigkeit auff Jesus den Sohn
Gottesbauen. Daher lehret uns Paulus / dass derselbe schon vor Gott gerecht sei /
der an den Sohn Gottes gläubet; ein solcher habe schon das ewige Leben / nämlich
in der Hoffnung / zur unfehlbahren künftigen Erteilung / spricht unser Heiland
selber /und er wolle ihm am jüngsten Tage zu desselben volkommener Niessung
aufferwecken / dafern er sonst seinem Willen / weil er alhie auff Erden wallet /
folge leistet / den Kampff wieder den Teuffel / die Welt /und sein eigen Fleisch
und Blut antrit und aussführet /so dass er nach der heiligen Lehre in guten Werken
der Christlichen Liebe sich fleissig übet. In diesem Vorsatze müsst ihr nun
fortin beständig verbleiben /alsdann werdet ihr erfahren / wie gnädig sich Gott
wird finden lassen; und ob wegen begangener Sünde er euch etwa hier zeitlich mit
dem lieben Kreuz heimsuchen / dass ist / mit seiner väterlichen Zuchtruhte
stäupen würde / dass ihr in Krankheit / Gefängnis /Armut / ja in den zeitlichen
Tod selbst gerahten soltet / wird euer Herz doch immer freudig bleiben / und
alle Pein und Angst dieses Lebens verachten. So komt nun her / setzet euch mit
mir auff die Knie / und sprechet mit herzlicher Andacht mir folgendes Gebeht
nach. Gallus wahr darzu willig / fiel auff die Erde ganz nider / lehnete sich
auff die Arme / und mit gefaltenen Händen und heissen Trähnen sagte er ihm
dieses Gebeht nach: O du barmherziger HErr JEsus Christ / du Liebhaber der
Menschen / du Erlöser der Sünder / du Bekehrer der Unbussfertigen / du Heiland
aller Welt; ich bitte dich durch deine heilsame Menschwerdung und Geburt / durch
dein Leiden / Kreuz und Tod /ja durch deine siegreiche Aufferstehung und
Himmelfahrt / du wollest mich armen elenden Sünder mit den Augen deiner
grundlosen Barmherzigkeit ansehen / wie du angesehen hast die bussfertige grosse
Sünderin / den Verleugner Petrus / den Räuber uñ Mörder am Kreuz. HErr mein Gott
/ ich bin nicht wert / dass ich vor dir erscheine / noch meine Augen und Stimme
zu dir erhebe /weil ich dich meinen Heiland mutwillig verleugnet /auch
nachgehends in solcher Verleugnung viel Jahr ohn Wiederkehrung zugebracht / da
ich unterdessen durch des bösen Feindes Verleitung und meines eigenen Willens
Getrieb / mein ganzes Leben in allerhand Sünden und groben Lastern zugebracht
habe. Dannoch aber /weil du grundgütiger HErr allen Sündern ohn Unterscheid zur
Busse ruffest / und ihnen Vergebung umbsonst / und himlische Freude ohn
Entgeltniss anbeutest /O HErr / so halte ich dir dein Wort vor / ich erinnere
dich HErr deiner Einladung; komme in solcher Zuversicht zu dir / erkenne und
bekenne meine Sünde / und kehre mich zu deiner tröstlichen Gnade und
Barmherzigkeit. O Gott Vater / und HErr meines Lebens / biss mir armen elenden
Sünder gnädig und barmherzig umb deines lieben Sohns JEsus Christ willen / ach
heilige und reinige mich mit deinem Heiligen Geiste in meinem ganzen Leben /
mache aus mir ein heilsam und nüzliches Werkzeug zu Lobe deinem Nahmen / und zu
meiner Seelen Seligkeit erhalte mich zum ewigen Leben; Dann sihe O Gott mein
Heil /ich komme ja zu dir / nicht auff meine Gerechtigkeit /welche auch nichts
als Unflaht ist / sondern auff deine grundlose Barmherzigkeit mich verlassend /
deswegen handele doch mit mir nicht nach meiner Sünden / und vergilt mir nicht
nach meiner Missetaht / sondern wie sich ein Vater erbarmet über seine Kinder /
so erbarme dich HErr über mich / auff dass ich deiner Gnade teilhaftig werde /
und so wohl hier zeitlich als dort ewig dich davor loben / rühmen und preisen
möge / Ame.
    Nach endigung dieses Gebehts / sprachen sie den Algemeinen Christlichen
Glauben und das heilige Vater Unser / stunden hernach von der Erden wieder auff
/ und rühmete Gallus mit freudigem Angesicht /wie er so einen kräfftigen Trost
in seiner Seele empfünde / und Gottes Barmherzigkeit eigentlich spürete.
Herkules antwortete / es ist mir sehr lieb / dass ihr durch meine Anleitung / die
Gott gewirket hat / wiederumb ein wahres Gliedmass der algemeinen Christlichen
Kirchen worden seid; aber bittet Gott / dass durch seinen guten Geist er euch in
diesem wolangefangenen Werke stärke und erhalte; und sehet zu / lasset euch
durch Fleisch und Blut ja nicht verführen /dass ihrs wieder anfangen woltet / wo
ihrs gelassen habt. Unterrichtete ihn hernach weiter in den Häuptstücken des
Christlichen Glaubens / deren er sich alle wieder erinnern kunte / wie er ohn
dass einen scharffen Verstand uñ gutes Gedächtnis hatte. Schlisslich ermahnete er
ihn / er sollte bei des Glaubens Einfalt bleiben / und durch die vorwitzig-
Gelehrten sich nicht irre machen lassen / insonderheit müste er der Ketzer Gift
meiden / welchen der leidige Teuffel in Simon dem Zäuberer aussgehecket / und der
Christlichen Kirchen zu grossem Schaden erwecket; als da währen / die des
Menander / Zerintus / Ebions / Basilides / Karpokrates / Zerdon / Marzion /
Tazianus /Montanus und dergleichen ungereimten Schwarm in der Kirchen Gottes
ausszubreiten sich bemüheten. Gallus gelobete träulich an / diesem allen nach
vermögen nachzusetzen; und da es meinem Herrn geliebt / sagte er / werden wir
etwas stiller gehen / massen wir unsern mühseligen Weg schier zum Ende bracht /
und bald daselbst anlangen werden / wo die gottlose Gesellschaft ihre verborgene
Höhle hat. Wie gar vergeblich aber aller eurer Reuter Nachsuchung würde gewesen
sein / hat mein Herr gnug abzunehmen / weil unmöglich ist / dass ein
unbewanderter diesen Weg finden / vielweniger zu Pferde hindurch kommen sollte.
Herkules erkennete solches wohl / und ging in aller stille mit ihm fort / biss sie
unter einen grossen Baum kahmen / zwischen dessen dicken Aesten Gallus hinauff
in die höhe sah / und als er niemand darauff sitzen fand / nam ihn solches
wunder / und sagte: Mein Herr / es geht alhie nicht recht zu /sonst sässe eine
Schildwache auff diesem Baume. Valikules (also werden wir Herkules eine Zeitlang
nennen) fragete / obs dann ein böses oder gutes Zeichen wåhre. Ich kann mich
nicht drein schicken / antwortete er / und gläube ja nicht / dass nach
empfangener so grosser Schlappe / sie sich von dem vorigen Ritter zu einem
andern Wagstücke haben verleiten lassen / welcher uns mit grossen Verheissungen
zu dem gestrigen angetrieben hat / unter dem Vorgeben / der Jüngling währe des
Römischen Käysers Feind / und hätte statliche Gelder und Kleinot bei sich /
welche wir alle zum Raube behalten sollten / wann wir nur den Jüngling zu seinen
Händen liefern würden. Doch / wahren sie gleich ausgezogen / so håtten sie
dannoch die Schildwache unbesetzet nicht gelassen. Sie gingen weiter fort / und
pfiffe Gallus dreimal in ein helles Pfeischen die Lose / stund und horchete /
vernam aber nichts als eine ungewöhnliche stille; worauff er sagete: Nun weis
ich nicht was ich gedenken soll / dass mir nicht geantwortet wird; es muss sich in
Warheit etwas sonderliches zugetragen haben / welches wir bald erfahren werden.
Sie gingen ein wenig fort / da funden sie drei tode Leichnam in ihrem Blut
ligen. Gallus besah sie und sagete: Diss sind Räuberbursche / wer mag dieses
Nest immermehr verstöret haben? Und als sie etwas weiter gingen / sahen sie bald
hie bald da /bei die hundert erschlagene zerstreuet liegen / worüber sie sich
höchlich entsetzeten / und sagte Gallus; als viel ich merke / muss eine Räuber
Zunft über die andere bekommen sein / dann ich sehe unser Volk und Fremde durch
einander liegen. O so sei es Gott geklaget / sagte Valikules mit einem tieffen
Seuffzen; ich fürchte sehr / mein geliebter Bruder sei mit erschlagen / oder von
andern Räubern gefangen hinweg geschleppet; O wo soll ich dich nun suchen / O du
meiner Seelen werdester Freund? O mein Bruder /wollte Gott / ich sollte an deine
Stat die Ketten und Banden tragen / weil du sie nur meinetwegen tragen must.
Gallus stund als ein Verzucketer / wusste nicht was er antworten sollte / endlich
sagete er: Komt mein Herr / lasset uns die Todten durchgehen / vielleicht finden
wir noch einen Lebendigen unter jhnen; pfiffe auch noch einmal überlaut / da
wehrete es nicht lange / dass ein verwundeter aus dem Pusche hervor kroch welcher
zu Gallus sagete: O Herr Häuptmann /wo kommet jhr her / dieses grosse Unglück
anzusehen? Geschwinde / sagte Gallus / und zeige mir an / was dieses vor eine
Niederlage sei? Ach / antwortete dieser / es ist vor ohngefehr acht Stunden eine
starke Gesellschaft SeeRäuber uns unvermuhtlich über den Hals komen / welche wir
anfangs etwa XX Mann stark schätzeten / funden ihrer aber über hundert; Diese
haben unser Volk in die 50 Mann alles niedergehauen / wiewol sie nicht
ungerochen gestorben sind. Gallus fragete / wo dann der gestriges Tages
gefangene Jüngling währe. Ja sagete er; Dieser / dieser Jungling / der rechte
Wunder-mensch? davon möchte ich euch wunder über wunder erzählen: Als die
SeeRäuber mit uns stritten / gedachte dieser anfangs / es wåhren Leute zu seiner
Rettung ausgeschicket / sass demnach mit seiner Jungfer stille in der Hohle / uñ
nam sich keines dinges an; da er aber eines andern berichtet ward / foderte er
Schwert / Schild und Helm /gab sich mit ins Gefechte / und trieb durch seine
Behändigkeit solch Wunder / dass / wo seiner zehne bei uns gewesen / der Sieg uns
nicht sollte entnomen sein. Die SeeRäuber verwunderten sich des schönen
streitbaren Jünglings und bohten ihm Leben und Sicherheit an / dafern er sich
ergeben würde / im widrigen sollte er auffs äusserste gehöhnet werden / und eines
grausamen Todes sterben. Als er nun sah / dass zuentkommen jhm unmöglich wahr /
antwortete er jhnen; wann jhr mir euer versprechen redlich zu halten gesiñet
seid / will ich mich euch ergeben / weil die Götter es also fügen; seid aber
höchlich gebehten / und nehmet meine Wase mit in diesen Schluss / welche neben
mir gefangen ist / und durch der Götter Schuz jhre Ehre bisher erhalten hat;
dieses alles verhiessen sie jhm /nahmen sie beide mit sich / und gingen davon.
Valikules fragete / ob sie irgend dem Jünglinge Leid angetahn / nachdem er sich
ergeben håtte. Nein sagte dieser verwundete Råuber / sie nahmen ihn ungebunden
mit sich / weil er äidlich angelobete / nicht von jhnen zuweichen / es währe
dann / das Stärkere über sie kåhmen / und jhn zum drittenmahl gefangen nähmen.
Gallus wollte wissen / was vor Sprache diese Meer Räuber sich gebraucht hätten;
und berichtete jener / es hätte niemand kein einziges Wort von jhnen vernehmen
mögen / ohn dass sie einen Dolmetscher bei sich gehabt / der mit dem Jünglinge
bald Latein bald Griechisch geredet. Valikules wahr in zwischen in tausend
ängsten / welche durch diese Zeitung nur vermehret wurden / weil er nicht wissen
kunte / in was Landschaft sein geliebtes Fräulein geführet würde / fragete
endlich / welchen Weg dañ diese Räuber vor sich genommen; dessen jhn der
Verwundete nicht berichten kunte / ohn dass der Dolmetscher dem Jünglinge gesagt
/ sie hätten jhr Schiff nicht weit von hinnen stehen / wohin sie mit einander
gehen würden / biss sie jhre Wagen anträffen / welche den Raub zusammen fuhreten
/ worauff er jhn samt der Jungfer setzen / und nach dem Meer bringen wollte. Ach
mein Gott / sagte Valikules / iezt habe ich deiner Hülffe mehr von nöhten / als
vorhin / deswegen stehe mir gnädig bei / dass ich die Unschuldigen erretten / und
zur Erkäntnis deiner Warheit bringen möge; nun nun du mein Gott / wirst mich
leiten und führen / ich will folgen durch Arbeit und Ungemach / und nicht
auffhören / biss ich bessere kundschaft habe / sollte ich auch graue Haar drüber
zeugen. Sagte hernach zu Gallus / dafern jhm der Weg nach dem Meer bekant währe
/ möchte er jhn dahin bringen / uñ hernach seines gefallens gehen wo er wollte /
doch dass er zu Padua bei seinem Freunde Ladisla sich angåbe / und von jhm 6000
Kronen abfoderte / die er jhm unfehlbar auszählen würde / und könnte er sich mit
solchem Gelde wohl ernähren / biss er etwa wiederkähme / dann sollte jhm ein mehres
gefolget werden. Als Gallus solches hörete / fiel er vor jhm in die Knie / und
baht umb Christus willen / er mochte jhn nicht von sich stossen / dann sein
höchster Wunsch währe / bei jhm zu leben und zusterben; er wollte sich in seinen
Diensten dergestalt verhalten / dass er ob Gott will / damit könnte begnüget sein.
Valikules hatte Zeugnis gnug seiner Träue / weil er ungeachtet des grossen
Geldes jhn nicht lassen wollte / uñ sagete zu jhm: Mein Gallus / ich habe
gezweiffelt / ob jhr mir über Meer zu folgen bedacht währet / weil ich nun eure
Meinung verstanden / soll mir zu dieser Reise kein Mensch lieber sein als jhr /
weil ich euch als einem Christen am sichersten Trauen kann; also will ich euch nun
meiner Heimligkeite mehr vertrauen / als ich meinen allerbesten Freunden nicht
tuhn würde / und wisset demnach / dass der gefangene Jüngling inwarheit ein
gebohrnes Königliches Fräulein / mir nicht allein mit Blutfreundschaft verwand
/ sondern auch meine verlobete Braut ist / und Herrn Ladisla / von dem ich heut
geschieden bin / leibliche Schwester; die Jungfer welche bei jhr ist / wie auch
die erlösete / sind zwar hohes Adels / aber nur jhre Leibdienerinnen; woraus jhr
abnehmen möget / ob ich nicht Ursach habe / mich jhrer Erlösung anzunehmen.
Gallus erschrak dessen / verstund hieraus / wes Standes sein Herr wahr / und
sagte: Durchleuchtigster Fürst / eure Durchl. bitte ich untertähnigst ümb
verzeihung / dass derselben die gebührliche Ehre nicht geleistet habe; betreffend
die anvertrauete Heimligkeit / soll dieselbe bei mir sterben. Ich bin mit eurem
Erbieten gnug zu frieden / antwortete er / soll euch auch in seiner zeit
vielfåltig vergolten werden; ich befehle euch aber vor dissmahl / dass jhr mich
durchaus nicht höher ehret / als einen schlechten Herrn Standes / und weil es
euch gefålt in meinen Diensten zubleiben / werden wir uns im Namen unsers Gottes
/ uñ dessen Schuz und Anführung auff den Weg begeben. Wie es euer Gn. beliebet /
sagte er / wiewol mein geringer Raht währe / wir gingen zuvor in die Hohle / und
nähmen etwas Speise zu uns / unsere Kräfte zustärken / ümb / den bevorstehenden
Weg desto frischer wanderen zukönnen. Er lies sich hierzu bereden / weil es
schon weit nach Mittag wahr / funden etliche gebratene kalte Speisen /davon sie
mit guter Begierde assen; hernach durchsuchete Gallus alle bekannte Winkel / sah
wohl dass sie rechtschaffen ausgeplündert wahren / fand aber doch noch ein
verborge Loch / in welchem er 800 Kronen antraff / welches Zehrpfenniges er sich
nicht wenig freuete / brachte alles seinem Herrn / und sagte: Er zweiffelte
nicht / Gott hätte jhnen dieses auff die bevorstehende Reise bescheret. Herkules
aber versicherte jhn / er sollte wegen der Zehrungs kosten jhm keine Gedanken
machen / sein heimlicher Schaz den er an Kleinoten bei sich führete / währe
zehnmal grösser /als dieses gefundene / wiewol es jhnen auch zustatten kommen
könnte; sollte jhnen aber ein mehres nöhtig sein / könnte er durch Wechsel von
Padua haben / so viel er wünschete / obs gleich etliche Tonnen Goldes austrüge.
Hierauff rief er den verwundeten Räuber zu sich / hiess jhn Speise nehmen /
stillete jhm das Blut mit seinem köstlichen Steine / verband jhm seine Wunden /
uñ sagte zu jhm: Guter Freund / nim jezt deines Glückes wahr / welches dir
blühet / und verrichte mir einen kleinen Dienst / der soll dir zu statten kommen;
Lass dich deine Schwacheit nicht aufhalten /und gehe nach dem Flecken / woselbst
der Jüngling gestern geraubet ist / da wirstu etliche Herren antreffen / denen
bringe Bericht zu / alles was sich hieselbst zugetragen hat / und dass Gallus mit
seinem Gefårten alhie wohl ankommen / auch albereit nach dem Meer gangen sei / da
sie auf ein Schiff sich setzen und den Seeråubern folgen / auch nicht ümkehren
werden / biss sie gewisse Kundschaft wegen des Jünglings eingezogen haben. Dem
Vornehmsten aber unter ihnen soltu sagen / mein Begehren an ihn sei vor erst /
dass /wo er mein Freund ist / er mir nicht folge / biss ich ihm schreibe / welches
geliebts Gott / in weniger Zeit geschehen soll; dieses solt du keines weges in
Vergess stellen. Hernach / dass ich dir Leben / Freiheit und so viel Gelder
versprochen / als mein ädler Diener Vierteljahrs Bestallung hat / welches er dir
alsbald einreichen wird; und sihe da / nim dieses Trinkgeld mit auf den Weg /
und lass dich an deiner Mögligkeit nichts irren; doch soltu eben nicht eilen /
sondern kömst morge noch zeitig gnug daselbst an. Hiemit reichte er ihm X Kronen
/ und nam von ihm äidliche Zusage /dass er alles auffs träulichste verrichten
wollte. Nach dieses Abfertigung begaben sie sich auff den Weg nach dem Meere zu /
und hatten mancherlei Gespräch von geistlichen Sachen / gingen fast biss
Mitternacht /ehe sie Leute antraffen / weil sie wegen der SeeRäuber ausgewichen
wahren; endlich höreten sie ein Gemurmel hinter einem Gehäge / wohin sie sich in
aller stille wendeten / und eine zimliche Rotte Bauern ansichtig wurden / welche
ihren Verlust höchlich beklageten / dass ihnen alle Speise und Barschaft samt
dem besten keine Gerähte hinweg geraubet währe. Valikules trat hin zu ihnen /
grüssete sie freundlich /uñ fragete / warumb sie bei so später Nacht in solcher
Versamlung unter dem freien Himmel lägen? Diese Leute sahen ihn stillschweigens
an / und hielten ihn anfangs vor einen Ausspeher und Räubergenossen; welchen
Argwohn ihnen zubenehmen / er sich unerschrocken bezeigete / und gab vor / er
währe neben diesem seinen Gefärten von dem Römischen Statalter zu Padua
ausgeschicket / umb zuerforschen /wohin die SeeRäuber sich gewendet hätten / von
deren Einfall das Geschrei schon erschollen währe /und würde man nicht
unterlassen / ihnen nachzusetzen / es geschähe gleich zu Lande oder über Meer.
Der älteste unter diesem Hauffen antwortete: Ach ja! so pfleget mans ins gemein
zumachen / dass man den Brunnen zuleget / wann das Kind ersoffen ist; Hielte man
gebührliche Auffsicht bei dem Meer / so kähmen wir armen Leute nicht so
schlimlich umb das unsere. Valikules stellete sich ernstaftig / und gab zur
Antwort: Ey mein Freund kann dann die Obrigkeit von solchen und dergleichen
unvermuhtlichen fällen Rechenschaft geben? müsten nicht vielmehr des Meers
Anwohner acht haben / nicht zu sicher sein / sondern der Obrigkeit es andeuten /
wann etwa Gefahr zubefürchten währe? Ihr sprechet aber / es sei ohn euer
vermuhten geschehen. Aber hats dann die Obrigkeit können riechen? oder kann
dieselbe allentalben gegenwärtig sein? Sol man aber den ganzen Meerstrand
besetzen /und zwar in Friedeszeite? das würde euch guten Leuten erst
verdriesslich sein; dann hie würdet ihr durch so unerträgliche Dienste oder
Unkosten gar zu hart belastet werden. Doch hievon haben wir mit einander nicht
zu zanken / sondern man muss darauff bedacht sein / wie man sich an den
verwägenen Buben am besten rächen möge; da ihr nun geträue Leute und Untertahnen
eurer Obrigkeit seid / werdet ihr mir unwegerlich zuwissen tuhn / wohin die
SeeRäuber sich gewendet / welche zuverfolgen alsbald Anordnung soll gemacht
werden. Vorgedachter Baur entschuldigte sich / wegen seiner
unvorsichtig-ausgelassenen Reden / und hätte er aus Betrübnis wegen seines nicht
geringen Verlustes etwas ungebührliches vorgebracht /möchte es nicht im argen
auffgenommen werden. Ein ander frecher Baur redete darzwischen; was er sich viel
zuentschuldigen hätte; wer das seine verlieren und zusetzen müste / empfünde des
übels / und hätte noch wohl so viel Freiheit / dass er sein Unglück beklagete. Und
wer weiss / sagete er / ob dieser junge Kerl nebest seinem Gesellen nicht suchet
/ uns noch weiters Ungelegenheit zumachen? Der mehrerteil begunten mit zu
griessgramen / und liessen sich vernehmen /sie sollten sich bald packen / oder man
würde ihnen Füsse machen. Valikules hielt nicht vor rahtsam / sich mit diesem
Lumpengesindle in Handgemenge einzulassen / wo er sich sonst auff andere weise
vor ihnen retten könnte / sagte demnach zu ihnen: Ihr guten Leute / hütet euch ja
vor weitere Ungelegenheit / das rahte ich als ein Freund; es liegen dort im
Pusche über 300 bewehreter Mann / denen ich mit einer Pfeiffe bald ein Zeichen
geben wollte / euch alle mit einander niderzumachen. Gallus nam bald sein
Pfeiffchen hervor / und begunte es schallen zu lassen; worauff die Bauern
ingesamt / ausser den ersten Alten / davon lieffen / als hätte ihnen der Kopff
gebrant / dass er drüber lachen musste / befahl auch Gallus / alsbald zurücke
zulauffen / und der Völcker Auffbruch zu verhindern; wendete sich zu dem Alten /
und begehrete von ihm weiteren Bericht wegen des Abzuges der MeerRäuber. Welcher
zur Antwort gab: Er håtte es mit Augen angesehen /dass sie mit samt ihrem Raube
währen zu Schiffe gangen / und auff das hohe Meer gefahren; hätten ein treflich
festgebauetes Schiff gehabt / darauff in die 200 bewehreter Mann sich sehen
lassen. Valikules fragete / ob sie auch Menschen geraubet hätten? Ja /
antwortete er; sie nahme XII starcke Baurknechte mit sich /an den Rudern zuzihen
/ führeten auch einen sehr schönen Jüngling nebest einer wolgestalten Jungfer
mit sich auff einem Wagen / welche sie ohn zweifel geraubet hatten / musste
ihnen aber Blut gekostet haben / weil nicht allein viel unter ihnen verwundet
wahren / sondern über das auch nicht mit so starker Mannschaft zurück kahmen /
als sie hingezogen wahren. Die Gefangenen / sagete Valikules / werden nicht
gelassen werden / weil sie dem Statalter zu Padua nahe befreundet sind; Aber
könnet ihr mir nicht sagen / wohin sie ihren Lauff genommen haben? So gar
eigentlich weiss ich davon nicht zuberichten / antwortete er / nur dass sie
gewaltig fort ruderten / biss sie unter den Wind kahmen / und man sie in kurzer
Zeit nicht mehr sehen kunte; meinem bedünken nach ginge sie nach Griechenland /
dann ihr Lauff wahr Sud Ost /wiewol ich sie nicht vor Griechen / sondern vor
Barbaren halte / aus den Asiatischen Morgenländern; dann ich hörete etliche die
Partische Sprache reden /die mir von XXX Jahren her bekant ist / da ich unter
dem Käyser Severus als ein FreiReuter die Parter und Adiabener bestreiten / und
unter dz Joch bringen helffen. Valikules wunderte sich / dass solche von dem
Mittel Meer so weit abgelegene Völker sich auff SeeRåuberei begeben sollten;
verstund doch aus diesem Bericht / wie gefährlich es umb sein Fräulein stünde /
und wie unmöglich es wåhre / ihr zu helffen /wo nicht Gottes Barmherzigkeit ihm
den rechten Weg zeigen würde. Insonderheit bekümmerte er sich heftig / dass kein
Schiff verhanden wahr / worauf er sich setzen und den Räubern folgen könnte; Wie
er aber in den grösten Gefährligkeiten sich allemahl auf Gottes Hülffe und
Beistand verliess / also gelebete er der Christlichen Hoffnung / sein Heiland
würde sein Vorhaben noch beseligen / und alles nach seinem gnädigen Willen
ordnen und schicken. Weil er dann durch das ungewöhnliche stränge gehen sehr
ermüdet wahr /legte er sich unter einen Baum / und ruhete etliche Stunden gar
sanfte / biss die helle Sonne über dem Erdboden stund / da inzwischen Gallus
immerzu wache blieb / und ein wenig davon mit dem Alten sein Gespräch hielt /
welchen Valikules durch verheissung eines Geschenkes darzu vermocht hatte.
Nachdem er wieder erwachet wahr / rühmete er / wiewol er geschlaffen hätte / und
von der gestrigen Ungelegenheit des gehens ausgeruhet / redete mit dem Alten
/und baht ihn / ein Schiff im nähesten Hafen auszuhören / wovor er ihm ein gutes
Trinkgeld vergnügen wollte. Der Baur berichtete ihn / er währe vor zween Tagen
bei einem Hafen / zwo Meile von hinnen / vorübergangen / da er zwei
Kauffmansschiffe gesehen /Wein und andere Waaren einladen / deren das eine
zweiffelsohn abgefahren; das andere hätte noch auff Ladung gewartet / und da er
nit irrete / würde dasselbe nach Griechenland fahren. Mein Freund / sagete
Valikules / dahin müsst ihr mich geleiten; gab ihm VI Kronen / und macheten
sich ohn ferner Auffhalten fort / traffen auch das Schiff an / welches schon
fertig wahr abzulauffen / da der Schiffherr anzeigete / dass er in
unterschiedliche Hafen Griechenlandes anhalten /etliche Waaren ausladen / und
dagegen andere wieder einnehmen würde. Weil nun dieses ihm sehr gewündschet fiel
/ dingete er sich neben Gallus auff das Schiff / und fuhren in Gottes Nahmen
davon / der gewissen Hoffnung / jhr Helffer würde seinen Beistand ihnen
scheinlich sehen lassen.
    Dieses Tages / wiewol gegen den späten Abend /gelangete der verwundete
Räuber bei dem unseligen Flecken an / woselbst er eine grosse Menge nacketer
Männer an Kreuze gehefftet sah / deren annoch etliche lebeten / und überaus
grossen Jammer trieben /und da er jhnen nåher kam / ward er gewahr / dass sie
alle seiner vorigen Gesellschaft wahren; dessen er so hart erschrak / dass er
nicht wusste / ob er förder gehen / oder zurück weichen sollte; endlich wagete ers
in seiner Mattigkeit / und ging der Herberge gleich zu. Ladisla und Fabius
wahren in grossem Kummer / dass jhnen von Herkules keine Zeitung zukam / und
gerieten auff die Gedanken / er möchte von seinem Führer hintergangen / den
Räubern überliefert / oder wohl gar erschlagen sein; biss dieser sich angab / uñ
alles berichtete was jhm befohlen wahr; dessen sie nicht wenig erschraken / und
fleissig nachfrageten / wie zeitig er meinte / dass Herkules bei dem Meer
anlangen würde; als sie nun vernahmen / dass er solches schon diesen Morgen würde
erreichet haben / ward Ladisla über die masse betrübet / dass jhm die Augen
übergingen / und zu sich selber sagete: So hat Herkules ohn seinen Ladisla sich
auff das Meer begeben / und jhn verlassen können? O du mein allerbester Freund /
O du mein allerliebester Bruder / wo suche ich dich dann nun? Wo finde ich dich
wohl wieder? Fabius wahr nicht viel anders zu muhte / dann erliebete Herkules
mehr als sich selbst / hatte auch bei sich beschlossen / da es möglich währe /
seiner Gesellschaft sich nimmermehr zu åussern. Ladisla / wie spät es gleich wahr
/ befahl eilends sein Pferd zusatteln /daher Klodius / Markus und Leches sich
auch fertig machten / wiewol es diesem sehr hart einging / dass er Jungfer
Libussen so bald lassen sollte / nachdem er in Hoffnung stund / die so lange
gesuchte Liebe nunmehr zubefestigen / ümb welche er am Bömischen Hofe schon ins
dritte Jahr angehalten hatte / aber mit schlechter Hoffnung gespeiset wahr /
nicht; dass sie ihm so ungewogen währe / sondn weil sie sich von seiner Schwester
durch schimpfliche Reden beleidiget fand / welche diese Heirat zu hindern /
alle Mühe anwendete. Hier in der Fremde aber stellete sie sich geneigter / und
nam Leches die Gelegenheit in acht /dass er diesen und vorigen Tag sehr hart an
sie setzete / und sich vernehmen lies / dafern sie seine ihr bisher erzeigete
Liebe und Träue nicht erkennen wollte / hätte er noch ein Mittel vor sich /
wodurch er seinen Wunsch hoffete zuerhalten. Die Jungfer begehrete solches von
ihm zu wissen / sagte im Scherz (massen sie jhr schon vorgenommen hatte / sich
mit jhm zuversprechen) sie könnte nicht ersinnen / was mittel dieses währe /
sintemahl sie ja frei und jhres eigenen willens lebete. Leches antwortete: Er
gedächte auch auff keinen Zwang / oder was dem ähnlich währe / nur vor erst
wüste sie / in was grossen Gnaden sein Vater bei der Fr. Königin stünde; so
hätte er auch einen ganz gnädigen Herrn an seinem Könige Ladisla / und gleicher
gestalt eine gnädige Frau an dessen Gemahl /welche ihm nach geendigtem
Speerbrechen eine güldene Kette / und ein Kleinot auff 6000 Kronen wert
geschenket. Libussa hörete schon wo er hinaus wollte /taht doch nicht desgleichen
/ sondern mit einem Gelächter sagte sie; es währe jhr seinetwegen lieb / dass er
in diesen Gnaden stünde; aber sagte sie / was tuht solches bei dieser Sache /
die in meinem freien Wilkühr stehet / so viel das lassen betrift? Ich höre aus
dieser eurer Rede / mein Vetter / dass jhr etliche Nachte wenig müsst
geschlaffen haben / weil eur Gehirn sich etwas verwirret befindet. Dem guten
Leches wahren jhre Schwänke wolbekant / und dass in solchem scherzen jhr am
besten beizukommen wahr / antwortete jhr demnach: Er gestünde gerne / dass er
bisher nun etliche Jahr schon / mannicher ungereimter Reden sich gebraucht hätte
/ die aus Unruhe des Gemühts herrühreten / nicht wegen mangel des Schlaffes /
sondern dass sein höchstes Gut je länger je mehr vor ihm flöhe / und aller
niessung jhn beraubete. Vetter / antwortete sie / jhr gerahtet aus dem Tropfen
gar in den Schlagregen; dann wie reimet sich euer vorbringen? Ihr berühmet euch
eines höchsten Gutes / welches ihr das eure nennet / und gleichwol klaget ihr /
es fliehe vor euch / ja ihr seid dessen Niessung gar beraubet; kann es aber wohl
das eure sein / wann ihrs weder besitzet noch geniesst? Meine höchstgeliebete
Jungfer sagte er; es ist mein höchstes Gut im wünschen / aber nicht im
geniessen. Auff solche weise / sagte sie /wird es keinem Menschen an seinem
höchsten Gute mangeln / weil ein jeder ihm solches wünschet; doch lasse ich euch
dieses hingehen / ob ich gleich nicht weiss / von was grossem Gute eure Rede
eigentlich zuverstehen sei; aber ich merke wohl / ihr suchet ausflüchte / mir
auff das vorige bescheid zugeben. Dem guten Leches wahr schon entfallen / was
seine vorige Rede wahr / baht auch jhn deren zuerinnern; worüber die Jungfer
lachens sich nicht entalten kunte / und zu ihm sagte: Habe ich nun nicht wohl
und wahr geredet /dass mein Vetter noch nicht ausgeschlaffen / weil er ohn
Verstand und im Schlaffe geredet hat? Wollet ihrs aber ja wissen / so frage ich
zum andern mahle /was die grossgerühmete Gnade / die ich euch doch gerne gönne /
zu dieser Sache tuhn könne. Meine wahre Freundin / antwortete er; die Götter
wissen /dass ihre Liebe und deren Niessung / ich nicht gerne einem andern / als
ihr allein danken wollte. Die bisher geleistete / sagte sie / ist nicht
sonderliches dankens wert; aber antwortet / bitte ich / auff meine Frage; ich
werde sonst gedenken müssen / ihr schlaffet noch immerhin. Leches antwortete:
Weil ihr mir dann gebietet / dass ichs sagen soll / muss ichs nach gebehtener
Verzeihung ausdrücken / dass ich des gänzlichen Vorhabens bin / an meinen Vater
zuschreiben / dass er umb unsere Heirat bei unser gnädigsten Königin anwerben
möge; inzwischen werde ich nit schlaffen / bei meinem Könige und dessen Gemahl
umb eben dasselbe inständigst anzuhalten. Nun / sagte sie / geht mein Vetter
mit solchen Gedanken schwanger / werden ihm dieselben kein höchstes Gut / wie
ers ja tåuffel / zuwege bringen; dann was währe ihm mit einer gezwungenen Liebe
gedienet? Gezwungene? sagte er; davor wollte ich eines schnöden Todes sterben;
Ich suche ja keinen Zwang / sondern nur eine kräfftige Vorbitte. Ach ja doch /
sagte sie; gleich als wann ihr nicht wüstet / dass der Könige Bitte an ihre
Untertahnen ein lauter Zwang ist; will demnach nimmermehr hoffen / dass ihr
solcher gestalt / und zwar in der Fremde mit mir verfahren werdet / da ich gar
keinen Beistand habe. Hier fing nun Leches an / alle seine Wolredenheit
ausszuschütten / und ihr so viel liebliches dinges vorzuschwatzen / wie er ihr so
träulich dienen / auch niemand als sie in sein Herz auffnehmen wollte; dass sie
endlich sich erklärete / er möchte sich gedulden / biss auff ihrer Gn. Fräulein
Wiederkunft; wann dann dieselbe gnädigst darein gehehlen könnte /sollte ihm seine
bisher erzeigete Gewogenheit und Träue ehrengebührlich vergolten werden. Leches
nam dieses vor eine unbedingete Erklärung an / bedankete sich höchlich / und
steckete ihr einen schönen Ring an den Finger / welchen anzunehmen sie sich
anfangs wegerte / und ihn endlich noch behielt / wiewol mit vor angezogenem
Bedinge / welches sie doch selbst nit in zweifel zog / weil das Fråulein /
deren Leches Liebe bewust wahr / sie schon etlichemahl vermahnet hatte / diese
gute Heirat nicht ausszuschlagen / als wodurch sie in Königliche Verwandschaft
auffgenommen würde. Gleich als diese Beredung geschehen wahr / erging Ladisla
Befehl zum Auffsatteln; musste also Leches von dem liebes Gespräch abbrechen /
und sich umb ander ding bekümmern. Fabius aber redete Ladislaen ein / in dieser
Späte nicht so eilig auffzubrechen / sondern zuvor eine kurze Bedenkzeit zu
nehmen zu einer beständigen Erklärung; und wohin wollen wir reiten? sagte er /
da wir keinen Weg wissen / auch Herr Herkules / in betrachtung seiner eile nach
dem Meer / sich zweiffels ohn schon wird auff ein Schiff begeben haben. Ladisla
gab zur Antwort; er hoffete nicht / dass einiger Mensch ihm an der Nachfolge
seines Freundes würde hinderlich sein. Eben des sinnes bin ich auch / sagte
Fabius; aber die finstere Nacht / der unbekannte Weg / und dass ich zum ersten
melden soll / die Unbesonnenheit / werden uns zu unserm Vorhaben wenig dienen.
Und ob wir den Zeitungsbringer zu uns nehmen wollten / so weis er ja so wenig /
wo Herr Herkules zu suchen ist / als wir selbst; zu geschweigen / dass er wegen
seiner Wunden und tödlichen Schwacheit auff der Streu lieget / und nicht weiter
fort kann. Libussa kam darzu / mit vermelde / der sehr schwache Bote hätte an
König Ladisla eine sonderliche Werbung abzulegen; deswegen er bald zu ihm ging /
und fragete / was sein Anliegen währe. Mein Herr / sagte dieser; der so mich
hergeschicket / hat mir sehr ernstlich eingebunden /dem Herren anzumelden / dass
wo er ihn liebe / er ihm ja nicht folge / biss er Schreiben von ihm haben wird /
welches in kurzen geschehen solle / und weil ich leider bekennen muss / dass ich
von der Räuber Gesellschaft bin / hat euer Freund mir Leben und Freiheit /auch
von euch eine Viertel Jahrs Bestallung seines ädlen ritterlichen Dieners
versprochen / da ich diese Werbung abzulegen fleiss anwenden würde. Ladisla
fragete den Wund Arzt / der ihn gleich verbunden hatte / ob er genesen würde;
Und als derselbe guten Trost gab / sagte er weiter zu dem Kranken: Guter Geselle
lass dein wolpflegen / wozu ich dir alsbald XXX Kronen einreichen will; und nach
erlangeter Gesundheit gib dich zu Padua bei mir an / da soltu das Versprochene
schon finden. Kehrete sich drauff zu Fabius und sagte: Ich werde meinem Herkules
müssen gehorsamen / und die Nachfolge etliche Tage einstellen / will inzwischen
mich bedenken / wie ichs best anzugreiffen habe; und halte vor gut / dass wir
stündlich uns nach Padua erheben / den unsern Zeitung zubringen. Fabius liess
alsbald den Reutern ansagen /sich fertig zuhalten / dessen sich niemand so sehr
freuete als Leches / welcher seiner geliebeten so viel in den Ohren lag / dass
sie ihm eine Stelle auff der Fräulein Gutsche neben sich gönnete / und ward sehr
geeilet / weil sie gegen Mitternacht zu Padua bei den ihren zu sein bedacht
wahren; woselbst eine überaus grosse Traurigkeit und Angst entstund / so dass
wenig fehlete / Fr. Sophia hätte sich selbst umbs Leben gebracht; Dann es ward
desselben Tages eine fliegende Zeitung / die aus Irtuhm herrührete / in der Stad
aussgesprenget / wie eine Reuter Schaar / welche sie meinten aus Padua geritten
sein / in einem Flecken angegriffen / und alle miteinander erschlagen währen
/ohn dass ein einziger junger Ritter / mit gelben Haaren und zartem Angesicht /
durch seine ungläubliche Mannheit sich so lange gewehret / biss ihm
Lebensfreiheit zugesaget wåhre; worauff er endlich sich gefangen hinweg führen
lassen. Dieses erzählete Herren Emilius Hausshalter in beisein Frl. Helenen / wie
ers auff der Gasse gehöret hatte. Selbe hinterbrachte es ihrem Vater / welcher
den Hausshalter eigentlich befragete / und ging bald hernach zu dem Statalter
/ihm anzeigend / es gingen böse Zeitungen umb / und fürchtete / die
Aussgerittenen hätten einen Anfal erlitten; wollte ihn zwar ungerne betrüben /
könnte aber nicht umb hin / es zu melden / dass eine SchaarReuter von XI. Pferden
in einem Flecken gänzlich / auff einen einzigen nahe / sollten erschlagen sein.
Herr Fabius entsetzete sich darüber zum heftigsten / fragete nach dem
Zeitungs-bringer / und sendete alsbald etliche Diener aus / dem Geschrei
nachzuforschen; welche bald wieder kahmen / und berichteten / dass die ganze Stad
davon redete. Inzwischen ging Frl. Helena hin / ihre Wase Fr. Sophien zu
besuchen / und da ihr diese Zeitung zukommen währe / sie in ihrem Unglück zu
trösten; fand aber / dass sie dessen noch unberichtet wahr / biss Herr Fabius in
das Frauenzimmer trat / und mit gelinder Stimme anfing; lieben Kinder / ich
finde / das ein Geschrei in der Stad erschollen / ob sollten unsere Leute
angegriffen sein / und etwas Niderlage erlitten haben; wird demnach rahtsam sein
/ dass man Reuter aussschicke / umb eigentlich nachzuforschen /ob sichs also
verhalte oder nicht. O Herzlieber Herr Vater / sagete Fr. Sophia mit zitternden
Gliedern; vielleicht sind sie alle miteinander erschlagen. Solches wollen wir
nicht hoffen / antwortete er / vielweniger ohn Ursach muhtmassen; dann das
Geschrei pfleget solche und dergleichen Lügen offtmahl auff die Beine zusetzen.
Ging damit hinweg / und lies stündlich 500 zu Pferde auffbieten / vermochte auch
Herren Kornelius / dass er ihr Führer ward / welcher mit seinen Leuten schleunig
auffbrach / und die gemeine Landstrasse nach dem Flecken vor sich nam. Fr.
Ursula wahr damahls auff ihrem Zimmer allein /und hatte ihre Leibdienerin
aussgesand / ihr etliche Goldfädem einzukäuffen; diese vernam das Geschrei auff
der Gassen / lieff ganz unbesonnen zu ihrer Frauen mit grossem geheule / und
sagte; es währe ihr Gemahl samt Herren Ladisla und allen Reutern erschlagen /
und Herr Herkules gefangen; worüber sie dermassen erschrak dass sie in starke
Ohmacht niderfiel /und weder Hand noch Fuss mehr regete. Die Magd entsetzete sich
hierüber / lieff nach Fr. Pompeien /und taht ihr solches zuwissen / welche
alsbald kräfftige Sachen zur Hand nam / und mit Fr. Sophien und Frl. Sibyllen zu
ihr ging / funden sie als eine Todtenleiche / und bestrichen sie so lange / biss
sie wieder zu sich kam / und mit gar schwacher Stimme und trähnenden Augen
sagte. Ach warumb lasset ihr mich meinem allerliebsten Fabius nicht folgen! oder
gedenket ihr / dass ich nach seinem Tode lust habe länger zu leben? Fr. Sophia
ward hierüber ängstig zittern / dass sie sich nieder auff die Erde setzen musste /
und sagte: O Herz liebe Schwester / was habt ihr dann neues von meinem Bruder?
Ich hoffe ja nimmermehr / dass ihr traurigere Zeitung wisset / als wir alle mit
einander; Fr. Ursula aber fuhr fort mit ihrer Klage; Ach mein Fabius! ach Herr
Ladisla! was vor grausame Fäuste haben euch erschlagen können? und was vor
Gewalt hat den Handfesten unüberwindlichen Herkules gefangen? Als Sophia diss
hörete / rieff sie mit hartweinender Stimme, O ist dann mein liebster Ladisla
schon dahin? O ist meine einige Freude und Wollust ermordet? Mein Erretter! mein
allerbester Schaz! mein einiges-Al? O du allerliebste Seele / warumb bistu nicht
alsbald nach deinem Abschiede hieher geflogen / dass du mich auffgemuntert
hättest / mit dir zuzihen? Ja warumb kömstu noch nicht / und foderst die meine
ab / zu dir / nach dem sie mit dir unaufflösslich verknüpffet ist? Nun nun /
unsere Freude ist dahin / unsere Wollust ist zum Ende gelauffen / aber leichter
als der Wind / schneller als der Schein eines aussgelöscheten Lichtes;
geschwinder als die Gedanken selber. O du liebreiche Seele / hastu deine schöne
Herberge / den wolgestalten Leib schon ausgezogen? Bistu dieses Lebens bereit
müde gewesen / und hast mir so oft beteuret / es däuchte dich solches in unser
Liebe erst recht angehen? Zwar du hast die Eitelkeit abgelegt /und bist wohl ohn
zweifel schon in der Götter Zahl angeschrieben; was sollte dich dann bewägen /
diese Gebrechligkeit länger zu tragen? Aber biss eingedenke / bitte ich / biss
eingedenke der inniglichen Liebe und Gewogenheit / womit meine Geister dir
verbunden sind / und lass mich in deinem Himmels Stolze doch nur zu deinen Füssen
ruhen / und mich an deiner allerliebsten Gegenwart ergetzen. Bistu noch eine
MenschenSeele / so wirstu die meine nicht beschämen /wann sie zu dir nahet;
bistu eine göttliche Krafft worden / O so nim die meine als deine geträueste
Dienerin an / die dich anzubehten nicht wird unwillig sein /dann ich kann
durchaus nicht von dir geschieden bleiben / so wenig jezt im Tode / als vorhin
im Leben /nachdem ich dich einmal gekennet habe. Schliesslich hoffe ich / man
werde unsern Leibern diese Freundschaft tuhn / und sie in einen Sarg
beieinander legen. Hiemit nam sie ihr kleines Messerchen von der Seiten / und
sties es gleich auff ihre Kehle zu / des gänzlichen Vorsatzes / ihrer Seele
daselbst den leichtesten Weg zu öffnen. Aber Frl. Sibylla / welche neben ihr
auff der Erden sass / uñ aus ihren Reden ihr Vorhaben leicht abnahm / gab eben
acht auff ihre Hände / sah den Stich / und warff mit einem grossen Geschrei
ihre zarte Hand vor / welche sie ihr nicht allein gar durchstach / sondern auch
noch ein zimliches Löchlein ihr selbst neben der Kehle machte. Das Fräulein
empfand der Wunde / und riss die Hand mit Gewalt zu sich /dass das Messer drinnen
stecken blieb. Der Statalter trat gleich ins Zimmer / sah ihre blutige Hand /
und der Tochter den rohten Schweiss vom Halse die Brust hinab lauffen / auch sie
zugleich nebest ihrer Mutter und Fr. Ursulen in tieffer Ohmacht liegen / zog
vorerst dem Fräulein das Messer heraus / liess alsbald einen Wund Arzt hohlen /
und fragete / was dieses Unwesen bedeutete. Ach Gott / sagete das Fräulein /ich
merkete / dass meine Frau Schwester ihr selbst aus Unmuht die Kehle abstechen
wollte / welches Unglück abzuwenden / ich meine Hand vorwarff / und den Stich
aufffing / sehe aber leider / dass sie auch noch eine Wunde bekommen hat. Fabius
verfluchte sein Unglück / und nachdem Fr. Ursula sich erhohlete /auch Frl. Helena
darzu kam / brachten sie die Statalterin / und endlich Fr. Sophien wieder in
etwz zurechte / welche ihres Blutes im Busem / aber keiner tödlichen wunde
empfindend / zu dem verwundeten Fräulein sagte: Ihr unbarmherzige Feindin / und
Hinderung meines billichen Vorhabens; warum missgönnet ihr mir meine Ladisla /
bei dem meine Seele nun bereit schweben würde / wann eure grausame Hand nicht
währe; sah sich hiemit nach ihrem Messer umb / und gedachte den Mord noch zu
vollenden. Aber der Vater setzete ihr mit harter Rede zu; wessen sie sich
zeihete / dass sie so unbesonnen wütete / uñ den Tod suchte? man hätte ja noch
keine gewisse Zeitung ihrer Niderlage / sondern das blosse lügenhafte Geschrei
währe nur da; jedoch / gesezt / dass ihm also wåhre /sollte man dann alsbald
Mörder an seinem eigenen Leibe werden? wåhre es aber erlogen / wie ers gänzlich
davor hielte / was würde sie dann ihren Eltern und Verwanten / ja ihrem Ladisla
selbst vor Herzleid machen; sollte sich demnach zur Ruhe begeben / biss man
Gewissheit hätte. Fr. Sophia antwortete ihm: O mein herzallerliebster Herr Vater
/ ohn allen zweifel habt ihr hievon gewissere Zeitung / als euch lieb ist /und
gedencket mich nur mit leeren Worten zu unterhalten. Fing darauff an / sich von
neuen über den vermeinten Verlust ihres Ladisla so kläglich zustellen /dass sie
alle anwesende zu weinen bewägete. O mein allersüssester Schatz / sagte sie /
dessen volkommene Zucht und Tugend auszusprechen mir unmöglich ist; mustu dann
deinen Lauff so schleunig zum Ende bringen / uñ in der ersten Blüte schon
untergehen? Aber weder ich noch die Welt sind deiner reiffen Früchte würdig
gewesen; der Himmel der Himmel sucht das seine / und gönnet der undankbaren Welt
solche Volkommenheit nicht. Gewisslich wird die klare Seele ein neuer Stern am
Himel sein / welchen die Sternseher bald spüren werden. O Ladisla Ladisla /
sollen wir uns mit deinem Bildnis / dir zu Ehren auffgerichtet /vergnügen
lassen? Ja das wird uns nicht schutzen; Ja das wird uns nicht erfreuen / noch
den Räubern erschreklich sein. Fraget nun nach / was das Gespenst in meines
Ladislaen Marstalle bedeutet habe; das Dach ist weg gerissen / die Seele meine
ich; das Pflaster ist umgewühlet / den Leib verstehe ich. Die Pferde sind
erschlagen / seine Kräffte / O seine Kräffte haben müssen erliegen unter der
wütenden Räuber Händen. Fraget nach / was die einige blutrohte Rose unter so
vielen weissen bedeutet habe; Ach ihr Götter / schicket es ja / dass niemand
anders / als ich / dadurch möge bezeichnet sein. Drei Nachte hat das Gespenst
angehalte / fragestu / wie diese drei Nachte heissen? Fabius / Ladisla /
Herkules! O ihr drei klare Lichter / seid ihr so geschwinde Nacht worden? dann
wer wird michs überreden / dass Herkules noch im Leben sei / oder nach Ladislaen
Tode noch länger darinnen zubleiben begehre? So seid ihr nun verschwunden / ihr
Lichter; so hat uns nun überfallen eine dreifache Nacht! O du stokfinstere Nacht
/ wer will deine Dunkelheit vertreiben? O ihr hellen Lichter / wann wird eures
gleichen wieder angezündet werden? Der Vater liess sie ihre Klage ausführen / und
ward Frl. Sibylla inzwischen verbunden / welche nachgehends sich wieder zu ihr
setzete / und sie freundlich ermahnete / sie möchte doch gemach tuhn /und ihres
Lebens schonen; dann sollte es gleich wahr sein / müste man ja mit den Göttern
nicht streiten /welche durchaus ihren Willen haben wollten / wie hart wir uns
auch dawider sträuben möchten; währe es aber nicht wahr / wie dann ihr Sinn ihr
ein solches allerdinge zutrüge / was stellete sie sich dann einer Unsinnigen
ähnlicher als einer Witzigen? Ja ihr habet wohl ursach mich zu trösten / sagte
Fr. Sophia / da ich bald Mörderin an euch worden bin / dass ihr Zeit eures Lebens
bei dieser Narbe an mich gedenken könnet /welches mir doch herzlich leid ist.
Und O hättet ihr doch dem Stich seinen Weg gegönnet / so wåhre ich nun aller
Pein ab / und ginge meine Seele suchen /wie sie mit ihrem Ladisla entweder
umherschweben /oder in Ruhe sitzen möchte. Das Fräulein / ungeachtet der
Schmerzen / zeigete ihr mit einem frölichen Angesicht die verbundene Hand / und
sagete: O wie soll Herr Ladisla noch dieser meiner Hand danken / dass sie seiner
herzgeliebeten Sophien das Leben erhalten hat. Ach mein Schwesterchen /
antwortete sie / meint  ihr / dass mein Ladisla noch leben sollte? O ihr Götter /
wie wohl währe mir dann! aber leider leider! die Zeitung gibt es viel anders;
dein Leben ist gebrochen / O du unvergleichlicher Held! O du allerfreundlichster
Liebhaber! Was vor Unsiñigkeit treibet euch dann / sagte das Fräulein / dass ihr
euren Ladisla mit Gewalt tod wollet haben? Ich halte / stünde er hie vor euch /
ihr legetet Hand an ihn / dass nur euer widersinniger Kopff recht haben möchte;
sehet da / ich gebiete euch im Nahmen und von wegen eures Ladisla / der ohn
zweifel noch frisch und gesund lebet / dass ihr nicht allein eure Klage mässiget
/ sondern euch straks angesichts verbinden lasset; dañ was meint  ihr wohl /das
er gedenken würde / wann er diese Wunde an eurem Halse / und das geronnene Blut
in eurem Busem sehen sollte? Rieff hiemit dem Arzte / uñ hiess ihn die wunde
besichtigen. Fr. Sophia ward hirüber dermassen besturzet / dass sie vor Furcht
kein Wort reden kunte / sass nur und sah sie an / weil der Arzt die Wunde
betrachtete / endlich sagte sie zu ihr: O ihr harte Zuchtmeisterin! traget jhr
dañ gar kein Mitleiden mit mir elenden? Ich will euch nicht hören / antwortete
sie / biss die wunde verbunden ist / und gebiete euch nochmahl / von wegen Herrn
/ Ladisla / dass ihr euch verbinden lasset. Ach ja mein Schwesterchen /
antwortete sie / ich bin ja gehorsam; hielt auch dem Arzt die Kehle zu / und
liess ihn nach allem Willen machen. Der Statalter verwunderte sich der Fräulein
treflicher Vernunft / dass sie dieses Mittel / sie zubereden / so klüglich hätte
erfinden können. Aber so bald die Verbindung geschehen wahr / da ging der Jamer
von neuen wieder an; die Trähnen schossen ihr dermassen häuffig aus den Augen /
dass sie in ihre Schoss fielen. O ihr Götter / sagte sie / kann auch der Baum
grünen / wañ er die Wurzel verloren hat? Ja ja / man stellet ihn ins Wasser /
und erhält seine Blätter etliche Tage auff mit solcher gewaltsamen Anfeuchtung;
aber es bestehet nicht lange / dann fallen sie abe / und vergehen / ehe mans
inne wird. Gleich also kann man mich durch falsche Hoffnung auch ein wenig laben
/ auch ein wenig erhalten; aber unmöglich ist es / dass es lange bestehen sollte;
dann die Wurzel / auff welche ich gegründet wahr / ist abgehauen; Ach ihr Götter
/ sie ist abgehauen und dem Stam entzogen /der von ihr allen Safft und das Leben
selbst hatte. Frl. Sibylla kunte wegen Mitleiden und Empfindligkeit der
Wundenschmerzen / ihr nit zureden / deswegen fing der Vater an zuversuchen / ob
er durch Gelindigkeit etwas bei ihr ausrichten könnte / und sagte zu ihr:
Herzgeliebtes Kind; du weist / mit was grossem fleiss ich und deine Mutter dich
aufferzogen / und uns deiner angenommen haben / weil wir deinen Gehorsam gegen
uns allemahl gespüret / und du dir sehr wohl hast können rahten lassen; Warumb
entsagestu mir dann jezt alle folge / und kündigest mir den Gehorsam gar auff /
dessen ich mich zu dir nimmermehr versehen håtte? O mein Gn. herzallerliebester
Herr und Vater / antwortete sie; mein Unfal ist ungleich schwerer / als dass er
von mir schwachem Kinde sollte geduldig können ertragen werden; und wann ihr
empfinden möchtet / was vor Pein und Angst meine hochbetrübete Seele in ihrem
Fleische leidet / nachdem mir derselbe durch den Tod geraubet ist / welcher mein
Leben wahr / zweifele ich nicht / ihr würdet mir willig gönnen / mich der Qual
loszumachen / und aus diesem Kummer meine Seele ausszuspannen. O Ladisla! O mein
Schaz! hätte eure Freundligkeit mir doch unbekant bleibe mögen; währe ich dann
gleich nimmermehr glückselig worden / so würde ich dannoch zum wenigsten
ohn-unglückselig blieben sein. Mein Kind /sagte der Vater / hastu dann etwa
gewisse Zeitung von deines Gemahls Tode / so mache es mir auch kund / ob ich zum
wenigsten seinen Tod rächen möchte / wie er dann auff solchen fall ungerochen
nicht bleiben würde; trauestu aber nur dem blossen Gerüchte / so höre mich doch
in so weit / und entalte dich aller Tähtligkeit / biss wir unbetriegliche
Zeitung haben werden; muss es dann hernach gestorben sein; wolan / ich will dir
Schwert und Messer selbst in die Hand geben; besinne dich nur inzwischen / wie
du es vor den Göttern / ja vor Ladislaen Seele / wann er tod sein würde /
verantworten wollest / dass du mit einem Stiche / dich und deine Eltern zugleich
/ als eine Erzmörderin umbringest. Diese Worte durchdrungen ihr Herz dermassen /
weil sie dabei ihres Vaters Trähnen sah / welche ihr bisher unbekant wahren /
dass sie angelobete / sich einzuhalten / und ihrer Seele Aufflösung anderer
gestalt zuerwarten; worüber ihr Vater höchlich erfreuet ward / unter der
Hoffnung / die Zeit würde den Schmerzen lindern / wañ nur der erste Sturm in
etwas gestillet währe. Ihre Fr. Mutter wahr zeitig hinweg gange in ihr Kämerlein
/ woselbst sie als eine gottfürchtige Christin ihr andächtiges Gebet zu Gott auf
ihren Knien verrichtete / dass derselbe das schwere Unglück in gnaden von ihre
Kind'n abwenden / uñ sie nit im Heidentuhm wollte hinsterbe lassen; ging hernach
in zimlicher Freidigkeit zu ihnen hin /da sie ihre Tochter etwz beruhiget fand /
zu welcher sie sagete; vertraue dem wahren Gott / mein Kind / ob du ihn gleich
nit keñest / und zweiffele nit / mein Gott wird dich meiner Vorbitte geniessen
lassen / uñ in kurzen dein Leid in freude verkehren; dañ mein Herzsaget mirs /
ohn zweifel aus Gottes Wirkung / dz meine Söhne alle drei noch im Leben / und
das Gerücht allerdinge falsch sei. Aber der Trost welchen sie daher schöpffete /
war sehr geringe / doch versprach sie ihrer Mutter / sie wollte alle mögliche
Geduld ergreiffen / biss die Götter dem Leiden wurden ein Ende machen / und
verblieben sie in diesem leidigen Stande / biss umb Mitternacht / dass sie weder
an Essen noch Ruhe gedachten. Der Tohrhuter vernam umb diese Zeit ein hartes
Geklopffe vor dem äussersten Tohr des Hoffes / und fragete / wer sich so
ungestüm erzeigete. Was fragestu viel / antwortete der junge Fabius / bald öffne
mir das Tohr. Dieser kennete die Stimme / und sagte; Ach Gn. Herr / seid ihrs
selber / oder ists euer Geist? Er aber begunte unwillig zu werden / und dräuete
ihn zu prügeln / wo er nicht bald auffmachen würde. Worauff jener sagete; ja wie
gerne wollte ich mich biss auff den Tod prügeln lassen / wann nur eure Gn. noch im
Leben währen. Ladisla lachete der Rede / und meinte / dieser Mensch währe
aberwitzig / redete ihm deswegen gütlich zu / und sagte; Ja mein guter Pförtner
/ dein Herr Fabius lebet noch / wie du ja hörest / mache uns nur auff. Helfft
ihr Götter / rieff dieser vor freuden / da höre ich ja Herren Ladislaen Stimme
auch noch; machete geschwinde auff / und sagete: O ihre Gnn. sein wilkommen; wie
hoch und schmerzlich wird deren Tod von dem Frauenzimmer beweinet. Ladisla
fragete / was die Ursach währe. Die ganze Stad ist des geschreies vol /
antwortete er / als ob sie alle Tod / und Herr Herkules gefangen sei; dass wohl
keine Gasse oder Haus in der Stad ist / darinnen euer Tod nicht sollte beweinet
sein; aber eure Gn. halten mich länger nicht auff / dass ich die gute Zeitung
anmelde / wovor ich ein reiches Botenbrod gewärtig bin. Dass soltu ohn dass wohl
haben / sagte Ladisla /aber weil es also beschaffen ist / wollen wir uns selbst
melden; stieg auch mit Fabius / Leches / und Libussen im Vorhoffe ab / und
gingen in allerstille durch den Hoff die Stiege hinauff nach dem EsseSaal /
woselbst der Statalter mit den seinen gar allein wahr /und untereinander
allerhand Gespräch führeten; da Fr. Sophia des Kato Tochter Fr. Porzia / Herren
Brutus Gemahl hoch rühmete / dass nach ihres Ehe Herren Tode sie nicht långer im
Leben bleiben wollen / uñ ob man ihr gleich alle Mittel des Todes aus dem Wege
geräumet / hätte sie auff eine zuvor unerhörete Weise durch verschluckung
glüender Kohlen / ihre Seele aus dem Leibe getrieben / und sie ihrem
allerliebsten Brutus nachgeschicket. Worauff ihre Fr. Mutter antwortete; Ob
gleich solche und dergleichen Gewalttähtigkeit an sich selbst begangen / von
etlichen Weltgelehrten gebilliget und gerühmet würde / so hätten doch andere aus
der Vernunft sehr wohl geurteilet / dass solches Unrecht währe / und der wahren
Tugend allerdinge zuwieder lieffe / daher auch solche Gesetze gefunden würden /
Krafft deren alle so sich selbst ermorden /vor unehrlich erkläret werden / und
dass man ihren todten Leichnam mit einem Schandmahle zeichnen solle. Hat dann die
keusche Lukrezie des Kollatinus Gemahl auch unrecht gehandelt / sagte Fr. Sophia
/als sie von Sextus Tarquinius dem frechen Buben genohtzüchtiget / ihr keusches
Gemüht durch einen freiwilligen Tod zuerkennen gab? Dass wahr eine andere Sache /
antwortete ihre Mutter / welche nach deinem Vernunft-Glauben etwas scheinlicher
kann behäuptet werden / wie wohl ichs leicht dartuhn wollte /dass ihre Taht mehr aus
verzweiffeltem Unmuht / als rechtschaffener Tugend geleistet ist / dañ ein
Mensch hat von Gott nicht Gewalt bekommen über sein eigen Leben / sondern er muss
solches so lange behalten /biss Gott dasselbe von ihm fodert. Der Statalter gab
seinem Gemahl recht / und dass er in dieser Frage mehr dem Aristoteles als den
Stoischen Lehrern beipflichtete / wollte auch nicht / dass man davon weiters reden
sollte / daher Frl. Sibylla (welche zum heftigsten bemühet wahr / ihre Wase zu
begütigen) das tieffe ihres verstandes hervorsuchete / mehr als vor nie /und
fing an zu reden / von des Glückes unbeständigem Wechsel / und wie man dessen
Wütereien begegnen müste / da sie zu Fr. Sophien also anhub: Herzgeliebte Fr.
Schwester / ich halte vor ganz gewiss / euch nicht unbewust zu sein / was vor
Beschaffenheit es umb uns Menschen in dieser Welt habe / da das umbwalzige Glük
nicht anders / als das Gewitter sich erzeiget. Früh Morgens blicket das
allerschönste Himmel-roht nach höchster Lust hervor / und darff der Sonnen
selbst troz bieten; dessen der Wandersman wahrnehmend / ihm die Rechnung machet
/ er wolle noch diesen Tag seine Reise gar leicht enden; ehe aber der Sonnen Rad
sich mit allen seinen Speichen uber der Erde sehen lässet / komt ein Sturmwind /
und treibet die Wolken zusammen / aus welchen ein grosser Plazregen fället / dass
der Wandersman gezwungen wird / unter eine Schamhütte zutreten / und des
folgenden Tages zuerwarten; ist er aber so närrisch / und läufft unbesonnen im
Regen fort; dann wird er nicht allein durch und durch nass / sondern er geråht an
eine Bach / worüber ein schmaler Steg lieget / eilet hinüber / und weil er
schlipferig worden ist / glitschet er hinab / fält in dass auffgelauffene wasser
/ und ersäufft gar drinnen. Was hat dieser Unbesoñener nun vor nutzen / meine
Fr. Schwester / als ein muhtwilliges verderben? Ja was hat er vor Ehre davon /
als Spot und Hohn vor aller Welt? Sehet / das Ungewitter hat uns leider auch
getroffen / wie ihr davor haltet / da doch des Tages Anfang in eurer Heirat
sich nach allem Wunsche sehen lies. O erzeiget euch doch dem närrischen
Wandersmanne nicht gleich / damit ihr nicht umb Lob und Leben auff einmal
kommet. Ist diese das Fräulein / würde jederman sprechen / welche wir auff dem
Marsplatze zu Rom / als einen Spiegel und Aussbund der Weiblichen Klugheit sehen
müssen /und kunte das Ungewitter (ja vielleicht nur ein blossvermeinetes) nicht
über sich hinwehen lassen / sondern stürzete sich muhtwillig selbst in den
Sumpff des verderbens? wir haben ihren Wiz höher geachtet / als er wert ist.
Diesem Ubel vorzubauen / meine Fr. Schwester / lasset uns doch hinte etwas
Schirm nehmen; vielleicht wird MorgenSturm und Hagel gelinder / oder
verschwindet wohl gar. Ein frisches Herz in guten Tagen / kann auch der feigeste
erzeigen; ja ich getraue mir / ein Schiff wohl zu steuren / wann der Wind mich
führet / wohin ich gedenke; und wer könnte solches nicht? Wann man aber zwischen
Schwertern uñ Spiessen stecket / da hinten und fornen die Pfeile umb uns her
fliegen / dañ zeigt sich der Furchtsame schon selber / und stürzet zur Erden
ehe er getroffen wird; und ich im Sturme müste als eine unerfahrne gewislich mit
samt dem Schiffe verderben. Ey so ergreiffet ein Herz meine Fr. Schwester / und
lasset blicken / dass euer Muht nicht nur auff der Zungen /sondern viel tieffer
und fester sitze / als dass ein falsches Geschrei ihn stürzen und fellen könne;
und trauet mir / dass keine Last so schwer sei / welche durch Vernunft nicht
sollte können gehoben und fortgebracht werden. Fr. Sophia antwortete ihr;
Herzliebste Schwesterchen; ihr seid bei meiner träue aus der Zunft dieser
KriegsObersten / welche ihren Soldaten zwar einen Muht einsprechen / und des
feindes Macht mit Worten zuverkleinern wohl abgerichtet sind / aber in die
Schlacht kommen sie nicht / sondern stehen nur von ferne / und fechten in
Gedanken / da wo ihnen weder Pfeil noch Schwert schaden kann; meint  ihr aber /
dass Reden und Tuhn ein Ding sei? O wie wollte ich einem so geherzt zusprechen /
wann ich selbst ausser der Gefahr währe! O wie wollte ich einem der aus Kreuz
gehefftet ist / die Geduld einpredigen / wann die Schmerzen mich nicht rühreten!
Ist dann der Mensch ein unverständiges Tihr / welches ihm nichts zu Gemüht
zeuhet? oder ist ein schwaches Weibsbild ein unempfindliches Holz / wann ihr dass
genomen wird / welches sie ungleich höher liebt als sich selbst? Ich weiss zwar
wohl / dass meiner Tapferkeit wegen ich nicht auff den Marsplaz gesetzet bin /
sondern aus blosser Gnade; aber versuchet zuvor / was es sei / ein mehres als
sich selbst verlieren / ehe ihr mich richtet uñ verdammet; doch die Götter
behüten euch davor. Frl. Sibylla wollte ihr nicht zu hart wiedersprechen /
sondern dieses schmerzliche Geschwer auffs sanfteste aussdrücken / und
antwortete also: Meiner Schwacheit / hochgeliebte Fr. Schwester / habe ich sehr
gute Kundschaft / und wie leicht mich Unglück niderdrücken kann; weil mir aber
eure Grossmütigkeit bekant ist / nimt mich wunder / dass dieselbe so schleunig /
und durch ein blosses Geschrei erlieget; habe demnach versuchen wollen / ob mirs
glücken würde / dass wie ein kleiner recht angeschlagener Hebebaum einen grossen
Block leicht umbwälzet / ich durch mein geringfügiges Einreden euer Herz bewägen
möchte / dass sichs an den gewöhnlichen Ort setzete / daraus es getreten ist /
und der Wiederwertigkeit troz böhte / welche die Herschaft suchet. Ach mein
teures Schwesterchen / sagte jene; meint  ihr dann / dass mein Herz nur aus
seiner Stelle gesetzet /uñ noch in mir sei? Ach nein! ich habe es gar verlohre /
es ist verschwunden und erloschen wie eine Flamme vom Wasser; dann alles was
muhtig in mir wahr /ist mit meinem Ladisla schon Tod und erstorben; ja derselbe
wahr mein Muht und mein Herz. Mit welchem Worte ihr eine Ohmacht zustiess / dass
man gnug mit ihr zuschaffen hatte / sie wieder zuerquicken; da sie auffs neue
anfing / eine solche Trähnenbach zuvergiesse / dass allen anwesenden die Augen
übergingen; und endlich das Fräulein abermahl anfing: Hilff Gott /was wird dann
endlich draus werden? wollet ihr dann dem Lebendigen die Leichbegängniss halten?
sehet da / eine närrische Magd hat euch eine ungegründete Zeitung gebracht / und
die muss bei euch mehr gelten /als eure Eltern / und alle die es gut mit euch
meinen; In Warheit / ihr verdienet hiemit / dass Herr Ladisla auf seine glückliche
Wiederkunft euch hart genug angreiffe / weil ihrs doch nicht besser haben
wollet. Ich meine / ihr hättet uns versprochen / biss auff eingebrachte gewisse
Zeitung ruhig zu sein / und überhäuffet das Klageleid je länger je heftiger.
Nun nun / antwortete sie / ich muss geduldig sein; aber wie habt ihrs doch mit
mir im Sinne? ruhe ich durch Ohmacht (dann anders weiss ich nicht zu ruhen) so
rüttelt /schüttelt und begiesset ihr mich so lange / dass ich wieder unruhig
werden muss / und also soll ich wider mein Vermögen / und eure Bemühung ruhig
sein; so gönnet mir nun die Ruhe / die meinem elenden Zustande gleichmässig ist
/ so lasset mich (in der Unruhe / welche ich weder einzwingen noch verjagen kann)
wollte sie sagen / aber Ladisla mit seiner Gesellschaft trat gleich zur Saal
Tühre hinein / gegen welche Fr. Sophia gerade uber sass / dass sie seiner alsbald
gewahr wurde / und mit lauter Stimme rief: O mein Ladisla komt daher! fiel auch
vor grosser Freude auff den Tisch mit dem Häupt / und blieb unbewäglich liegen.
Die andern stunden alle auff / da Fr. Ursul ihrem Fabius / die Statalter in
ihrem SchwiegerSohn umb den Hals fiel / das Fräulein aber zu Frau Sophien nahete
/ und ihr einen grossen Becher vol kühles Weins in den Busem schüttete. Ladisla
lieff zu ihr hin / und fragete die Anwesenden / warumb sein Gemahl über seiner
Ankunft sich dergestalt bewägete / dass ihr alle lebendige Geister entgingen; sie
aber erhohlete sich bald / umfing ihn mit beiden Armen / und sagte: O mein
trauten Schatz / haben euch die Götter mir vor dissmahl noch wieder gönnen
wollen? O ich erkenne meinen grossen Fehler / welche ich begangen / indem ich
umb ein Haar durch die Wunde meiner Kehle euch nidergestoche hätte. Ladisla
verstund diese Rede nicht / biss Fr. Ursul ihn des ergangenen berichtete / uñ das
Frl. Sibylla ihr das Leben erhalten / aber auch darüber eine zimliche Wunde
bekomen håtte. Ladisla hatte biss daher seinem liebe Gemahl noch nie hart
zugeredet / aber dissmal kunte er sich nicht entalten / jhr einen zimlichen Filz
zu lesen; es stünde trauen zumahl verwågen / dass ein vernünftiger Mensch wegen
zufallenden Unglücks jhm selber gewaltsame Hand anzulegen fertig währe /
gestaltsam dieses einen frechen Mutwillen wieder die Götter und ihre Versehung
anzeigete; dann niemand könnte dieses anders auslegen /als suchete man hiedurch /
an den Göttern Rache zu üben / uñ wo möglich / sie selbst zuermorden / weil es
aus blosser Wiederspenstigkeit gegen jhre Verhängnis vorgenommen würde. Sie
hingegen sah jhn mit etwas Schamhaftigkeit an / mehr willens / ihre
untertähnigkeit blicken zu lassen / als weitläuftige Entschuldigung einzuführen;
bekennete demnach / dass sie gesündiget / und jhren heftigen Bewägungen die
Herschaft über die Vernunft gegönnet hätte; weil es aber aus Liebe gegen jhn
geschehe währe / hoffete sie desto leichtere Verzeihung; welche er jhr aber so
leicht zu geben nicht willens wahr / damit sie auff einandermahl von dergleichen
vornehmen abgeschrecket würde / daher antwortete er ihr: Ob sie dieses so
schlecht von der Hand schlagen könnte? Sie möchte nur bedenken / was vor eine
Wunde sie zumachen vorgehabt / wodurch jhre und seine / vielleicht auch wohl
jhrer lieben Eltern Seele zugleich ausgangen wäre; er vor sein Häupt hielte es
nicht vor eine Liebeswirkung / sondern vor eine verzweifelte Raserei /welches
jhre Seele dermassen unwert und abscheuhlich würde gemacht haben / dass die seine
in jener Welt sich nimmer zu ihr genahet hätte. Das verliebete Herz empfand
diese Züchtigung fast todes masse; gefiel aber den Eltern sehr wohl /
insonderheit /dass / wie sie sich zu jhm nahete / ihn zu ümfangen /er sich dessen
ausdrüklich wegerte / dafern sie jhm nicht an äidesstat versprechen würde /
solcher unmenschlichen Gedanken fortin allerdinge müssig zugehen / ob gleich
sein ertödteter Leib vor jhren Füssen läge; dann / sagte er / ich bin kein Gott
/ dass ihr euch mir zum Opfer darstellen woltet; über das seid jhr mir Tråue und
Beiwohnung schuldig (wie ich euch im gleichen); aber im Tode sollet ihr mir
trauen keine Gesellschaft leisten / biss so lange es den Göttern gefält; Und
möget ihr wohl den Göttern und dieser eurer heutigen Schuz Göttin (auf Frl.
Sibyllen zeigend) danken / die ein so grobes Laster uñ unverantwortliche
übeltaht von euch abgekehret habe. Ists nicht überal leichtsinnig / fuhr er fort
/ dass man auff ein blosses Geschrei / da kaum ichtwas nichtigers in der Welt
sein kann / man ihm selbst den Todesweg mit dem Messer öfnen will? In der warheit
/ wann euch dieser Sinn währe vor dem Kopf geschrieben gewesen / würde es
kräftig genug gewesen sein / mich von eurer Liebe abzuschrecken; dañ / könnte
mannicher gedenken / wessen sollte ein solches erzürnetes Weibsbilde verschonen /
die mit ihr selber kein Mitleiden träget? Er wollte weiter fortfahren / sah aber
/ dass sie mit trähnenden Augen sich zum Fussfalle zubereitete / daher er ihr aus
einem gelinderen Fasse einschenkete / und nachdem er sie bei der Hand gefasset
hatte / zu ihr sagete: Nun ich trage dieses Vertrauen zu euch /ihr werdet meinem
Begehren nach / mir eine äidmässige Verheissung tuhn / dass zeit eures Lebens ihr
dessen euch nit mehr unternehme wollet / aber wo ich lebe / sollet ihr meiner
Frl. Schwester gestochene Handwunde schwer gnug büssen. Sie kam hieselbst erst
recht zur Erkäntnis ihres groben Irtuhms / gelobete träulich an sich solcher
Untaht hernähst allerdinge zuentalten / und empfing darauff völlige Vergebung;
nach welchem Vergleich er zu dem Fräulein trat / küssete sie freundlich / und
baht seines Gemahls wegen ümb Verzeihung / neben dem Versprechen / er wollte es
dereins auff ihrem Beilager dergestalt zuerkennen wissen / dass seine Dankbarkeit
daher sollte gespüret werden. Fr. Sophia selbst fiel ihr üm den Hals / herzete
und küssete sie / und schwuhr / diese ihre grosse und überschwesterliche Träue
nun und nimmermehr aus jhrem Gedåchtnis kommen zulassen. Inzwischen fragete der
Statalter seinen Sohn / ob nicht Herr Kornelius auff sie gestossen währe; und
vernam / dass sie denselben nicht angetroffen / weil sie nicht die Heerstrasse /
sondern einen richtigern Nebenweg genommen hätten. Ich danke den Göttern / sagte
der Vater weiter / dass eure Niderlage bloss ertichtet ist; aber wer mag doch lust
haben / dergleichen schändliche Lügen auszusprengen? Ladisla antwortete; seines
Erachtens wåhre es ein Irtuhm / und rührete daher / dass seine Frl. Schwester in
Gestalt und Kleidung eines Jünglinges sich håtte lassen gefangen nehmen /
welchen etliche vor Herkules möchten gehalten haben. Erst ward Fr. Sophia durch
Frl. Helenen anzeige / der fremden Jungfer gewahr / und fragete Ladisla / wer
sie währe. Er gab zur Antwort; Sie währe hohes Adels aus seinem Königreiche /
und die Vornehmste des Frauenzimmers seiner Frl. Schwester / welche sie
vorgestriges Tages aus etlicher Räuber Händen erlöset hätten. Darauff trat sie
zu ihr hin / ümbfing sie freundlich /und hiess sie sehr wilkommen sein / baht
auch üm Verzeihung / dass man sie so lange unangeredet stehen lassen; dessen die
ergangene Verwirrung Ursach währe. Diese bedankete sich untertåhnigst / wiewol
mit etwas anderen Geberden und Leibesneigungen /als in Italien bräuchlich wahr /
schätzete sich unfähig der hohen Ehre / die ihr einer unwirdigen angetahn wurde
/ sintemahl sie sich bloss vor ihrer Gn. Dienerin erkeñen müste; möchte aber von
Herzen wünschen /dass ihr gnädigstes Frl. selber glücklich ankommen /und ihre
geliebte Fr. Schwester und Schwägerin küssen und ümfangen mögen; baht hierauff /
ümb Verzeihung ihrer ungeschikten Rede / weil sie die lateinische Sprache
zureden ungeübet währe / und ihr weniges durch Unterrichtung ihrer gnädigsten
Fräulein gefasset hätte. Fr. Sophia bezeugete mit ihren Tränen / wie herzlich
leid ihr der Fräulein Verlust währe / hoffete doch zu den Göttern / sie würden
sich ihrer gnädig annehmen / und sie vor Lebens- und ehren-Gefahr beschützen.
Die Bömischen Gesanten wahren nicht allein wegen der Fräulein Verlust sehr
betrubet / sondern weil ihnen auch die Zeitung von ihres Königes Tode zu Ohren
kommen wahr / hielten sie sich nicht anderst als verzweiffelte Leute / und
hatten sich kurz vor Ladisla Ankunft ungessen und ungetrunken zur Ruhe gelegt.
Der Statalter aber lies ihnen andeuten /sie möchten ihren grossen Kummer
mässigen / nach dem ihr König gesund und ohn alle zugestossene Gefahr wieder
angelanget währe; Worauff Bugesla sagete: Ey Gott lob / so sind wir ja noch
nicht gar zu Wäysen worden / weil unser König noch im Lebe ist. Die Verwirrung
und Freude der Gesellschaft war so gross / dass sie nach Herkules zufragen eine
gute Zeit vergassen / biss Sibylla ahnete / wo sie ihn gelassen hätten; Und
Fabius darauff anzeigete / er währe auff gut Glük mit einem gefangenen Räuber
Häuptmann als ein neugeworbener Räuber Bursche von ihnen geschieden / das
verlohrne Fräulein ausszukundschaffen /und nachdem er vernommen / dass sie schon
in ander Räuber Händen / und nach dem Meere auff ein Schiff gebracht währe /
hätte er sich mit dem Räuber Häuptmann auch zu Schiffe gesetzet / ihr zu folgen.
Alle Anwesende hatten Herkules Liebe gegen das Fräulein aus seinen damahligen
Geberden zur Gnüge verspüret / ob sie gleich dessen sich nicht merken liessen.
Und als der Statalter hörete / dass er allein der geraubeten nachgezogen währe /
sagete er: es gibt dieser Held gnugsam an den Tag / wie hoch er dieses Fräulein
schätze; und weil er in allen stücken so gar volkommen ist / auch nichts
unvolkommenes hoch achtet /muss ausser zweifel dieselbe über viel andere mit
treflichen Gaben des günstigen Himmels gezieret sein. Libussa / aus getrieb
übermässiger Liebe gegen ihr Fräulein / kunte nicht umbhin / derselben Ruhm
zusprechen / und gab dem Statalter diese Antwort: Ja Gnädiger Herr; mein
gnädigstes Königliches Fräulein / Frl. Valisska / mag ich wohl mit höchstem Fuge
die treflichste Zucht der Welt nennen / welchen Ehren-Nahmen ihr kein bekanter
Mensch missgönnen wird; dann ihre Tugend / Verstand und Schönheit übersteiget die
gemeine Art sehr hoch; ihre Fertigkeit im schiessen hat noch keiner übertroffen;
ihr Herz ist so gar ohn Furcht / dass sie lieber stürbe / als dessen einiges
Zeichen blicken liesse / da sie doch vor weniger Zeit das funffzehnde Jahr erst
hinter sich geleget hat. Mein Herr Fabius wird zeugen / dass sie sieben
streitbahre Räuber / teils mit Pfeilen / teils mit dem Schwert erleget hat / uñ
jhren ganzen Hauffen getrotzet / als ob sie jhre Gebieterin währe. Mein
gnädigster König weiss selber / das Verhalten ihrer kindlichen Jugend / welches
nicht kindisch wahr / da sie einen grimmigen Ochsen mit ihrem Brotmesserchen
bestanden uñ ertödtet hat; will aniezt geschweigen / was vor unaussprechliche
Gefahr sie neulicher Zeit nach der Herrn Gesanten Abzug ausgestande / und sich
aus den Händen vieler Räuber nicht ohn grosses Blutvergiessen und erschrekliche
Wassersgefahr lossgearbeitet hat. Das Vornehmste aber / welches alle so sie
kennen / am höchsten an ihr lieben und loben /ist jhre überaus demühtige
Freundligkeit und keusche Zucht / wodurch sie aller Menschen Herz dermassen an
sich zeuhet / dass jederman ihr biss in den Tod muss gewogen sein; daher auch der
Durchl. Fürst Herr Herkules / als ein nähester Blutfreund bewogen ist /sie
bruderlich zulieben / wiewol ihre Kundschaft sehr geringe / sie auch in langer
Zeit eines von dem andern nichts gewust noch erfahren haben. Allen Anwesenden
kamen die lezten Worte fremde vor. Der junge Fabius antwortete darauff: Ich
hoffe zu den Göttern /das Glük der Kundschaft dieser Konigl. Fråulein
zuerlangen / die ohn allen zweifel ganz unvergleichlich sein muss; und ist mir
schon dieses Glük zugestossen / dass ich ein gedoppeltes Gedechtnis von ihr habe.
Zohe damit seinen Anteil Haar hervor / wickelte sie von ander / und im
hinreichen sagte er zu seiner Schwester; sihe da / diss allerschönste Haar /
desgleichen ich nie gesehen / ist auff dieser Fråulein Häupte gewachsen /
welches sie ihr selber abgeschnitten /damit sie vor ein Mannesbilde moge
angesehen werden; und ist dieses kaum der vierde Teil. Ladisla gab ihr seines
darzu / welches sie alle mit Verwunderung besahen / Fr. Sophia es auch küssete /
und diesen Wunsch hinzu taht; O ihr Götter / seid gnädig diesem euren treflichen
Geschöpf / und gönnet mir diese Vergnügung / dass ich meine höchstwirdige Frl.
Schwester ehist ümfahen / und an ihrer lieben Gegenwart mich ergetzen möge. Sie
sassen fast biss an den Morgen beieinander / liessen ihnen kalte Kuche auftragen
/ und legten sich darauff zur Ruhe / da Frl. Sibylla Jungfer Libussen zur
Schlaffgesellin wählete / welche solches gerne bewilligte. Des folgenden Tages
lies der Statalter die Urtel wider den räuberischen Wirt ergehen / dass er
erstlich mit Ruhten sollte gestrichen / hernach ans Kreuz gehenket werden; doch
ehe solches volzogen ward / trat der alte Fabius mit seinem Schwieger Sohn und
Sohn zusammen / umb zubetrachten / wie man in der Fräulein Nachsuchung Herkules
am besten beispringen könnte. Ladisla war willens / eine zimliche Schifffart
auszurüsten; aber der Statalter gab sein bedenken / es währe sehr gut /wann man
Nachricht haben könnte / an was ort uñ enden sie zusuchen währe / dann biss dahin
würde alles vergeblich sein / wie fleissig man auch das Meer durchstriche;
zugeschweigen / dass die Räuber nicht seumen würden / sie in Sicherheit
zubringen; wüste man nun / sagte er / aus was Landschaft sie währen /als dann
hätte man vorerst sich zuerklären / was vor Hafen zubesuchen sein würden.
Ladisla antwortete: Ja wann aber inzwischen mein Herkules selbst in Unglück
geriete / und keine Gelegenheit hätte / an uns zu schreiben? Und zwar kenne ich
seinen Sinn aus der Erfahrung gar zu wohl; massen als vor ohngefehr zwei Jahren
und drei Monaten er gefangen / und als ein Leibeigener zu Rom verkaufft ward /
hätte er leicht an mich schreiben / und mir seinen Zustand berichten köñen / dass
ich mich bemühet hätte / ihn frei zu machen; aber da liess er sich lieber
andertalb Jahr als ein Sklave halten / dass er seinen Eltern und mir keinen
Unmuht machen möchte; wiewol eine andere Neben-ursach darzu kam; daher weiss ich
/ wann er gleich in Ketten und Banden läge / würde er michs unberichtet lassen /
wie gute Gelegenheit er auch haben möchte / an mich zuschreiben / weil er
immerzu fürchtet / mich zu hoch zuerschrecken / oder dz seinetwegen ich mich
etwa in Gefahr wagen würde. Ja ich mache mir fast die Gedanken / er habe mich /
ihm zufolgen / bloss deswegen abmahnen lassen / damit ich nicht in Ungelegenheit
gerahten möge. Mein geliebter Herr Sohn / sagte der Statalter; es ist nicht
ohne / dass / die wenige Zeit ihr bei mir gewesen / ich euer beider tuhn und
lassen zimlich angemerket und erfahren / dass wie ihr euren Herkules lieber und
ehret / also lässet er ihm eure Wolfahrt und Vergnügung von Herzen angelegen
sein. Herr Vater / antwortete er; Ich weiss selber nicht / wie ihm eigentlich
ist; dann wie geheim und bekant wir gleich einander sind / so treibet mich doch
eine innerliche Krafft / ihn zu ehren / ungeachtet er sich dessen täglich gegen
mich beschweret. Vor dissmahl fürchte ich / er werde durch diese Gelegenheit /
meine Frl. Schwester zu suchen /mich gar verlassen; Dann weil er weiss / dass zeit
meines Lebens ich mit willen mich von ihm nicht scheide / und er aber mir nicht
gönnen wird / mit ihm umher zureisen / hätte er bessere Gelegenheit nicht haben
mögen / sich von mir abzuzihen; Und O wie mag er wohl etliche Zeit schon darauff
gesinnet haben / wie er sich heimlich hinweg machen könnte / wiewol er vor
dissmahl nicht unterlassen wird / meiner Frl. Schwester fleissig nachzuforschen.
Ausser allem zweifel wird er alles Vermögen dran strecken / sagte der
Statalter / in Betrachtung seiner hohen Neigung gegen dieses Fräulein / wovon
aber zu reden / mir vielleicht nicht gebühren will. Ladisla lachete dess / und
versicherte ihn / dass seines wissens keine andere Gewogenheit zwischen ihnen
beiden währe / als die aus der nahen Verwandschaft herrührete / in Betrachtung
/sie in zwei Jahren und länger / einander nicht gesehen / und die erste Jugend
ihnen jensmahl keine Liebe einbilden mögen / da Herkules mit mir nur VI Wochen
zu Prage wahr / sagte er / und mit ihr wenig und selten umging / auch er nur XIX
Jahr / sie aber kaum XIII Jahr alt wahr / und mag mein Herr Vater mir wohl
gläuben / dass mein Herkules erst vor zween Monat in das XXIIste Jahr eingetreten
ist. Was saget ihr mir von XXII Jahren? sagte der Statalter / ist es dann
möglich dz bei solcher Jugend ein so treflicher Verstand / eine solche Stärke /
Erfahrenheit / Vorsichtig-und Höfligkeit gefunden werde? Und als Ladisla solches
bestendig bejahete / mit dem Anhange / dass er drei Jahr weniger vier Wochen und
vier Tage älter als Herkules wåhre; sagte Herr Fabius: O ihr Götter / so
erhaltet doch dieses Wunder der Welt / dass es nicht in der ersten Blüte vergehen
/ sondern der Erdbodem seiner herrlichen Früchte noch manniche Zeit geniessen
möge. Ladisla kam auff sein voriges / und liess sich heraus / dass er auff
Herkules versprochenes Schreiben zum längsten noch zehn Tage warten wollte. Weil
solches dieses Orts vorging / wollte Libussa ihrer / Herkules getahnen Zusage
nachkommen / welches sie durch Frl. Sibyllen Vorschub hoffete ins Werk zurichten
/ deren sie sich gar dienstaft und ehrerbietig erzeigete / und aus allen ihren
Reden spürete / dass sie eine sonderliche Neigung gegen ihn trug; gab ihr demnach
zuvernehmen / wie dieser Fürst es vor gut angesehen / dass sie zu Padua verbliebe
/ biss sie von seiner Durchl. oder von dem Königl. Fräulein schrifftliche Zeitung
hätte; nur wüste sie nicht / ob ihre gnådigste Königin Frau Sophia darein
gehehlen würde. Aber diese gab zur Antwort: Machet ihr euch deswegen wohl einige
Gedanken? ich versichere euch / meine Freundin / dass meiner Frau Schwester
nichts angenehmers begegnen wird / als wann sie hören soll / dz sie euch in ihrer
Gesellschaft mag behalten / umb von der Königl. Fräulein bessern Bericht
einzunehmen.
    Die Böhmischen Gesanten / als sie desselben Morgens mit ihrem Könige viel
und mannicherlei geredet hatten / hielten untertähnigst umb Abfertigung an /mit
Bitte / ihre Gn. gegen ihre Fr. Mutter sich schrifftlich erklären möchte / wie
es mit des Reichs Beherschung ferner sollte gehalten werden. Ladisla willigte in
ihren Abzug / und berichtete die Königin im Briefe auffs glimpflichste / wz
gestalt seine Frl. Schwester durch etliche Räuber entführet währe / denen aber
Herkules schon gefolget / sie zu retten; und dass solches um so viel gewisser
geschehen möchte / währe er willens / mit einer ansehnlichen Mannschaft auch
fortzugehen / weil sie gewisse Kundschaft hätten / dass sie nicht allein annoch
im Lebe / sond'n auch als ein verstelleter Jüngling ausser Gefahr ihrer Ehren
währe. Endlich meldete er / dass bei Zeigern Ihren Gesanten er 600000 Kronen
überschickete / wovon 400000 Kronen denen / welche aus gutem Herzen die zu
seiner Reise verordneten Gelder zusamen geschossen /sollten ausgeteilet werden /
so dass ein jeder den vierden Pfennig überschuss zugeniessen hätte; dz übrige
würde sie zur Besserung der Festungen anzuwenden wissen. Ehe er den Brieff
endigte / gaben die Gesanten sich bei ihm an / und brachten vor / was gestalt
vor weniger Zeit der junge Königliche Grossfürst der Franken und Sikambern in
Gallie / umb Frl. Valisken Heirat sehr inständige Anwerbung getahn / worin sie
aber durchaus nicht einwilligen / noch einige Geschenke von dem Gesanten
annehmen wollen / alles unter dem Vorschutz / sie håtte ihrem Herr Bruder
äidliche Verheissung getahn / ohn sein Vorwissen und ausdrükliche Bewilligung
sich weder zuverheirahten noch zuverloben / dz demnach der Gesanter mit solcher
Antwort hätte müssen abzihe / welcher ohn zweifel sich bald wieder einstellen
würde / umb bessere Erklärung zu hohlen. Ladisla verwunderte sich über dieser
Erzählung / und weil das Fräulein solche Verheissung nicht getahn / er sie auch
von ihr nie begehret hatte / muhtmassete er daher gänzlich / sie würde mit
Herkules in heimlicher Liebe stehen / und sich zu ihm versehen / dass er sie
demselben am liebsten göñete; sagete demnach zu den Gesanten: Meine Frl.
Schwester hat löblich gehandelt / dass sie ihres mir teurgeleisteten åides
eingedenk gewesen / und solcher Heirat sich noch zur Zeit entbroche hat; sollte
nun deswegen in ihrer Abwesenheit weitere Anwerbung erfolgen / müste er mit
lauter zweifelhaftiger Antwort abgespeiset werden / biss auff seine und der
Fräulein Gegenwart zu Prage / massen er gleicher gestalt seiner Frl. Schwester
beteurlich verheissen hätte / sie an niemand wider ihren Willen zuverheirahten.
Und dass solches nicht aus der acht gelassen würde /taht er dessen in seinem
Briefe an die Königin / Erwähnung. Wahr sonst aus hofnung künftiger Heirat
zwischen ihr und Herkules so vergnüget / dass er aller Traurigkeit vergass. Nach
Schliessung des Schreibens führete er die Gesanten mit sich zu Tische / uñ da
sie im EsseSaal versamlet wahren / sah Libussa ihrer Fråulein annoch
verschlossene Wetscher stehen / und fragete / ob sie nicht währen besichtiget
worden. Fr. Sophia antwortete / sie währen zeit wehrender angst wegen der
Fräulein Verlust herauff getragen / und hätte sider dem kein Mensch weiter dran
gedacht / wie sich dann ohn das nicht gebührete / anderer Leute verschlossene
Sachen zuöffnen. Ladisla hiess sie auff Libussen anhalten auffmachen / auch das
Seiden Gewand / welches den Räubern wieder abgenommen wahr / herbei bringen /
und sunden sie allerhand köstliche Kleinot / damit er beides sich und sein
Gemahl ausschmücken sollte. Die güldene und silberne Tücher zur Kleidung wahren
gar fremder Art / mit allerhand schönen Blumwerk / auch Bildern mancherlei
Tihren durchwirket / welches alles er seiner Liebsten mit betrübtem Herzen
einreichete / wünschend / dz solches alles nebest den in der Räuber Höhle
gefundenen Schätzen in Abgrund des Meers möchte versenket /und hingegen nur das
Fräulein gerettet sein. Fr. Sophia nam es mit weinenden Augen an / und sagete:
Ach wer weiss / in was wilder Fluht das allerliebste Herzchen jetzo unter den
SeeRäubern daher fähret? Sie fehlete auch hieran gar nicht; dann so bald die
Räuber mit ihr zu Schiffe gangen wahren / seumeten sie sich nicht / sondern
gebraucheten sich des guten Windes / und segelten Tag und Nacht auff dem
Adriatischen Meer Sudost werz / strichen an Griechenland her / und legten zuerst
bei dem Eylande Kreta an /welches jezt Candia genennet wird. Sie hielten aber
diesen ihre vermeinten Jüngling / welcher sich Herkuliskus nennete / neben
Jungfer Brelen sehr wohl /und durffte sich niemand an ihnen vergreiffen /
meinten auch / es währe grosser Schade / dass der Himmel nicht ein Weibsbild aus
ihm gemacht hätte /nachdem er mit so volkommener Schönheit begabet währe;
insonderheit wahr der Dolmetscher den beiden Gefangenen sehr gewogen / hatte
sich auch in Brelen heftig verliebet / uñ hoffete durch Herkuliskus Befoderung
sein Vornehmen zum gewunscheten Ende auszuführen / und sie endlich zu ehelichen.
Er wahr ein gebohrner Grieche / hohes Adels von Aten / nahmens Alexander / und
hatte in seinem Vaterlande schon unterschiedliche Ehrenämpter bedienet; weil er
aber eine Rahtsherren daselbst / der ihm den meisten Teil seiner Güter wider
Recht vorentielt / aus Zorn entleibet hatte / musste er die Flucht ergreiffen /
da er umb desto mehrer Sicherheit willen in die abgelegenen Morgenländer ausser
Römische Grenzen sich begeben / und in Kundschaft dreier vornehmer streitbahrer
Partischen Herren gerahten war / welche in ihrer Jugend ihr väterliches Erbe
unnüzlich verschwendet hatten / dass ihnen an Standes Unterhalt schon begunte
abzugehen. Alexander sah / dass sie beherzt und guter Fäuste waren / deshalben
schlug er ihnen beim Trunke ein Mittel vor / dass wann sie etwa eine Tonne Schaz
baar wüsten auffzubringen / wovor man ein festes Schiff käuffen / auch
Schiffleute und Soldner bestellen könnte / wollte er neben ihnen sich auff das
Mittelmeer begeben / und in kurzer Zeit einen solchen Schaz erwerben / dass sie
fortin sich der Armut nicht zubesorgen håtten; massen des Orts umbher guter
Friede wåhre / und die Kauffhandelung stark zur See fortginge / dass wann das
Glük es fügete / man oft auff einem Schiffe etliche Tonnen Goldes wert
anträffe. Diese drei liessen ihnen den Vorschlag wohl gefallen / richteten auch
mit ihm einen schrifftlichen Verbündnis-Schluss auff / dass ihm der vierde Teil
aller Beute / nach Abzug ihres vorschusses und angewanden Kosten / und was die
bestelleten Völker nehmen würden / geträulich sollte aussgefolget werden;
verschwure sich mit einander auffs allerhöchste / brüderliche Träue und
einigkeit fest und unbrüchig zuhalten; einer den andern in keiner Noht
zuverlassen /noch wegen künftiger Teilung Streit oder uneinigkeit anzurichten;
sollte auch niemand unter ihnen macht haben / die Verbündnis oder Gesellschaft
zuverlassen oder auffzuruffen / biss nach vollendeter Schiffart sie wieder zu
Lande getreten / und die Partischen Grenzen erreichet hätten / es geschehe dann
mit ihrer aller guten Bewilligung / und sollten hieselbst nicht die meisten
Stimmen gelten / sondern ohn arge List alles gehalten werden. Diesem nach
richteten sie ihr Vorhaben eiferig ins Werk / kaufften zu Seleuzien in Syrien
ein fest-gebauetes Schiff / nahmen bei 300 Bossknechte und Soldaten an /
vorgebend / sie währen Kauffleute / und gedächten umb Affrika hin nach dem
Indischen reichen Eylande Taprobana zu sägeln / und daselbst ihre Handelung
fortzusetzen. Als sie das Fräulein raubeten / hatten sie ihre Seeplackerei schon
andertalb Jahr getrieben und manniches Schiff geplundert / in den Grund
gebohret / und einen grossen Schaz zusammen gelegt / dass sie schon auff der
Wiederkehr wahren / und nach Parten zugedachten / weil sie so wohl in Afrika als
Spanien und der Ends es so grob gemacht hatten / dass man ihnen begunte
nachzutrachten. Sie hatten aber beschlossen / unsern Herkuliskus und Brelen
wegen ihrer vortreflichen Schönheit dem grossen Parter Könige Artabanus zum
sonderlichen Geschenk einzuliefern / als welcher von allentalben her schöne
Jungfern aussspüren / und in sein Frauenzimmer versperren liess / seinen geilen
Mutwillen zuersättigen / uñ wurden die schöne Knaben nach abscheuhlichem
heidnischem Gebrauch / ihrer Mannheit beraubet / und des Frauenzimmers zu huten
abgerichtet / und dass ich mich zumelden scheuhe / zur Sodomitischen Unzucht
gebrauchet. Alexander hatte diesen Vorschlag der Verschenkung selber getahn;
nachdem er aber seine Liebe auff Brelen geworffen / gereuete ihn solches /
trachtete auch nach Gelegenheit /sie entweder mit seiner Gesellen gutem Willen
zu erhalten / oder nach gemachter Teilung sie an einem Orte heimlich
zuverstecken / da er nur hierzu der Jungfer Willen erhalten könnte. Herkuliskus
merkete seine gute Zuneigung gegen sie / liess ihm solches wolgefallen / und
hoffete / es sollte zu seiner Erlösung guten Vorschub tuhn; massen er gnugsam
spürete /dass allein durch seine anordnung ihnen so viel gutes wiederfuhr. Als
sie / wie obgemeldet / bei Kreta anlangeten / uñ er merkete / dass sie daselbst
ausssteigen würden / baht er Alexander umb Urlaub / mit an Land zutreten: er
währe des Meeres ganz ungewohnet und befünde sich nicht allerdings wolauff; doch
sollte er nicht argwohnen / als suchete er Gelegenheit zur Flucht; dañ er wollte
sich äidlich verbinden / nicht von ihnen zuweichen noch einige Ungelegenheit
zuerwecken / sondern sich etwa ein Stündichen unter dem Schatten jener lustigen
Bäume zuerquicken. Alexander wollte ihm solches nicht abschlagen / und warb es
bei seiner Gesellschaft auffs beste; welche es aber nicht vor rahtsam hielten /
angesehen es sich leicht begeben möchte / dass einer seiner bekanten ihnen
auffstiesse / worüber sie umb Gut und Leben kommen dürfften. Dieser antwortete;
es wåhre diese Furcht vergeblich / massen die Gefangene dieses Orts ganz
unbekant / und aus weit abgelegenen Westnordischen Ländern währen; würden auch
nur unter den nåheste Bäumen sich ein wenig aufhalte / da man ihnen gnugsame
Huht uñ Wache zu geben könnte; man musste ihnen ein wenig Willen und Freiheit
gönnen / und ihre zarten Leiber betrachten; wie leicht könnte es geschehen / dass
ihnen wegen Unmuhts und des Meers Ungewohnheit / einige Krankheiten / ja der Tod
selber zustiesse; was ihnen alsdañ mit den todten Leichnamben würde gedienet
sein; hielte demnach vor rahtsam / ihnen dieses begehren einzuwilligen. Hiemit
bewägete er sie / dass sie endlich zu frieden wahren /und sie mit sich auffs Land
führeten; gaben ihnen doch zehn Hüter zu / und liessen sie an der Heerstrasse
eine halbe Welsche Meile vom Meer / unter etlichen Nussbäumen ihre Ruhe halten.
Herkuliskus sah der Båume einen am Wege stehen / so noch jung wahr / ging hinzu
/ und schnitte mit einem kleinen Messer folgende Lateinische Worte mit
Böhmischer Schrifft gar zierlich hinein: Valisca, nunc Herculiscus, in Partiam
ducta. Das ist: Valiska / iezt Herkuliskus genennet / ist nach Parten geführet.
Und ob man gleich diese Buchstaben nicht lesen kunte / zweiffelte sie doch nicht
/ dass sie in wenig Tagen sich öffnen und gnug ausswachsen würden. Weil er nun mit
Jungfer Brelen allein / und von den Hütern zimlich abgesondert wahr / dass sie
ihr Gespräch nicht vernehmen kunten / welches sie ohn dass nit würden verstanden
haben / wollte er diese Gelegenheit nicht lassen vorbei gehen / und sagete zu
ihr: Herzliebes Kind / ich sehe aus Alexanders beginnen / dass er eine
sonderliche Liebe zu euch träget / welches auch die einige Ursach ist / dass man
uns so schön tuht; so haltet euch nun nicht unfreundlich oder störrisch gegen
ihn / damit uns nicht ärgers wiederfahre. Er hat mir seinen Stand zuwissen
gemacht / und ist von gutem Adel; dafern nun seine Liebe gegen euch auff Ehre
und Treue gegründer wåhre / wie ich nicht zweiffele / und ihr mit ihm köntet
friedlich sein / würde solches zu unserm besten erspriessen. Ihr habt vernommen
/ wie man willens ist / uns dem Parter Könige zuzuführen /welches trauen auff
Ehre nicht kann angesehen sein; dann die groben Morgenvölker sind vor anderen der
Unkeuscheit ergeben; offenbahret mir derwegen euer Herz und Willen / dass ich
wisse / wie ich auff allen Fal mich gegen Alexander zu verhalten habe. Brela
wahr eines vornehmen Bömischen Herren Tochter /wiewol Elterlos / und von Jugend
auff im Königlichen Frauenzimmer erzogen / hatte nunmehr das XIIXde Jahr
erreichet / und wahr eine sitsame schöne Jungfer. Als sie das Fräulein also
reden hörete / lachete sie anfangs darüber / und zeigete an; allem muhtmassen
nach würden ihre Gn. sich in diesen Gedanken irren /und fürchtete sie gar sehr /
Alexander hätte ihre Verstellung etwa gemerket / und in sie selbst sich
verliebet / welches daher zuschliessen / dass er sich ungleich mehr ihrer Gn. als
ihrer geringfügigkeit nahete. Herkuliskus bedachte sich hierauff ein wenig / uñ
bald sagete er zu ihr; Nein mein Kind / du bist ganz unrecht dran / und erinnere
ich mich anjezt etlicher Reden / so ich von ihm gehöret / und daraus versichert
bin / dass er sein ganzes Absehen allein auff dich hat. Die Jungfer solches
hörend / fing an inniglich zu weinen / und gab zur Antwort: Solte diesem also
sein / wollte ich wünschen / ich währe entweder von den ersten Räubern im Flecke
/ oder von den andern im Walde erschlagen / oder würde noch von ihnen ins Meer
gestürzet. Herkuliskus antwortete: O du meine liebe und geträue Brela / du
sihest ja / dass weinen und wünschen uns zu nichts helffen kann / sonst wollte ich
auch noch wohl Trähnen und Worte finden; sondern weil Gott uns in diese Noht hat
fallen lassen / müssen wirs gedultig ertragen / und unsern Wiz gebrauchen
/insonderheit unsern Willen zwingen / und annehme /was uns werden kann / wann wir
nit haben mögen /was wir begehren; ich vor mein Häupt sehe trauen nicht / was an
Alexandern zu tadeln währe / ohn dass ihn Unglück zum Seeräuber gemacht hat. Ach
mein Fräulein / antwortete sie / ich bitte / mir gn. zuverzeihen / dass derselben
ich meine Heimligkeit offenbahre; Es weiss ihre Gn. dass Ritter Neda / Herr Krokus
Sohn sich eine zeitlang zu Prag am Königlichen Hofe /wider seine Gewohnheit hat
finden lassen; mit demselben bin ich in vertrauliche Freundschaft gerahten
/weil ich mich seiner strängen Anläuffe länger nicht erwehren mögen / und
endlich / da meine Verwanten und seine Eltern es bewilligen würden / ich ihm
eheliche Träue versprochen habe / welche ich nicht werde brechen können. Du hast
recht getahn / antwortete sie / dz du dieses geträue Liebhabers Neigung hast
erkennet / und ersetzen wollen / uñ bin ich selbst mit dieser Heirat schon
etliche Zeit umgangen; wann es dir nun frei stehet / ihm das verheissene zu
halten / tuhstu recht und wohl; aber / so viel ich merke / gedenkestu /du sitzest
zu Prag in meinem Zimmer; weist du nicht /dass wir gefangene Leute sind? weistu
nicht / wohin man uns führet? wird auch der Parter König nach Böhmen senden /
und dir deinen Ritter Neda hohlen lassen? oder wird Neda mit zehnmahl hundert
tausend Mann kommen / dich abzuhohlen? O nein / dieses ist vor dissmahl die Frage
nicht / ob du lieber Ritter Neda als Alexander heirahten wollest; sondern / ob
du / da es dir so gut werden kann / lieber eines Griechischen reiche ådelmans
eheliches Weib sein / und mit ihm in Böhmen / oder wo es dir geliebt / ein
freies Leben führen; oder aber des Königes der Parten Kebsweib /und da er
deiner müde / der andern Magd sein / ja auch wohl gar einem unflätigen Stallbuben
zum Missbrauch dich verschenken lassen wollest. Brela antwortete: Ach ihr Götter!
jezt sehe ich erst / in was unglück ich gerahten bin; und wollte Gott / dz ich
unter diesem Baume mein Leben ende sollte! O hätte ich doch so viel herzens / mir
selbst den Tod anzutuhn! weil aber meiner schwacheit solches unmöglich ist /muss
ich aus der Noht eine Tugend machen / und will Euer Gn. alles heimstellen / nur
dass ich mag Gelegenheit haben / mich in euren Diensten gebrauchen zulassen / und
eure Freiheit und Erlösung zubefodern. Wolan / sagte das Fräulein / so ist uns
schon mehr als halb gerahten; aber eines erinnere ich euch / dz ob wir schon
allein beisammen sein würde / ihr mit mir /auch in unser Sprache / nicht anders
reden sollet / als mit einem Mannesbilde / und eures Vaters Bruder Sohne. Brela
gelobete solches / und baht / dass wann Alexander sich zu ihr nahete / sie nicht
weit von ihr sein wollte / dass er nicht etwa Gewalt an sie legete /und
nachgehends der Ehe vergässe. Davor lasset mich sorgen / sagete Herkuliskus; Er
ist eines ehrliebenden freien Gemühtes / und wird seine Begierden wohl in den
Schranke der billiche Zucht zu halten wissen. Die Seeräuber brachten zimlich
lange in der Stad zu / da sie eine teil ihrer geraubete Waaren zu gelde machte
/nöhtige Speisen uñ viel köstliche Weine einkauften /weil sie im Lande nit raube
durften / demnach sie im verwahreten Hafen lagen. Nach verrichtung ihrer
geschåfte ginge sie wied' zu Schiffe / und segelten gegen Osten nach Zypern zu /
da sie auf halbe Wege eines Raub Schiffes gewahr wurden / auff welchem in die
hundert wolbewehrte Griechen sich mit ihren Waffen sehen liessen. Die unsern
machten sich alsbald gute Hoffnung zur Beute / stelleten sich anfangs furchtsam
/ als wollten sie die Flucht nehmen / die ihnen durch brechung des Steuers
gehindert würde; liessen auch niemand oben auff dem Schiffe sehen / als etliche
wenige in Kauffmans Kleidung. Den Griechen gefiel das starke grosse Schiff /
merketen / dass es schwer geladen wahr / und eileten mit grosser Unsinnigkeit
auff dasselbe zu / in Meinung / es alsbald zu überwältigen / und die Beute ohn
streit zuerhalten; schrihen ihnen demnach zu / sie sollten sich ergeben / oder
alle in das Meer gestürzet werden. Diese hingegen bahten üm Gnade / wollten ihnen
alles gutwillig einliefern / wann jhnen nur Leben und Freiheit übrig bleiben
möchte; worffen auch ihre Anker aus / und legten das Schiff feste. Bald wahren
die Griechen fertig / hefteten die Schiffe zusammen / legten das Gewehr nider /
und wollten das andere besteigen; diese aber / da ihnen Zeit dauchte / drungen
wolgewapnet hervor / fielen mit aller Macht in das Griechsche Schiff / und weil
sie an Mannschaft uñ guter Ordnung ihnen viel überlegen wahren / erhielten sie
den Sieg mit leichter Mühe in kurzer Zeit / erschlugen alles was lebendig wahr /
und funden so überaus grosse Schätze an ädlen Steinen / Gold / Silber / und
köstlichen Kauffmans Waaren / dass sie einen ganzen Tag gnug hatten auszuladen;
dann es wahren diese Griechen lange Zeit ausgewesen / und hatten in den reichen
Indischen Morgenlåndern allerhand köstliche Sachen / teils durch Handelung /
teils durch Raub an sich gebracht. Als das Schiff ganz ausgeleeret wahr /
senketen sie es in den Grund / überschlugen den Reichtuhm / und funden / dass er
etliche viel Tonnen Goldes austrug /und ihr Geiz völlig ersättiget ward; wollten
demnach auff Zypern nicht fahren / daher sie sonst noch den lezten Raub zuhohlen
willens wahren / sondern gingen in das Syrische Meer / und lendeten zu Tyrus an
/woselbst sie ihr Schiff und Waaren zu Gelde macheten / ihren Knechten doppelten
Sold zahleten / und auff Gelegenheit warteten / dass sie in Sicherheit biss an den
Eufrat kommen möchten.
    Der verliebete Valikules wahr / wie oberwähnet /mit Gallus zu Schiffe
getreten / ümb sein verlohrnes Fräulein zusuchen / wusste doch nicht eigentlich
/wohin die SeeRåuber ihren Lauff genommen hatten; nur dass er seinem Got
vertrauete / welcher ihn leiten /und sein Vornehmen beglückseligen würde. Ihr
Schiff ländete in unterschiedliche Hafen Griechenlandes an /aber niemand wusste
ihnen von den SeeRäubern einige Nachricht zugeben. Als sie nun nicht weit von
Peloponnesus schiffeten / vernam Valikules / dass sie willens wåhren vorüber
zusegeln / und den Lauff gerade nach Zypern zunehme / trat zu dem Schiffherrn
und fragete / ob ihm nicht gefallen könnte / ihn in dem nåhesten Hafen bei
Korint auszusetzen / wovor er ihm gerecht sein wollte. Der Schiffherr gedachte /
er könnte daselbst vielleicht Handelung antreffen / liess sich bereden / und gegen
Zahlung XX Kronen wahr er ihm zuwillen. Er wahr dessen froh / massen er wusste /
dass die Christliche Lehre daselbst von den Bohten Gottes Paulus fest gepflanzet
/ und eine herrliche Gemeine Gottes anzutreffen währe; stieg in dem nähesten
Hafen aus / uñ begab sich mit Gallus in die Stad. Sie kehreten bei einem Wirte
ein / welcher sich gar freundlich bezeigete / und ihnen allen guten Willen
anboht / fragete auch fleissig nach woher sie kähmen /ob sie hieselbst bekant
wåhren / und was vor Gesellschaft sie mit sich gebracht håtten. Valikules
trauete ihm viel / blieb des ersten Tages zu Hause / und ruhete von der
Schiffart ungelegenheit aus. Des andern Morgens zohe er in des Wirts gegenwart
ein Kleinot auff 1500 Kronen wert hervor / und gab es Gallus zuverkauffen /
welcher bald wieder kam / und die baaren Gelder auff ihre Kammer niedersetzte.
Bald vernam er ein Getümmel auff der Steige / trat der Tühr näher /und hörete
den Wirt zu seinem Haussknecht sagen; biss lustig / Kallias / der Braten wird
hinte statlich trüpfen / wann jhm nur das Feur recht geschüret wird; ich habe
diesen Morgen gut Schmehr bei ihm gesehen / welches mir zwar entflossen ist / er
aber dessen ohn zweifel mehr bei sich haben muss; erzählete hiemit /was vor ein
köstlich Kleinot er heut früh aus seinen Kleidern hervor gezogen håtte. Der
Knecht antwortete ihm: Herr es währe immer und ewig schade / dass ein so schöner
junger Mensch sollte ermordet werde. Was schade / was schade / sagte er; was
haben wir von der Schönheit! Das Weib im Keller wahr auch nicht hesslich / und
hat doch herhalten müssen. Biss du nur fertig; ümb Mitternacht soltu gute Beute
haben / als vor nie. Gallus entsetzete sich über diesen mörderischer Anschlag /
und hatte nicht lange nachzudenken / auff wen er eigentlich gerichtet wåhre /
liess sich doch nichts merken / sondern nach des Wirts abtrit machte er sich zu
seinem Herrn / und vermeldete ihm / was er gehöret hatte / welcher nicht wenig
erschrak / nachgehends sagete: So muss ich des gemeinen Sprichworts gültigkeit
gar zeitig erfahren / dass Griechische Träue nicht weit reichet; wir wollen uns
aber nichts merken lassen / sondern Mahlzeit mit ihm halten / wie sie dann
tähten. Der Wirt wahr sehr geschäfftig / ging seinen Gästen gütlich vor / und
baht / vorlieb zunehmen / es sollte gegen Abend ein bessers erfolgen. Nach
genommenen Speisen ging Valikules mit Gallus hin und kaufte zween gute
Reitarnische / glinzend Schwarz / und mit güldenen Striemen eingelegt; auff
seinen Helm liess er einen erzörneten Lönen setzen /und in dessen Tatze ein
Schildlein mit diesen Worten; Donec invenero, non conquiescam. das ist; Ehe ich
werde wiederfinden / will ich nicht ruhen. Auff seinem Schilde stunden diese
fünff Wort mit silbernen Buchstaben / deren fünff erste Buchstaben gulden
wahren: Inops Est Solatium Virtus Simulata. Ertichtete Tugend ist ein armseliger
Trost. Hierzu kaufte er zwei trefliche Pferde zu Agrigent in Sizilien geworffen
und abgerichtet / beide schwarz und gar starkes Leibes; kehrete nachgehends
wieder in seine Herberge / und foderte von dem Wirte mit freundlichen Worten die
Rechnung / dass er wissen möchte / was er gestern und heut verzehret hätte /
wollte auch die bevorstehende Mahlzeit mit eingeschlossen haben. Dieser wollte zum
erstenmahle Bescheidenheit gebrauchen / weil er ohn das die Hoffnung hatte / in
wenig Stunden aller seiner Gelder Herr zu sein / da ihm dann Gallus auff Befehl
ein übriges zahlete / und ihm anzeigete / sein Herr håtte an einem Orte nöhtig
zuverrichten / dass man mit der Mahlzeit auff ihn nicht warten dürfte / wann er
etwa nicht zu rechter Zeit sich einstellen würde; welches ihm / als dem das
Gewissen drückete / verdächtig vorkam / uñ doch nicht dawieder reden durfte;
verdross ihn gleichwol / dass er die Rechnung nicht höher angeschlagen hatte. Im
hingehen begegnete ihm ein alter Erbarer Mann / welchen er nach freundlicher
Begrüssung baht / ihm eine gute Herberge zuzeigen / da er um sein baares Geld
zehren / und mit zwei Pferden und einem Diener Unterhalt haben könnte. Mein Herr
/antwortete dieser / ich nehme selber gerne gute Leute ein / wann ich weiss / aus
was Landes Art sie sind /und die mit vorlieb nehmen können. Und als Valikules
hierauff anzeigete / dass sie Römisch / und etliche Tage sich hieselbst
auffzuhalten bedacht währen / sagete er zu ihnen: So kehren die Herren nur
kühnlich bei mir ein / und nehmen mit andern Gästen vor gut /da es ihnen
beliebet. Führete sie selbst mit sich in sein Haus / und hiess sie wilkommen
sein. Es wahren zwölff hubsche Jünglinge alda bei einander / die in köstlichen
Kleidern auffzogen / und in Höfligkeit wohl abgerichtet wahren; Diese
verwunderten sich des fremden Gastes / und woher ein so uberaus schöner
ansehnlicher Jüngling kähme; Dass er kein gebohrner Grieche wahr / gab die Zunge
an den Tag; Dann ob er zwar die Sprache fertig und ohn Anstoss redete / nach Art
und Renligkeit der Gelehrten / so dauchte sie doch die Ausrede etwas schärffer
sein als des Landes Art mit sich brachte. Aus seinen Sitten urteileten sie bald
/ dass er nicht unter gemeinen Leuten aufferzogen wahr / wiewol seine Kleider
etwz geringer / doch ritterlich schienen; ehreten ihn auch daher nicht umb das
geringste minder. Valikules stellete sich gegen sie alle gleiche freundlich; und
gewan ihre Herzen / dass ein jeder mit ihm sprachen / und der näheste um ihn sein
wollte. Bei der Mahlzeit huben sie eine gelehrte Unterredung an / massen sie zu
Aten etliche Jahr den freien Künsten obgelegen wahren / und brachte einer diese
Frage vor: wie es die Vernunft-Geister (welche sie intelligentias nenneten)
anschlügen / wann sie die grosse Himmels Kugel umtrieben. Bald liess ein ander
hören / ob drei unterschiedliche / oder nur eine einzige Seele in des Menschen
Leibe wåhre. Ein ander stieg mit höhern Sachen auf; Worinnen des Menschen
höchstes Gut bestünde; Obs in wolzugelassener Seelen Wollust; oder in der Ehre;
oder in der Wissenschaft und Fertigkeit / oder Besitz der Tugend; oder aber im
Gebrauch der Tugend zu gründen währe; Und hatten sie von solchen Fragen ein
weitläufftiges Geplauder; Dieser foderte von seinem Gegener eine gewisse
Schlussrede; Jener brachte sie auff die Bahn /und liess sich verlauten / stünde
auff allerdinge gewissen Füssen / so dass sie unhintertrieblich währe. Valikules
sass und hörete ihrer Zänkerei geduldig zu /sah wohl / dass sie geschikter wahren
von der Tugend zu reden / als nach deren Anweisung zu leben; biss endlich der
eine ihn in seiner Streitigkeit zum Scheidsman wählete / und also anfing: Mein
Herr /ich bitte freundlich / er wolle sich belieben lassen /unsere Uneinigkeit
durch einen Vernunft-Machtspruch beizulegen / weil mir nicht zweifelt / er
darzu gnugsam gelehret sei. Mein Herr / antwortete er; hierzu befinde ich mich
nicht geschikt genug / massen ich meine Jugend in dergleichen Sachen nicht
angewendet / sondern / nachdem ich das XVIde Jahr erreichet /habe ich das Pferd
beschritten und die Waffen angelegt / auch darinnen schon zimliche Püffe
ausgehalten; jedoch währe mirs sehr leid gewesen / dass ich die Bücher sollte
unter die Bank geworffen haben / ob mir gleich viel Hindernis vorgefallen ist /
dieselbe nach willen zugebrauchen; Wann nun meine Herren leiden können / dass ich
als eine Gans unter den Schwanen /oder wie ein Sperling bei den Lerchen mit
schnattere oder zwitzere / will ich / umb die Zeit zuvertreiben /ihnen gerne zu
willen sein. Drei vorgebrachte Fragen habe ich / wo mir recht ist / angehöret;
Vorerst / auff was weise die Engel sich mit der Himmelskugel geberden / wann sie
dieselbe umzutreiben bemühet sind; Vors ander / ob der Mensch nur eine / oder
mehr Seelen habe; schliesslich / worinnen des Menschen höchstes Gut in diesem
Leben eigentlich bestehe. Betreffend die erste Frage / habe ich mich ehmahls
berichten lassen / wie mannicherlei Meinungen bei den gelehrten Himmelskündigern
hievon gefunden werden. Die so dem Pytagoras und Plato folgen / bilden ihnen
einen sonderlichen sehr anmuhtige Klang ein / welche die unterschiedliche
HimmelsRäder oder Kreisse durch ihre Bewägung anstimmen sollen; ob ihrer einer
nun diese grosse Leir jemahls habe spielen hören /stelle ich dahin / und muss
derselbe wohl rechtschaffen dünne Ohren gehabe haben. Andere / diesem durchaus
zuwider / haben vorgeben dürffen / der Himmel und die sämtliche Sternen bleiben
unbewäglich stehen / uñ lauffe hingegen die Erde mit uns geschwinde herumb /wie
man etwa einen Keusel umbdrehen möchte; deren Meinung mir gar ungereimet
vorkömt. Aristoteles tichtet etwas zierlicher; Er sah dass der Himmel oder
vielmehr die Sternen in gleichlauffender Bewägung bleiben / und ohn unterlass
sich ringsumb drehen; da kunte er ihm nun nicht einbilde / dass eine solche
Bewägung der Himmel von ihm selbst treiben sollte; stellete daher demselben eine
vernünftige Krafft neben zu / welche durch GOttes Ordnung dieses verrichten
müste. Aber O wir vermässene Menschen! warumb tichten wir etwas in Sachen / die
unser Vernunft gar zu hoch und entsessen sich? warumb leugnen wir /dass der
Himmel sich selbst bewägen sollte / als ob dem allmächtigen Gott unmöglich währe
/ ihm solche Kraft uñ Art einzugiessen? Muss darumb einer stehen und wälzen den
Himmel umb / weil Aristoteles nicht glåuben kann / dass Gott durch ein einziges
Wortsprechen ihm solches zugebieten hat? Aber ich möchte nur gerne wissen /
warumb ein ander / und nicht Gott selbst den Himmel umtreibe? fürchtet man sich
etwa /es gebe zu grosse Mühe? das sind elende kindische Gedanken; Oder stehet es
der Göttlichen Hocheit besser an / dass er hierzu seine Diener halte? Ey dieses
ganze Rund und alles was drinnen schwebet und lebet / dienet ihm ja. So müssen
wir auch von Gott nicht solche nichtige Einbildungen fassen / als schlage er
Hand an / und arbeite uns Menschen gleich; Nein O nein! sondern mit einem Winke
kann er alles verrichten was er will; Und trauet mir / meine Herren / wann Gott
nur språche: Himel und Erden sollen einen zierlichen Tanz mit einander halten /
und das Meer darzu auffspielen / müste solches alsbald geschehen / so gar muss
alles der Allmacht Gottes gehorsam sein. Warumb soll ich dann einen Engel tichten
ohn Noht / da mir weder Gott / noch die Vernunft / noch die Sinne denselben
zeigen? Alles was mir nun Aristoteles hieselbst einwirft / kann ich mit
schlechter Mühe auflösen / als lange er mir denselben nicht zeigen kann / welchen
er dem Himmel als einen stäten Umtreiber durch eitele Spitzfindigkeiten
angebannet hat. Fraget aber einer / woher Aristoteles der hochgelehrte Mann in
dieser Vernunftfrage so gröblich geirret; gebe ich ihm zur Antwort: Seines
Irtuhms Ursach ist die Unwissenheit von Gott und dessen Wirkungen. Er gedachte;
gleich wie ein König in seinem Reiche die mannicherlei Geschåffte durch
unterschiedliche Bedieneten verrichten muss / also auch Gott dort oben im Himmel.
Aber hätte er sich nur besonnen / was Gottes Allmacht heisset und vermag / würde
er solche Umtreib-Geister nicht vor eine Nohtwendigkeit erachtet haben; dann
Gott vor sich allein ist genug darzu / dass Himmel / Erde / Meer und alles in
seinem Wesen /Bewägung / und Eigenschaften erhalten werde / und bedarff darzu
ganz keines Gehülffen. So sage ich nun; Die Sonne / der Monde / die Sternen alle
mit einander halten ihren Lauff in gewisser masse und unfehlbarem Schritte /
weil es Gott also haben will / und derselbe ihnen dieses eingepflantzet hat /
gleich wie die Bäume von sich selbst müssen zu ihrer Zeit grünen / blühen /und
Früchte bringen. Aber ich halte mich in dieser Frage gar zu lange auff / und
berühre mit wenigen /was des Menschen Seele sei; ist sie schlecht oder dreifach?
Zwar die unterschiedlichen Wirkungen zeigen überflüssig an / dass ihre Kräffte
mannicherlei sind; dann eine andere Krafft ist / wodurch ich lebe und wachse;
eine andere / wodurch ich fühle / sehe uñ höre; eine andere / wodurch ich
verstehe / uñ von eine dinge Urtel abfassen kann. Dieses wird mir nit bald einer
leugne; Ob aber dieses drei unterschiedliche Seele / od' drei unterschiedliche
kråfte einer einige Seele in mir wirken / warum zanken wir darüber so eiferig?
lasset uns vielmehr zusehen und fleiss anwenden / dz wir diese Kräfte recht /
nämlich zu Gottes Lob uñ Ehren / auch zu unsers Näheste Besserung uñ unser
selbst eigenen Erbauung gebrauchen / dann haben wir die rechte Weissheit schon
ergriffen. Zwar ich kann wohl leiden / dass ein und ander davon so lange
katzebalget als er will; wann er aber sich so müde geplaudert hat / dass ihm der
Odem stehen bleibet / was hat er mehr davon / er wird nicht umb ein Haar besser
dadurch. Die lezte Frage gefält mir noch am besten /dann deren Erkenntnis lehret
mich / was Tugend oder Schande / gut oder böse / erbar oder lasterhaft ist. Nun
habe ich eines jedweden Meinung vielleicht nicht recht eingenommen / und
deswegen mir keine Urtel darüber anmasse; jedoch meine Gedanken davon zu
eröffnen / spreche ich / dass freilich die ehrliche Seelenwollust ein treffliches
Gut sei / als welche nirgends sein kann / wo nicht die Tugend die Herschaft
führet; aber sie dünket mich mehr der Glükseligkeit Begleiterin / als die
Glükseligkeit selber sein; massen ein Tugendhafter ihm die Wollust nicht zum
Ziel stecket / sondern ein tugendhaftes Leben und Wandel / welches diese
Wollust ohn das schon geben wird / als die Gott zu dem ende der Glükseligkeit
zugeordnet hat / dass sie uns reizen soll / dem guten desto hitziger
nachzustreben. Sehet; die Messung der Speisen / ist wegen des LeibesErhaltung /
und hat unser Gott solcher Niessung deswegen eine angenehme Wollust beigefüget /
dass wir dadurch gereitzet werden / unsere Leiber durch Speisen zuerhalten; nicht
/dz wir umb dieser Wollust zugeniessen / essen oder trincken sollten. Dass aber
die blosse Besitzung der Tugend / da nämlich einer weiss uñ gelernet hat gutes zu
tuhn / noch die grösseste glückseligkeit nit sei /möchte ein Kind urteilen;
massen auch der Schlaffende solches bei ihm hat / aber im Schlaffe der wahre
Glükseligkeit nit geniesse mag. Bleibet demnach eins vor alles / dz die
zeitliche oder weltliche Glükseligkeit in der übung und gebrauch der Tugend
bestehe /uñ niemand seliger möge geschätzet werden / als wann er von den Lastern
abgesondert / sich der herrliche Tugend befleissiget / und nach derselben sein
Leben anstellet. Hier håtte ich nun wohl von einer weitbesseren Glükseligkeit zu
reden / welche einem Menschen in dieser Welt kann zu teile werden / und durch
welche er zu der künftigen ewigen und himlischen Glükseligkeit befodert wird;
weil aber ich damit meinen Herren und lieben Freunden nur möchte verdrisslich
sein / und ohn dass anlezt keine gute einfälle habe / meinen Reden eine
Zierligkeit anzubringen / bitte ich sehr / so wohl ins gemein / als einen jede
insonderheit / mir meine Kühnheit uñ grobe Einfalt freundlich zuverzeihen. Die
ganze Gesellschaft zeigete an / sein Gespräch währe ihnen sehr angenehm gewesen
/ mochten wünschen / dass sie Gelegenheit hätten / von dergleichen Fragen sich
oft mit ihm zu bereden / weil sie gar eine andere Art der Auflösung und
Beantwortung bei ihm merketen / als in ihren Schuelen üblich währe. Nach
endigung dieses / machete Gallus draussen mit dem Wirt bessere Kundschaft
/bezeichnete ihm ihre vorige Herberge und fragete nach desselben wirts
Gelegenheit. Dieser antwortete ihm; es währe vor wenig Jahren dass vornemste
Wirtshauss gewesen / aber eine Zeit her hätte man dem guten Manne etwas
nachgeredet / dessen er verhoffentlich unschuldig währe; nicht destoweniger
tähte es ihm nicht geringen Schaden / und wollte fast niemand bei ihm einkehren.
Herr Wirt / sagte Gallus / ich halte euch vor einen Bidermann / und hoffe / da
ich euch etwas vertraue / werdet ihr mich nicht in Unglück bringen; mag euch also
nicht bergen / dass ich heut diesen Morgen angehöret / wie derselbe Wirt mit
seinem Knechte anlegte / meinen Herren diese Nacht zuermorden; vernam auch so
viel / dass sie noch eine erschlagene Frau im Keller liegen håtten; wollet
deswegen redliche Leute vor dieser Herberge warnen helffen. Der Wirt erschrak
dessen höchlich / und erinnerte ihn / ob er irgend aus alter Feindschaft ihm
solches nachredete; Und als er vernam / dass er vor diesem ihn niemahls gesehen
noch ichtwas von ihm gehöret hätte / baht er ihn / solches niemand mehr
zuvertrauen; suchte auch Gelegenheit von ihm zu gehen / weil solche Taht zu
verschweigen wieder sein Gewissen lieff /nachdem er ein Rahtsverwanter wahr;
machte sich demnach / ungeachtet es schon gegen den Abend ging / nach dem
Rahtsmeister / ihm anzeigend / was er gehöret hatte. Derselbe sendete als bald
etliche seines Mittels zu dem träulosen Wirte / mit begehren / er möchte dem
Raht seinen Keller auff wenige Zeit verheuren / sie wollten etliche Weine dahin
legen / welche in kurzer frist sollten weiter fortgeschiffet werden. Dieser
wegerte sich / den Keller zu öffnen / weil er ihn / seinem vorgeben nach / schon
an etliche Kauffleute vermietet / und Gelder darauff empfangen hätte. Nachdem
aber diese der Gemeinen Stad vorzug ihm vorhielten / kunte er sich länger nicht
wegern / und baht sie / nur ein wenig zuverzihen / biss er ihn durch seinen
Haussknecht hätte aussräumen lassen; Und weil diese Aussflucht auch nicht helffen
wollte / ging er nach dem Hintergebäu / vorgebend / den Schlüssel zu hohlen; da
ihm zween gleich auff dem Fusse nachfolgeten / und inzwischen der dritte einen
Schlösser gleich gegen über wohnend herein rieff / den Keller zu öffnen; ging
mit seinem Gefärten hinein / und funden eines nacket aussgezogenen Weibes
Leichnam / traten bald wieder heraus / und liessen die Bewehrete / so haussen
auffwarteten herein ruffen / folgeten dem Wirt / der in nachsuchung der
unverlohrnen Schlüssel noch bemühet wahr / und sageten; es wåhre ihnen eilig /
und weil die Schlüssel verlegt / möchte er seinem Haussknecht ruffen / dass
derselbe ihnen in der Nachbarschaft einen andern Keller verhörete. Dieser ward
dessen froh / liess seinen Kallias bald kommen /und erzeigete sich frölich; aber
die Gewapneten traten zu ihm / und redete der Vornehmste von den Abgeordenten
ihn also an: Akusilaus / ihr müsst euch samt eurem Knecht der Obrigkeit stellen
/ nachdem man mit euch etlicher Sachen halber zu reden hat / die sehr wichtig
sind. Dieser fühlete sein nagendes Gewissen /stellete sich doch geherzt / nur
dass er zuwissen begehrete / was man mit ihm so spät und eilig wollte /und was
solche Gewapnete Schaar zu bedeuten hätte; warum man ihm nicht nach Stad
Gebrauch einen Rahtsdiener geschikt / und ihn als einen Burger / welcher
allemahl sich gehorsam bezeiget / aufffodern lassen? Dieser beantwortete es mit
wenigem; er würde dessen alles vor dem gemeinen Raht gnugsame Ursachen
zuvernehmen haben; worauff er ganz vewågen mit ging / und sich nicht dran
kehrete / dass sein Knecht gefangen geführet / und in den Turm geleget ward. So
bald er vor den Raht trat / grüssete er sie nicht sonderlich / stund und schwieg
stille / umb zuvernehmen was man ihm vortragen würde; da der Rahtsmeister ihn
freundlich anredete / sich über so spåter Vorfoderung nicht zu verwundern / und
nur ein kurzes zu beiten / biss noch ein oder ander sich einstellen würde / so
der Beredung mit beiwohnen müste; worauff er zur Antwort gab; es nehme ihn
höchst wunder / dass man ihm das Verwundern über solcher ungewöhnlichen
gewaltsamen Vorfoderung noch verbieten wollte; ja dass man überdass noch seinen
Knecht gefänglich hinweg schleppete / ehe man ihm als dessen Herren einige
Ursach anzeigete; doch müste er solches dahin lassen gestellet sein / könnte auch
noch zur Zeit nichts dawieder vornehmen / als dass er sich durch nohtwendige
Bedingung aufs allerbeste verwahrete. Bald ward das ermordete Weib mit Tüchern
bedecket / ihm vor die Füsse gelegt / welche der Rahtsmeister zuentblössen
befahl / und zu Akusilaus sagete; Guter Freund / ihr habt euch nicht so hoch zu
beschweren / noch wieder eurer Obrigkeit Vornehmen euch gross zubedingen /
sondern sehet diesen Stummen und Blinden an / welcher ob er gleich kein Wort
mehr zu machen weiss / klaget er euch doch auff Leib und Leben an. Dieser
stellete sich ganz fremde /wüste nit / was dieses Schauspiel bedeutete / dass man
todte Leichnam daher schleppete; ob er sich mit todten zanken sollte oder könnte:
Aber der Richter redete ihm härter zu; er sollte das erschlagene Weibsbild etwas
eigentlicher betrachten / die aus seinem Keller daher getragen würde / wovon er
ja billich rede und Antwort geben müste. Dieser hielt sich noch / als wollte er
vor verwunderung aus der Haut fahren; da jener fortfuhr in seiner rede; es währe
umsonst / dergleichen blinde auffzüge zumachen / und viel besser /die Warheit zu
bekeñen: Und was wollet ihr viel leugne / sagte er; dieser Diener gegenwårtig
bringt bericht ein / dass euer Knecht die mördliche Taht schon gutwillig
bekennet hat; wird euch demnach viel zuträglicher sein / Gnade zu bitten / als
die Richter zuverbittern. Was höre ich / ihr meine Herren / sagte dieser; sollte
mein Kallias wohl einen solchen schändlichen Mord begangen haben? Ich habe ja
dergleichen Bosheit noch nie an ihm gespüret; bedachte sich ein wenig / und
sagte weiter; doch ich dürffte schier in den Argwohn gerahten / massen ich mich
erinnere /dass vor wenig Tagen ich ein frembdes Weib beherberget / von welcher
mein Knecht vorgab / wie sie des folgenden Tages sehr früh / ehe ich
auffgestanden /davon gezogen / lind ihm das verzehrete Geld zugestellet håtte /
welches er mir auch geliefert hat; fuhr darauff fort; es möchten die Herren
fleissig nachforschen / und wann sein Knecht gemordet / sollte man ihn nur
geschwinde am Leben straffen / wann man ihn nur aus solchem Laster-Spiele
liesse; Er hätte von Jugend auff sich aller Tugend und auffrichtigkeit
befliessen / wie ihm dessen die ganze Stad würde Zeugnis geben müssen; bähte
demnach / ihn des Argwohns zuerlassen / viel weniger zugläuben / da etwa über
verhoffen sein Knecht zum doppelten Schelm werden / und wañ er schuldig wåhre /
ihn als einen Mitschuldigen aus Hoffnung gelinderer Straffe angeben würde. Die
Rahtsherren hiessen ihn darauff einen Abtrit nehmen / verwunderten sich über des
listigen Fuchses Bosheit / und beschlossen / ihn in eine ehrliche Gefängnis
zulegen; biss man ihm den Mord besser überbringen könnte. Ward auch der Knecht
aber eins befraget / welcher dann beständig dabei verblieb / dass sein Herr den
Todschlag mit eigener Faust verrichtet /nachdem er sie vorher mit hoher
Bedräuung zu seinem schnöden Willen genöhtiget / und ihr bald darauff solchen
Lohn gegeben; Sie hätte am Gelde und Kleinoten einen guten Vorraht bei sich
gehabt / welches er alles zu sich genommen / uñ ihm jhre Kleider samt XXX Kronen
davon gegeben håtte; gestund über das auch / dass er den Anschlag über Valikules
gemacht /wie es Gallus seinem andern Wirte erzählet hatte; welcher nach solcher
Befragung bei spätem Abend wieder nach Hause ging / seine Gäste noch beisammen
fand / und bei dem Schlafftrunke mit ihnen allerhand Unterredung pflegete / da
er auff die Bosheit etlicher Wirte zureden kam / und ihnen anzeigete / was
gestalt gleich diesen Abend ein Wirt eingezogen währe / dem schuld gegeben würde
/ als hätte er ein fremdes / ohn zweifel vornehmes Weib nach angelegter
Schändung auff dem Bette ermordet / deren Leichnam man auch in seinem Keller
gefunden håtte / und würde darauff das Recht zur abscheuhlichen Straffe billich
ergehen müssen. Valikules erschrak der Rede /und sagte zu ihm: Herr Amyntas (so
hiess dieser Wirt) vielleicht ist es mein gewesener Hauswirt / von dem ich solche
übeltaht durch sonderliche Schickung Gottes erfahren / uñ ümb deswillen diese
Herberge verlassen habe. Ja mein Herr / antwortete er / eben derselbe ist es;
will aber durchaus nicht gestehen / dass er einige Wissenschaft davon habe /
sondern legt es alles auff seinen Knecht / dafern die Taht wahr sein sollte. Ich
danke meinem Gott / sagte er / welcher mich diese Nacht so Våterlich behütet hat
/ da ich über meine Gewonheit fest geschlaffen / und bitte denselben / er wolle
diesem Sünder seine übeltaht vergeben / ungeachtet er schon den Anschlag gemacht
hatte /mich diese instehende Nacht zuerwürgen / wie mein Diener angehöret.
Amyntas wahr ein Christ / wiewol nach Nikodemischer Art / heimlich / damit er
seines Ehrenstandes nicht entsetzet würde / merkete auch aus Valikules Reden /
dass er kein Heide wahr / welches besser zuerfahren / er zu ihm sagete: Mein
Herr; wollte Gott / dass alle Menschen also gesinnet währen / ihren Beleidigern
und Feinden so gerne und leicht zuverzeihen; aber nicht alle Gesez lehren uns
diese Tugend /und da sie es gleich lehreten / stecket doch der Nachdruk nicht
dahinter / dass sie in uns den Gehorsam wirken möchten. Valikules verstund seine
Christliche Rede bald / und gab ihm zur Antwort; Er hätte recht geredet / wollte
auch daher Ursach nehmen / bessere Kundschaft mit ihm zumachen. Ein ädler
Jüngling aus Sizilien sass jhm am nähesten / und fragete ihn /ob er vielleicht
eben der Ursachen hie währe / welche sie nach Elis zureisen auffgemahnet hätte;
dem er antwortete; jhm währe jhrer Reise Ursach allerdinge unbewust; seine
betreffend / hätte er jhm vorgenommen /das hochbeschrihene Griechenland in etwas
zu besehen / und nachgehends seinen Weg weiters vorzunehmen / welcher weit uber
Meer und Land ginge; dafern es jhnen aber nicht zu wieder / bähte er / jhm
zumelden / warumb eine so ansehnliche Gesellschaft ädler Jünglinge sich hie
beieinander hielten. Dieser sah jhn an / und lächelte / sagte bald darauff: Er
hielte nicht / dass die Ursach ihrer Gegenwart jemand dieses Orts unwissend sein
könnte. Ja antwortete er / solches kann wohl sein; mir aber der ich gestern dieser
örter erst angelanget bin / und Griechenland sonsten nie gesehen habe / wird
solche Unwissenheit wohl können verzihen werden. Warumb nicht? sagte dieser;
berichtete ihn darauff / es wurden über acht Tage / die Olympischen Spiele
hochfeirlich gehalten / auff welchen sie sich zu üben willens wåhren. Nun hatte
Valikules von diesen Spielen viel gelesen / und wahr froh / dass er denen
zuzusehen Gelegenheit bekam; baht demnach /da es ihnen nicht zuwieder / jhn mit
in jhre Gesellschaft zunehmen; und ob er gleich als ein Spieler sich dabei finden
zulassen nicht geübet wåhre / håtte er doch Lust / einen Zuseher zugeben;
welches sie jhm dann gerne bewilligten / und zur Nachtruhe freundlich
voneinander schieden. Des folgenden Morgens sehr früh / foderte Valikules den
Wirt zu sich / und gab ihm zuvernehmen / wie er aus gestrigem Gespräch
verstanden / dass er des Christlichen Glaubens nicht unberichtet währe; bähte
daher / jhm anzudeute / wo /uñ zu welcher Zeit die Christliche Versamlung zum
Gottesdienste angestellet würde / weil er solche zubesuche willens wåhre.
Amyntas hatte sein auffrichtiges Herz schon gespüret / wölte sich deswegen vor
jhm nicht verbergen / sondern bekennete / er währe ein Christ / wiewol heimlich;
und da es jhm gefiele /könnte er gleich jezt mit jhm gehen / eine Christliche
Predigt anzuhören. Er wahr dessen sehr froh / gingen miteinander / und traff er
eine grosse Gemeine an /welche den Gottesdienst in herzlicher Andacht
verrichteten. Er hörete der Predigt fleissig zu / und blieb bei dem Gottesdienst
/ biss das heilige Abendmahl sollte gehalten werden / ging hernach zu dem
Christlichen Lehrer / gab jhm 50 Kronen / unter die Armen auszuteilen / und baht
/ dass man seiner im gemeinen Gebeht wollte eingedenke sein / dass ihm Gott
beistehen möchte / ein Weibsbild seines Geblütes von den Räubern entführet /
wieder zuerlösen; mit dem Versprechen / dafern er solches von Gott würde
erhalten /sollte die Christliche Kirche zu Korint von jhm so viel belegte
Barschaft haben / davon jährlich 3000 Kronen Zinse / zur unterhaltung der
Lehrer und Armen könnte gehoben werden. Der Lehrer bedankete sich sehr / beides
wegen des empfangenen und versprochenen / und sagte zu jhm: Christlicher
Jüngling /eure Andacht bei dem heutigen Gottesdienste / ist mir nicht verborgen
gewesen / wodurch ihr euer Herz dem allerhöchsten Gott in wahrem Glauben und
rechtschaffenem Gehorsam geopfert habet; jetzo aber lasset jhr euren lebendigen
Glauben durch grosse Almosen / deren wir alhie ungewohnet sind / vor den
Menschen erscheinen / wodurch euer Vater im Himmel gepreiset wird / welcher euer
unvergånglicher Lohn /und kräftiger Schild sein will. Unser Gebeht soll euer nicht
vergessen / ob uns gleich euer Stand und nahme unbekant ist. Mein Nahme /
antwortete er / ist anjetzo Valikules / sonst in Vertrauen gesagt / bin ich
Fürsten Standes / uñ durch sonderliche Gnade zum Christentuhm bekehret / worüber
meine Eltern mich enterbet; dessen ich doch wenig achte / und vielmehr es vor
einen Gewinn rechne / weil ichs umb meines Herrn Christus willen leide; wollet
mir demnach verzeihen / dass ich mich nicht allerdinge offenbahre. Der Lehrer
wünschete jhm Beständigkeit im Glauben /und Gottes gnädigen Beistand / mit
Verheissung / es würde der Sohn Gottes jhm ohn allen Zweifel in jenem Reiche
hundertfältig vergelten / dass er ümb seines Nahmens willen ein irdisches
Fürstentuhm hindansetzete / und seinen Heiland über Vater uñ Mutter liebete; die
Christliche Gemeine hier / und in anderen ümliegenden Orten sollten ihn in allen
Versamlungen /auch die verlohrne Fürstin / in das gemeine Gebeht gerne und
willig einschliessen. Nach getahner Danksagung vor solches erbieten / nam
Valikules abscheid / und ging mit seinem Wirte nach Hause / da derselbe bald
darauff von seinen Miterren zu Rahtause gefodert ward / woselbst er zween
grosse ansehnliche Ritter fand / welche bei dem Raht ümb Gehör anhielten; Und
als sie vorgelassen wurde / redete der Ansehnlichste / und brachte vor / wie sie
gestern bei spätem Abend hieselbst zu Korint angelanget währen / unter andern
Befreundeten / ihren nähesten Blutverwanten und Mutter Bruder / Herrn Akusilaus
zu besuchen /vernähmen aber mit Schmerzen / dass derselbe einer Mordtaht
fålschlich angegeben wåhre / die sein Hausknecht / ihm unwissend / aus anderer
eingeben und getrieb möchte begangen haben. Nun währen sie Ritter / uñ keine
Zungendröscher / könten demnach nicht viel Zänkerei machen / aber mit dem / was
sie an der Seite führeten / wollten sie behäupten / dass jhr Vetter unbillich und
mit höchster Unwarheit angeklaget währe. Der Raht achtete ihr anbringen nicht
gross /antwortete: Sie möchten jhre Ritterschaft und gutes Herz ausbieten und
anwenden da es gelten wollte / so gut sie immer könten / und jhnen rechtswegen
frei stünde; sie ihres teils würden als eine bestalte Obrigkeit sich durch ihre
Schwerter gar nicht abschrecken lassen / Recht und Gerechtigkeit zuhandhaben; So
wåhre jhr Anverwanter von keinem eigentlich angegeben / sondern die himlische
Rache hätte seine Bosheit an den Tag gelegt / und währe die erschlagene Frau
ohngefehr in seinem Keller gefunden; auch håtte man grosse Muhtmassung aus des
Knechts freiwilliger Bekäntnis / dass er Wissenschaft darumb trüge. Der ander
Ritter fing an; es möchten die Herren wohl zusehen / was sie tähten / dann er
hätte gute Nachricht /dass in jhres Vettern Hause zween fremde Kerle eingekehret
/ deren einer ein rötliches Haar / der ander ein zartes Angesicht gehabt / und
noch jung von Jahren gewesen / auff deren Anreizung håtte der Knecht das Weib
erschlagen / welches er beweisen wollte / wann er nur erfahren könnte / in was
Herberge dieselbe anzutreffen währe; massen er wüste / dass sie sich noch in
dieser Ringmaur befünden. Amyntas stund im Rahte auff / und baht ümb
Vergünstigung / einen Abtrit zunehmen / weil er zu Hause etwas nöhtiges
zuverrichten / aus der acht gelassen / wollte sich bald wieder einstellen. Ging
hin und erzählete Gallus dieses alles /welcher es seinem Herrn hinterbrachte in
Beisein der Griechischen Jünglinge. Der verwunderte sich nun höchlich über
solche Lügen / liess den Wirt herein fodern / und als derselbe jhm solches aufs
neue erzählet hatte / sagte er ihm Dank; kehrete sich zu der anwesenden
Gesellschaft / und baht sie / mit jhm vor den Raht zutreten / ümb seine Zeugen zu
sein / dessen /was er mit diesen ehrendiebisschen Verleumdern und falschen
Rittern handeln würde. Sie gingen miteinander fort / und zeigete Amyntas dem
Raht an / dass die beiden fremden / deren diese Ritter meldung getahn /verhande
währen / und / ümb gehöret zuwerden /fleissig anhielten. Sie wurden durch den
Rahtsdiener bald vorgefodert / und folgeten die Griechischen Jünglinge mit
hinein; da Valikules nach freundlicher Begrüssung also redete: Hochweise /
ansehnliche Herren; jch / Nahmens Valikules / ein Römischer Ritter / neben
gegenwärtigen meinen Diener Gallus / bin vorgestern ümb den Mittag bei dem
gefangenen Akusilaus zur Herberge eingekehret / und haben wir beide sonst keinen
Menschen bei uns gehabt / auch niemand fremdes / weder Mannes noch Weibesbilder
in der Herberge angetroffen / wie solches alles der mitgefangene Knecht uñ das
andere Gesinde werden bezeugen müssen; als ich nun meinte / ich währe bei einem
ehrlichen Manne / und in guter Sicherheit / so hat zu meinem sonderlichen Glücke
dieser mein Diener ohngefehr angehöret / wie dass gestern derselbe mein Wirt mit
seinem Knechte einen gefährlichen Anschlag auff mein Leben gemacht / mich in
folgender Nacht zuerwürgen / damit er der Kleinot / deren er bei mir vermuhten
wahr / habhaft werden möchte. Zwar ich habe davon gar kein Wesen machen wolle
/sondern es Gott befohlen / bin auch deswege nach geschehener übrigen Bezahlung
in ein ander Wirtshaus eingekehret. Ich vernehme aber mit höchster Verwunderung
/ dass ein und ander sich soll finden lassen /und mir als Uhrhebern einen
begangenen Mord zumässen dürfen. Nun könnte ich diese schändliche Lüge und
ehrendiebische Verleumdung mit unbewåglichen Gründen gar leicht hintertreiben /
uñ solche mutwillige Lästerer schamroht mache; nachgehends bei der Obrigkeit es
treiben / dass sie mit eben der Straffe beleget werden müsten / welche sie mir
zuzurichten bedacht und bemühet sind; weil ich aber vernehme / dass dieselben so
stark auf jhr Faustrecht pochen / und ihres Seiten Gewehrs sich getrösten / bin
ich bereit /meine Unschuld nach Ritters-art zuverfechten / und des gerechten
Gottes seiner Urtel gerne zuerwarten. Der ganze Raht sah ihn starre an / kunten
sich seiner Schöne / Höfligkeit und unerschrockenen Herzens nicht gnung
verwundern / und befahlen den beiden Klägern / ihre zuvor angebrachte
Beschuldigung in des Beklagten gegenwart zuwiederhohlen / uñ mit gebührlichem
rechtmässigem Beweisstuhm sich gefasset zuhalten; wie sie dessen sich anerbohten
hätten. Der erste Ritter aber gab mit hochmühtigen Geberden zur Antwort: Weil
dieser Knabe (so nennete er Valikules) die Klage albereit wüste währe die
Wiederhohlung unnöhtig / vielweniger ein wortreicher Beweisstuhm nachdem sich
dieser ohn das lieber dem Ritter- als Henker-Schwerte zur Straffe untergeben
wollte / welches ein unhintertreiblicher Beweisstuhm währe / dass er öffentlich
gestünde / den Tod verdienet zu haben; nur währe ihm sehr leid / und fast
schimpflich / dass ers / so zu rechnen mit einem Kinde sollte zutun haben / und
währe wohl zu frieden / dass er seinen Diener zu Hülffe nähme / der ihm den Schild
vorwerffen könnte / dafern er so beherzt währe / morgen früh auff dem Platze
zuerscheinen / da das Gericht sollte gehalten werden / woselbst sich bald
ausfündig machen würde wer die Warheit oder Lügen geredet hätte. Der versamlete
Raht wollte sich darzwischen legen / uñ Valikules vom Kampffe abmahnen / weil sie
nit zweifelten / er würde ohn das seine Unschuld mit gnugsamen Gründen behäupten
können; Er aber antwortete: Er währe ein Ritter / und könnte diese ehrenrührige
Beschuldigung des Mords nicht auff sich ersitzen lassen; langwieriges Rechten
gäbe seiner Reise Eilfertigkeit auch nicht zu; und dass er vor ein Kind / und vor
einen Knaben von diesem hochmuhtigen Verleumder und Ehren Diebe gehalten würde /
müste er dahin lassen gestellet sein / wollte nicht desto weniger lieber mit
ihnen beiden zugleich den Kampf antreten / als vor einen Mörder sich ausruffen
lassen; bähte daher instendig / ein Hochweiser Raht wollte ohn fernere weigerung
ihnen des Kampfes Freiheit gönnen / welches ihm als einem Römischen Bürger und
Freien Ritter ohn das nicht könnte gehindert werden; Dieses alles brachte er mit
so ernstlicher Rede vor / dass alle anwesende es wunder nam; wiewol es den beiden
Klägern mächtig verdross / dass er sie so verächtlich hielt / und so kühnlich
ausschalt; daher sagete der ältere / Nahmens Demetrius mit einem Gelächter: es
meinte dieser Knabe etwa / man würde mit Stecken oder Bradwürsten fechten /
welche zuverschlucken er vielleicht möchte gelehret sein; Aber er antwortete ohn
Bewägung: man müste unbendigen Zungen übersehen / biss es Zeit währe sie zu
hemmen / dann er hätte in dieser seiner Jugend schon die Erfahrung / dass eine
ruhmrätige Zunge allemahl von einem feigen Herzen angetrieben würde; Worüber
diese beide sich dergestalt entrüsteten / dass sie auff der Rahtstuben sich
schier an ihm vergriffen hätten / da ihnen solches nicht bei Leibesstraffe währe
verbohten worden. Der Rahtsmeister suchte nochmahls / unsern Valikules von dem
Kampffe abzumahnen / aber als er merkete /dass alles vergebens und umsonst wahr /
gönneten sie ihm endlich seine Freiheit / welches er mit höflichem Dank annam /
und seine Kläger erinnerte / sich gegen Morgen früh zum tähtlichen Beweisstuhm
ihrer Schandlügen gefasset zu halten; Welches sie vor Eifer nicht beantworten
kunten / sich auch nicht anders als wahnwitze Untihre bezeigeten / dass ihnen der
Geifer zum Maule ausfloss. Amyntas und alle seine Gäste waren sehr leidig wegen
der getahnen Ausfoderung; auch Gallus selbst bekümmerte sich dermassen / dass er
weder essen noch trinken wollte / dann er hatte seinen Herrn noch nie kämpften
gesehen; welcher ihm geboht / er sollte schaffen / dass sein Harnisch auff
bestimmete Zeit zum Kampffe fertig währe; erzeigete sich sonst den ganzen Tag
durch immerzu frölich / als wüste er nichts von dem morgenden Kampffe; und wann
die Gesellschaft dessen Erwähnung taht / und wegen der künftigen Gefahr sich
leidig bezeigete /baht er sie / nicht daran zugedenken / wanns ihnen sonst
einige Bekümmernis machete: ja er vermahnete sie / gutes muhts zu sein / und
sagete: Man müste nicht allein von der Tugend reden und sinreiche Gespräch
führen / sondern sich auch befleissigen / sie Zeit der Noht in rechtschaffene
übung zu bringen /und der wirklichen Glükseligkeit beizeiten einen Anfang zu
machen; so hätte ers biss daher gehalten / und wie jung er währe / schon
mannichen harten Streit mit angesehen / auch wohl gute Stösse mit nach Hause
getragen. Einer von der Gesellschaft antwortete darauff; es währe zwar alles
sehr wohl und weisslich geredet; jedoch müste man die Herzhaftigkeit allemal der
Vernunft zur Einzäum- und Beherschung unterwerffen /und nichts über Vermögen
oder Alters Kräffte vornehmen / damit dieselbe nicht über die Schnuhr hiebe /
die Tugend-art verlöhre / und in eine verwägene Kühnheit verwandelt würde /
welches er doch auff ihn nit wollte geredet haben. Mein Freund Urteilet recht und
wohl / antwortete er; und ist freilich dieses die rechte Klugheit und Vernunft /
dass unsere Handelungen in der Mittelwage bleiben / so dass sie weder nach der
Linken / nach dem Mangel; noch nach der Rechten / das ist / nach der übermasse
aussschlagen; nicht desto weniger aber muss unser ehrlicher Nahme und guter Leumut
uns lieber als das Leben sein / und wird niemand die Schranken der Tugendhaften
Kühn- und Herzhaftigkeit überschreiten / wann er sein Blut zur verteidigung
seiner Redligkeit vorsichtig anwendet /da er dann eben nicht seinen
Leibeskräfften oder seiner Erfahrenheit / sondern vielmehr seiner guten Sache /
am meisten aber dem gerechten Gott vertrauen muss / welcher die Stolzen und
Gewalttähter stürzet /und dagegen die Demühtigen und Nohtleidenden kräfftiget
und erhält. Mein Herr / gab ihm ein ander zur Antwort; es müssen die gütigen
Götter demselben Menschen höchst gewogen sein / welchen sie so frühzeitig in
diese Tugendschuele schicken / in welcher mein Herr aufferzogen und unterrichtet
ist / wo selbst er nicht allein die Erkäntnis / sondern zugleich die Erfahrung
uñ fertigkeit tugendhaft zu handeln bekomen hat. Meine Erfahrung / sagte
Valikules ist viel geringer / als dass sie einiges Lobes wert währe / aber damit
ich die Erfahrung mir durch mañiche Ubung zuwege bringen möge / muss ich deren
keine verseume /welche ich ohn verletzung meiner Ehre nicht unterlassen kann;
aber auch fleissig zusehen / dass ich nicht Ursach zum Streit und Kampff suche /
weil solchen Blutgierigen und Zanksüchtigen der Almächtige Gott seinen Beistand
enttzeuhet / und sie anlauffen lässet /dass sie fallen müssen ehe sie recht
stehen. Sie brachten diesen Tag mit solchen Gesprächen zu / dass diese Jünglinge
ausdrücklich bekenneten / aller ihrer Lehrmeister Unterweisung zur Tugend / währe
lauter Wasser gegen dieses jungen Ritters köstlichsten Wein /von welchem sie
stärckere anreizungen zum guten anhöreten / als ihre Lehrer selbst noch nicht
begriffen hätten. Des folgenden Tages wapnete sich Valikules nach seinem Willen
/ sah selber zu dz sein Hengst recht gesattelt ward / und ritte in begleitung
aller Jünglinge hinaus / da Gallus instendig bei ihm anhielt / er möchte ihm den
Kampff wieder diese starke hochmuhtige Ritter gönnen; er ihm aber anzeigete /dass
/ weil seiner eigenen Bekäntnis nach / er in solchen Streiten ungeübt währe /
könnte er ihn nicht so leicht in die Schänze schlagen. Als er auff den Kampffplaz
kam / traff er keinen von seinen Wiedersachern an / erwartete ihrer aber ganz
freudig mit auffgeschlagenem Helme. Die ganze Stad hatte in erfahrung bracht /
dass ein frischer Jüngling mit zween starken Rittern umb Leib und Leben kämpffen
würde / lieffen demnach gross und klein hinaus / dem Streite zuzusehen. Der Raht
hatte eine Schaubühne auffschlagen lassen / darauff sie stiegen / und nachdem
die beiden Ritter gebrüdere auff grossen Pferden erschienen / teilten die
Richter des Kampffes ihnen Wind und Sonne gleich / und gaben ihnen die Macht zu
treffen / weil sie sahen / dass Valikules nicht nachlassen wollte / sondern sich
auff seine Römische Freiheit berieff. Darauff sendeten die hochmuhtigen Ritter
einen Diener an ihn / uñ liessen fragen / wem unter ihnen er die Ehre des Sieges
am liebsten gönnen wollte / wie schlecht auch dieselbe währe / die man an Kindern
erlangete / dess wollten sie ihm die Wahl geben /weil sie sich selbst nicht wohl
darüber vergleichen könten. Der gefangene Akusilaus wahr auff seiner beiden
Oheime heftiges anhalten unter starker Huht mit heraus gelassen / welcher dann
mit solcher Frecheit zusah / dass er öffentlich rieff / dass / wo einer von
seinen Oheimen unterliegen würde / wollte er sich selbst vor schuldig anklagen
und über sich Straffe fodern; Valikules aber erzürnete sich über der Ritter
schimpflichen Worten dergestalt / dass er überlaut zur Antwort gab; packe dich
bald und sage den schlimmen Tropfen / es sei mir eben eins / ob ihrer einer
allein / oder sie alle beide mir zugleich begegnen; und fürchten sie ihrer Haut
/ so nehmen sie nur den dritten auch zu sich; welche Aussfoderung ihm alle
Anwesende vor einen Wahnwiz ausslegeten. Er aber schloss den Helm zu / und
tummelte sein Pferd sehr art- und freidig / biss er sah / dass der Jüngere /
nahmens Dionysius sich zum Treffen schickete; da begegnete er demselben mit
solcher Krafft / dass er ihm den Arm durchbohrete / und ihn als einen Strohwisch
aus dem Sattel warff / dass er alle viere von sich streckete. Sein Bruder
erschrack des Falles / da hingegen die Zuseher ein fröliches Geschrei ergehen
liessen / dessen doch Valikules wenig achtete / sondern kehrete bald umb / und
winckete diesem / dass er auch treffen sollte; der sich dann zwar bemühete seines
Bruders Unfal zu rächen /aber da sie mit den Speeren aneinander gerieten / traff
ihn Valikules wieder die Brust / dass er ein lautes Geschrei gehen liess und mit
samt dem Pferde übern hauffen fiel. Da hätte man ein Frolocken der Zuseher hören
sollen; die Götter könten weder Unrecht noch Frevel dulden / und würden die
Unschuld bald an den Tag bringen. Valikules sah dz der erste sich auff die
Füsse gemacht / und der andere noch unter dem Pferde zappelte / rennete mit
verhengetem Zügel zu jenem hin / sprang herunter auff die Erde / und in dem er
zu ihm trat / sagete er; du frecher Tropf / wirstu dich noch weiter umb dass
erste Treffen zweien / oder sihestu schier / dass dein Leben in meiner Hand
stehet? doch ich will dirs so lange schenken / biss ich sehe /wie du das trotzige
Schwert zugebrauchen gelernet hast; damit führete er so gewaltige Hiebe gegen
ihn /dass er gar früh Blutrustig ward; liess ihn deswegen stehen / ging zu dem
andern / riss ihn unter dem Pferde los / und sagte; auff du lange Schläffer und
erwähre dich des Kindes / welchen dein Bruder schon vor keinen Knaben mehr hält.
Dieser schämete sich so heftig / dass ihm das Blut vor die Augen schoss /
stellete sich zwar zur Gegenwehr / aber die Blut-zeiche erschienen bald an ihm /
und trieb ihn Valikules ohn auffhören / dass er gar Atem-less ward / rieff auch
dem andern herzu und sagte; wie lässestu deinen Bruder so im stiche / da ich
euch doch beide zugleich aussgefodert habe? Dieser sah seines Bruders Noht /und
wollte ihn nicht länger darinnen stecken lassen /weil es ihm frei gestellet war;
aber da Valikules zween Feinde über den Hals bekam / die sich trauen äusserst
bemühete / ihr Leben teuer gnug zuverkäuffen / wañ sie es nicht retten könnte /
wuchs ihm nur sein gutes Herz dadurch / verdoppelte seine Streiche / und schlug
in kurzer Zeit dem ältern das Häupt von der Schulter hinweg / dz es ihm zun
Füssen fiel; trat hernach dem and'n ein / reiss ihm Schwert und Schild aus den
Fäusten / und warff ihn wider die Erde / da er ihm den Tod dräuete / wo er
seines Vettern Mord nicht bekennen / und seine ertichtete Lügen wiederruffen
würde. Dieser baht / er möchte nur bald mit ihm verfahren / sintemahl er in
solcher Schande nicht länger zuleben begehrete. Aber er antwortete ihm: O nein
/so kömst du Verleumder nicht davon / sondern du must öffentlich meine Unschuld
bekennen / oder mit der Folter darzu gezwungen werden. Dieser fürchtete sich vor
solcher Dräuung / und bekennete willig / dass er solches bloss seinen Vettern
zuretten / aus dessen Eingeben vorgeschützet hätte. Indem nun Valikules die
umstehende baht / ihm dessen Zeugnis zugeben /ergreiff dieser seines Bruders
Schwert / und meinte unsern Held an den Beinen zu verletzen / dann es hatte
sich dieser Meuchelmörder auff die Knie gerichtet / jener aber weich ihm aus mit
einem Sprunge / trat bald wieder ein / und stiess ihm das Schwert durch die
Gurgel / da er sagete: Ich merke wohl / dass du eines långern Lebens unwirdig bist
/ welches ich dir sonst wohl gegönnet hätte / und wird Zeit sein / dass der
löbliche Ritterstand von einem so unwirdigen Buben befreit werde. Zog hernach
seinen Helm ab / legete das Schwerd und den Schild nider / trat vor die Bühne
/und redete mit heller und leichter Stimme / als ob er sich durchaus nicht
bemühet hätte: Hochweise Herren / sagte er / ich bedanke mich gegen dieselben
samt und sonders / dass auff mein Anhalten sie mir diesen Platz gegönnet / meine
Unschuld zuverfechten / und die Bosheit meiner Verleumder an den Tag zubringen /
damit ich meinen Ehren alhie zu Korint keinen Schandfleck anschmitzen lasse /
welche ich bisher /ohn Ruhm zumelden / vor übeltahten bewahret / aber auch vor
unbefugten Feinden geschützet habe. Solte ich nun bei meinen Herren mich meiner
Kühnheit gebrauchen dürffen / an dieselben etwas zugesinnen / so ist meine
fleissige Vorbitte / dieselben wollen den beiden armen Sündern Akusilaus und
seinem Knechte so viel Gnade erzeigen / und da sie ihre übeltaht erkennen werden
/ ihnen den gelindeste Tod antuhn /von welchem sie durch kein Recht werden
können lossgesprochen werden. Der Raht trat auff der Schau Bühne zusammen / unter
welcher Zeit Akusilaus zu guten Gedanken greiff / seine begangene Mordtaht
öffentlich bekennete / und mit einem wehmühtigen Fussfalle umb Gnade baht; da der
Rahtsmeister unserm Valikules mit entblössetem Häupte antwortete: Trefflicher
Ritter / wir alle mit einander müssen bekennen /dass bei Menschen Gedenken eine
solche Heldentaht zu Korint und in ganz Griechenland nicht begangen ist /
welche wir so hoch schätzen / dass wir unsern Augen kaum trauen dürffen. Eure Ehr
/ ädler Ritter /wird vor dergleichen Lästerer wohl ungekränket bleiben / welche
zuerheben wir nicht unterlassen sollen. Betreffend die Gefangenen / müssen sie
euer kräfftigen Vorbitte geniessen / wie wenig sie es auch umb euch verdienet
haben / und da ihnen sonst die Kreuzigung erkennet wahr / sollen sie mit dem
Schwerte begnadet werden. Valikules bedankete sich der hohen Gewogenheit / und
verpflichtete sich zu ihren Diensten / nam sein Schwert und Schild zu sich / und
schwänkete sich in vollem Harnische so ringfertig auff sein Pferd / dass die
Zuseher sprachen: es währe des Ritters gleichen in aller Welt nicht zufinden.
Gleich da er auffgestiegen wahr / ersah er unter den Umstehenden einen
ansehnlichen Mann / welchen er aus seinen Geberden vor einen Christen hielt /
wie er auch wahr; denselben baht er / die beiden Pferde der Erschlagenen zu sich
zunehmen / sie zu verkauffen /und das Geld unter die Armen auszuteilen / welcher
/wegen der Armut dankend / ihm solches verhiess. Seines Sieges aber freuete sich
niemand so herzlich / als sein ergebener Gallus / welcher nunmehr sah / was vor
einem Herrn er aufwartete. Die Jünglinge kahmen auch zu jhm geritten /
wünscheten jhm des erhaltenen treflichen Sieges wegen Glük / und verbunden sich
/jhm willig zudienen. Valikules gebrauchete sich seiner gewöhnlichen
Freundligkeit gegen sie / baht ümb jhre gute Gewogenheit / und verpflichtete
sich nach Vermögen zu jhrem guten Wille. Nach jhrem Abzuge erging alsbald das
Gerichte über die armen Sünder /da der Knecht Kallias sich anfangs vor die
Begnadung bedankete / und anzeigete / er hätte nie den Willen gehabt / solche
Mordtaht zubegehen / aber sein Herr / dem es die Götter vergeben möchten / hätte
jhn mit Gewalt und durch Bedräuung darzu gezwungen /dass er hätte müssen mit Hand
anlegen / und jhm an die zwanzig fremde Gäste helffen ümbringen. Die Rahtsherren
entsetzeten sich über solcher Bekåntnis /und wahr jhnen die erteilete
Begnadigung schon leid /welche sie doch Valikules zu Ehren nicht wieder
auffruffen wollten / ward also dieser zu erst hingerichtet. Akusilaus gestund
dessen Bekäntnis / baht sehr / dass die erteilete Gnade in jhrer Kraft verbleiben
möchte /und fing zu der ümstehenden Bürgerschaft diese Rede an: Ihr Bürger von
Korint / die jhr zugegen / und abwesend seid / wendet eure Augen her auf mich /
und stellet euch den boshaften mörderischen Wirt Akusilaus vor zum Beispiel /
dass jhr nicht dermahleins /wie er / des Henkers Schwert / als eine sonderliche
Gnade euch selbst bitten dürfet. Die erste Grund Ursach aller meiner begangenen
Bosheit ist / Hoffart /Wollust / und Faulheit; Meine Güter hatte ich in der
Jugend verprasset / welche meine Eltern durch Mühe und Schweiss / ja auch wohl
durch Betrug und Vervorteilung zusammen getrieben hatten / damit ich
Lebensmittel haben möchte; jch wahr des Wollebens gewohnet / und hatte nichts
gelernet wodurch ich mein Brod gewiñen mögen; so wahr ich auch guter Tage
begierig / hatte aber den Beutel ausgeleeret / und wollte doch nicht Mangel
leiden / daher suchte ich eine Räuber-Gesellschaft / fand sie auch in dieser Stad
an etlichen meines gleichen / und erhielt mich eine Zeitlang durch solche
Untugend; endlich gedauchte mich diese Hantihrung zu grosse Gefahr auff sich
haben /brachte auch nicht allemahl so viel ein als ich mir wohl Hoffnung gemacht
hatte / deswegen zog ich mich davon abe / und ward ein Gastwirt / nirgends
anders ümb / als dass ich nicht mehr dürffte nach dem Raube ausgehen / sondern
fremde Gäste mir denselben ins Haus bringe möchte. Dieses hat mir etliche Jahr
geglücket / aber endlich sind meine Haus Götter solcher Untaht müde worden / und
haben mich in dieser meiner Bosheit an das Tage-Liecht hergestellet. So sehet
nun auff mich / Junge und Alte / damit jhr nicht mit mir vor der Welt zu Spot
und Schanden werdet. Ihr Jungen / lernet beizeiten etwas redliches / daher ihr
euch ernähren könnet / und gewähnet euch nicht zum Müssiggange. Ihr Alten
verzehret nicht mehr als jhr erwerbet / und lasset euch genügen an der Notturft.
Ich weiss wohl das es meines gleichen unterschiedliche in Korint gibt / so wohl
nach meiner lezten als ersten Betreibung / und möchte wünschen / dass sie alle
hie bei mir stünden den Lohn zuempfahen / damit die Stad von solchem Unflaht
gesaubert würde; weil solches aber ein vergeblicher Wunsch ist / hoffe ich
dannoch durch diese meine Vermahnung etliche von solcher Bosheit abzuzihen / und
an meines Lebens Ende dem lieben Vaterlande einen guten Dienst zutuhn /vor die
mir anjezt erzeigete Gnade. Das erschlagene fromme Weib liegt mir gewaltig auff
der Seele / dann ich habe sie anfangs ümb die Ehre / hernach ümbs Leben gebracht
/ und hat sie mir es geweissaget / der almächtige Gott / der sie ümb jhrer Sünde
willen in diese Noht gerahten lassen / würde meine Ubeltaht in kurzer frist an
den Tag bringen / so dass mein eigen Maul mich verrahten würde; welches ich auch
halte geschehen sein / und Herr Amyntas leicht erfahren kann. Ich sage nochmahl /
dass dieser Mord mir das Herz gewaltig drücke; aber mein lezter noch vielmehr /
welcher dreifach ist; dann wer kann es leugnen / dass ich nicht sollte diese meine
beiden Oheimbe / und diesen meinen frommen Knecht Kallias ermordet haben. Ich
ich bin eine Ursach jhres Todes; jene beiden habe ich durch meine Lügen
verleitet; diesen habe ich gezwungen übel zutuhn / dagegen er mich von anfang
her geträulich von solcher Bosheit abgerahten / mir auch Mittel vorgeschlagen
hat / wodurch ich mich ehrlich ernähren möchte; weil ich aber nicht habe folge
leisten wollen / so trit her du Henker und erteile mir den Lohn / welchen ich
doch vor die höchste Gnade erkeñe / so Zeit meines Lebens mir wiederfahren ist /
dann ich habe über die 50 Menschen teils selbst ermordet / teils Raht und Taht
darzu geleget. Wie es nach dem tode meiner armen Seele ergehen werde / muss ich
gewärtig sein / und wann alle von mir ermordete sich an mir rächen wollten / wie
ich fürchten muss / werde ich des Leidens so viel finden /dass mir die Haar davor
zu Berge stehen. Hiemit endigte er / setzete sich auff die Knie / und liess sich
einer Spanne kürzer machen. Amyntas ging nach gehaltenem Gericht nach Hause /
und erzählete seinen Gästen allen Verlauff; worüber Valikules seuffzete /und zur
Antwort gab: O weh o weh dieser armen Seele des verzweiffelten Akusilaus! er hat
sich vor die Seelen der von ihm erschlagenen gefürchtet / welche ihn wohl
ungepeiniget lassen werden / aber der Gerechte Gott / mit welchem ihm das fromme
/ ohn zweifel Christliche Gottselige Weib gedräuet / hat ihm andere Peiniger /
die bösen Teuffel in der Helle zugegeben /welche ihm grössere Angst werden
zubereiten / als Menschen Verstand nicht ergründen / und keine Zunge ausssprechen
kann. Des folgenden Tages bereiteten sich die Jünglinge zu der Reise nach der
Stad Eliss / weil die Olympischen Spiele in derselben gegend gehalten wurden.
Diese sind mit unter den ältesten ritterlichen Ubungen / deren bei den
Geschichtschreibern meldung geschihet. Pelops / des Phrygischen Königes Tantalus
Sohn / hat sie dem Jupiter Olympius zu ehren gewidmet / im Jahr nach erschaffung
der Welt 2634 / da Ehud die Kinder Israel richtete; vor König Davids herschung
256 Jahr; vor zerstörung der Stad Troja 133 Jahr; vor erbauung der Stad Rom 564
Jahr; vor Christus unsers Heilandes Geburt 1314 Jahr. Und als sie mit der Zeit
in abgang kahmen / erneuerten sie die Gebrüder Atreus und Tyestes / zum
ehrengedächtnis des ersten Stifters Pelops / nachdem sie vor 95 Jahren den
ersten Anfang genommen hatten. Uber 19 Jahr hernach ersetzete und bestätigte sie
der Griechische Herkules Alkmenen Sohn / abermahl / wie vor ihm Atreus; sie
fielen aber wieder / biss endlich im 427sten Jahr nach Herkules (wahr das andere
Jahr nach Romulus Geburt) Iphitus sie dem Herkules zu ehren wieder anrichtete /
von welcher Zeit her sie in steter Ubung geblieben sind. Sie wurden aber
allezeit nach verlauff vier ganzer Jahr gehalten / und zähleten die Griechen
ihre Zeit nach diesen Spielen in ihren Geschicht Büchern. Dasselbe / welches vor
dissmahl sollte gehalten werden / wahr von Iphitus her zurechnen / das 251ste
Olympische Spiel. Die versamleten Jünglinge ehrete unsern Valikules auff der
Reise nach vermögen / und hielten bei ihm an / dass er bei den Spielübunge sich
mit finden lassen möchte; welches aber wieder sein Gewissen und Glauben lieff
/massen er wusste / dass es den Heidnischen Götzen zu ehren angefangen wahr;
entschuldigte sich demnach höfflich / einwendend / er währe in solchen Spielen
nicht unterrichtet / hätte auch derselben teils wenig /teils gar nicht versuchet
/ daher wollte er diesen Platz denen gerne gönnen / welche hoffeten daselbst Ehre
zuerwerben; jedoch wegerte er sich nit / die Zeit des Feiers über / alda
zuverbleiben / und der Lust zuzusehen / dann er vorlängst gewünschet hätte / des
Spiels eigenliche Erkäntnis zu haben. Auff der Reise nach Elis sties ihnen
nichts sonderliches zu / ohn als sie etwa noch anderhalb Meile dahin hatten /
begegneten ihnen vier geharnischte Ritter / welche Valikules / ihn so zart und
jung in seinem Harnische reiten sehend /mit höhnischen Worten zu Rede setzeten /
wer ihn so kühn gemacht hätte / dass er einen Ritter Harnisch anlegen dürffen /
und nicht / wie die andern Jünglinge in seinen Kleidern ritte. Denen er zur
Antwort gab: Er hätte noch bisher seine Waffen mit Ehren getragen /vermeinte
auch nicht / dass einiger Mensch in der Welt lebete / welcher Ansprach
darzuhätte; und kähme ihm zumahl fremde vor / dass sie ihn als einen unbekanten
dergestalt auff freier Landstrasse rechtfertigten. Diese macheten sich näher zu
ihm / und sageten mit spöttischer Rede: Sie wollten ihm die schwere Rüstung
abnehmen / dass er nicht drinnen erstickete. Als auch einer ihm nach dem Helme
griff / ihm denselben abzulösen / traff er ihn mit dem Schilde dergestalt vor
das Maul / dass ihm die Zähne knirreten / und das Blut aus den Lippen hervor
floss; ergriff darauff sein Speer von Gallus / und fragete sie / ob sie Ritter
oder Räuber währen; und da sie ihn keiner Antwort wirdigten / setzete er sich
ins Feld / und rieff ihnen zu; dafern sie ihm wegen des angelegten Schimpffs nit
wollten abtrag machen / sollten sie sich vor ihm hüten. Diese hatten ihre Speer
von den Dienern auch schon zur Hand genommen / und nach kurzem Zank / welcher
unter ihnen den ersten Angriff tuhn sollte / machte sich der dritte in der
Ordnung hervor / traff mit Valikules / und ward von ihm dergestalt auff die Erde
gesetzet / dass er im Falle das linke Bein entzwei brach. Der andere solches
sehend / erschrak über seines nahen Anverwanten Unfall / und wollte ihn rächen;
aber Valikules / der sein Speer annoch unzerbrochen hatte / begegnete ihm mit
grossem Eifer / traff ihn auch so unsauber / dass ihm das Speereisen zur Helffte
in den Leib ging / und er tödlich verwundet in den Sand stürzete. Als die beiden
übrigen solches sahen /wahr ihnen das zittern nicht weit / sonderlich dem
/welcher die erste Maulschelle davon getragen / und sich im Häupte nicht gar wohl
befand / setzeten deswegen zusammen / und wollten auff Valikules zurennen
/welches Gallus zuverhindern bedacht wahr / und sich mit einmischen wollte /
bekam aber von seinem Herrn Befehl / er sollte sich an nichts kehren / und ging
derselbe nach zubrochenem Speer mit entblössetem Degen ihnen entgegen / hütete
sich auch / dass sie beide fehl stechen mussten / hingegen traff er den blutigen
im vorüberhauen auf die rechte Schulder / dass derselbe Arm biss auff den Knochen
abgehauen ward /und er selbst aus Ohmacht niderstürzete. Den lezten ermahnete er
/ sich zuergeben / oder des Todes zuerwarten. Weil nun derselbe der
wehrhafteste unter allen wahr / dauchte ihn die Bedingung zu herbe / zog von
Leder / und erwehrete sich seiner Haut nach Vermögen / bekam aber nach kurzem
Gefechte etliche tieffe Wunden / welche ihm an fernerer Gegenwehr hinderlich
wahren / dessen Valikules doch nichts achtete / sondern ohn aufhören ihm so
gedrange taht /dass er endlich suchete auszureissen / währe auch schier
entwischet / wann nicht sein Pferd unter ihm gestrauchelt hätte / dass er drüber
gar absatteln musste /da ihm Valikules so nahe auf der Haube wahr / dass er ihm
den linken Arm fast gar vom Leibe ablösete / und der Verwundete mit einem harten
Geschrei niderstürzete. Also lagen diese vier freche Trotzer im Felde /als
währen sie mit der Schleuder dahin geworffen /und kunte ihrer keiner / weder
sich selbst / noch den andern helffen / da dann Valikules sich weiter nicht an
sie kehren wollte / sondern seine Gesellschaft / welche XXXI Mann stark wahr /
freundlich baht / sie möchten auff den fall / da es nöhtig sein würde / ihm das
Zeugnis geben / dass er aus Noht gezwungen währe / diesen Kampff anzugehen /
dessen er viellieber hätte wollen geübriget sein. Diese alle hatten sein
Gefechte mit höchster Verwunderung angesehen /wünscheten ihm Glük zu seinem
heldtähtigen Siege /und verfluchten den übermuht der nidergelegeten Ritter /
ermahneten jhn zugleich / sie vollends hinzurichten / damit sie nicht schier
heut oder morgen ihm mördlich nachstelleten; er aber gab zur Antwort: währen sie
des Lebens wirdig / wollte ers ihnen gönnen /wo nicht / würde ihnen Gottes hand
schon den Tod zuschicken / und zogen darauf ihres Weges fort. Nach verlauf einer
guten halben Stunde stiessen ihnen drei andere Ritter auff / welche frageten /
ob ihnen nicht vier Ritter mit so viel reitenden Dienern begegnet währen;
Valikules antwortete freundlich: Ja / sie währen ihnen unlängst begegnet / und
da es ihne nit zuwider / möchten sie ihm unbeschweret anzeigen / was sie ihnen
wollten. Es sind vier hochmühtige Trotzer /antwortete der eine / und haben mir
einen solchen Schimpff bewiesen / welchen ich mit diesen meinen Gehülffen suche
zu rächen. Dieser Rache wird mein Herr nicht bedürffen / sagte Valikules /
massen ich ihm darinnen zuvor kommen müssen / nachdem sie mir als einem
unwirdigen meine Waffen abnehmen wollen. Was vor Hülffe hat dann mein Herr
gehabt? fragete der vorige. Währen meine Herren so viel zeitiger kommen /
antwortete er / hätte deren Beistandes ich mich höchlich zuerfreuen gehabt /
weil ich aber gar allein in diesem Kampf gewesen / habe ich dem lieben Gott und
meiner guten Sache trauen müssen /da mein Speer mich an den beiden ersten / und
mein Schwert mich an den beiden lezten gerochen / dass sie übel verwundet und
zubrochen im Sande liegen blieben sind / wo sonst ihre Diener sie nit in
Gewahrsam führen. Die ganze Gesellschaft bezeugete / dass es also ergangen währe;
Worauff dieser zu Valikules sagete: Gott nehme euch / tapfferer Ritter in seinen
Schuz / und müssen diese sehr glückselige und tugendhafte Eltern sein / welche
einen solchen Held an diese Welt gezeuget haben; Jene freche Buben aber müssen
mit dem Leben nicht davon kommen / wo ich sie sonsten noch ertappen kann /
nachdem sie mich an meiner Liebesten und an mich selbst dergestalt beleidiget
haben / dass sie mir nicht anders als mit dem Leben bezahlen können. Mein Herr /
antwortete Valikules / ich bedanke mich beides des Gottseligen Wunsches und des
unverdienten Lobes / und verpflichte mich zu seiner Freundschaft und Diensten.
Also ritten sie von einander / und renneten diese drei hin / die ihnen
bezeichnete Wahlstatt zubesehen / funden die vier Diener in voller Bemühung /
wie sie ihre hart verwundete Herren fortbringen möchten / welche in grossen
Schmerzen lagen / insonderheit der ander /so mit dem Speer im Leibe verwundet
wahr / als welcher schon mit dem Tode rang. Die drei Ritter jächeten alle Diener
/ dz sie mit blutigen Köpfen das Hasen-panier auffwurffen / macheten sich
hernach zu den Verwundeten / und fragete sie der Beleidigte: was vor ein
redlicher Zuchtmeister hat euch verlogenen gottlosen Schelmen den schändlichen
Hochmuht und Frevel so statlich eingetrieben. O verzeihet uns / mein Herr /
antwortete der zum ersten mahl verwundete / so wir euch heut und eure
versprochene Liebste beleidiget haben / wovor wir dann Abtrag zumachen uns
willig anerbieten / uñ erbarmet euch über uns / die wir von zehn Rittern
ungewarnet überfallen und schelmischer weise also zugerichtet sind. O du
verwägener Lügener / antwortete dieser; kanstu noch nicht auffhören
grosszusprechen / dass du dich über zehne beklagest / und ein einziger junger
Ritter euch nach Verdienst geputzet hat / welchen du noch vor einen Schelmen
ausruffen darffst / da er gezwungen hat müssen eine Noht wehre tuhn. Jedoch
hättestu gestriges Tages samt deinen Gesellen dich an meiner Beschimpffung
begnügen lassen / und der ehrlichen ädlen Jungfer geschonet / wollte in diesem
euren Elende ich euch Hülffe zubeweisen / mich nicht wegern /aber der Geistliche
und Jungfern schändet / ist beides des Ritterordens und des Lebens unwirdig.
Hiess darauff seinen Diener absteigen und die Rache volstrecken / welcher ihnen
allen die Gurgel abstach / und sie also liegen liess. Die eigentliche Ursach /
dass dieser Ritter so eiferig verfuhr / wahr diese: Es reisete derselbe auff
jenseit Elis gar allein / so dass er seine verlobete Braut eine Hochädle
Tugendhafte und schöne Jungfer neben sich auff einem Zelter führete / da er
seine beiden Diener voraus nach der Stad hatte reiten lassen / ihm gute Herberge
auszurichten. Diese vier Freveler begegneten ihm in einem lustigen Walde /und
gebohten der Jungfer / ihre Angesichts Verhüllung hinweg zu tuhn / und sehen zu
lassen / ob dann ihre Haut so zart währe / dass sie vor der Sonnen Hitze müste
verdecket werden; Ihr Bräutigam vermahnete sie / sich aller Tähtligkeit und
Beschimpffung zuentalten / und ehrliebende Jungfern ihres Weges reiten zu
lassen; aber ehe er sichs versah /macheten sich drei über ihn her / nahmen ihm
Schild / Schwert und Helm / warffen ihn vom Pferde / und bunden ihm Hände und
Füsse fest zusammen. Der vierde hatte sich inzwische an die Jungfer gemacht /sie
vom Zelter vor sich auff sein Pferd gezogen / das Angesicht ihr entblösset / und
als er sie so zart und schön sah / sich ungebührlich gnug gegen sie bezeiget;
weil sie dann sich sträubete / und ein heftiges Geschrei trieb / naheten die
andern auch herzu / rissen ihr alle ihre Kleider biss auffs Hemde vom Leibe
/legeten sie auff die Erde / und stäupeten sie mit frischen Ruhten / dass das
Blut begunte hernach zufolgen / hernach schleppeten sie dieselbe fest gebunden
samt dem Ritter ins Gehölze / und ritten der Stad zu. Nach ihrem Abschiede
wirkete sich der Ritter los /entband seine Liebste desgleichen / und dankete
nebest ihr den frommen Gott / dass ihre Ehre noch unverletzet blieben wahr /
funden ihre zerrissene Kleider am Wege / in welche sie sich verhüllete so best
sie kunte / traffen ihre Pferde auch im Gehölze grasend an / denen die Zügel
abgestreiffet wahren / die sie auch wieder funden / sich beritten macheten und
nach der Stad zueileten. Ihre beide Diener däuchte ihr aussenbleiben lange sein
/ ritten nach bestelleter Herberge ihnen entgegen / und erfuhren / wie es ihnen
ergangen wahr; worauff sie anzeigeten / dass sie solche vier Ritter hätten sehe
zur Stad Elis einreiten. Also bemühete sich nun der Beleidigte nach Hülffe /
traff zween bekannte Ritter an / denen er den Schimpff klagete /und sie zum
Beistand vermochte / da er dann die Rache / wie zuvor gemeldet / vollstreckete.
Valikules ritte inzwischen mit seiner Gesellschaft fort / und als sie zu Elis
ankahmen / mussten sie sich in unterschiedliche Herbergen verteilen / weil sie
mehrenteils schon bezogen wahren. Die Blume der Griechischen Ritterschaft wahr
hieselbst versamlet / welche dem Spiele teils als Einverleibete / teils als
Zuseher beizuwohnen bedacht wahren. Es gingen aber daselbst mannicherlei übungen
vor; Etliche hielten einen Wette-lauff /welches nicht unlieblich zu sehen wahr;
Andere befliessen sich die weitesten Sprünge zu tuhn. Dort wollte einer dem
andern mit dem jähen Stein- und eisern Ballenwurff überlegen sein. Hie traten
unterschiedliche Kämpffer / wie sie das Los gefüget hatte /mit Schwertern; dort
mit Streitkolben zusammen / und teilten gute Püffe aus. Etliche wollten mit
Ringen sonderlichen Preis erwerben; andere rungen und fochten zugleich / die man
Pankratisten nennete / weil sie alle Kräffte anwendeten / die sie hervor
zusuchen wussten. Und diese übungen geschahen alle zu fusse /welche dann ihre
gewisse Tage hatten. Nachgehends sah man das Rennespiel anstellen / da man
teils mit zwei / teils mit vier vorgespanneten Pferden den Wagen nicht allein
schleunig fortzurollen / sondern auch artig zu wenden fleiss anlegete. Es funden
sich über das Reuter / die den Pferde den Zügel schiessen /und sie mit
möglichster Schnelligkeit dem gestekten Zweg zulauffen liessen. Nach welchen
Leibesübungen / andere ihrer Zungen Beredsamkeit hören zulassen aufftraten /
welches Valikules dann insonderheit wolgefiel / weil ihn dauchte / er hätte aus
dieser übung dissmahl den besten Nutzen gehabt. Der Preis / welcher den
Uberwindern ausgeteilet ward / wahr weder Silber noch Gold / noch einiges
Kleinot / sondern nur ein Kranz von grunen Oelzweigen / eines sonderlich darzu
gewidmeten Baumes / dessen Blätter viel anders / als der andern Oelbäume /
gestaltet waren; welche Vergeltung ihres wolverhaltens sie höher als allen
Reichtuhm schätzeten / und ward des Siegers Nahme in ein Gedächtnis-Buch
eingeschrieben / und ihm auch wohl eine Ehren Seule auffgerichtet. Nach
geendigten Spieltagen / wahr Valikules willens / sich auff die Reise zugeben /
und sagete zu Gallus: Was rahtet ihr? gehen wir zu Lande nach Bisanz fort / oder
setzen wir uns zu Korint auff ein Schiff / und fahren alsbald den Morgenländern
zu? Gallus antwortete: Mein Gn. Herr hat meines Rahts hierin nicht von nöhten;
doch meine unvorgreiffliche Meinung währe /dass wir über Meer gingen / weil die
Reisen zu Lande viel und mannicherlei Verhinderungen geben können / und ein
Ritter oft Anfall hat / wie solches Eure Gn. diese kurze Zeit her schon zur
gnüge erfahren. Eben dieses / sagte Valikules / liegt mir auch im Kopffe /und
sehe ich / dass die Rittersleute hier zu Lande ihnen die Freiheit suchen / fremde
zubeschimpfen /deswegen ich mich noch heut erklären werde / was ich tuhn will. Es
lag aber ein vornehmer Griechischer Herr / Nahmens Parmenio mit ihm in einer
Herberge /welcher in des Persischen GrossFürsten Artaxerxes Kriegsbestallung war
/ von dem er grosse Gelder gehobe hatte / etliche Geschwader Griechisch
Kriegsvolk zuwerben. Mit diesem währe er zwar sehr gerne fortgezogen / merkete
aber an ihm eine sonderliche Ungewogenheit / und hatte albereit unterschiedliche
Stachelreden bei der Mahlzeit von ihm eingefressen; doch / Ungelegenheit
zuverhüten / sie allemahl neben sich hinstreichen lassen / weil er nicht mit
Nahmen genennet wahr. Dieser Parmenio wahr sonst ein sehr verwågener handfester
Ritter / und wolversuchter KriegsObrister / aber überaus ruhmrätig und stolz
/der sich von seinen Dienern mehr als Fürstlich auffwarten und ehren liess / und
wahr übel zu frieden / dass ihm von Valikules / seiner Meinung nach / nicht Ehre
gnug angetahn ward / welcher ihm doch mehr Höffligkeit erzeigete als er schuldig
wahr / ohn / dass er ihn nicht seinen Gn. Herren nennete / noch ihm nach Willen
redete / weil sein Gemüht viel zu ädel wahr /einem Tugendlosen Menschen
zuschmeicheln. Als sie dieses Tages sich zu Tische setzeten / nam Parmenio
seiner Gewonheit nach / ohn einige nöhtigung die Oberstelle ein / durffte auch
die andern anfodern / wie sie sitzen sollten. Es wahr ein ansehnlicher
Rahtsverwanter / von Aten mit am Tische / dem gefiel Valikules sitsames Leben
sehr wohl / trachtete auch allemahl / ihm am nähesten zu sitzen / und durch
vielfältiges fragen / gab er ihm oft Ursach zu antworten / welches er doch
allemahl mit kurzen Worten taht. Parmenio führete stets das grosse Wort über
Tische / und suchte allerhand Gelegenheit / ihn zubeschimpffen / welches er
merkend / sich fleissig vorsah / dass er seinen Willen nit füglich zu werke
richten kunte; endlich fing jener eine Rede an von der jetzigen Jugend
verwägener Kühn- und Grobheit / wie dieselben alte und hocherfahrne Leute wenig
ehreten; meinten / ihr glatter Schnabel und unbärtiges Maul dürffte sich so wohl
hören lassen / als andere; uñ währe nunmehr so weit komen / dass wann einer den
Sattel beschreiten / und in ein Stük Harnisch sich verstecken lassen könnte / er
alsbald in den Ritterstand wollte auffgenommen sein / welchen er entweder mit
Gelde /oder unzüchtiger Freundschaft erlangete / und könnte mannicher zum feinen
Manne und guten Landsknecht gedeien / wañ er der Jahre erwartete; weil man aber
so zart und jung sich unter die scharffen Schwerter wagete / würde ihnen das
gelbe Haar darüber also gestrählet / dass sie vor grauen befreit / sterben
müsten / ehe sie recht angefangen zu leben. Niemand wahr über Tische / der nicht
handgreiflich merkete /dass Valikules damit gestochen wahr / der sich doch nicht
anders stellete / als ging: es ihn im wenigsten nicht an / und deswegen mit
seinem Beisitzer von Aten immerfort redete. Parmenio legete ihm solches vor
eine blöde Furcht aus / sah auch / dass keiner von den Anwesenden sich daran
kehrete / sondern durch stille schweigen und ernstaftiges Gesicht merken
liessen / dass sie an seinen Reden gar keinen gefallen trugen; und dannoch wollte
er nicht ablassen / sondern redete Valikules an / und sagete; junger Herr / von
wañen seid ihr? Dieser sah ihn zwar nicht saur / jedoch ernstaftig an / und
sagete: Mein Herr / ich bin vor weniger Zeit über Meer aus fremden Landen alhier
angelanget / umb einen guten Freund zu suchen /welcher / wie ich berichtet
worden / sich dieser örter auffhalten soll. Mein / antwortete Parmenio / ihr seid
noch jung / und dürffet euch schon über Meer wagen /uñ unbekannte Landschaften
durchzihen? fürchtet ihr euch nicht / dass ihr euch in der Fremde verlieren
möchtet? aber saget mir / da ichs wirdig bin / was vor eine Landschaft ist es /
in welcher so herzhafte und zierliche Jünglinge erzogen werden? Valikules sah
/dass er sich in die Harre mit Höfligkeit nicht würde schützen können / wollte
doch so viel möglich / über sich gehen lassen / und antwortete auff solchen
groben Spot: Mein Herr / ob ich irre ritte / müste ich des Weges bei andern
nachfragen; meine Zierligkeit betreffend / ist dieselbe gar schlecht; jedoch
bitte / wo möglich / mein zuverschonen / als der ich ihn im wenigsten nicht
beleidiget / auch sehr ungerne mit jemand unwillen haben möchte. Dieser rede
entrüstete sich jener / und sagte; feiner Herr / da ihr mein Diener währet;
müstet ihr etwas mehr Höfligkeit lernen / sonsten würde ichs euch schwerlich zu
gute hälten. Ja /antwortete er / alsdann müste ich mich freilich nach seinem
Willen schicken / wozu ich ohn dass mich erbiete / so viel ohn Nachteil und
Verkleinerung meiner Ritterlichen ehren geschehen mag. Parmenio fragete; ob er
dañ sich wegerte / ihm zu dienen. Freundschaft Dienste / antwortete er / bin
ich einem jeden schuldig / aber in Knechtschaft mich einzulassen / noch zur
Zeit nit willens. Ich bin dessen zu friede / sagte jener /dañ ich begere solches
stolzen Dieners nit. Wol dann / antwortete er / so werden wir geschiedene Leute
sein / weil ich solchen Herren noch nie gesucht habe; dass er mich aber vor einen
stolzen angibt / darinnen irret er weit. Hiemit wahr dem hochmuhtigen Freveler
viel zu nahe getreten / brüstete sich demnach wie ein Pfau / und hies ihn die
Pfeiffe einhalten / oder er müste sie ihm mit dem Prügel stopffe lassen. Welchen
Schimpf er nicht anders empfand / als ob ihm ein Schwert durchs Herz gestossen
währe; mässigte doch seinen Zorn / wegen der ansehnlichen gegenwärtigen
Gesellschaft / die er mit folgenden Worten anredete; Ihr meine Herren und werte
Freunde; ich halte ja / dass Römische Käyserl. Hocheit dieses Orts gebührlich
beobachtet werde; Und als sie solches mit Ehrerbietung bejaheten / fuhr er also
fort: Nun bin ich aber ein Römischer Ritter / und von meinem allergnädigsten
Käyser unter die höchsten Geschlechter zu Rom angenommen / darzu ädel / und
rittermässig geboren /habe auch / als lange ich das Schwert führen können /mich
fleissig gehütet / niemand vorsezlich zubeleidigen. Was mir aber diese Mahlzeit
über vor schmählicher Schimpf wiederfahren / beruffe ich mich auff meiner Herren
Zeugnis. Zwar ich hatte mir steift vorgenommen / alles vorüber gehen zulassen /
so viel immer tuhnlich währe; weil ihr aber (euch rede ich an Parmenio) weil ihr
mich als einen Sklaven mit Prügeln dräuet / ungeachtet ihr meines Standes und
Wesens ganz unberichtet seid / ich euch auch durchaus nicht beleidiget habe / so
schiebe ich alle eure aussgelassene Schmähungen in euren Busem / begehre von euch
Abtrag / und in desse Wegerung fodere ich euch aus zum Kampffe / es sei in
Kleidern oder im Harnisch; es sei zu Ross oder zu Fusse; dass ihr alsbald auff dem
Plaze erscheinet / wo diese Tage die Spiele sind gehalten worden; daselbst will
ich euer wahr nehmen / wo ihr mir sonst nicht zuvor kommet / umb zuvernehmen /
ob eure Tugend so gross als euer Hochmuht sei. Parmenio Lächelte hierüber / und
fragete ihn / obs dann sein Ernst währe; er wollte nimmer hoffen / dass er so
stränge mit ihm verfahren würde. Die Anwesende Herren bahten ihn / er möchte
diesen jungen Herren nicht so gar hönisch halten / zumahl er Römisch währe / und
sein Geld gleich andern verzehrete; es könnte ihnen dermahleins zum nachteil
gereiche / wañ sie darzu allerdinge würden stille schweige. Gallus der mit zu
Tische sass / hatte bisher noch kein Wort darzu geredet; als er aber vernam / dass
andere sich mit einmischeten / kunte er länger nicht einhalten / und sagte zu
Parmenio; höret ihr Grosssprecher / ich bin schon vor XII Jahren ein Römischer
Befehlichshaber unter einer Legion gewesen / und habe ohn Ruhm zu melden zehn
Feldschlachten beigewohnt /noch schäme ich mich nicht / diesem meinen Gn.
Herren aus freien Willen als ein Diener auffzuwarten /dem ihr dz Schwert
nachzutragen nicht wirdig seid; und wollte Gott / dass ich meinem Gn. Herren
vorgreiffen dürffte / ihr müstet mir diesen euren tolpischen Frevelmuht mit dem
Leben bezahlen / oder mir dass meine nehmen. Valikules redete ihm ein; er sollte
sich des Streits nicht annehmen / uñ würde Parmenio ihn dessen kaum wirdigen /
weil er kein Ritter währe; er selbst wollte sich schon bemühen / seine Ehre zu
handhaben. Aber Parmenio nam Gallus erbieten willig an / und sagte; er selbst
wollte ihn hiemit vor einen Ritter erkläret haben / und ihn vor einen düchtigen
Kämpffer halten / weil er sich vielmehr schämen müste / dass er sich mit einen
Unbärtigen jungen in Streit einliesse; währe ihm also lieb / dass ers mit einem
Manne sollte zu tuhn haben. Valikules nam diese Rede mit einer sonderlichen
Freimuhtigkeit auff / und sagete; Parmenio / gebrauchet euch eures
zungendröschens frei über Tische / seid ihr aber so kek /dass ihr euch auff dem
Platze finden lasset / werde ich schon euch so nahe treten / dass ihr Ursach
haben sollet beider Fäuste zugebrauchen. Dieser Rede meinte Parmenio zu bersten
/ sprang hinter dem Tische auff und sagete; weil du junger Lecker dañ nit anders
wilt / muss ich dich nach verdienst straffen; zohe gleich damit die Faust / und
wollte ihn ins Gesicht schlagen. Er aber wiche ihm aus / dass er fehl schlug / und
drüber hinter dem Tische etwas ausglitschete / dessen Valikules wahr nam / und
ihm mit der lincken Hand eine Ohrfeige reichete / dass es im Gemache erschallete
/ und diesem der rohte Schweiss aus der Nase floss /daher er sich hinter dem
Tische nicht anders geberdete als ein wilder Ochse / fassete das Messer / und
warff es ihm nach / da er schon vom Tische auffgestanden wahr / fehlete aber /
dass es nebenhin in die Stubentür fuhr; worüber er sich heftig eiferte / dass er
zu ihm sagete; Du unbehöfelter Ochse / ist dieses dein ritterliches Fechten /
dass du mit blossen Fäusten und Brodmessern umb dich schlägest und wirffest? zwar
mir stünde frei / dir dein Messer durch den Wurff wieder zuzusenden / da ich
dein gewisslich nicht fehlen wollte / aber damit in solchem mördlichen Vorhaben
ich mich dir nicht gleich stelle / soltu mir diesen Schimpff vor freier Faust
bezahlen / wo ich lebe; ging hiemit nach seiner Kammer / und liess ihm von Gallus
die Waffen anlegen / aber das Pferd beschickete er selber / damit nichts daran
versehen würde. Der Unhold tobete nach seinem Abtrit noch immerfort / und
dräuete / dass er ihn durch seine Landsknechte in Stücken wollte zerhacken lassen;
welches zween ädle Jünglinge / die mit ihm von Korint kommen wahren / höreten /
geschwinde hinlieffen / und es den andern ihren Gesellen sageten; welche dann
alsbald ausgingen / einen bewehreten Hauffen zu Pferde zuversamlen / damit ein
solcher überfall abgekehret würde. Etliche von denen wahren in einer Herberge /
vor welcher Valikules vorüber reiten musste / sahen ihn mit Gallus daher kommen /
und frageten / wohin er so eilig gedächte. Ihr meine liebe Herren und Freunde
antwortete er; es ist ein verwägener hochmuhtiger Ritter in meiner Herberge /
der mich ohn alle Ursach zuprügeln dräuet; mit dem werde ichs versuchen / ob ihm
solcher Frevel in eine Reue könne verkehret werden. Diese bahten ihn sehr / ein
wenig zuverzihen; ihnen währe bewust / dass Parmenio über LX neugeworbene Knechte
in dieser Stad hätte; dass ihm nun von denselben keine Unredligkeit bewiesen
würde /währen sie schon bemühet eine Schaar zuversamlen /die auf solchen fall
ihm schutz halten könnte. Er bedankete sich dieser Vorsorge / stieg derweile ab /
uñ kehrete bei ihne ein / da inzwischen die anderen nicht feireten / ihnen einen
Anhang zumachen. Es wehrete nicht lange / dass Parmenio vorüber ritte / welchen
Valikules durchs Fenster ersehend / zu den Anwesenden sagete: Was dieser
hochmuhtige Ritter mir heut und etliche Tage vor Schimpff erwiesen / kann ich
nicht sagen / und da ichs ungerochen liesse / dürfte ich mein Vaterland nimmer
wieder betreten. Etliche so zugegen wahren / kenneten Parmenio / sahen Valikules
traurig an / und gaben zur Antwort: Sie möchten wünschen dass ers mit einem
andern zutuhn hätte /rühmeten zwar sein gutes Herz / aber dafern er diesen
Ritter besser kennen sollte / würde er zweifels ohn auff andere Wege sich mit ihm
vergleichen. Der jungen ädelleute einer / der ihn zu Korint und auff dieser
Reise hatte kämpfen sehen / antwortete; Er vor sein Häupt kennete zwar den
Parmenio nicht / doch zweifelte er an Herrn Valikules Siege so wenig / dass er
500 Kronen verwetten wollte / jener gleichete diesem weder an Kräften / noch an
Erfahrenheit zu kämpfen. Der Wirt wahr ein haabseliger Mann / und sagte: wann
Herr Valikules sichs nicht zum Schimpffe zöge / währe er willens die Wette in so
weit anzunehmen /dass jener diesem in beiden Stücken zum wenigsten nicht ungleich
währe. Valikules baht sehr / der erste möchte sein erbieten wiederruffen / mit
anzeigung /wie sehr jhm solches zu wider währe; welcher aber sich daran so wenig
kehrete / dass ers auff ein doppeltes setzete. Der Wirt nam es an / mit der
Bedingung / dass er jhm Versicherung der Bezahlung schaffete /im falle er unten
ligen würde; da Valikules zu dem Wettesetzer sagete; weil jhr dann so gute
Hoffnung zu mir traget / ob ich gleich weniger bin als jhr mich haltet / ich mich
auch bloss nur auff GOtt und meine gute Sache verlassen muss / will ich doch nicht
/ dass ihr meinetwegen in Schaden gerahtet / und setze euch daher ein Pfand vor /
womit ihr auff mein Unverhalten werdet bezahlen können. Zohe hiemit ein
köstliches Kleinot hervor / welches die Anwesende über 2000. Kronen schätzeten /
und stellete es dem Wirt zu. Die ganze Gesellschaft wunderten sich sein /
wünscheten jhm Heil und Sieg / auch selbst der / welcher die Wette wieder jhn
auffgenommen hatte / und beteuerte hoch / dass er lieber eins so viel verlieren /
als jhm Lebens Unfall gönnen wollte; und die Götter / sagte er /wollen meinem
Herren Glück verleihen / auff welchen fall er mir versprechen wird / heut mein
Gast zu sein. Valikules bedanckete sich dessen / und gab zur Antwort; es möchte
Gott seinen gnädigen Willen schaffen. Weil auch die Jünglinge mit jhrer
ansehnlichen bewehreten Gesellschaft verhanden wahren / setzete er sich zu
Pferde / dankete jhnen höfflich wegen jhrer Gewogenheit / und folgete seinem
Feinde ganz gehertzet nach. Als er nun mit Gallus auff das Feld kam / fand er
so eine grosse Menge der Zuseher / dz er Mühe hatte hindurch zu brechen / dann
es war die Fehde in der ganzen Stadt erschollen / und hatten sich nicht allein
Männer und Knaben / sondern auch Weiber und Jungfern hinaus gemacht / die sonst
bei den Olympischen Schauspielen / vermöge der Gesetzen / sich nicht durften
finden lassen. Parmenio sah jhn herzu nahen / schlug seinen Helm auff / uñ
sagete überlaut: O jhr Götter / muss ich nun zu meinem ewigen Schimpfe mit einem
Jungen streite / der mir seinen Frevel nicht bezahlen kann / ob er gleich zehn
Hälse hätte! doch der Römische Nahme / welchen er vorwirft / machet / dass ich
jhn meinen Stalbuben nicht unter die Hände geben kann. Sendete alsbald seinen
Reitknecht ab / uñ liess jhm ansagen; weil er sich wirdig hielte / den Tod von
eines Ritters und KriegsObristen Hand zuempfahen / dessen er doch zugering währe
/ wollte er ihm denselben bald mitteilen / durchaus aber zuvor mit Gallus ein
Treffen tuhn. Wolan /sagte Valikules / reitet hin / und saget dem stolzen Narrn
/ mein Gallus solle jhm zuwillen sein / das übrige will ich mit der Faust
beantworten. Gallus ward dessen froh / und höffete grosse Ehr einzulegen /
welches er ihm nicht zutrauete / massen er wohl sah / dass er zu Pferde wenig
geübet wahr; unterrichtete ihn deswegen in aller kürze / wie er sich verwahren /
und in rennen sich verhalten sollte; welches er fleissig in acht nahm / stellete
sich mit frischem Muht gegen Parmenio / den er schon daher sprengen sah / und
brachte seinen Stoss wolan / vermochte ihn aber im Sattel /nicht zubewägen / da
er doch hingegen unsanft ausgehoben ward / dass er im Falle einen Arm verrenkete
/und an der Schulter etwas verwundet ward. Parmenio trabete hochmuhtig vorbei /
nicht anders als hätte er mit einem Stosse sie alle beide nidergeworffen /
nahete sich zu Valikules / und sagete; Schelm / was gäbestu iezt drüm / dass ich
dir Lebensfristung verhiesse /uñ wegen deines Verbrechens dich täglich zweimahl
peitschen liesse. O du Hund / sagte Valikules / kunte vor Zorn kein Wort mehr
sprechen / sondern warf das Speer von sich / weil er der Zeit nicht erwarten
kunte /grif zum Schwert / und schlug mit solchen Kräften auff ihn los / dass alle
Zuseher sich der ungeheuren Streiche verwunderten. Dieser hatte sich des
schnellen Angrifs nicht versehen / weil er aber ein streitbahrer Ritter wahr /
verlohr er so bald das Herz nicht / sondern brauchte sein bestes / dass sie eine
geraume Zeit einander ümtrieben / biss endlich Parmenio aus Müdigkeit etwas
nachliess / und zu jhm sagete: Ich bekenne / dass ich dir ungleich getahn / in dem
ich deine Manheit so liederlich geschätzet. Er aber antwortete: Trift dich die
Furcht schon so zeitig / und ist kaum der Anfang gemacht! O nein! bitten ist zu
früh / und reue zu spät. Darauff schlug er von neuen mit solchen Kräfften auff
jhn los / dass er mehr / sich zu schützen /als seinen Feind zuverletzen / fleiss
anwenden musste /weil jhm schon etliche / wiewol geringe Wunden geschlagen / aber
der Schild fast gar zerhauen wahr /und nachdem er sich nicht getrauete / in die
länge auszuharren / schwänkete er sich / uñ hieb seines Bestreiters Pferde die
Sehne ab / am linken Hinterschenkel /dass es zur Erden stürzete / sein Reuter
aber gleich damit herunter sprang / und zu ihm sagete: Du heilloser Tropf / da
begehestu keine Ritterliche / sondern Meucheltaht / dass du mir das Pferd
muhtwillig erlegest. Gallus hatte sich erhohlet / stund und hielt sein Pferd
beim Zügel / und führete es seinem Herrn zu /welcher sich darauf setzete / und
den Feind mit einem frölichen Geschrei angrif. Dieser sah ihn kommen /getrauete
sich nicht mit dem Schwert länger zuschützen / sondern liess ihm sein Speer
reichen / und sagete: Höre Ritter (wo vor ich dich nunmehr erkenne) ich muss dich
mit dem Speer auch prüfen / nachdem ich halte / wir die Schwerter einer dem
andern gnug haben zuerkennen geben. O du feiger Grosssprecher /antwortete er /
was vor einiges Zeichen hat dein Schwert dann wohl gelöset? suchestu etwa ein
wenig frist / dass wird dich gar nicht schützen. Jedoch dass du nicht gedenkest /
ich fürchte mich vor deinem Speer /so halte dich nur wohl damit / und gedenke
nicht / dass wir beide lebendig von diesem Platze kehren werden. Diesem kam die
Reue gar stark / dass er ihn so schimpflich gehalten hatte; Weil es aber nicht
kunte wiederbracht werden / musste er das äusserste dran setzen / legte das Speer
ein / und hoffete damit seinen Feind zu fellen / weil er den Ruhm hatte / dass er
nie aus dem Sattel geworffen wahr. Valikules begegnete ihm unerschrocken / da
dann die Zuseher sich immerzu mehreten / und doch eine solche Stille bei jhnen
wahr / dass jhrer keiner einigen Laut von sich gab. Unsere Kämpfer ranten
aufeinand' / und ward Valikules auf die Brust getroffen / nahm aber keinen
Schaden / weil der Stoss abglitschete; hingegen fassete er jenen gleich oben am
Sattelknauffe / und warff ihn so ungestüm zuboden / dass er mühe hatte / wieder
aufzustehen. Der Sieger sah sich umb und ward gewahr /dass jener auf der Erden
gestrekt lag / sprang auch vom Pferde / uñ weil Parmenio sich inzwischen
auffrichtete / und zum Fussstreite sich fertig machete / trat er jhm nahe gnug /
uñ sagete: Nun wirstu mir das Pferd nicht zum andernmahle niderhauen; fürchte
auch nicht / dz du mir entlauffest. Damit schlug er so hurtig auf ihn / als
hätte er noch keine Streich geführet / und den Zusehern unschwer wahr / von dem
Ausgange dieses Kampfs zuurteile. Parmenio wendete allen fleiss an zuwiederstehe
/ aber es fiel ihm endlich zu schwer / weil er empfand / dass seines Feindes
Kräfte je länger je mehr zunahmen. Weil er dann nicht wollte vor überwunden
angesehen sein / und gleichwol den Kampf gerne aufgeruffen hätte / sagte er zu
jhm: Ritter / ich meine / ihr habt nicht Ursach / euch weiter in Lebensgefahr
zuwagen / sondern nachdem jhr eure Manheit gnugsam erwiesen / spreche ich euch
frei von diesem Streite / und nehme euch auff in die Zahl meiner guten Freunde.
Haha du ruhmrätiger Narr / antwortete er; meinestu mir so zuentwischen? Schlug
unterdes imer frisch auff ihn zu / dass er endlich gezwungen ward / hinter sich
zuweichen / eilete auch mit gutem Willen hin / woselbst er den grösten Teil
seiner geworbenen Knechte beieinander sah; uñ als er nahe zu ihnen kam / rief
er; rettet euren Obristen von diesem Teufel / und hauet ihn kühnlich zustücken.
Diese wahren nicht faul / traten auff den Kampfplaz / und wollten ihn überfallen;
aber die Griechischen Jünglinge mit ihrem Beistande sprungen von ihren Pferden /
mischeten sich mitein / und dräueten allen den Tod / die sich unterstehen würden
diesen Kampf zutrennen; wodurch diese Knechte mit leichter Mühe abgetrieben
wurden / deren Valikules schon zween mit so viel Streichen nidergehauen hatte.
Als Parmenio solchen Beistand seines Feindes sah /merkete er / dass sein letztes
Ende nicht ferne wahr /doch weil er sein Leben sehr lieb / und vor dem Tode ein
grosses Schrecken hatte / sagte er: Trefflicher Ritter / ich meine nicht dass
unsere Feindschaft weiter als auff die Ehre des Sieges gehe; weil dann solche
ich euch selber zuspreche / so lasset / bitte ich / euch damit begnügen / und
rühmet / dass ihr den bisher steten Uberwinder überwunden habet. O du verzagete
Memme / antwortete er / hat dich mein Schwert nunmehr ein wenig Bescheidenheit
gelehret? jezt erzeigestu / wie wenig rechtschaffener Tugend dir beiwohne / und
dz dein ruhmrätiges Maul und blödes Herz nicht aus einerlei Fleisch gemacht sei
/ sonsten stürbestu lieber redlich / als dass du schändlich zuleben suchest.
Jedoch / hättestu noch zulezt nicht so gar bübisch gehandelt / indem du deine
Schelmen-Knechte auff mich gehetzet / möchte ich aller vorigen Schmach vergessen
/ und mich über dich erbarmen / dessen ich nun keine Ursach habe / insonderheit
wann ich bedenke /dass du nur zu meinem Verderben leben / und nit ruhen würdest /
biss du mich meuchlischer weise hättest ermorden lassen. Parmenio verzweifelte
wegen dieser Rede an seines Feindes Gnade / samlete alle seine Kräffte zusamen /
und überfiel ihn mit solchem Wüten / dass seine gewogene etwas Hoffnung
schöpften; aber es wehrete kurze Zeit / weil seiner Glieder Krafft durch das
heftige bluten hinweg geflossen wahr. Valikules hatte Verdruss / so lange Zeit
mit ihm zuzubringen / lief ihm unter / fassete ihn beim Leibe /und warff ihn als
einen Klotz zur Erden; und als er ihm den Helm vom Häupte gerissen / sagte er:
Hinfort soltu keinen redlichen Ritter mehr beschimpfen. Dieser warff sein
Schwert hinweg / und baht mit gefaltenen Händen umb Gnade / weil er sich über
alle masse vor dem Tode entsetzete / und dabei fest angelobete /ihn nimmermehr
zu beleidigen oder verfolgen; wodurch er sich bewägen liess / dass er willens wahr
/ ihm das Leben zuschenken / schlug seinen Helm auff / und sagete zu ihm: Weil
du dann den Tod höher als die Schande fürchtest. Indem er dieses redete / ward
er gewahr / dass Parmenio einen kleinen Dolch heimlich hervor zückete / welchen
er bei der Spitze fassete /und ihn denselben ins Gesicht werffen wollte; aber er
kam ihn mit einem Streiche zuvor / mit welchen er ihm das Häupt von der Schulder
schlug / und diese Worte hinzu taht; Wer solche Buben und Meuchelmörder leben
lässet / versündiget sich an der Welt. Ihr aber / sagte er zu seinen geworbenen
Knechten / da habt ihr eures Obristen Leichnam / dann nach dem Tode suche ich
keine Rache mehr; darumb verscharret ihn in den Sand / weil seine verwägene
Zunge ihn in Gefahr / und sein meuchelmörderisches Herz in den Tod gestürzet
hat; sehet aber zu / dz ihr nach diesem ehrlicher handelt / als ihr bei mir
zuhandeln willens gewesen seid. Der grösseste Teil der Zuseher / insonderheit
das Weibervolk / die sich über seiner Gestalt verwunderten / fingen ein
Freudengeschrei an / wünscheten dem Uberwinder Glük / und freueten sich /dass die
Götter den Hochmuht zu stürzen / sich oft selber im Streit finden liessen.
Valikules bedankete sich des guten Willen gegen alle Anwesende / mit
tiefgebogenem Häupte / setzete sich auff Gallus Pferd / und hies ihn Parmenions
reiten; baht auch die Griechischen Jünglinge / mit ihm in seine Herberge
einzukehren / und diesen Abend seine Gäste zu sein. Aber der so die 1000 Kronen
verwettet hatte / erinnerte ihn seiner getahnen Zusage / und führete ihn samt
den Jünglingen in sein Haus / taht ihnen gütlich / und zahlete die Wette willig
aus / sprechend / es währe ihm leid / dass er eines solchen Helden Mannheit aus
Unwissenheit in Zweifel gezogen hätte. Des andern Tages / weil er wegen Gallus
Verwundung ohn das nicht reisen kunte / lud er diesen Mann neben den Jünglingen
zu sich / und liess nichts mangeln / kauffte hernach ein Pferd wieder / dem
vorigen gleich / und schikte sich zum Auffbruche / da die ädlen Jünglinge /in
der Stunde seines Abzuges einen ihres Mittels an ihn sendeten / und ihm
folgendes Ehrengeticht einliefern liessen.
                               Pindarisches Lied.
Zum unsterblichen Ruhm der mannhaften Tugend des treflichen Ritters und Helden
                               / Herrn Valikules.
                                  Erster Saz.
Ihr Musen / die ihr auff dem Helikon
Der wahren Tugend Ruhm und Lohn
Zu tichten pfleget.
Besinget unsern Held /
Den das Olympsche Feld
Zun Wolken träget.
Last eure Seiten klingen /
Stimt eure Lauten an /
Die unsern Sinn durchdringen
Mehr als die Trummel kann.
Erkennet ihm den Dank
Der allerschönsten Tugend /
In welcher seine Jugend
Fest steht ohn allen Wank.
                                Erster GegenSaz.
Ja freilich! dem gebühret Lob und Preis /
Der Tugendhaft zu leben weiss.
Ihm soll gelingen.
Dir O du Glückes-Sohn
Sol auff dem Helikon
Ein Ruhm-Lied klingen.
Wer üppigkeiten liebt
Empfähet dieses nicht /
Was unser Lob dem giebet /
Der in der Tugend Pflicht
Ohn Eitelkeit besteht;
Dann wer bosshaftig fähret /
Macht / dass er ungeehret
In Schanden untergeht.
                                Erster NachSaz.
Wer kann O Tugend dann
Dein Lob dir nach gebuhr
Mitteilen? Jederman
Such' alle Krafft herfür.
O Tugend! O dein klarer Schein
Läst seine Strahlen
Viel tausendmahl noch heller sein /
Als Sonnen Pracht /
Die alles klarweiss kann bemahlen.
Dein wird gedacht
Selbst in der Götter Raht /
Die nichts als Tugend nur belohnen.
Ja wer die Tugend hat /
Kömt in der Götter Schaar zu wohnen.
Nun dann / so wollen wir dein stolzes Lob erheben /
Als lang uns unser Geist vermögen gibt uñ Lebe.
                                  Anderer Saz.
Valikules / des Ritterstandes Ehr /
Führt seinen Degen / Schild und Speer /
Zu Troz den bösen.
Sein Vorsaz fähret frisch /
Dass er die Unschuld risch
Nur mag erlösen.
Er hat bisher der Frommen
Und ihrer Schwacheit sich
Geträulich angenommen.
Auff dass der Bosheit Stich
Sie nicht erwürge gar.
Des muss ihm hie auff Erden
Der schuldige Dank werden
Und bleiben immerdar.
                               Anderer GegenSaz.
Valikules / der teure Musen Sohn
Empfähet billich diesen Lohn
Von Phöbus Händen.
Den wird das falsche Glük
Ihm wohl kein Augenblick
Mit recht entwenden.
Sein Nahme soll stets blühen /
Sein Lob nicht untergehn /
Weil Musen Söhne zihen /
Er soll den Kranz schier sehn /
Der ihm bereitet ist /
Der ewiglich soll wehren /
Weil Vogel Körner zehren /
Und der Wolff Schaffe frisst.
                                Anderer NachSaz.
So recht! damit die Welt
Auch noch erkennen mag /
Dass Kunst auff Tugend hält /
Dass ihr ein lieber Tag
Gewidmet wird. Valikules
Hat wohl gesieget /
Drum lebet er / da unterdess
Der Praler fält /
Und hat sich in den Sand geschmieget.
O teurer Held /
Wir singen euren Ruhm /
Den ihr erstritten
Zu eurem Eigentuhm;
Habt ihr dann gleich den Hohn erlitten /
So ist er tausendfach durch eure Rach' ersetzet /
Dañ eure Tugend wird durch Pochers falergetzet.
Nach Verlesung dieses / bedankete er sich der unverdienten Ehre und gar zu hohen
Lobes / das an seine Wenigkeit nimmermehr würde reichen können; befünde sich
demnach gar zu hart verbunden / dass er nicht sähe / wie er so grosser Schuld
sich loswirken sollte /insonderheit zu diesem mahle / da er gleich auffsitzen /
und seinen nöhtigen Weg vor sich nehmen müste; Dafern ihm aber das Glük so
günstig sein würde /dass bei seiner Rükreise er sie antreffen möchte /wollte er
seine Dankbarkeit nach vermögen sehen lassen. So bald dieser abgefertiget wahr /
setzete er sich mit Gallus zu Pferde / nam seinen Weg nach Korint zu / und
hatte sich seinem GOtt diesen Morgen in fleissiger Andacht befohlen / weil ihm
eine Schwermühtigkeit zugestossen wahr / deren ursach er doch nicht ersinnen
kunte. Des Abends zuvor / ehe er sich auff den Weg machete / kam ein unbekanter
Ritter in seine Herberge / und fragete den Wirt weitläufftig / ob ihm nicht
bewust währe / wohin Valikules zureisen willens / und als er vernahm / dass er
nach Korint gedächte / sagte er: Weil sein Weg auch dahin ginge /währe ihm lieb
/ in dieses berümten Ritters Gesellschaft zu reisen / und seine angenehme
Kundschaft zuerlangen. Dieser nun / der sich von den unsern nicht hatte sehen
lassen / nam des Morgens ihres ausreitens wahr / und folgete ihnen von ferne;
erreichete sie doch zeitig / und indem er sich stellete / als wollte er vorüber
hauen / grüssete er sie freundlich / ward ihm auch von Valikules gebührlich
gedanket / der ihn fragete / wohin er so eilig gedächte. Er zeigete an / dass er
zu Korint nöhtig zu verrichten hätte / und wann er wissen sollte / dass sie einen
Weg reisen wollten / bliebe er gerne bei guter Gesellschaft / da es ihnen nicht
zuwider. Gesellschaft ist mir allemahl angenehm /sagte Valikules / und können
wir also mit einander reiten.
    Wir wollen sie aber zihen lassen / weil sie zu ihrem Unglück noch viel zu
früh kommen / und uns nach Padua kehren / woselbst Ladisla mit schmerzen seines
lieben Herkules Schreiben erwartete / und wehreten ihm die zehn Tage / die er
dem Statalter zu harren versprochen hatte / länger / als nie keine vorhin /
ungeachtet sein liebes Gemahl ihm allerhand Kurzweil zumachen / und die
Traurigkeit zu benehmen / sich äusserst bemühete. Als der zehnde und lezt
versprochene Tag herbei kam / verfügete er sich zu seinem Schwager Fabius / und
sagte zu ihm; Geliebter Bruder / ihr wisset / wie ihr mir verheissen / allen
Vorschub zu tuhn / dass ich meinen lieben Herkules suchen / und wohin er seine
Reise genommen / erfahren möge; nun ist heut der lezte Tag unsers verzuges /und
zweifele nicht / so viel länger wir uns auffhalten /so viel beschwerlicher
unsere verrichtung fallen wird; Wann euch nun gut däuchte / wollten wir zwei
starke Schiffe mit gute Kriegsknechten besetzen / uñ unterschiedliche Wege vor
uns nehmen; ich begehre vor mich kein grösseres / als welches 50 Kriegsknechte
auffnehmen kann / dann hiemit werde ich das Meer desto geschwinder durchstreichen
/ und gleichwol in der Noht mich gnugsam zur Gegenwehr gebrauchen können. Fabius
antwortete; Hochwerter Herr Bruder /unserer Abrede erinnere ich mich sehr wohl /
und hat mich die Zeit eben lange gedaucht / ehe sie verflossen ist. Der
Vorschlag ist mir sehr angenehm / und bin ich willens / ein Schiff mit 100
Kriegsknechten ausszurüsten / damit ich mich umb so viel sicherer in die wilde
See wagen mag. Ich habe schon vor etlichen Tagen ans Meer geschikt / und können
wir unter XXVgen die freie Wahl haben; sonst währen sie alle zu unsern Diensten.
Nur eines besorge ich / wie eure Liebe von ihrem Gemahl wird Abschied erhalten /
und werde ich mit meiner Ursul auch gnug zu schaffen haben. Mein liebes Gemahl /
sagt Ladisla / wird sich hierin schon zu schicken wissen; werde demnach zuvor
hingehen /und unserm Herren Vater ferner anzeigen / wessen wir gesinnet sein;
machten sich auch stündlich zu ihm hin / erinnerten ihn der genommenen Abrede /
uñ bahten umb befoderung ihrer Reise. Dieser erschrak dessen; er wüste sich
solcher Abrede durchaus nicht zuentsinnen / sondern hätte stets gemeinet /
Leches und andere geträue Leute sollten dem Fräulein mit einer Anzahl Schiffe
nachforschen / und Herren Herkules zuhülffe geschicket werden. Ladisla aber
antwortete; O mein Herr Vater / habt ihr dann die Gedanken fassen können / dass
ich meinen Herkules von wegen meiner Frl. Schwester würde in der Irre herumb
zihen lassen / und unbemühet bleiben / sie zu suchen / und ihnen mögliche Hülffe
zuleisten? Solches kann ich euch nicht gänzlich verbieten / sagte er / nur dass
zuvor von anderen Kundschaft eingehohlet werde / wo sie möchten anzutreffen
sein. Ja mein Herr Vater / antwortete er / wann jemand zu finden währe / der in
Herkules Nachsuchung gedächte grössern fleiss anzuwenden /als ich / dañ so wollte
ich mir diesen Vorschlag willig gefallen lassen; weil ich aber hieran sehr
zweiffele /habe ich Dienst- und Kindlich zubitten / mich in meinem Vorhaben
nicht länger auffzuhalten. Der Statalter diesen Ernst sehend / und über die
masse sehr betrübt / sagte zu ihm; O mein geliebter Sohn / wollet ihr dann von
eurem Gemahl und von mir so schleünigen Abscheid nehmen? Herzlieber Herr und
Vater /antwortete er; nicht Abscheid / als nur auff wenig Monat / welches er mir
schon gönnen wird / weil ich lieber sterben / als meinen Herkules lassen will. Ja
mein geliebter Herr Sohn / sagte er; Schiffarten und Feldzüge stehen nicht in
unser Macht / wie sie gerahten sollen. Ich leugne dieses nicht / antwortete er;
aber hingegen haben die Götter in den grösten Nöhten auch die gröste Obacht über
uns; so nehme ich ja diese Schiffart nit aus Leichtfertigkeit / sondern
höchstgezwungener Noht vor / uñ dafern mein Herr Vater mich liebt / wird er ohn
ferner einreden mein Vorhaben bewilligen. Wie aber / sagte der Alte /wann mein
Sohn Kajus diese Mühe auff sich genommen hätte? Ich bedanke mich dieser
väterlichen Bewilligung / sagte der Sohn / weil ich ohn dass Herren Ladisla
versprochen habe / ihm in dieser Nachsuchung Gesellschaft zu leisten. Der Vater
währe hierüber fast niedergesunken und sagte mit traurigen geberden; soll ich
dann meiner beiden Söhne auff einmal beraubet werden / so erbarme es die
Götter. Aber Ladisla tröstete ihn / mit bitte / solche unselige Gedanken ihm
nicht einzubilden; es hätten die Götter ihn nicht deswegen aus so mannicher Noht
und Gefahr gerettet / dass er in dieser geringeren verderben sollte; währe demnach
sein Vorsaz / so bald ein Schiff ausszurüsten; so würde sein geliebter Bruder
auch eines nehmen; wollten ihre Fahrt teilen / und mit der Götter Hülffe ihr
Vorhaben bald zum Ende bringen. Ja wann es nicht anders sein kann / sagte der
Alte /muss ich mich wohl gedulden; ihr werdet aber es noch acht Tage ansehen /
weil die Schiffe vorher aussgebessert / und alle Notturfft zum fügligsten muss
herbei geschaffet werden; inzwischen möget ihr euch bemühen / eure Gemahlen zu
bereden / dass sie damit friedlich sein / oder nehmet sie lieber gar mit; dann
ich will die Gefahr zum andernmahl nicht stehen / die mir schon begegnet ist. Dass
sei ferne / sagte Ladisla / dass mein liebes Gemahl dieser Gefährligkeit sollte
teilhaftig werden; viel lieber will ich sie in mein Königreich senden / woselbst
ihr nicht anders / als einer herschenden Königin soll auffgewartet / und von
meiner Fr. Mutter alles liebes uñ gutes erzeiget werden. Ich stelle meiner
Tochter frei / sagte der Statalter / zu wählen was ihr gefält / nur dass sie mir
dergleichen Auffzüge nicht mehr mache / wie bereit geschehen /da etwa eine
wiedrige Zeitung entstehe würde. Ladisla bedachte sich / wie er von seinem
Gemahl gute Einwilligung erlangen möchte / wollte sie doch desselben Abends nicht
verunruhen noch betrüben / sondern da er früh Morgens mit ihr vom Schlaff
erwachete /sagte er zu ihr: O mein allersüssester Schaz / bei welchem ich zu
Leben und sterben begehre; ich habe eine Bitte bei euch abzulegen / welche
meiner gänzlichen Hoffnung nach / ihr mir nicht versagen werdet. Fr. Sophia sah
ihn gar lieblich an / und begehrete / ihr mit solchem bitten zuverschonen / dann
weil sie sein ehelich Gemahl währe / erkennete sie sich schuldig /ihm
zugehorsamen. Ich nehme dieses Erbiete von ganzem Herzen an / sagte er / und
zweiffele nicht / ihr werdet eine kurze Reise / die ich nohtwendig tuhn muss /
euch nicht lassen zuwieder sein / weil mir unmöglich ist / dieselbe zurück
zusetzen. Mein allerliebstes Herz / antwortete sie; meint  ihr / dass nicht vor
acht und mehr Tagen schon / ich mich dieser Reise vermuhtet? ich weiss mehr als
zu wohl / dass ihr nit unterlassen werdet / euren Herkules zusuchen / könnet auch
/ vermöge eurer Freundschaft nicht wohl anders /angesehen er ohn dass umb eurer
Frl. Schwester willen aussen ist; deswegen / wie herzlich gerne ichs gleich
anders sähe / müste ich wohl grob sein / wann hierin ich euch wiedersprechen
sollte; reiset ihr nur in dem Nahmen aller Götter / und bringt euren Herkules
neben dem lieben Fräulein bald wieder her; ja bin ich euch nicht hinderlich / so
nehmet mich mit euch / es sei zu Wasser oder zu Land / es sei zum Leben oder zum
tode / weil ich nunmehr mich also geschicket habe / dass ich der Götter Gunst und
Glük nicht aussschlagen / und ihre straffen / auch den Tod selbst geduldig leiden
/ und dawieder nicht murren will. Ladisla hatte sich solcher angenehmen Erklärung
nicht versehen / nam es vor ein Zeichen künftigen glücklichen aussschlages auff /
und umbfing sie / sprechend: Mein ausserwähltes Herz; niemahls habe ich einen
grösseren Beweisstuhm eurer Liebe und träue gegen mich verspüret / als jetzo;
daher verspreche ich euch / dass nach vollendeter dieser Reise ich mit willen
nimermehr von euch scheiden will / biss der Tod den Riss machet: Mein Schätzchen /
antwortete sie / jch nehme solches Versprechen an / uñ will euch nicht verhehlen
/ warumb ich in diese Reise so leicht willige; vor erst weiss ich / dz euch
unmöglich ist / euren Herkules zu verlassen / der auch mir / nach euch / der
liebste Freund in der Welt ist. Hernach würde ich mit meinen Trähnen und
wiederspenstigen Bezeigungen euch nur betrüben / wo nicht gar erzürnen / welches
ich nimmermehr zu tuhn gedenke. Endlich habe ich bei den Sternsehern mich des
aussganges dieser vermuhtlichen Reise erkündiget / und daneben die Götter nicht
vorbei gehen wollen. Wisset ihr euch nicht zuerinnern /dass heut vor sechs Tagen
ich einen fremden Mann /mit einem langen Rocke und Barte bei mir hatte / und
durch Bitte bei euch so viel vermochte / dass ihr ihm eure Hand zeigetet / womit
fast eine halbe Stunde hinging / und ihr schier unwillig währet drüber worden.
Dieser hocherfahrne Handdeuter berichtete mich eures künftigen ergehens in
etwas / zeigete an / dass euch eine Reise zu Wasser und Lande bevorstünde / mit
wunderbahrem Glük und Unglück vermischet / würde doch endlich zum gewünschten
Ende aussschlagen /und wären insonderheit die Ehren- und Glückes-Striche in euren
Händen dermassen beschaffen / dass er desgleichen nie gesehen / könnte auch nicht
fehlen / ihr müstet ein König sein / oder schier künftig ein Reich erlangen /
weil er eine gedoppelte Kron in eurer Hand fünde. Ladisla gab auf solche
Alfanzerei sehr wenig; weil aber sein Gemahl daher so gute Hoffnung geschöpfet
hatte / wollte er nicht dawieder reden / sondern zu ihrem Trost rühmete er die
Kunst / nam auch Gelegenheit daher / sie zuvermahnen / da ein falsches Geschrei
seines Todes oder Unfalles entstehen würde / sich daran nit zukehren / sond'n
Gott und seinem Glük zutrauen; ja weil er verstünde / dass sie auch die Götter
mit ihrem Opfer versohnet hätte / möchte er gerne wissen / wz hofnung ihr
dañenhero gemacht währe. Ich habe / antwortete sie / an unterschiedlichen orten
grosse feiste Ochsen zum Opfer gegebe / uñ die Warsager-Priester bitte lasse aus
dem Eingeweide uñ anderen zeiche zu erforsche / ob eine wichtige reise /welche
schier dürfte vorgenomen werde / glücklich ausschlagen / uñ das begehrte wieder
gesunden / uñ erhalten werden sollte; da ich dann von allen einerlei Antwort
bekommen; man hätte nach fleissiger Forschung erlernet / dass zwar ohn Gefahr und
grosse Mühe diese Reise nicht sein / aber doch einen gewünschten Ausschlag
nehmen würde; und damit ihr sehet / sagte sie weiter / dass ichs nach Mögligkeit
getrieben / will ich augenscheinlich Zeugnis bringen; stieg hiemit aus dem Bette
/ und hohlete ein Zettel aus ihrem Handlädichen / legte sich wieder nieder / und
sagete: hierinnen stehet ein Oraculum oder Göttliche Antwort / welche ich mit
schweren Kosten zuwege gebracht; weil mirs aber zuverstehen noch zur Zeit
unmöglich ist / will ichs fleissig / biss zum Ausgange verwahren / ob ich alsdann
bessere Erkenntnis daher nehmen möchte; gab es Ladisla / und baht / es bedachtsam
und nachdenklich durchzulesen weil ihrem vermuhten nach etwas wichtiges darinnen
begriffen währe / welches zum wenigsten die Zeit entdecken würde. Ladisla nam es
zu sich / und fand diese Worte:
Der mischte Nahme wird an beiden Seiten müssen /
Eh dass er einfach stehe / im Vnglück zimlich büssen /
Doch Ehr und Leben bleibt / nur dass sich Glük und Stand
Gar krauss und bund verkehrt / eh das gewünschte Band
Vnd Rettung folgen kann. Die Sucher sind geschäfftig /
Gehn über Meer und Land / bemühen sich sehr heftig
Durch Leiden und Gefahr; Der Himmel ist ihr Schild /
Da wo ihr Herz und Faust nicht wirket oder gilt.
Wie geht es hie so scharff! Wie manches Blut muss rinne /
Wie mancher stolzer Held verleuret Krafft und Sinnen /
Eh alles wird volbracht! eh dass der grosse Schaz
Wird völlig ausgeteilt / und der genehme Platz
Nach Wunsch erstritten ist; Das lezte dieser Sachen
Mag ich vor unmuht nicht den fragenden kund machen /
Weil es mir schädlich ist; nur dieses meng ich ein /
Sie werden nach der Angst und Arbeit frölich sein.
Ladisla sah diese dunkele Reimen etlichemahl gar fleissig durch / kunte aber
den eigentliche Verstand nicht fassen / und sagte zu ihr; was insonderheit alhie
gemeldet wird / werden weder ich noch ihr / noch jemand anders errahten; aber
dieses sehe ich gleichwol /dass wir / zwar nicht ohn Mühe und Gefahr / aber doch
gleichwol hindurchkommen werden / welches mir auch gnug ist; es sei dann dieses
alles ertichtet /wie man dessen wohl Begebnissen hat / dass die geizigen Pfaffen
sich eines Dinges ingeheim erkündiget /uñ hernach solche verschraubete Worte
gesetzet haben / die einander nicht errahten / sie aber solche hernach ihres
gefallens drehen und deuten können; jedoch kehre ich mich nicht gross daran; dann
wie ich die Götter nicht verachte / also gläube ich nicht leicht / was in
Göttlichen Sachen mit Gelde erkaufft wird. So will ichs aber gläuben / sagte sie
/ weil es mich zum wenigste in guter Hoffnung erhalten kann. Ich muss euch aber /
ehe wir die Federn verlassen / noch eins erzählen; ohngefehr vor zwo Wochen /
hat sich ein treflicher Sternseher bei mit angeben lassen / mir meines
Lebens-Laufs-Beschreibung / aus des Himmelswirkung herrührend / nach anleitung
des Gestirns zustellen / und mein vergangenes und zukünftiges Glük und Unglück
anzudeuten. Ich hatte von diesen Leuten unterschiedlichemahl reden hören / da
etliche ihre Kunst lobeten und vor gewiss hielten; andere aber sie verachteten
und verlacheten; liess ihn deswegen zu mir fodern / und begehrete / er sollte
nicht allein mir /sondern euch / Herrn Herkules / und Frl. Sibyllen dieselbe
stellen / wovor ich ihm wollte gerecht sein. Er verhiess mir solches / begehrete
aber zuvor unser aller Geburt-stunde / und den Ort zuwissen / da wir gezeuget
währen; und als ich ihm solches nicht von allen sagen kunte / nam er einen Stab
/ machte einen Kreis ümb sich / und murrete viel Dinges / kritzelte auch selzame
Züge in den Sand. Bald stund er auff dem linken / bald auf dem rechten Fusse;
hing den Kopff /rieb die Stirn; zopffete das Haar / und hielt sich einem Narren
nicht ungleich; endlich däuchte mich / wie ich einen mit ihm reden hörete /
dessen Worte er in ein Schreibtäfflein fleissig auffzeichnete / und sah ich aus
allen seinen Geberden / dz er ein Schwarzkünstler sein musste. Da nun sein
Affenspiel geendiget wahr /sagte er zu mir: Gn. Frau; ihr fodert auff vier
Menschen / ihres Glüks und Lebens Bericht von mir: nun will ich euch in dreien
gerne zu willen sein / dafern mir die Mühe vergolten wird; aber mit dem vierden
haben weder ich noch die Götter zuschaffen. Ich gab ihm zur Antwort: Der Zahlung
halben sollte er unbekümmert sein / weil mein Geldbeutel zimlich gross und schwer
wåhre; hoffete aber nicht / dass unter uns vieren einer sollte gefunden werden /
auf welchen die Götter einen Unwillen und feindlichen Zorn gefasset hätten;
müste demnach wissen / wer unter uns gemeinet währe / sonst könnte ich mich mit
ihm in keine weitere Handlung einlassen. Dieser wahr willig es anzuzeigen / da
ich ihm versprechen würde / es inwendig XII Tagen nicht zuoffenbahren: Und als
ich ihm solches verhiess / berichtete er mich; Herr Herkules währe derselbe / von
dem seine Götter ihm weder gutes noch böses anzeigen wollten. Ich ward hierüber
sehr bestürzet / und baht ihn / mich zuberichten / auff was weise doch dieser
fromme und meines wissens unschuldige Herr / den Göttern könnte versöhnet werden;
vermochte aber ein mehres aus ihm nicht zubringen / als dass er seinen Göttern
hart angelegen / hätte doch nichts erhalten / ohn dass Herkules die Ursach schon
wüste / uñ niemand besser als er selbst / es anzeigen könnte / würde auch den
ernstlichen Nachfragern es nicht verhehlen. Ladisla antwortete ihr mit einem
Lächeln; geliebtes Herz; ihr sollet euch in diesem falle wegen Herkules durchaus
keine Gedanken machen; dann ich versichere euch / dass wie er dieses Sternguckers
und Zäuberers Götter nichts achtet / sie ihm hingegen auch keinen schaden tuhn
werden; dann er lebet nicht ohn Gottesfurcht / wie ihr wolgespüret /und ob er
gleich alle andere Götter verachten würde /die wir ehren / halte ich doch / es
sei ein ander Gott /der ihm Schuz hält / und sich seiner gewaltig annimt; dañ
sonst könnte es nicht möglich sein / er müste schon vorlängst unter der Erde
stecken. So irret auch mein Herr Vater nicht sagte sie / von dem ich neulich
lauschend vernommen / dass er zu meiner Fr. Mutter sagete; es stünde ihm klärlich
vor Augen / dass Herr Herkules ein Christ währe / massen man von ihm keine
leichtfertige scherzrede hörete / ginge oft und viel in andächtigen Gedanken /
höbe seine Hände auff gen Himmel / schlüge an seine Brust / und liesse sich in
allem sehr Gottfürchtig merken; insonderheit währe er seinen Feinden zuverzeihen
so willig / meidete allen überfluss in essen und trinken / und / welches allein
Beweisstuhms gnug währe / hörete man ihn niemahls von Göttern / als von vielen
reden / sondern nur von einem einzigen / welchen er den Allmächtigen nennete;
nun ist mein Herr Vater der Christlichen Lehre eben nicht auffsätzig / sagte sie
/ wie ins gemein die Römischen Beamten sonst zusein pflegen /sondern kann sie wohl
leiden; verhindert auch ihre Verfolgung / als viel ihm möglich ist / weil er
wisse / sagt er / dass die heimliche Unzucht und Schande / welche sie in ihren
Versamlungen treiben sollen / von ihren widerwertigen ihnen aus Hass und Neid
fälschlich auffgedrungen / und mit höchster Unwarheit nachgelogen werde. Ich will
euch auch unverhalten sein lassen / dass meine Fr. Mutter in der Christlichen
Lehre von jugend auff erzogen ist / und kam sie auff keinerlei wejse davon
gebracht werden / wie bund und wunderlich es mein H. Vater auch vor diesem
versuchet hat; lässet ihr aber nunmehr ihren freien Willen. Doch wird es in
gröster Geheim gehalten; dann sollte es auskommen / dürften bald etliche hinter
meinem H. Vater her sein und ihm als einem Christen Freunde zusetzen / dass er
wohl gar aus seinem Ehrenstande gehoben würde; massen die höchsten Nebenhäupter
des Reichs diesem Glauben sehr zuwieder sind / und manniche Verfolgung / bald
hie bald da anrichten / ob sie gleich der ietzige Käyser wohl leiden kann. Ladisla
antwortete ihr; Euer Herr Vater mag vielleicht es schier errahten haben /
welches ich doch eigentlich nicht sagenkan; seine Eltern weiss ich wohl / sind
keine Christen / sondern diesem Glauben sehr zuwieder; wir beide aber achten
solches nicht unter uns / dann weil man des Glaubens halber nur den Göttern
rechenschaft geben darf / soll es unsere Freundschaft nicht brechen; und halte
ichs nach meiner Einfalt davor /die Götter werden sich aller deren ohn des
Glaubens unterscheid erbarmen / die ein frommes unsträfliches Leben führen;
wiewol mein Herkules gar einer wiedrigen Meinung ist. Aber dass ich auff eure
vorige Reden komme; hat euch dann der Sterngucker den begehreten Bericht
erteilet? Nein / sagte sie / er hat acht Wochen zeit bestimmet / und mir daneben
angedeutet /dass inwendig solcher Zeit eine wundersame Verenderung bei uns sich
zutragen würde / woran er dann nicht gelogen hat. Der Narr wird euch viel
Fratzen bringen / sagte Ladisla / dem ihr ja nicht trauen dürfet; es ist aber
Zeit / dass wir uns von dem Lager erheben / und ich anordnung zu meiner Reise
mache. Nach eurem belieben / sagte sie; aber nachdem ich dieselbe so gerne
bewilliget habe / wird mein Schaz mir diese Gunst erzeigen / und etwa noch acht
oder X Tage bei mir verharren / damit der gar zu schleunige Abscheid mich nicht
zu sehr betrüben möge. Ladisla wusste wohl / dass die Schiffe so geschwinde nicht
kunten zugerichtet werden; versprach deswegen noch IIX Tage zubleiben; dessen
sie sich höchlich bedankete. Gleich nun / da sie sich bekleideten / und ihr
Gespräch hievon hatten; trat der junge Fabius zu ihnen ins Gemach / umb
zuvernehmen / wessen seine Schwester sich wegen der Reise erkläret hätte.
Ladisla fragete die Ursach seiner so frühzeitigen Ankunft / die er wegen der
Schwester gegenwart nicht melden wollte; welches jener merkend / zu ihm sagete;
da es etwa ihre Reise beträffe / möchte er kühnlich reden /nachdem sein liebes
Gemahl schon gerne darein gewilliget hätte. Fabius ward dessen froh / und sagte:
Ey so muss mir meine Ursul auch heute noch anders reden / und meiner lieben
Schwester den Gehorsam ablernen; erzählete darauff / was Mühe er diese Nacht mit
ihr gehabt / dass er schier närrisch drüber worden; insonderheit hätte sie ihre
Wase Sophien beklaget / als welche keine Stunde leben würde / da sie vernehmen
sollte / dass Herr Ladisla eine solche Reise auf sich zunehmen gesinnet währe; und
habe ich mich selber dessen nicht ein geringes befahret; weil ich aber deren
guten Willen vernehme / wolle dieselbe ihr nur hart gnug zureden / dann sie wird
sich hieselbst bald anfinden. Kaum wahr dieses geredet / da trat sie zur Tühr
hinein / und da sie ihrer Wasen nahete / schossen ihr die Trähnen in die Augen;
welche alsbald fragete / was ihr kümmerliches anliegen währe; Und als sie es
nicht bekennen wollte / sagte sie; Ich zweifele nicht / ihr weinet darümb / dass
mein lieber Bruder eine zeitlang von euch hinweg zihe wird / und ihr etliche
Wochen oder Monat allein schlaffen sollet; seid ihr dann in so kurzer Zeit
verwähnet / dass ihr nicht mehr könnet ohn einen Beischläffer sein? Aber dz ich
ernstlich mit euch rede; Ich hätte / geliebte Schwester / wohl so viel / wo nicht
eine gute Hand vol mehr Ursachen zu weinen / als ihr; Wann ich mich aber
erinnere / dass ich meinem allerliebsten Gemahl zu gehorsamen schuldig bin / muss
ich meinen Willen wohl in den seinen schliessen / unter der Hoffnung / die Götter
werden uns dereins wieder zusammen fügen /nachdem sie ihrer Versehung nach / uns
gnug werden geprüfet und im Gehorsam bewehret haben; inzwischen wollen wir mit
den Gedanken und stätem glückwünschen ihnen alle Tage folgen / ja ohn unterlass
umb und bei ihnen sein / biss wir sie mit den Händen wieder erreichen / und mit
beiden Armen umfassen können. Fr. Ursul hörete ihr mit Verwunderung zu /und
entfielen ihr alle Reden / welche sie (unter der Hoffnung / diese würde mit ihr
einstimmen) ihr vorgenommen hatte / ohn alle Scheuh heraus zustossen; endlich
fing sie also an: Geliebte Schwester; ich bin von Jugend auff mit euch umgangen
/ aber in euren Sinn weiss ich mich so wenig zuschicken / als hätte ich euer gar
keine Kundschaft; Vor X Tagen woltet ihr gar verzweifeln / dass ihr euren Ladisla
in XXIV Stunden nicht gesehen; jetzo mahnet ihr ihn fast selber an / dass er von
euch zihen soll / und wisset doch nicht / ob ihr ihn jemahls werdet wieder
zusehen bekommen. Ach Schwester / antwortete sie / die Götter kennen mein Herz /
und wie hoch ich wünsche / nimmermehr von meinem Liebsten getrennet zuwerden;
aber was sein muss / und von dem unwandelbahren Raht der Götter selbst
beschlossen ist / dawider hilfft alles mein beginnen weniger / als wollte ich das
überlauffende Meer mit einem Strohalm zurücke schlagen; geschweige / dass ich
meinen Liebsten nur unwillig und betrübt machen würde. Fr. Ursul antwortete:
Seid ihr dann / Frau Schwester / in der Götter Rahtstube gewesen / und habt
daselbst ihren unwandelbahren Schluss von ihnen gehöret? Was saget ihr mir von
der Götter ihrem Raht? Es ist eures Ladisla und meines Fabius freigewähl er
Wille / sind vielleicht ihrer Weiber schon müde / und suchen eine Verenderung;
sehet / das nennet ihr den Götter-Raht. Ihr Fabius gab ihr einen Wink / sich im
reden zumässigen; aber sie sagte durre heraus / sie wollte und müste Herrn
Ladisla die Warheit sagen / damit er sie nicht vor gar zu einfältig hielte; Dann
ihr / ihr Herr Ladisla / sagte sie / seid die einige Ursach / dass ich von meinem
Liebsten mich muss trennen lassen; worüber sie heftig anfing zuweinen. Er
hingegen wahr so bestürzt / dass er ihr so bald nicht zuantworten wusste; Endlich
sagte er: Die Götter wissen / dass ich euren Liebsten zu dieser Reise nicht
beredet habe / sondern es ist sein freier Wille / mit mir fortzugehen / will auch
gerne sehen / dass er seinen Vorsaz endere; mich aber betreffend / müste ich
Ritters-Ehre unwirdig sein / wann ich meine Frl. Schwester / so umb meint 
willen in Räuber Hände gefallen ist / ungesuchet liesse / und mich gegen
dieselbe träger und verzagter als mein Herkules / der nur ihr Oheim ist /
bezeigete. Fabius ward auch ungehalten / uñ sagte zu ihr: dafern sie gedächte in
seiner ehelichen Hulde zubleiben / sollte sie sich in solchen Reden mässigen /
sie würde sonst eines grössern übels Ursach sein; dann könnte sie sich nicht in
güte lassen bereden / wie seine geliebete Schwester / würde er gezwungen / mit
Unwillen von ihr Abscheid zu nehmen; sagte hernach zu Ladisla: Er wollte hingehen
/ und ihre Pferde satteln lassen. Als er hinweg wahr / fing Sophia an / ihre
Wase zustraffen; es währe nicht das rechte Mittel / eines Ehegatten Huld und
Liebe zuerhalten / wann man dessen steiffen Vorsaz durch noch steiffere
Hartnäckigkeit zu brechen sich unterstehen wollte; so würden die Ritter oft
durch Ehre gezwungen / etwas vorzunehmen / dass sie sonst wohl unterliessen / und
könnte sie wohl erkennen /dass ihr Gemahl schuldig währe / nicht allein seiner Frl.
Schwester / sondern auch seinem geträuen und liebsten Freunde Herkules zu
folgen. Da treffet ihr den rechten Zweg / antwortete sie / und hättet ihr
ungleich besser getahn / sagte sie zu Ladisla / dass ihr euch mit eurem Herkules
/ als mit meiner Fr. Schwester hättet ehelich trauen lassen / weil ihr so gar
von demselben nicht könnet geschieden sein / dass mich auch wunder nimt / dass ihr
nicht mit Herkules und eurem Gemahl stets auff einem Bette schlaffet. Ladisla
lachete darüber / wie ernstlich sie gleich solches vorbrachte / und sah wohl dz
mit dieser aus Liebeseifer erzörneten Frauen nicht zu handeln wahr / biss der
erste Schiefer würde vorüber sein / daher gab er zur Antwort / er wollte seiner
herzlieben Fr. Schwester dieses auff gelegenere Zeit beantworten / jetzo aber
seinem Bruder Herr Fabius folgen. So geht hin /sagte sie / und benehmet ihm den
Unwille / welchen er über mich gefasset hat. Ja gar gerne / antwortete er / wann
sie nur den ihren von mir abwenden will. Der wird euch zu nichts schaden / sagte
sie / weil ihr ohn dass nur euren Spot damit treibet. Er entschuldigte sich
dessen / boht ihr einen freundlichen Kuss / und ging hin / seine Waffen anzulegen
/ ritte mit Fabius nach dem nähesten Hafen des Adriatischen Meers / in welchem
eine gute Anzahl Römischer Kriegsschiffe lagen / wähleten jeder eines daraus /
welches ihm am gefälligsten wahr / und liessen sie iñerhalb sechs Tagen mit
aller Notturfft versehen. Die Kriegs- und Ruderknechte wurden unter den
versuchtesten ausgelesen / und wollte ein jeder diesen ritterlichen Zug mit tuhn.
Des dritten Tages vor ihrem Abscheide / ritten sie aber hin / die Schiffrüstung
zubesichtigen / und da sie einen zimlichen Weg bei dem Meeres Ufer sich mit
reiten erlustigten / begegnete ihnen ein alter Mann / welchen sie frageten / was
er neues wüste. Dieser antwortete: es währe fider dem nähesten überfall der Meer
Räuber stille uñ sicher gewesen. Was ist das vor ein überfall davon ihr redet?
fragete Ladisla. Welcher vor XVI Tagen ohngefehr / von den Meer Räubern uns
leider begegnet ist / antwortete der Alte. Ladisla sagte zu Fabius: gilt Bruder
/ dieser ist uns von den Göttern zugeschikt / uns etwz Nachricht zugeben / und
hoffe / er solle uns ein besser Wahrsager sein /als auff dessen Ankunft mein
Gemahl so grosse Hoffnung gesetzet hat; fuhr gegen den Alten fort / und
forschete / ob dieser Räuberhauffe nicht gefangene Leute mit sich geführer
hätte. Ja / sagte er / einen sehr schönen Jüngling und eine adeliche Jungfer;
denen des folgenden Tages ein junger Herr im ledern Kleide / mit einem
ansehnlichen Diener / der ein röhtliches Haar hatte / nachfolgete. Ladisla
sprang vor Freuden vom Pferde / und sagte: Guter Freund / ihr müsst uns hievon
etwas mehr sagen; dann dieses zuerforschen /sind wir ausdrüklich hieher komen so
lasset uns nun wissen / wohin segelten diese Räuber? Meiner Meinung nach / sagte
er / richteten sie ihren Lauff straks in das Meer hinein / etwa an die
äussersten Ende Griechenlandes / oder wohl gar vorbei zu fahre / welches ich
daher muhtmasse / weil sie Barbaren / und aus den Asiatischen Morgenländern / ja
wo ich recht habe / gar aus Parten wahren. Freund / sagte Ladisla / könnet ihr
dann die Partische Sprache? Nicht gar /mein Herr antwortete er / sondern ich
verstehe sie nur zimlich / weil ich vor diesem im Partischen Kriege gedienet
habe. Was vor Gelegenheit aber hatte der junge Herr / den Räubern zu folgen?
fragete Ladisla weiter. Ich brachte ihn / sagte jener / auff ein Kauffmans
Schiff / dessen er mich ehrlich lohnete; und dieses nam seinen Weg nach
Griechenland / Handlung daselbst zu treiben. Ladisla gab ihm VI Kronen / und
sagte: Mein Alter / währet ihr alsbald nach Padua kommen / und hättet dieses bei
dem Statalter gemeldet / wollte ich euch das beste Meyer gut vor der Stad
geschenket haben. Sie kehreten hierauff bald wieder umb / und berichteten den
Statalter / was sie erfahren hatten; Welcher daraus leicht abnam / was vor eine
beschwerliche Nachsuchung diese sein würde; Dann sagte er / wofern Herkules
vorsezlicher weise sich heimlich halten wird / sollet ihr etliche Jahr zubringen
/ ehe ihr ihn auskundschaffet; dann Griechenland ist sehr weitläufftig / und die
umbligende Eylande mannigfaltig. Die Götter mögen euch sonderlich führen / sonst
sehe ich kein ausskomen. Uber das höre ich / er sei gewohnet / fremde Nahmen an
sich zunehmen darumb fraget nit so viel nach / wie er heisse /als wie er gestalt
sei / und sein Diener genennet werde. Jungfer Libussa wollte Herren Ladisla vor
seinem Abscheide etwas Nachricht geben / und zeigete an / Fräulein Valiska
liesse sich Herkuliskus nennen. Bei meiner träue / sagte hier auff Ladisla zu
seinem Gemahl; diese Jungfer dürffte eine gute Dolmetscherin eurer verborgenen
Reimen sein / und mich den Götter-Spruch in etwas treffen lehren; dann sehet den
Anfang desselben / welcher also lautet: Der mischte Nahme; das ist / der
vermischete; dañ aus Herkules und Valisska / ist der Nahme Herkuliskus gemacht;
und wird er gewisslich es mit seinem Nahmen auch also spielen. Und zwar hieraus
nahm er noch den grösten Argwohn / es müste eine vertrauliche Liebe zwischen
ihnen beiden sein / davon er nichts wüste. Vor seinem Abscheide redete er sonst
mannicherlei mit seinem Gemahl / schrieb auch an seine Fr. Mutter und die
sämtlichen Landstände; zeigete ihnen seine Reise an / und weil er nicht wissen
könnte / wie bald er dieselbe zum Ende bringen / und was ihm begegnen möchte /
verordnete er / da die Götter verhoffentlich sein Gemahl mit Leibesfrucht
gesegnet hätten / dass sie solchen künftigen Erben ihnen sollten lassen befohlen
sein / als dem nach seinem ableiben die Krohn Böhmen unstreitig zu stehen würde.
Sein Gemahl sollte auff diesen Fal in das Königreich nicht mit lediger Hand komen
/ sondern über LXX Tonen Goldes hinein bringen; worauss sie gnug urteilen könten
/ dass er von der Krohn keines Unterhalts bedürffte. Als er diesen Brieff gleich
versiegelt hatte / trat sein Gemahl zu ihm ins Gemach / und lieferte ihm ein
Schreiben /welches von Rom an Herkules haltend / gebracht würde. Ladisla sah
des umschlages Aufschrifft / uñ erkeñete / dz ihn Sabinus ihr alter Wirt
daselbst / geschrieben hatte; reiss den Umschlag davon / und lase die Auffschrift
des ingelegten Briefes: Dem Durchleuchtigsten Fürsten und Herrn / Herrn Herkules
/ geborñe Grossfürsten / meinem herzlieben Sohne. Er bedachte sich / ob ers
brechen / oder ungelesen verschlossen lassen sollte; endlich / weil er fürchtete
/ es möchte einer Antwort bedürffen / öffnete ers / und lase folgenden Inhalt:
Herzlieber Sohn; dein Schreiben / neben dem übergemachten Beutpfennige / Pferden
und Harnisch an deinen Bruder Baldrich / und Frl. Schwester Klaren / ist alles
geträulich eingeliefert / und erfreuen wir uns deiner Ehr und Wolergehens;
wundert auch deinen Herrn Vater nicht wenig / dass unsere Götter / die du so
verächtlich hältest / dich so weit übersehen / und nach unser Pfaffen Dräuung
nicht alsbald in die tieffste Pfütze alles Unglücks stürzen. O wie hermet sich
dein Herr Vater / dass er dein / mit höchstem Schaden des ganzen Vaterlandes /
entbehren / und seinen ärgesten Feinden / den Römern zum besten / dich so
fleissig muss auferzogen haben. Sei ja vorsichtig / und lass dich von ihnen nicht
auff dein Vaterland hetzen / dessen Verderben sie mehr als einigem Dinge nach
trachten. Dein Bruder und Frl. Schwester grüssen dich herzlich / nebest
freundlicher Danksagung vor das übergeschickete. Unsers Sohns Ladisla Heirat
komt uns allen sehr verdächtig vor / sehet zu / und vertieffet euch nicht zuweit
mit den listigen Römern / welche unser Freiheit Stricke zulege / nimmer
auffhören werden / damit Kindeskinder nicht ursach haben / euch nach dem Tode
zuverfluche. Lebe wohl / und grüsse deinen Ladisla. Geschrieben von deiner
geträuen Mutter Gertrud / GrossFürstin der Freien Teutschen.
    Nach verlesung legte er den Brieff in seiner Gemahl Gegenwart wieder zusamen
/ und damit er ihr keinen bösen Argwohn machete / sagte er; es würde bloss nur
vor dz übergeschikte nach Teutschland / gedanket / und währe von Herkules Fr.
Mutter geschrieben; redete nachgehends mit ihr von unterschiedlichen Sachen /
und versprach ihr / innerhalb sechs Monaten auffs längste / sich zu Padua wieder
einzustellen /oder wegen seines aussbleibens schriftliche Anzeige zu tuhn; würde
sie dañ unterdessen von Herkules oder seiner Frl. Schwester / Zeitung haben /
sollte sie solches an Sabinus nach Rom schrifftlich gelange lassen / der ihm
solches auff Begebenheit zusenden würde; dann weil von allentalben her nach Rom
Botschaften gingen / wollte er dahin an obgedachten Sabinus oft schreiben / da
er nicht inzwischen seinen Herkules sollte aussforschen können. Sie verhiess ihm
alles fleissig in Obacht zu nehmen / und hoffete zu den Göttern / es würde auff
jetzige traurige Scheidung eine abermahlige / und zwar bestendige zusammenfügung
erfolgen. Aber eines Bitte ich sehr / sagte sie /mir in Vertrauen zu
offenbahren; hat Herr Herkules sich mit euer Frl. Schwester ehelich versprochen
/ so verberget es nicht vor mir / weil ich nicht ohn Ursach darnach frage.
Gewisslich mein Schaz / antwortete er /ich weiss hiervon durchaus nichts mehr /
als was ich beginne zu muht massen; möchte auch von herzen wünschen / dass etwas
daran währe / dessen ich doch keinen Grund zu finden weiss; es währe dann / dass
vor zwei Jahren sie ihre Sachen mit einander abgeredet hätten / wovon aber meine
Fr. Mutter eben so wenig weiss als ich und ihr; so hat mein Herkules mir dessen
nicht die geringste Anzeigung getahn / welches mir den grösten Zweiffel
verursachet / inbetrachtung / er sehr wohl weiss / das beides ich und meine Fr.
Mutter sie niemand in der ganzen Welt lieber gönnen / als ihm; doch habe ich
numehr Muhtmassung gnug / dz meine Frl. Schwester eine Liebe zu ihm trage / und
ihr nicht geringe Hoffnung mache / ihn zum Gemahl zubekomen. Aber mein Herz /
saget mir doch / warumb ihr so fleissig hiernach fraget. Fr. Sophia lachete /
und gab zur Antwort; mir sollte gleich so wohl als euch nichts liebers sein / wann
diese Heirat vorwähre; jm widrigen gönnete ich ihm keine lieber / als meine
geliebte Schwester Frl. Sibyllen. Mein liebster Schaz /sagte er / so bald uns
das Glük zusammen bringt /will ich mich dessen bei ihm erkündigen / auch auff
wiedrigen Fal allen fleiss anwenden / euer Vorhaben zubefodern / wie wohl dem
lieben Fräulein keine Hoffnung zu machen ist / dann ich gar nicht zweiffele /dass
wo er meine Frl. Schwester in der Wilden fremde erretten / und in seine Gewarsam
überkommen wird /dürfften sie noch wohl schliessen / was annoch ungeschlossen
ist. Der junge Fabius kam gleich darzu /und meldete / dass die Schiffe fertig
stünden / und ein sehr guter Wind ihrer wartete; deswegen liess Ladisla seine
Leibgutsche bringen / auff welche er sich mit seinem Gemahl setzete; Fabius wahr
mit seiner Ursul auch auff einer allein / die sich nunmehr eines bessern bedacht
/ und in sein Vorhaben eingewilliget hatte; auff der dritten wahr der Statalter
und sein Gemahl /und auff der vier den Frl. Sibylla und Jungfer Libussa / als
welche ihnen das Geleite biss an die Schiffe gaben. Klodius ritte zu Ladisla an
die Gutsche / uñ bat sehr / ihre Gn. möchte ihn mit auf sein Schiff nehmen /
dann da er mit Herr Fabius fahren sollte / fürchtete er sich / es möchte ihm
dereins zu Häupte steigen / dass er ihn ehemahls so unbedachtsam aussgefodert;
versprach auch / sein Leib und Leben bei ihm willig auffzusetzen; bekam aber zur
Antwort; er sollte sich deswegen gar nicht bekümmern / weil er so wohl ihn als
Markus der Dienste zu erlassen gesinnet währe /dass sie hinfüro ihres Willens
leben sollten / und nicht destoweniger vier Jahrlang ihren volkommenen Sold
empfangen / als ob sie wirklich dieneten; befahl auch seinem Gemahl / dessen
eingedenke zu sein. Er aber ward wegen solcher Antwort sehr betrübet / und
zeigete mit traurigen Geberden an; er und sein Spiessgeselle Markus wollten nit
hoffen / so unträulich gedienet zuhaben / dass sie dergestalt auff stehendem
Fusse sollten beurlaubet werden; bähten demnach untertähnigst / da sie in vorigen
Diensten nicht könten gelassen werden / sie nur vor Schiffsoldaten zubestelle
/weil sie durchaus nicht bedacht währen / ihre Herren vor Ausgang der
versprochenen Jahre zuverlassen / es währe dann / dass dieselbe sich vor der Zeit
in sicherem Stande befünden / und ihre Herschaften anträten. Wolan / sagte
Ladisla / weil ihr so redlich seid; und euren Herren zu Liebe / viel lieber die
Gefahr wählen / als auff euren Gütern in guter Ruhe sitzen wollet / so soll euch
hinfüro euer Monatlicher Sold doppelt aussgezählet werden; und wer weiss / womit
ihrs verdienet / dass euch alle vorgeschossene Gelder gar geschenket werden?
Klodius entschuldigte sich / es håtte diese Meinung nicht; die schon erzeigete
Gnade und Woltahten währen ohn dz viel wichtiger / als sie Zeit ihres Lebens
ersetzen könten; Und weil Ladisla wohl erkennete / dass dieser gnugsame Ursach
hatte / sich Fabius Gesellschaft zu entäussern / wiewol ihm derselbe von herzen
gewogen wahr / behielt er ihn bei sich / und ordente Leches und Markus auf
Fabius Schiff / der sie willig und mit Dank annam / auch alsbald Leches zum
Befehlichshaber über das ganze Schiff / und Markus zum Häuptman über die
Kriegsknechte ernennete / jedoch dz dieser Leches Befehl gehorsamen sollte.
Ladisla gab Klodius auch die Häuptmanschaft über sein Schiff / und wahr ihm
sonderlich liebe / dass er schon vor dieser Zeit zur See gefahren / und ihm die
Griechischen Meerhaffen und vornehmsten Eyländer bekand wahren. Als sie dem Meer
naheten / und die auff dem Schiffe ihrer ansichtig wurden / liessen die
Bossknechte samt den Soldaten einstarkes Freudengeschrei gehen / und hiessen ihre
Herren mit den Trometen wilkommen. Der Statalter lies alle Schiffknechte und
Soldaten schwören / dem Römischen Reich geträue zu sein / und diesen ihren
beiden Obersten allen Gehorsam biss in den Tod zu leisten. Es wahren alle
ausserlesene Knechte / und des Meers überal erfahren / unter denen eine zimliche
Anzahl ädler wahren / welche sich unterhalten liessen / in diesem löblichen Zuge
etwas zu sehen. Am Ufer des Meers nahmen die Söhne vor erst Abscheid von ihren
Eltern / und befahlen sich ihrer steten Gunst und Liebe. Fr. Pompeja kunte vor
betrübnis kein Wort reden / sagete endlich mit vielen Trähnen; der almächtige
Gott Himmels Erden und Meers sei euch gnädig; der schütze / leite und führe euch
/ dass ihr nach wohl verrichtetem Vorhaben frisch und gesund wiederkommet / und
nach dieser Bekümmernis die euren wieder erfreuet. Hernach trat Ladisla zu
seinem Gemahl / uñ in dem er sie anreden wollte / belieff ihm das Hertz / dass er
kein Wort sprechen kunte; ermannete sich doch bald / und mit einem lieblichen
umbfahen sagete er; Mein ausserlesenes Herz / ich hoffe euch ehe wieder zu sehen
/ als ihr möget Glauben haben; unterdessen befehle ich euch dem Schuz aller
Götter / zweiffele nicht / ihr werdet meine geträue Liebe allemahl im frischen
Gedächnis führen und verwahren. Sie hingegen empfand solche innigliche Schmerzen
in ihrer Seele / dass ihr nicht anders zu muhte wahr / als sollte ihr das Herz im
Leibe bersten; endlich brachen die Trähnen häuffig los / wodurch sie etwas Lufft
bekam / dass sie antwortete: O mein ausserwählter Schaz / an dem ich alle meine
Wollust und Ergezligkeit habe; ich bitte euch herzlich und umb unser Liebe
willen / waget euch nicht zu kühn in Gefahr / und ohn Beistand; und da euch
andere umb Hülffe ansuchen / so entbrechet euch dessen / als viel ritterliche
Ehre immermehr zulassen kann / in betracht / dass ihr nicht allein der eure /
sondern auch der meine seid. Schreibet mir ja bald / wann ihr an Land kommet /
oder euch ein Schiff auffstosset welches dieses Orts anländen wollte / und seid
dem Schuz aller Götter befohlen. Sehe ich euch wieder / so bin ich vergnüget; wo
nicht / muss ich gedenken / ich bin eines so grossen Glüks nicht wirdig gewesen.
Mit diesem Wort fiel sie in Ohmacht nieder zur Erden / dass das Frauenzimmer
herbei zu treten / und sie zuerquicken genöhtiget ward. Ladisla erinnerte sie
ihrer bisher erzeigeten und so teuer angelobeten Beständigkeit /welche sie nicht
beiseit setzen / sondern eine geringe Wiederwertigkeit geduldig ausshalten
möchte; worauff sie sich erhohlete / küssete ihn freundlich zur Glükwünschung
einer guten Reise / und sagte; Nun so fahret unter Glücks begleitung / und eilet
mit eurer Wiederkunft / damit dieselbe grössere Vergnügung /als der Abscheid
Schmerzen bringe. Stieg hiemit auff ihren Wagen / und nam Sibyllen samt Libussen
zu sich. Diese lezte nun wahr diese Tage über von ihrem liebste Leches so wohl
bedienet / dass sie etlichemahl vornam / sich mit ihm auff den Weg zubegeben
/unter dem Schein / als wollte sie dem Fräulein folgen; dann es ging ihr hart ein
/ ihn so bald von sich zihen zu lassen; jedoch umb verdachts willen zohe sie
sich allemahl wieder zurücke. Leches hielt unterschiedlich bei ihr an / das
Beilager vor ihrer Reise zuvolstrecken / kunte es aber nicht erhalten / sondern
bekam diese Zusage: so bald ihn die Götter glücklich wieder zu Lande bringen
würden / sollte in sein Begehren unwegerlich eingewilliget werden; womit er sich
sehr ungern abspeisen liess. Der junge Fabius / da er von seinem Gemahl / die
sich kaum wollte trösten lassen /Abscheid genommen hatte / trat hin zu seiner
Schwester an die Gutsche / gesegnete sie / und befahl sich ihrer Schwesterlichen
Gewogenheit / mit Bitte / sie möchte sein Gemahl nicht verlassen / sondern sie
in ihre Gesellschaft auffnehmen. Sie hingegen vermahnete ihn träulich / der
guten Vorsichtigkeit sich zugebrauchen / und allerunnöhtigen Gefahr müssig zu
gehen / damit er durch seine gesunde Wiederkunft die seinen ingesamt wieder
erfreuen möchte. Darauff liessen sie ihre Pferde zu Schiffe bringen / und weil
das Weinen Zeit ihrer Gegenwart bei dem Frauenzimmer nicht nachlassen wollte /
eileten sie nach den Schiffen / hiessen die Anker lichten / und die Segel
auffspannen / wünscheten allen hinterbleibenden glückliches Wolergehen / und
fuhren frölich davon /liessen auch die Tromete blasen / als lange sie die ihren
am Ufer sehen kunten; welche die Seekante auch nicht verlassen wollten / so lange
sie die Schiffe im Gesichte hatten; hernach kehreten sie umb / und fuhren in
grosser Traurigkeit nach Padua / da Fr. Sophia erst bereuete / dass sie bei ihrem
Gemahl nicht fleissiger angehalten / sie mit zunehmen; und hätte sie ohn
zweifel ihr Leben durch grämnis geendet / dafern die stete Gesellschaft Frl.
Sibyllen und Jungfer Libussen nicht gewesen währe; dann diese insonderheit kunte
ihr so lustige Schwänke vormachen / dass sie darob sonderlichen Gefallen trug /
und ihr vornahm / sie nimmermehr zu verlassen. Ladisla hatte mit Fabius Abrede
genommen / er wollte etwas nidriger Nordwarz an Griechenland fahren / und möchte
er sich besser nach Suden in einem Hafen des Landes Peloponnesus anfinden. Sie
hatten beiderseits ungemässigte schrifftliche Volmacht / als Römische Gesanten
bei sich /denen allentalben / wo Römischer Nahme gültig /auff begehren sollte
gewilfahrt werden / welches vor Römischer Käyserl. Hocheit allemahl
zuverantworten / sich H.Q. Fabius als Statalter / in solchen Briefen erboht.
Ehe und bevor diese beiden Schiffe sich scheideten / sahen sie von ferne drei
auff dem Meer hin und wieder schwebende Schiffe / welches ihren Steurmannen
verdächtig vorkam / insonderheit / weil sie keine Flaggen bei ihnen sahen / aus
welchen sie hätten urteilen mögen / was vor Leute oder Landesart sie währen /
daher sie solches ihren beiden Herren anzeigeten / welche ihre Kriegsknechte
hiessen das Gewehr fertig halten / und auf Begebenheit ihren Führern frisch
nachsetzen; sie hielten vor gut / dass ihre Schiffe nahe bei einander bliebe /
damit nit etwa eines von jener zweien zugleich angetastet würde. Als sie näher
zusamen kahmen / sagte Fabius Schifman; ohn Streit werden wir diesen nit
entweichen / dañ ich sehe / dass es Pañonische Schiffe sind / welche uns Römern
mañichen schade auf dem Meer tuhn / wañ sie gelegeheit darzu haben. Ladisla ward
dessen auch berichtet / daher sie ihrer Schanze um so viel fleissiger wahr
nahmen. Nu hatten jene nicht allein die unsern sehr früh ins Gesicht bekommen /
sondern auch oben von den Mastkörben ihre Flaggen / dass sie Römisch wahren
erkennet / und weil sie auf jedem Schiffe 80 bewehreter Mann hatten / auch bald
inne wurden dass die unsern bei weitem nicht so stark währen /nahmen sie ihnen
vor / sich ihrer zubemächtigen /nicht allein dass sie ihren damahligen
öffentlichen Feinden abbruch tuhn / sondern auch verhoffentlich gute Beute
erstreiten möchten; und damit den unsern bald anfangs eine Furcht eingejaget
würde / stelleten sie alle ihre Volker oben auff die Schiffe in gute Ordnung mit
vollem Gewehr / sendeten bald darauff in einem Jagtschiffe an sie / mit befehl /
ihr Gewehr niderzulegen / alle Güter so sie bei sich führeten / ihnen als ihr
eigen Gut zuliefern / und sich selbst ihnen auff Gnade und Ungnade zuergeben.
Ladisla liess den Abgeschikten anhalten / und nach kurzem Kriegsraht sendete er
einen verständigen Bootsknecht ihnen wieder zu / welcher nach kurzer
Wiederhohlung / was an sie geworben wahr / diese Antwort geben musste. Meine
Herren in jenen beiden Schiffen / so ädle Römische-Ritter sind / des Vorhabens
ohn einiges Menschen Beleidigung nach Griechenland zusegeln / begehren von euch
zuwissen / was vor Leute ihr seid /von wannen ihr kommet / und welcher
schändliche Frevel euch muhtige / ein solches Begehren an sie abgehen zulassen /
welches nicht menschlich / sondern viehisch / ja recht teuflisch ist / behalten
ihnen auch vor / es gebührlich an den Redlensführern zurächen. Der Häuptmann des
ersten Schiffes sagte darauf mit einem Gelächter; die Antwort wollen wir ihnen
geben / doch nicht / dass sie dieselbe hören / sondern mit betrübeten Augen sehen
sollen; hiess auch ohn ferneres Bedenken diesen Bohten an den Mastbaum aufhenken
/ und zwar mit dieser Trostrede; weil seine ganze Gesellschaft doch sterben müste
/ sollte er die Ehre haben / der erste zusein. Dieser Schifknecht sehend / dass er
sein Leben nicht retten kunte / reiss sich los von denen die ihn hielten / stiess
dem Håupmann sein Brodmesser ins Herz / sprang aus dem Schiffe ins Meer / und
weil er ein sehr guter Schwimer wahr / glückete es ihm / dass er davon kam /
massen die unsern seinen Sprung in das Meer ersehend / ihm alsbald ein Bötchen
entgegen schicketen / in welches er trat / und den unsern seine Verrichtung
meldete. Worüber hoch und nidrig so entrüstet wurden / dass sie sich äidlich
verbunde / die Schmach zurächen oder zusterben / nahmen auch den Pannonischen
Abgeordenten / und knüpfeten ihn alsbald auf / welches die Feinde wohl sahen /
und sich des Frevels / wie sie es nenneten /nicht gnug verwundern kunten /
setzeten sich alsbald zusammen / und verfluchten sich hoch / den Tod ihres
Abgeschikten grausam zuråchen; Es wahren an Feindes seite in jedem Schiffe X
Geharnischte / die übrigen alle Gepanzert; aber bei den unsern wahren nicht
allein die Häupter / als Ladisla / Fabius / Leches /Klodius und Markus / sondern
auch alle ädle so unter ihnen wahren / an der Zahl XLV mit guten Harnischen /
die übrigen mit Panzerhemden / Sturmhauben und Brust stücken oder Krebsen wohl
versehen. So bald sie sich erreicheten / wahren sie von beiden seiten bemühet /
wie sie der Feinde Schiffe an die ihren mit starken Haken fest anheften möchten.
Der unsern Schiffknechte hielten an / dass jhnen erläubet würde mit zufechten /
welches ihnen Ladisla verhiess / dass sie zum Entsaz sollten gebraucht werden /
daher ihrer XXXVI sich mit ihren Waffen fertig hielten. Der erste Angrif wahr
über allemasse ernstlich und herbe / dann die Pañonier meinten es sollte ihnen
nicht fehlen mit ihrer ersten Wuht durchzudringen / und diesem Spiele eine kurze
Endschaft zugeben / aber sie funden über verhoffen Schuch vor ihre Füsse; dann
Fabius / Leches und Markus / in dem einen / Ladisla aber und Klodius im andern
Schiffe drungen dergestalt zu ihnen ein / dass sie keinen Fussbreit gewinnen
kunten. Weil auch Fabius Schiff das gröste / und mit der meisten Mannschaft
besetzet wahr / machten sich zwei Feindes-Schiffe an dasselbe / eines von fornen
her /das ander von der seite / deswegen Fabius mit 50 Mann den Vörderteil /
Leches aber und Markus die seite mit gleicher Mannschaft schützeten. Ladisla
munterte die seinen anfangs mit freidigen worten /hernach mit tapferem Gefechte
auf / dann er wütete nicht anders als ein Löue / und rieff überlaut; ihr Räuber
und Mörder / gedenket ihr dañ / das redliche Ritter sich von euch als zur
sonderlichen Gnade alsbald wollen henken lassen? Es ging an allen dreien Orten
zimlich früh über des Feindes geharnischte / nach deren Erlegung die Zeichen des
Sieges sich an der unsern seite spüren liessen; dann Ladisla drang der gestalt
durch / dass er in des Feindes Schiff übersprang /und folgete ihm Klodius samt
XII streitbahren ädlen frisch nach / denen immerzu mehr folgeten / dass endlich
Freund und Feind alle in dem einen Schiffe wahren; Die Pannonier hieselbst
wahren übermannet / und begunten schon das Gewehr von sich zuwerffen / riefen
umb Gnade / und begehrten Lebensfristung; welches ihnen aber nicht verheissen
ward / sondern Klodius musste mit XX Mann hie bleiben / und den Gefangenen /
deren XLV wahren / Ketten anlegen /wozu die angeschmiedete Bootsknechte / welche
gefangene Römische wahren / tapffer holffen; Mit den übrigen ging Ladisla fort
nach Fabius / der einen harten Stand hielt / und dem Feinde schier hätte weichen
müssen / dann die allertapffersten fochten gegen ihn; Auf Ladisla Ankunft aber
enderte sichs bald / massen derselbe sich an den Häuptman einen starken
verwägenen Kämpffer machete / und ihm den rechten Arm lähmete / dass er musste
ruhig sein; Fabius schämete sich / dass er seiner Hülffe bedurffte / und ging
daher so eiferig los / dass er zu den Feinden übersprang / da ihm Ladisla und
Markus folgeten; Die Feinde aber wollten nicht so leicht hinter sich weichen /
dass sie den ihren Raum gemacht hätten / nachzusetzen / daher sie immer schlagen
und stechen mussten / dass sie nach gerade etliche wenige Helffer bekamen / welche
auch so frisch hinein drungen / dass die Feinde ihnen Raum genug geben mussten /
und endlich / als übermannet /das Gewehr niderlegen; Daher auch Markus hieselbst
mit XXX Kriegsleuten blieb / die angeschmiedeten losmachte / und die freien in
Bande legete. Da drungen nun Ladisla uñ Fabius mit ihrer ganzen Macht auff das
dritte Schiff / auff welches Leches schon selb zwölfen festen Fuss gesetzet
hatte; Diese der ihren Niderlage ersehend / hätten sich gerne durch die Flucht
gerettet / aber sie kunten das Schiff nicht losmachen; so kam ihnen auch der
Entsatz gar zu zeitig über den Hals / dass sie sich gleich den andern ergaben /
und die Bande annahmen. Es wahren an Feindes Seiten in allen dreien Schiffen LX
erschlagen / und 180 gefangen. Da hingegen an unser Seite nur V ädle IIX unädle
tod; auch XVI ädle uñ XXII unädle verwundet wahren. Bald nach erhaltenem Siege
wurden die Pannonischen Häuptleute und alle Befehlichshaber auf Fabius Schiff
gebracht / welche Ladisla in Pannonischer Sprache also anredete: Finde ich euch
nun in solcher gestalt / ihr trotzige uñ verwägene Schelme und Mörder / die ihr
mir und meinen redlichen Gesellen und Kriegsleuten den Strang zur höchsten
Begnadung anbieten dürffen / da unser keiner euch jemal beleidiget hat; Ja /
waret so gottlos / dass ihr wider aller Völker Rechte meinen Abgeschikten zur
Kurzweil woltet henken / welchen doch der Himel augenscheinlich aus euren Händen
errettet und lebendig erhalten hat? Da sehet ihr (nach dem Mastbaum zeigend)
euren Abgeschikten am Strange bammeln / weil ihrs mit Gewalt also habt haben
wollen; Und sollet mir straks angesichts anzeigen / ob der mir und den meinen
angebohtene Troz nur von etlichen / oder aus algemeiner Bewilligung herrühre. Es
wollte anfangs keiner vor dem andern antworten / biss Fabius einen beim Arme
fassete / und zu ihm sagete: Bald gib Bescheid auff die Frage / oder du solt die
Folter bescheissen. Dieser durch die Warheit Gnade zuerlangen hoffend /
bekennete: es währe von den dreien Oberhäuptleuten also angestifftet und von
ihnen allen hoch und nidrig also beliebet werden. Wolan / antwortete Ladisla /
so soll euch allen widerfahren / was ihr andern unschuldigen habt tuhn wollen.
Klodius und Markus wahren inzwischen an die zuvor angeschmidete / nunmehr
freigemachte Ruderknechte abgeschikt / bei ihnen zu erkündigen / wessen sich
diese Pannonier bisher auff dem Meer verhalten hätten; Da ihrer etliche
andeuteten: sie hätten inwendig eines halben Jahrs frist XIIX Römische Kauffmans
Schiffe überwältiget / alle Güter zur freien Beute gemacht / und die Menschen
ohn Unterscheid / ob sie sich gleich willig ergeben /dannoch nach heftiger
Prügelung an ihre eigene Mastbäume aufgeknüpffet / und nachgehends die Schiffe
treiben lassen / wie sie der Wind geführet. Die unsern entsetzeten sich vor
solcher unmenschlichen Grausamkeit / und sprachen ihnen die Urtel / dass ihnen
allen ein gleiches sollte angeleget werden; Wurden demnach anfangs die Häuptleute
und Befehlichshaber von den Ruderknechten aus allen fünff Schiffen ohn alle
Barmherzigkeit biss auf den Tod geprügelt / und nachgehends an ihre eigene Masten
/ weil sie noch lebeten / angeknüpffet. Weil solches die Pannonischen gemeinen
Knechte ansahen / trieben sie ein jämmerliches Geheule / weil sie wussten / dass
es ihnen gar bald gleich also ergehen würde / wie dañ geschahe / biss sie alle
mit einander auff solche weise hingerichtet wahren / und die drei Mastbäume von
unten auff mit solchen Buben behänget wurden. Die Beute /welche sie bei ihnen
antraffen / wahr überaus gross /wovon den Kriegsleuten und Schiffknechten in
gleicher Teilung / doch nach Unterscheid der Aempter ein statlicher Beutpfennig
gegeben ward / so dass jeder gemeiner Knecht 800 Kronen bekam / die erlöseten
aber / deren über hundert wahren / jeder 400 Kronen. Es ward von Fabius ein
grosser Brief gemacht / und an den grösten Mastbaum des ersten Schiffes
geschlagen / worin aller Verlauff kürzlich berichtet ward / uñ mussten die
erlöseten Ruderknechte äidlich angeloben / dz sie die Schiffe überbringen / uñ
sich zu Padua bei dem Statalter angeben sollten. Weil auch XXVI unter diesen
wahren / welche umb Kriegsbestallung bei den unsern anhielten / wurden sie
willig angenommen / und dadurch der erschlagenen Stelle gnug ersetzet. Des
andern Tages schieden Ladisla uñ Fabius / gemachtem Schlusse nach / von einander
/ und eilete Ladisla sehr / dann sein Hertz wahr ihm schwer /dass er zu Klodius
sagete: Mir muss etwa ein Unglück bevorstehen / oder meiner besten Freunde einer
leidet noht. Dieser baht ihn / nicht zu stränge zu segeln /dann es gäbe alhie
viel verborgene Klippen / welche mannichen Schiffbruch verursacheten. Der
Steurman trat auch hinzu / und meldete: man müste sich wenden / und die Höhe
wieder ergreiffen / damit das Schiff und ihr aller Leben nicht in Gefahr kähme;
welches ihm Ladisla nicht wehren durffte / dann er sah selbst / dass man zu weit
gangen wahr; Daher sie etliche Tage zwischen den Klippen zubrachten / und nicht
geringe Gefahr ausstunden / biss sie endlich in einen Hafen / gegen Korzyra über
/ einlieffen / woselbst er sein Schiff ausbessern liess / und sich wieder auffs
Meer begab / da er wegen Windes Widerwertigkeit hin und wieder schwebete / biss
er in den nähesten Hafen bei der Stad Patræ in Peloponnesus einlieff /und also
sein erstes Vorhaben nicht erreichen kunte. Fabius hatte nicht viel besser Glük
/ dann er lieff wider den Wind / und brachte fast drei Wochen zu /ehe er
Peloponnesus erreichen kunte; und da er umb die Gegend dieser Landschaft ankam
/ wahr er zweifelhaftig / ob er einländen / oder weiter nach dem Eylande Kreta
schiffen sollte; endlich beschloss er / nach Korint zu segeln / ob er daselbst
Ladisla antreffen /oder sonst etwas zu seinem Vorhaben dienlich erforschen
könnte.
    Umb diese Zeit / als die drei Böhmische Herren von Padua wieder zu Prag
angelanget wahren / und etwa vor zween Tagen der Königin den Verlust ihrer
liebsten Frl. Tochter auffs glimpflichste vorgetragen hatten / worüber sie sich
über alle masse hermete /liess sich daselbst vor dem Stad Tohr eine starcke
Reuter Schaar 1600 Pferde stark / anmelden / dass sie von einem grossen Herrn
abgesand währen / bei der Grossmächtigsten Königin in Böhmen etwas in aller
Freundschaft zuwerben. Die Reichs Rähte / welche wegen der Fräulein Verlust
überaus betrübt wahren /insonderheit / weil die Königin sich so gar nicht wollte
trösten lassen / hielten nicht vor rahtsam / dass auff solches ungewisse Angeben
der Gesante sollte eingelassen werden / und liessen ihm in der Königin Nahmen
andeuten: Er sollte wissen / dass er in einem freien Königreich währe / und
schuldig / sich zuvor mit so vielen Reutern von ferne anmelden zulassen / ehe
und bevor er vor dem Stad Tohr anklopffete; würde ihm also kraft dieses
ernstlich gebohten / seine ganze Reuterei biss auf XII Mañ / straks angesichts
zurück gehe zulassen biss auf eine halbe Meile von der Stad /oder man würde ihnen
bald Füsse machen. Der Gesante wollte diesen Befehl unwillig empfinden / und mit
grossen Bedingungen aufftreten / aber ihm ward zum endlichen Schlusse gesagt /
die Völker hinter sich zu schicken / oder eines Angriffs gewärtig zusein / weil
man ohndas nicht wüste / ob er von Freunden oder Feinden abgeschikt währe;
Welcher Ernst ihn bewog /dz er nähern Kauff gab / die Reuter schleunig von sich
gehen liess / und von neuen anmeldete / er währe ein Gevollmächtigter Gesanter
des gewaltigen Königes der Franken und Sikambrer / uñ zweifelte nit /man würde
ihn von wege seines Königes unbeschimpffet lassen. Herr Gesanter / antwortete
ihm H. Stanisla / welcher an ihn geschicket war: Euer König bleibt an diesem
Orte wohl unbeschimpfet / meint  ihr aber / man köñe es in Böhmen rieche / oder
den Leuten vor dem Kopffe lesen / von wannen sie kommen /uñ wem sie zustehe?
warum habt ihr solches nit bald anfangs gemeldet? habt ihr dasselbe aus Königl.
befehl verschwiegen / so hat man euch nit allerdinge zu trauen; habt ihrs aber
vor euch selbst getahn / müsst ihr eine schlechten Gesanten Verstand haben; wie
wohl ich solches mit euch nit streiten / sondern höchstgedachtem Könige zu ehren
euch gebührlich empfangen und in die Stad begleiten will. Der unbesonnene Mensch
wusste dieses nicht zubeantworten / nur dz er vorgab / er meinte nicht anders /
als dass er bald anfangs seines Königes Meldung getahn hätte; wo nicht / währe es
ohn versehens unterlassen. Welches aber Stanisla mit einem stilschweigen
beantwortete. Es hatte der erste Gesante des Königes Hilderich aus Franken (wie
im ersten Buche gemeldet) nahmens Klogio / einen blossen zu Prag geschlagen /
als er vor seines Königes Sohn dem jungen Fürsten Markomir umb eine Heirat mit
Frl. Valissken Anwerbung taht; Als er nun von solcher Reise bei seinem Könige und
dem jungen Fürsten wieder anlangete / und die gegebene Erklärung zurück brachte /
ward er schlecht gewilkommet / insonderheit / dass er dem Fräulein weder die
Geschenke noch das geheime Schreiben hatte gewust füglich beizubringen; endlich
/ als sie die Antwort recht bei sich erwogen / hielten sie es gänzlich davor /
es währe nichts / als eine höfliche Abweisung; und ob gleich die Reichs Rähte
dagegen vorbrachten /dass solche Antwort eine grosse Wichtigkeit hinter sich
hätte / insonderheit weil der Fräulein Herr Bruder zugleich nunmehr ihr
gebietender König währe / uñ sie ohn dessen Einwilligung nicht würde eine
Heirat schliessen dürffen; so wollte doch solches bei dem Könige nicht haften /
wie ein kluger und vernünftiger Herr er auch wahr. Vielweniger wollte der junge
Fürst sich damit befriedigen lassen / und warff derselbe einen solchen Unwillen
auff seinen sonst so angenehmen Klogio / dass derselbe sich heimlich davon machen
/ und als verborgen Leben musste. Inzwischen ging der junge Fürst in steter
Schwermühtigkeit / dass ihm Farbe und Fleisch / endlich auch alle Lust zur Speise
entging; worüber sein Herr Vater / welcher ihn überaus liebete / sich hart
grämete; und mannicherlei Mittel bei sich überlegte / wie er die heftigen
Begierden seines Sohns befriedigen möchte / und beschloss endlich auff seiner
Rähte guteissen; er wollte eine abermahlige Gesellschaft nach Prage abgehen
lassen /umb das Fräulein zuwerben / also und dergestalt / dass wañ man sich nicht
offenherzig mit ja erklären / sondern entweder unter einer Vermumung spielen /
oder abschlägige Antwort geben würde / man alsbald einen Ernst zur Sache tuhn /
und das Fräulein mit gewaltsamer Hand wegnehmen sollte / dero behueff man auff
allen Fal ein starkes Kriegsheer zu Ross und Fuss so nahe es geschehen könnte hin
an Böhmen führen / und in der Bundsverwanten Land so stiller / so besser
/einlegen müste / welche auff empfangenen Befehl in zween Tagen und Nachten gar
hinan rücken / die Stad Prag ersteigen / und das Fräulein davon führen könten.
Niemand gefiel dieser Anschlag besser / als dem jungen Fürsten Markomir /
welcher emsig wahr / dass in wenig Wochen 40000 zu Ross / uñ 80000 wolversuchte
Fussknechte / welche mañichen Sieg von den Römern und Galliern erhalten hatten /
zusammen gebracht und aus Gallien nach dem alten Frankenlande geschikt wurden.
Der König hätte zwar gerne gesehen / dass der junge Fürst daheim blieben währe /
aber derselbe hielt so inständig umb erläubnis an / als ein Unbekanter und
Auffwarter des Gesanten mit zuzihen / dass der Vater ihm solches nicht wegern
kunte; jedoch ihm und allen hohen Kriegs Beamten ganz ernstlich einband / keine
Gewalt zugebrauchen / wann keine Hoffnung währe / das Fräulein dadurch
zuerlangen; sollten auch keinen Inwohner dessselben Landes beleidigen / als die
sich ihnen tähtlich wiedersetzen /und ihr Vorhaben zuhindern sich unterstehen
würden. Mit dem obgedachten starken und wolgewapneten Heer ging nun beides der
junge Fürst Markomir /doch in unbekanter Gestalt / und des Königes Gesanter /
nahmens Herr Dagobert fort / nahmen auch 1600 Pferde mit sich biss nach Prag /
und hatten auff dem ganzen Wege / biss an den Ort / da ihr Heer liegen blieb /
etliche hundert einzelne Reüter verleget / welche mit schnellen Pferden (die
stets gesattelt stehen mussten) einer zum andern rennen / und auff den Fal /das
Heer herzu fodern sollten; welcher Anschlag dann so weisslich angelegt wahr / dass
wann das Fräulein daheim währe gewesen / würde sie unmöglich ihren Händen
entgangen sein. Der Gesanter wahr vor sich selbst so unvernünftig nicht / als
er obgedachter Art sich vor dem Tohr zu Prag anmeldete / sondern der junge Fürst
/ welcher als sein Ritterlicher Diener hinter ihm her ritte / ordente es so /
wieder dessen Willen und guteissen / daher er ihm auch hernach solches in der
Herberge verweisslich vorhielt / mit Bitte hinfüro solcher anschläge müssig
zugehen / durch welche man dem Könige böse Nachrede / und ihm selbst einen
schlimmen Nahmen zuzöge; welches er ihm auch angelobete. Auff Befehl der Königin
ward dieser Gesanter in der Herberge wolgehalten / und mussten ihm Stanisla und
Krokus Gesellschaft leisten / welche dann aus seinen Reden befunden / dass er
verständiger wahr / als sie ihn anfangs geschätzet hatten; sie hüteten sich aber
/ ihn zu fragen / was seine Anwerbung währe /gedachten auch der verlohrnen
Fräulein mit keinem Worte / sondern erbohten sich / da es ihm also gefallen
würde / bei der Königin anzuhalten / dass er des folgenden Tages vor ihre Hocheit
zutreten Freiheit haben sollte. Herr Krokus Sohn / ein tapfer Ritter /und neulich
bestelleter Hauptman über die Schloss-besatzung / auch Verweser der Königlichen
Rüstkammer / nahmens Neda / ward mit 60 Reutern hinaus geschikt / die
mitgebrachten Reuter auff die umbliegende Dörffer zuverlegen / welcher solches
fleissig verrichtete. Er traff unter diesen Franken einen Ritter an /welcher ein
gebohrner Dähne wahr / und vor dreien Jahren mit ihm / da er in Dännemark
Ritterschaft übete / gute Kundschaft gemacht hatte / derselbe gab ihm in
geheim vertraulich zu vernehmen / was vor eine grosse Macht die Franken in
bereitschaft hätten /und dass wohl gnug gefährliche Anschläge möchten obhanden
sein / denen man nicht als durch Macht würde begegnen können. Neda dankete ihm
im Nahmen seiner Königin vor solche Warnung / hinterbrachte es alsbald und ward
darauff in beisein der Königin geheimer Raht gehalten / auch nach kurzer
Unterredung den Aussreitern schrifftlicher Befehl erteilet / durch das ganze
Königreich die Ritterschaft auffzumahnen / welche sich nach den Grenzen / daher
die Franken kommen wahren erheben / und auff alles gute acht haben / auch die
aussgesetzeten Postreuter (dann von denen hatte der Dähne auch meldung getahn)
ohn unfreundligkeit auffhalten / und sie nicht allein fortreiten lassen sollten.
Uberdass ward in Prage diese Nacht eine solche Menge wolgewapneter Völker
eingelegt / dass sie nicht alle Raum darinnen hatten / sondern ein Lager vor der
Stad vor 6000 Mann abstechen / und darinnen wohl verschanzet sich auffhalten
mussten. Der Frankische Gesanter drang nicht auff eine schleunige Verhörung /
sondern meinte / noch etliche Tage es auffzuschieben / und alle Gelegenheit /
wie man die Stad am besten überrumpeln könnte / abzusehen / welcher Vorsaz ihm
aber des folgenden Morgens aus zweien Ursachen verging; erstlich / weil die
seinen ihm auff dem Lager die Zeittung brachten / dass diese ganze Nacht ein
Getümmel in der Stad auff allen Gassen gewesen / uñ man allentalben nichts als
bewehrete Soldaten sähe; hernach / weil die Königin frühzeitig zu ihm schickete
/ und ansagen liess / wann er Verhörung begehrete / sollte er sich in vier Stunden
darzu gefasset halten; wo nicht / würde sie umb nöhtiger Geschäffte willen /
auff ihn länger nicht warten können / nach dem sie eine Reise nacher Teutschland
zu ihrem Herr Bruder dem Grossmächtigsten GrossFürsten der Sachsen und anderer
Freien Teutschen / vorhätte / umb höchstwichtige Sachen die Beschützung ihres
Reichs wieder alle meuchel Feinde betreffend / mit demselben abzuhandeln. Aus
diesen beiden Ursachen muhtmassete so wohl der Gesanter /als der junge Fürst
selbst / ihr vorhaben müste verrahten sein / hatten doch nicht Zeit sich lange
zu bedenken / sondern gaben zur Antwort; Ob zwar der Gesante von der zimlich
langen Reise / welche er Tag und Nacht fortgesetzet / noch müde währe / und auff
eine zierliche Rede sich nicht geschicket hätte / müste er doch billich
Königlicher Hocheit untertähnigst gehorsamen / und auff angesetzte Stunde
erscheinen / vor sein Häupt untertähnigst gesinnend / dass er Freiheit haben
möcht / mit seinem geheimen Schreiber (welcher alle Handlung in die Feder nehmen
würde) vorzutreten. Dieses ward ihm gerne eingewilliget / und schickete sich
Dagobert der Gesante auffs beste darzu / wie er dann schon vor der Reise seinen
Vortrag wohl gefasset hatte. Es sah aber die Königin vor gut an /dass die Zeitung
von der Fräulein Raubung / wie wohl ohn Benennung / wo solches geschehen / in der
Stadt / sonderlich in der Herberge / wo der Gesante lag /kund gemacht würde /
welche man bisher allerdinge hatte verborgen gehalte. Der Frankischen Diener
einer hörete bald davon reden / uñ brachte es dem Gesanten vor / welcher nebest
den jungen Fürsten (dieser wahr der angegebene geheime Schreiber) es vor ein
Getichte hielt / aus groben Unverstand herrührend / weil mans eben so auff den
Stuz ausssprengete / kehreten sich auch nichts daran / sich stellend als ob sie
davon nichts erfahren hätten. Herr Krokus hielt mit der Königlichen Leibgutsche
vor der Herberge / auf welche sich Herr Dagobert samt seinen verstelleten
Sekretarius oder geheimen Schreiber setzete und eine lange Gasse / die mit
ansehnlichen Kriegsleuten angefüllet wahr / hinfuhr / welches ihn nicht wenig
irre machete / insonderheit / da er auff dem Schloss über einen hohen Lustgang
geführet ward / von welchem er hinaus ins freie Feld sehen kunte / und daselbst
gewahr ward dass über die 12000 junger Mannschaft getrillet und im Gewehr geübet
wurden. Doch lag ihm dieses nicht so hart an / als die ausgesprengete Zeitung
von dem verlohrnen Fräulein / wie wohl er sich dessen auch begab / weil ihm
Krokus auff dieser Fahrt nichts davon gemeldet hatte. Die Königin / welche diese
Tage über in stetem klagen und weinen zugebracht /ergriff sich auff der Rähte
bewägliche Ermahnung /sich gegen den Gesanten keiner übermässigen Traurigkeit
vernehmen zu lassen / daher sie ein gezwungenes freimuhtiges Gesicht annahm /
als Herr Dagobert mit seinem Schreiber in die Verhör Stube trat / und dieser
nach geleisteter demühtiger Neigung sich an ein Neben-Tischlein setzete / fertig
/ alles was geredet würde / auffzuzeichnen; daher drei Böhmische geheime
Schreiber an einem andern Tische ein gleiches vornahmen. Dagobert / nachdem er
seine Königliche Glaubens-Bescheinigung schrifftlich eingereichet hatte / und
solche von dem Herrn Reichs Kanzler vor gnugsam erkläret wahr / brachte darauf
vor; Es würde die Grossmächtigste Königin in Böhmen ungezweiffelt añoch in
unverruktem Andenken haben / was gestalt unlängst der auch Grossmächtigste König
der freien Franken und Sikambrer in Gallien / Herr Hilderich /an
vorhöchstgedachte ihre Königl. Hocheit eine ansehnliche Gesandschaft abgehen
lassen / und solches aus aufrichtigem Herzen / ümb durch eine wirdige Heirat
zwischen seinem Herr Sohn dem Durchleuchtigsten Königlichen Grossfürsten und
künftigen Kron-Erben seines freien Reichs / Herrn Markomir / und der auch
Durchleuchtigsten Königlichen Fräulein aus Böhmen / Frl. Valisken / eine nahe
Verbündnis und ewigwehrende Freundschaft zustifften; wie dann gedachter
Königlicher Gesanter / Klogio / solches gebuhrlich geworben zuhaben / man die
Hoffnung trüge /welches er ja mit gegebener schriftlicher Antwort bescheiniget
hätte. Weil aber die Erklärung auff vorgetragene Anwerbung / an Königl.
Böhmischen seiten sehr tunkel und ungewiss währe / und aber Königl. und
Grossfürstl. Hocheit an Fränkischer seiten gerne den gewissen und unwandelbahren
Schluss dieser so hochbegehreten wirdigen Heirat wissen und haben möchten / als
währe im Nahmen und von wegen seines Allergnädigsten Königes / und Gnädigsten
jungen Grossfürsten / sein freund-inniglichstes Ansuchen und Gesinnen / dass an
Königl. Böhmischer seite solche aus sonderlicher Gewogenheit / Freundschaft und
Liebe herrührende Heirahtswerbung freundlich möchte beliebet / gut geheissen /
und geschlossen werden /wie man an Königl. Frankischer seiten das feste
Vertrauen hätte / man würde dessen künftigen Kron-Erben nicht unwirdig solcher
Heirat schätzen / insonderheit / weil dessen Durchleuchtigkeit dem
vortreflichen Böhmischen Königl. Fräulein mit Herz /Seele / und allem Vermögen
sich so gar zu eigen ergeben hätte / dass ihm ungleich leichter sein würde /sich
seines Lebens / als dieser Seelenfesten Liebe zuverzeihen; und daher leicht
zuermässen währe / was vor ein hochschädliches und beiden Völkern
grundverderbliches Unheil aus der unverhoffeten Heirahts Verweigerung entstehen
dürfte / welches zuverhüten /die Königliche Böhmische Kron ihr schon würde
lassen angelegen sein / worzu das frei Frank-Sikambrische Reich sich mit
auffrichtigem Herzen anerböhte. Schliesslich hielt Dagobert bittlich an / dass das
Königliche Fräulein / wie bei voriger Gesandschafts-Verhörung geschehen /
selbst gegenwärtig sein / und die Königl. Böhmische Erklärung hiedurch so viel
angenehmer / süsser und gültiger machen möchte. Die Königin liess auff die
letzten Worte einen tieffen Seufzer aus / dass ihr schwer fiel / sich des weinens
und klagens zuentalten / nur der Königliche Wolstand /welchen sie über
allesschätzete / hielt sie davon abe; Sie redete aber kein Wort / sondern Herr
Bretisla als Reichskantzler / gab dem Gesanten mit entblössetem Häupte (dann
also bezeigete sich dieser auch) zur Antwort: Es hätte die Grossmächtigste
Königin in Böhmen / die / im Nahmen des auch Grossmächtigsten Königes der Freien
Franken und Sikambrer in Gallien / abermahlige Anwerbung / eine wirdige Heirat
zwischen dem Königl. GrossFürsten und der Königl. Fräulein betreffend / wohl
verstanden / und dafern dem Herrn Gesanten nebest seinem geheimen Schreiber
gefallen würde / einen kurzen Abtrit zunehmen /wollte man sich an dieser Seiten
ohn Verzug also herauslassen / dass höchstgedachter König und der Durchl.
Königliche Grossfürst daran ein satsames Genügen würden haben können. Diese
leisteten solches gerne / unter der Hoffnung / es würde alles nach ihrem Wunsch
ergehen / bildeten ihnen auch ein / das Geschrei von der Fräulein Entführung /
währe ihnen zum höfflichen Auffzuge getichtet / nachdem ihr Vorhaben der Raubung
ihnen möchte verkundschaffet sein; Also pflegen des Menschen Begierde sich
allemahl zu kitzeln / als lange sie durch Hoffnung unterhalten werden. Die
Königin und der Reichs Raht hatten vorhin schon die Muhtmassung gefasset / was
das Frankische Vorbringen sein würde / und sich einer Erklärung beredet / wobei
es auch vor dissmahl schlechter dinge gelassen ward / daher Krokus nach Verlauf
einer halben Stunde / den Gesanten mit freundlicher Bezeigung wieder einfoderte
/ welcher von Herrn Bretisla also beantwortet ward: Hochansehnlicher Herr
Gesanter; die im Nahmen und von wegen des Grossmächtigsten Königes der Franken
und Sikambrer in Gallien / und dessen Hochheit Herrn Sohns des Durchleuchtigsten
Königlichen Grossfürsten / Herrn Markomirs / angetragene / und aus sonderlicher
Gewogenheit / Freundschaft und Liebe herrührende Heirahtswerbung / hat die auch
Grossmächtigste Königin in Böhmen / allergnädigst gegenwärtig / teils mit
hocherfreulichem / teils auch mit inniglichstbetrübetem Herzen angehöret und wohl
verstanden / erkennet daraus den recht freundlichen hohen Willen höchstgedachten
Königes und dessen Herrn Sohns Liebden gegen sie und ihre herzgeliebte Fråulein
Tochter / welchen an dieser seite zuersetzen /weder Fleiss noch Auffrichtigkeit /
ja weder Mühe noch Kosten zuersparen / man sich redlich und Königlich anerbeut;
in betrachtung / dass eine nähere und sicherere Freundschaft und Verbündnis
nicht kann noch mag zwischen Königen erdacht werden / als die durch Heirat
gestiftet uñ befestiget wird. Dass man nun zu der vorgeschlagenen wirdigen
Heirat (dann wem ist die Macht und Hocheit des Frankisch-Sikambrischen Reichs
nicht bewust?) an dieser seite bald anfangs ein satsames genügen / und darzu
einen ganz guten Willen getragen / ist dem vorigen Königlichen Herrn Gesanten
Herrn Klogio / nicht durch eine tunkele und ungewisse / sondern klare und
offenherzige Erklärung zu aller möglichen Gnüge angezeiget worden / und bestehet
dieselbe hierinnen / dass / weil das Königliche Fräulein ihrem Herr Bruder und
nunmehr gebietenden Könige / dem Grossmächtigsten Könige in Böhmen / Herrn
Ladisla / auff dessen Hocheit stränges und brüderliches Ansuchen / diese
äidliche /und also höchstverbindliche Zusage getahn / ohn dessen Vorwissen und
Einwilligung / sich schier heut oder morgen in kein eheliches Gelübde
einzulassen /könnte auf Königliche Frankische Anwerbung / die wirdige Heirat
betreffend / nichts schliessliches geantwortet werden / ehe und bevor
höchstgedachtem unserm Erbkönige solches vorgetragen / uñ seine beständige
Meinung darüber vernommen währe; wobei man sich aber zugleich hat erbohten /
unserm Könige diese Anwerbung eiligst zuzuschreiben; endlich auch angezeiget /
man gelebete der gedoppelten Zuversicht an dieser Seiten / dass an anderer Seite
solche Verzögerung nicht allein nicht ungleich würde auffgenomen / sondern auch
geduldet werden / wañ etwa über verhoffen (wovon man doch das allergeringste
nicht wüste) das Fräulein von ihrem Herr Bruder und Könige schon anderwerts
sollte versprochen sein. Sehet Herr Gesanter / das ist die erste redliche und
auffrichtige Erklärung gewesen / und eine nähere hat man wegen verbindlichen
Gewissens an der Fräulein Seite nicht geben können / wie solches ein jeder
Biderman gerne gestehen wird; und zweifelt man nicht / dafern dieselbe eurem
Könige und dessen Herrn Sohn geträulich hinterbracht ist / werde der Herr
Gesanter durchaus nicht ursach haben / sie vor eine dunkele uñ ungewisse
anzugeben. Dass man aber der gegebenen Erklärung an dieser seiten redlich
nachgesezt habe /wolle der Herr Gesanter sich weiters berichten lassen. Es hat
unsere Allergnädigste Königin kurz nach Herrn Klogio Abreise von ihrem
höchstgemeldeten Herr Sohn die erfreuliche Zeitung bekommen / dass dessen
Hochheit sich zu Padua in Italien mit des Hochmögenden Käyserl. Statalters
daselbst / Herrn Q. Fabius Fräulein Tochter ehelich versprochen / und dadurch
mit Römischer Käyserl. Hocheit (diss sagte er den Franken zum Schrecken) sich in
ein festes Verbündnis eingelassen; worauff das Durchl. Fräulein sich unter
gnugsamer Begleitung straks auffgemacht /dem Beilager ihres Herrn Bruders
daselbst Schwesterlich beizuwohnen / da dann nicht die geringste Ursach gewesen
ist / dass mit oft höchstgedachtem ihrem Herr Bruder sie von der angetragenen
Frankischen wirdigen Werbung mündlich reden / und mit dessen Liebe einen Schluss
darüber fassen wollte; Aber das leidige Glük (hier fing die Königin an zuweinen)
hat ihrer Durchl. solches leider leider! nicht göñen wollen / massen sie in
einem Flecken vor Padua von einer grossen Räuber Schaar bei der ersten
Morgenschimmerung überfallen / alle ihre Reuter / ausser einen einzigen
erschlagen / und sie selbst in verstelleter Jünglings Gestalt samt ihren beiden
Leibjungfern gefangen hinweg geführet ist; über welche Räuberschaar des andern
Tags eine stärkere anzahl Meer Räuber kömen sind / welche jene erschlagen /und
das Fräulein ihrer beharlichen Jünglings-Verstellung neben einer Leibjungfer /
nach dem Adriatischen Meer geführet / sie auff ihr grosses Raubschiff gesetzet /
und mit ihr davon gesegelt sind / uns allen unwissend / wohin sie gebracht
worden sei; nur allein /dass wir die Zuversicht zu den gütigen HimmelsGöttern
tragen / dieselben werden sie vor Ehren- und Lebensgefahr gnädiglich bewahren /
und ihr kräftige Rettung zusenden / wie sie dañ alsbald den vortreflichen und
hochberühmten Held Herrn Herkules / gebohrnen Grossfürsten und Erbnehmen des
TeutschenReichs / auffgemahnet haben / dass er dem geraubeten Fräulein
nachgesegelt ist / und ihr Herr Bruder nunmehr auch schon wird gefolget sein.
Aus welcher Erzählung nun der Herr Gesanter zur gnüge wird verständiget sein /
warumb das Durchl. Fräulein sich vor dissmahl bei dieser Verhörung nicht anfinde
/ welches dero Durchl. sonsten keines weges würde unterlassen habe. Es wird
derselbe weiters hieraus / seiner beiwohnenden rühmlichen Weissheit nach / schon
merken / wie und warumb man auff die vorgetragene abermahlige / und der
Grossmächtigste Königin in Böhmen sehr angenehme und gnug wirdig geachtete
Anwerbung / sich mit weniger Gewissheit / als bei erster Gesandschaft heraus
lassen könne / weil man nicht allein unsers Gnädigsten Königes Meinung hierüber
ganz unberichtet ist / sondern auch das Durchl. Fräulein selbst in der Irre
(Gott mag wissen / wo) herumb schwebet.
    Der Gesante verwunderte sich zum höchsten / wie man einem (seiner Meinung
nach) falschem Getichte /solches zierliche Färblein anstreichen könnte /
begehrete mit seinem Schreiber einen kurzen Abtrit uñ beredete sich mit
demselben / was doch auf solches Vorbringen würde zu antworten sein. Derselbe
nun wahr über die masse betrübt / ging auch aus grosser Liebeswuht mit lauter
gefährlichen weit ausssehenden Vorschlägen umb / welche doch unmöglich wahren ins
Werk zu richten. Dagobert aber zeigete ihm Augenscheinlich / dass dergleichen
Vornehmen zu keiner Wirkung gelangen möchten / und gab ihm zu bedenken / obs
nicht eine Sache währe / dass man sich merken liesse / man trauete solchem
Vorbringen nicht /auch daneben bähte / solche stellungen fahren zulassen / und
sich sein Teutsch zuerklären. Weil dann Markomir nichts bessere zuersinnen wusste
/ hielt er solches vor gut und nüzlich. Nun hatte Herr Krokus diese beiden Zeit
ihrer Beredung von ferne belauret /ihre Reden zwar nicht verstanden / aber doch
aus den äusserlichen Geberden gesehen / dass der jüngling mehr als der Gesante
selbst währe / welches er alsbald der Königin und den andern Rähten anmeldete
/die daher vor gewiss schlossen / es würde dieser Schreiber der junge GrossFürst
selber sein; worauff Krokus zu sagen sich nicht entalten kunte; Es scheinet wohl
aus dieses errichteten Schreibers Geberden /dass er muhtig und verschlagen sei /
aber wann ich meines herzen Meinung sagen sollte / halte ich gänzlich davor / aus
tausend Markomiren könne man nicht einen einzigen Herkules schmieden / welches
ich zu dem Ende andeute / weil aus GrossFürst Herkules wehemühtiger bezeigung
wegen des verlustes der Fräulein / ich einer starcken Liebe vermuhten bin; worin
mich seine ungeseumete Nachfolge bekräfftiget / und gebe der Himmel / dass er sie
antreffe / rette / uñ heirahte / dann besser kann sie in dieser Welt nicht
versorget werden. Die Königin / wie betrübt sie auch wahr / kunte sich nicht
entalten / hierüber zu lachen /wollte doch ihre Gedanken so klar nicht an den
Tag legen / sondern sagte zu ihm. Mein Krokus / es ist euch mein lieber Sohn
Herkules wegen des gesprochenen Lobes verpflichtet / und da ihr recht wähne
soltet / währe er euch zwiefach schuldig / was wollte es dann werden / wañ euer
lezter Wunsch wahr würde? Je was wollte es werden / gnädigste Königin? sagte er /
lauter Freude und Vergnügung an allen Seiten. Ey so bestätigen die Götter euren
Wunsch / antwortete Stanisla / und haben wir diesen Franken schon mehr als
zuviel geheuchelt. Es hat aber mein Sohn Herkules mich hierumb noch nicht
begrüsset / sagte die Königin / und gedenke ja nicht / dass wann er mein Kind
antreffen sollte / er mit ihr heimliche Verlöbnis machen werde. Krokus wahr zu
zeiten kurzweilig / und antwortete darauf; Ich tähte es / gnädigste Königin
/wann ich Herkules währe. Die andern alle mit der Königin lacheten / und diese
sagte: Seid ihr noch so arg / mein Krokus / was wisset ihr aber / ob ichs euch
gut heissen würde? Gnädigste Königin / antwortete er; Wer der Tochter Herz
gewoñen hat / bekomt der Mutter Hand auch wohl. Wir wollen hiervon zu gelegener
Zeit mehr handeln / sagte die Königin / und vor dissmahl des Gesanten Vortrag
vernehmen / da eurer etliche fleissige acht haben werden / auff des verstelleten
Schreibers Geberden / in welchem / wann er das Alter erreichet / noch wohl ein
guter König stecket. Jene beiden traten wieder ins Gemach / da der Schreiber
seine vorige Stelle bekleidete / und Dagobert also anfing: Grossmächtigste
Königin / die Erklärung / dass meine vorgetragene Anwerbung beliebet sei / wird
meinen allergnädigsten König / und den Durchl. jungen Gross Fürsten höchst
erfreuen / aber auch zugleich dero Hocheiten in die allertieffeste Verwunderung
/ will nicht sagen Nachdenkligkeit stürzen / dass gleich in der Stunde meiner
Verhörung (welches mir vor Ohren kommen / ich aber vor ein Getichte geachtet)
solcher Verlust der Königlichen Fräulein in der Stad erschollen ist / welches
mir überdas auch hieselbst als eine unfehlbare Warheit will vorgetragen werden;
Grossmächtigste Königin / Ihre Hocheit / bitte ich / gläuben ja solche fliegenden
falschen Gerüchte nicht; sondern trauen den Göttern / dass dero Frl. Tochter
ausser Zweifel in solchem gefährlichem Stande nicht begriffen ist / und wird
dero Durchl. von Padua / nach gehaltenem Beilager sich schon wieder einstellen;
wiewol ich ganz nit gemeinet hätte / dass dieselbe ausser Landes sollte verreiset
sein / nachdem vorgestriges Tages mir unterschiedliche zu Pferde und zu Fuss
begegnet / welche auff meine Nachfrage anzeigeten / sie kähmen von Prag / und
lebete Ihr Gn. Königin samt der Königl. Fräulein annoch in guter Gesundheit /
liesse sich auch diese täglich in den offenen Feldern sehen / uñ stellete dem
Wilde nach mit ihren Pfeilen; Da nun dieses sich also verhalten sollte / getraue
Eurer Königl. Hocheit ich untertähnigst und zuverlässig /dieselbe werde
allergnädigst geruhen / mir eine bestendigere Erklärung mitzuteilen / und zwo
Königliche Seelen durch einen kräfftigen Heirat-Schluss zuerfreuen; welches so
wohl zu des einen als zu des andern Wolfahrt gereichen wird; und mag Ihre Königl.
Hocheit ich wohl versichern / ihr jezt gesprochenes Wort von überaus grosser
Wichtigkeit und Wirkung sein werde; Und damit solches zuvernehmen ich das gute
Glük haben möge / will ich mit meinem Gefärten zuvor gerne einen abermahligen
Abtrit nehmen / und ihnen eine Unterredung zur erfreulichern Erklärung gönnen.
Die Königin winkete dem Reichs Kanzler /welcher den Gesanten warten hiess /
empfing darauff einen kurzen Befehl mit wenig Worten / und fing hernach also an:
Herr Gesanter; Er hat seine Rede mit einem zierlichen Mantel der scheinbahren
Höfligkeit bedecket / welche / da sie etwa ein ander vorgebracht hätte / würde
er gesagt haben / meine Allergnädigste Königin tichtete ihrer Frl. Tochter
Rauberei zum Schein / damit sie des Herrn Gesanten losswerden möchte; dann eben
dieses träget dessen Rede auff ihrem Rücken. Stehet ihr aber in den unzimliche
gedanken / so hat man euch schon viel zu viel übersehen; und würdet ihr mehr
zuverantworten bekommen /als in allen euren Kräfften nicht ist. Das unser
Durchl. Fräulein in Warheit / auff erzählete Art und weise geraubet sei /
verhält sich leider viel zu gewiss also /massen in dieser Versamlung drei
ReichsRähte sitzen / welche gleich dazumahl in Padua gewesen / als der einige
überbliebene hart verwundete Reuter daselbst die hochbetrübte Zeitung angemeldet
/ sie auch hernach das Haus selbst besichtiget / in welchem solches Unglück sich
zugetragen hat; und wer dieses nicht gläuben will / der reite hin und frage nach
/ wird ers dann nicht also finden / so hat er ursach zu sagen / die
Grossmächtigste Königin in Böhmen gehe mit Getichten umb. Lügener sind es gewesen
/ welche gesagt haben / das Fräulein sei neulich in dieser Feldmark herumb
geritten / und Schelme sind es / die solches tichten. Entaltet euch deswegen
Herr Gesanter / solcher unverantwortlichen Auflagen / und befleissiget euch /
einer herschenden Königin auff ihrem Schloss bessere Ehre anzutuhn / damit man
sich nicht bei eurem Könige über eure Unvernunft zubeschweren habe. Und weil
euch die lautere und klare Warheit ist vorgetragen / so werdet ihr mit der
wolgemeineten Erklärung friedlich sein / oder euch heraus lassen /was vor eine
andere ihr bei so gestalten Sachen begehren köntet. Der Gesante erschrak der
harten Rede /begunte das vorgebrachte vor die Warheit zuhalten /und baht um
gnädigste Vergebung dessen / was er nicht aus Bosheit / sondern ihm gemachten
Argwohn vorgebracht hätte; wollte vor dissmahl an gnädigster Verhör und Antwort
ein genügen haben / nur dass Ihre Königl. Hocheit ihn morgendes Tages noch
einmal hören möchte. Welches ihm dann gerne eingewilliget war. Als er nun
hiemit einen Abtrit nehmen wollte /und nach seinem Schreiber sich umsah / ward
er gewahr / dz derselbe in steiffer Ohmacht sass / und in einem Winkel sich
angelehnet hatte; dessen er zitternd erschrak / ging zu ihm hin / und rüttelte
ihn / dass er endlich wieder erwachete / und mit einem tieffen Seufzen sagete: O
du elender und trostloser Markomir; nun liget ja alle deine Hoffnung gar in des
Meeres Tieffen! Dagobert raunete ihm ins Ohr / sich nicht zuverrahten / da
gleich Herr Krokus zu ihnen hin trat /und den Gesanten fragete / was seinem
Schreiber vor ein Unfall begegnet währe? Welcher zur Antwort gab: Er hätte diese
Schwacheit an sich / dass wann er über die gewöhnliche Zeit fastete / er darüber
in Ohmacht geriete / würde sich aber bald wieder stillen. Wie er sich dann stark
machete / und mit Dagobert davon ging / welcher ihn mehrenteils beim Arme
führete; Die unseren aber sich bezeigeten / als ob sie dessen nit acht hätten;
wiewol die Königin ihnen alsbald allerhand kräfftige und kostbahre Stärkungen
nachschickete / und musste Herr Vorich der ReichsRaht mit ihnen nach der Herberge
fahren / und mit ihnen Mahlzeit halten / da ihnen Königlich aufgewartet ward.
Vor dem Essen nahm Dagobert mit Markomir einen Abtrit / und ward dieser von
jenem gemuhtiget / sich wegen der Fräulein Entführung nicht zu hart zubekümmern
/ nachdem sie ja noch im Leben / und ihm unversaget währe. Worauf er sich in
etwas erhohlete / und die Unterstelle am Tische nam. Bei dem Essen fiel wenig
wichtiges vor / und nach abgetragenen Speisen hielt Dagobert an / dass der Herren
einer / so neulich von Padua kommen / und die leidige Zeitung mitgebracht / sie
besuchen / und bessern Bericht ihnen mitteilen möchte; welches Herr Vorich bei
der Königin warb / und Krokus darauff befehlichet ward / zu ihnen zu fahren /
und alles geträulich zuberichten / ohn dass er seine Gedanken wegen GrossFürst
Herkules bei sich behielte / und vielmehr dem jungen Fürsten eine geringe
Hoffnung machete / damit er in der übermässigen Liebe nicht gar verginge. Krokus
hätte dieses lieber einen andern verrichten lassen /dann er wahr den Franken
nicht sonderlich gewogen /musste doch den Befehl über sich nehmen / und solches
leisten / da er dann an Dagobert einen fleissigen / an seinem Schreiber aber
einen nachgrüblenden Zuhörer hatte / welcher nicht unterliess / das vornehmste in
sein Hand-Büchlein auffzuzeichnen. Nach geendigter Erzählung gab Krokus ihnen
den Raht / dass sie über wenige Zeit etliche ihrer Leute nach Padua schicketen /
ob etwa gewissere Zeitung von dem geraubeten Fräulein einkommen währe / wohin
man sie geführet / und auff was Weise sie best könnte erlöset werden. Welches sie
ihnen sehr wohl gefallen liessen /und ihr Zweiffel hiedurch ihnen allerdinge
benommen ward. Nun kunte doch Markomir sich nicht einzwingen / seine Gedanken zu
eröffnen / und sagte in beisein Herren Krokus zu Dagobert; Wie meint  ihr Herr
Gesanter / sollte unser König und sein Sohn der junge Fürst nicht wohl auff die
Gedanken gerahten / bald nach erforschung / wo dieses unvergleichliche Fräulein
auffgehalten wird / ein Kriegsheer von etlichen hunderttausenden dahin
zuschicken / und durch die allergröste Reichsmacht einen solchen köstlichen
Schaz frei zu machen? Ich halte wohl / antwortete er / dass ihre Königl. Hocheit
sich darzu verstehen dürffte /wann der junge tapffere Held / der Königl.
GrossFürst ihn dazu anreizen würde. Dessen feurbrennende Liebe gegen dieses
Königl. Fräulein / ist mir zum teil bewust / sagte der verstellete Schreiber /
und zweiffele ich nicht / dessen Durchl. werde Tag und Nacht / ohn Rast und Ruhe
darauff sinnen / wie solche Rettung zum füglich- und heilsamsten ins Werk
gerichtet werde. Worauff Krokus antwortete: Wir an unserm Orte wollen hoffen /
es solle solcher weitläufftigkeit nicht bedürfen / sondern der Himmel werde
unserm König und seinem Oheim GrossFürst Herkules das Glük verleihen / unser
allerliebstes Fräulein (welche ihr aller Untertahnen Herz verbunden hat)
anzutreffen / und in freien Stand zu setzen. So wollte ich unserm jungen
GrossFürsten wünschen / sagete der Schreiber /dass dessen Durchl. bei eurem Könige
sein möchte /nicht allein dessen gewünschete Kundschaft zuerlangen / sondern
nebest dessen Hocheit in erlösung der Königl. Fräulein sein Blut und Leben
anzuwenden /welches / weiss ich / seine allerhöchste Vergnügung sein würde. Mit
solchen und dergleichen Unterredungen ward der Tag zugebracht / und befand sich
der junge Fürst der Sachen Gelegenheit nach / zimlich getröstet. Des folgenden
tages ward dem Gesanten erläubet / wieder vorzutreten / und was er annoch
zusuchen haben möchte / kühnlich anzudeuten; welcher dann nicht unterliess mit
seinem Schreiber / welcher den gestrigen Tisch bekleidete / sich einzustellen;
liess sich vor dissmahl sehr demühtig vernehmen / baht umb allergnädigste
Vergebung seiner gestrigen Unbesonnenheit / und hielt inständig an / ihre
Königl. Hocheit wollten der geschehenen Anwerbung gnädigst eingedenke sein / auff
glückliche Wiederkunft der Königl. Fräulein die so hochgewünschte Heirat durch
ihre mütterliche Gewalt und kräfftig-geltende Unterhandlung zubefodern und in
Richtigkeit zu stellen / solches würde der junge GrossFürst Zeit seines Lebens
mit kindlichem Gehorsam erkennen / und nach ihrer Hocheit Willen sich verhalten.
Die Königin wahr froh / dass ein so guter Abscheid vor dissmahl sollte genommen
werden / und gab durch den Kanzler zur Antwort; Sie bedankete sich nochmahls
sehr /beides gegen den König / und den jungen GrossFürsten / des guten willens /
welchen ihre Liebden gegen sie und ihre Frl. Tochter trügen / bähte / in solcher
Gewogenheit zu verbleiben / und nicht zuzweiffeln /dass sie alles dz vornehmen
und leisten wollte / was zu der angetragenen wirdigen Heirat könnte gedeilich
sein / dafern nur die Götter ihre Frl. Tochter wieder zu Lande brächte / und ihr
Herr Sohn dieselbe nicht unterdessen etwa einem andern verheirahtet hätte
/welches sie dann nicht hoffen wollte; befahl / den König und GrossFürsten
zugrüssen / und zeigete an /dass nach verlauff zwo Stunden der Kanzler ihm ein
Schreibe an seinen König zustellen würde. Hiemit nahmen sie abscheid / und
zeigeten an / sie hätten beides von dem Könige und dem jungen GrossFürsten
Geschenke bei sich an das Königliche Fräulein / welche sie aber wegen des
leidigen Unfalles würden müssen mit sich wieder zurück nehmen / es währe dann
/dass ihre Königl. Hocheit dieselben verwahrlich bei sich behalten / und auff
glückliche Wiederkunft sie dem Fräulein einliefern wollte; ward aber geantwortet
/weil der Fräulein Wiederkunft in der Götter Händen und Gewalt stünde / würde
dass beste sein / dass der Herr Gesanter solche Sachen bei sich behielte. Ward
ihnen also Glük auff die Reise gewünschet / und so wohl dem Gesanten als
Schreiber eine statliche güldene Kette mit angehengetem Kleinot verehret; welche
sie mit Danksagung annahmen / und Markomir dabei blicken liess / dass viel eine
grössere Höfligkeit / als eines Schreibers / bei ihm währe. Sie eileten selbst
fort zuzihen / legeten allen Vorsaz des feindlichen überfalles ab / und gingen
in möglicher eile fort /unter der Hoffnung / es würde diese Heirat noch einen
Fortgang gewinnen. Als sie bei dem grossen Kriegsheer anlangeten / musste die
Reuterei mit ihnen geschwinde fort / und die Fussvölker nach mögligkeit folgen /
ruheten auch keinen Tag / biss sie bei dem Könige ankahmen. Der junge GrossFürst
hatte auff der Reise mannicherlei einfälle / welche auff der Fräulein Erlösung
gerichtet wahren / und zieleten alle dahin /wie er solche mit seiner Faust und
Völkern verrichten / und durch solchen Dienst ihre Liebe erwerben möchte / so
dass sie sprechen müste / sie währe sich ihm schuldig; aber wann er sich
erinnerte / dass ihm der Teutsche GrossFürst Herkules (dessen Tapfferkeit ihm Herr
Krokus so hoch gerühmet hatte) / wie auch der Fräulein Bruder selbst im Vorfange
wahren / und sie antreffen möchten / ehe er erführe / wo sie auffgehalten würde
/ gab ihm solches lauter Schwermühtigkeit / so dass er wünschete / sie möchten
ihr Nachsuchen vergebens tuhn / oder gar im Meer ersauffen / damit ihm die Ehr
und das Glük dieser Rettung von ihnen nicht entrissen würde. Zu zeiten traff
eine heftige Verzweiffelung sein Herz mit scharffen Anfechtungspfeilen / ob sie
auch noch lebete / und ihre Ehre annoch unverletzet hätte; Und wann ihm Dagobert
(welcher viel bei ihm vermochte) diese Zagheit benommen hatte / brach eine
andere los / ob er ihr auch gefallen würde / weil sie sein so gar nicht geachtet
hatte / als er sie vor Prag im Walde angeredet / und alle seine Freundligkeit
hervorgesucht. Wann dann die erinnerung darzu kam / dass sie weder sein geheimes
LiebeSchreiben / noch die übergeschikten Geschenke von Klogio hatte annehmen
wollen / brachte ihm solches eine solche Raserei / das er sich nicht anders
geberdete / als wollte er vor Zweiffelmuht vergehen; und musste hieselbst Dagobert
allen Wiz zusammen suchen / ihn wieder in Ruhe und Hoffnung zustellen; über
welche Herz-fressende Einbildungen er sehr von Leibe / und kräfften kam / dass
seine Eltern / da er zu Hause anlangete / sich darüber entsetzeten / uñ seine
Fr. Mutter zu ihm sagete: Den Göttern sei dank /mein Sohn / dass sie dich so bald
wieder hieher begleitet haben / zum Trost deinen Eltern und dem ganzen Lande;
und ob dich gleich die Liebe in etwas an deinem Fleische gemindert hat / hoffe
ich doch / deine Göttin (wie du sie nennest uñ schätzest) werde dein Gemüht
gelabet und erquicket haben. Markomir liess auff solche Rede einen herzbrechenden
Seufzer aus /und gab damit den Anwesenden schon zuverstehen /dass seine Reise
ümsonst gewesen währe; fing auch bald darauff an: Gnädigste Fr. Mutter / ich
möchte von Herzen wünschen dass ihr Rätzel eintreffen sollte; aber ich muss ihr aus
betrübter Seele klagen / dass meine ehemalige Wald Göttin leider leider zur Meer
Göttin worden ist. Ich verstehe dein Rätzel nicht / lieber Sohn / sagte sie.
Darumb last uns schweigen /sagte König Hilderich / damit wir wissen mögen /was
vor eine Wirkung diese andermahlige Gesandschaft gehabt habe / nach welcher wir
unsere Anschläge richten werden; dann sollte an Böhmischer seite Beschimpfung mit
unterlauffen / würde ich gezwungen ihnen sehe lassen müssen was die zusammen
gesetzete Frankische Sikambrische Macht kann und vermag; wird demnach mein
Gesanter Dagobert anzeige tuhn alles dessen / was vorgangen ist. Dieser wahr
darzu bereit / erzählete alles mit volkommenen Umständen / und legte der junge
Fürst seine träulich gehaltene Schrifft dabei. Worauff der König dieses
antwortete: Der Anschlag das Fräulein durch Kriegsmacht zuerhalten / ist ausser
zweifel gleich bei eurer Ankunft zu Prag verrahten; darauff haben sie ihre
Grenzen mit Reuterei / und die Festung mit Fussvolk klüglich verwahret. Dass man
sich bei Ankunft vor der Stad nicht hat teutsch und auffrichtig melden wollen /
ist ein schlimmes Versehen / / unlöblich / und eine gnugsame Ursach zum
hochstschädlichen Misstrauen / welche zugeben / ein jeder Vernünftiger sich
hüten muss. Redliche Erklärung hat die löbliche Königin gegeben / aber eine
unverantwortliche Grobheit ist es / dass Dagobert dieselbe aus eigener Einbildung
hat dürfen lügen straffen / ehe uñ bevor er einigen gewissen Fuss falscher
stellung gehabt / daher er billich von Böhmischer seite ausgehechelt ist /
woselbst man doch mehr Höfligkeit gebrauchet hat / als man schuldig gewesen. Der
Fräulein räuberische Entführung ist ein Werk der Götter / die solches nicht ohn
Ursach verhänget haben / und ist ein wolgemeinter Vorschlag / mit der
Nachfragung zu Padua / woselbst ich einen heimlichen Kundschaffer halten will /
welcher von dannen nicht weichen soll / ehe und bevor er von dem verlohrnen
Fräulein gewisse Zeitung hat / wo sie sei /und wie sie gehalten werde; stehets
dañ in Frankischer Macht / sie loszumachen / und zur Heirat zuerhalten / sollen
weder Kosten / noch Mühe noch Blut daran gesparet werden. Nur liegt mir des
jungen Teutschen einzige Nachsuchung mehr im Sinne als ihr Verlust selber; und
da die Götter ihm das Glük würden verleihen / sie anzutreffen uñ loszumachen /
bedarff man keines Dolmetschers darzu / was zur Dankbarkeit ihm auff sein
instendiges begehren dürfte geliefert werden. Ich will aber den Göttern vertrauen
/ sie werden es dahin nicht lassen kommen; jedoch / wann ihr Schluss also gehen
sollte / wird an unser Seiten nichts übrig sein / als in deren Willen sich
zuergeben / und will nimmer mehr hoffen / dass ich einen Sohn werde gezeuget haben
/ der so verwägen / unvernünftig und gottloss sein wollte / sich dem Himmel
selbst zuwidersetzen / oder der grossen Krafft / deren sich die ganze Welt
willig unterwirfft / entgegen zustürmen; Doch / wie gesagt / stehe ich annoch
fest in der Zuversicht / die gütigen Götter / welche bisher noch allemahl mein
Vornehmen gesegnet / werden uns einen angenehmen Ausschlag erleben lassen / als
welche in dieser kurzen Zeit mich von meiner / äusserlichem Ansehen nach /
unheilsamen Krankheit über alles verhoffen befreit / und bessere Gesundheit
verliehen / als ich vor nie gehabt. Also redete dieser hochvernünftige König /
welcher zu seiner Zeit an Tapferkeit / kluger Weissheit und auffrichtiger
Gerechtigkeit sehr wenig seines gleichen hatte. Aber sein Sohn / welchen die
übermässige Einbildung der aller volkommensten Schönheit der Böhmischen
Königlichen Fräulein / zu der unbezwinglichen Begierde der wirklichen Niessung /
je länger je mehr anhetzete /kunte solche wolgegründete Ursachen nicht zuherzen
nehmen / weil die starke Liebes-Bewägung seine Vernunft ganz übermeistert und
nider geworffen hatte; deswegen er darauf sinnete / wie er den Vater / der ihn
mehr als sich selbst liebete / auff andere Gedanken bringen möchte; wie er dann
vor dissmahl dessen Vortrag also beantwortete: Gnädigster Herr und Vater; ich bin
von Kindesbeinen auff von ihrer Gn. darzu angehalten / dass der Götter Schickung
ich mir gefallen lassen / und denen nicht wiederstreben soll; welches ich auch so
fest in meine Seele gedrukt / dass / wo es nicht eine grössere Kraft heraus
treibet / als die es hinein gesenket hat / mir wohl biss an mein Ende unverrükt
verbleiben wird. Ich halte aber davor / die himlischen Götter wann sie uns ein
überköstliches Gut zeigen / wie mir geschehen ist / fügen sie alsbald eine
grosse und wichtige Schwerheit zur äussersten Bemühung dabei / ümb uns
zuversuchen und prüfen /ob wir auch so viel Muht und Herz haben die Mühe
anzutreten / und unsere Nachstrebung ihrer Gütigkeit beizulegen. Werden wir dañ
diesem nach / an unser seiten müssig sitzen / uñ lauren / ob die Götter uns
dieses Kleinot in die Schoss hinein schütten / werden wirs mit unserm
unwiederbringlichen Schaden erfahren / dass solches nicht anders sei / als seine
Wolfahrt verseumen. Mein Gn. Herr Vater erinnere sich / bitte ich / seines
gedoppelten Lebens-Spruches / dessen zwar der erste ist; Alles nach der Götter
Willen und Schickung; der andere aber: Die Götter verkauffen uns ihre Güter üm
unsere Arbeit. Das allerkostbahreste Gut der Götter vor mich / ist die himlische
Valiska / welche ich billich die Sonne der Unterwelt nenne; Was ists dann Wunder
/ dass sie auch anjezt in ihrem Lauffe nach der Götter Willen begriffen ist /
nachdem die Sonne nimmer stille stehet? wer ihr nachläufft / wird sie ohn
Zweiffel erlangen; wer aber stille sitzet / und wartet biss sie von ihr selbst zu
ihm lauffe / wird einen blossen schlagen. Diesem nach / gönne mir mein Gn. Herr
Vater / dass ich ihr nachlauffe / damit nicht der Sachsische Läuffer mir gar zu
einen grossen Vorsprung abgewinne. Du trägest gute Speisen auff /mein Sohn /
antwortete der Vater / aber das Salz mangelt / welches ich daran schütten muss;
nehmlich die vorsichtige Klugheit. Du wilt lauffen / aber wohin? Du wilt suchen
/ aber an welchem Orte? Du wilt einem andern vorkommen / aber auff welcher Bahn?
Sihestu was dir fehlet? Dein Seiger ist verrukt / der muss gestellet werden; aber
durch Vernunft / nicht durch blindes zuplatzen. Der Teutsche junge GrossFürst
Herkules läufft; wir wollen auch lauffen / ja wir wollen lauffen. Herkules
läufft ohn zweifel auffs ungewiss; das wird ihn nicht zum Ziele bringen; Markomir
soll gewisser lauffen / so wird er dem Herkules vorkomme. Und schätze dich nicht
geringer / mein Sohn / als jenen Herkules; dann was bei den Sachsen Herkules
heisset / das heisset bei den Sikambern Markomir. Mein Uhr Anherr der allererste
König der Sikambrer führete diesen Nahmen / und wahr des hoch berühmten
Trojaners des Antenors Sohn / welcher vor 673 Jahren den ersten Grund dieses
Reichs geleget hat / uñ wir denselben unter der Zahl unser Götter verehren. 216
Jahr nach seinem Tode herschete / der Neunde in der Ordnung / der Ander Markomir
/und zwar eben so viel Jahr lang als der erste / nehmlich XXIIX Jahr / welchen
wir als ein Wunder halten wege seiner hochgelehrten Klugheit und Wissenschaft
in den freien Künsten. Der dritte Markomir kam 335 Jahr nach ihm / hat vor 97
Jahren das Reich angenommen / und demselben XXI Jahr lang überaus löblich
vorgestanden; massen die Franken unter ihm an Reichtuhm und Kräfften mehr
zugenommen / als unter keinem andern vor ihm; und da es den Göttern nit zuwider
ist / gelebe ich der Hoffnung / du werdest der Vierde Markomir von unsern
Nachkommen gezählet werden; Helffe der Himmel / dass du nicht geringer noch
unbenahmter werdest als der vorigen einer. Aber mein Sohn / wollen wir in dieser
Hoffnung unbetroge sein / müssen wir in alle unserm Vornehmen die Vernunft
vorne an setzen / als eine vollkommene Beherscherin aller unser Begierden; und
wo wir uns in diesem Stük übersehen / wird die folgende Zeit uns entweder in das
Buch der Vergessenheit /oder (welches noch schlimmer) der Verachtung
einschreiben. Drumb ehe und bevor wir lauffen / wollen wir uns zuvor des Weges
erkundigen / dass wir nicht nach Westen zurennen / wann wir gegen Osten sollen.
Muss demnach ein geträuer und verständiger Diener zu Padua vernehmen / ob er
daselbst / unser Wegweiser zu sein / könne geschikt gemacht werden; sonsten wo
ich dich zeitiger lauffen liesse / würde ich dich meinen einigen Sohn und
gewissen Reichs-Erben ins Verderben jagen / dessen ich vor der ganzen Welt müste
verachtet / und von allen meinen Untertahnen verfluchet sein. Wie aber / mein
Herr Vater / sagte Markomir / wann mir der Herkules vorlieffe? So tuht ers durch
der GötterWillen und ihrer sonderlichen Schickung / antwortete er / denen wir
durchaus nicht können widerstreben; Drum so du mich und dich / ja wo du die
köstliche WeltPerle Frl. Valisken recht und vernünftig liebest / so gehorche
mir / stehe in Geduld / als einem tapffern Herzen gebühret / und lass uns
vernünftig fahren / welches nicht seumen heisset /alsdann wird das Glük uns
beirähtig / und der Himmel uns behülfflich sein. Dieses wahr zwar der Beschluss
dieser Unterredung / aber gar kein Löschewasser auff Markomirs flammichte
Brunst. Ein verständiger Frankischer Ritter / in der Lateinischen und
Griechischen Sprache wohl erfahren / nahmens Farabert /ward alsbald erwählet /
selb dritte nach Padua zureiten / sich daselbst als ein schweiffender Ritter
auffzuhalten / und an des Römischen Statalters Hofe daselbst Kundschaft
zusuchen / damit er sich beides des geraubeten Fräulein und des GrossFürsten
Herkules Zustandes erkündigte / und alle Woche fleissigen schrifftlichen Bericht
tähte. Dieser / als er daselbst ankam / und den Ruhm der unvergleichlichen
Tapfferkeit des Teutschen Herkules von jungen und alten hörete / dann auch / dass
derselbe über der Fräulein Verlust sich mehr / als über kein Ding in der Welt
entsetzet hätte / und ohn alles seumen ihr als ein geworbener Räuberknecht
gefolget währe / auch wie man davor hielt / schon in Erfahrung gebracht / an was
Ort und Enden er das geraubete Fräulein antreffen könnte; überschrieb er dieses
an den König / wie es an sich wahr / und schickete es bei seiner Diener einem
über; welcher zwar von Farabert befehlichet wahr / es niemand als dem Könige
einzuliefern / aber Markomir hatte seine Leute bestellet / welche ihm des
Klodimirs (also hiess dieser Diener) Ankunft zuwissen tahten /noch ehe er zu dem
Könige kam; begehrete demnach /er sollte sich straks angesichts zu ihm auff sein
Gemach verfügen. Dieser / den jungen Fürsten so ungestalt / bleich und mager
sehend / als welcher in steter Wehmuht sein Leben zubrachte / entsetzete sich
darüber / und wollte ihm allerhand Trost einsprechen; Er aber fragete also bald
nach / ob er ein Schreiben an seinen Herr Vater hätte? Ja / antwortete er; bin
aber schuldig / solches niemand als dem Könige selbst zuliefern. Umb so viel
schlimmer vor mich / antwortete er; doch wollte er ihm das Schreiben nicht mit
Gewalt abnehmen / sondern ging mit ihm hin nach dem Könige / umb / den Inhalt
desselben zuvernehmen. Der König sah ihn ungerne dabei / merkete auch schon aus
Klodimirs Gesichte / dass noch zur Zeit wenig Trostes vor seinen Sohn würde
verhanden sein / und durffte ihm doch das übergeschriebene nicht hinterhalten.
Welches sie beide mit einander lasen / und der König alles zum guten auszudeuten
bemühet wahr /aber die Muhtmassung wahr viel zustark vor den so hochgerühmten
Herkules; daher Markomir also mit betrübetem Herzen anfing: Nun ihr Götter /
dann euch allein muss ichs zuschreiben; Ihr habet mich vor unwirdig erkant /
diesen Schatz zubesitzen / der über eines Menschen Wirdigkeit geht / dann sonst
hättet ihr meinem Herr Vater die Gedanken eingeblasen /dass er mir gegönnet hätte
nachzufolgen / da vielleicht auch noch ein mitleidiger Gott mir den Weg zu dem
Fräulein gezeiget hätte / dass ich ehe als Herkules /oder mit ihm zugleich
angelanget währe / und auffs minste aus ihrem Munde meine letze Urtel angehöret
hätte; Weil aber nun ein solches verseumet / und unwiderbringlich ist / würdet
ihr Götter dem elenden Markomir keine höhere noch angenehmere Gnade erzeigen
können / als dass ihr seine mühselige trostlose Seele aus der ungenehmen Herberge
des schon abgematteten Leibes abfodertet; fürchte aber sehr / ihr werdet ihn
noch länger zuquälen Lust tragen. Der Vater wollte ihm Trost einreden / aber er
baht denselben / sein zuverschonen / weil seinem Herzen unmöglich währe / dessen
ichtwz anzunehmen / und währe ihm nichts liebers als die Einsamkeit. Es brachte
dieses dem Könige die Trähnen aus den Augen / und hielt vor rahtsam / ihn
vorerst ihm selber zu gönnen /nur fürchtete er am meisten / er möchte aus
Verzweifelung sich selbst entleiben / welches abzuwenden / er allerhand Gewehr
und Messer von ihm abnehmen liess / welches er geduldig erlitte / unter der
Hoffnung /man würde daher desto weniger Aufsicht auff ihn haben / dann sein
ganzer Vorsatz wahr / seinem Leben ein Ende zumachen. Zween ädle Frankische
Jünglinge / welche mit ihm aufferzogen / und von ihm sehr geliebt wurden /
mussten auff des Königes Befehl ihm auff seinem Gemache Gesellschaft leisten
/welches ihm der gröste Trost wahr / weil er keinen andern Menschen umb sich
leiden mochte. Nach eingenommenen wenig Speisen und starken Trunk gewässerten
Weins / legte er sich diesen Abend früh zur Ruhe / lag etwa ein halb stündichen
ganz stillschweigens auff dem Bette / trieb etliche Gäukelei mit den Händen /
und lächelte zuzeiten dabei ein wenig. Der eine ädelknabe wollte mit ihm reden /
und ihm von seiner Stuterei (wozu er sonderliches belieben trug) etwas vorsagen;
Er aber sagte zu ihm: Mein Walter (also hiess dieser) was hastu dich zwischen
zwei verliebete Fürsten-bilder einzumischen? meinestu dass meine Gnade gegen dich
grösser sei als dass sie könnte gebrochen werden? Sihe da / ich gebiete dir / wo
du mich noch einmal verstörest mit der zu reden / deren ich ganz eigen bin /
will ich dich lassen an den lichten Galgen hencken. Ach ihr Götter / fing dieser
mit Trähnen an / was wird hieraus werden? Der andere Jüngling / Nahmens Anter /
trat zu ihm / und sagete: Durchleuchtigster GrossFürst / kann mir dann wohl
erlaubet sein / mit euch zuschwätzen? Ja / sagte er /wann du weist wer ich bin.
Wie sollte ich solches nicht wissen? antwortete dieser; Eure Durchl. ist ja unser
GrossFürst Markomir. Was? sagte er / bin ich der verfluchte Markomir? Wie sollte
ich mich wünschen ein solcher unglücklicher Liebhaber zusein; Mein Nahme ist
Herkules / gebohrner GrossFürst der unüberwindlichen SachsenVölker; und werde ich
nach Verlauff vier Monat das Beilager mit meinem vertrauten Fräulein halten.
Walter lieff auff solche Rede hin nach dem Könige / und zeigete ihm solches
wahnwitzige Vorbringen mit Trähnen an; Welcher ihm zur Antwort gab: Dieses ist
später kommen als ich michs befürchtet habe; Die Götter wollen sich mein und
meines lieben Sohns erbarmen; gehe du aber wieder hin / und gib nebest deinem
Gesellen gute acht auff deinen Herrn / dz ich bald erfahre / wie sichs weiter
mit ihm schicket / dann ich fürchte noch viel ein schlimmers. Inzwischen wollte
Anter ihm einreden / und solche Einbildung ihm benehmen; aber er sah denselben
mit verwendeten Augen und gresslichem Gesichte an / und dräuete ihn zu fressen /
wodurch er geschrecket / ganz stille schwieg. Der König liess seinen Leib Arzt zu
sich fodern / gab ihm das Unglück zuverstehen / und fragete / was vor Raht hie
sein würde / des jungen Fürsten Witz zuretten. Dieser machte sich alsbald fertig
zu ihm zugehen / und wo möglich / ihm die Ader springen zulassen / fand ihn aber
im harten unruhigen Schlaffe ligen / welcher ihn als im Augenblicke überfallen
hatte; und sah er aus allen Zeichen / dass ihm das Gehirn schon verrücket wahr /
auch nach geendigtem Schlaffe er eine tobende Wuht würde sehen lassen; daher
riet er dem Könige /welcher ihm gefolget wahr / dass man ihn also schlaffend mit
dem Bette auff ein festes Gemach brächte /damit er nicht losbrechen könnte /
welches ohn seumen geschahe. Gegen den Morgen erwachete er / fing ein hartes
Geschrei an / welches einer Ochsen- als Menschen-Stimme ähnlicher wahr / sprang
aus dem Bette / und zureiss sein Hemde in kleine Läplein / stund ohn alle Schahm
ganz mutternacket / und rief / man sollte ihm seine ritterliche Rüstung bringen /
es müste sein Erzfeind der Frankische Markomir diese Stunde von seinen Händen
sterben / als welcher ihm seine vertrauete unredlicher weise abspenstigen wollte.
Walter und Anter waren bei ihm auff dem Gemache / und hatten sich aus Furcht
verstecket / dann sie gedachten nicht anders / er würde sie erwürgen; endlich
schliech der erstgedachte heimlich nach der Tühr / und klopffete leise an / dass
die haussen stehende Diener ihm auffmachen sollten / welches zwar geschahe / aber
Markomir ward dessen zu früh innen / sprang so nacket hinter ihm her wie ein
Hirsch / dass er zugleich mit ihm aus der Tühr kam / erhaschete ihn im Platze
/und hätte ihn ausser Zweiffel erwürget / wann nicht sechs starke Knechte
herzugelauffen währen / und ihn gerettet hätte / welche auch des jungen Fürsten
endlich / wiewol mit grosser Mühe und Arbeit / mächtig wurden / und ihn bei
Armen und Beinen wieder nach seinem Gemache schleppeten. Seine Eltern sahen an
ihm sehr grosses Herzleid / und kunte seine frome Mutter sich anfangs nicht
zufrieden geben; dann er blieb in solchem Wahnwitz eine geraume Zeit / biss ihm
noch endlich durch einen erfahrnen Arzt raht geschaffet ward / wovon zu seiner
Zeit Meldung geschehen wird.
    Unser Valikules / wie droben gesagt / reisete mit Gallus in der Landschaft
Achaja / in willens nach Korint sich zu begeben / und stellete sich der fremde
Ritter sehr freundlich gegen ihn / welchen er meinte ohn gefehr in seine
Gesellschaft kommen sein. Sie redeten miteinander von neuen Zeitungen / und
wusste dieser von so mañicherlei Sachen zu schwäzen / dass Valikules ihm sehr
gewogen wahr; unter andern trug er ihm diese Geschichte vor / welche sich vor
etwa X Wochen zugetragen hätte; Es wohneten nicht weit von Korint / sagte er /
zween Ritter in einem Flecken /einer schon zimliches Alters / von LVI Jahren /
welcher nie Lust zum Frauenzimmer gehabt / und seine Anverwanten ihn zur Heirat
nimmer haben bewägen können; der ander XXX Jahr jünger als dieser / hat schon
vor IV Jahren eine adeliche frische / wie wohl ehrliebende Jungfer geehelichet /
aber mit ihr nie keinen Erben gezeuget / ohn dass sie vor XIIX Wochen eines
jungen Söhnleins genesen / welcher nicht allein dem vorgemeldeten alten Ritter
sehr ähnlich wahr /sondern hatte auff der linken Hand ein Schwert-mahl /gleich
wie derselbe Ritter auch; wo durch der Jüngere in heftigen Argwohn gerahten ist
/ es habe sein Weib diesen Sohn mit jenem im Ehebruch gezeuget / welches ihm
auch kein Mensch hat können aus dem Sinne bringen / dann er allemahl beständig
vorgegeben / die Götter hätten durch solches Zeichen seines Weibes Unträu wollen
offenbahr machen; und würde er sie schon ermordet haben / wann nicht ihre Eltern
sie in den Sechswochen heimlich entführet und in Gewarsam gebracht hätten /
welches doch wieder der Frauen Willen geschahe / sich befürchtend / sie würde
sich dadurch der Schuld verdächtig machen. Ihr Ehe Junker / als er sah / dass
die Gelegenheit sich an ihr zurächen / ihm benommen wahr / nahm ihm vor sich an
dem Ehebrecher zuerhohlen / welches er also anschlug; Es hatte derselbe seinen
Reiten den Diener /umb einer Unträu willen abgeschaffet / welchem er allemahl
viel vertrauet hatte / nunmehr aber in erfahrung brachte / dass er ihn vielfältig
betrogen; diesen nahm der jüngere Ritter / nahmens Timoleon / in Dienste an /
hielt ihn wohl und fragete ihn / warumb sein voriger Herr von XLIV Wochen her /
sich weder von anderen hätte wollen lassen besuche / noch andere ansprechen.
Dieser gab zur Antwort; er möchte die Ursach nicht melden / weil derselbe es
sehr heimlich hielte / und nunmehr sich bald wiederumb würde unter die Leute
machen. Dieser aber hielt so hart bei ihm an / dass er endlich es offenbahrete;
nämlich / als dieser sein voriger Herr dazumahl bei ihme währe zu gaste gewesen
/ währe er nach Mitternacht zu hause kommen / und hätte gar nichts mehr von
seinem Barte gehabt / welchen er sonsten zimlich lang zutragen pflegete / hätte
vorgeben / es währen ihm etliche vermumete Buben auf der Strasse begegnet /
welche ihn angefasset / und mit einer Scheren ihm den Bart reine hinweg
geschnitten; und weil er sich in solcher Gestalt nicht möchte sehen lassen /
wollte er daheim bleiben / auch wann mann nach ihm fragete / sich lassen
verleugnen / biss der Bart ihm guten teils würde wieder gewachsen sein. Timoleon
dachte diesem ernstlich nach / und erinnerte sich dass Phorbas / (so hiess der
alte Ritter) ihn dazumahl gewaltig zum Trunk genöhtiget / und von ihm erhalten /
dz sein junges Weib hätte mit zechen müssen; weil dann Timoleon noch sehr wenig
vom Bart hatte / gedachte er; was gilts /wo nicht dieser alte haberstolz von
unbilliger Lust gereizet / durch abschneidung des Barts sich mir hat etwas
ähnlich machen wollen / dass er da durch mein unschuldiges Weib hintergangen /
und ihr unwissend solche Schande angefüget hat; und dieses bildete er ihm so
fest ein / dass er gar nicht mehr daran zweiffelte / insonderheit / weil er sich
erinnerte / dass er in der Trunkenheit jensmahl / wüste nicht wie / währe
entkleidet / und in das Nebenbette gelegt worden. Sein grosser Eifer trieb ihn /
nicht lange zuruhen / taht seinem neuen Diener grosse Verheissung / da er ihm
helffen könnte zu Phorbas auff sein Gemach zukommen /wann er allein währe / weil
er ihm etwas anzuzeigen hätte / daran ihnen beiden viel gelegen. Dieser gedachte
nicht / dass Timoleon mit gefährlichen Sachen umbginge / wahr ihm zu Willen / und
ging mit ihm hin nach Phorbas Hoff gleich umb die Zeit / wann derselbe in seinem
Lustgarten pflegte allein umbher zugehen / und an den mañicherlei selzamen
Gewächsen sich zuerlustigen; woselbst ihn auch Timoleon antraff / da er in der
Sommerlaube sass / und in des Homerus Schrifften lase. Phorbas entsetzete sich /
als er ihn sah / und meldete ihm sein Gewissen alsbald /was die Ursach seiner
Ankunft sein würde / gleich da er ihn hörete also reden: Du Erzverrähter und
bübischer Ehebrecher / warumb hastu mir mein Weib geschändet / als du unter dem
Schein redlicher Freundschaft mich besuchetest? leugne nur nicht warumb du den
Bart selbst abgeschnitten / dann es ist mir viel zukund worden / und schicke
dich zum tode / dann du must sterben. Phorbas gab zur Antwort: Mein Freund / ich
habe mich an euch und eurem ehrliebenden Gemahl durch antreibung unziemlicher
begierden hart vergangen / und bin willig den Tod davor zu leiden /nur schonet
eures Gemahls / welche allerdinge unschuldig ist / und von dieser meiner Untaht
nicht das allergeringste weiss. Timoleon hatte auff solche Bereuung sich bedacht
/ was er mit ihm vornehmen wollte /doch endlich durch Eifersucht übermeistert /
hat er ihm das Schwert durchs Herz gestossen und ist davon gangen. Es wahr aber
des PhorbasLeibdiener gleich darzu kommen / umb seinem Herren anzumelden /dass
sein Bruder Philotas nebest seiner zwo Schwester Männern Jason und Hyllus kommen
währen ihn zubesuchen; Dieser als er den Timoleon gesehen sein blutiges Schwert
abwischen / hat er gleich die Wahrheit gewähnet / und den dreien jeztgemeldeten
es weinend geklaget / welche alsbald zu ihm hinein gedrungen /und mit vielen
Stichen und hieben ihn nidergemacht haben; sind darauff davon geritten / und
haben die Sache über dz anhängig gemacht / da Timoleons /sonst ehemahls des
Phorbas Knecht alles hat müssen ausssagen / welcher auch darauff des Landes
verwiesen ist. Timoleons tugendreiches Weib / als sie allen Verlauff erfahren /
hat sie ihres Ehe Junkern Tod heftig beweinet / ist bald hernach auffgefahren /
und hat anfangs ihrem eigenen Kinde / aus Eifer wieder den Betrieger Phorbas /
den Hals umbgedrehet / und hernach sich selbst von der Höhe herunter zu tode
gestürzet; welches ihrer Mutter so sehr zuherzen gangen / dass sie in der Ohmacht
verschieden ist. Aber hiemit hat diese Streitigkeit noch kein aufhören / sondern
Timoleons Schwiegervater hat sich mit einer Gegenklage wieder die Mörder seines
Schwiegersohns gesetzet / und gibt diese Sache den Richtern nicht wenig
zuschaffen / wie sie darin sprechen sollen / dass der heiligen Gerechtigkeit ein
Genügen geschehe. Valikules gab zur Antwort / es währe ein zumahl kläglicher Fal
/ und dafern nicht kluge Richter denselben zuerörtern bekähmen / könnte der
Gerechtigkeit leicht eintrag geschehen. Da es umb den Mittag kam / sahen sie
einen Weg nach der Rechten zu / von der Landstrasse auff ein Gehölze gehen /
welchen der Ritter vor sich nam /vorgebend / er ginge viel richtiger nach
Korint / und läge ein kleiner Flecken hinter dem gehölze / in welchem sie
Mahlzeit halten / und die Hitze etwas vorbei gehen lassen könten. Valikules
sagete; er hielte sich allemahl lieber auff der Heerstrasse / weil die Nebenwege
von Mördern und Räubern nicht so gar sicher währen / jedoch wollte er ihm folgen.
Als sie vor das Gehölze kahmen / sträubete sich sein Pferd mit ganzer Gewalt /
und wollte nicht hinein; uñ wie ein guter Reuter er sonst wahr / musste er doch
dem Pferde vordismahl seinen Lauff gönnen / biss ers mit Sanftmuht lenkete. Das
Pferd wegerte sich abermahl / aber er gab ihm die Sporn und zwang es mit Macht
fortzugehen / sagte auch zu ihm: Harre bistu da zubrochen /dass du dich vor den
Bäumen entsetzest / werde ich dich bald abschaffen und ein anders an deine
Stelle kauffen. Aber es wahr des Pferdes Schuld nicht / sondern ein Zeichen des
bevorstehenden Unglücks. Sie ritten unter den lustigen Bäumen im gewünschten
Schatten fort / uñ gedachte Valikules an keine Verräterei /sondern hielten ihr
Gespräch immer fort / und da sie des Waldes Ende schier erreichet hatten / sahen
sie einen Bauern mit einem fuder Holz quehr durch den Wald daher fahren / und
ihnen nachfolgen / da sie in einem engen Fahrwege ritten / welcher an beiden
Seiten hohe Ufer hatte. Valikules sagte zu dem Ritter; hie ist gar ein schlimmer
Ort / und wann noch ein Wagen auff uns zu stossen sollte / könten wir weder
hinter noch vor uns kommen. Der Ritter gab ihm zuverstehen / es währe ein kurzer
Weg / da diese Enge auffhörete / und weil es ein schattigter Ort wahr taht er
den Helm ab / sich zuerkühlen / vermahnete auch Valikules der frischen Lufft
sich zu blössen; dessen er sich wegerte / weil man in solche Schlupflöchern
nicht zu sicher sein dürffte. Er hatte die Worte kaum aussgeredet / da hörete er
ein geklapper der Waffen / und sah bald darauff in die 50 Mann / teils
geharnischt / teils gepantzert / mit Hellebarten und Schlacht Schwertern in
zimlicher Ordnung gegen sie daher treten. Valikules fragete den Ritter / was
dieses bedeutete; es ginge ja keine öffentliche Fehde in dieser Landschaft vor;
bekam aber so kalte Antwort / dass er an des Ritters Auffrichtigkeit zweifeln
ward. Hierzu kam / dass der Baur seinen Holzwagen forne im Wege stehen liess /die
Pferde abstrickete / und mit denselben davon rennete; sagete deswegen zu Gallus:
Wir sind gewisslich verrahten; kehrete sich hernach zu dem Ritter / und fragete /
warumb er ihn an diesen gefährlichen Ort geführet hätte; welcher sich aber gar
trotzig erzeigete /und mit höhnischem Gelächter fragete: warum er ihm gefolget
währe? Er hätte ihn ja nicht gezwungen noch genöhtiget, wollte er aber guten Raht
erkennen / sollte er sich ja sonder Sperrung ergeben / sonsten dürffte ers nicht
lange machen. Ey du schändlicher Verrähter / sagte Valikules; wie lange ichs
machen werde / stehet bloss allein bei Gott; du aber solt dich deiner Verräterei
nit lange rühme; zog hiemit sein Schwert aus / uñ spaltete ihm das Häupt mitte
von ander. Das herzudringende bewafnete Gesinde sahen dieses / uñ schrihen ihm
zu: Ey du mein äidiger Ritter / warum tödtestu diesen vornehmen Herrn? Mit
welchen Worten sie feindlich auff ihn zulieffen. Valikules sah /dass es ihm
gelten sollte / weil aber daselbst kein Ort zum Pferdestreit wahr / und sie zu
Fuss auff ihn ansetzeten / stieg er samt Gallus ab / uñ stelleten sich vor den
Wagen an beiden seiten der Deichsel / dass man weder von hinten noch von der
seite her ihnen beikomen kunte. Bald traten zween mit Hellebarten vor dem
Hauffen her / und begehreten mit trotzigen Worten / sie sollten sich gefangen
geben. Valikules fragete ihn / in wessen Nahmen er solches an ihn begehrete. Du
wirst es noch mehr als zu früh erfahren / sagte dieser / und jemehr du dich
wiedersetzest / je härter wird die Straffe sein. Ich weiss mich keiner übeltaht
schuldig / antwortete er / daher mir kein Mensch straffe zudräuen hat. Dieser
meinte ihn zugreiffen / und rief /man sollte ihm einen Strik reichen; aber
Valikules schlug ihm die Hellebarte zur seite aus / und stiess ihm das Schwert
durchs Gerippe / dass er ungeredet zur Erden stürzete. Die anderen dieses sehend
/ stürmeten einmühtig auff ihn zu / dass sie ihn mit ihren Leibern zu bodem
stiessen / fasseten ihn bei Händen und Füssen / und bunden ihn / dass er kein
Gliedmass regen kunte; worüber er sich dermassen erzürnete /dass ihm das Blut aus
den Lippen sprang. Gallus ward auf gleiche Weise gefesselt / welches er ansah /
uñ diesen verwägenen Hauffen nochmahls fragete / was vor Ursach oder Befehl sie
hätten / ihn dergestalt zuüberfallen. Sie möchten ihm sein Leben bissdahin
fristen / dass er vor die Obrigkeit dieses Orts treten / und seine Unschuld
dartuhn könnte. Ja / antwortete ihm der Führer; vor die Obrigkeit soltu freilich
gestellet werden / uñ begehrete dieselbe dich nicht lebendig / würdestu schon
kalt sein. Er kunte ihm nicht einbilden /was man dieses Orts auf ihn zusprechen
hätte / biss ihm einfiel / es müste entweder wegen der beiden zu Korint
erlegeten Ritter / oder wegen des auff dem Wege nach Elis gehaltenen Kampfs /
oder wegen Parmenions sein; ward doch froh / dass ihm Lebens Sicherheit biss dahin
versprochen wahr / und redete dieses Gesinde gar beherzt an / da er zu ihnen
sagete: Weil es dann Gott also schicket / dass ich euer Gefangener sein muss / so
geht mit mir ümb als mit einem hochädlen Römischen Ritter / und machet die
Bande los / damit ihr mich gefesselt habet. Ja / sageten sie /die Beine sollen
dir gelöset werde / dass du aber keinen Mord mehr begehest / werden wir dir die
Fäuste schon verwahre; bunden ihm auch dieselben ganz unbarmherzig auf den
Rücken / dass die Stricke ins Fleisch schnitten / welches er geduldig erlitte /
und geschwinde mit ihnen fortging / nachdem sie ihm den Harnisch und alles
Gewehr abgenommen hatten. Als sie in dem Flecken anlangeten / führeten sie ihn
auf das Schloss / welches gar zierltch gebauet wahr / und in dem er in das Tor
hinein trat / begegnete ihm ein Diener / und sagte zu ihm: Bistu da du Verrähter
uñ Mörder? Ey das leugestu / antwortete er / ich bin ein ehrlicher Ritter. Der
Bube zohe die Faust / schlug ihn ins Gesichte und sagete: Darfstu noch viel
trotzen? Jedoch gib der Zungen urlaub / weil du sie gebrauchen kanst / iñerhalb
wenig Stunden soll sie schon ruhig sein. Valikules litte diese Schmach geduldig
/sah gen Himmel / und baht seinen Erlöser inniglich /dass er ihm wollte gnädig
sein / und da es sein Väterlicher Wille währe / ihn nicht so schändlich ümkommen
lassen / damit die teuflischen Pfaffen in Teutschland nicht Ursach zu lästern
hätten / ob währe ihm solches wegen Verleugnung der falschen Götzen begegnet.
Etliche von dem Hauffen gingen zu dem Herrn des Schlosses / welcher Charidemus
hiess / und zeigeten an dass der Verrähter gefänglich hergebracht währe / welcher
/ ehe er gegriffen worden / seinen Oheim / Ritter Nikokles erschlagen hätte;
worüber er sich von neuen eiferte / und hinunter sagen liess / man sollte den
gefangenen Doppelt-Mörder hierauf schleppen; welches alsbald geschahe / und
Valikules verlangen trug / zuvernehmen / was vor Mordtahten man ihm vorhalte
würde. Er ward auff ein zierliches Gemach geführet / in welchem ein alter
ansehnlicher Herr auf einem schwarzen Sameten Stuele sass / und neben ihm ein
schönes junges adeliches Weib. Dieser empfing ihn mit einem grimmigen Angesichte
/ uñ redete ihn also an: Bistu da / du mörderischer Bösewicht / der du den
treflichen Held und Kriegs Obersten / Herrn Parmenio / meinen leiblichen und
einigen Bruder so verrähterlich ermordet hast? Valikules sah ihn wiederumb ganz
feurig an / und antwortete: Herr seid ihr Ritterstandes / und haltet etwas auff
Ritterliche Hocheit / so lasset mich ungebunden mit euch reden / dann ich bin
ein Römischer Ritter von hohem Adel / und habe durchaus nicht verdienet / dass
ich so schändlich gebunden / und als ein übeltähter geschleppet werde. Die Frau
sah ihn mitleidig an /kunte sich seiner vortreflichen Schönheit nicht gnug
verwundern / empfand auch eine solche Erbarmung gegen ihn in ihrem Herzen / dass
ihr die Trähnen aus den Augen stiegen / dessen sie sich doch nicht durfte merke
lassen. Charidemus antwortete ihm gar höhnisch: Bistu ein Römischer Ritter? Ja /
sagte er / als lange mir Gott das Leben göñet. So soltestu auch Römische
Ritterliche Tahten begehen / antwortete er /wañ du nicht woltest gebunden sein.
Ich weiss mich durchaus keiner unredlichen Tahten schuldig / antwortete er /
welches ich vor allen uñ jeden redlichen Richtern dartuhn will; aber seid ihr
Ritterlichem Stande jemahls hold gewesen / so erlasset mich der Bande / biss ich
mich verantwortet habe. Die Frau wagete es /und baht ihren Herrn / ihn nur
bissdahin auflösen zulassen / welches er endlich verwilligte / sprechend: Ob du
gleich billich diese Bande trägest / biss dir nach Verdienst gelohnet werde / will
ich dannoch aus lauter Barmherzigkeit dir so viel Gnade erzeigen / deren du doch
nicht wirdig bist. Als ihm die Stricke abgelöset wahren / und er sah / wie ihm
die Arme zugerichtet /ging ihm diese Schmach mehr als der Tod zuherzen /fing
seine Rede mit höflichen unerschrockenen Geberden an / und sagete: Herr; euer
Stand uñ Nahme ist mir unbekand / daher wird mir leicht zuverzeihen sein / dass
ich mit euch / als mit einem Unbekanten rede. Ihr habt mir vorgeworffen / als
hätte ich eure Bruder verrähterlich ermordet; nun sind ja so viel tausend
Menschen zugegen gewesen / die unsern Kampf angesehen / dass ich mich nicht
unbillich verwundere / wie ich einiger Verräterei könnte beschuldiget werden;
ich habe ja mit ihm in offenem Felde gestritten / ohn alle List und Verräterei
/ wozu er mich durch unerhörete Schmach genöhtiget hat. Kan diesen meinen Worten
nicht gegläubet werden / so haltet mich in gnugsamer Verwahrung / und fraget die
ganze Stad Elis. Sonst sehe ich euch als einen trefflichen Herrn /vor einen
redlichen Rittersmann an / und mache mir die gänzliche Hoffnung / ihr werdet mit
mir ritterlich und ohn Gewalt verfahren; ist aber einer oder ander zu gegen /
welcher mich einiger Verräterei beschuldige wollte / wider denselbe erbiete ich
mich / bloss ohn Harnisch / mit dem Schwert zu streite / ja wañ ihrer gleich drei
oder vier wären; dañ ich getröste mich meiner Unschuld / und bin versichert /
mein Gott werde dieselbe retten. Charidemus antwortete; Ich habe dich nicht
fahen lassen / dass du alhier mit mir zanken / oder mir zur Lust einen Kampff
halten sollest / sondern dass du meinen Bruder ermordet hast / der ungleich
besser wahr als du / davor ist mir dein Leben verfallen / wann du auch zehn
Hälse hättest; und was wiltu dich viel entschuldigen und durch Lügen weiss
brennen? Hastu nicht gleich jetzt eine mördliche Taht an meinem Oheim einen
trefflichen Ritter begangen / worüber du von meinem Volk ertappet bist? sprich
auch / das dieses nicht mördlich gehandelt sei. Valikules antwortete; Ich
gestehe / dass ich diesen Ritter aus gerechtem Eifer nidergehauen /weil er mir
ungescheuhet ins Gesichte sagete / dass er mich verrahten / uñ euren Dienern
listiger Weise überliefert hätte / da er doch anfangs als ein sonderlicher
Freund sich anstellete; und als er hierüber noch willens wahr mich anzugreiffen
/ bin ich ihm mit meinem Schwerte zuvorkommen; habe also nach aller Völker Recht
gehandelt / welches unser selbst verteidigung zur Nohtwehr nicht unrecht
heisset: jedoch /kann dieses / weil es euch zuwieder / mit Gelde gebüsst werden
/ so fodert getrost; ich will nicht von hinnen begehren / biss solches erleget
sei. Charidemus sagete; ich bedarff deines Geldes nicht / dessen ich mehr habe
als du / sondern dein Häupt ist mir die rechte Bezahlung / das muss vor mir auf
der Schüssel stehen / ehe und bevor drei Stunden vorbei gangen sind / wovor dich
kein Gott schützen soll. Valikules hörete diese Gotteslästerung viel ungeduldiger
/ als die Dräuung an / erinnerte ihn gleichwol / er sollte sehr wohl bedenken was
er tähte; er währe ein Römischer Herr / und des Käysers naher anverwanter /
welcher ohn allen zweifel seinen Tod an ihm und seinem ganzen Geschlechte sehr
hart und schwer rächen würde. Gut gut / sagte Charidemus / das du mir solches
anzeigest / dañ desto weniger werde ich dich los geben / damit du hernähst der
Rache entübriget seist. Rieff hiemit seinen vier Schergen / die vorm Gemache
auffwarteten / und sagete: Nehmet diesen gefangenen Buben / uñ führet ihn an die
Stätte / wo er heut meinen lieben Oheim erschlagen hat / daselbst hauet ihm das
Häupt von den Schultern / reisst ihm das schelmische Herz aus dem Leibe / und
zerstücket ihn in XXIV teile / deren eines jedwedem meiner Freundschaft zur
billigen Rache über meines Bruders Tod soll zugestellet werden; hernach
entäuptet auch seinen Diener / und weil er nichts böses getahn / so verscharret
seinen Leib in die Erde. Die vier Henkers Buben wahren von Leibe sehr stark;
jeder hatte ein grosses Richtschwert an der Seite / uñ einen Strik in der Hand /
welche mit einem Häuptwink ihren Gehorsam zur Volstreckung anzeigeten. Valikules
entsetzete sich vor dieser Urtel nicht / enderte seine Farbe nicht im
geringesten / sondern stund wie ein Engel mit frölichem Gemüht mid sagete: Herr;
euer Recht muss warlich mit MenschenBlut geschrieben sein; und hätte ich nie
gegläubet / dass grössere unbarmherzigkeit und Grausamkeit in Griechenland als in
der Skytischen Barbarei sollte geübet werden; jedoch / dafern diese Urtel
unwiederrufflich ist / will ich mich willig drein geben; Bittet ihr aber Gott /
dass er mein unschuldiges Blut an euch nicht in kurzen räche; Ich verzeihe euch
von Herzen alles / was ihr durch Gewaltsamkeit an mir tuht; nur eines bitte ich
euch: lasset mich ungebunden hinführen / dass man gleichwol diesen geringen
Unterscheid zwischen Rittern und gemeinen verurteileten Leuten halte; Ich bin ja
ohn alle Waffen / und haben sich diese vier starke Männer meinetwegen im
geringsten nicht zubefürchten. Ihr aber / wolgebohrne Frau / sagte er zu
Charidemus Gemahl / seid von mir ehrendienstlich gebehten / und erhaltet mir
dieses bei eurem Herrn; kann ichs sonst nicht vergelten / weil mein Leben daran
muss / und ich mich dem Tode ergeben habe / so nehmet dieses schlechte von mir
anstat einer geringen Vergeltung. Mit welchem Worte er ein köstliches Kleinot
hervor zohe / und liess es der Frauen durch einen anwesenden ädelknaben
einreichen. Die Frau fragete ihren Herrn demühtig / ob ihr erlaubet währe
solches anzunehmen; welcher antwortete: Was sollte der Bettelbube vor köstliche
Kleinot haben? nehmet hin und besehet es. Der Frauen gefiel dasselbe sehr wohl /
und weil sie davon guten verstand hatte / sagte sie ihm heimlich: es währe ein
Fürstliches Kleinot von hohem Wert; fing hernach an / ihren Herrn mit
furchtsamer Rede zubitten / wann es ihm gnädig gefallen könnte / möchte er ihn
ungebunden hinführen lassen / nachdem er unbewehret währe / und die Schergen ihn
wohl würden verwahren können. Charidemus sagete zu Valikules: nicht allein du /
sondern dieses Kleinot / welches du etwa magst gestohlen haben / ja alles was in
deiner Gewalt sein mag / ist mir heimgefallen / daher du es nicht verschenken
kanst; jedoch weil mein Weib vor dich eine Bitte einleget / soltu dessen
zugeniessen haben / und ungebunden hingeführet / auch also abgetahn werden. Ihr
aber / sagete er zu den Henkern, sehet zu / dass er euch nicht entwische / und
verrichtet an ihm was euch befohlen ist / oder ihr sollet an seiner stelle
stehen. Der gröste unter ihnen antwortete: Gnädiger Herr / ich will euch sein
Häupt liefern / welches ich wie eine StekRübe hinweg hauen will; und gefält es
Euer Gn. so übergebe sie mir dieses Bübichen allein; Er müste mir warlich nicht
entrinnen /wann seiner gleich ein halb dutzet währe; dann mein kleinester Finger
ist kräfftig gnung ihn zu erwürgen. Valikules hatte schon diese Erklärung
gefasset / dass da man ihm die Freiheit der Hände würde gewegert haben / einem
Schergen das Schwert zunehmen / und im Gemache sich mit ihnen herumb zuhauen;
weil er aber Charidemus Einwilligung mit Herrenfreuden vernam / enderte er sein
Vorhaben / und rieff seinen Heiland in höchster Andacht an / Er möchte ihm
Stårke und Krafft verleihen / sein Vorhaben zuvolbringen /gedauchte ihn auch /
nach ausgelassenen Seuffzen /ihm würde ein sonderlicher Trost und innigliche
Freudigkeit ins Herz gegossen. Als er zur Tühr hinaus treten sollte / sagte er:
Hochädle Frau / ich bin schuldig /euch vor die erzeigete Gunst und Vorbitte
demühtig zu danken / zweifele auch nicht / der allerhöchste Gott werde es euch
reichlich vergelten / dass ihr einem ehrlichen Ritter die schimpflichen Bande
abgenommen habt / welche ich in Warheit mehr als die gesprochene Urtel
gescheuhet habe / weil in meinem Vaterlande Ketten und Bande ungleich mehr
schänden als das RichtSchwert. Der Frauen stunden die Augen voll Wasser / kunte
vor mitleiden kein Wort sprechen /durffte auch wegen Charidemus gegenwart nicht
/welcher sie hart und verächtlich hielt; Wiewol sie nicht unterliess / ihm eine
sehr freundlichen Blik zuverleihen / und hiemit zuverstehen gab / wie geneiget
sie ihm währe. Also ward er zwischen zween Henkersbuben hingeleitet / welche
viel Gespöttes und unkeusche Reden gegen ihn trieben / dass ihm das Herz im Leibe
blutete. Charidemus liess im ganzen Flecken bei Lebensstraffe verbieten / dass
kein Mensch mit hinaus gehen / uñ die Volstreckung des Gerichtes ansehen sollte /
ohn die darzu verordnet währen; dann ihm wahr leide / Valikules würde ihnen
anzeigen wer er währe / da einer oder ander aus Hoffnung eines Geschenkes es
nach Rom an den Käyser berichten dürffte / und er darüber in Ungelegenheit
kähme. Als sie von der Steige in den Schlossplatz kahmen / nahmen die beide
übrige Schergen den gebundenen Gallus zwischen sich / welcher bisher in seinem
Gebeht zu Gott gestanden wahr / und denselben mehr umb Herkules als seine eigene
Erlösung anrief / weil er bekennete / eine solche Straffe durch sein voriges
übeltuhn wohl verdienet zu haben; jetzund aber fragete er /wohin man mit ihnen
wollte; da sein Herr ihm antwortete: Mein frommer geträuer Knecht / unsere Zeit
ist kommen / der halben lass uns ein Herz fassen / dass wir willig und gerne
sterben; Wir haben ja noch die Ehre / dass wir von diesen vier tapfferen
geherzten Männern / und nicht von schlimmen schwachen Buben den Tod annehmen
werden. Diese vier Schelmen dauchten sich gross / da er ihnen dieses Lob
erteilete / und sagte der vornehmste zu ihm: Nun junger /du solt dieses Worts
geniessen / dass ich dich nicht lange peinigen / sondern so bald wir auff den
Platz kommen / dir im Augenblick davon helffen will / dass du Todesschmerzen nicht
empfinden solt. Charidemus hatte IIX Dienern befohlen / mit hinaus zugehen / und
dem Gerichte zuzusehen / unter denen auch dieser wahr / welcher unsern Held ins
Angesicht geschlagen hatte; Sie gingen aber auff die 50 Schritte hinter ihnen
her / dass sie nicht hören kunten / was er mit den Schergen redete / da er zu
ihnen sagete: Ihr guten Leute habt mir versprochen / ohn Peinigung mich
niderzuhauen / davor ich mich dankbar erzeigen will /massen ich ein geldreicher
Herr bin / und grosse Barschaften habe; Vor dissmahl ist mir aber nichts übrig
blieben / als dieser köstliche Ring / welchen ich euch schenke / und zu allem
Danke vor 800 Kronen verkaufft werden kann / welche Gelder ihr unter euch
brüderlich teilen sollet; lasset aber bald nach meinem Tode entweder einen eures
Mittels / oder sonst einen geträuen Menschen nach Padua an den Statalter
ablauffen / und ihm nur mündlich sagen: Der junge Ritter mit den gelben Haaren /
welcher sich eine zeitlang bei ihm aufgehalten / liege bei etlichen Räubern
gefangen / die ihn ohn Erlegung 6000 Kronen nicht lossgeben wollen; habe deswegen
diesen abgeschikt / solche Gelder alsbald zuhohlen; Zum Wahrzeichen; dass er ihm
bei seinem lezten Abscheide einen köstlichen Ring verehret hätte; ich versichere
euch / sagte er / es wird auff dieses Wort das Geld stündlich ausgezahlet
werden. Die Schergen wahren arme Bettel Buben /hatten bei ihrem Herrn kaum das
liebe Brod; Sie sahen den glänzenden Ring / und gefiel ihnen derselbe wohl /
wurden auch der übrigen Verheissung so froh /dass sie vor Freuden auffsprungen.
Sie traten zu ihm /bohten ihm die Hand / und bahten / er möchte ihnen verzeihen
/ dass sie gezwungen würden / ihn und seinen Diener hinzurichten. Ich vergebe es
euch gerne /sagte er / wann es nicht anders sein kann; doch möchte ich euch wohl
einen Vorschlag tuhn / wann er euch gefallen könnte: Höret / wie dünket euch /
wann ihr mir das Leben geschenket / und in aller Eile mit mir nach Eliss
gelauffen währet / da wollten wir vor eurem unbarmherzigen Herrn schon sicher
sein / und dass er unser Flucht nicht so bald inne würde / wollten wir unsere acht
Nachfolger durch Zwang vor uns hintreiben / dass sie mehr als den halben Weg mit
uns lauffen sollten; währen wir dann zu Elis / so währe wir schon sicher / und
wollte ich darauff euch zu reichen Herren machen / dessen ihr mir wohl trauen
möget. O nein /sagte der ansehnlichste / das sind Dinge von nichts /wir können
so nicht davon lauffen / und unsere Weiber und Kinder zur Straffe hinter uns
lassen; überdas ist unser Herr so mächtig / dass er nicht ruhen würde /biss er
dich und uns durch den schändlichsten Tod hingerichtet hätte; must demnach
solche Gedanken nicht fassen / sondern bei deiner freimühtigen Erklärung zum
bevorstehenden Tode verbleiben. Er gedachte in seinem herzen: Wolan / ich habe
dein Leben zu retten gnug getahn; wollte auch umb Verdachts wille nicht weiter
darum anhalten / sondern sagete: Ihr guten Leute sehet wohl / dz das Leben lieb
ist; wann euch aber mein Anschlag nicht gefallen will / muss ich wohl zufrieden
sein / und den Tod annehmen / wie ich mich demselben schon ergeben habe;
Vergesset nur nicht die versprochenen Gelder zu Padua abzufodern /und tuht mir
noch diesen Gefallen / dz mein Diener auch auffgelöset werde / und ohn gebunden
sterben möge; ich will euch gut davor sein / dass er euch nicht entlauffen soll /
dann er ist ohn das übel zu fusse. Es soll die Einfoderung nicht vergessen werden
/ sagete der vorige Scherge / und dass du sehest / wie günstig ich dir bin / will
ich deinen Diener alsbald auflösen; seines entlauffens befurchte ich mich ganz
nit / massen ich dergestalt hinter ihm anklopffen würde / dass ihm das lauffen
schon vergehen sollte; dann wie gross und schwer ich bin / habe ich doch mannichem
guten Pferde mit lauffen angewonnen / und mannichen Groschen damit verdienet;
schnitte unter diesen Reden die Stricke von Gallus Armen los / und liess ihn also
frei zwischen den beiden andern Schergen gehen. Dieser merkete schon / mit was
Vorsatz sein Herr umging /empfand eine grosse Freude in seinem Herzen / und gab
genaue acht / wie ers angreiffen würde. Hingegen liess Valikules sich im
geringsten nichts merken / sah sich etliche mahl nach den folgenden Dienern umb
/und ward gewahr / dass nur ihrer zween SeitenGewehr / die übrigen weisse Stäbe
hatten. Er sah die stelle /da er den Ritter erschlagen hatte / nicht weit mehr
sein / uñ sagte zu den Schergen: Ich merke wohl / je näher man dem Tode ist / je
mehr man sich vor ihm fürchtet. Dieser wollte ihm ein Herz einsprechen / und
sagte: Ey der Tod ist so bitter nichtbleibe du nur fein beständig in deiner
Herzhaftigkeit / ich will dir geschwinde davon helffen / dass du des Todes nicht
mehr als eines geringen Dornstiches empfinden solt. Das will ich tuhn / sagete er
/ und meinen einmal genomenen Vorsaz nicht brechen; aber wie mag es kommen /dass
euer Herr so wenig Zuseher verordnet hat? Das können wir nicht wissen /
antwortete der Scherge / es möchte dann sein / dass er dieses Gerichte nicht
wolle ausgebreitet / sondern verschwiegen haben. Ich bin dessen auch zufrieden /
sagte Valikules; kehrete sich damit umb nach Gallus / welcher hinter ihm her
geleitet ward / und sagete zu ihm: Mein ehrlicher Diener /entsetze dich nicht
vor des Schwertes Schärffe / sondern nim von mir ein Beispiel / weil es mir doch
zum ersten gelten soll. Sie gingen hierauf etwa noch XXX Schritte fort / da
ersah Valikules seine Gelegenheit /und sagte: Nun ihr guten Gesellen; hie wird
die städte sein / da man ohn blutvergiessen nit bleiben kann; aber was wollen
dorten unsere Zuseher anfangen? Dieses sagte er zu dem Ende / dass die Schergen
sich darnach umbsehen sollten / wie auch geschahe / daher Herkules einen freien
Griff hatte / reiss dem vornehmsten / der ihm zur rechten Hand ging / das Schwert
von der Seite / und hieb den andern / der seines zuzücken anfing / im Augenblick
nider; ergreiff dessen Schwert / und machte sich nach Gallus Gleitsleuten /deren
einem er den Kopff spaltete / und seinem Gallus das ander Schwert reichete. Der
vornehmste Scherge entsetzete sich hierüber / dass er sich nit besiñen kunte /
der vierte aber taht einen Sprung zurücke / entblössete dz Schwert / und sagete;
O ihr Schelmen / sind dass eure gute Worte? fing hierauff an / mit Valikules sich
umbzutreiben / und bekam der vornehmste des andern ertödeten Schwert auch /
damit er auff Gallus ganz grimig und verwägen ansetzete; es erschraken aber die
acht Nachfolger über diesem Gefechte dergestalt / dass sie weder hinter sich
lauffen noch vor sich gehen kunten. Valikules sah / dass Gallus seinem Manne
nicht gewachsen wahr / und demselben nur stets aussweichen musste / ward mit
seinem aber bald fertig / und trat dem vierden entgegen / da er Gallus befahl /
die acht Diener wohl in acht zunehmen / dz ihrer keiner entrüñe. Dieser wahr
gehorsam / ging zu ihnen hin / und rieff ihnen zu / da ihrer einer fliehen /oder
sich regen würde / sollten sie alle sterben. Wodurch sie geschrecket / stille
stunden / und auf seinen Befehl sich nider auff die Erde legeten. Der übrige
Scherge hatte einen Muht gefasset / und ging mit unmenschlichen Hieben auff
Valikules los / der ihm anfangs nicht beschädigen wollte / sondern nur aussweich /
und ihm Gnade anboht; wovon aber dieser durchaus nicht hören wollte / sondern ihn
erschreklich schmähete / nebest Dräuung / wie grausam er mit seinem Leichnam
geberden wollte; welches er aber wenig achtete / und ihm zur Antwort gab; ich
sehe wohl / dass dich Gott nicht långer will leben haben / noch dir gönnen / dass du
dich berühmen sollest / einen Fürsten unter deiner Gewalt gehabt zu haben; Und
als ersah /dass dieser mit einem quehrhiebe sich verhauen / und allerdinge sich
bloss gegeben hatte / taht er einen Schlag mit aller Macht auff ihn / und hieb
ihn mitten im Leibe ab. Gallus sah diesen Streich mit höchster Verwunderung an
/ zu dem sich Valikules alsbald verfügete / und die acht Diener unter harter
Bedräuung befragete / zu was Ende sie mit heraussgangen /uñ ob sie von ihrem
Herren eigentlich darzu befehlichet währen. Der furchtsameste unter ihnen fing
an: Mein Herr / es hat H. Charidemus diesem im ledern Kleide befohlen / selb
achte mit heraus zugehen / welcher uns darzu beruffen / dass wir uns an diesem
Schauspiele ergetzen sollten. Valikules kennete den gezeigeten / dass er eben von
demselben ins Gesicht geschlagen wahr / ergrimmete über ihn / und sagte: Du
ehrvergessener Schelm / warumb schlugestu mich / da ich gebunden wahr / und ich
dich doch im geringsten nicht beleidiget hatte? ich hoffe aber nicht / dass du
dich dessen lange berühmen solt / du habest einen Fürsten so hoch beschimpfet.
Trat mit Gallus ein wenig abseit / und sagte: Lassen wir diese Buben leben / so
lauffen sie alsbald hin / und verrahten uns /da wir von Reutern bald möchten
eingehohlet und ergrieffen werden; ist also besser dass sie sterben / als unsers
todes eine neue Ursache sein; tuht demnach zur Sache / und richtet sie hin /
meine schlimmen Zuchtmeister aber am ersten / und die zween blödesten lasset
Leben. Gallus verrichtete dieses in kurzer Zeit / und liess sich durch kein
bitten bewägen / dann er trug die gröste Erbarmung mit ihm selbst. Zu den beiden
übrigen aber sagete Valikules; geschwinde auff / und lauffet mit uns / sonst
müsst ihr sterben. Diese wahren hierzu willig / uñ hüpffeten vor ihm her des
Weges nach Eliss zu. Gallus sah seines Herren Ring an des abgehauenen Schergen
Finger stecken /nahm ihn zu sich / und folgete nach; sie hatten sich aber mit
der erschlagenen Diener ihrem Seitengewehr versehen / weil sie bequemer wahren /
sich im nohtfalle damit zu schützen / und lieffen das Gehölze auffs schnelleste
hindurch / dass die beiden Knechte endlich aus grosser Mattigkeit niderfielen.
Gallus sties sie an / noch weiter zu lauffen; aber Valikules sagte / lasset sie
immerhin liegen / ich spüre es an meinen Beinen wohl / dass sie so geschwinde
nicht sollen zurück eilen. Wir aber haben Gott unserm Heilande wohl zu danken /
welcher uns vor dissmahl so ganz gnädig und wunderlich errettet hat. Sie höreten
nicht auff zu lauffen /als lange sie des vermögens wahren / biss sie an eine Bach
kahmen / in welcher sie die Hände abkühleten /und nachgehends einen Trunk daraus
tahten. Gallus riet / sie wollten sich mit ihrem Kunststaube verstellen / dass man
sie nicht kennete / welches er ihm wohl gefallen liess / strichen ihre Hände /
Haar und Angesicht an / und die weil solches trocken ward / und die Farbe von
der Lufft und Sonne empfing / verrichteten sie ihre herzliche Danksagung zu Gott
/ und bahten / dass er ihnen ferner behülfflich sein wollte. Nach geendigtem
Gebeht traten sie wieder auff ihre ermüdeten Füsse / und höreten nicht auff zu
gehen / biss sie in ihrer Verstellung bei einem unbekanten Wirt einkehreten / und
durch Speise und Trank ihre matten Geister labeten. Den mehrenteil der Nacht
brachte Valikules mit Gebeht und Danksagung zu Gott hin / legte hernach fleissig
über / wie ers weiter anzuschlagen hätte. Zwar sein Vorsaz / das Fräulein zu
suchen /kunte nicht gebrochen werden; hingegen wahren die Lebensmittel fast
vergriffen / und würde nicht viel übrig blieben sein / wann zwei gute
Ritterpferde und andere gebührliche Rustung sollte eingekaufft werden; daher ward
er zu Raht / seinen Gallus in angestrichener Gestalt alsbald nach Padua zu
senden und etwa 10000 Kronen von Libussen ingeheim abzuhohlen /welche Herr
Kornelius auff sein Schreiben wohl verschiessen würde. Dieses ward desselben
Morgens ins Werk gerichtet / da Gallus in Kauffmans Kleidung auff einem Klöpper
sich nach Korint machete / daselbst mit dem ersten Schiffe fortzugehen / oder
eines vor sich zu dingen. Als er nun daselbst sich am Hafen befand / sah er
ohngefehr Fabius und Leches am Ufer gehen / dessen er erschrak / und sich
zuverbergen suchete; weil ihm aber einfiel / dass er verstellet wahr / ritte er
kühnlich zu ihnen hin / und nach gebehtener Verzeihung fragete er / ob das
Schiff bald nach Italien fahren würde. Fabius antwortete: wann es ihm eilig
währe / musste er nach anderer Gelegenheit sich umbtuhn; fragete ihn hernach /
woher er kähme / und was gutes neues er hätte. Dieser antwortete: Er kähme
gleich her aus der Landschaft Eliss / jenseit der Hauptstad desselben Landes /
welche auch Eliss geneñet würde / und hätte wegen seiner Handelung in Italien
hochnöhtig zuverrichten / da ihm auff der Eile alle seine Wolfahrt stünde; Neues
währe nichts sonderliches / ohn dz neulich die Olympischen Spiele gehalten / und
er vor wenig Tagen ein elendes Gericht gesehen / etliche wenig Meile disseit der
Stad Eliss /woselbst ein überaus schöner junger Mensch mit lange gelben Haaren im
Ritterlichen Kleide / nebest noch einem Manne der ein röhtliches Haar gehabt
/zum Tode währen hinaus geführet worden / dessen er noch diese Stunde nicht
vergessen könnte; die Ursach hätte er nicht erfahren mögen / als dass ihm gesagt
währe; der junge Ritter hätte einen überaus streitbahren Griechschen Herrn im
offentlichen Kampfe erleget / und währe nachgehends durch List gefangen worden.
Fabius erschrak hierüber dass er zitterte / und sagete zu Leches: Die Götter
verhüten gnädig / dass es nicht Herr Herkules gewesen sei / dann Gallus wahr
solcher Farbe / wie sein Geselle beschrieben wird. Er fragete alsbald diesen
vermeinten Kauffmann / woher er dieses wüste / und wovor er diesen jungen Ritter
hielte. Wer er eigentlich gewesen / antwortete er /weiss ich nicht / nur dass
gesagt wird / er währe vor weniger Zeit aus Italien mit einem Kaufmanns Schiffe
kommen / hätte auch einer weiten Reise gedacht die er vorhätte / ümb einen
verlohrnen sehr lieben Freund zusuchen; Dass ich aber die Warheit sage / dürfen
meine Herzen nicht zweifeln / weil ichs mit Augen angesehen / dass sie von vier
Schergen zur Gerichtsstat geführet wurden / wahr auch willens des Endes
zuerwarten / welches mir aber von den Schergen mit höchster Bedräuung verbohten
ward / und durffte kein Mensch / als etliche darzu bestellete Diener zusehen.
Fabius gehub sich als ein verzweifelter Mensch / liess einen schweren Seuffzen
aus / und flossen ihm die Trähnen über die Backen herunter. O ihr Götter /sagte
er / es ist bei meinem äyde niemand anders gewesen / als Herr Herkules. O du
Ausbund des ganzen menschlichen Geschlechtes! hat dich ein nichtiger Henkersbube
tödten / uñ dein Hochfürstliches Blut auff die Erde schütten müssen? so erbarme
es die Götter! die ich schier der Ungerechtigkeit anklagen dürfte. Ich will aber
deinen Tod / du unvergleichlicher Held / mit solchem Grimme rächen / dass ganz
Griechenland davon soll zusagen uñ singen wissen. Gallus kehrete Zeit solcher
Klage sich von ihm / und wollte hinweg reiten; aber er rieff ihm nach uñ sagete:
Guter Freund / ich werde euch nicht von mir zihen lassen; ihr müsst nohtwendig
mit mir ümkehren / und mir den Ort dieses unseligen und verfluchten Gerichts
zeigen / auff welchem ein mehres haftet / als ihr nicht gedenken möget. Dieser
entschuldigete sich hoch / seine Wolfahrt wollte ein solches nicht leiden; es
währe ein Kauffmann zu Ravenna ihm und andern / viel tausend Kronen schuldig /
von dem gesagt würde / dass er ein Bänkchen machen wollte. Vor diesen Verlust will
ich haften / sagte Fabius; und das ihr wisset / mit wem ihr redet; Ich bin ein
Römischer Gesanter / mit habender Volmacht / nach gut Befindung / nicht allein
einzelne Leute / sondern ganze Gemeinen auffzufodern; weil nun dieser ermordete
Ritter mir nahe verwand ist /werde ich gebührliche Straffe über seinen
unschuldigen und hoch betraurlichen Tod ergehen zulassen /nicht ümhin können.
Gn. Herr sagte Gallus / ich befinde mich schuldig zugehorsamen / bitte nur / dass
die Reise nicht lange auffgeschoben werde. Hieran wird nichts mangeln / sagte
er; befahl auch / dass Leches und Markus alle Kriegsknechte stündlich mit ihrem
Gewehr und dreitägiger Speise aus dem Schiffe führen sollten; welches ungestumet
geschahe / und sich auff den Weg macheten / weil Fabius und seine Gesellschaft
mit ungläublicher Betrübnis und vorgenommenen Eifer der Rache eilig fortzohe.
Gallus wusste den eigentlichen Weg nicht / führete sie gleich nach Elis zu / biss
sie an den Nebenweg kahmen /wohin der Ritter unsern Held in den Wald geführet
hatte / denselben nahmen sie vor sich / zoge durchs Gehölze / biss sie an die
Stelle kahmen / wo die Schergen wahren nidergehauen / uñ etliche blutige Zeichen
sich noch merken liessen; da Gallus zu Fabius sagete: Gn. Herr / dis ist der Ort
/ da die Henkersbuben den jungen Ritter führeten. Dieser ward des Bluts auff der
Erden gewahr / daher ihm die hellen Zehren aus den Augen schossen / und des
lauten Weinens nebest Leches und Markus sich nicht entalten kunte; nachgehends
mit wehemühtiger Stimme klagete: O du ädles /frommes und keusches Blut / hastu
an diesem verfluchten Orte durch Henkers Schwert müssen vergossen werden? Nun du
bist leider dahin / und lässest allen deinen Freunden ein immerwehrendes Trauren
dahinten; aber ich will dir alle dieselben zum Opfer schlachten / die Ursach und
Hülffe zu deinem Tode gegeben haben; und müsse diese Gegend ewig verfluchet sein
/ in welcher der ruhmwirdigste Held / den iemahls die Sonne beschienen / sein
Leben so elendig hat zusetzen müssen / dessen die ganze Welt kaum wirdig wahr.
Hernach fing er an / Ladisla zubeklagen / und wie derselbe immermehr den Tod
seines einiggeliebtesten Freundes würde erdulden können / den er weit über seine
Seele schätzete.
    Charidemus dauchte die Zeit lange / da seine Schergen über die angesetzete
Stunde ausse blieben /klagete seinem jungen Gemahl / wie ihm so angst ümb das
Herz währe / und befahl / dass ein Diener hinauslauffen / und wie es mit dem
Gerichte ergangen / Zeitung einhohlen sollte; welcher / als er anfangs die sechs
erschlagenen Diener / und bald darauff die vier Schergen entleibet sah / bei
denen ihre Schwerter lagen; entsetzete er sich / und wusste nicht was er gedenken
sollte; kehrete doch bald wieder ümb / solches anzumelden; aber wie er den halben
Weg schon zurück gelauffen wahr / fiel ihm ein / er wollte wieder ümkehren / und
zusehen / ob er nicht etliche Gelderchen zur Beute bei den Erschlagenen finden
möchte / da er kaum etliche Groschen bekam; in dem er nun fortgehen wollte / ward
er der beiden Diener von ferne gewahr / welche nach Valikules Abzug sich nach
Mögligkeit erhoben / und geeilet hatten / aus Furcht / es möchte Gallus ümkehren
/ und sie erschlagen / wie er dañ willens gewesen wahr. Der ausgeschikte
erwartete ihrer / machten sich nach Charidemus Schloss /und kahmen üm
Abendessenszeit an / da sie alles ümständlich berichteten / und wie sie mit
lauffen müssen / damit ihre Flucht nicht so bald angemeldet würde. Hierüber
entsetzete sich Charidemus so hart / dass er das Messer aus der Hand fallen liess
/ und den halbgeschlukten Bissen aus dem Maule speiete / zu der Frauen
sprechend: Nun muss ich mich in kurzer frist aus dem Staube machen / oder eines
schändlichen Todes sterben / dafern der junge Mörder derselbe ist /vor welchen
er sich angegeben hat; O des verfluchten Kleinots / welches ihm die mörderischen
Fåuste hat frei gemacht! Die Frau stellete sich sehr traurig / aber ihr Herz
wahr voller Freude / als sie vernam / dass dieser unschuldige Herr das Leben
davon gebracht; dass aber solches an ihr nicht gemerket würde / fragete sie / als
mit sonderlichem Eifer / wie es dann möglich währe / dass der junge wehrlose
Mensch ein solches hätte verrichten mögen. Mich dauchte / antwortete dieser /
dass ich sah / wie er den Schergen etwas schenkete; dann dass sie ihm mit
gegebenen Händen danketen / sah ich eigentlich. Sie löseten auch dem andern die
Hände auff sein begehren auff / ehe sie an den Richtplaz kahmen / woselbst der
Jüngling dem grösten Schergen das Schwert von der seite reiss / und sie alle
niederhieb / wie ich schon gemeldet habe. Ja Gn. Frau / sagte er weiter / hätten
eure Gn. gesehen /wie dem jungen Menschen die Augen vor Zorn und Rachgier im
Häupte fünkelten / sie hätte vor Furcht sterben mögen; ich zwar habe mir
gänzlich eingebildet / er müsse ein Gott / oder doch ihres Geschlechtes sein.
Die Frau nam aus dieser Erzählung ihr bestes /und sagete: Hieraus erscheinet /
dass ob mein geliebter Herr gleich den Schergen nicht zugelassen hätte / ihm der
hånde freiheit zu gönnen / wurde er solches doch durch seine listige
Schmeichelreden leicht bei ihnen erhalten haben / weil ers so gar vor seinen
Diener hat erlangen können. Charidemus fragete den Diener / ob man ihnen mit
schnellen Pferden nit nachsetzen / und sie ereilen könnte; und als er vernam dass
sie schon zu Elis würden angelanget sein / sagte er zu Fr. Euphrosynen (so hiess
sein junges Gemahl); hier ist weder Raht noch Rettung / dafern wir uns nicht in
wenig Tagen von hinnen machen / und dem Unglück aus dem Wege zihen. Mein
herzgeliebter Herr / antwortete sie / ich gläube nimmermehr und der Sinn träget
mirs nicht zu dass es mit uns so grosse Noht habe; Dann wie wollte ein so grosser
Herr nur mit einem Diener in fremden Landen umher reisen? Lassets aber geschehen
/ dass er ein solcher sei; Er muss ja zuvor nam Rom / und daselbst umb Hülffe
ansuchen; inzwischen können wir unsere sachen darnach richten / wie uns best
däucht; jedoch währe mein unvorgreifflicher Raht / man sendete einen Diener nach
Eliss / umb in geheim nachzuforschen / ob er bei der Stad umb Hülffe und Rache
anhalte / dass man durch gute Freunde (deren wir daselbst unterschiedliche haben)
vorbauete / und zum wenigste nur aufschöbe / biss wir unsere Barschaften in
Sicherheit gebracht hätten. Der Unhold pflag der Frauen sonst wenig Gehör
zugeben / aber in dieser Angst dauchte ihn ihr Raht der beste sein; daher er
nicht stark eilete / insonderheit / weil er erfuhr / dass zu Elis alles stille /
und kein Mensch von den entlauffenen zusagen wusste; wiewol er dannoch bei der
Sache nit schlieft sondern sich bemühete /Parmenions Gelder (die er bei sich
hatte) nebest den seinen nach Persen auff Wechsel überzumachen / und daselbst
die Werbungen seines Bruders fortzusetzen /weil er noch stark an Leibeskråfften
wahr; Daher er auch in voller Bereitschaft wahr zum Auffbruch / als Fabius den
Flecken mit 70 Mañ besetzete / und gleich unter dem Mittagsmahl mit den übrigen
dreissigen auff das Schloss drang / und den Tohrhüter fragete /ob der Herr daheim
währe; welcher ihm zur Antwort gab: Er hielte Mahlzeit / und würde alsbald
verreisen. So kommen wir noch zu rechter Zeit an / sagte er /dann wir gedenken
ihn auf der Reise zubegleiten; Liess sich den EsseSaal zeigen / uñ ging mit
seiner wolbewehreten Schaar die Steige eilend hinauf. Charidemus hörete das
Getümmel / lieff selbst zur Tühr /und fragete / was vor ein Aufflauff da währe?
Aber Fabius setzete ihm das Schwert auff die Brust / und sagete mit starker
Stimme: Gib dich gefangen / du schändlicher Blutund und verrähterischer
Erzbösewicht! Dieser wollte zur Seite neben ausdringen / da Leches auff ihn
sprang / und ihn alsbald zur Erden niderreiss / übergab ihn hernach den
Kriegsknechten zuverwahren und zu binden / und ging mit Fabius auff den EsseSaal
/ da sie das gute Weibichen in harter Ohmacht auf dem Boden ligen funden /
welche von ihnen so viel gerüttelt und mit Wein besprützet ward /dass sie sich
erhohlete / uñ Fabius ganz grimmig zu ihr sagete: Frau / habt ihr in eures
Mannes Mordtaht gehehlet / uñ seine Verräterei gebillichet / so müsst ihr ohn
alle Gnade mit ihm eines schändlichen Todes sterben. Ach mein Herr / sagete sie
/ wie heftig ist mir diese böse Taht zuwider gewesen / welches die Götter
wissen / und dieser liebe junge Herr selbst bezeugen wird / dass ich schier die
einige Ursach seiner Errettung gewesen bin. Ach meine liebe Frau / sagte Fabius
mit freudigem Herzen: Ist dann dieser junge Herr gerettet / und annoch im Leben?
Ja mein Herr /antwortete sie / er ist / den Göttern sei Dank / frisch und gesund
davon kommen / wiewol zu meines Eheherrn äusserstem Verderben; doch wollte ich
lieber sterben / als erfahre / dass dieses ädle und unschuldige Blut umkommen
währe; Wollen aber meine Herren mir nicht trauen / gönnen sie mir nur / einem
Diener zuruffen / der mit dabei gewesen / und von allem gute Nachricht geben
kann. Ey so bin ich völlig genesen /sagte Fabius; liess den Knecht alsbald
herkommen /der ihm geträulich erzählete / wie es ergangen wahr. Charidemus
hörete draussen seiner Frauen Entschuldigung / und dass sie vor eine Erreterin
des entlauffenen sich rühmete / welches ihm sehr zu Herzen ging /und betraurete
/ dass er sie nicht erwürget hätte / wie er willens gewesen wahr / sie auch schon
etliche mahl jåmmerlich darumb geschlagen hatte / dass sie seiner Hände Freiheit
verursachet; und weil er merkete / dass er der Todesstraffe nicht entgehen würde
/ stellete er sich als ein unsinniger Mensch: Ob dz redlich gefochten währe /
dass man freie Herren in ihrem Gewarsam und unabgesaget / mörderisch- und
räuberischer weise überfiele. Fabius hörete solches / und gab zur Antwort: O du
meinäidiger Schelm und Bösewicht /stund dir dañ solches zu / dass du einen
Römischen Ritter und gebohrnen GrossFürsten /. welchen Käyserl. Hocheit als ihren
Bruder liebt / ungewarnet und verrähterlich fahen / und den HenkersBuben ohn
eingehohlete Urtel / ja ohn überbrachte einige Untaht übergeben / und zum
allerschändlichsten Tode hinaus führen lässest? Hätte ich aber Lust mit dir
zurechten /könnte ich dich nach Rom auff den Marsplaz / oder nur nach Padua auf
den Markt hinweisen / wo du dieses unvergleichliche Helden trefliche
Ehrengedächtnis und aufgerichtete Seulen finden würdest / als welcher dem
Römischen Reiche mehr Dienste getahn / als deiner zwanzig tausend nicht tuhn
könten. Dieser wollte sein Leben in etwas fristen / und berief sich auf den
Käyser / aus Hoffnung / auff der Reise nach Rom / Gelegenheit zur Flucht
zufinden; Aber Fabius gab ihm zur Antwort: Ja ich meine / mein Allergnädigster
Käyser würde mirs Dank wissen / wann Seiner Hocheit ich einen solchen Verrähter
/ der seine Schelmstücken nicht leugnen kann / zusenden würde. Ich bin ein
Käyserlicher Gesanter / und will in dessen Nahmen /nach empfangener Volmacht /
dich schon abzustraffen wissen / weil du denselben / und alle Römische Ehre /in
diesem Ritter / so viel an dir ist / geschändet hast. Machte darauff die Urtel /
dass der Verrähter Charidemus wegen seiner begangenen Ubeltaht auff dem Platze /
woselbst er den unschuldigen Ritter niderhauen lassen wollen / von seinen beiden
Dienern / denen derselbe das Leben geschenket / sollte hingerichtet /das Herz ihm
aus dem Leibe gerissen / und der Leib in XXIV Stücken zerteilt werden / wie ers
über den unschuldigen jungen Helden also bestimmet håtte. Dieser entsetzete sich
über dieser Urtel dermassen /dass er sein Gemahl / die neben ihm stund / bitlich
ersuchete / sie möchte ihm ihr Brodmesser ins Herz stossen. Worauff sie
antwortete: Wie könnte ich immer und ewig solchen Mord an meinem Gemahl
volbringen? überdas müste ich ohn Zweifel eines bösen Todes sterben / wann wider
dieses gewaltigen Herrn Willen ich mich dessen unternehmen würde. Wie? sagte er
zu ihr; begehrestu dann nach meinem Tode länger zuleben? Nicht länger / sagete
sie / als der Götter Wille ist / denen ich ja nicht versprochen habe /mit euch
zusterben. Die gute Frau hatte wenig ursach ihn zulieben / weil er sie sehr übel
hielt / und sie überdas ihn wider ihren Willen uñ aus Zwang hatte nehmen müssen;
aber in dieser Noht trug sie ein so herzliches mitleiden mit ihm / dass wanns
möglich gewesen / sie ihm mit alle ihrem Gute das Leben gerne erkaufft hätte. Er
hingegen suchete nur einig / da er sterben sollte / sie mit sich in den Tod
zunehmen /sollte er auch selbst den Mord an ihr volbringen; Weil ihm nun die
Hände auf den Rücke gebunden wahren /rief er sie zu sich / vorgebend / er hätte
ihr in geheim etwas zusagen; Und als sie ihm gehorsamete / und auff nichts
widriges gedachte / stiess er mit dem Fusse nach ihr / in Meinung / sie tödlich
zubeschädigen; weil aber ein Kriegsknecht dessen zeitig wahr nam /bauete
derselbe vor / dass der Stoss seine volle Wirkung nicht erreichete / ob sie wohl
zimlich hart getroffen ward. Die Frau zürnete darüber gar nicht / sondern
fragete mit trauriger Rede / warumb er doch so grosses Verlangen nach ihrem Tode
hätte / da sie /wañs möglich währe / ihm das Leben gerne erhalten wollte. Darumb
/ sagete er / dass du deinen schönen Leib nicht etwa einem andern williger gönnen
mögest / als mir mag geschehen sein; und wer weiss / ob du nicht noch heute den
gemeinen Knechten zu teile wirst? Davor wird mich der Tod befreien / antwortete
sie. Leches hörete solches / und sagte zu ihr: Fürchtet euch dessen nicht /
geliebte Freundin / und versichert euch nur / dass man eure / dem unschuldigen
fremden Herren erteilete Redligkeit mit besserem Dank belohnen werde; auch dass
unter uns durchaus keine Ehrenkränker redlicher Weiber sind / noch die eure die
allergeringste Gefahr hat / dessen gebe ich euch meine Träue zum Pfande.
Geliebete Frau? Träue? sagte Charidemus zu unterschiedlichen mahlen; ists mit
euch beiden schon so weit kommen / da ich noch im Leben bin? In meinem Herzen
bistu Bösewicht schon tod /sagte Leches; und wann wir beide von den Göttern
einander sonst versehen währen / würdestu es wohl nicht gar lange hindern können.
Dieser stellete sich hierüber sehr zornig / und foderte ihn aus zum Kampffe auff
Leib und Leben. Er aber antwortete ihm: Ja wie so herzlich gerne wollte sich
diese meine Hand / wegen deines / an meinem gnädigsten Herrn begangenen Frevels
/ an dir rächen / wann du nicht ein Römischer Gefangener / und zum Tode
verurteileter währest / da nicht ein Ritter / sondern der Henker die Urtel an
dir volstrecken muss. Die gute Frau wahr überaus betrübet / fiel Leches zu fusse
/ und baht durch alle Götter / ihrem Eheherrn das Leben zuschencken / weil ja
der junge Herr mit dem Leben davon kommen währe; sie wollte gerne sich aller
ihrer Güter begeben / und mit ihm / da er sie bei sich leiden könnte / das Elend
baue / oder sich bei ihren Freunden auffhalten. Leches hub sie freundlich auf
/und sagete: Ein solches müste nicht bei ihm gesucht werden / weil er nicht der
Römische Gesanter währe; wollte ihr doch gerne allen möglichen Vorschub tuhn /wañ
er einige Mögligkeit sähe. Er keñete aber des Herrn Gesanten Eifer /
insonderheit / weil der so hoch beschimpffete junge Herr ihm lieber als seine
eigene Seele währe. Fabius kam darzu / und befahl die Urtel zu volzihen / wobei
er sich selbst wollte finden lassen. Der Gefangene aber bedingete sich nochmals
wegen der unbefugeten Gewalt / und als er sah / dass alles nichts helffen wollte;
begehrete er so viel Zeit / dass er seinen lezten Willen auffsetzen / und
gebührlich bekräfftigen könnte / wie ers nach seinem Tode mit seiner zeitlichen
Verlassenschaft wollte gehalten haben. Aber Fabius antwortete ihm: Ein
Ubeltähter / der schon unter Büttels Händen ist / hat keinen letzten Willen mehr
/ noch einige Freiheit über seine gewesene ehmahlige Güter zubestelle / sondern
dieselben stehen in seines Richters Händen / insonderheit / da man an der
höchsten Obrigkeit sich versündiget hat. Also besetzete er das Schloss mit 50
Mann / unter Markus Befehl; die übrigen 50 nam er zu sich / liess den Gefangenen
/ weil er nicht hinaus gehe wollte /auff einer Karre hinschleppen / und mussten
seine obgedachten beiden Diener samt seinem Schiffs-Nachrichter neben her gehen.
Die ganze Menge des Flecken kahmen zusammen / und schrihen Ach und Rache über
Charidemus: Er hätte diese Straffe längst wohl verdienet / weil er sie mit
Schatzungen und Frohndiensten unbarmherzig gedrücket / und solchen Muhtwillen an
den ihren verübet / dass keines redlichen Mannes Weib oder mañbahre Tochter vor
ihm sicher sein können / ungeachtet er so ein schönes und Tugendreiches Gemahl /
so wohl vor diesem als jetzo gehabt. Fabius redete ihnen tröstlich zu / es sollte
ihm diese Bosheit anff einmal bezahlet / und hingegen sie von aller
ungebührlichen Beschwerung befreit werden. Als sie auff den Richtplatz kahmen /
foderte Fabius die beiden Diener allein vor sich / und dräuete ihnen den Tod /
dafern sie nicht andeuten würden /wer mit dem jungen Herrn so unbarmherzig
umgangen / und ihn so elendig gebunden hätte. Diese gingen alsbald unter den
Hauffen der Zuseher / und riefen drei boshafte Schelmen hervor / welche sie
überzeugeten / wie sie mit Herr Valikules geberdet; Und als sie nicht dartuhn
kunten / dass sie dessen aus drüklichen Befehl gehabt / liess ihnen Fabius alsbald
den Grind herunter schlagen / dass Charidemus zusehen musste; welcher darüber
heftig erzitterte / und alle seine Güter zum Lösegeld seines Lebens darboht. Es
ward ihm befohlen von dem Karren zusteigen / und als er nicht wollte / zogen
seine beiden Diener ihn beim Kopff herunter. Fabius geboht ihnen die Urtel
zuvollstrecken / daher sie ihren Herrn umb Verzeihung bahten / und dass er
niederknien möchte / damit er ohn sonderliche Schmerzen könnte abgetahn werden;
Weil er sich nun auch dessen wegerte / rissen ihn die Kriegsknechte zur Erden /
und richteten ihn die beiden elendig zu / dass er nach empfangenen XXIV Wunden
erst die boshafte Seele aussbliess. Nach gehaltenem Gerichte kehreten sie wieder
umb nach dem Schloss / und mussten die Gerichts volstrecker den Leichnam bei den
Füssen mit sich fort schleppen. Fr. Euphrosyne hielt sich inzwischen auff dem
Schloss über alle massen kläglich / dass Markus grosses Mitleiden mit ihr hatte
/ und nach allem Vermögen sie auffs freundlichste tröstete; sie möchte sich doch
in der Götter Willen ergeben / nach dem es nicht anders sein könnte; ihre Woltaht
dem jungen Herren erzeiget /würde ihr nicht unvergolten bleiben; aber es mochte
dieses alles bei dem traurigen Weiblein wenig schaffen. Als Fabius mit Leches
wieder auffs Schloss trat /kunte sie ihr die Rechnung leicht machen / wie es
ihrem Alten würde ergange sein; wollte aber nach seinem Tode ihre eheliche Liebe
und Träue spüren lassen / fiel vor Fabius nider / und kunte sie kein Mensch von
der Erden auffbringen / biss ihr versprochen wahr / dass Charidemus Leib zur Erden
sollte bestattet werden. Folgends traten Fabius / Leches und Markus zusammen /
und befrageten sich / wie es mit der Frauen und ihren Gütern sollte gehalten
werden; zwar in betrachtung ihres Mannes / währe alles der Obrigkeit verfallen;
weil aber die Frau in die Bosheit nicht eingewilliget hätte / sondern vielmehr
bemühet gewesen / dieselbe zu hindern / würde es unverantwortlich sein / dass man
ihr nicht vielmehr vor Herkules Lebenserhaltung danken / als durch Armuht und
beraubung sie betrüben wollte. Der gute Markus hatte sich schon an ihrer
Schönheit vergaffet / schenete sich doch / es zu bekennen / beklagete ihr Unglück
/ und dass vor ihre Dienste sie nichts als Trübseligkeit empfünde; da Fabius zu
ihm sagete; Mein lieber Freund; ihr wisset dass ich euch alles gutes gönne; und
tähte ich euch einen Dienst daran / wollte ich euch dieses schöne junge Weibichen
freien / so würde euch und ihr geholffen. Markus bedankete sich dienstlich vor
die hohe Gewogenheit / und da ihm diese gewünschte Heirat werden könnte / wollte
er sich glückselig schätzen. Die soll und kann euch nit entstehen / sagte Fabius;
geht nur hin / und leget den ersten Stein zu diesem Liebesgebäu selbst / auff
dass eure Neigung sie aus eurem eigenen Munde höre; hernach will ich schon wissen
/ euch Beistand zuleisten. Markus wagete die Schanze / ging hin zu ihr / und
sagete; es hätte der Römische Gesanter grosses Missfallen an ihrem unablässigen
Weinen / da er doch ihr zur sonderlichen Freundschaft seine Urtel geendert /
und dem Leichnam die Erde gegönnet; wollte sie demnach vor sich gar Freund- und
träulich erinnern / ihr gar zu grosses klagen zu mässigen; sie hätte ja alles
ihr Unglück ihrem gewesenen EhHerren zu danken / welcher / unangesehen ihres
grossen mitleidens / sie zu ermorden willens gewesen; und ob ihr vielleicht noch
nicht alles kund währe / was durch ihren Ehegatten verwirket /könnte er ihr
unangemeldet nicht lassen / dass in solchen Fällen nicht allein Leib und Leben /
sondern auch Haabe und Gut samt der Freiheit verfallen währe; solches Unglück
aber an euch zuverhindern /sagte er / erbiete ich mich nach äusserstem Vermögen;
massen mein Herz in meiner hochgeehrten Freundin Zucht und Schönheit sich
dergestalt verliebet hat /dass wann ich als ein Römischer Ritter und ädelman aus
Rom von ihr nicht verschmähet werde / ich dieselbe mir zu einem Ehegemahl in
künftig / aus rechter Träue und Beständigkeit wünsche und begehre /dienstlich
bittend / mir mein geschwindes ehrliebendes Anmuhten nicht zu verübeln / und
auff dasselbe mir eine gunstfreundliche Antwort zuerteilen. Die gute Frau wahr
von ganzer Seele traurig und betrübt /wie wohl sie ihr annoch nicht einbilden
können / dass ihre Güter und Freiheit sollten Gefahr haben; doch sich erinnernd /
dass ihre Haabseligkeit von Charidemus herrührete / fürchtete sie sich darumb
zukommen. Sie sah Markus mit trähnenden Augen an / hatte aus seinen Reden schon
gemerket / dass er ein geschikter ädelman wahr / auch an Leib und Leben
untadelhaft; aber das bildete sie ihr nicht ein / dass er so dürre sie umb
eheliche Liebe ansprengen würde. Nun durffte sie ihn nicht vor den Kopff stossen
/ weil er sich so hoch gegen sie erboht; sollte sie aber einwilligen / da ihr
Ehherr noch vor wenig Stunden gelebet / müste ihr billig zur grossen
Leichtfertigkeit aussgelegt werden; antwortete ihm demnach / sie bedankete sich
ehrendienstlich des mitleidens / welches er mit ihr in ihrem grossen Unglück
trüge / sich auch erböhte / alles künftige nach Vermögen abzuwenden; nun währe
sie in des Herrn Gesanten Macht und Gewalt / und wie derselbe mit ihr schalten
würde / müste ihr wehe und wohl tuhn; einmal währe ihr lieb / dass ihr Lebens-und
ehrensicherheit schon hoch versprochen worden; dass übrige vorgebrachte
betreffend / erkennete sie billich seine gute Gewogenheit / würde auch selbe zu
rühmen / Zeit ihres Lebens Ursach haben; weil aber die erste Ehe ihr so
unglücklich gerahten / und über dass mit so schmerzlichem Unfal versalzen währe
/hätte sie billiche Ursach / sich des Ehestandes hinfüro zuentalten / und den
übrigen Teil ihres Lebens in stetem Witwenstande zu enden. Markus gedauchte /die
lezten Reden währen aus so tieffen herzen nicht gangen; wollte sich desswege nicht
abschrecken lassen / sondern sagete: Sie hätte nicht unbillig zu zweiffeln / ob
sie jemahls in der Ehe gelebet / nachdem Charidemus mit ihr dergestalt geberdet
/ und durchaus keine Redligkeit noch Träue ihr erwiesen; bähte nochmahl / sein
auffrichtiges Herz zuerkennen / und seine inbrünstige Liebe ihr bester massen
lassen befohlen sein; nam / inzwischen er dieses redete / sein Wischtuch /
troknete damit die Tränen von ihren Augen und Wangen / und beteuerte hoch / mit
was beständiger Träue er biss an sein Ende ihr auffwarten / und alle schuldige
Liebe erweisen wollte / hielt auch so inständig umb bessere Erklärung an / dass
sie endlich zu ihm sagete; Sie erkennete sich vor ein unglückseliges verlassenes
Weib / bedankete sich sehr dienstlich /dass er sich ihrer in so grossem elende
anzunehme / so gar willig anerböhte / wollte auch / da die Zeit ihrer trauer
voruber währe / sich gegen ihn solchergestalt heraus lassen / dass er sie nicht
undankbar spüren sollte. Markus hielt dieses vor eine volkommene Zusage / ging zu
Fabius und sagete: Er hoffete das Schloss zu gewinne / dafern er mit zutreten /
uñ durch sein ansehen den festesten Ort stürmen würde; woran dieser es nicht
wollte ermangeln lassen / ging neben Markus zu ihr / und baht sehr / diesen
Römischen ädlen Ritter nicht abzuweisen / sondern in sein ehrliebendes Ansuchen
einzuwilligen / alsdan sollten alle ihres gewesenen Mannes hinterlassene Güter /
bewäglich und unbewäglich ihr ohn einige schmålerung verbleiben; und ob sie zwar
einstreuete / dass ihr Ehegatte erst heut todes verfahren / möchte sie daneben
ihren elenden Stand bedenken / und wie alle Untertahnen so erbittert währen /
dass Charidemus sie über Billigkeit so gedrükt und fast aussgesogen hätte;
dürfften solches bei der hohen Obrigkeit klagen / und das ihrige mit zehnfachen
Zinsen wieder fodern / dessen alles sie befreit sein könnte / wann sie diesen
Ritter und ädlen Häuptman heirahten würde / welches ihr nicht anders als zu Ehr
und Nutzen aussschlagen sollte. Fr. Euphrosyne antwortete ihm gar demühtig: Ach
mein gebietender Herr / ich erkenne mich ihnen ja in allen dingen verpflichtet
und auffwärtig / müste auch wohl unbesoñen sein / wann die augebohtene Ehr ich
aussschlüge / da sie Macht hätten / mich in die äusserste Schande zusetzen. Es
wollen aber meine hoch werte Herren vernünftig erwägen / ob dieser Herr nicht
schier heut oder Morgen mich vor eine leichtfertige ausszuruffen und zu hassen /
gnug Ursach hätte / wann ich / noch ehe mein gewesener Eheherr zur Erden
bestattet ist /einem andern mich versprechen würde; er lasse mich /bitte ich /
die gebührliche Zeit meiner Trauer ausshalten: endert er dann inzwischen sein
Gemüht nit / soll ihm in seinem ehrliebende Begehren gewilfahret werden. Aedle
Tugendsame Frau / sagte hierauff Fabius /eure ehrliebende Zucht / ist heut von
allen Inwohnern dieses Flecken öffentlich gepreiset / und zugleich Charidemus
geile Frecheit aussgeruffen und verfluchet worden / durch welche er sich aller
euer trauer unwerd und verlustig gemacht hat. Sie fiel ihm in die Rede /und
sagete: Ach mein Gott! hat man dann nun alles müssen hervorbringen / welches ich
doch nach bestem Vermögen bemäntelt / und willig übersehen habe? Desto klärer
scheinet eure Tugend / sagte Fabius /und dürfet euch deswegen keine Gedanken
machen /dass man euch wegen eheliches versprechens ichtwas verargen sollte. Kan
nun meine wolgemeinete Vorbitte haften und gültig sein / wird meine geliebte
Freundin diesen meinen lieben Freund und Mit-Römer durch eine angenehme
Erklärung befriedige / welches ich vor eine sonderliche mir erwiesene Ehre uñ
Freundschaft rechnen werde; umpfing sie hiemit freundlich /und sagete nochmahl
zum Abtrit; der sie vorsezlich hat ermorden wollen / ist unwirdig / dass sie
seiner Gedächtnis eine Stunde in ihrer Seeleraum geben wollte. Markus fuhr fort
da es Fabius gelassen hatte; sie möchte solche Gedanken von ihm nicht fassen
/dass ers ihr vor eine Leichtfertigkeit ausslegen wollte /da sie auff sein
inbrünstiges Ansuchen ihm gewirige Antwort erteilete; wieder hohlete sein
voriges erbieten / und erwartete der Erklärung / welche ihm die Frau mit einer
sonderlichen Schamhaftigkeit folgender Gestalt gab. Mein hochwerter Hr. ich bin
von ihnen beiden dermassen verbunden / dz ich nit sehe / wie ohn äusserste
undankbarkeit ich mich des begehrete entbreche soll; will demnach meinem Herre die
angefod'the Antwort hiemit völlig uñ nach seinem behagen gegebe haben / jedoch /
dz er mir hinwiederum ritterlich verspreche / mich wieder meine willen vor
aussgang einer gebührliche Trauerzeit zum Beilager nit zunöhtigen / damit ich von
gnd'n redlichen Frauen nit angespeiet uñ verfluchet werde. Hernach und vors
ander; dass diese unsere Verlöbnis ümb eben der Ursach willen eine zeitlang möge
in geheim gehalten /und verschwiegen werden. Meine herzgeliebte Frau und
Freundinn / antwortete er; vorerst bedanke ich mich der hochgünstigen Erklärung
von ganzem Herzen; und ob das übrige mir zwar sehr schwer fallen wird / will ich
doch meine Begierden unter den Gehorsam ihres ehrliebenden Vorsatzes zwingen /
jedoch daneben höchlich bitten / die Traurzeit / (wozu sie gar keine Ursach hat)
nicht zuweit auszusetzen. Nam hiemit einen schönen Ring / und vermählete sie ihm
damit; gingen auch miteinander nach Fabius und Leches / und nahmen von ihnen die
Glükwünschung an. Bei der Abendmahlzeit erschien der vermeinte Kauffmann Gallus
/ auff Fabius Begehren / welcher schon merkete / dass Markus sich in Charidemus
Stelle einflicken würde / welches er ihm wohl gönnete. Nach gehaltener Mahlzeit
begehrete er mit der Frauen allein zureden / welches sie wunder nam; massen sie
ihn ihr Lebelang nicht gesehen hatte; wahr ihm doch zuwillen / trat mit ihm in
ein Nebengemach / dass ihr nur eine Leibdienerinn folgete / und sagete zu ihm:
Guter Freund / habt ihr etwa bei mir wegen meines Seel. Herrn / einige
Schuldfoderung / so verschweiget sie mir nicht; was dann mit gnugsamen Beweis
bescheiniget wird / soll von mir ehrlich bezahlet werden. Gallus neigete sich vor
ihr / und antwortete: Hochädle Frau; es lässet mein Gn. Herr der junge
entlauffene Ritter / sie zum allerfleissigsten grüssen / und vor erwiesenes
Mitleiden ihr von Herzen danken / insonderheit / dass sie ihm seiner Hände
Freiheit durch ihre kräftige Vorbitte erhalten / ohn welches Mittel er sonst
hätte müssen des Todes sein. Es hat aber mein Gn. Herr ohngefehr in Erfahrung
gebracht / dass Herr Fabius seines Unfals berichtet / und diese Rache zuüben
vorgenommen hätte / darumb er mich alsbald mitzihen geheissen / ümb einig
darnach zuarbeiten /dass ihrer hochädlen Tugend weder Ehre / noch Leben / noch
einige Haabseligkeit gekränket würde / wie Gott lob alles verhütet ist. Die gute
Frau warvoller Freuden / uñ sagete: O den Göttern sei ewig dank /dass dieses
unschuldige Blut gerettet ist / dem ich mich mit alle meinem Vermögen schuldig
erkenne; und wollte Gott / dass ich ihm einige Dienste leisten könnte / sollte mir
angenehmers nicht sein. Ja /hochädle Frau / sagte er / sie kann meinem Herrn
grosse Freundschaft erzeigen / welches ich ihr anzeigen will / dafern ihr
belieben kann / mich ihrer Verschwiegenheit zuversichern. Uñ als sie ihm dieselbe
verhiess / sagte er weiter: Es hat mein Gn. Herr eine ferne Reise vor / üm einen
verlohrnen lieben Freund zusuchen / auff welcher ihm Herr Fabius gerne
Gesellschaft leisten wollte / er aber lieber allein fortzihen will / deswegen er
sich auch vor ihm verborgen hält; Nun hat hochgedachter mein Herr mich wollen
nach Padua schicken ihm etwa 20 oder 30000 Kronen abzuhohlen; aber weil ihm
solches mein reisen an seiner Eilfärtigkeit sehr verhinderlich ist / möchte ich
wünschen die Gelegenheit zuhaben / dass ich solche Gelder hier oder in der nähe
auff richtige Wechsel heben könnte /ob ich gleich ein oder etliche tausend Kronen
dabei zusetzen sollte / währe daran nichts gelegen. Würde nun meine hochädle Frau
etwa an der Bezahlung zweiffeln / welches ihr kein Mensch verübeln kann /wolle
sie nur vor geschlossenem Wechsel Herrn Fabius anmelden / wie sie meinem Herrn
vor wenig Tagen in geheim zu solchen Geldern schon verholffen habe /und wann
Herr Fabius sich nicht alsbald erbieten wird / es wieder richtig zumachen / will
ich meinen Kopff verloren haben. Die Frau antwortete ihm: Mein Freund / ich
zweifele im geringsten nicht an eures Herrn Auffrichtigkeit / wann ihr mir nur
einen schlechten Beweistuhm bringen köntet / dass ihr dieses Herrn Diener seid.
Hochädle Frau / sagte er / ich bin freilich sein Diener / uñ zwar eben derselbe
/ welcher mit ihm hat sollen entäuptet werden. Ach nein /sagte sie / der seid
ihr nicht / oder mein Gesinde müste euch unrecht abgemahlet haben. Gallus
lachete des / und baht / sie möchte nur einen Diener kommen lassen / der ihn
zeit seiner Gefängnis gesehen / alsdann sollte sie dieses Zweifels bald benommen
werden. Die Leibdienerinn ging bald hin einen auffzufodern / und fragete bei
allen nach / wer unter ihnen die beiden ehmals Gefangenen / insonderheit den
ältesten gesehen hätte / uñ als sich etliche meldeten / nam sie einen mit sich /
welcher / da er zu der Frauen hinein trat / ward er von ihr gefraget / ob er
diesen Mañ kennete; Nein sagte er / ich habe ihn nie als heut gesehen. Er musste
auff Gallus bitte einen kurzen Abtrit nehmen / und sagte dieser darauff zu der
Frauen; ich stehe anietzo vor eurer hochädl. Tugend mit angestrichenem Angesicht
und Haaren / welche Verstellung ich gleich abtuhn will / nam sein Läplein hervor
und rieb damit alles ab / dessen sie sich nicht wenig verwunderte; rief dem
Diener wieder hinein / und als derselbe alsbald sagete: Gn. Frau / dieser ist
eben der / welcher mit dem jungen Ritter hat sollen abgetahn werden; antwortete
sie: Es ist gut / aber wo du einigem Menschen sagen wirst / dass du ihn alhie
gesehen / soll es dir dein Leben kosten. Nach seinem Abtrit machte Gallus seine
Farbe wieder zurechte / und bestrich sich damit; da die Frau zu ihm sagete: Mein
Freund / durch dieses Mittel köntet ihr mannichen schlimen Betrug anrichten /
wañ ihr nit redlich währet. Sie liess ihn aber daselbst / biss seine Verstellung
richtig wahr / ging hin zu Parmenions Geldern und Kleinoten / setzete ein
kleines Schreiben auf / uñ verfügete sich mit Gallus wieder hin zu der
Gesellschaft / da sie als ohngefehr auf Herkules zureden kam / und sagete: Es
tähte ihr leid / dass sie nicht wissen möchte / wo er geblieben währe / damit sie
etwa zur Anzeige eines guten Willen ihm mit einem StükGeldes aushelffen könnte /
dessen er vielleicht in der Fremde benöhtiget sein dürfte. Dieses beklage ich am
meisten / antwortete Fabius /dass er bei seinem grossen Reichtuhm sollte Gebrech
und Mangel leiden; jedoch zweifele ich nicht / er werde auf Wechsel bedacht sein
/ welche zu Padua stündlich sollen bezahlen werden / wanns gleich viel Tonnen
Goldes beträffe. Aber weiss meine Freundin nicht ein wenig Nachricht / wohin er
sich mag gewendet haben? Er ist gerade auf Elis zugelauffen / sagte sie / aber
wie fleissig mein gewesener Ehherr ihm daselbst nachfragen lassen / hat man doch
nicht das allergeringeste von ihm erfahren möge; daher ich nicht zweifele / er
habe sich alsbald / ümb Gefahr zumeide / hinweg gemacht. Sie baht darauf von den
Anwesenden Verzeihung / mit vermelde / dass diesem Kauffmann etwas wegen
Charidemus handelung nachständig währe / welches sie richtig mache / uñ bald
wiederkomen wollte. Verfügete sich mit demselben auf ein grosses Gemach / uñ
sagte zu ihm: Wolte Gott /dass einiges Mittel in der Welt währe / wodurch eurem
Herrn ich mein bereitwilliges Herz erkläre könnte; ihr aber habt mir die
grösseste freundschaft erzeiget / dass ihr mir diese Gelegenheit an die Hand
gegeben habt /ihm zu diene. So sind nun diese zween Wetscher mit gepregetem
Golde und Kleinoten auff 20000 Kronen gefüllet; / darzu nehmet diesen
Wechselbrieff auff 12000 Kronen haltend / welcher der genennete Mann euch zu
Elis stündlich erlegen wird / und ist hie noch eine kleine Handschrifft auff
8000 Kronen / welche Parmenio bei seinem Wirte daselbst nidergeleget /und
alsbald können gehoben werden. Ich muss euch aber beides euren vorigen schrecken
in etwas ergetzen / und zugleich anzeigen wieviel Freundschaft ihr mir vor
dissmahl erzeiget habet. Verehrete ihm hiemit einen Beutel mit 4000 Kronen /
welche er / ungeachtet aller Wegerung annehmen musste. Schlisslich sagte sie ihm;
das Ubrige liefert eurem Herren von meinetwegen / als eine Anzeigung meines
dienstwilligen Gemühts / und dass alle meine Güter zu seinen diensten sein. Das
mir geschenkete Kleinot ist mir ein unfehlbares Gedächtnis seines gnädigen
willens; und sollte ihn die Gelegenheit nach Korint führen / wolle er seine
bereitwilligste Magd daselbst zubesuchen nicht unterlassen / dann ich werde mich
ehistes tages dahin begeben. Gallus entsetzete sich vor dieser Freigebigkeit; es
hätte durchaus die Meinung nicht / dass er einiges Geschenk vor seinen Herren
oder vor sich suchete / und würde derselbe schon Mittel ergreiffen / es
dankbarlich zu erstatten. Gebet euch zu frieden / sagte sie; ich bin eurem
Herren viel ein mehres schuldig /als dieses wenige / und da euch Morgen zu
reisen geliebt / so nehmet eures Herren und euer Pferd samt Harnisch und
anderem zubehör / welches ihr bei einander vorne im Mahrstalle finden sollet /
und reitet in Gottes Nahmen. Damit gingen sie wieder hin zu der Gesellschaft /
und hielt Gallus bei Herren Fabius an umb erläubnis zu seiner Reise / nachdem er
ihm zu nichts mehr nütze sein könnte. Aber die Frau nöhtigete ihn die Nacht zu
bleiben / weil der Abend einfiele. Nach abgenommenen Speisen redete sie mit
Markus /dass er sie mit nach Korint führen möchte / woselbst sie in die 60000
Kronen Barschaft stehen hätte; ihr währe unmöglich / wegen eingenommenen
Schreckens an diesem Orte länger zuverbleiben / möchte auch nach verlauff einer
geringen Zeit wohl Ansprach von jungen Freiern bekommen dürfen; wollte er nun
diese ihre Herschaft Erblich behalten / stünde zu seinem Belieben / sonst könnte
er sie vor fünff Tonnen Goldes baar verkauffen. Markus wahr ohn dass dem Gelde
zugetahn / und wie er diesen ihren Reichtuhm vernam / wunderte er sich / dass ihm
das Glük ohn alle seine Sorge und Mühe im Augenblick so begütert hätte; umbfing
seine liebste freundlich / und versprach / sie an Ort und Ende zu fuhren / wo
sie am sichersten währe. Nach diesem nam sie ihn mit sich auff die Korn Spiker /
in die grossen mit Wein belegete Keller / auch zu den Schaaff- Kühe- und Pferd
Ställen / welches alles über drei Tonnen Schaz ausstrug. Endlich musste er mit ihr
auff ein fest verschlossenes enges Gemach gehen / da sie ihm ein Kleinot
Lädichen vorsetzete auff 40000 Krone / nachgehends vier Laden mit 80000 Kronen
baar / und zu ihm sagete; dieses will ich meinem geliebeten Herren zur
Dankbarkeit des mir heut erzeigeten mitleidens überliefern / mit Bitte /es nit
aufzuschlagen. Er aber nam nur etliche Ringe daraus; das übrige stellete er ihr
wieder zu / einwendend / er wollte es gerne in seine Verwahrung nehmen; weil es
aber bei ihr sicherer währe / könnte es biss auff ihren Abzug stehen bleiben. Wie
es euch geliebt /sagte sie / und befahl ihrer Dienerin / Herren Fabius und
Leches herzubitten / denen sie etwas zu liefern hätte; zu denen sie / da sie
herzutraten / also redete: Ihr meine hochwerte Herren / ob ich zwar etliche
Schätze in so geheimer Verwahrung habe / dass ich sie mit leichter Mühe vor mich
selbst behalten könnte / so sollen mich dannoch die Götter wohl davor behüten
/damit das unrechtmässige Gut nicht mein Erbe zugleich mit verzehre; Dieser
Kasten vermag einen statlichen Vorraht / und gehöret dem erlegeten Parmenio
teils eigen / teils als empfangene Werbungs Gelder zu; Stelle solches demnach zu
des Herrn Gesanten Hånden / seines Willens damit zuschalte; schloss den Kasten
auff / und zeigete ihnen eine grosse Menge gemünzetes Goldes / auch in einem
Beilädichen unterschiedliche köstliche Kleinot. Fabius gab ihr zur Antwort:
Parmenions eigenes Geld müste ihr billich als der nähesten Erbin bleiben / das
übrige wollte er Herrn Herkules verwahrlich behalten; jedoch / dass sie von
solchem Teil zur Vergeltung ihrer Aufrichtigkeit 12000 Kronen haben sollte. Fr.
Euphrosyne bedankete sich / nachdem ihr wegern nicht gelten wollte / und empfing
es mit dem bedinge / dass ihr frei stünde / es nach Belieben anzuwenden. Es
wahren die eigenen Gelder von den Werbungsgeldern abgesondert / uñ zeigete eine
hinzugelegete Rechnung / dass der Werbe Gelder 300000 Kronen / der eigenen aber
250000 Kronen wahren. Die 12000 versprochene Kronen schichtete sie / und gab die
eine Helfte ihrem Liebesten / die andere den 100 Römischen Kriegsknechten /
jedem durch die Bank hin 60 Kronen; welches ihm Fabius so wohl gefallen liess /
dass er zu ihr sagete: Nun meine Freundin / ich verspüre hieraus ihren Verstand
und gute Gewogenheit / werde mich auch bemühen /es unvergolten nicht zulassen.
Von den eigenen Geldern aber nam sie 50000 Kronen / und teilete dieselben gleich
unter Leches und Markus / da jener sich zwar wegerte / aber auff seines
Mitnehmers Nöhtigung es ihm beibringen liess. Als sie sich nun wieder gesetzet
hatten / wollte sie Gallus noch eine Verehrung zuschanzen / und sagete zu Markus
ingeheim: Ist euch heut durch eines andern Unfall ein Glük zugestossen / so
lasset den Urheber auch in etwas / und so viel seine Wirdigkeit zugibt / mit
geniessen. Dieser kunte nicht ersinnen / wen sie damit meinte / und baht / ihm
solches etwas deutlicher anzuzeigen. Je / sagte sie / wer hat euch an diesen Ort
geführet? hats nicht jener Kauffmann getahn? Ich erkenne mich ihm verbunden /
antwortete er / redete ihn auch alsbald mit diesen Worten an: Guter Freund / ich
erinnere mich / dass mit Verseumung eurer Geschäfften ihr mit uns gereiset seid /
davor ich mich dankbar erzeigen will; schenkete ihm alsofort 600 Kronen / und
sagte: Nehmet dieses / bitte ich / zur Ergetzung vor eure Mühe von mir an / und
da ich schier heut oder morgen euch mehr Dienste werde leisten köñen / habt ihrs
kühnlich bei mir zufodern. Gallus sah / dass es alles aus der Frauen Anstifftung
herrührete / hielt vor unnöhtig / sich lange zuwegern / und bedankete sich der
grossen Schenkung. Ey so wolleñ wir beide auch nicht so gar undankbar sein /
sagte Fabius zu Leches / uñ begehrete an Markus / er sollte 600 Kronen von
Parmenions Geldern hohlen / und sie ihm ihrer beider wegen zustellen. Des
folgenden Morgens sehr früh /nam Gallus von der Frauen freundlichen Abscheid
/bedankete sich nochmahls der hohen Ehr und Guttaht / uñ versicherte sie / sein
Herr würde es statlich zuvergelten nicht unterlassen; legte die Gelder auf
MaulEsel / sattelte sein und Herkules Pferd / und ritte in Gesellschaft vier
Knechte des nähesten auff Eliss zu / weil er nicht zweifelte / sein Herr würde
sich daselbst noch auffhalten. Er hatte aber Valikules Waffen angelegt / und
seine eigene dem Diener zu führen gegebe / ritte damit in die Herberge / und
fand seinen Herrn im Hause allein gehen / und sich mit gedanken schlagen / wie
ers am besten machen könnte / wann etwa Gallus wegen widerwärtige Windes zu lange
aussenbleiben würde. Die Zeit hatte ihm sider Gallus Abreise gar lange gewehret
/ welche er mit einem fremden Manne vertrieb / der aus Mazedonien wahr /und sich
eine zeitlang in der Landschaft Karia zu Laodizea auffgehalten hatte; Dieser
liess sich anfangs vernehmen / dass er ein Christ währe / da er merkete /dass
Valikules des Glaubens wahr / der sich gleichwol nicht gegen ihn heraus liess /
weil er ihm wenig trauete. Zween Tage vor Gallus Wiederkunft fing dieser
fremder / nahmens Agemachus / etwas kühner an mit ihm zureden / da er anfangs
beklagete / dass die Welt so mannicherlei Glaubens währe / und ihrer viel / ja
der mehrer Teil sich so plageten und peinigten / zu der Volkommenheit zu
gelangen / da doch kein lustiger Weg währe / als eben dieser / auff welchem man
dahin kähme / wiewol niemand / als welche der wahren Erkenntnis sich gewidmet
hätten / denselben zu finden wüsten / welche daher Gnostici; das ist / die
Erkennende oder Hochkluge geneñet würden. Valikules merkete alsbald / was vor
einen schändlichen groben Ketzer er vor sich hätte / liess sich dessen aber nit
merken / sondern fragete / ob dann dieselbe Hochweisen / der Heidnischen / oder
Judischen / oder Christlichen Lehre zugetahn währen / und ob man ihrer so
hochgerühmten Volkommenheit nicht könnte teilhaftig werden; Er währe jung / aber
begierig nach der Weissheit / wollte auch solche Lehre leicht fassen / wann sie
ihm vorgetragen würde / und zwar so viel leichter /weil sie einen solchen
lustigen Weg zu der Volkommenheit zeigete. Agemachus antwortete ihm: Es währen
diese Erkennende weder Heiden noch Juden / sondern Christen / wiewol nicht des
gemeinen Schlages /sondern von ihnen / beides in der Lehr und im Leben weit
abgesondert. Der erste Stifter währe Karpokrates / welcher vor 100 Jahren den
Grund dieser Lehre geleget / und aus himmlischer Offenbahrung die Erkenntnis
erlanget / dass diese Welt / Himmel / Erde / Meer /und was drinnen ist / nicht
von dem einigen obersten Gott / welcher der ungezeugete Vater hiesse /
erschaffen währe / sond'n von einer gewissen Anzahl gewaltiger Engel / welche
doch viel geringer / als jener oberste Gott währen. So hätte er auch die
Offenbahrung gehabt / dass JEsus von Nazaret des alten Josephs warhaftiger Sohn
währe / allen andern Menschen gleich / ohn allein / dass derselbe eine reine und
krafftfeste Seele bekommen / welche in ihrem Leibe sich dessen alles hätte
zuerinnen gewust / wz sie in dem Kreisslauffe (als sie noch in dem ungezeugete
Gotte gewesen) gesehen hatte; und dass weiters seine Seele die Krafft und das
Vermögen von vorgedachtem Gotte bekommen / dass sie der Engel oder Welt-Bauer
Gewalt sich entbrochen / und durch alle 365 Himmel zu Gott hinauff gestiegen /
auch durch eben dieselben wieder herunter kommen währe. Und deren Seelen fünden
sich bei andern mehr in gleicher Volkommenheit / ja die noch volkommener als des
Jesus seine währen. Herkules hatte von dieser Ketzerei zwar etwas / aber nichts
insonderheit gehöret / nur dass sie ganz neue Lehre führeten / und gar ein
abscheuhliches Leben trieben; wollte sich aber nicht zur Antwort finden lassen /
biss dieser etwas besser gebeichtet hätte /und sagete zu ihm: Mein Freund / ihr
traget mir eine Lehre vor / von welcher ich / muss bekennen / bisher nicht
gehöret habe / und ich daraus wohl verstehe / wie weit die also genante
Erkennende von den andern Christen / die Lehre betreffend / abgesondert sind;
Aber mag er mich nicht auch berichten / wie dieselbe ihr Leben anstellen und
führen. Ja mein Herr / antwortete er / hat er Lust darzu / will ich ihm solches
wohl offenbahren / sehe ihn auch so redlich an / dass er mich deswegen nicht in
Ungelegenheit stürtzen werde. Es haben diese erleuchtete Leute noch weiter aus
der himlischen Offenbahrung / dass eines Menschen Seele nicht ehe zur Seligkeit
gelangen könne / ehe uñ bevor sie alle Arten der Betreibung versuchet und
geleistet habe / welche beides Christen uñ Heiden vor böse /vor Schande /
Unreinigkeit und abscheuhliche Laster halten; solches alles / sage ich / muss
eine Seele zuvor betrieben haben / ehe sie in die Seligkeit auffgenommen werden
kann; Daher auch / wann eine Seele durch den Tod aus einem Menschen fähret /
welcher von solchen Luständeln sich entalten / oder sie wenig getrieben / wird
solche Seele in einen andern / ja in den dritten / vierden / fünften / und wohl
mehren Leib wieder hinein gegossen / biss sie alle solche Händel in volkommener
Anzahl verrichtet / dann gelanget sie erst zur himlichen Seligkeit. Möchte
jemand einwenden / je haben dann wohl so viel Leiber nur eine einzige Seele
nacheinander / wie werden dann nach diesem Leben sich alle diese Leiber umb die
Seele vergleichen können? aber diss ist eine kindische und unnöhtige Frage /
massen die Aufferstehung der Leiber nur ein Geticht ist / und dieselben nach dem
Tode biss in Ewigkeit vergehen. Herkules kreuzigte uñ segnete sich in seinem
Herzen vor solcher abscheulichen Lehre; und sagte zu ihm: Ists aber wahr / mein
Freund / dass die genandte Erkennende diese Lehre vor gewiss halten? Es würde ja
daher folgen / dass ein Mensch seiner Seelen Seligkeit durch nichts so wohl
befodern könnte / als durch Unzucht / Ehebruch / Blutschande /Sodomiterei / und
anderen übungen / welche andere Menschen vor böse uñ sündlich schätzen. Ja mein
Herr / antwortete Agemachus / daher sihet nun derselbe / dass es wahr sei / wz
ich anfangs gesagt habe /dass kein lustiger Weg sei zu der Volkommenheit / als
eben dieser. Herkules kunte solcher Ungebühr nicht länger geduldig zuhören /
wollte doch versuchen / ob er diesen elenden Menschen von solchem schändlichen
Irtuhm lossreissen könnte; und redete ihn also an: Mein Freund / haben die
Gnostici oder Erkennende eine solche Lehre / warumb nennen sie sich dann
Christen? Treten doch die Juden und Heiden den Christen viel näher / beides im
Leben und in der Lehre / als diese Unmenschen; Dann in Warheit / die unflätigste
Art der Heiden / welche man Epikurer nennet / möchte ich gegen diese zu rechnen
/ vor heilige schätzen. Lasset uns aber besehen / was ihr alles vorgetragen habt
/ obs den Stich halten / und ein vernünftiger Mensch / welchen der Teuffel
nicht gar beklommen / es vor wahr und gut schätzen könne. Eure erste Lehre wahr
von der Schöpfung der Welt / da euer Karpokrates vorgeben / solche sei nicht von
Gott selbst sondern von Engeln verrichtet. Aber warumb solt ich diesem Kerl
seinen neuen Tand gläuben / welchen er weder durch Wunderzeichen / noch durch
Vernunft-gründe erwiesen hat? Moses hat mich vor 1600 und mehr Jahren viel ein
anders gelehret / und es durch seine göttliche Wunder bekräfftiget. Alle die
nach ihm gelebet / und von Gott mit dem wundertähtigen Glauben sind aussgerustet
worden / haben solche Lehre des Mose vor wahr gehalten. Mein Heiland /welcher so
viel Zeichen getahn / dass sie nicht alle wegen der Menge haben köñen beschrieben
werden /heisset die Schrifften des Mose gut / und weiset uns an dieselben hin /
wann er spricht: Sie haben Mosen uñ die Propheten / lass sie dieselbigen hören:
Ist nun dieses wahr / was Mose von der Welt erschaffung schreibet / dass Gott
selber solche geleistet habe / so muss nohtwendig falsch sein / dass euer
Karpokrates saget: Nicht Gott selber / sondern die Engel haben die Welt
erschaffen; dann unter ja und nein muss nohtwendig eines wahr das ander falsch
sein. Euer ander vorgebrachtes ist / Gott vergebe es euch / eine recht
teuflische Lästerung wieder den Herrn Jesus / aus welchen ihr nach der Lehre
eures Verführers Karpokrates einen blossen Menschen / und Josephs warhaftigen
Sohn machen wollet. Aber wie beweiset ihr solches? sagen ist in Glaubenssachen
nicht gnug / sondern Grund Grund muss da sein. Zwar dass mein Herr Jesus ohn
zutuhn eines Mannes durch Wirkung Gottes des heiligen Geistes von der Jungfrauen
Maria empfangen sei / dass er auch nicht ein blosser Mensch / sondern zugleich
wahrer Gott sei / solches lehren uns die ungezweiffelten Schrifften der
Evangelisten Matteus / Lukas und Johannes; welche Lehre alle Apostel und jünger
des Herren angenommen / vor wahr gehalten / sie durch ihre vielfältige Zeichen
bekräfftiget / und durch ihren Tod / welchen sie wegen dieser Lehre erlitten /
versiegelt haben; ja darauff so viel tausend gläubige Christen so fest gestanden
sind /dass sie sich viel lieber haben wollen lassen brennen /braten / und auff
allerhand erschrekliche Weise hinrichten / als solche verleugnen oder auffs
minste in zweifel zihen. Was vor Beweisstuhm aber führet euer Karpokrates /
wodurch er das Wiederspiel behäupten will? sollte ich einem eintzigen Menschen ohn
Beweisstuhm mehr glauben zustellen / als der ganzen Christlichen Kirchen und
ihren unzählbahren Wunderzeiche / so müste ich wohl aller Vernunft beraubet
sein. Erwäge ich nun euer drittes Lehrstük / so muss ich bekennen dass ihr damit
dem Vernunft- und Tugend-Fasse auff einmal den Bodem aussstosset. Dann anfangs
saget ihr / es könne keines Menschen Seele zur Volkommenheit / verstehe zur
Seligkeit dienlichen Volkomenheit gelangen / wo dieselbe nicht zuvor allerhand
Laster / Sünde und Schande begangen habe / und auff vollendung solcher bossheiten
bekomme sie die himlische Seligkeit / sonst nicht. Mein /wisset ihr auch was ihr
redet? habet ihr der Vernunft abgedanket? ja habt ihr Wiz und Sinne gefressen?
wer hat jemahs solche unvernünftige Meinungen und Gedanken in sein Herz kommen
lassen; das böse mache einen Menschen volkommen zum guten? höret mein Freund /
wann ich zu euch sprechen würde; geht zu Winterszeit hin / setzet euch nacket
auff das Eyss / und wärmet euch also: Gehet zur Sommerzeit in die heissbrennenden
Sonnenstralen sitzen und kühlet euch also; würdet ihr mich nicht vor einen
Narren und Unsinnigen halten? tähtet ihrs aber nicht / so währet ihr ein
solcher. Aber was ist es anders / wann ihr sprechet: Gehe hin und treibe
allerhand Unzucht / Bosheit / abscheuliche Ubeltaht / und was Gott sonsten
hasset und verbohten hat / auff dass du im guten volkommen werdest / auff dass du
deine Seele befoderst zur schleunigen Seligkeit? Hilff Gott! hat der Teuffel
auch wohl jemahl die Menschen heslicher beschiessen und verblendet als auff diese
Weise? Mose und die ganze heilige Schrifft durch Zeichen und wunder bekräfftiget
/ unterrichtet mich / das Gott ein heiliger Gott sei / und dass er von den
Menschen ernstlich erfodere / dass sie auch heilig sein sollen. Sie unterichtet
mich / das Gott ein gerechter Gott sei / welcher alle Sünde und Fleisches
Unreinigkeit ernstlich verbohten / und mit dem ewigen hellischen Feuer straffen
wolle. Und euer Karpokrates saget; wiltu zu dem heiligen und gerechten Gott
kommen / wiltu der hellischen Verdamnis entgehen / und die himlische Seligkeit
erlangen / so entalte dich der Heiligkeit / so lebe in Unzucht und aller
Fleisches Unreinigkeit. Sind dass die Erkennende / die Erleuchtete / die
Hochweisen? Gewisslich ich weiss nicht was ich hierzu sagen soll /als dass ich nimer
gläube / dass der Teuffel selbst so unverschämt sei / ein solches zu sagen; den
die Lüge ist zu grob / uñ wiederspricht aller Vernunft. Ich halte euch diss vor
/ mein Freund / dass betrachtet bitte ich; was alle vernünftige Menschen /
Heiden / Juden uñ Christen einträchtig vor die nohtwendige Warheit halten / dass
muss nohtwendig wahr sein. Dass aber niemand durch Sünde und Bosheit Gott gefalle
oder die Seligkeit erlange / dass halten alle vernünftige Menschen vor die
nohtwendige Warheit. Darumb muss es nohtwendig wahr sein. Ich könnte alhie tausend
und noch tausend Gründe einführen / damit diese eures Karpokrates Unvernunft
übern hauffen geworffen wird; aber was bedarffs der Mühe? Nur noch eins mein
Freund: Wie deucht euch / wann diese eure Lehre von der Welt angenommen würde /
würde sie auch wohl sechs Tage bestehen können? würden nicht alle und jede suchen
/ die grösseste Bosheit gar zeitig vorzunehmen / damit sie desto früher in den
Himmel kähmen? aber aus diesem Grunde würde in kurzem nichts hervor quillen als
ein durchgehendes Morden und Würgen / biss der einige lezte Mensch nur allein
übrig währe / welcher / weil er keinen Mitsündiger hätte / würde er an ihm
selbst die schwereste Sünde begehen / und sich nidermachen. Gewiss mein Freund /
ich habe euch diese Tage vor einen vernünftigen Mann angesehen / aber werdet
ihr in diesem Wahnwiz verbleiben / so muss ich euch vor einen leibhaftigen
Teuffel halten / und noch schlimmer. Derwegen stehet ab von solcher
Gotteslästerlichen / falschen / und unehrbahren Lehre / oder machet euch alsbald
aus dieser Herberge / wo ihr sonst nicht wollet / dass ich euch eure Bosheit
zuerkennen geben soll. Dieser fing alsbald an; er währe dieser Lehre nicht
zugetahn / sondern hätte nur bloss erzählet / was diese Leute gläubeten. Dann es
wahr mit in ihrer Lehre begriffen / dass man / Gefahr zu meiden / seinen Glauben
wohl verleugnen dürffte. Aber er hatte sich schon zu weit verrahten / daher wollte
ihn Herkules nicht länger umb sich leiden / dass er bei Sonnenschein die Herberge
räumen musste; insonderheit / weil er sich wegerte /ichtwas auff die
vorgebrachten Gründe zu antworten.
    Die folgende Nacht hatte Valikules aber ein neues Unglück; nehmlich / es
hatte der Haussknecht gesehen /dz er zimlich viel gepregetes Gold bei sich trug /
welches er aus einem verkaufften Ringe gelöset hatte. Darauff machte nun jener
einen Anschlag / ob er dessen nicht einen Teil haabhaft werden möchte / und nam
ihm vor / bei Nacht schlaffen der Zeit auff seine Schlaffkamer einzubrechen /
und ihm den Beutel zu fegen. Nun schlieff Valikules gar allein auff einem
Gemache / versperrete auch alle Tühren und Fenster gar wohl ehe er sich legete /
und überdass behielt er die Unterhosen stets an / hatte das Schwert zur Rechten
/den Dolch zur Linken / und schlieff / so lange es finster wahr mit sorgen / nur
gegen den Morgen hielt er sich sicher / und ruhete alsdann aus. Der diebische
Knecht hütete sich nicht davor / stieg diese Nacht /welche gar dunkel wahr /
auff einer Leiter aussen am Hause hinauff biss an das Fenster / und wusste es so
leise auffzumachen und hinein zu kriechen / dass er dessen nicht gewahr ward. Nun
hatte er aber seine Oberhosen / in welchen die Gelder wahren auff seinem Bette
zun Füssen liegen / welche der Dieb hin und wieder suchete / auch endlich fand /
grieff hinein /und nam in die 30 Kronen zum erstenmahle heraus /gleich als
Valikules erwachete / des Diebes Atem hörete / und zugleich seine Hosen missete
/ richtete sich deswegen auff / und fassete den Degen / zugleich fragend / wer
ihm bei Nachtschaffender Zeit auff der versperreten Kammer umb ginge. Der Dieb
liess vor Angst die ergriffenen Hosen fallen / lieff mit der Handvol Kronen zum
Fenster zu und wahr sehr gerade wieder hinaus; aber Valikules folgete ihm / und
gab ihm mit des Schwerts Knauffe einen solchen Stoss oben auff den Schedel / dass
er betäubet hinunter fiel und recht auff den Kopf stürzete / dass er das Genicke
abbrach; blieb also liegen / und lagen die gestohlene Kronen umb ihn her. Er
sah ihm nach aus dem Fenster / merkete dass der Dieb Tod wahr / und bedachte
sich / ob er ein Geschrei machen wollte oder nicht; endlich hielt er vor das
beste / dass er stille schwiege /fassete doch die angeschlagene Leiter / und
warff sie umb / welches ein zimliches Gepolter im Hofe verursachete / dass das
andere Gesinde samt den Wirt davon erwacheten / auffstunden / und zusahn was es
währe / da sie den Dieb funden dass er mit dem Tode rang / und das Geld umb ihn
her gestreuet lag / auch die Leiter recht auff ihm. Sie kunten leicht ersinnen
/wie es zugangen währe / meinten doch / Valikules würde nichts drum wissen /
und müste die Leiter im absteigen umbgeschlagen sein; daher sie den Dieb auff
des Wirts Befehl hinweg trugen / welcher inzwischen die Gelder aufflase / und
davon ging. Valikules stund und sah alles an / liess sich doch nichts merken /
nur als er des Morgens hinunter ging / foderte er den Wirt vor sich / und
zeigete ihm an; er hätte diesen Morgen seine Oberhosen mitten im Schlaffgemach
auff der Erden gefunden / und etliche daraus gestreuete Gelder dabei / da er sie
doch des Abends auff sein Bette gelegt hätte; begehrete demnach / dass er
fleissig nachforschete / wer unter seinem Gesinde sich solcher Dieberei
unternehmen dürffte; über das hätte er gestern dem Hausknechte befohlen (dieser
wahr eben der Dieb) etwas zubestellen / möchte ihm ruffen lassen / um zuvernehme
/ ob ers verrichtet hätte. Nun wahr zwar der Wirt willens / wo möglich / es
zuvertuschen / aber aus keiner andern ursach / als dass dieser fremde Gast nicht
möchte von ihm zihen / und ein solches unter die Leute bringen / welches ihm an
seiner Nahrung schaden würde; Weil er aber sah / dass der Fuchss auff solche
Nachfrage zum Loche aus musste / bekennete er / dass der Knecht unter dem Fenster
währe tod gefunden / da er mit samt der Leiter herunter gefallen währe; Doch der
gefundenen Gelder gedachte er nicht / und wollte ihn auch Valikules wegen des
wenigen noch zur Zeit nicht schamroht machen / sondern beklagete vielmehr des
Knechtes Unfall / und dz er durch de Geitz sich zu solcher Untaht hätte
verführen lassen; wiewol er bedacht wahr / in wenig Tagen die Herberge zu
endern; aber / wie droben gesagt / sein Gallus traff ihn noch daselbst an /als
er in seiner Rüstung und auff seinem Pferde zum Hause hinein ritte / da er auff
dem Fluhr wandelte /und sich mit Gedanken schlug. Er erkennete aber beides seine
Waffen und sein Pferd alsbald / und gedachte / es währe ein Ritter von
Charidemus abgeschikt /der ihn auskundschaffen sollte / weil er den Helm
zugemacht hatte. Dieser aber stieg geschwinde vom Pferde / setzete den Helm ab /
und gab seinem Herrn gnug ursach zur Verwunderung; Welcher zu ihm sagete: Wie
nun Gallus? Ich schätzete euch schon zu Padua / so habt ihr umb Pferd und
Harnisch willen euch dieser örter so lange auffgehalten / und euch in Leib und
Lebensgefahr gewaget. O nein / Gn. Herr /antwortete er / unser Gott hat mich
einen guten Weg geführet / und seine Gnade über uns so reichlich sehen lassen /
dass ich mich dessen nicht gnug verwundern kann; legete den Harnisch ab / führete
die Pferde in den Stall / und nachdem er die Gelder von den MaulEseln abgeladen
und in Gewarsam gebracht hatte / hiess er den Knecht nach Verehrung etlicher
Kronen mit den Eseln hinweg zihen / und seine Frau in geheim freundlich grüssen.
Valikules wusste nicht /wie er mit ihm daran war / und sagte: Ich bin verwirreter
über eurer Ankunft / als ich unter den Schergen im Holze wahr. Dieser kehrete
sich nirgends an / reichete ihm anfangs einen sehr köstlichen DemantRing / mit
diesen Worten: Die hochädle Frau Euphrosyne /des weiland schelmischen Charidemus
nachgelassene Wittib / entbeut ihrer Gn. ihre untertähnige bereitwilligste
Dienste. Träumet euch Gallus? sagte Valikules. Er aber fuhr imer fort / als
hörete ers nit; Sie bedanket sich zum höchsten wege des damals verehreten
Kleinots / welches / als lange sie lebet / zum Gedächtnis bei sich tragen will /
dessen Lebensrettung ihr die allergröste Freude gebracht / weil sein
unverdienter Tod ihr unangenehmer als ihr eigener würde gewesen sein; bittet
krafft solcher Gewogenheit / Eure Gn. wolle hinwiederumb dieses schlechte
Ringlein als eine unwirdige Erinnerung ihres willfährigen Gehorsams von ihr
annehmen. Er empfing den Ring mit gutem Willen / und befahl ihm / ohn
Umbschweiffe zuerzählen / wie es ihm ergangen währe. Gallus baht umb Verzeihung
/ gab vor / er håtte vorerst etwas nöhtiges zu verrichten; hiess den neuen
Hausknecht mit ihm gehen / und hohlete auff die beiden WechselBrieffe 20000
Kronen / die ihm alsbald in verpitschierten Beuteln zugestellet wurden; brachte
sie seinem Herrn / und lieferte ihm an Barschaft und Kleinoten 40000 Kronen;
welcher ihn fragete / woher ihm dieses unvermuhtliche Geld kähme. Es ist eine
geringe Verehrung / sagte er / welche obgedachte Frau ihrer Gn. zum Zehrpfennige
sendet. Fing hierauff an alles nacheinander zuerzählen / was gestalter Herren
Fabius / Leches und Markus zu Korint im Hafen angetroffen / ihnen verdekter
weise seinen Unfall erzählet / und mit ihnen nach dem Flecken reisen müssen /da
Fabius aus sonderlichem Eifer den boshaften Charidemus von den beiden Dienern /
denen sie das Leben geschenkt / niederhauen lassen; und hätte /allem ansehen
nach / Markus sich mit der jungen Witwen verliebet. Als er nun derselben gute
Gewogenheit gespüret / hätte er sich in geheim zuerkennen gegeben / und ümb
Befoderung zu einem Wechsel angehalten; worauf sie ihm dieses alles eingehändigt
/ bloss als ein Zeichen ihres dienstbegierigen Herzens; ja sie hätte einen
grossen Schaz des Parmenions angegeben / welcher ihrer Gn. zum besten von Fabius
verwahret würde. Uber das hätte er aus ihrem Gespräch verstanden dass Herr
Ladisla auch mit einem Schiffe auff der Fahrt währe / seinen Freund Herkules
zusuchen / und ihm zufolgen. Dieser wahr sehr unwillig / dass gegen Charidemus so
scharff verfahren wåhre / und verwies es Gallus höchlich / dass er Fabius darzu
veranlasst /wodurch er wieder sein Christliches Gewissen gehandelt / und solche
eigentähtliche Rache vor Gott schwer zuverantworten hätte / dañ ich hatte ihn /
sagte er / der Straffhand Gottes befohlen. Gallus entschuldigte sich / berieff
sich auff Gott / dass er Herr Fabius nicht im geringsten zu solcher Straffe
angereitzet hätte / und erkennete er hieraus Gottes sonderliche Versehung; dann
/ sagte er / wer hat diesen eiftrigen Rächer ausgeshikt? ohn Zweiffel hat es
Gott selber getahn /welcher ihm seine schändliche Bosheit und unerhörete
Grausamkeit hat auff seinen Kopf vergelten wollen / vielen andern seines
gleichen zum merklichen Beispiel / sich von solchem Frevel zuentalten. Ich
erkenne es vor nichts anders / antwortete er; aber man hätte gnädiger mit ihm
verfahren sollen / uñ währe ihm die Landesverweisung Straffe gnug gewesen. Das
würde dem guten Markus wenig frommen und vergnügung gebracht haben / sagte
Gallus / der aniezt in tausend Freuden geht / wie sehr ers gleich zuverbergen
suchet. Eure Gn. aber zweifeln an dieser Frauen Verschwiegenheit gar nit /
welche vielleicht noch heut nach Korint sich erhebe / uñ daselbst ihre Wohnung
nehmen wird; hat mich auch sehr inständig gebehten /ihre Gn. zuvermögen / sie
daselbst auff ein Wort zusprechen. Ich aber habe diese Reise auch nicht ümsonst
getahn / sondern von der Franen 4000 / von Markus 600 / und von Fabius und
Leches ingesamt auch 600 Kronen / als ein unbekanter Kauffmann vor meinen Mitzug
/ wieder meinen Willen nehmen müssen. Valikules verwunderte sich der grossen
Zuneigung dieser ehrliebenden Frauen / und sagte: Ich bin verpflichtet / dieser
Frauen / als meiner Schwester /Zeit meines Lebens gutes zutuhn / werde es auch
wissen in acht zunehmen / uñ will nicht unterlassen ihr zu Korint zuzuspreche /
wohin wir / geliebts Gott / erstes Tages unsern Weg fortsetzen wollen / nachdem
ich mich schon über die gebühr in diesen Ländern auffgehalten habe. Als Gallus
von Fr. Euphrosynen hinweg geschieden wahr / hielten Fabius / Leches und Markus
miteinander Raht / auff was weise sie eigentlich erfahren könten / ob Herr
Herkules dieser örter sich noch auffhielte / uñ wurden eins / dass Markus den
nähesten Weg nach Korint zihen / Fabius aber und Leches zu Elis sich etwas
auffhalten / und allerseits fleissige Nachfrage tuhn sollten; sendeten auch
achzig ihrer Soldaten ümher in die Flecken und Städte / auff zehn Meile weges /
ob sie ihn ausforschen möchten; wo nicht / sollten sie heut über zwo Wochen sich
zu Korint wieder einstellen. Fr. Euphrosyne liess inzwischen das Frühstük
bereiten / und alle ihre Barschaften und Kleider auff Wagen packen / taht ihres
Vaters Bruder-Sohn das Schloss und die Herschaft auff Rechnung ein / uñ måssigte
der Untertahnen Frohndienste und andere Beschwerungen / dass sie über die helfte
geringer wahren. Ihren Charidemus hatte sie des ersten Abends ohn alles Gepränge
lassen zur Erden bestatten / und zog mit ihrem Liebsten /unter der Begleitung X
Soldaten nach Korint / woselbst sie einen adelichen Hoff mietete / und in
demselben biss auff Markus Wiederkunft (der mit Fabius die Reise zuvollenden
willens wahr) ihre Trauerzeit einsam mit ihrem Gesinde zubringen wollte. Fabius
und Leches aber blieben mit X Kriegsknechten zu Elis / liessen aussprengen / sie
währen nach Korint gezogen / und legten sich in Valikules erste Herberge / da
sie der Ursach des Kampfs mit Parmenio ümständlich berichtet wurden. Unserm
Valikules wahr ihre Gegenwart unverborgen / und dass man in den Stadtohren auff
ihn acht zugeben befohlen hatte. Er tröstete sich aber seines Räuber-Künstleins
/ ohn dessen Hülffe er nicht leicht würde entgangen sein / und musste wieder
seinen Willen noch zween Tage zu Elis sich auffhalten / biss er seine Pferde /
Gelder und Waffen heimlich hinaus bringen kunte; worauff er sich eilig fort
machete nach Korint zureiten / und kehrete daselbst bei seinem Christlichen
Wirte ein / von dem er schon als ein Ermordeter höchlich beklaget wahr. Er
meinte nicht / dass Markus mit seiner Liebesten daselbst schon sollte angelanget
sein / deren Leibdienerin des andern Tages vor seiner Herberge herging /und ihn
ohngefehr durchs Fenster sah / dann er hatte die angestrichene Farbe abgetahn /
und seinem Wirte sich zuerkennen gegeben. Es wahr noch früh morgens / uñ
zweifelte die Magd anfangs / ob sie recht såhe /wollte die Gewissheit haben / und
machte eine falsche Werbung in das Haus / da sie ihn eigentlich besah /uñ aus
dem Hause wieder hinweg eilete. Zum guten Glük ersah sie Gallus / kennete sie
alsbald / und fragete / ob ihre Frau dieses Orts schon angelanget währe / und
warumb sie so eilete. Sie aber antwortete: Mein Freund / haltet mich nicht auff
/ dañ ich werde grosse Herren erfreuen / und ein reiches Bohtenbrod verdienen /
wann ich ihnen dessen Zeitung bringe /was ich in diesem Hause gesehen habe. Er
hingegen sagete zu ihr: Bei Leib und Leben schweiget / und tuht meines Herrn
Gegenwart niemand als eurer Frauen zuwissen / die euch schon weiter unterrichten
wird; ging hin und vermeldete es seinem Herrn / der sich entschloss / des
nähesten die Frau zubesuchen. Markus ritte des folgenden Tages sehr früh nach
dem Meerhafen vor seiner Herberge her / welches er sah / und alsbald seinen
Gallus an die Frau schickete / ihr anzumelden / dass er sie gerne sprechen wollte;
welche alsbald ihre Dienerin mit Gallus zurück sendete / uñ ihn darümb dienstlich
ersuchen liess. Er machete sich bald auff / in einem grünen Güldenstücke (welches
er zu Elis hatte machen lassen) bekleidet / und hatte einen grossen blutroten
Federpusch auff dem Hute. Da er nun so Fürstlich zu ihr ins Gemach trat /
grüssete er sie höflich und sagete: ädle und tugendreiche Frau /hochwerte
Freundin; ich kann wohl mit Warheit beteuren / dass mir nie voll keiner Frauen
grössere Dienste /als von ihr beschehen sind / in betrachtung / ich nicht allein
durch ihren Vorschub mein Leben erhalten /sondern / nachdem sie hiedurch in
grosse Angst gerahten / sie mir noch eine unverdiente Freigebigkeit erzeigen /
uñ bei meinem Diener so viel tausend Kronen zum Zehrpfennige überschicken
wollen. Nun meine wahre Freundin / ich bin dieses Orts des Vermögens nicht / so
hohe Neigung zuvergelten / hoffe aber ungezweifelt / da mir Gott das Leben
weiter fristet / Gelegenheit zuhaben / dass mein dankbares Herz erkennet werde.
Im übrigen ist der wahre Gott mein Zeuge / dass die Unbarmherzigkeit an
Charidemus ergangen / mir höchlich missfället / wollte auch solche /da mirs
möglich gewesen / gerne hintertrieben haben; wiewol ich gänzlich gläube / mein
Gott habe es also geschicket / dessen Gerichte / ob sie gleich zu zeiten
verborgen / doch niemahls ungerecht sind. Bitte demnach / meine in Ehren
höchstgeliebete Freundin wolle ihren Willen in Gottes Willen stellen / und mit
dessen Ordnung friedlich sein / und versichere sie / dass ihr jetziger Bräutigam
gegen sie viel ehrerbietiger und höflicher / als Charidemus / sich bezeigen
wird. Den übergeschikten Ring habe ich von meinem Diener empfangen / uñ alsbald
an diesen Finger gestecket /welcher mir an statt einer stetswehrenden Erinnerung
dienen soll / wie viel ich meiner allerliebsten Freundin und Lebens-Retterin
schuldig bleibe. Fr. Euphrosyne sah ihn mit höchster Verwunderung an / kunte
seiner freundlichen Blicke und Reden sich nicht ersättigen /und antwortete ihm
gar züchtig: Durchleuchtiger Fürst; Gnädiger Herr; ich möchte wünschen /
eigentlich zuwissen / mit wem ich rede / damit ihm die gebührliche Ehre und
Auffwartung von mir könnte geleistet werden; weil ich aber weiss / dass Ihrer Gn.
nicht gefällig ist / erkennet zuwerden / gebühret mir nicht /hiernach
zuforschen. Nun schreibet ihre Gn. mir dero Erlösung zu / aber ich sehe nicht /
warumb. Zwar dass auff mein Anhalten / diese krafftigen Arme (die sie ihm züchtig
anrührete) ungebunden blieben sind /rechne ich vor das beste Werk / welches ich
je begangen; aber ihre ungläubliche Stärke hat die Errettung selbst zuwegen
bracht. Die Grausamkeit meines gewesenen Eheherren (hier fing sie an zu weinen)
hat meiner Seelen ungläublichen Schmerzen verursachet /und fehlete wenig / ich
währe vor Angst nider gesunken / dass ich mein Mitleiden nicht durffte merken
lassen / wie wohl meine wässerige Augen dessen etwas Anzeigung geben kunten;
würde mir auch der Tod lieber / als die Zeitung gewesen sein / dz Charidemus
Urtel währe volstrecket worden; und weil mir unmöglich wahr / mich über euer Gn.
Flucht so betrübt anzustellen / als Charidemus es gerne gesehen hätte /habe ich
deswegen nicht allein viel Scheltworte und harte Schläge in kurzer Zeit annehmen
/ sondern /welches mir ungleich mehr zu Herzen ging / solche schmähe- und
ehren-rürige Worte einfressen müssen /deren ich noch diese Stunde nicht vergesse
kann; habe ihm aber solches Zeit des Unglücks nicht geniessen lassen / sondern
hätte ihm das Leben gerne mit aller meiner Haabseligkeit erkaufft; wie wohl ich
nicht willens wahr / bei ihm länger zubleiben; dann er hätte mich ohn zweifel
endlich ermordet; sondern wollte mich zu meines Vaters Bruder nach Aten erhoben
/und bei demselben meine übrige Zeit zugebracht haben / welcher ein frommer
alter Herr / uñ Christlichen Glaubens ist / wozu er mich gerne gebracht hätte /
wañ Charidemus es hätte zugeben wollen / welcher mich auff solchen Fal
öffentlich zuverbrenen dräuete. Meine in ehren geliebete Freundin / sagte er /
ist auff sehr gutem Wege gewesen / und möchte wünschen /dass sie des Vorsatzes
annoch währe / massen ich sie versichere / dass ausser diesem Christlichen
Glauben kein Mensch die Seligkeit erlangen kann; dann ich bin auch ein Christ /
und wünsche nichts mehr / als das alle meine Freunde darzu gelangen möchten. Die
Frau hörete solches gerne / und versprach / nicht allein fortin als eine
Christin zu leben / sondern auch ihm Markus eben dessen auff Gelegenheit
zubereden. Worauf er ihr kurzen Unterricht des Christentuhms gab / und sie
ermahnete / mit seinem Wirte Kundschaft zu machen / der ein guter und fein
gelehrter Christ währe / und sie zu dem Lehrer daselbst führen könnte. Sie
versprach ihm solches alles zuverrichten /bedankete sich wegen der Befoderung
ihrer Seligkeit /und kam nachgehends wieder auff ihr voriges / da sie baht /
ihre Gn. möchten des wenigen Geldes halben so grosse Danksagung nicht leisten /
nachdem sie ihm mit alle ihrem Vermögen herzlich gerne verbunden bliebe. Er
bedankete sich des Erbietens / und begehrete von ihr / dafern seine
Freundschaft ihr angenehm währe / möchte sie alle hohe Benennungen unterlassen
/ und mit ihm als einen vertraueten Freund und ihres gleichen umbgehen. Ich bin
meinem Gn. Herren zugehorsamen schuldig / antwortete sie / dafern mir solches zu
keiner unhöffligkeit aussgeleget wird; Zohe hiemit eine köstliche Kette hervor /
in deren jedem Gliede etliche teure Demanten versetzet wahren / welche Fürst
Artaxerxes in Persen dem Parmenio geschenket / da er ihn zu einem
Kriegs-Obristen bestellet / und auff 36000 Kronen geschätzet ward. Parmenio
hatte sie ihr als seiner Schwägerin vor wenig Wochen verehret / wegen dass sie
seine geworbene Knechte (die nun mehr alle verlauffen wahren) etliche Zeit
gespeiset hatte. Diese Kette reichete sie ihm in einem Seidenen Tüchlein / und
sagete: Mein hochwerter Herr (weil eure Gn. von mir keiner höheren Benennung kann
gewärtig sein); dieses hat mir Parmenio ehemahls geschenket / welches ich
niemande zugedacht habe als ihm / und bitte ehren-dienstlich / es von mir als
einen Nohtpfennig anzunehmen; dann weil ich merke / dass mein Herr sich weit in
die Morgenländer zubegeben willens ist / und man allemahl in der Fremde keine
Wechsel haben mag / möchte es dereins demselben zu steuer kommen / nachdem mans
ohn alle hindernis unter den Kleidern tragen und verbergen kann. Sie wollte ihm
aber von Parmenions Geldern / die bei ihr stunden / nichts sagen / dann sie
befürchtete sich / er möchte ihr dessen gar zu viel schenken. Valikules wegerte
sich des annehmens nicht / sagete doch / dafern ers nicht zuvergelten hätte /
würde er solche Geizigkeit nicht spüren lassen; steckete ihr nachgehends einen
gar schönen Ring an ihren Finger /welchen er zu dem Ende enigekaufft hatte / und
sagete: Er wollte sie hiemit ihm als eine Christliche Freundin verbinden / dass
ihre ehrliebende Freundschaft Zeit ihres Lebens nicht getrennet werden sollte:
hoffete / sie würde ihm zum Gedächtnis denselben nicht lassen von sich kommen;
gab ihr überdass auch dz Ringelein zuverwahren / welches er vor diesem Frl.
Valisken zugeschikt / und von Neklam wieder bekommen hatte / und sagete: Meine
werte und geliebete Freundin; ich gebe ihr dieses auffzuheben / welches einer
gebohrnen Königlichen Fräulein zustehet / die ich zuerlösen suche; bitte gar
sehr / es so lange in obacht zu haben / biss ichs mit einem viel besseren wieder
ausswechseln werde. Sie kunte aus dieser Rede leicht schliessen / dass er sehr
hohes Fürsten Standes sein müste / wollte sichs aber nicht merken lassen / uñ
versprach / es bei sich wohl auffzuheben / biss sie es entweder ihm / oder dem
Königl. Fråulein sebst würde einliefern können; wünschete ihm Gottes Hülffe und
Gnade zu seinem Vorhaben / und musste er ihr versprechen / neben dem Fräulein
auff der Rükreise sie zubesuchen. Sie hatten sonst ihr Gespräch miteinander biss
an den Mittag / da er einen freundlichen Abscheid von ihr nam / sie umbfing /
und der Gnade seines Heilandes sie befahl / weil er nicht meinte /dass er sie
wieder sprechen würde. Markus kam bald hernach zu Hause / und ward von seiner
Liebsten freundlich empfangen / die er in mehrer Fröligkeit antraff / als bisher
ihre Gewohnheit wahr. Des folgenden Tages ritte Valikules mit Gallus nach dem
Hafen / umb zuerforschen / ob nicht Gelegenheit nach Syrien zu schiffen währe;
traff aber nur ein Schiff an / welches über sechs Tage nach Kreta segeln wollte /
woselbst man / des Schiffers Bericht nach / fast täglich Gelegenheit nach Syrien
haben könnte. Er beklagete sehr / dass er die Zeit daselbst vergeblich zubringen
/uñ von seiner Reise abgehalten werden sollte / welches er doch nicht endern
kunte. Es funden sich diesen Morgen in seiner Herberge acht Griechische Ritter
an / welche XXIV wehrhafte Diener bei sich hatten /Valikules aber blieb stets
in seiner angestrichenen Farbe samt Gallus / daher diese ihn vor einen ganz
fremden und erst ankommenden hielten. Bei der Mahlzeit verübeten sie zimlichen
Pracht / dass sie dem Wirte fast alle seine Speisen / die doch untadelich wahren
/ verachteten / und das beste ihren Hunden vorworffen / welches ihnen der Wirt
endlich nicht übersehen kunte / sondern ihnen dürre unter die Augen sagete / er
hätte nunmehr XVI Jahr lang redliche Leute beherberget / aber solchen Frevel
hätte ihm noch kein Mensch gebohten / und weil er solchen in seinem Hause nicht
erdulden wollte / sollten sie ihm die auffgetragenen Speisen bezahlen / und sich
nach anderer Herberge umbtuhn. Der Vornehmste unter ihnen wollte ihn mit
Scheltwort angreiffen / aber er gab ihm zur Antwort; dafern er sich zu krauss
machen würde / müste er bei der Stad Obrigkeit Schuz suchen; sie sollten ihnen ja
nicht einbilden / dass man in Korint ihnen Freiheit gönnen würde / einigen
Inwohner zubeleidigen. Worauff diese es näheren kauffs gaben / aber zu Valikules
Ursach sucheten / weil derselbe nicht allein von dem Wirte mehr als sie geehret
und genöhtiget ward / sondern auch so viel darzu geredet hatte / dass wan die
Speisen ihnen nicht gefielen / möchten sie es dem Herrn Wirt gütlich anzeigen
/und die Gaben Gottes nicht den Hunden vorwerffen. Welche erinnerung sie nicht
wenig verdross. Es fing aber einer von ihnen an / den Wirt zu fragen / ob er sie
nicht berichten könnte / auff welcher Gasse und in was behausung man den
Römischen Ritter antreffen möchte / welcher des löblichen Herren Charidemus
junge Wittib als einen freien Raub mit sich genommen hätte / und deren mit
Gewalt missbrauchete. Ich weiss von einem solchen unredlichen Ritter nicht /
antwortete Amyntas der Wirt / aber dass weiss ich wohl /dass Charidemus aus
erheblichen Ursachen von dem Römischen Gesanten zur Straffe gezogen / auch
dessen Witbe sich gutwillig unter dessen Schuz und Gehorsam gegeben hat.
Hierüber / antwortete der Vornehmste / habt ihr nicht zurichten / und werden
sich dessen schon andere als ihr / annehmen; gebet uns nur Nachricht wo wir den
rauberischen Entführer antreffen mögen. Valikules vernam hieraus / dass sie Rache
an Markus sucheten / und entschloss bei sich selbst /sich seiner nach mögligkeit
anzunehmen / lies aber sich dessen anfangs nicht merken / sondern sich stellend
ob blutete ihm die Nase / ging er hinaus / und folgete ihm Gallus / dem er
befahl / was er gleich alsbald Markus in seiner vorigen Kauffmans Gestalt
vortragen sollte; er aber / nach dem er sich zum Schein gewaschen hatte / ging
wieder hinein zu der Gesellschaft / welche inzwischen von dem Wirt zu wissen
begehreten wer dieser junge Kerl währe; welches er mit wenigem beantwortete; er
währe ein Römischer Herr und Ritter / redlich und from / welcher erst gestern
angelanget / und bald wieder fortgehen würde. Als Valikules wieder hinein trat /
stellete er sich ernstaftig / und baht den Wirt / ob er etwa von einem
Römischen Ritter gehöret hätte / welcher solche Untaht begangen / dessen ihn
diese Herren zeiheten / möchte er ihm solches unbeschwert melden; er vor sein
Häupt wollte nicht hoffen dass Römische Ritter solche Bubenstük beginge / doch
wann es geschehen währe / wollte ers vielmehr rächen als entschuldigen /
ungeachtet er selbst ein Römischer Ritter währe. Der Vornehmste unter den
Griechen / Nahmens Aristodemus / antwortete ihm; der Rache halben dürffte er
unbekümmert sein / nachdem sie dieselbe auff sich genommen hätten. Valikules
aber taht anfangs / als hörete ers nicht / und gab acht auff Amyntas Antwort /
welcher zu ihm sagete; ja mein Herr / ich weiss zwar / dass ein Römischer Ritter /
nahmens Herr Markus /vor wenig Tagen hieselbst mit gedachter Wittiben ankommen
ist / welche bei dem Raht hieselbst angesucht / ihr zu gönnen / dass sie eine
Zeitlang in ihrem gemieteten Hause bei uns wohnen möchte / und soll gedachter
Ritter bei ihr sein / nicht als ein gewalttähter / sondern als ein Freund. Ja
wohl als ein Freund / redete der andere Grieche / nahmens Eubulus darzwischen;
nachdem sie geschändet ist / muss sie wohl aus der Noht eine Tugend machen / damit
sie bei ehren bleibe. Valiukles wollte dieses noch nicht beantwoten / sondern
fragete den Wirt von wannen dieser Ritter Markus möchte kommen sein; Von Padua /
antwortete er / mit Herrn Fabius dem Römischen Gesanten / dessen
Schiffs-Hauptmann er sein soll. So ist Herr Fabius mein Freund / und Ritter
Markus mein guter Bekanter und MitRömer / anjetzo in dieser Landschaft? sagete
Valikules / als mit verwanderung; Gewisslich ihr Herren / redete er zu den
Griechen / ihr werdet von diesem Ritter unrechten Bericht eingenommen haben /
dann zu solcher unverantwortlichen Untaht dass er ädle ehrliebende Weibesbilder
schänden und entführen sollte / ist er viel zu redlich. Archidas der dritte
fragete ihn / was er sich hierumb zugeheihen hätte / sie wollten dem Entführer
seine Untaht mit dem Schwerte schon überbringen. Einem redlichen Ritter /
antwortete er / muss man von keinem geheihen sagen; und möchte er wohl wissen /
dass er willens währe sich seines Freundes und guten bekanten anzunehme / dafern
er würde unschuldig sein; wo nicht sollet nicht ihr / sondern seiner Obrigkeit
Schwert die gebührliche Rache verrichten. Ich gläube / sagte Teellus der vierde
Grieche / ihr werdet euch unterstehen wollen / der freien Griechischen
Ritterschaft neue Gesätze vorzuschreiben / uñ ihre löblichen Gebräuche
auffzuheben. Mit nichten / antwortete er / sondern ich will helffen arbeiten /
dass ein nicht minder freier Römischer Ritter vor Ungebühr befreit bleibe. Auff
was Weise gedenket ihr solches ins werk zurichten? fragete Speusippus der
fünfte. Auff alle gebührliche und wohl zulässige / welche dem Ritterstande weder
Schimpff- noch verkleinerlich sind / antwortete er. Ist dann hierunter ein
ritterliches Treffen mit verstanden? fragete Philippus / der sechste. Ja /warumb
nicht? antwortete er / wann ich auff gütlichere Weise nicht könnte davon kommen /
müste ich mich billich meiner ritterlichen Freiheit / dass ich mich wehren darff
/ erinnern. Es geht aber in Griechenland mit dem ritterlichen Gefechte scharf
daher / sagte Evagoras der siebende. Wans nur redlich und ohn hinterlist zugehet
/ antwortete er / so tuht billich ein jeder sein bestes; habe aber von meinem
Herrn Wirt verstanden / dass es mit dem Kampf zwischen den fremden Ritter und
Parmenio / nicht gar zu redlich soll zugangen sein / da dieser seine Knechte zu
hülffe geruffen hat. Wie ist euer Nahme / der ihr dieses reden dürffet? fragete
der achte und lezte / Phayllus. Meinen Nahmen leugne ich nicht / welcher Julius
Probus heisset / und dass ich die Warheit rede / wird mir kein Mensch verübeln /
viel weniger verbiete / sagte er. Ich möchte wünschen / sagte Aristodemus der
erste / dass euer Freund Markus bei euch währe / dañ könnte man euch beiden auff
einmal antwort geben. Ist die Antwort auf Billigkeit gegründet / so will ich sie
in unser beider Nahmen anhören / antwortete er / und bescheidentlich wieder
antworten. Griechische Ritter gehen mit keiner Unbilligkeit ümb / sagte Eubulus
/ und wer sie dessen zeihen wollte / müste drüber zuschanden werden. Ich ehre die
Griechische Ritterschaft gebührlich / antwortete er / uñ sage beständig / wer so
frevelhaft sein / und eines ganzen Landes Ritterschaft schelten wollte / müste
billich in stücken zurissen werden. Dass aber unter eines ganzen Landes
Ritterschaft nicht zu zeiten ein oder ander reudig Schaff sollte gefunden werden
/ wird kein Verständiger leugnen / dem die Welt nur ein wenig bekant ist. Wann
wir mit unter die Redlichen eingeschlossen werden / sagte Archidas / geht uns
das übrige nichts an. Und weil von den anwesenden Herren ich weder gutes noch
böses weiss /antwortete er / nachdem sie mir unbekant sind / halte ich sie
billich so lange vor redlich / als mir nicht ein schlimmers vorkomt / ja ich
trage zu ihnen samt und sonders das Vertrauen / die meinem Freunde Markus und
mir / zugedachte Antwort werde nicht unredlich sein / weil wir uns keiner
Unredligkeit bewust sind /ausser dass ich die ietzige Beschuldigung meines
Freundes biss dahin aussetzen muss. Das erste ist was scharff / das andere wird
sich finden sagte Teellus /wann nur der Tähter an Tages Liecht komt. Ein
Hausdiener foderte hieselbst Valikules hinaus / da ihm Gallus von Markus antwort
brachte; er bedankete sich gege ihn / als einen Unbekanten ganz dienstlich / dass
er seine Ehr als eines Abwesenden hatte retten / und zugleich zu seinem
Beistande sich anmelden wollen; die begehrete X Soldaten und XXVI gewapnete
Schiffknechte würden bald verhanden sein / alsdañ er sich einstellen / und seine
Unschuld ritterlich handhaben wollte. Fr. Euphrosyne wahr hierüber sehr bekümmert
/ merkete aber leicht / dass Herkules in unbekanter Gestalt sein Leben neben
Markus zu ihrer Ehren-Rettung wagen wollte; doch suchte sie Gelegenheit / es in
der Güte beizulegen / und machte sich fertig / nach Herkules Herberge zufahren /
ümb zuvernehmen / wer dieser boshaften Verleumdung Stiffter währe; welches ihr
Markus nicht wehren durffte. Als sie in die Essestuben trat / und zwar in ihren
Traurkleidern /wollten die Griechen auffstehen / und sie empfahen; aber sie
redete also zu ihnen; ihr Herren Schwägere /bleibet stille an eurem Ort sitzen /
wo ihr sonst nicht wollet / dass ich ungeredet wieder hinweg gehen soll; ich werde
vertraulich berichtet / ob finde sich einer oder ander unter euch / der über
einige Gewalt und Ungebühr klaget / welche mir an meinem Leibe und an meiner
Ehre sollte angefüget sein. Diesem wiederspreche ich hiemit beständigst / und
sage / dass wer solches redet / habe es als ein schändlicher Verleumder und
gottloser Ehrendieb vorgebracht / der mir auch solches beweisen / oder davor
leiden soll. Stille mit solcher Pfeiffe / sagte Aristodemus; ihr seid hierzu
abgerichtet / ihr Ungeträue / und wollet dadurch eure Untugend beschöne / welche
wir bisher vertuschet / uñ alle Schuld auff den Tähter geleget haben. Ich kenne
euch wohl / Aristodemus / antwortete sie /aber gedenket nur nicht / dass ich mich
vor euch fürchten werde / nun ich zu Korint bin; ümb euret / und eures gleichen
willen / habe ich mich von meinem Schloss hinweg gemacht / weil ich nicht
zweifelte /ihr würdet dasselbe vielmehr in meinem Witwenstande bei mir suchen /
wessen ihr euch schon / da ich verheirahtet wahr / durfftet gelüsten lassen. Und
ihr ehrlicher Eubulus / wer hat euch so kühn gemacht / hieselbst zuerscheinen /
und mich einiger Ungebühr zubeschuldigen? Ist euch die Rückenwunde zugeheilet /
welche euch vor sechs Wochen Herr Charidemus Seel. schlug / da ihr euch gegen
mich so unzüchtig bezeigetet? Frau / Frau / sagte Archidas / nicht zu grosse
Zungen Freiheit. Ja du bist wohl ein ehrlicher Geselle / antwortete sie / könnte
dein Eheweib das fromme unschuldige Herz wieder von den Todten auferstehen /
darin du sie durch schändlichen Meuchelmord gestürzet hast / soltestu des
Büttels Hand nicht entlauffen. Was habt ihr dann auff mich zusprechen? sagte
Teellus. Ist einer unter euch redlich / so seid ihrs wohl alle / antwortete sie
/ und wundere ich mich /wie dieser Drek sich so schleunig wieder ein ehrliches
hochbetrübtes Weib zusammen geschlagen hat. Das ist zuviel / sagte Speusippus /
eine ganze ehrliche Gesellschaft zuschänden. Jawol eine ehrliche Gesellschaft /
antwortete sie / gönne du mir nur Zeit / so will ich deine Mordtahten dir leicht
überbringen; und eben du bist derselbe / der meinen gewesenen Ehherrn wieder
mich verhetzet / und ihm den mördlichen Anschlag gegeben / wie er durch des
erschlagenen Nikokles Verräterei / des Parmenions überwinder in seine Gewalt
bekommen / und sich an ihm rächen könnte. Aber was zanke ich mich mit einem so
schlimmen Wuhst; ihr übern Hauffen seid meines Gesprächs nicht wirdig / noch dass
ein redlicher Ritter sein Schwert gegen euch entblössen sollte. Hernach wendete
sie sich gegen Valikules / erkennete seine Verstellung / und redete ihn also an:
Hochädler und VesterRitter / ob zwar der redliche Ritter Markus /nicht ersinnen
kann / was vor ein grosser Freund sich gegen diese Verleumder seiner so
geträulich angenommen / so erkennet er solches doch vor einen solchen Dienst /
welchen er nicht anders / als mit seinem Blute zuersetze weiss. Ich vor mein
Haupt rede alhie als vor dem Angesicht des allerhöchsten warhaftigen Gottes /
dass weder Ritter Markus noch einiger ander Römischer / mir nicht die
allergeringste Kränkung meiner Ehren zugemuhtet habe / sondern nachdem ich von
dem Römischen Herrn Gesanten verständiget worden bin / wie hoch Römische
Käyserl. Hocheit /unter deren Gebiet ganz Griechenland ist / durch die
Verurteilung des fremden jungen Ritters beleidiget sei / habe ich mich unter
dessen Schutz ergeben /damit ich beides an Ehr und Gütern möchte unbeleidiget
bleiben / denen beiden zum wenigsten viere unter diesen Schelmen würden
nachgetrachtet haben. Hochädle / mir biss daher unbekannte Frau und Freundin /
antwortete Valikules; Ich / nahmens Julius Probus / ein Römischer Ritter /
vernehme ungerne die schlimmen Benahmungen / mit welchen gegenwärtige acht
Ritter von eurer ädlen Tugend angesehen werden; welches ich / als der ich ihr
Richter nicht bin / dahin muss gestellet sein lassen; und hoffe ich / es werden
dieselben / von euch so übel geneñete / nunmehr sich nicht wegern / die Antwort
hören zulassen / welche sie Ritter Markus und mir versprochen / so will ich mich
in unser beider Nahmen darauff gebührlich heraus lassen. Aristodemus winkete
Phayllus / sich zuerklären; Welcher / weil er das Maul wohl zugebrauchen wusste /
also anfing. Wann der frechen Weiber Art mir unbekant währe / sonderlich deren /
die ihres alten Ehherrn müde / nach einem jungen sich umsehen /würde ich mich
über der Kakophrosynen (also verkehrete er ihren guten Nahmen) LästerMaul biss
auff die Ohmacht entsetzet habe; Weil aber die ganze Welt solcher Schandhuren
Brauch kennet (O du Schelm! sagte Euphrosyne / er aber fuhr fort) / ist unnöhtig
diesen garstigen und übelstinkenden Drek zutreten / damit er nicht noch weiter
redlichen Rittersleute unter das Angesicht sprütze. Euch aber Julius Probus wie
ihr euch nennet / und eurem unredlichen Gesellen Markus gebe ich hiemit die
begehrete Antwort / dass wir acht ehrliche Ritter wider ihn und alle /die sich
sein annehmen / es mit unserm Speer und Schwert nach wolhergebrachter
Ritters-art / behäupten / und darlegen wollen / dass er mit diesem Schand-Balg /
unter der Zeit / da ihr ehrlicher und unschuldiger alte EhHerr Charidemus zum
unbillichen Tode ist hinaus geführet worden / sich in geiler Unzucht erlustiget
habe; Welches / weil es zur höchsten Beschimpffung des ganzen löblichen
Griechischen Adels gereichet / kann es von uns / als des Hochseel. Herrn
Charidemus nahen Anverwanten und Blutfreunden /ungerochen nicht gelassen werden.
Euphrosyne fing an: Und wann mir dieser acht Schelmen Bosheit nit so helle und
klar vor Augen stünde / müste ich vor Angst vergehen; weiss aber / Gott Lob / dass
ich solcher Beschuldigung so ferne bin / als wahr der gerechte Gott lebet /
welcher auch / wie mir mein Herz es saget /diese Gottlose und Ehrvergessene
Buben ungestraffet nicht lassen will. Aedle Frau / sagte Valikules / redet ihr
dieses mit reinem Gewissen? Ja mein Herr / sagte sie ganz freidig / so wahr ich
gedenke dereins vor des allerhöchsten Gottes Angesicht wohl zu bestehen; will mich
auch nicht wegern / die allergrausamste Pein über mich zunehme / wann ich von
diesen Ehrendiebe einiger Unzucht kann überwiesen werden; die ietzige Verleumdung
betreffend / kann ich meiner Leibjungfer und anderer Dienerinnen Zeugnis
vorbringen / dass biss an diese Stunde ich kein Augenblick mit Ritter Markus allein
gewesen / habe auch allemahl zum wenigsten drei oder vier Weibesbilder so wohl
bei Tage als Nachte umb mich gehabt. Wolan / sagte Valikules / ich muss dieser
hohen Beteurung billich gläuben /biss das Widerspiel hell und klar erwiesen
werde. Wer hat euch aber zum Richter gesetzet? sagte Aristodemus; ich gläube
nicht / dass der geringste Bube sich eurem grauen Häupt untergeben werde. Ich
begehre auch in dieser Jugend noch keines graue Häuptes /werffe mich eben wenig
zum Richter auff / antwortete er; aber dieser ädlen Frauen / die ich vor ehrlich
und unschuldig halte / mich anzunehmen / zwinget mich mein Ritterstand / bei
dessen Antretung ich äidlich angelobet / alle elende Weibesbilder unter meinen
möglichen Schutz zufassen; deswegen erbiete ich mich / dafern ihr Achte / die
ausgestossene Verleumdung wider diese Tugendreiche Frau nicht wieder ruffen /
und derselben gebührlichen Abtrag machen werdet / will ich mit meinem Schwert und
Speer wider euch alle / einen nach dem andern / behäupten / dass ihr durch solche
schändliche Verleumdung euren Ritterstand verunehret / und euch desselben
allerdinge unwirdig gemacht habet. Und gesetzet / ihr hättet etwas unzimliches
von ihr gewust / hättet ihr doch sollen auff andere / als solche weise
verfahren. Erkennet ihr mich nun als einen Römischen Ritter wirdig eures Speers
und Schwerts / so stellet euch auff den fall eurer beharlichen Beschuldigung /
gegen mich /nach der Ordnung / wie ihr mit mir die erste Rede gepflogen habet /
doch also / dass der lezte / welcher auch vor dissmal der Worthalter in grosser
Kühnheit gewesen ist / den Anfang mache; Da es mir aber in dieser vermeinten
guten Sache / wider euer einem oder andern misslingen sollte / alsdann und nicht
ehe /soll mein Freund Markus Macht haben / seine Ehr und Ritterlichen Leumut
wider euch auch zuverfechten. Mein Herr / sagte Fr. Euphrosyne / mit was vor
Gehorsam kann ich unwirdige dieses hohe Erbieten im wenigsten ersetzen? Weil aber
das Ritterliche Wort gesprochen ist / nehme ichs billich an / nur das ich im
Nahmen Ritter Markus sehr bitte / ihm an solchem Kampffe auch Teil zugönnen.
Bekümert euch nicht /meine Freundin / sagete er; ist eure Sache so gut / als ihr
saget und ich gläube / alsdann wird mir Gott die Krafft verleihen / nicht nur
diesen achten / sondern zwanzigen ihres gleichen / eine Reue ihrer Verleumdung
anzubringen. Ich möchte auch gerne rede / sagete Aristodemus. Es ist euch
erläubet / antwortete Valikules. Dieser eiferte sich darüber und fing an: So
höret dann / ihr stolzer Narr: Es ist der Kampff auff begehrete weise von uns
angenommen / wiewol michs verdreust / dass ich der lezte in der Ordnung gesetzet
/und also alles Streitts entoben bin. Dieser waschhaften unverschämten Huren
und EhrenDiebin Bosheit soll bald an Tageslicht komme / und werdet ihr viel zu
späte beseuffzen (dann zur Klage wird keine Zeit übrig sein) dass ihr diesem Balg
so leicht gegläubet / und unsere Tapfferkeit so liederlich geschätzet habet.
Mein / ihr scheltet und dräuet / antwortete Valikules; aber ich hoffe vor Abends
noch sehen zulassen / ob ihr ursach habt / mich vor einen stolzen Narren
ausruffen; sonsten eure Tapfferkeit / wo die nit grösser / als eure Höfligkeit
ist / wird sie mir wenig schrecken bringen. Aber wz vor Bedingungen unsers
Kampfs setzet ihr? Keine gelindere / antwortete Eubulus / als dass der
überwundene den Tod / oder die Leibeigenschaft willig annehme. Wol! sagte
Valikules / ich gelebe eures Willens. Fr. Euphrosyne sagte zu jenem: Ich hoffe
zu Gott / du solt hie nicht ein Eubulus (heist ein guter Rahtgeber) sondern ein
Kakobulus (heisset ein böser Rahtgeber) an deiner seite sein. Bekümert euch
weiters nicht / meine Freundin /sagte Valikules zu ihr / sondern zeigt meinem
Freunde / Ritter Markus an / ich habe ursach / mich vor ihm zuverhehlen /
deswegen sei mein begehren an ihn /mich zur Offenbahrung meiner selbst nicht
zunöhtigen / sondern unter gutem Schutze / umb unredlichen überfall zuverhüten /
vor dem NordenTohre sich finden zulassen / woselbst ich auch erscheinen /und
meinem Worte nach Mögligkeit Krafft geben will. Ihr Ritter aber / befahret ihr
euch an meiner seiten ganz keiner Unredligkeit / doch entaltet euch deren auch
nach Gebühr. Mein Herr / sagte Amyntas der Wirt / besorget euch dessen gar
nicht; ich habe dem Rahtmeister schon die Sache angedeutet / welcher 100
bewehreter Mann auffbieten lässet / den Kampffplaz vor aller Unbilligkeit
zubewahren. Wolan / antwortete er / so gehe ich hin mich zuwapnen / und mich
auff Wunden zu schicken. Hastu genug / rief ihm Archidas nach / wann ein jeder
dir eine einzige anbringet? Werde ich recht getroffen / sagte er / kann mich ein
Stoss oder Hieb niderlegen. Fr. Euphrosyne wahr schon hinweg gangen nach ihrem
Markus / welcher auff angehörete Erzählung sie herzlich baht / ihm zuoffenbahren
/ was vor ein Angesicht der fremde redliche Ritter hätte; welches sie geträulich
verrichtete. Worauff er sagete: es währe ihm unmöglich / auszusinnen / wer
dieser Julius Probus währe. Seine Soldaten und Schiffknechte kahmen in grosser
Eile / machten sich mehrenteils beritten / und geleiteten ihn hinaus. Es wahr
aber eben derselbe Platz / woselbst Valikules des mörderischen Akusilaus
Oheimben nidergelegt hatte. Bald darauff stelleten sich die acht Ritter mit
ihren Dienern auch / und ritte Valikules nahe hinter ihnen her / von XL
bewapneten Bürgern begleitet /machte sich hin zu Markus / und mit verstelleter
Heiserigkeit und auffgeschlagenem Helme redete er ihn also an: Mein Herr / er
verwundere sich nicht / dass ich ihn / und er mich nicht kennet / zu seiner Zeit
werde ich mich melden / und er solches zur Unzeit von mir nicht begehre. Wir
wollen hieselbst die Zeit mit langem Gespräche nicht zubringen / uñ habt ihr
diesen Verleumdern vor dem Gefechte etwas anzumelden / werdet ihrs kürzlich
verrichten / doch dass mir durchaus der erste Kampff verbleibe / damit ich nicht
angesehen werde / ein mehres geredet zuhaben /als ich zutuhn willens. Ich
verbleibe meines Herrn Gehorsamer / antwortete er / und sage ihm mit einem Worte
Herzens-Dank vor seinen Beistand; Ritte hierauff mit aufgeschlagenem Helme gegen
die Griechischen Ritter / und redete sie also an: Ich bin berichtet / dass ihr
Achte / mich einer Ungebühr gezihen habt /die ich mit der ädlen Fr. Euphrosynen
/ dort auff jenem verdecketen Wagen haltend / soll begangen haben. Ich
widerspreche solcher schändlich-erlogenen Verleumdung / und weil meinem Beistand
ich nicht vorgreiffen darff / erbiete ich mich / nach dessen Kampffs Endigung /
alles dasselbe mit meinem Sveer und Schwert / durch des reinen Himmels Beistand
zuleisten / welches zur Rettung meiner Redligkeit / welche ihr ohn alle Ursach
schändet / von mir erfodert wird. Gib dich zufrieden / du Ehebrecher / sagte
Aristodemus / es soll dir nur gar zu früh kommen / was du suchest. Du Schänder
leugest / antwortete er / welches ich durch des Himels Hülffe offenbahr machen
will. Es wollte Valikules die Zeit zulange wehren / deswegen winkete er dem
Phayllus mit dem Speer / welcher grosse Ehre einzulegen hoffete / aber da es zum
treffen kam flohe er über den Sattel hinter sich / als hätte ihn der Wind
herunter gewehet; doch ehe sein Feind den Lauff geendet hatte / stund er auff
den Füssen / weil er unbeschädigt blieben wahr. So bald Valikules bei ihm
anlangete / stieg er ab / trat ihm entgegen / und sagete: Du bist ein besserer
Schänder und Springer /als Stecher; lass aber auch sehen / was du vor ein Fechter
seist. Damit ging er mit solcher Krafft auff ihn los / dass er alsbald hinter
sich zu weichen gezwungen ward. Weil er dann nicht lange mit diesem unerfahrnen
zubringen wollte / betäubete er ihn mit wenig kräfftigen Schlägen / rennete ihn
mit seinem Schilde zu bodem / beraubete ihn des Schwerts /Schildes und Helmes /
und gab ihm mit dem Knopffe seines Schwerts einen Stoss wider die Stirn / dass ihm
geschwand; worauf er zween Schiffknechte zu sich foderte / welche ihn binden /
und an Fr. Euphrosynen Wagen führen mussten. Sie hielt auff einer nahen Höhe / da
sie allen Verlauff sehen kunte / verwunderte sich des schleunigen Sieges / und
sagete zu dem gefangenen: Sihestu nun Phayllus / vielmehr Phaulus (heisset ein
Nichtiger) zunennen / was gestalt der gerechte GOtt den falschen Lügenern das
Maul zu stopffen pfleget. Ich hoffe / sagte dieser / meine Gesellen werden mich
schon lossmachen / und meinen Unfall / der mir wegen meines Fiebers zugestossen /
gebührlich rächen. Du kanst noch nicht auffhören zu lügen /sagte sie; kehrete
damit ihr Gesicht nach der Streitbahn / und sah den Evagoras sich schon im
Sande krümmen; massen als die Griechen sahen / dass der Anfang an ihrer Seite so
schlecht und unglücklich wahr / ritten sie zusammen / und ermahneten sich unter
einander zur vorsichtigen Tapfferkeit / welche jeztgedachter Evagoras bedacht
wahr zuerweisen /aber Valikules traff ihn mit dem Speer in den Unterbauch / dz
ihm das Eisen gar hindurch ging / uñ im Leibe stecke blieb / welches diesem
einen geschwinden Tod verursachete / so dass nach dreimal wiederholetem Jamer-
und Wehgeschrei / ihn der Todesrampf zu ihen begunte. Valikulus meinte nit /dz
er so hart verwundet wäre / ritte zu ihm / stiess ihn mit dem überbliebne stücke
seines Speers an / uñ fragete / ob ihm nit gefalle könnte / sein Schwert
zuergreiffen / sah aber / dz er schon mit dem Tode rang /uñ liess ihn ligen.
Philippus / der dritte in der Ordnung / entsetzete sich über diesen Unfal / und
als er losbrechen wollte / sagte er zu seinen Gesellen: ich fürchte /der heutige
Tag habe keinen Griechischen / / sondern einen Römischen Gott zum Auffseher /
daher dürffte uns das Wasser über die Körbe gehen; sollte ich nun unten liegen /
würde ichs zu spät bereuen / dass ich mich von dem jetzt ertödteten Evagoras zu
diesem bösen Vornehmen habe verleiten lassen. Valikules traff ihn / dass er mit
samt dem Pferde übern hauffen fiel / und dass linke Bein rein abbrach / dass es
unter dem Knie bammelte / daher er ein jämmerliches Geheule trieb / da sein
Obsieger zu ihm nahete und ihn zum Streit auffmahnete / welcher als er ihn so
beschädiget sah / rieff er etliche Schiffer herzu / die ihn weg tragen mussten.
Fr. Euphrosyne empfing ihn mit diesen Worten; Euch Philipp habe ich vor
ehrlicher angesehen / als dass ihr in solche Schelmstücken euch soltet haben
eingemischet / zweiffele auch nicht / ihr seid von anderen darzu verleitet.
Dieser kunte wegen Schmerzen nicht antworten / und liess sie einen Arzt
herzuruffen / welcher ihn verbinden musste; der ihm aber diesen Trost gab; es
müste ihm das Bein abgeschnitten werden / oder ungezweiffelt würde er sterben.
Nach dieses Niderlage ritte Markus hin zu Valikules / wünschete ihm Glük zum
dreifachen Siege /und baht ihn sehr inständig / dass ihm gegönnet sein möchte mit
dem vierden ein treffen zutuhn; welches ihm endlich erläubet ward. Dem Griechen
Speusippus wahr hierzu sehr liebe / traffen auffeinander und hielten beiderseits
redlich aus / dass die Speere in stücken brachen / daher sie zu den Schwertern
griffen / und beherzet gnug auffeinander schlugen; aber Markus gute Sache und
Erfahrenheit behielt die Oberhand /dass er ohn Wunden blieb / und sein Feind
dergestalt an unterschiedlichen Orten getroffen ward / dass ihm alle Krafft
entging / daher er ihm im Falle nachsprang / und durch abschneidung der Gurgel
ihm das lezte Ende beibrachte. Die Reihe traff nunmehr den hochtrabenden
Teellus / welcher sich bei den ersten beiden Treffen befürchtete / ihm würde
die Gelegenheit /seine Mannheit zubeweisen / von den vorgehenden entrissen
werden / und nunmehr hätte er wohl gewünschet mitten in Trazien / in der Stad
Nikopolis zu sitzen / von dannen sein Vater entsprossen wahr / insonderheit /
als er sah / dass Valikules mit ihm anlegen wollte; endlich verkehrete sich die
Furcht in ein Rasen / und weil er dem Speer gar nicht trauete /warff er solches
von sich / fassete das Schwert / und setzete eiferigst auff seinen Aussfoderer an
/ welcher sich ihm gleich bezeigete / und gar bald bei ihm anklopfete / dass er
die wichtigkeit seiner Arme empfinden musste; er taht aber sein äusserstes / sich
zuwehren / wiewol es ihm wenig halff / weil Valikules seinem Blute durch
unterschiedliche Wunden Lufft machete /dass ihm die Wuht geleget ward. Ihr Buben
/ sagte unser Held zu ihm / wollet ihr Gott und der Warheit noch nicht die Ehre
geben / und eure Bosheit bereuhen / müsst ihr gewisslich am verstande gar
verblendet sein. Dieser hatte noch gute Hoffnung auff Aristodemus gesetzet / und
gab zur Antwort: ich bin mir keiner Bosheit bewust / ist auch nichts neues / dass
das blinde Glük neben der guten Sache hinsihet. Wie gut deine sei / sagte
Valikules / soll vor verlauff einer guten Stunde der Welt schon vor Augen stehen;
schlug ihn damit über den Helm / dass ihm das Gehirn im Kopff erzitterte / und er
vom Pferde stürzete /daher ihn drei Schiffknechte annahmen / und nach Fr.
Euphrosynen hinleiteten / welche zu ihm sagete. Und du frecher Ehrenschänder
mustest dich auch in diese Noht stürzen / dessen du sehr wohl hättest können
geübriget sein. Das Glük ist rund / und aller Tage Abend noch nicht kommen /
antwortete dieser; wiewol ich mich nicht zuerinnern weiss / dass ich wieder eure
Ehre ichtwas geredet habe. Dieser Phaulus /sagte sie / ist eurer aller Mund
gewesen / dessen kanstu dich erinnern. Markus hätte gerne noch einen gang mit
dem folgenden Archidas gewaget aber Valikules baht ihn / sich zu mässigen /
traff auch den jezt genanten dass er vom Pferde als ein Kläuel purzelte / behielt
doch den Zaum an der Hand / und setzete sich wieder auff / dass er mit dem
Schwerte schon fertig wahr / als Valikules zu ihm nahete / welcher zu ihm
sagete: Bistu schuldig an der Ubeltaht / welche die redliche Fr. Euphrosyne dir
unter die Nase gerieben hat / so gedenke nur dass deines ermordeten Weibes Blut
gleich jetzo Rache von dir haben wolle. Dieser ward durch solche Erinnerung so
bestürzet / dass ihm Muht und Krafft entging / und sich kaum auffrecht in den
Stegreiffen halten kunte; taht auch keinen Hieb /sondern sass als ein
erstarreter; welches Valikules sehend / ihn vom Pferde warf / und zu ihm sagete:
Bistu zum andernmahle auffgestiegen / dz du schimpflicher als vorhin abfallen
woltest? Zween Schifknechte packete ihn an / und brachten ihn zu den andern / da
Fr. Euphrosyne zu ihm sagete: Komstu schändlicher Mörder deines eigenen
redlichen Weibes? nun sihestu wie Gott endlich der Bosheit vergilt / ob sie
gleich eine zeitlang frei durchläufft. Ja antwortete er / meines Weibes Geist
schwebet mir vor Augen / und hat mich allerdinge wehrloss gemacht / drumb wünsche
ich nur bald bei ihr zu sein / damit ich mich an ihr rächen möge. Du wirst
solcher Rache nach dem Tode wohl vergessen / antwortete sie / da Gott selbst sich
an dir rächen wird. Jezt musste Eubulus vor seinen Meister / welcher zu
Aristodemus sagete: Ich bin leider nach Euphrosynen Wunsch und Weisagung an
unsern sechs Gesellen zum Kakobulus (bösen Rahtgeber) worden / und trägt mir der
Sinn vor mich selbst nichts bessers zu / zweiffele auch sehr / ob dirs zum Siege
gelinge werde; drumb sage bald / wollen wir Gnade /oder den Tod suchen.
Verflucht sei / wer an Gnade gedenket / gab jener zur Antwort; ich will und kann
mein Maul nicht zur Taschen machen / und hoffe /mein Blut soll mit des Feindes
seinen vermischet werden / ungeachtet derselbe einem Teuffel ähnlicher als einem
schwachen Menschen scheinet: Und O hätte Unglück uns nicht zu denselben geführet
/ wollten wir des andern sein Meister bald worden sein. Nun so will ich auch
stehen oder fallen / antwortete Eubulus /legte das Speer ein und hilt sich so
fest im Sattel / dass / wie hart ihn gleich sein Gegener traff / er doch sitzen
blieb. Weil dann die Speere in stücken gingen / mussten die Schwerter deren
Mangel ersetzen / welches aber dem verzweiffelungs-nahendem Eubulus zu schwer
fiel / so dass nach empfangenen dreien Wunden / deren lezte ihn das Schwert zu
führen undüchtig machete / er vom Pferde geworffen / und zu der anderen
Gesellschaft gebracht ward. Ey Gott lob / so empfing ihn Fr. Euphrosyne / dass
böser Raht den Rahtgeber selbst mit getroffen hat. Er antwortete aber kein Wort
/ sondern liess sich verbinden / und erwartete des aussganges. Valikules ritte hin
zu Aristodemus / und sagete zu ihm: Was deucht dich bei dem Narrenspiel /
welches ich dir an deinen sechs Gesellen habe sehen lassen? meinestu noch / du
werdest alles Streits befreit sein? Ja lass mich wissen ob du dich unter meine
Gnade demühtigen könnest / so will ich dich sehen lassen dass ich ja so barmherzig
bin / als stolz du dich erzeiget hast. Ich habe alle dieselben verflucht /
antwortete dieser / welche deiner Gnade begehren würden / und sollte nun der
erste sein? ehe müsten du und ich in stücken zerhacket werden. Nun dañ sagte er
/ so müssen meine Schellen sich auch hören lassen / weil du dich selbst aller
Gnade unwirdig machest. Also setzeten sie mit hinweg werffung ihrer Speere so
grimmig auff einander / dass sie kaum Zeit hatten ihre Schwerter zuentblössen /
da es dann ein sehr herbes Treffen gab / dann es wahr dieser einer von den
vornehmste Rittern in ganz Griechenland / er wehrete sich auch seiner Haut so
emsig / dass Valikules sagte; Es ist Jammer dass du deine Kraff nicht in ehrlicher
redligkeit anwenden solt / und kanstu noch demühtig werden / soll dir Gnade
wiederfahren. Deine Gnade würde mir unleidlicher sein / als ein tausendfacher
Tod / antwortete er / und muss Aristodemus siegen oder sterben. Vielleicht deren
keines / sagte Valikules / setzete auch viel eiferiger auff ihn an als vorhin
/und glückete ihm / dass er ihn mit dreien Hieben an beiden Armen lähmete / warf
ihn vom Pferde / uñ liess ihn den übrigen zuführen / welche ihn ersehend / vor
Angst vergehen wollten. Fr. Euphrosyne redete ihn an und sagete; Du schändlicher
Feind meiner Keuscheit /nun werde ich Gelegenheit finden dir zuvergelten /was du
an mir getahn hast. Ist dirs nicht gnug du bübische Hure / antwortete er / dass
ich gerne sterben wollte / und wieder meinen Willen Leben muss? Sie eiferte sich
über solche Schmähung / dass ihr die Trähnen aus den Augen hervor drungen.
Valikules aber kam zu ihr gesprenget / und mit auffgeschlagenem Helme sagte er
zu ihr: Aedle Tugendreiche Frau / da habt ihr eure bübische Verleumder / so viel
ihrer noch im Leben / welche Krafft ihrer eigenen Urtel und wahl in den Stand
der Leibeigenschaft gerahten sind; weil dann der gerechte Gott eure gute Sache
an den Tag gebracht / und eure Lästerer zu schanden gemacht hat / sind sie euch
hiemit vor eure Leibeigene übergeben /mit ihnen nach belieben zu schalten. Ich
bedanke mich von ganzem Herzen / mein Herr / antwortete sie / und bitte Gott /
dass er euren Waffen wieder alle eure Feinde kräfftigen wolle / damit durch deren
Vorschub manniche meines gleichen geschützet / und die bösen gestraffet werden.
Sie wollte weiter reden / aber er nam Abscheid von ihr / und ritte in Begleitung
etlicher gewapneten Bürger nach der Stad / denen er vor ihre Gegenwart höchlich
dankete / und ihnen etliche Hände vol Kronen reichete / welche sie seinetwegen
in einer frölichen Wirtschaft fein friedlich verzehren sollten; wovor sie Dank
sageten. Markus durffte ihm nicht folgen aber Gallus in seiner ehemahligen
Kauffmansgestalt wahr bald bei ihm. Fr. Euphrosyne liess ihren liebsten zu sich
bitten / welcher ihr zu ihrer Ehrenrettung Glük wünschete; sie hingegen ihm
klagete / dass diese ihre Leibeigenen noch nicht auffhöreten /sie vor eine
Ehebrecherin ausszuschelten; worauff er /als lachend zur Antwort gab; ädle Frau /
sie gebe sich zu frieden / ich werde ihr schon helffen ein Mittel erdenken / dass
ihnen die Schandzunge gehemmet und ihre Bosheit offenbahret werde. Die
Schiffknechte wollten sie mit nach der Stad haben / aber sie wegerten sich dessen
/ und riefen / hier wollten sie als freie Ritter ehrlich sterben. Aber Markus
gab zur Antwort; O nein / die Freiheit ist dahin / uñ weil ihr nicht willig
gehen wollet / sollen euch schon andere Füsse gemacht werden. Also band man sie
quehr über auf Pferde / und schleppete sie mit fort. So bald sie in der Stad
anlangeten / mussten die Schiffknechte ihre Gefangenen mit sich nach dem Schiffe
nehmen / woselbst sie auff der Folter gekrecket / einhellig bekenneten / dass
Aristodemus sie beredet hätte in seine Gesellschaft zutreten / ümb sich beides
an Markus und Euphrosynen zurächen / dass sie mit demselben davon gezogen währe;
sie wüsten von ihrer Unzucht nicht das geringste / als was schon gedachter ihr
Anführer und Verleiter ihnen vorgetragen hätte. Hingegen wollte Aristodemus
nichts gestehen / liess sich auch zerren /biss die Seele aus ihm ging; worauff die
anderen ingesamt auch niedergemacht wurden / weil sie ihnen solches vor die
Leibeigenschaft wähleten. Und ob gleich etliche ihrer Anverwanten gute Lust
hatten / den Schimpff zurächen / wahr doch die Furcht der Straffe zu gross / dass
sie zurück hielten. Markus hätte seinen Beistand gerne gekennet / aber seine
Liebste hielt ihn ab / unter dem Trost / dass er sich erbohten hatte / zu
gelegener Zeit sich selbst zumelden. Nun gingen Markus Gedanken alle dahin / es
währe Herr Herkules /weil alle seine Geberden und Waffen-Gebräuche demselben
gleich wahren / aber das Angesicht wollte nicht eintreffen / welches ihn im
Zweifel erhielt. Zween Tage nach diesem Kampfe ritte Valikules abermahl nach dem
Meer / fand aber nicht allein keine andere Gelegenheit / sondern dass der vorige
Schifmann seine Abfart noch auff etliche Tage weiter aussetzete / deswegen er zu
Gallus sagete: Ich eile fast / meine Reise vorzunehmen / und fallen doch immer
mehr Verhinderungen vor; halte gänzlich / Gott selbst werffe sie mir in den Weg;
dañ gestern frühmorgens / da ich in meiner Andacht lag / und wieder
eingeschlummert wahr /dauchte mich eigen / es rieffe mir einer zu; eile nicht
/eile nicht! Nun ich will meinen Gott lassen walten /der wird alles nach seinem
gnädigen Wolgefallen schicken. Kehrete wieder ümb / und eilete nach seiner
Herberge / da er seinen Klodius in elender Gestalt gegen ihn daher reiten sah /
dessen Pferd kaum mehr fortschreiten kunte; worüber er nicht wenig erschrak /und
zu Gallus sagete: Sehet / da komt mein Klodius her / welcher mir gewisslich wenig
gutes in dieser traurigen Gestalt bringen wird. Ritte hin zu ihm / und ward
alsbald von ihm gefraget / ob er ihm nicht anzeigen könnte / in was Herberge der
Römische Gesante Herr Fabius anzutreffen währe. Valikules hiess ihn in seine
Herberge folgen / führete ihn mit sich auff seine Kammer / und sagte zu ihm:
Mein guter Klodius / ärgere dich nit an meiner fremden Gestalt uñ angestrichene
Farbe / du wirst an der Rede vernehmen / dass ich Herkules bin / und sage mir /
wie kömstu so verwundet und scheusslich auffgezoge? Dieser erfreuete sich
höchlich / meldete aber alsbald mit einem seuffzen an / wz gestalt H. Ladisla /
nachdem er zween Ritter im öffentliche Kampf erleget / durch schändliche
Verräterei mehr als von 80 Rittern überfalle /alle seine Diener erschlagen /
und er selbst nach ritterlichem Gefechte gefangen worden. Er erschrak hier ob /
dass ihm die Rede stehen blieb / und fragete alsbald /ob er dañ noch lebete. Ich
hoffe solches / antwortete er / dann ich sah / dass sie ihm mit Schlägen ferner
nicht zusetzeten / da sie ihn gebunden hatten. Nun wohl an / sagte er / so wird
mir Gott beistehen / dass ich ihn errette. Dass du aber Herrn Fabius Hülffe alhie
suchest / ist ümsonst / dann er hält sich zu Elis verborgen / nur dass er mich
ausforschen möge / weil er muhtmasset / ich sei annoch daselbst. Aber was dünket
dich / sollte man ihm ohn Kriegsvolk nicht helffen können? gar schwerlich /
antwortete er; dann es hält da ümher ein zimlicher Anteil des Adels wieder ihn
zusammen / welche des von euch ertödteten Parmenions Freundschaft sind / und
zweifele nicht / man habe ihn irgend auff ein Schloss eines alten ädelmans
/dessen Sohn er mit dem Speer erleget / gefangen hingeführet / welches allem
Vermuhten nach / nicht weit von der Stad Patræ sein kann / in deren Feldmark das
Unglück sich zugetragen. Valikules überlegete die Sache fleissig / sagte hernach
zu Gallus / er sollte schaffen / dass Klodius gelabet und verbunden würde; machete
sich hin zu Markus / uñ liess ihm sagen / es währe iezt Zeit / dass sein
Mitkämpfer sich ihm zuerkennen geben wollte. Dieser sass gleich bei seiner
Liebsten / und erzählete ihr von Herkules und Ladisla tahten / ging mit Freuden
hinunter / und hiess ihn als seinen allerliebsten Herrn und besten Freund
wilkommen sein / weil er ihn nunmehr durch seine höchstbegehrete Kundschaft
beseligen wollte. Er führete ihn alsbald mit sich die Steige hinauff nach seiner
Liebsten Gemach / welche von ihrem Sitze auffstund / und ihn wegen seiner annoch
verenderten Gestalt als einen unbekanten wilkommen hiess; Da er nach kurtzem
Gespräch zu Markus sagete: Mein Freund / ehe ich mich gegen ihn weiter melde /
habe ich zuvor mit der ädlen Frauen Euphrosynen ein Wort in vertrauen allein
zureden / welches ihr mir nicht werdet vor übel halten. Ganz nicht / antwortete
er / nahm einen willigen Abtrit / und erwartete / biss ihm wieder geruffen würde.
Herkules aber sagte zu ihr / meine Freundin / ob zwar ich des willens nicht
gewesen bin / mich ihrem Liebsten zuoffenbahren / kömt mir doch gleich jetzo
eine wichtige Ursach zuhanden / dass ich meinen Vorsatz endern muss / will auch
hoffen / er werde meine Anwesenheit verschweigen können. Sie bedankete sich vor
diese Gnade / verhoffete / er würde seines Dieners Träue schon geprüfet haben.
Worauff er alsbald die Farbe beides von Angesicht / Haar und Händen hinweg taht
/ und Markus zu sich hinein ruffen liess /welcher ihn sehend / sich sehr
bestürzet befand / und wollte sich vor ihm in die Knie legen; da er also zugleich
redete: Durchläuchtigster Fürst / Gnädigster Herr; hat Eure Durchl. vor ihren
unwirdigsten Diener wider siebe Schelmen sich wagen wollen / nur dass derselbe
unbemühet bliebe? Herkules wehrete ihm das niderknien / und dass er dergleichen
unnötiges Gepränge einstellen sollte / weil ihm sein gutes Herz ohndas wohl bekant
währe; Wolte ihn vorerst erinnern /dass bei Verlust seiner Hulde er ihn bei
Fabius nicht meldete; hernach sich schleunigst fertig hielte / seinen Herrn
Ladisla retten zu helffen / welcher auff Leib und Leben gefangen läge / wie er
gleich jezt von dem hartverwundete Klodius Bericht eingenommen hätte. Markus
erschrak dieser Zeitung / dass er bebete /erboht sich / Gut und Leben willig zu
seines Herrn Rettung anzuwenden / wollte auch / da es Ihre Gn. gut befünde /
stündlich die Trummel rühren lassen / und etliche hundert Mann werbe / worzu er
/ Gott Lob /Mittel gnug hätte. Fr. Euphrosyne wahr bald fertig /eine Lade mit
Golde herein tragen zu lassen / womit die Knechte sollten bestellet werden. Aber
Valikules hiess sie ruhig sein / es bedürffte dieser Weitläufftigkeit nicht /
würde auch mehr Hindernis als Befoderung geben / wann die boshaften Widersacher
vernehmen sollten / dass man so grosse Bereitschaft machete; Die Sache müste
eilig und in aller stille angegriffen werde. Er wüste / dass sein Schiff noch
etliche tapffere Kriegs- und Schiffknechte hätte / deren wollten sie XXVI
beritten machen / und die Rettung vornehmen. Markus stellete es alles zu seinem
Befehl /liess seine Reit- und Wagenpferde / deren er XXXVI hatte / zur Reise wohl
futtern / und ritte Spornstreichs nach dem Schiffe zu / da inzwischen Fr.
Euphrosyne allen Bericht von Herkules einnahm / und mit ihm nach seiner Herberge
ging / besseren Verstand von Klodius zufassen / dem seine Wunden schon verbunden
wahren / und er von Gallus vernam / was vor eine trefliche Heirat seinem Freund
Markus zugestossen währe; gleich da diese Braut mit Herkules zu ihm hinein trat
/ und ihn in grosser Schwacheit auf der Bank liegen funden / worüber sie sich
gar leidig stellete /und ihn in seinem Unglück tröstete / begehrete auch der
Ritter Nahmen zuwissen / welche Herr Ladisla erlegt hätte; und als sie hörete /
dass es Perdickas und Ariston wahren / vergoss sie ihre Trähnen / und klagete /
dass ihre so nahe verschwägerte so grosses Unheil anrichten müsten; massen
Perdickas ihres gewesenen Charidemus Vater-Bruder-Sohn; Ariston aber ihrer
Mutter Schwester Tochter ungehorsamer Stief Sohn währe / dessen Vater Kleander
sie vorm halben Jahre ohngefehr / wider ihren Willen geheiratet / da sie kaum
von XVII; Er aber über LXXIIX Jahr alt gewesen. Eben dieser Kleander / sagete
Klodius / hat meinen Gn. Herrn gefange; doch an was Ort er eigentlich wohne /
kann ich nicht wissen. Der Ort / sagete sie / ist mir gnug bekant / und bin kaum
vor IV Wochen daselbst gewesen / und meine Wase besuchet; Sein Schloss ist
zimlich fest und wohl verwahret / eine geringe Meile von Patræ gelegen / in einem
sehr lustigen Walde. So weiss ich Gott Lob / sagte Herkules / wo ich meinen
Freund suchen soll. Klodius wusste nicht /was vor ein freundliches schönes
Weibsbilde sich gegen ihn so gunstwillig erzeigete / biss sie zu ihm sagete: Mein
Herr / ich hoffe / er werde mir und seinem brüderlichen Freunde Markus die
Freundschaft erzeigen / und auf einer Sänfte sich nach meiner Behausung tragen
lassen / weil ich nicht zugeben kann / dass sein anders wo / als bei mir gewartet
werde. Verzeihet mir / hochädle Frau / antwortete er / dass ich bisher nicht
gewust / mit wem ich geredet habe; wünsche ihr zu der künftigen Heirat alle
Wolfahrt / und verpflichte mich zu allen ehrliebenden Diensten; wollte aber
lieber in dieser Herberge mich auffhalten / als ihr einige Ungelegenheit machen.
Sie sah / dass ihm Ruhe nöhtig wahr / ermahnete ihn deswegen eine Stunde zu
schlaffen / inzwische würde Markus vom Schiffe wieder kommen / und das übrige
schon ordnen. Baht hierauff Herkules sehr freundlich / ihr die Gnade zuerweisen
/ und auff hinte das Abendmahl mit ihr zuhalten / alsdann könnte er mit seinem
Diener Markus alles bequehm abreden / und morgen früh sich mit dem Tage
auffmachen. Ich bin meiner geliebten Freundin viel ein mehres schuldig / sagte
er / bitte aber / ja keine unnöhtige üppigkeit wegen der Speisen anzuwenden /
weil ich mich ohndas gerne zeitig zur Ruhe begeben / und Morgen geliebts Gott /
desto früher wache sein wollte; befahl Gallus inzwischen acht auff Klodius
zuhaben / und geleitete Fr. Euphrosynen wieder nach ihrer Behausung / welche
nach aller Mögligkeit zurichten liess / und ihn mit allerhand Gespräch unterhielt
/ ihm die Traurigkeit zubenehmen /die wegen Ladisla Unfall und Gefahr er in
seinem Gemühte empfand. Markus kam mit seinen geharnischte Soldaten / welche
alle ädel wahren / und wolgepanzerten Schiffknechten zeitig wieder / hohlete
seinen lieben Spiessgesellen Klodius nach seiner Wohnung /und erboht sich / ihm
mit alle seinem Vermögen zudienen; welcher zu ihm sagete: Geliebeter Bruder /
ihr könnet den Göttern nimmermehr gnug danken vor das unbegreifliche Glük /
welches sie euch als im Schlaffe bescheret haben / worzu ich euch von ganzem
Herzen Glük und alle Wolfahrt will gewünschet haben. Dieser bekennete solches
gerne / sah Gallus in seiner angestrichenen Farbe / und fragete ihn / ob er
dann auch bei Herrn Herkules sich auffhielte; dessen er lachete /und zur Antwort
gab: Mein Herr / ich bedanke mich nochmahl vor erteilete Guttaht / und freue
mich sehr /dz des unwerten Charidemus tugendsames Gemahl uñ sämtliche Güter in
eure Besitzung kommen sind; Er wolle sich aber wegen meiner Verstellung nicht
verwundern / dann sonst ist mein Nahme Gallus. Nun mein geliebter Freund /
sagete er / so sind wir Spiessgesellen / und dienen einem Herrn; daher werde ich
hinführo schuldig sein / euch einen bessern Dank sehen zulassen. Hiemit
geleiteten sie Klodius biss an die Sänfte / und gingen nach Markus Behausung. Bei
der Mahlzeit wollte dieser neben Gallus zu Tische dienen / aber Herkules hiess sie
beide sich setzen / und redete insonderheit Markus zu / er sollte dergleichen
Unnöhtigkeiten einstellen / und sich bezeigen als der die Wirtsstelle vertreten
müste; Seid ihr etwa wenig Monat in meinem Dienste gewesen / sagte er / solches
kann eurem Adel durchaus keinen Schaden noch Abbruch tuhn / und seid Standes und
Tugend halber wohl wert bei mir niderzusitzen. Sonsten wahr er gar ungeduldig /
dass man so grossen überfluss in Speisen und allerhand kostbahren verzuckerten
Sachen aufftragen liess / und sagete: wann sie nach diesem solches mehr tähten /
wollte er nicht mehr Mahlzeit mit ihnen halten / weil durch solche gar zu grosse
Menge der Trachten nur GOtt im Himmel erzürnet würde. Fr. Euphrosyne aber wusste
ihm mit so höflicher Entschuldigung zubegegnen / dass er umb Verzeihung baht
seines kühnen einredens. Als die Mahlzeit geendiget / und Gallus hin zu Klodius
gangen / auch das Gesinde abgeschaffet wahr / redete Fr. Euprosyne ihren Markus
an / und sagete zu ihm: Mein geliebter Herr / ihr wisset / wie weit ich mich mit
euch eingelassen / und auff euer Begehren und unnachlässiges Anhalten /
insonderheit auff Herrn FabiusNöhtigung euch nach abgelegter Traur die eheliche
Beiwohnung versprochen / auch alsbald zum volkommenen Besitzer aller meiner
Güter gemacht habe. Nun ist noch etwas geheimes an mir / welches ich euch noch
zur Zeit nicht offenbahren wollen / nunmehr aber länger nicht verhehlen kann; als
nehmlich: Ich bin eine Christin; Und wie hart und störrisch gleich Charidemus
sich gegen mich erzeigete / göñete er mir doch meines Glaubens Freiheit / welche
ich biss in mein Grab zuerhalten / steiff und unbewäglich gesonnen bin; dafern
ich nun wissen sollte /dass euch solche Lehre zuwider / und ihr vielleicht der
Ursach wegen euer Herz von mir abkehren / und einigen Unwillen und Gramseligkeit
mir zuwenden woltet / will ich anjetzo mit bestendigem Vorsaz (meinem Gn. Herrn
zum Zeuge ruffend) euch alle meine Güter eigentühmlich einräumen / und mit 10
oder 12000 Krone davon gehen / zu meiner nohtdürfftigen Unterhaltung / weil ich
meinen Gott umb Menschen willen nicht verleugnen kann noch will; bitte demnach /
ihr wollet in beisein unsers allerseits Gn. Herrn mir hierauff bestendige
Erklärung geben / und bei euren Ritterlichen Ehren befestigen; habe ein solches
in Gegenwart Herrn Herkules vortragen wollen / weil aus dessen Reden ich gnugsam
gespüret / dass er Christliches Glaubens ist. Ja / sagete Herkules hierauf: Meine
Freundin irret in diesem gar nicht; Ich bin freilich ein Christ; welchen Glauben
ich doch von meinen Eltern nicht geerbet / sondern durch Gottes Gnade zu Rom
gelernet habe / und bestehet in dieser Erkenntnis des wahren GOttes mein höchstes
Gut und einige Wollust; möchte auch von Herzen wünschen / dass nicht allein mein
guter Freund Markus / sondern alle meine Bekanten / ja alle Menschen desselben
Glaubens sein möchten; weil ich so gewiss bin / als wahr Gott lebet /dass ausser
diesem Glauben kein ander ist / dadurch wir Menschen können selig werden; Doch
sollte ihm nicht gefallen köñen / sich hierin zubequemen / wie dann kein Mensch
wider seinen Willen darzu soll genöhtiget werden / halte ich ihn der
Bescheidenheit und Verstandes / dass umb eures Christlichen Glaubens willen er
euch nicht anfeinden / oder auff einigerlei weise zusetzen wird. Jedoch / sollte
er eine Christin zum Ehegatten inkünftig nicht dulden wollen / wird er auff
euer instendiges Begehren selbst anzeigen /auff welchen fall ich meiner Freundin
verspreche /und bei meinen Ritterlichen Ehren beteuere / dass ich sie mit
grösserem Reichtuhm versehe will / als sie umb Christus Nahmen verlassen würde.
Markus hatte alle Reden wohl verstanden / erhub sich / nachdem Herkules
auffgehöret hatte zureden / von seiner Stelle / und schwuhr bei dem wahren Gott
Himmels und Erden / dass er nicht allein seiner herzgeliebten diesen Glauben frei
gönnen / sondern auch denselben hinfüro selbst annehmen und bekennen wollte; wie
ich dann / sagte er / meiner VorEltern und Verwanten viel weiss / welche teils
umb dieses Glaubens willen sich haben tödten lassen / teils denselben noch diese
Stunde bekeñen. Auff solche Rede umfing ihn seine Liebeste zum ersten mahl mit
einem Kusse / und sagete: Ey Gott Lob / nun werde ich erst anfangen / euch recht
und von Herzen zu lieben / nach dem ich sehe / dass ich mit keinem Gottes Feinde
zuschaffen habe. Valikules wünschete ihm hierzu des Heiligen Geistes Beistand
und wahre Beständigkeit / besuchete Klodius auff seine Lager / redete mit dem
angenommenen Wegweiser / und gab sich hernach zur Ruhe / da ihm sein geliebter
Ladisla im Schlaffe erschien / ganz traurig und mit gebundenen Händen auf dem
Rücken /und dauchte ihn / dass er zu ihm sagete: Mein Bruder Herkules / lässestu
deinen Ladisla dann im Heidentuhm dahin sterben / dass er der künftigen
Seligkeit nicht kann fähig sein? Er erwachete drüber; rieff seinen Gott ganz
inbrünstig um Ladisla Errettung an / und machte sich noch vor Tage fertig zur
Reise / hiess seine Leute auff drei Tage Speise zu sich nehmen / und jagete
frisch fort / weil sie alle geruhete Pferde hatten.
    Inzwischen ward Klodius von Fr. Euphrosynen fleissig gewartet / dass er in
kurzer frist zu Kräfften kam / wiewol er wegen einer Armwunde sich mässig und im
Bette halten musste. Weil sie dann sah / dass er zu reden stark gnug wahr / baht
sie ihn / ausführlich zuerzählen / durch was Gelegenheit Herr Ladisla in dieses
Unglück gerahten währe; Welches er auff solches begehren willig leistete / und
also anhub: Hochädle Frau; nachdem wir mit unserm Schiffe /über welches mein Gn.
Herr mich zum Hauptmann gesetzet / von Herrn Fabius auff dem Meer geschiede /
gerieten wir nicht in geringe gefahr zwischen den Steinklippen / biss wir endlich
mit grosser Mühe und Arbeit in einen Hafen des Landes Epirus einlieffen
/woselbst wir unser zubrochenes Schiff ausbessern liessen / und weiter Sudwerz
gingen / biss wir einen Hafen / nicht weit von Patræ erreicheten. Hieselbst
stiegen wir selb zehne und einen ädelknaben zu Lande / und ritten mit einander
nach der Stad zu. Es hatte sich mein Herr köstlich / seinem Stande nach /
ausgeputzet / dass sein Harnisch und Pferdeschmuk von ädelsteinen und Golde
glänzete / und ich allernähest mit dem ädelknaben hinter ihm her ritte / die
acht Reuter aber in vier Gliedern etwas von ferne folgeten. Auff seinem Helme
führete er einen Adler von lauterm Golde / dessen beide DemantenAugen helle
fünkelten / wann die Sonne darauff schien / uñ in der rechten Klaue einen
schönen Kranz hielt. In seinem Schilde stunden zwo Fackeln / deren eine fein
helle brennete /und sich nach der andern ausgelöscheten lenkete / dieselbe
wieder anzuzünden / mit dieser Umbschrifft: Nisi concipies flammam, & ego
extinguar. Das ist: Wirstu nicht wieder breñen / so werde ich auch erlöschen. Da
wir in die Stad kahmen / mussten ich und der Leibknabe uns mit ihm in eine
Herberge legen / die übrige aber sich in unterschiedliche andere verteilen /
damit wir unserm Vorhaben / Herrn Herkules auszuforschen /desto besser
nachsetzen könten. Wir hatten uns kaum zur Mahlzeit gesetzet / da etliche
gegenwärtige Griechische vom Adel sich über einen Römischen Gesanten sehr
beschwereten / welcher einen freien Herrn nicht ohn äusserste Beschimpffung des
ganzen Griechischen hohen Adels / als einen Ubeltähter / von dessen eigenen
Knechten hätte niderhauen lassen / dessen Güter eingezogen / und sein
nachgelassenes Weib mit sich hinweg geführet / welches ungerochen nicht bleiben
könnte / zumahl der Getödtete durch den ganze Adelstand befreundet währe. Hievon
hatte nun mein Herr durchaus nichts vernommen / fragete deswegen fleissig nach /
uñ muhtmassete aus allen Umständen /dass Herr Fabius müste gemeinet sein; kunte
doch die Ursach solcher strängen Rache nicht erfahren / biss ich des Abends späte
alles von unserm Wirte einnam /welches ich folgenden Morgens meinem Herrn
hinterbrachte / der mir befahl / bessere Kundschaft einzuzihen. Obgedachte vom
Adel hatten meinen Herrn in verdacht / er selbst währe der Römische Gesanter; uñ
nachdem sie von dem Leibdiener erforschet / dz wir neulich aus Italie mit einem
Schiffe ankomen / zweifelten sie nit / sie hätten den rechten Fuchs gefange. Des
morgens etwa umb IX Uhr kam unser Wirt zu mir in den Pferdestall / mit bericht /
es wäre ein vornehmer Griechischer Herr / nahmens Perdickas / wieder seine
Gewohnheit bei ihm eingekehret / welcher alsbald nachgefraget / ob der stolze
fremde Ritter noch verhanden währe; und nach bejahung hätte er zu den Anwesenden
gesagt; wolan! so will ich noch heut mein Schart ausswetzen / und den Schimpff
gebührlich rächen / nachdem er nicht kann wiederbracht werden. Ich bedankte mich
sehr gegen ihn / wegen der geträuen Warnung mit versprechen / da er ferner
nachforschen / und hinterbringen würde / was ihr Vorhaben wahre / sollte es ihm
mit einem ansehnlichen Geschenke vergolten werden; ging alsbald hin zu meinem
Herren / und gab ihm von allem Bericht / auch dass dieser Perdickas des
gestriggedachten ertödteten Anverwanter / und ein sehr Wehrhafter / aber auch
Grosssprechiger Ritter währe; wobei ich meinen geringen Raht fügete / man möchte
noch eine gute anzahl Kriegsknechte aus dem Schiffe fodern / deren man sich auff
allen Nohtfal zugebrauchen hätte. Wir zweiffelten nicht / dieser Perdickas würde
von den andern ädelleuten gefodert sein; welches doch mein Herr wenig achtete /
auch meinen Raht vor unnöhtig hielt /ohn dass er seine gegenwärtige Reuter / ihm
auffzuwarten / aus den Herbergen fodern liess. Er kleidete sich prächtig / und da
er zum Essen ging / hatte er sein Schwert an der Seite / hiess mich folgen / und
die übrigen / ohn den Leibknaben / draussen warten biss ihnen etwa geruffen
würde. Perdickas wahr schon auff dem Essesaal / welchen mein Herr mit einem
ansehnlichen Ernste grüssete. Kehrete sich hernach zu dem Wirte / uñ begehrete /
ihm einen schleunigen Bohten auszurichten / der nach Eliss Schreiben bringen
sollte; welches ihm der Wirt zubestellen versprach. Es stunden zwölff
wolgeputzete starke Diener / die dem Perdickas auffwarteten / und kahmen noch
sieben ädelleute zu Tische / welche ihm grosse Ehr erbohten / und wie der
Ausgang bezeugete / von ihm auff das künftige Spiel erfodert wahren. Bei
wehrender Mahlzeit ging allerhand Gespräch vor / biss Perdickas sich mit meinem
Herren einliess / und ihn nach gebehtener Verzeihung fragete / wie neulich er von
Eliss kommen währe; worauff mein Herr gar bescheidentlich antwortete / er kähme
nicht von Eliss / währe auch niemahls da gewesen; welches diesen gross Wunder nam;
mochte vielleicht ihm einbilden / er scheuhete sich / solches zubekennen / und
redete mich an / sprechend / da er nicht irrete / meinte er / mich gar neulich
zu Eliss gesehen haben. Ich antwortete ihm mit wenigen; es würde inwendig zwei
Jahren nicht geschehen sein; sonst währe ich vor diesem da gewesen. Weil er nun
sich zu keinem Irtuhm gestehen wollte / blieb er bei seinen funff Augen; er hätte
neulich einen / mir gar ähnlichen / bei dem gesehen / welcher sich vor einen
Römischen Gesanten angeben / und seinen Vetter den löblichen Herren Charidemus
unredlicher Weise hätte ermorden lassen / welches / sintemahl es dem ganzen
Griechischen Adel zum unabwischlichen Schimpf und Hohn gereichete / ungerochen
nicht bleiben könnte. Ich dagegen blieb bei meiner ersten Antwort; ich hätte in
so kurzer Frist weder die Stad Eliss / noch einen solchen Römischen Gesanten
gesehen / der einiger Unredligkeit oder mörderischen vornehmens könnte
beschuldiget werden. Mein Herr mengete sich alsbald mit ein / und sagte zu ihm:
Herr / ihr möget euch wohl versichern / dass wann dieser mein Ritter und
Schiffhäuptmann neulich zu Eliss gewesen / er solches weder gegen euch / noch
jemand anders leugnen sollte oder würde. Was ihr sonsten von unredlicher Taht
eines Römischen Gesanten einführet / deucht mich nicht wohl getahn sein / dass man
abwesende Herren so hoch und ehrenrürig beschuldiget; jedoch sollte ich wissen /
dass einiger Römischer Ritter / ob er gleich eines Gesanten Amt führete /
mörderisch handelte /würde ich zum wenigsten ihn deswegen zu Rede setzen / da es
die Gelegenheit gäbe: Es kömt aber zu zeiten / dass ein Gesanter aus Befehl
seiner Obrigkeit etwas zuverrichten gehalten ist / welches nicht jederman kann
angenehm sein; bitte demnach / wo möglich / er wolle in dergleichen verhasseten
Reden sich mässigen; ich bin auch ein Römischer Beamter / und lieffe trauen
wieder meine Pflicht / dass ich Römischer Gesanten Schändung unbeantwortet liesse
/ ehe sie der Laster überwiesen sind; und wann mir solches nicht obläge / wollte
ich kein Wort darzu reden. Perdickas antwortete mit zornigem Angesichte: Er
wollte zwar Römischen Nahmen nicht schänden / als welchen man ja in Griechenland
/ welches ehemahls der Welt Häupt und Meister gewesen / erkennen müste. Dass er
aber hoch rühmen sollte / wann die Römer junge unerfahrne Leute vor Gesanten in
fremde Länder schicketen / die ihre eigene Rache unter dem Deckel Römischer
Gewalt durchtrieben / und mit dem hochbefreieten Adel nicht anders / als mit den
schlimmesten Buben und Leibeigenen umbgingen /dessen hätte er wenig Ursach;
hoffete auch / da er sich an den vermeinten Gesanten rächen würde / der seinen
Blutfreund / einen freien Griechischen Herren durch seine eigene Diener hätte
ermorden / und dessen Weib mit allen Gütern als einen Raub (also brachten sie es
allemahl vor) hinweg führen lassen / es sollte zu Rom von den Verständigen mehr
gebillichet als getadelt werden. Hätte sein Vetter gesündiget / welches er doch
nicht wüste / sollte man ihn vor dem Griechischen Recht angeklaget / und dessen
Urtel erwartet haben; die übrige Vermahnung von abwesenden nichts übels zureden
/ liesse er dahin gestellet sein /und könnte man die Ubeltähter nicht allemahl
gegenwärtig haben / wann man sich über dieselben zubeschweren hätte /
vielweniger solche Mordtahten rühmen und preisen / wollte es auch lieber in des
leichtfertigen Mörders Gegenwart als Abwesenheit reden /und an demselben ein
Beispiel hinterlassen / dass die Römer hernähst kluge graue Häupter und nicht
frevelmuhtige junge laffen vor Gesanten aussschicketen; doch wie diesem allen /
währe seine Gelegenheit und Weise nicht / nach der Weiber Art zuzanken; er hätte
mehr als XVI Jahr Waffen geführet / und mannichem hochmuhtigen Ritter die Faust
lieber als das Maul gebohten; währe er dann (mein Herr) ein Römischer Bedieneter
/ so währe er dagegen ein freier Griechischer Herr / daher er ihn mit
dergleichen Reden verschonen würde. Mein Herr wahr sehr ungewohnet / sich
dergestalt über das Maul fahren zulassen; doch mässigete er sich / und gab zur
Antwort: Ritter / wie könnet ihr solches vor Recht angeben / wann ihr unter dem
Vorsaz einer eigentähtlichen Rache / euch an einen Römischen Gesanten machen
würdet? wisset ihr nicht / dass derselbe an der Stelle des Römischen Käysers
stehet /und von niemand / als von seinem Oberherren allein kann gerichtet werden?
Oder sollte ein Römischer Gesanter nicht macht haben / einen und andern nach
befindung zu straffen; und ihr woltet euch dass Recht anmassen / einen Gesanten
anzugreiffen? Hierauff fragete mein Herr die Anwesenden / ob niemand zugegen ihm
des Römischen Gesanten Nahmen melden könnte; und als einer sagete / er liesse
sich von den seinen Herr Fabius nennen; antwortete mein Herr: Herr Fabius? der
ist trauen ein Römischer und ein redlicher Ritter / der in seiner Jugend schon
verdienet hat / dass man ihm zu Rom eine Ehrenseule auffgerichtet; und derselbe
sollte alhie in Griechenland sich vor einen unredlichen Mörder und Ubeltähter
aussschreihen lassen? Ritter / sagte er zu Perdickas / ihr müsst warlich diese
Beschuldigung gebührlich erweisen / oder euren Irtuhm bekennen / sonst wird euch
solches ungestraffet nicht hingehen; ich vor mein Häupt bin diesem Herren
verbunden / mich seiner anzunehmen / nit allein wegen unser nahen Verwandschaft
/ sondern auch / weil wir ein Amt tragen; so sprechet nun / ob ihr die aus
Unbesonnenheit aussgestossene Reden wiederruffen / oder darüber vor Recht stehen
wollet. Perdickas lief vol Zorn / und sagete: Es währe ihm lieb / da er nicht
der Schelmichte Gesanter selber /zum wenigsten noch sein Freund und Verwanter
währe; könnte auch gedachten Fabius nicht anders / als vor einen boshaftigen und
des Ritterstandes unwirdigen Buben halten / weil er mit einem ehrlichen freien
Herren so gräulich umbgangen währe. Ey / sagete mein Herr / so halte ich dich
vor einen solchen Schelmen / biss du diese Bosheit meinem Freunde überbringest;
Und ob ich zwar nach tragendem Ampte dich mit Recht wohl vornehmen könnte / auch
schon Mittel weiss / dich darzu anzuhalten / so will ich mich doch vor dissmahl
meines Amptes begeben / und es mit dir auff die Faust wagen; sage dir deswegen
ab auff Leib und Leben / und mache dich nur bald fertig zum redlichen
auffrichtigen Streite; massen die Götter schier werden sehen lassen / ob du im
schänden / oder ich im entschuldigen bessere Sache und Fäuste haben werden; will
aber hierbei nicht unterlassen / andere zuvermahnen / dass sie ja so verwägen
nicht sein / sich unsers Streites anzunehmen / dafern sie nicht dem Römischen
Käyser mit Gut und Blut wollen verfallen sein. Hier fing nun Perdickas sein
grosssprechen an /wie er so mannichen berümten Ritter / in und ausser
Griechenlandes bestanden / und ihren Hochmuht zu dämpffen gnug gewesen; und
müste noch erleben /dass so ein junger Sprössling ihn heraus fodern dürffte /
welcher vielleicht meinte / ein Ritter könnte mit zierlichen Kleidern und
grossen Federbüschen zu Bodem gerennet werden. Es währe ihm gleichwol lieb / dass
er sich wollte finden lassen; von seinem tragenden Ampte wüste er nichts / ginge
ihn auch solches nicht an / sintemahl er sich nicht vor einen Römischen Knecht
/sondern freien Herren zuhalten hätte; doch wollte er ihn schon versichern / dass
kein ander sich in ihren Streit einmischen sollte / wañ seiner gleich ein halb
dutzet währe. Dein Maul ist gut / sagte mein Herr /dessen ich keinen Beweisstuhm
mehr begehre / nur ist noch übrig / dass ich die Fäuste und das Herz auch kennen
lerne. Ein junger ädelman / gutes ansehens /der Ariston / sass mit über Tische /
gedachte dem Perdickas zuliebeln / uñ baht ihn / Er möchte seine so
mannigfältige Siege durch bestreitung dieses jungen Menschen nicht selbst
beschimpffen / sondern ihn in die Stelle treten lassen; er verhoffete diese
geschwinde Aussfoderung in eine noch geschwindere Reue zuverkehren. Ja mein Kerl
/ sagte mein Herr mit einem Gelächter / du bist schwerlich derselbe / welcher
mich mit seinem Speer oder Schwerte schrecken wird / wiewol ich dir Streits
nicht versage; du aber Perdickas /bistu ein redlicher Ritter / und von solchen
Tahten /wie dein Maul rühmet / wirst du dich des Kampffs nicht entbrechen; mir
gilt alles gleich / wer unter euch beiden den Anfang mache / da du dann
verhoffentlich empfinden wirst / dass ich dich mit schärfferem Gewehr / als mit
Kleidern und Federbüschen angreiffen werde. Ich redete hierauff mit ein / und
begehrete / der Ariston möchte mich seinen Gegener sein lassen /aber er wollte
durchaus zuvor mit meinem Herrn einen Versuch tuhn. Hiemit lieff die ganze
Gesellschaft / ein jeglicher zu seinen Waffen. Perdickas hatte einen grossen
Anhang / weil inwendig einer Stunde über die XX Griechische von Adel / jeder mit
drei oder vier Dienern sich beisamen funden / deswegen ich meinen Herrn
nochmahls erinnerte / was Gefahr durch Verräterei entstehen könnte / dem annoch
zubegegnen währe / wann man bei der Stad Schuz suchete; welches er aber leider
in den Wind schlug / sich auff Perdickas zusage verliess / und uns alle mit
reiten hiess; wiewol er mir geboht / da über alle Zuversicht eine Verräterei
vorgehen sollte / mich losszuwirken /und es Herrn Fabius zu Elis anzudeuten. Wir
macheten uns geschwinde nach dem bestimmeten Platz /woselbst Perdickas schon mit
LXXX Pferden hielt /und meinem Herrn den Tod schwuhr. Es lieff auch eine solche
Menge Volkes mit hinaus / dass sie den Kämpffern die Bahn einnahmen / weil sie
sich übern Hauffen drängeten. Mein Herr redete ihnen freundlich zu / sie möchten
etwas zurück treten / und den Kämpffern nicht hinderlich sein; und dauchte mich /
wie der Grosssprecher mit seinem Gefechte zeigete / wie ers mit meinem Herrn
anfahen wollte. Ariston hielt sich zum ersten Angriff fertig / wiewol ich zu
ihnen reiten / uñ sie fragen musste / wie sie es ferner begehreten /möchten sie
ihn wissen lassen; da mir Perdickas zur Antwort gab: Weil dein frevelmühtiger
Herr so schleunig zum Tode eilet / wollen wir ihm nicht unbarmherzig sein / noch
wieder seinen Willen ihm das Leben verlängeren. Ich wiedersprach kurz seiner
Schändung / und erinnerte ihn / wie närrisch es währe / ihm das Spiel und den
Gewin zuzueignen / da die Würffel noch auff dem Tische lägen. Inzwischen winkete
Ariston mit dem Speer / und legete ein / aber ihm ward dergestalt begegnet / dass
da sie traffen / dieser durch uñ durch gerennet ward / dass er tod über sein
Pferd hinunter fiel. Ich sah eigentlich / dass Perdickas sich über diesen Fall
entsetzete; liess doch seinen Muht nicht sincken / sondern wie er ein
streitbahrer und bedachtsamer Ritter wahr / dass man meinte / er hätte in
Griechenland kaum seines gleichen / also begegnete er meinem Herrn mit gutem
Herzen / gingen auffeinander wie die Löuen / und traffen zu beiden seiten / dass
sie der Stösse wohl empfunden / welches zwar ohn Wunden abging / aber der Fall
doch Perdickas sehr nahe wahr / dass er sich an seines Pferdes Mähne halten
musste. Mein Herr wahr auff sich selbst ungehalten / dass er seinen Feind nicht
herunter geworffen / und gedachte den andern Rit besser anzulegen; dessen aber
jener nicht erwarten wollte / sondern nam das Schwert zur Faust / und setzete
damit auff meinen Herrn an / welcher mit gleichem Gewehr und Begierde ihm
entgegen sprengete / da sie dann ihr Gefechte eine gute Zeit ganz ernstlich
trieben / dass alle Zuseher sich verwunderten / wie sie so heftige Streiche
aushalten kunten / biss es meinem Herrn geriet /dass er ihm hinter den Schild kam
/ und in den linken Arm eine zimliche Wunde schlug / wiewol der Streit damit
noch kein Loch gewan / sondern sie triebens so lange / dass beides die Kämpfer
und ihre Pferde mat wurde / so dass diese nach ihrer Reuter Willen sich nicht
mehr lenken kunten; aber Zagheit liess sich bei ihnen nicht merken / sondern
schlugen immer kräfftiger auffeinander / dass mein Herr endlich sagete: Mich
jammert dein / dass du in so unredlicher Sache dich schänden / und dein Leben
verlieren must. Perdickas antwortete: Du hast mich ja noch nicht überwunden /ob
ich gleich bekennen muss / dass mir deines gleichen noch nicht auffgestossen ist.
Gut / sagete mein Herr; also wirstu meiner kein halb dutzet begehren. Das
schlagen ging von neuen wieder an / und bekam Perdickas etliche Wunden / da ihn
mein Herr vermahnete / er sollte einen wiederruf tuhn / und die Herrn Fabius
angelegete Unbilligkeit erkennen / alsdann wollte er ihn ferneres Streits
enteben. Dieser wahr des nicht willens / sondern durffte noch wohl dräuen /mein
Herr sollte und müste von seinen Händen sterben; führete auch einen so kräfftigen
hieb / dass wañ er ihn getroffen / es ohn schaden nicht würde abgangen sein. Er
schlug aber zukurz / und traff meines Herrn Pferd zwischen die Ohren / dass es
alsbald stürzete / und sein Reuter mühe hatte / ohn fallen abzusteigen. Hier
fing nun Perdickas an / ihm Sieges-Hoffnung zumachen / und wollte meinen Herrn
überreñen /aber er trat ihm zu Fuss entgege / hieb seinem Pferde die vor der
Schenkel enzwei dass es fiel / und sein Reuter darunter zuliegen kam. Darauff
trat er zu ihm und sagete; Nun ist dein Leben in meiner Gewalt /aber dass du
meine Redligkeit erkennest / will ich dich nicht angreiffen / biss du auff den
Füssen stehest / und dich deines Schwerts gebrauchen kanst. Perdickas stellete
sich als hörete ers nicht / da mein Herr ihn doch los reissen half / dass die
Zuseher meinten / sie würden verglichen sein; aber da ging das Spiel erst zu
Fusse an / wiewol man klärlich sah / dass mein Herr Gewinner sein würde / weil
er fast keinen hieb taht / dass nicht das klare Blut darauff folgete. Jener
fühlete / dass er seinen Meister bekommen hatte / und mochte ihm wohl leid sein /
dass auff voriges anerbieten er sich nicht bequemet; schande halber aber wollte er
sich keiner Furcht merken lassen / wie schwer ihm auch fiel / die gedoppelten
Streiche auszunehmen. Meinen Herrn verdross auch nicht wenig / dass er sich nicht
demühtigen und üm Erlassung anhalten wollte /schlug deswegen immer fort auff ihn
zu / biss er sah /dass ihm die Krafft entging / uñ er den Schild fallen liess;
worauff er zu ihm sagete: Perdickas / gereuet dich dein Frevel noch nicht?
Erkläre meinen Freund Fabius vor redlich / so will ich dem Kampf die Endschaft
geben. Dieser antwortete mit schwacher Stimme: Ein redlicher Ritter leidet
lieber den Tod als Schimpff. Mein Herr wahr nicht destoweniger willens / ihm das
Leben zuschenken; er sah aber / dass ein grosser Auffstand ward / und Perdickas
Gesellschaft zu ihm eindrang / daher fassete er das Schwert / und richtete ihn
mit einem Streiche zubodem. Die Ursach dieses Aufflaufs wahr des ertödteten
Aristons Vater /welcher ohngefehr auff seiner Gutsche daher gefahren kam /
vielleicht / dass er dem Kampf zusehen wollte; dieser da er vernam / dass sein Sohn
tod wahr / gehub er sich als ein verzweifelter mensch / raufte sein Haar und
Bart aus / und stellete sich so jämmerlich / dass alle anwesende zum mitleiden
bewäget wurden. O ich armer abgelebter Man / rief er / habe ich dich zu dem Ende
in meinem Alter gezeuget und von den Göttern erbehten / dass du mir so unselig
must ermordet werden / gleich da du mein Stab und Trost sein soltest /und ich
schier freude an dir zuerleben hoffete? O dass ich vor dich hätte sterben sollen
/ und du nach mir überblieben währest / dañ alle meine hofnung ist verschwunden
/ alle meine freude ist dahin. O mein Sohn Ariston! O Ariston mein Sohn mein
Sohn! nachgehens kehrte er sich zu Perdickas Gesellschaft und rieff / jhr meine
liebe Herren und verwanten / erbarmet euch meines elendes; lasset euch meinen
Unfal zu herzen gehen / und gönnet mir die Rache wieder diesen schändlichen
Mörder. Hiemit brachte er sie auff / dass sie ihre Pferde ansporneten / und auff
meinen Herrn einmühtig zustürmeten. Ich und die übrigen meines Herrn Diener /
sahen diesen Anfall / gleich da Perdickas nidergehauen ward / wollten ihn
deswegen in dieser Noht nicht stecken lassen / sprengeten hinzu / und liess ich
meinen Herrn / wie billich wahr / auf mein Pferd sitzen / welcher ungeachtet
aller gehabten Arbeit / rechtschaffen üm sich hieb / und den ersten / der auff
ihn zuritte / stürzen machete / dessen Pferd mir sehr wohl zustatten kam / und
mischeten wir uns dermassen unter sie / dass in die XX Mann an ihrer seiten
erlegt wurden / hingegen aber alle unsere Leute darauff gingen. Noch wollte mein
Herr sich nicht ergeben / biss ein schlimmer Schelm ihm das Pferd erstach /dass es
mit ihm stürzete / da ich alsbald ruffen hörete /nicht schlaget ihn tod /
sondern nehmet ihn gefangen /er muss viel eines schnödern Todes sterben. Ich sass
noch zu Pferde / wiewol ich alle meine Wunden schon hinweg hatte / und wahr
anfangs willens / mein Leben daselbst auch zulassen; weil ich aber meinen Herrn
lebendig gefangen sah / und mir sein voriger Befehl zu gutem Glük einfiel /
reiss ich Spornstreichs aus /und kehrete mich des Weges nach Elis. Sie schicketen
mir drei Diener nach / mich niderzuhauen / aber weil mirs glückete / dass ich
eines nach dem andern mächtig ward / legte ich ihrer zween nider / dass der
dritte seiner Haut fürchtend / davon rennete. Ich / meiner Wunden ungeachtet /
hörete nicht auff zureiten / biss ich zu Elis anlangete / da ich schmerzlich
vernam /Herr Fabius währe nach Korint gereiset / labete mich daselbst mit wenig
Speise uñ Trank / liess meine Wunden verbinden / uñ kaufte vor einen schönen Ring
ein ausgeruhetes Pferd / welches mich zwar hergetrage / aber wie ich in Herr
Herkules Herberge abstieg / alsbald niderfiel und die Seele ausbliess. Fr.
Euphrosyne hörete dieser Erzählung fleissig zu / und sagte: Mein geliebter Herr
und Freund / ihr habt mir einen sehr herben Streit erzählet / welchen ich sehr
fürchte / noch nicht geendiget sein / sondern werde von Herr Herkules erst recht
fortgesetzet werden; nur dieses ist mir leid / dass fast alle diese ädelleute in
meine Verwandschaft gehören; iedoch / wer unbillich handelt / der erwarte auch
der Straffe; Gott rette nur die Unschuldigen / und behüte meine geliebete Wase
vor Unglück; schied hierauff von ihm / uñ hiess ihn die Ruhe nehme / weil es schon
zimlich späte wahr.
    Valikules reisete inzwischen mit seiner Gesellschaft frisch fort / nahmen
die unwegsameste Bahn /dass sie nicht ausgespüret würden / und seumeten sich
nicht / biss sie bei Patræ anlangeten / da die Reuter und Schiffknechte sich in
dem Walde verstecken mussten. Er ritte mit Markus uñ Gallus in die Stad / fragete
nach der Herberge / in welcher der Römische Ritter gelegen / und forschete
daselbst nach allerhand Zeitung; erfuhr auch / dass der Römische des
nähstfolgenden Morgens mit dem Schwerte gerichtet /und Kleanders Gemahl lebendig
verbrennet werden sollte / weil man ihr Schuld gäbe / dass sie ihren Alten hätte
ermorden / uñ mit dem fremden davon lauffen wollen. Dieser Zeitung erschrak er
zwar sehr / und freuete sich doch / dass er noch lebete / setzete auff Gott allen
Trost / und forschete / wo des Römischen Herrn sein Schiff blieben währe; vernam
aber / dass weil sie gewarnet worden / sich vorzusehen / hätten sie sich nach
einem andern Hafen gemacht. Markus und Gallus mussten Speise käuffen / als viel
sie auff ihren Pferden fortschleppen kunten / damit die Völker gelabet würden /
deren fast die Helffte vergessen hatte Speise mitzunehmen. Valikules aber
kauffte vier Trometen / nam sie vor sich auffs Pferd / und folgete der
Gesellschaft. Auff dem Wege begegnete ihm ein Baur / welchen er fragete / ob ihm
Kleanders Schloss bekand währe / und als er solches bejahete / gab er ihm die
Trometen zutragen / dessen er ihn lohnen wollte. So bald seine Leute gessen
hatten / hiess er sie Ruhe nehmen / und erfuhr von dem Bauern / was gestalt
folgendes Tages das Gericht zwischen IX und X uhr sollte gehalten werden /
welches er daher wüste / weil er Kleanders Untertahn / und das Holz geführet
hätte /worauff sein junges schönes Weib sollte verbrennet werden. Weil er nun bei
dem Bauern ein grosses Mitleiden wegen der Fraue vernam / sagete er zu ihm:
Guter Freund / ich bin der guten Frauen naher Verwanter / und komme / sie von
dem Feur zuerlösen; hast du nun mit dem unschuldigen Blute Mitleiden /so gib mir
Anleitung / wo wir uns in der nähe am besten verbergen / und ihr zu rechter Zeit
helffen mögen; sihe ich verspreche dir bei meinen Ehren / dass dir der beste
Meierhoff in dieser ganzen Herrschaft davor soll Erb- uñ eigen geschenket
werden. Der Baur gelobete mit teuren Schwüren / geträu zu sein / und sie an
solchen Ort zuführen / da man ihrer nicht wahr nehmen sollte / biss sie nur noch
wenig Schritte zu ihnen hätten. Er dankete ihm vor dieses Erbieten / und
schenkete ihm X Kronen / liess ihn aber doch binden / und sagete: Er müste
solches nicht vor übel nehmen / weil er sich sein recht versichern müste; dessen
er dann wohl zufrieden wahr. Nach Mitternacht brachen sie auff / und liessen sich
an den bestimmten Ort führen /woselbst das Gericht sollte gehalten werden; da
Valikules sein andächtiges Gebeht zu GOtt hielt / und alle seine Leute sich
auffs beste wapnen hiess / versprach auch einem jeden Soldaten und Schiffknecht
in Korint 40 Kronen zuerlegen / dafern sie ihm frisch folgen / und den
gefangenen Römische Gesanten zuerledigen fleiss anwenden würden; welches sie alle
angelobeten. Hierauf lase er viere von ihnen aus / denen gab er die Trometen /
behielt deren drei bei dem Volke / welche er in so viel Hauffen setzete / den
vierden aber liess er allein / zulezt einen falschen Lärm zu machen. Die
bestimmete Zeit des Gerichts kam herzu / und sahen sie alsbald darauf zween
Gefangene an Stricken daher leiten / welche mit ohngefehr 50 bewehreten Bauern
umbgeben wahren. Ihnen folgeten bei XXX Reuter / deren nur IV gewapnet / dann es
wahren ädelleute / welche kommen wahren / nicht zufechten / sondern dem Gerichte
zuzusehe. Der alte Kleander liess sich in einer TrauerGutsche nachführen / vor
dem seines Sohns Leichnam in einem Sarge hergetragen ward / welchem Ladisla als
ein Opffer sollte abgeschlachtet werden. Als Herkules seinen lieben Freund so
schändlich gebunden / uñ von den Henkers-Buben geschleppet werden sah / meinte
er / das Herz würde ihm vor Mitleiden und Zorn bersten / und wahr doch noch zu
früh losszubrechen / biss der Kreis geschlossen wahr / und die verurteileten
hinein geführet wurden. Die elende Frau rief stets umb Gnade und Barmherzigkeit
/ und beteuerte ihre Unschuld / aber alles umsonst und vergebens. Ladisla wahr
viel zu grossmühtig / seinen Feind zubitten / sondern als er sah / dz es anders
nicht sein wollte / ergab er sich dem Tode geherzt / und sagete: Nun mein
Herkules /die Götter erhalten dich; Du verleurest aber anjezt deinen geträuesten
Bruder / dessen Tod du sonder zweifel nicht ungerochen lassen wirst. Gleich da
er diese Wort redete / ging Valikules mit fünff geharnischten und IX gepanzerten
los wie ein Sturm / und musste der eine tapffer blasen / fiel mit einem heftigen
Geschrei an / und setzete unter die gewapnete Bauern hinein / schlug und hieb
umb sich als ob er unsinnig währe / dass hier ein Arm / dort ein Kopff hinflohe
/rief ihnen auch zu: sie währen alle des Todes / dafern den Gefangenen einiges
Leid wiederführe. So bald sein Trometer auffhörete zublasen (dann also wahr es
abgeredet) brach Markus an einer Seite ein / mit drei Geharnischten und so viel
Gepanzerten; Gallus aber mit zween Geharnischten und vier Gepanzerten zur andern
Seite / und liessen ihre Trometen auch frisch hören / da es dann an allen dreien
Orten weidlich über die armen erschrockenen Bauern ging. Kleanders vier
Geharnischte wollten den ihren Beistand leisten /aber Valikules schikte ihnen
seine fünff Geharnischte entgegen / welche ihnen redlich Stand hielte / und in
kurzer Zeit deren zween niderschlugen die andern beiden aber hart verwundeten.
Unsere andere drei Hauffen drungen als in die Wette durch hin zu den Gefangenen
/ und wahr der Henker so verstokt / dass er / dessen alles ungeachtet / sein Amt
an Ladisla volstrecken wollte / hatte auch schon das Schwert gezukt / ihn
niderzuhauen; aber Valikules wahr ihm zur rechter Zeit auff der Haube / und
schlug ihn mit einem Streich den Arm hinweg / damit er das Schwert gefasset
hatte. Markus drängete mit herzu / sprang von seinem Pferde / schnitte die Bande
von seines Herrn Armen hinweg / setzete ihm eines erschlagenen Bauern Sturmhaube
auff / gab ihm das Henker-Schwert und seinen eigenen Schild / und sagete:
Geschwinde mein Herr / und setzet euch auf mein Pferd. Ladisla dankete ihm sehr
/ stieg auf / und mischete sich mit in den Streit / da Markus sich auff eines
Schiffknechtes Pferd machte / deren etliche abgestiegen waren / uñ zu fusse die
Bauern mit ihren grossen Schwertern in die Pfanne hieben. Das arme Weibichen
wahr in den grössesten ängsten / und noch unter Büttels Händen / welcher sie
schon gefasset hatte / lebendig ins Feur zuwerffen; doch kam ihr Valikules zu
rechter Zeit zu Hülffe / schlug die Schergen nider /und nam sie vor sich auf
sein Pferd / setzete auch mitten durch die Bauern / welche sich schon nach der
Flucht umsahn / und legte sie gebunden unter einen Baum nider / gleich da der
lezte Trometer anfing im Walde zu blasen / welchen Valikules zu sich nahm /und
mit ihm auffs neue anfiel / da schon die Unordnung unter den Bauern so gross wahr
/ dass sie sich nicht wieder setzen kunten. Der alte Kleander hatte sich dieses
heftigen überfalls nicht versehen / sah die kleinen Häuflein der unsern / und
rieff den seinen zu / nur geherzt zu sein / was sie sich von einer Hand voll
Volckes treiben liessen? aber es währete nicht lange / da merkete er / dz schon
der gröste Teil der Bauern gestrecket lagen. Ladisla setzete mit Markus und
Gallus unter die geputzeten ädelleute / deren sie achte niderhieben / ehe die
algemeine Flucht anging /welche dann nicht lange anstund / massen als Valikules
wieder kam / samlete er die Geharnischten umb sich / setzete damit unter die
Bauern / da sie noch stand hielten / und wirkete so wohl / dass sie alle ihr
Gewehr von sich worffen / und sich unter die grosse Menge der Zuseher
verstecketen / deren über die 50 von den Pferden zutreten und sonst hart
verwundet wurden / der bewehreten Bauern aber 38 mit der Haut bezahleten.
Kleander sah / dass alles verloren wahr /und wollte sich durch die Flucht davon
machen / hiess auch schon seinen Gutscher ausreissen; aber Ladisla kam ihm gerade
entgegen / stiess dem Gutscher das Schwert durch den Leib / fassete den Alten
beim Arme / und zohe ihn vor sich auff sein Pferd / zu ihm sagend: Du gräulicher
Blutund und Erzschändigter Wüterich / jezt werde ich deiner teuflischen Bosheit
ein Ende machen / wiewol ich keine Straffe sehe /welche derselben gnug währe.
Dieser sperrete und sträubete sich sehr vor ihm auff dem Pferde / fing an umb
Gnade zubitten / und dass er sich mit viel tausend Kronen lösen wollte. Aber sein
Verbrechen wahr zu gross / und Ladislaen Zorn zu heftig / welcher ihn zu dem
lohebrennenden Feur hinführete / und ihn da hinein warff / da er mit
erschreklichem brüllen und langwieriger Pein endlich seinen Geist auffgab.
Unterdessen hatten Markus und Gallus samt ihren Gehülffen die ädelleute in ein
Gedränge getrieben / welche auff Ladislaen Ankunft umb Gnade schrihen / der
ihnen stündlich von ihren Pferden zusteigen befahl / liess sie mit ihren Zäumen
binden / uñ fragete nach / wer unter ihnen der schelmischen Verräterei
beigewohnt hätte / da er so mördlich überfallen währe? Deren funden sich nun
noch neune in dieser Gesellschaft / und wurden ohn weitere Urtel alsbald
nidergehauen; die übrigen dreizehn aber / biss zu weiterer Verordnung gefangen
behalten. So bald Valikules sah / dass die Gefahr vorbei war / ritte er mit
Gallus hin zu der annoch gebundenen Frauen / stieg vom Pferde und lösete ihr die
Bande auf; öfnete auch seinen Helm / dass sie ihn unter dem Gesichte sehen kunte
/ und sagete zu ihr: Hochwerte Freundin / ich bedanke mich gegen euch höchlich /
dass ihr euch / wie ich merke / des Gefangenen nach Vermögen angenommen. So geht
nun hin / und saget ihm: Ein unbekanter Freund / den er sein lebelang nie
gesehen / aber wohl von ihm mag gehöret haben / lasse ihn erinnern / sich von
Vergiessung des unschuldigen Blutes zuentalten / und dass ich umb Verzeihung
bitte / wegen meines schleunigen Abscheides; dann ich werde auf ein andermahl
mich ihm schon offenbahren. Die gute Frau fiel ihm zun Füssen / und baht
fleissig / mit ihr auff das Schloss zu reiten; Er aber kehrete sich ferner nichts
an sie / stieg wieder zu Pferde / und rennete mit Gallus Spornstreichs davon /
höreten auch nicht auff zueilen / biss sie zu Korint bei Fr. Euphrosynen
anlangeten. Ladisla wusste noch nit / was vor Leute ihn gerettet hatte / wiewol
er nit anders meinte / es wären Herkules uñ Fabius; so hatte Markus bisher
seinen Helm noch nit auffgeschlagen / sondern nach Vollendung dieses Streits /
stieg er ab vom Pferde / taht seine Helm hinweg / uñ nachdem er ihm die Hand
geküsset hatte /sagte er: Gn. Herr / heut habe ich den Tag meiner höchste
Glükseligkeit erlebet / indem Eurer Gn. angenehme dienste zuerzeige ich
gelegenheit gehabt. Ja mein lieber Markus / antwortete er; du hättest auch kein
Augenblick länger aussbleibe dürffen / da mein Leben sollte gerettet sein / wirst
dich auch zuversichern haben / dass ich dir Zeit meines Lebens solches geniessen
lassen werde. Aber wo ist mein Herkules /welcher durch seine Fäuste fast
übermenschliche Tahten gewirket hat? Von Herren Herkules / sagte Markus / ist
mir nichts bewust; dieser trefliche Held aber muss ja euer Gn. durch sonderliche
schickung Gottes zugesand sein / wie gleichergestalt auch mir vor wenig Tagen /
wovon zur bessern Gelegenheit wird zu reden sein. In dem sah Ladisla die elende
Frau dorter treten / noch so voller Angst / dass alle ihre Gliedmassen zitterten
/ hub sie vor sich auff sein Pferd / und nam sie freundlich mit einem Kuss in die
Arme / zu ihr sagend: Herzgeliebete Freundin als Schwester / die Götter haben
unsere Unschuld angesehen / und nicht zugeben können / dass wir als Ehebrecher
und Mörder verderben sollten; gebet euch demnach zufrieden / weil der alte
Blutund sein Leben in eben demselben Feur schon geendet hat / welches er euch
hatte anzünden lassen; führete sie damit nach der Gutsche / und setzete sie
dahinein. Markus hatte seine Krieges- und Schiffleute auch gesamlet / deren nur
drei verwundet und kein einziger Tod wahr / und nachdem Ladisla sich einer
Verräterei und neuen überfalles von dem umher wohnenden Adel besorgete / liess
er die Gefangenen nach dem Schloss führen /und machete sich mit den seinen
ungeseumet dahin /liess alle Tohre biss auff eines / versperren / und mussten
Markus Leute dasselbe besetzen. Er wahr voller Gedanken / wer dieser sein
Erretter sein möchte / uñ warumb derselbe so schleunig davon geritten währe
/sagte auch zu Markus; hat dir irgend mein Herkules verbohten / dass du ihn nicht
melden sollest so sage mirs nur / ich will ihm wieder seinen willen nicht folgen.
Mein Herr / antwortete ihm Fr. Agata: Es ist dieser treffliche Held zu mir
kommen / nachdem er mich schon zuvor erlediget hatte / hat mir die Bande selbst
auffgelöset / uñ mir befohlen / ihm sein Begehren anzumelden; brachte hiemit vor
/ was er ihr unter dem Baum gesagt hatte. Ey meine Freundin / sagte er / wie
wahr er doch Gestalt? Er ist / sagte sie / braunlich von Händen / Haar / und
Angesicht / aber gar lieblich / so dass ich ihn vor einen halte / der aus den
Asiatischen Morgenländern / entsprossen ist. Weil sie dieses erzählete / liess
sich ein Schiffknecht angeben /und brachte vor / der unbekannte Ritter hätte bei
seinem Abzuge ihn zu sich geruffen / und anfangs angezeiget / wo sie das von ihm
versprochene Geld empfangen sollten; hernach befohlen / Herren Ladisla
zuvermelden / wie er aus sonderlicher Gewogenheit /durch himlische Anreizung ihn
entsetzet / und möchte er durch unzeitige Nachforschung ihm keine vergebliche
Mühe machen / weil unmöglich währe / dass er ihn würde antreffen können / biss ihm
selbst geliebete sich zumelden. O ihr Götter / sagete er darauff; muss ich dann
meinen Retter nicht keñen / dem ich Leib und Leben schuldig bin? Kehrete sich
hernach zu Markus / und fragete / wie er in seine Gesellschaft kommen währe.
Worauff er antwortete; es ist dieser Held mit seinem Diener / einem ansehnlichen
guten Ritter in Korint zu mir kommen / woselbst er sieben Ritter / welche mir
und Charidemus Wittiben mit falschem Lügenmaul ungebührliche Sachen nachredeten
/ nacheinander in einem Kampf erleget; und als zween Tage hernach euer Gn.
Gefängnis ich von Klodius berichtet worden / hat er sich bei mir angemeldet (wie
heimlich er sonst nach gehaltenem Kampff sich vor mir hielt); er hätte vernommen
dass ich nach der Stad Patræ zu reisen willens währe; weil dann sein Weg auch
dahin fiele / suchte er gute Gesellschaft umb Sicherheit willen. Als er nun mein
Vorhaben vernam /einem unschuldig gefangenen Herren nach vermögen Rettung
zuleisten / erboht er sich freiwillig / nicht von mir zu scheiden / biss mein
Vorsaz zum gewünschten Ende aussgeführet währe / weil er / wie er sagete /Herren
Ladisla wohl kennete / derselbe aber ihn nicht. Er hielt sich bei uns / als währe
er unser Obrister gewesen / und bekenne ich meines teils / dz ich ihm gerne
gehorchet habe; massen er alle Dinge klüglich anordente / dz ich mich sein nicht
gnug verwundern kunte; insonderheit mit den Trometen / wahr sein angeben /
welches uns wohl geholffen und die Feinde erschrecket hat. Die nähst vergangene
Nacht mussten wir alle ruhen / aber in seine Augen kam kein Schlaff /sondern ging
und sinnete / wie er sein Vorhaben recht ansahen wollte / wozu er sich eines
Baure rahts gebrauchete / de er ohngefehr hatte angetroffen. Nun ihr Götter /
sagte Ladisla / euch sage ich voraus Dank vor meine Erledigung / und wünsche
zugleich / dass ich dieses Freundes Kundschaft erhalten möge / mit dem ich alles
mein Vermögen und Haabseligkeit gerne teilen wollte / sonst werde ich nicht
können von Herzen frölich sein. Wer hat dir aber meinen Unfal zu Korint so
schleunig kund getahn? wie ich schon gemeldet habe / sagte er / der
hartverwundete Klodius /der annoch in grosser Schwacheit zu Korint danider
lieget. Erzählete hernach / wie es Fabius und ihm ergangen / und was Gestalt ihm
Gott so grosses Glük zugefüget / uñ eine Tugendreiche wolbegüterte Braut
bescheret hätte. Ladisla erfreuete sich dessen / und sagete zu ihm: Es währe ihm
lieb / dass er sein anteil schon funden / sonst wollte er ihm die heut errettete
zu gefreiet haben; wovor er sich untertähnigst bedankete / und ihn baht / seines
geträuen Dieners Klodius eingedenke zu sein; welches er ihm verhiess. Die Frau
kam gleich wieder darzu gangen / und hielt bei Markus an / ihr zuverzeihen / dass
vor die geschehene Erlösung sie ihm noch nicht gedanket. Er aber grüssete sie
von wegen ihrer Fr. Wasen / und befahl sich ihrer guten Freundschaft und
Gewogenheit / der Hoffnung gelebend / dass er noch vertraulichere Kundschaft mit
ihr zu machen / Gelegenheit haben würde. Bald fragete sie ihn / ob er vielleicht
ihrer Wasen Fr. Euphrosynen Liebster währe; und da er solches bekennete /erboht
sie sich / mit ihm nach Korint zuzihen / und ihre vertrauete Freundin
zubesuchen. Der Baur welcher diese Nacht bei Valikules gewesen / trat hin zu
Markus / und baht / der gestrigen Zusage eingedenk zu sein; es währen unter den
Erschlagenen Bauern unterschiedliche / welche grosse Meierhöfe hinterlassen /
insonderheit einer / der weder Weib noch Kind hätte / und sein Gut gar
lossgestorben währe. Markus erzählete dieses Mañes Fleiss und Träue / wovor ihm
nicht allein der begehrete Hoff mit allem vieh und zubehör / sondern seinen vier
Söhnen und fünf Töchtern so viel Güter der Erschlagenen Bauern zugewendet wurden
/ dass ihres gleichen an Reichtuhm in derselben Gegend nicht wahr. Nachgehends
foderte Ladisla alle gefangene ädelleute vor sich und die Frau / und begehrete
von ihnen zuwissen / warumb sie an ihrem unschuldigen Tode so grosses
Wolgefallen gehabt /und bei dem unmenschlichen Gerichte sich eingestellet /
nicht anders / als ob sie zum HochzeitFeir geritten währen? Diese wussten sich
nicht zuentschuldigen / nur; es währe ihnen ihre Unschuld allerdinge unwissend
gewesen / und hätte ihr Anverwandter Kleander sie viel eines andern beredet /
als ob Fr. Agata mit dem Gefangenen Abrede genommen / ihn bei Nachtschlaffender
Zeit zuerwürgen / und den Gefangenen zum Besitzer aller seiner Güter zumachen.
Aber Ladisla beantwortete ihnen dieses also: O ihr frevelmuhtige Buben / wie
dürffet ihr mit diesem nichtigen Behelff angestochen kommen? haben nicht ich uñ
diese Tugendsame Frau euch bei unser schändlichen Ausführung unsere Unschuld
überflüssig vorgestellt /aber wer ist unter euch / der sich im geringsten daran
gekehret / ja der nur einiges Zeichen des Mitleidens hätte sehen lassen? Dass
auch des unbarmherzigen alten Blutundes Vorgeben nichts als eine schändliche
Lüge und Verleumdung sei / sollet ihr daher erkennen / dass vor erst ich mein
eheliches Gemahl zu Padua habe / und dass ich hernach ein grösser Reich erblich
besitze als ganz Pelopoñesus kaum ist; wird auch kein Mensch erfahren / dass ich
eines Strohalmes wert von dieser ädlen Frauen Gütern umsonst zugeniessen begehre
/ der ich euch alle leicht eigen käuffen / und aus meinem Schiffe euch über XII
Tonnen Schaz Zehrgelder vorlegen könnte. Also sehet ihr nun /wie bosshaftig der
verfluchte Wüterich an mir und dieser unschuldigen Frauen gehandelt / welche
durchaus nichts gesündiget hat / nur dass sie seine teuflische Bosheit wider mich
nicht billichen können / und mit meinem Unglück ein Mitleiden getragen / welches
sie auch bewogen hat / dass sie anfangs mich in meiner Gefängnis gespeiset und
getränket / darinnen ich sonst hätte müssen Hungers und Durstes sterben;
nachgehends sich bemühet / mich losszumacher / welches ihr misslungen. Damit ihr
aber auch euer Verbrechen wisset / so bedenket / wie Römische Käyserl. Hocheit
es empfinden werde / dass ihr mich einen Römischen gevollmächtigten Gesanten
dergestalt zum Tode begleitet / und an meinem Verderben euch erlustiget habet.
Zwar ich hätte Recht und Macht genug euch alle mit einander durch schändlichen
Tod hinzurichten / aber dass nicht eure Anverwanten sich zubeschweren haben / ich
verfahre nach meinem eigenen Willen und angemasseter Rache / so haltet euch
fertig / morgendes Tages zu Schiffe zutreten / dass ihr vor Käyserl. Hocheit
erscheinet / umb daselbst eures Tuhns Rechenschaft zugeben; und dafern euch
eine geringere Straffe auffgeleget wird / als dass ihr alle zum Tode verurteilet
/ und eure liegende und fahrende Güter der Käyserl. Kamer zugesprochen werden /
so will ich meinen Kopff verloren haben. Wolte nur einer oder ander diese meine
Rede vor ein Schreckwerk halte / so sehet da meine Römische schrifftliche
Vollmacht / und schicket euch / dasselbe auszustehen / wz ihr verdienet habet /
welches auch an der schon abgeschlachteten ihren hinterbliebene soll ausgeführet
werde. Als die Gefangene solches höreten /uñ seinen schriftlichen Beweisstuhm
sahen / erschraken sie über alle masse / hätte auch gerne alsbald eine Abbitte
getahn / wañ nit Ladisla mit der Fraue gleich währe davon gangen; liessen doch
durch einen Kriegsknecht / der sie bewachete / um gnädige Verhörung untertähnig
anhalten; worauff sie wieder zu ihnen gingen / und fing der Vornehmste unter den
Gefangenen also an: Durchleuchtiger Gnädiger Herr; wir können nit umbhin /
zubekennen / dass an eure Gn. wir uns sehr grob und hart versündiget haben /
indem wir nicht allein in die / ihrer Gn. angelegete Unbilligkeit gehehlet /
sondern überdas diesem unrechtmässigen gottlosen Gerichte beizuwohnen / uns
gelüsten lassen. Nun sind aber dessen die Götter unsere Zeugen / dass vor erst
uns allerdinge unwissend gewesen /dass eure Gn. ein Römischer Ritter; vielmehr /
dass sie ein gewaltiger Gesanter Ihrer Römischen Käyserl. Hocheit ist / sondern
man hat uns dieselbe als einen fremden Umbschweiffende vorgemahlet / von dessen
Stand und Wesen niemand einige Kundschaft hätte. Doch sei diesem wie ihm wolle
/ wir hätten billich besser nachfragen sollen / und wird dahero unsere
Unwissenheit uns nicht entschuldigen / sondern unsere einige Zuflucht ist zu
eurer Gn. Barmherzigkeit und Güte / wie auch zu unser höchst geehrten Fr. Wasen
und Schwägerin wolgelittener kräfftigen Vorbitte und Sanftmuht / untertähnig
und wehmütig bittend und flehend / uns diesen groben Fehler zuverzeihen und es
vor Römische Käyserl. Hocheit nicht gelangen zulassen; dagegen erbieten wir uns
/ so viel unsere Güter vermögen / Abtrag zumachen / und unsere Sünde zu büssen /
auch hernähst ihnen mit Gut und Blut stets verbunden zu sein. Ladisla wahr sehr
ernstaftig; es wollte in so beschaffenen Sachen sich nit also lassen durch die
Finger sehen / das Verbrechen währe zu grob und übermacht / müsten demnach in
Hafft verbleiben / biss ers mit seinem Mit-Gesanten Herrn Fabius würde in Bedacht
gezogen haben. Diese wussten nun / wie scharff derselbe mit Charidemus verfahren
/daher sie sich eines gleichen befürchteten / tahten deswegen einen wehmühtigen
Fussfal / und dass nach seiner Gn. er selbst mit ihnen handeln möchte. Weil dann
Ladisla ihre ernstliche Reue sah / nam er mit Fr. Agaten einen Abtrit / und
fragete / wess sie gesinnet währe; da sie etwa in künftig sich vor ihnen
zubefürchten / könnte man sie anjezt dämpffen; doch hielte ers davor / ihr beider
Schimpff und Spot währe zur gnüge an den rechtschuldigen gerochen; daher währe
er bedacht / nach seines Erlösers Raht und Willen mit ihnen zuhandeln / jedoch /
dass sie gnugsame äyd- und schrifftliche Versicherung von sich geben sollten /
sich hernähst auff keinerlei Weise an ihr oder den Ihrigen zu rächen. Die Frau
wahr ohndas sehr mitleidig / und baht mit heissen Trähnen / den Gefangenen
zuverzeihen / welches sie würden zuerkennen wissen. Also gingen sie wieder zu
ihnen hin in den Saal / da die Gefangene noch auff den Knien lagen / welche er
auffstehen hiess / und sie also anredete: Ob zwar eure Verbündnis wieder einen
Römischen Gesanten nit weniger als Lebensstraffe und Verlust aller Güter
verdienet hat / insonderheit / weil ich ja nit in diese Landschaft komen bin /
einem einzigen Mensche ein Häärlein zukränken; so hat doch gegenwärtige eure F.
Wase und Schwägerin bei mir mit so heftigen Zähren um Begnadigung angehalten /
dz ich ihr zu gefallen /anders / als ich willens gewesen / mit euch verfahren
will; erbiete mich demnach / euch alle insgemein / uñ jedem insond'heit die
verwirkete Straffe nachzulassen / mit der Bedingung / dass ihr gleich jetzo
äidlich angelobet / schier heut oder morgen weder durch euch selbst / noch durch
andere / euch an dieser Fraue /oder wer es sein möchte / zurächen / sondern ihr
allen freundlichen Willen Zeit eures Lebens zuerweisen /sonder arge List und
Gefährde. Ob ihr nun dieser Vorbitte wege / euer Fr. Wasen einige rechtschaffene
Dankbarkeit schuldig seid / stelle ich eurem Gewissen anheim; doch sollet und
müsst ihr mir aller / heut / und Zeit meines Kampffs erschlagenen Güter und
Erben nahmhaft machen / welche ich wegen der muhtwilligen Bosheit schon finden
werde / insonderheit / weil ich sie zu Patræ selbst gewarnet / sich an mir als
einem Römischen Bedieneten nicht zuvergreiffen. Diese bedanketen sich der Gnade
untertähnig /leisteten den äid mit gutem Willen / und gaben dessen schriftliche
Zeugnis von sich. Worauff ihnen Ladisla ihre Pferde zustelle / uñ sie hin auf
ihre Güter zihen hiess. Diese besucheten zuvor der erschlagenen Frauen /
trösteten sie / und gaben ihnen ihr annoch bevorstehendes Unglück zuerkennen /
auch zugleich den Raht /dass sie nach Fr. Agaten reiseten / ihr ansehnliche
wichtige Geschenke mitbrächten / und sich ihrer Vorbitte gebraucheten / sonst
würde der Römische Gesante ihnen nicht eines Hellers wert von allen ihren Gütern
übrig lassen / ia sie alle miteinander vor Leibeigene annehmen. Zwar es ging
diesen Frauen ihrer Männer Tod sehr zuherzen / dañoch aber fürchteten sie das
künftige noch mehr; wahren demnach willig /diesem Raht folge zuleiste; da sie
dann stündlich an Fr. Agaten schrieben / dass / wo sie ihre gegenwart erleiden
könnte / wollten sie dieselbe gerne erstes Tages besuche. Als sie nun kahmen /
brachten sie ihr an Kleinoten / Perlen und gemünzetem Golde über die 140000
Kronen wert; lieferten ihr daneben auff 50000 Kronen Handschrifften ein / welche
sie ihrer Eltern wegen hatten / uñ schenketen ihr solches alles. Darauf brachten
sie ihre Werbung vor / uñ bahten mit heissen Trähnen / ihnen bei dem Herrn
Gesanten Gnade zu erlangen / dass ümb ihrer Männer Verbrechens willen sie nicht
von ihren Gütern möchten verstossen / noch ümb ihre Freiheit gebracht werden.
Fr. Agata tröstete sie allesamt in ihrem Elende / mit Bezeugung / wie herzlich
leid jhr solches währe / und bemühete sich bei Ladisla / das jhnen samt und
sonders alle Straffe erlassen ward / nur mussten sie dagege angelobe / mit jhrer
wasen und Schwägerin auffrichtige freund- und nachbarschaft zuhalte / und wegen
Kleanders Erbschaft jhr durchaus keine ansprach zuzumuhten / sondern ihr bestes
zubefodern und ihren Schaden nach Vermögen abzuwenden. Perdickas nachgelassene
Wittib / eine ansehnliche statliche Frau / ohngefehr von XXX Jahren / Nahmens
Artonis /kam auff ermahnen obgedachter ädelleute auch dahin /und erlangete durch
ihre Freundligkeit bei Ladisla völligen Erlass; sie wahr überaus Geldreich / uñ
hatte ihrem Eheherrn viel Tonnen Goldes zur Heimsteur gebracht / welcher sie in
Persen geheiratet / und weil sie dem Persischen Grossfürsten Artaxerxes nahe
verwand wahr / hatte sie jährlich daher grosse Rente zuheben. Sie gewann eine
solche Zuneigung gegen Ladisla / dass ihr schwer fiel / sich von ihm zuscheiden
/da sie ihm sechs treffliche Persische Pferde mit gestiktem Zeuge / und einen
Medischen Säbel grosses Werts; überdas IIX Stücke Kleinot auff 26000 Kronen
geschätzet / fast wieder seinen Willen verehrete. Fr. Agaten lieferte sie 16000
Kronen gemünztes Goldes / und eine Handschrifft auff 10000 Kronen /wovor sie
einen grossen Teil ihres Vaters Güter zum Unterpfande hatte / und sagete zu ihr:
Geliebete Fr. Schwägerin / ich erkenne gar wohl / dass all euer Unfal einig und
allein von meinem gewesenen Ehherrn herrühret / welches mir herzlich leid ist;
damit ich nun mein gutwilliges Gemüht etlicher massen bezeugen möge / und ich
des ihren hinwieder versichert sein könne / hoffe ich / sie werde diese Gelder
und Handschrifft samt alten den Gütern / die von ihres Seel. Herrn Vaters wegen
ich unter Händen habe / von mir unwegerlich annehmen / und weil ich lebe /
vertrauliche Freundschaft mit mir halten. Fr. Agata bedankete sich gar
demühtig / hätte ja ein solches nicht verdienet / und währe ihr unmöglich es
zuvergelten /wollte deswegen die Götter bitten / dass sie es in andere Wege
erstatten wollten. Es wahr Fr. Agata zwar von gutem Griechischen Adel / aber
ihre Eltern wahren ihr sehr früh abgangen / und hatten wegen schwerer
Bürgschaften ihr nichts als Schulden hinterlassen / dass sie auch von ihren
Anverwanten aus Erbarmung aufferzoge wahr / biss sie den alten Kleander wieder
ihren Willen heirahten musste; derselbe merkend / dass ihre Güter fast tieff
verschuldet wahren / wollte damit keine Ungelegenheit noch mühe haben / und
übergab sie den Gläubigern / vermachte ihr dagegen auff seinen Todesfal ein
zimliches Leibgedinge / dessen Auffkünfte sie Zeit ihres Lebens geniessen sollte
/ dafern sie nit wieder heirahten würde. Weil nun sein Sohn erschlagen / und sie
/ wie er vorgab / von ihm lauffen wollen / hatte er seines Bruders Sohn zum
Erben eingesezt / welcher bei Ladisla Erlösung strak anfangs mit nidergehauen
wahr / und keine nahe Erben an Kleanders seite übrig wahren / die ihr solche
Erbschaft hätten streitig machen koñen / welches ohn das leicht können
verwehret werden. Sie wahr schön und verständig / im achzehnden Jahre ihres
Alters /und hatte mit ihrem Alten ohngefehr ein halbjahr im Ehestande gelebet;
anfangs da sie vom Feur erlöset wahr / mochte sie sich Hoffnung machen / dass
Ladisla sie hernähst heirahten würde / weil sie seines Wesens und Ehestandes
unberichtet wahr / aber diese Gedanken verlieffen bald bei ihr. Die XIII
freigelassene ädelleute / welche alle wolbegütert wahren /schicketen VI ihres
Mittels an Ladisla / uñ sendeten ihm zwo überaus trefliche Gutschen mit XVI
Pferden in güldenem Zeuge / daneben eine güldene Kette mit einem köstlichen
Kleinot / welches alles er wieder seinen Willen annahm / ohn des grossen
Alexanders Brustbilde auff einem Goldpfennige abgegossen /welches mit
übergeschicket ward / wahr ihm sehr angenehm; nachgehends lieferten sie Fr.
Agaten an Kleinoten 20000 Kronen / uñ an Barschaften 60000 Kronen / auch
dabei ihrer Eltern Verbrieffungen auf 40000 Kronen Häuptstuel. Die Güter /
welche sie davor unterhatten / wurden ihr alle abgetreten / dass sie den grösten
Teil ihres Väterlichen Erbes ümsonst wieder bekam / und ihr Landgut üm ein
trefliches mehrete. Sie boht Markus 60000 Kronen zur Verehrung an / weil Ladisla
nichts von ihr nehmen wollte; er aber antwortete ihr / es würde ein schlechter
Grund künftiger Verwand- und Schwägerschaft sein /wüste es auch vor seiner
Liebesten durchaus nicht zuverantworten / zugeschweigen / dass er schon ein
übriges hätte nehmen müssen / massen die gesamten Wittiben ihm 10000 Kronen /
die ädelleute 6000 / und Fr. Artonis 4000 Kronen geschenket hatten. Nach
Verrichtung aller Sachen / machten sie sich zum Auffbruch fertig / da Fr. Agata
alle ihre Barschaften und Kleider auff Wagen lude / ihre Güter einem ihrer
Anverwanten umb gewissen Pacht eintaht / und mit der Gesellschaft sich nach
Korint erhuhb / ihre Trauerzeit bei ihrer geliebten Wase auszuhalten. Als sie
von dem Schloss abzogen / stellete sie jedem Kriegsknechte 100 Kronen / und
jedem Schiffknechte 80 Kronen zu / welches ihm Ladisla wolgefallen liess /welcher
mit IIX Geharnischten auff Elis ritte / Fabius abzuhohlen; Markus aber nam mit
den übrigen den nähesten Weg auff Korint / wiewol sie nahe vor derselben Stad
wieder aneinander gerieten / weil diese wegen der schwer beladenen Wagen
gemählich zihen mussten. Es hatte Fabius aus dem gemeinen Geschrei vernommen /
was massen Ladisla der grossen Gefahr entgangen / dessen er nun völlig berichtet
ward /kunte aber nicht aussinnen / was vor ein Ritter solche Errettung geleistet
hätte; Sie wollten es Herkules gerne zulegen / nur die Gestalt traff nicht ein.
Zu Korint wahren sie bei Fr. Euphrosynen sehr wilkommen /deren gute Art
Ladislaen wolgefiel / ging alsbald zu Klodius vor das Bette / rühmete seine
Träue / ohn welche er sein Leben nicht hätte erhalten können /und ermahnete ihn
/ sich des Arztes Befehl gemäss zuverhalten / dass er bald gesund würde / und den
Lohn /welchen er ihm zugedacht / empfahen könnte; worin Klodius sich nicht
zufinden wusste / meinte / es würde etwa ein gut Stük Geldes sein.
    Unser Valikules / so bald er wieder zu Korint anlangete / fand er ein
Schiff daselbst / welches des folgenden Tages nach Kreta wollte / ging des Abends
zu Fr. Euphrosynen / und hielt Mahlzeit mit ihr / brachte ihr auch die gute
Zeitung / was massen er Fr. Agaten dem Henker aus den Händen gerissen / da sie
gleich hätte sollen ins Feur geworffen werde / währe aber von Ladisla zur
Wittiben gemacht / und baht / wann sein Klodius diese Braut vom Tantze führen
könnte /möchte er ihm solches wolgönnen. Euphrosyne gab ihm die Hand darauff /
nicht zuruhen / biss sie diese Heirat ins Werk gerichtet / wollte auch dero
behueff ihre Wase nach Korint hohlen lassen / dafern sie Markus nicht mit
bringen würde / woran sie doch nicht zweiffelte. Des folgenden Morgens / als er
zu Korint alles nach Willen bestellet hatte / ging er mit Gallus unter
herzlicher Anruffung GOttes umb eine glückliche Reise / zu Schiffe / und fuhr
nach dem Eilande Kreta mit gewünschetem Winde. Des Tages /als Markus zu Korint
wieder ankommen wahr / ging Valikules Christlicher Wirt zu ihm / erboht sich
anfangs zu allen möglichen Diensten / wie Herr Valikules mit ihm vertraulich
abgeredet hätte / uñ reichete ihm nachgehends 1000 Kronen nebest einem
verschlossenen Briefelein / des fremden Ritters wegen /welches er brach / und
folgenden Inhalt daraus lase: Dass ich euch / lieber Freund / vor meinem
Abschiede nicht gesprochen / werdet ihr meiner Sachen Notturfft und grosser Eile
zuschreiben / als der ich bloss eures Herrn wegen meine wichtige Reise nach
Spanien auffgeschoben / welchen ich freundlich zugrüssen bitte / und dz den
Kriegs- und Schiffknechten / welche in Erlösung ihres Herrn tapffer und redlich
gefochten / das von mir versprochene Geld ausgeteilet werde. Sonsten warte ich
auff bequeme Gelegenheit / mich dereins besser kund zugeben. Inzwischen gehabt
euch wohl uñ seid gegrüsset von eurem gute Freunde. Jul. Probus. Er brachte
dieses Schreiben alsbald Herrn Ladisla zuverlesen / welcher alle Gedanken auf
diesen Ritter / aber ganz vergeblich wendete / nur erfreuete er sich / dass auch
schriftlich er seine Kundschaft angelobete. Fr. Euphrosyne nam dazumahl auch
ein Schreiben aus ihrer NäheLade hervor / und sagete: Ich hätte schier aus der
acht gelassen / meinem Liebesten ein Schreiben einzuhändigen /welches vor dreien
Tagen mir ein Schiffknecht gebracht / mit vermelden / es kähme von einem sehr
guten Freunde / welcher in dem Eilande Kreta zu Schiffe gangen / und nach Zypern
gesegelt währe; hätte ihm eine Krone Trinkgeld versprochen / da ers zurecht
einliefern würde / welche ich ihm auch gegeben. Markus nam den Brief zu sich /
sah nach Erbrechung den untergezeichneten Nahmen / und sagete /als aus
Verwunderung: O Gn. Herr / ein Schreiben von Herr Herkules. Was? antwortete er /
schreibet mein Herkules an euch / und nicht an mich? da stecket was neues hinter
/ und merke ich schon / mit was Anschlägen er umgehet; Aber leset uns doch den
Inhalt /dass wir seines ergehens Bericht einnehmen. Markus gehorsamete / und lase
wie folget: Lieber Freund Markus / ich werde ohngefehr berichtet / dass ihr zu
Korint mit einem Schiffe sollet ankomen sein / zweifele auch nicht / mein
herzlieber Bruder und Seelen-Freund Ladisla habe euch ausgeschickt / oder finde
sich selbst dabei / welches ich doch nicht eigentlich erfahren können. Lieber
schreibet oder vermeldet ihm / meine herzliche Bitte sei / dass er wegen meines
Abschiedes sich nicht bekümmere / noch mir zufolgen sich unternehme /sondern bei
seinem lieben Gemahl zu Padua verbleibe /in Betrachtung / ich viel zu einen
weiten Weg / beides zu Wasser und Lande reisen muss / ehe ich dahin gelange
/wohin sein Frl. Schwester geführet wird; und ist unmöglich / dass jemand in
Rittersgestalt ihr beikommen sollte /sondern werde mich in Weibeskleidern
verstellen müssen / da ich sonst ichtwas zu ihrer Rettung wirken will; Hoffe
demnach / dafern mein geliebter Bruder mich in ihm zu tödten nicht gemeinet ist
/ er werde mir hierin wilfahren /und mit Gottes Hülffe / meiner / und seiner
Frl. Schwester Ankunft / inwendig halbjähriger frist gewärtig sein. Ich hätte
selbst an ihn geschrieben / da ich nicht gleich jezt in ein Schiff treten müste
/ mit gutem Winde aus Kreta nach Zypern zufahren / und von dar ab weiter den
abgelegenen Morgenländern zu / durch Wellen und Wüsteneien. Der Allmächtige Gott
schütze mich und meine geträuen Diener Gallus / der aus einem bösen Räuber ein
gewünscht-fromer Mensch worden ist. Meinen Gruss an alle guten Freunde und
Freundinnen unvergessen.
                                                                        Herkules
    Ladisla sagete nach Verlesung mit seuffzen: O Herkules / Herkules / ist das
die geschworne Träue? Warumb fleuhestu so vor mir? Warumb ist dir meine fernere
Gesellschaft so verdriesslich? oder meinestu / ich könne nicht so wohl ungemach
leiden als du? ich scheuhe mich mehr vor Wellen und Wüsteneien / als ich dich
liebe? Fabius antwortete ihm: Mein Herr Bruder / mir zweifelt nicht / eure
Gesellschaft sei Herrn Herkules überaus angenehm; nur weil wir wegen des Barts
unser Geschlecht nicht können verbergen / hat er / als viel ich muhtmasse / uns
warnen wollen / alle Gefahr bestes Fleisses zumeide; kann uns demnach dieser
Brief in so weit dienen / dz wir auff unser Reise desto behutsamer gehen; möchte
aber wünschen / dass uns der Ort wissend wäre / wohin wir unsern Weg nehmen
müssen. Ja antwortete Ladisla /wer weiss / ob diesem Schreiben ichtwas zutrauen
stehet / und nicht vielmehr alles nur / mich abzuschrecken / ertichtet ist? Ich
keñe meinen Herkules viel zu wohl in solchen Streichen / und hat er mir
dergleichen Possen in der Jugend schon mehr gerissen. Ich erinnere mich anjetzo
/ wie unser Lehrmeister nach geendeten Unterweisungs-stunden pflag mit uns zur
Ergetzung ins Feld zugehen / und bei solchem Urlaub uns doch am meisten lehrete;
Dann alles / was wir sahen /mussten wir ihm Lateinisch und Griechisch nennen;
sahen wir dann nichts sonderliches / so sagte er wohl zu uns: Wañ uns dieses oder
jenes wilde Tihr begegnete / und lieffe mit grimmiger Wuht und auffgesperretem
Rachen zu uns ein / wie woltet ihr / Herkules /es auff Griechisch; und ihr
Ladisla / es auff Lateinisch geben? Nun trug sich einsmahls zu / dass unter
solchem Lustgehen mein Herkules eines Nestes mit jungen Wölffen (dann er hatte
stets die Augen allentalben) gewahr ward / schwieg aber stille / und taht es
niemand zuwissen / sondern baht / wir möchten wieder nach Hause umkehren. Als
wir daheim wahren /und er sich des Lehrmeisters auff ganz listige weise
entlediget hatte / nam er seinen Handbogen / etliche Pfeile / und einen langen
Strik zu sich / ging bald hie bald da / und suchte sich von mir hinweg zustehlen
/weil ich ihm aber stets nachging / sagte er: Mein Brüderchen / hole doch deinen
Bogen / und lass uns wette schiessen. Ich wahr so einfältig / und ging hin; aber
da ich wieder kam / wahr mein Herkules hinweg und nach dem Pusche gelauffen / da
er die jungen Wölffe gesehen. Es währe ihm aber schier übel bekommen; dann die
Wölfin / welche erstmahl nicht da wahr /hatte sich inzwische wieder herbei
gemacht / und wie er in aller stille hinzu kreucht / den Raub zufahen /macht
sich die Wölfin auff / und springet ihm mit offenem Rachen entgegen. Zwar es
wahr sein Glück / dass er mit gespannetem Bogen und aufgelegtem Pfeile gangen
wahr; dann wie ihn die Wölfin anfält / scheust er ihr den Pfeil in den Rachen
tieff hinein / welcher /weil er Wieder-haken hatte / nicht kunte heraus
geschüttelt werden / sonst währe es umb sein Leib und Leben getahn gewesen; wahr
also die Wölfin mit grossem Geheule davon gelauffen / welche man des andern
Tages tod / und ihr den Pfeil im Rachen fand. Inzwischen hatte er sich nach der
Höhle gemacht / und zween schon zimlich erwachsene junge Wölffe zusamme
gefesselt / die er am Stricke als Hunde daher führete; wie ich auch anders nicht
meinte / es währen junge Hunde gewesen; fragete ihn deswegen / wo er diese
scheussliche Hunde bekommen? dessen er lachete / und zu mir sagete: Lieber Bruder
/ kennestu noch keine Wölffe? es sind trauen keine Hunde. Ich fragete ihn /
warumb er mich hinweg geschicket / und mir den Bogen befohlen zuhohlen. Ja /
antwortete er /meinestu / dass ich in solcher Gefahr dich sehen könnte / in
welcher ich gleich jezt gewesen bin / ehe ich diesen Raub erhalten / uñ der
Wölfin die jungen entführet? Und wann ich dich gleich hätte mitgenomen /würdestu
mir durch deine Gegenwart nur schäd- und verhinderlich gewesen sein; massen ich
so stille nicht hätte können hinzu schleichen / noch mit meinem Bogen so frei
sein / als da ich allein wahr. Ich lief alsbald hin zu seinem Herr Vater / und
rühmete Herkules glückliche Kühnheit / dz er einer Wölfin zween junge entführen
dürffen; welcher anfangs lachete / und zu mir sagete; Lieber Sohn Ladisla / dein
Herkules äffet dich / er wird ein paar junger Baurhunde haben; Da er aber mit
seinen Tihrichen auffgezogen kam / erschrak sein Herr Vater / und fragete / wie
er bei die Wölfichen kähme? Herr Vater / antwortete er / es ist bei Träuen
schande / dass unsere Jäger ihr Brod so gar umsonst fressen / und beim Luder
verzehren / und lassen diese schädliche Raube Tihre in der Nähe ihre Jungen
auffbringen / da sie einen unbewehreten Menschen aus Hunger leicht anfallen und
zureissen sollten; hätte ich dieses Nest nicht verstöret / wie manniches Schaf
würde es uns gekostet haben? Und ist bei so gestalte Sachen gar kein Wunder /
dass unsern Schäffern es so oft an der Zahl mangelt / die ihnen geliefert ist.
Sein Vater fragete ihn / wie ers dann angefangen hätte / und nachdem ers
erzählet hatte / straffete er ihn hart mit Worten; Er sollte hinfüro sich ja
nicht gelüsten lassen / so verwägen zu sein / oder der Lehrmeister würde ihn
darum züchtigen; ob er nicht wüste /dass ers ihm schon vor diesem verbohten hätte
/ da er den grossen Wolff im Pusche erstoche? Mein Herkules durffte sich wohl
beschweren; so höre ich wohl /sagte er / mein Herr Vater zürnet auff mich / wann
ich Schaden abkehre / was hätte ich zugewarten / wann ich übels tuhn würde?
Dieses erzähle ich zu dem Ende / dass ich euch geliebter Bruder / seine Art uñ
weise zuerkennen gebe / wie ers schon / da er kaum von X Jahren wahr / mit mir
gespielet / uñ ich demnach in solchen Begebnissen ihm nicht zutrauen habe.
Fabius erboht sich / er währe willig und bereit / die Reise erstes Tages mit
fortzusetzen / wann man nur wüste / wie mans am besten anstellen sollte; Ich weiss
/sagete er / dass er noch in dieser Gegend gewesen ist /als ich ankommen bin /
noch hat er sich aus dem Staube gemacht / und nicht wollen erkennet sein; Daher
ist mein Raht / doch auff Verbesserung / dass wir mit geringer Gesellschaft ihm
folgen / ob wir ihn auff solche weise ausforschen möchten; dann so wir ihn
einmal ertappet haben / wird er nicht von uns weichen. Ladisla antwortete: Ich
bin schon bedacht gewesen / mein Schiff nach Hause zuschicken / und etwa selb
dritte oder vierde ihm zufolgen; welches ihm Fabius mit gefallen liess / uñ
wurden eins /iñerhalb weniger Zeit / so bald die ausgeschikte Soldaten wieder
ankommen währen / ihm nachzusetzen. Des nähesten Tages ritten Ladisla und seine
Gesellschaft nach dem Hafen / weil sie Zeitung hatten / dass sein Schiff daselbst
eingelauffen wahr / und teilete Markus die 1000 Kronen unter seine Leute aus.
Inzwischen leistete die beiden jungen Frauen dem añoch betlagerige Klodius
Gesellschaft / und hatten mancherlei Gespräch mit einander / biss Fr. Euphrosyne
ihre Wase baht / ihr zu erzählen / warum Kleander so grausam mit ihr verfahren /
uñ sie verbreñen lassen wollen / da er doch die ganze Zeit her / und noch
neulich sich gegen sie verlauten lassen / wie lieb er sie / uñ in seine hohe
Alter alle seine Ergetzung an ihr hätte. Ach herzliebe Wase / antwortete sie /
ihr heisset mich nur meinen unsäglichen Jamer wiederhohlen / dessen ich bisher
noch nicht vergessen können / und mir alle Nachte das erschrekliche Feur vorkomt
in welches ich sollte geworffen werden; doch will ich euch wilfahren so gut ich
kann. Ihr werdet zweiffels ohn berichtet sein / was harten Streit Herr Ladisla
mit Perdickas gehalten / da er zuvor meinen Stieffsohn Ariston (der mir inner
halben-Jahresfrist manniche Trähnen heraus gelocket) erschlagen hatte. Ja sagete
sie / es hat mir solches alles gegenwärtiger Herr Klodius umbständlich kund
getahn / biss dahin man ihn hat wollen gefangen nehmen. Das übrige / sagte Fr.
Agata / ist mir gnug bewust / und hat mirs meines alten Kleanders Leibknabe
unterschiedlichemahl erzählet / dass wie Herr Ladisla mit dem Pferde gestürzet /
währen sie allesamt auff ihn zugefallen / dass er nicht anders gemeinet / man
hätte ihn gar erdrukt; nachdem er sich aber auffgerichtet / hätte Kleander denen
die ihn erstechen wollen / zugeschrien / man möchte ihm den Gefangenen lebendig
liefern / er wollte schon wissen mit ihm zuverfahren dass Herr Perdickas und sein
lieber Sohn neben den andern Erschlagenen seinen lieben Freunden und Anverwanten
/gerochen würden: Ladisla mochte hieraus leicht abnehmen / dass er nicht viel
gutes im Sinne hatte / doch hatte er gar nicht umb Gnade gebehten / sondern zu
den Anwesenden gesagt; ich habe ehmahls Griechenland wegen auffrichtiger Träue
rühmen hören / weiss aber nicht / wie man dass verantworten kann / dass man mich so
überfallen / und die meinen allesamt erschlagen hat. Er hatte aber zur Antwort
bekommen / er sollte nur das Maul halten; es währe ihm schon zu lange zugesehen /
und nicht zuverantworten / dass Perdickas nicht gerettet währe. Auff der Wahlstat
hätte man IIX von Adel und XVI Diener Tod funden /daneben alle die mit Herren
Ladisla kommen wahren /ausser seinen Leibknaben und vornehmsten Ritter /welcher
aussgerissen / dessen die ganze Gesellschaft erschrocken / H. Ladisla aber
erfreuet wahr / der gleich dazumahl vor Kleander gestanden / und ihn also
angeredet hatte. Alter Vater / mir ist Leid / dass der junge ädelman / welcher
euer Sohn sein soll / ihm dieses Unglück selber zugerichtet / und wieder meinen
Willen sich in diesen Streit eingemischet hat / da ich doch durchaus keinen
Wiederwillen zu ihm trug / er mich auch nicht beleidiget hatte / nur dass er
suchete /ehre an mich zuerfechte / welches ihm misslungen ist; darumb sollet ihr
als ein alter verständiger Herr mich hierin nicht verdenken / was durch zulass
aller Völcker Rechte von mir begangen ist / und eure väterliche Neigungen
einzwingen / dass sie nicht aus den Schranken der Erbarkeit und vernünftigen
Rache schreiten /dann euer Sohn ist ritterlich gestorben / ohn einiges Zeischen
der Furchtsamkeit; so habe ich auch anders nicht gekunt / als ihm zu willen sein
/ dafern ich mich nicht selbst des Ritterstandes unwirdig machen wollte. Hierauff
hatte ihm Kleander keine andere Antwort gegeben / als dass er ihn vor einen
verfluchten meinäidigen Mörder gescholten; welches er nicht ohn Zorn folgender
Gestalt beantwortet; Alter / haltet ein mit solcher Schmähung; ich bin ein
Römischer ädler Ritter und Käyserl. hoher Beampter / und weiss mich aller
Untahten unschuldig / deswegen bedenket was ihr redet / und stürzet euch und
alle Anwesende nicht in ein unvermeidliches Unglück. Was? hatte Kleander hierauff
gesaget / wiltu mir noch darzu trotzen / und gebieten was ich tuhn oder lassen
soll? jedoch harre nur ein wenig / biss meines lieben Sohns Begräbnis zugerichtet
wird / alsdann soltu ihm zum Opffer geschlachtet werden / oder ich will eines
abscheulichen todes sterben. Diese Urtel wahr von H. Ladisla also beantwortet;
Herr Alter / ihr wandelt nicht auff der Tugendbahn / dass ihr so mit mir schalten
wollet / und versichere euch und alle Anwesende / dafern ihr auff diesem Vorsaz
bestehet / wird mein Tod an euch allen viel grausamer gerochen werden / als
neulich der Römische Gesante / wie ich höre / mit Charidemus verfahren / worüber
ich auch in diese Ungelegenheit habe gerahten müssen. Mein Kleander hatte diese
Rede mit einem Hohngelächter ersetzet / und zur Antwort gegeben; Wolan / wir
wollen deines Trotzes erwarten /und dafern die Römer sich unterstehen werden /
den Griechischen Adel zu unterdrücken / muss man sich nach Schuz und Hülffe
umbtuhn. Darauff hatte man ihm den trefflichen Harnisch (welchen er hernach auff
meinem Schloss wieder bekommen) abgezogen / und hatte sich mit gebundenen
Händen auff den Rücken neben Kleanders Gutsche durch Lachen und Pfützen
herschleppen lassen müssen / da er grosse Beständigkeit und geduld erzeiget. Ach
Gott / sagete Fr. Euphrosyne / wie gehets in der schnöden Welt her! wie muss die
Tugend sich von dem Frevelmuht so schändlich lassen rechtfärtigen! doch haben
wir niedriegen StandesLeute hieraus zu lernen / wie auch wir das Unglück geduldig
ertragen sollen / wann es uns trifft /weil wir sehen / dass so vornehme Herren
dessen nicht mögen geübriget sein / und sie sich überdass noch so fein darein zu
schicken wissen. Aber lieber fahret fort mit eurer Erzählung. Ja sagete Fr.
Agata / das übrige kann ich umb so viel besser sagen / weil ich selbst dabei /
und ein vornehmes Glied in diesem Trauerspiel gewesen bin / wañ ichs nur vor
Wehmuht verrichten könnte; doch vielleicht helffet ihr mir noch wohl etliche
Schmerzen-Trähnen mit vergiessen. Als Herr Ladisla also gebunden auff das Schloss
geführet ward / ging ich im vörder Platze / meinem Gesinde etwas zubefehlen /
und hörete / dass gegenwärtiger Gefangener meinem Stieffsohn Ariston / dem ich
sehr gewogen wahr / das Leben geraubet hätte / gehueb mich deswegen aus
herzlicher Traurigkeit sehr übel / und geriet bald darauff in grossen Zorn /
fiel den Gefangenen an / und wahr willens ihm die Augen ausszukratzen; da ich ihn
aber so prächtig gekleidet / und von so guter Gestalt sah / gedachte ich
alsbald / dieser würde nimmermehr kein Mörder sein / enderte auch meinen Vorsaz
/ und gab mich auff das Weinen. Herr Ladisla sah mich freundlich an / und
sagete; ädle Frau / tuht nicht so übel wegen des ertödteten ädelmans / den er
ist öffentlich im Streit als ein mannlicher Ritter gestorben / und versichert
euch daneben /dass ich kein Ubeltähter / sondern ein ehrlicher Ritter hohes
Standes bin / deswegen traget mit mir ein mitleiden als mit eurem Gefangenen /
weil ich in meiner guten Sache mich ohndas eurem auffrichtigen Herzen / welches
durch die Augen hervor leuchtet / gerne vertrauen will. Ich taht als hörete ich
seine Reden nicht /die mir doch mehr Trähnen / als meines Sohns Tod /aus den
Augen trieben; dann ich empfand so grosses Mitleiden über ihn in meinem Herzen /
dass ichs nicht ausssprechen kann; durffte michs aber mit keinem Worte merken
lassen / ohndass ich ihn freundlich ansah / und doch zugleich mit ihm schalt /
warumb er sich mit dem jungen Herren in Streit eingelassen hätte. Er antwortete
mir; es währe ihm der Unfal nicht weniger selbst leid / könnte aber nicht
dawieder / weil er zu dem Kampf genöhtiget währe / und die Zuseher wohl bezeugen
würden; nun währe aber unmöglich in solchen Spielen die Hiebe und Stösse mit der
Goldschale abzuwägen / insonderheit / wañ das Glük übel wollte. Ich sprach ihn in
meinem Herzen nicht allein frei und los / sondern auch allerdinge unschuldig;
aber als mein Alter vom Wagen stieg / befahl er / den Gefangenen in den
stärkesten Turm zu legen / und ihn weder mit Essen noch Trinken zulaben. Herr
Ladisla redete ihm ein / er möchte sich eines andern bedenken / und einen ädlen
Römischen Ritter nicht nach SklafenArt einsperren / sondern auff ein Gemach
einlegen / ja / bedenken / was vor Freiheit ein Römischer Bürger / geschweige
Beamter hätte; er wollte bei rittelichen Ehren versprechen / nicht zu weichen /
sondern der Urtel abzuwarten. Aber dawahr den Tauben geprediget; dann die
Knechte stiessen ihn ohn ferner Wort sprechen in den Turm / der doch eigendlich
zum Gefängnis nicht gebauet / sondern auff den Fall der Feuersnoht zugerichtet
wahr / dass man die besten Sachen hinein flöhen und erhalten möchte; ging auch
nicht gar tieff in die Erde / sondern wahr inwendig fein renlich / und mit einer
starken eisern Tühr verwahret / an welcher inwendig fünff grosse eiserne
Schlösser sassen / die in einem umbdrehen / und nur mit einem Schlussel zugleich
auffgemacht wurden. Wie sehr mich nun seiner im Gefängnis jamerte / nam ich
michs doch äusserlich nicht an / sondern ging meinem Alten traurig nach /
tröstete ihn in seinem Unglück / und baht ihn mit Trähnen / er möchte durch gar
zuheftiges Grämen und übrigen Zorneifer ihm selber nicht das Leben verkürzen;
wünschete zwar von Herzen / dass ich vor seinen lieben Sohn gestorben währe /
damit der einige Erbe hätte mögen überbleiben; weil es aber den Göttern anders
gefallen / müste ich nunmehr vorbauen / dass nicht der Vater mit dem Sohn
zugleich dahin fiele; machte ihm überdass Hoffnung /weil er noch von zimlichen
Leibeskräfften währe /könnte sein Geschlecht durch mich erbauet werden. Nun muss
ich bekennen / dass ausser des alters eigentühmlicher Gramseligkeit / er bissdaher
mir allen guten Willen erzeiget hatte / nam auch dieses mein trösten sehr wohl
auf / dass er mich umfing / und versprach / er wollte sich zufrieden geben /
nachdem er Gelegenheit hätte / sich an dem Tähter zu rächen; dem ich nicht
wiedersprechen durffte. Umb Mitternacht stund ich sanfte von ihm auff / und
liess diese meine Dirne sich zu ihm legen / ging hin zu dem Turm / und durch das
Loch der eisern Tühr / da man kaum eine Hand hindurch stossen kunte / redete ich
dem Gefangenen zu / und sagete: Ritter schlaffet ihr? Er hörete es alsbald / und
fragete / wer ihn in der Nacht zubesuchen wirdigte? Ich bin die Frau des
Schlosses / antwortete ich / deren ihr heut eure Unschuld sattsam habet
dargetahn / trage auch grosses Mitleiden mit eurem Unfall / und dass ihr so
elendig sollet abgeschlachtet wernen. Wisset ihr nun gute Freunde / die euch
retten können / so tuht mir solches sicherlich kund / dass ich alsbald nach ihnen
sende / damit ihr dem grausamen Tode entgehet / mit welchem mir nichts gedienet
ist / nur dass ihr mir angelobet / euch schier heut oder morge an meinem alten
EhHerrn nicht zurächen. O ihr meine HerzenFreundin / antwortete er / die Götter
müssen euch dieses mit ewiger Barmherzigkeit vergelten; aber seid zuvor gebehten
/uñ gebet mir einen Trunk Wasser / mein abgedürstetes Herz zu laben. Ach ihr
Götter / sagte ich / wie bin ich doch so unbesonnen; lief geschwinde hin / und
holete ihm eine Kañe Wein / und etwas kalt Gebratens /davon er des folgenden
Tages gnug zu essen hatte; kam bald wieder / und schnitte die Speisen in kleine
stüklein / die ich ihm durch das Loch reichen wollte; Er aber sagete: Meine
Freundin / die Hände sind mir noch auff den Rücken gebunden / dass ich nichts zu
mir nehmen kann; habt ihr nun irgend ein Messer / so werfft mirs doch herein /
ich will sehen / wie ichs zur Hand bekomme / und mich lossschneide. Geschwinde
band ich mein Messer an einen Fadem / und hing es durchs Loch hinein / dass ers
rüklings fassete / und so lange sich quälete / biss er einen Bruch in den Riemen
machete. Weil er nun durstiger / als hungerig war /hielt ich ihm den Wein vor
das Loch / da er auf ein TührSchloss trat / und den Mund gleich dem Loche hatte /
dass er durch ein Rohr fein trinken kunte / und sich erquickete; hernach reichete
ich ihm die Speisen zu / dass er sich zimlich sättigte. Nun ihr Götter /sagte er
/ helffet mir aus dieser Gefängnis / dass ich mich gegen diese Tugendreiche Frau
dankbarlich könne finden lassen. Ich antwortete ihm: Es währe mir schon Danks
genug / wann ich ihm davon zuhelffen bestand sein würde; aber er müste mir
anzeigen / auff was weise es möglich währe; dann Gewalt zugebrauchen / stünde in
meiner Macht nicht / ob es gleich an meinem Willen nicht mangelte. Solches
begehre ich auch von meiner geliebeten Freundin nicht /sagte er; nur dass sie
einen geträuen Menschen nach Elis senden wolle / der meinem Diener Klodius
daselbst / oder dem Römischen Gesanten Fabius den Tag des Gerichts anzeige; dann
werden sie sich schon bemühen / mich loszumachen. Ich ward dessen von Herzen
froh / liess auch folgenden morgens sehr früh einen ablauffen / welcher aber so
wenig von Klodius als von Fabius erfragen können / und aller Sache unverrichtet
wieder kam. Desselben Tages musste Herr Ladisla ungetrunken bleiben / biss ich ihn
zu Nachtzeit wieder besuchte / und ein langes schmales Gefäss von einer KühHaut
zurichtete / in welches etliche MassWein gingen / steckete es ihm zu durch das
Loch / und hatte er also des folgenden Tages gnug zu essen und trinken. Nach
vollendeter dieser Nacht erinnerte ich Kleander / umb Argwohn zumeiden / dafern
dem Gefangenen so gar alles essen uñ trinken abgeschnitten würde / müste er ja
Hungers oder doch durstes sterben; möchte demnach Anordnung machen / dass er
nöhtigen Unterhalt bekähme; worauff ihm grob trocken Hunde-Brod / und ein Trunk
Wasser gereichet ward. Unterdessen bemühete ich mich äusserst / den Tag des
Gerichts auffzuschieben / aber vergebens /und weinete mir das Herz im Leibe /
dass ich kein Mittel seiner Erlösung finden kunte; dann ich hatte mir gänzlich
vorgenommen / entweder zusterben /oder ihn zuerlösen; stellete mich deswegen
zween Tage vor dem angesezten Gerichte / als ob mich bei der Mahlzeit grosse
Häupt- und Bauchschmerzen anstiessen / und liess mich von den Mägden nach Bette
tragen. Mein Alter hielt sich sehr leidig / fuhr doch nicht desto weniger fort /
allerhand Anordnung zumachen / dass sein Vorhaben ausgeführet würde. Des
folgenden Tages / welcher der näheste vor dem Gerichts-Tage wahr / baht ich
meinen Alten sehr / die Volstreckung so lange auffzuzihen / biss ich die Lufft
ertragen könnte / weil ich Verlangen hätte / derselben beizuwohnen; und nachdem
auch dieses nicht zuerhalten wahr / bemächtigte ich mich des Schlüssels zum
Turme / liess auch Herrn Ladisla durch meine vertrauete Dienerin andeuten: er
sollte sich fertig halten /wann zu Mitternacht die Tühr geöffnet würde / und
hernach auff dem Platz hinter den ledigen Fässern sich verbergen / biss der Hirt
die Kühe austreiben würde /dann könnte er zugleich mit hinaus wischen / und im
Gehölze sich verstecken; ob dann ein Lermen darüber entstehen wurde / wollte ich
die Nachfolge zuverhindern / allen Fleiss anwenden. Mein Vorhaben liess sich
anfangs glücklich an / dañ mein Kleander lag im tieffen Schlaffe / da ich
hinunter ging / und den Schlüssel in die Tühr steckete; weil aber meine Hände
viel zu schwach wahren / denselben umzudrehen / suchte ich einen starken Prügel
/ steckete ihn durch den Handgriff / und wollte gleich auffschliessen; Inzwischen
mag mein Alter erwachen / und vernehmen / dz bei dem Turm etwas reges ist / weil
er gerade gegen der Schlaffkammer über stehet / und schlug das Unglück darzu /
dass er mich beim Mondenschein alsbald erkeñete / kam geschwinde im blossen Hemde
/ wiewol in aller stille herunter gelauffen / und fassete mich beim Halse / ehe
ich sein innen ward / erschrak auch von ganzem Herzen / da er mit gresslicher
Stimme zu mir sagete: O du falsches boshaftes und ehebrecherisches Weib /
schätzestu deine versprochene Träue so liederlich / dass du zu diesem Mörder dich
in Unzucht finden / und mit ihm davon lauffen wilt? Ich fassete ein Herz / so
gut ich mochte / und antwortete ihm: Mein lieber Herr / ich stehe keines weges
alhie / Unzucht zutreiben / viel weniger davon zulauffen; vor beides werden mich
die Götter schon bewähren; aber nachdem ich nicht allem von der unschuld dieses
gefangenen Ritters gnugsame Kundschaft eingezogen /sondern auch in Erfahrung
gebracht / was vor grosse Gefahr euch und mir auff dessen Tode stehe / so
bekenne ich / dass zu eurem besten ich ihm habe wollen davon helffen / damit ihr
nicht durch seinen Tod /euch und alle eure Zugehörigen möchtet verderben; wie er
mir dann äidlich versprochen hat / sich an euch und die euren durchaus nicht zu
rächen; könnet oder wollet ihr nun euer eigen Glük und Unglück nicht erkennen /
wolan / so will ich entschuldiget sein / und möget ihrs hernähst verantworten /
wiewol ich euch nochmahl von Grund meines Herzen bitten will / eure eigene
Wolfahrt nicht zuverseumen / noch eure ehrliche grauen Haar zu allerlezt mit
Schanden und schaden unter die Erde zubringen. Kleander stund und sah mich an /
kunte vor grossem Zorn und Eifer nicht reden / sondern ergriff den Prügel / den
ich zu meinem eigenen Unglück gesucht hatte / und zuschmierete mir die Rippen und
Arme so jämmerlich / dass ich die Zeichen noch auffzuweisen habe / und ob ihm
Herr Ladisla gleich vielfältig zuschrihe / er möchte mit seinem frommen
unschuldigen Weibe so grausam nicht verfahren / halff es doch im geringsten
nicht / sondern ward nur unsiñiger dadurch / und weckete seine Knechte auff /
die mich in ein schlimmes Gefängnis werffen mussten / da er dann mit hohen
Schwüren beteuerte / nicht zuruhen / biss er sein ungeträues ehebrecherisches
Weib hätte zu Aschen und Staub verbrennen lassen. In was vor Angst und Pein
dazumal mein Herz stund / ist mir unmöglich zu sagen / nicht allein meines
Unfalls wegen / sondern dz durch meine Unvorsichtigkeit Herrn Ladisla Rettung
gar zu Wasser worden wahr. Früh morgens liess Kleander seine nähesten Anverwanten
zu sich fodern / denen er klagend vorgebracht hatte / dass sein junges Weib / die
er fast aus Mitleiden und Erbarmung geheiratet / träuloss an ihm worden / und
mit seinem ärgesten Feinde dem gefangenen Mörder davon lauffen wollen; währe
ausser allem Zweiffel mein Vorsaz gewesen / ihn zuerwürgen / und hernach seine
besten Schätze mit hinweg zunehmen; bähte demnach / ihm guten Raht mitzuteilen /
damit sie andern ihres gleichen zum Beispiel gestraffet würde. Dieses wahr seine
Verwanten ein gewünschtes Fressen / als welche nach Aristons Tode nach der
reichen Erbschaft schnappeten / und ich ihnen hernähst keinen Eintrag tuhn
möchte; rieten also einhellig / mich im Rauche gen Himmel zuschicken; Aber Gott
fügete es / dz indem sie mich wollten brennen sehen / sie allesamt erschlagen
wurden. Die Urtel erging darauff alsbald / ich sollte und müste brennen / Herr
Ladisla aber mit dem Schwerte abgetahn werden / welches auch auff Kleanders
begehren von allen anwesenden gebillichet / und von dem nähesten Verwanten / mir
früh morgens zwischen sieben und achten angekündiget ward / welchem ich meine
Taht umständlich erzählete / und wie unschuldig ich an der Berüchtigung des
Ehebruchs und vorgegebenen Mordes währe; liesse demnach die ganze Freundschaft
inständig bitten / sich an meinem unschuldigen Blute nicht zuversündigen oder
solches zu verdammen. Dieser falsche Bube stellete sich gegen mich sehr
mitleidig / und sagte: Er vor sein Häupt hielte nicht allein mich vor unschuldig
/ sondern müste mir überdas zuerkennen geben / wie heftig er in mich verliebet
währe / so dass er auf nichts / als auff des alten Kleanders Tod laurete / damit
er mich wieder heirahten könnte / durffte mir auch in meiner höchsten Betrübnis
Unzimligkeit zumuhten / nebest dem versprechen / nicht zuruhen / biss er mich
würde errettet haben. Als ich ihm aber zur Antwort gab: Ich wollte ihm hernähst
in sein ehrliches Anmuhten einwilligen /und die ErettungZeit meines Lebens
zuerkennen wissen / aber das unzimliche keines weges begehen /noch / da ich
bisher meine ZuchtEhre bewahret hätte /dieselbe im Gefängnis schänden. Da liess
er sich vernehmen / er hätte daran ein gutes Genügen / und wollte alle
menschliche Mögligkeit zu meiner Erhaltung anwenden / aber (wer sollte bei
einigem Menschen solche teuflische Bosheit suchen?) er hatte /wie ich hernach
berichtet bin / nicht allein sich meiner gar nicht angenommen / sondern der
ganzen Versamlung zur Antwort von mir hinterbracht / ich hätte auff sein
listiges nachforschen und vorgeben / ihm nunmehr gestanden / dass der Mörder mit
seinen verführischen Worten und überaus grossen Verheissungen /mich zu einer
gewaltigen Frauen zu machen / mich darzu verleitet hätte / meinen Alten helffen
umzubringen / und mit ihm davon zu lauffen. Also ward der weisse Stab über mein
Leben gebrochen / und traten nach einer Stunde zween HenkersBuben zu mir in die
Gefängnis / welche nach gebehtener Verzeihung / mir die Hände auff den Rücken
bunden / und mich nachgehends auff einen Karch setzen wollten; dessen ich mich
aber wegerte / und den herben Weg zu fusse zugehen mich anerboht. Herr Ladisla
ward vor mir hergetrecket / und mussten IIX gewapnete Bauern zwischen uns gehe /
dass wir nicht mit einander reden sollten; jedoch hörete ich / dass er den neben
her reitenden ädelleuten zurief: Ihr Herren / mit mir schicken es die Götter
nach ihrer Versehung / wañ ja ein auffrichtiger Kampff in Griechenland als eine
mörderische Taht ganz mörderischer weise soll gestraffet werden / wiewol das
erschrekliche Weh deswegen alle eure und der euren Häupter treffen wird / wozu
ihr euch nur gefasset halten möget; aber diesem redlichen / frommen und
unschuldigen Weibe geschihet vor GOtt und der Welt Gewalt und unrecht / welches
ich allein gegen euer zehne behäupten will / wann mirs kann zugelassen werden.
Aber ihm ward nichts als ein spöttliches Gelächter zur Antwort; der Kämpffer
träte hinter ihm her / welcher ihm die ruhmrähtige Zunge schier lähmen und das
Lügenmaul stillen würde. Ich empfand aus seiner Rede einen sonderlichen Trost in
meinem Herzen / und rieff ihm zu: Frommer ehrlicher Ritter / ei last uns getrost
in unser unschuld sterben / und die gerechten Götter zu Richter über unser Blut
setzen /die werden diesen an uns vorgenommenen unbillichen Mord nicht ungerochen
lassen. Ja ihr Tugendkrone /antwortete er mir gar laut / ich danke euch vor euer
Mitleiden über meine Unschuld / und bitte die Götter / dass sie eine Verachtung
dieses irdischen Lebens /und Herzhaften Muht biss ans Ende in euch wircken
wollen / alsdann werdet ihr eurer Tugend und Frömmigkeit Belohnung ohn allen
zweifel von ihnen erlangen. Wir wurden zimlich langsam zwischen Spiessen und
Schwertern nach der Schlachtbank und dem Opfferheerde hingeführet / biss ich
endlich das grosse Feur sah / wovor ich schier in Ohmacht nidergefallen währe /
und erhielt mich nur die blosse Furcht / und eine gar schlechte Hoffnung zur
Barmherzigkeit / welche mich am Ende vielfältig umb Gnade ruffen machte / wiewol
allerdinge vergebens und umbsonst; biss die gütigen Götter (die durch etliche
Regentropffen /welche wie Trähnen bei klarem Sonnenschein herunter fielen / ihr
Mitleiden gegen uns bezeugeten) uñ unsere Erretter aus den Pusche uns
unversehens zuschicketen / welche die gar zu unbarmherzige Bosheit mit vollem
masse vergolten / wie euer Liebster euch zweiffels ohn schon ausführlich wird
berichtet haben. Als Fr. Agata hiemit ihre Rede / und zwar nit ohn Trähnen
endete / sagte Fr. Euphrosyne mit weinender Stimme zu ihr; herzgeliebete Wase;
als mein Charidemus wegen seiner Unbilligkeit nidergehauen ward /meinte ich
unmöglich sein / dass eines Menschen Unglück dem meinen gleichen könnte / aber als
viel ich aus euren Reden vernehme / ist das eure noch umb ein gutes Teil härter
gewesen. Klodius redete sie auch an mit einem durchdringenden Trost / und gab
ihr zuverstehn / sie hätte sich zuversichern / dass durch diese mitleidige Taht
sie ihr so grosse Freunde gemacht hätte / welches sie kaum würde gläuben können
/daher würde sie in kurzen zu höheren Ehren erhoben werden / als nie keiner
ihres ganzen Geschlechtes / ob gleich sein gnädigster Herr davon wenig Worte
machete / hätte gleichwol zu ihm gesagt; dieser ädlen Frauen bin ich meine Seele
schuldig / und werde Mühe haben / mich zubesinnen / wie ich meine Dankbarkeit
sehen lasse. Fr. Agata entschuldigte sich / es währe ihr alles schon
tausendfach vergolten / nam mit ihrer Wasen Abscheid von ihm / und ward ihnen
angesagt / dass Herr Ladisla wiederkommen währe / und auff sie wartete. Im
hingehen tröstete sie Fr. Euphrosyne auffs neue / sie sollte ein fröliches Herz
fassen /und sich versichern / dass alles zu ihrem besten geschehen währe; dann
mir ist / sagte sie / nicht unbewust / wie gram und auffsätzig euch euer
Stieffsohn Ariston wahr / der nach seines Vaters Tode euch kaum dz trockene Brod
aus den Gütern würde gegönnet haben; nun aber seid ihr Erbin und Frau über alle
Schätze und Reichtuhm; und wer weiss / was vor ein berühmter Ritter euch noch
bescheret ist? Fr. Agata antwortete: Sie könnte nicht leugnen / dass ihr
Stieffsohn einen unversöhnlichen Hass wieder sie gefasset /da sie ihm doch als
eine Magd auffgewartet / und was er begehret / von dem Vater lossgebehten hätte.
Weil ich nun merkete / sagte sie / dass nach Kleanders Ableben / er mir wenig
würde abfolgen lassen / sah ich mich vor / machete aus Korn / Vieh / und
insonderheit aus Linnewand / daran ich meine Mägde steiff arbeiten liess / und
selbst mit fleissig wahr / einen zimlichen Nohtpfennig / dass wann ich etwa vier
Jahr frist gehabt / wollte ich seiner Gnade eben so gross nicht geachtet haben /
massen ich in dieser geringen Zeit über 1200 Kronen schon beigelegt / die ich
einer verarmeten ädel Jungfer zur ausssteur schenken will. Hieran tuht ihr wohl /
sagte Fr. Euphrosyne / und schlaget fortin allen Unmuht aus / ich will mich
bemühen /dass ihr bald / wie ich / mit einem Bräutigam erfreuet werdet. Herr
Ladisla trat gleich zu ihnen auff den Saal / und hatte sein freundliches
Gespräch mit ihnen /dann er liebete Fr. Agaten nicht anders als eine leibliche
Schwester / weil sie seinetwegen sich in so grosse Gefahr gewaget hatte / daher
er vor dissmahl in Gegenwart ihrer Wasen zu ihr sagete; er könnte nicht ruhen /
biss er seine geliebete Freundin des leidigen Witwenstandes entnommen sähe.
Markus und Leches mussten alle ihre Schätze / deren nicht wenig wahren /aus den
Schiffen in die Stad bringen lassen / und stelleten Ladisla und Fabius des
folgenden Tages eine trefliche Gästerery an / auff welche sie die vornehmsten
Herren des Rahts / unter denen auch Amyntas wahr / einluden / auch zur besserung
der Stadmauren 6000 Kronen verehreten / wodurch sie ihnen die ganze Gemeine
günstig macheten. Inzwischen musste Klodius noch immerhin des Bettes hüten / ob
er gleich die Gefahr Tage schon vorbei gebracht hatte; doch ward er von beiden
Frauen täglich wohl vergeselschaftet / und liess Markus ihn selten allein /
welcher ihn einsmahls fragete / wie ihm Fr. Agata gefiele /und dafern er ein
Herz zu ihr hätte / sollte ers ihm kühnlich offenbahren / und vor das übrige ihn
sorgen lassen. Klodius wahr mit diesen Gedanken von Anfang ihrer Ankunft schon
umgangen / weil er aber am wirklichem fortgange fast zweiffelte / durffte er
sichs nicht merken lassen / biss er durch diese gemachte Hoffnung ermuntert / ein
Herz fassete / und nach geschehener Danksagung ihn baht / dieses seines Glüks
Befoderer zu sein / welches er Zeit seines Lebens erkennen wollte. Markus hies
ihn gutes muhts sein / und seiner Gesundheit pflegen / liess ihm auch alsbald
schöne Kleider machen / die er auff seinen ersten Ausgang anlegen sollte / hielt
nachgehends bei Ladisla untertähnigst an / er möchte seines geträuen Dieners
Klodius gnädigst eingedenke sein / ob zwische ihn und Fr. Agaten eine Heirat
könnte geschlossen werden; der ihm mit lachender Rede zur Antwort gab: Er möchte
vielleicht hierauff schon mehr und fleissiger als er selbst / bedacht sein;
inzwischen sollte er mit seiner liebesten es anlegen / dass sie ihr einen Willen
darzu machete; welches sie aber vor unrahtsam hielt / nicht zweiffelend / es
würde durch unvermuhtliches Vorbringen Herrn Ladisla / leichter vor sich gehen
als sonst. Wenig Tage hernach erhielt Klodius bei dem Arzt / dass er auffstehen
durffte / wornach ihn sehr verlangete; Da ihn Fr. Euphrosyne auffs beste mit
alle dem aussputzete / was einen Buhler beliebet machen kann; wie er dann ohndass
ein ansehnlicher wolgestalter Ritter wahr / und von guter Höffligkeit. Als er zu
den Versamleten ins Gemach trat / und seinem Herrn Ladisla die gebührliche
Ehrerbietung leistete / empfing ihn derselbe mit diesen Worten; mein guter
Klodius / ich erfreue mich / dass ihr der Wunden genesen seid / die ihr
meinetwegen empfangen / und werde ich mich noch heut bemühen / euch derselben
zuergetzen. Dieser zweifelte nicht / es hätte Markus der Heirahtwegen mit ihm
geredet / und gab zur Antwort: Durchleuchtigster Gnädiger Herr / mir hat nie
etwas sanfter getahn / als eben diese Wunden / nachdem ich vernommen / dass ihre
Gn. mit dem Leben davon kommen sind; die Belohnung habe ich vorlängst schon
gehoben / daher euer Durchl. gnädiges Erbieten ein lauter Uberfluss ist; befehle
mich dero stätiger Gewogenheit / und ergebe mein Leib und Seele ohn einiges
bedingen euer Gn. eigen. Hernach trat er zu Fr. Agaten / küssete ihr die Hand /
und bedankete sich der hohen Gunst / die sie ihm in täglicher Besuchung
geleistet / möchte wünschen / das seine Dienste biss an ihre behägligkeit
zureichen bestand währen / und erboht sich zu aller möglichen Auffwartung. Die
schöne junge Frau sah ihn an / hatte sich ein solches Ansehen von ihm nicht
eingebildet / weil sie ihn nur bisher im Bette gesehen / und antwortete ihm
freundlich: Mein Herr / ich erkenne sehr wohl /dass sein angewanter Fleiss zu
errettung seines Gn. Herrn / mir gleich so wohl zustatten kommen ist /wovor mich
ihm billich verhaftet erkenne / bedarff demnach vor geschehene Besuchung gar
keines Dankes; dann weil ich überdass wusste / dass ihm seine Wunden von meinen
nähesten Verwanten geschlagen wahren / musste ich mich billich entschuldigen /
dass es aus meinem Geheiss nicht geschehen sei. Sie setzeten sich hierauff zu
Tische / da unter anderm Gespräche Fabius zu Klodius sagete: Mein lieber Freund
und MitRömer / die Träue / so ihr zu meines Herrn Bruders besten / ungeachtet
eurer Wunden angewendet /wird meine Fr. Schwester Sophia zu seiner Zeit
ersetzen; vor dissmahl ernenne ich euch zum ObristenStad-Verweser meiner
Römischen Legion / zur bezeugung meiner Dankbarkeit / und sollen eure
Bestallungs-Gelder von der Zeit angehen / da von Käyserl. Hocheit sie mir
geschenket worden. Dieser hohen Gunst hätte sich Klodius zu ihm nicht versehen /
stund auf /und bedankete sich der grossen Ehre gar demühtig /deren er sich
unwirdig erkennete / auch keines weges verdienet hätte; wollte doch Zeit seines
Lebens sich gegen ihn nach äusserstem vermögen dienstwillig und Gehorsam
erzeigen. Nach solchem kehrete sich Ladisla zu Fr. Agata / und brachte vor / er
währe noch wohl eingedenk der grossen Woltaht und Freundschaft welche sie ihm
Zeit seiner Gefängnis erzeiget / und sich darüber in die höchste lebens Gefahr /
ja beinahe in das Feur gestürzet / nur dass sie ihn / einen wild-fremden
Unbekanten erretten / und lossmachen möchte; er hätte sich müssen als ein Hund
Speisen lassen /mit gefesselten Händen auff dem Rücken die ganze Zeit über / ja
des Durstes hätte er in der ersten Nacht müssen verschmachten / wann ihre
Vorsorge Barmherzigkeit und Labung es nicht verhütet; also befunde er sich
dermassen ihr verbunden / dass er Zeit seines Lebens gnug zuvergelten hätte; er
böte sich demnach mit alle seinem Vermögen zu ihrer Freundschaft und
wilfährigkeit / dessen zur Anzeige wollte er vor erst einen geringen Beweisstuhm
ablege; Liess ihr hierauff ein Lädichen mit Kleinoten angefüllet / auf 20000
Kronen wert / und zwölff Beutel mit 80000 Kronen baar auff einen Neben Tisch
hinstellen / welches anzunehmen sie sich heftig wegerte / vorgebend / was sie
etwa Zeit seiner Gefängnis getahn / hätte die Billigkeit selbst erfodert /
nachdem sie von Kleanders Leibdiener seiner Unschuld bericht eingenomen; sollten
aber ihre geringe Dienste ja einiger Belohnung wert sein / währe es schon
tausendfach vergolten / in dem bloss allein durch seine Hülffe und schuz sie
nicht allein Erbin aller Kleandrischen Güter blieb /sondern ihr über das von den
Wittiben uñ ädelleuten sd trefliche Geschenke eingereichet währen / dass sie sich
unter die reichesten Frauen Griechenlandes wohl zählen dürffte; bähte demnach
untertähnig / ihre Gn. möchten dieses gar zu grosse Geschenk wieder zu sich
nehmen; es währe gar zu schwer Kostgeld vor die kleinen Bisslein / welche sie ihm
durch das enge Loch zugeworffen. Ladisla sagete: Er wollte nicht hoffen /dass sie
die erste sein wollte / die seinen guten Willen ausschlüge / uñ dürffte sie sich
nicht besorgen / dass seine Güter wegen dieses schlechten Geschenkes gross
gemindert würden. Er hätte aber in einem Stük sie hochbeleidiget und beraubet /
dessen er sich wohl erinnerte / bähte demnach / ihm zugönnen / dass ers wieder gut
machen und ersetzen möchte. Fr. Agata wusste von keiner Beleidigung oder
Beraubung / meinte / es währe im Scherze geredet / und gab zur antwort: Ja wann
ihre Gn. sie beraubet hätte / welches sie doch nit hoffete geschehen sein /
währe es zumahl billich / dass ihr solches wieder zugestellet würde /damit sie
nicht Ursach hätte / sich dessen vor Käyserl. Hocheit höchst zubeklagen. Dessen
soll es nicht bedürffen / sagete er; bähte nur / ihrer Erklärung eingedenk zu
sein / und redete sie weiter also an: Vielwerte / in ehrer herzgeliebte Freundin
als Schwester / dass durch Auffopfferung des boshaften Kleanders ich ihr ihren
Ehegatten geraubet / und sie in den leidigen Witwenstand gesetzet / wird sie
nicht leugnen können. Nun ist alhie gegenwärtig der ädle und veste Römische
Ritter und ädelmann Klodius / bestalter Obrister Statverweser über eine Legion /
und anjetzo mein Schiffhauptmann und lieber Freund / der seinen Ritter- und
Adelstand wohl zubehäupten weiss; da ich nun bei meiner geliebeten Freundin ein
glücklicher Werbesmann sein könnte / dass sie denselben vor ihren Bräutigam und
künftigen Ehejunker auff und annehmen wollte / würde mir dadurch Gelegenheit an
die hand gegeben / es weiter zuverschulden; steckete ihr damit einen sehr
köstlichen Ring an den Finger / und sagete: Diesen überreiche ich meiner
Freundin im Nahmen und von wegen Ritter Klodius / hoffe sie werde ihn zubehalten
ihr gefallen lassen können. Die gute Frau wahr dieses unvermuhtlichen Anmuhtens
wegen sehr bestürzet / dass ihr das Geblüt unter die Augen schoss / durfte sich
doch nicht wegern den Ring zunehmen; stund eine zeitlang ohn Antwort und sah
ihre Wase an / nicht zweiffelnd / sie würde dieses Anschlages nicht allein gute
Wissenschaft tragen / sondern es wohl selbst also gefidert haben / uñ zürnet
fast sehr / dass sie ihr den geringesten Wink nicht davon gegeben hätte;
insonderheit schämete sie sich / dass ihre scherzhafte Antwort ihr als eine
Anfoderung hierzu / kunte ausgedeutet werden; endlich erhohlete sie sich / und
gab diese Antwort: Durchleuchtigster Gn. Herr; wie hoch eure Gn. sich meiner
angenommen / ist allen gegenwärtigen kündiger / als dass es weitläuftiger
Wiederhohlung bedürfte; bitte untertähnig / dieselbe wollen in dieser hohen
gewogenheit gegen mich / allemahl verbleiben / deren als gehorsame Dienerin ich
in ehren allemahl verbunden bin; was die erwähnete Heirat betrifft / will euer
Gn. ich untertähnig antworten / nachdem mit meiner geliebten Wasen mich dessen
werde beredet haben; bitte diesen geringen. Verzug nicht ungnädig auffzunehmen /
noch meine vorige / aus unwissenheit getahne Scherz-Foderung mir ungleich
auszulegen. Frau Euphrosyne fiel ihr in die rede; sie wüste hierin nichts mit
ihr zubereden / weil sie ihren freien Willen hätte / sie auch nicht zweifelte /
ihres Gn. Herrn Vorschlag ihr nicht zuwieder sein würde; überdas erkennete sie
Herrn Klodius vor einen redlichen auffrichtigen Ritter / der ihrer wolwirdig /
ihr auch als ein geträuer Ehegemahl allezeit gebührlich begegnen würde. Wann ich
dann /sagte sie / aus allen ümständen vermerke / dass ihr nicht aus Unwillen /
sondern schamhalber eure Antwort hinterhaltet / will ichs an eure Stat herzlich
gerne verrichten; bedanke mich demnach gegen eure Gn. Herr Ladisla / untertähnig
/ dass dieselbe meine geliebete Wase so wohl versehen / die Heirat mit Ritter
Klodius selbst vortragen / und die beiden Befoderer der geschehenen Rettung
miteinander verehelichen will; jedoch / weil mich deucht / meine Wase möchte
ihres Freiers worte gerne selber hören / will ich fernere Antwort biss dahin
auffschieben. Klodius und Agata sassen beide gleich bestürzet / uñ fing diese
an; Fr. Wase / ich hätte mich solcher Beschimpffung zu euch nicht versehen / da
ihr mich durch eure Reden in diese Verwirrung stürzet / dass ich weder
zuschweigen noch zuantworten weiss; und was mag dieser Ritter (auff Klodius
zeigend) gedenken / dass ich ihn zureden auffmahnen sollte? Hoffe demnach / diese
Hoch-Fürstl. und Ritterliche Gesellschaft / werde es euren kurzweiligen
Auffzügen zuschreiben. Ladisla mengete sich mit ein / und sagete zu Fr.
Euphrosynen: Gewisslich hat meine Freundin nicht unbillich Ritters Klodius eigene
Worte ausgefodert / welche ihm auch vorzutragen wohl anstehen wird; jedoch / dass
Fr. Agata ihr hernach gefallen lasse / selbst zuantworten / damit sie (sagete
er mit einem Lachen) nicht ursach habe / ihre Fr. Wase zubeschuldigen / als
hätte sie zuviel oder zu wenig versprochen. Klodius liess sich hierauff bald
finden / und fing also an: Durchleuchtigster Gn. Herr / dass eure Gn. ihr meine
Wolfahrt so hoch lässet angelegen sein / dass die Frucht ihrer Gefängnis zu
meinem Nutzen reichen soll / daher befinde zeit meines Lebens euer Gn. mich zu
allem untertähnigen Gehorsam und Diensten verbunden; und wann die hochädle Fr.
Agata / mich wirdigen könnte und wollte / vor ihren ergebenen Diener uñ
künftigen Ehegatten mich auffzunehme / und meines Gn. Herrn Anwerbung gelten
zulassen / verpflichte ich mich hinwiederumb /dieselbe in ehelicher Träue
zulieben und ehren / wie solches von einem redlichen Ritter erfodert wird / der
hoffnung gelebend / ihre hochädle Tugend werde mit einer genehmen Antwort mich
beseligen / und dadurch meine gewünschete Glükseligkeit in Volkommenheit setzen.
Fr. Agata hätte gerne gesehen / dass den Sachen in etwas Anstand gegeben wåhre;
weil aber sie sich der Erklärung nicht entbrechen kunte /auch ihre Wase sie also
anredete: Herzliebe Schwester / was seid ihr so bestürzet? Ich meine ja nicht
/dass einiger Mensch zugegen sei / vor dem ihr euch zu scheuhen hättet / in
Ehrensachen eine antwort zugeben; so seid ihr ja über das euer selbst eigen /
und nicht gehalten / jemands Willen einzuhohlen; wollet ihr aber vorschützen /
dass die geschlagene Wunde noch zu sehr schmerze / dürffet ihr dessen gar nicht;
massen Kleander nicht als euer Ehegatte / sondern als euer Erzfeind und Mörder
gestorben ist; derwegen gebet eure Antwort frei ungescheuhet / doch also /dass
Herr Ladisla so wenig eure Undankbarkeit / als Ritter Klodius die
Unbarmherzigkeit anzuklagen / ursach haben möge. Es wahren ihr hiemit alle
weitere Ansflüchte benommen / daher sie endlich ein Herz ergrieff / und dieses
vorbrachte; sintemahl mein Gn. Herr / Herr Ladisla / durch seine schon gar zu
hohe Woltahten / mich seinem Gehorsam allerdinge unterwürffig gemacht / und
überdas noch meine Wolfahrt zubefodern / gegenwärtigen ädlen Römischen Ritter
/Herrn Klodius mir zu einem künftigen Bräutigam zuzuführen willens ist /
erkenne seiner Durchl. hohe Gnade ich billich / und untergebe mich dero in
gehorsamer Untertähnigkeit; habe auch nicht ursach / Herrn Klodius jeztgetahnes
Versprechen / wegen seiner auffrichtigen Träue und Liebe / in zweifel zuzihen /
und nehme hiemit selbe nach seinem Ansuchen ehren-gebührlich an / stelle ihm
meinen Gehorsam und alle meine Güter zu / derselben sich nach Willen
zugebrauchen / und will nach abgelegter Trauer / welche ich hieselbst bei meiner
geliebeten Wasen und Schwester zuhalten entschlossen bin / ihm an Ort und Ende
folgen / wohin es ihm gelieben wird. Ladisla bedankete sich der angenehmen
Erklärung; Klodius aber trat hin zu ihr / und ward die Ehe mit einem Handschlage
uñ freundlichen ümfangen bekräfftiget. Die Anwesenden wünscheten hierzu Glük /
und erfreuete sich Markus seines lieben Freundes Wolergehens höchlich. Noch
hielt diese neue Braut bei Herrn Ladisla an / die grossen Goldbeutel wieder zu
sich zunehmen / da sie ja die teuren Kleinot zubehalten gezwungen währe; aber
Ladisla sagete zu Klodius: Lieber redet euer Braut ein / dass sie aufhöre sich
zuwegern; und dass auch ihr eine geringe Ergetzung der empfangenen Wunden habt /
werdet ihr wegen des bewussten geringen Vorschusses von meinem Herkules keine
Ansprach haben; könnet also euer Liebsten ein freies Römisches Rittergut
zubringen / dass sie gleichwol sieht / dass ihr nicht Armut wegen / sondern etwas
zuerfahren / euch in meine Dienste begeben habt. Seinem Markus taht er
gleichmässige Schenkung des verschossenen / und liess alles was verzehret ward
von seinem Schatze nehmen; welche Freigebigkeit den beiden Bräuten sehr zuwieder
wahr. Am andern Tage nach der Verlöbnis / da die Liebhaber schon vertrauliche
Kundschaft mit ihren Liebesten gemacht hatten /kam ein ansehnlicher
Griechischer Herr / Nahmens Attalus / zu Korint an / und legete sich bei
Amyntas zur Herberge; liess folgendes Tages sich bei seiner unbekanten Wase Fr.
Euphrosynen anmelden / und begehrete mit ihr in geheim zureden. Als ihm solches
gerne zugelassen ward / und er zu ihr kam / machete er seine Höffligkeiten guter
massen / die doch sehr gezwungen und nach der Schuelart wahren / stellete sich
dabei ernstaftig / und nachdem er mit züchtigen Geberden empfangen wahr /
zeigete er an / die nahe Anverwandschaft / (davon doch weder sie noch er
ichtwas wussten) hätte ihn kühn gemacht / seine innigliche Begierden vor ihr
auszulassen / zweiffelte nicht /sie würde in Ansehung dessen / ihm alle
wolgültige Befoderung erzeigen / ihn bei seiner höchstgeliebeten Freundin Fr.
Agaten bester massen beliebt zumachen / und die Sache (dass ers in die kürze
zöge) dahin zubefodern / dass nach abgelegeter kurzen Trauer / er deren Liebe im
wirdigen Ehebette besitzen und geniessen möchte / demnach er vor unsäglicher
Liebe gegen dieselbe brennete; er wollte solches äusserst zuerkennen geflissen
sein / und sich ihrer nicht anders als seiner leiblichen Schwester annehmen;
Zohe auch zween Ringe hervor / den einen am Wert XX Kronen ihr selbst zuschenken
/ als eine Vergeltung künftiger Befoderung; den andern von XL Kronen / umb
solchen seiner Liebesten (wie er Fr. Agaten schon nennen durffte) auf künftige
eheliche Liebe und Träue einzuliefern. Den Vogel am Gesange / den Topff am
Klange / gedachte Fr. Euphrosyne; sie hatte dieses Menschen gar keine
Kundschaft / nur dass sie ehmahls von ihm gehöret / dass er Leibes und Ansehens
gnug / aber wenig Wiz hätte; über das auch reich an Gütern / aber dabei überaus
filzig und hundisch währe. Ihre Verwandschaft betreffend / würde es mühe
gekostet haben / ehe man des zehnden Gliedes inne werden mögen; Doch als eine
verständige Frau liess sie sich nichts widriges merken / wegerte sich doch die
Ringe zunehmen / und sagete zu ihm: Sie bedankete sich sehr / dass er sie in
solchen wichtigen Geschäfften zu gebrauchen wirdigte / wollte ihm auch darinnen
gerne bedienet sein / als viel ihr weniges Vermögen leisten könnte / welches aber
noch zu zeitigsein würde / angesehen ihrer Wasen ausgestandenen grossen Elendes
/ und dass sie noch in grosser Betrübnis währe / daher von Heirahtsachen nicht
mit ihr zu handeln sein würde. Attalus hatte seiner Einbildung nach sich dieser
Antwort nicht versehen / zog zwar die Ringe gerne wieder nach sich / weil er sie
ohn das nicht gerne gemisset hätte / wie geringe sie auch wahren; aber mit
dieser ungewisse Antwort sich abspeisen zulassen / sagte er / währe seine
Gelegenheit nicht / in Betrachtung / er der Ursach halben einen gefährlichen Weg
über die sechs Meile mit seinem Hofmeister oder Verwalter geritten / und nicht
geringe Kosten angewendet hätte; wollte demnach abermahl gebehten haben / diese
Werbung bei seiner Liebesten anzubringen / die verhoffentlich / da sie seinen
Namen hören würde / sich / ehe sie meinte / willig erklären dürffte. Fr.
Euphrosynen gereuete schon / dass sie mit dem Gecken sich so weit eingelassen
hatte / dann sie sah nit / auff was weise sie sich seiner würde entbrechen
können / gedachte noch durch eine glimpffliche Verächtligkeit sein abzukommen /
und fragete ihn / wer er dann wåhre. Dieser entrüstete sich in etwas / und
sagete: Ey meine Fr. Wase / sollte sie ihren so nahen Anverwanten nit besser
kennen / den ohn Ruhm zumelden / ansehnlichen reichen Freiherrn / Herrn Attalus
/ von dessen gutem Gerücht Griechenland hin uñ wieder redet? dessen Liebe und
Holdschaft so manniches Frei Fräulein gewünschet hat / dass er fast täglich mit
Ansuchungs-Briefen überlauffen wird? Die gute Frau kunte lachens sich nicht
entalten / sah was vor einen Ebenteur sie vor sich hatte / und gedachte ihren
guten Freunden noch heut einen kurzweiligen Auffzug zumachen; fragete ihn
deshalben / ob er ihrer Wasen Kundschaft hätte; und da sie vernam /dass er sie
niemahls gesehen / forschete sie weiter nach / woher doch dann die so heftige
Liebe ihre Ursach genommen hätte; welches er sein teutsch anzeigete /er währe in
Erfahrung gebracht / dass sie nicht allein schön / ädel und fung / sondern auch
sehr reich und wohl begütert wåhre / welches in ihm die Begierde aufgemuntert /
es mit ihr zuwagen / weil er gegen seinen Reichtuhm einen gleichmässigen haben
müste. Auf dieses Vorbringen erboht sie sich / ihm zum sonderbahren Gefallen die
Werbung zuverrichten / möchte gebehten sein / sich bei der Mahlzeit einzustellen
/dann könnte nicht allein diese Handelung vorgenommen werden / sondern würde über
das Gelegenheit haben / mit etlichen vornehmen Römischen Herren gute Kundschaft
zumachen; hätte er nun etwas kostbahrere Kleinot / als die auffgezeigeten
schlechten Ringe / würde er ohn ihr erinnern solche mitbringen; dann im fall die
Heirat sollte geschlossen werden /müste er seiner Liebesten dieselbe darbieten /
woran er nichts verlieren / sondern alles mit ihr wieder bekommen würde; Dieses
wollte sie ihm zu dem Ende rahten / weil die Weibesbilder aus dem ersten Geschenk
von der Buhler Liebe gemeiniglich zu urteilen pflegeten. Dieser ward froh / und
gab zur Antwort: Ob zwar die Einkäuffung vieler Kleinot nichts anders als
Geld-verspillung währe / wollte er doch wissen dem Dinge sein Recht zutuhn; nahm
von ihr höflichen Abscheid / mit dem Erbieten gegen die Mahlzeit sich
einzustellen / und sein Vorhaben ins Werk zurichten; ging nach der Herberge /
und stellete es mit seinem dünne bespunnenen Hofmeister / welchen er
auffzuwarten bei sich hatte / in Raht; meinte / wann er etwa vor 100 Kronen
Kleinot einkauffen würde /könnte er damit sehr wohl bestehen; weil aber dieser
etwas witziger wahr als sein Herr / gab er ihm einen guten Auswischer: ob er
meinte / dz er zu einer gemeinen Bürger-Dirnen ginge? diese hochädle Frau währe
dermassen begütert / dass sie ihm so liderliche Sachen würde vor die Füsse
werffen. Er hätte ihm ja /ehe sie ausgezogen währen / seine Meinung gesagt /dass
er ihn als seinen Leibdiener müste zierlich und nach seiner Leibfarbe auskleiden
/ wie andere seines gleichen wohl tähten / die nicht den zehnden Teil seiner
Güter hätten; Er müste nicht mit einem sondern V oder VI reitenden Dienern
auffzihen / dass man sein Vermögen daher erkennete; Er müste beide Schieb Säcke
vol Kronen haben / und den Spielleuten keine Silber Groschen / sondern VII / IIX
oder mehr Kronen auff einmal auffwerffen; Er müste V oder VI Kleider / auffs
prächtigste gemacht / bei sich haben /damit er sich alle Tage umkleiden könnte;
Er müsste den Leibdienerinnen seiner Liebesten solche Ringe schenken / als er ihr
selbst zugedacht hätte; Und also müste er dieses sein Vorhaben entweder ganz
lassen bleiben / oder zum wenigsten sich auff 2000 Kronen wert Kleinot schicken
/ damit er nicht auff einen Stumpff lieffe. Dem filzigen Lauser dauchte dieses
gar zu viel sein; jedoch in Hoffnung / eine Speckseite mit einem Ey herunter
zuwerffen / liess er sichs endlich noch gefallen / und wahr ihm leid / dass er
nicht etliche seiner Dröscherknechte beritten gemacht / und zum Prunk mit sich
genommen hatte. Inzwischen machte sich Fr. Euphrosyne hin zu ihren Gästen /
zeigete ihnen in Gegenwart ihrer Wasen / dieses neuen Buhlers dürre Werbung an /
und wie sie ihn hätte auff die Mahlzeit bescheiden; bähte / man möchte ihr
gönnen / einen kurzweiligen Auffzug zumachen / da sonst die Herren eines
törichten Menschen Ruhmrätigkeit geduldig anhören könten; weil sie auch wusste /
dass Leches solchen Leuten fein zustelle / uñ sie possierlich auffzuzihen wusste /
hielt sie bei ihm an / diesen Kerls ein wenig in die Schule zuführen. Die Unsern
liessen ihnen solches gefallen / uñ wollten nach langwieriger Betrübnis gerne ein
Affenspiel sehen / daher Ladisla seinem Leches befahl / alle seine Kurzweils
Künste hervor zusuchen / wozu er dann willig wahr. Frau Agata aber beschwerete
sich / warumb sie mit dem Narren sich auffnehmen / und im Auskehrich nur Spott
zu Lohn haben sollte; Sie erinnerte sich / dass er vorm Jahre bei ihren
Anverwanten umb sie geworben / aber weil die Heimsteur zu schlecht gewesen / gar
spöttisch auff sie lossgezogen hätte. Geliebte Wase /antwortete Euphrosyne / ihr
habt nicht ursach / euch eben so hart zuwegern; dann wer weiss noch / ob ihr ihm
in eurem Traurgewande auch schön und freundlich gnug sein werdet? Nun hatte sie
eine arme adeliche Jungfer bei sich / die ihr auffwartete / von guter Gestalt /
und beschwatzet / aber daneben frisches Gemühtes / dass sie einem blöden Kerle
zum Faustrecht gnug gewachsen wahr; dieselbe foderte sie in bei sein Fr. Agaten
vor sich / und gab ihr zuverstehen / dafern sie ihr eigen bestes erkennen könnte
/ stünde ihr ein gutes Glük vor der Hand; nehmlich / Junker Attalus / zwar etwas
schwach am Verstande / aber gutes äusserlichen Ansehens / und grosses Vermögens
an Barschaft und liegenden Gütern / hätte sich angeben / nach Fr. Agaten zu
heirahten; geliebete ihr nun /seines Reichtuhms gebietende Frau zuwerden / müste
sie sich bald erklären / und heut diesen Tag ihm alle Tohrheit zugute halten /
alsdann wollte sie es schon zukarten wissen / dass ihr solches nicht fehlen sollte;
zweifelte auch nicht / sie würde ihn von der Eitelkeit abzihen / und mit der
Zeit zum feinen Manne machen können. Diese Jungfer / nahmens Eurydize / hatte
von diesem einfältigen Tohren viel gehöret / doch weil ihr Sinn nach Reichtuhm
stund / erboht sie sich alsbald /dieses Glük nicht auszuschlagen / dafern es ihr
werden könnte / sie hoffete ihn nachgehends verständiger /oder zu ihren Sklaven
zumachen / wollte sich demnach ihrer Befoderung befohlen haben. Wolan / sagte Fr.
Euphrosyne / so halte ich diese Heirat schon vor geschlossen; unterrichtete sie
/ wie sie sich gegen ihn verhalten sollte / legte ihr köstliche Kleider und
Kleinot an / und gab ihr einen Ring / den sie ihm auff Begebenheit als ihrem
Bräutigam verehren sollte. Hiemit wahr dieser Tantz gefidelt / und stellete sich
Attalus zu rechter Zeit ein / welchen die unsern anfangs vor einen geschikten
Ritter ansahen / massen er sich dannoch zimlich ausgeputzet / und die ersten
Geberden fein einrichtete / liess auch einen treflichen Rauff Degen hinter sich
her tragen / den er doch zuführen wenig gelehret wahr. Seine Reden aber
verrieten ihn bald / massen er vorgab: Demnach seine Schuldigkeit erfoderte /
den Herren Römischen Gesanten aufzuwarten / hätte er solches gerne leisten
wollen / umb sehen zulassen / was vor Leute seine Fr. Wase in ihrer
Blutfreundschaft hätte. Ladisla und Fabius hiessen ihn wilkommen / und liessen
sich vernehmen / weil er ein solcher tapffer Ritter währe / müste er ihnen
angenehm sein. Leches aber / als die Ordnung an ihn kam / ihn zuempfahen / sah
ihn ein wenig an / bald darauff demühtigte er sich vor ihm und fing an: Hilff
Glük! sehe ich nicht vor mir den vollkommensten unter aller Griechischen
Ritterschaft / den grossgepreiseten Herrn Attalus? Ja guter Herr und Freund
/antwortete er / ich bin ohn unzeitigen Ruhm derselbe; ob sonst der Herr meiner
Kundschaft hat? Nicht weiter / mein höchstgeehrter Herr / sagte Leches / als
dass ich sein Gemählde gesehen / und als ich aus dessen Angesichts-Zügen gemerket
/ dass ein sonderlicher Geist in ihm währe / habe ich von vielen anwesenden
vernommen / dass er nicht ohn ursach die Zier der löblichen Ritterschaft
genennet würde; aber mein Herr /ich bitte nochmahl / mir meine Bitte nicht
zuverargen / dass ich recht möge berichtet werden / ob dann gleichwol Eure Gn.
derselbe Herr Attalus sei / welcher weder im Springen / noch Tantzen / noch
Fechten / noch Reiten / noch Glüt bei schönen vornehmen Frauenzimmer / jemahls
seines gleichen soll gehabt haben. Ich bin eben derselbe / guter Freund /
antwortete er / könnte euch auch dessen allen Beweisstuhms gnug sehen lassen /
wann es die Zeit und Orts Gelegenheit gönnen wollte. Warumb nicht? Gnädiger Herr
/ antwortete Leches / alle Zeit ist den Volkommenheiten / und alle örter
derenübung gewidmet. Worauff dieser Narr alsbald seine Tanz Kunst sehen zulassen
/fertig wahr / und etliche Schnitsprünge hermachte /welche doch sehr schlecht
und bäurisch wahren; bald steckete ihm Leches ein Ziel / ob er auch einen so
weiten Sprung tuhn könnte. Dieser begehrete alsbald mit ihm in die Wette
zuspringen / welches Leches annam / und den ersten gar kurzen Sprung taht. Jener
hoffete ihn umb ein weites zuüberwinden / nam einen Zulauff / und sprang so
unvorsichtig / dz er mit den Hacken ausglitschete / und rüklings niderschlug /
dass ihm die Zähne im Kopff knirreten / und die unsern sich schier aus dem Odem
lacheten / so dass Ladisla zu Leches sagete: Trauen ihr müsst uns den Narren
nicht zu früh stellen / es wird sonst kein auskomen sein. Er aber antwortete in
Teutscher Sprache / darin er auch angeredet wahr: Gn. Herr / der Anfang muss
gemacht sein / da mit ich sehe / wie grosse Pillen er verschlucken könne. Als
Attalus gleich wieder auffgestanden wahr / und stilschweigens die stelle besah
/die er mit seine Leibe gemässen hatte / Leches aber ihn fragete / ob hinfüro
das fallen im springen allemal mit gelte sollte / weil alsdañ die Füsse
Mannes-lang weiter vor sich kämen (dessen die anwesende noch am meiste
lacheten); da trat gleich das Frauenzimer in den Saal / so dz die beide Fraue in
Trauerkleidern ginge / uñ die statlich geputzete Eurydize zwischen sich führeten
/ gege welche Attalus sich wendete / uñ in die vielen Kleinot / so er an ihr
sah / sich dergestalt verliebte / dass er eines nach dem andern beschauete / zu
ihr hin trat / ihr die Hand küssete / und nach Beklagung ihres unfals ihr seine
willige Dienste zu Tage uñ Nacht fertig uñ bereit anmeldete; baht sehr / ihn und
sein Vermögen anzunehmen; und wollte nicht wieder von ihr hinweg weichen. Die
Anwesende wahren des Anschlages schon berichtet / empfinge Eurydize höflich /
und nahete Leches zu ihr / ob hätte er auch den Narren an ihr gefressen /
welches Attalus mit bitter-sauren Augen ansah; doch weil sie sich an Leches
nichts kehrete / sondern wieder zu ihm hin trat / gab er sich zufrieden /
insonderheit / da auff seine Rede sie ihm diese Antwort gab; Hochansehnlicher
Herr und Oheim / ich danke billich den Göttern / dass sie meines Herrn
Kundschaft mir heut gönnen wollen / welches ich vor mein höchstes Glük schätze;
bitte sehr / mein Herr wolle seiner Dienerin nicht verargen / dass sie demselben
seiner hohen Wirdigkeit nach zubegegnen nicht geschikt noch düchtig ist / wie
wohl am guten Willen es ihr nicht ermangelt; meine geliebte Wase Fr. Euphrosyne
hat von meines höchstgeehrten Herrn Oheims Gegenwart mir gar nichts gemeldet
/sonst würde ich mich auff zierlicheren Schmuk und wilkommen-heissen geschicket
haben. Alle gut / alle gut hochgeliebte Fr. Wase / antwortete er / ich freue
mich nicht weniger das Glük zuhaben zu ihrer Kundschaft / hoffe daneben / sie
werde mir dieselbe gerne gönnen / und zwar auff diese Weise / als ich deren
zugeniessen mir vorgenommen habe; fassete hiemit Fr. Euphrosynen bei der Hand /
führete sie in einen Winkel von den andern abgesondert / und baht sehr / sie
möchte ihm behülflich sein / dass er seiner inbrünstigen Liebe bald könnte die
hochbegehrete Ergetzung geben. Sie antwortete ihm / er müste gemach tuhn /dann
so freundlich ihre Wase währe / so ungeduldig währe sie auch / wann man so
schleunig zuplatzen /und ihr von liebes Sachen sagen würde; über dass möchte er
sich fein bedenke / ob sie ihm auch gnug schön und höflich währe / dann nach
einmal geschlossener Heirat / könnte man den Kauff nicht wiederruffen. Attalus
fing an / sich zu verfluchen / es währe ihm nie keine schönere vorkommen als
diese /und wann ja etwas an ihrer Schönheit mangeln sollte /wollte er solches
hernach mit seinen köstlichen Kleinoten ersetzen; so wüste er vor dem brennenden
Feur der peinigenden Liebe nicht zubleiben / sondern / da ihm nicht bald
gerahten würde / müste er ohn zweifel darin ersticken; die Furcht seiner
Unbeständigkeit währe vergebens / und hätte er diese so fest in sein Herz
geschlossen / dass nichts als der Tod sie daheraus reissen könnte. Gebet euch ein
wenig in Geduld /mein Herr / sagete sie / biss die Maalzeit wird geschehen sein /
alsdann will ich schon Gelegenheit suchen /hierüber gebührliche Handelung
anzustellen; unterdessen wird mein Herr Oheim die näheste Stelle bei meiner
Wasen zunehmen / sich gefallen lassen. Ja /sagte er / dieses währe sein höchster
Wunsch / wann die Gesanten ihm nur diese Ehre gönnen wollten. Sie fassete ihn
alsbald bei der Hand / und führete ihn zu Tische / setzete die Jungfer zu ihm /
und folgeten die anderen nach / da Leches ihm zur andern Seite der näheste sein
musste / und Fr. Agata sich zu aller unterst bei Fr. Euphrosynen nider liess /
auch bei der Mahlzeit sich traurig geberdete / daher ihre Wase genomener Abrede
nach zu ihr sagete: Geliebte Freundin /warumb seid ihr so betrübt? stellet euch
doch frölich /wie dorten meine Wase / dañ ich währe schier bedacht / euch meinen
Herrn Oheim Attalus zu freien / wañ er noch unversaget und unverliebet währe.
Ach / antwortete sie / wer wollte doch mich armes verlassenes Mensch haben?
Dieser treffliche Herr würde mich kaum vor eine Magd / geschweige vor eine Braut
wirdigen; jedoch wann mir ein solches Glük bescheret währe / hätte ich dem
Himmel hoch zu danken. Gute Frau und Freundin / antwortete Attalus / warumb
sollte ich sie so verächtlich halten / nachdem ich vernehme / dass sie meiner Fr.
Wasen etwas verwand ist /ob mir gleich nicht gelegen sein kann / sie zu heirahten
/ weil ich mein Herz schon an einem hohen Orte verpflichtet habe. Die Anwesende
kunten sich des Lachens nicht erwehren / dass dieser mit seinem Körbe-aussteilen
so fertig wahr / und sagte Leches zu ihm; trefflicher Herr Attalus / er handelt
fein auffrichtig /dass er dieser jungen Wittiben deutlich saget / wo es
geschrieben stehet / dann also muss man die Bauern mit der Mistgabel kitzeln /
sonst fühlen sie es nit. Einem Ritter gebühret solches / antwortete Attalus /dass
er sich frei rund lossherzige / damit eine oder andere vergebliche Hoffnung im
ersten Grase ersticket werde / welche sonst / da sie zu gross wachsen würde
/allerhand Ungelegenheit erwecken dürffte. Dass wahr recht / sagte Leches; aber
die andern wussten vor Lachen nicht zu bleiben; nur Fr. Agata stellete sich dumb
/ und sagete; es möchte sich dieselbe wohl glückselig schätzen / die eines solchen
Herrn Liebe geniessen würde. Ja freilich werde ich dieselbe glückselig machen /
antwortete er / wann sie es nur wird erkennen konnen; baht hierauff Fr.
Euphrosynen / ihrem Versprechen / da es ihr geliebete / ein Genügen zu tuhn.
Darzu bin ich willig / antwortete sie; aber ehe wir von andern Sachen reden /
muss ich meinen Herrn Oheim zuvor fragen / wie ihm seine Beisitzerin /meine
geliebete Wase gefalle; massen / da ich wissen sollte / dass er sie / und sie ihn
hin wiederumb lieben könnte / würde ich diese Heirat zubefodern nicht umbhin
können. O nein / meine Fr. Wase / sagte Eurydize / so hohe Gedanken mache ich
mir nicht / und hat sie ja schon gehöret / dass dieser treffliche Herr am hohen
Orte verliebet ist / daher ich das geringere Glük werde nehmen müssen / welches
mir bevorstehet. Attalus kunte länger nicht zuhören / und fing an; Hochädle Frau
/ sehr geliebete Freundin; sie versichere sich als vor gewiss / dass ich zwar
verliebet bin /aber in keine andere als in sie / hoffe demnach / sie werde meine
Anwerbung nicht aussschlagen / und mich vor ihren Bräutigam auff und annehmen;
ich habe so manniche Lade mit Gold und Geld aussgefüllet / als Wochen im Jahre
sind; alle meine Kornboden sind beschüttet / meine Ställe vol Vieh / mein Schloss
wolbefestiget / und kurz zusagen / weiss ich gewiss /dass mirs in Reichtuhm und
alle dem was einem Ritter zustehet / keiner in ganz Griechenland bevor tuht; und
da sie mir solches etwa nicht zutrauen würde / lasse sie nur meinen Hoffmeister
und Amtsverwalter herauff treten (diesen hatte man bald anfangs hinunter
geschaffet) welcher alles bekräfftigen wird; nam hiemit einen Ring / sties ihr
denselben an ihren Finger /und baht / sie möchte denselben von ihm diesergestalt
annehmen / dass sie ihm dadurch vermählet würde. Diese / wie sie abgerichtet wahr
/ gab ihm den Ring wieder / und sagete; sie wüste nicht / ob es sein Scherz oder
Ernst währe: Er als ein treflicher Herr /würde vielleicht sie nur auffs Eyss
leiten / und auff eine oder andere Nacht freien wollen / welches gar nicht sein
könnte; wann es ihm aber umb eine rechtmässige Heirat zutuhn währe / möchte er
solches fein deutlich anzeigen. Bald steckete er ihr den Ring zum andernmahle an
/ und verfluchete sich hoch /kein ander Mensch sollte / ohn sie allein / in sein
Herz kommen / und da er hierin fehlete / oder jemahls anders redete / wollte er
diesen anwesenden Römischen Herrn Gesanten mit Leib und Gut verfallen sein;
begehrete darauff / dass die Dienerin von seinem Hoffmeister seine statlichen
Kleinot hohlen sollte / oder dass er vielmehr sie selber brächte. Dieser kam herzu
/hatte solche Sachen in einen beschmitzeten hesslichen Lappen eingewickelt / und
überreichete sie in demselben seinem Herrn / der ihm geboht / zuzeugen / ob
nicht sein aussdrüklicher Vorsaz währe / diese hochädle Frau zu heirahten; der
ungeschliffene bestetigte solches mit hohen Schwüren und ward alsbald wieder
hinunter geführet. Attalus schämete sich nicht das besudelte Schnupftuch bei dem
Tische auffzulösen / und fing an / als ein Kramer ein Stük nach dem andern
ausszulegen / nach der Seite / da Leches sass /meldete auch bei einem jeden / wie
viel es ihm kostete / und log über die helffte darzu: Als er viere hingelegt
hatte und das fünfte (es wahren aber ingesamt XV Stucke) hervor suchete /
rückete Leches ihm unversehens eines von den vieren hinweg / und steckete es ihm
in seinen eigenen Schiebsak; als er das siebende langete / nam er aber eins /
und bei ausskramung des zehenden / nam er das dritte darzu / machte es auch mit
den beiden / als mit dem vorigen / dass dieser es nicht merkete / biss er nach
gänzlicher herausslegung anfing sie zu zählen / da missete er drei Stücke: er
zählete sie wohl sechsmahl über / und traf doch die begehrete Zahl nicht /
entfärbete sich darüber / uñ kuckete unter den Tisch / ob sie ihm entfallen
währen / da inzwischen Leches noch zwei Stücke hinweg nam / und sie hinter ihm
unter das Polster steckete. Dieser sah nichts unter dem Tische / überzählete
die Stücke zum siebendenmahle / und da er nur noch zehne fand / fing er überlaut
an; Nein ihr meine Herren und Freunde / dieses geht nicht recht zu / es werden
mir die Kleinot unter den Händen hinweg gestohlen / und misse ich schon den
dritten Teil / welches kein ander Mensch / als mein nähester Beisitzer kann
getahn haben. Da ging es nun an ein übermässiges algemeines Lachen / nur Leches
stellete sich ernstaftig und fragete / ob er ihn Dieberei bezichtigte. Dieser
gab zur Antwort / wann er nur seine fünff Kleinot wieder bekähme / hätte er mit
ihm weiters nicht zu schaffen; und weil er dieses redete nam er ganz eiferig die
übrigen X hinweg / und legte sie an die andere Seite / seine liebste bittend /
auffsicht zuhaben / dass keine mehr abhändig gemacht würden. Leches stellete sich
ungehalten / und fragete weiter / ob er dann gesehen hätte / dass er ihm etwas
genommen? hätte ichs gesehen / antwortete dieser / würde ich bald darumb
gesprochen haben. Ja wer hats euch dann gesagt? fragete er weiter. Es kans kein
ander getahn haben als ihr / antwortete er; dann wer hätte können so weit
herreichen? Nun ihr Herren und Freunde alle miteinander /fing Leches an / ihr
höret und vernehmet / dass dieser Ritter mich Dieberei zeihet / welches ich nicht
wohl werde können auff mich ersitzen lassen; und wann mich nicht drei wichtige
Ursachen abhielten / würde ich Hu. Attalus aussfodern / sich mit mir zuschmeisse;
was sind dz vor Ursachen? fragete Fr. Euphrosyne. Die erste ist / antwortete er
/ dz ich weiss / dass H. Attalus seines gleiche im fechten nit hat; die andere
/dass ich unschuldig bin; die dritte / dass ich gar kein Blut / sonderlich mein
eigenes nit sehen kann. Es wahr niemand zugege / der sich im Lachen håtte mässige
köñen / nur Attalus ergriff dieses zu seinem vortel /uñ dräuete ihm wo er die
fünff stücke Kleinot ihm nit alsbald wieder gebe würde / sollte uñ müste er sich
mit ihm schmeisse. Ich habe sie nit sagete Laches /aber wañ ich sie hätte oder
noch bekomen könnte /sollte ich sie dañ behalten / wañ ich mich mit euch
schmeissen wollte? Je / antwortete Attalus / so währe ich wohl ein Narr / wañ ich
auff solche Bedingung föchte. Warumdañ soll ich mich mit euch schlagen? fragete
iener. Je darumb / antwortete dieser / dass ich meine fünff Kleinot wieder haben
will. Suchet nach /sagte Leches / vielleicht habt ihr sie noch wohl bei euch /
dann ich habe sie nicht gefressen. Attalus griff in beide Schiebsäcke / fand
alsbald in der linken die drei Stük / entsetzete sich darüber / und sagete:
welcher Diebshenker hat dich dahinein geführet? Es mangeln mir aber noch zwei /
so zuvor auff dem Tische gelegen. Leches stellete sich zornig und sagte zu ihm:
Wie stehen wir beide nun miteinander? Also / sagte jener / dass ich die übrigen
zwei Stük auch wiederhaben will. Suchet im andern Schiebsak fein fleissig
/antwortete er / ob ihr sie euch auch selbst gestohlen habt. Ey das ist ein
unhöfflich Wort / sagte Attalus. Eurydize sah hinter ihm die beiden Stük liegen
/nam sie hervor / und reichete sie Attalus mit diesen Worten hin; Mein Herr
sehet / sie sind euch entglitscher / da finde ich sie. Ey meine Freundin /
antwortete er / hat sie / ümb eine Kurzweile zumachen / solche verstecket
gehabt? Inzwischen hätten die Anwesende /sich schier zum Schiefer gelachet / nur
Leches begunte sich nunmehr zornig zustellen / und sagte zu ihm: Herr Attalus /
ob ihr gleich der beste Fechter von der Welt seid / so zwinget mich doch mein
ehrlicher Nahme / dass ich der beschuldigten Dieberei mich zuentbrechen / einen
Gang mit euch wagen muss / doch nicht mit scharffen Schwertern / weil ich mein
eigen Blut gar nit sehen kann / sondern nur mit stumpffen Fechtdegen. Dem
Gekshäuser wahr liebe zu solcher Ausfoderung / dann weil er in der Fechtkunst
unterrichtet wahr / hoffete er grosse Ehre einzulegen / und gab zur antwort: Ob
er gleich seine Kleinot wieder hätte / könnte er doch solche Ausfoderung nicht
erdulden / und würde schwerlich ohn Blut abgehen / obs gleich nur mit stumpffen
Degen geschehen sollte. Der ganzen Gesellschaft wahr liebe darzu / diesen Kampff
anzusehen / ohn allein die Braut begunte über der Tohrheit in ihrem Herzen leid
zuempfinden / musste doch diesen Tag gemachter Anordnung nach / alles gut
heissen. Die Degen wurden gebracht / da sich dann Attalus im ersten Angriff gar
beherzt / Leches hingegen sich gar furchtsam merken liess / dass er nur immer
hinter sich wiche / biss er gar die Wand erreichete / und weiter nicht austreten
kunte / da gebrauchte er sich seiner Kunst und Stärke / und reichete ihm etliche
über die Arme / dass sie striemicht wurden /endlich versetzete er ihm eins über
den Schedel / härter als ers selbst gemeinet hätte / dass dem guten Attalus die
rohte Suppe über das Gesicht herunter lieff /den Fechtdegen von sich warff / und
seinen Gegener beschuldigte / er hätte nicht gefochten / sondern als ein grober
Baur auff ihn zugeschlagen. Die anderen fielen ihm in solcher Anklage bei / und
legeten Leches zur straffe auff / dass er ein grosses Weinglas vol austrinken
sollte / womit dieser vergnüget wahr / und durch einen Handschlag sich mit ihm
vertrug; ging hernach hinab / liess sich von seinem Hoffmeister waschen und
verbinden / und setzete sich wieder hin zu seiner Braut / ob hätte ers sehr wohl
gemacht / so dass er auch Leches auffzihen durfte / wie ers immermehr hätte
machen sollen / wañ er in der Feigheit ihm gleich währe / und sein eigen Blut
nit sehen könnte. Hiermit hatte dieses Lustspiel seine Endigung / und weil
Attalus von niemand mehr angezapffet ward /wendete er sich zu seiner Liebsten /
deren er alle seine Kleinot / wiewol ein Stük nach dem andern / einreichete /
mit bitte / sie möchte sich morgen ihm zugefallen damit ausputzen. Sie nam
solches alles mit grosser Ehrerbietung zu sich / steckete ihm ihren Ring wieder
an / und versprach / da er sich gebührlich im Leben und Wandel gegen sie
verhalten würde / wollte sie desgleichen tuhn / und ihn hiemit vor ihren
Bräutigam angenommen haben. Darauff ging das Glükwünschen fort / biss Fr.
Euphrosyne den Bräutigamb allein foderte / ihn fragend / wie bald das Beilager
sollte gehalten werdeñ / und hernach das Hochzeitfest. Er sähe wie höchlich seine
Braut ihn liebete / möchte demnach das Ziel nicht zuweit hinaus setzen. Dieser
gab zuverstehen / er wollte gerne alsbald diesen Abend ihm die Braut zuführen
lassen. Aber sie beschwerete sich dessen / fürchtend / die Braut / wie sie
vorgab /würde darein nicht willigen; doch wollte sie / ihm zugefallen / allen
fleiss anwenden / dass seinem Willen ein genüge geschähe; setzeten sich wieder zu
Tische /und sagete Fr. Euphrosyne zu der Braut: Sie hoffete gänzlich / man würde
ihr allerseits volmacht geben /die Zeit des Beilagers anzusetzen; und auff
williges Ja-wort sagte sie: So muss die Braut diesen Abend ihrem Bräutigam
zugebracht werden / weil ich schon weiss / dass demselben hiedurch ein
sonderlicher Gefallen geschehen werde. Eurydize stellete sich wiedrig / baht
sehr / es möchte noch etwa zehn oder eilff Monat ausgesetzet werden / hernach
wollte sie nicht länger auffschub suchen. Attalus aber wiedersprach dem mit
grossem Eifer; es währe ihm ungelegen / so lange hin zuwarten; seine Liebe
brennete ihn viel zu heftig / zweiffelte auch nicht / weil sie ihren Willen
einmal von sich gegeben / würde sie nicht wiederruff tuhn. Die gute Braut liess
sich nach angelegter Karte noch etwas nöhtigen; aber da die Sonne untergangen
wahr / wegerte sie sich ferner nicht / sondern folgete ihrer Frauen willig /
welche sie dem Bråutigam zuführete / und sie biss an den hellen Morgen ungestöret
beisammen hess. Als die unsern ingesamt schon auffgestanden wahren / lag dieser
junge Ehmann mit seiner Liebesten noch in den Federn / und forschete fleissig
nach ihren liegenden Gütern und Barschaften /was vor eine Bewandnis es damit
hätte; bekam aber zur antwort: Es würde sich solches schon finden / und hätte
sie ihm davon keine Rechnung auff dem Bette zutuhn / fing auch an / ihn zu
unterrichten / dafern er fortin in ehelichem Friede mit ihr leben / und ihrer
Liebe und Huld geniessen wollte / müste er seine alte Haut gar ablegen uñ in eine
neue kriechen. Er fragete / wie solches zuverstehen währe. Ich werde es euch
fein deutlich sagen / antwortete sie; euer Gehirn hat grossen gebrech am
Verstande / und euer Herz an der Vorsichtigkeit / solches müsst ihr endern /
die kindische Tohrheit / und nichtige Grosspralerei neben der eitelen
Leichtgläubigkeit hinfüro meiden / und euch von mir zu allem guten anweisen
lassen; werdet ihr solches tuhn / will ich noch wohl einen Menschen und einen
ädelmann aus euch machen; bedenket bitte ich /die tausendfältigen Tohrheiten die
ihr gestern in so wenig Stunden begangen habt / mit tanzen / springen / Kleinot
zählen / ausfodern / fechten / und was ich noch nicht melden mag; solches alles
stehet keinem Manne / sondern unverständigen kleinen Bübichen zu; doch will ichs
zum Anfange hiebei gut sein lassen / weil es hohe Zeit ist / dass wir uns in die
Kleider machen. Es verdross den guten Kerle eine solche deutliche Aushechelung
nicht ein geringes / aber Zagheit halber durffte er kein Wort darauff antworten.
Des vorigen Abends gar spät / da die jungen Eheleute schon zu Bette wahren /
ging Fr. Agaten Leibdienerin hinunter in die Gesindestube / und sagte: Der
Posse ist gleichwol sehr artig angangen / und habe ich heut in der Taht erfahren
/ was man im gemeinen Sprichwort saget: Wer das Glück haben soll / dem entlaufft
es nicht; die gute Eurydize musste gestern auffwarten /und ihrer Frauen gnade
leben / und heut ist sie zur grossen Frauen worden / und einem reichen Herrn
/wiewol auch einem grossen Narren beigelegt / der ihr dannoch manniches Kleinot
geschenket hat; mich soll immer und ewig gelüsten / wer diese Heirat mag so
schleunig befodert haben. Attalus Hoffmeister stund haussen vor dem Fenster /
und hörete alles an / trat hernach hinein / und nach kurzem Gespräch fragete er
/ ob die schöne ausgeschmückete Frau nicht Kleanders nachgelassene Wittib währe.
Deren iezt gedachte Leibdienerin fing darauff an überlaut zu lachen / und sagte:
Kleanders Wittib? Ja wohl! meine Frau würde sich mit eurem wizlosen Herrn
besudeln oder einlassen? Dieselbe sass zu allerunterst bei Fr. Euphrosynen in
ihren schlechten Traurkleidern / und die ausgeschmükte wahr gestern ümb diese
Zeit / was ich anjezt noch bin / ohn dass sie gleichwol ädles herkommens ist. Da
schlage Unglück und Hagel drein / antwortete dieser / so hat mein Herr in Warheit
geirret / und wird diesen Kauff nimmermehr halten. Als die Dirne solches hörete
/ lief sie geschwinde zu ihrer Frauen / und zeigete solches an; Der Hoffmeister
folgete bald hernach / mit ungestümen Begehren / ihn alsbald zu seinem Herrn
zulassen / er hätte demselben etwas nöhtiges anzudeuten / welches durchaus
keinen Auffschub leiden wollte. Klodius aber filzete ihn zimlich aus / was er
sich unterstehen dürffte seinen Herrn in der angenehmen Ruhe zustören. Dieser
gab vor / es irrete alles nichts / und wollte er solches schon zuverantworten
wissen. Als aber Klodius zu ihm sagete; packe dich bald wo du ungeprügelt
bleiben wilt / und brennet deines Herrn Fischteich so lösche ihn; da ging er aus
Furcht hinter sich / und musste des folgenden Tages erwarten. Dazumahl seumete er
nun nicht / sondern / so bald er merkete / dass er aufgestanden wahr /ging er zu
ihm / da seine junge Frau annoch bei ihm auff der Kammer stund / foderte ihn in
einen Winkel /und sagte zu ihm: Herr / habt ihr auch nachfrage getahn / wer eure
Braut ist / bei der ihr hinte geschlaffen? Sie ist trauen nicht Kleanders Wittib
/ sondern Fr. Euphrosynen Leibdienerin. Attalus meinte vor unmuht zu besten /
trat zu ihr hin / und fragete / wie sie hiesse / uñ wer sie währe. Diese merkete
dass ihn sein Diener gewarnet hätte / redete denselben ganz zornig an / und
sagete: Je du leichtfertiger Schelm /wer hat dich so tühn gemacht / zu deiner
gebietenden Frauen ungefodert auff ihr Schlaffgemach zutreten? ergreif hiemit
einen Prügel / uñ zuschmierete ihm die Rippen dergestalt / dass er vor schmerzen
nicht zubleiben wusste / und sich hinter seinen Herrn zuverbergen suchete; aber
sie schlug immer tapffer fort / gab auch dem guten Attalus etliche Streiche mit
/ als währe es ohngefehr geschehen / dass endlich der Herr samt dem Knechte
anfing zu schreihen / und davon zu lauffen; wiewol sie diesen alsbald freundlich
anredete / mit Entschuldigung / dass es ohn vorsaz geschehen währe. Die beiden
Frauen hatten allernähest ihr Gemach bei dieser Kamer / höreten das Getümmel /
und lieffen herzu / dann sie meinten nicht anders / die jungen Ehleute würden
ihres dinges uneins worden sein / uñ hätten sich unter einander so zerbläuet.
Als sie nun naheten / baht Eurydize dieselben / mit ihr hinein zugehen / da sie
den guten Attalus stehen sahen als ein erschrockenes Rehe / und wünschete / dass
er nur bald sterben möchte. Seine Braut trat mit freundlichen Geberden zu ihm /
und sagete: Warumb fragete mich mein Schatz kurz zuvor / wer ich währe / und wie
ich hiesse? Weiss er solches nicht / uñ hat nicht allein sich mit mir vermählet /
sondern auch das Beilager schon gehalten? Das ist mir ja eine wunderliche Sache!
Jedoch weil ich meinen Nahmen und ehrliches Herkommen noch nie verleugnet /
sollet ihr wissen / dass ich die Eurydize Parmenikus jüngste Tochter bin /
welcher zwar an zeitlichen Gütern nichts überflüssiges /aber doch seinen
vollkommenen Adel und ehrlichen Nahmen hat. Fr. Euphrosyne redete mit darzu: es
nähme sie Wunder / dass er so heftig nach ihrer Wasen (wie sie dann wahr)
geworben / ehe und bevor er sie gekennet; ich meinte / sagte sie / ihr würdet
umb ihr Wesen gute Wissenschaft gehabt haben /sonsten sollte euch solches nicht
verhehlet worden sein. Fr. Agata lachete / dass ihr das Herz bebete /lief hin
und hohlete Ladisla und die andern herzu / die späte Reue nach gehabter Lust
anzusehen. Als dieselben kahmen / funden sie Attalus als einen Kloz unbewäglich
stehen / welchen sie grüsseten / und ihn frageten / ob die unglücklichen Träume
ihn diese Nacht so heftig erschrecket hätten. Worauff er zur Antwort gab: Ihr
meine Herre / ich zwiffele nicht / sie werden an aller Betriegerei grosses
Missfallen tragen / damit ehrliche Leute geäffet werden / insonderheit an dieser
/ durch welche ich so schändlich hintergangen bin /und man mir an statt
Kleanders Wittiben / etwa eine Dienerin von armen geringen Adel beigeleget hat.
Niemand wahr zugegen / der nicht von Herzen gelachet hätte / ohn die über die
Schmachworte hart ergrimmete Eurydize / welche ihm näher trat / und zu ihm
sagete:
    Du ungeschliffenes Holz / wer hat dich betrogen? hastu mich auch jemahls vor
Kleanders Wittiben angesprochen? oder habe ich und jemand anders mich davor
ausgegeben? Es ist mir leid / dass ich mich mit dir eingelassen habe / und hätte
ich meine Jungferschaft wieder / ich wollte dich rechtschaffen über den Tölpel
werffen. Dieser erb oht sich / vor diese einige Nacht ihr das beste Kleinot
unter allen zulassen / welche er ihr auff die vermeinte Ehe / als Kleanders
Wittiben geschenket hätte / alsdann würden sie verhoffentlich geschiedene Leute
sein. Diese meinte vor Unmuht zubersten / und fiel ihr schwer / sich
zuentalten / dass sie ihm das Haar nicht ausrauffete. Fabius trat zwischen sie
ein / und sagete zu Attalus: Höret mein schöner Herr; wie ist euch schon
entfallen / dass ihr uns mit Leib uñ Gut woltet verfallen sein /wofern ihr in
eurer Träue wanken würdet? geschwinde / und bedenket euch eines bessern / oder
euch dürffte ein wunderliches Bad zugerichtet werden. Attalus erseuffzete hoch /
und sagete: Ey meine Herren / es ist alles auff Fr. Agaten / nichts auff diese
von mir geredet worden; Zeigete weiter an / wie er diese vor Kleanders Wittibe
gehalten / und würde Fr. Euphrosyne ihm das Zeugnis geben / dass er ja bald
anfangs um dieselbe und umb keine andere die Anwerbung getahn hätte. Diese gab
zur Antwort: Ja / im Anfange ist solches freilich geschehen / aber nachdem ich
sah / dass ihr nach dieser andern euch wendetet / gedachte ich /ihr würdet nach
Art der wankelmühtigen euren Sinn geendert haben. Dieser Streitigkeit ist bald
abzuhelffen / sagte Fabius; massen wann man euch etwa vorgetragen hätte / dass
damahlige Jungfer Eurydize jeztgedachte Wittib währe / so dürffte sich eure
Entschuldigung inso weit hören lassen / wo nicht / so ists euer blosser
Muhtwille / der euch treibet / diese eure junge Ehefrau zuverlassen / nachdem
ihr eure Begierde an ihr ersättiget habet; lasset euch demnach nicht gelüsten /
ein mehres hievon zu reden / oder ihr werdet den kürzern zihen; und was wollet
ihr immermehr einwenden? hat nicht Fr. Euphrosyne euch Fr. Agaten in unser
aller gegenwart angebohten / uñ ihr habt unverschämt gnug ihr den Korb
öffentlich geben dürffen / einwendend / wie euer Herz schon anderwerz verliebet
währe. Der arme Attalus wahr in solcher Angst / dass er gerne gestorben währe /
wann es nicht weh getahn hätte / gab nähern Kauff / und begehrete mit seinem
erbaren Hofmeister ein wenig allein zureden / darnach wollte er sich erklären.
Erklären? sagte Eurydize; hastu dich nicht gestern erkläret? Fr. Euphrosyne
redete ihr ein / sie sollte ihn nit so schimpflich halten / weil sie sich selbst
dadurch verunehrete; foderte den Hofmeister / und trug ihm alles vor / was
gestern in seinem Abwesen vorgangen wahr; befahl ihm darauf / seine Herrn eines
bessern zuerinnern /alsdann sollten ihm die empfangenen Streiche mit einer Hand
voll Kronen vergolten werden. Dieser sah / dass es sein bestes sein würde / und
dass seines Herrn Unvorsichtigkeit an allem schuld trüge / ging deswegen zu ihm /
und sagete: Wie Herr / schämet ihr euch nicht / dass ihr so blind und unwitzig
fahret / uñ euch mit einer ehelich einlasset / ja das Beilager haltet /ehe und
bevor ihr nach ihrem Nahmen und Stande fraget? Ach / ach! sagte er / die schönen
Kleinot haben mich betrogen; zweifele auch nicht / man habe sie einig und allein
zu dem Ende also ausgeputzet. O weit gefehlet / antwortete dieser; dem Ritter /
so euch zur Seite sass / hat man sie freien wollen / dem seid ihr zuvor kommen;
deswegen tuht gemach / und wegert euch ferner nicht mehr / ihr werdet sonst in
Unglücks Küche das Frühstük essen; dann ihr müsst entweder Eure Eheliebste
behalten / oder Leib und Gut hergeben; da wählet nun was ihr wollet / hier wird
nichts anders aus; könnet ihr aber gutem Raht folgen / so findet euch mit eurer
Liebsten gebührlich abe; hat sie dann nicht grosse Güter / so ist sie dannoch
ein schönes Bild und eurem Stande gemäss / und danket de Göttern / dass man euch
nicht gar eine Bauern-Dirne hat angeschmieret. Ey so muss ich sie dann wohl
behalten / sagte er / wann sie mir nur nicht gar zu hart sein / und den Fehler
vergessen wollte. Davor lasset mich rahten / antwortete der Hofmeister; ging hin
/ und meldete Fr. Euphrosynen an / wie leid seinem Herrn der Verstoss währe / er
sich auch mit seiner Eheliebsten gerne abfinden wollte. Dieser guten Verrichtung
/sagte sie / müsst ihr geniesse, gab ihm 30 Kronen /neben anmahnung / seinen
Herrn in dieser guten Meinung zu erhalten; unterrichtete nachgehends die Braut /
wie sie mit Attalus verfahren sollte / und liess sie allein zu ihm hingehen. Sie
fand ihn noch in grosser Betrübnis / dann der Spot wollte ihm / wie einfältig er
sonst wahr / aus dem Kopffe nicht / dass man ihm die Magd an statt der Frauen
zugeführet hatte; aber sie redete ihm süsse zu und sagete: Mein allerliebster
/nachdem ich verstehe / dass euch der Frevel leid ist /den ihr mir unverschuldet
angeleget / will ich den schweresten Stein mit euch nicht heben; dieses aber
sollet ihr euch stets / und weil ihr lebet / erinnern /dass ich euch keinen
Boten geschicket / noch mich euch angetragen / sondern mich vielmehr gewegert
habe / biss euer unablässiges Anhalten mich genöhtiget hat / in eure Heirat
einzuwilligen; wollte sonst ohn euch wohl einen wirdigen Bräutigam angetroffe
haben / der mir schon nicht ferne wahr. Ihr sollet mir hiebei versprechen / dass
/ wie ich euch heut früh schon ermahnet / ihr eure bisher geführete Tohrheit und
filzigen Geiz ablegen / und eurem Stande euch gemäss verhalten wollet / habe zu
dem Ende schon eine feine Gutsche mit vier Blänken im Kauffe / die ihr bezahlen
sollet. Wegen Verwaltung eurer Güter lasset mich nur rahten und sorgen / die
sollen durch mich nicht gemindert sondern verbessert werden. Wem wahr lieber als
dem verschüchterten Attalus /dass ihm keine schwerere Busse aufferleget ward / er
baht umb verzeihung des begangenen / und versprach hinfort ihres Willens zu
leben. Damit wahr diese Fehde geendet / und schätzete er sich nachdem oft
glückselig wegen dieser Heirat / massen sie ihn inwendig Jahresfrist der Gestalt
unterrichtete / dass er gar ein ander Mensch ward; dann es hatte ihm in der
Jugend an der Erzihung gemangelt / weil seine Eltern ihn als ihren einigen Sohn
verzertelten / und hinter dem Ofen auffwachsen liessen. Jedoch bekam er mit ihr
noch 4000 Kronen Brautschaz; dann Fr. Agata schenkete ihr die obgedacht 1200
Kronen / worzu Ladisla / Fabius und Fr. Euphrosyne ingesamt 2800 Kronen legeten
/ ihn weiters nicht mehr auffzogen /weil er sich ganz eingezogen und demühtig
bezeigete / und des dritten tages diese jungen Ehleute nach ihren Gütern zihen
liessen. Ihr Vater Parmeniskus erfreuete sich der Heirat sehr / und weil er ein
Christ wahr /brachte er sie beide nach verlauff zwei Jahr zum Christlichen
Glauben / wozu Fr. Euphrosyne bei ihrer Wiederkunft aus Persen ein grosses
verrichtete / und dem Vater einen feinen Meierhoff schenkete / worzu Gross
Fürstin Valiska 6000 Kronen baar legete. Am Tage des abzuges dieser jungen
Ehleute redete Agata mit ihrer Wasen; sie möchte gerne wissen / ob Herr Leches
noch unbefreiet und ohn Liebe währe / auff welchen Fall sie ihm Kleanders
Brudern Tochter / die sehr schön und von gewaltigen Mitteln wahr / gedächte
zuzuschanzen. Euphrosyne wollte nicht unterlassen /dieses zuvernehmen / aber er
bedankete sich ihrer guten Gewogenheit / und offenbahrete ihr in hohem vertrauen
/ dass er seinen Anteil ihm schon ausersehen / und mit einer adelichen Jungfer
seines Vaterlandes /anjetzo zu Padua anwesend / sich ehelich versprochen hätte;
wollte auch seine Barschaften uñ Kleinot / die er meistenteils von ihrer
freigebigkeit empfangen /bei ihr verwahret stehen lassen / biss sie etwa mit
Gelegenheit seiner Liebesten könten übermacht werden. Die gute Frau schämete
sich / dass sie einen blossen schlug / baht sehr / ihr nichts zuverargen / und
spielete es dahin / dass ihm von Parmenions Geldern 20000 Kronen zugewendet
wurden. Es blieben aber Ladisla und Fabius zu Korint beieinander / biss die
aussgeschikten Knechte / so Herkules aussspüren sollten /wieder bei einander wahren
/ deren etliche sich über die angesetzete Zeit verspäteten / mehr dem Wolleben
nachhängend / als Herkules nachfragend / welcher auch ihrer Kundschaft zu weit
entfernet wahr / massen / wie ob erwähnet / er mit seinem Gallus sich auff ein
Kauffmans Schiff gesetzet hatte / welches nach Kreta fuhr. Es funden sich IIX
boshafte Rauber bei ihnen / welche in derselbigen Gegend Beute zumachen
gesonnen wahren. Sie sahen Valikules in seinen schönen Kleidern / und dz er bei
tageszeit neben seinem Diener gemeiniglich geharnischt wahr / auch zu Nacht
einer umb den andern wacheten / und grosse Wetscher bei sich führeten / in denen
sie grossen Reichtuhm vermuhten wahren; macheten daher ihren Anschlag / wie sie
ihn als einen Fremdling überfallen / und mit samt seinem Diener erwürgen möchten
/ dass sie der verhoffeten Beute teilhaftig würden. Sie naheten
unterschiedlichemahl zu ihnen / hatten doch so viel herzens nicht / sie
anzugreiffen / weil sie ausser dem Seitengewehr keine Waffen hatten / ohn dass
ihrer etliche / kurze dünne Panzer unter den Kleidern verborgen trugen. Endlich
/ da sie nicht weit von Kreta wahren / machten ihrer drei ein falsches Gezänke
untereinander / dass sie auch zu den Schwertern griffen. Valikules stund dabei
ganz gewapnet / und hiess sie ruhig sein / hätten sie was zu fechten / so währe
das Ufer nicht weit / da ihnen Raum gnug sein würde /den Zank ausszutragen; worin
die Kauffleute uñ Schiffer mit ihm eins wahren / deren Einrede sie auch gerne
und willig auffnahmen / aber zu Valikules sagten sie /was er sich umb ihr Tuhn
zugeheien / oder ihnen zugebieten hätte? Er sollte geschwinde das Maul halten /
oder man würde ihm dz eiserne Wammes beklopffen. Dass währe ungütlich gehandelt /
antwortete er / da ich nur eur bestes suche; es sei aber wie ihm wolle / so
gebet mir Zeit / biss ich an Landsteige / und störet den Schiff-friede nicht /
alsdann will ich eures klopffens schon wahr nehmen. Der ansehnlichste Räuber gab
ihm sehr höhnische worte / griff auch zum Degen /und schlug zu ihm ein;
Valikules aber seumete sich auch nicht / stellete sich neben den Mastbaum / und
nach des Räubers aussgenommenen Schlage / hieb er ihm den Unterbauch auff / dass
ihm das versehrete Gedärm aus dem Leibe sprang / und er Tod niederstürzete. Als
die übrigen dieses sahen / fielen sie einmühtig auf ihn ein; aber Gallus zog mit
von Leder / welcher zween / Valikules noch vier in gar kurzer frist erlegete /
auch den Lezten hart verwundete / welchen er beim Halse ergriff / und ihm alle
Pein dräuete / wo er nicht bekennen würde / aus was Ursachen sie ihn so mördlich
überfalle. Diesen trieb die Furcht zur Bekäntnis /dass es bloss aus Hoffnung
reicher Beute geschehen währe / worüber die Kauffleute / so bisher mit höchster
Verwunderung zugesehen / dergestalt ergrimmeten / dz sie diesen annoch
lebendigen / mit samt den erschlagenen ins Meer stürtzten und dagegen Valikules
hohe Ehr erbohten / dessen Heldentaht sie über die masse hoch hielten. Es
schickete aber Gott / dass die Kauffleute wieder ihren Willen in den Hafen
einlauffen mussten / woselbst Valiska vor ohngefehr vier Wochen aussgestiegen
wahr; daselbst lohnete er dem Schiffer / liess die Pferde und Sachen ans dem
Schiffe bringen / und wahr willens mit Gallus Land ein zureiten / und die
vornehmsten Städte zubesehen; weil er dann auff dem Meer zimlichen Unlust wegen
des Sturms eingenommen hatt / legte er sich unter die schönen Bäume in den
Schatten. Gallus geriht gleich unter den Baum / in welchen das Fräulein die
zierliche Schrifft eingeschnitten hatte / die sich schon in etwas von einander
getahn / dass man sie auff etliche Schritte wohl erkennen kunte. Valikules fragete
ihn /was er an dem Baume so eigentlich besähe. Es findet sich / sagte er / eine
fremde Schrifft alhie / die ich nicht lesen kann / und ohn zweifel eine gelehrte
Hand muss hinein geschnitten haben. Bin ich dann gelehrter als ihr / sagte
Valikules / so will ich versuchen / ob ichs verstehen kann; ging hinzu / und lase
diese Worte: Valisca, nunc Herculiscus, in Partiam ducta, dass ist: Valiska /
jezt Herkuliskus genennet / ist nach Parten geführet; worüber er beides vor
freuden und Mitleiden niederfiel / dass ihm alle Kräffte entgingen; dessen Gallus
wahrnehmend / ihn sanft nidersetzete / uñ umb sein Anliege fragete; da er ihm
antwortete: O Gallus / mein Gott hat mich diesen Weg sonderlich geführet / dann
mein geliebtes Fräulein selbst diese Schrifft hinterlassen / und angezeiget hat
/ dass sie nach dem Parterlande hingeführet werde; daher ich Gott Lob nunmehr
weiss / an was Ort der Welt ich sie suchen müsse. Es ist aber ein weitabgelegenes
Reich /woselbst der mächtigste Herr der Welt / nach den Römern / die Herschaft
führet / und müssen wir über das Syrische Meer / hernach über den Eufrat und
Tigerfluss / dann gehen wir zu lande durch Assyrien und Persen / und haben von
Jerusalem fast 400 Meilen /ehe wir die Partische Häuptstad Charas / vor zeiten
Hekatompylos genennet / erreichen / welchen älteren Nahmen sie geführet / weil
sie hundert Stadtohre gehabt / auch so gross ist / dass sie von den Persen eine
kleine Welt genennet wird. Ich will aber / ungeachtet aller bevorstehenden
mühseligkeit / meinem lieben Gott vertrauen / nicht zweiffelnd / er werde unser
Gleitsman sein / und unser Vorhaben zum gewünschten Ende hinaus führen / weil es
ja zu seinen göttlichen Ehren / und meines nähesten Rettung und Wolfahrt
angesehen ist; und freue mich nicht wenig / dass ich Gelegenheit habe / die örter
zubesuchen / da unser Herr und Heiland JEsus Christ geboren ist / da er
gelehret / Wunder getahn / und umb unsert willen den Tod gelitten hat; möchte
wünschen / dass wir bald ein Schiff anträffen / welches uns dahin brächte. Nam
hiemit sein Messer / und schnitte oberhalb der Fräulein Schrifft diese Worte
hinein: Valicules duce DEO sequitut. Dass ist: Valikules folget unter Gottes
begleitung nach; setzeten sich hernach wieder zu Pferde /luden ihre Sachen auff
den Maul Esel / welchen Gallus an der Hand führete / uñ besahen die vornehmsten
örter in der nähe gelege / da ihnen nichts denkwirdiges begegnete / ohn dass man
in der Stad Gnossus ihn wollte zweiffeln machen / ob er auch der wahre Teutsche
Herkules währe. Dann als er daselbst ankam /und in seinem Wirtshause die Waffen
kaum abgelegt hatte / ritten zween statlichgeputzete junge Ritter vorüber /
denen acht Diener folgeten; und als er den Wirt fragete / was vor Herren diese
währen / antwortete er; es sind die beiden trefflichen Helden / Herr Ladisla und
Herr Herkules / denen Römische Käyserl. Hocheit wegen ihrer löblichen Tahten /
herrliche Ehren-Seulen zu Rom auffrichten lassen. Valikules sah ihn an /meinte
/ er würde ihn etwa gekennet haben / und durch diese Rede solches zuverstehen
geben wollen; fragete ihn demnach / ob er ehmahls der jetztgenanten Herren
Kundschaft gehabt hätte. Nein / sagte dieser /bevor sie in dieses Land ankommen
sind / habe ich sie niemahls gesehen; dass ihnen aber obgedachte Ehre zu Rom /
Padua / und anderswo begegnet / ist gar kein zweifel / sintemahl
unterschiedliche Schiffe solches einhellig bezeugen / die des Orts herkommen.
Was vor Landes-Art aber mögen sie sein? fragete Valikules. Man hält sie vor
Teutsche / sagte der Wirt; wiewol man solche grobe sprache nie von ihnen höret /
sondern der Jüngste mit dem gelben Haar / H. Herkules / redet stets lateinisch /
scheinet auch gar from und einfältig sein / wie geübet er sonst in Waffen ist;
H. Ladisla aber gebrauchet sich zuzeiten der Griechischen Sprache mit / ist auch
in äusserlichen Geberden viel muhtiger als sein Geselle. Valikules lachete des
/und hätte sich fast zuviel verlauten lassen / ging mit Gallus von dem Wirte
hinweg / und sagete zu ihm; Mein / habt ihr vernemmen / was abenteurliche
Zeittung uns der Wirt erzählet? Ja mein Herr / antwortete er / und zwar mit
grosser Verwunderung / dass ich anfangs gedachte / ob wir in eine andere Welt
kommen währen / da man eben das fünde / was in Italien vorgehet. Ich aber
zweiffele nichts an des Wirts Reden /sagte Valikules; aber diese müssen zween
abgefeimete Buben sein / die ihnen anderer Leute Nahmen uñ Ehre zueignen / und
dadurch bei der Welt sich beschrihen und ansehnlich machen dürffen; nun wollte
ichs zwar nicht gross achten / dafern sie ein wirdiges Leben dabei führen / sollte
ich aber vernehmen / dass durch lasterhaften Wandel sie meinem Ladisla und mir
Schimpf und Unehr beweisen / werde ichs trauen rächen / und sie vor der Welt
zuschanden machen; will mich aber vor die Hausstühr stellen / dass ich sie /wann
sie wieder herein reiten / unter dem Gesichte sehen und erkennen möge ob sie uns
ähnlich sein; dañ es kann nicht fehlen / sie müssen unser Kundschaft haben / und
daneben wissen / dass wir in der fremde leben; oder gedenken vielleicht / wir
sind gar umbkommen / und wollen sie der Früchte unserer Mühe und Arbeit
geniessen / ist mir also lieb / dass ich in fremder Gestalt in diss Land ankommen
bin. Es stund nicht lange an / da sah er sie wiederumb daher reiten; er im
vorüberzihen taht seinen huet tieff ab /und grüssete sie ehrerbietig; die ihn
doch keines danks wirdigten / tahten auch / als hätten sie ihn nicht gesehen /
und eileten ihrer Herberge zu: Worüber er sich fast erzürnete / und zu Gallus
sagete; nimmer mehr were ich zugeben / dass diese Buben unter unserm Nahmen ihren
auffgeblasenen Stolz treiben /wann ich nur wüste es auffs beste anzuschlagen.
Endlich sendete er Gallus umb den Abend in ihre Herberge / ihres tuhns etwas
acht zu haben; welcher da er wieder kam berichtete / dass diese vermummete Lecker
/ jeder ein unzüchtiges Weib bei sich gehabt / und in Gegenwart des Wirts und
der Wirtin / ja aller Diener /schändliche üppigkeit getrieben hätten / wiewol
der vermeinte Ladisla mehr als sein Geselle. Valikules wahr keinem Laster
feinder / als der Unzucht / ergrimmete darüber / und aus Christlichem Eyfer
sagete er; Solten diese leichtfertige Nahmen- und Ehren Diebe meinem Ladisla und
mir solches Gerücht bei der erbaren Welt machen / als beflecketen wir uns mit
dieser Sünde? davor wollte ich alsbald mein Leben lassen. Er legete folgenden
Morgens nach verrichtetem Gebeht die Waffen an / stellete sich / als kähme er
gleich jetzt aus der Fremde in diese Stad / und kehrete mir Gallus in ihre
Herberge ein. Der Wirt wollte ihn anfangs nicht auff nehmen / vorgebend / er
hätte schon sein Haus vol Fremde / dass er sie nicht wohl lassen könnte; doch wie
Valikules freundlich anhielt /und dass er umb gute Zahlung nur das Mittagmahl bei
ihm halten wollte / wahr er gerne zufrieden. Die beiden vermeinte Herren stunden
kurz vor der Malzeit von ihren unzüchtigen Weibern auff / traten in zierlicher
Kleidung in den Essesaal / und frageten den Wirt / wer diese beide schwarzbraune
Ritter währen. Dieser antwortete nach Valikules Vorgeben / sie kähmen aus dem
Eylande Sardinien / und wollten nach den Syrischen Lande. Der falsche Ladisla
wahr ein sehr vermässener Tropff / und verwies es dem Wirt / dass er solche
umbschweiffende auffnähme / es währe ihm ungelegen / sich mit dergleichen
Gesellen in Wirtschaft einzulassen; jedoch weil der Wirt ihn sehr baht / nur
diese Mahlzeit friedlich zu sein / liess ers geschehen. Sie hatten einen
zierlichen Leibknaben /welcher ihnen vorschneiden musste; derselbe legete nur
seinen Herrn vor / und kehrete sich an die unsern gar nicht / hätte ihnen auch
nicht eins die Schüssel zugerükt / wann er seinen Teil daraus genommen /welches
Valikules nicht wenig verdross / insonderheit / da diese Buben ihn nicht eins
wirdigten / ihm zuzutrinken / und ihr eigenes Geschir ihnen geben liessen. Es
stund ein herrlicher Braten auff dem Tische / gleich vor dem vermeinten Ladisla /
welchen Valikules seinem Gallus vorsetzete / mit befehl ihm etwas
davonzuschneiden; der das beste davon ablösete / welches jene verdross / dass sie
auch begunten mit Stichelworten umb sich zu werffen / aber Valikules wollte es
nicht verstehen / und hielt sein Gespräch mit dem Wirt / kehrete sich auch so
wenig an diese beiden /als er von ihnen geachtet ward / welches der Wirt seiner
Unwissenheit zuschrieb / und zu ihm sagete: Mein Herr / weil ihr aus weit
abgelegener Landschaft erst dieser örter ankommet / halte ich euch nicht vor
übel /dass diese beide / meine Gñ. Herren / euch unbekant sind. Ja antwortete er
/ ich wüste nicht / dass ich sie vor mehr als in dieser Stad gesehen hätte. Der
Wirt fuhr fort / und erzählete ihm / was vor tapffere Helden sie währen / und
wie hohe Ehr man ihnen / ihres Wolverhaltens halber in Italien angetahn hätte.
Unter welcher Erzählung sich der falsche Ladisla gleich einer Kröten blehete /
und endlich zu dem Wirt sagete; ich habe euch oft gebehten / unsere Gegenwart
mit solchem Ruhm zu verschonen / damit nit jemand wähne /man hätte es mit euch
also angelegt; Wer demnach uns und unsere Tahten zu wissen begehret / kann sich
nach Padua / Mantua / Ravenna / und Rom verfügen /und daselbst von allen sarten
Bericht einnehmen. Valikules kehrete sich nichts an diese Rede / dankete dem
Wirt wegen genehmer Unterrichtung / und begehrete / ihm ihrer beider Nahmen zu
melden; worauff er hernach zur antwort gab; es kann wohl sein / dass sich
unterschiedliche Menschen eines Nahmens finden / dann ich kenne sonst zween
vornehme Herren eben dieses Nahmens / mit denen ich mannichen Weg gereiset bin.
Als der falsche Ladisla dieses hörete /fürchtete er sehr / dieser würde ihn
zuschanden machen / nam alsbald vor / solchem Ubel durch einen Kampff
vorzukommen / weil er guter Fäuste / und in ritterlichen übungen wohl unterwiesen
wahr; massen sein Vater ein Paduanischer vom Adel / dessen unehelicher Sohner
wahr / ihn anfangs zur Schule gehalten /nachgehends in Ritterspielen unterweisen
lassen; fing demnach an / und sagete: Ob etwa einer oder ander ausser ihnen
beiden sich vor Ladisla uñ Herkules ausgeben dürften / dieselben müssen ohn
zweifel sich fälschlich also nennen / uñ alle die es bejaheten / hielte er
nicht anders. Valikules sah dass es zeit wahr losszubrechen / und antwortete ihm:
Er sollte ja wohl zusehen was er redete / könnte ihm auch gönnen / dass er sich bei
zeiten erkennete / und auffhörete sich fremder Tahten zurühmen / an welchen er
keinen Teil hätte / sonsten müste er ihm gewisslich einen Rittersaz halten. O du
Unseliger / sagte dieser / was Unglück hat dich hieher geführet / deines Lebens
Ende von meinem Schwerte zunehmen; mit welchem ich in einem Kampffe mehr dann
XXX Fechter erschlagen? Du? sagte Valikules / hastu Leutebescheisser ein solches
getahn? und sollestu der berümte Ladisla sein? ein Erz Bube und Lügener bistu /
der anderer Leute Nahmen und Ehre stihlet; und bildestu dir ganz umsonst ein /
dass ich Herrn Ladisla und Herkules nicht kennen sollte. Kehrete sich hiemit zu
dem Wirte / und sagete: Dafern ihr mir diesen Bösewicht heimlich davon streichen
lasset / sollet ihr von eurer Obrigkeit an Leib und Leben gestraffet werden /
darnach habt euch zurichten; dann ich bin von diesen beiden Herren abgesand /
dass ich den Frevel dieser Lügener eintreibe. Stund hiemit auff / ging in sein
Gemach / und liess von Gallus sich die Waffen anlegen. Inzwischen blieb dieser
Bube im Esse Saal / und gehub sich dermassen / als wollte er vor Eifer bersten /
insonderheit musste der Wirt sich rechtschaffen leiden / warumb er diesen Lügener
beherberget hätte. Gallus kam gleich darzu /und hörete diese Scheltworte /
fassete einen Stecken /der ihm zur Hand stund / und schlug ihn damit etliche
mahl über die Ohren / sprechend: Du ehrvergessener Bube / soltestu meinen Herrn
in seinem Abwesen also schelten. Dieser wollte solchen Schimpf auff sich nicht
ersitzen lassen / fassete das Brodmesser / in Meinung ihm die Gurgel abzustechen
/ fehlete aber neben hin /und stiess es ihm in die Schulder / dass es in der Wunde
abbrach / da ers wieder heraus zihen / und den andern Stich führen wollte.
Valikules folgete bald /stellete sich zwische sie mit entblössetem Degen / und
hiess den Buben die Waffen anlegen / umb sehen zulassen / ob er in Tapfferkeit
dem gleich währe / dessen Nahmen er führete; würde er sich dessen aber wegern /
sollte der Diebshenker seiner Schelmstücken Bekenntnis bald aus ihn peinigen.
Dieser blieb verwägen nach wie vor / sagete / er hätte diesen Nahmen bisher mit
Ehren geführet / uñ so mannichen Sieg von Grosssprechern erhalten / dass alle
Landschaften / die er durchgereiset / seines Ruhms voll währen; lief hiemit zur
Tühr hinaus / und rüstete sich zum Streit. Der ertichtete Herkules folgete ihm
zitternd nach / dann er wahr mit Waffen nie umgangen / sondern seiner Kunst ein
Mahler Geselle / und hatte sich von dem andern verleiten lassen / Herkules
Nahmen anzunehmen / den er doch niemahls gesehen; Weil er nun merkete / dz ihr
Betrug offenbahr werden dürffte / gab er feinem Gesellen zuverstehen / er währe
willens davon zu lauffen / und seine Kunst zutreiben; aber dieser wehrete ihm /
mit Bedräuung / da er nit ein Herz ergreiffen würde / wollte er ihn strak
angesichts erstechen; sollte nur frisch und unverzagt die Waffen anlegen / und
mit hinaus reiten / er wollte dem Streit schon wissen eine solche masse zugeben /
dass dieser fremder auff dem Platze bleiben sollte. Also liess dieser unschuldige
Herkules sich halten und in Harnisch zwingen. Valikules ritte unterdessen nach
dem Stadmeister / zeigete ihm die betriegliche Bosheit an / und dass er ein
Römischer Ritter währe / eigentlich derhalben zugegen / dass er diesen Lügen ihre
Endschaft gäbe; begehrete demnach / die Stad Tohr zubesetzen / dass die Buben
nicht entreiten möchten. Dieser hatte schon grossen Argwohn auff die beiden /
und wahr ihm gerne zu willen. Sonsten ward die ganze Stad hierüber rege /
insonderheit das geringe Volk / welches nicht wenig auff diese vermeinte junge
Herren hielt; daher fast alle Einwohner mit hinaus lieffen / dem Streite
zuzusehen. Valikules spürete alsbald / dass der unschludige Herkules sich in
Waffen nicht zuschicken wusste / da der ander sich hingegen dermassen unwürsch
erzeigete / dass alle Zuseher ihm den Sieg zulegeten. Gallus hatte das
abgebrochene Messer aus der Wunde zihen / uñ sich verbinden lassen; und wie
grosse schmerzen er gleich empfand / wollte er doch den Streit mit ansehen / da
Valikules sich schon in gleichen Wind und Sonne gesetzet hatte / und seines
Feindes erwartete / der sich auch bald finden liess /aber im ersten Ritte auff
die Erde gesetzet ward / richtete sich doch geschwinde auff / wiewol er sich vor
seines Feindes Krafft sehr entsetzete / und seines Lebens Ende vor Augen sah.
Valikules stieg bald ab /trat mit blossem Schwert auff ihn zu / und sagete:
Wolher du falscher Bube / und lass sehen / warum du des Nahmens Ladisla wert
seist / schlug auch dermassen auff ihn los / dass alle anwesende sagete: es währe
unmöglich / dass er lange gegen halten könnte. Indem versetzete ihm Valikules
eines auff den Helm /dass er taumelte und das Schwert fallen liess / reiss ihm den
Helm abe / und dräuete ihm mit angesetzeter Spitze an die Gurgel / dafern er
nicht alsbald seinen Betrug bekennen würde. Dieser aber / weil er lieber im
Kampff als durch Büttels Hand sterben wollte / fassete das angesezte Schwert /
und stach ihm damit selbst die Gurgel rein ab / dass er nider fiel / und seinen
Geist ausbliess. Jener arme Herkules sah dieses mit betrübeten Augen an / und
wahr willens auszureissen; aber Gallus machete sich herzu / stiess ihn vom Pferde
/ und dräuete ihn zuerschlagen / wo er nicht fuss halten würde; Worauff er
antwortete: O mein Herr / gebet mir Lebens Sicherheit / so will ich alles gerne
und willig bekenen: legete auff Gallus Geheiss den Harnisch weg / und liess viel
Trähnen fallen /dass auch jener zu seinem Herrn sagete: Sehet diesen geherzten
Herkules / und wie artig er sich mit weinen zuvertedigen weiss. Valikules trug
Mitleiden mit ihm /und sagte: Mein / wie bistu doch so unbesonnen gewesen / und
hast dich vor Herkules ausgeben dürffen /dem du meines ermässens / sehr ungleich
bist. Ach mein Herr / antwortete er / der boshafte Marius / den ihr anjezt
erschlagen / hat mich darzu fast genöhtiget /und möchte wünschen / dass ich nie
kein Herkules worden / sondern ein fleissiger Mahler Geselle blieben währe; aber
/ wie gesagt / ich wahr zu einfältig /dem Verführer zuwiderstehen; dann wie ich
bei seinem Vater / unfern von Padua etliche Gemählde verfertigte / kahm er zu
mir / und sagte: Mein guter Aufidius / was liegestu hier / und arbeitest ums
Brod? folge mir nur / ich will dich zum reichen Herrn machen / und solt doch
nichts tuhn / als fressen / sauffen / und mit dem vornehmsten Frauenzimmer dich
erlustigen. Du bist ein schöner Mensch / und gleichest fast Herrn Herkules /
dessen Bilde zu Padua auffgerichtet ist /wann du nur ein gelbes Haar hättest.
Nun ist aber derselbe heimlich davon gezogen / und weiss kein Mensch / wo er
geblieben; sihe / da hastu eine Haarhaube / den seinen nicht ungleich; zohe mir
dieselbe über den Kopff / und sagte weiter: Nun sihestu Herrn Herkules so
ähnlich / dass wenig Leute einigen Unterscheid zwischen euch beiden machen
sollten; und wann ich meine Haar Haube auffsetze / sagte er / bin ich Herrn
Ladisla auch nicht unähnlich. Hiemit lag er mir zween Tage in den Ohren / mit so
häuffigen Verheissungen / dass ich mich endlich überreden liess / uñ mit ihm nach
Ravenna lieff / da wir von dem Gelde /welches er seinem Vater gestohlen hatte /
uns trefflich rüsteten / und nach Sizilien schiffeten / woselbst wir uns leider
vor die Herren Ladisla und Herkules ausgaben / allentalben wohl empfangen wurden
/ und etliche tausend Kronen auf Wechsel zogen / die wir nimmermehr bezahlen
werden. Von dannen macheten wir uns an diesen Ort / würden auch innerhalb
weniger Zeit uns nach dem Eilande Rhodus fortgemacht haben / da mein Herr uns
nicht zuvor kommen währe. Nach dieser Erzählung fiel er vor ihm nider in die
Knie /und baht umb Gnade / weil alle Bosheit von seinem Gesellen verrichtet /
und er nur dessen Willens hätte leben müssen / wie solches ihre Diener bezeugen
würden. Valikules antwortete ihm: ich habe dich weder zu straffen noch
losszusprechen / sondern die Obrigkeit dieses Orts wird mit dir zuverfahren
wissen / bei denen ich doch eine Vorbitte umb Linderung einlegen will. Aber diese
wollten ihn nicht geringer als mit dem Staupbesem bestraffen / und verwiesen ihn
hernach des ganzen Landes / da ihm Valikules etliche Kronen Zehrgeld schenkete;
Der Betrieger Pferde und andere Sachen wurden verkaufft / dass der Wirt / die
Diener /und andere noch zu ihrer Bezahlung kahmen; aber Valikules wahr leidig /
dass er wegen Gallus Verwundung sich hieselbst so lange auffhalten musste.
    Gleich umb diese Zeit entstund zu Padua eine sehr grosse Unruhe und
Traurigkeit / dessen Ladisla Leibknabe Tullius Ursach wahr; dann wie dieser
seinen Herrn mit Perdickas kämpften sah / und dass alle seine Diener von der
Menge überfallen und erschlagen wurden / meinte er nicht anders / sein Herr
würde das Leben eingebüsst haben / lieff vor Angst und Schrecken nach einem
Hafen zu / da er einen Kauffmann antraff / welcher nach Italie schiffen wollte;
denselben baht er / ihn mitzunehmen / dessen ihn der Statalter zu Padua lohnen
sollte. Als er nun in einem Hafen hinter Padua angeländet wahr / lief er zu fusse
hin / und wollte gleich zu dem Statalter gehen /da ihm Frl. Helena auff der
Gassen begegnete / die sich seiner einsamen Ankunft verwunderte / und ihn
fragete / wie / und woher er so gar allein kähme; deren er mit wehmühtiger
Stimme antwortete: seinem Gn. Herrn währe es nicht wohl gangen / und er allein zu
fusse entrunnen; dessen sie höchlich erschrak / hiess ihn mit nach ihres Vaters
Hofe gehen / und verboht ihm ernstlich / keinem einigen Menschen hievon zusagen.
Herr Emilius entsetzete sich nicht weniger über dieser traurigen Zeitung / und
wahr ihm sehr leid /seinen Schwager damit zubetrüben / liess doch den Knaben in
seinem Hause / und ging allein hin zu Fabius / vorgebend / er hätte betrübte
Zeitung / dass es Herrn Ladisla nicht wohl ergangen / und er in Griechenland
gefangen währe. Fabius bestürzete hierüber / und als er nach dem
Zeitungs-bringer fragete / musste Tullius alsbald zu ihm kommen / der mit
kläglichem Weinen ausführlich erzählete / wie es mit dem Streit ergangen / und
seines Herrn Diener alle erschlagen währen. Fabius fragete ihn / wie es dann mit
seinem Herrn abgelauffen; und als er hierauff erstummete /und der Lügen keine
Farbe anzustreichen wusste / weil ihm Emilius eingebunden hatte / er sollte sich
stellen /als wüste er nicht darumb / dräuete ihm Fabius harte Straffe / wo er
nicht gleich zu bekennen würde; worauff er sagete. Ach Gn. Herr / ich kann in
Warheit nicht eigentlich wissen / wie es meinem Gn. Herrn endlich ergangen sei;
dañ wie alle seine Diener / auch / wo mir recht ist / Klodius Tod wahren /
entstund umb ihn her ein solches Getümel / dass er mit samt dem Pferde zur Erden
stürzete / und der ganze Hauffe auff ihn zudrang, / daher ich nicht sehen kunte
/ ob er auffstund oder liegen blieb / nur dass ich ein wüstes Geschrei hörete /
da etliche riefen / schlaget ihn Tod; andere aber / fahet ihn lebendig / dass
man ihn gebührlich abstraffen könne. Fabius erseufzete hierüber /musste vor Angst
und Schrecken sich nidersetzen / und sagete; so sei es den Göttern geklaget /
dass ein so redlicher Held in seiner blühenden Jugend hat müssen umbkommen und
ich eines so lieben und angenehmen Eidams beraubet bin / welchen ich mit meinem
Leben gerne lösen wollte / wans möglich währe; und ach ach! wie werde ich solches
vor meiner Tochter verbergen können / die nunmehr / genommener Abrede nach alle
Stunden angenehme Schreiben von ihm erwartet / und ihr schon nicht viel gutes
traumen lässet; hielt also vor rahtsam / es noch zur Zeit keinem Menschen zu
offenbahren / sondern wollte auffs schleunigste ein Jagtschiff ausslauffen lassen
/ welches zu Patræ eigentliche Nachfrage tuhn sollte. Aber Fr. Ursul hatte von
ihrer Magd schon erfahren / sie hätte Tullius bei dem Statalter gesehen / wollte
eine so angenehme Zeitung / wie sie meinte / nicht verschweigen / sondern taht
es Fr. Sophien zuwissen / welche alsbald argwohnete / es müste nicht recht
zugehen / weil der Knabe sich nicht am ersten bei ihr meldete; schickete auch
ihre Dienerin ab / umb zuerforschen / ob sichs eigentlich also verhilte; welche
den Bericht einbrachte / sie hätte den Knaben bei dem Statalter und Herrn
Emilius sehen Weinend stehen; worauff Fr. Sophia ihre Hände zusammen schlug und
überlaut rieff; O ihr Götter! mein allerliebster Ladisla ist Tod! Frl. Sibylla
wahr bei ihr / ermahnete sie / sich so übel nicht zuhalten / wollte nicht hoffen
/ dass es so unglücklich stehen sollte; befahl auch Fr. Ursulen / acht auff sie zu
haben / und lieff zu dem Statalter / ihm andeutend /seine Tochter hätte des
Knaben Ankunft und Trähnen erfahren / daher sie sehr arge Gedanken schöpffete;
bähte demnach / ihr einigen Trost mitzuteilen / da sonst noch einiger übrig
währe. Ich weiss nicht / sagete er / wer meiner Tochter alles neue so bald
anbringen mag; lieber saget ihr / es habe keine Gefahr / als viel sein Leben
betrifft / nur dass er umb eines Ritters willen / welchen er im Kampff erleget /
gefangen sei /und sich ehist wieder frei machen werde. Als Fr. Sophia dieses
vernam / gab sie sich anfangs zimlich zufrieden / doch kunte ihr die schlimmere
Zeitung nicht lange verschwiegen bleiben / weil Emilius Gesinde bei anderen
schon davon geplaudert hatten / dass in weniger Zeit in der Stad eine gemeine
Sage wahr /Herr Ladisla währe Tod; daher ihre Mutter und andere Anverwanten
allen Fleiss anlegeten / ihr das ärgeste aus dem Sinne zubringen; das leidige und
verlogene Geschrei / sagten sie / pflegete alle Dinge grösser zumachen / als es
an ihm selbst währe / und entstünde alle Muhtmassung bloss aus Tullius einsamer
Ankunft / welches alles sie sich nichts sollte irren lassen; ihr Vater hätte
schon ein eigen Renneschiff abgeordnet / den eigentlichen Verlauff zuerforschen
/ hoffete demnach / sie würde inzwischen in Geduld stehen; es könnte ihrem Gemahl
besser gehen / als man Glauben hätte. Aber Fr. Sophia hatte den Knaben schon
absonderlich gefraget / auch aus seinen unbeständigen Reden so viel gemerket /
dass ihr der schwerste Knoten verschwiegen würde; doch wollte sie ihre einmal
gefassete Beständigkeit nicht brechen / sondern antwortete ihrer Mutter; sie
verstünde ihr Vorbringen sehr wohl / und sollten des Geschreies Lügen in diesem
Stük niemand lieber sein als ihr; könnte aber leicht gedenken / dass ihre liebe
Eltern ihrer ehmahligen Handelung annoch sich erinnerten / und ihretwegen sich
ein gleichmässiges befürchteten; bähte aber sehr / ein solches aus dem Sinne
zuschlagen; dann sie hätte ihrem Liebsten versprochen / nichts von seinem Tode
zu gläuben / biss sie der ungezweiffelten Warheit gnug würde berichtet sein; und
also wollte sie in Geduld stehen / biss die Aussgeschikten / Gewissheit brächten
/alsdann hoffete sie / ihres liebsten Ladislaen Seele würde die ihre bald
abfodern, und mit sich hinweg nehmen / dass sie auffs minste im Tode ungeschieden
blieben / wañ das missgünstige Glük ihnen dieses lebens Freude länger nicht
zulassen wollte. Nun meinte der Statalter selbst / Ladisla währe gewisslich
hingerichtet / besinnete sich auch schon auff eine schwere Rache; doch ward er
froh / dass seine Tochter sich vor erst zur Ruhe begab / machte auch mit den
andern den Schluss / dafern das aussgeschikte Schiff die traurige Zeitung bringen
würde / ihr dessen Wiederkunft / so lange möglich / zuverbergen / auff das die
Zeit ihre heftige Traurigkeit lindern / und sie ihres liebesten möchte
vergessend machen. Libussa wahr nicht weniger betrübet / da sie diese leidige
Mähre vernam / und überdass weder von dem Fräulein noch Herkules einige Zeitung
hatte. Sie bemühete sich aber / Fr. Sophien zu trösten / und die Betrübnis ihr
aus dem Sinne zuschwatzen; wobei Frl. Sibylla sich geträulich mit gebrauchete;
aber da halff alles sehr wenig; dann sie ass und trank des Tages kaum so viel /
als ein Kind / dass erst von der Brust entwehnet wird / dass auch der gröste teil
ihrer Schönheit gar verschwand / und sie innerhalb zwo Wochen fast von allen
Kräfften kam /dass Libussa sich nicht entalten kunte / sie mit harten Worten
zustraffen; wie ungütlich sie nicht allein an ihr selbst / sondern auch an ihren
Eltern und liebstem Gemahl handelte / in dem sie durch Betrübnis und Hunger sich
gedächte umbs Leben zubringen; wann sie nun dahin währe / welches auff solche
Weise nicht lange anstehen könnte / was hätte sie dann vor eine ruhmwirdige Taht
aussgerichtet / als dass sie an ihrem eigenen Leibe und Leben selbst Mörderin
werden /und ihren Gemahl / der sie so heftig liebete / in den Tod stürzen
würde; sie möchte doch zu anderen Gedanken greiffen / und nicht so gar die
Götter selbst mit ungeduld trotzen / welche hiedurch vielmehr erzürnet / als zur
Barmherzigkeit bewäget würden. Diese und dergleichen vielfältige Vermahnungen
hörete sie zwar mit geduldigen Ohren an / aber ihre Meinung wahr nicht / sich zu
endern / sondern antwortete endlich; Geliebete Freundin / ich weiss nicht wie es
kömt / dass ich mich vor eure Straffreden mehr / als vor meine Eltern selbst
fürchte; doch versichert euch /dass kein Mensch wieder meine einmal gefassete
Meinung mich im Leben erhalten wird; ich könnte zwar mit einem Stiche mich der
Angst leicht abhelffen / aber meine Eltern nicht zubeleidigen / habe ich solches
Mittel verschworen; mus demnach in diesem langwierigen Kummer meine Kråfte
algemach verzehren / biss sie endlich brechen / und der Betrübnis entrissen
werden. O mein allerlieblichster Freund / welche grausame Hand hat dich mir
geraubet? O du holdseliges Angesicht / welcher Wüterich hat dir die schonen
Wangen-Rosen in ein Todtesbleich verkehret? Aber auch du unbarmherzige Seele /
warumb suchestu nicht Gelegenheit / mich abzufodern? Nun nun / meines Lebens
einiger Trost ist dahin; alle meine Vergnügung ist verschwunden; währe nur mein
Leib so halstarrig nicht / und liesse den betrübten Geist aussfahren / der wieder
seinen Willen verbleiben muss / alsdann würde ich ja dereins zur gewünschten Ruhe
komen. Fing hernach an / und wünschete zuwissen /wie es doch nach dem Tode eine
Beschaffenheit umb die Seele haben möchte / und ob die / so im Leben verliebet
währen / auch in jener Welt ungetrennet blieben: Weil sie sich nun durch das
Reden zimlich abgemattet hatte / baht sie Libussen / ihr das Bette zu recht
zumachen / dann sie müste ein wenig ruhen. Gleich da sie dieses begehrete / trat
Frl. Sibylla zu ihr ins Gemach / hatte ein Kleid von grün Silberstücke angetahn
/ und mit so viel Kleinoten sich überal geputzet / ob sollte sie Hochzeitliches
Beilager halten; welches Fr. Sophia ersehend / zu ihr sagete: Geliebtes
Schwesterchen / wie habt ihr euch so köstlich geschmücket? Ich bin ja sider der
unsern Abscheid solches an euch nicht gewohnet; oder tuht ihrs vielleicht / mich
in meiner Traurigkeit zuerlustigen? Je warum sollte ich mich noch betrüben?
antwortete sie / ist es nicht gnug an euch / dass ihr so unklug seid / und euch
aus lauter Mutwillen das Leben kürzen / ja auch zugleich euren Ladisla mit
hinreissen wollet? welches ich hinfort durchaus nit mehr leide kann noch will
/sondn dafern ihr mir nicht versprechet / gleichmässige Fröligkeit an euch
zunehmen / will ich mich stehendes Fusses nach Korint machen / ja zu Herrn
Ladisla nach Korint will ich mich machen / und demselben klagen / was vor
Ungehorsam ihr euren lieben Eltern und allen die euch gutes rahten / erzeiget.
Es hatte sich biss liebe Fräulein bisher sehr traurig gehalten /und wegen ihrer
Wasen trostlosigkeit sich dermassen gehermet / dass ihre Schönheit sich
gutenteils gemindert hatte. Fr. Sophia aber meinte nicht anders / sie währe
wegen Mangel der Ruhe im Witze verstöret /dass sie sich also stellete; liess
deswegen einen schweren Seufzen gehen / und sagete: Ach so erbarme es den Himmel
/ dass ich eures Aberwitzes Ursach bin? Ach ach / wie werde ich solches vor euren
lieben Eltern verantworten? Was? sagte das Fräulein / scheltet ihr mich vor eine
Aberwitzige / weil ich euch dräue? sehet da / ich schwöre es euch bei allen
Göttern /werdet ihr mir nit gehorsame / will ich alsbald nach Korint / ja /
höret ihrs / nach Korint will ich schiffen / und euch vor Herrn Ladisla
dergestalt anzuklagen wissen / dass er euch gänzlich übergeben / und mich an eure
Stelle nehmen soll. Durch diese Reden ward Fr. Sophia in ihrer Meinung noch mehr
gestärket /und jammerte sie des lieben Fräulein so hart / dass sie mit weinenden
Augen zu Libussen sagete: Ach Gott /tuht es doch eilends meinen Eltern zuwissen
/ dz sie sich nach Raht und Hülffe umbtuhn mögen. Ja / sagte das Fräulein / ich
halte / ihr habt nicht gnug daran /dass ihr euch selbst äffet / ihr müsst mich
auch aufftreiben / und wohl gar vor eine Unsinnige angeben; wie aber / wann ich
euch vor eine solche aussschölte? hätte ich nit ungleich mehr Ursach darzu? Ihr
habt bisher euren Ladisla mit Gewalt Tod haben wollen / und ist doch frisch und
gesund zu Korint mit meinem Vetter Kajus Fabius / eurem Bruder. Nun haltet ihr
mich vor eine Aberwitzige / weil ich mich meinem Stande nach aussgekleidet habe;
aber wovor seid ihr zuhalten / dass ihr als eine Wittib in Traurkleidern lebet /
uñ doch euer Gemahl gesund und wohl auff ist? Ich sage euch noch einmal /
euerlieber Ladisla ist zu Korint / und hat diesen Brief mit eigener Hand
geschrieben; welchen ihr aber nicht sehen sollet / biss ihr andere Kleider
angelegt; dann es ist zeit / dass ihr dermahleins den Unmuht / hätte schier
gesagt die Unsinnigkeit fahren lasset. Libussa zweiffelte selber / was sie von
dem Fräulein halten sollte; weil ihr aber ihre lustige Einfälle bekant wahren /
sagte sie zu Fr. Sophien: Ich bitte sehr / Eure Gn. gehorsamen doch dem liebe
Fräulein / dañ mein Herz trägt mir zu / dz sie gute uñ gewisse Zeitung von meine
gnädigste Könige habe. Gewisse Zeitung? sagte dz Fräulein; habe ich euch nit zum
oftern gemeldet / H. Ladisla lebe zu Korint frölich uñ wolgemut? Ach haltet
mich nit länger auf /herzliebstes Schwesterchen / sagte Sophia / auff dass ich
ursach haben möge / mich mit euch zufreuen / da ihr mich sonst nicht auffzihet.
Hierauff trat das Fräulein näher zu ihr / greiff sie zimlich hart an / dass mit
ihrer Steiffsinnigkeit und Schwermuht sie ihren Eltern so mañiches Herzleid
machete / welches sie nimmermehr verantworten könnte; nun währe ja ihr Gemahl
frisch und gesund / welcher zum Warzeichen Ritter Klodius / der mit ihm sollte
erschlagen sein / neben seiner schönen adelichen Jungefrauen herüber geschicket
hätte. Noch wollte sie nicht allerdinge gläuben / sondern sagete: Ich bitte
euchumb unser Freudschaft willen / saget mir die rechte ungefärbete Warheit /
dass ich wisse / woran ich bin; Ja warumb nicht /antwortete sie / alles was ich
geredet habe / ist die lautere Warheit / und da nehmet nun euer Schreiben /und
brechet es selber. Fr. Sophia erkennete aus der Auffschrifft die Hand gar bald /
daher sie voller Freuden ward / fiel dem Fräulein umb den Hals / und baht sehr
umb Verzeihung / dass sie ihr so grossen Schimpff angeleget / und sie vor
unwitzig gehalten /auch durch ihre Traurigkeit ihrer vielfältigen Unruhe Ursach
gewesen / neben Zusage / wie sie hinfüro sich bessern wollte; brach zugleich den
Brief / und lase folgenden Inhalt: Herzallerliebster Schatz; dass ein
sonderliches Unglück mein Schreiben so lange auffgehalten /wird Zeiger dieses
Obrister Statverweser Klodius berichten können / dessen Eheliebste ohn zweifel
aus sonderlicher Schickung der Götter / mein Leben erhalten / dass im Gefängnis
ich nicht Hungers und Durstes umkommen bin / wodurch sie sich umb ein Haar
selber in das Feur gestürzet hätte; Werdet sie demnach als meine Erhalterin uñ
wahre Freundin lieben. Mein Herkules ist schon nach den Morgenländern hinzu /
und werde ich samt eurem lieben Bruder ihm alsbald folgen / hoffen unser
Vorhaben glücklich auszuführen / und euch frölich wieder zusehen. Inzwischen
erinnert euch allemahl meiner herzlichen Träue / und lasset euch falsches
Geschrei von versprochener Beständigkeit zu leben nicht abspenstigen /und
solches dem zu künftiger Vergnügung / der da ist und bleibet / euer biss in den
Tod ergebener Ladisla.
    Nun dann hinweg alle Traurigkeit / sagte sie nach Verlesung; ich werde mich
aber ein wenig zieren / die fremde Freundin zuempfahen / deren ich mich
selbstschuldig bin / auch vernehmen / wie es meinem Ladisla bisher ergangen /
und wie er der grossen Gefährligkeit entrunnen sei; werde mich auch / mein
Schwesterchen / an euch zurächen wissen / dass ihr mich dergestalt auffgesetzet
und verwirret habet. Sie liess alsbald ihr Haar kräusen / und andere Kleider
hohlen / und ging mit ihrer Gesellschaft hin / die fremde Frau zuempfahen. Als
sie in den Saal trat /ging ihr Klodius in statlicher Kleidung (wie ihm sein Herr
befohlen hatte) entgegen / küssete ihr die Hand /neben Vermeldung eines
herzlichen Grusses von ihrem Gemahl und von ihrem Bruder / sagte nachgehends:
Als viel ihrer Gn. jämmerliche Gestalt ausweiset / hat dieselbe meines Gn. Herrn
Gefängnis mehr empfunden / als er selber. Ja mein geliebter Freund /antwortete
sie / die traurige Zeitungen welche mir vorkommen sind / haben mir wenig Ursach
zur Wollust gegeben. Sahe in dem Fr. Agaten gegen sie daher treten / welche sie
mit einem freundlichen ümarmen /und schwesterlichen Kusse empfing / zu ihr
sprechend: Herzgeliebete / wiewol bisher unbekannte Freundin; die Götter müssen
euch der Träue und Freundschaft lohnen / welche ihr meinem Gemahl in äusserster
Gefahr eures Lebens erwiesen / und er mir schrifftlich zuverstehen gegeben /
nebest ernstlichem Befehl / es nach allem Vermögen zuerkennen / welches ich dann
nimmermehr in vergess stellen will. Diese verwunderte sich der überaus grossen
Freundligkeit / entschuldigte sich ihrer Unwirdigkeit / dass eines mächtigen
Königes Gemahl sie dergestalt empfinge / hoffete / ihre Gn. würden sie vor ihre
Magd auffnehmen / und an ihren schlechten Diensten ein gnädiges gefallen tragen;
meldete hernach ihres Gemahls und Bruders herzlichen Gruss / und endlich Leches /
Markus / und Fr. Euphrosynen untertähnigste Dienste an; wobei sie Fr. Sophien /
Fr. Ursulen und Frl. Sibyllen / ieden drei köstliche Kleinot / einen Teil von
Ladisla / den andern von Fabius / den dritten von Fr. Euphrosynen einhändigte /
wovor sie sich ingesamt höchlich bedanketen / insonderheit wegen des dritten /
weil es von einer unbekanten Freundin herrührete / von welcher sie bisher nichts
mehr wussten /als dass sie Frau Agaten Wase währe. Es wahr gleich Zeit / das
Abendmahl einzunehmen / setzeten sich zu Tische / und führeten mancherlei
Gespräch / insonderheit verwunderten sie sich über Klodius höfliche und
vernünftige Reden / weil er vor dem sich gar nidrig und stille gehalten hatte.
Frau Pompeja begehrete an ihn / er möchte doch kürzlich erzählen / was den ihren
vor Abenteur zugestossen währen; wozu er willig wahr / und anfangs ihren
Schiff-Streit mit den Pannoniern ausführlich meldete / ungeachtet dem Statalter
solche Schiffe schon geliefert / und auff sein Befehl alle Erhenkete ins Meer
geworffen wahren; hernach taht er Herkules Unfall / und Charidemus Hinrichtung
hinzu / auch dass sein Geselle Markus dessen Nachgelassene mit grosser
Haabseligkeit durch Herrn Fabius Befoderung geheiratet. Ladislaen Streit mit
Perdikas berichtete er auch ausführlich / aber seine Gefängnis und Erlösung
musste Fr. Agata umbständlich erzählen / worüber sie alle herzlich weineten /
und nach endigung Fr. Sophia sich auffs neue mit ihr herzete / sich teuer
verpflichtend / es Zeit ihres Lebens zu erkennen / sagte nachgehends zu Klodius;
seid ihr mein Freund / so werdet ihr alhie bei uns in meines H. Vaters Hofe
wohnen / damit ich Gelegenheit habe / eurer Liebsten sehen zulassen / wie
angenehm mir ihre Freundschaft sei. Er bedankete sich des hohen Erbietens /
einwendend / wann ja etwas verdienet wåhre / hätte sein Gn. Herr alles viel
tausendfach ersetzet / währe auch selbst der Ehestiffter zwischen ihnen gewesen;
im übrigen hätte er von seinem Obristen Herrn Fabius Befehl / zu Padua
zuverbleiben / dafern der Legion Nohtwendigkeit seine Gegenwart nicht erfodern
würde; wollte demnach sich alsbald nach einer Wohnung umbtuhn / so nahe er sie
bei des H. Statalters Hofe haben könnte. Aber H. Fabius sagete / es sollten ihm
auf seinem Hofe gute Gemächer eingeraümet / und seine Pferde auff Herrn Herkules
Mahrstalle gefüttert werden; wozu Fr. Sophia kam / uñ ihm ausdrücklich wegen
ihres Gemahls geboht / nicht von ihr zuzihen / und da er nicht gehorsamen würde
/ wollte sie doch ihre liebste Freundin Fr. Agaten nicht von sich lassen.
Klodius gab zur Antwort; er währe ihrer Gn. zugehorchen schuldig /und hätte sie
volkommene Gewalt ihm zubefehlen /derhalben er ohn ihren Willen keinen Fuss von
dem Hofe setzen wollte. Die Ursach aber / dass Klodius zu Padua ankam / wahr
diese: Als Fabius aussgeschikte Kriegsknechte ganz keine Nachricht wegen Herkules
mit sich brachten / sah Ladisla vor gut an / das gröste Schiff wieder nach
Italien zusenden / und mit dem andern nach Syrien zuschiffen. Ehe sie diese
Reise vor sich nahmen / begehreten sie an die beide junge Witwen / vor ihrem
Abzuge das Beilager zuhalten /welches Ladisla insonderheit stark bei Fr. Agaten
trieb / und ihr zugemüht führete / wie Unrecht sie tähte / dass sie dem
zugefallen sich ihrem Bräutigam versagete / der ihr nach Ehr und Leben
gestanden. Fabius erinnerte Fr. Euphrosynen gleichergestalt was vor ein
Bubenstük Charidemus wieder sie im Sinne gehabt / und sie selbst tödten wollen /
wodurch er sich aller ehelichen Liebe-Gedächtnis unwirdig gemacht hätte. Klodius
und Markus liessens an ihrer Seiten auch nicht mangeln / und wussten ihren
Bräuten so lieblich zuzusprechen / dass die gute Weiberchen endlich übermannet /
einwilligen mussten / und ihnen das Beilager wohl gefallen liessen / welches gar
prächtig / alles auf Ladisla und Fabius Kosten gehalten ward. Nach Endigung der
Hochzeit Tage / macheten die jungen Ehemänner sich fertig / mit ihren Herren
fortzureisen / uñ trösteten ihre betrübeten Frauen / mit verheissung / sich bei
ihnen schier wieder einzustellen / und hernach von ihnen nimmermehr zu scheiden.
Als nun diese beide nicht anders meinten / als erstes Tages mit nach Syrien zu
segeln / foderten Ladisla und Fabius sie in ihrer Frauen Gegenwart vor sich /und
redete Ladisla sie folgender gestalt an: Ihr werdet euch noch wohl erinnern / was
massen ihr meinem Herkules und mir auff eine gewisse Zeit euch verpflichtet
habt; Wann ihr nun der Meinung / wie ich merke /noch seid und bleibet / zweifele
ich nicht / ihr werdet uns eure Dienste an Ort und Enden leisten / da sie uns am
erspriesslichsten sind. Klodius und Markus verbunden sich auffs neue zu aller
Mögligkeit; Worauff er also fort fuhr: So müsst ihr Klodius / euch mit eurer
Liebesten unwägerlich nach Padua erheben /und daselbst erwarten / ob wir Wechsel
oder Mannschaft abzufodern benöhtiget währen; Zehrungs-Kosten uñ wirdige
Besoldung werdet ihr von meinem Gemahl zuempfangen haben / und wird meine
Freundin Fr. Agata ihr gefallen lassen / meinem Gemahl eine zeitlang
Gesellschaft zuleisten. Ihr aber Markus / werdet vorerst es allhie zu Korint
ansehen / dann unsere Schreiben sollen an euch gerichtet werden /welche ihr
weiter fortzuschicken nicht unterlassen werdet. Es hatten diese sich zwar schon
zur Reise fertig gemacht / und auff viel tausend Kronen wert Kleinoter zum
Nohtpfennige zu sich genommen / auch jeder sich mit einem Leibdiener versehen;
weil ihnen aber die Liebe zu ihren Frauen nicht wenig anlag /liessen sie sich
desto leichter berede / bei ihne zu bleiben / uñ merketen ihre Frauen wohl / dz
alles ihnen zu liebe geschahe / welches sie mit grossem Dank erkeñeten / und
überaus stark anhielten / ihnen zugönnen / dass sie von ihren eigenen Gütern
leben möchten. Aber Ladisla antwortete ihnen: Ihr lieben Herzen / gebet euch
zufrieden; so lange unsere Bedienete uns wirkliche Dienste leiste / müssen sie
trauen unsern Sold heben; oder meint  ihr / dass wir sie euch zu dem Ende
zugefreiet haben / dass sie eure Güter verzehren / uñ nicht vielmehr ersparen /
ja vermehren sollten? Die Frauen küsseten ihm die Hände / und bedanketen sich
aller gnädigen Gewogenheit untertähnig. Ihren guten Willen aber spüren zulassen
/ zahleten sie von ihren Barschaften jedem Schiff Soldaten 80 Kronen / und
jedem Bossknechte 40 Kronen zur Verehrung /welches ganze sich auff 15000 Kronen
belief. Darauff ward Klodius das grössere Schiff mit dem meisten Volk übergeben
/ es wieder nach Padua zubringen /und behielten Ladisla und Fabius nur XXX
Soldaten auff dem kleineren Schiffe neben Leches / als welcher seinen König
durchaus nicht verlassen wollte / deswegen er von den beiden Fraue mit allerhand
Kleinoten und gemünzetem Golde auff 16000 wert begabet ward / worzu ihm Fabius
von Parmenions Geldern noch 12000 Kronen verehrete / welches alles er nebest dem
schon erworbenen / Fr. Agaten zustellete /fleissig bittend / es seiner geliebte
Jungfer Libussen mit über zunehmen / und seinetwegen in stiller geheim
einzureichen. Dieselbe nun vergass ihrer Zusage nicht / sondern bald des andern
Tages nach ihrer Ankunft zu Padua / rief sie die Jungfer allein zu sich /und
baht anfangs / Herrn Leches und ihr nicht zuverargen / dass er ihrer Heimligkeit
sie gewürdiget / und ihre vertrauliche Liebe zuerkennen geben hätte / von dem
sie weiter befehlichet währe / ihr neben Anmeldung seiner Dienste und Liebe /
beigefügtes Schreiben und übergesendete Schätze einzuliefern. Reichte ihr damit
die Kleinot / auff 10000 Kronen / und daneben in fünff Laden 75000 Kronen
gemüntzetes Goldes. Die gute Jungfer schämete sich anfangs vor dieser fremden /
aber nach Verlesung des Schreibens sagte sie: Hochgeehrte Freundin / ich bedanke
mich der gehabten Mühe / und noch mehr ihrer Freigebigkeit / sintemahl ich aus
diesem Briefe ersehe / dass dieses alles grossen teils von ihr und ihrer Fr.
Wasen herrühret / und weil solches zuersetzen in meinem Vermögen nicht bestehet
/ will an statt der Vergeltung ich ihr meinen geträuen willen zu eigen geben /
auch ihre Dienerin / als lange ich lebe / verbleiben. Ich weiss von keinen
solchen Geschenken / antwortete diese / welche von mir sollten kommen / und so
grosses dankens wert sein / aber diese Armbånder /Halskette und fünff Ringe /
wird meine hochgeliebte Freundin von ihrer bereitwilligen Dienerin anzunehmen
sich nicht wegern; taht ihr dieselben an ihre Arme / Hals und Finger / und
umfing sie mit einem freundlichen Kusse / da sie zugleich einander alle
schwesterliche Liebe und Träue schworen. Als nun die Jungfer ihren Schatz nach
ihrer Kammer hatte tragen lassen / gingen sie mit einander nach dem Frauenzimmer
/ woselbst Fr. Agata denselben allen / als der Statalterin / Fr. Sophien / und
Ursulen / auch Frl. Sibyllen und Helenen kostbahre Ringe schenkete /welche
anzunehmen sie sich anfangs beschwereten /weil ihnen ihr Wolvermögen unwissend
wahr; nachdem sie aber von Libussen berichtet wurden / dass sie ädles
Herren-Standes / und ihre Herschaft drei Schlösser / zween Flecken / und XXI
Dörffer in sich hielte / wahren sie willig / und erbohten sich / es zuerwiedern.
Der Statalter kam mit Klodius darzu / das Frauenzimer vor der Mahlzeit
zubesuchen / und hatten mancherlei Gespräch / da Fr. Sophia zu Klodius sagete:
Gewisslich habt ihr und Ritter Markus euer reisen nach Griechenland nicht
vergebens getahn /und würdet in Italien ein solches Glük schwerlich angetroffen
haben / scheinet auch fast / ob hätten eure Herren in Unglück gerahten müssen /
nur dass der Götter schluss über euch beiden gemacht / erfüllet würde /welcher ohn
dieses Mittel nicht leicht hätte können volstrecket werden. Er antwortete: Er
erkennete gerne / dass ihm seine Liebste ja so angenehm sein sollte /ob sie gleich
kein eigenes Baurhütchen hätte / schätzete auch die an seinem Gn. Herrn
erwiesene Träue tausendmahl höher / als alle ihre Haabseligkeit; so hätte er
Gott Lob nach Befreiung seines Erbes / Lebensmittel zur Gnüge / wollte
geschweigen / dass seine Obrist-Verwaltschaft ihm mehr als ein übriges bringen
könnte. Der Statalter sagete zu ihm: Es ist mir lieb / dass mein Sohn Fabius eure
Wirdigkeit erkennet hat; ich werde mich aber gleicher gestalt bemühen /sehen
zulassen / dass eure / meinen Kindern erzeigete Träue bei mir in obacht ist /
daher ich euch die Oberhauptmanschaft hiesiger Besatzung über 6000 zu Fuss
schenke / welche ihr von diesem Tage an zuverwalten auff euch nehmen wollet.
Klodius bedankete sich der hohen Befoderung / liess sich den Völkern vorstellen /
und verhielt sich dermassen träufleissig in diesem Amte / dass die ganze Stad ihm
sehr gewogen ward / und ihm ein herrliches Land gut zu Lehn aufftrugen / davor er
seine Dankbarkeit zuerzeigen / ein Stük 40 Schritte lang / an der alten Stadmaur
niderreissen / und auff seinen Kosten neu machen liess / welches lange Zeit den
Nahmen behielt / dass es Klodius-Werk genennet ward.
    Als er nun hieselbst mit seiner Liebsten in guter Gesundheit und hohem
Ehrenstande lebete / wollte ihm das Glük bald anfangs einen Tück beweisen
/worüber er schier das Leben hätte einbüssen mussen. Es wahr ein junger reicher
Paduanischer ädelmann /Nahmens Volumnius / derselbe befand sich gegen Fr.
Agaten heftig verliebet / und suchete alle Gelegenheit / mit ihr zureden / und
ihr seine Liebe zuoffenbahren. Er hatte seinen Hof gegen den Statalter über /
bei dem er zimlich gelitten wahr / weil er sich höflich zu schicken / und den
Schalk zubergen wusste. Nachdem er nun diese Zeit sich viel statlicher hielt /
als er zuvor gewohnet / und in Fabius Hofe sich täglich sehen liess / merkete Fr.
Sophia / dass es umb Liebe willen geschahe / wiewol sie nicht finden kunte / auff
welche er sein Absehen haben möchte. Nun ging sie einsmahls mit Fr. Ursulen und
Agaten /auch Frl. Sibyllen und Libussen hinaus vor das Tohr /weil es ein
lustiger Herbsttag wahr / und stund Volumnius gleich vor seinem Hofe; wollte also
diese Gelegenheit nicht versäumen / sondern folgete nach / und baht wegen dieser
Kühnheit umb Verzeihung. Fr. Sophia sagete: weil sie ingesamt sich zu ihm aller
Erbarkeit und Freundschaft versähen / sollte es ihm erläubet sein. Nicht ferne
von der Stad wahr ein lustiger Ort / voller schattigter Bäume / da sie sich auff
die Erde niderliessen / und hatte Fr. Sophia schon angemerket / dass im hingehen
er sich Fr. Agaten sehr nahete; hier aber nam er ungenöhtiget die näheste
stelle bei ihr / kunte auch seine unkeusche Begierden nicht verhehlen / dass die
Augen ihn nicht verrahten hätten /wiewol dessen niemand als Fr. Sophia wahr nam
/welche besser dahinter zukommen / auffstund / und mit den andern etwas weiter
unter die Bäume ging /da Fr. Agata ihr zwar folgen wollte / aber von Volumnius
auffgehalten ward / weil er vorgab / ihr ingeheim etwas zuvertrauen; fing auch
aus verwägener Kühnheit an / seine unzimliche Liebe unter dem Deckel einer
sonderlichen Gewogenheit ihr beizubringen / dass sie seiner Unbilligkeit nicht
inne ward / biss er um diese und jene Gunst bei ihr anhielt / dessen sie nicht
wenig erschrak / wollte ihm doch nicht unhöflich begegnen / sondern entschuldigte
sich / dass sie keine solche währe / die von Mannesbildern angebohtene Liebe
auffnehmen / und darauff sich erklären könnte /angesehen sie im Ehestande lebete
/ und er demnach seine Liebe an ort und ende verwenden würde / da sie haften und
Vergeltung erlangen könnte. Aber dieser durch Liebe verblendet / hielt es nur vor
eine Wort-Entschuldigung / weil sie so gar ohne Bewägung redete; fuhr demnach
fort in seiner schändlichen Werbung / und suchte allerhand schöne Worte hervor
/sich bei ihr beliebt zumachen; Er hätte nicht gemeinet / sagte er / dass
Griechenland so zarte Engelchen zeugete / könnte ihm auch nicht einbilden / dass
ihres gleichen in derselben ganzen Landschaft zu finden wåhre / dass daher
selbiges Reich über ihren Ehe Junker sich wohl beklagen möchte / dass er einen so
treflichen Schatz von dannen geführet / und Italien damit ausgezieret håtte;
jedoch wollte er sich darüber vielmehr erfreuen / als beschweren / der Hoffnung
gelebend / ihr Herz würde nicht weniger mitleidig / als der Leib schöne sei; er
suchete nicht / sie ihrem Junker zuentführen / weil er an ihrem Willen zweifelte
/dann sonsten würde ihm nichts liebers sein / als seine ganze Lebenszeit mit ihr
zuzubringen; nur dieses währe vor dissmahl sein höchster Wunsch / dass er
gewirdiget werden möchte / vor ihren Diener auffgenommen zu werden; nam hiemit
ihre Hand / als sollte hiedurch sein Begehren schon geschlossen sein. Aber Fr.
Agata / welche nie vorhin durch solche unehrliche Ansprengungen ersuchet war /
ohn in ihrem Gefängnis / empfand daher einen grossen Unwillen /reiss die Hand los
/ und antwortete mit erröhtetem Angesicht: Herr / ich weiss nicht / mit was
Worten ich ihm begegnen soll / ohn dass ich mich höchlich verwundere / wie er mir
darff Liebe anmuhten / die ich an meinen Ehegatten gebunden bin; hoffe demnach
/er werde mich hinfüro mit dergleiche Ansuchen verschonen / und nicht vor eine
solche mich ansehen / die von ihrem Ehe Junker zu lauffen willens sei / er würde
mir sonst ursach geben / mich dessen zubeschweren; stund damit auff / und
folgete den andern nach. Volumnius wollte sie nicht allein gehen lassen /gab ihr
das Geleite / und redete nicht minder freundlich mit ihr / sie höchlich bittend
/ dass sie ja keine Hass auff ihn werffen / sondern ihm verzeihen möchte / wozu
ihn die Liebe gezwungen / welche er nicht länger zuverbergen gewust. Aber sie
begegnete ihm mit einer schärfferen Antwort: Sie hätte ihm schon viel zu lange
zugehöret; es währe zeit / dass er seinem unehrlichen Ansuchen ein Ende machete /
und sich von ihrer Seiten hinweg tähte; solche Freundschaft / die er ihr
antrüge / sollte er auff die wenden / so auff Unerbarkeit ihre Wollust baueten;
und hierauff rief sie: Schwester Libussa / wollet ihr mich nicht mitnehmen /
warumb eilet ihr so sehr? Fr. Sophia dieses hörend /gedachte bald / ihr würden
ungenehme Sachen vorgetragen sein / kehrete sich um / und sah ihr entgegen /biss
sie zu ihr kam; Der verwägene Mensch aber ging dessen ungeachtet / neben ihr her
/ und beschloss hiemit: Vielleicht möchte sie seiner redlichen Liebe Wirkung bald
erfahren; fing auch drauff an von andern Dingen zurede. Sie wollte das ergangene
lieber unter den Fuss treten / als ausbreiten / und auff seine unterschiedliche
Fragen gab sie ihm freundliche Antwort /welches der Bube dahin deutete / ihr
Zorn währe nur ertichtet / und liesse dieses Schloss sich leicht stürmen / wann
sichs nur wegen der drauff liegenden Besatzung ergeben dürffte; oder deutlicher
zu sagen / weil mit ihrer Ehe sie sich am meisten entschuldigte / meinte er
nach Trennung dieses Bandes nicht zufehlen; daher er Klodius hinzurichten
bedacht wahr. So bald sie zu Hause anlangeten / klagete sie alles Fr. Sophien
und Libussen mit Trähnen / und dass sie nicht wüste /wessen sie sich hernähst zu
verhalten hätte / dass sie von ihm unangefochten bliebe; ob sie nun schweige
/oder ihrem Liebsten es offenbahren sollte / wollte sie von ihnen vernehmen. Fr.
Sophia antwortete: es währe gut / dass der Schandvogel sich an Ort und Ende hätte
kund gegeben / da kein Frevel gegolten; man wüste sich hinfüro desto besser vor
ihm zuhüten / könnte aber nicht gut heissen / dass Klodius es erführe / weil
darauff ein unvermeidlicher Kampff erfolgen würde; Sie möchte das geschehene
verschmerzen /und sich versichern / dass sie schon Mittel wüste / diesem
verwågenen zusteuren; gingen darauff mit einander zu Tische / und hatten
allerhand Unterredung / biss sie sich schlaffen legeten. Klodius hatte den Brauch
/dass er fast alle Nachte umher ging / die Wachten zubesuchen / und liess von
seinem Leibknaben ihm das Seiten Gewehr nachtragen. Dieses wusste Volumnius /und
wartete ihm eben diese Nacht auff den Dienst / da er von der Besichtigung kam /
stiess ihm das Schwert durch den Leib / und machte sich in seiner vermummeten
gestalt im Augenblick davon / dass ihn niemand kennete. Nach empfangenem Stosse
fiel Klodius nider zur Erde / worüber sein Knabe hart ruffen ward / welches ein
Wund Arzt in der nähe wohnend / vernam /lief im blossen Hemde herzu / und
empfand an der Schlag Ader / dz noch Leben in ihm war / trug ihn mit hülffe
etlicher herzulauffenden Bürger in sein Haus /uñ fand / dz der Stoss forne ein /
uñ hinten wieder aus ging. Er brauchte allen fleiss / biss er ihn erquickete /uñ
verband ihm die Wunde / mit dem versprechen /dafern er am Eingeweide unverlezt
währe / welches sich bald aussweisen würde / sollte er vor dissmal gerettet sein.
Klodius antwortete ihm; ist meine Zeit komen / so sterbe ich gerne / wann ich
nur vor meinem Tode erfahren mag / was vor ein Bube mich so unredlicher Weise
angefallen hat / damit ihm sein Lohn werden möge. Die Anwesende bahten ihn /
Geduld zuhaben / und durch Eifer sich nicht zubewägen / damit das Ubel nicht
ärger gemacht würde; nach dem Tähter sollte fleissig geforschet / und ihm die
Mordtaht nicht geschenket werden / es geriete gleich mit ihm zum Tod oder Leben.
Inzwische wahr sein Knabe nach des Statalters Hofe gelauffen / und hatte seines
Herrn Tod / wie er meinte / fruchtbar gemacht. Fr. Agata lag im harten
schlaffe / und kam ihr vor / wie ein Bähre sie hätte niederreissen wollen; weil
er ihr aber nicht beikommen mögen / währe er an Klodius gefallen / und hätte ihn
zur Erden geworffen / dessen sie also erschrak / dass sie ein lautes Geschrei
ergehen liess / gleich da Fr. Sophia mit einer Windkerze zu ihr kam / und sie
ermahnete / sich über ihrer Ankunft nicht zu entsetzen; es kähme ein Geschrei /
als währe ihr liebster etwas verwundet / welches sie ihr lieber selber / als
durch andere anzeigen wollen / damit sie durch unwarhaften Bericht nicht zu hart
erschrecket würde. Die gute Frau hörete die leidige Zeitung mit bebenden
Gliedern / gehub sich übel und sagete; sie zweiffelte nicht / er würde schon
Todsein / weil ihr solches im schlaffe vorkommen währe; stieg gar ohmåchtig aus
dem Bette / und legte die Kleider an / umb selbst hinzugehen / und diesen Unfall
in Augenschein zunehmen: Fr. Sophia hatte schon etliche Diener aussgeschikt /
deren einer wiederkam /und an deutete / er währe zwar hart verwundet / aber
schon verbunden / und gäbe der Arzt guten Trost. Hiedurch ward sie in etwas
gestärket / und fragete /wer doch der schändliche Tähter sein möchte; kunte aber
nichts erfahren biss der Leibknabe berichtete / es währe ein Verkappeter aus
einem Nebengäschen hervor gewischet / und nach getahnem Stosse davon gelauffen.
Alsbald muhtmassete sie auff Volumnius /und sagete; Gn. Frau / ich wollte den
Mörder leicht errahten; und was gillts / wo es nicht der heutige Bube ist? Sie
antwortete / lasset euch nichts merken / so wollen wir noch wohl dahinter kommen.
Libussa kam mit Frl. Sibyllen auch herzu / liessen sich ingesamt von bewehreten
Knechten nach des Arztes Behausung bringen / und wollten gleich zu dem
verwundeten in die Stube gehen; aber der Arzt wehrete ihnen; man müste ihn nicht
verunruhen / dz nicht die Wunde mit Lebens-gefahr auffsprünge; welches Fr.
Agata annam / als währe er gewisslich Tod / und sagete zu ihm: Mein Freund / der
Kranke gehöret mir am nähesten zu / drumb saget mir die Warheit / uñ speiset
mich nicht mit leerer Hoffnung / damit ich die lezte träue an ihm verrichte; mit
welchem Worte sie in Ohmacht fiel / und ward ohn alle empfindligkeit auff ein
ander Gemach getragen / dass nicht Klodius durch ein Jammergeschrei irre gemacht
würde; doch brachte sie der Arzt bald wieder zurechte / und sagte zu ihr: Hoch
ädle Frau / sie gläube bitte ich / meinen Worten / der Oberhauptman ist in
Warheit annoch am Leben / soll auch durch der Götter Hülffe und meinen Fleiss
wieder genesen; will sie mir aber nicht trauen / so verspreche sie mir / dass sie
ihn durch nichts irre machen wolle /so will ich sie zu ihm führen / dass sie ihn
sehe und seinen Odem vernehme; Ach ja / sagte sie / nur bald bald / ich werde
keinen Unwiz gebrauchen / wann ich nur ein geringes Zeichen seines Lebens sehe.
Als sie nun mit ihm in die Stube trat / hub er gleich die rechte Hand etwas in
die höhe / uñ legete sie sanft wiederumb nider / welches sie ersehend / zurücke
trat / und durch ihre Dienerin 200 Kronen hohlen liess / welche sie ihm vor den
ersten Band gab / mit bitte / alle mögligkeit anzuwenden / welches sie zehnfach
ersetzen wollte. Der Arzt / welcher seiner Kunst gewiss wahr /und doch / weil er
nicht auffschneiden kunte / wenig gebraucht ward / bedankete sich der Mildigkeit
/ und versprach inwendig XXIV Stunden verhoffentlich gewisse Zeichen der
künftigen Gesundheit anzumelden. Darauff gingen sie wieder nach Hause / und
funden den Statalter auff der Gasse / welcher einem Hauptman befahl / alle
Tohre wohl zubesetzen / dass niemand hinaus kähme / er wollte nicht ruhen / biss der
Mörder ertappet / und zur abscheuhlichen Straffe gezogen währe; tröstete
nachgehends Fr. Agaten / und baht sie / in geduld zustehen / dann ob gleich
geschehene Dinge nicht könten geendert werden / gebührete doch Straffe darauff.
Der Tähter Volumnius stund oben auff einem Gemache seines Hofes / und hörete
alles /was auff der Gasse geredet ward / hoffete / Klodius würde dem Tode / und
ihm Fr. Agata zuteil werden. Fr. Sophia aber nam mit ihrem Vater einen Abtrit
/und erzählete ihm / wie es heut Fr. Agaten mit dem Buben ergangen währe /
daher sie fest in den Gedanken stünde / er und kein ander währe der Tähter. Er
dagegen / ober gleich erschrak / erinnerte sie doch /man müste einen hohen von
Adel nicht aus blossem Argwohn beschuldigen / es erfoderte starken Beweisstuhm /
darauff man sich schicken müste. Den Beweisstuhm / sagte sie / wollen wir schon
finden /dann Klodius Knabe berichtet / dem Tähter sei Klodius Blut auff die
Kleider gesprützet / wann man nur Volumnius bald könnte zu sehen bekommen / oder
bei ihm nachsuchen lassen / ob was blutiges verhande /sollte man ihn leicht
ertappen. Ihr Vater bedachte sich / und nachdem er merkete / das Fr. Agaten
Mutmassung ein höfliches Nachforschen entschuldigen könnte / schikte er einen
verschlagenen Diener zu Volumnius / mit begehren / zu ihm auff die Gasse
zukommen; befahl ihm daneben in grosser geheim / fleissige acht zugeben / wie er
sich hielte / und ob er vermummete oder blutige Kleider anhätte; und da er auff
dem Bette läge / sollte er sich umbsehen nach seinen Kleidern /ob irgend
Merkzeichen daran zufinden währen. Dieser ging alsbald mit einer Leuchte hin /
aber der Bube wollte sich nirgend finden lassen / und gab sein Leibjung vor / er
läge in der Ruhe: Daher dieser nach der bekanten Kammer lieff / fand aber das
leere Nest /und schalt den Knaben aus / warumb er ihn äffete; welcher doch mit
hohen Schwüren beteuerte / dass er nicht anders wüste / als dass sein Herz zu
Bette gangen währe; könnte auch nicht gedenken / wohin er sich gemacht hatte; er
vor sein Häupt währe gleich auffgestanden / weil er eines getümmels auff der
Gasse inne worden. Ey / sagte der Knecht / so gehe mit mir / und gib mir dessen
Zeugnis bei meinem Herrn / sonst gläubet er mir nicht; lockete also den Knaben
mit sich hinweg / berichtete seinen Herrn / wie ers funden /liess den Knaben
zürük / und ging bald zum andernmahl hin / wo möglich / etwas bessere
Kundschaft einzunehmen. Volumnius hatte den Knecht zum erstenmahl komen und
hinweg gehen sehen / wusste doch nicht / dass er auff seiner Schlaffkammer gewesen
wahr; lieff nach seinem Wegscheide gleich hin und legte sich ans Bette / dass er
erst hinein gestiegen wahr / da der Knecht zum andermahle kam / welcher /weil er
niemand hörete / die Treppe hinauff stieg. Welches Volumnius vernehmend /
hinunter rieff / wer bei eileter Nacht ihm im Hause umbginge. Der Knecht kehrete
sich nicht daran / ging mit der Leuchte hinauff / und brachte seine Werbung vor
/ dass der Statalter ihn gerne sprechen wollte; dessen sich dieser fremde
stellete / ob etwa dem Herrn Statalter etwas wiedriges begegnet währe; er
erkeñete sich schuldig demselben so bei Nacht als bei Tage auffzuwarten; sprang
damit aus dem Bette / und wollte sich ankleiden / daher der Knecht unter dem
Schein einer Dienstwilligkeit zu den Kleidern lieff / ihm dieselben zuzutragen /
fand auch einen blutigen Strumpff / an dem er die Hand färbete / dessen er sich
doch nicht merken liess / sondern ihm die Kleider brachte / welches er mit
unwillen auffnam / und ihm befahl / dem Statalter zu vermelden / dz er alsbald
bei ihm sein wollte / musste ihm aber ein wenig Licht aus der Leuchte geben /damit
er das seine anzünden könnte / welches dieser taht / und ihn doch bald gereuete /
massen Volumnius hiedurch gewahr ward / das ihm Blut auff der Hand sass / dessen
er nicht wenig erschrak / und sich fürchtete / der blutige Strumpf dürffte ihm
Händel machen; fassete doch bald einen Raht / ritzete eine geringe Wunde in den
Schenkel / verband ihn hernach / als er etwas blutes daraus auff die Fussbank
lauffen lassen /und legete die Kleider an / die er schon alsbald nach der Taht
geendert hatte / und sicher wahr / dass sie ihn nicht verrahten würden; ging
darauff ganz verwägen zu dem Statalter / welcher schon von dem Knechte
unterrichtet wahr / wie ers funden hätte / daher derselbe selbst meinte / man
würde hiedurch zur Kundschaft gelangen können / und erwartete des Mörders im
Vorhofe / welcher ihm auffstiess sich wegen der Verzögerung entschuldigend / er
währe vor etlichen Stunden zu Bette gangen da er den Schenkel an der Tühr
entzwei gestossen / welche Wunde bei seinem schleunigen auffstehen ihm wieder
auffgesprungen /dass er sich auffs neue verbinden müssen. Nachgehends fragete er
/ ob dem Statalter einige Ungelegenheit begegnet / dass er seine Nachtruhe
bräche. Herr Fabius verwunderte sich über den schlauen Buben /und merkete / wie
schwer es zugehen würde / ihn der Untaht zu überzeugen / wo nicht bessere
Zeichen sich eräugeten; stellete sich doch nicht unfreundlich gege ihn / sondern
klagete / dass der Oberhauptman schelmischer Weise angefallen / und tödlich
verwundet währe. Worauff dieser antwortete: Ey mein Herr /diese Zeitung wird
verhoffentlich falsch sein / massen ich ihn noch bei spätem Abend gehen sehen.
Als nun der Statalter hierauff andeutete / dass es etwa vor anderhalb Stunde
geschehen / stellete er sich sehr mitleidig / und sagte; es müste ein
leichtfertiger Mörder sein / der redliche Leute bei Nachtschlaffender Zeit
anfiele / und währe billich / dass man fleissige Nachfrage tähte / damit der Bube
zum Abscheuh gestraffet würde. Der Statalter sah ihn genaue bei dem Lichte an
/ merkete aber weder Zeichen an den Kleidern /noch Verenderung im Gesichte /
schieden endlich voneinander / und hatte man schlechteren Grund als vorhin /
daher man auch seinen Leibknaben lauffen liess / da der Statalter zum Schein
sich unnütze machete / was man bei Nachtzeit anderer Leute Diener auffzuhalten
hätte. Volumnius merkete handgreifflich / dass man ihn in verdacht hatte / noch
taht er nicht desgleichen / sondern ging des folgenden Morgens bei ihm aus und
ein / welches Fr. Sophia nicht dulden kunte / daher sie zu ihm sagete; er sollte
ihres Vaters Wohnung müssig gehen / wann er mit unehrlichen Gedanken schwanger
ginge / und ehrlicher Weiber Leumut zuschänden suchete; worüber er sich leidig
hielt / und sehr baht / ihn mit solchen ehrenrührigen aufflagen zuverschonen; er
hätte nie im Sinne gehabt /einiges verheirahteten Weibes zu begehren / und
hoffete / sie würde ihm den meinäidigen Verleumder vorstellen / dass er sich
rechtens an ihm erhohlen / uñ seine Unschuld der ganzen erbare Welt vor Augen
setzen könnte; Ich gestehe euch nichts / sagte sie / dann ich sehe / was vor
unergründliche Bosheit in euch begraben lieget / welche durch der Götter Hülffe
zu seiner Zeit ans Licht wird gebracht werden. Was? sagte Volumnius / Bosheit?
was? unergründliche Bosheit? Ich bin ein redlicher gebohrner von Adel / und
gestehe weder ihr noch einigem Menschen solche und dergleichen Beschuldigung;
darumb wird sie sich nicht wegern / mir deswegen Rede und Antwort zu geben.
Durchaus nicht / sagte sie / biss zu seiner Zeit. Ging damit von ihm / und
verfügete sich hin zu Fr. Agaten / der sie klagete / wie es ihr mit dem Buben
ergangen währe; diese musste sich mit ihr des durchtriebenen Fuchses verwundern /
und sagete; Gott währe ihr Zeuge / dass es anders nicht ergangen währe / als sie
ihr erzählet hätte / und dürffte allem ansehen nach noch wohl darüber in
Verleumdung gerahten. Nein /antwortete sie / dessen traget keine Sorge / dann
ich habe euch nicht genennet; ist er aber so kühn / so verrahte er sich nur
selber / alsdann wollen wir ihn schon fassen. Aber mich deucht / wir tähten
besser / dz wir nach Klodius gingen / weil der Arzt mir zuentbohten hat / ihn
verlange sehr / euch zu sehen. Ach ja / sagte sie; Gott helffe nur meinem
Liebsten wieder auff / der Mörder wird seinem Richter nicht entlauffen / ob er
sich gleich eine zeitlang verbirget; gingen hiemit fort /und funden ihn noch in
zimlicher Schwacheit liegen /tröstete dannoch seine Liebste / sie möchte sich zu
frieden geben / dann er fühlete keine Todesangst /sondern nur gemeine
Wundenschmerzen. Weil er dann auffs neue sollte verbunden werden / trat das
Frauenzimmer hinaus / und fand der Arzt so gewisse Zeichen seiner künftigen
Besserung / dass er vor Freuden auffsprang / und zu ihm sagete: Mein Herr /ihr
seid an eurem Eingeweide unverletzet / woran ich bisher etwas gezweifelt / und
solt mit Gottes Hülffe innerhalb drei Wochen mit dem Herrn Statalter zu Tische
gehen; welches er auch dem anwesenden Frauenzimmer vortrug / die sich höchlich
darüber erfreueten. Inzwischen liess Fr. Sophia von ihrem fleisse nicht ab / den
boshaften Tähter zu überzeugen / und fragete bei den Nachbarn hin und wieder
vertraulich nach / ob nicht jemand dessen Nachricht geben könnte / erfuhr auch so
viel / dass gleich umb die Zeit / da man Klodius verwundung angezeiget /
Volumnius Hofheimlich aufgeschlossen / und nicht wieder zugemacht währe / wie
dann des Statalters Knecht ihn offen gefunden hatte. Diese Zeugen / derer drei
waren / liess sie gerichtlich abhören / und klagete darauf Volumnius vor ihrem
Vater an / ihn dahin zuhalten / dass er den Auffschliesser seines Hofes
namhaftig machete / weil er ja selbst oder sein Gesinde darumb wissen müsten.
Fabius liess ihn vor fodern / hielt ihn der Zeugen Aussage vor / und begehrete
kurzum den Aufschliesser zuwissen. Er aber stellete sich hierüber unwillig /
beschwerete sich hoch / dass man mit eine Römischen ädlen Bürger dergestalt
gewaltsam verfahren wollte; dann wie könnte er über unbewusste Dinge Rechenschaft
geben? Ob etwa sein Gesinde heimliche Huren- oder Diebeswinkel hätten / oder
aber unbekannte Diebe ihm zu Nachtzeit den Hof öfneten / sollte man deswegen
billicher Mitleiden mit ihm tragen / als ihn darüber vor Gericht fodern.
Schliesslich baht er den Statalter / er möchte / als ein hochverständiger Herr /
sich an Weiber Rede nicht kehren / noch deren Nachstellung achten / deren
Ungunst man mit einem ungenehmen Anblik verdienen könnte. Er währe ein ehrlicher
Ritter / entschuldigte zwar den Statalter /aber da sonst jemand sich fünde /
der ihn einiger Untaht zeihete / währe er bereit / es durch alle zugelassene
Mittel zueifern. Noch zur Zeit kunte Herr Fabius nit mehr / als ihn in freie
Hafft nehmen / dessen er sich höchlich bedingete / und doch endlich / Argwohn
zumeiden / sich darein gab. Der Arzt legte allen möglichen fleiss an / dass
Klodius am XV den Tage nach seiner Verwundung die Kleider anzog / und IIX Tage
hernach mit dem Statalter zur Mahlzeit ging /da er berichtet ward / wie
unterschiedliche Vermuhtungen man seiner beschehenen Verwundung auff Volumnius
hätte; Ja / sagte Frau Sophia / könten wir das schwereste beweisen / welches an
sich selbst wahr ist / und von dem Buben dannoch geleugnet wird /wollten wir
schon wissen mit ihm zuverfahren. Klodius hätte solches gerne gewust / aber sie
hiess ihn biss nach gehaltener Mahlzeit ruhen / und erzählete ihm hernach / wie er
bei Fr. Agaten umb unzimliche Sachen angehalten hätte / welches er doch nicht
allein leugnen / sondern überdas noch bösslich dräuen dürffte. Worauff Klodius
mit wenigen antwortete: Sie möchte sich ein geringes gedulden / biss er Waffen
zuführen wieder geschikt währe / alsdann sollte die Rache weiter nicht verschoben
werden; jedoch dass seine Eheliebeste es nicht erführe / als welche darüber in
traurige Gedanken gerahten könnte; Wie er dann nach Verfliessung fünff Tage / in
Gegenwart etlicher Paduanischer Herren / bei dem Statalter anhielt /den
boshaften Volumnius vorzufodern / über welchen er etwas zuklagen hätte; da ihm
zur Antwort ward: dafern seine Klage gegründet wäre / stünde ihm der Weg
Rechtens offen; Und als derselbe auff Erfoderung willig erschien / trug Klodius
seine Anklage mit diesen Worten vor: Hochmögender Herr Statalter / auch ihr
Hochädle Herren; Gegenwärtiger Volumnius hat sich unterwinden dürffen / mein
liebes Weib auff Unehr anzufodern; woran er wider Ritters Ehr gehandelt; und als
deren Redligkeit ihm solches /wie billich / abgeschlagen / hat er bei tunkeler
Nacht / da ich meine Wachte besichtiget / mich schelmisch-und mörderischer weise
überfallen / ausser allem zweifel in Hoffnung / wann er mich aus dem Wege
geräumet / würde er sein Ansuchen desto leichter erhalten / und sich an meine
statt eindringen können. Die erste Untaht / da es nöhtig ist / kann meine
Eheliebste mit einem äide bekräfftigen; der andern habe ich gute Zeugnis; Dann
vorerst ist kündig / dass sein Hof umb eben die Zeit meiner Verwundung geöffnet
worden; Vors ander / ist er nicht auff seinem Bette gefunden / ob gleich sein
Hausgesinde solches gemeinet; Vors dritte / hat man an seinen Strümpfen Blut
gesehen uñ gefühlet / welches nirgends anders her als aus meiner Wunde geflossen
ist; dañ hätte er seinem vorgeben und erlogenen Tichtungen nach / sich wund
gestossen / würde er ja die Strümpffe nit eben unter seine Kleider verstecket
haben; dass ich also im geringsten nicht zweifele / ich habe ihn seiner Mordtaht
gnugsam gnugsam überzeuget; jedoch will ich zum überfluss diese meine Anklage
wider ihn mit einem öffentlichen Kampffe behäupten / wie einem ehrlichen Ritter
zustehet und vergönnet ist. Volumnius hörete alles mit ertichteter Freidigkeit
an / rühmete sich glückselig / dass dereins die missgünstigen Weiber einen Abtrit
genommen / und die erlogene falsche Anklage von einem Ritter vorgetragen würde /
mit dem ers gebührlich ausfechten könnte / schob alle seine ausgegossene Schmach
und Verleumdung in des unrechtmässigen verlogenen Klägers Busem / und könnte zwar
mit leichter Mühe die angeführeten nichtige Ursachen hintertreiben / auch seine
Unschuld zurecht dartuhn /weil aber die Bezichtigung gar zu ehrenrürig währe
/könnte er der Zeit des Rechtspruchs aus ritterlichem Eifer nicht erwarten / noch
so lange in der Hafft verbleiben / sondern foderte hiemit den Kläger als eine
Ehrendieb und Verleumder aus / nicht zweifelnd / die Götter würden in dieser
sache Richter sein / und durch seine gerechte Waffen den Lügener abstraffen
/damit die Welt erkennete / dass der Himmel sich auch deren annähme / welche auff
der Erden belogen und unschuldig verfolget würden. Klodius antwortete mit
wenigem: Er hätte beides das verstellen und schänden wohl ausgelernet / was seine
Waffen vermöchten / hoffete er zuerfahren / nachdem sie nunmehr sollten redlich
und in offenem Kampff gebraucht werden; vor dem Himmel fürchtete er sich sonst
in seiner gerechten Sache ganz nicht; gingen also beide hin / sich fertig
zumachen. Volumnius vergifftete Speer und Schwert / und ritte hinaus auff den
bestimmten Platz /nehmlich woselbst er Fr. Agaten Unehr angemuhtet hatte.
Klodius folgete ihm bald / und stelleten sich viel vornehme Leute als Zuseher
ein / unter denen Volumnius nicht wenig Gönner hatte / weil sie ihm verwand und
verschwägert wahren. Erstes Anblickes renneten sie ganz eiferig auff einander
los / da Volumnius das Speer zu tief sinken liess / und seines Feindes Pferd ein
wenig an der Stirn verletzete / er aber dagegen aus dem Sattel auff die Erde
geworffen ward / und wahr der Gift so stränge / dass ehe Klodius seinen Lauff
vollführete / sein Pferd rasend ward /alles in die quere lief / und sich weder
an Sporn noch Zügel kehrete / auch am Häupte dicke geschwal / dass er grosse mühe
hatte / ohn Gefahr abzusteigen / und nicht wusste / wohin er diesen Unfall
rechnen sollte; doch liess er sein Pferd lauffen / und trat mit unerschrockenem
Gemühte auff seinen Feind / welcher seiner zwar mit entblössetem Schwert / aber
zuschlagenem Gewissen erwartete / dass sichs gar zeitig sehen liess / auff welche
seite die überwindung fallen würde; gestaltsam Klodius in wenig Streichen ihn
zur Erden fellete / ihm den Helm abriss / und dräuete / dafern er seine Untahten
nicht bekennen / und Abbitte tuhn würde / sollte er durch Henkers Hand darzu
genöhtiget werde. Aber der Bösewicht gab ihm keine Antwort /sondern fassete sein
eige Schwert / und schnitte ihm selbst damit die Kehle ab / wovon er zur stunde
geschwal / und jederman der Vergifftung innen ward /weil auch Klodius Pferd
schon alle viere von sich streckete. Nach gehaltenem Kampfe / liess der
Statalter des Tähters Haus fleissig durchsuchen / da sich das blutige Kleid in
einem Winkel fand / und sein Hausgesinde bezeugete / er hätte es des Tages / als
er mit dem Frauenzimmer zu hause kommen / sehr spät angelegt; kam also sein
mördliches Vornehmen an den Tag / und ward sein Leichnam dem Henker übergeben /
ihn auff die Schindgrube zuschleppen; Klodius aber ward in alle seine Güter
eigentühmlich eingesetzet / weil er keine nahe Erben hinterliess / wie dann der
Käyser selbst eine solche Urtel vor rechtmässig hielt und erkennete.
                             Ende des Andern Buch.
 
                                 Drittes Buch.
Unser vermummeter Herkuliskus wahr / vorigen Buches meldung nach / mit seiner
Jungfer Brelen / die er vor seine Wase angab / von den See Räubern zu Tyrus
eingebracht / woselbst sie etliche Wochen stille zuliegen gezwungen wurden /
weil sie umb mehrer Sicherheit willen zureisen / auf gewapnete Gesellschaft
warten mussten / damit sie in den unsicheren Morgenländern nicht überfallen und
erschlage würden / nachdem sie / umb Kosten zumeiden / keine eigene Leute
bestellen wollten. Inzwische befand sich Alexander gegen gedachte Jungfer je mehr
und mehr in Liebe entzündet / dz ihn unmöglich dauchte / den Flamen länger
zuwehren können; wagete es demnach / uñ machte sich mit freundlicher Rede an
Herkuliskus /ganz innig bittend / ihm in seinem Vorhaben behülflich zusein; Er
hätte diese zeit her eine solche Zuneigung gegen die ädle und tugendreiche
Jungfer Brelen in seinem Herzen empfunden / dass er nicht umhin könnte / ihm
solches zuoffenbahren; sein anmuhten gründete sich auff Ehre und eheliche Träue;
so währe er seiner Geburt und Herkommens von gutem uhr alten Adel / und
zweifelte nit / es würde der Jungfer tuhnlicher sein / mit ihm in beständiger
Ehe zuleben /als einem Barbarischen Könige wenige Zeit in Unzucht auffzuwarten /
und nachgehends entweder den folgenden jüngern Weibern vor eine Magd / oder wohl
gar den schlimen Knechten zum Missbrauche und Mutwillen zudienen. Lebensmittel
hätte er überflüssig / und wollte auff diesen fall sich an Ort und Ende
niderlassen / wo es der Jungfer am liebsten sein würde. Herkuliskus vernam diese
Anwerbung ganz gerne /hatte biss dahin mit Brelen schon abgeredet / welche
nunmehr diesen Bräutigam anzunehmen entschlossen war / nachdem sie keine
Hoffnung hatte / ihren Liebsten Neda wieder zusehen; doch liess Herkuliskus sich
dessen gegen de Freier nicht vermerken / sondern gab ihm als mit halber
Bestürzung zur Antwort: Es wåhre eine schleunige und unvermuhtliche Werbung /
möchte wünschen / dass er ihm diesen seinen Willen etwas zeitiger zuverstehen
geben hätte / damit er ihm desto besser hierin diene mögen; wollte doch nicht
destoweniger alsbald mit seiner Wasen davon reden / und hoffete / ihm genehme
Antwort zubringen. Ging auch gleich zu ihr hin meldete die getahne eheliche
Ansuchung / und erinnerte sie des schon gemachten Schlusses; Worauff die Jungfer
sich erklärete: Die Götter währen ihre Zeugen / dass sie lieber sterben /als
diese Heirat eingehe wollte; weil sie aber vor Augen sähe / dass ihre Ehre auff
andere weise nicht könnte gerettet / noch ihrem Gn. Fräulein durch sie besser
geholffen werden / wollte sie sich selbst und ihren eigenen Willen überwinden /
und keine Einsperrung machen / insonderheit / weil sie ohndas ein schwaches
Mensch währe / und da einiges Mittel zur Flucht sich eräugen sollte / nicht würde
folgen / noch des reitens oder gehens ungemach ausstehen können. Herkuliskus
lobete ihre Vernunft / und dass sie gutem Raht statt gäbe / zweifelte nicht / er
würde ihr alle gebührliche Zucht und Liebe beweisen / massen man diese ganze
Zeit über nichts lasterhaftes an ihm gespüret hätte. Machte sich bald wieder
nach Alexander / der sein mit schmerze wartete / und brachte ihm zur Antwort: Er
hätte seinet wegen mit der Jungfer gehandelt / welche zwar sehr leidig währe /
dass sie in der fremde / und ohn Vorwissen ihrer nähesten Anverwanten / eine
solche Enderung vornehmen / und an einen künftigen Ehe Junkern sich versprechen
sollte; jedoch / weil sie an ihm nichts als löbliche Zucht und Tugend gespüret /
wollte sie sich ihm zu ehren ergeben / dafern er ihr folgende drei Bedingunge
gönnen / und dieselben einzugehen äidlich angeloben würde: Als erstlich / dass er
Zeit seines Lebens sie nit lassen /sondern als sein Ehegemahl / die von
adelichem hohen Geschlecht währe / gebührlich halten; Vors ander / sich hinfüro
des unlöblichen Seeraubens begeben / und ritterlichem Stande gemäss leben; Und
endlich drittens / sie unberühret / und an ihrer Jungfräulichen Zucht allerdinge
ungekränket biss nach Padua bringen wollte; von dannen sie alsdañ weiters
fortzihen / und in Teutschland oder Böhmen sich niderlassen könten. Alexander
hätte / seiner Liebe ein genügen zutuhn / das dritte gerne gemässiget gesehen
/durffte aber nicht widersprechen / ging mit Herkuliskus hin zu ihr / und redete
sie also an: Hochädle /Grossehrenreiche Jungfer / herzgeliebete Freundin; dass
Ihre Hochädle Tugend meinem inbrünstige Ansuchen statt geben / und auff
Unterhandlung meines hochwerten Freundes Junker Herkuliskus / vor ihren
ergebenen Knecht und Diener mich aufnehmen wollen / solches nehme ich zu hohem
Danke an; Meine Liebe und Träne / die nur auff Ehre ruhet / will bei Verlust
aller Götter Hulde ich ihr teuer versprechen und unbrüchig halten / des leidigen
Raubwesens / dazu mich Unfall gezwungen / mich gänzlich abtuhn / uñ meinem
ritterlichen Herkommen mich gemäss verhalten; endlich auch / wie ungenehm es
gleich meinen Liebes begierden fallen mag / sie nach ihrem Willen biss nach Padua
/ ohn einiges anmuhten / wz wider jungfräuliche Zucht und Keuscheit streitet /
hinbegleiten / daselbst mit ihr das Beilager halten / und von dar ab weiters mit
ihr hinreisen / und Wohnung nehmen / da sie es wünschet und begehret; Zu dessen
auffrichtiger Bezeugung ich ihr hiemit alle meine Schätze als ihr Eigentuhm
überliefere / auch sonsten meinen willen unter ihren gehorsam gebe. Die Jungfer
bedankete sich der Ehren und getahnen erbietens / und taht ihm hinwiederumb
Zusage aller künftigen ehelichen Träue; hielt nachgehends bei ihm an / er möchte
ihrem Oheim Herkuliskus etliche Kleinot zum Nohtpfennige zustellen / welches
seine Anverwanten doppelt und dreifach erstatten sollten / nur dass er auff den
fall einer glücklichen Flucht / wegen Mangel der Zehrung nicht Kummer leiden
dürffte. Alexander freuete sich / Gelegenheit zu haben / sein gutwilliges Herz
in etwas darzubieten / hohlete eine zimliche Anzahl grosser Indianischer Perlen
/ an eine feste Schnuhr gereihet / daneben ein Demant-Ketchen nebest sechs
Ringen / alles auff 20000 Kronen nach liederlichem Wert angeschlagen / wickelte
es in ein seidenes Tüchlein zusammen / und überreichte es Herkuliskus mit diesen
Worten: Mein hochwerter Herr und Freund / nehmet / bitte ich / dieses geringe
von mir an / als einen heimlichen Schatz / welcher anfangs in der fremde gnug
sein kann / Armutsnoht abzulehnen / und versichert euch / dass mit alle meinem
Vermögen euch zuhelffen ich willig bin; und wollte der Himmel / dass mir einiges
Mittel zustossen möchte / euch aus der Parter Hände losszuwirken / wollte ich
mich gerne darzu gebrauchen lassen / wiewol wegen ihrer wachsamen Augen / es
allerdinge unmöglich scheinet / es auch meinem geleisteten sehr hohen äid schwur
gar zuwieder ist. Er hingegen bedankete sich beides vor die Kleinot und den
guten Willen / begehrete nicht dass er oder einiger Mensch seinetwegen sich in
einige Gefahr stürzen sollte; hätten die Götter seine Erlösung gnädig versehen /
zweiffelte er nicht am glücklichen Verfolg; die Kleinot wollte er anzunehme sich
nicht wegern / und da er leben würde / die Vergeltung nicht hindan setzen;
wiewol seine Fr. Mutter / so bald er in Teutschland ankommen würde / alles
reichlich erstatten sollte. Aber / sagte er weiter; wie stehet ihr mit euren
dreien Gesellen / den Partischen Herren? werden sie in diese eure Heirat auch
einwilligen? Ich will / antwortete er / alle mögligkeit anwenden / sie mit Gelde
zubefriedigen; sollte es aber nicht geschehen können / welches ich doch nicht
fürchte / will ich meinen Wiz gebrauchen / sie zu nöhtigen / dass sie mir dieses
wohl einwilligen müssen. Er machte sich / umb keine Zeit zuverlieren hin zu ihnen
/ und redete sie also an: Ihr meine Hochwerke Herren / uñ Brüderliche Freunde;
billich danken wirs dem Glük / dass es zu unserm Vorhaben uns so treflichen
Fortgang verlihen / und uns ein mehres bescheret hat / als wir wünschen dürffen;
wobei ich zwar gerne gestehe / dass in fleissiger Bemühung ich der geringste
gewesen / ob ich gleich an meinem Vermögen nichts erwinden lassen / die
Segel-fahrt zusuchen / welche uns am vorträglichsten währe / wovor mir dann /
vorgetroffenem vergleiche nach / gnugsame Vergeltung wiederfahren /dass ich wehr
Ursach zudanken / als ein mehres zufodern habe; weil aber meine Begierden mich
fast treiben und drängen / umb eine sonderliche Gunst / bei meinen Hochwerten
Herren / doch ohn ihren Schaden anzuhalten / bitte ich sehr dienstlich / solches
mit Gewogenheit auffzunehmen / und dafern möglich / hochgeneigt einzuwilligen.
Ich gestehe / fuhr er fort / dass ein sonderliches Feur / durch die Augen unser
gefangenen ädlen Jungfer in meiner Seele angezündet ist /daher ich mir sie zu
ehlichen allerdinge entschlossen bin / wann von meinen Herren ich sie umb ein
zimliches Geld erhalten kann. Die Einlieferung des gefangenen Herkuliskus kann bei
eurem grossen Könige Artabanus euch angenehm gnug machen / welcher ohn dass in
seinem Frauen Zimmer eine grosse Anzahl schöner Weibsbilder hat / so das nicht
mehr bei ihm wohl empfangen sind / welche schöne / sondern nur die allerschönsten
bringen. Dieses aber sei wie ihm wolle / so erbiete ich mich doch / eine
mögliche / nicht gar zu schwere Ausslösung an Gold und Kleinot vor sie anzuwenden
/ damit ich meine Begierden befriedigen möge; bitte / meine Hochwerte Herren
wollen mich einer genehmen Erklärung wirdigen. Die Partischen Herren sahen sich
untereinander mit Verwunderung an / hiessen ihn einen Abtrit nehmen / und fing
der vornehmste unter ihne / nahmens Idarnes / also an: Geliebte Brüder und
Oheimbe; euch ist ohn mein erinnern bewust / was vor Träue und Fleiss dieser
fremdling Alexander uns erzeiget hat / und ausser allem zweifel die vornehmste
Ursach unserer uns zugestossenen Glükseligkeit ist / massen wir ohn sein Angeben
und Auffmunterung / ein solches Mittel /uns in Reichtuhm zusetzen / nimmermehr
würden ergriffen haben / und wir demnach schuldig sind / ihm eine Freundschaft
hinwiederumb sehen zulassen; ob aber einer oder ander einwenden wollte / man
währe dessen nicht benöhtiget / inbetrachtung / er bei aller Beute mit zu
gleicher Teilung gangen währe; so hätte man doch / sagte er / zubedenken / dass
sie in der Römer gebiet annoch währen / uñ er / da er zum Schelm und Verrähter
werden wollte / sie umb Gut und Leben bringen könnte: Nun wüste man aber auch /was
die Liebe vor eine heftige und blinde Ansträngung währe / die weder Ehre noch
eigene Wolfahrt achtete / sondern der Verzweiffelung alles in die Hände gäbe;
dass aber Alexander darzu nicht gereizet würde / könnte man nicht umbhin / ihm
zuwilfahren /jedoch dass er ein ansehnliches stük Geldes davor erlegete. Der
jüngste unter ihnen / ein sehr verwegener Mensch / nahmens Tymondas / gab zur
Antwort: Er selbst befünde sich in diese Jungfer überaus verliebt /währe auch
gesiñet gewesen / sie diesen Tag von der Gesellschaft umb eine billiche
Vergeltung zubegehren / und hoffete / dass man ihm vor dem Griechen den Vorzug
gönnen und geben würde. Der dritte mit nahmen Atizies redete ihm sehr gütlich
ein / er möchte ja nicht Ursach geben zu seinem und ihrer aller dreien Verderben
/ welches ausser allem zweifel aus dieser Liebes Zänkerei entstehen müste; er
hätte ja daheim sein Weib / die ihm solches kaum gönnen würde; so dürfte auch
Alexander ein so statliches Lösegeld vor die Jungfer bieten / welches hingegen
er wohl nicht eins begehrete vor sie zuerlegen. Doch wie dem allen / so müste
diesem Unheil vorgebeuget werde / sollte er auch gleich hingehen und der Jungfer
den Kopff abreissen. Idarnes fiel diesem bei / und beredeten Tymondas dahin /
dass wo Alexander über 20000 Kronen vor sie erlegen wollte / sollte er sie davor
haben; foderten alsbald Alexander wieder vor sich / und gab ihm Idarnes
zubetrachten / dass sein selbst eigener Vorschlag währe / die begehrete Jungfer
dem Könige zuliefern / welches ja nach algemeiner Bewilligung unwiederruflich
sein müste; über das währe ihm des Königes Begierde nach schönen unbeflekten /
sonderlich / aussländischen Jungfern wohl bewust / und hielten sie davor / ihres
gleichen würden in Artabanus Frauen-Zimmer sehr wenig zu finden sein / und sie
daher nicht geringe Gnade und Vergeltung von seiner Hocheit / vor sie zugewarten
haben / möchte daher sich wohl versichern / dass es ihm aus sonderlicher
Freundschaft wiederführe / wann man ihm dieselbe mit Gelde zu lösen / gönnen
würde; welches aber auff den Fall mit des Jünglings guter Bewilligung geschehen
müste / und dass derselbe äidlich angelobete / dessen bei Königl. Hocheit im
geringsten nicht zugedenken / damit sie nicht deswegen in Ungelegenheit kähmen.
Hernach hätten sie von ihm zuvernehmen /womit er ein so köstliches Kleinot zu
lösen sich erböhte; als den könten sie sich umb so viel weiter heraus lassen.
Alexander fürchtete sich / sie würden ihn umb den grösten Teil seiner Beute
schneuzen wollen /weil ihm die Partische sehr schlechte Freigebigkeit mehr als
zu wohl bekant wahr; liess sich doch keiner Furcht merken / sondern gab zur
Antwort; Er bedankete sich vor erst der gemachten Hoffnung uñ freundlichen
erbietens / und hätte es mit Bewilligung des Jünglings seine gute Richtigkeit /
als welcher seine Wase lieber in Freiheit als weitere Gefahr setzen wollte / wüde
auch den begehrten äid abzustatten sich nicht wegern; im übrigen möchten sie
bedenken / dass Krafft auffgerichteter Verbündnis / ihm der vierdeteil so wohl an
der Jungfer / als an dem Jünglinge zustünde / den würden sie vor erst günstig
abrechnen / und was sie darüber begehreten / ihm unverzüglich melden. Diese
hingegen wollten zuvor von ihm wissen / wie hoch er den vierdenteil an dem
Jünglinge rechnete. Er aber wegerte sich dessen / weil ihm / sagte er / unbewust
währe / was der König vor ihn erlegen würde /wiewol er wegen seiner
unvergleichlichen Schönheit /umb ein grosses höher als die Jungfer müste
geschätzet werden; jedoch / sie weiter nit auffzuhalten / auch die heftigkeit
seiner Liebe ihnen sehen zulassen /wollte er sie beide gleich / und jeden umb
eine Tonne Goldes schätzen / nach welchem aussschlage er erbötig währe vor die
Jungfer gleich also baar 50000 Kronen zuerlegen / und damit aller Ansprache an
den Jüngling sich zubegeben; trat wieder ab / und baht sehr / sie möchten sich
eines Schlusses zu seiner Vergnügung vergleichen. Die Parter verwunderten sich
des milden erbietens / und sagte Idarnes zu Tymondas; mein Oheim / ihr sehet ja
vor Augen / dz ihr und Alexander nicht gleiche Kauffleute seid / werdet demnach
mit uns beiden zustimen / und um verhütung Güter- und Lebensgefahr ihm das
Mensch folgen lassen; ich vor mein Häupt will von meinem drittel des gebohtenen
Geldes euch so viel zuwenden / dass ihr 20000 Kronen vol / zu eurem Anteil heben
sollet. Atizies redete ihm auch zu / und liess sich vernehmen / er könnte wohl
leiden / dass er die helffte des gelöseten Geldes / als 25000 Kronen zu seiner
Vergnügung bekähme: Worauff dieser geizige unhold sich endlich erklärete /
Alexander möchte sie davor hinnehmen / nur dass er bei der Lieferung nicht sein /
und sie ihm die versprochenen Gelder schaffen wollten; dessen sich diese willig
erbohten / und ihn von sich liessen. Nach seinem Abscheide liessen sie Alexander
andeuten / er sollte die Gelder / und zugleich die Jungfer herzu hohlen /
inzwischen beredeten sich diese beide / wessen sie sich weiters verhalten
wollten. Der verliebete liess ihnen alsbald solche Gelder in zehn gleichwichtigen
Beuteln zustellen / uñ folgete er mit Brelen bald hernach / des behägliche
Aussspruchs erwartend; da Idarnes / nach dem er die Gelder in zween gleiche Teile
gesetzet hatte / also anfing: Jungfer Brela; ist es euer guter und freier Wille
/ dass ihr von dem Jünglinge eurem Oheim geschieden / und gegenwärtigem ädlen
Herrn / Herrn Alexander als eine Braut und künftiges Ehegemahl zugesprochen
werdet? Ja / meine Herren /antwortete sie. Wol dann / fuhr jener fort / so
willige ich samt meinen beiden Gesellen in solches euer Ehegelübde / und stellen
euch eure Freiheit nach eurem Begehren hiemit völlig zu; wollen auch unsern
guten Willen gegen euch sehen zu lassen / euch mit einer Heimsteur / nämlich mit
der halbscheid dieser gelieferten Gelder begabe / damit ihr nicht gar zu bloss
eurem liebsten zugeführet werdet / welches aber ausser uns vieren hiegegenwärtig
niemand wissen soll. Atizies stellete ihr alsbald fünff Beutel zu / und
bedanketen die verlobeten sich davor zum höchsten /wiewol Alexander leicht aus
den lezten Worten schloss / dass Tymondas ihm diesen Kauff nicht gönnete / dessen
er sich doch nicht merken liess. Er meinte aber / es würde ihm nun nichts mehr
übrig sein /als dass er mit seiner Liebsten sich zu Schiffe setzete /und nach
Padua zu segelte; Die Parter aber erinnerten ihn der Verbündnis / Kraft deren
er gehalten währe mit ihnen biss nach Charas der Hauptstad in Parten / ehmahls
Hekatompylos geheissen / zu reisen / weil ihnen aus vielen Ursachen /
insonderheit wegen des gefangenen Jünglinges / ein Dolmetscher hoch nöhtig
währe. Dieser entsetzete sich über dem Anmuhten / und wendete ein; es hielte
solches ihre gemachte Verbündnis durchaus nicht in sich / hoffete auch nicht /
dass sie ihn zu solcher Reise nöhtigen würden / weil er nicht absehen könnte / was
Gestalt er ohn sehr grosse Kosten wieder zurück gehen könnte; jedoch ihren guten
Willen zuerhalten / und alle Ursach böser Nachrede ihnen zu benehmen / währe er
erböhtig / ihnen einen guten Dolmetscher von seinen eigenen Kosten zuschaffen /
und biss nach Charas frei zuhalten / womit sie verhoffentlich würden friedlich
sein. Den beiden Partern wahr dieser Vorschlag lieb / weil sie sich auff der
langen Reise einer Uneinigkeit zwischen ihn und Tymondas befahreten / nahmen
deswegen sein erbieten an / und hiessen ihn damit eilen; da ihm dann nach vielen
umbfragen ein geraubeter Griechischer Jüngling von XXIV Jahren zuhanden sties /
welcher in Lateinscher und den vornehmsten Morgenländischen Sprachen ganz fertig
wahr /denselben kauffte er umb 8000 Kronen / und befahl ihm in Herkuliskus
Gegenwart / niemand als demselben allein geträue zu sein / und ihn tåglich in
Partischer / Medischer und Persischer Sprache fleissig zuunterrichten /
stellete ihm 800 Kronen zur rukzehrung biss nach Padua zu / mit dem teuren
versprechen / dass er ihm daselbst seine Freiheit schenken / und ihm seine Muhe
entweder mit 3000 Kronen vergelten / oder die Verwaltung seiner Güter in freier
Bedienung übergeben wollte. Als nun dieser alle mögliche Träue und Auffwartung
versprochen hatte / ging er mit ihm hin zu Idarnes / und lieferte ihm zugleich
400 Kronen Zehrgeld biss nach Charas / womit dieses seine gute Richtigkeit hatte.
Weil dieses vorging /hatte Valiska mit Brelen abgeredet / sie sollte Alexandern
ihren Stand und Geschlecht nicht zuwissen machen / biss sie mit ihm über das
Syrische Meer / und zum wenigsten in Zipern wåhre; hernach sich bemühen / ihren
Herkules oder Ladisla in Kreta und Peloponnesus nachzufragen / ob sie vielleicht
/ wie sie gänzlich hoffete / schon auff der Fahrt währen / sie zuerledigen;
sonst müsten sie nach Padua schiffen /woselbst sie ohndass abzulegen willens
währen / und sie daselbst von allem gute Nachricht haben würden; könten alsdann
mit eigenem Bohten ihrer Fr. Mutter zuwissen machen / in was Stande sie lebete /
jedoch dass ihr gute Hoffnung ihretwegen gemacht würde. Schliesslich / sagte sie /
da ihr Herkules oder meinen Bruder antreffet / so zeigt ihnen an / dass ich /
als lange mein Geschlecht kann verborgen gehalten werden / Herkuliskus /
nachgehends aber Herkuliska heissen will / und werde nicht unterlassen / dieses
Zeichen an die Wånde und Tuhren in Städten und Dörffern zumahlen / und an die
Bäume zu schneiden /wessweges ich reise / auff dass meine Nachsucher iu etwas
nachricht haben / und mir nachfragen können. Jungfer Brela weinete sehr / dass
sie von ihrem Fräulein hinweg scheiden sollte / versprach alles auffs fleissigste
auszurichten / und weder Mühe noch Kosten zu sparen / damit ihr könnte gedienet
sein / nähete auch das vorgemahlete Zeichen in ihre Kleider / es desto
eigentlicher zu behalten. Alexander kam nach guter verrichtung wieder zu ihnen /
und redete mit Herkuliskus / weil er gänzlich entschlossen währe den teuer
geleisteten äid den Räubern zuhalten (welcher dieser wahr / dz sie an keinem
Orte Römisches Gebiets dessen ichtwas melden oder anzeige tuhn wollte /was sie
von den Råubern wüste / damit sie nicht in Ungelegenheit kähmen) so wüste er
durchaus vor sich kein Mittel / ihn aus ihren Händen loszumachen /dürffte sich
dessen auch gegen sie im allergeringsten nicht verlauten lassen; vermahnete ihn
aber / da ihm Gelegenheit zustossen würde ausszureissen / sollte er seine Flucht
anfangs gegen Norden wenden / uñ hernach immer der Sonnen Untergang folgen / biss
etwa an das Euxinische Meer / aus welchem man in das Egeische biss gar nach Kreta
schiffen könnte. Herkuliskus antwortete ihm; der Götter Gnade währe ihm
tausendmahl lieber / als sein eigen Leben / und was dem anhängig währe / wollte
deswegen den geleisteten äid nimmermehr brechen / noch den Partischen Herren
einige Ungelegenheit durch verrähterei zufügen /sonst könnte er leicht ein Mittel
zu seiner völligen Freiheit finden / wann er nur bei der Obrigkeit dieses Orts
sich als ein Freund des Römischen Käysers anmelde liesse; vor die Unterrichtung
des Rükweges auff den glückes Fall seiner Flucht bedankete er sich /und taht
Jungfer Brelen Befehl / von Padua nicht zuweichen / biss sie Zeitung seines
besseren zustandes haben würde. Diese wahr so herzlich betrübet / dass sie dem
Fräulein kein Wort antworten kunte / herzete und küssete sich mit ihr ganz innig
/ dass Alexander daher schier argwöhnische Gedanken hätte fassen sollen / da dass
Fräulein sie tröstete / und endlich mit ihrem Bräutigam zu Schiffe gehen hiess /
dann der gute Wind und ihr Schiffman foderte sie an / welcher sie in kurzer zeit
in Zipern brachte.
    Die Partischen Herren zogen des tages nach Alexanders Abscheid in
Gesellschaft 100 Kauffleute auch fort / und hatten ihre Schätze auff Kamehl und
Maul Esel geladen. Herkuliskus musste seinen Siz auff einem Kamehl unter einem
breiten Schirm nehmen /dass er weder von den Sonnenstrahlen möchte getroffen /
noch von andern gesehen werden; die übrigen alle reiseten zu Pferde / mit
Geschoss und anderem Gewehr wohl versehen / ohn dass Timokles stets bei ihm auff
dem Kamehl bleiben / und ihn in den Morgenländischen Sprachen zum fleissigsten
unterweisen musste / wozu er überaus grosse Begierde hatte / und in wenig tagen
darinnen dergestalt zunam / dass sein Lehrmeister sich dessen verwunderte / wie
wohl er dessen sich gegen die Parter nicht merken liess. Ihren Weg nahmen sie
gerade auff Damaskus zu / von darab ferner nach dem Eufrat / da sie durch
Mesopotamien zogen / biss sie über den Tigerfluss in Assyrien kahmen; wohin wir
sie wollen reisen lassen / und Alexanders gnte Verrichtung erzählen / dem seine
liebste in Zypern ihrer Fråulein Valisken eigentlichen Zustand entdeckete /
worüber er sich überaus bestürzet befand / von Herzen wünschend / dass er solches
zu Tyrus hätte wissen mögen / damit er ihrer Erlösung sich bemühen können /
welche in Anwendung aller seiner Beute / ihm nicht leicht sollte gefehlet haben
/wie wohl den Parten ungezweiffelte Lebensgefahr darauff stünde / wann ihr König
dessen ichtwas in Erfahrung bringen mögen. Eines betraurete er am meisten /dass
ihres Geschlechtes Vertuschung nicht lange bestehen würde / massen entweder
seine vorige Gesellen selbst / oder zum wenigsten Artabanus Aerzte nicht umhin
könten / ihn zubeschauen / wann er zum verschnittenen sollte gemacht werden.
Hingegen trauete Brela den Göttern / sie würden dass liebe gottfürchtige Fräulein
in Schuz halten / und alle Schande gnädig von ihr abwenden; ihr einiger Wunsch
nur ging dahin / dass sie Herkules oder Ladisla antreffen möchte; weil sie dann
in Zypern denen vergeblich nach frageten /fuhren sie mit sehr gutem Winde nach
Kreta / und ländeten durch Gottes schickung bei Gnossus an /woselbst Valikules
wegen Gallus Verwundung sich bissdaher auffgehalten hatte / und des folgenden
tages abzusegeln willens wahr. Daselbst kehrete nun Alexander in ein Wirtshauss
ein / welches vol Griechischer Kauffleute wahr / deren etliche er kennete / und
daher sich bald hinweg machete / damit er nicht erkennet / und wegen seines
verbrechens zu Aten / in Haft genommen würde; geriet zu gutem Glük in Valikules
Herberge / gleich da man Mittagsmahl halten wollte / grussete die Anwesende
freundlich / und ward von ihnen hinwieder wilkommen geheissen. Bei wehrender
Mahlzeit sahen Valikules und Gallus die Jungfer fleissig an / und gedauchte sie
/ dieselben mehr gesehen haben / kunten sich doch nicht erinnern / wo und zu
welcher Zeit / biss endlich Gallus sich besan /vom Tische / als hätte er etwas
zubestellen / auffstund / und nachgehends unter dem Schein / als wollte ein
fremder ihn sprechen / seinen Herrn abfodern liess / zu dem er sagete: Gn. Herr /
ich muss sehr irren / oder ebe diese ist die Jungfer / welche wir nebest dem
Fräulein im Flecken vor Padua gefangen bekommen /daher ich nicht unterlassen
können / ihrer Gn. es anzudeuten. O ja / mein Gott / antwortete er / sie ist
gewisslich Jungfer Brela / die ich zu Prag oft gesehen /und Libussa überdas mich
berichtet hat / dass sie mit dem Fräulein hingeführet sei. Aber ach Gott! was
bedeutet dieses / dass ich sie / und nicht auch das Fråulein alhie sehe? Sie muss
entweder tod / oder in ander Råuber Hände gerahten sein; liess darauff einen
schweren Seuffzer und sagete: O du barmherziger Gott / betrübe mich doch nicht
zu sehr / mit so trauriger Zeitung. Gallus tröstete ihn mit guter Hoffnung /und
könnte man nach gehaltener Mahlzeit gelegenheit gnug haben / sie deswegen
zubefragen; setzeten sich wieder zu Tische / uñ kunten wegen Furcht und Hoffnung
keiner Speise mehr geniessen. Die Begierde aber / welche Valikules antrieb /
wollte der Mahlzeit Endschaft nicht abwarten / deswegen er nach gebehtener
Verzeihung die Jungfer auff Griechisch fragete / von wannen sie kåhme / und
wohin sie gedåchte; bekam aber von Alexandern zur Antwort: Sie verstünde die
Griechische Sprache fast wenig / weil sie aus den Nordischen Ländern währe / und
nur etwz Lateinisch zusprechen wusste. Er wiederhohlete darauff seine getahne
Frage mit Lateinischen Worten / da sie meldete /sie wåhre neulich aus Zypern
gefahren / und gedåchte nach Italie / dahin sie von ihren Freunden erfodert
währe. Hieraus verstund er leicht / dass sie nicht willens wahr / sich einem
Fremden erkennen zugeben /uñ argwohnete zugleich aus ihrer Traurigkeit / es
musste nicht recht umb sein Fråulein stehen; fing deswegen auf Teutsch zu ihr an
/ und sagte: Hochädle Jungfer / dafern meine Augen mich nicht bekriegen /habe
ich sie vor wenig Monaten am Pragischen Hofe in Böhmen gesehen; ist sie nun
dieselbe / und verstehet meine Sprache / wolle sie mir solches nicht leugnen;
dann ich bin ein Teutscher / und nicht ohn gefehr dieser örter angelanget. Brela
ward voller Freuden /da sie die Teutsche Sprache hörete / und antwortet auff
teutsch: Ja mein Herr / ich bin warhaftig dieselbe / und erfreuet meine Seele
sonderlich / dass in diesen fremden Ländern ich einen bekanten Menschen antreffen
soll; aber ich bitte sehr / mein Herr wolle ohn verweilen mich verständigen / ob
er etwan dem teuren Fürsten Herrn Herkules bedienet sei / und ob dessen
Durchleuchtigkeit dieser ends anzutreffen / dann seinetwegen habe ich diese
Reise eigentlich aus Geheiss seines allerliebsten Freundes auff mich genommen.
Hieraus erkennete er / dass das Fråulein annoch im Leben währe / und antwortete
ihr: Sie möchte sich biss nach gehaltener Mahlzeit gedulden / alsdann wollte er
ihr von diesem Fürsten etwas Zeitung sagen. Kein Mensch wahr zugegen / der diese
Sprache verstund /wiewol Alexander alsbald wähnete / er würde ein Teutscher /
und Fürst Herkules Bedienter sein; durffte doch nicht fragen / weil er hörete /
dass er gut Griechisch und Latein redete. Brela merkete seine Begierde / und
wollte ihm etwas Kundschaft geben / daher sagete sie zu ihm: Mein Herr / dieser
wird uns Unterricht erteilen / woselbst wir unserm Glücke nachfragen sollen.
Worauff er antwortete: So werde ich diesem Herrn meine künftige Glükseligkeit
zudanken haben; folgete bald hernach auff Valikules begehren /auff sein
absonderliches Gemach / woselbst Gallus mit ihm sprachen musste / biss er in einem
Neben Gemache die angestrichene Farbe von Haaren / Angesicht und Hånden hinweg
getahn hatte / worauff er zu ihnen hinein trat / und von der Jungfer straks
angesichts erkeñet ward / die ihm ehrerbietig entgegen trat / in Meinung / sich
vor ihm auff die Knie zusetze; aber er fassete sie unter die Arme / küssete sie
freundlich / und sagte: Meine vielwerte Freundin / ich erfreue mich von Herzen
ihres Wolergehens / und bitte /mir zusagen / wie es dem Durchleuchtigsten
Fräulein gehe / ob sie lebendig oder tod sei. Mein Durchleuchtigster GrossFürst /
antwortete sie / mein gnädigstes Fräulein ist Gott Lob annoch frisch und
unverletzet an Gesundheit und Ehren / aber in Räuber Händen; wendete sich damit
umb / und sagte zu Alexander: Da sehet ihr den Durchleuchtigsten GrossFürsten /
Herrn Herkules / den wir eigentlich suchen / und von ihm meiner gn. Fräulein
Erlösung gewärtig sind. Alexander neigete sich tieff vor ihm / und baht
untertähnigst umb Verzeihung / dass Ihrer Durchl. er die gebührliche Ehre nicht
angetahn hätte; baht nachgehends / ihn unter die Zahl seiner gehorsamsten
Knechte anzunehmen / wollte in seiner Gn. Diensten sein Leben willig enden / weil
er der unseligen Gefängnis der Durchl. Fräulein mit ursach währe. Er aber boht
ihm die Hand / neben Erinnerung / ihn mit dergleichen Fürstlicher Ehre noch zur
Zeit zuverschonen / weil er unerkant sein wollte; begehrete nachgehends / ihm
kürzlich zuerzåhlen / wie es dem Fräulein von der Zeit ihrer lezten Gefängnis
her ergangen währe / welches die Jungfer gerne leistete / und da sie gleich der
eingeschnittenen Wörter in den Walnusbaum dieses Eilandes Erwähnung taht / trat
Gallus nach abgelegter Farbe wieder zu ihnen hinein / welchen sie ersehend /vor
Zorn und Eifer erröhtete / und zu Herkules sagete: Durchl. Fürst / dieser ist
der vornehmsten Räuber einer / die mein Fräulein zu allererst geraubet haben
/und erinnere mich noch wohl / mit was schnöden Lumpen uns dasmahl zubedecken /
er anordnete. Meine Freundin / antwortete er / es ist ihm also / aber er hat
schon davor völlig gebüsst / und wie er schuld träget an ihrem Verlust / also
muss er sie mir wiederumb suchen helffen. Das ist wohl eine wunderliche schickung
/ sagte sie; dann dieser / auff Alexander zeigend / ist auch deren einer / die
uns im Walde geraubet / und ich habe ihn / meinem Gn. Fräulein zugehorsamen /zum
Bräutigam annehme müssen / nachdem Ihrer Gn. er geträulich verheissen / Eurer uñ
König Ladisla Durchll. nachzufragen / und denen ihren Zustand zu hinterbringen;
fuhr hernach in voriger Erzählung fort /und was ihr sonst von dem Fräulein
anbefohlen wahr /da sie endlich anzeigete / dz sie nach dem Parter Lande zu /
schon vor XIV Tagen von Tyrus würde auffgebrochen sein. Endlich fragete sie / wo
Libussa blieben währe / welche Gallus absonderlich mit sich hinweg geführet
hätte / und erfuhr von Herkules / dass er sie noch desselben Tages gerettet / und
nach Padua zihen lassen / woselbst sie seiner Anordnung nach noch eine zeitlang
verweilen dürffte / baht demnach /sie möchte mit ihrem Liebesten dahin reisen /
und bei Libussen werbe / dass sie ihm einige Wechsel auff 60000 Kronen nach Tyrus
übermachete. Nein / dessen bedarff es nicht / antwortete sie / massen mein
Liebster eine zimliche Barschaft bei sich führet / wovon Eure Gn. nach
belieben nehmen mag. Wahr also Alexander bald fertig / neben Gallus die Gelder
aus seinem Gemache zuhohlen / mit erbieten / da Ihre Gn. etliche Tonnen Goldes
begehreten / könnte sie deren bemächtiget sein. Er aber bedankete sich des guten
Willens / hätte vor dissmahl genug an diesem / weil er schon eine zimliche
Barschaft bei sich führete; verfertigte nachgehends etliche Schreiben nach
Padua /und brachten den übrigen Tag mit allerhand Gespräche zu / da ihm
Alexander die Reise nach Charas / so viel möglich wahr / beschrieb / und
nachgehends seinen Unfall klagete / welcher ihn aus seinem Vaterlande von Aten
hinweg getrieben hätte / möchte wünschen / dass Ihre Durl. bei dem Käyserl.
Statalter zu Padua wollte befoderlich sein / dass er daselbst frei und
unangefochten sich auffhalten / oder seine Landgüter losszuschlagen bemächtiget
sein könnte; Worinnen er ihm gerne zu willen wahr / endlich ihnen einband /
nirgends zumelden / dass sie so nahe in Kreta bei ihm gewesen währen / sondern
sollten davor Zypern nennen; möchten aber ihre Reise auff Korint nehmen / und
Markus seinen Zustand verständigen /insonderheit den Verlauff mit dem falschen
Ladisla und Herkules. Des folgenden Morgens / da er von Alexander eine
schriftliche Unterrichtung genommen /wes Weges die Parten mit dem Frl. nehmen
würden /ging er zu Schiffe / und segelte frölich nach dem Judischen Lande / fuhr
inwendig zwölff Tagen unter Gaza an / welche Stad eine halbe Meile zu Lande ein
von dem Ufer gelegen ist / woselbst er bei einem Christlichen Wirte einkehrete /
und den vornehmsten Lehrer zu sich bitten liess / welcher ihm eine Predigt halten
/und mit ihm speisen musste / nachdem er ihm 300 Kronen unter die Armen / und 200
unter die Lehrer auszuteilen / zugestellet hatte; nam auch von ihm allen Bericht
ein / was vor eine Beschaffenheit es dieser Zeit im Judischen Lande hätte / dass
nehmlich Käyser Elius Adrianus vor 93 Jahren eine Stad auff einen Teil des
Platzes der verstöreten Stad Jerusalem aufgebauet / und nach seinem und des
Abgottes Jupiter Capitolinus Nahmen Ælia Capitolina genennet / woselbst er so
wohl auff der Stelle des Salomonischen Gottes Hauses / als auff dem Berge
Golgata / heidnische Kirchen erbauet / worüber dazumahl die Juden dergestalt er
grimmet währen / dass sie unter ihrem betrieglichen falschen Messias Bar-Kochba /
einen blutigen Krieg wider die Römer angefangen / aber iñerhalb zwei Jahren
gedämpffet / und ihrer viel tausend erschlagen worden / da nachgehends derselbe
Käyser vor den Tohren dieser neuen Stad / Säue / und andere den Juden verbohtene
Bilder einhauen lassen /auch alle Juden aus dem gelobten Lande vertrieben /dass
nur Heiden und Christen sich daselbst auffhalten dürffen; Doch hätten die Juden
mit grossen Kosten so viel Freiheit zuwege bracht / dass ihnen erläubet worden /
jährlich am X Tage des Augst Monats nach Jerusalem zukommen / und ihres Reichs
Untergang zubeweinen / biss sie vor dreien Jahren wiederumb die Freiheit von dem
jetzigen Käyser erhalten / in diesen Ländern unter einem Judischen Vorsteher
zuwohnen /der gleichwol des Römischen Statalters Botmässigkeit unterworffen
sein musste. Die Reise nach Tyrus könnte innerhalb sechs Tagen abgeleget werden /
weil von Gaza nach Jerusalem XI Meilen / und von dar ab nach Tyrus XXV Meilen
währen / doch wañ er die vornehmsten Örter des Landes besehen wollte /wurde mehr
Zeit darzu gehören. Valikules hörete alles mit Lust an / weil ihm wenig hievon
bewust wahr /und nachdem er merkete / dass dem guten Manne an Lebensmitteln
gebrach / schenkete er ihm noch 200 Kronen / und baht / sein im gemeinen Gebeht
zu gedenken / dass ihm Gott zu seiner Reise / wegen Erlösung einer unschuldig
gefangenen angestellet / Glük geben wollte; in seiner Rükreise sollte die Kirche
dieses Orts seine dankbare Mildigkeit weiter spüren; bestellete des dritten
Abends einen Christen / dem die heiligen örter zwischen Gaza und Jerusalem
wolbekant waren / und reisete folgendes Tages mit Gallus nach Betlehem / da sie
nicht ohn Tråhnen sahen /wie die Heiden das Haus der Abgöttin Venus besuchten /
welches Käyser Adrianus den Christen zur Schmach daselbst hatte auffrichten
lassen / und in demselben viel Unzucht getrieben ward. Sie kehreten sich aber in
herzlicher Andacht zu Gott / und danketen ihm / dass er seinen lieben Sohn alhie
hätte wollen lassen zur Welt geboren werden; liessen sich hernach eine
Viertelmeile von der Stad gegen Suden zu dem Turm Eder führen / bei welchem der
grosse Engel der HErrn den armen Hirten im Felde die freudenreiche Geburt des
lieben Jesuleins verkündiget hatte; hernach kehreten sie wiederumb zurück gegen
Norden / da man ihnen auff der andern Seite der Stad eine Viertelmeile von
dannen / dz Grab Rahel zeigete. In der Stad sahen sie des Jesse / Davids Vaters
Begråbniss / und nahmen von dar ab ihren Weg nit straks gegen Norden auff
Jerusalem zu / sondern wendeten sich gegen Osten / Betanien zubesehen / da sie
des von den Todten erwecketen Lazarus Grab / und Simon des Aussätzigen Haus
ihnen zeigen liessen. Von dannen gingen sie folgendes Tages die halbe Meile biss
nach Jerusalem zu fusse gegen Westen zu über den Oelberg / eben den Weg / auff
welchem der Herr Christus seinen Königlichen Einzug auff einem Esel gehalten
hatte / da sie allen Bericht fleissig einnahmen / wo der Garte Getsemane
gelegen / in welchem Christus Blut geschwitzet und gefangen worden; an was Orte
er über die Bach Kidron geführet; wo das Tempel- und Schaf Tohr gewesen; wo
Hañas /wo Kaiphas Wonung / wo Pilatus Richtaus gestanden / da der HErr
verspottet / gegeisselt / und mit Dornen gekrönet wahr. Leztlich liessen sie
sich auff den Berg Golgata leiten / da die heidnische Kirche stund / an welche
sie sich doch nicht kehreten / sondern fielen auf ihre Knie / uñ verrichteten
ihr Gebeht etliche Stunden / da Valikules unter andern dieses hielt. O du Sohn
des ewigen Gottes / der du samt deinem Vater und HeiligemGeiste eines Wesens
bist; dir danke ich aus tieffestem Abgrunde meiner Seelen / dass du mich armen
Sünder so hoch geliebt / und umb meiner Seligkeit willen dein unschuldiges
heiliges Blut am Stamme des Kreuzes auff diesem Berge hast vergiessen wollen /
der ich sonst ewig verdamt und verloren sein müssen. O du barmherziger Gottes
Sohn / sihe nicht an meinen vorigen heidnischen Unglauben / noch was ich aus
Fletsches Schwach- und Bosheit jemahls wider deinen heiligen Willen begangen
habe / sondern von aller meiner Untugend wasche mich mit deinem teuren Blute
/und erhalte mich im beständigen Glauben / und beharlicher Gottseligkeit / dass
ich durch Fleisch und Blut mich nicht verführen lasse / deinem Willen
zuwiderstreben /und deines Verdienstes mich unfähig zumachen. Gib auch Gnade zu
meiner vorgenommenen Reise / und erhalte mein geliebtes Fräulein beim Leben /
auff dass sie aus den Händen der schnöden Räuber / und des unzüchtigen Gottlosen
Königes erlöset werden / und an ihren Ehren unverlezt bleiben möge O du mein
Heiland / lass sie doch zum wenigsten nur so lange im Leben / biss sie durch
deines Heil. Geistes Krafft im seligmachenden Glauben unterrichtet werde / damit
wegen der heidnischen Greuel sie nicht in die hellische Verdamnis falle /sondern
ein Kind des ewigen Lebens sei und bleibe. Ist es auch dein gnädiger Göttlicher
Wille / so zeug meinen geliebten Ladisla / meine herzliebe Eltern / Geschwistere
und Anverwanten / dass sie von Verachtung deines hochheiligen Nahmens abstehen /
und die allen Sündern angebohtene Gnade empfahen. Dieses mein Gebeht wollest du
O mein Erlöser gnädiglich erhören / umb deines Blutes und Todes willen / Amen.
    Nachdem er dieses und dergleichen Gebehter mit häuffigen Tråhnen und
inbrünstiger Andacht gesprochen hatte / legte er sich in eine geringe Herberge
/und nach zween Tagen liess er sich bei dem Bischoff daselbst anmelden / der ihn
bald zu sich foderte / uñ freundlich empfing; er hinwieder bezeigete sich gegen
ihn als einen Vorsteher der Kirchen Gottes sehr ehrerbietig / und offenbahrete
ihm in vertrauen / dass er von Fürstlichen Eltern in Teutschland geboren / und
durch Unfal gefangen nach Rom geführet / woselbst er durch Gottes sonderliche
schickung zum Christlichen Glauben bekehret worden; und ob er gleich damahls ihm
vorgenomen / nach dem heiligen Lande zu reisen / und sich im Jordan täuffen zu
lassen / währe ihm überdas eine Ursach zuhanden gestossen / die solche Reise
beschleuniget håtte / in dem eines Königes Tochter / seine nahe Anverwandtin von
Partischen Räubern hinweg geführet währe / die er zu erlösen suchete; hoffete
demnach / ihre Ehrwürden solches sein ChristlichesVorhaben befodern würden / zu
welchem ende er sein Christliches Bekäntnis tuhn wollte; fing demnach an von der
Schöpffung / vom Stande der Unschuld menschliches Geschlechtes / und von dem
elenden Sündenfalle zureden / wie durch des Teufels Neid und List der Mensch in
die Sünde gerahten / doch durch Gottes Barmherzigkeit in seinem Falle getröstet
/ in dem der Messias und Heiland aller Welt / der gesegnete Weibessame ihm
versprochen worden / welcher der hellischen Schlangen den Kopff zutreten / und
durch sein Leiden und Tod vor unsere Sünde büssen und bezahlen sollte / wie er
dann in der völle der Zeit aus dem Leibe der keuschen Jungfrauen Marien zu
Betlehem an diese Welt geboren währe /hätte durch seine göttliche Krafft viel
Zeichen und Wunder sehen lassen / und alles dass überflussig geleistet / wz von
ihm durch Mose und die Propheten geweissaget worden / da doch / dessen alles
ungeachtet / seine eigene Verwanten dass Judische Volk ihn verworffen / verfolget
/ gelästert / endlich gar ans Holz gehenket hätten / währe aber von Gott
aufferwecket am dritten Tage / und nach XL Tagen gen Himmel gefahren / da er
sich zur Rechten Gottes gesetzet / und mit uns Menschen den Bund gemacht /dass
wir durch den Glauben an ihn die ewige Seligkeit erlangen / und nach seinem
Willen uns in guten heiligen Wercken der Christlichen Liebe üben sollten / biss er
am Jüngsten Tage wieder komen würde / zu richten die Lebendigen und die Todten /
also und dergestalt /dass die Gläubigen und Frommen als Gottes liebe Kinder
alsdann in die himlische ewige Freude eingehen; die Ungläubigen und Gottlosen
aber der unendlichen hellischen Verdamnis sollten zugesprochen werden. Diese
Stücke alle miteinander wusste er dermassen aus der heiligen Schrifft darzutuhn
und zuerweisen / dass der Bischoff sich dessen zum höchsten verwunderte /
insonderheit als er vernam / dass vor andertalb Jahren er von diesem Glauben
noch kein Wort gehöret hätte / und gab ihm zur Antwort: Durchleuchtiger Fürst /
und in unserm Heilande geliebter Sohn; dass unser Gott nach seiner
unausssprechlichen Gnade und Barmherzigkeit aus der gräulichen Finsternis der
heidnischen Blindheit euch zur erkäntnis seines lieben Sohns / und zum Lichte
des Lebens gebracht hat / solches erwäget ihr billich mit dankbahrem Herzen /
massen euch ein grösseres in dieser Welt nicht wiederfahren können / in
betrachtung der erschröklichen Hellenpein / aus welcher ihr durch dieses einige
Mittel zur himlischen Seligkeit gebracht seid; dann weil ihr nunmehr Gott Lob
eurem Heilande anhanget / und durch den Glauben ihm einverleibet seid / habt ihr
an der Seelen Wolfahrt förder durchaus nicht zuzweiffeln / weil er der Mund der
Warheit selber spricht; dass alle die an ihn gläuben / nicht sollen velohren
werden / sondern das ewige Leben haben; Und er zu dem Ende in diese Welt kommen
sei / selig zu machen was verloren wahr. Als ich nun aus euer Christlichen
Bekäntnis wohl vernommen / dass ihr in der reinen seligmachenden Lehre / von den
Rechtgläubigen zu Rom / die mit uns einen Glauben haben / zur Gnüge unterrichtet
seid / währe es unbillich / und wieder mein Gewissen / da ich in euer
Christliches begehren nicht einwilligen / und euch die heilige Tauffe versagen
würde; möget mir demnach die Zeit und den Ort bestimmen zu diesem Christlichen
heilsamen Werke / alsdann ich euch einen alten Gottfürchtigen Lehrer zuordnen
will / der euch dieses köstliche Seelenbad mitteilen / und in die völlige
Gemeinschaft der Christlichen algemeinen Kirchen euch einführen soll; worauff
ich euch folgends mit dem wahren Leibe und Blute eures Erlösers / zur stärkung
eures Glaubens und zur vergewisserung der Seligkeit speisen werde. Der
Almächtige Gott und Vater unsers Herrn JEsus Christ verleihe euch seinen
heiligen Geist / dass ihr nach erhaltener Tauffe des fleisches Werke und die
üppigen Weltlüste fliehen und meiden / und dagegen die Früchte des lebendigen
Glaubens /in der Gottseligkeit / Hoffnung / Geduld und allen anderen
Christlichen Tugenden / in eurem ganzen Leben hervor geben möget / alsdañ werdet
ihr das wolangefangene Werk ritterlich und standhaftig volführen /und nach
dieser Vergängligkeit die Krone der Ehren empfahen / da ihr erst recht erkennen
und empfinden werdet / was Paulus saget: unser Zeit Leiden ist der Herligkeit
nicht wert / die an uns soll offenbahret werden. Valikules dankete ihm sehr / und
baht / auff nähst folgenden Tag Anordnung zur Tauffe zumachen / welche er gerne
zu Betabara empfangen wollte / wie auch gegenwärtiger sein Diener Gallus.
Derselbe trat nun auch herzu / taht seines Glaubens Bekäntnis / und in des
Bischoffs Gegenwart beichtete er Gott dem Herrn seine begangene schwere Sünden /
welche er ehemahls durch Verleugnung seines Heilandes /nachgehends durch Morden
/ Rauben und anderen vielfältigen übeltahten wieder die heiligen Geboht Gottes
begangen / welches alles er mit heissen Trähnen beweinete / auch Gott von Herzen
dankete / dass er ihn ganz wunderbahrer Weise davon abgezogen hätte / uñ gelobete
zugleich an / durch Kraft und Beistand des Heiligen Geistes / solche Werke des
Satans hinfüro zu meiden / und durch keine Wiederwertigkeit / wie die auch
Nahmen haben möchte / sich von seinem grundgütigen Heiland und Erlöser treñen
zulassen. Worauff ihn der Bischoff mit herrlichen Sprüchen des göttlichen Worts
tröstete / in welchen Gottes unendliche Gnade und Barmherzigkeit angedeutet
wird. Des andern Tages sehr früh / machten sie sich zu Fusse nach Betabara /
vier Meilen von Jerusalem belegen / dann ich will / sagte Valikules / nicht dahin
reiten oder fahren / wohin mein Erlöser der Sohn Gottes umb meint  willen zu
Fusse gangen ist; weil aber der Täuffer alt und unvermögen wahr / ritte er auff
einem Esel neben ihnen her. Als sie bei der Tauffstäte anlangeten / woselbst
unser Heiland vor 197 Jahren sich hatte Täuffen lassen von Johannes Zacharias
Sohn / und Valikules hinein stieg / die Tauffe zu empfangen / behtete er diese
kurze andächtige Worte: O du mein Heiland JEsus Christ / ich danke dir von
Herzen / dass du mich diesen heilsamen Tag hast erleben lassen / an welchem ich
durch dass Bad der Wiedergeburt erneuret / und dir zugefuhret werde. Ach gib uñ
verleihe /dass ich nach empfangener Tauffe mich ja nicht mit groben Lastern
wieder mein Gewissen besudele / sondern behersche mich mit deinem Heiligen
Geiste in meinem ganzen Leben / und erhalte mich im rechtschaffenen Glauben und
Christlichen Wandel zu der ewigen Seligkeit Amen. Recht so / mein geliebter Sohn
/ sagte der alte Täuffer / so stellet ihr euch als ein wirdiger Gast zu dieser
heilsamen Gnade ein. Es ist zwar vor den Augen der Ungläubigen ein einfältiger
Gebrauch /und kann Fleisch uñ Blut nicht begreiffen / wie es zugehe / das durch
dieses äusserliche Waschen die Seele innerlich gereiniget werde; aber wer in
Gottes Wort unterrichtet ist / und seine blinde Vernunft dem Gehorsam des
Glaubens zu unterwerffen weis / ist der seligmachenden Krafft dieses Bades schon
gnug versichert / weil uns Paulus lehret / dz wir dadurch gerecht werden und
Erben des ewigen Lebens. Wañ ich nu diesen ganzen Weg her solche gelehrte uñ
andächtige Glaubens Gespräche von euch angehöret habe /die mich eures
Christentums übrig versichern / will mir nicht gebühren / euch dieses Bad
zuversagen; deswegen so täuffe ich euch aus Befehl meines lieben Heilandes JEsus
Christ / in dem Nahmen Gottes des Vaters / und des Sohns / und des Heiligen
Geistes. Alsbald darauff empfing auch Gallus die heilige Tauffe / nachgehends
hielten sie ihr Gebeht eine gute Stunde am Ufer kniend / kehreten hernach zu
Betabara ein / und blieben dieselbe Nacht aldar. Des folgenden Morgens machten
sie sich zu Fusse wieder nach Jerusalem / und kunte der Täuffer des jungen Herrn
Andacht bei dem Bischoff nicht gnug rühmen /der das H. Abendmahl des Herrn mit
ihnen hielt / und von dessen Einsetzung / Wirdigkeit und Nutzen eine lehrreiche
Predigt anstellete / nach deren Endigung Valikules diese beide Geistliche mit
sich in die Herberge führete / und bei sich zum Abendessen behielt /da er ihnen
erzåhlete / was grosse Schätze ihm sein Gott in bestürmung eines Raubnestes
bescheret /davon er nach Christus Befehl seinen Neben Christen gerne mitteilete;
lieferte auch alsbald dem Bischoffe 3000 Kronen / halb unter die Armen / und
halb unter die lernende Jugend ausszuteilen; dem Täuffer gab er 300 / und dem
Bischoffe 700 Kronen; weil aber dieser solches vor sich gar nicht nehmen wollte /
einwendend / dass er unverheirahtet währe / und Lebensmittel gnug hätte / baht
Valikules / es unter die übrige Geistligkeit ausszuteilen. Des folgenden Morgens
besuchte er den Bischoff getaner Verheissung nach / in seinem Hause / welcher
ihm etliche schöne Büchlein verehrete / so teils von Geminus / damals
hochberumten Obristen Lehrer zu Antiochia / teils von Origenes / der auch zur
selben Zeit lebete / geschrieben wahren / und erlustigte er sich nicht wenig an
den schönen Geistlichen Schrifften / welche er sonst bei ihm sah; dann da fand
er die herrlichen Bucher des Dionysius Areopagita / des Ignatius / des Polykarpus
/ des Hermes / des Mårterers Justinus / unter welchen ihm dieses Lezten seine
Schutz-Schrifften sonderlich wolgefielen / die er vor etliche funffzig Jahren
hatte ausgehen lassen. Er sah des Atenagoras / des Teophilus / sechsten
Bischoffs zu Antiochia nach Petrus; des Ireneus / des Tertullianus / des
Alexandrinischen Kirchen Lehrers Klemens / und vieler anderen mehr; In welche
Bücher er sich dergestalt verliebete / dass er dem Bischoff 3000 Kronen
zustellete / ihm davor die vornehmsten abschreiben zulassen / welche er mit
Gottes Hülffe bei seiner Rükreise abfodern wollte; wünschete daneben / dereins
Muess zuhaben / dass er sie durchlesen könnte; nam endlich von dem Bischoffe
freundlichen Abscheid / und befahl sich in sein andächtiges Gebeht / welcher ihn
biss auff die Gasse geleitete / und vor die den Armen erzeigete Mildigkeit
höchlich dankete. Als sie nun haussen vor der Tühr ein wenig mit einander
sprache hielten / sah Valikules / dass der Bischoff als vor Angst erbleichete /
wollte auch ohn Ausführung seiner Rede zurück ins Haus treten; worüber sich
Valikules bekümmerte /und ihn fragete / warumb er sich so geling übel befünde.
Dieser antwortete ihm halb zitternd: Er sähe dort einen sehr frechen und
verwägenen Juden herkommen / einen Erzfeind des Christlichen Nahmens / welcher
ihm zur Geissel gegeben währe / und von ihm / so oft er ihm begegnete / übel
gescholten und angespeiet würde / währe auch wegen grosser Erfahrenheit in
Waffen / so hochmühtig / dass er fast jederman höhnete. Ehrwürdiger Herr / sagte
Valikules / ich bitte euch höchlich / weichet diesem Hunde nicht / stehet euch
dann ein Spott zu umb des Glaubens willen / so tragets mit Geduld; doch hoffe
ich / wo ers tuhn wird /es solle ihn bald gereuen. Der Bischoff fassete hiedurch
ein Herz / und trat unerschrocken etwas weiter hin auff die Gasse / um
zuerwarten / wz ihm begegnen würde; da der Jude / so bald er ihm nahete / auf
seine Sprache zu ihm sagte: Gott chände dich Verfuhrer /spie ihn auch ins
Angesicht; worüber Valikules sich so heftig eiferte / dass er ungeredet die Hand
zog /und ihn ins Gesichte schlug / dass er taumelte / sagte hernach zu ihm: Je du
Gottloser Bube / was hastu diesen frommen Herrn so schändlich zu verhöhne / der
mir zu liebe biss hieher getrete ist? Der Jude erhohlete sich bald / fiel auf
Valikules zu / in Meinung / ihn bei der Kehle zufassen und zuerwurgen; aber er
wahr ihm mit seinem Schwerte zu behende / hielt ihm solches auff die Brust / und
sagete: bald packe dich / und hohle deine Waffen / wo du Streit begehrest / so
will ich dir dessen satt geben. Es gehub sich der Jude nicht anders / als währe
er von Sinnen kommen / und schwuhr bei dem wahren lebendigen Gott / er müste von
seinen Händen sterben / und in kleine Bisslein zerhacket werden; weil er aber
solcher Dräuworte wenig achtete / hiess er ihn fortmachen / weil er nit lange der
weile hätte auff ihn zuwarten. Also musste dieser vor dissmahl die Ohrfeige
verschlucken / die er doch schwer zuråchen gesinnet wahr / und ihn deswegen hoch
beschwuhr / dz er nicht ausreissen / sondern ihm die Ausfoderung halten sollte /
ging auch alsbald hin / sich zuwapnen. Dem Bischoff wahr diese Begebnis herzlich
leid / und fürchtete sehr / es würde Valikules dem trotzigen Juden lange nicht
gewachsen sein / dass er ihn schon so gut als erschlagen hielt. Er aber tröstete
ihn / mit Versicherung / es würde der gerechte Gott diesem Gotteslästerer schier
die verdiente Straffe auflegen; jedoch / weil ihn der Bischoff warnete / dass ob
er gleich diesem ansiegen sollte / würden ihn doch die anderen Juden lebendig
zerreissen / da verfügete er sich alsbald hin nach dem Römischen Statalter
desselbigen Ortes / Herrn Kajus Pompejus /meldete ihm Herrn Fabius zu Padua
brüderlichen Gruss an / und gab ihm zuverstehen / er wåhre ein Römischer Ritter /
und von Römischer Käyserl. Hocheit in die ädlesten Geschlechter zu Rom
angenommen /hätte aber gleich diese Stunde auff freier Gasse einen Schimpff von
einem verwägenen Juden annehmen müssen / welches er mit einer Ohrfeige gerochen;
Weil dann der Jude solches durch offentlichen Kampff zueifern gemeinet wåhre /
als bähte er den Hochansehnlichen Herrn Statalter / als einen Grossberuhmten
Vorsteher der Gerechtigkeit dienstlich / die Anordnung zutuhn / dass er nicht
etwa von dem heillosen Juden Gesindle / unredlicher weise überfallen würde /
sondern wider unbillichen Gewalt Schutz haben möchte. Herr Pompejus sah unsern
Valikules an / verwunderte sich über seiner schönen Gestalt /höflichen Geberden
und grossgeherzter Rede / dankete ihm freundlich vor den uberbrachten angenehmen
Gruss / und hiess ihn der ends sehr wilkommen sein /mit dem versprechen / weil von
Käyserl. Hocheit er so hoch geehret / mit seinem Brüderlichen Freunde Herr
Fabius in guter Freundschaft stünde / und wider einen Juden zukämpffen willens
währe / wollte er mit einer starken Schaar seiner Besatzung selbst dabei sein
/und auff alles gebührliche Auffsicht haben; dessen ihn Valikules dienstlich
dank sagete / ging damit hinweg /und verfügete sich wieder zu dem Bischoffe /
den er fleissig baht / ihm die Freundschaft zuleisten / und dem Streite
zuzusehen; Er hoffete diesem Schänder dergestalt abzulohnen / dass er nach diesem
sich vor ihm nicht mehr sollte zubefürchten haben. Dem Bischoffe gingen vor
Erbarmung und Mitleiden die Augen über / zeigete ihm an / wie herzlich er sich
bekümmerte / dass er mit diesem Baumstarken Juden den ungleichen Kampff antreten
sollte / der so mannichen redlichen und tapfferen Ritter nidergelegt hätte / dass
niemand / der ihn kennete / sich an ihm reiben wollte. Er hingegen tröstete ihn /
und dass man nicht allein im woler gehen / sondern auch in Gefährligkeiten sich
auff Gottes Schutz und Hülffe verlassen müste; Er währe zwar noch jung / hätte
aber doch dergleichen Wagestücken schon unterschiedliche erlebet; setzete sich
damit auff sein gutes Pferd / welches ihm Gallus zuführete / und ritte dem
Statalter entgegen / der mit seinen Kriegsknechten schon daher kam. Kurz
darauff liess der Jude mit acht Gewapneten sich auch sehen /und ward gewahr / dass
der Statalter neben seinem Feinde hielt; Dieses einige schreckete ihn ab / dass
er ihn nicht auff der Gasse überfiel. Herr Pompejus sah den Juden / und kante
ihn / sagte deswegen zu Valikules: Herr Ritter / Vorsichtigkeit und Krafft wird
euch nöhtig sein / da ihrs mit diesem antreten wollet /desgleichen in Waffen
wenig zufinden ist / so dass unterschiedliche ansehnliche Ritter / lieber einen
Schimpf von ihm annehmen / als mit ihm anbinden wollen. Mein Herr / antwortete
er / sollte in einem Juden wohl rechtschaffene Tugend sein / deren höchstes nur in
rasichter Wuht bestehet? Er mag biss daher mit seinem viehischen Trotze
durchgedrungen haben /obs aber wahre Ritterschaft oder tumme Verwägenheit sei /
soll mit meines Gottes hülffe er mir noch heut einen schärfferen Beweisstuhm sehen
lassen / als der in Schåndung geistlicher Lehrer bestehet. Nun so helffe euch
euer Gott / sagte er / und hilfft er euch /muss ich freilich sagen / dass er kein
unvermögender Gott sei; sendete auch alsbald einen Häuptman an den Juden /
welcher sich Ben-Levi nennete / uñ geboht ihm: da er streiten wollte / sollte er
sich hinaus über die Bach Kidron machen / wohin sein Ausfoderer ihm folgen
würde. Dieser bisse die Zähne im Kopffe zusammen / sendete einen Juden wieder
hin zu dem Statalter / und gab durch denselben zur Antwort: Er müste dem Herrn
Statalter billich gehorsamen /bähte aber / den verwågenen Buben anzuhalten /
dass er ihm nicht entlieffe. Dass ich kein Bube / er aber ein schlimmer Schänder
ist / sagte Valikules / soll sich wils Gott schier ausfündig machen / und hat er
sich meines entlauffens nichts zubefahren; dann ich habe bisher meinen Fåusten
mehr als den Füssen getrauet. Soltet ihr wohl derselbe sein / antwortete der
abgeschikte gewapnete Jude / der Ritter Ben-Levi einen Trotz bieten dürffte?
Wolte Gott / ich möchte als viel ein unerfahrner an seiner stelle stehe / wie
würdet ihr mir so gute Worte geben müssen / wann ihr den Kopff davon bringen
woltet. Reite fort Jude / sagte Valikules / und hinterbringe meine Antwort /
wozu du abgefertiget bist / vielleicht gibt es Gelegenheit / dass du deines
Wunsches gewehret werdest. Das helffe mir Gott / antwortete er; ging fort und
baht Ben-Levi /dass er ihm den Streit gönnen möchte; welches er ihm aber
abschlug. Valikules baht den Statalter / dass gegenwärtigem Christlichen Lehrer
möchte vergönnet sein mit hinaus zugehen / und den Kampff anzusehen / weil er
von diesem Juden ohn alle gegebene Ursach zum höchsten beleidiget währe. Der
Bischoff währe zwar lieber daheim geblieben / weil seinem vorgeben nach / er bei
streit- und kämpffen nichts zuschaffen hätte / durffte es aber dem Statalter
nit abschlagen /welcher sich nicht gnung verwundern kunte / dass Valikules in
solchem jungen Alter so frisch und unerschrocken war / welches er doch alles
seiner Unwissenheit zuschrieb / und dass er dieses streitbahren Juden keine
Kundschaft hatte. Als sie über die Bach kahmen / wählete Valikules den Ort zum
Kampffe /da vorzeiten der Garte Getsemane gewesen wahr /ritte hin zu Ben-Levi /
schlug seinen Helm auff / und redete ihn also an: Nun sage mir Jude / ob dich
der Hohn gereue / welchen du jenem frommen Christlichen Lehrer angetahn hast /
so will ich den gelindern Weg mit dir gehen / wo nicht / so mache dich bald auff
die Bahn. Dieses seine Beisteher fingen der Rede überlaut an zulachen / und
spien verächtlich aus; der Ausgefoderte aber vermeinte des anmuhtens vor Zorn
zubersten / und antwortete mit grausamer Stimme: O du elender Wurm / wie werde
ich mich nur an dir einzigem gnug rächen? Ritte darauff selbst zu dem Statalter
/ und sagte: Er hoffete ja / dass ihm als einem Ritter / der sich bisher in
Römischen Kriegen rühmlich gebrauchen lassen / vergönnet sein würde /mit seinem
Feinde nach Rittersbrauch zuhandeln. Ja wohl ist solches zugelassen / antwortete
er / aber nichts weiters / sintemahl euer Bestreiter ein ädler Römischer Ritter
ist. Hiemit kehrete sich der Jude gegen Valikules / der festen Einbildung / ihn
des ersten Rittes niderzulegen; Sie fasseten beide ihre Speere / und wollten sich
des Schildes nicht gebrauchen; dann als Valikules sah / dass jener den seinen
von sich gab /reichete er Gallus den seine auch hin; Welches der Statalter
sehend zu seiner Gesellschaft sagete: Trauen dieser junger Ritter hat wenig
Furcht in seinem herzen / und will sich gar keines Vortels gebrauchen /welches
ihm wohl könnte zugelassen sein; währe demnach immer schade / dass er in dieser
blühenden Jugend drauff gehen sollte / und in den ersten Lehr Jahren bleiben.
Inzwischen ranten diese mit solchem Eifer zusammen / dass die Lufft zischete /
und im Treffen beide Speere splittersweise in die Lufft flogen / dz auch
Valikules hinter sich zubeugen gezwungen ward / welches ihm vor nie begegnet
wahr. Der Jude aber ward so unsanft auff die Erde geworffen / dass die Zuseher
nicht anders meinten / er währe schon tod. Herr Pompejus sah dieses Wunder /
und sagte: Dieser junge Held ist wirdig / dass er von aller Welt geehret werde.
Es lief aber des Juden Pferd seiner Gewohnheit nach auff Valikules zu / schlug
und beiss nach ihm / dass er mühe hatte / sich sein zuerwehren /schåmete sich doch
das Schwert deswegen zuentblössen / und gab ihm mit dem übrigen Speerstucke
etliche Streiche hinter die Ohren / dass es als rasend von dem Kampfplatze hinweg
lief. Unterdessen bekam der Jude Zeit sich zuerhohlen / stund auff / und
schåmete sich über die masse / dass er durch einen Stoss so schändlich gefellet
wahr; wollte doch nicht gewonnen geben / sondern foderte seinen Schild wieder /
fassete das Schwert / und ging auff Valikules zu / welcher bald vom Pferde
sprang / und ihm mit diesen Worten entgegen trat: Wie nun du ungläubiger Jude /
meinestu noch mit einem Buben zuschaffen zuhaben? Was nimstu den Schild so bald
wieder zur Hand? Noch ist es Zeit / Abtrag zu mache / hernach wird keine Gnade
mehr übrig sein. Gallus wollte seinem Herrn de Schild auch darreichen / aber er
nam ihn nicht / sondern fassete den Dolch in die linke / und als der Jude als
ein ergrimmeter Löue auff ihn eindrang / unterliefer ihm den Streich / und stiess
ihm den Dolch in den linken Arm / dass er den Schild nicht mehr halten kunte
/sondern ihn auff die Erde fallen liess. Dieser sah /dass ihm sein Meister über
den Hals kommen wahr /erwog sich auch seines Lebens / und bemühete sich nur /
seinen Feind mit in den Tod zunehmen / daher er ihn mit solchem wüten überfiel /
dass die Zuseher etliche Zeit zweifelten / wohin der Sieg fallen würde. Valikules
aber liess ihn sich wohl abmatten / gebrauchte hernach seine Kräffte und
Behendigkeit / uñ sprang ihm / ehe er sichs versah / auf die Schulder / schlug
ihm die Beine umb die Arme her / dass er sein Schwert nicht gebrauchen konnte /
riss ihm den Helm vom Häupte / sprang wieder von ihm / und als er sich in sein
Lager gestellet hatte / sagte er: Wie nun Jude furchtestu noch / dass ich dir
entlauffen werde? Wiltu noch Abbitte tuhn wegen des angefügten Schimpffs /so
erkläre dich kurz. Ich weiss nicht / antwortete dieser / ob du ein Mensch oder
ein Teufel bist; doch gestehe ich mich zu nichts / weil ich aller Christen Feind
leben und sterben will / als deren ich schon mannichen erwürget habe. Ich höre
wohl / sagte Valikules / dass du kein Sadduzeer bist / weil du Teuffel sein
gläubest; und weil du deine übeltahten frei bekennest / werde ich dich als einen
Mörder abstraffen; damit ging der Scharmützel wieder an / wehrete aber nicht
lange /massen dem Juden das Häupt mit einem Streiche biss auff die Schulder von
einander gespaltet ward. Da solches der Bischoff sah / hub er seine Hände auf
gen Himmel / weinete vor Freuden / uñ sagete: HErr mein Gott / dieses ist ja
dein Werk. Valikules aber kehrete sich umb zu den anwesenden Juden / und redete
sie also an: Ihr Juden / lasset euch dieses ein Beispiel sein / und scheuhet
euch nach diesem /Christliche fromme Lehrer zubeschimpffen; Ihr wisset was vor
Leibes-Stärke und Erfahrenheit hinter diesem gestecket / und dannoch hat mein
JEsus ihn durch meine als eines Jünglings Hand nidergelegt. Ich möchte aber den
vorigen abgeschickten wohl absonderlich sprechen / umb von ihm zuvernehmen / ob
sein voriger Wunsch ihm noch nicht entsunken sei / alsdann soll er dessen
gewehret werden. Der freche Bube / Nahmens Benjamin gab sich alsbald hervor /
und fing mit lauter Stimme an: Höre du Unbeschnittener /du hast / welches ich an
deinen Waffen erkenne / den Sieg wider den besten Ritter der Welt durch Zauberei
erhalten / massen man augenscheinlich gesehen hat /dass dieselben mit deines
Feindes Schwerte nicht haben mögen verletzet werden / woran du nicht ritterlich
/ sondern als ein Schelm gehandelt hast. Wiltu nun / dass ich dich bestehen soll /
so lege deine Waffen ab / und entlehne andere / oder stelle dich ungewapnet mit
Schild und Schwert / dann soll die Welt bald inne werden / worin deine Krafft
bestehe. Ey du frecher Schänder / antwortete Valikules / du komst mir ja mit
tollen Auffzügen angestochen; meinestu etwa / ich verrichte meinen Kampff durch
den Schem Hamphoras / dem ihr so grosse Krafft zuschreibet? Und was sagestu?
habe ich deinen so hochgerühmten Ritter dann auch vom Pferde gezaubert / da er
sich im Sande umweltzete? Damit du aber sehest / dass mir dein dränen nur ein
hundisches bellen sei / so lege bald deine Waffen abe; rief darauff Gallus zu
sich / welcher hinreiten musste / bei dem Statalter umb weitere Erlåubniss
zufechten anzuhalten / erlangete solche / liess ihm die Waffen abzihen / und ging
mit Schild und Schwert auff seinen Feind los / welcher mit unerhörter
Verwägenheit und blinder Wuht auff ihn anfiel /und mit lauter Kreuzhieben von
sich schlug / welches ihm Valikules gonnete / und ihm ausweich / aber hernach
eintrat / und ihm die rechte Faust im Gelenke so eben traff / dass sie mit samt
dem Schwerte auff die Erde fiel / worauf er sich nicht schämete / davon zu
lauffen / und sich unter einen hauffen Juden / welche zusahn / sich
zuverstecken. Aber der Statalter schikte alsbald einen Häuptman ab / und liess /
die ihn zwischen sich genommen hatte / bedräuen / dafern sie den entlauffenen
nicht alsbald darstelleten / sollten sie alle am Leben gestraffet werden. Als der
abgelauffene solches hörete / begehrte er von eine Juden sein Brodmesser / nam
es in die linke Hand / und schnitte ihm selber damit die Kehle ab; über welchen
Wuht sich Valikules und der Statalter sehr entsetzeten. Die übrigen bewaffneten
Jude hielten einen Raht / ob sie alle zugleich auf Valikules einstürmen / und
ihn niderschlage wollten / ungeachtet sie wieder sterben mussten; wahren auch
schon eins / diesen Mordfall zuwagen / aber der Statalter befahrete ein solches
/ und sendete ihnen zehn geharnischte Reuter entgegen /welches ihren Vorsatz
brach / und Valikules unangegriffen blieb. Derselbe ging nun zu fusse dem
Statalter entgegen / welcher mit zimlicher eile zu ihm hin ritte / dem er / so
bald er zu ihm kam / mit entblössetem Häupte vor seine Gegenwart dienstlich
dankete /welche ausser allem zweifel ihm Schutz wider seines Feindes Anhang
gehalten / und ihr mördliches Vorhaben gebrochen hätte. Er aber antwortete ihm:
Treflicher Ritter / ich bitte um verzeihung / dz anfangs ich an eurer
gnugsamkeit habe gezweifelt / nachdem eure Tugend uñ stärke ich dermassen
beschaffen sehe / dz ich schuldig bin euch zuehre / als welcher von meinem
allergnädigste Käyser selbst / nit unbillich geehret ist; Werdet demnach mir die
freundschaft erweisen / uñ mit mir nach meiner Wohnung reiten. Valikules hingege
stellete sich sehr demütig / einwendend / das unverdiente Lob machete ihn nur
schamroht / wäre schuldig dem Herrn Statalter auffzuwarten / und ihn biss an
seinen Hof zubegleiten / zweiffelte auch nicht /er würde darauff hochgünstige
Erlassung von seiner Durchl. erhalten / weil seine Reise sehr eilig währe. Herr
Pompejus nam das Erbieten mit freundlicher Antwort an / und ritten nach der Stad
zu / da er ihn baht / seinen Nahmen unbeschweret zumelden / damit er ihn als
seinen Freund zu neñen wüste. Hierin wollte er ihm nun gerne zuwillen sein / und
sagte: Mein Herr / aus gewissen Ursachen nenne ich mich diese Zeit Valikules /
sonst ist mein rechter Nahme Herkules. Herkules? sagte der Statalter / umbfing
ihn auch mit dem linken Arme auff dem Pferde mit sonderlicher Freundligkeit /
und fuhr also fort: Euch danke ich ihr Götter / dass ich den trefflichen Helden
und Erretter meines Vaterlandes kennen und ehren soll / massen ich durchaus nicht
zweiffele / er und kein ander Herkules ist es / welcher durch glückliche
auffreibung der Räuber vor Padua / ganz Italien vom verderben befreit hat.
Dieser wunderte sich höchlich / dass diese Zeitung schon so weit über Meer
erschollen wahr /gereuete ihn auch / dass er seinen Nahmen genennet hatte / und
gab zur Antwort; dass ich Italien vom Verderben befreien sollte / bin ich viel zu
wenig; die Rauberische Rotte habe ich zwar nach meinem geringen Vermögen helffen
angreiffe wie auch mein brüderliche Geselle Ladisla; aber dem Hochmögenden Herrn
Statalter zu Padua und seinem ritterlichen Sohne /muss die Ehre dieses Sieges
billich vorbehalten werden. Nein mein Herr / sagte Pompejus / seine höfliche
Demuht heisset ihn so reden / dann nicht allein mein Schwager und brüderlicher
Freund Herr Fabius / sondern Käyserl. Hocheit ihr Hoffmeister selbst hat mir
alles ausführlich beschrieben / auch was vor Ehren-Gedächtnis den beiden Fremden
unvergleichlichen Helden auffgerichtet sind. Freilich hat man uns weit über
unser Verdienst und Wirdigkeit erhoben / antwortete er / aber uns dadurch zu
ewigen Diensten verbunden / wann sie nur von uns könten geleistet werden. Damit
langeten sie vor dem Hofe an / stiegen ab / und gingen ingesamt hinein. Der
Statalter hatte seinem Gemahl Fr. Terenzia / und seinem einzigen Kinde / Frl.
Lukrezien schon zuentbohten / dass er einen vornehmen fremden Herrn mit sich
bringen würde / daher sie sich in der Eile aussgeputzet hatten /warteten auch
schon im innersten Platze auff / denselben zuempfahen / welcher dann mit
entblössetem Håupte ihnen entgegen trat / und seine Höfligkeit in geberden und
Worten gnug spüren liess / dass sie sich über ihn nicht gnug verwundern kunten;
weil er dañ sah / dass dieses tages aus seiner Reise nichts werden wollte / lies
er sich von Gallus entwapnen / legte ein zierliches Kleid an / und befahl die
Pferde nach der vorigen Herberge zubringen / welches doch der Statalter nicht
zugab / sondern liess sie in seinen Mahrstal zihen / sendete seine Diener mit
Gallus nach seiner vorigen Herberge / und liess alle seine Gelder und andere
Sachen auff seinen Hoff tragen / ihn aber führete er mit sich auff den Essesaal
/ weil es hohe Zeit wahr Speise einzunehmen / setzete ihn gegen Frl. Lukrezien
über / die ohngefehr von XV Jahren wahr /und erboht sich / den Christlichen
Bischoff gerne zur Mahlzeit zu fodern / dafern es ihm lieb sein könnte /und ihre
Gesellschaft umb so viel grösser währe. Herkules stellete es zu seinem gefallen /
sagte / er könnte nit läugnen / dass er ein Christ währe / und diesen Glauben zu
Rom gefasset hätte / im welchem er gedächte Gottsellg zu Leben uñ willig
zusterben / deswegen er mit diesem frommen Lehrer vor zween Tagen Kundschaft
gemacht / und nach Christlichen Satzungen sich im Jordan hätte täuffen lassen.
Pompejus antwortete ihm: Mein geliebter Herr und Freund / ob ich zwar Römisches
glaubens lebe / wie meine Vor Eltern / sehe ich doch mehr auff Tugend als
Glaubens unterscheid / und wird kein Christ Ursach haben / über mich zu klagen /
als sollte ich ihnen ihrer Lehre halben zusetzen; dass ich aber den Juden in
meinem Herzen niemahls hold gewesen / gestehe ich gerne / und ist die Vrsach /
dass sie uns unwirdig achten / mit denen sie essen und trinken sollten. Sandte
darauff alsbald hin / und liess den Bischoff freundlich zur Mahlzeit laden /
welcher dieser Gnade nicht gewohnet wahr / und leicht gedachte / es geschähe dem
jungen Herrn zu ehren; stellete sich willig ein / wünschete dem Statalter
glückliche Herschung / und neben allen den seinen / langes Leben; bedankete sich
untertähnig der geschehenen Ehre und Einladung /und baht / ihm und der armen
Christenheit mit Gewogenheit und Gnade zugetahn zuverbleiben. Der Statalter
wahr noch nie mit ihm umbgangen / seine Gottfürchtige Reden aber gefielen ihm
wohl / und nöhtigte ihn niederzusitzen. Auch Herkules stund auff / und wollte ihm
seinen Platz geben / welchen er doch nicht nehmen wollte / einwendend / es
gebührete ihm nicht /sich hohen Fürstlichen Häuptern vorzuzihen; welches die
Anwesende höreten / und nicht gedenken kunten /aus was Landschaft dieser junge
Herr sein möchte. Herkules hätte lieber gewolt / dass er dieses Wort stecken
lassen mögen / baht auch / ihn mit überflüssiger Ehre zuverschonen / weil er nur
als ein Umschweiffender Ritter / den Abenteuren in der Welt nachzöge. Uber
Mahlzeit gab es allerhand Gespräch; dann Pompejus wahr ein Weltkluger Mann / und
forschete / ob auch Weissheit hinter dem jungen Herrn steckete / dessen er aber
mehr fand als er hoffen mögen / und sich nicht entalten kunte / zu dem Bischoff
in Syrischer Sprache zusagen; es müste ein günstiger Himel sein /und sehr
geschlachtetes Land / da Weissheit sich bei solcher Jugend fünde. Das schöne
Fräulein aber ward gegen ihn so inbrünstig verliebet / dass sie kein Auge von ihm
abwenden kunte / und über seinen freundlichen Reden / essens und trinkens vergass
/ welches ihr Vater zeitig wahrnam / und sich eines mehren daher besorgete. Fr.
Terenzia suchte auch Gelegenheit mit ihm zu schwätzen / und fragete / wie es
ihrem geliebeten Schwager H.Q. Fabius ginge / welches er kürzlich beantwortete /
er wüste nicht anders als wohl / würde von jederman wert und in ehren gehalten /
und hätte neulich seine Tochter Frl. Sophien an seinen nahen verwanten Herrn
Ladisla verheirahtet / weil er sie aus etlicher Räuber Händen ritterlich
erlöset; so hielte sich auch Herr. M. Fabius Tochter / Frl. Sibylla vom Rom /
bei jetzt gedachter ihrer Wasen auff / welche aus eines Räubers des stolzen
Silvans Händen loszumachen er das hohe Glük gehabt hätte. Ach mein Herr / sagte
Fr. Terenzia / dess müssen euch die Götter lohnen / dañ dieses Fräulein ist
meiner leiblichen Schwester Tochter / so ist mein Herr und Gemahl mit Fr.
Pompejen zu Padua / Gebrüder Kind / zweiffele auch nicht / mein Herr Schwager
würde seine einzige wolgerahtene Tochter einem fremden Herrn nicht geben haben /
dafern er deren nicht wirdig währe. Nach dieses Gesprächs Endigung kunte das
liebe Fräulein sich länger nicht entalten mit ihm zu sprachen / bedankete sich
demnach gegen ihn / dass er ihrer geliebten Wasen guten Zustand ihr hätte
anmelden wollen /möchte wünschen / die Gelegenheit zu haben / sie dereins zu
sprechen / hätte fast gemeinet / ihre Frau Wase / Fr. Sophia würde ihr die Ehre
getahn / und sie auff ihr hochzeitliches Fest eingeladen haben / weil in der
Kindheit sie gar vertraulich umgangen / und mit einander aufferzogen währen;
daher sie nicht anders als Schwestern gelebet. Herkules antwortete ihr:
Vortrefliches hochgebohrnes Fråulein / ich wollte dieses leicht errahten haben /
da ich sie erstmahls sah / inbetrachtung / dass sie mit Reden / Sitten und
Geberden sehr gleich einstimmen; erinnere mich auch / das sie ihrer Frl.
Schwester / Frl. Lukrezien unterschiedliche Erwähnung getahn / zweiffele nicht /
da die geschwinde Eile es nicht verhindert / würde mein Fråulein vor allen
andern zum Hochzeit Fest erbehten sein; sonst gestehe ich / das Hochgedachte
Frau und Fräulein mir in auffrichtiger keuscher Liebe dermassen zugetahn sind /
das unsere Schwester- und Brüderliche Freundschaft nimmermehr brechen wird.
Solches ist mir sehr lieb zu hören / sagte das Fräulein / wundert mich aber /
warumb mein Herr von so lieben Freunden und aus so lustiger Landschaft sich an
diese durch Krieg verwüstete örter begeben können. Min Fräulein / antwortete er
/ es hat mich trauen Wollust nicht über Meer getrieben / sondern H. Ladislaen
Schwester / meine sehr nahe Blutfreundin / ist von etlichen See Räubern hinweg
nach dem Parter Lande geführet / welche ich zu retten suche / hoffe auch zu
meinem Gott / er werde mir Krafft und Glük verleihen / es zum gewünschten Ende
zubringen. Ist sie dann ein Römisches Fräulein? fragete sie. Nein /sagte er /
sie ist aus einer abgelegenen Landschaft /welche die Römer vor Barbarisch
halten / aber meiner geringen Urtel nach / wirdig / dass die Welt sich ihrer
Erlösung annehme; ist ihres alters von XV Jahren /aber solcher Herzhaftigkeit /
dass sie sich nicht hat wollen gefangen geben / biss sie sieben Räuber / teils mit
Pfeilen teils mit dem Schwerte nidergemacht; und weil sie sich vor einen
Jüngling aussgegeben und verkleidet / wird sie auch in solchem Wahn fortgeführet
/dem grossen Partischen Könige Artabanus zur sonderlichen Verehrung / wegen
ihrer Schönheit. So muss selbiges Land ritterliche Leute zihen / antwortete sie
/weil die zarten Fräulein dergestalt mit ihren Feinden wissen umbzugehen / uñ
wird mein Herr derselben sehr hoch verbunden sein / dass er ihr durch so manniche
Gefahr so gar einsam folget. Ja mein Fräulein /sagte er / sie ist mir so nahe
verwand / dass wir einen Grossvater gehabt / / und da ich von meinem Gott das Glük
erhalten werde / sie wieder zu finden / will euer Liebe ich versprechen / dieses
Orts mit ihr einzukehren. Es soll mir sehr lieb sein / sagte sie / und wünsche
meinesteils dass es bald geschehen möge / werde als dann bei meinen herzlieben
Eltern ansuchen / ob mir könnte erlaubet sein / mit ihnen nach Padua zu schiffen
/ umb meine Verwanten daselbst zubesuchen. Ihr Vater lachete dessen und sagte zu
ihr; Mein geliebtes Kind / hievon werden wir hernähst zureden haben / ist es
dann sache / und diesem Herrn nicht zuwieder / kann ich leicht ein Schiff
aussrüsten / und euch nach Padua bringen lassen. Herkules gab zur Antwort / er
währe seiner hochwerten Fräulein stets bereitwilligster Knecht / deren nach
mögligkeit auffzuwarten /er Zeit seines Lebens wollte geflissen sein. Das gute
Fräulein kunte seiner freundlichen Reden nicht sat werden / baht daher nach
gehaltener Mahlzeit / ihr zuerzählen / wie sichs mit ihrer beiden Wasen Raubung
und Erlösung eigentlich zugetragen hätte; welches er ihnen ausführlich / wie
auch die Bestürmung des Raubnestes beschrieb / und sie / bevorab der Bischoff es
mit sonderlicher Lust und Begierde anhöreten /auch sich verwunderten / wie er so
zierlich Latein redete / da er doch ausser Römischen Gebiet gezeuget wahr.
Nachgehends suchte er Gelegenheit / bei dem Statalter umb Schuz der armen
Christenheit des Orts bitlich anzuhalten / und redete ihn also an: Grossmächtiger
Herr Statalter / dafern mir frei stünde /eine bitte bei demselben abzulegen /
wollte ich demühtige Ansuchung tuhn / dass er ihm die unschuldige Christenheit
dieses Orts bestermassen möge lassen anbefohlen sein / als lange sie im erbaren
Leben verharren / und ihrer von Gott ihnen vorgesetzeter Obrigkeit in allen
Weltsachen gebührliche Ehr und Gehorsam leisten / damit sie nicht wegen des
Christlichen Glaubens mögen geschändet und verfolget werden; da aber jemand
unter ihnen ist / welcher sich der Bosheit und Laster befleissiget / wie dann
leider auch solche unter ihnen gefunden werden / vor solche soll meine bitte
durchaus nicht gemeinet sein; nur dass umb etlicher weniger willen / nicht die
ganze Gemeine möge Noht und Gefahr leiden. Der Statalter antwortete ihm: Mein
geliebter Herr und Freund / was er an mich begehret / ist der Billigkeit ohn dass
Gemäss; er soll sich aber zuversichern haben / dass die Christenheit dessen
geniessen wird / als lange ich alhie das Statalter Amt verwalte / und da ich
meinen Nachfolger eben dessen bereden kann / soll es von mir nicht aus der acht
gelassen werden / dann es verdreust mich nicht wenig / dass zu Rom und an anderen
Orten den Christen so ungütlich zugelegt wird / als verehren sie einen Eselskopf
an statt ihres Gottes / dessen ich viel anderen Beweisstuhm eingezogen habe; und
damit meine Gutwilligkeit ich einesteils auch in der Taht spüren lasse / soll der
Bischoff alhie gegenwärtig von mir jährlich sechs Fuder Korn / zehn Ochsen / 30
Schaffe / und ein Fuder Wein zu der Lehrer unterhalt zuheben haben / so lange
ich dieses Amt verwalte; dagegen sollen sie vor Römische Käyserl. Hocheit / vor
des Römischen Reichs auffnehmen / und vor meine und der meinen Wolfahrt bitten.
Der Bischoff stund auff und dankete mit gebogenen Knien und fliessenden Augen /
nebest dem versprechen / er und die ganze Christliche Kirche seines Bistuhms
wollten nicht nachlassen / Gott im Himmel anzuruffen / dass er solche milde Gnade
hier zeitlich mit allem Segen /und dort ewig mit himlischen Freuden reichlich
ersetzen wollte; sonsten unterliessen sie ohndass nicht / vor Römische Käyserl.
Hocheit und ihre vorgesezte Obrigkeit in allen ihren Versamlungen zu behten. Es
ward sonst dieser Tag mit allerhand Gespräch zugebracht / da unter andern der
Statalter unserm Herkules anboht / dass wañ ihm damit gedienet wåhre /wollte er
ihm einen offenen Befehl an alle Beamten dieser Morgenländer Romisches Gebiets /
gerne mitteilen / dass sie ihm mit Leuten / Pferden und Gelde allemahl sollten
behülflich sein; dann er hatte solche Zuneigung in so kurzer Zeit auff ihn
geworffen / dass zwischen Vater und Sohn sie nicht herzlicher sein mögen.
Herkules bedankete sich der angebohtenen Hülffe / wollte solches Schreiben zu
allem Dank annehmen / und doch acht haben / niemande beschwerlich zu sein. Als
der Tag verflossen / und es Zeit zur Ruhe wahr / nahm Herkules von dem
Statalter freundlichen Abscheid / weil sein Vorhaben die Eile erfoderte / und
er schon durch unterschiedliche Hindernissen auf seiner Reise wåhre auffgehalten
worden; Aber Herr Pompejus verwies ihn zuvor an sein Gemahl und Tochter / bei
denen er solches erstlich suchen wurde. Er hatte ihm vorgenommen / ohn weiter
verweilen fortzugehen / furchtete aber sehr / auffgehalten zuwerden / deswegen
er mit bewåglicher Rede zu der Statalterin sagte: Hochgebohrne Frau; der Ehren
mir allhie begegnet / erkenne ich mich unwirdig / insonderheit / weil mirs an
gelegenheit fehlet es zuwiederkehren / hoffe doch / dereins das Glük anzutreffen
/ dass ich ein dankbegieriges Herz / wo nicht leisten / doch werde zeigen können;
Vor dissmahl aber ist meine inständige Bitte / mich grossgünstig zuerlassen /
damit durch Versäumnis ich nicht schuld tragen möge an dem / was diesem Fräulein
/ der ich folge / arges zustossen kann; Im übrigen verbleibe ich meiner
gebietenden Frauen ohn Einrede / verbundener Knecht / dienstlich bittend / sie
wolle dieses schlechte Ringelein (welches er ihr reichete) zum Gedächtnis meiner
Schuld bei ihr behalten / biss mir gelegenheit zustosset / es mit einem
wichtigern zuverbessern. Frau Terenzia antwortete: Mein hochgeliebter Herr Sohn;
wie sollte ich dann nicht so bitselig sein / etwa eine Woche bei ihm zuerhalten /
damit ich nur Anzeige tuhn könne / wie genehme Freundschaft er mir in Rettung
meiner Wasen geleistet? Zwar es müste mir herzlich leid sein / wann dem
treflichen geraubten Fråulein ein mehres über ihre Gefängnis zustossen sollte;
weil aber eine so geringe Zeit ihr verhoffentlich nicht schaden wird / weiss ich
schon / dz ein so höflicher Ritter / mir eine geringe frist nicht kann versagen
/will auch wegen Gedächtnis / deren meiner ganzen Freundschaft geleisteten
Dienste diesen Ring gerne annehmen / dabei ich mich stets erinnern werde / wie
viel meinem Herrn Sohn ich schuldig verbleibe. Herkules sah wohl / wohin es
gespielet wahr / und weil er Ehrenhalben anders nicht kunte / versprach er / den
folgenden Tag gehorsamlich zubleiben; Trat hernach zu dem Fräulein mit diesen
Worten: Hochgebohrnes Fräulein / ich rechne es trauen unter meine höchste
irdische Glükseligkeiten / die grosse Ehre zuhaben /und ihre Kundschaft
gerahten zusein; Da ich nun förder das Glük hätte / in die Zahl ihrer minsten
Diener auffgenommen zuwerden / könnte mir angenehmers nicht wiederfahren / massen
uns die Erbarkeit treibet /dahin zustreben / was vor andern geehret zusein
wirdig ist / gebührlich zubedienen. Es tuht mir aber sehr leid / dass ich keine
gelegenheit habe / deroselben scheinen zulassen / wie teuer und hoch ich Zucht
und Tugend an ihr und ihres gleichen achte / getröste mich dannoch zu Gott der
Gnade / er mein Leben auch zu ihrem Dienste und Gehorsam sparen werde / damit
man nicht sage oder gedenke / Herkules sei williger Woltahten anzunehme / als
zuvergelte; zwar wie schlecht mein Vermögen sei / weiss vielleicht niemand besser
als ich; jedoch hat mich noch allemahl dieses gemuhtiget / dass Tugend und Witz
nicht so viel auf Wichtigkeit der Taht als des Willen hält; und weil meiner
geraubeten Frl. Wase und Schwester åusserste Noht mich zwinget / Tag und Nacht
zueilen /gelebe ich der gänzlichen Zuversicht / mein gebietendes Fräulein werde
meinen Abzug mehr befodern als verhindern helffen. Solte ich aber durch
Vergünstigung ihrer lieben Eltern uñ ihrer selbst / ihr ein geringes gedåchtniss
meiner äussersten Schuldigkeit bieten dürffen / währe meine inståndige Bitte /
sie dieses geringfügige paar Armbänder (welche von lauter Demanten schimmerten)
ihrem Knecht zu ehren annehmen wolle / zum minsten / von wegen der vertraulichen
schwesterlichen Liebe / mit welcher / ohn unzeitigen Ruhm zumelden / ihre
höchstgeliebeten Frau und Fräulein Wasen mir unwirdigem zugetahn sind. Die
Eltern höreten diese Rede an / und furchten sich /ihre annoch junge Tochter
würde nicht bestand sein /hierauff zuantworten; welche aber durch die in ihrem
Herzen aufsteigende Liebe satsam unterwiesen / es also ersetzete: Hochberümter
Ritter uñ Herr / da so wohl mir als meinen geliebeten Wasen sein Stand eigentlich
bekant sein würde / wollte ich mich befleissigen / ihn der gebühr zuehren / weil
aber mein Herr noch zur Zeit ein umschweiffender Ritter will gehalten sein / muss
nach seinem Wille ich mich billich richten. Die erzeigete Ehre / deren mein Herr
sich dermassen hoch bedanket / ist trauen viel zu schlecht / dass sie soll
genennet werden / massen uns ja Zeit müste vergönnet sein / da wir vor
geleistete Dienste und Rettung der unsern / in etwas dankbar sein sollten;
Uberdas fodert mein Herr an mich / ihn unter meine Diener anzunehmen / deren ich
doch keine habe / und mir schwer fallen würde / mich seines gute Willens
zuversichern / gestaltsam er nur eilet von uns zuscheiden. Dass meine geliebte
Wasen ihn in sonderliche Vertrauligkeit auffgenommen / darzu sind sie gnugsam
verbunden / nachdem sie ihm Ehr und Leben zudanken haben; erkenne auch daher /
wie viel meinem Herrn ihretwegen ich schuldig bin. Zwar seiner vortreflichen
Fräulein Wasen Erlösung zuhemme / will mir keines weges gebühren; wie aber / wann
mein Herr / etwa im heutigen Kampffe eine Wunde empfangen hätte? müste er
derselben nicht abwarten? Ich meines teils gönne ihm dieselbe nicht; aber er
gedenke / bitte ich / als ob er ein acht oder zehn Tage betlägerig sein müste /
und leiste inzwischen uns alhie in Gesundheit so viel angenehmere Gesellschaft /
alsdann werden wir meines Herrn erbieten nicht vor ein blosses erbieten halten;
Das angebohtene par Armbänder ist zu köstlich / einer unverdienten zuschenken /
wann aber meine liebe Eltern nit widersprechen /nehme ichs von ihm als einem in
Ehren hochwerten Freunde an / und wie es das erste ist / mir von einem fremden
geschenket / soll mirs nicht unangenehm sein / da ich nur wissen möchte / wie ein
Fräulein es wieder zuverschulden gehalten sei; jedoch was hier in meiner Jugend
Unverstande abgehet / werden meine liebe Eltern zuerstatten ihnen angelegen sein
lassen. Herkules bedankete sich der Ehren / wendete ein / er währe in Hoffnung
gestanden / bessere Gnade des abscheidens bei seinem gebietenden Fräulein
anzutreffen / uñ fünde sie noch viel gestrånger als ihre Eltern selbst; weil er
dann ihrer Fr. Mutter einen Tag gehorsamete / wollte er ihrer Liebe des andern
Tages auffwarten / unter der Hoffnung / sie wurden seine Eile nicht der Grobheit
/ sondern der Noht zuschreiben /ausser welcher er manniche Jahr ohn einige
Wegerung sich in ihren Diensten wollte finden lassen. Herr Pompejus merkete aus
seiner Ernstaftigkeit / dass weiteres nöhtigen ihm nur würde verdriesslich sein
/ bedankete sich demnach der beiden versprochenen Tage /jedoch mit dem bedinge /
dass auff schier folgende glückliche Rükreise er dergleichen Eilfertigkeit sich
begeben würde / und wünscheten ihm hier auff eine glückselige Nacht. So bald die
Eltern Abscheid genommen hatten / nahete sich das Fräulein zu ihm /und fragete
mit gar anmuhtiger Rede / wie und warumb er doch so schleunig hinweg eilete /
und ihr nicht gönnen wollte / gleichmässige Kund- und Freundschaft zumachen /
wie ihre Wasen; Sie hätte nun diese Armbänder empfangen / da sie ihn kaum
gesehen / und würde ihr nicht Zeit gegönnet / sich zubedenke / auf was weise
ihre Dankbarkeit anzustellen währ. Herkules spürete ihre gute Gewogenheit gar
wohl / wollte ihr aber keine Ursach einiger Hoffnung geben / und nach gebohtenem
Handkusse antwortete er ihr also: Mein hochwertes Fräulein / Gott ist mein Zeuge
/ dass ich höchstwichtige Ursachen habe / mit meiner Reise möglichst zueilen /
sonsten währe ich ja schuldig / ihr und den lieben ihrigen / als lange es ihnen
belieben wurde / auffwärtig zu sein; Ich versichere aber mein Fräulein / dafern
Gott mein Leben sparen wird / sie dieses Orts wieder zu sprechen / und alsdann
so schleunig nicht hinweg zueilen. Das schlechte Geschenke ist der Vergeltung
viel zu unwirdig / massen es nur zum Gedåchtniszeichen angesehe ist. Ja mein
Herr / sagte sie / er hat sich wohl zuversichern / dass kein Mensch dieser Welt
lebe soll / der mir diese angenehme Gedächtnis mit meinem Willen entfremden wird
/ werde es auch von diesem Tage an umb meinen Armen tragen / und da er bei
seiner glücklichen Wiederkunft sie an dieser stelle (auf ihre Arme zeigend)
nicht finden wird / will ich in seine wilkührliche Straffe verfallen sein. Hiemit
wünschete sie ihm eine ruhige Nacht / ging nach ihrer Eltern Kammer / und legete
sich auff ihr gewöhnliches Bette. Das Feur aber / welches sie in ihrem Herzen
empfand /machte sie die Nacht über sehr unruhig / und wie heftig sie sich auch
zwang / kunte sie doch ihr anliegen so gar nicht verbergen / dass ihre Eltern
dessen nicht sollten wahr genommen haben / die doch / ihrer Zucht gnug trauend /
sich dessen nicht merken liessen. Dagegen wünschete Herkules / dass die
versprochenen Tage schon möchten geendiget sein / und da er des Morgens früh
auffstund / befahl er Gallus die Pferde fertig zumachen / dann er währe willens
/ ein wenig zur Lust auszureiten. Dieser gehorsamete willig / uñ in dem er alles
verfertigte / erinnerte ihn des Statalters Diener / sein Herr hätte sich wohl
vorzusehen; dann es währen gestriges Abends etliche unbekannte gewesen / die
fleissig nach seinem Auffbruch gefraget / und was Weges er reisen würde. Gallus
taht es seinem Herrn bald zuwissen / der hieraus unschwer urteilete / es müste
etliche Juden ihm aufflauren / ging zu dem Statalter / und berichtete ihn
dessen / baht auch / er möchte ihm seinen Anschlag gefallen lassen / indem er
zum schein gleich jezt auffbrechen / und den Weg nach Emahus vor sich nehmen
wollte; könnte er nun einer Anzahl Reuter bemåchtiget sein / die ihm von ferne
folgeten / zweifelte er nicht / er würde gar bald etliche Juden antreffen / die
einen mördlichen Anschlag auff sein Leben gemacht hätten. Herr Pompejus erschrak
dessen / liess ihm doch diese Meinung wolgefallen / und gab einem seiner
Ausreiter Befehl /sich des Weges unvermerket zuerkündigen / welcher bald wieder
kam / und berichtete / dass ihm unterschiedliche Geselschaften / von zehn und
mehr Mannen auffgestossen wåhren / welche alle mit gutem Gewehr wohl versehen /
und er sie vor Juden hielte. Darauff liess der Statalter in aller stille 80
Reuter sich rüsten / uñ auf allen fall fertig sein. So bald Herkules mit seinem
Gallus wolgewapnet hinaus ritte / sah er vorm Tohr einen leichten Reuter /
welcher / so bald er ihrer ansichtig ward / Spornstreichs davon rante; dessen
Gallus inne ward / und es seinem Herrn zeigete /der sich doch nichts daran
kehrete / sondern sanftmühtig fortritte / biss er sechs Reuter hinter einem
Pusche nach der Linken zu gewahr ward / welche / so bald sie ihn sahen / auf ihn
zusetzeten / daher Gallus von seinem Herrn eriñert ward / das Gewehr fertig zu
halten / und jenen nach den Fåusten zusehen; ritte also fort / und taht / als
gingen diese ihn nicht an; doch da sie naheten / grüssete er sie mit
ernstaften Geberden / uñ fragete / ob dieser Weg nach Emahus trüge. Ihr Führer
fragete hinwieder / was er da zuschaffen hätte? Darauf habe ich mich noch
zubedenken / antwortete er / ob ich euch antworte / massen ich mir nicht
einbilden kann / dass ihr von der Landes Obrigkeit hieher gesetzet seid / reisende
Leute zurechtfertigen. Wol / sagte dieser / so werde ich dir antworten müssen /
weil ich sehe / dass der Trotz dir noch nicht vergangen ist / und versichere dich
demnach /dass du nach Emahus nimmermehr kommen wirst / fielen auch zugleich /
teils mit Streit Axten / teils mit kurze Schwertern ganz grimmig und verwågen zu
ihm ein / dass Gallus im ersten Scharmützel am linken Schenkel sehr gefährlich
verwundet ward. Herkules seumete sich nicht / schlug ihrer zween von den Pferden
/ ehe die andern es recht inne wurden / empfing aber auch eine tieffe Wunde in
die rechte Schulder von einer Streit Axt / dass er wohl empfand / er das Schwert
in die Harre nicht würde führen können. Gallus erlegte auch einen / und machte
sich an den Führer / welchen er aufhielt / so viel seine Verwundung es zulassen
wollte. Sein Herr hatte sich zweier zuerwehren / und taht ihnen so gedrange / dz
sie endlich beide zu bodem stürzten / gleich da die 80 Reuter daher stürmeten /
weil sie des Gefechtes zeitig wahren inne worden / und nahmen den Juden / der
Gallus Meister schier worden währe / gefangen / welcher schon suchte / sich
selbst zuentleiben. Er ward wegen des mördlichen überfalls befraget / wollte aber
nichts bekennen / biss man ihm einen Strik umb den Kopff legete / und mit einem
Stecken zudrehete / da verriet er den Anschlag / es hätten noch 112 Gewapnete
Juden zu Fusse den Weg nach Emahus besetzet / und sich verschworen / keine
Kleider abzulege / biss Ben-Levi tapferes Blut an seinem Mörder gerochen währe.
Darauf gab ihnen Herkules den Raht / es sollten ihrer 40 umhin hauen / und von
Emahus her sie ausspüren /auch die sie lebendig bekommen könten / gefangen
nehmen / und die übrigen nidermachen; Die andern aber sollten noch etwas stille
halten / hernach des Weges nach Emahus langsam fortreiten / und sich gegen die
bewehreten Juden gleich so bezeigen; Er vor sein Häupt wollte ihne gerne die
hülfliche Hand bieten / müste aber wegen harter Verwundung umkehren / und neben
seinen Diener sich verbinden lassen; nahm doch zween Reuter mit sich / welche
den Gefangene fortschleppen mussten. Als er auff des Statalters Hof ritte / sah
ihn das Fräulein ganz blutig daher kommen / dessen sie sehr erschrak / und ihm
entgegen rief: O Herr Herkules / wie gehe diss zu? wie seid ihr so blutig? Es hat
keine sonderliche Gefahr / mein Fräulein / antwortete er / wann ich nur bald
einen guten Wund Arzt haben kann. Es wahr bald einer verhanden / und kam der
Statalter auch herzu gelauffen / welcher ihn vom Pferde heben liess / weil er
zimlich kraftlos wahr. Da man ihm den Harnisch und das Wammes abgezogen hatte /
sah der Arzt / dass der Schade nicht zuverachten wahr / und hatte anfangs grosse
Mühe / das Blut zustillen / biss er selbst seinen / ihm von Frl. Valisken
zugeschikten köstlichen Ring hervor suchen liess / welcher noch das beste taht /
wiewol er wenig Blut bei sich übrig hatte / daher / wie fest er sich auch
zuhalten meinte / er endlich der Ohmacht weichen musste; welches das liebe
Fräulein sehend / ihre Zuneigung nicht bergen kunte / sondern mit ihm zugleich
dahin sank / dass kein Lebenszeichen an ihr erschien; weil man aber allerhand
kräfftige Wasser zur hand hatte / wurden sie endlich wieder erquicket / und das
Fräulein / wiewol wider ihren Willen / hinweg geführet. Nach geschehener
Verbindung legete man ihn auf ein Bette / und wurden ihm etliche Diener
zugegeben / die sein fleissig warten mussten. Inzwischen hatten die Diener auch
Gallus von einem unerfahrnen Arzt verbinden lassen / welcher sich vernehme liess
/ der Schenkel müste ihm gar abgenommen werden; dessen er sich nicht wenig
hermete / und begehrete / dz ein ander Arzt herzu gehohlet würde /daher / so
bald Herkules verbunden wahr / sein Arzt hergeruffen ward / der auff Befehl den
Schaden auflösete / und nach wegwerffung aufgelegter Sachen / die Wunde fein
sauber wusch / auch nachgehends aufs neue verband / dann / sagte er / wo die
auffgelegten Sachen zwölff Stunden drauff verblieben wären /würde er seines
Schenkels ohn worde sein / wollte ihn aber numehr versichern / dass derselbe ihm
ja so gerade und gesund werden sollte als vorhin; welche Trost er ihm mit 12
Kronen vergalt / und seines Herrn wegen ihm 30 Kronen vor den ersten Band
lieferte. Das Fräulein kunte nicht ruhe / biss sie erfuhr / wie es Herkules
erginge / liess seiner Aufwarter einen zu sich ruffen / uñ befahl / alsbald
anzuzeigen / da einige gefahr sollte obhanden sein. Des Abends / da die Wunde zum
andern mahle verbunden ward / fand der Arzt /dz sie sich sein gesetzet hatte /
und vermass sich nähst göttlicher Hülffe / sie beide in wenig Wochen völlig
auszuheilen / worüber das Fräulein höchlich ergetzet ward. Gleich dazumahl kam
ein Reuter / und meldete an / wie es den ausgeschikten Schaaren ergangen währe /
dass sie unterschiedliche harte Scharmützel mit den verwägenen Juden gehalten /
und von den ihren XII eingebüsst / dagegen XL erschlagen / und LXXII gefangen /
dass ihrer nicht ein einziger währe entrunnen / worüber Herkules sich herzlich
erfreuete /und Gottes augenscheinlichen Schutz spürete / dann menschlicher weise
zu urteilen / währe es unmöglich gewesen / dass er ihnen lebendig hätte entkommen
können / da er recht unter sie gefallen währe. Der Statalter liess die
Gefangenen alle wohl verwahren /dass sie auff Herkules wieder erlangete Gesundheit
verurteilet würden / weil er / sie härtiglich zu straffen / entschlossen wahr.
    Alexander und Jungfer Brela verrichteten auffs steissigste / was ihnen von
Herkules befehlen wahr; dañ so bald sie zu Korint anlangeten / gingen sie nach
Markus Wohnung / und überlieferten ihm ein Schreiben von Herkules / worinnen er
kürzlich meldete /wohin seine Reise ginge / und was in dem Eylande Kreta sich
zugetragen hätte. Fr. Euphrosyne machte mit Brelen gute Kundschaft taht ihnen
etliche Tage sehr gütlich / und gab ihr ein Schreiben mit nach Padua an Fr.
Agaten; so schrieb Markus an Fr. Sophien / was massen sein Gn. Herr Ladisla
nebest Fabius und Leches ihre Fahrt nach Zypern gewendet /von dar ab nach Syrien
zuschiffen. So bald Alexander in dem nähesten Hafen hinter Padua ankam / liess er
seine Sachen auff Wagen laden / und reisete zu Lande nach der Stad zu / da er
seine Liebste mit bei sich habenden Gütern in eine Herberge einkehren liess / er
aber gleich nach Herr Fabius Hoff ritte / und sich angab / es hätte bei dem
Herrn Statalter ein fremder Ritter / so über Meer kähme / einen Gruss und
Werbung abzulegen. Nun wahr es gleich der andere Tag nach dem Kampfe / welchen
Klodius mit dem boshaften Volumnius gehalten / und heut eine grosse Gästerei
angestellet hatte / auf welche alle vornehmste Rahtsherren und Kriegsbeamten
samt ihren Frauen und Töchtern eingeladen wahren. Herr Fabius lies den Fremden
zu sich auff den grossen Saal fodern / da die Gesellschaft bei einander wahr /
welcher im hineintrete alle anwesende höflich grüssete / und einen Diener baht /
ihm den Herrn Statalter zu zeigen / der ihm schon entgegen trat / und nach
freundlicher empfahung fragete / ob er in geheim mit ihm zu reden hätte / wollten
sie in ein sonderliches Gemach Abtrit nehmen. Er aber antwortete / es währe eben
so heimlich nicht / sondern hätte zuvor einen Gruss an den Herrn Statalter und
dessen Gemahl / wie auch Fr. Tochter und andere Fräulein abzulegen / denen allen
samt und sonders sein gnädigster Fürst Herr Herkules seine willigste Dienste und
alles gutes anmelden liesse. Fr. Sophia kunte auff gehörte Meldung dieses lieben
Nahmen nicht länger ruhen / stund auff und sagte zu Alexander: Mein Herr / wie
gehets dann doch diesem teuren Fürsten / uñ wo habt ihr ihn zu lezt gesproche?
Gn. Frau / antwortete er / es geht seiner Durchl. meines wissens noch sehr wohl
/ und bin in dem Eylande Zypern von ihm geschieden / gleich da er nach Syrien zu
schiffen willens wahr. Wie sagte sie / hat er dann nicht geschrieben? Ja Gn.
Frau / sagte er / hie habe ich Schreiben an meinen Gn. Herrn den Statalter /
wie auch eines an ihre Gn. abzugeben. Herr Fabius bedankete sich des
überbrachten angenehmen Grusses / brach den Brieff / und lase unter andern / was
wegen Alexanders drinnen entalten wahr / sagte hernach zu ihm: Mein Freund /
ihr seid mir wilkommen wegen des treflichen und lieben Fürsten / der euch
abgefertiget hat / deswegen setzet euch in unser Gesellschaft nider; was
euretwegen gesucht wird / will ich euch / und noch viel einmehres mit einem Worte
alles versprechen / wie ihrs wünschen und begehren möget. Alexander bedankete
sich untertähnig / und erboht sich zu allen möglichen Diensten. Unterdessen
besah Fr. Sophia ihres Brieffes Auffschrift / also lautend: Denen
Durchleuchtigen Hochgebohrnen Frauen und Fräulein / Fr. Sophien und Frl.
Sibyllen / meinen Hochwerten Frau und Fräulein Schwestern. Sie steckete ihn
darauff in ihren Busem / und rieff das Fräulein zu ihr / sprechend:
Herzgeliebtes Schwesterchen / komt und helfft mir ein Schreiben lesen / welches
an euch zugleich mit hält. Das fromme Fräulein erröhtete anfangs davor / und
antwortete: O nein geliebte Fr. Schwester / ich habe euch einmal einen Brieff
helffen lesen / ihr verleitet mich nicht so leicht wieder. So unwirdiget ihr
Herr Herkules Schreiben anzusehen / sagte Fr. Sophia? Dass sei ferne von mir /
antwortete sie / wann ich nur versichert bin / das es von so redlicher frommer
Hand herkomt; gingen miteinander in ein Nebengemach / und lasen nach erbrechung
folgenden Inhalt:
    Durchleuchtigste Frau und Fräulein Schwestere / in ehren herzgeliebete
Freundinnen; das hohe Mitleiden /welches sie letztmahls meiner Anwesenheit über
den traurigen Verlust meiner auch hochwerten Fräulein Schwester / Frl. Valisken
/ durch Ohmacht und Klage mir zuerkennen gegeben / hält mir täg- und stündlich
meine Undankbarkeit vor / dass ohn einzig genommenen Abscheid Ihre Liebden ich
verlassen / und den Weg zur Rettung (wie ich hoffe) der geraubeten fortgesetzet
habe; weil aber die äusserste Noht und Gefahr / welche der Höfligkeit Satzungen
zu überschreiten oft gezwungen wird / mich meiner Schuldigkeit entrissen / und
nach dem Meer hingeführet haben / hoffe ich gänzlich / es werden Eure Liebden
mir diesen Fehler biss dahin schenken / dass ich durch meines GOttes Leitung mich
wieder einstellen /und umb Verzeihung gebührlich anhalten werde / da meiner Frl.
Schwester Frl. Valisken Vorbitte ich mich kühnlich gebrauchen werde / welche dañ
/ vermöge unser Vertrauligkeit / mir solche nicht abschlagen wird /erwarte nur
mit höchstem Verlangen / was dieselbe wird wirken können. Inzwischen befehle ich
alle meine Freunde und Freundinnen dem Schuz des Allmächtigen wahren Gottes /
mit Bitte / meine hochgeliebete Fr. Mutter /die Fr. Statalterin / wie auch Fr.
Ursulen / Frl. Helenen /und Jungfer Libussen herz- und dienstlich zugrüssen /und
verbleibe Zeit meines Lebens meiner Fr. und Frl. Schwester dienstschuldiger
Knecht Herkules.
    Ich rechne mirs vor eine grosse Ehre / sagte das Fräulein nach verlesung /
dass der trefliche Held diesen Brieff an mich zugleich hat richten wollen / und
bitte sehr / ein solches ingeheim zuhalten / damit nicht Frl. Helena daher neue
Ursach bekomme / ihren ganz närrischen Eifer wieder auffzublasen / dessen ich
doch an meiner Seiten von Herzen lache / wünsche nur von ganzer Seele / dass er
sein ihm ohn zweifel schon verlobetes Fräulein ehist gesund und ihrer Ehren
unverlezt antreffen / und zu uns herüber bringen möge / biss dahin ich nicht
willens bin von hinnen zuscheiden / damit in dero Kundschaft durch euren
Vorschub ich angenomen werde. Sie antwortete: Ich werde auch mit meinem Willen
euch nicht von mir lassen / darumb gedenket ja auff kein wegzihen; was ich aber
wegen Herrn Herkules seiner Liebe zu diesem Königl. Fräulein urteilen soll / weiss
ich durchaus nicht; zwar allem Ansehen nach kann es nicht wohl anders sein / wann
ich seine Ohmacht und geführete Klagen / ja wann ich seine schleunige Nachfolge
betrachte. Hingegen versichert mich mein Ladisla / dass ihm von nichts bewust sei
/ ja er hält es vor unglåublich / weil sie in so langer Zeit einander weder
gesehen / noch durch Schreiben gegrüsset haben. Aber saget mir mein
Schwesterchen / welcher Meinung doch gebet ihr Beifal? Beifal? sagte das
Fråulein; lieber leset nur sein Schreiben mit etwas Nachdenken /und betrachtet
zugleich mit seine schon angeführete Ohmacht uñ Klage / alsdañ werdet ihr durch
eures Gemahls Einwürffe euch wenig irren lassen; dann kunten sie ihre Liebe
nicht ja so heimlich halten vor ihm / als euer Bruder und sein Ursulchen vor
euch? oder werden sie ihre vertrauete Schreiben in dieser Heimligkeit
geschrieben / eurem Gemahl erst zulesen eingeschikt habe? Was hätten sie aber
vor Ursach gehabt / ihre Liebe vor meinem Ladisla zuverbergen /antwortete Fr.
Sophia / als welcher nichts tadeln kann was seinem Herkules gefält? Tausenderlei
Ursachen /sagte sie / haben sich finden können; und warumb hat euer Bruder seine
Liebe vor euch so verborgen gehalte / welcher eben wohl eurer guten Einwilligung
versichert gnug wahr? Es hat mit der Liebe nicht eine solche beschaffenheit /
als mit andern Sachen; alles offenbahret man guten vertraueten Freunden / Glük
und Unglück / Freude und Leid; aber die Liebe / so lange sie wünschet heimlich zu
sein / will sie auch von dem besten Freunde nicht erkennet sein. Ich will euch
dieses lassen gehen / sagte Fr. Sophia / aber ich sehe nicht / warumb ich aus
seiner Ohmacht und Klage seine Liebe schliessen solle. O so einfältig / Fr.
Schwester / seid ihr nicht / antwortete das Fräulein /dass ihr solches nicht vor
ein unfehlbares Zeichen seiner Liebe schätzen soltet. Da recht mein
Schwesterchen / da recht / sagte Fr. Sophia / diese Bekäntnis habe ich schon
lange gesuchet / und sie doch nicht heraus locken können; dann mus ich aus
seiner Ohmacht ein solches schliessen / was versichert mich dann eure Ohmacht /
die nicht umb ein Haar geringer / als die seine wahr; kann demnach nicht fehlen /
ihr müsst ihn lieben / ja ihr müsst ihn inbrünstig lieben. Dieser Bosheit
hätte ich mich zu euch nicht versehen / antwortete das Fråulein; dann gesezt /
dass ich ihn Herz- und Schwesterlich liebe / wer hat mich dann mehr als eben ihr
darzu angereitzet? Ja wie habe inbetrachtung seiner hohen Woltahten ich anders
gekont oder gesolt? Wollet ihrs aber auff eine andere Liebe aussdeuten / solches
gestehe ich euch durchaus nicht /nachdem ich mein Herz davon gnug entfreiet
weiss; es währe dann dass eure Ohmacht ein gleichmässiges Zeugen sollte / welches
ich nicht eines gedenken darf. Wir werden uns aber wieder nach unser
Gesellschaft machen / damit andere nicht eben in diesen euren nichtigen Argwohn
gestürzet werden. Fr Sophia umbfing und küssete sie aus wahrer Liebe /
sprechend: O mein Schwesterchen / die Götter sind meine Zeugen /dass ich euch
eben so viel gutes als mir selbst gönne /habe auch mehr Gedanken auff euer
beider Heirat gewendet / als kein ander; sollte es aber der Himmel nicht
versehen haben / muss ich mich gedulden / und inzwischen auff ein anders bedacht
sein; fassete sie hiemit bei der Hand / und führete sie mit sich nach dem Saal /
da sich gleich ein Diener bei Jungfer Libussen anmeldete / es währe ein bekanter
Freund in seines Herrn Wirtshaus eingekehret / welcher etwas übel auff / und
daher båhte / die Jungfer möchte ihn zubesuchen unbeschweret sein. Sie gedachte
alsbald /ihre Königin würde von Prag einen abgeschicket haben / umb
nachzuforschen / was Zeitung von dem verlohrnen Fräulein einkommen währe /
deswegen machte sie sich stehendes Fusses dahin / traff aber über alles
Vermuhten daselbst ihre geliebte Wase und Schwester Jungfer Brelen an / dessen
sie bei nahe vor freuden in Ohmacht gesunken währe / umbfing sie gar freundlich
und sagte: O herzliebste Schwester / wo ist unser gnådigstes Fräulein? In guter
Gesundheit / wie ich hoffe / antwortete sie / aber weit von hinnen / und annoch
unter der Räuber Gewalt / ich aber / wie ihr sehet / der Gefahr so weit
entrunnen. Wie? sagte Libussa / habt ihr dann das Fräulein in der Gefahr
verlassen / und von ihr hinweg zihen können? Ich habe wohl gemust / sagte Brela /
weil sie michs geheissen; erzählete ihr darauff kürzlich / was Gestalt sie auff
der Fräulein Begehren sich mit dem Griechische Ritter / welcher von Herrn
Herkules das Schreiben gebracht / ehelich hätte versprechen / und sich auff die
Reise machen müssen / damit sie ihrem Bruder / oder Oheim / oder beiden
hinterbringen möchte wohin sie geführet würde; und zweiffele nicht / sagte sie /
die Götter werden das allerliebste Fräulen retten / und sie uns wieder sehen
lassen. Machten sich also nach des Statalters Hof / da die Abendmahlzeit anging
/ und da sie in den Saal traten / nam jederman wunder / wer die fremde schöne
Jungfer währe / biss Libussa das anwesende Frauenzimmer also anredete: Gnädige
Frauen und Fräulein / ich bitte demühtig umverzeihung dass ohn gebehtene Urlaub
ich diese fremde Jungfer / meine geliebte Wase mit mir herein führe /nach dem
ich schon weiss / sie nicht gar unangenehm sein werde / in betrachtung dass von
meiner gnädigsten Fräulein / Frl. Valisken sie hieher geschikt ist /uns ihret
wegen Zeitung zu bringen. O so seid uns sehr wilkommen / sagte Fr. Sophia / und
mus der heutige wohl ein glücklicher Tag sein / an welchem wir von zween so lieben
Freunden auf einmal Zeitung bekommen. Brela bedankete sich gar tugendhaft /
mit angehengter Bitte / ihrer unhöfligkeit zu verzeihen /dass sie diese
hochansehnliche Gesellschaft durch ihre zukunft verunruhete. Fr. Sophia meldete
/ dass dieser entschuldigung es nicht bedurffte / und fragete alsbald / an was
Ort und Enden das Königliche Fråulein sich auffhielte / und was vor
Beschaffenheit es umb sie hätte. Brela trug vor / sie håtte an den Herrn
Statalter und dessen Gemahl / wie auch an ihre gnådigste Königin Fr. Sophien /
von ihrem gnådigste Fråulein /Frl. Valisken / wie auch von dem Durchl. Fürsten
und Herrn / Herrn Herkules einen dienstfreundlichen Gruss abzulegen. So merke ich
wohl / sagte Fr. Sophia / nach freundlicher Danksagung / die Jungfer werde mit
dem fremden Griechischen Ritter ankommen sein; welches sie bejahete / und
alsbald / weil die Speisen schon auffgesezt wahren / an den Tisch genöhtiget
ward / da sie wider ihren Willen zwischen Fr. Sophien und Frl. Sybillen die
Stelle nehmen musste / und nach gehaltener Mahlzeit den ganze Verlauf wegen der
entführeten Fräulein zuerzählen gebehten ward / welches sie willig leistete /
und endlich hinzu taht / was massen /umb Ihrer Gn. Fräulein Rettung zubefodern /
sie mit gegenwärtigem Griechischen Aedelman sich zu Tyrus ehelich versprochen /
da er zuvor äidlich angelobet /sie unberühret nach Padua zubringen. Nun dann
/sagte Fr. Sophia / weil euer Liebster durch Geleitung der Götter solches / wie
ich merke / ehrlich gehalten /werdet ihr euch fortin nicht wegern / das
Beilager ehist vor sich gehen zulassen / da dann ich / neben Jungfer Libussen /
wo es euch also gefallen kann / eure näheste Freundin sein / und die Mutterstelle
bekleiden will; bestimmete darauff den vierzehnden Tag nach diesem / unter
welcher Zeit alles gegen die Hochzeit zubereitet ward. Brela überlieferte
gleichwol auch noch desselben Abends Markus und Euphrosynen Schreiben an
gehörigen Ort / aus welchen die Gesellschaft auff ein neues erfreuet ward / da
sie vernahmen / was gestalt Herr Ladisla nebest H. Fabius und Leches mit gutem
Winde von Korint ab nach Zypern gesegelt / von dannen sie willens währen nach
Seleuzia in Syrien zufahren / umb des nähesten nach Parte zureisen / weil sie
nicht zweifelten / Fürst Herkules /nebest dem geraubeten Königl. Fräulein
daselbst anzutreffen. Fr. Sophia und die andern anwesenden wünscheten ihnen alle
Glükseligkeit nach / und dass sie nach wolverrichtetem Vorhaben frisch und gesund
wieder zu Hause angelangen möchten. Nun hielt Ladisla mit den seinen eben den
Lauff / welchen er ihm zu Korint vorgenommen / kam auch in Zypern glücklich an /
woselbst er je zween und zween umher schickete / ob sie etwas von einem Ritter /
nahmens Herkules oder Valikules ausspüren könten / fand sich aber niemand / der
ichtwas von ihm zusagen wusste / daher Ladisla zu Fabius sagte: Ich wusste vorhin
wohl / dass der Brief an Markus von einem andern Orte herkommen würde / als die
Unterschrifft meldete / ist demnach mein Raht / wir wende uns gleich hin nach
der Parter Landschaft zu / und nehmen etwa Dienste bei König Artabanus / da
wir meiner Frl. Schwester und Herkules Zustand am besten erfahren werde; wann er
dann unsere Gegenwart vernehmen wird /wird er sich weiters nit mehr vor uns
verbergen. Fabius liess ihm solches wolgefallen / und machten sie die Ordnung /
wie sie es hernähst halten wollten / da sie vor rahtsam funden / ihre Gelder an
einen gewissen Ort in Syrien niderzulegen / auch ihr Schiff alsbald nach Padua
wieder hin zusenden / weil unterschiedliche Schiffe verhanden wahren / welche
nach Syrien lauffen wurden / erwåhlete aus ihren Schiff Soldaten drei Diener /
welche vor dem schon Harnisch geführet hatten / die übrigen schicketen sie nach
Haus / doch dass sie erst zu Korint anfahren / und Markus ihr Schreiben
uberbringen sollten. Also setzeten sie sich auff ein Schiff / und segelten nach
Seleuzia / erlitten zimlichen Sturm / und erhielt sie Gott sonderlich /dass sie
nicht an einer Klippen mit sampt dem Schiffe zuscheitern gingen / erreichten
endlich einen Hafen drei Meilen von der Stad / luden ihre Barschaften auff
Wagen / und reiseten nach der Stad zu / woselbst sie etliche Tage stille lagen /
ihre Barschaften meistenteils bei der Stad Obrigkeit gegen einen gegebenen
Schein nidersetzeten / und einen Dolmetscher /Nahmens Mardus / in Bestallung
nahmen / dem sie monatlich 100 Kronen versprachen / dagegen er sie täglich
etliche Stunden in den vornehmsten Morgenländischen Sprachen unterweisen sollte.
Zu Padua kam die bestimmte Zeit zu Alexanders und Brelen Beilager heran / wornach
den Bråutigam überaus heftig verlangete / und fast die ganze Zeit über / sehr
traurig und schwermühtig wahr / dessen er selbst keine Ursach wusste. Der
Statalter hatte ihm des folgenden Tages nach seiner Ankunft einen Gewals Brief
an die Obrigkeit der Stad Aten mitgeteilet / und darinnen bezeuget / dass / weil
er dem Römischen Reiche gute Dienste getahn / und umb Vergebung seiner verübten
Gewalttähtigkeit / wozu er fast genöhtiget worden /untertähnigst angehalten /
währe ihm nicht allein solche Gnade widerfahren / sondern er über das in
Römische Kriegsbestallung angenommen / daher man ihm /mit seinen Gütern nach
Willen zuschalten / frei und ungehindert gönnen sollte. Alexander schickete
dieses alsbald fort / und schrieb dabei an seine Verwanten /dass er ihnen seine
bewäg- und unbewägliche Güter gegen Erlegung zwo Tonnen Schatzes (da sie den
vierden Teil mehr wert wahren) abtreten wollte / und sollten sie solche Gelder
inwendig XIV Tage nach Empfahung dieses / nach Korint an den daselbst wohnende
Römischen Herrn Markus / übermachen /welcher sie deswegen gebührlich
quitschreiben würde / welches auch unverzöglich geschahe. Nun hatte Klodius mit
belieben des Statalters ihm des dritten Tages nach seiner Ankunft die
Hauptmanschaft über ein Fähnlein Knechte der Besatzung verlihen / welchem Amte
er mit sonderlichem Lobe vorstund / dass Klodius willens wahr / ihm die Ober
Wachtmeisterschaft dazu zugeben. Etliche Unterbefehlichshabere verdross es sehr
/ dass dieser fremder (und wie sie schon munkelten / gewesener See Räuber) ihnen
vorgezogen wahr / henketen einen verwägenen Hauptman / nahmens Florian (sonst
der Meiländer genant / weil er von dannen bürtig wahr) an sich / dem sie
fälschlich vorbrachten / der Grieche hätte ihn bei dem Oberhäuptman angetragen /
als versähe er seine Wachten nit gebührlich / gönnete auch seinen Knechten /
allerhand Plackerei auff den Dörffern zutreiben /und den armen Leuten / was sie
auff die Wochenmarkte zuverkauffen bråchten / gewaltsam abzunehmen. Worüber
dieser über Alexandern dermassen ergrimmete / dass er sich verfluchte / ihn / so
bald er ihn anträffe / niderzustossen / laurete ihm auch des Tages vor der
angesetzeten Hochzeit fleissig nach / da er die Wache in den Aussenwerke
zuversehen hatte / woselbst er sich an ihn machte / und mit gresslichem Angesicht
fragete / wovor dieselben zuhalten währen /welche ihre redliche Spiessgesellen
fälschlich belögen / und hiedurch eine sonderliche Gewogenheit bei der Obrigkeit
suchten. Alexander sah / dass er nicht viel gutes im Sinne hatte / achtete es
doch nicht gross / und gab ihm zur Antwort / aus was Ursachen er ihm eine so
nachdenkliche weit aussehende Frage / und zwar ausser der Kriegs-Beampten
Versamblung vortrüge; er währe zwar nicht schuldig / ihm darauff zuantworten /
jedoch / an den Tag zulegen / wie wenig er sich vor seinem schnarchen fürchtete
/ und dass er solcher Bosheit vor sein Häupt unschuldig währe / hielte er
dergleichen falsche Angeber vor liderliche ehrlose Buben / aber auch dieselben
vor solche / die ihn dessen etwa gedächten zu zeihen. So bistu doch ein solcher
/ sagte der Meiländer / und zückete alsbald seine Hellebarte. Dieser wahr damit
auch fertig / und rief die anwesende zu Zeugen / dass er eine Nohtwehr zutuhn /
gezwungen würde / widersetzte sich auch dergestalt / dass jener ihm nicht allein
nichts anhaben kunte / sondern ihm im Gefechte die Stange in der Mitte abbrach.
Alexander ward hiedurch sein Meister / wollte ihn aber nicht beschädigen /
sondern sagte zu ihm: Sihe da du mörderischer Anspränger /hätte ich nicht rechts
genug / dich gar nider zu stossen / wann ich mein selbst nicht schonete? Jener
trat zurück / entblössete das Schwert / uñ gab zur Antwort: Bistu kein Verrähter
/ wovor ich dich halte / so komm her mit gleichem Gewehr / sonst wird man dich
vor einen Mörder darzu schelten. Mein guter Kerl / sagte dieser / ich bliebe
gleiche redlich / wann ich dir gleich mit diesem Gewehr den Lohn deines falschen
Lügenmauls erteilete / aber dass ich dir auch vor dissmahl noch ein genügen tuhe /
will ich dir mein Schwert bieten. Weil sie nun beide überaus gute Fechter wahren
/gab es einen sehr ernstlichen Kampff zwischen ihnen /da sie im ersten Gange
einer dem andern nichts abgewinnen / noch einige Wunde beibringen kunten; Im
andern Satze bekam der Meiländer einen Stoss durch den linken Arm / und Alexander
einen Hieb in das rechte Ober Bein / worauff sie durch etliche anwesende
Unterbefehlichshaber von ander geschieden wurden / mit Bezeugung / sie hätten
beiderseits ihren Ehren ein genügen getahn / und sich als tapfere Rittersleute
erzeiget / daher sie sich mit einander vergleichen / und die Zwietracht beilege
möchten. Alexander wahr hierzu nicht ungeneigt / dafern der andere seine falsche
Bezichtigung widerruffen würde; welcher aber von keinem andern Vertrage hören
wollte / als welcher vermittelst des Schwerts geschähe / dass also Alexander den
dritten Gang mit ihm antrat / in welchem sie nicht allein sich heftig
abmatteten / sondern auch beiderseits unterschiedliche / wiewol untödliche
Wunden empfingen / biss endlich der Meiländer sich bloss gab / dass ihm Alexander
die Gurgel halb abschnitte / jener aber zugleich von sich stiess / uñ ihm das
Herz im Leibe traf / dass er alsbald niderfiel / und seinen Geist auffgab / da
seine lezten Worte wahren: O mein Brelichen ich sterbe. Der Meiländer fiel zwar
auch zur Erden / und gurgelte das Blut häuffig aus dem Halse / als hätte mans
abgezapffet / trieb aber bei einer halben Stunde unsäglichen Jammer / biss er
endlich in seinem eigenen Blute erstickete. Klodius kam gleich darzu gegangen /
sah Alexandern mit dem Tode ringen / und liess ihn auffheben / aber die Seele
fuhr gleich dahin. Er forschete fleissig nach der Ursach ihrer Feindschaft /
und mit was Worten sie an einander gerahten währen / da des Meiländers
Leibdiener zu ihm sagete: Herr Ober Häuptman / dieses Elende ist von etlichen
Lügenmäulern zugerichtet /und lasset diesen Unter Häuptman (den er mit Fingern
zeigete) nur scharf fragen / dann soll die Warheit bald an Tages Liecht kommen;
erzählete auch / was vor Verleumdungen dieser und andere mehr / seinem Hauptman
vorgebracht hätten. Welches Klodius also beantwortete: Ich kann bei meinen
ritterlichen Ehren Zeugnis geben / dz solches nicht allein von Alexandern
niemahls geschehen / sondern er vielmehr den Meiländer wegen fleissiger
Auffsicht gerühmet hat; aber du leichtfertiger Verleumder solt mir zur gnüge
davor büssen / dass du durch dein Lügenmaul mich zweier tapfferer Hauptleute /
und eine ädle Jungfer ihres lieben Bråutigams beraubet hast. Dieser wollte
anfangs sich aufs leugnen begeben / und als er sah /dass etliche anwesende
Kriegsknechte ihn überzeugeten / ersah er seine Gelegenheit / wagete einen
Sprung / und entran glücklich aus der Schantze / und ob ihm gleich etliche
nachgeschikt wurden / ihn zufahen / wahr er doch so gerader Füsse / dass er ihnen
allen entkam / hätte auch sonder Zweifel sein Leben gerettet / wann nicht eine
Schaar Reuter aus Padua ihm begegnet währen / welche ihn kenneten / und leicht
muhtmasseten / er würde wegen ubeltat davon gestrichen sein / nahmen ihn
deswegen gefangen /und führeten ihn mit sich zurück / da er dem Ober Hauptman
eingeliefert ward / welcher ihm mit der Folter dråuete / worauff er alle
Mitschuldigen bekennete / und dass es aus Hass und Neid geschehen währe / weil man
ihnen diesen fremden vorgezogen hätte. Die Schuldigen wurden alle nach der
Hauptwache geführet / und sagte Klodius: O der elenden Hochzeit /da man die
Braut mit Trauerkleidern behänget / und den Bråutigam in einen Todten-Sarg legen
muss! Er liess aber Alexanders Leichnam auff langen Spiessen zur Stad hinein
tragen / uñ seine Helle Barte und blutiges Schwert neben ihn her / da er in eine
ansehnliche Herberge nidergesetzet / der Meiländer aber / andern zum Abscheuh
biss gegen Abend an den Galgen gehenket / und nachgehends von dem Steckenknecht
in die Erde verscharret ward. Er aber ging nach des Statalters Hof / und wahr
wegen des Unfals sehr betrübet. Frl. Sibylla begegnete ihm im innnersten Platze
/und bald nach ihr Fr. Sophia / welche ihn frageten /was er so traurig und
schwermühtig währe / ob er nicht gedächte / dass er morgen des Bräutigams
nähester Beistand sein sollte. Ach sagte er / eben darumb bin ich von Herzen
betrübt / dass die morgende Hochzeit uns durch einen klåglichen fall in ein
grosses Herzleid verkehret ist; Erzählete darauff kürzlich /was sich zugetragen
hatte; dessen sie sehr leidig wurden / und alsbald Libussen besuchten / ihr
solches anzudeuten; welche hiedurch überaus erfreuet ward /und sich doch nichts
merken liess / sondern sich neben ihnen traurig stellete / und nicht minder als
sie / das Unglück beklagete / ging auch auff ihre Bitte hin zu ihrer Wasen / es
auffs bescheidenste anzubringen /damit sie sich nicht zu hoch entsetzete /
welche sie auff ihrem Gemache in zimlicher Verwirrung alleine fand / und zu ihr
sagete: Herzgeliebete Schwester /wie seid ihr so voller Gedanken? Leget ihr etwa
bei euch über / was vor Kleidung und Schmuk ihr morgen gebrauchen wollet? Ich
komme aber anjetzo zu euch /solche erfreuliche Zeitung anzumelden / wie ihr sie
wünsche möchtet. Ach herzliebe Schwester / antwortete sie / sonderliches Glüks
bin ich mir nicht vermuhten / aber was ist es / dz mich so hoch erfreuen soll? Es
sind gleich diese Stunde / sagte sie / etliche Gesanten von Prage ankommen /
nehmlich Herr Stanisla und Herr Struniko eure Anverwanten / nebest dem alten
Wenzesla / welcher mir in stiller geheim ihre Gegenwart anmelde lassen; sehet /
die werden auff morgenden Ehrentag euch ansehnlichen Beistand leisten können. Ja
es ist etwz / antwortete sie / wañ ein betrübtes Herz dadurch könnte erfreuet
werden / wiewol es dannoch einen Trost bringt. Warumb sollte euch ihre
Anwesenheit nicht erfreuen? sagte Libussa /bin ich doch über die masse froh /
dass ich sie sprechen soll; aber ich habe sie euch noch nicht alle genennet / mein
lieber Vetter Neda / euer gewesener Schatz / ist mit in ihrer Gesellschaft.
Hierüber entsetzete sich nun Brela / dass ihr die Sprache und das Gesichte
verging; schlug die Hände zusammen / wrang sie / dass ihr die Finger schmerzeten
/ und setzete sich nider auff die Erde / endlich fing sie mit einem Geheule an:
O ihr Götter / wie straffet ihr mich so redlich wegen meines Verbrechens! O
vollendet nur das wohl angefangene Werk / und lasset mich / auff was weise es
euch gefållet / diese Nacht meine ehr- und äidvergessene Seele ausblasen / damit
ich diesen Menschen nimmermehr sehen / noch durch morgende Hochheit gar zu sehr
betrüben möge. Ich erkenne und bekenne / O ihr Götter / dass ich mich an euch und
ihm härtiglich versundiget habe / dass ich diese Heirat eingewilliget / und
nicht lieber bei meinem Gn. Fråulein blieben bin; Ich hätte eurer Macht und Güte
trauen / und mein getahnes Gelübde besser beobachten sollen / und dass ihr ja so
leicht mich bei Ehr und Leben / als das Fräulein / hättet erhalten können. Aber
O ihr redlicher Neda / mit was Augen werde ich euch / ja mit was Augen werdet
ihr mich ansehen /nachdem ich gestehen muss / dass ohn alle Bedingung ich euch
meine Tråue versprochen / und sie nun so schändlich und leichtfertig gebrochen
habe? O meine Herzen Schwester / was soll ich machen / was soll ich beginnen?
Freilich habt ihr nicht zum besten gehandelt / sagte Libussa / dass ihr eure
einmal gegebene Tråue der gestalt gebrochen / und einen andern an seine statt
angenommen habt / ja eine Räuber / einen Räuber unser Fråulein; weiss auch nicht
/ ob es in Rechten könne zugelassen oder entschuldiget werden; Und ob ihr gleich
unser Gn. Fråulein Befehl / und eure augenscheinliche Noht vorschützet / sage
ich doch / ihr hättet das åusserste müssen abwarten / uñ dem Fråulein vorhalten
/ dass wie ihr nur ein Herz /einen Leib / eine Seele habet / also köntet ihr ein
einziges nicht zween Herren verkäuffen oder verschenken. Doch will ich das
geschehene so genaue auff die Gold Schale nicht legen; aber bedenket / bitte ich
/wie euer morgendes Hochzeit Fest ablauffen werde; Ihr kennet euren Neda / wollte
sagen / euren gewesenen Neda / nunmehr aber euren verlassenen / wo nicht
verstossenen Neda sehr wohl / was aufrichtige und inbrünstige Liebe er zu euch
getragen; wie oft er sich verfluchet / er wollte sich nicht scheuhen / mit
zehnen den Streit auffzunehmen / die ihm diesen seine teuren Schatz (so nante er
euch) abwendig zumachen / sich dürfften gelüsten lassen. Solte er nun wohl
erdulden können / dass in seiner Anwesenheit ihr einem andern vertrauet würdet /
da er von euch schon Ringe und ändere Sachen auff bestetigte wolbedachte Ehe
empfangen hat? Ich fürchte sehr / er werde Alexandern das Braut-Bette dergestalt
klopffen / dass er ohn Lebens Verlust nicht davon kommen wird / welches ich ihm
nicht verdenken kann / ob er gleich ein wildfremder währe / und mir mit keinem
Blutstropffen zugehörete. Ursachen hat er übrig gnug; Er will euch aus Räubers
Hand erlösen / der euer nicht werd ist; Er will den Schatz wieder erstreiten /
der niemand als allein ihm zustehet. Sehet / wer will ihm solches wehren? Brela
fiel vor Angst nider auff die Erde / gehuhb sich als eine Verzweifelte / und
sagte: O meine herzallerliebste Schwester / ich bitte euch von Grund meiner
Seelen / helffet mir dieser Pein ab / dann ich kann und will nicht länger leben;
öffnete hiemit ihren Busem / und fuhr also fort: Sehet / da ligen meine Messer;
traget ihr nun einiges Mitleiden mit mir / so stosset mir deren eines in mein
ungeträues Herz / dañ ich erkenne / den Tod wohl verschuldet zu haben / und ist
mir unmöglich / des redlichen Neda Angesicht zuerdulden /nachdem ich so
meinäidig an ihm worden bin. Hiemit sties sie eine starke Ohmacht an / dass ihr
alle Sinne entgingen. Nachdem aber Libussa sie wiederum erquicket hatte / sagte
sie zu ihr: Herzliebe Schwester /warumb lasset ihr diese todes Gedanken in eurem
Herzen auffsteigen / ehe es auff der äussersten Spitze stehet? fasset ein Herz /
und lasset uns auff Mittel und Wege bedacht sein / ob wir diese verworrene Sache
durch der gütigen Götter Hülffe und unsere Vernunft noch also loswirken möchten
/ dass beides euch und dem geträuen Liebhaber Neda ein Genügen geschen könnte. Ach
nein ach nein! sagte Brela / dass sind vergebliche Anschläge; dann Alexander
låsset mich nun und nimmermehr fahre; so möchte Neda vielleicht demselben / als
dem Räuber seiner gewesenen Braut zusetzen / aber was wird er meiner als einer
Träulosen achten? Ich wolts ihm selber nicht rahten. Ich sage euch / fasset
einen Muht / antwortete sie / ich bin gnugsam / aller dieser Schwürigkeit
abzuhelffen / wie unmöglich es euch gleich vorkomt; aber ihr müsst mir zuvor
den Grund eurer Seele öffnen / und auff etliche Fragen richtigen Bescheid geben;
deswegen saget mir / wann euch Zeitung kähme / Alexander währe ohngefehr
erstochen / und Neda hätte aus Ungeduld seiner gegen euch tragenden Liebe sich
selbst entleibet / welches würde euch aufs härteste kränken. Ach meine Freundin
/ antwortete sie / was kann man durch Frage und Antwort gross aussrichten? würde
jener erstochen / so müste mans schätzen als einen wolverdienten Lohn seines
ehmahl geführten Lebens; aber meint  ihr / dass ich eine Stunde meine Seele in
mir leiden würde / wann ich hören sollte / dass der auffrichtige Liebhaber Neda
die seine umb meint  willen aussgeblasen hätte? Darauff ging eine starke
Trähnenbach aus ihren Augen hervor / und baht durch alle Götter / ihr in dieser
verzweiffelten Sache / guten Raht / wo einiger übrig währe / mit zuteilen. Ihr
Verbrechen währe ihr herzlich leid / und dass sie mit einem andern sich
verkoppelt hätte. Diese Busse ist schon ein guter Anfang / eure Sache auff
bessern Fuss zusetzen / aber sie wils noch nicht aussmachen / sagte Libussa /
sondern wann ich meine Kunstülffe hervor suchen soll / müsst ihr mir bei eurem
äide sagen / ob ihr willens seid / dem frommen Neda die geschehene Zusage zu
halten / da es in eurer Macht stehen / und Alexander nicht wiedersprechen wird;
dann sollten die Götter es fügen / dass Alexander nicht allein sich euer begäbe /
sondern noch wohl einen grossen Teil seiner Schätze euch zuwendete / und ihr
würdet / durch solchen Reichtuhm auffgeblasen / den guten Neda hernach verachten
und zurück setzen / währe meine angewante Mühe nicht allein umbsonst / sondern
dürffte dannenher noch viel ein grösser Unglück entstehen. Ja meine Schwester /
antwortete sie / währe mein Glük in dem Zustande / wie ihrs entwerffet / würde
das übrige eine unnütze Sorge sein / dann was könnte mir gewünschter sein / als
dass mir frei stünde / meinem Neda / ja ich sage noch diese Stunde / meinem Neda
das versprochene zu halten? weil ja einzig und allein in diesem Stük meines
zuschlagenen Gewissens Ruhe und Befriedigung bestehen würde. Darumb so tichtet
und wirket was ihr könnet und möget / dass Alexander sich meiner nur begebe / und
Neda meines Verbrechens wegen nicht auff mich zurne / mit seinem Reichtuhm mag
er zihen wohin es ihn gelüstet / ich begehre davon nicht einen Heller. Nicht
also meine Schwester / nicht also / sagte Libussa / sondern ihr sollet und
müsst aller seiner Schåtze einige und warhaftige Besitzerin sein und bleiben;
und höret weiter zu; ich spreche euch quit / frei und los von Alexander dem See
Råuber / und solches aus Krafft und Befehl aller Götter. Hiemit schwieg sie
stille / und lächelte ein wenig / dass Brela sie daher vor unwitzig schätzete /
und zu ihr sagete: Schwester / wie bezeiget ihr euch so selzam? haben euch die
Götter einigen Befehl erteilet? Ja ich meine Alexander werde sich daran gross
kehren. Er hat sich schon daran gekehret / antwortete sie / uñ sich dem Willen
der Götter unterworffen; fraget ihr aber wie? er hat vor einer Stunde mit dem
Meiländer welchen ihr kennet / einen blutigen Kampff gehalten / und sind beide
auff dem Platze Tod blieben /der eure / Gott Lob mit Ehren / und jener mit
Schande. Brela erzitterte hierüber / und sagete; ach was saget ihr mir /
geliebte Schwester? versichert euch auff mein äid / antwortete sie / dass sichs
anders nicht verhält / und also seid ihr / dem Himmel sei dank /dieses
Bräutigams los / den ich euch noch niemals gegönnet habe. Brela fing auffs neue
an ihre Trähnen zu vergiessen / und sagte; Nun kann ich wohl sagen / dass der gute
Alexander mich mit ungefälschter Liebe und Träue gemeinet hat / und sind die
Götter meine Zeugen / dass umb solcher herzlichen Zuneigung willen ich ihm
solchen Unfal nicht gönnen wollte / da von dem gezwungenem Bande ich auff andere
weise hätte können lossgemacht werden. Ich aber / sagte Libussa /will deswegen
wieder die Götter nicht murren / dann /die Warheit zusagen / hat michs nicht ein
geringes verdrossen / dass der Grieche / der gleichwol ein See-Räuber gewesen /
und an meiner Gn. Fräulein entführung grosse Schuld träget / dasselbe besitzen
sollte /was mein geliebter Vetter ihm vorhin mir grosser Mühe erworben hat; dañ
ich erinnere mich noch gar wohl / was er umb euret willen getahn und erlitten /
ehe er euch zur Gegenliebe bewägen kunte. Bedenket den gefährlichen Kampff /
welchen er mit den Nachtschergen hielt / da er euch in vermummeten Kleidern den
ansehnlichen Auffzug brachte; ja was hat er von seinen eigenen Leuten erdulden
und ausstehen müssen /die ihn mit aller Macht von euch abzutrennen / sich
bemüheten / und ihm Herr Vratislaen Tochter wegen ihres treflichen Brautschatzes
anschmieren wollten / da hingegen ihr euren Vormünderen / umb dass sie eure Güter
verschwendet / nicht sonderlich zu danken hattet; aber er liess euret wegen Vater
/ Mutter / Schwester und Anverwanten immerhin murren und machen /und schätzete
bloss eure Tugend höher als aller Welt Reichtuhm. Diese Tråue haben ihm die
Götter nicht töñen unbelohnet lassen / sondern ihn so hoch beseliget / dass er
seinen unrechtmässigen Mitbuhler auch nicht eins lebendig hat sehen sollen / dem
er ohndas würde den Hals gebrochen haben / da er ihm seine vertrauete mit willen
nicht hätte wollen folgen lassen. So betrachtet nun dieses / herzgeliebte
Schwester /und gedenket nicht / dass ich mehr meines Vettern als euer bestes
suche; ihr selber wisset / dass ich ungleich vertraulichere Freundschaft mit
euch / als mit ihm gepfloge habe / ungeachtet er mir eines Schrits näher verwand
ist / als ihr seid; Und werdet ihr nun eurem jeztgetahnem versprechen ehrlich
nachkommen / habt ihr an künftigem Glük nicht zu zweifeln. Brela gab ihr zur
Antwort: Es verhält sich alles wie ihr saget /und zweiffele nicht / die Götter
haben es also gefüget / deren Ordnung ich nicht brechen / noch ihre schickungen
hindern kann; es sei aber wie ihm wolle / wann ich bedenke / wie grosse Ehr und
Zucht mir Alexander auff dieser ganzen Reise erwiesen hat / kann ich anders nicht
/ als über seinen Fal von Herzen betrübet sein. Solches ist billich / sagte
Libussa / uñ im wiedrigen würdet ihr euch dem Laster der Undankbarkeit nicht
entbrechen können; aber doch zihet euch die Sache nicht zu sehr zu Herzen / und
gedenket / dass gleichwol die erste Liebe am festesten bindet. Versichert euch /
sagte Brela / was eurem Vetter Neda ich vor diesem versprochen habe / soll
fortin an meiner Seiten tråulich gehalten werden / nachdem ich wieder frei /
und nach der Götter schickung mein eigen bin; ich furchte aber sehr / er werde
sein Gemuht von mir gar abwenden / wañ er vernehmen soll / dass ich mich einem
andern verlobet; möchte ihm auch die Gedanken machen / als håtte Alexander an
mir weiteren Genies gehabt / als Jungfråuliche Keuscheit und Zucht leiden kann;
da er nun deswegen einigen Zweiffel in mich setzen sollte / würde ich mein Herz
so weit von ihm abkehren / als nahe ichs ihm vorhin zugewendet habe. Dieses
lasset mich machen / sagte Libussa / und bleibet inzwischen in eurer Leidklage;
dann dass Frauenzimmer wird schier da sein / euch zu trösten / da ihr jetzigem
Stande schon wissen werdet / euch gemäss zuhalten; ich gehe gleich hin nach den
Bömischen Gesanten / welche mich haben zu sich fodern lassen. Als sie den Abtrit
nam / kam alsbald das Frauenzimmer herzu / uñ funden Brelen mit Trähnen fast
genetzet / weil ihr dannoch der klägliche Fal zu Herzen ging / und sie zugleich
wegen Ritter Neda ankunft nicht wenig bestürzet wahr. Es sprach ihr aber das
Frauenzimmer / insonderheit Fr. Agata vielfältigen Trost ein / als welche ihren
und ihrer Wasen Unfal dermassen ausszustreichen wusste / dass diese endlich gestund
/ ihr Unglück währe damit nicht zuvergleichen. Libussa machte sich inzwischen
nach den Bömischen Herren / die etwa vor zwo Stunden ankommen wahren. So bald
sie bei ihnen anlangete /meldeten sie ihr der Königin gnädigsten Gruss und Willen
an / frageten daneben / ob nicht Zeitung von ihrem Gn. Fräulein einkommen / und
ob ihr König Ladisla dem Teutschen GrossFürsten Herkules bald gefolget währe;
worauff sie ihnen alles erzählete / was sie von dem Fräulein und sonsten deren
Nachsuchung erfahren hatte / machte ihnen auch gute Hoffnung / sie würde von H.
Herkules und ihrem Bruder Ladisla sonder zweifel erlöset / und gesund wieder
heimgebracht werden; doch gedachte sie ihrer Wasen Brelen mit keinem Worte / biss
sie Gelegenheit bekam / mit Ritter Neda allein zu reden / zu dem sie sagte:
Geliebter Vetter / ich bitte / mir zu sagen / was euch verursachet habe / diese
beschwerliche Reise zu tuhn; ich gläube kaum / dass eure Eltern euch mit gutem
Willen haben zihen lassen. Geliebte Wase / antwortete er / es ist wie ihr saget;
aber nachdem ich meinen Eltern eins vor alles zuverstehen gegeben / dass ich mich
von ihnen nicht wolle in die Kammer versperren lassen /noch ihnen die Hünereier
auff der Scheuren zusammen lesen / haben sie wohl müssen friedlich sein. Wie aber
stehets umb eure Liebe? fragte sie weiter / habt ihr die reiche Jungfer Wisna /
Herrn Vratisla Tochter euch schon beilegen lassen? Davor behüten mich die Götter
/ sagte er / dass ich die meiner liebsten Brelichen einmal getahne Zusage
brechen sollte. Libussa stellete sich hierauff ganz traurig / und antwortete: Ach
geliebter Vetter / dieser Liebe werdet ihr euch müssen entschlagen / welches
niemand lieber als euren Eltern sein wird. Er entsetzete sich über diesem
Vorbringen / und fragete / ob sie irgend wiedrige Zeitung von ihr wüste. Ja /
sagte sie / leider mehr dann gar zugewisse Zeitung / dann sie hat einem
Griechischen Aedelman / der sie rauben helffen / doch wieder ihren Willen /
eheliche Liebe und Träue verheissen /und vor ihren Brätigam annehmen müssen /
und dass ichs euch umständlich erzähle / hat unser gnädigstes Fräulein sie hart
darzu genöhtiget / weil vor erst ihre Durchl. uns wegen ihres Zustandes sonst
nichts håtte berichten können; vors ander / weil meine Wase dem Parter Könige
als ein Kebsweib hat sollen zugeführet werden / welcher sie / so bald er eine
schönere angetroffen / wurde verstossen / und entweder einer andern zur Magd /
oder seinen Buben zum schåndlichen Muhtwillen übergeben haben; daher hat sie aus
zweien bevorstehenden übeln das leichteste erwählen / und lieber in die
ungenehme Ehe / als jene unwiederbringliche Schande einwilligen müssen / welches
weder ihr noch einiger ehrliebender Mensch ihr verargen wird /massen in ihrer
Macht nicht stund / euch das versprochene zuhalten / und zweiffele ich nicht /
ihr werdet ihr lieber Ehre als Schande gönnen / weil ihr sie doch vor eine
verlohrne halten müsst. Dieser Rede / ward Neda so traurig / dass er kein Wort
sprechen kunte; die Trähnen drungen ihm häuffig aus den Augen / und entging ihm
alle Krafft so gar / dass er gezwungen ward / sich niderzusetzen / biss er endlich
sich erhohlete / und folgende Antwort gab: Herzliebe Jungfer Wase / ich muss
bekennen / dass sie an ihrer und meiner Seite besser getahn hat / eine wiedrige
Ehe / die gebrochen werden kann / als öffentliche Schande / die unwiederbringlich
ist / zuerwählen / weil ja eines hat sein müssen; ich aber werde nicht ruhen /
biss ich sie funde / und von diesem gezwungenen Bande gefreiet habe. Je mein
geliebter Vetter / was redet ihr da? sagte sie; bei leibe gedenket ein solches
nicht; geschehene Dinge sind wohl zubeklagen / aber nicht zu endern; und was
woltet ihr euch durch eines andern Wunde selbst ermorden? es sind ja mehr
Weibsbilder in der Welt / und müste schade sein / dass meine Wolfahrt so gar nur
auff einen Grund gebauet währe / dass nach dessen Hinwich ich zugleich mit drauf
gehen sollte; und wie woltet ihr ihm tuhn / wañ sie gestorben währe! woltet ihr
in die Erde steigen und sie wieder hohlen? Ich wollte alsdann sagete er / keine
Stunde nach ihr im Leben bleiben. Ist dañ / fuhr sie fort / die einige Brela
euch nur gerecht und eben? lieber bedenket euch eines bessern / und stehet ab
von solchem Irrewahn; sehet da / ich weiss hieselbst eine schöne ädle / Reiche /
Junge / Tugendhafte Jungfer / die will ich euch zufreien. Alles vergebliche
gedanken / antwortete er / dann mein Geist hat schon vorlängst geschworen / dass
weder meine Begierden / noch mein Leib /einiges Weibsbildes / ausser meiner
Liebsten Brelen teilhaftig werden sollen. Ein steifer Sinn / wie ich vernehme /
sagte sie; aber was hätte ich bei euch verdienet / wañ ich noch ein Mittel wüste
/ euch eure Brelen wieder in die Hand zu spielen? Dieser erboht sich hierauff /
er wollte sich aller seiner Erbschaft willig begeben / und ihr solche
schrifftlich vermache. Worauff sie ihn nicht länger ängsten wollte / sondern zu
ihm sagete; Herzlieber Vetter / ob gleich meine Güter eben so gross nicht sind /
sollen mich dannoch die Götter behüten / dass ich euer väterliches Erbe eines
Fusses breit schmälern wollte; aber vernehmet vor erst meinen Zustand. Ihr wisset
/ dass euer geträuer Freund Ritter Leches meine Liebe / eine zimliche Zeit her
gesucht hat; die ich ihm allemahl standhaftig versaget / und mag dessen Ursach
euch vielleicht nicht unbewust sein / dass nehmlich seine gnug spöttische
Schwester / meiner bei anderen adelichen Jungfern dermassen verächtlich gedacht
/ als tröge ich mich vergeblich auff ihren Bruder / dem wohl ein ander Glük
bescheret währe; daher ich mir gänzlich vorgenommen hatte / seinem Ansuchen
nimmermehr statt zu geben / habe ihm doch die Ursach allemahl verschwiegen /
damit Unglück vermieden bliebe; weil er aber neulich in Rettung meiner sich so
heftig bemühete / hab ich ihn endlich vor meinen liebsten angenommen; doch ist
er mit unserm Könige fortgereiset /und hat mir vor weniger Zeit an Gold und
Kleinoten viel tausend Kronen wert übergemacht. O du glückseliger Leches /
antwortete er / wie wandelbahr ist des Glückes Rad; ich gedenke der lieben Zeit
/ da du mich den seligsten / und dich den verworffensten nennetest; nun aber hat
sich das Spiel gar verkehret; doch / geliebte wase / saget mir / bitte ich /
durch was Mittel ich zu ihr gelangen könne; sollte ich dann darüber zu grunde
gehen / will ich euch zuvor zur einigen Erbin aller meiner Güter einsetzen /
welches / wie ich durchaus nicht zweiffele / unsers Königes Gemahl alhie
bekräfftigen soll. Nun nun / sagte sie / gebet euch zu frieden / ihr solt nicht
drüber sterben / sondern sie ohn alle Mühe erhalten / wañ ich nur einwilligen
werde. Neda stund auff / fiel ihr umb den Hals / und küssete sie so inniglich /
dass sie ihn deswegen straffen musste. Wie stellet ihr euch so unbendig? sagte sie
/ ich kann wohl schwören / dass mich nie kein Mannesbilde dergestalt gehöhnet / und
wann ihr nicht meiner Stief-Schwester Sohn währet / würde ichs trauen an euch
eifern. Neda baht umb Verzeihung / zweifelte nicht /die nahe Blutfreundschaft
würde ihn von allem ungleichen Wahn leicht befreien und losssprechen. Ja sagte
sie / in Ansehung deren soll euch auch Verzeihung widerfahren; aber vernehmet nun
/ wie die Sachen stehen. Es ist nicht anders / dass eure Liebste auff unser Gn.
Fräulein Willen und Befehl mit einem Griechischen Ritter / Nahmens Alexander in
der Stad Tyrus sich ehelich hat versprechen müssen / welcher ihr hingegen
äidlich angelobet / sie keinerlei weise zuberühren / biss er sie in Italien nicht
weit von hinnen würde gebracht haben / da er überdas den bestimmeten Tag zur
Hochzeit abwarten sollte. Nun hat er ihr solchen äid unbrüchig gehalten / wie
meine Wase mir mit höchster Beteurung gemeldet / und ich / angesehen er ein
Tugendhafter auffrichtiger Aedelmann ist / billich glåuben muss / und ist der
morgende Tag zum Beilager und Hochzeit Fest berahmet. Wehe mir armen fiel er ihr
in die Rede / ist das der Trost / den ihr mir versprochen habt? Aber sagt mir
Herzen Wase / werdet ihr bei der Hochzeit auch mit erscheinen? Welch eine Frage
ist diss? sagte sie / soll ich doch ihr nähester Beistand sein. Gar wohl /
antwortete er / so wird der Affter Bräutigam entweder auff mein Einsprechen
abtreten / oder ich werde auch sein nähester Beistand sein doch also / dass
entweder er oder ich das Leben druber einbüssen. Ich würde euch dieses selbst
heissen wanns je nöhtig währe / sagte sie / aber nun bedarffs dessen keines /
dann der vermeinte Bräutigam ist etwa vor zwo Stunden von seinem Spiess Gesellen
im absonderlichen Kampffe erstochen / und also meine Wase ehe Witwe als Frau
worden. Herzgeliebte Wase / sagte er / wie möget ihr mich dergestalt aufzihen /
und mit meiner heftigen Liebe einen so leichten Spot treiben? Versichert euch /
sagte sie / dass ich die lautere Warheit rede / als gewiss ich begehre in der
Götter Gnade zuverbleiben; Ob sie aber euch wieder annehmen wolle (sagte sie /
da er sich frölich bezeigete) ist mir unwissend / massen sie von ihrem todten
Bräutigam über XVII Tonnen Schatz an lauter Barschaft / Kleinoten und
verkaufften Landgütern geerbet hat / welcher grosse und weltbeliebte Reichtuhm
gar leicht einen grossen Römischen Herrn zu ihrer ohn das gnug wirdigen Liebe
bewägen dürffte. Ich weiss nicht / sagte Neda / wie ihrs mit mir im Sinne habt;
Wann ich mich fürchte / dann tröstet ihr mich; empfahe ich dann etwas Freude in
meiner Seele / so stürzet ihr mich nur immer in tieffere Verzweifelung; drumb
bitte ich euch umb unser nahen Verwandschaft willen / erlöset mich aus der
Angst / in welche ihr mich geführet / und versichert euch / dass ich mich
dermassen dankbar erzeigen will /dass ihr daraus mein Herz erkennen sollet. Saget
mir /antwortete sie / von keiner Dankbarkeit / ich bin schuldig / als euer
Mutter Schwester euer bestes zuwissen / und höret nun den rechten Ausschlag:
Jungfer Brelen Bräutigam hat sich mit ihr nunmehr hieselbst XIII Tage
auffgehalten / und ist alles ergangen / wie ich schon vorhin angezeiget habe;
Morgen hätte ungezweifelt die Hochzeit sein sollen / worauff alles auffs beste
ist zugerichtet / und XVI Tausend Kronen ausgegeben worden / aber ohn Zweifel
aus sonderbahrer Versehung der Götter hat er müssen vor dem Beilager
nidergestossen werden / damit ihr euer Brelichen (die in Warheit ein liebes
Bildichen ist) rein und unbeflekt bekommen soltet / welche diese Tage über stets
mein Stuben- und Schlaff Geselle gewesen ist /und ich wohl weiss / dass sie noch
nie eines Mannes schuldig worden. Sie hat aber von eurer Anwesenheit noch keine
Wissenschaft / ist auch wegen des Unfals / welchen ich ihr angemeldet / etwas
betrübet / doch als eine / die durch euch fein wird zutrösten sein /weil diese
Ehe ihr sehr zuwider wahr; und möget mir kühnlich trauen / dass ich euer bestes
tuhn / und nicht ablassen werde / biss ich eine beständige genehme Erklärung von
ihr bekomme / und euch zum reichesten Herrn in Böhmen machen helffe. Neda sah
sie mit blinzenden Augen an / und antwortete: O ihr meines Glüks einige
Meisterin; nehmet euch meiner an / und schafft mir Ruhe in dieser Pein. Die
Götter wissen /dass ich ihren Reichtuhm nichts achte / ja vielmehr wünsche / dz
sie dessen möchte ohne sein / weil sie dadurch nur stolz und mir ungewogen
werden kann. Gebet euch zufrieden / antwortete sie / und lasset mich machen /
morgen früh will ich euch Zeitung bringen / die euch verhoffentlich ergetzen soll.
Aber ich habe jezt nicht länger Zeit alhie zuharren / sondern will gehen / und
eure Ankunft dem Statalter zuwissen tuhn / dann so ihr euch zu lange werdet
heimlich halten / dürffte ihn solches verdriessen / oder zum wenigsten
argwöhnische Gedanken erwecken. Also schied sie von ihm / uñ berichtete Herrn
Fabius / was gestalt ihre Allergnädigste Königin etliche Gesanten hergeschicket
hätte / umb zuerforschen / ob nicht Zeitung wegen ihrer allerliebsten Frl.
Tochter einkomen währe; hätten auch unterschiedliche Schreiben / so wohl an den
Herrn Statalter / als an ihre Gn. Frau Sophien bei sich. H. Fabius befahl
alsbald seine Gutsche anzuspannen / und die Gesanten aus der Herberge zuhohlen /
welches Klodius verrichtete / und sie von dem Statalter und Fr. Sophien gar
freundlich empfangen wurden / legten hernach ihren Gruss ab /und überreicheten
die Schreiben von der Königin und den Land Ständen untergezeichnet / und über
diese noch eines / von der Königin absonderlich an ihre geliebte Schnuhr
geschrieben. Diese zulesen / nam der Vater einen Abtrit mit der Tochter ins
Neben Gemach / da sie beider Schreiben gleichmässigen Inhalt funden / dass die
Königin uñ sämtliche Landstånde des freien Königreichs Böhmen sich hoch
erfreueten / dz nach der Götter sonderbarer Schickung ihr Herr Sohn und Erb
König mit einem so hochansehnlichen Römischen Herrn sich befreundet / und ein
Tugendreiches verständiges / der Königlichen Krone gnug wirdiges Gemahl
überkomen hätte. Weil sie dann schmerzlich erfahren / dass ihr Herr Sohn und
König dem geraubeten Durchleuchtigsten Königlichen Fräulein nachzihend / sich in
abgelegene Landschaften begeben / als båhten sie instendig / der Hochmögende
Herr Statalter ihnen ihre künftige Königin unwegerlich zuzihen lassen wollte /
damit sie zeit ihres Königes Abwesens / derselben gebührlich aufwarten / und an
die Hand gehen möchten / welches der añoch herrschenden Königin und des ganzen
Königreichs Wunsch und begehren währe; und erböhte sich die Kron Böhmen /biss an
ihre Freiheit / dem Römischen Reiche alle mögliche Freundschaft zuerweisen. In
dem absonderlichen Briefe aber überschrieb die alte Königin Fr. Sophien
mütterlichen Gruss und Liebe / gab die Begierde / ihre herzgeliebte Fr. Tochter
zu sehen / an den Tag / und beklagete den Verlust ihrer Fräulein Tochter Frl.
Valisken / als welcher verursachete / dass auch ihre Fr. Schwieger Tochter ihres
Gemahls / ja das ganze Land ihres Königes entrahten müste; Schliesslich baht sie
/ ihr mütterliches Herz und das ganze Land durch ihre hochbegehrte Gegenwart
zuerfreuen / und der Beherschung nach ihrer gerühmten Weissheit mit vorzustehen.
Nach Verlesung sagte Herr Fabius: ihm zweifelte nicht / die Königin und
Landstände sucheten dieses mit auffrichtigem Verlangen /gestaltsam ihm der
Mitternächtigen Völker Gemühter gnug bekant währen / welche nicht nach Römischer
böser Art / ein anders auff der Zungen uñ in Briefen /als im Herzen führeten;
möchte deswegen seine Tochter ihre Meinung andeuten / was sie zu tuhn willens
währe. Diese gab ihm zur Antwort: Sie währe zwar ihrer Schwieger der Fr. Königin
und den såmtlichen Landständen verbunden / ihrem begehren statt zugeben / weil
die Götter ihren Sohn und König ihr zum Gemahl bescheret hätten; Wann sie aber
bedächte /dass ihr lieber Ladisla abwesend / und / welches die Götter gnädig
verhüten wollten / er in der fremde sein Leben enden sollte / wie es ihm schon
nahe gnug gewesen / währe die Reise nach Böhmen nichts / als eine vergebliche
Mühe / weil sie nicht gewillet währe / nach dessen Tode daselbst lange zuhausen.
Uberdas währe dem Königreich mit ihrer Gegenwart wenig gedienet / nur dass die
Königlichen Unkosten dem Lande gedoppelt würden; hätte demnach / wañ ihr Herr
Vater einwilligen könnte / in ihrem Herzen beschlossen / ihres Gemahls
Wiederkunft hieselbst zu Padua zuerwarten / alsdann würde sie schuldig sein /
dessen Willen nachzukommen / wie ers ordente. Fabius hörete gerne / dass sie mit
ihm gleicher Meinung wahr /gingen in den Saal / da man zur Abendmahlzeit
anrichtete / und wurden die Königliche Gesanten der Gebühr bedienet / gegen
welche insonderheit Fr. Sophia sich gar leutselig bezeigete / beklagete auch mit
Trähnen den schmerzlichen Verlust der Königlichen Fräulein / und dass in der
fremde sie sich dergestalt müste umher schleppen lassen; berichtete doch daneben
/ wie sie nicht allein vor weniger Zeit ihres annoch guten ergehens gewisse
Zeitug gehabt / sondern auch die Göttliche Antwort und Zeichen der Opffer /ihre
fröliche Wiederkunft eigentlich verhiessen. Libussa wahr nicht mit zu Tische /
gab vor sie müste bei ihrer hochtraurigen Wasen Jungfer Brelen bleiben / und
ihren grossen Kummer durch ihren Trost etwas lindern und benehmen; wiewol dessen
wenig gedacht ward / sondern ihr Gespräch wahr stets von Ritter Neda / dessen
beständige Liebe und Träue sie dergestalt heraus zustreichen wusste / dass sie
hiedurch das halberloschene Feur in dem Herzen dieser Liebhaberin völlig wieder
auffbliess / welche / da sie vernam /wie Neda willens gewesen / sie durch einen
Kampff von Alexander los zumachen / und ungeachtet er sie schon geheiratet
hätte / zum Weibe zunehmen / sich nicht entalten kunte / dass sie endlich
sagete: O du geträuer beständiger Freund und Liebhaber / dessen Auffrichtigkeit
ich mehr als einen Beweisstuhm eingenommen / wie bösslich habe ich mich an euch
versündiget / dass ich einem andern das eure versprochen; billicher hätte ich
mich ins Meer stürzen / als an euch meinäidig werden sollen. Jedoch was hiedurch
ich wider meinen Willen und aus höchstgezwungener Noht begangen habe / soll von
mir in andere Wege ersetzet werden / bin auch der gänzlichen Meinung / es haben
die Götter es also geschicket / dass ich euch wiederumb zugeführet würde; werde
aber / herzallerliebste Schwester / nicht ruhen / biss ich mich dankbar gegen
euch bezeiget / welches ich nur so lange auffschieben muss / biss mein Neda und
ich uns dessen beredet haben. Die Gesanten / ausser Neda / wahren wegen Brelen
Wiederkunft noch unberichtet / biss ihrer bei der Mahlzeit ohngefehr Meldung
geschahe /worüber Herr Struniko / ihr naher Blutsfreund höchlich erfreuet ward /
und sich ihres Zustandes völlig berichte liess / da sie nachgehends eins wurden /
sie folgendes Tages in ihrer Traurigkeit zubesuchen. Die ganze Nacht kunte Brela
nicht ruhen / dann der Schrecken mit Begierde vermenget / liess ihr den Schlaff
nicht zu; aber gegen Morgen kam ihr vor / wie Alexander in bleicher Farbe / und
mit Blute gar besprützet / sie bewäglich anredete: Sie möchte seine geträue
Liebe nie mit Undank vergelten / sondern ihm zu Ehren XX Trauer Wochen aushalten
/ sonsten würden die von ihm geerbeten Schätze ihr durch Räubers Hand genomen /
und sie in Lebens- und Ehrengefahr gerahten. Worüber sie dermassen erschrak /dass
sie aus dem Schlaffe fuhr / und wie ein Espenlaub zitterte; wollte doch Jungfer
Libussen nichts davon melden / wie stark sie gleich anhielt / ihr die Ursach
solcher Verenderung und Schreckens anzuzeigen /sondern nam ihr äidlich vor / das
Beilager vor Ausgang der XX Wochen durchaus nicht zuhalten. Da sie nun des
Morgens auffstunden / und Libussa ihr Gespräch von Neda wieder anfing / in
Meinung / sie zubereden / dz in kurzer frist die Hochzeit angestellet würde /
ward sie der Anmuhtung etlicher massen unwillig / und sagete: Sie erinnerte sich
ihrer genommenen Abrede / dabei sollte es ihres teils sein verbleiben haben /
jedoch unter zwo Bedingungen; Als vorerst wollte sie umb böse Nachrede zumeiden /
die angesezte Zeit halten / welches sie hiemit äidlich angelobete; Hernach müste
sie versichert sein / dass nicht schier heut oder morgen ihr Neda schimpflich
vorhielte / dass sie aus gezwungener Noht / und um Rettung ihrer Ehren / sich mit
Alexandern so weit eingelassen hätte; dann sollte sie davon das geringste im
Schimpff oder Ernst hören / würde ihr solches schmerzlicher sein /als der Tod
selbst; Dafern nun Neda sich dieser beiden Anmuhtungen / nicht bündig gnug
heraus lassen könnte / währe ihr unbewäglicher Vorsatz / ihr ganzes Leben in
Jungfräulichem Stande zuzubringen. Libussa saye / dass sie ernstlich uñ aus
Herzengrunde redete / durffte ihr demnach nicht widersprechen / wie sehr ihr
gleich im Anfange die erste Bedingung zuwider wahr / sondern sagte zu ihr:
Geliebte Schwester / das erste stehet ganz in eurer Macht / wiewol mir in etwas
missfålt / dass ihreuch åidlich dazu verbindet. Ich ruhe solchess / sagte Brela /
umb meiner Ehre willen / und sonsten aus einer höchstwichtigen Ursach / welche
ihr dereins erfahren sollet / deswegen ist von diesen XX Wochen kein einziger
Tag / ja keine Stunde abzuhandeln. Ich lasse es gut sein / antwortete Libussa;
Das andere aber betreffend / davor will ich euch mein Leben zu Pfande setzen. Ach
nein / sagte Brela /davor kann mir kein Mensch / als er allein / gut sagen /und
wird er sich daher gefallen lassen / mir dessen einen schrifftlichen / und zwar
gnug gültigen Schein heraus zugeben / weil ich mich hierin nicht zu wohl
verwahren kann / und dañoch scheuh trage / es ihm anzumuhten. Er wird es aber mit
ganz gutem Wille tuhn / antwortete sie; nur saget mir / wz euret wegen ich ihm
einliefern soll / daraus er eure Gunst und beharliche Liebe in etwz spüren möge.
Noch zur zeit nichts /sagte Brela / biss auf mein doppeltes begehren ich seine
runde erklärung habe; hernach will ich alles nach eure gutdünken machen / uñ von
meinen Geldern uñ Kleinoten ihm so viel zustellen / dz er meines guten willens
gnugsame Kundschaft haben soll. So gehe ich hin / sagte Libussa / alles nach
eurem Willen an ihn zu fodern / welches er / wie ich weiss / williger leisten
wird / als ihrs von ihm begehret. Neda war gleich aufgestande / da sie zu ihm
kam / die andern aber lagen noch auff ihrem Lager; als er sie nun sah / trat er
ihr entgegen / und nach wünschung eines glückseligen Morgens fing er an:
Herzgeliebete Jungfer Wase /bringt ihr mir Leben oder Tod? Ich bringe euch
dessen nichts / antwortete sie; das Leben habt ihr schon; den Tod begehre ich
euch nicht anzutun; wisset aber / dass ich euretwegen mit meiner Wasen sieder
gestrigem abscheiden / mannicherlei Reden gepflogen /und weiss sie dero euch vor
diesem gegebener Träue sich noch wohl zuerinnern / würde auch ausser der höchsten
Noht die kein Gesez hat / einem andern neben euch sich nimmermehr versprochen
haben / wie schon von mir ist angezeiget worden. Wollet ihr aber in vorige Gunst
wieder angenomen sein / werdet ihr euch unbeschweret erzeige / zweierlei
Bedingungen ohnwegerlich auff euch zu nehmen; hielt ihm dieselben kürzlich vor /
und sagte nachgehends; nun erkläret euch bald / ob ihr dieses eingehen / welches
meines bedünkens so gar schwer nicht ist / oder im wiedrigen lieber wollet / dass
sie sich noch diesen Tag der ewigen Jungfrauschaft äidlich verlobe. Neda
antwortete; ob ihm gleich dass erste nicht lieb währe / befünde ers doch in
Erbarkeit und Tugend gegründet; im andern hätte er sich durchaus nicht
zubeschweren /angesehen / kein ehrliebender Mensch sie hierin verdenken könnte /
sondern müste ohn bedingen an ihr rühmen / dass sie / Laster zu meiden / sich
selbst überwunden / und Alexandern die Ehe versprochen hätte; seid demnach
gebehten / fuhr er fort / und hinterbringet ihr solches neben Anmeldung meiner
bereitwilligsten Dienste. Nein lieber Vetter / sagte sie / vor dissmahl will es
mit mündlicher Erzählung nicht geschlichtet sein / sondern ehe ihr mit ihr
zureden kommet / wird solches schrifftlich von euch geschehen müssen / alsdann
hat dass Ding seine richtigkeit. Neda wahr hierzu bald fertig / sah ein
Schreibzeug mit allem zubehör auf dem Tische stehen / schnitte eine neue Feder /
ritzete in seine linke Brust und schrieb mit dem aussgetropfeten Blute folgenden
Brieff:
    Hochädel-gebohrne Jungfer / herzgeliebete vertrauete Freundin; Was meine
vielgeehrte Wase Jungfer Libussa mir / euer Hochädl. Tugend ergebenem Knechte
vorgehalten / dass vorerst deroselben beständiger Vorsaz sei /vor Ausgang der
nähesten XX Wochen das Beilager nicht zu vollenzihen; Hernach / sie von mir
nicht gewärtig sein wolle / dass so wenig im Scherz als Ernst ihre dem weiland
Wolädlen Herrn Alexander getahne eheliche Versprechung ihr aufgerucket / viel
weniger als unlöblich vorgehalten werde; So verspüre aus dem ersten Ihrer
Hochädl. Tugend ehrliebendes Gemüht / ich zu voller Gnüge / in dem sie bösen
Lästermäulern vorzubeugen geflissen ist. Das andere wird deroselben kein
redlicher Mensch verdenken / angesehen ihre Ehre zuretten kein ander Mittel
gewesen. Und verspreche ich bei meinen ritterlichen Ehren / dass nicht allein in
diesem / ihrem Willen ich mich allerdinge gemäss bezeigen / sondern / als lange
einiger Blutstropffen in mir übrig ist / sein und verbleibe wolle meiner
herzgeliebten Jungfer und vertrauten Freundin in allem / was ihr gefallen kann /
bereitwilligst-gehorsamster Knecht Neda.
    Libussa lass dieses / und sagte; Nun wartet meiner; über ein wenig will ich
euch beständige Antwort bringen; ging eilig zu ihrer Wasen / welche sie gar
schwermühtig fand / und fragete / was ihr anliegen währe. Saget mir zuvor
bescheid von meinem Neda /antwortete sie / alsdann will ich euch mein heftiges
Anliegen nicht långer verhehlen. Wie? sagete diese /zweiffelt ihr wegen des
bescheides? hieselbst habe ich ihn in der Hand / und zwar mit seinem Blute
geschrieben / welches er unter seinem Herzen heraus zapffete /dass ihr ja nicht
zweiffeln möchtet / ob ihm von Herzen gehe / was er alhie verheisset. Brela
entsetzete sich davor und sagete: Es ist mir leid / das ich schriftliche
Versicherung an ihm begehren / uñ seine Redligkeit in zweifel setzen dürffen;
nam hiemit das Schreiben zur Hand / lase es mit fleiss durch / und sagte
nachgehends; ich will diesen Brieff nicht behalten / sondern ihm denselben wieder
zustellen / damit er hieraus nicht Ursach zu unwillen nehme. Bei leibe nicht /
antwortete Libussa / er würde sich vielmehr fremde Gedanken machen / und Ursach
haben / euch vor unbeständig zu halten. Wollet ihr ihm aber ein Zeichen eurer
guten Vergnügung sehen lassen / solches will ich ihm gerne beibringen. Ja /
sagete sie /dessen will ich mich fortin nicht wegern; nam eine trefliche güldene
Kette / ein par Armbänder und etliche güldene Ringe aus ihrer Handlade /
wickelte alles zusammen / in ein Seidenes weisses Tüchlein uñ sagete; So tuht
mir so viel zugefallen / geliebte Schwester / und liefert ihm dieses meint 
wegen; vielleicht gibt die Gelegenheit / dass ich das übrige selbst mit ihm Rede.
Diese verrichtete solches mit gutem willen / und hinterbrachte es mit diesen
Worten: Mein Vetter / eure vertrauete Freundin und abermahlige Braut lässet euch
ihre von nun an beharliche Liebe uñ Träue durch mich anmelden / hoffet / ihr
werdet die Anmuhtung wegen der schriftlichen Versicherung nicht ungleich
aussdeuten; hätte doch euer Blut darzu nicht begehret; erkennet aber daher euren
guten Willen / welchen zu seiner Zeit nach mögligkeit zu vergelten sie sich
bemühen will; unterdessen habe ich von ihr Befehl / euch diese Kette an den Hals
/ diese Armbänder an eure Arme / und diese Ringe an eure Finger zulegen / zum
Zeichen / dass nach diesem sie lieber sterben / als diese Verbindung zum
andernmahle brechen will; und damit es an wirklicher Leistung nicht mangele / will
ich euch vor mich diesen Kuss ihretwegen hinzulegen. Neda sah die köstliche
Kleinot mit Verwunderung an / und antwortete: Mein Herz ist mit allem wohl
vergnüget / nur dass ich alhie nicht Mittel weiss /meiner Liebsten etwa ein
Kleinot wieder zuliefern. Ihr seid dass beste Kleinot / sagte Libussa; doch habe
ich schon hierauff gedacht / dass euch hieran nicht mangeln soll; zog hiemit eine
zarte köstliche Halsskette mit einem zimlichen angehenkten Kleinot hervor / wie
auch einen schönen Demant Ring; welches beides er auff Begebenheit seiner
liebsten selbst einzulieffern bedacht wahr / und es gedoppelt zuersetzen sich
erboht / da gleich die Bömische Gesanten hin zu ihnen traten / mit begehren /
wann es Libussen gefällig / und ihrer betrübten Wasen nicht zuwieder währe /
wollten sie mit ihr hingehen / sie in ihrem Unfal zubesuchen. Brela hatte sich
auff ihre Ankunft geschicket / das Gemach mit schwarzem Tuche / und sich selbst
mit Flohr umb und umb behänget / empfing auch ihre lieben Freunde und bekanten
mit traurigen Geberden / und bleicher Farbe / welche ihr doch durch Neda
anschauen bald in Feurroht verkehret ward / dessen Herr Struniko wahrnam (weil
Herr Krokus seines Sohns Verliebung ihm vor diesem geklaget hatte) liess sichs
doch nicht merken / sondern redete ihr tröstlich zu / sie würde ihrer Vernunft
nach sich in diesem Fall zuschicken wissen / massen die Götter ihren Willen
haben wollte / denen menschliche schwachheit zuwiederstehen nicht bestand währe.
Herr Stanisla trat etwas näher; zweiffelte nicht / es hätte sich der Unfall mit
H. Alexandern nicht so ohngefehr zugetragen / ob man gleich den unwandelbahren
Schluss der himlischen Versehung mit unser blinden Vernunft nicht aussgrübeln
könnte; er vor sein Häupt rechnete es dahin / dass entweder gedachter Alexander
ihrer nicht wirdig / oder sie einem andern von den Göttern vorbehalten würde /
deswegen müste sie in Geduld stehen und bedenken / dass wie der verstorbene sie
anfangs wieder Recht geraubet / also hätten die Götter ihn hinwiederumb nach
ihrem gefalle durch den Tod hin rauben lassen. Der alte Wenzesla machte es kurz
/ und wie er mit ihr ohndass wohl bekand wahr / und gerne zu scherzen pflegete /
wann andere mit ernstaften Sachen umbgingen / sagte er: Griechenland müste den
Böhmen die schönsten Jungfrauen nicht so entführen / sie möchte gemach tuhn /und
der Trähnen schonen / es währe noch so mannicher junger Ritter in ihrem
Vaterlande / unter welchen sie die Wahl haben / und den besten ausslesen sollte.
Brela keñete seine Anschläge / wollte sich daher mit ihm nicht überwerffen /
sondern antwortete auff seine Reden nichts / nur das sie seiner guten Gesundheit
sich freuete / und ihn wilkommen hiess. Dieser fuhr in seiner posserei fort /
boht seine Dienste und alles Vermögen / was ein grauer Bart vermöchte / willig
an / wann er nur nicht möchte geschüppet und durch den Korb gestürzet werden;
dass die gute Jungfer sich kaum des lachens entalten kunte / und zu ihm sagte:
Es währe noch zu zeitig von heirahten zu reden / weil ihr gewesener Bräutigam
noch nicht eins beerdiget währe; hätte er sich aber vor diesem zu Prag so
freundlich vernehmen lassen / würde sie solches Glük schwerlich aussgeschlagen
haben. Freilich / sagte er /würdet ihrs nicht aussgeschlagen / sondern wohl gar
aussgepeitschet haben; jedoch / sagte er zu Neda / nehmet ihr dieser Schanze
wahr; vielleicht währen es Schuch vor eure Füsse / und ein Nest vor eure
Hünerchen. Wodurch er eine solche Röhte in der beider liebhabenden Angesicht
erweckete / dass ihr keiner ihm ein Wort antworten kunte / biss endlich Neda
sagete: Er wüste nicht / ob bei so traurigen Fällen sich dergleichen teidungen
allemahl reimeten; baht hernach / es möchte die Jungfer sich an seiner Kurzweil
nicht irren / weil des Alten Art ihr ohndass bekant währe; boht ihr damit die
Hand / uñ brachte ihr den Ring so heimlich an den Finger / dass dessen niemand
gewahr ward; hernach redete er sie also an: Hochädle Jungfer / ich erfreue mich
sehr über ihre uñ meiner geliebten Wasen Jungfer Libussen Rettung / wie betrübet
ich gleich bin wegen unser gnädigsten Fräulein Verlust und Gefängnis; wie ich
nun aber aus meiner hochgeehrten Jungfer abenteurlichen Reisen / und
wunderbahrer Erlösung nichts anders als der Götter sonderlichen Schuz und Hülffe
spüren und schliessen kann / also zweiffelt mir nicht / dieselben werden sich
hinfort ihrer Durchl. auch annehmen / sie gnädig retten / und ihrer aller Leid
in Freude verwandeln. Brela bedankete sich des guten Willen / und wünschete ihm
hinwieder stete auffnahme seiner ritterlichen Ehren /und was ihm sonst lieb und
ersprisslich sein könnte. Darnach wante sie sich / Argwohn zu vermeiden / zu ihrem
Vetter H. Struniko / und fragete fleissig nach ihrer Gnädigsten Königin Zustand
/ und wie es allen ihren Anverwanten / insonderheit ihren Vormündern ginge.
Dieser wusste wohl / dass dieselben sehr ungleich bei ihr gehandelt / und aus ihren
Gütern den Eigennuz gesucht hatte / welches ihr zimlich bewust wahr; liess sich
doch dabei nichts merken / biss er von sich selbst dessen Erwähnung taht; welches
sie mit kurzen beantwortete: Sie hätte Gott Lob / ihrer Seel. Eltern Rechnungen
und Bücher in guter Verwahrung / in welchen alle Schuld und Unschuld richtig
auffgezeichnet stünden; Zweifelte demnach nicht / ihre Vormündere würden
dieselben nicht tadeln / noch auff ihre Ankunft sich wegern / Rechnung
abzulegen. Worauff Struniko wenig antwortete / dann ihm wahr wohl bewust / es
würde ihre Ankunft etlichen seinen nahen Anverwanten nicht sonderlich angenehme
sein; nur fragete er sie / ob sie nicht willens währe / mit ihnen heimzureisen /
und ihrer Königin der Fräulein Zustand mündlich zuberichten; dem sie zur Antwort
gab: Sie håtte von ihrem Gnädigsten Fräulein / dann auch von Fürst Herkules
Befehl / nicht von Padua zu weichen / biss sie Schreibe und ausdrüklichen Erlass
von ihnen haben würde; Hoffete demnach / ihre Gnädigste Königin / als welche ihr
selbst befohlen / dem Fräulein zugehorsamen / würde ihr solches nicht ungnädig
verübeln. Nachdem sie nun bei andertalb Stunden gesprachet hatten / namen sie
Urlaub von ihr; aber Libussa sagte zu Neda: Geliebter Vetter / ihr sollet mit
mir auff mein Gemach gehen / welches hie allernähest ist / daselbst will ich euch
zeige / dessen ich gestern gegen euch gedacht habe; inzwischen wartet meiner
alhie / biss den Herren Gesanten ich an statt meiner Wasen das Geleit gegeben
habe. Brela verwunderte sich ihrer listigen Erfindung / wahr doch damit wohl zu
frieden / und nach jener Abscheid / ergriff sie ihren Liebsten bei der Hand /
sprechend: Vertraueter Herr und Freund / könnet ihr noch die leichtsinnige
Brelen mit gewogenen Augen ansehen /die durch grosse Unbilligkeit euch so hoch
beleidiget / in dem wider geschehene teure Zusage sie sich mit einem andern
eingelassen und ehelich versprochen hat; Nun sind gleichwol die Götter meine
Zeugen /dass ich viel lieber mir das Leben håtte nehmen lassen wollen / und sollte
Alexander vor sich nimmermehr so mächtig gewesen sein / mich zugewinnen / dafern
ichs nicht umb meiner Gn. Fräulein willen getahn: Dann hätte deren Heil und
Wolfahrt ich nicht angesehen / sollte das Meer meinem Leben gar bald den Fadem
auffgelöset haben / dass versichere ich euch bei meinem höchsten äide / und will
aller Götter ewigen Fluch über mich selbst wünschen / dafern Alexander oder
einiges Mannesbilde meiner so weit genossen hat / dass meiner Jungfräulichen
Zucht und Ehre im geringsten Nachteil geben könnte; deswegen ihr dann dem guten
Alexander billich gewogen sein sollet; Dann hätte er Gewalt und seines Rechts
sich gebrauchen wollen / würde ich euch in solchem Stande nicht behalten sein /
angesehen der fernen Reise /die ich mit ihm zu Wasser und Lande getahn habe. Ich
meine aber / den blossen Nahmen eines Bräutigams euch und mir teuer gnug bezahlet
sein / angesehen ich über XVII Tonnen Schatz an Barschaft und Kleinoten von
ihm empfangen und geerbet habe / dass wir inkünftig unsern Stand besser als kein
Böhmischer Landsasse führen köñen. Ich weiss gar wohl / dz eure Eltern und
Verwanten in Verhinderung unser Heirat nichts eingestreuet haben / als dz ich
euch nicht reich genug währe; Wollet ihr nun meinem Willen folgen / sollet ihr
eures ganzen väterlichen Erbes euch begeben / oder da ihr solche Güter
zubesitzen Lust traget / euer Schwester so viel von meinen Geldern heraus geben
/ als die Güter ingesamt wert sind /alsdañ haben sie euch nichts vorzuwerffen;
aber diese XX Wochen will ich hieselbst zubringen / und äusserlich meinen aus
Zwang angenommenen Bråutigam betrauren / dem ihr dann nebest euren Gefårten
morgendes Tages die Ehre und Freundschaft erweisen / und zu Grabe folgen
werdet; Im übrigen bleibets bei unser zu Prage lezt genommenen Abrede. Neda
umfing sie gar freundlich / und antwortete ihr: Herzgeliebtes Herz / sie tuht in
warheit ihr selbst grosse Unbilligkeit an / indem sie ihr selbst dasselbe übel
ausleget / dessen ich und ein jeder redlicher Mensch sie zum höchsten rühmen und
preisen muss; bitte demnach von Grund meines Herzen / dessen fort mehr nicht
zugedenken; dann hätte sie gleich durch Noht gezwungen / eine zeitlang mit
Alexander ehelich leben müssen / könnte und müste mir ja solches nicht zuwider
sein / wollte sie auch nicht umb das geringste weniger / als jezt / ehren und
lieben / und mit solcher jungen Witwen wohl zufrieden sein / ja den Göttern noch
darzu danken / wañ mir keine Jungfer zu ehelichen bescheret währe; Im übrigen
ist die kurze eingebildete Freude von Alexander dergestalt durch den grossen
Schaz vergolten / dass man ihm davor billich zudanken hat; welcher Reichtuhm doch
von mir im geringsten nicht soll gemindert werden / und möget ihrs mit meinem
väterlichen Erbe nach eurem gefallen anstellen / und meiner Schwester / ob sie
es gleich weder umb euch noch mich verdienet hat / alles schenken / oder ein
Stük Geldes davor zuwenden /dessen ich gleichwol keine Ursach sehe kann. Zwar die
bestimmeten Traurwochen / wie widrig sie auch meiner herzlichen Liebe fallen /
sind sie doch meinem vernünftigen Willen lieb und angenehm / will auch umb so
viel mehr darein gerne gehehlen / damit ihr nicht ursach habt zusagen: Alexander
sei euch gehorsamer gewesen als euer Neda; Dann wie ich schon andertalb Jahr
mich geduldet / also will ich diese XX Wochen alle Tage zählen / biss ich den
lezten hinter mich gelegt habe; alsdann werden mir die Götter gönnen / dessen
wirklich zugeniessen / welches ich höher als aller Welt Wollust und Reichtuhm
achte. Dem redlichen frommen Alexander will ich gerne (sagete er mit lachen) zu
Grabe folgen / und lieber / als wann ich ihn mit meiner Faust hätte müssen
hinunter schicken / welches unvermeidlich hätte geschehen müssen /wann dieses
glückliche Unglück nicht darzwischen kommen währe. Ach nein / mein Schatz / sagen
sie /redet nicht spötlich von ihm; Er hats in Warheit weder umb euch noch mich
verschuldet; überdas bin ich diese Nacht durch einen Traum höchlich erschrecket
/ da mich eigentlich dauchte / wie er gar bleich und blutig vor mir stünde / und
mich bei hoher Straffe erinnerte / seiner Liebe nicht zuspotten / sondern die
benante Zeit in der Trauer ihm zu Ehren und Gedächtnis auszuhalten; dieses /
bekenne ich / hat mich bewogen / ihm diese Wochen äidlich zuversprechen /welches
ich auch unbrüchig halten will. So will ich /sagte Neda / euch zu Ehren uñ
Gefallen / seiner allezeit im besten gedenken / und diese Zeit neben euch in
Traurkleidern gehen / damit seinem schwebenden Geiste ein gedoppeltes genügen
geschehe. Es hätte sich aber gebühret / fuhr er fort / dass bald anfangs wegen
zugeschikter Kleinot ich mich bedanket / als welche bei mir die stäte Gedächtnis
unser von neuen getroffenen Versprechung frisch erhalten sollen / und bitte
dienstlich / meine herzgeliebete Freundin wolle mir zu liebe dieses schlechte
Halsketchen tragen / und von ihr nicht kommen lassen. Die Jungfer besah das
Kleinot / und gefiel ihr die künstliche Arbeit über die masse wohl; dann ob zwar
nicht sechs Kronen Gold dran wahren / hatte doch der ArbeitsLohn über 100 Kronen
ausgetragen; so wahr auch das angehenkte Kleinot so leicht und unansehnlich /
aber von sieben trefflichen Demanten so art- und künstlich ins Kreuz gesetzet /
dass sie bekennete / so schöne Arbeit nie gesehen zuhaben. Sie bedankete sich
dessen aber / und nachdem sie ein wenig von schwarzer dünner Seide darum
gewickelt hatte / legte sie es an ihre blosse schneeweisse Kehle / und versprach
/ es in andere wege zuverschulden. Indem kam Libussa hinzu getreten / und
fragete sie / ob ihnen sider ihrem Abwesen die Zeit lange gewehret. Neda sagte:
sein Wunsch währe / dass dieses ewig tauren / und sie nimmer wieder möchten
getrennet werden. Da ihm Brela antwortete: Mein geliebtes Herz / geduldet euch /
bitte ich /diese kurze Zeit / ihr seid ja gnug versichert; es währe dann / dass
mir die Götter ein gleichmåssiges Unglück wieder zuschicke wollten; dem ich aber
ohn allen Zweifel mit einem schleunigen Tode vorkommen würde. Schweiget stille /
sagte Libussa / mit solchen ungenehmen Reden / und beobachtet vielmehr der
Götter wunderliche Schickung mit uns Menschen; dann heut ist der Tag zu eurer
Hochzeit mit Alexander bestimmet / und müsst dagegen mit euren rechtmässigen
Bräutigam euch auffs neue einlassen uñ verbinden / welches ich trauen vor kein
ohngefehres halten kann: so gehen überdas andere schon mit euer beider Heirat
umb / gestaltsam Herr Struniko mich anjetzo höchlich erinnert hat / mich dahin
zubemühen /dass ihr beide eine Ehe schliessen möchtet; welches ich aber nur mit
einem leichten Gelächter beantwortet habe; Aber geliebter Vetter / sagte sie zu
Neda / wollet ihr bei eurer Liebsten noch umb einen ehrlichen Kuss anhalten /
müsst ihr die Gelegenheit nicht unter den Händen zerrinnen lassen / dann das
Frauenzimmer wird bald hie sein / und euren Schatz besuchen. Als Brela solches
vernam / beuhrlaubete sie ihn freundlich / mit versprechen / Gelegenheit
zufinden /dass vor seinem Abscheide sie wieder bei einander kähmen. Also ging
Neda hinweg / frölich und wolgemuht / dass die Götter ihm seine liebste Brelen
mit so grossen Schätzen wiederumb zugeführet hatten / welche bei des
Frauenzimmers Ankunft ein trauriges Gesicht annam / wiewol ihr des Herzen Prast
ganz benommen und vertrieben wahr. Unter der Beredung fragete Frau Pompeja
Jungfer Libussen / wer doch der ansehnliche junge Ritter währe / mit dem sie
sich so gemein hielte. Worauff sie antwortete: Ihre Gn. möchten ihr solche
Freiheit nit verarge / nachdem dieser Ritter Böhmisches Herren Standes / ihrer
Schwester Sohn währe / welchen sie mit Herr Krokus (der vor diesem hieselbst
gewesen) gezeuget hätte. Das kann sein / sagte sie / dann er sihet euch nicht
unähnlich; aber wie habt ihr schon eine so alte Schwester? Sie ist / sagte
Libussa / meine Schwester / von einem Vater /aber nicht von einer Mutter / und
hatte schon etliche Jahr geheiratet / da ich geboren ward / wie dañ dieser
Ritter sechs Jahr älter ist als ich. Frau Sophia gab unter dieser Rede acht auff
Jungfer Brelen Geberde /uñ befand eine Verenderung der Farbe an ihr / so oft er
geneñet ward; daher verstörete sie dieses Gespräch / und redete von andern
Sachen / biss jener die gewöhnliche Farbe wieder kommen wahr / da fing sie aber
an / als ohngefehr / von Neda zufragen / und spürete im Augenblick die vorige
Verenderung an der Jungfer / dass sie vor gewiss hielt / diese beide müsten sich
ehmahls mehr gekennet haben; welches zuerforschen sie nach genommenem Abscheid
Libussen mit sich auff ihr Zimmer führete / und sie also fragete: Geliebte
Freundin / habt ihr nicht vernommen / was eure Wase mag gesinnet sein? Ob sie
hieselbst bei uns bleiben / oder mit den Gesanten nach Prag reisen will? Gn. Frau
/ antwortete sie / ich habe von ihr verstanden / dass Eure Gn. sie untertähnigst
bitten wird /ihr zugöñen / dass sie biss auff unser Gn. Fräulein glückliche
Wiederkunft sich alhie in ihrer Gn. Frauenzimmer auffhalten möge. Dieses kam
ihr sehr verdächtig vor / antwortete deswegen: Wann ihr solches ein Ernst ist /
soll mir nichts liebers sein / werde sie auch ihrer Wirdigkeit nach zuhalte
wissen; doch aber / wañ ich mit euch vertraulich rede dürfte / hätte ich euch
etwz anzumelden / welches ihr ohn allen Zweifel besser wisset / als ich selber;
saget mir die rechte Warheit / da ichs wissen darff; ist nicht eine verborgene
Liebe zwischen Ritter Neda und Jungfer Brelen gewesen / und noch? Libussa
erschrak der Frage / und antwortete: Je Gn. Frau / woher ist ihrer Gn. solches
kund worden? Aus ihrer beiderseits Augen und Verwandelungen / sagte sie; dann da
gestern Abend der Jungfer ohngefehr meldung geschahe / erröhtete der Ritter
zusehens; und heut gings der guten Jungfer nicht anders / als wir von ihm
sprache hielten. Wanne / wanne! sagte Libussa / so muss man sich vor Euer Gn.
gegenwart fleissig hüten / wann man sich einiger Liebe bewust ist; offenbahrete
ihr hierauff / was gestalt schon vor andertalb Jahren / diese beide sich
untereinander ehelich verbunden hätten / und hielte sie es vor ein sonderliches
Glük / dass Alexander erstochen währe; dann ihr Vetter würde ihm diesen Braten
ohn die bitteren Todes Salsen nicht haben geniessen lassen / als welcher mit
allem Recht diese Braut dereins vom Tantze führen müste. So ists freilich besser
/ sagte Fr. Sophia / dass jener umb einer anderen als dieser Ursach willen
umkommen ist; Und habe ich überdas wohl gemerket / dass der Jungfer Traurigkeit
zwar wohl gemeinet / aber nicht tieffherzig ist. Sie hat aber dannoch äidlich
angelobet / sagte Libussa /ihrem Alexander XX Wochen zur Trauer auszuhalten.
Daran tuht sie recht und löblich / antwortete sie; dann so werden böse Mäuler
gestopffet; doch wird sie ja ihrem erste Bräutigam das ehmahlige Versprechen
halten. Daran zweifele Eure Gn. nur nicht / sagte sie; ich habe diesen Morge /
doch anfänglich wider meiner Wasen wissen / sie zusamen gebracht / und das
vorige durch Mund / Hand und Geschenke an allen Seiten verneuert und fest
gemacht. Sie ist gar eine tugendhafte züchtige Jungfer / sagte Fr. Sophia / und
eines redlichen Ehegatten wohl wirdig. Ihr müsst ihnen aber Gelegenheit machen /
dass vor ihrer Scheidung sie offters zusammen kommen / und werde ich darzu
helffen / als viel mir möglich. Ihr aber lasset euch gegen ihrer keinen merken /
dass ich Wissenschaft hierumb trage; welches sie ihr zwar versprach / und doch
nicht unterliess / ihren Vetter zuwarnen / aus was Zeichen Fr. Sophia ihrer Liebe
wahr genommen / damit er sich auff eine Antwort schicken könnte / wann er von ihr
gestochen würde.
    Des folgenden Tages / da die Leiche sollte bestellet werden / liess der
Statalter durch Klodius alles prächtig anordnen / und folgete er / von Stanisla
und Struniko begleitet / allernähest; Nach ihm Neda und Klodius / die des
vorigen Tages gute Kund- und Brüderschaft gemacht hatten; wodurch dieser
erkühnet / zu jenem unter der Leichbegängniss sagte: Geehrter Herr Bruder / wann
mir nicht verarget würde / bei eines Bräutigams Begräbnis den andern auszukiesen
/wüste vor den H. Bruder ich keine bequemere zufinden / angesehen / dass alles
bei dieser ädlen Jungfer überflüssig ist / was ein Weibsbild wert und angenehm
machen kann. Neda gab ihm zur Antwort: Geehrter Herr Bruder / nachdem unsere
Freundschaft so nahe zusammen getreten ist / will ich ihm den grösten Teil
meiner Heimligkeit offenbahren / dass Jungfer Brela schon vor andertalb Jahren
meine versprochene Braut ist / welche mir der entleibete gewisslich nit
vorentalten sollen / er müste dann zuvor meines LebensMeister worden sein /
dessen ich mit ihm mich gewaget hätte; nachdem aber die Götter meine
auffrichtige Liebe erkennet / haben sie es geschicket /dass ich ihm als einem
verstorbenen Freunde zu Grabe folge / da ich ihm bei seinem Leben nichts / als
äusserste Feindschaft hätte erzeigen können / es währe dann / dass er aus Liebe
zur Erbarkeit mir das meine willig abgefolget hätte. Klodius bedankete sich der
Ehren / dass er ihm solche Heimligkeit anvertrauet /und baht / weil er vernommen
/ dz seine Liebste sich alhie aufhalten würde / er möchte bei ihm bleiben /und
da es ihm nit zugeringe / Alexanders Häuptmanschaft nebst dem Obrist
Wachtmeisters Platz annehmen; Er zweifelte nicht / der Statalter würde ihm
solches vor andern gerne gönnen. Neda / nach geschehener Danksagung /
antwortete: Er währe ein Königlicher Gesandter / müste vorerst wieder nach Prag
zu seiner Gnädigsten Königin; da ihm aber der Platz so lange könnte offen
gehalten werden / erböhte er sich ohn Sold zudienen / ümb Gelegenheit zu haben /
bei seiner Liebsten zusein; welches ihm Klodius nach allem Willen versprach /
auch nach geendigter Begräbnis es mit dem Statalter vertraulich redete / da Fr.
Sophia gleich darzu kam / und eben dasselbe von ihrem Vater bitten wollte; als
sie nun hörete / dass dieser ihr schon zuvor kommen war / sagte sie im Scherz zu
ihm: Ich gedachte den Dank allein bei diesen verliebeten zuverdienen / und mich
bei meinen künftigen Untertahnen beliebt zumache / aber ihr seid mir zugescheid
gewesen / welches / ehe fünff Tage vergehen / ich gedenken will. Klodius baht
untertähnig um Verzeihung / es währe ihm leid / dass er so unglücklich gewesen /
und ihrem Willen zugegen gehandelt /bähte solches nicht zueifern / wollte sich
nach diesem keines Dinges unternehme / ehe und bevor er von ihrer Gn. Urlaub
hätte; doch währe ihm gar unbewust gewesen / dass Ihre Gn. umb diese heimliche
Liebe Wissenschaft gehabt. Die habe ich auch nicht gehabt / antwortete sie /
ausser dem / was ich argwohne; Es ist mir aber sehr lieb / dass ihr zugleich mit
mir hierauff bedacht gewesen seid. Gleich da sie dieses redeten / kam Jungfer
Libussa / und brachte eine flehliche Bitteschrifft / welche von den gefangenen
Beschuldigten an Jungfer Brelen gestellet wahr / darinnen sie vorerst gar
kläglich umb Verzeihung bahten / hernach umb Gnade und Lebensfristung anhielten
/ welches sie bei dem Herrn Statalter und Ober Hauptmann durch ihre Vorbitte
leicht erhalten könnte. Diesen Brief übergab sie dem Statalter / und zeigete an
/ es hätte ihre Wase den Inhalt gelesen / wollte aber nichts darzu reden / ohn
dass sie Ihrer Gn. alles heimstellete / und wann dieselbe aus eigener Bewägniss /
oder wegen anderer Vorbitte / Barmherzigkeit und gelindere Straffe wollte ergehe
lassen / währe sie damit wohl zufrieden /angesehen ihr mit ihrem Blute nicht
gedienet / ob sie es schon gnug verwirket hätten. Aber Fr. Sophia sagte: Es
könnte eine solche ärgerliche Taht / ihrem schlechten Verstande nach / nicht
ungestraffet hingehen / ob gleich nach befindung einer schärffer als der ander
zubestraffen währe; Ward also nach den Uhrhebern gefraget / und befunden / dass
ihrer drei vor andern dieses Unglück gestiftet hatten / deswegen sie mit Ruhte
geschlagen und entåuptet / die acht ubrigen aber ins Elende geschikt wurden /
in den Bergwerken drei Jahr zuarbeite. Bei dem Abendessen ware die vornemste
Herre der Stad eingeladen / da die Königliche Gesanten mit dem Frauenzimmer in
eine bunte Reihe gesetzet wurden / und dem guten Neda das Glük so wohl fugete /
dass er neben seiner Liebesten die Stelle bekam / dessen Fr. Sophia heimlich
lachete. Nach abgetragenen Speisen sagte der Statalter zu Neda; ädler Ritter /
nachdem euer Vater H. Krokus mein guter Freund / und ihr wirdig seid / geliebt
und befodert zuwerden / massen euer wolverhalten ich von den andern Herren
Gesanten verstanden / stelle ich euch den Obrist Wachtmeister-Platz in dieser
Römischen Käyserl. Besatzung an / dafern euch geliebt selben anzutreten / und
kann ich euch nach diesem weitere Freundschaft leisten / sollet ihr mich dazu
willig haben. Neda stund auff / neigete sein Häupt / und bedankete sich der
hohen unverdienten Gnade in untertähnigkeit; nam auch das angebohtene Ampt an /
dafern ihm zuvor könnte vergönnet werden / laut Königl. Befehls wieder in sein
Vaterland zukehren / umb /von seiner Gn. Königin und den Land Rähten Urlaub
seiner Dienste zu erhalten / weil er zu Prage in der Königl. Besatzung eine
Hauptmanschaft / neben Verwaltung der Rustkammer bedienete. Herr Struniko wahr
sein Oberster / erliess ihn auch alsbald der Hauptmanschaft / so dass er das
Fähnlein seines gefallens verkäuffen möchte / ungeachtet ers aus seinem Beutel
geworben hätte. Aber Jungfer Libussa redete ihm ein; ihrer Schwester Sohn sollte
mit seinem Schaden nicht abtreten / sondern sie wollte dem Obristen davor 2000
Kronen erlege / dass sie ihn hieselbst bei sich haben / und seines Rahts sich
gebrauchen könnte: Worzu ihm Fr. Sophia eine güldene Kette von 500 Kronen
verehrete / und Neda sich gegen seinen Obristen erboht / dafern er nach seinem
wolvermögen bei der Königin ihm Urlaub erhalten würde / wollte er ihm das
Fähnlein auff seine Kosten mit 50 Mann verstärken; Und ob gleich H. Struniko
allem Erbieten wiedersprach / musste er doch wegen vieler nöhtigung die
Bedingungen eingehen. Folgendes tages zimlich früh liess Fr. Sophia Ritter Neda
zu sich fodern / zu dem sie sagete; weil ich vernehme / dz ihr willens seid
/erst wieder mit nach euer Gn. Königin zu reisen / wiewol ich euer aussbleiben
schrifftlich wohl entschuldigen wollte / werdet ihr euch nicht wegern / mit mir
nach Jungfer Brelen Gemach zu gehen / die euch in meiner Gegenwart eigentlich
erzählen soll / was vor Zeitung ihr eurer Gn. Königin von dem Durchl. Königlichen
Fräulein anzumelden habt. Dieser roch den Braten schon / taht doch nicht
desgleichen / uñ folgete ihr willig. Im hingehen sprach sie vor Libussen Gemach
(welche gleich bemühet wahr / die versprochenen 2000 Kronen abzuzählen) und baht
sie / der Jungfer ihrer Wasen anzudeuten / dass sie mit ihr ein wenig zu reden
hätte. Diese hatte sich kaum halb bekleidet /legte doch das übrige an / so gut
sie in der Eile mochte / und da sie ihren Neda mit komen sah / entfärbete sie
sich dermassen / dass sie schier blind ward; dessen aber Fr. Sophia sich nicht
annam / sondern nachdem sie ihr einen glücklichen Morgen gewunschet hatte /sagte
sie; es würden die Königl. Gesanten ihre Reise ehist wieder zurück nehmen; hätte
demnach Ritter Neda mit sich hergeführet / dass er aus ihrem Munde der Fräulein
Zustand eigentlich einnehmen / und seiner Gn. Königin Bericht einbringen könnte.
Diese wahr hiezu willig / und erzählete alles mit den vornehmsten Umständen /
doch so verwirret / dass ihr verliebter Sinn daher leicht abzunehmen wahr;
welches Libussa merkend / ihr zuzeiten wieder einhalff. Nach geendigter
Erzählung / gab es noch unterschiedliche Unterredungen / biss Fr. Sophia vor erst
Neda einen treflichen Ring schenkete / mit begehren / denselben zum Zeichen der
Gewogenheit anzunehmen; stellete bald darauff Brele einen gleichmässigen mit
eben denselben Worten zu / und redete sie hernach beide also an: Ihr meine
geliebten Freunde; die Götter wissen / dass ich euch von Herzen gewogen bin /
welches in der Taht zuerweisen vielleicht dereins bessere Gelegenheit fallen
wird; ich möchte aber wünschen /dass ihr beide einer dem andern noch auff andere
Weise / und viel gewogener währet / nachdem / wie ich meine / ihr beiderseits
frei und keinem verbunden seid / zweiffele auch nicht / es könnte ein solches
nicht anders als zu allem Glük aussschlagen. Kan ich dieses nun bei euch erhalten
/ so vertauschet diese beiden Ringe mit einander; wo nicht / alsdann behalte ein
jeder den seinen zum Gedächtnis meiner guten Meinung. Brela ward hierüber sehr
schamroht / wusste nicht / ob sie von Libussen verrahten währe / und harrete /
biss Neda antworten würde; welcher hingegen in Furcht stund / seine Reden möchten
ihr ungenehme sein; welches Libussa merkend / diese Antwort gab; Gn. Frau / es
ist eine wichtige Sache / die eure Gn. vornimt / bitte demnach in dieser beider
Nahmen untertähnig / dass ihnen neben mir ein kurzer Abtrit nicht möge verarget
werden. Fr. Sophia wahr dessen wohl zu frieden / und blieb derweile im Gemach
allein / da Libussa zu ihrer Wasen sagte: Ich weiss nicht / wie unsere Gn. Frau
zu diesem Vorsatz komt / davon sie mir durchaus nichts gesagt hat / und muss sie
ohnzweiffel aus etlichen Zeichen eure Liebe angemerket haben; rahte deswegen
geträulich / vertrauet ihrer Gn. eure Heimligkeit / dess werdet ihr inkünftig
vielfältig zugeniessen haben; so wird sie es auch auff euer Bitte und Begehren
wohl verbergen. Brela fassete hierauff ein Herz / und wie sie zusammen wieder ins
Gemach gingen / sagte sie zu Neda; Mein Herr / seid gebehten / und berichtet
unsere schier künftige gnädigste Königin unsers Zustandes / welches wir niemand
sicherer als ihrer Gn. zuvertrauen haben. Er verrichtete solches mit züchtigen
Worten / und taht Brela hinzu / wie sie durch äusserste Noht gezwungen / umb
ihre Ehr zuretten / weiland H. Alexandern vor ihren Bräutigam auffnehmen müssen;
gaben hernach einer dem andern die geliefferten Ringe / und bahten ihre Gn. es
noch in etwas vor jederman ingeheim halten möchte / welche bald darauff Abscheid
nam / und Neda bei Straffe aufferlegte / bei seiner Liebsten zu warten / biss sie
ihn abfodern liesse / welches sich doch in die vier Stunden verzog; inzwischen
Neda mit seiner Brelen sich vieler Sachen beredete / da sie insonderheit ihn
erinnerte / es währe billich / dass man Jungfer Libussen vor ihre Träue ein
Zeichen schuldiger Dankbarkeit sehen liesse / gestaltsam sie nicht allein ihr
gutes Herz durch mannichen Dienst / sondern auch in herschiessung ihrer Gelder
erzeiget hätte / uñ da sie nicht von so gar grossen Mitteln währe / dannoch
gestern Abend ihretwegen 2000 Kronen Herrn Struniko aussgesprochen / nur dass sie
ihre langwierige treñung hinderte. Neda erboht sich / er wollte nach äusserstem
vermögen tuhn / sie aber antwortete; darumb ists von mir nicht geredet; ich habe
/ den Göttern sei Dank /Mittel gnug / so weit man mit Schenkungen reichen kann /
wollet demnach meine Gedanken vernehmen; ich habe Fürst Herkules in der Fremde
60000 Kronen vorgesetzet worüber ich einen Wechselbrieff an sie habe; nun währe
meine Meinung / ich wollte ihr diesen Wechsel euret und meinetwegen schenken /
dafern ihr dessen friedlich seid. Er gab zur Antwort / ihr stünde alles frei /
nach Willen zu machen / und sollte ihm solches herzlich angenehme sein; worauff
sie ihm alle ihre Schätze zeigete / und ihm manniches Kleinot zustellete / die
er wieder seinen Willen annehmen musste; insonderheit lieferte sie ihm
unterschiedliche /welche er seiner Mutter und Schwester ihretwegen mitbringen
möchte; sendete auch der Königin einen treflichen Ring / bei dessen Lieferung es
Gelegenheit geben würde / umb gnädigsten Urlaub anzuhalten. Fr. Sophia kam
endlich selbst wieder mit Libussen / und begunte diese / ihre Wase mit Worten
zimlich umbzutreiben; sagte unter andern / es hätte ihre Gn. Frau ohnzweiffel
einen Wahrsager Geist / welcher ihr der Menschen Heimligkeiten offenbahrete. Ach
nein / antwortete Fr. Sophia / es bedarff dessen nit; die Augen der Menschen /
wann man deren nur recht wahr nimmt / können leicht anzeigen / was im tieffen
verborgen liegt / insonderheit bei dene / welchen das Geblüt lieber aufwarz /
als unter sich steiget. Brela wollte Libussen bezahlen / und fing an: Wie dann
Gn. Frau /halten dann eure Gn. mich allein vor verliebet / und sehen meine Wase
so einfältig und so frei an / da sie doch an dieser Seuche heftiger danieder
lieget weder ich? Libussa fiel ihr in die Rede; dafern sie noch ein Wörtlein
hievon meldung tuhn würde / wollte sie hinweg lauffen; trat auch aus dem Gemache
/ umb unvermerket zu lauschen / was weiters vorfallen würde. Da Fr. Sophia
anhielt / ihr den Bräutigam zu nennen; und als sie hörete / dass es Leches wahr /
sagte sie; nun bin ich wohl einfältig / dass ich solches nicht habe merken können;
ging hin Libussen wieder zu ruffen / und da sie dieselbe an der Tuhr stehen sah
/ sagte sie; was lauffet ihr so furchtsam hinweg / Ritter Leches jaget euch ja
nicht. Des müsse Brela die Plauder Matzin dank haben / antwortete sie / aber
hätten ihre Gn. es auff diese Weise nicht erfahren / wollte ich dieselbe zur
Hochzeit gebehten haben / ehe sie von dem Bräutigam ichtwas gewust hätte. Sie
hielten noch eine zeitlang ihr Gespräch / biss Fr. Sophia von ihnen nach Frl.
Sibyllen ging / und derselben diese Heirat Sache vertrauete / die es ihrer
guten Freundin wieder sagete /dass in weniger Zeit es überal ruchtbar ward.
Libussa blieb noch etwas bei ihrer Wasen / welche ihren Wechselbrieff hervor nam
/ uñ sie also anredete: Herzgeliebte Schwester; mein Liebster und ich / erinnern
uns billich der geträuen Freundschaft die ihr in so kurzer Zeit uns alhier
erzeiget habet / wollten auch selbe gerne mit Dankbarkeit erkennen / als viel wir
Vermögens sind und ersinnen können / da wir dann vor erst euch ein schlechtes
bieten wollen / unter der Hoffnung / ihr werdet uns solches nicht verschmähen.
Libussa antwortete: O ihr meine Herzgeliebete Freunde / sind wir dann nicht
schuldig / uns alhier in der Fremde träulich zu meinen? gedenket doch an keine
andere Vergeltung / als die im guten Willen beruhet /dann meine Dienste und
Vermögen bestehen nur in demselben. Euer guter Wille / sagte Brela / hat mehr
gewirket / als viel grosse Schätze nicht vermögen; deswegen / da ihr uns
träulich meint  und liebt / so seid uns hierin nicht verdrisslich noch zu wider.
Was verdriesslich? antwortete sie; ich verbleibe die eure allerseits / wie ihr
verhoffentlich nicht zweiffeln werdet / will auch euer Erbieten umb zugehorsamen
/ annehmen / jedoch / dass die Vergeltung nicht zu gross sei. Die grösse eurer
Verdienste / sagte Brela / müssen wir nicht ihr mässen / und ob wir gleich daran
so leicht nicht reichen können / wollen wir doch den Willen sehen lassen. So
schauet nun her / kennet ihr die Hand dieses Schreibers? O ja / sagte sie /
betriegen mich meine Augen nicht / so hat Fürst Herkules diesen Brieff
geschrieben. Es ist wahr / sagte sie; so nehmet nun denselben von uns beiden an
statt eines willigen Danks an; wo ihr euch dessen aber ferner wegert / soll alle
unsere Freundschaft auffgeruffen sein. Libussa kunte nicht ausssiñen / was
Verehrung ein solcher Brief in sich hielte / oder zu bedeuten hätte /sagte doch
mit halblachende Worten; ja diesen Brief /aber nichts mehr nehme ich von euch
an. Gnug / sagte Brela / den Brieff mit seinem Inhalt / und sonsten vor dissmahl
nicht mehr. Worauff jene die aussdeutung foderte / was durch den Inhalt
zuverstehen währe. Den sollet ihr selber lesen / antwortete Brela / nachdem ihr
euch eigentlich erkläret habt. Ich muss wohl / antwortete Libussa / wo unser
gedinge soll geendiget sein /nehme es demnach an / weil ich mich schon sicher
weiss / dass ihr mir keinen Brieff böses Inhalts schenken werdet. Nam also das
Schreiben zu sich / kunte sich aber doch nicht drein finden / was es bedeuten
sollte / biss Brela zu ihr sagete: Sehet herzliebe Schwester / diese benahmete
60000 Kronen / welche ich Fürst Herkules vorgeschossen / sollen euch unsertwegen
zur Vergeltung geschenket sein / welche Fr. Sophia alle Stunden mit Dank
ausszahlen wird. Libussa entsetzete sich dergestalt vor dieser Freigebigkeit /dass
sie den Brieff aus der Hand fallen liess / und sich hoch vermass / dafern sie
dieses zuvor hätte wissen sollen / wollte sie ihretwegen keinen Fuss aus der
Stelle gesetzet / noch einiges Wort verloren haben; dann es schiene nicht
anders / als ob man sie entweder gar eigen käuffen / oder mit so grossem Gelde
abschrecken wollte / sich hernähst weiter in freundschaft Dienste finden
zulassen; erklärete sich doch endlich / die Gelder mit höchster Dankbarkeit
anzunehmen / jedoch mit dem ausdrücklichen Vorbehalt / dass wo Leches schier heut
oder Morgen nicht einwilligen würde / es alles damit sollte auffgeruffen sein /
welches sie endlich einwilligen mussten; gingen darauff mit einander zur Mahlzeit
/ und vertrieben den übrigen Tag mit allerhand Gespräch. Des folgenden Morgens
reiseten die Gesanten / nach empfangenem freundlichem AntwortSchreiben von dem
Statalter uñ Frau Sophien /wiederumb nach Böhmen / da Jungfer Brela ihrem
Liebsten 50000 Kronen auff Wechsel übermachte /und 3000 Kronen mit auff die
Reise gab / nebest allerhand köstlichen Ringen und anderen Kleinoten /die sich
auf 40000 Kronen belieffen / verabscheideten auch / dass inwendig acht Wochen sie
zu Padua wieder beisammen sein wollten. Die Gelder vor Alexanders verkauffte
Güter sendete Markus über / ehe ichtwz von seinem Tode in Griechenland ruchtbar
ward / und ob gleich nachgehends seine hinterbliebene nahe Anverwanten solches
wieder foderten / hatte sie doch zu mächtigen Schuz an dem Statalter / wiewol
sie seiner Schwester / die nicht von grossen Mitteln wahr / 20000 Kronen aus
freiem Willen schenkete. Es ging ihr sonsten nach gemeiner Art der wolbegüterten
Jungfern / dass mannicher Freier sich bei ihr melden liess / unter denen ein Land
Junker war / unfern von Padua wohnend / welcher auff seine Leibes Zierligkeit
sich verlassend / so gar nicht am glücklichen verfolg zweifelte / dass er sich
ungescheuhet selbst bei ihr anmeldete / aber auch mit solcher Antwort abgewiesen
ward / dass er nachgehends immerfort die Böhmischen Jungfern beschuldigte / dass
sie zwar schön von Leibe / und reich an Gelde / aber hesslich an Gutwilligkeit /
und arm an Höfligkeit währen.
    Herkules lag unterdessen zu Elia oder Jerusalem an seiner Wunde drei Wochen
zu Bette / ehe er völlig genass / und hatte wehrender Zeit sehr gute Pflege /dann
Fr. Terenzia und ihre Tochter Lukrezie besuchten ihn täglich etliche mahl /
wodurch das Liebe Feur in dem zarten Herzen dieser züchtigen Fräulein häuffig
gemehret ward / und ob sie gleich ihrem geliebten Freunde alle Wolfahrt gönnete
/ sah sie doch / dass seine Verwundung die einige Ursach seines bleibens wahr /
also dass sie seinen Unfall vor ihr Glük rechnete. Als sie nun vernam / dass sichs
mit ihm zur Besserung anliess / wollte sie einen Versuch tuhn / ob er sich länger
könnte auffhalten lassen / daher sie einsmals zu ihm sagete: ob es nicht sache
währe / dass er durch andere / seine verlohrne Frl. Wase suchen liesse / und er
inzwischen bei ihne verbliebe / biss er gewisse Zeitung hätte / an was Orten sie
anzutreffen; Sie wollte ihren H. Vater leicht dahin vermögen / dz er die
versuchtesten des Landes ausschickete / und ihr durch alle Landschaften
nachspüren liesse / so weit man meinte / die Räuber mit ihr möchten gangen
sein; Dieses hielte sie vor nüzlich und sicher / könnte auch durch seine
angenehme liebe Gegenwart ihre Eltern desto länger erfreuen; so fürchtete sie
über das / die verteufelten Juden würden ihn zuverfolgen noch nicht ablassen /
und was sie sonsten einzustreuen wusste. Herkules hatte dieser Fräulein hohe
Zuneigung diese Zeit über aus vielen Geberden und Worten gnug gespüret / welches
ihm dann / angesehen ihre Zucht und Scham nicht unangenehm wahr; Demnach aber
sein Herz dahin nicht mochte gelenket werden / ihr diese wilfahrung zubezeigen /
gedachte er / es würde das beste sein / dass er sich mit solchen Reden eins vor
alles heraus liesse / woraus sie einen Argwohn seiner Liebe fassen / und von den
Gedanken einiger Heirat (wo sie dieselben hätte) befreit werden könnte;
antwortete ihr deswegen sehr freundlich: Es wåhre ihm eine lautere Unmögligkeit
/ sich der Reise zubegeben / oder einem andern / wer der auch sein möchte / die
Nachsuchung anzuvertrauen / massen sie in fremder gestalt und Manneskleidern
gefangen währe / und bisher vor einen Jüngling gehalten würde / hätte auch ein
sehr heimlich-vertrauetes Wahrzeichen / durch dessen Vorschub er und kein ander
sie erfragen könnte. Uberdas währe er von kindlicher Kundschaft her diesem
Fräulein / und sie ihm dergestalt verpflichtet /dass geborne Brüder und Schwester
sich nimmermehr höher und herzlicher lieben möchten; könnte demnach nicht ruhen
noch von herzen frölich sein / biss er sie wieder in freiem Stande sehen würde.
Das gute Fräulein hatte bisher dergleichen Reden von ihm nicht gehöret / fassete
aber bald hieraus die unfehlbahre Meinung / wie es stehen müste / und das merken
zuvermeiden fragete sie / ob die verlohrne ihm dann so nahe verwand währe. Eben
so gar nahe nicht / sagte er / nur die volkommene Zuneigung zwinget mich am
meisten / ihre Erlösung zubefodern. Ja wohl / antwortete sie / so tuht ihrs nicht
umb Verwandschaft / sondern umb Liebe willen. Er wollte dieses nicht stark
leugnen / weil es eben zu dem ende angefangen war /damit ihr der Weg / ein
mehres zuhoffen / verlegt würde / und gab zur Anwort: Ja Hochgebohrnes Fräulein
/ wann ich die Warheit bekeñen soll / die ich noch keinem andern geredet habe /
so treibet mich nicht wenig die in kindlichen Jahren gesetzete Liebe / dieser
meiner Frl. Wasen mich anzunehmen. Welches ihr aber nicht sonderlich lieb
zuhören wahr / liess sichs doch im geringsten nicht merken / sondern baht / er
möchte sich mit schwermühtigen Gedanken nicht verunruhen / damit er seines
langwierigen Lagers schier entnommen würde; was vor ihr Häupt sie zu Befoderung
der Erlösung seiner liebsten Fräulein schaffen könnte / wollte sie keines weges
unterlassen; und stund nicht lange an / dass Herkules zur völligen Gesundheit kam
/ und sich wieder tüchtig befand / Waffen zu führen / daher er bei dem
Statalter freundlich anhielt /dass seiner Reise Nohtdurfft nach / er günstig
erlassen würde; Welcher ihm antwortete: Es müsten die gefangene mörderische
Juden zuvor / ihrem Verbrechen nach / verdiente Straffe empfangen; währe demnach
willens / sie morgendes Tages zuverurteilen. Herkules wusste / dass ihrer eine
grosse Anzahl wahr / welche vielleicht nicht alle in gleicher schuld möchten
begriffen sein / fragete deswegen / ob nicht denen / vor welche er bitten würde
/ das Leben könnte geschenket werden; und da ihm solches versprochen wahr / baht
er den Bischof / einen Christlichen sanftmühtigen Lehrer zu ihnen ins Gefångniss
zusenden / ob sie vielleicht / oder nur etliche unter ihnen / den falschen
Glauben ablegen / uñ die Christliche seligmachende Lehre annehmen wollten /
alsdann würde man sich bemühen /dass ihnen entweder das Leben gar geschenket /
oder doch gelindere Straffe auffgelegt werden sollte; Aber vorerst war alle
Vermahnung vergeblich / indem ihrer etliche sich dürre heraus liessen / als
fromme Juden zusterben; die andern es mit einem stilleschweigen beantworteten;
Daher wurden sie allesamt gebunden auff den Platz hinaus geführet / woselbst
Herkules mit Ben-Levi den Kampff gehalten / und stunden LX Kreuze auffgerichtet
/ vor welche die Gefangene sich heftig entsetzeten / und ein jämmerliches
Geschrei anfingen / klageten sehr / dass sie nicht samt ihren Brüdern sich hätten
niderhauen lassen / damit sie des elenden schmerzhaften Todes möchten befreit
sein. So bald das Geschrei erging / dass die Urtel über die gefangene Juden sollte
gesprochen und das Gericht gehäget werden / liessen sich zehn ansehnliche Juden
bei dem Statalter angeben / dass sie untertähnig begehreten / gnädig gehöret
zuwerden. Er wollte sie anfangs nicht vor sich lassen / doch auf Herkules
fleissiges anhalten / liess ers geschehen; da der älteste unter ihnen / nahmens
Meister Schmul dieses vortrug: Hochmögender Herr Statalter; wir von der ganzen
Jüdischeit dieser Landschaft Abgeordnete / sind befehlichet worden / euer
Hochvermögenheit untertähnig vorzutragen / und zubitten / dieselbe gnädig
geruhen wolle / sich zuerinnern / was gestalt Römische Käyserl. Hocheit uns und
unserm Volke den Juden die Freiheit allergnädigst erteilet / nicht allein in
dieser Stad uñ umliegenden Judischen Lande unter unserm Vorsteher und eurem /
als Römischen Statalters Schutze sicher und frei zuwohnen und zuwerben /sondern
auch unserm Gottesdienste obzuliegen / ohn Einsprache und Verhinderung. Wann wir
dann vor warhaft berichtet werden / dass eine zimliche Anzahl unserer
Glaubensgenossen in strånger Hafft und Gefängnis sollen gehalten / und mit
abscheuhlicher Straffe bedrauet werden / und solches zwar umb eines einzigen
Christen willen / dem sie weder am Leben /noch an der Gesundheit noch an seinen
Gütern keinen einigen Schaden zugefüget / und er überdas ein Fremdling / und wohl
gar des Römischen Reichs Feind sein mag; Als stehet die löbliche Judischeit in
Betrachtung dessen / in gewisser Hoffnung / es werde der Römische Herr
Statalter seine Hände mit unschuldigem Blute nicht besudeln / noch unsere uns
von Römischer Käyserl. Hocheit selbst allergnädigst erteilete Sicherheit
schwächen oder brechen / sondern die unschuldig Gefangenen gnädig erlassen;
sollte aber unsers Feindes Frevel durchdringen / uñ bei dem Herrn Statalter
seinen Mutwillen erhalten / alsdann bedingen wir uns auffs zierlichste von alle
dem Unheil / welches hieraus entstehen dürffte / beruffen uns auch auff diesen
unverhoffeten fall / auff Käyserl. Hocheit / und dass vor dero gerechtestem
Richter-Stuel wir diese gerechte Sache anhängig zumachen uñ auszuführen /
ungehinderte Freiheit haben mögen. Der Statalter erzürnete sich über diese
Vermässenheit heftig / begrif sich doch / und gab ihnen diese Antwort: Frecher
Jude / du hast dein Lügenmaul weit auffgetahn / und deinem Trotz grossen Urlaub
gegeben; Und bin ich krafft tragendes Amtes nicht schuldig / dir zu antworten /
nur allein soltu wissen / dass ich keine Juden / sondern öffentliche Mörder
einsetzen lassen / welche den hochteuren Landfrieden schändlich gebrochen /
einem hochverdienten Römischen Ritter und sonderlichem Brüderlichen Freunde
unsers Allergrossmächtigsten Käysers mördlich aufgewartet / und dadurch als
Ubeltähter das Leben verwirket / denen also durchaus kein Anruffen an Käyserl.
Hocheit zustehet / sondern nach gemeinem Recht sollen und müssen gestraffet
werden. Ich frage euch aber / ob euer Worthalter alles nach eurer Bewilligung
vorgetragen / oder ein und ander unter euch etwas daran zutadeln habe. Sie
fingen drauff einmühtig an / dass ihrer aller durchaus eine Meinung und einerlei
Rede währe. Wolan / sagte der Statalter / so habt ihr euch schwerer Bedräuung
vernehmen lassen / als ob auff mein Vornehmen grosses Unheil erfolgen dürffte
/welches nichts anders / als ein algemeiner Auffstand eures Volkes sein würde /
wovor ihr euch als Redelnsführer anmeldet / und deswegen in gestränger Hafft
verbleiben sollet / biss von Käyserl. Hocheit ich Befehl bekommen werde / wie mit
euch weiters zuverfahren sei / da ich dann keines weges zweifelen will /ihr
sollet es mit dem Leben bezahlen. Diese hielten an / der Statalter möchte sich
eines bessern bedenken /und sie der Hafft erlassen / es würde sonst eine grosse
Verantwortung darauf stehe. Aber er antwortete: O ihr Schelmen / fahret ihr noch
fort mit eurem Trotz / und hättet guter Vorbitte so hoch von nöhten? Hiess sie
alsbald in die Gefängnis führen / daraus die andern genommen waren / und ward
durch die ganze Stad ausgeruffen: Dafern einige Juden sich mit Waffen würden
finden lassen / oder heimliche Zusammenkunft halten / sollte es alsbald am Leben
gestraffet werden. Hiedurch wurden sie erschrecket / dass sie von ihrem Vorsatz
abstunden / da sie geschlossen hatten / die verurteilete Mörder loszumachen / es
geschähe in Güte oder durch Gewalt. Auf dem Gerichtplatze trat der vorige
Christliche Lehrer wieder hin zu den Gefangenen / und ermahnete sie mit Trähnen
und sonderlicher Wolmeinung / weil er ein geborner Jude war / sie möchten doch
ihre eigene Wolfahrt und künftigen Zustand nach dieser Vergängligkeit
betrachten /damit sie nicht das zeitliche und ewige zugleich verlieren möchten.
Es könnte leichtlich erwiesen werden /wie gröblich sie irreten / indem sie auff
einen andern Messias als auff den gekreuzigten und von den Todten
aufferstandenen JEsus hoffeten. Sie möchten doch ihren jetzigen Zustand
behertzigen; Der Reichs-Stab währe ja nach Jakobs Weissagung von ihnen hinweg
genommen / ihr Gottes Haus und äusserlicher Gottesdienst zerstöret und
auffgehoben / ihre weltliche Herrschaft vergangen / und liesse sich durchaus
keine Hoffnung zur Ersetzung blicken. Es währen nunmehr schon 155 Jahr / dass
Jerusalem in der Asche läge; LXII Jahr lang währe es ein wüster Hauffe gewesen
/woselbst sich nur wilde Tihre auffgehalten / biss vor XCIII Jahren Käyser Elius
Hadrianus diese jetzige Stad dahin gebauet / und sie Elia Capitolina nach seinem
und seines Abgottes Nahmen genennet / aber als eine Heidnische Stad nicht den
Juden / sondern den Heiden zur Wohnung; Und ob gleich die Juden fint der
Verstörung her schon etliche mahl versucht hätte /ein Reich wieder anzurichten /
währen sie doch allemahl jämmerlich drüber angelauffen. Hiebei führete er ein /
was gestalt vor CXI Jahren die Juden in Egypten viel tausend stark sich
versamlet / unter ihrem Führer Andreas sich dem damahligen Käyser Trajan
entgegen gesetzet / und in die 200000 Menschen erschlagen / auch die übrigen des
Orts gezwungen / der erschlagenen Fleisch zu fressen / und sonsten viel
Grausamkeit verübet hätten. In der Insul Zipern hätten sie es gleich um dieselbe
Zeit nicht besser gemacht / uñ in die 24000 Menschen daselbst erwürget; wie auch
in Mespotamien und anderen Landschaften währen sie auch in voller Rüstung
gewesen; aber allentalben dergestalt von den Römischen Feld Herren geschneuzet
/ dass ihrer unzählig viel tausend drüber hingerichtet währen; insonderheit in
Zypern / woselbst dasmahl ein Gesetz gegeben worden / dass wo ein Jude dahinein
kähme / auff was weise es auch geschehen möchte / sollte es ihm den Hals kosten.
Etwa fünff Jahr hernach hätten sie in diesem Judischen Lande abermahl einen
Aufstand gemacht / aber von dem Römischen Statalter Titinius Rufus so manniche
Schlappe eingenommen / dass sie endlich ruhig sein müssen. Dreizehn Jahr hernach
/ als Hadrianus diese Stad Elia erbauet / und auff den Platz des ehmaligen
Gottes Hauses die jetzige heidnische Kirche zum Jupiter Capitolinus genant /
aufgerichtet / währe ein neuer Lermen darüber unter den Juden entstanden /
hätten sich anfangs unter der Erden in den Klüfften uñ Hölen auffgehalten und
bewehrt gemacht / endlich unter ihrem Führer und vermeinten Messias dem
Bar-Kochba einen offentlichen Krieg wider den Käyser angefangen / auch anfangs
sehr grausame Tahten verrichtet / biss inwendig drei Jahre ihre Macht gedämpffet
/ und ihrer in unterschiedlichen Treffen über die 580000 Mann erschlagen worden;
deren aber / die durch Hunger und Seuchen umkommen / währe eine unzählbare
Menge; da hätte man alle Juden ins gemein aus diesem Lande vertrieben / uñ es
den Heiden uñ Christen zubewohnen eingeräumet; Ja noch neulich / etwa vor XXIII
Jahren hätten die Juden unter dem Mörder Klaudius eine Auffruhr erwecket / aber
vom Käyser Severus währen sie bald gezwungen sich zudemütigen. Dass also sich
nirgends hätte Glük zu ihren Anschlägen finden wollen. Nach solcher Erzählung /
erzwang er / dass die bestimmete Zeit des Messias ausser allem Zweifel schon
erfüllet / und die von dem Propheten Daniel ernennete LXX Jahrwochen längst
verflossen / uñ hätte JEsus von Nazaret durch alle Zeichen sich kräftig
erwiesen / dass er der versprochene Messias und Heiland der Welt währe /indem er
nit allein allerlei Krankheiten und Seuchen mit einem Worte geheilet / sondern
nach seiner siegreichen Aufferstehung gen Himmel gefahren / und nach seiner
Aufffahrt seinen Jüngern den Heiligen Geist sichtbahrer weise mitgeteilet /
durch dessen Krafft sie im Nahmen JEsus grosse Wunderzeichen verrichtet håtten /
wie solches alles so helle am Tage /und mit so viel hundert tausend Mårterer
Blute beståtiget und versiegelt währe / dass kein Witziger / dem es kund getahn
würde / daran zu zweifeln hätte. Dann warumb hätten diese alle einem Menschen zu
gefallen / umb errichtete Lügen ihr Leben durch allerhand grausame Pein
aufopffern wollen oder können / wann sie nicht versichert währet / das JEsus /
umb dessen Willen sie gelitten / ihnen viel ein wichtigers wieder geben würde /
wañ sie nach seiner Lehre / ihm zu liebe und ehren / Leib und Leben in die
Schanze schlügen? Uberdas sollte man die Weissagungen Altes Testaments oder
Bundes betrachten / so würde sichs finden / wie artig und genau dieselbe mit dem
HErrn JEsus übereinstimmeten; überlief hiebei kürzlich die vornehmsten Sprüche
der Schrifft / welche von dem Messias handeln / insonderheit aus dem LIII Cap.
des Esaias / daraus er bewiess / dz Messias vor der Welt Sünde sterben und büssen
müste / auf dz Gottes gnade uñ die ewige Seligkeit uns arme verdamte Mensche
wieder erworben uñ zuwege gebracht würde. Einer unter diesen gefangene / namens
Mose / der in de Rabbinischen Schrifften fleissig gelesen hatte /fing mit diesem
Christlichen Lehrer ein Gespräch von dem Messias an / und unterstund sich
zubehäupten /Messias würde kommen / ein zeitliches Reich anzurichten / und die
Judische Herschaft in den Stand zusetzen / wie sie Zeit König Salomons gewesen;
dann er sollte ja ein König sein; er sollte Davids Stuel besitzen / und seine
Feinde zum Schemel seiner Füsse legen. Dieser aber bewies ihm gerade das
Wiederspiel: Es währe durch Christus oder Messias Reich nicht ein weltliches
oder irdisches zu verstehen / sondern er währe uns verheissen und gesand / die
bussfertigen Sünder aus dem Rachen der Hellen und des leidigen Teuffels
zuerretten; nehmlich er sollte der Hellischen Schlangen den Kopff zutreten / und
ein Segen aller Völker sein / also das Gottes Reich durch ihn in der ganzen Welt
aussgebreitet würde / welches sonsten nur in den engen Grenze dieses gelobeten
Landes eingeschlossen wahr. Und da Messias nur das zeitliche Reich anrichten
sollte / was hätte dann König David und andere in der höchsten blüte des
Judischen Reichs nach dem Messias so ängstiglich ruffen dürffen / dass die Hülffe
aus Sion über Israel komen / und Gott sein gefangen Volk erlösen möchte? Weil ja
zu der Zeit keine leibliche Gefängnis oder unterdrückung wahr / damit die Juden
sollten geplaget worde sein. Schliesslich wiederholete er / dz die Weissagung von
den 70 Jahrwoche beim Daniel / Gottes unfehlbahres Wort uñ Verheissung währe /
welches kein Mensch hemen noch umstosse könnte / uñ weil solche Zeit ausser alle
zweifel verflossen / ja weil sie gleich um die Zeit des Leidens uñ der
Aufferstehung des HErrn Jesus zu ende gelauffe wäre / müste ja der Messias schon
komen sein / da man sonst Gottes Wort nit zu Lügen machen wollte; es würde auch
kein ander / als JEsus von Nazaret der Messias sein / weil sich niemand fünde /
welcher davor könnte gehalten werden; sintemahl Johannes der Täuffer ausdrücklich
geleugnet hätte / er währe nicht Messias / da die Judische Geistligkeit solches
von ihm gefraget; ja er hätte ausdrücklich auff den HErrn Jesus mit Fingern
gezeiget / der währe der Messias; der währe das Lamb Gottes welches der Welt
Sünde trägt / und ein so grosser Herr /dass er auch unwirdig währe / ihm seine
Schuch nachzutragen. Da man aber einsträuen wollte / warumb dann die Juden diesen
JEsus nicht hätten vor den Messias erkennen uñ annehmen wollen; könnte man vor
erst nicht läugne / dass sehr viel Juden / auch etliche von den Schrifftgelehrten
ihm angehangen hätten; die übrigen hätten sich an seiner äusserlichen geringen
Gestalt geärgert und gleich mit den heutigen Juden gewähnet; ob würde Messias
ein weltliches Reich anrichten / und mit güldenem Reichs Stabe und Kron treflich
einher prangen müssen; die Rotte der Phariseer aber währe ihm ungewogen gewesen
/ weil er ihre äusserliche falsche Scheinheiligkeit und innerliches bosshaftes
Leben öffentlich gestraffet / und ihre Sünden auffgedecket / worüber sie
ergrimmet / ihm nach Leib und Leben gestanden / biss sie ihr Mühtlein an ihm
gekühlet / und dem Landpfleger Pontius Pilatus übergeben. Und da sie seiner
Aufferstehung von den Todten währen von den Grabeshütern berichtet worden /
hätten sie Gott dem Herrn zu trotze alles geleugnet / und den Kriegsknechten
Geld gegeben / ein solches zu verschweigen. Dieses alles / sagte er /möchten sie
doch beherzigen / und ihrer armen Seele rahten lassen. Moses und etliche wenig
andere / höreten ihm fleissig zu / und däuchte sie / wie eine sonderliche
Bewägung und Andacht in ihrem Herzen erwecket würde / dass auch einer / nahmens
Isaak / der dem Mose am nähesten stund / zu ihm sagte: Rabbi / ihr müsst dieses
alles beständig wiederlegen / oder mir nicht verargen / wann ich / durch dieses
Christlichen Lehrers Beweisstuhm überwunden / meinen vorigen Glauben ablege / und
als ein rechtschaffener Christ sterbe / dafern mir Lebens-Gnade nicht begegnen
kann; massen ich mein Herz dermassen gerühret befinde /dass vor mich ich nit mehr
zu wiedersprechen weiss. Ein solches bestätige in euch der H. Geist / sagte der
Christliche Lehrer / und versiegele das Wort in eurem Herzen zu dem ewigen
Leben. Moses stund wie ein Taumelichter / und bedachte sich ein wenig / fing
hernach an / und rieff mit heller Stimme. Ihr meine lieben Freunde / und dem
Fleische nach / warhafte Brüder /versichert euch festiglich / dass wir von unsern
Rabbinen bisher hesslich hinter das Licht geführet / und durch ihre Lügen
Schrifften auff den Irreweg geleitet sind; dann in Warheit / die heilige
Schrifft Gottes zeuget dieses alles von dem Messias / was dieser Christliche
Lehrer mit bestand eingeführet hat; daher sehe ich vor erst / dass wir uns einen
falschen Messias einbilden; und hernach / weil die von Gott durch den grossen
Daniel bestimmte Zeit (deren ich offtmahls ganz zweiffelmühtig nach gedacht)
verflossen / JEsus von Nazaret aber umb dieselbe Zeit kommen ist / er und kein
ander / der wahre Messias sein müsse / wie er solches durch seine Wunder / deren
wir gute Kundschaft haben / gnugsam dargetahn: an diesen nun will ich hinfort
gläuben / an diesen will ich mich halten; bei diesem will ich Leben und sterben /
dass helffe mir Gott und dieser mein Messias JEsus / Amen. Hierauff fing er an /
seine Mitgefangenen zu vermahnen da sie des Himmelreichs fähig werden / und an
Messias Teil haben wollten / müsten sie Christen werden / sonst würden sie der
ewigen Verdamnis eigen bleiben. Aber diese Ermahnung wollte so bald nicht haften
/ sondern der gröste Teil speieten ihn an / uñ verfluchten ihn biss in der Hellen
Abgrund / dz er den schändlichen Glauben annehmen / und an einen auffgehenkten
Gott glåuben wollte; er möchte doch als ein Gelehrter /seinen Glaubensgenossen
den Schimpf nicht antuhn /und die Lehre verdammen / in welcher Abraham /Isaak
und Jakob sanft und selig eingeschlaffen währen; des Christlichen Lehrers
Vorbringen währe nicht der Wichtigkeit / dass ein wohl gegründeter Jude dadurch
könnte irre gemacht uñ verleitet werden; der Messias müste freilich ein grosser
König sein / und sie von der Heiden Dienstbarkeit los reissen / und da er ein
solcher nicht sein würde / möchte er wohl gar ausse bleiben. Des Daniels LXX
Jahrwochen währe eine dunkele und schwere Weissagung / in deren Ausslegung man
leicht irren könnte. Und wann gleich dieselbe Zeit verflossen währe / und Gott
auff solche Zeit den Messias zu senden versprochen hätte / so hinterhielte doch
Gott solche Verheissung umb der Sünde willen des Judischen Volks / dañ so bald
dieselben in rechtschaffener Liebensbesserung sich anfinden würden / alsdann
würde der Messias auch nicht länger verzihen. Aber der Christliche Lehrer
antwortete darauff; es währe ihre blosse Einbildung / dass Messias ein irdischer
König sein würde; der Weissager und Lehrer Esaias beschriebe ihn viel anders in
ob angezogenem / wie auch im anfange des LXI Cap. dass auch Gott den Messias
wegen der Juden Sünde hinterhalten sollte / währe nichtig und nichts / massen
Daniel ohn alle Bedingung solcher Sünde oder Frömmigkeit desselben Zukunft auff
gewisse Zeit / nach verlauf der genanten Wochen bestimet hätte / welchen Willen
und Warheit Gottes / keines Menschen Sünde hindern oder zurück halte könnte. Als
er dieses sehr bewäglich vorgebracht hatte / traten noch VI aus dem Hauffen /
und erbohten sich Christen zu werden / hernach möchte die Obrigkeit mit ihne
nach gutdünken verfahren / weil sie bekeñen müsten / dass sie den Tod verschuldet
hätten / welchen sie auch leiden wollten /nach dem sie hoffeten der Seligkeit
nunmehr vergewissert zu sein. Der Statalter kam unterdessen mit Herkules und
andern / unter der begleitung LX Reuter und 350 Fussknechte auff den Gerichtsplaz
/ da aussgeruffen ward / ob einiger Jude unter den Zusehern sich befünde / sollte
derselbe bei Lebensstraffe sich alsbald hinweg packen; worauff ein gemurre unter
dem Volke ward / und bald darauff sich in die dreissig davon macheten / welche /
dafern der Statalter es nicht gehindert hätte / von de Zusehern würden
gesteiniget sein. Der Christliche Lehrer taht Herkules zu wissen / dass die IIX
abgesonderte Gefangene das Christentuhm angenomen håtten / und bereit währen in
demselben zu sterben. Bald darauff setzete sich der Statalter auff den
Richtstuel und fellete die Urtel: Es hätte Römische Käyserl. Hocheit ihm bei
betretung seines Statalter Amts / dieses insonderheit und mit höchstem Ernste
aufferleget / dass er Frieden und reine Strassen in dieser Landschaft erhalten /
die Auffrührer / Mörder / Diebe / und Strassen Räuber aber ohn ansehen und Gnade
/ andern zum abscheuhlichen Beispiel abstraffen sollte. Nun hätten gegenwärtige
gefangene Juden / einen hochverdienten Römischen Ritter und Herrn auff freier
Landstrasse ermorden wollen / wie ihre einhellige Uhrgicht und Bekäntnis zu Tage
leuchtete / wodurch sie den Landfrieden gebrochen und das Leben verwirket hätten
/ sollten demnach lebendig ans Kreuz gehefftet / und auff solche Weise vom Leben
zum Tode gebracht werden / nur diese aussgenommen / denen hochgedachter
beleidigter Herr das Leben verbitten würde / welches demselben als einem
sonderlichen Freunde des Römischen Käysers frei stünde. Herkules rieff die IIX
neue Christen vor sich / und fragete sie / ob sie vor ihrem tode die Christliche
Tauffe begehreten; und als sie mit herzlicher Begierde ja riefen / auch mit
wenigem umb einen gelinderen Tod anhielten / sagte er weiter; wie wann dañ bei
dem Grossmächtigen Herrn Statalter ich euch gar Lebensfristung erbitten würde /
wollet ihr auch im Christentuhm beständig verharren / und der Erbarkeit euch
forhin befleissigen? Diese begunten schon Hoffnung zu fassen / und sagten mit
teuren Worten zu / umb Christus Willen gerne alles ausszustehen; wurden demnach
auff Herkules Vorbitte alsbald ledig und frei gesprochen / und ihrer Bande
erlassen / zumahl / weil sie dartuhn kunten / dass sie fast genöhtiget wahren /
sich in diesem Mördlichen Anschlage gebrauchen zu lassen. Als die übrige sahen
/dass diese wegen des angenomenen Christentuhms Lebens Sicherheit erhielten /
stunden sich X unter ihnen / welche sich erbohten / den Heidnischen Glauben
fortin zu bekennen / welches sie doch nur aus Heuchelei / dem Tode zu entgehen
/ und aus Feindschaft wieder den Christlichen Nahmen tahten. Der Statalter
wollte ihnen solches nicht wegern / und hiess alsbald Feur md Rauchwerk herzu
bringen; und da sie dem Abgott Jupiter zu ehren den Weirauch auff die Kohlen
gestreuet hatten / legte man ihnen Schweinefleisch vor zu essen / dessen sie
sich auch nicht wegerten / unter der Hoffnung sie würden von aller Straffe
lossgesprochen werden; Aber der Statalter befahl / dass man bald mit ihnen zur
Straffe eilete / ehe sie zum vorigen Aberglauben wieder treten möchten; über
welche Urtel Herkules und alle Anwesende Christen ihrem Heilande von Herzen
danketen; diesen zehn Abtrüñigen aber / da sie solches vernahmen /kam alsbald
die Reue / lieffen zum Feur / stiessen es mit den Füssen umb / und schrien; sie
wollten als fromme Juden sterben / fluchten auch dem Jupiter /und riefen; der
Gott Abraham / Isaak / uñ Jakobs ist allein wahrer Gott. Worüber der Statalter
hart ergrimmete / dass er sie alsbald ausszihen / geisseln / und hernach ans Kreuz
hefften lies. Von den übrigen traten auff des bekehreten Moses anmahnung noch VI
zum Christentuhm / uñ erhielten diese Gnade dass sie nach aussgestandener
Geisselung mit dem Leben begnadet / und auff drei Jahr zur Leibeigenschaft
verdammet wurden. Die übrigen alle / an der Zahl XXXVI (dann XII wahren im
Gefängnis an ihren Wunden gestorben) mussten zugleich ans Kreuz. Moses wollte
neben dem Christlichen Lehrer nicht von ihnen weichen / so lange sie lebeten /
vermahnete und baht sie mit heissen Tränen / dass sie ihrer Seligkeit wahrnehmen
/ und die angebohtene Gnade Gottes zum Himmelreich durch ihre Halsstarrigkeit
nit selbst verwerffen möchten / rieff auch mit andern Christen andächtig zu Gott
/ er wollte sie erleuchten und zur Busse zihen; welches dann so viel wirkete /
dass V von den zum Heidentuhm gefallene / und VI von den übrigen den Christlichen
Glauben annahmen / und in der Pein frölich und wolgemuht abscheideten / welches
Herkules eine sonderliche Freude zuhöre war; der dann mit dem Statalter und dem
Bischoffe wieder zurück ritte / hielten Mahlzeit / uñ redeten von mannicherlei
Geschichten aus Gottes Worte / dem der Statalter fleissig zuhörete und sich
unterrichten liess /woher man eigentlich wüste / dass den Büchern Mose uñ anderen
/ deren sie meldung tähten / festiglich zutrauen währe / und vor wie viel Jahren
der Moses gelebet hätte; welches der Bischoff mit sonderlichem fleiss verrichtete
/ da H. Pompejus sich sehr verwunderte / dass dieser Moses 826 Jahr vor Erbauung
der Stad Rom geboren währe / und vor vieler deren Zeit gelebet hätte / welche
von den Griechen und Römern vor Götter angenommen währen; Insonderheit hatte er
sonderliche Lust anzuhöre / was von Erschaffung der Welt / und von Ausführung
der Kinder Israel aus Egyptenland vorgebracht ward / und Herkules daher gute
Hoffnung zu seiner Bekehrung fassete. Nach abgetragenen Speisen baht Herkules
umb grossgünstige Erlassung / seine Reise zu verfolgen / und führete die Ursachen
seiner Eile mit solchem Ernste an / dass sie wohl sahen / ein weiteres nöhtigen
würde ihm nur verdriesslich sein / deswegen Herr Pompejus ihm Freiheit gab / des
nähstfolgenden Tages nach seinem belieben zuschalten. Das Fräulein hätte ihn
gerne noch etliche Tage auffgehalten / umb seiner lieben Gegenwart etwas länger
zugeniessen / und ob ihr gleich die Gedanken zu einer künftigen Ehe benommen
wahren / blieb doch die einmal erweckete Gunst und Freundschaft in ihrem
Herzen unbewäglich / aus deren Getrieb sie nach gehaltener Mahlzeit / da sie mit
einander im Garten umher gingen / ihn also anredete: Mein hochwerter Herr und
Freund / es tuht mir sehr leid /dass eure beliebte Gegenwart in ein betrübtes
Abscheiden soll verkehret werden; weil ich aber zu schwach bin / seinen Willen
zubrechen / muss ich damit friedlich sein; doch will ich eines von ihm bitten /
dass / dafern er gleiche Gewogenheit in Ehren an mir / als an meinen Wasen zu
Padua gespüret / er mich unter dieselben mit rechnen wolle / und sich versichern
/ dass ich nit weniger bedacht bin / ihn zeit meines Lebens zulieben und ehren
als ihrer eine; und ob ich de Nahmen einer Schwester / wie jene / noch nicht
verdienet habe / werde ich doch zum wenigsten vor eine nicht viel mindere
Freundin gehalten sein; gestehe auch gerne / dass wie mir der Himmel keinen
Bruder gegönnet / dannoch das Glük mich einen kennen gelehret / bei dessen
Lebenszeit ich mich Bruder-los nicht schätzen werde; welches zureden ich mich
nit scheuhe / weil mein Herz mir Zeugnis gibt / dass meine Neigungen in reiner
Keuscheit bestehen. Herkules antwortete ihr: Hochgebohrnes Fräulein / und da
ichs zusagen gewirdiget bin / in Ehren herzgeliebte Frl. Schwesterchen; ich weiss
nicht / wie ich diese gar zu hohe Ehre und Gunst zeit meines Lebens vergelten
soll / es währe dann / dass mein Fräulein sich hiemit bezahlen liesse / dass in
ihren Diensten zusterben ich allemahl bereit bin. Mein Gott weiss / mit was
herzlicher Zuneigung Euer hohen Tugend ich mich verbunden befinde / so dass weder
Zeit noch Abwesenheit /noch Unfall mich ihrer hochwerten Gedächtnis berauben
wird / und dafern ich meine Freiheit noch hätte /würde ich mich erkühnen / umb
mehre als schwesterliche Liebe Ansuchung zutuhn; nachdem ich aber nunmehr vor
zwei Jahren einer andern / und das ich noch zur Zeit niemand vertrauet / eben
diesem Fräulein versprochen bin / welche zuretten ich mich bemühe; tähte ich als
ein Meinäidiger / und wider Ritters Ehre / da ich geschworne Träue zubrechen /
und hohes Standes Fräulein zu verführen mich gelüsten lassen würde. Diesem nach
bitte ich meine hochwerte und herzgeliebete Frl. Schwester / sie die Gedächtnis
meiner Wenigkeit in ihrem Herzen nicht sterbe lassen / auch da es möglich / sich
an keinen verheirahten wolle / der ihr nicht von herzen gefalle wird; wer weiss /
ob ich nicht einen nahen Anverwanten habe / mir in dem / was lobens wert sein
mag / nicht ungleich /dem ein solches liebes Fräulein ich wohl gönnen möchte.
Schliesslich ist mein höchster Seelen Wunsch /meine Frl. Schwester könnte sich aus
freiem willen zum Christentuhm bequemen / auff dass sie nach dieser Sterbligkeit
neben mir und allen Ausserwählten der erschreklichen Verdamnis entgehen / und in
unauffhörlicher Freude bei Gott leben möchte / welches in Warheit niemande
ausser den Christen widerfahren kann. Herzgeliebter Herr und Bruder / antwortete
das Fräulein; nachdem ich euer züchtigen brüderlichen Freundschaft gnug
versichert bin / so verspreche ich hiemit / in keine Heirat / ohn euer
Vorwissen uñ Bewilligung mich einzulassen. Dem Christentuhm aber bin ich schon
so nahe / dass ich in kurzer Zeit hoffe /eures Glaubens zusein / und will euch in
hohem Vertrauen offenbahren / dz meine geliebte Eltern alle Nachte
berahtschlagen / wie sie am heimlichsten Christen werden mögen / damit es nicht
ruchtbar werde / und sie drüber nicht dereins in Ehr- und Lebensgefahr zu Rom
gerahten mögen; und dieses treiben sie so verborgen / dass sie es mir anfangs
zuverhehlen entschlossen sind / damit ich nicht aus Unbedachtsamkeit der Jugend
es andern offenbahre; ich erwarte aber nur ihres Verfolgs / dann will ich nicht
lange von ihnen abgesondert sein; und bin ich versichert / dass mein H. Vater
diese Glaubensenderung nicht lange auffschieben werde. Herkules hub in
sonderlicher Freude seine Hände auff gen Himmel / und dankete Gott / dz dieses
durch Anlass seines Kampfs befodert währe. Er hatte aber einen köstlichen Ring
einkäuffen lassen / welchen er seinem lieben Fräulein mit diesen Worten an den
Finger steckete: Sehet meine hochgeliebete Frl. Schwester / hiemit will ich euch
ein schlechtes Denkzeichen hinterlassen der vertraueten Freundschaft / die wir
anjetzo mit einander in keuscher Schwester- und Brüderlicher Liebe auffgerichtet
haben welche dann in meinem Herzen nimmermehr erlöschen soll. Das Frl. hatte
gleich zu dem Ende auch einen schönen Ring zu sich genommen /und bisher sich
gescheuhet / ihm denselben zuliefern; aber durch diese Gelegenheit erkühnete sie
sich / dass sie ihn aus ihrem Busem hervor zohe / und zu ihm sagete: Hochwerter
Herr Bruder / ich will den mir angestekten Ring mit geschehener Bedingung
annehmen /und hinwiederumb nicht zweifeln / er werde diesen auff gleicher Träue
Gedächtnis von mir brüderlich empfahen / und seiner Zusage dabei eingedenke sein
/ da er mir versprochen / uns / wo er lebet / alhie wieder zubesuchen. Herkules
umfing sie hierauff tugendreich / und antwortete: Sein verheissen währe aus
gutem bedacht geschehen / und sollte / da ihm Gott das Leben fristen würde / nit
gebrochen werden. Als diese beide ihre Freundschaft solcher gestalt bestätigten
/ traten die Eltern zu ihnen / und redete Herr Pompejus folgender gestalt
Herkules an: Sonders geehrter lieber Herr und Freund; Nachdem euer steiffer
Vorsatz ist / nähstkünftigen Tages fortzureisen /möchte ich gerne sehen und
befodern helffen / dass solches mit glücklichem Fortgang geschähe; habe demnach
eine offene Schrifft an alle Römische Beamten von hier biss durch Mesopotamien an
den Tigerfluss auffgesetzt / und begehret / euch als einem hochverdienten
Römischen Freunde allen Vorschub mit Leuten / Pferden und Gelde nach eurem
Willen zuleisten /auch wider aller Feinde Gewalt und Verfolgung euch zuschützen
/ in Festungen anzunehmen / und alles das zutuhn / damit euch kann gewilfahret
werden. Uberdas will ich euch einen Freibrief erteilen / als einem von dem
Römischen Kåyser an den Parter König Gesanten / der euch in Gefahr und Anfällen
sehr nützlich sein kann. Weil ihr auch eines getråuen Dolmetschen hoch werdet von
nöhten haben / will ich euch meinen besten Sprachmeister / nahmens Plautus
zugeben /welcher nebest der Lateinischen und Griechischen / in den meisten
Morgenländischen Sprachen wohl erfahren ist; habe ihm vor sein Håupt und dreien
reitenden unbewehrten Dienern / Reise Kosten gnug zugestellet /nachdem ich ihn
vor mich mitsende / mir eures Zustandes auff begebenheit Bericht einzuschicke.
Und weil ich von euch eine heimliche Freundschaft empfange / die euch noch zur
Zeit selbst mag unbewust sein / ihr sie aber hernähst erfahren werdet / muss ich
hinwieder meine Dankbarkeit spüren lassen; wollet demnach diese Kette / die ihr
ungehindert am Leibe verborgen tragen könnet / von mir annehmen / und zum
Nohtpfennig behalten / weil man nicht weiss /was uns auff solchen Reisen
zustossen möchte. Es wahr aber diese Kette zimlich stark / wie ein Gürtel
gemacht / dass man sie umb den Leib legen / und verborgen tragen kunte / und
hingen 150 köstliche Demant daran / rings umher / deren der geringste auff 400 /
der vornehmste auff 1200 Kronen geschätzet ward / dass das ganze Kleinot eine
Tonne Goldes austrug. Dieses / sagte Herr Pompejus weiter / ist bei Antretung
meines jetzigen Amptes mir von den Juden dieser Landschaft verehret / umb meine
Hulde zukauffen / die niemand vor Geld ausstehet / und will es euch daher so viel
lieber zustellen / dass ihr ein Siegszeichen von diesem boshaften Volke haben
möget. Herkules wegerte sich sehr / ein solches zunehmen; weil aber der
Statalter so heftige Reden gegen ihn gebrauchete / dass er sich ferner nicht
entbrechen kunte / nam er sie zu sich / und antwortete: Demnach es also sein
müste / wollte er willig gehorsamen / als durch Zwang und Oberbotmässigkeit darzu
gehalten /hoffete aber den Tag zuerleben / seine Vergeltungs-Willigkeit dereins
sehen zu lassen. Nachgehends baht er den Statalter / auff Begebenheit H.Q.
Fabius seinetwegen in Schreiben zugrüssen / wie imgleichen dessen Gemahl / Fr.
Tochter und Frl. Sibyllen / welche beide / sagte er / nicht allein an Schönheit
und Jahren / sondern auch an Tugend und Verstande /ihrer Frl. Wasen / meiner
hochwerten Frl. Lukrezien nicht ungleich sind / und ich mich versichert halte
/ich habe an dieser dreien Kundschaft und Gewogenheit / die vortrefflichste
Jungfräuliche Tugend der Stad Rom erkennet / und zu Freundinnen bekommen /mehr
und vollkommener / als bei so jungen Fräulein ich mir hätte einbilden können.
Die Mutter hörete solches Lob sehr gerne / aber dz Fräulein antwortete ihm:
Hochberümter Fürst / Herr Herkules / ich bin nie in Gegenwart meiner lieben
Eltern so hoch beschämet / als jezt von euch zu guter lezt / jedoch will ich mir
die Rache biss auff seine glückliche Wiederkunft vorbehalten / und doch einen
solchen Lehrmeister nicht ungerne hören / der in allen Vollkommenheite
vortreflich ist / damit ich den minsten Teil noch lernen möge / was er ganz an
mir sein scherzen darff. Dem Vater gingen die Augen über / da er sein liebes
Kind so vernünftig reden hörete / und sagte zu ihr: Geliebte Tochter / dieser
trefliche Herr und unvergleichliche Ritter spielet mir dir / als ein
vernünftiger Meister mit seinem beliebten Lehrknaben / dessen Werk er rühmet /
ob gleich nichts dahinten ist / und lobet alle Stücke insonderheit / damit er
den Gebrechen von ihm selbst sehen / und darnach trachten möge / wie ers
verbessere. Herkules baht umb Verzeihung / beteuerte daneben / dass er nicht
gewohnet währe / jemand zugefallen zu reden / viel weniger zubeschimpfen / wie
es seiner hochwerten Fräulein auszulegen beliebete; sondern was gut an sich und
vollkommen / müste weder er noch kein ander tadeln; Tugend verdienete ihren Dank
/ und Ehre folgete dem Wolverhalten wie dem Leibe der Schatten / daher gebührete
demselben Fluch und Schande / der das wirdige seines Preises beraubete / und zu
gebührlicher Zeit nicht mit Ruhm erhöbe. Pompejus lachete / dass er dieses mit so
ernstem Eifer vorbrachte / und antwortete: Geliebter Herr als Sohn / ob gleich
meiner lieben Tochter / angesehen ihre Jugend und andere Verhinderungen / viel
gebricht / muss ich doch eure Reden anders nicht urteilen / als die aus
sonderlicher Gewogenheit und Freundschaft herrühren / nach deren Anleitung man
zuzeiten unvermerkt einen übersprung tuhn kann. Hierauff nahete die Statalterin
zu ihm / hatte den ihr von ihm geschenkten Ring am Finger / und redete ihn
solcher gestalt an: H. Herkules / euer wegscheide geht mir so nahe zu herzen /
als reisete mein leiblicher Sohn von mir / welche Name ich euch gerne gebe /
weil ihr ihn anzunehmen allemahl ganz willig gewesen seid; will demnach die
Gedåchtnis eurer Freundschaft aus meinem Herzen nicht lassen / und euch dieses
(auf den Ring zeigend) zu liebe und gefallen tragen. Wañ sich aber gebühren will
/ dass ich ein mütterliches Zeichen von mir gebe / wodurch ihr meiner gewogenheit
in etwas könnet erinnert sein / werdet ihr / da ihr mich liebt / euch nicht
wegern / diesen Ring und Kette /nebest etlichen Barschaften und Kleinoten zum
Zehrgelde (welches sich auff 40000 Kronen erstreckete) von mir anzunehmen /
sonsten müste im widrigen ich schliessen / die angebohrene mütterliche
Gewogenheit würde von euch geringe geschätzet. Davor behüte mich mein Gott /
antwortete er; dann ich halte es billich vor eine sonderliche Glükseligkeit /
dass meine Fr. Mutter mich vor ihren Sohn wirdiget / befinde mich auch schuldig /
dieselbe / zeit meines Lebens /kindlich zuehren / wie ich dann mit Gottes Hülffe
dereins gedenke darzutuhn / dass / ob sie gleich einen unvermögenden / dannoch
träu-bereitwilligsten Sohn und Knecht an mir habe. Frl. Lukrezie wusste schon
/was von ihren Eltern ihr befohlen wahr / ihre Reden aber nach ihrer Gewogenheit
zustellen / gebrauchte sie sich des geschehenen mütterlichen erbietens / und
sagete zu ihm:
    Treflicher Fürst / und in Ehren hochwerter Freund; weil ich anjetzo
angehöret / dass ihr von meiner herzgeliebten Fr. Mutter an Sohns statt erwählet
und auffgenommen seid / werde ich / Ungehorsam gegen meine Eltern / und
Unhöfligkeit gegen euch zumeiden / euch fortin als einen Bruder zu ehren und
lieben gehalten sein. Wann dann mein Herr Bruder die beschwerliche weite Reise
vor sich hat / worzu Kosten und andere Nohtturfft erfodert wird / als wollte mir
unleidlich sein / denselben ohn alle schwesterliche Hülffe zihen zulassen /
angesehen er sich in Erlösung meiner Wasen und Schwestern so verdienet umb mich
gemachet hat / da schon die Brüderschaft zwischen uns / nach meiner Fr. Mutter
willen / nicht gestifftet währe; bitte demnach / etliche Kleider und leinen
Gerähte / die ich auff meiner lieben Eltern Geheiss verfertigen lassen /
anzunehmen / wie auch beigefügte schlechte Kleinot / und dieses par Armbänder /
dem verlornen Fräulein meinetwegen zuschenken; und werde ihm durchaus keine
abschlägige Antwort gestehen / es währe dann / dass er sonderliches belieben
trüge / allemahl / so oft ich mit ihm rede / mich schamroht zumachen / welches
mir sehr empfindlich sein / und seiner Freundschaft mich wenig versichern
würde. Herkules küssete ihr die Hand / und gab zur Antwort: Durchleuchtiges
Fräulein / der Bruder Nahme / dessen sie mich wirdiget / ist mir in Warheit
angenehmer / als alle Schätze und Reichtuhm dieser Landschaft; will mich auch
äusserst bemühen / also zuleben / dass solche hohe Ehre ich durch Untugend nicht
besudele / oder mich deren unwerd mache / ob gleich derselben mich schon viel
zugeringe weiss; und weil die Bedingung viel zu stark ist / auch durch Wegerung
nur in ihre Ungunst fallen würde / muss ich das angebohtene von meiner Frl.
Schwester / wiewol nicht anders / als ein Knecht die Schläge von seinem Herrn
annehmen; dann die gar zu grossen Schenkungen mich gewisslich betrüben / dass da
ihre Gemüter mir nicht zu wohl bekant währen / ich gedenken müste / sie suchten
mich auff einmal abzukäuffen. Ich wünsche aber / Gott mir die Gnade verleihen
wolle / dass ich gelegenheit haben möge / mein Blut und weniges Vermögen in ihren
Diensten anzuwenden. Diesem sei nun wie ihm wolle / so muss ich doch vor dissmahl
nicht allein unverschämt werden / sondern wider meinen Willen mir eine Last
auffbürden lassen / die ich weder tragen kann / noch zutragen je verdienet habe;
ja wann ich språche / man schlüge mich zu bodem / ehe der Kampff anginge / würde
ich nicht irren. Jedoch hoffe ich / der Alleingewaltige Gott werde sie mit
Geist- und leiblichen Woltahten überschütten / dass sie demselben bekennen müssen
/ was ihnen zubekennen ich anjetzo gezwungen werde. Ich hoffe solches mit /
sagte Pompejus / Gott werde mir Gnade uñ Barmherzigkeit verleihen / mehr als ich
ihm zudanken vermögens bin / und halte davor / er habe dessen schon einen sehr
guten Anfang gemacht. Herkules taht als verstünde er diese Reden nicht /
ungeachtet er eigentlich spürete / dass er auff das Christentuhm zielete. Sie
verharreten auch in diesem höflichen Gespräch / biss man sich zur Abendmahlzeit
setzete / da es nicht anders schien / als ob nur Eltern / Kinder und Geschwister
mit einander umbgingen / und wunderte sich Pompejus mehr über Herkules grosse
Zucht / die er in Worten uñ Tahten bei dem Fräulein spüren liess / als über seine
Herzhaftigkeit uñ Stärke / irrete doch in seinen gedanken nicht / er müste sein
Herz schon am andern orte / und ohn zweifel dem entführeten Frl. zu ehelicher
Liebe versproche haben. Gallus / mit dem es sich zeitiger / als mit seinem Herrn
gebessert hatte / ward auch unbeschenket nicht gelassen / sondern der Statalter
verehrete ihm 2000 Kronen uñ ein gutes Reitpferd mit allem Zubehör / welches er
mit untertåhniger danksagung annam / uñ die Gelder neben dem was er schon bei
sich hatte / dem Fräulein biss auff seine Wiederkunft zu verwahren gab. Des
folgenden Morgens liess Herkules die Pferde gar früh satteln / und die beladene
vier MaulEsel fertig machen / welche die drei Diener uñ der Dolmetscher Plautus
bei der Hand führen sollten. Das Fräulein besuchte ihn auff seiner Kammer / da
sie nach wünschung eines glückseligen Morgens von ihm Brüderlich umbfangen ward /
welches ihr die Trähnen aus den Augen lockete / und sie zu ihm sagete: Nun
reiset mein einiger in ehren herzgeliebter Bruder von mir hinweg / dass ich nicht
weiss / ob ich ihn Zeit meines Lebens wiederumb sehen werde; jedoch geschihet
solches alhie in dieser Welt nicht / wird der Christen Gott uns dorten wiederumb
zusammen fügen / da unsere Freundschaft ewig wehren muss. Hochwerte /Herzliebe
Frl. Schwester / antwortete er / ich bitte /sie wolle dem wahren Gott und
Schöpffer aller dinge trauen / der in kurzen uns wieder beisammen bringen kann
und wird; und triebe mich die höchste Noht meiner verlohrnen Fräulein nicht /
ich würde so eilig von diesem lieben Orte nicht scheiden / will doch nicht
unterlassen / oft und viel an sie zugedenken / auch meinen Zustand ihr
anzumelden / doch dass nichts möge nach Padua berichtet werden / ohn dass ich Lebe
und in guter Gesundheit sei / weil ich dessen wichtige Ursachen habe; hiemit
befahl er sie dem höchsten Gott /und baht / das Christentuhm nicht lange
auffzuschieben / welches sie ihm teuer verhies; und weil sie beliebung hatte /
ihm die Rustung helffen anzulegen / liess er solches geschehen / ging hernach mit
ihr zu ihren Eltern / und nach dem er sich mit allen sehr freundlich geletzet
hatte / sass er zu Pferde / und ritte mit Gallus /dem Dolmetscher / und den
dreien zugegebenen Dienern fort. Haussen vor dem Stad Tohr warteten XL Reuter
auf ihn / die er wieder seinen Willen musste zu sich nehmen / und sie zwo
Tagereise / zehen Meilen mit sich reiten lassen / weil der Statalter sich eines
Judischen Auffsatzes befahrete. Des dritten tages erreichete er mit seiner engen
Gesellschaft den Berg Tabor / XIV Meilen von Jerusalem Nordwertz gelegen / über
dessen zierliche Ründe und sonderliche Lustbarkeit er sich sehr verwunderte / da
er zu Gallus sagete: Sehet / diss ist der heilige Berg / auff welchem Moses und
Elias mit unserm Heilande geredet / und ihm seines Leidens Erfüllung angedeutet
/ in dem er vor den Augen seiner anwesenden Jünger herrlich verkläret ward. Als
Plautus dieses hörete / hohlete er einen tieffen Seuffzer aus seinem Herzen
hervor / und beklagete zugleich / dass er in seiner Jugend Christliches Glaubens
gewesen / håtte aber denselben vor XXIV Jahren wegen grausamer Verfolgung aus
Furcht verleugnet; weil er nun wusste / dass ihre Gn. dieses Glaubens / und
überdas der Herr Statalter den Christen geneigt währe / wollte er von nun an
solche Lehre wieder annehmen / unter dem steiffen Vorsatze / ehe den Tod
anzugehen / als davon wieder abzutreten. Herkules fuhrete ihm zu gemühte / was
vor eine schwere Sünde er durch solche Verleugnung begangen / insonderheit weil
er darinnen so lange Zeit verharret / vermahnete ihn zur rechtschaffenen Busse
/und dass er die ganze Zeit seines ubrigen Lebens seine grosse Schuld beweinete /
jedoch sich auff seines Heilandes Verdienst verliesse / und in steter Abbitte
bei Gott anhielte / alsdañ würde er Gnade und Vergebung erlangen. Unter diesem
Gespräch ersah Gallus fünff Reuter mit Sturmhauben und Streit Axten von des
Berges rechten Seiten auff sie zu reiten / und meldete es seinem Herrn (der nun
wiederumb Valikules wollte genennet sein) mit bewäglicher Verwarnung an / weil es
schiene / dass sie wenig gutes im Sinne hätten; dessen er sich aber nichts
anfechten liess / sondern ritte selbst zu ihnen hin / und fragete sie in
Griechischer Sprache / ob diss der rechte Weg nach dem Galileischen Kana währe.
Diese Juden sahen bald / dass er ein Heide oder Christ sein müste / und weil sie
lang geübete Räuber und Mörder wahren / sich auch gewisse Rechnung zu grosser
Beute auff den Maul-Eseln machten / hiessen sie ihn und seinen Gesellen die
Waffen ablegen / ingesamt von ihren Pferden steigen / und die beladene Esel
ihnen einlieffern / alsdann sollte ihnen das Leben geschenket sein. Valikules
wahr dessen mit ihnen noch nicht einig / stellete sich doch etwas blöde / und
fragete sie / was Glaubens sie währen. Worauff er zur Antwort bekam / jetzt
währe nicht Zeit lange vom Glauben zu sprachen / doch weil ers ja wissen wollte /
hätte er fünff standhafte Juden und aller Christen Feinde vor sich. Als unser
Held dieses vernam / sagte er mit heftigem Eifer zu ihnen: Und wer hat euch
Buben dann so verwägen gemacht /dass ihr ehrliche Ritter rechtfertigen / und von
ihren Pferden dürffet steigen heissen? bald packet euch hin eures Weges / oder
ich werde euch zeigen / wie wenig ein rechtschaffener Christ sich vor
gewissen-lose Juden fürchte. Diese bissen vor wütiger Ungeduld die Zähne im
Kopffe zusammen / und stürmeten einmühtig auff ihn ein; er aber erreichete
alsbald den einen /dass ihm das Häupt von der Schulder sprang; so nam Gallus
seiner Schanze auch wahr / und legete den andern zu Bodem; und als sein Herr
bald darauff auch den dritten hinrichtete / wollten die übrigen beiden Versengeld
geben; aber die Pferde wurden ihnen von hinten zu lahm gehauen / dz sie übern
hauffen fielen /sie aber mit Zügeln gebunden / und mit nach Kana fortgeschleppet
/ da man sie der Obrigkeit überliefferte / mit begehren / dass sie dem Statalter
zugeschicket würden; und musste Plautus allen Verlauff schrifftlich berichten;
wurden darauff / so bald sie daselbst ankahmen vor den Statalter gestellet /
der sie geisseln und kreuzigen liess. Er hatte auch seine zehn gefangene Juden in
fester Verwahrung / biss er auff seinen Bericht von Rom zur Antwort bekam / auff
der Juden weiteres Vornehmen gute acht zu haben / die Gefangene vor Gericht
zustellen / und sie zum Schwerte zuverurteilen / doch da sie umb Gnade demühtig
anhalten und ihre Feile erkennen würden / sie allerdinge losszulassen. Es wahren
aber diese so freche verwägene Buben / dass sie Zeit wehrender Hafft immerzu
trotzeten / auch noch / da sie vor das Gericht gestellet wurden / fragen durften
/ wessen sich der Statalter wohl anmassete / dass er nicht allein vor etlicher
Zeit ihre unschuldige Leute hätte kreuzigen lassen / sondern auch sie so lange
Zeit im Gefängnis auffgehalten; sie hoffeten / er würde in sich gehen /und dem
Judischen Volk nicht Ursach zum Auffstande geben. Der Statalter fragete sie /
ob sie sonsten nichts vorzutragen hätten; und als sie antworteten /nach
erlangeter Freiheit wollten sie ihre notturfft weiter vorzubringen wissen; sagte
darauff der Statalter; wolan / so sollet ihr hiemit auff Käyserl. Befehl zum
Schwerte verurteilet sein / damit ihr nicht die jenigen seid / welche neue
auffwiegelung zumachen Lust haben. Weil sie nu in diese Straffe mit Willen sich
nicht geben wollten / liess der Statalter einen nach dem andern mit Gewalt
niderhauen / und blieben doch biss auff den lezten immerzu halsstarrig / nebest
Bedrauung / wie schwer ihr unschuldiges Blut würde gerochen werden. Aber es
erfolgete nichts darauff / weil die Judischeit kein Häupt hatte / und die in den
umbliegenden Landschaften wohneten mit ihnen nicht einstimmen wollten.
    Herkules reisete von Kana nach Ptolemais / und von darab ferner nach Tyrus /
da er die von Jungfer Brelen ihm beschriebene Herberge aussfragete / und alsbald
an derselben Hausstühr und Ecken seiner herzgeliebeten Frl. Valisken Zeichen
zierlich angemahlet sah / kehrete deswegen bei demselben Wirte ein / und
fragete fleissig nach / wie lange es währe /dass die drei Partische Herren /
Idarnes / Atizies und Tymendas mit einem schönen Jünglinge / den sie bei sich
geführet / von hinnen abgereiset währen; und vernam mit schmerzen / das schon
neun Wochen vorüber / und sie in Gesellschaft einer zimlichen Anzahl Kauffleute
den nähesten Weg nach dem Eufrat genommen; daher er nicht willens wahr / lange
daselbst zu verharren / sondern machte sich fertig / bald des folgende tages dem
lieben Fräulein nachzusetzen; welche / wie droben erwähnet / des Weges nach
Assyrien geführet ward / von dannen sie förder ins Parterland sollte gebracht
werden. Es hatte ihre Gesellschaft / als lange sie in Syrien disseit des Eufrats
reiseten /gute Sicherheit / auch durch Mesopotamien hin biss an den Tigerfluss /
kahmen sie ungeschlagen hindurch /wiewol schon unterschiedliche kleine
Räuberschaaren sich sehe liessen / welche doch / als zu schwach / keinen angriff
auff sie wagen durfften. Auff jenseit der Tiger erreichten sie Assyrien / in
welchem sie grössere Gefahr antraffen / und von Räubern unterschiedlichemahl
angefallen wurden / jedoch allezeit durch ihre Menge sich durchbrachten / biss
sie an die Medischen Grenzen kahmen / woselbst ihre Gesellschaft sich zerteilete
/ und der grösseste Teil Sudost / die Partische Herren aber mit XXV Kauffleuten
besser Nordwerz gingen / daher sie ihre grossen Schätze unter so geringem
Schutze nicht bei sich führen wollten / sondern in einer Assyrischen Grenze Stad
gegen empfahung eines Scheins nider setzeten / auff dessen einlieferung die
versiegelte Sachen willig sollten aussgefolget werden. Unser Herkuliskus hatte
auff der ganzen Reise / genommener Abrede nach / sein gewöhnliches Zeichen
entweder selbst / oder durch seinen geträuen und fleissigen Dolmetscher Timokles
an alle Herbergen / auch da es die Gelegenheit gab / vor den Stadtohren / und an
den Landstrassen an die Bäume angekreitet / unterliess auch nicht hin und wieder
anzumelden / da über kurz oder lang ihm jemand folgen würde / was vor einen Weg
sie zogen / damit den Nachfragern solches könnte zu wissen gemacht werden. Er
beschwerete sich aber gegen die Parter gar zeitig / auff dem Kamehl zu sitzen /
und baht /dass man ihn in Gesellschaft möchte reiten lassen; welches er auch
endlich bei ihnen erhielt / da er sich immerzu von Timokles in den
Morgenländischen Sprachen sehr fleissig unterrichten liess / dass wie sie bei den
Mdischen Grenzen ankahmen / er schon alles verstehen / und dass nöhtigste mit
reden kunte; musste aber allezeit vermummet reiten damit seine Schönheit nicht
erkennet / und die Räuber dadurch angereizet würden / an sie zusetzen;
insonderheit hatten sie sein fleissig acht / als sie von diesem Orte der
Assyrischen Grenzen in geringer Anzahl auffbrachen / uñ in Gesellschaft XXXIII
Mann nach Persen reiseten / da sie des ersten tages glücklich fortzogen / und
gleichwol etliche hier und dort zusträuet reiten sahen / deren etliche mit
freundlichem Grusse zu ihnen naheten und sich erkundigten / welche Strasse sie
zu reisen willens währen / ritten hernach zur Seite wieder aus / und liessen
sich nichts merken / woraus doch Herkuliskus urteilete / es würde Gefahr
verhanden sein. Diese Nacht brachten sie in einem zimlichen Flecken zu / un
wahren frölich und guter dinge. Des Morgens brachen sie auff / und reiseten in
der frühe / da sie an einen grossen Wald gerieten / durch welchen die
Heerstrasse trug / und wünscheten / dass sie denselben ohn Anfal und hindernis
zum Ende bringen möchten /zogen demnach in guter Ordnung daher / allemahl bereit
zu sein / da einige Ungelegenheit sich eräugen würde. In diesem Walde wahren sie
ohngefehr eine Stunde fortgereiset / da begegneten ihnen XXX bewehrter Mann zu
Fusse / und hielten bei ihnen an um einen Zehrpfennig / dessen die Partische
Herren mit einem Hohngelächter sich wegerten / und sie vor Landplacker und
Räuberische Diebe scholten / welches diese in sich frassen / uñ mit geneigetem
Häupte ihren Weg fortsetzeten / einwendend / sie währen aussgeschikt / etliche
Herren durch den Wald zu begleiten; verlegeten aber nur den engen Durchzug
hinter ihnen / dass sie nicht zurück flihen sollten / und stund nicht lange an /
dass in LXX wohl gerüstete /deren XXX zu Fusse / und XL zu Pferde / von der
rechten Seiten durch das Gehöltze auff sie angingen /und mit einem Troz frageten
/ von wannen sie gedächten. Den unsern verging hierauff der Frevel guten teils /
stelleten sich ehrerbietig / und gaben freundlichen Bescheid; sie währen
mehrenteils Kauffleute / und wollten nach Parten / Waaren daselbst zubestellen
/und sie auff gelegene Zeit abzuhohlen; währen sonst mehrenteils in Assyrien /
auch etliche in Meden gesessen. Der ansehnlichste unter ihnen antwortete
hierauff; wie soll ich gläuben / dass ihr Kauffleute seid /nachdem euer Ritter-
und Soldaten Gewehr viel ein anders aussweiset / und ihr drei insonderheit /
sagte er zu den Parten / habt ja weder Kauffmans Angesichter noch geberden. Der
Parter Idarnes antwortete; er hätte recht geurteilet / dass er und seine zween
Gesellen keine Kauffleute währen / weil sie gutes Adels /uñ etliche Jahr in
fremden Landen Ritterschaft gepflogen / nur jetzo mit dieser Gesellschaft / umb
sicher durchzukommen / sich vereiniget hätten / wollte demnach hoffen / es würde
niemand auff sie zusprechen haben / weil sie niemand beleidiget hätten. Dieser
sagte darauff: er hätte sein Wort gehöret / und gläubete davon so viel ihm
geliebete / vor dissmahl aber währe sein Befehl / dass sie alle miteinander
absteigen / und das Gewehr niderlegen sollten. Idarnes hingegen eriñerte ihn / es
wåhre auff freier Landstrasse / uñ gehöreten sie vermuhtlich alle unter den
grossen König Artabanus; möchten deswegen sich aller Tähtligkeit entalten / und
jeden seines Weges zihen lassen; doch währe es ihnen etwa umb ein Stuk Geldes zu
tuhn /hätten sie dessen zwar wenig bei sich / wollten aber umb Friede und
Einigkeit willen / ihnen eine Reuterzehrung übersenden / dafern sie einen oder
etliche ihres Mittels mit ihnen in die näheste Stad würden reiten lassen. Jener
stellete sich als hörete ers nicht /und sagte mit ernstlichem Gesichte; ihr habt
meinen Befehl vernommen; werdet ihr nun nicht alsbald absteigen / und euch
meiner guten Gnade ergeben / sollet ihr alle samt in stücke gehauen werden.
Herkuliskus sah wohl was sich hier zu tragen würde / und sagte zu Timokles; wañ
ihr sehen werdet / dass es an ein Treffen geht / so haltet euch stets bei mir /
das wir nicht geschieden werden / und gebet vor / dz wir zween gefangene / uñ
diese drei geharnischte ErzRäuber sein. Er hatte diese Worte kaum aussgeredet /
da sah er das elende gemätsche; dann wie die Partische Herren das stete Dräuen
höreten / däuchte sie rahtsamer / ritterlich zu fechte / als unbewehret sich
niederhauen zulassen / wollte doch zuvor alle freundliche Mittel suchen / ihr
Leben zufristen / und gaben hinwieder zur Antwort: Herr / warum sollten wir in
Stücken gehauen werden / nachdem weder einige Feindschaft zwischen uns ist /
noch wir unter streitende Herren gesessen sind / hoffen demnach / ihr werdet
euch eines bessern bedenken / und an unser nöhtigen Reise keine Verhinderung
machen; wir erbieten uns nochmahl zu aller bescheidenen Billigkeit /wie vorhin;
wollen auch etliche unsers mittels bei euch als Geisel hinterlassen / biss ihr
ohn gefahr könnet vergnüget sein. Ihr habt gehöret / was ich fodere /fuhr jener
fort / und schwöre euch bei den Göttern /werdet ihr auf dieses mein drittes
Geheiss nicht alsbald absteigen / sollen euch ohn alle gnade die Hälse gebrochen
werden. Die Parter wahren guter Fäuste und Herzens / und dauchte sie unleidlich
sein / solche Dräuworte geduldig anzuhören; daher sagte Idarnes zu ihm: Herr
nehmet euer wahr / und leget nicht Hand an uns ohn ursach / wir werden sonst
gezwungen / als lange das Vermögen es zulässet / uns auffs äusserste zuwehren /
da wir dann insonderheit uns bemühen müssen / wie wir euch mit in den Tod nehmen
/ wañ es uns unverhoffentlich treffen sollte / was würdet ihr aber alsdann
gewonnen haben? bedenket / dass man unter der Verzweifelung tapffer zuschläget /
und nehmet von uns an / was ihr ohn Wunden erhalten könnet. Bald redete jener
darauff seine Leute an / frisch darein zuschlagen / und keines / der sein Gewehr
zückete / zuschonen. Diese hingegen reitzeten auch die ihren / ihnen freudig
nachzusetzen / fielen alle drei zugleich auff den Führer / welcher sich zwar
wehrete /aber bald erstoche ward; nach dessen Fall eine so grausame Schlacht
zwischen diesen kleinen Schaaren sich erhub / dass es erschreklich zusehen wahr /
und ob die Räuber gleich zween gegen einen hatten / wurden sie doch dermassen
zugerichtet / dass sie zurück weichen mussten / håtten auch das Feld gar verloren
/wann die dreissig / so den Weg zurücke verlegt hatten / ihnen nicht zu hülffe
kommen währen; dann als Herkuliskus sah / dass seine Leute die Oberhand behalten
würden / ritte er mit Timokles hinter sich / in Meinung auszureissen / traff
aber jeztgedachte Räuber auff dem besezten Durchzuge an / und sagte zu ihnen:
Wollet ihr den euren nicht Beistand leisten /welche so jämmerlich erschlagen
werden? Worauff sie alsbald mit ihnen gingen / und zu rechter Zeit ankahmen /
gleich als die jenigen / so noch zu Pferde wahren / die Flucht geben wollten / da
sie dann als geruhete frisch traffen / und den Kaufleuten / dere schon XII
gesellet wahren / eine solche Furcht eintrieben / dass sie alle Hoffnung des
Lebens fallen liessen. So wahren die drei Parter schon heftig verwundet /
welche gleichwol nicht aufhöreten / den ihren ein Herz einzusprechen; aber es
fiel ihnen zuschwer / da der getriebene Hauffe den Entsatz vermerkend auffs neue
wieder ansetzete / und der ihren Tod dergestalt rächete /dass sie keinen leben
liessen / hätten auch Herkuliskus neben Timokles in solchem Grimme nider gemacht
/dafern sie von dem Entsatz nicht geschützet währen /welche ihnen Zeugnis gaben
/ dass sie zu rechter Zeit ihnen die Gefahr verkundschaftet / und sie zum
Treffen auffgefodert hättet; wodurch nicht allein ihr Leben gerettet / sondern
sie bei allen in gute Gewogenheit gebracht wurden / insonderheit Herkuliskus /
über dessen Schönheit sie sich allesamt zum höchsten verwunderten / und ihn
frageten / wie er in diese Gesellschaft gerahte wåhre; der seinen Dolmetscher
vor sich antworten liess: Er währe aus weit abgelegenen Landen von den drei
erschlagenen Partischen Rittern geraubet / und biss hieher geführet / bähte
demnach die Gesellschaft sehr / ihn los zulassen / dass er wieder nach seinem
Vaterlande zureiten möchte. Die Räuber traten zusammen / und befrageten sich
hierüber / da einer den Vorschlag taht / man sollte sich des gefundenen Glüks
gebrauchen / und diesen schönen Jüngling dem Fürsten zu Ekbatana zuführen / bei
dem sie hiedurch in sonderliche Gnade kommen / und eine ehrliche Vergeltung
davon bringen könten; und warumb sollte man den Jüngling in so augenscheinlicher
Gefahr zurück reiten lassen / da ihm unmöglich währe / so einsam durchzukommen;
würden ihn also nur andern Räubern zuschicken / die ihren Vortel daher machen
könten. Dieser Raht ward vor beschlossen angenommen / und Herkuliskus mit
freundlichen Worten zuwissen getahn / da sie ihm zugleich die unvermeidliche
Gefahr der Rükreise vorhielten / und ihn daneben versicherten / es währe der
Medische Gross-Fürst Herr Phraortes ein dermassen leutseliger und Tugendliebender
Herr / bei welchem er nicht allein gute Gewogenheit / sondern wohl gar sichere
Begleitung biss in Syrien erlangen würde; möchte sich demnach nicht beschweren /
mit ihnen fortzureiten / und demselben sich darzustellen. Herkuliskus durffte
sich der Anmuhtung nicht wegern / insonderheit / da ihm Hülffes-Hoffnung bei
diesem Fürsten gemacht ward /und liess durch seinen Dolmetscher antworten: Er
bedankete sich sehr / dz sie ihn vor gewalt schützen /und zu diesem måchtigen
GrossFürsten führen wollten; sollten auch gewisslich gläuben / da er ihnen bei
demselben einige gute und angenehme Erspriessligkeit werben könnte / wollte ers
nicht aus der acht lassen; Hernach hiess er sie die drei gewapnete Parter
auszihen / bei denen sie statliche Beute finden würde; wie auch in der Taht
erfolgete; dann sie trugen die treflichsten Kleinot auff zwo Tonnen Schatz wert
/ in ihren Kleidern verborgen / über welchen Raub sie dermassen erfreuet wurden
/ dass sie auffsprungen und ihrer empfangenen Wunden vergassen: suchten
nachgehends auch bei den andern erschlagenen fleissig nach / und bekamen bei
denselben fast die helffte so viel an Barschaften; welches alles sie gleich
unter sich teilten / weil ihre vornehmste Häupter alle erschlagen wahren /
welches ihnen dann nicht unangenehm wahr. Es hatte aber der älteste von den
Partischen Herren / Akizies / die schrifftliche Versicherung auff alle ihre
nidergesetzeten Schätze / in seinem Sattel vermachet / welches Herkuliskus wusste
/ weil in seinem beiwesen sie dessen einig wurden / und nicht meinten / dass er
ihre Reden verstanden hätte. Nun wahr das Pferd samt seinen Herren erschlagen /
und wusste er nicht / wie er sich des Sattels bemächtige sollte; sagte endlich zu
Timokles: Er hätte gar einen unbequemen Sattel / möchte deswegen jenen von dem
erschlagenen Pferde abspannen / und ihm denselben aufflegen / welches geschwinde
verrichtet ward / und er unwissend allen / die beste Beute davon brachte; wollte
aber den Brief an solchem Orte nicht lange stecken lassen / sondern in der
ersten Nachterberge schnitte er den Sattel auf / wickelte den Brieff in ein
schmeidiges Leder / und trug ihn bei sich am blossen Leibe / der Hoffnung /
diesen Schatz dereins abzufodern / und seinem liebsten Herkules als einen
Beutpfennig zuschenken; und wahr ihm insonderheit angenehm / dass ihre ganze
Gesellschaft erschlagen wahr /und niemand die Zeitung ihrer Niderlage zurück
bringen kunte; reisete also mit dem Råuberhauffen etliche Tage sicher fort /
dann sie hatten einen falschen SicherBrieff / als von dem Medischen GrossFürsten
geschrieben / bei sich / durch dessen Vorschub sie unangefochten blieben / biss
sie gar nahe bei Ekbatana anlangete / woselbst ein gewaltiger Medischer Herr
/nahmens Mazeus / auff einem festen Schloss sein Wesen hatte / welches an einem
engen Durchzuge lag / über welchen sie zihen mussten. Hieselbst meinten sie /
wie an andern orten / mit ihrem Freizettel durchzukommen / aber dieser Herr
merkete an der untergezeichneten Hand / dass der Brief nicht richtig wahr /befand
auch das Pitschaft von altem Wachse / mit frischerem angeklebet / deswegen er
die vornehmsten von ihnen genau befragete / und aus ihrer unbeständigen Antwort
des Betruges bald innen ward; ging demnach zu dem ganzen Hauffen (deren XIIX bei
einander wahren) hinunter / und indem er sie das Gewehr hiess niderlegen / ward
er des allerschönsten Herkuliskus gewahr / der dann mit sonderlicher Höfligkeit
zu ihm trat / und nach seiner Landesart ihn demühtig grüssete / wobei er doch
eine freundliche Ernstaftigkeit und unverzagten Muht merken liess / dass Herr
Mazeus ihm sehr gewogen ward / und zu ihm sagete: Schöner tugendhafter Jüngling
/ aus was abgelegener Landschaft kommet ihr dieser örter an? Dann aus eurer
Gestalt uñ Sitten erkenne ich vor gewiss / dass ihr in diesen Morgenlåndern nicht
gezeuget seid; werdet euch demnach unbeschweret finden / mich eures Zustandes
zuberichten / welches euch zum ärgesten nicht gedeien soll. Herkuliskus sah /
dass dieser Herr Liebe zur Tugend trug / und antwortete ihm mit ernstaften
Geberden in Griechischer Sprache / in welcher er auch angeredet wahr.
Hochansehnlicher Herr / sagte er / wann ich den Verlauff meines Glüks
umständlich erzählen sollte / würde ich den Ohren nicht allein Verdruss / sondern
vielleicht auch dem Herzen Mitleiden erwecken; jedoch kurz zumelden / bin ich
aus weitabgelegenen Nordwestischen Ländern von hochadelichen Eltern entsprossen
/ und auff der Reise / meine Verwanten zubesuchen / von Räubern gefangen /denen
ich von einer stårkeren Gesellschaft zum andern mahl abgenommen / und auffs Meer
gebracht bin / nachgehends eine geraume Zeit über Meer und Land fortgeschleppet
/ biss ich endlich diesen Leuten nicht ohn blutvergiessen zu teile worden / und
erwarte mit verlangen / was endlich der grosse Gott mit mir zuschaffen willens
sein möge / dem ich doch mit standhaften Herzen aushalten will / weil mein
Gewissen mir Zeugnis gibt / dass ich ohn verschuldet und bloss durch dessen
Verhängnis in diesen Unfall gerahten bin. Mazeus sah ihn mit Verwunderung an /
und fragete / wie alt er wåre; worauff er zur Antwort gab: Nach meinem Unglück
zurechnen / übertreffe ich mannichen Greisen / wiewol ich das XV Jahr erst
hinter mich gelegt habe. So wollen euch die Götter ferner behüten / sagte
Mazeus; aber hat eure Gesellschaft euch mit Gewalt geraubet? Ja mit Gewalt /
antwortete er / aber nicht wider meinen Willen / demnach sie mich von meinen
Räubern erlediget / und versprochen / mich zu einem mitleidigen tapfferen
Fürsten der Meder zuführen / der mein Unglück nicht allein zu herzen zihen /
sondern mir auch zu mitteln / in mein Vaterland zureisen / verhelffen würde. Das
währe ewig schande / sagte er / dass meinem gnädigsten GrossFürsten ein so
adelicher Knabe von diesen unreinen Händen sollte überliefert werden / sondern
sie müssen mir trauen ihrer Plackerei bessere Rechenschaft geben; ging wieder
in den Platz / und hiess Herkuliskus folgen / da er zu den Räubern sagte: Ihr
ehrvergessene Schelme uñ Buben / wie dürffet ihr euch unterstehen /mit falsche
Briefen eure Bosheit zubemänteln / und allerhand Rauberei im Lande zutreiben; ja
so verwågen zusein / dass ihr noch wohl euer Obrigkeit einen Teil der geraubeten
Beute zuführet / nit anders / als hätte dieselbe euch vollkommene Freiheit /
solche Bosheit zutreiben / eingeräumet? jedoch habt ihr wohl getahn / dass ihr
euch so gutwillig zur Straffe einstellet / möchte wünschen / dass eure übrige
Gesellschaft auch verhanden währe / damit sie neben euch den verdienten Sold
ihrer schandlosen Arbeit empfahen könten; liess sie darauff durch seine
Kriegsleute alsbald nidersäbeln. Es hätte zwar Herkuliskus gerne eine Vorbitte
zu ihrer Verschonung eingelegt / weil er aber sah / dass es vergeblich sein
würde / und er mühe hatte seinen Dolmetscher zuretten / hielt ers vor eine
Göttliche Rache / und erinnerte er nachgehends H. Mazeus der Kleinot / welche
die nidergemachten Räuber bei sich trugen / wurden auch also bald hervor gesucht
/ und dem Herrn eingeliefert / der sich solcher köstlichen sachen verwundernd /
unsern Herkuliskus fragete / ob ihm dieselben zustünden / sollten sie ihm
unvorentalten bleiben; Er aber zur Antwort gab: Nein Gn. Herr / ich habe nicht
die allergeringste Ansprache darzu / sondern meine vorige Räuber haben sie
anderwerts gestohlen und genommen. Es sei wie es wolle / sagte er / müssen sie
doch neben euch meinem Gn. GrossFürsten geliefert werden. Er liess darauff seinem
Gemahl Fr. Roxanen / und deren Fräulein Schwester Frl. Barsene (die ohngefehr
von XV Jahren) ruffen / und da sie kahmen / sagte er zu ihnen: Sehet da meine
Geliebten; habt ihr jemahls einen schönern Jüngling mit Augen beschauet? Fr.
Roxane zweifelte / ob sie ein geschniztes Bilde / oder lebendigen Mensche sähe /
biss er ihr tieffe Ehrerbietigkeit erwies / worauff sie zu ihrem Herrn sagte:
Allerliebstes Herz / von wannen komt euch dieser Liebes-Gott! lasset uns ihm
gebührliche Ehre bezeigen / nachdem er gewisslich ein Gottes Sohn sein muss / dann
aus menschlichem Samen kann solche Volkommenheit nicht gezeuget werden. Nein /
meine Geliebte / antwortete er / Götter lassen sich nicht gefangen führen /und
ist ausser Zweiffel dieser Jüngling nur ein blosser Mensch / wiewol ich gerne
bekenne / dass der Himmel ein volkommenes Meisterstük an ihm gebildet hat /wann
ich seines adelichen Gemühts und wolgezierten Leibes Beschaffenheit betrachte;
sonsten hat seines Landes Art ihm die Farbe verlihen / weil daselbst die Sonne
wegen ihrer seicht-abfallenden Strahlen die Leiber so stark nicht bescheinen
noch bräunlich färben kann / insonderheit / wann man sich viel unter dem Dache
hält. Die Frau sah ihn noch immerhin steiff an / trat ihm endlich näher / und
hiess ihn sehr wilkommen sein; gegen die er sich mit freundlichen Geberden und
lieblichen Worten bedankete / so viel er der Sprache kündig wahr / baht auch umb
Verzeihung /dass er wegen Unerfahrenheit der Landsprache ihrer Gn. gebührlich
nicht antworten könnte. Das junge Fräulein Barsene / nach Landesart etwas
bräunlich /aber sehr lieblicher gestalt / kunte unsern Herkuliskus nicht gnug
beschauen / und fragete ihre Frau Schwester / obs auch möglich währe / dass die
Irdische Welt solche vollständige Schönheit bilden könnte / redete ihn hernach
mit wenigen an / und sagte: Schöner Jüngling / beliebet euch bei uns allhie zu
bleiben /sollet ihr allen guten Willen spüren; Worauff er antwortete: Gn.
Fräulein / dass Ihre Gn. sich über einen armen gefangenen Jüngling erbarmet /
bedanke ich mich in Untertähnigkeit / und hat anwesender mein gnädiger Herr mit
mir zu schaffen nach allem Willen. Herr Mazeus redete zwischen ein / es stünde
ihm dieser Jüngling nicht zu / sondern weil er dem GrossFürsten schon zugedacht
währe / müste er dahin billich geliefert werden. Er taht ihm aber die Ehre an /
und liess ihn mit über seinem Tische Mahlzeit halten / da er sich dermassen
Fürstlich zubezeigen wusste / dass die Anwesenden sich dessen nicht gnug
verwundern kunten. Weil dann Mazeus sein Vaterland und herkunft eigentlich zu
wissen begehrete / gab er sich vor eines vornehmen Teutschen Herrn Sohn aus /
welcher vor wenig Jahren im Treffen wieder die Römer / als Feld Obrister über
ein grosses Kriegsheer / sein Leben ritterlich eingebüsst / nachdem er etliche
tausend der Feinde erleget / und seinem Könige einen herrlichen Sieg erhalten;
seine Mutter währe annoch im Leben / deren ohn das trauriger Witwenstand durch
seinen Verlust nicht wenig würde beängstet sein / hoffete dannoch / sie würde
sich auch in Gottes Willen zu schicken wissen / weil dessen Almacht ihn so
leicht wieder nach Hause bringen könnte / als sie ihn in die Fremde geführet
hätte. Wie aber sagte Mazeus / wann die Götter solches nicht versehen hätten
/und ihr in diesen Ländern bleiben müstet? Dann werde ich viel zu wenig sein /
antwortete er / ihren Vorsaz oder Schluss zubrechen; wann es aber Sitte in diesen
Landen währe / durch eine ritterliche kühne Taht / oder Kampf mit einem Ritter
oder wilden grimmigen Tihre die Freiheit zuerstreiten / wie solches bei uns der
Brauch wohl ist / dann wollte ich hoffen / mein Vaterland bald wieder zu sehen.
Mazeus schrieb diese Reden seiner Jugend zu / und sagte mit lachenden Worten: Ja
lieber Jüngling / es gibt hier zu Lande starke Kämpfer / und grausame wilde
Tihre / welche durch Schönheit nicht können gefellet werden. Verflucht sei / der
sich auff Schönheit verlässet / antwortete er; ich wollte mich trauen meiner
Kühnheit und Hände gebrauche / da mirs so gut werden könnte. Euer Herz ist gut /
sagte Mazeus / aber die Jahre fehlen euch noch. Jahre schlagen niemand /
antwortete er /sondern ein freudiges Herz / dass die Fäuste zugebrauchen weiss /
und durch Vernunft ersetzen kann / was den Leibeskräfften mangelt. Mazeus
gedachte / dieser Knabe müste ehmahls treffliche Männer also haben reden hören /
denen er nachaffete / suchte auch Gelegenheit / ihn zu prüfen / uñ durch anlauff
eines wilden Tihres zu erschrecken / deswegen er nach gehaltener Mahlzeit mit
ihm in dem Garten inwendig des Schlosses zur Lust umbher ging. Er hatte aber
einen von Jugend auff gezähmeten sehr grossen Löuen / der also abgerichtet wahr
/ dass er ihn mit einem Worte entrüsten / und mit dem andern im Augenblick stillen
kunte; diesen liess er heimlich in den Garten führen / folgete auch bald selber
nach mit einem Seitengewehr / welches Herkuliskus ihm nachzutragen sich
anerboht. Unter dem hin und wiedergehen fragete er nach allerhand neues / so in
Teutschland vorginge / biss er den Löuen von ferne daher springen sah / da sagte
er zu ihm: Geliebter Jüngling / sehet ihr den Löuen dort gegen uns daher eilen?
geschwinde / und lasset uns flihen. Mein Herr / antwortete er / rettet euch /
ich will das Tihr auffhalten; lief ohn ferneres Wort sprechen zu ihm ein /
fassete das Schwert / und stellete sich neben einen Baum / seiner Ankunft
daselbst mit frischem Angesicht erwartend. Mazeus entsetzete sich vor dieser
Kühnheit / und rief dem Löuen zu / welcher seines H. Stimme erkennete / von
Herkuliskus ablies und zu ihm nahete / der seine Anstellung zu verdecken / zu
ihm sagte: Herzhafter Jüngling / es ist mir lieb / dass ich geirret habe / indem
ich anfangs diesen Löuen vor einen unbedingen gehalten / und nun zu eurem uñ
meinem Gluk sehe / dass es mein gezähmter ist. So ist mir solches nicht weniger
lieb / antwortete er / und währe immer schade / dass ich ein so wohl abgerichtetes
Tihr hätte erschlagen sollen / da ich ihm schon einen solchen Streich über den
Rachen zugemässen hatte / dass ihm die Zunge bald vor den Füssen sollte gelegen
haben; trat mit diesem Worte dem Löuen näher / und strich ihm mit der Hand über
das Häupt / welches ihm Mazeus verboht / weil er sich befürchtete / er möchte
ihm als einem Unbekanten schaden zufügen; aber es legte sich derselbe zu
Herkuliskus Füssen nider / nicht anders / als währe es etwa ein Schosshündichen
gewesen; richtete sich hernach wieder auff / und lehnete sich mit dem Häupte an
seine Seite; welches Mazeus sehend / schier auff seines Gemahls Gedanken
gerahten währe. Herkuliskus sah etliche grüne Kräuter stehen / brach dieselben
ab / und machte ein Kränzlein davon / welches er auff des Löuen Häupt setzete /
der sich abermahl ehrerbietig vor ihm auff die Knie legte / bald wieder
auffstund / und gleich als währe ihm eine sonderliche Ehre begegnet / gnug
trotzig herein trat / dass er sich auch an H. Mazeus fast nicht mehr kehrete /
sondern unserm Herkuliskus folgete / welcher also anfing; Ich habe Zeit meines
Lebens nie keinen Löuen / als diesen gesehen / sollte ich mich aber mit allen so
wohl begehen können / würde ich mit willen keinem schaden tuhn; und ist mir lieb
/ dass ich mit diesem in Kundschaft gerahten bin / nachdem ich nun mein
angebohrnes Wapen kennen lerne / in welchem ich von meinen Uhrahnen her einen
Löuen führe. Trefflicher Jüngling / antwortete er / ich weiss nicht was ich von
meinem Löuen urteilen soll / welcher bisher sich von keinem Fremden hat wollen
anrühren lassen / und muss er ohn zweifel euren hohen Adel erkennen / vor dem er
sich dergestalt demühtiget / als er vor mir selbst noch no comma? getahn hat;
hiemit liess er einen tieffen Seufzen aussgehen / und fuhr also fort; ich möchte
von Herzen wünschen / dass ihr entweder zu Hause bei eurer Fr. Mutter / oder nur
so gar schöne nicht währet; dann eure aussbündige Gestalt machet es / dass ich
euch weder bei mir behalten / noch nach eurem Vaterlande schicken darff /
insonderheit / weil ihr meinem GrossFürsten zu gedacht seid; und gebe der Himmel
/ dass ihr bei demselben eben die Gunst findet / die ihr bei mir habt / woran ich
doch nicht zweiffeln will. Herkuliskus bedankete sich der sonderlichen Gnade /
und antwortete; dafern er wissen sollte /dass ihm seine Gestalt jrgend zu
schädlich sein könnte /wollte er in kurzer Frist sich so scheusslich zu richten /
dass niemand ihn ohn grausen ansehen sollte. Nein diese Meinung hat es nicht /
sagte Mazeus / nur dass euch niemand gerne wird fahre lassen / der euch in besiz
hat. In diesem gehen kahmen sie bei dem gewöhnlichen Fechterplatze an / woselbst
der Fechtmeister etliche ädelknaben unterrichtete / unter denen schon ihrer
sechse zimlich geübet wahren. Herkuliskus baht umb Urlaub / ihnen ein wenig
zuzusehen /und erkennete gar bald / dass der Meister der rechten Kunst wenig
erfahren wahr / liess sich dessen aber nicht merken / sondern lobete ihr
wolverhalten; da ihn Mazeus fragete / ob er auch schon des Schwerts gebrauch
wusste; Ich habe wegen meiner Jugend mich dessen nicht zu rühmen / antwortete er
/ aber meine Begierde zu solchen übungen kann ich nicht leugnen. Mazeus stellete
ihm frei / sich mit einem zuversuchen / welches der Meister vernehmend / ihn
fragete / ob er mit den neuesten oder erfahrneste Schülern einen Gang wagen
wollte; dem er antwortete; wans ihm frei stunde / wollte er am liebsten mit dem
Meister selbst ein Auffhebens machen / als von dem er die besten Streiche zu
lernen und zu empfahen hoffete. Mazeus taht dem Fechter alsbald Befehl / es mit
ihm auffzunehmen / welcher sich aber schämete mit solchem Jünglinge auff andere
Weise als mit einem Schuler umzugehen; worauff Herkuliskus antwortete / er währe
auch nur in Schülersgestalt hier / doch wann er sein auff andere Weise begehrete
/ könnte er dessen gar wohl bemächtiget sein; welches jener vor einen Troz
ausslegend / zu ihm sagte / er möchte sich stellen / und der Medischen Streiche
gewärtig sein. Dieser aber sagte mit sanftem gelächter; mein Freund / es sei
euch erläubet; nahm das Fechtschwert / welches ihm am bequemesten wahr / zur
Hand / und so bald er mit ihm angebunden hatte / gab er ihm fünff Schläge über
Kopf / Arm und Beine / den sechsten aber über das Maul dass er mit den Zähnen
bläkete / und hingegen allerdinges unberühret blieb / dessen Mazeus und die
Schüler sich wohl zu lacheten / und dieser Tropf drüber gar zu schanden ward.
Mazeus scheidete sie / und vermahnete den Fechter / sich hinfüro im eigenen Ruhm
zu mässigen / nahm auch Herkuliskus mit sich nach dem Zeughause / und fragete
ihn auff dem Wege / wie lange er sich des Fechtschwerts gebrauchet hätte; da er
zur Antwort bekam; er hätte schon im zehnden Jahre seines Alters sich lassen
unterrichten / weil er aber im halben Jahr und drüber sich nicht geübet /hätte
er anfangs sich auff Streiche geschikt / merkete aber wohl dass dieser Fechter sie
ausszuteilen nicht gar wohl gelernet hätte. Als sie hiemit in das Zeughauss traten
/ klagete der Zeugmeister seinem Herrn / dass in weniger Zeit / weil er anderswo
zu schaffen gehabt /unterschiedliche Waffen mit Rost angelauffen währen; gingen
mit einander hinein / und fand Herkuliskus eine zimliche Menge Schwerter /
Speere / Hellebarten / Bogen und Pfeile / und wie er fragete / ob das Schiessen
dieser örter viel im Gebrauch währe / antwortete ihm Mazeus; Pfeil und Bogen
sind unserer Jugend vornehmste und tägliche Ubung / auff das im Alter sich zu
ernähren sie geschikt sein mögen / massen man bei uns kein zahmes Vieh unterhålt
/ sondern vom Wilde sich ernähret. Herkuliskus sah einen zierlichen leichten
Bogen liegen / welchen er nach gebehtener verzeihung zur Hand nam / und sich
verlauten liess / so bald er wieder in sein Vaterland kähme /müste er einen nach
dieser Art mache lassen. Mazeus gedachte in seinem Herzen; vor dein Vaterland
werden dich die Götter wohl behüten / wollte ihn doch nit betrübe / es zusagen /
sondern fragete ihn / ob er dañ auch im schiessen geübet währe. Er aber
antwortete: In seinem Vaterlande währe schiessens-brauch nicht gemeine / doch
hätte er von Kindesbeinen an sehr grosse Lust darzu gehabt / und aber in guter
Zeit keinen Bogen berühret / dass er fürchtete / seine Erfahrenheit vergessen
zuhaben. Daran ist wenig gelegen /sagte er / und gefält euch dieser Bogen / so
nehmet ihn mit dem gefülleten Köcher zu euch / das vergessene wieder zulernen;
traten mit einander hinaus / und gingen nach dem Gemache / in welches Mazeus den
Löuen wieder einsperren liess / der mit Traurigkeit und Unwillen von Herkuliskus
scheidete. Im fortgehen sah er eine grosse Ringel Taube fliegen / die er von
freier Faust aus der Lufft herunter schoss / dass sie vor Mazeus Füssen niderfiel
/ der sie aufhub / uñ befand / dass ihr der Pfeil noch in der Brust steckete. Er
streich ihm aber mit der Hand über das Häupt / und sagte: Mein Herkuliskus / ich
weiss in Warheit nicht /was ich aus euch machen soll / dann dass eures gleichen mir
nie vorkomen ist / gestehe ich gerne; aber getrauet ihr euch noch so einen Schuss
ohnfehl zutuhn? Ein solcher Schuss / antwortete er / hat wenig zubedeuten /
welchen ich in vollem rennen auff dem Pferde wohl verrichten will. Ey sagte er /
verweilet alhie noch ein wenig / biss ich wieder bei euch sein werde; ging hin /
und hohlete sein Gemahl samt dem Fräulein herzu / erzählete / wz sich zugetrage
hatte / uñ ermahnete sie / ob sie eine Kurzweil sehen wollten / möchten sie in
den Vorhof kommen. Nun hatte er einen Schützen / Nahmens Batis / der im ganzen
Gebiet seiner Kunst halben beschrihen wahr / rief denselben zu sich / und sagte:
Höre Batis / du weist / das ich dir grossen Sold reichen lasse / weil du vor
einen sonderlichen Schützen dich aussgibst; nun ist dieser Jüngling / hie
gegenwärtig / so kühn / dass er sich nicht scheuet mit dir wette zu schiessen /
da du es auffnehmen darfst. Batis welcher seine Erfahrenheit selbst hoch hielt
/sah Herkuliskus an / uñ sagte: Jüngling / wollet ihr der Kunst gerne
unterrichtet sein? Ja / antwortete er /Kunst zu lernen bin ich sehr begierig.
Was wollet ihr dann dran wagen? fragete jener. Wann ich euch drumb ansprechen
werde / sagte er / will ich die Unterweisung von euch nicht umbsonst begehren /
weil ihr aber so ruhmrähtig seid / suche ich dessen nichts bei euch / dann da
ihr volkommen währet / würdet ihr euch lieber in der Taht als blossen Worten
finden lassen / halte demnach dass euch in dieser Kunst schier ja so wohl fehle
als mir ungeübeten. Dieser ward dessen zornig und foderte ihn zur Wette / da es
sonst nit verächtlich stünde mit einem jungen Knaben es auffzunehmen. Schütze /
sagte Herkuliskus / da ich jetzt so frei währe als vor diesem / dürfte ich euch
diese Beschimpfung schwerlich zu gute halten / insonderheit da ihr in der Taht
fehlen soltet; aber nachdem ich meines Unfals mich gerne erinnere / muss ich euch
billich übersehen. Mazeus redete seinem Diener hart ein / mit Dräuung schwerer
Straffe / da er dass geringste in Unglimpf aussstossen würde / daher dieser umb
verzeihung bat / und unsern Herkuliskus fragete / wie hoch die Wette sein sollte.
Dass werdet ihr bestimen / sagte er / nachdem ihr mit aussfodern so kek seid. Ich
meines teils / antwortete jener / setze eine Jahrs Besoldung dran / sind 400
Kronen. Wolan / sagete Herkuliskus / ihm sei also / und bitte / mein Gn. Herr
wolle vor mich gut sagen; ich will gewinnen / oder die Gelder schon wissen diese
stund zu verschaffen. Wie aber / redete er zu den Schützen / wann ich einen
Schuss tåhte / den ihr mir nicht eins dürfftet nachtuhn? Daran setze ich noch 400
Kronen / antwortete Batis. Ich nehme es mit euch an / sagte Herkuliskus; foderte
darauff alsbald einen kleinen Apffel / reichte ihn Frl. Barsenen hin / und sagte
zu ihr: schönes Fräulein /dafern sie sich nicht scheuhete / wurde ich dienstlich
bitten / sie diesen Apffel in ihre linke Hand zwischen den Daumen und zeiger
Finger fassen / und die anderen Finger aussstrecken wollte; das Fräulein / weil
niemand wusste / was es bedeutete / wahr ihm gerne zu willen / und redete
Herkuliskus folgends den Schützen also an: Höret Batis / ich habe die Wette und
Doppelwette mit euch angenommen / aber höret nun die Bedingung: Wir nehmen
funffzig starke Schritte von diesem Fräulein / und schiessen ihr den Apffel aus
der Hand; wer nun fehlet / dem soll die rechte Faust / wer aber das Fräulein im
wenigsten beschädiget / der Kopff abgeschlagen werden. Alsbald liess das Fräulein
den Apffel fallen / und sagte: O nein o nein /die Wette halte ich nimmermehr.
Auch erblassete Batis der Rede / fassete doch wieder ein Herz und sagte: Ja ich
halte die Wette noch / wann ihr den Anfang machet. Den will ich freilich machen
antwortete er / und baht das Fräulein sehr / ihm den Apffel zum Schusse zu
halten; aber Fr. Roxane wollte keines weges einwilligen / sondern rieff ein armes
Mägdlein herzu / dem sie zwo Kronen gab / dass sie den Apffel hielt / welchen
Herkuliskus hinweg schoss / dass er ihren Finger nicht rührete / uñ sagte nach
getahnem Schusse; nun Batis / nun ist Zeit eure zuvor so hoch gerühmte Kunst
sehen zu lassen. Aber 800 Kronen wahren verspielet / dann er wegerte sich unter
gesetzter Bedingung es nachzutuhn; deswegen zählete Mazeus seines Dieners wegen
die Gelder aus / und warnete ihn / hinfüro keinen unbekanten zuverachten /wie
jung er auch wåre / weil kein Meister lebete / der nicht seinen Meister hätte.
Herkuliskus fragete / ob ihm frei stünde / mit dem Gelde nach seinem Gefallen
zuschalten / und nach Bejahung baht er Fr. Roxanen /es seinetwegen unter ihre
Leibdienerinnen und diesem armen Mägdlein auszuteilen; Dann / sagte er / ich
habe noch nie Wette geschossen / und will den ersten Gewin nicht vor mich
behalten; kehrete sich nachgehends zu dem Fräulein / und sagte: Hochgebohrnes
Fräulein / Ihrer Gn. ich unwirdiger Knecht bitte demühtig / mir zuverzeihen /
dass ich so unhöflich gehandelt / und den Apffel zuhalten / derselben
unbedachtsam zumuhten dürffen / versichere sie daneben /da die Götter / wie ich
festiglich traue / mir günstig sein werden / dass ich vor diese Grobheit dereins
Abtrag machen will. Es hatte dieses liebliche Frl. sich an diesem schönen
Jüngling so heftig verliebet / dass sie gerne mit ihm ins Elend gezogen währe /
da sie Hoffnung gehabt / seiner dereins ehelich zugeniessen; wusste anfangs nicht
/ was sie ihm antworten sollte /ohn dz sie seine Kunst hoch rühmete / und
nachgehends beteuerte / sie hätte seines anmuhtens halben gar keine Ungunst auff
ihn geworffen; wünschete endlich / dass die Götter seines Herzen Wunsch und
Begierde erfüllen möchten. Ich bedanke mich untertähnig / antwortete Herkuliskus
/ und nach dem eure Vortreffligkeit durch ihre hohe Gunst mich kühn gemacht /
bitte ich ferner / mein als eines arme gefangene Jünglings bei diesem schlechten
Ringe mit gewogenem Herzen zuzeiten eingedenke zusein; steckete ihr einen von
Alexander zu Tyrus empfangenen an den Finger / der auf 1000 Kronen austrug / und
küssete ihr freundlich die Hand; hernach kehrete er sich zu H. Mazeus / und
sagte: Gnådiger Herr / diesen jezt eingelieferten schlechten Ring / habe ich
noch von meiner lieben Fr. Mutter aufzuweisen / damit sie mich auf meinen
Geburtstag vorm Jahre angebunde; weil ich ihn aber nit getraue länger
zuverwahren / weiss ich ihn an keine Orte lieber / als bei diesem trefflichen
Fräulein; bitte demnach untertähnig / Ihre Gn. wollen mein Gn. Fräulein erbitten
helffen / dass sie diesen schlechten Gedenk Ring von einem armen gefangenen
anzunehmen / unbeschweret sein wolle. Sie hat dessen gute Fryheit / antwortete
Mazeus / wird den Ring auch / nachdem sie ihn schon zu sich genommen hat /
seinetwegen gerne behalten / und zum stetswehrenden Gedächtnis tragen. Ja /
warumb nicht / sagte das Fräulein / eure Zucht und Tugend ist so gross / dass ich
nicht anders urteilen kann / als dass ihr von hohem vortrefflichen Geblüte müsst
entsprossen sein / welches dieser kostbahre Ring in etwas Zeugnis giebet: Weil
ihr mich dann dieser Gedächtnis wirdiget / welche ihr von eurer Frau Mutter
annoch übrig habt / will ichs euch zu gefallen tragen / als lange ich lebe / uñ
mich rühmen / dass ich von einem so trefflichen Jünglinge die Ehre einer
Gedächtnis empfangen. So verleihen mir die Götter / sagte er / dass mein
hochwertes Fräulein es dereins vor eine Ehre rechnen könne / was von mir als
einem Gefangenen aus gutem Herzen geschihet; küssete ihr damit die Hand abermahl
mit sonderlicher Anmuhtigkeit / dessen das Fräulein wohl zufrieden wahr / ob sie
gleich sich dawider bedingete / es geschähe ihr hiedurch gar zu hohe Ehre.
Inzwischen sahen Herr Mazeus und Frau Roxane diesen beiden mit Verwunderung zu /
da diese zu ihrem Gemahl sagete: Gewisslich / da dieser schöne Jüngling etliche
Jahr älter wäre / oder eine zeitlang bei uns verbliebe /dürffte er meiner
Schwester das Herz leichtlich stehlen. Ach nein / antwortete er / stehlen
dürffte ers nicht / es würde ihm wohl geschenket / und ohn Widerrede gegönnet /
so viel ich aus ihren Augen merke; aber ich muss des Jünglings lachen / dass er
gerne viel reden will / und so wenig Worte weiss; doch sihet man aus alle seinem
tuhn und vornehmen / dass er nicht / wie er vorgibt / nur vom Adel / sondern von
Fürst- oder wohl gar Königlichem Geblüte sein muss / und tähte sehr wohl / dass ers
von sich sagte / dann hiedurch würde er ohn zweifel unsern Fürsten bewägen / dass
er ihn seinen Eltern wieder zuschickete. Fr. Roxane hatte ihre Dienerinnen /
deren sechse waren / neben dem armen Mägdlein herzu treten lassen / und sagte
sie zu Herkuliskus; Holdseliger Jüngling / wollet ihr diesen meinen Leuten etwas
/ so stehen sie allhier zu euren Diensten. Batis stund nicht ferne davon / und
sah mit betrübten Augen an / wie seine Gelder sollten ausgeteilet werden / doch
verdross ihn der Schimpff mehr /dass er ohn Versuch hatte verspielen müssen / als
der Schade selbst. Herkuliskus hätte ihm das Geld alles gerne wiedergegeben /
wann er ihn nicht so schimpflich mit Worten angezapffet / aber jezt musste ers
ansehen / dass er jeder Dienerin / und dem armen Mägdlein 100 Kronen zuzählete /
doch endlich sagte: Wañ ich wüste / dass Batis mir danken wollte / gäbe ich ihm
100 Kronen zurück. Dieser nicht faul / gedachte / es währe ein guter Nohtpfennig
/ uñ antwortete: Würden mir 100 Kronen geschenket / ich nähme sie mit
gebührlichem Danke an; worauff er noch mit zur Teilung ging. Es wahr diese
Zahlung kaum geendet / da höreten sie ein Geruffe: Rettet euer Leben / rettet
euer Leben! worüber sie alle erschraken / und nach dem innern Gebäu zulieffen /
ohn Herkuliskus liess sich nichts anfechten / sondern nam alsbald seine Pfeil und
Bogen zur Hand / und sah darauff ein erschrekliches Tigertihr daher auff ihn
zuspringen / und mit offenem Rachen sein zubegehren / dessen er fleissig wahr
nam / und nachdem er seinen Vortel ersah / ihm einen Pfeil in den Rachen schoss
/ bald noch eine ins Auge /dz es über uñ über purzelte; fassete nachgehends
Mazeus Seitengewehr (welches an der Wand hing) ging hinzu / und erstach es damit
vollends. Die übrigen hatten sich unterdessen in Gewahrsam begeben / und
beklagten den ädlen Jüngling / welchen sie schon vor tod und zerrissen hielten /
gleich da er zu ihnen mit dem blutigen Säbel hinein trat / und mit hellfeurigen
Augen sie ansah; Worüber Mazeus sich entsetzend /zu ihm sagte: Göttlicher
Jüngling / wie habt ihr des grimmigen Tihrs euch erwehren mögen? Gnädiger Herr /
antwortete er / Eure Gn. mit ihrer Gesellschaft treten nur kühnlich hervor /
dann dieses scheussliche Tihr wird fortin niemand schaden tuhn noch Schrecken
einjagen / nachdem seine Wuht einmal gänzlich gedämpffet ist. Sie gingen
ingesamt mit ihm hin und sahen es in seinem Blute ligen / wussten nicht / was sie
vor Wunder sagen und gedenken sollten; Dann währe Herkuliskus nicht so bald
fertig gewest / würde ihre Flucht viel zu spät / und allerdinge vergebens
gewesen sein; massen das ergrimmete abgehungerte Tihr aus seinem Kefich
losgebroche war / weil der darzu bestimmete Knecht sein vergessen / und drei
Tage lang ohn Speise gelassen hatte. Mazeus erkennete diese Rettung vor eine
sonderliche Schickung der Götter / und sagete zu Herkuliskus: Nun weiss ich nicht
/ ob ich Menschen oder Götter in meiner Gesellschaft habe / und gewisslich / da
euch die Götter nicht gezeuget / müsst ihr zum wenigsten ihres Geblütes sein.
Ach mein Herr / antwortete er auff Griechisch; sollten Götter wohl zeugen? Ja
sollten sie wohl schwache Menschen zeugen / und sie nachgehends dem Glük übergeben
/ dass sie von boshaften Räubern weggeführet würden? Doch auf gewisse art / sind
wir Menschen alle Göttliches Geschlechts / indem sie uns eine vernünftige
unsterbliche Seele eingegossen haben. Eure Gn. schätzen es hoch / dass ich ein
schwacher Jüngling / dieses fressige Ungeheur nidergelegt habe; aber was ist das
Wunder / dass ein vernünftiger Mensch / der seinen Witz gebrauchen kann / einem
unvernünftigen Tihre obsieget? Hier ist nichts als freche Wuht / die sich
selbst in Spiesse / Pfeile und Schwerter stürzet / wann wirs ihr nur
vorsichtiglich bieten und gönnen / bei uns aber finden die gesunden Gedanken
leicht einen Vortel / dadurch unbesonnene Leibeskrafft gebrochen wird; und wer
hieran zweifelt / muss noch wenige Erfahrenheit haben / was vor Unterscheid
zwischen Witz und Frevel / zwische Klugheit und Wuht gesetzet ist; überdas hat
die Vernunft solche heilsame Wehr uñ Waffen uns in die Hand gestellet / dass wir
die wilden Tihre fellen können / ehe sie uns erreichen mögen; Die Vernunft hat
durch solche Mittel uns die Herrschaft / nicht auff der festen Erde / sondern
auch auff den wallenden Wassern / ja oben in der Lufft verlihen / dz sich nichts
vor uns bergen / noch unserer Nachstellung entgehen mag; Und was sollte mich
hindern / dz ich diss grosse Tihr in der nähe / und auff der Erden / nicht
leichter erlegete / als vormahls die in Lüfften schwebende Taube? nur dass
verzagete Herzen sich vor einem auffgesperreten Rachen entsetzen / und scharffe
Klauen fürchten und fühlen / ehe sie drinnen stecken / und einigen Angriff
empfinden. O wie ein furchtsamer Muht ist der / welcher den Unglücks-weg erwählet
/ da wohl hundert Neben-strassen sind! wie ein verzagter Siñ / der lieber der
Schlangen Stich ausstehet / als dass er sie aus dem Wege stossen sollte! trauet
mir / mein Herr / eine vernünftige Seele ist kräfftiger als alle Leibesstärke
/und bedachtsame Gegenwehr vorträglicher als hundert Mauren; dann stehe ich
unbesonnen hinter diesen /kann ich leicht von ihrem Falle erschlagen werden;
Vorsichtigkeit aber ist auch des allergrimmesten Glückes Meisterin. Möchte
jemand einwenden: es fünden sich deren unter uns nicht in gar grosser Menge /
welche der Vernunft recht gebrauchen können / so fehle es auch zuzeiten an
Mittel und Gewehr /dass man der Wuht gewonnen geben / und unterliegen müste; aber
ich antworte drauff: es bleibet die Laute wohl ein künstliches ruhmwirdiges
Spielzeug / ob gleich der Baur sich deren nicht zugebrauchen weiss /oder sie wohl
gar zerdrücket; also ist und bleibet die Vernunft wohl eine Königin über alle
irdische Volkommenheiten / ob gleich der wenigste Teil unter uns bemühet ist /
dass er lernen möge / sie recht anzuwenden; Mittel und Gewehr aber gibt uns
Göttliche Versehung Zeit der Noht selbst in die Hand / wañ sie uns gnädig ist /
und sie die Gefahr / mehr zu unser Prüfung als Verderben uns zuschicket; Da sind
Steine /Koht und Sand / deren wir uns oft zur Erlegung grimmiger Tihre glücklich
gebrauchen; und ein vorsichtiger Mann schicket sich gemeiniglich auff ein
NohtGewehr. Jedoch / weil der Mensch nicht Gott /sondern sterblich und schwach
ist / komt es auch wohl / dass er in möglicher Anwendung seiner Vernunft
unterliegen / uñ den kürzern zihen muss; Aber solches begegnet ihm gemeiniglich
entweder daher / dass er mit Gott nicht wohl dran ist / den er durch Untaht und
Frevel mag erzürnet haben / uñ er ihn durch solche Schickung zur straffe fodert
/ oder dass er mit ihm aus dieser Vergängligkeit eilet / und in den Elysische
Feldern ihn vor seine Frömmigkeit und Tugend ergetzen will / dass ihm also solcher
Unfall zum besten dienen muss. Zwar es geht alsdann wohl sein Leib darauff /dass
er von wilden Tihren gefressen / oder sonst verwüstet wird / aber gleich wie das
Gold seine Wirdigkeit nit empfähet / weil es noch mit Erz und Erde vermischet
ist / also bekömt des Menschen Seele erst ihren köstlichen Schein und
rechtständige Glükseligkeit / wann sie geläutert / und von dem irdischen
schwachen Leibe abgescheiden wird / welches auch die einige bewägende Ursach ist
/ dass wir Menschen uns von Leibes Wollust und Frecheit abzihen / und der Tugend
alle unsere Händel und Vornehmen widmen / damit wir der künftigen Glükseligkeit
nicht mögen beraubet werden. Mazeus wunderte sich zum höchsten seiner
vernünftigen Rede / und sagte zu ihm: Hochgeliebter Jüngling / was vor gelehrte
Unterweisungen haben eure Lehrmeister euch in solcher Jugend beigebracht / die
man bei den alten Weisen kaum suchen darff / und gebe der Himmel / dass ihr die
vollkommenen Jahre erreichen / und den so wohl angefangenen Tugendlauff glücklich
vollenden möget; Ich zweifele sonst gar nicht / dass wann ich hundert Söhne eures
gleichen hätte / wollte ich durch eure Tugend ein Herr über die ganze Welt
werden. Das würde schwerlich geschehen / antwortete er; dann sie würde umb
Herrschaft willen keinen Pfeil verschiessen / und kein Schwert blössen /
sondern viellieber andern rechtmässigen Besitzern das ihre beschützen helffen.
Solches würde ich sie selbst heissen / sagte Mazeus; ich rede aber von ihrem
Vermögen / insonderheit / da sie zu ihren vollen Kräfften kommen sollten. Frl.
Barsene wahr wegen des harten schreckens kaum wieder zu sich selbst kommen / und
hatte die Kühnheit nicht / dem todten Tiger nahe zutreten / biss Herkuliskus
sagte: Hochgebornes Fräulein / wie scheuhet sie sich doch fast mehr vor ihre
todte als lebendigen Feind; dann wie sie die lezte im flihen wahr / also ist sie
die lezte im wiederkehren. Als er dieses redete / hörete er zugleich ein
Geräusche in der Lufft /und ward gewahr / dass ein grosser Vogel nach einer Taube
schoss / und sie mit den Klauen fassete / so berichtete ihn Mazeus auff seine
Frage / es währe ein Adler / deswegen er denselben eigentlicher zubesehen / den
Bogen fassete / und im Fluge ihn durch den Hals schoss / dass er / wiewol
ausserhalb des Schlosses herunter fiel / und die gefangene Taube unverlezt davon
flog; welches ein alter Kriegsknecht / Nahmens Boges / der auff der Schildwache
stund / ersehend / aus weissagendem Geiste zu ihm sagete: Treflicher Jüngling
/gedenket an mich / wann dieses Vorbilde an euch erfüllet wird; Dann der Adler
ist der gröste Räuber im obern Reiche der Lufft / und das Täublein das
unschuldigste Tihrlein. Mazeus wahr gleich hingangen /den Adler / welcher noch
lebete / auffheben zulassen /und hörete dieses Gespräch nicht / deswegen
Herkuliskus ihm desto kühner antwortete / und zu ihm sagete: Mein Freund / ob
ihr dereins mein Wolergehen erfahren würdet / so sprechet mir zu / ich will euch
diesen Trost unvergolten nicht lassen. Batis kam mit dem Adeler / den er
vollends zu tode geschlagen hatte / dorter getreten / und durffte öffentlich
sagen / er könnte nicht gläuben / dass solcher Schützen mehr in der ganzen Welt
wären; dessen Herkuliskus nur lachete / und ihn eriñerte / er hätte gar nit
gelernet / in seinen Reden das Mittel zuhalten; dann / sagte er / es ist noch
nicht gnug / oder die höchste Kunst / gewiss zu schiessen / wann man fest stehet
/ sondern da man zu Pferde sitzet / und im vollen rennen dergleichen vorüber
fliegende Dinge in der Lufft oder auff der Erden fellet; solches hat meiner
Meinung nach etwas mehr auff sich / und kenne ich einen meines Alters /der sichs
zur Unehr gerechnet hätte / dass ihm ein Hase / den er mit dem Pferde verfolgete
/ sollte entsprungen sein / wann ihm sein Boge zur Hand wahr; und dass ichs ohn
Ruhm melde / möchte ichs ehmahls auch zuzeiten geleistet habe. Ich halte dessen
nichts mehr vor unmöglich / antwortete Batis / nachdem ich heut viel unmögliches
gesehen habe. Hiemit ging der Tag fast zum Ende / dz die Zeit des Abendmahls
herbei kam / wobei mancherlei Gespräch vorging / und insonderheit Frl. Barsene
gute Kundschaft mit diesem ihren lieben Jünglinge machete / der sich über
nichts so hoch beklagete / als dass die geringe Wissenschaft der Sprache ihn
hinderte / seines Herzen gefassete Gedanken auszureden. Gegen den späten Abend
meldete Mazeus ihm an / dass wie unlieb es ihm gleich währe / er doch morgendes
Tages ihn seinem GrossFürsten Phraortes nach Ekbatana zusende müste /weil ihm
grosse Gefahr auff die Unterlassung stünde /nachdem er dem GrossFürsten zugedacht
währe / und hätte er sich insonderheit zu dieser Zeit vorzusehen /in Betrachtung
er schon bei ihm in Ungnade / wiewol unverschuldet / gefallen währe; bähte
demnach freundlich / er wollte sich belieben lassen / diesen kurzen Weg mit gutem
Willen auff sich zunehmen / verhoffete gänzlich / sein Schreiben an den
GrossFürsten auffgesetzet / sollte ihm gute Gnade und Gewogenheit bei ihm machen.
Frl. Barsene hörete diese Rede nicht anders an / als währe ihr ein Schnit durchs
Herzgangen; Herkuliskus aber antwortete: Gn. Herr / warumb bittet eure Gn. ihren
Knecht / dem sie völlig zugebieten hat? meines Standes kann ich mich sehr wohl
eriñern / daher bedanke ich mich untertåhnig der hohen Gnaden / die mir heut
über mein Verdienst und Wirdigkeit sind angeleget / und träget mir dannoch mein
Herz zu / ich werde dereins das Glük haben / Ihrer Gnad. besser / und mit
wirklicher Art zu danken; Da nun dieselbe an den Durchleuchtigsten GrossFürsten
mir eine Vorschrifft erteilen will / nehme ichs billich mit untertähnigem Danke
an / und hoffe / weil ich einem Menschen / ja einem Fürsten zugeschicket werde /
könne daselbst Unschuld und Tugend nichts als Gnade und Woltaht verdienen; würde
aber dessen Herz zu Schande und üppigkeit geneiget sein / wird mich gewisslich
keiner wider meinen Willen darzu nöhtigen / was durch einen ehrlichen Tod
abzuwenden stehet. Mazeus wollte ihn nicht betrüben / ob er gleich bald
überschlagen kunte / wozu der unflätige Parter König Artabanus ihn gebrauchen
würde / da er demselben vermuhtlich sollte geschicket werde /und antwortete ihm;
lieber Jüngling / machet euch keine wiedrige Gedanken / die Götter werden nicht
verhengen / dass ein so herrliches Gewächs in dem ersten Grase ersticke; dañ so
viel meinen GrossFürsten betrift / ist derselbe aller Untugend und Lastern von
Herzen feind / er zihet auch seinen einigen Sohn dergestalt Fürstlich / dass
selbiger mit der Zeit seine Vorfahren leicht übertreffen wird; aber saget mir /
bitte ich / ob dann euer rechter Nahme Herkuliskus sei; ja /antwortete er / als
lange ich mich einen Knaben gedenken kann / bin ich nicht anders genennet. Wol
wohl /mein Herkuliskus / sagte er / die Götter werden einen grössern Herkules aus
euch machen / als nie keiner auff der Welt gewesen ist. Nach solchen / und
dergleichen Gespräch begaben sie sich endlich zur Ruhe /und ward unserm
Herkuliskus und seinem Dolmetscher auff einem Gemache jedem ein absonderliches
Bette gezeiget / da Frl. Barsene einen freundlichen Abscheid von ihm nam / auch
des folgenden Morgens gar frühe sich bei ihm vor dem Bette fand / und ihn also
anredete: Mein geliebter und werter Freund / was herzliche zuneigungen ich zu
euch als einem züchtigen Jünglinge trage / will ich jetzt diese Stunde erweisen /
und euch in hohem Vertrauen offenbahren / dass ich meinen Schwager H. Mazeus und
sein Gemahl meine Fr. Schwester hint diese Nacht in geheim reden hören / wessen
sie euretwegen sich befahren / dass nehmlich unser GrossFürst euch seinem Lehn
Herrn dem Parter Könige / wegen eurer vortreflichen Schönheit zusenden durfte /
woselbst man mit solchen Jünglingen dergestalt umbgehen soll / dass ich mich zu
sagen schäme / und doch Freundschaft wegen sagen muss / als dass man sie der
Mañheit beraubet / und nachgehends dem Frauenzimmer / als aufwärter zugiebet;
weil nun eure unvergleichliche Kuhnheit gnugsam anzeiget / dass zu solchen
ungenehmen Diensten ihr wenig beliebnis traget / währe mein Raht / ihr machtet
mit dem jungen Medischen Fürsten gute Vertrauligkeit / dass derselbe entweder
seinen Herr Vater beredete / euch bei sich zubehalten / oder aber behülfflich
währe / dass ihr mit der Flucht euch loswirken / und dieser Gefahr entgehen
köntet; und dafern mein weniges Vermögen hierzu ichtwas vermag /schwöre ich euch
bei dem Leben der Unsterblichen Götter / dass / ungeachtet aller Gefahr / die mir
daher entstehen könnte / ich hierbei nichts unterlassen will /was euch zu eurer
Wolfahrt dienlich sein kann. Herkuliskus ward der Zeitung nicht wenig betrübt /
liess sichs doch nicht merke / sondern nach dem er dem Fräulein höchlich gedanket
hatte / antwortete er mit halben Scherze; dass währe sehr unbarmherzig gehandelt
/ dafern man mit mir dergestalt umbgehen wollte; nachdem mir aber die Weissager
meines Vaterlandes einhellig diesen Lebenslauff gestellet / dass ich der eins im
Ehestande leben soll / wird der Himmel nimmermehr verhängen / dass mir solche
Schande angelegt werde; jedoch sollte ich dem unzüchtigen Könige ja müssen
zugeführet werden / und man mir dergleichen Sachen anmuhten würde / soll er bei
mir einen solchen frischen Muht finden / dessen er nimmermehr gehoffet hätte.
Das Fräulein antwortete ihm; sie wollte selber nicht zweiffeln / die günstigen
Götter würden allen Schimpf und Unfal von ihm abkehren; da er nun eine Zeitlang
zu Ekbatana bleiben / oder sonst los kommen / und nach seiner Heimat reisen
würde /möchte er sie zuvor dieses Orts besuchen / damit sie vor den köstlichen
Ring ihm hinwieder ein schlechtes Dankzeichen ihrer Gewogenheit und Träue
zustellen könnte / welches sie biss dahin wollte auffgeschoben haben. Herkuliskus
versprach ihr solches mit dargebohtener Hand / und liess ihr seinen schneweissen
Arm sehen / welchen mit beiden Händen freundlich zu umfangen sie sich nicht
entalten kunte / womit sie von ihm Abscheid nam / uñ ihm gerne einen
ehrliebenden Kuss gelassen hätte / wañ durch jungfräuliche Zucht und Scham sie
davon nicht abgehalten währe. Er stund bald hernach auff / legte seine Kleider
an /und erwartete / wohin man ihn führen würde. Mazeus hatte alles schon fertig
machen lassen / nahmen doch zuvor das Frühstücke ein / und ward unser
Herkuliskus mit einem zierlichen Säbel und köstlichen Medischen Rok von Fr.
Roxanen verehret / der ihm über die masse wohl anstund. Ihr Leibgutsche von
Violen-braunen Sammet mit sechs schneweissen Pferden in güldenem Zeuge stund im
Vorderplatze fertig / dahin er von Mazeus / seinem Gemahl und dem Fräulein
begleitet ward / und er sich so frölich anstellete / als hätte man ihn in sein
Vaterland führen wollen; hielt auch bei Mazeus bitlich an / ihm den gestriges
tages gebrauchten Bogen mit auff den Weg zugeben / welchen er ihm wieder zurück
senden wollte; worauff Mazeus sagte: Mein geliebter Herkuliskus und wann der
Bogen etliche tausend Kronen wert währe / da er doch etwa mit 50 bezahlet ist /
musste er euch willig geschenket sein; liess ihn auch alsbald neben einem Köcher
vol schöner Pfeile hohlen / und auff die Gutsche legen. Als er sich nun
auffgesetzet hatte / lieferte ihm Fr. Roxane eine zimliche Helffenbeinen
Schachtel /welche verpitschieret / und mit der Räuber Kleinoten angefüllet wahr
/ da sie zu ihm sagte; geliebter Herkuliskus / damit ihr nicht mit leerer Hand
zu dem GrossFürsten kommet / sollen dessen Durchl. die bei den Räubern gefundene
Kleinot mit euch zugleich überliefert werden. Bald setzete sich Herr Mazeus
Amtman zu ihm auff / und fuhren unter dem Nachwunsche aller Götter begleitung
nach Ekbatana / woselbst sie noch vormittages ankahmen / und im Königlichen
Schloss bei dem GrossFürsten sich untertähnigst anmelde liessen; welcher zur
Antwort gab; wie ist mein Untertahn Mazeus schon so stolz worden / dass er mich
selbst nicht spricht / sondern seine Knechte schicken darff? jedoch / dass ich
ihm den Scheffel volmässe / so lasset ihn kommen / und seine Werbung anbringen.
Der Abgeordente Amtman ging auff erfodern hin / und liess Herkuliskus mit seinem
Timokles haussen vor dem Gemache stehen / er aber trat hin / erzeigete dem
GrossFürsten nach Medischen brauche gebührliche Ehre / und redete ihn also an:
Grossmächtiger GrossFürst / gnädigster Herr; euer GrossFürstl. Durchl.
untertähnigster Diener / mein Herr / Mazeus / bittet untertähnigst umb gnädigste
verzeihung / dass vor eurer GrossFürstl. Durchl. er selber nicht erscheinet /
welches umb keiner Ursach willen unterlassen wird / nur dass ihre Durchl. durch
seine ungenehme Gegenwart nicht beleidiget werden möge / nachdem leider bei E.
GF. D. er von seinen Wiederwärtigen fälschlich als ein Ungehorsamer und
Widerspenstiger angegeben ist; jedoch auff sein unschuldiges und reines Gewissen
/ sich beruffend und verlassend / entbeut E. GF. D. er durch mich unwirdigsten
seinen untertähnigsten Gruss und bereitwilligsten Gehorsam / übersendet
deroselben einen ädlen herzhaften / und seiner Meinung nach / so wohl in
Schönheit als in der Schiesskunst und vielleicht andern Waffen / wolerfahrnen
fremden Jüngling / und bittet untertähnigst / E. GF. D. denselben nebest
beigefügeten schlechten Kleinoten gnädigst annehmen / und mit allen
GrossFürstlichen Huld- und Gnaden ihrem untertähnigsten Knecht Mazeus in seiner
Unschuld (welche darzulegen er bereit ist) stets gewogen sein uñ bleiben / auch
seinen Angebern nicht weiter / als erweisslich sein wird / gläuben wollen; rieff
darauff Herkuliskus hinein / und erinnete ihn / sein Gewehr haussen abzulegen;
welcher sich nicht seumete / nam seinen Huet nach teutschem Gebrauche vom Häupte
/ neigete sich tieff / und mit grossmühtiger frischer Stimme redete er den
GrossFürsten also an: Grossmåchtiger Durchleuchtigster GrossFürst / gnädigster
Herr; was Gestalt mein guter Herr und gönner / Herr Mazeus / mich etlichen
Räubern entzogen und hergesand / wird gegenwärtiger sein Amptman berichten
können; ich vor meine Wenigkeit / erfreue mich hoch / dass in dem grösten Unfal
mir das Glük noch so geneigt und günstig ist / mich an diesen Ort zu führen /
alwo ich denselben GrossFürsten schauen / und ihm gehorsamst auffwarten mag
/dessen hochfürstliche Tugend und Liebe zu allen Tugendhaften / mir von den
Räubern selbst in wilder Wüstenei höchst gepriesen worden. Nicht rühme ich mich
einiger Düchtigkeit / würde auch / angesehen meine Jugend / mir fast verwägen
anstehen; dass aber nie keine Untugend mein Gemüht lieben oder laben mögen / gibt
mir mein Gewissen Zeugnis. Von Geburt und herkommen bin ich Gott Lob frei und
nicht dienstbar / doch muss ich nunmehr bedenken / nicht der ich ehmahls wahr /
sondern der ich durch Räuber Hand worden bin / es sei dann / dass Gott auch
dieses an mir endern wollen / welches in seiner blossen Macht und gefallen
stehet / und ich mich darein wohl schicken werde. Eines erfreuet meine Geister /
dass durch des Himmels schickung einem solchen Fürsten ich zugeführet werde / der
glückes Fälle zu beherzigen weiss / ja dessen unsterblicher Ruhm und Preis nach
langen Jahren in den GeschichtBüchern nicht der geringste sein wird / dass er
durch unfal niedergeschlagene aufgerichtet / gefangene erlöset / entführete
wieder gebracht / und ein fester Schuz der Gewaltleidenden gewesen ist. Hernach
meldete er dem GrossFürsten H. Mazeus Dienste an / küssete den Brieff /und
überreichte ihn mit sonderlicher Liebligkeit. Der GrossFürst sass auff seinem
prächtigen Stuele / hielt einen schneweissen helffenbeinen Stab in der Hand /und
hörete des Knaben zierlichen verständigen Reden mit höchster Verwunderung zu /
ward auch durch seine Schönheit dermassen bewäget / dass er anfangs kein Wort
reden kunte / welches zuverbergen / er den Brieff brach / in welchem Mazeus
kürzlich erzählete /auff was Weise er Herkuliskus etlichen Räubern abgenommen /
und wegen aufgelegten falschen Freibriefes auch vielfältiger begangener Bosheit
ihnen die gebührliche Straffe erteilet; rühmete des übergeschikten
JünglingsVerstand und Herzhaftigkeit / mit dem Beschluss / der GrossFürst ihn
alles ungleichen verdachts gnädigst erlassen / und seinen Angebern entweder
nicht gläuben / oder sie nur vor seine Gegenwart kommen lassen möchte / alsdann
er auff alle zugelassene Weise seine Unschuld darlegen / oder im wiedrigen Fal
sich der Straffe eines meinäidigen ungeträuen Buben nicht entbrechen wollte;
beigefügte schlechte Kleinot den Räubern billich entzogen / würde der Jüngling
versiegelt einliefern; Wie solches auch nach verlesenem Schreiben von ihm
alsbald verrichtet ward / welche nach Eröffnung der GrossFürst sehr köstlich
befand; kehrete sich darauff zu dem Abgeordneten und sagte zu ihm: Bald mache
dich wieder hin zu deinem Herrn Mazeus / vermelde ihm meine Gnade und
Gewogenheit / uñ dass er mich alsbald besuche; Seine Unschuld halte ich schon vor
erwiesen / und hat er sich zu mir nichts als alle Gnade zuversehen; befahl
daneben einem ädelknaben / dass ungeseumet seine tägliche LeibGutsche angespannet
/ und sein Drost und Raht Mazeus nebest seinem Gemahl und dero Frl. Schwester
herüber gehohlet würde. Hernach sagte er zu Herkuliskus: Dein Unfall / Jüngling
/ ist mir leid / und erinnert mich des Glückes wunderbahrer Schickungen; Es muss
aber ein günstiger Himmel sein / der des Menschen Leib und Seele in gleicher
Vollkommenheit schaffet. Fragete hierauff nach seinem Vaterlande und Herkommen /
und ward ihm gleich /wie des vorigen Tages Herrn Mazeus / geantwortet; welches
er mit Verwunderung anhörete / und zu ihm sagete: Bistu Teutsches Geblüts / mein
Sohn / so müssen wohl barbarische Schreiber sein / die euch vor barbarisch
ausruffen; und ob du mir gleich sehr wilkommen bist / möchte ich doch von Herzen
wünschen / dass du bei den deinen wårest / oder mir frei stünde /dich zurück in
dein Vaterland zusenden; nachdem aber der grosse König in Parten / mein / und
aller umliegenden Fürsten LehnHerr / alle vor andere mit Schönheit begabete / so
wohl Mannes- als Weibesbilder /ihm allein vorbehalten / und einzuliefern /
ernstlich befohlen hat / kann ich nicht umhin / dich ihm zuzuschicken / wo ich
sonst nit meiner Landschaft verlustig sein wollte; jedoch will ich dich durch
Schreiben bei seiner Hocheit dergestalt antragen / dz du zweifels ohn einen
Allergnädigsten Herrn an ihm haben wirst. Wegen dieser Rede stellete sich
Herkuliskus etwas traurig / und gab zur Antwort: Ich hatte mir schon die feste
Hoffnung gemacht / an diesem GrossFürstlichen Hofe in meines gnädigsten Herrn
Diensten angenommen zuwerden / und etwa mit der Zeit mich verdienet zumachen /
dass mir als einem Freigebohrnen mein Vaterland wieder zusuchen vergönnet würde;
weil aber E. GF. D. mich einem Gewaltigern zuzusenden gehalten ist / muss ein
solches ich mir billich gefallen lassen / unter der Hoffnung / der grosse König
/ dem die mächtigsten Fürsten sich zum Gehorsam untergeben / werde nichts über
die Tugend schätzen / auch denen alle Gnade erzeigen / die derselben sich
gewidmet / viel lieber tausend mahl sterben / als eine Stunde unehrlich leben
wollen; sollte aber an meiner Gestalt ichtwas sein / das andere zu meinem
Missbrauch reizen könnte / weiss ich schon gnugsame Mittel / mich scheusslich
zumachen; wiewol bei einem so grossen Herrn ich mich solcher Schande nicht
vermuhte / währe auch Sünde / es nur zugedenken / nachdem die Stataltere Gottes
auff dieser Unterwelt billich in dessen Fussstapfen treten / und nach aller
Mögligkeit sich demselben gleich uñ ähnlich bezeigen. Der GrossFürst liess ihm
diese Rede wolgefallen /und sagte: Feiner Jüngling / es sollte billich so sein
/wie du sagest / währe auch zuwünschen / dass die gröste Macht und Gewalt allemal
den Tugendreichesten verlihen würde; aber weistu nicht / wie mannicher in Armuht
und Nidrigkeit die Tugend liebt / und nachdem er durch dieselbe erhöhet ist /
sich undankbarlich von ihr abwendet / und nur dasselbe vor Tugend hält / was ihm
gefället / und eben deucht; ja wohl so stoltz und verwägen wird / dass er dasselbe
/ was Gott uñ die gute Vernunft als eine Tugend eingesezt und gebohten hat /
zur Ungebühr machen / und gar auffheben / hingegen seine garstigen
Unzimligkeiten /und freche Sünden will geehret / und andern zur Nachfolge
vorgesetzet haben? daher findet man mehr Erbarkeit in nidrigen Wohnungen / als
auff güldene Stülen; Dann ein Verständiger weiss wohl / dass wo er in der
Niedrigkeit sich ungebührlich bezeiget / ihm bald Hass / Neid / und Verachtung
zuwächset / und der Weg zur Ehre und Gewalt ihm verleget wird / welches die
höchsten Häupter nicht befürchten / und daher ihre Lüste und Begierden der
Billigkeit nicht unterwerffen wollen; ja mannicher weiss den Schalk dergestalt
zubergen / so lange er in bemüheter Nachsuchung ist; wann er aber das
vorgestekte Ziel erreichet hat / dann bricht der Wilmuht aus den Schranken
/gleich wie der Löue / wann er lauschet / die scharffen Klauen einzeuhet; wañs
ihm aber zeit däucht / so strecket er sie hervor / und übet Gewalt und
Grausamkeit seines gefallens. Nicht rede ich solches meinem grossen Könige zum
Schimpf / dessen Sitten ein jeder Untertahn ihm billich gefallen lasset / nur
dass ich dir zeige / dass Tugend und Macht nicht allemahl / ja wohl gar selten an
einem Joche zihen. Freilich redet E. GF. D. die lautere Wahrheit / antwortete er
/ uñ ist leider der gemeine Weltbrauch / dass Gewalt die Wollust /Wollust aber
die Frecheit gebieret / aller Tugend abgesagte Feindin; Nachdem aber die Tugend
Gott selber / oder ja dessen vornehmste Eigenschaft ist / pfleget sie sich an
den Frevelern / wie gross die auch sein mögen / härtiglich zuråche; dessen uns
der unkeusche Tonoskonkoleros / lezter Assyrischer Gross-König /von den Griechen
Sardanapallus genennet / ein lebendiges Beispiel gibt / welchen vor ohngefehr
1100 Jahren / E. GF. D. Vorfahr / der Tugendliebende Fürst Arbazes des Reichs
beraubete / und zusterben zwang / weil er weder des Lebens / noch als ein
unflätiger WeiberNarr / herzhaften Männern zugebieten /wirdig wahr. Geschikter
Jüngling / sagte der GrossFürst / woher sind dir diese unsere alten Geschichte in
deiner weit abgelegenen Heimat kund worden? Aus der Griechen und Lateiner
Büchern / antwortete er / in welchen meine liebe Eltern mich fleissig haben
unterrichte lassen / weil sie eine gute Neigung zu solcher Wissenschaft bei mir
merketen. Der GrossFürst stund von seinem Stuele auf und sagte: Kom mein Jüngling
/ und folge mir / es ist Zeit / Speise zunehmen / da du mir auffwarten / und
dich aller Gnade versichern solt. Herkuliskus neigete sich demühtig / zeigete an
/ wie selig er sich schätzete / eines so hochverständigen Fürsten Leibdiener
zusein / und aus dessen Reden der Tugend Beschaffenheit zufassen / fragete auch
im hinaus treten / ob ihm gnådigst erlåubet währe / seinen Säbel / Pfeile und
Bogen zu sich zunehmen / mit denen er nach empfangenem Befehl sich bewehrete
/und seinem GrossFürsten anmuhtig nachtrat / welches ihm so wohl anstund / dass
GrossFürst Phraortes unterschiedliche mahle sich umsah / und seiner
Geschikligkeit sich nicht gnug verwundern kunte. Die GrossFürstin / Fürstliches
Persisches Geblüts / nahmens Saptina / ihres Alters von XXVI Jahren / stund mit
ihrem Frauenzimmer schon im EsseSaal / und da sie diesen fremden Jüngling mit
seinem Gewehr daher treten sah / welcher seinen Huet in der Hand trug /uñ sein
Goldgelbes Haar uber die Schuldern herab hangen liess / ward sie samt allen
anwesenden voll Verwunderung / und sagte zu ihrem Gemahl: Woher hat mein
GrossFürst doch immermehr diesen wunderschönen Liebling bekomen / dessen gleichen
Menschen Augen wohl niemals geschauet haben? Es ist ein gefangener Teutscher
ädelknabe / antwortete er / mir von Mazeus gleich diese Stunde zugeschicket.
Inzwischen legte er seinen Bogen nider / erzeigete anfangs der GrossFürstin /
nachgehends dem jungen Medischen Fürsten Arbitanes / und leztlich dem übrigen
Frauenzimer mit anmuhtigen geberden gebührliche Ehre / entschuldigte sich sehr /
dass wegen Unerfahrenheit der LandesSprache er nicht viel Worte machen könnte /
und befahl sich der GrossFürstin und des jungen Fürsten beharlicher gnade und
hoher gewogenheit. Die GrossFürstin besah ihn gar eben / und sagte: Nun ists
doch imer und ewig schade / dass der Himmel an diesem Jünglinge so sehr geirret /
und ihn nicht zum Mågdlein hat werden lassen; Was vor zartes Weibervolk aber muss
es in Teutschland geben / demnach die Knaben so vollkommener Schönheit sind? Bei
der Mahlzeit musste er den Wein überreichen /welches er mit solcher Höfligkeit
verrichtete / dass die anwesende ädelknaben sich ihrer Grobheit zuschämen hatten.
Auch hiess ihn die GrossFürstin die Speisen vorschneide / da er seiner
Unwissenheit sich zwar entschuldigte / und doch umb gehorsams willen / wie er
sagete / untertähnigst folgete / auch einen gebratenen wilden Entvogel mit
solcher Fertigkeit und zierlichen Schnitten zerlegete / dz die GrossFürstin zu
ihm sagete: Jüngling / ihr seid gewisslich vor mehr bei Fürstlichen Mahlzeiten
gewesen. Ja gnädigste GrossFürstin /sagte er / ich bin mit meines allergnädigsten
Königes junger Herschaft aufferzogen; worauff er ihr mit so
freundlich-lächelnden Aeuglein vorlegete / dass ihr Herz in höchster Freundschaft
gegen ihn entzündet ward / und sie zu dem GrossFürsten sagete; Ach was herzlieber
Knabe ist doch dieser Mensch / und währe er ein Mägdlein / ich könnte ihn
nimmermehr von mir lassen. Vielweniger würde Eure Liebe ihn behalten können /
antwortete er / massen er alsdann den allerhöchsten Buhler gar bald bekommen
würde. Als er aber vorgelegt hatte / hiess die GrossFürstin ihn auch nehmen und
essen; dessen er sich aber wegerte / mit vorgeben / es gebührete einem Knechte
nicht / mit seinem Herrn Mahlzeit zuhalten / sonsten währe seiner GrossFürstin er
in Untertähnigkeit billich gehorsam. Wann ichs euch aber heisse / sagte sie /
hält mein GrossFürst euch solches nicht vor übel. Ja iss mein Herkuliskus / sagte
er selber / es soll dir zu keiner Unhöfligkeit ausgelegt werden. Es wahr der
GrossFürst ein Herr von LIII Jahren / lebete mit diesem Gemahl in der andern Ehe;
Der junge Fürst nunmehr achtzehnjährig / wahr sein einiger Sohn aus erster Ehe
gezeuget / daher er ihn umb so viel herzlicher liebete /hatte ihm auch die
Erbschaft seines Fürstentuhms bei König Artabanus schon erhalten. Derselbe nun
vergass essens und trinkens / schauete unsern Herkuliskus mit unverwendeten Augen
an / und sagte zu seinem H. Vater: Wann die Götter mir diesen allerliebsten
Jüngling zum Bruder verlihen hätten / würde ich haben / den zugleich neben
meinen Eltern ich lieben könnte; und weil von meinem Gn. Herr Vater ich vernehme
/ dass er beides zur Wissenschaft und ritterlichen übungen nicht geringe
beliebung träget /wolle mein Herr Vater mir ihn zum Gesellen geben /er soll an
mir einen solchen Freund finden / dass verhoffentlich ihn nicht verlangen wird /
unsern Hof zuverlassen. Aber sein H. Vater antwortete ihm: Lieber Sohn / dieser
Jüngling ist nicht in meiner Gewalt /sonst währe er dir unversaget / könnte auch
euer beider Gesellschaft wohl leiden / wann er nicht unserm grossen Könige
Artabanus nach Charas müste geliefert werden / dem ich ihn nicht vorentalte
kann; jedoch will ich ihn dir zu liebe acht Tage bei uns lassen / wie wenig ichs
auch zuverantworten weiss. Arbianes ward der Rede traurig / bedankete sich dañoch
gegen seinen H. Vater der hohen Gnade / und sagte zu Herkuliskus: Geliebter
Freund / es wird euch nicht zuwider sein /dass ich eure Gesellschaft von meinem
H. Vater auff etliche wenig Tage erbehten / und sollet ihr die Zeit über an mir
einen geträuen Freund haben. Durchläuchtiger Fürst / antwortete er / ich erkenne
mich gar zu unwirdig / auff andere weise von Ihrer Gn. als ein Knecht gehalten
zu sein / wozu ich mich gerne und willig verpflichte / wann nur einige angenehme
Auffwartung von mir könnte geleistet werden. Arbianes redete ihm ein / dz solche
Entschuldigung ein überfluss währe / foderte ihn auch nach gehaltener Mahlzeit
auf / mit in den Lustgarten zugehen / da der GrossFürst nach ihrem Abscheide zu
seinem Gemahl sagete: Er hätte nimmerwehr gegläubet / dass bei einem
funffzehnjährigen Knaben ein so hoher Verstand und brennende Liebe zur Tugend
sein können / als er diesen morgen erfahren hätte; über das / sagte er / wird er
mir als ein sonderlicher guter Schütze gerühmet; da es nun dem sämtlichen
Frauenzimmer also gefället / wollen wir in den Garten folgen / und ihm seine
Pfeile und Bogen nachtragen lassen; es sind sonst etliche unter meinen
ädelknaben / die sich mit ihrer SchiessKunst keine Sau dünken lassen / auch mein
Arbianes selbst / die sollen sich mit ihm ein wenig versuchen. Das Frauenzimmer
liess sichs gerne gefallen / gingen mit dem GrossFürsten hin / und sahen diese
beide neuen Freunde sich im fechten üben / wobei Herkuliskus sich etwas blöde
stellete / und nur die Hiebe ausnam / sich bissweilen auch treffen liess / und gar
selten zu ihm einschlug / ohn wann er sah / dass er leicht versetzen kunte /
daher alle Zuseher urteileten /er währe dieser übung wenig erfahren / hieltens
ihm auch wegen seiner Jugend nicht vor übel. Des jungen Herrn Fechtmeister / ein
Persischer hochmuhtiger vom Adel sah mit zu / und fing an / sich gegen den
GrossFürsten zurühmen / wie weit er seine Sohn in der Kunst schon gebracht hätte
/ sagte auch zu Herkuliskus: Jüngling / ihr seid zu blöde im fechten / daher
seid ihr mehr bemühet euch zuschützen / als euren Gegener zuschlagen.
Herkuliskus antwortete ihm: Er hätte sich ja vor keinen Fechtmeister angemeldet
/ und könnte gerne leiden / dass andere ihn in dieser Kunst und übung übergingen /
wåhre auch Jugend halber geschikter zulernen / als andere zuunterweisen. Dieser
wollte den Anwesenden seine Kunst alsbald sehen lassen / nam des jungen Herrn
Fechtdegen / unserm Herkuliskus etliche gute Nachhiebe zuzeigen / die er zuvor
hätte anbringen können / und es nicht in acht genommen; welches er dann vorerst
willig von ihm annam; aber da er des musterns zu viel machen wollte / ward er
endlich ungeduldig / und sagte zu ihm: Ich bleibe bei meines Teutschen
Lehrmeisters Art / welche ich euch / da es gefällig sein kann / zum Beweisstuhm
will sehen lassen; ging hiemit frisch auff ihn / und gebrauchte gegen des
Meisters Stärke / seine ringfertige geschikligkeit dermassen / dz er diesen
elenden Fechter unterschiedliche Streiche über den Kopff gab / ihm auch das
linke Schienbein blutrüstete; worüber dieser meinte vor Zorn zubersten /
unterlief ihm auch / uñ rante ihn als viel stärker / mit dem Leibe zu bodem;
doch wahr unser Herkuliskus bald wieder auff / lachete des Tölpels / und sagte
als im schertze: Ich meinte mit einem Fechter mich geübet zuhaben / und sehe
uber vermuhten / dass ihm der Flegel besser anstünde / als das Schwert. Der
Meinung bin ich auch / sagete die GrossFürstin / dann sie wahr ihm von herzen
feind / darumb / dass er ein einfältiges Mensch ihres Frauenzimmers geschändet
hatte. Dieser stellete sich / als håtte er der GrossFürstin Worte nicht gehöret /
und antwortete unserm Herkuliskus mit grimmigen Augen: Ich fürchte mich / indem
ich deine zarte Haut verletzen würde / meinen gnädigsten GrossFürsten
zubeleidigen / sonst wollte ich dir das gelbe übel vom Schnabel wischen.
Herkuliskus wollte ihm keine Antwort geben / sondern kehrete sich gegen den
GrossFürsten / und baht untertähnigst umb Erlaubnis /sich des erwiesenen
Schimpffs zurächen; und wie der GrossFürst ihm einredete / er möchte der Grobheit
etwas zu gute halten / alsdann sollte hernähst dessen nichts mehr vorgehen;
antwortete er: Nun gnädigster Herr / ich erkenne meinen elenden Zustand gerne /
in welchen mich Unglück gesetzet hat / gehorsame auch billich; aber solt ich
schier heut oder morgen dich über tausend Meilen suchen / sagte er zu dem
Fechter / so schenke ich dir dieses nicht. Der GrossFürst kunte sich der
Grossmuhtigkeit eines so zarten Herzen nicht gnung verwundern / und sagte: Mein
Herkuliskus /ich wollte diesen euren Streit gerne beilegen; kans aber auff andere
weise nicht sein / so vergönne ich euch beiden einen scharffen Gang mit dem
Säbel und Schilde / nach dessen Endigung (in welchem jedem nicht mehr als fünff
Streiche sollen frei gegeben sein) ihr euch vergleichen werdet. Wol an / sagte
Herkuliskus / so schicke dich du grober Baur / ohn Streit entgehestu mir nicht.
Bald liess der GrossFürst zween gleichmässige leichte Säbel und Schilde herhohlen
/welche diese beiderseits erzürnete zu sich nahmen /und mit grossem Eifer auff
einander gingen; Unserm Herkuliskus branten die Augen wie Feur im Häupte /ging
umb seinen Feind her mit aller Behutsamkeit /welcher auch nicht gerne einen
vergeblichen Hieb tuhn wollte; schlug anfangs einen ungestümen Hieb nach
Herkuliskus Häupt / welchen er mit dem Schilde abglitschen machte / und
verwundete ihm dagegen das rechte Oberbein. Jener der Wunden empfindend taht
einen starken querhieb / welchen Herkuliskus durch einen Hintertrit und Krümmung
des Leibes ablehnete / und ihm dagegen ein zimliches Loch in die rechte Seite
gab / daher jener sich nunmehr der Vorsichtigkeit gebrauchen wollte / wehrete
aber nicht lange / da schlug ihm Herkuliskus die rechte Faust rein ab / dass sie
mit samt dem Säbel auff die Erde fiel / und aus Ohnmacht bald selbst nach
stürzete. Nun beschimpffe fortin mehr unbekannte / sagte Herkuliskus / die
höheres Standes sind als du; und hastu die Kunst nit besser gelernet / bistu wohl
ein unschuldiger Meister /wirst auch mit dieser dich fortin nit mehr kratzen
dürffen. Die Zuseher kunten dieses Jünglings Geschikligkeit nit gnug rühme / uñ
weil der Grossfürst den verwundeten verbinde liess / redete die Grossfürstin mit
ihm; er müste ohn zweifel gnädige Götter haben / die ihn nit könnte beschimpfen
lassen / und währe ihr insonderheit lieb / dz der unzüchtige Bube seine Straffe
empfangen / uñ er dagegen unverletzt blieben währe. Herkuliskus küssete ihr aus
untertähnigkeit den Rockessaum / und befahl sich ihrer hohen Gnade / und da sie
ihm die Hand boht / küssete er dieselbe inniglich / dass sie sich nicht entalten
kunte zu sagen: Ach dass die Götter mir einen solchen lieben Sohn oder Tochter
geben wollten / wie hoch würde ich ihnen davor verbunden sein. Es hatte aber der
junge Fürst Arbianes eine solche Vergnügung an seinem Siege / dass er vor freuden
in die höhe sprang / und mit beiden Armen ihn umbfing / zu ihm sagend: Mein
geliebter Herkuliskus / wie angenehm ist mir eure Gesundheit / welche die Götter
ja nimmermehr wollen stören lassen; und hönet mich nicht wenig / dass ich bisher
einen so unerfahrnen Lehrmeister gehabt / welcher in der wahren Kunst fast
weniger als nichts verstehet; erkenne sonst wohl wie höfflich ihr mit mir in der
Ubung verfahren. Herkuliskus baht umb verzeihung und antwortete: Mein Durchl.
Fürst fichtet meines ermässens vorsichtiger / als der ruhmrähtige Meister / der
nur gewohnt ist / mit seinen Schülern zu spielen / weis zwar seine Streiche in
etwas zu führen /aber er hat sie so wenig alle gelernet als ich. Inzwischen sah
er einen ädelknaben seine Pfeil und Bogen halten / nahm selbe von ihm ab / und
rühmete / dass Herr Mazeus sein grosser Freund ihm solche geschenket hätte. Wir
wissen wohl / sagte die GrossFürstin /dass ihr in der Schiesskunst wohl erfahren seid
/ hätten auch dessen vielleicht schon eine gute Bewehrung gesehen / da euch der
Unhold nicht davon auffgehalten; ich setze aber dieses GedenkRingelein vor
dissmahl auff den Gewin / da etliche sein möchten / die darumb schiessen wollen.
Herkuliskus nam den Ring /der zwar nicht so gar hoch im Preise wahr / aber doch
seine Neigung anzuzeigen / nam er unbeuhrlaubet denselben aus der GrossFürstin
Hand / küssete ihn /und sagte: Dieses allerliebste Ehrengedächtnis zuerhalten /
will ich meinen Fleiss nicht sparen / es währe dann / das mein Gn. Fürst Arbianes
bedacht sein möchte / mit zuschiessen / dann dessen Durchl. greiffe ich nicht
vor. Der junge Fürst sah / dass dieses aus Ehrerbietigkeit geschahe / fassete
ihn bei der Hand /und baht / dafern er sein Freund sein wollte / auff solche
Weise mit ihm nicht zuverfahren / ob zwar vor dissmahl er nicht bedacht währe mit
zu schiessen /sondern ihm den Gewin gerne gönnete / welchen ohn das zuerhalten
er ihm nicht getrauete. Also henkete Herkuliskus das Ringelein an die Gartentühr
/ und begehrete / dass die Mitschiesser sich melden möchten. Bald traten acht
ädelknaben hervor / und liessen sich vernehmen / sie hätten Lust einen Pfeil umb
den Gewin mit zu wagen. Herkuliskus mahlete darauff aller nähest unter dem
Ringelein einen weissen Flecken / so gross als der Ring wahr / schrieb zu beiden
Seiten des GrossFürsten uñ der GrossFürstin / drunten aber des jungen Fürsten
Nahmen / uñ sagte: Wer nun mit mir umb diesen allerliebsten Ring scheust / der
mus den Pfeil in dieses weise Flecklein schiessen /versehret er den Ring / mus
er in fünff Jahren keinen Pfeil anrühren / trifft er auff der Nahmen einen /
sind es vier Jahr; fehlet er aber weiter aus / mus er die Pritsche haben. Alle
Anwesende hielten dieses vor eine Unmögligkeit / uñ erbohten sich die
Mitschiesser /dafern er solches leisten würde / sollte er Obermeister sein / und
den Ring ohn alle Einrede hinweg nehmen / wollten auch der Pritsche sich keines
Weges entzihen. Worauff er anlegte / und den Schuss nach allem Willen
verrichtete; baht hernach die GrossFürstin / die Urtel zu sprechen / ob er den
Preis gewonnen hätte; welche mit ihrem Gemahl hinzu ging / uñ den abgeschossenen
Pfeil mitten im weissen stecken fand / dass auch der GrossFürst zu ihr sagte:
Geliebtes Herz / ich weis nicht / ob die Götter in menschlicher Gestalt zu uns
kommen / umb zuerforschen / wie wir uns gegen elende gefangene bezeige wollen /
dañ was ich an diesem Jünglinge sehe / ist alles über menschlich; Schönheit /
Vernunft / Tugend / Kunst / Herzhaftigkeit / uñ was man an einem volkomenen
Menschen erdenken kann; weis auch gewiss / dass als Apollo wie ein Mensch auff
Erden umbher gewandelt / hätte er diesen Schuss nicht verrichten mögen; und
gläube ich nimmermehr / dass die rauhen Nordwestischen Länder solche
Volkommenheit bringen sollten. Höchstgeliebter Herr uñ Gemahl / antwortete sie /
ich weis hierzu wenig zu sagen / würde uns auch villeicht nicht anstehen / wann
wir uns dieser Gedanken wollten merken lassen; kann aber meinem geringen Raht statt
gegeben werden / so wollen wir ihn Fürstlich und unserm eigenen Sohn gleich
halten / weil er ohndas nicht lange bei uns bleiben wird / ein mehres können die
Götter selbst von uns nicht fodern. Eben dieses sind auch meine Anschläge /
sagte der GrossFürst / und tuht mir herzlich wehe / dass ich ihn dem Könige
liefern muss /stünde ich aber noch in vorigen Gnaden bei ihm /würde ichs wagen /
und ihn unter gnugsamer Begleitung wieder nach seinem Vaterlande schicken /
welches mir bei jeztgestalten Sachen nicht zurahten stehet / es währe dann / dass
ich mich und meinen Sohn zugleich umb dieses Fürstentuhm bringen wollte; dann
meine Wiederwertigen würden nicht ruhen / mich deswegen anzutragen / da ich
nicht anders als ein Verrähter der Königl. Hocheit müste gestraffet werden. Ihr
werdet aber zu gelegener Zeit dem Jünglinge anzutragen wissen / wie er hinfüro
von uns solle gehalten sein. Nach genommener dieser Abrede foderte er die acht
ädelknaben hervor / und befahl ihnen die Pritsche zugeben; aber Herkuliskus fiel
vor der GrossFürstin nieder auff die Knie / und baht untertähnigst /solche
Straffe gnädigst auffzuheben / damit diese ädelleute nicht schier heut oder
Morgen ihm deswegen einigen Hass zu werffen / und an seinem Glük ihm schädlich
sein möchten. Worauff sie bei ihrem Gemahl anhielt / diese Vorbitte gelten
zulassen / welches auch gnädigst eingewilliget ward. Gleich dazumahl kam der
aussgeschikte ädelknabe wieder / und berichtete / dz Herr Mazeus mit den seinigen
im vörderplatze seines GrossFürsten Befehl erwartete. Herkuliskus hörete diese
Zeitung gerne / und sagte zu dem GrossFürsten: Eure GF. D. mögen sich wohl
versichern / dass sie an diesem redlichen Herrn einen geträuen auffrichtigen
Diener haben / und da ihrer Durchl. es nicht zuwieder ist / wollen dieselbe mir
gnädigst befehlen /denselben herzuhohlen. So gehen wir beide mit einander /
sagte Arbianes / dann ich habe ohndas mit ihm zu reden; gingen auff erläubnis
hin / und hatten sich bei den Händen gefasset; welches der GrossFürst ersehend /
zu seinem Gemahl sagete; der Jüngling hat meinem Sohn das Herz gar gestohlen /
und wie wird es noch ablauffen / wañ sie sich werden scheiden müssen? Ach wer
könnte doch so einem lieben und züchtigen Menschen abhold sein? antwortete sie;
und gibt ja der liebe Fürst hiedurch klärlich an den Tag /dass er auff Tugend und
geschikligkeit etwas halte; aber eure Liebe erinnern sich / bitte ich / was
jener hocherfahrne Sternseher vor etlichen Jahren von ihm geweissaget hat / dass
seine allerhöchste Vergnügung und Glükseligkeit ihm aus weit wilder fremde
zukommen werde. Es fället mir gleich ein / sagte er / will auch die Götter alles
ohn mein bekümmern machen lassen / ob ich gleich nicht absehen kann / was vor
Glük ihm dieser Jüngling mit gebracht habe. Mazeus / der mit seinem Gemahl und
Fräulein abgestiegen wahr / sah den jungen Fürsten und Herkuliskus daher treten
/ wunderte sich ihres mehr als brüderlichen Verhaltens / und ging ihnen
ehrerbietig entgegen; Arbianes hies ihn freundlich wilkomen / bedankete sich
sehr / dass er ihm einen so lieben und werten Freund zugeschicket hätte / und
erboht sich / da er Leben sollte / es dergestalt zuvergelten / dass er Ursach
haben wurde / ihm zu danken; taht auch ein gleiches gegen dessen Gemahl / und
fragete das Fråulein / ob sie einem so lieben Menschen nur eine Nachterberge
geben wollen; diese aber hatte nur ihre Augen und Gedanken nach Herkuliskus
hingewendet / dass sie fast nicht hörete / was ihr gesagt ward / insonderheit da
dieser ihr lieber Freund auch zu ihr trat / und mit einem züchtigen Handkusse
sie freundlich wilkommen hies / da er schon zuvor Herrn Mazeus und dessen Gemahl
ein gleichmässiges erzeiget / und sich höchlich bedanket hatte / dass er ihn
einem so treflichen Fürsten zugeschicket. Gingen mit einander nach dem Garten /
da der GrossFürst ihn sehr gnädig empfing / und zu ihm sagete: Mazeus / ihr
wisset ohn mein erinnern / dass falsche Mäuler zuzeiten ein böses Feuer anblasen
können / welches ihnen doch bei uns gefehlet hat / nachdem wirs in der Aschen
gelöschet; deswegen so lassets ohn weiteres Nachfragen hingehen / und versichert
euch / dass ich hinfort so leicht nicht gläuben / und doch unterdessen euch so
viel gnädiger halten werde / dessen zu einem Zeugnis /schenke ich euch die vor
diesem umbs Geld begehrete Herschaft mit allen Renten / Diensten und Einkommen
/ und euer Liebsten die 12000 Kronen / welche von heut über vierzehn Tage in die
Rentkammer sollten geliefert werden. Mazeus entsetzete sich wegen so grosser
angebohtenen Gnade / merkete wohl / dass es alles wegen Herkuliskus geschahe / uñ
antwortete ihm: Gnädigster GrossFürst und Herr; Eure GF. D. wollen allemahl mit
GFürstl. Hulde ihrem untertähnigst-geträuen Knechte gewogen und zugetahn
verbleiben. Die angebohtene Gnade ist zu gross / kann auch von mir und den meinen
in ewigkeit nicht ersetzet werden; da sich aber einige Gelegenheit eräugen sollte
/ vor Eure Durchl. mein Gut und Blut in die Schanze zuschlagen / soll dessen von
mir nichts gesparet werden; kam nachgehends auff Herkuliskus zu reden / und
erzählete / was Gestalt er ihn bei den Räubern angetroffen / auch was sonst /
die wenige Zeit er bei ihm gewesen / vorgangen währe / welches die Anwesende mit
verwunderung anhöreten / und in ihrem Heidnischen zweifel gestärket wurden / ob
sie ihn vor einen Menschen oder vor einen Gott halten sollten. Inzwischen ging
Herkuliskus mit seinem gespanneten Bogen hin und wieder / und suchte Gelegenheit
einen künstlichen Schuss zu tuhn / welches Mazeus merkend / seine Rede abbrach /
und zu den Anwesenden sagete; jetzt werden wir etwas sonderliches von ihm sehen
/ welches ich an seinen Augen spüre / die er hin und wieder in der Lufft
umbgehen lässet. Er sah aber einen Falken sehr hoch fliegen /der ihm gar zu
ferne wahr / stund deswegen und lauschete / biss er sich etwas nidriger gab / da
schoss er ihn dass er vor dem GrossFürsten niderfiel / und ihm der Pfeil mitten in
der Brust steckte. O du Volkommenheit / sagte der GrossFürst / wie hastu dich in
solchen zarten Leib begeben / nur dass du äusserliches Ansehen zu schanden machen
/ und dein Spiel mit uns als in einem Schauspiele treiben wilt. Herkuliskus trat
hinzu / hub den Vogel auff / und boht ihn Frl. Barsenen mit diesen Worten; Gn.
Fräulein / fürchtet sie sich auch so sehr vor diesen todten Vogel / als vor den
gestrigen todten Tiger? Nein mein Freund / antwortete sie; aber wie gefället es
euch an diesem GrossFürstl. Hofe? ich vernehme / dass ihr schon feindselig von dem
Fechter angegriffen seid / welcher sich billich an dem unsern hätte spiegeln
sollen. Die Götter /sagte er / geben mir nur keine schlimmere Feinde / als ich
gestern und heut gehabt / dann werde ich mich meines Unglücks mehr zu freuen als
zubeklagen haben / insonderheit weil der Himmel mir so hohe Freunde bescheret
hat. Die GrossFürstin stund dabei / und sagte zu ihm: Höret mein geliebter
Herkuliskus / ihr sollet euch eures Unfals nicht zu hart betrüben / dann wir
merken und spüren aus allen euren geberden und Vornehmen dass ihr höheres Standes
und wirden seid /als ihr euch aussgebet / deswegen so wähle und nehme ich euch
hiermit auff und an vor meinen Sohn / der von meinen Leuten nicht anders als
mein Sohn der junge Fürst soll gehalten und bedienet werden / welches ihnen auch
hiemit ernstlich gebohten wird. Arbianes ward dessen so herzlich erfreuet / dass
er sagte: Herzgeliebte Gr. Mutter / jezt erkenne ich eure Mütterliche Hulde
gegen mich euren Sohn / welcher ich Zeit meines Lebens will eingedenke sein.
Hingegen stellete sich Herkuliskus sehr traurig uñ sagte; Durchleuchtigste
GrossFürstin / gnådigste Frau; ich bitte untertähnigst / ihren unwirdigsten
Knecht nicht mit zu hoher Ehrenlast zubeschweren; dann Gott weiss / wie sehr mir
dieses zuwieder ist / und bin schon zu hoch begnadet mit dem / was mir bereit
wiederfahren; überdass bringt mein Stand es nicht mit sich / dass vor ihrer GF.
Durchl. Sohn / und dem jungen GrossFürsten ich sollte gleich gehalten / oder auch
von ådelknaben bedienet werden. Was mein geliebter Bruder / sagte Arbianes? ist
euch dieses so sehr zu wieder / so tuht mirs zu gefallen; wer weiss / worinnen
ich schier heut oder Morgen euch Dienste und brüderliche Freundschaft erzeigen
kann? Herkuliskus küssete ihm die Hand / antwortend / er währe und bliebe
allemahl seiner Durchl. untertähniger Knecht und ergebener /und nachdem er
gezwungen würde sich höher zuhalten als er währe / müste er der Einbildung
geleben /als die in Schauspielen eine Fürst- oder Königliche Verwaltung auff
sich nehmen / ob sie gleich arme Betler sind; welche Worte er / als der Sprache
unerfahren / zwar stamlete / aber doch mit sonderlicher Gnade vorbrachte / dass
ihrer aller Herz dadurch gerühret / mit ihm grosses Mitleiden trugen.
    Es kam aber ein Diener in den Garten / und meldete an / Ihrer GF. D. Frau
Saptinen Herr Bruder währe glücklich wieder angelanget / und hielte im innersten
Platze; dessen der GrossFürst sehr froh ward / dass er sagete: O Dank sei den
Göttern / die ihn gesund hergeleitet haben / als nach dessen Wiederkunft ich
und andere mit mir ein grosses Verlangen getragen; ging auch geschwinde hin /
ihn zuempfahen / da Arbianes neben Herkuliskus seinem H. Vater nachtrat. Der
fremde Herr sah seinen Oheim und Schwager gegen ihn daher kommen / eilete auff
ihn zu / und empfingen sich sehr freundlich / redete auch fast eine Stunde mit
einander in grosser geheim / biss nach dessen Endung Arbianes diesen seinen
Vetter gebührlich wilkommen hiess. Nachgehends trat auch Herkuliskus zu ihm hin
/küssete ihm die Hand / und baht / seiner Kühnheit zuverzeihen / dass er als ein
Fremdling und gefangener einen einheimischen und Fürstlichen Anverwanten
zuempfahen sich unterstünde. Der fremde Herr sah ihn als verzucket an / redete
jhm sehr freundlich zu / und gedauchte ihn / das Angesicht etweder selbst / oder
doch eines demselben sehr ähnlich / mehr gesehen haben; endlich fiel ihm das
kleine Gemåhlde ein /welches er stets bei sich im Seckel trug / besah es /und
sagete bald darauff: O ihr Götter / was Bildnis zeigt ihr mir so unvermuhtlich?
Herkuliskus erschrak dessen sehr / meinte nicht anders / er währe erkennet /
und schlug die Augen vor sich nieder; Der fremde aber fuhr fort / und fragete
den GrossFürsten / von wannen ihm doch dieser vortrefliche Jüngling kähme;
worauff er zur Antwort gab: Er ist mir erst heut von Mazeus zugeschicket / und
gibt sich vor einen Teutschen ädelknaben aus / welcher von unterschiedlichen
Räubern gefangen / und biss in diese Länder gefuhret sei. Aus Teutschland? sagte
der fremde Herr; kehrete sich hernach zu ihm / und sagte: Vortrefflicher junger
Herr / euer Angesicht erinnert mich eines ritterlichen Helden und grossen
Fürsten / dessen Kundschaft zuhaben / ist nicht gar lange / ich gewirdiget bin
/ welches ich trauen unter meine höchste glückseligkeiten rechne; reichete ihm
hiemit das BrustBilde hin / sprechend: Mein Herr / ich bitte sehr / mir zu sage
/ ob ihm dieses Gemählde bekant sei? Herkuliskus empfing es mit besonderer
Ehrerbietung / sah es an / und erkennete seines herzgeliebten Herkules
Angesicht alsbald / weil noch zum Uberfluss umbher geschrieben wahr: Hercules,
humani generis delitiæ. Das ist: Herkules des menschlichen Geschlechts
belüstigung. Es ward aber hierüber seine Seele mit überschwänklicher Freude
erfüllet / dass ihm das Blut unter das Gesichte schoss / stund und wankente als
ein taumelnder / dass er in Ohmacht fast niedergesunken währe; dessen Arbianes
wahrnehmend / ihn fragete / woher diese schleunige Verenderung kähme; worauff er
sich erhohlete und zu dem fremden sagte: Ach mein Herr /ich bitte höchlich / mir
zusagen / ob dieser Ritter annoch im Leben und guter Gesundheit sei / von dem
dieses Gemählde genommen ist? Ich weiss nicht anders / mein Herr / antwortete er;
aber irre ich nicht /so seid ihr beide leibliche Brüder / massen ihr fast
einerlei Gesichtes und Schönheit seid. Ach ja mein Herr / sagte er / er ist mir
tausendmahl lieber / als ein Bruder / wiewol er nicht mein Bruder / sondern
meiner Mutter Bruder Sohn ist. Wol mein Herr / sagte der fremde / ihm wider
seinen Willen die zarte Hand küssend / so bin euer Liebe ich mit Gut und Blut zu
dienen bereit und willig / deswegen wollen sie sich meiner Dienste frei
gebrauchen / welches mir die höchste Vergnügung geben wird. Herkuliskus
bedankete sich sehr des unverdienten Erbietens / und verlangete den GrossFürsten
heftig / zuerfahren / aus was Ursachen sein Oheimb sich gegen diesen Jüngling
dermassen dienstbar erzeigete; Derselbe aber sagete zu ihm: Durchl. GrossFürst;
dieses jungen Herrn Mutter-Brudern Sohn / ein Herr von ohngefehr XXI Jahren /
gleicher Schönheit und Antlitzes mit diesem / wie mein Bildnis zum Teil
ausweiset / ist der trefflichste Held in ritterlichen übungen und Tapfferkeit /
so jemahls gelebet; ganz Italien und die Stad Rom reden von ihm / und habe ich
seine und seines Gesellen herrliche EhrenSäulen zu Rom und Padua gesehen / halte
mich auch insonderheit glückselig / dass ich seine Freundschaft erhalten / und
diesen Ring von ihm zum Pfande unbrüchiger Träue empfangen. Der GrossFürst sagte:
Was Standes aber ist er? Davon weiss niemand in Italien etwas gewisses zusagen /
antwortete er /wiewol ausser zweifel ist / dass er uhralter Königlicher Wirden
sein muss / massen sein Geselle / ein gebohrner und herschender König in Böhmen
ist / und derselbe doch jenen höchlich ehret. Niemand hörete diese Reden lieber
als Arbianes / daher er zu ihm sagete: Warumb will dann mein werter Freund und
Bruder seinen HochFürstlichen Stand verleugnen / dessen er doch mehr als kein
ander wirdig ist? Er antwortete: Ach der Himmel ist mein Zeuge / wie gerne ich
unerkennet in dieser fremde sein wollte; jedoch ist dieser mein Oheim gleichwol
höheres Standes als ich / in Betrachtung / dass meine Fr. Mutter so hoch nicht
geheiratet / als ihr Herkommen ist. Die GrossFürstin kam auch herzu / ihren
geliebten und einigen Bruder zuempfahen; Derselbe nun wahr aus Fürstl.
Persischen Geblüt entsprossen / und eben derselbe Pharnabazus und unbekannte
Ritter / der zu Padua im Turnier mit Ritter Leches um den höchsten Preis stach
/wovon fast am Ende des Ersten Buches meldung geschehen. Schwester und Bruder
empfingen sich überaus freundlich / weil eine sonderliche Liebe zwischen ihnen
wahr / und als er Frl. Barsenen gewahr ward /nahete er sich zu ihr / wie er dañ
eine gute Neigung zu ihr trug; welche aber Herkuliskus zu seiner Zeit umb ein
grosses befoderte / wie an seinem Orte folgen wird. Weil dann vor dissmahl der
Abend einbrach /und es Zeit wahr / das Maal einzunehmen / gingen sie mit
einander nach dem Saal; da Pharnabazus unsern Herkuliskus geleitete / welches er
fast mit Ungeduld zugeben musste / und sich solcher Ehre nicht entbrechen kunte.
Niemand aber von der ganzen Gesellschaft wahr mit empfindlicheren Bewägungen
beladen / als Frl. Barsene / gestaltsam sie ihren lieben Herkuliskus ohn
unterlass ansah / wodurch das zarte Herz immer weiter eingenommen ward. Nach
auffgehobenen Speisen hielt Pharnabazus bei Herkuliskus an / er möchte der
anwesenden Gesellschaft zugefallen / seines Oheims des unvergleichlichen
Herkules Leben zu erzählen unbeschweret sein / als welches ihm ohn zweifel nicht
unbewust währe. Er wegerte sich dessen zwar nicht / entschuldigte sich aber / dz
es von ihm in Morgenländischer Sprache nicht geschehen könnte / und fing in
Griechischer also an: Hochgebohrner Herr Pharnabazus / Eure Liebe erwecken in
mir die Gedåchtnis etlicher Wunder-sachen / welche /da sie bei den Römern oder
Griechen vorgangen währen / durch Schrifft und Bücher sie in alle Welt
ausgebreitet werden müsten; nachdem sie aber in Teutschland / einem verachtete
Winkel der Nordwestischen Länder sich begeben haben / kommen sie nicht weiter /
als wo man sie mündlich erzählet. Nun hätte ich zwar ohn eitelen Ruhm zumelden /
ein weitoffenes Feld / umständlicher Erzählung vor mir / weil ich aber fürchte /
meinen gnådigsten Herren und Frauen / auch andern anwesenden wirdigen Freunden /
durch herbeiführung aller ümstände nur verdriesslich zusein /will ich meines
herzgeliebten Oheims und mehr als Brüderlichen Freundes Zustand und Leben nur
Inhaltsweise andeuten. Nicht also / mein geliebter Sohn /sagte der GrossFürst /
sondern lasset uns dieses teuren Helden Leben und Tahten völlig kund werden / so
viel euch dessen bewust und zu Gedächtnis komt /dann durch Hindansetzung eines
liederlichen Umstandes / wird oft einer Geschichte der beste Schmak benommen;
sollte sichs dañ gleich in die späte Nacht zihen / wird dem Frauenzimmer erläubet
sein / die Ruhe nach belieben zunehmen; Ich neben meinem Oheim und Sohne werde
euch die Ohren hierzu willig leihen / als die wir in der gleichen Geschichten /
in welchen die Götter bei den Menschen etwas sonderliches wirken / mit
begieriger Lust uns pflegen umzusehen / worzu ich meinen Sohn Arbianes von
Jugend auff angehalten / dass er die Griechischen und Römischen
Kriegsbeschreibungen / nebest dem / was von unserer Vorfahren Handelungen
auffgezeichnet ist /fleissig lesen / und mir tåglich vor Abends erzählen muss /
was er daraus behalten; alsdann zeige ich ihm den rechten Kern und Safft der
Begebnissen / nehmlich die lehrreichen weltklugen Anmerkungen / welche ihm
dereins so wohl in Friedes- als Kriegszeiten nüzlich und heilsam sein köñen.
Herkuliskus antwortete: Weil dann E. GF. D. mir solches gnädigst anbefihlet /wie
undüchtig ich mich gleich darzu befinde / muss ich doch willigst gehorsamen. Fing
darauff seine Erzählung folgender massen an: In meinem geliebten Vaterlande
ergiessen sich drei zimlich weit von einander fliessende Schiffreiche Wasser /
die Weser / die Elbe / und der Rein / welche / nachdem sie manniche schöne Aue /
teils befeuchtet / teils vorbei gestrichen / sich endlich in das Teutsche Meer
stürzen. Zwischen diesen wird der gewaltigste Teil Teutschlandes / als Sachsen
und Franken begriffen / eine sehr weite / und von den Einwohnern erfüllete
Landschaft / welche dem Gesetze der eingepflanzeten Billigkeit sich gemäss
zubezeigen in vielen stücken sehr geflissen sind / sonderlich die Freiheit
betreffend / welche über allen Reichtuhm und Herrligkeit geschätzet wird
/deswegen noch zur Zeit keine Macht oder Gewalt sie darzu treiben mögen / dass
sie fremder Herrschaft sich untergeben / und einige Dienstbarkeit über sich
nehmen sollten / ohn die sie ihrer / teils angebohrnen /teils selbst erwähleten
Obrigkeit schuldig sind. Niemahls haben die Römer / welche sich der Welt Herren
nennen / einige Feinde mehr gefürchtet / als die Teutschen / auch da unter
Augustus ihre Macht am grössesten wahr / und wie manniche Krieg sie gleich mit
ihnen geführet / sind die Teutschen dannoch Teutsche / das ist / freie
unbezwungene Leute blieben. Es ist vor sich ein auffrichtiges Volk / Genügenheit
ist bei ihnen durchgehend; Das böse / in andern Ländern oft kleinen Kindern
bewust / ist bei ihnen den alten unerhöret / daher achtet ein Teutsches Herz
weder Fleisches Wollust / noch Geldes Schätze / ohn die man den Feinden
entwendet. Sünde finden bei ihnen selten Verzeihung. Dreier Groschen Dieberei
wird mit dem Strange gestraffet. Ehebruch geht wunderselten vor /erlanget auch
weder Barmherzigkeit noch Gnade. Das übel der Eifersucht ist ihnen unbekant /
dann ein jeder lässet sich an einem Weibe genügen / und jemehr dieselbe ihrem
Manne Kinder gebieret / je mehr wird sie von ihm geliebt und von anderen
geehret; und wann sie dem leidigen Biergesöffe (wiewol auch nicht alle /noch
allentalben) nicht so sehr zugetahn wåhren /stünden sie nicht zuverbessern.
Insgemein sind sie mit dem zufriede / was ihr Land träget / die aber ein mehres
begehren / suchen es mit Waffen bei ihren Feinden / deren sie von allen Seiten
haben / aber daher nicht umb ein Haar verzagter sind / meinen / ihre Fäuste sein
mächtig gnug / sie zuschützen / wann nur die Götter nit lassen den Himmel über
sie einfallen; welche Antwort sie dem grossen Alexander gaben. Sonsten ist dem
Lande unmöglich / alle in ihm erzeugete Menschen zubegreiffen / daher mannich
tausend MutterKind andern Sitz und Herberge suchen muss; ungeachtet ihre Aecker /
da sie recht gebauet werden /voll Korn stehen / und ihre Wälder mit Wild
angefüllet sind. Ochsen und Kühe / Pferde und Esel / Schaffe und Schweine gibt
es überflüssig / wie ungleichen eine überaus grosse menge allerlei köstliches
Fischwerks. Schådliche Tihre / ausser dem Fuchs und Wolfe / lassen sich nicht
finden / und werden die Schlangen an mannichem Orte zum Wunder gezeiget. Ihre
Berge möchten wohl Gold und Silber zeugen /wann es gesucht würde / und mangelt
ihnen an keinem Dinge / was zur Leibes Notturfft erfordert wird. Ihr
Gottesdienst bleibet unverendert / welchen sie nicht in engen Gebäuen / sondern
unter dem freien offenen Himmel in schönen grünen Wäldern anstellen und
verrichten. Ehmahls haben sie ihre Könige gehabt / deren gröste Macht und
Reichtuhm in Menge der Kriegsleute und Pferde bestund. Heut zu tage gehorsamen
sie ihrem GrossFürsten / der keinen obern / als Gott und das Schwert erkennet /
ist von dem allerältesten Königlichen Teutschen Blut entsprossen / nahmens
Henrich / dessen Ruhm mit vielen Worten auszustreichen / hieher nicht gehöret /
dann er herschet /dass jederman ihn preisen und ehren muss; Den Untertahnen ist er
lieb / den Nachbarn angenehm / den Feinden erschreklich. Er heirahtete im
dreissigsten Jahre seines Alters ein trefliches Fräulein / des Grossmächtigsten
Fürsten und Herrn / Herrn Ragwalds / der Goten und Schweden Königes Tochter /
Frl. Gertrud /mit welcher er diesen seinen ersten Sohn / und künftigen
rechtmässigen Nachfolger in der Herrschaft /die Blume aller Frömmigkeit und
Ritterschaft (niemand sein Lob benomen) meinem herzgeliebten Oheim und Bruder
Fürst Herkules / vor XXI Jahren zeugete / worüber im ganzen Reiche unsägliche
Freude und frolocken entstund / weil man sich einer erblosen Ehe befahrete / und
die GrossFürstin drei Jahr unbefruchtet blieb. Wenig Stunden nach seiner Geburt
/ward ein alter Pfaffe herzu gefodert / dieses neugebohrne Herrlein zu weihen
und segnen / welcher vorgab (ich erzähle es / wie ichs von meiner Fr. Mutter
oft gehöret) / er hätte aus allen Zeichen der Opffer /auch Vogel- und
Pferde-Geschrei angemerket / das junge Herrlein würde an Verstand / Frömmigkeit
/und Erfahrenheit in Waffen dermassen vortreflich sein / dass durch ihn aller
seiner Vorfahren Lob würde verdunkelt werden; fremden Landschaften würde er
anfangs mehr Dienste / als seinem Vaterlande leisten. Die alten Teutschen Götter
würde er durch Annehmung eines neuen Gottes zurück setzen und verachten; Liebe
halben sollte er viel Widerwertigkeit ausstehe /aber durch standhaftigkeit alles
überwinden; grosse Schåtze und Reichtuhm durch streitbahre Faust erwerben; eine
Ursache sein / dass der grössesten WeltHerren einer fallen und untergehen müste;
Uber seine Anverwanten würde er grosse Glükseligkeit bringen /und seine Eltern
unvermuhtlich aus RäuberHänden und Todesgefahr erlösen; und was des Geplauders
mehr sein muchte / worauff die Eltern / als über der Geburt ihres lieben
Söhnleins hoch erfreuet / wenig acht gaben / wiewol sie nachgehends dessen schon
viel in der Taht erfahren haben. Seine Fr. Mutter hatte schwere Geburtswehe /
dass man ihrem Leben wenig trauete / ward deswegen dem jungen Herrlein alsbald
eine adeliche Frau zugeordnet / die es mit ihren Brüsten speisen sollte / aber
vergebens / massen es sich durchaus nicht wollte anlegen lassen / wie fast mans
auch nöhtigte / daher man es mit Gemüse unterhielt /biss über zehn Tage seine
Frau Mutter zimlich genass /deren Brust es mit sonderlicher Begierde ergriff / uñ
einzig von ihr sich säugen liess. Als das Herrlein eines halben Jahrs alt wahr /
und die Eltern zur Lust ins grüne fuhren / liess die einschlumernde Mutter das
Kind von ihrer Schos fallen / dass es zwischen den Rädern hinunter purzelte /
hätte auch ohn allen zweifel seinen Geist auffgeben müssen / wann nit zu allem
glücke ein grosser Stein im Wege gelegen / vor welchen das Herrlein zu liegen
kam / dz des Rades Stoss auff demselben gebrochen ward / und ohn alle Verletzung
überhin ging / welches dann wohl ein Zeichen seiner künftigen gefahr sein
mochte. Nachgehends gaben sie etwas fleissiger acht auff ihn / kunten aber doch
den unvermeidlichen fällen nicht vorbauen /dann wie nach dreien Jahren der
GrossFürst neben seinem Gemahl und diesem ihren ältesten Herrlein (dann der
Himmel hatte ihnen schon den andern bescheret) auff der GrossFürstin Fr. Mutter
Begräbnis in Schweden reiseten / wurden sie an der OstSee des Nachtes in einem
Dorffe von einer Schaar Dänischer SeeRäuber überfallen / da der GrossFürst mit
seinem Gemahl sich in einer alten Scheuren verbarg / das Herrlein aber mit samt
der WartsFrauen / bei welcher es schlief / hinweg geführet ward; jedoch / weil
des GrossFürsten Völker bald ins Gewehr kahmen / und den Räubern nach setzeten /
ward das Herrlein wieder erlöset / und seinen Eltern zugestellet. Nach
gehaltener Leichbegångniss machte der GrossFürst sich wieder in sein Land / uñ
wendete grossen fleiss auff seines SöhnleinsErzihung / welcher / da er schier von
sechs Jahren wahr (eben dazumahl bin ich geboren) von seinem H. Vater eine
ritterliche Rüstung foderte / in welcher er zuzeiten ausreiten / und als eines
LandesFürsten Sohn sich zeigen könnte; und als ihn sein Herr Vater mit
schimpflichen Worten abwies / er währe zu klein / Harnisch zuführen / uñ stünde
ihm eine Tüte vol Zucker ungleich besser an / verredete er / kein Zucker mehr
zuessen / triebs auch bei dem H. Vater so lange / dz er ihm ein kleines Schwert
und leichten Bogen geben liess / womit er den ganzen Tag über sein Kinder-Spiel
hatte und inwendig drei Monden sich dergestalt übete / dass manniger Vogel von
ihm erschossen ward. Seines H. Vaters Jäger kahmen (da er sieben Jahr alt wahr)
einsmahls von der Jagt /brachten etliche grosse Wölffe auffs Schloss / und
erzähleten / mit was grosser Mühe sie dieselben gefellet hätten / dessen
Herkules nur lachete / und sie fragete; was ihm wohl fehlen sollte / ein solches
Tihr zuerlegen / wann er sein Schwert und Bogen bei sich hätte; Und als seine
Fr. Mutter gegenwärtig ihm einredete / er sollte bei Leib und Leben schweigen /
und die Götter bitten / dass ihm ja ein solches grimmiges Tihr nicht auffstiesse
/ sonst müste er von demselben alsbald verschlungen werden / antwortete er:
Gnädigste Fr. Mutter / sollten die Götter wohl zugeben / dass ein so unwertes Tihr
sich mit eines jungen Fürsten Fleisch speisete? hat man auch gehöret / dass ein
Fürst jemahls von einem Wolffe verschlukt oder hinweg getragen sei? forschete
darauff bei den Jägern gar eigentlich nach / an was Ende die Wölffe gefangen
währen; und da sie ihm aus Scherz den nähesten Dornpusch beim Schloss mit
Worten bezeichneten /hiess er des folgenden Morgens seinen Auffwarter /(der fünff
Jahr älter als er wahr) mit gehen / und ihm seinen kleinen Spiess nachtragen /
lieff geschwinde nach dem beschriebenen Pusche / und wie er gar leise hinzu trat
/ sah er einen scheusslichen grossen Wolff /mit auffgesperretem Maule schlaffen
liegen / nam seinen kleinen Degen / und sties ihm denselben in den Rachen biss
ans Gefäss / sprang darauff wieder zurück /und hohlete den Spies / damit ging er
wieder auff den Wolff / welcher schon mit allen vieren von sich schlug / und mit
dem tode rang; dessen er aber nichts achtete / sondern ihm das Schwert / welches
er nicht verlassen wollte / wieder aus dem Maule zog / und ihm den Spies auffs
neue in den Rachen stiess / ihn auch so lange quålete / biss er dahin starb /
ungeachtet ihm das Blut hin und wieder auff die Kleider sprützete / hernach dem
Knaben befahl etliche Jåger zu hohlen / die den Wolff nach dem Schloss
schleppeten. Dieser berichtete in der GrossFürstin Gegenwart / was sich
zugetragen hätte / welches ihm niemand gläuben wollte / biss auff vielfältiges
beteuren sie mit etlichen Dienern hinunter ging / und ihr liebes Söhnlein mit
blutigem Spiesse und Kleidern gegen ihr daher lauffen sah / der sie also
anredete: Herzen Fr. Mutter /sprechet fortin mehr / der Wolff werde mich
verschlingen / ich habe ihn gleichwol so geputzet / dass er sich an mir ferner
nicht reiben soll. Die GrossFürstin gedachte / er würde etwa einen Hund erstochen
haben; als sie aber das grausame Tihr in seinem rauchenden Blute liegen sah /
erschrak sie über alle masse / und schalt heftig mit ihm / dz sie ihn auch zu
ficken dräuete / welches aber das Herrlein mit einem sonderlichen Eifer und
ernstlichem Angesichte beantwortete: Je Herzen Fr. Mutter / sagte er / sollte ich
mich dann von diesem Ungeheur fressen lassen? So wahr ich ein Teutscher Fürst
geboren bin / werde ich mein Leben so liederlich nicht dahin geben / und weis
gewiss / mein H. Vater wird mir ein grösseres Schwert geben / dass ich hernåhst
der schändlichen SchaffRäuber mehr aus dem Wege schaffe; stellete sich auch
unter dem Reden so freudig / mit zierlichen springen /Tanzen / und zusammen
schlagung der Hände / dass seiner Fr. Mutter die Freudenträhnen hervor drungen
/insonderheit / da er auff dem Schloss die herzutretende Jäger mit höhnischen
Worten angriff; was sie vor schlimme furchtsame Kerle währen / und einen Wolff
zutödten / vor ein grosses Werk aussgeben dürfften. Der GrossFürst wahr des
vorigen tages aussgeritten /und da er des folgenden wiederkam / und die Taht
erfuhr / auch das Tihr besah / kunte er vor verwunderung fast kein Wort reden /
biss er endlich zu seinem Gemahl sagete; Ich habe diesen unsern Sohn allemahl vor
eine sonderliche Gabe der Götter gehalten / darumb haben sie mir ihn nun zum
drittenmahl beschützet; werden wir aber sein nicht besser acht haben /dürffte
der Himmel ihn bald wieder abfodern. Zwar die Götter haben uns noch einen
männlichen Erben /unsern Baldrich (der dazumahl im fünften Jahr wahr / und sich
nunmehr zu allen fürstlichen Tugenden schicket) gegeben / aber müssen wir darumb
diesen in solcher Gefährligkeit / als einen Baurjungen allein umbher lauffen
lassen? Hernach fuhr er dz junge Herrlein scharff an; höre du Leckerchen / sagte
er /wer hat dir befohlen die Püsche durch zukrichen / und ohn Uhrlaub vom
Schloss zu lauffen? wirstu das mehr tuhn / soll dir mit frischen Ruhten gelohnet
werden. Herkules stellete sich etwas beleidiget sein / und antwortete: Mein Herr
Vater / zürnet doch nicht so hart mit mir / weil ich ja nichts böses begangen
habe; meine Fr. Mutter wollte mich schrecken / da mich ein Wolff anträffe / würde
er mich verschlingen; ja wie schön hat er mich verschlungen? Ich wahr ihm mit
meinem prafen Degen viel zu behende. Wie ungehalten nun der GrossFürst wahr /
musste er doch des Knaben von Herzen lachen / und sagte zu ihm; wie aber /wann er
dich verschlungen hätte / würde man dir das Leben haben wieder geben können?
Verschlungen? antwortete das Herrlein / und wann ihrer gleich zween gewesen /
sollten sie mich nicht verschlungen haben; ich hatte ja den Vortel im Pusche /
dass sie nach Willen nicht hätten können an mich kommen / und wie leicht hätte
ich ihrer etliche / einen nach dem andern übern hauffen stossen können; darumb
bitte ich euch /Herzlieber Herr Vater / nehmet mich fortin allemahl mit auff
die Wolffesjagt / weil ich ihne schon gnug gewachsen bin. Du magst mir ja
gewachsen sein /sagte der GrossFürst mit einem Gelächter / aber gedulde dich nur
ein wenig / ich will dich schon auff eine Wolffesjagt (Bücherjagt meine ich)
führen / da du die Buchstaben jagen / uñ mit dem Gedächnis fangen solt. Nun
hatte vor weniger Zeit der GrossFürst etliche Räuber einsetzen lassen / welche
erstes tages sollten abgetahn werden; unter denen fand sich ein Römer /der in
Griechischer und Lateinischer Sprache wohl erfahren wahr / nahmens Katullus /
denselben liess der GrossFürst vor sich allein fodern / und sagte in des jungen
Herrichens Gegenwart zu ihm; du wirst dich erinnern / dass du umb Untaht willen
dein Leben zehnfach verwirket hast / welches dir nicht als durch meine Gnade kann
geschenket werden; wañ ich nun wissen sollte / dass du fortin die Bosheit angeben
/ dich der Erbarkeit befleissigen / und diesen meinen jungen Sohn in
Lateinischer und Griechischer Sprache fleissig unterweisen woltest / möchte dir
vielleicht mehr gutes begegnen / als du dir jemahls hättest einbilden können; so
gib mir nun hierauff richtige Erklärung /wessen du dich zuverhalten gesonnen
seist / und gedenke ja nicht / mich mit betrieglichen Worten zuhintergehen / dañ
soltestu wieder auff dein altes fallen /würde ich schon Mittel wissen / dich in
meine Gewalt zubringen / und alsdann das neue mit dem alten zubezahlen. Dieser
fiel vor dem GrossFürsten in die Knie /baht um Lebensfristung / und erboht sich /
hinfüro ein frommes Leben zu führen / auch allen möglichen Fleiss in Unterweisung
des jungen Herrlein anzuwenden; Worauff er demselben alsbald vor einen Lehr-und
Hoffmeister zugeordnet / die übrigen sechs Räuber aber hin zur Richtstat
geführet wurden / deren einem / weil er sich vor Katullus Anverwanten angab /
und derselbe einen Fussfal vor ihm taht / das Leben geschenket ward / jedoch /
dass er stündlich Teutschland räumen sollte / welches er nit allein angelobete
/sondern nachdem er mit wenigem von Katullus Abscheid genommen / sich hinweg
machte. Herkules aber hatte gar kein Herz zu diesem Lehrmeister / und beklagete
sich unterschiedliche mahl gegen seine Fr. Mutter / dass er einem Räuber müste
untertahn sein /und von demselben sich unterweisen lassen; und wer weiss / sagte
er / ob er mich dereins nicht gar ermorden dürffte; welches aber als eines
Kindes Rede verachtet ward / wiewol die Reue bald darauff folgete /gestaltsam er
kaum vier Wochen diesem seinem Amte vorgestanden wahr / da ein armer Mann / die
leidige Zeitung auff das Schloss brachte: Er hätte zween einzelne Männer ins
Gehölze reiten sehen / deren einer einen schönen jungen Knaben vor sich auff dem
Pferde geführet / dem der Mund mit einem Tuche zugestopffet / auch die Augen
verbunden gewesen; und da ihm recht währe / hätte er vor diesem den Knaben mit
einem kleinen Degen und Handbogen auff dem Schloss gehen sehen. Dem GrossFürsten
ward dieses alsbald kund getahn / und Katullus mit dem jungen Herrlein gesuchet
/ aber umb sonst / massen die Schildwachte berichtete / sie währe mit einander
ihrer Gewohnheit nach aus dem Schloss gangen / und hätte jeder ein Buch in der
Hand getragen. Bald wurden die Pferde gesattelt / und mussten 100 Reuter mit dem
Zeitungsbringer auffs eiligste fort reiten / mit dem versprechen / da sie das
Herrlein samt den Räubern lebendig einbringen würden / sollte jedem drei Monat
Sold geschenket werden. Diese macheten sich geschwinde auff den Weg / und geriet
ihnen so wohl /dass sie gegen den späten Abend alle drei unter einer hohen Eichen
sitzend antraffen / da sie ein wenig Brod zur Speise / und einen trunk Wasser
aus einer vorüberflissenden Quelle hatten. So bald Katullus der Reuter inne ward
/ fassete er sein Brodmesser / uñ wollte damit vor erst das junge Herrlein /
hernach sich selbst entleiben / geriet ihm aber durch der Götter abwendung
keines; dann Herkules dieses sehend / wie er sehr gerader Gliedmassen wahr und
noch ist / da er lebet / sprang geschwinde auff / uñ weich ihm aus dem Stich /
wiewol er nicht allerdinge unbeschädigt blieb / sondern ihm das Messer in das
linke Oberbein fuhr / und weil es vielleicht schon einen Bruch haben muchte /
darinnen gar abbrach / dass über die helffte drinnen stecken blieb / und also der
Mörder kein Mittel hatte / ihm selber Hand anzulegen. Herkules rieff /ungeachtet
aller Schmerzen / heftig umb Rettung /welche ihm bald wiederfuhr / dann die
Reuter drungen stark auff sie zu / sahen dz junge Herrlein bluten / und zogen
ihm die zubrochene Messerklinge aus der Wunde / da inzwischen die anderen sich
an die beiden Räuber machten / ihnen Hände und Füsse bunden / und mit sich auff
den Pferden fortschleppeten / ritten auch die ganze Nacht / nachdem sie das
Herrlein ein wenig mit frischen Kråutern verbunden hatten / biss sie folgenden
Morgens sehr früh bei dem GrossFürstlichen Schloss anlangeten. Der GrossFürst
samt seinem Gemahl hatten diese Nacht die Kleider nicht abgeleget / da die
Mutter mit stetem Weinen und Klagen wegen ihres verlohrnen allerliebsten
Söhnleins anhielt / biss ihnen die fröliche Zeitung kam / dass das Herrlein
gerettet / doch in etwas von dem Räuber verwundet wåhre / welcher dann alsbald
zu seinen lieben Eltern hinauff getragen ward / durch müdigkeit und verblutung
sehr abgemattet; erhohlete sich doch ein wenig / da er sich in seiner Fr. Mutter
Armen befand /und sagte mit schwacher Stimme; die Götter haben mir das Leben
erhalten / sonst würde ich schon erstochen sein / muss mich deswegen nach diesem
mehr vor Räubern als vor den Wölffen vorsehen / und hat mir von Anfang her / wie
ihr wisset vor diesem schlimmen Lehrmeister gegrauet. Die Mutter tröstete ihn /
er sollte zu frieden sein / sie wollte nicht gönnen dass ein solcher Räuber ihm
nach diesem vor einen Lehrmeister zugegeben würde; vor dissmahl sollte er dem
WundArzt fein stille halten / ob die Verbindung ihn gleich ein wenig schmerzen
würde. Verbindet ihr mich nur recht / sagte er zu dem Arzt / ich will euch gerne
stille halten / nur dass mir der Schenkel nicht krum oder lahm werde / dann ich
will lieber sterben /als unduchtig werden / dereins Waffen zu führen. So bald er
verbunden wahr / und der Arzt ihn versicherte / dass es nur eine Fleischwunde /
und keine Gefahr zubefürchten währe / lachete er vor freuden / und sagte zu dem
Arzt / mich deucht ihr seid gar zu gelinde mit mir umbgangen / dann mein H.
Vater pfleget zu sagen; Weiche Aerzte machen faule Wunden. Nein Gn. Herrlein /
antwortete er; Eure Gn. habe ich ja so scharff angegriffen / als wann ein
starker Baur die Wunde gehabt hätte / wie er dann beteuerte / dass er mit dem
Wundeisen die tieffe recht erforschet / und er sich über des Herrlein Geduld
verwundert hätte / welche bei vielen erwachsenen nicht währe; welches das
Herrlein hörend / zur Antwort gab / ei so tuht die verwund- und Verbindung
gleichwol so wehe noch nicht / als ich mir eingebildet hatte; foderte einen
Trunk /und legte sich zur Ruhe. Inzwischen ward Katullus und sein Miträuber /
der sein leiblicher Bruder wahr /auff der Folter / jeder absonderlich befraget /
aus was Ursachen sie das unschuldige fromme Kind / welches ihrer keinen jemahls
mit einigem Worte oder Augenwink beleidiget / hinweg geführet hätten; wohin sie
es führen wollen / und warumb es so schändlich verwundet worden. Worauff sie
endlich durch erschrekliche schwere Pein übernommen / einhellig bekennet: Sie
währen Gebrüder aus Mantua / hätten nach ihrer Mutter Tode ihren Stief-Vater
erschlagen / umb dessen grosse Güter zugeniessen / die er ihnen ohn das schon
erblich vermacht gehabt / und sie seinen Tod nicht abwarten wollen; weil aber
der Hausknecht den Mord ohngefehr gesehen / hätten sie sich müssen aus dem
Staube machen / wären nach vielen umlauffen / dieser örter in Teutschland
angelanget / und in eine starke Räuber-Gesellschaft von allerhand Landsleuten
gerahten / welche sich stehlens und Strassenraubes nehreten / bezeichneten auch
den Ort / da sie sich auffhielten /und bekenneten ferner / Katullus hätte bei
dem damahligen Gefangenen / dem das Leben geschenket worden / der
Räuber-Gesellschaft zuentbohten / umb welche Zeit sie ihm ein Pferd senden
sollten / auff welchem er ihnen seinen Schüler zuführen wollte / den hernach seine
Eltern mit grossem Gelde lösen würden; als er nun der folgenden Reuter gewahr
worden /hätte er beides das Herrlein und sich selbst ermorden wollen / währe
aber durch des Messers Zerbrechung daran verhindert worden. So bald Herkules vom
Schlaffe erwachet wahr / erzählete er seinen Eltern /wie Katullus etliche Tage
her ihn mit sich hinaus vor dz Schloss hinter eine Hecke geführet / vorgebend /
im grünen lernete sichs am besten; als er nu gestern ein grausen in seinem
Herzen empfunden / und anfangs mit ihm nicht hinaus gehen wollen / einwendend /
ihm wåhre etwas übel / hätte er ihm vorgetragen / er hätte des vorigen Tages ein
Nest voll junger Hasen in der bekanten Hecke gefunden / welche sie ausnehmen
/und auff ihrer Lerne-Stuben gross zihen wollten; wodurch er sich auffsprechen
lassen / und währe mit ihm hinter die Hecke gangen / woselbst ihn der Räuber mit
der dicken Faust vor die Stirn geschlagen (dessen er noch empfünde) / dass er
nidergestürzet wåhre /hätte ihm alsbald ein zusammen gewickeltes Tuch in den
Mund gestopffet / und eins umb die Augen gebunden / mit hoher Bedräuung / wo er
einigen Laut von sich geben würde / wollte er ihm die Gurgel abschneiden; hätte
ihn ein wenig fortgeschleppet / nachgehends sich zu Pferde gesetzet / und mit
ihm auffs heftigste davon geeilet / worauff es aber angesehen /oder wohin sie
ihn führen wollen / hätte er nicht gewust / biss gegen den Abend sie sich mit ihm
unter den grossen Baum gesetzet / und ihn heissen gutes muhts sein / es sollte
ihm nichts böses widerfahren /nur müste der GrossFürst ihnen viel tausend Kronen
vor seine Erlösung geben. Alsbald schickete der GrossFürst eine Reuter-Schaar 300
stark an den Ort /woselbst das Räuber-gesindle sich auffhielt / zwo grosse
Tagereisen vom Schloss gelegen / traffen dieselben in guter Sicherheit an / und
namen sie allesamt / an der Zahl LXXV gefangen / da sie gute Beute bei ihnen
funden / und führeten sie mit sich / welche alle mit einander umb das Königliche
Schloss her an Bäume auffgehenket wurden; So bald das Herrlein wieder gehen kunte
/ wurden die beiden Räuber hingerichtet / Katullus mit glüenden Zangen viermahl
gezwakt / und hernach vier grossen hungerigen Wölfen vorgeworffen / die ihn
jämmerlich zurissen / welches alles sein Bruder ansehen musste / der mit den
Zangen verschonet ward / aber erstlich heftig gestrichen / und nachgehends eben
diesen Wölfen zur Speise übergeben; welcher Straffe Herkules zusah / uñ sie
doch nicht billichte / vorgebend / es währe zu grausam / mit einem Menschen
dergestalt zu verfahren; hätte es auch gerne verbehten / wann ers erhalten
mögen; seine Fr. Mutter aber unterrichtete ihn / es müste solche scharffe
Straffe ihnen angelegt werden /auff dass andere dadurch von dergleichen Vornehmen
abgeschrecket würden / gestaltsam mannicher verwägener Bube / nicht so viel den
Tod selbst / als die Pein fürchtete. Nach vollstrecketer Urtel wurden den
Teutschen Schutz-Göttern nicht allein wegen geschehener gnädigen Rettung / viel
Opffer geschlachtet /sondern auch / dass sie hinfüro sich des jungen Herrleins
Heil uñ Wolfahrt wollten angelegen sein lassen /welcher schon solche Lust / Kunst
Tugend und Sprachen zulernen / in seinem Herzen empfand / dass er bei seinem H.
Vater täglich anhielt / ihm einen geträuen Lehrmeister zuzuordnen; welcher aber
ohn das schon hierüber bemühet wahr / und in Erfahrung brachte / dz ein
vornehmer Teutscher Herr einen erkaufften Römer / Nahmens Tibullus bei seinen
Kindern hielte / die nunmehr die Bücher beiseit legen /und dem Kriegswesen
nachzihen sollten. Diesen verschrieb der GrossFürst; und als er sich einstellete /
liess er ihn in beisein etlicher vornehmer Herren vor sich treten / und redete
ihn also an: Was vernünftige Eltern ihren Kindern schuldig sind / wollte ich den
meinen ungerne entzihen / damit sie nicht dereins Ursach haben mögen / mich in
der Grube zuverfluchen. Leib und Leben / Land und Leute hat dieser mein Sohn
(der vor ihm stund) durch der Götter Gnade von mir teils empfangen / teils
zuhoffen; welches alles aber ihn nit glückselig machen kann / dafern sein Gemüht
wilde und ungebauet bleiben sollte. Vor weniger Zeit setzete ich ihm einen
Lehrmeister vor / welchem ich das Leben schenkete / da ich ihn auf offentlichem
StrassenRaube ertappete / vermachte ihm daneben eine ehrliche Jahrsbestallung /
und liess ihn bei meinen vornehmsten Hofeleuten / ja zuzeiten / wann ich allein
wahr / über meinem Tische Speise nehmen / ihn durch solche Gnade anzulocken /
dass er bei meinem Sohn Träu und Fleiss anwenden sollte; welches er aber mit
solchem schändlichen Undank ersetzet hat / dass er anfangs mein liebes Kind mir
zurauben / nachgehends gar zu ermorden sich unterwinden dürffen / dessen ich /
andern zum Beispiel / ihm abscheuhliche Straffe erteilen müssen. Nun habe ich zu
dir viel ein ander Vertrauen / als dessen Frömmigkeit / Wissenschaft und Fleiss
mir von deinem vorigen Herrn gerühmet ist / daher ich dir nicht zum Schrecken /
sondern zur blossen Erkenntnis jeztgedachte Begebnis vorstellen wollen / der
Hoffnung gelebend / du werdest nit minder bei mir / als vorhin bei andern dich
redlich und träufleissig finden lassen / so dass du diesen meinen Sohn ohn alle
gegebene ärgerniss (welche der Jugend schädlichster Gift ist) zur Furcht und
Liebe der unsterblichen Götter haltest / der Tugend innerliche Schönheit ihm
angenehm und bekant machest / und in Griechischer und Lateinischer Sprache /auch
andern Wissenschaften ihn unterweisest. Wirstu dieses nach Vermögen leisten /
so soll dir überflüssig an Speise uñ Trank / Kleidung und geziemenden Schmuk
gereichet / ein Reitpferd samt einem Diener gehalten / und zur jährlichen
Bestallung 400 Kronen ausgefolget werden / nebst Fürstlicher Versprechung /dass
ich dich über acht Jahr reichlich begabet / in vollkommene Freiheit setzen / und
in dein Vaterland zihen lassen will; würde dir aber gefallen / bei mir zubleiben
/ soltu bei mir haben / was du wünschen wirst / und dein Stand ertragen kann.
Tibullus durch so hohes verspreche fast entzücket / setzete sich vor dem
GrossFürsten auff die Knie / und nachdem ihm von demselben ernstlich befohlen
wahr aufzustehen / antwortete er also: Grossmächtigster Grossfürst / gnädigster
Herr; Euer GF. Durchl. ich unwirdigster Knecht /finde weder Worte noch Vermögen
/ eine so hohe Gnade zubeantworeen / gestaltsam ich meine Leibeigenschaft wohl
erkenne / in welcher ich schon über ein Jahr / wiewol in leidlicher
Dienstbarkeit zugebracht habe / nachdem ich im Streit / da ich XVII Jahr alt
wahr / gefangen / uñ nach Kriegsbrauch meiner Freiheit beraubet bin. Dass nun
Eure GF. D. mir einige Hoffnung / selbe dereins wieder zuerlangen / gnådigst
machen wollen / verbindet mich ungleich mehr zu aller Träue und möglichem
Fleisse / als wann mir eine ganze Herrschaft wirklich eingeräumet würde /
massen ich von einem vornehmen Römischen Herrn / wiewol als ein Bastard Sohn
erzeuget / und auff den fall meiner Freiheit von demselben grosse Befoderung
zuhoffen habe. Ich bin zwar erst von XIIX Jahren / aber von erster Jugend an in
Künsten und Sprachen wohl unterwiesen / da ich kaum aus der Schuele trat / uñ wie
gesagt / in die Knechtschaft fiel / verspreche auch bei Verlust aller Götter
Gnade / und dass dieselben mich mein geliebtes Vaterland nimmermehr wieder sehen
lassen / dafern ich einiges vermögen spare / in unterweisung dieses
Durchleuchtigen jungen Herrleins anzuwenden / dessen Augen und Bezeigung nebest
der vortrefflichsten Gestalt mir schon einen gewünschten Verstand und Liebe zur
Tugend sehen lassen / daher ich nicht zweifele / die Götter werden aus ihm
schier heut oder morgen einen solchen Fürsten werden lassen / dessen Ruhm und
Tahten den grösten Teil der Welt durchschallen sollen. Dafern nun Eure GF. D.
gnädigst geruhen wird / mir etliche begehrte Bücher von Köln zuverschreiben /
will mit der Götter Hülffe diesen jungen Fürsten ich in wenig Jahren so weit
anführen / dass die allerschweresten GeschichtBücher der Griechen und Lateiner er
ohn mühe lesen und verstehen soll. Dieses Versprechen liess ihm der GrossFürst wohl
gefallen / gab ihm alsbald neue Kleider / und räumete ihm ein lustiges Gemach
ein / da dann das junge Herrlein so willig zu den Büchern wahr / dass man ihn
davon reissen / und zum essen nöhtigen musste; dann er liebete diesen seinen
Lehrmeister herzlich / welcher ein geschikter frommer und Gottfürchtiger Mensch
wahr / hatte auch solche Zuneigung gegen diesen seinen Schüler (welchen er einen
Wundermenschen zunennen pflegete) gefasset /dass ihn dauchte / er würde ihn
schwerlich sein lebelang verlassen können; Der junge Herr lernete auch in zwei
Jahren so trefflich / dass er nicht allein Latein uñ Griechisch fertig lesen und
artig schreiben / sondern ein jedes Ding in diesen Sprachen nennen / und was er
begehrete / ohn Anstoss fodern kunte. Kurze Zeit nach Bestellung dieses
wolgerahtenen neuen Lehrmeisters / besuchte der Grossmächtigste König in Böhmen
Herr Notesterich / seinen Schwager und Oheim GrossFürst Henrich / dann er hatte
dessen / und meiner Fr. Mutter leibliche Schwester zum Gemahl / führete auch
seinen Sohn und einigen månlichen Erben des Königreichs Herrn Ladisla mit sich
dahin / welcher der Zeit ohngefehr von X Jahren / und drei Jahr älter als
Herkules wahr. Pharnabazus fiel ihm hier in die Rede (weil er der GrossFürstin
Saptina einen Trunk musste bescheid tuhn) und sagte: Diesen Fürsten und jetzigen
König in Böhmen kenne ich / dann er hielt gleich zu meiner Zeit mit des
Statalters zu Padua Frl. Tochter daselbst Beilager / da ich die grosse Ehre
gehabt / so wohl dem Freistechen als Ringelrennen beizuwohnen / und zwar unter
dieser Gunst / dass man mir allerdinge unbekanten den höchsten Preis (ob ichs
gleich nicht verdienete) eingeliefert hat / der mir insonderheit wegen des
Ringelrennens nicht gebühret håtte / massen Fürst Herkules mir im selbigen weit
überlegen wahr / und muss bekennen / dass ein so vollkommener Meister dieses
Spiels mir niemahls vorkommen ist / gestaltsam er nie keinen FehlRitt taht
/sondern allemahl das Ringelein sehr künstlich / und bald mit der rechten / bald
mit der linken Hand hinweg nam / welches allen Zusehern grosse Belustigung uñ
verwundern erweckete; Weil er aber bald anfangs sich bedingete / dass er nicht
umb den Preis / sondern bloss zur Ergetzung mit rennete / habe ich mir den Dank
müssen auffdringen lassen. Phraortes der GrossFürst fragete / ob dann dieser
Fürst nicht mit gestochen hätte; Nein / antwortete er / dann so viel ich
verstund / hatte er neben seinen Gesellen König Ladisla /(welcher so wohl als
jener / sich nur bloss einen Herrn nennen liess) das Ritterspiel angestellet /
wiewol ihm bald anfangs dieses Stechens ein sehr verwägener Ritter auff Leib und
Leben absagen liess / mit dem er aber ausser den Schranken bald fertig ward / und
ihm seines Schwerts Schärffe dergestalt mitteilete / dass ich gerne bekenne /
dergleichen Gefecht nie gesehen zuhaben. Er ist noch sehr jung / und hat noch
kein Häärlein umb den Mund / wusste sich aber auff der Schau Bühne dermassen
ernstaftig und freundlich zuhalten / dass jederman ihn beides zulieben und
ehren gezwungen ward. Zu seiner Rechten sass ein wunderschönes Fräulein / deren
er mit reden gar geheim wahr / und liess ich mich berichten / dass sie eines sehr
vornehmen Römischen Herrn Tochter / und mit König Ladisla Gemahl blutnahe
verwand währe /und hätte er sie vor weniger Zeit aus der Hand eines mächtigen
Römischen Ritters erlöset / würde sie auch ehistes heirahten. Diese lezten Worte
durchschnitten Herkuliskus das Herz und die Seele dermassen / als ob ein Blitz
oder Donnerkeil dadurch gefahren währe / er erbleichete gar im Angesicht / und
meinte vor Herzensangst den lezten Geist und Odem auszublasen / so dass die
Hände bei ihm nidersunken / uñ das Häupt auf seine rechte Schulder sich neigete;
dessen Arbianes wahrnemend / schleunig aufsprang / ihn rüttelte und schüttelte /
auch mit einem Glase Wein unter dem Gesichte begoss / dass er endlich wieder zu
sich selber kam. Frl. Barsene kunte dasmahl ihre Zuneigung nicht bergen /
sondern trat mit hinzu / und fragete mit bewäglicher Stimme / ob ihm eine
Machtlosigkeit zustiesse; worauff er sich bald ermunterte / und ihr zur Antwort
gab: Er wüste selbst nit eigentlich /wie ihm geschähe / welches die ganze Zeit
seines Lebens ihm niemahls begegnet / schämete sich auch fast sehr / in so
Hochfürstlicher Gesellschaft einige Ungelegenheit zumachen / und gab vor / er
müste sich etwa in heutigem Gefechte zu heftig bemühet haben; baht endlich bei
Pharnabazus umb Verzeihung / dass er seine Erzählung gestöret hätte / und hielt
fleissig an /sein vorgenommenes auszuführen / wie das Stechen abgelauffen / und
ob sein Oheim Herkules das treffliche Fräulein schon geheiratet hätte; worin er
ihm gerne zuwillen wahr / auch endlich hinzu taht / er hätte Fürst Herkules
angeloben müssen / nach geendigter seiner Reise nach Rom / ihm zu Padua
zuzusprechen / aber wie er daselbst wieder ankommen /währe die ganze Stad vol
traurens gewesen / wegen des Verlusts einer jungen Fräulein / Königs Ladisla
Frl. Schwester / welche von Räubern entführet / und von Herkules / Ladisla / und
des Statalters Herrn Fabius Sohn embsig nachgesuchet würde. Herkuliskus
bestürzete wegen dieser Rede / fürchtete sich sehr / in Argwohn genommen
zuwerden / uñ antwortete als aus grosser Verwunderung: Ach mein Gott! ist dieses
allerliebste Fräulein / meine nahe Anverwantin dann auch geraubet worden? jezt
erinnere ich mich eines Teutschen Pfaffen unglückliche / aber wie ich vernehme /
warhafte Weissagung / welcher / da ich mit diesem Fräulein einsmahls spielete /
zu den anwesenden sagete: Diese beide werde fast auff eine Zeit verloren / aber
nicht auff eine Zeit wieder gefunden werden; fragte auch fleissig nach / wie
lange es wohl sein möchte / dass dem Fräulein solches Unglück zugestossen / uñ ob
Herkules und die andern mit starker Gesellschaft zur Nachsuchung ausgezogen
währe. Er antwortete: Die Entführung währe ohngefehr vor vier Monat geschehen;
sah in sein Handbüchlein / und fand / dass es CXIIX Tage währen; meldete
nachgehends / dass wie Herr Herkules der Fräulein Verlust erfahren / er wie ein
todter Mensch zur Erden niedergesunken währe / dass jederman gemeinet / er hätte
sein Leben vor grosser Herzensprast und Angst auffgegeben; nachdem er aber
wieder erquicket worden /hätte er ohn genommenen Abscheid sich mit etlichen zu
Pferde gesetzet / und X Räuber / die eine gefangene Jungfer von der Fräulein
Gesellschaft bei sich gehabt / in einem Flecken angetroffen / und sie alle
seinem Gesellen übergeben / ohn dass er mit einem Räuber sich zu fusse davon
gemacht / umb das Fräulein zu suchen / und wie er ausgeforschet / dass sie nach
dem Meer zugeführet worden / ihr alsbald gefolget; sein Geselle aber H. Ladisla
und der junge Fabius hätten sich hernach mit zwei ausgerüsteten Schiffen
auffgemachet / beides das Fräulein und ihren Freund Herkules zusuchen / wie mir
solches / sagte er / von einem vornehmen Rahtsverwanten zu Padua elzählet. Wie
kunte aber mein Oheim Herkules sein geliebtes Römisches Fräulein so verlassen /
sagte Herkuliskus /und dieser verlohrnen nachsetzen? dann ob sie gleich nahe
verwand / geht doch ohn Zweifel die Liebe der Blutfreundschaft vor /
insonderheit / weil ich versichert weiss / dass er dieser Fräulein sehr wenige
Kundschaft hat. Ja / antwortete er / eben aus dieser eiferigen Nachfolge und
erzeigeter grosser Traurigkeit hat man eigentlich gemuhtmasset / dass sein Herz
einer andern / als dieser Römerin / müsse geschenket sein; und die runde Warheit
zubekennen / gab ich genaue acht auff seine Unterredung / die er auff der
SchauBühne mit dem Fräulein führete / merkete aber an ihm durchaus keine solche
Blicke / welche den verliebten Geist zuverrahten pflegen. Doch hält dieses
Fräulein sich annoch zu Padua auff / mag auch etwas Hoffnung zur künftigen
Heirat haben / welches ich so eben nicht wissen kann / aber ohn Zweifel ist es /
dass sie mit der Böhmischen Jungfer / die ein sehr feines adeliches Bilde von
Leibe und Gestalt ist / insonderlicher Freundschaft lebet. Durch diese Reden
ward Herkuliskus wieder erquicket / und feindete sich selber an /dass er solche
Gedanken von seinem auffrichtigen ergebenen Herkules ihm einbilden können /
fassete auch die gewisse Hoffnung der schierkünftigen Erlösung /weil man in
Nachsuchung seiner so embsig wahr /schlug alle Furcht und Gefahr aus dem Sinne /
und trug fast Verlangen dem Parter Könige geliefert zuwerden / der festen
Zuversicht / dessen Gemüht durch ehrliebende Reden von aller unbillichen Liebe
oder anmuhten abzulenken / uñ in Erzeigung seiner Grossmütigkeit und
Waffen-Erfahrung / sein weibliches Geschlecht zuverbergen / darinnen er sich
aber betrogen fand. Pharnabazus sah / dass seine Mattigkeit sich geleget hatte /
und meinte ihn zu fernerer Erzählung von Herkules Leben anzuführen / aber der
GrossFürst befürchtete / es möchte ihm die Ohmacht wieder kommen / und hielt vors
beste / dass man sich zur Ruhe begäbe / weil es ohndas zimlich späte / und ihm
folgendes Tages viel Geschåffte oblagen; womit das Frauenzimmer wohl zufrieden
war / ohn dass Frl. Barsene gerne noch etliche Stunden bei ihm hätte sitzen mögen
/ die in ihrem Gemüte alle gedanken umlauffen liess / durch wz mittel sie ihm
ihre herzliche ehrliebende Zuneigung uñ verliebete Seele zuverstehen gebe könnte
/ worauf sie auch die ganze Nacht über bedacht war. Arbianes eriñerte damals
seinen geliebten Herkuliskus der heutige anmuhtung / uñ dz er sein Schlafgeselle
zu sein sich nit wegern möchte der ihm zur Antwort gab: Er wäre seine Fürsten
nach aller mögligkeit auffwärtig / fürchtete aber sehr / demselben hiedurch
Ungelegeheit zu schaffen / angesehen sein getahnes Gelübde ihn verbünde / keine
Nacht ausser den täglichen Kleidern zu schlaffen / biss er sehen würde / was
eigentlich Gottes Versehung mit ihm vor hätte. Dieser liess sich dadurch von
seinem Vorhaben nicht abwendig machen / so gar / dass er sich er boht
/gleichergestalt in seinen Kleidern zu schlaffen / daher Herkuliskus alle
entschuldigung benommen ward /und mit ihm nach Bette gehen musste / stellete sich
auch / als ob er geschwinde fest eingeschlaffen währe / welches Arbianes von
weiterem Gespräche abhielt /weil er ihn in der Ruhe nicht stören wollte / wie wohl
er aus Herzbrüderlicher Liebe ihn etlichemahl freundlich küssete / auch ihm den
Arm unterlegete / in welchem er die halbe Nacht hindurch lage. Des Morgens / da
sie vom Schlaffe erwacheten / suchte Arbianes die vertrauliche Freundschaft mit
ihm fester zu legen / uñ redete ihn mit diesen Worten an: Ihr mein allerliebster
und werdester Freund / ich kann mich nicht gnug verwundern / aus was Ursachen ihr
euch so niedrig und unwerd halten möget / da doch eure allernäheste
Blutverwanten / Könige und GrossFürsten sind / woraus dann Sonnen klar erscheinet
/ dass ihr eben des Standes sein müsst; so gelanget demnach an euch mein
freundliches Ersuchen / mich hinfüro mit hohen Ehren-benahmungen nicht zu
beschweren / wie gestriges tages mit meinem Verdrus geschehen ist. Meine
herzliche Zuneigung gegen euch an den Tag zugeben /kann ich durchaus nicht umbhin
/ welcher LiebesBrunnen die Gedanken meiner Seele durch der ZungenDienst aus dem
innersten hervor treibet / dass ich bei euch Ansuchung zu tuhn gezwungen werde /
mich fortin vor einen Bruder auffzunehme (weil ihr ja von meiner Fr. Mutter vor
einen Sohn erwählet seid / und vor einen solchen Verbundenen mich zu halten) der
hiemit äidlich verspricht / sein Leib und Leben / und alles was ich irgend bin
uñ vermag / ohn einige Bedingung oder Aussnahme zu eurem besten anzuwenden. Wann
ihr nun nicht die Ursach meiner stetswehrenden Traurigkeit und betrübnis sein
wollet / werdet ihr meine getahne Bitte bei euch Stat und Raum finden lassen.
Herkuliskus wahr aus allen seinen Handlunge gnug versichert / dz er nichts
ertichtetes redete /wollte sich auch nicht unhöfflich gegen ihn stellen /noch
sein Ansuchen abschlagen / und antwortete ihm also: Ach mein allerliebster Fürst
/ und herzengewogener Freund; mit was Diensterweisungen kann oder soll ich immer
und ewig diese hohe angebohtene Gunst ersetzen / welche recht zubetrachten /
mein Gemüht viel zu unverständig / mein Herz viel zu blöde ist; muss demnach ich
die Vergeltung bloss allein von Gott erbitten / welcher dañ ohn zweifel diese
mir armen geraubeten Jüngling erwiesene Gnade zubezahlen sich wird finden
lassen. So viel meinen Stand betrifft / wird derselbe zwar in meinem Vaterlande
Fürsten gleich gehalten / weil mein Vater ein gewaltiger Feldherr über mehr als
100000 Mann wahr wie wohl der Geburt nach nur Herren-standes / wie etwa Herr
Mazeus / dabei ich doch nicht leugne / dass meine Fr. Mutter des mächtigsten
GrossFürsten der Teutschen eheleibliche Tochter ist. Aber gesetzet / ich währe
mit meinem allerliebsten Fürsten gleiches Standes; bin ich dann nicht ein armer
geraubeter Knabe / von den meinen so weit entfernet / dass meine Heimführung
niemande als dem Alwaltigen Gott möglich ist? doch weil unangesehe meines
Elendes / mein gnädigster GrossFürst und Herr / Herr Phraortes mir so hohe Gnade
wiederfahren lässet / dass er mich als einen Fürsten hålt / und meine gnädigste
GrossFürstin sich mir zur Mutter angebohten / muss ich dann nicht hinwiederumb /
nicht allein deren Durchleuchtigkeiten /sondern auch ihrem wirdigen Sohn die
gebühliche Ehre bezeigen? Mein Fürst beut meiner Unwirdigkeit den liebreichen
Bruder Nahmen an: O währe ich in dem Stande / dass denselben anzunehmen ich in
etwas nur möchte bestand sein! von Brüderlicher Bewågung / die mich zu meinem
Fürsten hinreisset / ist mein Herz auffgequollen / soll auch in meiner Seele
beståndig verbleiben / wann sie schon von dem Leibe als ihrer kümmerlichen
Herberge frei und los sein wird; unterdessen aber gönne mir mein Fürst / bitte
ich sehr / ihn zum wenigsten nur in anderer Leute Gegenwart gebührlich zu ehren
/ dass nicht durch dessen unterlassung ich von andern unhöfflich angesehen werden
/und daher in verachtung fallen möge; wann als dañ meinem werten Fürsten es also
gefället / ihm / da wir ohn auffmerker allein sein / den süssen Brudernahmen mit
der Zungen zuzulegen / den das Herz ohn auffhören aussruffet / will ich gerne und
willig gehorsamen. Auff dieses Erbieten umbfing ihn Arbianes Brüderlich / und
schwuren einer dem andern alle mögliche Träue / als lange sie an beiden Seiten
(welches Herkuliskus nicht ohn Ursach hinzu taht) der wahren Fürstlichen Tugend
sich befleissigen würden. Worauff Arbianes einen schweren Seufzen liess / und mit
trähnenden Augen zu ihm sagete: O mein trauten Brüderchen / wie ängstet sich
meine Seele / dass ich des vermögens nicht bin / eure Lieferung nach Charas zu
hindern; doch werde ich noch mannichen gedanken fassen / ob ich etwas
darzwischen werffen möchte. Stille stille mein allerliebster Fürst und Bruder /
antwortete er / und lasset bei Leib und Leben euch solches Vornehmens nicht
gelüsten; dann hat Gott es also beschlossen / je warumb sollte ich mich dann
wegern / dem grossen Könige mich darzustellen? wer weis / ob er nicht noch
Mitleiden mit mir hat / wann er meines Unfals berichtet wird? ist aber alle
Liebe zur Tugend und Erbarkeit in ihm erloschen / weis ich doch noch ein Mittel
mich von seiner Greuligkeit losszubrechen. Nicht destoweniger gehe es nach Gottes
Willen / ich bleibe von Charas nicht hinweg / nachdem ich einmal vernommen /
dass eurem H. Vater einige Gefahr auff meiner nicht-Lieferung stehen könnte; daher
wird mein Fürst und Bruder die Befoderung tuhn / dass ich ehist dahin geführet
werde; dann je zeitiger ich dahin komme / je früher ich diesen lieben Ort
besuchen kann. Arbianes wünschete hierauff / dass er mit zihen / und einerlei Glük
und Gefahr mit ihm gemein haben möchte / jedoch wollte er die Tage seiner
Anwesenheit nicht kürzen lassen / die sein H. Vater ihm gestriges tages
versprochen / gelebete auch der Hoffnung / er selbst würde ihm diese kurze Zeit
seiner Glükseligkeit gönnen. Machten sich hiemit von ihrem Lager auff / und
gingen nach dem grossen Gast-Saal /woselbst das Frauenzimmer ihr Gespräch von
Herkuliskus führete / und dessen nicht eins werden kunten /ob Schönheit / oder
Verstand / oder Liebe zur Tugend / oder Freundligkeit / oder Waffens
erfahrenheit / oder der unüberwindliche Muht am meisten an ihm zu rühmen währe.
Als er zum Gemache hinein trat / und vor erst der GrossFürstin / nachgehends Fr.
Roxanen und Frl. Barsenen die Hände mit sonderlicher Anmuhtigkeit küssete / ward
er nicht anders als ein Sohn uñ Bruder empfangen / wie wohl das Fräulein ihm den
Bråutigams Nahmen am liebsten gegeben hätte; nam ihr auch gänzlich vor / bei
erster Gelegenheit ihm die Rede vorzutragen / welche sie diese Nacht aussgesinnet
hatte / welches aber diesen Tag sich nicht fugen wollte / aber des nähstfolgenden
glückete es ihr / dass sie auff einem Umgange sich bei ihm allein befand /weil
Arbianes von seinem Herr Vater weg gefodert ward / fing demnach mit
schamhaftigen Geberden folgende bewägliche Rede an: Wann die Liebe durch Tugend
erwecket / der ganzen erbaren Welt wohl anstehet / kann ich meine Gedanken dessen
nimmermehr bereden / dass in tieffer Nachsiñung euer volkomenheiten sie einigen
Verweis verdienen mögen / es währe dann / dass allein Barsene in dem sündigte
/was andern als gut und löblich aussgeleget wird; weil aber dieses eine unwitzige
Furcht sein wollte / scheuhe ich mich nicht zu bekennen / dass der göttliche
Herkuliskus seiner Barsenen Herz durch alles was an ihm ruhmwirdig ist / ihm
dergestalt zu eigen verbunde hat / dass ihr der Tod angenehmer / als die
Vermeidung seiner Gegenwart sein würde / dessen sie doch keines so gar zeitig
hoffet. Versichert euch / mein in ehre höchstgeliebter freund / das mein Herz
sider des grimmigen Tihrs Erlegung ohngeruhet bemühet ist / wie durch eine
Wiedergeltung meines dazumahl erhaltenen Lebens ich anzeige tuhn möge / wie
bereitwillig ich bin / meinem Erretter dankbar zu sein / so dz auch sein Leben
und was dem anhängig ist / der instehende gefahr entrissen werde; zwar durch
Krafft uñ Stärcke vermag ich weniger als nichts / wiewol mein Gemüht fast nicht
zweiffelt / ein Mittel erfunden zuhaben / durch welches mein teurer Herkuliskus
nicht allein bei Mañheit / Ehr / und Leben bleibe / sondern auch bei seiner
geliebten Fr. Mutter frisch und gesund anlange. Wovor ich ihn vor seinem Bette
neulicher Zeit gewarnet / ist leider mehr als gewiss zubefahren / dann aus was
vor Ursachen wollte man ihn dem unzüchtigen Könige sonst zuführen? Töchter und
Nifftel hat er nicht / die man ihm zu verheirahten gedächte / sondern der Zweg
dahin mit ihm gezielet wird / ist Laster und Schande / dessen schnödes Werkzeug
er wird wieder seinen Dank und Willen sein müssen. Nun ist der gerechten Römer
Gebiet nicht sogar weit von hinnen / welches wir in wenig Tagen mit schnellen
Pferden erreichen können / uñ ich den richtigsten Wegweiser mit verheissung
einer Anzahl Kronen bald zu wege bringen will. Mein allersüssester Freund wolle
nur sein Herz ansprechen / ob dasselbe mir die Herberge einer stetsbleibenden
Ehefreundin gönnen und geben kann / alsdann getraue ich den Göttern / sie sollen
mit uns reiten / und unsern Pferden die Sporen geben / in solcher Sicherheit und
Beschirmung / wie solches eure Volkommenheit und meine herzliche Liebe
verdienet. Dafern aber meinem Freunde weder der Anschlag noch die Bedingung
gefället / wird er zum wenigsten hieraus ein Zeichen fassen / dass zu vergeltung
der mir geleisteten LebensRettung ich nichts zu sparen gemeinet bin / wodurch
ihm einiger Weise angenehme Freundschaft kann erzeiget werde. Herkuliskus hätte
sich einer solchen Erklårung nimmermehr versehen / daher er sich auff eine
Antwort so schleunig nicht besinnen kunte / jedoch sie zu keiner Verzweiffelung
oder Wiederwillen zu reitzen / umbfing er sie mit beiden Armen / boht ihr auch
unterschiedliche züchtige Küsse / und bedankete sich herzlich der hohen
ehrliebenden Zuneigung / die er mit einer solchen Liebe zuersetzen äidlich
angelobete / welche nimmermehr fehlen sollte / so viel in seinem Vermögen währe;
wollte demnach hiemit versprechen / sie vor seine stets bleibende herzens
Freundin zu halten / nur dass sie nicht im ungleichen verstehen möchte / dz auff
getahnen Vorschlag er nicht alsbald Antwort gäbe / weil der Sachen Wichtigkeit
eine kurze Bedenkzeit erforderte. Er wollte weiter reden /hätte sich auch fast
erkühnet ihr sein weibliches Geschlecht zu entdecken; weil er aber Fr. Roxanen
he zu nahen sah / (welches ihm sehr lieb wahr) gab er seiner Rede die
Endschaft / mit versprechung gegen Abend sich völlig herauszulassen. Fr. Roxane
hatte dass Herzen und Küssen dieser beiden ohngefehr durch ein Fenster gesehen /
wobei ihr nicht so gar wohl wahr / weil sie sich einer ungebührlichen Liebe
zwischen ihnen vermuhtete / welches sie doch ihrer keinem zuschreiben durffte /
und daher in zweifel stund / ob sie sich ihrer Wissenheit sollte merken lassen;
redete anfangs mit beiden freundlich / biss Herkuliskus Abscheid nam / da
erinnerte sie ihre Frl. Schwester / es pflegte bei fremden Argwohn zuerwecken /
wann die Fräulein mit Mannesbildern allein umbgingen / zwar sie hätte deswegen
gar keine Sorge / aber böse Nachrede zu meiden müste man sich oft mich in
diesem mässigen / welches an sich nicht ärgerlich währe / weil es böse Mäuler
ungleich aussdeuten könten. Das Fräulein befand sich durch diese Züchtigung in
etwas beleidiget / verschmerzete es doch / mit Vowendung / sie gläubete nicht /
dass jemand hierdurch könnte geärgert werden / was zwischen ihnen vorgangen währe;
wollte sich doch ihrer Erinnerung schon wissen gemåss zuverhalten / und dabei
dañoch der gebührlichen Höffligkeit nicht vergessen /durch welche sie gehalten
währe / von redlichen Leuten nicht bäurisch hinweg zulauffen / welche sie unter
dem freien Himmel zusprechen begehreten; wie sie dann diesem Tugendhaften
züchtigen Jünglinge /wegen ihres Lebens Errettung vor dem Tiger / noch wohl
schuldig währe / seine Reden anzuhören / welche auff nichts als Erbarkeit
zieleten. Ihre Schwester wollte sich mit ihr nicht zweien / fassete sie bei der
Hand / und ging mit ihr zu der GrossFürstin / auff deren Zimmer sie ingesamt den
ganzen Tag / mit mancherlei Spiel zubrachten / weil der GrossFürst und
Pharnabazus mit geheimen wichtigen Händeln beschäfftiget / erst zur
Abendmahlzeit sich einstelleten /nach deren Endigung Herkuliskus das Fräulein
haussen vorm Gemache allein antraff / da er nach gegebenem Kusse zu ihr sagete:
Hochwertes Herzgeliebtes Fräulein / ich wiederhohle nochmahs / dass mein
Unvermögen ihre hohe mir erzeigete Gewogenheit nimmermehr vergelten kann / ob ich
mich ihr gleich zum untrenlichen Freunde geliefert und äidlich verbunden habe.
Ihren heutigen Vorschlag liesse ich mir gerne mit gefallen / zweifele auch fast
nicht / er dürffte glücklich von statten gehen / dafern solches unser Glük nicht
anderer Leute / und zwar unserer besten Freunde gewisses Unglück und Verderben
nach sich führete /gestaltsam der grosse König Artabanus ungezweiffelt davor
halten würde / es währe unsere Flucht mit des GrossFürsten Vorbewust und
einwilligung vorgenommen / worüber er in Land- und Lebensgefahr gerahten würde;
zugeschweigen / dass der GrossFürst nicht anders muhtmassen könnte / als Herr
Mazeus hätte unsers tuhns gute Wissenschaft / oder zum wenigsten dessen Gemahl /
eure Fr. Schwester. Was vor Unheil nun denen hieraus erwachsen würde / ist
unschwer zuerrahten. Weil ich aber tausendmahl lieber sterben /als zu solchem
Ubel Ursach geben wollte / müssen wir unsern Rahtschlag nohtwendig endern / und
die Reise nach Charas einwilligen / dass ich dem Könige dargestellet werde; da
ich dann meinem Herzgeliebten Fräulein teuer versprechen will / aus diesen Ländern
nicht zuscheiden / als mit ihrem guten Willen und volkommener Erlaubnis. Solte
sie aber wegen der vor Augen schwebenden Gefahr meiner Ehren / und was dem
anhängig / in einiger Furcht stehen / so versichere ich sie bei dem heut
geschwornen äide / dass ich ungezweifelte Mittel weiss / mich davon losszubrechen /
welche mir entweder gerahten müssen / oder der schandbahre König soll mir sein
Leben lassen / ehe und bevor ichtwas ungebührliches an mir verrichtet wird. Das
verliebete Fräulein / da sie sah / dass er sich nicht wollte abschrecken lassen /
wollte ihn dannoch ihrer Liebe versichern / uñ durch einen äid versprechen / ihr
Herz nimmermehr keinem andern als ihm zuzuwenden / welches Herkuliskus merkend /
ihr in die rede fiel / und sie durch Gott baht / damit einzuhalten / weil er
ihrer herzlichen geträuen Liebe schon gnug vergewissert währe / dass sie also
mitten in der Rede abbrach / und ihr vornehme nicht vollführete. Es hatte aber
Pharnabazus des vorigen Tages eine sonderliche Gunst diesem Fråulein zugewendet
/dessen er sich gleichwol nicht merken liess / und ging die GrossFürstin eben mit
den Gedanken umb / sie ihm zufreien. Inzwischen wusste der verschlagene
Herkuliskus sich allerseits in die Possen zuschicken /indem er sich an diesem
Orte teils vergeblich von dem Fräulein / teils ungenehm von Arbianes musste
lieben lassen; dann dieses Schlaffgeselle zusein / war ihm nicht allein zuwider
/ sondern fürchtete sich fast /ihren geliebten Bräutigam dadurch zubeleidigen
/oder doch dermahleins bösen Verdacht und schlimme Nachrede zuerwecken.
    Unterdessen reisete Ladisla mit seinen Gefärten und Dienern frisch fort nach
dem Parter Lande zu; dann da sie von Seleuzia abschieden / gingen sie gar
sicher und unangefochte biss an den Eufrat / da sie in Mesopotamien kahmen / und
zween Tage ohn Hindernis fortzogen; Am dritten Tage aber sahen sie sechs
gewaltige grosse Ritter auff starken Hengste gerade auff sie zu reiten / da
Ladisla zu Fabius sagte: Geliebter Bruder / es scheinet fast / ob wollten uns
jene Landsknechte rechtfertigen / werden uns demnach in etwas vorzusehen haben /
befahl auch den Dienern /das Gewehr fertig zuhalten / und auff Begebenheit
/ihren Herren frisch nachzufolgen / doch / dass Mardus der Dolmetscher / weil er
unbewapnet war / und solcher Spiele ungeübet / sich des Streites entalten
sollte. Je nåher jene sechse an sie kahmen / je mehr sich die unsern über ihrer
Leibes-grösse verwunderten / und vermuhteten sich eines harten Puffes / dessen
sie sich doch wenig entsetzeten / schicketen auch Mardus an sie / umb zufragen /
wie weit sie noch zu einer Stad hätten / weil sie fremde und des Weges
unerfahren währen; dem sie aber keinen Bescheid erteileten /sondern kurzumb
zuwissen begehreten / was vor Leute sie währen / wohin sie gedächten / und woher
sie kämen. Ladisla / dem dieser Frevel zu Häupte stieg / antwortete durch den
Dolmetscher / ihre Reise währe eilig / dass sie nicht der Zeit håtten /
langwieriges Gespräch zuführen / achteten sich auch nit schuldig es
zubeantworten / weil man sie ihrer ersten Frage nicht vergnügen wollte. Hiemit
war dem Tanze schon gnug gepfiffen / massen diese ungeheure Rulande solche
trotzige Reden / wie sie es auslegeten / nicht verschmerzen kunten / griffen
demnach zun Schwertern /und sageten: weil ihnen dann die Reise so eilig währe /
wollten sie ihnen den Weg kurz gnug machen; befahlen ihren sechs Knechten stille
zuhalten / und fielen ohn ferner Wortwechseln einmühtig auff die unsern an /
welche ihr Gewehr auch nicht lange in der Scheide stecken liessen / und gnug
zuvernehmen gaben /dass sie nicht willens währen / ihr Blut wolfeil zuverkauffen
/ weil sie ohndas an der Zahl sich gleich schätzeten / nicht anders gedenkend /
ihre Diener würden ihre Schuldigkeit betrachten / und zugleich mit auff den
Feind ansetzen; worin sie sich aber zeitig betrogen funden; dann diese ungeträue
Buben hielten anfangs stille / uñ sahen dem Gefechte nur zu / unter der Hoffnung
/ es sollten ihre Herren bald den kürzern zihen; als aber unsere drei Helden
diesen sechsen gewachsen wahren / und sich mit ihnen dergestalt umtrieben / dz
deren zween im ersten Anfall zimlich verwundet wurden / begaben sich der unsern
Diener gar auff Feindes seite / und schlugen auff ihre eigene Herren
ungescheuhet mit zu; worüber Ladisla sich so heftig erzürnete / dass er /
ungeachtet aller Gefahr /sich an seinen meinäidigen Diener machete / uñ ihm das
Häupt vom Rumpfe glat hinweg schlug / stund auch nicht lange an / dass er dem
vornehmsten von den Gewalttähtern einen Stoss zwischen die Rippen gab /dass er vom
Pferde stürzete. Fabius schämete sich /dass er noch keinen nidergelegt hatte /
und wagete sich an den einen so eiferig / dass er ihm durch den Helm das
Angesicht auffspaltete / dass er ohnmåchtig vom Pferde fiel. Inzwischen hatte
Leches auch seinem Knechte gelohnet / und ihm die rechte Faust hinweg gehauen /
dass er vom Pferde steigen / und unter einen Baum sich nidersetzen musste; da
Mardus der gefelleten Diener Pferde / als die mit Golde und Kleinoten zimlich
beladen wahren / derweile fleissig hütete /mochte vielleicht gedenken / es
siegete einer oder ander / könnte er ihm doch durch diesen Dienst Freunde machen.
Es stelleten sich die übrigen vier Parter überaus grimmig / dass diese drei
ihrer Haut sich so lange erwehreten / uñ dräueten ihnen mit erschreklicher
Stimme die grausamste Pein / welches die unsern / weil sie es nicht verstunden /
nicht beantworteten /ohn mit den Schwertern / welche sie nicht feiern liessen /
so dass Ladisla in kurzer Zeit noch einen zu bodem legete. Der Parter sechs
Knechte sahen / dass schon drei von ihren Herren gestenzet wahren / daher einer
unter ihnen anfing: Wir müssen sehen lassen /dz wir geträuer dienen als jene /
die zu unsern Herren übergetreten sind / welches ihnen doch übel gelungen / und
müssen jene drei gewisslich lebendige Teuffel aus der Helle sein / sonst währe
ihnen unmöglich /einer solchen Gewalt zuwiderstehen / welche sie / wo wirs nicht
verhindern / in kurzem gar brechen dürfften; Zween seiner Mitknechte gaben ihm
recht / wahren auch schon fertig / ihre Herren teils zurächen /teils zuretten;
aber die anderen drei widersetzten sich diesen / einwendend / es währe schon
mehr als schelmisch von ihren Herren gefochten / dz sie nicht allein in grösser
Anzahl die fremden ohn ursach überfallen /sondern deren schelmichte Diener ihres
Beistand sich gebraucht hätten / welche Bosheit / wie vor Augen stünde / der
Himmel nicht wollte ungestraffet lassen; sollten demnach diese sich stille
einhalten / oder sie wollten ihnen so viel zuschaffen geben / dass sie des
unritterlichen Entsatzes bald vergessen sollten. Weil dann diese drei
auffrichtige Männer (welche Römische Untertahnen / und ihre Herren aus Zwang
dieneten) in Waffen ungleich besser erfahren wahren als die andern / erhielten
sie durch ihre Dräuworte / dass sie sich eines andern bedachten. Fabius sah /
dass sein annoch übriger Knecht ausreissen wollte / und gedachte ihm den garaus
zumachen / welcher aber vom Pferde sprang / in die nähesten Hecken kroch / und
hiedurch sein Leben errettete / Fabius aber wieder umkehrete / und seinen
Gesellen Hülffe leistete / dass es nunmehr einen gleichen Streit gab / drei wider
drei; glückete auch Leches so wohl / dass er mit seinem Manne zuerst fertig ward.
Weil er nun wusste / dass weder Ladisla noch Fabius seinen Beistand zulassen würde
/ fing er des abgestrichenen Knechtes Pferd auff / band es an einen Baum / und
machte sich hin nach den sechs Dienern; da die drei redlichen ihm der andern
Vorhaben anzeigeten / und er darauf denen befahl / von den Pferden zusteigen /
und das Gewehr von sich zutuhn / worzu sie / als übermannet / willig wahren. Er
rühmete auch der andern auffrichtiges ritterliche Gemüht / und versprach ihnen
gute Belohnung; hiess hernach Mardus den Streitenden näher zureiten / umb
zuvernehmen / ob die Feinde umb Gnade bitten würden; welches ihnen Ladisla gerne
/ Fabius wider seinen Willen gönnete / uñ musste sie der Dolmetscher fragen / aus
was ursachen sie diese Feindseligkeit geübet / da sie doch fremde wären / und
ihnen nie kein Leid angetahn. Diese gaben zur Antwort / sie hätten ihre
Bescheids-wegerung vor eine Beschimpffung gehalten / und währen von ihren drei
Dienern mit Hand- und Häuptwinken angereizet / den Streit anzufahen / woraus sie
leicht die Rechnung machen können / dass grosse Schätze bei ihnen verhanden wären
/ deren diese mit zugeniessen hoffeten. Leches verwundeter Knecht musste solches
gestehen / und dass sie etliche mahl willens gewesen / ihre eigene Herren
zuermorden / da es ihnen bloss an der Gelegenheit gefählet. Die beiden Parter
hielten unterdessen auff Pferden / und ran dz Blut hauffenweise von ihnen /dann
sie währen tödlich verwundet / dass auch der eine / ehe man sichs versah / vom
Pferde stürzete / und seinen Geist auffgab; daher der lezte sich Sterbens erwog
/ wollte aber streitend gefellet sein / und fiel mit heftigem wüten auff Fabius
an / als welcher ihn dergestalt zugerichtet hatte / ward doch mit wenig
Streichen getroffen / dz ihm der Helm vom Häupte sprang / und man sein
greuliches Gesicht bloss sehen kunte / an dem sie alle abscheuh hatten / dass auch
Fabius sagte: Es währe vor der erbaren Welt nicht zuverantworten / dass man
dergleichen Unholden leben liesse; mit welchem Worte er ihm dz Häupt abschlug.
Als dieser gefellet wahr / kam der zuerst verwundete wieder zu sich selbst /
richtete sich auff / und ward gewahr / dass alle seine Gesellen herunter
geschlagen waren / uñ auff der Erden gestrekt lagen / dagegen unsere Helden noch
frisch und unverwundet auff ihren Pferden sassen; legete deswegen seinen Helm ab
/ und sagte: Er möchte dieser Ritter Erkenntnis gerne haben /die über
menschliches vermögen gefochten / und drei gegen neune das Feld erstritten
hätten. Die unsern wollten ihm hierin zuwillen sein / entblösseten ihre Häupter /
und liessen ihre Angesichter sehen; welche dieser Parter so jung und zierlich
schauend / sich nicht anders geberdete / ob wollte er rasend werden /sagte auch
mit grimmige Worten: Dafern ihr Menschen und nicht Götter seid / bin ich nicht
werd / dass ich jemals Harnisch geführet / weil euch alle drei mit meiner Faust
zuerwürgen ich zu schwach gewesen bin. Ladisla / der keine Beschimpffung leiden
kunte /stieg vom Pferde / reichte diesem ein Schwert und sagete: Nun must du mir
deine Manheit in der Taht beweisen / oder als ein verzagter ohn Gegenwehr
nidergehauen werden. Es wahr aber so ein ungleiches Paar / da sie zu fusse bei
einander stunden / dass Ladisla wie etwa ein vierzehnjähriger Knabe gegen ihn
schien / daher ihm dieser die unfehlbare Rechnung machte /er wollte ihn im ersten
Angrif zur Erden legen; befand sich aber hesslich betrogen / dann wie er sich
nach wenig Streiche verhieb / und ihm Ladisla ausweich /bekam er zur Wiederkehr
einen solchen Schlag auf den rechten Arm / dass ihm das Schwert aus der Faust
fiel / und das Blut aus den geöffneten Adern ins Angesicht sprützete / Ladisla
aber zu ihm trat / ihm den Helm abreiss / und durch seinen Dolmetscher zu ihm
sagete: Meinest du unbendiges Tihr / dass ein ungeschikter Klotz von einer
leichten Holz Axt nicht könne nidergehauen werden? Ja ich empfinde / antwortete
dieser / dz die Götter mich gar verlassen haben / sonst müstestu mir so leicht
als ein Schos-Hündichen sein; darumb gebrauche dich deines Glüks / und vollende
/ was du vorhast. Ladisla aber sagte: Es müste mir leid sein / dass mit solchem
unreinen Drek ich mich weiter beschmitzete; reichte Mardus das Schwert hin / der
ihn den Schedel herunter schlug; welches der von Fabius im Angesicht verwundete
mit Schmerzen ansah / und sich mit seinem eigenen Dolche erstach / da Leches
seinem Knechte unter dem Baume den lezte Lohn gab / wahr ihnen aber leid / dass
Fabius Diener davon kommen war /der ihnen etwa Gefahr bereiten könnte. Sie
foderten der erschlagenen Parter sechs Diener vor sich / da die drei redliche
anzeigeten / sie währen Bürger und Inwohner der Stad Damaskus / und von diesen
ihren vorigen Herren gefangen / welche sie zu dienen gezwungen hätten / bahten
sehr um Freilassung / und meldeten an / dass ihre niedergelegte Herren von dem
Parter Könige vor KriegsObristen bestellet währen /umb in der nähesten Stad
(daraus unsere Helden vor vier Stunden geritten wahren) 4 Tonnen Goldes behueff
ihrer Werbung zu heben. Leches besuchte die Erschlagenen / fand sehr köstliche
Kleinot bei ihnen und ihren Dienern in Wetschern / auff 120000 Kronen wert /
dabei einen offenen Wechsel wegen der obgedachten Gelder / wurden deswegen
zuraht / die drei mördliche Diener alsbald niderzumachen / damit sie von ihnen
nicht verrahten wurden / nachgehends zurück nach der Stad zu reiten / und die
WechselGelder zuheben / welches ihnen glücklich geriet / bestelleten auch
daselbst drei Knechte / die ungewapnet dienen / ihrer Pferde warten / und jeder
/ wie auch Mardus einen beladenen MaulEsel an der Hand führen mussten; den dreien
Damaskern aber schenkten sie 36000 Kronen / und liessen sie ihres Weges reiten
/eileten sonst sehr auf dem Wege / dass sie den Tigerfluss hinter sich legen
möchten / und wie sie denselben auff eine Stunde erreichet hatten / wurden sie
von beiden Seiten her angesprenget / merketen auch / dass der Räuber eine
zimliche Anzahl im Gehölze verstecket wahr / daher Ladisla dem Dolmetscher
befahl / etwas hinter sich zureiten / und sein hellschallendes Hörnlein zublasen
/ hernach so bald solches geschehen /ihnen Spornstreichs zufolgen; welcher
Anschlag so glücklich gerieht / dass die Räuber alle sich verstecketen / und nicht
anders meinten / es währe eine grosse Anzahl dahinden / deswegen sie sich zurück
zogen /und den unsern freien Durchzug liessen / dass sie in guter Sicherheit über
den Tigerfluss gingen / und nicht ferne von dannen in eine grosse Kauffstad
Assyrischen Landes ankahmen / sich in eine Herberge legeten / und auff
Gesellschaft warteten mit deren sie wegen Unsicherheit der vielen Räuber
ungeschlagen durchkommen möchten.
    Inzwischen brach Valikules von Tyrus auff nach Damaskus zu reisen / weil ihm
sein Wirt nachrichtung gab / welches Weges die Partischen Herren gezogen währen
/ wollte sich aber seines an die Römische Beamten erteileten Schreibens nicht
gebrauchen / sondern hielt sich an allen Orten ungemeldet / biss er nach Damaskus
kam / woselbst er dem Römischen Statalter Herrn Sulpizius / den Gruss von seinem
Oheim Herrn Pompejus anmeldete und nach auffgelegtem Schreiben Fürstlich
empfangen ward / nicht anders /als ob des Käysers nähester Anverwanter ankommen
währe musste auch wieder seinen willen drei Nacht daselbst verharren / und weil
er in gute Kundschaft mit ihm geriet / legte er den grösten Teil seiner
Barschaften bei ihm nieder / nahm die angebohtene Begleitung von dreissig
Pferden zu sich / und zog in guter Sicherheit über den Eufrat in Mesopotamien
/da er in der nähesten Stad einen versamleten Hauffen /LIII stark antraf / die
sich mit Gewehr auffs beste versehen hatten / und einen Häuptmann unter sich
auffworffen / welcher ein grosser ansehnlicher aber sehr verzagter Mensch wahr.
Er gab sich mit in ihre Gesellschaft / mit dem erbieten / lieb und leid mit
ihnen auszustehen / und da sie lossbrachen / wunderte er sich der ungeschiklichen
Ordnung / welche dieser Grosspraler ihr Hauptmann bei dem Fortzuge anstellete /
in dem er die Kauffmans Wagen und Karren voraussgehen liess / und sich mitten
unter dem Hauffen versteckete / da er in der besten Sicherheit zu sein
vermeinte; da wieder er aber nichts reden wollte / als lange er sah / dass keine
Gefahr verhanden wahr / nur dass er in allem Glimpf erinnerte / er hielte es vor
rahtsam /dass die Wagen und Karren fein in die mitte genommen würden / und die zu
Fusse dabei lauffende (deren XXV wahren) mit ihren Pfeilen sich darzwischen
setzeten / alsdann wurde man auff allem Fall die Waaren beschützen und den Anfal
abhalten köñen; dessen ihr Hauptman lachete / und zur Antwort gab; er hätte so
manniche Reise getahn / währe auch mehr als einmal in Scharmützeln wieder die
Räuber gestanden / und bedürfte dergleichen junger unerfahrner Rahtgeber nicht /
es möchte Valikules sich umb seine Haut bekümmern / weil er bei den Gütern
nichts zuverlieren hätte. Dieser als ein verständiger frass solches geduldig in
sich / weil er nicht wusste / wessen er sich zu den übrigen zuversehen hätte /
gedachte es doch auff Begebenheit zu ahnen / worzu es folgendes tages gute
Gelegenheit gab / da eine Räuberische Schaar LXXX Reuter stark ihrer von ferne
gewahr wurden / welche auch unser Held zeitig ins Gesicht bekam / daher er seine
Gefärten fragete / ob sie willens währen frisch zu fechten / wo sie angegriffen
würden / alsdann wollte er dass seine mit dabei tuhn / ungeachtet er mit sehr
guten Freibrieffen versehen währe / auch keine eigene Güter beschützen dürffte.
Worauff ihr Hauptman ihm antwortete; es stünde ihm frei zu fechten oder zu ruhen
/ und ob er sich seiner gelben Haar fürchtete / kähme es umb ihn nicht zu / so
grauete ihm gar wenig vor jenen Weibisschen Räubern / weil er einen jeden in
seiner Gesellschaft besser / als jener drei schätzete. Valikules sah / dass es
unzeitig wahr /mit dem Narren zu zanken / taht als hörete ers nicht /und
ermahnete die andern / dass sie ihr Gewehr fertig hielten und die Glieder fest
setzeten / alsdann sollte es mit GottesHülffe keine Noht haben; er sähe schon dass
der Gegenteil sich gefast machte / auff sie losszugehen / und müste man sich zur
Gegenwehr schicken. Worauff die Gesellschaft sich ermunterte / und ihm
versprachen / Leib und Leben zu wagen / und einem guten Vorgänger zu folgen;
welches alles er gerne vernam / uñ zu dem verordenten Hauptman sagete: Mein
Freund / ihr werdet euch eures Amts eriñern /dann hie will es mit hönischen
Worten trauen nicht aussgerichtet sein; demnach erwählet euch eine Schaar / denen
ihr am meisten trauet / und fanget mit deren Beistand den Streit an / da man uns
Gewalt anlegen wollte / ich will helffen so viel ich gelernet habe. Der stolze
Kleinot-Händeler empfand diese eriñerung sehr hoch / und durffte sich
schimpflicher Dräuworte vernehmen lassen; er aber ermahnete ihn / dass er ja
nicht durch innerliche Empörung die ganze Gesellschaft in Gefahr setzete / hätte
er aber / nach dem diese Feinde wurden gedämpffet sein / auff ihn zusprechen /
und er von der löblichen Gesellschaft dessen Urlaub hätte /sollte ihm schon zur
Gnüge begegnet werden; vor dissmahl müste man bedenken / was vor Antwort den
Abgefertigten / die dort herkähmen / sollte erteilet werden. Lass sie ankommen /
antwortete dieser / ich will ihnen die Antwort mit der Faust und nicht mit der
Zunge geben. Er hingegen baht die Gesellschaft höchlich / sie möchten zu ihrer
eigenen Wolfahrt ihrem Hauptman einreden / damit er durch unbesonnene Frecheit
nicht Unglück anrichtete; man müste den Feind nicht verachten / insonderheit da
er an Mannheit überlegen / und wie sichs ansehen liesse / in Waffen wolgeübet
währe / hielte auch davor / es würde gut sein / dass man den herzunahenden
Abgeordenten mit höfflicher Antwort begegnete. Die Gesellschaft liess ihr solches
wohl gefallen / aber ihr Führer grimgramsete / ob er sich von so einem jungen
unerfahrnen Menschen sollte unterweisen lassen; es währe ihm von allen Anwesenden
die Häuptmanschaft einhellig auffgetrage / und wollte er schon wissen / diesen
Schimpf zu gelegener Zeit zu rächen. Wol wohl / antwortete er / und lasset uns
nur in dieser algemeinen Gefahr gute Freunde sein / hernach solt ihr alles
finden was ihr suchet. Ritte darauff mit seinem Dolmetscher Plautus und vier
frischen jungen Kauffleuten den Abgeschikten entgegen / uñ hörete von ihnen
diese Werbung an: Sie währen von jener ädlen ritterlichen Gesellschaft
abgeordnet / umb zu vernehmen /was vor Leute sie währen / und wessen sie sich zu
ihnen versehen sollten / auch ob Kauffleute sich unter ihne funden / die mit
ritterlichem Gewehr / wieder ihren Stand sich aussgerüstet hätten / darauff
begehreten sie insonderheit Erklärung / dass sie den ihrigen eine richtige
Antwort hinterbringen könten. Der stolze Kleinot-Händler kam herzu gerant / in
Meinung / sie mit hochmuhtigen Worten abzuschrecken; aber Valikules kam ihm
zuvor / und sagte: Seid gebehten / und gönnet uns eine geringe frist / dass wir
uns einer Antwort vergleichen mögen: Und als sie dessen zu frieden wahren /
begehrete er von seiner Gesellschaft zu wissen / was die Ursach währe / das sie
absonderlich nach Kauffleuten frageten; und vernam / dass die Räuber vor erst aus
Liebe zur Beute solches wissen wollten / hernach / weil sie nicht leiden könten /
dass Kauffleute mit Wehr und Waffen sich zum Schuz gefasset hielten. Seid ihr
dann der festen Meinung /sagte Valikules / euch redlich und geherzt zu wehren
/so will ich geträuen Beistand leisten / wo nicht / weiss ich schon Mittel / mich
samt meinen Dienern als ein Gesanter durchzubringen: weil sie sich nun
erkläreten / biss auff den lezten Blutstropffen zu fechten / und den Platz nicht
als nur Sieghaft zu verlassen / vermahnete er sie nochmahls / darüber aus zu
sein / dass ihrem Führer untersagt würde / damit er nicht durch Frevel ein
unwiederbringliches Unglück verursachete; kehrete sich nachgehends zu den
Abgeschikten / und antwortete ihnen durch seinen Dolmetscher: Es nähme sie nicht
unbillich Wunder / was man sie auff freier Landstrasse rechtfertigen dürffte /
da sie doch weder mit einigem Menschen Feindschaft hätten / noch andere zu
beleidigen suchten: wollte demnach ihre ädle Gesellschaft freundlich erinnert
haben / sie an ihrer Reise nicht zu verhindern / damit man ihnen nicht Ursach
gäbe / sich dessen zubeschweren. Die drei Abgeschikte wollten mit dieser Antwort
nicht friedlich sein / sondern begehreten ausdrücklich zu wissen /was vor Leute
sie währen. Valikules erinnerte sie nochmahls / sie möchten sich keiner
Tähtligkeit unterfangen; sie währen Leute die sich gedächten nach mögligkeit zu
schützen / und zeigeten die Wagen und Karren an / was vor hantierung sie trieben
/ weil selbe / nachdem sie es ja wissen wollten / nicht mit Bauern oder Soldaten-
sondern Kauffmans Waaren beladen währen. Wolan / sprachen diese; so seid ihr
Afte Reuter und Kauffleute / deswegen lässet euch jene Ritterschaft hiemit bei
Lebensstraffe gebieten / die Waffen / so euch zu führen nicht geziemen / alsbald
abzulegen / alle eure Waaren ihnen willig zu liefern / und endlich vor
Lebensfristung eines jeden / 150 Kronen aus dem nähesten Orte herbei zuschaffen.
Das währe ungütlich gehandelt / antwortete Valikules; dañ vor erst haben wir
unsere Waffen nicht angelegt / jemand zubeschädigen / sondern bloss zu unser
Beschützung /wollten sie auch gerne diese Reise über behalten / oder auffs
wenigste so lange / als wir sie verteidigen können. Uber das sind die Waaren mit
unsern wolgewoñenen Geldern eingekaufft / daran eure Gesellschaft durchaus keine
weitere Ansprach hat / als was sie davon einkauffen möchten. Sollen wir aber
hierüber noch unser Leben von euch lösen / müssen wir vorhin wissen / ob ihr
Macht daruber habt; können uns demnach anders nicht erklären / als dass wir von
euch freien Fortzug begehren / welchen wir euch zu hindern eben wenig gemeinet
sind. Diese verwunderten sich der herzhaften Erklårung / sonderlich von einem so
jungen Menschen / und sagten zu ihm: Jungling / uns jamert eures bevorstehenden
Unglücks /und gebet ihr freilich zu verstehen / dass ihr mehr im Kramladen / als
auf der Streitbahn geübet seid / doch wollen wir mit euch nicht zanken; aber es
wird euch übel ausschlagen / dass ihr im vollen Streicharnische durffet
aufgezogen kommen / welches von einem Kramer-Knecht unerhöret ist. Valikules
antwortete mit halblachender Stimme: Er möchte vielleicht schon vor diesem sich
im Felde getumelt habe / müste auch seine Haut selber zu markte tragen / und
möchten sie seinetwegen nur unbekümert sein / ohn dass er ihnen andeuten wollte /
er hielte seine Haut sehr teuer / wäre auch diese Stunde noch nicht willens sie
zu verschenken. Liess sie damit reiten / hiess die Wagen und Karren enge
ineinander führen / und die Kauffdiener und Fuhrleute mit ihren Spiessen und
Pfeilen sich darzwischen stellen / die Gesellschaft aber fleissige Aufsicht haben
/ dass sie sich nähest bei den Wagen hielten /und sich weder davon abtreñen noch
gar umringen liessen / wählete hernach ihrer zwölfe neben Gallus und dem
Dolmetscher / die allemahl sich üm jhn halten / und seinem Vornehmen folgen
sollten. Kaum wahr dieses angeordnet / da drang der räuberische Hauffe frech uñ
verächtlich auff sie an / denen die hochmuhtige Rede des jungen Kauffmanns in
vollem Harnische heftig zu Herzen ging / insonderheit da sie ihn sein Pferd vor
dem Hauffen so verwågen tumeln sahen / wodurch er doch die seinen dermassen
anfrischete / dass sie alle gute Hoffnung des Sieges fasseten; dagegen rechneten
jene es vor einen Schimpf und stilschweigendes Ausfodern / schikten deswegen
einen an ihn ab / ob er die Kunheit håtte / vor dem algemeinen Gefechte einen
absonderlichen Kampf anzutreten; denen er zur Antwort gab: Dafern sie sich etwas
wieder zurück ziehen / oder ihm sonst Sicherheit vor mörderischem Anfal schaffen
würden / währe er bereit und erbötig / so lange mit einem und folgendem zu
kämpffen / als er das Schwert führen könnte; dessen zwar seine Gesellschaft sich
betrübete / aber Gallus redete ihnen ein Herz ein: Sie håtten sich seines Herren
wegen nicht zu bekümmern; Er zweifelte nicht / ihnen Bestand gnug zu sein / sie
nach einander alle sämtlich niederzulegen. Jene namen den Kampf uñ gemässigte
bedingung an / gaben den Kämpfern Raum gnug / und als Valikules mit seinem Manne
traf / und kaum fünff Streiche geführet hatte / schlug er ihm das Häupt vom
Rumpfe glat hinweg / schikte seinen Dolmetscher an die Feinde / es möchte ein
ander kommen / und seines Gesellen Schaden rächen. Diese hätten sich des Unfals
nicht vermuhtet / mercketen auch aus seine Gefechte / dass er mit dem Gewehr
anders als auff Kaufmans art ümging; doch fand sich ein wolversuchter Räuber /
der mit einer schweren Streitkolbe auff ihn zusetzete / damit er ihm den Gar-aus
zu machen bedacht wahr; Er aber weich ihm aus dem ersten Streich / und
versetzete ihm eins auf den rechten Arm / dass derselbe mit samt der Kolbe auff
die Erde fiel / und dieser zwar aussreiss / aber Schmerzen halben vom Pferde
stürzete. Bald liess Valiskules den Räubern andeuten / da ihrer einer nicht
muhtig gnug währe / den Kampff fortzusetzen / möchten ihrer zween zugleich
kommen. Zwar der Hohn taht ihnen wehe / wollten doch den Streit nicht versagen /
und schicketen zween ab / mit Befehl / den verwägenen Buben lebendig zu fahen /
damit ihm die gebührliche Straffe werden möchte; aber er mischete sich unter sie
/ und erlegte beide mit wenig Streichen; worauff der ganze räuberische Hauffe
aufbrach / und solches Schadens von einem einzigen nicht mehr gewärtig sein
wollten. Valikules sah dieses zeitig / und foderte seine zwölff Erwählete durch
den Dolmetscher zu sich / den Ubrigen liess er sagen / die Glieder fest und
unbeweglich zu schliessen / uñ sich nicht zu regen / biss sie angefallen würden /
oder er ihnen dessen ein Zeichen gäbe / schikte auch Gallus ihnen wieder zu /
sie zu unterweisen / wessen sie sich verhalten sollten /weil er sah / dass sie
wenig geübet wahren; Er aber hielt mit seinen Zwölffen auff der Wahlstatt / da
er schon die vier erleget hatte; und als eine starcke Schaar / von XXX Mann auff
ihn traff / setzete er mit den seinen dergestalt in sie / dass ihrer im ersten
Treffen X stürzeten / und sie dagegen nur einen einbüsseten / hielt auch mit
seinem Gemåtsche immer an / biss der Feinde XX gestrekt lagen / und er empfand /
dass er nunmehr ihnen an der Zahl der Mannschaft nicht ungleich wahr / da liess er
sein ganzes Volk einbrechen / mit denen Gallus so eiferig angriff / dass inwendig
einer halben Stunde nicht XX Räuber mehr Vermögens wahren / das Schwert zu
gebrauchen / befunden sich überdas so gar von allentalben umgeben /dass ihnen
unmöglich war durchzubrechen; so hatten die Fuhrleute und Kauffdiener sich auch
herbei gemacht / und ihnen den Abzug verleget / dass sie endlich üm Gnade und
Lebens-Fristung bahten. Valikules erhielt bei den seinen einen kurzen Anstand
/schlug den Helm auff / und wollte kurzumb wissen /was vor Leute sie währen / und
was vor Ursach zur Feindseligkeit sie vorschützen könten. Diese antworteten /
sie währen alle verarmete vom Adel / aus dieser und andern umliegenden
Landschaften / hätten sich eine zeit her des Stägreiffs ernehret / und von
reisenden Kauffleuten gebeutet / weil es keinen Krieg gäbe; weil nun der gröste
teil ihrer Gesellschaft erschlagen / båhten sie Lebens Freiheit. Ich weiss nit
/antwortete er / ob ihr des Lebens fortin würdig seid /nach dem ihr euren
adelichen Ritterstand so schåndlich beschmitzet / und euch auff Rauben und
Morden begeben habt; ich bin auch ein Ritter / und ohn unzeitigen Ruhm / gnug
Adeliches Herkommens / aber niemand feinder / als die ihren Adel durch Untugend
schänden. Sehet an diese redliche Kauffleute / wie Blutsaur sie sichs werden
lassen / dass sie mit Gott und Ehren etwas erwerben mögen / davon die ihrigen
Unterhalt haben; dieselben nun sind / oder müssen deswegen mit Gewalt eure
Feinde sein / dass sie ein Stück Brodt besitzen. Doch wann ich wissen könnte /ob
auch Besserung bei euch zu hoffen wåhre / wollte ich mich bemühen / vor euch eine
Bitte einzulegen. So bald die Kauffleute merketen / dass er sich zur
Barmherzigkeit wollte lenken lassen / fielen sie einmühtig zu / und erschlugen
die übrigen alle / weil aus ihrer Gesellschaft auch IIX das Leben zugesetzet
/und XV verwundet wahren. Dann / sagten sie / bleiben diese lebendig / so ist
der lezte Betrug årger als der erste / und haben wir nicht allemahl einen
solchen Schutz-Gott (auff Valikules zeigend) bei uns. Also musste er sie nach
Willen machen lassen / rühmete sie nach erhaltenem Siege wegen erwiesener
Tapfferkeit /und vermahnete sie zur Plünderung / da sie auff den Pferden und in
der RäuberKleidern eine Barschaft auf zwo Toñen Goldes / und an Kleinoten fast
ja so viel funden / welches sie alles geträulich zusammen legeten / und ihr
vermeinter Häuptman sich schon durffte vernehmen lassen / wie gross sein Anteil
sein müste; Herkules trat zu demselben / und fragete ihn /ob er noch zornig
währe / oder des willens / mit ihm einen Kampff zu halten / es sollte ihm dissmahl
sein schändliches Geplärre nachgesehen sein / würde er aber nach diesem es mehr
machen / sollte er Streiche davor leiden. Gallus sagte: Ja mein Herr / der
verzagte Hudler hat sich nicht eins in den Streit wagen dürffen / sondern ist
stets hinter den Karren in Sicherheit blieben. Er hat ihm recht getahn /
amwortete Valikules / dañ weil in solchen Fällen an dem Hauptmann ein grosses
gelegen ist / hat er uns allen zum besten sein Leben retten wollen / und mag er
meinetalben seine Hauptmanschaft wohl wieder antreten / nur allein über mich
nicht. Das wenden die Götter ab / riefen die übrigen einmühtig / sagten auch
ausdrüklich /er währe des Ampts unwirdig / hätte durch sein Grosssprechen und
äusserliches Ansehen ihnen falsche Hoffnung gemacht / und im Streite übrig sehen
lassen / wie wenig sein Herz mit der Zungen einstimmete /indem er sich
verstecket / und seinen Gesellen in Nöhten nicht beigesprungen währe / wovor er
dann abtrag machen / oder am Leben sollte gestraffet werden; dann seine Güter /
die er bei sich führete / gingen am Wert höher / als die übrigen alle mit
einander / was sie dann endlich benöhtiget währen / ihm das seine zuschützen /
und vor ihn ihr Blut zuvergiessen; da lägen acht ihrer Gesellen auff dem Sande
gestrecket / welche nicht den hundertsten Teil Güter dabei hätten / und währen
doch nicht unwillig gewesen /alle gefahr mit auszustehen / da dieser inzwischen
geruhet / biss es zur Ausbeute kommen währe / da hätte er sich tapffer gebrauchet
/ und ihm schon den besten Teil der Beute fodern dürffen. Valikules rief ihn vor
sich / und fragete ihn / wie er diese Auflage zuverantworten gedächte; aber die
Furcht hatte ihm alle Sprache benommen; endlich noch wandte er ein / ihm währe
übel worden / da ihn seine alte Plage der Schwindel angestossen / und er sich
ins Gedränge nicht wagen dürffen / wollte sonst den Feind mit hauffen
nidergeschlagen haben. Aber ein junger verwundeter Kauffmann fiel ihm in die
Rede / uñ sagte: Je du verzagter Hudler / musste dann der Schwindel eben im
anbegin der Schlacht kommen / und mit deren Endigung alsbald auffhören / dz du
munterer bei der Plünderung sein kuntest / als einige andere? Und haben meine
Augen mich nicht betrogen / so meine ich nicht anders / als dass du etliche
geraubete Sachen schon zu dir gestecket hast / als ein Dieb. Dieser gab sich
auffs leugnen / aber viere griffen ihn an / suchten nach /funden acht köstliche
Kleinot in seinem SchiebSak /und frageten / wie er dabei gehandelt hätte. Er
sah /dass er die Untaht nicht leugnen kunte / gab vor / er håtte anfangs
gemeinet / ein jeder sollte behalten was ihm dz Glük bescherete / weil es aber
der Gesellschaft anders gefiele / wären die Stücke da / und noch unverzehret /
und damit man sich über ihn nicht zubeschweren hätte / wollte er nach gehaltener
gleicher Teilung ihnen in der ersten Herberge einen Schmauss geben. Wodurch sie
alle sich dergestalt über ihn eiferten / dass sie ihn ohn Zweifel erschlagen
hätte / dafern Valikules nicht währe sein Schutz gewesen / welcher sie dann
zufrieden sprach / und sie vermahnete / einen gemeinen wolbedachten Raht über
ihn zuhalten /damit er sich keiner Gewaltsamkeit zubeklagen hätte. Sie nach
gehaltener Beredung trugen vor: Es hätte dieser Grosssprecher sich zur
Hauptmanschaft fast eingedrungen / und ungezweifelt eingelogen / hernacher
seinen Unverstand zu solchem Amt sehen lassen / nachgehends den Kopff gar aus
der Schlinge gezogen / und keinen Schwerdschlag gegen den Feind getahn /
ungeachtet ihnen bewust währe / dass seine geladene Güter auff etliche Tonnen
Goldes sich erstrecketen; hätte also sein Gut samt dem Leben verwirket /welches
sie ihm auch nehmen / uñ es vor der Obrigkeit schon verantworten wollten / weil
bei allen reisenden Geselschaften dieses Recht gülte / dass sie alle vor einen
Mann stehen / und der Ungeträue das Leben verlieren sollte. Valikules hiess den
Beklagte seine verantwortung tuhn / ob etwa seiner schlimmen Sache könnte
geholffen werden; Er hatte aber nichts erhebliches einzuwenden / ohn dass er
angab / er hätte geringe Sachen geladen / die bei weitem nicht so hoch im Preise
wären; Und als er hiemit endigte / warnete ihn Valikules / seine Gefahr
zubedenken / und alle mögliche Mittel hervor zusuchen / durch welche die
erzürnete Gesellschaft könnte begütiget werden. Dieser meinte die Gefahr nicht
so gross zu sein / und lag ihm seine vorige Hauptmanschaft noch etwas im Kopffe.
Aber die Gesellschaft bestund auff ihrem vorhaben / und machten sich schon
fertig / ihn niderzusäbeln; nur Valikules baht sie mit bewåglichen Worten /sie
möchten umb seiner Vorbitte willen ihm das Leben schenken / und wann er ja nicht
gar ohn straffe davon sollte / ihm eine gelindere aufflegen. Worauff sie ihm
anzeigeten / dafern er der kräfftigen Vorbitte dieses tapfferen Helden (den er
so hoch beleidiget hätte) geniessen wollte / müste er den vierden Teil aller bei
sich habenden Güter zu ihren freien Händen stellen / und durch einen Fussfall umb
Vergebung bitten. Dieses Ausspruchs meinte der geizige Mensch zuverzweifeln;
Sie möchten ihn doch nicht an den Bettelstab bringe / oder dass er gezwungen
würde / ein Bånkchen zumachen / massen er nicht mit seinen eigene / sondern mit
erborgeten Geldern handelte /wollte dannoch nicht allein sich alles Anteils an
der Beute begeben / sondern überdas noch ihnen 600 Kronen zustellen / nicht
zweifelnd / sie würden damit friedlich sein. Auff welches erbieten sie ihn zur
Erden rissen / und erbärmlich zuprügelten / dass wo Valikules ihn nicht mit
seinem Leibe geschützet hätte /würde er dem Tode nicht entgangen sein; Derselbe
nun brachte es durch Vorbitte zur näheren Handelung / und ward der Schluss
gemacht / welchen Valikules mit gut heissen musste; Es sollte der Verdamte eins
vor alles 30000 Kronen geben / oder seine Güter alle miteinander müssen preiss
sein. Hier besan er sich nun /was ihm am ertråglichsten währe / sterben / oder
so viel Gelder missen; endlich besorgete er sich der gar zu sauren Todes
Bitterkeit / und erbot sich / ihrem Willen ein genügen zutuhn. Nun hatte er über
120000 Kronen Barschaft bei sich / welche er aus Kleinoten gelöset / und
überdas vor eben so viel / ungefassete Steine; wog die Gelder ab / und als die
Fuhrleute und Diener den grossen Vorraht sahen / wollten sie alles Preis machen /
welches zuverhüten er ihnen 10000 Kronen schenken musste. Da ward nun alle
FeindesBeute samt den 40000 Kronen in drei gleiche Teile geleget / deren einen
die Gesellschaft vor sich behalten / den andern Valikules zustellen / den dritte
/ die halbscheid Gallus / und das übrige den Wittiben und Kindern der acht
erschlagenen Kaufleute zuwenden wollten / uñ redete ein verständiger Kauffman
unsern Valikules also an: Hochådler tapfferer Held und Ritter; wir allesamt
müssen bekennen / dass eure unüberwindliche Faust und hohe Klugheit unser aller
Leben und Güter beschützet / und aus den blutgierigen Händen dieser Råuber
lossgerissen hat / so dz ohn eure Hülffe uns unmöglich gewesen wåhre / dem Tode
zuentgehen; ist demnach billich / dass wir ein Zeichen unserer Dankbarkeit spüren
lassen / und eurer Hochädl. Gestränge diesen wolverdienten Anteil der Beute
einreichen / wobei wir Kaufleute ingesamt eine Tonne Schatzes von unsern Gütern
legen / und zum Andenken seines hohen Verdienstes liefern wollen; Da auch ihre
Gestr. uns anzeigen wollte / worin wir derselben sonst dienen könten / würde uns
solches die höchste Vergnügung geben. Valikules bedankete sich des Erbietens zum
freundlichsten / und gab zur Antwort: Er währe in Beschützung seines eigenen
Lebens bemühet gewesen / und hätte ein jeder unter ihnen mänlich gefochten / dass
ihm daher durchaus kein Dank / geschweige / einige Verehrung oder Anteil der
Beute gebührete; so wäre auch seine art nit / um Geld oder Geldesgewehr zu
fechten / dessen er nicht allein zu guter gnüge bei sich führete / sondern
allentalben / wo er auch kähme / gnug haben könnte; würden demnach nicht allein
von ihren Gütern keine Anlage zu seiner Verehrung machen / sondern auch den
grossen unverdiente Teil der Beute wieder zu sich nehmen; Ihr freundwilliges
Herz währe ihm Erstattungs gnug /wollte sich auch mit Auffrichtigkeit zu ihrer
aller Dienst und Freundschaft hiemit anerbohten haben. Die Kauffleute wurden
hierüber sehr betrübt / beredeten sich kürzlich / und liessen durch den vorigen
abermahl vorbringen: Sie trügen das feste Vertrauen zu seiner Hochådlen Gestr.
dieselbe würde durch beharliche Wegerung sie nicht gar zu hoch beschämen
/sondern dafern sie in dero Gewogenheit währen / zum wenigsten den Anteil der
Beute zu sich nehmen / sonsten / da sie solches über verhoffen nicht würden
erhalten können / währe dieses ihr Gelübde / dass derselbe ganze Anteil als ein
geheiligtes verlobetes durch diese Wüstenei eines guten Weges hin sollte
ausgestreuet werden. Valikules erkennete daher ihren Vorsaz / durffte sich ihnen
nicht zu stark entgegen setzen / und erboht sich / weil es ihnen also gefiele /
er aber seinen Gehorsam ihnen nicht versagen könnte / wollte er zum freundlichen
Andenken ihrer so guten Gewogenheit die Kleinot von dem Anteil der Beute zu sich
nehmen / und die Barschaften der ehrlichen Gesellschaft lassen; womit sie
endlich zufrieden wahren /weil man ihm meistenteils Kleinote gelegt hatte /
nahmen aber die Gelder / und teilten sie unter Gallus und Plautus / welches er
weder durch Bitte noch Ernst hindern kunte. In der ersten Herberge foderte er
den gewesenen Hauptman allein vor sich / und legte ihm alle seine Kleinot vor /
mit Befehl / dass er davon vor 30000 Kronen zu sich nehmen sollte / damit er
seines Schadens nachkähme / womit ihm durchaus nicht gedienet währe; Uber welche
Höfligkeit sich dieser nicht gnug verwundern kunte / wollte dessen auch nichts zu
sich nehmen / sondern baht gar wehmühtig / er möchte ihm sein hohes Verbrechen
hochgünstig verzeihen /wodurch er ihn unverantwortlich zu Zorn gereitzet hätte /
dann er erkennete / dass durch seine Vorbitte er Leib und Leben / auch den
grösten Teil seiner Güter erhalten; Ja er nam einen köstlichen Ring / auff 3000
Kronen wert / und schenkete ihm denselbe / mit Bitte / ihm zugönnen / dass er
sich ihm hiemit zu ewigen Diensten verpflichtete. Valikules sah seine Reue
/welche ihm sehr wohl gefiel / nam den Ring auff Freundschaft an / uñ stellete
ihm ein wichtigers Kleinot wieder zum Gedåchtniss zu / welches er auch mit
Danksagung behielt / aber Gallus ein gleichgültiges wieder schenkete. Die übrige
Reise durch Mesopotamien biss an den Tigerfluss endeten sie in guter Sicherheit /
da sie Assyrien erreicheten / sich daselbst teilten / und gegen Valikules aller
möglichen Dienste sich erbohten / insonderheit vergaben sie ihrem gewesenen
Hauptmann auff dessen hohe Vorbitte / und dass dessen Verbrechen sie gegen
niemand gedenken wollten; Und ging nun Valikules auff seiner Reise eilig fort /
weil er noch zur Zeit seiner Liebsten Zeichen allemahl antraf / und nach diesem
Leitstern seinen Lauff in guter Hoffnung richtete.
    Es wird aber schier Zeit sein / dass wir unsern Herkuliskus nach Charas
begleiten / welcher die fünff Tage über zu Ekbatana aller Anwesenden Herzen ihm
dermassen durch seine Zucht und Freundligkeit verbunden hatte / dass nicht
weniger der GrossFürst und sein Gemahl / als die andern ihn inbrunstig liebeten
/auch wegen seiner Grossmütigkeit und Waffen Erfahrenheit niemand Argwohn
fassete seines weiblichen Geschlechtes / ohn allein Pharnabazus / dem dass
geraubete Fräulein stets im Sinne lag / und fast nicht mehr zweifelte / sie
währe eben dieselbe in Manneskleidern; jedoch / wann er ihren Muht / Schiessen
und Fechten betrachtete / straffete er sich selbst dieser Gedanken halber;
bemühete sich nicht desto minder / ob er nicht etwas gewisses von Arbianes
erfahren könnte /weil er wusste dass sie Schlaffgesellen wahren / daher fragete er
ihn einsmals ob auch Herkuliskus so zart am Leibe als unter dem Gesichte und an
den Händen währe. Diesem wahr die Ursach solcher Frage unbekant / und
antwortete; er könnte hievon nicht wissen /weil er stets in Kleidern schlieffe /
vorgebend / er hätte dessen ein Gelübde auff sich / hielte sich auch so
schamhaftig / dass er nichts blosses an seinem Leibe sehen liesse. Es fehlete
wenig / dass Pharnabazus nit los brach / und seine Meinung anzeigete / nur weil
er fürchtete / ihn dadurch zubeleidigen / hielt er an sich / und beschloss in
seinem Herzen / hievon keinem Menschen ichtwas anzuzeigen / ob er gleich im
geringsten nicht mehr an der Warheit zweiffelte. Er wahr aber mit samt dem
GrossFürsten sehr betrubet /dass er dem unkeuschen Könige nach Charas sollte
geliefert werden / welches doch nohtwendig geschehe musste / weil seine
vortreffliche Schönheit dermassen schon beschriehen wahr / dass die ädlen und
Herrenstandes in der nähe häuffig nach Hofe reiseten / den fremden Jüngling zu
sehen. Noch wahr niemand der seines tuhns und lassens genauer wahr nahm / als
Fr. Roxane / weil dass verliebete Fräulein ihre Zuneigung nicht bergen kunte /
und weil er sich aller Höffligkeit gegen sie gebrauchete / in die Gedanken fiel
/ es möchte eine unzimliche Liebe daraus entstehen / welches an der Fräulein
Seite nichts als Schimpf und Schande bringen könnte / weil sie an der
Unbilligkeit nicht zweiffelte / die man ihm in Parten zumuhten würde.
Herkuliskus wahr so einfältig nicht / dass er dieser fleissigen Auffmerkerin
Gedanken nicht sollte erkennet haben / dessen er aber in seinem Herzen lachete /
nicht zweiffelnd / sie würde sich dereins solches Argwohns am meisten schäme /
welche doch vor dissmahl nach nichts so sehr / als nach seinem Abscheid verlangen
trug / weil die GrossFürstin sich schon etlicher reden / betreffend Pharnabazus
und der Fräulein Heirat / hatte vernehmen lassen / welches ohn zweifel würde
den Krebsgang gewissen / da man der Fräulein Liebe zu Herkuliskus merken sollte.
GrossFürst Phraortes schlug sich inzwischen mit zweiffelmühtigen Gedanken / wie
ers mit ihm halten sollte; Er hätte ihn herzlich gerne in Teutschland geschicket
/ musste sich aber befürchten / König Artabanus würde ihn deswegen von Land und
Leuten jagen /als der ihm ohn dass zimlich ungewogen wahr / weil er sich etlicher
reden wieder seine Hocheit sollte haben vernehmen lassen; berahtfragete sich
deswegen mit Pharnabazus / hielt ihm beides die Gefahr und sein Mitleiden vor /
und dass auff den Fall der Lieferung er nicht allein sich würde müssen seiner
Mannheit berauben lassen / sondern auch wohl abscheuhliche Unfläterei annehmen.
Dieser wusste des guten Rahts nicht viel / steckete zwischen Tühr und Angel;
hätte zwar seinem Freunde Herkules zugefallen die Lieferung gerne gehindert und
wiederrahten / uñ sah doch nicht / wie sein Schwager der grossen Gefahr
entgehen würde / welches ihn zu dieser Antwort veranlassete; die Götter wissen /
dass in dieser Sache gar kein Raht bei mir ist; möchte wünschen / dass Mazeus ihn
hieher nicht geliefert / sondern eine Zeitlang in der stille bei sich behalten
hätte / damit man ihn / andern unwissend / nach seiner Heimat senden mögen; ehe
wir aber etwas schliessen / währe mein Raht / mit ihm zu reden / und seine
Meinung drüber zu hören. Herkuliskus ward darauff gefodert / welcher / da er
ihre Traurigkeit sah / fragte er ganz lieblich / was dessen die Ursach währe;
meinte / es geschähe wegen des Fechters Tod / welcher an den von ihm
empfangenen Wunden vor andertalb Stunden gestorben wahr / derhalben er sich
entschuldigte / und sich auff des GrossFürsten Zeugnis berieff / dass er ehren
halber nicht anders gekunt hätte. Aber der GrossFürst antwortete ihm; Mein
geliebter Herkuliskus; hundert und noch hundert Fechter Tod / würden mich zu
dieser Schwermühtigkeit nicht bewägen / kann auch nicht anders Urteilen / als dass
ihm recht geschehen sei. Euer / ja bloss euer Zustand lieber Sohn / stürzet mich
in diese Traurigkeit / weil ich durchaus kein Mittel bei mir erdenken kann / euch
in freien Stand zusetzen dass ihr nicht dem Könige Artabanus nach Charas
geliefert werdet; dann wie lieb und angenehm mir eure Kundschaft / auch eure
und meines Sohns Arbianes Freundschaft ist / so hart schmerzet mich die
Ungelegenheit / in welche ihr etwa dorten gerahten möchtet /und ich nicht würde
abwenden können. Herkuliskus fassete des GrossFürsten Hand / küssete dieselbe
inniglich / und fing darauff also an: Durchleuchtigster GrossFürst / gnädigster
Herr; der Sohns Nahme / den eure GrossF. Durchl. meiner Unwirdigkeit zu geben
gnädigst beliebet / wird mich Zeit meines Lebens der Schuld erinnern / womit
euer GF. Durchl. ich verbunden bin / und darff ich der kühnen Hoffnung geleben
/es komme dereins die Zeit / dass dieselbe den süssen Vater-Nahmen mit gnädigem
Willen von mir annehmen wird; dass aber dieselbe meinetwegen einige Bekümernis
über sich nehmen sollte / müste mir von ganzer Seele leid sein / welches
zubezeugen / schwöre ich alhie vor des Himmels Gegenwart / dass / dafern Eure D.
meine Reise nach Charas über die angesetzte / auff zween Tage verflossene Zeit /
noch länger auffschieben wollte / ich alle Gelegenheit suchen will / erstes tages
als ein Flüchtiger dahin zu reisen / und dem Könige in euer Durchl. Nahmen mich
darzustellen; dann warumb sollte ein so teurer Fürst meinetwegen sich bekümmern /
oder einige Gefahr auff sich laden? ehe wollte ich eines schnöden todes sterben /
wañs auff andere Weise nit könnte abgewendet werden; bitte demnach eure Durchl.
untertähnigst / und beschwöre sie bei Gott / dass sie fort nicht mehr sich
meinetwegen herme / noch die Reise auffschiebe; dann ich bin dessen gewiss und
versichert / das grösser Unglück mich nicht übergehen kann / als der Himmel / oder
vielmehr der wahre Gott / der über alles herschet /über mich beschlossen hat; es
währe dann dass derselbe auff diese Unterwelt kein Auge wendete / welches ihm
aber kein vernünftiger Mensch wird einbilden lassen. So beschleunige nun mein
gnädigster Herr diese Reise / auff dass derselbe dieser Sorge entrissen /und ich
der himlischen Versehung geliefert werde. Phraortes hörete dieses mit
übergehenden Augen an /umbfing ihn als einen Sohn und sagete: Nun dann /weil es
ja so sein soll und muss / will ich mein Vornehmen endern / welches bloss auff eure
Erlösung tichtete / und nebest euch hoffen / die Götter werden euch in kein
verderben gerahten lassen / welches nach Vermögen abwenden zuhelffen / ich
selber mit euch reisen /und euch dem Könige zuführen will. So will ich mit einen
Gefärten geben / sagete Pharnabazus / und da euch eine Gefahr zustehen sollte /
muss mir zuvor mein Leben gebrochen werden. Wolan / so sei es beschlossen /
sagete der GrossFürst / dass wir geliebts Gott ubermorge auffbrechen / uñ mit
grossen Tagereisen und geruheten Pferden nach Charas zu reiten; dessen
Herkuliskus nicht wenig erfreuet ward / massen des jungen Arbianes Liebe sich
täglich gegen ihn mehrete / so dass er fürchtete / sein Geschlecht in die långe
vor ihm nicht verbergen zukönnen; zugeschweigen / dass schier heut oder Morgen es
ihm möchte verdacht bringen / dass er bei ihm so viel Nachte geschlaffen; hierzu
kam Frl. Barsenen blinde Liebe / die ihren Vorschlag ins Werk zusetzen / noch
immer anhielt / weil sie ihr leicht die Rechnung machete / dafern sie den Vogel
aus dem Kefich liesse / dürfte er ihr entfliegen /oder von einer andern
abgefangen werden / auf welchen Fall sie sich sterbens erwogen hatte. Uberdas
merkete er an Pharnabazus unterschiedlichen verdeckete Reden / dass er ihn vor
Herkules verlohrne Liebste hielt / in dem er einsmahl / da er ihm nahe sass /der
unvergleichlichen Liebhabere / Fürst Herkules uñ Frl. Valisken Gesundheit trank
/ auch nach getahnem bescheide ihn umbfing / sprechend; ach dass ich meinem
Freunde Fürst Herkules wünschen könnte / dass er die Kron seiner Seelen dergestalt
umbarmen möchte /oder zum wenigsten ich ihm dereins darzu könnte behulflich sein
/ wie ich der Hoffnung gelebe; woraus er leicht verstund / was dieses Räzel
bedeutete; ihm aber von dergleichen Vornehmen abzuhalten / also antwortete: Mein
Herr; ich vor mein Häupt wusste meinem Oheim und meiner Wasen nichts bessers zu
wünschen / und kann möglich sein / dass solcher Wunsch schon seine Erfüllung habe;
wo nicht / alsdañ wolle mein Herr ihnen nach mögligkeit träulich beistehen / vor
allen dingen aber ihre Heimligkeit / die ihm etwa möchte bewust sein /
verschwiegen halten / und keinem Menschen unter der Sonnen offenbahren / auch
sich ihrer äussersten Dankbarkeit versichern. Aus welcher Antwort er abnam / dass
ihm die Erkäntnis seines Geschlechtes allerdinge zu wieder währe /daher er
hinfort sich dessen mit keinem Worte merken liess / und gedachte auff nichts so
heftig / als wie es noch endlich zu Charas ablauffen würde; welches hingegen
Herkuliskus aus dem Sinne schlug / uñ nicht eins darauff achten wollte / biss er
sähe / wie mans mit ihm würde anschlagen. Als nun der Schluss zur Reise gemacht
wahr / gingen sie miteinander zu Tische /nach dessen auffhebung der GrossFürst
unsern Herkuliskus fragete / ob ihm geliebete / mit auff die Jagt zu reiten /
sollte ihm solches frei stehen; welches er mit grossem dank annam / und auff
vergunstigung samt Arbianes in den Mahrstall ging / ihm ein Pferd zu wählen /
auff welchem er einige Zierligkeit könnte sehen lassen. Es gefiel ihm aber keines
so wohl / als der Blänke / welcher von den andern allen abgesondert stund / und
laut anfing zu wrinschen / da er in den Stal trat / ging ihm näher / und
verwunderte sich über seine hohen geraden Schenkel / wolståndigen Hals / lange
Mäne / zierlichen Kopf / starke Brust und geschiklichen Leib / sagte auch zu
Arbianes; ohn zweifel wird dieses Pferd niemand / als der GrossFürst selbst
reiten. O nein / herzlieber Bruder / antwortete er / es ist ein dermassen
unbendiges Tihr /dass es niemand will auffsitzen lassen; ist in der Wildnis
gefangen / und meinem Herr Vater vorm halben Jahre geschenket / welcher es
etliche mahl hat wollen niderschiessen / weil es so gar nicht zu zähmen ist /und
habe ichs bisher noch verbehten / ob es mit der Zeit die Wildheit ablegen wollte
/ weil es noch jung /etwa von drei Jahren ist. O dass ich ein solches Pferd hätte
/ es zubereiten / sagte Herkuliskus / ich wollte ihm entweder den Kitzel
vertreiben / oder es musste mirs müde machen / dann es scheinet aus allen Zeichen
/ dass es über die masse fest / und zum aussreissen geschikt ist. Der Bereiter
stund dabei / und antwortete ihm: Junger Herr / ich will fast ja so gern auff
einem Tiger / als auff diesem Pferde sitzen / werde es auch nimmermehr rahten /
dass ihr euch dessen unterfahet. Hätte ich darauff meines Gn. GrossFürsten
erläubnis / sagte er / ich wollte euch schon zeigen / wie man mit diesem
unvergleichliche Pferde geberden müste / und bitte sehr / sagte er zu Arbianes /
mir die Freiheit bei seinem Herr Vater zu erbitten / dass ichs nur versuchen
möge. Dieser wollte ihn durch einführung der Gefahr abmahnen / als es aber nicht
verfangen kunte / ging er mit ihm hin / und brachte sein Begehren vor; worauff
der Vater antwortete: Mein Sohn Herkuliskus / ich bin euch in allem zugefallen /
aber warumb sollte ich Ursach eures Verderbens sein? wåhlet euch sonst ein Pferd
nach belieben / dañ dieses würde euch den bittern Tod verursachen. Euer GF.
Durchl. gehorsame ich billich / antwortete er; aber Jammer und Schade ist es /
dass dieses ädle Tihr wegen des Bereiters Unerfahrenheit bei der Krippe
versteiffen und veralten soll / welches / wann ich ein Ritter währe / umb eine
Herschaft nit vertauschen wollte. Pharnabazus halff bitten / dass es nur auff den
Platz geführet würde / damit er sähe wie unleidlich es des reitens währe. Und als
der GrossFürst einwilligte /ging er in flüchten nach dem Mahrstalle zu / und
befahl auff Phraortes geheiss / ihm einen gelinden Zaum anzulegen / welches aber
nicht verrichtet werden kunte / biss ihm alle viere gefesselt wahren / und man
ihm zugleich ein scharffes Naseband antaht / bei welchem vier starke Knechte es
an beiden Seiten zum Stalle aussleiteten / deren keiner unbeschädigt davon kam.
Sobald es auff den Platz gebracht wahr / und seine Wildheit immerfort sehen liess
/ nam Herkuliskus einen Rohrstecken / rieff ihm auff Teutsch hart zu / und gab
ihm unterschiedliche Streiche über die Lenden / redete ihm darauff freundlich zu
/ und streichelte ihm zugleich den Hals / worüber es zwar nicht allerdinge sich
zur Ruhe begab / aber doch den grösten Teil seiner Wuht einstellete / so dass er
nach abgerissenem Nasebande / den Zügel fassend / sich hinauff schwang / und es
ungesattelt im Plaze weidlich tummelte / da es anfangs sich heftig bemühete /
seinen Reuter abzuwerffen / und in kurzem doch so sanftmühtig ward / dass ers
nach allem Willen lenken und zwingen kunte. Der GrossFurst dieses ersehend /
sagete zu den Anwesenden; dieser Jüngling schändet mir alle meine Leute / denen
ich so grossen Sold gebe; meine Schützen müssen sich vor ihm verkriechen; dem
Fechter hat er gar die Faust hinweg gehauen; die Bereiter macht er jezt zu
Lehrjungen; und wer weiss /wie es noch heut meinen Jägern und mir selber ergehen
wird? Unterdessen belustigte sich Herkuliskus auff dem wunder-starken-geraden
Pferde / biss ihn dauchte genug sein / da sprang er herunter / liebkosete ihm mit
flachen Handschlägen / an der Stirn / Brust / Hals und Lenden / welches das
Pferd nicht allein willig añam / sondern überdass sich mit lustigem wrinsche /
Schweifschlagen und Fusskratzen so freidig und zugleich gehorsam erzeigete / als
währe es sein lebelang mit ihm umbgangen. Er zohe es nachgehends in den Mahrstal
/ entzäumete es / uñ gab ihm ein gutes Futter / kehrete wieder nach dem Saal /
und liess sich gegen den GrossFürsten verlauten / er hielte das Pferd nach seinem
schlechten verstande höher / als dass es ums Geld könnte geschätzet werden / weil
es eine so ädle Art / gewünschete Geschikligkeit / uñ trefliche Leibesstärke
hätte; merkete auch so viel / dass es sich sklavischer Weise von den Knechten
nicht wollte zwingen lassen; und dafern ich nicht irre / fuhr er fort / so hat es
fast abscheuh bei andern Pferden zu stallen. Phraortes legte ihm die Hand auffs
Häupt und sagete: Geliebter Sohn ich erinnere mich bei euch des grossen
Alexanders und seines ädlen Buzephals / welches nur diesen einzigen auffsitzen
liess / und keines andern Zügel oder beschreitung sich untergeben wollte;
zweiffele nicht / es habe mit diesem meinem Pferde gleichmässige Beschaffenheit
/ gestaltsam ichs mit ihm auff allerhand Weise versuchet habe / aber bisher
allemahl vergebens; und daher nicht anders Urteilen kann / als dass eure VorEltern
/ wo nicht ihr selbst von götlichem Stamme müssen entsprossen sein / auch umb so
viel mehr mich versichere / der Himmel werde sich euer in allen begebenheiten
geträulich annehmen. Herkuliskus küssete ihm die Hand / und gab zur Antwort: Er
währe seines GrossFürsten untertähnigst-gehorsamster Knecht / wusste sich auch
schuldig / ihrer Durchl. Scherzreden geduldigst anzunehmen / wie hohe
rohtgefärbete Wangen ihm dieselben gleich macheten / dass seine unwirdigkeit dem
grösten Welt Herrn Alexander verglichen / ja biss an der Götter Geblüt erhaben
würde / welche doch in seinem Vaterlande sich mit schwachen Menschen nicht so
gemein macheten / dass sie Kinder mit ihnen zeugeten. Es sei wie ihm wolle /
antwortete der GrossFürst /so erkennet doch mein unvernünftiges Pferd etwas
sonderliches an euch warumb sollte dann ein verständiger Mensch dasselbe nicht
begreiffen? Aber geliebt euch / den Blänken auff der Jagt zu reiten / werdet
ihr ihm den Sattel selbst müssen aufflegen / da er meinen Leuten den Gehorsam
ferner wegert / weil es Zeit sein wird / sich auffzumachen. Daran soll es nicht
mangeln / sagte Herkuliskus; empfing von Arbianes den Sattel / welcher mit
Rubinen und Perlen auff ein Güldenstük trefflich gesticket wahr / und liess die
Bereiter den Versuch tuhn / ob sie fortin das Pferd besser zwingen würden; aber
alles vergeblich / dann es schlug und bisse von sich / viel erschreklicher als
vorhin; so bald aber Herkuliskus ihm mit dem Stecken dräuete /und selber Hand
anlegete / stund es wie ein Lamb /und liess sich von ihm kratzen / kämmen /
Zäumen und Satteln. Im hinaus reiten zohe der GrossFürst allein voraus / und
folgete ihm Arbianes und Herkuliskus / hinter denen Pharnabazus und Mazeus. Es
ward aber Herkuliskus mit solchem Wunder beschauet /dass Jung und Alt / Weibes
und Mannes Volk håuffig herzu lieff / die schon so hoch beschriehene Schönheit
und Geschikligkeit dieses fremden Jünglinges zusehen / daher Arbianes zu ihm
sagete: Sehet mein herzen Freund / wie sich die Inwohner drängen / euch als ein
Weltwunder zubeschauen. Er antwortete ihm mit einem freundlichen lachen: Durchl.
Fürst; warumb sollten diese Zuseher nit vielmehr an ihrem Gross-Fürsten / und
dessen einigem wirdigen Erben / als an meiner Unwirdigkeit sich erlustigen /
nachdem sie ja von mir weder zugeniessen noch zu hoffen haben? Nein o nein?
sondern die Liebe zu ihren angebohrnen Herrn / hat sie aus den Häusern gelocket
/ und kömt nur ohngefehr / dass der arme geraubete Herkuliskus von ihnen mit
beschauet wird; ja wer weiss / ob nicht der gröste Teil meiner Unhöfligkeit übel
will / dass ich mich unterstehe darf / dem Gross-Fürstlichen jungen Herrn an der
Seite zu reiten. Er aber hörete dieses mit grossem Unwillen an / dass er sich
verlauten liess /wann er jemand unter dem Hauffen mit solchen Gedanken beladen
wissen sollte / müste derselbe es mit dem Leben büssen. Nicht so unbarmherzig /
mein Fürst / nicht so unbarmherzig / antwortete er; dann weil ich dem grösten
Hauffen / ja fast allen Zusehern unbekant bin / wer könnte ihnen solches
verargen? fassete damit seinen Bogen / und in dem er auff eine vorüber fliegende
Taube lossdrückete / sagte er mit heller Stimme; ein Schuss auff meines Fürsten
und wahren Freundes Gesundheit; schoss ihr auch den Pfeil in die Brust / dass sie
aus der Lufft hernider fiel / und von Pharnabazus aufgefangen ward; dessen das
anwesende Volk nicht allein sich zum höchsten verwunderte /sondern ein starkes
freuden Geschrei anstimmete; Der junge Fürst lebe / und sein Freund / der junge
Fürst lebe und sein Freund! Dass verleihen mir die Götter /sagte Arbianes / dass
ich mit meinem Freunde Herkuliskus / und nicht ohn ihn leben möge. Welches sein
Vater mit betrübetem Herzen anhörete. Sie wahren kaum auff den besameten Acker
hinaus komen / da Herkuliskus einen Hasen quer über lauffen sah / und weil er
ihnen ferne wahr / liess er sein Pferd auff ihn zu eilen / welches wie ein Bolzen
von der Sehne dahin flohe / da er inzwischen anlegete / und den Hasen schoss /
dass er über und über purzelte. Der GrossFürst dieses sehend / sagte zu den
folgenden; ich ruffe den Himel zum Zeugen / dass mein Gemüht durchaus zweifelt /
ob der Jüngling ein Mensch oder Gottes Kind sei; und was werde ich noch in
kurzen vor Wunder zu Charas von ihm sehen? aber sehet doch /wie er mit seiner
Beute dorter pranget / welche er vielleicht unser einem zu liefern bedacht ist;
worin er doch irrete; dañ er wendete sich hin zu der GrossFürstin Gutsche /
reichete ihr das Wild untertähnigst und mit lächelnden Augelein / sprechend:
Durchl. GrossFürstin / weil mir das Glük so wohl mitfähret / dass ich die erste /
und zwar ungestellete Beute davon gebracht / ihrer Durchl. aber mit alle meinem
Vermögen mich Leibeigen weiss / so gelanget an dieselbe mein untertähnigstes
Ansuchen / dieses Häsichen gnädigst vor mir anzunehmen; küssete ihr hiemit die
Hand /und lieferte das Wild einem beilauffenden ädelknaben ein. Mein
allerliebster Herkuliskus / antwortete sie; billich sollte dieser Hase zum
Gedächtnis eines fast unmöglichen Schusses auffgehoben werden; aber damit ihr
eigentlich sehet / was vor eine Gewogenheit ich euch trage / will ich selbst Hand
anlegen / und ihm das Fel abstreiffen / dass er auff dem GrossFürstlichen Tische
verzehret werde. Bald darauff ging die Häuptjagt an / bei der sich Phraortes
weidlich gebrauchete /auch die anderen ihr bestes wirketen / daher Herkuliskus
ihnen keinen Eingrieff tuhn wollte / nur wann er sah / etwas den andern schon
entgangen sein / dem setzete er nach / und gab ihm den Fang; dann sein Pferd
wahr wunder geschwinde / und seiner Hand gehorsam / so dass es zugleich mit
bemühet wahr / die flüchtigen Tihre zuerlegen / wie es dann einer wilden Sau
dergestalt auff den Rüssel traff / das sie sich über und über warf. Nach
geendeter Jagt / da sie wieder nach Ekbatana ritten / funden sie die Felder mit
Menschen angefüllet / die sich versamlet hatten / den wunder-schönen Jungling zu
sehen / unter welchen sich ein Sternseher fand / in der schwarzen Teufelskunst
erfahren / der sich sehr zu ihm nahete / und überlaut /dass etliche hundert
Menschen es höreten / ihn also anredete: Unvergleichlicher wunder-Jüngling; euer
verborgenes ist mir nicht so gar verborgen / ob gleich kaum vor funff Tagen ich
euch erstmahls gesehen: O wie manniches Herzenweh ist euch schon übergangen /
und o wie manniches dräuet euch der Himmel noch! tröstet euch aber mit dem / dass
keine ungewogene Sternen über euch auffgehen; und ob zwar eine väterliche
Zuchtruhte euch treffen möchte / soll doch kein Henkers Schwert uber euch
gezücket werden; nur wanket in eurem herzhaften Vorsatze nicht / alsdañ muss
euch die allerschmerzlichste Wiederwertigkeit zur empfindlichen Wollust gedeien;
dann wessen eure Freunde sich euretwegen besorgen / dass ist unmöglich / erfüllet
zu werden / wie ihr selber wisset. Dieses Mannes Ansehen hatte aller Anwesenden
Gemüht einen solchen Gehorsam eingegebe / dass sie ihm stilleschweigend zuhöreten
/ da er nur mit der Hand winkete; insonderheit gab Herkuliskus fleissig acht
auff seine Rede / meinte auch nicht anders / als dass der Himmel selbst ihm
diesen Trost zugeschikt håtte /deswegen er ihm zur Antwort gab; Geliebter / wie
wohl unbekanter AltVater; eure Vermahnung zur Tugend / die den himlischen Trost
mir zum grunde leget / muhtiget mich dergestalt / dz ich Gottes Gunst mir
ungezweiffelt versprechen darf; werde mich demnach äusserst bemühen / dass weder
im Unglück ich der göttlichen Verhängnis wiederspenstigkeit / noch im wolergehen
Frevelmuht sehen lasse; seid aber gebehten /und verleihet mir bei Gott eine
Vorbitte / der euch wirdiget / künftige Geheimnissen euch zu offenbahren. Der
Alte sagete hierauff: Eure versehung / treflichster Jüngling / bedarf meiner
Vorbitte nicht / und wo ich nicht hesslich betrogen bin / werdet ihr in wenig
Monaten dieses Begehren selbst wiederruffen; kehrete sich darauff von ihm hinweg
/ verbergete sich unter das Volk / und verliess Herkuliskus wegen der tunkelen
Reden in schmerzlichen Nachdenken / welcher nach einer halben viertel Stunde /
da er frisch nach der Stad fort ritte / einen Mann etwa von 40 Jahren am Wege
stehe sah / der seine Augen starre über sich gen Himmel wendete / und dauchte
ihn / wie eine sonderliche Freidigkeit und Inbrunst aus seinem Antliz erschiene
/ dass er auch nicht umbgang haben kunte / ihn zu fragen / ob er etwas
sonderliches am Himmel vernähme / dass er mit so unverwendeten Augen hinauf sähe;
welcher ihm zur Antwort gab: Tugendliebender Herr / meine Himmel-brünstige Augen
/ kehren sich auffwerz nach dem wahren Schöpffer dieser irdischen Welt / welcher
zwar allentalben gegenwärtig ist / aber dort oben die Herschaft seiner
göttlichen Herligkeit führet / zu demselben seufzet mein Geist /euch in seinen
gnaden Schuz zu nehmen / und eure Seele zuerleuchten / auff dass ihr schier
erkennen möget / was Gott sei / und was vor unausssprechliche Himmelsfreude er
denen bereitet hat / die ihn erkennen / und auff seinen heiligen Wegen gehen /
auch umb dessen Willen alles Unglück geduldig ausstehen /weil sie endlich
erfahren und befinden / dass ihnen mehr gutes und heilsames aus der Welt Angst /
als Wollust aus ihrem liebkosen zukomme; und zweifelt mir nit / derselbe wahre
Gott werde den Brunn seiner Gnade über euch ergiessen / dass ihr eure Seele nicht
weniger mit Himmelsfreude / als das Gemuht mit Tugend-begierigen Gedanken
erfüllen möget. Herkuliskus hatte dergleichen Wunsch vor nie gehöret / und
gedauchte ihn / dass eine sonderliche Krafft in den Worten steckete / bereitete
sich deswegen / ihm zuantworten; aber der vorige Alte trat unvermuhtlich wieder
herbei / und sagte: Trefflicher Jüngling / nicht sehet / bitte ich / diesem
Neulinge ins Maul / der euch von ertichteten Dingen und ungefangenen Fischen
schwåtzet / gestaltsam er ein Verächter der Götter ist /und / umb eine einigen
Gott alle himlischen Kräffte zuvertauschen / anzusuchen pfleget; haltet vielmehr
dz vor wahr / was ihr mit Augen sehet / und verwerffet / was dieser und andere
seines gleichen ohn Grund und klaren Beweisstuhm tichten und lügen; sehet an die
glänzende Sternen / den wandelbahren Monde /die unvergleichliche Sonne / das
verzehrende Feur /und erkennet ihre Göttliche Krafft und unbetriegliche
Gotteit. Alter Vater / antwortete Herkuliskus / mit wem streitet ihr? oder was
hat euch dieser andåchtige Mañ leides zugefüget / dz ihr ihn der Lügen zeihet
/deren er mir doch keine vorgelegt hat? so höre ich im geringsten nicht / dass er
dem Himmel oder der Erden ichtwas ungebührliches auffbürde / daher ihr zweifels
ohn seine Reden unrecht werdet verstanden haben. Ja / trefflicher Jüngling /
sagte der Alte; ist es noch nicht Bosheit gnug / dass er von einem einigen wahren
Gott sein Geblärre führen / und dadurch die andern alle übern hauffen schänden
darff? Ich höre kein schände aus seinem Munde / sagte Herkuliskus / und das er
von einem wahren allmächtigen GOtt redet / ist nicht sein Getichte / wie ihr
vorbringet / sondern viel hochverständige Leute sind dessen mit ihm einig.
Dieses redete sie / weil sie aus Herkules Schreiben solches gesehen / und in
ihrem Herzen sich schon erkläret hatte / den Christlichen Glauben anzunehmen.
Der Alte / ungeachtet aller Einrede / wollte in seiner Verleumdung fortfahren /
weil aber Arbianes unsers Herkuliskus Verdruss sah / hiess er ihn schweigen / und
sich hinweg packen; da inzwischen der andere / welcher ein andåchtiger
erleuchteter Christ wahr / sich wegen seines getahnen wolgemeineten Wunsches
demühtig entschuldigte / dem Herkuliskus antwortete: Er nähme es mit gutem
Herzen auff / trüge einen begierigen Willen nach des wahren Gottes Erkenntnis
/und hielte selbst davor / dass mehr Menschen durch Glückes Gewogenheit / als
dessen Sturm in das Verderbens Meer gesturzet wurden; nam darauff freundlichen
Abscheid von ihm / und folgete seiner Gesellschaft / die schon voran geritten
war. Des folgenden Tages / welcher der näheste vor dem Auffbruche wahr / liess
der GrossFürst ein treffliches mahl anrichten /worzu unterschiedliche Medische
Herren eingeladen wurden. Arbianes und Herkuliskus wahren in einem güldenen
Stücke auff einerlei art gekleidet / empfingen die Gåste / und verrichteten das
Vorschneider Amt; Nach auffgehobenen Speisen / ward eine treffliche Lust auff
allerhand Seitenspielen angestimmet /woran Herkuliskus sich zimlich ergetzete /
auch der Gesellschaft zu ehren / und seinem lieben Herkules zum andenken /
folgendes Lied in Teutscher Sprache in die Harffe sang / die er zugleich selber
gar artig spielete.
                                       1
So muss ich nun gezwungen frölich sein /
Ob ich die Lust gleich suche gar zumeiden.
O liebes Herz / wie oft gedenk ich dein /
Was magstu wohl von meinetwegen leiden?
Wo gehestu wohl in der Irr' umher?
Und klagest so: sind wir dann gar gescheiden?
                                       2
Bistu hinweg ohn alle Wiederkehr?
Bistu hinweg? O Herkules mein Leben;
Ich singe zwar / doch kömt es ohngefehr;
Dann niemand kann mir Lust und Freude geben /
Als einig du. Wie fürcht' ich deiner fast /
Es werde dir schwer sein / den Stein zuheben.
                                       3
Der ferne Weg benimt dir Ruh und Rast /
Des Räubers Schwert wird dich rechtschaffen üben.
Ihr Himmel helfft / dass unter dieser Last
Mein Einig-All nicht gar werd auffgerieben /
Lasst über mich vielmehr das Wetter aus /
Und diesen frei / den ich ins Herz geschrieben.
                                       4
Du grosser Gott / der du des Himmels Haus
Gewölbet hast; soll er mich wieder finden /
So wickel' es nicht gar zubund und krauss /
Und lass viel eh mich armes Kind dahinden /
Ich müste sonst / wann er solt' untergehn /
Vor Ungemach und Herzensangst verschwinde.
                                       5
Nun Hoffnung nun / soll ich ihn wieder sehn /
So will ich mich an seiner Tugend laben;
So will ich / was mir Leides ist geschehn /
Als einen Scherz vorüber lassen traben;
Nun Hoffnung nun! soll meine Lust bestehn /
So muss ich ihn doch endlich wieder haben.
Alle anwesende verwunderten sich der überaus lieblichen Stimme / welche sie
dergestalt zu zwingen / und in der Kehle zukräuseln wusste / dass mans mit keinem
Spielwerke ihr nachmachen kunte / daher der GrossFürst hernach zu seinen Leuten
sagete: Daran mangelte es noch / dass auch meine Spielleute und Sänger vor diesem
Jünglinge / wie Butter an der Sonne bestehen mussten. Niemand aber / als
Pharnabazus / urteilete daraus ihr weibliches Geschlecht / und wunderte sich
sehr / dass niemand einigen Argwohn darauff legete. Das lohbrennende Feur wuchs
in Frl. Barsenen Herzen je mehr und mehr / liess auch keine gelegenheit vorüber
streichen / da sie ihm dessen Anzeige geben kunte; vor dissmahl aber baht sie umb
Abschrifft der Gesanges-Weise / dann sie wahr dieser Kunst und des Harffenspiels
zimlich erfahren / dessen sie einen Beweisstuhm ablegete / und folgende Reimen
dabei in Persischer Sprache sang:
                                       1
Ihr meine Gedanken / wo denket ihr hin?
Seid nicht zu muhtig;
Es trifft zu blutig /
Wann schwaches Vermögen und kräfftiger Siñ
In einer Gesellschaft sich dürffen verparen /
Dann ausser dem können muss wollen sich spare.
                                       2
Ihr meine Gedanken / wem ziehet ihr nach?
Last leichtes fliegen /
Und schweres liegen;
Dann beides gibt schaden uñ schmerzliches ach;
Diss drücket / und jenes bringt schnödes verachte;
Hier mustu ersticken / und dorten verschmachten.
                                       3
Das Mittel geht ohne Gefährligkeit zu;
Scharff ist zu Herrisch /
Und stumpff zu närrisch;
Der bleibet ohn fehlen in stetiger Ruh /
Wer immer auff mitteler Strasse sich waget;
Dañ niedriges schmähet / uñ stoltzer Mut plaget.
                                       4
Dich Ikarus treibet die üppige Lust
Zur Himmels Spitze /
Da du vor Hitze
Verschmelzen / uñ nunter in Meeres-grund must.
Wer Fährligkeit liebt / muss drinnen vergehen /
Und kluge Vorsichtigkeit bleibet bestehen.
                                       5
Drumb endert ihr meine Gedanken euch bald;
Schwingt eur Gefieder
Nicht auff / nicht nider;
Auff mitteler Strasse wird jederman alt;
Doch gönnet dem besseren dieses zu erben /
Was eure Gebrechen nicht können erwerben.
Herkuliskus liess sich nicht merken / dass es von ihr aus halber Verzweifelung
wegen seiner Liebe gesungen wahr / lobete beides den Tichter und die Stimme /
und ward von der Gross-Fürstin gebehten / ihr die Harffe zureichen / damit sie
auch ein schlechtes Schuelrecht tuhn / und der Tugend Lob nach vermögen angeben
möchte; welchem zu folge / sie allen Spielleuten geboht / mit einzustimmen / dass
das Spielzeug gedämpffet / und in sanftem Gleich-Klange gespielet würde; Worauff
sie folgendes Lied hören liess.
                                       1
O Du heller Tugend-Schein /
Kan man deines gleichen finden?
O nein! alles muss verschwinden /
Was dir darff zuwider sein.
Frevel-Macht /
Hochmuht Pracht
Muss zu deinen Füssen
Liegen / und demühtig büssen.
                                       2
O du unsers Lebens Licht /
O du Glanz der keuschen Sinnen
Dein Vornehmen / dein beginnen
Schläget keinen blossen nicht.
Schanden-Lust /
Falsche Brust
Muss zu deinen Füssen
Liegen und demühtig büssen.
                                       3
Wer kann deiner Stärke dann /
Deiner Herrschaft sich entbrechen?
Du weist Feindes Macht zu schwåchen /
Und legst ihnen Ketten an;
Spiess und Schild /
Freches Wild
Muss zu deinen Füssen
Liegen und demühtig büssen.
                                       4
Blutgier / Mord / List / und Gewalt /
Geldes Sucht / unkeusches wollen;
Und vor Neid gar sein geschwollen /
Hat bei dir kein Auffentalt.
Drumb will ich /
Einzig dich
Tugend stets besingen /
Und dir mein Lob-Opffer bringen.
Herkuliskus gab diesem Gesange genaues Gehör /und wie er gar eines fertigen
Verstandes wahr / tichtete er stündlich einen GegenSatz / in dem er des Glückes
Grausamkeit anklagete / wie dasselbe der Tugend gemeinlich widerstrebete;
dannoch aber dieselbe gar zuunterdrücken nicht tüchtig währe; nam die Harffe zu
sich / und sang darein folgende Reime:
                                       1
Ja Tugend; Weder List noch Streit
Kan dich erlegen.
Wie aber? dass des Glückes Neid
Sich so verwägen
An dir zureiben pflegt /
Und immer fort mit wüten auff dich schlägt?
                                       2
Wann sie auff rechtem Wege geht /
Und Frieden liebt /
Bistu / der ihr entgegen steht /
Und sie betrübet.
Wie schlecht sie immer ist /
Verfolgt man sie doch / wann du zornig bist.
                                       3
Das fromme Schaf versiht es leicht /
Dass du ergrimmest /
Wann es dir nicht den ReichsStab reicht /
So bald du brümmest /
Dann gehstu mit Geschoss
Und Grimmigkeit auff sie verwägen los.
                                       4
Du hetzest alle Welt auff sie
Durch Lügen-tichten;
Der zwakt sie da / und jener hie /
Durch falsches richten;
Ja deines Zornes Glut
Sucht Löschung in der frommen Tugend Blut.
                                       5
So kämpfft das Glük; muss aber doch
Der Tugend gönnen;
Dass sie geherzt das schwere Joch
Wird tragen können;
Dann wie der PalmenBaum
Bricht sie hervor / nimt man ihr gleich de Raum.
                                       6
Sie wartet der bestimmten Zeit /
Die Gott gesetzet /
Weil sie Träu und Beständigkeit
Vor höchstes schätzet.
Schön Wetter / spricht ihr Wiz /
Erfolget doch auff Hagel / Sturm und Bliz.
                                       7
Nun dann / so muss mein Herz und Sin
Doch nicht ersticken /
Solt' auch des Glückes Neid mich hin
Ins Wilde schicken /
Da wo der Drachen Wuht
Nur wohnet / weil sich Tugend zu mir tuht.
Arbianes baht nach geendigtem singen / ihm dieses Teutschen Liedes Inhalt ins
Griechische überzusetzen / welches hernach Pharnabazus in gleiche Art Medische
Reimen brachte / und hatte die GrossFürstin ein solches Vergnügen an demselben /
dass sie es vor ihr bestes wählete / so dass sie ihrem vorgeben nach / es
Herkuliskus zum Gedåchtniss vor ihr Leibstük halten wollte / weil mit seinem
Zustande es so gar einstimmete. Dieser / weil er sich erinnerte / dass er des
nähstfolgenden Morgens seine Reise nach Charas anstellen würde / stund von
seiner Stelle auff / entblössete auff Teutsche Art sein Häupt / und fing
folgende Rede an: Durchleuchtigster / Grossmächtiger GrossFürst; wie dann
Durchleuchtigste GrossFürstin; auch Durchleuchtigster Fürst Arbianes / Gnådigste
Herren und Frau; Der aus seinem Vaterlande entraubete Herkuliskus / dessen der
Himmel sich als eines Glüks Ballen gebrauchet / kann nicht absehen / mit was
gebührlichem Danke Ihren Durchleuchtigkeiten zubegegnen er düchtig ist / vor die
überaus grosse Gnade /ihm über alle Verdienst und Wirdigkeit angetahn; Der
Unfall hat ihm vor etlicher Zeit seinen lieben Vater entrissen / den hat er an
dem Durchl. GrossFürsten alhie wieder funden. Die boshaften Räuber haben ihn
seiner herzlieben Fr. Mutter entführet / dieselbe hat er an seiner gnädigsten
GrossFürstin hieselbst angetroffen; Das Unglück hat ihn von seinem vertrauten
Oheim Herkules weit abgeschieden / der ist ihm an seinem höchstwerten Fursten
Arbianes wieder gegeben. Nimmermehr werde ich mich dieses Glüks gnug rühmen
können; nimmermehr werde ich solches zuerkennen geschikt genug sein. In meiner
ersten Ankunft bildete ich mir eine leibeigene Knechtschaft ein / und ward vor
Sohn und Bruder erwählet; ich furchte mich vor dz unbekannte Ekbatana / und traff
daselbst meiner Eltern Schos an. O Himel / gib mir Vernunft / es recht
zubetrachten; und du Gott / der du darinnen herschest / verleihe mir Gnade / ein
Dankzeichen abzulegen; ja vergeltet das gute an mir erwiesen / ersetzet / was
alle meine Verwanten zubezahlen nicht gnug sind. Gewaltiger GrossFürst / was hat
Eure Durchl. uñ Gn. an ihrem unwirdigsten Knechte gesehe / das ihn so angenehm
gemacht hat? Höchst-rühmliche GrossFürstin /welcher Liebes-Gott hat ihre
mütterliche Brust mir geöffnet / dz ich hinein geschlossen bin?
Durchleuchtigster Fürst Arbianes / warumb leget seine Vortreffligkeit einem
gefangenen Knechte den süssen Bruder Nahmen zu? Die Gnade ist zu häuffig; die
Liebe zu strånge; die gewogenheit übermässig; und dannoch habe ichs annehmen
müssen / wollte ich mich selbst nicht unangenehm machen; Ich musste mich vor den
halten lassen / der ich nicht bin / und solche Verwaltung in diesem Schauspiele
auff mich nehmen / der ich viel zu leichte wahr; daher haben meine
Höchstgebietende ja so wenig die Ersetzung von mir zugewarten / als ich sie
nimmermehr zuerlegen weiss. Aber diese Liebe Trähnen (die er mit dem Finger aus
den Augen wischete / und auff den Tisch warff) sollen hieselbst zum Zeugnis
vertroknen / dass wofern ich leben soll / ich nicht völlig werde glukselig sein
können /als lange mirs an gelegenheit mangelt / mein Herz sehen zulassen / wie
gerne es den Anfang der Zahlung seiner unzählichen Schuld machen wollte / welche
völlig abzutragen / des Himmels Reichtuhm erfodert. Aber O mir gar zu
verhafteten! wie soll ich eure hochgeneigete Freundschaft und Hulde /
Hochgebohrner Herr Pharnabazus / Herr Mazeus / Fr. Roxane / Frl. Barsene / wie
soll ich immermehr ihnen erwiedern /was ich von ihnen ohn mass empfangen habe?
Lasset euch / bitte ich / des gütigen Gottes Art gefallen / der mehr Vergnügung
an der Wilfährigkeit / als an Geschenken hat / und versichert euch doch / dass
ich kein Vermögen sparen wollte / wañ mirs beiwohnete / da ich nun wegen mangel
nur Wort-Speisen auffzutragen genöhtiget werde. Niemand war über Tische / dem
die klaren Trähnen nicht in den Augen gestanden währen; Das Frauenzimmer aber
fing überlaut an zu weinen /und Arbianes wahr der Ohmacht am nähesten. Diese
Traurigkeit nun in etwas zulindern / foderte Herkuliskus die Harffe / und mit
einem Liebes-brennenden Angesichte / sang er folgendes Lied in Griechischer
Sprache:
                                       1
Wann mein Wunsch in Krafft bestünde /
Und mein wollen / können fünde;
Solte meine Dankbarkeit
Feste stehn zu aller Zeit.
                                       2
Wann die Hände könten zahlen /
Was Gedanken wohl abmahlen /
Solte meine Dankbarkeit
Feste stehn zu aller Zeit.
                                       3
Aber O! von Armut wegen /
Kan ich gar kein Zeichen legen;
Drumb steht meine Dankbarkeit
Nur im wollen allezeit.
                                       4
Ja mein Herz / sih wie es geht;
Wer zu hohe Gunst empfähet /
Und mehr als er tragen kann /
Schauet niemand frölich an.
                                       5
Wer zu schwer wird überladen /
Wann er muss durch Fluten waden /
Trägt vergebens seinen Sin
Nach dem fernen Ufer hin.
                                       6
Herz / jezt lernestu gar eben /
Mehr zu nehmen als zu geben;
Solte das nun Tugend sein;
Währstu voller Tugendschein.
                                       7
Doch du hast zwar nehmen müssen.
Drumb wird Gott zu lohnen wissen /
Was ein schwacher Schuldes-Mann
Durch sich nicht ersetzen kann.
Der GrossFürst erhohlete sich unterdessen / und die weiblichen Trähnen wurden
gestillet / dass auch Arbianes sich wieder erinnern kunte / wo er wahr / und gab
Herr Mazeus nach GrossFürstlichem Befehl / unserm Herkuliskus diese Antwort:
Durchleuchtiger /und von Himlischer Gunstreichbegabeter Herr Herkuliskus;
GrossFürstl. Durchl. allerseits / hält die hohe Danksagung vor überflüssig / weil
sie ichtwas geleistet zuhaben / sich nicht erinnern können / das eure
Vollkommenheit nicht hundertfach verdienet hätte; wünschen nichts mehr / als dass
ihnen Freiheit gegönnet werde / euch zeit ihres Lebens Elter- und Brüderliche
Liebe zu erweisen / erbieten sich bei GrossFürstlichen Ehren / es an keinem
ermangeln zulassen / was in ihrem Vermögen stehet. Auch wird mein Herr sich
erinnern / was unser allerseits Gn. GrossFurst sich neulich gegen ihn erboten /
aber er selbst åidlich geunwilliget / und sich widersetzet hat. Seine GF.
Durchl. aber zweifelt nicht / ihm werde gelegenheit zustossen / auch am bewussten
Orte ihm seine gewogenheit und våterliches Herz sehen zulassen. Darauff trat
Herkuliskus zu dem GrossFürsten / setzete sich auff seine Knie / und kussete ihm
die Hände in kindlicher Neigung / biss ihn derselbe auffrichtete / und zu ihm
sagte: Mein geliebter Sohn / ich hoffe / die gütigen Götter werden uns verleihen
/ uns untereinander bessere Freundschaft zuleisten / als bisher geschehen. Er
hingegen wendete ein / er håtte schon gar ein übriges empfangen / machte sich
hin zu der GrossFürstin / und wollte sich auch vor ihr niderlegen / welche ihn
aber umfing / und nach erteiletem mütterlichen Kusse sagete: Mein Sohn / die
Götter wollen euch beistehen; ein mehres wollte die herzbewägende Traurigkeit
nicht zulassen. Arbianes meinte / die Ordnung würde nun an ihm sein / empfand
aber in seinem Gemüht nicht / wie er sich verhalten sollte; welches Herkuliskus
merkend / zu ihm sagete: Hochgeliebter Fürst / wir werden hernach allein
bequemere gelegenheit haben / uns vor dissmahl zuletzen; wendete sich zu
Pharnabazus / ihm Ehre zubeweisen / welches er aber nicht zugeben wollte /
sondern ihm wider seinen Willen die zarte Hand küssete / einwendend /es wåhre
gar zu viel / dass er sich auch gegen seine Wenigkeit bedanket hätte / da ihm
doch keine Gelegenheit zustossen wollen / ihm auffzudienen / die er gleichwol
zusuchen / höchst wollte geflissen sein. Mazeus taht desgleichen / und erboht
sich mit alle seinem Vermögen. Hernach trat er hin zu Frl. Barsenen /die sein
halbzitternd erwartete / küssete ihr die Hand /und meldete in Höfligkeit / wie
er sich der erzeigeten Gunst unwirdig schätzete / baht umb stetswehrende
gewogenheit / und verpflichtete sich mit vielfältigem erbieten / ihr steter
Diener zubleiben / als viel sein Vermögen ohn einige Bedingung leisten könnte;
wie ihm dann sein Herz eigentlich zutrüge / sie würden in beståndiger
Freundschaft noch manniche Zeit leben. Das Fräulein währe lieber mit ihm allein
gewesen /umb ihre Liebe zu guter lezt zubezeugen / und seiner Zusage ihn
zuerinnern / weil es aber Zeit und Orts gelegenheit nit gönnete / musste sie es
vertragen / wünschete ihm mit gebrochener Stimme des HimelsSchutz / und
bedankete sich aller geschehenen Ehre. Es hatte Fr. Roxane seine Worte angehöret
/ welche sie alle ungleich deutete / und auff eine hitzige Liebe zog; Sie wusste
fast nicht / ob sie ihm hold oder ungeneigt sein sollte / weil sie in den
Gedanken stund / er ginge mit gefährlichem Vorsatz umb / ihre Frl. Schwester
zuverleiten / und war ihr nicht so gar unangenehm / dass er seine Reise nunmehr
fortsetzen würde. Herkuliskus hatte aus unterschiedlichen Stachelreden / auch
von dem Fräulein selbst vernommen / wessen sie gegen ihn gesiñet war / welches
er ihr doch nicht verargete /stellete sich auch vor dissmahl überaus freundlich
gegen sie / und nach geendigter Danksagung / hielt er bitlich an / mit ihm einen
kurzen Abtrit zunehmen /weil vor seinem Abscheide er gar ein wenig mit ihr
absonderlich zureden hätte. Sie besturzete hierüber /und zweifelte nicht / es
würde die Offenbahrung seiner Liebe gegen das Frl. betreffen / welche
einzuwilligen sie durchaus nicht gesinnet wahr / weil sie mit der Gross-Fürstin
die Heirat ihres Bruders zimlicher massen schon beredet hatte; wegerte sich
demnach höflich / mit ihm zugehen / biss ihr Gemahl ihr solches gebot. So bald
sie im Neben Gemache sich allein befunden / küssete er ihr die Hand / und
brachte vor / er hätte vorerst ihr eine grosse Heimligkeit zuentdecken / und
hernach eine freundliche Bitte abzulegen / wañ er ihrer Verschwiegenheit könnte
versichert sein. Sie bildete ihr den vorigen Wahn so fest ein / dass sie gänzlich
meinte / es würde die Anwerbung darauff erfolgen / und gab ihm zur Antwort: Es
möchte vielleicht eine solche Heimligkeit sein / welche sie zuwissen nicht
begehrete; wann dann eine unmögliche Bitte darzu kommen sollte / wurde er nur
ihre gute gewogenheit in Zweifel zihen da sie ihm doch von herzen alles gutes
gönnete. Herkuliskus lachete dieser Sorge bei ihm selber / wollte sie doch etwas
besser prüfen / und sagte weiter: Sein höchstes Vertrauen hätte er auff ihre
Gütigkeit gebauet / wollte auch nicht hoffen / dz sie ihm ihre Gutwilligkeit
versagen würde; Die Heimligkeit währe so beschaffen / dass sie noch zur Zeit kein
Mensch / als sie / wissen dürffte / deren Nohtwendigkeit die hinzugefügete Bitte
åusserst erfoderte / so dass er sich billich vor unglückselig schätzen müste /
wann er bei ihr sollte einen blossen schlagen. Ach mein geliebter Herkuliskus /
antwortete sie / die Götter wissen / wie gerne ich ihm zugefallen bin / wegere
mich auch nicht / nach seinem begehren zuschalten / dafern nur meine Frl.
Schwester nicht mit eingemenget wird / weil dieselbe nicht mehr frei / sondern
von der GrossFürstin und mir / einem trefflichen Herrn / ihrem nahen Anverwanten
ehelich versprochen ist /ob sie gleich dessen selbst noch keine Wissenschaft
träget. Ich erfreue mich von Hertzen / sagte er / dass mein hochwertes Fräulein
zu gutem Glük soll ausgesteuret werden / und weil meine liebe Freundin nicht
gerne sihet / dass das Fräulein mit zugezogen werde /so ist solches eben mein
begehren / frage nur noch einmal / ob ich mich auf eure Verschwiegenheit
verlassen darff; sollte dann meine Bitte nicht können statt finden / woran ich
doch im geringsten nicht zweifele /will ich derselben gerne sie erlassen. Aber
was frage ich lange nach eurem guten Willen / der mir durch so manniche
Erweisung mehr als zu kund ist? Vernehme demnach meine hochwerte Freundin /
meine grösseste Heimligkeit / die ich noch keinem fremden offenbahret habe; und
was meint  ihr / herzgeliebete Frau Roxane / mit wem ihr redet? etwa mit
Herkuliskus? Ja mit dem / der allen andern biss dahin Herkuliskus bleibet / nur
allein euch nicht als meiner allervertrautesten Freundin. Es fing Fr. Roxane an
vor Furcht zuzittern uñ beben / nicht anders gedenkend / er würde sich ihr
offenbahren / dass er ein warhaftiger Gott währe; Er aber taht / als merkete er
ihre Furcht nicht / und fuhr also fort: So höret nun meine Freundin / diese
Heimligkeit / und wisset / dass ich so wenig mänliches Geschlechtes bin / als
eure Frl. Schwester / sondern ihr sehet vor euch eines mächtigen Königes Tochter
/ des so offtgedachten Herkules Wase und versprochene Braut / Valiska. Ich sehe
wohl / meine Freundin / dz ihr gedenket / ich scherze; aber ach nein: die
Merkzeichen sollen bald zeugen / was ich rede; öffnete hiemit ihren Busem / und
liess ihre zarten Brüste sehen; dass Fr. Roxane sich in höchster Verwunderung
befand /und ihr diese Antwort gab: Allergnädigstes Fräulein /ich bedanke mich
untertåhnigst der erzeigeten Gnade /wodurch sie ihre höchste Heimligkeit mir
vertrauen wollen / und gelobe ihr hiemit äidlich / dass ich keinem einigen
Menschen dieser Welt solches offenbahren will / als lange sie es verschwiegen
zuhalten mir gnådigst anbefihlet; uñ weil ich durch blinden Irtuhm eine sehr
unbedachtsame Grobheit begangen / bitte ich umb gnädigste Vergebung. Herkuliskus
fiel ihr umb den Hals / küssete sich lange mit ihr / und taht ihr zuwissen / dass
um Erhaltung ihrer Jungfräulichen Keuscheit sie Jünglings gestalt angenommen /
bähte /ihr nicht zuverdenken / dass sie Arbianes Schlafgeselle zusein sich
bereden lassen / weil er sie noch diese Stunde vor einen Jüngling hielte /
wiewol sie meist deswegen mit ihrer Reise eilete / dz sie des Verdachts möchte
entoben werden; Demnach sie aber nicht wüste / ob ihre Verstellung zu Charas
gelten würde /möchte sie gerne auf allen fall uñ ingeheim ein weiblich Kleid bei
sich haben / welches zu bezahlen sie Mittel gnug hätte / und diss währe die Bitte
/ welche sie zugleich ablegen wollte. Warumb gedenket mein Gn. Fråulein der
Zahlung? antwortete sie; ich bin ja derselben wegen jezt erzeigeter Gnade mit
viel einem mehren verbunden / und weil ich meiner Schwester gestriges Tages ein
neues Kleid verfertigen lassen / da der UnterRock von einem Silberstük mit
allerhand Farben durchwirketem Blumwerk / das Oberkleid aber von zarter weisser
Seide ist / mit Perlen gestikt /wobei Strümpfe / Schuh / und anderer
gebührlicher Zierraht sich findet / als wolle Eure Durchl. solches von mir
gnådigst annehmen / und meines bereitwilligsten Herzens dabei eingedenke sein.
Herkuliskus bedankete sich davor herzlich / baht / sein mit grossen Königlichen
Ehren-Nahmen zuverschonen / und erboht sich / wegen des versprochenen
wolgefålligen Kleides alle Dankbarkeit sehen zulassen; håtte aber noch eine
Bitte bei ihr abzulegen / als nehmlich / dass sie etliche geträue reitende Diener
aussenden wollte /des Weges / welchen er kommen währe / um / in den mit diesem
Merkmahl bezeichneten Herbergen zuerforschen / ob nicht ein oder ander fremder
Ritter daselbst gewesen / der entweder nach Herkuliskus oder Valiska gefraget /
massen sie nicht zweifelte / ihr Herkules oder wohl andere mehr / würden nicht
unterlassen / ihre Erlösung zubefodern. Fr. Roxane lobete ihr träulich an / ein
solches erstes Tages ins Werk zurichten / und weil sie beiderseits sich
fürchteten / es möchte ihr langes Gespräch den anwesenden verdächtig fallen /
gingen sie wieder in den Saal / da Frl. Barsene in Furcht stund / er würde ihrer
Fr. Schwester ihre Liebe anvertrauet haben. Es war die lezte Nacht /dass Arbianes
seinen geliebeten Herkuliskus im Arme schlaffen hatte / bei dem er anhielt / es
von seinem H. Vater zuerbitten / dass ihm möchte vergünstiget werden / mit nach
Parten zureisen / damit er umb so viel länger seiner lieben Gesellschaft und
Gegenwart zugeniessen hätte; welches er ihm zwar versprach / und doch zuleisten
nicht gesoñen wahr / dann es wollte ihm der junge Herr schon zu geheim werden;
daher er wegen der instehenden Reise sich nicht wenig freuete. Des folgenden
Morgens lieferte ihm Roxane das Kleid in einem Wetscher / und betrübete sich
Arbianes sehr / dass ihm mitzuzihen durchaus nicht wollte erläubet werden / und er
also von seinem Herkuliskus den endlichen Abscheid zunehmen gezwungen ward
/welchen er mit diesen Worten anredete: Die Götter sind meine Zeugen /
herzgeliebeter Bruder / dass in Abwendung seines Unglücks / welches ihn vielleicht
treffen möchte / ich weder Gut noch Blut sparen wollte / wann sich einige
gelegenheit erzeigen würde; nachdem ich aber bei meinem Herr Vater nicht
erhalten kann / dass mir die Reise gegönnet werde / bin ich gezwungen / mich auff
dissmahl mit dem grösten Teil meiner Seele zuletzen / dass ich auch nicht weiss /
ob mir das Glük verleihen wird / ihn dereins wieder zu sehen; wiewol ich das
Vertrauen zu den himlischen Göttern habe / sie werden nicht zugeben / dz die
allerschönste tugendhafteste Menschenzucht in Ehren-und Lebensgefahr gerahte;
welche Hoffnung mir die Verheissung tuht / ich solle meinen Herzensfreund nicht
gar verlieren / sondern (welches ich wünsche) in hohem Ehrenstande mit
Koniglichen Gnaden überhäuffet / wieder antreffen; Inzwischen will ich ihm des
Himmels Schutz helffen erbitten / nicht zweifelnd / er werde mir sein
versprochenes in der ferne nicht ersterben lassen / sondern die angefangene
Freundschaft und tråue Auffrichtigkeit halten / welches bei Verpfändung meiner
Seele von mir soll geleistet werden; fiel ihm mit diesen Worten umb den Hals /
und in dem er ihn unterschiedliche mahl küssete / sagete er: O wie glückselig
würde ich sein / wann mir vergönnet währe / des Unglücks helffte über mich
zunehmen / da meinem Seelen-freunde sonst einiges von dem Verhängnis angedräuet
wird. Mein hochwerter Fürst /antwortete Herkuliskus / er wolle sich / bitte ich
/meines künftigen ergehens so hoch nicht annehme /sondern vielmehr sich
versichern / dass mein Muht dem Himel noch viel ein mehres trauet / da ich ihm
dann hiemit brüderlich verheisse / aus diesen Morgenländern nicht zuweichen /
ehe und bevor ich an seiner beliebeten Gegenwart auffs neue mich ergetzet / und
die angeschürzete Liebes Bande fester geknüpffet habe. Wendete sich darauff zu
der GrossFürstin und anderen anwesenden / und nach abermahl genommenem Abscheide
/ befahl er sich ihrer beharlichen Gnade und Gewogenheit / setzete sich neben
den GrossFürsten auff seine Leib-Gutsche / und in Begleitung 200 Reuter / die von
Pharnabazus und Mazeus geführet wurden / eileten sie auffs geschwindeste fort /
die Partische Häuptstadt Charas zuerreiche.
    Ladisla und Fabius samt Leches und ihren neuen Dienern / hatten in Assyrien
gute Gesellschaft angetroffen / mit denen sie in zimlicher Sicherheit fast die
Persischen Grenzen beruhreten / da dem guten Fabius gar ein schweres Ungluk
zusties / als sie im Gehölze eine engen Weg ritten / und wegen Räuberischen
anfalles gute Auffsicht haben mussten / welcher Ursach halben Ladisla vor dem
Hauffen / Leches in der Mitte / und Fabius hinten nach ritte. Als nun dieser /
umb das sein Pferd stallen wollte / sich ein wenig bei einem trummen umbwege
verspåtete / und eines Steinwurffs zu rücke blieb / nahmen dessen vier junge
verwågene Räuber wahr / die ihm Pusche sich verborgen hielten / schossen ihm das
Pferd alsbald nieder /und sprungen auff ihn zu / da er unter dem Pferde lag /
hielten ihm das Maul zu / bunden ihm die Hånde /und führeten ihn mit sich ins
Gesträuche / da sie ihm die Augen verbunden / den Harnisch abzogen / und alsbald
zuerstechen dräueten / dafern er nicht willig mit fort gehen würde. Fabius wahr
übermañet / musste mit springen / und wahr ihm das ungelegenste / dass man ihm das
Maul geknebelt hatte / und sich solcher Gestalt eine grosse Meile musste treiben
lassen; endlich / da er dieser Beschwerung entnommen wahr /gab er mit wenig
Persischen Worten zuverstehen / sie möchten ihn als einen Ritter handeln / er
wollte als ein Gefangener ihres Willens leben. Diese aber kehreten sich hieran
wenig / sondern führeten ihn mit gefesselten Armen nach dem Fürstentuhm Susiana
/ und da sie etliche Meilen ohn auffhören fortgelauffen wahren / und sich keiner
Nachfolge mehr zubefahren hatten /frageten sie / wer er wåhre / und ob er Geld
bei sich hätte. Er gab vor / er hiesse Kleon / währe ein gebohrner Grieche /
håtte mit niemand Feindschaft / triebe auch kein gewerbe / ohn dass er als ein
schweiffender Ritter seinem Glük nachzöge: Die Gesellschaft / mit denen er
gereiset / währen reiche Kauffleute / deren einer ihm ein zusammen gewickeltes
kleines Tuchlein zuverwahren gegeben / möchte wohl köstliche Sachen drinnen sein
/ die er ihnen gerne einhåndigen wollte; überreichte ihnen hiemit etliche zusamen
gebundene Kleinot ohngefehr 8000 Kronen an wert; über welche die Räuber sich
höchlich freueten / und ihm die Wahl zur sonderlichen Gnade gaben / ob er lieber
sterben /oder sich verkäuffen lassen wollte. Er empfand hieraus schlechten Trost
/ und gab ihnen zur Antwort; dafern er so bittselig sein könnte / das ihm Leben
und Freiheit geschenket würde / wollte er sich äidlich verpflichten / es an ihrer
keinem zueifern; währe es aber ja nicht zuerhalten / bähte er um Lebensfristung
/ und dass sie ihn einem vornehmen Herrn verkauffen möchten. Nein antworteten sie
/ wir bieten dich nicht weiter aus / als an einen / welcher dich nach Willen
selbst behalten / oder weiter verhandeln wird. Weil er nun die Bremsen nicht
reizen / noch diese Buben mit unangenehmen bitten erzürnen wollte / ergab er sich
ihrem Willen / nur dass sie ihm die Hände frei lassen möchten / nachdem er ihnen
nicht entlauffen könnte; welche Gnade er in so weit erhielt / dass ihm dannoch die
Arme mit einem Stricke aneinander gebunden wahren / und er deren sich nicht frei
gebrauchen kunte. Er gelebete noch immer der Hoffnung / Ladisla würde seines
abwesens zeitig inne werden / und umb seine Erlösung sich bemühen: aber alles
vergeblich /weil die ganze Gesellschaft ihn vor spätem Abend / 6 Stunden nach
seinem Verlust / nicht misseten / da sie auff einem breiten Platze sich samleten
/ und Ladisla nach ihm umsah / endlich ihm mit Nahmen rieff /und fleissig
nachfragete / ob nicht jemand umb ihn Wissenschaft trüge. Man befand zwar / dass
er nach gemachtem Schlusse sich anfangs hinter der Schaar gehalten / währe aber
in 6 Stunden daselbst nicht gesehen / so dass man gedacht / er wurde neben hin
geritten sein / und unter andere sich vermischet haben. O mein Bruder / sagte
hierauff Ladisla / so bistu gewisslich in Unfal gerahten / und wohl gar
erschlagen; wendete damit sein Pferd umb / in Meinung / den Rükweg zunehmen /
und ihn zusuchen; aber Leches redete ihm ein; es währe später Abend und in der
Wildnis / da nicht allein Räuber sondern auch die wilden Tihre zu furchten; so
müste man einen Weg von sechs Stunden reiten / welches den Pferden ja unmöglich
fallen würde; zwar er wåhre bereit zu folgen /doch hielte er vor rahtsam / den
Pferden etliche Stunden Futter und Ruhe zu gönnen / ob man etliche von der
Gesellschaft vermögen könnte / in früher MorgenStunde mit zu reiten / und
Nachsuchung zu tuhn. Ach Leches / antwortete er; inzwischen kann er gar umb sein
Leben kommen. Die Götter werden ihn behuten /gab er zur Antwort / und solche
Unfal von ihm abwenden. Ladisla sah dass er gezwungen diesem Raht folgen musste /
hielt auch bei der Gesellschaft an / des folgenden tages in dem Flecken zu
verweilen / biss er entweder seinen Gesellen angetroffen / oder zum wenigsten
einige Kundschaft von ihm eingezogen hätte; die zehrungs kosten / wie hoch sie
lauffen würden /wollte er gerne abtragen. Dieses erhielt er nicht allein bei
ihnen / sondern sie erbohten sich uberdass / mit ihm zu reiten; machten sich auch
früh Morgens auff /und zogen des vorigen Weges / biss sie sein erschlagenes Pferd
antraffen / auff welchem der Wetscher noch unversehret / unter dem Reitmantel
gefunde ward / welchen sie ablöseten / uñ zu sich nahmen /weil auff die 150000
Kronen wert Kleinot darinnen wahren. Ladisla gingen die Augen über / und kunte
nicht ersinnen / wie diss möchte zugangen sein / biss einer aus der Gesellschaft
anzeigete; er erinnerte sich /dass er dieses Orts etwas zurücke blieben wåhre /
und mussten etliche verborgene Räuber ihn unversehens überfallen / und mit sich
hinweg geführet haben. Dessen muss ich gewissere Zeichen suchen / sagte Ladisla;
stieg mit XXV Mannen ab / und durch kroch die Püsche hin und wieder / biss sie
sein Harnisch und Schwert funden / woraus sie gewisse Hoffnung fasseten / er
müste nicht erschlagen / sondern gefangen hinweg geführet sein; zweiffelte auch
nicht / er würde seiner Verschlagenheit nach / schon Mittel finden /sich los zu
machen / worzu ihm die kostbahren Kleinot / die er bei sich fuhrete / könten
behülfflich sein. Also kehrete Ladisla mit der Gesellschaft wieder umb / und nam
Fabius Harnisch / Schwert und Pferde Zeug mit sich. Inzwischen musste der
Gefangene Kleon (also werden wir Fabius eine Zeitlang nenen) auch noch diesen
ganzen Tag bei geringer Speise biss in die sinkende Nacht eilig fort traben / wie
auch des folgenden tages biss an den Mittag / da sie in einem geringen Flecken
ankahmen / und bei ihrem bekanten Wirt einkehreten / dem sie den Gefangenen umb
100 Kronen zukauffe bohten; nachdem aber Kleon auff des Wirts Frage / was er
gelernet håtte / zur Antwort gab / dass er ein Kriegsman / und keines Handwerks
kündig währe; sagete dieser: Mit solchem nichts werten Menschen ist nichts
bessers anzufahen / als dass man ihn erschlägt; dañ weil ich ihn nirgend zu
lassen weis / werde ich nicht hundert Pfennige vor ihn ausszahlen. Kleon wahr in
augenscheinlicher Gefahr seines Lebens / weil die Räuber der Mühe verdross /
welche sie / ihn mit zuführen / angewendet hatten / daher sie sich über ihn
machten / ihm die Kleider abzuzihen / uñ nachgehends den Kopf einzuschlagen;
würde auch dem tode nicht entgangen sein / wo er nicht diese List erdacht / und
bei dem Wirt angehalten hätte / er möchte ihm ein Wort absonderlich hören /so
wollte er ihm schon Ursach melden / warumb er ihn käuffen sollte; uñ als sie
allein wahren / sagte er zu ihm: Mein Herr / da ich von diesen vieren gefangen
ward / und verstund / dass ich sollte verkauft werden /wusste aber / dass ich keine
Handkünste gelernet hatte /wollte ich dannoch meinem Käuffer in andere Wege
Ergezligkeit machen / und habe diesen Schaz heimlich bei mir verwahret / welchen
ich euch liefern will /möget euch wohl versichern / dass er mit gutem Willen umb
6000 Kronen-kann verkauft werden: So nehmet ihn nun zu euch / dass es diese nicht
erfahren / und ich mein Leben behalten möge / weil ja niemande mit meinem Blut
kann gedienet sein; ob ich auch gleich kein Künstler bin / will ich mich doch in
die Hand Arbeit / und was einem Knechte oblieget / wohl zuschicken wissen;
uberdass findet sich wohl ein grosser Herr der mich käufft / dass ich ihm die
Pferde abrichte /oder wohl seine Kinder in fremden Sprachen unterweise. Der Wirt
nahmens Orsillos / besichtigte die Kleinot / fand sie köstlich / und sagete: Du
hast durch diese Bedachtsamkeit kluglich gehandelt / und nun zweifele nicht /
ich will dich käuffen / und umb ein geringes Geld dich einem guten Herrn
zuführen. O wie froh ward Kleon / dass er Lebensversicherung bekam; er erboht
sich zu aller mögliche Auffwartung / und ging mit dem Wirt in die Stuben /
welcher zu den Räubern sagete; es hätte ihn dieser arme Tropf durch viel bitten
vermocht / dass er ihn kåuffen wollte; ward also mit ihnen umb 80 Kronen eins /
die er baar erlegte / und seinen Kleon alsbald in den Pferdestal jagete
/denselben ausszumisten; wohin er sich willig verfügete / umb dass er daselbst
seine annoch übrigen Kleinot / die er unter den Kleidern am Leibe trug /
verbergen möchte / welche eine Tonne Schaz am wert ubertraffen; nach welcher
verrichtung er mit der Arbeit / ehe man sichs versah / fertig wahr / da ihn
gleich einer nach dem Hause rieff / die Kleider abzulegen / welche die Räuber
bei dem kauffe ihnen vorbehalten hatten. Nun wahr er hierzu gar willig / uñ mit
den geflicketen Lumpen / die man ihm zuwarf / wohl zufrieden; weil er aber im
ausszihen merkete / dass noch ein Ring in dem Hosenfutter verborgen wahr / gab er
seinem Herrn einen Wink / dass Kleid nicht aus der Hand zu lassen /ob ers gleich
dreifach bezahlen sollte; welcher seine Rechnung leicht machete / dass noch ein
Vortel müste verhanden sein / uñ daher die Räuber mit 30 Kronen befriedigte;
vorgebend / es stünde das Kleid seinem Leibeigenen so zierlich / dass er in
demselben ihn umb ein zimliches teurer als sonst zuverkäuffen hoffete; und zwar
dz aussgelegte Geld reuete ihn nicht / massen nach der Råuber Abscheid er einen
Demant Ring auff 1200 Kronen dariñen fand / dessen er sich freuete / und zu
Kleon sagete; weil du mir auch noch diesen Vortel hast gönnen wollen / soltu
mich wieder gnädig finden / und will dich in Speise und Kleidung besser als die
andern halten. Also musste dieser Held allhier 5 Wochen als ein Leibeigener
dienen / da ihm täglich gar ein wenig warme Speise zum groben Brodte / und ein
TrunkWasser gereichet ward / musste unterdessen die Viehställe misten / die
unflätigen Winkel reinigen Holz hauen / Wasser tragen / und dergleichen schwere
und unflätige Haussarbeit mehr verrichten / und zwar ohn einige gegöñete
Tagesruhe biss in die sinkende Nacht; alsdañ gab man ihm eine dünne Sträu im
Viehstalle / worauff er mit geschlossenen Füssen ruhen musste. Drei Mägde wahren
im Hause / von zimlicher Frecheit / welche sich seiner guten Gestalt gelüsten
liessen / und ihm sehr nachgingen / dass er Mühe hatte / sich ihrer zu erwehren /
ja des Wirts Weib selber / wie alt sie gleich wahr / begunte ihn ungebührlich
anzusprechen. Vier Tage verschonete ihn sein Herr mit schlågen / aber am
fünften suchte er Ursach an ihn / umb zuerforschen / wie er sich in die
Peitsche schicken wurde / striegelte ihn auch so elendig ab / dass er fast am
ganzen Leibe blutstrimig wahr; welches er vor dissmahl mit möglicher Geduld
auffnam; als ihm aber solches zu unterschiedlichen Zeiten begegnete / nam er ihm
vor / diesen Jammer durch den Tod zu endigen / und zuvor seinen wuterischen
Herrn zuermorden; jedoch erhohlete er sich durch Standhaftigkeit / und ward nach
Verlauff dreier Wochen zu rahte / denselben zu bitten / er möchte ihn etwa in
eine Stad führen / ob sich irgend ein Kaufman fünde / der ihn seinetalben
vergnugete. Dieses setzete er folgendes tages ins Werk / aber mit seinem grossen
Unglück; dañ Orsillos schlug ihn mit einem Ochsenstecken so jåmmerlich / dass er
drüber in Ohmacht niederfiel; hernach redete er ihn mit diesen an: Du
leichfertiger fauler Schelm / woltestu mir vorschreiben / wie ichs mit dir
anschlagen soll? Eja / bistu meiner Knechtschaft bereit überdrüssig? harre nur /
wir mussen uns was besser beriechen / ehe wir uns scheiden; ich habe etliche
Tage her an dir wohl gespuret /dass du nicht mehr so hurtig zur Arbeit bist wie
vorhin; aber ich werde dir den Brodkorb umb so viel höher knupfen / dass dir der
Kitzel vergehe; wobei dieser Ochsenstecken das seine auch tuhn soll: Du
ungeschikter Esel kanst mir kinen Groschen erwerben /wovor soll ich dir dañ das
fressen geben? Der gute Kleon verdåuete auch noch dieses Fruhstük mit Geduld /
uñ nach dem er sich erhohlet hatte / gab er zur Antwort: Mein lieber Herr / eben
dieses / dz ich nichts verdienen kann / geht mir auch zu Herzen / dass ich
gedachte / euch möchte etwa mit dem Gelde mehr / als mit mir gedienet sein; weil
ich aber sehe / dass euch solches nicht zuwillen ist / will nach diesem mit so
ungenehmer Anmuhtung ich euch nicht mehr beschwerlich sein. Dass will ich dir auch
nicht rahten /antwortete er / wo du Hund sonst dieser Schläge fortin mussig
gehen wilt; ich bedarf deines nicht werten Rahts gar nicht / und werde schon
selber wissen / wie ichs mit dir anfahen soll. Mit diesem Troste ging der elende
Kleon wieder an seine Arbeit / und stunden ihm die Augen vol Trähnen. Ach ihr
Götter / sagte er / wodurch habe ich dise schwere Busse verdienet? O Herkules! O
Ladisla! O mein lieber Vater! O meine Ursul! werdet ihr euch auch wohl einbilden
können / in was vor Schmach ich mein unseliges Leben fuhre? Hiemit ergreif er
eine Holzaxt / des Vorsatzes seinen Herrn damit zuerschlagen; aber sein guter
Geist mahnete ihn noch dissmahl ab; jedoch schwur er bei sich selbst einen äid /
dafern sein Elend inwendig drei Wochen nicht sollte gelindert werden / wollte er
versuchen ausszureissen / ob er gleich daruber sterben sollte. Es verlieffen aber
nur zwo Wochen / dass ein Frei Herr desselben Landes daselbst durchreisete /
welcher zwar in eine andere Herberge einkehrete / aber doch etliche Diener bei
Orsillos einlegete; mit deren einem machete Kleon Kundschaft / und fragete ihn /
ob nicht sein Herr eines Knechtes benöhtiget währe / der ihm junge Pferde
abrichtete / dz Gewehr putzete / oder seine junge Herrlein in Lateinischer und
Griechischer Sprache unterrichten und zu allerhand Ritterspielen anführen könnte
/ alsdann wollte er nicht allein ihm tråulich dienen / sondern das Geld / welches
er heimlich verborgen hätte / selbst ausszahlen / damit er seinem jetzigen Herrn
könnte abgekauffet werden. Dieser zeigete ihm an / ob sein Herr solches gleich
gerne tuhn wollte / dürfte er ohn seines Gemahls vorwissen es nicht wohl wagen /
als welche ihn nicht anders als einen StokNarren handelte. Mein Freund /
antwortete er / lieber seid mir zugefallen mit dieser Werbung /und wann ihrs
dahin bringt / verspreche ich euch einen Ring von 50 Kronen zur Verehrung.
Dieser meinte nicht / dass ein so lausichter und lumpichter Knecht (massen er
vol Unziefer wahr) von solchen Mitteln sein sollte / daher wollte er den Ring
zuvor sehen; welcher ihm nicht allein gezeiget / sondern alsbald geschenket ward
/ mit trähnender Bitte / ihm behülfflich zu sein / dass er diesem unbarmherzigen
Herrn möchte entrissen werden. Dieser trug Mitleiden mit ihm / sah aus seinen
Geberden / dass er kein gemeiner Sudelknecht wahr / und ging hin zu seinem Herrn
/ ihn alles zuberichten; welcher antwortete: Ein guter Bereiter stünde mir nicht
übel an / und wann ich ihn uber das noch ohn meine Kosten erhalten kann /habe ich
nicht ursach / ihn auszuschlagen. Der Knecht verständigte Kleon dessen / welcher
mit ihm anlegete / wie er sich weiters verhalten sollte; der auch alsbald hin zu
Orsillos ging / und ihn fragete / ob sein leibeigener Kleon ihm feil währe; sein
Herr währe eines benöhtiget / den er mit dem Fürsten verspielet hätte /und
möchte ihm so bald diese Gelegenheit / ein zimlich Stück Geldes aus ihm zulösen
/ nicht zustossen. Orsillos gab zuverstehen: Der Leibeigene währe ihm lieb /
weil er dreier Mannes Arbeit verrichten könnte /jedoch schlüge er ihn wohl los /
wann er ihm gebührlich bezahlet würde; aber unter 1500 Kronen währe er ihm nicht
feile / gegen deren Auszahlung er ihn in guter Ritterlicher Kleidung liefern
wollte. Das währe viel vor einen solchen Sudelknecht / antwortete dieser; jedoch
will ichs meinem Herrn hinterbringen; ging aber zuvor nach Kleon / und taht ihm
bericht wegen des hohen Preises. Demselben sprang das Herz vor Freuden in seinem
Leibe / stellete sich doch traurig /und sagete: Es wurde nicht raht sein / ihn
mit vielem Dingkauffe aufzuhalten / damit er nicht rükfällig würde / und wusste
doch eigentlich nit / ob er so viel zuwege bringen könnte; er hätte ein Kleinot /
in welchem alles sein Vermögen bestunde / verhoffete auch / wann er in einer
grossen Stad wäre / sollte mans so hoch wohl ausbringen. Davon weiss ich guten
Bericht zugeben / sagte dieser / weil ich V Jahr bei einem Kleinod-macher
gedienet habe / und möchte vielleicht mein Herr das Geld wohl selber vor das
Kleinot erlegen / da es so viel austragen kann. Kleon nam aus seinem Winkel ein
weiblich Bruststük hervor / welches über 2500 Kronen gelten kunte / boht es
diesem dar /und sagete mit trauriger Stimme: O ihr Götter / gebet / dass dieser
mein Schatz mich selber zubezahlen /gültig gnug sein möge. Der Diener / nach
kurzer Besichtigung / sah / dass es doppelt so viel gelten kunte / als Orsillos
foderte / liess sichs doch nicht merken /sondern erboht sich / Fleiss anzuwenden /
dass es verkaufft würde; und wann ich (sagte er mit lachen) es einem über seinem
Wert anschmieren könnte / wurde mir ja solcher Vortel wohl gegönnet sein. Ja wanns
viel tausend Kronen austrüge / antwortete er / wollte ich ihm solches von herzen
gönnen; nur bitte ich /mein Freund wolle nicht seumen / damit mein Herr sich
nicht eines andern bedenke. Dieser verfügete sich alsbald zu seinem Herrn /
zeigete an / der Leibeigene håtte ein Kleinot / welches nicht sonders köstlich
/hoffete aber / es dem Wirte in dem begehreten Preise anzubringen / dass der
Leibeigene damit gekaufft würde; ging auff erlangete Vollmacht zu Orsillos
/lieferte ihm das Kleinot Pfandsweise / und zeigete an /weil sein Herr jetzo
auff der Reise so viel Barschaft nicht entrahten könnte / sollte es drei Wochen
bei ihm stehen / und alsdann mit 1500 Kronen ausgelöset werden. Also ward Kleon
ins Haus geruffen / zu dem sein Herr sagete: Deine Haut ist nun verkaufft / so
nim nun diese deine vorigen Kleider / und lege sie an / weil ich dich zuliefern
gedenke / wie ich dich empfangen habe. Dieser kunte vor Freuden nicht antworten
/ taht doch nicht / als wann ihm gross drumb währe / wiewol er sich auffs beste
putzete / seinem neuen Herrn zugefallen / nachdem er seine treffliche Kleinot
wieder zu sich genommen hatte. Orsillos führete ihn hin / trat anfangs allein
vor Nabarzanes / und berichtete / er währe da / seinen verkaufften Leibeigenen
zuliefern / welcher auch alsbald hinein gefodert ward. Bei seinem Eintrit taht
er seinem Herrn grosse Ehrerbietung / der ihn auff Griechisch fragete / aus
welchem Lande er kähme / und was sein Gewerbe wåhre. Er hingegen liess gnugsam
erscheinen / dass ob er gleich einen grossen Teil seines Fleisches verloren /er
doch sein gutes Herz und Höfligkeit annoch unverlezt hätte / und fing also an:
Hochgebohrner gnädiger Herr; dass Eure Gn. von der schnöden unsaubern Arbeit mich
losszuwirken / gnädig eingewilliget hat / davor bedanke ich mich untertähnig und
von herzen; mein Stand / der Geburt nach / ist ohn Ruhm zumelden / frei / und
von Griechischem Adel / und bin nie dienstbar gewesen / ohn dass vor wenig Wochen
mich etliche Råuber hinterlistiger weise gefangen /und gegenwårtigem Orsillos
dem unbarmherzigen und Feinde alles ådlen Geblüts / verkaufft haben; Ich bin von
Jugend auf zu den freien Künsten / nachgehends zu den Waffen gehalten; im Pferde
bereiten hoffe ich die Gebühr zuleisten / und was sonst vor ritterliche übungen
von mir erfodert werden. Einem solchen Diener / sagte Nabarzanes / habe ich
lange nachgetrachtet / und währe unbillich / dass du mit unflätiger Arbeit länger
soltest beladen sein; Wirst du dich nun getråu und fleissig bei mir halten /
soltu bessern und gelindern Herrn dir nicht wünschen. Kleon bedankete sich der
angebohtenen Gnade untertähnig / und hielt um Vergunstigung an / wenig Worte mit
gegenwärtigem Orsillos zureden / nach deren Erlangung er zu ihm sagete: Höret
ihr greulicher Wüterich; ich erinnere euch zugleich / was vor einen ansehnlichen
Schatz ich euch bald anfangs eingeliefert / und dadurch eure Gunst und
freundlichere Pflegung wohl verdienet hätte / wie ihr mir aber solches vergolten
/ und diese fünff Wochen mit mir umbgesprungen seid / wird euch noch in frischem
Andenken sein / verheisse demnach hinwiederum und an äides-statt / dass wann mir
schier heut oder morgen vor meine geträue Dienste meine Freiheit wieder werden
sollte / ich nicht ruhen will / biss ich euch aller Woltaht halber baar und mit
vollem masse bezahlet habe / weil meine begierden mich ohn das allemal zur
Dankbarkeit anreizen / und ich nicht gerne schuldig bleibe / erbiete mich
daneben / dass ich mit der Götter hülffe bald kommen / und meine versetzeten
Kleinot samt dem lezten Ringe (weil sie mir nur mit Schlägen haben wollen
bezahlet werden) einlösen will. Ja komm nur / wañ dichs gelüstet / sagte der
verwågene Orsillos / die Kleinot (ich meine den Ochsenstecken und die Peitsche)
hangen noch an ihrem gewöhnlichen Orte / und können dir / so oft du mit lusten
darnach bist / zu aller gnüge mitgeteilet werden /wiewol ich mich von herzen
herme / dass ich dich verkaufft / und nicht vielmehr lebendig ans Kreuz geheftet
/ oder den Hunden zur Speise vorgeworffen habe. Behaltet diese Antwort in eurem
Gedåchtniss / sagete Kleon / ich hoffe euch derselben dereins in aller Güte
zuerinnern / da euch erst der jeztgedachte Reuel recht kommen dürffte. Dein
dräuen / und eines Sperlinges zwitzern gilt mir gleich / sagte Orsillos / und
wann ich übel wollte / könnte ich mit dir als einem Leibeigenen verfahren / dz du
einem freien Persen und Susianer dräuen darffst. Ich habe kein Dräuwort aus
meinem Munde gehen lassen / antwortete er / und wollet ihr mit mir vor die hohe
Landes Fürstliche Obrigkeit treten / hoffe ich euch zuüberbringen / dass ihr ein
Feind und Schänder des ganzen Adels seid. Dieser wollte sich so weit nicht
einlassen / sagte mit wenigem: Ein leibeigener hat keine Ehre / einen Freien
zubeschuldigen / als welcher immerzu Lügen redet wider seinen Herrn / der ihm
hart gewesen ist / welches du mehr / als nie keiner / verdienet hast; und ging
damit hinweg. Nabarzanes wollte seinen neuen Diener prüfen / wie ihm das reiten
anstünde / und befand ihn darin so vortrefflich / dass er bekennete / ihm währe
seines gleichen nie vorkommen. Des folgenden Tages sehr früh brach er mit seinem
Gesinde auff /dass er noch vor Abends sein Schloss erreichen möchte; Er hatte
sechs gewapnete freie Knechte / und drei Leibeigene bei sich / da Kleon den
vierden gab / der seinen Herrn fragete / ob ihm wegen der Gefahr der Räuber
nicht vergönnet währe / Harnisch anzulegen /damit er auff Begebenheit vor seinen
Herrn streiten /und sein Blut behutsam wagen könnte. Nun wahr Nabarzanes ein
hochmuhtiger Narr / und gewaltiger Grosssprecher / aber dabei so eine feige Mämme
/ dass ihn der Blåttergeräusch an den Bäumen erschrecken kunte / dannoch wollte er
seinen neuen Diener nicht offentlich beschimpffen / sondern sagte auff sein
begehren: Gib dich zu frieden Kleon / und fürchte dich nicht zuhart deiner Haut
/ ich bin meiner Fäuste selbst mächtig gnug / und solt vor Wunden schon
geschützet werden; überdas habe ich wehrhafte freie Diener gnug bei mir / und
will dich zu nirgend / als meine zween junge Söhne erster Ehe zulehren / und etwa
ein junges Pferd abzurichten / gebrauche / woneben du meine Rüstkammer unter
handen haben / und die Waffen fein sauber halten solt. Kleon durffte nicht
widersprechen / insonderheit / da er der Tohrheit seines Herrn innen ward / und
beklagete seine Leibeigenschaft nicht so sehr / als dass er keinen
rechtschaffenen Herrn hatte. So verdross es die freien Knechte nicht wenig / dass
er sich unternehmen wollte / Waffen zufuhren / daher sie ihm viel Schimpffs
erwiesen /auch endlich gar mit Maulschellen dråueten / welches alles er geduldig
erlitte / unter der Hoffnung / es ihnen einzubringen. Um den Mittag / da sie den
halben Weg hinter sich gelegt hatten / sahen sie sechs gewapnete Ritter von
ferne auff sie zureiten / dessen Nabarzanes nicht wenig erschrak / und anfangs
willens wahr /auszureissen / bedachte sich doch wieder / und hoffete / es würden
etwa bekannte oder sonst aufrichtige Ritter sein. Jene kahmen in guter Ordnung
auff sie angesetzet / und merkete Kleon bald / was ihr Vorhaben wahr / daher er
zu seinem Herrn sagete: Diese werden uns gewisslich mit ihren Schwertern grüssen
/ und hätte ich Waffen / würde ich nicht unterlassen / ihrer Gn. ein
dienstwilliges Herz in Bestreitung dieser vermuhtlichen Räuber sehen zulassen.
Nabarzanes kunte sich vor Angst kaum auff dem Pferde halten / und antwortete ihm
mit zitternder Stimme: Weil du dann so gute Lust hast zu fechten / will ich dir
vor dissmahl meine Waffen überlassen / weil ich wegen eines Fiebers mich sehr
übel befinde. So lassen ihre Gn. die Diener voraus reiten / sagte er / und da
sie sollten angefallen werden / den Streit anfahen / dass ich Zeit gewinne /mich
zuwapnen. So bald jene auff diese stiessen /griffen sie nach kurzer
Wortwechselung zu den Schwertern / und schlugen frisch auff die sechs Diener los
/ welche zwar den ersten Anfall aushielten / aber endlich hinter sich getrieben
wurde / gleich da Kleon gewapnet wahr / welcher sie also anfuhr: Schämet ihr
euch nicht / dass in eures Herrn gegenwart ihr euch auff die Flucht begeben
dürffet? ein solches trifft ja mit eurem heutigen Troz bei weitem nicht ein; so
folget mir nun / wollet ihr sonst nicht an eurem Herrn Verrähter spielen / und
euch aller Ritterschaft unwirdig machen; traff hiemit auff die Feinde mit
solchem Ernst / dass er im ersten Angriff einen niderhieb / und den andern
tödlich verwundete; welches die Diener ersehend / wieder einen Muht fasseten /
und auf die Feinde losgingen; wurden aber dergestalt empfangen /dass ihrer viere
stürzeten; dahingegen Kleon ein solches Gemätsche hielt / dass sie vor ihm wichen
/ biss sie alle auff einen / teils erschlagen / teils zum Gefechte undüchtig
gemacht wurde. Nabarzanes hielt von ferne hinter einer Hecke / und sah mit
Verwunderung zu / wie sein neuer Knecht Raum machete /dass er im Herzen bekennen
musste / er hätte ohn seine hülffe sich vor dem Tode oder Gefängnis nicht
beschützen können; Als er nun sah / dass die Räuber biss auff einen erlegt waren
/ gab er sich aus dem verborgenen hervor / und rief Kleon zu / er sollte niemand
leben lassen / sondern den lezten auch hinrichten; dann weil dieser ein fester
Ritter wahr / gab er ihm viel zuschaffen / wiewol man leicht sah / dass ers in
die harre nicht treiben würde; liess doch sein gutes Herz nicht sinken / und
sagte zu Kleon: Ritter / ihr seid der meinen Tod gewesen / welches ich billich
rächen muss. Ritter / antwortete er / mannichem misslinget die Rache / drum lasset
euch genügen / es dürffte euch sonst gereuen. Darauff muss es gewaget sein /sagte
jener / und hielt sich wohl / biss Kleon ein Stoss geriet / mit welchem er ihm den
garaus machete. Hiemit wahr der Streit geendiget / jedoch auch Kleon an etlichen
Orten seines Leibes zimlich verwundet. Nabarzanes aber stund und beklagete seine
Diener / welche da gestrekt lagen / sagte auch zu Kleon: Du hast dich zwar
zimlich gehalten / aber håtte ich selbst gefochte / sollte meiner Diener keiner
beschädiget sein. Dieser seuffzete über seines Herrn Tohrheit / und merkete aus
seinen Reden / was hinter ihm steckete /hoffete doch bessere Gelegenheit bei ihm
/ als bei dem vorigen zuhaben / dass er seine Zeit ersehend /sich davon machen
könnte; wollte ihn aber dissmahl mit genehmer Lauge zwagen / und gab ihm zur
Antwort: Ja / gn. Herr / an eurer unbegreiflichen Stärke / und Heldenmutiger
Herzhaftigkeit / trage weder ich noch jemand Zweifel / auch ist mir hingegen
meine Schwacheit wohl bekant; aber gewisslich muss Euer Gn. Dienern das Ungluk sehr
übel gewolt haben / dass von diesen nichtwerten Råubern sie dergestalt
gezüchtiget sind / da sie vorhin vor Hochmut bersten wollten / uñ der Waffen mich
unwirdig schåtzeten / wiewol ich ihne das Leben gerne geschützet hätte / da es
in meinem Vermögen gewesen. Nabarzanes antwortete mit wenigem: Hin währe hin /
und könnte nicht wiederbracht werden / nur låge ihm am meisten dran / dass er in
so schlechter Begleitung auff sein Schloss reiten sollte. Damit hiess er ihm die
Waffen wieder geben /und von den erschlagenen die besten zu sich nehmen /welches
er willig verrichtete. Die beide annoch ubrige freie Knechte ritten mit ihrem
Herrn fort / aber ehe sie das Schloss erreicheten / stürzeten sie von ihren
Pferden und verschieden / da Kleon uñ die drei Leibeigenen aller erschlagenen
Pferde zusammen kuppeln /und mit sich führen mussten. Als sie das Schloss ins
Gesicht bekahmen / erkennete Kleon / dass vor einen so ungeschlieffenen Herrn es
viel zu gut war / und im Einzuge befand er nicht geringe Zeichen seines
Reichtuhms. Die Frau / ein junges und schönes Bild / die mit seiner Ursulen dem
Angesichte nach / sich in vielen sehr verglieche / stund im innern Platze / sehr
prächtig gekleidet / und hatte sechs Leibdienerinnen hinter ihr stehen / empfing
aber ihren Nabarzanes solcher gestalt / dass Kleon die Haar davor zu Berge
stunden. Feiner Herr / sagete sie / wie bleibet man über die bestimmete Zeit so
lange aus? ich meine /man habe den Weg vergessen; Jedoch / grosse Narren (Herren
wollte ich sagen) müssen sich erlustigen /damit die Speisen ihnen desto besser
schmecken. Hier wirds gewiss nicht ohn Haar rauffen abgehen / gedachte Kleon /
und legte schon über / wessen Beistand er sein wollte; wie er aber hörete / dass
dieser Tropf die Pillen geduldig verschluckete / ja vom Pferde herunter stieg /
und ihr liebkosete / gedachte er; Oho gehets hier so zu / must du der Frauen zu
dienste stehen /alsdann wirstu wohl hindurch kommen; sprang gleich damit vom
Pferde / setzete sich vor ihr auff die Knie /und redete sie mit diesen Worten
an: Hochgebohrne Gn. Frau; nachdem das Glük in meinem höchsten Unfall mich so
beseliget / einer so trefflichen Frauen untertähnig auffzuwarten / habe über
meinen bisher erlittenen Verlust ich nicht zuklagen; wunsche nur bloss / dass
meine geringschätzige Dienste also möchten beschaffen sein / dass Ihrer Gn. selbe
gefallen könten /welche ohn Sparung meines Blutes anzuwenden / ich bereit und
willig bin / bitte in tieffster Demuht und Untertähnigkeit / meine Gn. Frau
wolle mit beharlichen Gnaden ihrem unwirdigsten Knechte gewogen bleiben. Fr.
Statira sah Kleon inständig an; sein Angesicht und Höfligkeit gaben / dass er
kein gemeiner Knecht wahr; hiess ihn demnach auffstehen / und fragete Nabarzanes
/ von wannen ihm dieser Diener kähme / und wo sein ander Gesinde währe / auch
was die Kuppelpferde wollten; sie hoffete ja nicht / dass er gar zum
Pferdetåuscher gedienen. Hieselbst fing nun dieser Gecken seine Ruhmrähtigkeit
weidlich an: Dieser sein Kleon / Griechisches Adels / wåhre ihm von einem
vornehmen Persischen Herrn vor leibeigen geschenket; Vier Meilen von hinnen
hätte er einen harten Stand wider eine grosse Anzahl Råuber ausgehalten / und
alle seine Diener zugesetzet; sein Arm währe von vielem Gefechte ihm erstarret /
und entsetzete sich vor den Blutbächen / die sein Schwert heute rinnen gemacht.
O du Auffschneider / sagte sie / schämestu dich dann keiner Lügen mehr? Ja wañ
dein Hasenherz mir unbekant wåhre / möchtestu mir dieses Kletchen anwerffen;
Vielleicht hast du hinter einem Baum gehalten / und zugesehen / wie deine Diener
nidergeschlagen sind. Unter dieser Rede ward sie gewahr /dass noch etliche
Blutstropfen von Kleon fielen / und sagte zu ihm: Tapffer Ritter / hat euch
Unglück etwa in Dienstbarkeit gestürzet / so trauet den Göttern uñ eurem Glük /
die euch in vorigen Stand wieder setzen können; meine Gutwilligkeit soll euch
unversagt sein /wann ihr euch (wie ich dann nicht zweifeln will) gebuhrlich
verhalten werdet. Befahl auch alsbald einer Magd / den Arzt zufodern / damit ihm
seine Wunden verbunden würden / und gefiel ihr dieser Diener so wohl / dass sie
nichts so sehr / als seine völlige Gesundheit begehrete / insonderheit / da sie
sein tapfferes Gefecht von dem einen Leibeigenen rühmen hörete.
    Unser Herkuliskus hatte gar eine glückliche Reise von Ekbatana nach Charas /
woselbst er mit dem GrossFürsten und der ubrigen Gesellschaft ohn einigen Anfall
anlangete. Phraortes liess sich bei Artabanus untertähnigst anmelden / dass ihm
ein freier Zutrit allergnädigst möchte vergönnet sein / aber es ward ihm solches
nicht allein gewegert / sondern musste von einem nichtigen Kämmerlinge in sich
fressen / was ihn so verwägen kühn machte / ungefodert vor seinem Gross Könige
zuerscheinen. Dieser schändliche Hochmuht erschreckete unsern Herkuliskus in
etwas / und vermuhtete daher wenig Höffligkeit und Liebe zur Tugend bei diesem
Unholden. Hingegen kehrete sich Phraortes / als dem des Königes Stolz bekand
wahr /gar nichts daran / sondern liess zum andernmale seine alleruntertåhnigste
Dienste anmelden / nebest andeutung / er wurde seine Königl. Hocheit zubemühen
sich nicht unterstanden haben / wañ er nicht deroselben ein sonderliches
einzuliefern hätte / nehmlich einen schönen ritterlichen / tugendliebenden
fremden Jüngling / desgleichen ihrer Königl. Hocheit sehr wenig oder wohl gar
keiner würde vorkommen sein. Worauff er seines Ansuchens einwilligung bekam;
stieg vor dem innersten Schlosstohr ab / und liess Herkuliskus / von Pharnabazus
und Mazeus begleitet /hinter ihm her treten / auff welchen alle Anwesende ihre
Augen wendeten / und nicht anders meinten / er währe ein Engelisches Bilde.
Anfangs hatte sich derselbe verwundert über dieser Stad grösse / uñ ihrem
prächtigen Ansehen / aber hier entsetzete er sich wegen der ungläublichen
Vortrefligkeit dieses Königlichen Schlosses / da alles auffs üppigste gebauet
wahr / und man dass ganze Werk von dem ausserlesensten Alabaster und kraussbunten
Schein-Marmel auffgemauret sah. Der Glanz der übergüldeten Dächer und
gegossenen Bilder / welcher von den Sonnenstrahlen entstund / blendete den
Anschauenden das Gesicht; des Schlosses Begriff wahr so weit / dass mans vor eine
zimliche Stad schätzen mögen / und wahr nicht desto weniger ein jeder Stein
auffs allerfleissigste aussgearbeitet / so dass man Urteilen musste /hundert
tausend Steinmätzen hätten es in etliche hundert Jahren nicht enden können; der
zierlichen Windeltreppen / lustigen Umbgänge unter den Dächern /und der
Hange-Garten wahr fast keine Zahl; und wann ich nur die vornehmsten Gemächer mit
ihrer Zierligkeit entwerffen sollte / würde ich ein zimliches Buch damit
anfüllen. Eine sehr weite Windeltreppe /fast mitten am Gebäu Ostwerts / wahr die
ansehnlichste / welche mit 60 Kriegsknechten und 20 Trabanten ausswendig besetzet
/ niemand zu steigen erläubet wahr / ohn die ausdrücklichen Königlichen geheiss
bescheinigen kunten / und weil sie dahinauff begleitet wurden / muhtmassete
Herkuliskus nicht vergebens /es wåhre der Gang zum Königlichen Gemache; deren
dann drei in aussgestrekter länge aneinander gebauet wahren / und kunte man durch
alle drei hindurch von einem Ende zum andern sehen. Im hinterste sass der König /
wann er Gehör vergünstigte / auff einem erhabenen Stuel mit güldenen Tuchern
behänget / die von ädlen Steinen glänzeten. Ausswendig vor der Tuhr legete der
GrossFürst seinen Säbel ab / wie auch Herkuliskus / der mit Pharnabazus und
Mazeus daselbst wartete / biss er hinein gefodert würde; dann Phraortes trat
anfangs allein hinzu / fiel bald im Eingange nach Partischem Gebrauch auff die
Knie / und taht dem Könige den Fussfal / und da er dieses Gemachs Ende erreichet
hatte / und zum mitteln eintrat / leistete er eben dieselbe Ehrerbietung / im
dritten und innersten /blieb er liegen / biss Artabanus ihm durch Neigung des
Reichsstabes auffstehen hiess / da er seine Rede diesergestalt führete.
Allergrossmächtigster unüberwindlichster König / allergnädigster Herr: Die Götter
verleihen euer Königl. Hocheit stetswierige Gesundheit und glückliche Herschung;
befehle mich deroselben in tiefster Untertähnigkeit und Gehorsam / und zeige
derselben demühtigst an / dass aus fernen Landen durch der Götter Vorschub mir
von dem Glük ein wolständiger schöner Jüngling zugeführet ist / welcher /
unangesehen seiner Jugend / im Schiessen /Fechten / Reiten / Jagen / Tanzen /
Singen / und Seitenspielen sehr wohl und aussbündig geübet / doch unserer
Morgenländischen Sprachen nicht allerdinge erfahren ist / sondern ins gemein
Griechisch und Latein redet; vom Geschlecht ist er / seinem vorgeben nach
/Fürstenstandes / und von Zierligkeit der Sitten in meinen Augen fast volkommen;
wañ dann ihre Königl. Hocheit den ernstlichen Befehl ergehen lassen / dass die
zierlichsten Junglinge und Jungfräulein / deroselben sollen zugeführet werden /
habe ich solches gehorsamst verrichten wollen / untertähnigst bittend /Ihre
Königl. Hocheit wollen dieses mein Tuhn allergnädigst vermerken / und mit
beharlichen Gnaden mir / ihrem gehorsamst-untertähnigsten Knechte gewogen
verbleiben. Artabanus neigete den Reichsstab zum Gnadenzeichen gegen ihn und
sagte: Mein Fürst lasse zu uns den Knaben nach gebühr herein treten / wie er
wird unterwiesen sein; werden wir dann etwas sonderliches an ihm finden / soll es
von uns allergnädigst erkennet werden. Phraortes eilete ihn hinein zu führen /
der ihm unerschrocke folgete / und wie er unterrichtet wahr / taht er den
gewöhnlichen Fussfall durch alle drei Gemächer. Da ihn nun der König in der nähe
beschauete / ward er über seiner volkommenen Schönheit fast entzükt / neigete
den Königsstab ziemlich tieff gegen ihn / und gab ihm dadurch Erläubnis zu reden
/ da er mit freudigem Angesicht / unerschrokenem Herzen und unverworrener Rede
in Persischer Sprache (dann er hatte sich fleissig darzu geschicket) also
anfing: Unüberwindlichster allergrossmächtigster König / allergnadigster Herr; es
hat der Himmel aus sonderlicher Gunst gegen diese weitläuftige volkreiche
Morgenlånder / eure Königliche Hocheit auff diesen grossgebietenden Stuel setzen
/ und dero herrliches Ansehen mir zuerkennen geben wollen / dass ihrer Hocheit
unermässliche Gewalt / volkomene Weissheit /und helleuchtende Tugend ich
verhoffentlich dermahleins meinem weit abgelegenen Vaterlande anmelden /und dero
pråchtigste Herligkeit kund machen solle. Zwar mannicher meines gleichen / würde
lieber den Tod als diese Stelle / worauff ich stehe / wählen; ich aber / nach
dem ich der festen gewissheit bin / dass /wie eure Königl. Hocheit mit Gewalt den
Göttern am nähesten sitzet / dieselbe nicht weniger an Liebe zur Tugend und
Erbarkeit ihne verwand sein müsse /werde / diese hohe Glükseligkeit / eure
Königl. Hocheit gesehen und angeredet zu haben / aus meinem Gedächtnis
nimmermehr kommen lassen. Dafern nun eure Königl. Hocheit ein göttliches Werk
der Barmherzigkeit / meiner Fr. Mutter / einer gebohrnen GrossFürstin aus
Teutschland erzeigen / und mich /ihren lieben Erben derselben allergnädigst
wieder zusenden wollte / würde die Partische Gerechtigkeit daher ihre Strahlen
umb so viel weiter werffen / angesehen / ich keines Feindes Kind / noch in einer
Schlacht oder Fehde gefangen / sondern von boshaften Räubern auffgefasset / und
den meinen nicht ohn Blutvergiessen entführet bin / denen die göttliche Rache
albereit ihren verdienten Lohn gegeben / und sie durch andere Räuber hat
erschlagen lassen. So eröffne nun eure Königl. Hocheit ihr von Barmherzig-und
Gerechtigkeit angefülletes Herz / mir / ihrem aller untertähnigsten Diener / und
lasse mich unwirdigsten einen Teil ihrer Königlichen hohen Gnade unter die Leute
ausstragen / damit die weit abgelegene Welt erkenne / der grosse König Artabanus
sei wirdig / von der Sonnen Auffgang / biss zu ihrem Niedergange den Reichsstab
ausszustrecken / als mit dessen Volkomenheit nichts unter dem Himmel kann
verglichen werden. Allergerechtester König / ich halte nicht an / umb Königl.
Geschenke; nicht umb Hulffe wieder måchtige Feinde; nicht umb wider gewinnung /
was mir wiederwärtige Hand und Macht möchte genomen haben; sondern bloss / dass
mir möge allergnådigst erläubet sein / mich nach den meinen zuverfügen / ohn
einiges Menschen beschwerung / Schaden und Mühe / die ich nicht doppelt
zuerstatten mich verpflichten sollte. Schliesslich wünsche ihrer unvergleichlichen
Königl. Hocheit ich untertähnigster / gesundes Leben / beständige Herschaft /
Sieg wieder alle ihre Feinde / und glücklichen Fortgang alles Vornehmens / deren
allergnädigsten Gewogenheit ich mich untertåhnigst empfele. Nach geschlossener
dieser Rede / fiel er abermahl vor des Koniges Füssen nider / und bückete sich
gar biss auff den Bodem. König Artabanus antwortete ihm mit keinem einzigen Worte
/ betrachtete nur seine innigliche Schönheit / und gab ihm mit dem Reichsstab
ein Zeichen aufzustehen; nachfolgends sass er als ein Tiefsinniger / der im
Herzen rahtschlaget / ob er der Bitte Stat geben wolle oder nicht; dass auch
Phraortes und Herkuliskus selbst in hoffnungs Gedanken gerieten / er würde von
der Tugend sich übermeistern lassen / und ihn den seinen wieder zusenden; aber
sie wurden hierin sehr betrogen; dann er hatte keine Acht auff Herkuliskus Rede
gewendet / sondern überlegete / wozu er ihn am besten gebrauchen würde. O /
sagte er in seinem Herzen / dass dieser Jüngling in ein Weibsbild könnte
verwandelt werden / alsdann hätten meine Begierden den Zweg ihres Nachsuchens
völlig erhalten. Endlich brach er mit diesen los: Mein Fürst Phraortes / von
wannen kömt euch dieser zierliche Knabe / welcher ohn zweifel an Schönheit mein
ganzes Frauenzimmer weit übertrift? Phraortes wiederhohlete sein voriges / und
am Ende baht er / ihre Königl. Hocheit wollten die innerliche Seelen Schönheit
dieses Fürstlichen Jünglinges / durch welche er an Tugend und Geschikligkeit
leuchtete / ihr allergnädigst gefallen lassen. Ja er wird uns sehr lieb sein
/antwortete der König / soll auch diese Hulde spüren /deren noch kein ander
genossen hat / wie seine Schönheit auch wohl verdienet. Aber Jüngling / sagte er
zu Herkuliskus / dich wird zuvor ein kleiner Schmerzen übergehen / nach dessen
Vollendung dir höhere Glükseligkeit begegnen soll / als du dir niemahls hast
einbilden können. Dieser wunderte sich /dass ihm so gar nichts auff seine Rede
geantwortet ward; und ob er gleich in seinem Herzen gedachte /hier ist weniger
Liebe zur Tugend / als bei einem abgesageten Feinde der Erbarkeit / wollte er
doch noch eins versuchen / was durch Worte möchte zuerhalten sein / und gab
diese Antwort: Allergrossmächtigster König; ich weiss nicht / was vor Schmerzen
der höchste Fürst auff Erden mir einem unschuldigen Jünglinge Fürstliches
Geblüts anzulegen / gönnen oder zugeben könnte / zumahl ich der allergeringsten
übertretung mich nicht schuldig weiss; es währe dañ / dass dieses Königlichen
Hofes Gebrauch mit sich brächte / dass man etwa einen Beweisstuhm der Demuht oder
Geduld ablegen musste / dessen ich mich nicht wegern werde; dañ in meinem
Vaterlande führet man mich und andere meines gleichen zu solcher Bewehrung
oftmahls an; deswegen will ich mich umb so viel desto gefasseter darzu einstellen
/ und zwar in alle dem / was ohn verletzung meiner Zucht und Ehre gesehehen kann
/wie ich mich dann dessen verlustes an diesem Orte nicht befahren darff /
welchen wir als der Götter Siz anbehten müssen. Der König liess hierauff ein
gressliches Angesicht erscheinen / doch zwang er sich über seine Gewohnheit / und
sagte zu Phraortes / es schiene dieser ein sehr frecher Knabe zu sein / dass er
seiner Hocheit von Ehre und Zucht reden dürfte / da doch des Königes Wille der
Ehre uñ Zucht die masse gäbe; hernach befahl er dreien ädlen Trabanten / die im
Gemach auffwarteten / sie sollten den Jüngling hinführen / dass er verschnitten /
und aufs fleissigste geheilet würde; welches Herkuliskus hörend / sich auff die
Knie legete / und mit ganz bewäglicher Stimme also redete: Allergrossmächtigster
König; euer Königl. Hocheit ich unwirdigster bitte uñ flehe demühtigst /mich
dieser Schmach nicht zu unterwerffen / als nach deren gewaltsame anlegung ich
mich vollends hinzurichten / gänzlich entschlossen bin. Mein Stand / in dem ich
gezeuget / ist trauen nicht Knechtisch / und ein teutsches Herz untergibt sich
lieber dem Henkerschwert / als dem schanden-Messer; meint  eure Königl. Hocheit
/ mich etwa im Frauenzimmer zugebrauchen? O nein! dem werde ich durch einen
rühmlichen Tod leicht vorkommen; oder ist einer / der mir grössere Schande
anmuhten dürfte? dem schwöre ich bei dem wahren Gott / dass ich seiner
Viehischeit sehr teure Bezahlung suchen werde / eben da er am wenigsten sichs
versehen möchte. Nicht rede ich solches euch grossem Könige zu Troz / davor mich
der Himmel wohl bewahren soll / dann wie könnte zu demselbigen ich mich einiger
Unmenschheit versehen? Nur ist mein allerdemütigstes flehen / eure Königl.
Hochheit wolle ihren scharffen Befehl allergnädigst auffhebe. Der König stellete
sich nochmals / als håtte er der Rede nicht wahrgenommen / sah seine Diener
gresslich an / und fragete: Ob sie seinen Befehl vernommen hätten. Dieselben
fielen nider / bahten umb Gnade /und machten sich mit freundlicher Rede an
Herkuliskus / er möchte ja durch seine wiederspenstigkeit des grossen Königes
Zorn nicht auff sich laden / sondern willig mit ihnen gehen. Er wollte aber nicht
/ sondern blieb auff seinen Knien sitzen / und sah den König mit helblinkenden
Augen ins Angesicht / mit solchem frischen beständigen Muht / dass alle Anwesende
sich davor höchlich entsetzeten; daher die Diener ihren König frageten / ob
ihnen befohlen währe / den wiederspenstigen Jüngling mit Gewalt hinweg zu
tragen. Nein / antwortete er / aber wird Phraortes nicht schaffen / dass der
frevelmuhtige Knabe mit gutem Willen fort gehe / soll es an beider Leben
grausamlich gerochen werden. Der GrossFürst erzitterte hierob / trat zu ihm / und
sagete: Mein geliebter Sohn / sollen wir dann beide eines bösen todes sterben?
doch mein Leben kann ohndass so gar lange nicht mehr wehren. Er aber richtete sich
freudig auff / neigete sich anfangs gegen den König / und gab zur Antwort: Ey
dass wollte Gott nicht / dass so ein teurer ehrliebender Fürst meinetwegen in
Lebensgefahr gerahten sollte; neigete sich abermahl / und mit ernstafter Stime
sagte er zu dem Parter: Grosser König / es hat mich keine todes Furcht von
dieser Stelle auffgehoben / sondern euer Königl. Hocheit den ersten Gehorsam
nicht zu wegern / gehe ich mit diesen Dienern hin; das übrige stelle ich Gott
heim / zu Rettung euer Königl. Hocheit Ehren / auch zu meiner Zucht und
Gesundheit / als lange sie können beisammen sein; dann ich schwöre nochmals /
dass alles beides an mir untrenliche Schwestern sind / so dass der einen Verlust
die andere willig nach sich zihen wird; dessen doch ungeachtet /eure Königl.
Hocheit ich klårlich sehen lasse / wie hoch ich dero Befehl achte; neigete sich
zum drittenmahl / und sagete zu den Dienern / komt bald / wir müssen auff
Königlichen Befehl / diesen Weg vor uns nehmen / umb zu sehen / wie es Gott
weiter schicken werde. Als sie aus dem lezten Gemach traten / nam er seinen
Säbel von Timokles / hing ihn an / und befahl ihm / geschwinde nach der Gutsche
zulauffen / und ihm seinen Kleiderwetscher zu holen; Pharnabazus und Mazeus aber
baht er / in der nähe zu bleiben. Die drei Diener hatten alsbald einen
treflichen Wund Arzt bei sich / der unserm Herkuliskus versprach / er wollte so
säuberlich mit ihm verfahren / dass er des Schnittes kaum sollte inne werden.
Gingen also miteinander über den innersten Platz nach einem Gemache / welches
fein gezieret wahr / und an allen vier Seiten sehr klare Fenster hatte; in der
Mitte stund ein langer Tisch / auff welchem etliche seidene Stricke lagen /und
an den Fenstern umbher stunden allerhand erquikliche Kraftwasser in Kristlinen
und Alabaster Geschirren / deren etliche sie hervor nahmen / und bald darauff
begehreten / Herkuliskus sollte die Kleider ablegen; gab aber zur Antwort;
durchaus nicht / dann ich habe dessen von meinem Könige keinen Befehl /mich
solcher Schmach zu unterwerffen / sondern nur mit zugehen / dem ich gehorsamst
nachkommen bin. Diese lacheten der kalten Entschuldigung / und erinnerten ihn
zum andernmahl / damit sie Hand anzulegen möchten geübriget sein / drungen auch
zugleich auff ihn hin / des Vorsatzes ihn zu entkleiden. Er sagte / sie sollten
gemach tuhn / legte den Medischen Rok von sich / riegelte die Tühr inwendig zu /
trat an dieselbe / und sagte: Da liegen alle Kleider / die ich aus Zwang
lebendig abzulegen willens bin / uñ nöhtige mich ja niemand zu einem mehreren.
Die Diener kehreten sich hiran wenig / und wollten ihn bei den Armen erhaschen /
da er ihnen entweich seinen Säbel zückete / und mit feurigen Augen zu ihnen
sagete: Haltet ein ihr Buben / haltet ein / wo ihr mich nicht nöhtigen wollet /
euch den Lohn vor verrichteter Arbeit zugeben. Weil sie nun immer begieriger
auff ihn drungen / hieb er dem verwägensten den Schedel glat herunter; richtete
sich gegen den andern / der ihn zuerschrecken / den Säbel entblössen wollte /
aber ehe er sichs versah / wahr ihm der Bauch auffgeschlitzet / dass ihm das
Gedärm vor die Füsse fiel; der dritte ergriff ihm den Säbel bei dem Kreuz / aber
er risse ihm seinen eigenen von der Seite / und spaltete ihm den Kopff biss an
die Kinnebacken. Der Arzt versteckete sich hinter den Tisch; aber er sagte zu
ihm: Du unflätiger Bube solt dieses schändliche Handwerk nit mehr brauchen; auff
welches Wort er ihm den Säbel durchs Hirn schlug. Pharnabazus und Mazeus höreten
draussen das Gematze / und macheten ihnen bald die Rechnung / was vor gehen
müste / daher Pharnabazus verdecketer Weise sagete: Gilt mein Herr / wo unser
Herkuliskus nicht durch diese Taht ganz in ein ander Geschlecht verwandelt wird
/ welches sich bald kund geben soll. Derselbe nun öffnete gleich das Gemach /liess
seine Auge nicht anders als zwo brennende Kerzen sehen und sagete: Geliebte
Freunde / ich bin in eines unvergleichlichen Wütrigs Hand gerahten; doch will ich
ehe sterben als in Schande Leben / und wer mir Schmach anzufügen gedenket / soll
gleich also /wie diese Buben / gelohnet werden worzu ich gute Mittel weiss / und
wans gleich Artabanus selber wåhre. Sehet / diese Schandbuben haben aus mir
einen Verschnittenen machen sollen / welches doch unmöglich / und wieder meine
GeburtsArt ist / massen ich euch nunmehr offenbahren muss / dass ich kein
Mannesbilde / sondern / ein Königliches Fråulein aus Böhmen / meines einig
geliebeten Herkules verlobete Braut bin / wie solches / meiner muhtmassung nach
/Herr Pharnabazus an mir schon gemerket hat. Aber dieser wollte solches gar nicht
gestehen. Mazeus verwunderte sich zum heftigsten / und stelleten sich beide
unwillig / dass sie ihr Geschlecht biss auff die lezte Stunde vertuschet hätte;
Sie aber sagete; lasset euch nichts irren / nur machet euch beiseit / Unglück
zuvermeiden / und dass mein Diener bald komme. Unter diesem Verlauff wahr niemand
in grösser Angst / als Phraortes; Er bedachte bei ihm selbst / ob auch die
Götter dem frommen Jüngling so grosse Schande und Schmach würden anlegen lassen;
nimmermehr /sagte er in seinem Herzen / wird er sich hierzu bequemen / und wer
weiss / ob er wohl nicht schon tod ist? Der König sah / dass er sehr verwirret
wahr; Zwar es steckete demselben noch ein Zorn im Herzen / aber die Liebe trieb
solchen gemehlig aus; Dass er nun des GrossFürsten Gedanken erforschen möchte /
fragete er ihn / was er so bekümmert währe? Ich weiss nicht /allergnädigster
König / antwortete er / was vor selzame Schwärmereien mir im Kopffe umher
schweben /nur bitte ich untertähnigst / Ihre Königl. Hocheit wollen mir keine
Ungnade zulegen / da der Jüngling meinem vermuhten nach / sich sperren würde /
welches ich höchlich fürchte / wann ich seiner lezten Rede mich erinnere. Was
wollte er sich sperren? sagte der König / meine Diener werden ihn schon zähmen. O
allergn. König / antwortete er / seine geschikligkeit in Waffen übertreffen alle
Kräfte / dessen mein Fechter wohl inne worden. Wir werdens bald erfahren / sagte
der König / wie bendig er wird gemacht sein / wann sie dessen die Zeichen
bringen. Herkuliska (also wollte sie nunmehr geneñet sein) so bald sie die
weiblichen Kleider von Timokles bekam / legte sie dieselben auffs schleunigste
an / schmückete sich mit Kleinoten und Perlen auffs prächtigste / und ging ohn
einiges Menschenhinderung die bekannte Steige wieder hinauff. Dem Könige begunte
zu missdünken / dass seine Diener so lange aussen blieben / und befahl einem
ädelknaben / zuzusehen / was dessen die Ursach währe; Dieser begegnete dem
Fräulein oben auff dem Gange / nahe vorm Gemache / und entsetzete sich vor ihrer
Schönheit; Sie hingegen fragete ihn freundlich / wohin er eilete / und auff
seine kurze Antwort sagte sie zu ihm: Mein / saget Fürsten Phraortes / es sei
hier eine / die wolle ihm von allem Bericht geben. Dieser / nach erwiesener
hoher Ehre wahr gehorsam / und sagete zu Phraortes: Mein Herr / ein himlisches
Weibesbilde in trefflichem Schmucke /deren gleiche die Sonne wohl nimmermehr
beschienen hat / und dem weggefuhreten Jünglinge fast ähnlich ist / suchet Eure
Gn. zusprechen / mit dem erbieten /von allem ergangenen bericht zutuhn. Ich weiss
von keinem Weibesbilde / antwortete er / deren ich auch keine in meiner
Gesellschaft gehabt; doch ging er auff Befehl des Königes hin / es zuerfahren;
und weil das Angesicht ihm wohl bekant wahr / wiewol sie wegen angenommener
freundlichen Geberden gar eine andere zu sein schiene / wollte er doch nicht
zweifeln / und sagte zu ihr: Mein Herkuliskus / was bedeutet diese Umkleidung?
gedenket ihr etwa den König hiedurch zugewiñen? O ich furchte sehr / es werde
keinen glücklichen Ausgang nehmen! Mein herzallerliebster Herr Vater / antwortete
sie / Eure Gn. lassen sich dieses nicht befremden / und glåuben bei meinem äide
/ dass ich nie kein Mannesbilde gewesen / sondern zu Rettung meiner
jungfräulichen Zucht / welches mir Gott Lob bisher geglücket / die Kleider
gebraucht habe; weil mich aber dieselben nicht långer verbergen konnen / muss
eine tapffere Erklärung mich würgen oder retten; Ihr werdet demnach gläuben /
dass ich das verlohrne Böhmische Königliche Fråulein warhaftig bin / nur zeigt
dem Könige an / was ihr sehet / und lasset die Göttliche Versehung vor das
übrige sorgen. Dieses redete sie mit solcher ernstaften Liebligkeit /dass er in
die Gedanken geriet / sie währe warhaftig eine Göttin / welches zuerzeigen / er
sich vor ihr niderlegen wollte; Sie aber sagete: Mein Herzen Herr Vater / umb
Gottes Willen entaltet euch dessen / und versichert euch / dass ich Fürst
Herkules verlobete bin und bleiben werde. Ey nun dañ / antwortete er / so will
mit euer Liebe ich leben und sterben / wie es der Himmel verfehen hat. Ging hin
/ fiel vor dem Könige nider / und sagete: Allergnådigster König / die
wunderselzamen Begebnissen durchgehen mein Gemüt /dass ich fast nicht reden kann;
dann ich erfahre gleich jezt mit höchster Bestürzung / dass der Jüngling unter
der Kleider Verstellung in der Warheit ein hochgebohrnes Fräulein ist / welches
zuzeigen / sie sich mit weiblichen Kleidern angetahn hat / und umb
allergnädigsten Urlaub / hereinzutrete anhält. Ey sagete er /die wird uns ein
liebes Fräulein / und die Kron unsers Herzen sein; dass wir sie nur bald sehen /
und unser Königlichen Hulde sie versichern. Phraortes ging frölich hin / sie
hinein zuführen / und rühmete ihr des Königes Gewogenheit; Sie aber gab zur
Antwort: Seine Hulde muss noch viel anders beschaffen sein /dafern ich meinem
Herkules zum besten leben soll /dann demselben allein lebe ich / und sterbe sonst
einem andern jedweden; über welcher Rede der GrossFürst in die Erde vermeinte
zusinken / und sagte zu ihr: Ach mein Fräulein / ich bitte von herzen / dem
Könige gelinde und vernünftig mitzufahren. Er wollte ferner reden / sie aber
fassete ihn bei der Hand / und ging mit ihm hinein / taht auch keinen Fussfall /
biss sie vor den König kam / da sie sich auff ihre Knie legete / in Meinung /
solcher gestalt ihre Rede vorzubringen; aber der König befahl dem GrossFürsten /
er sollte sie auffrichten / welches sie willig zuliess / und also anfing: Aller
Grossmächtigster König / allergnädigster Herr; Ich / Fräulein Herkuliska /
gebohrne aus Königlichem und freiem GrossFürstlichen Stamme /stelle vor Ihrer
Königl. Hocheit mich nunmehr in meiner gebührlichen Kleidung / nachdem mein
Geschlecht ich weiter nicht verbergen kann / wie bisher /dem Himmel sei Dank /
ohnvermerket geschehen ist /wodurch ich nicht allein vielem Unglück vorgebauet
/und alle Schande von mir abgekehret / sondern auch dem Zorn der Götter biss auff
diese Stunde mich entrissen habe. Dann Euer Königl. Hocheit gebe ich hiemit
allergehorsamst zuvernehmen / was gestalt meine geliebete Eltern mich in der
Stunde meiner Geburt /der grossen und keuschen Göttin Vesta / biss auff
Vollendung meines XVIIden Jahrs verlobet / welches ich nachgehends frei
eingewilliget / uñ mit höchster Verfluchung / da ich brüchig würde /
bekråfftiget habe. Solte nun Ihrer Königl. Hocheit nicht belieben /mich in
solchem meinem Gelübde Königlich zuschützen / sondern dieses zubrechen / mich
zwingen oder nöhtigen wollen / so schwöre ich bei eurem Königlichen Häupte /
welches das heiligste auff Erden ist /dass solcher Gewaltsamkeit vorzukommen /
ich mich diese Stunde unterstehen will / damit ich nicht hernach gezwungen werde
/ beides mich und den Nöhtiger zugleich hinzurichten / worzu ich krafft meines
der Göttin geleisteten äides verbunden bin; Und dass ich von meiner Göttin hierzu
Stärcke und Muht gnug habe /sollen die drei Diener und der Arzt bezeugen /
welche alle viere ich in so viel Streichen (ungeachtet sie mit dreien
entblösseten Säbeln auff mich angangen) hingerichtet habe / und zwar mit solchen
kräfftigen Hieben / wie der Augenschein bezeugen wird / welche meinem schwachen
Jungfräulichen Arme unmöglich währen / wann dersebe nicht von meiner Göttin
währe geführet / und die Freveler erschrecket worden / umb /dass wider Königl.
Befehl sie mich wollten entkleiden /und meiner Entschuldigung / dass ich ein
Weibsbild währe / keinen Glauben zustellen. Nun fehlen mir an der Zeit meines
Gelübdes annoch ein Jahr und zehn Wochen / nach deren Endigung ich mich nach
Euer Königl. Hocheit / und meiner gnädigsten Fr. Mutter Willen zuverheirahten /
nicht abgeneiget bin. Hierauff trat sie fünff Schritte zurücke / legte ihre
rechte Hand unter den OberRok / an den daselbst verborgenen Dolch / liess dessen
Gefäss sehen / und sagete weiter: Nun stelle Euer Königl. Hocheit ich die freie
Wahl zu (dieses redete sie mit der allerherzbewåglichsten Freundligkeit) ob
dieselbe mir wollen befehlen / alsbald zusterben / oder aber die jeztgemeldete
Zeit allergnädigst und kräftigst versprechen; dañ ich will lieber mich allein /
als Eure Königl. Hocheit zugleich mit / niderstossen / ja ich will lieber den
allerruhmwirdigsten zeitlichen Tod / als ein unbeflektes reines Opffer der
Götter / mir selbst antuhn /als von den bösen hellischen Geistern nach dieser
kurzen Zeit mich immer und ewig quälen lassen. Der König sah des Dolchen
Handhabe / und schwebete dermassen zwischen Furcht und Begierde / dass er sich
keiner gewissheit entschliessen kunte / biss Herkuliska also anfing: Nun du
keusche Göttin Vesta / nim an mein Blut / welches ich vor den schändlichen
Räubern in Manneskleidern beschützet habe / aber wider diesen Allermächtigsten
König auf Erden nicht vertähtigen kann; Ich opffere dir / O meine Göttin /
dasselbe / wie du weist / in eben derselben reinen Keuscheit / in welcher es von
meiner Fr. Mutter an diese Welt kommen / und dir pflichtschuldig verbunden ist.
Womit sie den Dolch begunte zu zücken / worüber Artabanus sich entsetzend / mit
erhabener Stimme rief: Wir Artabanus / schwören bei unserm Häupte /Kron /
Reichsstab und Schwert / euch allerschönstes Fräulein die Zeit eures Gelübdes
unverstöret zugönnen / nach deren Verlauff aber / euch die königliche Kron / als
unserm erhabenen Gemahl auffzusetzen /und biss dahin euch ein wolbewahretes
Gemach und eigenes Frauenzimmer zuzuordnen / von dem ihr Königlich sollet
geehret und auffgewartet werden. Liess darauff alsbald einen erhabenen / mit
güldenen Tüchern behängeten Stuel neben sich stellen / auff welchen Herkuliska
nach königlichem befehl von Phraortes gesetzet ward; aus welcher Gnade sie
gewisse Hoffnung schöpffete / ihr gröstes Unglück würde vorbei sein / und
Herkules Zeit genug gewinnen / ihre Erlösung zubefodern. Sie stund aber von
ihrem Stuele bald wieder auff / stellete sich vor den König / und redete ihn
folgender gestalt an: Allergrossmächtigster König / allergnädigster Herr; anfangs
bitte ich demühtigst umb Verzeihung / dass mit diesem Dolche (welchen sie hiemit
Phraortes reichete) vor eure Königl. Hocheit ich mich finden lassen / in
ansehung /dass er zu nichts anders / als den Göttern das ihre zugeben / sollte
gebrauchet worden sein / daher GrossFürst Phraortes ihn auch als einen geweiheten
wird in ein fliessend grosses Wasser / oder in eine grundlose Erdengrube hinein
werffen. Und weil die gar zu hohe /mir teils schon erzeigete / teils aufs
künftige angebohtene Gnade mich dieses Opfers hat benehmen wollen /werde ich
daher ursach haben / stets nachzusinnen /wie viel Euer Königl. Hocheit ich davor
schuldig bin. O wie einen unsterblichen Ruhm wird meinem Allergnädigsten Könige
diese allerlöblichste Taht erwerben / welche zuvergelten / sich der Himmel mit
allen seinen Kräften bemühen wird. So ergebe nun Euer Königl. Hocheit ich mich
ganz und gar / mit untertähnigster Bitte / dieselbe wollen ihrem hohen
unwiderruflichen verspreche nach / mir ein keusches Frauenzimmer zuordnen / in
deren Gesellschaft ich meinen Jungfråulichen Stand / ohn einige ärgerniss und
Furcht halten und führen möge. Der König liess alsbald zwölff schöne ådle
Jungfern / und vier ehrbare ådle Frauen herzu hohlen / welche er also anredete:
Sehet da / was vor einen kostbaren Schatz wir euch anvertrauen / dieses unser
herzallerliebstes Fräulein / mit welcher wir uns ehelich versprochen / und nach
Vollendung einer gewissen Zeit sie zur GrossKönigin über unsere Landschaften
krönen wollen; gehorsamet ihr /als eurer vollkommenen Gebieterin / zum Tode und
Leben. Zwar es wird uns schwer fallen / das Königliche Beilager so lange
auffzuschieben / aber doch versprechen wir über das vorige / dass wir die ganze
Zeit über / unserm Fråulein so nahe nicht kommen wollen / als ein Mann mit dem
Wurffspiesse abwerffen kann /auff dass sie daher erkeñen möge / wie willig wir
sind / sie ihrer Bitte / auch mit unsern Schmerzen zugewehren. Dieses
versprechens erfreuete sie sich höchlich / nam es mit Untertähnigkeit an / und
in unterschiedlichen Gutschen wurde sie ingesamt nach einem andern Schloss
geführet / welches fast am Ende inwendig der Stad / eine gute Viertelstunde
gehens /von dem Königlichen / Nordwest gelegen / und mit einem breiten
auffgemaureten Graben / und sehr hoher Maur befestiget wahr. Pharnabazus musste
auff ihr begehren zu ihr auff die Gutsche steigen / dem sie allen Verlauff
kürzlich erzählete / und mit ihm Abrede nam / er möchte seinem Freunde Herkules
zugefallen / unterschiedliche reitende Bohten auf die vornehmsten Landstrassen
senden / umb zuvernehmen / ob nicht er selbst / oder einige andere unterweges
währen / ihr nachzufragen; dann ich habe / sagte sie / über Jahrsfrist keine
Gefahr / wo sonst Artabanus nit meinäidig wird; aber nach deren Verlauff sehe
ich nicht / wie ich mein Leben retten soll / es sei dann / dass mein Herkules
komme / der schon Mittel finden wird / mich loszumachen. Pharnabazus gelobete
ihr alle Mögligkeit /mit Beteurung / wann er wissen sollte / wo er anzutreffen
währe / wollte er mit etlichen Geschwaden Reuter ihm entgegen zihen. Der gute
Timokles hatte nun auch erfahren / was vor einem Herrn er bisher gedienet / lief
neben der Gutsche her / und weinete vor Freuden; Herkuliska hiess ihn auffsitzen
/ und sagete zu ihm: Mein geträuer Freund / ich danke euch vor alle redliche
Auffwartung / welche ihr mir bisher geleistet / und zweifele nicht / ihr werdet
ferner geträu verbleiben / auff welchen fall ihr euch versichern sollet / dass
ich aus euch einen grossen und reichen Herrn machen will; leget euch in eine
Herberge / nehmet von Herrn Pharnabazus Leuten einen Diener an / haltet euch
adelich / verzehret meine Kleinot ohn sparen /stellet euch täglich etliche mahl
bei meinem Schloss ein / da ihr obe beim Fenster mein Zeichen werdet schwarz
angemahlet sehen / und was euch Herr Pharnabazus weiter anvertrauen wird / dem
komet fleissig nach / des soll euch dereins eine Herrschaft zu lohne werde. Ja
mein Timokles / setzete Pharnabazus hinzu; ihr werdet in wichtigen Geschäfften
als ein vornehmer Diener bestellet / drumb lasset euch kein Ding in der Welt zur
Untråu verleiten / des will ich euch bei meinen Ehren vor mein Häupt 50000 Kronen
zur Vergeltung versprochen haben / und euch noch heut 6000 Kronen zustellen /
nebest einem grossen und kleinen Diener / samt dreien Pferden; zehret nur als
ein Herr /und lebet nach eurem Willen. Diesem stunden die Augen vol Trähnen /
bedankete sich des gar zu hohen erbietens / und verwünschete sich zu aller
zeitlichen und ewigen Straffe / wo er nicht seinem Gn. Fräulein geträuer als ihm
selber sein wollte / als lange er lebete / welche Vorsatz weder Pein noch Tod ihm
aus dem Herzen nehmen sollte. Nachgehends redete sie mit Pharnabazus alle
Nohtwendigkeit ab / und bedankete sich seines gutwilligen Herze. Nach der
Fräulein Abscheide wahr der König mit Freuden und unzåhligen Begierden umgeben /
rieff Phraortes zu sich / und sagete: Mein geliebter Fürst / weil ihr unser Herz
mit der Volkommenheit dieser Fräulein befriediget habt /sollet ihr dessen zu
Lohn alle Schatzungen eures GrossFürstentuhms vier Jahr lang vor euch heben /und
in den geheimen Gross Königlichen Raht / als der fünfte in der Ordnung hiemit
auffgenommen sein. Liess auch Mazeus vor sich kommen / belehnete ihn mit einer
erledigten Herrschaft in Assyrien / und vermachete ihm als einem HofRaht
jährlich 12000 Krone zur Bestallung. Bei der Abendmahlzeit erzählete Phraortes
alles denkwirdige / wz sich mit dem Fräulein zugetrage / als wodurch ihnen aller
Argwohn ihres weiblichen Geschlechtes benomen wäre; worüber der König sich
höchlich erlustigte / und dermassen in Liebe entzündet ward / dz ihn schon
gereuete /wessen er sich verbunden hatte / uñ doch eine Unmögligkeit fand / es
zuwiederruffe.
    Der geträue Liebhaber Valikules reisete unterdessen in Persen als in der
Irre umher / weil er von der Spuhr abkommen wahr / und weder in Städten noch
auff dem Lande seiner Fräulein Zeichen angeschrieben fand. Die Ursach dieses
Irtuhms wahr / dass er den geradesten Weg nach Parten vor sich nam / da sie von
den Räubern Nordwerts geführet wahr. In dieser Ungewissheit nun befand er sich
nicht wenig betrübet /daher er zu Gallus sagete: Ich bin sehr irre in meinem
Gemüht / dass mein Leitstern sich nicht mehr finden will / woraus ich muhtmasse /
die Parter müssen einen andern Weg gezogen sein / dessen Ungewissheit mich an
meinem Vorhaben sehr verhindern dürffte; ja wer weiss / ob sie mein Fräulein
nicht gar einen andern Herrn zugeführet haben? O mein Gott / sagte er mit
gefaltenen Händen; zeige du mir den Weg meines Vorsatzes / und gib nicht zu /
dass diese Unschuldige in Ehren- oder Lebensgefahr gerahte: Gallus antwortete
ihm; Gn. Herr / wir werden in Mangel dieses Zeichens den geradesten Weg nach dem
Königlichen Håuptsitze vornehmen / woselbst wir ohn zweifel Zeitung von ihr
haben werden. Ja gerade / sagte er /als ob ihr nicht auff der gefährlichen Reise
ein Unglück hätte zustossen können / welches wegen Mangel des Zeichens ich nicht
unbillig fürchte; müssen demnach den grundgütigen Gott bitten / dass er unser
Führer und Gleitsman sein wolle / damit unser Vorhaben zum gewünschten Ende
aussschlage. Des Abends kahmen sie in ein geringes Dörfflein / da sie Herberge
nahmen / und mit schlechten Speisen zu friede wahren / weil ihre Pferde gute
Futterung antraffen / welche sie diesen Tag sehr abgeritten hatten. Valikules
brachte die ganze Nacht auff der Stråu mit dem Gebeht zu /ohn gegen Morgen
überfiel ihn der Schlaff / und gedauchte ihn / wie ihm auff der Reise ein alter
Mann den Zugel aus der Hand rückete / und da er Ostwerts reiten wollte / ihn
straks gen Norden leitete / woruber er erwachete / auffsatteln liess / uñ den
Wirt fragete / was vor Landschaften gegen Norden gelegen währen. Als ihm nun
Meden geneñet ward uñ er vernam / dass etliche Tagereisen nach der Häuptstad
Ekbatana wåhren /sagete er: Nun so will ich im nahmen Gottes den Streich vor mir
nehmen / ob es gleich meiner Einbildung straks zuwieder läufft; bekam doch in
sechs Tagen keine Hoffnung / wie eilend er auch mit seinen Wegweiser fortjagete
/ der ihn gegen Abend in einen Flecken brachte / dreissig guter Teutscher Meilen
vom vorige Dorffe gelegen. Des siebenden Tages wahr er früh auff / und traf umb
den Mittag einen Scheideweg an / deren einer in einen grossen Wald gerade gegen
Norden; der ander nach einer weitläuftigen Wüstenei NordostWerts führete / und
wie sehr ihm der Wegweiser zu diesem riet / wählete er doch durch sonderliche
Eingebung den andern / da er sagete: Ich muss und will Norden folgen / als lange
ich innerhalb Meden bleibe / erinnerte doch Gallus / sein Gewehr fertig zu
halten / dass man sich auff allen Fall schützen könnte / weil der Ort gefährlich
sein schiene. Sie wahren eine Stunde im Walde geritten / da stiessen vier junge
verwägene Räuber zu Pferde mit Streit Axten auff sie / mit Befehl / sie sollten
stille halten /und nicht näher rücken / woran Valikules sich wenig kehrete / nur
dass er sich wegen seines Führers betrübete / welcher solches hörend / ohn
einiges Wortsprechen aussriess / und der Streiche nicht erwarten wollte /wiewol ihn
Valikules wieder seinen Willen nicht auffgehalten hätte / wann er ihm nur seinen
Lohn entrichten können: Weil es aber nicht Zeit wahr / sich umb ihn zu bemühen /
liess er ihn reiten / und setzete immer seinen Weg fort; antwortete auch jenen
vieren; es währe ihnen ungelegen / sich zuseumen / weil seines Fürsten Geschäfte
eile erfoderten. Nicht desto weniger begegnete ihm deren einer / mit Begehren /
er sollte neben seinem Gesellen Gut oder Blut geben /auch alsbald den Harnisch
ablegen: Die übrigen drei setzeten frisch nach / der Meinung geschwinde fertig
zu werden / und vor ihrer Gesellschaft Ankunft die beste Beute davon zu trecken;
aber Valikules den Ernst sehend / machte nicht viel wesens / sondern mit Gallus
mischete er sich unter sie / dergestalt / dass inwendig einer halben viertel
Stunde sie alle vier gestrecket lagen; sie aber wollten hier nicht lange verzihen
/ fürchtend / es möchten bald mehr kommen / und dieser ihren Tod rächen / worin
sie dann nicht irreten /massen in kurzem ihnen IIX begegneten / eiferig fragend
/ ob ihnen nicht viere mit lichtbraunen Pferden auffgestossen währen. Ja / sagte
Valikules / aber so bald sie mich und meine folgende Schaar sahen / kehreten sie
sich nach der rechten Hand / uns etwa vor Råuber haltend. Diese erschraken der
Rede / namen kurzen Abscheid / und machten sich ausser Weges nach der Seite
davon. Nicht lang hernach folgeten ihrer zehe / welche mit gleicher Antwort auff
ihre ebenmässige Frage abgeschrecket wurden / dass sie den andern nachsetzeten.
Hingegen dankete Valikules seinem Gott / vor die scheinbare Rettung / und jagete
mit den seinen fort / als viel die Pferde es ertragen kunten / da er in kurzer
Frist einen zimlichen Hauffen erschlagener und von dem Wilde fast gar
verzehreter Leichnam antraff / auch zu gutem Glük seiner Fräulein Zeichen an
dreien Bäumen gemahlet sah / mit dieser Unterschrifft Cum aliis prædonibus
Ecbatana tendo: Ich nehme mit andern Räubern meinen Weg nach Ekbatana. Er
zeigete dieses Gallus mit freuden /und sagete: Dem barmherzigen Gott sei Lob und
Dank gesagt / der uns diesen Weg geführet hat; dañ mein Herz trägt mirs zu / ich
werde schier gewisse Zeitung haben. Ich hoffe solches mit / sagte Gallus; wir
werden aber unsern Pferden rechtschaffen zusprechen müssen / es möchten die
Räuber des betruges inne werden / und uns verfolgen; darauff sie dann nach
äusserster Mögligkeit forteileten / welches ihnen wohl zu statten kam; dañ jene /
als sie keine Nachfolge merketen / gingen den rechtigsten Weg vor sich / da sie
ihre vier erschlagene antraffen / deren einer noch lebete / und sich beklagete /
was Gestalt sie von zweien Rittern also zugerichtet währen / welche seiner
Hoffnung nach / den verdienten Lohn schon würden empfangen haben. Pfui Schande
über Schande / antworteten diese / dass wir aus vergeblicher Furcht diese Buben
haben reiten lassen / kehreten mit ihren Pferden umb / und meinten sie noch
anzutreffen / aber vergeblich / massen die unsern schon einen grossen Vorsprung
genomen hatten / da sie ohn Speise und Trank fortjageten / biss sie ein zimlich
Städlein erreicheten / und doch auff dem Wege der Fräulein Zeichen nicht
merketen; Hieselbst erfuhr Valikules / dass sie noch sieben zimliche Tagereisen
nach Ekbatana vor sich hätten / weil er im Walde irre geritten / und zu weit
nach der rechten Hand gangen wåhre. Sie vertauscheten hieselbst ihre Pferde /
weil sie undüchtig worde / lagen funff Tage stille / nahmen einen Wegweiser zu
sich / und gelangeten nach abermahliger siebentågiger Reise in einem Flecken an
/ welcher nahe bei Mazeus Schloss lag / bleib auch die Nacht daselbst / uñ
fragete den Wirt / was vor einen Herrn diese Festung hätte / dieser antwortete
ihm; es währe gar ein freundlicher verständiger Herr / und erst diesen Tag von
einer weiten Reise wieder zu Hause angelanget / stünde bei dem GrossFürsten in
sonderlichen Gnaden / und wåhre sehr måchtig: Sein Schloss währe nicht anders /
als eine offene Herberge fremder Ritter und Herren / auff welche er jährlichs
ein grosses verwendete; und wañ ihr ihm die Ehre antähtet /sagte er zu Valikules
/ ihn vor eurem Abscheide nach Ekbatana zu sprechen / würdet ihr bald einen
guten Freund an ihm bekommen / der in euren Werbungen bei dem GrossFürsten euch
sehr behülflich sein kann. Hiedurch ward er bewogen / dieses Herrn Kundschaft zu
suchen / weil er ohndass über diesen Durchzug musste / machte sich des Morgens
sehr früh auff / und da er dem Schloss nahete / ward er über die masse hoch
erfreuet / dann er sah seiner allerliebsten Fräulein Zeichen über die 20 mahl
am åussersten Tohr angemahlet / und (welches ihm die Freudentråhnen ausstrieb)
diese Worte dabei geschrieben: Herculisci suave Diversorium. Des Herkuliskus
liebliche Herberge. Er warff die Augen etwas höher / da sah er über dem Tohr
einen von dem reinesten Erz gegossenen Jungling / mit dieser überschrifft:
Miraculum Orbis Herculiscus. Herkuliskus das Wunder-Geschöpff der Welt. Hilff
Gott / sagte er zu Gallus / hier lässet mich mein Heiland die Ergezligkeit aller
meiner Müheverwaltungen blicken; und O du ädle Seele / hast nicht ruhen können /
diesen fremden Ländern auch im durchreisen / ein unsterbliches Gedächtnis deiner
Volkommenheit zu hinterlassen; dann freilich ist diese Ehrenschrift dir nicht
ohn Ursach gesetzet. Wie er in dieser Betrachtung vor dem Tohre hielt / rieff
ihm die Schildwache zu / von wannen er kähme / und wohin er gedächte. Er
hingegen begehrete / man möchte dem Herrn des Schlosses anmelden / dass ein
fremder Ritter ihre Gn. gerne sprechen wollte. Mazeus / als ein fleissiger
Auffseher seiner Geschåfften ging schon im Innerplaze / und liess auff anmeldung
den fremden hinein geleiten und auf den grossen Gastsaal führen /da Valikules
ihn nach Ritterstandes gebühr höfflich grüssete / und nach gebehtener verzeihung
andeutete: Er hätte nicht allein am Tohre / die ihm bekannte angemahlete Zeichen
/ sondern uber demselben ein auffgestelletes Bildnis samt angesetzeten nahmen
Herkuliskus gesehen: Nun währe er von seinem Herrn aus weit abgelegener
Landschaft aussgeschicket / diesem Jünglinge nachzufragen / und seines Zustandes
sich zu erkündigen; gelangete demnach an ihre Gn. sein dienstfleissiges Ansuchen
/ ihm deswegen einige Nachricht zu gönnen / wovor sein Herr alle mögliche
Dankbarkeit würde spüren lassen. Guter Freund / antwortete Mazeus / suchet ihr
diesen vortrefflichsten jungen Herrn / desgleichen diese Welt kaum gezeuget hat
/alsdañ musset ihr mir sehr wilkommen sein; rieff darauff seinem Diener / er
sollte diesem fremden die Waffen abzihen / und musste ein ander hingegen / seine
Gesellschaft herein zu hohlen. Er verwunderte sich der freundlichen Bezeigung /
gab vor / es wollte ihm nicht geziemen / sich auffhalten zu lassen / müste als
ein geträuer Diener seines Herrn / nochmals umb Nachricht anhalten / als wornach
derselbe / und andere mehr / grosses Verlangen trügen. Ich weiss wohl / sagte
Mazeus / dass man diesem vortreflichen Jünglinge nachfraget / aber einer ist
insonderheit / dessen ankunft vor andern hoch begehret wird / möchte von Herzen
wünschen / dass derselbe in der Nähe währe /dañ hiedurch würde ich meines
Wunsches völlig vergnuget / und den Zweg meiner höchsten Begierden erlangen.
Valikules wusste nicht / was er aus dieser Rede schliessen sollte / und
antwortete; er könnte nicht wissen / was vor einen ihre Gn. so hoch wünscheten /
da er ihm aber bei nahmen genennet würde / möchte er ihm vielleicht bekant sein.
Mazeus kunte diesem Misstrauen nichts verargen / wollte sich doch so bald nicht
bloss gebe / umb / dieses Dieners Träue zuerforschen / und sagete: Der Nahme
währe ihm entfallen wiewol er ihn hätte nennen hören / wüste ihn auch so
eigentlich nicht zu beschreiben / weil er ihn nie gesehen / hätte aber dessen
preisswirdige Tahten zum guten Teil von seiner Freunde einem vernommen /und wollte
gerne den besten Teil seiner Herschaft dran setzen / dz er demselben auff seinem
Schloss gütlich tuhn sollte. Je geneigter sich aber dieser vernehmen liess / je
argwöhnischer Valikules ward / dass er ihm gänzlich vornam / sich noch zur Zeit
nit zu melden; bald gedachte er: hat auch dieser Herr meiner Fråulein weibliches
Geschlecht in erfahrung gebracht / dass er sie dieses Orts verborgen hält / und
suchet / durch Auffopfferung meiner / sich ihrer zuversichern? Ja /ist auch das
Bilde vielleicht als ein Lokvogel uber das Tohr gestellet / mich dadurch zu
fahen? Bald furchtete er sich / diesem redlichen Manne durch solche Gedanken
grosses Unrecht anzulegen / und antwortete in zimlicher Verwirrung: Ihre Gn.
mussen diesem Herrn trefliche Neigung tragen / welchen sie mit so grossem
Verlust ihrer Herschaft wunschen / da sie doch denselben / ihrem Vermelden nach
/ nie gesehen haben. Eben darumb verlanget mich so hoch nach seiner Kundschaft
/ sagte er / weil ich ihn bisher nur von hörsagen kenne; jedoch / da die Götter
mir nicht gar zu wieder sind / werde ich die Ehre haben / ihn zu sprechen;
ermahnete ihn nochmahls / den Harnisch abzulegen; er håtte einen geringen Abtrit
zu nehmen /und wollte bald wieder bei ihm sein; gin hin zu seinem Gemahl und
deren Frl. Schwester / und zeigete ihnen an / es währe ein frischer junger
Ritter / bräunlicher Gestalt ankommen / welcher dem Herkuliskus nach fragete /
ob er sich auch gleich nicht kund geben wollte / zweiffelte er doch nicht / er
währe von Furst Herkules abgeschikt. Fr. Roxane ward der Zeitung froh / meinte
/ dafern solches währe / wollte sie es bald erfahren / ging mit ihrem Gemahl hin
zu ihm /und nach freundlicher empfahung / redete sie ihn also an: Mein Herr ist
uns sehr wilkommen / als ein bekanter des allerädelsten Herkuliskus / dessen
Bildnis /Zeit abwesens meines Gemahls ich über das Schlosstohr auffrichten lassen
/ auff dass ich eine tägliche Auffmunterung habe / der vertraulichen
Freundschaft / welche er mit mir gestifftet / und zu seiner allergeheimesten
Freundin mich gewirdiget hat. Valikules küssete ihr die Hand / und antwortete:
Wolgebohrne Frau; ich treffe alhie eine unvermuhtliche und zugleich unverdienete
Freundschaft und Gutwilligkeit an / mehr als ich mir nie einbilden möge /
angesehen ich dieser örter ganz unbekant / und mein gnädiger Herr /der mich
aussgeschikt / mir nicht die allergeringste Anzeige getahn / dessen was mir
begegnet; muss demnach eine sonderliche schickung Gottes sein / dass ich mir
diesen Weg erwählet / und mir sonst viel einen andern vorgenomen hatte.
Vielleicht mag eurem Herrn diese unsere Freundschaft wohl selbst unbewust sein
/sagte Fr. Roxane / und wann ich fragen dürfte / ob derselbe der
Durchleuchtigste GrossFurst aus Teutschland währe / würde ich mich so weit
erkühnen; Ursach / weil auff meines allerwerdesten Freundes Herrn Herkuliskus
anhalten / ich unterschiedliche reitende Bohten aussgeschikt habe / umb
zuvernehmen / ob dessen Durchl. nicht in diesen Landschaften anzutreffen sei /
weil von meinem Anverwanten / Herrn Pharnabazus ich gewisse Nachricht habe / dass
seine Durchleuchtigkeit sich über Meer begeben / diesen meinen Freund aus Räuber
Händen zu erlösen. Valikules nam aus dieser Rede ab / es müste sein Fräulein an
diesem Orte sehr vertraulich gelebet / auch Pharnabazus (über dessen Anwesenheit
er sich freuete) wohl gar ihr Geschlecht offenbahret haben / und gab diese
Antwort: Mich wundert sehr / wie ihre Gn. mir meinen Herrn so eigentlich
beschrieben hat / welchen vor redlichen Leuten zu verschweigen ich nicht Ursach
habe; möchte wünschen / dass ich nur in etwas nachrichtung wegen des verlohrnen
Herkuliskus haben könnte / ob derselbe annoch im Leben und guter Gesundheit sei /
damit ich stündlich umbkehren / und meinem Gn. Herrn / der sich in der Nähe
auffhält /diese so hoch gewunschete Zeitung bringen möchte. O ihr Götter
antwortete sie / ist der so viel begehrete Fürst Herkules ankomen! O ihr mein
gnädigstes herzallerliebstes Fräulein! Mit diesen Worten stutzete sie /dann sie
wahr nicht willens / straks im anfange merken zu lassen / dass sie ihres
weiblichen Geschlechtes Kundschaft hätte; aber der Brei wahr aus unvorsichtiger
Freude schon verschüttet / und sie aus Valikules grosser Veränderung merkete /
dass er durch dieses Wort getroffen wahr; doch fuhr sie fort; Mein Herr seumet
euch nicht auf dem Wege / und bringt dem Durchl. GF. aus Teutschland / neben
Anmeldung meiner untertåhnigen Ehrendienste diese Zeitung / wann er meines
Seelenfreundes / Herrn Herrkuliskus guten Wolstand erfahren will / möge seine
Durchl. mir seiner gehorsamen Dienerin die Gnade bezeigen / und den Besiztuhm
dieses geringen Schlosses / als lange es ihm gefallen wird / einnehmen;
inzwischen werde ich an meinen Herzenfreund Herrn Herkuliskus eine schleunige
Bohtschaft abfertigen / ihr (hier verredete sie sich abermahl) die glukliche
Ankunft ihres Seelen-eigenen Oheims wissen zu lassen. Valikules baht sehr / mit
dieser Abfertigung etwas einzuhalten; sein Gn. Herr währe in der Nähe /
zweiffelte nicht / er würde ihm die angenehmste Zeitung bringen. Mazeus erboht
sich mit zureiten / aber er wehrete solches ab / ihn versichernd / dass er selbst
sich bald einstellen würde; nahm Abscheid / und ritte mit seinen Leuten nach der
vorigen Herberge / daselbst machete er die angestrichene Farbe ab / legete ein
köstliches Kleid an / und putzete sich Fürstlich aus / nachdem er Standeshalben
schon erkennet wahr. Als er mit den seinen nach dem Schloss ritte / sah er /
dass Mazeus nebest seinem Gemahl uñ dem Fräulein ihm ausserhalb Schlosses
entgegen gingen / und zwo treffliche Gutschen hinten nach führen liessen /
deswegen / als er ihnen etwa auff 50 Schrit nahete / sprang er sehr zierlich vom
Pferde / als er zuvor dasselbe ein wenig auffs kunstlichste getummelt hatte.
Sein Kleid wahr ein gülden Stük mit grüner Seiden durchwirket / uñ mit
Schmaragden reichlich besetzet / welches ihm Frl. Lukrezie mit auff den Weg
gegeben hatte; an statt des Helmes trug er einen schwarzen Huht mit einer langen
weissen Feder / und flogen ihm die Goldgelben Haarlocken umb die Schuldern. Jene
sperreten Mund und Augen auf / da sie ihn anfangs so zierlich mit dem Pferde
sprengen / hernach ihn so treflich wolgestalt sahen. Er aber trat ihnen entgege
/ da er mit entblössetem Häupte sie sehr freundlich grüssete / nachgehends dem
Fräulein / und Fr. Roxanen / ungeachtet ihres wegerns / die Hände küssete; und
als er darauff Herrn Mazeus anreden wollte / kam ihm derselbe zuvor / und sagete:
Durchl. Gross-Fürst / Gn. Herr /wie überaus grosse Vergnügung ich an meinem
heutigen Glük habe / kann ich mit Worten nicht zuverstehen geben / wollte auch
Euer Durchl. willig und gehorsam etliche Tagereisen mit gnugsamer Mannschaft zur
Wegesversicherung entgege geritten sein / wann dero Ankunft ich währe
verständiget worden; erfreue mich höchlich über Ihrer Durchl. Gesundheit / mit
demühtiger Bitte / dieselbe mit ihrem Knechte der Zeit Gelegenheit nach / gnädig
vor lieb und gut nehmen / und auff meinem Schloss nach allem ihren Willen
gebieten und verbieten wollen. Herkules bedankete sich mit sonderlicher
Freundligkeit / der angebohtenen unverdieneten Ehre und Freundschaft / und baht
ganz ernstlich / mit ihm / als mit einem Freunde und umschweiffenden Ritter
umzugehen / weil ihm dieser Zeit nichts so sehr / als ein Fürstlicher Nahme
zuwider währe; nachgehends sagte er: Ihr meine hochwerte Freunde / ich befinde
mich ihnen wegen der / meinem Oheim Herkuliskus erzeigeten Freundschaft
dermassen verbunden / dass ich nicht absehen kann / durch was Mittel er oder ich /
uns dankbarlich loswirken können / es währe dann / dz ein williges Herz / auch
vor sie zusterben / in Bezahlung möchte gültig sein /welches ich ohn einige
Wegerung darbiete. Mazeus gab zur Antwort: Seine Dienste wären Unvermögens
halber sehr schlecht / und ihm wegen des trefflichen Herkuliskus schon mit einer
geschenketen statlichen Herrschaft tausendfach vergolten. Welche Rede ihn nicht
wenig befremdete / dañ er wusste wohl / dass sein Fråulein in diesen Landschaften
keine liegende Güter zuverleihen hatte; doch wollte er nicht nachfragen /sondern
auff vielfältiges nöhtigen ging er mit auff das Schloss / da er Frl. Barsenen bei
der Hand / wiewol wider ihren Willen / führete / welche zu ihm sagete: Durchl.
Fürst / es hat mein Gn. Fräulein / Frl. Herkuliska / mich und andere / die ganze
zeit ihres anwesens so artig auffgezogen / indem sie sich vor einen
Herren-Standes-måssigen Jungling angegeben / also dass wir ihr die wolgebührliche
Ehre und Auffwartung nicht leisten können. Ob nun zwar aus ihrem zarten
Angesicht / wir von ihrem Geschlecht billich hätten urteilen sollen / müsten wir
doch von neuen wieder zweifelhaftig werden / massen wir aus diesem Grunde nicht
anders / als Eure Durchl. vor ein Fräulein halten könten. Herkules stellete sich
der Rede halben sehr verwundernd / und antwortete: Mein hochwertes Fräulein; so
ist meine Fräulein Wase / an diesem Orte ihrem Geschlechte nach erkennet? O was
vor ein sonderbahres Glük hat sie doch an diesen Freundes-Ort geführet? Zwar
wann dieselbe aus Leichtsinnigkeit Mannes Gestalt an sich genommen hätte / wurde
ich der erste sein / der es an ihr tadelte; weil aber zu ihrer Ehrenversicherung
es nohtwedig hat geschehen müssen / werden meine hochwerten Freunde ihr diese
Mummerei nicht verargen / insonderheit / nach dem /wie ich vernehme / sie sich
noch endlich zuerkennen gegeben hat. O nein / antwortete sie / solches ist von
meinem Gn. Fräulein so heimlich gehalten / dass es kein Mensch erfahren mögen /
ohn dass ich argwohne / meine Fr. Schwester habe des Tages ihrer Reise /dessen
von ihr Wissenschaft bekommen; dann einmal muss sie mir nunmehr gestehen / dass
sie ihre Durchl. mit Kleidern auff den Weg versehen. Hiervon wollen wir zur
gelegenen Zeit reden / sagte Fr. Roxane / dann ob ich solches von meiner Herzen
Freundin erfahren hätte / was sie dir verschwiegen / darff dich nicht wundern /
nachdem mein Gemahl selbst es von mir nicht hat wissen können. Sie gelangeten
hiemit vor dem SchlossTohr an / da Herkules das Bild beschauete / und von Fr.
Roxanen diesen Bericht empfing: Durchl. Fürst; wo sonst Menschen Hände die
Göttlichen Vollkommenheiten in etwas nachaffen oder entwerffen können / meine
ich / dieser Abguss solle etwas getroffen sein / welchen ich zeit der Abwesenheit
meines Gemahls zurichten lassen / und dannoch mir vorgenommen / den rechten
Abdruk niemand zuzeigen / biss der hochbegehrete Fürst Herkules verhanden währe;
nachdem nun die Götter denselben hergeführet / muss das geheime entdecket werden.
Was habt ihr dann vor ein geheimes / sagte Mazeus /das ihr weiters noch vor mir
verhehlen mögen? Sie antwortete ihm nicht / sondern befahl einem Schloss-Soldaten
/ auff das Tohr zusteigen / und des Bildes Hinterteil mit gewalt herunter
zureissen / da sich alsbald ein zierliches Fräulein-bilde sehen liess / und zun
Füssen diese Worte auf Medisch geschrieben: Valiska / eine Sonne aller Schönheit
/ Vernunft und Tugend / gebohrnes Königliches Fräulein / des Trefflichsten der
Welt Eigene. Bei Leib und Leben / sagte Mazeus /dass solches kein Mensch innen
werde. Also ward das Verdeck stündlich wieder daran geschlagen / und zwar so
feste / dass es ohn Werkzeug nicht kunte herunter gerissen werden. Herkules nam
hieraus ab / dz sie ihm hiedurch seine Liebe wollte zuverstehen geben / und ward
von ihr auff ein herrliches Gemach geleitet / weil Mazeus anderwerts zuordnen
hatte / und das Fråulein die Küche bestellen liess / welche Gelegenheit er in
acht nam / und zu Fr. Roxanen sagte: Hochwerte Freundin; ihrem Willen mich gemäss
zubezeigen / habe ich mich ungeseumet einstellen wollen / umb verständiget
zuwerden / was gestalt mein Fräulein lebe / und an was Ort sie sich auffhalte /
auff dass ich ihre Erlösung / wie ich hoffe / beschleunigen / und sie in ihr
Vaterland führen möge. Euer Durchl. Frl. sagte sie / gehets meines wissens sehr
wohl / und nachdem mein Gemahl unserm GrossFürsten / Herrn Phraortes das Geleite
nach Charas gegebe / wohin sie dann nohtwendig hat müssen geführet werden / da
sie / unsers GrossFürsten äusserstes Verderben abzuwenden /diese Reise selbst
inständigst begehret hat / so bin nach seiner Wiederkunft ich alles Verlauffs
umständlich berichtet worden. Erzåhlete hierauff die begebnis zu Charas mit dem
Fräulein / und meldete zulezt /was gestalt König Artabanus sich nicht allein
sehr gnädig gegen sie erzeiget / sondern in so heftige Liebe entbrand / dass er
sie stündlich vor sein GrossKönigliches Gemahl erklåret / und allen andern
Fräulein vorgezogen hätte. Dieser meinte solcher Zeitung wegen zusterben; die
schöne Farbe ward in ein Todtenbleich verendert / und weil die Knie ihn nicht
mehr halten wollten / fiel er ohn einiges Wortsprechen nieder zur Erden; dessen
sie so heftig erschrak / dass es ihr fast auch also ergangen währe; merkete doch
/ dass ihre dunkele Rede hieran schuldig wahr; Sie schüttelte ihn aber / biss
seine Geister wieder kahmen / und er seine Augen zugleich mit diesen Worten
auffschlug: Ach meine hochwerte Freundin / ihr saget mir wunderliche Zeitungen /
deren bei so gestalten Sachen ich mich nimmermehr hätte versehen können. Mein
werter Fürst / antwortete sie / nicht nehmet meine Worte unrecht ein; der König
hat das Fräulein zwar zum Gemahl erwählet / aber darumb sie noch nicht
geheiratet; dann weil ihrem damahligen vorgeben nach / sie ein Gelübde auff
sich hat / der Göttin Vesta noch über ein Jahr lang in Jungfräulicher Keuscheit
zudienen /hat der König ihr äidlich versprechen müssen / sie in solcher Zeit
durchaus unangefochten zulassen; Worauff sie dann mit ihrem zugegebenen
Frauenzimmer auff ein sehr wolverwahrtes Schloss in der Stad Charas geführet ist
/ woselbst kein Mannesbilde / auch der König selbst nicht zu ihr kommen darff.
Herkules ward durch diese Reden wieder ermuntert / bedankete sich der
geschehenen Erzählung / und weil er gnug spürete / dass sie seiner Heimligkeit
guten teils Wissenschaft trüge / baht er sehr / es als eine vererauete Freundin
im Herzen zubewahren / welches ihr nach aller Mögligkeit dereins sollte ersetzet
werden. Als nun Mazeus und das Fräulein wieder zu ihnen kahmen / und seiner
Farbe Verenderung wahr nahmen /gab er vor / er empfünde zuzeiten eine Vermahnung
vom Fieber / welches aber bald würde vorüber sein; Welcher geschwinden Erfindung
sich Fr. Roxane verwunderte / und als unwissend fragete / ob er der Ruhe
begehrete. Weil er nun dessen sich wegerte / wurden allerhand kräfftige
eingemachte Sachen auffgetragen /biss es Tischzeit wahr / da sie diesem ihren
lieben Gast nach aller Mögligkeit gütlich tahten / auch nach auffgehobenen
Speisen allen Verlauff mit Herkuliskus erzähleten / welches ihm grosse
Vergnügung und gewisse Hoffnung machete / Gott würde ihre Erlösung zum
gewünschten Ende ausführen; Insonderheit wahr ihm sehr angenehm / dass er in
Pharnabazus bessere Kundschaft kommen sollte / von dem er grosse Befoderung
seines Vorhabens hoffete; wäre auch gerne noch desselbigen Tages nach Ekbatana
auffgebroche /doch weil er von ihnen allen / nur biss auff morgen zubleibe /
bitlich ersucht ward / liess er sichs gefallen. Bei dem Abendessen fragte Frl.
Barsene den Schützen Batis / welcher aufwartete / ob ihm auch weiters nach einem
Wette-schiessen mit Herrn Herkuliskus verlangete; worauf er mit einem Seuffzen
antwortete: Er beklagete den Verlust seiner Gelder durchaus nicht / wann ihm nur
der Königl. Frl. Gnade könnte wieder erworben werden / dann er hätte mit seiner
Unbescheidenheit wohl verdienet / dass ihm harte Straffen aufferlegt würden;
jedoch weil die Götter (vor deren Tochter er dieses Fräulein hielte) durch Bitte
könten versöhnet werden / wollte er von seinem Gn. Herrn Urlaub bitten / nach
Charas zulauffen / ob er durch seinen Freund Timokles Gnade erlangen könnte.
Herkules fragete nach / wz vor ursach er håtte sich zubeschweren; Und nach
dessen Erzählung sagete er zu ihm: Guter Freund / euer Verbrechen ist eben so
gross nicht / und müste mir leid sein / dass dieses Fräulein /so mir verwand / an
diesem lieben Orte / einigen ungewogenen / oder der mit fuge sich über sie
beschweren kann / haben sollte / dessen ich euch aber wege eures grossen Verlustes
nichts vor übel halten könnte; Demnach versichert euch / dass ich nicht allein
aller Ungnade bei diesem Fräulein euch enteben / sondern eures erlittenen
Schadens euch ergetzen will; hiess darauf Gallus / ihm 800 Kronen zuzählen /
welche er auch / unangesehen Mazeus sehr widersprach / zu sich nehmen musste. Des
folgenden Morgens / nach eingenommenem Frühstük / machte sie sich fertig zur
kurzen Reise / dann Fr. Roxane und Frl. Barsene wollten der Freude zu Ekbatana
mit teilhaftig sein; und als Herkules willens wahr / sich in angestrichener
Farbe daselbst einzustellen / widerriet es Mazeus /weil der GrossFürst etwas
argwöhnisch / und zu ungleichen Gedanken geneigt währe; versicherte ihn daneben
/ er dürfte demselben kühnlich trauen / ob gleich Pharnabazus hohe Neigung nicht
währe. Also folgete er willig / legte ein schwarzes Kleid an / mit einem silbern
Grund / und eingewirketen güldenen Blumen / steckete einen schwarzen Federbusch
auf den Huet / welchen er mit einer köstlichen Demant-Kette fest machete; Die
Armbänder / so er von Frl. Lukrezien bekommen / trug er öffentlich / und liess
ihm Pferd und Harnisch nachführen / weil er mit Mazeus und dem Frauenzimmer auff
der Gutsche sitzen wollte. Auff halben Wege begegnete ihnen ein ansehnlicher
Ritter mit sechs reitenden Schützen / welchen Herkules ersehend / gar eilig
seinen Helm auffsetzete / und sein Brustarnisch anlegete / dz auf allen fall er
fertig sein könnte / und befahl Mazeus seinen acht Schützen / die hinter dem
Wagen her ritten / sich fertig zuhalten. Der fremde hatte gesehen / dz Herkules
ihm seine Waffen reichen lassen / welches er vor eine beschimpfung auslegete /
uñ durch seinen Leibdiener fragen liess / aus was ursachen solches / und obs ihm
zum Trotz geschähe? Dem Herkules zur Antwort gab: Reitet hin / mein Freund / und
saget eurem Herrn / ich habe meine eigene Waffen angelegt / welches mir zu Tage
uñ Nachte frei stehet / wie ihm auch; und ich darum ihn nimmermehr werde fragen
lassen / noch ihm meines tuhns und lassens Rede und Antwort geben. Damit wird
mein Herr schwerlich zufrieden sein / sagte der abgeschikte; welches Herkules
mit wenigem also beantwortete: Und von mir wird er noch schwerlicher eine andere
Antwort bekomme /sprang damit aus der Gutsche / setzete sich auff sein gutes
Pferd / uñ mit Schild und Speer ritte er neben dem Wagen her / mit Mazeus
Sprache haltend. Jener trotzige lachete der empfangenen Antwort / und liess ihm
zum andern mahl gebieten / stille zuhalten / und die Waffen abzulegen / hernach
wann er würde vorüber sein / sollte ihm frei stehen / dieselben wieder anzulegen.
Worüber er sich etwas eiferte / und durch Plautus seinen Dolmetscher ihm
antworten liess: Er befünde sich wegen Anfoderung seiner Waffen / an seinem
ehrlichen Ritter-Nahmen beschimpfet sein /daher er ihm in güte abtrag machen /
oder des feindlichen Angriffs sollte gewärtig sein. Dessen sich aber jener so
hart beleidiget befand / dz er seinen Säbel blössete / den Anbringer
niderzuhauen / währe auch ohn zweifel geschehen / wañ dieser nicht durch seines
Pferdes geradigkeit sein Leben gerettet hätte. Herkules sah solches / uñ rante
eiferig hinzu / ihm von ferne zuschreiend / es müste ihm dz Lebe kosten / dafern
er sich an seinem Diener unredlich vergreiffen würde. Weil dann jener darauf
einhielt / und zurück zohe / sein Speer zu hohlen / welch Herkules auch /das
übrige seines Harnisches anzulege / weil er sich der feindlichen Pfeile
befahrete. Mazeus kunte nicht ausssinnen / was dieser vor ein frevelmuhtiger
Ritter sein musste / welcher sich sehr unbendig erzeigete /und imerzu winkete /
dass man ihm begegnen sollte. Weil dann Gallus in voller Rustung ritte / wollte er
sich gegen ihn wagen / nam das Speer zur Hand / und setzeten ganz grimmig
auffeinander / aber mit seinem grossem Nachteil / massen er nicht allein
getroffen und aussgehoben / sondern auch an der rechten Schulter zimlich
verwundet ward / dass er wohl empfand / er währe schon undüchtig gemacht / das
Schwert zu gebrauchen; der Fremde / nach volbrachtem Lauffe /wollte mit dem Såbel
uber ihn her / und ihn vollends hinrichten / aber Herkules ritte zu ihm hin /
und sagte: Höret ihr stolzer Ritter / mit mir müsst ihr zuvor stechen / ehe ihr
dz Schwert gebraucht / hernach tuht was euch gefält; Gallus nam diese
Gelegenheit zu seiner Rettung in acht / hatte sein Pferd noch beim Zugel /
setzete sich drauff / und musste nach abgelegtem Harnisch ihn der Schützen einer
verbinden. Der Fremde aber gab unserm Herkules zur Antwort / du nichts werter
Tropf must neben deinem Gesellen sterben /und hättestu noch fünff Harnische
übereinander angezogen. Du stolzer Schänder sagete er / du must mich zuvor käuen
/ ehe du mich einschluckest / drum setze dich ritterlich / so will ich forschen /
ob dein oder mein Tod der näheste sei. Also ritten sie vonander / und nahme
einen raumen Lauff / traffen auch dergestalt /das die Speer splitters weise in
die Luft fuhren / und keiner gefellet ward / wiewol Mazeus unserm Herkules den
Preis zulegete / und sich über seiner Stärke verwunderte: Sie hatten bald andere
Speer zur Hand /wageten den andern Saz / und wirketen dergestalt /dass unserm
Herkules sein Schild durchstochen ward /und das Speer ihm zwischen der Seiten
und den linken Arme hindurch fuhr / dass es schien / als wåhre er durch uñ durch
gerennet; Der fremde aber taht einen unwilligen und sehr unsanften Fal / dass ihm
die Rieben im Leibe knacketen / und mühe hatte wieder auffzustehen; als er nun
sich wieder in den Sattel gerichtet hatte / machte er mit der rechten Hand
etliche verwunderungs Zeichen / über seiner Niderlage / und schickete sich zum
Schwertstreite. Herkules hatte Zeit / dz Stücke vom Speer aus seinem Schilde
zureissen / und hoffete / dieses hochmühtigen Verwägenheit schier zu dämpffen.
Sie fielen wie tolle Hunde / besser zusagen / wie wütige Löuen auffeinander /
und getrauete ein jeder seinen Feind in den Tod zu schicken / daher sichs nicht
anders ansehen liess / als wåhre das Feur aus ihren Schwertern gesprungen;
anfangs wahren sie beide gleiche munter / aber nicht gleiche behutsam /in
welcher Tugend Herkules weit ubertraf / und seinem Feind gar zeitig etliche
Wunden anbrachte / welches zuleiden dieser ungewohnet wahr / und es doch nicht
endern kunte / woruber er in heftiger Wuht mit den Zähnen kirrete / dz es über
etliche Schritte gehöret ward. Aber Herkules liess sich dadurch nicht schrecken /
sondern sagte; ich befinde mich gleichwol noch ferne von deinem Maule / und
beissest schon so Hundisch zu; schlug ihn auch zugleich über das Helmgesicht /
dass ihm das Maul davon schmerzete; noch wehrete er sich nach bestem vermögen /
und trieben sie den Kampf / dass endlich ihre Pferde ermüdet / keinen festen Trit
mehr tuhn kunten / welches sie machete absteigen / umb ihr Heil zu fusse zu
versuchen / da der Fremde / nahmens Susag / ein hochbeschriehener Skytischer
KriegsOberster / mit unserm Herkules bald hoffete fertig zu werden; wie wohl ihn
seine Meinung umb ein grosses betrog; dann ob er zwar viel gröber und stårker
von Knochen und Gliedmassen wahr / als unser Held / wusste doch dieser durch
seine Geschwindigkeit alles doppelt zu ersetzen / uñ richtete ihn also zu / dass
sein Harnisch blutroht gemahlet ward / auch zimliche Pfüele Blut von ihm auff
der Erde stunden / welches ihm seine Kraft / aber nicht den Troz benam / dass er
den redlichen Held als einen Hundebuben aussschalt / welcher sich dannoch den
Eifer nicht wollte übernehmen lassen / sondern zu ihm sagte; ich merke wohl / dass
deine schåbichte Zunge suchet mich zu tödten / nach dem weder dein Speer / noch
dein Såbel / noch deine Zähne des vormögens sind: und hätte ich mich über dich
erbarmet /wañ du dich dessen selbst nicht unwirdig machetest. O du verzåuberter
Bube / fing dieser an / mein Säbel und Speer sind noch auff keinem Stahl oder
Eisen abgeglitschet. Du must auffhören zu schmähen und zu trotzen / fiel ihm
Herkules in die Rede / und schlug ihn damit über den Helm dass es wie eine Glocke
döhnete / wodurch dieser dutzig ward und zur Erden stürzete; da ihm Herkules das
Häupt gar blössete /und ihn wieder zu sich selbst kommen liess / umb zusehen /
wie er sich bezeigen wurde / erkennete auch aus dem scheusslichen Angesichte was
vor eine ungeschlieffene Seele in ihm wahr. Dieser / als er sich erhohlet hatte
/ und das Häupt bloss merkete / sagte er zu ihm selber. Je du schlimmer nichts
werter Susag /hat man dich darumb den uberwinder bisher genennet / dass du dich
nieder stossen und schlagen lässest? auff welche Rede er ihm selbst die Kehle
mit seinem eigenen Säbel rein abschnitte / und aus dieser Wunde das übrige
seines Blutes aussschüttete. Herkules schickete alsbald einen Schützen an seine
Leute / und liess ihnen sagen / dafern sie könten ruhig sein / sollte ihnen kein
Leid wiederfahren; welches diese vor bekant annahmen / und ihre schon
auffgelegeten Pfeile wieder in den Köcher stecketen; auch ihrer einer zu
Herkules ritte / mit der Frage / ob er ihnen noch etwas anzusagen hätte. Mazeus
sprang aus der Gutsche /und sagte: Er wollte sie vor aller Gefahr versichern
/dafern sie redlich bekennen wurden / wer ihr Herr gewesen / und aus was
Ursachen er solchen Stolz und Frevel getrieben. Warumb sollten wir solches
verschweigen? antwortete dieser; Unser gewesener Herr wahr der Welt beschrihene
Skyte / Herr Susag / welcher seinem Könige Skolotus so mannichen Sieg erhalten
/ als nie keiner vor ihm / ist auch biss daher unüberwindlich geschätzet worden /
massen er in einem Tage mit XXI Rittern solchergestalt gekämpffet / dass er
anfangs einen / hernach zween / weiters drei / und immerzu einen mehr / biss auff
sechse vorgenommen /und sie alle hingerichtet hat. Ich habe zu Charas noch
neulich von ihm gehöret / sagte Mazeus / und bekomme nun die Ehre / ihn
überwunden zu sehen. Ja / antwortete dieser / mich däucht es träume mir seine
Niderlage / und wird man uns an unsers Königes Hofe ein solches nicht gläuben /
dass durch einen einzigen jungen Ritter im auffrichtigen Kampffe er gedemühtiget
sei. Herkules antwortete ihm: Also pfleget Gott allemahl den Hochmuht zu dämpfen
/ aber was hatte dieser Susag doch auff meine Waffen zusprechen? Nichts / sagte
dieser / als dz er sie nicht leiden kunte. Dass wahr gar zu ein grosser Frevel
antwortete er /und zwar in eines andern Herrn gebiet. Ihr aber sollet mit eurer
Gesellschaft freien Abzug haben / dafern ihr mir schwören werdet / dass ihr alles
an eurem Ort redlich erzählen wollet / wie ihrs gesehen und gehöret habet; und
daneben anzeigen / dass ein fremder Ritter aus weitabgelegenen westnordischen
Ländern bürtig ihn gezwungen habe / dass er ihm seine Waffen hinfüro werde müssen
unangeschriehen lassen. Ja mein Herr / antwortete dieser / wir wollen solches
angeloben / und als redliche auffrichtige Skyten leisten. Mazeus fragete weiter
/ was Susag dieser ends zuverrichte gehabt; er antwortete; ihm währe gesaget
worden / dass seiner nahen Anverwantinnen eine von sechs Assyrischen Rittern aus
Parten heimlich hinweg geführet währe / wie wohl gesagt würde / sie hätte sich
gerne darzu gebrauchen lassen; weil aber Susag ihm solches vor einen grossen
Schipf angezogen /währe sein Vorhaben gewesen diese sechse auff einmal und in
einem Kampffe zubestehen. Diese / antwortete Herkules / werden sich seinetwegen
weiters nicht zu befürchten haben; ihr aber möget euren Susag mit euch führen /
oder hieselbst bestatten /nach eurem gefallen. Seine Waffen / sagte dieser
/wollen wir seinem Bruder Arguntis mit ubernehmen / aber der Leichnam würde uns
stinkend werden. Hiemit machten die unsern sich wieder auff ihren Weg /und nach
abgelegten Waffen / setzete sich Herkules an seinen Ort in die Gutsche / da er
wegen seiner Tapfferkeit sich von dem Frauenzimmer gnug musste rühmen lassen. Sie
wahren kaum eine halbe Meile weiter fortgezogen / da sahen die Beireuter in der
Nähe einen ungeheuren Löuen auff ein erschrockenes Weibesbilde ansetzen /
worüber sie ein lautes Geschrei ergehen liessen / dessen Herkules sich in etwas
entsetzete / von der Gutsche sprang / und mit entblössetem Schwert gleich als im
Sprunge dem Löuen entgegen lieff; Als nun das Tihr auff das elende Weib anfallen
wollte / stellete er sich zwischen ein / und mit einem Hiebe schlug er ihm beide
Tatzen ab / dass er zur Erden stürzete und grausam brüllete; er aber reichete ihm
noch einen Stoss in die Seite / uñ richtete ihn damit hin. Das armselige Weib
hatte sich ihres Lebens schon getröstet fiel vor ihm nieder / und bedankete sich
demühtig / daneben wünschend / der gütige HErr JEsus möchte ihm solche Woltaht
hier zeitlich und dort ewiglich belohnen / weil in ihrem Vermögen es nicht
stünde. Herkules den allersüssesten nahmen JEsus in dieser Fremde hörend / ward
voller freuden / hielt es vor ein sonderliches gnaden Zeichen / richtete das
Weib auff / und als er vernam / dass sie eins Witwe wahr / schenkete er ihr eine
ganze Hand vol Kronen / gleich da Mazeus herzu kam / und zu ihm sagete: Euer Gn.
haben uns des Schreckens bald benommen / als die ohn zweifel dergleichen Tihre
mehr wird erleget haben. Er aber antwortete / ihm währe auff der ganzen Reise
kein Löue auffgestossen / hätte auch nie keinen im freien Felde lauffen sehen
/meinte doch / dass ihnen leicht zubegegnen und beizukommen währe / wann man nur
gute Auffsicht auff sein Vornehmen hätte; setzete sich wieder auff die Gutsche /
und weil ihm Anleitung gegeben ward / fing er eine Rede an von des Menschen
Vortrefligkeit über andere Tihre. Wir haben / sagte er / dem grundgütigen Gott
hoch zu danken / dass er uns Menschen eine vernünftige Seele eingegossen / und
diesem Teile nach /uns unsterblich gemacht hat; dann durch anführung dieser
verständlichen Kraft können wir nicht allein die wunderbahren mañigfältigen
Geschöpfe erkennen /sondern auch diesem selbst nach fragen / der solches alles
in ihrem Wesen darstellet / und die Oberverwaltung über Himmel und Erden führet.
O wie eine süsse Belüstigung unserer Seelen ist es / wann man Gottes wahre
erkäntnis hat / und nach dessen Willen zu lebenweiss! Gleich wie aber die
mächtigsten Tihre den allergrösten Schaden tuhn / wann sie ihre Krafft in eine
Wuht verwandeln; also wirken auch wir Menschen das allergröbeste übel / wann der
Seelen Vermögen aus den Schranken der Gottesfurcht und Erbarkeit losbrechen /
und den Lüsten des Fleisches nachhängen; welcher Frevel dann leider in der Welt
so gemein und durchgehend ist / dass die Erbarkeit kaum neben ihm demühtig
herzukriechen / Raum findet. O wie mannichmahl sehen wir die Frecheit der
Gottesfurcht überlästig sein? Ja was ist täglichers / als dass Tugend den Lastern
die Füsse küssen muss? Dieses alles rühret aus Fleisches Bosheit her / welche der
Seelen die Augen blendet / dass sie den gebührlichen Zweg nicht absehen kann /
nach welchem sie zuzielen befuget ist; und wann sie es gleich sihet / ist doch
der Boge zu schwach / die Sehne zu schlapff / der Pfeil zu fladdericht. Hingegen
wo die Begierden der Billigkeit die Herrschaft gönnen / ei da leuchtet des
Menschen unvergleichliche Hocheit hervor / und lässet sich sehen / auch mitten
im tunkeln / in dem der Mensch alle Gültigkeit der Seele hinwendet zu dem / dass
ihm von Gott und dem Recht eingebunden ist. Kein vernünftiger widerstehet
seiner eigenen Wolfahrt / und ein unvorsichtiger nimt derselben nicht eins wahr
/dann er kämpffet wider seine eigenen Vortel / wann er sonst nichts zutuhn hat /
und rennet willig ins Verderben / ehe man ihn jaget; Das macht / er schämet sich
von Tugendhaften zulernen / was ihm selig ist; ja verlachet noch wohl denselben
in seinem woltuhn / ob er gleich sihet / dass ein solcher von Gott durch alles
Gewitter frei hindurch geführet wird; und wie könnte etwas schädliches haften /
da man Gott zum Führer wählet? Wie könnte es anders als glücklich ausschlagen / da
Tugend das Fähnlein schwinget? Ich heisse aber das nicht Glük / von Königlichem
oder sonst ädlem Geblüt entsprossen sein; Ich heisse das nicht Glük /die Kasten
und Säcke mit der Welt Narren-Schellen /den güldenen und silbernen Pfennigen
gefüllet haben; Ich heisse das nicht Glük / des Leibes Kräffte in aller
Gesundheit brauchen; wiewol auch diese Stücke eigentlich und an sich nicht
unglücklich sind; sondern Glük ist Gottes Gnade; Glük ist ein gutes Gewissen;
Glük ist ein fröliches Herz / auch mitten im Tode /und auff der Folterbank; dann
Leibesweh ist so ein schädliches übel nicht / wanns von Gott zur Besserung
herrühret. Aber der Seelen Krankheit / die trifft gar zustränge / die verwundet
gar zu gefährlich / die tödtet gar zu herbe / weil sie Gottes Hulde störet / und
dem innerlichen Peiniger / ich verstehe das böse Gewissen / uns in die Hände
liefert. O du undankbare Welt / wie darffstu deine Augen gen Himmel wenden / da
du das höchste Gut / dir von Gott verlihen / ihm entgegen stellest? Die Seele
meine ich / welche du zwingest / dem Fleische unterwürffig zu sein / und der
üppigkeit die folge durch Wasser und Feur zuleisten. Wer rühmets an einem
Untertahnen / dass er seines Fürsten Freigebigkeit zu dessen Verderben
gebrauchet? wie ist dann derselbe in den Augen Gottes zuachten / welcher das
gröste Himmelsgeschenk wider den Himmel selbst kehret / und stürmet auff den zu
/ welcher ihm die Krafft zustürmen verlihen hat? Hieran sind alle muhtwillige
schuldig / die ihrer Seelen Wirkung durch Liebe zur Leichtfertigkeit und
Fleisches Wollust von der Bahn abzihen / auf welcher sie zuwandeln von Gott
erschaffen sind / könten auch folge leisten / wann sie das böse diesem besten
Teil nicht zustränge eindrücketen / sondern dem Frevelmuht das Gebiss anlegeten /
wann er zur seiten ausweichet / und mehr den süssen / als gesunden Speisen
nachhänget. Wer nun diesem übel einzureden kühn genug ist / der allein geneust
des Lebensaffts / welcher durch der Seelen Wirkung eingetrüpffet wird /und umb
so viel häuffiger / je beständiger er auff die Tugend ansetzet. Ich bekenne /
dass einem Gottlosen Menschen besser währe / ein Klotz zu sein; Aber wåhre auch
dem jezt erschlagenen Löuen nicht besser / dass er zum Hasen oder Eichhörnichen
gedien wäre? Noch bleibet Löuenadel wohl über anderer Tihre Gültigkeit; aber weil
er Wuht vor Krafft / blinden Anfall vor Vorsichtigkeit brauchte / musste ihn
seine eigene Last stürzen. Also muss ich der Ursach halben menschliche
Vortrefligkeit nicht schänden / ob gleich der boshafte mehr ubels als einiges
wildes Tihr begehet / sondern Vernunft bleibet in sich gut und heilsam / wann
das böse nur gemieden wird / und wer seinen Verstand zum guten anwendet / hat
unter allen Geschöpffen Gottes seines gleichen nicht; Ja wann er diesem
gehorsamet / verbindet er ihm denselben / dass er ihn weder in Nöhten stecken
lassen / noch die Hülffe ihm versagen kann. Mazeus und die seinen / sahen ihn /
weil er dieses redete / mit unverwendeten Augen an / und gedauchte sie / weder
lieblichere Stimme /noch holdseliger Angesicht / noch züchtigere Geberden
jemahls bei einigem Mannesbilde gespüret zuhaben / und nahm sie wunder / dass er
in seiner Rede des ergangenen Streites so gar mit keinem Worte gedachte / als ob
er nichts davon wüste; so wollte ihrer niemand antworten / um ihn dadurch
zureizen / dass er seinen anmuhtigen Worten noch länger folge gäbe. Weil er aber
geschlossen hatte / sagte Mazeus endlich: Durchl. Fürst / es muss warlich ihr
Teutschland treflich gelehrte Männer haben / welche der Jugend so hohen Verstand
so frühzeitig beibrigen / und in der ersten Frecheit der kindischen Jahre sie
zur Tugend anführen köñen. Man hat ja vor diesem in Persen auch weise Lehrer
gehabt; aber heut zu tage finde ich bei ihnen nur dieses / dass sie uns diesen
oder jenen Stern am Himmel zeigen / und mit errichteten Kreissen uns ihren Lauff
einbilden; dann fahen sie von deren Wirkungen an: Dieser bringe trockene Dürre;
Jener nasse Feuchte; Unter jenem Gestirn geboren werden / mache beherzt; unter
diesem gelehrt / reich /faul / aberwitzig / glücklich / frech / wollüstig / und
so fort an; Aber wie unsere Seele mit Gottesfurcht und Tugend müsse
ausgeschmücket werden / davon wissen sie nichts / wie solches ihr Leben und
Wandel gnugsame anzeige tuht / in dem sie in aller Unzucht und Schande sich
wälzen / und zum Nuz des Vaterlandes keine Ader anwenden. Das sind die
allerschådlichsten Lehrer / sagte Herkules / die mit ihrem Leben ein Haus
niderreissen / wann sie durch die Kunst etwa eine Wand getünchet haben; wiewol
ich ihre Unterrichtung und Lehre selbst vor schädlich halte / als wodurch sie
die ihnen anvertrauete Jugend entweder sicher oder verzagt machen / da einer
gedenket / mein guter Stern wird mir schon das versprochene Glük zuwenden; Der
ander: Meine Mühe nach dem guten ist umsonst / weil mein Himmelszeichen mir
daran verhinderlich ist / und sie also alle beide durch Verleitung ihres
Lehrmeisters ins Verderben gerahten. Aber gibt es in diesen Ländern sonst keine
andere Lehrer? Jenes elende Weib / sagte er / welches dem Löuen fast im Rachen
steckete / liess unter ihrer Danksagung sich etlicher Reden merken / aus welchen
ich muhtmasse /dass sie in der Gottesfurcht zimlich müsse unterwiesen sein /
gestaltsam sie mir einen nennete / welcher von den Christen (wie man sie
heisset) vor den wahren GOttes Sohn gehalten wird. Ja / antwortete Mazeus /es
finden sich dieser Orten auch Christen / und zwar unter den gemeinen Leuten / in
zimlicher Menge; doch müssen sie sich in ihrem Glauben heimlich halten / weil
ihre Verfolger ein wachsames Auge auff sie haben / und sie zur erschreklichen
Straffe zihen / da sie einige Missetaht auff sie bringen können. So ist überdas
ihnen jederman gehässig / weil sie alle andere Götter verachten / und / wie man
saget / einen Gekreuzigten anbehten / und über alles erheben. Nichts desto
weniger stehen sie auff ihrer Meinung so feste /dass sie auch durch Feur und
Schwert davon nicht mögen abgebracht werden. Aber ihre Lehrer werden von uns
nicht gehöret / damit man sich mit ihrem törichten Aberglauben nicht beschmitze.
Herkules gab zur Antwort: Ich habe die Christen zu Rom auch lernen kennen / und
anfangs nicht anders gemeinet / sie währen ein wahnwitziges / und ihrer Sinnen
beraubetes Volk / dass ich ihrer neben andern zuspotten pflag / da ich doch /
meines wissens / keinen gesehen hatte; aber so bald ich dessen besser
unterrichtet ward / und ihren erbaren Wandel und heilige Werke sah / bekam ich
Lust / mich ihres Gottesdienstes etwas besser zuerkündigen / befand auch / dass
ihre Widerwärtigen ihnen viel dinges aufdringen / dessen sie durchaus nicht
schuldig sind. Zwar man gibt insgemein vor /sie geben ursach zu Auffruhr / sie
treiben Unkeuscheit bei ihrem Gottesdienste / und was der Aufflagen mehr sind;
aber wie kann solches und der gleichen von ihnen gemuhtmasser werden? sintemahl
sie weder nach weltlicher Herschaft trachten / noch / die mit groben Lastern
beschmitzet sind / in ihren Versamlungen dulden. So hat ja noch keiner / der
sich von ihnen abgesondert / jemahls gestanden / oder mit Warheit dargetahn /
dass solche und dergleichen Sünde von ihnen sollten begangen sein / oder gut
geheissen werden. Ich weiss wohl / dass an etlichen Orten es schändliche Menschen
gibt / welche sich vor Christen halten / und doch weder in der Lehre noch im
Wandel denselben im geringsten gleich sind / sondern sie verbergen sich unter
solchem fälschlich angenommenen Nahmen / und währen wert / dass wegen ihrer
Unfläterei und Sünde sie vertilget würden / daher auch die wahren Christen mit
denselben nicht die allergeringste Gemeinschaft haben / sondern sie vor Ketzer
schelten / und zu Gott ruffen / dass er sie verstören wolle. Mazeus antwortete:
Ich habe der Christen tuhn und lassen wenig wahr genommen / wann sie aber der
Frömmigkeit der gestalt er geben sind / kann ich nicht absehen / aus was ursachen
man ihnen so auffsätzig ist / dass man ihnen auch die gemeine Lufft nicht gönnen
will. Es mag sich mein Herr wohl versichern / antwortete Herkules / dz sichs
ingemein mit ihnen also verhält / habe ihnen auch verheissen / als lange sie
dergestalt leben / wolle ich ihnen alle hohen Häupter /mit denen ich in
Kundschaft gerahte / nach Vermögen gnädig und geneigt machen; und da ich meinem
Herrn ein solches ihretwegen anmuhten darff / habe ich darumb fleissig zubitten.
Mazeus erklårete sich hierauff / ob gleich sein Vermögen schlecht und geringe
währe / wollte er doch bei zufallender Gelegenheit nicht unterlassen / diesen
Leuten eines solchen Fürsten Vorbitte geniessen zulassen. Also brachten sie die
Zeit mit Unterredungen hin / biss sie vor das Stad Tohr kahmen / da Herkules das
Liebe Zeichen etliche mahl angeschrieben sah / und zu Mazeus sagete: Sehet mein
Herr / dieses Zeichen ist mein Leitstern gewesen / welcher nähest Gott mich
diesen Weg / von Tyrus her / geführet hat. Es ist uns wohl bewust /sagte Fr.
Roxane / habe auch nach unser gnädigste Fräulein begehren / unterschiedliche
Reuter ausgeschikt / um zuerforschen / ob Eure Durchl. in den mit diesem Zeichen
bemahleten Herbergen nicht gewesen währe / deren aber noch keiner zurück kommen
ist. Als sie in der Stad vor dem Schloss Tohr anlangeten / da es fast umb den
Mittag wahr / stiegen sie ingesamt vom Wagen / und gingen zu fusse hinauff. Im
innersten Platze funden sie den GrossFürsten mit Pharnabazus ein ernstliches
Gespräch halten /wurden auch von ihnen nicht gesehen / biss Pharnabazus sich
umwante / und unsers Herkules gewahr ward / welchen er ansehens kennete / und zu
den GrossFürsten sagete: Hilf Gott! da komt der teure Fürst Herr Herkules her!
trat ihm geschwinde entgegen / und empfing ihn nicht viel geringer als einen
herschenden König. Herkules hingegen umfing ihn mit beiden Armen / und sagete:
Mein hochwerter Herr und Freund / ich bitte sehr / mich mit so überflüssiger
Ehre nit zubelasten / sondern der fest versprochenen aufrichtige Freundschaft
eingedenk zusein / als welche mich angemahnet hat / meinen werten Herrn uñ
Freund nicht vorbei zugehen / da ich denselben in der nähe sein / vernomme habe;
erfreue mich auch von herzen / Gelegenheit zufinden / das wolangefangene
fortzusetzen. Hiemit trat er zu dem GrossFürsten / erwies ihm sonderliche Ehre /
und redete ihn mit diesen Worten an: Grossmächtiger GrossFürst / dass ungemeldet
meiner Ankunft / auff diesem Königlichen Schloss ich erscheinen dürffen /
darzu hat mich mein Freund / Herr Mazeus verleitet; weil aber dieses meine
Unhöfligkeit nicht entschuldigen kann / als bitte Eure Durchl. ich demühtig um
Verzeihung / dero ich mich ohn einige Bedingung zu allen möglichen Diensten
anerbiete. Der GrossFürst antwortete ihm: Wessen Eure Liebe sich gleich jezt
gegen meinen geliebeten Oheim beschweret / hätte ich grosse ursach / gegen Eure
Liebe zuwiederhohlen / die ich als einen hochgewünschten Freund sehr wilkommen
heisse / mit Bitte / dieselbe sich des meinigen nicht anders als ihres
Eigentuhms kühnlich gebrauchen wollen. Herkules wendete ein: Er liesse sich
hieselbst bloss als ein umschweiffender Ritter finden /dannenhero ihm nit
gebühren wollte / sich seiner Durchl. gleich zuschätzen / bähte demnach
untertähnig / dieselbe wollten ihm nicht auffdringen / wider gebühr und willen
unhöflich zusein / dann seine schuldigkeit währe ja / nicht allein Ihrer Durchl.
selbst /sondern auch dero hohen Beamten gehorsam und folge zuleisten. Küssete
ihm darauf die Hand / und befahl sich seiner Grossfürstl. Gewogenheit. Fr. Roxane
hatte sich alsbald nach dem Frauenzimmer gemacht / und des Fürsten Ankunft
vermeldet / derhalben die GrossFürstin einen ädelknaben herunter schickete / ihr
Gemahl wollte sich belieben lassen / den angenehme Gast hinauf zuführen. Woselbst
nun Herkules seine Höfligkeit spüren liess / und nach gebohtenem Handkusse also
redete: Durchleuchtigste GrossFürstin / die Unruhe durch meine Ankunft erwecket
/muss ich mit der Nohtwendigkeit entschuldigen / die mich treibet / einer
Fräulein nachzufragen / deren ich auff unterschiedliche weise hoch verbunden
bin; Als ich nun in Erfahrung gebracht / was grosse Ehre und Liebe derselben
alhie erzeiget worden / ist meine höchste Schuldigkeit / die Danksagung davor /
mit Worten abzulegen / weil des Vermögens Unkrafft mich an die Wiederleistung
nicht hinlässet. Es sein aber Ihre GrossFürstl. Durchl. eines ergebenen Knechtes
an mir versichert / so dass in dero Diensten mein Leben zuwagen / mir die höchste
Vergnügung bringen sollte. Sie aber antwortete ihm: Durchleuchtigster GrossFürst;
gewisslich erwecket Euer Liebe ankunft durchaus keine Unruhe / weil man derselben
mit höchstem Verlangen erwartet hat; Dem Königl. Fräulein habe wegen ihrer
Verstellung ich wenig Ehre und Dienste erzeigen können / sollte aber ihr
Geschlecht und Stand mir kund worden sein / würde ich mich bemühet haben / ihr
besser zur hand zugehen; muss also die Unwissenheit zur Entschuldigung
einschieben /und daher mich befleissigen / den an dem Königl. Fräulein
begangenen Fehler / auff zugelassene weise zuverbessern. Der junge Fürst
Arbianes kam wieder zu hause vom Lustreiten / und ward ihm im Schlossplatze
gesagt / es währe ein trefflicher schöner Herr /mit Mazeus ankommen / dem
vorigen Herkuliskus fast ähnlich. O Dank sei allen Göttern / sagte er / es wird
gewisslich der treffliche Held / Fürst Herkules sein / durch dessen Unterweisung
ich in ritterlichen Ubungen etwas zu fassen gedenke; blieb ein wenig stehen /
und bedachte sich / wie er ihn empfangen wollte; stieg alsbald hinauf / und als
er in den Saal trat neigete er sich gegen ihn / küssete ihm die Hand / und
redete ihn also an: Durchleuchtigster GrossFürst /hoch berühmter Held; nach dem
die Götter mein Begehren erfüllet / und ihrer Durchl. den Weg hieher gezeiget /
verhoffe ich / dieselbe werden meiner demühtigen Bitte Stat geben / und mich in
die Zahl ihrer Diener einschreiben / damit aus ihrem Leben und Tahten ich fassen
möge / was einem gebohrnen Fürsten schier heut oder Morgen Ruhm und Ehre
bringt. Aus diesen lezten Worten vernam er / dass er der junge Fürst wahr / taht
ihm gleiche Ehre an / und gab ihm zur Antwort: Warumb machet mein Durchl. Fürst
mich vor ihren geliebten Eltern / und dieser ganzen hohe Gesellschaft so
schamroht / dass ich nicht weiss /wie ihrer Liebe ich mit Worten begegnen soll?
Zwar meine geringe Tahten werden das Lob mir anjezt gesprochen / nimmermehr
erreichen / ob ich gleich tausend Jahr leben sollte; aber ein Freund uñ williger
Diener des Gross-Fürstl. Medischen Erben zu sein und bleiben / erbiete ich mich
mit auffrichtigem Herzen / will mich auch nimmermehr wegern / vor ihrer Liebe
Wolfahrt / mein Schwert / wie kraftlos es gleich ist / gerne zu führen / und in
ihrer Gesellschaft mich mit zugebrauchen / als welche ich schon so tapfer / und
in ritterlichen Ubungen erfahren weiss / dass sie meiner geringschätzigen
Unterweisung durchaus nicht bedürffen. GrossFürst Phraortes antwortete: Hoch
berümter Fürst; mein Sohn zeigt ja noch seine Begierden / dass ihm deren
Gesellschaft und Unterweisung / die durch Tugend den Weg der Unsterbligkeit
suchen / angenehmer ist / als welche auff ihre Macht und Gewalt sich verlassend
/ ihrem Willen folge leisten / und nach den Lustreizungen des gemühtes Kräfte
lenken. Herkules sagete hierauff; es hat auch mein hochwerter Fürst von einem
solchen Vater nicht anders können angeführet werden / und schätze mich billich
glückselig / wann unter dergleichen Gesellschaft ich mag gerechnet werden;
zweifele nicht / ihre Durchl. werden vor genommene Mühe die schöne Frucht des
aussgesträueten Samen / in kurzen / reichlich einernten. Die GrossFürstin mengete
sich mit ein /vorwendend / die Speisen würden kalt werden; daher die Gesellschaft
sich zu setzen genöhtiget ward. Bei dem Mahle gab es unterschiedliche Beredungen
/ und erzählete Arbianes seinem Vater / was gestalt ihm auff dem heutigen kurze
Wege zwo wichtige Begebnissen auffgestossen währen / und zwar fast an einem
Orte; Vor erst hätte er einen sehr grossen erschlagenen Löuen im offenen Felde
liegen sehen / dem die beiden Tatzen abgehauen gewesen; bald hernach währen
sechs Skytische Schützen hinter ihm angeritten / mit Panzern verwahret / deren
jeder ein Stük eines mit Blut gefärbeten Ritter-Harnisches und blosses Schwert
bei sich geführet / hätte deren herzunahung erwartet / uñ nach befragung zur
Antwort bekommen / der gewaltige bisher unüberwindliche Skytische Kriegs
Obriste / H. Susag währe etwa vor anderhalb Stunden von einem jungen fremden
Ritter im auffrichtigen Kampf zur Erden gebracht und seines Helms beraubet /
worauff er ihm selbst vor Unmuht wegen der Niederlage die Kehle abgeschnitten /
dessen Leichnam sie in die Erde begraben / und seine Waffen mit sich führeten /
wie ihnen von dem Uberwinder erläubet währe. Was? sagte Pharnabazus / ist der
Frevelmühtige baumstarke Skite Susag durch eines einzigen Ritters Hand
gedämpffet / von dem vor beständig gesagt wird / dass er schon vorm Jahre über
260 Ritter im offenen Streiterschlagen / und er mannichesmahl deren fünff oder
sechse auff einen Bissen genommen. O wie hoch wird durch diese Zeitung ein
vornehmer Fürst erfreuet werden / welches ersten tages von mir zu schreiben ich
nicht umbgang haben kann. Mein Oheim schreibe solches nur kühnlich /sagte Mazeus
/ dann ich habe diesen Kampf mit Augen angesehen / in welchem er inwendig einer
halben Stunde von gegenwärtigem Teutschen GrossFürsten ist nie dergeschlagen
worden; und hat eben dessen Schwert den gedachten Löuen auch in den Tod
geschicket; erzählete darauff allen Verlauff eigentlich; worüber die Anwesende
sich höchlich verwunderten /und Arbianes wünschete / das Glük gehabt zu haben
/dass er diesen Kampf hätte mögen ansehen. Mazeus fragete Plaucus / der bei der
Mahlzeit auffwartete /wie es umb seinen verwundeten Spiessgesellen stünde /
worauff der GrossFürst alsbald befahl dass er aus der Herberge / in welche er /
sich heilen zu lassen / eingekehret wahr / nach dem Schloss gehohlet / und
auffs beste gepfleget würde. Nach abgetragenen Speisen fragete die GrossFürstin
Herkules nach Königs Ladaisla Wolergehen; und vernam / dass sie auff der Reise
nicht aneinander getroffen / hoffete doch / dafern er auff dem Wege keine
Verhindernis gehabt / dürffte er schon in Parten angelanget sein. Pharnabazus
fragete nach Leches / welchen er wegen seiner Rittermässigkeit sehr rühmete /
mit wünschung / die Gelegenheit zu haben / dass er ihm einige Dienste und
Freundschaft leisten könnte; fragete auch nach seinem Stande und Herkommen / und
wahr ihm liebe / zuvernehmen / das er nicht von geringem Adel / sondern
Herrenstandes währe / so dass er der Mutter nach / dem Königlichen Geblüte
verwand / weil ohngefehr vor 100 und mehr Jahren / seine Grossälter Mutter /
eines Königes aus Böhmen Tochter / sich an einen vornehmen Teutschen Herrn
verheirahtet hätte. Die GrossFürstin fragete ihren Bruder / was vor Kundschaft er
mit diesem Ritter hätte; worauff er ihr erzählete / wie sie auff dem Freistechen
zu Padua in Kundschaft gerahten /und er an demselben einen scharffen
Gegenstecher gehabt hätte. Der Tag ward mit allerhand freundlicher Unterredung
zugebracht / uñ hielt endlich Herkules fleissig an / dass ihm folgendes tages
seine Reise nach Charas möchte verstattet werden; weil ihn aber der GrossFürst
versicherte / es könnte ihm aus gar zu schleuniger Eile / Ungelegenheit zuwachsen
/ musste er sich auffhalten lassen / und zu Ekbatana länger bleiben / als ihm
lieb und angenehm wahr.
    Ladisla / wie droben erwähnet / wahr und seinen geliebeten Fabius herzlich
bekümmert / und erhielt bei seiner Gesellschaft so viel / dass sie ihm zugefallen
zween Tage in dem Flecken stille lagen / da er alle Stunden der Hoffnung
gelebete / er würde sich los machen und nachfolgen; weil aber alles harren
vergeblich wahr / nam er von seiner Gesellschaft abschied / richtete seinen Weg
auff Persen zu / und hatte Leches / den Dolmetscher / und drei Knechte bei sich
/ deren jeder ein Handpferd mit Golde und Kleinoten belegt / an der Hand
führete. Seine Reise hielt er fast Sudost / dass er auch bissweilen gar in das
Fürstentuhm Susiana rückete / wiewol er kurze Tagereisen taht / und zuzeiten an
einem Orte etliche Tage stille lag / ob er von Fabius etwas vernehmen möchte.
Einsmahls / wie er in den Susianischen Grenzen Herberge nam / traff er einen
ansehnliche Herrn an / mit welchem er zwar Kundschaft machete / aber doch nicht
erfahren kunte / von wannen / und wer er eigentlich wahr; wiewol er ihm
zuvernehmen gab / dass er nunmehr ins dritte Jahr sich in diesen weitläuftigen
Morgenländern auffhielte / welche er auch / aus Liebe / die Welt zuerkennen / in
die länge und breite / als von dem Mittelmeer biss an den Ganges / und von dem
Persischen biss an das Kaspische / durchzogen und besehen hätte; es wird aber
mein Herr erfahren /sagte er / was vor eine nahmhafte Verenderung in kurzem
vorgehen / und den Partischen Stuel aus seiner alten Stelle verrücken werde /
massen ich an allen fürstlichen Höfen merke / dass man der Arsazischen Herschaft
von Herzen müde ist / welches man nirgend unvorsichtiger / als an diesem
Susianischen aussschläget / und dannoch zugleich vor sehr klug will gehalten sein.
Doch scheinet / dass dieser Fürst darunter seinen sonderlichen Geitz-Vortel
spiele / um unter diesem Dekmantel die Untertane durch ungewöhnliche
Schatzungen und zuvor unerhörte Aufflagen umb ihre Barschaft zubringen / und
solche in die Schazkammer zu spielen / welches bisher die Inwohner nicht
gemerket / auch weil sie haabselig sind /nicht gross geachtet haben / aber wo das
Ziel überschritten wird / dürffte es nicht wohl ablauffen; zwar es bauet der
Fürst allentalben vor was er kann / so gar /dass er auch seinen leiblichen Bruder
/ einen redlichen / tapffern und frommen Herrn / nahmens Satropazes /soll haben
auff der Jagt (wie man beständig berichtet) meuchlischer weise erschiessen
lassen / weil eine Rede aussgangen / es währe derselbe besser zur Herschaft als
er; aber ich fürchte sehr / er werde durch Verwägenheit dem Fasse endlich den
Bodem gar aus stossen; einmal ist gewiss / dass kein grösser Feind des
aussländischen Adels in allen diesen Ländern zufinden ist / als eben dieser Fürst
/ und habe ichs meinem Glük hoch zudanken / dass ich seinen Händen entgangen bin.
Ladisla hörete diesem verständigen Manne fleissig zu / und erkundigte sich
mannicherlei / sonderlich / was vor Beschaffenheit es mit dem Partischen Hofe
hätte; da ihm dieser zuverstehen gab /es wäre der übermuhtige Pracht dieses
grossen Königes nicht zubeschreiben / und würde ohn zweifel ein zwiefaches übel
denselben zu grunde richten; als /seine Sicherheit / und seine unkeusche
Begierden; es sei dann / sagte er / dass seine tapffere Leute / deren er etliche
hat / durch ihre Vorsichtigkeit ersetzen / was er selbst verdirbet. Ich bin
willens / sagte Ladisla /die grosse und so hochbeschriehene Partische Häupt
Stad zubesehen / und suche ich nur Gesellschaft / mit welcher ich sicher
durchkömen möge. Mein Herr wird daselbst viel böses und wenig gutes sehen /
antwortete er / dann es geht alda nach dem alten Sprichwort: Wie das Häupt sich
hält / so machens auch die Glieder; Der Ort ist mit unsäglichem Reichtuhm
angefüllet / und daher komt es / dass ein Reisender vor viel Geld wenig Pflege /
ja wohl kaum ein gut Wort hat /insond'heit / wo man die Herberge nahe bei dem
Schloss suchet / da man mehr vor das Schlaff Gemach / als vor die Speisezahlen
muss. Ich werde mich dieser guten Unterrichtung zubedienen habe / sagte Ladisla /
liess sich sonst von allerhand Sachen unterweisen / und wahr ihm leid / dass er
dieses Mannes Gesellschaft nicht länger geniessen kunte / welcher seinen Weg
nach Assyrien / er aber Persen werz nam /und in des Landes Grenzen in einer
Herberge des Abends drei Persische Herren antraff / welche von ihren Dienern
sich gewaltig ehrenliessen; weil er aber sah / dass wenig Tugend hinter ihnen
steckete / kehrete er sich nicht gross an sie / und begab sich bald nach
gehaltener Mahlzeit zu Bette. Folgenden Morgens geboht er Leches / sich ihm
allerdinge gleich zuhalten / nam auch bei dem Mittags Mahl die Oberstelle / und
hiess Leches neben sich sitzen / welches den Persen / als ohndas hochmuhtigen
Leuten / zu Haupte stieg / kunten doch nicht gedenken / was diese vor Herren
währen / weil ihre Angesichter und Sprache anzeigete / dz sie aus der fremde
kämen / sie auch mehrenteils Teutsch / und mit ihrem Sprachmeister Griechisch
redeten / dessen einer von diesen auch kündig war / und daher Gelegenheit nam /
mit ihm zu sprachen / da er fragete / wohin seine Reise angesehen währe. Weil er
aber so richtig bei fremden auszubeichten nicht gewohnet wahr / gab er zur
Antwort: Sein Drittesmann hätte sich auf dem Wege durch unfall von ihm
geschieden / welchen auszufragen / er bald hie / bald dahin ritte / ehe er seine
richtigen Weg / der nach einem grossen Herrn ginge / verfolgen könnte. Als er nun
hinwieder nach des Landes Gelegenheit fragete / bekam er gleichmässigen
Bescheid: Es währe ein weitläufftiges Fürstentuhm / und hätte unterschiedliche
Gebräuche und Sitten / aber das ädleste Volk unter der Sonnen zu Inwohnern;
merkete also Ladisla bald / wz vor Stolz hinter diesen Leuten steckete; liess
sich gleichwol nichts anfechten / sondern fing durch seinen Dolmetscher ein
Gespräch mit dem Wirt an / und fragete / wohin man den nähesten Weg nach Charas
nehme müste; baht ihn nachgehends / er möchte nach einem Kleinot-Händler senden
/ der ihm allerhand köstliche Kleinot bringen sollte; welches dann bald geschahe
/ uñ weil ihm die Stücke nicht gefielen / musste er andere hohlen / deren er ihm
vor 180000 Kronen abkauffte / und ohn das noch über 100000 Kronen Barschaft
bei sich behielt /über die Kleinot / welche er auff drei Tonnen Goldes wert bei
sich führete. Die anwesende verwunderten sich des Reichtuhms / und gedachten /
er würde etwa dem Könige oder seinen Hof Schranzen diese Verehrung überbringen
wollen; Und weil ihm sein Pferd gedrükt wahr / kauffte er zween gleichmässige
starke /zum Schimpf und Ernst wolabgerichtete Rappen /welche er mit 2000 Kronen
bezahlete. Es hatte der Wirt etliche leichtfertige Weibsbilder im Hause / die
nach Persischem Gebrauche sich begunten herbei zumachen / an welche sich die
unsern nichts kehreten /wollten auch der Persen unflätigen Muhtwillen nicht
ansehen / sondern begehreten von dem Wirt ein absonderliches einsames Gemach /
in welchem sie schlaffen und gespeiset werden könten / gestaltsam sie aus den
Ländern währen / da man Zucht und Erbarkeit höher als unbändige
Wollustschätzete. Die Persen legten dieses zu ihrer Beschimpffung aus / und
durften verwägen gnug fragen / warumb er ihrer Gesellschaft sich äussern wollte:
denen er zur Antwort gab: Als lange sie züchtig und keusch lebeten / währe ihm
ihre Gesellschaft nicht zuwider / aber unzüchtigen Reden und Tahten beizuwohnen
/ hätte er niemals Lust getragen; Zwar er wollte ihnen weder heissen noch
verbieten / meinte aber / er tähte ihnen zugefallen / dass er ihnen wiche / da
er sonst ohn das in gemeiner Herberge so grosse Freiheit auffzustehen /als sie
zusitzen / hätte. Hiemit war der Brei schon verschüttet / und begunten diese mit
gnug höhnischen Worten zufragen / er würde vielleicht nicht wissen /bei was
Gesellschaft zusitzen er gewirdiget währe; man hätte ihm / angesehen seiner
fremde und Jugend schon etliche Streiche zugute gehalten / welches er dem
blossen Glük und ihrer Höfligkeit zuzuschreiben hätte / und liesse er gnugsam
sehen / wie wenig er mit Herren Standes umgangen währe. Mit Herren Standes?
sagte Ladisla; trauen in meinem Vaterlande müste sich ein ädler Herr mit
gemeinen Weibern nicht zihen / da er seinen Ritterstand nicht gar einbüssen
wollte; Das ich nun fremde und jung bin / macht mich weder schlimmer noch besser
/ bin mir auch einiger Unhöfligkeit nicht bewust / es währe dann / dass man mir
verübeln wollte / dass ich an leichtfärtiger Weiber Gesellschaft abscheuh trage;
jedoch mögen sie mit ihnen nach willen leben / aber wer mich gleichwol zwingen
wollte / solchen Sachen beizuwohnen / müste es trauen nicht mit Worten / sondern
auff Rittersweise versuchen. Die Weiber empfunden diese Schmach sehr hoch /
wollten sich doch etwas höflich bei der Sache stellen / uñ sagte die eine zu ihm:
Schöner Herr / als viel ich merke / werden schöne Fraue eures Geldes nicht viel
/ noch weniger euer Liebe geniessen. Freilich findet kein Mensch einigen geniess
bei mir /antwortete Ladisla / wann mirs Schimpff und Schande brächte. Wir sind
auch nicht einem jeden zugefallen /gab diese zur Antwort / aber warumb sollte man
grossen Herren mögliche Dienste versagen? Er wollte sich mit ihnen nicht zanken /
weil es einen Hurenstreit geben würde / sondern stund mit Leches auff / in
willens davon zugehen; aber die fünff Weiber traten an die Tühr / vorgebend /
sie würden ihm keinen Abzug verstatten / ehe und bevor er wegen des angetahnen
Schimpffs abtrag machete; Worüber die Persen sich kitzelten / dass auch der
vornehmste unter ihnen einem Weibe an die Hand gab / sie sollte ihm einen Kuss
bieten / ob er auch so höflich sein / und vor solche Gunst ihr der eingekäufften
Kleinot eines schenken würde. Die gute Tochter liess sich bereden / und fiel ihm
unzüchtig gnug umb den Hals / ward aber mit einer solchen Ohrfeige abgewiesen /
dass ihr die Zähne im Maul knirreten / und sie ohmächtig zur Erden fiel; worauf
er zu dem Persen sagete: Wie bistu so ein weibischer und unhöflicher Kerl / dz
du unzüchtige Weiber auf einen ehrliebenden Ritter hetzen darffst / dessen du
mir trauen Rechenschaft geben must; und hastu vor dich allein so viel herzens
nicht / so nim deine beiden Gesellen zu dir / dann solt du keine Bestreiter /
als mich selbander finden / auff dass ich das Glük haben möge / zuerfahren / ob
ihr so wohl gelehret seid / ritterlich zufechten / als leichtfertig zu scherzen.
Mit diesen Worten ging er mit Leches hinaus /legete die Waffen an / befahlen
auch dem Dolmetscher / dem Wirt zubezahlen / und samt den Knechten mit ihren
Wetschern zufolgen. Die Persen nahmen den Streit an mit einem Hohngelåchter /
beredeten sich schon / wie sie nach erhaltenem Siege die köstliche Beute unter
sich teilen wollten / wapneten sich /und folgeten den unsern mit ihren
unbewehrten Dienern bald nach / damit sie nicht entfliehen möchten. Ladisla
ermahnete Leches / er sollte im anfange seine Kräffte sparen / dass er / wann der
Streit sich in die harre verzöge / ihm Lufft machen könnte. Jene tahten mit dem
Schwert den eiferigen Angriff unter guter Vorsichtigkeit / gaben auch den unsern
gnug zuschaffen / so dass sie schon gewonnen riefen; aber man liess sie sich
abarbeiten / biss man merkete / dass ihre Schläge gemachsamer gingen / da sagete
Ladisla zu Leches: Nun tapffer dran; Hieben damit so grimmig von sich / dass die
Feinde zurück wichen / und keinen Stand mehr fassen kunten / welches ihnen
Ladisla verwies / da er zu ihnen sagete: Empfindet ihr schier /dass sichs bei
unzüchtigen Weibern sicherer sitzet /als auff dem Pferde unter Feindes Schwert?
Hörete doch nit auff zuschlagen / dass in kurzer Zeit das Blut an allen dreien
häuffig hervor drang / und sie willens wahren / auszureissen; aber Ladisla
fassete den vornehmsten beim Halse / und warf ihn vom Pferde / dass er das
Genicke zubrach; die übrigen beiden stürzeten auch nach wenig Streichen tod von
ihre Pferden / welches ihre Diener ersehend / alsbald nach der Stad zuflohen.
Hier wird nicht lange Federlesens sein / sagte Ladisla / rennete mit den seinen
sporenstreichs davon / und hörete nicht auff / biss sie noch desselben Tages
sieben Meilen hinter sich gelegt hatten / wodurch sie ohn zweifel ihr Leben
retteten; dann weil der erschlagenen Herschaften in der nähe belegen wahren
/brachten die ihrigen alsbald 50 Pferde zusammen /ihrer Herren Tod zurächen.
Ladisla rühmete sein neugekaufftes Pferd hoch / dass er dem Verkäuffer gerne ein
gedoppeltes davor gegönnet hätte / und machete sich mit den seinen straks
Nordwerz / da er in einem Flecken eine Versamlung von 80 bewehreten Kauffleuten
antraff / die in Parten zureisen willens wahren / gaben sich in ihre
Gesellschaft / und nahmen den Weg Ostenwerz in guter Sicherheit / biss fast an
die Partischen Wüsteneie / woselbst 60 / meistenteils wolgewapnete Reuter / von
Mittage her auff sie stiessen / und nachdem Ladisla und Leches / die voraus
ritten / bei ihren Pferden und Harnischen alsbald erkennet wurden / schicketen
jene einen Reuter an diese Kauffmans Gesellschaft ab / mit Vermeldung: Es fünden
sich zween mörderische Ritter unter ihrer Schaar /die man überdz vor Ausspäher
hielte / hätten drei vornehme Persische Herren unredlicher weise erschlagen /
und dadurch des Henkers Straffe verdienet; begehreten demnach / die übrigen sich
deren nicht annehmen / sondern sie ungewegert zur Straffe ausfolgen sollten. Die
Gesellschaft nahmen unsere Helden stündlich vor / umb zu hören / was sie auff so
schwere Klage und Beschuldigung antworten würden; Und nachdem sie des wahren
Verlauffs berichtet / auch Ladisla sich erboht / wider jedem / der sein begehren
würde / es mit dem Schwert auszuführen / wie fälschlich und bosshaft sie ihn
beide des Mords und der Verräterei beschuldigten / gaben diese jenen hinwieder
zur Antwort: Es gestünden die Beklagten solche Aufflage nicht / daher man
Erbarkeit halben sie nit verlassen könnte / zumahl sie bereit währen / durch
einen redlichen Kampff ihre Unschuld zuhandhaben. Also ritte der Abgeschikte
zurück / und Mardus mit ihm / welcher im Nahmen seines Herrn die Verfolger also
anredete: Nachdem meine beide Herren mit Schmerzen verstanden / dass etliche
eures Mittels sich finden dürffen / sie als Verrähter und Mörder bei ihrer
Gesellschaft in Verdacht zubringen / als schieben sie solche unredliche
Schmähung in deren Bart und Busem / sagen ihnen auf Leib und Leben ab / und
sodern sie / krafft dieses zum auffrichtigen Kampffe /da die Unschuld
vermittelst des Schwerts sich schon eräugen wird. Es wahren vier vornehme
Persische Herren / der drei Erschlagenen nahe Anverwanten /welche die Rache
anstelleten / und ihre Diener mit sich genommen hatten / es desto besser ins
werk zurichten. Als sie diese Ausforderung vernahmen / taht es ihnen weh / dass
der vermeintliche Schimpff von zweien Ausländische ihnen sollte angelegt werden;
liessen die Gesellschaft zum andern mahl erinnern /sich wohl vorzusehen / was sie
tähten; es könnte an ihnen dereins schwer gerochen werden; wollten ihnen demnach
rahten / sich dieser Ubeltähter nicht anzunehmen / noch deren Misshandelung sich
teilhaftig zumachen; Diese / weil sie Kauffleute wahren / begunten der Sache
zwische sich uneins zuwerden; etliche wendeten ein / warumb man sich umb dieser
fremden willen in Gefahr setzen wollte? man sollte sich des Handels entschlagen /
dass man dieser Herren ungunst überhoben bliebe / deren Hände weit umb sich
grieffen. Dem guten Ladisla wahr hiebei nicht gar wohl / hielt umb Erlaubnis an
zureden / und sagete: Ihr meine vielwerte Herren und Freunde; nicht lasset
/bitte ich / diese nichtige Dräuung euch schrecken /vielweniger dahin bewägen /
dass ihr unüberzeugete den unbillichen Feinden übergeben woltet / die sich
euretwegen auff begebenheit alle Gefahr gemein zuhaben / erkläret / uñ eurer
Redligkeit sich anvertrauet; sollten dann diese Räuber / davor ich sie halte /
sich ferner des Streits entbrechen / so tuht der Unschuld und Gerechtigkeit
dieses zu steur / und lasset sie wissen / ich habe mich auff den grossen König
der Parter beruffen / dass sie etliche ihres Mittels in eurer löblichen
Gesellschaft lassen mitreiten / und daselbst mich mit Recht besprechen / alsdann
ich ihnen Rede und Antwort geben will. Diesen Vorschlag liessen sie alle sich
wolgefallen / beschlossen / demselben zugeleben / und begehreten / dass Mardus es
jenen vortrüge. Ladisla wahr dessen froh / unterrichtete diesen /und liess ihn
die Werbung solcher gestalt ansagen: Nach dem jene löbliche Gesellschaft / und
insonderheit meine beide Herren vernehmen müssen / dass ihr den Ritterlichen
Kampf wieder Rittersbrauch nicht allein verzagter Weise aussschlaget / sondern
über das bei vorigem begehren steiff verharret / wird euch hiemit eins vor alles
zuwissen getahn / dass man in euer Ansuchen durchaus nicht gehehlen kann / sondern
da ihr einige Beschuldigung auff diese beide habt / und sie sich auff den
grossen König Artabanus beruffen /stehet euch frei / etliche eures mittels mit
zu senden /und an gebührendem Orte die Klage zuverfolgen; denen jene so viel
Sicherheit versprechen / als sie ihnen selber geben können. Die vier Herren
stecketen die Köpffe zusammen / und funden sich übermannet /sonst hätten sie
sich gerne an ihnen allen gerochen. Die Klage vor den König zu bringen dauchte
sie nicht tuhnlich / und stelleten es lieber auff die Spitze des Kampfs. Nun
hatten sie unter ihren Reutern zween zu Ross und Fuss wolversuchte Kämpffer /
deren einer ein Indier / nahmens Hages / über vierdehalb Ellen lang /und
mächtiger Leibes stärke; sein Geselle Tyriotes /ein Assyrier von rechter grösse
/ und im Kampfe behuhtsam. Diese beiden foderte die vier Persische Herren vor
sich / und versprachen jedwedem 1000 Kronen / wann sie diese beiden Ritter im
Kampf erlegen / oder gefangen nehmen würden. Der verwägene Hages antwortete; man
möchte ihm die 2000 Kronen allein gönnen / so wollte er beiden zugleich das
Schwert bieten / und sie unter den Armen davon tragen. Sein Herr zweiffelte an
seiner Uberwindung nicht / doch weil es ihn etwas gefährlich däuchte / nam er
ihn absonderlich vor; er sollte sichs gefallen lassen /wie es vorgetragen währe /
nach erhaltenem Siege sollte ihm nicht destoweniger so viel erlegt werden; dessen
er dann friedlich wahr / jedoch mit dem bedinge / dass sein Geselle sich nicht
einmischen sollte / biss ers ihn heissen würde. Fertigten also den Dolmetscher
wieder zurücke / und liessen ihnen sagen; es währe zwar unbillich / dz unsere
Helden / angesehen ihrer Mordtaht / wie Ritter im Harnisch sterben sollten /weil
aber ihre Gesellschaft sich ihrer so weit annähmen / welcher Schimpf biss dahin
sollte aussgestellet sein / sollten sie alsbald hervor treten und sich niderhauen
lassen. Ladisla lachete der Dräuung und sagete: Dass währe gar ein schönes
Anmuhten / sich ohn gegenwehr niderhauen zu lassen; ich meine aber noch vor
Abends darzutuhn / das ich mein Leben zuverlieren noch heute nicht willens bin;
setzete den Helm auff / und empfand des Schimpfs wegen / grossen Zorn in seinem
Herzen. Alsbald sahen sie den vierschrötigen Hages auff einem hohen Hengste
daher traben / vor dem sich die Kauffleute hart entsetzeten /und zu Ladisla
sageten: Er hätte sich wohl vorzusehen / dann aller anzeige nach / würde er einen
harten Stand halten müssen. Er aber antwortete; ihr ehrlichen lieben Herren und
Freunde; in meiner guten Sache schrecket mich dieses Ungeheur nicht / wann er
gleich selb ander kähme / wiewol mirs etwas schwer fallen wird / seine Waffen
durchzuhauen; bleibet ihr nur günstig / und verhütet unredlichen Uberfal.
Schwänkete damit sein Pferd mit entblössetem Häupte / biss Hages ihn also
anredete: Ritter du erzeigest dich zimlich kühn in dieser deiner Jugend / und
ist mir dein Verbrechen halb leid; jedoch / weil du es also verdienet hast / so
stelle dich unerschrocken ein; ich gebe dir die Wahl / ob du lieber von meiner
wehrhaften Faust sterben / oder als ein gefangener Mörder unter Büttels Hand
leiden wilt; auch ruffe deinen Gesellen herzu / dann ich habe mich verbunden /
euch beide auff einmal und zugleich vorzunehmen. Ladisla hatte unterdessen den
Helm aufgesetzt / machte aber das Gesichte wieder auf / uñ sagte zu ihm Du
unverschämter Grosssprecher / ich meinte / du würdest mich zum Kampf aussfodern /
so beutestu mir schon den gewissen Tod / auffs wenigste / die Gefängnis an; ja /
gedenkest auch zugleich meinen Gesellen auff einen Bissen mit zuverschlucken /
da du doch so wenig meine Kraft / als ich die deine geprüset habe; weil ich aber
noch niemals einen einzigen selb ander bestritten / werde ich deinetwegen meine
Gewohnheit nicht brechen; versuche zuvor dieses mein Schwert; ist dirs dañ zu
leicht oder zu stumpf / kömt meines Gesellen hernach frühe gnug; liess damit den
Helm zufallen / setzete mit freudigem Herzen sehr behutsam auff ihn an / und gab
ihm bald anfangs etliche Streiche über den Helm / dass ihm die Ohren gelleten.
Dieser meinte vor Zorn zu bersten / und überfiel Ladisla mit solchem Wuht / dass
wann sein fester Schild nicht gewesen / er bald anfangs der Wunden nicht wenig
hätte annehmen müssen; massen jener ihm gänzlich vorgenommen hatte / sein
Schwert nicht ruhen zulassen / biss Ladisla stürzen würde. Derselbe aber liess
dieses tolle Vieh sich immer abarbeiten / nam unterdessen seiner Schanze wahr /
mehr durch behändigkeit als stärke / und weich ihm mannichen Streich aus; dann
setzete er unversehens wieder an / dass Hages seinen Vorsaz vergeblich sehend /
aller Beschützung vergass / und sich blössete / dass ihm Ladisla eine grosse Wunde
an den linken Arm beibrachte /empfing aber dagegen einen solchen Schlag über den
Helm / dass ihm bei nahe geschwunden währe. Die beide Schaaren hielten in ihrer
Ordnung / sahen dem Gefechte zu / und verwunderten sich höchlich / dass Ladisla
der grossen Gewalt so lange Wiederstand halten könnte; schätzeten es doch nur vor
eine geringe Frist / und schrieben seinem Feinde an beiden Seiten die
Uberwindung zu / so dass die Kauffmans Gesellschaft ein grosses Mitleiden mit ihm
trugen; denen aber Leches Trost einredete / sie sollten gutes muhts sein / es
währe seines Herrn Brauch allemahl / im anfange behutsam zugehen / biss sein
Feind die ersten Kräfte gebrochen hätte; welches er dann gleich dazumahl spüren
liess; dann als er empfand / dass seines Gegeners Streiche viel schwächer als im
anfange gingen / ermunterte er sich / und sagete zu ihm: Hastu grobes Tihr dañ
nicht schier aussgewütet / dass mir auch etwas Willen gegönnet werde? Damit
verdoppelte er seine Hiebe und Stösse / dass Hages sich mehr des Schildes als des
Schwerts gebrauchen musste; weil er aber darin zimlich unerfahren / bekam er
unterschiedliche Wunden / ersah endlich seinen vermeinten Vortel / und
gedachte Ladisla das Häupt zu spalten: Weil er ihm nun behende zur Seiten
ausswich /und dieser den Schlag nicht einhohlen kunte / traff er sein eigenes
Pferd zwischen die Ohren / dass ihm das Hirn aus dem Kopffe sprang / und mit ihm
zur Erden stürzete. Als seine Herren ihn liegen sahen / trieben sie Tyriotes an
/ Ladisla anzusprengen und Hages zuentsetzen; welcher zur Antwort gab / es währe
solches wieder Ritters Ehre / doch auff ihr Befehl und Verantwortung wollte ers
tuhn. Leches sah ihn daher rennen / ging ihm freidig entgegen / und sagete: Du
meinäidiger Bube / hältestu also Rittersbrauch? damit fingen sie einen
ernstlichen fast gleichmässigen Kampf an /weit sie an Alter / Grösse / und
Leibeskräften sich schier gleicheten. Ladisla sah seinen Hages auff der Erden
unter dem Pferde liegen / stieg auch ab / und sagte zu ihm: Bald er gib dich /
oder du must sterben. Dieser antwortete: Bistu ein redlicher Ritter / so lass
mich zun Beinen kommen / sonst wird man sagen /nicht du / sondern ich selbst
habe mich gefellet. Ladisla lachete des Einwendens und sagete: Ich bleibe wohl
ein redlicher Ritter / ob ich mich gleich meines Glüks gebrauche / daher sprich
bald / ob du mein Gefangener sein / oder sterben wollest. Dieser sah / dass er
dem Tode nicht entgehen würde / und verdross ihn sehr / dass von seinen Herren ihm
keine Hülfte geschahe / daher gab er zur Antwort: Ich ergebe mich / aber zu
freiem Ritterdienste. Ladisla wahr damit zu frieden / half ihm auff die Füsse /
und wollte das Schwert von ihm nehmen. Dieser aber sich auffrecht befindend /
ward meinäidig / trat zurück / und in dem er das Schwert zum Schlage auffhuhb /
sagete er: Ich bin wieder frei / und du must mir den Schimpf mit dem Leben
bezahlen. So muss ich mich noch mit einem Schelme schmeissen / antwortete er /
ward auch von dem grossen Ungeheur dergestalt überfallen / dass er grössere
Gefahr als zuvor aussstund / welches ihn fast reuen machete / dass er ihm getrauet
hatte; dann durch stärke vermochte er nichts auszurichten / sondern musste nur
der Behendigkeit sich gebrauchen / welches ihm in vollem Harnisch schwer genug
fiel / wiewol ihm endlich ein Stoss geriet / dass er ihm die vornehmste Sehnader
am rechten Arme abstach / und er den Schild von sich werffen / das Schwert aber
in die linke Hand (welcher Arm auch schon verwundet wahr) nehmen musste. Hier
empfing Ladisla völlige Hoffnung zum Siege / dass er zu Hages sagete: Ich hoffe
du solt schier fühlen / wie die Götter den Meinäidigen zu lohnen pflegen. Diesem
schlug der Dampf aus dem Helmgesichte / wollte doch nit gewoñen geben / sondern
führete mit dem Schwert einen heftigen Streich / welcher zu behäuptung des
Sieges währe gnug gewesen / wann Ladisla durch das Aussweichen sich nit
geschützet hätte; wiewol Hages sich darüber gar verhieb / und das Schwert tieff
in die Erde schlug / dessen sich Ladisla zu seinem Vortel gebrauchete /trat ihm
ein / uñ schlug ihm die linke Hand reine hinweg. Dieser wollte aussreissen / aber
wegen vergiessung des Blutes wahr er zu schwach; Und als er seinen Feind hinter
sich merkete / wendete er sich / lieff ihm ein / und rante ihn unversehens zu
Bodem / wahr auch geschwinde über ihn her / uñ wollte ihn mit den Füssen
zutreten; aber Ladisla richtete sich schleunig auff die Knie / und schlug ihn
mit dem Schilde wieder das linke Bein / dass er stürzen musste / machte sich über
ihn / reiss ihm den Helm ab / und sagete: Unter welchem Arme wiltu mich nun als
deinen Gefangenen fortschleppen? Doch sage mir / kanstu dich noch nicht
überwinden / dass du mein Gefangener seist? Dieser gedachte / es währe sein Ernst
und gab zur Antwort: Ich bin nun durch dich überwunden / darumb gelebe ich
deines Willens. Ja / wer wird mir vor dich gut sagen / sagte Ladisla / dass du
nicht abermahl zum Schelme werdest? fassete den Schild und schlug ihm damit das
eine Bein entzwei / dann er wollte ihn nicht tödten / sondern sich sein nur
versichern / dass er ihm nicht entlieffe; setzete sich auff sein Pferd / uñ hielt
neben ihm / dem Kampfe zusehend / welche die andern beiden hielten. Die
Persischen Herren erschraken des Unfals mit Hages / welchen sie ihnen nicht
hätten können einbilden / uñ erkläreten sich / die ganze Kauffmans-Gesellschaft
unversehens zu überfallen / unter der Hoffnung / sie würden sich nicht wehren.
Ladisla merkete ihr Vorhaben / und sagete zu den seinen: Lieben Freunde / ich
meine ja nicht / dass ich ichtwas / meine Unschuld zuerweisen / unterlassen habe
/ aber allem ansehen nach / gehe jene Bube mit einem Schelmstük schwanger; so
saget mir nun /bitte ich / ob ihr willens seid / einen unredliche Anfal
abzuweisen / so will ich fechten / als lange ein tropfen Blutes in mir
überbleibet. Die Kauffleute zogen alle von Leder / und erbohten sich / nicht
allein ihnen redlich zuwiederstehen / sondern diese Räuber freidig anzugreiffen.
Er aber mahnete sie ab / wollte ungerne /dass ihrer einer ein tröpflein Blut
seinetwegen sollte verlieren / und sendete seinen Mardus ab / jenen zu sagen: Ob
sie so kühn währen / und sich regeten /sollte ihres Gebeins nicht davon kommen;
wodurch der gröste Teil dergestalt geschrecket ward / dass sie sich des Anfals
gegen ihre Herren aussdruklich wegerten. Leches hatte mit seinem Manne noch volle
Arbeit / dann er wahr ein fester wolgeübeter Kämpfer / aber wegen empfangenen
tieffen Wunden so Kraftloss / dass er sich kaum schützen kunte / wollte nun nicht /
wie sein Geselle / das äusserste wagen / sondern nach auffgeschlagenem Helme
sagte er zu ihm: Trefflicher Ritter / ich habe meinem Versprechen gnug getahn
/da habt ihr mein Schwert / und das übrige meines Lebens zu eurem Dienste /
welches ich redlich halten will. Leches antwortete: Behaltet eur Schwert und
folget mir / ihr werdet dort an meinem Herrn finden was ihr suchet; ritten mit
einander nach Ladisla / zu welchem Leches sagete: Gn. Herr / dieser begehret vor
künftige geträue Dienste / Lebensfristung / welches in eurer Gn. Willen und
Händen stehet. Geträuer Leute /antwortete Ladisla / sind wir benöhtiget / und
möchte wünschen / dass Hages auch so vernünftig gehandelt hätte / worzu ich ihm
satte Anleitung gab. Bald schicketen die Persen ihren Diener herzu / und
begereten den Gefangenen wieder / wie auch den elenden Hages / welcher auff der
Erden lag / und sich als ein wurm krümmete: Tyriotes aber gab dem Anwerber diese
Antwort selbst: Was den frevelmuhtigen Hages betrift / darzu habe ich nicht zu
reden / ich aber bin ein williger Gefangener / und habe Lust diesen treflichen
Helden hinfüro stets zu dienen; dann weil meiner vorigen Herren keiner so viel
Herzens gehabt / mich zuentsetzen / bin ich ihnen fort nicht verbunden. Ladisla
setzete dieses hinzu: Wollen deine verleumdertsche Herren noch Gefangene von mir
fodern / und sehen / dass sie schier selbst meine Gefangene sind? sendete auch
seinen Mardus an sie / welcher sie also anreden musste: Nachdem eure Vorfechter
unterliegen / und meiner Herren Unschuld dadurch an die klare Sonne gestellet
ist / können jeztgedachte meine Herren damit noch nicht friedlich sein / sondern
fodern die vier Persische Herren / als boshafte Schänder und Verleumder zum
Kampffe aus; werden sie sich dessen wegern / alsdann wird euch jene ehrliebende
herzhafte Gesellschaft angreiffen / und euch allen die Hälse zubrechen; Meine
beide Herren wollen sonst die viere auff einmal bestehen / und ihnen die
Bosheit vergelten. Diese viere zücketen in etwas / doch weil ihre Völker selbst
sie ihrer Ehren erinnerten / und des Gefechtes sich ausdrüklich wegerten / weil
sie übermannet wären / mussten sie fort / uñ stelleten sich zugleich auf den
Platz / denen unsere Helden unerschrocken begegneten / uñ bald anfangs ihrer
zween zur Erden stürzeten / daher die übrigen beide des Vertrags begehreten;
denen aber Ladisla zur Antwort gab: Die ihm angelegete Schmach währe viel zu
gross; so hätten sie auch keine Lösegelder bei sich / müsten demnach sich nicht
verdriessen lassen / dasselbe auszustehen /was sie aus lauter Bosheit und ohn
redliche Ursach ihm zugedacht hätten; worauff sie auch bald mit jhnen fertig
wurden / und sie erwürgeten; sendeten folgends Mardus an die übrigen / ob noch
etliche verhanden währen / die Streits begehreten / sollten sie sich stellen;
aber diese entschuldigten sich demühtig: Sie währen gezwungen / mitzureiten /
und bahten umb freien Abzug / auch / dass sie ihre erschlagene Herren mit sich
führen möchten / welches ihnen gegönnet ward / wiewol mit dem bedinge / dass
ihrer einer herzu reiten / dem Hages / als einem meinäidigen die andere Faust
auch abbauen / und ihn den wilden Tihren daselbst liegen lassen sollte; welches
der Bube mit Ohre anhörend / ein schrekliches Geheule anfing / musste aber noch
solche Straffe ausstehen / da er sich dann vollends verblutete / und die Seele
auffgab. Der von Leches zuerst gefellete wahr noch am Leben / welches die unsern
nicht wahr nahmen / und davon zogen /daher seine Diener ihn auffhuben / und in
der eile verbunden / dass er noch das Leben behielt / wiewol er an beiden Armen
lahm blieb. Die Kauff Gesellschaft erfreuete sich des Sieges höchlich / tahten
unsern Helden grosse Ehre an / und liessen Tyriotes nebest den unsern (welche
etliche / wiewol geringe Wunden bekommen hatte) fleissig verbinden / setzeten
ihren Weg fort / und merketen unterschiedliche Räuber Schaar auff der folgenden
Reise / welche aber / umb dass sie zu schwach waren / nicht ansetzen durffte.
    Der verwundete Kleon ward von Fr. Statiren fleissig gewartet / die sich
gegen ihn heftig verliebet befand / daher sie ihn täglich besuchete und
tröstete /dass sie willens währe / ihn vor ihren Diener anzunehmen; ja sie
scheuhete sich nicht / der Verbindung selbst beizuwohnen / und seines Leibes
Gestalt zubesichtigen / wodurch sie je mehr und mehr zu unzimlichen Begierden
gereizet ward / welche sie / da er wieder gehen kunte / ihm nicht lange
verbergen wollte /sondern unverschämter weise andeutete / sie hätte eine
sonderliche Zuneigung zu ihm / weil sie aus seiner Tapfferkeit und guter
Leibesgestalt leicht urteilete / dass er nicht von Knechtischen Eltern / sondern
von gutem Adel müste entsprossen sein. Dieser Anmuhtung ward sein Gemüht
verworrener / als alles übrigen Unglücks / wollte auch solche Reden nicht
verstehen / sondern als hätte sie etwa von ehrlicher Huld und Gnade geredet /
gab er demühtig zur Antwort: Er bedankete sich der hohen Gnade / die er nicht
verdienen könnte / mit Bitte / in derselben beharlich zuverbleiben; Er hingegen
wollte in allen Ehrendiensten sich allemal als ihren bereitwilligste Knecht
finden lassen; welches sie aber seiner Einfalt zuschrieb. Zween Tage nach seiner
völligen Gesundheit empfing Nabarzanes Schreiben von seinem Fürsten Gobares /zu
ihm zukommen / dahin er seinen neuen Diener Kleon mitzunehmen willens wahr; weil
aber sein Gemahl es nicht zugeben wollte / einwendend / dz der Fürst ihm allemahl
seine besten Diener abspänstigte /liess er ihn daheim / mit Befehl / seinem
Gemahl in allem volkommenen Gehorsam zuleisten; Dieser währe ungleich lieber
mitgereiset / sah aber / dass die Frau es verhinderte / dessen Ursach ihm so gar
unbewust nicht wahr; wie sie dann überdas ihm solches noch desselbigen Tages
nach seines Herrn Abschied so viel klärer zuverstehen gab / da sie ungescheuhet
zu ihm sagete: Mein geliebter Kleon / als Bruder / ihr habt meine herzliche
Gewogenheit vor weniger Zeit von mir verstanden / welche sieder dem sich nicht
gemindert / sondern grösslich gemehret hat; und warumb sollte ichs euch viel mit
verblümter Rede vortragen? Meine Meinung ist / dass ihr meiner Hulde / als eines
geliebeten und ergebenen Buhlen sollet mächtig sein; könnet euch demnach wohl
rühmen / dass wegen eurer guten Gestalt / Sitten und Tapfferkeit ich euch
dasselbe anbiete / was grosse Herren mit trefflichen Geschenken vergeblich
gesucht haben. Kleon sah des Weibes unverschämte Kühnheit / wusste nicht / was
er ihr antworten sollte / und sagete endlich: Gnädige Frau; mir zweifelt nicht /
Eure Gn in Betrachtung ihres und meines Standes / ein solches nur zum Scherze
reden / um mich zuprüfen / ob ich so kühn sein /uñ meinem Gn. Herrn einige
Schande an seinem allerliebsten Gemahl anzulegen mich dürffte gelüsten lassen /
wovor mich aber die Götter schon behüten werden; bitte demnach untertähnig /
dieselbe wolle auff andere wege meine Träue zuerforschen ihr gnädig belieben
lassen; Ich verspreche derselben bei meiner höchsten Pflicht / dass ungeachtet
meiner Einfalt / ich wohl gelehrt bin / mich dergestalt zuverhalten / dass ich mit
keinem Gedanken begehren soll / was ihrer Gn. und meinem Gn. Herrn irgend kann
verweisslich sein; Weil dann Eure Gn. diese meine Erklärung wohl vernommen / bitte
ich untertähnig / bei meinem Gn. Herrn nicht allein mich bester massen
zubefodern /sondern vor sich selbst meine Gn. Frau zuverbleiben. Diese gedachte
añoch / er verstünde ihr anmuhten nicht recht / wollte ihn doch vor dissmahl
weiter nicht anstränge / sondern nur ihrer Liebe ihn zuversichern /sagte sie:
Mein herzgeliebeter Freund / versehet euch zu mir aller redlichen Träue / und
gedenket nicht / dass eine solche boshafte Falscheit in meinem Herzen wohne /
dann verfluchet müste ich sein / wann durch der Zungen Stellung ich euch Stricke
legen / und bei meinem mir ohndas unangenehme Gemahl euch Leibesgefahr erwecken
wollte / sondern was ich rede / das meine ich / dessen ich euch ein
Schwesterliches Zeichen blicken lassen will; worauff sie ihn freundlich umfing /
und sich hoch verpflichtete / nimmermehr zuzugeben / dass ihm einige Widrigkeit
begegnen sollte / die sonst abzuwenden / in ihrer Macht stünde. Kleon wahr fast
willens / ihr solches anmuhten mit dürren Worten abzuschlagen; weil er aber
wusste / dass sie Herr im Hause wahr / widersprach er zwar nicht /und gab doch
durch stilleschweigen gnug an den Tag / wie sehr ihm solches zuwider wahr.
Hingegen legete sie es ihm vor eine Blödigkeit aus / aber zur Versicherung ihrer
gewogenheit / musste er zu Abend mit ihr Mahlzeit halte / ungeachtet alles
vorgebrachten einwendens. Sie zechete zimlich mit ihm los / und führete allerlei
Gespräch zur Liebesreitzung / wobei sie sich oft leichtfertig gnug blössete /
biss sie ihm endlich zumuhtete / es währe zeit / sich an die ruhe zulegen / und
weil sie allein zuschlaffen / gar zu furchtsam währe / sollte er ihr
allerliebester Schlaffgeselle sein. Er aber wollte diesem Feur so nahe nicht
kommen / und brachte zur Entschuldigung vor / es würde ihm solches von andern
übel ausgelegt werde /als die daher unzimliche Gedanken schöpffen könten /da er
dann lieber unschuldig sterben / als hierzu ursach geben wollte; Jedoch ihrer
grauenden Furchtsamkeit vorzukommen / währe er erböhtig / neben anderen seinen
Mitknechten vor ihrem Gemache die ganze Nacht zuwachen. Ihr seid gar zu
einfältig / sagete sie / dann ihr höret ja / dass umb Liebe willen ich euch zu
mir nehmen will / und ihr wollet noch Schildwache dabei aussetzen? So kommet nun
/ und lasset uns gehen / die Freude zunehmen / welche Zeit und Glük selbst an
die Hand gibt. Hiemit fassete sie ihn an /und wollte ihn mit sich in die Kamer
führen; dessen er sich aber wegerte / und mit demühtigen Worten baht /solcher
unzimlichen Gedanken müssig zugehen; Er währe ein armer Knecht / und müste ohn
Gnade sterben / da ein solches von ihm auskähme; ja wann sie nach begangener
Sünde sich eines bessern bedächte /würde sie ihn deswegen selbst aus dem Mittel
räumen / und ihm tausendmahl feinder werden / als sie ihm anjetzo Gnade sehen
liesse. Dieser abschlägigen Antwort meinte sie vor Liebe und Ungeduld zubersten
/und sagete: O du undankbahrer / hältestu mich so unwert und verächtlich / da
ich doch Macht und Gewalt über dein Tod und Leben habe? Sihe da / ich schwöre
dir bei der geträuen aufrichtigen Liebe / so ich dir undankbahren angebohten /
dass wo du mir nicht mit gutem Willen folgen / und ehe dann eine Viertelstunde
vergehet / dich bei mir liebhaft einstellen wirst /du morgen solt ans Kreuz
gehefftet / und durch die allergrausameste Pein hingerichtet werden. Ging mit
dem Worte von ihm in die näheste Kammer / entkleidete sich daselbst bei einem
Liechte / und liess die Tühr offen stehen. O währe ich nun noch in meiner ersten
Dienstbarkeit / sagte Kleon bei ihm selber / wie gerne wollte ich den
Ochsenstecken leiden / und mit Wasser und Brod vorlieb nehmen; besan sich ein
wenig / und den gewissen schmerz-schmähliche Tod vor Augen sehend / sagete er
als ein Heide in seinem Herzen: Nun wirstu ja unvermeidlich gezwungen /böses
zubegehen / und must zur Rettung deines Lebens das tuhn / was du nie bedacht
gewesen bist vorzunehmen. Ging darauff hin in die Kammer / setzete sich vor ihr
in die Knie / und sagte: Gn. Frau; ich bitte demühtig umb Gnade und Vergebung /
dass dieselbe ich mit meinen Reden erzürnet habe / dann ich weiss auch diese
Stunde noch nicht / ob ihre Gn. in Ernst und aus Liebe / oder nur zum Versuch
mit mir geredet habe; Zwar wz sollte ich höhers wünschen können / als die Liebe
einer solchen vortreflichen schönen Frauen? weil aber in Ansehung meines Standes
ich mir so grosses Glük nicht einbilden kann / bitte ich nochmahls untertähnig /
mir ihre ernstliche Meinung gnädig erkennen zugeben. Als sie ihn nun dergestalt
nach ihrem Willen reden hörete / richtete sie ihn auff / und nach freundlichem
umfahen beteuerte sie ihm äidlich / sie suchete nit sein Verderben / sondern aus
inbrünstiger Liebe bezwungen / hätte sie ihm vertrauliche Freundschaft
angebohten; löschete nachgehends dz Liecht aus / uñ nachdem er die Kleid
abgelegt hatte / führte sie ihn mit sich zu Bette; nach welcher Wilfahrung er
bei ihr in beharlicher Gunst verblieb / dañ sie nam ihr gänzlich vor / ihn
nimermehr von sich zulassen. Also musste er wider seinen Willen dieser Zirze als
ein Ulysses 13 Wochen lang aufwarten / in Hoffnung / es würde sich gelegenheit
eräugen /davon zukomen / uñ seine Ladisla nachzusetzen. Nach sieben Tage kam
Nabarzanes wieder zu hause /grüssete sein Gemahl des Fürsten wegen freundlich
/und dass er nach Verlauff IX Tage bei ihr sein würde. Sie bedankete sich dessen
/ und hiess ihn mit süssen Worten wilkomen sein / welches sonst ihre Gewohnheit
nicht wahr / rühmete auch den neuen Diener Kleon / wie er in Bereitung seiner
Pferde so trefflichen Fleiss angewendet / und in dieser kurzen Zeit sie hübsch
abgerichtet hätte; Sie hätte vorlängst gerne einen solchen Diener haben wollen /
und weil sie ihn nunmehr nach Wunsch überkommen / gedächte sie ihn zeit ihres
Lebens nit zuübergeben; so hielte er auch seine beiden Söhne / ihre Stief Kinder
in feinem gelinden Zwange / und brächte ihnen alles mit Lust bei; dass nun der
gute Kleon in diesem Fleisse möchte erhalten werden / sollte er ihn frei lassen /
jedoch dass er zuvor einen äid leistete / ohn Urlaub nicht wegzuscheiden.
Nabarzanes liess ihn vor sich fodern / taht nicht desgleichen / ob hätte er von
seinem Gemahl dieses vernommen / sondern fragete ihn / ob er seinem befehl
nachgelebet / und in schuldigem Gehorsam seinem Gemahl auffgewartet hätte; Und
als er zur Antwort gab / er hoffete nach seinem Vermögen getahn zuhaben; fing
sie von neuen an / ihn in seiner Gegenwart zurühmen; daran Nabarzanes grosses
gefallen trug / nebest dem ernstlichen Geboht / er sollte seiner Schuldigkeit
weiter also nachkommen; dann wo sein Gemahl in einiger Sache über ihn klagen
würde / sollte er an ihm einen ungnädigen Herrn haben. Kleon lachete des
geduldigen Tropfes / und erboht sich zu aller Mögligkeit. Daran erfüllestu
meinen Willen /sagte sein Herr / und weil ich willens bin / dich ihr zum Diener
zuubergeben / will ich dich von Knechtischer Leibeigenschaft frei lassen / doch
dass du mir äidlich angelobest / ohn Vorsatz des ausreissens bei mir
zuverbleiben. Dieser wahr nicht willens / sich dergestalt zuverbinden / und gab
zur Antwort: Gn. Herr / da ihre Gn. einiges Misstrauen in mich setzen /warumb
wollen die mich dann frei geben? den äid zu leisten / würde ich mich nicht
wegern / aber was ist Euer Gn. damit geholffen? Wer zum Buben werden will /
achtet geschwornen äid gar wenig; so habe ich überdas solche Freiheit / dass ich
grössere nicht begehre noch begehren kann. Ich will aber nicht zugeben /sagte Fr.
Statira / dass ihr länger in knechtischer Dienstbarkeit / sondern fortin als ein
Freier leben sollet / wie ihr in dieser kurzen Zeit es wohl verdienet habet / und
noch in künftig besser verdienen werdet. Also sprach ihn Nabarzanes frei / und
sie liess ihm ein schönes Scharlaken Kleid hohlen / welches sie ihm hatte machen
lassen / da er nicht viel geringer als sein Herr selbst / auffgezogen kam / da
sie ihm überdas einen Leibdiener hielt. Sie trieb aber ihre Bulerei so
unbesonnen / dass Nabarzanes handgreiflich spürete /es ginge nicht allerdinge
recht zu / durffte sie doch daruber nicht zu rede stellen / weil er ihr schon
die Freiheit gegeben hatte / mit Fürst Gobares solche unzulässige Freundschaft
zuhalten; dannoch verdross ihn / dass sein Knecht mit ihm in ehelicher
Gemeinschaft sitzen sollte / daher ward er zu rahte / ihn zubeurlauben / foderte
ihn vor sich / und sagete: Kleon / deine Dienste gefallen mir nicht alle mahl
/und gibt mir zimlichen Verdacht / dass du so wohl gehalten bist; so habe ich mich
nun berahten / dich meiner Dienste zuerlassen / dass du nach belieben einen
andern Herrn / oder vorige Freiheit suchest. Niemand wahr hierzu lieber als
Kleon; dann vorerst wahr er der gezwungenen unbilliche Liebe von herzen
überdrüssig; vors ander begehrete er nichts mehr / als die Freiheit zu haben /
seinen liebsten Ladisla und Herkules zusuchen; und gab ihm diese Antwort:
Gnädiger Herr / ich bedanke mich untertähnig vor diese Gnade / nebest
dienstlicher Bitte / mir bei seinem Gemahl gleichmässige Beurlaubung zuerlangen;
hat aber mein Herr irgend einen Verdacht auff mich / trägt er selber schuld
daran / nachdem er mir bei verlust seiner Hulde gebohten / seinem Gemahl in
allem zugehorchen / welches ich leisten / oder der Straffte von beiden gewärtig
sein muss; hoffe gleichwol nicht / dass er gar zu ungleiche Gedanken haben werde.
Solche Meinung hat es nicht / sagte er / nur du hast meinen endlichen Willen
verstanden. Ja / antwortete Kleon / dem will ich alsbald und von herzen gerne
nachkommen /da mirs nur so gut werden kann / welches bei meiner Gn. Frauen mir
zuerlangen / ihr alles euer Vermögen anzuwenden habt. Ging darauf in den Stall /
fattelte sein Pferd / legte die Waffen an / und machete sich fertig / als einer
/ der stündlich reisen will; wiewol ihm gnug bewust wahr / dass nichts draus
werden würde. Die Frau sah ihn im Harnische daher treten / und das Pferd bei
dem Zügel führen / fragete ihn auch mit Bestürzung / was dieses bedeutete. Mein
Gn. Herr / sagete er / hat mir den Dienst aufgekündiget / und dass ich bei
Soñenschein sein Schloss räumen solle; weil ich dann wider dessen Willen nicht
länger bleiben darff / uñ er mir nichts zuverzehren gegeben / bitte Eure Gn. ich
untertähnig umb etwz nöhtiger Reisekosten / und dass dieselbe zuzeiten ihres
Kleons eingedenke sein wolle. Sie lachete des vorbringens / ihn fragend / wz vor
Lust ihm dieser kurzweilige Aufzug gäbe. Als er aber beständig dabei verblieb /
nebest Erinnerung / er fürchtete sehr / sein Herr hätte ihres Liebetuhns wahr
genommen / und dürffte ihm wohl gar nach Leib und Leben stehen / daher ers vor
ein Glük rechnete / dass er also davon kähme / auch daneben baht / sie möchte an
seinem Tode nit ursach sein / er hoffete gelegenheit zuhaben / ihr hernähst
besser und länger zudienen; Da erzürnete sie sich heftig / und sagete: Was? hat
euch der Esel beurlaubet? Lieber komt mit mir / ich will ihn schon lehren meinen
Freunden auffzudanken. Weil er nun wusste / dass er nicht kunte erlassen werden /
und Lust hatte / dieses Spiel anzusehen / ging er mit ihr / da sie mit grimmigen
Augen und zitternder Stimme den armen Nabarzanes also anfuhr: Du nichtswerter
fauler Tropff / was hastu meinem lieben Diener auffzukündigen? Bald sage mirs /
oder ich will dir die Augen aus dem Kopfe kratzen. Der elende Mensch erschrak
dessen so hart / dass er kein Wort sprechen kunte / da Kleon zu ihm sagete: Gn.
Herr / verdenket mirs nicht / dañ ich bin willig / diese Stunde eurem Befehl
nachzukommen. Was? sagete sie / soltet ihr davon reiten? ehe wollten wir diesen
unnützen Hund die Steige hinunter werffen; uñ was nennet ihr ihn einen gnädigen
Herrn? er ist ein unachtsamer Hudler. Aber / antwortestu mir nichts? sagete sie
zu Nabarzanes: Warumb wiltu meinen liebesten Diener vertreiben? Tuht gemach Frau
/ tuht gemach / antwortete er; Es gebühret sich nicht / dz ein Weib den Diener
mehr als den Herrn liebt; geht in euch / wie viel Willen ich euch gegönnet
habe / und noch gönne / wann es Zeit und Gelegenheit giebet /und beschimpfet
mich nicht so hoch / dass ihr einen gefangenen Knecht zu lieben wählet; ich habe
diese Zeit her gnug gespüret / aus was Ursachen ihr ihn bei meiner Wiederkunft
so treflich rühmetet; daher sage ich nochmahl / bedenket euch eines bessern /
und böses Gerüchte zuvermeiden / lasset ihn zihen / nachdem er von mir Abscheid
bekommen hat. Als sie dieses hörete / schrihe sie Zeter und Mord über ihn /
verstellete die Geberden dergestalt / dass Kleon ein Abscheuh davor hatte: O du
meinäidiger Kerl / sagete sie / woltestu meinen Kleon / diesen ädlen und
tapferen Kleon verachten / desgleichen mir nie vorkommen ist / welcher dir dein
Leben gerettet; ja / welcher mehr Vernunft und Geschikligkeit in seinem kleinen
Finger / als du ungewaschener Flegel in deinem ganzen Leibe hast? Sihe da; nach
dem dichs verdreust / dass ich etwas auf ihn halte / will ich ihn erst lieben / uñ
dir zu troz ihm alle Freundschaft erweisen. Er ist mein Diener; und wiltu es
recht wissen? er ist mein Freund; und troz sei dir gebohten / dass du mir ihn
beurlaubest. Damit wendete sie sich mit freundlichen Geberden hin zu Kleon und
sagete: Mein lieber Freund / nicht kehreteuch an dieses losen Mannes Reden / ihr
wisset dass ihr mein Diener seid / darumb sollet ihr hinfüro ihn nicht hören /
wann er euch von Abscheid sagen würde. Weil sie dieses redete / machete sie sich
an seinen Harnisch / gürtete ihm denselben ab / und in dem sie ihn umbfing /
sagete sie: Komet mein Freund / wir wollen uns an diesen nichtige Holzbok nichts
kehren. Nabarzanes seufzete hierüber sehr tieff / und sagete: Wann ihr dañ euren
Kleon gar nicht lassen wollet / will ich endlich zu frieden sein / doch dz ihr
ihn nicht mehr in meiner Gegenwart so lieblich umfahet / als jezt geschehen ist;
und wollet ihr hierin mein nicht schonen so schonet. Des Fürsten wollte er sagen:
Aber sie fiel ihm in die Rede; wessen sollte ich schonen? wollet ihr ungleiche
Gedanken aus meinem umbfahen nehmen? währe ich des Sinnes / ich würde in eurer
Gegenwart mich schon wissen zu mässigen; Unsere Liebe bestehet auff Freundschaft
/ die mir kein Mensch nicht wehren soll noch kann. Wer wollte ein anders gedenken /
antwortete der verzagete Tropff / nach dem eure Redligkeit mir viel zu wohl
bekant ist; nur rede ich solches aus guter Meinung / damit nicht andere ein
mehres argwohnen /als es an ihm selber ist. Kleon lachete des geduldigen
Menschen / und sagete: Mein Herr / ihr habt gar ein blödes Gehirn / und könnte
ich eine Sache nicht besser aussführen / würde ichs nicht anfangen; doch werde
ich hernähst meines freien Willens Leben / weil ihr mir eins vor alles
aufgedanket habet. Die Frau hatte nun was sie suchete / und gab ihrem Nabarzanes
zur Antwort: Mit eurem lezten Erbieten will ich zu frieden sein / doch soll Kleon
nach diesem nicht mehr als ein Diener auffwarten / sondern als ein guter Freund
mit uns stets zu Tische gehen. Der elende Mensch wahr mit allem friedlich / und
rechnete es vor ein Glük /dass er nicht gar aussgeschlossen ward.
    Auff die angesetzete Zeit stellete Fürst Gobares sich ein / welches Statira
vordissmahl lieber hätte gelassen sehen / da Kleon bei der Mahlzeit in guter
Höffligkeit auffwartete / dass der Fürst ihm besondere Gnade zulegete. Nabarzanes
hatte sein Gemahl aus dieses Fürsten Frauenzimmer geheiratet / ungeachtet der
Fürst schon etliche Jahr ihrer gute Kundschaft gehabt / hatte sie ihm auch mit
diesem ausdrücklichen Vorbehalt aussfolgen lassen / dass / so oft er zu ihm komen
würde / er seiner alten Liebe Freiheit haben möchte / welches dieser närrische
Mensch / aus blinder Liebe eingangen wahr / und nachgehends nicht wiederruffen
kunte. Der Fürst fragete ihn / was vor einen wolgeschaffenen Diener er hätte /
welchen er vor nie bei ihm gesehen; worauff er antwortete: Er hätte vor etliche
wochen ihn in einem Flecken bekommen / währe durch Räuber Hände in Dienstbarkeit
gerahten / und sonst der Geburt nach / adeliches herkommens aus Griechenland.
Bald fragete ihn der Fürst von neuen Zeitungen; dem er so zubegegnen wusste / dass
er sonderliches Wolgefallen daran hatte /und ihm alle Gnade versprach; welcher
Gelegenheit sich Kleon bedienete / und dem Fürsten klagete / wie unbarmherzig er
von seinem vorigen Herrn gehalten währe / baht auch untertähnigst / ihre Fürstl.
Durchl. wollten in ihrem Lande gnädigst anordnen / dass ädelgebohrne Leibeigene /
wegen ihres Adelstandes nicht schnöder als andere gehalten würden / wie ihm
leider begegnet währe / dass er stets hätte müssen auff dem Brodte fressen / der
Adelstand währe zu nirgend nütze / weil er sich nicht auff Handwerkelegete
/daher man Vortel schaffen könnte; welche Verschmähung ihm schmerzlicher als der
Tod selbst / gewesen währe. Fr. Statira kam ihm hieselbst zu hülffe / und baht
den Fürsten / solchen Schimpff zu eifern / als welcher dem ganzen Adel höchst
verweisslich währe /und nicht auffhören würde / biss an einem und andern
Adelfeinde eine ernstliche Straffe erginge. Der Fürst wahr ihr gerne zugefallen
/ und sagete zu Kleon: Ich möchte einen solchen Schelm / wie dein voriger Herr
ist / wohl sehen und reden hören; drum so nim meine Diener zu dir / und hohle ihn
herüber; finde ich ihn dañ dieses Frevels schuldig / will ich ihm eine recht
wirdige Urtel sprechen / und ihn dir zum Leibeigenen schenken / damit du
gnugsame Rache wieder ihn anstellen könnest. Kleon / welcher ohndz rachgierig
wahr / erfreuete sich dessen höchlich / bedankete sich der grossen Gnade / und
ritte mit IIX Fürstlichen Reutern nach dem Flecken / besetzete rings umbher das
Haus / als er seiner Anwesenheit verständiget wahr / und ging zu ihm in die
Stube / gleich da er mit seinem Weibe Mahlzeit hielt / rieff seine Reuter auch
herzu / und redete anfangs freundlich mit ihm / da er begehrete / er sollte ihm
und seiner Gesellschaft vor gute bezahlung etliche leckere Speisen und den besten
Wein aufftragen / dann er müste in diesem Hause auch einmal gut Geschir machen
/ da er ehmahls so grosses Ungemach aussgestanden hätte. Dem Weibe begunte Angst
zu werden / Orsillos aber / nach seiner Verwägenheit / fragete ihn / wer ihn so
kühn gemacht hätte / ohn gebehtenes Urlaub in sein Haus zutreten; weil er auch
an seine lezten Dräuworte gedachte / redete er ihm hönisch zu: Ob er in so
kurzer Zeit hätte Herr zu spielen / gelernet; er müste gemach fahren /und nicht
über knechtes Stand sich erheben. Worüber Kleon von Zorn und Grim entbrante /
und schier Hand an ihn gelegt hätte / zwang sich noch ein / und sagte zu ihm: O
du boshafter unbarmherziger Schelm / gedenkestu nicht / dass nach geendeten
Dienst Jahren der Zahlungs-tag endlich herbei komt? Stelle dir nun vor
Gedächtnis allen Frevel und Bosheit / so du mir angeleget hast / und schicke
deine Haut / dass sie ein gleichmässiges anzunehmen sich nicht wegere: Band ihm
damit die Hände auff den Rücken / und stellete ihm etliche unwürsche
Maulschellen zu. Dieser liess sich harter Dräuworte vernehmen / er sollte den
Hunden zur Speise vorgeworffen werden / dass mit einem freien Susianer dergestalt
zuverfahren er sich unternehmen dürffte. Kleon kunte sich länger nit entalte
sein Mühtlein an ihm zu kühlen / uñ sagete zu ihm: Was? darfstu mir noch dräue?
hohlete den Ochsenstecken von dem bekanten Orte / welchen er oft hatte verdäuen
müssen / und striegelte ihn dergestalt / dass ihn dauchte / es könnte sich zum
anfange leiden / weil er sah / dass ihm die Ohmacht nicht ferne wahr. Das Weib
fing an Zeter und Gewalt zu ruffen / wollte auch zum Hause hinaus wischen / die
Nachbarn zur Hülffe auffzumahnen / aber sie ward von einem Reuter mit harten
Maulschellen hinter sich getrieben / und an eine Säule fest angebunden. So bald
Orsillos sich etwas erhohlet hatte / fragete ihn Kleon / ob er annoch seine
Reden nicht höher als des Sperlinges Zwitzern schätzete: Bekam aber keine
Antwort / ohn dass er vorgab / das Blad würde sich bald wenden: Wovor ihm auffs
neue etliche gute Streiche zu teile wurden. Nachgehends fragete Kleon nach
seinem Kleinot / und welches er von Herrn Nabarzanes pfandsweise bekommen hätte.
Dieser antwortete: Es währe dieses annoch in guter verwahrung und sollte gegen
Einlieferung der versprochenen Gelder sich schon finden /von mehrem wüste er
nichts / als welches er ihm dazumahl geschenket / und er vor 10 Tagen verkauft
/aber kaum 80 Kronen davor bekommen / weil es alles von falschen Steinen
gewesen. O du Bube / sagete Kleon / hättestu deinem versprechen nach mich etwas
gelinder gehalten / wollte ich dir nichts abfodern; aber deine grausame
Unbarmherzigkeit hat dich dessen unwirdig gemacht. Rieff dem Haussgesinde / und
begehrete zu wissen / ob ihr Herr die Kleinot verkaufft hätte; welche davon
nichts zu sagen wussten / und musste der Haussknecht frische Ruhten herzuhohlen
/seinem Herrn die Kleider abzihen / und ihn am ganzen Leibe zerhauen / biss er
durch Schmerzen überwunde / sich erboht / alles herzulangen / dann es wahr noch
unverkauft. Die Nachbarn höreten das elende Geschrei welches Orsillos bei der
Geisselung trieb /und kahmen häuffig herzu / ihn zu erretten; Sie kenneten aber
des Fürsten Reuter / und empfingen von ihnen Bericht / dz alles aus ihres Herrn
Befehl erginge; worauff sie es geschehen liessen / weil sie ohndas ihm wenig
gutes gönneten. Orsillos fragete Kleon ob er dann durch Unglück in seine
Leibeigenschaft gefallen währe. Er aber gab zur Antwort / er würde solchen
Aussspruch von seinem Landes Fürsten selbst hören /uñ sich gefasset halten aller
guttahten Vergeltung zu empfahen: Legete ihm einen Strik umb den Leib und
schleppete ihn durch Koht und Lachen neben dem Pferde her / biss er ihn dem
Fürsten darstellete / uñ also anfing: Durchleuchtigster Fürst / Gnädigster Herr;
hier sihet eure Durchl. dieses unbarmherzige Tihr / den abgesagten Feind aller
ritterlichen Tugenden / welcher alle ädlen bloss darumb vernichtet / dass sie
nicht so viel auff geizigen Vortel / als auff Ehre sehen / daher er dann
schliessen darf / der Adel müsse zu grunde aussgetilget werden / wo sonst ein
redlicher Kauffmann sein Gewerbe mit Nuz treibe soll. Der Fürst gab Orsillos
Freiheit / seine Verantwortung zutuhn; welcher darauff anfing sich zubeklagen /
was gestalt dieser sein ehemahliger Leibeigener ihn einen freien Susianer in
seinen eigenen vier Pfälen überfallen / geprügelt / mit Ruhten zerhauen /
gefesselt / und als ein unvernünftiges Vieh neben sich hergeschleppet;
zweiffelte nicht / seine Fürstl. Durchl. würde solchen unerhöreten Frevel
ungerochen nit lassen hingehen / nachdem er sich von Jugend auff als ein
geträuer Untertahn erzeiget / und seinen Schoss / Dienste / und andere Unpflichte
allemahl gebührlich abgetragen hätte. Fürst Gobares erinnerte ihn / er müste vor
solcher Klage zuvor auff die Beschuldigung antworten /alsdann sollte er zur Gnüge
gehöret werden: Weil er sich aber schuldig wusste / und von seinen eigenen Leuten
leicht hätte können überzeuget werden / baht er umb Gnade / zur Entschuldigung
anführend / er möchte etwa aus Eifer ein Wort zu milde geredet haben / wovor er
seinem Gn. Fürsten mit einem Stük Geldes Abtrag machen wollte / uñ sich hernähst
aller solcher Ungebühr gerne entalten. Oho hastu keine bessere entschuldigung /
sagte der Fürst / bistu aller Gnade unfähig: Sprach ihm darauff diese Urtel;
Kleon / nachdem du diesem Buben so schwere Dienstbarkeit hast leisten müssen /
ungeachtet du ihm so grosse Schenkungen getahn / soll er dir davor zum
Leibeigenen geliefert sein / deines gefallens mit ihm zu schalten. Kleon nam den
Aussspruch mit untertähnigem Danke an / liess seinem Leibeigenen eine starke Kette
anlegen / und setzete ihm eben so viel Tagewerk / in seines Herrn Mahrstal und
anderen unflätigen Orten zuverrichten / als er ihm hatte leisten müssen; weil er
aber schon zimlich bei Jahren wahr / und seiner Glieder nicht so mächtig als
Kleon / kunte er die gesetzete Arbeit nicht aussführen / daher ihm allemahl vor
Abends der Ochsenstecken mitgeteilet ward / dass er ihm endlich vornam / mit
Kleon zuhandeln / ob er sich vor ein gewisses Geld losskäuffen könnte; aber er
ward wegen des zumuhtens mit gleich solchen Worten uñ Schlägen empfangen / als
Kleon ehmahl / da er um verkauffung seiner / anhielt / dass er nur stets des
Todes begehrete. Diese Tage lebete Fr. Statira mit Fürst Gobares nach ihrer
alten Gewohnheit / wie wohl mehr aus Zwang als gutem Willen / dann sie hing so
gar an ihrem Kleon / dass sie keines anderen neben ihn achtete; weil sie es aber
nicht endern kunte / hielt sie ihr Wesen sehr geheim / dass Kleon dessen nicht
innen werden möchte; welcher aber so einfältig nicht wahr /dass er diesen Braten
nicht zeitig gerochen hätte. Was sollte er aber machen? er währe gerne davon
gewesen; sollte er nun aussreissen / uñ man würde ihn in der Flucht wieder
ertappen / müste er ohn Gnade eines abscheuhlichen todes sterben; so wahr er in
einem fremden unbekanten Lande / wusste weder Wege noch Stege / hatte auch keinen
andern Menschen / der ihm davon Unterricht geben mögen / und welches das ärgeste
wahr / gab Statira so genaue acht auff ihn / dass ihm unmöglich wahr / sich
füglich und bewapnet von ihr losszuwirken / dann sie hatte ihr Gesinde / welches
auff alles sein Tuhn und lassen fleissig merken musste; ward also gezwungen /
sich in sein Unglück zuschicken / biss ihm etwa Gelegenheit vorfallen würde / ohn
sondere Gefahr davon zu streichen / und so lange umher zu reiten / biss er etwas
von Ladisla oder Herkules könnte in erfahrung bringen / wornach ihn am
allermeisten verlangete.
    Zu Ekbatana musste sich Herkules auch wieder seinen Willen auffhalten /
woselbst er von hohen und nidrigen sehr geliebt und geehret ward / bekam auch
von dem GrossFürste die Zusage / er wollte sich der Fräulein Erlösung als seiner
leiblichen Tochter lassen angelegen sein / weil sie von ihm / (wiewol auff ihre
selbst eigene ansträngung) zu abwendung seiner Gefahr / dahin geliefert währe.
Zween Tage nach seiner Ankunft hielt Pharnabazus bei dem GrossFürsten an /ein
offenes freies Ritter-stechen ausszuschreiben / dass man sehen möchte / was vor
wehrhafte Ritter sich in seinem Lande fünden / deren man in künftig sich
zugebrauchen hätte / welches niemand so sehr als Herkules zuwieder wahr / und
sich dessen doch nicht durfte merken lassen. Seine heftige Liebe reizete ihn
täglich zu der Reise nach Charas; so wiederriet man ihm daselbst die
Eilfärtigkeit / dessen Ursach ihm unbewust wahr / und daher umb so viel
destomehr sorge in seiner Seele empfand; weil er aber nicht wiedersprechen
durfte / trieb er stark an / dass das bestimmete Rit erspiel auffs schleunigste
möchte fortgesetzet werden / welches aber erst den 14 den Tag hernach seinen
Anfangnam / damit es gleichwol durch die umbliegende Länder in etwas lautbar
werden möchte /daher sich auch inwendig solcher Zeit die Ritterschaft daselbst
in guter Anzahl einstellete. Herkules beschloss bei sich / nicht anders / als
auff verstellete Weise bei dem Stechen zuerscheinen / und wahr ihm doch schwer /
einigem Menschen mehr zu entdecken /dass er durch Mittel des Pulvers sich
unbekant machen kunte. Des nähesten Tages vor dem Stechen baht Pharnabazus / er
möchte im Rennen ihn zum Gesellen annehmen; er hätte noch fünff feste Medische
Ritter /mit deren Beistand und Hülffe er die übrigen alle versuchen wollte.
Dieser entschuldigte sich / er währe ein Fremdling / könnte durch dieses Mittel
ihm bei mannichem grossen Wiederwillen und Verfolgung zu wege bringen / auch gar
zubekant hiedurch werden / welches seinem Vorhaben sehr schädlich sein würde;
umb dieser Ursach willen hätte er ihm vorgenomen /dem Schimpffspiel nur
zuzusehen. Nun hätte die GrossFürstin ihrem lieben Bruder gerne eine sonderliche
Ehre gegönnet / wahr deswegen auff ein Mittel bedacht / wodurch Herkules
mit-stechen / und doch unbekant bleiben möchte / und sagete zu ihm: Da eure
Liebe mir zur Freundschaft mit Rennen wollte / währe ich gesonnen / dem
Frauenzimmer durch dero Tapfferkeit eine sonderliche Ehre zu erwerben / im falle
dieselbe unbeschweret sein könnte / in Gestalt und Kleidung einer Amazonin auff
der Steche-Bahn zuerschemen. Er antwortete mit lächelndem Munde: Euer Durchl.
Vortrag währe so uneben nicht / aber woher nehmen wir in der Eile die
Amazonischen Waffen und Kleider? Fehlet es sonsten an nichts sagte sie / könnte
mein Gemahl eine zimliche Schaar Amazoninnen aussrüsten / und ich die behörigen
Kleider schaffen. So bin ihrer Durchl. ich allemahl bereitwilligster Knecht /
antwortete er: Und ist dieses der geringste Gehorsam / welchen euer Durchl. ich
schuldig bin /nur dass von meiner hochwerten Fräulein Barsenen ich sehr
freundlich bitte / sie wolle mir erläube% / ihren Nahmen zu führen; ihre Durchl.
aber gnädig einwilligen / dass ich nicht steche / als unter der Bedingung /dass
wer durch mein Speer gefellet wird / sich zu euer Durchl. verfüge / und von
derselben drei Befehl empfahe / welche zuleisten / er bei ritterlichen Ehren soll
gehalten sein. Der Ehre bin ich nicht fähig / sagte die GrossFürstin: So ist auch
ohnzweiffel mein Nahme zu unwirdig / sagte das Fräulein / dass er von meinem Gn.
Fürsten geführet werde. Er hingegen erboht sich alle Mühe anzuwenden / dass
dieser Nahme unbeschimpfet bliebe. Darauff gingen sie mit einander nach der
Rustkammer / und nahmen zierliche Amazonische Waffen heraus / auch einen
vergüldeten / und mit ädlen Steinen aussgeziereten Bogen / neben einen
helffenbeinen Köcher mit vergüldeten Pfeilen / die ihm ein Jüngling in
Amazonischer Kleidung nachführen sollte. Der Helm wahr oben etwas zugespitzet
/und zu oberst ein fligender Drache mit auffgesperretem Rachen. Der Rock /
welchen die GrossFürstin herzu brachte / wahr ein trefliches Güldenstük /
Leibfarbe durchscheinend / welcher nach Amazonischer Art nur etwas über die Knie
reichete.
    Ladisla gelangete vier Wochen nach gehaltenem herben Kampffe wieder Hages /
in einer Stad an / woselbst er in einer Herberge zwölf Medische Ritter antraff /
die er freundlich grüssete und von ihnen hinwiederumb höflich empfangen ward /
vernam auch bei der Mahlzeit / dass ein eilfertiger Post Reuter vermeldet hätte /
es würde zu Ekbatana ein ritterliches Stechen gehalte werden / dahin sie zuzihen
willens währen. Er beredete sich kürzlich mit Leches in Gesellschaft dieser
Ritter fortzureisen / weil er nicht besser / als durch solche Gelegenheit von
Herkules und seiner Fräulein Schwester / auch wohl gar von Fabius Zeitung
erfahren könnte. Weil dann Leches ohn dass bei solchen Ritterspielen sich gerne
finden liess / riht er fleissig mit zu / nur dass er fragete / wie sie es mit
ihrem verwundeten Tyriotes machen wollten / der am Fieber hart darnieder läge.
Der muss uns nicht hinderlich sein / sagte Ladisla / kann er dann nicht mit reiten
/ so lasse er sich heilen / und folge nach. Auff solchen gefasseten Schluss
redete er die Versamleten also an: Ich vernehme gerne / dass eure Tapfferkeit
euch anstränget / auff angesetzetem Stechen / Ruhm und Ehre zu suchen; ob nun
zwar meine Häuptreise eigentlich dahin nicht gerichtet ist / soll mir doch dieser
Umbschweiff nicht verdrisslich sein / dafern meinen Herren es nicht missfällig ist
/ mich und meinen Gefärten in ihre Gesellschaft auffzunehmen / da wir dann alle
Gefahr der Reise mit ihnen gemein haben / uñ unser Leben neben das ihre zu
algemeinem Schutze hinstellen wollen. Der ansehnlichste unter ihnen antwortete:
Sie lägen zu dem Ende alhier stille / dass sie gute Gesellschaft antreffen
möchten / weil ohn zweifel das aussgeschriebene Ritterspiel die Strassen
unsicher machen dürfte; wünscheten demnach / dass ihre Schaar fünffmahl stärcker
währe / und sie desto sicherer durchgehen könten. Bosshafte Räuber / sagte
Ladisla / sollen uns wohl ungeschändet lassen / wann wir uns mit allerhand Gewehr
versehen / und unsere Diener mit Geschoss aussrüsten; so wolle wir gute feste
Speere neben den Schwertern führen / und unter der Götter begleitung Morgen früh
auffbrechen / vielleicht mehrer sich unser Hauffe auff dem Wege mehr als wir
gedenken. Er befahl dem Wirte alsbald / nach allerhand gutem Gewehr zu schicken
/ welches er aus seinem Beutel bezahlete / dass ihrer schon 30 bewehrter Mann
wahren: Durch welchen kühnen Vorschlag und angewendete Kosten er erlangete / dass
sie ihn einhellig zum Hauptmann auffworffen / dessen er sich zwar wegerte / aber
doch endlich annehmen musste /wiewol er diese Bedingung hinzu setzete / das mit
solchem Amte sie täglich umbwechseln wollten. Hernach fragete er den Wund Arzt /
ob Tyriotes zum reiten düchtig währe; uñ als er ein wiedriges vernam /liess er
ihm durch Mardus andeuten / er sollte sein wohl pflegen / und so bald möglich /
nach Ekbatana folgen / zu dessen behuef er ihm 300 Kronen einreichete; welcher
daher sehr traurig ward / und untertähnig baht / ihn nicht zurücke zulassen; es
währe misslich / ohn starke Gesellschaft durchzukommen; so befünde er sich / dass
er des reitens ungemach hoffete zuertragen /wollte doch lieber auff der Reise
sterben / als von seinem Gn. Herrn geschieden sein. Ladisla verwunderte sich
dieser Träue / und liess einen sanften Wagen kauffen / auf welchem der Kranke
sollte mitgeführet werden; nam noch desselbigen Abends von seiner vorigen
Gesellschaft Abscheid / und bedankete sich ihres guten Schutzes. Des folgenden
Morgens nam diese ritterliche Schaar den nähesten Weg auff Ekbatana vor sich /
und kam Ladisla der Wagen wohl zu statten / auff welchem er seine Gelder und
Kleinot füglich mit fort bringen kunte. Auff der Reise begegneten ihnen
unterschiedliche Räuber Schaaren / die mannichen Anfall wageten / so hatten sie
auch zuzeiten Gefahr von wilden Tihren / aber weil ihr Hauffe sich täglich
mehrete / und sie unter unsers Helden vorsichtiger Anordnung sich fleissig
hüteten / gingen sie allentalben sicher durch. Als sie noch andertalbe
Tagereisen nach Ekbatana hatten / und sie über LX bewehreter Mann stark wahren /
stiess von der linken Seite her ein Hauffe von XXX teils geharnischten /teils
gepanzerten Reutern auf sie / vorgebend / sie wollten nach Ekbatana auff das
Ritterspiel / und hätten Lust / in ihrer Gesellschaft fortzugehen; welches
Ladisla etwas verdächtig vorkam / weil sie mehr auff Räuber- als Ritter-Art
gewapnet wahren / hielt demnach mit seinen Leuten eine kurze Unterredung / uñ
nach gemachtem Schlusse zeigete er ihnen an / sie wollten ihnen zwar nicht wehren
/ mit fortzureisen /aber umb Verdacht zumeiden / würden sie in einem
absonderlichen Hauffen allein reiten / und ihr Seitengewehr / biss eine Meile an
Ekbatana von sich geben /alsdann sollte ihnen Schutz vor allen Anfall gehalten
werden. Diesen wahr solches ungelegen / stelleten sich doch demütig / und gaben
vor / sie wollten zwar ihnen hierin gerne gehorsamen / aber vorerst würde es
ihnen schimpflich sein / wehrloss zureiten; hernach kähme es oft / dass man
unversehens angegriffen würde / und man alsdann das Gewehr zuspät suchete. Weil
nun solche Entschuldigung einen Schein hatte /und man ihnen doch wenig trauete /
musste Leches mit 26 Geharnischten sie ganz enge zwischen sich nehmen / und mit
ihnen hinter dem ganzen Hauffen herzihen / so dass sie keinen Raum zur Gegenwehr
haben kunten. Als sie etwa eine halbe Meile fortgeritten wahren / kam ein
grosser Hauffe in die LII stark von derselben Seite herzu gerennet / schicketen
einen Reuter ab / und begehreten zuwissen / was vor Leute sie währen / wohin sie
gedächten / und warumb man ihre Gesellen als gefangene eingeschlossen hielte /
welche ihnen doch kein Leid angetahn hätten. Ladisla selbst gab ihm zur Antwort:
Die erste und andere Frage zubeantworten / hielte man vor unnöhtig; das übrige
geschähe nicht / jemand zubeleidigen / sondern sich selbst zuversichern; drumb
sollte er hinreiten / und alsbald anzeigen / wessen man sich zu denen / so ihn
abgesand / zuversehen hätte / alsdann sollte ihnen bessere Erklärung mitgeteilet
werden. Die XXX eingeschlossene begunten gelegenheit zu suchen / sich
loszumachen / aber Leches zeigete ihnen an / dafern sie nicht alsbald ihr Gewehr
willig von sich geben würden / sollten sie als Feinde gehandelt werden / weil die
Anfoderung schon übrig gnug meldete / was vor Leute sie wären. Diese hingegen
fingen alsbald ein wüstes Geschrei an / und drungen mit ganzer Macht nach der
linken zu / sich loszumachen / welches ihre Gesellen ersehend / ohn weitere
Wortandelung zun Schwertern und Streit Axten griffen / in Meinung /Leches
Hauffen zuüberfallen / und den ihren Lufft zumachen; aber Ladisla setzete mit
XII Speer Rittern auff sie hinein / erlegten im ersten Treffen XIII Räuber / und
braucheten bald hernach ihre Schwerter redlich; Die Bogen Schützen an unser
seite feireten auch nicht / und tahten den Feinden zimlichen Abbruch. Die
eingeschlossene fühleten auch schon Leches und der seinen harte Schläge / welche
beides Ross und Reuter in solcher enge nidermachten / dass ihrer kein einziger
übrig blieb; worauff er Ladisla entsetzete / so dass nach verlauff einer Stunde
die ganze Räuber Schaar LXXXII Mann gestrecket lagen / bei denen die unsern an
Barschaft und Kleinoten vier Tonnen Schatz funde / woran aber weder Ladisla
noch Leches anteil haben wollten / denen die andern / wegen ihres Ritterlichen
verhaltens / überaus grosse Ehr antahten /nicht anders / als währens ihre
gebietende Herren gewesen. Nach diesem Treffen gingen sie unangefochten fort /
und hielten des folgenden Tages zimlich spät ihren Einzug zu Ekbatana / da sie
sich in unterschiedliche Herbergen verteileten. Ladisla wählete sechs Ritter aus
dem Hauffen / deren Streitbarkeit er in der Räuber Schlacht angemerket hatte /
und baht sie / mit ihm auff seine Kosten eine enge Gesellschaft zumachen / weil
er willens währe / sich selb achte zustellen / und aller anwesenden zuerwarten;
legte sich mit ihnen in eine absonderliche Herberge / liess acht blanke Harnische
mit eingeschmelzetem gülden Blumwerk / und sechs starke Rappen bringen / damit
er sie versah; Ihre Pferdedecken waren schneeweiss mit güldenem Blumwerk /
ausgenommen die seine war mit köstlichen Perlen gezieret / uñ sein Pferdezeug
glänzete von ädlen Steinen / dass sie sich verwunderten /woher diesem Ritter in
der fremde so grosse Schåtze kähmen. Auff dem Helm führete er einen güldenen
Löuen / welcher in der rechten Tatzen ein Schwert / in der linken ein Schildlein
hielt / mit diesen eingegrabenen Worten: Fratrem quæro & Sororem. Ich suche
den Bruder und die Schwester. Im Schilde war nach künstlicher Arbeit ein
gedoppelter heller Strahl gemahlet / und ein Schatten davor gezogen / mit dieser
überschrifft: Ubi lates, mundi decus? Wo liegst du verborgen / du Zier der Welt?
Herkules und Pharnabazus liessen an der Zubereitung auch nichts ermangeln
/nahmen sechs Ritter in ihre Gesellschaft / und erwarteten des Tages / da
indessen der GrossFürst alles zu diesem Ritter Spiel nöhtig / anordnen liess. Der
Renneplatz wahr ein Halbviertel Meilichen von der Stand / und die Steche Bahn so
weit / dass zehne neben einander Raum gnug zustechen hatten. Die Schau Bühne
umher so gross / dass etliche tausend Menschen darauff sitzen und stehen kunten.
Des GrossFürsten und seiner Gemahl Königliche Stüle / wahren über andere inetwz
erhaben; allernähest sass Arbianes (dem das Stechen von seinem Vater noch nicht
wollte erlaubet werden) /und Herr Mazeus neben andern Medischen Herren; Vor ihnen
her / etwas niedriger / sassen Fr. Roxane /Frl. Barsene und etliche andere
Herren-Standes / und hatten einen zimlichen hauffen des adelichen Frauenzimmers
bei sich. Es versamlete sich eine treffliche Anzahl Ritter / von Inwohnern und
Ausländischen /welche zierlich auffgezogen kahmen. Herkules / als eine
Amazonische Heldin / und Pharnabazus / mit ihrer Gesellschaft / wahren die
ersten / und erschienen in ansehnlicher Rüstung. Herkules Schild wahr vergüldet
/ auff welchem ein junger Löue an einer Ketten lag / zu dem ein grösser trat /
ihn loszumachen / mit dieser Umschrifft: VOLENTE DEO. Nach Gottes willen. Die
Pferde Decke wahr röhtlich / mit Perlen gesticket / über welcher sich der
Amazonische Rok etwas ausbreitete; und dass er ja vor ein Weibesbild möchte
angesehen sein / ritte ein zierlicher Knabe in Amazonischer Kleidung / mit Pfeil
und Bogen hinter ihm her. Auff der Bahn nam er mit seiner Gesellschaft einen Ort
gegen Osten ein / dass er den Grossfürsten stets im Gesichte hatte. Ihm folgeten
etliche Medische und Assyrische Ritter / Herren-Standes bei die zwanzig. Darauff
liess sich Ladisla mit seinen Gefärten sehen / die in oberwähneter gleichmässigen
Rüstung hinter ihm her ritten / welches ein feines ansehen gab /dz jederman die
Augen auff ihn warff / und ihn gerne unter dem Gesichte gesehen hätte / welches
er mit fleiss unter dem Helme verdecket hielt / weil er ohngefehr diesen Morgen
erfahre hatte / dass Pharnabazus zugegen währe / und mit stechen würde / da er
dann zweifelte / ob es raht währe / sich ihm zuerkennen zugeben. Herkules / der
allernähest bei Pharnabazus hielt / sah seinen liebsten Freund / den er nicht
kennete / in die Schranken reiten / und sagte zu seinem Gesellen: Dieser wird
gewisslich ein grosser Herr sein / welches sein Auffzug ausweifet / zweifele
nicht / da die Kraft den Geberden antwortet / werde er uns zuschaffen geben. So
bald alle Gebräuche des Stechens gehalten / und die Gesetze abgelesen wahren /
ritte Pharnabazus hervor / und mit einer zierlichen Ehrerbietung fing er an:
Hochansehnliche Gestränge Ritter und Herren; demnach der Grossmächtige GrossFürst
der Meden / aus sonderlicher Beliebung zu der Ritterschaft / dieses Stechen
angestellet / als hat diese gegenwärtige Durchleuchtige Amazonin / Frl. Barsene
/welche ohngefehr bei uns angelanget ist / dieser übung beizuwohnen sich
gefallen lassen / doch mit diesem ausdrüklichen Vorbehalt / dass wer sie zur
Erden fellen / und selbst ungefellet bleiben wird / von ihrer Gn. ein
absonderliches Kleinot auff 12000 Kronen zum Preise von ihr bekommen; hingegen
aber / da er von ihr Sattel-los gemacht würde / er sich der Durchleuchtigsten
GrossFürstin gegenwärtig / kniend darstellen / und von ihr drei Befehle annehmen
soll /unter ritterlichen Ehren nach Vermögen zuleisten; sollte aber jemand solches
einzugehen bedenken tragen / bittet hochgedachte Amazonin / ihres Speers sich
zuentalten; und will ich hiemit ansuchung tuhn /es wollen zween Ritter mit uns
beiden den Anfang zumachen / sich gefallen lassen. Die Ritterschaft sah einer
auff den andern / meinte anfangs / Ladisla / seinem ansehen nach / würde die
Bahn einnehmen; weil er sich aber nicht bewägete / gaben sich zween Assyrische
Ritter hervor / uñ ranten getrost auff die Anfoderer zu / aber die Amazonin
legete den ihren alsbald zur Erde / und trabete unbewäglich vorbei /welches
Ladisla ersehend / zu Leches sagete: Ob ich zwar nicht gläube / dass diese
verstellete Amazonin ein Weibsbild sei / so bin ich mir doch solches Rittes bei
ihr nicht vermuhten gewesen. Pharnabazus traf mit seinem Gegenteil auch / und
weil keiner gefellet wahr / wiederhohleten sie den Ritt / dass der Assyrer den
Sattel räumen musste / wie hart er sich auch bemühete / den Fall zuverhüten. Der
zuerst abgestossene schämete sich sehr / weil er vor einen festeren Ritter als
sein Geselle / gehalten ward / bezeigete sich doch den vorgeschriebenen
Satzungen gemäss / stieg auf die Schau Bühne / legete sich auff die Knie / und
erwartete der GrossFürstin Befehl. Dieselbe aber hiess ihn auffstehen / und redete
ihn also an: Mannfester ädler Ritter / weil der Durchleuchtigen Amazonin es also
gefället / ist mein dreifacher Befehl / dass ihr dem GrossFürsten / meinem Gemahl
/ auff begebenheit zu dienste; der Amazonin gewogen: uñ Ritterlichen Ehren stets
zugetahn seid und verbleibet; und weil ihr der erste gewesen / der in diesem
Spiel mit der unüberwindlichen Amazonin (dann davor wird sie gehalten) ein
Treffen gewaget / sollet ihr diesen Ring (der auff 500 Kronen wert wahr) zu
dessen Gedächtnis von mir annehmen. Dieser küssete ihr den Rockes Saum / und
sagete: Er währe den dreifachen gnädigsten Befehl ohndas schuldig zuleisten /
und erboht sich / lieber zu sterben / als deren einen aus der acht zulassen;
währe ich aber / sagte er / dieses Gnadengeschenkes mir vermuhten gewesen /
würde ich mich selbst vom Pferde herunter geworffen haben / wañ es dieser
tapfferen Amazonin wider mich gefehlet hätte. Inzwischen stelleten sich drei
andere von Pharnabazus Gesellschaft / denen drei begegneten / mit diesem Glücke
/ dass von den Ausfoderern einer / an der andern Seite zween abgeworffen wurde.
Die übrigen 3 hielten sich besser / und legeten im dritten Treffen ihre Gegener
nider. Bald wahr Herkules und Pharnabazus wieder fertig / und stellete sich gar
ein ansehnlicher Ritter gegen die Amazonin / liess ihr doch durch einen Knaben
andeuten / er nähme ihre vorgetragene Bedingung an / jedoch wann ihm auch die
seine gewehret würde / dass auff den fall seines Sieges / sie bekennete / dass
sein Schatz das schönste Fräulein in ganz Assyrien währe. Herkules lachete der
Anmuhtung / und gab zur Antwort: Jüngling / sage deinem Herrn / ich kenne seinen
Schatz nicht; ist sie aber so schön / will ich auch auf den fall meines Sieges
ihr diesen Preis gerne lassen / dass er mir nur frisch begegne. Kehrete sich
hernach zu Pharnabazus / und sagete: Dieser Ritter muss entweder mit dem
Liebespfeil / wie ich; oder mit Hasen Schroht getroffen sein /daher ich mich
desto besser vorzusehen habe / dass ich vor ihm Schimpff-los bleibe; mit welchem
Worte er so eiferig auf ihn ansetzete / dz er ihn mit samt dem Pferde niderwarff
/ uñ alle anwesende sich der Kraft höchlich verwunderten / insonderheit Ladisla
/ der zu Leches sagete: Ich werde nicht unterlassen / es mit dieser vermummeten
Amazonin zuwagen / Gott gebe /wer des andern Meister wird. Pharnabazus machete
gleicher gestalt seinen Bestreiter die Erde küssen /und seine ganze Gesellschaft
legte zu diesem mahle Ehre ein / dessen er sich nicht wenig freuete. Herkules uñ
sein Geselle stelleten sich zum dritten mahle /gleich da Ladisla losszubrechen
willens war / welcher aber alsbald einhielt / dann er wollte es mit der Amazonin
nicht anlegen / biss er zuvor so mannichen Ritt gegen andere / als sie / getahn
hätte. Es begunten schon etliche schimpflich gnug von ihm zureden / dass ers auch
hörete / aber sich daran nicht kehrete / sondern wahr ihm liebe / dass ein
trefflicher Ritter / von zween anderen begleitet / sich gegen die Amazonin
stellete / mit dem sie ein gewaltiges Treffen hielt / dass sie beiderseits der
Püffe wohl empfunden / und doch unbewäglich sitzen blieben / da hingegen
Pharnabazus seinen Mann niderlegete / sein Geselle aber abgestochen ward. Jene
tahten den andern Ritt / und verlohr der fremde ein Stegreiff / welches ihn
nicht wenig höhnete / spürete auch / dass sein Pferd zu leicht wahr / daher er
ein stärkeres von einem andern Ritter nam /und gedachte dissmahl das äusserste zu
versuchen. Herkules sagete zu Pharnabazus: Dieser ist in Warheit ein gewaltiger
Ritter / und muss er oder ich zum dritten mahl unten liegen; stürmeten auch
frisch und behutsam auff einander / und traff die Amazonin dergestalt / dass
jenem die Sattelgurt zusprang / und er mit samt dem Sattel auff die Erde fiel.
Nun / sagete Ladisla / diese Amazonin stehet nicht zutadeln / wie mirs auch mit
ihr noch heut ergehen wird. Aber der abgestochene stund aus dem Sattel auff /
voll Zorn und Unmuht des leidigen Falles halber / dass er offentlich sagete: Und
wann mein Diener solche schwache Gurt angelegt hätte / müste ers mit dem Leben
büssen; schickete auch an die Amazonin / mit Bitte / ihm den vierden Ritt nicht
zuversagen / weil nicht er / sondern der Sattel abgestochen währe. Herkules aber
gab zur Antwort: Es wäre freilich die schwache Gurt des Falles ursach; weil aber
das vierde Treffen beides wider die abgelesene Satzungen / uñ wider seine
gewohnheit wäre / bähte er / ihn dessen günstig biss auf morgen zuerlassen / weil
er seine Tapfferkeit gnug hätte zuerkeñen gebe / und sich nit vor überwunden
schätzen dürfte; womit er sich auch befriedigen liess. Pharnabazus übrige fünffe
hielte sich abermal wohl /dz nur einer den Sattel räumete; Worauff Ladisla uñ
Leches mit eine zierlichen Pferdetumeln die Bahn einnamen / uñ nit wenig auf
ihre festen Hengste sich verliessen. Er setzete sich gleich gegen die Amazonin
/und wartete / ob sich jemand stellen würde / welches nit lange anstund / dañ
eben sie selbst und Pharnabazus liessen sich finden; welches ihm doch noch zur
Zeit ungelegen war / und seiner Ritter eine mit dieser Werbung an sie schickete:
Mein Gn. Herr uñ sein Gefärte nähst anmeldung ihrer Dienste uñ Grusses /
erfreuen sich / die Ehre zu haben / mit eurer Vortrefligkeit einen ritterlichen
versuch zu tuhn; weil sie aber bissdaher geruhet / und hingegen eure Pferde sich
hart bemühet haben / ist ihr bitliches suchen / ihnen die Ehre zu gönnen / deren
sie schon genossen / damit sie auch zuvor mit dreien andern sich versuchen mögen
/ hernach sind sie zu ihren pflichtschuldigen Diensten bereit und willig /
welches Ansuchen / weil es der Billigkeit gemäss / sie umb so viel desto leichter
zuerhalten hoffen. Pharnabazus / nach dem er zuvor der Amazonin Meinung
vernommen / gab zur Antwort: Herr Ritter / wir bedanken uns wegen des
übergebrachten Grusses von eurem ansehnlichen / uns unbekanten Herrn / ersetzen
denselben mit gleichem / und geben ihrem Begehren billich statt / als wodurch sie
ihre Herzhaftigkeit uns sehen lassen; sonsten wünschen wir ihnen / zubehauptung
ihrer Ehren / Glük und Sieg. Hiemit ritten sie alsbald von der Bahn /welches ein
grosses auffsehen gab / weil die wenigsten ihre Rede verstehen kunten; doch
funden sich bald zween andere / die Lust hatten dieses treflich geputzeten Herrn
Mannheit zuversuchen / kunten sich aber wegen des Gegenstechers nicht
vergleichen /dann jeder wollte mit dem vornehmsten dieser kleinen Gesellschaft es
zu tuhn haben / biss sie Ladisla und Leches losbrechen sahen / denen diese zwar
verwägen gnug begegnete / wurden aber so unsäuberlich empfangen / dass sie beide
über und über purzelte / und der von Ladisla getroffene den linken Arm zubrach
/da doch die unsern unbeweglich vorbei gingen. Der Anfang ist trauen gut sagete
die Amazonin zu ihrem Geselle. Es hatten aber schon zween andere die Bahn
eingenommen / und gaben durch winken ihr Begehren zuverstehen / mussten doch den
vorigen gleich / einen unwilligen harten Sprung tuhn / dass ihnen das Gerippe
knackete. Ein hochmuhiger Hirkaner fürchtete sich / Ladisla würde ihm an
erwerbung des Preises hinderlich sein / rieff seinen Gesellen zu sich / und
begegnete ihm frisch / erhielt auch die Ehre / dass er vom ersten Stosse
ungefellet blieb / aber der andere streckete ihn dergestalt langs auff der Erden
aus / dass man ihn ohmächtig von der Bahn tragen musste / da Leches den seinen
schon im ersten gange aussgehoben hatte. Dieser gewaltige Ritter hat besser Glük
und Ehre als wir / sagte die Amazonin zu Pharnabazus / weil jederman sich an ihm
reiben will / zweiffele auch nicht / er werde sich äusserst bemühen / den schon
erworbenen Preis zu handhaben / weil ich ihn noch nicht gesehen im Sattel wanken
/ und mag sein Geselle auch wohl vor einen guten Rittersmann bestehen. Nach
diesem tahten drei von Ladisla Gesellschaft ein Treffen / und behäupteten den
Sieg; die übrigen drei aber wurden herunter gestossen. Worauff der / so von der
Amazonin mit dem Sattel gefellet wahr / sich auff die Bahnstellete / es mit
Ladisla zu wagen; dem solches nicht unangenehm wahr. Sie ranten mit guter
Vorsichtigkeit wieder einander / und nach aussgehaltenem Stosse gingen sie beide
unverrükt vorüber. Leches fand auch seinen Mann / der vom ersten Treffen sich
nicht wollte beugen lassen. Ladisla gedachte bei sich: Werffe ich diesen nicht
herunter / so sieget mir die Amazonin ob / dessen ich vor meinem Herkules mich
schämen müste; nam ein starkes Speer zu sich / sprach seinem Pferde muhtig zu /
und ging mit solchem Eifer auff seinen Mann / dass er ihn mit samt dem Pferde
übern Hauffen rante / wiewol er des Gegenstosses wohl empfand / und einen
Stegreiff darüber verlohr. Dass ist ein treflicher Ritter / sagte Herkules /
desgleichen mir sehr wenig vorkommen sind; währe aber sein Pferd nicht so stark
und wohl abgerichtet / hätte er ohn zweifel dem andern im fallen Gesellschaft
leisten müssen. Der Gefellete taht einen unsanften Sprung /dass ihm die linke
Huft verrenket ward / und von ihm selber nicht auffstehen kunte; welches
Pharnabazus ersehend / hinritte / und zu ihm sagete: Treflicher Ritter / wie
befindet ihr euch / wegen eures Pferdes Unträue? Herr antwortete er / ich habe
keine Gefahr /ohn dass mir eine Huft ein wenig verrenket ist / wollet demnach die
meinen kommen lassen / dass sie mich auff ein ander Pferd heben. Weil nun diese
gleich verhanden wahren / liess er sich von ihnen hinweg führe. Leches musste mit
seinem Gegener den dritten Saz wagen / welcher ihm nach Willen glückete. Ihre
sechs Gesellen stelleten sich zugleich auff die Bahn / und ungeachtet sie starke
Gegenrenner hatten / erhielten sie doch die Uberwindung. Der GrossFürst hätte
Ladisla gerne gekennet / und sagete zu seinem Gemahl: Dieser und unsere Amazonin
werden einander etwas bieten / da sie sonst aneinander gerahten; so wird euer
Liebe Bruder uñ jenes sein Geselle auch zu tuhn bekommen. Dieses hatte er kaum
aussgeredet / da schickete Ladisla einen Ritter an die Amazonin / mit dem
Erbieten / da es ihr nun gefällig / könnte sie sein zu einem Versuch bemächtiget
sein. Herkules gab zur Antwort: Es hätte seines Hn. Pferd sich gewaltig
abgemattet möchte es zuvor ein halb Stündichen ruhen lassen / alsdann könten
inzwischen andere sich der Bahn gebrauchen / und sollte sein Herr ihn darauf zu
Dienst und Willen haben. Ladisla verstund hieraus /das sie gleiche Hösligkeit
gegen ihn gebrauchen wollte / und liess sichs nicht missfallen. Also ward die Zeit
über zwar manniches / aber kein denkwürdiges Stechen verricht / ohn dass etliche
vom Falle verletzet /und einer zu Tode gerennet ward / weil er das Genik
abstürzete. Nach verlauff der gesetzeten Zeit tummelte Ladisla sein Pferd gar
zierlich; die Amazonin taht nicht minder / und merketen alle Anwesende / dass
diese beiden nunmehr umb den besten Dank stechen würden / wendeten auch ihre
Augen nur auff dieselben hin / umb den Ausgang zuerkennen. Leches stellete sich
nähest bei Ladisla; Pharnabazus bei Herkules / so dass Herkules mit Leches /
Ladisla mit Pharnabazus treffen musste / welches ihnen allerseits nicht
unangenehm wahr. Im ersten Ritte wollte niemand wanken / im andern mussten Leches
und Pharnabazus sich an ihrer Pferde Mähne halten; im dritten befunden sich
diese beiden auff der Erden / und stunden mit Scham und Zorn auff / insonderheit
Leches / der sich fürchtete / er würde von einem Weibesbilde abgesetzet sein.
Herkules wahr wegen seines Gesellen Fall entrüstet / und nam vor / ihn / wo
möglich / zu råchen. Ladisla stund in gleichen Gedanken / und setzeten mit
solchen Kräften auffeinander / dass sie daumlich wurden / hielten doch solche
unfreundliche Püffe aus / dass sie unbewäglich sitzen blieben / als währen sie im
Sattel angenagelt. Die Zuseher verwunderten sich der grossen Mannheit /
sonderlich / wie sie wähneten / bei einem Weibesbilde / dass die sitzenden alle
auffstunden / des Stechens Ende und Ausgang desto eigentlicher zuerkennen.
Unsern Stechern aber wuchs das Herz durch ihrer Gegen-Kämpffer Tapfferkeit / und
wahren froh / dass jeder seines gleichen angetroffen hatte / wageten den andern
Saz / dass sie wegen der unsanften Stösse beide hinter sich bogen / wiewol
Ladisla etwas mehr als Herkules. Nach vollendetem Treffen sahen sie sich
beiderseits um / und weil sie noch keinen Fall vermerketen /machten sie sich
beide die Rechnung des künftigen /nur dass jedem die Hoffnung überblieb / seinen
Mañ mit zu fellen. Die Pferde schwitzeten / dass der Dampf von ihnen ging /
insonderheit der Amazonin ihres / als welches das schwächeste wahr; noch musste
es zum drittenmahl gewaget sein; da sie dann nicht allein mit den Speeren /
sondern mit Pferden und Leibern dergestalt aneinander gerieten / dass Mann und
Ross übern Hauffen fiel / und die Ohmacht beiden nicht weit wahr. Leches uñ
Pharnabazus erschraken des Unfals /und lieffen eilig hinzu / den ihren zu
helffen. Ladisla Pferd ermunterte sich wieder / uñ stund auff von seinem Herrn /
der sich Bügelloss gemacht hatte / und als ihm Leches den Helm abnam / dass er
frischen Luft bekam / erhohlete er sich bald wieder. Pharnabazus hatte mit
seinen Rittern mehr zu schaffen / das tode Pferd von Herkules abzuwalzen /
rissen ihm auch den Helm ab / und vernahmen mit freuden / dass er ohn Schaden
blieben wahr / da er sagete: Mich verlanget zu wissen / wer dieser trefliche
Held sei / der mich Zeit meiner Ritterschaft zu allererst gefellet hat. Ladisla
hingegen beklagete sich gegen Leches / dass er vielleicht von einem Weibesbilde
müste nidergeleget sein / und sinnete schon nach / wie er sie zum Schwertstreit
bringen möchte; aber er ward dieser Gedanken bald entladen / dann Herkules hatte
sein Angesicht schon erblickt / deswegen er mit aussgerecketen Armen hin zu ihm
lieff / fiel ihm umb den Hals / und sagete: O du mein Herzliebster Bruder /
warumb müssen wir uns so feindlich angreiffen? ist dass der Dank / welchen ich
meinem geträuesten Freunde vor sein eiferiges Nachsuchen schuldig bin? Ladisla
ward über seines Herkules unvermuhtlicher Gegenwart so voller freuden / dass er
nie bei ihm selber wahr / küssete ihn etlichemahl und sagete: Verflucht sei das
Amazonische Kleid / welches mich deiner Erkentnis beraubet hat; es würde mir
sonst nicht gefehlet haben / deines Stechens Art in gedächtnis zu ruffen, aber
mein werter Bruder / hastu auch Schaden genommen? Herkules fragete desgleichen /
und danketen Gott vor fristung ihrer Gesundheit. Leches machete sich auch zu
Herkules / taht seinen Helm ab / setzete sich auff ein Knie / und baht
untertähnigst umb verzeihung / das er sein Speer wieder ihre Durchl. gerichtet
hätte: Ward aber von ihm auffgerichtet / und wilkommen geheissen / neben der
Erinnerung / dass das verzeihung bitten ein überfluss währe. Weil diese mit
einander redeten / entblössete Pharnabazus sein Häupt / uñ erzeigete Ladisla
grosse Ehre / als einem Könige / indem er ihm nach tieffer Neigung die Hand
küssete / und sich unglücklich schalt / ihre Hocheit nicht vor dem Reñen erkennet
zu haben; hiess ihn sehr wilkomen sein / und sagete: Er hätte nunmehr seinen
Wunsch erreichet / wollte auch Ihrer Durchl. vielleicht zu allererst die gute
Zeitung von dero Durchleuchtigsten Frl. Schwester bringen / dz sie wohl auf / in
guter Gesundheit und Ehren-sicherheit währe. Mein Herr und grosser Freund /
antwortete er; mir kann höhere Glükseligkeit nicht zustossen / als diesen Tag
geschehen ist / wollen daher der harte Püffe vergessen /damit wir uns gegrüsset
/ weil es aus Unwissenheit ergangen / und bitte sehr / mich mit überflüssiger
ganz ungenehmer Ehren-benennung günstig zuverschonen / weil ich mich dieser
örter nicht anders als einen umschweiffenden Ritter erkenne; kehrete sich wieder
nach seinem Herkules / kunte sich an seinem anschauen nicht ersåttigen / und
sagete zu ihm: Mein Bruder; wir haben beiderseits unserer Paduanischen kurzen
Ergezligkeit scharffe Besalzung in Griechenland eingenommen; aber sage mir /
bitte ich; wahrestu nicht derselbe / der bei dem Feur mich vom Tode errettete?
Ich wahr nicht weit davon / mein Bruder / antwortete er / aber bloss mein Heiland
JEsus / dem ich dich in meinem täglichen Gebeht stets befehle / hat dein Leben
dazumahl erhalten / sonst hättestu dem Tode nicht entgehen können / welches ich
dir bei besserer gelegenheit erklären will. So bin ich schuldig /sagete Ladisla /
deinem kräfftigen JEsus / als meinem wahren Gott und Helffer von herzen davor
zudanken. Kein angenehmer Wort hatte Herkules von einigen sterblichen Menschen
jemahls gehöret / lachete auch vor freuden / und auff dreifaches umfahen sagete
er zu ihm: O mein Bruder / wie hoch erfreuestu mich durch dieses erbieten! Ist
dein Herz von dem wahren Gott schon so weit gerühret / werde ich nun erst
anfahen / dich meiner ganzen Liebe teilhaftig zumachen /welches dein
hartnäckigter Unglaube mir bisher verbohten hat. Hatten nun die anwesende sich
über ihren ernstlichen Kampff verwundert / befremdete sie die unversehene
inniglichste Freundschaft vielmehr / und dass der fremde Herr von Pharnabazus so
trefflich geehret ward; dass auch der GrossFürst selbst einen Knaben auf die
Renn-Bahn schickete / umb zuvernehmen / was vor grosse Freude die Amazonin über
den fremden Ritter hätte. Aber indem dieser hinging / sagete Fr. Roxane: Ich
dürffte wetten / es sei der allerliebsten Fräulein Herr Bruder. O ja /
antwortete er / kein ander ist es. Der Knabe brachte gleich den Bericht: Der
fremde Herr hiesse Ladisla. So muss ich gestehen / sagte er darauff / dass nie
vollkommenere Ritter Harnisch geführet haben; und sind / ungeachtet ihres hohen
Standes wirdig / dass alle Welt sie ehre und liebe. Die stille aber unter der
Ritterschaft wahr so gross / dass niemand auff ferneres Stechen gedachte; daher
zum Abzuge geblasen ward / und erreichete das Spiel die Endschaft. Die Kleinot
/ welche den Uberwindern geordnet wahren / wurden hervor getragen /und
erkenneten die Richter einhellig / die Amazonin uñ Ladisla hätten den ersten;
der Ritter mit der verrenketen Hufft den andern; Pharnabazus und Leches den
dritten Preis verdienet. Weil aber unsere beide Helden sich wegerten / den
Dankzuempfahen / und der beschädigte / wie fast man nachfragete / sich nicht
melden wollte / mussten Pharnabazus und Leches den ersten; zween Medische Ritter /
einer von Ladisla /der ander von Herkules Hauffen / den andern; Der Assyrer / so
mit Herkules am ersten stach (weil er nachgehends sich tapffer hielt) und ein
Partischer Ritter /den dritten Dank annehmen. Nach dieser Austeilung kehrete
ein jeder nach seiner Herberge / ohn dass der GrossFürst unsern Ladisla mit seiner
ganzen Gesellschaft auff das Schloss laden liess / wovor er sich höchlich
bedankete / stiegen ingesamt zu Pferde / und ritten in zierlicher Ordnung nach
der Stad / da Ladisla und Herkules im ersten; Pharnabazus und Leches im andern
Gliede / und ihre zwölff Ritter vermenget hinten nach ritten / dañ der GrossFürst
wahr mit seiner Gesellschaft schon voran gezogen; Im vor der Platze aber des
Schlosses empfingen sie Ladisla sehr freundlich / welcher dem GrossFürsten und
Frauenzimmer den Handkuss umsonst anboht / uñ sich sehr bedankete wegen der
seiner Frl. Schwester erwiesenen Gunst und Freundschaft / mit erbieten aller
seiner Mögligkeit. Der GrossFürst entschuldigte sich und die andern ingesamt /
dass wegen Unwissenheit / sie dem Königl. Fräulein die gebührliche Ehre und
Aufwartung nicht hätten leisten können / und baht / seine Liebe möchte hieselbst
als auff ihrem eigenen / gebieten und verbieten. Weil nun hohe zeit wahr / das
Mahl einzunehmen / fassete ihn der GrossFürst bei der Hand / und führete ihn die
Stiege hinauf / da nach abgelegeten Waffen man sich bald zu Tische setzete / und
Ladisla allernähest dem GrossFürsten; Herkules zwischen der GrossFürstin und Frl.
Barsenen die Stelle gegeben ward. Die zwölff Ritter stelleten sich zudienen vor
den Tisch / wurden aber in das Neben Gemach geführet /und daselbst wohl bewirtet.
Bei wehrender Mahlzeit ward mehrenteils von dem Fräulein gesprachet / uñ als
Pharnabazus die eheliche Versprechung Königes Artabanus erzählete; gab Ladisla
zur Antwort: Man wird nicht leicht jemand finden / der solche ansehnliche
Schwägerschaft ausschlagen sollte / wiewol ich viel eines andern Sinnes bin /
weil dieser König mir zu schwer sein würde. Die GrossFürstin meinte nicht / dass
Herkules Liebe seinem Ladisla sollte verborgen sein / und antwortete ihm: Ich
zweifele nicht / als lange Fürst Herkules lebet / werde Eure Liebe sich dieser
Schwägerschaft nicht zubefahren haben / angesehen der übergrossen Träue und
Liebe / damit diese beiden einander zugetahn sind; wie dann dem allerliebsten
Fräulein unmöglich wahr / ihre Liebe zuvertuschen / auch in ihrer
Mannes-verstellung / wie dessen dieses Teutsche Lied / welches sie etliche mahl
sang / und von unserer keinem verstanden wird / ohn zweifel Kundschaft giebet /
massen der Nahme Herkules darin entalten ist; es war aber dasselbe / welches
droben am 606ten Blade gesetzet / und sie Ladisla zulesen reichete. Herkules
wünschete / dass sie mit dieser Offenherzigkeit hätte inne gehalten; hingegen
freuete Ladisla sich höchlich / und antwortete nach des Gesanges Verlesung: Ich
versehe mich zu Gott / er werde meiner Frl. Schwester ein wirdiges Gemahl
bescheren / und wird sie von meiner Fr. Mutter und von mir niemand lieber
gegönnet sein / als dem ich sie / ehe er sie gesehen / in meinem Herzen
zugefreiet habe. Herkules sagete zu der GrossFürstin: Es muss meine Frl. Wase ein
überaus grosses Vertrauen auf Ihre Durchl. gesetzet haben / dass sie unsere
Heimligkeit derselben offenbahret / welche sie ihrer leiblichen Fr. Mutter uñ
ihrem einigen H. Bruder verschwiegen. Sie ist auch hieselbst so ausschlägern
nicht gewesen / antwortete die GrossFürstin / und hat solches erst zu Charas
meinem Gemahl und wenig anderen vertrauete Freunden kund getahn. Herkules
fragete seinen Freund / wie er den jungen Fabius bereden mögen / nach Padua
wieder umzukehren / da er schon biss in Griechenland mit fortgezogen währe.
Worauf er gar traurig antwortete: Ebe diss ist mein gröstes Unglück / welches mir
auf dieser ganzen Reise zugestossen / dass ich ihn in einem Walde verloren / und
sider dem keine Zeitung von ihm einzihen können. Erzählete darauf allen Verlauff
/ uñ gab ihm Herkules den Trost / er würde sich wieder finden. Die GrossFürstin
stellete nach der Malzeit ein herrliches Seitenspiel an /da sie endlich selbst
die Harffe zur Hand nam / und ihr erwähletes Leib-stük am 607den Blade gesetzet
/mit anmuhtiger Stimme sang / auch nach gehends berichtete / ihr Bruder hätte es
aus der Fråulein Teutschem / durch Hülffe der Lateinischen Sprache / ins
Medische übersetzet. Sie reichete darauf Herkules die Harffe hin / welche er
sehr wohl spielete / daher er ihr solches nicht versagen durffte: Weil es dann
dazumahl umb die Zeit war / dass die Geburt Gedächtnis des lieben Jesuleins von
den Christen gefeiret ward /uñ er vor wenig Tagen ein Danklied darauff gesetzet
hatte / liess er ihm sein Buch hohlen / spielete und sang dasselbe mit hoher
Stimme / welches also lautete:
                            Christliches Dank-Lied /
                Vor die heilsame Geburt unsers lieben Jesuleins.
                                       1
So bistu nun / du werter Gast
Eins kommen / hast an dich gefasst
Mein schwaches Fleisch / bist sterblich worden;
Hast Gottes ungemässnen Pracht
Dem Erden-Staube gleich gemacht /
Und trittest in der Menschen Orden?
                                       2
Du / welchen schon im Paradeiss
Der erste Mensch zunennen weiss /
Du Schlangen-Treter / biss wilkommen;
Du Weibes-Saamen / und doch Gott /
Du Hellen-Stürmer / Todes Tod /
Du starke Hoffnung aller Frommen.
                                       3
Wilkommen / O du grosser Held /
Der du die Grundverderbte Welt
Wilt mit dem höchsten Segen laben;
Wilkommen du gewünschtes Heil /
Nach dem die Väter alleweil
Von Herzengrund geseuffzet haben.
                                       4
Nun ist der Jakobs-Stern bereit
Zu dieser angenehmen Zeit
Der ganzen Welt zum Trost erschienen.
Der andre Moses predigt schon
Das süsse Wort / den Gnaden-Lohn;
Des Herren Zweiglein siht man grünen.
                                       5
Der Jungfern Söhnlein ist nun hier /
Immanuel / worüber wir
Vor grosser Herzensfreude lachen;
Der Gott und Mensch / der Wunder-Mann /
Das grosse Liecht / das alles kann /
Auch Finsternissen / helle machen.
                                       6
Der Sohn / der schon so lange Jahr
Uns dürfftigen versprochen wahr /
Und uns zum Heiland auserkohren;
Der Frieden Fürst / Krafft / Held und Raht /
Das Reiss / das Jessen Wurzel hat
Gezeuget / ist Gott Lob geboren.
                                       7
Der Heiden Trost / des Teufels Leid /
Die Sonne der Gerechtigkeit
Bescheinet nun den Kreis der Erden;
Der Bräutigam sucht seine Braut /
Die er ihm ewig hat vertraut /
Und läst sie nicht geschändet werden.
                                       8
O allerliebstes Jesulein /
So wiltu nun mein Bruder sein /
Und lässest dich ein Kind gebähren?
Kömst her zu mir / verlässt die Krohn
Des Himmels / wirst ein Menschen Sohn /
Und tauschest Kot vor Pracht und Ehren?
                                       9
Du grosser Herscher / Herr der Welt /
Wie dass dir Mensch zu sein gefält?
Wie dass dir unser Fleisch behaget?
Ist nicht der Sternen Zelt dein Sitz?
Bistu nicht / der den hellen Blitz
Abscheust / davor die Welt verzaget?
                                       10
Bistu nicht / dessen starke Hand
Des Donner Knalles schnellen Brand
So schreklich losszubrennen pfleget?
Bistu nicht / der das weite Rund
Des Himmels / und der Erden Grund
Gewölbet hat / und fest geleget?
                                       11
Und kömst zu mir in diese Quaal /
Nur dass du mir den schönen Saal
Magst / deiner Herligkeit / erwerben?
Ja wirst ein Kind / arm / klein und bloss /
Damit ich würde reich und gross /
Und nicht möcht' ewiglich verderben.
                                       12
Wie dünket dich der Stall so fein /
Du allerschönstes Jesulein /
Da Ochs und Esel dich beschreiben?
Wie dass du in der Krippen liegst /
Und dich so eng' inander schmiegst?
Wie kann dich Stroh und Heu erfreuen?
                                       13
Ach freilich hab ich diese Noht
Dir angetahn / und Kreuzes Tod /
Durch meine Schuld und schwere Sünden;
Ich bin / der sich durch Missetaht
So heftig grob vergangen hat /
Und du must dessen Straff empfinden?
                                       14
Du bist mein Schutz / ich schmähe dich /
Ich bin dein Feind / du liebest mich;
Du bist ein Gott / und must doch büssen?
Ich bin ein Stank und Ungeheur;
Und du erkäuffest mich so teuer /
Dass auch dein Blut muss von dir fliessen?
                                       15
Mein Helffer! Güter hab ich nicht /
Damit ich meiner Schuld und Pflicht
Nach Wirdigkeit mich kann enteben;
Drumb will ich dir mein Herz und Sinn /
Und alles was ich sonsten bin /
Zur eignen Knechtschaft übergeben.
                                       16
Doch ist es leider viel zu schlim /
Erwecket leichter Gottes Grim /
Als dass es vor ihm könnte nützen.
Mein Gott! mit deiner Reinigkeit /
Die dir beiwohnet jederzeit /
Wil ich mein schlimmes tuhn beschützen.
                                       17
Du hast / was ich nicht leisten kann
O JEsus Christ vor mich getahn;
Dein Ungemach / die tieffen Wunden;
Dein Leiden / Schmach / Angst / Kreuz und Tod /
Die haben aller Pein und Noht
Mich armen Sünder schon entbunden.
                                       18
Hier stel ich meines Lebens Ziel /
Ein ander suche was er will;
Mich soll kein irdisches verleiten;
Du JEsus bist mein Einig-all /
Den meiner Lippen Ruhm und Schall
Besingen soll zu allen Zeiten.
                                       19
Du hast mich wieder frei gemacht /
Mir Leben / Heil und Wollust bracht /
Und aus der Helle mich gerissen;
Du JEsus bist mein Löse Geld /
Auff dass ich auch des Himmels Zelt
Und deiner Freude mag geniessen.
                                       20
So lass doch diesen schlechten Schall /
Gott hochgelobet überall /
Biss hin zu deinen Ohren gehen /
Und dass ich mit der frommen Schaar /
Nach dieser Trübsal und Gefahr
Mag deiner Gnaden-Antliz sehen.
Ladisla hörete den Worten / die übrigen nur der Weise zu / und weil ers in
Teutscher Sprache sang /meinten sie / es würde seinem Fräulein zu Ehren
angestimmet sein / dass auch die GrossFürstin sagete: Durchl. Fürst / ob gleich
mein Wunsch keinen Nachdruk hat / dass eurer Liebe vertrautes Fräulein möchte
gegenwärtig sein / gelebe ich doch der Zuversicht /sie werden einander bald
sehen und sprechen. Das verleihe uns Gott / antwortete er / und derselbe gebe
/dass ich sie ihrer höchstbetrüdten Fr. Mutter bald zuführen möge. Es ging noch
mannicherlei Gespräch unter ihnen vor / da die GrossFürstin unterschiedliche
Fragen an unsere Helden / sie zuerlustigen / abgehen liess; Wie lange es währe /
dass das Herrlein Herkules die jungen Wölffe aus dem Neste gehohlet / und seinen
Ladisla nicht mitnehmen wollen? Wie lange es währe / dass Ladisla sich von seiner
Fr. Mutter hätte krank nach Teutschland führen lassen / umb / seinen Herkules
zusehen? Was Herkules gedacht / da sein Ladisla ihm seine Eltern in ihrem
Schloss mit seinen eigenen Untertahnen belagert? Ob Herkules mehr Kühnheit in
seinem Herzen empfunden / da er nacket mit dem grimmigen Pannonier gestritten;
oder mehr Schahm / da ihm sein Fräulein das Blut vom Leibe helffen abwaschen /
und was der Fragen mehr wahren / deren sich die unsern nicht gnug verwundern
kunten / und doch leicht gedachten / das Fräulein müste ihren ganze Lebenslauff
erzählet haben. Der gleichen Unterredungen trieben sie / biss der späte Abend sie
nach Bette führete / da Herkules bei seinem Ladisla auff einem Lager schlief.
Als sie des Morgens erwacheten / begehrete Ladisla zuwissen / wie dañ sein JEsus
ihn in Griechenland vom Tode errettet håtte. Herkules gedachte / jezt währe es
Zeit / ihn nach mögligkeit zubewägen; erzählete ihm / was vor ein Gesichte er
gehabt / ehe ihn Klodius angetroffen hätte. Was? fiel ihm Ladisla in die Rede /
ist dann Klodius bei dir gewesen? Ja freilich / antwortete er / aber er hat
neben Markus mir äidlich verheissen müssen / es keinem Menschen zuoffenbahren /
daher du ihne solches nicht verargen wirst. Und also wirstu nun erkennen / fuhr
er fort /dass mein Gott und Heiland mich zu deiner Rettung in Griechenland
auffgehalten / dem ich auch dazumahl angelobet / allen möglichen Fleiss
anzuwenden / dass du zum Christentuhm gebracht werdest. Nun mein Bruder / so
erkenne doch Gottes Güte; ja erkenne dich selber auch / und lass dich des bösen
Feindes Stricke weiter nicht binden. Ach gläube mir / wann ich meines Glaubens
nicht so gewiss währe / wollte ich dieses so eiferig nicht bei dir treiben; so
suche ich ja auch nicht meinen Vortel / sondern bloss allein deine Wolfahrt /
deren du dich bei der höchsten Warheit / und so gewiss Gott lebet / berauben
wirst / wo du nicht wirst meinen Heiland annehmen / und ihn vor deinen Erlöser
halten. Hierauff fing Herkules dieses Gebet an zu Gott / und sagete: Du
barmherziger Herr / du Vater meines lieben HErrn JEsus Christ; ach ach! erbarme
dich über diesen meinen Freund / geuss ihm den Heiligen Geist ins Herz / welcher
den halstarrigen Unglauben hinweg nehmen / und ihn zu dir zihen möge / damit er
des teuren verdienstes unsers Heilandes fähig werden /und ewig geniessen möge.
Zeit dieses Gebehts drungen ihm mehr Trähnen aus den Augen / als Worte aus dem
Munde; welches Ladisla nicht ohn bewägung wahr nehmend / zu ihm sagete: Höre
auff lieber Bruder / dich über meiner ehemahligen Halsstarrigkeit zubetrüben;
dein Gott hat mich so mächtig gerühret /beides durch deine jezige Vermahnung und
gestriges andächtiges Danklied / das mein Herz nit anders begehret / als in
deinem Glauben fortin zu leben und zu sterben; hoffe auch / dein lieber HErr
JEsus Christ werde mir die Gnaden-tühr nicht versperren / welche er dir geöfnet
hat; nur unterrichte mich / was ich nach diesem gläuben / und wie ich mein Leben
anstellen müsse; dann deine mir zu Rom getahne Erinnerung hat nicht haften
können / weil des wahren Gottes ich mich selbst unwirdig machete. Dank sei dir
mein Heiland / sagte Herkules / vor diese deine unausssprechliche Güte / und
befodere diss Werk / welches du angefangen hast / dañ es ist nicht mein / sondern
dein Werk; umbfing ihn hernach und sagete: O du mein wahrer und einiger Freund;
lobe ja Gott mit mir vor diese gnädige Erleuchtung / und befestige dein Herz /
dass du bei der einmal erkannten Warheit beständig verharrest / und keine
Wiederwertigkeit noch Furcht / noch Wollust dich davon abwenden lassest. Fing
darauff an / ihm den algemeinen Christlichen Apostolischen Glauben vorzu behten
/ welchen er mit feuriger Andacht nach sprach / und ihn alsbald ausswendig
lernete; hernach von ihm selbst das heilige Vater Unser behtete / welches
Herkules wunder nam /ihn fragend / wer ihn solches gelehret hätte. Wer sonste /
antwortete er / als du selber? massen ichs so oft von dir gehöret / und weil
mirs sonderlich wolgefallen / habe ichs sider deinem abwesen / auch noch ehe ich
in das Griechische Unglück geriet / täglich gesprochen / unter dieser Hoffnung /
der wahre Gott / wer er auch währe / würde es von mir annehmen; muss auch
gestehen / dass mirs oft grossen Trost in mein Herz gegossen. Du hast wohl getahn
/ antwortete Herkules / dass du des wahren Gottes hast begehret / zweiffele auch
nicht / derselbe habe solches an dir geliebt / und dein Herz algemach zu sich
gezogen. Darauff erzählete er ihm / wie er zu Jerusalem in seinem Glauben so
treflich gestärket währe / und daselbst die heilige Tauffe empfangen / dass auch
der Römische Statalter daselbst / Herr Pompejus / mit seinem Gemahl und Frl.
Tochter das Christentuhm angenommen; auch was sonsten sich daselbst begeben
hätte. Hernach stunden sie von ihrem Lager frölich auff / und legeten ihre
Kleider an / die von ädlen Steinen schimmerten. Weil dann Leches ihnen andeutete
/ dass der GrossFürst mit den seinen schon im Gastsaal währe / gingen sie zu ihnen
hinein / und wurden freundlich empfangen /auch zur Morgen Suppe geführet / weil
man dem Stechen etwas zeitiger den Anfang geben wollte. Ladisla foderte seine
sechs Ritter in gegenwart aller vor sich /sagete ihnen Dank wegen ihres
ritterlichen Beistandes / und schenkete jedem einen Ring von 200 Kronen. Weil
auch unsere beide Helden heut nicht stechen wollten / erkläreten sich Pharnabazus
und Leches desgleichen. Der GrossFürst liess etliche Gutschen anspannen / und als
er vernam / dass die unseren zu Pferde hinaus wollten / musste man vor ihn und
Arbianes auch satteln. Nun hatte Herkules des vorigen Abends vernomen / wie
artig Herkuliskus das unbendige Pferd beritten / und bekam grosse Lust / es zu
prüfen / insonderheit / als er hörete / dass sider ihrem abwesen es vorige
Wildheit wieder angenommen hätte. Weil ihm dann solches gerne gegönnet wahr /
ging er selber in den Marstal / redete dem Pferde freundlich zu / und stellete
sich neben dasselbe; da stund es so stille wie ein Lamb / liess sich auch von ihm
das Gediss antuhn /und den Sattel aufflegen. Arbianes sah es mit verwunderung an
/ lieff geschwinde hin / und taht es der Gesellschaft zu wissen / welche hervor
traten / und ihm zusahn / wie er den ädlen Blänken am Zügel aus dem Stalle
leitete / der sich zwar überaus muhtig /aber so gehorsam bezeigete / als hätte
er seinen Sinn eigentlich gewust. Herkules schwang sich leichtfertig hinauff /
und tummelte ihn so artig / dass Phraortes über laut sagete; es müste ohnzweiffel
der Teutsche Fürsten Stand allen Adel der Welt übergehen / dass auch die
unvernünftigen Tihre es merken könten. Weil er dann aus Herkules Reden spürete /
dass ihm das Pferd sehr wohl gefiel / sagete er zu ihm; Wann er wissen sollte / dass
er so ein schlechtes Geschenk nicht aussschlagen / und wegen der treflichen
Fräulein es vor sein Leibross gebrauchen wollte / hätte er zu bitten / es davor
anzunehmen. Welches Geschenkes er sich höchlich bedankete / ihn versichernd /
dass es ihm lieber als so schwer Gold währe. Ladisla kunte seinen Hengst wegen
des gestrigen falles nicht reiten / daher er auff Erläubniss einen grossen
Lichtschimmel aus des GFürsten Leibrossen wählete / welchen er mit schönem Zeuge
/ seinen Kleidern Gemäss / aussputzen liess. Im hinaus zihen ritte Ladisla dem
GrossFürsten zur Rechten / und Herkules zur Linken. Arbianes aber ward von
Pharnabazus und Leches begleitet / worauff zehn Gutschen mit Frauenzimmer
folgeten / hinter denen Mazeus und andere Medische Herren ritten. Jederman sah
unsere Helden mit verwunderung an /und kunten nicht aussinnen / was vor grosse
Herren /und aus was Landschaft sie sein möchten / weil es von ihnen sehr
heimlich gehalten ward. Doch Urteileten sie ingesamt / es würden die gestrige
Best-stecher sein. Auff der Schaubühne nam der GFürst und sein Gemahl die vorige
Stelle ein / und wahren zween Stüele gleicher Höhe und Zierde mit jenen /
gesetzet /auff welche sich unsere Helden niderlassen mussten /da Herkules auff
Ladisla emsiges nöhtigen / den nähesten Siz bei der GrossFürstin nam / weil er
Lust hätte bei Fürst Arbianes zu bleiben / und mit dessen Liebe bessere
Kundschaft zu machen. Die versamlete Ritterschaft verstund nicht ungerne / dz
die fremde Herren nicht mit stechen würden / dann keiner hatte Hoffnung / ihnen
anzugewinnen / ohn ein ansehnlicher Herr / in einem ganz vergüldeten Harnische
mit schwarzen eingeetzeten Blumen / und sehr prächtig gezieret / der von zwölff
herrlichen Rittern begleitet ward. Dieser nam Herkules vorigen Platz ein / und als
er unsere Helden auff der Schaubühne sah / ritte er selb dritte wieder aus den
Schranken. Es gab ein sonderliches auffsehen / uñ gedachte der mehrerteil / ihm
währe eine Schwacheit zugestossen; Aber Herkules sagete zu Ladisla; irre ich
nicht / so ist es eben der gewaltige Ritter / der sich gestern an uns beiden
versuchete / und weil er gestern mit niemand / als uns beiden / stechen wollte /
will er sich heute gar entalten /nachdem er uns nicht findet. Bald fiel ihm ein
/ dz er ihm noch einen Rit auff heut versprochen hatte / und baht den GFürsten /
ihm eine kurze Rede an die Ritterschaft zu erläuben / da er stehend also anfing:
Hoch- und wolgebohrne Herren und sämtliche hochlöbliche Ritterschaft; ich
erinnere mich gleich jezt einer Zusage / die mir bei meinem Gewissen entfallen
wahr / da ich nehmlich dem gestrigen lobwirdigen Ritter auff sein freundliches
anhalten heut ein oder etliche Ritte versprochen; nun könnte ich mich meines
nicht-stellens halbe damit wohl entschuldigen / dass ich ihn wegen des lezten
Treffens schadhaft gesehen; jedoch / dafern demselben gefällig sein möchte / vor
sich selbst / oder durch einen gevolmächtigten es zu leisten / bitte ich
dienstlich / mich meines aussbleibens nicht zu verdenken / und seine Anwesenheit
mich wissen zu lassen. Niemand wahr zugegen der geantwortet hätte / ob er gleich
eine Zeitlang stehen blieb / setzete sich deswegen nieder / und befahl Gallus /
ihm seine Waffen zu hohlen. Ladisla liess die seinen mit bringen / dañ sie sahen
/ dass wie zween Ritter den Anfang zum Stechen macheten / einer von der zwölffen
Zahl sich heimlich aus den Schranken hinweg stahl / der ohn zweifel dem
entwichene Zeitung bringen wollte. Also legeten sie ihre Waffen an / wie auch
Pharnabazus und Leches / und setzeten sich auff die Bahn / woselbst Ladisla des
vorigen Tages gehalten hatte. Nicht lange hernach sahen sie einen selb sechse
herzu rennen / welche doch / verdacht zu meiden / sich nicht zu den ersten
verfügeten; ihr Führer aber schickete bald darauff einen ab an Herkules / der
ihn also anredete: Treflicher Mannfester Ritter / nähest anmeldung seiner
Dienste und Grusses lässet euch der gestrige Ritter / dem die Gurt zubrach /
freundlich anzeigen / es sei ihm vorerst eine hohe Freude gewest / dz er in
erfahrung gebracht / wie ihr nur der Durchl. GrossFürstin zu ehren und Dienste
gestriges Tages das Amazonische Kleid angeleget / entschuldiget sich seines
aussenbleibens / wegen des verrenkete Schenkels / und erbeut sich zu allen
möglichen Freundschaft-diensten; damit aber eure vortreffligkeit alhier sein
nicht vergeblich warten möchte / hat sein Geselle sich an seinen Platz gesetzet /
welcher dann umb den versprochenen Rit freundlich ansuchet / und hingegen sich
äusserst verbindet. Mein Herr / antwortete er / die trefliche Mannheit eures
Herrn oder Freundes zu rühmen /habe ich satte Ursach; bedanke mich des Grusses
und erbietens dienstlich / mit Wunsch / dereins demselben dienen zu können / und
seiner hochwerten Kundschaft zu geniessen. Dem Ansuchen seines wirdigen Gesellen
gebe ich billich statt / und bin zu aller Wilfahrung bereit. Als der Ritter diese
Antwort vernam / wunderte ihn nicht weniger seiner Freundligkeit als stärke /und
schickete sich auff das instehende Treffen. Herkules übersah auch nichts / ohn
dass er zweiffele / ob sein Blänke sich in den Handel schicken würde / welcher
anfing mit den Füssen zukratzen und zu wrinschen / auch sich forne zuerheben /
dass die anwesende es mit Lust ansahen. So bald Herkules einlegete / flohe es wie
ein Pfeil von der Sehne / die Bahn hin /und ward sein Gegener dergestalt
getroffen / dass ihm das Gesichte verging / und an seines Pferdes Mähne sich
halten musste. Die Speer gingen beiderseits zutrümmern / und welches das ärgeste
wahr / sprang der Blänke dem andern Pferde auff den Hals / und risse es mit den
Zähnen zu bodem / dass es mit samt seinem Reuter dahin fiel; worüber Ladisla sich
hoch erfreuete; aber Herkules wahr mit dieser Wuht nicht zufrieden / weil es ein
Schimpf-Spiel sein sollte / kunte doch das Pferd weder mit Gewalt noch Kunst
abhalten / sondern musste ihm sein rasen gönnen / da nach begangener Taht es sich
umsah / ob noch einer oder ander verhanden währe / der sich an ihm reiben
wollte. Der gefellete Ritter wahr des gedoppelte Schimpffs zornig / ob er gleich
keinen Schaden nam / welches Herkules merkend / abstieg / zu ihm trat / und mit
offenem Helme ihn also anredete: Trefflicher Ritter /meines Pferdes rasen ist
mir sehr leid / weiss auch /dass sichs nicht ziemet / dergleichen auff
Schimpf-Spielezuführen. Nun ist aber der Himel mein Zeuge /da ich dessen die
allergeringste Wissenschaft nicht gehabt / nachdem ichs heut zuerst gesehen /
und von meinem Gn. GrossFürsten mir geschenket ist; bitte demnach dienstlich /
mir dieses nicht zuzuschreiben /noch daher einen Widerwillen auff mich zulegen.
Der Ritter nam diese Entschuldigung an / und antwortete: Es ist wahr /
trefflicher Ritter / dass man solche Pferde auff Schimpff-Streiten nicht
gebrauchen soll / werde auch so unhöflich nicht sein / ihn darumb anzufeinden /
weil kein Vorsatz darunter stecket; aber seid gebehten / und gönnet mir noch
einen oder etliche Ritte / da es euch nicht zuwider ist. Er bedankete sich der
Verzeihung / und wahr ihm im übrigen gerne zu dienste; kehrete sich auch zu
Leches / ihm sein Pferd zuleihen / welcher geschwinde abstieg / und ihn
auffsitzen liess / wollte nachgehends den Blänken beim Zügel fortleiten / der ihm
aber dergestalt zusetzete /dass er ihm weichen musste / biss die Stallknechte herzu
lieffen / und es aus den Schranken trieben. Inzwischen hatten die Kämpffer sich
fertig gemacht / insonderheit der fremde; da sie dann eiferig traffen / und
dieser zimlich auff die Weichseite kam / brachte doch den Lauff zum ende / und
begehrete des dritten Treffens /in welchem Herkules ohn einiges wanken / ihn
dergestalt herunter warff / dz jederman meinte / er hätte das Herz im Leibe
zubrochen / lag auch als unempfindlich / und ward von den seinen auf ein Pferd
gehoben / und weggeführet / da er vol unmuhts wahr / dass er sich schlimmer als
des vorigen Tages gehalten hatte / machete sich auch mit seiner Gesellschaft
davon dass niemand erfahren kunte / wer er wahr / und wohin er sich begab.
Herkules wollte auch nicht länger in den Schranken halten / und sagete zu
Ladisla: Damit gleichwol dieser Ritter sehe / dass wir unsere Waaren auch nicht
den Bauern feilbieten / deucht mich das beste sein / wir lassen den andern Raum
/ihre übung fortzusetzen; Als sie aber im Abzuge begriffen wahren / machete sich
ein unansehnlicher doch festgesezter Ritter hervor / und sagte zu Ladisla: Mein
Herr / ich zweifele nicht / ihm geschehe ein sonderlicher Dienst / da ihm
gelegenheit gegeben wird / ein Speer zubrechen / auff welchen fall ich mich
darbiete / wo ich dessen wirdig bin. Es hatte dieser schon desselben Tages fünff
ansehnliche Ritter nidergelegt /welches Ladisla nicht unbewust wahr / daher er
ihm zur Antwort gab: Seine schon erwiesene Mannheit hätte ihm wolgefallen /
bedankete sich des erbietens /und möchte sich nur alsbald auff die Bahn stelle.
Sie traffen beide gewaltig auff einander / dass die Speere in die Lufft flogen /
hielten aber zu beiden teilen redlich aus; foderten andere Speere / und wageten
es abermahl / da der Ausfoderer schier den kürzern gezogen hätte / jedoch sich
des Falles noch entielt. Ladisla meinte / es währe ihm schimpflich / dass er
den dritten Satz halten sollte / in welchem er ihn auch traff / dass er sich mit
samt dem Pferde überwog / uñ im Falle den rechten Schenkel zubrach; Noch wollte
er sich nicht lassen hinweg führen / sondern liess sich im nåhesten Zelt verbinde
/ und kehrete wieder in die Schranken / der Hoffnung / an dem Preise Teil mit
zuhaben. Mit Leches trug sich sonst ein werklicher Zauberposse zu. Es ritte ein
kleiner Zwerg zu ihm / grüssete ihn mit starker Stimme von seines Herrn wegen
/und zeigete an / dass er ihn umb ein Treffen ersuchen liesse. Niemand hatte das
Zwerglein gesehen in die Schranken reiten / welchem Leches antwortete: Er währe
zu dem ende da / niemand / der dessen begehrete / abzuschlagen. Nun dann / so
haltet euch wohl /sagte der Zwerg / dann es wird euch nöhtig sein. Ich will mein
bestes tuhn / gab er zur Antwort / ein mehres kann ich weder versprechen noch
leisten. Hier auff gedauchte ihn / es hielte ein erschreklicher Riese gegen ihn
/ und winkete mit einem Stangenbaums-dicken Speer; daher er zu Ladisla sagete:
Gn. Herr / ob gleich dieser Riese mich mit unrittermässigem Gewehr angreiffet /
will ich ihm dannoch begegnen. Ladisla wollte ihn fragen / wo dann dieser Riese
währe; aber er rante alsbald fort / zweifelnd / ob er auch mit dem Leben davon
kommen würde; da inzwischen ein heftiges Gelächter beides von den Rittern und
Zusehern angefangen ward; dann als Leches vermeinte einen grossen Riesen
zutreffen / bekam er ein Gebündlein Stroh an sein Speer / womit er de Lauff
vollendete / und annoch nicht anders meinte / er hätte den gräulichen Riesen
zur Erde geworffen / der auff ihn einen Fehlstoss getahn. Hingegen sahen alle
anwesende / dass nur ein Pferd gegen ihn lieff / auff welchem das Bündlein Stroh
lag / welches ein Zäuberer zugerichtet hatte / den anwesenden ein Gelächter
zuerwecken. Nach vollführetem Ritte sah Leches sich umb / hörete das lachen /
und ward des Strohs auff seinem Speer innen / sah aber keinen abgestochenen
auff der Bahn liegen / daher er voll Eifer lief / dass er bei seinen Ehren
schwuhr: Könte er den Augenverblender erforschen / sollte er ihm das Leben
lassen. Aber Ladisla redete ihm ein / er hätte nicht ursach zuzürnen; einem
jeden redlichen Ritter könnte ein gleichmässiges begegnen / tähte demnach am
besten / dass er mit lachete; welche Erinnerung doch so bald bei ihm nicht
haften wollte / biss er sich endlich besan /und da sie wieder auff die Schau
Bühne gestiegen wahren / dem GrossFürsten seinen Strohwisch mit diesen Worten zun
Füssen legete: Gnädigster GrossFürst / ein boshafter Zäuberer hat gemacht / dz
mir dieser Wisch als ein ungeheurer grosser Riese erschienen ist / dass ich mich
auch des Lebens schon erwogen hatte; weil aber ich etwa mit Fisch Augen gesehen
/ habe ich das auslachen billich davor zu Lohn davon getragen. Er aber tröstete
ihn / und sagete: Es hätte ohn zweifel der betriegliche Zäuberer sein
unerschrockenes Herz erkeñet / dass er auch mit einem Riesen zutreffen sich nicht
scheuhete / wovor ihm billich der Preis des Stechens zuerkeñet würde. Das Spiel
ward noch zimlich angetrieben / und begaben sich lauter Unglücksfälle / so dz
keiner abgestochen ward / der nit Arm oder Bein zubrochen hätte; ja es begunte
ein solcher Lermen unter der Ritterschaft zuentstehen / dz sichs ansehen liess /
als wollten sie sich in zween Hauffen schlagen / und einen scharffen Streit
anfahen, deswegen Herkules zu dem GrossFürsten sagete: Gewisslich bemühet sich der
arge Menschen Feind / unschuldig Blut zuvergiessen! Ich weiss selber nicht /
antwortete er / was ich gedenken soll; liess den Abzug blasen / und bei Leib und
Lebensstraffe alle Tähtligkeit verbieten; wodurch dann im Augenblick aller
Aufflauff gestillet wahr / und die Richter mit dem Frauenzimmer zusammen traten
/ wegen Austeilung des Gewins anordnung zumache / der auf sechs Häupter
zugerichtet war. Herkules und Ladisla / auch der mit jenem gestochen hatte /
wurden ausgesetzet / und ihnen der Preis mit einer kurzen Lobrede zugelegt;
Darauf sendete man den ersten Dank dem Ritter / der so manlich mit Ladisla
getroffen hatte / welcher ein Skytischer Herr wahr; den andern wollte man Leches
einhändigen / aber er baht sehr / das Ziel der Gerechtigkeit nit aus Freundes
Neigung zuüberschreiten / damit nicht einer oder ander ursach hätte / darauff zu
schimpffen / dass vor Abstechung eines Strohwisches er diese Belohnung empfangen
hätte; welches sie dañ gelten liessen / wiewol die Grossfürstin ihm ein
absonderliches Geschenk versprach / und folgendes Tages einlieferte /nehmlich
ein köstliches Halsband auff 2000 Kronen wert; Die übrigen fünff Geschenke
wurden den Obsiegern gebührlich eingereichet. Zeit wehrender Austeilung kam ein
wolgeputzeter Ritter in vollem Rennen herzu / stieg bei der Schau Bühne ab / und
liess bei dem GrossFürsten gebührlich ansuchen / ob ihm könnte zugelassen sein /
auff die Schau Bühne zutreten; er hätte im nahmen und von wegen eines grosses
Herrn /den beiden fremden Rittern etwas vorzutragen. Der GrossFürst wahr willens
/ ihm solches abzuschlagen /sich neben allen anwesenden befürchtend / er würde
sie zu einem blutigen Kampff ausfodern sollen; aber weil Herkules umb
Einwilligung sehr anhielt / gab ers zu / insonderheit / als er ihn neben Ladisla
auffstehen sah / hinunter zutreten. Der Abgesante mit halb verschlossenem Helme
redete sie beide also an: Vortreffliche Ritter und Herren; mein Gn. Herr /
welcher gestern und heut sich mit euch versuchet / und seine Meister gefunden
hat / lässet euch seine aufrichtige Freundschaft und mögliche Liebesdienste
durch mich anmelden / und umb Verzeihung bitten / dass aus höchstwichtigen
Ursachen er vor dissmahl unerkeñet davon reiten muss / möchte von herzen gerne
eurer beider Stand und Nahmen wissen; erbeut sich / auf euer begehren / solches
vor jedermänniglich zuverschweigen / und will zu gelegener Zeit sich ihnen gerne
kund geben; hat mir sonst diese beide Ringe zugestellet / Eurer Gn. Gn. solche
als ein Pfand seiner Ergebenheit einzuliefern. Alle anwesende wurden hie durch
höchlich erfreuet / und nahmen unsere Helden die Ringe mit ernstafter
Höfligkeit zu sich / deren jeder auf 8000 Kronen geschätzet ward / dabei
Herkules diese Antwort gab: Herr Ritter; mein Freund hie zugegen und ich / haben
ursach zubekennen / dass euer Herr so wohl an Mannheit als Höfligkeit ganz
vortrefflich und vollkommen ist / gegen den wir auch wider unsern willen uns
gebrauchet haben / halten gänzlich davor / es sei an unser Seite ergangen / wie
den Spielern / die wegen des Mit Spielers bewilligung mit schlimmer Karte und
wenig Augen gewinnen / und gestehen gerne / dass zeit unsers Lebens wir von
keinem Ritter härtere Püffe / als von ihm eingenommen. Dass er in Vertrauen
unsers Standes gerne will berichtet sein / rechnen wir vor eine sonderliche Ehre
/ und wolle er seinem Herrn unter solchem Vertrauen andeuten / dass wir um unser
Wolfahrt willen / die niemand schädlich / als schweiffende Ritter umher zihen /
auch nahe Blutfreunde sind / und uns ohngefehr hieselbst angetroffen; Mein
Geselle ist ein herschender König nig in weit abgelegenen Nordwestischen Ländern
/ und ich ein gebohrner GrossFürst der Teutschen; Dieser heisset Ladisla / und
ich Herkules. Die eingereicheten köstlichen Ringe nehmen wir mit gebührendem
Danke an / und bitten / mein Herr wolle seinem Herrn diese beide Ringe (welche
sie von ihren Fingern zogen / und nicht minder köstlich wahren) hinwiederumb zur
gleichmässigen bezeugung unsers ihm ergebenen Herzens und Willens / überliefern
/ nebest dem aufrichtigen erbieten / dass da wir dereins so glückselig sein werden
/ diesen vortrefflichen Herrn zuerkeñen / wir nicht unterlassen wollen / unsere
gegenwärtige Aufwartung ihm willig zuleisten. Der Ritter bedankete sich des
hohen erbietens / und sagete: Wie hoch werde ich meinen Gn. Herrn erfreuen /wann
er vernehmen wird / dass Eure Durchll. eben dieselben sind / welche er selbst
gewünschet / als die in Italien ihnen einen solchen Nahmen erworben / welcher
durch die ganze Welt fleuget. Wir sind seiner Durchl. eures Herrn Diener / sagte
Ladisla / und werden stets auf unsere Glükseligkeit hoffen / eures und unsers
Herrn Kundschaft zuerlangen. Dieser ritte in schneller eile davon / und verliess
allen anwesenden nicht geringe Verwunderung; man kunte aber in keiner Herberge
erfahren / wer er sein möchte / wiewol der GrossFürst und Pharnabazus es
eigentlich erriete; doch weil sie sahen / dz jener noch zur Zeit ungemeldet sein
wollte / sich dessen gegen niemand merken liessen. Sie ritten wieder nach der
Stad / da Herkules Pferd sich überaus freudig erzeigete / dass er unverhohlen
sagete: Es währe ihm sein Blänke lieber als eine Grafschaft / wollte auch kein
Geld sparen / wann er feines gleichen wüste vor Ladisla zubekommen. Bei der
Mahlzeit suchete Herkules gelegenheit nachzufragen / was und wie mancherlei
Glauben und Gottesdienst in diesen Morgenländern üblich und zugelassen währe;
dessen ihn Pharnabazus den besten Bericht geben kunte / der ihm dann anzeigete /
es währe durchgehend der Persische Gottesdienst der gebräuchlichste / da man den
uhralten Griechischen Glauben fest behielte / und die närrischen Tichtereien der
jetzigen Griechen und Römer verlachete / welche ihnen Götter träumen liessen /
die von Menschen geboren und erzeuget sind / denen sie Kirchen und Klausen
aufrichteten / auch wohl Bilder schnitzeten / ob wäre bei denselben eine
sonderliche Krafft zuhelffen; diesen kindischen Wahn / sagete er / können wir
uns nicht einbilden lassen / sondern sind von unsern Vorfahren gelehret / unsere
Götter unter dem freien Himmel und auf den Gipfeln der Berge zuverehren; Unser
höchster Gott ist Jupiter / durch welchen wir die höchste Krafft / die alles
erhält / verstehen; hernach haben wir andere Götter / diesem algemeinen Gott
untergeben / als da sind / Sonne / Monde / Feur / Erde /Wasser / Winde; dene
unsere andächtige Opffer zuverrichten / haben wir von unsern Vorfahren gelernet.
Jedoch finden sich auch in diesen Landschaften / wie im Römischen Gebiet /
Juden und Christen / und zwar in nicht geringer Anzahl; haben doch die Freiheit
nicht / ihren Gottesdienst öffentlich zuhalten; und ob gleich diese unter sich
stetige Irrunge haben / auch /wie ich davor halte / ihres dinges nimmermehr
einig werden können / so sind sie doch in Verachtung unser Götter ganz einig /
beschuldigen uns des Aberglaubens / uñ sprechen; alles was wir vor Götter ehren
/sein nur Geschöpffe ihres wahren Gottes / und daher nicht vor Götter zuachten;
worauf dann unsere Gelehrten sehr übel zusprechen sind / und sich heftig bemühen
/ solches vorgeben durch wolgesetzete Vernunftgründe umbzustossen / und unserer
Götter Ehre zuschützen; weil sie aber in dem Hauptgrunde nicht können einig
werden / auff welchem der äusserste Beweisstuhm haften muss / behält immer ein
teil gegen den andern / damit er seine Meinung schützet /und die widerwertige
anficht. Herkules wollte sich mit ihm in kein Streit gespräch einlassen / sondern
fragete / wie dañ die Christe ingemein sich in ihrem Leben uñ Wandel verhielten.
Die Juden / antwortete Pharnabazus / sind überal dem Wucher ergebe; essen weder
mit Christe noch Helden; Aufrichtigkeit findet sich bei ihne nit; zum gebrauch
der Waffen sind sie gar ungeschikt; befleissige sich aller tückische Bosheit /
uñ hoffen auf einen ihres Geschlechts / der sie aus aller Welt versamle / uñ in
ihr Land wieder führen solle. Den Christen wird auch viel böses nachgesagt /
aber es will sich dannoch allerdinge nicht finden; einmal ist gewiss / dass sie
ihrem Gottesdienste fleissig obliegen / und sich lieber durch allerhand Pein
hinrichten lassen / als dass sie ihren Gott verleugnen sollten; man hat sich oft
bemühet / diese Lehre zuvertilgen / aber weil sie durch Verfolgung nur zunimt /
und sie gleichwol noch no comma? wieder die ObrigkeitEmpörung vorgenommen / wie
die Juden sich wohl unterstanden /lässet man sie hingehen. Gewisslich ist es auch
unrecht / sagete Herkules / einigen Menschen umb des Glaubens willen zu tödten /
wann man sonst nichts auff ihn zu sprechen hat / und da es hie zu Ekbatana
etliche Christen hätte möchte ich ihre Kundschaft wohl haben / dann ich bekenne /
dass weder zu Rom noch zu Jerusalem / jezt Elia genand / mir mehr Liebedienste /
als von den Christen geschehen sind. Freilich gibt es hie derselben / sagte
Mazeus / und wann wir nur einen Juden hätten / sollte uns derselbe bald einen
schaffen: Dann diese sind ihre rechten Spührhunde und abgesagte Todfeinde. Eines
Juden wollen wir bald bemächtiget sein / sagte der GrossFürst / und befahl einem
Diener nach der Wechselbank zu lauffen /wo selbst sich stets Juden fünden; ward
auch ungeseumet einer herzu geführet / welcher ohn ehrerbietung ins Gemach trat
/ und alsbald fragete / ob die Herren oder das Frauenzimmer etliche Kleinot zu
käuffen /Lust hätten / könten sie deren bei ihm umb liederlichen Preis
bemächtiget sein. Mazeus antwortete ihm: Du bist schacherns halben vor dissmahl
nicht hergefodert / sondern uns einen Christen herzuschaffen. Des Unziefers wohl
hundert vor einen / sagte der Jude /wañ sie nur alle möchten gehenket sein / wie
ihr Lügen-Gott. Herkules ergrimmete wegen der Lästerung / das ihm Herz und Hände
bebeten / hatte das Messer schon gefasset / ihn damit durch zu werffen; doch
brach er seinen Eifer / nur dass er zu ihm sagete: Je du leichtfertiger Bube /
darfstu dann einen Gott schänden / und zwar in dieser Fürstl. Gegenwart? wañ du
Ritterstandes währest / du müstest mir ohn fehlen mit dem Halse bezahlen; nun
aber werde ich mich an dir nicht reiben / und zweiffele nicht / dafern der
Christen Gott ein warhaftiger Gott ist / werde er seine Ehre schützen. Der Jude
/ nahmens Eleasar / erschrak der Dräuung anfangs / weil aber keine tähtligkeit
erfolgete / liess ers hingehen / und hohlete einen Christen herzu: Welcher / da
er ins Gemach trat / demühtigete er sich sehr / wünschete anfangs dem
GrossFürsten und seinem Gemahl GottesGnade / langes Leben / und glückliche
Herschung; nachgehends allen Anwesenden / Friede / Gesundheit / und alles
wolergehen; Zeigete darauff an / er hätte verstanden / dass ihre GrossFürstl.
Durchl. gnädigst seine gegenwart begehreten / deswegen er untertähnigst hätte
erscheinen sollen und wollen / umb / gehorsamst zuvernehmen / woriñen seinem
gnädigsten GrossFürsten oder anderen grossen anwesenden Herren / er könnte
auffwärtig und bedienet sein. Dem GrossFürsten gefiel diese Rede sehr wohl / und
fragete ihn mit freundlicher Stimme /ob er ein Christ währe. Ja / gnädigster
GrossFürst /antwortete er / ich bin ein Christ / und mit allen meinen
Glaubens-genossen behte ich täglich zu Gott /dass er eure Durchl. mit ihrem
ganzen GrossFürstl. Hause vor allem Unheil väterlich beschützen wolle;
befleissigen uns auch eines guten gewissens / und da uns von unsern Feinden zu
leide geschihet / verzeihen wir ihnen von Herzen / und befehlen unserm Gotte die
ganze Sache und Rache. Daran tuht ihr wohl / sagete der GrossFürst / und als lange
ihr euch in diesen Schranken verhaltet / soll euch wegen des Glaubens keine
überlast geschehen; nur dass gleichwol unser Gottesdienst von euch ungeschendet
bleibe. Dem Christen stiegen vor freuden die Trähnen aus den Augen / fiel vor
dem GrossFürsten nieder / und bedankete sich in aller Christen Nahmen zum
untertähnigsten / mit beteurung / da einiger Christ wieder GrossFürstliches
Geboht oder Verboht handeln / oder sonst unerbarlich Leben würde / wollten sie
ihn keine Stunde unter sich dulden / sondern bei der Obrigkeit anklagen / und
der Straffe übergeben. Der GrossFürst fragete weiter / aus was Ursachen die Juden
ihnen und ihrem Gott so gehässig währen / und was sie denselben zu leide tähten.
Gn. GrossFürst / antwortete er: Wir hüten uns mit allem Fleiss vor ihnen / können
aber doch nicht unangefochten bleiben / sondern da sie bei uns hergehen / speien
sie uns an / und fluchen unserm Heilande an den wir gläuben; wie mich dann jezt
der Anwesende Jude hart angegriffen / dass wegen meines Lügen-Gottes (mein Gott
verzeihe mirs / dass ich ihm die Lästerung nach rede) von einem jungen
hochmuhtigen Ritter / und wie er ihn mehr neñete / er sich hätte müssen über das
Maul hauen lassen; wo aber / und wann solches geschehen / hat er nicht
hinzugetahn. Der GrossFürst erzürnete sich hierüber heftig / liess den Juden ins
Gemach fodern / und sagete zu ihm: Du meinäidiger Schelm wer hat dir befohlen
/oder die Freiheit gegeben / diesen Christen und ehrlichen Mann unbilliger Weise
anzufahren / der unter meinem Schuz wohnet? und wie darfstu gegenwärtigen Ritter
(auff Herkules zeigend) so frech schänden? Dieser fiel auffs leugnen; sagte /
die Christen währen boshafte verlogene Leute / und sucheten nur / wie sie
fromme Juden bei der Obrigkeit verhasset macheten /daher sie des verleumdens
kein Ende finden könten. Dass leugestu Bube / sagte der GrossFürst; es hat noch
nie kein Christ einigen Juden bei mir angetrage. Herkules kunte nicht länger
schweigen / machte sich an den Juden / und sagete: Du wirst / versichere dich
/ohn Straffe nicht entgehen / dafern du vor erst nicht klärlich dartuhst / dass
die Christen solche boshafte Leute sein; hernach / dass ihr Gott ein Lügen-Gott
sei. Ist er ein lügen Gott? Ich meine ja / er habe euch gehalten / und mit
vollem masse eingeschenket / was er euch gedräuet / dass zu Jerusalem kein Stein
sollte über den andern bleiben: Ich meine ja / er habe sein Blut über euch und
eure Kinder kommen lassen / und euch in alle Welt zustreuet. So schicke dich nun
zum beweisstuhm / oder ich werde bei meinem Gn. GFürsten der unschuldigen
Christen Vorsprach sein / und zugleich mit eifern / dass du mich vor einen
hochmühtigen gescholten hast. Der Jude warff sich weit / dass er des Worts sollte
gedacht haben / setzete auch den Christen mit heftigen Worten zu rede; Ob er ihm
diesen Ritter genennet hätte / dessen Nahme ihm ganz unbekant währe? Der Christ
antwortete: Wen er gemeinet hätte / währe ihm unbewust / aber dass er sich über
einen jungen Ritter ob gedachter gestalt beschweret hätte / würden ohn zweifel
die Kriegsknechte bezeugen können / die haussen vor dem Schlosstohr wacheten. Wie
sie dann bei schleuniger Verhörung einmühtig ablegeten; der Christ währe
ohngefehr vorüber gangen / da ihn der Jude angespien / schändlich aussgemacht /
und ob gedachte Worte daneben geführet hätte. Worüber der GrossFürst sich
dermassen erzürnete / dass er befahl ihn mit Knütteln zu tödten. Weil aber
Herkules und der Christ vor ihn bahten /dass ihm das Leben möchte geschenket
werden / wollte der GrossFürst weiter nicht verfahren / sondern stellete Herkules
frei / die Urtel nach belieben zu fellen; Der ihn vorfoderte / und zu wissen
begehrete / ob ihm seine Bosheit leid währe; welcher aber nichts anders
antwortete / ohn das er umb verzeihung baht / weil er nicht gewust hätte / dass
er ein Christ währe. Ob ich ein oder kein Christ bin / sagte Herkules / bin ich
nicht schuldig dir Buben rechenschaft zu geben; nur antworte mir auff meine
Frage / ob dir leid sei oder nicht / was du wieder der Christen Gott aussgespeiet
hast. Der Jude sah vor sich nider / aber kein einziges Wort kunte man aus ihm
bringen / dass endlich Herkules sagete: Dieser Lästerer ist in seiner Bosheit so
verhärtet / dass alle besserungs Hoffnung an ihm verloren ist; ich bitte aber
sehr / ihre Durchl. wollen ihn ungestraft gehen lassen / weil er die Obrigkeit
und ihre aussdrükliche Satzungen nicht beleidiget noch übertreten hat; vor das
übrige wird ihn der gerechte Gott schon finden. Euer Liebe zu gefallen / sagte
der GrossFürst / endere ich meinen Vorsaz; du solt aber /sagte er zu dem Juden /
mit diesem Christen hin zu allen denen gehen / die du vor diesem hast beleidiget
/uñ ihnen mit gebogenen Knien und gefaltenen Händen abbitte tuhn / oder ich will
dich mit deinem ganzem Hause stündlich lassen ans Kreuz heften. Der Jude
versprach allen Gehorsam / sein Leben zuerretten /und ging mit dem Christen hin
/ da unfern vom Schloss drei erschrökliche grosse schwarze Hunde Nordwerts
herzu lieffen / und den Juden ohn einziges gebelle anfielen / in kleine Stücke
zurissen / und doch nichts von ihm frassen / sondern liessen alles liegen /ohn
dass sie das Eingeweide auff der Gassen zerzerreten; und ob gleich eine sehr
grosse menge Volkes dabei stund / kehreten sich doch die Hunde an niemand /
sondern nach verrichteter Taht lieffen sie dess Weges den sie kommen wahren / und
sah kein Mensch wo sie endlich blieben. Der Christ entsetzete sich über der
göttlichen Rache / lobete seinen Heiland / dass er seine Ehr selber geschützet
hatte / und kehrete wieder nach dem Schloss / dem GrossFürsten ein solches
anzumelden. Da man nun seine gegenwart der Fürstlichen Gesellschaft zu wissen
taht / meinte sie / er würde von dem Juden auff ein neues beleidiget sein /
auff welchen Fall der GrossFürst ihm die äusserste Straffe dräuete. Des Christen
erschrockenes Angesicht zeigete etwas sonderliches an / daher in Herkules
fragete / worüber er sich dergestalt entsetzet hätte. Dieser gab zur Antwort:
Durchleuchtigste gnädige Herren und Frauen; es hat der almächtige Gott ein
ernstliches Beispiel seiner Gerechtigkeit an dem Gotteslästerlichen Juden sehen
lassen; dann als derselbe mit mir fortging / und ohn unterlass mir zum verdriess
diese Worte mit sanfter Stimme wiederhohlete; der Christen Gott ist dannoch ein
Lügen-Gott: Ich aber dagegen meine Andacht gen Himmel richtete /Gott möchte ihm
diese Lästerung verzeihen / wañ ers aus unwissenheit tähte kahmen alsbald drei
grausame Hunde herzu gelauffen / und zu rissen ihn in stücken /welches über zwei
hundert Menschen angesehen / uñ noch beschauen / weil sie kein Bisslein von ihm
gefressen / sondern alles liegen gelassen auch ohn andere weitere beschädigung
einiges andern Menschen davon gelauffen sind. Die Anwensende entsetzeten sich
über dieser Erzählung / und gingen mit einander hin / das Wunder zu sehen; aber
Herkules sagete in seinem Herzen: Gelobet seistu mein Heiland / dass du deines
Nahmens Ehre gerochen / und diesem unwissenden Volke deine göttliche Krafft hast
zuerkennen gegeben / und bitte dich demühtig / erhalte mich in erkäntnis deiner
seligmachenden Warheit zu dem ewigen Leben. Ladisla wahr wegen dieses Wunders in
seinem Gewissen ganz erschlagen / sah mit zittern an / wie abscheulich der Jude
zurissen / und alle seine Knochen zubrochen wahren / dass das Mark und Gehirn
unter dem Blute vermischet lag / und sagete zu Herkules: Lieber Bruder / ich
habe mit meinem ehmaligen schändlichen Gespötte wohl verdienet / dass dein HErr
JEsus gleiche straffen über mich kommen liesse; so hilff mir nun unsern Heiland
ängstiglich bitten / dass er mir meine abscheuliche Lästerungen allergnädigst
verzeihen möge / weil ichs nit aus Bosheit / sondern aus Irtuhm getahn habe.
Herkules tröstete ihn in seiner Herzensangst; er sollte zwar diese Begebnis wohl
zu gemüht fassen / aber nicht zaghaft darüber werden; währe er gleich vorhin
ein Feind Gottes gewesen / und hätte lästerliche Reden aus unwissenheit wieder
den Sohn Gottes aussgegossen / währe ihm doch solches schon alles verzihen und
vergeben / weil er diese seine Sünde bereuete / und mit rechtschaffener Busse
sich hin zu dem Sündenträger gewendet hätte; nur allein sollte er sich hüten /
dass nach einmal erkanter Warheit er nicht wieder abfiele / und zum Heidentuhm
sich begäbe; alsdann wollte er ihm seine Seele verpfänden / das Christus Blut ihn
von vorigem schon gesaubert uñ rein gewaschen hätte. Ey so wollte ich mich lieber
in hundert tausend Stücken zerlegen lassen / antwortete er / ehe dass ich meinen
Heiland angeben und schänden wollte. Ich lobe deinen Vorsaz /sagete Herkules /
und Gott hat ein wolgefallen an demselben / du must aber deinen Heiland Herz-
und täglich bitten / dass er dich hierin stärcken / und die Hand nicht von dir
abzihen wolle / dann alle bestendigkeit im Glauben rühret nicht aus unser Kraft
/ sondern aus des heiligen Geistes Wirkung her. Den GrossFürsten und die andere
Anwesende traf ein grausen wegen des Juden Unfalles / und bekenneten öffentlich
/ der ChristenGott währe in Warheit kein geringer Gott / daher man ihn nicht
schänden / sondern unter die Zahl der wirdigsten Götter setzen müste; und
solches redeten sie nach ihrer heidnischen Einfalt / weil sie ihren gefasseten
Irtuhm nicht ablegen kunten. Herkules aber nam den Christen beiseit / und befahl
/ er sollte des folgenden Morgens auff gewisse Zeit sich vor dem Schloss finden
lassen / und bei dem Bischoffe eine Christliche einfältige Predigt über die
Häuptlehren / von Gottes Wesen / und seiner Barmherzigkeit / auch von Christus
gnugtuhung / und dann von der Busse und Glauben bestellen / und zwar wegen
seines Gesellen / der im Glauben annoch schwach und unwissend / und erst vor
weniger Zeit zum Christentuhm getreten währe; Er aber wollte mit seinem Diener da
gegenwärtig / das heilige Abendmahl empfangen. Der Christ / nahmens Ammonius
/bestellete solches willig / aber als er des folgenden Morgens sehr früh sich
nach dem Schloss verfügete /den unsern solches anzumelden / ward er von
etlichen vermummeten Männern / welche aus einer Nebengasse unvermuhtlich hervor
sprungen verfolget / und weil er gerader Füsse wahr / dass sie ihn nicht
erhaschen kunten / wurffen sie mit Steinen weidlich auff ihn / dass er an der
rechten Schulter hart gnug beschädiget ward / doch entging er ihnen / kam bei
dem Schlosstohr an / und klagete den wachenden Kriegsknechten daselbst / was ihm
begegnet wahr / uñ er nicht anders muhtmassen könnte / als dass es Juden sein
müsten. Weil sie dann solches mit Augen selbst gesehen hatten / gingen ihrer
etliche los / die Gewalttähter zu erhaschen / deren sechse wahren /aber nur
zween von ihnen ertappet und dem Hauptman übergeben wurden / welcher alsbald
alles an den GrossFürsten gelangen liess / der in grossem Eifer Herkules und
Ladisla zu sich foderte / und dem Christen Ammonius / nach dem er verbunden wahr
/ befahl /alles zuerzählen. Die beiden Gefangenen wurden darauff vorgefodert /
und unter der bedräuung der grausamesten Pein / absonderlich verhöret / da der
eine aus Furcht / die Warheit bekennete / es hätte die ehrliche Judischeit
dieser Stad sich gestern Abend verbunden /nicht zu ruhen / ehe dañ der Zäuberer
Ammonius von ihnen getödtet währe / welcher durch des Teuffels Hülffe den
ehrlichen und beständigen Juden Eleasar so schändlich umbgebracht hätte. Der
GrossFürst fragete nach den Redelsführern / bei deren benennung dieser sehr
unbestendig redete / daher er samt seinem Gesellen auff die Folter gelegt / und
alles aus ihnen gebracht ward. Kaum wahr die befragung geschehen /da zeigete ein
Auffwarter an / es währen in die 100 Juden vor dem Schloss / und hielten
demühtig an /dass der GrossFürst sie gnädigst hören möchte. Er stellete alles mit
Herkules und Ladisla in Raht / und liess sie alle in den Vorplaz kommen / da sie
von 200 Kriegsknechten umbgeben wurden. Herkules ging zu ihnen hin / und zeigete
an / dass GrossFürstl. Durchl. sie hören wollte / jedoch dass sie zuvor zehn auff
dem Zettel benennete vor seine Durchl. allein sollten treten lassen. Sie merketen
daraus / dass die Sache schon verrahten wahr / und begehrten Bedenkzeit / welches
ihnen Herkules verweisslich auffrückete / und ihnen riet / sich ja gehorsam
zubezeigen; worauff die begehreten mit gingen / sahen die beiden Gefangenen in
elender gestalt zur Seite sitzen / weil sie wegen der Folterungsschmerzen nicht
stehen kunten / uñ erschraken darüber dass sie erzitterten. Des Grossfürsten
geheimer Schreiber fragete sie aus der Uhrgicht / ob nicht ihrer viere mit den
zween Gefangenen in vermummeter gestalt den Christen Ammonius verfolget hätten.
Vors ander: Ob nicht die übrigen sechse den Anschlag über Ammonius gemacht / und
dass sie ihn vor einen Zäuberer angeben wollten / damit ihre Sache desto
scheinbahrer / und der Christ getödtet werden möchte. Die viere kunten ihre Taht
nicht leugnen; die sechs übrigen zeigeten an / dass sie als Vorsteher ihres
Volkes sich der Sache billich angenomen hätten /ihrer aller Ehre zu retten. Sie
wurden darauff absonderlich allezehne befraget / ob die sechs vermumete mit
vorbewust / und aus geheiss der sechs Vorsteher dem Christen Ammonius zugesezt
hätten; welches die Verfolger mit schlechtem ja; die andern aber mit
unbestendiger Rede beantworteten / biss ihne die Peinigung angesaget ward / und
sie darauff mit einstimmeten; daher sie alle 12 hinab geführet wurden / und der
geheime Schreiber diese Urtel vor allen Juden ablase: Demnach gegenwärtige 12
Juden den gemeinen Frieden gebrochen / und einen frommen unschuldigen Einwohner
dieser Stad auff freier Gassen biss an das GrossFürstliche Schloss mit
Stein-werffen verfolget /des Vorsatzes / denselben vom Leben zum tode zu bringen
/ wodurch sie ihre Obrigkeit selbst geschändet / und unerhörter Sache eine
vermeinte Rache anstellen wollen / die ihnen keines Weges zustunde / ob sie
gleich von dem verfolgeten (welches doch nicht geschehen) beleidiget währen; so
hätte der GrossFürst beschlossen an diesen 12 verbrechern ein Beispiel sehen zu
lassen / durch welches andere ihres gleichen / uñ jedermänniglich von
dergleichen offenbahren Mordtaht abgeschrecket würde; wurden also dieselben
hiemit und Kraft dieses verurteilet / dass sie alsbald sollten gegeisselt und
lebendig an Kreuze mit Nageln auffgehenket werden / unter der verwahrung / dass
/wer vor sie eine Vorbitte einlegen würde / eben solcher Straffe sollte
unterworffen sein. Den unschuldigen Christen Ammonius (dafern man nicht
volgültigen Beweisstuhm führen würde / dass er ein Zäuberer währe) hätte der
GrossFürst unter seinen sonderbahren Schuz und Schirm genommen / also und
dergestalt /dass / wo einziger Jude durch sich selbst oder durch andere / mit
Worten oder Werken / ihn würde beleidigen / sollten alle Anwesende 90 Juden mit
der Kreuzigung bestraffet / ihre Weiber und Kinder Leibeigen gemacht / und alle
ihre Güter der GrossFürstl. Schazkammer eingeliefert werden; wie dann der 12
verurteileten ihre Güter der hohen Obrigkeit verfallen währen / davon der
unschuldige Ammonius den zehenden Teil / das übrige der GrossFürst zu sich nehmen
würde. Die Juden ingesamt erschraken der Urtel zum höchsten / fielen alle
miteinander nider zu der Erden / uñ trieben ein jämmerliches Geheule / aber es
wahr keine Gnade zuerhalten; Die verdammeten wurden alsbald hinaus geführet /
mit denen Herkules ritte / ob er ihrer etliche zum Christlichen Glauben bekehren
möchte / und weil es vergebens wahr / machte er sich wieder zurücke / und wollte
der Volstreckung nicht beiwohnen. Die übrigen neunzig Juden begaben sich nach
Haus ohn getahne Vorbitte / damit sie nicht in gleiche Straffe fallen möchten /
und ward hiedurch Ammonius und der ganzen Christenheit Ruhe und Friede vor den
Juden geschafft weil diese in den Wahn gerieten / der GrossFürst selber währe ein
Christ worden. Herkules samt Ladisla / Leches / Gallus und Plautus gingen mit
Ammonius hin zu der Christliche Versamlung / in eines Rahtsherrn Haus /welcher
ein heimlicher Christ wahr / und die unsern sehr ehrerbietig empfing / auch sie
auff einen wolgezierten Saal führete / woselbst der Christliche Bischoff ein
ansehnlicher eissgrauer Mann / vor einem erhabenen Tische stund / auff welchem er
Brod und Wein / und daneben die Heilige Schrifft Gottes liegen hatte. Er hiess
die anwesende wilkomen / und weil er verstund / dz sie Fremdlinge / der
Lateinischen Sprache erfahren wahren / hielt er in derselben anfangs eine kurze
Vermahnung zur Andacht / lass aus dem dritten Kapittel des Evangelisten Johañes /
den sechszehnden Vers / Also hat Gott die Welt geliebt / etc. in dessen
Erklärung er die oben berührte Hauptstücke so klar und deutlich einführete / und
innerhalb drei Stunden vollendete / dass Herkules gestund / er hätte des Lehrers
gleichen von Gaben und Geschikligkeit noch nie gehöret. Ladisla wahr in seiner
Andacht so inbrünstig / dass er als ein verzücketer sass / uñ zum offtern seine
BussTrähnen fallen liess / insonderheit / da die Lehre von Gottes Barmherzigkeit
erkläret ward /und der Bischoff die Geschichten der Kinder Israel in der Wüsten
kürzlich durchlief / wie oft dieselben ihren Gott durch Abgötterei / Ungehorsam
und Widerspenstigkeit erzürnet hätten / dannoch aber unser GOtt durch Mose
Vorbitte sich zur gnade wenden lassen / und mit den Ubertretern geduld gehabt;
nachgehends zeigete er eben solche fälle aus dem Buch der Richter / und meldete
zur Lehre / dass Gott offtmahl eines ungläubigen Menschen schonete / wegen der
Vorbitte eines gläubigen Christen / welches Ladisla auff sich und Herkules fein
auszudeuten wusste; auch sich durch des Lehrers Schluss trefflich getröstet befand
/ dass obschon etliche vorwitzige sich bemüheten / zuerfahre / worin eigentlich
Gottes Wesen und Hocheit bestünde; was er getahn hätte / und wo er gewesen währe
/ ehe er die Welt erschaffen; so wollte er doch mit allen einfältig-Gläubigen in
steter Verwunderung bleiben / dass Gott so voll und reich von Barmherzigkeit und
Gnade währe / und seinem ungehorsamen mutwilligen Geschöpff diese Gnade und
unaussprechliche Liebe erzeiget / dass er seinen ewigen einigen Sohn umb ihret
willen mit Fleisch und Blut bekleidet / und in den schmerzhaftesten Tod des
Kreuzes dahin gegeben hätte. Leches wusste anfangs nicht / was dieses bedeuten
sollte / dann er wahr des Christentuhms im geringsten nicht unterrichtet; nicht
desto weniger lenkete ihn der Heilige Geist / dass er sich bald schickete /
diesen Glauben anzunehmen. Nach geendigter Predigt / da Herkules und Gallus mit
etlichen andern anwesenden das Heilige Abendmahl empfangen wollte / nam Ladisla
mit etlichen anderen ungetaufften Christen einen Abtrit / und liess sich
nachgehends unterrichten / was dieses vor eine Speisung währe / deren kein ander
/ als nur die getauffte Christen zugeniessen hätten / dass nämlich alhier zwar
nur Brod uñ Wein gesehen und geschmecket würde /aber es hätte unser Heiland
krafft seines Wortes es also geordnet / dass wann ein Mensch das gesegnete Brod
ässe / und diesen gesegneten Wein trünke / so ässe und trünke man zugleich auch
seinen Leib und sein Blut / wie es der Sohn Gottes selbst also hätte verordnet
und eingesetzet / welches uns dienete zu unsers Glaubens stärkung / und zur
Versicherung unser Seligkeit / wañ wirs in Christlicher Andacht und mit reinem
Herzen empfingen; Weil es aber nur den getaufften Christen könnte zuteil werden /
möchte er sich daran nicht ärgern / und der Zeit seiner Tauffe abwarten. Was
ärgern? sagete Ladisla; ich achte mich schon unwirdig / den Trost Gottes aus
seinem Wort anzuhören / wie sollte ich dann so verwägen sein / und solcher
hochheiligen Speise begehren? Wendete sich hierauff zu dem Bischoff / und
sagete: Ehrwürdiger Vater / vor die deutliche Unterrichtung in der heiligen
Lehre / und erteileten starken Seelentrost bedanke ich mich sehr / und bitte /
mir ein Büchlein mitzuteilen /in welchem dieser seligmachende Glaube kurz und
einfältig verfasset ist; Der Bischoff wahr willig / und liess jedem ein kleines
Büchlein reichen / in welchem der kurze Glaubens-begriff entalten wahr. Leches
fragete / womit das Büchlein bezahlet würde / uñ vernam / dass mans den armen
gerne umsonst zukommen liesse / die Haabseligen aber gäben davor nach ihrem
belieben / welches zur Unterhaltung der Knaben und Jünglinge angewendet würde /
die täglich gewisse Stunden in Abschreibung dieser und anderer Christlichen
Bücher zubringen müsten. Ladisla liess dem Bischoff sein dankwilliges Gemüht sehe
/ indem er ihm andeutete: Er wollte noch heut ihm 12000 Kronen lassen einreichen
/ die auff Rente gelegt / und in drei gleiche Teile / zum Unterhalt der Lehrer;
der Witwen und Wäysen / und der Bücher-Abschreiber sollten angewendet werden.
Leches stellete ihm einen Ring von 200 Kronen zu / und gleich so viel
Barschaft; Gallus 150 Kronen / und Plautus 40 Kronen / bekahmen jeder ein
Büchlein / und nahmen damit Abscheid /nachdem Herkules 1000 Kronen versprochen /
und Ladisla der Kirchen Vorbitte sich befohlen hatte. Weil die unsern in dieser
gottseligen übung wahren /ging das Stechen wieder an / und als der GrossFürst
auff die unsern wartete / zeigete ihm Mazeus an / er hätte vernommen / dass sie
durch das gestrige Zauberwerk etwas entrüstet wären / und nicht willens / dem
Stechen heut beizuwohnen / aus furcht / es möchte sich desgleichen mehr
zutragen. Also zog der GrossFürst ohn weiteres nachfragen mit den seine hinaus
/und liess anfangs ausruffen / dafern ein boshafter Zäuberer heut wiederumb
etwas anrichten würde /sollten alle Zäuberer / so viel man deren in seinem Lande
antreffen würde / zum Feur verurteilet werden; und meinte jederman / dass
hiedurch der Bube währe abgeschrecket worden / weil sich dessen nichts merken
liess. Die Kreuzigung der Juden wahr gleich an dem Wege verrichtet / dahin der
GrossFürst mjt den seinen zog / und trieben dieselben nicht allein ein
jämmerliches Angstgeschrei / sondern auch vielfältige Lästerungen wider den Sohn
Gottes / zappelten den ganzen Tag am Kreuz / biss sie gegen Abend auff Herkules
Vorbitte mit Pfeilen tod geschossen wurde. Gleich zu endigung des Stechens
kahmen die unsern bei dem GrossFürsten an / da ihm Herkules zuverstehen gab / er
hätte mit den seinen heut in aller stille ihm als ein Christ lassen seinen
Gottesdienst halten /hoffete / es würde seiner Durchl. nicht zuwider sein. Aber
der GrossFürst beschwerete sich der Entschuldigung / vorwendend / er hätte Ihrer
Liebe bei ihrer Ankunft alle Freiheit / nach willen zuhandeln / zugestellet /
wobei es sein auffrichtiges verbleiben hätte / zugeschweigen / dass jedem fremden
seine Götter billich müsten gegönnet werden. Als die Speisen auffgehoben wahren
/ stund Herkules auff / und mit entblössetem Häupte fing er diese Rede an:
Grossmächtiger GrossFürst / gnädiger Herr; die überaus grosse und recht väterliche
Hulde und Freundschaft / welche Eure Durchl. wie nicht weniger die
Durchleuchtigste Grossfürstin / mir zeit meiner Anwesenheit erzeiget /bin ich
schuldig / als lange ich lebe / zurühmen /erkeñe mich davor allerdinge
verpflichtet / und werde mich bemühen / wo nicht wirklich / doch durch
möglichste Zeichen / ein dankbegieriges Herz sehen zulassen. Nun wissen Ihre
Durchll. ohn mein eriñern / aus was Ursachen ich die beschwerliche Reise über
Meer / biss an diesen Ort fortgesetzet habe / und dass mir gebühren will / keine
gelegenheit zuverabseumen / die meinem Vorhaben ichtwas kann zuträglich sein;
bitte demnach von herzen / mein höchstgeneigeter Herr Vater und Fr. Mutter
(wovor ich sie zeit meines Lebens ehren will) wollen mir gnädig erläuben / meine
Reise samt meinem Bruder Ladisla ohn weiteres auffschieben nähstfolgendes Tages
fortzusetzen / damit ich meinem vorgestekten Ziel näher treten möge /umb
zuversuchen / wie weit solches zuerreichen / der Barmherzigkeit Gottes gefallen
werde; und weil mein geliebter Bruder / der imgleichen Euren Durchll. sich als
ein gehorsamer Sohn und bereitwilligster Diener darbeut / eben des vorhabens mit
mir ist / habe in unser beider Namen ich diese Bitte vortragen wollen /nit
zweifelnd / ihre Durchll. werden / in betrachtung der SachenWichtigkeit / uns
gnädig und willig erlassen; fassete hierauff des GrossFürsten Hand / dieselbe
zuküssen / welcher ihm aber vorkam / und ihn ganz väterlich umfing / nachgehends
also antwortete: Hochwerte Herre / und (welches wegen der mir gegebenen Freiheit
ich von herzen rede) allerliebste Söhne; köñen sie in ansehung unser
vertraulichen Freundschaft auch den allergeringsten Gedanken wohl fassen / dass
mit gefahr der trefflichen Fräulein / meiner herzgeliebeten Fräulein Tochter /
ich sie eine Stunde / ja einen einzigen Augenblick auffhalten / und nicht
vielmehr sagen wollte: Auff / und zu Pferde /damit nichts verseumet werde / was
man hernach mit keinem Gelde lösen kann. O nein / ihr meine wahre HerzensFreunde;
ist mir gleich eure gegenwart genehme / so sehe ich doch mehr auff eure Wolfahrt
/ als auff meine Vergnügung. Nun weiss ich aber sicherlich / dass ein geringes
verweilen eurem vorhaben vorträglicher ist / als die schleunige Eilfärtigkeit;
dann euren Liebden ist ohn mein erinnern bewust / dass man auf den
erst-eingesperreten Vogel viel genauer acht gibt /als auff den schon gewehneten.
Lasset / bitte ich / den ohn das argwöhnischen König etwas sicher werden /dann
ist ihm sein Herz zu nehmen / aber doch mehr durch List als Gewalt. Erzählete
darauff / wie fleissig das Fräulein von einer Besatzung lauter Verschnittener
bewachet würde / so dass kein Mannesbilde / ohn sonderbahre Königliche Erlaubnis
zu ihr kommen möchte. Und was gilts / sagte er / wo nicht Eurer Liebe ich den
Weg / zu ihr zukommen / bahnen muss? so folget mir nun / bitte ich / und zihet
diesen meinen Raht nicht in Argwohn / gönnet mir auch zugleich /da ihr mich
Vaters wirdiget / eurer Liebe bessere Kundschaft. Herkules bedankete sich der
väterlichen Gewogenheit / und antwortete mit wenigem: Es währe unnöhtig / ihre
Durchl. zueriñern / dass man ehe zuspäht als zu früh kähme; Sie wollten sich zu
Charas schon wissen eingezoge zuhalten / dass durch Unvorsichtigkeit das ganze
Wesen nicht übern hauffen gestossen würde; währen nicht desto weniger willens
/bei ihrem Gn. Herr Vater sich noch etliche Tage auffzuhalten / weil seinem
väterlichen Herzen es also gefiele; im übrigen bähten sie / seine Durchl. wollte
allemahl die hohe gewogenheit fortsetzen / als dessen Raht und Hülffe ihr
Vorhaben mehr als alles ihr Vermögen / befodern könnte / daher sie auch nähst
Gott sich auf seinen Beistand verliessen. Der GrossFürst wahr mit diesem erbieten
friedlich / und übete Herkules den jungen Medischen Fürsten Arbianes im reiten /
rennen / stechen / fechten / springen und ringen / dass er in geringer Zeit mehr
von ihm fassete / als er sonst sein lebelang nicht würde gelernet haben / weil
insonderheit er etliche böse Stükchen im reiten angewähnet hatte / die ihm zu
allen ritterlichen übungen sehr schädlich wahren.
    Unsere Herkuliska ward inzwischen in ihrem Schloss als in einem Kefig
verwahret / da es ihr an königlicher Verpflegung nicht mangelte / nur dass sie
ausserhalb Schlosses nicht kommen durfte / hatte auch keinen Menschen umb sich /
mit dem sie vertraulich reden mögen; so durfte Timokles nicht zu ihr kommen / ja
nicht eins sich merken lassen / dass er ihr zugehörete / sondern ihrem Befehl
nach / hielt er sich in einer Herberge auff / nicht weit vom Schloss / als
einer der etwas zu sehen / sein Geld verzehrete. Er lebete kärglich / hielt nur
einen Diener zu Fusse / und ein Pferd auff der Streu / wollte auch von seinem
Wirte nicht herrlich gespeiset sein / dem er aber reichlich zahlete / und seinen
Kindern / deren er ein zimliches Häuflein hatte / fast täglich geschenke und
nottürftige Kleider gab / wodurch er sich sehr beliebt machete. Pharnabazus
hatte ihm angezeiget / der Fräulein Befehl währe / dass er auff den Fall / ihr
Herkules Ankunft mit einem weissen / Ladisla gegenwart mit einem rohten
Tüchlein in der Hand / sollte bezeichnen / da aber nur Botschaft von ihnen kähme
/sollte er die gute mit gelber; die traurige mit blauer Farbe andeuten. Anfangs
wollte das Frauenzimmer sich zu gemein mit ihr machen / dem sie bald vorbauete /
uñ ein sonderliches Gemach wählete / auff welches niemand ungefodert durfte zu
ihr kommen /daher sie es die verbotene Stube nennete. Ihr Ansehen zuerhalten /
wählete sie aus den zwölf Jungfern eine Leibdienerin / nahmens Aspasia / und
unter den vier Frauen eine Hofmeisterin / Fr. Sysigambis; verteilete je viere uñ
viere in ein Gemach / welche täglich zwo Stunden in dem grossen Saal zusammen
kommen /und rechenschaft geben mussten / was sie gewirket /gesticket oder genähet
hatten / dann sie wollte ihnen durchaus keinen Müssiggang verstatten. Weil sie
auch etliche etwas leichtsinnig sein spürete / gab sie nicht allein jedem Teil
Jungfern eine Frau zur Auffseherin zu / sondern versetzete sie stets umb den
andern Tag / welches sie so bund zu karten wusste / dz die ganze Zeit über sie
nit wieder auff ein Gemach kamen / die einmal beieinander gewest wahren.
Hiedurch erhielt sie ihr Frauenzimer in gehorsam / Furcht /Fleiss und Frömmigkeit
/ und dass sie nicht anders als fremde miteinander lebeten; Ja sie wusste auff
Begebenheit sich dergestalt in ihre Gemühter einzuschlingen / dass sie einer
jeden Art und Begierden völlig erkennete. Inzwischen hielt sie sich gegen alle
so züchtig / dass sie sich von keiner einzigen an etwa ihrem Leibe nacket sehen
liess / so gar / das ihr ganzes Frauenzimmer zweiffelte / ob sie ein Fräulein
oder Jüngling währe / weil sie anfangs sich in Mannes Gestalt angegeben hatte.
Ihre Ubung wahr mannigfaltig / vor erst hatte sie einen kleinen Wagen mit zwei
Pferden /mit welchem sie im Schlossplatze zu rennen pflag /dass sie den Wagen zu
wenden treflich fertig ward. dabei hatte sie ein Reitpferd / welches auch
täglich musste getummelt sein. Unter ihrer Besatzung wahren etliche geubete
Fechter / die ihr mannichen Streich ablerneten. Pfeil und Bogen gebrauchete sie
am meisten; so erlustigete sie sich nicht wenig mit der Angelruhte / wann sie
auff der hohen Maur mit verdecketem Angesicht sass / und aus dem tieffen Graben
die köstlichsten Fische fing und zu ihr hinauff zog. Zu zeiten erzählete sie
ihrem Frauenzimmer / was vor Unglück sie schon erlebet und auff der Reise
aussgestanden /wodurch sie ihnen manniche mitleidens Trähnen hervorlockete. Auch
musste ihr der König einen Altar bauen lassen / gab vor / ihr gelübde erfoderte
solches / dass sie der Göttin Vesta den täglichen Weihrauch opffern müste. Der
König hingegen wusste seine Freude nit zu mässigen / dz er ein Fräulein nach
allem Wunsch angetroffen hatte / rühmete solches so Schrift- als mündlich bei
seinen Fürsten und Gewaltigen / und dass ihm ein sonderlich angenehmer Wille
geschähe / wer ihm hülffe sein Fräulein ehren. Was nun dieses nach sich führete
/ wahr leicht ausszulegen / daher fast kein Beamter wahr / der nicht ein
köstliches Geschenk nach vermögen eingeschikt hätte / mit untertähnigster Bitte
/ ihre GrossKönigl. Hocheit möchte durch ihr hochvermögen dem undüchtigen
Geschenk die Wirdigkeit erteilen / dz es dem unvergleichliche Fräulein / als
ihrer schier-künftigen GrossKönigin dürffte eingeliefert werden; und dieses
tahten nicht allein die geträuen Diener / sondern auch die Fürsten so sich
wieder ihn heimlich verbunden hatten / umb Argwohn zuvermeiden / triebens am
eiferigsten / dass sie wohl aus den abgelegensten Indien die kostbahresten Sachen
bringen liessen / und dem Fräulein zuschicketen / welches alles der König zu
sich nam /und hernach durch ihre Hofmeisterin nebest den beigefügeten Schreiben
ihr zustellen liess; daher sie Zeit ihrer Anwesenheit zu Charas einen solchen
Schaz samlete / welcher sich auff viel Tonnen Goldes belieff / dass wann sie so
nidriges gemühts gewesen / und durch schenkungen hätte können geblendet werden
/sie ihren Herkules wohl hätte auffgegeben; aber ihre tugendhafte Seele hielt
solches alles vor Koht und eitel; ja sie hätte es mit keinem Auge angesehen /
noch mit Händen berühret / da sie des Königes Ungnade nicht zubefürchten gehabt.
Also musste sie sich in die Zeit schicken / wie ihr treflicher Verstand sie darzu
statlich anführete / dass sie auff einliefferung dem Könige allemahl einen
Dankbrieff zuschickete / in welchem sie doch so behutsam ging / dass sie ihn
weder an ihrer Liebe zweifeln machete / noch zu einiger Begierdesreizung
gelegenheit gab. Ihr verbohtenes Gemach wahr Westwerts gelegen / und kunte sie
durchs Erker-Fenster diese ganze Seite ausswendig übersehen / woselbst Timokles
nach ihrem Befehl sich täglich zubestimmeter Zeit anfand / dass nicht allein sie
ihn / sondern er sie auch im Fenster wohl sehen und erkennen kunte. Uber vorigem
anmelden durch die Farben /hatte sie ihm noch befehlen lassen / da etwas
hochwichtiges vorgehen würde / welches ihr zu wissen nöhtig / sollte er ihr
solches zuschreiben / und den Brieff in einem hohlen Pfeile überschiessen /
worzu sie ihm den Ort früh genug bezeichnen wollte. Nachdem sie nun über einen
Monat lang nach ihrem Herkules umsonst aussah / machte diese Verzögerung /oder
vielmehr der Zweifel seiner Ankunft ihrem Gemüht nicht geringe Sorgen / welche
sich in ihr innerstes senketen / dz ihr anfangs die Lust zur Speise vergieng /
und fast einen steten Durst empfand / welchen sie auch bissweilen zu Nachtzeiten
mit einem Labetrunk stillen musste / daher ihre Schönheit sich umb ein grosses
ringerte / welches ihr Frauenzimmer mit höchstem Kummer empfunden / und sie
untertähnigst bahten / ob sie ein Anliegen oder Leibesschwacheit merkete /
möchte sie es beizeiten offenbahren / dass ihr könnte raht geschaffet werden;
entstünde es aber aus Betrübnis des Gemühts / würde sie ihrem göttlichen
Verstande nach sich dessen schon wissen zuentschlagen / und sich dem zu Trost
und Ergetzung zuerhalten / der sie mehr als seine Seele liebete. Ja / antwortete
sie / wann ich hierauff nicht bedacht währe /hätten mich die Würmer schon
verzehret; Ihr sollet euch aber meint  wegen nicht bekümmern / dann ich weiss /
dass es mit mir nicht noht zum Tode hat. Das Frauenzimmer empfand hiedurch etwas
Trostes / welches doch nicht lange wehrete; dann des folgenden Tages fiel sie
ein hitziges Fieber / welches dem Könige bald kund getahn ward / welcher dessen
heftig erschrak / und die vornehmsten Aerzte der Stad versamle liess / mit
eiferiger Bedräuung / dafern sie nit Raht schaffen / und dem Fräulein zu voriger
Gesundheit verhelffen würden / müste es ihnen das Leben kosten. Der erfahrneste
unter ihnen gab dem Könige zur Antwort: Er / neben seinen zugeordneten wollten
allen menschlichen Fleiss anwenden und spüren lassen /auch verhoffentlich mit der
Arznei gutes wirken / dafern ihm und etlichen anderen nur würde vergönnet sein /
dem Königlichen Fräulein 24 Stunden aneinander auffzuwarten / dass man der
Krankheit Art / Hefftigkeit / Abwechselung und Ursachen nachsuchen könnte. Der
König liess ihnen solches gerne zu / und durffte das Fräulein nicht widersprechen
/ wiewol sie ihnen an ihrem Leibe nichts mehr gestattete / als die SchlagAdern
an den Armen zubegreiffen / uñ auff ihren Atem / Hände- und Angesichts-Hitze
zuachten; stellete sich sonsten frisch / ob empfünde sie weder Anliegen noch
Schmerzen / welches die Aerzte doch aus den Zeichen anders befunden / die nach
verlauff der berahmeten Stunden sich wieder nach dem Könige verfügeten / da der
vorige also redete: Allergrossmächtigster unüberwindlichster König /
allergnädigster Herr; die gütigen LebensGötter werden nicht zugeben / dz die
unvergleichliche Blume menschliches Geschlechts (billich nenne ich dieses
Königliche Fräulein also) vergehen sollte / noch ehe sie sich recht aufgetahn /
und Ihrer GrossKönigl. Hocheit die Niessung eingeliefert hat / deren sonst kein
Mensch dieser Welt fähig ist / und dahero durch der Götter Verhängnis nohtwendig
hat müssen hieher geführet werde. Sol ich nun mein bedenken von ihrer Krankheit
geben / so ist dieselbe zwar geährlich / jedoch nit verzweifelt-böse /kann auch
durch sorgfältige Arznei vertrieben werden /wann nur dz Königl. Frl. nit selbst
durch schwermuht ersticke wird / wz der Himel gerne erhalte will. Alle Zeichen /
die ein Arzt wissen uñ suche kann / so weit es vergöñet ist / geben Zeugnis eines
wolgesezte gesunde Leibes; Lunge uñ Leber / Milz uñ Nieren sind gewünscht
volkomen / nur dz Herz leidet Noht / wiewol nit durch mangel / sondern wegen
Gemütsbekümernis / so dz auch das Geblüt schon davon geärgert /und in etwas
angangen ist. Aber ihre Hocheit wenden jeztangedeutete Ursach der Krankheit
allergnädigst ab / welches deroselben leicht wird zu tuhn sein; vor das übrige
will ich stehen. Artabanus wollte anfangs nicht gläuben / das sein Fräulein durch
Schwermuht diese Krankheit ihr sollte zugezogen haben; jedoch / weil die Aerzte
es einhellig bejaheten / fragete er / durch was Mittel sie meinten / dass solche
von ihr könnte abgekehret werden. Wann ihr Anliegen mir bewust währe / antwortete
der vorige / müste man weiter sinnen / dem Gemühts-Ubel zubegegnen; sollte ich
aber meine Gedanken zu öffnen Freiheit haben / wollte ich fast schwöre / biss auff
dreierlei zuerrrahte / was ihr diese Seelen-beschwerung verursache. Als nun der
König solches von ihm in geheim hören wollte / uñ mit ihm in ein absonderliches
Gemach trat / fuhr der Arzt weiter also fort: Ihre GKönigl. Hochheit werden mir
recht geben / ja mit mir schon einer Meinung sein / dass das Fräulein entweder
die Abwesenheit von ihren Eltern und Anverwanten; oder ihre harte Einsperrung;
oder sonst eine künftige Wiederwertigkeit /welche sie befahret und nicht melden
darf / in ihrem Herzen betrauret; umb diese dreierlei muss man sie befragen /
nebest anmeldung / so bald sie genesen werde / sollte ihrem Begehren gewilfahret
/ und die Wiedrigkeit aus dem Wege geräumet werden. Hiedurch wird die Hoffnung
alle Traurigkeit vertreiben /und die Feimühtigkeit unsere Arznei nach Wunsch
wircken machen; im Falle aber dieses nit helffen wollte / müste man sie mit etwas
bedräuen / dass ihr am heftigsten zuwieder währe. Artabanus hörete ihm fleissig
zu / lobete seinen guten Verstand / und befahl ihm / dieses nach seiner besten
Weissheit zuverrichten / welches mit hoher Gnade sollte ersetzet werden. Die
übrigen Aerzte / deren 25 wahren / wurden beurlaubet / und jedem 1000 Kronen
gegeben / nur der eine nam die Mühe auff sich / ging hin zu dem Fräulein / und
wie er dann gnug beredsam wahr / fing er also zu ihr an: Durchleuchtigstes
gnädigstes Fräulein; ihre GrossKönigl. Hocheit entbieten ihrer Durchl. alle Gnade
und Liebe / und weil dieselbe von den Aerzten berichtet sind / dass ihrer Durchl.
Krankheit nur aus Kummer und betrübnis hervor quelle / als lässet
allerhöchstgedachte ihre Hocheit / dieselbe väterlich erinnern / sich alles
grämens zu entschlagen / und nur kühnlich anzudeuten / was die Ursach ihres
hermens sei; alsdann wollen sie äusserst sich bemühen / solches zu endern.
Insonderheit ist mir allergnädigst anbefohlen / diese dreierlei zu erfragen;
erstlich / ob ihre Durchl. nach ihrer Fr. Mutter verlangen trage /solle alsbald
eine ansehnliche Bohtschaft an dieselbe abgeschicket werden; oder ob derselben
diese Einsamkeit misshage / wolle der GKönig sie auff sein Schloss nehmen; oder ob
sie sich einiges wiedrigen befahre / solle ihr satsame Versicherung geschehen
/dass alle Furcht vergebens sei. Ist nun / dass ihre Durchl. Königlicher Hocheit
hierin gehorsamen / und meine Wenigkeit zum untertähnigsten Knecht zugebrauchen
/ wirdigen will / wolle dieselbe mir gnädigst anzeigen und befehlen / was ihre
Erklärung / und meine verrichtung sei. Das Fräulein hatte dieses
FuchsesSchlauheit schon gestriges tages gemerket /und wie sie sich des ärgesten
befürchtete / ging sie sehr behutsam / da sie anfangs zu ihm sagete: Mein Freund
/ ich schätze euch über alle Aerzte / die leben mögen / inbetrachtung / dass ihr
nicht allein meines Leibes / sondern auch des gemühts Gebrechen habt erkennen
können; welches trauen eine anzeige ist eines treflichen verstandes; und lobe
ich meinen König sehr / dass er sich eures Rahts gebrauchet; ja ich schätze ihn
vor glückselig / dass ihm die Götter euch gegönnet und zugeführet haben. Die drei
mir vorgestellete Fragen zubeantworten / bin ich nicht allein willig / sondern
auch schuldig / meinem allergnädigsten Könige zugehorsamen; gebe euch demnach
zuvernehmen / dass es nicht allerdinge ohn ist / das mein Gemüht etliche Tage her
harte und schwere anfechtungen erlitte / welche unleidlicher sind als der Tod;
dass aber hierin die ganze Ursach meiner Leibesschwacheit bestehen sollte / kann
ich mir nicht einbilden / und doch euch nicht vor übel halten / dass ihr solche
nicht wisset. Betrachtet bitte ich / dass ich dem Leibe nach ein junges / zartes
und schwaches Fräulein bin; dagegen haltet nicht allein / dass ich zu dreien
unterschiedlichen mahlen in Räuber Hände gefallen /sondern über Meer und Land in
die 800 Meile geschleppet bin; wie manniches ungewöhnliches Gewitter habe ich
erlitten; wie heftige Hitze hat mich gebrennet; wie mannichen ungesunden Trunk
habe ich eingeschlukt; wie oft ist mir die nöhtige Ruhe gestöret worden. Suchet
nun / mein Freund / suchet meiner Krankheit Ursach; ihr werdet deren zehne vor
eine finden. Jedoch leugne ich nicht / dass meines gemühtes Leiden auch der
Gesundheit meines Leibes abbruch tuhe; aber diss eine Pferd trecket den
Unglückswagen nicht allein / ihr werdet ein starkes Span davor gestricket sehen.
So will ich nun auff eure Rede kommen / da mein König zu wissen begehret / was
meine Gedanken ängstige. Vermeldet seiner Hocheit de äussersten Gehorsam von
seiner arme Magd / die er an zeitlichen Gütern in dieser kurzen Zeit reicher
gemacht hat / als alle ihre VorEltern nicht gewesen sind / und versichert
dieselbe wegen der ersten Frage / dass ich nicht Ursach habe / nach meiner Fr.
Mutter oder nach meinem Vaterlande verlangen zutragen / so lange derselbe nicht
darinnen ist / welchen ich mehr als mich selbst liebe / wegen der Liebe die er
mir träget. Auch suche ich nicht / die vorige Armut mit dem jetzigen Reichtuhm
wieder zuvertauschen, wollte aber ihre Hocheit meiner betrübten Fr. Mutter nach
diesem meine Glükseligkeit zuwissen tuhn / will ich nicht wiedersprechen. Auff
die andere Frage antworte ich mit Bestendigkeit / dass diese meine Einsamkeit und
Verwahrung mir die aller angenehmste Freiheit sei /die mir dieser Zeit
Gelegenheit nach begegnen könnte /werde auch ohn zweifel des todes sein / dafern
man mich derselben beraubet. Wollet ihr nun euer äusserstes Unglück von euch
abwenden / und dass ich nicht dereins mich grausam an euch rächen soll / so
tichtet und erdenket Raht und Mittel / dass weder ihr noch einiger Mensch meinen
König dahin verleite / mich von diesem Schloss hinweg auff seines zunehmen /
wie ihr dann durch vorwendung mannicher Ursachen es leicht hintertreiben könnet;
und warumb ich dieses so heftig begehre / wird euch aus meiner Antwort auff die
dritte Frage klar genug werden. Es ist wahr / fuhr sie fort / dass mich eine
Furcht der künftigen Wiederwertigkeit drücket / welche ich bisher keinem
Menschen offenbahren dürffen / stehe auch noch diese Stunde bei mir an / ob ichs
ohn Lebensgefahr werde tuhn können; dann es ist die grösseste Angst meiner Seele
/ uñ bin entschlossen gewest / es mit mir in die Grube zu nehmen; wiewol meinem
Könige zugehorsamen / will ichs euch alles ausbeichten. Hat mein König euch noch
nicht wissen lassen / was gestalt ich der ernstlich-gerechten Göttin Vesta / biss
zum Ende meines siebenzehnden Jahrs verlobet bin? so höret es anjezt aus meinem
Munde. Merket nun weiter meine Rede / und zweifelt so wenig an der Warheit / als
an meines Leibes jetzigem Gebrechen. Ich erzittere vor der Erzählung / und
zweifele / ob nicht diese Göttin mir deswegen gehässiger werde / als sie schon
ist. Vor ohngefehr drei Wochen (so lange hat mein Frauenzimmer meine merkliche
Verenderung gespüret) lag ich im tieffen Schlaffe / eine Stunde vor Tage / als
die saursichtige Göttin Vesta mich mit diesem Verweis anfuhr: Ist dirs nicht
schon verbrechens gnug / O du Undankbare / dass du meinen Opfferherd ohn
Rauchwerk stehen liessest / da du zu Ekbatana Gelegenheit gnug gehabt hast /
dich deiner Schuldigkeit zuerinnern; und kanst überdas noch mit Hochzeitgedanken
umgehen / die mir so gar zuwider sind; ja dir einen lieben Bräutigam wählen /
weil du noch in meinem Bunde stehest? traue mir / dass deiner frommen Mutter
Gebeht die einige Ursach deines Lebens ist / welches wegen deines schlimmen
Ungehorsams mir schon verfallen war. Nicht sage ich dieses / ob wäre dir dein
Verbrechen schon verzihen; O nein; du solt zeit deines Lebens hieran zukäuen
haben. Wirstu dann über vorigen Frevel so verwägen sein / und vor Endigung der
Zeit deines Gelübdes / ohn meine Einwilligung (die nur von Prag müste
hergehohlet werden) dich in Mannes Armen finden lassen / es geschehe aus freiem
Willen oder durch Zwang; alsdann will ich von dir und deinem unbillichen Gemahl
eine solche Rache nehmen / dass ihr beiderseits aller Welt sollet zum Beispiel
dienen. Ich warne dich nicht vergebens / dann des Königes und deine Gedanken
sind mir nicht verborgen; Hütet euch / O hütet euch vor der Götter Zorn /
welcher ungleich schwerer ist / als dass MenschenHände sie abhalten könten.
Woltestu aber mich fragen / durch was Mittel du dich mir rein und unbeflecket
bewahren könnest / so hastu Feur / Wasser / Schwert / Gift / Strang / solches
brauche wider meinen Beleidiger so lange du kanst / oder zum wenigsten gebrauche
es wider deinen eigenen Leib / damit deine arme Seele von der gar zu schweren
Straffe frei bleibe. Sehet mein Freund / sagte das Fräulein weiter / ob ich
nicht ursach habe / meiner Seele die betrübniss zugönnen / und kommet mir / ist
es möglich / mit eurem klugen Raht zu hülffe / des will ich zeit meines Lebens
euch verpflichtet sein. Der Arzt hörete alles mit Verwunderung an / kunte wegen
ihrer Ernstaftigkeit nicht die geringste Muhtmassung ergreiffen / dass sie
anders als die Warheit geredet hätte / und gab ihr zur Antwort:
Durchleuchtigstes Fräulein; ich muss freilich gestehen / dass ihr Gemüht nicht ohn
ursach verwirret ist. Aber ist Euer Durchl. dieses Gesichte mehr als einmal
erschienen? Nein weiters nicht / sagete sie; nur dass die gedräueten Straffen mir
stets vor Augen schweben. Weil ich aber der Göttin nicht allein grosse Opffer
verheissen / sondern über das mich äidlich verbunden / entweder frölich
zusterben / oder ihre Losssprechung (es geschehe durch Endung der Zeit / oder
durch ihre freiwillige Enderung) abzuwarten / hoffe ich bei ihr Gnade und
Barmherzigkeit des begangenen zuüberkommen; habe mir auch vorgenommen /alle
Traurigkeit aus dem Sinne zu schlagen / und durch stetigen Gottesdienst mir die
Göttin wieder zuversöhnen. Befahl hierauff ihrer Leibdienerin / eine bezeichnete
Schachtel mit Kleinoten ihr herzureichen / daraus nam sie einen Ring und ein
Halsband auff 16000 Kronen geschätzet / reichte es dem Arzt / und sagete: Nehmet
von mir dieses geringe Zeichen meiner Freundwilligkeit / und versichert euch /
dass ich dereins mich bemühen werde / ein ungleich mehres zuleisten; hingegen
aber fodere ich von euch auffrichtige Träue / als weit sie unserm Könige
zuträglich /uñ euch selbst unschädlich ist; wendet auch fleiss an /meine
Gesundheit zubefodern / dass ich ursach habe /dem Könige euer wolverhalten
zurühmen. Dieser nam das Geschenk zu sich / versprach sein äusserstes / und
nachdem er ihr etliche Arzneien eingegeben hatte /machte er sich nach dem Könige
/ rühmete der Fräulein hohen Verstand / und erzählete ihm die ursach ihrer
betrübeten Gedanken fast mit ihren Worten; wovor sich der König entsetzete / und
dem Arzt vertraulich offenbahrete / wie er währe gesonnen gewesen / seine dem
Fräulein getahne Zusage zuwiderruffen / und das Beilager in kurzer frist
zuhalten / weil ihm seine Begierden zu heftig drüngen; welches der Arzt mit
betrübten Geberden anhörete / und nachgehends ihm anzeigete / in was vor ein
Verderben er sich selbst und das Fräulein stürzen würde / massen die Göttin
Vesta eine sehr mächtige und hart straffende Göttin währe; Dieses führete er mit
so bewäglichen Gründen an / dass der König vor dissmahl sein Vorhaben zuendern
bewogen ward / liess auch dem Fräulein durch den Arzt anmelden / dass ihr die
geschehene Zusage unbrüchig sollte gehalten werden. Weil dann der Arzt alle
Mögligkeit anwendete / und das Fräulein / in Hoffnung der schier nahenden
Gegenwart ihres Herkules / vorige Fröligkeit wieder annam / ward sie in kurzer
Zeit wieder gesund / und durch einen Brief rühmete sie dem Könige des Arztes
Fleiss / dass er deswegen mit einem statlichen RitterSitze verehret ward.
    Nun hätte das Fräulein nicht übel getahn / wann sie des Königes erbieten
befodert / und eine Botschaft an ihre Fr. Mutter hätte abgehen lassen / als
welche ihretwegen herzlich bekümmert wahr; dann nachdem ihre Gesanten von Padua
wieder zu Prag anlangeten /und neben Einreichung der ihnen zugestelleten
Schreiben / auch mündlich ablegete / was Jungfer Brela ihnen vor Zeitung von dem
Fräulein gebracht hatte; kunte sie nicht gläuben / dass sie zeit ihres Lebens
dieselbe wieder sehen würde; begab sich demnach gar aufs klagen und weinen / dass
ihre Rähte und Frauenzimmer gnug an ihr zutrösten hatten. Ritter Neda taht das
beste bei ihr / indem er ihr das gute Herz erklärete / welches sie auf der Reise
getragen / auch den guten Fleiss / welchen Herkules und Ladisla zu ihrer Rettung
anwendeten / dass sie sich etlicher massen zufrieden gab / und zu rahte ward /
einen steten Gesanten zu Padua zuhalten / der sie schleunig berichten könnte /
wann Zeitung von dem Fräulein einkähme. Dieses dauchte Neda eine gewünschete
Gelegenheit /sein Vorhaben desto füglicher ins Werk zurichten; baht auch
untertähnigst / ihm solches Amt gnädigst zubefehlen; erzählete zugleich Brelen
Zustand / und dass er sich ehelich mit ihr versprochen hätte / da er ihr zugleich
ein köstliches Kleinot ihretwegen einlieferte. Die Königin hörete solches gerne
/ gab ihren Willen darein / und befahl ihm / sich bald fertig zumachen / damit
er ungeseumet sich nach Padua erheben könnte. Also zog er nach seinen Eltern /
und grüssete sie samt seiner Schwester im Nahmen Libussen und Brelen freundlich
/ denen zwar der erste Gruss sehr angenehm / der andere aber heftig zuwider wahr
/ dass auch die Schwester nicht unterlassen mochte zuantworten: Seine glückliche
Wiederkunft / und ihrer Wasen Gesundheit währe ihr lieb; das übrige aber hätte
nicht gross zubedeuten / es währe dann / dass ihr Bruder durch ihr anschauen in
vorige Tohrheit wieder gerahten währe. Neda hatte ihm vorgenommen / sich nichts
irren zu lassen / und sagte im Scherze zu ihr: Ich möchte gerne wissen /
geliebte Schwester / was dir an dieser Jungfer so heftig missfället; an Zucht
/Adel / und Schönheit ist sie ja keiner Jungfer dieses Königreichs viel schuldig
/ ohn dass sie ein verlassenes Wäyselein ist; Woltestu sie nun deswegen verachten
/ köntestu dich dadurch versündigen / dass dir dermahleins ein gleiches
widerführe. Die Schwester befand sich hiedurch in etwas verletzet / und wollte
schärffer losbrechen; aber die Eltern wehreten ihr /und sagete: Sie könten
selber nicht billichen / dz man ehrliche Jungfern verachtete; vernähmen
gleichwol nicht / dass seine Schwester desgleichen tähte / sondern es ginge ihr
aus Schwesterlicher Zuneigung zu herzen / dass ihr Bruder durch Heirat seine
Güter verringern sollte / massen wo kein BrautSchatz folgete / müste der
weibliche Schmuk von des Mannes Gütern gezeuget werden / welches nur Schulden
verursachete. Geliebete Mutter / antwortete Neda; ich stelle dieses an seinen
ort / und wann ich gleich eine arme Jungfer heirahten würde / hoffe ich doch so
viel zuerwerben / dass ich sie ohn mein väterliches Erbe ernehren wollte; sollte
man aber einen aus Freundschaft angebohtenen Gruss so höhnisch verwerffen? zwar
meine Eltern höre ich gerne / aber meiner jüngeren Schwester räume ich diese
Macht durchaus nicht ein /über mich zuherschen / würde auch meinem Ritterstande
und tragendem Amte sehr schimpflich stehen. Aber lieber saget mir / habt ihr
auch etwz mehr auff JungferBrelen zusprechen oder an ihr zutadeln / als dass sie
unbegütert ist? Nein / sagte die Mutter / wir halten sie im übrigen wirdig gnug;
weil du aber selber bekennest / dass du den Eltern Gehorsam schuldig bist /
wirstu ihnen folgen / und ihren gemacheten Schluss nicht umstossen. Was ist das
vor ein Schluss? fragete Neda. Je / antwortete sie; welchen wir mit Herr Vratisla
wegen deiner und seiner Tochter Heirat getroffen haben. Wie versaget / oder
verkäufft ihr mich dann / fragete er / und forschet nicht zuvor / ob ich auch
einwilligen werde? Ich bin ja kein gebohrner Sklav / so kann ich euch auch nicht
bergen / dass ich umb Geldes willen / Ehr uñ Redligkeit hindan zusetzen nicht
gemeinet bin / und wollte den Geizhals Vratisla mit seiner Tochter lieber
erwürgen / als in solche verfluchte Ehe einwilligen. Die gute Mutter wusste das
Gerüchte wohl / entschuldigte es aber bester massen; man müste den Lästermäulern
nicht gläuben; mannicher redlichen Jungfer würde ohn alle schuld eine Klette
angeworffen; und was des dinges mehr wahr. Sein Vater Krokus wollte auch länger
nit schweigen /sondern sagete zu dem Sohn: So bin ich gleichwol dein Vater / und
da du mir gehorsam versagest /werde ich mein Recht zugebrauchen wissen. Was vor
Recht / lieber Vater? antwortete er; ich wusste ja kein Recht in der Welt / dass
mich zwingen könnte / wider meinen Willen ein Weib zunehmen? Der gute Alte
erzürnete sich hierüber / und dräuete ihn zuenterben; aber Neda bewägete sich
gar nicht / sondern fragete nur / wem er die Güter zuwende wollte. Wem sonst
/sagte der Vater / als deiner einigen Schwester. Ja /antwortete er / wañ sie mir
davor dankete / liesse ichs ihr vielleicht mit gutem Willen zu; aber dann müste
sie zuvor gegen Jungfer Brelen einen bessern Willen fassen; wiewol meine
gnädigste Königinnen / so wohl die herschende / als die zu Padua / mich vor
Enterbung schon befreit habe / auch meiner Schwester /wegen ihrer lieben Brelen
Verachtung / eine schlimme Urtel sprechen dürfften; Ist demnach diese Bedräuung
vergebens / und weiss ich schon vorhin wohl / dass sie euch / lieber Vater / nicht
von herzen geht; dann wie könnte ich der Lehngüter entsetzet / oder dieselben
meiner Schwester zugelegt werden? bin ich euch aber verhasset gemacht / das
zeigt mir an / alsdann will wider euren Willen ich keines Hellers wert von eurem
Gute geniessen / sondern nach eurem Tode sie der höchsten Obrigkeit aufftragen /
und dannoch vor Armuht und Mangel gnug befreit sein; wisset auch /dass meine
Gnädigste Königin mich vor ihren stets sitzenden Gesanten zu Padua bestellet
hat. Hierauf gaben die Eltern nähern Kauffs / dann sie wussten / in was Gnaden
Brela wahr; sageten demnach / wann er ihm ja nicht wollte rahten lassen / möchte
er nach seinem willen freien. Aber die gute Schwester durffte allein
widersprechen; das könnte nicht sein; was Herr Vratisla sagen würde; das
verheissene sollte und müste gehalten werden / oder ihre Eltern würden vor
unwarhaft ausgeruffen werden / und dürffte sie Jungfer Wisna nicht unter die
Augen kommen. Wiltu auch nach diesem meine Schwester heissen / sagte Neda /soltu
dich der leichtsinnigen Dirnen entschlagen /oder ich / als dein älterer Bruder /
werde diesem wissen vorzubauen; Weist du nicht / dass ihr Bruder umb ihret willen
seinen wolgezierten Reitknecht erstochen hat / weil er ungebührliche Dinge
gesehen hatte? Wer mit Dieben läufft / der lernet stehlen; und hüte dich nur /
dass du ihres Gerüchtes nicht teilhaftig werdest /damit unser Geschlecht
ungeschändet bleibe. Die Mutter wollte ihre Tochter viel entschuldigen / als
welche ein grosses Geplärre anfing; aber der Vater sagete: Dafern die Wisna in
solcher Nachrede steckete /hätte seine Tochter sich billich vorzusehen / dass ihr
nicht gleicher Schandflecken angehänget würde. Worauff Neda also anfing:
Herzgeliebete Eltern und Schwester; meine versprochene Braut / die ädle Brela /
welche mit unserm gnädigsten Fräulein biss in Syrien gewesen / und neulich zu
Padua wieder angelanget /entbeut euch Kindlichen und Schwesterlichen Gruss
/übersendet zum Zeichen ihrer Liebe uñ Ergebenheit diese Kleinot / mit bitte /
ihr wollet ein Vater-Mutter-und Schwester-Herz gegen sie fassen / uñ euch
versichern / dass wieder euren Willen sie weder tuhn noch lassen wolle. Und dass
ihr sie fortin armut halben nicht verachtet / möget ihr wohl gläuben / dass ihre
Barschaften uñ Kleinot zu Padua sich über 16 Tonnen Goldes erstrecken.
Erzählete nachgehends allen Verlauff / und dass Herr Fabius ihm die
Oberwachtmeisterschaft über die Paduanische Besatzung gegeben / worzu das
obgedachte Königliche Amt kähme /dass er erstes tages sich dahin begeben müste. O
du närrische Geldliebe / was können Geschenke und Gaben bei den Menschen nicht
erhalten? Die Mutter und Schwester besahen die kostbahre Sachen / welche über
ihren Stand reicheten / auch die mit güldener Münze aussgefülleten Wetscher /
daher sie das übrige zu gläuben desto leichter bewäget wurden. Da wahr nun Brela
die beste / die ädleste und angenehmste. Ach Herzliebe Tochter Brela / währet
ihr doch selber hie / dass das Beilager gehalten würde / sagete die Mutter. Ach
Herzliebe Schwester Brela / währet ihr doch mit überkommen / sagete Schwester
Terba. Alles wahr vergessen / als währe es nie ergangen. Was? sollte ich der
leichtfertigen Wisna meinen Sohn geben? sagte die Mutter. Was? sollte die
schiefmaulichte Wisna meinen Bruder heirahten? sagte die Schwester. Worüber
nicht weniger der alte Vater als Neda selbst zu lachen bewäget ward / sahen doch
gerne / dass alle Feindschaft auffgehaben wahr. Der Vater wünschete dem Sohn zu
beiden Amtsverwaltungen Glük / und fuhr selbst mit ihm nach Prag zu der Königin
/ woselbst Neda sich mit 10 gewapneten rittermässigen Dienern versah / und nach
empfangenem Königlichen Befehl und Volmacht / den geradesten Weg nach Padua
zuritte. Auff der Reise stiess ihm unterschiedliche Gefahr auff / die er teils
durch Mañheit / teils durch List abwendete / biss er zu Padua frisch und gesund
anlangetete. Er fand daselbst alles im vorigen guten Stande / ohn das sein
Obrister / Herr Klodius nicht anheimisch / sondern mit seiner liebesten Agaten
des vorige morgens nach Rom geritten wahr / dem er nach kurzer ablegung seines
auffgetragenen Befehls / und einlieferung der Königlichen Schreiben alsbald zu
folgen gesinnet wahr; weil aber Frau Sophia und Frl. Sibilla Lust gewonnen mit
zureisen / ward es biss folgenden Morgen auffgeschoben / und beredete Fr. Sophia
die beiden Bömischen Jungfern leicht / dass sie ihr Gesellschaft leisteten; Sie
kunten aber Klodius in zween Tagen nicht erreichen /wie hart sie auch eileten /
da jener doch eine Begleitung von 10 Fussknechten / und diese 20 wolberittene
Reuter bei sich hatten. Des dritten tages fast gegen Abend / gerieten sie an ein
Gehölze / da Neda mit seinem Leibdiener voran ritte / und die Gutschen und
beladene Wagen mit dem Frauenzimmer unter der Begleitung folgen liess. Als er den
Wald fast zum Ende wahr / hörete er ein Gefechte und Geschrei etlicher Klagenden
/ setzete frisch fort / und sah einen Ritter zu Fusse sich mit acht Mördern
schlagen. Umb ihn her lag eine zimliche menge Toder und sterbender / uñ wahr
gleich an dem / dass der Ritter sich hätte müssen fahen lassen; dem er Beistand
zu leisten sich alsbald entschoss / schickete seinen Diener zu rük nach seinen
Reutern / und mit entblössetem Schwert rieff er den Mördern zu / sie sollten sich
an dem Ritter nicht vergreiffen; sprengete unter sie / uñ erlegete bald im
anfange ihrer zween; weil aber sein Pferd erstochen ward / machte er sich
herunter / trat neben den andern schon zimlich verwundeten Ritter / und sagte;
haltet euch frisch / wir werden bald mehr Beistand haben. Worauff sich dieser
ermunterte / dass vor der andern ankunft sie die Räuber alle erlegeten / und nach
erhaltenem Siege Klodius den Helm abzog / umb zuvernehmen / wer ihm so
ritterlichen Beistand geleistet hätte. Neda kennete ihn alsbald / und sagete:
Geehrter Herr Bruder / ich freue mich sehr / dass ich ihm zu rechter Zeit bin zu
hülffe kommen; aber wo hat er seine Liebeste? Klodius umbfing ihn / bedankete
sich kürzlich der geleisteten Rettung / und klagete / er wüste eigentlich nicht
/ wohin sie geritten währe; hätte ihr aber drei Kriegsknechte zugeordnet / und
meinte nicht anders / als dass sie sich nach der rechten Hand hingewendet hätte.
Weil dann Neda Gesellschaft gleich herbei kam / teilten sie sich / und traffen
sie zwischen vier Mördern an / die ihre Knechte erschlagen / und sie mit sich
geführet hatten / ward aber bald frei gemacht / und herzu geleitet / dañ wegen
erschreknis kunte sie keinen Fuss aus der Stete setzen; meinte auch nicht anders
/ es währen neue Räuber / die sie abermahl gefangen; so bald sie aber berichtet
ward / dass ihr Junker von seinem Oberwachtmeister Neda entsetzet / und Fr.
Sophia mit ihrem Frauenzimmer zu gegen währe / erhohlete sie sich wieder / ward
auch von der Gesellschaft freundlich empfangen / ihres Unfals getröstet / und
zogen miteinander fort nach dem nähesten Flecken / woselbst Klodius sich
verbinden liess. Zu Rom ward Fr. Sophia mit ihrem Zimmer von Herr M. Fabius umb
so viel freundlicher empfangen / weil sie unvermuhtlich kahmen / insonderheit
freuete sich Frl. Sibyllen Mutter über ihrer geliebeten Tochter Gegenwart / und
taht Frl. Virginien und anderen ihren Gespielen ihre Ankunft zu wissen. Als aber
zu Rom ausgebreitet ward / dass Fr. Sophia von Padua verhanden währe /deren der
Keiser und der Raht das Ehrengedächtnis hatte richten lassen / ward sie von den
vornehmsten Römischen Frauen besuchet / und höchlich gepreiset /dass durch ihren
Raht und Angeben das grosse und algemeine Verderben von ganz Italien abgewendet
währe. Käyser Alexanders Mutter Fr. Mammea / liess sie auff ihrer Leibgutsche
nach ihrer Burg hohlen; diese wahr dem Glauben nach zwar eine Christin /aber der
Christlichen Tugenden befliess sie sich nicht allerdinge / dann sie übete an
unterschiedlichen Römern schlimme grausamkeit / und wahr dem Geiz sehr ergeben.
Dieses wusste Fr. Sophia wohl / hatte sich auch mit übergrossen Geschenken
versehen / die auff drei Tonnen Goldes sich belieffen / welche sie ihr demühtig
einhändigte / und sich ihrer gnädigsten Hulde und Gewogenheit befahl. Diese
wegerte sich anfangs sehr / ein so reiches Geschenk anzunehmen / aber auff harte
nöhtigung empfing sie es / mit erbieten / bei ihrem Herr Sohn dem Käyser alles
dass zuleisten / was zu ihrem auffnehmen gereichen könnte; da sie dann /ihre Gunst
zu erzeigen / mit ihr auff einer Gutsche nach dem Marsplatze fuhr / und ihr
Ehren-Gedächtnis besahen. Der Käyser selbst / wie er ihrer Anwesenheit berichtet
ward / baht sie neben Herr M. Fabius und Frl. Sibyllen zur Mahlzeit / und vernam
alles umbständlich von ihr / wie sichs in Bestürmung des Raubnestes zugetrage
hätte; sagte / er währe willens gewesen / die treflichen Helden nach Rom fodern
zu lassen / und mit ihnen Kundschaft zu machen / hätte aber erfahren / dass wegen
eines geraubeten Fräuleins sie abwesend wären; uñ musste sie diesen Unfal
gleichmässig erzählen / da der Käyser und andere Anwesende sich der herzhaften
Frl. Valiska nicht gnug verwundern kunten. Klodius und Neda macheten inzwischen
zu Rom gut geschir / dann wie verachtet jener ehemahls wegen seiner schuldhaften
wahr / so hoch ward er jezt geehret / und von den Römischen junge Rittern
besuchet und zu Gaste geladen. Titus Bellizius / welcher Klodius älteste
Schwester geheiratet hatte / stellete des dritten Tages nach ihrer Ankunft eine
grosse Gästerei an; untern andern Gästen wahr ein verwägener ädler Römer /
nahmens Kajus Opelius / derselbe fing an / etliche Schimpfreden auff den
Teutschen Adel ausszustossen / nur dass er Ursach an Neda haben möchte / der sich
vor ihm nicht so tieff demühtigte /als ers gerne gesehen hätte. Nun hatte dieser
gleich sein Geschwätze mit Klodius Schwester / dass ers nicht acht nahm; so wahr
Klodius hinaus gangen /dass er ihm nicht einreden kunte / und wollten die andern
sich nicht mit einmengen / weil er ein unreiner Vogel wahr / und sein Adel neben
der treflichen Erfahrenheit in Waffen / ihn gar frech machete. Als dieser
merkete / dass der erste Bolzen vergebens abgeflogen wahr / fiderte er bald einen
schärfferen / und fragete seinen Nebensitzer / mit was vor Waffen sich die
Teutschen doch gegen sie gestellet / als Käyser Antoninus Karakalla sie vor eilf
Jahren am Main geschlagen. Dieser wollte ihm nicht Ursach zu weiterem Unlust
geben / und antwortete; er könnte nicht leugnen /dass ihre Ritterschaft wohl und
redlich gefochten / und ob sie gleich mit Waffen so volkommen nicht währe
versehen gewesen / hätten sie dannoch diesen Abgang durch Mannheit ersetzet /
und möchte er vor sein Häupt wünschen / dz man diese zimlich abgelegene Nachbarn
zu stetigen Freunden haben könnte / massen die Teutschen Kriege viel Wunden und
wenig Beute brächten. Opelius fuhr fort; er hoffete / die Teutschen würden das
Narrenseil schier wieder zihen / und einen blinden Fal wagen / alsdann wollte er
auff seine kosten wieder sie fortzihen / und nach Rom nicht kommen /biss er 50
ädle Teutschen gefangen / welche ihm seine Landgüter als Leibeigene bestellen /
und des Vihes hüten sollten; dann ich höre / sagte er / dass sie in Friedeszeiten
den Pflug selber treiben / damit sie nicht hungers verschmachten. Diese Reden
gingen beides Klodius und Neda durchs Herz / uñ kunte jener insonderheit seinem
Herrn Herkules zu ehren / es unbeantwortet nit lassen / sagete demnach zu ihm;
Geliebter Oheim Opelius / ich bitte / er wolle sich in solchen Reden mässigen /
welche vielleicht etlichen Anwesenden zu nahe treten möchten; ich diene einem
teutschen Herrn / und will mich glückselig achten / als lange ich die Ehre habe /
ihm zu dienen / dann ich weiss / dass nicht alle Teutschen so beschaffen sind /
wie man sie uns vormahlet; sollten nu gleich Teutsche von Adel sich zuzeiten des
Ackerbaues annehmen / würde solches ihren Adel eben so wenig schänden / als es
ehmahls den treflichsten Römern L. Quintius Zinzinnatus / Attilius Seranus /
Markus Kato / uñ anderen mehr / keines Weges verächtlich gewesen ist; nachdem
wir aber freundschaft und Lust wegen beieinander sind / wollen wir von
frölichern Sachen schwätzen. Inzwischen sass Neda und brante vor Zorn / nahm auch
gänzlich vor / sich an dem Schänder zurächen /und sagte zu Klodius; Geehrter
Herr Obrister / und Brüderlicher Freund / er weiss dz ich mich unter den
Teutschen Adel zählen lasse / ob ich gleich meine Güter in Böhmen habe / welches
Reich doch mitten in dem Herzen Teutschlandes gelegen ist. Nun will ich nicht
hoffen / dass die jezt vorgebrachte Reden insgemein auff allen teutschen Adel
gemeinet sein / sondern nur auff die Unnützen und faulen / deren es ohnzweiffel
allentalben / auch mitten in Rom geben möchte; daher dann dieser Ritter so
wenig Ursach hat umb solcher willen so weit zu reisen / als wenig wir uns dessen
anzunehmen haben; wiewol ich wünschen möchte / dass er alle nichtwerte Teutschen
vor Leibeigen hätte / auff dass Teutschland / welches nur tapffere Herzen liebt
/ des unnützen Wustes möchte entladen sein. Opelius wahr so tummes verstandes
nicht / dass er den Auffzug nicht sollte gemerket haben / gedachte ihm aber
zuvergelten / und gab zur Antwort: Die unüberwindlichen Römer haben nicht de
Brauch / dass unnütze mit sich über Land zuschleppen / sondern geben es ihrer
Mutter der Erden; nur was sie tüchtig finden / dem gönnen sie das Leben zu ihrem
Dienste; uñ hat man wohl ehmahls mehr Leibeigene Teutschen /als Herren zu Rom
gefunden; ja wer weiss / was uns das Glük in kurzem zuwendet? Ich rühme die
unüberwindlichen Römer / als Herren vieler Länder / sagete Neda / aber die
Leibeigenen haben sie nicht beim Trunke / noch mit dem Maule / sondern mit
bewehrter Faust gemacht. Damit ging der Tanz recht an / massen Opelius alsbald
fragete / ob er damit gestochen währe. Niemand / antwortete Neda / ohn der den
redlichen Teutsche Adel schändet / welchen Käyserl. Hocheit neulich auf dem
Marsplatze sonderlich geehret hat. Opelius fassete das Trinkgeschir / in Meinung
ihm dz Gesicht damit zuschänden / aber Neda solches sehend / fing den Wurff mit
der Hand auf / wollte doch nicht wieder werffen / sondern redete die Anwesende
Gesellschaft also an: Ihr hoch ädle ruhmwirdige Römer / werdet mir schier heut
oder Morgen dessen beständige Zeugnis geben / was alhie vorgangen ist; Dich
boshaften Schänder aber / sagte er zu Opelius /halte ich des Ritterstandes
unwirdig / weil du einen Ritter nicht mit Ritterlichen Waffen / sondern mit
einem Trinkgefäss angreiffest / uñ will ich dich umb deiner Schmachrede willen
ausfodern / dz du auff dem Marsplatze erscheinest / damit ich sehen möge / ob
dein Herz so fest wiederhalten / als dein Maul schänden kann. Dieser antwortete:
Ob er noch einen Teutschen BauernFlegel bei sich hätte / sollte er denselben zu
hülffe nehmen / dass er ihm den Schild vorhielte. Hie führe ich meinen Flegel an
der Seite / sagte Neda / und werde noch heut sehen / ob du bequemer seist zu
dröschen oder gedroschen zuwerden. Ging damit hinaus auff sein absonderliches
Gemach / legete seine Waffen an / und ritte nach des Käysers Burg / bei dem Fr.
Sophia zu gaste wahr; dieselbe liess er zu sich hinaus bitten / erzählete ihr
alle begebniss / und baht untertähnigst / bei Käyserl. Hocheit ihm urlaub
zuerlangen / seine Ausfoderung zuverfolgen; worzu sie willig wahr / brachte es
auch bewäglich vor / nebest anmeldung / dieser Ritter währe eines vornehmen
Böhmischen Herrn Sohn / und ihres Gemahls lieber Geträuer / dass auch ihr Herr
Vater ihn wegen seiner Tapfferkeit in Römische Dienste genommen hätte. Der
Käyser liess ihn selbst hervor treten / da er dann den Schimpff / dem ganzen
Teutschen Adel angelegt /so ernstlich vortrug / und zugleich um Erlaubnis des
Kampffes anhielt / dass der Käyser sich alsbald erboht / den Opelius deswegen an
Leib und Leben zustraffen / dafern er seiner Anklage glaubwirdige Zeugnis führen
könnte. Weil er dann sechs Römische Ritter bei sich hatte / die solches einhellig
ablegeten / erzürnete sich der Käyser sehr / hätte auch ernstliche Straffe
ergehen lassen / wann nicht Neda davor gebehten / der nur bloss umb des Kampffs
Vergünstigung ansuchung taht / dessen er durch Fr. Sophien Vorbitte endlich
gewehret ward / doch dass Opelius zuvor bei dem Käyser erscheinen musste / welcher
ihn also anfuhr: Du beschimpffung des Römischen Adels; wie darffstu eines ganzen
Landes Adel schänden / dessen Manheit unserm Reich allezeit widerstanden / und
sich in Freiheit erhalten hat? Du hast vielmehr des Henkers Beil /als das
Ritterliche Schwert verdienet / indem du eben diese wider unser Reich
auffzuwiegeln bedacht bist /welche mit Freundschaft uns zuverbinden / wir
geflissen sind; weil wir aber absonderlich erbehten worden / diesen Kampff
zuzulassen / kanstu dich darzu schicken / und im fall du obsiegest / nicht desto
minder des Rechts erwarten. Opelius taht einen demühtigen Fussfall / hätte wegen
eines eingebildeten Schimpffs zu milde geredet / welches er abzubitten erböhtig
währe; hoffete sonst vor dissmahl zuzeigen /wie hoch Römischer Adel den Teutschen
überginge. Der Käyser hiess ihn sich packen / und dass er nicht bedacht währe /
seines unbesonnenen Schwerts zu solchem wichtigen Beweisstuhm zugebrauchen; stund
auff / und machte sich mit seiner Gesellschaft fertig /dem Kampffe beizuwohnen /
und da es nöhtig sein würde / des Teutschen Ritters Leben zuretten / weil ihm
Opelius Kühnheit wohl bekant wahr. Das Frauenzimmer zog mit hin / und empfand die
gute Brela in ihrem Hertzen nicht geringe Furcht und Schmerzen /dass sie zu
Libussen sagete: Meinen ungenehme Bräutigam habe ich zu Padua im Kampff
verloren; sollte ich nu meinen SeelenSchaz hier zu Rom einbüssen /hätte ich
erstüber Unglück zuklagen. Aber Libussa tröstete sie; Neda hätte vorerst die
Gerechtigkeit / hernach der Götter und des Käysers Gunst auff seiner seite / und
währe sein erstes nicht / dass er hochmühtigen Frevel dämpffete. Die Kämpffer
setzeten mit ihren Speeren grimmig auff einander / welche in der Lufftverstoben
/ aber keinen niderwurffen; daher liess ihnen der Käyser neue reichen / weil Neda
insonderheit darumb anhielt; der sich dann mit solcher Gewalt auff seinen Feind
los gab / dass er ihn gestrekt auf die Erde niderlegete / daher seine Brela gute
Hoffnung fassete des künftigen Sieges. Neda stieg bald ab / trat hin zu dem
gefälleten mit blossem Schwerte / da derselbe sich noch nicht regete / machte
ihm das Helmgesicht auff / dass er frische Lufft empfing / und sagete überlaut zu
ihm: Nun mein Opelius / bistu noch gewillet / 50 Teutsche von Adel zufahen /
deren vielleicht noch keiner mag geboren sein? der Anfang ist zimlich schlecht
/ und stünde dein Leben in meiner Hand / wann ich eine grausame Seele hätte;
aber mache dich auff die Füsse / damit ich sehen möge / ob du besser auff zwei
als auff vier Beinen streiten könnest / dann ich muss dein Schwert auch kennen
lernen. Dieser erhohlete sich wieder / und als er sich auffgerichtet hatte / gab
er zur Antwort: Nicht du / sondern des Käysers Ungnade hat mich abgestochen. Ja
/hastu so hochgelehrte Entschuldigungen / sagte Neda / so ist gefährlich mit dir
zuzanken; aber fasse einen Muht / und trit dem Unglück mit eben der
Herzhaftigkeit entgegen / durch welche du die ädlen Teutschen mit hauffen
pflegest gefangen zunehmen / wann dir der Wein wohl schmecket. Dieser Spot taht
ihm weher als der Tod selbst; warff sich in die Höhe / und fing an seine
Fechterkunst sehen zulassen. Aber Neda dröschete weidlich auf ihn los / dass in
weniger Zeit seine Waffen mit Blut angefärbet wurden / und ihm alle kraft
entging. Weil er dann nicht willens wahr /ihn zutödten / trat er ihm mit dem
Schilde ein / liess sein Schwert fallen / und risse ihm das seine aus der Hand /
sprechend: Nun gib dich / Opelius / ich bin nicht willens / dich zuverderben /
wann du guten Willen erkennen kanst; uñ dass du mein redliches Herz spürest / will
ich mich bemühen / dir einen gnädigen Käyser zu machen. So währe ich euch mein
Leben schuldig / sagte Opelius; ist aber keine Gnade zuerhalten / so beseliget
mich mit einem schleunigen Tode; Der Käyser hörete ihr Gespräch / aber nicht
dessen Verstand / vor welchem Neda sich in die Knie legete / und
alleruntertähnigst baht / ihre Käyserl. Hocheit möchte in ansehung seiner beiden
gnädigen Herren / Ladisla uñ Herkules / deren Ehren Gedächtnis hier
auffgerichtet stünden / gegenwärtigem Ritter Opelius allergnädigst verzeihen /
als ob des verlauffenen nichts vorgangen währe. Fr. Sophia und Frl. Sibylla
bahten ein gleiches bei des Käysers Fr. Mutter; Worauf der Käyser sich also
erklärete: Redlicher Ritter / damit ihr sehet / wie hoch ich die Gedächtnis der
beiden Helden / Herren Ladisla und Herkules halte /und ihre Wirdigkeit schätze /
insonderheit / weil des erstgenanten sein Gemahl das Wort mit führet / so trit
herzu / du unvorsichtiger Opelius / dein Verbrechen ist tod / und soll fortin
weder gedacht noch genennet werde. Die anwesenden ingesamt erfreueten sich der
ganz ungewöhnlichen Gnade / kehreten wieder umb /teils nach der Burg / teils
nach T. Bellizius Behausung / und liessen den verwundeten fleissig verbinden.
Des folgenden Morgens stellete Klodius auff Fr. Agaten begehren eine treffliche
Gästerei an / bei welcher sich Herr M. Fabius mit Fr. Sophien und Frl. Sibyllen
einstelleten. Nach abgehobenen Speisen hielt Fr. Agata in aller Gäste gegenwart
bei ihrem Klodius an; nachdem sie ihn zum Herrn aller ihrer Güter gemacht hätte
/ möchte er ihr den dritten Teil aller seiner Römischen Güter schenken / welches
von allen mit einem Gelächter angenommen ward; Er aber /weil er ihr vorhaben
merkete / willigte alsbald darein; worauf sie dessen drei gegenwärtige
Schwestern also anredete: Hochwerte Frr. Schwestere / und herzgeliebete
Freundiñen; weil ich meinen ergebenen schwesterlichen Willen ihnen gerne in der
Taht erzeigen /und dessen ein Zeichen hinter mir lassen wollte / so bitte ich
freundlich / sie wollen diesen dritten Teil aller Römischen Güter ihres
geliebeten Bruders unwegerlich von mir annehmen / und dabei sich allemahl meines
geneigten Herzens erinnern. Sie samt ihren Ehejunkern verwunderten sich der
grossen freigebigkeit / weil einer jeden Anteil sich auff 12000 Kronen wert
erstreckete / und wahr keine unter den Schwestern so kühne / dass sie geantwortet
hätte; worüber Klodius anfing: Er wollte nimmermehr hoffen / dass seine Schwestern
ihrer Schwägerin seiner Eheliebsten diese ihre erste Bitte abschlagen wollten; so
dürfften sie auch nicht gedenken / als wann ihm solches zuwider währe; Gott
hätte ihm so grosse Güter mit seiner Liebsten bescheret / dass er durch diese
Verehrung keinen Abgang zubefürchten hätte. Darauff ward das Geschenk mit
sonderlicher Danksagung allerseits angenommen / und verehreten die drei Schwäger
ihr hinwiederumb eine treffliche Gutsche mit sechs Sizilischen Blänken / blieb
auch diese Gesellschaft zwo Wochen zu Rom / da Klodius und Neda etliche mahl bei
der Käyserlichen Mahlzeit sich mussten einstellen / hernach macheten sie sich
wieder nach Padua. Als sie daselbst ankahmen / wurden sie mit neuer Freude
überschüttet; dann es trat zugleich mit ihnen ein Bohte hinein / welcher von
Jerusalem geschicket wahr / und dem Statalter drei Schreiben einlieferte; eines
von Herr Pompejus / das andere von Ladisla / das dritte von dem jungen Fabius
seinem Sohn. Pompejus meldete / wie es Fürst Herkules bei ihm ergangen währe;
die anderen beide zeigeten ihr wolergehen an /und hatten ihre Briefe zu Seleuzia
geschrieben. Frau Sophia bekam zwei Schreiben; eines von ihrem Ladisla / da er
sie seines Abwesens tröstete / und schleunige Wiederkunft versprach; das andere
hatte Fräulein Lukrezie auffgesetzt / unter dieser überschrifft: Der
Durchleuchtigsten Fürstin und Frauen / Frauen Sophien Fabiin / vermähleten
Königin in Böhmen; meiner vertraueten Frau Schwester Hier muss gewisslich mein
Ladisla oder Herkules gewesen sein / sagte sie; dann was wüsten sie zu Jerusalem
sonst von meiner Heirat? Aber ihr Vater antwortete: Gedenkest du dann /dass ich
meinen nähesten Anverwanten deine Heirat nicht werde zugeschrieben haben? Sie
öffnete den Brief / und lase daraus folgende Worte:
    Herzgeliebete Frau Schwester; nachdem der Durchleuchtigste GrossFürst / Herr
Herkules / dieses Orts glücklich angelanget / hat der Allmächtige Gott es gnädig
geschicket / dass ich in seiner Liebe Kundschaft und brüderliche Vertrauligkeit
auffgenommen bin / dessen zeit meines Lebens ich mich rühmen und freuen werde /
angesehen ich den Ausbund aller Tugend und Zucht bei ihm angetroffen; ja eben
den / welcher der Frau Schwester nicht anders als seiner Seele gewogen ist. Zeit
seiner Verwundung. Was muss das vor eine Verwundung sein? sagte sie zu ihrem
Vater; welcher ihr befahl /sie sollte zum Ende lesen / hernach wollte er dieses
aus seinem Schreiben schon erklären; fuhr demnach also fort: Zeit seiner
Verwundung / da ich ihm stetige Gesellschaft leistete / mussten seine Frau und
Fräulein Schwestere Sophia und Sibylla allemahl das Hauptwerk seiner Rede sein /
dass mich wunder nam / wie eine andere ihn von so lieber Gesellschaft abzihen
mögen / es sei dann /dass mit der verlohrnen sein Herz verloren währe / welches
ich muhtmasse / weil weder Gefahr noch ichtwas anders ihn von dieser Nachsuchung
abhalten kunte. Aber erkennet doch euer Gebrechen / ihr herzliebe Schwestern /
dass ihr einen so allerliebsten Bruder ohn gebührliche Kleidung habt können von
euch zihen lassen; zwar eure Fehler habe ich nach Mögligkeit ersetzet / aber
hiedurch seid ihr nicht zuentschuldigen / welches nach diesem euch mündlich
zuverweisen / ich unvergessen sein will. Inzwischen befehle ich euch dem Schutz
des allmögenden wahren Gottes / verbleibend / weil ich lebe / meiner
hochgeliebten Frau Schwester bereitwilligst-gehorsamste / und ganz ergebene
Dienerin / Lukrezie Pompejin.
    Fräulein Sibylla wusste nicht / ob sie ihr Schreiben öffentlich lesen dürffte
/ biss Herr Fabius ihre neue Zeitung ihnen mitzuteilen anhielt; worauff sie den
Brief ihrer Wasen zulesen reichete / der also lautete:
    Herzgeliebete Frl. Schwester; eures guten Zustandes /welchen ihr ohn zweifel
dem unvergleichlichen Fürsten /Herrn Herkules zudanken habet / bin ich zur gnüge
berichtet; möchte wünschen / dass wir so nahe beisammen lebeten / dass die Zunge
uns an statt der Briefe dienen könnte. Aber O! in was grosser Freude und Lust
müsst ihr gewesen sein / da der zierliche Silvan euch im Pusche so viel
Honigsüsses vorschwatzete; nimt mich wunder /wie ihr demselben Schwesterliche
Hulde zuwenden können / der euch eines so höflichen Schatzes beraubet hat. Bitte
sehr / dieses Schreiben vor eine Trost Schrifft zu rechnen / und dem Kummer
wegen Abfalls dieses Liebesten nicht zu weiten Raum in eurer Seele zugönnen. Ich
habe unserm Bruder Herr Herkules diese Unhöfligkeit sehr auffgerücket / dass er
einem verliebeten Fräulein einen so höflichen Buhlen entrissen / der in
Freundligkeit es einem erzürneten Ochsen fast zuvor tuhn sollte. Mässiget / bitte
ich / eure Trähnen / und machet mich durch genehme Antwort wissen / was mein
Schreiben vor Trost gewirket. Dem Schutz GOttes empfohlen / von eurer
geträuesten Schwester Lukrezien Pompejin.
    Alle anwesende lacheten des Auffzuges; aber das Fräulein sagte: Ich gönne
meiner Wasen nichts böses / aber den hundertsten Teil meiner damahligen Angst
dürffte ich ihr fast wünschen; doch wann sie daher die Straffe ihres Gelächters
erkennete / wollte ichs ihr gerne wieder abnehmen. Ihr müsst ihr diesen Streich
vergelten / sagte Herr Fabius; und als sie ihre Einfalt anzog / sagte Frau
Sophia: Gebet euch zu frieden /wir wollen zehn Pfeile vor einen finden / so bald
wir nur den Bogen haben / sie ihr zuzuschiessen. Frau Ursula stellete sich sehr
betrübt / dass sie kein absonderliches Schreiben von ihrem Fabius hatte / welches
aber in des Vaters seinem verschlossen wahr / und ihr endlich eingehändiget ward
/ da sie wegen seines Wolergehens sich vergnüget befand / und mit den andern der
glücklichen Wiederkunft mit Schmerzen erwartete.
    Zu Ekbatana freueten sich unsere Helden / dass die Zeit ihrer Reise nach
Charas biss auff einen Tag verflossen wahr / da sie dann allerdinge fertig wahren
losszubrechen. Es kam aber eine Vorschaft von Artaxerxes den Persischen
GrossFürsten / mit Schreiben an Pharnabazus. Phraortes wahr ihm nicht ohn Ursach
eines wichtigen Inhalts vermuhten / brachen den Brieff / und funden dieses: Ihm
währe glaubwirdig vorkomen / dass zween vortreffliche Ritter sich bei ihnen
auffhielten / deren Erfahrenheit in Kriegssachen sehr gross währe; nun würde man
zweiffels ohn dem ruhmwirdigen Vorhaben in kurzen seinen Fortgang göñen / wobei
ritterliche Helden das meiste verrichten könten; und ob man gleich fremder
Waffen nicht bedürfte / welche dannoch nicht ausszuschlagen / hätte man doch
zuverhüten / dass solche Leute nicht dem Feinde zu dienste gingen; bähte demnach
/ alle mögligkeit anzuwenden / dass man sich dieser Helden versicherte / und
keinen Sold zu hoch achtete / damit man sie in bestallung bringen könnte.
Phraortes merkete wohl / woher Artaxerxes dieses erfahren / liess ihm den
Vorschlag wolgefallen / und beriet sich mit Pharnabazus / wie das Ding am
füglichsten anzugreiffen währe / dass man gleichwol die Geheimnis vor ihnen noch
zur Zeit verborgen hielte; macheten sich hin zu unsern Helden / und trugen ihnen
dieses vor; Hochwerte Herren und Freunde / es ist eine hochwichtige
höchstgeheime Verbündnis obhanden / in welcher wir neben andern hohen Häuptern
begriffen sind; begehren demnach instendig von uns / mit euer Liebe vertraulich
zuhandeln / ob denen belieben könnte / als lange sie in diesen Ländern sich
auffhalten / ihnen mit Raht und Taht beipflichtig zu sein / auff welchen Fall
sie euch Monatlich 200000 Kronen ingesamt bestallungs Gelder / und jedem 100
LeibReuter zu unterhalten anbieten / es möge Krieg erfolgen oder nicht; da euch
dann die HochFürstl. Verbündnis freiwillig verspricht / auff den Fall ihr selbst
Feinde bekommen würdet / euch mit 200000 MannBeistand zuleisten. Herkules und
Ladisla beredeten sich hierauff kürzlich / und gaben zur Antwort: Sie wünscheten
denen Durchll. vereinigten Fürsten und Ständen Glük und Heil zu ihrem löblichen
Vorhaben / und weil sie höreten / dass sie beide selbst vornehme Glieder solcher
verbündnis währen / erkenneten sie sich schuldig / ihnen mit Gut und Leben zu
dienen / als viel ihr Vorhaben immermehr zulassen wollte; dass sie aber durch
wirkliche Bestallung sich zuverbinden bedenken trügen / würde verhoffentlich der
GrossFürst ihnen nicht verargen / massen ihnen allerdinge unbewust währe / wie
lange sie in diesen Landschaften sich würden auffhalten können. Der GrossFürst
erboht sich hingegen / ihnen im Nahmen der vereinigten Stände schriftliche
Versicherung zu tuhn / dass wieder ihren freien Willen sie nicht einen Tag
auffgehalten /noch irgend wo zu sollten gefodert werden / dass ihrem Vorhaben
könnte hinderlich sein; wiederhohlete darauff sein voriges / und wandte ein / da
sie auff beharlichen Abschlag fest stehen würden / dürften die vereinigte
zweiffelhafte Gedanke fassen / wessen sie sich zu ihnen versehen sollten.
Hierauff erbohten sie sich /ihres Willens zu leben / dafern der Krieg nicht
wieder die Römer angesehen währe / auff welchen wiedrigen Fall sie lieber
geträue Mitler zum Friede sein wollten. Und als ihnen auch diese Furcht gänzlich
benomen wahr / schlossen sie miteinander / und dass Leches Monatlich 4000 Kronen
/ im Felde aber gedoppelt so viel haben sollte. Also ward diesen Tag alles zum
Auffbruch fertig gemacht / und nach genommenem Abscheide / welcher traurig genug
wahr / und nicht ohn Trähnen geschahe / begaben sie sich unter der Begleitung
200 Reuter / auff den Weg nach Charas /so dass Pharnabazus mit ihnen biss an die
Partischen Grenzen fortritte / und von darab sich wieder nach Persepolis zu dem
Persischen GrossFürsten begab /welcher ihn nach Rom verschicket hatte.
                            Ende des Dritten Buchs.
 
                                 Vierdes Buch.
Fürst Gobares / nachdem er zwölff Tage bei Nabarzanes aussgehalten / und seinen
unkeuschen Willen nicht so wohl als ehemahls vergnüget hatte / ward eingedenke /
dass die Reichsnoturfft seine Gegenwart erfoderte / deswegen er sich wieder zur
heimreise fertig machete. Er merkete aber aus den Liebesblicken /welche F.
Statira auff ihren Kleon zum oftern schiessen lies / dass sie nicht schlechte
Zuneigung gege ihn trüge; so lag ihm die Kaltsinnigkeit uñ geringe Inbrunst im
Kopffe / welche sie ihm dissmahl über ihre Gewohnheit hatte merken lassen; dann
die Warheit zumelden / währe sie des Fürsten gerne abgewesen /wann sie mit Fuge
gekont hätte / und gedachte fort mehr keinem ihre Liebe / als Kleon zuerteilen /
so dass sie auch mit den Gedanken schwanger ging / ihren Nabarzanes vom Brodte
zurichten / und Kleon vor einen Gemahl anzunehmen / auch mit ihm gar davon in
sein Vaterland zuzihen / da sie zuvor alles / was tuhnlich währe zu Gelde machen
/ auch was sie ausstehen hatte / einfodern wollte. Der Fürst / welcher ohndass dem
Zorn und der Eifersucht ergeben wahr /fassete aus blossem ungegründeten Argwohn
/ solche schwere ungnade wieder Kleon / dass er ihm gänzlich vornam / diesen
verdächtigen Mitbuhler des Lebens zuberauben / jedoch zuvor wahr zunehmen / ob
er sich auch einiger Bezeigung würde merken lassen /daher er seiner Buhlerei
könnte vergewissert werden; Welches jener aber so fleissig verhütete / dass der
Fürst in etwas gelinder ward / und in seinem Herzen gedachte / vielleicht ist
dieses Feur in Statiren Seele annoch verborgen / und Kleon unwissend; foderte
doch des Abends vor seinem Abscheide Nabarzanes allein vor sich / und redete ihn
also an: Ich weis nicht / mein Freund / was günstige Augen unsere Statira eurem
neuen Diener zuwirffet / die mich fast / ja wohl ungezweiffelt einer heimlichen
Liebe zwischen ihnen berichten wollen; wie nun solches mich nicht wenig
verdriessen würde / also währe es euch trauen sehr nachteilig / mit einem
schlimmen erkaufften Knechte euer eheliches Gemahl gemein zu haben /
insonderheit da dieser schier heut oder Morgen sich dessen bei andern berühme
sollte. Ja wer weiss / ob er euch nicht gar nach dem Kragen stehen dürfte / worzu
ich ihn verwägen gnug ansehe. Nehmet demnach bei Zeiten wahr /was vor eine
schädliche Schlange ihr in eurem Busen ernähret / und bauet dem Unglück vor / ehe
es Oberhand nimt / dann in dem ersten Grase kann das Unkraut leicht gedämpfet
werden / wans aber schon vollen Samen gesetzet hat / nimt es den ganzen Garten
ein und verdirbet alles / dass man ihm weder zu rahten noch zu steuren weiss. So
habet nun bei zeiten acht auff euch selbst / und könnet ihr dem Ubel auff andere
Weise nicht vorkommen / so lasset den Buben entweder nidermachen / oder jaget
ihn von euch / habt ihr dañ Gelder vor ihn angewendet / die will ich euch
gedoppelt und dreifach wieder geben. Nabarzanes wusste umb diese Händel sehr wohl
/ schämete sich aber / es dem Fürsten zu offenbahren / und fürchtete sich
zugleich vor seinem Gemahl / daher er diese Antwort gab: Gnädiger Fürst und Herr
/ ich bin dieses dinges bisher unberichtet / habe auch davon nichts merken
können; doch kann es sein / dass der schlimme Bube mit dieser Bosheit schwanger
geht / welches da ichs vernehmen würde / ihm trauen nicht sollte übersehen
werden; einmal kann ich nicht leugnen / dass mein Gemahl sehr viel auff ihn hält
/ weil er gar ein guter Bereiter und Jäger ist; es wissen aber eur Durchl. dass
sie von mir keine Einrede annehmen will / daher ich mich scheuhe / eurer Gn.
Gedanken ihr vorzutragen /und möchte wünschen / dass dieselbe ihr nur scharff
gnug einredete / und diesen Fehler verweisslich vorhielte / welches ohn zweifel
viel nutzen schaffen und dem Ubel leicht steuren würde. Mein / ihr seid gar zu
einfältig / sagte Fürst Gobares / und will sich ja nicht reimen / dass sie dessen
verweiss von mir einnehme /sondern euch lieget ob / sie ihres verbrechens
zuerinnern / und nach befindung zu straffen / welches / dass es erster Stunde
geschehe / ich träulich rahten will /doch dass ihr meiner dabei im geringsten
keine Meldung tuht. Wie es euer Durchl. beliebet / antwortete er / und will schon
wissen / sie rechtschaffen vorzunehmen; weil aber die Abendspeisen schon auff
uns warten / werden wir uns zu Tische setzen. Bei der Mahlzeit liess der Fürst
sich keines Wiederwillen merken /biss Statira ihrer Gewohnheit nach / die Augen
gar zu heftig an ihren gegen ihr überstehenden Kleon weidete / und fast essens
und trinkens drüber vergass / dass auch Kleon unwillig drüber ward / und ihr einen
Wink gab / sich hierin zu mässigen. Gobares / der genaue acht auf sie gab /
entbrante hierüber von Zorn /dz er den Eifer sich bald hätte übermeistern lassen
/ihr verweisslich zuzurede / welches Nabarzanes merkend / seinen Kleon einen
Abtrit nehmen hiess / vorgebend / er hätte mit dem Fürsten in geheim zureden
/welcher dann nach Kleons Abtrit zu Nabarzanes sagete: Gewisslich mein Freund /
ihr habt einen holdseligen Diener an diesem Griechen / und scheinet derselbe ein
guter erkenner des schönen Frauenzimers zu sein. Fr. Statira ward durch diesen
Stich am innersten ihrer Seele gerühret / und nam ihr vor es unbeantwortet nicht
zu lassen / wañ nicht Nabarzanes ihr zuvor kommen währe / der zu dem Fürsten
sagete: Ich weiss nicht / dass mein Diener nach dem Frauenzimmer sich ernstlich
umbsehen sollte / sonsten hat mein Gemahl unterschiedene saubere Dirnen / deren
eine ich ihm an den Hals werffen wollte. Dass ihrs nicht gemerket /sagte der Fürst
/ ist umb so viel schlimmer; so schnappet mannicher lieber im finstern nach dem
schönsten / als an der Sonnen nach dem mittelmässigen / und hat man sich mehr
vor schlaubeissende als bellende Hunde vorzusehen / dann die fallen uns
ungemeldet an / so dass sie den Biss schon volbracht haben ehe mans gewahr wird.
Unter dieser Rede / wie hart sie gleich wahr / besan sich dannoch Statira /
verbarg ihren Zorn / und antwortete mit lächelndem Munde: Wañ ich wüste / dass
meines Gemahls Diener so freiisch währe / wollte ich ihm keine einzige aus meinem
schlechten Zimmer versagen / insonderheit /weil mein Gemahl sich erbeut / selbst
freiwerber zu sein. Sie suchte aber Gelegenheit zu anderem Gespräche / und
stellete sich algemehlig gegen den Fürsten freundlicher als diese Zeit über
geschehen wahr; wodurch sein Grim sich legete / und er in etwas befriediget ward
/ liess sich auch weiter nicht dass geringste gegen sie vermerken. Sie aber
machete sich des folgenden Morgens zu ihrem Nabarzanes / küssete und herzete ihn
über ihre Gewohnheit / und sagte nachgehends: Herzgeliebter Herr und Gemahl /
was hatte der Fürst gestern Abend vor Ursach / auff meinen Kleon zu schimpfen?
Ich will ja nicht hoffen / dass durch falsches Geschwätze ihr ihm Ursach darzu
gegeben habet / mich und ihn in ungleichen Verdacht zuziehen; dann währe solches
geschehen / wollte ich versichert mich alsbald vor euren Augen erstechen. Der
einfältige Tropff meinte / sie ginge bereits mit Todes Gedanken umb /
offenbahrete ihr deswegen alles /was der Fürst mit ihm geredet / und er
hinwieder geantwortet hätte / taht endlich aus seinem eigenen Gehirn hinzu / der
Fürst wäre entschlossen / Kleon etwas mit auff den Weg zunehmen / und niderhauen
zulassen; worüber sie gar bestürzete / machte sich bald hin zu Kleon / und gab
ihm Befehl / Sudwerz auff die Jagt zureiten / und vor späten Abend nicht wieder
zukommen / weil sie fürchtete / er würde mit dem Fürsten reiten müssen / welches
ihm Ungelegenheit geben dürffte. Diese Zeitung wahr ihm nicht so gar angenehm /
gestaltsam er sein bevorstehendes Unglück unschwer zuerkennen hatte; machte sich
demnach bald auff / nam ein Strik Winde zu sich / und taht wie ihm befohlen
wahr. Inzwischen überlegete Gobares bei ihm selber / wie er Kleon vom Brote
richten könnte / dz Statira dessen nicht gewahr würde / und befand endlich am
tuhnlichsten / es dergestalt anzugreiffen /wie Nabarzanes aus eigenen Gedanken
vorgab /machte sich darauff von seinem Lager / und liess alles zum schleunigen
Auffbruch fertig halten. Wie er nun Kleon bei dem Frühstücke / vorigem Gebrauche
nach / nicht aufwarten sah / und seines abwesens ursach zuwissen begehrete /
gab die Frau ihm zur Antwort: Weil sie gestern Abend gemerket / dass Ihre Gn.
etwa einen Unwillen zu ihm trüge / wollte sie dieselbe durch seine Gegenwart
nicht zu weiterem Zorn oder ungenehmer Bewägung reizen; überdas hätte sie des
Fürsten gestrigen Reden etwas tieffer nachgedacht /und da sie wissen sollte / dass
sie damit gestochen währe / wollte sie verschwören / sich zeit ihres Lebens von
einigem Mannesbilde / wer der auch währe / weiter berühren zulassen / wollte auch
zum Zeugnis ihrer Unschuld / diesen ihren Diener / ungeachtet seiner Unschuld /
mit eigenen Händen erwürgen; welche Worte sie mit einem kläglichen weinen
endigte; Wodurch der Fürst dergestalt bewäget ward / dass er ihr Trost einsprach
/ mit Beteurung / es wäre nur scherzweise / uñ durchaus nicht auf sie geredet;
so hätte er auch gar keine Ungnade auff ihren höflichen Diener geworffen /
dessen adeliche Sitten ihm insonderheit wolgefielen / daher er ihm / etliche
Meile mitzureiten / zulassen wollte. Zwar es merkete Statira sein meuchlisches
Vorhaben handgreifflich / liess sich aber dessen nicht merken / sondern befahl
dem Kleon zuruffen / ward aber berichtet / er währe nicht anheimisch /sondern
gar früh auf die Jagt ausgeritten / mit vorgeben / nicht umzukehren / biss er
einen Hirsch / oder sonst ander gross Wild angetroffen hätte. Erst gedachte
Gobares / diss müste ein angelegtes Spiel sein /kunte doch seine Reise nit
auffschieben / sondern nach eingenommenem Mahle / setzete er sich mit allen
seinen Dienern zu Pferde / ohn dass er einen verschlagenen ädelknaben hinterliess
/ der sich krank stellen / und auf Statiren und Kleons Beginnen acht haben sollte
/ welches von ihm fleissig verrichtet ward; dann so bald Kleon mit seinem
grossen wilden Eber / den er auf einem Karren nachführen liess / zu Hause
anlangete / empfing die Frau ihn nach Gewohnheit sehr freundlich / und ging bald
darauff mit ihm in ein absonderliches Gemach / welches der Knabe ersehend /
heimlich nachschleich / und ihres Liebehandels zu gutem teile wahrnam / ging
unvermerket wieder davon / und setzete nach genommenem Abscheide seinem Fürsten
ungeseumet nach / welcher vor wenig Stunden seine HauptStad Susa erreichet
hatte; demselben taht er zuwissen / nicht allein was er ingeheim verspüret /
sondern auch öffentlich angesehen hätte / dass Kleon mit Nabarzanes zu Tische /
allernähest bei Fr. Statiren gesessen währe. Diese Zeitung wahr dem Fürsten als
ein Schwert im Herzen /wollte doch nicht / dass es unter die Leute sollte
ausgebreitet werden / weil ohn das diese seine Buhlerei sehr heimlich und
verborgenwahr / derhalben er den Knaben die folgende Nacht auf dem Lager mit
einem Stricke erwürgen liess / und sendete früh Morgens sechs gewapnete Knechte
nach Nabarzanes Schloss mit diesem Schreiben:
    Fürst Gobares wünschet Nabarzanes seinem lieben geträuen / Glük und Heil.
Nachdem ich neulich von euch weg geritten / und die löbliche Sitten eures
Dieners Kleons in bessere Obacht gezogen / ist mir eine sonderliche beliebung
ankommen / ihn vor meinen Leibdiener zuhaben / zweifele nicht / ihr werdet mir
hierin gerne wilfahren / wie imgleichen Kleon solches gute Glük nit ausschlagen
wird. Ich übersende bei Zeigern den bewussten Lehnbrief über das versprochene
Rittergut / welches ihr von nun an besitzen / und als euer Eigentuhm gebrauchen
sollet / ohn einiges Menschen Hinderung uñ Einrede. Gehabt euch wohl / und
grüsset unsere herzgeliebete Fr. Statiren.
    Diese Abgesanten hatten von ihrem Fürsten den ausdrüklichen Befehl / dass sie
Kleon auff dem Wege erschlagen / und sein Häupt mit überbringen / den Leib aber
den Hunden vorwerffen sollten; welche /solches zuverrichten / sich auff den Weg
begaben /kahmen auch des dritten Tages umb Mittageszeit auff Nabarzanes Schloss
an / da die Frau mit ihrem Kleon gleich auff einem Lustgange umher ging. Sie
muhtmassete alsbald / es würden des Fürsten Leute sein / deswegen verbarg sie
ihn auff einem Gemache /ging darauf nach ihrem Gemahl / und lase neben ihm des
Fürsten Schreiben; nam einen frischen Muht an sich / uñ gab zur Antwort: Dieses
währe ein schlechtes begehren von Ihrer Fürstl. Gn. dem leicht könnte und billich
müste untertähnig gewilfahret werden /und möchten die Abgesanten sich nur
gedulden / biss Kleon von der Jagt wieder zu Haus kähme; ihres Gn. Fürsten
Woltahten währen so gross / dass sie ihm nicht allein einen Diener / sondern alle
ihre Güter und Vermögen schuldig währe. Nabarzanes ward dieser Erklärung sehr
froh / und lobete sein Gemahl / dass sie wider des Fürsten Willen sich nicht
sperrete; Sie aber / weil sie ihren geliebten Buhlen so leicht zuübergeben nicht
willens wahr / machte sich hin zu ihm / er sollte bei Nachtzeit in stiller geheim
hinaus reiten /sein Pferd unfern des Schlosses erstechen / und seinen Huet und
Degen dabei ligen lassen / nachgehends zu fusse wieder auff das Schloss kehren /
und nur gutes muhts / auch der gewissen Zuversicht sein / dass sie Lebensgefahr
mit leichter Mühe von ihm abwenden wollte. Kleon verwunderte sich ihrer listigen
Erfindungen / und hielt sich fertig / ein solches ins Werk zurichten / dann er
merkete schon / dass ihr dieser Streich gerahten würde. Sie bezeigete sich gegen
den Abgesanten sehr freundlich / und fragete oft nach des Fürsten wolergehen /
da sie unter andern zuwissen begehrete / in was Diensten seine Fürstl. Gn. Kleon
gebrauchen wollte / bekam aber eine solche kalte Antwort / dass sie daher gnug
abnam / es würde ihm die lezte Urtel schon gesprochen sein. Als das Abendmahl
sollte gehalten werden / fragte sie nach Kleons Wiederkunft / und befahl / dass
er bei Tische auffwarten sollte / umb den lezten Abscheid von ihrem Herrn
Nabarzanes zuempfahen; weil ihr aber zur Antwort ward / er liesse sich nirgends
finden; fing sie an: Ich habe ihm schon vor diesem ernstlich gebohten /dass er
beizeiten von der Jagt umkehren / und seine obliegende Geschäffte verrichten
sollte / doch weil er nun einen mächtigen Herrn bekömt / werde ich ihm diesen
Ungehorsam müssen zugute halten. Nabarzanes verwunderte sich sehr / dass sie zu
seiner Erlassung so willig wahr / sagte gleichwol zu dem Abgesanten / weil
dieser sein Diener ihm bisher träulich auffgewartet hätte / möchte er den
Fürsten in seinem Nahmen untertähnig ersuchen / dass er gnädig gehalten würde.
Kleon verschlief die Zeit nicht / sondern umb Mitternacht ritte er heimlich
hinaus / verrichtete der Frauen Befehl / und stellete sich unvermerket an
bewusstem Orte wieder ein / da sie ihm etliche Stunden gesellschaft leistete.
Des Morgens wahr sie sehr frühe auff / nam wegen Kleons aussenbleibens sich
einer zornigen Ungeduld an / und befahl etlichen Dienern / hinauszureiten / umb
zu erforschen / wo er bliebe; welche dann bald wieder kahmen / und Kleons
Schwert samt seinem blutigen gnug zerhacketen Huet mit sich brachten / dabei
berichtend / es läge sein Pferd nicht weit vom Schloss im offenen Wege / und
währe mit unterschiedlichen Stichen und Hieben niedergeschlagen / auch der Zaum
hinweg / aber der Sattel añoch vorhanden. Des Fürsten Abgesanter mit seinen
Dienern stund dabei / hörete diese Zeitung / ritte hinaus / uñ fundens also /
daher niemand / auch Nabarzanes selbst nit zweifelte / er währe gefangen hinweg
geführet / welches er auch den Fürsten schriftlich wissen liess / und dessen
Leute zurück sendete. Fr. Statira wahr froh / dass ihr dieser Anschlag gerahten
wahr / stellete sich gegen ihre Gemahl sehr traurig / und gab vor: Ob sie gleich
sich gegen den Abgesanten vernehmen lassen / wie willig sie währe / dem Fürsten
diesen ihren Kleon zuübergeben / hätte es ihr doch sehr wehe getahn / einen
solchen geträuen und tapfferen Diener zuverlieren / desgleichen sie nimmer
wieder bekommen würde / und stünde sie fast in den Gedanken / ob währe er von
des Fürsten Leuten schelmischer weise erschlagen / die ihm etwa aufgewartet
hätten / nachdem sie vernommen / dass er auff der Jagt währe; wodurch sie dann
Nabarzanes in seiner Meinung dergestalt vergewisserte / dass er bei allen Göttern
geschworen hätte / es verhielte sich also; doch entschuldigte er des Fürsten
Leute / und dass er nicht gläuben könnte / dass sie dessen befehl von ihrem Fürsten
hätten. Also speisete sie nun ihren Kleon gar wohl auff einem geheimen Gemache /
und lebete mit ihm ihres willen. Niemand aber freuete sich mehr über seinen Tod
/ als sein leibeigener Orsillos / welcher sich bei der Frauen angab / und
begehrete / in vorige Freiheit wieder gesetzet zuwerden / nachdem die Götter
sein Elend angesehen und den greulichen Blutund Kleon hinweg genommen hätten;
worauf sie anfangs nicht sonderlich antwortete / sondern ihm die verzuckerte
Galle einstreich / er sollte sich ein wenig gedulden / seiner Bitte könnte nach
befindung ein genügen geschehen / und wollte sie es mit ihrem Gemahl in gnädigen
bedacht zihen. Hiedurch ward er sicher /ging müssig / ass uñ trank / und kehrete
sich so gar an keine Arbeit / ob hätte er die Dienstketten schon abgeleget. Aber
nachdem sie mit ihrem Kleon abrede genommen / und er über fünff Tage abermahl
zimlich ungestüm anhielt / auch viel Schimff- und Schmachreden wider Kleon
ausstiess / redete sie ihm dannoch gütlich zu / erkundigte sich bei allem Gesinde
wegen seines verhaltens / uñ taht es ihrem Gemahl zuwissen / ihn mit bewäglichen
Worten erinnernd / dass er einmal / um sein Ansehen bei dem Gesinde zuerhalten
/einen Ernst sehen lassen / uñ diesen Buben also straffen sollte / dass es den
andern allen zur Warnung dienen / und sie in gebührlichem Fleisse erhalten
könnte. Dieser liess sich darzu leicht bereden / und nach ihrer Anordnung ward
allem Gesinde des Abends angesagt / auff dem Schloss zubleiben / und vor ihrem
Herrn und Fraue zuerscheinen; Welches da es geschahe /musste Orsillos zuerst
vortreten / da ihm die Frau mit guter Freundligkeit die Freiheit gab / sein
gestriges und ehmahliges begehren ihrem Herrn und Gemahl selbst vorzutragen;
worauf er also anfing: Gn. Herr /ob ich zwar durch des Schandbuben Kleons
falsche Bezichtig- und Verleumdung bei unserm gnädigen Fürsten dergestalt
angegossen bin / dass dessen Durchl. mich ihm zum Leibeigenen / wiewol / wie ich
nicht anders davor halte / auf eine kurze Zeit übergeben hat / so bin ich
dannoch meiner Ankunft und Geburt nach / frei / und kann dartuhn / dass meine
Vorfahren ädel und rittermässig gewesen / wie ich dann selbst in meiner Jugend
Waffen geführet / und mich in Kriegen wider die Römer / drei Jahr lang zu Pferde
gebrauchen lassen / welches wann meinem Gn. Fürsten es kund getahn würde /
zweifele ich nicht / es würde von dessen Durchl. mir meine angebohrne Freiheit
bald wieder zugesprochen werden; insonderheit / weil derselbe / dem ich als
einem unwirdigen dienen müssen / durch des Himmel Rache gestraffet /und meine
Unschuld dadurch an den Tag geleget ist. Diesem nach gelebe ich der gänzlichen
Zuversicht / es werden Eure Gnaden mich mit diesen Ketten weiters nicht drücken
/ sondern mir meine Freiheit gönnen /dass ich nach meiner Heimat reise / und mein
Haus und Hoff nach wie vor besitze / bitte danebest umb ein ehrliches neues
Kleid und nöhtigen Reisepfennig. Die Frau gab ihrem Gemahl einen Wink / dass er
ihn sollte heissen einen Abtrit nehme / beredete sich weiters mit ihm / und
geboht dem anwesenden Gesinde /dass alles / was sie unbilliches von Orsillos
wüsten /sie ungescheuhet auf befehl anbringen sollten. Dieser ward bald wieder
vorgefodert / und bekam von Nabarzanes diese Antwort: Dass du der knechtischen
Ketten müde / und der Leibeigenschaft überdrüssig bist / traue ich dir wohl zu;
dass du aber umb die Freilassung anhältest / und zwar mehr foderungs- als
bittesweise / ja mehr trotzest als flehest / solches befremdet mich in etwas;
jedoch / weil du weist / dass niemand die verlohrne Freiheit erlangen kann / es
geschehe dann durch Gewalt / oder durch des Herrn sonderliche Gnade / oder durch
ein gnugsames Lösegeld /ich aber weder das erste noch dritte Mittel sehe / so
wird dir die Freiheit nicht anders als durch meine Gnade können zu teile werden.
Weil man nun solche grosse und sonderbahre Gnade niemand anders / als
hochverdieneten mitteilen muss / als werde ich gehalten fleissige Nachforschung
zutuhn / ob du eine solche durch deine redliche und geträue Dienste und Gehorsam
dir erworben habest / und da ich ein widriges erfahren sollte / müste ich mich
gegen dich also bezeige / dass weder ich dessen schande / noch du zu hohe
belohnung davon hättest; Tretet deswegen hervor /alle Knechte / Mägde und
Dienstbohten / und bei unausbleiblicher Todesstraffe zeigt an / ohn scheuh und
Ungunst / was von dieses Orsillos verhalten euch bewust ist. Der Haus Vogt
brachte seine Klage zum ersten an: Es hätte sieder Kleons ableiben sich dieser
Orsillos nit anders als ein Freigelassener bezeiget /seinen Befehl verachtet /
und seines Willens gelebet /unter dem vorgeben / weil der Teuffel seinen
schelmichten Herrn gehohlet / währe er frei und niemand verbunden. Die Stall-
und Wagen Knechte bezeugeten solches einhellig / und dass er alle Abend mit einem
Rausche währe zu Bette gangen; Die KüchenBuben klageten / er hätte ihnen kein
einiges stük Holtz spalten wollen; Die Schliesserin gab an / er hätte ihr diese
ganze Zeit über angelegen / gute Speise und Trank ihm zuschaffen / und hätte ihr
vor wenig Tagen Unzucht angemuhtet / unter dem versprechen / weil er nunmehr von
rechtswegen frei währe / und seine Haushaltung bald antreten würde / wollte er
sie ehlichen; Die Mägde klageten alle mit einander / wie unzüchtig er sich
bezeiget / und gab endlich des KühHirten Weib an / er währe ihr diesen Morgen
heimlich auf den StrohBalken nachgeschlichen / da sie dem Vieh dz Futter
herunter geworffen / da hätte er sie notzüchtigen wolle / würde auch zweifels
ohn nicht abgelassen haben / wann nicht die eine MelkeMagd darzu kommen währe /
und sie gerettet hätte; baht deswegen sehr / ihr gn. Herr möchte diesen alten
frechen und wollüstigen Buben abschaffen / damit sie und andere mehr vor ihn
möchten gesichert sein. Nabarzanes hiess den Beklageten darauff antworten;
welcher dañ anfangs sich stark aufs leugnen begab / und sich doch in seinen
Reden etliche mahl selbst verriet; Muste endlich eine Abtrit nehmen / und nach
seines Herrn und Frauen Beredung wieder vortreten / da ihm sein Herr diese Urtel
sprach: Nachdem unläugbar ist /dz Kleon der entleibete / mein Knecht und
Leibeigener gewesen / so folget daraus unwidersprechlich /dass alles / was
demselben zugestanden / mein Eigentuhm ist; Weil dañ der Durchleuchtige Fürst
von Susa selbst meinem Kleon dich Orsillos zum Leibeigenen geschenket hat / und
solches umb deines schweren verbrechens willen / wird niemand als ein
Wahnwitziger es leugnen / dass Orsillos zugleich / ja vornemlich auch mein
Leibeigener sei. Nun aber hält derselbe nicht allein gar trotzig bei mir umb die
Freilassung an / sondern hat sich überdas dergestalt ungehorsam /frech uñ
bübisch erzeiget / dass mein ganzes Gesinde /niemand ausgeschlossen / darüber
klagen muss / wodurch er dann verdienet hat / dass er nach meinem belieben
gekreuziget / oder den Fischen zur Speise vorgeworffen / oder sonst
abscheulicher weise am Leben gestraffet werde / damit andere seines Standes sich
an ihm spiegeln / uñ gleiche Bosheit zubegehen scheuh tragen; jedoch / weil mit
so unnützem Blute mir nicht gedienet ist / soll er vor dissmahl nacket ausgezogen
/an eine Säule gebunden / und von oben an biss unten aus gestrichen werden /
damit ihm der Kitzel zur Unzucht vergehe. Der arme Tropff fiel nider / und baht
umb Gnade / aber es halff nichts / dann vier starke ihm ohn das ungewogene
Knechte / entblösseten ihn /bunde ihn an / und richteten ihn mit scharffen
Ruhten so jämmerlich zu / dass ihm die Haut am ganzen Leibe zerhauen ward. Nach
vollendeter Geisselung ging Nabarzanes davon / und hielt eine kurze Rede an das
Gesinde / dass sie diese Straffe ihnen sollten zur Warnung dienen lassen; Sein
Gemahl aber / welche Kleons Schmach noch besser rächen wollte / trat dem
ohmächtigen Orsillos näher / liess ihn mit starken Krafftwassern an der Säule
erquicken / und als er hoffete abgelöset zuwerden / hiess sie Honig herzubringen
/ und ihn damit über den ganzen Leib bestreichen / da die Fliegen sich häuffig
auf ihn setzeten / und er so unsäglichen Jamer trieb / dass nur seine einige
Bitte der Tod wahr; aber sie gab ihm zur antwort: Mit deinem Tode ist weder mir
noch deinem abgeleibeten Herrn gedienet / sondern ich muss sehen / ob ich einige
Bescheidenheit in dich bringen möge / dass du hernähst etwas höflicher von deinem
Herrn reden lernest / welcher mir alle behägliche Dienste erwiesen hat. Befahl
darauf / ihn mit Salzwasser abzuspülen / welches ihm noch die unleidlichsten
Schmerzen verursachete / biss er abgelöset / gelabet / und mit köstlichen Salben
geschmieret ward / durffte auch nachgehends seiner Befreiung keine Erwähnung
mehr tuhn / sondern verrichtete seine Arbeit besser als vor nie / weil er in
eine neue Haut gekrochen wahr; überdas wusste er sich fleissig vorzusehen / und
seine Zunge im Zaum zuhalten / dass er seines gewesenen Herrn weder in bösem noch
gutem gedachte / von welchem jederman wähnete / er währe im Pusche vollends
erschlagen / weil man daselbst ein menschliches Gerippe funden hatte /da dann
Fr. Statira bemühet gnug wahr / solche Zeitung zubehaupten / damit so wohl Fürst
Gobares als ihr Nabarzanes selbst auffhören möchten / ihn weiter zuverfolgen.
Unterdessen wehrete dem guten Kleon die Zeit in diesem unangenehmen Gefängnis
sehr lange / dann er wahr des frechen Weibes von herzen überdrüssig / durffte
sich dessen doch nicht merken lassen / und fand auch keine Gelegenheit / davon
zukommen / zürnete deswegen auff sich selbst / dz er die Nacht / da er sein
Pferd erstach / nicht davon geritten wahr; O wie oft klagete er seine
Träulosigkeit an / die er seiner lieben Ursulen zubeweisen gezwunge ward / deren
Monaten schon vor acht Wochen zum Ende gelauffen wahren / welches sie doch vor
jedermänniglich so meisterlich zuverbergen wusste / dass man davon nichts
argwohnete / biss das Wehe sie anstiess / und sie zu Fr. Sophien / die damals bei
ihr wahr / also sagete: Herzgeliebete Frau Schwester /meine Bürde / die ich eine
zeitlang von eurem Bruder bei mir getragen / will sich länger nicht bergen lassen
/ dann ich empfinde die Geburtswehe sich herzu nahen / wollet es deswegen euren
und meinen lieben Eltern zuwissen machen / dass mir eine vernünftige Wehmutter
zugeordnet werde. Frau Sophia erschrak dessen / und verwies ihr mit harten
Worten / dass sie biss auff die lezte Stunde solches verborgen hielte /hätte sich
möge mit samt der Frucht in den Tod stürzen / dafern in aller Menschen
abwesenheit / ihre Zeit herzu genahet währe; Sie hätte gerne mehr geredet /aber
die Noht trieb sie fortzueilen / kam doch mit der Wehmutter und anderer
weiblichen Gesellschaft bald wieder / und halff Gott / dass inwendig zwo Stunden
sie eines jungen Fabius genass / worüber die Eltern und sämtliche Anverwanten
höchst erfreuet wurden /weil der ganze Stam durch dieses erste Zweiglein
erhalten ward.
    Wir wollen aber diese ihr junges Söhnlein zu Padua baden und säugen lassen /
und unsern beiden Helden / Herkules uñ Ladisla auf der Reise nach Charas
nachfrage / die sich in begleitung Herren Pharnabazus und Mazeus von Ekbatana
auffgemacht hatten /von denen sie biss an die Partische Grenzen wohl
vergeselschaftet wurde / woselbst sie sich scheideten /weil Pharnabazus / wie
oben erwähnet / nach dem Persischen GrossFürsten Artaxerxes / Mazeus aber mit den
zugegebenen Reutern wieder zurück nach Meden /und die unsern sieben Mann stark /
des nähesten Weges nach Charas fort reiseten / hatten auch zimliche sicherheit /
biss auff eine tage Reise von der Stad /da ihnen 15 gewapnete Reuter im freien
Felde ausstissen / welche in ihrer Rechnung nicht fehleten / es müste gute Beute
auff ihre zween grosse Rustwagen geladen sein; wurden deswegen eins / sich
derselben zubemächtigen / und sendeten zween ihres mittels an die unsern / mit
dem Befehl dass sie stille halten / und ohn aussdrükliche Erläubnis nicht
fortrücken sollten. Nun hatte Herkules einen guten Freibrieff von dem GrossFürsten
aus Meden bei sich / dessen er sich so nahe bei der Stad lieber als des Schwerts
gebrauchen wollte / deswegen er den Abgeschikten zur Antwort gab / sie ritten als
freie Leute in des GrossFürsten Phraortes Diensten / bei Königlicher Hocheit
etwas vorzutragen / wollten demnach hoffen / dass man ihnen daran nicht würde
hinderlich sein / massen sie dessen guten Schein von Hochgedachtem Fürsten
auffzulegen hätten. Ihr Führer solches vernehmend / wollte sich daran nicht
kehren / und liess ihnen zum andern mahle andeuten / es würden der falschen
Freibrieffe heut zu Tage so viel geschrieben / dass man gar keine mehr zu trauen
hätte / weil selbe fast alle miteinander von den HofSchreibern erkauft / nicht
von den Fürsten erteilet würden; doch wie dem allen / so währe niemand unter
ihnen / der sich auff Brieffelesen gross verstünde / müsten demnach nicht ihre
Briefe / sondern ihre Waffen /und was sie auff den Wagen führeten / von sich
geben / und von ihrer Gnade das Leben erbitten. Herkules antwortete mit wenigen:
Er wollte hoffen es währe ihm und den seinen die Landstrasse zu reisen so frei
als einem andern / da aber ein Fürst oder sonst ein grosser Herr verhanden währe
/ wollten sie demselben alle mögliche / und einem Ritter nicht schimpfbringende
Ehre antuhn / einem andern aber gestünde sie durchaus kein heissen noch
verbieten. Diese verdross solche Verwägenheit / dass eine so kleine Schaar sich
noch sträuben und unnütze Worte von sich geben sollte /setzeten mit vollem Lauff
und entblösseten Degen auff sie an / und funden über verhoffen mehr als sie
sucheten; dann Herkules und Ladisla / neben Leches /Tyriotes und Gallus
gebraucheten sich aller ihrer stärke / und tahten ihre beiden Dolmetscher
Plautus und Mardus auch so viel in ihrem Vermögen wahr / dass in kurzer Zeit der
gröste Teil dieser Räuber erschlagen /uñ die übrigen gefangen wurden / welche
auff bedrauliche Frage bekenneten / sie kähmen von Charas / der Ritter mit
welchem Herkules den absonderlichen Streit gehalten / und ihm dz Häupt
zerspillet / währe des grossen Königes Artabanus unehlicher Sohn /Fürst
Sanatruzes / auff dessen Tapfferkeit der Vater viel gehalten / und ihn zum
FeldObristen über 20000 Partische Reuter ernennet hätte. Dieser Zeitung
entsetzeten sie sich über alle masse / so dass sie ganz erbleicheten / fasseten
doch eine kurze Erklärung / hieben die Gefangenen nider / und wendeten sich in
grosser Eil auff eine andere Strasse / damit sie des Verdachts dieser Taht
möchten befreit bleiben. Herkules hatte zeit wehrendem Gefechte des Tyriotes
Mannheit verspüret / weil er in wenig Streichen zween feste Ritter erlegete /
sagte deswegen nach geendigtem Streit zu ihm: Tyriotes du hast in einer guten
Schuele gelernet / und mangelt dir weder an Vorsichtigkeit noch Herzen; so biss
nun geträu / from und verschwiegen /und versichere dich / dass wann dir geliebt
dereins mit uns in unsere Heimat zu reisen / du daselbst Zeit deines Lebens mit
adelichen Gütern solt versorget sein / oder gefält dir diese OstenWelt besser /
soll dirs in Meden oder Persen eben so wenig fehlen / dessen ich dir meine
Redligkeit zum Pfande setze. Dieser ward des Erbietens sehr froh / bedankete
sich untertähnig / mit dem versprechen / sein Leib und Blut vor seine gnädigste
Herren willig auffzuopffern / leistete auch einen hohen äid / ihren Stand und
Heimligkeit niemand zu offenbahren; hingegen vermacheten sie ihm 150 Kronen
Monatliche Bestallung / dañ er wahr zu Charas wohl bekant / dass ihnen seine
Dienste sehr erspriesslich wahren. Des andern tages nach gehaltenem Kampfe /
näherten sie der Stad auff eine Viertelmeile / stiegen ab von ihren Pferden /
und tahten zu Gott eine herzliche Danksagung mit vielen andachts- / dass er sie
bissdaher geleitet / und aus mannicher Gefahr erlöset hatte / bahten ihren
Heiland ferner / er wollte ihnen fortin allemahl Schuz halten /und zu ihrem
Vorhaben Glük und Seegen geben / auff dass sie mit dem lieben Fräulein wiederumb
bei den ihren anlangen möchten; wovor sie Zeit ihres Lebens Gottes Lob und Preis
erhöhen und aussbreiten wollten. Nach geendigtem Gebeht setzeten sie sich wieder
zu Pferde / legeten die Harnische auff den Wagen / und ritten in gemeiner
Reuterkleidung in die Stad / kehreten aber nicht miteinander in eine Herberge
ein / sondern Herkules / Ladisla und Tyriotes blieben beisammen / die übrigen
nahmen fast gegen über ihr Ablager / nicht gar weit von Fräulein Valisken
Schloss / und wahren des ersten tages stille. Des folgenden ging Herkules mit
Tyriotes hin / dieses Schloss eigentlich zubesehen / welches zwar gegen das
GrossKönigliche zu rechnen / klein / aber über die masse zierlich gebauet wahr /
auch mit tieffen Wassergraben und hohen Mauren und Zwängern umbfangen; das Gebäu
an sich wahr von glänzendem weissen Marmel / mit hangenden Gemächern ausswendig
Blumwerksweise vergüldet; die Fenster von dem lautersten kristallen Glase; das
Dach glänzete von Golde / dass wann die Sonne darauff schien / es den
Anschauenden die Augen blendete. Der Graben hielt ein sehr klares Wasser in sich
/ welches mit Röhren hinein geleitet wahr / und wurden die herrlichsten Fische
drinnen gehäget / dann der Fräulein höchste Lust wahr in dieser ihrer Einsamkeit
/ dass sie zuzeiten mit einer Angelrute oben von der Maur hernider dieselben fing
/ und nach sich in die Höhe zog / und weil man diesen Graben ausswendig gar
umbgehen kunte / besah Herkules das Schloss rings umbher / da er eines
Obergemaches Westwerts gewahr wurde / an welchem ausswendig nähest bei dem
Fenster zu beiden Seiten / seiner liebsten Fräulein Zeichen mit schwarzer Farbe
in zimlicher grösse gemahlet stund / dessen er höchlich erfreuet ward / unter
der Hoffnung / er würde sie dieser ends bald zu sehen bekommen / weil er
ungezweiffelt davor hielt / dieses müste der Fräulein eigenes Zimmer sein / wie
es dann auch wahr; ging deswegen alsbald wieder nach der Herberge / und
erzählete seinem Ladisla was er angetroffen hatte; Sie gingen desselben tages
sechsmahl miteinander dahin /aber vergebens / dann es befand sich das Fräulein
den ganzen Tag über in grosser Traurigkeit und schweren Gedanken / und solches
aus furcht / dass ihr Herkules auff der gefährlichen Reise in Unglück gerahten und
wohl gar umb sein Leben kommen möchte; Uber dz hatte sie in erfahrung gebracht /
es stünde wegen eines vermuhtlichen iñerlichen Krieges sehr gefährlich im ganzen
PartischenReiche / daraus sie muhtmassete /dass die Unsicherheit zu reisen ihn
gar wieder zurück zihen dürfte / in welche Gedanken sie sich so sehr vertieffete
/ dass sie vergass an ihr Fenster zu gehen /und ihres Timokles wahrzunehmen / wie
sonsten ihr täglicher brauch wahr. Des andern Morgens gingen sie zimlich frühe
wieder hin / und nachdem sie etwa eine halbe Stunde sich daselbst auffgehalten
hatten /erblickete Herkules das Fräulein ohngefehr am Fenster / da er vor
freuden seinem Ladisla an der Seite niedersank / nicht anders als ob die Seele
aus ihm gefahren währe / auch Ladisla nicht anders meinte / er währe etwa vom
Schlage getroffen uñ plözliches todes verblichen / dessen er so heftig erschrak
/ dass ihm schier ein gleiches begegnet währe / doch hielt er sich feste / und
schüttelte seinen Freund so lange / biss er ihn endlich wieder zu rechte brachte
/ weil Timokles / der seiner Gewohnheit nach sich daselbst von seinem
gebietenden Fräulein sehen liess / seines Unfals inne ward / aus mitleiden hinzu
trat / und aus dem nähesten Brunnen Wasser zutrug / damit sie ihn wieder
erquicketen. Frl. Valiska sah dieses an / und kennete doch ihre liebsten
Freunde nicht / weil sie beide ihre Angesichter verstellet hatten. Ladisla hatte
ihrer noch nicht wahr genommen / biss Herkules / da er sich erhohlete / sie ihm
mit beiden Händen zeigete / und in teutscher Sprache zu ihm sagete: Bruder /
sihestu deine Frl. Schwester nicht / deren Geister die meinen zu sich hinauff
gezogen haben? Hiemit sahen sie beide das Fräulein starre an / und kunte
Herkules nicht unterlassen / ihr eine höfliche Ehrerbietung nach teutscher Art
zuerzeigen / dessen sie mit höchster verwunderung wahrnam / und vorgewiss hielt /
ihr allerliebeste Nachsucher würden in der nähe sein / und diese ihre beiden
Diener voraus geschikt haben; durfte aber / Argwohns halbe sich nichts merken
lassen /weil ihr Frauenzimer mehrenteils bei ihr wahr /schlug das Fenster zu /
voller Gedanken / und geriet bald auff die furcht / obs ein Verführer währe /
und von dem Könige darzu bestellet. O du günstiger Himmels Gott / der du von
meinem Herkules so hoch geehret wirst / sagte sie mit stillem Munde / aber
schreienden Herzen und quellenden Trähnen / ist dann die Zeit meiner Erlösung
nicht schier vorhanden? oder wiltu zugeben / dass der Aussbund des menschlichen
Geschlechts / mein fromer Herkules mit mir zugleich untergehen und verderben soll
/ welchen jederman vor ein volkommenes Meisterstük des Himmels halten und ehren
muss? Timokles hatte zwar Herkules Reden an Ladisla nicht gehöret / und ob er sie
gleich gehöret hätte / würde er sie doch nicht verstanden haben; aus ihrer
beider geberden aber urteilete er / sie müsten ohnzweifel der Fräulein
Kundschaft habe / folgete ihnen deswegen nach biss in ihre Herberge / und
stellete sich gar ehrerbietig gegen sie / daher Herkules ihn also anredete: Mein
Freund / ihr seid heut in erquickung meiner sehr bemühet gewesen / ungeachtet
ich euch allerdinge fremde bin; möchte deswegen gerne euer etwas bessere
Kundschaft haben / ob ich daher Gelegenheit finden könnte / euch eure mir
geleistete Dienste zuvergelten. Dieser antwortete: Seine Dienste währen schlecht
und geringe gewesen / und keiner Vergeltung wirdig; seinen Zustand betreffend /
währe er hieselbst fremde / würde sich aber eine zeitlang alhier auffhalten /
weil er nach seines Herrn befehl /dem er dienete / auff dessen gute Freunde
wartete /deren er aus weit abgelegenen West-Nordischen Ländern gewisslich
vermuhtete / und währe alles sein tuhn / dass er täglich die vornehmsten
Herbergen besuchete / umb Nachfrage zuhalten / ob nicht einer oder ander möchte
ankommen sein / denen dieses Zeichen (welches er ihnen vormahlete) bekant währe.
Herkules erfreuete sich dieses vorbringens überaus höchlich / und gab ihm zur
Antwort: Mein Freund / es hat ein sonderliches Glük euch zu uns geführet / dann
niemand als wir / kann eures Herrn Freunde euch zuerkennen geben / von denen wir
abgefertiget sind / eurem Herrn und dessen wolergehen nachzufragen. Umb meinen
Herrn / sagte Timokles /stehets noch wohl / so viel Ehr / Leben uñ Gesundheit
betrift / dem von Tyrus biss hieher ich stets auffgewartet habe; aber kann ihnen
nicht belieben / mir ihrer Herren nahmen zu nennen? dann ehe solches geschihet /
werde ich stets im zweifel bleiben. Mein Herr /sagte Herkules / heisset
Ladisla. Er neigete sich vor diesem nahmen und gab zur Antwort: Derselbe grosse
Herr ist meines Herrn leiblicher uñ einiger Bruder. Ihr wisset genug / mein
Freund / sagte Herkules / und wollen euch unsere Herren bald sehen lassen;
befahl darauff / Tyriotes sollte ihm ein wenig Gesellschaft leisten / biss man ihn
ruffen würde. Sie aber gingen auff ihr Gemach / rieben die angestrichene Farbe
ab /legeten köstliche Kleider an / und ward Tyriotes von Leches gefodert / mit
dem fremden herauff zukommen / welcher da er zur Tühr hinein trat / sagte
Tyriotes zu ihm; da sehet ihr eures Herrn Freunde / woran ihr nicht zuzweifeln
habet. Timokles entsetzete sich vor ihrem Fürstlichen Ansehen / dz er erstarrete
/ fiel nachgehends vor Herkules nider / und sagete: Durchleuchtigster GrossFürst
/ gnädigster Herr / mit was unaussprechlicher Freude und Vergnügung werde Euer
Gn. ergebenes Fräulein ich unwirdiger noch heut erfüllen / da ihrer Gn. und des
Grossmächtigsten Königes Herrn Ladisla glückliche Ankunft deroselben ich andeuten
werde; O mit was sehnlichem Verlangen ist Ihrer Gnn. Ankunft täglich erwartet
worden / welche mich meiner Gn. Fräulein schierkünftigen Erlösung fast
versichern darff. Herkules hiess ihn auffstehen /und fragete / woher er ihrer
Kundschaft hätte; Und bekam zur Antwort: Es hätte Herr Pharnabazus auff der
Frl. geheiss ihm solches alles offenbahret / auch mit ihm verabscheidet / dafern
er ihre Gnn. antreffen würde / wollte er seine Herberge ihnen kund tuhn. Nun wahr
dieses zwar also ergangen / aber Pharnabazus hatte es allerdinge vergessen / und
erinnerte sich dessen erst / da er schon zu Persepolis angelanget war /worüber
er sich sehr hermete / aus furcht / es würden unsere Helden diesen träuen Diener
nicht antreffen. Nicht weniger befremdete es auch die beiden Fürsten / dass er
solches so gar nicht geahnet hatte / wollten sich dessen aber nicht merken lassen
/ sondern es rühmete Herkules diesen Diener wegen seiner dem Fräulein erzeigeten
Träue / vermahnete ihn zur Beständigkeit / und verhiess ihm höhere Belohnung /
als er selbst wünschen möchte; wovor er sich untertähnigst bedankete / und alles
vermögen ihnen äidlich versprach / erzählete hernach kürzlich / wie es dem
Fräulein bissdaher ergangen währe / und taht endlich hinzu / er hielte es vor ein
sonderliches Glük-zeichen / dass GFürst Herkules in einem Schneeweissen / König
Ladisla in einem rohten Kleide sich eingestellet hätten /nachdem mahl sein gn.
Frl. mit ihm verabscheidet /ihrer Gnn. anwesenheit ihr mit solchen Farben
anzudeuten. Herkules fragete / ob ihm dann nicht zugelassen würde / zu dem
Fräulein zugehen / und mündlich mit ihr zureden; Und als er vernam / dass noch
diese Stunde kein Mannesbilde ohn sonderliche Erläubniss des Königes zu ihr
gelassen würde / sondern der ihm solches unternehmen wollte / ohn zweifel eines
schändlichen Todes sterben müste / wie Herr Mazeus ihm schon angedeutet hatte /
merkete er daher wohl /dass es ihm schwer fallen würde / sein Vorhaben ins Werk
zurichten; doch weil er in allen dingen seinem Gott und Heilande vertrauete /
also zweifelte er nicht / derselbe würde ihm schon den Zutrit öfnen. Timokles
hielt demühtig an / ihn dissmahl nicht länger aufzuhalten / damit er seinem gn.
Frl. ihre Ankunft verständigen / und ihr den grossen Kumer benehmen möchte /
welcher sie wegen ihres langen aussenbleibens fast verzehret hätte. Es wahr
gleich der Frl. GeburtsTag / nehmlich der 31ste des JennerMonats / mit welchem
sie in das 17de Jahr trat / welchen Tag nicht allein sie mit ihrem Frauenzimmer
/ sondern der König selber mit seinen Höflingen zubegehen willens wahr. Nun
befand sich das verliebete Fräulein /wegen des empfangenen Ehrengrusses / mit
ungewöhnlichen Freuden beladen / dass ihr Frauenzimmer /in betrachtung ihrer
bisher erzeigeten Schwermuht /eine sonderliche beliebung darob hatte. König
Artabanus sendete ihr ein treffliches schneeweisses Kleid /dessen Werd sich auff
zwo Tonnen Goldes erstreckete / dabei wahr eine Königliche Krone / und eine
Halskette von überaus grossen Kosten. Wie sie sich nun auff ihrem Gemache
ausputzen liess / fand Timokles sich an seinem gewöhnlichen Orte / nam gemachter
Abrede nach / ein helles Pfeifchen / und gab ihr seine gegenwart zuverstehen /
dessen sie sich nicht wenig verwunderte / gedachte auch alsbald / er würde ihr
ein sonderbahres Zeichen sehen lassen / weil er so bald zum andern mahle wieder
kam; machete sich demnach hin zu ihrem Fenster / vorgebend / weil ihr eine
geringe Mattigkeit zustiesse / würde sie gezwungen / frische Lufft zuschöpffen;
schlug das Fenster auf / und sah ihn in der Rechten ein weisses / und in der
Linken ein rohtes Tüchlein halten / und sie beide frölich umb den Kopf
schwingen; worüber sie vor grosser herzlicher Freude niderfiel / und mit
innerlicher Stimme sagete: O hilf nun du wahrer Gott / nun hilff! damit lief ihr
alles Geblüt zum Herzen / dass sie unbewäglich liegen blieb. Das gesamte
anwesende Frauenzimmer erschraken dessen heftig / wahren mit kräfftigen Sachen
bald zugegen / und macheten ihr den Busem auff / da sie über ihrer trefflichen
Schönheit sich nit gnug verwundern kunten / dann sie hatte bisher ihren Leib so
wenig von diesem ihren Frauenzimer beschauen lassen / als währens lauter
Mannesbilder gewesen; durch welche Keuscheit sie ihr hohes Ansehen bei ihnen
erhielt / wiewol sie es ihr vor einen stolz auslegeten. Es wehrete fast bei
einer Viertelstunde / ehe sie ihrer Sinnen wieder mächtig ward /kahm algemählich
zu sich selbst / schlug ihre halblächelnde Augen auf / und sagete zu den
anwesenden: Ach ihr meine Freundinnen / warumb lasset ihr mich nicht in meiner
Jungfräulichen Keuscheit eines so sanften Todes dahin sterben? Mit dem ward sie
ihres zur helfte entblösseten Busems gewahr / welches sie heftig verdross / ihn
alsbald wieder bedeckete / und mit ernstlicher Rede sagete: So nach diesem mich
jemand dergestalt entblössen wird / die soll meinem Zorn und schwerer Straffhand
nicht entgehen / dann alles wz an mir ist / wird nur einem Fürsten verwahret /
sonsten hat kein Mensch der ganzen Welt teil an mir. Das Frauenzimmer baht
demühtigst umb Verzeihung; es währe zu ihrem besten geschehen / ihre Geister
wieder hervor zuruffen / hätten nicht gewust / dass ihre Gn. bei Frauenzimmer
sich so schamhaftig halten wollte / möchte demnach ihnen solches Gn. verzeihen /
es sollte fortin nimmermehr geschehen. Also gab das Fräulein sich zufrieden /
trat wieder vor das Fenster / und sah Timokles stehen / und abermahl die Tücher
frölich schütteln / daher steckete sie das Häupt gar zum Fenster hinaus / liess
ihm ihr añoch todtenbleiches Angesicht sehen / und winkete ihm mit lachendem
Munde hinweg zugehen / und die lieben Freunde herbei zuhohlen. Ihr Schmuk ward
ihr völlig angelegt / uñ befahl sie hernach dem ganzen Frauenzimmer / einen
Abtrit zunehmen / biss ihnen wieder geruffen würde; Als sie nun allein wahr /
schlug sie ihre Hände mit diesem herzinbrünstigen Gebeht zusammen: O du
mächtiger / mir annoch unbekanter Christen-Gott; dir sage ich von grund meiner
Seele Dank /dass du meine Ehr und Leben bisher in deinem geträuen Schutz erhalten
/ und meinen herzgeliebeten Bräutigam nebest meinen Bruder frisch und gesund
herzu geführet hast / dann dir / ja dir allein / schreibe ich alle unsere
Wolfahrt zu; O nim dich unser ingesamt ferner gnädig an / gib Glük zu unserm
vorhaben / und verleihe dass wir ungetrennet unser liebes Vaterland wieder sehen
/ mit den unsern frölich leben und dir nach deinem Willen / den ich schier hoffe
zuerkennen / gehorsam dienen mögen.
    Nach geendigtem Gebeht war sie wohl mit tausenderlei Gedanken umgeben / ob
sie auch ihres lieben Herkules Gegenwart würde ertragen können; ja ob auch
derselbe in ihrem anschauen geherzter als das erste mahl zu Prage / sich
erzeigen würde. O du geträuer ungefärbeter Liebhaber / sagte sie / wie manniche
Ungelegenheit muss dir zugestossen sein / ehe du diesen Ort erreichet hast; aber
gib dich zufrieden / ich will entweder frölich sterben / oder mit dir von hinnen
zihen; bleibe du nur beständig / und versichere dich /dass allein du / oder der
bittere Tod meines Leibes Herr und Meister sein / und dessen geniessen soll. Sie
hatte etwa eine Stunde in diesen Liebes-gedanken zugebracht / da sah sie ihren
Bruder Ladisla daher treten / und einen zu seiner Rechten / den sie anfangs
nicht kennete / dann es wahr Herkules / der sein Haar braun gefärbet / das
Angesicht aber nur ein wenig verstellet hatte / dass wie er näher kam / sie
etlicher massen merkete / er müste es sein / und würde ein falsches Haar
auffgesetzet haben / rief ihrem Frauenzimmer / und begehrete von ihnen mit
freundlichen Worten / dass sie mit ihr auff den obersten Gang / der umb das Dach
auswendig gezogen wahr / gehen / und sich umsehen sollten; worzu sie alle willig
wahren /insonderheit / als sie vernahmen / dass ihr Unwille sich geleget hatte.
Als sie nun da droben in ihrem Königliche Pracht sich eigentlich beschauen liess
/ sagte Ladisla zu Herkules: Sihe da / geliebter Bruder / wie hoch der grobe
König meine Frl. Schwester ehret /indem er sie nicht anders als eine herschende
Landes-Königin ausgeschmücket hat. Dieses machet auch /antwortete er / dass ich
mein Schwert lieber vor / als wider ihn gebrauchen möchte / dafern er mir nur
diesen teure Schatz ungewägert ausfolgen lassen wollte; Doch muss gleichwol noch
eine Liebe zur Tugend in seinem Herzen übrig sein / weil er nicht nach
gewohnheit der Unbändigen / äusserlichen Gewalt brauchet / sondern ihr
ertichtetes Gelübde ihm hat gefallen lassen / und hoffe demnach / mein HErr
Jesus werde uns beiständig sein / und helffen / dz ihre Ehre vor ihm und allen
andern gesichert bleibe. Unter diesem Gespräch liess Herkules kein Auge von
seinem Fräulein / sondern betrachtete sie inniglich / und befand /dass innerhalb
zwei Jahr und 37 Wochen (so lange hatte er sie nicht gesehen) sie viel gewachsen
/ und über ihr Alter anzusehen wahr. Das Fräulein empfing seine Liebesblicke mit
gleicher Andacht / kehrete ihm dz Angesicht zu / und sprachete mit stets
lachendem Munde mit ihrem Frauenzimmer. In ihrer Hand trug sie einen vergüldeten
Pfeil / auf welchen sie mit schwarzen Buchstaben in Teutscher Sprache
geschrieben hatte: Ihr lieben Herzen / sendet mir den hohlen Pfeil. Als sie nun
vom Gange ging / nachdem sie über eine halbe Stunde sich alda hatte sehen lassen
/ nam sie den Bogen zur Hand / und schoss diesen Pfeil als zur kurzweil in die
Höhe / dass er vor Herkules niderfiel / welcher ihn ehrerbietig aufhub / und nach
der Fräulein Abscheid sich mit Ladisla und Timokles nach ihrer Herberge machte /
woselbst sie die Schrifft des Pfeils lasen / und von Timokles zuwissen
begehreten / was vor einen hohlen Pfeil das Fräulein fodern möchte; Er aber gab
ihnen zuverstehen / was massen ihre Abrede währe / da etwz sonderliches vorginge
/sollte er in einem hohlen Pfeile ihr ein eingestektes Brieflein auff den
Gangschiessen; welches listigen fundes sich Herkules verwunderte / liess
geschwinde einen solchen zurichten / setzete sich nider / und schrieb folgenden
Brief:
    Der einige wahre Gott Himmels und Erden / hat durch manniche Gefahr mich
gesund hergeleitet / und mir heut meiner Seelen-geliebten Fräulein
höchstgewünschtes Angesicht gezeiget; Mein Ladisla hat mich nicht wollen lassen
allein nachsuchen / sondern ist mir gefolget biss nach Ekbatana / da wir
ohngefehr zusammen gestossen / und Euer Liebe Zustand erfahren haben; weil mir
dann an meiner Fräulein Beständigkeit und Träue zu zweifeln nicht gebühren will /
als welche mehr auff Tugend / als üppigen Stoltz hält / wird weder WasserGrabe /
noch steinerne Mauer / noch Hüters Wachsamkeit / ja Königes Artabanus Macht
selber nicht / mir verhinderlich sein / dasselbe zuerlangen / was nähst Gott
mein höchster Schatz und Wunsch ist. Lebet wohl / meines Lebens Seele / und seid
gegrüsset von eurem / biss in den Tod ganz ergebenen Knechte / Herkules / jezt
Valikules genant.
    Dieses Schreiben wickelte er artig zusammen / als ein dünnes Pfeifchen /
vermachete es in den hohlen Pfeil / uñ ging des folgenden Morgens sehr früh mit
Timokles hin / der ihm den Bogen nachtrug / mit welchem er den Pfeil auff den
Gang schoss / und alsbald wieder seines Weges ging. Bei der prächtigen Mahlzeit
sass das Fräulein ganz verwirret bei ihrem Frauenzimmer / dass sie wünschete / es
währen diese Freunde auff einen andern Tag ankommen. Tausenderlei Gedanken
lieffen in ihrem Kopffe umb / dass einer dem andern nicht weichen kunte; bald
betrachtete sie die wunder-träue Liebe ihres Bräutigams gegen sie; bald die
Gefahr / welche er schon glücklich überstanden; bald / welche ihm noch bevor
stünde; wie es doch würde können möglich sein / dass er sie aus diesem
wolverwahreten Schloss brächte; und wann solches gleich geschähe / wie er mit
ihr der grossen Macht des Königes entgehen / und sicher durchhauen würde. Doch
wahr vor dissmahl ihr höchstes anliegen / dass sie nicht ersinnen kunte / wie sie
seiner lieben Gegenwart geniessen / und den sie ungleich mehr als sich selbst
liebete / auff ein vertrauliches Gespräch etwa ein Stündichen bei ihr haben
möchte; endlich gelebete sie der Zuversicht / Gott würde es in die Wege schicken
/ wie es ihnen am erspriesslichsten währe / straffete wegen ihrer
Schwermühtigkeit sich selber / und nam eine besondere Fröligkeit an sich /dass
sie endlich ihre Laute foderte / und welches sie an diesem Orte noch nie in
einiges Mensche gegenwart getahn / folgende Teutsche Reimen darein sang:
                                       1
Schönster LeitStern meiner Seelen /
Hastu dich herbei gemacht?
Bistu / meines Herzen quälen
Schier zu endigen bedacht?
O du Tugendhafter Sin /
Sei beständig wie ich bin.
                                       2
Liebster Seelen-Schatz / wie lange
Hab ich nach dir ausgesehn!
Meinem Herzen wahr sehr bange /
Dass du möchtest untergehn /
Und die mancherlei Gefahr
Dich erdrücken ganz und gar.
                                       3
O mein Freund / wie manches Leiden
Hat dich sider dem geübt /
Dass du mich hast müssen meiden /
Die du vor so sehr geliebt;
O wie seufztestu mir nach /
Als mein Brehlchen zu dir sprach:
                                       4
Herkuliskus läst sich führen
Nach dem wilden Parter hin /
Da sie wird ohnzweifel spüren
Manches frechen Menschen Sin /
Und wohl der Artaban / scharff
Sie umb Lieb' ansprängen darff.
                                       5
Da wird deiner Seele grauen
Recht hervor gebrochen sein /
Dass du dich hast müssen zauen /
Und zu mindern solche Pein /
Deinen Weg befodert hast
Tag und Nacht ohn Ruh und Rast.
                                       6
Nun mein Herz / du bist ankommen /
Und ich bin noch unbeflekt /
Darumb bleibt dir unbenommen /
Was der Seele süsse schmekt /
Ich bin dein / und bleib es wohl /
Wo ich sonst noch leben soll.
                                       7
O wie werd ich mich ergetzen /
Wann uns Gott die Freiheit schikt;
Dann will ich bei seite setzen /
Was mich noch so heftig drükt;
Dann will ich dir Leib und Sin
Schenken / weil ich deine bin.
Nach dieses Liedes endigung / sagte Fr. Sysigambis ihre Hofmeisterin zu ihr: Ach
mein Gnädigstes Fräulein / es muss der grosse König Artabanus bei den Göttern in
sonderlicher Hulde stehen / weil dieselben seiner Hocheit / ohn einige Heuchelei
zureden / das allervollkommenste Fräulein der Welt / durch so wunderlichen
Glückesfall zugeführet haben; und möchte ich meines teils nur wünschen / dass
Ihre Hocheit dieses ihr wunder-süsses Lautenspiel / und die himlische Stimme
hätte anhören mögen. Das Fräulein hatte dieser Fraue gute Zuneigung zeit
wehrender ihrer Schwacheit wohl gespüret / und ob ihr diese Rede gleich sehr
zuwider wahr / wollte sie ihr doch keine ursach zum Widerwillen geben / wie sie
ohndas ihr alles zugute hielt / damit sie ein vollkomenes Vertrauen bei ihr
erhalten möchte / und auff den Nohtfall desto leichter könnte hintergangen
werden; vor dissmahl aber gab sie ihr die Antwort: Geliebte Freundin; Gottes
Versehung bestehet in seinen heimlichen Rahtschlägen / die keines Menschen Witz
erfahren kann; Zu wessen ehelicher Vertrauung mich der Himmel nun verordnet hat /
dem muss ich ohn zweifel zu teile werden / sollte er mich gleich / oder ich ihn /
in den äussersten Grenzen der Erden suchen; was ihr aber von meiner Volkomenheit
redet / höre ich zwar an / und weiss mich doch zugleich meiner Gebreche sehr wohl
zueriñern; jedoch mein Wille ist auf Tugend gerichtet / uñ wz menschlicher
schwacheit und meinem Unvermöge abgehet / wird unter and'n auch meiner Jugend
zugerechnet werden. Nachgehends hiess sie einer ihrer Jungfrauen eine Tantz
spiele / da sie unter der Einbildung / ob ihr liebster Herkules / sie bei der
Hand führete / solche zierliche Sprünge / Schrenkungen der Beine / und
dergleichen Fertigkeiten sehen liess / dz alle anwesende wunder nam; uñ weil sie
den Anfang gemacht / musste die Jungfern auch tanze / so gut sie es gelernet
hatte / biss sie endlich mit dem späten Abend sich zur ruhe legete / da Herkules
ihr im Schlaffe imer vor Augen uñ im Gedächtnis schwebete / welcher inzwische
auf nichts so viel bedacht war /als dz er ihr den Christlichen Glauben
beibringen möchte / wie er solches seinem Gotte angelobet hatte /befand aber /
dass es durch Schreiben schwerlich würde zuverrichten sein / uñ sah doch nicht /
wie er sein Vorhaben / sie zu sprechen / so schleunig ins Werk richten könnte.
Das liebe Fräulein / da sie mit dem anbruche der ersten Morgenröhte erwachete
/ging unvermerket auff den obristen Lustgang / ob etwa vorigen Abend ihr der
hohle Pfeil hinauff geschossen währe / weil sie aber zu früh kam / und nichts
fand / machte sie sich eilends wieder nach ihrem Gemache und legte sich zur ruhe
/ da sie etliche Stunden vom Schlaffe eingenommen ward / und die Einbildungen
ihr mannicherlei vorstelleten. Wie sie nun erwachete / schämete sie sich / so
lange geschlaffen zu haben / legte ihre Kleider an / und ging zum andernmahle
auff den Gang / da sie den Pfeil fand /ihn frölich zu sich nam / und in ihrem
Gemache öfnete / zohe das Brieflein heraus / und aus der Auffschrift (Der
Durchleuchtigste Fräulein / Fräulein Valisken etc. meiner höchstgeliebeten Frl.
Wasen und Schwester) erkennete sie alsbald ihres Herkules Hand / küssete den
Brieff / und sagete: O ihr mein herzgeliebter Freund / wann wird uns der Himmel
unsere Vergnügung gönnen? O dass ich mir Flügel wünschen oder machen könnte / nur
biss über diese Stad weg zu fliegen / dass ihr eurer Liebe und Träue schuldige
Vergeltung spüretet! brach hiemit das Schreiben / lase es / und sagete: Nun mein
geliebtes Herz / ob ich gleich viel zu unvermögen bin / deiner Träue und Tugend
die Wage zu halten / will ich doch mein äusserstes dran wenden / damit die
dankwillige Herkuliska ihrem Valikules gebührliche Gegenliebe erzeigen / und in
Geduld alles vertragen möge / biss dereins Valiska ihres Herkules in ehren vollig
wird gewissen können. Aber o ihr mein höchster Schaz / wollen wir des Glückes
Gunst uns versprechen müssen wir trauen nicht mit Gewalt verfahren / da wo
Gewalt nur Tohrheit ist / sondern Vernunft und Vorsichtigkeit wird in diesem
Spiel dass beste sein / auff dass die Liebesbegierden die wirkliche folge durch
ihre blinde Verwägenheit nicht hintertreiben / und der gewünschten Glükseligkeit
die ohn das enge Tühr nicht versperren; setzete sich darauff nider / uñ schrieb
solgende Antwort: Der Schöpffer und Erhalter dieses grossen Weltgebäues / gibt
Valisken und ihrem Gewissen zeugnis / dass vor ihren Herkules sie mehr Sorge /
als vor ihr eigen Leben getragen; Wie nun dieselbe seine Beständigkeit aus der
gefährlichen Nachfolge satsam erkennet / also soll ihm hinwieder ein gleiches /
entweder im ehrlichen Leben / oder zum wenigsten im frölichen tode unfehlbar
gehalten werden / welchen Vorsaz weder menschen Wiz noch Macht brechen wird.
Wollen wir aber dereins glückselig leben / muss unser Vorhaben durch Vernunft
geführet werden / sousten stossen wir das ganze Gebäu übern hauffen / und
verlieren alle angewante Mühe samt deren belohnung. Eile ist uns noch zur Zeit
nicht so gar nöhtig / vielweniger rahtsam; dann König Artabanus / seinem mehr
als äidlichem Versprechen nach / wird mir seiner vermeinte Braut (wo er nicht
gar zum Verrähter wird) inwendig Jahresfrist nicht überlästig sein / inzwischen
hilfft Gott und Glük. Aber o dass mein herzgeliebter Herr und Bruder Ladisla bei
seinem liebsten Gemahl blieben währe / dann mich tauret sehr / dass dieselbe und
sein ganzes Königreich über mich zu klagen einige Ursach haben soll / sehe auch
keine Gelegenheit / seiner Liebe solches zuerstatten / es währe dann / dass mein
Herkules die Vergeltung an meine statt über sich nehmen wollte / dessen Gesichts
verenderung mich etwas befremdet. Schliesslich bitte ich Freund- und
schwesterlich / mich auff gestrige Weise offters zubesuchen / als lange uns
nähere Zusammenkunft gehindert wird / und verbleibe ich Zeit meines Lebens /
meinem Gross Fürsten Herkules zu ehren ganz eigen ergebene Valiska.
    So bald dieser Brieff verfertiget wahr / schloss sie denselben in eben den
empfangenen Pfeil / sah aus ihrem Fenster / und ward ihres Timokles gewahr
/schoss ihm denselben hinunter / und winkete ihm fortzugehen; der sich dann nicht
lange seumete / sondern schnelles lauffes der Herberge zueilete / und den lieben
Pfeil seinem Herrn einlieferte / welcher der schleunigen Antwort sich
verwundernd / den Pfeil öffnete / und auff dem Schreiben diese Auffschrift lase:
Dem Durchleuchtigsten Fürsten und Herrn / Herrn Herkules etc. meinem höchst
vertrauten Oheim und Bruder. Bald erbrach er solches / und nach verlesung sagte
er: O du ädle Seele / mir zweifelt nicht / mein Gott habe dich schon von
Ewigkeit her in die Zahl der Ausserwählten angeschrieben / und werde dich gnädig
erhalten / dass du in erkäntnis der himlischen Warheit zum ewigen Leben
unterwiesen werdest; gönnet uns dañ unser Gott / das zeitliche Leben in stiller
ruhe zu führen /wollen wirs als sein Gnadengeschenk erkennen / wo nicht / so
wird uns alsdann die Ewigkeit nicht zum andernmahle trennen lassen; gab hernach
Ladisla den Brieff durchzulesen / der sich aber dessen wegerte /weil ihm wohl
bewust wahr / dass verliebeter Leute Schreiben keine fremde Augen leiden wollen.
Bald darauff gingen sie nach dem Schloss / nahmen auch Leches und Timokles mit
sich / und funden das liebe Fräulein am Fenster stehen / von der sie anmuhtige
Blicke und verliebete Winke einnahmen / womit das Fräulein nicht vergnüget /
sich auff den Umbgang begab / und sich gerade gegen ihren Herkules stellete / da
inzwischen Ladisla mit Leches umbher ging /diese verliebeten aber / weil sie
näher nicht zusammen kunten / zur anzeige und bekräftigung geträuer Freundschaft
/ die empfangenen Briefe / und ihre eigene Hände küsseten / biss endlich nach
verlauff einer Stunde dz Fräulein mit einem höflichen neigen freundlichen
Abscheid nam / nichts mehr wünschend /als etliche Stunden mit ihrem Schatze
sprache zuhalten; mit welcher begierde der überalverliebete Herkules ebenmässig
getrieben ward; weil es aber noch zur Zeit ein vergebliches Ding wahr / mussten
sie mit dem anschauen sich vergnügen lassen / da dann Herkules nicht unterlies /
täglich drei oder viermahl sich darzustellen / kam auch nimmer vergebens /
sondern empfing allemahl die behäglichen Blicke / welche er dañ mit zehnfachen
Zinsen wie der zu geben wusste. Umb diese Zeit genase Fr. Sophia zu Padua eines
jungen Söhnleins / worüber alle Anverwanten sich höchlich erfreueten / und wie
wohl es in der Geburt zimlich hart daher ging hatte die liebe Mutter dañoch ihre
herzliche Ergezligkeit an dem wolgeschaffenen Söhnlein /gab ihm auch den nahmen
Herkuladisla / und sagete: Wird mein liebes Kind seinem Vater und Vetter (deren
nahmen es träget) nachschlagen / soll die Welt seiner Dienste noch wohl geniessen
können.
    Als unsere Helden sich zu Charas wenig Tage auffgehalten hatten / ward eine
fliegende Zeitung ruchtbar / es gingen in unterschiedlichen Fürstentühmen /
absonderlich in Persen starke Werbunge vor / / wie wohl in geheim / und wahr die
sage / König Artabanus selbst hätte sie angestellet / des vorhabens / die
Skyten anzugreiffen / und unter den Gehorsam zubringen / weil sie die
Oberbotmässigkeit des Partischen Stuels nicht erkeñen / sondern nach wie vor
ohn Schatzung nur vor Freunde / freie Nachbarn und Bundgenossen wollten gehalten
sein / einwendend /sie als der Parter Voreltern (dañ diese wahren von den
Skyten entsprossen) könten ihrer aussgewichenen Landsleute Joch durchaus nicht
annehmen noch tragen. Artabanus hatte schon von etlichen Jahren her etliche
seiner untergebenen Lehn Fürsten in verdacht /als stünden sie nach der Freiheit
/ daher er sich gegen alle ohn unterscheid sehr hart uñ unmilde erzeigete /wie
er dann ohn dass sehr wütiger Art wahr; Nun wahren sie auch in Warheit des
Partischen Joches müde und von Herzen überdrüssig / dañ es ging ihnen schwer
ein / dass von Arsazes / des ersten Parter Königes Zeit an / die ädlen Persen /
Meden / uñ andere nahmhafte Völker unter dem schweren Partischen drange sitzen
/ und dessen Beherschung ohn Ende sollten unterworffen sein; welches zwar dem
Könige durch Verräterei zeitig kund getahn ward / doch weil es meistenteils
auff blossen muhtmassungen bestund /und man bisher keine Rustung noch dessen
etwas vernommen hatte / wollte der König an sich halten / und die höchsten
Häupter ihm nicht unwillig mache / umb den algemeinen auffstand zuverhüten /
hielt doch unterdessen hin und wieder Völker in bereitschaft /deren auff allen
Fall er sich gebrauchen könnte. Weil er nun von unterschiedenen Orten her bericht
einnahm /dz Artaxerxes der Perse mit gefährliche sachen schwanger ginge / und
heimliche Kriegsbestallungen unter dem nahmen seines Königes fortsetzete / davon
Artabanus doch keine Wissenschaft hatte / zweiffelte er ferner nicht / es würde
Zeit sein / dem Unheil vorzubauen; wollte aber gleichwol versuch tuhn / ob er
durch hinrichtung der Redlensführer das Feur in der Asche dämpfen / und ohn
einen blutigen einheimischen Krieg / darein sich die Reichs Feinde leicht
mischen dürften / stillen könnte / deswegen er dann an Artaxerxes in Persen /
Phraortes in Meden / Menapis in Hirkanien / Pustzes in Assyrien / Eukratides in
Baktrien / Tissafernes in Drangian / und Gobares in Susian Schreiben abgehe liess
/ und begehrete / dass sie ohn verzug auff seinem Königlichen Hauptschlosse sich
einstellen / und wegen heilsamer bestellung des Partischen Reichs mit einrahten
sollten / weil man nicht wüste / wessen man sich zu dem Römische Käyser / wie
auch zu den Skyten zuversehen hätte. Diese Schreiben wurden / ehe die Werbung
ruchtbar ward / von dem Könige abgefärtiget / noch ehe Herkules zu Charas an
kam. Die Morgen genländische Fürsten zweiffelten nicht / es würde ihre
Kriegsverfassung dem Könige kund worden sein / liessen sich deswegen nicht
finden / und ward an statt einer Antwort dem Bohten ein kurzer Schein des
empfangenen Briefes erteilet. Doch wagete es Phraortes uñ zog auff geschwinder
Eile inbegleitung 100 Reuter zum Könige; die andern entschuldigten sich teils
wegen Leibesschwacheit / teils durch andere Einwendung / und santen gleichwol
ihre Gevolmächtigten gen Hofe. Als Phraortes sich bei dem Könige anmelden liess /
ward er alsbald vorgefodert / und fragete ihn derselbe mit blut-grimmiger Rede /
worzu die Kriegsverfassungen angesehen währen / von denen hin und wieder Bericht
einkähme. Er aber gab zur sanfmühtigen Antwort: Aller Grossmächtigster König /
allergnädigster Herr; des Tages zuvor / ehe eurer Königl. Hocheit
allerwirdigstes gnaden-Schreiben zu meinem alleruntertähnigst-gehorsamsten
Händen kam / hatte ich mich schon fertig gemacht zu dieser Reise / umb keiner
andern Ursach willen / als dass mir von Kriegswerbungen / so in den Benachbarten
eurer Königl. Hocheit untergebenen Fürstentühmen vorgehen sollten / eine und
andere fliegende Zeitung zu Ohren kam / und zwar alle unter diesem Schein / ihre
Königl. Hocheit selbst hätte dieselben allergnädigst angeordnet / weil man von
den Reichsfeinden sich eines Anfals besorgete; Es kam mir ein solches überaus
verdächtig vor /und zwar daher / dass ich vor vielen andern sollte unwirdig
gehalten sein / ihrer Königl. Hocheit durch ein ebenmässiges meinen
untertähnigsten Gehorsam zuerzeigen / da doch von deroselben ich ein volkreiches
Land habe / und die Meden wegen ihrer Schiesskunst gemeiniglich mit auffgefodert
werden / wañ es zum Treffen gilt. Ob nun dieses zwar / wie gesagt / mich hoch
befremdet hat / so kompt dannoch ihrer K. Hocheit Nachfrage mir ungleich fremder
vor / als woraus ich zu muhtmassen gezwungen werde / es müssen solche
verfassungen / da das Gerüchte wahr ist / ohn ihrer K. Hocheit wissen
eingerichtet werden /welches ein gefährliches Absehen haben würde / eure K.
Hocheit aber ihrem höchstweisen verstande nach schon wissen wird / wie solchem
unverhofften Unwesen solle glücklich begegnet werden / wobei er sich /sagte er /
als ein geträuer Knecht des Königes und des gemeine Vaterlandes gehorsambst
wollte finden lassen / so oft / und an was Orten ihre K. Hocheit solches von ihm
allergnädigst begehren würden / und währe seine schlisliche alleruntertähnigste
Bitte / ihm allergnädigst zuverzeihen / dass auff Königliche Frage er keine
Antwort zu geben wüste. Dem Könige wahr von diesem Fürsten nichts absonderlich
vorkommen /und da er sein frisches Gemüht und unerschrockenes Angesicht sah /
hielt er ihn vor unschuldig / und antwortete ihm also: Mein lieber Fürst / du
erinnerst dich billich deiner schuldigkeit / und weil wir dich neulich unter
unsere geheimisten Freunde auffgenomen / hoffen wir / dass anderer Auffrührer
Vornehmen dir verhasset und zuwie der sein werde; so verbleibe nun in dieser
standhaften Träue / und versichere dich aller milden Gnade an unser Seiten.
Phraortes bedankete sich untertähnigst / versprach allen Gehorsam / und blieb
etliche Tage zu Hofe / weil ohn ausdrükliche beurlaubung wegzuscheiden er nicht
bedacht wahr. Des andern Tages nach seiner ankunft / da Herkules sieben Tage
daselbst gewesen wahr / erfuhr dieser seine Gegenwart / und sendete Plautus an
ihn / dass er ihn gerne sprechen wollte. Aber der Gross Fürst ging alsbald mit nach
seiner Herberge / und wahr daselbst sehr wilkommen; er erzählete ihnen die
Ursach seiner schleunigen Ankunft / uñ dass der König ihn alles verdachts wegen
der heimlichen Verbünbnis erlassen hätte / auch dass er willens währe / bei dem
Könige umb erlaubnis anzuhalten / das Fräulein zubesuchen /und ihr seines
Gemahls Gruss anzumelden; welches Herkules eine gute Gelegenheit zu sein dauchte
/ zu ihr zukommen / liess sich doch dessen nicht merken /sondern hielt bei dem
Gross Fürsten an / dass er ihn als seinen Leibdiener mit nach Hose nehmen / und
bei guter Gelegenheit ihn bei dem Könige rühmen möchte als einen in Waffen
zimlich erfahren Teutschen Ritter / der vielleicht der Fräulein Eltern kennete.
Phraortes liess ihm solches gefallen / und nach dem er ein gutes ledern Kleid
angelegt / und sich zimlich bräunlich angestrichen hatte / trat er hinter dem
Gross Fürsten her / voller Andacht zu Gott / er möchte sein Vornehmen wohl
gelingen lassen. Bei der Königlichen Mahlzeit wartete er mit auff / und hielt
sich dermassen geschiklich und tapffer / dass Herr Vologeses der jünger / ein
naher Anverwanter des Königes den Gross Fürsten fragete / was vor einen Diener er
da hätte /der nach fremden Sitten sich so artig zu halten wüste. Phraortes
antwortete: Er hätte ihn etwa vor drei Wochen bekommen / und gäbe sich vor einen
Teutschen von Adel aus / hielte davor / es würde ihm der Königlichen Fräulein
Wesen nicht allerdinge unbekant sein / weil er von ihm vernommen / dass er an
unterschiedlichen König- und Fürstlichen Höfen desselben Landes auffgewartet
hätte. Wie? sagte Vologeses / zeigt dañ eure Liebe solches Königl. Hocheit
nicht an? Ich bin dessen willens gewesen / antwortete er / habe ihn auch
deswegen ausdrücklich mit mir genommen / und hat bisher nur an Gelegenheit und
Muess gemangelt. So will ich an eurer statt den Dank verdienen / sagte jener / fing
auch darauff also an: Ihre Königl. Hocheit wollen allergnädigst vernehmen / dass
Fürst Phraortes gegenwärtiger Leibdiener ein Teutschgeborner sein soll / der
vielleicht etwas von der treflichen Fräulein Herkulisken, Zustand möchte
erzählen können. Der König hörete solches mit Lust / und fragete Phraortes / ob
sichs also verhielte; welcher zur Antwort gab; es währe ihm also / und könnte
gegenwärtiger sein Diener darüber befraget werden. Der König sah Herkules an /
welcher sich sehr tief neigete / und seinen Gott im Herzen anrieff / er möchte
ihm Gnade vor dem Könige verleihen; trat weiter hervor / dass ihn Artabanus
eigentlich sehen kunte / uñ erwartete seiner Frage. Derselbe nun verwunderte
sich über seiner Freidigkeit / dass er so wenig Furcht als Unhöfligkeit merken
liess / und sagete zu ihm: Mein / von wannen bistu? Herkules nach erzeigeter
Ehrerbietung antwortete: Allergrossmächtigster unüberwindlichster König / grosser
Beherscher dieser weiten Morgenländer; euer Königl. Hocheit ich unwirdigster
Knecht bin eingebohrner Teutscher. Der König fragete weiter / was bringestu
gutes neues aus deinem Vaterlande / und wie neulich bistu daraus gezogen?
Allergnädigster König / antwortete er / vor zweien Jahren bin ich mit meinem
Herrn / vornehmen Grafen / aus Teutschland in Italien gereiset / dem Kriegswesen
nachzuzihen / und weil ich mit einem Römischen Herrn vorm halben Jahre in
zwiespalt kommen / und ihn im offentlichen Kampfe redlich erleget / habe ich
dannoch der schweren Verfolgung seiner ansehnlichen Freundschaft weichen müssen
/ bin demnach in einem Meerhafen hinter Padua zu Schiffe gangen / und mich in
Syrien begeben; uñ als man mir auch daselbst nachstellete / habe ich der Römer
Botmässigkeit zumeiden / mich in Assyrien und Meden gewaget / etwas zusehen und
zuerfahren / unter der Hoffnung / nach verlauff etlicher Zeit / mein Vaterland
wieder zusuchen. Neues habe ich sonsten aus Teutschland wenig / ohn dass in
Italien das Geschrei ging / meines gewesenen allergnädigsten Königs einzige Frl.
Tochter / Frl. Herkuliska währe gefangen / und über Meer in Armenien geführet.
Der König verwunderte sich der Reden / und sagte zu ihm: Melde uns aber / wer
ist derselbige König / dessen Frl. Tochter geraubet ist? Er antwortete: Er wahr
ein mächtiger König der Böhmen und anderer umligenden Völker / nahmens
Notesterich / dessen Gemahl / Frau Hedewig / eine Tochter des Gross Fürsten der
unüberwindlichen Teutschen / anjetzo nach absterben ihres Königes / die
Herschaft verwaltet / dann ihr Herr Sohn / der einige Erbe dieses Reichs / soll
nebest seinem Vettern den jungen Fürsten aus Teutschland / dem geraubeten
Fräulein gefolget sein / ob sie dieselbe entweder mit der Faust / oder mit Gelde
wieder lösen möchten. Der König fragete weiter: Hastu dann desselbigen Königes
Kundschaft gehabt? Ja / allergnädigster König / antwortete er /ich unwirdiger
habe dero Hocheit vier Jahr als ein ädelknabe auffgewartet / auch von Ihr den
Ritters-Orden empfangen; Der Fräulein und ihres Herr Bruders Leben ist mir auch
nicht unbewust / welche beiderseits / ungeachtet ihrer Jugend / schon viel
Abenteur überstanden haben. Als ihm nun der König zuerzählen befahl / was er von
dem Fräulein wüste / strich er ihre Schönheit / Vernunft / Tapfferkeit uñ
Tugend dermassen heraus / auch alles wz von ihr im ersten Buche ist
aufgezeichnet worde / dass der König als ein verzükter sass / und nach geendigter
Rede zu ihm sagete: Knabe / als viel wir aus deinen Worten merken /hat der Frl.
Bruder ursach / sie zusuchen; Wir halten aber gänzlich davor / da sie in diesen
Ländern anlangen / und etwa einem grossen Fürsten oder Könige zuteil werden
sollte / würde sie ihm nicht wieder zugestellet werden / weil Schönheit und hohe
Gaben in dieser Welt auch geliebt werden; Wir vor unser Häupt würden lieber
fünff Fürstentühmer / als ein solches Fräulein fahren lassen / und wird daher
ihres Bruders nachsuchen umsonst sein; Da sie aber zu uns kommen würden / müste
ihnen alles liebes und gutes widerfahren / dürsten auch bei uns leicht solche
Gnade zu ihrer Erhöhung finden / dass beides dem Bruder und Oheim nach ihrem
wüsten Vaterlande nicht verlangen würde. Aber woltestu das Fräulein noch kennen
/ wann sie dir zu Gesichte kähme? Herkules stellete sich / als hätte er Fürst
Vologeses ersten Worte von dem Fräulein nicht gehöret / und antwortete: Sehr wohl
/ allergnädigster König / dann das Angesicht ist mir gar zu eigentlich bekant;
es wird aber ein solches sich schwerlich zutragen. Der König lächelte /und sagte
zu Phraortes: Mein Fürst besuche nach geendigter Mahlzeit unser wertes Fräulein
/ und nehme diesen Teutschen mit sich / vielleicht ergetzet sie sich darüber /
wann sie in der abgelegenen fremde einen Landsmann und bekanten antrifft. Der
gute Herkules vermeinte vor Freuden niderzusinken; Phraortes aber bedankete
sich der Königl. Gnade / mit vermelden / er hätte an das Fräulein einen
untertähnigen Gruss wegen seiner und Mazeus Gemahl / welche zugleich umb
Verzeihung bei Ihrer Gn. demühtig anhalten liessen /dass sie derselben die
gebührliche Ehre nit erwiesen /noch erweisen köñen / nachdem ihr Geschlecht
ihnen ganz verborgen gewesen. Es erzeigete sich der König sehr frölich / dass von
seinem allerliebsten Fräulein er solche ruhmwürdige Zeitung vernehmen sollte /
und rühmete sein Glük / welches sich ihm nie so gewogen / als in Zuführung eines
solchen unschatzbahren Schatzes / erzeiget hätte. Nach gehaltenem Mahl machten
sich Phraortes und Herkules mit einem von des Königes verschnittenen hin nach
der Fräulein Schloss / und als sie vor ihrer Herberge hergingen /und Timokles
vor der Tühr stund / sagte Herkules zu ihm: Zeige Ladisla an / ich gehe auff des
Königes Befehl hin / das Fräulein zubesuchen; trat dem Fürsten wieder nach / dass
der Kämmerling es nicht gewahr wurde / und fürchtete sehr / es möchte einige
Verenderung an ihm oder dem Fräulein gespüret werden; baht deswegen den Gross
Fürsten / dem Fräulein seine Anwesenheit vorher anzumelden / er wollte so lange
haussen vor dem Gemache ihres Befehls erwarten. Phraortes liess sich bei dem
Fräulein anmelden / und ward als ein sehr wilkommener Freund zu ihr hinein
gefodert. Er erzeigete ihr als einer künftigen Gross Königin hohe Ehre / dass sie
dessen sich fast schämete / und zu ihm sagete: Geliebter Herr / als Vater / ich
bitte sehr / mit mir vertraulich / und nicht nach Art der Fremden umzugehen /
dann mein Heil und Wolfahrt stehet grossen Teils in euren Händen. Phraortes
antwortete: Durchl. Fräulein / die Götter sind meine Zeugen / dass ihre
Vergnügung mir nicht weniger als meine höchste Wolfahrt anlieget / bitte demnach
mir ohn Auffschub zubefehlen / dass ich den teuren und geträuen Liebhaber Herrn
Herkules zu ihr herein gehen heisse. Das Fräulein ward hierüber so voller
Freuden / dass ihr die Rede stehen blieb / und als der Gross Fürst sah / dass ihr
die Ohmacht nicht weit wahr / redete er sie ernstlich an: Wes zeihen sich Eure
Liebe / sagte er / wollen die ihren Herkules nicht anders erfreuen? Es hat
Gefahr gnug gehabt / es so weit zubringen / und sie will an statt der notwendigen
Untrerredung die Seele gar ausblasen? Nicht stelle Eure Liebe sich also / oder
ich will ihren Herkules ungesprochen wieder hinweg führen. Das Fräulein erhohlete
sich hierauf geschwinder / als hätte man ihr das kräfftigste Wasser unter die
Nase gerieben / und sagte zu ihm: O ihr mein allerliebster Herr Vater / führet
mir doch dann diesen lieben Freund bald herzu / dass ich meines ausgestandenen
sehr grossen Herzleides in etwas ergetzet werde. Phraortes ging alsbald hin /
und sagte zu Herkules: Nachdem eure Gegenwart ich dem Fräulein angemeldet / habe
ich mühe gehabt / ihr die Freuden-Ohmacht zubenehme; so seid ihr nun geherzter /
und geht zu ihr hinein / ich will das übrige Frauenzimmer besuchen / und euch
Zeit genug zur Beredung göñen. Herkules fassete einen Muht / uñ trat ins Gemach
/ ward auch alsbald von ihr erkennet /dañ er hatte die Farbe haussen vor der
Tühr abgetahn; da sie ihn erblickete / setzete sie sich auff einen herrlichen
Stuel / dann es kam sie abermahl eine Ohmacht an / deswegen Herkules / wiewol
mit geringen Kräfften zu ihr trat / sie freundlich drückete und schüttelte /biss
sie endlich die Augen / und bald darauf den Mund öffnete / da sie zu ihm sagete:
O ihr mein herzgeliebter Schatz / und einiger Auffentalt meines Lebens; sehe
ich euch dañ nun gegenwärtig vor mir / oder ist es meines Herkules Geist / der
vielleicht vor Unmuht nicht hat länger wollen seinen schönen Leib bewohnen? Ach
mein teurestes Fräulein / antwortete er / fasset doch eure gewöhnliche
Herzhaftigkeit / auf dass wir diese uns von Gott verlihene Zeit in Beredung
unser so nohtwendigen Geschäfften recht anlegen und gebrauchen mögen. Hierauff
erhohlete sie sich völlig /und umfing ihren vertraueten Bräutigam mit diesen
Worten: O wollte Gott / wollte Gott! dass wir einigen Weg finden könten / aus
diesem Schloss zuentriñen; wie gerne wollte ich allerhand ungemach der Reise
angehen / und die zähen Waldwurzeln zur Speise vorlieb nehmen / wañ ich nur
hofnung hätte / euch und mich dereins in unserm geliebeten Vaterlande
wiederzusehen. Der Allmächtige Gott wird uns helffen / antwortete er / dafern
wir nur denselben recht erkennen uñ ehren; und ist mir die allergröste Freude
dieser Welt / dass ich zu Rom zum wahren Christentuhm gebracht bin / ausser
welchem unmöglich ist / nach diesem zu der Seligkeit zugelangen; solches hat
auch unser geliebeter Bruder Ladisla nunmehr erkennet /deswegen er mit
sonderlicher Herzensfreude zum Christlichen Glauben getreten ist; Und O mein
auserwählter Seelen Schatz / ich bitte inbrünstig und von herzen / nehmet neben
uns diese seligmachende Erkenntnis willig an / alsdann will ich sie versichern
/Gott wird uns helffen / und ehe diese Mauren niderfallen lassen / als dass wir
unter den Händen dieser Feinde verderben und umkommen sollten. Das Fräulein gab
ihm zur Antwort: Mein herzgeliebter Schatz / ich habe biss daher von Erkenntnis
des wahren Gottes aus der Weltgelehrten und der Poeten oder Tichter ihren
Schrifften wenig lernen können / möchte aber von herzen gerne des wahren Gottes
Erkenntnis haben /damit ich wüste / zu wem eigentlich in meinen Nöhten mein Gebet
richten / und von wem ich Hülffe erwarten sollte. Ist dieses eure Meinung / sagte
Herkules / so danket Gott mit mir; dann auff diese Stunde werdet ihr solches
lernen. Unterrichtete sie darauff aus den ersten dreien Capiteln des Ersten
Buchs Mose /von GOttes Wesen / von dem Werke der Schöpffung /von des Menschen
dreifachem Stande / als der Unschuld / des Sündenfalles / und der Erlösung; von
der Heiligen Dreifaltigkeit / und wie die Andere Person der Gotteit vor 229
Jahren (damahliger wahrer Rechnung / dann nach heutiger Dionysischer Zahl wäre
es das 226 Jahr) aus dem Jungfräulichem Leibe /menschliches Wesen und
Eigenschaften angenommen / und vor unsere Sünde zu Jerusalem gestorben /am
dritten Tage wieder aufferstanden / und am vierzigsten hernach / gen Himmel
gefahren / hätte seine Jünger in die Welt ausgesendet / in seinem Namen
Vergebung der Sünden anzukündigen / auff dass die Menschen sich bekehren / und
selig werden möchten. Nachgehends führete er die ungereimeten schändlichen
Getichte des Heidnischen Glaubens ein / und erwies / dass kein anderer als der
Christliche uns bei Gott Gnade erwerben / und zur Seligkeit bringen könnte.
Endlich erzählete er das Wunder / welches sich zu Ekhatana mit dem Juden
zugetragen hatte / uñ betete ihr zulezt das Vater Unser / den Christlichen
allgemeinen Glauben / und die Heiligen zehn Gedohte vor /neben der Vermahnung /
sie sollte in dieser Einfalt verharren / biss der gnädige Gott gelegenheit geben
würde / sie völliger zuunterrichten. Das Fräulein hörete ihm sehr andächtig zu /
und fragete / warumb dann die Heidnischen Gelehrten hiervon nichts schrieben. Er
aber zeigete ihr an / es hätten dieselben den Schein dieses Liechtes nicht
gehabt / sondern nach ihrer blinden Vernunft von Göttern und Erschassung der
Welt getichtet / wie unter andern aus dem Ovidius zu sehen; Sie sollte sich aber
mit diesen Gedanken nicht plagen / sondern in allen ihren Nöhten auff den Sohn
Gottes Christus JEsus bauen und trauen / auch vor allen dingen sich hüten / dass
sie ja nicht / Schande oder Pein zumeiden / sich selbst umbs Leben brächte /
dann mit deren Seligkeit stünde es sehr gefährlich. Das Fräulein erboht sich /
seiner Vermahnung fleissig nachzukommen / und wünschete /etliche Bücher zuhaben
/ in welchen der Christliche Glaube fein deutlich beschrieben währe / und wie
man Gott ehren und Christlich leben müste. Herkules stellete ihr sein
gewöhnliches Büchlein zu / in welchem solches alles kurz und deutlich verfasset
wahr / sagete ihr auch zu / er wollte schon Gelegenheit finden / dass die ganze
Heilige Schrifft und andere Christliche Bücher ihr durch Phraortes eingeliefert
würde; Aber der allmächtige Gott und Vater / sagte er / welcher sich des
menschlichen Geschlechtes aus Gnaden erbarmet hat / erleuchte euren Verstand /
und behersche euren Willen / dass ihr im heiligen Christentuhm je mehr und mehr
wachsen / und dadurch zum ewigen Leben möget erbauet werden. Nach diesem
erzählete er kürzlich / wie er dem Könige ihren Stand geoffenbahret hätte / auch
dass ihr Bruder und Oheim sie zusuchen /auff der Reise währen / hätte sich aber
erkläret / viel lieber grosse Fürstentühmer / als sie / zuverlieren /woraus
leicht zuschliessen / dass entweder durch Macht oder Lift ihre Erlösung geschehen
müste /wozu er aber Gott Lob / schon ein solches Mittel in Händen hätte /
welches ihm nicht fehlen sollte; da aber dieses sich noch etwas verzihen würde /
wie er nicht eigentlich wissen könnte / möchte sie darüber nicht zaghaft noch
ungeduldig werden / sondern in geträuer Liebe standfest verbleiben / und durch
äusserlichen Schein oder weltlichen Pracht sich von ihm nicht abtrennen lassen;
hingegen wollte er ungesparet Leibes und Lebens / ihre Freiheit zubefodern /
bemühet sein / auch ohn ihre Gesellschaft diese Länder nicht verlassen. Das
verliebete Fräulein stellete sich wegen solcher Erinnerung sehr traurig / dass
ihr auch eine bleiche zustiess / uñ sie endlich zur Antwort gab: O mein Gott! hat
dann mein Herkules keine bessere Gedanken von mir / und kann sich fürchten / als
würde mich Leichtfärtigkeit übernehmen / ihm einige Träulosigkeit zubeweisen?
Meine trauten Seele / fuhr sie fort / erinnert euch / bitte ich / des
vergangenen / dass /ungeachtet eure Eltern und ganzes Vaterland euch vor einen
Fluch gehalten / ich nicht desto weniger nach wie vor / meines Herkules zu eigen
er gebene blieben bin / dessen meine Libussa / ob Gott will / zu seiner Zeit wird
Zeugnis geben; so versichert euch nun /mein Schatz / dass ich dieselbe geträue
bleibe werde /als lange dieses Herz (auf ihre Brust zeigend) einiges
Blutströpflein in sich behält; dann in dieses ist der liebe Nahme Herkules so
tieff hinein gedrücket / dass ihn weder Lust noch Angst / noch einige gefahr
daraus kratzen soll. Herkules wusste vor hoher Vergnügung nicht zuantworten /
umfing sie tugendlich / uñ baht sehr umb Verzeihung seiner Reden / welche die
übermachte Liebe verurfachet hätte / als die sich gemeiniglich pflegete zum
zweifel verleiten zulassen /insondheit / wañ das geliebete hochvortrefflich /
und über unsere Wirdigkeit ist. Uber Wirdigkeit? sagte das Fräulein; ja wie man
den Monden wollte der Sonnen vorzihen / der doch allen Schein von ihr entlehnet.
Herkules wollte dieses beantworten / aber sie redete ihm ein / mit einem
freundliche Ernst bittend /ihr dieses unbeantwortet zulassen / deswegen er die
gefassete Rede mit einem Seuffzen verschluckete /und damit zuverstehen gab / wie
leid ihm währe / dass er gezwungen würde / den billichen Ruhm seiner Liebsten
zuhinterhalten. Sie stunden und sahen einander an / dañ die Liebe hatte ihr
innerstes eingenommen / dass sie ihrer selbstvergessend / nicht wussten /was sie
redeten oder gedachten / biss endlich Herkules anfing: Ach mein HErr Jesus / ist
es deiner Barmherzigkeit gefällig / so erzeige mir die Gnade / dass ich diesen
unvergleichlichen Schatz / der nunmehr zu deiner Erkenntnis gelanget ist /
lossmachen / und in unsere Heimat wieder geleiten möge. Ja mein HErr Jesus
/antwortete sie / erhalte du diesen deinen Knecht und Diener der Welt zugute /
und lass ihn sein Vaterland wieder sehen; soll ich dann mit ihm fortreisen /
wirstu uns schon sicher geleiten / wo nicht / ei so behüte mich nur vor Schande
/ und lass mich als eine unbefleckete aus dieser Eitelkeit scheide / damit ich
weder dem schändlichen Blutunde Artabanus / noch sonst einem andern als meinem
Herkules zuteil werde. Gleich damahl fiel Herkules ein / dass er das ehmahls
geraubete Band umb seinem Arm trug / lösete es ab /und überreichte es mit
folgenden Worten: Sehet da /mein Fräulein / sie erinnere sich des Frevels /
welchen durch Ablösung dieses Bandes ich vor diesem zu Prag begangen / und
daneben versprochen / es nicht ehe von mir zugeben / biss ich Hoffnung hätte /
sie erstes Tages zu ehlichen; Weil dann solche Zusage ich gerne halten will / als
liefere ich dasselbe gehorsamlich wieder ein / dienstlich bittend / es von mir
willig anzunehmen / und die Bedingung zu herzen zufassen /dere Vollenzihung
dasselbe ist / wz in dieser irdische Welt ich am höchsten wünsche / suche und
begehre. Das Fräulein erröhtete wegen der lezten Worte / nam es ungewegert zu
sich / und mit einem freundlichen lächeln antwortete sie: Es währe aber dabei
nicht verabscheidet / dass ausser Prag / geschweige zu Charas sie dieses Band von
seiner Hand empfangen sollte; doch weil Gott es also geschicket hätte / müste sie
zufrieden sein / wollte sich ihm und seinem ehrliebenden Begehren nicht wieder
setzen / sondern der Stunde ihrer Erlösung erwarten / und sich alsdann ihm
ehelich ergeben / stellete ihm darauff die aller kostbahreste Kleinot zu / samt
ihrer ersten Räuber Handschrift wegen der nidergelegten Gelder / vorwendend /
sie wollte ihm dieses zur ersten Heimsteur einliefern /weil ihm billich eine
solche Belohnung vor die angewante Mühe der Nachsuchung gebührete / biss auff
folgende Erlösung sie sich ihm selbst eigen lieferte; und ob er sich gleich sehr
wegerte / musste er doch so viel Kleinote zu sich nehmen / als er in seinen
Kleidern verbergen kunte. Sie hielten ihr freundliches Gespräch bei die drei
Stunden / und ergetzeten sich mit inbrünstigen ehrliebenden küssen und umbfahen
/unter dem zweifel / ob sie auch so bald wieder möchten zusammen kommen. Und als
ihnen Zeit dauchte /dass es müste geschieden sein / setzete sie ein Schreiben an
den König auff / in welchem sie sich höchlich der Gnaden bedankete / dass seine
Hocheit dem Gross Fürsten und diesem bekanten Diener ihres höchstseel. Herrn
Vaters allergnädigst erlaubet hätte / sie zubesuchen / gab zugleich zuverstehen
/ sie währe auff des Königes guteissen gesonnen / eine Botschaft an ihre Fr.
Mutter abgehen zu lassen / und ihres guten wolergehens sie zuverständigen / auch
bei der Göttin Vesten Geistligkeit zuversuchen / ob von der hinterstelligen Zeit
ihres gelübdes nit etliche Monat durch Opffer und Geschenke abzuhandeln stünden.
Unter diesem Schreiben färbete Herkules sein Angesicht / Haar und Hände wieder
an / dessen sie sich nicht wenig verwunderte / und auff allen Fall des Pulvers
etwas zu sich nam / weil ihr Herkules zuverstehen gab / das alle seine Anschläge
zu ihrer Rettung nähst der hülffe Gottes / auf dieses Mittel gerichtet währen;
Und weil vor dissmahl er sie verlassen musste / umbfingen sie sich inbrünstig / da
er sein Fräulein also tröstete: Nun ihr auffentalt meines Lebens / lasset in
diesem Unglück den Muht nicht sinken / sondern vertrauet dem allerhöchsten Gott /
ich weiss / er wird nach dem Dornenstiche uns die lieblichen Rosen der zeitlichen
und ewigen Glükseligkeit schier künftig brechen lassen. O meines Lebens einige
Wollust / antwortete sie / kränket euch meinetwegen ja nicht / ich will unser
genommenen Abrede nach / mich allemahl gefasset halten /ob einige Gelegenheit zu
meiner erledigung sich erzeigen würde / Gott verleihe nur / dass es zum Glük
aussschlagen möge. Amen sagete Herkules / nam freundlichen Abscheid / und in dem
er zur Tühr hinaus trat / sagete er zu Phraortes / welcher draussen mit dem
Frauenzimmer sprache hielt: Gnädigster Fürst und Herr / nachdem mein
allergnädigstes Fräulein mich ihren unwirdigsten Knecht zur gnüge unterrichtet /
was bei ihrer Königl. Hocheit ich vortragen soll /habe ich Urlaub hinweg zu
gehen. Das Fräulein folgete ihm auff dem Fusse nach / sehr frölich und wolgemuht
/ uñ sagte zu Phraortes: Mein herzgeliebter Herr Vater / da eure Liebe
zusprechen ich so bald keine Gelegenheit haben sollte / bitte ich sehr / sein
Gemahl / meine auch herzgeliebete Fr. Mutter Kindlich zu grüssen / und was
dieser sein Diener bei Köngl. Hocheit suchen wird / befodern zu helffen /
dagegen erbiete ich mich zu allem kindlichen Gehorsam / so lange ich lebe. Ich
bin des Vater-nahmens zu geringe /antwortete er / und verbleibe meiner Gn. Frl.
Diener /bin auch bereit ihrem Befehl willig nachzukommen. Ging also mit Herkules
uñ dem zugegebenen Kämmerlinge nach dem Königl. Schloss / und ward von
Artabanus wohl empfangen / der ihn alsbald fragete /wie ihm sein Fräulein
anstünde / er aber zur Antwort gab: Sie hätte in dieser wenigen Zeit an
Schönheit und Leibes-grösse wohl zugenommen / gläubete auch nit / dass einige
ihres gleichen in aller Welt zu finden währe; seinen Diener hätte sie straks
Angesichts gekennet / und anfangs gewähnet / er würde von ihrer Fr. Mutter an
sie abgeschicket sein / da sie aber eines andern berichtet worden / hätte sie
inständig angehalten / bei ihrer Königl. Hocheit alteruntertähnigst zu werben /
dass ihr möchte erläubet sein / diesen ihren Diener an ihre Fr. Mutter
abzusenden; und weil er scheuh getragen / es mündlich anzuzeigen / hätte an
seine Königl. Hocheit sie demselben einen Brief zugestellet. Bald trat Herkules
näher / und überreichte dem Könige denselbe / welcher ihn ganz begierig lase /
und nach endigung sagte: Ey du einige Vergnügung unser Seele und Lebens / ein
solches müste dir trauen unversaget sein / sollten wir gleich eine Begleitung von
50000 Mann zur versicherung mit schicken; weil ohndass es zur beschleunigung
unsers Königlichen Beilagers angesehen ist / und wir daher das unfehlbare
Zeichen ihrer Liebe gegen uns zur Gnüge erkennen. Aber Jüngling / sagte er zu
Herkules / gedenkestu unserm schier künstigen Königlichen Gemahl redliche Träue
zuerweisen / soltu von uns mit grossen Schenkungen angesehen werden. Herkules
neigete sich tieff / und antwortete: Unüberwindlichster König / allergnädigster
Herr / mein ganzes All will ich dran strecken / das meiner gnädigsten Fräulein
Befehl und Wille volbracht werde / wovon weder Gewalt noch Fährligkeit / so weit
sie zu überwinden stehet / mich nicht abschrecken soll / insonderheit / wann euer
Königl. Hocheit allergnädigstes Befehlen mit einstimmet. Umb sichere Begleitung
wird ihre Hocheit sich nicht bemühen dürffen / gestaltsam mein Gn. Fürst und
Herr mir aus Meden Gelegenheit gnug verschaffen kann / biss an die Römischen
Grenzen zukommen /da ich mit meinem künftigen Freibrieffe weiter Raht finden
werde. So gib ihm gnugsame Völker zu mein Füst / sagte der König zu Phraortes;
wir wollen ihm nur 20 ädle Parter zuordnen / dass er als ein Gross Königlicher
Gesanter erscheinen möge; und damit du zu unsern Ehren zu Prag dich prächtig
gnug halten könnest / sagte er zu Herkules / sollen dir 400000 Kronen aus unser
grossen Schazkammer stündlich erlegt / und gnugsame Vollmachten unter unser Hand
und Pitschaft mitgeteilet werden; kanst auch Morgen früh mit Fürst Phraortes zu
unserm Fräulein gehen /und ihre Handschreiben von ihr empfangen. Hiess darauff
vor 600000 Kronen allerhand Kleinot und kostbahre Sachen / herzubringen uñ in
feste Truhen wolvermache / welche der Königin in Böhmen sollten geliefert werden;
befahl auch dass man durch reitende Diener im Königreiche hin und wieder
nachforschete /ob der Fräulein H. Bruder könnte aussgekundschaffet werden /
welchen er zu seinem Statalter verordnen wollte. Also musste Herkules hingehen /
und sich zur Reise schicken / dann Phraortes gab ihn auff des Königes Begehren
dem Fräulein über / und sprach ihn seiner Dienste los. Da seumete er sich nun
nicht /sondern ging eilends nach seiner Herberge / und erzählete seinem Ladisla
allen Verlauff; welcher nicht anders meinte / er hätte aus überflüssiger Liebe
seinen Wiz verloren / und fragete / warumb er doch die Reise nach Prag auff
sich nehmen / und unterdessen die Gelegenheit / sein Fräulein zuerlösen
verabseumen wollte; ja es liesse sich ansehe / als währe er willens / König
Artabanus Freiwerber zu sein / welches er nimmer hoffen wollte. Herkules lachete
dessen / und gab ihm zur Antwort: Geliebter Bruder / ich habe dir ja bloss nur
zuerkennen gegeben / wie ich diesen König geäffet / und kanstu wohl solche
Gedanken fassen / dass ich die Mühe / mein ander Herz zusuchen /deswegen über
mich genommen habe / dass ich mich ihrer so leicht begeben / uñ sie Artabanus
gönnen wollte? lass du mich nur machen / ich bin so wenig willens nach Prage zu
reisen als du / ehe und bevor mein Fräulein in unser Gesellschaft sein wird.
Meine Meinung aber ist / dass wir eine Botschaft nach Padua / und wohl gar biss
nach Prag senden / und unsern Zustand den unsern zuwissen machen / dann mir
zweifelt nicht / weil sie die ganze Zeit über nur ein Schreiben so wohl von dir
als mir haben / sie werden grosses Verlangen tragen / und in steter Furcht
unsers Lebens sein. Inzwischen redete Phraortes bei der Königlichen
Abendmahlzeit von seinem gewesenen / nunmehr Königlichem Diener Valikules / wie
er so wohl mit Wehr und Waffen umbzugehen wüste / und in allen ritterlichen
Ubunge erfahren währe / welches er /wiewol ungerne / in etlichen Schimpfspielen
hätte sehen lassen / währe doch gar stille und eingezogen dabei / und liesse
sich dessen so gar nicht merken /als ob er davon nichts gefasset hätte; als er
auch endlich hinzutaht / es währe ihm seines gleichen in dem Alter noch keiner
vorkommen / sagte Fürst Vologeses der jünger; so muss er vor seinem Abzuge dessen
eine Bewehrung sehen lassen / dafern Königl. Hocheit es gefällig sein kann; dañ
ich habe auch einen ädlen Diener aus Armenien / der mir seiner Mañheit so
mannichen Beweisstuhm gezeiget / dass er bisher von allen Ritterspielen den Preis
davon getragen / wiewol er auch viel grösser und stärcker von Leibe und Glieden
/ als dieser añoch lauterer Jüngling ist. Phraortes antwortete: Ich verachte
euer Liebe Diener nicht / nachdem er mir unbekant ist / dürfte aber schier eine
Schanze wagen / mein gewesener Valikules werde ihm wenig oder gar nichts
schuldig sein / ungeachtet ich von ihm noch keinen ernstlichen Streit gesehen
/auch zu den Schimpfspielen übel zubringen ist / gibt vor / man mache ihm
dadurch nur Feinde ohn Ursach und aus Ehrgeiz / und sei besser / die Kräfte zu
sparen / biss man ihrer ehrenhalben und dem Vaterlande zum besten benöhtiget sei.
Eure Liebe verzeihen mir /sagte Vologeses / vielleicht hat euer Diener mehr
Wissenschaft und schärffe im Munde / als in den Fäusten vermögens / und halte
ich gänzlich davor / mein Mitrenes schlüge sich lieber mit seiner ein halb
Dutzet / als mit ihm allein; jedoch weil eure Liebe sich zur Wette anerbeut /
bin ich bereit / ein gedoppeltes gegen ein einfaches zusetzen. Phraortes
stellete sich etwas furchtsam bei der Sache / insonderheit / weil er meinte
Herkules dadurch zuerzürne wante demnach abermahl ein / er pflegete sich der
Schimpfübungen gerne zuentbrechen / so währe er auch nicht mehr in seinen /
sondern in der Königlichen Fräulein / bevor ab in Königl. Hocheit Diensten.
Worauff Vologeses zur Antwort gab / sein Mitrenes sollte ihm schon Ursach zum
ernstlichen Gefechte geben / da er sonst so viel herzens hätte sich zu wehren /
wollte doch mit ihm abreden / dass er seiner Gesundheit uñ Lebens schonen sollte.
Phraortes stellete es endlich zu ihrer Königl. Hocheit bewilligung / auff
welchen Fall er sich abermahl zur Wette erbot. Artabanus sagete / er sähe den
Jüngling davor nicht an / dass grosse Kräfte hinter ihm stecken sollten / nicht
destoweniger möchte er wohl sehen / wie er sich in die Sache schicken wollte / unb
das Gewehr führen. Des folgenden Morgens ward Herkules nebest den Gross Fürsten
nach dem Fräulein geführet / da er ihr eine wolgeschriebene Griechische Bibel
mitbrachte. Sie verwunderte sich seiner schnellen Wiederkunft / hies ihn zu ihr
ins Gemach treten /uñ wahr über seiner gegenwart voller freuden. Phraortes wollte
ihr heimliches Gespräch nicht stören / und begab sich in das gemeine
Frauenzimmer / da Herkules gleich anfangs ihr die H. Schrift einhändigte / und
unterricht erteilete / wie sie dieselbe lesen sollte /worzu ihr lieber wahr / als
hätte man ihr ein Königreich geschenket; dann / sagte sie / ich habe hinte diese
Nacht eine solche himlische Freude in meiner Seele empfunden / dass ichs nicht
aussreden kann / auch eine Offenbahrung gehabt / die mich versichert / unser
Vorhabe werde zur glücklichen endschaft aussschlagen / obs gleich nit ohn Mühe und
Gefahr zu gehen wird /massen mich eigentlich gedauchte / wir währen in
vermumeter Gestalt mit schnellen Pferden durch Hecken und Dornen / ja durch
Wasser und Feur geritten / und von ferne hinter uns her eine grosse Anzahl der
Verfolger / die uns erschrecklich mit ruffen und blossen Säbeln dräueten / aber
es stellete sich eine wunderbahre feurige Maur zwischen uns / dass jene uns weder
sehen noch einhohlen kunten. Diese feurige Maur /sagte Herkules / ist der Schuz
der lieben heiligen Engel / welche uns unser Gott will zu geben / dass wir vor
unsern Feinden sicher bleiben sollen / darumb wollen wir unserm Gott vertrauen
und an seiner gnädigen Hülffe nicht zweifeln. Nachgehends berichtete er sie
alles dessen / was bei dem Könige vorgangen wahr / und wie er willens währe /
etliche Diener nach Padua und wohl gar nach Prage zu senden / und unter der Zeit
bei Artaxerxes dem Persen sich auffzuhalten / biss es Zeit sein würde sie
abzuhohlen; beredete sich weiter mit ihr / was vor ertichtete Brieffe er dem
Könige unter dem nahmen ihrer Fr. Mutter wieder zustellen / oder da ihr Zustand
eine geschwindere Eile zur erlösung erfoderen sollte / er sich verhalten wollte /
da ihm mit Gottes Hülffe sein Anschlag nicht würde fehlen / sie von dem Schloss
zu führen. Den Tag lasse uns Gott bald erleben / sagte das Fräulein / damit ich
mich schier wieder in Freiheit wissen und sehen möge; fingen darauff ein
züchtiges inbrünstiges Liebe-Gespräch an / und ergetzeten sich etliche Stunden
mit einander / da Herkules sich erkühnete / und umb schleunige Einwilligung
ihres Christlichen Beilagers anhielt / einwendend / dass er alsdañ aller Furcht
und Sorge / die ihn so heftig quälete / erst würde benommen sein. Sie aber kunte
aus schamhaftigkeit darein nicht willigen / ob sie gleich bekennete sich ihm
darzu verbunden sein / endlich auff sein weiters anhalten / vertröstete sie ihn
auff ihre erste Zusammenkunft / weil sie keine Hoffnung hatte / ihn vor seinem
abreisen wie der zusprechen; womit er auch zufrieden wahr / ergetzeten sich
miteinander in reiner Liebe / und musste er auff ihr anhalten erzählen /was ihm
auff seiner Reise denkwirdiges begegnet wahr / da er nicht unberühret liess / was
vor grosse Freunde er an dem Statalter zu Jerusalem / dessen Gemahl und
Fräulein Tochter hätte / rühmete auch Fr. Sophien Tugend / und Frl. Sibyllen
auffrichtige Frömmigkeit. Sie hingegen wollte mit ihm kurzweilen und sagte: Mein
trauten Schaz / ich bin schon in erfahrung kommen / dass diese leztgenante sehr
schöne Römische Fräulein zu Padua eurer Liebe hat sollen vermählet werden / und
o wie eine herzbrechende Angst würde mir diese Zeitung gewesen sein / halte auch
wohl dz bloss nur euer Gewissen euch zurücke gehalten; möchte doch gerne wissen /
ob ihr auch grössere Kundschaft mit ihr als bisher mit mir gehabt / welches euch
zuverzeihen / ich hiemit versprechen will /wo es sonsten noch bei der Zimligkeit
verblieben ist. Sie brachte dieses zwar mit äusserlicher Freundligkeit vor /
welche aber dannoch den Liebes-Eifer nicht allerdinge bergen kunte. Herkules
hingegen lachete dieser Reden einfältig / und nach erteiletem herzlichen Kusse
antwortete er ihr: Ob ich gleich durchaus nicht ersinnen kann / von wañen euer
Liebe dieses zukommen sei / mag sie dañoch sich wohl versichert halten /welches
ich auch bei meinem teils des Himmels rede /das gegen dieses Fräulein noch keine
eheliche Liebe /vielweniger eine unzüchtige in meinem Herzen aufgangen ist /
deren keusche Zucht und Tugend doch geliebt zu werden / wohl verdienet / wird
demnach mein Schaz mich solches verdachtes / da einiger bei ihr ist / wohl
erlassen; aber wann sie ja alles was mir in solchen sachen begegnet ist / wissen
will / ward mir zu Rom in meiner Leibeigenschaft wohl anders nachgestellet / da
ich mich kaum der Tochter im Hause durch ertichtete Lügen erwehret hatte / als
die Stieffmutter mit viel grösserer Frecheit meiner unzimlichen Liebe begehrete;
doch schickete es der fromme Gott / dass ich auch deren durch ein gefährliches
Getichte noch los wahr / und ward hohe Zeit / wie mein Ladisla zu meiner
Erlösung sich einstellete / massen ich aus unterschiedlichen ihren Reden spürete
/ dass sie meine getahne Entschuldigung begunte in zweifel zuzihen /wiewol ich
lieber den Tod würde erlitten / als in ihren gottlosen Willen gehehlet haben.
Darst ich nun meinem Seelen-Schatze alles gar vertrauen / so wisse sie /dass man
mir zu Jerusalem viel näher getreten / als zu Padua / wiewol ohn alle
Unkeuscheit / hätte auch schwerlich vorüber gekunt / wann der ruhmwirdigste
Nahme Valiska nicht so tief in mein Herzgepreget währe / so dass denselben weder
diese noch einige andere aussheben wird; darumb so wolle mein Seelichen
festiglich gläuben / dass / sint der Zeit ich die Sonne aller Schönheit / Frl.
Valisken gesehen / und einige Hoffnung deren Gegenliebe gehabt / ich mich eben
so wenig an den Monde oder andere Schönheit-Sternen gekehret habe / als ob sie
in der Welt nicht währen. Ach mein allerwerdester Schatz / antwortete sie /
verzeihet mir / bitte ich / den geringen Argwohn / welchen meine Furcht in mir
anblasen wollen / er ist Gott Lob / durch diesen grossen Strohm eurer Liebe
allerdinge ausgelöschet / soll auch nimermehr wieder angezündet werden; aber
mässiget euch / bitte ich sehr / in den unverdieneten Lobreden meiner
Geringfügigkeit; Gott weiss / dass ich mich noch lange nicht schön genug halte
eurer Liebe / und da ihr die Augen eures Verstandes recht würdet aufftuhn /
müsten meine vielfältigen Mängel und Gebrechen bald verrahten werden; warumb mag
dann mein Schatz mich einer Sonnen vergleiche / da ich nicht der geringste Stern
bin? versichert euch aber / mein Seelichen / dass / weil ich vernehme / dass eure
Reden von herzen gehen / und ihr aus übermachter Liebe mich so hoch schätzet /
ich selbst verlangen darnach trage / dass ihr in euren ehrliebenden Begierden
bald befriediget werdet / wünsche auch / dass ihr das eingebildete an mir finden
/und ein völliges genügen an mir haben möget. Unvergleichliches Kleinot / sagte
er hierauff / warum muss dañ euer herrlicher Verstand allentalben durchdringen /
und nur in Erkenntnis eurer Seelen- und Leibes-Vollkommenheit blind und unwissend
sein? Verringert euch nicht / mein Fräulein / und lästert nicht /was die
allgemeine Mutter euch vor andern allen mitgeteilet hat. Und O wie vergnüget
werde ich sein /wann ich (Gott gebe / dass es bald geschehe) dessen geniessen soll
/ worauff Artabanus in rasender Wuht hoffet; dann wie schon gesagt / ehe werde
ich weder Ruhe noch sichern Trost bei mir empfinden. Er redete dieses mit so
traurigen Geberden / dass sie grosses mitleiden mit ihm trug / und von herzen
wünschete /ihn vergnügen zu können; fiel ihm auch umb den Hals mit etlichen
Küssen / und sagte zu ihm: Tröstet euch mein Schatz / mit der Hoffnung /
vielleicht schickets Gott / dass ich bald euer Ehe Gemahl werde. Gleich dazumahl
ward sie ihres Ringes an seinem Finger gewahr / an welchem sie inwendig ihrer
bei der Nahmen mit durcheinander gesetzeten Buchstaben hatte eingraben lassen /
besah ihn eigentlich / und nach gegebenem Handkusse fragete sie / durch was
Glückesfall ihm dieser währe zuhanden kommen / dann sie erinnerte sich der
unglücklichen Herberge / in welcher sie ihn neben ihren Haaren und lezt
empfangenem Brieflein / auch andern Ringen mehr unter die Betstat verstecket
hätte; und da sie vernam / dass ers alles von Neklam empfangen / sah auch / dass
er seinen Anteil von ihren Haaren hervor zohe / nam sie ein kleines Scherichen /
und schnitte einen Strang seiner Locken von seinem Häupte / baht ihn / die
angestrichene Farbe davon zumachen / und erklärete sich / sie wollte ein Armband
davon zurichten / und es zu seinem Gedächtnis tragen. Er aber zeigete ihr an /
dass er diesen Ring nit anders schätzete / als hätte er denselben von ihr selbst
bei der Traue empfangen / sich auch daher mehr vor ihren Gemahl als Bräutigam
gehalten. Sie sah wohl / dass er aus innigster Gewogenheit die Beschleunigung
ihrer Ehe suchete / daher sie sich erkühnete / zu ihm zu sagen: Damit sie nicht
geringere Liebe gegen ihn / als er gegen sie spüren liesse /wollte sie bei seiner
ersten Wiederkunft ihn vor ihren Herrn und Gemahl halten / und nur noch dissmal
vor ihren Bråutigam / welches mit küssen und umfahen bestätiget ward. Weil sie
aber beiderseits merketen /dass hohe Zeit sein würde / was nöhtigers vorzunehmen
/ wollte sie sich setzen / ihre Briefe nach Padua und Prag zuverfertigen / aber
Herkules verhinderte solches / einwendend / sie müste nicht zu sehr eilen /noch
die gelegenheit / wieder zu ihr zukommen / ihm benehmen / welches sie mit einem
schamrohten lächeln beantwortete / und sich endlich erklärete /wanns ihn also
gut däuchte / wollte sie nach seinem Abscheide die Feder gebrauchen / spracheten
noch ein Stündichen zusammen / und als Phraortes sie der Zeit erinnerte / das
Fräulein auch sehr zweifelte / dass das Glük vor seinem Abzuge sie wieder
zusammen fügen würde / und deswegen einen gänzlichen Abscheid mit Trähnen von
ihm nam / stellete er sich gleich auch also / und sagte zu ihr: Mein
allerwerdester Schatz in dieser Welt; ich befehle euch der Obhuet und Wache des
allmächtigen Gottes / biss auff meine glückliche Wiederkunft / derselbe wolle
euren Glauben stärken und mehren / und in aller Widerwärtigkeit beständige
Geduld verleihen; inzwischen will in abwesenheit meiner Gemahl (dann davor halte
ich sie) die Hoffnung küssen / unter der festen Zuversicht / mein Seelchen werde
die mir jeztgetahne Verheissung / zu meiner ersten Wiederkunft auff dieses
Gemach ungewegert leisten / damit an ihrer ausbündige Schönheit / als an meinem
Ehelichen Gemahl ich mich ergetzen möge /weil ich nicht bedacht bin / mich ihres
versprechens zubegeben. Sie hörete sein erstes vorbringen mit inniglicher
Andacht / den Beschluss aber mit einer Schamröhte an / und meinte es mit
stillschweigen zubeantworten / weil sie sich fürchtete / ihm ein mehres als sich
gebührete / versprochen zuhaben; weil er aber umb schliessliche Erklärung anhielt
/ sagte sie: Allerteurester Schatz / ich befinde in meinem Herzen /dass ich zu
schwach bin / seine Vorsatz zubrechen; und weil ich mein Gemüht ihm zuerklären
schuldig bin / angesehen seine geträue Liebe / welche er mir in dieser
gefährlichen Nachfolge satsam erzeiget hat / so währe mir zwar nichts liebers /
als dass meiner allerliebste Fr. Mutter ich in dem reinen Jungfräulichen Stande
wieder möchte geliefert werden / in welchem ich von ihr ausgezoge bin; weil ich
aber euch vor meinen Herrn und Gemahl auffgenommen habe / werde ich müssen
seinem heftigen ansuchen statt geben /und mich ihm als ein Gemahl gönnen / auff
dass nicht allein ich ihm seines Misstrauens und anderer Herzenskränkungen benehme
/ sondern ihn hiedurch zur schleunigen befoderung meiner Freiheit desto mehr
anreize; welches dann mit einem Handschlage und vielen Küssen bestätiget ward;
worauff er mit Phraortes in zimlicher Verwirrung davon ging / und mit demselben
nach dem Königlichen Schloss sich verfügete / woselbst er nunmehr als ein
bestelleter Königlicher Diener / dem Könige selbst auffwarten musste. Nun hatte
Vologeses der jünger mit seinem Ritterlichen Diener Mitrenes alles angelegt /
wie er ursach an den jungen Teutschen suchen sollte / welcher sich in etwas
beschwerete / dass er sich mit einem schwachen Jungen / wie er vor gab / schlagen
sollte. Bei der Mahlzeit ward Phraortes von Vologeses erinnert / die Wette
zubestimmen / der ohn weiteres bedenken feinen Satz auff 100000 Kronen benahmete
/jener aber / dieser Beute sich erfreuend / ein doppeltes zulegen versprach.
Herkules wahr sehr geschäfftig /seinem Könige zugefallen nam sich einer
züchtigen Scham und Furcht an / und warff daher der König auff ihn eine
sonderliche Neigung und Gewogenheit. Vologeses aber fing ein Gespräch mit ihm an
/ er hätte aus seinen gestrigen Reden vernommen / dass er schon in den Ritter
Orden getreten währe; nun sähe er ihn aber vor sehr jung an / und möchte gerne
wissen / was vor Waffen man in seiner Landesart gebrauchete / die von so jungen
Leuten beides zum Schuz ihrer / und zur Verletzung der Feinde könten geführet
werden. Herkules ward des Spottes bald innen / liess sichs doch nicht merken /
sondern mit demühtiger Herzhaftigkeit sagte er: Gnädiger Fürst und Herr / in
meiner dreijährigen ritterlichen übung habe ich mich Römischer Waffen gebraucht
/ eines festen Helmes / Brust-Rück- und Beinharnisches / neben gewöhnliche
Reuter Schilde; das Gewehr ist ein Ritter Speer / uñ Schwert / wie es Römische
Ritter führen / und ich haussen vor dem Gemache abgelegt habe. Vologeses fragete
nachmahl / ob er dann so schwere Rüstung schon drei Jahr hätte fuhren können /
und vernähme von Phraortes / dass er kaum das zwanzigste Jahr hinter sich gelegt.
Der Schimpff hätte ihn fast zu herbe gedaucht / doch hielt er sich ein / und
antwortete mit einem höflichen Ernste: Ja gnädiger Fürst / wann mir erläubet ist
/ ihrer Durchl. zuantworten / habe ich sie /ohn Ruhm zumelden / diese Zeit her
geführet / und wider meines gleichen StandesLeuten verteidigt / so oft sie mir
solche streitig machen wollen. Mitrenes hatte sich gerade gegen über gestellet
/ uñ lachete dieser Antwort gar hönisch; welches ihn heftig schmerzete / und nur
wünschete / gelegenheit zuhaben / ihn dessen gereuen zumachen / welche ihm bald
an die hand gegeben ward, dann nach geendigter seiner Rede / die Vologeses als
zu frech auffnam / sagte derselbe zu seinem Mitrenes: Als viel ich von diesem
jungen Teutschen vernehme / ist bei euch uñ ihnen eine grosse Ungleicheit im
Ritter-werden. Ja / Durchleuchtiger Fürst / antwortete dieser; wer bei uns in
Armenien Ritter heissen will / muss nicht allein das Maul /sondern vielmehr die
Fåuste zugebrauchen wissen; so lässet man auch keinen unter 25 Jahren zu / er
habe dann fünff Ritter herab gestochen / und solches ohn einige Bewägung im
Sattel / würde auch mit so einem jungen Knaben / wie dieser ist / sich niemand
leicht in Streit einlassen / da ihm nicht zuvor Zusage geschähe / es sollte ihm
an seinem Ritterstande keinerlei weise schimpflich sein. Herkules ward durch
solche äusserste beschimpffung dermassen entrüstet / dass er sich fast übersehen
hätte / begriff sich aber noch / und fing an: Allergrossmächtigster
Unüberwindlichster König /allergnädigster Herr; demnach Eure Königl. Hocheit
mich unwirdigsten vor einen Ritterlichen Diener angenommen / auch höhere Königl.
Gnade mir erzeiget /als meine Wenigkeit fähig sein kann / gelebe ich
alleruntertähnigst der tröstlichen Zuversicht / Dieselbe werden ihrem Diener
Freiheit geben / seine ritterliche Ehre zuhandhaben / solches bitte ich im
Nahmen und von wegen meiner allergnädigsten Fraulein / als deren Höchst Seel.
Herr Vater mich dieses Standes gewirdiget hat; setzete sich darauf in die Knie /
und erwartete genehmer Antwort. Der König sah ihn an / entsetzete sich fast vor
feinen feurigen Augen / und antwortete ihm: Weil du unser Diener bist / und
jener stolzer (den wir umb seines Herrn willen übersehen) dir zu nahe getreten
ist / soll dir ritterliche Freiheit erlaubet sein. Bald stund Herkules auff /
bedankete sich alleruntertähnigst / und sagte zu Vologeses: Durchleuchtiger
Fürst / Eure Durchl. mit einigem Worte zubeleidigen / bin ich nicht willens;
aber wer ihr auch seid (sagte er zu Mitrenes) habt als ein stolzer (wie Königl.
Hocheit euch gescholten) wider Rittergebühr mich beschimpffet / und ohn alle
gegebene Ursach euch gelüsten lassen / meine ritterliche Ehre zukränken; da ich
nun solches einfressen würde / währe ich nicht allein unwirdig / meines grossen
Königes Diener zusein / sondern dürffte auch keinen Fuss wieder in mein geliebtes
Vaterland setzen; begehre demnach Abtrag vor angelegte Schmach / oder ihr müsst
mir ohne Kampff nicht entgehen / wie jung und ungeübet ihr mich gleich haltet.
Mitrenes fürchtete sich vor dem Könige / hatte auch von seinem Herrn einen Wink
bekommen / glimpflich zufahren / deswegen gab er ihm diese Antwort: Habe ich
meinem allergnädigsten Könige zuwider gehandelt / so bitte von seiner Königl.
Hocheit ich dessen alleruntertähnigst Vergebung; taht hiemit einen Fussfall / und
ward von dem Könige begnadet; Zu Herkules aber sagte er: Jüngling / ich habe
dich nicht als einen Königlichen Diener beschimpffet / dann davor werden die
Götter mich wohl behüten / aber dass du dich vor einen Ritter angiebest /wovor du
nicht erkennet bist / habe ich unbeantwortet nicht lassen können; nun hastu über
das mich noch zum Kampfe ausgefodert / aber mein Jüngling / du weist noch nicht
was ein Kampf ist / und wirst solches zuvor müssen in der Schuele lernen / ehe
du dich vor die scharffe Spitze wagest / dann deiner drei oder viere würden mir
viel zu leicht sein / daher / Königl. Hocheit zu alleruntertähnigstem Gehorsam /
erlasse ich dich dieser Ausfoderung. Sihe da / antwortete Herkules / jezt
gabestu ja vor / ein Ritter müste nit dz Maul / sondern die Fäuste zugebrauchen
wissen / und du wilt mich gleich mit deiner ruhmråtigen Zunge zu bodem rennen /
ja meiner viere zugleich vornehmen? währestu ein vernünftiger Ritter / würdestu
nimmermehr solchen stolz brauchen; so gehe nun bald / uñ wapne dich / ich will /
ob Gott will / meines gewesenen Königes Ehre retten / und mit meinem Speer und
Schwert behäupte / dass dero Hocheit nie keine undüchtige in den löblichen
Ritterorden angenommen hat / da dann jederman sehen wird / wie wenig Teutsche
Nidrigkeit den Armenischen Stolz achte; bistu aber zu feige / allein
zuerscheinen / so nim noch ein Ungeheur zu dir / es soll dir hiemit erlaubet
sein. Der verwägene Mitrenes vermeinte des Schimpffs zubersten / warff seine
Handschuch vor Herkules nider /uñ sagte zu ihm: Da hastu dz Pfand / dz ich dich
in stücke zerhaue will. Herkules hub ihn auf / warff ihm den seinen hinwieder zu
/ mit halblachender stime sprechend: Da nim wieder hin mein Pfand / dz dein
stükhauen nur eine stolze Einbildung sei / uñ ich /dafern du durch abbitte mich
versöhne wirst / deines Lebens schone will. Der Köing geboht ihne / dz keiner
förder ein wort redete / oder sich am anon vergreiffe /bisssie auf dem Platze
erscheine würde; wodurch Mitrenes verhindert ward sein bedrauliches
grosssprechen fortzusetzen. Vologeses der älter / ein ansehnlicher / gerechter
und Kriegsverständiger Herr / und der grösseste im Reich / nach dem Könige / des
jüngern naher anverwanter / merkete wohl / dass sein Oheim dieses Spiel also
gefidelt hatte / welches ihm nicht wohl gefiel; Ihm warteten seine drei
Leibdiener auff /die aussbündigsten Fechter zu Charas / deren vornehmster Mentor
/ der ander Sabazes / der dritte Orsines hiess; diese stelleten sich Zeit solches
weitläuftigen Gespräches an einen Ort zusammen / und hielten ihre Unterredung;
so bald diese den Aussspruch des Königes höreten / und ihnen gänzlich vorgenommen
hatten / an diesem jungen fremden Ritter / der von Phraortes so hoch gerühmet
wahr / sonderliche Ehre einzulegen / machten sich anfangs zu ihrem Herrn hin /
und bahten untertähnig / ihnen zuvergünstigen / dz sie den ihnen von jenem
jungen stolzen Ritter angelegte Schimpf / Königl. Hocheit alleruntertähnigst
vortragen / und um gebührliche Rache anhalte möchten. Fürst Vologeses der älter
/ der auff diese Buben gross hielt / weil sie ihre schelmische Bosheit / durch
welche sie mannichen unschuldigen umb Ehr / Leben und zeitliche Wolfahrt
gebracht hatten / vor ihm ganz artig zuverbergen wussten / antwortete ihnen; da
sie beleidiget währen / stünde ihnen frei solches zu ahnen. Worauff diese drei
vor den König sich auff die Knie legeten / und Mentor / welcher in der Mitte sass
/also anfing: Allergrossmächtigster unüberwindligster König; euer Königl. Hocheit
alleruntertähnigst zu klagen / können wir nicht umhin / was Gestalt
gegenwärtiger / dieser fremdling uns alle drei auff freier Strasse / öffentlich
beschimpfet / in dem er uns / da wir ihn ganz höflich gegrüsset / den Gecken
gestochen / und als wir ihn darüben zu rede setzeten / uns zur Antwort gab; ob
wir nicht wüsten / dass er ein Königlicher / wir aber nur kahle Fürstliche
bedienete währen / und ihm daher frei stünde / uns seines gefallens zu haben.
Zwar wir hätten fuge und Ursach gnug gehabt / uns an ihm zu rächen / worzu wir
das Mittel an der Seite führeten / aber Königl. Hocheit zu alleruntertähnigsten
ehren / haben wir uns an dero Diener nicht wollen vergreiffen / sondern
derselben diesen uns angefügten unablöschlichen Schimpff klagen /und zugleich
umb allergnädigste Erlaubung anhalten wollen / unser Schwert / einer nach dem
andern wieder diesen Spötter und Geckenstecher zu wenden /und ihn zuunterweisen
/ dass er hinfüro ablasse ehrliche Leute dergestalt zubeschimpfen / dafern er
sein Leben vor uns bergen und erhalten wird. Phraortes entsetzete sich über
dieser Anklage / die er wusste falsch und ertichtet sein / wahr auch bereit
Herkules zu entschuldigen / welcher aber diese unvermuhtliche beschuldigung mit
grosser beständigkeit anhörend /sich nicht eins darüber bewägete / sondern nach
deren endigung sagte: Ihr drei Kläger / weil in vorbringung eurer Anklage ihr
mit Fingern und Häuptern auff mich gezeiget / muss ich mich vor den beklageten
halten; ich verzeihe euch aber diese Beleidigung ganz gerne /weil ich nicht
zweifele / ihr werdet an mir irren / und mich vor einen halten der ich nicht
bin. Mentor der Kläger sagte darauff: Mein Kerl / der Leute sind mehr in der
Welt als du / welche das Spiel / Hastu es getahn / so leugne nur / wohl gelernet
haben / und zugebrauchen wissen; und wann ich allein diesen Schimpff eingenommen
hätte / würde ich in ermangelung des beweisstuhms wohl ein Lügner heissen müssen /
aber diese meine beide Zeugen / denen ein gleichmässiges von dir begegnet ist /
werden mich in der Warheit schon steiffen / und deine Bosheit an den Tag legen.
Seine beide Gesellen fingen alsbald an ein solches mit zu bejahen / und erbohten
sich alle drei zum äide. Dessen entsetzete sich nun Herkules in etwas / blieb
doch bei seiner Sanftmuht / und erinnerte sie nochmahls / sich wohl zubedenken /
und keinen unschuldigen mit so schwerer Klage anzufassen. Weil sie aber
beständig dabei blieben; fragete er sie an was Ort /und zu welcher Zeit dann
solches geschehen wäre. Ihm antwortete Mentor / er fragete nach einem Wege
/welchen er wohl wüste. Nachdem aber der König ihre Antwort begehrete / sagete
dieser / es währe auff der Schlossgassen / zwo Stunden vor der Mahlzeit diesen
Morgen geschehen. Herkules gab zur Antwort: Ich ermahne euch nochmahls alle drei
/ dass ihr entweder euren Irtuhm / oder eure Bosheit bei zeiten erkennet und
bekeñet / sonst werde ich gezwungen / umb Handhabung meiner Ehre / euch
öffentlich zuschanden zu machen / welches ich doch ungerne tuhn möchte. Ihr Herr
Fürst Vologeses sagte zu Phraortes: Euer gewesener Diener muss sehr unverschämt /
oder meine drei Fechter die gottlosesten Buben sein. Dessen gebe ich mein Leben
/ Ehr und alle meine Haabseligkeit zu pfande / antwortete Phraortes / dass mein
gewesener Diener hierin allerdinge unschuldig ist / massen er diesen ganzen
Morgen biss an die Mahlzeit mit mir bei dem Königl. Frl. auff dem Schloss
gewesen. Sie liessens bei diesem verbleiben / umb der Zänkerei Ausschlag
zuvernehmen; dann als Herkules die Kläger abermahl also warnete / blieben sie
steiff bei ihrer aussage / und bestunden fest / dessen einen äid zu leisten.
Darauff wendete sich nun Herkules zu dem Könige / und sagete: Ich weiss nicht /
allergnädigster König / was vor ein neidisches Unglück mir diesen Tag also
nachstellet / und mich suchet zu einem Bube und Spötter zu machen; Nun getröste
ich mich meines guten gewissens und meiner Unschuld / welche gegen diese drei
gottlose Verleumder / die in ihrer offenbahren Umwarheit sich dürffen zum äide
anerbieten / ich leicht behäupten / und durch gnugsames Zeugnis / meiner
allergnädigsten Fräulein / meines gnädigsten Gross Fürsten / und der ganzen
Besatzung des Fräulein-Schlosses dartuhn wollte / dass umb die von diesen
Verleumdern ausgesagete Zeit /ich auf jeztgedachtem Schloss / und nicht auff
der Gasse gewesen bin. Aber dass nicht einer oder ander Ursach nehme / mich einer
Kleinmuhtigkeit zubeschuldigen / so erbiete ich mich / meine gute Sache unter
dem Schuz Gottes / wieder diese drei Verleumder mit dem Schwerte zuhandhaben /
weil ich vor Augen sehe / dass alle Anklage bloss zu dem Ende angesehen ist; mögen
sich demnach diese drei mit meinem ersten Feinde vergleichen / wer den ersten
Streit mit mir angehen soll. Mitrenes gab vor / weil er zum ersten aussgefodert
währe / hätte er billich den Vorzug. Herkules antwortete / es gefiele ihm soches
noch wohl / dass er nunmehr in wirdig und düchtig erkennete / mit dem er einen
ritterlichen Versuch tähte. Hingegen wante Mentor ein / nachdem er sich abermahl
auff einen äid beruffen hatte / sie währen am ersten beleidiget worden / daher
müste er ihnen auch am ersten zu rechte stehen. Ich will euch verleumdern und
lügenern solches nicht versagen / antwortete Herkules / und däucht mich selber /
ich könne mit der geringsten Mühe an euch den Anfang machen / weil es
vermuhtlich zu Fusse und mit dem Schwerte geschehen soll; bin also bereit auff
dem Vordersaal in gegenwart meines allergnädigsten Königes uñ aller HochFürstl.
Gesellschaft mit euch den Span zuschlichten / und erwarte den Ausspruch von
Königlicher Hocheit. FürstVologeses der älter stund auff / und redete ihn also
an: Herzhafter Ritter / ihr dürfet euch gegen meine drei Diener / als
hochbeschriehene Fechter nicht in Lebensgefahr wagen / dafern ihr nach eurer
Anzeige eure Unschuld darlegen könnet / welches ich euch fast zutraue / da dann
auff solchen Fall meine Diener empfinden sollen / wie feind ich allemahl der
bosshasten Verleumdung gewesen bin. Durchl. Fürst / antwortete er / mit grosser
Ehrerbietung / Eurer Durchl. hochgepreisete Gerechtigkeit und Helden-Tapfferkeit
hat den Preis des ganzen Erdbodens erworben / welchen ich zuerheben nimmermehr
vergessen will; weil aber mein ritterliches Ansehen allermeist auff der Faust
beruhet /so wolle Eure Durchl. gnädigst einwilligen / dass dieser Kampff vor sich
gehe / und sich versichern / dass Gott der Unschuld zu steuer legen werde. Wolan
/antwortete der Fürst / eure Tapfferkeit in dieser Jugend verdienet ein besser
Glük / als böse Buben euch zubereiten / und stelle ichs alles zu Königlicher
Anordnung. Artabanus kunte sich über seines Dieners unerschrockenen Muht nicht
gnug verwundern / hielt auch seine Unschuld vor schon erwiesen / wusste aber auch
/ mit was guten Fechtern ers würde zutuhn haben / und fürchtete sehr / er würde
sein Leben einbüssen müssen; wollte demnach in dieser Sache nicht sprechen /
sondern bestellete Phraortes an seine statt /welcher dann durch eine Wink von
Herkules leicht verstund / wie er die Urtel abfassen sollte / deswegen er also
anfing: Im Nahmen und aus Vollmacht Königlichen Hocheit / wird dem Königl.
Ritterlichen Diener Valikules hiemit die Freiheit gegeben / den Kampff wider
seine drei Ankläger fortzusetzen / so dass vorerst der Worthalter / hernach der
zur Rechten / und zulezt der zur Linken ihm fuss halten sollen / an was ort / und
auff was weise ers als Ausfoderer begehren wird / jedoch alles redlich und ohn
Vortel. Herkules bedankete sich des Ausspruchs / und alle anwesende verwunderten
sich dessen / die Verleumder aber hüpffeten vor freuden auff / und vermass sich
Mentor / dafern er unterliegen würde / wollte er sich selbst der Kreuzigung
zugesprochen haben; welches die anderen beiden ihm nachsageten. Herkules taht
als hörete ers nicht / foderte seine Ankläger aus auff den Vörder Saal /
daselbst schlug er einen zimlichen Kreis / so viel Raum zween fechtenden ohn
rükweich nöhtig wahr; und als der König mit der ganzen Gesellschaft zugegen
stund / sagte er: Trit her in diesen Kreis / du Verleumder / und wer von uns
beiden daraus schreiten wird / so lange der Kampf währet / soll am Kreuz die
Seele ausblasen. Die Augen branten ihm im Kopffe / und niemand hatte genauere
acht auff ihn / als Vologeses der älter / welcher als dem Könige am nähesten
stehend / zu ihm sagete: Dieser junge Ritter ist ausser allem Zweifel mehr / als
er sich ausgibt. Mentor hätte diese Kreisses-bedingung lieber ausgeschlagen /
aber die gesprochene Urtel stund ihm im Wege /und sein erworbener Fechter-Ruhm /
trat also hinein /und boht seinem Feinde die Spitze; welcher aber in einem
kurzen Lager / sein Schwert mit ausgestrektem Arme gerade auffrecht hielt /
woraus jener schon merkete / dass er keinen Schüler vor sich hatte / nam ihm auch
vor / alle Vorsichtigkeit anzuwenden; Sie versuchten beiderseits durch falsche
Augenwinke und Dräustösse einer den andern zuverführen / aber es wollte nirgend
zu / wiewol alle anwesende unserm Herkules den Vorzug zulegten / welcher sich
schämend / die Zeit vergebens zuzubringen / seinem Feinde / ehe er sichs versah
/ den rechen Arm mit einem Unterhieb lähmete / dz er das Schwert fallen liess /
jedoch mit der linken es wieder auffhuhb / weil ihn Herkules unterdessen nicht
beschädigen wollte: sondern redete ihn also an: Du Lügener / bekenne deine
Bosheit und meine Unschuld / oder du must das Kreuz bekleiden. Ich bleibe
beständig bei der Warheit / antwortete Mentor / und die erste Wunde ist mir eine
Auffmunterung von meinem Schlaffe. Sie bunden von neuen an / dann Mentor war mit
beiden Hände geübet / aber die empfangene Wunde / welche viel Blut gab
/schmerzete ihn sehr / und machte ihn kraftloss / daher ihm Herkules eintrat /
reiss ihm mit der linken das Schwert aus der Faust / und mit der rechten gab er
ihm mit dem Degenknauff eins wider die Stirn / dass er gestrekt hinter sich fiel;
worauff sein Uberwinder begehrete / dass er gefänglich angenommen würde /welches
die Königliche Trabanten auff Geheiss verrichteten; aber ehe sie sichs versahn /
zückete dieser seinen Dolch / und erstach sich damit. O ihr leichtfertige
Schelmen / sagte ihr Herr / Fürst Vologeses / wie tuht dieser überwundene eine
so klare Bekenntnis durch seine eigene Ermordung / mit was Bosheit ihr verknüpfet
seid. Herkules kehrete sich daran nichts /sondern rief dem andern / was er sich
lange säumete /sein Mitrenes wollte auch noch ein Stündichen zum Spielhaben;
Dieser Sabazes aber wendete ein / es währe nicht Fechterisch / sich in einen
engen Kreis einzuschliessen / welches einige seinem Gesellen allen Schaden
getahn hätte / deswegen begehrete er freien Raum zum Kampffe. So gib ihm Raum /
mein Valikules / sagte der König / dann die Unschuld kann auch auff freiem Platze
siegen. Ganz gerne / allergnädigster König / antwortete er; ging sehr eiferig /
und mit ausgestrecketem Lager auff ihn los / brachte ihm bald anfangs einen
Schnit über den linke Backe an /womit er ihn zugleich wehrloss machete / dann er
fassete mit der linken in seines Feindes Gefäss / und beugete ihm das Schwert aus
der Faust. Dieser begab sich auffs lauffen / aber Herkules hinter ihn an / und
stiess ihn mit dem genommenen Degen Gefäss hinten auff das Haupt / dz ihm die
Hirnschale borste / und in kurzem verschiede. Der dritte / Orsines / der es den
beiden vorigen in der Kunst nit gleich taht / ging mit erschrockenem Herzen
heran / hatte sich auch kaum recht ins Lager gestellet / da lag seine Faust mit
samt dem Schwert auff der Erden. Herkules fassete ihn an /und sagete: Mein / biss
du doch der vernünftigste /und bekenne die Warheit / alsdann will ich dich
verbitten / dass du beim Leben bleibest. Ja mein Herr /antwortete er / es ist
unser lauter Muhtwille gewesen /euch solche ertichtete Lügen aufzubürden / bloss
dass wir an euch Ehre erjagen / und nach eurem Tode euer gutes Kleid erbeuten
möchten; Wollet nun eurer Zusage nach bei dem Könige mir unwirdigen das Leben
verbitten. Aber sein Herr / Vologeses / trat hinzu /und sagte: Ein solcher
ErzSchelm müste sich ja nicht rühme / dass er mein Diener gewesen / und mit
seinen Lügen mich hintergangen hätte; zog hiemit sein Seitengewehr aus / und
stiess ihm solches / da er auff den Knien sass / durchs Herz. Dieser ruhmwirdige
Sieg wahr in einer halben Stunde gänzlich erstritten / und bekam der überwinder
/ aller anwesenden (den jüngern Vologeses ausgenommen) sonderliche Gunst; Der
König wünschete ihm mit wenig Worten Glük; Fürst Vologeses der ältere / rühmete
ihn öffentlich /und boht ihm alle Gnade an; gegen welchen er sich sehr
demühtigte / und sich glückselig preisete / eines solchen weltbeschriehenen
Fürsten Gnade erlanget zuhaben. Der jüngere Vologeses durffte wegen des Königes
nicht unhöflich sein / und sagte zu ihm: Ritter / ihr habt euch wohl erwiesen /
dass eure Jugend des Schwertstreites erfahren sei / möchte wünschen / dass ihr mit
meinem Mitrenes hindruch währet. Gnädiger Fürst / antwortete er / ich bedanke
mich beide des Ruhms und der gnädigen Gewogenheit untertähnig /möchte auch
wünschen / dass ich mit ihrer Fürstl. Gn. Diener gleich jezt im Werk wäre / dann
sein Maul hat ihn schon verrahten / dass das Herz sich auf keine Tugend / sondern
bloss auff die viehische Leibesgrösse verlässet / daher ich mit ihm als mit einem
grossen wilden Ochsen umgehen werde / es sei dann / dass er zu besseren Gedanken
greiffe. Dieser stund nit weit davon / dass er alles anhörete / meinte vor Zorn
zubersten / und dräuete / ihn in kleine bisslein zuzerhacken; Aber Herkules
lachete sein / und sagte: Ich gedachte / du Untihr würdest dich schon hinaus
gemacht haben / woselbst ich dich noch zu besserer Erkenntnis zubringen verhoffe.
Der ältere Vologeses kunte nicht unterlassen / seinem hochmuhtigen Oheim
einzureden / wie er doch immermehr einem Diener so viel Frevels gestattete /
wodurch der König gar leicht zu schwerer Ungnade wider ihn selbst könnte gereizet
werden; Aber der Neid / welchen er wider Herkules gefasset hatte /wahr so
heftig / dz er als blind und taub sich stellete. Herkules hielt bei Phraortes
an / den König zuersuchen / dass der Kampff unter der Fräulein Schloss gehalten
würde / welches Artabanus leicht bewilligte /und durch Phraortes dem Fräulein
anmelden liess / dafern sie ihren tapferen Diener Valikules / welcher schon drei
Fechter zu fusse erlegt hätte / wollte zu Rosse kämpffen sehen / möchte sie auff
ihren Ober gang treten / weil ihr doch nicht geliebete aus dem Schloss
zukommen. Sie liess sich von dem GrossFürsten alles Verlauffs berichten / und
sagete: O wie würde mein Herkules der gleichen Streite und Kämpffe so gerne alle
Tage antreten / wann er mich aus diesem Schloss stechen oder haue könnte; doch
bin ich ihm davor nit ein geringes verbunden / dass er meines Hochseel. Vaters
Königl. Wirde handhaben will. Phraortes tröstete sie / es würde der teure Fürst
schon mittel ergreiffen / sie zu rechter Zeit ledig zumachen /wozu zweifels ohn
ihm seine Kunstfarbe sehr vorträglich sein würde; Aber meine herzgeliebete Frl.
Tochter / sagte er / müste dem lieben Fürsten hierzu einen Muht und freudiges
Herz mache. Ja mein allerliebster Herr Vater / antwortete sie / wie gerne wollte
ich /wann solches in meinen Kräfften stünde. Darinnen bestehet es alles / sagte
er; soll ich aber so kühne sein / und sagen / wie? Ach ja / mein Herr Vater /
antwortete sie; unterrichtet mich / bitte ich / als eure Tochter / ich will
herzlich gerne folgen. Wol dann / meine Frl. Tochter / sagte er; Sie tuhe nur
diss / und gebe dem höchstverliebeten Fürsten nach diesem doch nicht mehr ursach
/ dass er trauriger von hinnen scheide / als er herkomt; ich fürchte / wo meine
Frl. Tochter in ihrer Härtigkeit also fortfähret / es werde sich des Fürsten
Herz in dem ungestümen Liebes Feur bald verzehren; was nun Eure Liebe vor Nutzen
daher haben würde / stelle ich derselben zu bedenken anheim. Das Fråulein
entsetzete sich der Rede / und sagte nach kurzem bedenken: Mein Herr Vater / wo
er mich väterlich liebt / wolle er mir entdecken / ob mein Herkules diese
Vorbitte an ihn gesucht habe. Nein / meine Frl. Tochter / antwortete er / er
weiss bei meinen Fürstlichen Ehren / nichts umb mein Vorbringen / stellet sich
auch allemahl im abscheiden von diesem Orte sehr frölich gegen mich / wiewol ich
sein heimliches leiden aus unterschiedlichen Zeichen wohl erkenne. Das Fräulein
gab sich hier auff zufrieden /und sagete als im scherze: Es sollte ihr Herkules
eines solchen kräfftigen und vollgültigen Vorbitters zugeniessen haben. Und die
Warheit zu sagen / drungen diese Reden der gestalt durch ihr Herz / dass ihr leid
wahr / ihm nicht alles eingewilliget zuhaben. Der Gross Fürst nam von ihr
Abscheid / sie aber putzete sich Königlich aus / und ward in aller eile eine
Schau Bühne vor den König und seine Fürsten auffgeschlagen. Der König wahr
zeitig zugegen mit seinem HofStabe / und stelleten sich die Kämpffer auch ein;
Herkules wahr der erste / hatte eine starke Rüstung an /so zu Ekbatana mit
sonderlichem fleiss aus dem festesten Stahl geschmiedet wahr; Auff dem Helm
führete er einen Greiff / auff dessen Brust stunden diese Worte: Pullum ereptum
quæro lugens. Das ist /Ich suche mein geraubetes junges mit grosser Betraurung.
Im Schilde stund der kleine David / und schlug dem Goliat das Häupt ab / die
ümschrifft wahr: Pietas victrix domat temerarios Die Sieghafte Gottesfurcht
zähmet die Verwägene. Seines eigenen Pferdes wollte er sich nicht gebrauchen /
weil er solches noch in keinem absonderlichen Treffen versucht hatte / und
seinen trefflichen Blänken hatte er zu Ekbatana gelassen / dass er von darab
sollte nach Persepolis gebracht werde /wählete deswegen Leches starken Rappen /
und ritte /von Tyriotes als einem vermeinten GrossFürstlichen Medischen Ritter
begleitet / nach dem Kampffplatze /stellete sich auch gleich gegen über / da er
wusste /sich das Fräulein anfinden würde. Der König sah ihm mit Lust zu / wie
artig er sein Pferd zusprengen /und dermassen sich im Sattel zuhalten wusste /
dass er zu Vologeses dem ältern sagete: Dafern die Erfahrenheit zu Pferde
zustreiten seiner Fecht- und Reit Kunst gleichete / würde ers seinem Feinde
leicht zuvor tuhn. Welches er beantwortete: Er hielte diesen Ritter vor einen
halben Wunder-menschen / der ohn zweifel mehr währe / als er sich ausgäbe.
Mitrenes von seinem Herrn begleitet / kam auch an / sah einem jungen Riesen
nicht ungleich / und ritte auff einem schweren Hengste. Sein Herr erinnerte ihn
seiner Tapfferkeit / und dass er diesen jungen Ritter nicht gering schätzen sollte
/ welcher mit seiner Geradigkeit den abgang der Leibeskräfte zuersetzen wüste /
ungeachtet es ihm doch auch an diesen nicht fehlete; Die Wette lieffe hoch an /
und auf den fall des Sieges sollte er davon 6000 Kronen zu seinem Anteil haben.
Dieser verwägene Mensch baht hingegen / er möchte doch keinen Zweifel an der
überwindung tragen; es währe ein grosser Unterscheid mit dem Speer zu Pferde /
und mit dem Schwert ohn Harnisch zu fusse zukämpffen / weil zuzeite hier die
Behändigkeit etwas schaffete / dorten aber wenig nützete; der Sieg würde mehr
liderlich als rühmlich sein. Wodurch sein Herr sich nicht wenig der überwindung
versichern liess. Ehe das Treffen anging / liess der König beiderseits anmelden /
dass wann zeit wehrendes Streits in die Tromete gestossen würde / sollte bei Leib-
und Lebensstraffe ihrer keiner einigen Schwertschlag mehr führen; welches zu
Valikules Lebensrettung angesehen wahr. Als das Fräulein mit bedecketem
Angesicht ihre Stelle bekleidet / und von ferne sich gegen den König tief
geneiget / er hingegen mit seinem Reichsstabe ihr freundlich gewinket hatte /
wurden den Kämpffern gleichmässige starke Speere zugestellet /welche sie
eigentlich besahen / bald darauff einlegeten / und mit solchem ungestüm auff
einander ranten /dass im Treffen die Speere splittersweise in die Lufft fuhren /
auch der grosse Mitrenes über jedermans vermuhten beide Stegreiff verlohr / und
auf des Pferdes Hals zuliegen kam / dass er mit äusserster mühe sich des Falles
entielt / da Herkules hingegen unbewäglich vorbei trabete / dessen alle Zuseher
/ auch Ladisla selbst sich verwunderte. Der ältere Vologeses sagte zum Könige:
Eure Hocheit nehmen dieses ihren Dieners wahr / welcher uns entweder zum
sonderlichen Glük / oder zum grossen Verderben von den Göttern zugeschicket ist.
Aber der Königschlug es in den Wind / ohn zweifel aus Gottes fonderbahrer
Schickung. Herkules foderte ein neues Speer / und der andere eilete zum
Schwertstreite / welches ihm sein Feind doch nicht gönnen wollte / einwendend /
es müste vor einer den Sattel räumen / hernach könnte das Schwert noch früh genug
geblösset werden; musste also dieser wider seinen Dank den andern Rit wagen
/welcher ihm so unglücklich geriet / dass er aus gehoben / und auff die Erde
geworffen ward / mit solcher gewalt / dass er über und über purzelte; doch erhub
er sich / und setzete sich wieder auf / wiewol mit solcher Scham / dass er kaum
sehen kunte. Phraortes sagte zu seinem Wettehalter: Den Schwertstreit mögen die
Götter und das Glük schlichten / im Stechen aber habe ich schon gewonnen. Ich
bekenne es / antwortete dieser / und hätte ich hinter diesem jungen Ritter
solche unmenschliche Krafft und Geschikligkeit im rennen nimmermehr gesuchet /
welcher ohn zweifel in stechen gar wenige seines gleichen hat / wie auch in der
Fechtkunst / aber wie ist eure Liebe doch an diesen Diener gerahten? Er hat sich
anfangs bei Mazeus angegeben / antwortete er / uñ ihn wissen lassen / dass er wohl
gesinnet währe / sich eine zeitlang bei einem Fürsten dieser Länder aufzuhalten
/ worauf er ihn an mich verwiesen / mich zugleich berichtend / wie er von ihm
sehr künstliche Schüsse gesehen hätte. Herkules setzete inzwischen mit
entblüssetem Degen auff seinen Feind / und flog daher mit seinem Pferde als in
Lüfften / liess das Schwert drei mahl umb den Kopff kommen / und als er seinem
Bestreiter nahete / sagte er zu ihm: Du hochmühtiger Grosssprecher / begehrestu
annoch meiner drei oder viere? Ich meine ja / du habest es mit dem Speer
erwiesen / dass Maul und Herz nicht eines Fleisches an dir sei; Dieser schämete
sich schon des Falles heftig / und machten ihn diese Worte vollend rasend / dass
er ohn einiges Wortsprechen Herkules mit solcher Wuht überfiel / als wollte er
ihn mit samt dem Rosse übern hauffen werffen / der ihm aber mit guter
Vorsichtigkeit begegnete / gebrauchte sich des Schildes / und verseumete nicht
/wann er gute und wirkende Schläge austeilen kunte /dass man in kurzer Zeit das
Blut von ihm rinnen sah /und taht überdas sein Pferd einen schlimen Fehltrit
/dass es mit ihm übern hauffen fiel. Herkules stieg auch ab / nahete sich zu ihm
/ da er noch auff der Erden unter dem Pferde lag / und sagte zu ihm:
    Sihe mein Kerl / wie leicht würde ich dich abschlachten / wann ich mich
meines Rechts un Vortels gebrauchen wollte; Aber damit du sehest / wie wenig mir
vor dir grauet / will ich dich zun Beinen kommen lassen. Dieser hatte sich gleich
hiemit lossgerissen /wollte die ihm erzeigete Gütigkeit nicht erkennen /sondern
trat mit solchen ungestümen Hieben auff Herkules dar / dass er gezwungen / ihm
die ersten Hörner musste ablauffen lassen / gebrauchete sich bald seines Schildes
/ bald seines geschiklichen ausweichens / biss er sich wohl abgearbeitet hatte /
da er zu ihm sagete: Hastu nicht bald ausgeraset / du wildes Tihr? griff ihn
damit / nicht weniger vorsichtig als ernstlich an / hieb ihm auch in kurzer
frist den Schild fast zu stücken /und gab ihm der Wunden so viel / wiewol sie
nit tieff durchgingen / dass ihm gleichwol der Harnisch roht gefärbet ward / uñ
sich mehr zu schützen / als seinen Feind zuverletzen musste bemühet sein; welches
Herkules merkend / ihm Gnade anbot / uñ zu ihm sagte: Mich jamert dein Mitrenes
/ deswegen tuhe mir Abtrag / sonst wird dein Lebe bald geendet sein. Weit
gefehlet / antwortete dirser; samlete auch alle Kräfte zusamen / uñ wollte
entweder bald verspiele oder gewiñen / dz er auch das übrige seines Schildes von
sich warf / uñ dz Schwert mit beide Händen fassete / ob wollte er seinen Feind in
der mitte von einand' haue; aber diese rechnung betrog ihn / massen ihm Herkules
fein ausweich / uñ nit desto minder seine Nachhiebe imer zu anbrachte / biss er
ihm endlich de Helm gar zerhieb / dz er im vom Kopfe sprang / worauff er zu ihm
sagete: Kanstu deine Gefahr noch nicht erkennen / so mustu alles Witzes beraubet
sein; so wiederruffe nun bald deine schmähungen / oder ich werde dich meinem
gewesenen allergnädigsten Könige zum Opffer schlachten. Noch wollte sich dieser
nicht finden /sondern gab zur Antwort: Nicht du / sondern das Glük / und jener
allerschönsten Fräulein Wiederwille hat mich so weit getrieben; aber bistu
redlich / so lass uns ohn Harnisch auff Fechter weise auch versuchen /dann ich
merke wohl / dass deine Waffen durch Zauberkünste unüberwindlich gemacht sind. Dass
leugestu Bube / antwortete er / und ob ich dir dein begehren abschlüge / bliebe
ich doch wohl redlich; doch dass du auch diese Entschuldigung verlierest / soll dir
gewilfahret werden; rieff Phraortes Leibdiener herzu / und liess sich von
demselben entwapnen / da Mitrenes ein gleiches verrichtete / und nach
abgelegtem Harnisch die Menge seiner untieffen Wunde inne ward / unter denen
etliche / weil die Blutadern getroffen wahren /sehr bluteten. Der König sah dass
sein Valikules Meister spielete / deswegen liess er alles geschehen /und kunte
seine unvergleichliche Herzhaftigkeit und wolgeschiktes Gefechte nit gnug rühmen
/ welches er aber ausser dem Harnische erst recht sehen liess; dañ da trieb er
seinen Feind dergestalt umb / und versetzete ihm so manniche tieffe Wunde / dass
der Platz schlipfrich davon ward / auch der arme Tropff sichs kaum mehr auffrecht
halten kunte / daher ihn Herkules abermahl zum Wiederruff ermahnete / aber an
dessen statt nur Schmässungen zur Antwort bekam / worüber er so eiferig ward / dz
er zu ihm sagete: Ey so solt und mustu auch die Straffe eines boshaften
Schänders ausshalten / wañ dein Kopf auch von Stahl und Eisen währe. Vologeses
der jünger sah / dass es mit seinem Diener am Ende wahr / und baht den König /
er möchte / allergnädigstem versprechen nach / den Kampff auffheben; welcher ihm
aber antwortete; so müste auch Mitrenes seine lästerhafte Zunge einhalten / und
unsern tapfferen Ritter und Diener unbeschimpfet lassen / weil er aber zum Kreuz
weder krichen kann noch will / empfähet er davor billich seine Straffe; ihr aber
schicket euch / die verwetteten Gelder ausszuzählen. Gleich mit dem Worte führete
Herkules einen überaus kräftigen Hieb / welcher in der Luft schallete / damit
zerspaltete er seinem Feinde das Häupt / so dass der Hieb durch die Brust / biss
fast auff den obersten Magenmund ging / sah auff gen Himmel / und dankete
seinem Gott vor den verliehenen Sieg / legte sein Schwert nieder auff die Erde /
uñ neigete sich gegen sein Fräulein; bald setzete er sich vor den König auff die
Knie und sagete: Allergnädigster König / euer hohen Königl. Gnade danke ich
untertähnigst / wegen gnädigster erläubnis zu diesem Kampfe / und werde hinfüro
von diesem hochmühtigen Schänder wohl unangefochten bleiben / dessen schlimmes
Herz und machtlose Fäuste sich in diesen Streitte gar zu sehr verrahten haben;
bitte daneben / es wolle der Durchl. Fürst / Herr Vologeses keine ungnade wegen
seines Dieners Tod auff mich werffen /weil derselbe sich selbst des Lebens
unwirdig gemacht hat / welches ich ihm zu unterschiedlichen mahlen angebohte.
Unterdessen schickete das Fräulein eine ihres Frauenzimmers herunter auff die
Streitbahn / welche den König also anredete: Unüberwindligster König / euer
Königl. Hocheit demühtigste Herkuliska / bittet untertähnigst / sie verständigen
zu lassen / welches Fürsten oder Herrn Diener der entleibete Bösewicht sei /
welcher hat zu geben oder gut heissen können / dass ihr Herr Vater
höchstmildester gedächtnis von dem Schandmaul durch schmähung seiner Ritter hat
müssen gelästert / uñ in seiner Ruhe getadelt werden. Nun hat unser gnädigstes
Fräulein Zeit wehrendes Kampffes einen gespañeten Bogen neben sich gehabt / des
steifen Vorsatzes / dafern ihr Diener in diesem Streite sich verzagt würde
gehalten haben /ihn mit ihrem Pfeil zuerlegen; nachdem er aber den Schänder
abgestraffet / ist sie in so weit vergnüget /doch wird ihm Vorbitte vonnöhten
sein / dafern er verzeihung hoffet / dz er den Streit ohn ihr erläubnis
angetreten. Sie behält aber auff Königl. Hocheit allergnädigste Einwilligung /
ihr die Rache gegen den Herrn des ertödteten Knechts bevor / als an dem sie ihr
Leben zu wagen entschlossen / darumb dass er seinem Diener in verachtung ihres H.
Vaters hat übersehen wollen / und gelebet der tröstlichen Hoffnung /ihre Hocheit
werde ihr nicht mindere Gnade als ihrem Diener wiederfahren lassen / dann sie
suchet nichts als einen rechtmässigen Kampff zu Fusse / und fodert hiemit
denselben zum Streite aus / wo er sonst so viel herzens hat / sich vor den
Streichen ihres Schwertes zu schützen. Der König erschrak der lezten Worte
/wusste nicht was er darzu antworten sollte / und sagete zu Vologeses; Bemühet
euch / mein Oheim / etwa durch Fürst Phraortes oder sonst einen andern meiner
Fräulein Hulde zuerlangen / weil kein Mensch in der Welt lebet / umb dessen
Willen wir unser verlobetes Fräulein und Königl. Braut zu unwillen reizen
werden. Vologeses wahr ein überaus stolzer Mañ / und dem Fräulein ohndass sehr
auffsetzig / weil er ihm die Hoffnung gem acht hatte / der König sollte seiner
Tochter die Königl. Kron auffgesezt haben; als er nun vernam / dass er noch bei
ihr als einer gefangenen umb Gnade anhalten sollte / antwortete er dem Könige:
Ich bitte untertähnigst / ihre Königl. Hocheit wolle eines gebohrnen Partischen
Fürsten und Königlichen Blutverwanten Wirde und Ansehen allergnädigst betrachten
/ dann ich will / als mein geträuer Diener / lieber ehrlich sterben / als
spötlich leben; sprang mit dem Worte zur Bühne hinunter / uñ mit seinem
Seitengewehr überlieff er Herkules / der Meinung ihm den Kopf zuspalten / hätte
auch ohnzweiffel seinen Vorsaz ins Werk gerichtet / wann nicht Herkules ihm
aussgewichen währe. Ladisla ward dessen inne / drang durch die Zuseher hin / und
fassete sein Schwert zur Faust / in willens seinen Herkules zuentsetzen /
welchen Vologeses annoch verfolgete / und einen Hieb führete damit er ihm das
Häupt abschlagen wollte / der im weichen aussglitschete / und langs hin auf den
Rücken fiel. Dazumahl wahr Ladisla nicht weit mehr von ihm / meinte nicht
anders / als sein allerliebster Freund läge Tod auff dem Plaze / deswegen er als
ein wahnsinniger Vologeses anrieff; Ey du meinäidiger Schelm / überfällestu
einen wehrlosen Ritter so bübischer Weise; rante noch immer zu ihm hin / in
Meinung / ihn niderzuhauen; aber das Fräulein kam ihm zuvor / fassete den Bogen
/ und mit einem vergüldeten Pfeil durch borete sie dem Meuchelmörder das Häupt /
dass er ungeredet zur Erden fiel / und mit Händen uñ Füssen zappelte / auch bald
darauff verschied; Als er aber niderstürzete / uñ ihm dz Schwert aus der Hand
fiel / traff es Herkules / und verwundete ihn am Halse zwar gar ein wenig / aber
so nahe bei der Luftröhre / dass wo es eines Halmes breit näher kommen / er
ohnzweifel des todes hätte sein müssen. Der König hörete den Pfeil zischen / und
sah zugleich Vologeses niderfallen / dessen er höchlich erschrak. Herkules aber
machte sich bald von der Erden auff / und lieff ihm das Blut auff der Seiten
nider / ging hin zu Ladisla / und hiess ihn / sich geschwinde hinweg machen /
damit er aus Gefahr und Gefängnis bliebe; welches er in acht nam / und seine
Herberge suchete. Inzwischen erhub sich ein neuer Lermen; dann das Fräulein
hatte ihren liebsten Herkules bluten sehen / da er auffgestanden wahr / meinte
auch nicht anders / er würde tödlich verwundet sein /worüber sie in eine harte
Ohmacht unter ihres Frauenzimmers Händen nidersank; welches der König ersehend /
zu Phraortes sagete: Bald schauet zu / mein Fürst / was dem Fräulein
wiederfahren sei / und ob sie noch lebe; im wiedrigen werden wir grausame
Straffen ergehen lassen. Herkules sah und hörete alles mit an / zweiffelte
nicht / es würde sein Blut dieses unfalles Ursach sein / deswegen er zu
Phraortes in geheim sagete: Versichert sie / dz ich nur gar ein wenig durch die
blosse Haut verwundet bin. Wol wohl / antwortete der Gross Fürst; machet ihr euch
aber bald aus dem Staube / umb weiteres Unglück zuverhüten. Hiemit ging Phraortes
schleunigst fort / den Königlichen Befehl zuverrichten; er aber stahl sich mit
Tyriotes heimlich hinweg / und liess Pferd / Harnisch und Schwert im stiche /
welches ihm doch Gallus bald nachbrachte. So bald das Fräulein / die sich wieder
erhohlet hatte / Phraortes auff dem Gange vor sich stehen sah / sagte sie auff
Griechisch zu ihm: Ach mein Vater / bin ich Tod oder lebendig? Lebendig /
lebendig / und mit dem geliebeten gesund / ohn dass er ein geringes Schram
wündichen von dem nidergefallenen Schwerte am Halse bekommen / ist auch schon in
guter sicherheit. Ey wohl an / sagte sie / so ergehe es ferner nach Gottes
Versehung; saget aber meinem Könige / da meinem Diener einige Gewalt
wiederrechtlicher Weise sollte angetahn werde / will ich mich von diesem Gange
hinunter stürzen. Gebet euch zu frieden / sagte Phraortes / es wird alles gut
werden; ging auch fort hin / dem Könige bericht einzubringen / der sich hoch
erfreuete / da er das Fräulein auffrecht stehen /und sich sehr tieff gegen ihn
neigen sah; ward auch von Phraortes auffs neue erquicket / als derselbe ihm der
Fräulein Gruss und Liebe (viel anders als er befehlichet wahr) anmeldete / und
wie sie / der volstrecketen Rache halben / untertähnigste verzeihung bitten
liesse / welche blöss allein zur erhaltung ihres Königes Hocheit von ihr
vorgenommen währe / vor dessen Gegenwart sich der Gewalttähter nicht gescheuhet
hätte /dero eigenen ritterlichen Diener mördlich ohn alle Ursach zu überfallen;
wollte auch ihre Königl. Hocheit wolmeintlich in aller untertähnigkeit erinnert
haben /dergleichen freveltahten nimmermehr zugedulden /weil dieselbe dadurch zum
allerhöchsten beschimpfet würde. Worauff der König der abgeschikten Jungfer
befahl / sie sollte dem Fräulein Königliche beharliche Gnade und Liebe anmelden /
und dass sie allen unmuht sinken liesse; wegen der verübeten billichen Rache
verzeihung zu bitten / währe ein überfluss / und hätte er hundert Oheime und
Söhne / die ihm solchen Frevel erwiesen / müsten sie es alle mit dem Leben
bezahlen; ihren Diener Valikules betreffend / sollte derselbe sich entweder ihrer
Gnade oder Straffe unterwerffen / je doch wollte er vor ihn bitten / weil er
unschuldig / und zu diesem Kampf bei den Haaren gezogen währe. Das Fräulein wahr
der genehmen Antwort froh / weil sie hiedurch Gelegenheit bekam / sich an ihres
Herkules Gegenwart zuergetzen / ohn einiges nachdenken ihrer getahnen
Verheissung. Er aber liess sich schleunig verbinden / uñ weil ihm Phraortes
botschaft taht / ging er mit dem Seitengewehr hin / gleich da der König
auffsitzen / und nach seinem Schloss fahren wollte / der ihn also anredete: Bald
gehe hin mit Fürst Phraortes / die Urtel von dem Fräulein zu empfahen / und da
sie dir Gnade erzeigen wird / hastu es unser Vorbitte zu danken. Herkules fiel
mit höchster Danksagung vor ihm nider / und gedachte in seinem Herzen / diese
Urtel wird mir noch wohl zuertragen sein; verfügete sich auch alsbald mit
Phraortes nach der Fräulein Gemach / da sie wegen des Frauenzimmers gegenwart
ihn mit ertichteten zornigen Augen ansah / und er sich grosses schreckens annam
/ auch den Gross Fürsten und die Anwesenden des Frauenzimers höchlich bat / eine
Vorbitte vor ihn einzulegen; da die abgeschikte / welche schon Bericht getahn
hatte / wieder hervor trat / und sie der Vorbitte ihres Königes erinnerte.
Worauff sie zu Herkules sagete: Ihr solt meines allergnädigsten Königes Vorbitte
genissen / sonst wahr ich willens / euch diesen Pfeil ins Herz zuschiessen. Er
kniete vor ihr nider / küssete ihres rockes Saum / und bedankete sich der
erteileten Gnade / vorwendend / die einige Ursach seines Kampfes währe seines
weiland allergnädigsten Königes verachtung / dessen Ehre zu rächen er nicht
umbgang haben können / wollte auch diese Stunde lieber sterben / als dessen
Schmähung anhören. Darauff trat Phraortes mit dem Frauenzimmer hinaus; Herkules
aber richtete sich bald auf / und an statt er des Rockes Saum geküsset hatte /
ward ihm anjezt des Mundes Saum / die korallen-rohte Lippen willig gegöñet /
wodurch er übernomen / gleich da sie ihm seine Wunde besichtigte / er sie also
anredete: Mein allerwertester Schaz / und einziger vorwurff aller meiner
ehrlichen liebes Begierden; traget ihr so grosses Mitleiden mit diesem geringen
Wündichen / dessen ich nicht eins empfinde? Lieber verbindet mir ohn ferneres
wegern die tieffe unleidliche Herzen-Wunde / welche ihr mit dem Pfeil eurer
unvergleichlichen schönheit mir gemachet / uñ betrachtet / bitte ich / dass
unsere Liebe nichts ungebührliches vornehmen kann / sintemahl unsere Ehe vor Gott
geschlossen ist; sollte dann diese meine herzliche Bitte noch nicht haften können
/ so erinnere ich mein Engelchen der heut früh getahnen Verheissung / dass auff
meine erste Wiederkunft auff dieses Gemach / mir meine eheliches Ansuchen sollte
eingewilliget und zugelassen sein. Das liebe Fräulein ward mit einer starken
Röhte überfallen / dann sie empfand sein inbrünstiges Ansuchen / welches sie
noch vordissmahl abzuwenden willens wahr / und fiel ihr doch unmöglich / ihm hart
einzureden / antworte ihm deswegen also: O meiner Seelen einige Wollust /lasset
uns dem Allerhöchsten danken vor die Gnade /die uns heut durch seinen Schuz
begegnet ist / und versichert euch hernach / dz ich mich euch allerdinge zu
ehren verpflichtet halte / ihr auch durch eure geträue Nachfolge umb mich wohl
verdienet / euch in züchtiger ehelicher Liebe als mein Gemahl anzunehmen; aber
ich bitte euch höchlich / mässiget vor dissmahl noch eure Begierden / uñ wie ihr
aller eurer Feinde überwinder seid / also überwindet euch selbst; Ihr / ob Gott
will / und sonst kein ander Mensch soll dessen geniessen / was euch schon in
kindlichen Jahren verspochen ist / nur / ist es möglich / so lasset ein kurzes
auffschieben euch nicht zuwider sein. Ach meine innige Freude / antwortete er /
vielleicht möchte Unglück unsere Beiwohnung noch länger verhindern / als wir
wissen oder hoffen / und werde ich nicht so bald wieder Gelegenheit haben / mich
bei meinem Schatze anzufinden / zugeschweigen / dass sie an allen ihren
Verheissungen mich würde zweifeln machen /wann bei der geschehenen ich einen
blossen schlagen sollte / und mag sie wohl trauen / dass dz gar zuheftige
Liebesfeur mich endlich durch ihre Gluk gar verzehren möchte; bedenket es
demnach / dass die Ehe ein Christliches Werk / und ein von Gott selbst
eingesetzeter Stand ist / darzu wir zwar durch einen Kirchen Lehrer sollten
eingesegnet werden; weil aber solches an diesem Orte nicht geschehen kann /
wollen wir mit einem andächtigen Gebeht umb Glük und Segen bei unserm Gott
anhalten / und in Gottes Nahmen unsere Ehe vollstrecken. Das Fräulein sah
schamhaftig vor sich nider / sagte / dass ihr unmöglich währe / seinen
Zweifelmuht länger zudulden können / hätte zwar seines vorhabens Auffschub gerne
gesehen / biss auff seine glückliche Wiederkunft; weil sie aber ihm als ihrem
Ehemahl zugehorsamen schuldig / wollte sie in aller gebührlichen Zucht sich ihm
hiemit er geben; traten mit einander vor den Tisch / und gelobeten auffs neue /
in Liebe und Leid einer den andern nicht zuverlassen / sondern von diesem Tage
an ihre Ehe geschlossen zu halten: Vollzogen also ihre Ehestifftung in
Gottesfurcht / und verblieben drei Stunden in dieser Ergezligkeit bei einander /
so dass sie meinten / alles ihr aus gestandenes Leid und Ungemach währe schon
gnug ersetzet. Als nun die Zeit des scheidens herzu nahete / redete ihn das
Fräulein also an: Mein herzallerliebster Herr und Gemahl /nachdem euch nicht
gefällig gewesen ist / eure Braut aus diesem Gefängnis zuführe / werdet ihr
nicht unterlassen / euer Gemahl / erster Mögligkeit nach / zuhohlen; dann Gott
ist mein Zeuge / dass bloss allein /eures Zweifels / und der Liebes- Angst euch
zubenehmen / ich in eheliche Vollstreckung eingewilliget habe / damit die furcht
/ als würde ich mich durch Artabanus Schenkungen blenden und verführen lassen /
euer Herz allerdinge verlassen möge. So will ich nun diesen Abend meine
rechtgemeinte Schreiben nach Padua und Prag auffsetzen / die falschen aber vor
Morgen nicht verfertigen / ob hiedurch Gelegenheit fallen könnte / euch noch eins
zusprechen. Unserm verliebeten Herkules gefiel der Anschlag nicht übel / nam
herzfreundlichen Abscheid / und in gegenwart des Frauenzimmers sagete er zu
Phraortes: Nachdem vor dissmahl von meinem Gn. Frl. ich nicht allein völlige
erlassung meines Fehlers / sondern auch zimlichen Unterricht eingenommen habe /
was zu Prage soll bestellet werden / haben Ihre Durchl. deswegen nicht länger
zuwarten. Es ist mir lieb / sagte der Gross Fürst / dann ich mir anfangs die
Gedanken machte / das Fräulein würde euch den Pfeil durchs Herz schiessen /mit
so feindlichen Augen empfing sie euch. Sie hat sich Gott Lob ganz geendert /
antwortete er / mit gnädigem versprechen / mir stets gewogen zuverbleiben /nach
dem Ihrer Gn. ich vollkommenen Bericht hinterbracht habe. Also gingen sie mit
einander davon / der Gross Fürst nach dem Schloss / Herkules aber wolgemuht nach
seinem Ladisla / dem er vermeldete / er hätte seinem Fräulein teuer versprochen /
inwendig halben Jahres frist sie aus dem scheinbaren Gefängnis loszumachen.
König Artabanus wahr inzwischen wegen des Unfalls seines Oheims Vologeses nicht
wenig betrübet / weil er aber sah / dass ihm recht geschehen wahr / und er
solche Straffe durch den mördlichen überfall wohl verdienet hatte / schlug ers
aus dem Sinne / und fragete bei dem Abendmahl / warumb Valikules nit auffwartete
/ und ob er bei dem Fräulein völlige Verzeihung erlanget. Da ihn Phraortes
berichtete / er währe wegen empfangener Wunde etwas unpass / hätte auch wegen der
morgenden Reise zubestellen / sonst hätte anfangs wenig gefehlet / dass er von
dem Fräulein auf dem Gemache erschossen währe; so bald sie aber Ihrer Königl.
Hocheit vorbitte und gnädigstes begehren verstanden / und Valikules zugleich
versprochen / keinen Streit hinfüro ohn ihre ausdrükliche Vergünstigung
anzutreten / währe ihm Verzeihung erteilet worde. Artabanus verwunderte sich des
überaus grossen und unerschrockenen Gemühts / welches dem Fräulein beiwohnete /
und sagete: Er wüste nicht / ob etwas göttliches in ihr verborge währe / weil
alles ihr so trefflich anstünde / und jeder / der sie sähe / sie zugleich
fürchten / lieben und ehren müste. Hernach redete er von Valikules ritterlichem
Kampffe / und dass er seiner Dienste in Beschützung seines Königlichen Stuels wohl
zugebrauchen hoffete / befahl endlich / Phraortes sollte ihn morgen zeitig früh
mit sich bringen / damit er des folgenden Tages hernach / die Reise fortsetzen
könnte. Nach gehaltenem Mahle / da sie kaum vom essen auffgestanden wahren /
berichtete Phraortes Leibknabe ingeheim / es währen Schreiben von Herr
Pharnabazus ankommen / welche er alsbald zu sich nam / und nach Verlesung sich
nach Herkules Herberge begab / welcher samt Ladisla ihn freundlich empfing / und
leicht schliessen kunte / es müsten wichtige Sachen obhanden sein / die den Gross
Fürsten bei spätem Abend nach ihrer Herberge trieben. Derselbe aber stellete
sich frölich / und fing an mit Herkules zuscherzen / da er zu ihm sagte: Mein
geliebter Herr Sohn / ich möchte wünschen / dass Eure Liebe so frisch und geherzt
bei ihrem Fräulein sich zuhalten wüste / als dieselbe sich heut im Kampff
erwiesen; als viel aber seine Geberden anzeigen / deucht mich / er gehe
trauriger von ihr / als er zu ihr trit / ohn heut musste er gewisslich eine
sonderliche Gunst auf vorhergehenden ertichteten Zorn erhalten haben. Mein Herr
Vater hat nit viel geirret / antwortete er / dann ich gestehe / dass durch ihr
heutiges versprechen ich nunmehr unser künftigen Ehe mehr dann zuvor versichert
bin / und sehlet an nichts mehr / als an Gelegenheit / sie von hiñen zuführen /
welche auszusinnen ich mit allen Kräfften mich bemühen will / nachdem ich aus des
Königes Reden und allen beginnen gnug abnehme / dass mit willen sie zuverlassen
er nit wird zubewägen sein. Der Gross Fürst befand dieses zu seinem Vorhaben sehr
dienlich / uñ gab zur Antwort: Ihr meine allerliebsten Freunde / ob ich gleich
sie nicht gerne misströsten wollte / kann ich doch versichert bejahen / dass
Artabanus lieber sein Leben / als das Fräulein verlieren wird; dann so oft ich
von ihr komme / fodert er mich allein vor sich / uñ fraget nach allen ihren
Geberden und Reden / auch / ob sie sein eingedenke sei / und einige Liebe und
Huld merken lasse; ja er lässet sich ungescheuhet vernehmen / es möchte ihm
unmöglich fallen / sein Feur noch ein ganzes Jahr zuunterdrücken / aus furcht /
es werde sein innerstes Mark verzehren / dessen er doch wenig mehr übrig hat /
vermeint also durch Geschenke sie zubewäge /ihr Gelübde zubrechen / und in
zeitigere Heirat einzuwilligen. Zwar ich weiss / wie man ihm den Safft durchs
Maul streichen / und nach Willen reden muss /da man in Gnaden bleiben will / daher
ich ihm das Maul weidlich auffsperre / wie inbrünstige Liebe sie zu ihm trage;
wie fleissig sie seinem Wolergehen nachfrage; beklage selbst / dass das gar zu
harte Gelübde sie hindere / ihm den schuldigen Willen in der Taht darzulegen /
hoffe aber / er werde an ihrem Untergange und Verderben keinen Gefallen tragen /
welches doch unvermeidlich folgen müste / da ihr vor verlauffener Zeit ichtwas
dergleichen sollte zugemuhtet werde. Solches und der gleichen habe ich diese Tage
vielfältig mit ihm geredet / dass endlich ich diese Frage an ihn abgehen liess:
Wann ihre Verwanten etwa umb ihre Erlösung anhalten würden / ob er sie würde
können abfolgen lassen? worüber er sich heftig erzürnete / und mit scheusslichem
Angesicht antwortete: Sein Leben und das Fräulein wären ihm gleiche lieb / wollte
auch ehe mit ihr einsam / als ohn sie ein mächtiger König aller Morgenländer
sein. Woraus meine Freunde und Herren Söhne ermässen können / wessen sie sich zu
seinem guten Willen zuversehen haben. Hernach zeigete er an / was gestalt Fürst
Vologeses der älter von Herkules offentlich über Tische gesagt hätte / es lege
unter einer schlechten Decke etwas verborgen / welches grosses Glük oder hartes
Unglück bringen würde. Sonst hätte der König befohlen / fleissige Nachfrage
zutuhn / wer auff den jüngeren Vologeses mit blossem Degen so unerschrocken
zugelauffen währe / und sich nicht gescheuhet hätte / einen so gewaltigen
Fürsten anzuruffen; welches ihm aber kein Mensch anzeigen können. Nun so wird
ers auch noch zur Zeit nicht erfahren /sagte Ladisla; Dass aber mein Herkules mit
Artabanus gutem Willen meine Frl. Schwester nicht überkommen werde / habe ich
mir lange schon die Rechnung gemacht; sollte sie aber ja auff keine andere weise
köñen gerettet werden / werde ich zum wenigsten mittel finden / ihm den Hals
zubrechen / es gehe hernach umb mich / wie Gott will; dann ich habe bei mir
selbst einen äid geschworen / dass ich sie ihm zum Gemahl nicht gönnen wolle.
Nicht so mein Bruder /sagte Herkules / du solt dich nicht in gewisses Verderben
stürzen / sondern wir wollen ohn Lebensgefahr glücklichen fortgang hoffen / habe
auch an dem Könige schon so viel gespüret / dass er äussersten Gewalt ihr nicht
aufdringen werde / und da ers tähte / würde sie ihn gewisslich des Lebens
berauben. Aber mein Herr Vater / sagte er zu Phraortes / wolle uns / bitte ich /
anzeigen / warumb dessen Liebe bei so spätem Abend uns in diesem schlechten
Hause zubesuchen wirdiget / wovor wir demselben verbunden bleiben. Ihr meine
Herren Söhne / antwortete er / die ursach meines unzeitigen besuchens ist eine
sehr vertrauliche Heimligkeit / den Zustand aller dieser Morgenländer uñ deren
Wolfahrt betreffend / die ich ihnen zuoffenbahren keinen scheuh trage / tuhe
solches auch nicht allein aus eigener Bewägung / sondern habe dessen Vollmacht
und Befehl von den mächtigsten Fürsten dieser Morgenländer; Erzählete ihnen
demnach /was gestalt etliche Fürsten eine beständige Verbündnis unter sich
auffgerichtet hätten / des gänzlichen vorhabens / das unleidliche Partische
Joch abzuwerffen / und die Persische uhralte Herschaft auff den alten Fuss
zusetzen; dann es hätten die Arsazier ihren wüterischen Hochmuht lange gnug
getrieben / uñ könten andere nicht mehr leiden / dass sie als leibeigene Diener
sollten gedrücket werden / und zwar von denen / welche vor diesem nicht wirdig
geachtet worden / in ihre Gesellschaft zutreten. Dieser Behuef würde anjezt eine
gewaltige Kriegsrüstung angestellet / welches dann so heimlich nicht geschehen
mögen /dz nicht etliche Verrähter es dem Könige hinterbracht / er auch selbst
deswegen von dem Könige herzu gefodert wahre. Nun hätte er sich zwar in den Bund
begeben / aber auff so verborgene weise / dass niemand /ohn ihr Häupt / und Herr
Pharnabazus Wissenschaft davon hätten / und weil er versichert währe / dass der
König ausser blossem Argwohn von ihm nichts wissen könnte / hätte er sich nicht
gewegert / anher zukommen. Jedoch seumete sich der König auch nicht /sondern
stellete hin und wieder / auch im Römischen Gebiete / Werbungen an / weil er
ausser seinen Parten / anderen Untertahnen wenig trauete; man achtete dessen
aber wenig / massen die Verfassung an ihrer seite schon dergestalt beschaffen
währe / dass man der Macht des Königes gnug begegnen könnte. Dass er nun zu seinem
Vorhaben gelangete / so hätte er ein Schreiben von Herr Pharnabazus gleich jetzo
bekommen /woraus die ursach seiner Ankunft leicht zuerkeñen währe; gab ihnen
solches zulesen / und lautete dasselbe also:
    Dem Durchleuchtigsten / Grossmächtigen Fürsten und Herrn / Herrn Phraortes /
GrossFürsten in Meden / etc. entbeut Pharnabazus seinen Gruss / und nähst
anmeldung untertähniger Dienste / verhält seiner Durchl. er nicht /was massen
von bewusstem er zu schreiben befehlichet ist / dass nunmehr die Zeit / unsichtbar
zusein / verflossen /und der Fuchs zum Loche aus muss / nachdem mahl etliche /
wiewol nidriges Standes abtrünnige / denen das Häuptwerk unbekant / an gegen
seiten so viel anzeige getahn / dass der Wüterich sein bevorstehendes Unglück
merket; Nun wird Eure Durchl. des versprechens K. Ladisla und GF. Herkules sich
annoch wohl erinnern / welches unserm Häupte ich vertraulich hinterbracht / und
er dessen hoch erfreuet ist / übersendet auch höchstgedachten Herren etliche
Kleinot / freundlich bittend / solche als ein Zeichen eines begierigen Willens
anzunehmen / und dafern es denen an ihrem hochlöblichen Vorhaben nicht
hinderlich / neben Euer Durchl. eh ist herüber zukommen / damit algemeiner
Kriegs Raht gehalten / und dem Werke ein glücklicher Anfang gemacht werden möge;
hingegen erbeut man sich / höchst gedachter Herren Vorhaben nicht minder als das
Hauptwerk selbst zubefodern /er wartend eh ist Eurer Durchll. ingesamt / genehme
Ankunft / etc.
    Ladislanam mit Herkules einen kurzen Abtrit / und sagte zu ihm: Geliebter
Bruder / Gott wird uns gewisslich in unserm Vorhaben behülfflich sein / und
deucht mich / wir müssen diese gute Gelegenheit mit beiden Händen ergreiffen /
nachdem wir ohn zweifel eines Schutzes werden nöhtig haben / auff den wir uns
zihen können. Ich bin dess mit dir eins / antwortete Herkules / aber dieser
Fürsten Hülffe wird das Fräulein nit aus dem Schloss bringen / dann es gehöret
zu viel darzu / einen solchen mächtige König aus seinem Stuel zuheben / und
diesen unüberwindlichen Ort einzunehmen / welcher umb der herumligenden Berge
willen von wenig Menschen kann geschutzet werden; und meinestu / Artabanus werde
den Feind biss an die Stadmauren kommen lassen? sihestu nicht / wie allerhand
Vorrahe nicht allein an Wehr und Waffen / sondern auch an Speisen und andern
nötigen Sache herein geschaffet wird / dass man kaum Raum hat auff den Gassen
zugehen? Ja wer zweifelt / dass er nicht eh ist sein Kriegs Herr / etliche
hundert tausend stark / in Fein des Land führen sollte? über das möchte ich
diesen König nicht gerne bekriegen helffen / in betrachtung / er mein Fräulein
so hoch ehret und liebt / sondern bin willens / vorerst gelegenheit zusuche /
sie in güte an ihn zufodern; versaget er mir sie dann / will ich schon wissen /
mich darnach zu richten. Gingen darauff wieder zu dem Gross Fürsten / und
erkläreten sich / sie eriñerten sich billich / wie hoch sie ihm und Pharnabazus
verpflichtet währen / wollten ihnen demnach sich zu aller Mögligkeit / wie
schlecht die auch sein möchte verbunden haben; dass sie aber der Hochfürstl.
Verbündnis sich pflicht-schuldig machen /oder einige gewisse Dienste annehmen
sollten / würde ihnen / wie anfangs erwähnet / nicht tuhnlich sein /doch mit
äiden der Träuheit sich belegen zulassen /wegerten sie sich nicht / wollten auch
dem begehren nach / mit gen Persepolis reisen / mit dem ausdrüklichen Vorbehalt
/ dz geschehenem verheissen nach /ihnen allemahl freier Abscheid mit gutem
Willen sollte zugelassen sein. Phraortes wahr mit dieser Erklärung wohl zufriede /
uñ reichete ihnen die übergeschikten Kleinot ein / die sich auff zwo Tonnen
Schatz belieffen / und sie dieselben wider ihren Willen annehmen mussten;
beredeten sich eines Schlusses / und schieden zimlich späte von einander. Des
Morgens sehr früh / vor der Sonnen Auffgang / zeigete Herkules seinem Ladisla
auff dem Lager an / er befünde ihr vor haben über dir masse verwirret / und
/welches noch dz schlimeste / langer Zeit bedürftig; man wollte erst nach
Persepolis reisen / von darab dz Frl. von Artabanus gütlich begehre / seiner
antwort erwarte; auf den fall der verwegerung (welches gewiss erfolge würde) sie
zum andernmale ernstlich und unter bedräuung fodern / dem Könige absagen uñ ihm
in sein Land fallen / da man wohl eine uñ andere Feldschlacht würde zu halten
haben (dañ also hatten sie es des vorigen Abends abgeredet); da möchte er nun
bedenken / was vor Zeit darzu gehören würde / in betrachtung dass Persepolis in
die 70 Meile von Charas abläge / und die Botschaft nicht hin und her fliegen
könten. Unmöglich aber währe es ihm / der Fräulein Erlösung so lange
auffzuschieben; dann seine allergrösseste Furcht währe / es möchte der König aus
liebes Ungeduld dem Fräulein die versprochene Zeit nicht gönnen / wie er dann
ausdrücklich in Böhmen durch sehr grosse Gelder solches von der Westen Pfaffen
zuerkäuffen / den Vorsaz hätte / und das Fräulein nohtwendig einwilligen müste;
hierauff trug er ihm seine Meinung vor / welche ihm Ladisla wolgefallen liess;
ging hernach mit des tages Anbruch nach Phraortes / und musste inzwischen Ladisla
ein Anfoderungs Schreibe an den König / und eines an das Fräulein auffsetzen /
als wañ sie schon vor 12 tagen geschrieben währen. So bald Herkules bei dem Gross
Fürsten anlangete / erzählete er ihm umbständig / was vor hindernissen ihm ein
fallen könten / welche ihn gewisslichen der Zeit / sein Fräulein zuerlösen /
berauben würden / und liess ihn wissen / was gestalt sein Bruder Ladisla gleich
jezt ein Anfoderungs Schreiben / als zu Persepolis geschrieben / auffsetzete /
welches sein Plautus als ein Abgesanter / geliebts Gott / Morgen nach seinem
Abzuge dem Könige einliefern / und umb schleunigste Antwort anhalten sollte /
demselben möchte er nun von seinen Reutern einen oder etliche zugeben / die ihn
des nächsten Weges nach Persepolis brächten / also könten sie fast einen ganzen
Monat Zeit gewinnen. Sehr wohl getahn / sagte Phraortes /und werden wir gestrigem
Königlichen Befehl nach /uns alsbald nach Hofe machen. Als sie sich daselbst
einstelleten / wurden sie alsbald vorgefordert / und sagte der König zu
Herkules: Mein / wie befindestu dich sider gestrigem Kampfe? wir meinen nicht /
dass ein so mächtiger Feind dir jemahls wiederstand gehalten habe / loben aber
deine Herzhaftigkeit / und dz du einer so vortreflichen Fräulein Diener zu sein
/ dich wirdig erzeiget haft. Allergrossmächtigster König /antwortete er / bei
meinem Feinde wahr mehr rasichte wuhr als herzhafte Stärke; es tuht mir aber
herzlich leid / dass der teure Fürst Vologeses mich durch unbefugten eure Königl.
Hocheit hochverletzenden Eifer überfallen / und darüber sein Leben eingebüsst
hat /bitte alleruntertähnigst / mir solches nicht zuzurechnen; erkenne mich
sonst viel zu unwirdig ihrer Königl. Hocheit / und dero Durchleuchtigsten
Fräulein Knecht und Diener genennet zu werden. Im übrigen bin ich bereit und
fertig / auff allergnädigsten Befehl die Reise nach Prag fortzusetzen / so bald
das Königl. Fräulein ihre Schreiben wird verfertiget / und was mündlich soll
bestellet werden / mir in einem Gedenkzettel zugestellet haben. Er hatte dieses
kaum aussgeredet / da vermeldete ein Trabant / es wåhre eine Jungfer aus der
Königl. Fräulein Zimer / die begehrete ihre Königl. Hocheit zu sprechen. Sie
ward alsbald vorgelassen / und brachte dieses vor: Ihre Königl. Hocheit wird von
meinem Gn. Fräulein untertähnigst gegrüsset / lässet nochmahl umb gnädigste
verzeihung wegen der an Fürst Vologeses begangenen Taht anhalten / und zugleich
demühtigst bitten / deswegen auff ihren Diener Valikules keine Ungnade zulegen
/nachdem sie verstanden / dass ihres ruhmwirdigsten Herr Vaters Königliche Ehr
nicht anders / als durch solchen Kampf hat können gerettet werden. So hätte sie
ferner gestriges tages mit ihrem Diener wegen der vorgenommenen Reise gerne
völlige Abrede genommen / währe aber durch gemühts Verwirrung sehr gehindert
worden / welches doch / da ihrer Königl. Hocheit es gefällig diesen Morgen in
wenig Stunden könnte verrichtet werden. Der König gab zur Antwort: Gehet hin /
und neben anmeldung unser Gnade und Hulde / vermeldet unserm unvergleichlichen
Schatze /sie habe verzeihung zu begehren keine Ursach / weil sie nichts
verbrochen / sondern an unser statt die Rache verübet hat / werde auch ihrem
Diener keine Ungnade zu legen / welcher alsbald mit gehen soll /die Schreiben zu
empfahen / und satten / so Schrift-als mündliche Unterricht seiner künftigen
Verrichtung einzunehmen. Und hörestu es Valikules? mache dich geschwinde hin zu
unser geliebeten deiner gnädigsten Fräulein / daselbst gib wohl acht was dir
anbefohlen wird / und halte dich ihrem Willen allerdinge gemäss; damit auch
nichts aus Eile vergessen werde / so bleibe auf ihrem Schloss / halte daselbst
Mahlzeit / und nach verrichtung / mache dich fertig zum morgende Auffbruch.
Herkules gedachte in seinem Herzen; angenehmer Befehl kann mir nicht auffgetragen
werden; neigete sich tieff / und erboht sich nach äusserstem Vermögen seinen
Gehorsam anzuwenden; redete kürzlich mit dem Gross Fürsten ab / dass die gedachte
Schreiben von Ladisla in bei der Nahmen unterschrieben / versiegelt / und
Plautus zugestellet würden / welcher mit seiner geringen Gesellschaft aus einem
andern Tohre reiten / und Morgen zum Schloss Tohr wieder herein kommen sollte /
seine Werbung gebührlich zuverrichten; machte sich alsbald darauff mit der
abgeschikten Jungfer und einem Königlichen Auffwarter nach der Fräulein Schloss
/ da er sein Gemahl in einer köstlichen Nacht Schaube bei dem Tische sitzend
antraff / gleich da sie das Schreiben versigelte /welches sie an ihre Schwester
Fr. Sophien zu Padua verfertiget hatte. Da sie nun ihren herzgeliebeten zu ihr
hinein treten sah / überging sie nicht eine geringe Scham / deren sie doch
durch freundliches Gespräch bald entnommen ward / da Herkules mit lieblichem
umbfahen zu ihr sagete: Mein herzgeliebtes Gemahl /ich stelle mich nach
Artabanus Befehl gehorsamst ein / meinem Seelen Schatze inbrünstig diesen ganzen
Tag auffzudienen / mit ihrem Frauenzimmer Speise zunehmen / und was zu Prag soll
verrichtet werden /wohl zu fassen. Sie lachete solcher Königlichen Vergünstigung
herzlich / und sagete hernach: Ich bedanke mich gegen meinen allerteuresten
Schaz und gebietenden Gemahl / wegen der willigen einstellung / und weil uns so
viel Zeit vergönnet ist / werden wir uns desto besser zubedenken habe / was
verrichtet soll werden; inzwischen wird mein Gemahl die angestrichene Farbe
ablegen / damit vordissmahl zu guter lezt / an meines herzergebenen Gemahls
freundlichem Angesichte ich mich ergetzen möge. Herkules wahr damit bald fertig
/ gönneten ihrer ehelichen Liebe alle züchtige Ergezligkeit / und offenbahrete
Herkules ihr alles / betreffend die Fürstl. Verbündnis / und was gestalt sie
morgendes Tages nach seinem Abzuge an den König sollte begehret werden / da er
ihr des Briefes Inhalt wissen liess / und sie darüber hoch erfreuet ward /so dass
sie nicht unterlassen kunte / zu ihm zu sagen; es währe ihr herzlich lieb / dass
sie in sein eheliches Ansuchen eingewilliget hätte / weil er dadurch zu solchen
heilsamen Gedanken gebracht währe / ihre Erlösung zubeschleunigen. Als sie in
solcher herzlichen ergezligkeit sich befunden / sagte sie weiter / Gott möchte
sie doch gnädiglich bewahren / dass nicht auff diese ihre innigliche und
volkommene herzens Vergnügung ein bitteres Unglück erfolgete / wovor sie über
alle masse sich fürchtete. Er aber tröstete sie /sie sollte dem Allerhöchsten
vertrauen / der würde ihnen die Züchtigung nicht über ihr vermögen aufflege /
sondern mit ihnen es also schaffen / dass sie es würden ertragen können.
Nachgehend zeigete er an /es sollte Leches aufs geschwindeste fortreisen / auff
dessen Wiederkunft er doch nicht warten / sondern zu rechter Zeit sich anfinden
/ und dem Könige aufbinden wollte / wie er von des abtrünnigen Phraortes Leuten
beraubet / nur sein Leben gerettet hätte. Mir zweiffelt an eurer Treue nicht /
antwortete sie / aber auff unsers Gottes Barmherzigkeit und Hülffe will ich mich
verlassen / und ist mir lieb / dass ihr eures Leches erwähnet / dann ich habe
mich gegen seinen Vater hoch verpflichtet / bitte demnach / ihr wollet ihm die
Handschrift wege der Räuber nidergesetzeten Gelder mit geben / dass er solche
einfodere / und mit übernehme / von welchem grossen Schatze ich ihm drei Tonnen
Goldes verehren will. Damit wird er seiner liebsten Libussen gar wilkomen sein /
sagte er /als mit welcher er sich zu Padua ehelich versprochen hat. Mit meiner
alleliebesten Trösterin Libussen? antwortete sie: Ey so hat dieselbe noch meinem
Willen folge geleistet / welches sie trauen soll zugenissen haben; stund hiemit
auff und hohlete aus ihrem Schatze etliche Kleinot auff viel tausend Kronen wert
/ welche ihr Leches zum Beutpfennige nebest den geschenketen Geldern mit bringen
sollte. Nach diesen fielen unterschiedliche beredungen vor / und ward des
Christlichen Glaubens nicht vergessen; dañ das Fräulein hatte ihr Glaubens
Büchlein schon biss zum Ende durch gelesen / wie auch die geschichte von
erschaffung der Welt / aus dem ersten Buch Mose / und was sie nicht recht
begreiffen kunte / liess sie sich von Herkules auslegen / womit sie in die zwo
Stunden zubrachten. Sie liess aber nach angelegter Kleidung ihre Hoffmeisterin
Fr. Sysigambis zu sich kommen / und zeigete ihr an / dass algemeiner Tisch sollte
gehalten werden / und würde dieser ihr Diener nach Königlichem Befehl mit ihnen
Speise nehme / weil sie noch viel mit ihm abzureden hätte. Dieses ward also zu
werk gerichtet / da dañ anfangs das Fräulein sich einer sonderlichen
Ernstaftigkeit annam / welche doch (weil ihr Herz voller Luft und Vergnugung
wahr) nicht lange wehrete / und fing sie darauff ihrem Herkules diesen Vorschlag
zu tuhn; sie zweifelte nicht / sagte sie / es würde ihr allergnädigster König
nach wolverrichteter Reise / auff seine glückliche Wiederkunft ihm eine
sonderliche Gnade antuhn / durch schenkung eines treflichen Landgutes oder
Herrschaft / und erhöhung zu einem ansehnlichen Königlichen Dienste; sie
hingegen wollte ihre Gnade sehen zu lassen / ihm eine Liebste aus diesem ihren
Zimer zu freien / jedoch ihm die freie Wahl lassen / und seiner Braut eine Tonne
Schaz zur heimsteuer verehren nebest gnugsamer Kleidung und Ehren Schmuk; sollte
deswegen Zeit wehrender Mahlzeit sich unter ihnen umbsehen / und die ihm am
besten gefiele / ausslesen. Das ganze Frauenzimer ward dadurch zum gelächter
bewäget / aber alle Anwesende Jungfern dergestalt im Herzen gerühret / das sie
ihre gewöhnliche Farbe verloren / dann es wahr keine unter ihnen / die nicht
wünschete / durch diese Heirat beseliget zu werden /daher die eine sich noch
freundlicher bezeigete als die ander / und Valiska dessen inniglich lachen
musste. Herkules nam es als im rechten ernst auff / bedankete sich anfangs der
hohen und unverdieneten Gnade /und hoffete / seine verrichtung dergestalt
ausszuführen / dz verhoffentlich sein Gn. Fräulein daran ein Vergnügen haben
würde; weil dañ dieselbe ihm gleich jezt die allerangenehmste Belohnung gnädigst
angebohten hätte / wollte er dasselbe vor seine höchste Glükseligkeit halten /
und hätte er bald im eintritte auff dieses Gemach seinem Herzen eine ausersehen
/mit welcher er zu leben und sterben begehrete; doch bähte er untertähnigst /
dass er dieselbe keinem Menschen / als dem Fräulein offenbahren dürfte / auch der
geliebeten selber nicht biss er seine Reise geendiget hätte. So seid ihr mit
eurer Wahl bald fertig worden /sagte das Fräulein / sehet aber zu und bleibet
beständig / damit ihr nicht in deren Orden tretet / welche allentalben / da sie
sich auffhalten / ihre liebsten haben. Davor sorgen eure Gn. nit / antwortete
er: Ich will meiner Ausserwählten meine Träue dergestalt versichern / dass
nimmermehr keine andere in mein Herz kommen soll. So seid ihr ein redlicher
Liebhaber /sagte das Fräulein: Und die anders gesiñet sind / achte ich unwirdig
/ dz ihr Buhle ihnen Träue beweise. Hilff Gott / Gn. Fräulein / sagete Fr.
Sysigambis / so würden hier zu Land sehr wenig / ja kein einiger redlicher
Liebhaber sein / weil einem jeden erläubet ist viel Kebsweiber zu haben. Wer ein
Kebsweib hat sagte das Fräulein / der ist seines Eheweibes Liebe nicht wert /
doch aussgenomen den einigen König. Nach geendigter Mahlzeit ging das Fräulein
mit ihrem Ehe-Schatze wieder nach ihrem eigenen Zimmer / wo selbst sie noch vier
Stunden bei einander verblieben /und allerhand liebes unterredung pflogen / biss
ihnen Zeit dauchte sich zu scheiden / da sie dann gar traurigen Abscheid nahmen
/ weil sie nicht eigentlich wussten / ob sie auch Zeit ihres Lebens sich in
dieser Welt wiederumb sehen würden; insonderheit vergoss das Fräulein ihre heisse
Trähnen / und redete ihn mit diesen Worten an: O ihr meine einige Wollust dieses
Lebens / ihr habt nun bei mir erhalten dass in ansehung eures geträue Herzen /
ich in ehelicher Pflicht und Liebe mich euch gegönnet / wie solches dann euch
und keinem andern Mensche in dieser Welt zu gedacht war. So bedanke ich mich nun
anfangs von grund meiner Seele / dass ihr nicht allein in Nachsuchung / sondern
auch in bekehrung meiner zu dem wahren Gott / so gar sorgfältig gewesen seid /
verspreche daneben vor dem Angesicht Gottes / dass keine Macht noch Schmeichelei
mich überwältigen soll / an euch brüchig zu werden / da mir sonsten meiner Hände
Freiheit nicht benommen wird; dañ der soll und muss unfehlbar durch mich sterben /
wer mir ein solches abzunöhtigen sich untersahn wollte / es gehe auch hernach
mit mir / wie es immer will uñ kann. Seid aber herzfreundlich gebehten / und
unterlasset nicht /oft an mich zu schreiben / da ihr durch Unfal euch bald
einzustellen soltet verhindert werden; insonderheit bedenket meinen Zustand /
und dass vielleicht vor aussgang des Jahrs unsere Ehe möchte entdecket werden; da
ich nun so lange alhier verbleiben sollte / ist ohn mein eriñern leicht
zuerachten wie es mir uñ eurem Fleisch und Blute ergehen würde; deswegen lasset
euch kein Ding in der Welt / ausser Gottes gewalt abwendig machen von dem / was
mich ausserhalb dieses Schlosses bringen kann; hernach werde ich bestand sein /
des Weges ungemach durch Gottes Hülffe zuerdulde. Zwar ich hätte auch meinen
herzgeliebten Bruder vor eurer Hinreise gerne gesprochen /jedoch weil es mit
fuge nicht geschehe kann / muss ich mich gedulden; bringt ihm aber diesen Ring /
mir vom Könige selbst geschenket / dass er ihn zum Gedächtnis auffrichtiger
Schwesterlicher Träue und Liebe trage / und seid unserm Gott ingesamt zu hundert
tausend mahlen. Befohlen / wollte sie hinzu setzen / aber der Zungen bedienung
kunte sie sich ferner nicht gebrauchen / deswegen verrichtete sie das übrige mit
freundlichem Kusse / da nachgehends Herkules antwortete: Mein allersüssester
Trost und einige ergetzung meines lebens; billig fiele ich in Gottes Zorn und
ungnade / wann ich einiges Misstrauen in eure Zucht und Träue setzete; da ich
dann hingegen euch ebenmässiges verheissen / und unbrüchig halten will; gläubet
mir aber / dass ich mir kein Ding in der Welt so viel / als eure Rettung werde
lassen angelegen sein; aber vor ausgang dreier Monaten dürfte es nicht leicht
geschehen können; jedoch / da etwa der Wüterich wegen des Beilagers in euch
dringen würde / so lasset michs wissen / wozu ihr eures Timokles werdet
zugebrauchen haben. Wir wollen aber mit Gottes Hülffe inwendig solcher Zeit dem
Könige dergestalt die Karte vermischen / und seinen Reichs Stand verwirren / dass
er mehr dem Kriege als der Liebe nachzudenken Ursach haben soll; sonsten
verspreche ich /euch zum wenigsten alle Monat zu schreiben; inzwischen seid dem
alwaltigen Schutze des geträue Gottes Herz inbrünstig befohlen / demselben
traget Abends und Morgens / ja stündlich euer Anliegen im Gebeht vor / und
tröstet euch mit seinem heiligen Worte /dessen ihr schon zu guter Gnüge
unterrichtet seid; alsdan wird uns wieder unsern mächtigen Feinden gelingen /
dass wir unsere in Gottes Nahmen angefangene Ehe fried- und frölich in
gewünschter Ruhe biss ans unvermögliche Alter / wo wir so lange leben sollen
/werden fortsetzen köñen. Umfing sie darauff inbrünstig / und schied mit
schwerem Unmuht hinweg / dessen er sich doch gegen sie nicht merken liess; Und
hatte sie ihn erinnert / dass Timokles Morgen zeitig früh am gewöhnlichen Orte
auffwartete / ob sie vielleicht noch etwas zubestellen hätte / wollte sie ihm
solches in einem hohlen Pfeile (deren ihr Herkules 12 zugestellet hatte) zu
schiessen. Als Herkules auff dz Königliche Schloss sich verfügete / wahr es kurz
vor dem Abendessen / fand Phraortes allein bei dem Könige / welche von seiner
fortschickung Unterredung hielten. Er lieferte dem Könige einen offenen Brieff
zu lesen / welchen das Fräulein an ihre Fr. Mutter zum Schein / in Lateinischer
Sprache geschrieben hatte /welchen der König ihm durch seinen Dolmetscher
vorlesen liess / uñ gefiel ihm dessen Inhalt sehr wohl /versiegelte denselbe mit
seinem grossen Pitschaft /und stellete ihn Herkules wieder zu; er lautete aber
also:
    Der Grossmächtigsten Unüberwindlichsten Fürstin und Frauen / Frauen Hedewig /
Königin in Böhmen / gebohrner GrossFürstin aus Teutschland / ihrer
herzvielgeliebten Fr. Mutter und Königin / entbeut Herkuliska kindliche Liebe
und Träue bevor / etc. Demnach nicht ohn sonderliche Versehung des Himmels / ich
euren mütterlichen Händen entraubet / durch viel Gefahr endlich dem
Allergrossmächtigsten Unüberwindlichsten Könige Artabanus /algemeinem Beherscher
der grossen Morgenländer zugeführet worden bin / hat dessen Königl. Hocheit nach
angebohrner höchster Gnade und Güte nicht allein mein Elend zu herzen gefasset /
sondern überdas mich unwirdige zu seiner Königl. Braut allergnädigst angenommen
/welches überaus hohe Glük euer mütterliches Herz mir ihrer einigen Tochter
nicht missgönnen / sondern mich schleunigst berichten wird / ob Eure Geistligkeit
gegen Auszahlung 200000 Kronen mich meines Gelübdes (wie ich gänzlich hoffe)
losssprechen können / damit umb so viel zeitiger meinem allergnädigsten Könige
ich möge zugeführet werden. Meinen übrigen Zustand / wird Zeiger dieses / mir
von den Göttern zugeschicketer Valikules mit mehrem berichte / welchen meine Fr.
Mutter nicht über XXIV Stunden aufhalten / und ihm als mir selbst / Glauben
zustellen wolle. Befehle mich hiemit Euer geträuen mütterlichen Hulde /
verbleibend / weil ich lebe / Euer Königl. Hocheit untertähnigst-gehorsamste
Tochter /Herkuliska die glückselige; und eine solche durch meinen allergnädigsten
König Artabanus.
    Der König foderte Herkules absonderlich / ihn fragend / ob er noch etwas bei
ihm zu werben / von dem Fräulein befehlichet währe. Nein / antwortete er / ohn
dass Ihre Durchl. anfangs an mich begehrete / Ihrer Königl. Hocheit ein Hand
Brieflein zubringen / darinnen sie umb etliche Gelder / der Geistligkeit in
Böhmen vor ihre Lossprechung zuübersenden / anhielt; nachdem aber deroselben ich
zuwissen machte / dass ich schon gedoppelt so viel vor mich empfangen /wovon
solches wohl könnte genommen werden / hat ihre Königl. Hochheit sie nicht in
weitere Kosten setzen wollen. Ey du einfältiger / sagte Artabanus / meinestu /
wir werden zugeben / dass den Göttern unsertwegen von deinem Gelde ein so
wichtiges Opfer bereitet werden sollte? oder gedenket unser Fräulein / dass unsere
Schazkammer umb so geringes Geldes willen in abnehmen gerahten werde? Befahl
darauff / dass man ihm noch vier Tonnen Schaz auff Wagen ladete / oder da es
füglicher währe / auff Maul Esel / die der Geistligkeit in Böhmen in seinem
Nahmen sollten geliefert werden / mit dem Erbieten / dafern die Götter hiedurch
sich noch nicht wollten versöhnen oder erbitten lassen / die Pfaffen nur getrost
von ihm fodern sollten /obs gleich etliche Millionen austragen würde. Die 20
Partische ädle Ritter / welche Herkules als zugeordnete dieser Gesandschaft
sollten mit gegeben werden /hatten / jeder mit einem Diener sich fertig gemacht
zu der morgenden Reise / und befahl der König / Phraortes sollte ihnen 200 Pferde
zur Begleitung biss an dz Syrische Meer / mit geben; Die freien Reise-Briefe an
die Römische Statalter in Syrien hatte der König selbst verfertigen lassen /
und begehrete derselbe eigentlich von Herkules zu wissen / gegen welche Zeit er
zu Prage sein / und mit der Geistligkeit daselbst handeln könnte. Dieser merkete
die Ursach seines nachfragens / dz er gegen solche Zeit mit dem Beilager
fortfahren wollte / und bestimmete ihm 18 Wochen / welches ihn zwar lange däuchte
/ aber doch dassmahl damit friedlich wahr. Es sollte Herkules bei dem Neben Tische
Mahlzeit halten / aber auff entschuldigung / dass er und der Gross Fürst gegen die
Morgende Reise noch allerhand zubestellen hätten /wurde sie erlassen / und
verfügeten sich hin nach Ladisla / der alles gegen den frühzeitigen Aufbruch
hatte verfertigen lassen. Sie foderte aber Timokles vor sich / redeten mit ihm
alle Notturft ab / uñ ermahnete ihn Herkules mit aller Freundligkeit / in seiner
bisher so redlich geleisteten Träue beständig zuverbleiben / dess wollte er ihn
höher beseligen / als seine Gedanken noch zur Zeit nicht fassen könten; gab ihm
dessen zum Pfande einen köstlichen Ring / und stellete ihm 12000 Kronen
Zehrgelder zu; Und wahr trauen nöhtig / dass dieser auff solche weise zur
Verschwiegenheit angehalten ward / als welcher alles ihr Vorhaben gar leicht
hätte können brechen und zu Wasser machen /worzu er doch zu redlich wahr; aber
wie bald hätte ihn Furcht und Geitz einnehmen können; Sihe wann der Anschlag
missglückete / oder man uns auff der Flucht ertappete / wer würde alsdann
grausamere Straffe ausstehen müssen / als eben du? hingegen /wann du dich zum
Könige verfügest / und ihm die Gefahr offenbarest / wird er dir ohn zweifel eine
ganze Herrschaft einräumen / und dich zu seinem Raht annehmen; Solche und
dergleichen Gedanken hätten mannichen bewägen sollen / das gewisse vors
zweifelhafte zuwählen / und beizeiten den Kopff aus der Schlinge zuzihen; aber
Timokles wahr der art nicht / sondern erklärete sich äidlich / mit seinem Gn.
Fräulein zugenesen und zuverderben. Worauff er von ihnen ernstlich vermahnet
ward / nicht so kärglich zuleben / als er biss daher getahn / sondern ohn
üppigkeit und Pracht / zwei Pferde und einen Knecht zuhalten / insonderheit
gegen seinen Hauswirt und Wirtin /auch Kinder / (deren sie eine zimliche Menge
hatten) sich freigebig zuerzeigen / dess würden sie ihm hinwiederumb geträu / und
in allem zu willen sein. Nun hatten sie es Leches noch nicht kund getahn / dass
er nach Padua fort sollte / wussten auch nit wohl / wie sie es mit den XX
Zugeordneten und ihren Dienern anschlagen sollten. Der Grossfürst meinte / man
würde sie in Meden alle müssen heimlich nidermachen; Aber Herkules war dawider /
sagte / es währen unschuldige Leute / und währe am besten / dass man sie alle in
Haft nehme / und sie wohl verwahrete / biss nach der Fräulein Erlösung / dann
könnte man sie ohngefehr lauffen lassen; aber so fest müsten sie gesezt werden
/dass sie weder losbrechen / noch jemand fremdes zu ihnen kommen könnte. Darauff
ward Leches vorgefodert / welchen Herkules also anredete: Es ist unvonnöhten /
mein Freund / euch der Schuldigkeit zuerinnern / damit ihr eurem Könige und
dessen Frl. Schwester verbunden seid / dann eure auffrichtige ritterliche Träue
habt ihr dergestalt schon zuerkennen gegeben / dz ihr euch dadurch zweifels-frei
gemacht habet. Anjetzo erfodert es hochgedachter eurer Gn. Fräulein Heil und
Wolfahrt / dass ihr mit Mardus und anderen Reutern / die euch sollen zugegeben
werden /nach Padua / und von dar ab weiter nach Prag zu der Königin reiset /
auch auf dem ganzen Hin- und Rükwege euch nichts / als Gottes Allmächtige Hand
auffhalten lasset. Auf der Reise sollet ihr anfangs in der bekanten Assyrischen
Grenze Stad / gegen Einlieferung dieser Handschrifft / einen sehr grossen
verpitschierten Schatz an Kleinoten und gemünzetem Golde erheben / und auff
Kamele und Maul Esel laden / euch damit nach Damaskus begeben / und von Herrn
Sulpitius etliche verwahrete Sachen zu euch nehmen /auch zu Seleuzia ein
gleiches verrichten / hernach über Meer nach Padua mit einem eigenen Schiffe
segeln / alle Güter (ohn die ich auszeichnen werde) bei H. Fabius nidersetzen /
uñ mit schnellen Pferden nach Prag reiten / gewisse Kleinot / Gelder und Briefe
dahin zubringen / hernach mit einer guten Anzahl Böhmischer Ritter / so viel
Geschwade ihr deren inwendig zween Tagen zusammen bringen könnet /euch von darab
nach Persepolis begeben / damit auff allen fall / wir unsere eigene Leute umb
uns haben mögen. Auch können zu Padua / weil ihr nach Prage seid / etliche
Fähnlein gute Ritter geworben werden /woran ihr kein Geld sparen sollet. Umb die
Vergeltung eurer Mühe seid unbekümmert / euer Gn. Fräulein selbst hat mir schon
eine gute Anzahl Kleinot /die ich euch hiemit einhändige / zugestellet / welche
ihr eurer Libussen zum Beutpfennige überbringen /und von den Assyrischen Geldern
drei Tonnen Schatz darzu legen sollet. Fr. Brelen sollen auch 100000 Kronen /
wegen der mir und dem Fräulein vorgesetzeten Gelder / und Fr. Euphrosynen 60000
Kronen ausgezählet werden. Was ich absonderlich nach Teutschland übergemacht
habe / wird die Königin von Prag ab / schon weiter fort schicken. So bedenket
nun abends und morgens / dass meiner Frl. Ehr und Leben fast allein auff eurer
Eile beruhet / welches euch schon anspornen wird / den Weg ungeseumet
fortzusetzen. Leches wusste nicht / wz er vor grösser freude antworten sollte /
nicht so sehr wegen der überaus grossen Schenkungen / sondern dass er gelegenheit
bekam / seiner Obrigkeit behägliche Dienste zu leisten / und überdas noch seine
einig-geliebete Libussen zusehe; setzete sich deswegen auf ein Knie / küssete
Herkules die Hand / und nachdem er ausszustehen befehlichet ward / antwortete
er: Durchleuchtigster / GrossFürst /gnädigster Herr / nichts kann mich in dieser
Welt höher erfreuen / als dass meinem gnädigsten Könige /dem Durchl. Fräulein /
und Euer Durchl. einige angenehme gehorsame Dienste zuerzeigen / ich die
gelegenheit bekomme; gelobe demnach bei ritterlichen Ehren / dass ungesäumet Tag
und Nacht ich dergestalt eilen will / dass wo mich Gott nicht verhindert / vor
angesetzete Zeit bei Ihrer Gn. ich mich wieder einzustellen hoffe. Die getahne
Schenkungen reichen weit über meine Unwirdigkeit / nehme sie doch von wegen
meiner Liebesten untertähnigst an / und verbinde Leib und Leben zu ihrer Gnn.
Diensten. Es wurden ihm darauff alle auffgesetzte Schreiben eingehändiget /und
absonderliche köstliche Kleinot an gute Freunde zu Padua; auch befahl ihm
Ladisla ernstlich / von Kajus Fabius Verlust kein Wort zugedenken / sondern dass
er nach Persepolis gereiset gewesen / und daher nit hätte schreiben können /
auff dass die Freundschaft nicht zu heftig betrübet würde. Phraortes trug gute
Wissenschaft umb Leches bevorstehende Reise / stellete ihm deswegen sonderliche
Verehrungen zu / welche er seiner Liebsten mitbringen sollte / bestellete ihn zum
Obristen zu Ross und Fuss / und gab ihm 50000 Kronen auff die Hand / mit dem
versprechen / so bald Arbianes fliegendes Heer gerichtet würde / sollte er den
Feldmarschalks-Platz dabei haben. Hierauff musste er noch diesen Abend mit allen
Schätzen / unter der Begleitung 50 Medischer Reuter / des geradesten Weges nach
Assyrien fortgehen / und dass weder der König noch Herkules Zugeordnete daher
einigen Argwohn nehmen möchte / zeigete Phraortes ihnen des folgenden Morgens an
/ es währe zu dem ende geschehen / dass man desto besser forteilen könnte / die
ledigen Reuter würden ihnen bald nachsetzen. Es ging aber Leches sehr glücklich
fort ohn einigen Räuberischen Anfall / bekam in der Assyrischen Grenze Stad die
wolverwahreten Güter auff vorgezeigete Handschrifft / seumete sich hernach zu
Damaskus und Seleuzia auch nicht / schickete von darab seine Medische Begleitung
mit gute Geschenken zurück / und bekam daselbst ein Italiänisches Schiff / auff
welchem viel Kauffleute von Ravenna und Padua wahren / ladete seine Schätze
darein / und sägelte mit gewünschet-gutem Winde nach Korint zu. Phraones ging
des Morgens nach Leches abzuge /mit Herkules / Ladisla / und den 20 Zugeordneten
des geradesten Weges nach Meden / als wann Leches eben denselben Weg genommen
hätte / und wurden nach gemachtem Anschlage obgedachte zugeordnete Parter
nebest ihren Dienern von Phraortes Reuterei /die noch hundert Mann stark wahr /
des dritten Tages nach ihrem Auszuge / auff ihrem Nachtlager gefänglich
angenommen / welche an die äuffersten Grenzen des Medischen Landes geschicket /
und in fleissiger Huht bewahret wurden; hingegen setzeten Phraortes /Ladisla und
Herkules mit ihren wenigen ritterlichen Dienern ihren Weg nach Persepolis fort.
Plautus aber kam gegen den Mittag zu Charas wieder an / voller Staub und Koht /
ritte in solcher gestalt nach dem Königlichen Schloss / und liess sich anmelden
als einer /der von fremden und unbekanten Fürsten bei Königl. Hocheit etwas
anzubringen hätte / welches auff der eile bestünde. Artabanus liess in beisein
Fürst Vologeses und anderer Gewaltigen ihn vorfodern / da er nach geziemender
Ehrerbietung also anfing: Eure Königl. Hocheit werden von meinen gnädigsten
Herren /dem Erbkönige in Böhmen / Herrn Ladisla / dann auch von dem GrossFürsten
aus Teutschland / Herrn Herkules untertähnig gegrüsset / senden Ihrer Hocheit
dieses Schreiben / und befehlen sich deren Huld und Gnade. Der König ward dieser
Zeitung sehr froh /hiess den Abgesanten mit einer güldenen Kette verehren / und
wirdiglich halten / bedankete sich des übergebrachten Grusses / und fragete nach
ihrem Wolergehen; welches Plautus mit wenigen beantwortete / uñ dass solches aus
dem Schreiben ohn zweifel erhellen würde; welches der König brach / und
folgenden Inhalt lase:
    Dem Allergrossmächtigsten Unüberwindlichsten Fürsten und Herrn / Herrn
Artabanus / der Parter und sämtlichen Morgenländer Könige / wünsten Ladisla
aus Böhmen und Herkules aus Teutschland Glük und Heil. Demnach unsere
hochgeliebte / nach unterscheid / Fräulein Schwester und Wase / Fräulein
Herkuliska durch Räuber Hände aus ihrem Vaterlande wieder Recht und billigkeit
entführet / und über Meer und Land an diese weitabgelegene Orter fortgeschleppet
worden / haben wir allen möglichen Fleiss angewendet / dieselbe auszuspüren /
auch nach vielem hin und wieder reisen endlich den gewissen Bericht eingezogen /
dass nach aussgestandener grosser Mühe und Gefahr sie eurer Königl. Hocheit in
Jünglings Gestalt zugestellet sei / jedoch nicht wissen köñen / ob dero Stand
und herkommen eurer Hocheit sei zu wissen gemacht; als erachten wir eine
Notturft / dieselbe zuberichten / dass sie Königliches Geblütes / und nicht
verdiene / als eine gefangene oder Leibeigene gehalten und versperret zu werden;
bitten demnach untertähnig / obgedachte unsere Frl Schwester uñ Wase / nicht
allein ihrem Stande gemäss halten zulassen / sondern uns zugleich gnädig wissen
zumachen / mit was Lösegelde wir den Schimpff ihrer Gefängnis und Dienst barkeit
abwischen / und sie in vorige Freiheit setzen können /damit sie ohn alle
Verletzung ihrer Ehren und Zucht /ihrer Fr. Mutter / der herschenden Königin in
Böhmen /als eine der Göttin Vesta verlobete / eh ist wieder möge zugeführet
werden; zweiffeln nicht / ihre Hocheit werde zu beschützung Königlicher Ehre und
ansehens / unserm untertähnigen uñ rechtmässigen ansuchen statt geben /und mit
gewünscheter Antwort uns schleunigst erfreuen; solches umb eure Hochett
zuverdienen / wir äussersten vermögens wollen verpflichtet sein / dieselbe dem
Alwaltigen Schuz Gottes zu aller Glükseligkeit geträulichst empfelend / als
ihrer Königl. Hocheit bereitwilligste gehorsame / Ladisla und Herkules.
    Nach verlesung fragete der König den Gesanten /ob er auch ein Schreiben an
das Fräulein hätte / und auff bejahung musste ers von sich geben / ungeachtet er
einwendete den Befehl zu haben / dass ers dem Fräulein selbst liefern sollte. Auch
forschete der König / an was Ort und Ende seine Herren Söhne sich auffhielten
(dann Ladisla hatte solches aus Vorsaz nicht hinzu gesetzet); worauff er
anzeigete / er hätte seine Gnn. Herren zu Susa verlassen / welche aber willens
gewesen / des folgenden tages nach Persepolis zu reisen / und daselbst biss auff
seine Wiederkunft sich unbekanter weise auffzuhalten. Artabanus ward der Zeitung
traurig / dann er wahr willens / ihnen etliche tausend Pferde entgegen zu senden
/ und sie Königlich einzuhohlen. Er legte es fleissig bei sich über / befand
aber nit rahtsam diese Anfoderung dem Fräulein zu entdecken / und trug doch
verlangen des andern kleinen Briefleins Inhalt zu wissen / daher er dann Plautus
in eine gute Herberge legen / und wohl bewirken lies / welcher dann sich bald
nach Timokles verfügete / und mit verlange auff seine Abfertigung wartete.
Artabanus aber erbrach ihren Brieff und lase folgenden Inhalt: Herzgeliebete
Fräulein Schwester; mit freuden haben wir deine Gesundheit erfahren / und dass du
mit behalt deiner Ehren zu Charas dem Grossmächtigsten Könige Artabanus
überliefert bist / welcher seiner hohen Weissheit und Güte nach / mit dir schon
wird zugeberden wissen; weil uns nun dein Zustand offenbahr ist /und wir umb
deine Erlösung an den grossen König geschrieben haben / auch dessen Hocheit
ausser allem zweifel uns gewierige Antwort geben wird / hoffen wir dich bald zu
sehen und mündlich zu sprechen. Inzwischen biss der Obhuet Gottes befohlen / von
deinem geträuen Bruder Ladisla / und bereitwilligen Oheim Herkules.
    Der König wunderte sich des kalten Briefes / enderte sein vornehmen / und
liess der Fräulein Hoffmeisterin zu sich fodern / deren er das ergangene
erzählete / und dz er zugleich ein Brieflein an das Fräulein /jedoch geringes
Inhalts empfangen hätte / reichete ihr auch dasselbe / gebührlich einzuliefern.
Das Fräulein empfing solches mit ertichteter Fröligkeit / wusste zwar den Inhalt
schon / und lase ihn doch gar begierig / dass Sysigambis alles hörete / welche
darauff zu sagen sich nie entalten kunte; das ist trauen ein kaltes Schreiben
von einem Bruder und Oheim / welche eure Gn. nicht sonders lieben werden.
Geliebte Freundin antwortete sie / ich weiss wohl / dass sie mich beiderseits
lieben / und bilde mir ein / sie schreiben so schlecht hin / weil sie gedenken
dass mirs schlimer gehe / als geschihet. Weil sie nun von ihrem Herkules schon
unterrichtet wahr / was vor eine Antwort sie darauff geben sollte / setzete sie
dieselbe geschwinde auff / sendete sie dem Könige alsbald unbeschlossen zu / mit
bitte / es mit seinem Pitschaft zu versiegeln /und den Bohlen mit gefälliger
Antwort abzufertigen; unterrichtete daneben diese Frau / wessen sie auff
befragung sich weiters erklären sollte. Dem Könige gefiel das Schreiben über alle
masse wohl / liess auch seine Antwort alsbald auffsetzen / damit der Abgesante
nicht auffgehalten würde. Er fragete aber fleissig nach / mit was Geberden und
bezeigungen das Fräulein die Anfoderung ihres Brudern angehöret. Worauff sie
sagte: Nicht anders / als hätte man sie geheissen den Königlichen Schmuk abtuhn
/ und einen geringen Kittel anlegen; doch entschuldiget sie ihren Bruder und
Oheim mit der Unwissenheit ihres jetzigen herrlichen Zustandes / und gelebet der
festen Zuversicht /sie werden nach dessen erfahrung sich schon eines andern
bedenken; sollten sie aber über alles verhoffen auff ihrer Meinung fest bestehen
/ und der König mit beharlicher Liebe ihr gewogen bliebe / wollte sie der ihrigen
wenig achten / und auff solchen Fal schon wissen / sich also zuerklären / dass
sie zu besseren Gedanken greiffen sollten. Artabanus gab zur Antwort; Sie sollte
das Fräulein seiner beharlichen Gnade versichern / und dass er den ihrigen auffs
gnädig-gewogenste antworten / auch solche Verehrungen übermache wollte / woraus
sie seine Gnade sollten spüren können. Ward auch Plautus des folgenden Tages nach
Mittage unter der Begleitung 600 Reuter abgefertiget / welche biss in die lezte
Partische Grenze Stad fortgehen / daselbst mit den Königlichen Geschenken
verharren und nicht abzihen sollten / biss dieselben abgefodert währen.
    GrossFürst Phraortes mit unsern Helden und ihrer kleinen Gesellschaft gingen /
wie gesagt / von den Medischen Grenzen eilig fort nach Persepolis / kamen
daselbst des zwölfften tages nach ihrem ausszuge von Charas bei spätem Abend an /
und gaben sich vor fremde Ritter aus / welche Lust hätten in Kriegsbestallungen
sich gebrauchen zu lassen / deswegen ihnen eine Herberge angewiesen ward / in
welche sie einkehreten / den jungen Fürsten Arbianes und Herrn Mazeus daselbst
antraffen / und folgenden Morgen Herrn Pharnabazus zu sich bitten liessen / der
sich ihrer Ankunft sehr freuete / und GrossFürst Artaxerxes heftiges Verlangen
nach ihrer Gegenwart / ihnen zu wissen machete / mit vermelden / König Artabanus
hätte schon zum andernmahl Schreiben an die ReichsFürsten abgehen lassen / und
sie bei Leib und Lebensstraffe nach Hofe gefodert / des ReichsNotturft
zuberahtschlagen / mit angehängtem Befehl / da ein oder ander / Krankheit
vorwendete / sollte er sich dem Brieffebringer zeigen / und an seine statt einen
Sohn /mündig oder unmündig / in mangel dessen aber / drei seiner nähesten
Anverwanten hinsenden / und sollten die Ungehorsamen alsbald vor Auffrührer
gehalten und abgestraffet werden. Inzwischen währe aller Mannschaft in Parten
angesagt / sich auff alle Stunden zu Tage und Nacht fertig zu halten / worüber
etliche Bundgenossen sehr bestürzt währen / insonderheit / weil die Rede ginge /
der Medische GrossFürst hielte es mit dem Könige / hätte demselben ein
wunderschönes Fråulein zum Gemahl zugeführet / und würde ihm ein geübetes
Kriegsheer von 80000 Mann zu Felde liefern. Phraortes lachete der lezten Rede /
uñ begehrete zu wissen / wessen sich die gefoderte Fürsten gegen den König
möchten erkläret haben; da er anzeigete / sie hätten alle dem Könige
gebührlichen Gehorsam zugeschrieben / und zugleich über die bedrauliche Foderung
sich beschweret / als welche ihnen wieder alle Gewohnheit und muhtmassung
zukommen währe hoffeten / ihre Hocheit würden alle und jede bei ihren Freiheiten
schützen / und vielmehr der såmtlichen Stände Liebe und Zuneigung / als ihre
schüchterne Furcht begehren und suchen; insonderheit hätten sie gebehten
verständiget zu werde / was die grossen Kriegsrüstungen in Parten hinter sich
hielten; man lebete ja mit den Aussländischen Käyser und Königen im Friede /
wüsten auch von keinem innerlichen Feinde / so dass ein jeder fast gezwungen /
wiedrige Gedanken fassen müste; wollen daher ihre Hocheit untertähnigst erinnern
/ von etlichen unruhigen Leuten / die etwa des Reichs verderben zu ihrer
Auffnahme suchten / sich nicht verleiten / noch wieder geträue Untertahnen
anführen zu lassen. Dieses sagte er / ist ohn zweifel / nach genommenem
Abscheide /von allen zurück geschrieben; ohn Artaxerxes / als der den König nur
auff sich zulocken begehret / hat ihm diese Antwort eingeschicket: Er hätte des
Königes der Parter bedrauliches Schreiben mit höchstbestürzetem Gemüht ablesend
vernommen / dass er ein GrossFürst der hochädlen Persen bei Leib und Lebens
straffe gefodert / nicht eins die Freiheit übrig behielte / sich mit seiner
Leibes Schwacheit zu entschuldigen / ja sollte einen nichtigen Bohten vor sein
Fürstliches Bette treten / oder sich wohl gar zu ihm hinaus tragen lassen /
welches seiner Fürstl. Würde sehr schimpflich sein würde; doch hätte er solche
Schmach vielleicht noch können erdulden / dem Könige gehorsam zu sein; aber
warumb foderte man seine lieben Kinder? die währe er trauen bedacht / selber in
Persischen Sitten zuerzihen. Zwar seine Anverwanten hätte er ersuchet / die Mühe
der Reise auff sich zunehme / befünden sich aber dessen beschweret / dafern
ihnen nicht gnugsame Geleitsbrieffe zur Sicherheit eingehändiget würden.
Schliesslich bittet er den König im Schreiben / er möge ihn als einen geträue
Knecht des Vaterlandes aus ungleichem Verdacht lassen / und ihm die wahre Ursach
seiner grossen Werbungen anzudeuten unbeschweret sein; die seine betreffend /
geschähen sie zu keinem andern Ende / als / entweder dem Könige damit wieder die
ReichsFeinde beipflichtig zu sein / oder dafern das Geschrei etwas hinter sich
hätte als wollte der König etliche ReichsFürsten vertreiben / müsse er nach
algemeinem Völker Recht seines selbst eigenen Schutzes unvergessen sein; hoffete
doch nicht / dass seine Hocheit belieben trüge / einige innerliche Kriege
anzurichten / sondern würde vielmehr sich dahin bearbeiten / dass des
ReichsWiederwertige / als Römer oder Skyten / angegriffen und zum bahren
gebracht würden; hiemit beföhle er sich des Königes beharlicher Gnade / und
verbliebe weil er lebete / des Vaterlandes geträuester Knecht biss in den Tod /
als vor welches zu streben er so bereit als schuldig währe. Wie nun diese
Antwort wird auffgenommen werden / sagte Pharnabazus weiter / wird die Zeit bald
eröffnen / dann wir haben (welches euer Durchl. annoch unbewust) am Königlichen
Hofe vertrauete Leute / die uns hievon zeitig gnug berichten sollen; unser
höchster Trost nähst der Götter Hülffe / ist / dass wir innerhalb drei Tagen
90000 Mann wohl bewehret ins Feld führen / und den Feinden den Kopff bieten
können / biss die übrige Hülffe von andern Fürsten herbei gebracht werde. Es sind
aber die vereinigte Fürsten / als der Assyrische Herr Pusizes; Hirkanische H.
Menapis; Baktrianische H. Eukratides; Susianische / H. Gobares; Margianische /
H. Ustazeres; Arische / H. Okbares; und Drangianische H. Tissaphernes inwendig
dreien Tagen alhier angelanget / denen allen noch unwissend ist / dass der
Medische GrossFürst den Bund angenommen hat /und zum KriegsRaht hergebehten ist.
Es ward vor gut angesehen / dass Pharnabazus dem GFürsten Artaxerxes ihre Ankunft
in geheim anmeldete / der sie auff drei Gutschen nach Hofe einhohlen liess / und
ihnen biss in den vordersten Platz entgegen ging / mehr Ritterlich als Fürstlich
gekleidet / ohn dz er fornen am Bunde ein trefliches Kleinot trug. Er empfing
sie gar freundlich / und führete sie auff ein absonderliches Gemach / da er
anfangs wegen ihrer ankunft sich bedankete / hernach des Parter Königes und
seiner vorfahren Grausamkeit anklagete / und dagegen der vereinigten Fürsten
unbewäglichen Vorsaz zur erstreitung der Freiheit rühmete / auch / wie
überflüssig sie die verabscheidete Geldhülffe herbei gebracht / und die
heimlichen Werbungen nach allem Wunsch und über die Zahl fortgesetzet hätten /
mangelte also nur bloss an vergleichung der Zeit und des Orts / dz man auff
vorher ergehende Absage den Ernst sehen liesse. Ursachen des Krieges dürffte man
vom Zaune nicht brechen noch von langen Jahren hervor suchen / die neulichsten
Aussschreiben führeten derselben mehr als zu viel mit sich. Hernach redete er
unsere beiden Helden absonderlich also an: Durchleuchtige Fürsten; der Ruhm
eurer beiden treflicher Mannheit / ist mir von unterschiedlichen Orten des
Römischen Gebiets zukommen / daher nicht eine geringe Begierde zu dero Kund- und
Freundschaft in mir erwecket ist / und hat mich höchst erfreuet / als eurer Lieb
den guten Willen / uns im Kriege beiständig zu sein von meinem Freund und Oheim
Pharnabazus vernomen habe; bedanke mich demnach ihres günstigen erscheinens /und
verspreche denselben nicht allein vor mich / sondern auch von wegen des gesamten
HochFürstlichen Bundes / alle Hülffe und Beistand / mit Volk / Gut und Blut / es
sei zur errett- oder zur beschützung der ihrigen und ihrer selbst / damit sie
ihr hochlöbliches Vorhaben / welches obgedachter mein Oheim mir als einem
sicheren Freunde anvertrauet / zum glücklichen Ende bringen mögen. Herkules
antwortete hinwieder: Durchleuchtigster Grossmächtiger GrossFürst / gnädiger Herr;
dass eure Durchl. uns ein so hohes ganz unverdientes Lob zuleget / dienet uns
eigentlich zum unfehlbaren Kenzeichen ihrer guten Gewogenheit gegen uns
Fremdlinge. Die eigentliche Ursach unser Ankunft ist die hochbegehrete
Glükseligkeit / die in ihrer Durchl. Kundschaft wir suche und hoffen / als deren
kräftige Mannheit und Tugend uns über vieler anderen dieser grossen Morgenländer
zum höchsten gepriesen ist / und aus deren höchstlöblichem vornehmen zum
überfluss erscheinet. O wie ein unsterblicher ruhm wird bei den Nachkommen dieser
sei / der unverzagte Held Artaxerxes habe dass unerträgliche Partische Joch
gebrochen / und die unleidlichen Bande zurissen / damit alle Morgenländer
unverantwortlicher Weise gedrücket uñ gefesselt wahren. Da nun unsere Dienste
also möchten beschaffen sein / durch welche dem HochFürstl. Bunde / und
absonderlich ihrer Durchl. einige vergnügung könnte geleistet werden /sollte
darinnen unsers selbst eigenen Wunsches erfüllung bestehen. Im übrigen nehmen
wir dero hohes Erbieten mit gebührlicher Dankbarkeit an / welches uns
auffmuntern wird / alles dasselbe vorzunehmen / was von unser Wenigkeit kann
verrichtet / und dem HochFürstlichen Bunde zu Dienst und auffnahme geleistet
werden. Artaxerxes sah unsern Herkules zeitwehrender Rede mit starren Augen an
/ und weil er der Sterne-Kunst wohl erfahren / auch aus den Zügen und Zeichen des
Angesichts / von unterscheid der GeburtsArten und ihren eigenschaften /
geneigenheiten und enderungen nachsinlich urteilen kunte / befand er aus allen
gleichstimmenden Zeichen / dass ein sonderlicher Geist in ihm währe; dieses aber
wunderte ihm am meisten / dass derselbe einem so überaus schönen Leibe
eingegossen wahr / welcher alle Anseher beliebet und ehrerbietig machen kunte.
Er gab ihne aber diese wiederantwort: Ihr meine hochwerte wahre Freunde / des
beschehenen Erbietens bedanke ich mich von Herzen / werde mich auch befleissigen
ein redliches freundwilliges Gemüht / als viel mir der Himmel verleihen wird /
in der Taht zuerweisen; bitte / es wollen eure Liebden mich in ihrer Freunde
Zahl auffnehmen / und unter dieselben rechnen / welche ihnen mit alle ihrem
Vermögen ergeben sind; und weil morgendes tages gemeiner Kriegsraht berahmet ist
/ werden eure Liebden sich unbeschwert finden lassen / mit den versamleten
Fürsten auff angestelleter Gästerei heut diesen Tag Kundschaft zu machen / und
dahin bedacht zu sein / wie unserm Vorhaben ein gluklicher Anfang könne gemacht
werden. Ladisla antwortete hierauff: Durchl. GrossFürst / eure Liebe erbeut sich
gegen uns bisher unbekannte gar zu milde; jedoch gibt dieselbe uns hiemit anlass /
alle Kräfte anzuwenden / ob wir Mittel und Wege finden möchten /dem gemeinen
Wesen nüzlich zu sein; welches vor dissmahl sehen zu lassen / ich mich anerbiete
/ dem Kriege mit meiner Faust und absonderlichem Kampffe den Anfang zu geben /
dafern von den HochFürstliche Bundsverwanten mir ein solches kann erlaubet werden
/ in dem ich willens bin / an den König selbst oder einen seiner mannlichsten
KriegsObristen und Fürsten Streits zubegehren / umb dass er meine Fräulein
Schwester nicht aus eigener Bewägnis / wie einem Könige gebühren wollte / auff
freien Fuss stellet. Artaxerxes nam dieses Erbieten mit Dank an / zweiffelte auch
am glücklichen Siege nicht / weil er seiner Mannheit gute Kundschaft hatte.
Phraortes aber versicherte sie / König Artabanus würde / angesehen seines
Hochmuhts und Alters / den Streit weder vor sein eigen Häupt / noch durch einen
andern gnug-wirdigen Fursten annehmen / ob er wohl in seiner Jugend mit Waffen
nicht ungeschikt währe umbgangen; uñ hätte er unterschiedlichemahl aus seinem
Munde gehöret /dass er gewünschet / mit dem Römischen Käyser ein Handgemenge
anzutreten / dañ derselbe allein währe seines gleichen / andere aber seines
Schwerts unwirdig. Unter wehrendem Gespräch ging Arbianes auff seines Herrn
VatersGeheiss hin / die versamleten Fürsten auff ihrem Gemache zu grüssen / uñ
seine Ankunft ihnen wissen zu machen: die dessen höchlich erfreuet wurden / und
ward ihnen der schwerste Stein /sonderlich dem Assyrischen und Hirkanischen
Fürsten vom Herzen gewalzet / weil sie diesen mächtigen Nachbar / da er vor den
König stehen würde nicht wenig fürchteten / nunmehr aber leichtlich schliessen
kunten / er müste des gemeinen Wesens sich mit annehmen. Bald stelleten sich
unsere Helden bei dieser Fürstlichen Gesellschaft ein / und ward Ladisla von
Artaxerxes / Herkules aber von Phraortes begleitet; sie grüsseten die Anwesenden
höflich / und bahten zugleich um Vergebung / dass auff des Persisches GrossFürsten
Durchl. nöhtigen / sie bei so hochfürstlicher Versamlung sich finden liessen;
welches dieselben zwar nicht unfreundlich / aber doch nicht als gegen ihres
gleichen / beantworteten biss sie die grosse Ehrerbietigkeit sahen / die ihnen
von Artaxerxes und Phraortes angetahn ward; daher Fürst Pusizes aus Assyrien zu
Fürst Gobares aus Susiana sagete: Gewisslich werden diese junge Fürsten von sehr
hohem Stande sein / dass ihnen solche Ehr angebohten wird /welche man sonst ihrer
Jugend halber ihnen nicht schuldig währe / als die durch grosse Tahten es noch
nicht verdienen köñen. Gobares / der ohndass allen Aussländischen gehässig wahr /
antwortete ihm: Eure Liebe sehen / dass man zierliche Blumen mehr umb der Farbe
willen / als wegen ihrer Kraft / auff güldene Gefässe stellet / und däucht mich
der eine einem Weibe ähnlicher als einem Mañe sein; ja wer weiss ob er nicht
unter dieser ertichteten Kleidung des andern Beischläfferin ist? doch sei ihm /
wie es wolle so werde ich doch Gelegenheit finden / ein Kurzweilichen mit ihnen
anzustimmen. Ich weiss von ihnen weder gutes noch böses zu sagen / antwortete
Pusizes / nach dem ihr Leben und Wandel mir allerdinge unbekant ist / doch
zeigen ihre Geberden durchaus keine niderträchtige Gemühter an / daher eure
Liebe sich mässigen werde / welche wolgemeinete Vermahnung eure Liebe mir nicht
verargen wolle. Artaxerxes fing inzwischen an / die Versamlung also anzureden:
Durchleuchtige Hochgebohrne Fürsten / Oheimbe und Freunde; dass gegenwärtige
beide Durchleuchtigste Fürsten uñ ruhmwirdige Helden / mich alhier zubesuchen
gewirdiget / rechne ich unter meine Glükseligkeite / dessen ihre Liebden
ingesamt sich wohl versichern mögen / bitte demnach / mir die Freundschaft
zuerzeigen / und ihnen helffen gutlich tuhn / damit sie dereins in ihren
Königreichen und GrossFürstentühmen der Morgenländischen Fürsten freundwilligkeit
zu rühmen Ursach haben mögen. Herkules und Ladisla entschuldigten sich / mit
Bitte /sie mit so unerträglicher Ehren-Last nicht zuerdrücken / nachdem sie
dieser örter sich nicht anders als umschweiffende Ritter zuhalten bedacht
währen; könnte auch hiedurch einer oder ander leicht beleidiget werden / wann sie
als junge Leute und Fremdlinge /die in diesen Ländern keinen Fussbreit eigenes
hätten /sich so mächtigen Fürsten gleich halten lassen wollten. Fürst Pusizes
kennete Artaxerxes Gemüht sehr wohl /und dass seine Gewohnheit nicht wahr /
unwirdige zuerheben / viel weniger jemand ins Gesicht zuloben /und durch
Schmeichelei sich beliebt zumachen / dann er wahr in Waffen und ritterlichen
übungen so erfahren / dass ihm in den Morgenländern sehr wenig gleicheten; kunte
demnach nicht ersiñen / wer diese immermehr sein möchten / denen er den
Helden-Nahmen zuwendete / und weil er der älteste von den versamleten Fürsten /
ein Herr von 72 Jahren wahr / antwortete er kürzlich: Es müssen ihrer keinem
dieselben unangenehm sein / denen seine Liebe ein solches Zeugnis ihrer
Tapfferkeit uñ hohen Verstandes mitteilete. Als nun jederman hierauff schwieg /
fing Arbianes an zu seinem Herr Vater: Er hätte ihm vorgenomen / eine kindliche
Bitte an seine väterliche Gn. in dieser Hochfürstl. Versamlung abzulegen / der
Hoffnung / da derselbe sich darüber etwas beschweret befünde / würden seine Gnn.
Oheimbe und Fürsten ihm ein Wort zum besten verleihen. Der Vater antwortete
lachend: Bin ich dir dann so hart zu / dass du dein Anliegen mir sonst nicht
offenbahren darffst? Solches nicht / Gn. Herr Vater / sagte er / nur dass ichs
alhie desto leichter zuerhalten gedenke / und ist dieses mein kindliches
ansuchen / dass Eure Gn. mir erläuben wollen / da etwa eine Kriegsempörung / wie
sichs ansehen lässet / entstehen sollte / ich unter dem unvergleichlichen Helde /
GrossFürst Herkules / reiten / und von dessen Durchl. erlernen möge / was
inkünftig mir zu Preis und Ehren dienen kann. Hochgebohrner Fürst / fiel ihm
Herkules in die Rede / ich würde gewisslich dieses Gemach nicht betreten haben /
dafern ich hätte wissen sollen / dass wegen Ihrer Liebe gar zu verdächtiger
Zuneigungs-Rede ich alhie so schamroht stehen muss. Phraortes sah / dass er
schier unwillig worden währe / fiel ihm deswegen mit halblachenden Worten ein /
und sagete: Eure Liebe wollen meinem Sohn des anmuhtens verzeihen / dann als
viel ich merke / ist er bedacht / hinter einem guten Schutze sich zuverbergen;
Was könnte mir aber vor grössere Freude begegnen / als wann ich sehen sollte / dass
er ungefärbeter Tugend zufolgen / sich befliesse. Aber /sagte er zu seinem Sohn
/ du bittest von mir / dessen ich nicht bemächtiget bin / uñ wirst es bei dem
suchen müssen / der dir solches leisten kann. Mein Herr Vater / antwortete
Arbianes / ich kenne den Durchl. GrossFürsten / Herrn Herkules nunmehr so viel /
dass seine Liebe mir keine Mögligkeit versaget / auch meine unhöfliche
Verwågenheit mir gerne zu gute hält. Ja / sagte der Vater / vielleicht triegestu
dich auff seine Mildigkeit zuviel; aber auff solche weise werden unhöfliche nur
frecher gemacht; will demnach vielmehr bei seiner Liebe anhalten / dir nicht in
allem so willig zuerscheinen / dann bei jedweden würdestu es schwerlich treffen.
Ich hoffe / sagte Arbianes / meine Jugend werde des Frevels Vorsprach bei seiner
Durchl. sein. Es wahr Herkules dieses Gespräch über alle masse zuwider / durffte
sich doch keines Widerwillen merken lassen / und gab dem jungen Fürsten zur
Antwort: Ich habe von Euer Liebe weder Unhöfligkeit noch Frevel je gehöret / und
ist mir lieb / dass dieselbe auff ihre Jugend sich beruffet / als wodurch ich
gleicherweise bei alten und verständigen um verzeihung zubitten pflege / und wir
also in dieser Schuele auff einer Bank neben einander sitzen / daher ich mich
dessen festiglich versehe / Eure Liebe hinfüro mit übermachten Ehrenbenahmungen
mein verschonen werden; im übrigen trauen mir dieselbe / dass ich mir selber
wünsche / neben ihr zugleich den ritterlichen übungen nachzusetzen / und wir
einander zur Tugend reizen mögen / gelebe auch der Hoffnung / Euer Liebe Herr
Vater / und sie imgleichen / mir solches nicht versagen werden. Die anwesende
erkenneten aus dieser demühtigen Rede seine Tugend / ohn allein Gobares trieb
seinen Spot daraus / dass er endlich zu Fürst Pusizes sagete / der ihm sehr nahe
verschwägert wahr: Dieser Jüngling suchet durch niderträchtige Reden ein
sonderliches Lob / welches des unverschämten Ehrgeitzes höchste Stuhffe ist;
Aber dieser alte verständige Fürst taht als hörete ers nicht /und weil es zeit
wahr sich zu Tische zusetzen / nöhtigte Artaxerxes diesen Fürsten / die
Oberstelle zunehme / dem er Ladisla allernähest setzete / welcher sich zwar mit
Phraortes fast umtrieb / und doch wider seinen Willen folge leisten musste /
dessen er alle anwesende umb Verzeihung baht. Nach Phraortes ward Herkules
gesetzet / dem Gobares folgen sollte / hielt sich aber zu stolz / und wählete ihm
selbst die stelle vor dem Tische / allernähst bei Pusizes / gegen Phraortes über
/ dessen Artaxerxes und andere mehr übel zufrieden wahren. Der Hirkaner Fürst
aber folgete Herkules / auff welchen er eine sonderliche Gewogenheit geworffen
hatte / und im nidersitzen sagte er zu ihm: Ich werde mich der Kühnheit
gebrauchen / mich bei ihrer Liebe niderzulassen / umb zu besserer Kundschaft
gelegenheit zubekommen. Meine Unwirdigkeit / hier zusitzen / antwortete er /
bekenne ich willig / bitte daher / niemand hierüber einigen Hass auff mich
werffen wolle / weil ich gezwungen unhöflich sein muss. Gobares machte ihm die
Gedanken / es würde seinet wegen geredet / und fassete einen solchen Groll wider
ihn / dass er ihm nach dem Leben zutrachten bedacht wahr / da hingegen Herkules
ihm gute Neigung zuwendete. Bei der Mahlzeit ward keiner wichtigen Händel
gedacht / ohn dass zuzeiten Königes Artabanus meldung geschahe / dessen
Grausamkeit / und bisher mannigfaltige / auch zeitwehrender erster Ehe /
verübete Unzucht niemand besser als dem Hirkaner Fürsten bewust wahr; Erzählete
demnach /wie zeit seiner ersten blühenden Jugend kein redlicher Mann sein Weib
oder (offtmahl noch unmanbahre) Tochter hätte schützen mögen; Das årgeste aber
währe gewesen / dass nach deren Missbrauch und büssung seiner Lust / er seinen
Leibdienern gleichen Mutwillen gegönnet / ja sie oft darzu gezwungen /und
hernach alles selbst ausgebreitet hätte / daher es ihn gross wunder nähme / wie
er sich des eingesperreten Fräuleins entalten könnte / deren Schönheit überall
vor ganz vollkommen / und als unvergleichlich gepreiset würde / und man daneben
berichtete / sie ihn dergestalt zuzwingen wüste / dass er nicht eins auff ihr
Schloss zu ihr kommen dürffte / sondern sie liesse sich nur von ihm auff den
hohen Umgängen / und zwar wunderselten / von ferne / mit verdecketem Angesicht
beschauen. Herkules antwortete ihm: Das Fräulein betreffend / weiss ich vor gewiss
/ dass sie ehe eines grausamen Todes sterben / als in seinen unzüchtigen Willen
gehehlen wird / dañ ihr Herz und Muht hasset nichts so sehr / als Unkeuscheit.
Fürst Pusizes fragete ihn / ob er dieser Fräulein Kundschaft hätte / und vernam
unvermuhtlich / dass sie ihrer beider Schwester und Wase währe / und sie
ausdrüklich umb ihrer Erlösung willen sich aus ihrem Vaterlande auff die Reise
begeben hätten / des gänzlichen vorhabens /diese Länder nicht zuräumen / ehe und
bevor sie dieses Königliche Fräulein in vorige Freiheit ungeschändet gesetzet
hätten / oder der Wuterich müsse sein Leben davor lassen. Weil nun Pusizes gute
Wissenschaft umb des Königes Frevel trug / antwortete er: Dieses dürffte schwer
zugehen; dann ist sie der Vollkommenheit / wie das Geschrei einmühtig zustimmet
/ und er seine ehmahlige Begierden nicht ausgezogen hat / wird er sie zu seinem
Willen zubringen / ihm äusserst lassen angelegen sein / sollte es auch durch
einen unverschämten Nohtzwang geschehen. Darzu wird es ob Gott will nicht kommen
/ sagte Ladisla / ob ers gleich durch eheliche Liebe und Vermählung suchte / es
geschehe dann mit ihrer nähesten Anverwanten bewilligung; nachdemmahl in meinem
Vaterlande nicht sitte ist / dz eine Tochter vor sich selbst zur Ehe greiffet;
will auch lieber ihres Todes / als dieses Beilagers verständiget sein / dessen
sie schon zur gnüge berichtet ist / zweifele doch nicht / Gott werde sie vor
beiderlei unfal gnädig schützen.
    Nachgehends ward mannicherlei auff die Bahn gebracht / und fingen die
Morgenländische Fürsten ein Gespräch über dieser Frage an: Was die beste Art
sein würde / die nöhtige Kosten zu der Völker Unterhaltung herbeizuschaffen;
welches dem Susianer nicht gefallen wollte / dañ er wusste schon / dass der
Ausschlag nach seinem Willen nicht fallen würde. Aber Artaxerxes hatte diese
Beredung mit fleiss angezettelt / umb diesen von seinem ungebührlichen Vornehmen
abzubringen; Welches desto füglicher ins werk zurichten / er den Assyrischen
Fürsten / Herrn Pusizes / und den Hirkanischen / Herrn Menapis ersuchete / in
ihrer wohl- und nüzlich-angefangenen Rede fortzufahren / also / dass ein jeder
seine Meinung nach Mögligkeit zubehaupten / ihm liesse angelegen sein. Weil dann
der fromme Hirkanische Fürst wohl wusste /dz etliche ihrer Verbündnis /
insonderheit Gobares /aus ihren Schatzkammern nicht gerne viel entrahten wollten
/ und er doch deren Meinung; nicht zugetahn wahr / wollte er dannoch dieselbe zu
handhaben sich unterstehen / nicht zweifelnd / Fürst Pusizes würde schon wissen
/ ihm mit gebührlicher Antwort zu begegnen; fing demnach also an: Ihr
Durchleuchtigste Fürsten und geträue Väter des Vaterlandes; Zu was ende vor
dissmahl unsere Zusammenkunft angesehen sei / werden wir zu bequemer Zeit
zuüberlegen haben. Vor dissmahl / umb / nebest Vertreibung der Zeit / auch etwas
nüzliches zubetrachten / tuhn wir recht und wohl / die von unserm erwähleten
wirdigen Häupte / GrossFürst Artaxerxes erwähnete Frage in etwas zubeherzigen;
massen kein vernünftiger Fürst so unvernünftig verfahren wird / einen Krieg
anzufahen / ehe und bevor er auff die Mittel zu dessen Unterhalt- und
Fortsetzung ist bedacht gewesen. Den Krieg / wie ich vor dissmahl ausser zweifel
setzen will / halten wir vor beschlossen / und tähten wirs nicht /würde man uns
zu Charas mit EselsOhren und NarrenSchellen abmahlen / und zwar nicht unbillig /
welches aber hieher nicht gehöret. Ist dann der Krieg beschlossen / und ein
solcher / dessen Endschaft sich nicht in wenig Monaten / sondern etlichen
Jahren erst finden dürffte; So wird dieses eine allerdinge nöhtige Frage sein /
woher die Mittel / denselben an unser seite gebührlich zu unterhalten / sollen
genommen werden. Nun sind sie schon da / ihr meine Herren /und dürffen nicht
erst in der ferne gesucht werden; nur allein müssen wir die gütigen Gotter
anruffen / dass sie uns ins Herz geben / die zuträglichsten zuwählen. Wolte dann
jemand fragen / wie mannicherlei arten sich finden? so spreche ich: Wir müssen
entweder solche Mittel von andern hohen Häuptern erborgen / und sie hernähst
wieder bezahlen / oder sonst gut machen; oder wir müssen sie aus Feindes Landen
hohlen; oder sie durch ungewöhnliche schwere Schatzungen von unsern Untertahnen
erzwingen; oder endlich müssen wir sie aus unsern Schatzkammern und andern
gemeinen Auffkünften nehmen. Aus diesen vier Mitteln werden wir nohtwendig
eines oder anders wählen. Das erste / weiss ich schon / wird unser keinem
anstehen; dann wo sind diese grosse Fürsten / die uns so viel hundert Toñen
Schatz aufs ungewisse vorschiessen wollte? da wir auf den fall des unterligens
alles dz unsere würde verlauffen müssen; uñ die wir um solchen Vorschub wollte
begrüssen / dürfften entweder ein sicheres Pfand fodern / oder mit hönischer
antwort uns abweisen: wer ein Haus bauen oder kauffen wollte / müste Geld wissen.
Doch den Göttern sei dank / wir sind auch nit so dürfftig / sondern da wirs
recht angreiffen / reich und mächtig gnug vor uns selbst / unsere Macht auff
festem fusse zuerhalte. Aber wie dann? möchte jemand fragen. Ists nit der beste
Vorter / dz man die Völker aus Feindes Landen erhalte? ja freilich / wans sicher
und mit fuge geschehe kann; will auch der hoffnung geleben / es solle uns dieses
endlich nit fehle; aber ihr meine Herren / werden wir dann bald anfangs unsere
Befehle an Feindes Untertahnen können lassen abgehen / und auf unsere Völker den
Unterhalt einfodern? Es bedarff keines nachfragens / was vor Antwort man uns
geben würde: Alles was in Parten und anderen des Wüterichs Landschaften ein
Gewehr zücken kann / würde einmühtig auff sein / und von uns mit schweren Zinsen
hohlen / was wir von ihnen fodern wollten. Müssen derwegen dieses Mittel biss zur
gelegenen Zeit ausssetzen / ja wo möglich / allen Partischen Untertahnen
einbilden / wir sein nicht zu ihrem verderben / noch einiger beschwerung /
sondern zu ihrer Erlösung verhanden / sie neben uns zuschützen und in die
gewünschete Freiheit zusetzen; alsdañ werden sie entweder sich zu uns schlagen /
oder auffs wenigste / unserm Vorhaben nicht so gar heftig zuwieder sein. Bleibet
demnach übrig / es müssen die Gelder und unterhaltungs Mittel des bevorstehenden
Krieges / von uns selbst / und in unsern Ländern auffgebracht werden. Nur mus
endlich der Schluss gesetzet werden / auff was Weise; dann hier hier sitzet der
rechte Knoden. Zwar wann ein jeder unter uns den Vorraht seiner Schazkamer
ungemindert erhalten / und noch wohl die künftigen Landes auffkünfte verwarlich
beilegen könnte / wehre wohl eingewünschtes tuhn / und dahin werden vielleicht
andere mehr mit mir stimmen. Dañ sehet / Durchl. Fürsten / weil man nicht
errahten kann / wie unser Vorhaben ablauffen werde / hätte ein jeder auff allen
Nohtfal eine statliche Barschaft / damit er sich mit Weib und Kind in des
Römischen Käysers Gebiet verfügen / und Lebensmittel auff Kindes Kinder haben
und behalten könnte. Doch diesen Unglücksfall aussgesezt; wird uns dannoch das
sicherste sein / dass wir unsere Schazkammer anfangs verschonen / und unsere
Fürstliche Einnahme an uns halten / im Fall der Noht uns damit von neuen zu
rüsten / wann es zu erst nicht glücken würde. So ist ja unser Krieg den
Untertahnen zum besten angesehen / das unerträgliche Joch des Partischen
Wüterichs von ihnen abzuwenden; wie sollten sie dann dem Kriegsheer nicht
unterhalt schaffen / welches ihnen zum besten gehalten wird? Es ist kein ädler
Kleinot über die Freiheit / darein wir sie zu setzen bemühet sind; ists dañ ein
grosses / ob sie zu deren befoderung einen Teil ihrer Güter einbüssen? So ist es
ja leichter / den Krieg aus vielen / als aus wenig Beuteln zu unterhalten; Und
was kans gross machen / ob Bürger und Bauer / ja auch wohl der Adel ihre
Barschaften müssen herschiessen? Es ist trauen weder rahtsam noch uns Fürsten
erspriesslich / dass unsere Untertahnen Reichtuhm besitzen / und wir dagegen umb
unsern Schaz kommen. Dann was achten reiche Untertahnen ihre arme nohtleidende
Obrigkeit? und ei wie schön stehets /wañ der Fürst ein Pferd reitet von etwa 100
Kronen /und sein Untertahn auff statlichen Gutschen mit sechs oder acht Hengsten
herein pranget. Geschiehets nicht gemeinlich / das Untertahnen durch überflus
nur stolz / und ihrer Obrigkeit ungehorsam werden / dass sie wohl gar mit ihnen
sich dürffen ins Recht legen / oder heftige Kriege führen? welcher Muht ihnen
bald entsinket / wañ ihnen die Schmalzfedern geropfet sind /und man solcher
Bosheit frühzeitigen Eingriff tuht; welches nicht besser noch füglicher
geschehen mag /als wañ man sie durch armut demühtiget / oder doch ihnen des
überflusses und Reichtuhms nicht zu viel gönnet. Wolte mir aber jemand
einwerffen / es würde das Land dadurch aussgesogen und kraftloss gemacht /so halte
ich solche Furcht vergebens sein. Dann des Fürsten Schazkammer ist des Landes
Reichtuhm / und sind die Untertahnen nicht so leicht zuerschöpfen / ob sie
gleich alle ihre Barschaft herzugeben genöhtiget würden; sie sind füglich einem
MeelSak zuvergleichen / je mehr man den schläget / je mehr Meel heraus stiebet;
und lehrets uns die Erfahrung / dass die Untertahnen alsdann der Nahrung am
fleissigsten nachtrachten / und der Sparsamkeit sich befleissigen /wann ihnen
von der Obrigkeit eine Schatzung über die andere angesaget wird. Zu geschweigen
/ dass man ihnen dadurch zugleich die Ursach und Gelegenheit zum quaas und fraas
entzeuhet / und der Obrigkeit sich zuwiedersetzen die Kraft benimt. Ja der
Missgunst unter ihnen / höret auff / wann einer nicht mehr als der ander hat; und
werden die alten Geschlechter schon nachlassen sich den Einkömlingen vorzuzihen
/wann es ihnen beiderseits an Hellern gebricht. Zum Beschluss wird auch dieses
anzumerken sein / dass je weniger die Untertahnen an zeitlichen Gütern besitzen /
je liederlicher sie ihr Leben schätzen / und so viel kühner und unverzagter sich
wieder den Feind gebrauchen lassen / welches wir an den alten Griechen und
Römern sehen / die Zeit ihrer Armut die besten und geherzesten Kriegsleute
wahren / weil sie wenig zuverliehren hatten; es ging bei ihnen nicht / wie bei
uns / da die Reichen sich wegern / das Gewehr zuempfangen / und sich erbieten /
einen andern an ihre stelle zuschaffen. Welches alles / wañ ichs bei mir
überlege / und zugleich beherzige / dass der Untertahnen Güter und Reichtuhm /
der Macht / Gewalt und freien verordnung ihrer Obrigkeit untergeben sind /sehe
ich kein besser / füglicher / noch ablanglicher Mittel / unsere Kriegsmacht zu
unterhalten / als wann ein jeder Fürst alle Monat oder Wochen seinen Untertahnen
eine zimliche Schatzung auffleget / welche sie auff gewisse Tage und Stunden
entrichten und unfehlbar einschaffen müssen / so dass man den Nachlässigen /
alles einwendens ungeachtet / zehn oder zwölff gnug trotzige Kriegsknechte ins
Haus leget / denen sie essen / trinken / uñ gewisse Gelder vor ihre Mühe
entrichten müssen / biss sie ihren Anteil zur Schatzung beibringen. Alsdann wird
ein jeder schon wissen /dass er zu rechter Zeit dass seine herbeischaffe; und was
könnens die Untertahnen so eigentlich nachrechnen / ob gleich der dritte oder
vierde Teil mehr von ihnen gefodert wird / als zum Kriege nöhtig / welcher
überschuss unser Schazkammer zum besten gereichen kann / nur dass gleichwol unsern
Amtleuten solcher Vortel nicht zuwachse. Inzwischen wann solche Schatzungen
eingefodert werden / hat man die Untertahnen allemahl zuvertrösten / sie mögen
nicht ungeduldig werden / es sollen solche ungewöhnliche Lasten nicht lange
anhalten / welche überdass nicht sollen in nachfolge gezogen werden / noch
jemande an seinen Rechten / Gerechtigkeiten und Freiheiten schädlich oder
nachteilig sein. Und ob solche gemachte Hoffnung nicht so bald ihre Wirkung
erreichen würde / wie man dann dieses mittels / Geld zu machen / so lange
möglich sein kann / sich wird zugebrauchen haben; werden sich wohl zehn Ursachen
vor eine an die Hand geben / welche man bei den Untertahnen vorzuschützen hat.
Hiemit will ich meiner Rede die endschaft geben / mit bitte / das vorgebrachte
/reiflich zu erwägen / uñ meiner gebrauchten Freiheit nichts zuverübeln. Solte
dann ein bessers konnen vorgetragen / und von den versamleten Vätern des
Vaterlandes beliebet werden / bin ich erbötig / mich gerne weisen zulassen / und
den Klügesten folge zuleisten.
    Der mehrerteil der Anwesenden Fursten / hatten diese Rede mit grosser
Ungeduld und bestürtzung angehöret / insonderheit / weil ihnen dieses Fürsten
bisher getragene Liebe zu seinen Untertahnen bekant wahr / und wie so gar keine
Lust noch Willen er die ganze Zeit seines Lebens zu deren beschwerung und
unterdrückung gehabt hatte / so gar dass allentalben der Ruff ging / es würden
keine Untertahnen gnädiger gehalten / und weniger beleget / als eben die
Hirkaner. Aber Artaxerxes / der solches mit diesem Fürsten also angeleget hatte
/ liess ihm das Vorgebrachte wolgefallen / nicht / dz er solcher Meinung sollte
beigepflichtet haben / sondern dass man Ursach haben möchte / diesen Unsin / der
bei etlichen / sonderlich aber bei Gobares eingewurzelt wahr / aus dem Grunde
zuwiederlegen. Doch wollte er darüber eines jeden Meinung vernehmen / deswegen
fing er also an: Durchläuchtige Fürsten / und geträue Väter des Vaterlandes; es
hat Fürst Menapis klar und deutlich ausgebeichtet / was vielleicht seine Meinung
sein möge /die er nach vermögen mit unterschiedlichen Gründen hat wollen
behäupten. Ist also noch übrig / dass wir anderen uns vernehmen lassen / was wir
daran zu loben oder zutadeln haben. Und weil Fürst Gobares /der äusserlichen
bezeigung nach / mit dieser Meinung übereinstimmen dürffte / wolle dessen Liebe
/ da er sonst nichts einzuwenden hat / sein gutdünken hierüber vernehmen lassen.
Dieser ward überaus froh /dass er der erste sein sollte; nicht allein / damit
dieser Vorschlag / welcher eben nach seinem Sinne war /durch seinen Beifall
gestärket würde / sondern / dass er auch durch solchen Vorzug ihm bei unsern
beiden Helden ein so viel grösser ansehen machen möchte /und sie ihn daher umb
so viel mehr fürchten und ehren würden; deswegen er mit dieser Verwägenheit
lossbrach: Durchleuchtiger Fürst Menapis / die Göttin der Klugheit / welche aus
dem Gehirn des allerhöchsten Gottes soll gezeuget sein / lässet sich
handgreiflich spüren und hören / dass in eurem Gehirn sie ihren Sitz und Wohnung
zu eurem unsterblichen Preise und Ruhm genommen habe; massen Eure Liebe den
rechten Zweg eigentlich getroffen / und die köstlich Grundfeste alles
Fürstlichen Wolstandes uns mit solchen unhintertreiblichen Wichtigkeiten vor
Augen gestellet hat / dass meines ermässens / (wie ich dann ohne Ruhm zumelden /
in der Welt auch etwas erfahren habe) eure Meinung dergestalt behäuptet ist /
dass / wer dieselbe zuwiderlegen / oder ungültig zu machen sich unterstehen wollte
/ gleich solche vergebliche Mühe anwenden wurde / als wollte man das rohte von
den Ziegelsteinen mit Wasser abwaschen / oder durch eine angezündete Kerze der
Sonnenstrahlen überleuchten. Dann würde es nicht ein unwitziges beginnen sein /
wann ein Fürst wegen seiner Untertahnen bestes / seinen wolerworbenen Schatz
verringern /und in die Schanze setzen wollte? Wer will uns denselben wieder
ersetzen? Es ist mir des groben Pövels Eigenschaft durch langwierige Erfahrung
gar zu wohl bekand; sie würdens ihrem Fürsten nicht den geringsten Dank wissen /
ob er ihretwegen etwas anwenden wollte. Drum so lasse ichs bei eurer Liebe
getahnem recht Fürstlichem Vorschlage schlechter dinge bewenden / damit ich
nicht vor unverständig angesehen werde. Nur setze ich noch dieses mit wenigem
hinzu /dass gleich wie ein Leibeigener nichts in seinem Besitz hat / welches
seinem Herrn nit eigentühmlich sollte zustehen; also habe ein jeder Fürst Macht
und Freiheit / seinen Untertahnen abzufodern / was von deren Gütern (nichts
überall ausgenommen) ihm möchte behäglich sein.
    Herkules und Ladisla entsetzeten sich zum höchsten über solches bisher
angehörete vorbringen /wünscheten auch in ihrem Herzen / diese Gesellschaft
nimmermehr gesehen zuhaben / weil sie in der Furcht begriffen wahren / es würden
die hinterstelligen Stimmen nicht viel anders lauten / welches anzuhören ihnen
ein greuel wahr; daher sie bei Artaxerxes um Erlaubnis / einen Abtrit zunehmen /
anhielten / biss die Hochfürstl. Gesellschaft diese ihre Beredung möchte
geendiget haben. Aber der Persische GrossFürst / der ihr Anliegen merkete / baht
sie freundlich /sich gefallen zulassen / dass sie alle Stimen / und den endlichen
Schluss anhören möchten. Und als sie / solches einzuwilligen / durch Höfligkeit
sich verbunden sah / erwarteten sie des Endes mit grossem verlangen; fasseten
auch bald eine bessere hoffnung / da sie Artaxerxes höreten den Assyrischen
Fürsten Pusizes also anreden: Durchleuchtiger Herr Oheim; eure Liebe wird sich
unbeschweret befinden / ihre Meinung über dieser höchstwichtigen Frage
anzudeuten /also und dergestalt / dass / gleich wie die vorigen beiden Stimmen
alle ihre Häuptgründe angeführet haben / ihr ohn einiges ansehen euch
offenherzig heraus lasset / und da ihr etwa mit ihnen nicht würdet einig sein
können / nicht allein eure Meinung behauptet / sondern auch die widrige
bestreitet und widerleget. Ja mein Durchl. Herr Oheim / sagte Fürst Menapis; ob
mir gleich nicht gebühren will / hiezwischen einzureden / so achte ich doch vor
nohtwendig / ihn mit wenigen zuversichern / dass wo ich geirret habe / wie ich
dann wohl kann geirret haben / und Eure Liebe mir meinen Fehler zeigen wird / ich
seiner hochbekanten Weissheit von herzen davor zudanken / mich so willig als
schuldig finden lassen werde; hätte mich auch nimmermehr lassen bereden / die
erste Stimme zugeben / wann ich nicht eurer Liebe unterweisung mich hätte
zugetrösten gehabt; und zweifele nicht / die Hochfürstl. Gesellschaft werde mir
diese zwischen-Rede in verbleibender Wolgewogenheit verzeihen. Durchleuchtigste
Fürsten / und geträue Våter des Vaterlandes / antwortete Pusizes; Ob ich zwar
anzuhalten befugt währe / dass andere / mit mehrer Weissheit begabete / ihre
Stimme vor die meine möchten ergehen lassen / will ich doch / umb meinen Gehorsam
und Gutwilligkeit sehen zulassen / michs nicht wegern /mit diesem ausdrükliche
Vorbehalt / dass gleich wie mein Durchl. Oheim / Fürst Menapis sein Vorbringen
zur freien untersuchung dargestellet hat / ich gleichergestalt mich einer
besseren Meinung ganz willig /und ohn einiges Missgnügen unterwerffen wolle.
Welchem nach ich mir anfangs sehr wohl gefallen lasse /dass Fürst Menapis nach
seiner Weltbekanten Weissheit und Erfahrung / uns die unterschiedlichen Arten
vorgestellt hat / deren eine oder andere wir uns ausser allem zweifel zu unsers
Kriegsheers Unterhalt werden zugebrauchen haben. Von den beiden zuerst
angeregten Mitteln will ich nichts wiederholen / dann ich stimme damit allerdinge
überein. Das übrige aber werde ich müssen auff die Wage der Vernunft legen /und
Euren Liebden ingesamt / etwas reifflicher zubeobachten vorstellen /
insonderheit / weil ich handgreiflich sehe und fühle / dass mein Oheim solches
aus keiner andern Andacht vorgetragen hat / als dass solcher Wahn / dem sein Herz
nie beigepflichtet / von einem andern / als ihm selbst möchte zu grunde
gerichtet werden / welches er selbst am besten und beständigsten hätte leisten
können. Wie sollen wirs dann anschlagen / O ihr Väter des Vaterlandes / dass
unsere Kriegsmacht in gutem Wesen und Wolstande erhalten werde? Oder dass ich dem
Hauptziel nahe gnug trete; Woher nehmen wir Geld / Brod / Kleider / Waffen /vor
unsere Kriegsleute / und Futter vor ihre Pferde? Aedelman / Bürger und Baur
sollens durch ungewöhnliche Schatzungen hergeben / von denen wollen wirs durch
Kriegszwang losskeltern / und zwar unter dem Schein / es geschehe alles zu ihrem
besten / und sein sie schuldig und gehalten / es willig ausfolgen zulassen /
nicht als ihr eigenes / sondern als unser gehöriges; so dass es ihnen nützlicher
sei / solches zuverlieren / als zu behalten; ja dass sie durch solchen Verlust
geschikter gemacht werden / wider den Feind zugehen / als sie sonst nicht tuhn
würden / weil ihnen ihr Reichtuhm schädlicher als nüzlich sei. Also lautets in
Warheit / nach kurzen Worten / was mit verblümter Rede angeführet ist. Aber mein
geliebter Herr Oheim / Fürst Menapis; Ist diss eures Herzen ernstliche Beichte?
Warumb habt ihr dann biss an diesen Tag mit euren Untertahnen so gar das
Widerspiel getrieben? Warumb habe ihr so mannichen ungerechten Beamten lassen
auffknüpffen: wann dieselben / dass sie die Untertahnen übersetzt hatten /
überzeuget wurden? Und erinnert ihr euch nicht eures LeibSpruches? Principis
gloria in subditorum divitiis consistit. Eines Fürsten Preis und Ruhm bestehet
in seiner Untertahnen Reichtuhm oder Wolstande. Ist demnach unmöglich / dass ihr
auff andere weise / als zum Versuch / eure Rede vorgebracht / nur dass ihr denen
eure Zunge leihen möchtet / denen euer Herz Himmelweit entfernet ist; wiewol
nicht aus argem Vorsatze / sondern die Schädligkeit solches unwesens uns desto
klarer vorzumahlen / welches sonst kein ander so füglich würde haben verrichten
können. Ja was habt ihr durch eure Zwischen-Rede anders gewolt / als dass ihr
mich ausgefodert / euer ertichtetes Vorbringen / welches euch selbst
abscheulicher ist / als unser keinem / zuwiderlegen? Wolan / ich bin eurer Liebe
viel ein mehres schuldig / darumb wegere ich mich nicht / euch zugehorsamen; nur
bitte ich / die ubrige anwesende Durchll. Fursten wollen an meinem Vorbringen /
welches ich vor einen lauteren Uberfluss achte / kein Missfallen tragen. So habe
nun anfangs vernommen / es werde uns sehr nöhtig und nuzlich sein / dass wir umb
vermuhtlichen kunftigen Unfalls willen / unsere Schatzkammer verschonen. Die
Götter werden von unserm heiligen und gerechten Vornehmen solchen Unfall gnädig
abwenden. Doch er möchte erfolgen /weil es nicht unmöglich ist; Muss dann unser
erstes und vornehmstes sein / dass wir unsern Eigen-nutzen /welcher mit dem
gemeinen besten nichts zuschaffen hat / vor allem andern aus / festsetzen?
Trauen / wer also gesinnet ist / wird vor des Kriegs anfang seine Gelder über
Meer nach Rom in sicherheit bringen müssen. Ich will mich hieselbst nicht lange
auffhalten / sondern gebe zur Antwort: Wessen Heil in der Flucht bestehet / der
gehe beizeiten durch. Heisst das aber / umb des Vaterlandes Freiheit bekümmert
sein? Ich meine / unser Schluss sei dieser: Dass wir alles / was wir auch in Hosen
und Wammes tragen /vor das Vaterland wagen und anwenden wollen; und nun ist die
erste Sorge / wie man Mittel gnug haben uñ behalten möge / weit ausserhalb
Vaterlandes im Elende das Leben sicher zuführen. Ich vor mein Häupt / habe mich
/ mit allem was ich bin und vermag / dem Vaterlande gewidmet uñ übergeben /
verschwöre mich auch / kraft dieses / allen meinen Land Göttern / dass ich
disseit des Tiger Flusses / als ein unversöhnlicher Feind des Partischen
Wüterichs /leben und sterben will / ich möchte dann als ein Gefangener dahinein
geworffen / oder hinüber geschleppet werden. Und wer sich wegert / mit mir
dieses Gelübde zuleisten / den schätze ich allerdinge undüchtig / ja ich schätze
ihn ganz schädlich dieser unser Gesellschaft und löblichen Vornehmens; möchte
auch wünschen / dass man jedem unter uns könnte des Herzen inwendiges beleuchten /
auff dass / wer seinen Schatz lieber / als Vaterlandes Wolfahrt hat / alsbald von
uns ausgeschlossen / und mit seinem Schatze nach Rom /oder gar biss ans Ende der
Welt verbannet würde. Die andere angeführte ursach scheinet ja noch der
Erbar-und Nützligkeit ähnlich; man müsse den FürstenSchatz ersparen / dass man
auf erlittene Niderlage sich daher mit Völkern auffs neue versehen könne. Ja
wann die zur ersten Verfassung vorgeschlagene Mittel ehrlich und vorträglich
währen / liesse ich mir solches mit gefallen; weil aber das Widerspiel
zuerweisen ich mir leicht getraue / will ich biss dahin diesen Vortrag
ausgestellet haben. Das gutdünken ist ergangen / man solle alle KriegsKosten
durch Schatzung von den Untertahnen erzwingen / weil zu ihrem besten der Krieg
geführet werde / und man sie von dem Partischen Wüterich befreien wolle. O der
Unbesonnenheit! Heisst dann das / befreien / da man einen zehnmahl härter
drücket und beraubet / als vorhin nie geschehen ist? Da man den Untertahnen eine
Last aufbürdet /welche der Wüterich selbst biss daher von ihnen abgekehret hat?
Ja wann unsere Untertahnen Klötzer und wahnwitzige Tihre währen / denen man mit
einem Worte aus saur könnte süsse / und aus süsse saur machen. Wollet ihr uns von
des Parters Zwange frei machen / werden sie sagen / so tuht es nicht durch
heftigere Unterdruckung; dañ wir wollen dem Parter lieber das gewöhnliche
geben / und seines Schutzes geniessen / als allen unsern Armut euren
Kriegsleuten darlegen / und nachgehends Mangels halben unser Haus und Hof
verlauffen. Und lasset uns doch nur dieses bedenken / O ihr Väter des
Vaterlandes / dass keiner unter uns eine Stad oder Dorff hat / in welchem sich
nicht Partisch-gewogene sollten finden; würden dieselben nicht mit leichter mühe
die übrigen / ob gleich die meisten / wider uns auffwiegeln können /wann sie
ihnen mit gnug beweisslichen Gründen vorzustellen hätten / unsere vorgenommene
Rettung führete nichts gewissers mit sich / als ihrer aller gänzliches Verderben
und äusserste Armut; Was könnte daraus anders erfolgen / als dass Artabanus ohn
Schwertschlag / durch unsere eigene Leute uns würde fellen und zu grunde
richten? Dann sind unsere Untertahnen schwürig / so ist es besser wir fallen in
unsere eigene Schwerter / als dz wir uns von ihnen fahen / binden /und über das
Gebirge nach Charas hinschleppen lassen / nachdem uns daselbst keine bessere
Wartung zubereitet ist / als des Büttels grausamste Folter. Und diese Aufruhr
unserer Leute muss nohtwendig folgen /wann wir ihnen einige beschwerung wider
ihren Willen aufflegen. Ich höre aber diesen behelff anzihen /dass aus vielen
Beuteln besser / als aus wenigen / der Krieg zuerhalten sei; Und wer ist so
Gehirn-los / der solches nicht wüste? Es muss dieses aber dannoch mit Verstande
gesagt werden; nehmlich / wann die vielen Beutel willig darzu sind; wo nicht; so
sage ich / dass aus wenig willigen Beuteln der Krieg besser zuführen sei / als
aus vielen unwilligen. Uber das müssen wir den Untertahnen nicht ihren Beutel
samt dem Gelde wegnehmen / wann wir wollen / dass sie uns sollen helffen den
Krieg fortsetzen; sonst werden sie uns endlich den leeren Beutel lassen / und
den Parter ihre Fäuste aus Verzweiffelung leihen / dass sie ihr Geld samt dem
unsern wieder bekommen / da ausser Zweifel das Wasser uns über die Körbe gehen
würde. Die übrigen angeführten ursachen achte ich der Beantwortung allerdinge
unwirdig / dañ sie führen nichts / als wüterische Gründe zum Beweisstuhm an;
massen wer solcher gestalt mit seinen Untertahnen wollte verfahren / sie deswegen
mit Schatzungen zubeschweren uñ zuübernehmen / dass sie sollen in Armut gerahten
/ und durch Mangel zum völligen Gehorsam gegen ihre Obrigkeit gebracht werden /
den setze ich ja billich unter allen Wüterichen oben an / und würden wir auff
solche weise unsern Untertahnen anlass und ursach geben / dass sie aus
höchstgedrungener Noht den Parter wider uns zu ihrem Schutze anruffen müsten /
ob sie ihm gleich sonst von herzen feind sind. Aber O nein /ihr lieben Väter /
dieses stimmet ja durchaus nicht mit unserm löblichen Vornehmen zu. Wollen wir
unsere Landschaften und Fürstentühmer in Freiheit und sicheren Stand setzen /
so müssen dessen die Untertahnen insonderheit empfinden; nicht dass sie daher Ach
und Weh über uns schreihen / sondern uns wegen ihrer Wolfahrt danken können.
Dann rauben wir ihnen die Nahrung und saur erworbenen Gelder / und setzen sie in
Armut / so werden wir sehen / dz sie zwar als verzweifelte Leute wider ihre
Feinde fechten werden / aber diese werden sie als ihre Feinde anfallen / von
denen sie in schmähliche Armuht gesetzet sind / welche ungleich unleidlicher ist
als der Todt selbst. Der Griechen und Römer Beispiel / will mit diesem ganz nicht
zustimmen; dann jene wahren ihrer Gelder ja nicht von ihrer Obrigkeit beraubet /
sondern ihre Götter hatten ihnen biss daher keine bescheren wollen. Und was
meint  ihr? Wann ein reicher Mann uns vor sein Häupt / zween / drei / oder wohl
mehr guter Kriegs Knechte schaffet / damit er des Zuges befreit sei / sollten
wir das nicht vor einen Vortel achten? Eines möchte ich ungerne berühren / was
Fürst Gobares Liebe hinzugesetzet hat; und gleichwol kann ich nicht umhin / mich
darüber mit wenigen heraus zulassen / insonderheit / weil mir solches / den /
von dem Partischen Wüteriche uns getahnen Vorwurff etlicher massen hat erkläret
/ welchen ich biss daher sonst nicht begreiffen können / da er uns dieser
Ungerechtigkeit zeihet / als sollten wir mit unsern untergebenen freien
Untertahnen nicht anders / als mit verkaufften Leibeigenen umgehen / und deren
Schätze nach belieben zu uns reissen. Die Götter wissen / dass ich solches vor
ein lügenhaftes Geticht gehalten habe / dann meines orts weiss ich mich dessen
unschuldig; sollte aber ein und ander ihnen solche unbilliche wüterische
Grausamkeiten haben gefallen lassen / die mögens dann endlich verantworten /
aber sich zugleich lassen warnen / dass sie beizeiten davon abstehen /ehe sie die
Reue zu späte trifft. Welche wolgemeinte Erinnerung mir als einem alten / ohn
Ruhm zumelden / in etwas erfahrnen Fürsten / niemand verargen wird. So halte und
schliesse ich nun diesem allen nach / es sei kein gewisser und ablanglicher
Mittel zu unserm unfehlbaren Verderben zuersiñen / als wann wir durch
übermässige Schatzungen / der Untertahnen Gemühter von uns abwenden / und ihnen
dadurch gnugsame Ursach zum Auffruhr wider uns geben / weil wir eben dadurch dem
Partischen Wüterich das Schwert darbieten werden / unsere Häupter uns als
Meinåidigen herunter zuschmeissen. Was wird aber dann endlich vor ein Mittel
übrig sein / den Krieg an unser Seiten zuunterhalten? Mittel gnug / O ihr Väter
/ Mittel gnug und überflüssig / wann wir sie nur wollen zu unserm besten lieber
anwenden / als zu unserm verderben behalten. Nehmlich / ein jeder unter uns /
greiffe seine Schazkammer an / und nehme den Uberfluss heraus; damit wird man ein
grosses verrichten können. Die grossen und vielen silbernen und güldenen Fress-
uñ Saufgeschir / die wir von unsern Vorfahren geerbet /wollen wir vermüntzen /
und die unnützen Werkzeuge der üppigen betreibungen / zu des Vaterlandes Rettung
anwenden; Und o wie wird mir alsdann meine Speise und Trank aus den jrdenen
Gefässen so wohl schmecken! Fragen dann unsere Untertahnen nach /warumb solches
geschehe; wollen wir ihnen zur Antwort geben; Ihre und unser aller Wolfahrt
erfoderte solches. Dass wird sie zur verwunderung bringen; sie werden
untereinander sprechen: Lasset uns unserer geträuen Obrigkeit unter die Arme
greiffen / damit sie ihren Schaz nicht entleeren / auff dass / die wir der
Wolfahrt mit zugeniessen haben / auch die Kosten tragen helffen. Versichert euch
/ ihr Väter / dass sie von sich selbst mehr tuhn werden / als unser keiner
gedacht hätte / und zwar werden sie es mit freuden tuhn. Ja die Haabselige
werden es den unbegüterten kaum gönnen / dass sie mit zuschiessen; und wañ ein
oder ander unädler ein ansehnliches hergeben wird /wollen wir ihn als einen
Freund des Vaterlandes in den AdelStand erheben; wodurch viel andere
ihresgleichen werden auffgemuntert werden / dem gemeinen Wesen reiche beisteuer
zu leisten. Inzwischen lasset uns einen willige Anfang machen. Ich vor mein
Haupt habe ohn die bisher angewendete Anreits- und Unterhalts Kosten / 180
Tonnen Schaz baar abzählen lassen / und wañ dieselben werden vergriffen sein
/will ich noch eine gleiche Anzahl herschiessen. Solte dañ meine Kammer ganz
aussgegriffen werden / will ich leihen und borgen / und viel lieber meiner
Hoffstat abbrechen / als das gemeine Wesen Noht leide lassen; wie wohl mirs nicht
fehlen soll / von meinen Städten und Ständen / ja auch von einzelnen Kauffleuten
etliche hundert Tonnen Goldes ohn einigen Zwang und Anfoderung zuerhalten.
Lasset uns dieses / ihr Durchll. Fürsten ohngefehr überschlagen / so werden wir
befinden / dz unser vermögen gross gnug sei / etliche hundert tausend Mann zu Ross
uñ Fuss / etliche Jahr an einander im Felde zu unterhalten / ob gleich unsere
Untertahnen und des Feindes Landschaften keinen Heller zuschiessen würden. Habe
diesem nach meine ernstliche Meinung vorgetragen / doch also /wann eine bessere
und ehrlichere kann vorgeschlagen werden / ich von dieser abstehen / und dem
gemeinen Schlusse mich gerne bequemen will. Herkules und Ladisla bekahmen nunmehr
einen bessern Muht / dañ sie erkeñeren / dass Fürst Menapis nicht von Herzen
/sondern ertichteter Weise geredet hatte; nur warteten sie mit Schmerzen /
zuvernehmen / wess Gobares sich erklären würde; dañ sie sahen / wie derselbe über
Pusizes vorbringen / zu unterschiedlichen mahlen sich unter dem Gesicht
verenderte / wodurch er sein Missgnügen gnug zuverstehen gab. Artaxerxes aber
stellete sich annoch / als zweifelte er / welcher Meinung beizufallen währe /
und begehrete / dass die andern Fürsten sich heraus lassen möchten. Da dañ
GrossFürst Phraortes mit kurzen / aber nachdrüklichen Worten anzeigete / es
haftete ausser allem zweifel ihrer aller Untergang daran / wo sie durch
ungewöhnliche Schatzungen ihnen die Untertahnen würden zu wieder machen / welche
so ängstig auff Linderung hoffeten; daher nichts rahtsamers währe / als den
Krieg aus ihren Fürstlichen Auffkünsten zu unterhalten / biss man aus Feindes
Land etwas würde zu heben haben. Welcher Meinung dañ die übrigen ingesamt
beipflichteten / deren etliche ihnen sonst wohl andere Einbildung möchten gemacht
haben. Worauff Artaxerxes ehe er zum Schlusse schritte / den Hirkaner Fürsten
fragete / ob ihm gefallen könnte / diesen meisten Stimmen beifal zu geben.
Welcher sich erklärete / dass ob er zwar der Wiederwertigen Meinung das Wort
geredet hätte / währe es doch nur zu dem Ende geschehen / dass er der HochFürstl.
Verbündnis derselben Gefahr und Ungültigkeit zubetrachten vorstellen wollen;
hätte ohn Ruhm zu melden / seiner Untertahnen bestes ihm biss daher ungleich mehr
/ als sein eigenes angelegen sein lassen / und währe des willens / biss in seine
Grube also zuverfahren. So bald Menapis diese Rede anfing / stellete sich
Gobares /als würde ihm etwas übel / machte seine Nase schwitzen / uñ nam einen
Abtrit / noch ehe dieser Fürst seine Antwort geendiget hatte. Alle Anwesende
merketen / dass ihn die Scham hinaus trieb / stelleten sich aber unwissend / und
macheten den festen Schluss / dz man das erste ganze Jahr alle Kriegskosten / ohn
einige beschwerung der Untertahnen sollte herbei schaffen / und bei den Völkern
ernstlichen Befehl erteilen dass alles was sie verzehreten / bei Heller und
pfennig sollten bezahlen / auch von keinem Inwohner ihrer Länder dass
allergeringste fodern oder entwenden. Zwar Artaxerxes hätte wegen Gobares Unart
gerne eines und anders erwähnet / aber vor dissmahl wollte ers hingehen lassen /
insonderheit / weil er nach verlauff einer halben Stunde sich wieder einstellete
/ vorgebend / er währe etliche Zeit her nicht zum besten auffgewesen. Welche
Entschuldigung ihm wohl gegönnet ward / uñ taht Artaxerxes der Fürstlichen
Verbündnis endlich diesen Vorschlag dass alle / welche in ihren Ländern umb
Raubens / Stehlens und Mordens / oder sonst anderer Untahten willen gefangen
lägen / mit dem Leben sollten begnadet / und unter dieser Bedingung auff freien
Fuss gestellet werden / dass sie durch tapfere Tahten es in den Schlachten sollten
gut machen / was sie verbrochen hätten. Andere aber / die von heut an / umb
Missetaht willen fest gesetzet würden /sollten ihrer Straffe gewärtig sein.
Welches die anderen ihnen liessen wolgefalle. Die Gesellschaft hielt hierauff
noch unterschiedliche Unterredung / und erzählete Phraortes alles / was sich
zwischen Artabanus und dem Fräulein bissdaher zugetragen hatte / welches die
Unwissenden mit verwunderung anhöreten; biss drei Stunde vor Abends Herkules
durch seinen Gallus abgefodert ward / mit vermeldung / es hätte sich Plautus
wieder eingestellet / und wie er vorgäbe / seine Werbung wohl verrichtet.
Herkules machte sich bald hin auff ein absonderliches Gemach / und zeigete
dieser anfangs an / wie es ihm mit Artabanus ergangen /auch dass dessen Leute in
der nähesten GrenzeStad mit ansehnlichen Königl. Gnaden-Verehrungen verblieben
währen / biss solche von ihm und Ladisla würden abgefodert werden. Er hatte aber
von dem Fräulein ein Neben-Schreiben / welches sie Timokles im hohlen Pfeil
zugeschossen hatte / dasselbe erbrach Herkules zu erst und fand folgenden
Inhalt:
    Allerteurester Lebens-Schaz / ich hoffe zu unserem allein wahren Gott / Er
werde euer aller geträuer Schaz auff dem Wege und in der Fremde sein / habe noch
zur Zeit nichts neues zu schreiben / nur mein Gemahl herzlich zu erinnern / dass
die Gelegenheit meiner Erlösung nicht möge auff die lange Bank geschoben werden
/ damit ich aller Furcht und Schwermuht / welche mich über Gewohnheit hart
anfichtet / bald entrissen werde. Meinem herzgeliebeten Herr Bruder Ladisla /
und meinem Herr Vater / GrossFürst Phraortes / auch Herrn Pharnabazus /und da
andere bekanten mehr zugegen sein möchten /freundlichen Gruss. Lebet wohl mein
Seelichen und erfreuet durch eure erst mögliche Wiederkunft die / so deswegen
glückselig in dieser Welt ist / weil sie die eure ist.
                                                                        Valiska.
    Nach verlesung dieses / nam er das Königliche zur Hand / öffnete dasselbe /
und lase daraus diese Worte:
    Artabanus König der Parter / beherscher der grossen Morgenländer / entbeut
den ädlen Fürsten / Könige Ladisla aus Böhmen / und GrossFürsten Herkules aus
Teutschland Gnade und Gunst. Euer Schreiben / geliebten Freunde / ist uns zu
recht geliefert / haben daraus gnädigst vernommen / was gestalt eure geliebte
Fräulein Schwester und Wase / Frl. Herkuliska / durch Räuber Hände entführet /
von euch fleissig gesucht worden / biss ihr in erfahrung gebracht / dass sie uns
zugeführet sei; deren gute Unterhaltung und gegen angebohtene Lösegelder
Ausfolgung ihr an uns gesinnet. Nun bekennen wir dass dieses werte Fräulein durch
sonderliche schickung der Götter uns zukommen / die wir nicht allein Königlich
halten / sondern auch zu unser schier künftiges Gemahl erwählet / und mit so
fester Liebe ihr verknüpfet sein / dass wir ungleich lieber unsern gewaltigen
ReichsStuel / ja Leib und Leben / als diesen Schmuk der Welt zuverlieren /
entschlossen. Werden demnach unsere beliebete Freunde und künftige Schwäger
hinfort ihret wegen unbemühet sein / und auffs schleunigste sich zu uns
herbegeben / dem Königlichen Beilager beizuwohnen / und unser Königlichen Gnade
/ uñ Schwägerlichen / ja Väterlichen Hulde / wirklich zugeniessen / welche
gleich anfangs darzubieten / ihnen als unsern lieben Herren Söhnen ein
versiegeltes Königliches Gnaden-Geschenk übergesendet wird / nebest
eingeschlossenem /von ihrer Frl Schwester selbst geschriebenen Brieffe.
                                                                      Artabanus.
    Dieser jeztgedachte Brieff der Fräulein lautete nun also: Herkuliska /
gebohrnes Königliches Fräulein aus Böhmen / entbeut ihrem Herrn Bruder König
Ladisla /und Oheim Gross-Fürsten Herkules Schwester- und freundlichen Gruss / und
zeigt denen aus höchsterfreulichem Gemüht an / was gestalt nicht allein die
Götter durch manniche Gefahr mich an diesen Ort geführet /sondern auch aus
sonderlicher schickung den Allergrossmächtigsten König der Welt / und Beherscher
vieler Königreiche und Furstentumer mir so gnädigst-gewogen gemacht / dass dessen
Gross Königl. Hochheit sich ehelich mit mir versprochen / und in diesem
siebenzehnden Jahre meines Alters das Beilager halten wird. Erfreuet euch /mein
Herr Bruder und Oheim / dass durch mich ihr dem grössesten Herrn der Welt so nahe
verschwägert werden sollet / und stellet euch alhier zu Charas erster mögligkeit
ein / unter der Versicherung / dass von diesem grossen Könige euch so hohe
Woltahten begegnen werden / dass ihr neben mich unsers rauhen / unfreundlichen uñ
armen Vaterlandes leicht und willig vergessen / und alhier zu wohnen euch nicht
beschweren werdet. Dessen versehe ich mich zu euch gänzlich / uñ verbleibe /
weil ich lebe eure stets gewogene Schwester und Wase Herkuliska die glückselige.
    Er ging nach verlesung wieder nach der Furstlichen Gesellschaft / und vernam
sehr ungerne / dass in seinem Abwesen ein unfreundliches Gespräch zwischen
Ladisla und Gobares vorgangen wahr; deñ Anfang dessen / machte der Susianer in
dem er sich nicht schämete von Ladisla zu fragen / wie viel hundert tausend
wolbewehrter und versuchter Mann sie wohl vermeinten nach Charas zu führen / mit
welcher Macht sie den König Artabanus würden zwingen können ihnen das Fräulein /
durch Furcht getrieben / aus folgen zulassen; dann / setzete er hin zu / ihr
jungen Herren müsst wissen und bedenken / dass ihrs mit dem allergrössesten
Herrn der Welt werdet zu tuhn haben. Ladisla ging solche trotzige bespottung
sehr zu herzen / und gab ihm zur Antwort: Mein Herr wolle sich nur unsers
Vorhabens wegen nicht bekümmern; mein Bruder und ich sind in den Gedanken
gestanden / dass wir mit lauter vertraueten Freunden redeten / sonst würden wir
unsere Zunge wohl gezähmet haben. Wie viel tausend Mann wir nach Charas zu führen
gesinnet sind / will ich auff eine andere Gelegenheit beantworten / meine sonst
nicht / dass dem Herrn ichtwas von uns zu nahe geredet sei / massen ich ihn vor
einen redlichen Bundsverwanten gehalten /der alles gut heissen würde / was man
wieder den aller grössesten Wüterich der Welt vorzunehmen bedacht ist. Als nun
Gobares durch verwandelung des Angesichts zuverstehen gab / dass er sich auff
eine scharffe Antwort geschicket hatte / kam ihm Artaxerxes zuvor / und
ermahnete ihn ernstlich / dergleichen Ungelegenheiten stecken zu lassen; diese
beide Helden würden zweifels ohn vor sich schon wissen / ihr Vorhabe nach
gestalten Sachen anzugreiffen; es gäben solche anzapfungen keine Ursach
zuvertraulicher Freundschaft; sollte aber seiner Liebe gelüsten /Uneinigkeit
dieser HochFürstlichen Versamlung zustifften / würde er nicht umbhin können ihm
einzureden. Es währe viel zu früh / solches Unwesen anzufahen; Misshelligkeiten /
ob sie gleich geringe / zerrütteten leichtlich / was in fester Träue unbrüchig
bestünde; hoffete demnach / König Ladisla würde / was geredet währe / vor
ungeredet halten / aber auch Fürst Gobares bedenken / dass er die gegebene
Antwort selbst heraus gelocket hätte. Weil nun Ladisla sich hierzu willig finden
liess / musste Gobares die Pfeiffe auch einzihen / insonderheit / weil er sah und
hörete / dass die ganze Gesellschaft über seiner Unhöfligkeit entrüstet wahr. So
bald Herkules sich bei ihnen wieder einstellete / baht er Artaxerxes / Phraortes
/ Ladisla und Pharnabazus / einen geringen Abtrit mit ihm zu nehmen / denen er
des Königlichen Schreibens Inhalt zuverstehen gab / liess sie hernach dasselbe
lesen /und sagte darauff: Ob er zwar sehr wohl gewust hätte /dass von Artabanus
keine andere Erklärung zu hoffen währe / hätte er doch solchen gelinden Weg
zuvor gehen wollen / worauff nunmehr der Ernst ohn verweilen müste vorgenommen
werden / und solches ohn verseumung der bevorstehenden Gelegenheit; dafern er
nun eines versuchten Kriegsheers etwa 16000 Pferde stark könnte bemächtiget sein
/ wollte er sich damit an die Grenzen legen / inwendig fünff Tagen auffbrechen /
und Morgen früh zeitig an den König einen ernstlicheren anfoderungs Brieff
abgehen lassen / welcher auff den Fall der verwegerung (deren er gewiss währe)
zugleich eine Absagung in sich begreiffen sollte; hoffete / es würde Herr
Pharnabazus ihm bei diesem ersten Zuge Gesellschaft leisten / und die
Feld-Herschaft über sich nehmen. Angenehmere Zeitung hätte Artaxerxes nicht
vorkommen mögen; er bedankete sich vor erst des Erbietens / und verhiess ihm
inwendig vier Tagen 40000 wohl bewehrte versuchte Reuter zu liefern / welche er
aber vor dissmahl nicht begehrete / einwendend / man müste den wolgerusteten
Feind anfangs mit einer geringen Mannschaft angreiffen / und eine verwägene
Sicherheit ihm beibringen. Als nun Artaxerxes ihm solches gefallen liess /auch
unsern beiden Helden die ungemässene Freiheit als Feld-Herren damit zuschalten
zustellete / bedankete sich Pharnabazus / dass sie ihn ihrer Gesellschaft wirdigen
wollten. Also setzeten sie nun folgende Schreiben auff:
    Ladisla König in Böhmen / und Herkules GrossFürst der unüberwindlichen
Teutschen / entbieten Artabanus der Parter Könige ihren Grus / und haben aus
ihrer Liebe Antwort Schreiben verstanden / was massen dieselbe ohn
vorhergehendes gebührliches Ansuchen / bei der Grossmächtigsten Königin in Böhmen
Frau Hedewig etc. mit unser Schwester und Wasen Frl. Herkulisten / sich ehelich
versprochen / auch die Zeit des Beilagers schon bestimmet. Nun hätten wir zwar
gehoffet / unsere Schwester und Wase sich der Kindlichen Schuldigkeit erinnernd
/ würde in so wichtigen Sachen nicht so plötzlich verfahren / noch ihr der
Göttin Vesten getahnes Gelübde hinter die Tühr gestellet haben; jedoch weil ihre
Eltern /Vaterland uñ Bluts Freunde ihr so sehr stinken wollen wir mit Gottes
Hülffe und ehrliebender Fürsten Beistand solches an ihr ernstlich zu rächen
wissen; es sei dann /dass eure Liebe sie uns inwendig drei Wochen abfolgen lasse
/ und sie den begangenen groben Fehler abbitte; alsdann versprechen wir bei
Königl und GrossFürstlichen ehren / so bald höchstgedachte Königin in Böhmen ihre
Bewilligung einschicken wird / euer Liebe diese unsere Schwester und Wase als
eine Königliche freie Braut gebührlicher Weise zuzuführen / damit sie nicht
schier heut oder Morgen vor eine Leibeigene aussgeschrien werden möge. Solte aber
dieses unser billiges Ansuchen nicht statt finden können / welches wir doch nicht
hoffen wollen /wird kein Mensch uns das Recht der billichen Rache verdenken /
bissdahin wir Königl. Gnaden-Geschenke anzunehmen / uns nicht bereden können /
vor welche dannoch gebührlich gedanket wird. Erwarten von eurer Liebe
offenherzige klare Antwort.
                                                           Ladisla und Herkules.
    Der Brieff an das Fräulein wahr dieses Inhalts: Ladisla und Herkules
entbieten dir Herkuliska wirdigen Gruss. Deiner stolzen Jugend unbesonnenes
Vornehmen /wodurch du deine Königliche Eltern und verwanten / ja dein Vaterland
und selbst eigene Ehre schändest uñ mit Füssen trittest / hat dein
frevelmuhtiges Schreiben gar zu klar und helle an den Tag gelegt; was gedenkestu
dumkühne / die du unter deiner Fr. Mutter und Blutsverwanten Vormundschaft bist
/ und darfst ohn ihr Vorwissen dich ehelich versprechen / da du kaum die
KinderSchuch abgelegt hast / und nicht verstehest / was heirahten sei oder
heisse? Aber dieses aus der Acht gesetzet; meinestu Gottes vergessene / die
Gewalt und Straffe der grossen Göttin Vesta könne dich nicht so wohl in Parten
als in Böhmen finden / deren du biss zur gänzlichen Erfüllung deines
siebenzehnden Jahres dich mit höchster verfluchung / aus freien stücken / wegen
ehemahl geschehener Rettung / verlobet hast? gedenke nur nicht / dass du dessen
einige verzeihung erhalten werdest / es sei dann das unser rechtmässiges
Ansuchen von deinem Könige eingewilliget werde; dann dafern du auff diesem
unteutschen Sinne verharren wirst / wollen wir dich und alle deine Helffers
Helffer mit Feur und Schwert verfolgen /auch diese Länder nicht verlassen / biss
du zu gebührlicher Straffe gezogen / und deiner Göttin auff einem brennenden
Holzhauffen auffgeopffert seist; welches zu verhüten dein König nebest dir / ihm
wird lassen angelegen sein. Den Nahmen einer Schwester vor beschehene Abbitte
dir zuzuschreiben / achten unnöhtig / König Ladisla / und GrossFürst Herkules.
    Niemand trug grössere Beliebung an diesen Brieffen / als GrossFürst
Artaxerxes; dann ob er gleich an ihrer auffrichtigen Träue nicht zweiffelte /
sah er doch / wie hiedurch Artabanus zu äusserstem Zorn wieder sie würde
gereizet werden / welches seinem Vorhaben überaus vorträglich wahr; belegete sie
demnach mit treflichen Verheissungen / und dass in erlösung der Fräulein er alle
seine Macht in ihre Hände stellen wollte. Die Schreiben wurden durch zwölff ädle
Assyrer / (denen Gallus zugegeben ward / sie aber sich vor Syrer und Römische
Untertahnen aussgeben sollten) nach Charas geschikt / und ihnen befohlen / in der
Partischen Grenze Stad die Königlichen Geschenke abzufodern / mit sich
überzunehmen / und nach einreichung der Brieffe sie zu des KönigesFüssen zulegen
/ auch dabei anzudeuten / wie sie befehlichet währen / solche nit wieder
anzunehmen / biss von dem Könige ihnen gewierige Antwort gegeben würde. Der
grosse Kriegsraht ward des nähst folgenden Tages gehalten / wobei ausser den
obgedachten Morgenländischen Fürsten niemand als Pharnabazus /Mazeus und
Arbianes zugelassen ward. Zwar Artaxerxes nöhtigte unsere beide Helden sehr /
demselben mit beizuwohnen / sie wollten aber durchaus nit / sondern wendeten ein
/ sie währen fremde / und gehöreten in ihre Verbündnis nicht als Glieder /
sondern nur als Dienstwillige / ja die Warheit zu sage / als hülffbedürftige.
Uberdass hätten sie sich bissdaher noch mit keinem äide verpflichtig gemacht;
zugeschweigen dass sie nicht willens / sich in einiges Menschen Dienste
einzulassen / ohn in Artaxerxes uñ Phraortes; der übrigen Freunde wollten sie
zwar sein /aber nicht weiter schuldig / als was ihrer Freiheit unabbrüchig
währe. Artaxerxes vernam daraus ihren Willen / und wahr damit friedlich / ging
hin zu den versamleten Fürsten / und fand dieselben sich etwas mit einander
zanken / welche aber wegen seiner zukunft alsbald stille wurden. Die Ursach
solches heftigen Gesprächs wahr Gobares abermahl / welcher schon gestern bei
abwesenheit der beiden GrossFürsten und unserer Helden / sich gegen die übrigen
beschweret hatte / dass er eine so spitzige und ehren verkleinerliche Antwort von
dem jungen fremden Kerls annehmen und verdäuen müssen / und ihr Häupt solches
alles gebillichet hätte. Aber der Hirkanische Fürst / ein beherzter und
gerechter Herr / hielt ihm dassmahl ungescheuhet das Wiederspiel / und führete
ihm zu gemühte / wie man zum Holz hinein rieffe / so schallete es wieder heraus;
er würde sich erinnern dass er die fremden auch blosshin vor junge Herren
gescholten / und wegen ihrer Einsamkeit sie verkleinerlich auffgezogen hätte /
welche doch Könige und GrossFürsten währen / und von ihrem Häupte hoch geehret
würden; hätte sich demnach wohl vorzusehen was er tähte / damit er sich selbst
nicht in Unglück stürzete / welches ihnen allen leid sein würde. Weil dañ
dazumahl die übrigen alle dieser Vermahnung beifielen gab er sich zufrieden /
wie er dann ohndz ein überaus verzagter Mensch wahr. Vordissmahl aber nam er
abermahl Ursach seinen Unwillen sehen zu lassen /dann als der Assyrer nach
Artaxerxes fragete / und der Arische Fürst zur Antwort gab / dass er sich bei den
fremden jungen Fürsten auffhielte / mit denen er ausser allem zweifel sehr
hochwichtige / uñ der HochFürstl. Verbündnis zuträgliche Sachen beredete;
antwortete Gobares; er wollte ja nimmermehr hoffen / dass Artaxerxes mit solchen
fremden unbärtigen jungen Leuten zuvor einen absonderlichen Raht halten / oder
sie etwa in den grossen hochheimen Kriegs-Raht mit sich herführen wollte / auff
welchen Fall ihm niemand verdenken würde / wañ er auffstünde / uñ sich ihrer
Beredung vor dissmahl äusserte. Da ihm der Hirkaner abermahl gewaltig einredete /
dass er sich wohl zubedenken hätte / was er tähte; kunte aber / weil Artaxerxes
unversehens darzu kam / seine rede nicht aussführen; dann so bald derselbe seine
Stelle bekleidet hatte / trug er der Versamlung seine Meinung folgender gestalt
vor: Durchlechtigste Fürsten / Hochansehnliche geträue Väter des Vaterlandes /
und mächtige Schüzer unserer güldenen Freiheit: Euer keinem ist die Ursach
dieser unser zusammenkunft unbewust / nehmlich /die äusserste Noht und der
Augenscheinlich bevorstehende Untergang unserer Fürstlichen Hocheit / ja unserer
Ehre / Leibes / und Lebens. Der algemeine Mord unser aller / ist schon in dem
Herzen des Partischen Wüterichs empfangen / und lieget er gleich jetzo in der
Geburt / solche teuflische Frucht an die Welt zubringen. Dañ betrachtet / bitte
ich / das neulichste Befehl-Schreiben / wann die vielfältige vorige Schmach euch
nicht genug ist / so werdet ihr befinden / dass uns der Sterbe Kittel schon
genähet sei / wo es uns nur noch so gut werden möchte / und wir nicht seinen
Hunden oder wilden Tihren zum Schauspiel als Leibeigene vielmehr sollen
vorgeworffen werde. Das Leben ist uns ja schon abgesprochen / und die Urtel
zuerkant. Auf was weise aber? Nicht anders als Aufrührern / und die an höchster
Obrigkeit sich vergriffen; deswegen nicht allein wir vor unser Häupt / sondern
zugleich unsere Weiber / Kinder und alle Anverwanten dem allerschmählichsten
Verderben schon zugesprochen sind / dafern wir dem Unfall nicht vorbauen / und
mit ritterlichem Gemüht dem algemeinen Feinde die Spitze bieten. Solte aber
jemand einwenden / es würde uns schwer fallen / wider diesen Stachel zulecken /
der zeige mir / bitte ich / einige ursach an; ich setze meine Seele und Ehre zu
Pfande / dass mit der versprochenen Hülffe ich ihn inwendig drei Jahren auffs
höchste dermassen einzutreiben / Mittel weiss / dass er uns sein Häupt und
Königreich zur Beute überlassen soll; und dahin will ich mich durch eure Hülffe
bemühen; dann der an uns begangene Frevel kann nicht anders als mit seinem Blute
gebüsst werden. Dieses aber auszuführen / haben wir Mittel gnug und
überflüssig; dañ vorerst kann es uns an Geldern nicht mangeln / welche die Sehn
Adern des Krieges sind; so ist mein einiges Land Volkreich genug /Kriegesleute
herzugeben / ohngeachtet schon über 50000 statliche Soldaten aus euren
Fürstentuhmern mir zukommen sind / und ich von GrossFürsten Phraortes allein /
80000 mehrenteils Reuter / ehist empfangen werde / dessen unvermuhtliche
Gegenwart eurer keinen befremden soll / dann er musste bisher ungenennet sein / ob
er gleich neben mir der erste dieses hochlöblichen Vornehmens ursach ist.
Ungeachtet wir nun vor uns selbst mächtig gnug sind / unsern Feind
zuüberwältigen / so haben wir uns dannoch zuerfreuen / dass wir uns vor den
Römern nicht allein gar nicht zubefürchten haben / wie ich dessen von dem
Römischen Käyser selbst / schrifftlich versichert bin / sondern da wirs nur
begehren / stehet uns deren Hülffe und Beistand offen / indem die beide neulich
angekommene fremde Fürsten sich freiwillig erbohten /uns inwendig zehn Wochen
50000 zu Ross aus der Römer Gebiet / von ihren eigenen Anreits-geldern zuzuführen
/ welches ich bisher noch abgeschlagen /und unserer Völker überfluss vorgewendet.
Und weil ich auf diese fremde Fürsten zureden komme / werde ich gezwungen /
meinen geträuen Bundsverwanten ihretwegen etwas bessere Nachricht zugeben /
damit niemand sie aus ihren wenigen Jahren / oder geringer Anzahl der Diener
urteilen möge. Versichert euch /Hochmögende Bundsverwanten / dass in diesen
Morgenländern ich keinen Ritter weiss / der ihnen an Man-und Erfahrenheit in
Waffen uberlegen / dürffte schier sagen / gleich sein sollte; fraget meinen Oheim
Pharnabazus / der weiss hievon zuerzählen; und ich kenne ihrer mehr / die sich
höher über ihre Vollkommenheit verwundern / als einige Hoffnung haben / es ihnen
nachzutun. Uber das sind sie freie Fursten / der eine ein König / der ander ein
GrossFürst / die keine Oberherren als Gott und das Schwert erkennen. Ich habe
mich nicht ein geringes bemühet / sie auff unsere seite zubringen / und nachdem
sie bei uns stehen / erfreuet michs höchlich; dann sollten sie in Artabanus
Dienste sich eingelassen haben / welches unter der Hoffnung /ihr verlohrnes
Fräulein zuerhalten leicht geschehen möge / hätten wir uns mehr vor ihnen / als
vor des Wüterichs ganzer Macht zufürchten. Deswegen / so jemand unter uns
widrige Gedanken von ihnen geschöpffet hätte / der lasse solche / bitte ich /
fahren /und bedenke mehr des Vaterlandes Wolfahrt / als seinen eigenen Willen
oder Unwillen. Zwar uns verbunden zu sein / beschweren sie sich / aber durch
äiden sich verpflichtet zu machen / uñ als freie Obristen vor uns zufechten sind
sie willig; wollen sie demnach / da es allen beliebet / zu uns bitten / den äid
abzustatten /und unserm Kriegsraht / als dessen hochverständige beizuwohnen.
Phraortes / nachdem er zu dem löblichen Vorhaben Glük gewünschet hatte / gab
seine Stimme: Er hielte vor gut / dass diese treffliche Helden herzu geladen
würden / dann ich kann / sagte er / Eure Liebden ingesamt wohl versichern / dass
sie so mächtige Herren sind / die des Vorhabens gewesen / da ihnen unmöglich
gedaucht hätte / das Fräulein ohn Krieg zuerretten / mit einem Kriegs Heer von
etlichen hundert tausenden Teutschen / Goten / Böhmen und Römern / dem ganzen
Partischen Reiche einzufallen / da insonderheit die ihrem Wege zunähst gelegene
es schon würden empfunden haben. Diese Hülffe stehet uns bevor / da wirs sollten
benöhtiget sein / wie ich doch nicht hoffen will; dann versichert euch / sie
werden nicht scheiden / ehe und bevor das Fräulein aus Artabanus Händen gerissen
ist / es geschehe durch List oder Gewalt. Als er hatte ausgeredet / gab Fürst
Pusizes aus Assyrien eben diese Stimme. Hingegen sass Gobares als in tieffen
Gedanken / merkete leicht /dass seinetwegen von unsern beiden Helden so viel
geredet wahr / durffte doch den Persen und Meden nicht erzürnen / viel weniger
war er willens / ihnen hierin beizupflichten; suchte deswegen alle seine
Beredsamkeit zusammen / die andern auff seine Meinung zubringen / und fing also
an: Mir zweifelt nicht /O ihr Väter des Vaterlandes / unsere hochlöbliche
Zusammenkunft sei zum Schutze des allgemeinen Vaterlandes angesehen / vor
dissmahl den bündigen Schluss zumachen / und dereins zuvernehmen / was uns allen
wohl und wehe tuhn muss / wobei niemand an seiner Stime Freiheit wird gehemmet /
noch seine Träue und Sorge vor das Vaterland und gemeine beste übel ausgedeutet
werden. So bin ich nun mit dem GrossFürsten aus Persen Herrn Artaxerxes desses
einig / dass unsere Kräffte und Vermögen übrig bestand sind / dem Partischen
Hunde die unbillicher weise angemassete Hocheit über unsere ädle Untertahnen
zunehmen / wobei ich nicht allein die mir auffgelegte Anzahl an Volk und Geldern
/ sondern ein gedoppeltes zutuhn / mich hiemit versprechen will. Aber die Götter
verhüten diesen unverantwortlichen Schimpff / als sollte diese Hochfürstliche
Verbündnis zweer so junger Kerlen dergestalt benöhtiget sein /dass durch deren
Abgang das ganze Wesen gefahr leiden / oder vor deren Feindschaft sich
zubefürchten haben müste / denen ich bald zween Ritter entgegen schicken wollte /
die ihnen das Zahnweh benehmen würden / wann sie nur so gewiss an Feindes seiten
dieneten. Aber wer versichert uns vorerst / dass sie mächtige Fürsten / und nicht
vielmehr Landstreicher und Leutebescheisser sind? Doch gesezt solches; was soll
uns ihre Hülffe? wollen wir ihnen etwa die obriste Feldherschaft über unsere
Völker zustellen? Auff solche weise müsten zween fremde Jünglinge kommen /ohn
Volk / ohn Geld / und so viel mächtige reiche Fürsten erlösen. Oder sind sie als
verständige KriegsRähte zugebrauchen? wo sitzen ihne dann die grauen Haare / die
ihrer Klugheit Zeugen sein? Es scheinet ja der eine einer jungen Metzen
åhnlicher als einem Mannesbilde / und mangelt ihm vielleicht nichts als der
WeiberRok. O ihr meine Herren / kein Susianer wird sich von ihnen befehlen
lassen! Sie werden gedenken / man wolle ihnen Kinder zu Herren setzen / oder
eine neue Weiber-Herrschaft einführen. Doch lasset sie auch in diesem Stük
hinstreichen /und gebet ihnen die Feld-Herschaft über; alsdann werden sie
entweder unsere Völker auff die Fleischbank führen / dann was geht sie fremdes
Blut an? oder dafern sie den Sieg erstreiten / wollen sie das Partische Reich
zu Lohne haben; ja wohl ein feiner Tausch / aus dem Tropffen in den SchlagRegen /
aus der Sonnen Strahlen in das lohbrennende Feur. Aber ich höre / sie wollen
unverbundene Freibeuter / wollte sagen / Freireuter sein; freilich unverbundene /
weil sie vielleicht schon an anderer seiten sich verbunden; freilich FreiReuter
/ die nach belieben von uns zu dem Feinde / von dem Feinde zu uns reiten. Und
wer weiss / was vor ein Geheimnis hinter dem gefangenen Fräulein stecket? Ists
auch eine angelegte Karte / ihr meine Herren / und zu unser aller Verderben also
durchstochen? Ich fürchte / ich fürchte / Teutschland wolle uns täuschen / dann
wie ich vernehme / haben sie sich schon etliche Zeit zu Charas auffgehalten /und
wir wollen ihnen nicht allein trauen / sondern sie überdas in unsern geheimen
KriegsRaht oben an setzen. O ihr Götter / erleuchtet unsere Herzen / öffnet
unsere Augen / und gebet nicht zu / dass ein so heilsames Werk so liederlich
vergehe / und so manniches Fürsten-Blut des Henkers Schwert überliefert werde.
Nun ihr meine Herren samt und sonders / ich kann vor Wehmuht nicht mehr reden /
dann wo die himlische Gnade es nicht abwendet / sehe ich die Falle schon
gestellet / und das Garn aussgeworffen / damit man alle Fürsten dieser Versamlung
berucken / und dem Blutunde überliefern will; welchem Unglück vorzubauen / rahte
ich aufrichtig / und als ein Biderman /lasset fremde unbekannte aus unserm Raht /
und suchen sie etwa ein Geschenk / gebe man ihnen einen Reisepfennig / ich will
ein 50 Kronen mit zuschiessen / dass sie ihren Rit nicht vergebens und umbsonst
getahn zuhaben / sich beschweren dürffen. Hiermit will ich meine Meinung ohn Hass
/ Neid und Missgunst geredet und beschlossen haben / und gebe der Hochfürstlichen
Versamlung zubetrachten / was geringer Nutzen uns von diesen beiden jungen
Leuten zuhoffen / und wie grosse Gefahr uns durch ihre vermuhtliche Verräterei
erwachsen könne. Artaxerxes und Phraortes wurden durch diese schmähliche Reden
heftig bewogen / wahren doch willens / die folgenden Stimmen zuhören; welche
aber sich dessen wegerten /biss ihnen dieser jungen Fürsten Zustand etwas
eigentlicher zuwissen gemacht würde; dann wo Fürst Gobares Argwohn gegrundet
währe / wüsten sie sich nicht herauszulassen; erwarteten demnach unterrichts /
und hielten biss dahin ihre Stimmen zuruk. Artaxerxes fing darauff an: Wann Fürst
Gobares sich nur der Vorsorge und Vorsichtigkeit / die allen geträuen Vorstehern
des Vaterlandes gebühret / in seiner Rede gebrauchet hätte / wollte ichs an ihm
rühmen; weil er aber alles zusammen geraspelt / was zu dieser fremden Fürsten
Verkleinerung dienen kann / so gar / dass er weder GrossFürst Phraortes / noch
meines ehrlichen Nahmens darunter geschonet / wüste ich dieses Kind wohl
zutäuffen / wann mir nicht die Bundes-Einigkeit lieber / als mein eigenes
Ansehen währe; nur muss ich ihm dieses unangedeutet nicht lassen / dass er ja
hernähst nimmermehr seine Zunge in so langem Zügel reite / wo er mir nit auff
scharffe weise gedenket zu antworten; dann weil ich der Hoffnung gelebt / die
ganze Hochfürstliche Versamlung werde mich vor redlich / und vor keinen
Verrähter halten / will ich alle Worte / so wider mich aussgestossen sind / dem
Winde befehlen / sie dahin zuverwehen / da keines redlichen Mannes Nahme
haftet. Hierauff nun zur Sache zu schreiten / so habe ich zwar dieser beider
jungen Fürsten und teuren Helden in etwas Kundschaft / als der ich ihre
Tapfferkeit versuchet; aber mein freundlicher lieber Oheim Herr Pharnabazus wird
davon bessere Zeugnis ablegen / welchen ich bei seinen Ritterlichen Ehren und
redlichem Nahmen ermahne / denen nichts zu liebe noch zu leide / sondern die
reine nackete Warheit vorzubringen. Gobares wollte zwischen einreden / aber
Artaxerxes erinnerte ihn / ihm stünde solches nicht zu / biss die Reihe ihn
wieder träffe. Daher stund Pharnabazus auf von seiner Stelle / und fing also an:
Durchleuchtigste Fürsten /Gnädige Herren; nachdem anjetzo ich gnädigen Befehl
unter der allerhöchsten Ermahnung / empfangen /es der Durchleuchtigsten Fürsten
und Helden / Herrn Herkules / und Herrn Ludisla Ehren-rettung auch erfodert /
dass ich ausser der Ordnung reden soll und muss / wird verhoffentlich von niemand
getadelt werden (es müste dann ein Feind der Warheit sein) wann ich schuldigen
Gehorsam leiste; Der Fürst von Susa /Herr Gobares / hält die jezt hochgedachte
beiden Fürsten / Herrn Herkules und Herrn Ladisla / sehr schwerer Sachen
verdächtig / indem er anfangs ihren Fürstlichen Stand / hernach ihren Verstand
und Erfahrenheit / weiters ihre Manheit / und endlich ihre Auffrichtigkeit und
Träue in Zweifel zihet. Nun will mit hochgedachtem Fürsten von Susa mich deswegen
eben nicht in Streitigkeit einlassen / wie wenig ichs auch zuverantworten weiss /
dass in meiner Anwesenheit ihren ehrlichen Nahmen ich sollte kränken lassen; dann
weil ich hoffe / Fürst Gobares habe keinen Willen sie zubeleidigen / sondern
seine Furcht / die aus Unwissenheit herrühret / anzuzeigen / werde ich bloss nur
einführen / wie ungutlich diesen beiden Herren durch so schwere Auflagen
geschihet / welche wider zehn Ritter zugleich mit dem Schwerte abzutreiben /sie
sich nicht scheuhen würde. Bettreffend ihren Fürstlichen Stand / ist ihnen
nichts so sehr zuwider /als dass er mir und andern ohngefehr kund getahn ist
/welchen sie in diesen Ländern nimmermehr solcher gestalt würde offenbahret
haben. Dass aber sie vermögene Fürsten sind / zeigen die grossen Gelder und
treffliche Kleinot / welche sie in diese Landschaft mit sich geführet. Doch was
hilfft michs / diesen Beweisstuhm zugebrauchen? Dann ein Verleumder könnte
sprechen / ich suchte das Fürstliche Blut mit Gelde zubehäupten; Zeige demnach
an / dass die Königliche Böhmische Gesanten ich mit meinen Augen mehr dann
einmal zu Padua gesehen / welche ihren König Ladisla zu seiner Kron foderten.
Ist nun dieser ein König / warumb ist dann sein Geselle minder /welchen er doch
fast mehr ehret als liebt; er auch ein ungleich grösser Reich / als Böhmen ist
/ in nähester Erbschaft soll zugewarten haben. Dannoch gesezt /sie sein keine
Fürsten kann ihrer Manheit dadurch abgehen? Sie müssen ja zum wenigsten
HerrenStandes sein / sonst würde der Hochmögende Römische Statalter zu Padua /
Herrn Ladisla seine einige Tochter nicht verheirahtet haben; über welcher Ehe
sich doch derselbe zum höchsten erfreuet. Man lasse aber auch dieses
ungegläubet; ihr Herkommen und Geblüt wird dem Feinde weder Schaden noch uns
Vortel tuhn. Nun möchte ich gerne wissen / aus was Ursachen Fürst Gobares dieser
beider Fürsten Verstand und Erfahrenheit in Zweifel zeuhet; Wegen ihrer Jugend?
Ja / ich gestehe / dass Jugend insgemein unverständig ist / aber doch nicht
allemahl / noch bei allen / und müste trauen dargetahn werden / ob man in
gestriger langwieriger Gesellschaft ihrer einen unverständiger /als andere
anwesende (verzeihet mir / ihr meine Gnn. Fürsten) hätte reden hören; ich vor
mein Häupt möchte wünschen / dass niemand bei seinen greisen Haaren seines
Herzens Tohrheit mehr verrahten möchte / als diese Fürsten bei ihren
unbegreiseten; soll ich dann von ihnen in diesem Stük die Warheit sagen / so
bezeugens ihre bisher geführete Anschläge / dz mehr hinter ihnen stecket / als
sie von sich selbst rühmen; ich vor mein Häupt gestehe willig und ohn Scham /dass
in kurzer Zeit ich von diesen beiden Helden in Waffens gebrauch mehr gelernet /
als ich zuvor gewust habe. Was soll ich nun von ihrer unerschrockenen / und durch
so manniches Land hochgerühmter Mannheit und Herzhaftigkeit sagen? trauen es
würde mir ehe an der Zeit / als an ihrer Tahten mannigfaltigkeit gebrechen / wañ
ich gleich nur die vornehmsten berühren wollte / dañ ihr Nahme ist zu hoch gen
Himmel gestigen; Rom das Häupt der Welt / so weit sich Nidergang erstrecket /
schämet sich nicht / sie vor Schuz Götter ihres Italien ausszuruffen. Daselbst
habe ich ihre herrliche gegossene Bildnissen auff dem Marsplatze gesehen / mit
dieser Uberschrift: Der Paduaner Erretter; wie zu Padua imgleichen / mit einer
herrlichen Ehren-benennung. Solte wohl jemand wähnen können / dieser unsterbliche
Ruhm währe ihnen ihrer Jugend und Schönheit halben zugelegt? Nein O nein! ihre
Faust uñ ritterlicher Helden-muht hats erworben /in dem sie etwa mit 36 Reuter
in die 200 bewehrete Räuber / alle trefliche Fechter und versuchte Hauptleute
erschlagen / welche ihre Werbungen auff viel tausend angestellet hatten / ganz
Italien zuverderbe. Was ich sonsten vor Wunder von ihnen in ernstlichen Kämpffen
und Schimpff-Stechen gesehen / ist unnöhtig / zuerzählen. Und sehet / Durchl.
Fürst Gobares /solchen Helden wollet ihr 50 Kronen zur Reise zehrung geben / die
/ so wahr ich ein ehrlicher Ritter bin /in Padua einer fremden Stad / über 150
Tonnen Schaz / an baarschaft / Kleinoten und anderen Kostbarkeiten haben; und
geliebt es euch / mein Fürst / kann eure Gn. ihren Nohtpfennig zu sehen bekommen
/ den sie bei sich führen / und auff acht Tonnen Goldes aussträget. Aber O ihr
redliche / auffrichtige und geträue Seelen /Fürst Herkules und Ladisla / muss man
anhören / dass ihr der Verräterei / der Freibeuterei / der Träulosigkeit sollet
beschuldiget werden? ich leugne nicht / dass mir solches zeihen nicht anders als
ein blutiger Stich durchs Herz gangen / welches ich an einem andern als diesem
Orte nit würde haben unverantwortet gelassen / hätte mirs gleich mein Leben
gekostet. Ihr wollet eure geträuen Freunde / den GrossFürsten Phraortes /welchen
ihr euren Vater nennet / und seinen wolgerahtenen Sohn Fürst Arbianes / der euch
mehr liebt als sich selbst / in die Hände des Henkers liefern? O Fürst Gobares
/ was bewäget euch / dieses ungeheure Bubenstük ihnen beizumässen? muss man aus
blossem Argwohn oder Missgunst / solche Dinge tichten /und ungescheuhet aussreden?
Aber ihre Frl. Schwester ist bei Artabanus; ist wahr / aber hat GrossFürst
Phraortes sie nicht dahin geliefert? ihr seid auch selbst eine zeitlang zu
Charas gewesen; O freuet euch / dass GrossFürst Phraortes euch daselbst
beigewohnt / und eures tuhns / und lassens Fürstliches Zeugnis geben kann. Gilt
dann nur blosses argwohnen / so muss man den Medischen GrossFürsten auch aus
dieser Hoch Fürstlichen Versamlung bannen / und ihm 50 Kronen / hätte schier
gesagt 50 Groschen vor seinen Rit geben / dz er sich nit zubeklagen habe; ja
dessen Durchl. wird mehr und tieffer als jene beide Helden im Verdacht stecken /
dañ er hat sich bei dem Könige daselbst auffgehalten / ihm das Fräulein
zugeführet /ist von ihm deswegen Königlich begnadet / und zum geheimen Raht
erkläret. Verzeihet mir / ihr Durchleuchtigsten Fürsten / dass ich so kühn rede:
Entweder GrossFürst Phraortes / Herr Mazeus / uñ meine geringfügigkeit müssen
Verrähter sein / oder die fremden lassgesprochen werden; dann wir haben sie
hergeführet / wir haben münd und schrifftlich bei ihnen angehalten / sich
hieselbst einzustellen; Bin ich dann ein solcher Bube / so habe ich mich viel zu
lange in dieser Fürstlichen Gesellschaft auffgehalten. Artaxerxes sah / dass er
sich zu eifern begunte / und ihm die Adern an der Stirn blutig auffquollen /
daher befürchtete er sich einer schärffern antastung gegen Gobares /welches
zuverhüten / er ihm in die Rede fiel / und mit dieser gütigkeit darzwischen kam:
Geliebter Oheim; meines Herrn Bruders G Fürst Phraortes / wie auch eure und H.
Mazeus Redligkeit und auffrichtige Träue / ist uns allen mehr als zu viel bekant
/ und die solche in zweifel zihen wollten / müsten darüber zuschanden werden;
lasset deswegen es geschehen sein / wie ich euch mit meinem Beispiel vorleuchte
/ dass Fürst Gobares sein Herz des Argwohns entladen hat / weil ihm zweifels ohn
unbewust ist / dass diese beide Helden mit euch umgangen sind; die übrige
HochFürstliche Gesellschaft wird zu euch viel ein besser vertrauen haben / als
dass ihr unter so hoher erinnerung diesen fremden Fürsten ichtwas zu liebe oder
leide reden soltet / insonderheit / dass mit unser aller Gefahr geschehen möchte.
Wollen demnach gerne vernehmen / ob Fürst Gobares wichtige oder sonst nur
scheinbahre Ursachen seines Argwohns hat / welchen er / wie seine Worte mit sich
bringen / fast ausser zweifel setzen darff; welches er dann freilich uns nicht
wird ungemeldet lassen / damit wir uns desto besser vorsehen / und wie er
gestimmet hat / diese beide fremdlinge abschaffen mögen. Hier entfiel dem feigen
Gobares der Muht / dann Pharnabazus Mannheit wahr ihm bekant / vor dem er sich
fürchtete / gab also näheres kauffs / und antwortete: Weil es ein wichtiges Werk
ist / damit wir umbgehen / habe ich / was sich etwa zutragen könnte / meiner
Meinung nach andeuten /aber nichts gewisses bejahen wollen / wie Herr
Pharnabazus vielleicht wähnet / dessen / wie auch des Durchl. GrossFürsten
Phraortes und Herrn Mazeus Redligkeit / ich mit keinem Worte anzugreiffen
willens bin / und dass ist in dieser HochFürstl. Versamlung meine Stimme; die
beiden Fremdlinge / als welche in unsern Bund nicht gehören / gehen mich nicht
an / werde auch ihretwegen kein Wort mehr verlieren. Wolan / sagte Phraortes /
wann ich dann vor redlich kann erkennet werden / so setze ich meine Redligkeit
zum pfande / und will derselben in alle Ewigkeit verlustig sein / dafern diese
beide Helden mit Verräterei umbgehen / oder einige träulose Ader an sich haben;
mehr will ich vordissmahl nicht sagen / umb weiteres Gezänke zuverhüten. Darauff
gab nun Fürst Menapis aus Hirkanien seine Stimme folgender gestalt: Ich vernehme
ein solches Zeugnis von diesen beiden jungen Fürsten / dass man ihre Hülffe und
Beistand zuerhalten sich billich bemühen soll; angesehen / die meisten unter uns
zwar Mittel und Völker herzugeben / aber nicht / mit der Faust den Feind
anzugreiffen gemeinet sind; müssen demnach uns nach solchen umbtuhn / welche
hierzu vor andern düchtig erfunden werden; eines Fürsten Redligkeit mus man
nicht aus ungegründetem Argwohn in zweifel setzen /sonst würden wir unter uns
selbst bald desgleichen anfahen; halte also nicht allein vor gut / sondern auch
hochnöhtig diese Herren nicht zubeschimpffen / sondern sie vielmehr gar in
unsere Verbündnis auffzunehmen / da es von ihnen zuerhalten ist / auff dass sie
desto mehr Ursach haben / unsern Feind zu hassen /und unser bestes zusuchen;
dann es gehe wie es wolle / der Nutzen bleibet doch unser von allem was sie
gewinnen werden; und darff ich meine Meinung sagen /so sehe ich sie fast vor
Götter-Kinder an. Dieser Meinung fielen die übrige einträchtig bei / und bahten
Gobares / da er einigen Wiederwillen gegen sie gefasset hätte / wie man aus
seinen Reden nicht anders urteilen könnte / möchte er durch unzeitige Bewägung
dem gemeinen Wesen nicht abbruch tuhn / oder zum wenigsten die Ursachen seiner
ungewogenheit mit beständigem Grunde darlegen / alsdañ sollte ihm gebührlicher
Beifall gegeben werden. Gobares ward über solche Erinnerung unwillig / und
antwortete: Weil er überstimmet währe / müste ers geschehen lassen / dass ihrer
Dienste gebrauchte wer da wollte / er vor sein Häupt hätte ihrer viel zu wenige
Kundschaft / dass er festen Grund auff sie bauen sollte / und zweifelte nicht /
Artaxerxes währe ihnen allen Feld Obristens genug /andere Kriegsbeamten würden
sich leicht finden / und hätte man deren bereit zu guter gnüge. Diese
Wiederspenstigkeit ging ihnen allen sehr zu Herzen / dass auch Artaxerxes seinen
Zorn nicht mehr meistern kunte / daher er zu der Versamlung also anfing: Ihr
redliche Bundsverwanten / was vor eine wichtige Sache wir vor dissmahl
abzuhandeln haben / ist eurer keinem unwissend; wann dañ Fürst Gobares etwas
vornimt / dass ein weites Aussehen zu haben scheinet /frage ich hiemit um / ob er
nicht schuldig sei / einen Abtrit zu nehmen / dass man sich einer Antwort
vergleiche / damit er sich müsse begnügen lassen. Sie wahren dessen alle mit ihm
einig / musste demnach in ein Nebengemach treten / biss man sich eines Bescheides
vergliche hatte / da er wieder gefodert ward / und Artaxerxes ihm dieses
vorhielt: Fürst Gobares / ihr habt durch eure ungegründete Wiederspenstigkeit
die ganze HochFürstliche Versamlung bewäget / dass man euch im Grunde nicht
trauen kann / ob ihr nicht gefährliche Dinge vornehmen dürfftet / wann man nicht
eben eurem Willen gewonnen gibt / welcher den blinden Bewägungen unterworffen
sein scheinet /daher man dann Ursach gnug hat / euch in eine ehrliche Gewarsam
zu nehmen / biss man eurer Auffrichtigkeit besser versichert ist; damit ihr aber
sehet / dass nichts gegen euch aus Wiederwillen / sondern zu des gemeinen Wesens
versicherung alles vorgenommen werde / wird euch hiemit die Wahl gegeben / ob
ihr lieber bei dieser gegenwärtigen Fürsten einem / den ihr selbst kiesen möget
/ verbleiben / oder von allen und iedem dieser Fürsten / einen redlichen Ritter
zu euch nehmen / mit denen nach Sasa zihen / uñ stets ihrer zum wenigsten drei /
Tag und Nacht umb euch leiden wollet, die auff alles euer Vornehmen acht geben.
Darauff habt ihr euch zuerklären. Gobares erschrak hierüber dass er bebete / und
gab diese Antwort: Durchll. Fürsten / ich ruffe alle Götter zu Zeugen / dass mein
Herz und Gemüht dem Wüterich Artabanus / und seiner unrechtmässigen Herrschaft
dergestalt feind und zuwider ist / dass ich ehe sterben / als demselben hold und
zugetahn werden wollte. So wird auch kein Mensch aus meinen Reden dessen einigen
Argwohn fassen können / dass eines Verrähters Gedanken bei mir sein sollten / wie
ich dañ bereit und willig bin / mich dessen durch den allerbündigsten äid zu
entbrechen; in betrachtung dessen bitte ich / dass dieser Schluss wiederruffen /
und ich des gar zunachteiligen Schimpffs entnomen werde, mit dem Erbieten / dass
da einiger Mensch ein fünklein solcher unträue an mir spüren wird / ich mein
Fürstentuhm / Ehr und Leben will verwirket haben. Er musste darauff abermahl einen
Abtrit nehmen / und auff des Hirkaniers Verhandlung / ward ihm alles erlassen /
jedoch dass GrossFürst Artaxerxes ihm einen guten Verweis geben sollte / welcher
ihn dann also anredete: Fürst Gobares / ihr bezeiget auffs minste schlechten
Willen zur Einigkeit / stehet auch fast verwägen / dass ihr euch dürffet brüsten
/ als verstündet ihr das Werk besser als die ganze HochFürstl. Versamlung; soll
ich Obrister Feldherr sein / so werde ich trauen euch nicht fragen / was vor
Heerführer ich bestellen wolle / es währe dañ / dass ihr euch einer Oberauffsicht
über mich annehmen woltet / welches ich euch schwerlich gut heissen würde,
werdet demnach solches hinfüro einstellen / und nicht aus eigenem ganz
unbilligem getrieb euch dem ganzen Schlusse mehr wiedersetzen; habt ihr aber
auff dieser Helden einem oder andern absonderlich zu sprechen / so sagets ihnen
auff Ritters Art unter Augen und versichert euch / dass sie euch stehen werden;
erinnert euch daneben / dass eure spitzige Worte / dere ihr mañiches aussgestossen
/ König Artabanus uñ sein grosses Kriegs-Volk nicht fellen werden / sondern die
das Schwert zugebrauchen wissen / deren sind wir hierzu benöhtiget. Und lieber
saget mir doch / währe es nicht besser / wir spareten der Einwohner Blut / und
setzeten dem Parter lauter fremde entgegen / unsere Mannschaft zuerhalten? und
ihr wollet die Aussländischen nicht eins zu lassen. Doch bemühet euch nicht zu
hart / wir haben noch keine Zusage / dass sie von uns bestallung annehmen wollen
/ dann sie achten unsers Geldes viel weniger als wir selbst / und weiss ich einen
/ der ihnen zur Freundschaft andenken auff 8000 Kronen wert Ringe geschenket /
dem sie gedoppelt so viel wieder einreichen lassen. So zeige ich nun im Nahmen
dieser Fürstlichen Gesellschaft euch hiemit an / dass man euch nicht allein der
Verwahrung sondern auch des Verdachts entnehmen will / weil wir ingesamt der
Zuversicht geleben / ihr werdet bei dem geschlossenen und so fest veräideten
Bunde träu- und redlich halten. Gobares liess alle harte Reden unbeantwortet /
und wahr froh solcher Erlassung / daher er sich zu aller Redligkeit anerboht.
Nach dessen stillschweigen aber stund Arbianes auff / und baht sehr demühtig /
das ihm ein Wort zu reden erläubet sein möchte; da ihm sein H. Vater antwortete
/ es würde ihm solches gegönnet sein / wañ es ohn einiges Menschen Beschimpfung
geschähe. Worauff er also anfing: Durchleuchtigste Fürsten / gnädige Herren; ich
habe heut diesen Morgen etliche Reden anhören müssen / durch welche vor erst
mein gnädigster H. Vater hernach die Durchleuchtigste Fürsten / H. Herkules und
H. Ladisla an ihren HochFürstlichen Ehren höchstschimpflich angezapffet sind;
wañ ich nun dasselbe stilschweigend vorbei gehen liesse / dürfte mirs schier
heut oder Morgen verweisslich vorgehalten werden / ob hätte ich einen solchen
Vater und solche Freunde gehabt; welches zuverhindern und abzulehnen ich der
getahnen Lästerung mit wolbedachtem Muht wiederspreche / sie in des Verleumders
Busem schiebe / und so einer zugegen sein möchte / der Fürst Gobares schmähungen
vor rechtmässig halten wollte / denselben fodere ich hiemit auff erläubniss aus /
auff den innersten Platz dass er mit seinem Seiten Gewehr sich darstelle / und mit
mir ohn alle andere Waffen / den Kampf auff Leib und Leben antrete / nachdem ich
mich versichere / dass ich weder von einem Berrähter gezeuget bin / noch von
Verrähtern je etwas gehalten habe. Mit diesen Worten nahete er sich zu der Tühr
/und sagte: Gobares du Verleumder / komm und verantworte dich mit der Faust /
bistu redlich. Die Fürstliche Gesellschaft entsetzete sich der Erklärung; sein
Vater aber redete ihn also an: Stelle dich mein Sohn auff den Platz / nachdem du
das Wort gesprochen hast; aber dass du bei verlust meiner Väterlichen Hulde
keinem Menschen die Ursach deines aussfoderns wissen lassest. Gobares erblassete
dieser Reden / und nach Arbianes Abtrit fing er an: Durchl. GrossFürst /
Artaxerxes / bin ich schuldig dieser Aussfoderung zu stehen / alsdann wird
GrossFürst Phraortes mirs nicht zum ungleichen ausslegen / wann ich ihn seines
einigen Sohns beraube. Wans redlicher Weise vor der Faust geschihet / antwortete
Phraortes / alsdann ist eure Liebe wohl entschuldiget / und wird dieselbe das
ergangene mir nicht zuschreiben / sondern vielmehr bedenken / dass / wer alles
redet was er will / oft hören müsse was er nicht will; so weiss auch der jugend
Hitze nicht so wohl / als die grauen Haar sich zu mässigen / und deute ich
überdass euer Liebe zur Nachricht an / dass sie nicht so gar einen ungerahtene
Schüler des GrossFürsten Herkules / an meinem Sohn finden werde. Fürst Pusizes
schlug sich darzwischen / uñ baht sehr / es möchte die Fürstl. Versamlung
bedenken / wann dieses Gefechte vor sich gehen sollte / wie Artabanus und seine
Leute sich darüber kitzeln würden / hoffete deswegen / man würde sich bemühen
/diese Streitigkeit ohn Kampff auffzuheben. Wem wahr hiezu lieber als dem
verzageten Gobares / welcher also anfing: Ja eben dieses betaure ich am meisten
/ sonst sollte mir nichts liebers als die Rache sein; Da nun der junge Fürst sich
eines andern bedenken / uñ seine Aussfoderung wiederruffen wird / soll an meiner
seite alles vergeben und vergessen sein / ungeachtet er ohn alle gegebene ursach
/ mich ehrenrürig angetastet / als der ich weder seinen Herr Vater noch die
fremden einiger Verräterei beschuldiget habe /sondern nur blosse anzeige getahn
/ was von fremden vorgenommen werden könnte; sollten aber meine Reden anders
verstanden sein / so bedinge ich mich auffs zierlichste. Wolan / sagte
Artaxerxes / so ist der Span auffgehoben / redete Pharnabazus etliche heimliche
Worte ins Ohr / und baht ihn / Arbianes wieder herein zuruffen; welches
ungeseumet geschahe / welcher auch nach empfangenen Unterricht also zu Gobares
redete: Es ist mir sehr lieb / Durchl. Fürst / dass euer Liebe Reden ich in
ungleichem Verstande auffgenommen / und hiedurch unsere Streitigkeit geendiget
ist; hoffe demnach / eure Liebe werde des ergangenen vergessen / und mir gewogen
bleiben. Dieser legte solches vor eine Abbitte aus / und erklärete sich zu aller
Freundschaft. Worauff Fürst Pusizes / Herr Pharnabazus und Mazeus von der
Fürstl. Gesellschaft erbehten wurden / unsere Helden herzubitten; welche sich
willig einstelleten / und von Artaxerxes also angeredet wurden: Durchleuchtige
Fürsten; Aldie weil der tapffere Vorsatz dieser Fürstlichen Versamlung / Euren
Liebden gnug wissend ist / als welcher in Befreihung des algemeinen Vaterlandes
von dem Partischen Joche bestehet / und Eure Liebden sich gutwillig finden
lassen / uns darinnen beiständig zusein / wollen sie sich zu uns nidersetzen /
umb zuberahtschlagen /wie uñ auf was weise wir unserm vornehmen den gewünschten
Anfang machen können. Ladisla antwortete: Durchleuchtigster G Fürst / Gn. Herr;
dass Ihre G Fürstl. Durchl. im Nahmen dieser Hochfürstl. Versamlung in ihren
Hochweisen Raht uns einfodern wollen / erkennen wir als eine sonderliche Gnade
und Gewogenheit / deren wir zeit unsers Lebens schuldig sein müssen; weil aber
wir dieses Orts fremde und ausländische sind / und alhie weder zugebieten noch
verbieten haben / als will uns nit geziemen / ihren heimlichsten Rahtschlägen
beizuwohnen / oder selbige eins zuwissen / sondern nachdem Ihre Durchll. werden
geschlossen haben / werden sie uns befehlen die Vollstreckung verrichten
zuhelffen / worzu wir uns erstes Tages fertig halten / mit einem Heer nach den
Grentzen gehen / und unserer Gesandschaft von Charas daselbst erwarten / auch /
weil wir keine andere / als ungenehme Antwort von Artabanus uns vermuhten / bald
nach solcher Erlangung den feindlichen Einfall in sein Land tapffer wagen
wollen; Inzwischen bitten wir sehr / uns die Stücke vorzulegen / worauff unsere
äidliche Verbindung muss gegründet sein. Nahmen darauff einen Abtrit / und bahten
die Fürsten / sich darüber zuvereinigen. Nach ihrem Abwich sagte Artaxerxes zu
den Versamleten: Ich wüste nicht / was ich an dieser Herren Höfligkeit tadeln /
vielweniger hassen sollte / es währe dann / dass ich ihren missgönnete / höflich
zusein; werden uns deswegen gleicher Tugend befleissigen / und keine höhere
åidesleistung ansetzen / als die solchen Fürsten wolständig ist; schlossen also
/ nur auff folgende zwei Stük eine freiwillige Zusage durch den Handschlag von
ihnen zunehmen; dass sie nach aller Mögligkeit das gemeine beste befodern / und
dem Feinde schaden wollten; welches sie auch träulich angelobeten / doch biss auff
ihrer Gesanten Wiederkunft. Des Nachmittages ward Herkules zu raht / seinen
Plautus nach Jerusalem an den Statalter zusenden / weil er dessen Dienste
ohndas nicht mehr benöhtiget wahr; schickete Frl. Lukrezien überaus schöne und
köstliche Kleinot / uñ dem Bischoff daselbst 10000 Kronen / unter arme und
nohtleidende Christen zuverteilen; welcher des folgenden Morgens unter einer
Begleitung von 60 Medischen Reutern / welche Arbianes dahin gebracht hatte /
sicher fortging / und daheim wohl empfangen ward /da er alle Begebnissen erzählen
musste / reichte auch seine Schreiben an den Statalter und das Frl. ein /welche
mit lauter Danksagungen angefüllet wahren; Und als das Fräulein daraus vernam /
dass die Kleinot ihr von dem geraubeten Königlichen Fräulein / zur Dankbarkeit
deren / ihrem versprochenen Bräutigam erzeigeten schwesterlichen Hulde und
Freundschaft (dann also schrieb Herkules) übergeschicket würden /sagte sie: Der
Allmächtige Gott gönne mir dieser hochwirdigen Fürstin Kundschaft / nachdem sie
aus ihrem Gefängnis in freien Stand wird gesetzet sein.
    Des nähstfolgenden Tages nach gehaltenem KriegsRaht zu Persepolis / schieden
alle Morgenländische Fürsten in stiller geheim / und mit schnellen Pferden davon
/ ein jeglicher nach seiner Landschaft /und eileten sehr / ihre Völker zusammen
zubringen; und feireten unsere Helden auch nicht / sich zum Feldzuge fertig
zumachen / welchen sie auf angestimmete Zeit fortsetzen wollten. Zehn Tage nach
deren Abzug von Charas wollte Artabanus schier unsiñig werden / vor unmässigen
Liebesbegierden gegen das Fräulein / welches durch ihrer Hofmeisterin Fr.
Sysigambis Vernunft noch rükstellig gemacht ward. Weil dañ das Fräulein ihrem
Herkules solches gerne zuwissen getahn / und dadurch seine Zukunft
beschleuniget hätte / aber darzu keine gelegenheit sah / dann ihren Timokles
wollte sie auf allen fall bei sich in der Stad behalten; erdachte sie diese List:
Sie beklagete sich /dass ihrem Bruder und Oheim sie gar zu einen stolzen Brief
geschrieben hätte / welcher ausser Zweifel sie zu grossem Widerwillen antreiben
würde / währe demnach ihr herzlicher Wunsch / die gelegenheit zuhaben / dass bei
einem vertraueten Bohten sie ihnen ein Schreiben übersenden könnte / dass der
König davon im wenigsten nichts erführe; damit aber auff solchen fall sie nicht
zufürchten hätte / als wollte sie ichtwas gefährliches vornehmen / sollte sie den
Brief / ehe er versiegelt würde / selbst lesen / daraus sie sehen würde / dass
alles dem Könige zum besten von ihr vorgenommen würde; Und sehet da / meine
geliebte Freundin / leset ihn gleich alsbald / weil ich ihn schon auffgesetzet
habe; befindet ihr dann / dass es nicht raht sei / will ich meine Meinung gerne
endern. Diese liess sich dessen nicht eine Sau dünken / dass das Fräulein ihre
grösseste Heimligkeit ihr anvertrauete / wegerte sich anfangs den Brief zu lesen
/ aber auff ernstliches nöhtigen nam sie ihn zu sich / rühmete anfangs die
wunderzierliche Schrifft / und fand folgenden Inhalt: Durchleuchtigste Fürsten /
herzgeliebete / Herr Bruder und Herr Oheim. Dass mein voriges Schreiben / als gar
zu frech und verwägen / Euren Liebden wenig gefallen habe / trage ich keinen
Zweifel; nachdem aber ich mich eines bessern bedacht / bitte ich Schwesterlich /
mir diesen Fehler zuvergeben / in meine höchstglückliche Heirat gerne
einzuwilligen / und inwendig dreizehn Wochen euch hieselbst anzufinden / auff
dass des grossen Königes und mein glückliches Beilager durch ihre ansehnliche
Gegenwart möge gezieret / ich auch von euch als meinen nähesten Anverwanten
seiner Königlichen Hocheit zugeführet werden. Bedenket doch / ihr meine geliebte
Herzen / wie verächtlich es stehen werde / dass ich als eine Verwanten-lose
allein sein soll; und ob diese meine Heirat / welche gegen genante Zeit ganz
gewiss vor sich gehen wird /euch etwa möchte zuwider sein / welches ich doch
nicht vermuhten kann / so bedenket / dass kein Mittel in der ganzen Welt ist /
solche Heirat zuhindern / und lasset euch deswegen / bitte ich / gefallen / was
nicht zuendern stehet; Ich versichere euch / meine liebe Herzen / dass ihr solche
Gnade bei eurem und meinem Könige antreffen werdet / welche allen Unwillen / da
einiger bei euch sein sollte gänzlich tödten und austreiben wird; Ach es ist mir
sehr zuwider / dass ich vernehmen muss / ihr haltet euch in Feindes Landen auf;
doch weil ihr mit der Auffruhr nichts zuschaffen habt / wird der grosse König
euch deswegen nicht ungnädig werden. Lebet wohl / meine Herzen-Freunde / und
erfreuet bald mit eurer hochbegehrten Gegenwart / eure ergebene und geträue
Schwester und Wase / Herkulisken die glückselige / Gross Königliche verlobete
Braut / und schierkünftige herschende Gross Königin aller dieser Länder.
    Nach Verlesung sagte Sysigambis: Warumb will doch eure Gn. diesen Brief so
heimlich fortschicken /da doch dem Könige nichts angenehmers sein würde /als
wann seine Hocheit dieses Vorhabens sollte berichtet sein. Durchaus nicht / meine
Freundin / antwortete sie / ich habe grosse ursach / solches noch zur Zeit vor
dem Könige zuverbergen; überdas möchte ich gerne sehen / dass etwas gutes
geschaffet würde /daran niemand teilhätte / als ihr und ich. Ist dieses ihrer
Gn. Wolgefallen / sagte jene / so wollen wir bald zu einem geträuen Bohten
Rahtschaffen; Eure Gn. weiss / dass mein Sohn von dem Könige oft in schleunigen
Verschickungen gebraucht wird / weil er sich weder zu Nacht noch Tage zureiten
wegert / so gerne hänget er auff den Pferden. Diesem will ich das Schreiben
zustellen / und mündlichen Bericht erteilen / wohin ers bringen soll. Das währe
der allersicherste Weg / sagte das Fräulein / und dass euer Sohn meinen gn.
Willen sehe / so schenke ich ihm diesen Ring (welcher 2000 Kronen wert wahr) den
ihr ihm geben /und dadurch zu aller möglichen Eile / insonderheit zur
Verschwiegenheit ihn ermahnen sollet. Diese geitzige Frau nam das treffliche
Geschenk mit hoher Danksagung zu sich / mit dem erbieten / alles gebührlich
zubestellen. Wolan / sagte das Fräulein / so geht hin /und hohlet mir ein
angezündetes Licht / dass ich den Brief alsobald versiegele; Als diese nun darzu
willig wahr / verwechselte das Fräulein den Brief mit einem andern / welchen sie
auff diesen fall schon verfertiget hatte / und gleich wie der vorige zusammen
gefalzet wahr; welcher Betrug ihr wohl von statten ging / und jagete dieser Bohte
dergestalt mit abgewechselten Pferden fort (dero behueff er stets einen
Königlichen Befehl bei sich führete) dass er des vierden Tages nach seinem
Auffbruch zu Persepolis wahr / da des folgenden Tages unsere Helden mit ihrem
Heer fortgehen wollten. Herkules sass gleich und beklagete gegen Phraortes / dass
seinem Fräulein die Zeit lange wehren würde / ehe er zu ihrer Erlösung sich
würde einstellen / und musste er doch nohtwendig seine Reise nach Charas
auffschieben / damit er seinem vorhabenden Getichte die rechtgültige Farbe
anstreichen könnte. Unter diesem Gespräch trat Tyriotes zu ihm / mit bericht / es
währe ein Schreiben von Charas an ihre Gnaden abgeschikt / welches niemand als
ihr selbst könnte eingereichet werden / und währe ihm der Bohte allerdinge
unbekant / ein feiner Jüngling / und gutes ansehens / ohngefehr seines Alters
von 18 Jahren. Herkules foderte ihn vor sich allein / und vernam /dass er von
seiner Fr. Mutter / der Königlichen Fräulein Herkuliska Hofmeisterin / in
schnellester Eile abgefertiget währe / zween fremden Fürsten / höchstgedachter
Fräulein nähesten Anverwanten nachzufrage und ihnen ein Schreiben einzuhändigen
/ zweifelte allem ansehen nach / gar nicht / Ihre Gn. würde deren einer sein;
vermeldete ihm seiner Fr. Mutter Gruss /und gab den Brief gebührlich über / aus
dessen Auffschrifft er alsbald die Schreiberin erkennete / brach ihn auff / und
lase folgenden Inhalt: Herzallerliebster Schatz und Vertrauter; nähest anmeldung
meines Grusses verhalte demselben nicht / was gestalt König Artabanus / seinem
vorgeben nach / durch Träume geschrecket / zehn Tage nach euer Liebe Abzug
heftig in mich gedrungen / in unverzügliches Beilager einzuwilligen / so dass er
sich nicht gescheuhet hat / harte Dräuungen mit einzumischen; Ich hingegen habe
anfangs alle freundliche Mittel angewendet / ihn abzuhalten / und als dieselbige
nicht helffen wollen / sondern er mir einen güldenen Wagen geschikt / auff
demselben zu ihm zufahren / keiner andern ursach wegen / als seinen Mutwillen
zuvergnügen / habe ich mich gegen ihn schrifftlich erkläret / ich gelebete der
gewissen Zuversicht / Ihre Königl. Hocheit würde die auff ihrem heiligen Stuele
mir getahne hohe Zusage unbrüchig halten / oder zum wenigsten meines Dieners
Wiederkunft erwarten / dann ich müste entweder die Zeit des Gelübdes aushalten
/ oder von der Geistligkeit meines Vaterlandes durch gewisse Opffer der Göttin
Vesten versöhnet und lossgesprochen werden / welches vor Ankunft meines Dieners
Valikules zu Prag / (wozu ich noch sechszehn Wochen rechnete) nicht geschehen
könnte; sollte nun zum allerwenigsten vor endigung solcher Wochen / Ihre Hocheit
in mich dringen wollen / müste ein schleuniger Tod mich wider alle Gewalt
schützen; bähte demnach / Ihre Königl. Hocheit wollte sich eigentlich erklären /
ob ich leben oder sterben sollte; dann keine Macht dieser Welt könnte mir auff
solchen fall den Tod hindern. Nach dessen Verlesung hat er sich als ein wütiger
Löue sehen und vernehmen lassen /und in solchem rasen befohlen / mich ihm
lebendig oder tod zuliefern / welches dann ohn zweifel währe vor sich gangen /
dafern meine geträue Hofmeisterin / die ich zu ihm abgeschikt hatte / durch
demühtige Einrede es nicht abgewendet / indem sie ihm sonst eine schöne Jungfer
zugeführet / nachgehends / nach seines Wuhts Erkühlung / ihm etwas härter
zugesprochen / was ihm mit meinem Tode gedienet sein könnte. Er hat aber durchaus
nicht nachlassen wollen / biss ich aus höchster Noht gezwungen / ihm von heut
über vierzehn Wochen die Vollstreckung der Heirat zusagen müssen / weil alsdann
meine Sache zu Prage würde können richtig sein. Nun mein allerliebstes Herz /
ihr werdet dieser Tage euch zugebrauchen wissen / oder euer lebendigen Valisken
euch begebend / aus ihrem Tode die unfehlbare Kundschaft festgehaltener Träue
nehmen; auff welchen fall ich euch durch den wahren Gott beschwöre / dass ihr
eurem Leben meint  wegen keine Verkürzung antuht / sondern wider den unkeuschen
Blutund eure Rache vorbehaltet. Zeiger dieses meint  / euch ein Schreiben
zuliefern / in welchem ich euch und meinen Bruder zum Beilager einlade / werdet
es wissen zubeantworten / dass meine Hofmeisterin es lesen dürffe; Ist aber
Hoffnung und Trost übrig / das sendet mir bei einem vertraueten zu. Nähest
Begrüssung meines herzlieben Bruders und aller guten Freunde / befehle ich uns
ingesamt dem Schutz Gottes. Eure vollkommene Freundin / Valiska / die herzlich
bekümmerte.
    Das lezte Wort dieses Briefs kränkete den verliebeten Fürsten / dass ihm die
Trähne aus den Augen schossen / nach deren abwischung er unten im Brieffe diese
Worte gezeichnet sah; dem Boten ein gut Trinkgeld; fragete demnach denselben;
guter Jüngling /von wem habt ihr das Schreiben empfangen? von meiner Fr. Mutter
/ antwortete er / die mir vertraulich offenbahret hat / das es von dem
Königlichen Fräulein selbst geschrieben sei. Sie hat euch die Warheit vertrauet
/ sagete er / hätte aber der Mühe sparen können / dann ich ihr schon vor
etlichen Tagen einen Brieff zugeschicket / worauff ich Antwort erwarte; weil ich
dann eine gewirige noch zur Zeit hoffe / müsst ihr eure Mühe nicht umsonst
angewendet haben; befahl Tyriotes / dass er ihn wohl halten / Morgen früh ihm 600
Kronen verehren / und damit fortzihen lassen sollte. Er aber setzete ein kleines
Brieflein auff / welches dem Bohten zugestellet ward. Des folgenden Morgens sehr
früh musste Tyriotes mit einem geheimeren Schreiben fortgehen / welcher / weil er
Geldes genug bei sich hatte / allentalben frische geruhete Pferde mietete / so
dass er in fünff Tagen zu Charas wahr. Gallus mit seiner Gesellschaft seumete sich
auch nicht lange auff dem Wege / und ritten des Königes Leute / welche Plautus
begleitet hatten / mit ihm zurück. Als er sich zu Charas angeben liess / ward er
neben den andern alsbald vor den König gefodert /welcher in den Gedanken stund /
es würden seine vermeinte Schwäger nicht Worte gnug haben finden können / vor
die angebohtene Gnade zu danken /worin er sich hesslich betrogen fand / weil der
ansehnlichste von den Abgesanten die zurück geschikten Gelder und Kleinot / wie
sie vom Könige selbst versiegelt wahren / vor sich her tragen liess / und nachdem
er sie vor des Königes Füssen nidergelegt hatte / also anfing: Es lassen unsere
allergnädigste Herren / die Grossmächtigsten Fursten / Herr Ladisla / König in
Böhmen / und Herr Herkules GrossFürst der unüberwindlichen Teutschen / ihrer
Königl. Hocheit gebührlichen Gruss vermelden / übersenden gegenwärtige Schreiben
/ eines an ihre Königl. Hocheit / das ander an das Königl. Fräulein / der
Hoffnung gelebend /ihnen werde auff beides behägliche Antwort wiederfahren. Der
König verwunderte sich des schlechten Grusses / und was die niedergesetzeten
Beutel vor bedeutung hätten / liess die Gesanten abtreten / und lase beide
Brieffe / worüber er sich so heftig / eiferte / dass er die Abgesanten in das
Stokhauss legen liess. Nun mögen wir uns wohl schämen / sagte er / dass wir diesen
undankbahren so hohe Gnade angebohten. O ihr ungehöfelte grobe Bauern / sagte er
/ die ihr solcher Tugend-ergebenen Schwester allerdinge unwirdig seid; aber
wolan / wir werden an statt des angebohtenen Gnaden-Brunnen / ihnen den Abgrund
der ernstlichen Straffen auffdecken / und die leicht sinnigen verwägenen Buben
nach verdienst peitschen und streichen lassen. Sendete dem Fräulein einen Diener
/ mit begehren / dass ihre Hoffmeisterin zu ihr kommen sollte / und als dieselbe
sich einstellete / fragte er / wie sich das Fräulein bezeigete / und ob sie bei
der getahnen Verheissung beständig verbliebe; welche ihm zur Antwort gab / es
hätte ihre Königl. Hocheit sich im geringsten nicht zubefürchten / dass das
Fräulein Krebsgängig werden sollte / als welche nie kein Wort geredet / dem sie
nicht Krafft gegeben hätte. Darauff lieferte er ihr beide Schreiben / sie dem
Fräulein zu verlesen zu bringen; welche sich dann darüber so eiferig zubezeigen
wusste / als hätte sie aus der Haut fahren wollen; sie stellete sich / ob könnte
sie vor Zorn kein Wort reden / endlich sagete sie; O wie werde ich mich an
meinem unbesonnenen Bruder und Oheim gnug rächen können? und mit was
gebührlicher Straffe wird mein allerliebster König diese Bosheit gnug bezahlen?
Ich werde vor sie zu bitten mich schwerlich gebrauchen lassen / ich sehe dann
zuvor einige wahre Reue in ihren Herzen; O ihr leichtfertigen / dürffet ihr mir
das Feur; ja dürffet ihr meinem allergrössesten Könige die Rache dräuen? Die
Hoffmeisterin erschrak der rede / und fragete / was widerwärtiger Zeitung sie
immer und ewig von so nahen Blutverwanten einnehmen könnte. Mehr als zu viel /
antwortete sie; Ach ach! wie übel hab ich getahn / fuhr sie fort / dz ich ihnen
bei eurem Sohn ein so freundliches Schreiben zugeschikt habe! O könnte ich
dasselbe mit viel tausend Kronen wieder an mich lösen / würde ichs ja nicht
lassen; gedenket ihr aber / meine Freundin mein Eifer entstehe ohn Ursach / so
nehmet diese boshaftigen Brieffe / uñ leset sie durch. Unterdessen setzete sich
das Fräulein / und schrieb folgende Worte an den König:
    Allergnädigster Herr / eure Gross Königl. Hocheit wolle sich durch die
törichte unbesonnenheit meines nicht werten Bruders und Oheims ja nicht bewägen
lassen / viel weniger den Abgesanten als unschuldigen die Straffe anlegen die
ihre Herren verdienen; Zorn ohn Macht / und Dräuung ohn Nachdruk schläget
niemand als den Furchtsamen / und sind die meinen mehr der Züchtigung als der
Rache / mehr der Ruten als des Schwertes wirdig / jedoch das andere an ihrem
Beispiel /die höchste Macht der Welt ehren lernen / müssen sie ungestraffet
nicht bleiben. Meiner Fr. Mutter Einwilligung /und die losssprechung meines
Gelübdes bei der Geistligkeit / wird mein Diener Valikules schon erlangen / und
zu seiner Zeit mit sich bringen / was achte ich dann der übrigen? Ist nun ihrer
Königl. Hocheit es gefällig / will ich eine Antwort zurück schreiben / davor sie
die Nase rümpffen sollen / weil ich leicht errahten kann / ihre Hocheit werde sie
keines Schreibens mehr wirdigen. Ich aber verbleibe nach wie vor meines
allergnädigsten und höchstgeliebeten Königes ergebenste demühtigst-gehorsamste
/Herkuliska die glückselige.
    Sehet da / sagte sie zu der Hoffmeisterin / traget mir dieses Brieflein
straks angesichts nach dem Könige / und sprechet: Meine untertähnigste Bitte sei
/dass er sich durch Zorn selber nicht möge schaden tuhn; Es pflege der Löue eines
jungen Hundes Bellen sich nicht irren zu lassen / und müste ein erschrockener
Gaul sein / der wegen eines herzu kriechenden Erdwurms stutzen oder sich sträube
sollte. Diese verrichtete den Befehl willig / ward auch mit solcher Gnade gehöret
/ dass der König zur Antwor gab: Meldet unserm herzgeliebeten Fräulein unsere
Gnade /und dass wir alles ersetzen wollen / was ihre undankbare Verwanten
sündigen / denen wir auch bloss umb ihret willen sanftere Straffe anzulege
willens sind / als sie sonst verdienet haben; sie sind aber unwirdig einiger
schriftlichen Antwort / und soll ihnen vor dissmahl noch zu lezt die Mündliche
mitgeteilet werden; liess die Abgesanten alsbald wieder vorfodern / und fragete /
was die niedergelegten Sachen bedeuteten; da ihm geantwortet ward; es währen die
Schenkungen / so ihre Königl. Hocheit neulich ihren Herren übergeschicket hätten
/ welche wieder eingehändiget würden / auff den Fall ihrer Hocheit die getahnen
Vorschläge nicht könten annehmlich sein. Der König liess darüber ein bitteres
Lachen ergehen / und sagete: Können unsere undankbaren Knechte solches nicht
auff borg behalten / dass sie ein Zeichen der einmal angebohtenen Gnade hätten?
jedoch / weil sie derselben nicht wirdig sind / so muss ihnen auch das übrige
entzogen werden. Drum so saget nun den unbesonnenen Knaben unsern Knechten / wir
haben die Ruten schon binden lassen / damit sie ihre züchtigung einnehmen sollen
/ und möchten wir gerne sehen / was hinter ihrem ohmächtigen Dräuen und Absagung
stecke. Dass aber eures mutwillens vor dissmahl geschonet wird / habt ihr bloss
unser Gnade zu danken / und trollet euch ohn einiges Wortsprechen stündlich aus
unserm Gebiet / dafern ihr nicht mit euren Herrichen zu büssen Lust traget.
Diese wurden froh / dass sie mit dem Leben davon kahmen / machten sich alsbald
aus dem Staube / und sties Tyriotes eine Meile von der Stad auff sie / dem
Gallus allen Verlauff erzählete /und mit ihm Abscheid nam / an was Ort sie auff
ihn warten / und in einer Gesellschaft wieder fortgehen wollten. Dieser / so bald
er zu Timokles kam / den Gallus nicht eins hatte ansprechen können / überreichte
er ihm das Schreiben / der es in einem hohlen Pfeile hinauff schoss / gleich da
das Fräulein bei spätem Abend vor ihrem Fenster stund / welche denselben bald
hohlete / und nach herausszihung des Briefes / diese Worte lase: Allerschönster
Seelen-Schaz; euer Liebe Wiederwertigkeit habe ich mit höchsten Schmerzen
empfunden / danke dem grundgütigen Gotte / dass er auch dissmahl noch des grimigen
Löuen Wuht gebrochen / und mein unschuldiges Schäflein gnädig errettet hat.
Sonsten hat eure Liebe an bestimung der Zeit sehr weisslich gehandelt / und will
ich mit der Hülffe meines Heilandes nicht fehlen / vor angesetzter Zeit / dafern
ich lebe / früh genug bei ihr zu sein / da mir / ob Gott will / der schon
gemachte Anschlag nicht missrahten wird. Inzwischen stellet euch gegen euer
Frauenzimmer frölich /damit man keinen Argwohn auff euch fasse; unterhaltet auch
den König mit aller Freundligkeit / und reitet ihn im gelindesten Zügel / dass er
unsere Freude nicht stören möge / deren wir geliebtes Gott gedenken zugeniessen.
Ich werde schon wissen dem Könige eine glaubwirdige Ursach beizubringen / dass er
mich wohl vor entschuldiget halten soll. Gott zu tausend mahlen befohlen / und
seid fort nicht mehr die bekümmerte / sondern die fröliche Valiska / damit ich
lange bleiben möge / euer Liebe inbrünstiger ganz ergebener Herkules.
    Ey so will ich auch meinem Gott vertrauen / sagte sie bei sich selbst / und
wird mein Erlöser mich mit dem unschuldigen Daniel aus der Lönen Grube / uñ mit
Joseph aus dem Gefängnis schon zuerretten wissen / dass ich noch meine Lust an
seiner Gnade sehe. Ein halb Stündichen hernach kam ihre Hoffmeisterin wieder zu
ihr / und brachte ihr das Brieflein von Herkules / dann ihr Sohn wahr wieder
angelanget / welcher durch einen Unfall (er wahr mit dem Pferde gestürzet und
hatte einen Arm verrenket) sich auff der Reise einen Tag zu lange auffgehalten
hatte. Das Fräulein aber stellete sich betrübt / und gab zur Antwort / sie
stünde im zweifel / ob sie ihres unbesonnenen Bruders Brieff lesen / oder
hinunter in den Graben werffen wollte; endlich auff der Hoffmeisterin anhalten /
öffnete sie denselben / der also lautete: Zeigern dieses wird zum beweiss der
geschehenen Einlieferung eines Briefes von der stolzen Herkulisken geschrieben /
hiemit erteilet / hätte zwar eine scharffe Antwort darauff gehöret / aber weil
dieselbe ihr verhoffentlich schon wird zu handen kommen sein / erachtet man
unnöhtig ein Gemüse zweimahl zu kochen. Ich unterschriebe mich billich in diesem
Zettel als Bruder / wañ nicht dein stolzer Sinn die ehmahl Schwesterliche
Gewogenheit aus deinem Herzen verstossen hätte. O bedenke dich eines bessern /
wo du nicht wilt mit samt deinem Könige / aus welchem du gleichsam einen Abgott
/ und dich zur Abgöttin machest / zu trümmern und bodem gehen. Das ist mir ein
Bruder / das ist mir ein Bruder /sagte das Fräulein nach verlesung; stund
hierauff ein wenig stille als in tieffen Gedanken / und fing hernach wieder an:
Nun / was will ich machen? zwar ich habe meinen Bruder allezeit herzlich geliebt
/ wollte ihn auch noch wohl gerne lieben / aber wegen seines wunderlichen Kopfes
mich meines Glückes zubegeben /wird mir kein Mensch rahten. Nein O nein; der
Himmel hat mich hieher gebracht / dass ich meinem Könige zum künftigen Gemahl
gefallen müssen / solches muss weder mein Bruder noch einiger ander Mensch in der
Welt umstossen. Aber vernehmet ihr nicht meine Freundin / ob zum Königlichen
Beilager anstalt gemacht werde? man wird ja beizeiten alle Nohtwendigkeit
versehen / damit einem jeden sein gebühr geschehe; Und dass ich euch mein
gewogenes Herz sehen lasse / so habe ich schon in meinem Herzen euch darzu
erkohren / dass ihr zu derselben Zeit die Mutterstelle vertreten sollet. Diese
erfreuete sich der Ehren höchlich / und zeigete an / wie geschäfftig der König
schon währe / alles auffs prächtigste anzuordnen; doch bitte ich / sagte sie /
meiner Kühnheit gnädige Vergebung / umb zufragen / ob die annoch ausstehende
Wochen nicht biss auff die Halbscheid könten gebracht werden; Und O wann meinem
Könige ich die Zeitung bringen sollte / wie ein treffliches Bohten-Brod würde ich
verdienen! Sie wusste aber nicht /was vor ungenehme Reden / diese der Fräulein
zuhören wahren / als welche ohn das einen Verdacht auff sie hatte / sie spielete
mit dem Könige in diesem stük heimlich unter einer Decke / deswegen wollte sie
vor dissmahl die gelegenheit nicht versäumen / sie durch die allerheftigsten
Bedräuungen davon abzuschrecken / und gab ihr diese Antwort: Liebe Hofmeisterin
/ich halte euch vor meine allergeheimdeste Freundin /wie ihr wisset / und ich
dargetahn habe / indem ich mich euer und eures Sohns Dienste / in übersendung
meines Briefes an meinen unfreundlichen Bruder / gebrauchet / wovor ich auch
eurem Sohn das begehrte Landgut bei dem Könige ungezweifelt lossmachen will;
wollet ihr aber meiner Freundschaft in der Taht geniessen / so lasset ja diese
jezt ausgedrückete Gedanken ferne von euch sein / und betrachtet / dass ich nicht
unter menschlicher / sondern unter einer mächtigen Göttin gewalt und gehorsam
verbunden liege /von welcher ich durch grosse Opffer zuvor muss lossgemacht werden
/ ehe ich ins Ehebette treten kann / wo ich nicht die allergrausamste Straffen
über mich nehmen will; wovor ich aber lieber zusterben gedenke. Solte ich nun von
dem Könige hierüber ferner angestränget werden / soll und muss ichs niemand als
eben euch zuschreiben / und kann mir endlich nirgend zu schaden / ob ihr mein
ausgesantes Schreiben gleich verrahten würdet / weil in demselben nichts wider
den König gesezt gewesen / wie ihr bezeugen müsst /und die empfangene Antwort
ausweiset; Aber dieses schwöre ich euch zu dem Allerhöchsten Gott / dass /auff
den fall mein König aber eins in mich dringen sollte / ich nicht ruhen will / biss
ich bei demselben erhalten werde / euch und euer ganzes Geschlecht mit der
allergräulichsten Straffe auszurotten. Hiernach wisset euch zurichten / und
verhütet ein solches Unglück. Werdet ihr aber es bei dem Könige / wie ihr wohl
könnet / fest unterbauen / dass er biss an die versprochene Zeit geduldig auswarte
/ sollet ihr hingegen / und euer ganzes Geschlecht so viel grössere Gnade und
Woltaht von mir gewärtig sein. Die Hofmeisterin erschrak der Reden / dass sie
zitterte / kunte auch in guter Zeit nicht antworten / biss sie endlich sich besan
/ und diese Entschuldigung vorbrachte: Gnädigstes Fräulein / ich bitte aus
gehorsamsten Herzen / der gleichen Ungnade auff mich und die meinen nicht
zuwerffen; die Götter wissen meine Unschuld / und dass ich aus Unbedachtsamkeit
solches geredet / will auch /diesen Fehler zuwiderbringen / ihrer Gn. verheissen
/auf den fall der König die Zeit zu endern bedacht sein sollte / welches mir doch
unwissend ist / entweder zusterben / oder ihm solchen Vorsatz zubenehmen. Mit
diesem erbieten bin ich zufrieden / antwortete das Fräulein / werde auch hieraus
spüren können / dass ihr mich von herzen meint . Aber wie kömt es / dz /eurem
vorgeben nach / euch der König nicht wieder fodern lässet / und der Abend mit
Macht herein bricht? Sie hatte dieses kaum ausgeredet / da klopffete ein
Königlicher Kammerdiener an / und foderte sie wieder; da das Fräulein sie
vermahnete fortzugehen /und ihrer Verheissung bei aller gelegenheit eingedenke
zusein. Als sie zu dem Könige hinein trat / fragete er sie / wie sein Fräulein
lebete / und ob wegen ihres groben Bruders und Oheims sie sich auch sehr
betrübete? Worauff sie zur Antwort gab: Es hätte ihr Gn. Fräulein sich zwar über
die Schreiben erzürnet / aber nicht bekümert / entschlüge sich auch alles Unmuts
/damit gegen das Beilager ihr an ihrer Schöne nichts abginge. Wir wissen nicht /
sagte der König aus Scherz / ob unsere Heirat auch vor sich gehen werde /
nachdem ihre trotzige Blutfreunde sie unter so harter Bedräuung abfodern. Diese
wollte den Scherz nicht verstehen / und antwortete: Vor solche Gedanken behüten
ja die gütigen Götter Eure Königl. Hocheit /und sollte das hochverliebte Fräulein
dieses hören /würde sie in Angst uñ Ohmacht vergehen; massen Ihre Königl.
Hocheit ich wohl versichern kann / dz sie /ohn durch den Tod / von diesem ihrem
Glücke sich nicht wird abtreiben lassen / zweifele auch nicht / da die grosse
Furcht vor der unbarmherzigen Göttin Vesta sie nicht hinterhielte / sie des
Beilagers Fortgang lieber heut als morgen wissen möchte. Artabanus ward der
Zeitung so froh / dass er vor freuden auffsprang / kunte sich auch nicht inne
halten / sondern sagte zu ihr: Heut werden wir erst recht durch euch ergetzet /
und sollet ihr unseres ScherzRede ja nicht vor ernstlich gemeinet halten / ob
fürchteten wir uns vor dem nichtigen dräuen zweer jungen Buben /sondern dieses
Häupt (das seine anrührend) wollen wir lieber verlieren / als solchen
unvergleichlichen Welt Schatz / nachdem die Götter uns denselben aus
sonderlicher Versehung zugeschicket; Und O dass wir einiges Mittel auszusinnen
wüsten / dass unser Fräulein in beschleunigung des Königlichen Beilagers gehehlen
wollte! Die Hofmeisterin stellete sich wegen der lezten Worte überaus betrübt und
erschrocken /und gab zur Antwort: Ach allergnädigster König / ich bitte
zum-untertähnigsten / Eure Königl. Hocheit wolle ihre arme einfältige Magd hören
/ und wo sie ihrer Wolfahrt und eigenem Leben nicht feind ist /meinem Gn.
Fräulein die versprochenen Wochen / die bald verstreichen werden / auffrichtig
aushalten / alsdann werden sie erfahren / dass nie kein Fräulein mit frölicherem
Herzen sich ihrem Gemahl hat zuführen lassen / als eben sie. Sie liebt niemand
höher / als Eure Königl. Hocheit; aber sie fürchtet sich auch vor nichts in der
Welt heftiger / als vor den Zorn ihrer Göttin. Hierauff stund sie ein wenig als
in Gedanken /biss sie sah / dass der König reden wollte / da hub sie wieder also
an: Allergnädigster König / darff Ihrer Hocheit ich ein wichtiges Geheimnis
anvertrauen /welches mein Gn. Fräulein mir als einer verschwiegene Hoffmeisterin
offenbaret hat / und soll mirs dereins nicht zum Unglück ausschlagen / will ich
durch diese Anzeige klärlich sehen lassen / dass ich keinem Menschen in der ganze
Welt so geträu bin / als Ihrer Königl. Hocheit. Er ward hiedurch zu grossem
verlangen angetrieben / es zuerfahren / und versicherte sie bei Königl. Träue
vor allem Schaden und Gefahr. Worauff sie ihm dieses Getichte vorbrachte: Was
ich rede / das habe ich gesehen und aus einem Beweisstuhm erfahren / dass es wahr
ist. Als Ihre Königl. Hocheit neulich so heftig wegen des Beilagers in das
Fräulein drang / schickete sie sich zum Tode /aber zu einem solchen / welcher
Eure Königl. Hocheit unfehlbar hätte zugleich mit aufreiben müssen. Sie hatte
ein kleines irdenes Büchslein / welches sie küssete / und zugleich sagete: O du
bitteres und unangenehmes Geschenk meiner Göttin / muss ich dann dein noch
gebrauche / und aus befehl der himlischen Macht eine Rache volstrecken / welche
mir heftiger als der Tod selbst zuwider ist? O Göttin / wie gerne stürbe ich in
deinem Dienst und Gehorsam / wann ich nur nicht zugleich denselben ermorden
müste / der nicht aus Bosheit / sondern gar zu grosser und inbrünstiger Liebe /
deinen göttlichen Willen übertrit. Ich merkete hieraus / dass dem Leben meines
Königes gedräuet würde / deswegen sagte ich zu dem Fräulein: Eure Gn. reden sehr
verdächtig / und wie werde ich solches verschweigen dürffen? Ihr müsst
schweigen /antwortete sie / oder es wird meine Göttin euch das Genik abdrehen;
doch wann ihr die äusserste Noht meiner Keuscheit sehet oder merket / so möget
ihr reden / was ich euch sonst auff höchstes Vertauen offenbahren will; Sehet ihr
dieses kleine irdene Büchslein? sagte das Fräulein; dieses hat mir meine
saursichtige Göttin vor zehn Tagen zugestellet / gleich da ich meine Botschaft
nach Prag abgefertiget hatte /und mir befohlen / dafern ich vor Ausgang XV
Wochen zum Beilager sollte unvermeidlich genöhtiget werden / müste ich zum lezten
Gehorsam aus diesem Büchslein ein wenig an einen gewissen Ort meines Leibes
streichen / daher mir zwar der Tod als einem göttlichen Opffer ohn alle
Schmerzen entstehen / mein überwältiger aber / so bald er mich berührete / drei
ganzer Tage uñ Nachte in der allergrössesten unaussprechlichen quahl zubringen /
und nach deren Verlauff in rasender Wuht ihm selbst die Hände / und so weit er
mit den Zähnen reichen könnte / alles abfressen würde / biss die Seele aus ihm
führe; Wollet ihr aber /sagte das Fräulein zu mir / meiner Rede nicht trauen /so
lasset eines von meinen Hündichen kommen / und versuchet an demselben des
Gifftes wirkung. Ich musste dem Fräulein gehorchen / und strich dem Hündlein gar
ein weniges an seine Bauch / worauff es alsbald anfing einen solchen Jammer zu
treiben / dass wir zu mitleiden bewäget wurden / und es hinunter in den Graben
wurffen. Der König nam dieses vor die allergewisseste Warheit an / entsetzete
sich darüber zum heftigsten / und gab ihr zuvernehmen / dass er zwar biss diese
Stunde gesiñet gewesen / das Beilager auff die helffte der versprochenen Zeit
zubringen /sähe und vernähme aber / dass er sich eines andern erklären / und der
Geduld biss zum Verlauff der gesetzeten Wochen sich gehorsamlich untergeben
müste; Verehrete auch der Hofmeisterin ein Kleinot 12000 Kronen wert / dass sie
ihm dieses offenbahret hatte /wiewol er diese Bedräuung ihr vorhielt / dafern
nach verflossener Zeit sein Fräulein das allergeringste zu weiterer
Auffschiebung einstråue wurde / sollte es an der Hofmeister in Leben gerochen
werden. Eine ganz unnöhtige sorge / antwortete sie / weil ich weiss / dass nach
solcher Zeit dem Durchl. Fräulein nichts angenehmers sein wird / als dem
mächtigsten Herscher der Welt ehelich beigelegt zuwerden. Und O wie frölich und
ohn sorge würde das allerliebste Fräulein leben /und an ihrer Schönheit von Tage
zu Tage zunehmen /wann ihr diese einige Furcht des zu frühzeitigen Anspruchs zum
Beilager / gänzlich sollte benommen sein. Dieses Kummers / sagte der König /
wollen wir sie schon enteben / weil es doch nicht anders sein kann; setzete sich
alsbald / und schrieb diesen Brief mit eigener Hand:
    Der grosse König Artabanus gelobet hiemit und krafft dieses seiner
höchstgeliebeten Fräulein Herkulisken / dass er vor Ausgang der bestimmeten
Wochen sie in keinerlei wege umb das Beilager / oder sonst einiges Liebewerk
begrüssen und ansuchen will / und da solches von ihm nicht steiff und unbrüchig
gehalten wird / zählet er sein geliebtes Fräulein ihrer getahnen Zusage ledig
und los /so dass ihre Liebe und das an dieser seiten höchstgewünschtes Beilager
sie ihm biss in Ewigkeit zuversagen Macht haben soll.
                                                                      Artabanus.
    Als er dieses geschrieben hatte / legte ers zusammen / gabs der Hofmeisterin
/ und sagete: Sehet da /diese Versicherung ist die höchste / die wir dem lieben
Fräulein geben köñen; bringt sie ihr zu / und ermahnet sie / gutes muhts
zusein; jedoch / dass sie uns gleichmässige Verschreibung ihrer Einwilligung
erteile. Sie ging mit dieser Handschrifft eilig hinweg / und nach erzähletem
Verlauff / überlieferte sie dieselbe dem Fräulein / welche ihr antwortete: Nun
meine Freundin / ihr habt vor dissmahl eurer Redligkeit ein satsames Genügen
getahn / so dass meines falschen Argwohns halben ich billich umb Vergebung bei
euch anhalten muss; so bleibet nun beständig in solcher Träue / und versichert
euch / dass ichs alles mit vollem Maass ersetzen werde. Als sie nun von ihr
zuwissen begehrete / auff was weise sie diese Verschreibung von dem Könige
lossgewirket hätte; baht sie untertähnigst / ihr zuverzeihen / dass sie den König
mit einer Nohtlügen hintergangen / seinen Vorsaz wegen des Beilagers
beschleunigung zubrechen / welches auff eine gelegenere Zeit sie ihr erzählen
wollte; womit sie dann wohl zufrieden wahr / nebest Versprechung /auff Morgen früh
dem Könige eine gleichmässige schrifftliche Vergnügung einzuschicken. Diese
Nacht setzete sie an ihren Liebsten Gemahl einen Brief auff /welcher also
lautete:
    Mein höchster LebensSchatz; Euer Liebe angenehmes Brieflein ist mir von
Timokles zugeschossen / und dass andere von meiner Hofmeisterin Sohn bald hernach
eingeliefert. Wie gar schlecht und nichtig dero Dräuungen geschätzet werden /
habt ihr aus der gegebenen mündlichen (weil man euch keiner schrifftlichen
wirdiget) zuvernehmen. Was sonst der König / auff listiges Getrieb meiner von
mir in Furcht gestürzeten Hofmeisterin / mir vor eine schrifftliche Versicherung
aus freiem Willen erteilet / und ich hinwiederumb mich erklären müssen / solches
ist aus den Beilagen A und B zuersehen. So erwarte nun Eure Liebe nichts / als
der Gelegenheit / mich inwendig sieben oder acht Wochen auffs höchste / unter
dem Nahmen meines Dieners Valikules zubesuchen /damit unser Vorsatz beizeiten
könne ausgeführet werden / und ich vermöge gegebener Versicherung nicht
gezwungen sei / die unmögliche Heirat durch meinen Tod abzuwenden / solches
suchet / bittet und flehet /Eurer Liebe zum Tod und Leben allergeträueste
Valiska. Hierin legete sie des Königes und ihrer Versicherung Abschrifft / und
schoss es des folgenden Morgens sehr früh Timokles im hohlen Pfeile zu / der
Tyriotes damit schleunig abfertigte / welcher des dritten Tages bei Gallus und
seiner Gesellschaft anlangete. Nun wahr Fürst Vologeses eben dazumahl nicht zu
Charas / sondern auff seinen Gütern / kam aber desselben Morgens / da Tyriotes
wegreisete / bei dem Könige an / welcher ihm der fremden Fürsten Dräuung
zuwissen machte; worauf er zur Antwort gab: Ich fürchte sehr / es stecke
hierunter eine sehr wichtige Geheimnis / welches die Zeit offenbahren wird / und
ich meine Gedanken noch zur Zeit nicht anzeigen darff; Es wird aber nöhtig sein
/ dass Spitamenes / dem die Grenzen anbefohlen sind / Königlichen Befehl bekomme
/ gute Auffsicht auff das gemeine Wesen / und auff seine Völker zuhaben / damit
er nicht krafft dieser Dräuung / welche man keiner Antwort gewirdiget /
überfallen werde / ehe er weiss / dass er Feinde hat.
    So bald Gobares zu Susa wieder anlangete / gewan er Lust Fr. Statiren
zubesuche / und weil er bisher noch stets argwohnete / sie hielte Kleon heimlich
bei ihr auff / schrieb er zuvor an Nabarzanes; er währe in glaubwirdige
Erfahrung kommen / ob sollte Kleon nit allein noch im Leben / sondern auff seinem
Schloss in einem absonderlichen Gemache versperret sein /welches eigentlich
zuerfahren / er fleissig acht geben sollte / wohin Statira zuzeiten allein ginge
/ könnte ihr alsdann heimlich nachschleichen / und also leicht hinter die Warheit
kommen. Nabarzanes nach seiner Einfalt wunderte sich der Zeitung / nam des
Fürsten Lehr in acht / und folgete seinem Gemahl / die des andern Morgens sehr
früh vom Bette hinweg schleich / leise nach / sah sie auff ein abgelegenes
Gemach gehen /und die Tühr hinter ihr verriegeln / deswegen er näher hinzutrat
und sie behorchete / gleich da sie ihren Kleon also anredete: Herzlieber Schaz /
ich kann euch nicht bergen / dass Fürst Gobares Diener gestern ankommen ist / und
ich seine Werbung nicht erfahren kann / ohn dass er vor gibt / sein Fürst werde
uns ehist besuchen / wornach mich aber wenig verlanget. Kleon antwortete; Er
fürchtete sehr / dass seine Anwesenheit endlich möchte aussgespehet werden / auff
welchen Fall er gewiss sterben müste / bähte demnach dienstlich / ihre Gn. wollten
ihn auff wenig Tage erlassen /er wollte inwendig Viertel Jahrs frist sich
ohnfehlbar wieder einstellen; welches sie ihm aber mit freundlichen Worten
abschlug. Nabarzanes / nachdem er zwar seines Gemahls Stimme vernam / aber die
Reden nicht verstehen kunte / ohn dass er sie ihren Kleon etlichemahl neñen
hörete / machte sich in aller stille wieder davon / uñ schrieb an den Fürsten /
er hätte seiner Durchl. klugem Raht nachgelebet / und den Fuchs im versperreten
Loche angetroffen / zweifelte nit / da er Hülffe hätte / ihn zuerhaschen / uñ
dem Fürsten zu liefern; fertigte damit den Bohten ab / und legte sich wieder zur
Ruhe. Des nachmittages / da sein Gemahl an andern Orten geschäftig wahr / ging
Nabarzanes wieder nach Kleons Gemache / klopffete an und sagete: Tube mir auff
Kleon / nachdem ich von meinem Gemahl berichtet bin / dz du hie bist. Dieser
erschrak dessen nit wenig / wollte doch nicht antworten / sondern hielt sich ganz
stille / da jener zum andernmahl sagete: Warum antwortestu mir nit Kleon /uñ
kuntest heut früh dich mit meinem Gemahl so wohl begehe? erst merkete er den
betrug / uñ liess ihn unbeantwortet abzihe. So bald nun Statira dessen von ihm
mit furchtsamer Stime berichtet ward / lachete sie uñ sagete: Gebet euch zu
friede / wir wolle ihm diesen Tanz leicht verdrehe / brachte ihn gegen Abend auf
ein ander Gemach / uñ liess sich gegen Nabarzanes im wenigsten nichts merken;
doch machte sie ihr leicht die Rechnung / er würde es dem Fürsten schon
zugeschrieben haben / weil dessen Diener hinweg wahr. Des folgenden Morgens
machte sie sich gleich wie des vorigen / frühe nach demselben Gemache / da
Nabarzanes ihr abermahl folgete / und eine zeitlang horchete / dessen sie
wahrnehmend / nicht anders redete /ob währe Kleon bei ihr / machete endlich die
Tühr auff / als wüste sie nicht umb ihn / und stellete sich wegen seiner
Gegenwart erschrocken; worüber er ein Herz fassete / und zu ihr sagete: Meine
herzgeliebete /warumb tuht ihr mir und euch so grosse Schande an /und verberget
Kleon alhie / als köntet ihr ohn ihn nicht leben? Was; antwortete sie / verberge
ich Kleon? ja wohl Kleon! welchen das Wild leider im Walde gefressen und
verzehret hat; zwar ich leugne nicht / dass ich zu zeiten mich an diesem Orte
finde /und seine Liebe Gedächtnis begehe / weil ich ihn mit eurer bewilligung
geliebt; aber dafern ihr die Gedanken führet / er sei noch im Leben / oder auch
in diesem Gemache / seid ihr sehr unrecht dran. Ey sagte er / ihr werdet mich ja
nicht mit hörenden Ohren taub mache; und was stehet ihr alhie ohn Kleider? ja
was sprachet ihr so freundlich / wann niemand bei euch ist? Sie stellete sich
zornig hierauff / und gab zur Antwort: Was hätte ich vor Ursach / ihn vor euch
zuverbergen / wann er noch lebete? Aber es ist leider sein Geist / sein ädler
Geist aus dem schönen Leibe hinweg gereiset; und immer schade / dass dieser von
den wilden Tihren hat sollen zerrissen werden. Er lachete der Rede / und
begehrete / sie möchte ihn nur ins Gemach lassen / dann würde sichs bald
aussfündig machen / wo Kleon verborgen läge. Billich klage ich solches den
Göttern / sagte sie / dass ihr mich in so falschen Verdacht zihet; aber habe ich
oder einiger Mensch euch jemahls gehindert auff dieses Gemach zu gehen / ob ichs
gleich Kleons Seele gewidmet habe? kommet und suchet / ich bins wohl zu frieden;
fassete ihn auch beim Arme / und zog ihn hinein; da er nichts als eine ledige
Betstat mit Tuchern behänget / und einen gedecketen Tisch fand; worüber er sich
zum höchsten verwunderte / und zu ihr sagete: Nun schwüre ich zu allen Göttern /
ich hätte ihn mit euch reden gehöret / kann auch nicht anders gedenken / ihr
müsst ihn an einen andern Ort gebracht haben. Ey ihr närrischer Mensch /
antwortete sie; habe ich ihn dann durch Wände und Mauren zihen können? oder ist
er als ein unsichtbarer zur Tühr hinaus verschwunden / wañ ihr ihn gehöret habt?
doch kommet und durchsuchet alle meine Gemächer nacheinander / und wann ihr ihn
findet / will ich das Leben verwirket haben. Der schlechte einfältige Nar begunte
schon zu zweiffeln / und auff ihr anhalten durchging er mit ihr alle Gemächer.
Sie hatte ihn aber im Kleiderladen verberget / welchen sie doch auffgesperret
stehen liess / wohin sie ihren Gemahl endlich führete / trat mit ihm vor den
Laden / da Kleon hinter einem langen Mantel auffrecht stund / und fing sie also
an zu reden: O du lieber ädler Kleon / mustu dann nach deinem Tode so gefürchtet
/ und wegen blosses Argwohns zur ganz unverdienten Straffe gesuchet werden? Nun
zweiffele ich an deinem Tode nicht / dann währestu noch im Leben / würde ich
dessen ohn zweifel berichtet sein; aber deine missgünstige können nicht ruhen /
sondern wollen dich / da sie doch nur deinen Tod suchen / mit Gewalt lebendig
haben. Frau / antwortete er / ihr wisset / wie viel ich euch übersehe /und allen
Willen gönne / könnte euch auch diesen Diener wohl lassen / dafern es unserm
Fürsten nicht so heftig zuwieder währe / als welchen verdreust / dass ein
Leibeigener Teil an euch haben soll. Er wollte weiter aussbeichten / aber sie fiel
ihm in die Rede / und sagete: Was treibet ihr vor ein närrisches Gewäsche /oder
was hat der Fürst mir zubefehlen / sintemahl ich euer / und nicht sein Gemahl
bin; so habe ich auch mit Kleon keine andere als zulässige Freundschaft
gepflogen / wodurch euch im geringsten kein Abbruch geschehen ist; aber wir
stehen alhie schon zu lange /deswegen lasset uns weiter gehen und nachsuchung
tuhn / dass der eitele Argwohn euch benommen werde. Ich gehe mit / sagte er / und
bin gewiss / dass er auff keinem dieser Gemächer / so wir besehen / sich auffhält.
Ja / gedachte Kleon hinter dem Mantel / bleibe du nur in deiner Gewissheit; Sie
aber fing an; so schwöre ich bei alle Göttern / dass Kleon auff den übrigen
Zimmern viel weniger zu finden / oder gegenwärtig ist; ging auch mit ihm immer
fort das ganze Schloss zu durchsuchen / und als er sich nirgend sehen liess / baht
Nabarzanes ganz inständig / sie möchte doch dem Fürsten zugefallen / diesen
Diener abschaffen; er hätte glaubwirdige Nachrichtung / dass er auf dem Schloss
verborgen gehalten würde / und da sie ihm nicht gehorsamete / wollte ers dem
Fürsten klagen / und ihn zu Hülffe zihen. Die Frau wahr in ihrem Gewissen
überzeuget / durffte demnach ihre gewöhnliche Keiferei nicht vor die Hand nehmen
/ sondern kehrete sich zum Weinen und bezeugete mit vielen Trähnen ihre
Unschuld; endlich fiel sie ihm umb den Hals /und mit heftigen ungewöhnlichen
küssen baht sie / er möchte den falschen Verdacht aus dem Sinne schlagen / sie
hätte ihren Kleon sider das leztemahl nicht gesehen / welches zu bejahen sie
alle Flüche ausliess; weil er aber auff seiner Meinung fest stehen blieb /fing
sie endlich an: Nun so höre mich betrübetes Weib / o du ädle Kleons-Seele / an
was Ende du auch bist / und räche deine und meine Unschuld an diesem
Hartnäckigten / der weder durch Bitte noch Trähnen noch Flüche zu bewägen ist.
Ging hiemit von ihm /und liess sich etlicher Dräuungen vernehmen / dass er weiter
anzuhalten abgeschrecket ward. Es fiel ihr aber schwer / ihrem Kleon Speise und
Trank unvermerket zuzubringen / welches erst umb Nachmittage geschahe / da
Nabarzanes seine Ruhestunden hielt / und legte sie mit ihm an / wessen er sich
umb Mitternacht verhalten sollte. Bei dem Abendmahl taht sie ihrem Gemahl sehr
gütlich / erzeigete sich traurig / und ging zeitig mit ihm an die Ruhe. Umb
Mitternacht gingen alle Wachskerzen / welche im Gemache zu brennen pflegeten /
von sich selber aus / dann sie wahren durchboret und mit Wasser angefüllet;
Worauff Kleon in einem weissen Kittel gar leise in die Kammer trat /und dariñen
auff und nider ging / welches die Frau ersehend / sich furchtsam erzeigete / uñ
ihren Gemahl auffweckete / vorgebend / ihr kähme ein erschrekliches Grausen an /
sah damit auff / und ward Kleons gewahr / deswegen sie ein dümpfiges Geschrei
ergehen liess / und endlich fragete / wer in der Kammer umbginge; sie bekam von
einer traurigen Stimme diese Antwort; Geliebte Frau / es ist Kleons / eures
geträuen Dieners schwebender Geist / und kann nicht zur Ruhe kommen / als lange
meine Knochen unverscharret bleiben; seid demnach gebehten / und helffet mir;
mein Gerippe wird man im Pusche am Wege zur rechten Hand finden / woselbst die
durchfliessende Bach einen doppelten Lauff hält. So bald sie dieses hörete /
sprang sie aus dem Bette / und lieff hin / ihn zu umbfahen; aber er weich ihr
immer aus / vorgebend / verstorbene Seelen könten von den lebendigen nicht
begriffen noch geküsset werden. So bald er nun durch der Frauen Nachdringen biss
ans Bette kam /kehrete er sich umb und sagete zu Nabarzanes; du Gottloser Mensch
/ der du deines frommes Gemahls unwirdig bist; wodurch habe ich dich jemahls
beleidiget / dass du mich diesen Tag so verunruhet / und aus meinem Gemache durch
alle Zimmer getrieben hast /in welchem ich bisher mich in allerstille
auffgehalten / und daselbst nach meinem Tode von deinem Gemahl täglich beklaget
bin? Der erschrockene Tropff hatte den Kopff unter dem Bette verhüllet / und
lieff ihm der Angstschweiss bei den Ohren herunter / ja alle seine Glieder
zitterten ihm / dass er kein Wort reden kunte; gab doch endlich seinem Gemahl
zuverstehen /sie möchte eine Bitte vor ihn einlegen / damit die Seele ihn nicht
beleidigte; weil aber solches der Abrede nicht gemäss wahr / achtete dessen Kleon
nicht /sondern zog ihm das Bette vom Leibe / und mit einem Ochsenstecken
zerschmirete er ihm Arm und Beine /ja sein ganzes Gerippe dermassen / dass er wie
ein Wurm sich krümmete; endlich fassete er ihn bei der Kehle und sagte: Du
Gottloser Schelm / jezt will ich dich erwürgen / nachdem du mich heut in meiner
Ruhe gestöret / und so unbarmherzig umbher getrieben hast. Der arme Mensch
gedachte / er müste nun gewiss sterben / baht demnach sein Gemahl durch alle
Götter / sie möchte ihr seine Rettung lassen angelegen sein; welche endlich zu
Kleons Füssen niderfiel / und den verstelleten Geist mit grossem Geheule baht
/ihres Mannes zu schonen / sie wollte ihm zu ehren das Gemach weihen / und als
lange sie lebete / seine Gedächtnis darauff begehen. Nun wolan / geliebte Frau
/antwortete Kleon / bloss umb euret willen schone ich sein / sonst müste er ohn
alle Gnade und Barmherzigkeit sterben; gab ihm noch etliche starke streiche über
die Lenden / und machte sich zur Tühr hinaus an seinen Ort / da die Frau rieff;
hilff lieber Gott / da fleuget die klare Seele als ein blitzen der Strahl zum
Fenster hinaus; stund hernach / uñ stellete sich / ob könnte sie die Tühr nicht
öffnen / biss ihr endlich geriet / und sie die zu nähst schlaffende Mägde
ermunterte / die ein Licht herzu bringen mussten / da sie Nabarzanes in tieffer
Ohmacht fand / den sie wieder erquickete / uñ sich gar leidig stellete / dauchte
ihr auch / es währe schier zugrob gemacht / weil er fast keine weissen Flecken
an seinen Gliedmassen hatte. Nachdem er wieder zu ihm selber kam / fragete er /
ob der Geist noch verhanden währe / uñ sagte nachgehends: Nun leugne wer da will
/ dass keine Geister sein / ich armer Mann habe es leider gar zu schmerzlich
empfunden. Ach Gott / antwortete sie / wie seid ihr doch auff den Unraht kommen
/ dass ihr der frommen Seele gestriges Tages so grosse Beschimpfung angelegt
habet? Lasset euch dieses / bitte ich / eine Warnung sein / und verhütet hinfüro
dergleichen Unfall / dann mit Geistern lässet sichs trauen nicht schertzen;
bedenket auch /dass euch bloss durch meine vorbitte das Leben erhalten sei /
welches ihr sonst ohn zweifel hättet einbüssen müssen. Des Morgens richtete sie
eine trefliche Salbe zu / und schmierete ihn damit zum oftern / dass er des
vierten Tages keine sonderliche Schmerzen mehr empfand. Kleon lebete diese Zeit
über sicher /und fürchtete sich doch / es würde Gobares nicht auffhören ihm
nachzustellen / desswege er abermahl umb kurze erlassung anhielt / welches sie
ihm rund abschlug / es währe ihr unmöglich / sein zu entrahten /sollte sich aber
versichern / dass sie ihn vor Gobares wohl schützen könnte. Nun stellete er sich
zwar / als währe er zu frieden / und nam ihm doch vor / erster Gelegenheit bei
Nachtzeit heimlich davon zu lauffen. Des sechsten Morgens nach der Prügelung /
da Nabarzanes zum erstenmahle wieder auffgestanden wahr / und Statira sich bei
Kleon in ihrem Kleider Gemache befand / sah sie ohngefehr eine Schaar von 200
Reutern auff ihr Schloss zueilen / und erkennete aus ihrer Kleider Farbe / dass
sie Gebares zustunden /daher sie nicht ohn bestürzung zu Kleon sagete: Gobares
hat wieder euch ein Schelmstük im Siñe / dort kommen seine Reuter her; so haltet
euch nun im KleiderLaden verborgen / und lasset vor dass übrige mich sorgen; ging
darauff nach Nabarzanes Gemache / und stellete sich / als hätte sie der Reuter
keine acht gehabt / welche schon anklopfeten / und in des Fürsten Nahmen
begehreten eingelassen zu werden. So bald sie auff dem innersten Platze
erschienen / und Nabarzanes neben ihr zu ihnen ging / meldete ihr Führer des
Fürsten Gruss an / und dass derselbe aussgekundschaffet hätte / dass Kleon von etwa
einer Magd im Schloss heimlich auffgehalten würde; nun währe derselbe bei dem
Fürsten angeklaget / dass er eines ädlen Ritters Weib genohtzüchtiget / und sie
nachgehends samt den Ritter entleibet hätte / welche Bosheit billich müste
abgestraffet werden. Nabarzanes sah sein Gemahl an / und sagte: Er wollte ja
nicht hoffen / dass der Bube neulich in Geistes Gestalt selbst erschienen währe /
wollte ihn sonst also zu richten lassen / dass ihn forhin desgleichen nicht mehr
gelüsten würde. Diese stellete sich sehr fremde / und antwortete den Abgesanten:
Mich wundert nit / dass man meinem Gn. Fürsten Kleons Anwesenheit hieselbst hat
antragen dürffen / nachdem etliche sich unterstanden / uns selber dieses
einzubilden; es ist aber ein Zeichen grosses mistrauens / dass ihre Fürstl. Gn.
eine solche Menge Reuter hersendet / und stehet fast schimpflich /umb eines
Todten Menschen Willen so viel Pferde zu satteln; jedoch möget ihr euch wohl
versichern / dass ihr Kleon so wenig hier als zu Susa antreffen werdet; und wer
solches nicht gläuben will / der schaue hinaus vor das Schloss / woselbst ich vor
dreien Tagen seine Gebeine einscharren lassen / wie sein schwebende Geist es
selbst begehret / und den Ort angezeiget hat /da sein von den wilden Tihren
übergelassenes anzutreffen währe; möget demnach wohl wie der hin zu eurem Fürsten
reiten / und ihm andeuten / dass er auffhöre die Todten alhier in dieser Welt
zusuchen / es dürffte ihm sonst nicht viel anders / als meinem Nabarzanes
ergehen; will er aber sein übriges ja haben /so grabet es aus / und führet es mit
euch hin; ob er sonst des beschuldigten Mordes und anderer aufflage schuldig sei
oder nicht / habe ich nicht zubeantworten / wiewol ich ihn viel eines redlichern
Gemühtes erkennet habe. Der Abgesandte wollte sich mit diesen Worten nicht
abspeisen lassen / sondern gab vor / er hätte von seinem Gn. Fürsten
aussdrückliche Befehl /das ganze Schloss durch und durch zusuchen / umb
zuvernehmen / an was Ende die Magd den boshaften Menschen verborgen hielte /
und würde man ihm verzeihen / wann er hierin untertähnig gehorsamete; stieg
damit vom Pferde / und foderte die Schlüssel von Nabarzanes zu allen Gemächern /
vorwendend / es sollte ihm nicht dass allergeringste entfremdet werden. Diese
Anmuhtung wahr der Frauen sehr zuwieder / und gab zur Antwort: Du nicht werder
Tropff bist noch lange der Mann nicht / den ich meine Gemächer werde
durchschnauben lassen; und was zeihet sich dein Fürst? meint  er / dass ich
meinen Mägden meine verschlossene Gemächer eingebe / ihre unzüchtige Buhlen
darauff zu versperren? Da gehe hin / und suche ihn in der MägdeKammer / als
lange dichs gelüstet /dann auff meine Zimmer soltu ohn meine Vergünstigung
keinen Fuss setzen / als lange ich den Odem zihen kann. Nabarzanes hielt bei
seinem Gemahl fleissig an / sie möchte / Verdacht zu meiden / sich des Fürsten
begehren gefallen lassen. Wie / sagte sie /haltet dañ ihr und der Fürst mich umb
eines schlimmen Knechtes willen in Verdacht? Trotz sei einem oder andern
gebohten / der mir solches wahr machet. So muss es nicht verstanden werden /
antwortete Nabarzanes / nur / es möchte der Fürst wähnen / ihr nähmet euch
seiner aus Barmhertzigkeit an. Er gedenke endlich / was er will / sagete sie / so
lasse ich doch nicht einen jeden schlimmen TrossBuben besehen /wie viel oder
wenig ich auff meinen Gemächern verschliesse. Hierauff gab der Abgesandte zur
Antwort: Wann ja Eure Gn. dieses erste nicht eingehen will / so muss ihr / krafft
Fürstliche Befehls nicht zuwider sein / dz ich alle ihre Gemächer / Bodem / und
Keller vier Tage lang mit Schildwachen auswendig besetze / und nur die wenigen /
deren Ihre Gn. selbst täglich gebrauchet / durchschaue; befahl also seinen
Reutern abzusteige / und je zween und zween vor jeder Tühr mit entblössetem
Gewehr sich zustellen; welches sie dann endlich zugeben musste / da unterdessen
ihre EsseStube / SchlaffKammer und KleiderGemach wohl durchsuchet wurden / und
nachgehends unbesezt blieben. Kleon stund abermahl hinter dem Mantel verborgen /
uñ betrachtete seine Gefahr nicht ohn schrecken / gleich da Statira mit
ertichteten Trähnen sagete: So erbarme es die Götter / dass ich meine Kleider
und Schmuk von andern besehen lassen / und dieses Gemach in Verdacht gezogen
werden muss. Der abgesanter antwortete: Eure Gn. beschliessen den KleiderKasten
nach belieben / ich begehre kein Läplein darin anzurühren. Warumb sollte ich
meine Kleider verschliessen? antwortete sie / die sind bisher offenbahr
geblieben / und bin noch nicht willens / sie umb deinet willen den Mäusen und
Motten zur Speise einzuschliessen; Jedoch / weil ich dieses Gemach habe müssen
durchsuchen lassen / magst du die übrigen alle mit einander besichtigen / und
wohl gar das oberste zu unterst kehren / damit dein Fürst / wann du nicht finden
wirst / was du suchest / sich ins Herz schäme / dass er ein unschuldiges Weib
dergestalt beleidiget hat / welches der ganzen erbaren Welt zuklagen / ich
unvergessen sein / und ihm selbst diese Schmach nimmermehr verzeihen will. Also
gingen sie auff diese Vergünstigung weiter / und halff Nabarzanes fleissig mit
umsuchen / da Statira sie endlich auffzohe / und wo etwa ein fauler Winkel wahr
/ sie dahin bringen liess / dass sie endlich bei nahe in ein Scheisshaus gefallen
währen. Als man nun den vermeinten Mörder nirgends fand / wurden dannoch alle
Zimmer / (die Esse Stube / Schlaffkammer und KleiderGemach ausgenommen) mit
Wachten auswendig besetzet / da Statira als aus Ungeduld sich in ihrem
KleiderGemache beschloss / und mit ihrem Kleon überlegete / wie mans fortin am
sichersten anschlüge / er aber ganz inständig und mit Trähnen baht / ihn auff
kurze Zeit zubeurlauben / damit er sein Leben retten möchte. Sie sah / dass sie
aus der Noht eine Tugend machen müste / und versprach ihm dieses einzuwilligen /
dafern er seine Zusage zuhalten eingedenk sein / und sich wieder einstellen
wollte / welches er gar freigebig verhiess. Bei wehrendem Abendessen sagte sie in
des Abgesanten Gegenwart zu ihrem Gemahl: Wann wir unsers FürstenErzfeinde
währen /könnte er uns schimpflicher nicht halten / noch höher beleidigen / und
dafern diese Hüter nicht abgeschaffet werden / will ichs zu seiner Zeit
zugedenken wissen; so habe ich nun bei mir beschlossen / ein Schreiben an den
Fürsten zuverfertigen / und mich dieser schändlichen Schmach zubeklagen /
zweifele nicht /er werde in sich gehen / und das Unwesen auffheben /und soll der
Bohte noch diese Nacht fortgehen; Ging auch alsbald nach ihrem KleiderGemach /
woselbst sie einen Brief / nicht an den Fürsten / wie sie vorgab / sondern an
ihre Wase verfertigte / welche Ostwerz nach Persen hin ihre Herligkeit hatte /
und begehrete von ihr / Zeigern dieses / einen Griechischen ädlen Ritter ihr
befohlen sein zulassen / welcher wider des Fürste unbilliche Verfolgung sich in
ihren Schutz begeben hätte. Nachgehends kläbete sie Kleon einen grossen
grausprenglichten Bart an / und nach guter Unterrichtung / wessen er sich
verhalten sollte / liess sie ihm ein trefliches Pferd satteln / schenkete ihm 600
Kronen Zehrgeld / und stellete ihn wieder hinter den Mantel. Bald liess sie acht
Knechte auff das Gemach fodern / unter dem Schein / einen zu dieser Botschaft
daraus zuwählen / schikte sie doch alle nacheinander wieder hinunter / welches
die hin und wieder stehende Schildwachten wegen der Finsternis nicht eigentlich
wahrnehmen kunten; nach deren Abtrit Kleon Stiefel und Sporn und ein festes
Panzer anlegte / ward auch von Statiren selbst hinaus geleitet zu zween
Fürstlichen Reutern / welche mit ihm fortgehen / und sich stündlich bei
Mondenschein auffmachen sollten / so dass sie gegen den Mittag die neun Meilen
endigen könten. Kleon ging zuvor nach dem Stalle /nam seine daselbst vergrabene
Kleinot neben einer Sturmhaube / Schwert und Schild zu sich / und machte sich
mit seiner Gesellschaft frölich davon / dem Himmel höchlich dankend / dass er
dieser beschwerlichen und gezwungenen Unkeuscheit entrunnen wahr /und nunmehr
die ganze Welt wiederumb offen hatte. Er ritte schnelle fort / und fragete nach
den Landstrassen gar fleissig / weil er seinem vorgeben nach /erstes Tages an
die Persischen Grenzen sollte verschicket werden. Als sie nun an einen Scheideweg
kahmen / von welchem ihm seine Gefärten sageten / dass er nach Persen ginge /
zeigete er ihnen an / dieser währe ihm zureiten von seiner Gn. Frauen befohlen /
uñ könten sie nach belieben entweder nach Nabarzanes Schloss umkehren / oder
gen Susa sich verfügen /ihrem Fürsten anzuzeigen / der Vogel währe nicht mehr im
Bauer / sondern durch ein enges Ritzchen davon geflogen. Diese hingegen lacheten
seines vorgebens / es hätte die Meinung nicht / sie hätten der Frauen befehl
selbst angehöret / dass er nach Susa mit ihnen sollte / deswegen müste er sich
nicht von ihnen trennen. Er aber reiss den angeklebeten Bart hinweg /dass der eine
/ der ihn vor mehr gesehen hatte / ihn alsbald kennete / welcher zu seinem
Gesellen sagete: Hui Bruder / eben dieser ist der Verrähter Kleon / welchen
zufahen wir ausgeschicket sind / deswegen müssen wir ihn greiffen oder sterben.
Was / bin ich ein Verrähter? sagte er; setzete damit ernstlich unter sie / und
erlegete den einen alsbald; der ander / ob er gleich gute Gegenwehre taht /
musste endlich auch mit dem Leben bezahlen. Statira erfuhr gleich diese Nacht /
es hätte Orsillos den verstelleten Kleon an der Rede erkeñet / uñ solches einem
andern Knechte vertrauet /daher sie einem ihrer geträuesten Dienern befahl / ihn
unter dem Schein / dass er Holz tragen sollte / alsbald in den Wald mit zunehmen /
zuerschlagen / das Häupt ihm abzuschneiden / und das übrige den wilden Tihren
zulassen. Dieser wollte solchem Befehl nachkommen / ging mit ihm fort / und trug
eine schwere Holz-Axt auff der Schulter. Orsillos empfand ein starkes grausen in
seinem Herzen / nam eine kurze Erklärung / vorige Freiheit wieder zusuchen /
stürtzete seinen Gefärten unversehens zu bodem / erschlug ihn hernach mit der
Axt / machte sich auch mit derselben von der grössesten Last seiner BeinKetten
los /schleppete den Ermordeten ins Gesträuch / und lieff gegen Mittag des
nähesten Weges nach dem Persischen Meer zu / da er in einem Flecken sich bei
einem Schmide / den er in der Jugend gekennet hatte /angab / und das übrige von
der Ketten abfeilen liess /und weil er keine Lebensmittel hatte / nehrete er sich
des raubens und stehlens eine zeitlang. Kleon / so bald er feine Geleitsleute
vom Brod getahn hatte / jagete drei Meilen in den Fruhstunden fort / biss er in
einem Dorffe anlangete / woselbst er nach allem Wunsche einen Kauffmann antraff
/ der viel ReitHarnische auff unterschiedlichen Wagen nach Susa zuverhandeln
führete / kauffte ihm der festesten einen ab / und nach vierstündiger Ruhe nam
er einen Bauern zu sich / welcher ihn den sichersten Weg nach Fr. Statiren Wase
führen musste / kehrete bei ihr ein / und nach angemeldetem Grusse von ihrer
Wasen / überreichete er das Schreiben mit guter Höfligkeit. Diese wahr eine gar
alte ansehnliche Frau / Nahmens Artystona / von grossen Barschaften / hatte
Statiren in kindlichen Jahre auferzogen / und in der Jugend gleiches Handwerk
der Unkeuscheit mit Fürst Gobares Vater getrieben. Sie hatte aber in Jahresfrist
keine Zeitung von ihrer Wasen gehabt / daher ihr das Schreiben sehr angenehm
wahr / und sie aus demselben ihre Liebe zu Kleon leicht spürete / auch die
ursach seiner Verfolguung abnam; Und weil Kleon bewust wahr / dass in dem Briefe
an Fr. Artystonen begehret ward / ihm nach seiner Anfoderung Gelder
vorzustrecken / welche zu allem Danke sollten erlegt werden / wollte er sich der
gelegenheit gebrauchen / und foderte 30000 Kronen. Der Frauen gedauchte es zwar
viel sein / doch wegerte sie sich dessen nicht / sondern auff einen kleinen
zurück gegebenen Schein zählete sie ihm solche aus / welche er nachgehends von
Persepolis nebest einem köstlichen Kleinot wieder übermachete; Sie gab ihm auch
auff begehren drei reitende Knechte auff vier Wochen zu / und liess ihn des
dritten Tages fortzihen. Als er in der ersten Persischen Stad anlangete / erfuhr
er die Kriegs Unruhe /und dass er ohn starke Gesellschaft nicht durchkommen /
noch Parten erreichen könnte; blieb deswegen wenig Tage stille liegen / umb
zuvernehmen / was sein bestes sein würde / nachdem sein unbewäglicher Vorsatz
wahr / Herkules oder Ladisla zusuche / ob er gleich drüber sterben sollte. Als
die nach Susa abgefertigte über bestimmete Zeit ausse blieben / machte Statira
ihr leicht die Rechnung / dass an Kleons Seiten es wohl abgelauffen währe / taht
aber nicht desgleichen / sondern wahr auff Fürst Gobares sehr ungehalten /dass er
ihr die Völker so lange auff dem Halse liesse /begehrete endlich / dass noch
etliche hinritten / und sich bescheids erhohlen sollten. Diese wurden auff dem
Wege berichtet / man hätte zween erschlagene auff freiem Felde gefunden / und in
das näheste Dorff getragen; wurden von diesen besehen / und alsbald erkennet /
daher ihrer drei den Weg nach Susa verfolgeten / der vierde ging wieder zurück /
und brachte die Zeitung Nabarzanes über / da Statira fragte / ob sich dann ihr
mitgeschikter Knecht nicht lebendig oder tod fünde; wovon er nicht zusagen
wusste. Gobares aber /als ihm diese Zeitung zukam / erriet den ganzen Handel /
und wahr froh / dass er dieses Mitbuhlers auff solche weise los worden wahr / der
sich aber nachgehends an ihm härtiglich rächete.
    Herkules und Ladisla brachen des nähesten Tages nach Tyriotes hinreise gen
Charas / von Persepolis auff / und führeten 16000 tapffere Reuter mit sich
/wovon Pharnabazus 5000 Ladisla gleich so viel / und Herkules 6000 nahmen / da
dann dieser allen seinen sechstausenden auff ihre Pferde hatte Hals- und
Hinterdecken von leichtgestopffeter und fest durchnäheter Linnewand an statt der
Pferde-Harnische machen lassen / durch welche kein Pfeil schiessen noch fallen
kunte. So bald sie die Persische Grenze Stad gegen Parten zu erreicheten /
hielten sie sich daselbst in den dritten Tag gar stille / und erwarteten ihres
Gallus mit seiner Gesellschaft / welche auff jeztgemeldete zeit bei ihnen nebest
Tyriotes anlangeten / und nicht zu geringer Rachgier bewäget wurden / als ihnen
des Königes schimpfliche Antwort mündlich vorgetragen ward / wiewol Herkules aus
der Fräulein Schreiben grossen Trost empfing / weil er sah / das sie bissdahin
vor aller Ansprache sicher sein würde / da sonst eine redliche Ader an Artabanus
übrig währe. Tyriotes hatte sich fleissig erkundiget / an was Ort des Feindes
GrenzHeer sich niedergelassen hatte / uñ brachte den unsern die Zeitung dass sie
24000 stark eine ganze Tagereise ins Land enge bei einander lågen / in willens
einen heftigen Einfall in Persen zu wagen / weil man ihnen alle Sicherheit
gebracht / dass keine feindliche Völker sich in der nähe spüren liessen. Worauff
Herkules zu seinen beiden Gesellen sagete: Wolan / weil Artabanus so gerne
wissen will /was hinter unserm AbsagsBrieffe stecke / und er überdass uns vor
Knaben uñ seine Knechte schilt / müssen wir ihm ein Knaben- oder Kinderspiel
auffmachen und eine Knechtische Auffwartung sehen lassen /worüber er sich ein
wenig kitzeln möge; weil er dann der Fräulein an den König gegebene Versicherung
noch nicht gelesen hatte / zohe er dieselbe wieder hervor / und fand diesen
spitzigen Inhalt: Herkuliska /gebohrnes Königliches Fräulein aus Böhmen /
gelobet hiemit und Krafft dieses / dem Allergrossmächtigsten Beherscher der
Morgenländer / Könige Artabanus / nach verlauff der annoch bevorstehenden fest
versprochenen Wochen / ohn einige Einrede und Wiederspenstigkeit / in die
Königliche glückselige Heirat einzuwilligen / dafern inwendig solcher Zeit ihre
GrossKönigl. Hocheit weder durch sich selbst / noch durch andere sie keinerlei
Weise zum Beilager oder anderen liebes Sachen anfodern wird /auff was masse und
Weise solches immermehr geschehen könnte; im wiedrigen wird und muss sie in Mangel
anderer Mittel / sich zum wenigsten durch den Tod von aller Gewaltsamkeit zu
befreien / einen sicheren Weg finden. Herkulisken eigene Hand.
    Nach verlesung liess er geschwinde zu Pferde blasen / und nahmen den
geradesten Weg nach Parten /blieben die Nacht eine halbe Meile von den Grenzen
im Felde liegen / futterten ihre Pferde wohl / und eine Stunde vor der Sonnen
Auffgang gingen sie in drei Hauffen als eine stränge Fluht in Parten hinein /
da alles abgebrennet / erschlagen und gefangen / auch trefliche Beute gemacht
ward; die schönesten Dörffer und Flecken wurden in die Asche gelegt / und weil
sie vor Uberfall sicher wahren / streiffeten sie hin und wieder auff vier
Meileweges in die Breite und Länge /nur einen wolgelegenen Flecken erhielten sie
/ legeten sich dahinein / und sendeten Kundschaft aus / des Feindes Ankunft uñ
Vorhaben zuerforschen. Der Partische Feld Herr Spitamenes hatte auff Vologeses
getrieb den Königlichen Befehl erhalten / dass er vorsichtig spielen / und
gleichwol / wo möglich / durch Feur und Schwert dem Persen schaden zu fügen
sollte / gleich als das fliegende Gerücht ihm die Zeitung brachte / die Persen
währen eingefallen / und hätten schlimmer gehauset / als nie kein aussländischer
Feind; worüber der freimuhtige Spitamenes auff sich selbst unwillig ward / dass
er den andern nicht vorkommen wahr / samlete sein Heer in aller Eile / uñ ging
in guter Vorsichtigkeit fort / nach dem Flecken welchen die unsern ihnen zum
Rükhalt genommen hatten / und ihm solches schon verkundschaffet wahr /und ob
gleich alle flüchtige ihm anbrachten / dass die Persen über 30000 stark währen /
scheuhete er sich doch nicht / dieselben mit einer gesezten Schlachtordnung im
freien Felde anzugreiffen / dann er verliess sich auff seine wolgeübete
Mannschaft. Herkules bekam die Zeitung wegen seines anzuges früh genug /machte
alles zur Schlacht fertig / und redete Pharnabazus ein tapferes Herz ein /
welcher nichts als die Wenigkeit ihrer Völker beklagete. Sie setzeten sich in
drei Hauffen / Ladisla hatte den Rechte / Pharnabazus nebest Tyriotes den linken
Flügel / jeder 5000 stark / und hielt er mit seinen 6000 in der Mitte / welche
sich auff ihre durchnähete Leinen-Panzer-Decken nicht wenig verliessen. So bald
beide feindliche Heer einander ins Gesicht bekahmen / wunderte sich Spitamenes
über der unsern geringen Anzahl / und fürchtete sich vor einen Auffsaz oder
hinterhalt / bekam aber aus dem Flecken die Nachricht / dass keine feindliche
Völker mehr verhanden währen / auch dass dieser Einfall nicht im Nahmen des
Persen / sondern zweer fremder Fürsten geschehen / welche ja der Königlichen
Braut zu Charas Bruder und Oheim sein sollten. Dieser verwunderte sich dessen
überaus hoch / und fragete / ob dann ihre Völker nicht Persen währen; worauff er
zur Antwort bekam / sie redeten zwar alle Persisch / und gäben sich doch vor
Syrer aus / von jenseit Damaskus / woselbst sie von ihren beiden FeldHerrn umb
baar Geld geworben währen. Dass muss ich billich gläuben / sagte er / demnach ich
wohl versichert bin / dz die Persen in so geringer Anzahl mir nicht stehen
würden. Ehe er nun die Schlacht antrat / erinnerte er mit wenigen seine Parter
ihrer unüberwindlichen Kraft / und dass sie das leichte Gesindle welches gegen
sie hielte nicht fürchten sollte / als welche weder zu Feld-Schlachten angewiesen
/ noch sich selbst zuschützen geherzt währen / sondern sich auff die Römer
verliessen / denen sie sich daher knechtischer Weise unterworffen hätten.
Herkules wahr auch nicht faul die seinen zu muhtigen / sie sollten sich nicht
daran kehren / dz der Feind irgendwa 4 / oder 5000 Köpffe mehr als sie ins Feld
stellete /sondern ihr Gewehr redlich gebrauchen / alsdañ sollte sichs bald
aussfündig machen / was wahre Tugend /uñ was leichter Frevel währe. Pharnabazus
taht mit den Pfeilen den ersten Angriff / ward aber bald zurück getrieben / weil
der Feind eins so stark gegen ihn anging. Herkules sah ihn weichen / und
stärkete ihn unter Tyriotes Anführung mit 1500 frischen Reutern /welche den
Anfall gar glücklich verrichteten uñ in die 3000 von den Feinden teils tödteten /
teils hart verwundeten; wodurch Pharnabazus erfrischet / tapffer wieder
ansetzete / und den Feind dergestalt auff die Weichseite trieb / dass sie ihre
Pfeile rüklings zuschissen (wie sonst ihre Art uñ Gebrauch wahr) vergassen; doch
weil ihnen 2000 geruhete zum entsaz kahmen / welche ihnen ihre Kleinmühtigkeit
heftig verwiesen / fasseten sie abermahl stand / dass die unsern ihnen raum geben
mussten / da Tyriotes mit seinem Entsaz / welche alle gepanzerte Pferde hatten /
sich voran setzete / und eine grosse Niederlage von Pharnabazus Leuten
abwendete. Ladisla hatte besser Glük und unvorsichtigere Feinde / dann als er
von 8000 angegriffen ward / setzete er dermassen unter sie / dass in kurzer Zeit
die helffte gefellet ward / und kam ihm sonderlich zu statten / dass er ihnen so
frühzeitig mit dem Schwert auff der Hauben wahr / und sie die Pfeile nicht recht
gebrauchen kunten / so hatte sich auch sein Feind zu kühn gewaget / und von den
andern sich zu weit abgezogen / daher sie endlich umbgeben und mehrenteils
erschlagen wurden. Herkules sah dz Pharnabazus sich vor seinem Feinde kaum mehr
schützen kunte / deswegen er ihm noch 500 frische Völker zuschickete / die mit
Tyriotes sich zusammen setzeten / und auff ihre Pferde-Panzer sich verlassend
dem Feind unter die Pfeile ritten / damit sie mit dem Schwert handeln könten /
welches dann glücklich anging / und setzete ihnen Pharnabazus dergestalt nach
/dass er gnug zuverstehen gab / er wollte Blut nehmen oder geben / daher an diesem
Ort es hart zuging / und Tyriotes sich so tapffer bezeigete / dass ihm
Pharnabazus nachgehends / das Zeugnis gab / er währe ein Schuz seines ganzen
Flügels gewesen. Spitamenes /der noch 6000 ausserlesene Reuter umb sich hatte
/entsetzete sich sehr / dass seine Leute dergestalt ins Grass bissen / hätte die
gegen Ladisla stritten / gerne entsetzet / sah aber Herkules mit seinen 4000
übrigen sich auch zum Angriff bereiten / dessen Pferd (dann er ritte seinen
ädlen Blänken) fast mit gewalt unter die Feinde wollte / weil er dann sah dass an
allen Seiten es zimlich wohl stund / brach er gegen Spitamenes los / der ihm eine
grosse Menge Pfeile von ferne entgegen schickete / welche ihm aber sehr geringen
schaden zufügeten / da hingegen Herkules Hauffe ihm im ersten Angriff an die
2000 erschoss und sonst zum fechten undüchtig machete; nach schiessens endigung
musste Gallus mit den 1000 SpeerReutern / die zuhinterst hielten / sich
hervormachen / welche gerade auff ihre Feinde angingen / und deren in die 800
felleten / hernach griffen sie zu den Schwertern / und liessen die Parter
empfinden / dass ihre Arme nicht wichtloss wahren. Herkules trieb wunder mit
seinem Schwert / dass jeder der ihn sah / vor ihm ausswich / weil sein Pferd sich
bald bekant machete; es begehrete sein ein grosser starcker Ritter absonderlich
/ dem er solches nicht versagete / und ihn nach wenig geführeten Streichen zur
Erden legete / auch bald darauff den andern / welcher diesen zu rächen ihm
vornam. Ladisla hatte an seinem Orte das Feld schier erstritten / und hielt die
übrigen von dem Feinde / an der Zahl 1900 gar enge ein / aber an einer Seite
brachen sie durch und vereinigten sich mit Spitamenes / welcher ihre geringe
Anzahl sehend / an dem Siege schon begunte zu zweifeln / auch deswegen seine
berümte Vorsichtigkeit in eine Wuht verwandelte / da er auff Herkules Völker
dergestalt ansetzete / dass sie hinter sich zu weichen gezwungen wurden. Ladisla
sah dieses / hatte zwar in willen /Pharnabazus zu entsetzen / aber Herkules
Gefahr lag ihm näher an / so dass durch seine Zukunft die Parter dieses Orts
nähern kauff gaben / aber an Pharnabazus Seiten fingen sie an Meister zuspielen
/ mussten aber umb ihres Feld-Herrn Gefahr willen / sich auff denselben hinzihen
/ dessen die unsern wolzufrieden wahren / und gleicher gestalt sich in ein Heer
zusammen setzeten / auch mit verwunderung sahen / dass sie nunmehr den Feind an
der Menge umb ein grosses übertraffen. Spitamenes taht eine kurze Vermahnung an
seine kleinmühtige Leute / sie möchten ihrer Ehr und Nahmens eingedenke sein /
und den unablöschlichen Schimpf solcher unrühmlichen Niederlage nit auff sich
laden; er wüste dass er Parter bei sich hätte /nehmlich solche Kriegsleute / die
vor ihres Königes Ehre biss zu dem lezten Atem zu fechten bereit und willig
währen. Wodurch er sie auch ermunterte / dass sie sich erkläreten / noch einen
solchen Fall zu wagen / der ihnen rühmlich sein würde. Ihr Einbruch mit
geschlossener Ordnung wahr sehr heftig / welchen Ladisla und Tyriotes
auffhielten / Pharnabazus aber mit 3000 Mann von der Rechten her / und Herkules
mit 2000 von der Linken in sie setzeten / dass ihre Ordnung getrennet ward / so
dass ihrer viel sich nach der Flucht umbsahn / denen ihr FeldHerr zurief / wohin
sie gedächten; ob sie vermeinten ihrem Könige wilkommen zu sein / wann sie als
verzagete Memmen ohn Wunden davon renneten. Wodurch er sie in etwas zum stande
brachte / sich enge zusammen zogen / und noch einen verzweifelten Saz wageten /
aber / weil die unsern in gar zu fester Ordnung hielten / nicht durchbrechen
kunten / wiewol es hieselbst abermahl sehr über Pharnabazus Völker ging. Ladisla
sah ihn Noht leiden / ermunterte die seinen mit freudigen Worten /und griff von
neuen ernstlich an / dass Pharnabazus Luft bekam / und seinen Schaden gedoppelt
ersetzete. So glückete es Ladisla / dz er den FeldHerrn Spitamenes selbst
antraff / und mit ihm einen absonderlichen Kampff hielt / der sich eine gute
Zeit redlich wehrete /biss ihm Schild und Helm ganz zerschlagen wahr / da Ladisla
zu ihm sagete: Ritter stürzet euch nicht muhtwillig in den Tod / nachdem ihr
euren Ehren genug getahn / ich will euch Gnade erzeigen / da ihrs begehret.
Dieser sah wohl / dass er auff andere Weise dem Tode nicht entgehen würde / weil
der gröste Teil seiner Völker umb ihn her erschlagen wahr / nam deswegen die
angebohtene Gnade an / uñ ward von 12 Reutern ins Lager geführet und fleissig
verbunden. Herkules sah dass die übrigen der Feinde sich nach der Flucht
umbsahn / nam 3000 Reuter zu sich / und hieb nach der rechten Seiten umb sie
hin / da er ihnen den Abzug verlegte / dz sie allentalben umbgeben /wie das
Vieh nidergeschlagen wurden / biss die übrigen / an der Zahl 3000 / das Gewehr
von sich worffen und umb Gnade riefen / die ihnen nicht versaget ward. Nach
erhaltenem Siege stiegen Herkules uñ Ladisla von ihren Pferden / danketen Gott
herzlich vor die Uberwindung / und bahten ihn umb ferner Glük und Segen / das
ihr Vorhaben bald möchte ins Werk gerichtet werden. Hernach zähleten sie ihre
Völker /und funden / dass Pharnabazus 2100 Ladisla 800 und Herkules 700
eingebüsst hatten / ingesamt 3600 Mann / da hingegen von den Feinden 21000 auff
der Wahlstat lagen; doch funden sich unter den unsern 1900 hatt verwundet / von
denen 400 das Leben zusetzeten / und die übrigen wohl geheilet wurden. Die
Gefangenen wurden von 300 Mann im Lager verwahret / die übrigen gingen 10000
stark desselben Tages noch drei Meile in Feindes Land / sengeten / würgeten und
verderbeten alles / was ihnen vorkam / und machten ein solches Schrecken in den
umliegenden Orten / dass die Inwohner mit Weib und Kind auffbrachen / und eine
Tagereise ins Land hinein flüchteten. Die unsern aber nach erlangeter grosser
Beute / welche sie auf Wagen und Last Tihren fortschleppeten /kehreten wieder
umb / kahmen des Morgens auff der Wahlstat an / und hielten Plünderung / liessen
ihre Todten ehrlich begraben / und was in des Feindes Lager gefunden ward / nam
Herkules alles zu sich /dass es Artaxerxes geliefert würde. 200 Reuter von den
unsern mussten nach gehaltener Schlacht umher reiten / und die ledigen Pferde
zusammen treiben /deren sie 20000 einbrachten. Sie vergünstigten Spitamenes /
dass er mit ihnen die Wahlstat besah / wobei ihm die Augen übergingen;
insonderheit verwunderte er sich der trefflichen Mann- und Erfahrenheit unserer
Helden in solcher ihrer Jugend / die mit Pharnabazus sich schon verglichen
hatten / alle Gefangene samt ihren Feld-Obristen ohn Entgelt losszulassen / und
redete Herkules denselben also an: Mein Herr / ich möchte wünschen / dass mir
nicht ursach gegeben währe zu dem ergangenen grossen Blutvergiessen /und was
sonsten dabei vorgangen ist; weil aber dieser mein lieber Geselle und ich durch
grosse angelegte Beschimpffung darzu sind gezwungen worden / haben wir einen
solchen fall wagen müssen; auff euer Häupt haben wir nichts zusprechen / ihr
habt vor euren Herrn redlich gestritten / wie ein jeder Diener schuldig ist /
daher schenken wir euch Leben uñ Freiheit /zuzihen / wohin euchs gelüstet / mit
allen euren annoch lebendigen Leuten / doch / da ihr uns bei ritterlichen Ehren
angeloben werdet / dass ihr ungeseumet nach Charas reiten / und eurem Könige den
Verlauff der gestrigen Schlacht ohn Zusatz und Abzug / als viel euch bewust ist
/ anzeigen / auch daneben vermelden wollet; Mein BruderKönig Ladisla uñ ich
GrossFürst Herkules / die er vor seine Knaben und Knechte schilt / haben ihm zum
ersten Anfange dieses Kinderspiel und Knechtische Auffwartung sehen lassen /
deren in kurzem mehr folgen möchten; hat er nun nach seinem auffgeblasenen
Stolze / Ruhten binden lassen / uns zu züchtigen / wollen wir ihm unverzagte
Herzen und rege Fäuste entgegen setzen / da unser Feur sengen und brennen / und
unser Schwert schneiden soll / als lange er uns den Nahmen seiner Knaben und
Knechte geben wird. Spitamenes erfreuete sich der unversehenen Gnade / und
versprach in aller Gegenwart / das anbefohlene getråulich zuverrichten / setzete
sich neben andern wenigen zu Pferde / und mussten die übrigen fast gar nacket und
ohn Gewehr / blosses Håupts und Barfuss hinter ihm ohn alle Ordnung herlauffen.
Die unsern brachen auch auf nach Persepolis / trieben 22000 Reuter Pferde mit
Sattel uñ Zeug: 28000 WagenPferde; 18000 Ochsen und Kühe / 600 MaulEsel / 300
KameelTihre / 15000 junge Mannschaft von Partischen Einwohnern /12000 junge
Weiber und Jungfern; auch 6000 Knaben und Mägdlein vor sich her / und wahr alles
Viehe mit dem erbeuteten Raube beleget.
    Gleich desselben Tages / da diese Schlacht gehalten ward / geriet Fräulein
Herkuliska in die aller grösseste Gefahr ihrer Ehren / da sie ihr dessen am
wenigsten vermuhten wahr. König Artabanus unehelicher Söhne einer / nahmens
Gotarzes / ein frischer Jüngling von 18 Jahren / hatte bei Valikules Kampffe mit
Mitrenes / der Fräulein Schönheit auf dem Obergange wahr genommen / und in
dieselbe sich so heftig verliebet / dass ihm unmöglich wahr / die Flammen länger
zuerdulden / gedachte deswegen auf alle Gelegenheit / ihr seine Liebe
zuentdecken und derselben entweder zugeniessen / oder frölich drüber zusterben.
Er stund mit der Fräulein Leib Jungfer / Statipna in guter Kundschaft / durch
deren Vorschub er ihren Willen hoffete zuerlangen / dafern er nur derselben ein
Schreiben beibringe könnte / welches er durch einen Verschnittenen endlich
erhielt / als derselbe auff ihr Schloss verschicket ward / die Hofmeisterin nach
dem Könige zuhohlen. Diese LeibDienerin / da sie das Schreiben empfing meinte
nicht anders / es würde der junge Herr umb etwas ansuchen / welches ihm vor dem
schon nicht gewegert wahr / ging an einen einsamen Ort / und lase folgende
Worte: Die hohe Zuversicht auff eure Träue / vielgeliebte Statipna / hat mich
kühn gemacht / ihr ein solches zuoffenbahren / wodurch ich ihr Macht über mein
Leben und Tod zustelle / indem ich mit meiner Feder ausbeichte / mit was
unaufflösslichen Stricken der ausbündigsten Schönheit (welche ihr täglich vor
Augen zusehen gewirdiget seid) ich gefesselt bin / so dass ich entweder sterben /
oder deren Hulde geniessen muss. O geträuer Buhle /nehmet euch meiner Wolfahrt an
/ und gönnet nicht / dass euer Freund Gotarzes ohn Hülffe vergehen muss / helffet
nur / dass ich deren Herz erstreiten möge / welche ihr das meine zu eigen gemacht
hat / damit ich neue ursach finde / euch glückselig zumachen / und mehr als
einige eures Standes in dieser Welt. Vor dissmahl ist mein gesinnen nur dieses /
dass ihr eingeschlossenen Brief der unvergleichlichen Böhmischen Fräulein
einhändiget / und euch aller Sachen unwissend stellet / mich derselben als
ohngefehr rühmet / und auff ihre Reden und Geberden fleissige acht gebet /
welche ihr mir wieder hinterbringen werdet /und ich daraus nachsinnen möge /
wessen ich bei dieser Weltschönsten zuhoffen oder zufürchten habe. Dieses suchet
und bittet der höchstverliebete / euer Freund Gotarzes.
    O weh mir elenden / sagte sie nach Verlesung / was vor eine unerträgliche
Last wird mir auffgebürdet! O Fürst Gotarzes / welches Unglück hat diese Gedanken
in euch erwecket / die euren / und auch wohl meinen gewissen Tod verursachen
werden? zwar ich erkenne mich euch verbunden / aber das begehrete ist zu schwer
/ und mit meinem unvermeidlichen Verderben verknüpffet. Doch gedachte sie der
Sache diesen ganzen Tag fleissig nach / und wahr nicht willens / der Fräulein
den Brief einzureichen / weil sie sich befürchtete / er möchte dem Könige
Artabanus von ihr zugeschicket werde. Frl. Herkuliska nam ihrer Schwermütigkeit
bald wahr / und sah / dass sie ihren Rok fleissig zusammen wickelte / und unter
die andern Kleider versteckete / da sie sich schlaffen legte /deswegen sie
gleich argwohnete / es müste etwas heimliches darinnen verborgen sein; stund
derhalben / da jene im tieffeste Schlaffe lag / von ihrem Bette auff / nam den
Rok in aller stille mit sich in die Stube / und weil sie ihr Liecht daselbst
hatte brennen lassen / fand sie beide Schreiben / da sie nach Verlesung des vor
erwähneten heftig erschrak / und sich entschloss /das andere auch zuerbrechen /
und dessen Inhalt zusehen / welches also lautete:
    O Sonne dieser irdischen Welt! O du reinester Glanz aller Vollkommenheiten!
Was vor Unglück verschleusset ein so unsägliches Gut in dem Gefängnis der
neidischen Missgunst? Welcher Frevel entzeuhet der ganzen Welt die so hoch
begehreten Strahlen der Erquickung? Unvergleichliches Fräulein / Schmuk dieses
Erdbodems; Verzeihet / bitte ich / eurem demühtigst-ergebenstem Knechte / der
Euer Durchl. sich mit Leib und Seel zueigen liefert / nebest vollkommenster
Gewalt über sein Leben und Tod / und seine alleruntertähnigste Dienste darleget
/ eure Vortrefligkeit aus den verschlossene Mauren loszumachen / damit er nicht
zugleich mit ihr sterben und untergehen möge. Verflucht sei das Alter / welches
der Jugend nachhänget / und darzu weder geschikt noch düchtig ist. Aber O du
unwirdiger Gotarzes / lass ab solches zuhoffen / was über dein Vermögen schwebet
/ und erkenne deine Geringfügigkeit / welche nicht zulässet / dass du deine ädle
Gedanken derselben öffentlich darlegest / welche den Himmel selbst und aller
Sternen Klarheit trotzet. Doch du hast die Kühnheit ergriffen / deine Beichte
zutuhn / deswegen bekenne dieser allervollkommensten Schönheit / dass du ohn
Bedingung ihr Ergebener seist /und dich selig schätzen wirst / wann deren
allerhellesten Aeugelein dein Schreiben anzusehen wirdigen / und auch nur den
äussersten Strahl ihrer Gunst und Gnade auff dich abschiessen wollen; Kanstu
aber ein solches wegen deiner Unwirdigkeit nicht erlangen / ei so stirb doch in
diesen hohen Gedanken / weil du lieber tod sein / als ohn dieser voll-schönen
Gunst leben wilt / gegen welche / alle übrige / auch deines leiblichen Herrn
Vaters Gnade / viel geringer / als der Kieselstein gegen den Demant zuschätzen
ist. So erwarte nun der Antwort in beständiger Hoffnung / versichere deine
Beherscherin / dass du bereit seist / und Mittel habest / den alten unbendigen
Liebhaber zustürzen / und dich an seine Stelle zusetzen; Schliesslich /dass du im
Tode und Leben verbleibest der Allervollkommensten Königlichen Fräulein
Herkulisken ganz ergebener Knecht und Leibeigener Gotarzes.
    Nach Verlesung dessen ward sie in ihrem Gemüht ganz verwirret / machte den
Brief fein wieder zu /legte alles an seinen Ort / und blieb voller Gedanken /wie
sie dieses Unglück von sich ablehnen könnte. Des folgenden Morgens nam sie
gelegenheit von ihrer Leibdienerin etwas heraus zulocken / und fragete sie /wie
viel Söhne König Artabanus noch am Leben hätte / und warumb sie am Königlichen
Hofe sich nicht auffhielten. Worauff diese zur Antwort gab: Sie kennete seine
Söhne nicht alle / nur eines hätte sie zimliche Kundschaft / welcher ohn Zweifel
allen andern an Höfligkeit und ädlem Gemüht weit vorginge / daher ihn der König
sehr liebete / und bei sich am Hofe gerne duldete / würde / wie man davor hielte
/ das Reich nach des Vaters Tod erben / und in der Herschaft nachfolgen. Es ist
mir sehr lieb / antwortete Herkuliska / dass mein König einen so wolgerahtenen
Sohn hat / dem ich auff Begebenheit billich alle zugelassene Freundschaft
erzeige / damit nach meines Königes Ableben ich bei ihm in guten Gnaden sein
/und nicht gar verstossen werden möge. Statipna wollte hierauff losbrechen / und
ihr den Brief einhändigen /aber die Hofmeisterin verstörete ihr diesen Handel /
in dem sie ins Gemach trat / und ihr anzeigete / dass sie zu dem Könige gefodert
würde. Meine Leibdienerin zu dem Könige? fragete Herkuliska / dessen bin ich ja
ungewohnet / und muss solches ohn zweifel etwas wichtiges auff sich haben; liess
sie doch willig hingehen / ungeachtet sie den Anschlag richtig erriet / dass
Gotarzes solches unter des Königes Nahmen spielen würde / welcher dann ihrer in
eines Bürgers Hause wartete / schenkete ihr ein gutes Kleinot / und fragete sie
/ ob sie sich seiner Wolfahrt nicht hätte lassen angelegen sein. Diese
versuchete anfangs ihm die neue Liebe aus dem Sinne zu schwatzen / hielt ihm vor
/was Gefahr darauff stünde / dafern der König dessen nur einigen Argwohn fassen
sollte / und erboht sich /in allen andern fällen ihm auffzudienen; Er aber nam
solches nicht zu herzen / sondern wollte wissen / ob dem Fräulein der Brief
übergeben währe / und wessen sie sich erkläret hätte; es währe ihm allerdinge
unmöglich / seinen Vorsatz zubrechen / davon ihn nichts als der Tod abwendig
machen könnte. Nun wolan /sagte sie / so wird Eure Durchl. dereins gnädigst
erkennen / in was Gefahr ich mich ihret halben stecke /weil meine Träue gegen
dieselbe viel grösser ist / als dass ich sie in ihrem Liebesleiden sollte
verschmachten lassen; und ob ich gleich aus hochwichtigen Ursachen den
Briefhinterhalten / so habe ich doch dem Fråulein schon so viel vorgetragen /
und Eure Durchl. gerühmet / dass von vollkommener Niessung alles dessen /was euer
Herz wünschet / nichts als bloss eure abwesenheit euch abhält / welches Eure
Durchl. mir wohl sicher trauen mag / deswegen suche mein Fürst nur gelegenheit /
sich ehist einzustellen / so dass kein Mensch von dem Frauenzimmer / ohn allein
ich / dessen inne werde / und lasse mich das übrige machen. Wem wahr lieber als
diesem Lustbegierigen / der schon ausrechnen durffte / wie freundlich er würde
empfangen werden / offenbahrete ihr daher / er hätte den Obristen der
Schlosses-Besatzung mit 500 Kronen und mächtigen Verheissungen schon dahin
beredet / dass er ihn unter den Kämerlingen verstecken wollte / als dem er
eingebildet / es währe eine Jungfer unter der Fräulein Gespielen / mit welcher
er in Liebe stünde. Also nam nun Statipna von Gotarzes abscheid / und verfügete
sich wieder nach dem Fräulein / die allein und in tieffen Gedanken sass / auch
nicht wusste /wessen sie sich verhalten sollte / dafern ihr der Brief geliefert /
und Gotarzes Begehren zuwissen getahn würde. Sie hatte ohn das schon erfahren /
dass dieser junge Herr nicht allein dem Könige / sondern allen Untertahnen lieb
und angenehm wahr; sollte sie nun dem Könige sein anmuhten verschweigen / und er
dessen von andern berichtet würde / hätte sie sich schon einer Buhlerei bei ihm
verdächtig gemachet; würde sie es aber anzeigen / so käme nicht allein Gotarzes
in Lebensgefahr / und sie bei den Untertahnen in schweren Hass / sondern der
König würde überdas noch verursachet werden / die ohndas starke Verwachung umb
so viel eiferiger zuversehen / also dass ihrem Valikules dereins aller Zugang
möchte versperret werden / welches die einige ursach ihres Todes sein würde.
Gleich da sie in dieser Betrachtung wahr / trat Statipna zu ihr / und meldete
ihr mit lustigen Geberden an / es hätte nicht der König / sondern der treffliche
Fürst Gotarzes unter dessen Nahmen sie abgefodert / ihr die hohe inbrünstige
Liebe / so er gegen Ihre Durchl. trüge / in höchster geheim anvertrauet /und
diesen Brief zugestellet / ihrer Gn. denselben /nähest Anmeldung seines
untertähnigsten Gehorsams / einzuhändigen / und genehme Antwort darauff
zubitten. Was sagestu? antwortete Herkuliska / träget der Königl. junge Fürst
einige Liebe zu mir? wie kann ihm solche gegönnet oder zugelassen werden / weil
sein Herr Vater ihm dieselbe allein will vorbehalten haben? bei Leib und Leben /
sage mir hievon ja nicht mehr /und erinnere ihn seiner kindlichen Pflicht /
womit er dem Könige seinem Herr Vater verbunden ist; stelle ihm auch das
Schreiben unerbrochen wieder zu / nebest dem Vermelden / dass ich ihn sehr bitten
und ermahnen lasse / solcher Gedanken müssig zugehen /und dessen ja nichts an
mich zubegehren / wodurch sein Herr Vater könnte beleidiget werden / weil solches
ihn und mich zugleich in den unvermeidlichen Tod stürzen würde; im übrigen wolle
ich ihm alle Gewogenheit und Freundschaft bezeigen / so viel Zeit und
gelegenheit gönnen kann. Diese hielt solchen Abschlag nicht vor ernstlich / und
baht nochmahls / zum wenigsten den Brief zulesen; Sie aber sagte: Es stünde ihr
nicht zu / auff dem verwahreten Schloss Briefe anzunehmen / insonderheit / die
ohn und hinter des Königes Vorwissen geschrieben würden / darzu verdächtiges
Inhalts währen; wollte diesem nach ihres ferneren ansträngens nicht gewärtig sein
/ und ihr gebohten haben / denselben Gotarzes wieder einzuhändigen /dass ihn ja
kein Mensch zusehen bekähme / da sonst der Inhalt mit ihrem mündlichen
vorbringen einerlei währe / wie sie nicht anders gedenken könnte. Hiedurch ward
sie von weiterer Anhaltung abgeschrecket / ohn dass sie immerhin von dem
hochverliebeten Gotarzes ihre Reden führete / biss Herkuliska endlich ungeduldig
drüber ward / und ihr geboht / das Fass zuzuschlagen / und dessen nicht mehr
zugedenken; Noch durffte dieses verblendete Mensch es vor eine åusserliche
Verstellung auslegen / die nicht von herzen ginge / daher sie nach genommener
Abrede den jungen Herrn umb Mitternacht in aller stille auff die Stuben liess /
hiess ihn daselbst sich entkleiden / und sich an der Fräulein Seite legen / mit
der Erinnerung / ob sie gleich anfangs sich sträuben und wegerlich erzeigen
würde / sollte er solches nicht achten / sondern es der gewöhnlichen Scham
zuschreiben; den herzhaften und kühnen stünde das gute Glük bei / dessen kein
verzageter zugeniessen hätte. Dieser ohndas in seinen Begierden gar verblendet /
nam ihm festiglich vor /ohn seines Willens Ersättigung nicht zuscheiden / und
legte sich so sanfte an ihre Seite / dass sie dessen nicht inne ward / weil sie
über ihre Gewohnheit fest eingeschlaffen wahr. Als er nun durch Reizungen ganz
übernommen / sich weiter nicht mässigen kunte /fing er an sie zuküssen / wovon
sie alsbald erwachete / und einen Menschen neben sich empfindend / eilend aus
dem Bette sprang / nicht anders gedenkend / es würde Artabanus selber sein / der
sich unterstehen wollte / ihr auff diese Weise beizukommen. Es wahr ihr aber das
grösseste Unglück / dass das Liecht auff der Stuben / dahin sie lieff /
aussgelöschet wahr / und so finster dass man keine Hand vor Augen sehen kunte;
weil sie nun gleichwol den Ort wusste / da ihre Kleider lagen / machte sie sich
dahin / nam ihr Brodmesser zur Hand / und ging wieder in die Kammer nach ihrem
Bette / sprechend: Was vor ein Fremder findet sich hier an / da er nichts zu
suchen hat? Er aber trat zu ihr ein / überfiel sie mit heftiger Liebeswuht /
und begunte mit ihr zu ringen / sie auff das Lager zuwerffen / deswegen sie ihm
das Messerchen ins Herz drückete / dass er mit diesem Worte: O ich sterbe! dahin
fiel / und keinen Finger mehr rührete. Bald darauff schlug sie Feur / zündete
ein Licht an / und rieff ihrer Dienerin / welche vor grosser Herzensangst kein
wort reden kunte / und sich überdass als hart eingeschlaffen stellete; fuhr
endlich als aus tieffen Schlaffe auff / und fragete / was ihre Gn. begehreten. O
du leichtfertiger Balg / sagte sie / was vor ein Mañesbilde hastu mir zugeführet
/ mich um meine Ehr zubringen? welcher den Lohn seiner Bosheit schon empfangen
hat. Diese wollte von nichts wissen /entschuldigte sich / und lieff hin / den
Erstochenen zubesehen / da sie rieff: O ihr Götter Fürst Gotarzes liegt alhier.
Er sei wer er wolle / antwortete Herkuliska / ich habe keinen Fürsten / sondern
einen frechen Buben und Gewalttähter erstochen / vor dem ich meine Ehre
zubeschützen gezwungen wahr / zweifele nicht / du und kein ander Mensch habest
ihn herzugeführet / dessen du schwere Straffe ausstehen solt. Diese warff sich
weit / es möchte ihre Gn. solche ungleiche Gedanken doch von ihr nicht schöpffen
/ es währe ihr von seiner Gegenwart nicht dz allergeringste bewust / würde auch
solches nimmermehr verschwiegen / viel weniger eingewilliget haben / welches das
Fräulein geduldig anhörete / und sich stellete / als gläubete sie ihren Worten;
doch trat sie zu ihr /nam ihr beide Schreiben aus dem Schiebsak / und befahl /
dass sie die Hoffmeisterin herzu hohlen / den Unfal verschweigen / uñ vorgeben
sollte / ihr währe eine geringe Ohmacht zugestossen; welche sich bald einstellete
/ da inzwischen Herkuliska das Messer aus der Wunde zog / und das Löchlein mit
Baumwolle zustopffete / dass kein tropffen Blut heraus lieff. Die Hofmeisterin
fand sie beim Lichte stehen in bleicher Gestalt / sie aber nam alsbald einen
Strik / band damit Statipnen Hände fest zusammen / und sagte zu der
Hofmeisterin; Sehet meine Freundin / hier binde ich eine Gottlose Verrähterin /
welche mich bei nahe umb meine Ehre gebracht / uñ das künftige Königliche
EheBette besudelt hätte. Die Hofmeisterin erschrak dessen / und erzählete ihr
das Fräulein alles was sich zugetragen hatte / ohn dass sie den entleibeten nicht
nahmhaft machete; Bedrauete hernach die Dienerin mit der Folter / dass sie alles
bekennen musste. So bald der Nahme Gotarzes geneñet ward /wusste die Hoffmeisterin
vor Angst nicht zu bleiben; aber das Fräulein tröstete sie / man müste ein Herz
ergreiffen / da man unschuldig währe; sie selbst hätte nicht gewust / von wem
sie so unzimlich angefallen währe / und wann sie es gleich gewust hätte / wollte
sie doch ihrer ehren Rettung unvergessen gewesen sein. Sie befragte die
Verrähterin weiters / durch wessen Vorschub Gotarzes auff das Schloss kommen
währe / und als sie Nachricht genug hatte / setzete sie diesen Brieff auff an
den König: Allergnädigster König / höchstgeliebeter Herr; das boshafte Glük will
nicht auffhören / meiner Ehren schändliche Fallen zu stellen / so dass / wann die
gütigen Götter / bevorab die Göttin Vesta mir nicht augenscheinlichen Beistand
geleistet / ich diese Nacht meiner Keuscheit-Ehre währe entsetzet worden / uñ
zwar von einem solche / welchen euer Königliche Hocheit ich nicht nennen darff /
als der vor allen andern sich solches Bubenstüks hätte sollen entalten. Ich
gestehe / dass meine SchuzGöttin Vesta mir mein Brodmesserchen in die Hand
gelieffert / gleich da der Gewalttähter mich nöhtigen wollen / und ich nicht
anders / als auff diese Weise mich loswirken können / dass ich ihm das Herz im
Leibe abgestochen / und hiedurch eurer Hocheit rein und unbeflekt vorbehalten
bin. Ob nun gleich der Tähter eurer Hocheit lieb und angenehm sein mag /
zweifele ich dannoch nicht / die Schandtaht werde derselben höchlich misshagen /
und daher / wegen verteidigung meiner Keuscheit auff ihre gehorsame ganz
ergebene Magd Herkuliska keinen Unwillen werffen / sondern als ein gerechtester
König sprechen und ergehen lassen was recht ist. Beigefügete Schreibe / eines an
meine Dienerin die Verrähterin / das ander an mich / so noch ungeöffnet / werden
den Tähter und sein verwägenes Vorhaben an den Tag legen; und wer sonst Raht und
Vorschub zu dessen Frechheit gegeben / kann meine Hoffmeisterin anmelden /
welcher ihre Königl. Hocheit / als mir selbst vollen Glauben zustellen / und
stets gnädigster König und Herr verbleiben wolle / mir / ihrer Hocheit
untertähnigst-gehorsamsten Dienerin Herkulisken.
    Bei früher Tageszeit musste die Hofmeisterin dem Könige diesen Brieff samt
denn Beilagen bringen /die fast lieber in den Tod gangen währe; der König wahr
noch nicht auffgestanden / daher sie desto besser sich besiñen kunte / wie sie
es dem Könige aufs glimpflichste vortragen wollte / da sie / so bald sie
vorgelassen ward / ihn also anredete: Allergnädigster Herr und König; eure
Königl. Hocheit wird von ihrem Fräulein demühtigst gegrüsset und gebehten /
wegen neuer Zeitung / welche in diesem Schreiben zu offenbahren sie gezwungen
wird / sich nicht zuentsetzen /und bleibet sie eurer Hocheit zu allen zeiten biss
an ihr Gelübde allergehorsamste Magd. Was bringt uns diese ungewöhnliche
Erinnerung? antwortete der König; wir wollen ja nicht hoffen / dass etwa
verwägene Ehren-Räuber sich auff unser Fräulein Schloss dürffen finden lassen /
welche solches trauen mit dem Halse bezahlen müsten wans gleich mein liebster
Sohn währe. Ihre Königl. Hocheit / sagte sie / wird aus dem Schreiben
volkommenen Bericht allergnädigst ersehen. Er brach dasselbe mit sonderbahrem
Eifer / und nach fleissiger durchlesung und aussgestürzeten seufzen sagte er: Nun
mein Schaz; wir sind deiner Liebe und Träue gnug versichert; aber / sagte er zu
der Hofmeisterin / ist nicht mein Gotarzes selbst /der boshafte Schelm gewesen?
und wo sind die im Schreiben erwähnete Beilagen. Ach ihre Hocheit /antwortete
sie / ich zweifele nicht / die Liebe habe ihn zu solcher unbesoñenheit gebracht
/ und kann das Durchl. Fräulein sich über den kläglichen Fall nicht zu frieden
geben / hat mich auch mit hochteuren Worten versichert / dass sie nicht ehe
gewust / wer ihrer Ehren nachsteller gewesen / biss sie es von ihrer Leibdienerin
gehöret / worauff sie sich aus Unmuht ohn zweifel entleibet hätte / währe es von
mir nicht verhindert worden. Die Beilagen betreffend / hat man davon nichts im
geringsten gewust / biss man sie ohngefehr bei der Verrähterin gefunden. Als der
König den verschlossene gar durch gelesen hatte / fing er aus heftigem Zorn an:
O du gottloser Schelm / nimmermehr bistu von mir gezeuget / sonst würdestu
solcher dreifachen Untaht dich nicht schuldig gemacht haben / wodurch du
verdienet / dass wir dich / andern zum Beispiel / lebendig schinden und vierteln
liessen /wann du nicht schon deine Straffe / wie wohl viel zugelinde / empfangen
hättest. Sagte hernach zu der Hofmeisterin; meldet unserm geträuen Fräulein und
liebsten Schatze an / dass sie im wenigsten nicht / dieser Taht wegen sich
bekümmere / sondern dass wir sie deswegen rühmen / und alle Gnade ihr wieder
fahren lassen wollen. Die Hofmeisterin bedankete sich im Nahmen der Fräulein /
und zeigete derselben gutdünken an / dass umb anderer Leute willen dieser Unfall
des jungen Fürsten in höchster geheim gehalten / und die Mitschuldigen / als
Statipna / und Bardanes ihrer Besatzung Oberster / aller Ursache ungemeldet / am
Leben möchten gestraffet werden; welches nach kurzem bedenken der König vor gut
hielt / liess alsbald den Obristen in Stücken zerhauen / die Dienerin in einen
Sak stecken und in der Fräulein SchlossGraben ertränken / das Fråulein aber durch
die Hofmeisterin trösten / und sie vermahnen / dass auff ihrem keuschen Sinne sie
standfest verbleiben möchte / welches ihr mit höchsten Gnaden sollte vergolten
werden.
    Als Herkules und Ladisla mit ihrem Heer und der grossen Beute der Stad
Persepolis naheten / liessen sie ihre Anwesenheit Artaxerxes wissen / daher er
voller freuden ihnen entgegen ritte / und nach Pharnabazus umbständlicher
Erzählung / es schier vor ungläublich hielt; rühmete unsere Helden offentlich
vor dem ganzen Heer / sprach ihnen die ganze Beute des Lagers zu / und sendete
an alle Bundsgenossen aussführlichen Bericht / wodurch bei denselben nicht allein
eine unsägliche Freude / sondern zugleich auch eine Verachtung des Feindes
erwecket ward / dessen Krafft und Mannheit sie bisher vor unüberwindlich
geschätzet hatten.
    Zu Charas sprengete dz Geschrei gar zeitig aus /was gestalt die Persen einen
Feindlichen Einfall ins Land getan / und alles auff sieben Meile Weges
verwüstet / verbrennet / geraubet und erwürget hätten /und weil das Königliche
Heer unter Spitamenes dessweges hin sein Lager gehabt / wollte man nicht zweiffeln
/ sie müsten alle erschlagen / und kein einiger davon entruñen sein / welches
doch niemand vor den König bringen wollte / biss Fürst Vologeses zu Charas
anlangete / (welcher verreiset gewesen) und ihm zuverstehen gab / er fürchtete
sehr / Spitamenes würde den Feinden in die Hände gefallen sein. Des folgenden
Tages gelangete derselbe mit zwanzig seiner überbliebenen Befehlichshaber an vor
dem StadTohr /und durch zeigung seiner verbundenen Wunden und traurigen Geberden
gab er den erlittenen Schaden gnug zuverstehen. Ob er sich nun gleich vor des
Königes schwerer Ungnade fürchtete / nam er ihm doch vor / die anbefohlene
Werbung träulich / wie wohl auffs glimpflichste zu verrichten / liess sich bei dem
Könige demühtigst angeben / welcher seiner Gegenwart sich verwunderte / und ihm
daher nichts gutes träumen liess / gab ihm doch Freiheit vorzutreten / und ward
also von ihm angeredet: Allergrossmächtigster /unüberwindlichster König / nachdem
ihre Königl. Hocheit mir ein fliegendes Heer allergnädigst anvertrauet hat / mit
Befehl / damit die Grenzen vor vermuhtlichem Einfal des abtrünnigen Persen zu
verwahren / und da es die Gelegenheit geben würde / der Straffe wieder die
Auffrührer den Anfang zu machen /oder / da einige feindliche Völker / denen ich
vermeinte gewachsen zu sein / antreffen würde / sie anzugreiffen / habe ich
mich in untertähnigstem Gehorsam fertig gemacht / und gleich da ich willens wahr
auffzubrechen uñ den Feind zu suchen / von ihrer Hocheit den Befehl bekommen
mich der Vorsichtigkeit zugebrauchen / welche Warnung ich nicht verachtet / und
bald darauff Kundschaft eingezogen / dass ein fremder Feind in unsern Grenzen
durch Schwert und Brand bereit alles verderbete / daher ich ungeseumet mit guter
Ordnung und Vorsichtigkeit ihm begegnet / uñ weil er an Mannschaft den
drittenteil geringer als ich wahr / mit voller Schlachtordnung auf ihn gedrungen
und das Spiel gewaget / da ich gestehen muss / dz ich die Blume ihrer
Ritterschaft angetroffen / massen sie alle mit Harnisch / Schwertern und Pfeilen
/ auch mit ritter Speeren gerüstet / sich dermassen vortelhaftig gebraucheten /
dz sie die unsern wie Mücken niderlegeten / ungeachtet sie weder des Orts / noch
Windes noch Sonnen / nicht den allergeringsten Vortel hatten; ja ihre Schwerter
höreten nicht auff zuschneiden / biss meiner Leute 21000 erschlagen / ich im
absonderlichen Streite erleget / und die wenigen übrige von den meinen / ihre
Waffen niderzulegen gezwungen wurden; ob ich nun alles dass redlich versehen /
was bei des einem Heerführer und Kriegsmann zustehet / werden Freunde und Feinde
zeugnis geben können / auff welchen fall / da mir keine Schuld / wie ich weiss /
zugemässen werden kann / von Euer Königl. Hocheit ich untertähnigst bitte / des
Glückes unfall mir nicht zuzuschreiben. Der König ward des Vorbringens sehr
zornig / schalt und schmähete ihn auffs äusserste /neben Bedräuung / er wollte
ihn andern zum Beispiel schon zufinden wissen; Welches Spitamenes also
beantwortete: Wann ich Glückesfälle verantworten soll /bin ich willig / Euer
Hocheit straffen über mich zunehmen / ungeachtet ich mich auff mein Gewissen und
aller annoch lebendigen Zeugnis beruffe / dass ich nichts unterlassen / was einem
redlichen FeldHerrn zustehet / als lange ich mein Schwert zuführen bestand
gewesen bin; wo der Streit am heftigsten wahr /habe ich mich finden lassen /
den schwachen habe ich zu rechter Zeit Entsatz zugeschicket / die verzagten
auffgemuntert / die zurück weichenden der Partischen Herzhaftigkeit erinnert /
die Fluchtbegierigen selbst wieder angetrieben / und mich nicht gewegert / mit
König Ladisla einen absonderlichen herben Kampff zuhalten / dessen Kräffte und
Erfahrenheit / bekenne ich / mir überlegen gewesen / uñ den meisten Teil meines
Bluts aus meinen Wunden gezapfet. Artabanus besan sich hierauff / und fragete /
wie stark der Feind dann eigentlich / und was vor Art Völker sie gewesen? Er
antwortete: Es führete der Feind 16000 Mann auff mich an / in dreien Hauffen /
muss gestehen / dass ihre zween vornehmste FeldHerren / GrossFürst Herkules aus
Teutschland / und König Ladisla aus Böhmen / mir allerdinge unüberwindlich
vorkommen sein / als viel Leibes Geschikligkeit und Krafft nebest
Kriegs-Erfahrenheit betrifft; ja allergnädigster König / wann die Götter in
menschlicher gestalt erscheinen wollten / würden sie ihren Muht / Art und Leib
annehmen; Da wahr kein Schild noch Helm vor ihrem Schwerte sicher / ihre Augen
fünkelten ihnen im Kopffe wie glüende Kohlen / und taht Herkules Pferd mit
beissen und schlagen ja so grossen Schaden / als sein Reuter mit hauen und
stechen. Wie grimmig sie aber im treffen wahren / so hohe Gnade erzeigeten sie
den überwundenen / indem sie mich und die meinen verbinden / speisen und trånken
liessen. Ihre Völker gaben sich zwar vor Römische Untertahnen aus Syrien an /
aber ich habe gewisse Nachricht erhalten /dass sie alle mit einander Artaxerxes
Völker und gebohrne Persen sind / von obgedachten ihren beiden FeldHerren
dergestalt abgerichtet / dass sie vor die besten Kriegs Knechte billich zu
halten. Mich und meine überbliebene betreffend / haben sie ohn einiges Entgelt
frei gesprochen / nur dass ich verheissen musste / Euer Hocheit ihre Werbung
zuhinterbringen. Gleich dazumahl kam Vologeses darzu / sah Spitamenes bleich
und verbunden stehen / und erkennete daher / dass das Geschrei nicht erlogen
wahr; Spitamenes freuete sich seiner Ankunft sehr / weil er ihm sehr gewogen /
und von der Mutter seiten her verwand war; Und musste er seine schon getahne
Erzählung wiederhohlen; Worauff ihn Vologeses fragete / wie doch die beiden
fremden Fürsten gestalt währen; als er nun vernam / dass sie beide so schön und
zart wahren / sagte er: So habe ich mir falsche Gedanken eingebildet / welche
ich schier mit einem äide bekräfftigen dürffen. Was entbieten uns aber die
beiden Landläuffer? fragete der König. Der jüngste / antwortete er / von diesen
beiden / nahmens Herkules / der noch kein Haar umbs Maul hat / und solcher
Schönheit ist /dass er alle Weibsbilder dieser Welt / meinem bedünken nach /
übertrifft / gab mir diesen Befehl: Deutet eurem Könige an / mein Bruder König
Ladisla und ich / die er vor seine Knaben und Knechte ausruffet /haben ihm
dieses erste Kinderspiel und Knechtische Auffwartung sehen lassen / worauff bald
mehr folgen sollen; hat dann euer König lassen Ruhten über uns binden / wollen
wir ihm unverzagte Herzen und Fäuste entgegen setzen. Dieser Rede ergrimmete
Artabanus / und fuhr heraus: Haben die ohmächtige BettelFürsten uns noch weiters
dräuen dürffen? Wolan / es soll ihnen wiederfahren / was sie verdienen; Hiess
darauff Spitamenes abtreten / und begehrete von Vologeses ihm seine Meinung
zusagen; Welcher also anfing: Allergnädigster König / ich erinnere Eure Hocheit
/dass mirs schon im Anfange nicht gefallen / dass man diese fremden nicht eins
einer schriftlichen Antwort auff ihr begehren / wirdigen wollen / welches uns
schon so tapffere Kriegsleute gekostet hat; man soll seinen Feind / den man
gedenket zu dämpffen / nit verachten / wie schlecht und geringe er auch scheine
mag / dañ zuzeite straffen die grossen Götter durch veråchtliche Mittel / wie
ich dessen viel Begebnissen einführen könnte / kann aber an Alexander dem
Mazedonischen Könige gnung sein / welchen die zornigen Götter mit einer Handvoll
Volks über das Meer schicketen / dass er ganz Asia uñ Afrika mit seiner Geissel
züchtigen musste; und wer weiss / was die Götter mit diesen beiden jungen Fürsten
im Sinne haben / deren Tapfferkeit und Verstand von Spitamenes (welcher trauen
kein Kind ist) so hoch gerühmet wird. Der König kunte vor Ungeduld ihm nicht
länger zuhören /und sagete: Mein Vologeses / ist euch heut etwa ein Hase quehr
über den Weg gelauffen / dass ihr euch eines Unglücks befürchtet. Kein Hase /
allergnädigster König / antwortete er / sondern die vielfältigen UnglückZeichen /
die von allentalben her angemeldet werden / heissen mich bedachtsam spielen /
damit man nicht in ein Feur lauffe / welches man wohl meiden kann. Ey was Feur /
was Feur / sagte er / haben die beiden fremden Leker-Buben uns diesen Schimpff
erwiesen (dann vor Schaden können wirs nicht rechnen / dz unsere faule nichts
werte Kriegsleute erschlagen sind) / so wollen wir uns bemühen / dass diese
Knaben nach Verdienst gestrichen werden; aber wie dünket euch umb Spitamenes /
dass ers so schlimlich versehen hat? Ich kann davon nicht urteilen / antwortete er
/ ehe und bevor ich seiner Leute Aussage haben werde /muss ihm sonst das Zeugnis
geben / dass er bisher allemahl in Kriegsgeschäfften vorsichtig / tapffer und
glücklich gewesen. Der König liess denselben wieder vor sich fodern / unterdessen
Vologeses ihn vermahnete / es würde nöhtig sein / dass ihm dieser Verlust
vergeben würde / damit andere Feld Herren nicht furchtsam gemachet werden
möchten. Madates / ein verwägener / und in seinem Vornehmen glücklicher Mann /
dem Könige von mütterlicher seiten her nahe verwand / trat mit Spitamenes
zugleich hinein / welchen der König also anredete: Auf mein Madates /und sihe zu
/ dass du des unglücklichen Spitamenes Wunde verbindest / welche ihm die Kinder
aus Teutschland geschlagen haben; nim unserer besten Partischen Reuter 40000 zu
dir / damit gehe an die Persischen Grenzen / senge und brenne was du kanst /und
schlage nider was Persisch ist uñ heisset. Vologeses baht den König sehr / er
möchte nichts aus Zorn und Eifer vornehmen / damit nichts versehen würde /das
man hernach zu spät beklagen müste. Aber Madates bedankete sich des gegebenen
Befehls / mit dem versprechen / er wollte seinen Freund Spitamenes dergestalt an
den ohmächtigen Persen und ihren Führern rächen / dass der König seine Lust dran
sehen sollte. Spitamenes sagte zu ihm: So sehet euch wohl vor Herr Madates / und
verfahret mit gutem Bedacht / dann ich kann nicht unterlassen / krafft meiner
Pflicht und äide /damit ich meinem Herrn und Könige verbunden bin /euch
anzusagen / dass keine Kinder / sondern tapffere Männer euer warten werden. Ich
möchte auch nicht gerne mit Kinder / zufechten haben / antwortete er /aber wie
dicke Harnische es gleich sein mögen / in welchen sich die Persen verstecken /
wollte ich mich vermässen / ihnen dieselbe ohn Schwert mit Knütteln dergestalt
zutreffen / dass sie drinnen ersticken sollten. Die gütigen Götter / antwortete
Spitamenes / wollen euch hierzu ihren Segen verleihen / dass jederman hernähst
spreche möge / niemand als Spitamenes habe sich schlimmer wider die beiden
Fremdlinge bezeiget; aber ich fürchte sehr / ihr werdet mit diesem Vorsatze
wenig gutes schaffen. Madates taht / als hörete ers nicht / und versprach dem
Könige / heut über drei Tage mit der genenneten Menge vor dem Schloss zu
erscheinen / wahr sehr geflissen / eine gute Ritterschaft zusamlen / und ihnen
tapffere und versuchte KriegsObristen vorzustellen / brachte auch auff geheiss 20
Partische Ritter vor den König / welcher ihnen den Vorschlag taht / ob sie so
geherzt währen /sich zubemühen / dass sie des Feindes beide Führer /Ladisla und
Herkules / die sich durch Waffen schon würden kund geben / lebendig griffen /
und ihm auffs Schloss lieferten / dass sie vor ihm daselbst als Knaben gestrichen
würden / sollte jeder 3000 Kronen / und der ihrer einen greiffen würde 12000
Kronen aus Königlicher Schatzkammer empfangen. Diese nahmen solches willig auff
sich / machten einen Bund / in der Schlacht nit von einander zuweichen / sondern
einmühtig auff benante einzustürmen. Worauff der König abermahl / und in des
KriegsVolks Gegenwart seinem Madates vollkommenen Gewalt erteilete / den Feind /
wo er ihn antreffen würde / anzugreiffen / und niemand / als die beiden fremden
lebendig zulassen: Vologeses zwar suchete Madates zur Vorsichtigkeit zubereden /
als er aber sah / dass alles vergebens wahr / sagte er zu ihm: Mein Freund /
gedenket nicht ehe an mich / als wann euch deucht / dass ich wohl gerahten habe.
Nicht also / Gn. Fürst / antwortete er /ich will stets an eure Gn. gedenken /
auch deren Raht nicht verachten / aber mir doch nicht einbilden lassen / dass
dieser Feind zufürchten sei. Es ist gnug / sagte Vologeses / aber ihr redlichen
Parter / sagte er zu dem ganzen Heer / haltet euch tapffer / und stürzet euch
nicht ohn Noht in Gefahr und Unglück / ich will einem jeden / so viel eurer als
Obsieger wieder kommen / 10 Kronen schenken. Diese nahmen solches mit Dank an /
und erkläreten sich / zusiegen oder zu sterben; Worauff sie mit zimlichen
Tagereisen fortgingen. Unsere Helden feireten unterdessen auch nicht / trilleten
und übeten das ganze Heer täglich / insonderheit /wie man gegen die Parter mit
gutem Vortel streiten musste / deren Art sie in dieser Schlacht eigentlich in
acht genommen hatten / und vermuhtete sich Artaxerxes so schleuniger Feinde
nicht / sondern gab vor /Artabanus würde es nicht mehr mit einem kleinen
fliegenden Heer versuchen / sondern mit der ganzen Macht auffbrechen / wiewol
Herkules ihm das Wiederspiel hielt / und sich der schnellen Wiederkunft eines
absonderlichen Heers befahrete / daher er den Raht gab / es möchte zwar
Artaxerxes das ganze Heer in die nähe beieinander legen / dass sie in 24 Stunden
könten zusammen gebracht werden / aber doch des Feindes vornehmen fleissig
erkunden / und ein tapfferes Heer an die Grenze senden; Er vor sein Häupt wollte
sich hiemit erbohten haben / mit einer Macht von 26000 Reutern fortzugehen / und
da es das Glük fügen wollte / einen behutsamen Einfall damit zuwagen / jedoch
zuvor alle mögliche Kundschaft einzuziehen / wie der Feind sich bezeigete /
demnach er nimmer gläuben könnte / dass sie auff geschehenen schweren Einfall ihre
Grenzen zum besten geben /und unbesetzet lassen sollten. Diesen Vortrag liess
Artaxerxes ihm belieben / bedankete sich wegen des erbietens / und ward alles
zwar nach Herkules begehren ins werk gerichtet / wiewol nit mit solcher eile /
als die Noht es erfoderte / massen als Herkules und Ladisla mit diesem Heer
auffbrachen / kam Zeitung ein /der Feind drünge mit grosser Macht herein / und
dürffte in wenig Tagen die Persischen Grenzen erreichen / oder nunmehr wohl schon
erreichet haben. Dieses machete / dass sie in grosser Eile fortgingen / und des
folgenden Tages Bericht einnahmen / der Feind hätte durch Berraht und List eine
GrenzeStad eingenommen / und hausete daherumb dergestalt / dass man nichts als
bei Tage Rauch / bei Nachte Feur sähe. Herkules beklimmerte sich fast / dass
durch Seumniss dem Feinde dieser Einfall gegönnet wahr / schickete Tyriotes uñ
Gallus mit 3000 leichten Pferden aus /frisch durchzuhauen / ob sie eigentlich
erfahren könten / wie stark der Feind / und wer ihr Feldherr währe. Diese
stiessen bald des andern Tages auf eine Feindes Schaar 800 stark / welche sie
umringeten / 600 nidermacheten / und die übrigen gefangen nahmen / da hingegen
sie nur 30 Mann einbüsseten / weil der Feind sich mit der Beute zuschwer beladen
hatte / und das Gewehr nicht gebrauchen kunte. Die Gefangenen verhörete man
stündlich / welche alles anzeigeten / daher Gallus ungeseumet mit sechs Reutern
und vier Gefangenen Tag uñ Nacht zurücke ging / und seinem Herrn die Zeitung
einbrachte. Herkules befragete diese Gefangene selbst / und nach eigentlicher
Bekenntnis brach er mit den Völkern auff / sie guter Beute versichernd / da sie
nur einen kleinen redlichen Saz mit ihm wagen / und dem Feinde den Raub abnehmen
dürffen; welche sich alle verbunden / nicht anders /als Uberwinder / die
Wahlstat zuverlassen. Madates wütete inzwischen gar gräulich / liess alles / was
er antraff / verwüsten und erschlagen / und meinte nicht / dass die Persen ihm
das Häupt würden bieten dürffen / dann er wahr ein beschriehener guter
FeldObrister / der mannichen trefflichen Sieg von den ReichsFeinden erstritten
hatte. Als Herkules bei Tyriotes ankam / und die ganze Menge der Gefangenen mit
freundlichen Worten verhörete / auch ihnen Speise uñ Trank zureichen befahl /
und die Kleider ihnen wieder zugeben / welche man ihnen abgezogen hatte /trat
derselben einer hin zu Tyriotes / und sagete in geheim zu ihm: Mich jammert von
Herzen / dass dieser freundliche Held / so Henker-mässig soll geschändet werden /
wie mans über ihn beschlossen hat / welches abzuwenden / machet mir Gelegenheit
/ dass mit diesem Herrn ohn meiner Mitgefangenen Wissenschaft ich reden möge.
Tyriotes verschlief seines Herrn Wolfahrt nicht / zeigete solches an / und
führete diesen Gefangenen in ein absonderliches Zelt / welcher zu Herkules und
Ladisla also redete: Treffliche Helden /Gnn. Herren / ob ich gleich meinem
Könige mit äidespflichten verbunden bin / kann ich doch nicht unterlassen / wegen
ihrer / uns Gefangenen erzeigeter Guttaht / sie zuwarnen / dass mein König 20
handfeste Ritter mit grossen Verheissungen bestellet hat / euch in künftiger
Feldschlacht lebendig zugreiffen / und möchten die Ruhten wohl schon gebunden
sein / damit auff diesen fall ihr vor des Königes Augen schändlich sollet
gestrichen werden. Herkules erbleichete vor diesem Schelmstücke / und sagete:
Guter Freund / woher ist dir solches bewust? Ich bin dessen / antwortete er /von
meines Vaters BruderSohn / einem Königlichen Trabanten höchstvertraulich
berichtet / als welcher den Befehl selbst angehöret hat; so wollen nun Eure Gnn.
mich nicht melden / und sich wohl vorsehen /dann obgedachte Ritter werden sich
nicht trennen /sondern euch hin und wieder suchen / und köñen bei ihren
schwarzen Feldzeichen leicht zuerkeñen sein; so ist auch im ganzen Heer
ausgeruffen / dass / wohin diese Ritter sich wenden / man ihnen Raum geben /und
sie durchlassen solle. Ladisla meinte vor Zorn und Eifer zubersten / und sagete
zu dem Gefangenen: Dafern sichs also verhalten wird / wie du berichtest /soltu
mit der Freiheit und andern ansehnlichen Verehrungen begabet werden. Ich bin wohl
zufrieden / antwortete er / dass neben meinen Mitgefangenen ich biss nach
gehaltener Schlacht verstricket bleibe / da sich meiner anzeige nach / alles
ausfündig machen wird. Ladisla nach des Gefangenen Abtrit / schwur seinem
Herkules / wo er sonst lebete / wollte er den verrähterischen König zum
absonderlichen Kampff ausfodern. Sie liessen aber Tyriotes mit 1000 Reutern
vorangehen / und folgeten behutsam nach / biss sie den Rauch hin und wieder
auffgehen sahen / weil der Feind nicht allein die Dörffer / sondem alle
fruchtbahren Bäume niderwarff / und mit Feur verzehrete. Tyriotes traff abermal
einen Feindes Hauffen an 1500 stark / mit welchen ers wagete / 600 erschlug /
weil sie wegen des vielen Plunders sich nicht recht wehren kunten / und die
übrigen auff die Flucht brachte / da er nur zehn Mann einbüssete. Gallus ging
einen andern Weg mit 2000 Reutern / und begegnete ihm ein Partischer Obrister
mit gleicher Anzahl / welche ebener gestalt wegen der vielen Beute sich auff
ihren Pferden nicht behelffen kunten / daher sie bald im Anfange 400 Mann
verloren / biss die übrigen den Raub von sich warffen / und sich ihrer Haut
rechtschaffen wehreten / doch weil sie übermannet / und guten teils verwundet
waren / setzeten sie noch 300 zu / zogen sich zurück / und führeten drei
gefangene Persen mit sich fort. Die beide flüchtige Schaaren langeten zu einer
Zeit bei Madates an / welcher die Gefangenen scharf fragete / und allen Bericht
von des Persischen Heers beschaffenheit einnam / auch dass Herkules und Ladisla
neben Pharnabazus die FeldObristen währen. Er ward dessen sehr froh / samlete
das Heer schleunig zusammen / dass ja der Feind / wann er seine grosse Macht
vernehmen würde / ihm nicht entginge / oder sich stärkete / wiewol er meinte /
es würde ihm schlechte Ehre geben / einen so geringen Hauffen zuüberwinden /
weil er nie eine Schlacht gehalten / in welcher sein Feind ihn nicht mit der
Menge übertroffen hätte. Als seine Völker beisammen wahren / redete er sie also
an: Frisch auff / meine Spiessgesellen /lasset uns acht geben / dass wir den Feind
vor der Flucht ertappen / und er sich nicht ins Gehölz verkrieche / da uns
schwer fallen würde / ihm beizukommen. Nachgehends foderte er die 20 Ritter vor
sich / erinnerte sie ihres versprechens / und sagte ihnen allen Beistand zu.
Herkules hatte Zeitung von seinem Auffbruche / wie er dann so unvorsichtig
fortging / dass er von den unsern nichts erfuhr / biss er auff ein halb Meilichen
nahe / bei ihnen wahr / ja wann der Persische Vortrab sich ihnen nicht gezeiget
hätte / würden sie den unsern unvermuhtlich auffgestossen sein. Herkules
erkennete hieraus / was vor einen verwägenen Feind er vor sich hatte / baht
Ladisla / er möchte nichts aus Eifer vornehmen / gab einem Persischen Herrn /
Nahmens Abulites den ersten Angriff mit 5000 Reutern zutuhn / der sich doch
furchtsam stellen / und nach kurzem Gefechte zurück weichen sollte; Pharnabazus
aber musste mit 5000 einen umschweiff nehmen / und sich verborgen hinter einem
Hügel halten / biss er den Feind würde sehen hinter sich weichen / dann würde er
seinem Verstande nach schon wissen / von hinten zu in sie zugehen / und die
Flucht zuhemmen. Ladisla hatte das Heer zuführen / eine Mannschaft 10000 stark /
auff welchen Abulites sich zihen sollte / und behielt Herkules 6000 vor sich /
aber alle mit Speeren und durchneheten Panzern. So bald Madates der unsern inne
ward / und ihre kleine Geschwader sah / machte er seine Ordnung folgender
gestalt: Seinem Obristen Verweser Bessus / einem hochmühtigen Ritter / gab er
mit 9000 Reuter Schützen den Angriff; sein Feldmarschalk Bazaentes sollte den
Hauffen 18000 stark / führen / und behielt er selbst 11000 bei sich / womit er
den nohtleidenden auff den unverhofften fall Entsatz geben wollte. Bessus setzete
mit starkem Geschrei und heftigem schiessen auff Abulites an / der mit gleichem
Gewehr ihm begegnete / fuhr nach Herkules Vermahnung vorsichtig / und liess
anfangs der Feinde Pfeile mit den sonderlich darzu bereiteten breiten Schilden
aufffangen / dass der seinen fast keiner verwundet ward / und der mehrerteil ihre
Pferde mit den durchnäheten Panzern verwahret hatten / hingegen wirketen seine
Pfeile dergestalt / dass der Feinde in die 3000 erschossen /und 2000 hart
verwundete aus der Schlacht zu weichen gezwunge wurden. Madates entsetzete sich
des Unfals / liess von Bazaentes Hauffen 3000 zu Bessus gehen / mit welcher
Verstärkung er wütig mit entblösseten Schwertern in Abulites Ordnung fiel / der
sich nach genomener Abrede furchtsam hielt / und doch in guter Vorsichtigkeit
zurücke weich. Ladisla sah /dass Bessus seinen Anfall ohn geschlossene Glieder
fortsetzete / deswegen er Gallus mit 1500 hinein brechen liess / der in kurzer
frist 3000 Feinde nidermachete / und bekam Abulites Befehl von Herkules /sich zu
wenden / und sein äusserstes zugebrauchen /welcher dann seine Tapfferkeit sehen
zu lassen / dergestalt anfiel / dass dieser Feindes Hauffe in grosse Noht geriet.
Madates sah dass die seinen bloss durch nachlässige Unordnung sich in diese
Gefahr gestürzet hatte / mahnete deswegen Bazaentes auff / Bessus nach
äusserstem vermögen zuentsetzen / welcher dann willens wahr / mit seiner ganzen
Macht sich dahin zu wenden / sah aber / dass Ladisla sich gegen ihn stellete /
daher er jenem nur 5000 zum entsatze schickete / welche Madates mit 2000
vermehrete. Ladisla aber setzete seinen Vorsatz auff Bazaentes tapffer fort
/grieff sehr eiferig mit dem Schwerte an / und befand über verhoffen harten
Wiederstand / dz anfangs zu beiden Seiten viel Blut vergossen ward / biss Ladisla
den Führer antraff und im dritten Hiebe ihm den Kopff herunter schlug / worauff
sich die Feinde etwas zurücke zogen / wurden doch von des erschlagenen Bruder /
Obristen Feldwachtmeister Meherdates wieder in Ordnung gebracht und angeführet.
Bessus hatte auch schon seinen Geist auffgegeben / und solches von der Hand
eines gemeinen Reuters / welcher wegen dieser Taht hernach zum Ritmeister
gemacht ward. Bessus Hauffe ward fast ohn Gegenwehr nidergeschlagen / weil ihre
Ordnung getrennet wahr / und schaffete der Entsaz wenig / so dass Madates selbst
mit seiner Mannschaft hinan musste / welcher auch mit seiner Ankunft beides
Abulites und Gallus zurück prallete und Bessus überbliebene errettete. Inzwischen
sah Herkules die 20 bestelleten Ritter in blanker Rüstung mit schwarzen
FeldBinden hin und wieder reiten / und in Ladisla Völker einbrechen / hatten
auch das Glük / dass sie ihn selbst antraffen / und einmühtig zu ihm
lossstürmeten; die so nähst umb ihn wahren / tahten alle mögliche Gegenwehr / und
feirete Ladisla selber nicht / weil er bald merkete / was vor Raubvögel ihn
angriffen / jedoch würde ihm unmöglich gefallen sein / sich ihrer zu entbrechen
/ wann nicht Herkules ihn hätte entsetzen lassen / als welcher Tyriotes also
anredete: Sehet da mein Freund / nun ist es Zeit / dass ihr eurem Herrn die
versprochene Träue leistet / und unserer Abrede nach euch gemäss bezeiget. Dieser
brach mit seinen zugeordneten 50 Rittern freudig auff / und setzete dergestalt
an / dass jene 20 von Ladisla ablassen / und sich gegen diese kehren mussten /
welches Ladisla ersehend / ihnen noch 100 Reuter zuordnete / er aber ging mit
dem gesamten Hauffen dergestalt in den Feind / dass derselbe hinter sich zu
weichen genöhtiget ward / und inzwischen jene 20 Ritter allemiteinander lebendig
gegriffen / und fest gebunden ins Lager geführet wurden. Herkules bekam diese
fröliche Zeittung / griff Madates mit ganzer Macht an / und brachte damit
Abulites wieder zum Stande. Ladisla wütete an seinem Orte wie ein grimmiger Löue
/ biss die Feinde nach der Rechten ausswichen / und mit ihrem FeldObristen / der
noch starke Gegenwehr taht / sich zuvereinigen suchten; Herkules aber hatte
Pharnabazus schon zu entbohten /von hintenzu einzubrechen / über dessen Ankunft
die Feinde in grosses schrecken gerieten / weil sie biss daher seiner nicht wahr
genommen hatten / doch erhohlete sich Madates / schickete ihm 3000 entgegen /und
bemühete sich äusserst / Herkules geruheten Hauffen zu hintertreiben / welche
mit ihren Speeren grossen Schaden getahn / und etliche tausend Sattelloss gemacht
hatten / nunmehr aber unter ihres Häupts anführung das Schwert rechtschaffen
gebraucheten /daher Madates fast in eine Raserei geriet / auff Herkules selbst
ansetzete / und den Kampf verwägen gnug mit ihm auffnam / aber es währete nicht
lange da ward er nach zimlicher Verwundung gefangen genommen / und nach dem
Lager geschicket. Pharnabazus hatte mit Schmerzen geharret / seinen Muht an den
Feinden zu kühlen / überfiel auch die ihm entgegen geschickete dergestalt dass
sie zu weichen gedrungen wurden / gleich da Herkules und Ladisla von beiden
Seiten ansetzeten / uñ ein solches schrecken in die Feinde brachten / dass sie
schon begunten umb Gnade zu ruffen; aber Pharnabazus setzete von hinten immer
hinein / so verstopfeten auch alle Persen ihre Ohren /und schlugen ohn
Barmherzigkeit alles Tod / was in Waffen wahr / weil sie wegen der erbärmlichen
Landes verwüstung gar zu hart erzürnet wahren / daher dieses grosse Heer so gar
auffgerieben ward / dz auch nicht ein einziger Bohte davon kam / der diese
Zeitung hätte nachsagen mögen. Des Feindes Lager wahr von dem Tross und anderen
Mitläuffern besetzet / welche dem Raube nachstelleten / und musste Abulites mit
2000 Reutern dahin gehen / uñ verwehren / dass kein einziger davon entlieffe;
zwar es hatten sich in die 300 auff Wagenpferde gesetzet / in Meinung / davon
zukommen / aber sie wurden alle eingehohlet und nidergemacht / die im Lager
gefangen genommen / uñ darauff die algemeine Plunderung auff der Wahlstat
gehalten / was aber im Lager gefunden ward / von Wagen / Pferden / Gelde / und
überaus grossem Raube / welchen sie zusammen geschleppet hatten /ward alles
verwahret / dass es Artaxerxes geliefert würde. Nach erhaltenem Siege / danketen
Herkules und Ladisla ihrem Gott vor seinen gnädigen Schuz /hernach liess Ladisla
sich verbinden / weil er etliche Wunden in der Schlacht / insonderheit von den
20 Rittern empfange hatte / und musste ein jeder Obrister seine erschlagene
anmelden: Abulites missete 1600 /Gallus 300 / Ladisla 1500 / Pharnabazus 260 /
und Herkules 300 Mann / überal auff diesem ganzen Zuge 4000 Reuter / dahingegen
das Partische Heer 40000 stark auffgerieben wahr. Herkules liess Madates samt
den 20 Rittern vor sich fodern / und redete sie mit zornigem Gesichte also an:
Saget mir Madates / und ihr alle miteinander / was vor unredlichen Wiederdriess
oder unbillichen Schimpf haben König Ladisla und ich GrossFürst Herkules euch
jemahls bewiesen /dass ihr hindangesetzet unsers standes Hocheit / euch
unterstehen dürffet / uns als Schuelknabe / zugreiffen / uñ der Zucht-Ruhten zu
übergeben? Ich meine ja /wir haben vordissmahl / und schon zuvor eine gute
bewehrung abgeleget / dass wir der Ruhten entwachsen sind / und ihr dürffet euch
noch anmassen / will nicht sagen / Fürsten / sondern Ritter und FeldObristen nach
der Stäupruhte hinzuführen? Diese wunderten sich / woher den unsern solches kund
währe / weil es von ihnen in höchster geheim war gehalten worden /und durfte
ihrer keiner Antwort drauff geben / daher Ladisla zu ihnen sagete: So wirdiget
ihr überdass uns noch keiner Antwort? Madates bistu ein redlicher Ritter / so
melde Ursachen an / oder ich werde dich als einen Verrähter dem Diebshenker
übergeben. Dieser war wegen der empfangene Wunde etwas mat / und antwortete mit
schwacher Stimme: Ich bin ein Diener meines grossen Königes / von dessen
Anordnung ich keine Rechenschaft zu geben habe / und ob ich mich unterstande
hätte / meines Königes abgesagte Feinde zu fahen / würde mir solches kein
redlicher Ritter verdenken; von Ruhten aber weiss ich nichts / habe es
vielweniger angestellet / und mögen solches verantworten / die dessen mit fuge
und Warheit können beschuldiget werden / wiewol ich nimmermehr traue /dass ein
einziger von diesen gefangenen Rittern Wissenschaft davon habe. Es müste mir
lieb sein / sagte Herkules wann ihr Madates / euch dieser Beschuldigung
entbrechen köntet / dann so würde ich Ursach haben / euch Gnade als einem guten
Ritter zuerzeigen; aber dass ihr zugleich diese eure Mitgefangenen entschuldiget
/ setzet euch in grossen Verdacht / massen dieser ihr schelmisches Vornehmen uns
viel zu wohl bewust ist / und soll eine Folter bald aus ihnen bringen / was sie
gütlich zubekennen sich wegern wollen; jedoch will ich euch hören lassen / was
ich von euch schon vorgewiss weiss; saget mir / welche unter euch sind die beiden
/ so die gröste Hoffnung gehabt / über die versprochene 3000 Kronen / noch die
24000 zuverdienen / und uns lebendig zu greiffen? Diese sahen dass der Anschlag
verrahten wahr /gaben vor / sie währen ihres Königes Diener / dessen Befehl sie
gehorsamen müsten. O ihr unredliche Schelmen / sagte Ladisla / seid ihr dann
solche Diener / dass ungeachtet eures Ritterstandes ihr zu dergleichen
unverantwortlichen Bubenstücken euch gebrauchen lasset? saget mir aber / ob
Madates hieran so gar unschuldig sei. Die Gefangenen hoffeten / man würde
gelinder mit ihnen verfahren / wann sie die Warheit bekeñeten / oder sonst
Madates Mit-Schuld kund würde / bahten doch sehr / man möchte nicht in sie
dringen / wieder ihren FeldHerrn zu zeugen / es würde derselbe wohl anzeigen /
wie es stünde. Ja /sagte Herkules / wir erwarten / was er vorbringen werde /
nachdem uns ohn dass alles gnug bewust ist. Dieser fing an / ob er gleich nicht
ersiñen könnte /woher ihnen diese Heimligkeit kund getahn währe /wollte er doch
gerade zu beichten / dass sichs also verhielte / er auch Wissenschaft darumb
gehabt / und seines Königes Befehl gnug beweisen könnte / der ihn als einen
Diener schon entschuldigen würde / als einen zum Gehorsam verbundenen. Wolan /
sagte Ladisla /wer sich dann unterfähet / seines Hern Schelmstücken zuverrichten
/ der soll und muss auch billig davor leiden; sprach ihnen hiemit die Urtel / dass
sie alle miteinander von dem Büttel umb die Lenden biss auffs Blut sollten
gestriechen werden; Worüber Madates sich entsetzete / und begehren durfte / dass
man mit ihm als mit einem gefangenen FeldHerrn / umbgehen sollte. Aber
Pharnabazus gab ihm zur Antwort: O du Schandflek aller morgenländischen
Ritterschaft / wer hat dich gelehret / mit Königen und GrossFürsten dergestalt
umbzugehen? ja wer hat dir Leben oder Freiheit versprochen / demnach du
streitend gefangen bist? Also ward Tyriotes bestellet / etliche Steckenknechte
herzufodern / welche alsbald die Rache volstrecketen / ob gleich Madates und sie
alle miteinander viel lieber das Leben eingebüsst hätten. Herkules / so bald
alle Anwesende Abtrit genommen /redet mit Ladisla und Pharnabazus / es währe
nunmehr hohe Zeit / dass er sich nach Charas verfügete /das Fräulein loszumachen
/ weil nicht so gar viel Wochen von dem versprochenen Beilager mehr übrig währen
/ bestellete / dass die Gefangenen drei Tage angehalten würden / und verliess mit
ihnen / dass inwendig drei Wochen er mit Gottes Hülffe wieder bei ihnen sein /
oder seinen Zustand ihnen überschreiben wollte. Ladisla hätte sich ungerne von
ihm trennen lassen / doch weil er merkete / dass Herkules ihn mitzunehmen nicht
willens wahr / und über dass seine Wunden zu schlim wahren / Tag und Nacht auff
schnellen Pferden zu reiten / gab er sich zufrieden. Herkules nam seinen Gallus
und zween Persische / der Partischen Sprache wolerfahrne ädelknaben zu sich /
gab ihnen schnelle Läuffer / und nach eingenommener Mahlzeit begab er sich noch
desselben Tages in Gottes Nahmen mit ihnen auff den Weg / da er an vielen Orten
gegen seine Wiederkunft auff den Herbergen frische Pferde auff sechs Menschen
bestellete / und allentalben Geld genug auff die Hand gabe / unter diesem
einwenden / dass er in Königl. Diensten ritte / da gleichwol alles in Gallus /
als des ältesten / uñ vermeinten HerrnNahmen geschahe. Ladisla aber und
Pharnabazus führeten das Sieghafte Heer mit der überaus grossen Beute wieder
nach Persepolis / nahmen alle im Lager Gefangene vor Leibeigene mit sich / und
mussten Madates samt den 20 Rittern in etlichen uberbliebenen Reuter Hütten von
50 Reutern biss an den dritten Tag verwahret werden / da man ihm hernach ein
schindicht Pferd zu reiten gab / und seine 20 gefärten zu Fusse neben ihm daher
lieffen.
    Ohngefehr fünff Tage vor dieser Zeit kam Leches zu Korint an / woselbst er
anlenden musste / weil sein Schiff an einer Klippen schaden genomen hatte. Markus
ritte gleich dazumahl am gestade daselbst mit seiner Euphrosynen zur Lust umbher
/ sahen ihn aus dem Schiffe steigen / und wurden durch seine Ankunft teils
erfreuet / teils furchtsam gemacht / weil sie weder Ladisla noch Fabius bei ihm
sahen / ritten eilig zu ihm / uñ nach freundlichem umbsahn frageten sie / wo er
seine Gnn. Herren gelassen hätte. Weit von hinnen / antwortete er / doch in
hohen Ehren und gutem Wolstande; habe aber wenig Zeit mich alhie aufzuhalten /
nachdem auff meiner Eile viel haftet. Also liess er die Güter aus dem
schadhaften Schiffe in ein anderes bringen / inzwischen sich Markus mit seiner
liebesten beredete / in Gesellschaft mit nach Padua zu fahren / hohlete auch
alsbald seine Rustung / Kleider uñ eine zimliche Barschaft samt vielen
Kleinoten aus der Stad / und segelten frölich dahin mit erwünschtem Winde / da
ihnen Leches allen Verlauff erzählete. Markus und Euphrosyne erlustigten sich
sehr an solchen geschichten / und vertrieben die Zeit mit mannicherlei Gespräch
/ biss sie in kurzer frist in dem nähesten Hafen hinter Padua anlangeten / die
Güter auff Wagen packeten / und bei Nachtzeit nach Padua ritten / dass sie früh
Morgens bei eröffnung der Tohre ihren Einzug hielten. Neda als
Obristwachtmeister besetzete gleich die Posten / und ward Leches seines lieben
Freundes unter dem Tohr gewahr / von dem er doch nicht wieder erkennet wurde /
weil er alsbald sein Angesicht mit dem Mantel verhüllete / und hinter Markus als
ein Diener her ritte / welcher von Neda gerechtfertiget ward / woher er kähme /
was vor Sachen er auff den Wagen führete / und wo sie abzulegen gedächten; bekam
aber zur Antwort: Er währe des Obristen Klodius guter Freund / und kähme von
Korint / ihn zubesuchen; die Wagen hätten freie Güter geladen / welche dem
Statalter sollten geliefert werden. Bald gedachte Neda er würde der Markus sein
/von dem er so oft hatte reden hören / und sagete: Es wird mein Herr / dafern
ich nicht irre / dieses Orts nicht allein bei meinem Obristen / sondern auch bei
höhern Leuten sehr wilkommen sein. Leches wunderte sich höchlich / wie Neda sich
in Römische Dienste begeben hätte / dann Markus hatte ihm von seiner Anwesenheit
nichts gemeldet / wiewol ihm alles zugeschrieben wahr; gedachte endlich / er
würde von der Königin hergeschicket sein / Fr. Sophien auffzuwarten; wollte sich
demnach vor ihm nicht länger verbergen / sondern sagte zu ihm: Wie dann / mein
Bruder /werde ich dann an diesem Orte so gar unangenehm sein? Neda sah ihn an
und erstarrete / bald aber fiel er ihn umb den Leib / sprechend: O mein werter
Freund und Bruder / wie angenehm ist mir deine liebe / wiewol unvermuhtliche
Gegenwart / da es sonst unserm Könige und Fräulein noch wohl ergehet. Da ich von
ihnen geschieden bin / antwortete er / habe ich sie gelassen / da ihnen nicht
gar übel wahr / wovon hernach wird zureden sein; biss aber gebehten / und melde
uns so bald nicht / dann wir wollen / umb einen kleinen Auffzug zumachen / uns
nicht so bald zuerkennen geben. Eben das soll mir lieb mit sein / antwortete er /
kehrete auch in aller stille mit ihm in die Herberge / in welcher er vor diesem
von Libussen wegen seiner Brelen so artig auffgezogen wahr / und fiel ihm
geschwinde ein / er wollte ihr diesen Morgen alles gedoppelt wieder einbringen;
ging ohn fernern Verzug nach ihrem Gemache / und fand sie mit seiner Liebsten in
einem Bette liegen und ein freundliches Gespräch halten / welches eben von
Leches wahr / da Libussa jener klagete / sie hätte einen gefährlichen Traum von
ihm gehabt / wollte nicht hoffen / dass ihm in der fremde ein sonderlicher Unfall
zugestossen währe. Neda lauschete an der Tühr / und vernam ihre Reden / welche
zu seinem Vorhaben nicht undienlich wahren / liess sichs doch nicht merken /
sondern klopffete leise an die Tühr / welche von einer Dienerin bald geöffnet
ward / weil sie meinte / es währe irgend eine des Frauenzimmers; nachdem sie
aber Neda sah / wollte sie die Kammer wieder versperren; aber er wahr zu behende
darzwischen / trat hinein / und nach volbrachtem Grusse baht er seines
unzeitigen besuchens Verzeihung. Libussa / so vorne an schlieff / fragete / was
die ursach seiner Ankunft und traurigen Gesichtes währe? Worauf er zur Antwort
gab: Er währe zugleich froh und betrübt; froh wegen guter Zeitung von König
Ladisla und dem Fräulein; betrübt wegen einer NebenZeitung / mit welcher er sie
ungerne betrübete. O ihr Götter / sagte sie hierauff; gewisslich ist mein Leches
tod! Nein nein / antwortete er / nicht so schlim / er lebet noch / aber es ist
etwas wunderlich umb ihn beschaffen. Libussa wahr sehr bekümmert / wusste nicht /
was sie aus so tunkeler Rede schliessen sollte / und baht / er möchte ihr die
Angst benehmen / oder nur klar ausbeichten / damit sie erführe / was das
grausame Glük mit ihr im Sinne hätte. Ach / sagte er / weil es euch ja muss
gesaget werden / ist mirs leid / dass ich der ungenehme Briefträger sein soll. Aus
dieser Rede schloss sie vor gewiss / er würde schon tod sein / daher belief ihr
das Herz /dass alle ihre Geister stehen blieben / und ihr das Gesicht samt der
Sprache verging. Jungfer Brela solches ersehend / machete sich bald auff / und
trieb sie der Schrecken und die Angst so sehr / dass sie ihrer Blösse vergessend
/ sich im Bette auffrichtete / und Libussen mit Neda Hülffe so lange rüttelte /
biss sie zu ihr selber kam. Es wahr ihm zwar diese Ohmacht leid / und fand doch
eine Vergnügung wegen ehmahl erlittener Angst / tröstete sie nit desto minder
auffs beste /nebest getahner Versicherung / Leches währe annoch frisch und
gesund / aber hart gefangen / nicht umb Mord oder Ubeltaht / sondern bloss umb
Liebe willen. Wie dann? sagte sie / hat er sich etwa in ungebührlicher Liebe
vergange / so wird meine Hulde bald auffgeruffen sein. Nein geliebte Wase /
antwortete er / ihr verstehet mich unrecht; Er ist von einer vornehmen adelichen
Witwen in Bestreitung ihrer Feinde gebraucht worden / da er sich dermassen
tapffer gehalten / dass er mit frölichem Siege bei ihr auff ihrem Schloss
angelanget / und sie nicht allein ihm treffliche Verehrungen getahn / sondern
mit diesen Worten angeredet: Manhafter Ritter / eure Bedienungen sind so gross /
dass ich fast nicht weiss / auff was gestalt ich dieselben vergelten könne / habe
mich demnach erkläret / euch zum Herrn aller meiner Güter zumachen /und vor
meinen Eheliebesten zuerkiesen / nicht zweifelnd / ihr werdet solches erbieten
von mir annehmen /und hinführo euch nicht anders als ein Ehegatte gegen mich
verhalten. Das muss ein kühnes Weib sein /sagte Brela / die mit solcher Frecheit
sich einem Ritter darbeut. Er fuhr fort in seiner Rede: Leches hätte mit aller
Höfligkeit solches ablehnen wollen / als schätzete er sich so hoher Gunst
unwirdig / auch allerhand Ausflüchte gesucht / biss endlich die Frau es vor eine
Verhöhnung ausgedeutet / und zu ihm gesagt: Ritter / nachdem ihr nicht allein
meine Feinde überwunden / sondern überdas mich selbst euch untertahn gemacht /
sollet ihr keine Unwirdigkeit vorschützen /in Betrachtung / ich euch wirdig
davor erkenne / es währe dann / dass ihr es zu meiner Verachtung tähtet. Als nun
Leches sich hierauff nach ihrem Willen nicht hätte wollen vernehmen lassen /
sondern vorgewand /er müste seiner Eltern bewilligung zuvor einhohle /als unter
deren Gewalt er währe; hätte die Frau ihn in ein wolgeziertes Gemach versperren
lassen / da ihm mit köstlicher Speise und Trank auffgewartet würde /biss er in
die Heirat einwilligte / oder sein leztes entschuldigen darlegete / dass er mit
einer Adelichen Jungfer schon ehelich versprochen / nicht mehr sein eigen währe
/ sondern lieber sterben / als diese gegebene Träue brechen wollte; dann sie
könnte ihm solches nicht zutrauen / es währe dann / dass seine Liebste selbst
kähme / und sich ihr zeigete / alsdann wollte sie nicht allein ihn gerne erlassen
/ sondern diese seine gewünschete Heirat zubefodern / das Beilager prächtig
ausrichten / und auff ihren tödlichen Hintrit ihn zum Erben aller ihrer Güter
einsetzen. Ach / sagte Libussa / hat euch Leches solches dann geschrieben? Nein
antwortete er / nicht mir / sondern Herrn Markus zu Korint / und nach Erzählung
alles Verlauffs den Brieff mit diesen Worten geschlossen: Weil ich dann meiner
herzgeliebeten Jungfer Libussen diese beschwerliche Reise nicht anmuhten kann
noch mag /wollet ihr dieselbe versichern / dass zu Bezeugung meiner aufrichtigen
Träue ich in diesem Gefängnis mein Leben zuenden entschlossen bin / spreche sie
der mir beschehenen Zusage ledig und los / und wünsche / Gott wolle ihr in
künftiger ihrer Liebe bessern Fortgang verleihen / als mir leider wiederfahren
ist. Sehet geliebte Wase / solche Beschaffenheit hat es umb euren Leches /
dessen Leben und Tod / meines ermessens nunmehr allein in euren Händen stehet.
Libussa liess die Trähnen häuffig fallen / und beklagete sehr / dass ihr Leches in
diese Wiederwertigkeit gerahten währe / fragete endlich / in was Landschaft es
dann währe. Das Land / sagte er / wird Oenotria geheissen / lieget nicht weit
von einem Meer / und wollte ich euch gerne dahin begleiten / dafern ihr ihm die
Barmherzigkeit erzeigen / und zur Vergeltung seiner Träue des Weges
Ungelegenheit über euch nehmen woltet. Ja Vetter / sagte sie / wollet ihr mit
mir reisen / wann meine Wase es zugeben kann / will ich mich noch diesen Tag
fertig machen. Brela betrachtete /dass ihre angelobete Trauerzeit nunmehr zum
Ende gelauffen / und schon zimliche Zurüstung auff das Beilager gemacht währe /
daher sie lieber die Reise in etwas auffgeschoben hätte / durffte doch Scham
halber nicht dawider reden / sondern gab vor / es währe ihr lieb / dass er ihrem
Vetter zudienen / sich so willig anerböhte / baht demnach / er möchte
unbeschwert eine geringen Abtrit nehmen / biss sie sich bekleidet hätten. Sehr
gerne / antwortete er / aber ihr wollet ja nicht seumen / dann ich sage euch in
höchstem Vertrauen / dass Herr Markus mit seiner Euphrosynen diesen Morgen alhie
heimlich angelanget / und sich nicht anmelden wollen / biss sie Herrn Klodius und
Fr. Agaten ohngefehr werden gesprochen haben. Ey / sagte Brela die gute Frau
hat mir grosse Freundschaft erwiesen / und ist mir lieb / dass ich sie sprechen
soll. Libussa liess Agaten zu sich bitten / mit ihr hinzugen /und sollte
inzwischen Brela sich nach Fr. Sophien machen / ihr Leches Unfall und Libussen
nöhtige Reise anzumelden. Agata wahr schon von Neda unterrichtet / wie sie sich
gegen sie verhalten sollte / und ging er mit Klodius hin nach der Herberge / da
das wilkommen heissen zimlich anhielt. Libussa folgete bald hernach mit Agaten
/ und sah ihren Leches / so bald sie ins Gemach trat / bei Neda hinter dem
Tische sitzen / worüber sie gar erstarrete / Neda aber geschwinde zu ihr sagete:
Verzeihet mir Wase / dass ich die Angst / mir vor diesem auff eben diesen Zimmer
angetahn / mit jetziger unvermuhtlichen Freude ersetzen wollen. Der Posse hätte
ihr schier zu herbe gedaucht / doch weil sie durch ihres Liebsten gegenwart der
vorigen Ohmacht gnug ergetzet ward / sagte sie zu Neda: Versichert Vetter / ich
schenke euch diesen Saz nit / es koste wz es wolle. Leches liess sie nit weiter
reden / trat hinzu / uñ meldete ihr Ladisla / Herkules /Valisken und Gallus Gruss
an; Sie wollte ihm anfangs nicht danken / viel weniger ihn wilkomen heissen
/meinte / er hätte diese Aufftreiberei mit Neda angelegt / welcher solches
merkend / zu ihr sagte: Wase /tuht eurem Ritter keinen Schimpf / er hat des
ergangenen nit die allergeringste Wissenschaft. So seid mir wilkomen Ritter
Leches / sagte sie / uñ helffet mir drauff bedacht sein / wie ich mich ehist an
diesem räche / der mich heut diesen Morge in Ohmacht und Trähne baden gemacht /
nur dass er seine Kurzweil daran haben / und durch meiner SeelenAngst sich
erfreuen möchte. Geliebte Wase / antwortete Neda /habt ihr meine Reden ungleich
verstanden / davor kann ich nicht büssen / wann ich aber dartuhe / und mein
Bruder Leches selbst gestehet / dass ich die Warheit geredet / wollet ihr mir
alsdañ auch verzeihen? Wie nun? sagte sie / wollet ihr mich darzu noch mit
sehenden Augen blind / und mit hörenden Ohren taub machen? Leches verstund ihr
Gezänke nicht / biss sie drei absonders traten / und Neda zu ihm sagete:
Geliebter Bruder / ich habe heut deiner vertraueten angemeldet / wie in so
grossem liebes Leiden du steckest /aus welchem niemandd als sie allein dich los
machen könne / welches ich unter verblümeter Rede vorgetragen / deren sie
sonsten sich gar artig zugebrauchen weiss / und hat sich doch heut so wenig drein
schicken können / dass ich mich ihrer Einfalt verwundern müssen; nun bedenket /
geliebte Wase / was ihr noch heut zu leisten nur versprochen / und werdet nicht
rükfällig. Libussa kunte nunmehr nachsinnen / dass er unter der Witwen die liebes
Angst und das Verlangen hätte andeuten wollen / welches ihren Leches biss auff
ihre Rettung gefangen hielte / weil es aber nicht nach den beschrankten
Satzungen der Gleichnisreden von ihm vorgebracht wahr / sagte sie zu ihm: Vetter
Neda /man muss die Verblümung nicht mit gar zu fremden Farben anstreichen / sonst
muss mans vielmehr vor ein ungereimtes Geticht als kurzweilige Erfindung
ausslegen; meine Zusage betreffend / ist selbe so beschaffen / dass ich sie gar
wohl halten kann / gestaltsam ich auff heut nichts als den Anfang versprochen
habe. Sehr wohl geredet / sagte er / uñ sei heut der Anfang / über achtzig Jahr
aber das Ende. Libussa antwortete: Ich habe jezt nöhtigere Sachen zu handeln /
als mit euch zu zanken / aber ich binde euch bei Verlust meiner Freundschaft ein
/ dass ihr den heutigen Verlauff niemand ohn Leches wissen lasset. Gleich hiemit
fiel ihr ein / dass Brela hingangen wahr / es Fr. Sophien als eine Warheit
anzutragen / sendete deswegen Fr. Agaten Leibdienerin zu ihr / und liess ihr
sagen was Neda ihr heut vorgebracht / währe ein lauteres Getichte. Jene aber
hatte es dem ganzen hohen Frauenzimmer schon kund getahn / und entstund darüber
ein zimliches Gelächter. Libussa trat endlich hin zu Markus und dessen
Eheliebsten / hiess sie wilkommen / uñ endschuldigte sich / wegen des langen
verweilens /woran Neda die Schuld trüge. Es wahr aber ihr Gespräch kurz / dañ
Neda schaffete bald / dass Leches wieder mit ihr allein zu reden kam; derselbe
wusste nun das Gaben und Geschenke wie ein luftiger Wind die Liebe auffblasen /
lieferte ihr demnach einen köstlichen Ring / den er zu Ekbatana / hatte machen
lassen / welche sie mit erbietung aller möglichen Vergeltung zu sich nam; er
aber ihr zur Antwort gab: Was erbeut sich meine Freundin zur Vergeltung eines so
schlechten Dinges? ich bitte sie wolle vielmehr mein Herz betrachten / und
dasselbe in Ruhe zusetzen ihr lassen angelegen sein / sich auch versichern / dass
kein Tag eurer lieblichen Betrachtung mich berauben können / welche doch mit
steter Unruhe vermischet gewesen / und noch wohl verbleiben wird / dafern sie
mich zum andernmahle ohn gehaltenem Beilager würde zihen lassen / welches zu
verbitten / ich mich aller guten Freunde Beistand gebrauchen will. Sie wahr
seiner auffrichtigen Liebe gnug versichert / auch nicht abgeneiget die Hochzeit
zu volstrecken / nur baht sie ihn / sich wenige Tage zugedulden / ihr Vetter
Neda würde des fünften Tages nach diesem mit Brelen fortfahren / da sie / wann
es ihm ja also gefiele / ein gleiches tuhn könten / und solche Eile mit seiner
hochnöhtigen Reise entschuldigen. Ich bedanke mich vor diese Einwilligung sagte
Leches / wollte mich auch gerne biss dahin gedulden / dafern meine Reise nit so
eilig wåhre / dann ich muss Morgen zeitig früh weiter fort nach Prag / und
alsbald wieder nach Persenland / so dass unter Jahrsfrist ich schwerlich alhie
wie der anlangen werde. Dass sind mir leidige Zeitungen / antwortete sie / deren
ich mich nicht vermuhten wahr / uñ daher auff euer begehren mich umb so viel
weniger zuerklären weiss / wollet demnach mit meinem guten Willen friedlich sein
/ biss das Glük uns Zeit gönnen wird / unseren Willen zu vergnügen / alsdann soll
euch das versprochene von mir unbrüchig gehalten werden / wann ich gleich noch
manniches Jahr eurer Wiederkunft erwarten müste; weil aber von der Liebe zu
reden hie keine Gelegenheit ist / wollet ihr mir verzeihen / dass ich einen
kurzen Abtrit nehme / umb Fr. Sophien und dem Statalter eure Ankunft
anzumelden. Ging hiemit eilend hin / fand das Frauenzimmer noch beieinander /
und ward von ihnen mit einem Gelächter empfangen. Sie aber kehrete sich daran
gar nichts / sondern sagte zu Frau Sophien: Gn. Frau / ich fodere von eurer Gn.
ein gutes Bohtenlohn vor die fröliche Zeitung so ich bringe. Was vor Zeitung
geliebte Freundin / antwortete sie / hat sichs etwa mit meines Bruders Söhnlein
diese Nacht gebessert? Die Krankheit ist nicht zum Tode / sagte sie /sondern ich
bringe gute Zeitung von eurem Herzen-Schatze Ladisla / der ist Gott Lob frisch
und gesund. Woher komt euch so angenehme Zeittung? fragete sie: Aus dem weit
abgelegenen Persenlande / antwortete Libussa / und ist der Bohte glaubwirdig
gnug / dann Ritter Leches ist diesen Morgen selbst ankommen /unserer Helden
zustandes uns zuberichten / weiss doch nicht / ob er Gelder bringe oder ablangen
wolle. Lasset immer ablangen / sagte sie / wann die unsern nur frisch und gesund
sind; wir werden aber hingehen und meinem H. Vater diese Freude mitteilen.
Libussa sagete / ich habe euer Gn. noch nicht alles kund getahn /Herr Markus und
Fr. Euphrosyne sind mit ihm kommen / die eine schöne verständige Frau ist / und
sich wohl zuschicken weiss / auch in Kleidern sich gar zierlich hält. Ey so müssen
wir uns auch ein wenig auffputzen / sagte sie / wollet demnach meinem Herr Vater
ihre Ankunft ansagen. Aber Leches und Markus erwarteten dessen nicht / sondern
gingen unangemeldet mit Klodius und Neda nach der Burg / da sie von ihm wohl
empfangen wurden. Nach verlauff einer halben Stunde kam Fr. Euphrosyne mit Fr.
Agaten auch herzu / und ward von dem Frauenzimmer nach geschehenem freundlichen
wilkomen auff den Saal geführet / da inzwischen die Wagen auff dem grossen
Vorhofe die trefliche Schätze abluden / die von den Dienern auff besondere
Gemächer getragen wurden. Sie verwunderten sich alle / was in so vielen Truhen
und Laden sein möchte / biss Leches also anfing: Es haben meine gnädigste Herren
/ König Ladisla und GrossFürst Herkules / auch mein gnädigstes Fräulein Valiska
mir gnädigst anbefohlen / allen und jeden gebührlichen Gruss zuvermelden / und
beigelegte Brieffe zu übergeben. Reichete hiemit dem Statalter zween / einen
von Ladisla / den andern von Herkules; der sie ohn verweilen brach und frölich
durch lase. Ladisla Schreiben wahr dieses: Mein Herr Vater; ich hoffe zu dem
Almächtigen Gott / eure Gn. neben meiner herzgeliebeten Fr. Mutter werde annoch
in guter Gesundheit leben; uns dieses Orts / hat unser Gott durch manniche
Gefahr selbst geleitet / und endlich meine Frl. Schwester uns auff ihrem
kostbahren Schloss sehen lassen / geleben der guten Hoffnung / sie in kurzen
aus des schnöden Wüterichs / Königes Artabanus Händen losszureissen / und ihm die
Kron dergestalt zu schütteln / dass dem Römischen Reiche er fortin wenig schaden
soll. Dass mein geliebter Bruder Fabius nicht geschrieben / ist die Ursach / dass
er mit einer starken Geschwade von hinnen nach Persepolis gangen ist / auff
unsere Ankunft gute anstalt zu machen / dürffte vielleicht den Parter ehist mit
Feur und Schwert angreiffen / wovon Zeiger Leches / anjetzo bestalter Persischer
Obrister zu Ross und Fuss gute nachricht geben wird. Womit ich schliesse / uñ
nebest empfelung dem starken schutze Gottes verbleibe /weil ich lebe / meines
Herrn Vaters bereitwilligster Sohn Ladisla. Geschrieben zu Charas in der
Partischen Königlichen Häuptstad am 28 Tage des Jenner Monats / im Jahr nach
erbauung der Stad Rom 1177 im ersten Jahr nach dem 251 Olympischen Spiele.
    Herkules Schreiben lautete also: Hochansehnlicher Herr Statalter / als
Vater zu ehren / wegen schuldiger Auffwartung / habe ich nicht unterlassen
sollen /mein geringes Schreiben an ihre Liebe abgehen zu lassen / hoffe dero
guten Wolstand zuerfahren / wie dann unsern hiemit zu wissen tuhe. Meine in
ehren vertrauete Fräulein Valiska / welche in ihrer starken Verwahrung viermahl
zubesuchen ich die grosse Ehre gehabt / entbeut euer Liebe freundlichen Gruss /
und ob gleich der grosse Parter König Artabanus sie ihm als ein schier
künftiges Gemahl uñ Königin auffhalten lässet / getraue ich doch durch meines
Gottes Hülffe / sie in weniger Zeit meinen hochgeliebten Freunden zu Padua als
mein Gemahl darzustellen. Inzwischen sei eure Liebe nebest allen den ihren
Göttlicher Obacht geträulichst empfohlen von euer Liebe bereitwilligstem
Herkules. Geschrieben in der Partischen Häuptstad Charas / 760 Meile von Rom
belegen.
    Nach verlesug lachete der Statalter frölich / und sagete: O du wahrhaftiger
und keuscher Liebhaber; ich muchte wohl gedenken / das dein Herz und Seele durch
dieser vortreflichsten Fräulein Entführung nicht umbsonst so hart getroffen ward
/ da du auff dieser Stelle durch solche Zeitung zur Erden nidergeschlagen
wurdest. Wie so mein Herr Vater? fragete Fr. Sophia /gestehet dann Herr Herkules
nunmehr / dass er verliebet? ja nit allein verliebet / sagete er / sondern auch
verlobet. Wolte ihr damit den Brieff zu lesen reichen; aber Leches hatte schon
drei andere Schreiben in der Hand / welche er ihr im Nahmen ihres Gemahls
/Fräulein Valisken / und GrossFürst Herkules darbot /und von ihr lachend
erbrochen und verlesen wurden.
    Ladisla Schreiben an sein Gemahl: Herzgeliebeter Schaz: Wie heftig meiner
Seele verlanget / mich selbst bei ihr einzustellen / will die Zeit es doch nicht
zugeben /und muss biss daher meine Schuldigkeit durch Schreiben und Bohten
ablegen; mein wolergehen kann Leches ausführlich berichten / und was mir vor
Abenteur zugestossen sind. Herkules wird mit Gottes Hülffe seine nunmehr
gestandene Liebe glücklich erhalten / dessen er schon einen guten Anfang gemacht
/ dürfte auch leicht geschehen / dass wir mehr Schätze in diesen Ländern / als in
der Räuber Höhle erstritten / deren uns bereit wieder unsern Willen viel
angebohten werden. Ich hoffe / Gott werde uns bald wiederumb zusammen bringen;
inzwischen versichert euch / dass kein Tag hingehet / welcher nicht das Verlangen
/ meinen allerwerdesten Schaz zu sehen / in mir vermehren sollte / muss doch
bissdahin mich gedulden / und der lieben Zeit erwarten / da sein herzgeliebtes
Gemahl frölich wieder sehen und umbfangen wird / deren ewig-ergebener Ladisla.
    Die liebes Trähnen stossen Fr. Sophien unter dem lesen aus den Augen / und
nach endigung sagte sie: Ich will des guten Glückes in geduld erwarten / welches
unsere verstörete Freude wieder ergänzen wird. Lase darauff Herkules folgenden
Brieff.
    Hochgebohrne Fr. Schwester; mir zweiffelt / ob ich mit meinem Schreiben
angenehm sein werde / der ich mit Schuld daran trage / dass eure Liebe von ihrem
Herz vertraueten so lange mus geschieden sein / wiewol dessen Nachfolge mir
höchlich missfallen / und ich wünschen möchte / dass er nebest ihrem Herrn Bruder
K. Fabius sich der Reise entalten hätte; weil aber eines Menschen Wille der
Versehung Gottes nicht wiederstreben noch entgegen murren soll / wird meine Fr.
Schwester ihre Sorge mässigen / und in Hoffnung / uns schier wiederzusprechen /
aller Traurigkeit urlaub geben. Meine Frl. Wase / Frl. Valiska ist unter andern
Ursachen auch deswegen ihrem verwacheten Schloss feind / dass sie der Kundschaft
ihrer Fr. Schwester so lange entbehren muss. Sie wird von König Artabanus als
Braut geliebt / aber so lange ich lebe / dürfte ihm das Beilager gewegert
werden / wann Gott nicht zuwieder ist / dessen gnädige Hülffe ich in kurzerzeit
meiner Fr. Schwester mündlich zuerzählen hoffe; Inmittelst befehle dieselbe ich
dem alwaltigen Gott / bitte auch meine Frl. Schwester / Frl. Sibyllen / im
gleichen Fr. Ursulen und Frl. Helenen meinetwegen Dienst- und ehrengebührlich zu
grüssen / verbleibend /weil ich lebe / meiner Fr. Schwester dienst-ergebener
Knecht Herkules.
    Der inniglich verliebete Herkules / sagte sie zu den Anwesenden / will mir
zwar nicht offentlich beichten /und kann sich doch im Schreiben nicht so wohl
verstellen als vor diesem gegenwärtig. Ja / antwortete ihr Vater / vielleicht
ist er versichert / dass die Augen / so ihn auff diesem Saal so inniglich
pflegeten anzuschauen / und er selbe nicht in betrübnis setzen wollte / dieses
sein Schreiben nicht werden zu sehen bekommen; über welcher Rede Fr. Sophia mit
lachendem Munde ihre Wase Fräulein Sibyllen starre ansah / die ohn dass den
Stich auff sich zohe / und daher im ganzen Angesicht erröhtete; Sie verbarg sich
aber hinter einem starken Niesen / welches ihr zu allem Glück ankam / worauff ein
zimlicher Husten folgete / so dass die Anwesende von diesem Gespräch abgezogen
wurden / und Fr. Sophia unverstöret den dritten Brieff /also lautend / lesen
kunte.
    Die gefangene Valiska / entbeut der Durch leuchtigsten Königin in Böhmen /
ihrer herzgeliebeten Fr. Schwester freundlichen Gruss / und klaget / dass sie
nicht gnugsame Busse erdenken kann / die unbilligkeit der Trennung ihrer Fr.
Schwester von ihrem Gemahl / deren sie Ursach ist / abzutragen. Versichere meine
Fr. Schwester sich kühnlich / dass mir das Leiden auch in etwas bekant ist
/welches die ferne Abwesenheit eines allerliebsten Schatzes in verliebeter Seele
erwecket / und ich umb so destomehr zur harten straffe mich selbst verurteile /
daher ich deren mich zu entbrechen nicht willens bin / bitte nur freundlich /
die Volstreckung auffzuschieben / biss mein Gott und Schöpffer durch seine
allmächtige Gnade mich vor euer Liebe Gericht stellen wird / will alsdann / was
mein vertraueter Oheim / GrossFürst Herkules / und meine von Angesicht mir annoch
unbekannte Schwester Frl. Lukretie Pompejin / als meine geträue Vorsprachen nicht
werden abbitten können / gerne und geduldig über mich nehmen / wann nur eure
Liebe die wolbefugete Rache bissdahin ausszusetzen kann beredet werden; inzwischen
befehle eure Liebe ich der gewaltigen Obhuet Gottes zu aller gedeiligkeit
geträulichst / und wie ich bin /also verbleibe ich Zeit meines Lebens meiner
herzgeliebeten Fr. Schwester ganz ergebene Dienerin Valiska / jezo genennet
Herkuliska. Gegeben auff meinem Königlichen Schloss / vielmehr Zwänger zu
Charas.
    Frau Sophia betrachtete nach verlesung die zierlichen Buchstaben und artigen
kunst Züge / die kein Schreibmeister hätte nacharten können / fing endlich mit
einer verwunderung an: O welch eine ädle Seele muss in dem Herzen dieser
unvergleichlichen Fräulein wohnen / dass in so überaus grossen Gefahr sie sich
annoch ergetzen / und dem Unglück selbst troz bieten kann. Ja / antwortete Leches
/ mein gnädigstes Fräulein hat durch ihren unüberwindlichen Muht es dahin
gebracht / dass Artabanus selbst sie fürchten muss / und habe ich mit Augen
angesehen / dass in seiner Gegenwart sie einen vornehmen Partischen Fürsten /
des Königes nähesten Anverwanten erschossen / umb dass er Herrn Herkules
verrähterischer weise über fiel /und schier ermordet hätte. Dass sind gefährliche
Zeitungen / sagte Fr. Sophia; bitte aber / uns die Freundschaft zuerzeigen / und
was mit unsern geliebten sich zugetragen / umbständlich zuerzählen / welches ich
noch vor Morgen früh verschulden will / und ich darzu gute Gelegenheit habe.
Libussa stund nicht weit davon / merkete bald / worauf sie zielete / liess sich
doch nichts merken / sondern hörete fleissig zu / weil Leches schon in voller
Erzählung war / da er alles anzeigete / was mit ihnen so wohl auff der Reise /
als zu Ekbatana und Charas sich zugetragen / ohn Fabius Verlust und was ihr
Christentuhm betraff; Und als er in zwo Stunden seine Rede geendiget hatte /
übergab er Fr. Sophien die von Frl. Valisken ihr zugeschickete Kleinot in einem
von Perlen-Mutter zusammen gesetzeten Lädichen / welche sie überaus kostbar
befand; nachgehends reichete er Fr. Ursulen / Frl. Sibyllen und Frl. Helenen /
(die herzugefodert war) absonderliche Päklein Kleinot in Herkules Nahmen;
Jungfer Brelen aber eine zimliche Lade mit 100000 Kronen angefüllet / wahren die
Gelder / welche dem Fräulein zu Tyrus / und Herkules in Kreta vorgeschossen
wahren / uñ wurden mit köstlichen Kleinoten hoch verzinset. Und ob gleich Brela
vorwendete / der gröste Teil kähme ihrer Wasen Libussen zu / kehrete sich doch
Leches daran nicht / sondern zeigete an / wie er schuldig währe seines Gn. Herrn
Befehl auszurichten. Weiters foderte er Fr. Euphrosynen vor sich / händigte ihr
60000 Kronen baar ein / nebest vielen schönen Kleinoten / und sagte: Fürst
Herkules wüste sich ihres ihm erzeigeten guten Willens wohl zuerinnern / wollte
als ein dankbarer Schuldman das vorgestreckte vor dissmahl ablegen / und die
gebührliche Dankbarkeit auff seine Ankunft auffschieben. Fr. Euphrosyne hätte
sich dessen nicht versehen / wegerte sich auch / es anzunehmen; aber Markus /
dem Herkules Sinn bekant wahr / sagete / es währe ein solches vergeblich / uñ
seinem gnädigsten Herrn Herkules nichts unangenehmers / als die Wegerung seiner
angebotenen Gnade. Zulezt liess Leches drei ansehnliche schöne Laden von
treflicher Arbeit aus dem reinesten Hebenholz /die er zu Tyrus gekauft hatte
herzutragen / und sagte zu Libussen; sehet hie meine in ehren vertrauete
Freundin; unser allerseits gnädigstes Fräulein hat mich mit leerer Hand nicht
wollen lassen zu euch kommen / sondern diesen Schaz / benantlich drei Tonnen
Goldes / neben beigefügeten Kleinoten mir zu gestellet / euch dieselben als
einen Beutpfennig ihret wegen mitzubringen / werdet hieraus ihrer Gn.
Gewogenheit erkeñen / und alles zu eurem besten gebrauchen. Die Jungfer
entsetzete sich vor solcher Freigebigkeit / und fing mit trähnenden Augen an: O
mein gnädigstes Fräulein / die ich in meiner Seele unverrukt trage / womit hat
euer Gn. unwirdigste Dienerin diese mehr als Königl. Geschenke verdienen können?
nun / ich werde die Gedächtnis dieser Gnade aus meinem Herzen nimmermehr kommen
lassen. Wie? sagte Fr. Sophia / seid ihr dann eurem Ritter vor gehabte Mühe und
geträue Einlieferung nicht auch dankbar? gewisslich Ritter Leches / ich werde
nicht ruhen / biss ihr mir Volmacht gebet / den Tag eurer Heirat zubestimmen.
Ich verbleibe meiner gnädigsten Frau und Königin untertähnigst-gehorsamster
Diener / antwortete er / aber wann der heutige Tag es nicht sein soll / weiss ich
selber nit / welcher dazu kann bestimmet werden / nachdem ich Morgen in aller
frühe auffbrechen / und meine Werbung zu Prage verrichten mus. Libussa sah /
dass das Spiel angefiedert ward / und sagete: Keines weges / Ritter Leches / dass
es heut geschehe / dann ich habe verredet / den einen Tag Hochzeit zu machen /
und den andern / meinen Ehejunkern von mir zihen zu lassen. Fr. Sophia hielt
dieses vor ihren Ernst / und zweiffelte / ob sie äusserst in sie dringen dürfte;
Aber Leches zog ein Schreiben hervor / uñ sagete zu Libussen; sehet meine
vertrauete / dz beste hätte ich schier unterlassen / ihr zu liefern / nehmlich
dieses / von unserm Gn. Frl. an euch geschrieben / welches ihre Gn. mir
zugeschikt /gleich da ich abzihen wollen. Sie erkennete alsbald die Hand / dann
die Auffschrift wahr Teutsch / und lautete also: Meiner lieben geträuen Kammer
Jungfer /Libussen / dieses zu eigenen Händen: Sie nahm den Brieff mit freuden an
/ küssete ihn / und bald nach erbrechung lase sie diese Teutsche Worte:
    Herz liebes Kind / ich verhalte dir als meiner allerheimlichst-Vertraueten
nicht / was gestalt mit meinem höchst- und einig-geliebeten Herkules ich in
meinem stark bewachetem Schloss zu vier unterschiedlichenmahlen mich durch
längst begehrtes Liebes Gespräch ergetzet / auch der Hoffnung zu dem einigen
wahren Gott /den ich nunmehr / ihm allein sei Dank / kenne / gelebe /es werde
durch dessen Gnade und Schickung mich mein Innigst-geliebeter schier frei und
ledig machen / worauff ich Tag und Nacht warte. O mein liebes Kind / wie nöhtig
währe mir eine Zeit her deine Gesellschaft und Trost gewesen / und wunderte mich
sehr / wie ich mein Leben erhalten / und vor Unmuht mich nicht selbst erwürget
habe. Ich lebe anjezt in zimlicher Zufriedenheit /aber weil meine Seele / der
teure Herkules gleich heut davon zihen wird / und ich in ViertelJahres-frist ihn
kaum werde wieder zusehen bekommen / wird mein Kummer wieder angehen; jedoch
habe ich gnug / wann die Hoffnung mich erhält / biss ich im freien Felde auff
schnellen Pferde mich mit meinem Erlöser befinden werde; alsdann wird
Traurigkeit verschwinden / und alles Unglück vergessen sein. Inzwischen lebe
gesund biss uns Gott zusammen füget / und bei Verlust aller meiner Hulde und
Liebe / gib alsbald meiner höchstgeliebeten Fr. Schwester Fr. Sophien
untergezeichnete Lateinsche Worte zuverlesen / und halte zugleich bitlich an /
dass sie deren Inhalt zur schleunigsten Erfüllung gnädig befodern wolle. Deine
gnädigst-gewogene Frl. Valiska.
    Sie gedachte / was doch immermehr die unter gezeichneten Lateinischen Worte
in sich begreiffen möchten / und fand diesen Inhalt: Straks nach Verlesung
dieses Briefes mache dich fertig / mit deinem Leches noch desselben Tages
Hochzeit zuhalten / damit an seiner nöhtigen Reise er nicht gehindert werde; und
ob Leches zublöde sein würde / es zusuchen / so bitte ich krafft dieses / dz
meiner Fr. Schwester ihre Liebe solches ins Werk richten wolle. Du aber hüte
dich vor Ungehorsam.
    Nach Verlesung dieses verenderte sie ihre Farbe /und sagete überlaut: O mein
ungnädiges Fräulein /was vor eine unerträgliche Last bürdet Eure Gn. mir auff.
Fr. Sophia fragete sie / was vor unangenehmes sie in diesem Briefe fünde. Sie
aber baht / einen Abtrit mit ihr zunehmen / und fing an: Gn. Frau / wann mein
Gn. Fräulein mich hiesse in den Tod gehen /müste ich mich dessen nicht wegern;
nun aber gebeut sie mir bei Verlust ihrer Hulde / welches die härteste Straffe
ist / die mir kann gedräuet werden / dass nicht allein Eurer Gn. ich diese
lateinische Worte lesen lassen / sondern auch umb Befoderung zu deren Erfüllung
bei derselben bitlich anhalten soll / welches ich auch hiemit untertähnig will
verrichtet haben / nur dass Ihre Gn. es bei sich behalten möge. Fr. Sophia lase
die Worte / lachete darüber / dass sie schütterte / fassete sie bei der Hand /
und sagte: Kommet meine liebe Freundin / ich ersehe hieraus / wie hohe
Gewogenheit diese Durchl. Fräulein zu euch träget / und will ich der Sache schon
ihre richtige masse geben; ging wieder mit ihr hin nach der Gesellschaft / und
sagete: Was euch in diesem Briefe so selzam vorkomt / wollen wir vor dissmahl
aussetzen; Ich aber bestimme euch / Ritter Leches und Jungfer Lidussa / diesen
Tag zu eurer Hochzeit / und wer mir darzwischen redet oder handelt / soll sich
aller meiner Freundschaft und Hulde begeben. Die gute Braut sah vor sich nider
/durffte weder ja noch nein sagen / biss endlich Brela ihr zuredete / sie möchte
sich in keine Ungelegenheit stürzen. Sehr wohl / antwortete sie / da komt ihr mir
eben recht; fing darauff an zu Fr. Sophien: Gnädigste Frau / wann ja Eure Gn.
mir den so lieben und angenehmen Jungfern Stand länger nicht gönnen kann noch will
/ erkenne ich mich zum Gehorsam schuldig / allein bitte ich untertähnigst / und
bei der Erinnerung dero Liebe zu meinem gnädigsten Fräulein / Eure Gn. wollen
meinem lieben Vetter Neda zum besten / ebenmässigen Befehl gnädigst erteilen /
dass meine Wase Brela zugleich mit mir fortfahre / nachdem ihre versprochene
Trauerzeit heut diesen Tag geendiget ist. Brela wollte viel einsperrens machen /
aber nachdem Agata und Klodius des guten Neda Wort redeten /hub Fr. Sophia an:
Das wäre trauen eine schlechte Freundschaft / wann Jungfer Brela / in ansehung
meiner Liebe zu Frl. Valisken / mich wollte lassen eine Fehlbitte tuhn; lieber
erkennet eures Neda Wilfertigkeit euch ganzer 20 Wochen erzeiget / und höret
auff /ihn auff leere Bäume hinzuweisen / auch / da ihr euer Gn. Frl. Valiska uñ
mich liebt / so geht stündlich hin / leget die Trauerkleider ab / und schlaget
den verstorbenen aus dem Sinne / sonsten erzeiget ihr mir ein lauteres
Missfallen. Brela sah / dass es anders nicht sein wollte / bedankete sich der
hohen gnade / und sagete zu Libussen: Jezt gönne ich euch von herzen /was euch
heut früh begegnet ist / auch / wanns gleich mehr gewesen währe / dann ihr seid
freilich aus deren Zahl / die nicht ersauffen wollen / sie zihen dann noch einen
mit sich auff den Grund. Gebet euch zufrieden /antwortete Libussa / es gilt ja
hie noch nicht ertrinkens; wodurch sie so ein heftiges Gelächter bei den
Anwesenden zurichtete / dass sie wünschete / geschwiegen zuhaben. Hiemit wahr nun
der Kauff geschlossen / und nach kurzgehaltener Mahlzeit wurden unsere Bräute
aufs beste ausgezieret / wobei Fr. Ursula sich ungerne fand / weil sie ihre
Traurigkeit wegen des Nichtschreibens ihres Liebsten Fabius /nicht aus dem Sinne
schlagen kunte. Leches hatte inzwischen die übergebrachten Schätze in drei Teile
von ander gesetzet / der erste und gröste wahr Frl. Valisken / und erstreckete
sich auff die 70 Tonnen Goldes an Kleinoten und gemünzetem Golde. Der ander Teil
wahren Herkules und Ladislaen Schätze /welche nebest den vorigen Fr. Sophia zu
ihrer Verwahrung nam. Der dritte und kleineste sollte nach Prage überbracht und
der Königin überliefert werden. Nach dieser Verrichtung ordnete es der
Statalter /dass die Verliebeten nach Römischen Gebrauch zusammen gegeben würden
/ welches Leches merkend /weil es wider sein Gewissen und Christentuhm lief
/nicht einwilligen wollte / deswegen er Fr. Sophien an einen absonderlichen Ort
baht / und sie also anredete: Gnädigste Frau und Königin; ich fürchte / Ihre Gn.
und der Herr Statalter werden meine Vereheligung mit heidnischen Gebräuchen und
gewöhnlichen Opffern einzusegnen vorhabens sein / welches ich untertähnigst
verbitte / weil es wider mein Gewissen streitet / im übrigen bin ich ohn Ausrede
untertähnigst gehorsam biss an den Tod. Sie antwortete ihm mit freundlicher Rede:
Verschonet mein / Ritter Leches / mit dem Königes-Nahmen / biss ich die Herschung
antreten werde; sonst ist nicht ohne / dass hierzu / dessen ihr gedenket /
Anstellung gemacht wird; ich will aber nicht Anlass geben / dass durch mich einiges
Menschen / viel weniger euer Gewissen soll verunruhet werden; Doch saget mir / da
ichs wissen darff / seid ihr etwa ein Christ worden? Leches gab unerschrocken
zur Antwort: Gn. Frau; nachdem mein Erlöser JEsus Christ bei Straffe der ewigen
Verdamnis gebohten hat / ihn vor den Menschen nicht zuverleugnen / und Ihre Gn.
von mir solches zuwissen begehren / so bekenne ich gerne / dass ich ein Christ
bin / und dass ich nie in meinem Gewissen recht zufrieden gewesen /ehe uñ bevor
ich diesen allein seligmachenden Glauben gelernet und angenommen habe. Wo dann
ist solches geschehen? fragete sie. Er antwortete / in der Medischen HauptStad
zu Ekbatana / woselbst ich durch sonderbahre schickung Gottes bekehret bin.
Erzählete hiebei kürzlich / was sich daselbst mit dem Gotteslåsterlichen Juden
zugetragen hatte. Sie / nach ihrem Verstande / kunte daher leicht schliessen /
ihr Ladisla würde eben diesen Glauben angenommen habe / welches eigentlich
zuerfahren / sie zu Leches sagete: Ihr wisset / in was vor Hulde ich bei meinem
und eurem Könige bin; so will ich nun eine Frage / die ihr wohl aufflösen köñet /
in gröster Vertrauligkeit an euch legen / euch bei meinen Ehren versichernd /
dass euch solches durchaus nicht zu schaden oder Gefahr gereichen soll / werdet
ihr mich aber hintergehen /wüste ich solches nit zu verschmerzen. Leches
entsetzete sich der starken Bedingung / erboht sich bei ritterlichen Ehren /
alles zu sagen / was er gefraget würde / dafern es nicht Sachen beträffen / die
von seinem Könige ihm ausdrüklich verbohten währen zumelden / und er an hohen
äidesstat angelobet / sie keinem Menschen / wer der auch währe / zuoffenbahren
/da er dann schon wüste / dass Ihre Gn. an seiner Verräterei und Meinäid keinen
gefallen tragen würde. Ihr seid mir zu schlauh / sagte sie / und stelle euch
frei / zuantworten oder nicht; möchte aber herzlich gerne / und ohn eure Gefahr
berichtet sein / ob mein König Ladisla auch ein Christ worden währe. Leches
wusste die unvermutliche Frage nicht auff stehendem Fusse zubeantworten; Zwar
Herkules hatte ihm gebohten / sein Christentuhm / so viel möglich / zu Padua in
geheim zuhalten / aber nicht zuverleugnen; von Ladisla aber dessen ichtwas
zumelden / hatte er weder Geboht noch Verboht / sagte deswegen nach kurzem
bedenken zu ihr: Weil Ihre Gn. mich vor aller Gefahr versichern / kann derselben
ich die Warheit nicht verbergen / dass nehmlich GrossFürst Herkules /der vor
Jahren schon ein Christ ist / meinen König hart angelegen / ihm den Glauben
beizubringen / aber ohn allen Verfang / biss mein König nach gehaltenem Steche zu
Ekbatana / davon ich zuvor gemeldet / sich freiwillig erbohten hat / den
Christlichen Glauben anzunehmen / und dass Eure Gn. mir trauen möge / habe ich
selbst angehöret / wie Herkules dem Bischoff zu Ekbatana alles erzählete. Fr.
Sophia geboht ihm / hievon keinem Menschen ichtwas zusagen; doch / sagte sie /
habt ihr wohl getahn / dass ihr mirs nicht verhaltet / dann ich bin willens / eben
so wohl eine Christin zuwerden / und mit meinem Gemahl einen Gott zuverehren /
weil ohn das meine Fr. Mutter von Jugend auff eine Christin ist. Ach du gütiger
Gott! sagte Leches /nun werde ich erst einen gewogenen König haben /wañ er
vernehmen wird / dass Eure Gn. durch meine Vermittelung sich zum Christentum
bequemet / massen in alle seinem Gebeht zu Gott er dieses mit einschleusset /
dass derselbe euer Herz zu seiner Erkenntnis erleuchten wolle. Diese Erleuchtung
ist Gott Lob geschehen / antwortete sie / und wird meine Fr. Mutter mich in
diesem neuen Glauben zu unterweisen /ihr schon lassen angelegen sein. Ich will
aber gleich hin zu meinem Herr Vater gehen / damit die heidnischen Missbräuche
bei euer Vertrauung unterlassen werden. Und dieses erhielt sie leicht bei
demselben /welcher alsbald muhtmassete / er müste das Christentuhm auff dieser
Reise angenommen haben /weil er sich zuvor heidnisch gnug erzeiget hatte. So
bald diesen beiden Bräutigamen ihre Bräute an die Hand gestellet wurden / hielt
der Statalter diese Rede an die anwesenden Gäste: Hochwerte Herren / Frauen und
Fräulein / vielgeliebte Freunde und Anverwanten; nachdem durch des Himmels
Versehung der ådle Mannfeste Ritter Herr Leches / bestalter Medischer Obrister
zu Ross und Fuss / von meinem vielgeliebten Herrn SchwiegerSohn heut früh
unvermuhtlich alhie ankomen / und auffs schleunigste seine Reise weiter
fortsetzen muss / hat uns gut gedäucht / ihm seine versprochene Braut / die ädle
Tugendreiche Jungfer Libussen ehelich beizulegen / und zugleich des auch ådlen
Mannfesten Ritters Herrn Neda / mit der ådlen Tugendreichen Jungfer Brelen
eheliche Vertrauung mit anzustellen. Weil dann die grosse Eile nicht zugeben will
/ dz man Römische Bräuche dabei vorgenommen hätte / solche auch vielleicht einem
und andern aus erheblichen ursachen möchten zuwider sein / als wird niemand an
deren Unterlassung sich årgern / und nicht destoweniger den neuangehenden
Eheleuten den himlischen Segen und alle gedeiliche Wolfahrt wünschen / auch mit
ihnen der Zeit gelegenheit nach / sich diesen Tag und Abend lustig und frölich
erzeigen; Bald nahmen der Statalter und Markus Jungfer Libussen / Herr
Kornelius aber und Klodius Jungfer Brelen / und führeten sie ihren Bräutigamen
zu / mit denen sie durch gegebene köstliche Ringe und handgeschlossener Träue
sich vermähleten. Nach gehaltener Mahlzeit ward ein zierlicher Tanz geführet /
und allerhand ehrliebende Kurzweil getrieben.
    Libussa verfügete sich inzwischen hin zu Fr. Sophien / und gab ihr
zuverstehen / wie sie gesonnen währe / ihre heutige ausgestandene Angst noch
diesen Abend an Ritter Neda zu rächen / hoffete / ihre Gn. würden ihr solches
nicht verargen. Fr. Sophia antwortete: Das kann mich nicht irren / dann ihr seid
vor euch selbst des Verstandes / dass ihr wisset / wo ihr zukehren sollet. Diese
ging hin / liess ein Gemach / dem ihren allernähest hübsch auszieren / uñ ein
schönes Bette zurichten / foderte hernach den Koch zu sich /dem sie / nach
Verehrung vier Kronen / befahl / er sollte der KüchenMagd / der Mörin so viel
Wein reichen lassen / dass sie blindvoll würde / und man sie ohn ihr wissen
tragen und heben könnte; machte nach dieser Verrichtung sich wieder nach den
Gästen / und suchte Gelegenheit / mit Neda freundlich zureden / zu dem sie
sagete: Geliebeter Vetter / ihr habt mir noch nicht gedanket vor die Befoderung
eures heutigen Beilagers; Zwar meine Wase hat deswegen heut schon einen starken
Saz mit mir gehalten / darin sie ihren Unwillen gnug zuversiehen gab / was ihr
mir aber vor Belohnung ausfolgen lassen werdet / muss ich erwarten. O meine
herzgeliebete Wase antwortete er /ich erkenne ihre gute Gewogenheit sehr wohl /
und ist mir leid / dass ich sie heut früh dergestalt beleidiget habe; jedoch /
wann die Schuld ohne Straffe nicht kann abgetragen werden / will derselben ich
mich gerne unterwerffen / doch auch daneben mich vorsehen / dass ich nicht
blindlings ins Feur oder Wasser lauffe. Diese Straffe / sagte sie / will ich mir
vorbehalten haben / und weil ihr so vorsichtig spielen wollet /werde ich damit
nicht eile. Ich bitte aber / ihr wollet noch diese Nacht mich bei eurer Liebsten
schlaffen lassen / alsdann soll sie euch morgen unversaget sein. Dieser Vortrag
wahr dem guten Neda nicht eben /baht sehr fleissig / sich dessen zubegeben /
insonderheit / weil er nicht gläuben könnte / dass Leches damit würde friedlich
sein. Ich zweifele selbst an seiner Einwilligung / sagte sie / meinte auch /
euch vorerst zugewinnen / und hernach mit Leches desto leichter zuhandeln /
dafern er aber nicht sollte zubereden sein /wollte ich ungerne / dass eure Liebste
diese Nacht allein schlaffen / und mich morgen beschimpffen sollte /mit welchen
Gedanken sie doch schwanger geht /und bei mir schon fleissig angehalten hat /
ihr hierin behülflich zusein. O wie heftig bemühete sich Neda /ihr solches
abzubitten / dass er nicht wusste wie grosse Zusage der Dankbarkeit er ihr tuhn
wollte / biss sie ihm endlich versprach / alle Mögligkeit anzuwenden; aber / sagte
sie / ihr müsst acht haben / wann ich euch winke / dass ihr alsdann bereit seid
/ alsbald mit mir zugehen / und muss ich mich zuvor an eure Liebste machen / sie
zubetriegen / da ich diesen Vorschlag habe: Ich will ihr einbilden / ob hätte ich
Leches und euren Willen schon erhalten / weil ich mich aber befahre / ihr
möchtet rükfällig werden / soll sie mir gerne folgen / und frühzeitig zu Bette
gehen / dann will ich euch nachführen / und möget ihr sehen / wie ihr sie auffs
beste begütiget. Neda wahr wohl vergnüget / und hatte hiemit der Anschlag auff
dieser seite seine gute Richtigkeit. An der andern bedurffte es weniger Mühe;
dañ als sie sich zu Brelen verfügete / sagte sie: Geliebete Schwester /
verzeihet mir meinen heut begangene Irtuhm / indem ich gewähnet / als währe euer
äidliches Versprechen heut schon zum Ende / da doch nach fleissiger Betrachtung
ich befinde / dass noch diese einzige Nacht dran fehlet / aber was schadet eine
Nacht? Ich habe nur zu dem ende es euch sagen wollen / dz ihr nicht schier heut
oder morgen es mir als einen vorsezlichen Betrug zuleget. Brela erschrak der
Rede / und gab zur Antwort: Es hat mich selber missdäucht / und würde zeit meines
Lebens einen nagenden GewissensWurm gefühlet haben / da ich also wieder äid
gesündiget hätte; Wird also Ritter Neda krafft seiner mit eigenem Blute
geschriebener Versicherung sich meiner diese Nacht entäussern. Ich weiss nicht /
sagete Libussa / ob die Handschrifft ihn långer binde / massen ihr solche durch
heutige Einwilligung selbst auffgeruffen habet. Jedoch / ist es euer ernstlicher
Wille / will ich wohl Raht schaffen / dass ihr diese Nacht sein ohne werdet / aber
ihr sollet mir äidlich versprechen / dass ihr mir gönnen wollet / morgen zeitig
früh / eine halbe Stunde vor Tages ihn euch zuzuführen / dann um diese Zeit wahr
es / da ihr euer Gelübde leistetet. Brela hielt an / sie möchte es biss folgenden
Abends auffschieben /aber sie wollte nicht; dañ / sagte sie / soll ich morgen als
eine Ehfrau mich mit der Haube decke lassen / und ihr würdet alsdañ noch mit
eurem Kranze prangen / würde ich gedoppelte Spot uñ schimpf zu Lohne tragen;
versprechet mir demnach / wz ich begehre / oder unsere Gn. Frau soll ihn in der
Warheit euch selber zuführe. Wer war in grösser Angst / als die frome Brela;
doch weil sie sah / dass sie aus zweien übeln dz geringste wählen musste /
willigte sie in die Bedingung / uñ versprach solches ohn arge List zu halte. Nu
/ sagte Libussa / so machet euch über ein wenig mit euer Leibdienerin auf euer
gewöhnliches Gemach / und wañ ihr mich morgen früh höret anklopfen / so tuht mir
auff / alsdañ wollen wir mit einander nach dem darzu bereiteten Gemache gehen /
welches / wie ihr wisset / gleich gegen über ist / da will ich ihn euch auff
ernennete Zeit zu führen. Brela wahr / ihr Gewissen zu retten / wohl zu frieden /
und erwartete der gelegenen Zeit / einen Abwich zu nehmen. Weil dieser Posse
geschmiedet ward / hatte Fr. Sophia sich zu ihrer Mutter gesetzet /und ihr
vertraulich offenbahret / dass ihr Ladisla den Christlichen Glauben angenommen /
und Herkules schon vor längst ein Christ währe / deswegen sie sich entschlossen
/ einen Gott mit ihrem Gemahl zuverehren / und nach diesem die heidnische
Abgötterei fahren zu lassen / bähte / sie wollte ihr unterricht mitteilen /
wessen sie in ihrem Christentuhm sich verhalten müste. Fr. Pompeja erfreuete
sich hierüber von ganzem Herzen / und sagte: Ey nun will ich gerne und willig
sterben / nachdem ich meiner lieben Kinder auffs minste eins in der ewigen
künftigen Freude wissen soll; Herkules Christentuhm / ist mir bald anfangs von
ihm selbst bei eroberung der Räuber Höhle zuwissen getahn / welcher mir auch
verheissen hat / mit aller mögligkeit sich dahin zubearbeiten / dass er Ladisla
gewinnen möchte / und zweifele ich nicht / mein Gebeht / welches ich vor dich zu
Gott geschicket / sei erhöret / und hiedurch des Heiligen GeistesWirkung die
erbehten worden; Morgen geliebts Gott aber will ich den Christichen Lehrer zu mir
fodern / welcher in den nöhtigen Glaubens Stücken dich gnugsam unterweisen soll /
nur hilff mir Gott bitten / dass er auch deines lieben Vaters Herz und Willen
erleuchten / und die Begierde seiner Erkäntnis in ihm anzünden wolle /dein
Gemahl und Herkules werden schon bemühet sein / dass dein lieber Bruder bekehret
werde. Fr. Sophia hätte gerne etwas unterricht dieser neuen Lehre von ihrer
Mutter angenommen / ward aber von einem jungen Paduanischen Ritter zum Tanze
geführet /gleich da Brela ohn Urlaub hinweg ging / und ihre Dienerin mit ihr
gehen hiess / vorgebend / sie befünde sich nicht wohl auff. Libussa folgete ihr
bald nach /liess dem Koche ruffen / und fragete / ob ihrem Befehl gelebet währe /
und als sie vernam dass die Mörin sich sternvol gesoffen hätte / und in einem
Winkel läge /liess sie dieselbe auff die wolbereitete Kamer tragen /ganz nacket
ausszihen / ihre Lumpen wegschaffen /und sie in das zierliche Bette wolzugedecket
legen; ging bald wieder nach der Wirtschaft / woselbst Neda ihrer mit schmerzen
wartete / und setzete sich ein Viertelstündichen nieder / hernach foderte sie
ihn durch Winken zu sich / und sagete: Geliebter Oheim /ihr werdet eilen müssen
/ ehe euch die Tühr versperret wird / dañ sie ist herzlich müde / weil sie die
vergangene Nacht wenig geschlaffen; sie hat aber ihre Leibdienerin schon an mich
abgeschicket / dass ich mich bald bei ihr einstellen solle; so folget mir nun /
ich habe ein kleines Licht bei ihr stehen lassen / dass ihr euch sanft entkleiden
/ und in aller stille zu ihr gehen könnet / dafern sie schon wird eingeschlaffen
sein. Ja meine herzen Wase / antwortete er / führet mich nur im stillen finstern
hin / ich will gerne folgen / und euer Lehre mich gemäss verhalten; gingen also
biss an die Tühr des Gemaches / welche Libussa sanfte aufftaht /und zu ihm
sagete: Gehet sein stille hinein / und wecket sie nicht zu früh / ich habe
meinem Versprechen ein Genügen getahn / aber damit sie euch nicht entwische /
will ich das Hangschloss vor die Tühr legen /und so wahr ich redlich bin / nit ehe
als eine halbe Stunde vor Tage euch zu wecken komen / ists euch dañ noch
zuzeitig / kann ich wieder hinweggehen /nachdem ich das äusserste Schloss werde
bei seit getahn haben. Neda gab ihr zu guter Nacht einen freundlichen Kuss /
wünschete ihr sanftes Wolergehen / und schlich in aller stille zur Kammer hinein
/ legte die Kleider ab / und machte sich in das vermeinte Bette / welches er so
lang gewünschet hatte. Libussa machete die Tühr ausswendig feste zu / und
lauschete /wie es doch endlich ablauffen würde; das Licht stund im Gemache auff
der Erden / hinter dem Brandeisen unter dem Schornstein / so dass der Schein auff
das Bette nicht fallen kunte / noch er sehen / was vor einen Beischläffer er bei
sich hätte / welche / so bald er sich gelegt / dergestalt zu schnarchen anfing /
und die unsaubern Winde von sich bliess / dass ihm ein grausen überging / und
nicht glauben kunte / dass seine Liebste solcher gestalt sich geberden sollte;
bald fiel ihm ein / Libussa würde ihm die Vergeltung schon beigebracht / und ihm
etwa einen trunkenen HundeBuben beigeleget haben / stund auff / und nam das
Licht zur Hand / umb seinen Beischläffer zubesehen / da er / in dem er die Decke
auffhub / einen kohlschwarzen Leib sah / uñ nicht anders wehnete / es währe
irgend ein Gespenst / biss ihm einfiel / dass er eine Mörin in der Küche gesehen
hätte. In dem er sie nun also entblössete / kam der Wein wieder von ihr /den sie
mit zu grossem überflusse zu sich genommen hatte / dass er sich des bittern
Lachens nicht entalten kunte / und mit heller Stimme sagete: Nun mag meine Wase
sich rühmen / dass sie mich redlich bezahlet habe wans nur nicht so gar zur
unzeit geschehen wäre; aber o Wase Wase / wie handelt ihr bei meiner Liebsten!
ging hiemit zur Tühr / in Meinung sie aufzumache / befand aber / dass es
unmöglich wahr /daher er sich in die Geduld gab / nam ein Bankpolster und legte
sich darauff / in Hoffnung etliche Stunden zu ruhen / welches ihm doch das
abscheuhliche schnarchen der Mörin nicht zulassen wollte. Libussa hatte stets an
der Tühr unvermerket zugehorchet /welches ihr so grosse Vergnugung brachte / dz
sie nicht ein grosses darumb genommen hätte / ging endlich wieder nach der
Gesellschaft / die schon zimlich geringer worden wahr / und hatte mühe sich des
Lachens zu entalten / daher Fr. Sophia muhtmassete /sie würde Neda schon eins
beigebracht haben / und fragete / worüber sie sich dergestalt belüstigte. Sie
aber kunte vor Lachen es nicht erzählen / brachte endlich so viel heraus / dass
Sophia und Sibylla vernahmen / sie hätte Ritter Neda die ganz trunkene Mörin als
seine Braut beigelegt / und das Gemach verschlossen / dass er die Nacht bei ihr
ausshalten sollte; meldete daneben / was gestalt er sich gegen ihr verhalten / uñ
auff der Bank sein Nachtlager genommen; taht nachgehends hinzu / durch was List
sie ihn gefangen / uñ Brelen auff ihre Kammer verbannet hätte. Fr. Agata hatte
alles mit angehöret / und baht sehr / sie möchte so ungütlich mit ihm nicht
handeln / sondern die verliebeten zusamen lassen; nachdem sie aber ingesamt die
Ursach vernahmen / liessen sie es hingehen / und wurden von Libussen erinnert /
keinem Menschen davon zu sagen / er möchte scherzweise damit auffgezogen werden
/ und dürfte daher Mord und Todschlag entstehen. Weil dañ die Gäste sich alle
verloren hatten / ging ein jeder an seine Ruhe / da Libussa ihrem Leches von
Fr. Agaten und Euphrosynen zugeführet ward. Kurz vor der Sonnen Auffgang fingen
diese verliebeten ihr Gespräch mit einander an / und beklagete sich Leches
höchlich / dass er seine Eheliebste so schleimig verlassen / und gleich diesen
Morgen von ihr scheiden sollte; sie aber tröstete ihn mit seines Königes Unfall /
und dass er ihrer Liebe desto mehrer versicherung hätte / erboht sie sich / mit
ihm nach Prage zu zihen / und Neda samt Breien zu überreden / dass sie ihnen
Gesellschaft leisteten. Hierauff fing sie an so inniglich zu Lachen / dass Leches
wunderliche Gedanken bekam / biss sie ihm kürzlich allen Verlauff mit Neda
erzählete / und auff sein fleissiges anhalten in ihrem NachtMantel nach der
versperreten Kamer ging / da nach leisem anklopfen sie zu Neda sagete: Lieber
Vetter / werdet ihr nicht schier von euer Liebesten auffstehen? die Sonne dräuet
uns schon den Tag / nachdem des Hahnen Geschrei den Monden hinweg gejaget hat.
Dieser hatte nie keine wiedrigere Nacht gehabt / ward ihrer ankunft froh und
sagete: Als viel ich höre / muss ich zu meinem Schade auch den Spot noch haben;
nun nun / geduld geduld /ich hoffe Denkzeit komme dereins wieder. Awe antwortete
sie / wollet ihr noch trotzen und dräuen? auff solche Weise komet ihr in Warheit
nicht los / viel weniger zu eurer Liebesten / sondern / dafern ihr nicht ohn
einigen auffschueb mir die gestrige gar zu hohe Beleidigung abbitten / vor diese
geringe Züchtigung mir danken / und bei ritterlichen Ehren versprechen werdet /
es nimmermehr / weder durch euch selbst noch durch andere / einiger Weise
zurächen / und also die UhrFehde wirklich abstattet / will ich Fr. Sophien mit
dem ganzen Frauenzimmer / auch eure Liebste selbst herzu führen / dass sie eure
hintige Beischläfferin sehen / und euch darzu Glük wünschen sollen. Nu erfahre
ich erst recht / antwortete er / dass ein Gefangener Mann ein armer Mann sei /
leistete also die Abbitte / und alles was von ihm gefodert ward; worauff sie die
Kammer öffnete / und ihn ein wenig warten hiess / biss sie Brelen nach der
Brautkammer geführet hätte / die sich anfangs zwar wegerte / weil der Tag so
nahe wahr / auff getahne erinnerung aber ihrer geleisteten Zusage / sich darein
gab / und mit ihr ging. Bald darauff hohlete sie Neda auch herzu / der von
seiner Liebsten züchtig empfangen / und der unruhige Nacht ergetzet ward. Drei
Stunden nach der Sonnen Auffgang besuchte Libussa diese verliebeten / und taht
ihnen zu wissen / dass ihr Leches sich schon zu seiner Reise fertig machete / und
weil sie ihm einen Gefärten nach Prage zugeben versprochen / hoffete sie / sie
würde in Gesellschaft mit zihen / und ihre Königin besuchen. O ja / sagte Brela /
mich verlanget von herzen / mein Vaterland zusehen / und meine hochgeliebte
Schwieger Eltern zu grüssen / wann nur mein liebster wegen seiner
Kriegsbedienung hieselbst auff eine Zeit könnte erlassen werden. So fest habe ich
mich nicht verbunden / antwortete er / zweifele auch nicht /meine Wase köñe bei
Fr. Sophien es leicht erhalten /dass sie mir bei dem Statalter Urlaub erlange.
Also ging Libussa alsbald nach dem Frauenzimmer / und wahr Fr. Sophien erste
Frage / ob sie sich des guten Neda nicht erbarmet / und seiner liebesten ihn
zugeführet hätte; da sie alles umständlich erzählete / und hernach sagete: Gn.
Frau / ich habe bei ihrer Gn. mich guten rahts zuerhohlen / wegen einer
anmuhtung / die mein liebster heut diesen Morgen an mich geleget hat; O die
anmuhtung / antwortete sie / dürfte ich leicht errahten; gilt / euer Leches
hätte euch gerne auff der Reise zum Gefärten / damit er zu Nacht nicht allein
schlaffen dürffe. Libussa ward hierüber schamroht / wunderte sich ihres tieffen
nachsinnens /und gestund / dass es recht und eigentlich getroffen währe. Worauff
Fr. Sophia zur Antwort gab; Ihr seid mir warlich zuvor kommen / sonst hatte ich
mich schon berahten / euch solches als ein ernstliches Geboht aufzulegen. O Gn.
Frau / sagte sie / so werde an euer Gn. ich keinen vorsprach haben / ungeachtet
ich die feste Hoffnung mir gemacht hatte / dieselbe sollte mich dieser Reise
benehmen. O Schwester Schwester / sagte Fr. Agata / ist dieses euer ernst /so
falle mir ein Ohr ab. Wol wohl / antwortete Fr. Sophia / wieder euren Willen
sollet ihr zu dieser Reise nicht gezwungen werden / und bin bei Ritter Leches
noch wohl so viel mächtig / dass er mir solches begehren nicht abschlagen wird.
Libussa wollte sich nicht verrahten / hielt dieses vor genehm und ging hin /ihrem
Leches das leinen Gerähte auff den Weg einzupacken. Unterdessen liess Fr. Sophia
ihn zu sich fodern / und redete mit ihm was ihret wegen zu Prag sollte bestellet
werden / biss Libussa wieder kam / da Fr. Sophia zu ihm sagete: Wie kömt es /
Ritter Leches / dass eure liebste mir hinte diese Nacht so ungehorsam worden ist
/ da ich zuvor ihren Willen dem meinen nie entgegen gemerket? jetzo aber habe
ich diese Bitte an sie gelegt / dass sie euch Gesellschaft auff der Reise leisten
sollte / welches ich doch bei ihr nicht erhalten kann / sondern sie lieget mich
hart an / bei euch zuverbitten / dass ihr sie des anmuhtens erlassen möchtet. Er
hielt ein solches vor scherz / weil sie sich ihm hierzu selbst erbohten hatte /
nachdem sie es aber nicht beantwortete / fiel ihm ihr lachen ein / welches sie
gleich auff solches versprechen getahn / sah auch dass sie abermahl heimlich
lachete; worüber er nicht zu antworten wusste / endlich die reine Warheit zu
bekennen vornam / und seine Liebste hiedurch gar schamroht machete / dass Fr.
Agata anfing; warlich geliebete Schwester / diese Straffe wird euch von Gott
zugeschicket / vor die eurem Oheim angelegte Unbilligkeit. Das ist gar ein
Schwesterlicher Trost / antwortete sie / welchen mein ärgster Feind mir auch
mitteilen wurde; habe ich aber meiner Gn. Frauen anfangs die Warheit aus Schahm
nicht bekennen dürffen / will ich nun desto freier beichten / dass ich auch Neda
und Brelen gebehten / uns Gesellschaft zu leisten / dero behueff ich meinem Oheim
Urlaub zu bitten / auff mich genommen habe. Ja wer dürffte euch dieses gläuben
sagte Fr. Sophia / nach dem ihr schon auff einem vahlen Pferde ergriffen seid. O
wehe mir armen / antwortete sie / habe ich wegen eines Scherzwortes dann allen
Glauben verloren / so mag Brela ihre Bitte selbst vortragen; aber ich bitte
sagte sie zu Leches / gebet mir doch Zeugnis / weil ihre Gn. euch so viel
trauet. Nicht allein Zeugnis / antwortete er / sondern ich bin kommen / deswegen
eine Bitte untertähnigst einzulegen. Ja euch / sagte Fr. Sophia / und nicht
eurer liebsten zugefallen / soll Neda mitreisen /wie es dann / in ernst zu reden
/ billig ist / dass er seines Ampts dereins bei seiner Gnädigsten Königin
rechenschaft ablege. Also liess sie Neda zu ihr ruffen /und erteilete ihm / in
ihrem uñ ihrer Eltern Nahmen Befehl / was er zu Prag verrichten sollte; und als
sie solches geendiget hatte / fiel ihr Libussen Posse ein /dass sie sich lachens
nicht entalten kunte; er aber die Ursach merkend / sagte zu ihr: Ihre Gn.
lachen ohn zweifel meines Unglücks; damit ging das algemeine Gelächter erst an /
welches Libussa durch ihre wunderliche Auffzüge stets häuffete; Fr. Sophia aber
sagete zu ihm: Verzeihet mir Neda / dass ich eure hintige Gedanken gerne wisssen
möchte. Die wahren sehr wunderlich und mannigfalt / antwortete er; doch /hätte
ich das versperrete Gemach öffnen können /wahr mein ganzes vornehmen / ich wollte
das hessliche Geschöpff ins Bette Tuch eingewickelt / sie vor allen anwesenden
Gästen mitten im Saal nidergelegt / und mit meiner Wasen umb sie her getanzet
haben. Dem hatte eure Wase vorgebauet / antwortete sie / hoffe doch / sie werde
Bescheidenheit gebrauchet / und euch Zeit gegönnet haben / nach solchem
Schrecken des hesslichen WunderTiehrs / an eurer Liebsten Schönheit euch wieder
zuerhohlen. Ich bin mit allem wohl zufrieden / sagte er / nachdem der hessliche
Wuhl nicht erwachet / noch meiner inne worden ist / mag auch wohl sein / dass er
noch in schnarchender und stinkender Ruhe lieget / welcher Beschluss ein neues
Gelächter erweckete. Klodius und Markus hatten gleich diesen Morgen sich beredet
/ wie sie ihren liebsten Herren ein dankbares Gemüht erzeigen möchten /funden
auch ihre Eheliebsten darzu ganz willig /daher sie Leches und Neda in den
innersten Platz fodern liessen / und sie verständigten / welcher gestalt sie auff
ihre Wiederkunft von Prage / willens währen / mit in Persen zureisen / und
ihren Herren 1000 Römische wolversuchte Reuter auff eigenen Kosten zuzuführen /
da ihn Eheliebsten ihnen auff der ganzen Reise Gesellschaft leisten / und sich
Fräulein Valisken zu dienste und untertähnigster Auffwartung darstellen wollten.
Solches werden unsere gnädigste Herren mit gebührlicher Vergeltung erkeñen /
antwortete Leches / und habe ich ohn das von ihnen Befehl / etliche Völker
hieselbst zuwerben / da Fr. Sophia (wie ich mit ihr abgeredet) die Anreits
Gelder alsbald auszahle wird. So werde ich so liebe Freunde ohn mich nicht zihen
lassen / sagte Neda / sondern von Prag ab / mich nach Teutschland erheben / und
so viel in der Eile geschehen kann / eine versuchte Reuterei samlen /damit wir
ein gestaltes Heer mitbringen / und unserer Herren Hocheit daraus von den
fremden in etwas erkennet werde. Mir ist sehr liebe / sagte Leches / dass ich
gelegene Freiheit bekomme / ausser den Befehl (welcher sich nur auff 4000 Reuter
zum höchsten erstrecket) zuschreiten / und diese Völker mit Böhmischer guter
Anzahl zustärcke. Der Statalter hatte schon sechs Werber bestellet / denen Fr.
Sophia auff 6000 wohl versuchte Reuter drei Tonnen Goldes auszählete / und weil
sie Klodius und Markus vornehmen von Leches verstund / boht sie ihnen zu dessen
behueff eine Tonne Goldes; welches sie aber nebest ihren Ehe Liebesten beständig
ausschlugen / vorwendend / sie wollten ihre eigene Leute / zu ihrer Herren Dienst
in Persien führen. So wollte auch Neda keinen Heller von ihr empfangen / weil ihm
Ladisla und Herkules Dankbarkeit gnug bekant wahr / und dass sie ihm alles
reichlich erstatten würden. Aber Leches empfing sechs Tonnen Goldes von ihr /
gingen ingesamt zum Frühstücke / und setzeten die beide junge Ehemänner mit
ihren Liebsten (denen Fr. Sophia 50 Reuter zur Begleitung gab) ihre Reise auffs
schleunigste fort / ruheten auch des Nachts wenig Stunden /biss sie drei Meile an
Prag kahme / woselbst Leches Vater der alte Pribisla seine freie Herschaft
hatte. Hier musste Neda etwas voran reiten / und vernehmen / ob er daheim und in
guter Gesundheit währe; den er in seinem Lustgarten fand / gleich da er eine
Irrebahn von Buchsbaum legen liess / und den Abriss selber machete / wie er vor
dem in der Jugend in Italien gesehen hatte. Als er nun seinen Oheim Neda zu ihm
hinein treten sah / wahr ihm dessen Ankunft sehr lieb / und fragete / was
gutes neues er von ihrem Könige und dem verlohrnen Fräulein brächte; da nach
kurzem Bericht ihres wolergehens ihm die Augen vor Freuden übergingen / und
sagte: Nun so hoffe ich noch / da ich lebe / auch meinen Sohn dereins wiederumb
zusehen. Neda sah ihn in schwarzen Trauerkleidern / und vernam / dass vor 15
Wochen ihn seine einzige Tochter durch den Tod geraubet währe; wollte ihn aber
wieder erfreuen / und sagte: Mein Herr Vetter / haben euch die Götter an dieser
Seiten bekümmert / will ich euch durch fröliche Zeitung von eurem Sohn wieder
erfreuen / und sage euch vor gewiss / dass derselbe des Medischen GrossFürsten
bestalter Obrister ist zu Ross und Fuss / und zur FeldHerrschaft über ein
fliegendes Heer Anwartung hat; Durch seine Tapfferkeit hat er schon viel tausend
Kronen erworben / und hat unser Gn. Fräulein ihm ihre allerliebste Kammer
Jungfer Libussen zur Ehe versprochen / auch ihm schon drei Tonnen Schatz an
Barschaft / uñ eine Tonne Goldes an Kleinoten zu ihrer Brautgabe zugestellet /
unter der gnädigsten Hoffnung / er werde ihm solche seines Sohns Ehe wohl
gefallen lassen. Der Alte entsetzete sich vor dem grossen Brautschatze / und
sagte: Mein gnädigstes Fräulein will schon in der Wildfremde leisten / was sie
mir zu Prag verheissen hat / und mag mein Sohn sich solcher Heirat wohl vor
glückselig schätzen / die mir nicht kann unangenehm sein. Wol dann / mein
geliebter Herr Vetter / antwortete Neda /so muss ich euch die reine Warheit
sagen: Es ist also ergangen / wie ich gemeldet / und hat unser König und das
Fräulein euren Sohn heraus geschikt / welcher neulich zu Padua Beilager / wie
ich auch / gehalten / und mit seiner Liebsten haussen vor dem Tohr auff seines
Vaters Befehl wartet. Der Alte ward hiedurch höchlich erfreuet / und sagete:
Warumb bringt er mir dañ nicht selbst die erste Botschaft? Weil er annoch
zweifelt / antwortete er / ob euch seine Heirat angenehm sei. Was zweifeln /
was angenehm /sagte der Alte / die Braut ist von gutem Adel und trefflicher
Tugend / und was sollte er seiner höchstgebietenden Fräulein Willen nicht
gehorsamet haben? Ich danke den Göttern vor diese angenehme Tochter /und habe
ursach / über der verstorbenen mich desto ehe zutrösten. Legte hiemit neben
seinem Gemahl die Trauer Kleider ab / und empfing die ankommenden sehr frölich /
welche aber wegen Eilfertigkeit nur ein Stündichen sich bei einer kurzen
Mahlzeit auffhielten / und nebest Pribisla auff geruheten Pferden und Gutschen
sich nach Prag erhoben. Eben dazumahl sass die Königin in ihrem Zimmer / uñ
beweinete ihrer Kinder Verlust und Elende in der fremde / dessen Schuld sie fast
alles auff Herkules legete / den sie doch nicht weniger als ihren Sohn liebete.
Pribisla wahr bei ihr in grossen Gnaden / ging ungemeldet in seinen
Feierkleidern und güldener Kette umb den Hals / zu ihr ins Gemach / dass sie
nicht anders gedachte / er währe Alters und Grams halben kindisch worden / rief
ihn zu sich / und sagete: Wie nun / mein Pribisla / wie sehe ich euch in so
ungewöhnlichen Kleidern? betrauret ihr eure Tochter solcher gestalt? Gnädigste
Königin / antwortete er / meiner Tochter Trauer halte ich daheime /aber
öffentlich erfreue ich mich wegen meines gnädigsten Königs und Königlichen
Fräulein gutem Wolergehen. Ja / sagte sie / ihr habt etwa hinte einen guten
Traum gehabt. Freilich einen guten Traum / sagte er; dann mich dauchte gar eigen
/ mein Sohn Leches währe von meinen Gn. Könige und Fräulein abgefand / Eurer
Hocheit deren gutes Wolergehen anzumelden /hätte auch seine Eheliebste Libussen
mit sich gebracht / mir dieselbe an statt meiner verstorbenen Tochter zuliefern /
da Ritter Neda und seine Eheliebste Brela ihn begleiteten; wie sollte ich dann
nicht ursach haben / die Trauerkleider abzulegen / und mich auffs beste
auszuputzen? dass aber ihre Hocheit ich nicht länger in der Verwunderung
auffhalte / mag dieselbe sich wohl versichern / dass allerdinge / wie ich jezt
gemeldet / mein lieber Sohn heut früh zu mir komen ist / und erwartet mit seiner
Gesellschaft hauffen vorm Schloss / wann ihre Hocheit gnädigst belieben wird /
ihn vorzufodern. Der guten Zeitung müsst ihr geniessen / sagte die Königin /
dann eure Kleider machen mich schon gläuben / dass meinen herzlieben Kindern es
annoch wohl ergehe. Befahl hiemit einem Trabanten / die ankommenden herauff
zuführen / da Leches durch viel Bediente die übergeschikten Kleinot und
köstliche Sachen vor sich hertragen liess / und zu der Königin Füssen
nidersetzete; hernach sich auff die Knie niderlassend / den Gruss von Ladisla /
Frl. Valisken und Herkules / auch von Artabanus und Phraortes anmeldete /
nachgehends den grösten Teil der Kleinoten im Nahmen des Parter Königes
überlieferte. Die Königin nebest allen anwesenden verwunderten sich des
trefflichen Glanzes / dieser in so grosser Menge eingebrachten köstlichen Sachen
/noch vielmehr aber / dass sie von unbekanten Königen und Fürsten geschicket
wurden / daher die Königin sagte: Wie herzlich mich meiner lieben Kinder
Wolergehen erfreuet / so voll Wunders bin ich wegen der grossen Menge dieser
Kostbarkeiten / und kann nicht aussinnen / aus was Ursachen mir aus den fernen
Landen die gar zu grosse Schenkungen gesendet werde. Gnädigste Königin /
antwortete Leches; Königes Artabanus Meinung wird aus diesem Schreiben / von ihm
mit eigener Hand unterzeichnet / gnugsam erhellen. Sie erbrach es alsbald / und
weil Frl. Valiska es in Teutscher Sprache auffgesetzet / oder vielmehr
verdolmetschet hatte / lase sie folgende Worte: Der grosse König Artabanus /
Beherscher der Morgenländer /entbeut der Grossmächtigsten Königin in Böhmen /
Gruss und Liebe / und zeigt an / dass / nachdem das vortreflichste Fräulein der
Welt / Frl Herkuliska / Euer Liebe Tochter / durch sonderbahre Versehung der
himlischen Götter uns zugeführet worden / haben wir unsere Königliche Hulde
derselben zugeleget / und sie vor unser künftiges Königliches Gemahl angenommen
/ sind auch entschlossen / unser Hochzeit-Fest / nach Verfliessung der noch
übrigen Monaten womit sie der Göttin Vesta von Jugend auff verbunden ist /
hochfeirlich zuhalten / der Hoffnung gelebend / Eure Liebe ihr solche Heirat
nicht allein wolgefallen lassen / sondern / dafern dieselbe von den
Reichsgeschäfften sich abmüssigen kann / dem Beilager beiwohnen werde / und soll
deren Ankunft uns sehr angenehm sein; Weil auch die Liebe zu dem Fräulein uns
so befftig eingenommen / dass wir den Ausgang des Jahrs nicht werden abwarten
können / werden hiebei gewisse Gelder an ihre Geistligkeit übergeschicket / sie
von solchem Gelübde frei zusprechen / und wird Eure Liebe die dabei gefügeten
Kleinot / als ein Zeichen unserer Gutwilligkeit von uns anzunehmen / sich nicht
wegern / auch im übrigen Zeigern unserm Diener Valikules allen Glauben
zustellen. Im übrigen verbleiben wir Ihrer Liebe Schützer und vollkommener
Freund Artabanus.
    Die Königin wusste sich zwar in das Schreiben nicht zurichten / jedoch sah
sie daraus / dass ihre Tochter dem fremden Könige sollte vermählet werden / daher
sie nach weit gehohletem Seuffzen sagete: So sei es dem Himmel geklaget / dass
mein allerliebstes Kind in der Wildfremde ihr Leben zubringen soll / und ich sie
wohl nimmermehr wieder sehen werde. Das wende Gott ab / antwortete Leches / Ihre
Hocheit werden ihre Frl. Tochter auff diesem Schloss noch oft und viel sehen /
dann diese vermeinte Heirat wird GOtt gnädig abwenden / wie dieses Schreiben /
von meinem Gn. Fräulein selbst auffgesezt / ohn zweifel mit sich führen wird.
Die Königin nam den Brief mit grosser Begierde an / und fragete / warumb dann
ihre Frl. Tochter / Herkulisla genennet würde / und wer der Valikules währe.
Weil aber Leches sich auff des Briefes Erklärung berief / lase sie denselbe /
also lautend:
    Herzallerliebste Fr. Mutter; ich eure muhtwillige Tochter bitte ganz
demühtig umb Verzeihung / dass derselben durch mein hinreisen nach Padua / so
grosse Angst und Traurigkeit verursachet / welches doch ohn zweifel aus Gottes
des Allmächtigen Schickung also hat ergehen müssen. Meinen bisher geführeten
Zustand wird Zeiger dieses Leches / ausführlich berichten können. Aber du meine
kühne Feder / beichte meiner herzallerliebsten Fr. Mutter und Königin meine
kindliche Kühnheit / oder vielmehr herzliche Liebe gegen meinen wirdigsten Oheim
/ den unvergleichlichen Herkules / dessen Hulde mich nunmehr fast vor drei
Jahren gezwungen /ihm auff sein stränges unablässliches anhalten / eheliche Liebe
und Pflicht zuversprechen / welche / in ansehung seiner Träue mich zuretten
angewendet / ihm ob Gott will / erster Zeit in keuscher Verehligung wirklich wird
geliefert werden / und da meine Fr. Mutter hierin / nach meinem hoffen /
gnädigst gehehlen wird / soll dieselbe zeit ihres und meines Lebens an mir haben
/ wie ich bisher gewesen bin / ihre gehorsamste Tochter Valiska / jetzo
Herkuliska genennet.
    Alle anwesende sahen aus der Königin Angesichte / welches sich im lesen
etliche mal verenderte / dass etwas sonderliches im Schreiben musste entalten
sein / sie sagte aber kein Wort / sondern stund auff von ihrem Stuel / ging in
ein NebenGemach / und hiess Leches folge / zu dem sie hernach sagete: Bekennet
mir die Warheit / hat Herkules meine Valisken schon in seiner Gewalt? Nein /
gnädigste Königin / antwortete er / aber er wird sie mit Gottes Hülffe bald
bekommen. Ist er aber / fragte sie weiter / nicht bei ihr gewesen? Ja / sagte er
/ zu unterschiedlichen mahlen /und zwar das lezte mahl fast einen ganzen Tag /
doch in fremder angestrichener Farbe / und zweifele nicht /die Heirat zwischen
ihnen sei völlig geschlossen /dessen dann mein gnådigster König Ladisla sich
mehr als keines dinges in der Welt erfreuet / und wird ihre Hocheit dessen ohn
zweifel aus meines Königes und GrossFürst Herkules Schreiben vollkommen berichtet
werden / welche ich hiemit gebührlich übergebe. Die Königin nam alsbald ein
fröliches Angesicht an / setzete sich wieder an ihre Stelle / und lase vorerst
Herkules Brief / wie folget:
    Gnädigste Fr. Mutter und Königin; Eurer Königl. Hocheit ich untergebener
Sohn / klage vor ihrem mütterlichen Herzen meiner Jugend Verwägenheit an / in
dem ich meinen in dieser Welt herzallerliebsten Schaz / das unvergleichliche
Fräulein Valiska umb eheliche Liebe /hinter ihrer und meiner Eltern Wissen
ansprechen dürffen / da wir noch Kinder / und ohn alle arge Gedanken /unsere
Herzen dermassen verknüpffet haben / dass sider dem weder Gefahr noch Gewalt sie
trennen mögen. Zwar wie gröblich ich wider kindliche Gehorsam gehandelt /gestehe
ich gerne; Demnach aber eine lautere Unmögligkeit ist / unsere Gemühter zu
scheiden / welche ihren eigenen Leib verlassend / sich in des andern eingesenket
haben; als geleben wir beide der tröstlichen Zuversicht /ihr mütterliches Herz
werde uns nicht ungnädiger / als die göttliche Versehung sein / welche dann
gewolt / dass /ehe unsere Liebe gebrochen würde / wir mitten auff dem fest
verwahreten Königlichen Schloss unsere Ehe mit den teuresten Verheissungen
bündig machen müssen; Wil demnach Eurer Hocheit höchstgewünschtes Angesicht
nicht sehen / es geschehe dann in Gegenwart der teuresten Fräulein Valiska / wo
sonst Gott uns noch eine kurze Zeit das Leben fristen wird / und verbleibe ich
/weil ich lebe / meiner gnädigsten Frau Mutter gehorsamst-untergebenster Sohn
Herkules / jetzo Valikules genennet.
    Die Freuden-Trähnen fielen unter dem lesen der Königin aus den Augen /
küssete den Brief / und sagte: O mein allerliebster Sohn Herkules / ist mein
höchster Wunsch ohn mein Wissen schon erfüllet / so will ich nunmehr gerne
sterben / und doch erst Liebe zu leben bekommen / damit ich deine Frucht sehen
möge. Endlich lase sie auch Ladisla Brief / welcher nichts als Vergnügung über
seines Herkules künftige Heirat zuschreiben wusste. In dem sie nit mit Verlesung
desselben bemühet war / höreten sie auf dem Schloss / dass aus alle Gassen der
Stad Alarm geblasen uñ geruffen / auch jeder zum Gewehr auff gemahnet ward /
dessen sie nit wenig erschrake / uñ bald Zeitung bekamen / es hätte sich etliche
1000 geharnischte Reuter im Felde blicken lassen / dz man nit wissen könnte / obs
Feind oder Freund wäre. Die Königin war in solchen fällen sehr geherzt / liess
alsbald 10 Reuter ausreite / uñ Kundschaft einhole / welche alle gefangen
genomen / uñ nit wieder gesehen wurde / daher man ursach nam / sie vor Feinde zu
halten / uñ begaben sich alle Mañschaft der Stad ins Gewehr /besetzeten Wall uñ
Mauren aufs beste / uñ truge Pfeile / Steine uñ allerhand Rüstung auf die Mauren
/damit man den Feind abzuweisen bedacht wahr. Hingegen zogen die unbekannte
Reuter den geradesten Weg auff die Stad zu / nicht anders / als stünden ihne
Tohr und Tühre offen / ungeachtet man ihnen zurieff stille zu halten / biss man
endlich lossdrückete und die Pfeile ihnen in zimlicher Menge entgegen schickete
/dass ihrer etliche beschädiget / und hinter sich zuweichen gezwungen wurden;
worauff einer aus dem Hauffen hervor ritte / und mit einem lachen fragete: Ob
sie Freunde und Bundgenossen mit feindlichem Geschoss abzutreiben befuget währen;
GrossFürst Henrich aus Teutschland währe mit seinem Gemahl und Fräulein Tochter
gegenwärtig / und begehrete bei seiner Fr. Schwester der Königin angemeldet zu
werden. Aber der Obriste der Besatzung gab ihm zur Antwort / der GrossFürst aus
Teutschland währe keine Blume die man von ferne riechen könnte / so hätte man die
aussgeschikten Reuter aufgehalten / und dadurch Argwohn genug zu andern gedanken
gegeben; dafern man aber den Grossmächtigsten GrossFürsten sehen würde / sollte
dessen Hocheit alles offen stehen. Dem GrossFürsten gefiel solche Antwort wohl /
ritte näher hinzu / und liess sein Angesicht sehen / welches alsbald von
unterschiedlichen erkennet ward; worauff im Augenblick ein Freudengeschrei auff
der Maur / und bald hernach in der ganzen Stad sich erhub; Der GrossFürst aus
Teutschland lebe! Die Königin wusste / dass er ihr gedräuet hatte / bald
unvorsehens ihr einen blinden Lermen zu machen / umb zu vernehmen / wie vor
Unfall zu schützen sie sich gefasset und bereit hielte /zweifelte demnach an
seiner gegenwart nicht / und sendete ihm den alten Pribisla entgegen / welchen
der Fürst von ferne erkennete / und ihm nach seiner angebohrnen Freundligkeit
entgegen ritte / sprechend: Lieber Alter / eure Gesundheit ist mir angenehm /
doch hätte ich gemeinet / man müste euch nicht mehr unter den Lebendigen /
geschweige unter jungen Hofeleuten suchen. Pribisla neigete sich tieff auff dem
Pferde /und wahr willens abzusteigen / welches ihm aber der GrossFürst nicht
gönnen wollte / sondern sagete: Sitzet mein lieber Alter; wie gehets meiner Fr.
Schwester? fürchtet sie sich auch vor feindlichen überfal? Meine gnädigste
Königin / antwortete er / ist / dank den Göttern noch frisch und gesund / lebet
auch ferne von aller Furcht / als lange eure Hocheit im Leben und gutem
Wolstande sich befindet / und hätte dieselbe zu gewünscheter Zeit nicht kommen
mögen / da sie gleich diese Stund von unserm Gnn. Könige und Fräulein / wie auch
von dem unvergleichlichen und biss an der Sonnen Auffgang hochbenahmeten Helde
Herkules / euer Hocheit Sohne sehr angenehme Zeitung und Schreiben bekommen hat.
GrossFürst Henrich seufzete über dieser Rede und sagete: O du lieber und werter
Sohn / wie unselig bin ich / dass durch verleugnung unser SchuzGötter du dich
deiner Eltern und Vaterlandes / oder vielmehr uns deiner beraubet hast! wie
schwer ist mirs / dich zu hassen / und doch unzulässig / dich zu lieben / als
lange du den neuen Aberglauben nicht wirst abgeleget haben; sagte nachgehends zu
Pribisla; es ist mir sehr lieb / dass mein Oheim und Wase annoch in gutem
Wolstande leben /und fürchtete ich mich schon / nur Unlust durch meiner
Schwester Trähnen einzunehmen. Liess darauff sein Gemahl und Fräulein in einer
Gutsche allernähest hinter ihm her zum Stad Tohr ein fahren / da sie auff dem
Schloss von der Königin sehr freundlich empfangen / nachgehends auff das Gemach
geführet wurden / woselbst die treflichen Kleinot in grosser Menge annoch
unbedecket stunden / an welchen Frl. Klara ihre Augen sehr belüstigte / dass sie
fragens sich nicht entalten kunte / von wannen doch solche scheinbare Sachen
kähmen; welches die Königin alles erzählete /und ihren Bruder umb Raht fragete /
wessen sie sich gegen den Parter König erklären sollte; er aber zur Antwort gab;
es währe eine wichtige Sache / und sähe er nicht / was man anders / als
freundliche Einwilligung vornehmen könnte / nachdem unmöglich sein würde / dem
mächtigsten Könige der Welt das Fräulein mit Gewalt zu nehmen. So wollte aber ich
viel lieber sterben / sagte die Königin / als diesem hochmühtigen Wüterich eine
Tochter geben / die ihm vielleicht als eine Leibeigene dienen müste / wann das
erste Feur / welches am heftigsten zu brennen pfleget /würde gedämpfet sein /
und zweifele nicht / meine herzlieben Söhne Herkules und Ladisla / werden nicht
ruhen / biss sie mein geliebtes Kind in Freiheit gesetzet haben; Und weiss mein
Bruder noch nicht / wess ich gesinnet bin? Ich habe von 14 Jahren her meinem Sohn
Herkules dieses mein Kind zugedacht / weil sie einer dem andern von Angesicht /
Gemüht und vielen Eigenschaften sehr gleich sind / und da mir dieses fehlen
sollte / müste sie der Göttin Vesta biss an ihr Ende verlobet werden. Ach / sagte
/ die GrossFürstin /wañ ich den Tag dieser Heirat erleben sollte / wollte ich
nachgehends mit frölichem Herzen sterben. Der GrossFürst redet ihr ein; Schweiget
schweiget / mein geliebtes Gemahl / er hat unsere Götter verläugnet /daher kann
ihm dieses nicht zugelassen werden / dann weil er dieser Ursachen halben ein
Fürst ohn Land /und aus seinem Erbreiche muss verbannet sein / wird er sein Leben
im Ritterstande enden müssen / was sollte dann meiner Frl. Wasen mit solchem
Gemahl gedienet sein? Die Königin lachete seiner Ernstaftigkeit / und sagete:
Geliebter Bruder / der Götter Vorsaz und versehung werden weder du noch ich
zubrechen bestand sein; wann nun unserm Sohn Herkules / ach dem frommen
tapfferen und Tugendergebenen Herkules meine Tochter ausersehen ist / wer will
sie ihm nehmen? hat er dañ gleich Teutschland nicht (wiewol sonder zweifel ihm
solches dereins / da er lebet / werden muss) ei so kann der König in Böhmen /der
ihn über sich selbst liebt / noch wohl schichtung mit ihm halten / oder ihm ein
Königreich gewiñen helffen. O herzgeliebte Fr. Schwester / antwortete die
GrossFürstin / wie hoch bin ich euer Liebe verbunden / nach dem ihr euch meines
Fleisch- und Blutes so hoch annehmet. Es ist mein Fleisch und Blut auch /sagte
die Königin / welches ich so hoch zuerheben /und dem allerbesten Fürsten der
Welt (niemand seinen Ruhm benommen) zu liefern bedacht bin; und weil mein Herr
Bruder eine so wölfische Grausamkeit wieder einen so gewünschten Sohn gefasset
hat / den alle Welt / ja der Käyser zu Rom selbst / ehret und liebt / wollen
wir ohn sein Zutuhn diese Heirat unserer lieben Kinder volzihen. Kränke mir
meine Seele nicht mit solchen Aufflagen / antwortete der GrossFürst / die Götter
wissen dass ich meines Sohns Unfall mit meinem Blute abzuwenden mich nicht wegern
wollte / wans möglich währe / aber dass ich mein Kind lieber als meine Götter
haben sollte / müste ich billich in ihre Ungnade fallen / so behalte nun das
trefliche Fräulein einem mächtigen Könige oder Fürsten vor /mit dem sie Land und
Leute zubeherschen habe / wie sie scheinet darzu geboren sein / dann Böhmen
wird sich schwerlich trennen; Teutschland ist ihm entzogen / weil er unsere
Götter nicht wieder annehmen will /und wird sich kein fremder angeben / der ihm
Land und Leute abtrit. Unter diesen Reden hatte die Königin der GrossFürstin
ihres Sohns Herkules Brieff zu lesen geben / die über dessen Inhalt unsäglich
erfreuet ward / dass sie sagte: O du mein gewünschter Sohn /du Spiegel aller
Tugend und Frömmigkeit; wann wirstu dich und dein wirdiges Gemahl mich wiederumb
sehen lassen? Wass? sagte der GrossFürst / hat er sie schon geheiratet / und ist
nährlich 21 Jahr alt? in solcher Jugend hätte ich mich gescheuet ein Weibesbild
dieser gestalt anzusehen; nam den Brieff auch zur Hand / und nach verlesung
sagte er: Unsere Kinder wollen mit ihren Kindern zeitiger spielen / als wir
getahn haben; kann es dann möglich sein / dass er seine Götter wieder annimt / soll
ihm sein Erbrecht an meinem Reiche unbenommen bleiben; im wiedrigen / ist mir
noch leid / dass meine Wase mit einem Christe /und mit einem Fürsten ohn-Land soll
verheirahtet werden. Mein Herr Bruder / sagte die Königin / warumb schilt- und
schändestu die Christen / weistu doch so wenig als ich / was ihr Glaube ist.
Leches trat gleich herzu / hatte die herrlichen Kleinot / die Herkules seiner
Frl. Schwester übergemacht / in zarte Seidene Tücher verhüllet / und Libussen
und Brelen zugestellet / trat vor ihnen her / und reichete anfangs dem
GrossFürsten und seinem Gemahl ihre absonderliche Schreiben von ihrem Sohn
Herkules; hernach kehrete er sich zu dem Fräulein / liess die Kleinot vor ihre
Füsse legen und sagete: Durchleuchtigstes Fräulein / mein gnädigster Fürst und
Herr / der tapferste Held auff Erden / Herr Herkules / entbeut euer Durchl.
brüderlichen Gruss / und sendet derselben diesen Beutpfennig / mit Bitte / selben
anzunehmen / und mit Schwesterlicher Gewogenheit und Träue ihm allemahl zugetahn
zuverbleiben. Sie bedankete sich sehr /hub die Kleinot / so auff 80000 Kronen in
Persen geschätzet wahren / mit grosser Begier / nacheinander auff / zeigete sie
ihrer Fr. Mutter und wünschete / dass sie ihren herzgeliebten Herrn Bruder bald
sehen möchte; die grossen Verehrungen könnte sie nicht anders als mit
Schwesterlicher geträuer Liebe erstatten /woran sie Zeit ihres Lebens nichts
wollte erwinden lassen. Der GrossFürst brach seines Sohns Schreiben /und sagete:
Weil mirs ausserhalb meines Reichs zukomt / werde ichs ohn meiner Götter Zorn
lesen können / und fand folgenden Inhalt. Grossmächtigster GrossFürst und Herr /
gnädigster Vater; dafern wegen meines einigen wahren Gottes / ich euch von denn
verteufelten lügenhaften Krodenpfaffen nicht gar zu verhasset gemacht bin /
Bitte ich in Kindlich er Demuht / diese weinige Zeilen mit Väterlichem Herzen zu
lesen; Mein Gott / dem ich biss an mein Ende dienen will / hat mir das
Durchleuchtigste Fräulein Valiska zum künftigen Gemahl bescheret / mit der ich
mich in aller Gottesfurcht ehelich versprochen / nach dem der grundgütige Gott
ihr Herz in erkäntnis meines Heilandes Christus erleuchtet /worüber sie mit mir
frölicher ist / als über alle irdische Wollüste dieser nichtigen Welt. So gebet
nun bitte ich /euren Väterlichen Willen hierzu / erlasset euren Sohn alles
falschen Argwohns / und seid versichert / dass er weder Tag noch Nacht vergessen
wird / euch der Barmherzigkeit seines einigen wahren Gottes inbrünstig zu
befehlen / verbleibet auch / weil er lebet / euer biss an Gott gehorsamster Sohn
Herkules.
    Die GrossFürstin sah ihr Schreiben auch durch /welches also lautete:
Gnädigste / herzallerliebste Frau Mutter / meinen Zustand uñ geschlossene
Heirat wird ohn zweifel meine gleichgeliebte gnädigste Fr. Mutter /Königin
Hedewig überschreiben / und mein Herr Vater anmelden / Bitte sehr / bei dessen
Hocheit mich zu entschuldigen / dass ohn dessen eingehohleten Raht und Willen ich
diese Verlöbnis vergenommen / welches von mir nicht aus verachtung / sondern
unmögligkeit unterlassen ist. Mein Gott wird mich dereins meiner herzlieben
Eltern versöhnetes Angesicht sehen lassen / dass an deren höchstgewünscheten
Gegenwart ich meine Seele ergetzen möge; bemühet euch aber / bitte ich Kindlich
/ meinen Herr Vater zu begütigen / Damit er die schändlichen Verleumdungen /
durch welche ich von den verlogenen Pfaffen bei ihm angegossen bin / fallen
lassen / und sein Fleisch uñ Blut / welches fremden nicht unangenehm ist /zu
hassen und zu verbannen auffhören möge / als vor welchen zu sterben ich mich
no comma? wegern will. Nun mein Gott wird der Unschuld beisteuren / und den
unbillig-vertriebenen wieder einzuhohlen wissen / wiewol ich meinem Bruder
Baldrich mein Erbrecht in der güte abzutreten (sintemahl mir der Odem nach der
Herschaft gar nicht stinket) nicht ungeneiget währe / da es von mir gebührlich
und ohn verletzung meiner Ehren begehret würde / dessen Gemüht gegen mich
zuerfahren / ich grosses Verlangen trage / welchen nebest euch und meiner
herzlieben Frl. Schwester ich der kräftigen Obhuet meines allein wahren Gottes
empfele / als euer gehorsamster Sohn Herkules.
    Der GrossFürst betrübete sich sehr über sein Schreiben / welches die Königin
eigentlich wahrnahm / und zu ihm sagete: Gewisslich findet mein Herr Bruder
unangenehme Sachen in seinem Brieffe. Was sollte ich nicht finden / antwortete
er: Die fleisse Hartnäckigkeit in dem neuen Glauben lässet sich je länger je
stärker sehen / und dürfte er sich wohl gar unterstehen /das Fråulein auff seinen
neuen Gott hinzuführen. Dass wird ihm kein Mensch wehren können / antwortete die
Königin / dann wie ich meinen König heirahtete /musste ich mich dem Bömischen
Gottesdienst gemäss verhalten; Aber es ist Zeit / sagte sie / dass wir das
Abendmahl eiñehmen / hernach soll Leches erzählen /was ihm von unsern Kindern
wissend ist. Frl. Klara machte unter diesem Gespräch gute Kundschaft mit
Libussen / erkundigte sich / was vor Geschlechtes und Tugend Königs Ladisla
Gemahl währe / uñ trug so grosse Beliebung zu ihr / dass sie unter der Mahlzeit
bei ihr sitzen musste; weil sie auch merkete / dass sie mit künstlichem
Perlensticken umbzugehen wusste /baht sie dieselbe / ihr ein Armband von ihren
Haaren mit durchgesetzeten Perlen zumachen / welches noch desselben Abends
geschahe. Leches aber erzählete allen Verlauff / was mit seinen Gnn. Herren und
dem Fräulein sich zugetragen hatte / so wohl zu Padua als in den Morgenländern /
worüber der GrossFürst sich nicht wenig erfreuete / und aus väterlicher Inbrunst
anfing: O du mein wirdiger Sohn / du Zierde aller löblichen Teutschen
Ritterschaft: wollte Gött / du hättest Rom nie gesehen / noch ichtwas von dem
Christlichen Aberglauben gehöret / alsdañ würdestu dein /ja dein Teutschland biss
an die Wolken erheben. Leches wahr in seinem Christentuhm sehr eiferig (wie er
auch deswegen in seinem hohen Alter von den heidnischen Pfaffen erschlagen ward
/ und zugleich mit seiner Libussen die Krone du Märterer davon trug) kunte
demnach solche Reden unbeantwortet nicht lassen /obs ihm gleich hätte das Leben
kosten sollen / und sagete: Gnädigster GrossFürst / Eure Hocheit / bitte ich
/wollen das Christentuhm nicht vor einen Aberglauben schelten / nachdem kein
Mensch / ohn durch diese Lehre / die Seligkeit erlangen kann; Zwar ich bin auch
von meinem lieben Vater gegenwärtig / im Böhmischen heidnischen Unglauben
aufferzogen und unterrichtet / aber durch Gottes Gnade / und Hülffe meines Gn.
Fürsten Herrn Herkules / habe ich so viel gefasset / dass ich mich vor Teufel /
Tod / Helle und allen heidnischen Götzen / wie sie auch Namen haben mögen / im
geringsten nicht mehr fürchte / und wann ich tausend Köpffe hätte / müsten sie
alle springen /ehe ich die einmal erkannte Warheit verläugnen / oder den vorigen
Gottesdienst wieder annehmen wollte. Eure Hocheit verzeihen mir / bitte ich
untertähnigst /diese Kühnheit / dass ich sie und alle anwesende versichere /
dafern sie meinen Gn. Herrn / GrossFürst Herkules seiner Andacht sollten sehen /
und als einen ausbündig-gelehrten Christen reden hören / würden sie gewiss gewiss
den Kroden Teuffel und andere ihre ertichte Götzen vor ein kindisches
Menschen-geticht halten. Der GrossFürst hätte schier eine Ungnade auff ihn
geworffen / doch besan er sich / und antwortete mit scharffer Rede: Ritter / die
Jugend hat die Unart insgemein / dass sie das neue erhebet / und das alte mit
Füssen trit / daher wundert mich nicht / dass ihr eurem Alter nach / der Neuerung
ergeben seid; Weil euch aber eure Kappe biss auffs äusserste gefället /möget ihr
sie immerhin tragen / nur dz ihr in meiner Gegenwart euch mässiget / meine
Götter zuverkleinern. Leches erkennete / dass er über die Schnuhr gehauen hatte /
und baht untertähnigst umb Verzeihung / nicht dass er der Götzen halben solches
redete / sondern des GrossFürsten Ungnade von sich abwendete. Als er nun von ihm
er sich zu der Königin / und sagte; wie er von seinem Könige befehl hätte / 6000
wolversuchte. Böhmische Reuter zu werben so währe der Statalter zu Padua schon
in voller Arbeit / 7000 Römische Reuter zubestellen / bähte / Ihre Hocheit
möchte gnädigst einwilligen. Diese nun lobete solches Vorhaben / damit / sagte
sie / unsere Kinder in der wilden fremde auff allen fall geträue Leute umb sich
haben mögen. Hier sah Neda / dass zeit sein wurde /sein begehren vorzutrage /
fing demnach also an: Grossmächtigster GrossFürst / Gnädigster Herr / es würde dem
unvergleichliche Helde / Euer GrossFürstl. Hocheit Herrn Sohne eine sonderliche
Freude sein /dafern er etliche seiner angebohrnen Untertahnen bei sich haben /
und den Morgenländischen Fürsten tähtlich zeigen könnte / durch was
unüberwindliche Fäuste Teutsche Freiheit bisher wider die Römische Macht
beschützet und erhalten worden. Wann bei Ihrer Hocheit ich nun erlangen könnte /
dass vor baare Gelder ich eine Anzahl wolgeübete Reuter in ihrem Reich werben
dürffte / wollte ich ihnen die Anreits gelder vergnügen. Meine Völker /
antwortete der GrossFürst / dienen mir zwar und meinen Kindern umsonst / aber
wann sie ihr Blut vor andere wagen / wollen sie dessen trauen ergetzet sein;
Saget mir aber /was gedenket ihr auff ein Pferd zu geben? Meines gnädigsten
GrossFürsten Herkules Ehr uñ Ansehen zuerhalten / sagte Neda / gebe ich auff
jeden versuchten Reuter 50 Kronen baar; und von heut an gerechnet / verspreche
ich ihnen doppelten Sold / sagte Leches. So müsst ihr viel Kronen bei euch
führen / sagte der GrossFürst zu Neda / oder ihr werdet meiner Leute nicht viel
begehren. An guten Kronen fehlet mirs nicht / antwortete er / wann nur 6000
gewünschete Reuter diese Stunde hie währen / die Gelder zuempfangen; und
versichere sich Eure Hocheit / dass ihr Herr Sohn so viel Barschaften zu Padua
in Kasten stehen hat / damit er ein verfassetes Kriegs Heer von 50000 zu Ross und
150000 zu Fusse ein ganzes Jahr im Felde halten und befolden kann / welches ihm
der Römische Käyser selbst kaum nachtuhn sollte. Der GrossFürst bekam hieraus
allerhand Gedanken / was solches Geld wirken könnte / wann sein Sohn dereins ein
ErbReich mit dem Schwerte zugewiñen sich unternehmen sollte; doch setzete er
dieses bald beiseit / und sagte zu Neda: Weil mein Sohn Herkules nach Ehren
strebet / und Teutsches Lob weit auszubreiten bemühet ist / will ich ihm vor
dissmahl einen Reuterdienst tuhn / und ihm 6000 auserlesene Reuter meiner
Leib-Schaar ohn Entgelt hergeben / die bisher in mannichem Scharmützel wider die
Römer und andere Feinde sich haben finden lassen / dieselben will ich besolden /
so lange sie meinem Sohn zu dienste streiten /wo sie aber einem andern zum
besten gebraucht werden / sollen sie von demselben doppelten Sold haben. Nun
hatte der GrossFürst 8000 Reuter mit sich hergeführet / aus welchen er des
folgenden Morgens die versuchtesten 6000 nam / die ihm schwören mussten /seinem
Sohn Herkules / dem sie sollten zugeführet werden / in allem gehorsam zusein /
und wider alle seine Feinde / so nicht Teutsche oder deren Bundgenossen wären /
sich gebrauchen zulassen; übergab sie hernach Leches und Neda / und sagte: Da
habt ihr die begehrte Anzahl Reuter / welche / da sie sich scheuhen sollten /
auff 20000 Feinde zu gehen / ich sie aller ritterlichen Ehren unwirdig halten
wollte. Diese bedanketen sich wegen Herkules untertähnigst / gaben / ungeachtet
des GrossFürsten Verbots / einem jeden durch die Bank 20 Kronen / dessen die
hinterbliebene 2000 mit geniessen / und gleich so viel nehme mussten. Worauff der
GrossFürst sagete: Seid ihr auch zu freigebig von eures Herren Geldern. Nein /
gnädigster Herr / antwortete Leches / von diesen Kosten komt unsern Gn. Herren
nichts zu / sondern Neda gibts alles von seinem eigenen; und weil ich vielmehr
Gelder bei mir führe / als ich zu der Volker Unterhalt bedarff / bitte ich
untertähnigst / dass mir erlaubet sei /dem GrossFürstlichen Fräulein im Nahmen
ihres Herrn Bruders Herkules / eine Tonne Goldes auff meine Verantwortung zum
Beutpfennige einzuliefern. Der GrossFürst lachete des / und sagete: Was Brüder
und Schwester einander schenken / stehet ihnen frei; musste also das Fräulein
solche Barschaft zu sich nehme. Ritter Prinsla / Herr Stanisla Sohn / der
etliche Jahr her in Schweden und Liefland durch manniche löbliche Taht ein gutes
Lob erworben / hatte Leches / mit dem er in brüderlicher Freundschaft stund
/seine Ankunft erfahren / und erboht sich / 30 Pferde auff seine Kosten
auszurüsten / uñ seinem Könige zuzuzihen. Leches erfreuete sich dessen höchlich
/ und baht ihn / sich nach guter Ritterschaft umzutuhn /damit er deren 6000 in
geschwindester Eile zusammen bråchte / zåhlete ihm 200000 Kronen aus / und
bestellete ihn zum FeldObristen Wachtmeister über alle diese Böhmische Völker.
Dieser schickete alsbald 40 Werber aus / dass ein jeder 150 Reuter / die alle
schon gedienet hätten / oder zum wenigsten mit Gewehr zu Ross wohl umzugehen
wüsten / inwendig drei Tagen wohl beritten / herbei schaffen sollte. Herr Krokus
nebenst seiner Frauen und Tochter wurden auch nach Hofe gefodert / unwissend /
dz ihr Sohn Neda ankommen wahr / über dessen und seiner Eheliebsten Gegenwart
sie höchlich erfreuet wurden; insonderheit machten Brela und Terba vertrauliche
Schwesterschaft / und wurden alle vorige Missverstände gänzlich vergraben.
Prinsla hatte vor wenig Tagen sich in Terben sehr verliebet / gedachte / jezt
wåhre Zeit /durch seine Wase Libussen es fortzusetzen / offenbahrete ihr seine
Liebe / und baht umb Befoderung. Diese gab Brelen und Neda solches zu verstehen
/ die solche gewünschete Schwägerschaft nicht ausschlagen wollten / redete es
mit der Jungfer und ihren Eltern / und funden sie an allen Seiten darzu willig /
ward also des andern Tages ihre Hochzeit von der Königin auff dem Schloss
angestellet und frei gehalten. Brela liess auch in der Königin Nahmen ihre
Vormünder zur Rechnung fodern / deren einer / welcher aller ihrer Güter
Auffkünfte gehoben / und unnüzlich verschwendet hatte / sich vor harter Straffe
fürchtend /ihm selbst mit einem Stricke das Leben nahm / worüber Brela sehr
unmuhtig ward / auch zur Bezeugung ihres guten willens gegen die Witwe und sechs
nachgelassene Kinder / sie nicht allein aller Anfoderung frei und ledigsprach /
sondern der Witwen 8000 Kronen schenkete / und zwo Töchter / eine von 15 / die
andere von 12 Jahren vor ihre Leib Jungfern / Neda aber zween Söhne / einen 17 /
den andern 10 Jahr alt /vor seine Auffwarter zu sich nam / dessen sie im ganzen
Königreiche einen trefflichen Nahmen und hohes Lob bekahmen; Die übrigen beiden
Vormünder mussten von der Königin und dem Reichs Kanzler Herr Bretifla einen
scharffen Verweis annehmen / dass sie dem dritten allen Willen / mit fremden
Gütern zu schalten verstattet / und ihrem Ampte so unfleissig vorgestanden
währen / worüber sie in 4000 Kronen Straffe verdammet wurden / welches aber
Brela selbst los baht / und sie zu weiterer Vormundschaft über ihre Güter
bestellete / da sie alle Träue und Fleiss erwiesen. Des vierden Tages nach Leches
Ankunft waren 6000 Böhmen bei einander / unter denen 1200 ädle und 300 Ritter
sich stelleten; auch 300 junge Böhmische vom Adel / alle unter 19 / und über 14
Jahren / wurden von ihren Eltern mit geschikt / ihrem Könige in der fremde
auffzuwarten. Frl. Klara hielt bei Libussen an / mit ihr in Teutschland zuzihen
/und biss auf ihres Liebsten Wiederkunft ihr Gesellschaft zuleisten; auch wollte
die Königin Brelen bei sich behalten; nachdem aber diese sich entschuldigte
/ihrer Gn. Fräulein nachzihen zuwollen / trug Libussa eben dasselbe vor / und
sagte zu dem Fräulein in aller andern Gegenwart: Ob gleich Eurer Gn. ich eine
zeitlang auffwarten wollte / würde ich doch von ihrem Gn. Herr Vater nicht können
geduldet werden / dann ich bin eine Christin / und müste mich befürchten / dass
eure gottlose verlogene Kroden-Pfaffen mich wohl gar erwürgeten. Worüber der
GrossFürst mit einem lachen den Kopff schüttelte; wodurch aber sie erkühnet / zu
ihm sagte: Durchl. GrossFürst / ich weiss sehr wohl /dass alle Teutsche Pfaffen /
uns Christen vor unzüchtige schandergebene Menschen ausruffen / aber ich rede
alhie kühnlich aus / und sage / dass wer mein gnädigstes Fräulein und mich vor
eine solche hält und schilt / ich denselben vor einen Schelm und EhrenDieb halte
/ biss er uns solches überweiset / und wann Eure Hocheit solchen bübisschen und
diebischen Verleumdungen Glauben zumisset / handelt sie sehr unvorsichtig.
Leches winkete ihr / sich zumässigen / deswegen sie damit abbrach / und der
GrossFürst mit wenigem sagte / er wüste wohl / wie weit er gläuben oder nicht
gläuben sollte. An diesem Tage empfing Leches von der Königin / GrossFürstin uñ
dem Fräulein Schreiben / an Herkules / Ladisla und Valiska / und brachen des
folgenden Tages / welcher der fünfte nach seiner Ankunft wahr / ingesamt sehr
früh auff / da Terba in ihrer Gesellschaft mit fort ging / eileten auch nach
aller Mögligkeit nach Padua zu. Auff den Römischen Grenzen wollte man sie nicht
durchlassen /sondern etliche tausend zu Ross und Fuss verlegeten ihnen den Weg /
biss Neda seine Römische Bestallung / und des Statalters freien Reise-Brieff
aufflegete /worauff sie fortgelassen / und von 1000 Reutern nach Padua begleitet
wurden. Ihre Ankunft vor diese Stad erweckete nicht geringen Aufflauff / aber
Leches uñ Neda stilleten es bald / da sie hinein ritten / und die Völker
anmeldeten. Der Statalter samt Klodius und Markus zogen hinaus / sie zubesehen
/ die von Prinsla und dem Teutsche Herrn Wedekind in eine zierliche Feld-Ordnung
gestellet wahren. 2000 Teutschen führeten grosse SchlachtSchwerter / vor welchen
die Italiäner sich entsetzen / meinten nit / dass sie von Menschen Armen könten
geführet werden; aber der angestellete ertichtete Feldstreit zeigete ihnen den
ringfertigen Gebrauch deren / die damit bewehret wahren. Leches haht den
Statalter / dass ihnen ein Lager haussen vorm Tohr möchte gegönnet werden
/mussten aber auff dessen Geheiss alle in der Stad verleget / und als Bundgenossen
gehalten werden / da sie sich so fried- und genüglich bezeigeten / dass die
Inwohner ihnen Zeugnis gaben / sie währen nicht minder sitsam als streitbar.
Frau Sophia wahr ihrer Ankunft sehr froh / liess die 300 ädelknaben in Rot
Scharlaken mit güldenen Borten verbremet / kleide /und gab dem Heer schöne
Reuter Fahnen; Den Teutschen 30 Schneeweisse / in denen zu oberst der Nahme
HERCVLES, und allernähest darunter VALISCA, mit güldenen Lateinischen Buchstaben
/ in der mitte aber zween güldene Löuen gegen einander auffrecht stunde / welche
mit ihren rechten Tatzen dieses gekrönete Feur-roht-gemahlete Zeichen hielten /
unter dem zu Teutsch diese güldene Buchstaben geschrieben wahren: Sieg oder Tod.
Der Böhmen 30 Blutrohte Fahnen hatten oben den Nahmen LADISLA, und gleich
darunter SOPHIA, in der mitte einen güldenen Löuen und Adler /die oberwähntes
gekrönetes Zeichen hielten / mit dieser Böhmischen Unterschrifft: Ehre oder
nichts. Die 6000 Römische Reuter wahren auch schon beieinander / denen ein
tapfferer Römischer Herr / Nahmens Kajus Autronius vorgestellt wahr / hatten 30
Himmelblaue Fähnlein / in welchen zu oberst geschrieben stund: Sub HAC VMBRA
Securitas. Das ist / Unter diesem Schatten ists sicher; in der mitte aber der
grosse gekrönete Buchstabe R / und über demselben ein güldener Adler mit
aussgebreiteten Flügeln / zu unterst in den Fahnen / Virtute, Non Dolo. Das ist;
Durch Tugend nicht durch Betrug. Klodius uñ Markus hatten jedweder 500 trefliche
Reuter / und jeder nur ein Fahne / einerlei Gestalt / nur dass die eine grün /
die ander Pomeranzengelb wahr / oben in denselben stunden diese Worte:
Gratitudinis Symbolum. Das ist / Ein Zeichen der Dankbarkeit; in der mitte diese
gekrönete Buchstaben HL, so dass auf einer Seite das H, auff der andern Seite das
L fornen an stund; vor jedem Buchstaben sass ein geharnischter Ritter auff den
Knien /mit emblössetem Schwerte / und zu unterst diese Worte geschrieben: Pro
Dominis Cuncta. Das ist: Alles soll vor unsere Herren gewaget sein. Dieses Heer
/stark 19 tausend Reuter / kam des Morgens vor Padua an / und lagen die
folgenden beiden Tage daselbst stille. Des Tages vor ihrem Auffbruch empfingen
Leches uñ seine Gesellen / wie auch deren Eheliebsten von dem Statalter und Fr.
Sophien / Brieffe und Befehl / was bei unsern Helden sollte bestellet werden /und
schenkete der Statalter Leches eine grosse güldene Kette mit des Käysers
Brustbilde / als einem Fürstlichen Abgesanten / da Fr. Sophia zu demselben
sagete: Ich darff mein liebes Söhnlein / welches erst drei Monat alt ist / weder
verlassen / noch auff dem ungestümen Meere wagen / sonst dürfte ich in
Gesellschaft mit reisen; was ich aber eurer Liebsten schon anbefohlen / will ich
euch auch fest eingebunden haben / dass ihr eurem Könige und GrossFürsten / meinem
Gemahl und Bruder saget / ich lasse sie geträulich warnen / dass sie nicht /
ihrer Art nach / sich in den grösten Gefährligkeiten ohn Noht zu tieff wagen
/und nach der Fräulein erlösung sich durch anderer Leute Freundschaft nicht
auffhalten lassen; ich nebest meiner Fr. Mutter und allen Christen zu Padua
wollen vor sie zu Gott im Himmel fleissig behten / welcher auch unsere Seufzer
erhören wird; gönnet uns dann der barmherzige JEsus / dass wir frölich wieder
zusammen kommen sollen / werde ich schon darauff bedacht sein / euch eine
sonderliche Belohnung bei meinem Gemahl zuerwerben; vor dissmahl bin ich nur auff
der Völker Unterhalt bedacht / dero behueff ihr acht Tonnen Goldes zuempfangen
habet / und sind die Schiffe mit Speise / Trank / und Futterung überflüssig
versehen. Hernach liess sie etliche fuder Wein hinaus vor das Tohr auff den Platz
führen / woselbst Fulvius von Ladisla erleget wahr / da die Teutschen und Böhmen
sich in zwo Hauffen lagerten / und mit grossen Humpen dergestalt auffeinander
stürmeten / ob wollten sie einander zu Tode sauffen / doch wurden die Teutschen
endlich der andern Meister und erstritten den Sauffpreiss. Da hätte man nun bei
diesem Gelage ein Gesinge hören sollen von ihren alten Helden / welches so wüste
und verwirret durch einander ging auch so gar ohn Liebligkeit / dass es allen
Zusehern ein Grausen verursachete / und ins gemein wünscheten /der Himmel möchte
sie vor der Teutschen Feindschaft behüten. Unterschiedliche Teutschen wurden
über dem Trunk uneins / meinten / ihnen währe nicht gebührlich bescheid getahn
/ sonderlich beim Gesundheit-Trinken; nicht / dass nicht alles rein aussgesoffen
währe / dann dieses hätten sie vor einen unablöschlichen Schimpff gerechnet /
welcher ihnen in allen ehrlichen Gelagen verweisslich auffgerücket werden müssen;
sondern nur / dass dieser oder jener Gebrauch aus unacht unterlassen / oder das
weite Gefäss nicht auff einmal und in einem Atem aussgeleeret / oder etwas neben
hin getrüpfet währe; hierüber zanketen sie sich anfangs / folgete dañ ein
Scheltwort / zog der ander die Faust / und schlug jenen übers Maul dass die rohte
Suppe folgete; dieser verblutete sich zuvor / und nach dem er sich gewaschen
hatte / foderte er jenen aus /und zerschlugen sich mit Fäusten drei
unterschiedliche gänge / dass ihnen die Augen im Kopffe zuschwollen / meinten
dann / sie hätten ihren Ehren gnug getahn / und vertrugen sich mit einem
Handschlage / so dass ihres Streites weder von ihnen selber noch von einigen
andern gedacht ward. Ein einfältiger / doch handfester teutscher Ritter / da ihm
der Wein zu Häupte stieg / liess ihm ein Glas von zwei Massen einschenken /
fassete es in den Arm und ging der SchauBühne zu / auff welcher der Statalter
mit den Paduanischen Rahts Herren und vornehmen Frauenzimmer sass / kniete vor
dem Statalter nider / und brachte ihm seines GrossFürsten Herrn Henrichs
Gesundheit auff einen Trunk; die ganze Gesellschaft lachete über laut / meinten
/ es währe unmöglich / dass ers enden würde / aber er hütete sich fleissig / dass
kein Tröpflein neben hin lauffen musste / hielt sein versprechen ehe mans inne
ward / kehrete das Glas umb / und ging hin / es wieder einschenken zu lassen.
Der Statalter fragete Leches / wie er dieser unmöglichen Anmuhtung abkommen
sollte; der ihm zur Antwort gab / dafern es nicht in güte geschähe / würde dieser
es vor ja so grosse Schmach aussruffen / ob währe sein GrossFürst an seinen
höchsten Ehren geschändet: worüber gar ein Auffstand sich erheben dürffte;
möchte demnach der Statalter das Glas annehmen / und ihn als seinen Dolmetscher
reden lassen. Jener kam mit der streichvollen Humpe daher getreten / dass er ja
kein Tröpflein verschütten möchte /und überreichete es sprechend: Sein GrossFürst
währe ein so redlicher frommer Herr / dessen Gesundheit zu trinken sich kein
rechtschaffener Kerl wegern würde. Der Statalter empfing es willig / da Leches
zu diesem sagete: Ritter / ich werde nicht unterlassen / eure Träue zu rühmen;
weil aber der H. Statalter erst neulich des Fiebers wieder genesen / und ihm
unmöglich ist / bescheid zu tuhn / werdet ihr ihm gerne zu lassen / dass er
etlichen des Frauenzimmers daraus schenke. Dieser gab vor / er hätte redlich
aussgetrunken / doch nähme er die Entschuldigung an / und erläubete ihm /dreien
Jungfern zu schenken / inmittelst wolete er hingehen / und eine andere
Gesundheit anfangen. Der Statalter nam diese Gelegenheit in acht / reichete
seinen Dienern das Glas hin ausszutrinken / und als der Teutsche wieder
umbkehrete / setzete er das leere Glas an den Mund / dass jener meinte / er
hätte den grösten Teil allein zu sich genommen / wahr wohl zu frieden / und fing
alsbald Königes Ladisla und dessen Gemahls Gesundheit an / die er Leches brachte
/ und ihm so genaue zu sah / dass er in einem Trunke musste bescheid tuhn. Der
Teutsche hatte noch das dritte Glas neben sich gestellet / daraus trunk er
GrossFürst Herkules Gesundheit Neda zu / der ihn auch befriedigte. Das
Frauenzimmer wähnete / der Teutsche würde des vielen Weine bersten / welcher
aber in sich selbst singend davon ging / und sich gegen eine Hecke stellend /
sein Wasser ungescheuhet liess nach dessen verrichtung er zu seiner Gesellschaft
sagete: Wann ichs nicht getahn hätte / währe euer wohl keiner der Bescheidenheit
gewesen / dass er jenen vornehmen Herren einen Trunk gebohten hätte; über welcher
Einfalt alle Zuseher zum Gelächter gereizet wurden. Die trunken Bolten / nachdem
weder Hände noch Füsse mehr gehorchen wollten / blieben unter dem freien Himmel
biss an die Morgenzeit liegen / gingen hernach hin / und bahten von ihren Wirten
das Morgenbrod / weil sie bald auffsitzen und fortzihen müsten; welches ihnen
willig gereichet ward / dann der Raht daselbst bezahlete alles / und ordneten an
/ dass jeder Wirt seinem Reuter drei Kronen auff die Reise schenken musste; wovor
Leches und Neda sich hoch bedanketen / nicht zweifelnd / ihre Gnn. Herren /
würden es hinwieder zuverschulden wissen; nahmen damit Abscheid / und schieden
frölich davon nach dem Meer hinzu / da eine grosse Menge Schiffe ihrer wartete.
Fr. Sophia / Ursula und Sibylla gaben dem reisenden Frauenzimmer das Geleit biss
ans Meer / da Ursula Euphrosynen ein Schreiben an ihren lieben Fabius zustellete
/ in welchem sie ihm sein Nichtschreiben höchlich verwies / und daneben zu
wissen taht / er würde auff glückliche Ankunft sein liebes Söhnlein den jungen
Fabius finden. Im ausszihen hatten Klodius und Markus mit ihren Völkern den
Vorzug / ihnen folgeten die Teutschen unter Leches / der sonst GrossFeld Herr
wahr; nach ihm ritten die Böhmen unter Prinsla / und hatte Neda als ein
Römischer bestalter mit den 6000 Italiänern den Nachzug. Des Abends kahmen sie
bei den Schiffen an / blieben die Nacht über liegen / und nach dem Fr. Sophia
des Morgens sehr früh von ihnen Abschied genommen hatte /huben sie die Anker
auff und segelten mit gewünschetem Winde davon; da die Römischen als des Meers
erfahrene voran gingen / in der mitte die Teutschen /und die Böhmen hinten zu
lezt blieben. Das Wetter fugete ihnen sehr wohl / und gingen ohn hindernis Kreta
vorbei / biss sie fünff mächtige Raub-Schiffe sahen / welche sich an drei
Italiänische / die das Meer durchsucheten / gehenket hatten / und sie hart
bestritten / aber die teutschen SchlachtSchwerter gingen mit vier Schiffen auff
sie / matzeten alles nider und funden bei diesen Skyten / (die aus dem
Euxinischen Meer bei Bisanz / jetz Konstantinopel genennet / in das Egeische
gelauffen / und viel KauffmansSchiffe beraubet) eine trefliche Beute an Geld und
Waaren /über 21 Tonnen Goldes gerechnet / welche folgender Gestalt aussgeteilet
ward. Die fünff ädle Frauen bekahmen jede 80000 Kronen; jeder Ritmeister / deren
94 waren / 4000 Kronen; gleich so viel Unter Rittmeister und Fähndriche / jeder
1500 Kronen; die Unter Kriegs-beamten jeder 250 Kronen / und endlich jeder
gemeiner Reuter 50 Kronen. Herr Wedekind /Autronius und sieben andere / teils
Teutsche / teils Böhmen / bekahmen jeder 12000 Kronen; und ward das übrige /
71500 Kronen unter die Schiffleute geteilet / welche hiedurch zur Arbeit willig
gemacht wurden / dass sie in kurzer Zeit zu Tyrus anländeten / da sie nach
auffgelegtem Käyserlichen Schein (welchen Herr Fabius zeitig genug zu Rom
lossgewirket hatte) aussstiegen / den nähesten Weg durch Syrien auff Damaskus nach
dem Eufrat nahmen / und ihnen allentalben frei Futter und Mahl geschaffet ward.
    Wir kehren uns wieder hin nach den Partischen Grenzen / umb unsern Herkules
nach Charas zu begleiten / welcher mit seiner geringen Gesellschaft sehr fort
eilete / uñ Gott ohn unterlass fleissig anrieff / weil er wohl erkennete / dass ohn
dessen sonderlichen Beistand ihm sein Vorhaben unmöglich fallen würde. Timokles
wahr seiner Ankunft sehr froh / und berichtete ihn / was massen er von dem
Fräulein Befehl bekommen / inwendig sechs Tagen nach Persepolis zu reiten /
dafern er nicht würde ankommen sein / weil Artabanus trefliche Bereitschaft auff
das Beilager machen liesse / welches etwa noch neun Wochen aussstünde. Herkules
foderte alsbald ein Schreibezeug /und verfertigte diesen Brieff an sein Gemahl.
    Herzgeliebter Seelen-Schaz; nach dem wir vor wenig Tagen des Königes Heer
gänzlich aufgerieben / welches alhier noch nicht ruchtbar ist / bin ich nach
gehaltener Schlacht stündlich auffgebrochen / meinen Vorsaz / eure Erlösung
betreffend / ins Werk zurichten / wozu der Almächtige Glük und gewünscheten
Fortgang verleihen wolle. Es wird aber nöhtig sein / dass eure Liebe sich alsbald
auff etliche Barschaften schicke / umb selbe unter ihrem ganzen Frauenzimmer
ausszuteilen / und zu verschaffen / dass eure Hoffmeisterin etlichen Krämerinnen
einen freien Zutrit auff euer Schloss mache / mit welchen ich geliebts Gott
Morgen bei euch sein / und euch mit verstelletem Angesicht in gestalt uñ
Kleidung (welche ich schaffen werde) einer Krämerin davon zu führen mich bemühen
will / da inzwische euer Frauenzimmer mit den Krämerinnen ihre Kauffmanschaft
etliche Stunden treiben müssen / damit unsere Flucht nicht so zeitig ruchtbar
werde. Geichjezo gehe ich hin nach dem Könige / ihm anzumelden / was gestalt ich
auff meiner Reise nach Prag / in Mesopotamien von Phraortes Leuten beraubet /
alle Sachen und Brieffe verloren habe. Gott mit uns zu allem Glücke / woran wir
nicht zweifeln wollen / dann Gott ist mit uns.
    Als er diesen Brieff zusammen gelegt / und in den hohlen Pfeil verschlossen
hatte / sagte er zu Timokles; schiesst dem Fräulein diesen Pfeil zu / und tuht
ihr meine Ankunft durch das ehemahlige Zeichen zu wissen. Dieser wahr geschwinde
fertig / ging hin uñ fand das Fräulein am Fenster stehen / da sie ihr Gebeht zu
Gott richtete / und ihn von Herzen anrieff / dass er sich über sie gnädig
erbarmen / uñ ihren Gemahl zu rechter Zeit hersenden wollte / damit sie nicht
durch Gewaltähtigkeit / ihrer Ehren beraubet / und dem Gottlosen Könige in
Ehebruch zuteile würde. Dieses Gebeht hatte sie kaum geendet / da sah sie
Timokles das weisse Tuch umb den Kopff schwingen / und den Bogen im Arme halten
/ welcher bald spannete / den Pfeil hinauff schoss / und alsbald wieder davon
ging. Ach du allergnådigster Gott / sagete sie / nun ist es helffens zeit! fiel
nider auff ihr Angesicht / und behtete mit häuffigen Trähnen das Vater Unser und
etliche BehtPsalmen Davids / richtete sich hernach in fester Hoffnung zu Gott
wieder auff / und hohlete den Pfeil /der ungezweifelten Zuversicht / er würde
der lezte sein. Nach Verlesung des Anschlages / welcher ihr wohl gefiel / soderte
sie ihre Hofmeisterin vor sich /und nach freundlicher Empfahung sagte sie zu
ihr? Allerliebste Freundin / ich müste wohl undankbar gescholten werden / wann
die mir von euch erzeigete vielfältige Freundschaft ich nicht erkennen würde
/durch welche ihr nicht allein mich in meinen Trübseligkeiten getröstet /
sondern auch nach äusserstem Vermögen euch bei dem Könige bemühet / ihn von dem
zu frühzeitigen Beilager abzuhalten / welches nunmehr in kurzer Zeit glücklich
und mit meinem guten Willen vor sich gehe wird / da ich euch dann zu meiner
obersten KammerFrauen bestellen / und eurem Sohn die bewusste freie Herschaft
bei dem Könige loswirken will. Nachdem ihr aber wisset / dass ich auch gegen mein
anwesendes Frauenzimmer gute Neigung trage / und willens bin / ihnen samt und
sonders eine behågliche Gnade zuerzeigen / möchte ich zuvor einer jeden Sinn und
Wille gerne prüfen; worzu ich dann drei unterschiedliche Mittel ausgesinnet
habe; Das erste ist Kauffmanschaft / das andere der Trunk /das dritte und lezte
einer jeden selbst eigener Wunsch. Morgen früh aber will ich mit dem ersten den
Anfang folgender gestalt machen; Ihr sollet mir dieses Kleinot um baare Gelder
verkäuffen / die will ich unter mein Frauenzimmer verteilen; Hernach werdet ihr
euch bemühen / etlichen fremden Krämerinnen mit selzamen Wahren nachzufragen /
die sollet ihr morgen zeitig früh herauff führen / dass meine Leute in eurer
Gegenwart mit ihnen kauffschlagen / da ihr dann einer jeden tuhn und lassen /
genaues dingen / und unterschiedliche Lust zu dieser oder jener Waare / so viel
möglich ist / fleissig anmerken / und mir davon bericht tuhn müsst / doch also
/ dass ihr durchaus keiner einredet /sondern einer jeden freien Willen zu handeln
lasset; und ob euch dieses mein beginnen gleich anjezt fremde und kindisch
vorkommen möchte / sollet ihr doch zu seiner Zeit von mir gnug berichtet werden
/ zu was Ende es von mir also angestellet sei. Gn. Fräulein /antwortete die
Hofmeisterin / Euer Gn. hohe Vernunft weiss solche verborgene Sachen zuerdenken
/die ich und meines gleichen nicht begreiffen mögen /wiewol ohn zweifel Eure Gn.
aus dieser Handlung viel Eigenschaften der Gedanken und des Willens unsers
Frauenzimmers erkündigen wird; und däucht mich schon / ich sehe mit Lust an /
wie eine jede bald dieses bald jenes angreiffet / und sich selbst nicht erklären
kann / was sie kauffen soll oder nicht. Darzwischen sollet ihr kein Wort reden /
sagte das Fräulein /ob sie gleich biss an den späten Abend wählen oder dingen
würden. Die Hofmeisterin versprach allen Gehorsam / liess durch ihre Magd das
Kleinot umb 2000 Kronen verkauffen / und stellete dem Fräulein das Geld zu / die
solches in 15 gleiche Teile legete / und durch die Hofmeisterin unter dem
Frauenzimmer austeilen liess / verwendend / dass sie davor morgen ein Jahrmarkt
kåuffen sollten / da die Krämerinnen sich schon finden würden. Inzwischen ging
Valikules nach des Königes Schloss / und gab mit traurigen Geberden sich bei
dem Hofmeister Herr Bagophanes an /wie es ihm leider gar unglücklich auff der
Reise ergangen währe / in dem seine eigene / ihm von Phraortes zugegebene Reuter
/ zu Schelmen worden / seine beladene Maul Esel geplündert / seine 20 Partische
ädle Gefärten ermordet / und ihn gleichergestalt erschlagen wollen / währe ihnen
aber durch seines Pferdes Geradigkeit entrunnen / und bähte demühtig / Ihre Gn.
möchten ihm bei Königl. Hocheit Gnade und Vergebung erwerben; es währe von ihm
nichts verwahrloset / sondern die Bosheit seiner ungeträuen Gleitsmänner hätte
er nicht hintertreiben können. Bagophanes tröstete ihn / sein König währe so
grausam nicht / dass er dergleichen fälle nicht erkennen sollte /ging straks hin
zu demselben / und sagte zu ihm: Allergnädigster König / es ist einer Ihrer
Königl. Hocheit Diener im Vorhofe / der in Unglück gerahten / und seine
anbefohlene Verschickung wegen boshaften überfalles nicht hat verrichten können
/ bittet untertähnigst umb Gnade und Lebensfristung. Der König erschrak dessen /
und fragete: Hat etwa Madates durch Verwarlosung die herrlichen Völker auff die
Fleischbank gefüret? Er ist vor weniger Zeit uns im Schlaffe vorkommen / als
steckete er gar im Blute biss an die Ohren. Davor behüten uns die Götter /
antwortete Bagophanes / dieses Blut wird kein Partisches sondern lauter
Persisches bedeuten; Es ist aber der Teutsche Valikules / unser Gn. Fräulein
Herkulisken Diener / welcher zwischen dem Eufrat und der Tiger beraubet ist. So
mögen die Räuber sich der Beute wohl freuen / sagte Artabanus / dann sie haben
über 15 Tonnen Goldes wert von ihm bekommen; lass ihn aber hervor treten / dass
wir nach gestalten Sachen mit ihm verfahren mögen. Dieser rief ihm herzu / und
sagete: Jüngling / bekenne nur recht zu / wie es ergangen ist /so hastu keine
Gefahr. Valikules trat ehrerbietig hinein / taht einen Fussfall in sonderlicher
Demuht und sagete: Allergnädigster und Gerechtester König; wann ein Diener
seines Herrn Befehl durch Verseumniss /Unachtsamkeit oder Unträue übertrit / und
dessen Schaden verursachet / muss er billich ohn Gnade deswegen gestraffet
werden; ob er aber Barmherzigkeit verdiene / wann er durch Unfall / wie mir
leider begegnet ist / den Zweg seiner Träue nicht erreichen kann / will Eure
Königl. Hocheit ohn alle Bedingung ich gerne zum Richter leiden. GrossFürst
Phraortes hat nach gnädigstem Königl. Befehl mir und meinen Gesellen 50 Reuter
zugeordnet / welche / so bald sie zwische dem Tiger und Eufrat Flusse sich
befunden /haben sie mir alle Briefe / samt den Kleinoten und Geldern abgenommen
/ meine Gefärten ermordet /und mich in der Flucht verfolget / deren ich drei
nidergemacht / und dadurch Lufft bekommen / meines schnellen Pferdes mich
zugebrauchen / dem ich auch mein Leben vor dasmahl zudanken habe; so bald es
mich über den Tigerfluss zurück getragen / ist es unter mir nidergefallen / daher
ich manniche Gefahr unter den wilden Tihren und Räubern überstanden / denen ich
zu unterschiedlichen mahlen wunderlich entgangen / auch einen zimliche Weg mich
durch das Land hindurch gebettelt / da mich unterschiedliche Persische Werber
angepacket / denen ich entrunnen / und ein gutes Pferd mit davon gebracht habe.
Diesem nach bitte Ihre Königl. Hocheit ich untertähnigst / mich alles ungleichen
Verdachts allergnädigst zuerlassen /und mir Barmherzigkeit zuerteilen. Zwar es
ist ein grosser Schade und Verlust / welchen ich erlitten habe / sollte ich aber
dermahleins wirdig geachtet werden /wider Ihrer Königl. Hocheit Feinde im Kriege
gebraucht zuwerden / will ich nicht ruhen / biss ich solchen Verlust wieder
eingebracht habe. Bei uns bistu wohl entschuldiget / sagte der König / aber wie
wirstu deinem gebietenden Fräulein wilkommen sein? Eben dieses ist zwar meine
höchste Furcht / antwortete er /getröstete mich aber / dass wann das
höchst-geweihete Häupt Gnade erzeiget / die Nebenglieder sich auch pflegen
finden zulassen / und hoffe / meiner Gn. Fräulein Hofmeisterin werde auff meine
Bitte mir Gnade erwerben / nachdem sie meines unfalls wird verständiget sein;
doch gehe es mir nach des Himmels Verordnung / so will ich dannoch lieber in
meiner Unschuld sterben / als dass ich hätte ausreissen / mich bei den Feinden
Ihrer Hocheit in Dienste einlassen / und vor einen verlauffenen Schelmen mich
ausruffen lassen sollen. Als er dieses geredet / und der König / die
Hofmeisterin herzuhohlen / Befehl erteilet hatte / zeigete ein ädelknabe an / es
währe ein Schreiben bei Königlicher Botschaft einkommen / welches an Ihre
Hocheit hielte / reichete es zugleich über / und lase Artabanus folgenden
Inhalt: König Ladisla aus Böhmen / nachdem er von Artabanus Könige der Parten /
an seiner Königlichen Wirde und ritterlichen Ehren / durch unterschiedliche
Schmach / die ihm Artabanus nit unbewust sind / höchlich verletzet ist /
gestehet hiemit / und krafft dieses / dass gedachter Artabanus daran nicht als
ein König / sondern boshafter Schmäh Vogel gehandelt /welches er wider ihn in
einem absonderlichen Kampffe /Mann an Mann / behaupten will; fodert hiemit
denselben aus / an den Persischen Grenzen zuerscheinen / oder da er sich dessen
wegert / soll er als ein verzagter nicht-werter ausgeruffen werden / von seinem
geschworen Feinde Ladisla.
    Artabanus erzürnete sich hierüber dergestalt / dass er den Briefeträger mit
eigener Faust niderhieb / stellete sich nicht anders als ein Wahnwitziger / und
zuriss den Brief mit Händen und Zähnen in kleine Stücke / da er bei aller seiner
Macht schwuhr / nicht zuruhen / biss er diesen undankbahren unwerten Buben zur
gebührlichen Straffe gezogen hätte; doch kunte kein Mensch erfahren / von wem
das Schreiben kähme / oder was dessen Inhalt währe / sondern nachdem er
ausgeraset hatte / fragete er Valikules / ob er in der Rükreise bei Phraortes
gewesen währe; O nein / antwortete er / es währe mir zu ferne dahin / und nicht
zurahten gewesen / massen ich nicht weiss / wessen Eure Hocheit sich zu ihm
zuversehen hat / weil sich heimliche Abgesanten von dem abtrünnigen Persen bei
ihm finden liessen / mit denen man / wie ich ohngefehr hörete / gnug gefährliche
Sachen handelte /dass Eure Hocheit ihm im grunde nicht zutrauen hat; Zwar er
stellete sich gegen mich zimlich / aber / dafern er / wie man ausgeben will / ein
Glied der abtrünnigen Verbündnis sein sollte / dürffte ich schier nicht zweifeln
/ er hätte seinen Reutern selbst befohlen /das Bubenstük zubegehen. Eben das
sind auch unsere Gedanken / antwortete der König / daher wir gelegenheit finden
werden / uns an diesem träulosen Buben zurächen / dem wir alle Königliche milde
Gnade erzeiget; Weil du aber so grosse Zuversicht auff die Hofmeisterin setzest
/ welche dorter kömt / kanstu dich bei ihr melden. Er verrichtete solches auffs
beste / rühmete ihre Weissheit / durch welche sie bei seinem Gn. Fräulein in so
hohem ansehen währe / klagete ihr sein Unglück mit wehmütigen Worten / und baht /
dass sie sein Vorsprach sein / und der Fräulein Gnade ihm erwerben wollte; Worauff
er ihr allen Verlauff erzählen musste / und sie ihn hiess getrost und gutes muhts
sein / sie wollte es schon wissen recht zukarten / und müste er ihren ersten
Eifer vorbei gehen lassen / und ihr nicht so bald vor die Augen kommen.
Artabanus foderte sie nachgehends absonderlich vor sich / und fragete nach der
Fräulein Wolergehen / da sie dann deren hohe Liebe gegen den König nicht gnug
zurühmen wusste / gab vor / sie zürnete nicht wenig auff ihre Fr. Mutter / welche
sie aus Unbedachtsamkeit der Göttin Vesten verlobet / uñ sie hiedurch von dem
hochgewünscheten Beilager so lange währe aufgehalte worden / zählete alle Tage
der übrigen Wochen /und begehrete nichts liebers als deren Erfüllung; auff ihren
dumkühnen Bruder und Oheim aber währe sie noch dergestalt erbittert / dass der
gefassete Hass unversöhnlich schiene. Wir erfreuen uns des guten Willens /
antwortete er / werden es auch zuvergelten unvergessen sein; aber kommet doch
ihrem Diener Valikules bei ihr mit einem guten Worte zu hülffe / nachdem der
arme Tropff an solchem Unfall allerdinge unschuldig ist / dann sonst würde er
sich nicht wieder eingestellet haben / und vermeldet ihr unsere Gnade und
Gewogenheit. Als sie nun wieder von dem Könige ging / folgete ihr Valikules nach
/ fragete nach der Fräulein Wolergehen / und baht / nach erhaltener Gnade ihm
auff morgen früh einen Zutrit zu ihr zumachen / damit er sich selbst bei ihr
entschuldigen könnte. Ja / sagte sie / dafern Ihrer Gn. es von mir nur kann
eingeprediget werde / dass sie euch ihr Angesicht sehen lasse. Solte Ihre Gn.
sich dessen so hart weigern / antwortete er / so zeigt ihr an / ich habe etwas
von ihrem Bruder und Oheim auff der Rükreise erfahren / welches ich zuvor Ihrer
Gn. offenbahren müsse /ehe es dem Könige gemeldet werde. Dieses dürffte euch
helffen / sagte sie / jezt aber habe ich nicht länger Zeit mit euch zurede /
weil ich fremde Krämerinnen auszuhören von ihrer Gn. befehlichet bin. Er
verwunderte sich / dz schon so gute Anordnung gemacht wahr / liess sich doch
nichts merken / dann er seine beiden ädelknaben schon verkleidet / und mit ihren
Kramlädichen auff die Schlossgasse gestellet / welche die Hofmeisterin ersehend /
alsbald fragete / was vor Waaren sie feil trügen. Die eine / so überaus
geschwätzig und verschlagen wahr / antwortete: Sie hätten allerhand fremde
kostbahre Sachen erst vor wenig Stunden aus Indien gebracht / desgleichen dieser
ends wenig / oder wohl gar nicht zufinden währen / bähten sehr / Ihre Gn. möchte
ihnen gute Kundschaft zur Handelung geben / welches sie mit einer möglichen
Verehrung vergelten wollten. Mich bewäget eure Verehrung nicht / antwortete sie /
aber stellet euch morgen früh zeitig vor jenem zierlichen Schloss ein /
daselbst will ich eurer wahr nehmen / und euch guten Verdienst schaffen. Ihr aber
/ sagte sie zu Valikules /lasset euch bei ihnen finde / so kann ich euch wissen
lasen / wessen mein Gn. Frl. gegen euch gesiñet sei; ging damit nach dem
Schloss / uñ Herkules mit den Krämeriñen nach seiner Herberge / denen er annoch
nit eigentlich vertrauet hatte / wozu er sie gebrauchen wollte / biss des folgende
Morgens nam er sie in Gallus uñ Timokles gegenwart vor sich / uñ redete sie
folgeder gestalt an: Wolauf ihr ädle geherzte Junglinge /heut diesen Morge
sollet ihr euch bei eurem GrossFürste Artaxerxes / will nit sagen bei mit /
dergestalt beliebet machen / dz eure Glukseligkeit aller andern eures gleichen
weit übertreffen soll; dann die allertreflichsten Herrschaften in ganz Persen /
Meden und Assyrien sollen zu eurer freien Wahl stehen / welches ich euch bei
meinen Gross-Fürstlichen Ehren verspreche. So höret nun / was vor geringe Dienste
ich von euch fodere; Jezt sollet ihr die Krämer Kleider wieder anlegen / mit
euren bewussten Waaren euch vor das bezeichnete Schloss verfügen / und auf einem
absonderlichen Gemache dem Frauezimmer alles feil bieten; diese nun müsst ihr
mit kurzweiligen Reden und kauffdingunge / auch abwechselung der gezeigeten
waaren etliche Stunden lang auffzuhalten wissen /nach deren verlauff / ob ihr
gleich weder Waaren noch Gelder mit bekähmet / sollet ihr die Kramer Kleidunghie
in der Herberge ablegen / und mir des bezeichneten Weges nachrennen. Die
Jünglinge bedankete sich des hohen Versprechens / wollten schon wissen den Sachen
recht zu tuhn / und alles nach Wunsch zu verrichten. Also musste der eine zwei
Kleider übereinander anzihen / dass das Fräulein könnte bekleidet werden / und
hielten Gallus und Timokles sich zum schleunigsten Auffbruch fertig / nachdem
sie den Wirt zu Dank vergnüget hatten. Des vorigen Abends hatte die
Hoffmeisterin ihrer Meinung nach trefliche Mühe / ehe und bevor sie dem
beraubeten Valikules völlige Gnade bei dem Fräulein erwecke kunte / dann wie sie
dessen Bitte und flehliches Ansuchen bester massen anbrachte / seine Unschuld
beschrieb / und dass nicht allein der König ihm gänzlich verzihen / sondern auch
gnädigst begehret / eine Vorbitte bei ihrer Gn. seinetwegen einzulegen /
antwortete sie: O mein gnädigster König und ihr / geliebte Freundin / seid gar
zu gnädig; sollte man einem solchen unvorsichtigen Menschen so bald verzeihung
zusagen? Nein so schlecht muss er mir nicht entwische; wer weiss / ob er auch
unschuldig ist? ja wer weiss ob es nicht eine angelegte Karte sein möchte? Ich
will schon wissen / durch allerhand tieffe Nachfragen ihn auff die Bewehrung
zustellen / befinde ich ihn dann in seiner Verantwortung wanken / alsdann tröste
ihn Gott; mit dieser Hand will ich ihm seinen verdienten Lohn geben; trauen 15
Tonnen Goldes lassen sich so leicht nicht verschmerzen /dass man nicht eins
Kundschaft abgehen lassen sollte. Ach mein gnädigstes Fräulein / sagte die
Hoffmeisterin / eure Gn. wollen sich nicht ohn Ursach eifern /noch über ihren
geträuen Diener einen unverdieneten Zorn fassen; betrachtet / bitte ich / dass er
so from gewesen / und sich wieder eingestellet hat / steckete er in Schuld /
würde er entweder gar mit andern davon gelauffen sein / oder zum wenigsten bei
euer Gn. unfreundlichem Bruder Schuz gesuchet haben; wolle demnach eure Gn. sich
gefallen lassen / ihn Morgen früh zu hören / und auff befindung seiner Unschuld
(woran ich nicht zweifele) ihm Gnade erzeigen; und O wie glückselig würde ich
mich schätzen / wañ ich vernehmen sollte / dass nicht allein des Königes / sondern
auch meine unwirdige Vorbitte statt und raum gefunden hätte. Valiska sass ein
wenig als in Gedanken /und gab hernach zur Antwort: Valikules Valikules /du hast
einen guten Engel angebehtet / der dir gerahten hat / diese kräftige Vorbitterin
anzusuchen; dann versichert euch / meine geliebte Freundin / dz ich mehr euer
Ansehen / als meines Dieners Schuld oder Unschuld bei mir gelten lasse / massen
vor eure Wolfahre so viel Geld in die Schanze zuschlagen / ich mich nicht lange
bedenken würde; so sei er demnach schuldig oder unschuldig / ihm muss euret / ja
bloss allein euret wegen verzihen sein / wiewol michs erfreuet / dass beides ihr
und mein König ihn vor unschuldig haltet / und ihr vor einen schuldigen zu
bitten euch nicht bewägen lasset; also werde ich ihn zu hören mich ferners nicht
wegern / aber solches muss morgen in aller frühe geschehen / gestaltsam ich heut
ohngefehr in meinem Jahrbuche gefunden / dass Morgen der unselige Tag ist / an
dem mein geliebter Herr und Vater Todes verblichen / welchen ich jährlich mit
fasten und behten in aller Einsamkeit zu begehen pflege / auch Morgen also
begehen will; sollte er nun vor sieben Uhr sich nicht einstellen / alsdann kömt er
umbsonst / und erinnere ich euch bei meiner Hulde und Freundschaft / dass kein
Mensch / wer der auch sein mag / den ganzen Tag über biss an ben Abend mich in
meiner Andächt störe / biss ich euch selber zu mir ruffen werde. Die gekauften
Waaren können mir des folgenden Tages noch zeitig gnug gezeiget werden / nur dass
ich sie bei den Krämerinnen / ehe sie gekauft werden / sehen möge. Wer wahr
froher als die Hoffmeisterin / die sich hierüber dermassen auffbliess / dass sie
meinte / sie würde dereins mit ihr in gleicher Herrschaft sitzen / dass sie auch
bei den andern dreien Frauen / die mit im Frauenzimmer wahren /aber selten zu
dem Fräulein gefodert wurden / sich desselben Abends noch einiger gewalt und
botmässigkeit anmassen durfte / in dem sie ihnen gnug trotzig befahl / was sie
tuhn und lassen sollten; deren eine aber ihr mit Sanftmuht antwortete; Sie möchte
sich der hohen Gnade / welche sie bei dem Fräulein erlanget / nicht überheben /
vielweniger missbrauchen / es könnte leicht geschehen / dass auf hohes steigen ein
tieffer Fall erfolgete. Die Nacht über ruhete das liebe Herz gar wenig / massen
ihr / so bald sie ein wenig eingeschlummert wahr / nicht anders gedauchte / als
währe sie in voller Flucht begriffen / da eine grosse menge Reuter sie
verfolgeten; solches kam ihr zu dreien unterschiedenen mahlen vor / da sie
allezeit sich in herzlicher Andacht zu Gott kehrete / und umb glücklichen
Fortgang baht / stund offters aus dem Bette auff / legte sich auff die blosse
Erde / und taht ihr Gebeht mit solcher Andacht / dass sie morgens die
Trähnenzeichen auff der Erden sah. O mein gnädiger Gott und Heiland / also
behtete sie / erbarme dich deines armen Geschöpffes / sihe an mein Vertrauen
/welches ich auff deine gnädige Hülffe gegründet / uñ errette mich aus der Hand
dieses gottlosen Artabanus / wie du den unschuldigen David aus Sauls Händen
gerissen hast / zeug mich mit dem keuschen Joseph aus dem Gefängnis / und mit
der Tugendliebenden Susannen erledige mich aus ehebrecherischen Händen; gib
nicht zu Herr /dass ich in schanden verderbe / straffe mich nicht in deinem Zorn
und züchtige mich nicht in deinem Grim /dann Herr ich hoffe auff dich / darumb
werde ich nicht fallen / ich harre des Herren / darumb wird er sich zu mir
neigen. O Herr Gott höre das Gebeht und die heissen Seuffzer deiner elenden Magd
/ und verbirge dich nicht vor meinem flehen / gib mir Flügel / die mich aus
diesem gefährlichen Gefängnis führen / zeige mir den Weg den ich wandeln soll /
und geleite mich mit deinen Augen / so will ich vor deine Gnade dir meiner Lippen
Opffer mit herzlicher Danksagung darlegen / und deine unausssprechliche Güte hin
und wieder bekant machen Amen. Nun Herr deine Güte sei über uns / wie wir auff
dich hoffen Amen.
    So bald sie die ersten Zeichen des Tages hervor blicken sah / machte sie
sich aus ihrem Lager /schlug Feur / und bei einem Lichte setzete sie dieses
Zettel auff: Geliebte Hoffmeisterin / werte Freundin /demnach der langgewünschte
Tag meiner Erlösung kommen / und ich heimlich davon geschieden bin / will ich
euch träulich rahten / ihr machet euch mit eurem Sohne bei zetten aus dem Staube
/ und meldet ja meine Flucht niemand an / da ihr deren am ersten inne werdet /
es dürffte euch sonst das Leben kosten / weil ihr euch von mir habt hintergehen
lassen. Auff was Weise ich davon kommen bin / ist unnöhtig euch anzudeuten /
werdet ihr euch aber bei mir angeben / wo ich sein werde / sollet ihr von mir
unbeschenket nicht bleiben.
    Nachgehends weckete sie ihre Leibdienerin / dass sie ins gemeine Frauenzimmer
Gemach / ihrem gebrauche nach / ginge / und sie raum hätte ihr Gebeht und
Andacht zu verrichten; blieb darauff eine Stunde in ihrem herzlichen Gebeht /
und legte keine Kleider /ohn den SchlaffRok an / damit sie mit dem Kramer Kleide
desto schleuniger fertig werden könnte; und als sie ihr Herz völlig geschikt
hatte / das äusserste zu wagen / auch / da es misslingen sollte / den Tod mit
frölichem Herzen auszustehen / rieff sie der Hoffmeisterin / und fragete / ob
Valikules sich einstellen würde. O ja gnädigstes Fräulein antwortete sie / nach
dem ich schon gestern Abend ihm nebest den beiden Krämerinnen einen freien
Zutrit bei dem Könige erhalten / wartet er in deren Gesellschaft haussen schon
eine Stundelang auff / ob euer Gn. gelieben möchte /ihn vorzufodern. Das
Fräulein empfand nicht eine geringe Furcht im Herzen / fragete / ob das
Frauenzimmer die Kauffhandelung gerne angenommen hätten /und als sie vernam /
dass ihnen selbst darnach verlangete / hiess sie Valikules nebest den Krämerinnen
herzu führen. Dieser hatte Zeit seines Lebens nie einen so furchtsamen Gang
verrichtet; zwar seine Augen sahen das Schloss / sein Herz aber Gott im Himmel an
/ dass er ihm möchte gnädig und behülflich sein / auffdass er sein allerliebstes
Gemahl nicht in den Tod stürzete / an statt er vorhabens währe sie zuerlösen. Er
hätte aber keine verschlagenere Buben als diese beiden zu seinem Vorhaben wählen
können /welche noch ein kleines einfältiges Mägdlein aus der Herberge mit sich
genommen hatten. Als sie ingesamt auff den VörderSaal kahmen / zeigete die
Hoffmeisterin dem Fräulein ihre Gegenwart an; welche zur Antwort gab / sie wollte
Valikules vor hören / und hernach die Waaren besichtigen. Derselbe trat nun auff
Befehl zitternd ins Gemach / taht ihr einen Fussfal / und sagte: Durchl. Fräulein
/ euer Durchl. unglückseliger Knecht Valikules / hat leider wegen seiner
ungeträuen Gefårten / den aufferlegten Befehl nicht verrichten mögen / wie er
wohl gewünschet / uñ sich äusserst bemühet hat / hoffet demnach / bei derselben
in ansehung seiner Unschuld / Gnade zuerhalten / und will doch auff wiedrigen
Fall lieber in Unschuld sterben / als unter dem Nahmen eines ungeträuen
Verrähters davon streichen. Schöner Herr / antwortete sie /du weist dein Wort
wohl zu machen / dass du keines Vorsprachs bedarfst / aber danke dieser meiner
geliebten Hoffmeisterin / dass ich weitere Nachfrage unterlasse / und bloss umb
ihret willen dein verschone; so stehe nun auff / nach dem ich heut mit wichtigen
Geschäften beladen bin / und nicht Zeit habe / dich lange zu hören. Valikules
bedankete sich der erteileten Gnade / bezeugete seine Unschuld / und erboht sich
zu fernerem Gehorsam; wendete sich hernach zu der Hoffmeisterin / küssete ihr
die Hände / und bedankete sich sehr wegen getahner kräftiger Vorbitte /welches
er nimmermehr aus seinem Gedächtnis kommen lassen wollte. Er stellete sich / als
wollte er davon gehen / aber das Fräulein hiess ihn etwas warten / und befahl der
Hoffmeisterin / dass die Krämerinnen herein geführet würden. Diesem ward alsbald
folge geleistet / da nach wünschung eines gute Morgens die eine anfing ihre
Waaren hoch zu loben / und sagete: Schöne Jungfer wollet ihr mir den Kram
abkauffen? ei lieber käuffet / ich will mich wohl handeln lassen; mein Zehrgeld
habe ich auff der weiten Reise alles vertahn /daher muss ich etwas wieder lösen /
dz ich aus der Herberge kommen kann; der leidige Krieg sperret den Handel gar /
dass wir armen Krämer gar darüber an den Bettelstab gerahten / und noch wohl gar
aus der Welt lauffen müssen. Ey lieber / schöne Jungfer /käuffet mir den Kram ab
/ ich habe gute frische Waaren / die will ich sehr wolfeil geben / dass ihr mir
nach diesem mehr abkäuffen möget. Das Fräulein / ungeachtet sie mit viel
wichtigern Gedanken umbging /kunte das Lachen doch nicht lassen / und sagte zu
der Hoffmeisterin / lasset die eine ein wenig bei mir / uñ nehmet die andere mit
euch / ich will sie euch bald nach schicken; aber / wie gesagt / dass mich kein
Mensch vor Abends in meiner Andacht störe. Damit wahr nun diese Auffseherin
abgeschaffet / die Krämerin zog das ober Kleid geschwinde ab / reichete es dem
Fräulein / und sagete: Da Jungfer / brauchet es gesund und stark; und weil sie
eine Kramerlade in die andere gesetzet hatte / gab sie die ledige von sich /und
ging mit der gefülleten nach dem Frauenzimmer /da sie zu ihrer Gesellin sagte:
Schwester / wie geht dirs bei diesen schönen Jungfern? jene saursichtige hatte
entweder nicht aussgeschlaffen / oder ihr Bräutigam wahr ihr hinte nit nahe gnug
gewesen; ich habe kein gut Wort bei ihr erhalten / viel weniger einen Heller
gelöset; weil ich nun fürchtete du möchtest mir die besten Fische hinweg angeln
/ habe ich folgen wollen. Herkules da er sich mit seinem Gemahl allein befand /
fiel mit ihr auf die Knie / und riefen Gottes Barmherzigkeit inbrünstig an /
dass er ihnen helffen /und gnädiglich verhüten wollte / damit ihretwegen kein
unschuldig Blut vergossen würde; nachgehends sagte er zu ihr: Stehet auff mein
Schaz / unsers bleibens ist hie nicht länger / und schämet euch nicht /dieses
unwirdige Kleid anzulegen / und euren Rücken mit dieser Kramer-lade zu
beschweren. Er striech ihr alsbald das Haar / Angesicht / Hals und Hände an /und
als alles am Fenster in der Sonne trocken worden / und sie gnug gefärbet wahr /
dz sie vor dem Spiegel sich selbst nicht kennete / zohe er ihr das Kramer Kleid
an den Leib / grobe besudelte Strümpffe an die Beine / hessliche Schuch an die
Füsse / stürzete ihr eine gemeine Weiber-Mütze auff / gleich wie die beiden
Krämerinnen trugen / und band ihr das Lädichen auf den Rücken / welches sie mit
den allerköstlichsten Kleinoten gefüllet hatte / so viel sie mit gemach tragen
kunte. Als sie allerdinge fertig wahr / fing sie an: O du barmherziger Herr
JEsus Christ / geleite uns mit deinen heiligen Engeln / dass wir in dieser
Verstellung nicht ergriffen werden / sondern unerkennet hindurch komen mögen.
Wozu er ein andächtiges Amen sprach: Öffnete die Tühr des Gemaches in aller
stille /und schauete sich umb ob irgend ein Auffmerker vorhanden währe / und als
alles sicher wahr / winkete er ihr / da sie mit verwirretem Gemühte / doch
voller Andacht / nicht anders als im halben Schwindel ihm auf dem Fusse
nachtrat. Sie wusste sich Krämerisch gnug zu stellen / ging durch alle drei
Wachten ungehindert fort / nur dass sie in der äussersten befraget ward / was sie
feil trüge. Aber sie antwortete ihnen kein Wort / sondern Herkules sagte / weil
sie von dem Könige mit grossen Kostbarkeiten zu dem Fräulein geschikt währe /
würde man sie ungerechtfertiget lassen: worauff sie alle erstummeten / und nicht
in geringe Furcht gerieten. Sie eilete inzwischen auff der Gasse / ob hätte ihr
der Kopf gebrennet / dass Herkules ihr kaum folgen kunte / und weil sie ihren
Timokles vor der Herberge stehen sah / ging sie dahinein /und sagete zu ihm:
Gott lob ich bin eine glückselige Krämerin worden; Er hätte sie nicht gekennet /
aber die Sprache verstund er alsbald / nam ihr deswegen die Bürde ab / und kam
Herkules darzu / welcher befahl alle Sachen in einen Wetscher zu tuhn / und fest
hinten auffs Pferd zu heften / ging mit ihr auff sein Gemach / herzete und
küssete sie daselbst / und sagete: Bisshieher hat uns der HErr / uñ schon mehr
als halb geholffen; reiss ihr die Kleider vom Leibe / legte ihr ein Manneskleid
von gutem Leder / und einen festen Panzer an / ein Schwert an die Seite /
Stiefeln und Sporn an die Beine / und einen grauen Medischen Reit Rot umb den
Leib. Darauff genossen sie etliche kräfftige eingemachte Sachen / auch etwas
Brod und Fleisch / tahten einen guten Trunk gewässerten Wein /und setzeten sich
in Gottes Nahmen zu Pferde / ritten algemach durch die Stad / und so bald sie im
freien Felde sich befunden / gaben sie ihren Pferden die Sporen / und jageten
den ganzen Tag dermassen fort /dass sie nicht ruheten / ohn dass sie zweimahl
frische Pferde nahmen / und weder an Speise noch Trank gedachten. Valiska
rennete stets neben ihrem Herkules daher / und tahten nichts / als dass sie Gott
mit tränen den Augen danketen / und umb fernere Hülffe anrieffen; insonderheit
stimmeten sie den 34 Psalm Davids an / welchen Herkules in teutsche Reimen
gesezt /und vor seinem ersten Abzuge von Charas ihr denselben zugestellet hatte
/ dass sie ihn beide ausswendig singen kunten / welcher also lautete:
                                       1
Ich will fortin des HErren Preis
Erheben was ich kann und weiss /
Und seinen Ruhm im Munde führen /
Den meine Seel ist freuden vol
Die sich des HErren rühmen soll /
Wie ihr rechts wegen will gebühren.
                                       2
Auff dass es der Elenden Schaar /
Die sonst in grossem trübsal wahr /
Mag hören / und sich hoch erfreuen;
So preiset nun den Herrn mit mir /
Last miteinander für und für
Uns seines Nahmens Lob verneuen.
                                       3
Als ich in meiner grossen Noht
Demühtig suchte meinen Gott /
Wahr er mit Antwort mir nicht ferne;
Die grosse Furcht nam er mir ab /
Als ich zu ihm mich hin begab /
Und wahr mein Gott und Retter gerne.
                                       4
Die nur auff ihn hinsehen frei /
Und rennen hin zu ihm ohn scheuh /
Der Angesicht wird nicht zu schanden.
Wie dieser Schwacher ihn an rieff /
Da ihn die harte Noht begriff /
Wahr Gott zu helffen bald verhanden.
                                       5
Es lagert Gottes Engel sich /
Umb die ihn fürchten ängstiglich /
Und rettet sie aus allem Grauen.
Komt / schmekt und sehet / wie geträu
Und freundlich unser Gott doch sei /
Wol denen die fest auff ihn trauen.
                                       6
Den HErren fürchtet allezeit
Ihr / die ihr Gottes Kinder seid /
Last euch vom Gottes Dienst nicht treiben.
Dann die ihn fürchten / leben wohl
Kein gutes ihnen mangeln soll;
Sie werden wohl ohn Kummer bleiben.
                                       7
Die jungen Löuen / ob sie sind
Vor Wüten gleich als tol und blind /
Die müssen doch im Hunger darben;
Die aber Gott zu suchen gehn /
Hat man nie Mangel leiden sehn /
Sie ernten lauter volle Garben.
                                       8
Ihr lieben Kinder hört mir zu /
Ich will euch führen hin zur Ruh /
Und wahre Furcht des HErren lehren.
Wer ist / der gute Zeit begehrt /
Die weder Angst noch gram verzehrt?
Der wolle dieses fleissig hören.
                                       9
Halt deine Zunge wohl im Zaum /
Und gib den Lippen keinen Raum /
Betrug und Lügen anzusagen;
Lass böses ferne von dir sein /
Und gehe gern den Frieden ein /
Den sei bemühet zu erjagen.
                                       10
Des HErren Augen sehen drauff /
Ob die Gerechten sein wohl auff;
Ihr Schreien klingt vor seinen Ohren;
Sein Antliz aber ist gekehrt
Hin über den der gottloss fährt /
Das sein Gedächtnis sei verloren.
                                       11
So bald er das Geschrei vernimt /
Dass vom Gerechten zu ihm kömt /
Hat Er sein Ohr schon hingestrecket /
Er muss aus aller seiner Noht /
(Und hätt' ihn schon der bleiche Tod)
Zur Freude wieder sein erwecket.
                                       12
Gott nahet sich zu denen hin /
Die büssend brechen ihren Sinn /
Zuschlagner Geist ist sein gefallen;
Und ob der Fromme leidet viel /
Ist solchem doch gesezt ein Ziel /
Dann Gott hilfft ihm aus diesen allen.
                                       13
Es wird ihm sein Gebein bewahrt /
Und währ es gleich noch eins so zart /
So muss doch dessen keines brechen;
Das Unglück würgt der bösen Muht /
Und wer den Frommen arges tuht /
An dem wird Gott sich heftig rächen.
                                       14
Die Seele seiner Knechte macht
Der HErr los von der Hellen acht /
Er kann ihr Leiden nicht erdulden /
Und die sich wenden zu ihm her /
Verderben nun und nimmermehr /
Sie bleiben frei von allen Schulden etc.
    Unsere beide Krämerinnen hatten unterdessen ihr abenteurliches Affenspiel
mit dem Frauenzimmer / lobeten anfangs ihre Waaren wolfeil / und wann nicht
desto weniger jene gar geringe bohten / sagten diese /sie hätten sich verrechnet
/ und müste ein halb mahl mehr gelten / als sie es ausgebohten hätten / weil sie
in die Land Münze sich nicht zuschicken wüste; wann dann jene gar zu liederlich
hohten / stelleten sich diese / als hätte man ihnen gar in die Ehre gegriffen
/legetens wieder zusammen als im Zorn / und breiteten es doch bald wieder aus /
sprechend: bedenket euch doch der Sünden / dass ihr uns vor so herrliche Waaren
ein so geringes Geld wegert; ja wann wirs hernäst nur wieder umb diesen Preis
einkäuffen könten / wollten wir uns glücklich schätzen; Die Noht treibet unss vor
dissmahl / sonst währen uns diese Waaren umb so liederlich Geld nicht feile; Ja
ich gläube / sagte die eine /wañ wir euch unsere Güterchen umsonst anböhten
/nähmet ihr sie nicht / wo wir euch nicht Geld zugeben würden; O ihr Jungfern /
seid doch nicht so karg / als die vier Frauen / ihr werdet sonst euer lebelang
nicht zu heirahten kommen. Das Frauenzimmer zulachete sich des Gewäsches wohl /
endlich nach langem Gezänke / wurden sie des Kauffs eins / und gaben ihnen alle
Waaren umb 1500 Kronen / nahmen nach Verlauff vier Stunden abscheid / mit
vorwenden / sie wollten mehr Sachen herzu hohlen / und inzwischen das kleine
Mägdlein bei ihnen lassen / dem sie bei der Mahlzeit ein stük essen geben
möchten. So bald sie aber in ihrer Herberge sich befunden / legten sie ihre
Kleider an / und nach eingekaufften Speisen / so viel sie füglich bei sich
führen kunten / als dessen sie befehl hatten / jageten sie mit ihre schnellen
Pferden den bekanten Weg ungeseumet fort / und erfreueten sich nicht wenig der
gelöseten Gelder. Als die späte Nacht einfiel / und Herkules zehn Meile fort
gerennet wahr /hatte er keine Stad noch Flecken in der nähe / sondern musste zur
rechten Seiten ab aus dem Wege reiten / da er ein geringes Dörflein ligen sah /
in welches sie einkehreten / und von ihren mitgeführeten Speisen mit aller Lust
assen / auch mit einem WasserTrunk gerne vorlieb nahmen; Nachgehends liess
Herkules eine Sträu vor sich und das Fräulein in einer verfallenen Kammer machen
/ aber viel sanfter dauchte ihr diese Ruhe in den Armen ihres Herkules / als
auff dem bisher gehabten Königlichen Lager. Dem Frauenzimmer auff Valisken
Schloss wehrete die Zeit lange / als die Krämerin in die vierde Stunde nach
ihrem Abscheide nicht wieder kahmen / meinten endlich / sie würden frische
Käuffer angetroffen haben / und liessen das Mägdlein auch lauffen / welches
seine Wohnung wohl zufinden wusste. So missdäuchte auch der Hofmeisterin die Zeit /
dass sie von dem Fräulein nicht gefodert ward / dann der Abend wahr schon
eingebrochen / da sie doch noch die allergeringste Speise nicht genossen hatte;
also ging sie leise nach ihrem Gemache / und horchete an der Tühr / ob sie etwas
vernehmen möchte; klopffete endlich leise / und immer härter an / vernam aber
durchaus nichts / und befahrete sich daher /es möchte ihr etwa eine Ohmacht
wegen des langen fastens zugestossen sein / wo sie nicht aus Müdigkeit
eingeschlaffen währe; nahm endlich ihren Häupt Schlüssel / und öffnete die Tühr
/ uñ als sie niemand in der Stuben sah / wollte sie die inner Kammer öffnen /
ward aber des angeklebeten Zettels an derselben Tühr gewahr / welches sie lase /
und die Einbildung fassete / das Fräulein wollte sie prüfen / wie heut das übrige
Frauenzimmer / wiewol ihr das Herz schon zuzittern anfing; weil sie dann auch in
der Schlafkammer niemand fand / schlug sie ihre Hände zusammen /und sagte: O weh
O weh mir armen und elenden / nun muss ich doch samt meinem einigen Sohn eines
grausamen abscheulichen Todes sterben / dafern wir uns nicht durch die flucht
erretten; fassete in der Noht ein Herz / ging in das gemeine Zimmer / und
meldete der Fräulein Leibdienerin an / weil Ihre Gn. etwas unpass wäre / müste
sie bei derselben diese Nacht bleiben /und sollte sie derweil sich nach ihrem
Lager verfügen; welches zwar dem Frauenzimmer ungewohnt vorkam / aber doch keine
weitere Gedanken ihnen darüber macheten. Weil ihr dann allemahl frei stund / vom
Schloss zugehen / nam sie ihre besten Kleinot zu sich / ging zu ihrem Sohn in
seine Herberge / und sagte zu ihm: O du mein liebes Kind / nun hilff / dass wir
beide unser Leben retten / sonst müssen wir ohn alle Gnade sterben; Ach ach /
unser Königliches Fräulein ist heut heimlich ausgerissen / welche mir zuhüten
anvertrauet wahr; so sattele nun alsbald deine beiden Pferde / nim deine besten
Sachen zu dir / und gib mir ein Mañes Kleid / so wollen wir noch diesen Abend
uns nach Hirkamen zu deines Vaters Bruder auff den Weg machen / ob wir
verhoffentlich durchkommen / und unsere Seele erretten möchten. Der Jüngling
erschrak der Zeitung / und stund wie ein Trunkener; aber als die Mutter ihn der
Gefahr erinnerte / machte ers nach ihrem Willen / setzeten sich auff /und ritten
mit einander zur Stad hinaus / gleich da man die Tohre schliessen wollte / dann
weil man ihn als einen Königlichen Ausreiter kennete / liess man ihn mit seinem
Gefärten unbefraget frei zihen; die Wege wahren ihm sehr wohl bekant / so gab der
volle Monde ihnen Schein genug / dass sie die ganze Nacht reiten kunten / und
solcher gestalt sich dem Tode entrissen. Des folgenden Morgens / eine Stunde vor
der Sonnen Aufgang / weckete das Fräulein ihren Herkules sitsam auf / und sagte:
Höchster Schatz / wir werden dereins bessere Zeit zur Ruhe haben / vor dissmahl
aber wird das sicherste sein / dass wir uns in die Kleider bringen / und unsern
Weg verfolgen. Herkules fuhr aus tieffem Schlaffe auff / umfing sie freundlich /
und gab zur Antwort: Ich weiss nicht / wie mir Gott in dieser grossen Gefahr so
sanfte Ruhe verleihet / es währe dann / dass die gröste Last meiner Sorgen mir
vom Herzen gefallen ist / nachdem ich meinen allerwerdesten Schatz aus dem
Königlichen Schloss in ein elendes Bauern Hüttlein geführet /weswegen sie mir
nicht unbillich auffsetzig ist. Ja /antwortete sie / vielmehr hat meine
innigliche Wollust ursach gnug mich zu hassen / nachdem ich hessliche schwarze
Krämerin ihn der schönsten Fräulein Lukrezien oder Sibyllen beraube. In diesem
verliebeten Gespräch verharreten sie ein halb Stündichen legten hernach ihre
Kleider an / und fertigten sich zur Reise. Als sie gleich auffsitzen wollten /
höreten sie ein hartes Geklopffe an der Haus Tühr / da Timokles fragete / wer da
währe. Bald mache auff / antwortete einer haussen / oder wir wollen dich in
stücken zerhauen. Nun helffe uns der allmächtige Gott / sagte Herkules /wir sind
ohn zweifel ausgekundschaffet; lief zur Tühr / und baht / sie möchten Gemach
tuhn / wann sie herein wollten / er könnte die versperrete Tühr so bald nicht
öfnen; hiess Gallus durch ein Loch sehen / wie viel haussen währen / und trug er
inzwischen neben Timokles Holz / Stüel und Bänke zu / damit sie sich inwendig
verbolwerketen / biss Gallus Zeitung brachte / es wåhren auffs höchste sechs oder
sieben zu fusse mit kurzen Schwertern. Ey so habe wir keine Noht /antwortete er
/ setzete den Helm auff / fassete Schild und Schwert / und fragete mit
ernstlicher Stimme /was ihr begehren währe. Wiltu es wissen? antwortete einer;
Es sind nechten Abend etliche Pferde herein geführet / die stehen uns zu. Du
wirst dich sehr irren /wiederantwortete Herkules in dieser Hütten ist nicht das
geringste / wozu du Ansprache hast. Diese dräueten darauff allen den unsern den
Tod / und fingen an der Tühr zubrechen; aber Herkules ging in aller stille zur
Hinter Tühr hinaus / und hiess Gallus mit dem Schwert folgen / neben welchem das
Fräulein sich hinaus drengete / überfiel auch mit Herkules zugleich diese Räuber
unversehens / dass deren fünffe fast im Augenblick gestrekt lagen / und die zween
übrige umb Lebensfristung bahten / legten auch das Gewehr nider / und zitterten
wie ein Espenlaub. Bekennet mir / sagete Herkules / wo ihr sonst Gnade hoffet /
ob eure Gesellschaft in der nähe grosser sei. Ja / antworteten sie / gar zu
himerst im Dorffe halten sich zehne im Wirtshause auff / welche uns / eure
Pferde zurauben /abgeschicket haben. So müsst ihr auch unsere Verrähter nit
sein / sagte das Fräulein / und legete sie in zween Streichen zur Erden / dessen
nicht allein Gallus / sondern Herkules selbst sich verwunderte / und zu ihr
sagete: Geliebtes Herz / ihr habt recht geurteilet /und ist besser / sie sterben
umb ihre Bosheit / als dass wir durch sie in grössere Gefahr gerahten; stiegen
hiemit zu Pferde / welche diese Nacht wohl gefuttert wahren / und ritten in aller
Eile nach dem Heerwege / den sie gestern Abend verlassen hatten. Als sie auff
demselben wieder anlangeten / sahen sie zween Reuter vor ihnen her reiten /
setzeten ihnen nach / und funden /dass es ihre beide Krämerinnen wahren / worüber
sie sich höchlich erfreueten / hiessen sie wilkommen sein / und frageten / wie
es ihnen ergangen währe. Gnädigster GrossFürst / antwortete Ochus der lustigste /
hätten wir mehr Waaren gehabt / so hätten wir mehr Gelder gelöset / müssen uns
vor dissmahl mit 1500 Kronen genügen lassen / die uns zur Beute worden sind; aber
hat Eure Durchl. nicht das Konigl. Frl. in ihrer Gesellschaft / dass bei dero
Durchl. ich meiner begangenen Grobheit untertähnigste Verzeihung bitte. Mein
Fräulein / antwortete Herkules / ist zum Reuter worden / welche aber bei Leib
und Leben keiner melden soll / biss ichs ausdrüklich heissen werde. Der Jüngling
merkete wer es wahr / sprang vom Pferde / küssete ihr den Stiefel / und baht
untertähnigst / der unbehöfelten Krämerin allergnädigst zu verzeihen / als
welche bisher bei Fürst- und Königinnen niemahls keine Waaren verkäufft hätte.
So habt ihr auch von mir sehr wenig Geld gelöset / antwortete sie / und mir
dannoch alle eure Waaren feil gebohten / ist demnach euer Vezeihungs-bitten ein
lauter überfluss / uñ werde ich schon wissen / wie ich eure Waaren zubezahlen
schuldig bin / dürffet mir aber kühnlich alle beide trauen /dass ihr durch diese
kurze Krämerei euch ein grösser Glük eingekaufft habt / als ihr noch zur Zeit
nicht wisset / dann ohn andere Vergeltung / die euch versprochen ist / will ich
einem jeden eine Tone Schaz baar / und 25000 Kronen an Kleinoten verehren;
setzet euch aber risch zu Pferde / dann unsere Wolfahrt bestehet auff der Eile.
Diese bedanketen sich der grossen Verheissungen / ritten frisch fort / uñ
gelangeten umb den Mittag in einem Flecken an / da sie abermal wolgeruhete
Pferde bekahmen / assen von ihren Speisen / tahten einen Trunk darzu / und
kahmen gegen Abend in ein Städlein / 22 Meilen von Charas / da sie die andere
Nacht in guter Sicherheit ruheten / und Gallus sich vor den Herrn und einen
Königlichen Gesanten halten musste.
    Dieser Tag aber wahr zu Charas wohl ein Tag aller Unruhe und herzkränkenden
Leides / dann gegen den Mittag kurz vor der Mahlzeit / sante der König einen
Kämmerling nach der Fräulein Schloss / die Hofmeisterin herzuhohlen / weil ihn
verlangete zuerfahren /was vor Valikules sie erhalten hätte; Er wahr diese Nacht
durch unterschiedliche Tråume erschrecket /dann erstlich kam ihm vor / es hätte
Valikules sich allernähest bei ihn an den Tisch gesetzet / und ihm die besten
Speisen vorm Maule weg gefressen; bald darauff sah er im Traum einen grossen
starken Löuen mit einem Schafs Felle bekleidet / welcher ihm den allerschönsten
Vogel unter allen / aus dem Bauer hinweg risse; und drittens dauchte ihn / es
schösse Valikules einen grossen Balken mitten durch sein Königliches Zimmer /
dass es gar übern Hauffen fiel / dass er auch im schrecken aufffuhr / und noch
voller Schlaffes seine Traum selbst überlaut also ausdeutete: Valikules /
Valikules / du dürfftest uns noch schlimme Händel machen / welchem wir beizeiten
vorbauen müssen. Er hätte denselben auch früzeitig vor sich fodern lassen / wann
er nicht diesen Morgen durch Ankunft Vologeses und anderer Grossen daran währe
verhindert worden / mit denen er die ganze Zeit zubrachte. Als sein
Abgeschicketer auff Valisken Schloss anlangete / fragete er nach der
Hofmeisterin / und bekam zur Antwort / man hätte sie sider gestern Abend nicht
vernommen / wäre diese Nacht der Fräulein Schlafgeselle gewesen / und meldete
sich noch nicht / welches sie gross wunder nähme. Mit dieser Antwort / sagte der
Diener / werde Ihrer Hocheit ich nit dürffen unter die Augen treten / und muss
ihr des Königes begehren angezeiget / mir auch richtiger Bescheid erteilet
werden. Wir leistete solches gerne /antwortete die vornehmste Frau / müssen uns
aber mehr vor der Hofmeisterin / als vor dem Fräulein selbst fürchten / massen
sie wegen erworbener Gnade so hochmühtig worden / dass es unerträglich fallen
dürffte / da es noch lange wehren sollte. Endlich erbot sie sich / hinzugehen /
und ihr zuruffen; horchete anfangs / und bald darauff klopffete sie leise an der
Fräulein Gemach / welches sie / weil ihr nit geantwortet ward / zum dritten
mahle wiederhohlete / endlich mit klarer Stimme rief: Fr. Hofmeisterin / Ihre
Königl. Hocheit begehren eurer; Nachdem sich aber kein Mensch hören liess / ging
sie wieder auffs gemeine Zimmer / und sagete: Ich weiss trauen nicht / was ich
immermehr gedenken soll; ich klopffe / ich ruffe / und vernehme nichts. So muss
ich versuchen / sagte der Kämmerling / ob ich die schläfferige Frau nicht
ermuntern könne. Ach ach / antwortete die Leibdienerin / diss geht nimmermehr
recht zu / mein Gn. Fräulein hat so festen Schlaf nicht. Der Diener entsetzete
sich hierüber / klopffete doch dreimal sehr hart an / und als sich niemand
meldete / sagete er: O ich glückseliger / dass ich den widrigen Zeitung
eigentlicher Briefträger nicht sein darff / und seid ihr klug / sagte er zu dem
Frauenzimmer / so sendet etliche eures Mittels mit mir nach dem Könige / damit
ihr euch alles Argwohns entbrechet. Ey / antwortete eine Jungfer / nahmens
Kleofis / sollte hie Entschuldigung von nöhten sein / werde ich gewisslich nicht
dahinten bleiben. Hierauff wollten sie alle mit fort / wie auch unverzüglich
geschahe / befahlen doch der Wache / inzwischen fleissige Auffsicht zu haben /
dass niemand von oder auff das Schloss gelassen würde / wer der auch sein möchte.
Der König sass in seinem Gemache / und dauchte ihn / sein Diener bliebe über
Gewohnheit lange aus / da ihm doch zueilen befohlen wahr; auch fielen ihm seine
Träume wieder ein / deswegen er geboht / dass man Valikules ruffen sollte / und
begunte schon auff den abgeschikten Kämmerling zumurren /mit befehl / dass man
ihm entgegen lauffen sollte / kam aber gleich mit dem Frauenzimmer daher gezoge
/welches der König durch ein GukFenster ersehend /überlaut sagete: Die Karte ist
falsch / und muss sich ein neuer Unfall zugetragen haben / wo nicht unser
Fräulein wohl gar tod ist. Er liess das Frauenzimmer ohn Verzug vor sich treten /
und sagete zu ihnen: Aus was ursachen dürffet ihr so verwägen sein / und ohn
Erlaubnis von eurem Schloss gehen? Diese fielen alle vor dem Könige nider / uñ
hub die ansehnlichste Frau / nahmens Artakama / also an: Allergnädigster König /
es treibet uns warlich weder Lust noch Ungehorsam / diesen beschwerlichen Gang
zutuhn / sondern / nachdem die Hofmeisterin gestern Abend vorgegeben / das
Königl. Fräulein begehre ihres Beischlaffes / ist sie von uns hinweg gangen /
und biss diese Stunde nicht wieder kommen; Weil wir dann auff Ihrer Königlichen
Hocheit gnädigsten Befehl die Hofmeisterin hersenden wollen / und an der
Fräulein Gemach viel klopffens und ruffens gemacht / aber keines einigen
MenschenGegenwart verspüren können /stellen wir ingesamt uns ein / solches
untertähnigst anzudeuten / damit auff unverhoffeten Unglücksfall /welchen die
Götter gnädig abwenden werden / wir ausser Verdacht bleiben möchten / wie wir
dann allerdinge unschuldig sind. Der König erzitterte vor Angst über diesem
Vorbringen / und sagte zu seinem Hofmeister Bagophanes: Bald und geschwinde gehe
hin /und vernim / wie die Sachen stehen / dann das Herz träget uns ein schweres
Unglück zu / wollen nicht hoffen / dass sich noch einer unser Söhne habe dürfen
gelüsten lassen / uns im Grase zu hüten / und unsers höchst wertesten Schatzes
mutwillig zubegehren. Dieser währe lieber in den Tod gangen / dann ihm schwanete
nichts gutes / insonderheit / weil Valikules sich nirgends fand / dem er doch im
nahmen des Königes Befehl erteilet hatte / alle Vor- und Nachmittage sich im
innersten Platze des Schlosses sehen zu lassen /welchen er auch allemahl in
seinem Herzen höher als einen schlechten ädlen Ritter gehalten hatte. Auff
empfangenen Befehl baht er den König mit wehmühtiger Rede / ihre Hocheit möchten
sich allergnädigst belieben lassen / etliche des Frauenzimmers ihm zuzuordnen /
ob vielleicht deren Hülffe uñ Beistandes er sollte benöhtiget sein; wie leicht
hätte es geschehen mögen / dass einer oder andern / ja wohl beiden eine Ohmacht
zugestossen währe / wo nicht wohl gar ein grösser Unglück. Und wie kömt es / sagte
er / dass der schlauhe kühne Valikules sich weder gestern noch heut hat sehen
lassen? Lieget auch unter dieser Schaffsdecke ein grimmiger Löue verborgen /
welcher durch Gelegenheit verführet sich der Fräulein unvergleichlicher
Schönheit etwa hätte dürffen gelüsten lassen / worüber / angesehen ihre Tugend /
ein Unfall hätte können entstanden sein? O schweige schweige /antwortete der
König / du reissest uns mit solcher wiedrigen Wickerei das Herz aus dem Leibe /
und dafern du ein Traumdeuter bist / hat der leichtfertige Bube uns das Fräulein
ohn zweifel entführet. So gehe nun hin / uñ nim zu dir / welche du wilt / damit
wir hinter die Warheit kommen. Bagophanes stellete sich willig und baht um Gnade
/ dafern er / welches er nicht hoffen wollte / wiedrige Zeitung bringen sollte.
Mitlerweile dass dieser mit dreien Jungfern und zween Kämerlingen hinging /
fragete Artabanus das übrige Frauenzimmer / ob ihrer keine den Valikules gestern
und heut gesehen hätte. Sie beteureten alle / dz sider seiner Hinreise nach
Prage / sie nichts von ihm gehöret oder gesehen hätten / welches dem Könige noch
mehr verwunderns machete. Endlich sagete Fr. Artakama: Allergnädigster König; es
hat die Hoffmeisterin mit uns ingesamt gestriges Tages ein recht Kinderspiel
gehalten / dessen wir uns zum teil geschämet; sie teilete 2000 Kronen unter uns
aus / und führete zwo fremde Krämerinnen zu uns / von denen wir in ihrem
beiwesen allerhand seltzame fremde Waaren kauffen mussten / welche ihre Hocheit
auff unsern Gemächern finden werden; und ob diese Krämerinnen zwar mit dem
bescheide von uns gingen / dass sie wiederkommen / und mehr Waaren bringen wollten
/haben sie uns doch den ganzen Nachmittag vergeblich warten lassen. O ihr Götter
/ antwortete der König /erhaltet uns in dieser Angst! O die Krämerinnen die
Krämerinnen haben uns das Fräulen / das wunderschöne Fräulein / die volkommene
Zierde der irdischen Welt / den unvergleichlichen Schaz des ganzen Erdbodems aus
dem Schloss / wie wir fürchten / aber nicht aus unserm Herzen hinweg gekauft;
diese sind der Schaffpelz des boshaften Löuen Valikules / des abgefeimeten
Buben. Dass kann nicht sein / sagete die Frau / dann die Krämerinnen schieden von
uns umb den Mittag / aber die Hoffmeisterin berichtete uns Abends umb halb
sieben / dass sie bei dem Fräulein schlaffen sollte. Ja wer weiss / antwortete er /
was unter diesem ertichteten Beischlaffen mag verborgen schlaffen / welches die
Abgeschicketen uns gar zu früh hinterbringen werden. Er Weissagete nicht falsch
/ dann als diese auff der FräulenSchlosse anlangeten /und zu unterschiedlichen
mahlen an ihr Gemach mit grossem ungestüm klopffeten / aber doch weder Stimme
noch einige Bewägung vernahmen / liessen sie durch einen Schlösser die
Kammertühr auffmachen /da sie in das ledige Nest sahen; sie sperreten die
Kammertühr auff / und sucheten hinter / unter und ober den Betlagern / und wo
sich irgend eine Maus hätte verstecken mögen; aber da wahr niemand; ihrer
etliche liessen oben auff den Schlossgang / woselbst das Fräulein sich oft
zuergetzen pflegete; andere durchsucheten alle Gemächer in der nähe / aber alles
vergebens. Jungfer Kleofis / die schönste unter allen /welche das Fräulein ihrer
Tugend und Frömmigkeit halben sehr liebete / blieb mit Bagophanes auff dem
Gemache / und beklagete das grosse Unglück / so hieraus entstehen würde /
wunderte sich daneben sehr /was gestalt das Fräulein hätte mögen davon kommen;
und in dem sie ohngefehr vor sich nider sah / ward sie des Zettels auff der
Erden gewahr / welches das Fräulein ihrer Hoffmeisterin zur Warnung hinterlassen
hatte / hub es auff / und nach verlesung sagte sie zu Bagophanes: O wir elenden
/ was forschen wir dem Fräulein lange nach? auff diesem Blade ist ihre Flucht
deutlich aussgelegt. Er nam es in gute Verwahrung / und sagete: Dieses soll dem
unschuldigen Frauenzimmer verhoffentlich zu statten kommen / aber die
Hoffmeisterin dürffte dadurch zu gleich mit entschuldiget werden / wo es sonst
nicht ein verdecketes Spiegel fechten ist. Gleich sah er noch einen zusammen
gefalzeten Brieff / welchen die Hoffmeisterin vor ihrem Abscheide geschrieben /
auff dem NebenTische liegen / der also lautete:
    Allergnädigster König / was vor ein herbes Unglück mein gnädigstes Fräulein
von diesem Schloss gebracht /ist mir unmöglich zuersinnen / es sei dann dass der
boshafte verfluchte Valikules zugleich eure Hocheit und mich hintergangen / und
den Raub hinweg geführet hat /welches eigentlich zuerforschen / mir die Furcht
eures unerträglichen Zorns nicht zulassen will; ich bezeuge aber bei eurer
Hocheit allerheiligstem Häupte / dass weder ich noch mein Sohn hierumb einige
Wissenschaft getragen /vielweniger Raht oder Taht darzu verlihen / sondern um
keiner Gefahr oder Freundschaft willen hätte ich unterlassen / es ihrer Hocheit
anzuzeigen. Das ich aber durch der Fräulein Schreibe gewarnet / die Flucht zur
Hand nehme / ist bloss darumb / dass nicht etwa durch des mir auffsätzigen
Frauenzimmers Verleumdung bei ihrer Hocheit ich in ungleichen Verdacht gerahten
/ und in meiner höchsten Unschuld untergedrukt werden möge; zweiffele nicht /
die Krämerei sei zu dem Ende angestellet / mir und andern die Augen zu blenden /
welches alles die Zeit öffnen wird; dass auch der ertichtete Valikules vor diesem
seinen Weg nicht nach Böhmen sondern nach der Fräulein Bruder angestellet / habe
ich nunmehr starke Mutmassungen. Ihre Hocheit bitte ich durch alle Götter /sie
wollen meiner Flucht mich nicht verdenken / welche mein unschuldiges Blut
zuretten auff mich genommen habe / bin und verbleibe sonst ihrer Hocheit
untertähnigste geträueste Magd Sysigambis das aller unglückseligste Weib auff dem
ganzen Erdbodem.
    Wie ein bosshaftes Weib / sagte er nach verlesung /muss die Hoffmeisterin sein
/ dass sie ihren König noch darzu spotten und äffen darff. Aber hie muss man
länger nicht seume / ob die flüchtigen vielleicht noch könten erhaschet werden;
lieff also aus ganzen kräften vor den andern her / dass ihm der Odem stehen
blieb; und wie er in des Königes Gemach trat / und denselben so traurig sah /
fiel er zu seinen Füssen in Ohmacht als ein Todter Mensch nider. Dem Könige
begegnete ein gleichmässiges / wurden aber von den Anwesenden wieder erquicket /
und sagte Artabanus zu dem Hoffmeister; Sage uns du geträuer Diener / ist unsere
Lust und Wonne gar Tod / oder lebendig verschwunden? Allergnädigster König /
antwortete er mit schwacher Stimme; wir haben der Fräulein Gemach /und andere
mehr fleissig durchsuchet / aber keine als diese gedoppelte schriftliche
Nachricht antreffen köñen; reichete hiemit dem Könige beide Schreiben hin / da
inzwischen das anwesende Frauenzimmer ein so klägliches Geschrei uñ Heulen
anfing / dass man sie mit Gewalt hinaus treiben musste / welches auch zu ihres
Lebens Rettung dienete; gestaltsam der König vor erst nicht anders als ein
grausamer Löue rasete /rieff und schriehe; fahet den boshaften Räuber / und
haltet ihn feste / dass er euch nicht entweiche / haltet ihn / dass wir durch
gebührliche Rache den Meinäid vergelten / welchen er uns erwiesen hat. Wo seid
ihr meine Henker / wo seid ihr? so recht! foltert und dähnet ihn die länge und
quere / und was vor Pein ihr immermehr erdenken möget / lasset getrost über ihn
ergehen. Wo ist unser Säbel / wo ist er? Aber durch unsere eigene Faust ertödtet
zu werden / währe ihm viel zu grosse Ehre; er muss etliche Jahr ohn auffhören
gequelet werden / damit er lange uñ ohn auffhören sterbe. Hierauff fing er an zu
zittern und brüllen / dass jederman wähnete / er würde vor Zorn vergehen / und
durfte ihm doch kein Mensch zureden / weil sie alle sich des Todes vermuhten
wahren. Endlich verwandelte sich das viehische Rasen in ein wehmühtiges Klagen /
da er zu ruffen anfing: O mein Fräulein / unsers herzen Krone / unserer Gedanke
einige Wollust /unserer Begierden höchstvolkommene Vergnügung! O wo bistu wo
bistu? hat ein so ädler unerschrockener Geist von geschworner Träue können
rükfällig werden / uñ durch den nichtwerten Valikules sich zur Flucht bereden
lassen? Aber O du falscher Valikules /was vor Ungnade oder Wiederwillen haben
wir dir erzeiget / dass du uns nach dem innersten unser Seelen greiffest / und
uns den lebendigen Teil unsers Herzen raubest? Bagophanes erkühnete sich und
sagete: Allergnädigster König / eure Hocheit wollen die Klage und den Eifer
mässigen / und vielmehr darauff bedacht sein / ob man das Fräulein in der Flucht
ergreiffen könnte. Geschwinde / antwortete er / dass alle Reuter dieser grossen
Stad versamlet werden / ja dass alle unsere Untertahnen / Persenland als eine
Fluht von fornen und hinten überschwemmen / damit unser Fräulein wiederbracht
werde. Die Königlichen Trommeter fielen teils auff ungesattelte / teils auff
ungezäumete Pferde / und bliesen erschröklich Lermen durch alle Gassen / so weit
die Pferde lauffen kunten; etliche renneten ihre Pferde gar übern hauffen /
nahmen aus den Häusern andere / uñ horeten etliche Stundenlang nicht auff zu
blasen. Die ganze Stad ward hierüber erschrecket / dass alles was Waffen führen
kunte / solche ergriff / und dem Schloss zueilete / daher die nähesten Gassen
dermassen mit Menschen angefüllet wurden / dass kein Reuter hindurch kommen kunte
/ und entstund durch diese Zudrängung ein solches Jammern und Wehklagen / dass
der Schal biss gen Himmel fuhr / weil in die 4000 Menschen erdrucket wurden /und
endlich die so zu Fusse wahren / sich in die nähesten Häuser zogen / wodurch den
Reutern etlicher massen Luft gegeben ward. Inmittelst liess doch das grausame
Geschrei nicht nach / da einer rieff; der König währe erschlagen; ein ander /
die Feinde hätten sich der Stad bemächtiget; und wusste keiner was er gläuben
sollte / biss endlich Bagophanes es dem Könige zuwissen taht / und ihn erinnerte /
er möchte mit seinem Königlichen Stabe sich dem Volke auff der Zinnen zeigen /
sonst währe unmöglich / den Aufflauff zu stillen / und etwas beständiges
vorzunehmen. Der König folgete diesem Raht / uñ winkete / dass jederman stille
sein sollte; da Bagophanes uber laut also rieff; Des grossen Königes Artabanus
ernstlicher Befehl ist / dass alles FussVolk sich stündlich hinweg /und an ihre
Arbeit mache / die Reuterei aber mit ihrem besten Gewehr erscheine. Da gab sich
nun jederman zu frieden / und zogen hinter sich in die Häuser / deren eines auff
allen Boden und Gemächern so gar überhäuffet ward / das es einfiel / und über
5000 Menschen teils erschlug / teils an allen Gliedmassen beschädigte / dass
nicht 100 davon das Leben behielten. Noch kunten die Reuter keinen freien Zurit
haben / welches das Nachdrücken aus den abgelegenen Gassen verursachete / biss
gewisse Leute verordnet wurden / die hin und wieder aussrieffen / dz das FussVolk
zurück weichen / und den Reutern Lust geben sollte. Als sich nun auff diese Weise
die Reuterei häuffig mehrete / und ihrer 16000 gezählet wurden / gab der König
seinem Hoffmeister Befehl / er sollte als gevolmächtigter Feld Obrister ihm die
Völker lassen anbefohlen sein / sie auff allen Wegen Persenwerz verteilen / und
ihnen eine gewisse Grenze Stad zur Versamlung ernennen; Wirstu nun / sagte er /
unser Fräulein uns wieder lieffern / es geschehe gleich ohn oder mit der Völker
Verlust / soll dir grössere Belohnung als nie keinem Menschen vor dir /
wiederfahren; massen du der näheste nach uns sein / und ganz Persenland erblich
besitzen solt. Ihrer Königl. Hocheit gelebe ich gehorsamst / antwortete er; wie
aber / wann das Fräulein sich beschweren sollte / mit mir umbzukehren /und vor
der Straffe sich befürchtend / die Gegenwehr zur Hand nehmen / oder wohl gar ihr
selbst den Tod antuhn würde? Sie wird ja nicht ein ganzes Heer mit ihren Pfeilen
auffreiben / sagte der König; lass aber sein / dass sie einen oder etliche
erscheust / welches in betrachtung so grosser Beute ein schlechter Verlust ist.
Sich selber zuentleiben / ist gar zu herbe / und kann solches durch mannicherlei
Mittel abgewendet werden; Der Erlassung unser Straffe aber wollen wir sie leicht
versichern; nam das SchreibeZeug / und setzete folgenden Brief auff:
    Höchstgeliebtes allerschönstes Fräulein; Wir können uns nicht gnug
verwundern / wie der Erz Zauberer Valikules Eurer Liebe Herz / Sinn und Gedanken
durch seine Baktrianische Kunst und teuflische Zauberei so gar beschleichen /
und zur heimlichen Flucht verführen können. Nachdem wir aber vernünftig
betrachten / dass menschliche Schwacheit zu geringe ist / dergleichen
Verzäuberungen sich zuwidersetzen / weil die Erfahrung bezeuget / dass Menschen
Witz hiedurch oft geblendet wird / dass wann man meint  / sich in der Liebsten
Schos zulegen / man sich wohl gar ins Wasser oder Feur stürzet; so rechnen wir
demnach solche Flucht Eurer Liebe keines weges zu / wollen ihr auch deswegen nit
die allergeringste Ungnade zulegen / sondern ersuchen dieselbe freundlichst /
sich mit unserm geträuen Hofmeister Bagophanes vorderlichst wieder einzustellen
/ und nach verflossenen bestimmten Wochen uns die wirkliche Liebe wieder fahren
zulassen; ja umb destomehr zueilen / damit die Gross Königliche Partische Kron
Eurer Liebe ehist auffgesetzet werden / und sie die ungemässigte Herrschaft in
gleicher Hocheit mit uns führen möge / wie solches hoffet / wünschet und
begehret Euer Liebe ganz ergebener König /Freund und Bräutigam Artabanus.
    Dieses Schreiben gefiel dem Hofmeister sehr wohl /und baht den König / ihm
Jungfer Kleofis mitzugeben / deren Dienste er sich auff mannicherlei weise bei
dem Fräulein würde gebrauchen können / als auff welche dieselbe allemahl vor
andern aus / viel gehalten hätte; Dieses zwar brachte er zum schein vor /aber
sein Herzging mit den Gedanken umb / sie zuheirahten / weil er sich gegen sie
heftig verliebet befand; Es ward ihm solches gerne zugelassen / und machete er
sich mit seinem Heer / welches in Zerteilung /achtzehn Wege auf Persen vornam /
stündlich auff /da ihm des folgenden Tages sechs Meile von Charas der elende
Partische FeldOberste Madates auffstiess /welcher auff einem schäbichten Gaule
ritte; seine 20 Ritter / die mit ihm gestrichen wahren / lieffen in armseliger
Kleidung neben ihn daher / nicht anders / als wie ein hauffen Henkers Buben den
ScharffRichter zubegleiten pflegen. Dieser sah einen grossen Zeug gegen sich
daher rennen / nahm endlich Bagophanes Kundschaft ein / der ihn sonst an Macht
und Ehre sehr ungleich wahr / und fiel / in betrachtung seiner jetzigen Schande
/ vom Pferde in Ohmacht. Bagophanes entsetzete sich darüber / liess ihn auffheben
/ und boht ihm ein treffliches Hand Pferd / welches anzunehmen er sich wegerte /
und zu ihm sagete: Nein nein / mein Bagophanes / der unselige Madates ist viel
zu hoch geschändet / dass er ein Ritterliches Pferd beschreiten sollte / es währe
dann / dass der grosse König ihn zuvor wieder ehr- und ritterlich machen wollte.
Nam ihn darauff besonders / und gab ihm allen Verlauff in der kürze zuverstehen
/ da er mit diesen Worten beschloss: Er wollte allen redlichen KriegsBeamten
seinen Unfall vorstellen / dass sie dergleichen Verrichtungen / andere
zubeschimpffen / nicht sollten auff sich nehmen; jezt zihe ich hin / sagte er /
meinem Könige mich darzustellen / und will lieber von ihm die Urtel des Todes
erwarten / als eine Stunde in diesem Stande länger leben. Euer Gn. unfall ist
mir sehr leid /antwortete Bagophanes / und nimt mich wunder / dass man zu Charas
dieser schweren und unerhörten Niderlage so gar keine Zeitung gehabt / ist auch
schier ungläublich / dass kein einziger / der es nachsagen können / sollte davon
kommen sein. Aber woselbst halten sich anjezt die beiden Teutschen Fürsten auff
/ deren Ihre Gn. meldung getahn? Das ganze feindliche Heer /gab er zur Antwort /
hat sich nach Persepolis zurück gezogen / und stärken sich mächtig / haben auch
des Tages nach meiner Niderlage ein fliegendes Heer 14000 stark aus Meden
bekommen / welches der junge Fürst Arbianes selbst führet. So wird unserm Könige
/ sagte Bagophanes / die Skytische Hülffe nöhtig sein / deren zugebrauchen er
annoch im zweifel stehet / ungeachtet sie sich uns gutwillig anerbohten haben.
Wolle demnach Eure Gn. eilen / unserm Könige der SachenZustand zuhinterbringen;
mich betreffend / durchsuche ich alle Heerstrassen / das Königliche Fräulein
auszuspüren / welche vorgestern heimlich entführet ist. Das hat kein ander
Mensch getahn / sagte Madates / als der unvergleichliche Herkules / dann bald
nach der Schlacht hat er sich verloren / dass niemand / ohn seine vertrauetesten
umb ihn einige Wissenschaft haben; Dafern auch dieser Held und sein Geselle /
der Fräulein Bruder / nicht gewesen währen / wollten wir die Feinde wie Brod
gefressen haben. Nahmen hierauff Abscheid / und ritten ein jeder seines Weges.
    Unser Herkules mit seinem liebsten Gemahl / hatte / wie gesagt / die andere
Nacht ihrer Reise in obgedachtem Städlein gute Ruhe und herzliche Vergnügung;
bekahmen des folgenden Morgens daselbst frische Pferde / und weil Ritterliche
Harnische zubekommen wahren / rüsteten sich Herkules / das Fräulein und Gallus
völlig; kaufften auch fünff gute Bogen und so viel Köcher mit Pfeilen / dass sie
einen zimlichen Anlauff auffzuhalten und abzutreiben bestand wahren / welches
ihnen dann sehr wohl zustatten kam /massen an diesem dritten Tage ihrer Reise sie
einen unsichern Weg antraffen / da die verderbete abgebrante Partische Bauern
hin und wieder sucheten / die reisenden zuüberfallen / und Lebensmittel
zuerbeuten; insonderheit stiessen um den Mittag bei 30 Bauern auf sie / hatten
teils Spiesse und Schwerter von der Wahlstat geraubet / teils aber mit Axten /
Sensen und Mistgabeln sich versehen. Herkules grüssete sie mit auffgeschlagenem
Helme / und fragete / ob nicht eine Partische Schaar von ungesehr 200 Reutern
dieses Weges gezogen währe / bekam aber eine Antwort /die ihn gar zu
unfreundlich dauchte / weil der Bauern Führer ihm befahl er sollte absitzen /
auch zugleich nach seines Pferdes Zügel greiff / welches Valiska ersehend / ihr
Schwert zückete? und ohn Wortsprechen ihm die freche Hand vor die Füsse legete.
Da hätte man ein Gedränge und fluchen sehen und hören sollen; woran sich aber
die unsern wenig kehreten / sondern Herkules und Gallus zogen mit von Leder /
Timokles aber und die beiden Jünglinge brauchten ihre Pfeile / dass in weniger
frist der mehrer teil Bauern erschossen und nidergehauen wurden / und die
übrigen meist verwundet / zur seiten ausrissen / welche zuverfolgen Herkules vor
unnöhtig hielt / hieb sein Pferd an / und ermahnete die seinen / frisch
fortzurennen /als viel es die Pferde ertragen möchten / dann er zweifelte nicht
/ Artabanus würde in höchster Eile ihm der Verfolger gnug nachschicken / welche
nit seumen würden / Tag und Nacht zu jagen. Sie gerieten gleichwol noch etlichen
kleinen Hauffen unter die Hände /deren sie doch mehr mit dräuen als
Schwertschlägen abkahme / und langeten kurz vor Abends bei einem seinen Städlein
an / da ihnen gute Herberge zugewiesen ward / und sie bald anfangs erfuhren /
dass der geschlagene Feld Oberste Madates vor wenig Tagen mit geringer
unansehnlicher Mannschaft daselbst gewesen /und seine Weg nach Charas
fortgesetzet hätte. So ist mir leid / sagte Herkules darauff / dass ich nicht
zeitiger hieselbst ankommen bin / und nimt mich wunder /dass er mir nicht
auffgestossen ist / dann ich bin von meinem grossen Könige ausdrüklich
abgefärtiget / ihn bei dem Persen Artaxerxes loszumachen; jedoch /weil ich
andere Geschäfte mehr bei demselben zuverrichten habe / muss ich gleichwol fort /
und mich hindurch wagen. Es wird euch aber schwer fallen / durchzukommen /
antwortete der Wirt / nicht allein wegen Unsicherheit der wilden Tihre /
verlauffenen Hunde /und mutwilligen Räuber / sondern auch / weil alles der ends
abgebrant / und weder vor Vieh noch Menschen ichtwas auf zwo Tagereisen
zubekommen ist; jedoch / weil ihr alle wohl beritten seid / könnet ihr Futter und
Mahl hinter euch auffnehmen; wiewol vor die Pferde etwas hieselbst zuerhalten
Mühe geben wird. Herkules antwortete ihm: Mein Freund / schaffet ihr uns
Notturfft / unser König hat Mittel gnug / es zubezahlen / obs gleich teuer fålt;
und wann ich gleich alles mein Geld auff der Reise vertähte / musste der Perse
mir als einem Gesanten wohl etwas vorstrecken. So schaffet uns nur einen guten
geträuen Menschen /der uns durch sichere Nebenwege fortbringe / und lasset mich
vor die Bezahlung sorgen. Der Wirt wahr ein geitziger Mensch / und dauchte ihn
keine Gefahr zu gross / da Geld zuverdienen wahr; also wollte er nun auch vor
dissmahl der Belohnung etwas mehr versichert sein / und antwortete ihm: Die
heimlichen Wege nach den Persischen Grenzen währen dieses Orts niemand so wohl
bekant als ihm / und wann sie ihm der Mühe zu diesen gefährlichen Zeiten
ergetzen wollten /könnte er sie führen / dass sie stets von der Landstrassen biss in
Persen bleiben / und nicht desto weniger eine gute Abend-Herberge haben / auch
des andern Tages der Persen GrenzeStad erreichen sollten. Ich muss hören / sagete
Herkules / was ihr fodern werdet / darauff habe ich hernach zuhandeln; doch
solcher gestalt / dass ihr mich mit aller meiner Gesellschaft und Pferden von
dieser Stunde an / biss an die Persische Grenze Stad nottürfftig / und so viel
möglich / nach meinem Adelichen Stande unterhaltet. Der Wirt überlegete alles
auffs genaueste / und sagte: Wann er nit zu viel dingens machen würde / wollte
ers mit einem Wort anzeigen / da er dann vor alles in allem gerechnet / 80
Kronen foderte. Worauff Herkules antwortete: meint ihr / mein Freund / dass ihr
mit Krämern und Kaufleuten zuhandeln habt? Ich bin schuldig / euch eure Kosten
samt der Mühe zubezahlen; drumb will ich euch eine andere Rechnung machen: Sehet
/ da habt ihr vorerst vor euren gute Willen einen King zur Verehrung / welcher
euch 100 Kronen gelten kann; vor Kosten und Mühe aber will ich euch 160 Kronen
baar erlegen / die halbscheid gleich jetzo; und das übrige in der Persischen
GrenzeStad. Der Wirt / nach Art der Geitzigen / trauete anfangs nicht /weil ihm
dergleichen Handelsleute noch niemahls vorkommen wahren; ging hin / und liess den
Ring von einem Gold Schmiede besehen / der ihm 80 Kronen davor boht / dass er
also nicht mehr zweifelte / und seinen Gästen aufftrug / was ihm in der Eile
zubekommen möglich wahr; erzählete auch / dass Madates mit den seinen so traurig
und betrübt gewesen / dass ihnen weder essen noch trinken schmecken wollen. Ja
ich höre / antwortete Valiska / es habe ihm in Persen noch übeler geschmecket;
dessen Herkules von Herzen lachete. Nach gehaltener Abendmahlzeit ward Herkules
mit seinem Gemahl / die er vor einen jungen ädelmann ausgab / auff eine
absonderliche Kammer geführet / und ermahnete sie der Wirt / biss an die Zeit des
Frühstückes sanfte zu ruhen; welchem sie statt gaben / und in Christehelicher
Liebe sich zusammen hielten. Als der Tag durch die Fenster herein brach /und sie
ihr Gebeht in herzlicher Andacht gesprochen hatten / sagete Valiska zu ihrem
Herkules: Was hindert uns / mein Schatz / dass wir unsere angebohrne Gestalt uns
nicht gönnen? Ich bin meinen hesslichen Händen so gram / dz ich sie fast nicht
ansehen / vielweniger euch damit berühren mag. Hierzu wollen wir bald rahte /
antwortete er; dann so wir das Haar nicht endern / köñen Angesicht und Hände mit
leichter Mühe wieder gefärbet werden; Also rieb er ihnen beiden solche Farbe ab
/ worüber sich das Fräulein höchlich erlustigte; dann ihr Herz wahr diesem
Fürsten dermassen ergeben / dass sie es mit äusserlichen Geberden nicht gnug
anzeigen kunte; und wann sie meinte / etwa eine freundliche Rede erfunden
zuhaben /blieb ihr die Zunge bestehen / und verrichtete mit seuffzen / was das
Herz nicht länger in sich behalten kunte. Ach / sagete sie dissmahl / gib du
barmherziger Gott / dass ich diesen meinen auserwählten Schaz vor meinem Tode ja
nimmermehr verlieren möge / und verzeihet mir / mein Seelichen / dass mein Mund
viel zu stamlend ist / die inbrünstige Liebe auszusprechen / welche zu meinem
GrossFürsten und Gemahl ich in keuscher Ergebenheit trage; es geht mir als den
Trunkenen / die durch krafft des Weins kühn gnug gemacht / und doch an den
Gliedern gelähmet werden /sich der Waffen zugebrauchen. Also befihlet meine
Seele der Zungen / meine Neigungen losszubrechen /aber die taumtlichte Liebe
bindet sie wieder / dass die Gedanken in Seuffzer sich verendern / und die Worte
zwischen den Lippen brechen müssen. Die heidnische Tichter / mein Schaz / mahle
die Liebe blind; verstossene Liebhaber schelten sie vor taub; ich aber klage
ihre Stumheit an; Lieber gönnet mir / mein Seelchen / dass ich sie alle
entschuldige. Die Tichter /nach ihrer närrischen Unbedachtsamkeit / haben
unbedachtsame Liebe / welche ich eine Narren-Liebe nenne / verstehen wollen /
und sind / in betrachtung deren / unbetrogen; Dann wer liebt / ehe er des
geliebeten Erkenntnis hat / ist freilich am Verstande blind. Die verworffene
Liebhaber reden von der geliebeten Ungewogenheit / als welche ihne die Ohren
verweigern. Wie viel besser nun ist meine Meinung gegründet / als welche der
wahren Liebe Volkommenheit zuentwerffen bemühet ist / welche weit über Worte
sich erhebet / uñ kein Mittel / sich völlig ans Licht zustellen / finden kann /
wiewol sie sich / sehen zulassen /alle Krafft und Vermögen anzuwenden nicht
unterlässet. Versichert euch aber / allerliebstes Herz / dass mir gleichsam ein
Vorbändichen der Zungen / durch die Wiederstellung eurer warhaften Gestalt /
gelöset und zerschnitten ist / nachdem mir anjetzo vergönnet wird / mich an dem
geliebten Angesichte meines Herkules zuerlustigen / welches ich in langer Zeit /
in freier Sicherheit nit gesehen / und vergnüget mich nicht wenig / dass die
hessliche Krämerin der verliebeten Valisken ein Stündichen Raum bei ihrem einig
geliebeten gönnet. Unter diesen Reden kunte Herkules kein Auge von ihr abwenden
/ und ward durch ihre anmuhtigsten Blicke dergestalt aus sich selbst gesezt / dz
ihm fast alle Krafft entging / dann wie er allemahl sich unwirdig geschätzet /
ein solches Welt Kleinot zubesitzen /an dem auch der allergrimeste
Menschen-Hasser und spizfindigste Klügling nicht den geringsten Fehler oder
Flecken / so wenig an der Seele als am Leibe zu finden wusste; also kunte er kaum
gläuben / dass die freie Niessung eines so volkommenen Gutes ihm so leicht
gegönnet währe. Er schwieg eine Zeitlang auf ihre geendigte Reden stille / weil
er nicht wusste / mit was Worten er seine Vergnügung entwerffen sollte /biss
endlich des Herzen Brun lossbrach / und mit einem tieffgehohleten Seufzer also
anfing: O mein teurestes Seelichen / ihr völlige Vergnügung meiner Sinnen / die
sich doch nimmermehr vergnügen können; wodurch hat euer unwirdiger Knecht
verdienet /von euer unvergleichlichen Volkommenheit so hoch geliebt zu werden /
deren mein schwaches Vermögen und unvermögene Kraftlosigkeit im geringsten nicht
gleiche / viel weniger die Vergeltung ergreiffen kann? Zwar die Verwägenheit hat
mich kühn gemacht zu hoffen / und das hoffen zubegehren / und das begehren
zulieben; kühn sage ich / aber nicht wirdig; deswegen auch die wenigen in mir
überbliebene Funken meines Witzes / die unter dem Begehren noch nicht allerdinge
Tod / wiewol leztzügig wahren / mich allemahl errinnerten / in mich zu gehen /
und nicht über mein Vermögen zu denken; mein Frevel aber reizete stark gegen /
und raunete mir ins Ohr / nicht gar zu witzig zu sein / sondern es auff Gottes
Hülffe zu wagen / nach dem mannicher durch Glüksfall eine Beute überkähme / die
durch nachdenklichen Verstand nimmermehr könnte erlanget werden. Dieses /gestehe
ich / hat meine Hoffnung gelüftet / die sonst im ersten Grase hätte müssen
ersticken. Aber O ihr mein Stralen-blankes Klelnot! wie hoch schwinget sich noch
mein Glük über hoffen / in dem ich nicht allein mit satter Ergezligkeit geniesse
/ sondern auch mit ergetzender Wollust genossen werde. Belüstiget sich auch ein
Schaz mit dem Besitzer / und nicht nur der Besitzer mit dem Schatze? Noch muss
ich in höchster Belüstigung wirklich empfinden / dass mein Schaz sich erfreuet /
in dem ich durch ihn erfreuet werde. O so bleibet nun in solcher Gewogenheit /
ihr meine Lustquillende Seele / sagte er mit einem herzlichen Umbfangen / und
was an meiner Unwirdigkeit und Tugend-Armut abgehet / wie dann sehr viel abgehet
/dass erstattet / bitte ich / mit der Fülle eures überflusses / welcher tausend
Königliche Fräulein völlig hätte auszieren können / und doch in dieser einigen
Seele als in einem Horn der Fülle / ja als in einem unergrüdlichen Meer zusammen
geflossen / mich mehr verwundern als gläuben machet. Dass ich aber auch die
Liebes-betrachtung von meinem Schatze eingeführet / mit wenigem berühre / halte
ich / man könne der Tichter Malerei / wann sie die Liebe blind bilden / in
etwas entschüldigen / wo nicht gar auff eine gute Deutung zihen; dann freilich
ist die wahre Liebe blind; aber wie und wann? Sie sihet oft das tadelhafte an
dem geliebete nicht / ob gleich dessen viel an ihm erscheinet / sondern aus
grosser Zuneigung nimt sie das Unwerte unter den Mantel der Bescheidenheit /
weil der Geliebte / dem solches anklebet ihr viel zu angenehm ist; und was soll
ich von ihrer Taubheit sagen? kann sie auch geduldig anhören / wann das geliebete
gelästert und geschändet wird? O nein O nein! hätte sie alsdann gleich
tausendmahl tausend Ohren / müsten sie alle davor verstopfet sein / insonderheit
/ wann Rache keine statt findet. Aber euer drittes / mein Seelichen / lasse ich
gerne gelten / dann sonst müste ich mich selbst der Liebe entnehmen / die in
meinem Herzen zwar ohn Ruhe brütet / aber keine einige Zucht aus der Schalen
recht ausshecken kann. Valiska kennete sein Herz wohl / und wie ferne er von aller
Schmeichelei wahr; nur eins taht ihr wehe / dass Herkules / welchen an
Gottesfurcht / Tugend und guter Gestalt kein Mannesbilde übertraff / sich ihren
Unwerten nennete / daher sie zu dieser Gegenantwort genöhtiget ward: Warumb
schneidet ihr meiner Seele so unheilsame Wunden? O ihr mein wirdigster Schaz;
und stürzet mich in die tieffe der Bekümmernis / da ich meine den sturmlosen
Trost-Hafen schon ergriffen zu haben? meint etwa der prüfende Herkules /
Valiska kenne sich selber nicht? oder gedenket er / Königs Artabanus Liebe habe
sie verwägen gemacht? oder / welches ehe geschehen möge / der Name Herkuliska?
Das unergründliche Tugend-Meer meines / ja Gott Lob / meines teuren Herkules ist
mir nicht so gar unbekant / auff welchem schon in früher Jugend tausend Last
Schiffe des unsterblichen Ehrenpreises mit vollem Segel daher prangeten; und wie
hoch ist dessen die Kindische Valiska vergnüget / dass sie die seine heisset und
ist! Meine halbtrockene Bach ist selig gnug / dass sie hieselbst den freien
Einflus hat /da sie Wassers gnug findet / wie viel ihr sonst aus dürre ihres
mangels gebricht. Ey wie mag dann mein wirdigster seine Volkommenheit beschneide
uñ durch solches ihm selbst angelegtes Unrecht dieselbe zugleich mit schamroht
machen / die sich einzig darumb vor glückselig schätzet / dass ihr Gebrechen durch
dessen Anschein ersetzet wird / welchen die Versehung uns als einen Spiegel
vorstellet / umb zu erkennen /die Wunder des Schöpffers in nicht ersinlicher
Ungleicheit uns Menschen mitgeteilet / doch also / dass in diesem dasselbe
hervorstrahlet / was man in andern kaum funkeln sihet. Höret deswegen auff /
mein Seelen-Schaz / die eure / mit unverantwortlicher Verachtung euer / und
unbefindlichem Lobe ihrer / fort mehr zubeleidigen / und versichert euch / dass
wann Valiska nicht wüste / vor welchen sie Herkules müste ehren /sie denselben
sich so leicht nicht würde ergeben haben. O Liebe Liebe! antwortete er; ich
dürfte schier schwören / du währest nicht allein blind / taub / und stum /
sondern auch erkäntnisloss! Ruhmwirdigste Herzens Krone / in was vor ein Muster
dürffet ihr mich entwerffen? ja wohl ein volkommener; ja wohl ein spieglender /
der aus Schwacheit und blöder Vernunft fast nicht gläuben darf / was er
gegenwärtig umarmet; jedoch / Tugend schimmernde Seele / wann in euren Augen ich
etwas bin uñ gelte / ist alles was ich suche / ist alles was ich wünsche / so
weit Sterbligkeit und Weltruhm geht; kein Mensch aber wird mich so verwägen
machen / die Einbildung zu fassen / ich wollte mit der allein übertreffenden
Valiska bei aussteilung des erworbenen Preises zu gleicher hebung gehen; dann was
sind meine Tahten gegen die ihre? ich habe etwa mit einem Räuber / vielleicht
auch mit einem Ritter gekämpfet / uñ in beschützung meiner / mehr Vorsichtigkeit
gebrauchet als jener; was gibt oder gilt aber dass? ein Fräulein / deren blosses
Anschauen auch wieder ihren wille / allen Mäñern Brunst erwecket / hat ihre Ehre
unter den wildesten Räubern Heldsiegig durchgebracht / mit ihrem unbestürmlichen
Muht den grausamesten Wüterich gezähmet / den allerfrevelhaftesten bestürmer der
Keuscheit abgetrieben / und ihn unter die siegreichen Füsse ihrer
unüberwindlichen Oberschaft (so mag ichs mit gutem Recht nennen) als einen
Leibeigenen Sklaven getreten. Da haben wir den Spiegel / dessen Klarheit die
späten Nachkommen anbehten / und alle Tugendliebende mit zweifel streuender
Verwunderung ansehen werden. Was beraubet ihr euch dann / O wahre Volkommenheit
/ eures Lobes? was zihet ihr eurem hochverdienten Ruhme denselben vor / der
jenem ruhenden Wüterich zun Füssen gelegen ist? welchen aber euer einiger Wink
in seiner heftigsten Raserei nidergeworffen / und geduldiger als ein Lamb
gemacht hat. Ja mein Freund / ja meine Lust / sagte sie hierauff; ich merke wohl
dass die geraubete Valiska doch mit Gewalt über den Räuber-zwinger / und die
Gefangene über ihren Erlöser sich soll erheben lassen / welches sie etlicher
massen mit geduldigen Ohren anhören möchte /wann sichs in den Schranken der
Mässigkeit hielte /oder auffs wenigste sie ihrem Retter nicht vorgezogen würde /
welchen sie weniger als sich selbst verachtet wissen kann; werden wir aber der
angestrichenen Tocken ihr innerliches beschauen / dann wird sichs bald finden /
dass in der Taht mir dessen nichts beizumässen ist / durch welches ich
vortreflich zu sein getichtet werde; gestaltsam des grausamen Löuen Wuht nicht
durch mich gebrochen ist; O nein O nein! sondern Gottes kräftige Hand hat
denselben ohn mein Zutuhn nidergeschlagen und gefellet / sonst währe ich gegen
ihn nicht anders als ein Täublein gegen den Adler zu rechnen gewesen; Aber mein
Licht / last es sein / dass ich mich gesträubet; Herkules / Herkules hat solches
in mir gewirket; ja Herkules / auf den nach Gott alle meine Kraft sich gründet /
alle meine Freude ruhet / so dass / wann er nicht geboren währe / ich ohn
vergnügung hätte bleiben müssen / oder ja nicht erfahren können / was vergnügung
ist und heisset; dann was in dieser Vergängligkeit nicht Herkules ist / dz sehen
meine Augen gar nicht an / oder nur /als währe es nichts und nichtig. Herkules
Tugend hat mich munter gemacht wo ich munter bin; Herkules Seele hat meiner
Geister Schlaff vertrieben / wann sie wachen; ja Herkules hat durch seine Liebe
zu mir /die Kühnheit in mir auffgetrieben / dass ich Hoffnung gefasset / ein
mehres in der Welt / als was man Gemein heisset / zu werden. Ich eriñere mich
meiner stokfinstern Gedanken noch wohl / welche / ehe und bevor sie von Herkules
Strahlen erleuchtet wurden /sich nicht wussten von der Erden zuerheben / die aber
nunmehr mit zuschweben sich bemühen / weil Herkules Geister sie nach sich in die
höhe zihen; und wann ich meine himlische Glükseligkeit hinzu kneten wollte / wem
habe ichs dann nähst Gott anders zu danken /als meinem Herkules / welcher durch
meines Heilandes schickung aus mir stokblinden eine sehende / aus mir
Gotzendienerin ein Christliches Fräulein / aus mir verdamten ein gnaden Gefäss
gemacht hat. Ey so höret demnach auff / mein Schaz / das Werk über den Meister /
und den Jünger über den Lehrer zuerheben / und sehet ihr ichtwas lobwirdiges an
eurer Valisken / so bedenket allemahl / dass es von eurer Volkommenheit ihr
mitgeteilet sei / die sich auch mit Leib und Seel euch zu eigen übergiebet / dz
des lobwirdigen / so sie etwa an ihr haben möchte / ihr euch ohn alle Einrede
und Wegerung gebrauchen / das unwirdige aber und unvolkommene / dessen gar viel
ist / freundlich und mitleidig übersehen möget. Mir zweifelt nicht / unsere
durchhin verliebete / hätten den ganzen Tag in solchem Gespräch zuverharren /
sich nicht unwillig befunden / wie dann Herkules schon mit einer Antwort sich
gefasset hielt / aber die nohtwendige Eilfertigkeit nebest Gallus Erinnerung /
hub sie aus dem Bette / da Herkules sagete: Als viel ich merke / mein Schaz /
werde ich euch diesen Saz müssen schuldig bleiben; wiederhohleten ihr
Morgengebeht / und riefen Gott umb ferneren Schuz herzlich an. Nach angelegeter
Kleidung bestriechen sie Angesicht und Hände wiederumb / nahmen das Frühstük ein
/ und schenketen der Wirtin 20 Kronen Schlaffgeld / nebest bitte / sie möchte
ihren Eheman erinnern / dass er sie des sichersten Weges zugeleiten nicht
unterliesse; zähleten demselben die helffte des versprochenen Geldes / und
vergewisserten ihn des übrigen mit einem Handschlage. So wollte er nun gleichwol
sehen lassen / dass er in der dankbarkeit Schuele auch erzogen währe / belud
zween Maul Esel mit den besten Speisen und etlichen Schläuchen des besten Weins
/ auch mit Pferde Futter / und ritte mit ihnen einen schmalen gebahneten Steg
/welcher weit von der Landstrassen / und doch viel richtiger zulief / da Valiska
manniche kurzweilige Unterredung mit ihm hielt / und ihm allemahl widersprach /
er würde in der benenneten Zeit ihnen die Persischen Grenzen nicht zeigen können
/ dass sie gar eine Wette von 50 Kronen darüber anstellete; welche zugewinnen er
so geflissen war / dass er sie bei guter Tageszeit in die Herberge brachte /
welches ein wolgebaueter Jäger-Stall wahr / mit Häu angefüllet. Sie hielten
hieselbst das Abendmahl / und brachen eine Stunde vor der Sonnen Auffgang wieder
auff / sich höchlich freuend / dass dieser der lezte Tag ihrer furchtsamen Flucht
sein sollte.
    An demselben erweckete Madates durch seine unvermuhtliche Ankunft zu Charas
grossen Aufflauff und Schrecken; dann er wollte durchaus weder Pferd noch
Kleidung verendern / sondern ritte in so elender gestalt vor das Königliche
Schloss / und liess bei dem Könige sich anmelden; der unglückselige Madates hielte
draussen / und erwartete Ihrer Königl. Hocheit schleunige Urtel wegen verlohrner
Schlacht. Artabanus erschrak der Zeitung heftig / sass gleich und gedachte an
der Fräulein Verlust / und auf was weise sie immermehr bei hellem Tage hätte
können von dem wolverwahreten Schloss kommen / da alle Wachten so wohl bestellet
gewesen / und kein Mensch sie gesehen hätte; welcher Zweifel ihm doch vor
Bagophanes Wiederkunft benommen ward / da man ihm anzeigete / Valikules währe
mit einer einzelnen Krämerin früh morgens von dem Schloss gangen / welche zwar
von Leibe wohl gewachsen / aber unter dem Gesichte Sonnen-brändig gewesen / und
währen die anderen beide Krämerinnen erstetliche Stunden hernach gefolget.
Woraus er ungezweifelt schloss / er würde ihr durch Zauberkunst das Gesicht
verstellet haben; beklagete auch heftig / dass auff diese weise Bagophanes alle
seine Mühe / sie auszuspüren / vergeblich anwenden dürffte; doch tröstete er
sich / wann nur Valikules zuerhaschen währe / müste er durch die Folter
gezwungen / sie wohl melden. Von dieser Betrachtung wendete ihn Madates Ankunft
ab / trug verlangen / seines Unfalls eigentlichen Bericht einzunehmen / und
sagete zu dem Zeitungsbringer: Wil dann das rasende Glük uns auff allen seite
ansprengen? Lass ihn hervor treten /dass wir nach befindung mit ihm handeln
können. Der Diener kam bald wieder / und brachte zur Antwort; Madates schätzete
sich unwirdig / vor seines Königes Angesichte zuerscheinen / weil er von den
Feinden seiner Ehren entsetzet / uñ durch Henkers Hand mit Ruhten biss auffs Blut
gestrichen währe; Wann nun Ihre Königl. Hocheit ihn dieses Schandflecken
allergnädigst benehmen / und in vorigen Ehrenstand setzen würde / alsdann wollte
er gehorsamst hervor treten / oder im widrigen fall ihm selbst durch eigene
Faust sein Leben abkürzen / welches er bloss aus Hoffnung /noch ehrlich zusterben
behalten håtte. Der König sprang als ein Rasender / uñ sagete: Was? beschimpffet
und schändet man uns also an unserm Feld Herrn uñ Blutverwanten? das muss schwer
und hart gerochen werden; rief alsbald einem seiner Höflinge / dass er Madates
ein gesatteltes Ritter Pferd / und Fürstliche Kleider bringen sollte / nebest
Anmeldung / der ihm bewiesene Schimpff sollte hiemit ewig abgetahn und
auffgehoben sein. In dieser neuen Gestalt ging er nun hinauff / taht einen
demühtigen Fussfall / und sagete mit jämmerlichen Geberden: Allergrossmächtigster
Unüberwindlichster König; Euer Hocheit und Gnade danke ich aus innerstem grunde
meines Herzen alleruntertähnigst / dz dieselbe den Schandflek / mir als einem
gefangenen Königlichen FeldObristen angelegt / allergnädigst abwische wollen /
will nun desto lieber und williger sterben / weil ich den Tod wohl verdienet habe
/ indem ich zu wenig gewesen bin / der Feinde Macht zuhintertreiben / wie mir
ernstlich aufferlegt wahr; so würde uberdas schimpflich stehen / wann man sagen
sollte: Madates ganzes Krieges Heer /40000 Köpffe / sind vor ihres Königes Ehre
und Wolfahrt ritterlich gestorben / und hat er nur mit 20 ausgestrichenen
Rittern sein Leben erhalten. O wie angenehm sollte mir der Tod von Feindes Hand
gewesen sein / weil ich / ohn Ruhm zumelden / so lange ritterlich gefochte / als
ich lebendigen Beistand um mich gehabt / dafern mich nur dz Schwert hätte
erschlagen wollen; aber ich wahr mit meinen 20 Rittern verrahten / denen / die
beide Teutschen zufahen / und der Ruhte zuliefern / anbefohlen wahr / daher
musste ich nach verlohrner Schlacht nebest ihnen leiden / was man jenen
zugemässen hatte / und halff weder bitten noch bedingliches widersprechen / noch
Todesbegierde / sondern die Hände band man uns / dass wir nicht selbst uns durch
eigene Entleibung der Schande entreissen sollten. So bitte ihre Königl. Hocheit
ich nun untertähnigst / mir nach wiedererlangeter Ehre / die Todes Urtel ohn
Barmherzigkeit zusprechen / welche ich mit frölichem Herzen anhören will / auff
dass nach diesem nicht jemand mich vorschützen / und sprechen möge: Madates habe
es vor ihm wohl ja so grob / und gröber versehen / und sei doch begnadet worden;
welches mir unerträglicher als der Tod selbst sein würde / nachdem ich vor
diesem so mannichen Sieg erhalten / und vor dissmahl weder Spitamenes Beispiel
und Warnung / noch Fürst Vologeses Raht mir habe wollen lassen zu herzen gehen.
Artabanus antwortete: Es ist eine sehr harte Niderlage / wie wir vernehmen
/welches ohn allen zweifel bloss nur aus Unvorsichtigkeit verspielet ist. Ja sie
ist verspielet / sagte Madates / aber nicht durch meine Unvorsichtigkeit; Ich
habe in Feindes Grenzen etliche Tage mit Schwert und Feur alles verheeret / über
40 Dörffer / zwei Städlein /100000 fruchtbare Bäume verbrand / 8000 Menschen
erschlagen / 14000 (so aber wieder erlediget) gefangen / und mit dem Feinde im
freien Felde / ohn Einräumung einiges Vortels / offene Schlacht gehalten /aber
der beiden fremden Helden Macht nicht brechen können / deren Schwertern und Art
zustreiten ich nichts in dieser Welt zuvergleichen weiss. Diese /diese einzelne
Ritter wahren die Seele ihres Heers /und das Verderben meiner Völker; Sie
brachen durch / wie der Bliz; der eine hat meinen geträuen Bazaentes im dritten
Hiebe gefället / der ander mich nach harter Verwundung gefänglich annehmen
lassen; und wie embsig sie fochten / hatten sie doch allemahl ein Auge im Nacken
/ welches allentalben ordente / dass sie ohn verseumen Entsatz schicketen / wo
es nöhtig wahr. Sind sie Menschen / allergnädigster König / so sind sie die
vollkommensten / deren Beistand und Hülffe ich höher / als 100000 überschuss
halten wollte; Als lange sie aber dem Feinde zugetahn bleiben / muss unser Krieg
viel anders geführet werden / oder alle Völker gehen verloren. Der König hiess
ihn aufstehen / und sagte: Durch diesen Verlust ist noch weder gewonnen noch
verspielet / und werden wir schon Mittel finden / diesen wütigen Jünglingen
beizukommen / wann unser Fräulein erst wird wieder erobert sein / die von dem
verwägenen Valikules / dem wir sein Leben gerettet und hoch begabet /
räuberischer weise entführet ist. O gnädigster König / antwortete er; ich halte
gänzlich / der sieghafte Herkules / welchen ich noch über Ladisla schätze /
habe dieses selbst verrichtet und gebe Gott / dass wir nicht erfahren / dass er
der Valikules selber / oder doch in dessen Gesellschaft gewesen sei / aus dessen
Händen das Fråulein zureissen / ist Bagophanes viel zu wenig /wann er gleich 20
Mann auff einem gegen ihn führete. Vologeses und Pakorus / welche etliche Tage
in den Reichsgeschäfften / den Krieg betreffend / verreiset gewesen / kahmen zwo
Stunden hernach bei dem Könige an / vernahmen den Verlust mit Schmerzen / und
ermahneten ihn (weil sie das Unglück vor Augen sahen) sich der Reichsnotturfft
anzunehmen; Sie hatten des Tages nach Madates Abzuge mit dem Könige ein
ernstliches Gespräch gehalten / und ihn gebehten /den Vorsaz / der Fremden
Ruhten-züchtigung betreffend / zuendern / und solches durch einen schnellen
Nachreiter Madates wissen zulassen; aber es wahr alles umsonst; dann Artabanus
lachete ihrer unzeitigen Vorsorge / und fragete / ob sie sich dann vor zween
einzigen Jünglingen fürchteten / von denen man nicht eins wüste / ob sie auch
einen einzigen Diener umb sich hätten / der ihnen zustünde. Worauff Pakorus
dieses mahl antwortete: Allergnädigster König; dass wir diese beiden Fremdlinge
nicht als zween einzelne Jünglinge oder Ritter / sondern als trefliche Helden
und Kriegsverständige halten müssen /solches haben sie mehr erwiesen als uns
allen lieb ist / indem sie in zwo Feldschlachten schon über 60000 der
allerversuchtesten und besten Völker uns abgeschlagen / und zwar solches mit
geringer Mannschaft und noch geringerem Verlust / dass an ihrer tapfferen
Kriegserfahrenheit zuzweifeln wir keine Ursach haben. Betrachte ich dabei / wie
sie das Fräulein von dem verwahreten Schloss bei hellem Tage haben können
herunter bringen (dann dass sie darunter stecken / zweifele ich nicht) / so muss
ich mich über ihren Verstand und kluge glückliche Anschläge zum allerhöchsten
verwundern / und daraus schliessen / dass wir uns ungleich mehr vor ihnen als vor
des Persen ganzer Macht zufürchten / oder zum wenigsten vorzusehen haben;
wendete sich hernach zu Madates / und sagte zu ihm: Euer Unfall ist mir leid /
aber noch mehr der ritterlichen Völker ihr Verderben / mit deren Hülffe ich mir
getrauet hätte / mehr als 100000 Persen auffzureiben; Aber geschehene Dinge sind
nicht zuendern / wiewol euch dannoch hätte wollen gebühren / unsers allgemeinen
Feldmarschalks Fürst Vologeses Vermahnung nicht so liederlich zuschätzen
/sondern an des ritterlichen Spitamenes Unfall ein Beispiel zunehmen; Habet ihr
nun von dem eingebildeten Sieges-pracht-wagen nichts als die Ruhten bekommen /
die ihr einem andern hattet gebunden /möget ihrs eurer Vermässenheit danken.
Dieses sagte Pakorus / weil er in Erfahrung gebracht / dz er sich gerühmet hatte
/ er wollte seinen Siegprangenden Einzug zu Charas also halten / dass nur
Persische Herren Standes den Wagen fortzihen / und die beiden fremden ihm die
Ruhten vortragen sollten. Nach dieser verweisslichen Rede kehrete er sich wieder
gegen den König / und sagte: Wir sehen und empfinden / dass die Unglückszeichen /
davon im ganzen Reiche ein halb Jahr und länger viel geredet ist / schon
angefangen zuwirken / und erinnere ich mich jenes Sternsehers Warnung / dass Eure
Königl. Hocheit von denen den allergrösten Schaden einnehmen würde / welche sie
bedacht währe / am höchsten zubeschimpffen; gebe der Himel / dz der schon
erlittene nit nur ein Anfang eines viel grösseren sei. Ich zwar kann das mit
gegenwertigem Herrn Madates uñ seinen zwanzig Rittern ergangene / nicht anders
als eine göttliche Schickung rechnen / die uns warnen will / dass wir nach diesem
unsern Hochmuht mässigen / einen kleinen Feind nit verachten / und von
unverantwortlichen Beschimpfungen abstehen; und wo wir diese Lehre annehmen /
wird uns noch wohl zurahten sein; wo nicht / so stelle ich mir vor Augen / dass
wohl ehe ein Alexander mit geringer Macht den grösten König aus seinem Reiche
getrieben hat. Der König hatte keine gewaltigere noch verständigere Fürsten in
seinem ganzen Reich als diese beiden / Vologeses und Pakorus / mit denen er sich
nit überwerffen durfte / doch verachtete er alle Vermahnungen / und befahl / dass
alle Macht des Reichs zusammen getrieben würde / damit der Schimpff an den
fremden ohmächtigen Fürstlein zeitig könnte gerochen werden; Madates aber und den
20 Rittern nahm er alle angelegte Schande ab / ermahnete sie zur Rache / und gab
ihnen die versprochenen Gelder / als ob der Anschlag ihnen gelungen währe.
Hernach fragete Vologeses den König / warumb er doch seinem Hofmeister
Bagophanes ein Heer anvertrauet hätte /welcher zwar vor 20 Jahren ein Obrister
über eine dreitausichte Schaar zu fusse / gewesen / aber das Ampt eines
FeldObristen gar nicht verstünde. Ja ich gedenke auch / sagte Pakorus / wie wohl
geputzet und gestriegelt die fremden ihn uns werden zurück senden /wofern nur
Unglück ihn an dieselben führet. Nun legete gleichwol derselbe allen fleiss an /
dem Fräulein auff die Spuhr zu kommen / brachte auch in Erfahrung / dass vier
Rittersleute die erste Nacht im obgedachten Dörflein mit sehr schnelllauffenden
Pferden ankommen / und daselbst geruhet / früh morgens auch bald wieder
fortgangen währen / woraus er gnug muhtmassete / wo diese es gewesen / ihm
unmöglich fallen würde / sie einzuhohlen / weil der Vorsprung gar zu gross wahr;
liess nicht desto weniger 60 wolberittene voraus hauen / weil die Menge bei den
engen Durchzügen sehr auffgehalten ward. Die unsern aber hatte Gott schon in
Sicherheit gesetzet / dann nachdem sie aus dem Jägerhause auffgebrochen waren /
eileten sie frisch fort / was ihre Pferde ertragen kunten /hielten des Mittages
unter einem schattigten Baume eine kurze Mahlzeit / er quicketen ihre Pferde /
und liessen sie frisch wieder fortgehen / da um drei uhr nachmittage ihnen
etliche hohe Bäume von ferne erschienen / und ihr Führer sagete: Sehet da meine
Herren / jene Bäume vor uns / stehen schon auff Persischem Grund und Bodem. Ey
so halte ich die Wette mit euch / sagte Herkules / als die mein Geselle ohn
zweifel verspielet hat. Habe ich dann verspielet /sagte Valiska / so habe ich
nie keine Wette lieber gewonnen / als ich diese verspielet habe; kehrete sich
hin zu dem einen ädelknaben / und sagte zu ihm: Mein Ochus / zählet unserm Wirte
von euren wolgelöseten Geldern 50 Kronen aus / ich will ohn anmahnen euch davor
1000 wieder geben. Der Wirt empfing die Gelder mit Lust / und nach geschehener
Danksagung steckete er sie in den Futter Sak / da Herkules zu ihm sagete: Guter
Freund / wann mein Weg mich wieder auff eure Heimat zuträget / werde ich
kühnlich bei euch einkehren. Solches wollte ich vor eine sonderliche Gunst
auffnehmen / antwortete er / und nach vermögen willig auffwarten. Sie ritten ohn
auffhören fort / biss sie zu Abends vor ein wolbeseztes Persisches Städlein
anlangeten / in welches man sie nicht einlassen wollte / weil die Tohre schon
versperret wahren; nachdem aber Herkules der Schildwache zurief / einen
Befehlichshaber herzufodern / und derselbe ankam / befahl er ihm / dem Obersten
der Festung anzudeuten / des Teutschen GrossFürsten Herkules Bedienter hielte mit
seiner Gesellschaft haussen / und begehrete eingelassen zu werden. Dieser wollte
nicht so leicht gläuben / ging selbst auff die Maur / und rief / ob er
schrifftliches Zeugnis auffzulegen hätte / sollten ihm die Tohre willig geöffnet
werden. Bald wurden ihm zween FreiBriefe / einer von Artaxerxes / der ander von
Herkules selbst geschrieben / eingereichet /nach deren Verlesung sie nicht
allein willig eingelassen / sondern in die beste Herberge eingelegt wurden /da
ihnen der Oberste treffliche Speisen zuschickete /weil sie sich wegerte / mit
ihm zuessen. Herkules begab sich vor der Mahlzeit mit seinem Gemahl auff ein
absonderliches Gemach / und verrichteten in herzlicher Andacht ihre Danksagung
zu Gott / ein Stunde lang kniend / mit auffgehobenen Händen. O du grosser
Wunder-Gott / sagete Valiska unter andern; wir sind ja viel zugeringe aller
Barmherzigkeit und Güte /die du uns armen Sündern tuhst / und wir vielmehr
deinen Zorn als Hülffe verdienet haben; jedoch / damit dein heiliger Nahme
geehret werde / so lass nicht abe / uns weiter zuschützen / und bringe uns unter
der Begleitung deiner Heil. Engel / in unser Vaterland. Insonderheit behteten
sie den III / XX / XXIII / XXVII / XXX / XXXIV /XL / XLVI und XCI Psalm Davids /
und hielten darauff in frölicher Gottesfurcht das Abendmahl / da ihr Führer mit
ihnen zu Tische sitzen musste / dem Valiska die übrigen Gelder zustellete / und
noch 50 Kronen zur Verehrung. Dieser sah nunmehr / dass sie nicht Partische /
sondern Persische Leute wahren / welches ihn doch nicht irrete / nachdem er vor
aller Gefahr gnug sicher wahr. Weil auch in Herkules / von Artaxerxes ihm
gegebenen Freibriefe ausdrüklich gesetzet wahr / dass man ihn in allen Persischen
Besatzungen nach Willen sollte schalten und walten lassen /als ob er Artaxerxes
selbst zugegen währe / legte Bubazes / Obrister des Orts / bei sich über / was
vor ein grosser Herr dieser sein möchte / da Herkules zu ihm schikte / mit
begehren / biss an de Markplaz auf ein Wort zu ihm zukomen; woselbst er ihm
anzeigete / er hätte dem Parter Könige Artabanus eine schlimen Possen gerissen
/ dz er ihn unverfolget nit lassen würde / wäre aber entschlossen / dessen an
diesem Orte zuerwarten / uñ baht / es möchte der Oberste etliche Leute
aussschicke / dass man in aller stille in zwo oder drei folgenden Nachten so viel
Reuterei als möglich sein würde / und das Städlein einnehmen könnte / herein
brächte / welches zu ihrer beider Ehr und Ruhm aussschlagen sollte. Bubazes erboht
sich /auf seine Verantwortung zugehorsamen / und taht gute anordnung.
Unterdessen redete Valiska mit ihrem Wirt / dass Morgen zeitig früh ein Kauffman
mit güldenem und Seidem Gewande / auch etliche Schneider herzugefodert würden /
legte sich nachgehends mit ihrem Herkules zu Ruhe / und wahren des Morgens frühe
wieder auff / da sie vor etliche tausend Kronen köstliche Waaren zu Kleidern
aussnahmen /die in zween Tagen sollten verfertiget werden. Dem alten Wirte ward
sein Pferd und seine Esel mit guten Speisen wieder beladen / zu dem Herkules
beim abschiede sagte: Mein Freund / ich möchte euch gerne einen guten Verdienst
gönnen / nach dem ich sehe /wie ihr die Gelder so wohl leiden könnet; deswegen
lasse ich euch wissen / dass ich eurem Könige Artabanus einen Reuterdienst
erzeiget / welchen er mir ohnzweiffel durch nachschickung etlicher Völker
vergelten will; würdet ihr nun diese antreffen / so saget nur /ob sie einen /
Nahmens Valikules suchen / köñet ihr ihnen denselbe nachweisen / dessen sie euch
mit grossen schenkungen lohnen werden / und da sie solches unterlassen sollten /
will ichs an ihrer statt leisten / wañ ihr werdet mit überkommen. Mein Herr /
antwortete er / sich vor einen Auffsaz befürchtend / was unter Königen und
grossen Herren vorgehet / bekümert mich wenig / jedoch wañ euch etliche guter
Meinung nachfolgen würden / und ich sie anträffe / will ich mit überzukommen
unvergessen sein. Ging hiemit nach seiner Heimat zu / und gelangete des vierden
Tages /nach dem er von Hause ausgezogen wahr / wieder daselbst an / fand auch
über vermuhten das Städlein mit Reutern erfüllet / dann dieses wahr eben der Ort
/wohin Bagophanes seine Völker bescheiden hatte. Er selbst wahr vor drei Stunden
daselbst angelanget /und erwartete seiner annoch hinterstelligen Mannschaft. So
bald der Wirt in sein Haus trat / vernam er / dass es Königliche Völker wahren /
die etliche flüchtige verfolgeten / liess sich bei Bagophanes angeben /und sagte
zu ihm; Gnädiger Herr / ich werde glaubwirdig berichtet / dass unser König einem
aussgerissenen Diener nachfragen lässet; wann nun derselbe Valikules genennet
würde / könnte ich nicht allein gute Nachricht von ihm geben / sondern umb
gebührlichen Lohn eure Gn. hin zu dem Orte führen / da er mit seiner Gesellschaft
sich auffs minste noch drei Tage auffhalten wird. Bagophanes sprang vor freuden
auff /zog eine Handvol Kronen hervor / und sagte: Guter Freund / nehmet dieses
zum Bohten Brod vorerst an /und leistet mir gebührliche Träue / die euch mit
grossen Geschenken soll vergolten werden; aber lieber /wo meint  ihr / dass er
anzutreffen sei? Er ist vor vier Tagen / sagte er / bei mir selb sechse zur
Herberge gelegen / gab sich vor einen Königlichen Gesanten aus / der den Feld
Herrn Madates zu lösen abgeschikt währe / uñ musste ich ihn des sichersten Weges
nach einer Persischen Grenze Stad führen / da ich aus seinem beginnen wohl vernam
/ dass er des abtrünnigen Persen Bedieneter ist. Bagophanes kunte ihm länger
nicht zuhören / fragete / ob er nicht eine schöne Jungfer mit sich geführet
hätte. Jener antwortete: Es währe ein sehr zartes Mensch / doch in Mannes
Kleidern und Waffen bei ihm / die er vor ein Weibsbild hielte /dann wie schmal
sie gleich sonst von Leibe und Gliedern / währe sie doch ungleich besser
gebrüstet / als Jünglinge zu sein pflegeten; ihr Angesicht / Hals und Hände /
sagte er / sahen bräunlich / als von der Sonnen gebrant / und schien doch einer
angestrichenen Farbe viel ähnlicher / welches ich abnahm / als sie einsmahls den
Arm zimlich weit aussstreckete / und an demselben eine dermassen weisslichte
Klarheit erschien / als nie keinem Menschen mag zu Gesichte kommen sein. Ihr
bringt mir die angenehmste Zeitung von der Welt / sagte Bagophanes / und tuht
mir leid / dass ich meine Völker nicht beisammen habe; doch weil des folgenden
Morgens er nur 2000 missete / und 16000 bei sich hatte / brach er mit denen auff
/ritte den ganzen Tag und die folgende Nacht ohn auffhören / biss er die
Persischen Grenzen erreichete / daselbst / bei gutem angetroffenen Futter den
Tag über ruhete / und bei lichtem Mondenschein nach mitternacht auffbrach /
erreichete die Persische Stad vor der Sonnen Auffgang / und legte sich hinter
einen langgestrekten Hügel / welcher mit dickem Gesträuche bewachsen wahr / dass
man in der Stad seine Völker nicht sehen kunte. Nach Auffgang der Sonnen /
schickete er einen Trommeter hinein / und begehrete vor sich als ein Königlicher
Gesanter Freiheit / hinein zu kommen / umb etwas bei dem Obristen zu werben.
Dieses ward Herkules alsbald zu wissen getahn / welcher begehrete / dass der
Trometer eingelassen / und die Wache gar schwach und unansehnlich bestellet
/insonderheit die Reuterei heimlich gehalten würde. Auch liess man einen
verschlagenen Kriegsknecht in Bauern-Kleidern heimlich ausslauffen / umb
zuvernehmen / was vor Völker etwa in der nähe möchten verhanden sein / welcher
alles in Augenschein nam / uñ guten Bericht einbrachte. Der Trometer ward mit
guter Antwort abgefertiget / und stellete sich Bagophanes selb zehne ein / seine
Werbung abzulegen /der von seinem Trometer schon berichtet wahr / wie schlecht
die Besatzung währe / welches er auch mit sonderlicher Lust also befand / nach
Bubazes Haus ritte / und ihn also anredete: Mannhafter Obrister; mein
Grossmåchtigster König Artabanus hat mich in aller Eile bisshieher abgefertiget /
einer ihm durch List entführten Fräulein diss Schreiben einzureichen / und weil
ich als gewiss berichtet bin / dass dieselbe sich an diesem Orte auffhalte / bitte
ich freundlich / mir solches zuvergünstigen / und dass zugleich bei derselben ich
meine kurze Werbung ablegen möge. Das ist ein verwägenes Anmuhten / antwortete
Bubazes / in Feindes Stad denen nachzufragen / die sich vielleicht in Persischen
Schuz möchten begeben haben. Ist aber das Fräulein / von welcher mir nichts
bewust / wieder ihren Willen entführet? wie ich nicht anders weiss /sagte
Bagophanes. Wie dann / und auff was Weise? fragete Bubazes weiter; und kann
dieser euer König nicht ein Fräulein in seiner Festung schützen / wie will er dann
so weitläuftige Landschaften im Zaum und Gehorsam halten / die er ehmahls
unterdrücket hat? Ich bin nicht befehlichet / sagte er / hierüber einigen
Zankstreit mit jemande zu halten / aber das Fräulein betreffend / hält man davor
/ dass sie durch Zäuberkünste hinweg geführet sei. Durch Zäuberkünste? sagte
Bubazes mit einem Gelächter; da gleich Valikules zur Tühr hinein trat / stellete
sich / als währe ihm des Hoffmeisters Ankunft allerdinge unbewust / und
verwunderte sich über seiner Gegenwart / grüssete und empfing ihn gar höflich /
mit erbieten / ihm alle mögliche Dienste zuerweisen / weil er ihm neulich bei
seinem Könige Gnade und verzeihung erworben /wovor er sich ihm schuldig
erkennete. Der Auffzug schmerzete diesen sehr / hielt sich ernstlich / wollte ihn
nicht ansehen / und sagete: Nachdem ich in Feindes Gebiet mich befinde / muss ich
billich nach dessen Willen mich verhalten / bin aber bisher gewohnet /meinem
Herrn auffrichtig uñ träulich zu dienen / auch dessen Schimpf uñ Schaden
zuverhüten. So seid ihr auch ein redlicher Diener / antwortete Valikules / und
wer anders dienet / der verdienet / dass ihn alle Welt hasse; aber wie befindet
sich mein Herr so unvermuhtlich an diesem Orte / da ich ihn doch neulicher Zeit
weit von hinnen zu Charas gesprochen? Mein Herr / antwortete ihm Bubazes / es
soll dem Parter Könige ein Fräulein entführet sein / die er gerne sprechen wollte
/ weil er der Meinung ist / sie halte sich dieses Orts auff; und nimt mich
wunder / dass dieser König nicht eine einige aus seinem Frauenzimmer missen will /
deren er / gemeiner sage nach / ganze Häuser und Schlösser vol hat. Der Spot
taht Bagophanes weh / und wahr ihm leid / dass er nicht alsbald die Gewalt
gebrauchet hatte / durffte doch nicht ungütlich antworten / sondern baht / ihn
mit Schimpfworten wieder seinen König nicht zubelasten / dessen Tuhn und lassen
zuverantworten er nicht aussgeschikt währe; so hätte sein König als der
allergröste Welt Herr bisher niemand rechenschaft geben dürffen /möchte demnach
auff sein Ansuchen gerne Antwort hören. Ich achte eures Gewäsches wenig / sagte
Bubazes / so weiss ich auch von keiner fremden Fräulein /die sich alhie auffhalte
/ könnet also weiter zihen /und Nachforschung tuhn. Doch mein Herr / antwortete
er / sie ist ohn zweifel nicht weit von hinnen / dann gegenwårtiger Valikules /
hat sie entführet. Ich? Bagophanes / sagte er; woher wisset ihr dass? zwar ich
gestehe / dz ich eine Krämerin mit mir von meiner gebietenden Fräulein Schloss
geführet; ist aber hochgedachtes Fräulein zugleich mit entsprunge / werdet ihr
dieselbe nicht bei Valikules / sondern bei dem GrossFürsten der Teutschen / Herrn
Herkules antreffen. Doch sollte eurer Meinung nach / ich dieselbe entführet haben
/ wie haltet ihr mich dann so verächtlicht dass ihr bei diesem Herrn suchet /
welches doch nicht in seiner / sondern in meiner macht stehen würde? Zwar dieser
Herr kann euch wohl freien Zu- und Abzug verstatten / aber das übrige / wie gesagt
/ müste bei mir gesucht werden. Dieser hoffete / es würde Bubazes solche ihm
nachteilige Rede verantworten / weil es aber nicht erfolgete / sagete er: Es
gilt mir endlich gleich / von wem ichs erhalte / wann ich meines Ansuchens nur
gewehret werde. Wolan / sagte Herkules /ihr habt mir neulich einen freien Zutrit
zu Artabanus gemacht / darumb will ich euch wiederumb dienen /und mich bemühen /
ob GrossFürst Herkules euch das Fräulein wolle sehen lassen. Ging hiemit nach
seiner Herberge / stellete sich neben Valisken in seiner wahrhaften Gestalt /
und legeten ihre neugemachten Kleider an / die eines Zeuges wahren / als ein
Himmelblaues Seiden Tuch / mit schönen silbern Blumwerk. Sie hatten zween
vergüldete Stüle mit güldenem Stük behänget / hinter ihnen stunden Gallus und
Timokles in voller schimmernder Rüstung mit blossen Schwertern / und zu beiden
Seiten die Persischen ädelknaben Ochus und Darius / in güldenem Stük gekleidet.
Herkules liess sein Goldgelbes Haar über die Schuldern hangen; das Fräulein aber
hatte ihres in Gestalt einer Kronen auffgebunden / und hielten jedweder einen
schneweissen Helffenbeinen Stab mit Golde beschlagen / in der Hand. Valiska
sendete Darius in ihrem Nahmen nach Bubazes / mit bitte sie zubesuchen / und den
Königlichen Gesanten mit sich herzuführen. Nun hatte dieser Obrister noch von
ihr keine Wissenschaft / viel weniger / dass Valikules der GrossFürst Herkules
währe / wie wohl er aus den gefühteten Reden argwohnete / er würde sich in der
Stad heimlich auffhalten / biss Darius ihn dessen anjezt verständigte / und er
grosse Begierde bekam / diesem treflichen Fürsten auffzuwarten / daher er zu
Bagophanes sagete: Herr Gesanter / wann es euch beliebet / ist das gesuchte
Fräulein jezt müssig / euch zu hören; ging auch alsbald mit ihm hin. Als sie nun
auff das Gemach traten / und Bubazes diese zwo herrliche Fürstenbilder sah /
setzete er sich vor ihne auff die Knie / und baht untertähnigst umb verzeihung /
seiner aus unwissenheit begangenen unhöfligkeiten / weil ihrer Durchl.
Anwesenheit ihm allerdinge verborgen gewesen; Herkules aber antwortete ihm: Mein
lieber Freund / tuht uns keine Beschimpfung durch euer niderknien; ich erkenne
euch an diesem Ort vor den /welcher an statt des Grossmächtigsten GrossFürsten
Artaxerxes diese Besatzung versihet. Bagophanes hatte das Fräulein in der nähe
nie gesehen / und befand ihre Schönheit so beschaffen / dass sie der Nachfrage
wirdig währe. Sie hatte ein köstliches Kleinot mit Artabanus Brustbilde am Halse
/ welches ihr zwischen den erhabenen Brüsten herunter hing; ihre Kehle war bloss
/ wie auch der rechte Arm / biss an den Ellebogen / welchen Herkules mit seiner
Linken umbfassete /und machte ihre ernstafte verhaltung den Gesanten so
bestürzet / dass alle vorbedachte Rede ihm entfiel /insonderheit / da er den
treflichen Fürsten neben ihr sitzen sah; endlich trat er hin vor das Fräulein /
setzete sich nieder auff ein Knie / und fing also an: Unvergleichliches Fräulein
/ es hat mein allergnädigster König. Er wollte in seiner Rede fortfahren / aber
das Fräulein sah ihn zornig an / und sagte: Was seid ihr vor ein blinder
Gesanter? sehet ihr diesen vortreflichen Fürsten nicht / oder aber haltet ihr
ihn einiges Grusses unwirdig? so packet euch bald von hinnen /oder ich werde
euch Füsse machen; mein allergnädigster König Artabanus wird euch trauen nicht
befohlen habe / dieselben zubeschimpfen / so mir lieb und angenehm sind / dann
so lange seiner Königl. Hocheit ich Kundschaft gehabt / habe ich nie gemerket /
dz er seine Diener zur unhöfligkeit angehalten hätte. Bagophanes antwortete:
Durchleuchtigstes Fräulein / nachdem ich eines grossen Königes Gesanter bin /
will mir nicht gebühren / mich vor anderen zu demühtigen /als denen zuleisten
ichs befehlichet bin; so kenne ich auch diesen Fürsten nicht / und habe ihn
weder gesehen noch ichtwas von ihm gehöret. Herkules fing hierauff an:
Höchstgeliebte Frl. Wase und Schwester /eure Liebe wollen sich hier an nit
irren; Bagophanes hat nicht so gar unrecht geredet / auch mich nie als GrossFürst
Herkules / aber wohl als den verstelleten Valikules gekennet. Dieser hörete
eigentlich dass es Valikules Stimme wahr; so fiel ihm auch Madates Rede ein /
wunderte sich sehr / und sagte: Durchleuchtiger Fürst / dafern ihre Gn. der
ehmahlige Valikules ist / bitte ich / mir zu verzeihen; vor meine Wenigkeit habe
ich ohn schmeichelei ihre Gn. in meinem Herzen allemahl höher geachtet / als sie
sich angegeben / währe auch bereit gewesen / derselben nach äusserstem vermögen
alle Liebes und Freundschaftdienste zu erweisen / dessen ich die Götter zu
Zeugen ruffe; doch wird mir niemand verdenken / dass wegen des grossen
unterscheids / welcher an euer Gn. und des Valikules Angesicht erscheinet / ich
in zweiffelhafter Verwunderung stehe. Solcher zweifel / antwortete Herkules /
kann euch in keinen ungleichen Verdacht bringen / möget auch wohl versichert sein
/ dass ich noch diese Stunde erbötig bin / euch allen möglichen Willen
zuerzeigen; aber woher soll meine Frl. Wase versichert sein / dass König Artabanus
euch ihretwegen abgefertiget / gestaltsam ihr dessen noch den allergeringsten
Beweisstuhm nicht geführet habet. Durchleuchtiger Fürst / antwortete er / ich
habe zwar von meinem Könige ein Schreiben an das Durchl. Fräulein / weiss aber
nicht / ob ichs werde übergeben dürffen / weil ich leicht ermässen kann / dass des
Valikules nicht zum besten darinnen mag gedacht werden. Dass hindert mich nicht /
sagte Herkules; Ich habe schon unter meinem wahren GrossFürstlichen Nahmen von
Artabanus schimpffs gnug einnehmen müssen /warumb sollte mirs dann in Knechtes
gestalt nicht begegnen? Uberdas seid ihr ein Diener / und habt eures Königes
Schreiben nicht zubeantworten. Hierauff reichte er dem Fräulein das Schreiben /
und baht untertähnigst umb genehme Antwort; welches sie mit ehrerbietung annam /
fleissig durchlase / und mit einem sanften Lachen zu Herkules sagete: Durchl.
Herr Oheim und Bruder / mein gnädigster König erzeiget in diesem Schreiben / als
viel mich betrifft /Königliche Wirdigkeit / finde auch keine sonderliche
Schmachreden auff Valikules / ohn dass er ihm die Baktrianische Zäuberkunst
zuleget / worin er aber weit irret / massen mich ja der Wind nicht vom Schloss
gewehet / sondern bin mit gutem vorbedacht mitten durch die Wachten / mit
vermahletem Angesicht / in Krämerkleidung davon gangen. Durchl. Frl. Wase /
sagte Herkules; ob Artabanus mich vor einen Zauberer halte / mag er wissen /
aber alsdann müste er mir nicht eine Kinderruhte binden / sondern ein Feur
anzünden lassen / mich zuverbrennen / welches ich dann viel lieber als die
Knabenzüchtigung erleiden würde; doch sind seine ausgeschikte Zuchtmeister noch
nicht recht gelehret / die Ruhte zu führen / deswegen man ihnen solche hat
müssen zu kosten geben. Warnet aber euren König / Herr Bagophanes / dass er des
dinges nicht mehr vornehme / dafern er nicht will /dass allen seinen Rittern und
FeldObristen / deren mein Bruder König Ladisla und ich habhaft werden /ein
gleichmässiges widerfahren soll. Zwar ich habe Artabanus biss dahin vor einen
König gehalten / aber nunmehr dürffte ich schier auff die Gedanken gerahten / er
währe ein Schulmeister. Jedoch / dass ich den Gesanten nicht zu lange auffhalte /
so wird meine Frl. Schwester ihm eine Antwort nach ihrem freien Willen erteilen
/ welche ich stets gut heissen will. Ja mein Freund Bagophanes / sagte sie
hierauff; meines gnädigsten Königes Schreiben habe ich mit gebührlicher
Ehrerbietung verlesen / nicht anders / als ob ich añoch auff seinem Schloss
gefangen währe; dass ich aber so furchtsame ertichtete Antwort / als damahls /
von mir geben sollte / bin ich nicht willens; deswegen höret meine Erklärung:
Vorerst hat mein König mit diesem Schreiben mich aller vorigen Zusage ganz
lossgesprochen / wie ich solches mit seiner eigenen Hand auffzulegen habe. Zohe
hiemit Artabanus Versicherungs-Schreiben hervor / dessen in diesem Vierden Buche
am 805 Blade meldung geschehen / gabs Bagophanes zulesen / und sagte weiter: Ob
ich nun dieses gleich nit ansehen wollte / wie ichs auch nunmehr nicht ansehe /
so muss aber doch mein und euer König durchaus wissen / dass ich keines geringen
Standes noch von solchen Eltern entsprossen bin / denen in Ansehung König
Artabanus ich Gehorsam versagen sollte /sondern muss durchaus zu meiner Fr. Mutter
reisen /und deren Bewilligung einhohlen / alsdann wird Euer König unbeschweret
sein / entweder selbst oder durch wirdige Gesanten umb mich zuwerben / und
zuvernehmen / ob meine Fr. Mutter / und andere Königl. und HochFürstl.
Anverwanten einwilligen können /und vielleicht nicht schon einem andern mich
versprochen haben / welches ich eigentlich nicht wissen kann. Dieses alles / mein
Freund Bagophanes / rede ich trauen nicht als eine verzauberte / sondern aus
wolbedachtem Muht / so dass mein König die Einbildung der Baktrianischen Kunst
wohl mag fahre lassen; welches seiner Hocheit zu hinterbringen / ihr unbeschweret
sein / und nebest freundlicher Begrüssung ihn aller meiner möglichen
Ehrendienste versichern wollet; andere Antwort soll auch der Tod selbst aus mir
nicht bringen / es währe dann / dass euer König mich dereins / weil ich noch
unverheirahtet / mit dem Schwert gewünne / dann solches erkennet auch meine Fr.
Mutter zum Ober Herrn. Diese lezten Worte machten Bagophanes muhtig / bildete
ihm auch ein /er hätte diese Bedingung schon so gut als erfüllet /und antwortete
also: Durchl. Fräulein / nachdemmahl Euer Durchl. nicht gefället / mir andere
Erklärung mitzuteilen / ungeachtet mein allergnädigster König ein bessers
gehoffet håtte / muss ich mit dieser zufrieden sein / zweifele nicht / mein
unüberwindlichster König werde eine oder andere Bedingung einzugehen / sich
schleunig erkläre / massen Eure Durchl. ich wohl versichern kann / dz von deren
Liebe abzulasse / seiner Hocheit unmöglicher ist / als sich selbst zuhassen. Des
Grossmächtigsten Königes gute Zuneigung gegen mich / habe ich wohl gespüret /
sagte sie / werde ihm auch nicht zuwider sein / wann er obbenahmete Bedingung
auff sich nimt; aber als eine von Räubern gefangene / und hernach verschenkete
Leibeigene /gönne ich mich keinem Menschen nimmermehr. Hiemit nam Bagophanes
Abscheid / und rief Herkules ihm nach: Lieber warnet euren König / dass / wo es
ihm umb meine Frl. Wase im Ernst zutuhn ist / er die vorgemeldete Bedingungen
nicht auff die lange Bank schiebe / es dürffte ihm sonst ein ander in den Schnit
fallen / gestaltsam meine Frl. Wase der Schönheit und des Alters ist / dass sich
wohl in kurzem ein Freier finden dürffte / da es dann zu heissen pfleget / der
erste führet die Braut vom Tanze. Das ist eine wolgemeinete Erinnerung /
antwortete er / deren ich mit allem Fleiss werde eingedenke sein; machte sich
eilends zu seinen Völkern / und redete sie also an: Nun frisch auff / ihr meine
lieben Söhne und Brüder; jezt hat das günstige Glük uns den Weg geöffnet / nicht
allein den unserm Könige angelegten Schimpff zurächen / sondern dessen höchste
Gnade zuerlangen / mehr als wir selbst wünschen mögen; sehet da / das elende
Städchen / mit einer schwachen Maur und untieffen schmalen Wasser Graben
umgeben; in diesem befindet sich unsers Königes entführtes Fräulein wider ihren
Willen; dann nachdem die ihr angelegte Verzauberung ihre Wirkung geendet / und
sie wieder zu vorigem Verstande kommen / suchet und wünschet sie nichts mehr /
als durch uns gerettet zuwerden; Ich weiss / dass sie alle Augenblicke zählet /
und horchet /ob nicht das Sturmgeschrei angehe / die Tohre gebrochen / die
Mauren erstiegen / und sie aus des boshaften Räubers Hände entrissen werde. So
fasset nun ein Herz / uñ wagets auf gut Partisch; Unsere Schwerter sollen in
einer Stunde wieder erstreite / was unserm Könige lieber als sein halbes Reich
ist / und werden wir nichts so sehr beklagen / als dass diese unschazbahre Beute
uns so wenig Mühe / Arbeit und Blut gekostet hat; Das Städchen ist mit
schlechter Besatzung versehen / welche wir als einen Mann auffreiben wollen.
Hierauff ordente er 300 Reuter / die des ganzen Heers Pferde hüten sollten / die
übrigen alle begaben sich zu fusse / hieben jedweder einen grossen Strauch aus
dem dicken Gepüsche abe / legtens auff die Schulter / und lieffen damit der Stad
ganz rasicht zu. Herkules liess alle örter durch Bürger und Kriegsknechte durch
einander vermischet / aufs beste besetzen / deren Anzahl in 3500 Mann bestund /
die Reuterei aber samlete er in allen Gassen 6000 stark / und machte ihnen gute
Hoffnung zur Beute / redete endlich Bubazes also an: Es ist ohn Noht / mein
Freund /dass ich euch zur Manheit auffmahne / an welcher /angesehen euer
GrossFürst euch diesen Platz anvertrauet / ich im geringsten nicht zweifeln soll;
dass wir aber unserer Sachen einig sein / und einer dem andern die hülffliche
Hand bieten könne / ist dieses mein Vorschlag / welcher uns ohn zweifel den
herrlichen Sieg gebehren soll; stellet euch verzaget / und lasset den Feind nahe
gnug kommen / verberget auch die Mannschaft als best ihr könnet / biss ihr sehen
werdet /den Feind guten teils über den Graben gelauffen sein / dann gebet mir
ein Zeichen; und wann ich mit ihnen in voller Arbeit sein werde / so müssen
Pfeile und Steine auf den Mauren nicht feiern / welche an 1500 Mann Schutz gnug
haben / die übrigen 2000 behaltet bei euch zum Ausfall / an was Ort ichs
begehren werde; alsdann wollen wir diese verwägene dergestalt dämpffen / dass
ihnen der Kitzel bald vergehen soll. Hierauff teilete er die Reuterei in zween
gleiche Hauffen / deren einen er Gallus untergab / mit befehl /wessen er sich
verhalten sollte. Bubazes wahr kaum auff die Zinnen gestiegen / da er den Feind
schon sah ankommen / nicht anders als ob der Wald zugleich mit ihnen fortgangen
währe / uñ gedauchte ihn die Zahl wegen der Sträucher viel grösser als sie wahr.
Als Herkules seine Waffen anlegete / hielt das Fräulein inständig umb
Vergünstigung bei ihm an / dass sie mit ausfallen möchte / welches ihr aber
Herkules mit diesen Worten abschlug: Mein teures Herz / ich bitte durch Gott /
von diesem Vorhaben abzustehen /und durch eure Gefahr nicht zuverursachen / dass
ich mehr auff Beschützung eurer / als Abtreibung der Feinde müste bedacht sein;
bedenket / wie einen betrübten Herkules eure Verwundung machen würde /durch
welche eure Schönheit auch nur im geringsten sollte verletzet werden; einmal ist
gewiss / dz Gott keinen gefallen daran träget / wann man sich in unnöhtige gefahr
begibt; Lasset euch demnach / bitte ich / diese meine Abmahnung zu Herzen gehen
/ und machet mich in diesem Stücke glückselig. Valiska umfing ihn auff solche
Rede gar freundlich / und nach gegebenem Kusse sagte sie: Ich bitte von ganzer
Seele / mein höchstwerdester Schatz wolle mir diesen unbedachtsamen Frevel
verzeihen / und es meiner unbesonnenen Jugend / nicht der Widerspenstigkeit
zuschreiben; nach diesem werde ich behutsamer sein /und nicht bitten / ehe ich
bedacht habe. Ich will dieses / geliebts Gott / auff meine glückliche Wiederkunft
beantworten / sagete Herkules / jezt werde ich hinmüssen / und vernehmen / wie
geschikt der furchtsame Bagophanes sei / mir diesen Schaz zunehmen /den mein
Gott so weit schon in Sicherheit gebracht hat. Nun hatte gleichwol derselbe
unter seinen Völkern gute Anordnung gemacht / dann es wahren verständige
Häuptleute unter ihnen / welche die Knechte anführeten / dass sie den Graben mit
ihrem Reisig und darauff geschüttetem Sande und Steinen an fünff Orten
ausfülleten / und frisch hinüber lieffen / sich des Stad Tohrs zubemächtigen. Es
geschahe ihnen an ihrer Arbeit keine Hinderung / sondern zum scheine schoss man
etliche unschädliche Pfeile heraus / und wahr in der Stad verordnet / dass
etliche Weiber und Kinder hinter der Maur ein klägliches Geheule anfahen mussten
/ als ob die Stad schon erstiegen währe; welches der Feind hörend / kaum
abwarten kunte /dass der Weg über den Graben fertig wahr. Jedoch sah sich
Bagophanes nach art der furchtsamen wohl vor / liess 4000 den Sturm antreten / und
stellete ihnen 3000 zum Entsatz / dafern sie abgetrieben würden; die übrigen
9000 behielt er auf begebenden fall bei sich in guter Ordnung / doch (welches
ihm den grösten Schaden taht) alle zu fusse / weil er ihm nicht kunte träume
lassen / dass Reuterei in der Stad währe. Der erste Hauffe bemühete sich sehr /
das Tohr zuerhalten / aber wann sie zu nahe traten / wurden sie mit den herunter
gewalzeten Steinen dergestalt empfangen / dass sie in den ewigen Schlaff
gerieten; so mangelte es ihnen an Feur und nöhtigem Sturmzeug / hatten weder
Hacken noch Axten bei sich / nur dass sie mit grossen Bäumen wider das Tohr
lieffen / biss es endlich begunte baufällig zu werden. Auch wahren noch etliche
tausend mit ihrem Gesträuch übrig / welche solches an die Maur legeten / und mit
Erde überschütteten / dz in kurzer Zeit sie diesen Zutrit fast der Mauren gleich
erhöheten. Herkules dauchte nunmehr Zeit sein / den Ernst zugebrauchen / und
liess einen frischen Persischen Obristen / namens Orobates mit 1000 Pferden von
Suden her ausfallen / welcher die zum Entsatz verordnete 3000 antraff / mit
denen er sich rechtschaffen abwetzete / und sie von dem Graben gegen sich zog /
weil sie aber ganz verwägen zu ihm eindrungen / und mit Pfeilen ihm drange gnug
tahten / schikte ihm Gallus 500 Reuter zum Entsatz /vor deren Ankunft die
Feinde nicht wenig erschraken. Inzwischen gingen Steine und Pfeile von der Maur
gewaltig auff den Feind los / dass sie weder zum Tohr noch zur Maur nahen
durfften / sondern zurück über den Graben drungen / da ihrer 300 ersoffen.
Herkules nam auff solchen glücklichen Anfang mit Bubazes Abrede / wie ers halten
sollte / ging von Norden mit allen feinen 3000 Pferden auff Bagophanes an /
welcher nunmehr / aber zuspät beklagete / dass er die Pferde hatte zurücke
gelassen / ging deswegen mit seinen Völkern hinter sich / ob er einen Teil der
seinen beritten machen könnte / aber Herkules liess ihn den Weg mit 800 Pferden
ablauffen / und drang mit den übrigen heftig auf den Feind hinein. Weil auch
Orobates begunte getrieben zuwerden / entsetzete ihn Gallus mit seinen 1500
Pferden / welche in zimlicher Ausbreitung auff den Feind traffen / und auch an
diesem Orte alles wieder gut macheten. Endlich fiel auch Bubazes mit 1500
Schützen zu fusse aus / welche von fornen zu dergestalt mit ihren Pfeilen
traffen / dass es gewaltig über die Parten ging / doch weil Herkules eine
schädliche Vermischung der Völker besorgete /liess er alle Reuter hinter sich
weichen / foderte die übrigen zu fusse / biss auff 200 nahe / alle aus der Stad /
machte eine neue ansehnliche Schlachtordnung / da er mit seinen Reutern zur
Rechten / Gallus aber zur Linken / und Bubazes mit den Fussknechten in der Mitte
hielt. Bagophanes wahr mit den seinen zwischen der Stad und den Persen
eingeschlossen / und zwar in solcher Enge / dass er kaum Platz hatte / seine
Leute zuordnen / da die verständigen Obristen und Hauptleute / ihm schon
verweisslich vorhielten / dass er sie nicht allein ihrer Pferde beraubet / sondern
nicht eins nachgeforschet hätte / wie stark die Feinde wären. Doch samlete ein
jeder Obrister ein Häuflein um sich / so gut er kunte; Die unserigen gingen gar
eiferig auff sie los / und traff Herkules auff Bagophanes / der 800 umb sich
hatte / welche nach kurzem Gefechte zustreuet wurden / und Herkules zu ihrem
Heerführer sagete: Ergebet euch meiner Gnade / Bagophanes / so will ich euch der
vorigen Kundschaft geniessen lassen. Dieser nam solches willig an / warff sein
Gewehr von sich / und liess sich gefangen hinführen / welches seine Völker
ersehend / auch umb Gnade riefen / und das Gewehr von sich legten. Es hatte
dieses Treffen kaum eine Stunde gewehret / da wahr der Sieg völlig erhalten /
und liess Herkules vom Streit abblasen / ward auch fast im Augenblick das
Blutvergiessen gestillet / und musste Gallus mit 800 Mann hinreiten / des Feindes
Pferde in Hut zunehmen / biss er folgen würde. An Feindes seiten wahren 4000
erschlagen / und 12000 gefangen / dann die Pferde Hühter ergaben sich Gallus
gleich bei seiner Ankunft. Herkules ging auch mit 500 Reutern dahin /und liess
zum Gepüsch hinein ruffen / dass wo etliche sich drinnen verstecket hätten /
sollten sie alsbald hervor kommen / oder eines schändliche Todes sterben; aber
nur etliche Trossbuben funden sich an. Jungfer Kleofis / und Herkules neulicher
Partischer Wirt /nachdem sie der ihren Niderlage gemerket / hatten sich aus
Angst in eine Hecke verkrochen / und befrageten sich / wie sie es halten wollten;
da der Wirt sagete: Ich will mich meinen ehmahligen Gästen ergeben / von denen
ich alle Gnade verhoffe; Und ich / sagte Kleofis / will lieber in meiner
gnädigsten Fräulein Dienste wieder eintreten / als den wilden Tihren hieselbst
zur Speise dienen; machten sich auch eilig hervor / und liessen sich gefangen
nehmen / welche alsbald Herkules zugeführet / und von ihm gnädig angenommen
wurden. Die Feindes-Pferde wurden alle nach der Stad getrieben / da sie als eine
freie Beute sollten ausgeteilet werden; welches bald geschahe / da jedem Reuter
und Fussknecht / auch jedem Bürger ein Pferd mit allem Zubehör gegeben ward /
nachdem die Befehlichshaber zuvor 6000 der besten ausgelesen hatten / von
welchen Herkules 800 / Bubazes 200 /und Gallus 200 wider ihren Willen nehmen
mussten. Es hatte an unser Seite wenig Blut gekostet; Herkules missete 60 Mann /
Gallus 120 / und Bubazes 125. Die ganze Menge der Gefangenen (welche alle
ansehnliche starke Mäñer / und der Kern der Partischen Reuterei ware) wurden
von 1500 Fussknechten uñ 2000 Reutern bewachet / dz man hätte sagen mögen /die
Mäñer in grosser Anzahl wären von wenig Kindern gefangen / welches auch den
Parte so wehe taht / dz etliche Befehlichshaber unter ihne sich selbst
entleibete; Insgemein aber rieffe sie / es müste Bagophanes verflucht sein / dz
er sich unterwunde hätte /etwas zuleisten / dazu er allerdinge ungeschikt wäre;
Herkules selbst trug mitleiden mit ihne / ritte zu ihnen hin / uñ redete sie
also an: Ihr redliche Soldaten / dz besser sei / ein Löue zum Führer / und Hasen
zu Kriegsknechten / als ein Hase zum Führer uñ Löuen zu Kriegsknechten / solches
habt ihr heut mit eurem schaden erfahren müssen; ich vor mein Häupt zweifele nit
/ dz viel unter euch gefunden werden / welche düchtiger gewest währen zu
befehlen / als euer Feld Herr zugehorsamen / aber ihr müsst mit dem
Glückesfalle zu frieden sein / und danket Gott / dass ihr nicht meinem Bruder und
Oheim Könige Ladisla /sondern mir in die Hände gefallen seid / als der ich
willens bin / dergestalt mit euch zu handeln / dass ihr mein gutes Herz und
mitleiden in der Taht spüren sollet. Die Gefangene tahten alle einen Fussfal /
aber keiner unter ihnen wollte ein Wort reden / aus Furcht / sie möchten bei
ihrem Könige als meinäidige angetragen werden / und liess ihnen Herkules Brod und
Wasser zur Labung mitteilen; er erfuhr aber ohngefehr / dass noch 2000 Partische
Reuter zurück währen / denen er einen geherzeten Persischen Obristen nahmens
Bahystenes mit 3500 Pferden entgegen gehen liess / welche sie nach verlauff drei
Stunden antraffen / und als ermüdete leicht überwältigten / so dass sie deren 600
erschlugen / und 1400 mit sich gefangen führeten / jedoch auch 240 einbüsseten.
Herkules ritte mit Bagophanes uñ Bubazes nach seiner Herberge / da Gallus die
Gefangene Jungfer an ihrem Zelter nachführen musste / hinter welcher der
gefangene Wirt ritte; unterweges sagete Herkules zu Bagophanes: Mein / wie habt
ihr euch können bereden / eine Feldherrschaft über euch zunehmen / worzu ihr
meines erachtens nicht wohl unterrichtet seid; es wusste ja euer König /dass
Valikules sich seiner Haut zimlich erwehren kann; doch was meint  ihr? wann
Artabanus mich oder die meinen dereins in seine Gewalt bekommen sollte; würde er
mir auch die Gnade wiederfahren lassen / die ich euch und meinen Gefangenen
erzeige? Diesem guten Herrn lag annoch seine Hoffmeisterschaft im Sinne / und
antwortete mit wenigen; Das Glük währe Kugelrund / und sein König der mächtigste
Herr der Welt / nicht anders als ein gäher Berg zu schätzen / in desser Tahle
eine Werfkugel zwar etliche Halme einknicken / aber den Berg nicht hinauff
rollen / viel weniger denselben umbwerffen könnte; doch wie dem allen / so wüste
sein König auch Gnade zuerzeigen /wie ers selbst in der Taht erfahren hätte; und
weil dessen Hocheit ihm die Feldhauptmanschaft auffgetragen / hätte er
gehorsamen müssen. Herkules wollte ihm diesen groben Streich zu gute halten / und
antwortete; Ja / ich als Valikules weis etwas von eures Königes Gnade / aber
nicht als Fürst Herkules / sondern hier erkeñe ich ihn nicht anders als einen
gräulichen Wuterich / daher ich mich bemühen werde / ob seiner unbilligen Gewalt
die Seulen nicht in etwas können erschüttert werden. meint ihr aber / Artabanus
sitze über Glückesfal? Ey das Wiedrige habt ihr ja schon erfahren / in dem ich
Einsamer ihm seinen allerliebsten Schaz / dessen er unwirdig wahr / entführet
habe. Unwirdig? sagete Bagophanes / der allermächtigste Beherscher dieser
grossen Morgenländer? ei lieber /man verschone doch der höchsten Königlichen
Wirde / damit nicht dereins gar zu schwere Busse darauff erfolgen müsse.
Herkules hätte der Troz schier verdrossen / und sagete: So dürffet ihr mir noch
wohl dräuen? oder meint  ihr / der elende Valikules reite neben euch daher?
könnet ihr meine Gnade nicht ertragen /so trauet mir / ich habe auch gelernet /
scharf und ungnädig zu sein. Ob nun gleich euer König ein grosser Wüterich ist /
dass sichtet mich wenig an / ich werde aber die Mühe nehmen / ihn seiner
gedräueten Ruhten gereuen zu machen; und versichert euch / dass wann ihr in
meines Bruders / Königes Ladisla Gewalt währet / müstet ihr die Ruhten ja so wohl
als Madates /schmecken / und fehlet gar wenig / ich dürfte euch ihm zu schicken.
Dieser begriff sich hiedurch / baht umb vergebung und Gnade / und erboht sich zu
untertähnigem Gehorsam. Die Zeittung des Sieges durffte man dem Fräulein nicht
bringen / dañ sie hatte auff der stärkesten Zinnen alles selbst angesehen / wahr
auch schon vor der Schlacht von Bubazes angeordnet / dass der GrossFürstliche Hoff
geöffnet / und Herkules eingeräumet würde; dahin sich das Fräulein bald nach
erhaltener Schlacht begab / und auff einem herrlichen Gemache ihren Herkules in
Bagophanes Gegenwart mit einem lieblichen umbfahen / und anmuhtigem Kusse
empfing / zu ihm sagend: Durchl. Herr Oheim und Bruder / wegen glücklicher
überwindung eurer unversehenen Feinde / wünsche euer Liebe ich Glük /und bitte
Gott von Herzen / Er wolle euren Waffen wieder allen unsern Feinden / stärke uñ
Sieg geben /dass sie nach erlangetem Preis und Ehre euch gesund uñ frisch wieder
in euer GrossFürstentuhm geleiten. Aber mein Bagophanes / ich trage dannoch
Mitleiden mit eurem Unfall / worin euch die lautere Unvernunft gestürzet hat /
in dem ihr die von mir gesezte Bedingung / mich mit dem Schwerte zugewinnen /
zur unglücklichen Stunde vorgenommen habet / da ihr etliche tausend Seelen drüber
auffgeopffert / und aus einem freien Herren zum gefangenen Knechte worden seid.
Ich will aber den Durchl. GrossFürsten euretwegen bitlich anlangen / dass ihr mein
Gefangener sein möget /da ich dann in der Taht erzeigen will / wie gewogen ich
eurem Könige und allen seinen Leuten bin. Nicht allein Bagophanes / sagete
Herkules / sondern 1000 Gefangene sollen euer Liebe geschenket sein / doch habe
ich noch ein ander par Gefangener im Pusche erhaschet / welches ich einliefern
werde; hiess darauff Gallus / die Jungfer und den Wirt herein zuführen. So bald
Valiska ihre geliebete Kleofis erblickete / trat sie ihr freundlich entgegen /
umbfing sie / da sie niederknien wollte / und sagete: O meine liebe und angenehme
Freundin / was vor gutes Glük hat euch hieher geführet? kommet ihr vielleicht
auch / mich wieder zuhohlen? gewisslich habe ich umb verzeihung zu bitten / dass
ich mein geliebtes Frauenzimmer / welches mir bissdaher Gesellschaft geleistet /
unbegrüsset verlassen; sie werden mich aber nach ihrer Gewogenheit entschuldigen
/ in betrachtung / dass die anzeigung meines Abzuges mein Vorhaben gar zu Wasser
hätte machen dürffen. Aber lieber saget mir / ist auch einiges unschuldiges Blut
/ meiner Flucht wegen vergossen? und wie gehets doch meiner Sysigambis / die
ausser zweifel bei andern in grossem Verdacht stehet; aber ich schwöre bei dem
wahren Gott dass vor meinem Abzuge sie eben so wenig von meiner Flucht /als der
König selbst gewust hat. Kleofis wollte niderknien / und umb Gnade und Schuz
bitten / aber das Fräulein wehrete ihr solches / und sagete: Ich gebe euch /
liebe Freundin / eben so hohe Versicherung /als ich selbst habe; fassete sie bei
der Hand / und führete sie in ein Nebengemach / daselbst zu ihr sagend; Herzen
Freundin / lieber saget mir / wie gefält euch mein Oheim / GrossFürst Herkules?
Ach mein gnädigstes Fräulein / antwortete sie / ich gläube nimmermehr / dass
seines und eures gleichen in aller Welt lebe /wollte ihn auch lieber vor einen
Engel als Menschen ehren. O nein / sagte das Fräulein / er ist freilich ein
Mensch; aber woltet ihr mir auch rahten / dass ich ihn umb Artabanus vertauschen
sollte? sehet / dieser unvergleichliche Held ist schon drei Jahr mein verlobter
Bräutigam; ja er ist eben der euch bekannte Valikules /der mit einer
angestrichenen Farbe sich unkentlich machen kann; und was meint  ihr / wie meinem
Herzen muss zu muhte gewesen sein / da ich ihm entrissen /mich dem ungestalten
und unflätigen Artabanus gönnen sollte? Gnädigstes Fräulein / antwortete Kleofis;
eure Durchl. behalten ja was sie haben / und gehen nimmermehr solchen ungleichen
Tausch ein; zwar der König hat mich bloss zu dem Ende hergesant / dass eurer Gn.
ich nicht allein auff dem Rükwege untertähnigst auffwarten / sondern dieselbe
auch bereden sollte / wieder mit umbzukehren / wovon ich aber kein Wort
zuverlieren willens bin / möchte nur von Herzen wünschen / dass eure Durchl. sich
meiner gnädigst erbarmen / und in ihre Dienste vor ihre Leibmagd mich auffnehmen
wollte / damit ich dem unzüchtigen Könige mich nicht wieder stellen dürffe / vor
dem ich /dem Himmel sei Dank / meine Keuscheit bisher erhalten habe. meint ihr
/ sagte Valiska / dass ich euch lassen werde / nachdem ihr mit dem Schwerte
gewonnen / und ohn dass mir die Liebste meines ganzen Frauenzimmers seid? Ich will
euch nach Wirdigkeit versorgen / und köstlich verheirahten; ob euch dann gleich
euer Väterliches Erbe in Parten zu rücke bleiben sollte / wird sich der
Brautschaz doch wohl finde. Nach dem uns aber Obrister Bubazes zur Mahlzeit
gebehten / und es schon zimlich spät ist / wollen wir uns nicht länger
auffhalten. Gallus trat gleich zu ihnen hinein / mit vermelden / der GrossFürst
währe mit Bagophanes schon hingeritten / und wartete die Gutsche im Vorhofe
ihrer Ankunft. Also fuhr sie mit ihrer Kleofis hin / und wurden von Bubazes
höflich empfangen. Beidem Essen ging mannicherlei Gespräch vor / da unter andern
sie auff der Fräulein Flucht zu reden kahmen / und sie alles erzählete / was
gestalt sie ihre Hoffmeisterin hintergangen / und mit der Krämerei ihr die
Blendung gemacht / dass sie Freiheit bekommen / in angestrichener Farbe davon
zuscheiden. Worauff Bagophanes anzeigete / wie man die Hoffmeisterin in schwerem
Verdacht hätte / ungeachtet sie sich mit einem Schreiben vor ihrem Abscheide
höchlich entschuldiget; hätte auch ohn alle Gnade eines schmählichen Todes
sterben müssen / da sie sich durch die Flucht nicht gerettet hätte. Valiska
freuete sich sehr / dass sie davon kommen wahr / und musste Kleofis alles nach der
Ordnung erzählen / wie es anfangs mit ihrer Krämerei / hernach mit der Fräulein
Nachsuchung / und mit Artabanus Kummer ergangen; welches Bagophanes mit grossem
Verdrus anhörete /und ihr durch Winken zuverstehen gab / sich in erzählung des
lezten Stückes zu mässigen; welches sie aber nicht merken wollte. Valiska fragete
sie / ob sie auch die beiden Krämerinnen noch kennen wollte / wañ sie zugegen
währen; Und als sie solches bejahete / sagte sie weiter; Ey so schauet mir diese
beiden Auffwarter etwas genauer an; ja bei meiner Träue / antwortete sie / eben
diese sind es / und hatte diese / auff Ochus zeigend / sehr grosse Brüste / wie
eine Säugemutter. Dieser antwortete; ja hoch ädle Jungfer / selbige meine Brüste
hätte ich gerne behalten / aber weil sie mit kräfftigem Laabwasser angefüllet
wahren / schnitte mein Wirt zu Charas sie mir gar abe / einwendend /es müste
sein König in seiner Ohmacht dadurch erquicket werden. Euer ädlen Tugend aber
gebe ich den Ruhm / dass sie am frischesten gekaufft / und mir das meiste Geld
gegönnet hat / welches ich auch schon an andere Waaren gelegt / nehmlich an
lauter Bodem-lose Körbe und Brillen / mit welchen ich ehist nach Charas reisen /
und sie König Artabanus feil bieten will. Dieser Spott schnitte Bagophanes durch
die Seele / insonderheit / als er Herkules und Kleofis darüber lachen sah / und
Valiska es nur mit einem leichten Schimpff beantwortete. Deswegen er / seinen
König zuvertreten / zu Ochus sagete: Als ich ein Auffwarter wahr / musste ich
höflicher von grossen Königen reden. Und als ich ein Feld Herr wahr / antwortete
dieser / musste ich meinen Reutern die Pferde nicht selbst nehmen / sondern
warten / biss sie von den Feinden herunter geschlagen würden. Alle anwesende
fingen an heftig zulachen / ohn Herkules mässigte sich / und sagte zu
Bagophanes: Verzeihet mir / dass ich diesem meinen sehr lieben Diener nicht
einrede /weil er durch seine Träue mich ihm zu hoch verbunden hat; Aber Ochus /
der hinter Herkules stund / küssete denselben den Ermel in tieffer
untertähnigkeit /und sagete: Durchl. GrossFürst / gnädigster Herr; ich bin
allerdinge unfähig / solcher hohen Gnade / vor welche ohn fehlen Euer Durchl.
ich Leib und Leben schuldig bin; Gebt euch zufrieden / mein Ochus / antwortete
Herkules / was euch von mir versprochen ist /soll euch redlich gehalten werden.
Unter dieser Beredung erhohlete sich Bagophanes / dass er alles unbeantwortet
gehen liess / fing auch an / aus vielen Merkzeichen abzunehmen / dass viel eine
vertraulichere Freundschaft zwischen Herkules und dem Fräulein war / als die aus
Verwandniss herrühret / daher sah er nicht / wie seinem Könige würde zuhelffen
sein / welcher vor Liebeswuht nicht zubleiben wusste; doch liess er sich des
zweifels nicht merken / sondern als die Gelegenheit es gab / baht er das
Fräulein / ihm die Gnade zuerzeigen / dass er nach seinem Könige zihen / und ihm
allen Verlauff hinterbringen könnte / wobei er noch die Frage hinan henkete / ob
Ihrer Gn. nicht beliebete / an seinen König eine schrifftliche Erklärung
auffzusetzen; Welches sie ihm höflich abschlug /mit vorwenden / einem Fräulein
müste zur Leichtsinnigkeit ausgelegt werden / die in Heirahtsachen die Feder
gebrauchete / ehe und bevor sie durch ihre Eltern oder Anverwanten einem
Bräutigam zugesagt währe; seine Erlassung betreffend / sollte er gar keinen
Zweifel haben. Er bedankete sich wegen dieser Gnade / und hielt noch weiter an
um einen schriftliche Schein / damit er bezeugen könnte / Ihre Gn. gesprochen
zuhaben. Sie wusste nicht / wie sie ihm dieses abschlagen sollte / endlich sagete
sie: Eurem Könige zuschreiben /könnte ich mich noch endlich finden lassen;
nachdem ich ihm aber niemahls als bei Frauenzimmer Briefe zugeschicket / bin ich
gar nicht willens / solche Gewohnheit zu endern. So könnte es / sagte er / bei
Jungfer Kleofis sehr wohl geschehen; Aber sie antwortete ihm: meint ihr dann /
dass ich diese meine liebwerte Jungfer von mir lassen werde? Nein / nein / mein
Freund / hätte ich mein ganzes Frauenzimmer bei mir / wollte ich sie nicht allein
der Furcht künftiger Schande benehmen / sondern sie durch adeliche Aussteur zu
Ehren bringen / dañ ich weiss / dass sie an ihrer Jungfrauschaft unverletzet
sind. Bagophanes meinte / es würde Kleofis solches erbieten nicht annehmen; als
er aber hörete / wie höchlich sie vor diese Gnade sich bedankete / und ihre
jetzige Gefängnis vor ihr höchstes Glük rechnete / währe ihn fast vor leide
geschwunden / dann er hatte sich in sie heftig verliebet / und wahr willens /
weil er ein Witwer wahr / sie zuheirahten; hatte auch auff dieser Reise schon
häuffige Ansuchung bei ihr getahn / aber keine genehme Antwort erlangen / noch
sie zu seiner Liebe bewägen mögen; nur hoffete er / sie von dem Könige
zuerbitten / wo nicht alsbald / aufs wenigste / wañ sie demselben eine zeitlang
würde beigewohnt haben. Aber sie wahr einem andern in reiner Jungfrauschaft
versehen; dann Bubazes bekam so inbrünstige Liebe über der Mahlzeit zu ihr (wie
sie dann der schönsten adelichen Jungfern aus ganz Parten eine / und ohngefehr
von 17 Jahren wahr) dass er kein Auge von ihr abwenden kunte / dessen Valiska
bald wahr nam /und ihr nicht übel gefiel / auch bald nach der Mahlzeit sie also
anredete: Liebe Freundin / dafern ich nicht irre / hat Bubazes euch schon in
sein Herz eingeschlossen / als der noch unverheirahtet / und ein tapfferer
Persischer Obrister von gutem Adel ist; da ich nun wissen sollte / dass er euch
gefiele / wollte ich dieser Heirat schon raht schaffen. Kleofis erröhtete von
Scham / und antwortete: Sie könnte nicht gläuben / dass so ein vornehmer Obrister
nach einer Gefangenen sich umsehen / geschweige / einige Liebe auff sie werffen
sollte; doch wann es ihr so gut werden könnte / hätte sie es bloss ihrer Gn.
zudanken. Lasset mich nur machen /antwortete sie / und soltet ihr einige
Ansprach von ihm haben / so weiset ihn an mich / ich will es schon zukarten
wissen / dass es recht wird. Nach abgetragenen Speisen ward ein Tanz gehalten /
da das vornehmste adeliche Frauenzimmer der Stad / und die sonst hinein geflöhet
/ anwesend wahren. Herkules aber ritte mit Bagophanes und Bubazes hinaus zu den
Gefangenen / welche sich in 12 gleiche Schaaren setzen / und mit Würffeln
spielen mussten / welche Schaar dem Fräulein zufallen würde / und wahren die
leztgefangene noch nit angelanget. Nach geendigtem spielen redete Herkules sie
also an: Die / welche die meisten Augen geworffen / sind dem Durchl. Königl.
Fräulein von mir geschenket / welche nebest ihrem Feld Herrn Bagophanes frei
nach Hause zihen mögen / und ob gleich die andern mit mir biss nach Persepolis
reisen müssen / sollen sie doch in der Taht erfahren /dass auch daselbst meine
Gnade noch gültig sei. Die freigegebene bedankete sich mit einem Fussfalle /
zeigeten aber an / sie wollten lieber allein / als mit ihrem gewesenen
unverständigen Feldherrn fortzihen / damit sie nicht aus Eifer und Rachgier sich
an ihn vergrieffen; womit Herkules friedlich wahr / aber Bagophanes in sich
selber griessgramete. Es mussten jedoch diese freigegebene mit ihrem Auffbruch biss
des folgenden Morgens verziehen / und ritte Herkules mit seiner Gesellschaft
wieder nach der Gästerei / woselbst der Tanz noch anhielt / und Valiska zu ihrem
Herkules sagete: Mein Schatz / wie lange wird es nun wohl sein / als wir den
lezten Tanz mit einander auff dem Prager Schloss hielten / und die Fusse mir
ihr gebührliches Amt schier versaget hätten / weil mein kindliches Herz gar zu
stränge belauffen war? Mein Seelichen /antwortete er / ich habe sider dem keinen
Tanz geführet / dass dieser unser lezter mir nicht zu Sinne gestiegen währe. Ich
wollte aber hoffen / sagte sie / es besser zumachen / da mir das Glük meinen
Liebsten zum Tanze brächte. Darzu bedürffen wir keines sonderlichen Glückes /
antwortete er; nam sie bei der Hand /und fing in Stiefel uñ Sporn den
zierlichsten Tanz mit ihr an / dass die anwesende bekenneten / in allen
Morgenländern wäre desgleichen nie gesehen. Aber O wie verriet sich hieselbst
ihre vertrauliche Liebe; wañ Herkules im begegnen ihr die Hände küssete / und
sie ihm hinwieder nicht geringere Zeiche der Dankbarkeit sehen liess. Nach dieses
Endigung bestellete Valiska einen neuen / nam ihre Kleofis auff / und führete
sie Bubazes mit diesen Worten zu: Herr Obrister / ich werde euch diese meine
Jungfer zum Tanze liefern /deren Tugend und Frömmigkeit neben angebohrnem Adel
noch wohl eines ädlen Tänzers werd ist. Der verliebete Mensch hatte nichts mehr
gewünschet / als durch Tanzes-gelegenheit mit ihr zusprachen / welches er
dissmahl nicht verabseumen wollte / sondern nach geendigtem Tanze zu ihr sagete:
Hochädle Jungfer / wann das Glük mich dereins so hoch beseligen wollte / dass von
ihrer Vortreffligkeit ich vor ihren Ritter und Diener könnte auffgenommen werden
/ würde ich den heutigen Tag / als den ersten ihrer gewünscheten Kundschaft /
den Anfang meines wolergehens setzen / nicht dass aus Verwägenheit ich mich
dieses Glüks wirdig schätze / sondern bloss ihrer guten Gunst müste ichs zulegen
/ dafern dieses mein hochbegieriges ansuchen statt und raum finden würde. Kleofis
antwortete ihm: Gestränger Herr Obrister / ich eine arme gefangene / und
verlassenes Wäyselein /bin nicht fähig / von einem solchen Ritter dergleiche
Reden anzuhören / in Betrachtung / dass wenig gefunden werden / die anderer Leute
Unglück in so traurigen fällen zubeherzigen pflegen; nicht / dass meinen Herrn ich
unter diese eben mit zählen wollte / sondern meines Unfalls mich erinnernd / muss
ich mich standhaftig darzu bereiten / wann der gemeine Weltbrauch mich auch
treffen sollte; Wann aber einiges Mitleiden über mein Elend bei dem Herrn
Obristen sich merken lässet / muss ich dessen mich billich hoch bedanken
/demuhtig bittend / in ehrliebender Gewogenheit fortzufahren; sonst zweifele ich
nicht / mein Herr rede mit mir / als mit einer Hochädlen Jungfer des GrossFürstl.
Persichen Frauezimmers / deren Stelle mit gebührlicher Antwort / weil sie mir
unbekant ist / ich nicht vertreten kann. Hochädle Jungfer / wieder antwortete er;
ich bitte dienstlich / mich solches Verdachts freundlichst zuerlassen / als ob
mein Mund an einem Orte redete / uñ das Herz am andern liebete; sondern eure
Hochädle Tugend / welche der Seelen prächtigste Schönheit ist / hat meine
Leibes-Augen kühn gemacht / den treflichen Glanz der ihren zubetrachten /
wodurch mein Herz dermassen eingenommen / und zu ihrem Dienste gezwungen ist /
dass / da deren Gegenneigung zuerhalten ich fehlen werde / ich mich billich vor
den unglückseligsten Mensche halten muss. Wolle demnach meine hochgeehrte Freundin
meine Worte nicht auff den dritten zihen / sondern sich teuer versichern / dass
einzig sie allein ist / deren mich als eigen zuergeben / ich höchst wünsche /
wann nur meine Unwirdigkeit mir den Weg zu ihrer Gewogenheit nicht verlegen
möchte / als an deren vollkommene Tugend ich nicht reichen kann. Ach mein Herr /
antwortete sie /ich weiss gar keine Vollkommenheit an mir / als des Unglücks; hat
nun dasselbe meines Herrn mitleiden erwecket / erkenne ichs billich mit
dankschuldigem Herzen; ein mehres zumelden / will Jungfräuliche Zucht und
Blödigkeit nicht zulassen; so bin ich auch meiner selbst nicht mächtig / sondern
unter meiner Durchl. Fräulein Gewalt / als die mir völlig zubefehlen hat; was
nun dieselbe mit mir schaffet / muss mir billich angenehm sein. Bubazes fassete
hieraus gute Hoffnung / wollte doch des gewissern spielen / und fragete / ob ihm
dann könnte erlåubet sein / bei dem Fräulein Ansuchung zutuhn / und sie ihm bei
derselben nicht zuwider sein wollte; welches sie nit zubeantworten wusste /
erklärete sich endlich also: Es müste mir billich zur grossen Unhöfligkeit
ausgelegt werden / wann dem Herrn Obristen mit dem Durchl. Fräulein nach
belieben zureden / ich Einsperrung machen wollte / nachdemmal er dieses orts aus
GrossFürstl. Persischer Gewalt zuordnen und zuschaffen hat. Bagophanes sass nicht
weit von ihnen / kunte auch etliche Worte / aber doch ihrer Rede Inhalt und
Meinung nit verstehen / doch sah er aus ihren Geberden und der Jungfer
Verenderung / dass Bubazes umb Liebe ansuchung taht / welches ihm sein Herz im
Leibe bluten machete; Dann weil dieser ein junger frischer Ritter / er aber
schon uber 54 Jahr war / machte er ihm bald die Rechnung / er wurde zum
Korbträger gedeien. Das Fräulein gab insonderheit acht auff sie /wusste doch wohl
/ dz der Schluss durch sie musste gemacht werden / daher sagete sie zu ihrem
Herkules: Gilt mein Schatz / wo ich nicht noch heut meine Kleofis verheirahten
werde. Sie wollte mehr sagen /aber Bubazes Leibknabe trat zu ihr / vorbringend
/Ihre Durchl. würde von seinem Obristen untertähnigst auff ein kurzes Gespräch
in das NebenGemach erbehten; dem sie auff dem Fusse nachfolgete / woselbst er
nach gebehtener Verzeihung diese Worte hervor suchete: Durchl. Fräulein; wann
Liebe und Scham zugleich an einem Joche zihen könten / würde ich nimmermehr die
Künheit nehmen / Eurer Durchl. untertähnigst anzuzeigen / was massen meine
Geister sich dergestalt in die ädle Jungfer Kleofis eingesenket haben / dz mir
unmöglich ist / diese Flammen länger zuverbergen; Ich sehe aber auff Ehre / die
sich in ehelicher Träue gründet / dafern durch Eurer Durchl. gnädigste
Befoderung mirs so gut werden könnte / wovor derselben zeit meines Lebens biss in
den Tod mich verpflichtet zu sein erkennen müste. Herr Bubazes /antwortete sie;
da euch Gott eine züchtige und fromme / mag auch wohl sagen / eine schöne ädle
Jungfer versehen hat / würde sie euch an dieser redlich gehalten werden; Ihres
gleichen habe ich in meinem ganzen Frauenzimmer nicht gehabt / und muss sie Gott
ja sonderlich zu eurem und ihrem Glük hieher gefand haben. Da euch nun eheliche
Liebe zu dieser Anwerbung treibet / wie ich gar nicht zweifeln will / dann soll
sie euch unversaget sein / und wird sie verhoffentlich auff mein Begehren sich
nicht wegern / einem solchen Obristen ihr Herz zuergeben; Drumb so stellet es
nur in meine Hand / ich will es schon einrichten / dass ihr beiderseits in kurzem
vergnuget werdet; nur seid vor dissmahl unbeschweret / einen kurzen Abtrit
zunehmen / und die Jungfer zu mir herfodern zulassen. Bubazes / nach hoher
Danksagung / ging wolgesinnet hin / setzete sich zu seiner Liebesten / und wollte
ihr der Fräulein begehren selbst anmelden / baht anfangs / seine auffrichtige
Liebe zu erkennen / und der Fräulein Willen nicht zuwiderstreben / nachdem
dieselbe ihm völlige Zusage / biss an ihre Bewilligung getahn hätte; Worauff sie
antwortete: Mein Herr / weil aus seinen Reden und beginnen ich satsam spüre /
dass seine Liebesansuchung auf Ehre gebauet ist / will ich sein geträues Herz auf
solche weise gerne und willig annehmen / und ihm versprechen / dass alle meine
Gedanken einig nach seinem Willen sollen gerichtet sein; jedoch / wañ er mich
zuvor durch redliche Zusage versichern wird / dass meine jetzige Armut / und dass
ich in des unkeuschen Königes Frauenzimmer auffgenommen bin / er mir nimmermehr
auffrücken will / nachdem ich äidlich beteuren kann / dass an meiner Keuscheit Ehr
ich allerdinge unverlezt blieben /massen ich desselben Tages nach Charas
gehohlet worden / da mein Gn. Fräulein daselbst angelanget ist / und ich alsbald
auff ihrem Zimmer auffwarten / und stets verharren müssen. Bubazes versprach
solches geträulich / und meldete ihr darauff an / dass das Fräulein sie
absonderlich zusprechen begehrete / sah auch / dass Bagophanes gleich aufstund /
und ungefodert zu dem Fräulein in das NebenGemach ging; dessen Kleofis lachete /
und zu Bubazes sagete: Gilt mein Herr / unser Hofmeister wird unsers vorhabens
durch äusserliche Zeichen inne worden sein / und sich unterstehen / Einsperrung
zumachen / nachdem ich mich wohl erinnere / wie überlästig er mir die ganze Reise
über / mit seinem ungenehmen ansuchen gewesen ist; aber ich bitte sehr / mein
Herr wolle sich dadurch nicht bewägen lassen / umb allerhand Unruhe zuvermeiden;
ich will mit zutuhn meiner Gn. Fräulein ihn schon wissen abzuspeisen / dafern er
dessen ichtwas sich wird verlauten lassen. Ich habe nicht riechen können /
antwortete er / warumb dieser Haberstolz mich etliche mahl so unwürsch angesehen
/ weil ich in den Gedanken stund / er würde seinen Anteil schon haben; nachdem
nun meine hochwerte Jungfer mich aller Furcht selber benehmen will (welches ich
äusserst zuerkennen schuldig) gebe ich mich gerne zufrieden / könnte auch nicht
schaden / ob ihm gleich eine zimliche Nase angedrehet würde / damit er
gewitziget / sich zu seines gleichen halten lerne. Also ward dieses
Unglücklich-verliebeten gespottet; welcher / so bald er zu dem Fräulein kam /
nicht ohne ihre Verwirrung sich vor ihr auf die Knie legete / und also anfing:
Durchl. Fräulein / ob wohl mein König das selige Glük nit haben mag / durch ihre
unvergleichliche Schönheit in der Liebe vergnüget zuwerden / und ich deswegen
nicht allein vergebliche Ansuchung getahn /sondern so manniche geherzte Seele
umsonst aufgeopffert / so getröste mich dannoch untertähnigst / Ihre Durchl.
angesehen der mir schon erteileten hochmilden Gnade / werde mein Verderben
abzukehren / und ohn ihren Schaden oder Nachteil mir zu meinem besten gnädigste
Befoderung zutuhn / sich nicht wegern / wovor zeit meines Lebens derselben mich
äusserst verbinde. Ich lebe eure Freundin / antwortete sie /deswegen stehet auf
/ uñ lasset mich wissen / worin ich euch dienen kann; dann sollet ihr erfahren /
dz ich geneigt bin / eure wolfahrt fortzusetze. Nun dañ /sagte er / so habe ich
meine wunsch schon erhalte /welcher hierin bestehet / dz Eure Durchl. meine in
Ehre höchstgeliebte Jungfer Kleofis nit aufhalte /sond'n gnädigst mit mir zihen
lasse / weil derselbe ich mein Herz zu ehelicher Träue ergebe uñ eigen gemacht
habe. Das Fräulein hätte ihr versprechen gerne zurück gezoge / oder aufs wenigste
bedinget / begriff sich doch bald / uñ gab ihm zur Antwort: Stehet es also um
euch uñ meine Kleofis / müste mirs trauen leid sein / das ich ihr dieses Glük
hindern sollte / dann ich habe in Warheit nicht dass geringste von eurer
verborgenen Liebe gewust / und nimt mich wunder / dass sie mir solches so gar
verschweiget; damit ich nun bei euch nicht in Verdacht gerahte / als wollte ich
einsperrung machen / will ich sie alsbald zu mir fodern lassen / und in euer
Gegenwart mit ihr reden. Dieser hielt seine Heirat nunmehr vor geschlossen /
wahr auch schon bedacht / wie artig er den Bubazes auffzihen / und seine
eingebildete Liebe verhöhnen wollte; ging hin / und foderte die Jungfer mit
diesen Worten von seiner Seite auf: Hochädle vertrauete Freundin /das Durchl.
Fräulein begehret sie zu sprechen / und unsere Glükseligkeit zu volzihen / wie
schiele Augen es gleich geben möchte. Unsere Glükseligkeit? antwortete sie mit
einem züchtigen Lache; ja ich will gerne hingehen / uñ meiner Gn. Fräulein Befehl
vernehmen; aber es ist gar zu viel / dass mein Herr die Mühe / mich zu fodern /
auff sich nimt / welches mir von einem Diener hätte können angedeutet werden;
sagete hernach zu Bubazes: Mein Herr Obrister verzeihe mir / dass ich kurzen
Abtrit zu nehmen befehlichet werde / und ging mit Bagophanes nicht ohn Gemühts-
verwirrung hin. So bald sie ins Gemach trat /sagte das Fräulein zu ihr: Meine
Freundin / warumb habe ich nicht wissen dürffen / das euer Glük euch so nahe ist
/ und ihr mit Herr Bagophanes in ehelicher versprechung stehet / welche
zuverhindern oder auffzuheben / ich keines Weges gemeinet bin. Gnädigstes
Fräulein / antwortete sie / eure Durchl. werden gnädigstes belieben tragen /
Herren Bagophanes und mich ein wenig schamroht zu machen / sonst wüste ich mich
durchaus nicht zu entsinnen / dass ich mit demselben mich weiter sollte
eingelassen haben / als mit dem Römischen Käyser / den ich niemahls gesehen;
zwar ich gestehe gerne / dass Herr Bagophanes auff der Reise zur kurzweil sich
eines und anders verlauten lassen / und mir zuerkennen geben / wie artig er
ehmahls mit dem Frauenzimmer schwätzen köñen /welche er auffs Eis leiten wollen
/ welches in ansehung seines Standes ich ihm gerne ubersehen habe /auch
meistenteils unbeantwortet vorbei streichen lassen / weil mirs umb seine
stellung nicht zu tuhn wahr / und ich seinen Scherz wohl verstehen kunte; dass ich
aber demselben einige Zusage getahn / oder nur ein Zeichen der Einwilligung / da
es sein Ernst möchte gewesen sein / sehen lassen / wird mir in alle Ewigkeit
kein Mensch überbringen; bitte demnach untertähnigst / eure Durchl. wolle nicht
auff mich zürnen /noch einige Ungewogenheit mir zulegen / dass Jungfräuliche
Scham mich abgehalten / ihrer Durchl. dessen ichtwas zuvermelden / und wundert
mich höchlich / wie mein Gn. Fräulein dessen inne worden ist. So höre ich wohl /
sagte Valiska zu Bagophanes / ihr habt euch zwar eine Zweg vorgestekt / auch
darnach geschossen / aber ihn beiweitem noch nicht erreicht. Dieser kehrete sich
zu Kleofis mit diesen bewäglichen Worten; Ach meine hochwerte Freundin / wie kann
ein so steinern Herz in dieser zarten Brust Herberge haben? das mein
inbrünstiges vielfältiges Ansuchen noch vor eine scherzhafte Verstellung muss
aussgedeutet werden; erinnert sich meine herzgeliebete nicht /mit was teurer
Verschwörung ich ihr verheissen / sie zur gebietenden Frauen über alle meine
Güter / ja über mich selbst zu machen? auch sie nicht zu berühren / biss unsere
Ehe von Königl. Hocheit selbst gewilliget uñ gut geheissen sei? nehmet bitte ich
/ mein ergebenes Herzwillig auff / und beseliget mich mit genehmer Antwort /
sonst werde ich vor meiner Ankunft zu Charas in meinen Begierden verschmachten.
Herr Hoffmeister / antwortete sie / dass ihr mir wohl gewogen seid / weiss ich euch
grossen Dank; euer übriges Begehren / wie ihr wisset / und ich auff der Reise
euch bestendig aussgesagt / ist mir gar nicht annehmlich / dessen Ursach ich
nunmehr zu melden Freiheit habe / als nehmlich / dass ich nicht gesinnet bin /
mich von meinem Gn. Fräulein scheiden zu lassen / sondern derselben gehorsamst
auffzuwarten; so habe ich überdas ein Gelübde getahn / mit meinem Willen mich
nimmermehr an einen Witwer zubefreien / der aus voriger Ehe Kinder gezeuget /
weil dieselben ihren Stiefmüttern selten gewogen sind / und zu vielfältigen
Unwillen Ursach geben; und wann dieses gleich nicht währe / wisset ihr ja nicht
/ ob euer König mich euch gönnen wollte; müsst also dessen bewilligung vor erst
suchen / und hernach umb mich werben; doch könnte der König so lange bedenkzeit
nehmen / dz ich alt und hesslich drüber würde / und ihr alsdann mein nicht
begehretet / so währe ich armes Kind am ärgesten dran. Mein allerschönstes
Liebchen / antwortete er; unser allerseits Gn. Fräulein / wird eures Dienstes
euch gnädig erlassen / woran mir nicht zweifelt; meine Kinder sollen ihr nicht
eins ins Gesicht kommen / sondern von ihrer Mutter Schwester erzogen werden / uñ
will ich meines allergnädigsten Königes Willen gar leicht erhalten / wollte auch
unsere vermählung biss dahin gerne auffschieben / wann ich nicht zubefahren hätte
/ es möchten mir inzwischen andere einen Stein in den Weg werffen / und diesen
werten Schaz hinreissen / massen ich schon heut erfahren / dass mehr Leute sind
die Augen haben /und ungefälscheter Schönheit Urteiler sind. So höre ich wohl /
antwortete sie / ihr eifert schon wieder mich / und missgönnet mir / mit andern
zu reden; ei dass wird noch lange nicht mich zu euer Liebe bringen; aber schlaget
diese Furcht aus dem Herzen; Kleofis ist so geringer Schönheit / dass wer sie bei
Tage sihet / ihrer zur Liebe nicht begehren wird; jedoch / dafern Glük oder
Unglück mich euch versehen hätte / alsdann könnte solches niemand hindern / dann
wer wollte des Himmels Schluss brechen? Ob gleich weder ihr noch ich einigen
verfang absehen können. Aber die Götter behuten mich ja / dass leibliche Kinder
meinetwegen ihres Vaters Gegenwart nicht beraubet werden; Und Herr Hoffmeister /
was soll ich mir aus diesem eurem Erbieten gutes versprechen? muss ich nicht
fürchten /dass nach meinem Tode / der in wenig Jahren sich zutragen könnte / meine
Kinder auch mussten verstossen sein / und ihrer künftigen Stieffmutter weichen?
So lasset nun ab / bitte ich / mein zubegehren; habet ihr etwa von meinem Gn.
Fräulein gute vertröstung erhalten / so bin ich auch schon von ihrer Durchl.
versichert / dass sie wieder meinen Willen / als lange ich gehorsam / und
untertähnigst- geträu verbleibe / mich aus ihren Diensten nicht verstossen wird.
Bagophanes wollte seine Liebe nicht allein mit freundlichen Worten / sondern auch
mit buhlerischen Handgeberden sehen lassen / streckete / in dem er antworten
wollte /die Hand aus / sie bei dem Kinne zuergreiffen / ward aber hesslich
abgewiesen / in dem Kleofis zu ihm sagete: Wie stellet ihr euch so unverschämt /
Bagophanes? scheuhet ihr euch nicht vor meiner Gn. Fräulein Gegenwart / muss bei
euch trauen sehr wenig höflicher Zucht übrig sein / und findet sich an euch der
Spruch / das Alter nicht zur Tohrheit hilft; darumb möget ihr wohl eures Weges
zihen / und euch versichern / dass ich mich lieber einem Löuen als euch ergeben
werde. Bagophanes erschrak der Rede / und fragete / ob sie ihn dann ohn alle
Barmherzigkeit tödten wollte. Ich werde / sagte sie / nicht Hand an euch legen;
wann ihr aber nicht leben wollet / stehet euch frei / nach belieben zu handeln;
jedoch danket den Göttern / dass ihr das Leben als eine Beute davon traget /
welches ihr durch vielfältige Schmachreden wieder GrossFürst Herkules / wie alle
Gefangene bezeügen können / zehnfach verwirket; zugeschweigen / dz ihr meiner
Gn. Fräulein selbst nicht geschonet habt; aber was hält eure Durchl. (sagte sie
zu dem Fräulein) sich bei diesem unbescheidenen so lange auff? geliebt
derselben wieder nach der Gesellschaft zu gehen /will ich untertähnigst folgen.
Gehet ihr hin / antwortete Valiska / demnach ich schon sehe / dass aus dieser
Heirat nichts werden wird; ich will bald bei euch sein. Nach ihrem Hintrit sagte
sie zu Bagophanes; also sehet ihr nun mein Freund / dass euer Ansuchen nicht
haften will / ungeachtet ich euch gerne bedienet währe; deswegen löschet / bitte
ich / dieses vergebliche Feur / und wählet euch eine andere / die mehr Zuneigung
zu euch fassen kann; dann was währe euch mit diesem Unglück gedienet / dass ihr
eurer Feindin an der Seite schlaffen woltet? euer König träget so hohe Gnade zu
euch / dass ohn zweifel ihr bei demselben eine schönere und freundlichere aus
seinem Frauenzimmer leicht erhalten möget / in welchem Garten dieser zierlichen
Blumen mehr aufgewachsen sind. Wolte Gott / antwortete er / ich hätte vor einer
halben Stunde mich so wohl begreiffen können / als anjezt /nicht ein Wörtlein
sollte dieser hartnäckigten zu gefallen verloren sein. Aber O wie wird die
Unweise sich dereins hinter den Ohren kratzen / dass sie den ohn Ruhm zu melden /
ansehnlichen Bagophanes so liederlich über den Tölpel geworffen hat. Bissher
hatte Bubazes in einem kleinen Nebenkämmerlein alles angehöret / und gefiel ihm
seiner liebsten Erklärung dermassen / dass er ein volles Genügen daran hatte; Als
er nun vernam / dass er dieses Mitbuhlers bereit los worden wahr / verfügete er
sich wieder nach der Gesellschaft / da er seine Kleofis bei Herkules sitzen fand
/ dem sie erzählen musste / was sie von seiner Krämerin gutes gekauft hätte. Als
Herkules ihn komen sah / rieff er ihn zu sich / er wollte ihm Raum bei dieser
Jungfer machen / wo ihm sonst damit gedienet währe; welches er mit
untertähnigster Danksagung annam / uñ dabei anzeigete / ihre Durchl. sein Gn.
Fräulein hätte ihm diese Jungfer zur Ehe versprochen / bähte / seine Durchl.
möchte gnädigst einwilligen / und sein Beilager befodern. Kleofis fiel ihm in
die Rede / sagend; Herr Obrister / er lasse mich zuvor auch drum wissen / und
eile nicht zugeschwinde / dass ich des heutigen Schreckens zuvor vergessen möge.
Geliebte Freundin / sagte Herkules / darumb dass ihr dieser Schrecken nicht im
Schlaffe wieder vorkomme / und grössere unruhe mache / wird sie gewisslich hinte
nicht allein schlaffen müssen. Ich bedanke mich der gnädigsten Vorsorge /
antwortete sie / und hoffe diese Nacht schon eine Beischläfferin zuerbitten.
Dieser Mühe bedarff es nicht / sagte Herkules / nach dem Obrister Bubazes seine
Dienste willig anbeut. Also hatte nun Bagophanes sich seiner Anwerbung begeben /
und das Fräulein ersucht / ihn unter sicherer Persischer Begleitung alsbald
fortgehen zu lassen / und die Gefangenen auffzuhalten / biss er einen guten
Vorsprung ihnen wurde abgewonnen haben / damit sie ihn nicht gar erwürgeten. Sie
versprach ihm solches nach seinem begehren / und ging wieder mit ihm nach der
Gesellschaft / da er mit mehr kaltem Herzen wieder kam / als er mit erhitzetem
weg gangen wahr; wollte auch weder Kleofis noch Bubazes ansehen /sondern
erwartete schleunigste Abfertigung / die ihm von dem Fräulein verheissen wahr /
welche zu Herkules also anfing: Durchl. GrossFürst und Oheim; demnach dem Herrn
Hoffmeister nach seinem Könige sehr verlanget / er auch mit einer sicheren
Begleitung gerne fortgehen wollte / bittet er umb gnädigste Abfertigung / und
etwa 20 Reuter zu seinem Schuz biss über die Persischen Grenzen / welches auff
euer Liebe Bewilligung ich ihm zugesagt / uñ leicht zuerhalten gedenke / weil er
mir ohndz als mein Gefangener übergeben ist. Was eure Liebe hierin ordnet /
antwortete er / soll mir wolgefallen; aber sider ihrem Abwesen habe ich Obristen
Bubazes diese Jungfer ehelich versprochen / und dass sie ihm noch hinte soll
beigelegt werden / zweifele nicht / eure Liebe werde es nicht tadeln. Kleofis
entsetzete sich daruber / und gab zur Antwort; Durchl. GrossFürst / ich bitte
untertähnigst / diese Scherzrede zu wiederruffen / welche der Herr Hoffmeister
wohl im Ernst auffnehmen / und bei dem Könige vor Warheit angeben dürffte.
Uberdass ist mein flehentliches Ansuchen / bei dem H. Hoffmeister zu werben / dass
in ansehung der ihm erteileten Gnade / er bei seinem Könige erhalten wolle / dass
meine väterliche Verlassenschaft mir allergnädigst abgefolget werde. Wird König
Artabanus so höflich /und Bagophanes so dankbar sein / antwortete Herkules / will
ichs an beiden zu rühmen wissen; wo nit; so verspreche ich hiemit meiner
Freundin vor dieser ehrlichen Gesellschaft / dass ich Gelegenheit suchen will /so
viel Güter aus Partischem Gebiet ablangen zu lassen / dass sie wohl und gedoppelt
soll befriediget werden. Bagophanes taht als hörete er weder eins noch anders /
nam kurzen Abscheid ohn sonderliche Ehrerbietung / und wollte fortgehen / da
Herkules zu ihm sagete: Höret Bagophanes / euch sei vor dissmahl alles verzihe /
nur hutet euch / dass ihr hernähst nicht wieder unter meine Hände gerahtet / es
dürffte sonst geschehen / dass ich das Alte mit dem Neuen hervorsuchete. Valiska
winkete ihm / ohn Antwort fortzugehen / und sagte zu Herkules: Wie da mein
Oheim; können eure Liebe sich an eines Esels Grobheit irren? er hats bei seinem
Wüterich nicht besser gelernet /darumb köñen wir es nicht höher von ihm fodern.
Betreffend aber meiner Jungfer Beilager / muss freilich dasselbe nicht länger
auffgeschoben werden / sondern man soll das Eisen schmieden weil es heiss ist / es
möchte ihr sonst zum andernmahle ungleich gehen /massen sie schon jezt von
Bagophanes einen redlichen Korb erhalten hat; erzählete hiemit allen Verlauff /
und sagte zum Beschluss: Da sehet ihr nun /meine Freundin / wie gefährlich es sei
/ wann man sich zu hart wegert; zwar ich habe so ungleiche Gedanken von Herrn
Bubazes nicht / aber bei Bagophanes währe ich mirs auch nit vermuhten gewesen /
und seid ihr gleichwol im gewissesten / wann ihr geschlossen habt. Die gute
Jungfer sah / dass es am Beistande mangelte / gab sich in ihrer Gn. Fräulein
Willen / und wollte doch hoffen / sagete sie / ihren Liebsten dahin zu bereden /
dass er das Beilager noch etliche Monat auffschöbe. Da gebe ich euch über
zusammen / sagete Valiska / und mag ein jeder sein bestes prüfen; aber Herr
Bubazes / damit eure Liebste nicht gar mit leerer Hand zu euch komme / wird sie
euch diesen Abend 10000 Kronen wert Kleinot auff euer Bette legen / und sollen
die gebührlichen Ehren-Kleider sich gegen die Hochzeit auch schon finden. Also
ward diese Heirat volzogen / und die Jungfer ihrem Liebesten desselben Abends
zugeführet. Des folgenden Morgens brach Herkules mit den seinen auff nach
Persepolis / und musste Bubazes mit seiner Kleofis ihnen Gesellschaft leisten / an
dessen Stelle Obrister Bahystehenes zum Befehlichshaber des Städleins
eingesetzet ward. Die 1000 befreiete Gefangene mussten erst des Abends nach
Parten gehen / die übrigen alle / an der Zahl 12400 mussten mit nach Persepolis
/ und wurden von 3000 Reu ern begleitet / da sie dann in guter Sicherheit und
möglicher Eile fortgingen.
    Ladisla lebete diese Zeit über wegen seines lieben Herkules in grosser
Furcht / und weil er so gar keine Zeitung von ihm hatte / dauchte ihn die Zeit
sehr lange / ungeachtet der guten Gesellschaft / die er an Artaxerxes / Arbianes
uñ Pharnabazus hatte; bald fürchtete er sich / es möchte Herkules erkennet
werden; bald gedachte er / die gar zuheftige Liebe würde ihn verblenden / dass er
sein Vorhaben nicht klüglich gnug anfinge / und gereuete ihn sehr / dass er den
Aussfoderungs-Brieff an Artabanus nicht etwas hinterhalten hatte; und ob er
gleich an seinen Wunden bald genass / wahr er doch immerzu schwermütig; dessen
Artaxerxes wohl wahr nam / und allerhand Mittel suchete / ihn zuergetzen / aber
alles vergebens; Ursach /er hatte seine Seele nicht bei sich / sondern sie
Herkules nachgeschicket / daher er auff Artaxerxes Nachfrage / was er vor ein
traur-bringendes Anliegen hätte / einsmahls also antwortete: Eure Liebe wolle
sich meiner schwermuhtigen Gedanken nicht wundern /welche nirgend als von der
Abwesenheit meines geliebten Herkules herruhren; dann er / ja einig er / ist die
Seele meines Leibes / und die Fröligkeit meiner Seele; dass mir demnach unmöglich
ist / ohn ihn vergnüget zusein / so wenig der Leib ohne Seele leben kann; dessen
aber eure Liebe sich nicht verwundern /noch es vor eine törichte Einbildung
halten wolle / angesehen von dem ersten Tage unser Kundschaft her /ich meine
Eltern / Schwester und Vaterland verlassen / uñ an ihn mich gehalten habe. Ich
muss gestehen /antwortete Artaxerxes / dz mir vertraulichere Freunde / als sie /
niemahls vorkommen / die doch nicht minder in der Taht sich zuehren als zu
lieben bemühet sind; und möchte ich gerne wissen / ob sie dann von Kindesbeinen
auff / ihre Freundschaft geführet / oder doch ohngefehr an einander gerahten
sind. Dieses /sagte Ladisla / wird kein Mensch besser / als ich selbst / Euer
Liebe erzählen köñen / wann dieselbe es anzuhören / Beliebung träget; wobei ich
mich doch bedinge / dass dieselbe ja nicht solche Worte von mir erwarte / welche
die völlige Brunst meiner Zuneigungen gegen meinen Herkules recht ausdrücken
sollten. Ich wahr im Eilfften Jahr meines Alters / als mein Herr Vater
höchstseel. Andenkens / den GrossFürsten in Teutschland / meiner Fr. Mutter
Bruder besuchete /und mich als einen einigen lieben Sohn mit sich nam; Als wir
bei ihm anlangeten / liess er seinen grösseren Sohn / meinen lieben Herkules /
aus der Schuele fodern / welcher damahls sieben Jahr und drei Monat (so eigen
weiss ichs) alt wahr. Er kam frisch daher gelauffen / die Aeugelein blinzeten ihm
wie helle Strahlen / und die Goldgelben Haarlocken von sich selbst gekråuset /
flogen ihm über den Achseln / als hätte der Wind sein sonderliches Liebespiel
mit ihnen getrieben; sein Antliz wahr als eines geschnizten Engelchen / und des
ganzen Leibes Geschikligkeit nach allem Wunsch. Seine Fr. Mutter hatte ihn in
Pfirsichblüte Taffet gar dünne gekleidet / weil es heisser Sommer wahr / daher
man die Artigkeit seiner zarten Glieder eigentlich erkennen kunte. Wir sahen
durchs Fenster ihn auff dem innersten Schlossplatze daher springen / und lief ihm
ein grosser Jagt Hund zur Seiten / und sein Leibknabe hinten her. Wie er ins
Gemach trat / zog er sein schwarzes Hütche mit der weissen Feder sehr höflich
abe / mit geschiklicher Verschrenkung des Leibes / dass seine Ehrerbietigkeit wohl
zuspüren wahr / trat gegen seinen Herr Vater /und fragte mit lieblichen Geberden
/ wer der ansehnliche fremde Fürst wäre. Der GrossFürst lachete anfangs / ohn
zweifel vor Freuden / und antwortete ihm: Ich sehe wohl / du wilt zuvor die Leute
kennen / ehe du sie gebührlich empfähest; es ist dein Herr Vetter / der
Grossmächtigste König aus Böhmen / und dieser der junge Böhmische Herr. So bald
er dieses hörete / setzete er sich vor meinem Herr Vater auff die Knie /und
küssete ihm die Hände / stund bald wieder auff /und sagte mit eben so
unerschrockenem als freundlichem Angesicht (ja mich deucht / dass ich die süsse
Stimme noch in meine Ohren schallen höre) Grossmächtigster Unüberwindlicher König
/ gnädigster Herr Vetter; Eure Königl. Hocheit muss bei uns sehr wilkommen sein /
als dessen Angesicht zusehen / ich mir etliche Zeit gewünschet / dann von Ihrer
Hocheit hoffe ich dereins den Ritter-Orden zuempfahen / wann ich dessen werde
fähig sein können. Mein Herr Vater sah ihn mit Verwunderung an / und antwortete
ihm: Herzgeliebetes Söhnichen / ich erfreue mich deiner vernünftigen
Herzhaftigkeit und zierlichen Sitten /und dafern die Götter biss dahin mich
fristen / werde ich nie keinem das Schwert mit freudigerm Herzen angegürtet
haben. Unter dieser Rede sah ich ihn /und er mich / inbrunstig an / biss mein
Herr Vater gegen ihn weiter also fortfuhr. Sihe da mein Söhnichen Herkules /
hier habe ich dir meinen Sohn Ladisla zugeführet / Freundschaft mit ihm
zumachen / hoffe /er werde auch nit gar aus der Art seiner Vorfahren schlagen.
Darauff trat er zu mir / umfing mich / und sagete: Herzlieber Oheim und Bruder /
es erfreuet mich sehr / dz ich euch als meinen geträuen Gesellen bei mir haben
soll / möchte wünschen / dass bei eurem Herr Vater meinem gnädigsten Könige ich
erhalten könnte / dass wir biss an unser rittermässiges Alter mit einander den
Büchern sie fleissig obliegen / uñ im schiessen und andern zulässigen Spielen
uns üben sollten / dafern euch meine Gesellschaft als eines jungeren nicht
zuwider währe. Ich muss bekennen /dass durch seine Schönheit ich alsbald mich
dergestalt gegen ihn verliebet befand / dass ich nicht wusste / was ich ihm zur
Antwort gab; aber das weiss ich wohl / dass unsern Eltern / insonderheit seiner Fr.
Mutter die Augen voll Trähnen stunden / da sie ansahen / wie wir einer von dem
andern kein Auge abwenden kunten / und das umfahen zum fünften mahl
wiederhohleten / biss ein Teutscher Pfaffe darzu kam / welcher uns beide ersehend
/ sagete: O diese junge Herren /Durchl. Grossfürst / werden gar zu früh zusammen
gebracht / doch hats nach des Gestirns anzeige nicht wohl anders sein können; und
zwar sie sind nun beisammen / aber Farbe wird es kosten / wer diese verknüpffete
und verwickelte Herzen scheiden soll. Und warumb sollten sie geschieden werden /
sagte mein Herr Vater / nachdem sie inkunftig / da sie leben sollen /ihre
Reiche nit besser als durch Einigkeit schützen können? Der Pfaffe wollte hierauff
nicht Antwort geben / so achtete es auch keiner gross / dann alle anwesende gaben
acht auff uns beide / wie wir uns einander von oben an biss unten aus beschaueten
/ biss Herkules von seinem Herr Vater urlaub baht / dass wir hingehen / und uns im
schiessen üben möchten; da wir alsbald unsere kindische Erfahrung sehen liessen
/doch also / dass keiner den andern beschimpffen / oder ihm etwas zuvor tuhn
wollte; wiewol / die Warheit zugestehen / er mir schon uberlegen war / dessen ich
mich nicht wenig schåmete. Als die Zeit wahr /schlaffen zugehen / fragete ich
meinen Herkules / ob wir unsere Ruhstäte auch weit von einander haben würden /
gab ihm auch zu vernehmen / dafern es ihm nicht zuwider / möchte ich gerne bei
ihm schlaffen; welches eine Zohf Jungfer hörend / der GrossFürstin es anmeldete /
die uns beide zu sich foderte / und mit Leutseligkeit sagete: Weil wir des Tages
über so gute Brüderschaft gemacht hätten / sollte wir die Nacht auch bei
einander ruhen; welches mir eine angenehme Zeitung wahr / davor ich mich
untertähnigst bedankete. Die acht Tage wir nun dazumahl beieinander wahren /
däuchten uns nicht so viel Stunden lang sein /und hatte ich meinem Herkules mich
dermassen ergeben / dass wie mein Herr Vater / da er auffsitzen wollte / zu mir
sagete / es würde schier Zeit sein / Prage wieder zusuchen / mir die Angst
Trähnen aus den Augen hervor drungen; Zwar mein Herkules hielt mit mir bei
meinem Herr Vater fleissig an / mich eine zeitlang bei ihm zulassen / wie die
GrossFürstin imgleichen / nachdem sie unsere innigliche Traurigkeit sah; aber
mein Herr Vater gab ihr zur Antwort: Fr. Schwester / ich habe meinen Sohn auch
lieb / und sehe ihn gerne vor mir / ungeachtet ich wohl weiss / dass er alhie so
wohl / als bei mir zu Hause währe. Zu Herkules aber sagte er: Geliebter Sohn /
jezt muss mein Sohn Ladisla wieder mit mir zihen / wann wir aber wieder kommen /
wollen wir ein ganzes Jahr hieselbst verharren. Ja wie bald geschihet solches /
allergnädigster König? antwortet er; so ist mir auch das ganze Jahr zu
verdächtig / nachdem Ihre Hocheit dissmal so schleunig hinweg eilet / noch ehe
mit meinem herzlieben Bruder Ladisla ich rechte Kundschaft treffen mögen. Aber
da halff alles nichts; ich musste auff die Gutsche mich setzen / so bald ich
einen kurzen Abscheid von Herkules mit so verwirretem Gemuht genommen hatte /
dass ich vergass ihn zuumfangen; wie dann nicht geringere Verenderung ich an ihm
gleichfals spurete. Auff der Reise taht ich nichts als seuffzen / ungeachtet
mein Herr Vater mich hart straffete /so kunte er mich doch darzu nicht bewägen /
dass ich ihm gehorchet / und einen freien Sinn angenommen hätte; ja weder essen
noch trinken wollte mir schmäcken / schlieff auch des Nachtes sehr wenig / da ich
im Schlaffe nur stets meinen Herkules rief / daher ich /wie wir zu Prag
anlangeten / schon so schwach und bleich wahr / dass meine Frau Mutter sich
darüber entsetzete / und nach meinem Gebrechen fragete / welches aber so wenig
ich / als mein Herr Vater ihr sagen wollte. Nun hatte ich mir gänzlich
vorgenommen zu sterben / weil mir unmöglich wahr / mein heftiges Verlangen nach
Herkules zuertragen / ward auch in wenig Tagen so matt / dass ich nicht gehen
kunte /sondern stets zu Bette ligen musste. Meine Wärterin hatte / wann ich
eingeschlummert wahr / gehorchet /dass ich unter den seuffzen den Nahmen Herkules
oft genennet / zeigete es meiner Fr. Mutter an / und sagete: Dafern mir nicht
beizeiten Raht geschaffet würde /könnte ichs nicht lange treiben. Also ward der
Arzt zu mir geführet / dessen Gegenwart mir nicht angenehm wahr / insonderheit
da er nach Begreiffung der Schlag Adern und Herzklopffens auch mein Wasser
besah /mich fast eine Stunde lang betrachtete / und endlich zu meiner Fr.
Mutter sagete; es währe keine Krankheit / die durch Kräuter oder andere
leibliche Arznei könnte vertrieben werden / sintemahl alles übel des zarten
Leibes einig und allein von der Unruhe des Gemütes verursachet würde; müste
demnach ohn zweifel in kurzer Zeit vergehen / dafern mir nit Hoffnung zur
Erlangung meines inniglichen begehrens gemacht würde. Darauff kam gegen Abend
mein Herr Vater zu mir / fragend / ob ich nicht schier wieder gesund werden
wollte / inwendig neun Tagen müste er nohtwendiger Geschåffte halber nach dem
GrossFürsten reisen /wohin er mich mitnehmen wollte. Dieses wahr meine rechte
Arznei; ich foderte Speise und Trank / und ging des vierden Tages / als fehlete
mir nichts / ohn dass die Mattigkeit mir in den Knochen lag. Als der neunde Tag
herbei kam / und ich keine Zubereitung zur Reise sah / erkundigte ich mich bei
den Trabanten uñ Gutscher / wie bald mein Herr Vater nach Teutschland würde;
bekam aber zur Antwort: man währe kaum wieder zu Hause angelanget; ob ich
meinte / dz man alle Wochen um einander nach Teutschland reisen würde? dessen
bei meiner Frau Mutter ich mich beschwerete / vorwendend / die Knechte und
Diener hielten mich so geringe / dass sie mich keiner warhaften Antwort
wirdigten / welches ihnen zu seiner Zeit sollte eingebracht werden; Worauff sie
zur Antwort gab: den Dienern währe solches unbewust /und überdas die Reise wegen
anderer Geschäfte auffgeschoben / müste demnach mich gedulden / biss es meinem
Herr Vater würde gelegen sein. Je warumb nicht? antwortete ich; und warumb sollte
mein Herr Vater meint  wegen früher oder später reisen? Aber damit ging die
erste abgelegte Traurigkeit von neuen wieder an; alle Lust zur Speise verschwand
mir; schlaffen kunte ich nicht / und wahr doch einem schläfferigen Tag und Nacht
ähnlich; kurz davon zureden; des sechsten Tages fiel ich in ein hitziges Fieber
/ dass die Aerzte an mir verzageten / und meine Fr. Mutter mich mit trähnenden
Augen fragete / warumb ich durch Traurigkeit mich selbst tödten wollte / und ob
ich meiner Eltern so gar überdrüssig währe? Davor behüten mich die Götter /
antwortete ich; und wie kann ich der Krankheit oder dem Tode wehren? Aber O mein
Herkules / mein Brüderchen / möchte ich dich nur noch ein mahl vor meinem Tode
sehen! doch ich bin gewiss / meine Seele wird nirgends als bei dir sein / so bald
sie nur den Leib erst wird verlassen haben. Auff solche Rede fiel sie ohmächtig
auff mein Bette / und nachdem sie sich wieder erhohlet / ging sie hin zu meinem
H. Vater / welchen sie mit vielem weinen und bitten bewogen hatte / mich / so
bald ich gesund sein würde / in Teutschland zusenden / brachte mir auch die
hocherfreuliche Zeitung / die Reise sollte nicht långer als biss auff meine
Gesundheit verschoben werden. Aber der Glaube wahr mir benommen / und antwortete
ich: Herzallerliebste Fr. Mutter /speiset mich nur nicht mehr mit falscher
Hoffnung; ich befinde mich nunmehr so weit abgemattet / dass meine Seele meinem
Willen bald gnüge tuhn wird; ist dann / dass ihr mich liebt / so nehmet meinen /
ach ja / meinen allerliebsten Herkules vor euren Sohn und künftigen Erben
dieses Königreichs an / alsdann wird er meine Seele wieder mit sich herführen /
und als lange er lebet / könnet ihr keinen bessern und wirdigern Sohn finden
noch wünschen; dass ihr mich aber von ihm getrennet habt / ist die einige ursach
meines herzu nahenden Todes. Mein Herzen-Kind / antwortete sie mit heissen
Trähnen / schlage solche Todesgedanken aus dem Sinne / dann ich beteuere es bei
mütterlicher Träue / dass so bald du wirst gesund sein /ich selbst dich nach
deinem Herkules bringen will. Es währe alles gut / sagte ich / aber es ist meines
erachtens schon zu lange geharret. Wie ich dann in Warheit kaum so viel Kräfte /
diese Worte auszusprechen /bei mir befand / und mich etwas erhohlen musste / da
inzwischen meine Fr. Mutter sich übel hielt / und ich endlich baht / mich krank
hinführen zulassen / ob vielleicht meines Herkules kräfftige Augelein mich
wieder gesund machen würden. Der Arzt kam gleich darzu / hörete diese Worte /
und sagte: Ja Ihre Hocheit versichern sich / dass das Herrlein das beste Mittel
vorschläget / dann auff andere weise wird er in Warheit nicht genesen / als
lange sein Gemüht den steiff-eingebildeten begierden nachhänget. Dieses
schaffete so viel / dass mir alsbald eine Sänfte bereitet ward /und meine Fr.
Mutter mich nach meinem Herkules brachte / da ich zwar auff der Reise nicht
stärker /aber auch nicht schwächer ward; empfand dannoch eine sonderliche
Erquickung / wann meine Fr. Mutter mich umb Herkules Sitten und Gestalt (den sie
in fünff Jahren nicht gesehen) befragete; da ich alle Kräffte zusammen ruffte /
ihr nach kindischem Vermögen solches zubeantworten. Unsere Ankunft wahr dem
GrossFürsten sehr fremde / und doch sehr angenehm / und ward mein Herkules
alsbald zu mir vor die Sänfte gefodert / welcher / da ihm meine Schwacheit
zuwissen getahn ward / mit weinenden Augen zu mir gelauffen kam / herzete und
küssete mich inniglich / und sagte: O mein allerliebstes Brüderchen / wiltu dann
deinen Herkules durch deinen Tod des Lebens zugleich mit berauben? lieber
erhohle dich / und mache meine Hoffnung nicht zu Wasser /welche mich bisher
festiglich versichert hat / wir wollten dereins durch Zusammensetzung unser
Waffen /Ehr und Ruhmerwerben / und du woltest uns beide in diesen Jahren schon
sterben machen? Ach du mein allerliebstes Seelichen / antwortete ich / warumb
klagestu mich solcher Grausamkeit an / da ich ja nichts mehr suchen wollte / als
vor dich zusterben / weil mir ein süsser und angenehmer Tod nicht begegnen
möchte. Unsere Müttere höreten diesen Reden zu / und weineten so überlaut / dass
der GrossFürst herzu lief /und nicht anders wähnete / ich würde schon verschieden
sein; als sie ihm aber unser beider beginnen zeigeten (dann bald küssete / bald
trösteten / bald drücketen wir uns) wendete er sich mit halbnassen Augen umb /
und kunte vor Mitleiden nicht mehr zusehen. Endlich sagete die GrossFürstin zu
mir: Herzlieber Sohn Ladisla / biss du unbetrübet / du solt fortin bei deinem
Herkules bleiben / das verspreche ich dir ohn alle Falscheit. Auff welche Rede
mich nicht anders gedauchte / als krauete mir die Haut auff dem Häupte / und
zöge sichs uber meinen ganzen Leib / als ein nassfröstiges Tuch / welches mir
zwischen Haut und Fleisch ein angenehmes kitzelndes schauren verursachete /
daher mir eine Kuhlung in allen meinen Gliedern und Blut-Adern erwecket ward /
und antwortete ich der GrossFürstin; Gn. Fr. Mutter / wollte Gott /mein H. Vater
möchte in ihr gnädiges Erbieten einwilligen / alsdann würde ich ohn zweifel bald
genesen. Liebes Kind / sagte meine Fr. Mutter; davor will ich dir Bürge werden /
und hast hieran im geringsten nicht zuzweiffeln. Herkules hatte bissdaher meiner
Fr. Mutter nicht wahr genommen / auch sie zuvor niemahls gekennet / setzete sich
deswegen alsbald vor ihr nider auff die Knie / küssete ihr die Hände / und wollte
seine Entschuldigung tuhn; aber meine Fr. Mutter hub ihn auff / und küssete ihn
wohl zehnmahl aneinander; Ach mein allerliebstes Engelchen / sagte sie / deucht
mich doch nicht anders / ich sehe meiner kleine Valisken Ebenbild vor mir; mein
trauten Schaz /ich wundere mich nicht gross / dass mein Ladisla sich dermassen in
dich verliebet hat / angesehen / mirs fast nicht viel anders gehen dürfte.
Grossmächtigste Fr. Königin und Mutter / antwortete er; ich bitte demühtigst umb
verzeihung der von mir begangenen Grobheit / dass ihrer Hocheit ich nicht bald
anfangs die Hände geküsset / wovon mich nichts / als vor erst die Unwissenheit /
dann auch meines herzlieben Bruders Ladisla Schwacheit abgehalten hat. Mein
allerliebstes Söhnichen / sagte sie / nicht bitte dessen einige Verzeihung / nur
lass dir angelegen sein / dass dein Bruder Ladisla bald wieder gesund werden möge
/ damit wir ihn nicht gar verliere. Sie ging auch mit ihm an meine Sänfte / und
fragete / wie ich mich befünde; ich sagete / sehr wohl / wann ich nur ein wenig
schlaffen möchte. Gleich kam ein Teutscher Pfaffe darzu / welcher des
GrossFürsten Leib Arzt wahr / und meine SchlagAdern begrieff / auch nach meinen
geführeten bezeigungen fragete; sagte hernach zu dem GrossFürsten; Gn. Herr /
hier bedarffs meiner Kunst gar nicht /unser junges Herrlein ist bei diesem
Kranken der allerbewehrteste Arzt / und werden wir in wenig Tagen besserung
sehen / dañ es hat sich die Krankheit schon gebrochen / und bestehet in
heilsamer Wandelung; riet auch dass mir Ruhe gegönnet würde / daher ward ich auff
ein SchlaffGemach gebracht / weil es ohndass schon Abend wahr / und ich die ganze
Nacht sehr wohl ruhete / bekam folgends guten Lust zur Speise / und nam an
Kräften schleunig zu / dass am sechsten Tage nach meiner Ankunft ich mich in die
Kleider machete / wiewol mir die Schwacheit wohl vier Wochen anlag /und ich in
solcher Zeit in die Luft nicht gehen / noch meinen Leib stark bewågen durfte.
Drei Tage vor meiner Ankunft hatte Herkules ohn vorwissen seiner Eltern ein
Schreiben an meinen H. Vater / durch hulffe eines Stalknechtes abgeschicket /
und in demselben instendig begehret / mich wieder zu ihm kommen zu lassen /
damit wir fleissig miteinander in der Jugend die Sprachen lernen / und in
kindlichen Waffen uns üben möchten / und wir nachgehends zur Ritterschaft desto
fertiger uñ geschikter währen / welches ihm dañ mein H. Vater mit freundlicher
Antwort bei eigenem Bohten einwilligte / noch ehe ich wieder aussgehen durfte /
er mir auch solches bald zeigete / und sich mit mir frölich stellete / weil wir
nunmehr schriftliche Versicherung / die kein König bräche (wie er aus kindlicher
Einfalt pochete) in Fäusten hätten. Aber mein Herr Bruder / sagte hieselbst
Ladisla zu Artaxerxes; was gedenket doch wohl eure Liebe / dass dieselbe ich durch
Erzählung solcher kindischen Possen so gar beschwerlich bin. Durchaus nicht
beschwerlich / mein Herr Bruder / antwortete er / sondern ich beteuere bei meinen
Ehren / dass ich nie angenehmere Erzählung mit meinen Ohren angehöret / und bitte
sehr / eure Liebe wolle die Mühe nehmen / das übrige vollend mit allen
umbständen hinzuzutuhn. Ist solches euer Liebe behäglich / sagte er / will ich
gerne fortfahre / wie dass meine Fr. Mutter / nachdem ich die völlige Gesundheit
erlanget / sich zur Heimreise wieder fertig machete / und mich fragete / ob ich
nun meinen Willen vergnüget hätte / uñ wieder mit nach Prage wollte; welches mir
nicht anders / als ein Donnerschlag im Herzen wahr / so dass ich Muht und Farbe
verlohr / welches doch nicht lange wehrete /weil ich den Scherz daher abnam /
dass sie alsbald Herkules Lehrmeister / einen gefangenen Römer /zwar jung / aber
sehr geschikt / vor sich foderte / und ihm 100 Kronen schenkete / mich neben
Herkules in Lateinischer und Griechischer Sprache fleissig zu unterweisen /
versprach ihm dabei jährlichen Sold 400 Kronen / und / welches ihm das liebeste
wahr / künftige Befoderung seiner ehmaligen Freiheit. Da wurden wir nun sehr wohl
angeführet / weil wir einander mit reizungen zum Fleiss auffmunterten / und pflag
mein Herkules schon dazumahl dieses vor sein Sprichwort zugebrauchen:
Disce puer, juvenis quod agas, namque ante senectam
Dura tibi nunquam concedunt fata quietem.
Lern in der Kindheit / was du Jüngling must versehen /
Dann vor dem Alter läst Gott keinen müssig gehen.
    Daher er dann zum offtern mich vermahnete / wir wollten fleissig sein / damit
wir beizeiten die Bücher hinlegen / und die Waffen zur Hand nehmen könten. In
was Einigkeit nun wir unsere kindlichen Jahre zubrachten / währe weitläuftig
zuerzählen / dabei ich doch unvergessen lasse / dass ich zuzeiten mit ihm eiferte
/ wann ohn mein vorwissen er sich in Gefahr wagete / und den grimmigen Wölffen
nachstellete. Setzete ich ihn dann daruber zurede / warumb er mich dahinten
gelassen / und ob er meinte / dass ich so viel Herzens nicht hätte / ein
gleiches mit ihm zu wagen /gab er mir zur Antwort: Ja mein lieber Bruder /
meinestu / ich könnte über mein Herz bringen / dich in solcher Gefahr zu sehen?
mich betreffend / setzete er wohl hinzu / bin ich daher versichert / weil alle
Sternseher und Zeichendeuter mir ein langes Leben zulegen / in welchem ich /
sonderlich in der Jugend / viel Muhe und Arbeit ausstehen solle / daher
befürchte ich mich nicht / dass mich die Wölffe zu reissen werden. Artaxerxes
kunte sich nicht entalten zu fragen / ob dann in der ersten Jugend er schon so
gräuliche Tihre hätte bestehen dürffen. Ja / sagte Ladisla / sollte euer Liebe
ich solches alles berichten / müste ich lange Zeit haben; ehe und bevor ich ihn
jemahls gesehen / hatte er schon einen ungeheuren grossen Wolff belauret /und
ihn schlaffend mit seinem Kinderdegen / den er ihm in den Rachen gestossen /
umbracht. O wie oft wünschete er / da er kaum von 13 Jahren wahr / dass es Löuen
und Bähren in Teutschland geben möchte /auff dass er sie nicht allein kennen
lernete / sondern sich auch an ihnen versuchen könnte. Er wahr so glückselig in
alle seinem Vornehmen / dass ihm nichts misslung; und die Warheit zu sagen /
überlegete er zuvor alles sehr vernünftig / und verrichtete hernach was
beschlossen wahr / mit sonderlicher Eilfertigkeit /pflegete auch zu sagen: Wol
bedacht und furchtsam verrichtet / ist scheltwirdiger / als eine unbesonnene
frische Taht; dann dieses geräht offters / jenes nimmermehr. Neben dieser seiner
Herzhaftigkeit aber wahr er so Gottfürchtig und tugendhaft / dass er weder
fluchen noch Spotreden von Göttern hören wollte. Keine Uppig- noch
Leichtfertigkeit habe ich Zeit meines Lebens an ihm gespüret / halte auch / dass
wann meine Frl. Schwester nicht in der Welt währe / würde er sich von aller
Weiber-Liebe abgehalten haben. Der Unzucht ist er spinne feind / dass er auch mit
denen / die deswegen berüchtiget / nie umbgehen / noch gemeinschaft haben
wollen. Als er von 15 Jahren / und schon zimlicher Leibesstärke wahr / dz man
ihn vor achzehn jährig hätte halten mögen / ritte ich mit ihm durch einen
lustigen Wald / in welchen wir den Füchsen und Hasen auffzulauren pflegeten; da
wir nun den verborgensten Wegen nachjageten / und von ferne einer zwangleidenden
Dirnen Geschrei höreten / jedoch nicht eigentlich wussten / was Gewalt ihr
angelegt würde / übergaben wir unsere Pferde den mitlauffenden Leibdienern /
folgeten der Stimme zu Fusse durch Püsche und Hecken nach / biss wir eines
vornehmen wolbekanten teutschen Herrn gewahr wurden / der mit einem jungen
wolgestalten / doch armselig bekleideten Bauern Mägdlein bemühet wahr / sie zu
seinem unkeuschen Willen zu überwältigen / dem sie zwar nach äusserstem Vermögen
wiederstund / aber gleich an dem wahr / dass sie hätte erliegen müssen / weil der
Gewalttähter seinen beiden reisigen Knechten hinzu geruffen / und sie aller
Kleider hatte berauben lassen. Herkules bekam sie ehe ins Gesicht als ich /
sprang mit entblössetem Degen hinzu / und fragete den Vergewaltiger / ob ihm
gebührete dergleichen Bosheit zu verüben. Seine Knechte / die uns beide kenneten
/ flohen davon / ihr Herr aber fing mit einer leichtsinnigen Entschuldigung an /
es währe seines Untertahnen /und eines Bauern Tochter / möchte demnach ihre
Fürstl. Gn. sich daran nicht ärgern. Herkules kunte ihm solchen Frevel nicht zu
gute halten / und sagete: O ihr verwägener Ritter / habt ihr so geschworen
/Jungfräuliche und alle Weibliche Ehre nach vermögen zu schützen? sah ihn mit
feurigen Augen an / und ging mit dem Schwerte auff ihn los. Dieser zückete sein
Gewehr / sich zu schützen / und baht / ihre Gn. möchten einhalten / und ihm
nicht Ursach geben / einige Nohtwehre zu tuhn / dessen er gerne geübriget sein
wollte; wodurch Herkules noch mehr erbittert /ihm sein bestes zu prüfen befahl /
und nam einen rechtmässigen Kampff mit ihm an; dessen ich mich nicht wenig
entsetzete / mich auch bemuhete / ihn davon abzuhalten; aber ehe ich michs
versah / hatte er seinem Gegener schon eine Wunde in den rechten Elenbogen
geschlagen / dass er das Schwert fallen liess / und in Ohmacht nidersank / da er
ihm vollend den Kopf herunter schlug / und selben dem Mägdlein /welches nacket
auff der Erden sass / einhändigte / warf ihr hernach des erschlagenen Reitrok
über / und hiess sie mit dem Kopfe nachfolgen; jedoch hatte Herkules auch einen
Schramhieb über den rechten Arm bekommen / woraus gar wenig Blut floss / welches
er mit dem Finger abwischete / und in die höhe mit diesen Worten gen Himmel
warf; Ihr Götter schutzet mein Blut / so lange ich das Unkeusche zuvergiessen
geneigt bin; sollte ich aber zu gleicher Untugend mich verleiten lassen / alsdann
zuschmettert mit eurem Donner alles was an mir ist. Wir eileten wieder nach
unsern Pferden / setzeten uns auff / uñ liessen das Mägdlein mit dem Häupte /
welches sie offenbahr tragen musste / allernähest hinter uns her folgen. Alle die
uns begegneten kenneten dasselbe / und entsetzeten sich / und da wir vor dem
GrossFürstlichen Schloss anlangeten / da der GrossFürst mit seinem Gemahl und
vornehmsten Hofleuten sich im grünen erlustigte / stieg Herkules vom Pferde /
hiess das Mägdlein folgen / trat vor seinen H. Vater / und redete ihn also an:
Gnädigster Herr und Vater / wann die mächtigen Götter Land und Leute straffen /
geschihet solches wegen der Inwohner Bosheit und Untahten / welche von der Erde
schreihen und des Himmels Ungnade über schuldige und unschuldige zu gleich
erwecken; solches Verderben aber abzuwenden / lässet die Obrigkeit ihr billich
angelegen sein. Nun ist leider der verfluchte Wahn bei etliche eingerissen / die
sich ihres adelichen Geblüts durch stolzen Pracht ihrer Schild uñ Helme berühmen
/ dass sie meinen es stehe ihnen frei / der armen ihnen untergebenen Bauern
Töchter nach Willen zumissbrauchen / welches doch eine so unverantwortliche
Schande ist / die allein gnug währe / sie aller ihrer Freiheiten und
begnadigungen zu berauben; dann eben hiedurch reizen sie der keuschen Götter und
des reinen unbeflekten Himmels Zorn wieder uns. Sehet mein H. Vater / einen
solchen Schandbuben habe ich ohngefehr in einem Lustwalde angetroffen / welcher
diese unschuldige Tochter gewaltsam zu schänden / mit zween starken Knechten in
bemühung wahr / und nur bloss der Götter Barmherzigkeit ihre Ehre bewahret hat;
denselben habe ich aus rechtmässigem Eifer zu Rede gestellet / und da er nur
seine wolzugelassene Macht vorschützete / ihm im gleichen Kampfe vor freier
Faust den Lohn seiner Bosheit durch der Götter Hülffe erteilet / nicht zweifelnd
/mein gnädiger Herr und Vater werde solches an mir nicht straffen / sondern mit
väterlicher Huld uñ Gnade gewogen bleiben; fassete hiemit das abgehauene Häupt /
warf es vor des GrossFürsten Füsse / und sagete: So müsse es allen denen ergehen
/ die durch unzüchtigen Muhtwillen ihren viehischen Begierden folge zu leisten /
ungescheuhet sind. Alle Anwesende / auch der GrossFürst selber / entsetzeten sich
vor seinen feurigen Augen / erkenneten auch / das es des berumten Ritters
Ingevons Häupt wahr / daher sie es gross Wunder nam / dass der junge Herr einen
Kampf wieder ihn annehmen / vielmehr aber / ihn überwinden können. Sein Herr
Vater sah ihn zu gleich mit freudigen und betrübeten Augen an / und fragete
nach / ob der Entleibete / nach dem er von Herkules zu Rede gestellet / sich ihm
wiedersetzet / und zum Kampfe anlass gegeben hätte; welches ich zu beantworten
scheuh trug / und meinen Herkules reden liess; welcher geradezu bekennete / und
von mir Zeugnis begehrete. Worauff sein H. Vater zu ihm sagete: Lieber Sohn /
dass du an der Unkeuscheit Abscheuh trägest / stehet dir rühmlich an / aber der
höchsten Obrigkeit / und des Landes Gesetze zu überschreiten / ist so wenig dir
als einem andern zugelassen. Nun weistu wohl / dass in allen meinen Ländern und
Herrschaften alles Faustrecht und Aussfoderung bei Straffe des Henkens ernstlich
und ohn alle Bedingung verbohten ist; wie hastu dich dann erkühnen dürffen /
diesen Ritter ausszufodern / da er nach Urtel und Recht hätte können gestraffet
werden? Sihestu nicht dass du eben hiedurch dein Leben verwirket / und dich zum
Ubeltähter gemacht hast? Seine Fr. Mutter hörete dieses /und erstarrete vor
schrecken / wie es mir dann nicht viel anders erging; aber mein Herkules fing
mit unerschrockener Herzhaftigkeit und überlauter Stimme also an: Ihr Götter /
die ihr aller Unzucht von Herzen feind und zuwieder seid / lasset euch / bitte
ich / das Opffer angenehm sein / welches ich euch geschlachtet habe / umb euren
Zorn zu stillen / nicht dass ich einige Rachgier oder Hochmuht ergehen lassen /
sondern die Schande vergelten möchte / die ohn zweifel wegen Vorbitte anderer
seines gleichen / nicht gebührlich gestraffet währe / wie ich dessen
unterschiedliche Begebnissen leider einführen kann. Ihr aber Gn. Herr und Vater /
findet ihr an eurem Sohn einen muhtwilligen Ubertreter euer löblichen Satzungen
/ wolan / so stehe ich alhier / verfahret mit mir nach Recht / damit ihr
hernähst nicht hören dürffet / ihr hättet nach Gunst oder Ansehen gerichtet; ja
lasset nur mein Genik durch den Strang brechen / weil ich ohndz nicht Lust habe
in solcher Landschaft zu leben / oder selbe dereins zu beherschen / da der
muhtwillige Adel (ich rede nicht von frommen) an den Untertahnen sich zu
versündigen / ihm sichere Freiheit einbilden darff. Ich meinte gänzlich / das
Herz würde mir im Leibe vor unmuht bersten / wollte doch nicht reden / sondern
des GrossFürsten Antwort zuvor hören; welcher also anfing: Ich werde vor mich
selbst die Urtel zu sprechen /mich wegen väterliches Verdachts entbrechen / und
den gesamten Landständen alles in die Hände geben; inzwischen soltu als ein
Ungehorsamer und Ubertreter der Landes Satzungen gefänglich genommen werden;
befahl hiemit seine Trabanten / ihn in die Gefängnis zu legen. Herkules aber
sagte: Nein mein H. Vater /ich bin als ein Sohn schuldig / euch ohn Gewalt
samkeit zu gehorsamen / uñ von mir selbst nach dem Gefängnis zu gehen. Hier
kunte ich nun mich länger nit einhalte / zog mein Schwert aus / setzete es an
mein Herz / und sagete zu Herkules; Bruder / dafern dein Fuss einiges Gefängnis
betreten wird / will ich mich alsbald selbst niderstossen; hernach redete ich
also den GrossFürsten an; Was eure Hocheit willens ist mit ihrem Sohn anzufahen /
desgleichen Teutschland nie gezeuget hat / nehme sie nur bald vor / und doch
also / das im Leben und Tode ich ihm Gesellschaft leiste; mein Herkules hat
nichts wieder Recht oder Billigkeit gehandelt / und dafern er den verwägenen
Schelm nicht angegriffen / wollte ichs getahn haben; kann nun ein Mensch durch
eine Taht zugleich die Götter dem ganzen Lande versöhnen / und der Gesetze
Straffe zum schmählichen Tode über sich laden / solches lasse eure Hocheit ich
verantworten; gelobe aber hiemit den Göttern / dass da eure Hocheit meines Lebens
wieder meinen Willen schonen / und meinen Bruder als einen schändlichen Dieb
henken lassen würde / ich seinen Tod an allen seinen Richtern und Verurteilern
dereins so grausam rächen will / dass allen / die es hören werden / die Haare
davor zu Berge stehen sollen. Hiemit fassete ich Herkules beim Arme / welcher
willens wahr / nach dem Gefängnis zu gehen / und sagete zu ihm: Herzlieber
Bruder / dafern du dich wegerst hier zu bleiben / biss dein H. Vater dich der
Gefängnis entnimmet / will ich dich und mich niderstossen; du hast dich in deinem
ganzen Leben aller Tugend befliessen / die keiner Bande oder Gefängnis werd ist.
Herkules entsetzete sich hierüber / fiel mir zun Füssen / und baht durch alle
Götter / ich möchte ihn vom gebührlichen Gehorsam nicht abhalten; ich aber
kehrete mich wieder zu dem GrossFursten / und sagete: Ist ihre Hocheit annoch
willens / ihren allertreflichsten Sohn vor seiner inkünftig eigenen Untertahnen
Gericht zustellen / so benehmen sie ihn nur der schmählichen Gefängnis / und
lassen ihn auff seinem eigenen Gemache bewachen / damit sie mich nicht zwingen /
ihre Grausamkeit anzuklagen. Die GrossFürstin taht mit dem sämtlichen
Frauenzimmer / unter denen des erschlagenen Eheweib selber wahr / einen Fussfall
/ und hielten kläglich an / meinem lezten ansuchen statt zugeben; aber er
stellete sich / als hörete ers nicht / und fragete mich / wer mich so kühn
gemacht hätte / in seiner Gegenwart das Gewehr zublössen; gab auch den Trabanten
einen Wink / mich gefänglich anzunehmen. Ich dieses merkend / taht einen Sprung
nach meinem Pferde / setzete mich drauff / und wahr willens auszureissen / nicht
eben /mein Beschimpffung abzuwenden / sondern mich nach Hulffe / meinen Herkules
zuretten / umzutuhn. Der Trabanten einer folgete mir auff Herkules Pferde nach /
mich zugreiffen / welchen ich aber mit einem Hiebe des Lebens beraubete / und
zwar / zu meinem Glücke / hinter einer Hecke / dass niemand dessen so zeitig wahr
nam; rante also ohn Hindernis fort nach einem grossen Dorffe / klagete den
Bauern / welcher gestalt der GrossFurst seinen Sohn und künftigen Erben wollte
henken lassen / dass er die Schändung einer Bauern Tochter an einem mutwilligen
vom Adel mit dem Tode gestraffet / und baht sie / des jungen Fürsten sich
anzunehmen / und gegen den Adel ihm Schuz zuhalten / mit dem versprechen / ich
wollte an ihrer seite stehen / und bei ihne leben und sterben. Diese wahren
gleich willig / sendeten schnelle Pferde nach allen umliegenden Dörffern / unb
brachten in dieser Nacht 8000 wolgerüstete Bauern zusammen /mit der Verheissung
/ es sollten inwendig 24 Stunde ihrer 40000 beieinander sein. Die vornehmsten
fielen mir zu fusse / und bahten / dass ich in meinem Vorsaz beständig verbleiben
wollte / alsdann wollten sie nicht leben / oder den jungen Fürsten wegen solcher
löbliche Taht in Freiheit setzen. Ich schwuhr ihnen meine Träue / hiess sie mir
folgen / und mehr bewehrte Völker beisammen treiben / ging dieselbe Nacht mit
diesen meinen muhtigen Leuten fort / und belagerte das GrossFürstliche Schloss
noch vor der Sonnen Auffgang. Der GrossFürst hatte sich inzwischen von seinem
Gemahl begütigen lassen / dass Herkules mit dreien vom Adel (die ihm weder böses
noch gutes zugeredet hatten) nach seinem Gemach gangen wahr /das Recht daselbst
abzuwarten / und wahren sie allesamt der Meinung gewesen / ich würde nach Böhmen
geflohen sein / von dannen Hülffe zuhohlen. Früh Morgens wahr dem GrossFürsten
auff seinem Lager zu wissen getahn / das Schloss währe von Gewapneten ganz
umringet / deswegen er alsbald heraus schickete / umb zufragen / wz vor Leute
solches ihnen hätten unternehmen dürffen. Ich hielt den Gesanten ein wenig auff
/ dass er ansehen sollte / wie eben dazumal mein Lager mit 6000 Mann verstärket
ward / welche sich nicht anders als grimmige Löuen erzeigeten; doch nach
verlauff einer halben Stunde liess ich ihn mit dieser Antwort zurücke gehen: Der
Königliche Erbe aus Böhmen / wollte sein Häupt nicht sanfte legen / biss er
seinen unschuldigen Bruder Herkules von der ungerechten Schmach erlöset hätte;
Er bedingete sich auch / wegen des ihm-selbst angetahnen Schimpffs / und bliebe
im übrigen Ihrer Hocheit auffwärtigster Knecht / nur dass er fürchtete / dafern
ihre Hocheit sich nicht bald eines andern bedächte / dürffte die ganze Teutsche
Baurschaft schwürig werden /und den ganzen Adel ausrotten. Meine Völker fingen
inzwischen ein wüstes Geschrei an / ob man die jungen Fürsten als Diebe henken
wollte / die der armen Untertahnen sich annähmen / und an des Adels Grausamkeit
missfallen trügen. Welches da es dem GrossFürsten hinterbracht worden / hat kein
Mensch an ihm merken können / obs ihm lieb oder leid währe. Meine Völker aber
mehreten sich des Tages dergestalt / dass gegen der Sonnen Untergang ich 36000
zählen liess /hatten auch in die 80 von Adel gefangen mit sich gebracht / dene
sie schon begunten schweres übel zudräue / liessen sich aber doch von mir
einreden / und hielten sie höflich gnug. Die im Schloss kunten sich nicht
erklären / was sie tuhn oder lassen sollten; Zwar die Besatzung drinnen wahr
stark genug / einen zimlichen Anlauff abzuschlagen / aber solcher Menge / die
sich zu mir samlete / zu widerstehen / wahr ihnen unmöglich. Der GrossFürst hatte
gegen den im Schloss anwesenden Adel sich vernehmen lassen / er zöge sichs vor
eine grosse Beschimpffung an / dz ich ihm seine Untertahnen auffgewiegelt / und
ihn damit belagert hätte / schickete auch drei ansehnliche Herren umb den Mittag
an meine Leute / und liess ihnen andeuten / dafern sie mich dem GrossFursten
liefern /umb Gnade ihres Irtuhms bitten / straks angesichts abzihen / und die
Waffen niderlegen würden / sollte ihnen alles verzihen sein; im widrigen mussten
sie andern zum abscheuhlichen Beispiel wegen dieser unverantwortlichen Auffruhr
gestraffet werden. Diese Gesanten liess ich alsbald gefangen nehmen / und nahe
vorm Schloss Tohr drei Galgen auffrichten / stellete darauff meinen Leuten frei /
sich zubereden / was sie ihrem GrossFürsten zur Antwort geben wollten; Da sie
einhellig schriehen: Der tapffere junge Fürst Herkules müste auff freien Fuss
gestellet / und aller Beschimpffung entnommen sein / oder sie wollten den ganzen
Adel ausrotten / und die / so des jungen Fürsten Taht nicht billichten / den
Göttern als ein angenehmes Opffer abschlachten. Ich erinnerte sie in meiner
Gefangenen gegenwart / der Bescheidenheit; man sollte bei dem GrossFürsten bitlich
ansuchen / dass ohn einig angestelletes Gericht / der junge Fürst seiner Hafft
erlassen / und seine Taht vor löblich und rechtmässig gesprochen würde /
vorerst. Zum andern / dass ich Ladisla / von dem GrossFürsten wegen dieses
beginnens weder gahasset noch verfolget; dann vors dritte / dem übermühtigen
Adel die freie Macht zusündigen benommen würde / so dass man ihnen Gesetze aus
GrossFürstlicher Macht vorschriebe / keinen ihrer Untertahnen ohn Urtel und Recht
zustraffen / vielweniger /ihre Kinder zuschänden / sondern wer hinfüro sich
unterstünde / des ertödteten Ingevons Schande zubegehen / derselbe von dem
GrossFürsten an Leib und Leben gestrafft werden sollte. Schliesslich bliebe das
Land-Gesetze wegen der Ausfoderung in seinem Werd / jedoch unter dieser
Bedingung / dass wer einen wegen überzeugeten Nohtzwanges zum Kampffe ausfoderte
/ nicht allein ungestrafft bleiben / sondern als ein Freund der Götter geehret
werden sollte. Diesen meine Vorschlag liessen sich alle meine Leute gefallen /
und machete ich einen Ausschuss von zehn Mann / denen ich durch einen vom Adel
bei dem GrossFürsten sicher Geleit suchete / aber vor folgenden Morgen keine
Antwort bekam / da ich schon 48000 Mann stark wahr / welche zutrotzen begunten /
wofern ihr GrossFürst durch des Adels getrieb sich einnehmen liesse / und seinen
Untertahnen Schutz und Recht versagete / müste man Hand an solche Verführer und
ihres gleichen legen; weil aber mein Abgesanter wieder kam / sich anfangs zwar
in des GrossFürsten Nahmen beklagete / und doch das Geleit nach allem begehren
mit sich brachte / unterrichtete ich meine zehn Männer / wie sie sich
untertähnigst verhalten / die zugelegte Auffruhr ablehnen / sich zu allem
Gehorsam erbieten / und die begehrte vier Stücke bitlich suchen sollten; wie sie
dann solches wohl und gebührlich verrichteten / und durch solche Demut den
GrossFürsten gar gewonnen / wiewol er sich gegen sie mit keinem Worte erklärete /
sondern sie frei abzihen / und durch einen vom Adel ihnen andeuten liess / er
wollte / in Betrachtung seiner väterlichen Hulde gegen seine Untertahnen / die
bitlich gesuchten Stücke gnädigst in Bedacht zihen; inzwischen geböhte er allen
versamleten bei Leib- und Lebensstraffe / an keinem vom Adel /auch nicht an des
entleibeten Ingevons nähesten Blutsverwanten sich zu vergreiffen. Die
GrossFürstin hatte sich heimlich zu meinen Abgesanten gemacht /und befohlen /
ihrem herzlieben Sohn Ladisla zusagen / dass er ohn gegebene rechtmässige Ursach
sich aller Tähtligkeit entielte / und in seinem Vorhaben getrost und herzhaft
fortführe / solches würde den armen Baursleuten sehr heilsam und erspriesslich
sein. Mein Herkules aber / da er meines tuhns berichtet worden /hatte vor Angst
kein Wort reden können / und an seinen H. Vater begehret / ihn gnädig und
väterlich zuhören / welches ihm doch gänzlich abgeschlagen wahr / wiewol seine
Fr. Mutter ihm vertraulich bei einer Magd zuentbohte / er sollte unbekümmert sein
/ Ladisla hätte nichts ohn ihren Befehl und Anordnung getahn; Worauff er dann zu
frieden sein müssen / insonderheit / weil meine Völker sich allerdinge ruhig
verhielten / und des GrossFürsten Erklärung erwarteten /sich aber gegen meine
drei Gefangene und die andern ädlen ausdrüklich vernehmen liessen / dafern der
GrossFürst durch böse Rahtgeber verleitet würde /wollten sie den ganzen Adel
lebendig spiessen / ihre Güter rauben / und damit über Rein unter der Römer
Herschaft sich begeben. Der GrossFürst ging mit dem bei sich habenden Adel
fleissig zu rahte / und hielt ihnen vor / ob zwar der Auffstand durch Ladisla
erwecket / unverantwortlich / und straffbar währe / sähe er doch / dass in
Betrachtung seiner mehr als brüderlichen Liebe gegen Herkules / er nichts
unbesonnenes /aus kindischer Unwissenheit / sondern das vorgenommen hätte /
welches Freunde und Feinde loben müsten; dass er aber sich gegen seinen Sohn so
hart und unfreundlich erzeiget / hätte er wegen des Adels tuhn müssen / damit
sie nicht etwa einen Auffstand im Reiche verursacheten / oder ihn beschuldigten
/ dass er seinen Kindern nachgäbe / die Reichs Satzungen zuübertreten; Sie sollten
bedenken / ob eine löblichere Taht in aller Welt von einem geübeten Ritter hätte
mögen verrichtet werden / als sein annoch so junger Sohn Herkules durch kuhne
Ausfoderung auff der Götter Schuz sich verlassend / begangen / und gluklich
vollendet / wovor ihm billicher eine Ehren Kron als die schimpfliche Gefängnis
gebühret hätte / und wåhre keiner vom Adel der Auffrichtigkeit gewesen /einige
Vorbitte vor denselben einzulegen / welches doch des erschlagene Wittib
gutwillig uñ ungeheissen getahn. Nun währe ihm von herzen lieb / dass sie ihm
Zeugnis geben müsten / wie unschuldig er an Ladisla vorhaben währe / auch bloss
auf ihr guteissen unterlassen hätte / ihn in der flucht zuverfolge / wovon er
doch weiters nicht reden wollte; nur sollten sie reiflich erwägen / und ihr Gut
dünken über die vorgetragene Stücke ohn alle scheuh anzeigen; er vor sein Häupt
hätte den Muhtwillen etlicher vom Adel in seinem Herzen zwar höchlich bisher
beklaget / aber zur abschaffung des Unwesens nicht greiffen durffen / weil die
gröste Bosheit von den ansehnlichsten Seulen des Vaterlandes / oder doch von
ihren Kindern begangen währe; diesem hätten die Götter länger nicht zusehen
wollen / und es durch seinen frommen tugendliebenden Sohn also geschicket / dass
durch die Untertahnen des Adels Frecheit beschnitten werden musste; währe es
nicht zuerbarmen / dass wann etwa ein Unädelgebohrn er durch Liebe zu einer
ädelgebohrnen Jungfer / nicht allein mit ihrem guten Willen / sondern wohl
heftiger Anreizung sich hielte und sie ehelichte / derselben Anverwanten einen
solchen Schwager durchaus Tod haben wollten? hingegen / wann ein ädelgebohrner /
eines Bürgers oder Bauern Tochter schändete / und wohl gar nohtzwängete / solcher
boshafte Frevel allerdinge ungestraffet hingehen sollte? Sie möchten dieses
betrachten / und es miteinander überlegen / damit den vergrelleten Untertahnen
könnte geantwortet werden / welches vor sein Häupt zu tuhn / ob er gleich aus
GrossFürstlicher Macht wohl befuget währe / er dessen doch bedenken trüge / damit
man sich über ihn hernähst nicht zubeschweren hätte. Der anwesende Adel hörete
solches mit grosser bestürzung an / dañ ihr Gewissen überzeugete sie
grossenteils / dass sie mit ihren Untertahnen mehr gewaltsam als gutig umbgingen
/ und taht ihnen weh / dass die Bauern ihnen Recht vorschreiben / und ihrer Macht
gewisse Schranken flechten sollten / beschwereten sich dessen auch zum höchsten /
nebest anzeige / dass der Bömische junge Fürst des Teutschen freien Adels
Freiheiten zuschwächen bemuhet währe. Der GrossFürst fragete sie / was von ihnen
in den begehreten Stücken dann so höchlich getadelt würde / solches sollten sie
anzeigen / und seiner gnädigsten Erklärung versichert sein; worauff sie aber
kein Wörtlein zu antworten wussten / ohn dz ihrer wolhergebrachten Freiheit und
adelichen Ansehen grosser eingriff geschehen würde / wann ihnen der Bauern
Anmuhten sollte auffgedrungen werden. Der GrossFürst eiferte sich darüber nicht
unbillich / und brach endlich also los; Was bildet ihr euch dañ wohl ein / als ob
euer Frevel durch aus nicht gezähmet sein müste / und ihr unter dem Deckel der
adelichen Freiheit allen Muhtwillen veruben dürftet? Ich habe lange gnug mit
euer etlichen durch die Finger gesehen / dann alle beschuldige ich keines weges
/ sondern nur die Verbrechere /welche mir nicht so gar unbekant sind; aber
hernähst will ich durchaus dergleiche unverantwortliche Frecheit nicht mehr
dulden / ich möchte sonst (wie mein lieber Sohn Herkules recht saget) mit allen
meinen Untertahnen in der Götter Ungnade und Straffe fallen. Hiess sie hierauff
weg gehen / und dass seine Söhne Herkules und Baldrich / wie auch sein Gemahl uñ
junges Fräulein / dazumahl im achten Jahr ihres alters / herzu gefodert würden.
Herkules wahr der lezte gewesen / und hatte mit nidergeschlagenen Augen und
blödem Angesicht wegen meiner Auffruhr sich eingestellet / auch alsbald einen
Fussfal getahn / in Meinung / mir Gnade zuerbitten; Aber sein Herr Vater hatte
ihm alsbald ernstlich gebohten / auffzustehen /und ihn nachgehends also
angeredet: Du mein lieber Sohn / und höchste Vergnügung meines Herzen; welche
Worte seine Fr. Mutter hörend / vor freuden in Ohmacht nidergefallen wahr / weil
sie aus seinem vorigen ertichteten Zorn sich einer harten Urtel befürchtet
hatte; und als sie wieder durch ihren Herkules und Baldrich erquicket worden /
hat sie folgende ihres Gemahls Reden mit sonderlicher Wollust angehöret: ich
danke den Göttern / dass durch deine preisswirdige Taht sie meinen GrossFürstlichen
Stuel / wie ich lange Zeit vergeblich gewünschet / dereins befestiget / und
wieder etlicher des Adels Frecheit / welche ohn verderbung meines Reichs ich
nicht zwingen kunte / nunmehr unbewäglich / dir mit zum besten / gegründet
haben. So gedenke nun nicht / mein Sohn / dass mein bisher ertichteter Zorn / dir
und deiner erworbenen Ehre / icht was zuwieder gesucht / sondern umb des Adels
willen / hat es / ohnzweifel aus stifftung der Götter / geschehen müssen /
welchen ich durch glückliches vornehmen deines geträuen Bruders nicht mehr zu
fürchten habe / und schon Mittel finden will / dass ihre Freiheit zu sündigen /
auffgehaben werde; höre demnach auff / dich als einen Ubeltähter zu schätzen
/und bitte durchaus keine Verzeihung / die vielmehr ich dafern ich dein Vater
nicht währe / bei dir suchen müste; biss mir aber in diesem Stük gehorsam / und
reite mit deinem Bruder Baldrich hinaus zu Ladisla /welchen du wirst zubereden
wissen / dass er sich hieselbst bei mir auff Gnade und Ungnade einstelle / jedoch
/ dass du bei verlust meiner Hulde ihm meines guten Willens keine meldung tuhst /
sondern vielmehr begehrest / dass die drei Gefangene von Adel / denen er zweifels
ohn / die drei Galgen hat auffrichten lassen / zugleich mit ihm komen / wie auch
andere ädle mehr (da es bei dem Volke zuerhalten) welche sie gefangen haben.
Herkules / ungeachtet mannicher aus solcher Anmuhtung nichts gutes geurteilet
hätte /wahr hierzu willig / und sah ich ihn nebest seinen Bruder Baldrich
dorter reiten / denen ich zu Fusse entgegen lieff / meines Herkules Pferd beim
Zügel fassete / und ihn nach meinen Völkern hinleiten wollte; Er aber warff sich
herunter / und sagte zu mir; Du weist Bruder / dass ich dich herzlich / wie meine
eigene Seele liebe; so lass mich nun deine rechtschaffene Neigung hinwieder sehen
/ und reite mit mir hin zu meinem H. Vater; wirstu dich dessen wegern / so soll
dir hiemit meine Freundschaft auffgekündiget /und dagegen alle feindselige Rache
angemeldet sein. O Bruder Bruder / antwortete ich / hastu dann so grosse Lust zu
sterben / da du mit leichter Mühe leben köntest? oder meinestu / dass ich diese
Völker meinetwegen / und nicht vielmehr / dich zu retten / so glücklich gesamlet
habe? ich wollte weiter reden / aber mein Hauffe ward Herkules Ankunft inne /
deswegen sie herzuranten / und mit einem grossen Freudengeschrei ihn vor des
Vaterlandes Zier / der Bosheit Rächer /und der Unterdrükten Schützer aussrieffen
/ erbohten sich / Leib uñ Leben vor ihn gutwillig auffzusetzen /weil er ein
armes Baure Mägdlein zu retten / sich nicht zu hoch geschätzet hätte / bahten
endlich / dass er sich ihrer weiter annehmen / und bei seinem Herr Vater
verhandeln möchte / dass dem Adel die übermachte Gewalt zur ungebühr / gemässiget
würde. Herkules wollte ihm zwar die Leute nicht ungewogen machen / redete aber
doch nicht sonderlich freundlich mit ihnen / sondern sagte: Er bedankete sich
ihres guten Willens / könnte gleichwol nicht loben / wann die Waffen von ihnen
wider seinen Herr Vater sollten ergriffen sein / und wollte er lieber sterben /
als auff solche weise beim Leben erhalten werden. Ein alter Mann gab ihm darauf
zur Antwort: Sie hätten sich nicht so weit vergessen / dass sie ihrer lieben und
höchsten Obrigkeit sich widersetzen wollten; nur währe ihr steiffer Vorsaz /
ihren künftigen GrossFürsten aus des Adels Händen zureissen / damit derselbe
nicht Schimpff erlitte / welcher das Land den Göttern zuversöhnen sein eigen
Blut nicht sparete. Herkules machte hierauff ein freundlicher Angesicht / und
sagte: Er hätte vor dissmahl keine Freiheit von seinem H. Vater / mit ihnen sich
in Gespräch zubegeben; kehrete sich wieder zu mir / und fragete / ob ich der
geschwornen Träue eingedenke sein / und mit ihm reiten wollte. Ja mein Bruder /
antwortete ich / nachdem du viel zu grossmühtig bist / einigem Menschen vor dein
Leben zudanken / so will ich mit dir reiten /und meines Verbrechens wegen ja so
willig sterben /dein Leben zuerretten / als ich sonst mit dir zuleben wunsche.
Sage mir weder von leben noch sterben /antwortete er / sondern lass uns ohn
Verzug meines H. Vaters Willen vollbringen / und das übrige der himlischen
Versehung befehlen / so dass die drei Gesanten / und der ganze anwesende Adel ohn
verweilen / mit uns fortzugehen / frei gelassen werden. Meine Völker wollten in
meinen Abzug durchaus nicht gehehlen / erinnerten mich unsers geschlossenen
Bundes / und dass ich mich nit in Unheil stürzete. Aber mein Herkules versicherte
sie / sie würden ihres GrossFursten Gnade nicht besser / als durch Einwilligung
erlangen. Ich selbst / wie zweifelhaftig ich auch wahr / redete ihnen zu / es
hätte die Meinung nicht / dass ich sie verlassen / sondern ihr Wort reden wollte /
und da sie inwendig sechs Stunden mich nicht sehen würden / sollte sie nach
gefallen an der ädlen ihren Gütern und Leben handeln / nur / dass alle schon
gefangene ädle mir mit gegeben wurden / damit die andern desto leichter zur
Billigkeit gebracht würden. Worauff sie dann alles einwilligten / ich auch
zimlichen Trostschöpffete / nit zweifelnd / mein Herkules würde mir schon einen
Wink geben / dafern mir Unfall bereitet währe. So bald wir auff dem Schloss uns
befunden / wurden alle meine Gefangene vor den GrossFürsten gefodert /welche er
im beisein der andern fragete / wie es ihnen er gangen; wie die Bauern sich
gegen sie und ihre Güter bezeigeten / und was vor Raht sie gäben / nachdem er
mich als den Anführer in seiner Gewalt hätte. Worauff die drei Gesanten
geantwortet hatten: Sie könten nicht absehen / was gestalt der allgemeine Bauern
Auffstand könnte gestillet / und der Adel gerettet werden / wo man ihre gesuchte
Stücke nicht einwilligte; der Eifer bei den Bauern wider den Adel währe zu
heftig / hätten ihnen auch so abscheuhliche Tahten erzählet / die fast
unmöglich währen zugläuben; biss daher entielten sie sich aller Tähtligkeit /und
solches auff eiferigen Befehl des Böhmischen jungen Fürsten / dem sie sich zu
Rettung ihres hochgewogenen jungen GrossFürsten mit Leib und Gut zu allem
Gehorsam verpflichtet; Speise und Trank liessen sie aus ihren Dörffern ihnen
zufuhren / und was ihnen die von Adel freiwillig (also müste mans ja heissen)
schenketen / davor danketen sie; und könten sie ungemeldet nicht lassen / dass
der Böhmische Fürst ihres gnädigsten herschenden GrossFürsten Wort dergestalt bei
den Bauern geredet / dass es nit zuverbessern stünde; würde endlich sehr nöhtig
sein /dass derselbe bald wieder zu ihnen gelassen würde /damit nit etliche
verwägene sich einer Gewaltsamkeit wider den Adel unterfingen / wozu ihrer sehr
viel nicht ungeneigt währen. Nach solchem vorbringen mussten sie alle einen
Abtrit nehmen / ich aber und Herkules zu ihm kommen / da er / so bald ich ins
Gemach trat / mir freundlich entgegen ging / und nach väterlicher Umfahung
sagte: Gesegnet sei die Stunde / mein lieber Sohn und Oheim / da euer Herr Vater
euch mir zugeschicket hat; Euer Vornehmen haben sonder allem zweifel die gutigen
Götter euch eingeblasen / dessen glücklichen Verfolg ich nicht besser wünschen
mögen; Versichert euch demnach / dass wie ich meinem Herkules niemahls einige
Ungewogenheit zugelegt / und mir seine löbliche Taht sehr wohl gefallen / also
ist mein Gemüt gegen euch nicht anders gesinnet gewesen. So verzeihet mir nun /
was ich bisher getahn / und ihr dessen wichtige Ursachen wohl erfahren werdet /
und geht hin / euch mit eurem Herkules zuergetzen / biss ich euch werde ruffen
lassen. Da mussten nun alle meine Gefangene wieder vortreten / mit denen er sich
absonderlich beredete / und nach verlauff einer Stunde / ausserhalb des
Schlosses im freien Felde eine Schau Bühne auffrichten liess / worauff er mit mir
und Herkules trat / die gefangene vom Adel aber darunten stehen mussten / uñ der
GrossFürst also zu dem Volke redete: Ihr fromme und redliche Teutschen; es
erscheinet aus eurem jetzigen Vornehmen Sonnenklar / dass ihr gleichwol euer
jungen Herschaft euch anzunehmen willens seid / wann ihnen etwa Gewalt oder
andere Widerwertigkeit zustossen sollte. Ob nun zwar ich an meinen Söhnen /
Ladisla und Herkules ihr Verbrechen zustraffen wohl befuget währe / so habe ich
doch in Ansehung eurer kräfftigen Vorbitte sie nicht allein zu Gnaden wieder
angenommen / und alles verzihen / sondern auch eurem übrigen untertähnigsten
rechtmässigen ansuchen statt gegeben / tuhe auch solches hiemit und krafft dieses
/ also und dergestalt / dass der von etlichen des Adels bisher verübeter
Muhtwille gänzlich abgeschaffet / und euch samt und sonders Fürstlich Schuz
gehalten werden soll. Im übrigen ist der von meinem Sohn Herkules rechtmässiger
weise erschlagene von mir dahin verdammet / dass sein Nahme an dieser von euch
auffgerichteten Galgen einem soll angeschlagen / sein Häupt daselbst hinauf
gestekt / uñ sein Leichnam darunter begraben werden. Hingegen sollet ihr samt
und sonders gehalten sein /euren adelichen Oberherren allen schuldigen Gehorsam
und Dienste zuleisten / auch nicht ohn ursach euch über sie beschweren / sondern
sie halten / wovor sie euch gesetzet sind. Eure jetzige genommene Waffen sollen
keines weges gestraffet noch geunbillichet werden; aber dafern ihr oder jemand
anders sich nach diesem ein gleiches (es geschähe dann zur Rettung eurer
Obrigkeit und deren angehörigen mit meiner guten Bewilligung) würde gelüsten
lassen / soll es ungestraffet nicht bleiben. Vor dissmahl verfüge sich ein jeder
nach Hause / und bleibe seinem GrossFürsten und dessen Erben geträu und ergeben;
Die Bewilligung eures geschehenen bitlichen ansuchens / soll in allen Stücken
folgen / erstes Tages schrifftlich auffgesetzet / und in meinem Reiche
öffentlich / als ein ewig beständiges Gesetz ausgeruffen werden. Hieruber erhuhb
sich unsägliche Freude bei allem Volk; Sie riefen ihrem GrossFürsten und der
jungen Herschaft Glük / langes Leben und alle Wolfahrt zu / und erbohten sich /
vor dieselbe alles willig auffzusetzen. Auch so bald wir wieder nach dem
Schloss umkehreten / gingen sie von einander / ein jeder an seinen Ort. Bald
darauff liess der GrossFürst den Adel zusammen fodern / hielt ihnen das begehren
des gemeinen Mannes vor / welches sie nohtwendig billichen mussten /und geboht
ihnen / sich gegen die Untertahnen anders zubezeigen / als vorhin von etlichen
geschehen währe; welches sie aus furcht der Straffe willig annahmen /und allen
willigen Gehorsam versprachen / wiewol sehr viel unter ihnen wahren / denen
solches uberaus wohl gefiel / als welche an der andern ihrem Frevel grossen
Missgefallen hatten. Mein Herkules aber wusste sich dergestalt gegen den Adel
freundlich zubezeigen / dass er aller Herzen gewan / und sie ihn ja so inniglich
liebeten / als der gemeine Mann selbst. Nach dieser Zeit gab der GrossFurst
seinem Sohn eine zimliche Anzahl Knechte / und ordnete ihm die erfahrnesten
Häuptleute und Ritter zu / von welchen er des Kriegs unterrichtet / und in allen
Ritterspielen geübet ward / worzu er dann sonderliche Beliebung trug / auch im
Reiten und Stechen etliche vortelhafte Stücke selbst erfand / durch deren
Anwendung er mannichen Sieg erhalten hat. So schikte mein H. Vater mir auch
meine Leute / weil ich noch nicht gesinnet wahr / Prage zusehen / wiewol meine
Eltern uns alle halbe Jahr besucheten / biss mein Herkules sein / auf zween Monat
nahe / 17 des Jahr hinter sich gelegt hatte / und König Amund in Schweden /
seiner Fr. Mutter Herr Bruder / von dem GrossFürsten umb etliche tausend Mann zum
Beistande / wider seine ungeträue Nachbarn die Reussen anhielt / da wir beide
Lust bekahmen / diesen ersten Kriegszug vorzunehmen / und mit einem Heer von
12000 Mann über die OstSee nach Schweden schiffeten / woselbst wir wohl empfangen
wurden / und den Reussen mit unser geringen Mannschaft nicht wenig abbruch
tahten / da insonderheit mein Herkules in einem absonderlichen Kampffe wider
einen wolgeübeten Dänischen Fechter grosse Ehr einlegete / als welchen er vor
freier Faust erschlug / uñ dadurch dem Feinde eine statliche Festung abgewan.
Nach dieses Kriegs Endigung / der nach des Schweden Wunsch durch gütlichen
Vergleich beigeleget ward / besahen wir Dånnemark und Reussen /und unterliessen
nichts / was zu ritterlicher übung / in Stechen / Fechten / Reiten /
Ringelrennen / Schiessen / Werffen / Lauffen / Ringen / Stürmen / und
dergleichen erfodert ward; endlich / nach dem wir zwei Jahr in diesen
mitternächtigen Ländern zugebracht hatten /erhielt ich bei meinem Herkules / mit
mir nach Böhmen zureisen / weil die Land Stände mich nicht länger ausserhalb
Reichs lassen wollten / in betrachtung ich der einige Erbe währe. Er wollte in
dieser seiner Erzählung fortfahren / aber es trat ein ädelknabe ins Gemach / und
berichtete / der Fürst von Susa wåre mit seinem KriegsHeer 16000 zu Fusse und
24000 zu Rosse ankommen / und hielte er schon vor dem Schloss Tohr. Er hätte mir
nie zu ungelegener Zeit kommen mögen / sagte Artaxerxes / weil er mich in
Anhörung der anmuhtigsten Begebnissen störet. Ich weiss nit / antwortete Ladisla
/ dass Eure Liebe durch meine unliebliche Erzählung sollte können erlustiget
werden / aber das weiss ich wohl / dass dieser Fürst von Susa einen frechen
Unwillen auff mich und meinen Herkules ohn alle gegebene ursach geworffen / so
dass ich fürchte / wo er nicht nach lässet / er mich so lange treten wird / biss
ichs mir ihm auff die Faust zuwagen wider meinen Willen gezwungen werde; möchte
demnach von herzen wünschen / dass er sich eines andern bedächte / als dann sollte
das alte ab und vergessen sein. Eure Liebe machen sich dieses Fursten halben
keine Gedanken / antwortete er / ich will schon wissen / ihm diese Stunde
gebuhrlich zuzureden; sollte er dann auff seinem Troz verharren / so stehe er
auch seine gefahr; sonst ist er eine feige Mämme / weiss zwar das Maul zimlich
zugebrauchen / und mit dem Frauenzimmer zuscherzen / aber die Waffen haben vor
ihm gute Ruhe / und ist mir mit seinen Völkern mehr als mit ihm selbst gedienet
/ deren er mehr / als sein Anteil bringt / aus lauterm Stolz zusammen getrieben
hat. Pharnabazus ward abgeschicket / ihn auff das Schloss zuführen / welche Ehre
er lieber einem andern gegönnet hätte. Als nun dieser ihn empfangen wollte / und
jener aus seiner Gutsche stieg / trat er fehl / und fiel zu Pharnabazus Füssen
nider / welches von den anwesenden unterschiedlich ausgedeutet ward
/insonderheit / weil er im Koht sich hesslich zurichtete / da Pharnabazus lachens
sich nährlich entalten kunte. Er schämete sich sehr / liess von seinen Dienern
sich geschwinde abwischen / hångete einen renlichen Reit Rok umb sich / und ging
biss in den mittelsten Platz / da ihn Artaxerxes mit diesen Worten empfing:
Durchl. Oheim / Eure Liebe ist mir als ein vornehmes Glied unser Verbündnis
wilkommen / und bitte dieselbe auffs fleissigste / sie wolle den trefflichen
Helden / König Ladisla und GrossFürst Herkules allen guten Willen erzeigen / wie
durch ihre herrlichen Siege und Anwendung ihres Bluts sie umb uns wohl verdienet
haben; sollte aber diese meine wolgemeinete Warnung nicht statt finden / wird
gewisslich Eure Liebe sich in unnöhtige Gefahr setzen / welches mir sehr leid
sein wurde / und ich doch nicht abzuwenden wüste / angesehen / unser ganzes Heer
so ungläubliche Zuneigung gegen diese Fursten träget / dass sie alle willig sind
/ vor ihre Wolfahrt zusterben. Gobares hatte seiner Spizfindigkeit nach schon
ausgesinnet /wie er unsern Helden einen heimlichen Schimpf antuhn wollte /
ungeachtet er ihres trefflichen verhaltens gnug berichtet wahr; diese Warnung
aber schreckete ihn ab / dass er sich eines andern bedachte / gelobete auch /
dafern ihm nicht augenscheinliche ursach gegeben wurde / Ehren halben anders
zutuhn / wollte er äusserliche Freundschaft mit ihnen zuhalten sich nicht wegern
/ ob gleich sein Herz nimmermehr einige Vertrauligkeit auff sie setzen könnte.
Solches zuunterlassen / sagte Artaxerxes / stehet zu seinem belieben / wann er
ihnen nur nicht mit spitzigen Reden / oder widrigen Geberden so nahe trit; dann
sie sind in Warheit vernünftige Fürsten / denen man keinen Dunst vor die Augen
machen kann. Sie gingen nach dem Gemache / woselbst Ladisla mit Arbianes
Unterredung hielt / und ihn umb einen Reuterdienst baht / ihm etliche seiner
Völker herzuleihen / mit denen er seinem Herkules entgegen reiten wollte. Meine
Völker / antwortete er / sind zu Ihrer Durchl. Gehorsam / wie imgleichen ich
selbst / mit allem /was ich bin und vermag / dass dieselbe also meiner Leute /
als ihrer selbst eigenen zugebrauchen haben /mit angehängter Bitte / mir den Mit
Rit freundlich zugönnen. Was könnte mir angenehmers sein / sagte Ladisla / als
euer Liebe Gesellschaft? Ist demnach nichts übrig / als dass wir uns zur Reise
fertig machen / und etwa 4000 Mann mit uns nehmen. Gleich trat Gobares ins
Gemach / grüssete Ladisla freundlich / und wünschete ihm wegen der in beiden
Schlachten erlangete Ehr / Glük; taht auch sonst etliche Wortgeprånge hinzu /
wodurch er seinen Stolz zimlich blicken liess; da ihm von Ladisla geantwortet
ward: Er bedankete sich freundlich / vor beschehene Glükwünschung /hiesse ihn
mit seinen treflichen Völkern wilkommen sein / und håtte seine geringe Tahten
keine sonderliche Ehre verdienet / wiewol sein Wille nichts suchte /als der
HochFürstlichen Verbündnis angenehme Dienste zubezeigen. Hernach offenbahrete er
Artaxerxes seine vorgesezte Reise / und liess alles zum fruhen Auffbruch
künftige Morgens zurüsten. Als sie nun des Abends miteinander zu Tische sassen
/ entstund schnelle gleich über dem Schloss ein starkes Wetter /mit heftigem
Blitze / taht aber nur einen / wiewol sehr harten Schlag in das GrossFürstliche
Gemach / so das Speise und Trank auf dem Tische verschüttet /und Gobares am
linken Arme / doch nur ein wenig gerühret ward; aber die Kleider fingen ihm auff
dem Leibe an zubrennen / und umzog ihn der Dampff vom Schlage / so gar / dass er
drinnen hätte ersticken mussen / wo nicht Ladisla ihm beim Leibe ergriffen /und
mit sich hinaus geschleppet hätte; über welchen Freundschaft-Dienst er sich so
gar nicht bedankete /dass er auch gegen Artaxerxes sich beschweren durffte / er
wåhre von ihm gar unhöflich angetastet / uñ als ein MäelSak fortgeschleppet. Der
ihm aber hart zuredete: ob er nicht erkeñen könnte / dass er in Lebens gefahr
gewesen / uñ zweifels ohn umkom?en müssen /wann auff solche weise er nicht
gerettet währe; möchte demnach den gar zu hohen Muht brechen / und den heutigen
gedoppelten Unfall nicht ohnbetrachtet hingehen lassen; vielleicht witzigten ihn
die Götter /nicht über sein Vermögen zugedenken / er möchte sonst / ehe man
sichs versåhe / an statt des Fluges gen Himmel / in einen Pfützenfall gerahten.
Er hätte ihn weiter angegriffen / sah aber / dass er in Ohmacht fiel / und liess
ihn auffs beste labe / und mit allerhand köstlichen Arzneien versehen. Ladisla
brach des folgenden Morgens auf nach den Partischen Grenzen /in Meinung / ohn
einen Streif in Feindes Land nicht umzukehren; aber Herkules begegnete ihm noch
desselben Abends / fünff Meile von Persepolis bei einem Städlein; doch kenneten
sie einander wegen der verschlossenen Helme nicht / biss sie nahe zusammen
stiessen / und aus der Rede Kundschaft nahmen /warffen darauff die Helme von
sich / und empfingen sich auf den Pferde mit herzbrüderlicher Vergnügung / da
Ladisla sagete: Ich erfreue mich von ganzer Seele / mein Bruder / dass ich dich
frisch uñ gesund wieder sehe; aber berichte mich doch / ob meine Frl. Schwester
glücklich erlöset sei. Valiska wahr in der Gutsche ihres Bruders inne worden /
sprang in ihren köstlichen Kleidern behende heraus / und lief ihm in hoher
Neigung entgegen; welches er ersehend / vom Pferde stieg / und mit offenen Armen
ihr begegnete / umfingen einander mit solcher Inbrunst / dass ihnen der gröste
Teil ihrer Krafft entging / sie auch einander kein Wort zusprechen kunten /
sondern durch küssen und herzen ihre Gewogenheit anzeigeten / biss sie endlich zu
ihm sagete: O mein herzallerliebster Herr Bruder / warumb hat er sich doch
meinetwegen von seinem allerliebsten Gemahl in diese abgelegene weite entzogen /
die sich billich über mich beschweren muss; Gott weiss / wie herzlich michs tauret
/ dass dieser grossen Muhe und Gefahr ich habe müssen ursach sein / getraue doch
meinem Gott / er werde uns die unsern schier wiederumb sehen lassen. Hiermit
umfing sie ihn abermal / mit Erzeigung aller schwesterlichen Freundligkeit und
Liebe. Ladisla verwunderte sich ihrer / dass sie so mänlich und vollkommen worden
/ ungeachtet sie nur 16 Jahr und 12 Wochen alt /aber wohl von 18 Jahren anzusehen
wahr; so liebete er sie nicht allein als seine einige Schwester / sondern
/welches er höher achtete / als seines Herkules wirdig geschåtzete und
versprochene Braut / und gab ihr zur Antwort: Herzgeliebete Frl. Schwester / dem
allmåchtigen Gott sei Preis uñ Dank vor ihre gnädige Erlösung / der uns auch
weiter geleiten und schützen wird. Was beklaget sie aber meine Nachfolge / da
doch alle ungelegenheit ihr meint  und meiner Liebste wegen zugestossen ist /
und ich daher umb so viel mehr mich schuldig weiss / ihrer Rettung nachzudenken /
wiewol darzu ich weniger als nichts verrichten können. Sie wollte ihm dieses
beantworten / aber Arbianes / welcher bisher mit Herkules gesprachet hatte /
setzete sich vor ihr auff ein Knie / und nach geleistetem Handkusse fing er also
an: Durchl. Fräulein, Eure Durchl. bittet ein unhöflicher Knecht demühtigst umb
Vergebung ehmalen begangenen Frevels / welchen die blosse / oder vielmehr
verdeckete Unwissenheit in ihm verursachet / erbeut sich nach äusserstem
Vermögen zum gehorsamsten Abtrage / unter willigster Auffwartung / mit alle dem
/ was seine wenige Schwacheit kann und vermag. Das Fräulein bemühete sich / ihn
auffzurichten / und gab zur Antwort: Durchleuchtiger Fürst / ich habe dieses
Schimpffs mich billich zubeklagen / und werde Abtrag fodern / dass Eure Liebe
unsere fest beschworne bruderliche Freundschaft / so bald aus der acht gesetzet
/ und mich nicht anders / als eine wildfremde / will nicht sagen / aufgeblasene
und vermässene empfåhet / welche zugeben könnte / dass so ein trefflicher Fürst zu
ihren Füssen låge; sonst erfreue ich mich Euer Liebe guten wolergehens von
herzen / und erkenne mich schuldig / der /zeit meines vermummeten elenden
Standes / mir überflüssig erzeigeten hohen Zuneigungen / als lange ich lebe
werde / eingedenke zusein / und mich der Erstattung zubemühen. Arbianes wusste
vor freuden nicht zuantworten / dann die übermässige Schönheit / die er vor
Augen sah / benahm ihm die Rede; welches sie merkend / nach seiner Eltern /
auch Herrn Mazeus und der seinen Zustand fragete; Worauff er anzeigete /er hätte
von denen Befehl / Ihrer Durchl. Rettung bei schleunigster Botschaft anzumelden
/ würden alsdann ingesamt bald überkommen / und wegen beschehener schlechten
Auffwartung sich entschuldigen. Herkules sah / dass die Dunkelheit einbrach /
liess die Völker / weil daselbst viel Grass vor die Pferde wahr /sich ins offene
Feld lagern / und die Gefangenen zwischen sich nehmen / auch aus dem
nähstbelegenen Stådlein essen und trinken vor liederliche Bezahlung ihnen
zuführen; Er aber mit Ladisla / Arbianes / dem Fräulein und Kleofis / kehreten
daselbst ein / und zogen Gallus / Timokles / und die beide Persische Jünglinge
als Auffwarter mit ihnen / woselbst Herkules seinem Ladisla vertraulich
offenbahrete / dass am Tage seines mit Mitrenes gehaltenen Kampffes / er mit
seinem Schatze die Ehe richtig gemacht / welches er bisher nit melden mögen /
nachdem er von dem Fräulein erbehten worden / es so viel möglich / in geheim
zuhalten. Nun GOtt Lob / antwortete Ladisla /so ist die Heirat vollzogen / die
ich bei mir selbst gemacht / ehe und bevor ihr einander gesehen; zweifele auch
nicht / meine Frau Mutter werde hierüber sich höchlich erfreuen / angesehen der
mütterlichen Neigung / damit sie dir zugetahn ist. Sie macheten aber nach
gehaltener Mahlzeit ein gemeines Lager / da Ladisla zwischen Valisken und
Herkules / und Arbianes diesem an der Seite schlaffen musste. Des folgenden Tages
brachen sie gar fruh auff / liessen die Völker samt den Gefangenen ihnen folgen
/ und ritten mit 40 Pferden schnelle fort / dass sie noch vor Essenszeit vor
Persepolis anlangeten / und Arbianes voraus hieb /dem GrossFürsten ihre Ankunft
zuvermelden / welcher neben Pharnabazus ihnen hinaus vors Tohr entgegen ritte /
sah das Fräulein aus der Gutsche steigen / ging ihr entgegen und wilkommete sie
mit höchster Verwunderung ihrer Schönheit und Ansehens. Vortrefliches Fräulein /
sagte er / ich erfreue mich ihrer glücklichen Erlösung / hoffe es soll Artabanus
die ihrer Liebe zugefügete Schmach der Gefängnis mit seinem Leben dereins büssen
/ weil ein wenigers ich von ihm nicht fodern kann. Valiska bedankete sich der
Gewogenheit sehr / und baht umb verzeihung / dass sie seinen Obristen Bubazes mit
auffgesprochen / alsdem sie ihre Jungfer verheirahtet / deren sie nicht wohl
entbehren könnte / und sie doch von ihrem Liebsten nicht hätte trennen mögen /
hoffete / seine Durchl. würde dieses nicht ungleich empfinden / und ihm etwa in
der nähe Dienste geben / wie seine Mannheit verdienete /die er in abtreib- und
erlegung der Feinde ritterlich hätte sehen lassen. Er hat euer Liebe billich
gehorsamen sollen / antwortete Artaxerxes / und werde ich ihn von nunan zum
Obersten dieser Stad Besatzung bestellen / damit neben seiner Liebesten er
seiner höchstgebieten den Fräulein untertähnigste Aufwartung leisten könne;
vernehme sonsten gerne / dz er dem Feinde sich unerschrocken gezeiget hat /
wiewol von diesem Verlauff mir noch nichts vorkommen ist. Herkules erzählete ihm
kürzlich wie es mit der Fräulein Erlösung / und Bagophanes Verfolgung
abgelauffen wahr / dass auch das Fräulein 1000 Gefangenen die Freiheit geschenket
/ und die übrigen sich bald stellen würden. Sie warteten auch daselbst im Felde
biss in die dritte Stunde / da die Gefangene ankahmen / welche Herkules dem
GrossFürsten einliefferte / nebest anzeige / dass er ihnen versprochen hätte / bei
ihm Gnade zuerwerben; Aber er wollte sie keines weges añehmen / sondern schenkete
sie dem Fräulein / nach belieben damit zu schalten; welche zur Antwort gab / sie
verstunde leicht / dass seiner Durchl. mit dem unnützen Gesinde nicht gedienet
währe / und demnach ihr die Ehre gönnete / sie frei zu geben; wollte also / da
ihrer Durchl. es nicht zu wieder / sie mehrenteils ihrem Könige Artabanus wieder
zu schicken /und von den leztgefangenen 600 vor Leibeigene behalten / welche
ihrem Herrn Bruder und Herrn Oheim bei ihren Leib- und Hand Pferden dieneten;
Diese Zahl ward von den geradesten und jungsten aussgesucht / in die Stad
geführet / und mit Knechtischen Ketten belegt / hatten doch einen gelinden
Dienst /und hielten sich biss auff sehr wenige geträu und fleissig. Die übrigen
redete Valiska also an: Sehet diesen Grossmächtigsten GrossFürsten des uhralten
Persischen Reichs / ihr Gefangene / und danket seiner Hocheit gebührlich / dass
er meiner Wenigkeit euch geschenket / und wieder frei zu lassen gnädigst
beliebet hat. Teilet euch aber also bald / und lasset alle Obristen / Ritmeister
/ und ädle Ritter absonderlich treten. Dieses geschahe alsbald / und wahren
derer 14 Obristen / 40 Ritmeister und 36 ädle Ritter / 90 an der Zahl / zudenen
sie sagete: Wählet einen aus eurem mittel / dass er mit dem Hauffen / welchen ich
ihm zuordnen will / fortgehe / und dem Könige Artabanus anmelde / es habe
GrossFürst Herkules aus Teutschland euch seine Kriegsbeamten und Ritter bissdahin
gefangen behalten / dass meiner Freundin Kleofis väterliches Erbe umb zwo Tonnen
Schaz (dann so hoch wahr es angeschlagen) verkauft / und das Geld in Persepolis
ihr gelieffert werde / alsdann will ich euch allen die Freiheit auch zustellen;
sollte aber euer König sich dessen wegern / müsst ihr alle neunzig /Zeit eures
Lebens Leibeigene sein und bleiben. Diese erbohte sich / so viel Gelder vor sich
selbst uberzuschicken; aber sie antwortete ihnen; ihr höret /was euch gesagt ist
/ der König selbst muss es von der Erbschaft senden / oder ihr bleibt Leibeigene;
rieff darauff zwanzig gemeinen Gefangenen / gab ihnen /und dem abgeschikten
Ritmeister gute Reitpferde mit allem zubehör / welche Timokles von der Beute
bekommen hatte / und hiess sie schnelle fortreiten / dem Könige solches
anzumelden / und dass man inwendig vier Wochen die Gelder haben / oder die Bürgen
Leibeigen mache wollte. Ihr müsst aber / sagte sie /diese 21 Pferde so gut
wieder herschaffe als ihr sie empfanget / oder meinem Timokles vor jedes durch
die Bank 200 Kronen schicken. Diese gingen alsbald fort / den Befehl
auszurichten. Als diese weg wahren /sagete sie zu dem grossen Hauffen der
Gefangenen; folget ihr nun euren Vorreitern / und zeigt eurem Könige an / dass
ihr den Grossmächtigsten Artaxerxes nebest meinem H. Bruder König Ladisla gesehen
/ und meines Herrn Oheims GrossFürst Herkules sie greiches Schwert empfunden
habet; auch dass ich ihn bitlich vor mich allein ersuchen lasse / nicht allein
mit höchstgedachtem Beherscher des Persischen Reichs einen guten Vergleich und
Nachbarliche Freundschaft auffzurichte / sondern auch die meinen / wegen
zugefugete Schimpfs zuvergnügen. Ja / taht Ladisla hinzu / sprechet; ich lasse
nach wirdiger Begrüssung ihn fragen / ob er auff mein neulich eingeschiktes
Schreiben sich nicht schier erklären werde / damit ich wissen möge / an was Ort
und Ende ich seines Speers und Säbels wahrnehmen solle. Herkules verstund
hieraus / was vor einen Brieff Artabanus in seiner Gegenwart so grimmig zurissen
/ und erzählete es vor allen Anwesenden öffentlich; dessen Artaxerxes wohl
lachete / und zu Ladisla sagete / dass es die Gefangenen höreten: Mein Herr
Bruder hätte meines ermässens dem unzüchtigen Wuterich nicht einen Absags Brieff
/ sondern ein stolzes Mägdlein zuschicken müssen / die er mit den Zähnen so
leicht nicht würde zurissen haben; demnach wir aber Gelegenheit finden werden /
ihn zum Treffen zubringen / wollen wirs bissdahin auffschieben / und nach Zeits
gelegenheit ein wenig Speise zu uns nehmen / weil auff solche Gäste ich mich
heut nicht geschicket habe. Die Gefangene danketen vor ihre Freiheit mit einem
demühtigen Fussfalle / und wurden mit nöhtigen Speisen versehen /auch von 3000
Reutern biss an die Partischen Grenzen begleitet. So bald die unsern dz Schloss
erreichet hatten / gingen die Fürsten ingesamt nach Gobares Gemache / und
besucheten ihn ehrenhalber / welcher wegen des Schreckens uñ Schlages sich unpass
befand; doch ging das Fräulein nicht mit / sondern liess von Kleofis sich auff
einem absonderlichen Zimmer einwenig zieren / da sie nach gehaltener Mahlzeit
aller hand unterredung pflogen / insonderheit das Fräulein wie Arbianes und
Pharnabazus. Gobares wahr fast zornig / dass das Fräulein ihn zubesuchen nicht
wirdigte / doch weil er ein sonderlicher Liebhaber des schönen Frauenzimmers
wahr / hätte er gerne wissen mögen / ob dann etwas sonderliches an ihr /dass der
Mühe / ihretwegen so viel zuwagen / wert währe; foderte deswegen seinen
Schmarotzer und Kupler Bagoas zu sich / er sollte dem GrossFürsten bei Tische
aufwarten / und das fremde Fräulein eigentlich betrachten / dass er sie ihm auffs
genaueste beschreiben könnte / da sie dessen wirdig währe. Dieser hielt sich dem
Befehl gemäss / kam nach verlauff einer Stunde wieder / und taht folgenden
Bericht: GrossmächtigsterFürst / allergnädigster GrossHerr; Als ich in den Saal
trat / woselbst die stolzen Fremdlinge mit Artaxerxes (welcher euer Hocheit
billich die Oberstelle / als dem berümtesten Helde der Welt abtreten sollte)
Mahlzeit hielten / und weiss nicht was vor ein ungeschiktes Geplauder führeten /
ward ich eines treflich schönen Bildes gewahr / desgleichen in euer Hocheit
ganzem Zimmer nie ist gesehen worden. O mein Bagoas / fiel ihm Gobares in die
Rede / hilff ja bald nachsinnen / dass ich ihrer geniessen möge. Dieser
geniessen? antwortete er; nicht ein meid / sondern ihre Hocheit werden mir
Königlich versprechen / dass ich Freiheit haben solle / mich an ihrer schöne
zuergetzen. Bistu Narr unwitzig? sagte Gobares / was woltestu nach der Speise
schnappen / die nur unsers gleichen vorbehalten wird? verzeihet mir /
allergnädigster Herr / sagte Bagoas / ich rede nur von der Fräulein Dienerin /
die so völlig schön und zierlich ist dass ihres gleichen ganz Susa nicht kennet.
Aber Odas unvergleichliche Fräulein! ihr Götter / und nicht mein geringster Gott
/ Gobares / straffet mich euren Diener nicht / dass ich mich er kühne / eine
volkommenheit zubeschreiben / die den Himmel selbst übertrift / und von keinen
andern Eltern / als von der Sonnen uñ dem Morgenstern kann gezeuget sein. Die
Griechen haben viel von ihrer Helena geschrieben / aber dieses Fräulein / dieses
göttliche Fräulein / ist eine vielhundertausendmal volkommenere Helena / umb
deretwillen nicht nur Artabanus sein Reich / sondern Jupiter selbst seinen
himlischen Siz verlassen / und mit diesem Wunder-Bildichen sich in einen engen
Winkel verstecken sollte / damit nicht jemand ihm diese übervolkommene
Glukseligkeit missgönnen / und neben ihm der allersüssesten Niessung begehren
möchte. O du mein ungelehrter Pinsel / woher wiltu doch Farben nehmen / diese
Himelszierde / dieses Wunder-schön /auch nur nach den gröbesten Zügen
zuentwerffen? Alle Leibes und Seelen volkommenheiten / ja der Kern aller
vortrefligkeit und Zierde / samt einer demuhtigen Höfligkeit / und
höchstwolgestalten Demuht / die kein ståublein der Königlichen Hocheit
verschenket / finden sich bei diesem Fräulein / O wunder! dermassen überflüssig
in unnachdenklicher völle / dass ich mit einem Kinderlöffel das Persische Meer
ausszuschöpffen mir ehe getraue / als zubeschreiben / was meine Augen an diesem
Lust Himmel gesehen. Tausendmahltausend Fräulein könten mit ihrer Schönheit zu
aller gnuge aussgezieret werden /und behielte sie dannoch einen solchen Vorsprung
/der bei tunkeler Nacht / ja mit beschlossenen Augen möchte erkennet / und von
dem allerwirdigsten Könige biss auffs sterben wirdigst geliebt und heftigst
begehret werde. O schweige Bagoas / schweige / sagte Gobares; dieser Reden bin
ich ja an dir nit gewohnet. Vielzuwenig / allergnädigster Herr / viel zu
einfältig /viel zu schlecht sind meine Worte / sagte er; meine Augen wollten
anfangs nicht trauen / was ihnen vorstund; meine Vernunft überlieff von
verwundern / als ich dieses himlische Meisterstuk erblickete; ja in so tieffes
Misstrauen geriet ich dazumahl / dass ich meinte / die Volkom?enheit selbst /
oder doch ihr Abdruk währe mir in etwa einer Verzuckung erschienen; ich begunte
schon zu wanken als ein Trunkener / und wollte Weirauch und Kohlen fodern / eurer
Hocheit Schuz- und Liebes-Göttin zu opffern / als die den wirdigsten Ort bei dem
Tische bekleidete / uñ vielleicht von niemand anders / als nur von mir gesehen
würde; aber ich besan mich / da sie die unvergleichlichsten Lippen / (vor denen
die Rubinen und Korallen erbleichen) in höchster Zierligkeit von einander taht /
und die gleichriegigen Helffenbeinen Zähnlein sehen liess /zwische denen eine
dermassen anmuhtige wohl klingende Stimme hervorbrach / dass mich gedauchte
/Schüsseln und Gläser würden einen Freudentanz auff dem Tische anfahen /
gestaltsam meine Vernunft sich alsbald in der Urtel verstöret befand / ob meine
Ohren vom hören / ober die Augen vom anschauen mehr belüstigung empfingen. Zwar
ich habe ihr Angesicht mit den Gedanken eine grosse Stunde / die mir kein
Augenblick dauchte / tiefsinnigst überlauffen / aber unmöglich wahr mirs /
ichtwas davon recht zu fassen; dann / betrachtete ich ihre himlische Stirn / so
zogen mich ihre beide Sonnen (die Augen meine ich) davon ab / sie zu beschauen;
aber die Augenlieder / O der schönsten Vorhånge! machten mich dann in sich
alsbald auff ein neues verliebet; wo zwischen die über allen Wunsch wolgestalte
Nase sich legete / und zu ihrer nachdenkung mich einlude. Aber O ihr Wångelein /
wer hat jemahls eine solche Vermischung des allerlebhaftesten rohtweisses
gesehen? Der nicht minder susse als schöne Mund überwieget weit meine Reden /
weil er in dieser Welt keinen gleichen hat. Das Kiñ mit einem kurzen Rizlein
durchzogen / gibt den übrigen Stücken nicht dass allergeringste bevor; und dass
ich der güldenen Haare nicht vergesse / die auff beiden Seiten über den
Schuldern von sich selbst gekräuselt / herab hingen / halte ich deren jedes vor
eine gnug starke Kette / aller anschauenden Herzen im Nuh dermassen zu fesseln /
dass sie nichts anders wünschen / als in den Diensten dieser vol-schönen
zusterben. Kurz uñ mit einem Worte zusagen; dieses / ja einig dieses Fräulein
ist es / die euer Königl. Hochheit Liebe und Huldeich wirdig achte. Gobares
hörete zu als ein Verzücketer / und sinnete unter dieser Erzählung schon nach /
wie er dieses anmuhtige Tåubelein berucken / und mit seinem Garn zu sich reissen
möchte / die er doch weder gesehen / noch geprufet /ob sie von den Zahmen währe
/ die jedermans Freunde sind. Es machte ihn auch diese Begierde so munter / dass
des dritten Tages nach ihrer Ankunft / an welchem das Freudenfest ihrer Erlösung
und Bubazes Hochzeit sollte gehalten werden / er sich aus seinem Lager erhub /
und mit prächtiger Kleidung sich belegete. Valiska hatte sich auch Königlich
gezieret / und zugleich ihre Kleofis mit vielen Kleinoten behänget. Nun wollte er
aber dem Fräulein eine Ehre tuhn / und seines ersten Aussganges sie auff ihrem
Gemache besuchen / schickete auch einen wolgepuzten ädelknabe zu ihr / mit
vermeldung / da ihrer Durchl. es nicht zu wieder / wollte sein Fürst deroselben
in ihrem Gemache gerne auffwarten / und wegen gesunder ankunft ihr Glük
wunschen; welches ihm dañ mit hoher Danksagung verwilliget ward. Es kam aber
gleich darauff Herkules zu ihr gangen / und foderte sie auff Ladisla Gemach /
etliche notwendigkeiten abzureden / da inzwischen Gobares sich einstellete /
und Kleofis allein ersehend / sie vor das Fräulein hielt / auch alsbald in
heisser Glut gegen sie entzündet / sich auff die Knie niederlegete / und ihr die
Hand küssend anfing: Durchl. Fräulein. Diese erkennete seine Irtuhm / trat
zurück / uñ sagete mit grosser Schamhaftigkeit; Durchl. Fürst / gnädiger Herr;
ich bitte untertähnig umb vergebung / ihrer Durchl. anzudeuten / dass dieselbe an
mir unwirdige sich irren / weil ich ja nicht das Durchl. Fräulein / sondern nur
dero Dienerin bin. Gobares zürnete auff sich selbst / dass er vor einer ädel
Jungfer sich gedemühtiget hatte / stund bald auff / und inbetrachtung ihrer
Schönheit / sagte er; Schönste Jungfer / mein Irtuhm kann zu nichts schädlich
sein / massen eure Volkom?enheit wohl verdienet / dass sie von Fürsten geehret und
geliebt werde; wie ich mich dann gegen sie zu aller Freundschaft anerbiete. Nun
hatte Herkules Leibknabe diesen Fürsten in der Fräulein Gemach treten sehen /
und deutete es seinem Herrn in der Fräulein Gegenwart an / die aber ihren Bruder
und Liebsten baht / mit ihr zugehen / weil sie bei fremden nicht gerne allein
währe; hätte ohndass ein schlechtes Herz zu ihm / wegen der Ungewogenheit / die
er ihnen ehmahls erzeiget. Als nun Gobares sie herein treten sah / gedauchte
ihn nicht anders / er såhe eine Himmels Königin; dann wie freundlich sie sonst
wahr / nahm sie sich doch vorsezlich einer sonderlichen Ernstaftigkeit an gegen
ihn / in dem sie nach beschehener Neigung zu ihm sagete; Durchl. Fürst / die
Ehre ist zu gross und unverschuldet / dass seine Liebe auff einem einsamen Zim?er
mich besuchen wollen; erfreue mich dannoch ihrer Liebe wieder erlangeter
Gesundheit / und bitte / dieselbe mit meinem Herrn Bruder und Oheim nach dem
Hochzeit Saal gehen wolle / wohin ich mit dieser Braut bald folgen will. Gobares
stellete sich überaus höflich /küssete ihre zarte Hand kniend / uñ redete sie
also an: Durchleuchtigstes unvergleichliches Fräulein / es hat die Schuldigkeit
mich auffgemahnet / ihrer Durchl. gehorsamst auffzuwarten / als deren glückliche
Erlösung und wieder erlangete Freiheit mich zum höchsten erfreuet hat / so bald
ich inne worden bin / dass der unflähtige Wüterich Artabanus in seinem
unverantwortlichen Vorhabe verstöret / uñ euer Durchl. Ehre gerettet ist /
gelobe auch euer vortefligkeit hiemit äidlich an / dass ich meines Furstentuhms
äusserste Macht anwenden will / damit die Unbilligkeit gerochen werde / welche
euer Durchl. durch gefångliche auffhaltung schimpflich angeleget ist. Valiska
nöhtigte ihn auffzustehen / bedingete sich der gar zu grossen Ehre / und nach
beschehener Danksagung wegen des hohen Erbietens / rühmete sie seine Fürstliche
Tapferkeit / dass sie hiedurch verbunden würde / seine Tugend gross zuachten.
Herkules gefiel nicht übel / dz dieser unfreundliche einen bessern Willen
gefasset hatte / welches er auch bei ihrer ersten Besuchung sich merken lassen /
und weil er das Fräulein nach dem Saal zubegleiten sich selbst anerboht / kunte
sie ihm solches nicht wegern; da er von Begierden und unkeuschen Reizungen sich
dermassen angefüllet spüren liess / dass er die Flammen so wohl nicht unterdrücken
kunte / dass Ladisla / der seiner Unzucht von Artaxerxes berichtet wahr / es
nicht sollte gemerket haben / und dass er mit weit andern Gedanken umbginge / als
die Worte lauteten; dessen er doch gegen Herkules / Ungelegenheit zuverhüten /
sich mit keinem Worte vermerken liess / insonderheit / weil ihm beides seiner
Fräulein Schwester Zucht / und Gobares Furchtsamkeit gnug bekant wahr. Die
vornehmsten Obristen des Persischen Heeres wahren zur Hochzeit geladen / die
zwar Bubazes wegen seiner Heirat glückselig preiseten / aber an Valisken sich
dermassen vergaffeten / dass ihre einhellige Urtel wahr / es könnte ein
volkommener Glük als die wirkliche Niessung ihrer Schönheit / nicht erdacht
werden. Bei der Mahlzeit sass Gobares dem Fräulein allernähest / dessen er auff
Artaxerxes schlechte nöhtigung sich nit wegerte /und sattelte ihn die Hoffnung
dermassen / dass er an nichts gedachte / als wie er Gelegenheit finden möchte /
ihr seine Liebe verstehen zugeben / dann er wahr noch unberichtet / dass Herkules
sich mit ihr versprochen hätte. Das adeliche Persische Frauenzimmer hatte sich
in zimlicher anzahl eingestellet / die nach auffgehobenen Speisen einen
zierlichen Tanz nach Landes Art unter sich hielten / biss Ladisla seine Frl.
Schwester auch zum Tanze führete / und sie ehrenhalber Gobares brachte / welcher
sich dessen hoch bedankete / und gleich mit den Gedanken umbging / Gelegenheit
zu haben / wie er sein Gemahl umbringen /und hernach das Fräulein ehelichen
könnte. Im Tanze wendete er alle Zierligkeit an / worin er besser als in Waffen
geübet wahr / und nach dessen Endigung redete er sie also an: Unvergleichliches
Fräulein / Himlisches Bilde; wie inbrünstig suchet meine flammenhitzige Seele /
die Begierden anzuzeigen / welche mich treiben / die Volkommenheit anzubehten /
so ihrer vortrefligkeit beiwohnet. O du glückseliges Feur / dass von den Strömen
dieses süssen erquikwassers soll gelöschet werden! O ihr hoch begnadete Augen
/die ihr dereins vergünstigung haben sollet / die unaussprechliche Schönheit
dieses göttlichen Leibes anzuschauen. So bitte und flehe nun du durch uñ durch
verliebeter Gobares / dz deine begierige Knechtschaft in deren Diensten möge
auffgenom?en werden / die von deiner Seele über den Himmel selbst geschätzet
wird. Das Fräulein hörete diese reden mit solchem Unwillen an / dass ihr das Herz
im Leibe erzitterte /wahr anfangs bedacht / ohn Antwort von ihm zugehen / aber
umb auffsehens willen / und dass ihm sein falscher Wahn gänzlich möchte benommen
werde / gab sie ihm mit ernstlichen Geberden diese Antwort: Gnug / Furst von
Susa / gnug / wo es nicht gar zuviel ist; und wes zeihet ihr euch gegen ein
Königliches Fräulein / die ihre Ehre tausendmahl lieber als ihr Leben hat? Ich
kann beteuren / dass der grosse Artabanus selbst der Verwägenheit nicht gewesen
ist / mit dergleichen Anmuhtungen mich anzusprengen / da er doch ohn ein
eheliches Gemahl lebet; und Fürst Gobares / der geheiratet hat / sollte
ungebührliche Liebe bei mir suchen dürffen? meint  ihr etwa / ich werde euch dem
grössesten Könige vorzihen / und euch in Unzucht folgen lassen / was jener in
Königlicher Heirat nicht erhalten mögen? lasset euch ja in Ewigkeit solcher
Reden nicht mehr verlauten / dass ich nicht verursachet werde / mich dessen
zubeschweren. O nein; Valiska ist keine himlische / vielweniger göttliche / aber
auch ja so wenig eine leichtsinnige / die auff unzüchtiges Feur ihr Löschewasser
schütten /oder unbendigen Augen mehr als den Weg neben hin gönnen sollte.
Bedenket hernähst meine Hocheit / und entschlaget euch der Gedanken / ichtwas
unkeusches bei mir zuerhalten / so will ich diesen euren Frevel unter die Füsse
der Vergessenheit treten / und eures Unglücks keine Ursach sein; im wiedrigen soll
diese meine Hand durch rechtmässigen Kampff sich an euch rächen. Hierauff wollte
sie seine Antwort nicht erwarten / sondern nach höflicher Neigung (umb der
Anwesenden willen) trat sie zu Kleofis / hielt einen Tanz mit ihr / und führete
sie Artaxerxes zu / der nach dessen Endigung ihr ein Adelgut nahe bei der Stad
gelegen / zur Ausssteuer schenkete. Es hatte sich Gobares an seinen alten Platz
wieder gesetzet / und musste Valiska / Argwohn zu meiden / sich zu ihm verfügen.
Er wahr aber der unvermuhtlichen Antwort so bestürzet / dass er meinte / zu
verzweifeln / weil der stolze Nar ihm nicht einbilden können / das sein Anmuhten
ihm sollte versagt werden. Gleich wie aber einem Fieberkranken durch wegerung des
Trunks der Durst und die Sauffbegierde nur gemehret wird / also nahmen die
Begierde der abgeschlagenen Niessung bei diesem Unzüchtigen heftiger zu / ward
auch in etwas wieder auffgerichtet / wie er sah / dass sich das Fräulein zu ihm
setzete / und keinen Wiederwillen merken liess / fing demnach viel einander
Gespräch mit ihr an / und beklagete das Leid ihrer Fr. Mutter / in welches sie
durch ihre gewaltsame Entführung gestürzet währe. Aber so blödes Gehirns wahr
sie nicht / dass sie dieser Stellung nicht sollte wahrgenommen haben; wahr doch
wohl zu frieden / dass er sein selbst acht hatte / und beantwortete es mit guter
Freundligkeit. Desselben Tages wählete sie zwo zierliche ädle Jungfern / Andia
und Amestris / die ihr stete Gesellschaft leisten sollten / nam auch eine
Leibdienerin an / nahmens Apame / die äusserlich sich srom zu stellen wusste /
aber im Herzen voller Leichtfertigkeit wahr. Diese Nacht volführete Gobares mit
Seufzen und Liebesgedanken / dessen Ursachen sein Bagoas zuerfragen sich
erkühnete / und von ihm vernam / wie abschlågige und zwar schimpfliche Antwort
ihm das Fräulein auff sein Ansuchen erteilet / so dass er zu sterben sich erwogen
hätte / weil ohn sie zu leben ihm unmöglich währe. Dieser aber tröstete ihn mit
frischen Reden / man müste in der gleichen Sachen sich nicht übereilen; gut Ding
wollte weile haben / und währe ihre Hocheit trauen zum Künstler verdorben /wann
sie an einer treflichen Arbeit so bald erliege wollte / da jene oft etliche
Wochen nur mit den gröbesten Feilen zubringen müsten / wann sie etwas
sonderliches vorhätten. Was man mit leichter Mühe erlangete / gäbe kurze Wollust
/ uñ brächte die erlittene Gefahr nach erhaltenem Gute eine sonderliche
Vergnügung / wañ wir daran gedächten; Eure Hocheit betrachten sagte er / was
Artabanus vor Schmerzen wegen des gänzlichen Verlustes dieser Volkommenheit
erdulden muss / und sie wollte auff der ersten Stuhffe verzagen / da sie nach
diesem allerschönsten Gewächse steigen? nicht also / mein König; sie will
ohnzweiffel die Bewehrung eurer Beständigkeit zuvor haben / ehe sie sich
vertraulich heraus lässet, aber ob sie gleich durchaus nicht wollte / müste man
deswegen dann an gutem Verfolg alsbald verzweifeln? Sie lasse nur mich machen /
und verheisse mir die Kleofis / die mein Herz besessen hat / so will ich schon
mittel finden / auch wider ihren Willen Euer Hocheit sie zuliefern / da wir sie
in aller stille nach Susa bringen / uñ euer Herz nach allem Wunsch vergnügen
wollen. Gobares wusste / dass er zu solchen Sachen sehr arglistigund verschlagen
wahr / versprach ihm daher die Kleofis zum Weibe / und dass er ihm eine freie
Herschaft in seinem Fürstentuhm erblich schenken wollte. Hierauff machte Bagoas
sich des folgenden Tages an Apame der Fråulein Magd / gab grosse Liebe vor /und
durch Schenkung erhielt er bei ihr seines unzüchtigen Muhtwillens Vergnügung /
wodurch er sie nachgehends zu seinem begehren ihm verbunden machete.
    Fabius / der den Nahmen Kleon abgelegt / und sich Brokubelius nennete /
wollte in der Persischen Grenze Stadt die Zeit nicht vergeblich zubringen /
sondern weil er vernam / dass alle Ritter / so durch Persen reiseten /
auffgehalten und in Dienste genommen / oder aus dessen Wegerung vor Feinde und
Verrähter gehalten würde / machte sich Sudwerz nach dem Königreich Armuzia /
jezt Ormus geneñet / und am Persischen Meer gelegen / woselbst er 1000
wolversuchte Reuter annam / mit denen er sich des Weges / den er kommen wahr /
auff die Fahrt begab / in Meinung /einen weiten Umschweiff durch Assyrien und
Meden zunehmen / und von dannen nach Parten sicher zugehen / weil er gänzlich
meinte / Ladisla würde bei Artabanus Dienste genommen / und vielleicht seinen
Herkules daselbst angetroffen haben. In den Persischen Grenzen geriet er mit
einem grossen Indier in Streitigkeit / den er zufusse bestund / und in offenem
Kampffe erlegete / wodurch er bei seinen Leuten ein grosses Ansehen bekam. Sein
leibeigener Orsillos wahr ihm in Armuzia wunderlich wieder in die Hände gerahten
/ dann dieser hatte durch rauben und stehlen so viel gesamlet / dass er ein gutes
Pferd und nöhtige Rüstung eingekaufft / in willens / Bestallung zu nehmen; und
weil er hörete / dass Obrister Brokubelius frische Anreitsgelder gab / machte er
sich hin zu ihm /solche zuempfangen; aber O wie entsetzete er sich /da er sein
Angesicht sah / auch Fabius / der ihn alsbald kennete / ihn also anfuhr; Woher
führet dich das rachgierige Unglück zu deiner gebührlichen Straffe? und wer hat
dich meinen leibeigenen in diesen Reuter Harnisch verstecket? Dieser fiel
demühtig vor ihm nider / und baht sehr / ihn frei zulassen / nachdem er seiner
Bosheit wegen gnugsame Straffe ausgestanden hätte / bekennete auch alles / wie
er sein Leben errettet / und davon gelauffen währe; aber die Gedächtnis des
ausgestandenen Schimpffs lag Fabius viel zu hart im Sinne / daher er ihm den
Harnisch abzihen / und mit Knütteln heftig abschlagen liess / hielt ihm seine
Unbarmherzigkeit vor / und liess ihm schwere Ketten /dass er nicht entlauffen
sollte / anlegen; also musste er sich auffs neue rechtschaffen leiden / und als
ein Gefangener neben seiner wolgeputzeten Ritterschaft daher lauffen.
    Zu Charas gingen diese Zeit die Sachen wunderlich durcheinander; dann König
Artabanus / wie bemühet er gleich wahr / seine Völker schleunigst zusamlen
/wollte doch eine so grosse Macht sich nicht aus dem Sacke schütten / noch die
nöhtige Ausrüstung und Unterhaltung mit Worten sich schaffen lassen; überdas
wahr sein Gemüht wegen der Fräulein Flucht dermassen erschlagen / dass er dem
Kriegswesen nicht gebuhrlich obliegen kunte / und hatte noch Hoffnung /sein
Bagophanes würde etwas statliches ausrichten. Als aber derselbe so gar einsam
(massen er aus der Partischen Grenze Stad nur vier Kriegsknechte zur Begleitung
mit sich genommen) wiederkam / und ihm angezeiget ward / dass er vor dem Schloss
Tohr gar einsam / umb vorgelassen zuwerden / anhielte / währe er schier von
Sinnen kommen. Doch liess er ihn vorfodern / und so bald er ihn sah / rief er
ihm zu: Wie ist dirs ergangen / Bagophanes / hastu des Spitamenes und Madates
Glük gehabt? Er taht alsbald einen Fussfall / und fing also an: Allergnädigster
König; ich habe allen möglichen fleiss angewand / dem Fräulein auff die Spuhr
zukom?en / habe auch die Grenze Stad / in welcher sie sich auffhielt /
ausgekundschaffet /meine Völker heimlich verstekt / und mich dahin begeben / sie
gesprochen / das Schreiben ihr geliefert /und zur Antwort bekommen; Sie könnte
sich nicht als eine geraubete und gefangene verheirahten / sondern dafern der
grosse König entweder von ihrer Fr. Mutter Einwilligung erlangete / oder sie mit
dem Schwerte gewünne / währe sie darzu bereit und willig. Was sollte ich nun
getahn haben / allergnädigster König? Das Städlein wahr mit schmalen Graben und
geringen Mauren umgeben / ich merkete dariñen wenig Völker zur Besatzung;
hingegen hatte ich 16000 Mann bei mir; aber auch bei ihr wahr der tapffere
Teutsche Herkules; was sollte ich getahn haben / allergerechtester /
allerweisester König? Nun merken wir erst /sagte Artabanus / dass wir an dir
einen Narren ausgeschicket haben; fragestu noch / was du hättest tuhn sollen? Du
hättest sollen das schwache Stådlein anlauffen / sturmen / unser Fräulein retten
/ den Buben Herkules erwürgen / und alle Inwohner samt der Besatzung
nidermachen; und hättestu nur so viel Herzens gehabt / würden wirs unvergolten
nicht lassen /obs gleich misslungen währe. Allergnädigster König /antwortete er;
ich habe es gleich also zumachen vorgehabt / ich habe die Stad mit den meinen
angelauffen und gestürmet / unter der Meinung / weil sich keine Völker / ausser
geringer Besatzung dariñen vernehme liessen / bald Meister zuwerden; aber / ehe
ich michs versah / und ich das eine Tohr samt der Maur schier in meiner Gewalt
hatte / da fielen von beiden seiten bei die 10000 der wolversuchtesten Reuter
unter Herkules Anführung auff mich an; bald drungen etliche tausend Schützen zu
fusse mit heraus / dass meine Leute / die sich zum Sturm enge bei ein ander
hielten / kein Feld gewinnen / noch in eine rechtmässige Schlacht Ordnung sich
stellen kunten / daher mir in die 4000 / wiewol nicht ohn der Feinde Blut /
nider gemacht / die ubrigen in der enge gefangen genommen wurden; welche aber
von Herkules gute Vertröstung zur Freilassung bekahmen. Ich bin nachgehends von
Herkules gewirdiget / bei seinem Tische Speise zunehme / und habe von dem
Fräulein in absonderlichem Gespräche gnug verstanden / dass /nachdem sie von der
Bezauberung befreit / sie nichts lieber wünschet / als durchs Schwert
erstritten zuwerden. Eins ist noch von meiner Erzählung übrig / welches ohn
zweifel eurer Königl. Hocheit eben so grosses verwundern bringen wird / als mir;
dass nehmlich der Schwarzkünstler Valikules das Angesicht der Fräulein bei der
Wegführung verstellet / wie er sich selbst verstellen kann / massen sein
Angesicht / welches er uns alhier hat sehen lassen / nicht sein eigentliches /
sondern ein angenommenes ist / sonst wann er in seiner wahren Gestalt sich sehen
lässet / ist er der schönste Jüngling / mit gelbem Haar und zartem Angesicht /
und eben der Teutsche GrossFürst Herkules /dessen Waffen nicht ohn ursach so hoch
gerühmet werden. Weil ich nun in diesem Zuge eben dasselbe vorgenommen habe /
welches Ihrer Königl. Hocheit eigener Wille gewesen ist / hoffe ich gänzlich /
dieselbe werde nach ihrer beiwohnenden Gerechtigkeit /wegen meines unfalls
allergnädigstes Mitleiden tragen / und sich versichern / dass ich leben und
sterben / ja auch nach meinem Tode bleiben will / Ihrer Königl. Hocheit
allergeträuester Diener / uñ gehorsamster Knecht / ohn alle Ausrede. Der König
gab sich in allem zufrieden / aber als er vernam / dass er von Valikules so
schlim- uñ verächtlich hintergangen wahr /währe er schier von Sinnen kommen /
dräuete ihm auch die abscheuhlichste Pein und Straffe / welche er erdenken könnte
/ und dass alle Verrähter an ihm sich spiegeln sollten. Hernach bedachte er sich
ein wenig /und sagte bald darauff: Nun dann / weil ja unsere Gross Königl. Braut
mit dem Schwerte soll und will gewoñen sein / wolan / so muss es auch geschehen /
und wollen wir selbst mit einem unüberwindlichen Heer von 500000 streitbahren
Kriegsleuten zu Felde gehen; aber mein Bagophanes / dürffte auch der freche Bube
mit dem gezwungenen und bezauberten Fräulein nacher Teutschland sich erheben /
ehe wir Persen erreicheten. Davor will ich haften / dass es nicht geschehen werde
/ antwortete er; dann der weissmäulichte Herkules darf noch wohl dräuen / diese
Länder nicht zuverlassen / biss Artabanus (so verächtlich redete er) wegen der
angebotenen Ruhten ihm Abtrag gemacht habe; Weil ich nun ein solches
unbeantwortet nicht lassen / noch die Königl. Beschimpffung anhören kunte /
hätte mirs umb ein Haar das Leben gekostet. Ey / sagte der König / Abtrag soll er
haben / aber dermassen ungnädig / dass ihm die Haut davor schauren soll. Ihm aber
erteilete der König völlige erlassung /da unter andern er dem Könige der
Sysigamben Unschuld / und wie sie von Valikules und dem bezauberten Fräulein
hintergangen währe / erzåhlete. Der König fragete ihn / wo er dann die zierliche
Kleofis gelassen / welche er ihm vor gehabte Mühe zum Gemahl zugedacht hätte.
Sie ist als eine gefangene auffgehalten / antwortete er / hat sich bald darauff
mit einem Persischen Obristen leichtfertig gnug verheirahtet / und alle
Partische Träue abgeleget / da Herkules noch wohl an mich begehren durffte / bei
dem Könige abzufodern / dass ihr väterliches Erbe ihr ausgefolget wurde / wo
sonst im widrigen falle er nicht ein fünffdoppeltes aus Parten ablangen sollte.
Lass lauffen / lass Kleofis lauffen / antwortete der König /Kleofis gibt oder nimt
uns nichts / deren Verlassenschaft dir krafft dieses erblich soll geschenket
sein /solt auch die freie Wahl unter unserm ganzen annoch unausgezeichneten
Frauenzimmer zu deiner Verheirahtung haben; dessen er sich untertähnigst
bedankete / sah auch mehr auff Schönheit als auff Zucht / und wählete eine
Armenische / die zwar an Leibes Zierligkeit vortrefflich / aber aus einem
gemeinen Frauen Hause genommen / und wegen ihrer Schönheit dem Könige geschenket
wahr. Des folgenden Tages stelleten Vologeses und Pakorus nebst andern vornehmen
Kriegshelden sich bei dem Könige ein / vernahmen Bagophanes obgedachtes
Vorbringen / und wollten nicht viel dawider reden / weil der König ihn selbst
entschuldigte. Die ersten tausend von dem Fräulein freigegebene kahmen des
dritten Tages auch an / liessen sich vorerst bei Vologeses melden / und klageten
über Bagophanes vielfältiges grobes versehen / nebest anzeigung / dass sie von
dem ganzen gefangenen Heer Vollmacht und Befehl hätten / ihn deswegen bei dem
Könige anzuklagen / aber er widerriet ihnen solches geträulich / weil sie nicht
allein bei dem Könige kein Gehör haben würden / sondern Bagophanes aus
Königlichem Befehl also gehandelt / und nichts aus Betrug oder Verräterei
vorgenommen hätte. Der abgeschikte Obriste mit seinen 20 Reutern kam auch bald
hernach / und gab Pakorus der Fräulein Vortrag wegen Kleofis väterlichen Erbes
zuvernehmen / welcher nebst Vologeses es dem Könige vortrug / und zur Antwort
bekam: Er hätte solches alles schon seinem geträuen Hofmeister geschenket.
Sollen dann die 90 Befehlichshaber im stiche bleiben? fragete Pakorus /so werden
hernähst Eure Königl. Hocheit deren wenig bekommen / wofern man diese mit einem
so gerignen Lösegelde freizumachen unterlassen wird. Und als der König darauff
zuantworten verzog / sagete Vologeses zu Pakorus; komt mein Freund / wir wollen
uns in den nähesten Graben stürzen / umb der Quaal und des Jammers abzukommen;
dann Artaxerxes der Abtrünnige hat dieses Mittel erdacht / unserm Könige alle
Kriegsverståndige abspenstig zu machen; geht ihm solches an / so ist Charas
sein eigen / ehe ein viertel Jahr zum Ende läuft / welches Elend ich nicht
begehre zuerleben. Der König bedachte sich darauff / kauffte Bagophanes solches
geschenke wieder abe / und gab diesen beiden Freiheit / damit / ohn feine
Verkleinerung / nach belieben zuschulten / welche nicht allein alles geträulich
an Kleofis übermachten / sondern bewägeten auch der Gefangenen Obristen und
Ritmeistere Gemahlen und Verwanten / dass sie eine Tonne Schaz / Kleofis zur
Verehrung / dabei legeten; welche Höfligkeit Herkules bei der Lieferung so wohl
gefiel /dass alle diese 90 Gefangene mit Pferden und Rustung versehen / und zuruk
geschicket wurden / weil auch Timokles ein Gedoppeltes vor seine Pferde bekem?en
hatte. Vordissmahl aber hielt der König mit vorgedachten Herren als vornehmsten
Reichs Seulen wegen des Kriegs / Unterredung / und dass in sechs Wochen alles zum
grossen Feldzuge sollte fertig sein. Zwo Wochen nach Bagophanes Wiederkunft /
ward von dem Könige und den Vornehmsten Reichs Fürsten (die sich nunmehr des
Werks ernstlich annahmen) vor gut angesehen / dass Furst Vologeses selbst noch
einmal mit einem kleinen Heer von 36000 wolgeübeten Reutern an die Persischen
Grenzen ginge / sich der Kriegsart der beiden Fremden eigentlich zuerkunden /und
eine Schlacht / wann er Vortel sehen würde / mit ihnen zuwagen / auff dass / wo
möglig / der empfangene dreifache Schimpff aussgelöschet / und den Völckern ein
Muht gemacht würde. Der König gab ihm Befehl / die Persische Grenze Stad / da
Bagophanes Abbruch gelitten / der Erden gleich zumachen / alle Gewapneten
niderzuhauen / und die Wehrlosen gefangen zu nehmen. Worauff Fürst Vologeses zur
Antwort gab; Wañ man wollte Städte belagern und sturmen /müste man darzu
Fussvölker uñ ander gebührlich Zeug gebrauchen; er währe nit willens sich
Bagophanes gleich zuverhalten / sondern dem Feinde im Felde entgegen zuzihen /
und allen möglichen Fleiss anzuwenden / ob die zornigen Götter sich wieder gnädig
erzeigen / und ihm einen ehrlichen Sieg gönnen wollten; wo nicht / müste er auch
zufriede sein / und dem Himmel seinen Willen lassen; inzwischen würde der König
die Streitwagen / Elefanten und Völker durch die bestelleten Obristen täglich
lassen uben und zum Treffen gewähnen. Spitamenes uñ Madates wahren zugegen und
zeigeten ihm geträulich an / was vor eine Art in Schlachten sie von unsern
Helden angemerket hatten / wiederrihten auch diesen Zug / welchen Vologeses
gerne von sich abgewälzet hätte / weil er sich ausdrücklich vernehmen liess / der
Sinn trüge ihm zu /dass er ohn Schlappe nicht wiederkehren würde; Aber des
Königes Wille musste vor sich gehen / bloss nur /dass unsere Helden von ihrer
Heimreise abgehalten würden / dessen er sich doch nicht durfte merken lassen /
wiewol er allemahl die hohen Häupter erinnerte /sie würden den ihm von dem Buben
Valikules angelegten unablöschliche Schimpf nicht ungerochen lassen. Artaxerxes
Kundschaffer zu Charas schrieben ihm Vologeses Auffbruch zeitig über / daher die
Unsere schlossen / dem Feinde an den Grenzen vorzubeuge / und wo möglich / auff
Partischem Grund und Bodem zubegegnen. Der Persen GrossFürst fragete Gobares aus
Höfligkeit / was vor Feld Herren gegen den Reichs beschriehenen Vologeses würden
zuwählen sein; welcher antwortete: Weil die tapffere Helden / König Ladisla /
und GrossFürst Herkules dem Feinde schon einen Schrecken eingejagt / würden sie
ohnzweifel die geschiktesten darzu sein / und könten Fürst Arbianes und Herr
Pharnabazus hieselbst zugleich mit Ehre gewinnen / währe vor sich willens /ihnen
von seinem Heer eine anzahl Völker zuzugeben. Artaxerxes gefiel dieses wohl / und
wurden die unsern vermocht / diesen Zug auch noch auff sich zunehmen / schlossen
alsbald / dass sie des folgenden Tages auffbrechen / und mit 30000 zu Rosse dem
Feinde hoffeten gewachsen zu sein. Sie teilten ihr Heer in drei Hauffen; den
ersten / welches lauter Meden / 8000 stark / führete Pharnabazus; den andern /
12000 / halb Persen und halb Sustaner / nam Ladisla; den dritten / 10000 / als
7000 Persen mit durchnäheten Pferde Panzern (womit Ladislaen Persen auch
versehen wahren) / und 3000 Susianer / behielt Herkules bei sich. Artaxerxes
foderte Bubazes / Tyriotes und Gallus vor sich / gab ihnen über die vorigen
/1000 wolgewapnete Persische Reuter zu / und taht ihnen grosse Verheissungen /
wo sie in führung des Vortrabs vorsichtig und tapffer sich verhalten würden /
zählete auch diesem ganzen Heer drei Monat Sold aus. Nach ihrem Auffbruch
schrieb er an alle Bundsverwanten / mit den annoch ungelieferten Völkern zu
eilen / weil der Feind in wenig Wochen mit ganzer Macht ihm auff den Leib fallen
würde; befahl Gobares die Oberauffsicht über die Stad und Schloss Persepolis /
und ritte Tag und Nacht umbher / seine hin und wieder verlegete Völker
zubesichtigen / und sie fertig zuhalten. Fürst Vologeses führete sein Heer gar
vorsichtig / nicht willens / aus unbedachtsamkeit zuverspielen; er hatte aus
allen umständen gemerket /dass die Partische Wuht gegen die Teutsche Streit-art
nicht haften wollte / wahr auch des Vorhabens / der unsern auff Partischem
Grunde an einem vortelhaften Orte zuerwarten / und ordente einen Unverzagten
Obristen / nahmens Phraates / den Vortrab / 1200 stark zu führen / und gute
Kundschaft einzuzihen. Die unsern hingegen / als sie in Persen nichts von dem
Feinde vernahmen / gingen über die Partischen Grenzen eine halbe Tagereise / da
Bubazes etliche /so sich vor Hirten aussgaben / und verkleidete Kundschaffer
wahren / auff fing / und sie Herkules zuschickete; er aber ging mit den seinen
ein wenig zu kühn fort / und traf / ehe er sichs versah / auff Phraortes
Hauffen / schickete sich doch unerschrocken zum Streit / und hielt des Feindes
ernstlichen Angriff ritterlich aus / da es dann zu beiden Seiten scharff zuging
/ biss unser Hauffe etwas nachliess / und sich nach der Fluche umbsah / so dass /
wann Tyriotes Tapfferkeit es nicht getahn / ihres Gebeins nicht davon kommen
währe; dann er verteilete seine Völker / sendete Bubazes / der die gröste Noht
litte / entsaz / und liess ihn ermahnen / Stand zuhalten / der Feind würde bald
nachlassen / wann nur noch ein redlicher Saz gewaget würde. Hiedurch hielt er
die seinen von der Fluche abe / setzete sich mit Gallus zusammen / der den
seinen noch zimlich gewachsen wahr / und wütete wie ein Löue. Gallus geriet
unversehens an Phraates / uñ wurden beiderseits hart verwundet / dass sie sich
aus der Schlacht mussten führen lassen; worauff die Parter den Muhe zimlich
sinken liessen / doch in guter Ordnung zurück zogen / nach dem sie 600
eingebüsst / 50 von ihnen gefangen / und der mehrerteil von den übrigen
verwundet wahr. Die unsern durften aus Furcht eines Hinterhalts ihnen nicht
nachsetzen / hatten auch keine Seide dabei gesponnen / sondern 400 wahren Tod /
20 gefangen / uñ 200 nebest ihren dreien Führern hart verwundet. Als sie bei
Herkules mit blutigen Köpfen ankahmen / ward ihre Tapfferkeit gerühmet / und die
Gefangenen befraget / worauff Herkules mit guter vorsichtigkeit fortzog / uñ zu
Pharnabazus sagete: Habe ich an Artabanus Hofe einige Kriegsverständige / aber
auch redliche auffrichtige Herren gekennet / so sind es Fürst Vologeses und
Fürst Pakorus / daher wir dem Feinde mit gutem bedacht entgegen gehen / und
nichts ohn Raht und Uberlegung anfahen müssen. So brachten die Partische
abgewichene / ihre Gefangenen auch ein / welche alles anzeigete / wie es mit dem
Persischen Heer beschaffen wahr / und wunderte sich Vologeses nicht wenig / dass
so unbenahmete in geringerer Anzahl den geübeten Phraates aus dem Felde
geschlagen hatten. Ob er nun gleich wusste / das er den unsern an Mannschaft
überlegen wahr / wollte er doch darauff nicht trotzen / sondern suchete / wie er
einen Vortel gewinnen / und seinem Feind ohn sonderlichen Verlust Abbruch tuhn
möchte; legete sich deswegen an einen Ort / da er vor Menschen und Vieh
notturfft hatte / liess sein Lager von fornenzu wohl verschanzen / und schickete
unterschiedliche Kundschaffer aus / deren etliche ergriffen und gehenkt wurden /
etliche kahmen durch und verkündigten der unsern Ankunft. Nicht weniger hatte
auch Herkules gewisse Zeitung / was Gestalt der Feind sich gelagert / und nach
der Linken zu / sich umb mehrer Sicherheit willen an einen breiten Hügel mit
dorn Hecken bewachsen / nach der Rechten an einen Fluss gelegt hätte / welcher
wegen seiner hohen Ufer nicht zu reiten währe; worauff Ladisla antwortete:
Dafern er die Schlacht zu wagen gedenkt / wird er aus dem Schlupfloche wohl
hervor brechen müssen. Herkules aber befürchtete sich / er würde willens sein /
den Streit in die Harre zuspielen / biss ihm eine grössere Macht zukåhme / oder
Artabanus wohl gar mit dem Häupt Heer folgete / nam desswege vor /allen möglichen
fleiss anzuwende / dz er ihn zur Schlacht reize möchte / daher er ihm bei seinem
Leib Trometer folgende Brief zuschickete.
    Herkules / gebohrner GrossFürst aus Teutschland / entbeut dem hochberühmten
Fürsten / und Partischen Obristen Feldmarschalk / Fürst Vologeses seinen Gruss
und alles liebes / schätzet sich glückselig einen solchen Gegenstreiter
angetroffen zuhaben / der des Kriegs verständig / auffrichtigen Herzens / und
ritterlichen Ehren den Ruhten Schimpf anzulegen nicht willens ist; weil er auch
seine Mannschaft zu dem Ende hergeführet / mit dem grossberühmten Feld Herrn
einen Versuch zutuhn /und von dessen Erfahrenheit etwas zu lernen / hoffet er
die Ehre zu haben / ihn im freien Felde zu sehe / und seine kräftigen
Schwertstreiche mit dem Schilde / oder da es so fallen sollte / mit dem Leibe
auffzufangen / versichert denselben hinwieder aller absonderlichen Freundschaft
und Dienste / so dem Häuptwesen unschädlich /und seinen GrossFürstlichen Ehren
unnachteilig sind /verbleibend desselben bereitwilligster Freund und Diener
Herkules.
    Vologeses liess den Gesanten wolhalten / uñ nach verlesung fertigte er ihn
wolbezechet / und mit einer guldenen Kette begabet wieder ab / da sein Leib
Trometer mit reiten / uñ Herkules folgende Antwort zustellen musste:
    Vologeses / bestalter Marschalk des grossen Königes Artabanus / wiedersetzet
den übergebrachten Gruss mit gleichem / und füget dem hochberühmten Helde /
GrossFürsten Herkules dienstlich zu wissen / dass / so bald seiner Reuter Säbel
gnug werden gewetzet sein / er zum begehrten Versuch sich willig einstellen /
und der höflichen Aussfoderung statt geben wolle / da er dann des Sieges (wo ihm
die Götter es gönnen) sich hoch rühmen / und da er unterliegen soll / einem
solchen treflichen Feld Herrn die Uberwindung nicht missgönnen wird; da auch ohn
verletzung seiner ehren hochgedachtem GrossFürsten einige Dienste von ihm könten
erzeiget werden / verbindet er sich hierzu / als dessen Durchl. bereitwilliger
Freund und Diener.
                                                                      Vologeses.
    Herkules / als er das Schreiben gelesen hatte / sagte zu Ladisla / und
etlichen andern: Gewisslich sollte Artabanus sich glückselig schätzen / wann er
dieser bescheidenen Leute viel hätte; und wiewol ich das mir zugelegte Lob vor
einen höflichen Scherz halte / will ich ihn dessen doch geniessen lassen / wo ich
sonst kann. Liess darauff den Trompeter gleicher gestalt vollsauffen / schenkete
ihm eine güldene Kette und 500 Kronen / und schikte Vologeses bei ihm einen
wolschneidenden Säbel / dabei er ihm mündlich sagen liess; solcher art währen
seiner Leute Schwerter vor seinem Auszuge gewetzet / und hätte nicht gemeinet
/dass die hochbeschriehenen Partischen Streiter solches biss auff die lezte
Stunde spareten / da man auff sie vergebens warten / und die güldene Zeit in
Müssiggang verzehren müste. Aus welcher Antwort dann Vologeses unsers Herkules
unuberwindlichen Muht und treffliche Geschwindigkeit leicht abnam / und dadurch
desto mehr zur Aufsicht angereizet ward. Des dritten Tages stellete Herkules
seine Völker in das Feld / den Feinden recht unter Augen / liess auch einen
Persischen Obristen mit 1000 Pferden biss an Feindes Lager gehen / welche aber
mit Pfeilen abgetrieben /uñ ihrer wohl 150 beschädiget wurden; daraus Herkules
eigentlich spurete / dass der Feind nicht gesinnet währe / so bald Schlacht
zuliefern. Hielt deswegen engen Kriegs Raht / liess den Fluss bei Nachtzeit zwo
Meile auffwarz besichtigen / uñ funden einen Ort /dem mit Schauffeln und Hacken
zum durchreiten leicht kunte geholffen werden. Des folgenden Tages stellete er
seine Schlacht Ordnung abermahl wie vorhin / liess auch die Reuter biss ans Lager
haue / welche mit Geschoss abgetrieben wurden / deswegen er sein Lager abbrechen
liess / und vor seinem Abzuge folgendes Schreiben an Vologeses sendete:
    Nachdem ich die vergebliche Hoffnung gefasset / den bisher so unverzageten
Feld Herrn Fürst Vologeses im Felde zusehen / werde ich die Höfligkeit
gebrauchen /und ihm weitern Raum zu geben / hinter mich rücken /ob ihm daselbst
belieben möchte / mir seinen so lange gewetzeten Säbel dereins bloss sehen und
empfinden zumachen; bin nicht desto minder seiner Liebe bereitwilliger Freund
und Diener Herkules / sonst sein verschuldeter ehmaliger Valikules.
    Brach alsbald nach dessen absendung auff / und setzete fleissige
Schildwachen aus / auff des Feindes vornehmen acht zugeben / und ihm solches zu
hinterbringen. Noch wollte aber der Parter sich nicht dran kehren / und blieb in
seinem Lager unverrucket liegen; dann von hinten zu hielt er sich ganz sicher /
und ward ihm alle Notturfft überflüssig zugeführet. Als der Abend herzu nahete /
teilete Herkules sein Heer in vier Hauffen; den ersten gab er Ladisla / 4000
Susianer / und gleich so viel Persen / damit er den ersten Angriff tuhn sollte;
den andern Arbianes / 6000 Meden / Ladisla zum Entsatz; den dritte Pharnabazus /
5000 Susianer und 3000 Meden; den vierden und lezten 8000 Persen / behielt er
vor sich selbst. Nach gemachter Teilung mussten Ladisla und Arbianes nach des
Feindes linke seite hinter dem Hügel die Nacht ihren Weg in aller stille
fortsetzen; Herkules aber und Pharnabazus gingen auff den rechten Flügel über
das Wasser / und weil sie den fernesten Weg hatten / verliessen sie es mit
Ladisla / er sollte hinter dem Berge halten / und sich nicht sehen lassen / biss
er hörete Pharnabazus den Angriff tuhn / alsdann sollte er mit den seinen frisch
ansetze. Diesem ward redliche folge geleistet / glückete ihnen auch / dass sie zu
beiden Seiten bei dem Feinde in aller stille herkahmen; dann weil diese die
unsern hatten auffbrechen / und den geradesten Weg zurücke nehmen sehen / wurden
keine ferne Wachten ausgestellet. Ladisla hatte zwar den kürzesten / aber den
schlimmesten Weg / daher er fast zu einer Zeit mit Herkules an den bestimmeten
Ort anlangete. Eine Stunde vor Morgens aber schickete Vologeses 1000 Reuter aus
/ etliche tausend Bauern zusammen zutreiben / die sein Lager von forne her noch
immermehr verschanzen sollten. Diese stiessen auff Pharnabazus Hauffen / der sie
anfangs / weil es in der Demmerung wahr / vor Herkules Leute hielt /und ihnen
freien Anzug gönnete; Ihrem Führer aber missdauchte es / ungeachtet alle seine
Reuter in gleichem Wahn mit Pharnabazus wahren / und daher sich bald verrieten /
auch darauff mit aller Macht angegriffen / und biss auff 300 erschlagen wurden;
Welche übrige zurück ginge / und Vologeses die Zeitung ihrer Niderlage brachten /
welcher zur Antwort gab: Jezt erkenne ich meines Königes widriges Gluk; liess
auch stündlich zu Pferde blasen / und 8000 Mann sich ins Feld setzen / damit er
in seinem Lager / welches von hinten zu ganz offen war / nicht angegriffen
würde. Doch liess er seinen Muht nicht sinken / sondern weil er vernam / dass der
feindliche Hauffe auffs höchste 8000 stark währen / hoffete er / es würde nur
eine streiffende Rotte sein. Herkules hielt nicht weit von Pharnabazus / sah
und hörete alles / und befragete die Gefangenen wegen Zustandes ihres Lagers /
und da er solches von hinten zu unvergraben sein vernam / hiess er Pharnabazus
frisch darauff gehen; Welcher sich alsbald ins offene Feld zog / und des Feindes
Reuterei halten sah / auff welche er seine 5000 Susianer ansetzen hiess / deren
Führer aber / nahmens Artuasdes sich dessen wegerte / vorgebend / er hätte von
seinem Gn. Fürsten Gobares befehl / sich im ersten Anfall nicht gebrauchen
zulassen. Pharnabazus musste wegen des Feindes Gegenwart durch die Finger sehe /
liess 2000 Meden gar behuhtsam den Streit anfahen / und taht Herkules des
Susianers Ungehorsam zuwissen / der sich einer heimlichen durch Gobares
gestiffteten Verräterei besorgend / eine kurze Erklärung fassete / und mit
eigener Faust (da er die Susianer mit den seinen umgeben hatte) diesen
Widerspenstigen erstach / die übrigen fragend / ob sie fechten oder sterben
wollten. Diese sahen sich übermannet und umringet / gelobeten allen Gehorsam /
und wurden durch alle Glieder der Persen verstecket / dass also diese gefährliche
Auffruhr im Augenblick gestillet wahr. Herkules sah die 2000 Meden / als
übermannet / weichen / uñ schickete ihnen 4000 zum Entsaz /kunte doch den Feind
auff die Weichseite nicht bringen. Ladisla hatte durch seinen ausgeschikten
Reuter /Pharnabazus Anfall in Erfahrung gebracht / ermahnete demnach die seinen
/ geherzt zusein / damit sie nach erstrittenem Siege die reiche Beute erlangen
möchten; da seine Persen sich frisch genug / aber die Susianer sich träge und
ungehorsam erzeigeten / auch ihr Obrister Mitrazenes sich ausdrüklich vernehmen
liess / die ädlen Susianer währen ungewohnet / sich von fremden befehlen zulassen
/ und weil er im geheimen Kriegs Raht währe vorbei gangen / wollte er streiten /
wanns ihm geliebete. Da schlage Unglück zu / antwortete Ladisla / macht Gobares
uns solche schlimme Possen / so ist besser / ihr meine geträue und liebe Persen
/ dass wir diesen innerlichen Feind erst dämpffen; griff darauff die Susianer mit
seinen Persen an / und foderte Arbianes zum Beistande. Mitrazenes wahr nicht
faul / reizete die seinen an / ihres Fürsten Befehl zuerfüllen / und überfiel
Ladisla mit sechs Gehülffen ganz grimmig / der sich aber ritterlich wehrete /
weil er von den seinen unverlassen blieb / und in wenig Streichen den ungeträuen
Verrähter betäubete / dass er vom Pferde stürzete / und von dreien Persen
gefangen angenommen ward. Arbianes / so bald er diese Auffruhr vernam / ging mit
allen seinen Völkern los / und kam zu rechter Zeit / gleich da die Persen
zuweichen gezwungen wurden / fiel mit grossem wüten in die Susianer / und
erschlugen ihrer in kurzer Zeit 1500; die übrigen bahten umb Gnade /wurden auch
auffgenommen / und dermassen untergesiekt / dass ihrer nit zween bei einander
blieben; doch hatte Ladisla von seinen Leuten auch 200 eingebüsst / liess den
Verrähter Mitrazenes hart gebunden verwahren / und ging mit 3000 ins Feld /
sich dem Feinde zuzeigen / welcher seiner bisher noch nicht wahr genomme hatte /
zu der unsern grossem Glük; dann währen sie der Auffruhr berichtet gewesen /
würde der Sieg ungezweifelt in ihre Hände gefallen sein. Herkules wunderte sich
/ dass Ladisla so lange verzog / dessen Hulffe er hoch benöhtiget wahr / weil
Pharnabazus / der mit 6000 dem Feinde noch Wiederstand hielt / hart gedränget
ward; dann Vologeses hatte den seinen noch 3000 geruhete zugeschicket /wodurch
Herkules verursachet ward / ein gleiches bei Pharnabazus zuleisten; weil er aber
Ladisla mit solcher Mannschaft herzu eilen sah / fassete er gute Hoffnung zum
glücklichen Verfolg; wie dieser dann durch seine Ankunft die Parter alsbald
hinter sich weichen machete / massen der Eifer wider Mitrazenes gefasset / noch
heftig bei ihm brante / dass dessen Wirkung die Feinde wohl empfunden / welche er
als eine Fluht überfiel / und Pharnabazus Lufft machete /der schon etliche /
wiewol geringe Wunden empfangen hatte. Vologeses brachte in Erfahrung / dass der
lezte Entsaz hinter dem Hügel hervor gebrochen währe / und er nicht mehr
zweifelte / des Feindes ganze Heer würde sich der Nacht gebrauchet haben /und
von beiden seiten herüber gangen sein / deswegen er einen frischen hauffen 8000
stark gegen ihn angehen liess; aber Ladisla weich behutsam hinter sich /den Feind
ins Feld zulocken / liess auch Arbianes mit 7000 zu sich fodern / der nach allem
Wunsch ankam /und neben Ladisla dem Feinde sehr gedrange taht; dann die Parter
wahren zu weit gangen / daher sie fast gar umringet / und in grosser Menge
nidergeschlagen wurden / dass ihrer 5000 gestrecket lagen /ehe ihnen Entsaz
zukam. Vologeses wahr des versehens unwillig / liess ihnen doch 6000 zu hülffe
gehen /mit Befehl / bald auff geschehenen Entsaz umzukehre. Es sah aber
Herkules mit Freuden / dass Pharnabazus Völker sich so tapffer hielten / und ihre
Feinde weidlich umtrieben / dass sie endlich zuweichen gedrungen wurden / und
Vologeses auffs neue sie mit 2000 geruheten verstärken musste; So widersetzete
sich auch Ladisla dem einbrechenden Entsaz / und liess Arbianes die umringeten
und abgematteten warm gnug halten /empfand aber anfangs harten Wiederstand /
weil seine Leute schon viel ungemach ausgestande / und sich abgearbeitet hatten;
nachdem aber seine übrige geruhete 1500 stark ihn entsetzeten / ermunterten sie
sich / dass der Streit eine gute weile in gleicher Wage hing; aber an Pharnabazus
seite fingen die Parter an Meister zuspielen / welches Glük Vologeses nicht
bedacht wahr aus den Hånden zulassen; und weil er meinte /Herkules hätte
hieselbst bisher gefochten / und sich ermüdet / drang er mit seinen ubrigen /
7000 stark /wie ein Wetter los / und fiel so erschreklich über Pharnabazus
Hauffen / dass dieser sein Leben durch Ritterliche Gegenwehr zuverkauffen / und
den Platz tod zuerhalten ihm gänzlich vornam. Hieselbst wollte nun Herkules seinen
Freund nicht im stiche lassen /brach auch mit seiner Mannschaft 7000 stark los
/und machete ihm durch seine Ankunft Luft / dass er hart verwundet / einen
Abtrit nam / nachdem er 7000 erschlagen / und 4000 eingebüsst hatte. Herkules
hatte in diesen Morgenländern so grossen Eifer in keiner Schlacht spüren lassen
/ dann alles / was er traff /musste zu grunde gehen / und machte sein Blänke sich
so bekant / dass jederman / Freund und Feind den Reuter dabei erkennete; seine
Völker wurden durch ihres Feld Herrn Tahten auffgemuntert / ihm nachzufolgen /
daher ein grausames Blutstürzen sich erhuhb / angesehen die Parter / welche
Vologeses anfuhrete / sehr streitbar wahren; Doch verwunderte sich der
Partische Feld Herr über Herkules Kriegs-Erfahrenheit / die Völker zuschwingen
/ die Glieder zustärken / den Bedrångeten Hülffe zuschicken / und dz er dabei
nebest seinem Pferde solche Tahten verrichtete. Arbianes / ob er gleich hart
verwundet / erlegete doch seine Feinde am ersten / dass ihm etwa 1500 entrunnen /
ging darauff Ladisla zuhelffen / der überaus harten Widerstand hatte / und
jagete durch seine Ankunft den Feinden nicht geringen Schrecken ein. Artabastes
/ der diesen Partischen Hauffen führete / als er die geschlagen sah / denen
zuhelffen er ausgeschicket wahr / wollte uber Befehl nicht schreiten / deswegen
er sich allgemach zurücke zog / und mit Vologeses zusammen setzete / dass ihr
gesamter Hauffe in 16500 Mañ bestund. Ladisla liess solches geschehen / weil er
hiedurch gelegenheit bekam / sich mit seinem Herkules zuvereinigen / welchen er
mit Freuden annoch unverlezt befand / und sie eine neue Ordnung zur gemeinen
Schlacht stelleten / weil die Feinde desgleichen tahten / und beiderseits
etliche geringe Hauffen inzwischen fechten liessen; Ihre annoch ubrige Mannschaft
zur Schlacht geschikt / war über vermuhten 16000 Mañ / nebest 4000 verwundeten /
daher sie am Siege fast nicht mehr zweifelten. Herkules vermahnete die seinen
kürzlich zur Tapfferkeit / sonderlich die Susianer / worauff ihr Verbrechen
ihnen allerdinge sollte erlassen sein; da sie sich dann sehr wohl erkläreten.
Vologeses entsetzete sich über seinen grossen Verlust / liess sichs doch bei den
seinen nicht merken / und wollte das Heer zur Tapfferkeit anmahnen; aber Herkules
war ihm zu zeitig auff dem Dache / und setzeten beiderseits also drauff / als
welche entweder siegen oder sterben wollten; daher dieser Anfall so heftig und
blutig wahr / dass die ersten wie Mucken von den Pferden stoben / und die
folgenden immer vor sich hin würgeten. Herkules und Ladisla wollten sich nit
trennen / und trieben solch Wunder / dass die Feinde sich davor entsetzeten. Sie
hatten 5000 der allerstreitbaresten Persen und Meden umb sich gesamlet /die
nebest ihnen alle Mögligkeit anwendeten / den Feind auff die Flucht zubringen;
anfangs kostete es an beiden Seiten fast gleiche viel Blut / aber mit der Zeit
liessen die Parter abe / da der unsern Kraft zunam; wiewol Vologeses immer vor
sich weg wütete / und den Sieg ohn des Himmels Dank erstreiten wollte /dass
endlich Herkules auff ihn traff / da er gleich einen Persischen Ritter / dem er
sonderlich geneigt war / niderschlug / deswegen er auf ihn mit diesen Worten
setzete: Feldmarschalk / wir werden / unsern Ehren gnug zutuhn / uns versuche
müssen; überfiel ihn auch so heftig / dass er die Hiebe nur auszunehmen
gezwungen ward. Seine Leute / so umb ihn hielten /wollten diesen Streit sperren /
aber Ladisla mit den seinen trieb sie abe / dass Herkules Raum gewan / mit ihm
nach belieben zuverfahren / wiewol sich dieser durch Verzweifelung endlich
ermannete / und unserm Herkules fühlen liess / dass er nicht so gar unwichtige
Arme hatte; es wollte aber in die länge nicht helffen /sondern nachdem er
unterschiedliche Wunden empfangen / uñ die meisten Kräfte verlohre hatte / sagte
Herkules zu ihm: Mein Freund / ich bin euch verbunden wegen eurer Redligkeit /
darumb / wo ihr ruhen könnet / will ich mich ferner an euch nicht vergreiffen;
ihr empfindet eure Wunden / und dass eure Leute sich schon nach der Flucht
umsehen / daher nehmet eurer selbst wahr / weil ich euch weder tod noch gefangen
wissen möchte; liess auch alsbald von ihm abe / und wendete sich mit Ladisla und
seiner besten Mannschaft nach der Linken / woselbst Arbianes Hauffe zimlich hart
gedränget ward; aber auff ihre Ankunft wendete sich das Spiel gar zeitig.
Vologeses kunte Herkules Tugend und Frömmigkeit in seinem herzen nicht gnug
rühmen / sah / dz seine Ordnung getrennet wahr / nam 4000 Reuter zu sich / und
wagete mit ihnen einen geringen Anfall / ward aber von Ladisla mit 6000 stark
angriffen / und nach kurzem Gefecht in die Flucht getrieben; Der Obsieger wollte
jenen nachhången / aber Herkules foderte ihn ab / und sagete: Lieber lass ihn
reiten / dass er mit dieser geringen Mannschaft etwas Ehre erhalte / und seinem
Könige von uns Zeitung bringe; welches er dann gerne geschehen liess / aber den
übrigen den Weg zur Flucht abschnitte / deren 4000 gefangen wurden / uñ grossen
teils Befehlichshaber / als 18 Obristen / 60 Ritmeistere / 65 Unter Ritmeistere
/ 58 Fähndriche / 400 Unter Befehlichshaber / und 3409 gemeine Reuter; die
ubrigen 28000 wahren drauff gangen; wiewol der Sieg an unser seite auch Blut
gekostet hatte; dann 15000 wahren erschlagen / und 3000 verwundet / deren
inwendig drei Tagen 1800 sturben; und war fast kein Befehlichshaber / der nicht
seine Wunden zuzeigen gehabt. Herkules wahr ein wenig an der linken Hand und am
rechten Beine von Vologeses versehret. Ladisla hatte drei zimliche Wunden /
wiewol ohn gefahr. Pharnabazus wahr hin und wieder zuhacket / dass man 15 Wunden
/ gross und klein an ihm zählete; Arbianes wahr am rechten Arme zweimahl / und am
Halse /auch in der linken Hufft verwundet; Bubazes / Tyriotes und Gallus wahren
schon von dem Vortrabe also zugerichtet / dass sie der Schlacht nicht beiwohnen
kunten. Allermeist aber wahr es über die träulosen Susianer gangen / deren kaum
1800 ubrig wahren. Der boshafte Mitrazenes ward mit schweren Ketten herzu
geführet / uñ mit harter Pein bedräuet / da er nicht gerade zu bekennen würde;
sagte darauff freiwillig aus / er und sechs seiner Spiessgesellen hätten von
ihrem Fürsten unter grossen Verheissungen den ausdruklichen Befehl / Herkules
und Ladisla entweder mit fuge niderzumachen / oder sonst / durch was Mittel sie
könnte / zuverhelffen / dz sie in Feindes Hände gerieten / ob gleich die Schlacht
hiedurch sollte verloren gehen; rief auch von den añoch ubrigen Susianern zween
zu Zeugen / die alles bejaheten. Nun wolan / sagete Ladisla zu Herkules auf
Teutsch; ist das unser Lohn der Träue und Auffrichtigkeit / werden wir uns
witzigen lassen / bald davon zueilen /wiewol ich niemand als den Verrähter
Gobares beschuldige. Herkules stimmete mit ein / liessen die erschlagenen
plündern / bei denen sie sehr viel Goldes funden / wie auch bei den Gefangenen /
dass keiner unter 300 Kronen / und etliche über 3000 an Barschaft / Ringen und
Kleinoten bekahmen. Was im Lager wahr / nahmen Herkules und Ladisla zu sich /auf
15 Tonnen Goldes am Wert; bekahmen über 40000 reisige und Wagepferde / von denen
jeder Reuter durch die Bank eines bekam / die übrigen dem GrossFürsten Artaxerxes
nebest der Lager Beute vorbehalten wurden; Sie eileten sehr / Persepolis
zuerreichen / nicht allein / weil sie in der Furcht stunden /Vologeses möchte
sich in der Eile stärken / und ihre schwachen Völker überfallen / sondern auch /
weil Herkules eine sonderliche Schwermütigkeit bei sich befand / welches er
Ladisla zuvernehmen gab.
    Leches und Neda mit ihrem dreifachen Heer / hatten ihre Reise nun mehr fast
zum Ende gebracht / so dass sie schon das Land Susiana hinter sich gelegt /und
die Persischen Grenzen erreichet hatten / zogen immer frisch fort / biss sie
sieben Meile an Persepolis kahmen / und sich freueten / dass sie ihre Herren
schier sehen würden; das Frauenzim?er befand sich wegen der langen Reise nicht
zum besten auff / insonderheit Terba / die auff dem Meer in ein Fieber gefallen
wahr / welches noch etwas anhielt / und sie sich in einer Sänfte tragen liess.
Des folgenden Morgens brachen sie frühe auff / wo möglich / die GrossFurstl. Stad
zuerreichen / und musste Markus mit 1500 Böhmen neben einen Wegweiser und
Dolmetscher den Vortrab halten / da inzwischen das Heer folgete. Dieser wahr
ohngefehr andertalb Meilen fort geritten /da sah er einen ansehnlichen Reuter
Hauffen von 1000 Pferden von der rechten Hand Sudwertz auf sich zu reiten /
gegen welche er alsbald sich in Ordnung stellete / und durch seinen Wegweiser
fragen liess /wessen er sich zu ihnen versehen sollte. Diese hatten auff allen
Fall sich auch zum Schimpf und Ernst fertig gemacht / kunten leicht gedenken /
dass sie in Persischen Diensten währen / und sie ihren Weg ungehindert nit würden
zihen können / gaben demnach zur Antwort: Ihretwegen hätte sich kein Mensch
zubefahren / ob er gleich einzeln zöge / weil sie nicht Raubens halben / sondern
Ehre zuerwerben sich aussgerüstet hätten; welche Antwort Markus verächtlich
vorkam / und eigentlicheren Bericht begehrete / ob sie Freund oder Feind währen
/ insonderheit / unter was Führer sie ritte. Nun hätte Fabius sich des
Bescheides gerne gewegert / nach dem er den Weg nach Charas vorhatte / weil er
aber einen gewaltigen Staub von Westen her merkete / uñ leichtlich schliessen
kunte /es müste ein grosses Heer verhanden sein / gedachte er sich zuerklären;
er samt den seinen währen des GrossFürsten in PersenFreunde und Diener; wor auff
Markus seinen Helm abzog / hinzu ihm ritte / und alsbald von ihm erkennet ward /
daher er ihm freudig entgegen rennete / und zu ihm sagete: O mein werder Freund
uñ Landsman / was vor Glük füget uns in dieser Fremde zusammen? Markus sprang ab
/ küssete ihm die Hand / und zeigete an / wie glückselig er sich schätzete / ihn
angetroffen zu haben; meldete ihm auch seiner Eltern / Gemahl und Schwester Gruss
an /und dass sie noch alle wohl lebeten. Wie? antwortete Fabius / wissen dann die
meinen / dass ich noch lebe? Und von wannen kommet ihr? von Herrn Ladisla oder
von Padua? dass ich von Padua komm?e / antwortete er /wird meinem Herrn ohnzweifel
bewust sein. O mein Freund / sagte Fabius / als viel ich aus eurer befremdung
vernehme / wird den meinigen und euch selbst mein uberstandenes
unausssprechliches Unglück unwissend sein. Aber was komt dort vor ein ansehnliches
KriegsVolk hinter euch her? Hat mein Herr / antwortete Markus / einiges Unglück
erlitten / ist mir sehr leid / und freue mich / dz Gott solches weggenem?en hat;
jenes KriegsHeer / dessen ich ein Mitglied bin /kömt meinen gnådigen Herren
ingesamt zu / unter denen mein Herr 6000 Römische untadeliche Reuter von seinem
HerrVater zuempfangen hat / und zihen wir gleich auff Persepolis zu / wohin wir
von unsern gnädigsten Herren bescheiden sind. O der glückseligen Stunde / sagte
Fabius / die mich zu euch hergeführet hat / da ich sonsten / in Meinung meine
Freunde zu finden / dem Verderben in die Hände gefallen währe. Aber sehet dort
gleich von Osten her den dicken Staub / es wird gewisslich ein Heer auff uns
stossen /die euer Ankunft Bericht eingezogen / und euch vor Feinde halten.
Leches sah Fabius von ferne daher reiten / sprang vor freuden aus dem Sattel /
lieff zu ihm / und sagte mit fliessenden Augen: O mein hochwerter Herr / wo hat
er sich doch so lange auffgehalte? oder komt er etwa von meinen gnädigsten
Herren her? Mein werter Freund / antwortete er; ist ihm dann auch mein Verlust
unbekant / musste gross Wunder sein / dass sie mich nit eins sollten gemisset haben.
Mehr als zu ängstig gemisset / antwortete er; aber ich komme von Padua und Prag
/ dahin meine gnädigste Herren mich von Charas aussgeschicket haben / und von
meines Herrn weiteren ergehen mir nichts bewust ist. Meine Abenteur sind
wunderlich / und nicht ohn Mitleiden anzuhören antwortete er / wovon wir nach
diesem reden wollen. Vordissmahl aber die Ursach jenes Staubes überlegen /
welcher ohnzweifel ein starkes Heer zeigen wird / so uns rechtfertigen möchte.
Also wurden die Völker in Ordnung gestellet / und Fabius wieder seinen Willen
zum Volmächtigen FeldHerrn gesetzet; Leches mit den Teutschen hielt den Rechten;
Neda und Priesla mit den Böhmen den linken Flugel; er aber samt Klodius und
Markus mit 7000 Römern uñ seinen 1000 geworbenen sinnden in der mitte / hielten
auch nicht lange / da sahen sie ein grosses Volk zu Ross und Fuss durcheinander
Schaarsweise als Flüchtige daher zihen / ob würden sie gejaget. So bald sie der
unsern gewahr wurden / stutzeten sie / und gaben sich in Ordnung / so dass jeder
Reuter-Flügel 7500 Köpffe / und das FussVolk in der mitte 16000 Mann stark wahr /
schicketen auch alsbald etliche aus / die Menge der unsern zu überschlagen /und
daneben zuvernehme / wessen sie willens währen. Diese kahmen mit gnug trotzigem
Muhte / und begehreten kurzumb zu wissen / was Volk sie währen / und wohin sie
gedächten. Fabius antwortete; Sie würden solches anzuzeigen sich nicht wegern /
so bald sie wüsten / welcher Furst oder grosser Herr es von ihnen foderte; und
weil diese solches ohn Befehl nicht melden wollten / hinterbrachten sie diese
Antwort. Als Gobares vernam / dass er diesen an der Zahl uberlegen wahr / ergriff
er seinen gewöhnlichen Hochmuht / und liess ihnen andeuten; ob er gleich nicht
schuldig währe / als ein grosser ReichsFürst sich so weit zu demühtigen / wollte
er dannoch seinen HochFürstlichen Stand und Nahmen / als ein Beherscher des
Reichs Susiana nicht vertuschen. Wie? fragete Fabius mit grimmigem Gesichte /
ist er etwa Furst Gobares? Ja antwortete dieser / dass ist sein HochFürstlicher
Nahme. Hierauf entbrante er mit grimmigem Zorn / und sagte zu Leches und den
andern Häuptern: O ihr meine liebe werte Herren und Freunde / eben dieser
Verrähter hat mich heimlich und öffentlich wollen ermorden lassen /und zwar ohn
alle Ursach; bitte deswegen von Herzen / verlasset mich nicht / dass ich mich
räche / und mein Schart ausswetze. Sie erbohten sich / er sollte nach belieben
handeln / sie wollten Leben und Blut bei ihm auffsetzen. Worauff er dem
Abgesanten zur Antwort gab; Reitet hin / und saget eurem Fursten dem Blutunde /
es finde sich hieselbst ein redlicher Ritter / an dem habe er ehmahls
verrähterlich gehandelt / werde deswegen von demselben zum absonderlichen
Kampffe auff Leib und Leben aussgefodert / dessen er sich nicht entbrechen kann /
wo er nicht vor einen öffentlichen Schelm und Meuchelmörder will aussgeruffen
sein. Der Abgesante erschrak dieser Rede / einwendend / er würde solches seinem
Fürsten durch seine eigene Leute melden lassen / und der Antwort gewärtig sein.
Leches erboht sich diese Werbung abzulegen / nam 20 Teutschen mit grossen
SchlachtSchwertern zu sich / und foderte den Fürsten zum Gespräch / dem er eben
dieselben Worte mit unerschrockener Stimme vortrug; welcher des Schimpfs zu
bersten meinte / und zur Antwort gab; Du unverschämter Bube / sage dem
ehrenrürigen Schelme / er sei viel zuwenig / Fürsten ausszufodern und zu
schelten. Du Schelm leugst beiderlei / anwortete Leches; dieser und ich sind
redlich / aber du stirbest wohl ein Schelm. Da sollte man nun ein gemurre unter
Gobares Völkern gehöret haben / da bald der eine rieff; der Fürst musste seinen
ehrlichen Nahmen durch sich selbst oder durch einen andern rächen; ein ander;
was sollte ein Fürst einem unbekanten Ritter sich zum Kampfe darstellen? Gobares
wahr sehr listig / und begehrete an seine Völker / den Schluss alsbald zu machen
/ ob er selbst fechten / oder die Schlacht wagen sollte / währe er zu beiden
bereit; entschuldigte sich hernach / es würde ihm fälschlich angetichtet / dass
er jemahls einigen Ritter sollte beleidiget habe / als welche er vor der
WeltZierde hielte. Alsbald ward einhellig geschlossen / man sollte an des Fürsten
statt einen Ritter ordnen / der diesem verleumder den Lohn seiner Bosheit gäbe /
und da andere mehr sichs annehmen würden / wollte man eine Schlacht gerne
eingehe. Hierauff gab sich ein ansehnlicher Ritmeister hervor /uñ fragete / was
des Kämpfers Belohnung sein würde / und als Gobares antwortete; nicht geringer
als eine freie Herrschaft erblich; fassete dieser sein Speer zur Hand / tum?elte
sein Pferd / und gab durch Winken seine Aussfoderung zuverstehen. Fabius liess
forschen /ob Gobares sich selbst stellete / und als Leches ein wiedriges vernam
/ wollte er nicht / dass ihr erwähleter FeldHerr einem andern stehen sollte /
sondern rieff auff Teutsch; ihr Bruder; wer will 1000 Kronen verdienen / und
jenen stolzen Tropff nidermachen? Dass will ich tuhn / sagte ein Teutscher
Ritmeister / nahmens Herman; nam sein Schlacht Schwert zur Faust /uñ setzete ohn
weitere nachfrage auff jenen zu / welcher ihn daher kommen sah / das Speer
einlegete /und aus diesen grimmig zurennete; der sich aber im Sattel drehete /
dass er neben hin stiess / und ihn dagegen im vorüberrennen mitten im Leibe halb
abhieb /dass ihm das Eingeweide aus dem Bauche floss / und im Augenblick Tod nider
stürzete. Der Sieger aber verfolgete des erschlagenen Pferd / welches nach des
Feindes Heer umbkehrete / fassete es beim Zügel /und brachte es ritterlich davon
/ ungeachtet etliche hundert Pfeile auff ihn lossgeschossen wurden / wie wohl ohn
alle beschådigung. Gobares erschrak des Unfals / vermahnete doch seine Leute
ritterlich zufechten / und sollte in einer halben Stunde / wie er rühmen durffte
/ diese Handvol Räuber gänzlich auff gerieben sein. Fabius wahr auch nicht
willens / seine grösten Feind abzihen zu lassen / machete aber auff Leches Raht
die Schlachtordnung also / dz die Teutschen mit 1000 Böhmen verstärket /
abstiegen / und unter Leches und Prinsla sich zu Fusse gegen des FeindesFussVolk
stelleten. Neda uñ Markus nahmen den linken Flügel / 5000 Böhmen und 1000
Römische; Fabius und Klodius den Rechten / 6000 Römer und Fabius selbst
geworbene. Die Teutschen uñ Böhmen finge anfangs ein erschrekliches Geschrei an
/zogen in der Reuter begleitung Fuss vor Fussfort / und überfielen mit ihren
SchlachtSchwertern den Feind dergestalt / dass sie deren alsbald 1500 niderhieben
/und keinen einzigen Mann verloren; dañ hinten in des Feindes Heer kam ein
Geschrei / wie dass von Persepolis her noch ein grosses KriegsVolk auff sie
anzöge / welches die Ursach wahr / dass sie alsbald ihre Ordnung zu Fusse und
Pferde trennen liessen / da Fabius auff Gobares traff / ihn mit grim?igen wüten
überfiel / und nach wenigen Streichen ihn in die Schulder verwundete / dz er vor
Schmerzen das Schwert fallen liess. Die seinen hätten ihn gerne gerettet / aber
fünff Römer packeten ihn auff Befehl an /bunden ihn mit Riemen / weil sie
merketen / dass er sich selbst entleiben wollte / und fuhreten ihn nach dem Lager.
Seinen Völkern wahr der Muht so gar entfallen / dass sie keine Gegenwehr tahten /
meinten /sie währen allentalben umbringet / und bahten umb Gnade / welche
ihnen dergestalt wiederfuhr / dass das FussVolk / von denen 3000 nidergehauen
wahren / ihr Gewehr niderlegen / und die Reuterei absitzen musste / und wahr zu
verwundern / dass von den unsern kein einziger Tod / nur 86 verwundet wahren. Die
unsern nahmen der Feinde Pferde zur guten Beute / auch ihre Kleider und
Barschaften / dz die Susianer allemiteinander fast gar nacket stunden / und vor
Scham nicht zu bleiben wussten / nach dem sie sahen / dass wegen des andern Heeres
nur ein vergeblicher Schrecken gewesen wahr. Fabius ersah hinter einem Hügel
etliche hundert Reuter halten / wohin er mit Leches uñ Klodius / in begleitung
600 Römer sich begab / da jene / so bald sie ihn kommen sahen / in höchster Eile
davon ranten / und vier Sänften neben einer Gutsche stehen liessen. Fabius trug
Verlangen / zuerfahren / was hierin verwahret wurde / ritte hin nach der
vördersten und ansehnlichsten / hub den Vorhang auff / und ward mit höchster
bestürzung eines überaus schönen und zarten Weibsbildes darinnen gewahr / welche
auff dem Rücken ganz aussgestrecket lag; sie hatte nichts an ihrem ganzen Leibe /
als ein zartes Hemde / welches doch den Augen nicht alle erkäntnis der
Gliedmassen entzog / absonderlich / weil der Busem ihr offen stund / ihre Hände
und Füsse aber mit rohten seidenen Stricken angefesselt wahren / hatte auch
einen Knebel im Munde / dz sie weder reden noch einen Laut von sich geben kunte.
Anfangs meinte Fabius sie währe Tod / weil alle lebhafte Farbe aus ihrem
Angesicht hinweg gewichen / uñ die Augen starre gen Him?el gekehret wahren. Als
sie nun diesen schönen unbekannte Mañ sah / und ihm mit winseln und Häuptwinken
ihres Lebens gnugsame anzeige gab / da ihr zugleich eine grosse QuelleTrähnen
aus den liebreichen Augelein hervordrunge / ward er von Mitleiden so hart
eingenom?en / dass er anfangs kein Wort spreche / noch sich was zu tuhn währe /
besiñen kunte / nam doch bald seinen zerhauenen ReitRok /und warf ihr denselben
über den Leib / sprang vom Pferde / fassete den Dolch / und schnitte ihr damit
die Hände und den Knebel los; worauff sie zu ihm sagete: Mein ehrlicher Ritter /
wer ihr auch seid / ich erkenne mich euch mit alle meinem vermögen schuldig
/dafern ihr mich vor Unehr schützet / welche bisher götliche Barmherzigkeit
gnädig von mir abgekehret hat; sollte euch aber solches zu leisten unmöglich sein
so schneidet meinen Lebens fadem so kühnlich ab wir ihr anjezt den Strik an
meinen Hände zubrochen habet. Trefliches Fräulein / antwortete Fabius / welches
Tigertihr ist so grausam / das ein solches himlisches Bilde so unbarmherzig hat
binden und beschimpfen mögen? Ach der unmenschliche Gobares /sagte sie / der
Feind aller Ehr und Tugend hat mich in diesen elenden Stand gesetzet. Aber saget
mir / mein Herr / bitte ich hat die mir in den Ohren sausende Schlacht mich von
diesem bosshasten Mensche errettet? Ja höchstgepreisetes Fräulein / sagte er /
der schelmichte Gobares soll fortin sich keines Bubenstückes mehr gelüsten
lassen. Nun mein Herr / antwortete sie / so versichert euch bei meinen ehren /
die mir Gott unverlezt behalten hat / dass ich euch diese geschehene Rettung
dergestalt vergelten werde / dz meine Dankbarkeit / so weit sie reichen mag /
soll gespüret werden / und habt ihr euch überdas zween unsterbliche Freunde /
einen König / nahmens Ladisla /und einen GrossFürsten nahmens Herkules /
erworben. O ihr Götter / O ihr Götter! fing er hierauff an / fassete ihre Hände
/ und küssete sie so inniglich / dass sie mit seine bewägungs-Trähnen befeuchtet
wurden /und sie nicht anders meinte / er wurde durch ihr Ansehen zu unzimlicher
Lust gereizet / ihrer Ehren abbruch tuhn / daher sie zu ihm sagete: Mañhafter
Ritter / ich bitte euch durch die Barmherzigkeit Gottes /leget mir keine Gewalt
zur Unehr / oder einige Verlez- und beschimpfung meiner Keuscheit an. Sie wollte
mehr reden / aber Fabius mit entblössetem Häupte und fliessende Trähnen fiel ihr
also ein: Durchleuchtigstes unvergleichliches Fräulein / wahres Ebenbilde aller
keuschen Tugend; ich bitte durch Gott / ihre Durchl. wolle von ihrem
untertähnigst-gehorsamsten Diener nicht so widrige Gedanken schöpfen /der nichts
mehr wünschet und begehret / als vor dero Ehr und Leben sein Blut und Herz
auffzuopfern; nur bitte ich untertåhnigst umb gnädigste Verzeihung /dass durch
mein unbesonnenes vornehmen ich derselben zu solchem Argwohn ursach gegeben
habe; Ich nach meinem wenigen Vermögen und unwankelbaren Willen bin uñ verbleibe
ihrer Durchl. ergebenster Knecht K. Fabius von Padua. O mein barmherziger Gott /
sagte sie mit einem lieblichen lachen; hastu mir den so lang gewünscheten Freund
und hochwerten Schwager und Bruder in meinen höchsten Nöhten und
unaussprechlichem Elende zuführen wollen / dass er seinen allerbesten Freunden
Ladisla und Herkules ihre Schwester und Wase erretten müssen? O mein Herr und
Bruder / sagte sie weiter / gönnet mir / dass ich zum Zeichen der Dankbarkeit und
Freude über euer Liebe Gesundheit / dieselbe Schwesterlich umfahen möge;
wickelte hiemit den ReitRok umb ihren Leib /und umfing ihm den Hals mit beiden
Armen / da sie ihm zugleich einen züchtigen Kuss boht. Er hingegen meinte / ihm
könnte grössere Herligkeit nicht zustehen / als dass er eine solche Taht
verrichten helffen /die seinen Freunden Ladisla und Herkules könnte annehmlich
sein / demütigte sich sehr gegen sie / und sagete: Nachdem er das Gluk gehabt /
Ihrer Durchl. einige Dienste zubezeigen / wollte er sein bisher erlittenes Unglück
gerne vergessen; beklagete daneben / dz er nicht straks angesichts / ehe er die
Sänfte geöffnet / sein Kleid ihr über geworffen hätte / welches er nicht
unterlassen wollen / dafern er ihrer Durchl. gegenwart einigen wink gehabt / und
stellete endlich ihrem Willen anheim / mit was Straffe der gefangene ErzRäuber
Gobares sollte beleget werden. Sie erröhtete über der Gedächtnis ihres Leibes
Blösse / mit anzeige / wie eine grosse Pein es ihrer Seele währe / dass der
unverschämte Bube sie in solcher Gestalt hätte fahen / binden und fortschleppen
lassen / an dem sie sich zurächen gänzlich entschlossen währe / nachdem sie
horete / dass er gefangen wäre. Leches und Klodius funden die andere drei
Sänften auch mit dreien der Landes art nach schönen Weibsbildern in gleicher
blösse /beladen / und wahren / Kleofis / Andia und Amestris /griffen alsbald zu
ihre BrodMessern / und schnitten ihnen die Knebel aus dem Munde / auch Hände und
Fusse los / dass sie sich zusammen zihen / und in etwas verhüllen kunten. Endlich
ward Leches gewahr / dass ein Mann und Weib in der Gutsche sassen / und sehr
bluteten / dañ jodes hatte ein Messer in der Brust stecken; dessen er erschrak /
und sie gutes muhts sein hiess; das Weib ihm aber antwortete; Wann wir gutes
muhts sein sollten / müstet ihr nicht kommen sein; Worauff er sagete: Harret /
seid ihr da zubrochen /muss man euer um so viel fleissiger warten; zohe ihnen die
Messer / welche sie aus Verzweifelung selbst / und doch nicht tief genug hinein
gestossen /aus den Wunden / uñ band sie mit den Riemen feste /die er von der
Gutsche lösete. Als solches geschehen /rief ihnen Fabius / und sagte: Kom?et her
meine Freunde / und grüsset das vortrefflichste Fräulein der Welt in ihrer
äussersten Beschimpffung / die nimmermehr kann gebüsst werden. Mein Herr Bruder
/ antwortete das Fräulein / wolle mit solchen unverdieneten Ehren-Nahmen mich
doch nicht weiter schamroht machen / nachdem ich schon vorhin die Augen nit
kuhnlich auffschlagen darff. Leches trat hinzu / gedachte alsbald / ob nicht das
Königl. Fräulein zugegen sein würde / welches ihm die Vernunft und Augen
blendete / dass er sie nicht erkennen kunte; sie aber ihn erblickend / alsbald zu
ihm sagete: So so mein geträuer Leches / jezt habt ihr euer dienstwilliges Herz
mir so klärlich zu erkennen gegeben / dz ich zeit nachzudenken fodern muss / wie
ichs gebührlich ersetze. Er kunte aber vor Bestürzung und Freude kein Wort
sprechen / sondern nach unterschiedlichen tiefgehohleten Seuffzen / fiel er vor
ihr nider in die Knie / fassete ihre Hand / uñ küssete sie ohn unterlass / biss er
sich erhohlete / von der Erden auffstund / und also anfing: Allergnädigstes
Fräulein / wie kann ich der grundlosen Güte unsers Heilandes gnug danken /welcher
nach seiner Göttlichen Versehung mich so glücklich geführet hat / dass dem
Verrähter ich auf dieser Reise antreffen / und durch Euer Durchl. KriegsHeer /
welches den Nahmen Valiska zum Feldgeschrei gehabt / er zur gebührlichen Straffe
durch Herr Fabius / welcher gleich unvermuhtlich zu uns gestossen angehalten
worden; meine geringfugige Dienste /mit welchen Euer Durchl. ich ja als ein
angebohrner Untertahn aus Pflicht verbunden bin / können von derselben durchaus
keine Belohnung verdienen / und wann sie es ja verdieneten / währen sie viel
tausendfach schon vergolten. Wir wollen uns hierüber vor dissmahl nicht zanken /
antwortete sie / helffet vielmehr / dass meines Frauenzimmers eine in etwas
gekleidet werde / damit sie zu mir komm?e / und die Füsse lossknüpfe. Ganz willig
und gerne / sagte er /warf seine Rüstung hinweg / sprang auffs Pferd / und rante
spornstreichs nach dem Lager / da er die Gutsche / auff welcher Libussa samt
Brelen / Euphrosynen und Agaten beieinander fassen / und wegen des erhaltenen
Sieges sich hoch freueten / aufs allerschnelleste ihm folgen hiess / auch Neda
und Markus einen Wink gab mitzureiten. Unterdessen hatte Klodius sich vor dem
Fräulein nidergelegt / mit gar untertähnigen Worten ihre Wiederwertigkeit
beklaget / und sehr gebehten / ihre Durchl. wollte den unwerdesten Klodius /
welcher dem Könige Ladisla und GrossFursten Herkules eine zeitlang auffzuwarten /
das hohe Glük gehabt / unter die Zahl ihrer geringsten / wiewol allergeträuesten
Knechte auffnehmen. Mein lieber Freund Klodius / antwortete sie / meint  ihr /
dass mein Oheim und Bruder mir eure redliche Tråue und aufrichtige Dienste
ungemeldet gelassen? euer bereitwilliges Herz gegen dieselben / zeigt ihr ja
uberflüssig an / indem ihr euer Vaterland und Güter verlassend / ihne biss hieher
zu Wasser und Lande gefolget seid / welches sie schon werden zuvergelten wissen
/und ich mich zugleich mit ihnen bemühen will / euch der Mühe zuergetzen; aber
lieber saget mir / wie geht es meines Herrn Bruders Gemahl Königin Sophien
/meiner höchstgeliebeten Fr. Schwester? Sehr wohl /Gott Lob / antwortete er /
welches vielleicht angenehmere Bohten mit schrifftlichen Zeugnissen werden
auffzulegen haben. Indem kam die Gutsche daher gerennet / welche Leches öffnete
/ und zu dem Frauenzimmer sagete: Heraus / und löset einer gefangenen die mit
höchstem Unrecht gebundene Füsse / welche zuberühren kein Mannesbilde unter uns
wirdig ist. Libussa sass im Aushange / sprang geschwinde hervor /und eilete nach
der Fräulein Sänfte / erkennete alsbald ihr Angesicht / und fiel vor unmässiger
Freude als eine Leiche auf Klodius / welcher ihr zur seite stund. Brela ersah
solches / wusste nicht / was vor schnelle Ohmacht sie niderwarff / kuckete in die
Sänfte / und indem sie das Fräulein erblickete / stürzete sie gleich neben
Libussen nider; dessen Valiska sich entsetzete / und die umstehende baht / ihnen
Erquickung mitzuteilen; welches Agata mit fleiss verrichtete; Euphrosyne aber /
von Fabius vernehmend /dass sie das Fräulein währe / fassete mit sonderbahrer
Liebligkeit ihre Hände / küssete und drückete sie /und fing also an: O du
glückselige Euphrosyne / die du wirdig bist / dieser allertrefflichsten Fräulein
auffzuwarten / nach deren Kundschaft man so lange Zeit vergeblich hat seuffzen
müssen. Aber O du gräulicher Blutund / Wuterich und Erzbösewicht / welche Löuin
hat dich geworffen / welches Tigertihr hat dich gesäuget und aufferzogen / dass
du diese Soñe der Vollkommenheit hast fesseln und binden können? Verzeihet /
bitte ich / Durchleuchtiges uñ unvergleichliches Fräulein / mir / euer Durchl.
untertähnigst-ergebener Magd Euphrosynen / dass dieselbe ohn Ihrer Durchl. Befehl
sich zur Bedien- und Auffwartung anträget / ehe sie vor duchtig erkläret ist /
und lasset gnädigst wissen / womit Euer Durchl. sie etwa möchte dienen können.
Aber O ich unbesoñene / sagte sie; lief hin nach der Gutsche / in welcher ihre
KleiderLade stund / daraus nam sie einen Himmelblauen UnterRok mit Silber durch
und durch gesticket / uñ ein Oberkleid aus einem hellscheinenden SilberStücke
gemacht; auch gestickete Schuch und Seidene Strümpffe / und trug ihr solches
alles zu / da inzwischen die anwesende Mannesbilder einen Abtrit nahmen / und
Euphrosyne nach gebehtener Verzeihung den ReitRok hinweg warff / und ihrer
vollkommenen Leibes Schönheit sich nit gnug verwundern kunte / da dz Fräulein
also zu ihr anfing: Allerliebste Freundin /mein Oheim Herkules hat eure Tugend
und Freundligkeit mir nicht vergeblich gerühmet; aber was hat euch meine
geliebte doch immer und ewig bewogen / diese beschwerliche Reise zutuhn / vor
welcher sich auch die herzhaftesten Männer entsetzen. Durchl. Fräulein
/antwortete sie: Diese Frage will ich hernach weitleuftig beantworten; welches
sie in Gedanken redete / dañ sie hatte sich an ihrer Schönheit gar vergaffet /
und des Strickes an ihren Füssen nicht wahr genom?en / dass Valiska endlich zu
ihr sagete: Herzgeliebete Freundin / leihet mir ein Messer / dass ich meine Füsse
frei mache / welche sie der hinte umb zwolff Uhr also gebunden sind. O du blinde
Euphrosyne / fing sie zu ihr selber an / wo hastu deine Augen und Gedanken? zog
hiemit ihr kleines Messerlein hervor / und sägete damit / biss sie endlich gewan;
kussete hernach die Füsse / und sagete: O Durchleuchtigster GrossFürst Herkules /
was vor ein Meister-Bilde hat der Him?el euch vorbehalten? und wañ dieses
Fräulein ungebohren währe / würde keine andere dieser Welt euer Liebe wirdig
sein. Valiska trug grosse beliebung an ihrem Liebkosen / weil sie sah / dz es
ohn falsch von Herzen ging / und antwortete ihr: Allerliebste Freundin / ihr
erhebt mich weit über meine gültigkeit / dann ich selbst schätze mich dieses
Fürsten / ach dieses teuren Fürsten / noch lange nicht wert. So tuhe ichs aber /
gnädigstes Fräulein / sagte sie / uñ alle Menschen / welche eure Durchl. keñen
/werden solches tuhn; dañ ob gleich GrossFürst Herkules ohn seines gleichen / so
viel Mañesbilder betrift /lebet / so hat er doch / Gott Lob / eine gleiche unter
den Fräulein / welches dem ganzen weiblichen Geschlechte ein unsterblicher Ruhm
sein und ewig bleiben muss. Als nun Valiska ihr die Kleider wollte anlegen lassen
/ hatte Agata durch viel bemühung und zutuhn etlicher ihrer Mägde / Libussen
und Brelen wieder zu sich selber gebracht / welche sich erhoben /und uber das
Fräulein herfielen / ob hätten sie dieselbe erdrücken wollen / welches /
angesehen ihrer geträuen Liebe / sie ihnen durchaus nicht vor übel hielt; nur
erinnerte sie dieselben / sich in der Heftigkeit ihrer Freude zu mässigen. Wie?
sagte sie zu ihnen; komm?et ihr deswegen zu mir / mich mit eurer Ohmacht
zubetrüben / und mit euren Trähnen zuersticken / da ich meinte / an euch als
meinen vertrautesten Freundiñen / und eine Zeitlang mitgefangenen /nun aber
miterlöseten mich frölich zuergetzen? Zwar wañ der barmherzige Gott euch und das
Heer nicht zu so glücklicher Stunde hätte hergefuhret / würdet ihr Ursach zu
euren Trähnen gefunden habe / nehmlich entweder meinen todten Leichnam / oder
mich als eine geschändete / oder wohl beides zubeweinen; aber gleich wie der
Menschen Dieb mit solchem Vorsaz umbging / hat ihn Gott durch eure Zukunft
daran verhindert; des freuet euch mit mir / und lasset alle Traurigkeit fahren.
Hierauff erhohleten sie sich endlich /da jede von ihnen der Fräulein eine Hand
fassete / und Libussa also anfing: O mein gnädigstes und über Seel giliebetes
Fräulein; muss ich dann ihre Durchl. in einem elendern Stande antreffen / als ich
sie leztmahl verlassen habe? solches sei dem gerechten Gott geklaget; Aber O du
Grund Schelm / was vor Straffen wird der allergrausamste Henker er siñen können
/damit dir nach Verdienst gelohnet werde? Gib dich mit mir zufriede / liebes
Kind / sagte das Fräulein /ich bin zwar heut in dem allerelendesten Stande
meines ganzen Lebens gewesen / so dass mein Ochsen-und Hunde-Streit / mein
Pragischer Moldau-Sprung /und Italiänische Gefängnis hier gegen fast nichts
zuachten; aber Gott Lob / Gott Lob / ohn einige wirkliche Verletzung meiner
Ehren; daher wollen wirs als ungeschehen / oder doch als überwunden halten /
auff dz unsere gebührliche Freude nicht gestöret werde; richtete sich damit auff
/ und liess sich von ihnen beiden nach begehren küssen und umfahen. Weil sie aber
sah / dass kein Auffhören da wahr / sagte sie endlich: Sol ich dañ den ganzen
Tag alhie vor euch nacket liegen? Hastu vergessen / Libussa / wie bald du mich /
wann ich auffstund / zubekleiden pflegtest? Ja ja /mein Herzallerliebstes
Fräulein / antwortete sie / ich bin nun vergnüget / dass Eure Gn. ich wiederhabe;
gönnet mir aber doch das zubesehen / wornach meine Seele so grosses verlangen
getragen hat. Euphrosyne nam den UnterRok / und legte ihr denselben an; Brela
suchte die Strumpffe und Schuch hervor und bekleidete ihr die Beine; Libussa
ergreiff das Oberkleid / und zohe ihr solches an / und indem sie ihr den Busem
verschnürete / raunete sie ihr sanfte ins Ohr: Ach dass Herkules dieses an
meiner Stelle verrichten sollte; sie aber gab ihr zur Wieder Antwort: Wann du ihm
solches als zum ersten mahl wünschest / bistu zu spät kommen; zum lezten mahle
aber würde es viel zu früh sein. Ey Gott Lob / sagte Libussa überlaut / so
wollen wir der jetzigen Widerwertigkeit vergessen; fassete das Fräulein unter
die Arme / und zohe sie aus der Sänfte hervor / da der ankom?enden Freude erst
recht los ging; in sonderheit bei Libussen und Brelen / als sie diese in so
treflicher Volkommenheit vor sich stehen sahen / und vor Wollust nicht wussten /
was sie anfahen sollten. Agata trat auch herbei / und ergab sich dem Fräulein zu
Dienste; und weil sie und Euphrosyne gleich neben einander stunden / redete sie
alle beide also an: Ihr meine grundgeliebete Freundinnen; wie hoch ich euch
verbunden bin / weiss ich sehr wohl; aber wie ich mich loswirken möge / sehe ich
nicht / es währe dann / dz ihr meinen beharlichen Freundes-Willen / und die
mögliche Erstattung vor gültig erkennen wollet; Ihr Fr. Agata habt mir meinen
einigen herzallerliebsten Bruder vom Tode erlöset / und euch darüber in solche
Gefahr gesetzet / die euch bei nahe zu staub und Asche verbrennet hätte; was
hätte eine geträue Freundin mehr tuhn können? Ihr Fr. Euphrosyne habt meinem
höchstgeliebeten Oheim / Schaz / und versprochenen Bräutigamb die Hände
lossgebunden / und dadurch ihn von dem Henker-Schwert frei gemacht; worüber ihr
schier selbst von eurem ungeträuen Ehegatten entleibet währet; was hätte eine
Schwester heilsamers verrichten können? Vor solche Woltahten sage ich euch von
herzen dank / und werde zeit meines Lebens mich bemühen /es mehr in der Taht /
als prächtigen Worten erscheinen zulassen / wie hoch ich diese eure Woltahten
schätze. Durchl. Fräulein / antwortete Euphrosyne /haben wir beide einen
aufrichtigen Willen gehabt /den beiden fröm?esten und redlichsten Fürsten der
Welt untertähnigste Dienste zuleiste / so ist doch derselbe so unkräftig gewesen
/ dz ausser seufzen uñ wünschen er nichts hat verrichten mögen; hingege sind wir
alle beide von höchstgedachten teure Fürste vom Tode uñ Verderbe gerettet / uñ
in gute Wolstand gesetzet; wir sind durch sie zu grossem Reichtuhm uñ ädlen
from?en Ehegatten gebracht / dz uns allerdinge unmöglich ist / solche Woltaht
recht zuerkeñen / geschweige zuvergelten; und nun will eure Durchl. gnädigstes
Fräulein / uns mit neuem ganz unverdienten erbieten / dessen wir allerdinge
unfähig sind / in unsern dankschuldigen Gedanken irre machen; köñen wir vor
Dienerinnen angenom?en und gewirdiget werden / so haben wir den höchsten Zweg
unser gewünschten Glükseligkeit erreichet / ein mehres / wie wirs nicht fassen
können / also vermögen wir auch nicht / es zuertragen; bitten umb beharliche
Gnade /uñ verbleiben untertähnigst gehorsam. Das Fräulein wollte solches
beantworten / aber Kleofis / der die Zeit in der Sänfte zu lange wehren wollte /
steckete den Kopff hervor / und rieff mit lieblicher Stim?e; Gnädigstes Fräulein
/ wir euer Durchl. untertähnigste Dieneriñen / erfreuen uns derselben glücklichen
Errettung von Herze / demühtigst bittend / uns bei dem anwesenden fremden
Frauenzim?er etwa ein geringes Kleid loszumachen / damit wir uns ein wenig
bedecken mögen. O ja / sagte Valiska; und musste Libussa alsbald mit der Gutsche
nach dem Lager rennen /unter welcher Zeit Neda raum bekam / bei dem Fräulein
sich zumelden / welchen sie also empfing: Ich weis nicht / mein Freund / ob ich
euch mit kühnen Augen ansehen darff / in betrachtung / der euch von mir
angefügeten Unbilligkeit / dass ich eure liebste Brelen genöhtiget / sich einem
andern zuergeben /wiewol bald nach ihrem abscheide mich solches sehr gereuet hat
/ uñ gefält mir überaus wohl / dass ihrs so habt können über euch hingehen lassen
/ und nicht destoweniger / wie ich merke / der Brelen Freund sein; ich kann nicht
mehr / als mich erbieten / es nach mögligkeit in andere Wege zuersetze Brela
solches hörend / fing an zu schmuzern; er aber gab zur Antwort; Durchl. Fräulein
/ dass dieselbe meine versprochene Brelen jensmahl an den MeerRäuber Alexander
verlobet / bedanke ich mich untertähnigst / als wodurch dieselbe mir wieder
eingeliefert ist / massen dieser Reise-Bräutigam nicht allein mein Brelichen ohn
alle anfechtung ihrer Zucht / nach Padua wohl übergebracht / sondern auch in der
Stunde meiner Ankunft daselbst / mir dieselbe ohn einige Wiederrede / mit allen
seinen Gütern übergelassen. O dass mus wohl ein redlicher from?er Alexander sein /
sagte Valiska. Ja / antwortete er / ich habe ihn nicht anders als from gekant.
Brela kunte solchen Spot nicht wohl leiden / uñ sagte zu ihm; habt ihr eure
Zusage jenseit des Meers getahn / schon vergessen? erzählete auch dem Fräulein /
was gestalt Alexander des Tages vor dem angesetzten Beilager umbkom?en währe.
Libussa kam mit den Kleidern wieder an / lieferte sie dem entblösseten
Frauenzim?er / uñ meldete dem Fräulein vieltausend grüsse an von Prag und Padua
/ lockete sie auch von der Gesellschaft abe / umb mit ihr allein zu reden / da
sie ihr nit allein zuvernehmen gab / wie herzlich ihre Fr. Mutter sich über ihre
künftige Heirat mit Herkules erfreuete / sondern auch / was gestalt der junge
Frankische GrossFürst aber eins um ihre Heirat geworben / und bei der
Gesandschaft selbst als ein Schreiber gewest / hätte anfangs ihre Entführung vor
ein Geticht gehalten / nachgehends seine Ohmacht darüber sehen lassen / und
währe zu Prag die Zeitung erschollen / dass er vor grosser Liebe in eine
Unsinnigkeit gerahten / und unter Ketten und Banden in einem verschlossenen
Gewölbe müste gehalten werden / gäbe vor / er währe GrossFürst Herkules / und
müste den Franken Markomir erwürgen / darumb dass er ihm nach seinem Gemahl
stünde / ihm dasselbe abzuspenstigen. Sie hörete solches mit entsetzen / und
sagte; Es ist mir dieses jungen FürstenUnfal herzlich leid / weil ichs aber
nicht zuendern / vielweniger ihn zuvergnügen weiss / mus man solches dem lieben
Gott heim stellen / welchen ich inbrünstig anruffen will /dass er ihm seine
Vernunft wieder heilen / und die vergeblichen liebes Flam?en in seiner Seele
ausslöschen wolle. Ich kann mich aber mit dieser Zeitung vor dismahl nicht ängsten
/ weil ich nicht weiss / ob mein voriges Elend oder die jetzige Freude grösser
ist / nachdem ich nicht allein der meinen Gesundheit und Wolergehen nach
geschehener Erlösung erfahren / sondern meinen H. Schwager und Bruder H. Fabius
angetroffen / und dich meine allergeträueste alte Trösterin wieder bei mir habe;
zweifele auch nicht / du werdest mit deinem Leches schon beigeleget sein; Ist
dass fragens wert / Gn. Fräulein / antwortete sie /; ich habe wohl gewust / und
bin ich niemahls auff eure Gn. zorniger gewesen / als das sie mich vor meiner
Gn. Königin so beschämet / dass ich umb das schleunige Beilager selbst habe
anhalten müssen Hastu mir aber gehorsamet / fragete Valiska. Was sollte ich nicht
gehorsamet haben / sagte sie / lieber hätte ich ihn selbst darzu gebehten / ehe
euer Gn. Hulde ich mich verlustig machen wollen / wiewol ich mich deswegen von
meinen Gespielen auff dieser Reise rechtschaffen habe leiden müssen; doch die
Warheit zu sagen / wahr mirs eben so hart nicht zu wieder / als ich michs
äusserlich annam. Valiska lachete ihrer lezten Worte und sagete: So wirstu nun
erkennen / dass ichs gut mit dir gemeinet habe; wie anders? antwortete sie / wann
nur meiner ehemahligen Freiheit nach / ich fragen dürfte /wovor eure Gn. ich
nunmehr halten sollte / und zwar in vertrauen. Sie wollte mit ihr scherzen / und
wieder antwortete; Bistu so lange mit mir umbgangen / und weist noch nicht /
wovor du mich halten solt? weistu nicht / dass ich Valiska bin? ja weistu nicht
dass ich das Königliche Fräulein aus Böhmen bin? endlich /weistu nicht / dass ich
der geraubete Herkuliskus bin? ich halte / du werdest dein Gedächtnis zu Padua
vertauschet / oder es deinem Leches samt deinem Brautschatze geschenket haben.
Diese machete ihr wegen des lezten Worts Gedanken / und sagete: Ich bitte umb
gn. verzeihung / dass euer Durchl. vor den übermässigen übergeschikten Brautschaz
ich annoch nicht gedanket habe. Davor will ich keinen Dank haben /antwortete sie
/ ist dir auch nicht als ein Brautschaz zugeschikt / massen denselben ich dir
erst in Böhmen oder Teutschland geben will. Aber weistu nun wieder /wovor du mich
halten solt? wie sollte ichs wissen? antwortete sie / habt ich euer Gn. hieselbst
gehütet als zu Prag? Du loser Sak / sagte Valiska / habe ich mich dañ zu Prag
also bezeiget / dass ich einer Hüterin bedurft hätte? Darauf will ich nicht
antworten / sagte Libussa / eure Gn. sagen mir dann zuvor in vertrauen /wovor
ich als die verschwiegene geheime Libussa dieselbe halten soll. Ich muss dir wohl
beichten / antwortete sie / will ich sonst friede und deine Gnade haben; aber wie
würde dirs gefallen / wann ich dir anvertrauete /dass ich schon in geheim von 20
Wochen her / meines allerliebsten Herkules Gemahl bin? Ich bin vergnüget / sagte
jene: Aber eriñert sie sich auch gnädigst / was in ihrem grossen trübsal wegen
Herkules Verlustes und Abwesenheit ich ihr stets einbildete? O ja mein
herzliebes Kind / O ja / sagte sie / ich erlüstige mich an meinem Herkules nie
no comma? / dass ich deines Trostes nicht gedenken sollte / habe auch in der Taht
erfahren / dass keine liebes vergnügung süsser und erquiklicher sein kann / als
die mit Angst und Gefahr erlanget wird; aber mein Herzen Kind / möchtestu nun
erst meinen Herkules sehen / wie seine Trefligkeit inwendig drei Jahren
zugenommen hat! Wie nun mein Fräulein / antwortete sie / hat dann eure Gn. ihrem
Herkules auch die Gedächtnis samt dem Brautschatze geschenket? Ich bin ja bei
ihm gewesen / da er mich aus Räuber Händen erlöset. O ich unbedachtsame /sagte
Valiska weiss ich doch selber nicht / was ich vor freuden rede; doch höre; wirstu
auch deinen Schaz den damahligen Räuber Gallus ohn Scham ansehen können / dass du
ihm so ungeträu gewesen / uñ Leches angenom?en hast? dann ich versichere dich /
dass dieser meines Herkules und mein liebester Diener ist. So mus ich ihn wohl vor
meinen Augen leiden / antwortete sie / und hat mir Brela solches schon
angezeiget / dass Fürst Herkules ihn fast als sein ander Herz halte. Nicht
vielanders / sagte das Fräulein / und währe Leches nicht in der Besitzung /
müstestu ihm dein versprechen wohl halten. Libussa lachete / und kam wieder auff
die alten Geschichte / da sie unter andern fragete: Ach mein wunderschönstes
Fräulein / will sie mir dann nunmehr meine oftgetahne Frage beantworten / was
ihre Gedanken wahren / da ich ihr des allerschönsten Herkules zarte Arme / wie
er schlieff / zum erstenmahl zeigete? Das Fräulein gab ihr einen liebes
Backenstreich / antwortend; must du noch mit deinen alten Schmeichelnahmen umb
dich werffen? Diese küssete ihr die Hand / und sagete: O des lieben und sanften
Schlages / dass ich den nun wieder auffs neue bekommen habe; aber bekennet mir
mein Fräulein /bekennet wornach ich frage. Eja doch / antwortete sie / ich weiss
doch wohl / dass du mein innerstes Herz allemahl sehen und wissen wilt / und
fragest nach einem Wege / der dir schon gnug bekant ist / wie nehmlich meine
dazumahl kindische Seele / mit freuden angefüllet ward / durch eine Liebe /
welche sider dem ohn auffhören gewachsen / und noch diese Stunde zuwachsen nicht
auffhöret. Aber wir müssen nicht zu lange unser Gewäsche treiben / weil die
übrigen mirs verargen könten. Markus hatte bisher seine Schuldigkeit bei ihr
noch nicht abgelegt / welcher anjezt zu ihr trat / und sehr wohl empfangen ward.
Endlich fassete sie Herrn Fabius bei der Linken / und Libussen bei der rechten
Hand / nöhtigte sie mit sich auff die Gutsche / und fuhr mit ihnen nach dem
KriegsHeer / dem ihre Anwesenheit schon zu wissen getahn wahr /daher sie von
ihnen mit einem grossen Freuden-Geschrei empfangen ward.
                 Ende des Vierden Buchs / und des Ersten Teils
                      Des Christlichen Teutschen Herkules.
 
                                   Ander Teil
    An die Allergrossmächtigste / Unüberwindlichste und Preisswirdigste Römische
                              Käyserliche Majestät
  Alleruntertähnigste Dankbezeigung vor die dem Teutschen Herkules und seiner
 Böhmischen Valisken allergnädigst erteilete Freiheit / Schutz und Begnadigung.
Die höchste Majestät der ganzen Christen-Welt
Hat Herkulessen Wunsch und der Valisken Sinnen /
Mehr als ihr Hoffen wahr / in Fried und Ruh gestelt /
Sie fürchten sich nicht mehr vor feindlichem begiñen /
Noch vor Verleumders Gift. Des bittern Hassers Schuss
Geht schadloss neben hin; weil sie des Adlers Flügel
In freien Raum gesezt. Des Neiders dräuen muss
Ihm selbst nur schädlich sein. Sie sitzen auff dem Hügel
Der festen Sicherheit. Der Dieb' und Räuber Schaar
Zeucht ihre Klauen ein. Wer hier will Frevel üben /
Hat seine Straffe schon ohn unsere Gefahr;
Der Adler hält uns Schuz / drumb kann uns nichts betrüben
Im sichern Loberkranz. O höchste Majestät!
Was soll Eur Herkules / was soll Valiska stellen
An gültign Dankes statt? Die Woltaht übergeht
Ihr Unvermögen weit. Gleich wie die hohen Wellen
Herfallen über Grund und Tieffen. Wie der Schein
Der Sonnen / unser Licht läst keinen Schatten bringen;
So fält Valisken ihr Vemögen gänzlich ein /
Und läst ihr Herkules nichts als nur Wort' erklingen /
Doch Worte / die hervor aus tieffstem Herzen gehn /
Und seufftzen / dass sie nicht so lautbar können schallen /
Als wohl ihr wünschen ist. Nun wohl! vor Gott bestehn
Am besten / die vor ihm demühtig niderfallen /
Und sagen willig an / dass ihr Vermögen bloss
Ein reiner Wille sei. Die pflegt Gott zuerheben /
Und schätzet sie vor gnug. Bleht man sich selber gross
Nach Pfau- und Kröten Art / das ist ein wiederstreben
Und schändlicher Betrug. Ein solcher schlimmer Wuhl
Muss / wann er gleich vermeint / er steh' auff hoher Zinnen /
Eh' als ers selber weiss / hinunter in den Pfuel /
Dann wird er seines Nichts mit Schand und Schaden innen.
Valisk' und Herkules erkennen / dass sie schwach
Und allerunwerd sind. Durch Käyserliche Güte
Stehn sie / und sonsten nicht. Es rinnet ihre Bach
Aus Käysers Gnaden-Meer. Sie stehen in der Blüte /
Dann dessen Woltaht-Schein beut Krafft und Wärme dar.
Dess bringen sie den Dank demühtigst / und ergeben
Sich dessen Majestät zu eigen ganz und gar /
Von welcher sie ihr' Ehr erlanget und ihr Leben.
Drumb stimmen sie mit Mund und Herzen überein /
Des Käysers wollen wir Gehorsamst-eigne sein.
 
                                Das Fünfte Buch.
Herkules und Ladisla setzeten nach erhaltenem Siege ihre Reise auff Persepolis
schleunig fort / so viel der Verwundeten Gelegenheit zulassen wollte; und als sie
die Stad von ferne liegen sahen / sagte Herkules zu seinem Freunde: Unsere
Valiska wird mit Verlangen nach uns ausssehen / weil wir unsern durch Gott
bekräftigten Sieg ihnen nicht zu wissen gemacht haben. Gleich in dem sahen sie
eine zimliche Geschwade Reuter von der rechten Seiten auff sie zurennen / von
denen sie bei ihren Fahnen bald erkennet wurden; dann es wahr GrossFürst
Artaxerxes / welcher nach angestelleter guter Ordnung bei seinem HäuptHeer
wiederumb zurücke kahm / und ritte ein Medischer Abgesanter hinter ihm her. Sie
empfingen einander überaus freundlich / und wahr wegen der treflichen
Uberwindung sehr hohe Freude; daher Artaxerxes zu unsern Helden sagete: Nun ihr
meine sehr werte Herren / und vertrauete Brüderliche Freunde; freilich wird euer
Ruhm und Ehre in diesen Morgenländern tauren /als lange die ErdenKugel von dem
Meer unüberschwemmet bleibet / und ist die Fürstl. Verbündnis schuldig / eure
hochansehnliche Dienste nach allem Vermögen zuerkennen. Hernach begab er sich
hin zu den Sänften / in welchen Pharnabazus / Arbianes /Bubazes / Tyriotes und
Gallus getragen wurden / zeigete sein Mitleiden wegen ihrer Verwundung an / und
versprach es mit Vergeltung / Gnade / und Freundschaft zuersetzen. Endlich
rühmete er das ganze Heer wegen ihres wolverhaltens / und verhiess ihnen sämtlich
drei Monat Gold zur Verehrung; worauff er von unsern Helden in die Mitte
genommen / und aller Umstände ihres Sieges berichtet ward / da er sich nicht
gnug verwundern kunte / wie sie den hocherfahrnen und vorsichtigen FeldHerrn
Vologeses hätten mögen berücken und aus dem Felde schlagen. Er hingegen meldete
ihnen des HäuptHeers Menge und Zustand an / und wie sie der Stad Persepolis
naheten / sagte er: Mich wundert nicht ein geringes / wo Fürst Gobares Völker
mogen blieben sein / weil ich keinen davon auff meinem Rükwege angetroffen / da
sie doch diesen Streich her auf meine Anordnung eingelegt wahren; und hat er ja
keine Volmacht / seines gefallens sie an andere örter zuführen; biss daher habe
ich gewähnet / meine Herren würden sie zum Entsaz abgefodert haben. Ladisla
erschrak der Rede höchlich /und sagte; lasset uns der Stad zueilen / dann dieses
geht nimmer mehr recht zu / und wende Gott gnädig ab / dass Gobares nicht gar
zum Schelm und Verrähter worden sei / wie seine Völker / die wir mit uns
geführet / in dem sie teils nicht fechten wollen / teils auff uns zugeschlagen /
und umb ein Haar uns den Sieg aus den Händen gerissen hätten. Herkules sah ihn
an / entsetzete sich vor seinen Scheltworten / und redete ihm also ein: Wie mein
Bruder? warumb schiltestu diesen Fürsten / ehe er der Untaht überzeuget ist?
vielleicht ist er unschuldig an dem verrähterischen Vornehmen seiner Leute. O
Bruder / antwortete er /des vergangenen bin ich gewiss genug / helffe nur Gott /
dass nicht wohl ein schlimmers in unserm abwesen von ihm begangen sei dessen ich
sehr starke Muhtmassungen habe. Ich verstehe nicht / sagte Artaxerxes / worauff
mein H. Bruder zihlet; sollte aber Gobares zum Schelme worden sein / wollen wir
uns darüber wenig bekumern / worauff aber sehr schwere Rache erfolgen wird. Gott
verhüte es / antwortete Ladisla /dass meine Furcht nicht eintreffe / so soll das
ergangene mich nicht grossirren. Als sie zur Stad einritten /fragten sie / wo
Gobares Völker währen. Der Häuptman gab zur Antwort; sie könten nichts
eigentliches davon wissen / ohn dass er gestern Abend alle seine Völker vor dem
Westentohr in möglicher Stille versamlet / und umb Mitternacht davon gezogen /
auch etliche Sänften / wie man sagte bei sich gehabt / und darinnen seine
liebsten Schätze hinwegtragen lassen. Seine Schätze? sagte Artaxerxes / hat der
Verrähter Schätze auff meinem Schloss? vielleicht hat er meine SchazKammer
beraubet? Ladisla zweifelte nicht mehr an der Warheit / und sagte zu Herkules:
Mein Bruder / erschrik nicht; ich fürchte er habe nicht seinen / aber wohl deinen
Schaz entführet / welchen wir mit GottesHülffe bald wiederhohlen wollen / weil
er erst diese Nacht davon gezogen ist. O mein Bruder / antwortete er; so hoch
wird mich mein Gott verhoffentlich nicht straffen. Ihm ward aber so unsachte auf
dem Pferde /dass er sich nicht mehr halten kunte / welches Artaxerxes ersehend /
ihn in das näheste Haus geleitete / da ihm sein Herz dergestalt belieff / dass
ihm alle Sinne entgingen. Ladisla rante in Gesellschaft etlicher Reuter nach dem
Schloss / sprang vom Pferde / und ohn wortsprechen lieff er nach der Fräulein
Gemache /welches er offen fand / und Herkules LeibKnaben samt Timokles in voller
Ohmacht auff der Erde liegen; der Fräulein / und drei andere Weibliche Kleider
aber mitten im Gemache auff einem Tische / und eine aussgelöschete Kerze auff der
Tühr Schwelle. O mein Gott / sagte er / wie werde ich doch meinem lieben
Herkules diss berichten können? Er rüttelte Timokles so lange / dass er zu sich
selber kam / und sagte zu ihm: Höre mein Geträuer; wie ist dieses zugangen? Ach
Gn. Fürst / antwortete er; mir ist hievon nicht das allergeringste bewust / nur
wie ich komme / auffzuwarten / finde ich leider wie es stehet. Ladisla wollte
alhier nicht viel Zeit verlieren / ging nach der Schloss Häuptwache / und
fragete; wo Fürst Gobares währe; aber da wahr niemand / der hievon einige
Nachricht zu geben wusste; nur dass etliche davor hielten / er würde auff seinem
Gemache / und wohl noch in der Ruhe sein. Wie / sagte Ladisla habt ihr dann hinte
alle nur des Schlaffs gewartet? Er wird ja nicht mit allen den seinen über die
Maur geflogen sein. Der Häuptman antwortete: Durchl. Fürst / es ist ja diese
Nacht ein wunderliches wesen auf dem Schloss gewesen; aber unser keiner hat bei
Leib uñ Lebensstraffe sich dürffen sehen lassen; retten / fahren / lauffen und
bestellen hat man eine gute weile gehöret; wer es aber gewesen / und was es
bedeutet hat / ist uns allerdinge verborgen. Es stund ein Kriegsknecht auf der
Schildwache / der berichtete: Er hätte ein klägliches geheule etlicher
Weibesbilder gehöret / welches sich doch bald gestillet / und darauff währe der
Abzug geschehen. Dessen muss ich sichere Gewissheit haben /sagte Ladisla; liess
Timokles nach Gobares Gemache lauffen / um zuvernehme / was vor Zeichen sich
daselbst würden finde lassen. Aber da war eine gleichmässige Einsamkeit / ohn dz
er etliche rohte Seidene Stricke liegen sah / die er auffhub / und mit sich
nahm. Also wollte Ladisla hieselbst nicht länger verweilen / ritte straks nach
Herkules und traf ihn in jämmerlicher Klage an. Artaxerxes tröstete ihn auffs
beste: es währe ja noch ungewiss; und ob gleich die Entführung geschehen / wollte
er sein Haupt nicht sanfte legen / biss es grausam gestraffet währe. Ach ach /
sagte Herkules / hiedurch bekomt mein Fräulein ihre Ehre nicht wieder / wann ihr
sollte Schande zugestossen sein. Ja wer weiss / ob sie nicht bereit Todes
verblichen; dann lebendig hat sie sich in seinen boshaften Willen nicht ergeben
/ dessen ich wohl versichert bin. Ladisla kam gleich darzu / und sagte:
Herzlieber Bruder / stärke dein Gemüht / und lass dich Unfal nicht erdrücken;
klagen hilfft nicht / und seumen nutzet nicht; lass uns den Almächtigen Gott zu
hülffe nehmen / und unverzöglich folgen / so können wir ihn noch vor Abends
ereilen / weil er mit Fussvolk und Reutern zugleich fortgehet. Auf dem Schloss
ist nichts ungebührliches vorgangen / sondern man hat nur zum Abzuge geeilet /
und das Fräulein neben dem Frauenzimmer aus den Betten geraubet / und in den
Sänften davon geführet. Herkules bedachte sich nicht lange / sprang auf sein
Pferd / und in Gesellschaft Artaxerxes und Ladisla setzete er dem Huefschlage
nach / da alle anwesende Persische und Medische Reuterei folgeten / und was in
Persepolis kunte beritten gemacht werden.
    Fabius hatte den gefangenen Gobares vor sich bringen lassen / sah ihn mit
grimigen Augen an / und sagte zu ihm: Du schändlicher Verrähter und meinäidiger
Räuber der Königlichen Fräulein; kennestu auch Kleon noch / welchen du umb
falsches verdachts willen hast wollen schelmischer weise ermorden lassen? Dieser
sah ihn an / und erschrak dass er als ein Laub zitterte / auch kein Wort reden
kunte. Wie bistu nun so verzagt? fuhr Fabius fort; ist diss der tapfere Gobares /
der nicht gnug hat / seiner Untertahnen Weiber zu schänden / er mus auch Königen
und Fürsten ihre Fräulein durch gewaltsame Dieberei entführen? doch werden die
Götter mit dir lange gnug durch die Finger gesehen haben / wann du nur mit einem
Halse alle deine Bubenstük bezahlen köntest. Er wollte in seinem Zorn fortfahren
/ aber Leches rieff überlaut: Bald zu Pferde / bald zu Pferde! dort vor uns
erhebet sich ein dicker Staub / welcher uns eines neuen Heeres ankunft
verständiget. Die Gefangenen / insonderheit Gobares und die man auff der Gutsche
bekommen /wurden fleissig verwahret; Fabius aber stellete die Völker in schöne
Ordnung / des Vorsatzes / einen redlichen Stand zu halten / was sich auch
begeben würde. Das Fräulein foderte alsbald Pferd und Gewehr / und sagte mit
sonderlicher Anmuht: Ich will meine allerliebste Teutschen selbst führen / ob ich
vielleicht noch dereins ihre GrossFürstin würde; worüber diese Völker sich so
inniglich freueten / dass sie einmühtig riefen; Unsere GrossFürstin lebe / unsere
GrossFürstin lebe! wollte auch ein jeder der näheste zu ihrem Schutze sein / und
halff nichts / dass Libussa und Euphrosyne nebest dem andern Frauenzimmer sie mit
Trähen bahten / sich des gefährlichen Wagstückes zubegeben. Leches und die
Böhmen ingesamt setzeten sich zu ihrer Rechten; Fabius und die Römer zur Linken
/ und tahten einen Wich in etwas hinter sich /damit sie auff allen FalPlaz und
Raum zum Gefechte haben könten; dann die nidergehauene Susianer würden ihnen
sehr hinderlich daran gewesen sein. Herkules mit den seinen eilete dermassen
fort / dass die Pferde kaum mehr fortschreiten kunten / biss sie endlich an die
leeren Sänften kahmen / und mit schmerzen sahen / dass die Eyer ausgenommen / und
die ledigen Nester blieben wahren; worüber Herkules einen tieffen Seuffzer liess
/ und zu Ladisla sagte: Ach GOtt / wer weis nun / wohin mein Fräulein des
schändlichen Bösewichts mutwillen zuersättigen / geführet ist? ritten gleichwol
fort / und sahen von ferne eine grosse menge erschlagener Kriegsleute liegen /
auch in der nähe einen Verwundeten aus dem Pusche hervor kriechen / welcher auff
ihre Nachfrage zur Antwort gab: Es währen eine grosse menge wilder
erschrecklicher Leute über sie kommen / deren Sprache kein Mensch verstehen
können / und hätten ihre Völker nicht anders als Schaffe abgeschlachtet / auch
die schönen Weibsbilder (mit ihrem guten Willen / wie sichs ansehen lassen) aus
den Sänften hinweg geführet; könten noch nicht gar weit sein / weil dieser
Jammer vor wenig Stunden sich zugetragen / und sie noch vor gar kurzem sich mit
einem sonderlichen Freudengeschrei hätten vernehmen lassen. Ey so mögen sie so
wilde sein als die ehmahligen Himmelstürmer / lasse ich ihnen doch diese Beute
nicht / sagte Herkules / es sei dann / dass sie mich auch niderhauen; sah
zugleich eine Schaar von 300 Reutern gegen sie daher traben /welche die grossen
schimmernden Schlachtschwerter umb ihre Häupter kommen liessen. Leches wahr ihr
Führer / setzete auff Herkules freudig an / und da er nahe zu ihm kam / redete
er mit auffgeschlagenem Helme also: Ihr Ritter; das Durchl. Königl. Fräulein aus
Böhmen / Fräulein Valiska / und ihre KriegsObersten / begehren von euch zu
wissen / wessen sie sich zu euch zuversehen / und ob ihr gesinnet seid /dem
schelmischen Gobares beistand zu leisten / alsdann saget man euch ab auff Leib
und Leben. Herkules wahr hierüber so voller freuden / dass er sein selbst vergass
/ setzte seinen Helm ab / dann er kennete Leches / und sagete: Wie nun mein
geliebter Freund /hat unser GOtt euch zu so glückseliger Stunde hergesand / mir
meiner Seelen Lust zu retten? trauen ich werde satsame Ursach haben / eure Träue
zuerkennen. Leches sprang alsbald vom Pferde / warff Helm und Schwert hinweg /
küssete ihm die Hand / und weinete vor freuden / sendete auch alsbald einen
Reuter zurück / dieser Freunde gegenwart anzumelden; dessen Fabius hoch erfreuet
ward / schikte seiner geworbenen Reuter einen an Ladisla / und liess ihm sagen.
Es hielte dort bei dem sieghaften Heer ein Ritter / der nähst demühtiger
begrüssung bei ihrer Durchl. umb verzeihung bitten liesse / dass er ehmahls
ungeträue Gesellschaft geleistet / und sie verlassen hätte. Ladisla kunte solcher
geschichte sich nicht erinnern / und antwortete: Ritter / mit meinem wissen habe
ich nie dergleichen unträuen Gesellen gehabt; da ich aber seinen Nahme wissen
sollte / möchte ich mich dessen besiñen. Dieser sagte / wie wollte eure Durchl.
den Nahmen eines so bekanten Freundes nicht wissen welcher dort herreñet / eure
Durchl. selbst zu sprechen. Ladisla erwartete sein / wusste nicht wovor er ihn
halten sollte / weil er mit verschlossenem Helme daher kam /uñ mit verenderter
Stime ihn auff Persisch also anredete: Durchl. Fürst / ein ehmahls
abgestrichener Landsknecht / hat seinen fehler erkeñet / uñ sich wieder finden
wolle / nachdem er sich keiner Gefahr mehr zubesorge hat / uñ fortin in
sicherheit reiten kann; zweifelt nit / es werde der verlohrne Fabius wiederum
köñen angenommen werden. O mein herzgeliebter Bruder / antwortete Ladisla /
lebet ihr noch? ei Gott lob Gott Lob! nun bin ich mit allem wohl zufrieden /und
werde mit frölichem Angesicht dereins wieder vor euren und meinen H. Vater
treten können; Aber wie hat mein Bruder sich so lange können verborgen halten?
Fabius antwortete / ich bin nicht allerdinge verborgen gewesen / sondern habe
meinen Wandel geführet in Ketten und Banden / unter Schlägen uñ Streichen / in
Mühe und unflätiger Arbeit / bald Leibeigen bald frei / und zum andernmahl mit
meinem eigenen Gelde von mir selbst verkauft / womit wir uns vordissmahl nicht
weiter betrüben wollen; nur freue ich mich / dass mein abgesagter Feind Gobares /
der mich unterschiedlichemahl zuermorden gesucht /unter meine Hände gerahten
ist. So hat der Schelm unser aller Feind und Mörder sein wollen / sagte Ladisla;
O wann er nur mit einem Halse bezahlen könnte! Das Fräulein wollte ihren lieben
Herkules auch erfreuen / setzete sich mit Euphrosynen und Libussen in eine
Gutsche / und fuhr geschwinde hin zu ihm. Er gedachte bald / was vor ein Schaz
auff dem verdekten Wagen sein würde / und rante ihr auff seinem Blänken frisch
entgegen / welches sie ersehend / vom Wagen sprang / und seine Näherung mit
liebscheinenden Auglein erwartete / da er auch vom Pferde stieg /und ihr mit
offenen Armen entgegen trat / sie einander auch nicht anders empfingen / ob
währe sie etliche Jahr lang geschieden gewesen / und sagte sie mit trauriger
Stime zu ihm: Herzgeliebter Schaz / darff auch die geraubete Valiska sich
kühnlich wieder zu ihrem Fürsten hinbegeben? Ach mein Herz / sagete er / warumb
fraget sie solches? ist euch etwa wieder euren Wille Schmach angeleget / so
schlaget es / bitte ich /aus dem Siñe / nachdem der grundgütige Gott uns wieder
zusammen gefüget hat. Ja freilich ist mir Schmach angetahn / sagte sie / aber
Gott Lob / ohn alle verletzung meiner Ehren / welches ich bloss nur der
barmherzigkeit Gottes zu danken habe / welcher des FrevelersMuht und Macht
gebrochen / uñ ihm alle Gelegenheit gehindert hat; wiewol er dannoch die Straffe
ausstehen soll / weil ich ihn in meiner Gewalt habe. Als Herkules diese angenehme
Zeitung hörete /küssete er sie herzlich / und sagete: Ey so bin mit meines
lieben Gottes väterlicher Züchtigung ich wohl zu friede / nachdem Ehre uñ
Keuscheit erhalten ist. Aber was treten dort vor schöne Fraue her? die gewisslich
dieser LandesArt nicht sind. Das Fräulein lachete / wollte sie doch nicht nennen
/ sondern winkete ihnen / fortzugehen. Fr. Euphrosyne und Libussa traten voran /
Brela und Agata folgeten / kehreten sich an das Fräulein nicht / sondern
stelleten sich mit tieffer Neigung vor Herkules / da die erste ihm die Hand
küssen wollte / welches er doch nicht zugab / sondern im umbfahen sie freundlich
küssete / und mit grosser Verwunderung zu ihr sagete: O ihr meine geträue und
werte Freundin / was bewäget sie immermehr / diese ferne Reise zutuhn? Durchl.
GrossFürst / antwortete sie / die häupt Ursach unser aller ankunft ist das
Verlangen / das aller volkommenste Menschen-Par dieser Welt zu sehen / und uns
ihnen zu Dienste zuergeben. Meine neben Ursach ist / dass ich das mir in
verwarung gegebene Ringelein / wieder einliefern möge /ehe ichs verliere /
welches ich hiemit untertähnig einreiche. Frl. Valiska keñete solches alsbald /
nam es ungeheissen zu sich / und sagete: Geliebte Freundin /dieses stehet
eigentlich mir zu / drumb habe ich beides vor gute Verwahrung und vor eure
überkunft zu danken. Meine geliebte Wase Agata / fuhr jene fort /nach dem sie
berichtet ist / dass ein so teurer Fürst sie von dem kalten liebes Feur des alten
Mannes / und gar zu heissen Flammen der unverdiente Straffen erlöset / hat sie
ihre Schuldigkeit nach vermögen abzulegen / mit mir reisen wollen. Meine
Schwester Libussa kann durch beredsamkeit ihre Notturft selber wohl vortragen /
würde sie sich dessen etwa schämen / erkenne ich mich schuldig / ihr Wort zu
reden; Kurz zu melden; sie kömt / untertähnigst zu danken / dass ihre Gn. den
bewehrten Arzt ihrer Krankheit hat senden wollen / der das geängstete Herz gar
sanft und glücklich geheilet hat; währe er aber fünff Stunden länger aussen
blieben / hatte man sich schon erkläret / ihn aus der vermeinten Gefängnis los
zu machen. Fr. Brela / halte ich / sei meiner Gn. Fräulein halben mit überkommen
/ umb zufragen / was vor einen Rükweg deren Durchl. zuhalten willens / weil sie
zu Tyrus durch freihische Gedanken verhindert worden / solches zuerforschen; und
nachdem sie etwas furchtsam ist / uñ nicht gerne allein schläfft / hat sie ihren
liebsten / ihres liebsten Schwester wolt ich sagen / mir auff gesprochen. Das
Frl. hatte grosses gefallen an dieser beredsamen Frauen Kurzweil / da Libussa
sich schon fertig hielt / ihr eins wieder anzubringen / durffte aber Herkules
nicht in die Rede fallen / welcher Euphrosynen zur Antwort gab: Geliebte
Freundin; ihr freundwilliges Herz gegen mich / hat sie mir schon gnugsam
zuerkennen gegeben / da ich als ein Ubeltähter vor ihren Augen stund /wovor ich
ihr Zeit meines Lebens werde schuldig bleiben; und nun folget sie meinem
hochgeliebten Fräulein und mir / einen so beschwerlichen fernen Weg über Meer
und Land; dürfte auch schier errahten / dass die übrigen meine sämptlich geliebte
Freundinnen durch ihr Auffmahnen hierzu beredet sind / und also auch deren
gewünschte Gegenwart wir ihrer guten befoderung zu danken haben; empfing hier
auff die andern ebenmässig / und bedankete sich ihrer Ankunft. Noch hätte
Libussa sich gerne an Euphrosynen gerochen / ward aber durch Klodius dran
verhindert /welcher sich vor Herkules in die Knie setzete / und bei dieser Rede
ihm die Hand küssete; Durchleuchtigster Fürst / Gn. Herr; euer Durchl. ich
unwirdiger Knecht habe nicht umbhin gekunt / dieses gute Glük zuergreiffen / und
deroselben untertähnigst zu folgen /nachdem euer Durchl. ich alle meine Wolfahrt
nähst Gott zu danken habe; bitte demnach untertähnigst /dieselbe wollen mich in
den ehmahls bedienten Platz gnädigst wieder auffnehmen / welches mir ungleich
angenehmer als meine Paduanische Oberhäuptmanschaft sein soll. Herkules richtete
ihn auff und antwortete: Mein geträuer und lieber Freund Klodius / eure ankunft
ist mir sehr lieb / werde mich auch bemühen solche Träue zuerkennen; dass ihr
aber euch verringern / uñ in einen nidrigern Stand treten soltet / würde ohn
meine Undankbarkeit nicht geschehen können; muss also dahin trachten / dass ihr
mit grössern Ehren und Nahmen aus diesen Ländern scheidet / als ihr hinein komen
seid; und nicht allein ihr / sondern alle / die aus gleichmässiger zuneigung uns
gefolget sind. Nach diesem stelleten sich Markus / Neda uñ Prinsla bei Herkules
ein / und wurden sehr freundlich empfangen. Zu allerlezt trat auch Neklam herzu
/ der eine Feldwebelschaft unter den Böhmen bedienete / hatte sich aber von dem
Fräulein noch nicht sehen lassen / kniete dissmahl vor Herkules und ihr nider /
und sagte: O gnädigstes Fräulein / dass ich nun von den Göttern Flügel erbitten
könnte / umb nach Prage zu fliegen /und meiner allergnädigsten Königin ihrer
Durchl. Wolergehen anzumelde. Sihe da Neklam / sagte sie /hastu in dem
unglückseligen Flecken nicht Wunden gnug empfangen / du must sie auch hier suchen
gehen? Ja / antwortete er; ich bin heut durch diesen Arm / den linken zeigend /
geschossen / aber sanftere Wunde ist mir nie geschlagen. Gib dich zufrieden /
sagte sie / ich will sie dir verbinden / dass du dichs erfreuen solt. Er meldete
darauff des alten Wenzesla untertähnigsten Gruss an / und dass derselbe gerne
diesen Zug mit getahn hätte / wann seine Königin es nur hätte erlauben wollen.
Das Fräulein nam den Gruss mit guter freundligkeit an / und übergab Neklam ihrem
Herkules zum geheimen Diener an Gallus statt /weil ohndass derselbe wegen der
Kriegsgeschäffte ihm nicht auffwarten kunte. Die andern wahren unterdessen nach
Ladisla gangen und hatten die Gebühr abgelegt / der sich über ihrer Ankunft nit
wenig freuete. Damahls ritte Artaxerxes hin zu dem Fräulein / stieg vom Pferde /
und redete sie also an: Durchl. Fräulein; ich erfreue mich von Herzen / wegen
euer Liebe geschehenen wunderbahren Rettung / neben angehängter Bitte / keine
ungleiche Gedanken von den Morgenländischen Fürsten in gemein zufassen / ob
gleich ein Schand-Bube sich unter ihnen hat wollen finden lassen. Durchl. Fürst
und Herr / antwortete sie; Ihrer Liebe Auffrichtigkeit werde weder ich noch
jemand in zweifel zihen / nachdem dieselbe viel zu ädel ist / Untugend zu
schützen / vielweniger zubegehren; baht ihn nachgehends / er möchte neben
Herkules / Ladisla und Fabius einen geringen Abtrit mit ihr nehmen /weil sie
etwas vorzutragen hätte; und als ihr dieses gerne verwilliget ward / neigete sie
sich tieff / und sagte mit ernstaften Geberden: Grossmächtiger GrossFürst und
Herr: wann die HochFürstliche Verbündnis einen ihres mittels gewust hätten / der
ein so löbliches hochwichtiges Werk zu handhaben düchtiger währe /würden sie
ohnzweifel denselben darzu haben erkohren; aber freilich ist das einhellige Los
billich auff eure Durchl. gefallen / weil Gott selbst deren Seele mit klugem /
tapferen und gerechten Muht weit vor andere begabet / damit durch ihre Versehung
und Weissheit / dem bösen gesteuret / gewaltsamkeit auffgehoben / Schande
getilget / uñ Gerechtigkeit erhalten werden möge. Dieses gibt mir ungezweifelte
Versicherung eure Durchl. werde mir gnädig gönnen / mit dem boshaften Räuber
nach Recht zuverfahren / auff dass andere ein Beispielnehmen / sich solches
Bubenstüks zuentalten / welches in keines Menschen Herzen auffsteigen kann / er
habe dañ alle Ehr und Redligkeit verschworen uñ aus seiner Seele verbannet.
Artaxerxes neigete sich hinwieder gegen sie / und antwortete: Durleuchtigstes
unvergleichliches Fräulein; das hohe Lob / von euer Liebe mir gesprochen
/reichet noch lange an mein unvermögen nicht / wiewol die Begierde Fürstlich
zuhandeln / ich bei mir gerne wollte spüren lassen; wann ich nun dieses
unredlichen Räubers mich einiger Weise zum Schuz annehmen wollte / was tähte ich
anders / als dass ich mich in gleichmässige Schuld und Bosheit stürzete / in
welcher dieser Unflaht öffentlich ergriffen ist? So hat nun eure Liebe völligen
Gewalt diesen verwägenen Buben an Leib und Leben zustraffen / welches Herr
Fabius schon vor meiner Ankunft erstritten / und zu leisten gute Mache gehabt
hat. Das Fräulein bedankete sich des erbietens / und hielt weiter an / dass der
Räuber möchte vorgefodert werden / damit er nicht allein ihrer durch Gottes
Gnade erhaltenen Ehre Zeugnis gäbe / sondern auch Ursach seines frevelhaften
Vornehmens anzeigen / und davor antworten möchte. Solches ward ungeseumet ins
Werk gerichtet / uñ er gebunden herzu geführet / da er mit erschrockenem
Gewissen daher trat / und von Artaxerxes mit diesen Worten zu Rede gestellet
ward: Du boshafter Dieb und Räuber / sagte er / was vor teuflischer Getrieb hat
dein verhuhrtes Herz gereitzet und kühn gemacht /eine so schändliche Taht
zubegehen / welche nie von keinem Fürsten erhöret ist? hatte dieser trefliche
Fürst (auff Herkules zeigend) sein geliebtes Fräulein zu dem Ende von des einen
Räubers Hand frei gemacht /dass sie in die deine wieder gerahten sollte? ja hatten
diese Helden umb unsere HochFürstl. Verbündnis verdienet / dass man ihnen die
ihrigen so diebischer Weise von der Seite hinreisse / da sie inzwischen ihr
Fürstl. Blut vor unsere Wolfahrt vergossen / und den Feind niderlegten / und du
nicht düchtig wahrest / mit einem einzigen SchwertSchlage dem gemeinen Wesen
hülffe zuleisten? und findest dich nun so geherzt /deine Verschlagenheit in
Schelmstücken ausszuüben? Gobares merkete / das seines Lebens nicht viel mehr
sein würde / wollte aber noch zulezt seiner Zungen freiheit gebrauchen / und
antwortete ganz verwägen: Artaxerxes / ich bin so wohl ein Fürst als du / und
weiss mein Fürstliches Geblüt ungleich weiter herzuhohle als du; so habe ich
meines tuhns und lassens dir durchaus keine Rechenschaft zugeben / warumb
setzestu dich dann selbst vor einen Richter ein / und darfst einem herschenden
freien Fürsten deine Urtel anbieten? Artaxerxes wollte sich hierüber eifern;
welches Herkules merkend / dem Räuber diese Antwort gab: Ihr ganz unvernünftiger
/ und aller Fürstliche benennung unwirdiger; wie seid ihr dann so gar verblendet
/ dass ihr nicht erkeñen möget / das ihr als durchs Schwert überwundener besser
tähtet / wann ihr umb Gnade anhalten würdet / als dass ihr lästert und trotzet?
Er aber wollte hierauff nichts antworten / sondern fuhr also fort: Höre
Artaxerxes was bildestu dir ein? verdreust dichs etwa / dass durch entführung
dieser unvergleichlich / schönen Fräulein (welche zurauben ein recht Fürstlich
liebes Werk ist) ich dich in deiner Niessung stören würde? oder schätzestu dich
allein vor einen Erkenner der wahren Schönheit? O Artaxerxes du betreugest dich
selber; ich habe bessere Augen als du / und mag ich ja so gerne geniessen als
du. Artaxerxes kunte sich weiter nicht entalten / und brach also los: Was
lästerstu SchandSchelm? legestu diesem züchtigen Fräulein Unzucht zu / welche
sie mit mir pflegen sollte? Ich halte es vor keine Unzucht /sagte dieser / wans
aus inniglicher Liebe geschihet. Ataxerxes wieder antwortete: So wiltu mich
gleichwol bei diesen Helden in Verdacht bringen / als stünde ich nach
unzimlichen Sachen? und rechnest es vor keine Unzuch / da man einer verlobeten
Braut nach ihrer Ehre stehet? du oder ich müssen hierüber zuschanden werden /
und must deiner Verleumdung Ursachen anzeigen. Hiemit rieff er / man sollte
etliche SteckenKnechte und HenkersBuben her zu fodern /welche alsbald kahmen /
und Befehl empfingen / dass sie stündlich ein Werkzeug zurichten / und diesen
Verleumder foltern sollten / biss er bekennen würde /von wem / oder durch wessen
anzeige er solches hätte. Der Bube erschrak dieser Urtel höchlich / und fing an
sich zubedingen / man sollte mit ihm als mit einem Fürsten verfahren / der keine
Menschen wirklich beleidiget hätte. Aber die Schergen kehreten sich an nichts /
schlugen zween starke Pfäle in die Erde /legten ihn auff ein gemachtes Stel /
und führeten die näheste Gutsche herzu / befestigten ihm die Hände über
Häuptwerz an den Pfälen / und den andern Strik umb die Füsse geschlagen /
krecketen sie mit dem GutschRade umb / und zogen ihm alle Glieder aus den
Gelenken / dz er vor unsäglichen Schmerzen ein elendes Geschrei trieb / und
Herkules selbst zu Mitleiden bewägt ward / auch anhielt / man möchte ihn ohn
fernere Peinigung abtuhn. Aber Artaxerxes antwortete: Mein hochwerter Herr uñ
Bruder; es muss der boshafte Verleumder mir die auffgebürdete Unbilligkeit
beweisen / oder seine schändliche Lügen bekennen; wo nicht / soll er diese
Schmerzen biss an sein Ende leiden; dann wie dürfte eure Liebe ich kühnlich
anschauen / wann in deren Herzen ein solcher Stachel bleiben sollte? Gobares wahr
durch die Pein schon ganz mürbe gemacht / baht umb Gnade / wollte gerne alles aus
beichten / da man nur mit der Peinigung inne hielte. Also richtete man ihm die
Glieder wieder ein /und hiess ihn nieder sitzen / weil er Schmerzen halben nicht
stehen kunte; worauff er also anfing: Ich kann nicht gläuben / dass einiges
Mannes-bilde sich solcher übertreflichen Schönheit entalten könne / mit welcher
dieses Fräulein / ob allen Menschen dieser Welt begabet ist / wann ihm nur
einige Gelegenheit darzu offen stehet; weil du nun / Artaxerxes / so gute
Freundschaft mit diesen beiden Fremdlinge hältest /bildete ich mir ein / sie
würden dir ihre Schwester und Wase nicht versagen / und du der niedlichen Kost
schon genossen haben / deren ich auch schon allernähest wahr / und bloss nur
dieser falsche Kleon mich daran verhindert hat / der mir schon anderwärz im
Grase gehütet / dessen ihn die hellischen Götter lohnen wollen. Bistu nun hieran
unschuldig / schreibe ich solches nicht deinem Unglück / sondern unverstande und
Blödigkeit zu. O du unkeuscher Bube / antwortete er; also urteilestu von andern
nach deinem viehischen Sinne; zwar mich wird vor erst mein Gewissen /hernach
dieses Durchl. keusche Fräulein / von deinem falschen Argwohn leicht
losssprechen; dir aber soll nach deiner Beichte die Straffe gesprochen werden. Als
jener diese Urtel hörete / baht er um einen schleunige Tod / und bekennete /
sein Bagoas und der Fräulein-Magd hätten den Anschlag gemacht uñ ins Werk
gerichtet / ohn deren zuschürung er das Herz nimmermehr gehabt hätte / solches
vorzunehmen. So bedenket nun mein Fräulein / sagte er weiter / das alles mein
beginnen aus übermässiger Liebe / und nicht aus Feindseligkeit entstanden; ja
bedenket / dass euch meinetwegen nicht die geringste Ehrenkränkung begegnet ist /
und helffet bitten / dass mir der Tod ohn sonderliche Pein angetahn werde /
nachdem ich dessen schon gnug / uñ mehr als einem Fürsten je begegnet /
aussgestanden habe. O du zernichteter Bösewicht / antwortete sie / nennestu deine
vihische Unkeuscheit eine Liebe? wahre Liebe hat mit der Untugend durchaus keine
Gemeinschaft / und hättestu mich geliebt /würdestu solches zu meinem besten /
nicht zu meinem Verderben getahn haben. Dass mir aber meine Ehr und Keuscheit
unversehret blieben ist / danke ich bloss und allein Gottes Barmherzigkeit /
welche deinen Vorsaz verhindert / dein Vermögen gebrochen / und die Gelegenheit
dir benommen hat; jedoch / dass du oder deine Verwanten mich keiner Grausamkeit
beschuldigen mögen / kann ich wohl leiden / dass dir das Leben geschenket / und du
mit einem Stabe und Zehrpfennige abgewiesen werdest. Ladisla redete ihn hierauff
an /und sagete: Gobares / bekenne mir doch / warumb du eine solche Verräterei
angerichtet / dass du mich und meinen Bruder hast wollen durch deine Leute in der
Schlacht hinrichten lassen / wodurch du ja dem algemeinen Feind den Sieg würdest
in die Hand gespielet haben? und leugne mir nicht; dann dein verrähterischer
Mitrazenes / welchen ich in Ketten und Banden habe / hat schon völlige
Bekäntnis abgelegt. Dieser antwortete; die Liebe währe Augen- und Sinnen blind /
welche ihm solches alles an die Hand gegeben / weil er wohl gewust / dass so sie
leben würden / er das Fräulein nicht lange hätte behalten mögen / und währe ihm
bei jezt gestalten Sachen herzlich lieb / dz der Anschlag nicht gerahte währe.
Artaxerxes fing hierauff zu dem Fräulein an: So kann ihre Liebe noch ihre Simme
geben / dass ein solcher schändlicher Verrähter / welcher auff einmal ihrer
eigenen Ehre / ihres Herrn Bräutigams und Herrn Bruders Leben / und der Fürstl.
Verbündnis Wolfahrt nachgestellet hat / das Leben behalten solle? Doch wolan /
damit eure Liebe sehe / wie hoch ihr Wort bei mir gelte / soll der Diebische
Menschen Raub ihm in der Urtel nicht zugerechnet werden / aber dass er dem
algemeinen Feinde hat wollen den Sieg in die Hand spielen / und unsere
hochverdiente FeldHerren ermorden / da durch hat er verdienet / das er lebendig
gespiesset / oder ans Kreuz geheftet werde. Herkules aber redete ihm ein / er
möchte ihm zugefallen sich seiner Gnade erinnern /und dem verbrecher das Schwert
wiederfahren lassen; welches er auch erhielt / weil Gobares selbst deswegen
einen Fussfal taht / und auff erlangung sagete: Nun will ich mit meinem Blute
gerne bezahlen / was ich verschuldet habe / wünsche auch / dz alle Fürsten und
Gewaltigen sich an mir spiegeln / sich vor Schmeichler und Fuchsschwänzer hüten
/ uñ ihren Begierden den Zaum nicht weiter / als Erbarkeit gönnet / schiessen
lassen mögen; in der Jugend hatte ich mir vorgenommen eine solche Lebens Art zu
wählen /welche bei ehrliebenden Ruhm und Lob verdienet /aber durch gegebene
ärgernis meines Vaters / und reizung deren / die aus meiner Freiheit ihren
Vortel sucheten / bin ich von solchem Vorsaz abgeleitet worden; also geschihet
mir nun endlich / wie ichs verdienet habe / bitte auch alle und jede so ich
beleidiget /umb vergebung / allein den falschen Kleon nicht. Ey so habe ich umb
so vielmehr Ursach / sagte Fabius /deine boshafte Schelmstücken auszutragen.
Artaxerxes kunte ihn länger nicht vor sich sehen / deswegen ihm der Kopff
herunter geschlagen ward. Es wahren noch 9000 zu Fuss und 10000 Reuter von
Gobares KriegsHeer übrig und gefangen verwahret / dieselben wurden auffs neue in
Pflicht und äide genommen /wozu sie sehr willig wahren / verfluchten auch ihren
gewesenen Fürsten / der sie bei solchen Schelmstücken hätte gebrauchen wollen.
Drei ihrer vornehmsten Obristen / und acht andere Ritter wurden an Ketten gelegt
/ auff welche die Magd bekennete / dass sie diese Taht ins Werk gerichtet hätten.
Nun hatten unsere Helden biss daher nicht muss gehabt / nachzufragen / woher ihnen
dieses wolgerüstete Volk kähme /wiewol sie die Teutschen an ihrer Farbe und
kräftigen Gliedern leicht kenneten / ruffeten Leches zu sich /der sein Vorhaben
schon angeordnet hatte / dass alle Fähndriche / so wohl Römische / als Teutsche
und Böhmen herzutreten / und dem Fräulein ihre Fahnen zun Füssen niderlegen
sollten / mit bitte / dieselben vor die ihren zuerkennen und anzunehmen / weil
sie ihrer Durchl. zu Dienste und ehren von der Grossmächtigen Königin in Böhmen /
Fr. Sophien gerichtet währen. Das Fräulein bedankete sich der Ehren / welche sie
billich erkennen müste / schätzete sich aber derselben ganz unwirdig /
insonderheit / weil ihr Herr Bruder König Ladisla / und ihr versprochener
Bräutigamb GrossFürst Herkules gegenwärtig währen; mussten also Herkulessen die
Teutschen / Ladisla die Böhmen / und Fabius die Römer zugewiesen werden /ohn
Klodius und Markus brachten ihre eigene selbst herzu / und redete jener in ihrer
beider Nahmen also: Durchleuchtigste gnädigste Fürsten und Herren; nachdem diese
beide Fähnlein über tausend Reuter wir vor uns selbst / zu untertähnigstem
Dienst und Gehorsam / euren Durchleuchtigkeiten gerichtet / als ist unsere
demühtigste Bitte / dieselben als ein geringes jedoch begieriges Zeichen unserer
dankwilligen Herzen /gnädigst anzunehmen; dann mit dieser unser Mannschaft sind
wir ausdrücklich ausgezogen / vor unsere gnädigste Herren entweder frölich zu
sterben / oder mit und bei ihnen glücklich zu leben. Unsere Helden verwunderten
sich der grossen Träue dieser beider /angesehen sie ihnen weder untertahn / oder
sonst verpflichtet wahren; uñ gab ihnen Ladisla zur Antwort: Eure redliche
Gemühter haben wir schon vor diesem gnugsam erkennet / aber anjezt lasset ihr
sie Sonnen klar leuchten; doch seid versichert / es soll / da wir leben / zu
eurem Glük und Ehren aussschlagen; wir nehmen die angebohtene Völker gerne an /
wollen ihnen auch redlichen Gold verschaffen / und sie auff Plätze führen / da
Ehr und Gut kann erstritten werden. Nach diesem taht Leches seine Rede an
Herkules mit diesem Vorbringen; Durchleuchtigster GrossFürst /gnädigster Herr /
der Grossmächtigste unüberwindlichste GrossFürst und Beherscher der Teutschen
/GrossFürst Henrich / euer Durchl. Herr Vater / hat mir 6000 Mann von ihrer
Hocheit Leib-Reuterei zugestellet / und zu mir gesprochen; zeug hin Leches / und
sage meinem Sohn Herkules / dass er den Zweg aller seiner handelungen lasse die
Tugend sein; alsdann wird er Teutsch handeln; Hier schicke ich ihm eine geringe
Schaar Reuter / ja so willig zum Tode als zum Leben; sollte ihm aber ein
mächtiger Feind zuwachsen / dessen Land und Leute zugewinnen er vorhabens währe
/ soll er mir solches schleunig zuwissen machen / alsdañ will ich ihn mit 150000
streitbahren Teutschen verehren / und biss zur Stelle mit zehrungs Kosten sie
frei halten. Herkules fragete ihn / ob er dann in Teutschland bei seinem H.
Vater gewesen; Nein /antwortete er / sondern ihre Hocheit neben dero Gemahl und
Frl. Tochter kahmen in einer Stunde mit mir zu Prage an / nicht ohn sonderbahre
schickung Gottes. Neda hatte unterdessen die 300 Bömische ädelknaben sich mit
ihren zu Padua empfangenen Kleidern aussputzen lassen / traten mit ihrem Führer
Prinsla daher / und wendeten aller anwesenden Augen auff sich hin. Sie neigeten
sich gegen die Fürstliche Gesellschaft / und hielt Prinsla diese Rede zu Ladisla:
Grossmächtigster König / gnädigster Herr; diese 300 Böhmische ädelknaben /
stellen sich auff meiner gnädigsten Fr. Königin / und ihrer selbst eigenen
Eltern Befehl hieselbst ein / auff ihrer Durchl. Leib zu warten / und aus dero
Tuhn und Wesen zulernen / was gestalt sie dereins ihrem Könige und dem
Vaterlande können ersprisslich sein. Wer hat sie dann so schleunig aussgeputzet?
fragete er. Ihrer Durchl. Gemahl zu Padua / gab er zur Antwort / deren Durchl.
mir dann gnädigst befohlen / bei ihrem Herzallerliebsten Gemahl dieses zu werben
/ dass so oft ihre Durchl. diese ihre ädelknaben ansehen würde / dieselbe ihres
herzlichen Verlangens sich dabei erinnern / und die Rükreise beschleunigen
möchte. Artaxerxes sah nunmehr /was vor Gäste / er bei sich hatte / und gab
seine freude durch mannicherlei bezeugung an den Tag; welches Herkules merkend
zu ihm sagte; Durchl. Fürst /ich meine / wir haben noch so viel Tageszeit übrig
/dass wir unsere wenige Leute mustern können / welche alle in ihrer Liebe
Diensten leben und sterben sollen. Er bedankete sich des Erbietens / und
versprach ihnen hohen Sold. Anfangs besahen sie die Römischen Völker / an denen
sie satsames Genügen hatten; nachgehends zogen Klodius und Markus mit den ihren
auff /unter denen man keinen undüchtigen Mañ fand. Darauff folgeten die Böhmen /
und endlich die Teutschen / welche Artaxerxes nicht gnug beschauen kunte; dann
er hatte auff der Wahlstat mit verwunderung angesehen / wie etliche Susianer in
der mitte des Leibes als eine Stekrübe abgehauen wahren; nahm ihm deswegen vor /
da ers bei Herkules erhalten könnte / sie nimmermehr zuverlassen. Nach gehaltener
Heeres Beschauung redete Artaxerxes unsere Helden also an: Hochwerte Herren und
Freunde / ich erinnere mich /dass unser keiner heut diesen Tag weder Speise noch
Trank genossen hat; ist demnach nöhtig dass wir uns nach dem nähesten Flecken
machen / auff dass dem Leibe auch die Notturft gereichet werde / nachdem die
Gemühter befriediget sind. Leches zeigete an / ihre Feldköche und Schenken
hätten zur Notturft bei sich /womit alle anwesende Völker könten gespeiset
werden; uñ da die HochFürstl. Gesellschaft mit einem Zeltlager vor gut nehmen
wollten / könnte man darzu auch gelangen. Der Vorschlag wahr ihnen allen angenehm
/ daher ein grosses Feldlager von drei unterschiedlichen Plätzen abgestochen
ward; einer vor die Persen / der ander vor die Susianer / der dritte vor die
Fremden / welche wegen gemachter Beute von dem ganzen Susianischen Heer erobert
/ guter Dinge wahren. Herkules und das Fräulein gingen vor der Mahlzeit ausser
dem Lager umbher / tahten ihr Gebeht zu Gott / wegen geschehener gnädigen
Rettung / und beredeten sich nachgehends / wie sie inkünftig ihre Sachen
anzustellen hätten; ihre Stimme ging dahin / man möcht die Rükreise nach Padua
erstes Tages fortsetzen / auff dass ihre hochbekümmerte Fr. Mutter getröstet /
und Ladisla Gemahl erfreuet würde. Aber Herkules führete ihr zu Gemüht / es
würde ein Zeichen grosser Undankbarkeit sein / dürfte ihnen auch zur verzagter
Kleinmühtigkeit gerechnet werden / wann sie nicht zuvor der Häupt-Schlacht
beiwohneten; welches sie ihr gefallen liess / wiewol mit dem ausdrücklichen
vorbehalt / dass sie nicht von ihm bleiben / sondern mit fortgehen wollte. Welches
er ihr dañ bewilligte / jedoch nach versprechung / sich in kein Gefechte mit
einzulassen. Die fünff junge Frauen / insonderheit Euphrosyne und Libussa /
wahren sehr bemühet / die Mahlzeit anzurichten / schaffeten auch so viel / an
herrlichem Zuckergebak / dass Herkules fragte / ob solches von ihrer Hochzeit
übrig währe; welches Fr. Agata / bejahete. Artaxerxes vernam aus Fr.
Euphrosynen Rede / dass sie eine Griechin wahr / fragete sie demnach / ob sie der
beide Herren / Parmenions und Perdickas keine Kundschaft hätte / deren
langwiriges aussenbleiben ihn wundernähme / massen er dem ersten zimliche
Wechsel als seinem bestalten Obristen übergemacht hätte / eine Anzahl Völker
davor zu werben; der andere währe vor diesem sein Spiessgeselle gewesen / dem er
seine Anverwantin gefreiet. Euphrosyne ward dieser Rede etwas bestürzt /
erhohlete sich aber bald / uñ antwortete: Grossmächtiger GrossFürst /eure Durchl.
suchen die Todten bei den lebendigen /wie ich wohl berichten kann / und dessen
gute Wissenschaft habe; massen Parmenions Bruder mein erster Ehegemahl gewesen /
und Perdickas meiner Wasen Fr. Agaten nähester Anverwanter; ob nun etwa diese
beide euer Durchl. lieb mögen gewesen sein / zweifele ich doch nicht / diese
beide Fürsten gegenwärtig /werden bei deroselben etwas mehr gelten / welches ich
nicht ohn Ursach rede. Vielleicht / sagte Artaxerxes / haben sie ihren bekanten
Hochmuht an meinen hochwerten HerrnBrüdern wollen sehen lassen / und haben
drüber den verdienten Lohn bekommen? Es verhält sich also / antwortete Herkules
/ und kann eure Liebe ich wohl versichern / dz mein Bruder Ladisla und ich dieser
beider wegen in die gröste Noht / uñ gar unter Henkers Hände gerahten / aber
durch Gottes sonderliche Gnade / und dieser beiden Tugendliebenden Frauen
Vorschub dem schändliche Tode entrissen; erzählete hierauff umständlich / was
sich zwischen ihnen zugetragen hatte. Worauff Artaxerxes diese beide Frauen
hochrühmete / und ihnen ein sonderliches Gnadengeschenk versprach / welches er
ihnen auff Herkules HochzeitFest lieferte / als etliche Kleinot / die ingesamt
auff eine Tonne Goldes geschätzet wurden; insonderheit wahr ihm liebe / dass
seine Wase sich gegen Ladisla so freundlich bezeiget hatte. Frl. Valisken wahr
ihres Herkules Gefahr nie so ausführlich erzählet / schlug Euphrosynen auff die
Schulder / und sagte: Meine geliebte Freundin / ihr habt eigentlich mir zum
besten diesen Fürsten beim Leben erhalten / dz will ich euch Zeit meines Lebens
geniessen lassen / so viel ich leisten / uñ euer Stand annehmen kann. Sie aber
antwortete in untertähnigkeit / es möchte ihre Durchl. sie nicht zu blöde machen
mit gar zu hohem erbieten / nachdem ihre geringe Gewogenheit (dann ausser dem
Willen hätte sie nichts vermocht) schon tausendfach ersetzet währe. Der Abend
wahr über der lanwierigen Erzählung hingelauffen / so hatten unsere Helden in
etlichen Nachten wenig geruhet / daher wurden ihnen die Schlaffstäte bereitet /
da Artaxerxes ein sonderliches Gezelt hatte; Fabius / Leches und Klodius
beieinander blieben; und Markus / wie untertähnig er sich entschuldigte /unserer
Helden Schlaffgeselle sein musste / welches ihn eine grössere Ehre sein dauchte /
als hätte man ihn auff des Römischen Käysers Stuel gesetzet. Das Fräulein
wählete Euphrosynen und Libussen zu Beischläfferiñen / wie sie wünscheten /
nahmen sie zwischen sich / und entkleideten sie miteinander / hatten auch ihr
Gespräch auff dem Lager etliche Stunden / und befahl das Fräulein / es sollte
Libussa ja so vertraulich mit ihr reden / als wan sie alle in währen. Weil auch
derselben unmöglich wahr / ihrer Libussen etwas zuverbergen / offenbahrete sie
ihnen beiden ihre Heimligkeit / dass sie ihres Herkules Gemahl schon von 20
Wochen währe / und von der Zeit her sich von Gott merkete gesegnet sein; welches
Euphrosyne also beantwortete: O mein Gn. Fräulein /wie habe ich dieses schon so
bald gemutmasset / als ich ihr empfangen sah; dann Eheliche Liebe lässet sich
nicht bergen / man wickele es gleich so kraus und bund als man will; bald
verrahten uns die Augen / bald die Hände / und ist leicht geschehen / dass in
Gedanken uns ein Wort entfähret / welches der Warheit wieder unsern Willen
Zeugnis geben muss; ich will aber eure Durchl. von der nöhtigen Ruhe nicht
auffhalten; wünschete ihr hiemit eine geruhige Nacht / uñ schlieffen biss an den
lichten Morgen / da Brela zu ihnen kam / und dem Fräulein ihre besten Kleider
anzulegen brachte / weil ihr Euphrosynen Röcke zu weit wahren. Der UnterRok wahr
Violen-Braun / mit einer SilbernGrund und köstlichem Perlen Gebreme; das
OberKleid / hoher Pomeranzen Farbe / mit Gold und Indianischen Perlen reichlich
gesticket / wobei sie allerhand nöhtiges leinen Gerähte gelegt hatte. Euphrosyne
nam es alles zu sich / legte es dem Fräulein an /und betrachtete inzwischen ihre
übermässige Schönheit / da sie sagte: Es währe nicht möglich einem Menschen zu
gläuben / dz die Welt ein so volkommenes Meisterstük hervorbringen könnte / wann
mans mit Augen nicht besähe; doch musste billich / sagte sie / euer Durchl.
unvergleichliche Seele in solcher treflich aussgeziereten Herberge wohnen / da
ihr nicht ungütlich geschehen sollte. Das Fräulein sah wohl /dass die Liebe sie zu
solcher Rede antrieb / und antwortete ihr: Geliebte Freundin; ich halte ihr
wollet mich gegen mich selbst verliebt machen; oder sehen eure Augen schärffer
als die meinen? Zwar dz sie mir nicht ungewogen sind / gibt eure Zunge gnug
zuverstehen / da ich doch wohl weiss / dass meines gleichen viel in der Welt sind;
und wer wollte mir in diesem Stük rahten / euren Worten zu gläuben / weil sie
ausgewogenheit herfliessen / welche das Urtel der Warheit leicht überschreiten
kann. Wie? sagte Euphrosyne / redet dann der trefliche Fürst Herkules anders als
ich? Mein Herkules / antwortete sie / spielet mit mir als mit einem Kinde / und
saget mirs vor / wie er meint  ichs gerne höre / deswegen habe ich ihm in dieser
Sache gleich so wenig zutrauen. Ey mein Fräulein /sagte sie / so trauet doch
euren selbsteigenen Aügelein / die mit ihren durchbrechenden Strahlen aller
ehrliebenden Herzen zu ihrem Dienste zwingen; und wollte Gott / dass ihrer Gn.
meine geringfügige Auffwartung gefallen könnte / und ich so bitselig währe /dass
dieselbe mich nimmermehr von der Zahl ihrer Leibdieneriñen aussschliessen wollte /
dann würde ihre Durchl. mich in meine höchstgewünschte Glükseligkeit versetzen.
Meine werte Freundin / antwortete sie /ich merke wohl / dass ihr in erkäntnis
meine Gedanken und Begierden / als meines Leibes / viel ein schäffer Gesicht
habet / weil ich gleich mit dem Vorsatze umbgehe / wie ich euch in meiner stets
wehrenden Gesellschaft haben und behalten könne; welches aber euch anzumuhten
mich nur abgeschrecket hat / dass euch und euren Liebsten die Liebe zum
Vaterlande zu sehr möchte eingenommen haben; weil ich nun euren guten Willen
vernehme / wo sonst euer Markus einwilligen wird / sollet ihr meine
OberkammerFrau /und Libussa meine OberHoffmeisterin sein / welches ich ihr schon
vor drei Jahren verheissen habe. Euphrosyne ward dessen überaus froh / und
antwortete: O meine Durchleuchtigste Fürstin; wie kann diese hohe Gnade ich
immermehr erkennen / die weder mein Verstand begreiffen / noch mein Wille
vergnügen kann /nachdem meiner Unwirdigkeit ich mich sehr wohl zuerinnern weiss;
doch gelebe ich der Hoffnung / eure Durchl. werden meine innigste Begierden
gelten lassen / da mein Vermögen an gebührliche Verrichtung dieses hohen Amts
nicht reichen kann. Meinen Liebsten betreffend / werde ich ihm die
alllerangenehmste Zeitung bringen / weil ohndass sein einziger Wunsch ist / die
Gelegenheit zu finden / welche ihn in stetswehrenden Dienste seiner Gnn. Fürsten
erhalten möchte. Libussa wahr hingange etliche trefliche Häupt-Bruft und
Armkleinot herzuhohlen / womit sie das Fräulein aussschmücken wollte / uñ als sie
wiederkam / sagte Euphrosyne zu ihr: Herzliebe Schwester /euer und mein Wunsch
ist nun erfüllet. Was? sagte sie / bleibe wir miteinander bei unser Gn. Fürstin?
ich vor mein Häupt / antwortete sie / habe mir einen guten Dienst aussgebehten.
Libussa stund und sah die Fürstin an / etwas zweifelnd / ob sie der ehemahligen
Zusage würde eingedenke sein / welche zu ihr sagete: Seid ihr beide dann eins
worden bei mir zu bleiben /muss mir solches sehr lieb sein / und ist unnöhtig
/dass ich dich deiner Hoffmeisterschaft eriñere / worzu ich dich schon vorlängst
bestellet habe. O Gn. Fürstin / antwortete sie / Ist eure Gn. der ehemahligen
Verheissung noch engedenke / die ich fürchtete längst vergessen sein? Nun; sagte
sie / so hastu an mir wohl zweifeln können / da du wohl weist / dass dir allein ich
mein ganzes Herz vertrauet habe? Durchl. Fürstin /antwortete sie; Zu jenerzeit
hatten ihre Gn. noch nicht was sie anjezt haben / und kunte mein Trost in etwas
angenehm sein / der nunmehr unnöhtig ist; so pfleget auch kindliche und
erwachsene Gnade selten überein zustimmen. Gut Libussa / gut / sagte sie / jezt
gibstu an den Tag / wovor du mich hältest / ungeachtet du so manniche Bewehrung
von mir eingenommen hast; erinnere dich wie oft hastu mein schwermühtiges Herz
und höchstbetrübte Sinnen durch deine TrostReden ergetzet / da ich sonst wegen
verlustes meines Herkules ohn zweifel untergangen währe / dessen du bei uns
beiden geniessen solt / weil die Seele in uns ist; dann du nähst Gott / hast
mich ihm erhalten / uñ mich mir selbst. Als Libussa dieses hörete / fiel sie
ihrer vorigen Gewohnheit nach ihr umb den Hals / küssete und herzete sie / neben
erinnerung der verlauffenen Dinge; zohe sie nachgehends auff ihre Schoss / und
legte ihr die Kleinot an sprechend: Ey wie soll meine ausserwählte Fürstin ihrem
Fürsten noch heut so wohl gefallen / dem treflichen Fürsten / desgleichen in der
Welt nit lebet / und ihm deswegen diese billich vorbehalten ist / vor deren
Schönheit alle andere erbleichen / und sich verkriechen muss. Die Fürstin lachete
ihrer / uñ sagte: Da höre ich recht meiner Libussen alte Geige / auff welcher
sie mir in der Jugend (ist noch nicht gar lange) pflag vorzuspielen; aber du
betreugst mich fortin nicht mehr also / sondern zeug hin nach Padua und singe
der vortreflichsten Fräulein von Rom / Frl. Sibyllen dieses Liedlein vor. Fräul.
Sibyllen? sagte Libussa / ja wohl Frl. Sibyllen; ich verachte den Mond nicht /
aber weit gefehlet / dass er der Sonnen angewinnen sollte / dessen er sich auch
nicht unterfähet / sondern es verlanget ihn vielmehr / dass dieser ihre
unvergleichliche Strahlen ihn anscheinen mögen. Du redest etwa aus Irtuhm /
sagte das Fräulein / in dem du meine Strahlen nennest / und Fürst Herkules seine
verstehest / welche diesen Monde /wie ich erfahren / rechtschaffen sollen
beschienen haben. Wie verstehe ich dass? fragete Libussa. Wie anders / sagte das
Fräulein / als dass Phæbus mit der wunderschöne Sibyllen (Dianen wollte ich sagen)
frisch gebuhlet? Ey ei / Gn. Fürstin / antwortete sie /dieser Eifer hat keinen
Grund / und so bald sie nur dieses Blut fromme Fräulein sehen wird / soll sie
diesen Verdacht bald aus den Ermeln auff die Erde schütten. Ich weiss nicht /
antwortete sie / was geschehen wird / aber dass weiss ich wohl / dass sie nicht viel
geringer als Braut und Bräutigam gespielet haben /welches ich meinem Herkules
verzeihen muss / als durch übermässige Schonheit darzu genöhtiget. Verzeihe es
euch Gott / sagte sie / dass ihr unschuldigen Leuten solches auffbürdet / obs
gleich euer Gn. Scherz ist; und redet mir nur weiters nicht ein / dann Frl.
Sibyllen Schönheit gleichet der euren noch lange nicht / welche sich überdass in
dieser Zeit über die helfte gemehret hat. Nun gewisslich / sagte die Fürstin / du
weist deines HoffmeisterinAmts dich redlich zugebrauche / masse mein liebster
SchazFürst Herkules selbst / mich kein mahl hat schweigen heissen. Da lieget
nichts an / antwortete Libussa / ich will euer Gn. es nit anhören / noch zu gute
halten / wann sie ihre eigene Schönheit beschimpfet / in welche ich mich
dergestalt verliebt habe / dass wann so viel bewehrter Völker nicht umb uns
hielten / würde ich bald der andere Gobares werden. Die Fürstin und Euphrosyne
lacheten der rede überlaut / und fragete diese: Schwester Libussa / was wollte
sie dann mit unser gnädigsten Fürstin anfangen / wann sie diesen köstlichen Raub
erhalten hätte. Ey ja / antwortete jene; so sähet man die jungen Füchse; dass
würde ich so überlaut hersagen; raunete hierauff der Fürstin etliche Wort ins
Ohr / und sagte hernach; Gnug von diesem; aber will eure Gn. mir auch versprechen
/ dass sie hernähst ihrer aussbündigen Schönheit keine verachtung mehr zulegen
wolle / die ich rühmen uñ vertähtige will so lange ein warmer Blutstropffe in mir
ist / dann ich gebe mich vor ihrer Durchl. Ritter an. Einen solchen Ritter müste
ich nicht aussschlagen / antwortete die Fürstin; ihr müst mich aber / Herr Ritter
/ nicht zu viel rühmen / noch mit unwarheit mich vertähtigen. Mit unwarheit?
sagte Libussa; ja wans die Noht erfoderte tähte ichs ausser zweifel / und
redete auff einandermahl die Warheit gedoppelt. Gleich trat Herkules zum Zelte
hinein / und schämete sich Libussa / dz in seiner Gegenwart sie die Fürstin auff
der Schoss hielt; welche aber deswegen nicht aufstund / sondern ehe sie ihn zu
Worten kommen liess / sagte sie zu ihm: Mein trauten Schaz / jezt sitze ich auff
meiner Trösterinnen Schosse / die mir auff solche Weise manniche Trähnen
abgewischet / auch wohl ein innigliches Lachen heraus getrieben hat. O der
unnützen Trösterin / sagte Libussa; Gott Lob und Dank / dass der Tröster selbst
zu gegen ist. Herkules umbfing sein liebstes Gemahl /fragte wie sie unter den
Zelten zwischen so lieben und anmuhtigen Freundinnen geruhet hätte / und sagte
zu den beiden Frauen; Ihr habt mein liebstes Engelchen treflich aussgeputzet /
gedenke / ihr seid gesonnen / sie mir noch künftige Nacht zuzuführen / es währe
dañ /dass meine Freundin Libussa zum Gobares würde. Hieraus vernahmen sie / dass
er ihre Reden draussen angehöret hatte / worüber diese sich schämete / dass sie
unter dem ganzen Angesicht roht ward / wollte auch davon lauffen / wann nicht
Euphrosyne ihr den Ausgang verwähret hätte; dessen aber die Fürstin von Herzen
lachte / und zu ihr sagte: Sihe da du Plaudermaz / da bistu einmal redlich
angelauffen; doch / ungeachtet Gott Lob meine Ehr unverlezt blieben ist /wollte
ich dannoch ein dutzet Tonnen Goldes drumb geben / dass ein solcher Gobares / wie
du bist / mein Rauber gewest währe. Ein so angenehmer Gobares zu sein / habe ich
auch nur gewünschet / sagte Libussa /hoffe demnach mein Gn. Fürst werde mir
meine Unvernunft gnädig verzeihen; ich erbiete mich aber / dass neben meiner
Schwester Euphrosynen / euer Gn. wir das allerschönste Fräulein der Welt diesen
Abend zuführen wollen. Dass soltu wohl lassen / sagte die Fürstin / oder ich würde
mich an demselben Fräulein hesslich vergreiffen. Gut gut antwortete sie / ists
dann kein Fräulein / so sols doch die allerschönste Fürstin der ganzen Welt
sein; und hat schon diese Nacht mich nichts so sehr geirret / als dass mein Gn.
Fürst nicht hat sollen meine stelle bekleiden. Dass sagestu sonst nirgends umb /
antwortete die Fürstin / als dass ich dich wieder deinen Willen diese Nacht / von
deinem Leches abgehalte habe. Hat eure Gn. diesen Weissager Geist zu Ekbatana /
oder zu Charas empfangen? sagte Libussa; weil ich aber mit meiner Schwester
Euphrosynen / wegen des Auffbruchs allerhand zubestellen habe / wollen ihre
Durchll. beiderseits unsern Abtrit nicht verargen; womit sie davon gingen.
Herkules erkennete ihre Höfligkeit / näherte sich zu seinem Schaz / und baht
inniglich / das ergangene aus dem Sinne zu schlagen / nachdem der boshafte
Mensch seine Straffe empfangen hätte. Sie versprach ein solches zu tuhn /
klagete doch mit Trähne /wie der gottlose Mensch seine ehebrecherische Augen an
ihr geweidet / da er stets neben ihr hergeritten /und mit vielen bewäglichen
Worten sie zu seiner Liebe bereden wollen / biss er endlich den Pusch / da die
Sänfte stehen blieben / erreichet / und schon etlichen befohlen hatte / sie
loszumachen / uñ gebunden hinter die Hecke zu tragen; aber Gottes Barmherzigkeit
/ sagte sie / kam mir dazumahl augenscheinlich zu hülffe; dann es erhub sich ein
Geschrei / es liesse sich ein KrigsVolk sehen / von denen man nicht wüste / ob
sie Freund oder Feind währen. Ich sah dem Bubenes eigen an / dass ihm das
Gewissen gerühret ward / weil vor schrecken alle lebendige Farbe ihm unter dem
Gesichte verging; Er liess auch meine Sänfte alsbald rings umbher zumachen / und
eine starke Schaar mich verwachen / da ich Zeit wehrender Schlacht mit tausend
ängsten beladen wahr / biss Herr Fabius bei mir anlangete / und meine blösse
vernehmend / mich mit seinem ReitRocke bedeckete / da ich von dem Frauenzimmer
bekleidet ward. Herkules hörete es mit nassen Auge an / weil bei der Erzählung
es ihr an Trähnen auch nicht mangelte; tröstete sie hernach mit den
allerfreundlichste Worten / uñ danketen sie Gott ingesamt herzlich vor diese
milde und väterliche Barmhertzigkeit / versprachen auch einander /dieses Unglücks
nicht mehr zu gedenken / sondern ergetzeten sich ein Stündiche durch ihr
gewöhnliches Liebegespräch / biss Euphrosyne wieder kam / uñ der anderen Fürsten
Ankunft vermeldete; denen sie entgegen traten / und Artaxerxes nach empfahung
das Fräulein also anredete: Wann ein Fürst / ja auch ein geringer Betler einer
Untaht beschuldiget wird / ist ihm erläubet seine Zeugen zuführen / welche / da
es möglich ist / seine Unschuld darstellen / und der Beklagte dadurch in seiner
guten Sache nicht allein der Schuld /sondern auch dem Verdacht entzogen werde;
wo nicht; muss der Kläger seine Zeugen / oder andern Beweisstuhm beibringen / und
den Beklageten der Untaht überführen. Nun hat aber / Durchleuchtigstes Fräulein
/ mein schändlicher Verleumder in meiner Anklage nur seine lügenhafte Zunge /
und ungegründeten Argwohn wieder mich dargestellet / welche er nachgehends nicht
allein selbst zu Lügenern gemacht / sondern auch überdz noch verzeihung seines
verbrechens gebehten / daher ich hoffe / nicht allein vor ihrem / sondern auch
vor meiner Herren BrüderGerichte / von solcher Bosheit lossgesprochen zu sein.
Sol ich aber überdass noch meiner Unschuld Zeugen heran ruffen; so stelle ich vor
erst mein rein-lauteres Gewissen / welches / wann es von ihren Liebten ingesamt
so wohl als von meinen inwendigen Augen könnte gesehen werden / würde ich
allerdinge frei und los sein. Ich ruffe überdass eure Liebe selbst zum Zeugen /
durchleuchtigstes Fräulein / uñ zweifele nicht / sie werde in einer so heiligen
Sache sich nicht wegern /der göttlichen Warheit und himlischen Gerechtigkeit zu
steur / dasselbe anzuzeigen / was ihre Wissenschaft erkeñet / und ihr Herz
gedenket. Schliesslich werden auch meine Herren Brüder sich gutwillig vernehmen
lassen / ob ich ihnen einige Ursach gegeben habe / dasselbe von mir zu
muhtmassen / dessen der Bübische Verleumder mich bezichtiget hat. Die Fürstin
wollte seiner entschuldigung länger nicht zuhören / die er mit sehr ernstaften
Geberden vorbrachte / uñ gab ihm zur Antwort: Grossmächtiger GrossFürst; der Gott
/ dem nichts verborgen sein kann / stehet an meiner Seite als ein unfehlbahrer
Zeuge / dass wie eure Durchl. mir nicht die geringste Ursach gegeben / dieselbe
in Verdacht zuzihen / also ist mir auch ein solcher gedanke nicht ins Herz
kommen / dass bei euer Durchl. ich mich dessen zubefahren hätte; so stehe ich in
gleicher Hoffnung mein Herr Bruder / und mein Herr Oheim Herkules / als mein
versprochener Bräutigam / werden ihnen dasselbe / meiner Zucht und ehrliebenden
Willens lassen Beweisstuhms gnug sein /dass der grosse König Artabanus weder durch
Geschenk noch liebkosen dasselbe von mir hat können erhalten / dass ich auch
meine Hand von ihm hätte berühren lassen / nachdem ich einmal von ihm
abgesondert wahr; zweifele demnach eure Durchl. gar nicht / dz dieselbe nicht
eben so unschuldig von meinem Herrn Bruder und Oheim sollte gehalten werden /als
von mir selbst. Ladisla sagte mit wenigen: Wañ er wissen sollte / dass seine Liebe
der GrossFürst ihn des Verdachts nicht erlassen könnte / ob sollte er dem
verrähterischen Buben mehr gläuben / als seinem blossen Nein / würde er in
seiner Gesellschaft sich nimmermehr frölich können finden lassen. Herkules
stellete sich dabei am traurigsten / und zeigete an; er hielte bei dieser
unglücklichen Begebnis dieses vor das unglücklichste / dass er sollte in Verdacht
gezogen werden / als zweifelte er an ihrer beider Zucht und ehrliebenden
Gemühtern; und beschloss hiemit: Es währe alle Gedächnis dieses Erzbösewichts
ganz überflüssig /welcher nirgend besser / als in dz Buch der Vergessenheit
eingeschrieben würde; mahnete sie ingesamt zum Auffbruche auff / und zogen in
schöner Ordnung fort / da das Fräulein sich mit ihrem Frauenzimmer in eine
grosse Gutsche setzete / und allerhand unterredung pflogen. Der elende Orsillos
sah jezt / was vor einen grossen Herrn er an Kleon ehmahls zum Leibeigenen
gehabt / und wahr ihm sein Verbrechen gegen denselben sehr leid / welches
zuerweisen / er zu ihm ging / und untertähnigst anmeldete / dass er die vier
Räuber / so ihn anfangs verkauft / unter den Susianischen Völkern gesehen /
denen er ihre Straffe wohl gönnen möchte / weil sie leider seine Gnaden in ihr
ehmahliges / und ihn selbst in diss gegenwärtige Elend gestürtzet hätten. Fabius
zeigete es Ladisla an / uñ wie unbarmherzig sie mit ihm verfahren / deswegen sie
alsbald vorgefodert / überzeuget / und nach erschreklicher prügelung / welche
Orsillos verrichten musste / an Bäume auffgeknüpft wurden.
    So bald die Fürstliche Gesellschaft zu Persepolis anlangete / gingen sie hin
/ Arbianes und Pharnabazus in ihrer Schwacheit zubesuchen / uñ erfreueten sich
diese wegen Fabius Ankunft. Nun wollte Artaxerxes seine Dankbarkeit unsern Helden
gerne in der Taht sehen lassen / und erklärete Frl. Valisken zu einer Fürstin
des ganzen Landes Susiana / welches sie erblich besitzen / und ihrem künftigen
Gemahl als ein HeirahtGut zubringen sollte. Und zwar hiedurch suchte er Herkules
in diesen Landschaften zubehalten /nicht zweifelnd / er würde durch seine
glücklichen Anschläge des Parten Macht und Hochmuht bald brechen / uñ die
Persische Freiheit befestigen. Valiska bedankete sich sehr der gar zu grossen
Königlichen Schenkung / welche von ihr ja nicht verdienet / sie auch weder
zuersetzen noch zubeantworten wüste /und deswegen einen kurzen Abtrit mit ihrem
Bräutigam uñ Bruder nam / denen sie diesen Vorschlag taht; weil ihr wohl bewust /
dass ihr Liebster nicht willens währe / in diesen Ländern seinen Siz
auffzurichten /und aber nach ihrem Abzuge des Fürstentuhms Susiana Einkünfte sie
schwerlich heben würden / als währe ihre Meinung / es H. Pharnabazus auff diese
Weise zuzuwenden / dass ers mit Frl. Barsenen als eine Heimsteur empfinge; also
könnte sie nicht allein dieses Herrn Träue / sondern auch dieser Fräulein Liebe
/welche sie ihr als ehmahligem Herkuliskus angebohten / auff einmal vergelten.
Dieser Vorschlag gefiel ihnen sehr wohl / gingen wieder ins Gemach / und gab sie
dem GrossFürste diese Antwort: Durchl. GrossFürst / die mehr als Königliche
Schenkung / aus welcher ihrer Liebe hohe Zuneigung gegen mich und die meinen
Sonnenklar erhellet / nehme ich mit gebührlicher Dankbarkeit an; befinde mich
auch neben meinen Herrn Bruder und Oheim / ihrer Liebe davor hoch verbunden;
demnach wir aber nicht willens sind / in diesen Ländern zuwohnen / sondern
grosses Verlangen tragen / nach unsern Eltern und Vaterlande; als bitte ich
demühtig / ihre Durchl. wolle ihr meinen Vorschlag gn. gefallen lassen / dass ich
dem wolgebohrnen und mit allen Tugenden aussgezierten Fräulein Barsenen dieses
Fürstentuhm erblich aufftrage /mit dem bedinge dass sie es Herrn Pharnabazus als
ein Heirat Gut und wirdige Ausssteur zubringen möge /da sonst derselbe zu diesem
Fräulein liebe tragen kann / welches ich gerne sehen möchte. Artaxerxes hätte
nimermehr gemeinet / dass Herkules und Valiska sich der Besitzung dieses
treflichen Fürstentuhms entschlagen würden; und gab zur Antwort: Trefliches
Fräulein / ich merke wohl / dass mein weiteres nöhtigen vergeblich sein / auch
dadurch meines geliebten Oheims gedoppeltes Glük verhindert würde; lasse mir
deswegen solches gefallen / und zweifele nicht / mein Oheim werde solches
wirklich zuerkeñen geflissen sein / auch dieses wirdige Fräulein mit solcher
Fürstlichen Aufsteur nicht aussschlagen. Pharnabazus wusste nicht / was er vor
freuden antworten sollte /richtete sich im Bette auff / und mit gebogenem Häupte
bedankete er sich untertähnig nahm auch den Vorschlag an / doch mit dem bedinge
/ dafern Frl. Valiska zur anzeige eines dankbahren Gemühtes dreissig Tonnen
Schaz / und jährlich / so lange sie und GrossFürst Herkules lebeten / drei Tonnen
Goldes von ihm annehmen / auch beiderseits den Nahmen eines Fürsten und Fürstin
zu Susa führen wollten. Hieran handelt mein Oheim Fürstlich / sagte Artaxerxes /
hoffe auch / das Durchl. Fräulein werde auff meine vorbitte sich nicht wegern /
dieses einzuwilligen. Sie wollte solches nicht beantworten / sondern baht
Herkules /ihre Stelle zuvertreten; welcher also anfing: Durchl. GrossFürst; es
ist das angebohtene gar zu viel; massen auff solche Weise dieses Fürstentuhm
nicht verschenket sonder teuer verkauft ist; weil ich aber Herrn Pharnabazus
Willen sehe / welchem zu wiedersprechen ich nur vergebliche Mühe anwenden würde
/ insonderheit / da eure Liebe es selbst rühmet / nehme ich solches im Nahmen
meiner versprochenen Fräulein an / wünsche euch / Durchleuchtiger Fürst / Herr
Pharnabazus / zu dieser Fürstlichen Hocheit / und zu der wolwürdigen Fräulein
Braut / Glük und Gottes Segen / wie eure Tugend und Mañheit es wohl verdienet /
und wird nichts mehr übrig sein / als dass die schnelleste Botschaft an H. Mazeus
und bevorab an GrossFürst Phraortes abgefertiget werde / damit ungemeldet unsers
vorhabens sie eiligst herüber kommen / und dieses Beilager Fest / mit meinem
zugleich möge gehalten werden / wie ich dann nicht zweifele / es werden die
Verwundeten allerseits gegen die Zeit genesen. Stündlich ward dieses ins Werk
gerichtet / und auff demselben Gemache Mahlzeit gehalten / da die Fürstin
erzählete wie es mit ihrer entführung eigentlich ergangen währe; nehmlich / es
hätte Gobares des dritten Tages nach unser Helden abzug gegen den Feind / ein
mit lauter liebes Waaren angefülletes Schreiben / an sie abgeschicket / welches
nach verlesung sie ihm zurücke gesand / und durch ihre Jungfer Amestris anmelden
lassen / dafern er dergleichen ansuchen sich nicht entalten würde / wollte sie
seiner Unkeuscheit mit blutiger Rache zubegegnen wissen; ob er schon vergessen
hätte was gestalt sie ihn bei dem Tanze abgewiesen? er / noch kein ander Mensch
sollte sie bereden / ihre teuer versprochene Träue zu fälschen; sähe auch ihn
Gobares / viel zu unwirdig ihrer Liebe an. Hierauff hätte er sich ausdrücklich
vernehmen lassen /er wollte dessen hinfort allerdinge müssig gehen / sie möchte
nur sein Ansuchen / Unglück zuvermeiden /niemand offenbahren. Des Abends vor
ihrer nächtlichen entführung währe sein Schmarotzer Bagoas zu ihr kommen / und
angehalten ihm ihre Leibdienerin Apame ehelich abfolgen zulassen / weil vor vier
Monaten schon er sich mit ihr versprechen; welches sie ihm nicht abschlagen
wollen / sondern biss auff GrossFürst Artaxerxes Wiederkunft aussgesetzet; womit
sie auch beiderseits friedlich gewesen. Ich liess aber /fuhr sie fort / mein
Gemach des Nachtes inwendig fest verriegeln / und musste diese lose Haut es ja
dissmahl in aller stille geöffnet haben; dann umb Mitternacht traten sechs
gewapnete mit brennenden Fackeln hinein / deren geräusche mich bald erweckete /
und mag wohl sagen / dass zeit meines Lebens ich niemahls höher erschrecket bin.
Dann sie hielten die Schwerter in den Fäusten / und dräueten uns allen den Tod /
da wir einiges Geschrei machen würden; wiewol meine Kleofis / wie auch Amestris
und Andia sich wenig dran kehreten / und sich ihrer Kehle weidlich gebraucheten
/ biss ihnen die Zunge mit einem Knebel gehemmet ward / welches mir gleichmässig
geschahe /und wurden wir an Händen und Füssen zusammen gebunden / und in die
verordente Sänften getragen; doch liess Gobares sich nicht bei mir finden / biss
wir schon einen zimlichen Weg fortgetragen wahren / und die lichte Sonne
auffging / da kam er herzugeritten an meine Sänfte / und baht höchlich umb
verzeihung wegen angelegter Gewaltähtigkeit / wozu ihn nichts als die
übermässige Liebe gezwungen; hoffete / ich würde sein ergebenes Herz erkennen /
und ihn zum Liebesten willig auff und annehmen / weil es ja durchaus nicht
anders sein könnte. Es ist ein dumkühnes Stük von einem verzageten Menschen /
sagete Artaxerxes / und hat der Unflat vor unkeuschen Begierden nicht absehen
können / wie es ablauffen würde.
    Leches und Libussa liessen sich anmelden / sie hätten etliche Schreiben
einzureichen / wurden auch alsbald vorgelassen / und übergab Leches vorerst H.
Ladisla seiner Fr. Mutter / Schwähers / und Gemahls Briefe; hernach H. Herkules
von seiner Fr. Mutter /auch von der Königin in Böhmen / von H. Fabius dem
Statalter zu Padua / und von Fr. Sophien. Endlich Herrn Fabius von seiner Fr.
Ursulen; welche alle miteinander begierig gebrochen und frölich gelesen wurden /
da Ladisla und Fabius wegen ihrer jungen Herrlein; Herkules und Valiska wegen
der Eltern freude über ihrer Heirat bericht empfingen / uñ sich daran herzlich
ergetzeten. Libussa wollte ihre empfangene Brieffe von Frl. Klaren an Herkules
und Frl. Valisken auch einliefern / und zugleich das überschikte Haaren Armband
/ welches Herkules alsbald umb den linken Arm legte / demnach er das von seinem
Fräulein zu Padua empfangene am rechten trug. Nach diesem taht Herkules wegen
der erhaltenen Schlacht wieder Vologeses volligen bericht / und liess Artaxerxes
die 15 Tonnen Goldes eroberter Beute einreichen /welche er aber durchaus nicht
annehmen wollte / sondern unsern Helden wieder zustellete / einwendend /er würde
gar zum undankbahren / wann er ihnen dass mit ihrem Blute erstrittene abnehmen
sollte. Der gefangene Susianer Mitrazenes ward neben Bagoas und der Verrähterin
Apame vor Gericht gestellet / und nachdem sie ihre Bosheit gestunden / anfangs
erschreklich gegeisselt / uñ hernach an Kreuze geheftet. Sonsten ward Herkules
HochzeitFest ganz Königlich / und alles nach Artaxerxes Willen angeordnet / da
inzwischen der betrübte und verliebte Artabanus wegen des entflogenen Täubeleins
sich zu hermen nicht auffhören kunte / uñ vermehrete ihm der aussgerissene
Vologeses seinen Kummer umb ein grosses / als derselbe des Tages vor seiner
ankunft ihm seine Niederlage durch einen Reuter zu wissen taht / gleich als
Bagophanes bei ihm sass / und die trefliche Schönheit der Fräulein ihm oft
wiederhohlen musste. Er führete sonst gar ein einsames Leben / und durfte fast
niemand als dieser Fuchsschwänzer vor ihn kommen / weil er durch Schmeichelreden
ihm noch allemahl Hoffnung zur wiedererlangung machete. Nun ging ihm gleichwol
diese Niederlage sehr zu Herzen / insonderheit /da Vologeses des folgenden Tages
selbst vor ihn trat /allen Verlauff umbständlich erzählete / und Herkules
Tapfferkeit / nebest auffweisung seiner schriftlichen höflichen Aussfoderung
dermassen rühmete / dass er ungescheuhet bekennete / er allein währe des Persen
Schuz; und wo einiger Mensch der Partischen Macht eintrag oder abbruch tuhn
könnte / währe es niemand als dieser unvergleichliche Held / welchen er mehr als
200000 Persen fürchtete. An meinen dreien Dienern sagte er: Liess er mir auff
diesem Schloss sehen wie er fechten könnte; In dieser Schlacht hat er solch
Wunder getrieben mit seiner Faust / ob wollte er mein ganzes Heer allein
nidermachen. O wie übel haben wir gehandelt / dz wir ihn und seinen ihm fast
gleichen Gesellen mit so hoher beschimpfung der angedräuete Ruhten zur Rache
gereitzet / welche von den Feinden an Unsere Seite zuzihen ich weder Mühe noch
Kosten sparen wollte; dann ihre Hülffe sollte unser Glük und des Persen gewisser
Fal sein. Ich halte sie fast nicht vor blosse Menschen / und sind sie es / so
sind sie die aller volkommensten. Ihre Schwerter erschrecken ihre Feinde / und
machen ihre unerfahrne Kriegsleute muhtig. Ihre Anschläge dringen durch / deren
man sich verwundern muss / und ihre Freundligkeit stihlet Freunden und Feinden
das Herz ab. Ihr Partischen Schuzgötter / befestiget unsers Königes Artabanus
Stuel / und vereiniget seine Hocheit mit diesen beiden fremden; oder da solches
nicht geschehen kann / so erwecket ihnen in ihren Ländern so viel Feinde / dass
sie unser vergessen / und Persen verlassen mögen; sollte aber auch dieses den
Göttern nicht gefallen / müssen wir trauen hernähst mit keinem fliegenden Heer
mehr angestochen kommen / sondern die allergrösseste Macht zusammen zihen / und
in guter Vorsichtigkeit ohn unzeitigen Eifer oder Feindes-verachtung / die
Häuptschlacht wagen / da dañ ihre Hocheit selbst durch ihre Gegenwart dem Heer
einen Muht einblasen / und sich der angenommenen Schwermühtigkeit entschlagen
werden / auff dass des Reichs algemeine wolfahrt hiedurch nicht verabseumet /
oder wohl gar in unwiederbringliches Verderben gestürzet werde; dann die Feinde
müssen so schlecht nicht besponnen sein /massen mir heut ein schnelreitender
Bohte bericht getahn / dz der ungeträue Mede Phraortes allein mit 50000 Mann in
vollem anzuge nach Persen begriffen sei / dessen einiger Sohn Arbianes sich bei
neulicher Schlacht finden lassen / und die besten Völker geführet. Eile aber will
uns nöhtig sein / sonst möchten die Römer wohl gar sich mit hinein flechten / die
vielleicht mit den fremden Herren in verbündnis stehen. Dieses allergnädigster
König / ist mein Raht in unterschiedlichen Vorschlägen / welche allerseits
können versucht / und inzwischen die ganze Macht zusammen geführet werden; ich
verpflichte mich / mein Leib und Leben geringe zuachten / nur dz ihrer Hocheit
ich angenehme Dienste erzeige / uñ den empfangene Schimpf /welchen weder aus
unvorsichtigkeit noch Frevel ich einnehmen müssen / rächen möge. Artabanus wusste
wohl / dass er dieses Mannes gleichen in seinem Königreiche nicht hatte; seine
Träue und festes Herz wahr ihm bekant / und wie mannichen herrlichen Sieg er ohn
sonderlichen Verlust von den Reichsfeinden erhalten; wunderte sich demnach sehr
/ dass er dissmahl eine so schändliche Niederlage erlitten hatte / uñ setzete ihm
vor / alle Macht anzuwenden / dass in kurzer Zeit ganz Persenland mit seinem
KriegsHeer überschwemmet würde. Es kam ihm zu gutem Glük / dass die Skyten sich
selbst anerbohten hatten gegen erlegung acht Tonnen Goldes / ihm mit 80000 Mann
zuzuzihen /welches er willig annam / und die Gelder alsbald übermachte; jedoch
wollte er den gegeben Raht nicht aus der Acht lassen / ob er / wo möglich / nicht
allein unsere Helden auff seine Seite bringen / sondern zugleich auch sein
eingebildetes höchstes Gut durch eben diss mittel überkommen könnte; schikte
demnach einen ansehnlichen Partischen Herrn / nahmens Sysimitres mit 500
Reutern ab / dem er drei unterschiedliche Schreiben zustellete / eines an
Herkules und Ladisla zugleich / das andere an das Fräulein; das dritte an
Herkules absonderlich / im falle das erste wohl angenommen würde. Hiebei wurden
dem Fräulein alle ihre hinterlassene Kleider und Kleinot / und dabei noch ein
neues / so auff zwo Tonnen Schaz ausstrug /zugeschicket. Nicht destoweniger
führete man die Völker fleissig zusammen und übete sie täglich in den Waffen /
wobei Vologeses und Madates sich weidlich gebraucheten; dann dieser insonderheit
hoffete seinen Schimpf wieder einzubringen.
    Des neunden Tages nach Frl. Valisken Erlösung überfielen Euphrosynen die
Geburts wehe / und bald hernach Fr. Agaten; da jene einer Tochter; diese zween
ZwillingsSöhne genass / wurde auch nach kurzer Zeit durch die H. Tauffe der
Kirche Gottes einverleibet / da die Tochter Valiska / die Söhne / Herkules und
Ladisla genennet wurden. Nach Euphrosynen entbindung zween Tage / kam Phraortes
mit einem schönen KriegsHeer zu Persepolis an. Mazeus führete die Reuterei 30000
stark; das Fussvolk 20000 Phraortes Bruder-Sohn / Herr Artobarzanes / der sein
Gemahl /die schöne Atossa bei sich hatte; und weil Arbianes der Fräulein ankunft
von Charas schon hinüber entbohten / kam GrossFürstin Saptina mit Fr. Roxanen und
Frl. Barsenen mit herüber / dass sie ihr eine Zeitlang Gesellschaft leisten
möchten. Sie wurden von den unsern wohl empfangen / und schämeten sich fast / dass
sie der Fräulein Verstellung nicht hätten merken mögen; insonderheit überging
Frl. Varsenen eine heftige Schamröhte / da sie von der Fürstin empfangen ward /
und ihr die Liebes-anmuhtungen / welche sie vor diesem merken lassen / ins
Gedächtnis kahmen. Sie besucheten den verwundeten Pharnabazus und Arbianes / die
sich schon zimlich erhohlet hatten / und in ihren SchlafRöcken sitzen kunten /
und wollte die Fürstin mit ihrer Heirahtsache nicht lange zurück halten / daher
sie zu Frau Roxanen also anfing: Geliebte Freundin / ich habe mich fleissig
bemühet / wie ich die grosse Freundschaft / mir von euch uñ euer Frl. Schwester
/ meiner auch geliebten Freundin erzeiget /in etwas ersetzen möge / da dann
dieses gute Glük /wie ich gänzlich meine / mir zugestossen / dass ich Gelegenheit
bekommen / jezt wolgedachte Fräulein dem Durchleuchtigen Fürsten zu Susa ehelich
zuversprechen / nachdem solches dem Grossmächtigen GrossFürsten H. Artaxerxes
wolgefallen / uñ mein geliebter H. Bruder und H. Oheim es vor sehr gut befunden;
zweifele demnach nit / sie ihres Orts werden gerne darein gehelen / und ihnen
solch gewünschte Heirat lassen angenehm sein. Fr. Roxane uñ ihre Frl. Schwester
erröhteten wegen dieses unvermuhtlichen vorbringens / als davor sie heftig
erschraken /wie nicht weniger GrossFürstin Saptina selbst / als welche die
Heirat ihres Bruders schon mit ihr abgeredet und geschlossen hatte; begehreten
daher einen kurzen Abtrit / welcher ihnen gerne gegönnet wahr /und Zeit ihres
abwesens die Fürstin zu den Anwesenden sagete: Ich werde diesen meinen geliebten
Freundinnen wunderliche Gedanken gemacht haben / weil ich ihnen den jetzigen
Fürsten von Susa nicht genennet; wie dann in Warheit geschahe / massen diese
drei sich keines Schlusses zuerklären wussten. Zwar das Fürstentuhm Susiana wahr
ihnen angenehm / aber Gobares / welchen sie vor einen Witwer hielten / gar
zuverhasset / und wahr das Fräulein nicht bedacht denselben vor Pharnabazus
zuwählen; beschlossen demnach / bei der Fürstin anzuhalten / dass sie von solchem
Vorhaben abstehen möchte; gingen zu ihr hinein / und fing Fr. Roxane also an:
Durchleuchtigstes Fräulein / dass eure Durchl. ihr gnädigst wollen gefallen
lassen / vor meiner Frl. Schwester Wolfahrt zu sorgen / unter dem gn. Vorsaz /
sie gar in den Fürstenstand zuerheben / davor bedanken wir uns untertähnigst;
weil aber meine Frl. Schwester sich nicht kann bereden lassen / eine so ungleiche
Heirat einzugehen / da sie ohnzweifel von demselben Fürsten schier heut oder
Morgen zu unwert seines Ehebettes möchte geschätzet / und nach kurzer Zeit wohl
gar verstossen werden / insonderheit / wañ eure Durchl. diese Länder bald
verlassen sollte; so ist unsere untertähnigste Bitte / uns dieser Heirat
gnädigst zuerlassen / uñ diesen Fürsten einer Standesmässigen wirdigeren Braut
zuzuführe; zumahl dass meine gnädigste GrossFürstin meiner Frl. Schwester wohl
schon einen andern Gemahl möchte ausersehen haben. Herzgeliebete Freundinnen /
antwortete die Fürstin / ich hätte nimmermehr gedacht / dass sie mir dieses mein
so wolgemeintes Ansuchen würden so kurz vor der Faust abgeschlagen haben /
welches doch meines ermässens nicht zu endern stehet / ich mich auch dessen
verpflichten will / dass meine höchstwerte Eltern / GrossFürst Phraortes und dessen
Gemahl in diesen meinen Vortrag noch wohl gehehlen werden; hoffe also / von ihnen
eine genehmere Erklärung zu hören / uñ wollen sie beide sich kürzlich bereden /
und ihre endliche Meinung mich wissen lassen / wornach ich mich alsdañ gerne
richten und schicken will / muss euch doch eine Geheimnis offenbahren / was
gestalt der Fürst zu Susa und mein Freund Pharnabazus nunmehr in solchem Bunde
stehen / das dieses sein Gemahl jenem /uñ jenes seine / hinwiederumb diesem
gemein sein solle. Die beide Schwestern ängsteten sich dergestalt / dass ihnen
der Schweiss aussbrach / traten ab / und wahr ihnen die lezte Zeitung so
unangenehm / dass sie so wohl Pharnabazus als den Susianer anfeindeten; endlich
machten sie den Schluss / dass das Fräulein durch einen Fussfal / umb die Ehe
auffzuruffen / anhalten sollte; welche darzu fertig wahr und mit tränenden Augen
sich vor der Fürstin in die Knie nidersetzete / willens nicht auffzustehen / biss
sie gnädige Antwort erlanget hätte. Aber die Fürstin sprang geschwinde auff /
richtete sie küssend in die höhe / und sagte: Herzen Freundin als Schwester /
beschimpfet mich nicht mit diesem Vornehmen / und bringt mir euren endlichen
Willen stehend vor. Ja / nach meiner gnädigsten Fräulein Befehl / antwortete sie
/ und fuhr also fort: Nach dem ich das feste Vertrauen zu euer Durchl. gefasset
habe / dieselbe werde mir keine andere Gnade wiederfahren lassen / als welche
meinem Herzen angenehm / und ich aber meine Seele dessen durchaus nicht
zubereden weiss / dass ich dem Fürsten zu Susa mich ehelich ergeben sollte /
vielweniger mich missbrauchen zulassen willens bin / als bitte ihre Durchl. ich
untertähnigst / dieselbe wolle mich dieser Unangenehmen gnädigst erlassen. Ey
meine allerliebste Freundin / sagte die Fürstin / ich kann in diese eure Bitte
durchaus nicht willigen / sondern mein Wille und Vorschlag muss richtig erfüllet
werden / insonderheit weil der Durchl. Fürst von Susa sich hierin gänzlich
ergeben / ja durch euch ein Fürst zu Susa werden soll. Aber kennet ihr auch /
herzen Freundin / kennet ihr auch denselben Fürsten recht / welchen ich durch
euch zum Fürsten in Susa zu machen bedacht bin? oder gedenket ihr / ich werde
euch den gottlosen ehrvergessenen Schelm / Bösewicht und Verrähter Gobares
zufreien / welcher vor weniger Zeit an mir zum Räuber worden / und durch
rechtmässige Urtel des Grossmächtigen GrossFürsten entäuptet ist? Ey habt doch
nit solche ungenehme Gedanken von mir; sehet jezt hochgedachter GrossFürst hat
mir das ganze Fürstentuhm Susiana erblich geschenket / uñ dasselbe soll euch /
Durchleuchtiges Fräulein / anjetzo von mir hinwiederumb geschenket / auch ihr
kraft dieses zu einer herschenden Fürstin zu Susa erkläret sein / doch mit
diesem bedinge / dass ihr solches dem Bräutigamb / welchen ich euer Liebe
zugedacht / als eine wirdige Heimsteur zubringet / uñ ihn dadurch zum Fürsten
über Susiana machet; dieser aber ist der schon darzu erwählte und erklärete
Durchleuchtige Fürst / Herr Pharnabazus / alhie gegenwärtig. So erkläre sich nun
eure Liebe / ob sie sich eines andern bedenken könne / und nehme mit ihrer Fr.
Schwester zur beredung einen kurzen Abtrit; ich halte gänzlich davor / meine
herzgeliebete Eltern / GrossFürst Phraortes und die GrossFürstin Fr. Saptina /
werden ihnen solches wohl köñen gefallen lassen. Da wahr nun lauter verwunderung
und freude bei den Unwissenden. Phraortes fragete / ob sichs dann mit Gobares
also verhielte / und was vor ein schändlich Bubenstük er begangen hätte. Welches
die Fürstin mit wenigen beantworete: Es verhielte sich also / und würde alles zu
seiner Zeit weitläuftiger erzählet werden / nur möchte die GrossFürstin sich mit
Fr. Roxanen und dem Fräulein gnädigst bereden / ob diese Heirat / wie sie gar
nicht zweifelte / könnte gefällig sein. Aber Fr. Roxane fing also an:
Durchleuchtigstes Fräulein / es bedarfs meines erachtens nicht / meine gnädigste
GrossFürstin zu fragen /ob sie ihren allerliebsten Herr Bruder gerne zu
Fürstlicher Hocheit befodert sehe; aber wie sollen ich und mein Frl. Schwester
doch in ewigkeit diese übermässige Gnade ersetzen / welche unsere Erkäntnis
überwieget? gestaltsam eure Durchl. uns viel ein grösseres leistet / als wir von
allen Göttern nimermehr hätten dürffen bitten. Wir untergeben uns allerdinge
euer Durchl. und unser gnädigsten GrossFürstin gehorsam /alles nach gnädigstem
gefallen zuordnen und zu schliessen / deren untertähnigste Dieneriñen wir Zeit
unsers Lebens verbleiben wollen. Es darff solcher niderträchtigen erbietungen
nicht bei vertraueten freunden / sagte die Fürstin; Nur erkläret euch mein
Fräulein Barsene / ob mit eurer Fr. Schwester einwilligen /ihr auch friedlich
seid. Gnädigstes Fräulein / antwortete sie / mir ist unmöglich / euer Durchl.
vor Scham ein anders zu antworten / als dass ihrer Durchl. gehorsamste Dienerin
ich zu leben und sterben begehre; uñ ob mir zwar diese Heirat billich angenehm
ist und sein muss / werden mir doch die Götter Zeugnis geben / dass wañ ich meines
künftige Leben-Standes freie Wahl hätte / ich lieber bei ihrer Durchl. stäte
Kammerdienerin / als ohn deren Gesellschaft eine mächtige Fürstin zu sein
begehre. Und weil bei solcher Rede ihr die Trähnen hervordrungen / erkennete
daher die Fürstin ihre heftige Liebe gegen sie; umbfing sie deswegen mit beiden
Armen / küssete sie auff die Stirn /Mund und Wangen / und sagte: Versichert euch
mein trauten Schwesterchen / dass ich euch unter meine allerliebsten und besten
Freundiñen gesezt habe / achte daher dieses ihr auffgetragenes Fürstentuhm viel
geringer / als dass ich eure Gewogenheit sollte meinen dadurch ersetzet zu habe.
Ob wir dañ gleich nit möchten stets beieinanderleben köñen / sollen unsere
Herzen doch untrenlich beisammen bleiben. Darauff führete sie dieselbe vor
Pharnabazus Bette / und mit gegebenen Ringen bestätigte sie diese Ehe / da
Phraortes und andere gegenwärtige der Fürstin vor solches geschenkte Fürstentuhm
sehr danketen / und den Verlobeten Glük und Heil wünscheten. Ladisla setzete das
gedoppelte Hochzeitfest auff den stebenden nach diesem Tage an / weil die Aerzte
den Verwundeten auff solche Zeit völlige Gesundheit versprachen; und ob gleich
Fr. Roxane ihre Entschuldigung einwendete / sie würde mit gebührlicher Kleidung
so bald nicht fertig werden / mochte es doch nit helffen / weil Frl. Valiska mit
zustimmete / sie wollte dem Partischen Wüterich nicht länger zugefallen warten /
damit seine annoch übrige Hoffnung er möchte sinken lassen /und sich ihrer Liebe
begeben; so könten die nöhtigsten Kleider nochwol verfertiget werden; und wer
weiss / sagte sie / woher uns noch Kleider von Gott bescheret werden / welcher
uns unsere Bräutigam zugeführet hat. Bei der Mahlzeit ward Gobares Bosheit
erzählet / nachgehends fragte die Fürstin Herrn Mazeus / ob sein alter
Kriegsknecht Boges /und sein Schütze Batis noch im leben währen / möchte sie
dieselben gerne sprechen. Fr. Roxane gab zur Antwort; der Schütze hätte gar
untertähnig bei ihr umb eine Vorbitte bei ihrer Durchl. angehalten / das ihm
sein Verbrechen gnädigst möchte vergeben werden / wie dann GrossFürst Herkules
dessen gnädigste Verheissung getahn hätte. Warumb aber der alte Boges so
inständig umb die mitreise nach Persepolis angesuchet / könnte sie nicht wissen
weil sie nicht gedacht / dass ihre Durchl. des unachtsamen Menschen einige
Kundschaft gehabt hätte / und könten dieselben wohl stündlich vorgefodert werden.
Der Fürstin wahr hiezu sonderlich liebe / hiess den Alten zu erst herhohlen /
welcher sich von seinem verdienten Solde zimlich gekleidet hatte. Als nun
derselbe in den Saal trat /kennete sie ihn alsbald / und sagte zu ihm: Guter
Freund Boges / eriñert ihr euch noch des mir ehemahls erteilten trostes / da ich
den Adler fellete? Ja Durchl. Fräulein antwortete er / wann nur eure Durchl.
ihrer damahligen Zusage sich annoch eriñern möchte. Warumb nicht? sagte sie /
ich will / wo ich kann / euch dessen ergetzen / dann ihr habt dazumahl meine
traurige Seele auffgerichtet; darumb bittet nur von mir kühnlich / wie ihrs
gerne haben woltet. Dieser fiel auff die Knie / und hielt an / ihre Gn. möchten
bei seinem Herrn Mazeus ihm dz Tohrhüter Ampt auff seinem Schloss lossbitten /
welches ein ruhiger Dienst währe / der ihm als einem alten abgelebeten Knechte
wohl anstünde. Ach du fromme Einfalt / sagte sie mit verwunderung; gab ihm aber
zur Antwort: Sie würde ihm hierin schwerlich dienen köñen / weil sie den
jetzigen Tohrhüter nicht aussstossen / noch dessen Seufzen wieder sich selbst
reizen möchte; demnach würde er andeuten / ob nicht etwas bessers vor ihm währe;
als wañ etwa ein statlicher Meierhoff / oder wolgelegene BauernSchenke unter H.
Mazeus lossfiele / wollte sie ihm darzu gerne behülflich sein. Boges gab vor / er
dürfte sich so weit nicht erkühnen; so gehörete auch eine Anlage darzu / die er
nicht hätte /doch stellete ihrer Durchl. er alles heimb. Die Anwesende
zulacheten sich seiner wohl / aber Fr. Roxane /die seine Art wohl wusste / schlug
ihm vor / sie wollte ihn zum Obersten Auffseher über ihren Lustgarten setzen /
und dass er den Arbeitern darin sollte zubefehlen haben; wollte er dann einen
jungen Löun daneben zähmen (womit er wohl umbzugehen wusste) sollte zu seinem
belieben stehen. Das ihr aber wegen gar zu grosser Mühe euch nicht zubefürchte
habt / sagte sie /so soll mein Gärtner alles vor euch verrichten / dass ihr nur
des Abends zusehet / was im Garten gearbeitet sei; vielleicht vermacht euch dann
dieses Königliche Fräulein noch wohl einen Handpfennig über euren Jahrslohn den
ich euch geben werde / uñ hiemit euch jährlich 100 Kronen verspreche nebest
freier Speise und Trank vor euch und alle die euren / so gut es meines Gemahls
ädle Leibdiener bekommen / denen ihr auch in Kleidern sollet gleich gehalten
werden. Dieser fiel vor ihr nider / bedankete sich untertähnig / und gab vor /
er bedürfte dabei weder Jahrgeld noch einen Handpfennig / weil sein Weib und
sechs Kinder die Garten Arbeit könten helffen verrichten. Frl. Valiska hiess ihn
auffstehen und befahl ihrem Timokles / er sollte ihm eine Gutsche mit vier
starken Pferden anspannen / und in zwo Laden 8000 Krone darauff setzen lassen /
nebest nöhtigen zehrungs Kosten / vor ihn seine Fuhrleute und sechs Reuter zur
begleitung; darnach sagte sie zu Boges; zihet nun hin und tretet euer Ampt an /
die jeztgenanten Kronen aber bringt euer Frauen und Kindern zur verehrung mit /
und da ihr schier heut oder Morgen zu deren ehrlichen aufferzihung und ausssteur
ein mehres werdet benöhtiget sein / will ich das Fürstl. Fräulein Barsenen bitten
/ dz sie euch mit einem Ehrenpfennige zu hülffe komme. Ja mein Boges / sagte
dieselbe / ich will einem jeden von euren Kindern hiemit 1000 Kronen zu
Heirahtgeldern vermacht haben. Gar zu viel / gar zu viel /gnädiges Fräulein /
antwortete er / ich habe schon mehr als mir nütze ist / uñ muss man aus einen
Betler nicht einen Freiherrn mache / er möchte sonst hernach kein gut tuhn /
welches mir und meinen Kindern leicht wiederfahren könnte. Aber wie werde ich
meinem Weibe so angenehm sein; sie hat mir sonst allemahl vorgeworffen / dass sie
mich ernähren müste; bedankete sich nachgehends untertähnig und fuhr frölich
davon. Der Schütze Batis ging mit grosser furcht hinein / aber Frl. Valiska hiess
ihn gutes muhts sein; sie wollte ihm hernähst kein Geld mehr abgewinnen / und
währe ihr lieb / dass ihr Oheim ihm alles wieder zu gestellet hätte; nur dass er
zusähe / und ers nicht zum andernmahl verwettete; schenkete ihm auch 5000 Kronen
/ worzu ihm Pharnabazus ein Landgut versprach /dz er hernähst ruhige Tage haben
sollte. Es hatte aber Mazeus seinen zahmen Löuñ ihr mitgebracht / aber ihn noch
nicht sehen lassen / den musste Batis herzuführen; welcher alsbald sich zu ihr
hinbegab / und wie ein Hund sich an ihren Kleidern streichelte / dessen sie sich
alle verwunderten. Sie kante ihn auch alsobald / und sagte zu Mazeus. Mein
geliebter Herr und Freund; ich werde die Kühnheit nehmen / und euch um diesen
Löuen begrüssen / wann ichs nur zuersetzen wüste. Er aber antwortete: Gn.
Fräulein / ich habe ihn zu dem ende mit gebracht / wann ihrer Durchl. ich ihn
bieten dürfte / meine sonst ja / es sei vielhundert tausendfach schon vergolten.
Phraortes erinnerte Herrn Herkules seiner ehmalige Zusage / und baht /die
Assyrischen Völker / die sich auff 30000 zu Ross und 35000 zu Fuss erstrecketen /
nebest seinem Medischen Heer 30000 Reuter und 20000 Fussknechte unter seine
ungemässigte FeldHerschaft zunehmen. Artaxerxes trug imgleichen Herrn Ladisla
die gesamten Hirkanischen Baktrianischen / Margianischen /Arischen und
Drangianischen Völker auff / 58000 zu Pferde und 40000 zu Fusse; welches Ampt
sie dergestalt auf sich nahmen / dess Herkules sich vor GrossFürst Phraortes;
Ladisla vor Fürst Menapis in Hirkanien Feldmarschalk halten wollten. Artaxerxes
hatte sonst noch 18000 hin und wieder geworbene Reuter /welche er Fabius
untergab; seine Persen aber 14000 zu Ross / uñ 46000 zu Fuss wollte er selbst
führen. Pharnabazus ergänzete das Susianische Heer / das es 40000 Mann / halb
Reuter / und halb Fussknechte /stark wahr. Arbianes fliegende Heer wahr auff
14000 Mann wieder ersetzet und Leches zum Feldmarschalk drüber verordnet. Hierzu
die Teutschen Böhmen /Römer und Fabius selbst geworbene gerechnet / erstreckete
dieses gesamte Volk sich auff 204000 Reuter / uñ 161000 Fussknechte / von welchen
6000 Schützen auff die 300 wohl abgerichtete Elefanten gesetzet wurde / deren
Gebrauch in künftiger grossen Feldschlacht Herkules gerne abgewendet hätte / und
doch damit nicht lossbracht / weil er sah dass die Morgenländische Fürsten so
viel darauff hielten. Nun hatte Artaxerxes bei einem reitenden Bohten nach Susa
allen Verlauff wegen Gobares geschrieben / und dass Pharnabazus ihnen wiederumb
zum Fürsten angewiesen währe / wodurch die Landstände hoch erfreuet wurden; dann
sie wahren mit Gobares übel zufrieden /dass er so gar nicht auff des
LandesWolfahrt achtete /sondern nur den Leibeslüsten uñ dem schändliche Geize
nachhing; santen vor dissmahl zwanzig ihres mittels / ansehnliche Herrn nach
Persepolis / ihrem neuen FürstenGlük zu wünsche / welche auch einen grossen
Schaz / aus eigenwilliger freigebigkeit zusammen gelegt / mit übernahmen.
Fürstin Rhodogune Gobares Gemahl die ihm wegen seiner Unkeuscheit nicht
sonderlich gewogen wahr / sagete öffentlich; die Götter hätten seinem Unwesen
länger nicht zusehen können; liess durch getreue Leute die Fürstliche Schazkammer
besichtigen / zog nach Persepolis / lieferte Pharnabazus die Schlüssel und
Rechnung des KammerSchatzes 170 Tonnen Goldes hoch / und baht umb ein
Fürstliches Leibgedinge / weil sie an ihres Gemahls-Verbrechen unschuldig währe.
Fürstin Valiska legete ihr wegen ihrer frömmigkeit grosse Gewogenheit zu / nam
sich ihrer sehr an / und erhielt leicht / dass sie biss auff Pharnabazus Einzug zu
Susa auff dem Fürstlichen Schloss daselbst bleiben /nachgehends jährlich 25000
Kronen Unterhalt haben /uñ entweder nach belieben zu Susa verbleiben / oder ihr
einen Ort zum Leibgedinge wählen sollte. Frl. Barsene trug auff ihres Liebsten
Begehren Frl. Valisken obgedachten Susianischen KamerSchaz auff; bekam aber zur
Antwort; es hätte die Meinung nicht / dass sie die Vogel aussnehmen / und das
ledige Nest ihr lassen wollte / es währe schon mehr als zuviel / dass sie Herrn
Pharnabazus Erbieten wieder ihren Willen hätte müssen gelten lassen.
    Artabanus Gesanter / H. Sysimitres eilete mit seiner Gesellschaft auff
abgewechselten Pferden zimlich fort / da er des Tages vor dem HochzeitFest zu
Persepolis anlangete. Auff den Grenzen geriet er einer Persischen Schaar von
1000 Reutern in die Hände / die ihn sicher durchbrachten / da er alsbald bei
unsern Helden und dem Fräulein ohn der Morgenländischen Fürsten Gegenwahrt gehör
begehrete. Ladisla Meinung wahr / man sollte ihn unverrichteter Sache abzihen
lassen / aber Artaxerxes und Phraortes bahten /die Werbung anzunehmen / und den
Gesanten bei dem HochzeitFeste zubehalten / dass er davon bericht tuhn / und des
verliebeten Königs Gedanken abwenden könnte / wann er sehen würde / dass er durch
den Korb gefallen / und ein ander schon in voller niessung sässe. Die unsern
liessen ihnen solches gefallen und machten sich samt dem Fräulein nach dem
grossen Saal / da die 300 Bömische ädelknaben auffwarten /und 500 Teutsche mit
Schlachtschwertern haussen die Wache halten mussten. Kleofis und das Bömische
Frauenzimmer stunden in prächtiger Kleidung hinter dem Fräulein; Leches mit
seinen vier Gefärten / auch Tyriotes und Gallus / hatten ihre glänzende Rüstung
angelegt / die Helme auffgeschlagen / und die blossen Schwerter in Händen.
Ladisla sass zur Rechten; Herkules zur Linken / uñ das Frl. in treflicher Zierde
und grosser freundligkeit in der mitte. Als Sysimitres auff erfodern hinein
trat / entsetzete er sich vor solchem Pracht / liess der Fräulein Kleider / an
der Zahl 43 mit allem zubehör / von Indianischer reiner Linnewad / geflicketen
Schuhen und dergleichen sachen / in grossen mit Silber beschlagenen Laden
nachtragen /und die Kleinot in einer weissen Helffenbeinen / mit Golde
umblegeten grossen Schachtel / auff welcher eine kleinere stund / darinnen das
neue Kleinot versiegelt wahr. Nach gebührlicher Begrüssung aller dreien /
wendete er sich zu dem Fräulein / neigete sich tieff vor ihr / und redete sie
also an: Durchleuchtigstes /Grossmächtigstes Königliches Fräulein; der grosse
König Artabanus / Beherscher aller Morgenländer von dem Meer biss an den Ganges /
entbeut euer Durchl. Königlichen Gruss und ergebene Liebe / sendet deroselben
dieses eigenhändige Schreiben / nebest ihren hinterlassene / Kleidern / Kleinote
/ uñ einem neuen Kleinot; bittet / ihre Durchl. solches alles mit guter
Gewogenheit annehmem / und seiner Königl. Hocheit schrifftliche genehme Antwort
wiederfahren lassen wolle. Das Fräulein bedankete sich sehr / fragete nach
seiner Hocheit wolergehen / und zeigete darüber ihre Genügenheit an; wendete
sich hernach gegen Ladisla und Herkules / umb zuvernehmen / ob ihr erläubet
währe / dz Schreiben mit beigefügten Sachen anzunehmen; und auff bewilligung
brach sie es /und lase vor sich allein folgende Worte.
    Der grosse König Artabanus erbeut dem Durchleuchtigsten Fräulein / Frl.
Herkuliska / seiner Königlichen verlobeten Braut herzlichen Gruss und alle
Gewogenheit /und verwundert sich höchlich / warumb dieselbe ihr grosses
Verlangen nach ihrem Herr Bruder und Oheim / ihm nicht angedeutet / dass er sie
mit einer sicheren Begleitung von 200000 Mann hingesendet / und ihr diese
gebührliche Ehre bezeiget hätte; jedoch weil ihrer Liebe gefällig gewesen / in
schlechter stiller Gesellschaft nur mit ihrem geträuen Diener Valikules (dem wir
/ wie er weis /mit Königlichen Gnaden gewogen sind) diese Reise auff sich
zunehmen / haben wir solches keines weges tadeln wollen; nur tuht uns wehe / dz
sie in gar zu unwirdiger Kleidung / wie gesagt wird / soll hingereiset sein;
welches / da wirs in erfahrung gebracht / haben wir nicht unterlassen sollen /
ihr durch unsern Hoffmeister Bagophanes nachzufragen / welcher uns aber zur
betrübten Zeitung gebracht / dass er eure Liebe nicht habe antreffen können /
sondern von Feinden verrähterlich überfallen und geschlagen sei Daher wir
Zeigern dieses / unsern lieben geträuen Sysimitres abfertigen / ihre Kleider
und Kleinot /auch daneben noch ein absonderliches / alles zur bezeugung
ungefärbeter Liebe / nachsenden / und dabei sie freundlich ersuchen wollen /
auffdas ehiste mit ihrem freundlichen lieben H. Bruder und Oheim sich bei uns
unwägerlich einzustellen / damit unser beschlossenes /und so münd als
schriftlich bestätigtes Beilager (auff dessen Feir Königlich zubereitet wird)
könne gehalten / und euer Liebe die GrossKönigliche Kron auffgesetzet werden; und
wie wir uns hierzu gänzlich verlassen / also verbleiben wir derselben zu
ehelicher Liebe uñ Träue stets ergebener.
                                                                      Artabanus.
    So bald der Gesante die ganze Verlesung des Schreibens merkete / liess er
alle Sachen zu ihren Füssen niedersetzen / nur das einzelne Kleinot reichte er
verschlossen über. Sie hingegen baht ihn / einen geringen Abtrit zunehmen /
damit sie sich einer beständigen Antwort erklären könnte; liess die ihrigen den
Brief lesen / und kunten sich des kindischen Vornehmens nicht gnug verwundern.
Sie liessen den Gesanten balt wieder fodern / welchen sie fragete / ob er etwan
auch an ihren Herrn Bruder und Oheim einige Werbung hätte / könnte er solche
ablegen / und auff einmal fügliche Antwort bekommen. Worauff er zu ihnen also
anfing: Durchleuchtigste Fürsten / Hochberümte Helden; der unüberwindlichste
König Artabanus entbeut euren Durchll. seinen Grus und Liebe /übersendet denen
zugleich dieses Schreiben / und zweifelt nicht / sie als seine hochgeliebte
Freunde /welche zu beleidigen er nie willens gewesen / auch nicht sein wird /
werden solches als ein unfehlbares Zeichen seiner guten Gewogenheit vermerken
und auffnehmen. Seiner guten Gewogenheit? sagte Ladisla; gewisslich / Herr
Gesanter / werdet ihr euch an uns irren; massen Artabanus euer König uns bisher
nicht vor Freunde / sondern vor Leibeigene uñ Bettelbuben gehalten / die er als
Hundejungen streichen zu lassen sich untersahn dürfen / dahin es aber wils Gott
nimmermehr kommen soll. Dieser Rede nun wusste Sysimitres sich so verwundernd
fremde zustellen / dass unsere Helden schier nicht wussten / wie sie mit ihm dran
wahren. Ey ihr Durchll. Fürsten / sagte er / wie sollte mein Allergnädigster
König eine solche Untaht in den Sinn nehmen können / angesehen seiner hohen
Vernunft / und dz er mit euer Durchll. sich so nahe zuverschwägern gedenket?
Meine gnädigste Herren wollen doch so ungleichen Argwohn von seiner Königl.
Hocheit nicht schöpffen / ob gleich dessen Wiederwertige etwa falsche Brieffe
oder ertichtete verleumdungen ausssprengen würden / umb / eure Durchll. meinem
grossen Könige abgeneigt zumachen / welcher trauen von euer vortrefligkeit viel
zu hoch hält / wie ohn zweifel dieses Gnadenschreiben aussführe wird. Herkules
antwortete; Es müste uns sehr lieb sein / wañ euer König solcher Schuld sich
entbrechen / oder einiges Zeichen der Gewogenheit uns darlegen könnte / da wir
des wiedrigen seiner Leute Blut darstellen wollen / als unfehlbahre Zeichen.
Zwar unter dem nahmen Valikules / nach welchem ich euch / Herr Sysimitres nicht
werde unbekant sein /habe ich mich über euren König nicht in allem zubeklagen;
aber Herkules weis seiner guten zuneigung nichts rühmliches nachzusagen. Hier
wusste nun dieser Fuchs abermahl seine Verwunderung darzustellen / ob Herkules
und Valikules unter so ungleicher Gestalt ein einiger Mensch sein sollte; er aber
wollte sich darüber mit ihm nicht zanken / sondern fragete / was Madates und
andere Feldflüchtige ihm nachsageten. Welches er beantwortete; ihm wäre zwar
vorkommen /dass etliche Partische und Persische geringe Schaaren sich etwas
gezauset / und beiderseits zimliche Schlappen davon getragen / dass aber ihre
Durchll. sollten mit eingemenget sein / obs gleich von etlichen gesagt würde /
könnte mans doch nicht gläuben; und wüste er gewiss / dass wann seinem Könige
vorkommen würde / dz etliche seiner Völker sich gegen sie feindlich bezeiget /
müsten sie ohn alle Gnade es mit dem Halse bezahlen / weil des grossen Königes
Gewogenheit gegen ihre Durchll. viel zu gross / und allen bekant währe. Gut Herr
/ sagte Ladisla / euch zugefallen will ich etwas davon gläuben / aber gleichwol
sonst nicht; nachdem meine Leute aus Charas mich weit ein anders berichten. Hiess
ihn darauff ein wenig abtreten / so wollten sie das Schreiben verlesen / und sich
auff eine Antwort bedenken. Sie funden aber diesen Inhalt.
    Der grosse König Artabanus / entbeut dem gewaltigen Könige der Böhmen /
Herrn Ladisla und dem mächtigen GrossFürsten der Teutschen / Herrn Herkules /
seinen geliebten Freunden / Söhne und Schwägern Glük und Heil. O der elenden
Schwägerschaft / sagte Herkules mit einem Gelächter / welche nur im einbilden
bestehet /und nimmermehr zuwerke kann gerichtet werden. Sie lasen aber weiter:
Wir können uns nicht gnug verwundern / aus was Ursachen meine Freunde ihre
Fräulein Schwester und Wase / unsere versprochene GrossKönigl. Braut / lieber
durch hohe Gefahr zu sich fodern lassen /als sie auff ihrem Königlichem Schloss
besuchen wollen / angesehe der hohen Begierde / die wir gegen euch tragen /
nicht allein in eure Kundschaft zukommen / sondern euer wirdigkeit nach euch zu
ehren. Lasset ja unsere Wiederwertigen euch von uns nicht einbilden / was in
unsern Sinn niemahls gestiegen ist; stellet euch nur ungeseumet ein / auff dass
wir unsere Begierden an euch ersättigen mögen (dass möchte uns wohl zu scharff
fallen /sagte Herkules /) sintemahl unser fester unbewäglicher Schluss ist / dass
unser geliebten Fräulein Herrn Bruder der Nahme eines grossmächtigen Königes in
Persen / Assyrien und Susiana; ihrem Herrn Oheim aber der Nahme eines Königes in
Meden / Hirkanien und Baktriana erblich soll erteilet und bestätiget werden / da
sie nicht als unsere Schwäger oder Söhne / sondern wie Brüder in gleichmässiger
Gewalt / Macht und Ehre / mit uns herschen sollen; wollen auch nicht ruhen / biss
ihnen solche Königreiche durch unser Schwert gewonnen und eingeräumet / die
Wiederspenstigen und unrechtmässigen Besitzer aber erschlagen und abgestraffet
sind. Dessen versichert sie ihr ganz geneigter und steter Freund Artabanus.
    Nach verlesung reichten sie es dem Fräulein hin /welche es durchsehend / mit
einem höflichen Gelächter sagte: die Worte sind gut / sagte der Wolff / aber ich
komme den Bauern nicht ins Dorff; merke gleichwol / wann mein Herkules mich / uñ
ich ihn abtreten könnte / dürften wir des ergangenen endlich nach verzeihung
erhalten. Aber mein Herr Bruder Ladisla hat sich wegen dieser unmögligkeit am
meisten zubeschwere / weil ihm hiedurch der Nahme (freilich der Nahme und nichts
mehr) eines mächtigen Königes in Persen entrücket wird; den er aber / wie ich
weiss / lieber entrahten / als mit seiner lieben Freunde / GrossFürst Artaxerxes
und anderer Schaden annehmen will. Sie traten enge zusamen / und verglichen sich
einer Antwort; und als Sysimitres wieder eingefodert wahr / gab ihm das
Fräulein diesen Bescheid: Dass der grosse König Artabanus nicht allein freundlich
an mich geschrieben / sondern mir auch meine Kleider und angehörige Sachen /
nebest einem neuen Geschenk zugesand / daraus verspüre ich seine hohe
Gewogenheit / werde es auch Zeit meines Lebens hochzurühmen wissen / und mich
bemühen / dass seiner Königl. Hocheit Unglück und Gefahr ich abwenden helffe / und
ihm alle Freundschaft / die ohn abbruch meiner Ehren kann geleistet werden
erzeige; ein mehres wird mein gnädigster König / so lange er redlich ist / von
mir nicht begehren / vielweniger fodern können. Weil aber Morgen alhie zwo
Fürstliche Heirahten sollen volzogen werden dafern Gott will / und meine Herrn
Brüder dabei sein müssen / wird der Herr Gesanter eines Tages auffschub zur
gebührlichen Antwort uns nicht verdenken / sondern als ein lieber und werter
Gast sich mit dabei finden lassen / da ihm dann alle gebührliche Ehre geleistet
werden soll. Sysimitres liess sich dazu willig bereden / hoffend es würde alles
nach seines Königes Willen gehen; baht aber sehr / es möchte dem Persischen und
Medischen GrossFürsten der gelieferten Schreiben Inhalt vor seinem Abzuge nicht
zu wissen getahn werden; welches ihm verheissen ward / und mussten Tyriotes und
Gallus ihm in seiner Herberge Gesellschaft leisten / welche ihm allen Verlauff
der geschehenen Entführung erzähleten. Sie aber gingen hin nach der Fürstlichen
Gesellschaft /gaben den beiden GrossFürsten die Schreiben zu verlesen / welche
sich deren gnug zulacheten; doch /sagte Artaxerxes / ist mirs lieb / dass er
durch Schaden klug wird / und Tugend besser achten lernet; hoffe daher / er
werde fortin seine KinderRuhten ins Feur werffen / und nach einem Säbel sich
umbtuhn. Nach gehaltener Mahlzeit baht Frl. Valiska die GrossFürstin Saptina /
samt Fr. Roxanen und Frl. Barsenen / mit ihr zugehen / und ihre Kleider helffen
ausszulegen / da sie zu Fr. Roxanen sagte: Geliebte Freundin / ihr beschweretet
euch neulich wege mangel der Kleidung zur Hochzeit / die uns Gott in gutem
überflusse bescheret hat; und hätte mein Bräutigamb Artabanus mir dieselben zu
mehr gelegener Zeit nicht schicken können; bekomme also mittel / meiner Freundin
vor den Rok / welchen sie mir nach Charas vertraulich mit gab / einen andern
zuzustellen. Des folgenden Tages putzeten die Hochzeiterinnen sich treflich aus;
Frl. Valiska legte ihr schneweisses Kleid an / neben darzugehörigen Kleinoten /
welches Artabanus ihr auff ihren Geburtstag verehret hatte; das neue überschikte
Kleinot wahr ein Bruststük in gestalt einer Sonnen / die grosse Strahlen von
sich warff / wann die rechte Sonne darauff schien; und dieses sagte sie /wollte
sie an ihrem höchsten Ehrentage dem Könige Artabanus zugefallen tragen. Herkules
bekleidete sich auch ganz weiss / und wollte Ladisla seiner Gewohnheit nach / ihm
nicht ungleich sein. Frl. Barsene musste von den Partische Kleidern ein grün
Güldenstük / mit den schönsten Rubinen stark besetzet / anlegen / weil ihr
Bräutigamb sich in solche Farbe gekleidet hatte. Als sie miteinandern nach dem
grossen Saal gingen / liessen sie den Partischen Gesanten / aller Ursach
ungemeldet / fodern / welcher /da er alle Anwesende so treflich gekleidet / und
Frl. Valisken neben Herkules in solcher Pracht sah / sich dessen nicht wenig
verwunderte; hatte doch niemand den er fragen durfte / sondern sah / dass unsere
Helden / und alle / so des Christlichen Glaubens wahren /in ein Nebengemach
traten / biss Pharnabazus mit seinem Fräulein nach Heidnischem Gebrauch getrauet
wahr; hernach sich in voriger Ordnung einstelleten /und Herkules die Anwesenden
also anredete: Grossmächtige / Durchleuchtige / Wolgebohrne / auch ädle /
hochwerte Herren / Freunde und Freundinnen; nachdem der grosse Gott Himmels und
Erden mir unwirdigen mit so grosser Gnade erschienen / dass ich das
Durchleuchtigste Fräulein / Frl. Valisken / gebohrnes Königliches Fräulein aus
Böhmen / aus dem fest verwahreten Schloss ihrer Gefängnis zu Charas erlöset
/und aber schon über drei Jahr mit derselben ehelich versprochen bin / als ist
mein jetziger Vorsaz und Wille / auff teils eingehohlete / teils gegenwärtige
Bewilligung ihrer Fr. Mutter / der Grossmächtigsten Königin in Böhmen / und ihres
Herrn Bruders / des auch Grossmächtigsten Königes daselbst / heut diesen Tag mein
hochzeitliches EhrenFest anzustellen / und solche unsere Ehe nach Gebrauch
unsers Glaubens durch einen Lehrer oder geistlichen Vater einsegnen zu lassen /
damit ich dem Parter Könige Artabanus in der Taht zeigen möge / dass er
unbilliger weise dasselbe besitzen wolle / welches keinem Menschen in dieser
Welt / als allein mir / mit rechte zustehet; und er also dereins ablassen möge
einem Gemahl nachzutrachten / die einem andern schon vermählet ist. Wann ich
aber dieses alte Recht zu meiner längst versprochene Frl. Braut nicht hätte /
und König Artabanus nicht als ein Gewaltähtiger / sondern als ein höflicher
König sie vor erst würde in freien Stand eingesetzet / und nachgehends ihrer
Frau Mutter und anderer Blutverwanten Bewilligung gebührlich gesucht haben /
sollte er von mir unverdrungen blieben sein. Weil er aber mit Gewalt verfuhr /
das Fräulein in eine Gefängnis versperrete / und uns durch Schreiben gebieten
wollte / seine Heirat gutzuheissen / ja ihn noch wohl mit einem Fussfalle zu
bitten / dass er sie ehelichen möchte / auch überdass / wie gesagt / mein Anspruch
zu diesem Schatze viel zu gross wahr / hat man sich an dieser Seite billich
bemühet / eine unschuldig Gefangene losszuwirken / damit sie nicht in Laster und
Ehebruch gerahten / sondern ihrem verlobeten Bräutigamb ungekränket zugeführet
werden möchte. Dieses / Herr Gesanter / werdet ihr eurem Könige zur Antwort
überbringen / und ihm die lautere Unmögligkeit seines ansuchens darlegen /
dessen er nach diesem müssig zugehen / sich wohl besinnen wird / wo er sonst
nicht seinen Wiz und Verstand gefressen hat. Was seine entschuldigung betrift /
dass er meinem Bruder /Könige Ladisla und mir / stets will gewogen gewest sein /
und nie keinen Schimpf zugelegt haben / möchten wir vielleicht vor ein Zeichen
seiner bereuung ausslegen / wans ihm ernstlich währe / aber aus dem Sinne wird er
uns nicht schwetzen / was durch so vieler ausssage mitten in der Geisselung
beständig bejahet ist / ja mit so viel vergossenem Blute versiegelt. Wir wollen
aber / wann wir eures Königes beständige Freundschaft weiter erfahren / alles
Schimpfs und Hohns vergessen / und zwischen ihm und seinen Fürsten uns als
Mitler gebrauchen lassen / dass er derselben Freundschaft weiter geniessen könne
/ und nicht Ursach habe / neue Persische und Medische Könige zuwählen / worauff
er vielleicht schon möchte bedacht sein. Als er zu reden auffgehöret / fing Frl.
Valiska an: Ja Durchleuchtigster GrossFürst Herkules; ich gestehe vor dieser
HochFürstlichen / auch sonst ansehnlichen Gesellschaft / dass euer Liebe ich von
solcher zeiter verbunden bin / auch nie kein mahl anders gesinnet gewesen / als
euer Liebe meine schuldigkeit zu liefern / oder einer andern getzwungen Heirat
(die nicht anders als ein Ehebruch sein können) durch einen ehrlichen Tod
vorzukomen. Zwar König Artabanus hat mich genöhtiget / ihm die Ehe zuversprechen
/ aber weil es wieder Recht und billigkeit /auch wieder meinen Willen und aus
Zwang geschehen / wird ein jeder redlicher Mensch mich davon los und frei
sprechen; ja König Artabanus selbst kann mir nichts anhaben / in betrachtung /
dass er wieder Hand und Siegel gehandelt / und vor aussgang der bestimmeten Wochen
bei mir angesuchet hat. So danke ich nun billich dem allerhöchsten Gott / dass er
meinem versprochenen Bräutigam das Glük verlihen hat /mich los zu machen /
welches nicht weniger Könige Artabanus als mir selbst lieb sein soll; gestaltsam
mein ganzes vornehmen / im fall ich ihm hätte zugeführet werden sollen / auf
seinem / oder ja unser beider Tode bestund / so das mit einem Messer / welches
ich in meinem Luftweher verborgen trug / ich ihm das Herz im Leibe wollte gesucht
haben / wann er mich hätte berühren wollen / was mir gleich drüber begegnet
währe. So saget nun / Herr Sysimitres / dieses alles eurem Könige / und dass ich
einen Abscheuh und Greuel an ihm habe / als lange er mich zu seinem unkeuschen
Willen suchet; saget ihm / er möge sich an seines Sohns Gotarzes Unfal spiegeln
/ dem ich mich / währe ich unversaget gewesen / viel lieber als dem Vater
gegönnet hätte; aber er musste durch diese Hand am Leben gestrafft werden / als
er mir ungebührliche Sachen anmuhtete / wie König Artabanus wohl weiss /ob ers
gleich keinen Menschen wissen lässet. Kurz davon zu reden / ihr sehet / Herr
Gesanter dass eures Königes Heirat mit Valisken oder Herkulisken nur in blosser
Einbildung bestehe / weil ich ihrer zween nicht auff einmal freien kann. Dieser
hatte bisher als ein Verwirreter zugehöret / sah dass er recht genarret wahr /
da man ihn / andere zunarren aussgeschikt hatte; auch dass seines Königes Hoffnung
gar im Brunnen lag / und wusste nicht / wie ers best angreiffen sollte. Er hatte
den an Fürst Herkules absonderlichen Brieff noch bei sich / sah aber wohl / dass
er ihn wieder musste zurück tragen; endlich fassete er ein Herz / und stellete
eine Frage an: Ob nicht zuerhalten stünde / dass die Vermählung biss dahin
aufgeschoben würde / und er mit schnellen Pferden seinem Könige solches
hinterbrächte; dessen Herkules lachete / und zur Antwort gab: GuterFreund;
hiemit würde so wenig eurem Könige als mir gedienet sein; dann vor erst höret
ihr ja / dass das Fräulein lieber sterben als ihn ehelichen wolle; hernach
versichere ich euch /wañ euer König mir gleich seine Herschaft abtreten /und
Indien darzu schaffen könnte / gäbe ich ihm doch diesen Schaz nicht drumb.
Ladisla kunte sich nicht wohl mässigen / und fing an: Höret Sysimitres; wañ ich
wissen sollte / oder einige furcht hätte / dz Artabanus (der durch sein falsches
auf Schrauben gesetzetes Schreiben mich ja so hoch / als durch den
Ruhten-Schimpff beleidiget) meiner Frl. Schwester teilhaftig werden sollte /
wollte ich gleich diese Stunde mein Schwert durch ihr Herz stossen / umb dass sie
nicht selbst Mörderin an ihrem Leibe werden dürffte; diesem meinem Bruder / dem
GrossFürsten aus Teutschland wollte ich sie lieber zur Leibeigenen / als eurem
Wüterich zum herschenden Gemahl geben; dann wir unsers Orts sehen im Heirahten
nicht auff äusserliche Macht / sondern auff Tugend / deren euer König so
nottürfftig ist / dass andere Fürsten sich schäme / von ihm einigen Befehl mehr
anzunehmen. Ist er dann mit dieser Heirat nicht zufrieden / ungeachtet er ja
nicht die allergeringste befugete Ursach der Einsprache hat / so lasse er uns
nur wissen / was er dagegen vorzunehmen willens sei / alsdann soll er uns ohn
Antwort nicht finden / er begehre sie gleich Münd- oder Schrift- oder
Ritterlich. Foderte hiemit den Christlichen Lehrer herzu / welcher die
Vermählung in Sysimitres beiwesen verrichtete. Bei dem Hochzeitmahl ward
derselbe als ein Königlicher Gesanter gar oben angesetzet / und beide Fürstliche
Bräute ihm zur Seiten; da unsere Helden und Pharnabazus sich gnug freundlich
gegen ihn stelleten / aber Artaxerxes und Phraortes tahten / als ob sie ihn
nicht sähen; liessen sich doch keines unwillens merken / und hatten allerhand
unterredungen von aussländischen Sachen. Den Tanz fing Ladisla mit seiner Frl.
Schwester an / führete sie hernach seinem Herkules zu / der sie dem Gesanten
brachte / zu welchem sie sagete: Jezt will ich mir einbilden / als tanzete ich
mit meinem allergnädigsten Könige / als dessen Hocheit ich / ausserhalb
ehelicher Liebe / von Herzen gewogen bin / weil er dannoch auff mein heftiges
ansuchen sich zur Zucht und mässigkeit hat anweisen lassen / dass ich Gott Lob /
meine jüngfräuliche Ehre vor ihm erhalten; möchte wünschen / dass er sich meiner
begeben könnte / wie er dann nunmehr wohl tuhn wird. Ihr seid des verstandes /
mein Herr / dass ihr ihm sein blindes Vornehmen wohl aussreden werdet / damit er
durch diese Unbedachtsamkeit sich nicht gar ins Verderben stürze / welches ich
ihm nicht gönnen wollte. Sysimitres wünschete dieses selbst / sagete / er wollte
hoffen /sein König würde sich finden / wann ihn nur der Spot nicht zu sehr
höhnete / dass seine vermeinte Braut bei seinen ärgsten Feinden dem Persen und
Meden auffgehalten und verehelichet würde / die hernähst ohn zweifel dessen
schwere Straffe zugewarten hätte; sein König Artabanus währe von solcher Macht /
dass der Römische Käyser sich vor ihm fürchten müste /daher er seinen Lehnträgern
solche bespottung nicht zu gute halten würde. Das Fräulein antwortete ihm: Sie
hätte der Fürsten Sache wieder den König nicht zu verfechten / nur dieses möchte
er wohl wissen / dass die Parten finden würden was sie wohl nicht sucheten; und
wañ diesen Fürsten wegen ihrer Heirat sollte zugesetzet werden / dürften wohl ihr
Bräutigam und Bruder so bald noch nicht räumen / die sonst ehisten Abscheid
zunehmen gesinnet währen. Der Gesante wollte sich weiter nicht einlassen /
sondern hielt an umb Morgenden Abschied uñ schriftliche Antwort / welches sie
ihm zu werben verhiess. Am späten Abend wurden beide FürstlicheBräute ihren
Gemahlen zugeführet / ungeachtet die Böhmische wohl der kühnheit gewesen währe /
ohn begleitung zu ihrem Herkules zugehen; wie dann ihr Bruder sie damit auffzohe
/ und sie es mit dem wunsche beantwortete / dass sie nur bald zu Padua anlangen
möchten. Libussa hatte Frl. Klaren aus Teutschland Brustbildichen / eines guten
Tahlers breit / sehr wohl gemahlet / und mit dero untergezeichnetem Nahmen / von
ihr zum Gedächtnis empfangen / welches sie diesen Abend ohn gefehr fallen liess /
und von Arbianes gefunden ward / der aus dem Nahmen sah / wessen Bilde es wahr
/ und verliebete sich dergestalt daran / dass man ihn nachdem eine zeitlang nicht
frölich sah. Des folgenden Morgens gab man Sysimitres abscheid / und keine
fernere Antwort / als einen schriftlichen Beweis / dass er zwei Schreiben an
gehörigen Ort wohl eingeliefert / und darauff mündliche Antwort empfangen hätte /
welche er seinem Könige / vermöge seiner Pflicht wohl anzeigen würde. Fürstin
Valiska aber schikte dem Gesanten bei Kleofis eine trefliche güldene Kette zur
verehrung / die er mit dank añam / uñ ihrer Durchl. dabei zugedenken sich
erboht. Tyriotes hatte sich in Fr. Valisken Kammerjungfer Amestris verliebet /
welches er Leches zuverstehen gab / der ihm so wohl zu hülffe kam /dass sie ihm
des dritten Tages hernach beigelegt ward; und weil er sich schon etlichemahl im
gefechte wieder die Feinde rühmlich verhalten hatte / schenkete ihm Pharnabazus
eine freie Herrschaft in Susiana / und gab ihm 6000 Reuter zuführen / die er so
wohl abrichtete / dass unter allen Susianern ihres gleichen nicht wahr. Also
lebeten sie alle miteinander / Herr und Knecht / in täglicher fröligkeit / ohn
der elende Orsillos musste sich immerfort mit schweren Ketten schleppen / und die
unflätigste Arbeit bei sehr geringer Speise verrichte / wobei ihm täglich die
Peitsche gegeben ward / und ihm noch das unerträglichste wahr /dass er nicht eins
um erleichterung anhalten durfte /biss endlich des dritten Tages in dem
Hochzeitfeste /als er den Köchen Holz spaltete / Libussa ihn ersah /und durch
Timokles forschete / was vor ein Mensch er währe; welchem er sein Unglück
zuerkennen gab / und sehr kläglich baht / ihm ein untertähnigstes
Bitte-Schreiben an die junge GrossFürstin Valiska auffzusetzen / dass sie vor ihn
bei seinem Herrn Fabius umb linderung der Straffe / oder da es möglich / umb
vorige Freiheit gnädigste Vorbitte tuhn möchte. Libussa wahr ohndass mitleidig /
übergab solches Schreiben ihrer Gn. Frauen bei der Mahlzeit / welche es öffnete
/ und folgenden Inhalt lase:
    Ich der ehmahls verwägene / nun eine Zeit her hart büssende / und mit Ketten
schwer beladene Orsillos /falle vor der höchstberühmeten Barmherzigkeit der
Durchleuchtigsten GrossFürstin Frau Valiska in tieffester reue meiner groben
Sünden nider / und bitte alleruntertähnigst / dieselbe wolle lauter umb Gottes
willen mein Elend allergnädigst ansehen / und bei meinem ungnädigen
hocherzürneten Herrn / Herrn Fabius / durch ihre kräftige Vorbitte mir
allerelendesten Menschen zu hülffe kommen / damit dessen harter Zorn möge
gelindert / und ich der schweren Ketten erlassen werden / weil seiner Gnaden ja
mit meinen unnützen Diensten nicht gedienet ist / und ich meine begangene
Bosheit nicht / als durch anzeigung eines herzlichen wehleidens büssen oder
ersetzen kann. Dieses wird der Himmel selbst eurer Durchl. vergelten / und ich
will solche Hochfürstliche Woltaht Zeit meines Lebens zu rühmen unvergessen sein.
    Die GrossFürstin wusste nicht / was dieser arme Sünder verbrochen hatte /
wollte auch gegen Fabius dessen ehe nicht gedenken / biss sie von Timokles
völligen bericht einnam; worauff sie zu Fabius sagete: Hochwerter Herr Bruder /
wann ichs wagen dürfte /etwas an seine Liebe zubegehren / dass vielleicht ein
ander nicht erhalten würde / wollte ich derselben meine Kühnheit / deren in
solchen fällen ich mich zugebrauchen weiss / wohl sehen lassen. Er gab ihr zur
Antwort: Durchl. GrossFürstin; ihre Gn. wolle / bitte ich sehr ihrem Knechte
befehlen / alles was in seinem geringen Vermögen sein wird. Hier ist kein
befehlen /sagte sie / nur allein versuche ich bei meinem H. Bruder / einige
Vorbitte vor einen bussfertigen armen Sünder einzulegen / dem sein Verbrechen
herzlich leid ist / und sich zur besserung anerbeut. O Bube Bube! sagte Fabius
so bistu mir gleichwol noch zu schlauh / und wer hat dir diesen Raht gegeben?
Zwar Durchl. GrossFürstin / wann ich der Schelmen eine Welt vol hätte / müsten
sie ihrer Durchl. alle geschenket sein / ungeachtet ich von ihm dasselbe
erlitten /was zuerzählen ich mich schämen mus / und vor diesem mir wohl nie
einbilden können / dass mir solches zuerdulden möglich währe; jedoch bitte ich
dienstlich ihre Durchl. wolle ihn in seiner jetzigen Gestalt herruffen lassen.
Timokles hohlete ihn / mit vertröstung /er sollte gutes Muhts sein / seine Sache
könnte noch wohl gut werden / und besser als er je gemeinet. Als er in den
herrlichen Saal mit seinen Ketten trat / taht er einen demühtigen Fussfall / dass
ihm die Augen übergingen / und er vor herzleid kein Wort sprechen kunte; dann es
wahr ihm der begangene frevel von Herzenleid. Fr. Valiska mochte sein Elend kaum
ansehen / und Fabius selbst hielt davor / er hätte vor die ihm fünff Wochen lang
angelegte Unbarmherzigkeit nunmehr fast aussgebüsset; rieff ihm zu / vor den
Tisch zutreten / und sagete: Orsillos / gedenkestu einige Gnade zuerhalten / so
erzähle alles gross und klein / was vor Arbeit / Schmach und Streiche du mir
auffgelegt hast. Dieser baht umb gnädigste Erlassung; es währe ihm unmöglich /
ohn Trähnen an seine Sünde zugedenken / und würde ihm das Herz zerspringen /
wann ers noch erzählen / und seinen Gn. Herrn so hoch beschimpfen sollte.
GrossFürstin Valiska liess ihm ein zimliches Glas mit Wein reichen /wodurch er
etwas kühner ward / und er alles von Anfang biss zum Ende erzählete / jedoch von
Kleon als von einem dritten und abwesenden redete. Als nun Fabius darauff den
Anwesenden zuvernehmen gab /dass er selbst der Kleon währe; sagte Artaxerxes; so
viel deine Beichte meldet / Orsillos / hättestu vorlängst am Kreuze büssen
sollen / und hat dein ehmahliger Fürst nie keine löblichere Taht verrichtet /
als dass er dich zum Leibeigenen gemacht hat. Ja / sagte GrossFürstin Valiska / er
hats grob genug gehechelt; jedoch wann er mir einen gnugsamen Bürgen schaffen
kann / dass er hernähst from werden / und solcher Bosheit feind sein und bleiben
wolle / hoffe ich ihm noch wohl Gnade zuerwerben. Der arme Tropf begunte ein Herz
zufassen / sah wohl dass der Bürge aus scherz begehret ward / und gab zur
Antwort: Allervortreflichste GrossFürstin; ich bin viel zu unwirdig / dass ihre
Durchl. vor mich unwirdigen Sünder ein Wörtlein verlieren / oder anwenden soll;
würde mich dessen auch nimermehr unterstanden haben / dieselbe darumb zuersuchen
/ wañ nicht die äusserste Noht mich gedränget hätte; nachdem ich aber mich nicht
erkühnen darff / solche Herren der Welt / alhie versamlet /umb Bürgschaft
zubegrüssen / und geringere Leute /inbetrachtung ihrer Hocheit / es schwerlich
verrichten können; als will vor erst diese Ketten euer Durchl. ich verbürgen /
mit dem freien erbieten / dafern mich hernähst einiger Mensch neuer übeltaht
wird überzeugen können / ich nicht allein aller Menschen / sondern auch der
Götter Gunst und Gnade mich auff ewig verzeihen will; und wann mein Gn. Herr
Fabius / des gehorsamster und ergebenster Knecht ich die übrige Zeit meines
Lebens sein und verbleiben will / diese Bürgschaft über sich nehmen wollte / hätte
dessen Gn. sich ja keiner Gefahr zubesorgen / inbetrachtung / dz mir der Kitzel
dergestalt / wiewol recht nach meinem Verdienst vertrieben ist / dass ich mich
davor nach diesem wohl hüten werde; worauff er bitterlich anfing zu Weinen / dass
die Trähnen von ihm auff die Erde fielen /und Fabius dadurch dergestalt gerühret
ward / dass er zu ihm sagete: Stehe auff Orsillos / ich will aller Schmach
vergessen / und den Zorn wegwerffen / kann demnach wohl leiden / dass die Durchl.
GrossFürstin dich deiner Ketten benehme / und dich in vorige Freiheit setze. Der
GrossFürstin stunden vor mitleiden die Trähnen in den Augen / uñ sagte zu diesem
elenden Menschen; guter Mann / euer Unglück ist euch sehr heilsam gewesen / und
eine kräftige Arznei / die Bosheit von euch ausszutreiben / dere ihr vor diesem
seid ergeben gewest; so denket nun stets an diese Gnade /welche euer Gn. Herr /
H. Fabius euch jetzo erzeiget /in dem er alle eure grobe Beleidigung euch
vergeben /und in vorige Freiheit euch wieder hingestellet hat. Also hatte dieser
Unglückselige hiemit sein Elend überstanden / uñ erteilete ihm Fürst Pharnabazus
einen Freibrieff / wurden ihm auch von den Anwesenden Fürsten und KriegsObersten
in die 800 Kronen geschenket / da ihm Fabius überdass ein Pferd und gutes Kleid
gab / und ihn nach seinem GeburtsFlecken auff sein voriges Erbgut hinzihen liess.
Als er daselbst wolgeputzet ankam / hatte er sich doch in dieser kurzen Zeit so
verendert / dass ihn weder die Nachbarn noch sein eigen Weib kennete; und wie er
sich kund gab / wahren alsbald etliche / die sich nach Frau Statiren macheten /
ihr seine Ankunft anzumelden /wie sie kurz nach seiner Flucht hatte bestellet;
da sie alsbald neun Reuter nach ihm schickete ihn zu fahen /aber er trat vor die
Obrigkeit des Flecken / zeigete seinen Freibrieff / und begehrete Schuz wieder
Gewalt / welcher ihm auch geleistet ward / da er sich gegen die Abgeschickten
erboht / freiwillig mit ihnen zureiten. So bald er auff Nabarzanes Schloss kam
/und die Frau ihn ins Gesicht fassete / befahl sie ihrem Gesinde / ihn vom
Pferde zureissen und am Pranger zu tode zustreichen. Er aber gab ihr diese
beherzte Antwort: Gn. Frau / haltet ein / ich gestehe euch durchaus keiner
Oberbotmässigkeit / nachdem ich nie euer Gn. Leibeigener gewesen / und nunmehr
von meinem Gn. Herrn Kleon allerdinge frei gesprochen bin. Was? rieff sie mit
frölicher Stimme / lebet dann mein Kleon noch? Er aber blieb in seiner Erzählung
/und sagte: Ja von dem Durchleuchtigen Römischen Herrn / welcher den unkeuschen
verfluchten Verrähter und Fräulein-Räuber / den unseligen Fürsten Gobares mit
seiner Hand gefangen genommen / und nebest anderen grossen Herren zum Tode
verdammet hat / wie ich solches mit meinen Augen angesehen / und in meinen
damahligen Ketten nicht zehn Schritte davon gestanden bin / da ihm der
Diebshenker anfangs seinen schnöden Leib auff der Folter zerrete / uñ ihm
hernach den Schedel herunter schlug / welches ihm noch zur sonderlichen Gnade
wiederfuhr / weil er das Kreuz billicher hätte bekleiden sollen. So begeben sich
demnach eure Gn. dieses vorhabens / und ehren diesen Freibrieff / welchen euer
und mein jetziger gnädigster LandsFürst / Herr Pharnabazus mir erteilet / als
welcher meines gnädigen Herrn Kleons vertraueter brüderlicher Freund ist.
Statira lase den Brieff /und gab ihm zur Antwort: Nachdem euer Herr Kleon euch
das Verbrechen verzihen / habe ich mit euch im unguten nicht zu tuhn / sondern
wünsche euch Glük zu eurem Wolstande. Nabarzanes stund dabei als ein träumender
/ und sagte zu seinem Gemahl: Wie / lebet dann Kleon gleichwol noch / und ihr
habt mir ihn so gewiss Tod gesagt? so wird ja niemand als er selbst mich im Bette
so elendig zugerichtet haben? Was weis ichs so eigen? antwortete sie; und wie
hätte er bei schlaffender Nacht auff unsere versperrete Kammer kommen können? es
wird etwa sein Engel gewesen sein / welcher den Frevel an euch nicht hat wollen
ungerochen lassen. Ist er aber ein so gewaltiger Herr /und unsers neuen Fürsten
gleimässiger Freund / so seid ja bald darauff bedacht / wie ihr Gnade und
verzeihung eures verbrechens bei ihm erlanget; Ich vor mich habe ein gutes
Gewissen / dass ich ihn nicht beleidiget / sondern mehr als keinen Menschen in
dieser Welt geliebt habe / wie dann seine Tugend ein solches wolverdienet. Ihr
aber Orsillos / komt / ihr solt zur anzeige meiner guten Gewogenheit mit uns zu
Tische gehen; gedenket des geschehenen nicht weiter und versichert euch / dass
eure damahlige Geisselung von eurem H. Kleon selbst bestellet / und durch jenes
Fenster angesehen ward. Alles Gesinde verwunderte sich dieser Verenderung / und
dass Orsillos mit ihrer Frauen Mahlzeit hielt / welcher nach auffgehobenen
Speisen den ganzen Verlauff mit Gobares erzählen musste / und kunte sie nicht
unterlassen den Unfall zubeweinen / wovon sie doch bald abbrach / und nach
Kleons Wesen fragete; Welches er alles meldete / und dass er mit seinem rechten
Nahmen nicht Kleon / sondern Fabius hiesse / währe ein Hochädler Herr aus Rom /
und des Römischen Statalters zu Padua einiger Sohn / ein Römischer Rahts Herr /
und Obrister über eine Legion Römisches KriegesVolk / dem sein H. Vater neulich
6000 Römische Reuter zugeschikt /die ihm auffwarten müsten; hätte auch Gobares
Heer geschlagen / ihn selbst gefangen / und das geraubete Königl. Fräulein /
deren an Schönheit / Waffenserfahrenheit / freudlichkeit / Tugend und
frömmigkeit in der ganzen Welt kein Mensch gleichete / erlöset; und eben diese
GrossFürstin / sagte er / hat durch ihre kräfftige Vorbitte mir Gnade und
freiheit erworben /da ich sonst Zeit meines Lebens in schweren Ketten hätte
müssen zubringen. Ist dann dieses Fräulein etwa seine Liebste? fragte Statira. O
nein / antwortete er: Sie ehret ihn zwar hoch / aber er wartet ihr auff als ein
Diener. Es ist aber ein ander Hr. GrossFürst Herkules / desgleichen durchaus
nicht zufinden ist; alle Fürsten ehren ihn; unser Fürst Pharnabazus stehet ihm
zudienste / uñ ist fast gleicher Schönheit mit dem höchstgedachten Fräulein /
ein Herr / dem die ersten Haar des Barts kaum anzumerken sind / uñ hat doch den
Preis /das sein Schwert unüberwindlich sei; dieser hat vor wenig Tagen Beilager
mit diesem Königl. Fräulein gehalten; deren Herr Bruder ist auch daselbst / ein
herschender König in Böhmen / dem 300 ädelknaben auffwarten; derselbe soll Herrn
Fabius meines Gn. Herrn einige Schwester zum Königlichen Gemahl haben / woraus
leicht abzunehmen / was vor ein vornehmer Herr der errichtete Kleon sein müsse.
Pfui ihr blinder unverständiger Mensch / sagte Statira hierauff zu Nabarzanes;
kuntet ihr euch dass von mir nicht einbilden lassen / dass Kleon mehr als ihr und
eures gleichen währe? alle seine Geberden gabens an den Tag; und was hätte ich
sonst vor Ursach gehabt / ihn zu ehren und zulieben? Dieser wusste nicht / wo er
vor Furcht und Angst bleiben sollte / dann er meinte /Kleon währe schon vor dem
Tohr / ihn zuerwürgen /und sein Gemahl zu Heirahten; baht sie demnach inständig
/ ihm Gnade bei Kleon zuerwerben / dem er herzlich gerne abtrag machen / und ihm
alles abtreten wollte / wañ er nur das blosse Leben davon brächte. Aber zu seinem
sonderlichen Troste hörete er / dass Fabius schon geheiratet / und neulich von
seinem Gemahl Schreiben gehabt hätte. Statira stellete sich gleichwol / als
wüste sie wenig Raht / und taht den Vorschlag / er sollte 12 ReitRosse / die
Kleon selbst abgerichtet / mit dem allerbesten Zeuge belegen / ihm dabei vor
etliche tausend Kronen Kleinot schicke /und selbst mitzihen / ob er verzeihung
erhalten / und in ruhiger besitzung seiner Herschaft uñ geschenketen Güter
bleiben könnte; welches alles er gerne einwilligte / ohn dass er baht / sie möchte
an seine statt die Reise auff sich nehmen / weil sie alles viel leichter erhalten
würde; wozu sie sich dann nicht lange hätte bitten lassen / wann nicht ihr
Gewissen der begangenen Leichtfertigkeit sie bezichtiget / dass sie durch die
äusserste bedräuung ihn zu ihrer Liebe gezwungen hätte. Hierzu kam / dass er
weder münd- noch schrifftlich sie grüssen liess / welches aber Fabius gereuete
/und ihm erst des andern tages nach Orsillos Abzuge einfiel; Sie hielt demnach
vors beste / es dissmahl mit einem Schreiben zuverrichten; schenkete Orsillos 80
Kronen / und baht ihn / ihretwegen nach Persepolis zureisen / uñ ihren Dienern
Gesellschaft zuleisten; als er sich nun darzu willig finden liess / setzete sie
folgenden Brieff auff.
    Dem Durchleuchtigen Römischen Herrn / Herrn Fabius / entbeut Statira
herzlichen Gruss und bereitwilligsten Gehorsam; Durchleuchtiger Herr; es beklaget
mein Gemahl mit mir / die grobe Blindheit unser Vernunft an /dass ihrer Gn.
Vortrefligkeit wir unter dem ertichteten Nahmen / oder vielmehr unter dem durch
Unglück auffgelegten Deckel der Knechtschaft / nicht haben erkennen können / da
dieselbe doch so klar hervor leuchtete / dass die unverständigsten sie mit Händen
hätte greiffen mögen. Aber ungleich tieffer geht uns zu Herzen / die grosse
Unbilligkeit / euer Durchl. von uns / wiewol aus unterschiedlichen bewägungen
angelegt / welche zu büssen wir so willig als schuldig sind / wann nur einiges
Vermögen da währe. Mein Herr / bitte ich demühtig / wolle meinem Gemahl seine
Unverstand / und mir die heftigkeit aus ergebener Seele entsprossen / gnädig
über sehen /und diese groben Fehler mit dem Mantel seiner hohen Vernunft und
Güte zudecken / da sonst ihre Durchl. einige Begierde / die Errettung ihres
Lebens betreffend / an mir gespüret. Wir stellen unsere Wolfahrt zu euer Durchl.
gnädiger anordnung / und bitten untertähnig / dieselbe wolle bei unserm Gn.
Fürsten uñ Herrn / Herrn Pharnabazus uns in Gnade und Gewogenheit bringen / dass
wir in Besitz- und Niessung unser Güter ohn verunruhet mögen geschützet werden;
übersenden euer Gn. die von ihr selbst abgerichteten Pferde / und etliche
geringe Sachen dabei / mit bitte / solches von uns anzunehmen; erkennen uns zwar
schuldig / unser Verbrechen selbst mündlich abzubitten; weil aber wir nicht
wissen / ob ihre Gn. unsere Gegenwart erleiden könne / sind wir biss dahin alle
Stunden bereit und willig derselben untertähnig auffzuwarten / und dessen
gnädige verzeihung zusuchen /wessen Mund und Feder zugedenken sich scheuet;
befehle eure Durchl. dem Schuz aller Götter / verbleibend / als lange ich lebe /
deroselben zu dienst ergebene / und gehorsame Statira.
    Die Botschaft ward auffs schleunigste fortgesand /und erwartete Statira mit
höchstem verlangen / was vor Antwort sie von ihrem lieben Kleon bekommen würde.
Es trug sich aber des folgenden Tages ein kläglicher Fall zu / dz der gute
Nabarzanes auff der Hirschjagt von einem grimmigen Löuen unvermuhtlich
überfallen / und in stücken zurissen ward / worüber sein Gemahl sich anfangs
zwar entsetzete / aber weil sie schlechte Liebe zu ihm trug / sich bald
zufrieden gab / und ihm eine ehrliche Leichbegängnis mit zimlichen Kosten
aussrichtete.
    Zu Persepolis hatte man acht Tage in freuden gelebet / nach deren Endung man
sich des Krieges nach äusserstem Vermögen annam / und wurden die Völker ihren
FeldHerren / wie oben gemeldet / angewiesen /denen sie gleich so wohl / als der
Fürstlichen Verbündnis schwören mussten. Herkules sah vor gut an / dass man mit
dem Feldzuge eilete / damit der Feind nicht auff Persischem Boden festen Fuss
setzete / welches ohn gänzliche verderbung des Landes nicht geschehen würde /
und währe nicht besser Kriegen / als wann man die Pferde an Feindes Krippen
bünde; dann ob sie gleich daselbst ungeladen kähmen / hülffe ihnen doch dz
Futter ungleich besser / als da mans ihnen kärglich müste zumässen. Hernach
hielten sie Kriegsraht / ob sie gar absonderliche Heere führen /oder alle Völker
zusammen stossen wollten / und bekahmen von Charas durch ihre heimliche
Kundschaffer Zeitung / dass Artabanus auff Sysimitres Wiederkunft losbrechen /
und selbst mit zufelde gehen würde; Woraus Artaxerxes muhtmassete / dass er seine
ganze Macht in ein Heer zufassen gesinnet währe / weil er solcher Art sich stets
gebrauchete /und sie daher zurahte wurden / sich auff eben die Weise zusetzen;
wurden also alle FussVölker zusammen geführet / welchen Artaxerxes selbst
vorstehen wollte / nebest dem Medischen GrossFürsten. Herkules und Pharnabazus
nahmen die Medischen / Assyrischen und Susianischen Reuter same den Teutschen
und 6000 geworbenen / das ihr Heer in 92000 Mann bestund. Ladisla hatte die
Persischen / Hirkanischen /Baktrianischen / Margianischen / Arischen und
Drangianischen nebest seinen Böhmen und 2000 Geworbenen / die ingesamt 80000
Mann ausstrugen. Fabius hatte den Vorzug mit allen Römischen / deren 7000 nebest
seinen eigene Geworbenen 1000 / und noch 10000 anderen Geworbenen / ingesamt
18000 Reuter. Arbianes mit seinem fliegenden Heer / 14000 stark /begleitete das
Frauenzimmer / und wurden die Elefanten zwischen das FussVolk gefasset / welches
mit den Elefanten-Schützen 161000 ausstrug. Artabanus feirete auch nicht an
seinem Orte / weil ihm seiner Feinde Macht von unterschiedlichen Ländern und
Städten zugeschrieben ward / daher er sich um Mannschaft sehr bewarb / auff dass
er den unsern mit der Menge möchte überlegen sein / bekam deren auch eine grosse
Anzahl / weil die wenigsten der Fürstlichen Verbündnis sich des Abfals durfften
merken lassen / sondern ihm freie Werbung gestatten mussten. Seinen Auffbruch
hinderte nichts als des Skytischen Heeres anzug / und seines Gesanten
Sysimitres Wiederkunft / deren er zuvor erwarten uñ die Antwort wissen wollte /
weil er durch Bagophanes Einbildungen sich einer gewünscheten Verrichtung
vermuhten wahr / dass er sich schon gegen denselben vernehmen liess / wie mit
harten Straffreden er das Fräulein anfahren / und ihren Bruder und Oheim die
eine Stunde vor Könige in Persen und Meden erklären / und die andere Stunde sie
lebendig schinden lassen wollte. Aber O wie ging ihm dieser Anschlag so gar
zunichte / als der Gesante sich wieder einstellete / welcher sich der lauteren
Warheit gebrauchen wollte / und mit dürren Worten andeutete /mit was schlechter
ehrerbietung die Königlichen Brieffe währen angenommen / und hönisch verlachet
worden; und ob gleich das Fräulein zimliche Höfligkeit gebrauchet / währe es
doch nur bloss zum scheine geschehen; massen sie in Gegenwart nicht allein der
Fürsten / sondern aller vornehmen Herren und Kriegs Obristen sich öffentlich
verlauten lassen; sie hätte den König zuentleiben den steifen Vorsaz gehabt /
dafern die Rettung dem falschen Valikules sollte gefehlet haben; ihr Bruder aber
hinzugetahn / dass er seine Schwester lieber erwürge / als sie Artabanus / (so
schlecht hin hätte er seine Königl. Hocheit genennet) zum Gemahl gönnen wollte;
und währe endlich das ganze Wesen dahinaus geschlagen / dass er selbst hätte
müssen ansehen / wie Herkules sich mit ihr ehelich vertrauet / und des Abends
sie mit sich nach Bette geführet / da sie bei dem Hochzeit Feste in den
übergeschikten Kleidern uñ Kleinoten nicht anders gepranget / als ob sie
dieselben dem Könige als eine Beute abgenomen hätte. Nach welcher erzählung er
mit einer bewäglichen Rede anfing den König von dieser Liebe / die nunmehr
unmöglich währe / abzurahten. Es hörete aber Artabanus diese Zeitung mit grosser
Ungeduld und eiferiger Bewägung an / dass er meinte vor unmuht zubersten /
schwuhr auch bei seinem Häupte und Reichsstabe / diese Schmach und beleidigung
dergestalt zurächen / dass alle Welt ein Beispiel daran nehmen sollte; und kunte
dañoch die Liebe nicht dämpffen / sondern wie unmöglicher man ihm die
eingebildete niessung machete / je heftiger er darnach sich sehnete / dass er
nicht umbhin kunte /seinem Bagophanes zuvertrauen / er wollte nicht destoweniger
Herkulisken zum Gemahl haben / so bald er den Erzverrähter Valikules
hingerichtet hätte. Dass nun solches zeitig gnug ins Werk gerichtet würde /befahl
er alle Völker vor Charas zuversamlen / deren algemeiner Heerschauung er selbst
beiwohnen wollte. Der gebohrnen Parter wahren 120000 zu Ross / uñ 60000 zu Fusse.
Das Skytische Heer bestund in 70000 Reutern und 20000 Landsknechten / unter
welchen 10000 freiwillige wahren. Die Geworbenen aus allen Landschaften
erstrecketen sich auff 80000 zu Pferde / und 100000 zu Fusse; und hatten sich
noch viel Indianer / als 26000 Reuter und 14000 Fussgänger von ihm bestellen
lassen / dass also seine Reuterei 296000; dz Fuss Volk aber 194000 Mañstark wahr;
ein Heer von 490000 Köpffen. Sie wahren schon alle mit Gewehr wohl versehen / und
durch tägliche Ubung zum Schimpff und Ernst abgerichtet / beides in
Feldschlachten uñ bestürmung der Städte und feindlichen Lagers sich gebührlich
zubezeigen / dann Artabanus wahr nicht willens lange zuspiele / sondern in einem
Ruk alles zuüberwältige / damit ja die fremde aus Teutschland mit der schönen
jungen Frauen ihm nicht über Meer entgehen möchten. 500 Elefanten hatten 12000
Schützen auffgeladen / bei denen Artabanus sich selbst wollte finden lassen / und
wurden zwischen das FussVolk eingeschlossen / über welches ein gewaltiger
Partischer Fürst / Herr Pakorus gesetzet wahr / ein Held / sonderlich zu Fusse
zustreuen / desgleichen in allen Morgenländern nicht zu finden wahr / weil er
nicht allein guter Fäuste / und treflicher Kräfte und erfahrenheit / sondern
dabei vorsichtig / verständig und Tugendhaft / auch eine Schlacht zu ordnen
geschikt wahr. Die Partische Reuterei ward in drei Teile gesetzet; den ersten
führete Dorylaus zum vortrabe / ein verwägener Mensch / und bestund in 40000
Reutern / als 26000 geworbenen / 10000 Parten / und 4000 Skyten. Den linken
Flügel befehlichte Fürst Osazes / ein Ritter von grosser Leibeskraft / der in
ritterlichen übungen nie unten gelegen wahr. Sein Heer begrief in sich 55000
Parten /66000 Skyten / und 7000 geworbenen / ingesamt 128000 Köpffe. Den
rechten Flügel hatte Fürst Vonones / des Königes naher anverwanter / uñ ein
aussbund eines guten FeldObristen; er führete 55000 Parten /26000 Indier / und
47000 geworbene / wahr also gleich so stark als Osazes. Ein Sogdianischer Herr
/nahmens Arimazes / wahr über die 1200 Eiserne Streitwagen geordnet. Der
gestrichene Madates über die 12000 Elefanten-Schützen; und Fürst Vologeses wahr
algemeiner Feldmarschalk über das ganze Königliche Heer. Als dieser
erschrekliche Macht gemustert ward / sass Artabanus auff einem hohen Turm /von
dannen er alles eigentlich wahrnehmen / und das ganze Heer übersehen kunte; sein
Fuchsstreicher Bagophanes stund neben ihm / und füllete ihn mit Hoffnung von
oben an biss unten aus / wie es möglich währe / dass die abtrüñigen Auffrührer so
grosser Macht wiederstehen sollten / unter welchen kein undüchtiger Mann währe. O
wie heftige Reue wird dem Königlichen Fräulein in wenig Tagen kommen /sagte er /
dass sie eure Hocheit verlassen / uñ an den unbärtigen Laffen sich gehenket hat /
welcher die ersten Früchte ihres schönen Leibes gebrochen / zu deren niessung
niemand / als ihre Hocheit berechtiget ist; jedoch kann eine schöne junge Witwe
auch noch wohl ihren Mann erfreuen / die ich dann in kurzen gedenke eurer Hocheit
zuzuführen. Artabanus ward hiedurch so enttzündet / dass er vor ungeduld nicht zu
bleiben wusste; die Seufzer brachen ihm los / uñ fing an zu ruffen; O du aussbund
der ungefärbeten Schönheit / du allerholdseligste Herkuliska; wie hastu doch aus
getrieb einer töhrichten Liebe die höchste Ehr dieser Welt verlassen / und mit
Leib und Lebensgefahr dich von hinnen machen können / da dir doch alles /was
dein Herz wünschete / gegönnet / und willig eingereichet ward; dir stund frei /
mein Blut in meinen Anverwanten und liebstem Sohne zuvergiessen; mehr
Verehrungen hastu meinetwegen empfangen / als niemahls einige Königin vor dir;
und mochte doch dieses alles deine Dankbarkeit nicht heraus locken. O du
nichtiger boshafter Valikules / hättestu dir nicht irgendwo ein Weib uñ
Beischläfferin suchen können /du mustest uns dañ den treflichsten Schaz unser
Seelen diebischer Weise entfuhren? Nun nun! wir müssen / wiewol ungern / dir die
ersten Blumen und Liebesniessung gönnen / aber wüstestu / wie teuer sie dir
stehen wird / du soltest dich nicht so bald daran vergriffen haben; dañ wir
wollen dich an allen deine Gliedmassen / sonderlich / die uns am meisten
beleidiget /dergestalt peinigen und quälen / dass du ein Beispiel sein solt der
ganzen Welt; damit hinfüro niemand sich gelüsten lasse / dergleichen frevel und
muhtwillen an Königlichen verlobeten Fräulein zubegehen. Aber ruffe mir
Sysimitres her / sagte er zu Bagophanes / dass er uns ausführlich erzähle / in
was Schönheit er sie leztmahl gesehen. Dieser merkete / dass den König solches
zuhören / die unnützen Begierden antrieben / gedachte deswegen / alle seine
Reden dahin zurichten / dass ihm die vergebliche Liebe möchte benommen werden /
und sagte: Allergnädigster König; die Schönheit / so ich leztmahl an der
GrossFürstin Valiska gesehen / kam alle von ihrer GrossKönigl. Hocheit her; sie
hatte nicht ein Fädemchen an ihrem Leibe / den sie nicht aus den mit
überbrachten Laden entlihen hätte / und ob gleich diese Aussreisserin sich damit
ein grosses dünken lässet / so ist es ihrer Königl. Hocheit doch ein geringer
Verlust / als welche noch wohl ihr ganzes Frauenzimmer auff solche Weise
aussputzen könnte / ohn einigen Abbruch ihres unermässlichen Schatzes. Ey du
einfältiger / sagte Artabanus; bestehet dir die Schönheit dañ in den Kleidern /
so lass dir ein wolgepuztes Leibes-hessliche Bauernstük oder Dirne herzuführen /
alsdañ wird sie dir schön genug sein. Wir fragen nicht / was vor Kleider unser
Fräulein am Leibe getragen / sondern wie ihr dieselben angestanden; ja vielmehr
was vor Schönheit an dem entblösseten teile ihres unvergleichlichen Leibes sich
sehen lassen. Eure Königl. Hocheit / antwortete er / fodern von mir etwas /
dessen ich entweder keinen Verstand habe / oder doch mit euer Hocheit ungleicher
Meinung bin. Doch vor erst hat sie einen menschlichen Leib / wie andere
Weibesbilder / nur dass die zarte Haut und weisse Farbe / sie bei uns
Morgenländern selzam machet /welches aber den Mitternächtige nichts neues ist /
als die von der Sonnen nicht gefärbet werden / wie wir dieses Orts. Solte ich
nun meines Herzen Meinung von mir sagen / so halte ich diese Farbe an ihr
vielmehr vor eine Unvolkommenheit / als vor eine Zierde / dann sie rühret anders
nirgendher / als von der Unglückseligkeit ihres Vaterlandes / da die Sonne / als
gar zu weit entfernet / den Menschen die gebührliche Farbe nicht anstreichen kann
/ sondern sie erbleiche lässet. Man betrachte nur einen Kirsch- oder
Pflaumen-Baum / dessen eine Seite durch stäter beschattung des zu nahe stehenden
Gebäues / von der Sonnen abgekehret ist; ob nit daselbst die Früchte bleich und
ungefärbet blieben / so dass man sie nicht eins geniessen kann. Ich halte davor /
es sei mit den Menschen unterschiedlicher LandesArten gleich also; aber die der
Sonnen und ihrer Wirkung geniessen / sind ohnzweifel die volkomensten; uñ wird
demnach mir kein Mensch nicht einbilden / dass mein Gemahl / die fein bräunlich /
und an allen Gliedern gesetzt / nicht sollte ungleich schöner / als diese junge
GrossFürstin sein. Ich werde aber auch ihre Sitten und Geberden etwas berühren
müssen; diese nun straff ich nicht / nach dem äusserlichen Ansehen / und kann wohl
sein / dass sie von ihrem wohl unterwiesenen Frauenzimmer hieselbst / solche
Höfligkeit gefasset; aber andere weibliche Tugenden finde ich in zimlicher
sparsamkeit bei ihr. Dann vor erst ist sie blutgierig; durfte nicht allein in
ihrer Königl. Hocheit anwesenheit / den berümten Fürsten / Herrn Vologeses den
jüngern erschiessen /sondern sie berümte sich offentlich / in aller andern
Gegenwart / dass sie den treflichen Königlichen jungen H. Herrn Gotarzes mit
ihrem Brodmesser entleibet; ja wie sie ihre Königl. Hocheit selbst im BrautBette
hätte auffopffern wollen / wie solches ehmahls einem Assyrischen FeldHerrn
Holofernes von einem Judischen Weibe / nahmens Judit sollte begegnet sein. Nun
sind ja die ersten beiden Mordtahten ihr geglücket / und grauet mir nicht wenig
/ wañ ich an das dritte gedenke / dass vielleicht hätte können ins Werk gerichtet
werden; daher wir den Partischen SchuzGöttern billich danken / dass sie dieses
unausssprechliche Ubel gnädig abgewendet / und ein solches mörderisches Fräulein
aus unserm Lande verbannet haben. Mag demnach der weissmäulichte Herkules sich
eine Zeitlang mit ihr schleppen / biss sie seiner müde wird / wie sie mir dañ
sehr unbeständig vorkomt; hernach wird sie ihn schon abschlachten / und einen
frischen Reuter suchen. Bagophanes sah / dass dieses lauter tödliche Dornen / ja
Schwerter-Stiche in Artabanus Herzen wahren; gedachte deswegen sich durch eine
verantwortung beliebet zu machen / und fing also an: Ich weiss nicht / Herr
Sysimitres / ob ihr nicht allein der Vernunft abgedanket / sondern gar blöder
Augen und unsinlicher Sinnen worden seid / in dem ihr lästern und straffen
dürffet / was alle Mensche rühmen / und GrossKönigl. Hocheit selbst vor ihren
unvergleichlichen Schaz hält. Dreierlei habt ihr an dem vortreflichsten Fräulein
der Welt (ja ich halte sie noch vor ein unberührtes Fräulein; massen die
Partischen Götter dem Diebisschen Räuber Herkules das Vermögen nicht gönnen
werden / ihr den genies abzurauben / welcher ihrer GrossKönigl. Hocheit einig und
allein zustehet / sondern sie werden ihn lähmen und schänden / als der des guten
unwirdig ist) so sage ich nun; dreierlei habt ihr an diesem unvergleichlichen
Fräulein getadelt und beschimpffet / wo nicht gar geschändet; vor erst / ihres
Leibes allerzarteste Schönheit; hernach ihrer Sitten und Geberden
höchstwolgestalte bildung; und endlich ihre Liebesneigungen gegen unsern grossen
und höchsterschenden König. Das lezte muss ich im anfange wiederlegen /dañ es
deucht mich das wichtigste sein. Hier sprechet ihr nun; das Fräulein habe sich
eines vorgehabten Mordes gegen unsern höchstgedachten König vernehmen lassen. Ja
wer hats gehöret? Herr Sysimitres. Hat sie es ihm dann in vertrauen gebeichtet
/ und da sie mit ihm allein wahr / dass sie nach ihrem Willen reden durfte? Nein;
in gegenwart ihres Bruders und Oheims / der beiden Wüteriche / welche sie hierzu
gezwungen. Ey dass währe wohl ein statlicher Beweisstuhm / daher man der Fräulein
eigentlichen Willen urteilen sollte? Sie hat Bagophanes ihres Herzen Meinung wohl
auf andere Weise entdecket / mein Herr Sysimitres; da sie mit mir einen Abtrit
in ein Nebengemach nam / und sich beklagete / was gestalt der Zäuberer Valikules
/ der ja sein Antliz verendern kann / wie oft / und auff was Art er will / sie
durch seine Schwarzkunst Wizloss gemacht / uñ als im tieffen Schlaffe entführet /
dass sie noch nicht wissen könne / wie ihr geschehen sei; welches ich dann umb so
viel gewisser sein halte / weil auch ihr Angesicht allerdinge ist verendert
gewesen / und ihr Wirt / da sie geherberget / solches bezeugen kann / wie er auch
schon äidlich darüber ist befraget worden. O wie beklagete sie gegen mich / dass
sie dem Allergrossmächtigsten Könige entführet / sich ohnzweifel rechtschaffen
würde müssen streichen und stäupen lassen / weil sie nicht unterlassen könnte /
nach ihm zu seufzen; und währe ihr noch diese Hoffnung übrig / ihr
allergnädigster König / der einige Schaz ihrer Seelen / würde sich ihrer
erbarmen / und mit dem Schwerte sie lossmachen. Sehet Herr Sysimitres / diss ist
ihr vorgenommener Mord; diss ist ihr verborgenes Messer im Luftweher; ja freilich
im Luftweher / das ist / in der tichtung / die in der Luft verwehet wird. Aber
sie soll ja den treflichen Fürsten Gotarzes entleibet haben. O ein neues
Gedichte! zu welcher Zeit? an was Orte? etwan auff ihrem Schloss? ei fraget ihr
Frauenzimmer / ob sie dessen einige Wissenschaft habe; oder anderswo? warumb
weiss dann Königl. Hocheit nichts drumb? Es ist wahr / dass der junge Fürst
verloren worden / aber weit von hinnen; nicht auff dem Wege Persenwerz /
sondern nach Indien zu / woher er ein KriegsHeer seinem Herr Vater uñ Könige
zuführen wollen. Vologeses niederschuss haben weder ihr noch ich zu rechtfertige
/ welchen GrossKönigl. Hocheit selbst gebillichet / dabei es sein verbleiben hat.
Also werdet ihr nun lernen / Herr Sysimitres / dass ihr nur durch ein blindes
schrecken auffgezogen seid / und das Fräulein nicht anders hat reden oder sich
anstellen dürffen. Nun müste ich mich bemühen / der Fräulein Sitten und Geberden
zubeartigen; ja wann einiger Gebrech der Volkomenheit daran erschiene; wer hat
jemahls etwas volständigers an einem Fräulein gesehen / als wann diese
unvergleichliche geht / stehet / sitzet / tantzet / und nach Standes
unterscheid so mañiche Art im empfahen / anreden / handbieten abzuwechseln weis
/ dz mans nur mit entzücketer verwunderung ansehen muss. Aber Herr Sysimitres
will GrossKönigl. Hocheit bereden / ihr Frauenzimmer zu Charas habe sie solches
gelehret. Ey geht hin mein Herr / und fraget / die meisten sind annoch
verhanden / welche unter ihnen Meisterin gewesen; und wann ihr in diesem Stük
die Warheit an euer Seiten habet / will ich alles gelogen haben / sonsten richte
ich euch uñ euer übriges nach diesem. Ich muss mich aber fast zum Schiefer lachen
über der Vergleichung zwischen dem allerschönsten Fräulein uñ eurem Gemahl /
deren Ehre ich durchaus nicht schände / weil nie keiner gehöret / dass derselben
einiger sollte nachgestellet haben; Aber mein Herr / die reizungen / verzeihet
mir / sind auch nicht darnach / from ist sie / auch einfältig und blöde gnug /
aber schönheit halben habt ihr sie nicht geheiratet / und gedenke ich noch wohl
/ dass ihre Fr. Mutter zu sagen pflag; Wie haben doch zween gnug schöne Ehegatten
eine so ungeschaffene Tochter zeugen können? und wie werde ich dereins meiner
Odatis los werden? ich muss ihr verstelletes Angesicht mit Kleinoten bedecken /
und ihren schwarzgelben Leib mit dickem Silberschaum und Perlen vermahlen; geht
sie dann gleich etwas krum /will ich sie mit güldenen Stützen gerade stellen /
und ihre Ungestalt mit klingenden Pfeñigen noch wohl beliebet machen. Ich rücke
euch dieses nicht auff / Herr Sysimitres / nur allein beweise ich / das eure
Urtel /die Schönheit betreffend / ja so vernünftig sei / als dieser Stab. Dann
lieber saget mir; hat auch wohl einiger Mensch ein Fräulein von so überaus
wolgestalten Gliedmassen gesehen / als diese ist; betrachtet / bitte ich / ihr
Häupt uñ Angesicht; das güldene Haar / die glatte erhabene Stirn / die
gleichgezogenen Augenbrahnen / die lachenden Aügelein / wahrlich zwo reitzende
Sonnen an diesem Liebes-Himmel. Was soll ich von den weder geschwollenen noch
eingesenketen Wängelein sagen? deren rohtes dem weissen einen unbeschreiblichen
Glanz erteilet / und dannoch sich anders nit ansehen lässet / als ob diese
Farben eine stetswehrenden Streit untereinander führen / welche unter ihnen dem
Fräulein die anmuhtigste behägligkeit erteile. Die Nase ist nach allem Wunsch
gerade /und durchaus nicht brackig; die Lippen trotzen den Rubinen / die Zähne
dem Helffenbein / der Odem den allerwolrichensten Kräutern. Aber O des
Honigsüssen Züngeleins / dass kräftig gnug ist / die todten zum Leben zu
erwecken. Und wer hat jemahls ein anmuhtiger Kin gesehen? verzeihet mir / ihr
pflaumenweiche Alabaster Händichen / dass ich weder euch noch eure Fingerlein /
die zehn schmeidige Liebes-pfeilichen /so das Herz durchboren / zubeschreiben
weis / sondern nur erstumme / wann ich die lebendigen DemantNägel an ihnen
betrachte. Gewisslich / ihr Händichen /da ich / euch zuküssen und zuberühren
gewirdiget wahr / dauchte mich / es währe ein göttlich Fleisch. Das völlig
gesezte / uñ länglicht gestreckete Hälselein wird weder Praxiteles durch alle
seine Kunst aus einem Marmel nachbilden / noch Apelles mit so hoher Farbe
anstreichen können. O der gleichmässigen wolgefügten Schuldern! weiter gehe
nicht Bagophanes /mit deiner kühnheit / ob du gleich die Apfel-rund-erhobenen
Brüstlein mit einer zarten Linnewad eingehüllet / aber nie etwas wolständigers
oder anmuhtigers gesehen hast / und deine Augen nicht den allergeringsten
Unterscheid der Zierligkeit und grösse an diesen einträchtigen Zwilling-Rehen
merken kunten. Wer nun mir nicht gläuben will / der frage ihr hieselbst
anwesendes Frauenzimmer / ob sie sich unterstehen dürffen / ihres Busems
volkommenheit ausszureden. Das übrige ihres Leibes bleibet noch zur Zeit allen
Mannesbildern verborgen / biss ihre GrossKönigl. Hocheit sie wieder bekommen wird;
dañ ich weiss / dass sie dem Laffen Herkules solches nimmermehr sehen lässet.
Dieses alles nun darf Herr Sysimitres nicht allein geringe schätzen / sondern
es gar als eine Gebrechligkeit verwerffen. Aber er sage mir /bitte ich / aus was
Ursachen er die zarte Haut und schneweisse Farbe ein Häupstük der Schönheit sein
/leugnet? kann er etwa die schärffe der Haut / und schwärze der Farbe ohn anhang
der hessligkeit ihm wohl einbilden? ja / spricht er; die schwarzen Kirschen und
Pflaumen sind besser dann die weissen. Ey der ungereimten Vergleichung! H.
Sysimitres / wisset ihr nicht / dass dieser gewächse Schönheit in der schwärze
bestehet? ists aber mit den Weibsbildern auch also beschaffen / ei so ist trauen
eure Odatis noch lange nit schön genug / sondern ihr müsst sie in die
Schwarzfärbe schicken; oder fürchtet ihr was ungenehmes von den Färberknechten /
so fahret mit der Schwarzbürste über ihren Leib / wie euer Junge über die
Stieffeln / stellet sie an die Heerstrasse / und fraget / ob sie dann nun nicht
schier hübsch und schöne gnug sei. Ja ja Herr Sysimitres / wir müssen nunmehr
die Weiber nach euer Urtel aus Morenland hohlen / da es ihnen an der Sonne nicht
gebricht / sondern sie schwarz genug gefärbet werden. Deucht euch aber dieses
ungereimet / so beschuldiget hinfüro die liebe Sonne nicht / umb das sie dieses
allerschönste Fräulein nicht schwarz färben wollen / und lernet die Ungültigkeit
euer gleichnis von den Pflaumen Bäumen /aus meiner vielbessern erkennen. Wann
ihr grobe und zarte Linnewad an die Sonne aussleget / welche machet sie doch am
weissesten? die grobe / oder die zarte? Es ist hie keiner Nachfrage von nöhten /
die BauernMägdlein wissens wohl. Nur dieses einige hat etwas Schein / dass ihr
saget / die weisse Farbe sei bei den mitternächtigen Völkern gemein. Gesetzet;
sind aber die Weibsbilder alle bei ihnen so zart / so wolgestalt / so artig
gegliedert? und last es sein / dass die Farbe von ihrer Landesart / und gemein
sei; so ist sie uns aber selzam uñ fremde. Das selzame aber wird immer am
höchsten geschätzet / wo es dessen sonsten wert ist. Was machet den Tyrischen
Purpur in andern Ländern teuer? je weil man ihn daselbst nicht zurichten kann. Nun
Herr Sysimitres / so lasset doch die Schönheit dieser unvergleichlichen
Fräulein unangefochten uñ ungeschändet / wovon euch abzuhalten dieses gnug sein
sollte / dass sie unserm allergnädigsten Könige gefället / dessen Urtel und Wille
ja den euren billich zum gehorsamen Untertahne haben soll; wiewol bei dessen
GrossKönigl. Hochheit euch zuverunglimpfen ich durchaus nicht gesonnen bin /
sondern vielmehr darlege uñ erweise / dass euer J tuhm nicht aus Vorsaz oder
wiederspenstigkeit / sondern bloss aus unbedachtsamen unverstande / in dieser
Sache zu urteilen / herrühret / und ihre GrossKönigl. Hocheit euch deswegen
allergnädigst verzeihen wird. Artabanus wahr durch diese Beschreibung der
Schönheit und Wiederlegung der Sysimitrischen gründe in allen seinen bewägungen
zugleich auffgemuntert; er kunte weder den Liebesreizungen / noch dem über
Sysimitres gefasseten Eifer steuren / daher er mit rasender Stime also
lossbrach: Demnach du ungehorsamer wiederspenstiger Bube dich unterstehen darfst
/ dasselbe schimpflich zuverachten / welches wir uns sonderlich ausersehen / und
es zuerlangen / Leib und Gut wagen wollen / hastu dich fortin keiner
Königlichen Gnade mehr zugetrösten; uñ ob du zwar dein Leben verwirket hast /
wollen wir doch nach der schärffe nicht verfahren / sondern du solt in das
Untergemach dieses Turms gehen / biss wir uns einer gewissen Straffe erkläret
haben. Der erschrockene Mensch fiel vor ihm nider / und baht sehr kläglich / ihm
seine unbedachtsame Reden allergnädigst zuverzeihen / weil er sie böser Meinung
nit vorgebracht / sondern in den Gedanken gestanden / ihre Hocheit hätten einen
ungnädigen Willen auff das Durchl. Fräulein geworffen /wollte sich hinfüro wissen
zuhüten / auch sonst in allen begebenheiten sein Blut und Leben vor ihrer
Hocheit Wolfahrt willigst anwenden. Weil dann Bagophanes auch sehr vor ihn baht
/ überkam er endlich verzeihung / jedoch mit dem bedinge / dass da er dieses
Gespräch einigem Menschen offenbahren würde /er eines schändlichen todes sterben
sollte. Hiedurch ward Sysimitres gewitziget / seiner Zungen Freiheit zu mässigen
/ und in dem er seines Königes bestes suchete / zugleich auch seiner eigenen
Wolfahrt wahr zunehmen; dann grosse Herrn können von ihren Untertahnen die
Unterweisung zum guten nicht wohl annehmen / insonderheit wann sie einer
wüterischen Art sind / und ihren Willen zur Richtschnur der Erbarkeit setzen;
aber den Ohrenbläsern und lasterhaften / und die alle Tugend / so wieder des
Königs Willen strebet / unterdrücken / denen stehet gemeinlich der Fürstliche
Saal offen / welche man doch billich mit verfluchung und instendigem Gebeht der
unmündigen Kinder tödten sollte / weil von ihnen alle Landes verderbung herrühret
/ und umb ihretwillen die frommen solche Straffe über sich nehmen müssen /
welche sie nicht verschuldet haben. O des glückseligen Landes /dessen Fürst oder
König nicht gedenket / er könne allein rahten / sondern höret auch die / so bei
redlichen Leute wohl geachtet sind / insonderheit / wann sie nicht so sehr auff
die bereicherung ihrer selbst oder der Fürstlichen Schazkammer / sondern auff
des Fürstlichen Hauses und des Landes wolfahrt sehen. Wie leicht ist es
geschehen / dass ein boshafter Mensch unter dem Schatten einer sonderlichen
Frömmigkeit und untertähnigen gehorsams sich bei dem Fürsten beliebt machet /
und wann er erst freien Zutrit hat / gibt er genaue achtung / wohin dessen
Gemüht am meisten sich lenket; findet er ihn dem Trunk zugetahn / so ist er mit
Bechern und Gläsern bereit und fertig; ist er liebsüchtig / so rühmet er ihm
fleisches Wollust / und weiss das Laster der Unzucht so artig zuentschuldigen /
als währe es eine halbe Tugend /durch unsere Eltern selbst uns eingepflanzet /
dessen lässet sich dann ein ohndass freier Herr leicht bereden / und da er vorhin
den Begierden kaum das Schwankrütlein erteilete / häuet er sie mit beiden Sporen
an /dass er alle so ihm im Wege stehen / übern hauffen rennet / und von allem
guten reine Bahn machet / biss ihm niemand einreden darff. O ihr Fürsten / O
leidet ja diese Schmeichler an euren Höfen nicht / die euch nur nach dem Maule
reden; ihr seid ja in euer Jugend zum guten und löblichen angeführet / und
wisset /was an sich selbst straffbar und lobwirdig ist; drumb leihet denen eure
Ohren nicht / welche vorgeben dürffen / einem Fürsten stehe dieses oft wohl an /
was andere mit dem Kopfe bezahlen müssen. Hätte Artabanus auff richtige Rähte
hören wollen / die sein und seines Reichs bestes sucheten / und dagegen den
Fuchsschwänzern / Bagophanes und andern seines gleichen nicht ins Maul gesehen /
vielleicht herscheten die Arsazier noch über die grossen Morgenländer; weil er
aber den leidigen falschen einbildungen folgete / musste er Leben und Reich mit
einander verlieren /wiewol unsere Geschichte bissdahin sich nicht erstrecken
wird. Als Sysimitres von ihm gangen wahr / trat Bagophanes Gemahl wieder
hinein; sie hatte sich überaus prächtig / aber sehr leichtfertig gekleidet /und
hielt bei dem Könige an / ihr allergnädigst zuerlauben / dass sie mit dem Königl.
Frauenzimmer reisen möchte / damit sie seiner Feinde und Auffrührer Niderlage
ansehen / und dem Königl. Fräulein / so bald sie erlöset währe / untertähnigst
auffwarten möchte; welches ihr gerne gewilliget ward / weil durch ihre süsse
Reden und blinzende Augen / die ihr sonderlich wohl anstunden / sie den König
schon in Liebesstricken gefangen hielt / und seiner mehr als einige andere
genoss; worzu Bagophanes nicht allein durch die Finger sah / sondern sich gross
dauchte /dass er in solchen Gnade lebete. Inzwischen erhoben die unsern sich von
Persepolis / und führeten ihre muhtigen Völker / denen Herkules und Ladisla
nichts als von grosser Beute vorschwatzeten / nach den Partischen Grenzen in
obgemeldeter Ordnung hin / so dass das ganze Heer sich in die breite fast einer
Viertelmeile aussdehnete. Des vierden Tages nach ihrem Auffbruche / kam Orsillos
mit Fr. Statiren Dienern an / lieferte alles / samt dem Schreiben / Herrn Fabius
ein / und zeigete an / wie sehr sie umb schriftliche Antwort bitten liesse.
Dieser erinnerte sich zwar seiner Sünde / wozu sie ihn fast genöhtiget /
betrachtete doch daneben die empfangene Woltaht / deswegen er alles annam / und
im nähesten Flecken dieses Antwortschreiben auffsetzete.
    Wolgebohrne Frau / hochwerte Freundin; billich müste ich der Undankbarkeit
beschuldiget werden / wann meines Lebens erhaltung derselben ich nicht zulegete
/und die vielfältigen Woltahten nicht erkennete; und ob zwar unsere gar zu frei
gebrauchete Kundschaft mir nicht gebühren wollen / weil ich zu Padua mein liebes
Gemahl habe / so sind doch geschehene Dinge nicht zuendern / daher wir des
verlauffenen vergessen / und hinfüro einer anderen zulässigen Freundschaft uns
befleissigen wollen. Gegen ihren Gemahl / Herrn Nabarzanes /den ich freundlich
grüsse / hätte sich meine Seele vielmehr zuentschuldigen / werde mich auch
bemühen / solchen ungebührlichen Frevel in andere Wege zuersetzen. Bedanke mich
sonst wegen der übermachten Geschenke dienstlich / und bitte sehr / nach
gehaltener Schlacht / dafern ich lebe / mich neben Herrn Nabarzanes zu
Persepolis zubesuchen / weil ich zweiffeln muss / ob meine Rükreise / sie
zusprechen / erleiden werde. Im übrigen hat meine Freundin sich zuversichern /
dass bei meinem Herr Bruder Fürst Pharnahazus ich nicht allein ihr guten Schuz
und versicherung aller ihrer jetzigen Güter / sondern derselben vermehrung
leicht erhalten werde. Vor dissmahl fodert mich der Trometenschal zu Pferde /
daher ich abbrechen muss. Empfele meine Freundin samt ihrem Gemahl der Götter
obacht / verbleibend / weil ich lebe /derselben bereitwilliger Diener Kajus
Fabius / ehmahls Kleon.
    Bei diesem Schreiben versiegelte er ein Päklein Kleinot / viel höheres werts
/ als ihm zugeschikt wahren / stellete Orsillos alles zu / uñ dass ers auffs
schleunigste überbrächte / schenkete ihm dabei 200 Kronen / und hiess ihn mit
nach Persepolis kommen /dann wollte er ihn der empfangenen Streiche ergetzen.
Nach seinem Abscheide brach Fabius auff / dañ er hatte den Vorzug mit seinen
Völkern / die schon vorhin wahren / und nichts als des Feindes schleunige
Ankunft wünscheten; so nam auch Artaxerxes ein unfehlbares Zeichen des künftigen
Sieges daher / dass alle KriegsObersten mutig und des Streits begierig wahren;
ohn der einige Arbianes kunte durch nichts zur Fröligkeit bewäget werden / wo er
reisete oder ruhete / wahr er stets schwermühtig und mit tieffen Gedanken
beladen / dass ihm nicht allein die lebhafte Farbe / sondern auch das Fleisch
entging / dessen niemand fleissiger als sein Feldmarschalk Leches / und
GrossFürstin Valiska wahrnahmen; und diese zwar merkete aus allen umbständen /
dass er mit heimlicher Liebe angefochten ward; daher sie sich / inbetrachtung
seiner ehmahligen Neigungen einer ungebührlichen Lust bei ihm ihretwegen
befahrete / welche ihm zubenehmen / sie schon auff allerhand Mittel bedacht
wahr; dann sie zweifelte nicht / sein Gemüht könnte durch angezeigete wichtige
Ursachen / von dem Irwege zur Tugend wiedergebracht werden; weil er sich aber
durchaus nichts gegen sie vernehmen liess / argwohnete sie daneben / ob er irgend
an Libussen sich vergaffet hätte / dann er suchete oft Gelegenheit / mit ihr
allein zureden / dabei er viel und mancherlei Verenderung sehen liess. In diesen
ungewissen Gedanken verblieb sie biss an den dritten Tag nach ihrem Auffbruch /
da Leches ihr zuverstehen gab / er hätte ihn des vorigen tages in seinem Zelte
auff den Knien sitzen / und ein kleines Brustbildichen in beiden Händen als
einen Spiegel halten sehen / welches er bald geküsset / bald mit Tränen
befeuchtet / bald als eine Göttin angebehtet; und da er nit irrete / währe es
des Durchl. Fräulein aus Teuschland / Frl. Klaren Bildnis / welches seine
Libussa verloren / und er etwa müste gefunden haben. Die GrossFürstin schlug vor
freuden in die Hände / und antwortete ihm: O wie tuht ihr so wohl / dass ihr mir
solches offenbahret; dann ich habe mir in Warheit sehr gefährliche Gedanken
wegen dieses Fürsten Traurigkeit gemacht / dass ich selber schwermühtig drüber
worden bin; ich bitte aber / ihr wollet dieses alles in höchster geheim halten /
und keinem einigen Menschen offenbahren / auch gegen Arbianes selbst euch nichts
merken lassen. Liess ihn von sich / foderte ein Pferd / uñ ritte hin nach ihrem
Herkules / dem sie mit freuden entdeckete / sie hätte Arbianes anliegen
erfahren; erzählete ihm alles / und fragete / ob er nicht meinte / dass ihm in
dieser Liebe könnte geholffen werden; zum wenigsten müste man ihm völlige
Hoffnung machen / dass der unlust Brunnen bei ihm gedämpfet würde / und er sich
nicht selbst durch grämnis verzehrete. Herkules gab seine Antwort; wann es in
seiner Macht stünde / wollte er ihm seine Frl. Schwester nicht versagen; weil er
aber weder seiner Eltern noch Schwester Meinung wüste /ob sie in so weit
abgelegene Heirat einwilligen würden / könnte er nichts beständiges rahten. Zwar
ihm gute Hoffnung zu machen hielte er vor nöhtig / doch dass man gleichwol nichts
mehr verspräche / als man halten könnte / und der junge Fürst samt seinen Eltern
nicht Ursach hätte / sich dessen hernähst zubeschweren. Mein Schaz / sagte sie /
ich will schon wissen die Mittelbahn zutreffen / gelebe auch der Hoffnung / die
Heirat mit Gotteshülffe zu schliessen / da er sonst mit uns nach Teutschland
zuzihen Herzens gnug hat /welches ich ihm doch nicht anbieten werde / sondern
seiner freiwilligen Erklärung erwarten; kehrete wiederumb nach ihrer Gutsche /
und foderte Libussen zu sich / fragete nach der Fräulein Art und Sinnen / und
befand aus allen umbständen / dass sie sitsam / ohn falsch / und wohl zubereden
währe / offenbahrete ihr hernach ihr Vorhaben / und liess sie wieder von sich.
Und als Arbianes bald darauff vor ihrer Gutsche her ritte / baht sie ihn / sich
zu ihr zusetzen / da sie ihn also anredete: Fürst Arbianes / in ehren
hochgeliebter Herr Bruder; wie ich anfangs in euer Liebe Kundschaft gerahten bin
/ habe ich viel eine frölichere Weise bei ihm gemerket / als er jetzund spüren
lässet; ja wañ dazumahl mein Herz mit tausenderlei Angst und Sorge umbspannet
wahr / machte seine anmuhtigkeit mich derselben zum oftern vergessen. Wohin ist
doch nun das freie Gemühte gereiset? woher komt dieser unliebliche Wechsel / der
das allergeringste Zeichen einer Fröligkeit an ihm nicht mehr will scheinen
lassen? Ist euer Liebe etwa einige Unbilligkeit begegnet / so gebe sie mirs
zuverstehen; oder findet sich einiger Mensch in dieser Gesellschaft / dessen
Gegenwart er nicht ertragen kann / so mache er mir denselben nahmhaftig; oder
empfindet er Leibes Schwacheit / welche der Arznei bedürffte / wird er sich ja
selber nicht verseumen; oder welches ich am ersten gläube; liebt mein Herr
Bruder an einem Orte / da er ohn Ehren-abbruch zugelassen werden kann (dann ich
halte ihn viel zu Fürstlich / dass er ungebührlich lieben sollte) so lasse er
michs kühnlich wissen; ich weiss wie verliebten umbs Herz ist / uñ weiss daher
auch / wie man in diesem falle Raht schaffen kann. Arbianes / der ohndz bei
Frauenzimmer blöde wahr / und die GrossFürstin hochehrete / ward wegen dieses
Anspruchs mit einer grossen Schamröhte übergossen / und weil ihm unmöglich wahr
zu antworten /auch nicht wusste / was er antworten sollte / liess er an statt der
Rede einen schweren Seufzen / dañ die Zunge wegerte sich ihres Amtes / und die
Vernunft in der Begierde zu kraus verwirret / hatte nicht Zeit zubedenken /
womit diese tief forschende Frage sollte ersetzet werde; welches die GrossFürstin
merkend / also fort fuhr: In ehren hochgeliebter Herr Bruder; ob eure Liebe
gleich auff meine Frage schweiget / gibt doch der einige Seufzer vollige
Nachricht / und verständiget mich dass ihr liebt; ja ihr liebt mein werter
Fürst / welches ihr so wenig zuverberge wisset / als ich zu jener Zeit / da
Fürst Pharnabazus mir meines Schatzes Brustbilde zeigete / wie euch unvergessen
ist; rechnet ihr mich dann unter die Zahl eurer guten Freunde / so gebet mir
euer Anligen zuverstehen / und prüfet mich in diesem Stücke / wie ich gegen euch
gesinnet sei. Arbianes empfing hiedurch ein Herz / küssete ihr die Hand mit
grosser Höfligkeit und ehrerbietung und sagte nachgehends: Durchleuchtigste
GrossFürstin; ihrer Durchl. ich unwirdiger Knecht bin viel zugeringe / so hohes
erbieten anzuhöre; dann es übertrift nicht allein mein Vermögen / sondern alle
erkäntnis /dass ich daher mich keiner Antwort zuersinnen weiss; wann aber vor
diese erzeigete hohe Gnade mein ungültiges Blut gnug währe / dass in ihrem
Dienste es vergossen würde / wollte ohn einiges wegern ich mich zum Opfer
darstellen; fassete ihre zarte Hände zum andernmahle / und küssete sie ganz
inniglich / dass sie von neuen fürchtete / er würde gegen sie entzündet sein;
welches unbillige Feur zu dämpffen / sie zu ihm sagete: Mein Herr Bruder
erzeiget mir in Warheit gar zu grosse Ehr / die mir allerdinge unangenehm ist /
nachdem wir nunmehr in solche Kundschaft gerahten sind / dass viel besser währe /
wir setzeten diese Höfligkeit bei seite / als die nur den Fremden zustehet; ich
erkenne ohndass sein gewogenes Herz / welches ich auff allen Wegen / die Zucht
und Gesetze nicht verschliessen / nach äusserstem Vermögen zuersetzen mich
willig erbiete / und mein Herr Bruder hieran nicht zuzweiffeln hat; aber er
antworte mir / bitte ich /auff meine Frage; ist dann dieselbe / so er liebt
(dann ich weiss gewiss dass er liebt) ein unversagtes Fräulein / so verlasse er
sich nur kühnlich auff meinen Beistand; sollten aber über alles verhoffen / seine
Siñen durch einer verheirahteten Zierligkeit berücket sein /wie dann ein Mensch
wohl verleitet werden kann / ei so wolle mein Herr Bruder sich ja beizeiten
begreiffen /und mit solcher Unbilligkeit seine Seele nicht beladen; wie ich dann
wohl weiss / dass er solches tuhn /und sich einem so unverantwortlichen Laster
nicht ergeben wird. Ich bin kühn mein HerrBruder / dass ich solches reden darff;
aber sein verdächtiges zurück halten erwecket diese Sorge in meinem Herzen / die
ich vergeblich sein hoffe / und dannoch an seiner willigen verzeihung nicht
zweifele. Arbianes erschrak dessen nie wenig / dann er merkete / dass wegen
seines verhaltens sie diesen Verdacht fassete; desswege er /solchen gänzlich
ausszureuten vor nöhtig hielt / und ihr also begegnete: Durchl. GrossFürstin; wañ
ihrer Durchl. ergebener Knecht Arbianes mit unzimlichen Gedanken umginge / müste
er billicher in Schmach und Schande / als bei ihrer Liebe auff der Gutsche
sitzen; wolle demnach dieselbe mir höchst verzeihen /wañ etwa meine stumme
unverständliche Reden / sich nicht gnug haben erklären können / denen die Zunge
jezt zu hülffe kömt / uñ ihre Liebe versichert / dz dergleichen
ungebührligkeiten mir bisher ja so ferne / als deren straffen selbst geblieben
sind. Dass aber ihre Liebe sich über meine gebührliche Ehrerbietung bebeschweret
/ und selbe mir verbeut / dadurch leget sie mir eine schlechterdinge
unerträgliche Last auff / welche über mich zunehmen / ich mich ungescheuhet
wegere; dann ich will lieber tausendmahl sterbe / als euer Liebe unvergleichliche
Wirdigkeit zu ehren unterlassen. Sonsten dass eure Liebe auff die Frage zu
antworten mir ernstlich gebeut / mus ich meinen Vorsaz brechen / und ihr
unverhalten sein lassen / dass ich bisher nur eine Sonne am Himmel erkennet; aber
jezt deucht mich / breche eine Neben-Sonne hervor / wiewol unter dicken Wolken
verhüllet / welche anzubehten ich dermassen gezwungen werde / dass ich aller
irdischen sachen drüber vergesse; ihre blicke / die nicht mich / aber ich sie
durch die Wolken sehe / speisen mich / tränken mich / leiten mich; sie sind mein
schlaffen / mein wachen; mein denken und sinnen / so dass inbetrachtung dieser
Volkommenheit mich zu üben / mir so lange werde lassen angelegen sein / biss die
Seele sich wegert dem Leibe solche mitleistung länger zugönnen; alsdann will ich
(spricht meine Seele) bei der HäuptSonnen mich unvermerket halten / ob
vielleicht in dero Gesellschaft angenomen / ich dahin gelangen könnte / woselbst
mir vergönnet sein wird / ausser dem Leibe zubesichtigen / was ich mit den Augen
meines Häuptes anzuschauen unwirdig bin / auch vielleicht dieses garzuschwache
Gesicht nicht ertragen würde. Die GrossFürstin antwortete ihm mit einem
freundlichen Lachen: Hochwerter HerrBruder; meines unbesonnenen Argwohns halben
erkenne ich mich in euer Liebe Straffe verfallen sein / dessen ich mich auch
nicht entbrechen will / da ichs sonst mit besseren diensten nicht ersetzen / und
mich lossarbeiten kann; betreffend euer Liebe verdeckete Reden /wollte ich sie zum
teil errahten / aber alle sind sie mir nicht behäglich / will doch anfangs mich
in kein unnöhtiges Gezänke einlassen / so viel mich selbst betrift / weil ich
schon anhören müssen / dass ihr mir in diesem stücke allen Gehorsam abschlaget.
Wie aber /mein HerrBruder / darff ich dann dieser Neben-Sonne (wie ihr sie
nennet) nicht bessere Kundschaft haben? vielleicht möchte die vermeinte andere
Sonne / (aber O der elende Soñe!) bei dieser Neben-Sonne wirken können / dass ihr
zu liebe sie euch ihre Strahlen nicht allein mitteilete / sondern niemand anders
als nur euch / damit beschiene. Ich rede ernstlich mit euch /mein HerrBruder /
uñ wollet ihr euren Zweg erreichen / müsst ihr trauen euch selbst nicht
fesseln; deswegen lasset mich eure Heimligkeit wissen / und gedenket nur sicher
/ dass ihr mit derselben redet / die eure Liebe als viel und sorgfältig sie kann /
zubefodern willens ist. Aber ich sehe / das euer Herz mein Ansuchen nicht fassen
/ vielweniger der Zungen gebieten will /dass sie den Nahmen aussspreche / den die
Seele so wirdig hält. Wann ichs aber von mir selbst errahten würde / wovor
wollet ihr solches rechnen? Gewisslich / antwortete er / vor ein Zeichen eines
glücklichen aussschlages. Der Hoffnung gelebe ich auch / sagte sie /uñ will nicht
länger warten / euch meine Zunge zuleihen; höret nur zu. Ihr liebt / Fürst
Arbianes / ein GrossFürstliches eurem Stande gemässes Fräulein /und zwar / die
ihr Zeit eures Lebens nicht gesehen /nehmlich meine Frl. Wase / und meines
lieben Herkules Schwester Frl. Klaren; gewisslich ein Fräulein / die liebenswert
ist / und wohl eine Sonne möchte genennet werden / dafern mir solcher Nahme
zustünde / dem ich aber wiederspreche. Mein Herr Bruder Arbianes; er erblasse
nicht so über meiner Rede; ich sage noch mehr: Diese Sonne / wie ihr sprechet /
ist mit dicken Wolken bedecket; ja mit so viel Wolken / als zwischen hier und
Teutschland schweben; und dannoch sehet ihr deren blicke; ists nicht also? aus
dem gefundenen Brustbildichen / welches ungeachtet aller fleissigen Nachfrage /
ihr so heimlich haltet / und als einen Diebstahl bei euch verwahret / da es euch
doch sehr wohl gegönnet ist. Verberget euch fortin mehr vor euer Schwester
Valisken / deren Geist alle eure Heimligkeiten aussforschen kann; ja auch sihet /
wann ihr auff den Knien / oder wohl im Bette dieses liebste Bildichen bald
besehet / bald küsset / bald mit Trähnen befeuchtet / bald säuberlich abwischet
/ bald gar anbehtet. Da habt ihr nun Fürst Arbianes / was ihr schon selber
wisset / und dannoch zu wissen begehret. Durchleuchtigste GrossFürstin /
antwortete er; von Herzen wünsche ich zu wissen / wer doch immer und ewig mein
Verrähter / ja wer meiner heimlichsten Gedanken und handelungen anmerker und
aussschreier sein mag; inbetrachtung ich keinem Menschen dieser ganzen Welt das
allergeringste von meiner Liebe geoffenbahret / auch niemand das gefundene
Bildichen sehen lassen; demnach ich aber alles / was eure Liebe mir vorgehalten
/ gestehen mus / will ich nichts in abrede sein; nur bitte ich in demühtiger
zuversicht / eure Liebe wolle niemand hievon ichtwas melden / massen ich mich
viel zu unwirdig weiss / an solche Sonne hinzureichen / die ich mehr anbehte als
liebe. Ich aber gebiete euch / sagte sie / dass ihr einen Muht ergreiffet / und
eures GrossFürstlichen Standes euch erinnert /der billich nicht unter sich
gedenket; nur leget die bisher geführete Traurigkeit abe / und erzeiget euch als
ein wirdiger Liebhaber; insonderheit bedenket / was vor ein Schreiben ihr an das
Fräulein abgehen lassen wollet / welches neben dem meinen ich straks Morgen
fortschicken will / euch den Weg zu dieser Sonne zu bahnen. Aber ihr müsst mir
gönnen / dass ichs mit euer Fr. Mutter rede / und sie es eurem H. Vater vortrage
/ damit ich schier heut oder Morgen nicht vor eine heimliche Kuplerin gehalten
werde. Arbianes wusste nicht / was er vor freuden antworten sollte / stellete ihr
alles heim / und liess ihr auff begehren das BrustBilde; foderte seine Fr. Mutter
hin / und dass GrossFürstin Valiska sie ingeheim gerne sprechen wollte; baht
daneben sehr / da etwa seiner gedacht würde / ihm Mütterliche Liebe und Träue
zuerzeigen /welches er Zeit seines Lebens Kindlich erkennen wollte. So bald
GrossFürstin Saptina zu ihr kam / fing diese an: Geliebete Fr. Mutter; des lieben
Fürsten Arbianes Anliegen / welches ihn dermassen von ihm selber bringt / habe
ich nunmehr glücklich erfahren / bin auch schon in verfassung / wie man ihm Raht
schaffen könne. Was ich nun stets gemuhtmasset / finde ich mehr als alzu wahr /
und mag euer Liebe nicht bergen / dass seine bleiche Farbe und fleisches
Verschwindung nichts als ein Liebesleiden ist; doch liebt er an solchem Orte /
dessen er / meiner Meinung nach /nicht kann schande haben. Ob ich nun gleich mich
seiner gerne und billich annehme / werde ich doch durchaus nichts anfahen / es
geschehe dann mit euer Liebe und ihres Gemahls wissen und einwilligung /
ungeachtet der Fürst anfangs sehr angehalten hat / seinen Eltern davon nichts
zumelden. Die GrossFürstin bedankete sich des geneigten willens / könnte aber
nicht ersinnen / sagte sie / wie ihr Sohn in Liebe eines wirdigen Fräuleins
gerahten mögen / weil er biss daher bei seinem H. Vater stets daheim gewesen /
und dieser örter dergleichen Frauenzimmer sich nicht hätte sehen lassen /
inbetrachtung / dass Artaxerxes sein Gemahl und Kinder von sich hinweg in der
Römer gebiet geschicket hätte / welches ihm etliche Weissager und Sternseher als
ein hochnöhtiges Ding gerahten. Es ist alles wahr / antwortete sie / aber er
liebt / was er noch nicht lebendig / sondern nur bildnisweise gesehen hat;
reichete ihr hiemit Frl. Klaren Gemählde und sagete: Sehet / geliebte Fr. Mutter
/ dieser Abriss ist aller seiner Traurigkeit Ursach / welches meine Hoffmeisterin
Libussa verloren / und von ihm ist gefunden worden. GrossFürstin Saptina sah es
mit verwunderung an / uñ befand es Fürstin Valisken sehr ähnlich sein / daher
sie sagte: O lieber Sohn / du hast nicht allein gar zu hohe / sondern auch
unbilliche Gedanken gefasset / nachdem ich nicht anders gedenke kann / als dieses
sei euer Liebe Bildnis. Ja / antwortete sie / dieses Fräulein ist mir nicht
ungleich / weder an Gestalt / noch Stande / und heisset Frl. Klara / meines
Herkules leibliche und einige Schwester; dafern nun seinen Eltern diese ihres
Sohns Liebe nicht zuwieder ist / welches ich vor allen dingen wissen muss; und
hernach dieses Frl. inwendig Vierteljahrs frist nicht verlobet / will ich mich
gerne bemühe / ihm in dieser Heirat bedienet zu sein; wiewol andere als
vertrauete Freunde aus meinem erbieten muhtmassen könten /ob böhte ich meine
Frl. Schwester feile; dessen in diesem falle ich mich nicht fürchte. Fr. Saptina
fiel ihr umb den Hals / herzete und küssete sie / und gab zur Antwort: Ach dass
mein GrossFürst dieses erbieten anhören sollte / welcher in dieser Welt höhers nit
wünschet / als dass sein Sohn wirdig währe / mit dem HochFürstl. Teutschem
Geblüte sich zuvermengen; deswegen wird eure Liebe uns allerseits zu ihren
Diensten verbinden / wann sie diesem Vorhaben beständig nachsetzen wird. Woldann
/ sagte Fr. Valiska / ist eure Liebe dessen gewiss / so wollen wir dem Vater es
noch so bald nicht offenbahren / sondern eine eilige Botschaft nach Teutschland
abfertigen / und diesem Fräulein in des jungen Fürsten Nahmen etliche Kleinot
schicken / nicht zweifelnd / ich werde auff mein Schreiben schleunige Antwort
bekommen. Saptina machte sich geschwinde nach ihrer KleinotLade /nahm achte der
besten uñ kostbahresten hervor / auff 80000 Kronen geschätzet wozu Valiska eben
so viel /gleiches preises legete / redete alles mit Herkules ab /der ihr
Schreiben verfertigen halff / und empfing sie von Arbianes einen köstlichen Ring
/ daneben ein Lateinisch Schreiben / in welches sie den Ring hinein legete / und
einen Umbschlag darumb an das Fräulein. Inzwischen hatte sie nach Ladisla
geschicket / dass er Neklam in den Bömischen Adelstand auffnehmen /und ihm Urlaub
geben möchte / weil sie ihn nach Teutschland zuverschicken hätte. Azores ein
Dolmetscher ward von Herkules mit gleicher Ehre angesehen / wie auch ein
Teutscher / nahmens Ruprecht / welcher aus denen wahr / die Herkules zu Padua
lossgegeben hatte. Diese drei empfingen die Brieffe samt den Kleinoten und
Geleits Brieffen / dass man sie allentalben frei zihen lassen / uñ allen
möglichen Vorschub zu ihrer Reise tuhn sollte. Fr. Valiska unterrichtete sie
alles dessen / was sie wollte bestellet haben /mit ernstlichem Befehl / Tag und
Nacht / so viel möglich / zu eilen / dass sie bald wiederkommen / und in der
Rükreise auff Jerusalem und Damaskus zuzihen sollten / wann sie verhoffentlich
schon würden abgezogen sein; gab ihnen auch 30 Reuter / welche sie biss an den
Eufrat begleiten sollten; und musste von der Stunde an Arbianes auff Fr. Valisken
Vermahnung sich alle Tage von Leches in der teutschen Sprache unterrichten
lassen / welche ihm zimlich schwer ankam.
    Diesen Abend empfing Artaxerxes aus CharasBrife; der König währe mit einer
ungläublichen Menge Volks / schon vor etlichen Tagen auffgebrochen / und ginge
der gemeine Ruff / er wollte ganz Persen zur Wüstenei / und alle Inwohner zu
Leibeigene machen. Artaxerxes hielt hierauff Kriegsraht / und begehrete anfangs
Herkules Meinung zuvernehmen / welcher also anfing: Es erfreuet mich sehr / dass
Artabanus es auff die Spitze wagen will / und den ganzen Kern seiner Mannschaft
uns darstellen. Wir haben GOtt Lob / eine solche Menge wolgeübeter Völker / dass
ich mit der helffte ihm das Häupt bieten / und seinen überfluss durch GOttes
Hülffe dergestalt verwickeln wollte / dass sie mit ihren eigenen Schwertern sich
niderschlagen /und den Weg zur Flucht durch ihre Herzen öffnen sollten. Damit wir
aber desto behutsamer und in mehrer sicherheit gehen / währe mein
unvorgreiflicher Raht /wir setzten in guter Vorsichtigkeit gerade auff des
Feindes Land / liessen die Inwohner frei ruhig bei dem ihrigen / dass sie nur
nach vermögen Futter und Mahl schaffeten / und legeten uns an einen vortelhaften
Ort mit einer angenommenen äusserlichen Furcht /wodurch der Feind in
unvorsichtige Verwägenheit gestürzet / und alsdann mit geringem Verlust der
unsern gedämpfet werden kann. Ob wir uns dann gleich nicht gar weit in Feindes
Land zihen / schadet nicht / weil wir aus allen umbliegenden Freundes örtern
alle Notturft überflüssig haben / und dem Feinde seinen Troz und Grim gar wohl
aussharren können / wie ich mich dann keiner zeitigen Schlacht vermuhten bin /wo
sonst Fürst Vologeses das Häuptwerk führet. Dieser Vorschlag ward von allen gut
geheissen und angenommen / und der Weg mit zimlichen Tagereisen fortgesetzet /
weil alle engen Durchzüge erweitert wurden / und legten sich auff Feindes Grund
und Bodem / an einen Ort / da sie Wasser und Raum vor Menschen und Pferde hatten
/ auch keines Hinterhalts sich befürchten durfften. Fabius ging hieselbst mit
seinen Völkern vor dem HäuptHeer / besser in Feindes Land / nachdem man ihm 5000
Römer abgenommen / und an deren statt 2000 Teutschen / 2000 Böhmen und 7000 von
Arbianes fliegendem Heer zugegeben hatte / dass seine Völker auff 24000 Mañ
bestunden. Herkules und Ladisla erinnerten ihn Brüderlich der guten
Vorsichtigkeit / das er ja richtige Kundschaft halten /und sich in kein Treffen
einlassen möchte / es währe dañ / dass er sicher wüste / dz nur ein fliegendes
Heer auff ihn stiesse / welches von dem HäuptHeer nicht könnte entsetzet werden.
Artaxerxes gab ihm einen wolversuchten aber etwas furchtsamen Persischen Herrn /
nahmens Phrataphernes zum GrossOberwachtmeister zu / und wünschete ihnen Glück zum
guten anfange. Artabanus wahr nicht weniger bemühet / seiner Schanze acht zu
haben / liess nach gehaltener algemeiner Heersbeschauung seinen Völkern durch die
Bank einen Monat-Sold erlegen / welches über 40 Tonnen Goldes ausstrug / mit der
Verheissung / dafern sie frisch fechten und das Feld erstreiten würden / sollte
ihnen abermahl so viel aussgezählet / und doch am gebührlichen Solde nichts
abgekürzet werde; wodurch sie sehr willig und muhtig gemacht wurden; brachen
auch bald auff / und hielten ihren Zug eine halbe Meile breit. Vologeses versah
alles durch gewisse vorsichtige Leute / und wollte nichts unbedachtsames
vornehmen / weil er der unsern wachsame Vorsichtigkeit gar zu wohl erfahren
hatte; taht auch so viel bei diesem Feldzuge / dass wann seine Gegenwart nicht
gewesen währe / alle Völker würden auf die Schlachtbank geliefert sein; dann
Artabanus verliess sich auff die grosse Menge / meinte es könnte ihm nicht fehlen
/ sondern müste eilen / damit das Fräulein nicht vor seiner ankunft entführet
würde; ja er stund fest auff der Meinung / die Reuterei sollte voraus zihen / und
das Fussvolk algemach folgen; aber Vologeses zeigete die Gefahr / und brachte
alle FeldObristen auff seine Seite / dass der König seinen Vorsaz endern musste.
Er bekam aber auch Zeitung / dass der Perse mit allermacht fortrückete / und
nicht weit von den Partischen Grenzen währe / ginge gar behutsam / und würde
die Reuterei in die 200000 stark von den beiden fremden Fürsten; das Fussvolk /
etwa des vierdenteils geringer / von Artaxerxes und Phraortes geführet.
Artabanus liess sich darauff vernehmen / es währe unmöglich / dass die Auffrührer
so stark sein könten /doch es sei wie ihm wolle / sagte er / so ist doch der
Sieg unser / wañ wir ihn nur hohlen dürffen; unsere Macht ist über den
vierdenteil grösser / die Völker alle geübet und mit waffen wohl versehen;
geschwinde lasset uns auff sie angehen / dass die Fremdlinge uns nicht entlauffen
/ wann sie unsers anzuges gewahr werd; dann wir müsten uns immer und ewig
schämen / dass die frechen Buben lebendig davon kommen /und des uns zugefügten
Schimpfs sich anderweit berümen sollten. Vologeses sah vor Augen / dass auff
solche Weise die Niederlage gewisslich erfolgen würde / welches nach mögligkeit
zuverhüten / er in aller FeldObristen Gegenwart den König also anredete: Ich bin
zu wenig / ihrer Königl. Hocheit und gegenwärtigen hochverständigen Fürsten /
einigen Raht vorzutragen / und zwinget mich dannoch mein Gewissen / und der
schwer geleistete Aid / das ich mein gutdünken unangezeiget nicht lassen kann.
Vor erst bleibe ich noch bei meinem festgelegeten Grunde / dass wir vorsichtig
spielen müssen / wann wir nicht verspielen wollen; und wann wir die Täg- und
stündliche Kundschaft nicht fortsetzen / werden wir diese tapffere Völker ins
verderben stürzen / ehe sie es selbst inne werden. Es ist nicht der Perse
Artaxerxes / noch der Mede Phraortes / noch der Hirkaner Menapis / die an jener
Seite alles versehen; dann diese / wie frech und verwägen ihrer etliche sei
mögen / achte ich sie doch nicht eines Pfifferlinges wert; sondern es sind
Herkules und Ladisla / zween Strahlen und Donnerkeile /die ihre Stärke mit Wiz
anwenden / und ihren Wiz durch Vorsichtigkeit stärken. O lasset uns ihre Jugend
nicht verachten / wie vor zeiten der grossmächtige Darius den Mazedonische jungen
Alexander verachtete /und darüber Reich uñ Leben verlohr. Fraget Spitamenes /
Madates / Bagophanes und mich / wie sie fechten und zugleich befehlen. Haben sie
so viel Völker /als gesagt wird / und ich schwerlich gläuben kann / ja haben sie
gleich den drittenteil weniger / so will ihrer Königl. Hocheit ich mein Leben zu
pfande geben /dass sie es nicht aufs lauffen / sondern streiten setzen werden /
und wir daher nicht Ursach haben / das Heer durch grosse Tagereisen abzumatten.
Habe ich nit allemahl erinnert / man müste den Auffbruch nicht verweilen / damit
die Feinde uns nicht in unser Feldmark begegneten? Aber wer hat mich hören
wollen? ja wer hat mich nicht verlachet? versichere sich ihre Königl. Hocheit /
dass Herkules und Ladisla ihre Leute in Charas haben / und von ihnen tägliche
Zeitung einnehmen / was zu Hofe und bei dem Heer vorgehet; meint  eure Hocheit /
dz sie unsern Aufbruch nicht gewust haben / ehe wir zu Pferde blasen lassen /
und einen Schrit fortgesetzet? wer hatte ihnen Madates und seine Ritter
verrahten? sie wusstens ja / und wussten ihre Abzeichen nach den allergeringsten
umbständen. O so lasset uns doch auch Vorsichtigkeit gebrauchen / welche / ob
sie uns gleich nicht nöhtig währe / sie uns doch nicht schädlich sein kann. Nicht
rede ich solches / ob wollte ich am künftigen Siege zweifel tragen; welchen wir
gleichwol noch nicht in den Händen haben / nur wünsche ich / die Auffsicht im
Spiel / deren hindansetzung uns dürfte schädlicher sein / als der Feinde
Schwerter; dann wir hören ja /das ein wolgeseztes Heer es mit uns aufnehmen will
/und wir nicht so gar ohn Blut die Wahlstat behäupten werden. Ihre Königl.
Hocheit gedenke meiner / wo nicht der Feind ihm schon einen bequemen Ort
ausersehen hat / da er mit Vortel streiten / uñ unserer Menge die freie
Aussdehnung benehmen kann; was hilfts uns dann / ob wir mehr oder weniger haben?
Als vor acht Jahren ich 60000 Indier mit 20000 Parter erlegete / halff mir der
Ort / sonst währe ich gefressen worden; diesem nach müssen wir nicht allein des
Feindes Völker zählen / sondern ihrer Führer Wiz und des Orts Gelegenheit
beherzigen / als dann wollen wir mit ihnen das Spiel frisch angehen / und umb
den Stich mit ihnen die Haar zausen. Der König hörete fast unwillig zu / meinte
/ es stünde seiner Macht schimpflich an / durch dergleichen Vorsichtigkeit
einiges Zeichen der Furchtsamkeit sehen zulassen; Weil aber alle FeldHerren
Vologeses beipflichteten / und nicht allein durch einführung unterschiedlicher
begebenheiten erhärteten / dass durch geringe Verwarlosung oft die grössesten
KriegsHeere in äusserstes verderben geführet währen / und dass die kluge
Vorsichtigkeit keinem zur furcht aussgelegt werden möchte; liess er sich bereden /
nur dass er mit einem Hohnlachen fragete / ob dann die beiden jungen Laffen
eisern oder stählern währen / dass man sie dergestalt fürchtete; ja ob nicht eine
kleine Schaar nach der andern an sie setzen könnte / biss sie entweder lebendig
gegriffen / oder nidergesäbelt währen. Worauf Vologeses mit wenigem antwortete:
Es währe ihrer Königl. Hocheit ohn sein erinnern / wohl bewust / dass im Felde
eine jede Schaar ihre bestreiter fünde / dass wann sie meinten ein abgemattetes
Häuflein anzugreiffen /würden solche alsbald von andern entsetzet; wiewol er
selbst hoffen wollte / man würde diesen beiden unverzagten und tapferen Helden
auf solche oder dergleichen Art beikommen können. Ein sehr verwägener
Partischer Herr / nahmens Dorylaus / dem der Vortrab anbefohlen wahr / liess
sich vernehmen / er vor sein Häupt könnte nicht absehen / was vor sonderliche
Gefahr bei diesem Zuge zubefürchten währe; je näher ihnen der Feind stünde / je
zeitiger könnte man mit ihnen fertig werden. Welches dem Könige so wohl gefiel /
dass er zu ihm sagete: Du erzeigest dich auff gut Partisch / mein Dorylaus /
deswegen brich auff mit deinem Heer / und hohle die erste Ehre von den
Persischen weichlingen. Dieser nicht faul / hiess seinen Völkern das Zeichen gebe
/ und erklärete sich /nicht zu ruhen / biss er so manniches Persen Zunge dem
Könige liefern könnte / als er Reuter unter seinem befehl hätte. Vologeses wollte
ihm nicht bald anfangs einreden / aber da er im Auffbruch begriffen wahr /trat
er mit Pakorus und Vonones hin zu ihm / und band ihm hart ein / sich ja in keine
Feldschacht einzulassen / er sähe dann / dass er beides an Macht uñ Orts
Gelegenheit den Feinden überlegen währe. Dieser aber rechnete solches vor eine
Beschimpfung / und gab zur Antwort: Sein König hätte ihm Freiheit anzugreiffen
erteilet / und könnte man allemahl weder den Ort mässen / noch der Feinde Köpffe
zählen; wünschete demnach / dass inwendig 24 Stunden ihm etwa 60 oder 70 tausend
Persen auffstossen möchten /umb Gelegenheit zu haben / sein Versprechen bald zu
leisten / und trüge er grosses verlangen / zuerfahren /ob die lustergebene
Weichlinge die Persen in so kurzer Zeit ein MannesHerz und EisernFleisch
bekommen hätten. Worauff Vologeses die Anwesende zu Zeugen rieff / und sagete:
Höret Dorylaus / ich verstehe eure schimpfliche Spotreden sehr wohl / deren zu
gelegener Zeit ihr mir rechenschaft geben sollet; aber umb euer guten Völker
willen warne ich euch noch einmal als ein Freund; werdet ihr bei diesem
Vorsatze verharren / so ist dieses redliche Heer schon ein Opffer der Feinde; es
sei dann / dass ihr etwa einen ruchlosen Persen antreffet; ich bin auch ehmahls
verwägen gewesen / aber es will sich nicht allemahl so tuhn lassen; fahret nur
wohl / gesund sprechen wir uns wieder. Dorylaus entschuldigte sich mit wenigem /
er hätte niemand beschimpfet / aber er bähte die Götter nochmahls / dass sein
Wunsch bald erfüllet würde / ob gleich zehn Herkules und zwanzig Ladisla unter
den Feinden währen: wüste auch schon / dass geträue Diener eines Königes / einer
dem andern sein besser Glük nicht göñeten. Pakorus kunte solche Freiheit nicht
länger dulden / und gab ihm zur Antwort: Mein Kerl /du solt gleichwol wissen /
dass du mit dem algemeinen Feldmarschalk redest / welcher dich zu vermahnen / ja
dir zubefehlen hat / und dafern du lebendig wiederkommen wirst / werde ich dich
auch zubesprechen haben. Dieser wusste dass Pakorus seines gleichen an Kraft und
Kampfs-erfahrenheit unter allen Parten nicht hatte / deswegen wollte er seinen
Zorn nit reizen / sondern sagte: Gn. Fürst / ich verbleibe euer Durchl.
gehorsamer Diener / und gehe fort auff unsers Königes Befehl. Nun schikte sichs
gar bald / dass diesem frechen Menschen sein Wunsch in die Hand fiel / wiewol zu
seinem schweren Unglück; dañ Fabius hatte desselben morgens sehr früh Kundschaft
eingezogen /dass des Feindes Heer nicht so gar weit währe / wehrete auch nicht
lange / dass ein reitender Bohte in dem Flecken / darin sich Fabius gelegt hatte
von dieses Dorylaus Anzug Zeitung brachte; dann Fabius gab sich mit seinen
Völkern vor Partisch an / die im Königreiche Armuzia geworben währen / uñ nach
dem Häuptlager eileten / welches ihm sicher gegläubet ward. Er fand hieselbst
Futter und Mahl vor Pferde und Menschen / dass sie sich wohl labeten und drei
Stunden ruheten; gab inzwischen Phrataphernes zuverstehen / dass er gesonnen
währe / diesem Feinde auff gute begebenheit Fuss zuhalten / ob sie ihnen gleich
an der Zahl in etwas möchten überlegen sein; dann sie zögen in aller sicherheit
daher / und würden kaum Zeit gewinnen / sich in Ordnung zustellen. Dieser
wiederriet solches heftig / weil ihnen ohn Vortel zuschlagen verbohten / und der
Feind an Mannschaft viel zu stark währe; so würde auch viel darauff gesehen /
wie das erste Treffen ablieffe; währe demnach seine Meinung / dass man sich zurück
zöge / und mehr Hülffe foderte. Aber Fabius wusste ihm dieses beständig zu
wiederlegen; den Vortel müste man suchen /und fleissig darnach aus sein /
alsdann fünde er sich wohl selbst; er achtete den geringen überschuss an feindes
Seite nicht; wann der gröste teil geschlagen währe / sollten die übrigen nicht
viel wesens machen; hoffete auch die Schlacht also zuführen dass ihm der Sieg
nicht entstehen sollte. Weil nun Phrataphernes noch immer das Wiederspiel hielt /
rieff er H. Herman und H. Marobod / welche die Teutschen und Böhmen führeten /
mit in den Raht / welche nach ihrer Herzhaftigkeit sageten / es würde ihnen eine
ewige Schande sein / wann sie mit so statlichen Völkern sich scheuhen sollten /
den Feind zuversuchen; wer nicht wagete / der gewünne nicht; könnte man das Feld
nicht erstreiten /müste man doch den Muht sehen lassen / und da man übermannet
währe / stünde ihnen der Abzug offen / da ihnen die Feinde aus furcht eines
Hinterhalts nicht eilig folgen würden; währe demnach ihre bitte / diese
Gelegenheit / Ehre und Beute zuerlangen / nicht unter den Händen zerrinnen
zulassen / und würde man ihren Teutschen und Böhmischen Völkern / wie wenig ihr
auch währen / die Freiheit gönnen / sich an den Feind zureiben / wann auff den
unverhoffeten Fall die übrigen sich nicht wagen wollten. Hiemit wahr der Perse
überstimmet dass er einwilligte / brachen in allerstille auff / und liessen
unterschiedliche einzelne Reuter hin und wieder aussgehen welche drei Bauern auf
fingen /uñ diese Kundschaft einzogen / Dorylaus Vortrab hätte sich eine gute
Meile von dannen ins offene Feld nider gelassen / und läge in aller sicherheit.
Fabius ordente seine Völker / und gab Phrataphernes 10000 Mann / die Teutschen /
Böhmen / Römer / samt seinen 1000 gewerbenen / und die 7000 Meden behielt er bei
sich / und gingen in zween Flügeln eilig fort. Auff halben Wege fingen sie noch
drei einzelne Reuter und sechs Bauern / gegen welche sie sich Partische
erkläreten / und von ihnen Bericht empfingen /ihr Heer währe 40000 stark / die
helffte stünde in guter bereitschaft / die andern hätten ihre Pferde in die
Grassweide gejagt. Wolan / sagte Fabius / unsere Zeit ist kommen; hiess
Phrataphernes nach der Linken zihen / umb zuverhüten / dass die Abgesattelten
nicht zu Pferde kähmen / die er leicht überfallen / oder doch nur aufhalten
könnte; den seinen aber redete er frisch zu; jezt währe Zeit / ein manlich Herz
sehen zulassen; ruhm würde nicht durch Furcht und Faulheit / sondern durch
unerschrockenen Muht erworben; es währe der erste Angriff welchen das Glük ihnen
in die Hand gespielet hätte / der müste frisch gewaget sein / alsdann würden die
Götter sich mit einmischen / und den Sieg zu wege bringen. Dieses trug er ihnen
Persisch und Lateinisch vor / welches ein Teutscher / der Latein kunte / seinen
Landsleuten und Böhmen verdolmetschete / die sich alle freudig erzeigeten / und
auff den Feind lossgingen. Fabius hatte an seiner Seiten drei hauffen gesezt; der
erste wahren 4000 Meden / der andere die Teutschen (unter denen 250
Schlachtschwerter) und Böhmen / ingesamt auch 4000 / den dritten /als 2000 Römer
/ seine 1000 geworbene / und 3000 Meden behielt er vor sich selbst. Als sie des
Feindes Schildwache ersahn / gingen sie eiferig auff dieselben los / und
zerhieben sie in Stücken / wiewol deren zween hart verwundet davon kahmen / und
doch /weil ihnen der gerade Weg abgeschnitten wahr / bei den ihren nicht so bald
anlangen kunten / dass sie die Gefahr hätten andeuten mögen; dann Fabuis setzete
frisch fort; ward gleichwol von Dorylaus so zeittig ersehen / dass er ihm 6000
geworbene entgegen schickete / die ihn weichend fechtend auffhalten sollten / biss
er seine Ordnung etwas besser gerichtet hätte. Fabius wollte diesen / seinen
Medischen hauffen entgegen schicken / aber die 2000 Teutschen hielten an umb den
ersten Angriff / und stürmeten mit solcher Wuht auff diese Feinde / dass deren in
einer viertelstunde über 4000 nidergehauen wahren / dessen Freunde und Feinde
sich entsetzten. Dorylaus wusste nicht was er gedenken sollte / dass die seinen wie
Mücken zur erde stürzeten / und schickete ihnen 3000 Parter und 1000 Skyten
zum entsaz; aber die Böhmen gingen diesen unerschrocken entgegen / und hielten
sie ritterlich auff / biss die Teutschen mit den ihren fertig wahren / da wollten
sie den Böhmen die hülfliche Hand bieten; welches Dorylaus ersehend / ihnen 3000
geworbene entgegen gehen liess / denen sich 1500 Teutschen wiedersetzeten / die
übrigen gingen den Böhmen zuhülffe / und tahten ihnen solchen Beistand /dass sie
den Feind auff die Weichseite brachten / nachdem an diesem Orte 600 Skyten und
1000 Parter gestrekt lagen. Ihr FeldHerr sah dass dieses endlich kein gut tuhn
würde / schickete deswegen nach den Ruhenden / die eine Viertelmeile von ihm in
den Wiesen lagen / und liess sie auffs schnelleste zu sich fodern / mit anzeige /
dass die Noht grosse Eile bedürffte. Er aber brach mit seinen übrigen 7000 los /
in Meinung / die 1500 Teutschen einzuschlissen; aber Fabius griff sie von einer
Seite mit den 4000 Meden /von der andern mit seinem eigenen hauffen an / da die
Römer sich sehr wohl hielten / und mit ihren Speeren 800 Feinde zu Bodem wurffen
/ aber doch dieselben auff die Weichseite nicht bringen kunten; den Meden ging
es sehr hart / dann 3000 wolgeübete Skyten und Parter traffen auff sie / denen
sie bei weitem nicht gewachsen wahren / sondern zeitig zurück wichen /nachdem
ihrer 800 erschlagen / und 1500 hart verwundet wahren. Fabius befürchtete sich
aus dieser schlechten bezeigung seiner Meden / es möchte Phrataphernes an seinem
Orte nicht wolgehen / wollte deswegen alhie nicht lange seumen / und die
obgedachten nohtleidenden Meden vor erst entsetzen / welches ihm so wohl glückete
/ dass er sie wieder in Ordnung und zum Stande brachte. Doch wollte ihm Dorylaus
nicht lange Zeit gönnen / sondern setzete so grimmig auff ihn hinein / dass wo
die Römer ihre Glieder nicht so fest gehalten diese ohnzweiffel durch gebrochen
/ und ein grosses Blutbad angerichtet hätten. Die 1500 Teutsche richteten in
kurzer Zeit 1800 von den 3000 geworbenen zu grunde / weil sie nicht sonderlich
erfahren wahren / daher die übrigen sich auff Dorylaus hauffen zogen / und
hingegen die Teutschen sich mit Fabius zusamen setzeten. Da gab es nun einen
überaus harten Streit / und bemüheten die Meden sich äusserst / den genommenen
Schimpff zuersetzen. Die beide FeldObristen gerieten in absonderlichen Streit
aneinander / und weil sie beiderseits guter Fäuste und unverzagtes Herzens
wahren / wollte keiner dem andern nachgeben / biss endlich dieser Kampff durch
etliche Parter und Römer getrennet ward. Die Böhmen mit ihrem Teutschen Entsaz
/ hatten ihren Feind auch so weit schon gebracht / dass sie sich nach Dorylaus
hauffen hinzogen / der noch einen starken hauffen machte / in Hoffnung / die
unsern so lange auffzuhalten / biss ihr Entsaz ankähme. Aber so bald Fabius die
seinen auch zusammen gesezt hatte / hiess er die Teutschen und Böhmen ruhen; mit
den übrigen traff er auff den Feind mit solchem Ernst / dass er nicht stand
halten kunte / wiewol er als ein rasichter Hund umb sich hieb. In dem sah H.
Herman einen frischen hauffen / 800 stark / mit verhengetem Zaume daher rennen /
und fürchteten sich die unsern sehr / Phrataphernes würde den kürzern gezogen
haben; an dessen Seite es also erging. Als er muhtig gnug mit seinen 10000
Reutern ansetzete / traff er zu seinem Unglück auff einen Graben / welcher zwar
nicht breit / aber zimlich tieff wahr / das die Pferde überzuspringen scheuh
trugen; daher der Feind so viel Zeit gewan /dass 1000 Skyten und 2000 Parten
sich zu fusse in Ordnung setzeten / und die unsern / so etwas furchtsam angingen
/ auffhielten biss etliche tausend zu ihren Pferden kahmen; und weil es ohndass
ein zimlich enger Platz wahr / kunten sie die unsern zur Noht bestehen; hätten
auch / da sie alle zu Pferde sassen (dann ehe sie zun beinen kahmen / wurden
ihrer kaum 2500 erschlagen) die Persen leicht abtreiben und gar auffreiben köñen
/ nachdem sie ihnen beides an Mañheit uñ Menge überlegen wahren; aber es geriet
Phrataphernes zum guten Glük / dass eine Botschaft über die andere von Dorylaus
ankam uñ beistand foderte /daher sie 4000 Parter und gleich so viel geworbene
ihm zuschicketen; die übrigen hielten so fest Wiederstand / dass die Persen ihnen
nicht allein nichts angewinnen kunten / sondern etlichemahl zu weichen gedrungen
wurden. H. Herman empfing die geruheten mit solchem einbruche / dass ihrer bald
anfangs 3000 stürzeten / dañ sie hatten ihre Glieder nicht fest geschlossen /
und wurden von den Schlachtschwertern immer nidergematzet / denen sie nicht
zubegegnen wussten; wiewol 2000 Parter von diesem hauffen eine besondere Schaar
macheten / und damit den Teutschen zur Seite eingehen wollten / worauf sich diese
wenden und eine andere Ordnung machen mussten. Das Glük fügete die beiden
FeldHerren abermahl aneinander / da Fabius seinem Feinde im dritten Hiebe den
rechten Arm lähmete / dass er das Schwert fallen lies / und als er aussreissen
wollte / stiess er ihm das Schwert in die Gurgel / dass er zu bodem stürzete; die
Römer umb ihn her trieben die Feinde ab / und machten ihm Raum / dass er
absteigen und dem erstochenen das Häupt abschlagen kunte / welches ein Ritter
auff sein Speer stecken / in die höhe richten / und dabei auff Persisch Gewonnen
Gewonnen ruffen musste; Worauff den Feinden dieses Orts das Herz entfiel / dass
sie wie das Vieh nider gesäbelt wurden / wobei die Meden sich vor andern wohl
gebraucheten / so dass von dieser Schaar etwa 290 verwundete davon flohen. So
bald dieser Sieg behäuptet wahr / ging Fabius mit 800 Teutschen / 1500 Böhmen
und so viel Römern nach Phrataphernes / welcher von den Parten dergestalt
geängstet ward / dass er die seinen kaum von der Flucht abhalten kunte. Er vor
sein Häupt hatte ritterliche Gegenwehr getahn / und einen berümten Partischen
Obristen / nahmens Pampazius erleget; aber die seinen wussten sich in die
schweren Streiche nicht zuschicken / also dass ihrer schon 3000 erschlagen und
2000 verwundet wahren / da Fabius bei ihnen ankam / und mit seinem hauffen
dergestalt einbrach / dass die Persen Lufft bekahmen / und sich des entsatzes
höchlich freueten. Hier ging es nun dergestalt über die Feinde / dass sie zurück
getrieben wurden / wobei die Römer sich sehr wohl hielten. Das andere Heer /
welches Fabius zurück gelassen hatte / umbringete die übrigen Feinde / mit
welchen die Teutschen und Böhmen ihr Handgemenge hatten / und lieffen nicht abe
/biss sie alle miteinander erschlagen wahren. Nur hatte sich gegen Fabius ein
Häuflein von 500 Skyten und 2500 Parten gesetzet / die sich über die masse wohl
hielten / uñ ungerochen nicht sterben wollten / daher er ihnen Freiheit und Leben
versprach / welches sie annahmen und das Gewehr von sich wurffen. Hiemit wahr
der herrliche Sieg erstritten / wiewol nicht so gar ohn Verlust; dann 6500 Meden
und geworbene wahren erschlagen und 5400 hart verwundet. Von den Römern lagen 28
Mann; von den Böhmen 12 / und von den Teutschen / dass zu verwundern / nur 14 /
von Fabius geworbenen aber 150 auff der Wahlstat; wiewol 200 Römer / 120 Böhmen
/ und 90 Teutsche /auch 160 geworbene Fabische dergestalt verwundet wahren / dass
ihrer fast die helffte im folgenden Häupttreffen nicht kunten gebraucht werden.
Funden sich also alles in allen an unser Seite 6704 erschlagene / und 5970
verwundete. Hingegen lagen 36700 Feinde auff der Wahlstat gestrecket. Zeit des
treffens hatten sich zehen geworbene Hirkanier und Assyrische von dem Feind an
unsere Seite begeben / weil sie zu dienen von den Feinden gezwungen wahren;
hielten sich auch so tapffer in der Schlacht / dass sie 23 von den Feinden
erlegeten / und ihrer fünffe dagegen das Leben einbüsseten; die übrigen wurden
biss auff einen / zimlich verwundet / und zeigeten nach erhaltenem Siege Fabius
an / was gestalt Dorylaus seinem Könige 40000 Zungen von Persischen Kriegsleuten
versprochen hätte; worüber das Heer sich dergestalt eiferte / dass sie allen
erschlagenen Feinden die Zungen aussschnitten / und sie den gefangenen zutragen
auffbürdeten; Fabius aber des Dorylaus Zunge selbst zu sich nam / und das Häupt
einem Römer zu tragen gab. Die Plunderung der Erschlagenen ward den Völkern
gegönnet / da sie überaus grosse Beute macheten / massen keiner an Feindes
Seiten gefunden ward / der nicht 20 und mehr Kronen bei sich gehabt hätte.
Phrataphernes erinnerte die Persischen Reuter / sie möchten bedenken / dass die
Fremden das meiste bei dem Treffen verrichtet / und allentalben kräfftigen
Entsaz geleistet hätten; währe demnach billich / dz man ihnen von der Beute
etwas vorab gönnete; wodurch er erhielt dass alle geraubeten Gelder und
Geschmeide herbei gebracht wurden / da sich 889000 Kronen an Barschaft / 3000
Ringe / durch die Bank auff 120000 Kronen / 230 par Armbänder auff 112000 Kronen
am wert befunden / welches ingesamt 1121000 Kronen ausstrug / und in zween
gleiche Teile gelegt ward / so dass die Persischen Völcker (deren noch 11350
lebendig wahren) die eine helffte; die Teutschen / Böhmen und Römer aber (deren
Zahl in 5964 bestund) die andere helffte bekahmen / da einem jeden gemeinen
Reuter 48 Kronen; jedem unterbefehlichs haber (deren 120) 235 Kronen; jedem
Fähndrich und Unterritmeister (deren 60) 1800 Kronen; jedem Rittmeister (deren
30) 3000 Kronen; und jedem Obristen (deren 3) 18000 Kronen aussgeteilet wurden;
den überschuss gab man den Trossbuben. Die Pferde der erschlagenen wurden
auffgefangen / deren sie 44000 bekahmen / und nach obiger gleicheit aussteileten
/ so viel sichs leiden wollte. Was aber ausser den Reitpferden im Lager gefunden
ward / als 120 Wagen mit Speise / Trank / Kleidern / Gezelten und Gelde (welche
Barschaft auff acht Tonnen Goldes sich erstreckete) solches alles nam Fabius zu
sich in verwahrung / speisete die Völker eilig / und kehrete noch denselben
Abend umb nach dem Häuptlager / woselbst er des folgenden Tages bei spätem Abend
anlangete /und von ferne mit grossem Freudengeschrei empfange ward. Die gesamte
Fürsten ritten ihm frölich entgegen / und sahen bei den vielen gesattelten
ledigen Pferden / dass eine sehr grosse Menge der Feinde musste erschlagen sein /
worüber unsere Helden insonderheit sich höchlich erfreueten / dass ihrem lieben
Freunde es so wohl gelungen wahr / welcher den Helm abtaht und mit diesen Worten
Artaxerxes anredete: Durchleuchtigster GrossFürst / gnädiger Herr; hier liefere
ich euer Durchl. des verwägenen Partischen FeldHerrn Dorylaus sein Häupt /
welches mir das Glük gegönnet /und dabei 3000 gefangene Skyten und Parten
/(denen ich / weil sie ihrer Haut sich redlich gewehret /Leben und Freiheit
versprochen) nebest 36000 Zungen der erschlagenen Feinde / welche ihnen zur
Rache billich abgeschnitten sind / weil Dorylaus seinem Könige 40000 Persische
Zungen versprochen hatte. Ich habe diesen Sieg von dem Himmel umb 6704 Köpffe
meines Heers erhalten; die übrigen haben die Beute auff der Wahlstat brüderlich
geteilet / und was ich im Lager angetroffen / überlieffere ich hiemit euer
Durchl. als dem algemeinen OberFeldHerrn untertähnig ein; das Glük gönne uns /
dass die künftige Haupt-Schlacht mit gleichmässigen / oder wie ich hoffe /
besserem verfolg ablauffen möge. Artaxerxes umbfing ihm mit beiden Armen /
rühmete seine Tugend und Mannheit vor dem ganzen Heer / und nachdem er ihm die
mitgebrachte Beute eigentuhmlich zugesprochen hatte / warff er ihm eine
DemantKette /am wert über 80000 Krone an den Hals / womit er ihm Dorylaus Häupt
ersetzete. Es entstund aber eine solche Freude bei dem Häupt Heer / als ob des
Feindes ganze Macht schon gebrochen währe; nur die Teutschen / so zurück blieben
wahren / liessen sich traurig merken / dz sie hätten feiern müssen / als sie
ihrer Landsleute wolbespikte Beutel und trefliche Pferde sahen. Doch versicherte
sie Herkules / dass sie inwendig fünff oder sechs Tagen sich dessen nicht mehr
betrüben sollten. Auch Artaxerxes wie er von den Persen berichtet wahr / was vor
Tahten die Teutschen begangen / wunderte sich dessen so gar / dass er sie vor
sich foderte / ihr Wolverhalten rühmete / und jedem durch die Bank 12 Kronen
aussteilen liess; hernach ward allen Teutschen / Böhmen und Römern des ganzen
Heers gleich so viel gegeben / umb dass sie zur bevorstehenden Schlacht sollten
auffgemuntert werden. Sie hatten alle erschlagenen unsers Heers mit sich auff
Pferden und Wagen übergebracht / welche ehrlich begraben / den Teutschen /
Böhmen und Römern aber grosse Mahlsteine auffgerichtet wurden. Die obgedachte
von den Feinden übergelauffene wurden wegen des feindlichen Lagers befraget /
wovon sie aber wenig Nachricht zugeben wussten / weil sie erst neulich
auffgefangen / und zu dienen gezwungen wahren. Aus den Gefangenen aber kunte man
nichts kriegen / sondern gaben zur Antwort: Sie währen entschlossen gewesen auff
der Wahlstat ritterlich zu sterben / da ihnen der FeldHerr Leben und Freiheit
angebohten hätte / welches sie auch angenommen / und auff solche masse sich
ergeben; nun währen sie nicht gemeinet / sich als Verrähter gebrauchen zulassen
/sondern viel lieber zu sterben / da dañ ihr Blut über Fabius Rache schreihen
sollte. Artaxerxes wiederantwortete: Hiedurch würde das versprochene durchaus
nicht gebrochen / sondern Kriegsgebrauch währe / das gefangene auff die
Befragung richtigen bescheid geben müsten; drang doch weiter nicht in sie /
sondern sonderte die Skyten ab von den Parten / uñ sagte zu ihnen: Euer
FeldHerr Kartasis ist mein ehmaliger Spiessgeselle / und hätte mich zu ihm nicht
versehen / das er sein berümtes Schwert wieder mich auffheben würde; jedoch
stehet einem Ritter frei / zu dienen wo er will / wans nicht wieder sein
Vaterland gilt. Ich will aber umb unser alten Kundschaft willen euch wieder zu
ihm hinschicken / und solt ihr nähst anmeldung meines Grusses ihm hinterbringen;
ich hätte so wohl frische Gelder als der Partische Wüterich / die ich ihm lieber
als einem andern gönnen möchte / aber weil ihm die Partischen besser gefallen /
wolle ich ehist mit ihm spielen / wer sie miteinander haben solle. Hernach
deutet Vologeses und Pakorus an / sie sollen sich auff geruhete Arme schicken /
ich wolle ihnen zu dreschen gnug schaffen; doch dass sie als redliche Fürsten
ihrem unredlichen Wüterich zureden / der Persen Zungen hinfüro zu schonen / wie
ich dann nimmermehr gläuben kann / dass sie ihrer selbst so gar vergessen / und
des Dorylaus Vornehmen / welches Artabanus eingewilliget / ihnen haben gefallen
lassen; Im wiedrigen will ich alle Partische Inwohner und Kriegsleute / hoch und
niedrig / die mir unterhanden kommen / ohn Zungen / Ohren und Nasen lauffen
lassen. Hierauff schenkete er einem jeden ein gesatteltes Pferd und drei Kronen
/ und dass er sie des folgenden Morgens unter sicherer Begleitung wollte nach
ihrem Lager bringen lassen; dessen sie sich höchlich bedanketen / uñ doch nicht
das geringste von ihrer Völker zustande melden wollten. Nachgehends wurden die
Parter von einander geführet / und mit bedräuung befraget / da sich ihrer
fünffe schrecken liessen / und was sie wussten anzeigeten /mit bitte / es ihren
Spiessgesellen nicht kund zutuhn /sie müsten sonst ohn alle Gnade sterben. Die
Fürsten gingen zuraht / wie sie es mit den übrigen Parten halten wollten / von
denen GrossFürstin Valiska ihr etliche zu schenken baht / welche sie Artabanus
zur Verehrung übersenden wollte; worauff ihr Artaxerxes den ganzen hauffen / nach
belieben damit zu schalten / übergab; welche des folgenden Morgens zu Fuss mit
den berittenen Skyten unter der Begleitung 600 Reuter fortgeschikt wurden / so
dass jedem ein mit Partischen Zungen gefülleter Beutel auff den Rücken gebunden
ward; einer aber des Dorylaus Kopff und Zunge absonderlich tragen musste; dessen
sie sich zwar anfangs wegerten / aber / auff gesprochene Urtel / dass ihnen alle
die Zunge sollte aus dem Halse geschnitten werden / solche ungenehme Bürde gerne
über sich nahmen / nebest geleistetem Aeidschwur /sie ihrem Könige bloss zu
lieffern; da dann ein Gesanter voraus nach dem Lager ritte / umb zu fragen / ob
der Persischen begleitung freiheit könnte gegeben werden / ihnen etliche
gefangene zuzuführen.
    Die aussgerissene Partische Reuter durfften nicht alsbald nach dem HäuptHeer
kehren / weil sie über dass alle verwundet wahren / und deswegen die nähesten
Flecken und Dörffer suchten / ihren Wunden Raht zuschaffen. Etliche Kundschaffer
/ die von Vologeses aussgeschikt wahren / und etwa eine Stunde nach Fabius abzug
an die Wahlstat gerieten / ritten schleunig wieder zurück / jageten die ganze
Nacht /biss sie umb den Morgen im Lager anlangeten / und in allerstille nach
Vologeses Zelt gingen / mit bericht /Dorylaus ganzes Heer läge auff der Wahlstat
erschlagen / schiene fast / als hätten sie sich selbst untereinander ermordet /
und währen in ihrem eigenen Blute ersoffen / weil man nichts als lauter
Partische Völker liegen sähe. O des Jammers! sagte Vologeses; O wie bin ich
leider sein gar zu wahrhafter Wahrsager gewesen! foderte Pakorus und Vonones zu
sich / und klagete ihnen den schweren Unfall. Der verwägene Mensch / sagte er /
hat zwar den Lohn seines frevels eingenommen / aber mich dauret der guten
Völker; ohn zweifel wird ihm Herkules oder Ladisla das Fel also gegerbet haben /
ehe ers recht inne worden / welches mir zwar leid ist / aber doch wegen unsers
Königes mich in etwas erfreuet; dann es kann ihm zur Warnung Dienen / dass man den
Feind unverachtet lasse /welchen er viel zugeringe schätzet. Der Bube ist meinem
Schwerte entgangen / sagte Pakorus / dessen er vielleicht unwirdig gewesen;
halte aber vor best / dass wir dem Könige es noch zur Zeit verschweigen / und
auff eigentlichern Bericht warten / welcher uns ohndass mehr als zu früh komen
wird; wie solches auch geschahe; massen nach verlauff fünff Stunden die
Verschlagene ankahmen / welche Vologeses ausser dem Lager aufffangen uñ vor sich
allein fodern liess / die ihm dann den Verlauff / ohn was mit denen in den Wiesen
sich begeben hatte / erzähleten. Er machete sich darauff mit obgedachten beiden
FeldHerrn nach dem Könige / liess auch Osazes und Kartasis herzu ruffen / und
fing also an: Allergnädigster König; hier stehen die teuren Fürsten / Herr
Pakorus und Herr Vonones / die mit Ohren angehöret / wie geträu- und brüderlich
Dorylaus von mir gewarnet worden / er sollte sich ja nicht erkühnen / noch den
Feind verachten / damit er das ihm anvertrauete Heer wieder liefern könnte; aber
an statt seines mir schuldigen gehorsams / hat er mich mit solchen schimpfliche
Spotreden aufgezogen / dass Fürst Pakorus verursachet worden / ihn deswegen zu
rede zustellen / wozu ich mich zu gut hielt; worauff aber dieses erfolget / dass
er als ein Unbesonnener fortgezogen / sich ins offene Feld unbeschanzet
nidergeschlagen / und die halbscheid seiner Pferde ins Grass gejaget / als ob
gute Sicherheit währe; worauff ihn der Feind mit geringer Mannschaft
angegriffen / und nach kurzem Gefechte /neben allen den seinen / wie man nit
anders weiss / nidergehauen hat; ist es aber nicht eine überaus grosse Schande /
in solcher Unvorsichtigkeit zu gehen / da man einen solchen muhtigen Feind in
der nähe hat? und von ihm nichts zuwissen / ehe man das Schwert im Eingeweide
empfindet? zwar ich bin gnug entschuldiget / dann an meiner Warnung hats nicht
gemangelt / und möchte wünschen / dass durch euer Königl. Hocheit anmahnung er
nicht währe sicher gemacht / die solchen Frevel ihm eingegossen hatte /dass er
wünschete / nicht unter 60 oder 70 tausend Feinde auff einmal anzutreffen.
Eines setze ich nur hinzu; hätte Dorylaus mich hören wollen / so lebete er noch
mit den seinen; und geben die Götter / dass nicht seines gleichen hochmühtige
Freveler uns die Sache noch viel schlimmer machen. Artabanus erschrak der
Zeitung / und fragete nach / wie stark die Feinde gewesen; und als er deren
geringe Mannschaft vernam /währe er vor Eifer schier aus der Haut gefahren. Aber
Vologeses tröstete ihn; es könnte ihnen sämptlich dieser Unfall zur warnung
dienen / dass man desto vorsichtiger spielen lernete / damit nicht durch frecheit
verloren würde / was die Vorfahre durch herzhafte Vorsichtigkeit des Arsazes
vor vierhundert und etliche siebenzig Jahren ritterlich erstritten / und seine
Nachkommen bissdaher kräftig erhalten hätten; vielleicht würden die Feinde
hiedurch sicher und verwägen / dz in der Häupt Schlacht alles zehnfach könnte
eingebracht werden.
    Des folgenden Tages gar früh gab sich der Persische Heer Hold an / und auff
sein begehren erlangete er vor die Begleitung freien Abzug; jedoch dass ihnen
1000 Reuter unter Vologeses und Pakorus auführung sollten entgegen zihen / und
die Gefangenen annehmen; welches alsbald geschahe / da der Persische Führer
diese Rede vortrug: Hochansehnliche Herren; nachdem von der Durchleuchtigsten
GrossFürstin uñ Frauen / Frauen Valiska / ich gnädigst befehlichet bin / niemand
anders als dem grossen Könige Artabanus meine Werbung vorzutragen / als ersuche
ich die Herren / dass sie mich bissdahin geleiten. Vologeses und Pakorus beredeten
sich dessen / liessen die Persische begleitungs Reuter zurück zihen / und mit den
gefangenen Parten kehreten sie umb nach ihrem Lager / da die freigegebene
Skyten in einem absonderliche hauffen ritten. Vologeses fragete die Parten /
was sie in ihren Beuteln trügen / und bekam zur Antwort; es währe des Dorylaus
straffe; wobei ers auch vordismahl bewenden liess. Der Gesante ward bald
vorgefodert / massen der König sehr begierig wahr / ihre Werbung zuvernehmen;
und brachte dieser vor: Er währe von der Durchl. GrossFürstin Valiska / ehmahls
Herkuliska genennet / an ihre Königl. Hocheit abgefertiget umb dieses
verzutrage: Es hätte höchstgedachte GrossFürstin in erfahrung gebracht / dass
gegenwärtige 2500 Gefangene ihrer Hocheit angehöreten / uñ sie deswegen alsbald
von der Dorylaischen straffe lossgebehten / um ihrer Hochheit dieselben
ungestümmelt wieder zu geben / nachdem sie wohl erkennete / derselben sehr
verschuldet sein / wegen vielfältiger empfangenen Woltahten; tähte ihr demnach
leid / dass wegen längst zuvor geschlossener Heirat mit GrossFürst Herkules / sie
in diesem Stük ihrer Königl. Hocheit nicht wilfahren können / deren sie in allem
übrigen / Zeit ihres Lebens gehorsam und bereitwilligste Dienste erzeigen / sich
auch derselben zu aller väterliche Gewogenheit wollte anbefohlen haben. Artabanus
hatte ihm viel eine andere Ursach der Gesandschaft eingebildet; nachdem er aber
alle abdankung der ehelichen Liebe hörete / sah er den Redener mit grimmigen
Augen an / und fragete; wer ihn so verwägen gemacht hätte / mit solcher Werbung
vor seinem Stuel zuerscheinen; meint  der abtrünnige Bube Artaxerxes / sagte er
/ dass es uns umb ein Händichen vol nichtwerter gefangenen zu tuhn sei / welche
wir ihres unverhaltens selbst am Leben straffen werden. Der Gesante antwortete
unerschrocken: Diese Kühnheit vor eure Königl. Hocheit zutreten / hat die
Versicherung meiner Gn. GrossFürstin mir gemacht /nebest dem gemeinen VölkerRecht
/ welches allen Gesanten freiheit verspricht. Vologeses hiess den Gesanten einen
Abtrit nehmen / und die gefangenen Parten vorfodern / die mit kläglichen
Gebärden und fliessenden Augen alle mitgebrachte Zungen nebest Dorylaus Häupt
vor des Königes Füssen aussschütteten /und der vornehmste unter ihnen also
anfing: Allergrossmächtigster König; die Götter müsse es erbarmen / dass ihrer
Gross Königl. Hocheit wir dieses elende Schauspiel anzurichten / durch einen
schweren äidschwur gezwungen sind / wo wir sonst nicht alle miteinander auch
unserer Zungen hätten wollen verlustig sein. Sehet / allergnädigster König /
sehet alhier mehr als 36000 Zunge / von unserm FeldHerrn Dorylaus uñ seinem
KriegsHeer / welche die Feinde ihnen nach ihrem tode aussgeschnitten / weil sie
in erfahrung gebracht / dass Dorylaus euer Hoheit eine anzahl Persicher Zungen
soll versprochen haben; ich scheuhe mich zuerzählen / was vor hönische reden von
dem Persischen und Medischen Fürsten über diese Zungen sind aussgeschüttet
worden; ob die Parter Lust bekomen hätten / Zungen zufressen. Allergnädigster
König; haben wir armen gefangenen daran gesündiget / dass wir aus furcht unsere
Zungen zuverlieren / uns zu dieser Verrichtung äidlich haben verbinden lassen so
stehen wir hie / es mit unsern Köpffen zubüssen /als welche wir tausendmahl
lieber / dañ nur die Zunge / verlieren wollen. Artabanus stellete sich nicht
anders / als ob er rasend währe; befahl die Zungen hinweg zutragen / und die
Gefangenen allein zuführen; und weil er vor Zorn nicht reden kunte / liess er
alle hohe Befehlichshaber zusammen kommen / und hierüber Raht halten; welche
einen Abtrit begehreten / uñ auff gemachten Schlus durch Vologeses dieses
vortrugen: Allergrossmächtigster König / wir ingesamt euer Königl. Hocheit
allergehorsamste Untertahnen und Diener / zweiffeln gar nicht / uns werde unser
wolgemeineter Vortrag nicht ungleich aussgelegt werden. Eure Königl. Hocheit
werden sich allergnädigst erinnern /wie der freche Dorylaus sich vernehmen liess
/ so viel Zungen der Persen einzulieffern / als er Reuter unter seinem befehl
hätte. Dieses wird zweifels ohn den Feinden verrahten sein / daher sie an unsern
Leuten solches volstrecken / und uns verweisslich vorhalten wollen / man solle
dergleichen unerbarkeiten müssig gehen / und nicht zu hoch trotzen weil das Glük
Kugelrund ist / und bei niemand sich beständig erzeiget. Wolte Gott / dass wir
durch uns selbst uns dessen erinnerten / und der Feinde unterweisung es nicht
bedürffte / so dürfften wir dieses elende Schauspiel nicht vor unsern Augen
dulden. Unser aller Meinung ist /Dorylaus habe durch sein frevelmuhtiges
Vornehmen und erbieten / der Götter Zorn auff sich geladen / uñ durch deren
wunderschickung den Spot einnehmen müssen / welchen er andern zugedacht hatte.
Nicht sage ich dieses / den Todten anzuklagen / welcher seine Straffe schon
aussgestanden hat / sondern die Lebendigen zu warnen / dass sie sich an diesem
Unfalle spiegeln; wiewol ich diese Taht der Feinde nicht gut heisse / sondern
vielmehr der Rache wirdig schätze; jedoch nicht durch gleichmässiege
Zungen-abschneidung / sondern durch niderschlagung der Tähter / und aller deren
/ welche ein gefallen daran tragen. Herrn Kartasis haben seine wiedergeschikte
Skyten des abtrünnigen Artaxerxes dräuung angemeldet / dafern uns die Begierde
nach der Persen Zungen nicht vergehen werde / wolle er ohn unterscheid allen
Parten / deren er mächtig wird / Nasen und Ohren darzu abschneiden; und wer
kans ihm als einem Feinde verdenken? Nun begeben sich die Fälle wunderlich / und
kann ein tapfferer Mann leicht in Feindes gewalt gerahten; aber würde derselbe
nicht tausendmahl lieber sterben / als solcher dreifachen nöhtigen und
wolständigen Häupt-Glieder beraubet sein? Lasset uns desswege Freunden und
Feindenkund machen / dass des Dorylaus Zungen-hunger (so muss ichs mit dem Feinde
nennen) unser keinem je gefallen habe; und doch der Durst der Rache in uns so
gross sei / dass er weder mit Wasser noch Wein / sondern bloss nur mit der Feinde
Blut könne gelöschet werden. Vor dissmah folge eure Königl. Hocheit unserm
geträuen Raht /und stelle sich / als wüste sie nichts umb diesen Zungenschnit /
dass wird den Feind mehr kränken / als wañ man sich darüber ungeberdig stellen /
oder gross eifern wollte. Artabanus erhohlete sich hierauff / und stellete seinen
Fürsten anheim / mit dem Gesanten nach gut achten zu handeln / dem er sonst die
Straffe zugedacht hätte / dass man ihm die Zunge / samt Ohren und Nase
abschneiden / und sie dem abtrünnigen Buben zuschicken sollte. Welche Rede aber
mit stilschweigen beantwortet ward / und foderte bald hernach Vologeses den
Gesanten vor sich / da er zu ihm sagete: Hat Artaxerxes sonst nicht gewust
Kundschaffer ausszusenden / als unter dem nahmen eines Weibsbildes / und
einlieferung etlicher wenig gefangenen / die man nicht begehret hat? Zwar man
könnte dir nach Recht verrähters Lohn aussfolgen lassen; aber weil dem
grossmächtigsten Beherscher der Morgenländer mit so schlimmen Blute nicht
gedienet ist / wird man dir deine Tohrheit zu gute halten / und schon wissen /
wie man die unredliche abscheuligkeit /durch abschneidung der Zungen denen
angelegt / die keiner verleumdung noch verrähterei konnen beschuldiget werden /
ernstlich rächen soll / nachdem man dieses Orts versichert ist dass man zu solcher
Untaht /an ehrlich gestorbenen begangen / keine Ursach gegeben hat / sondern
dergleichen vornehmen verfluchet /daher man versichert ist / die Götter werden
solche grausamkeit straffen / worzu alle redliche Parter und Parters-verwanten
sich wollen gebrauchen lassen. Hierauff musste er alsbald fort / und seinen
Leuten folgen welche er auch zeitig erreichete. Die Partischen Feld-Herrn aber
verfügeten sich hin nach den freigelassenen Skyten / und nahmen völligen
bericht ein von allem verlauff / und dass weder Herkules noch Ladisla dem Treffen
beigewohnt / sondern ein Römscher junger Herr / nahmene Fabius / der bei
Artaxerxes in grossem ansehen währe / und mit den beiden fremden als ein Bruder
umbginge; die Persische und Medischen Völker hätten sich in der Schlacht zimlich
schlecht gehalten / denen man mit leichter mühe würde abgeholffen haben / aber
es währen dreierlei fremde Völker dabei / als Teutschen / Böhmen und Römer /
deren geringe Mañschaft allen schaden getahn; wüsten auch nicht / dass sie Zeit
ihres Lebens solche Kriegsleute gesehen; massen sie weder Speer noch Schwert
scheuheten / und alles was sie träffen /zu grunde gehen müste. Die Teutschen /
welche den grösten Schaden getahn / führeten zierliche Fähnlein /uñ die nahme
HERCVLES und VALISKA daran geschrieben. Artaxerxes Heerlager hätten sie gesehen
/aber nie kein wolgestalters; währe einer gewaltigen Stad ähnlicher als einem
Feldlager; mit Graben und Wällen umbfasset / hinter welchen sie vor allem anfall
ganz sicher lägen; der Völker währe eine sehr grosse Menge / man sagte von
400000 Mann / alle wohl bewehret; Speise und Trank führete man ihnen häuffig zu /
und mangelte nichts an allem was zu einem wolbestalten Feldzuge erfodert würde;
insonderheit aber hätten sie sich verwundern müssen über der grossen freudigkeit
/ welche alle Völker erzeigeten / da sie nichts als die HäuptSchlacht wünscheten
/ welche zu gewinnen / oder willig zu sterben sich hoch und nidrig verbunden
hätten. Sie wiederhohleten auch / was sie mit Kartasis / Vologeses und Pakorus
zu reden /von Artaxerxes absonderlich befehlichet wahren. Welches alles niemand
besser als Vologeses anmerkete / und daraus erkennete / wie schwer es ihm fallen
würde / den Sieg dergestalt zubehäupte; verwunderte sich auch über Artaxerxes
freimühtigkeit / dass er den König offentlich schmähen / und dessen FeldHerren
grüssen und warnen lassen dürffte. O / sagte er / wie eine schlechte Morgensuppe
sollten uns die Persen und Meden sein / wann die fremden von ihm abgesondert
währen; diese / diese sind seine Seele uñ sein Muht /sonst hätte er das Land
schon verlauffen müssen. Und O ihr Fürsten uñ Herrn / helffet / bitte ich /
sinnen und tichten / wie wir diese zween Helden von ihm abreissen / oder sie
fellen mögen / dass wird uns eben so viel / als die völlige überwindung sein. Sie
ginge hierauff wieder nach dem Könige und führete Vologeses daselbst eine
bewägliche Rede / wie grosse vorsichtigkeit man in einer Sache anzuwenden hätte
/auff deren Gewin und Verlust unser Heil und Verderben beruhete; auch wie ein
gefährliches Ding es währe / einen starken / sieghaften und muhtigen Feind in
seinem Vortel anzugreiffen / der an allen nöhtigen sachen überfluss hätte; und
schloss endlich dahin; er hielte vor das beste und sicherste / man spielete den
Krieg anfangs etwas in die Harre / des Feindes gefasseten Muht zu brechen; zum
wenigsten / biss man durch eine absonderliche kleine Schlacht den genommenen
Schimpff (der nicht so gar ohn Schaden währe) wieder einbrächte / oder / wo
möglich / die Teutschen von ihm zurück nach ihrer Heimat zögen /welche ohn
zweifel nicht lange in der Fremde bleiben würden / nach dem sie ihren Vorsaz
erhalten / und das Fräulein / welches schiene dem Partischen Stuele zum schaden
geboren sein / wieder bekommen hätten / welches wieder zugewinnen / der König
nicht begehren würde / nachdem sie sich verheirahtet hätte /und wohl ein kleines
Meer Partisches Blutes kosten würde / da man sichs unterfahen wollte. Zwar er
zweifelte nicht / ein und ander dürffte ihm diesen Vorschlag zur kleinmühtigkeit
ausslegen / aber solches wollte er gerne über sich gehen lassen / weil ihm sein
Gewissen Zeugnis gäbe / dass er auff nichts / als auff des Partischen Reichs
erhaltung / seines Königes wolfahrt / und des Heeres mögliche verschonung sein
ganzes absehen hätte. Dem Könige dauchten diese Reden lauter stachlichte Dornen
/ ja Schwerter und Spiesse in seinem Herzen sein / deswegen er im Zorn also los
brach: Ist euch das Herz schon entfallen /Vologeses / und habt den Feind noch
nicht gesehen? oder sind wir zu dem Ende mit diesem fast unzählbahren /
unüberwindlichen Heer ausgezogen / dass wir in unsern Zelten stille sitzen / und
etwa Eyer aussbrüten wollen? Auff diese Weise haben unsere Vorfahren das Reich
weder erstritten noch geschützet / sondern wann Feinde entstunden / griffen sie
frisch an / und legten sie zu bodem; und wir sollten den Auffrührern /unsern
Untertahnen zusehen / wie sie unser Land und Leute verderben / unsern
Kriegsleuten die Zungen aussreissen / ja auff unserm Partischen Grund und Bodem
liegen / und ihres willens spielen? Nein Vologeses / hier zu bringt ihr uns
noch nicht / noch einiger Mensch. Und was hätten wir dessen doch vor Ursach? ein
tapfferer Mann / wann ihm schimpff und schaden angefüget wird / suchet er
schleunige Rache; und wir sollen nach dessen einnehmung geduldig ruhen / damit
wir nicht etwa ein schlimmers empfinden? Ey ei / welch eine Tapfferkeit ist dass!
Sollen wir aber auff zweer / ja bloss nur auff zweer verlauffener Buben abzug
lauren / damit sie nicht unser ganzes Heer (dann die übrigen werden ja nichts
geachtet) auffreiben? Ey mein Vologeses / wir möchten wünschen / dass einem
andern als euch / diese rede entfahren währe. Doch dass ihr euren Irtuhm erkennet
/ so wisset / dass eine grosse Ursach unsers Zuges eben dieses sei / dass wir
diese beiden verächter unser Hocheit härtiglich zu bestraffen / und unsere
verlobete Braut wieder zugewinnen / uns gänzlich vorgenommen haben. Währe es
aber nicht ein schönes fressen vor unsere Abtrünnigen / wann sie durch bedräuung
/uns Zungen / Ohren und Nasen abzuschneiden / uns dz Herz gar hinweg rauben /
und nach unser Häuptstad zurücke treiben könten? Diesen Spot zu meiden
/entschlage sich nur ein jeder der Gedanken / dass wir bedacht sein sollten /
unsere und des Reichs abgesagte Feinde ohn angefochten zu lassen. Nein nein! wir
wollen sie / ehe die Soñe dreimal auff und untergehen wird / getrost angreiffen
/ uñ wo sonst kein ander verhanden ist / unsern Leib an die Teutsche Laffen
setzen; oder da sie uns Streits versagen / ganz Persen mit Feur und Schwert
durchächten. Wer nun dieser unser Meinung zuwieder ist / der melde sich bei
zeiten / auff dass wir uns vor demselben zu hühten wissen. Allergnädigster König
/ antwortete Vologeses /euer Königl. Hocheit Wille ist mir befehls gnug / dem
ich und ein jeder billich folgen soll und will; jedoch habe ich meine Meinung
weder aus furcht meiner Nasen und Ohren / noch aus verrähterischem Herzen
vorgetragen / nachdem mir mein Gewissen Zeugnis gibt / das mein Gut / Blut / Ehr
/ und Leben meinem Konige ohn alle bedingung ganz eigen ist; und gebe der Himmel
dass euer Hocheit niemahls gereue meinen Raht verachtet zuhaben; ja dass klein und
gross Ursach haben möge / nach diesem zusprechen: Vologeses Raht hat nichts
getaucht. Weil dann der unwiederrufliche Schluss gemacht ist / dz die Schlacht
ehistes soll gewaget sein / will ich alles mein vorige in die Erde verscharren;
aber auff diesem meinem Häuptgrunde stehe ich feste / wir müssen behutsam
verfahre / wann wir nicht fallen wollen; dann wir haben Männer vor uns; wir
haben mit vorsichtigen / herzhaften und glückseligen zu fechten; aber den Göttern
sei dank /nicht mit unüberwindlichen; so stehet die Gerechtigkeit auff unser
Seite / deren der Himmel allezeit wohl will / da jene nur auff den Frevel bauen;
wir streiten vor unsern König / von dem jene abgefallen; suchen Friede zustiften
/ welchen jene gebrochen; und gedenken die Bosheit zustraffen / deren jene
ergeben sind; will nicht sagen / dass wir an geübeter und versuchter Mannschaft
dem Feinde es zuvor tuhn. Deswegen bestimme eure Königl. Hocheit den Tag uñ die
Stunde / ich bin fertig und bereit / mit gleichem Herzen zum tode und zum Siege.
Nun höre ich den ehmahligen Vologeses / sagte der König welcher nicht wähnen
darff / als ob wir ihn einiger träulosigkeit zeiheten. Aber mein Kartasis / was
gebt ihr vor einen Raht? ihr pfleget ja nicht gerne lange zu feiern.
Allergrossmächtigster König / antwortete dieser: Ich habe nie mit stille sitzen
etwas gewinnen können / ohn beim Würffel- und Kartenspiel; wiewol ich nit
zweifeln will / Herrn Vologeses Vorschlag sei der sicherste Weg / den Feind zu
schwächen; jedoch halte ichs mit euer Königl. Hocheit / unter der Hoffnung / je
frischer man an den Feind gehen wird / je geherzter werden unsere Völker gemacht
und die Wiederwärtigen erschrecket; achte sonst vor dienlich / dass man in unserm
Lager durch die übergeschikten gefangenen ausssprenge / Dorylaus sei der ganzen
Feindesmacht in die Hände gerahten / und mit den seinen wieder gegebene Träu und
Glauben ermordet; welches nit allein die unsern aller furcht enteben / sondern
auch einen Eifer und Rachgier bei ihnen erwecken wird / wodurch man den Sieg
gewaltig befodern kann. Ich vor mein Häupt will nichts lieber wünschen / als eben
an dem Orte zufechten / wo selbst der hochberümte junge Fürst Herkules sich wird
finde lassen / nachdem ich sonderliche gute Lust habe / sein Schwert zuprüffen.
Dieser Vortag gefiel Artabanus / ermahnete ihn zur beständigkeit / und versprach
ihm / dafern er ihm Herkules lebendig oder Tod liefern würde / sollte es ihm mit
einem Fürstentuhm und sechs Tonnen Schaz vergolten werden; welches das rechte
Wasser auff Kartasis Mühle wahr / als der umb geniesses willen keine mögligkeit
unterliess. Vologeses liess die an Dorylaus ertichtete Verräterei offentlich
aussruffen / und zugleich andeuten / dass ein jeder sich gegen Morgen früh zum
Auffbruch fertig halten sollte / da man sie zur Rache und Beute anführen wollte.
    Der Persische Gesanter eilete sehr / die empfangene Antwort seinem
GrossFürsten zu hinterbringen / deren sie wenig achteten / und wohl sahen / dass
Vologeses des Dorylaus vornehmens sich schämete / erfreueten sich aber höchlich
da in folgender Nacht sie Zeitung bekahmen / dass die Feinde auffgebrochen währen
/und gerade auff sie angingen; worüber Herkules vor freuden auffsprang; dann
weil er vernam / dass alles von Vologeses geordnet würde / dessen Art ihm wohl
bekant wahr / befahrete er sich einer langwierigen Verzögerung / wodurch sie von
ihrer hochgewünschten Rükreise dürfften abgehalte werden; welchem vorzubauen er
seine Stimme im Kriegsraht allemahl dahin richtete / man sollte des Feindes nicht
erwarten /sondern / umb ihn zur Schlacht zubringen / etliche Meilen ins Land
rücken / welche er durch Gottes hülffe gedächte zuerhalten. Diesem setzeten sie
umb so viel eiferiger nach / da ihnen des Feindes Auffbruch kund getahn ward;
und erhielt Valiska bei ihrem Herkules / dass sie mit zu Felde ging / weil
Artaxerxes ihr einen treflichen Elefanten mit einem niedrigen festen Turm
zurichten liess / der von 2000 Schützen begleitet ward; wiewol sie / umb Argwohn
zuverhüten / sich stets bei den andern Elefanten hielt. Als nun ein jeder
FeldHerr sich nach seinen Völkern hin begeben wollte / redete Artaxerxes unsere
Helden an / bedankete sich der schon geleisteten Dienste / und baht / die
bevorstehende Schlacht ihnen befohlen sein zu lassen /welches die gesamte
HochFürstl. verbündnis / und jedes Glied derselben vor sich erkennen würde. Sie
hingegen versprachen alle mögligkeit / sich zubemühen / dass sie in Artabanus
Gegenwart möchten sehen lassen / wie sie sich so wenig vor seinem Säbel als vor
seinen Ruhten fürchteten; verfügeten sich zu ihren anvertraueten Völkern / und
gingen in gevierter Schlachtordnung freudig fort / da Leches und Arbianes
(welcher jezt schon alle traurigkeit abgelegt hatte) mit 14000 Pferden den
Vortrab hielten / und ausdrücklich befehlichet wahren / nicht zu schlagen /
sondern nur / wo möglich / etliche gefangene einzubringen /und auff erblickung
eines starken Heers / hinter sich zugehen. Artabanus zohe in gleicher
behutsamkeit etwas langsam fort / wegen etlicher engen Wege / und bekam gegen
Abend Kundschaft der Perse währe aus seinem festen Lager lossgebrochen / und
ginge gerade auff ihn zu mit aller seiner Macht. Daher Vologeses vor rahtsam
hielt / man sollte nicht weiter zihen / weil hieselbst ein weites ebenes Feld zur
Schlacht sehr bequemlich währe; versicherte auch den König und die andern
Häupter / dass Herkules nicht weichen / sondern alle Gelegenheit zur schleunigen
Schlacht suche würde. Die unsern traffen nichts denkwirdiges an /ohn dz die
aussgeschikten Kundschaffer einbrachten /an was Ort Artabanus sich nider gelassen
hätte; deswegen sie diese Tagereise endigten / und nur eine halbe Meile sich von
dem Feinde lagerten / da ihre Völker zur gnüge gespeiset / und zur ruhe gelassen
wurden. Umb Mitternacht bekahmen sie eigentliche Kundschaft / wie nahe ihnen der
Feind währe / worüber sich Herkules erfreuete / und zu Artaxerxes / der mit ihm
in einem Reuterzelte lag / sagte: Nun hat gewisslich der verständige Vologeses
mit seinem nützlichen Raht nicht mögen gehöret werden; dann ich weis / wañ es bei
ihm stünde / würde er so eilig nicht fortgangen sein / und dürfte ich schier
wetten / der Wüterich fürchte sich / ich werde ihm mit meiner Valisken
entlauffen. Beiderseits stelleten sie ihre Schildwachen gar weit und bei ganzen
Schaaren aus / und weil der Angriff an beiden seiten verbohten wahr / hielten
sie gegen einander mit blossem Gewehr / und finge nichts tähtliches an / ohn dass
sie einander mit Worten und Geschrei umbetrieben / da die unsern von jenen vor
Zungendiebe; jene aber von den unsern vor Zungenfresser gescholten wurden. Vor
Tage mussten beide Heere sich mit Speise und Trank laben / und ward an Persischer
seite ernstlich befohlen / dass ein jeder ein stük Brod und etwas Gewürz bei sich
stecken sollte /damit wann die Schlacht etwas lange anhalten würde /sie sich
laben und erfrischen könten. Herkules mit seinen Christen hielt ein andächtiges
Gebeht zu Gott /uñ liess das 14 Kapittel des ersten Buchs Mose von einem
Christlichen Lehrer ausslegen; nach dessen endigung zum Auffbruch geblasen ward.
Nun hatte Artabanus diese Nacht weder Schlaff noch ruhe haben können / ohn gegen
Morgen kam ihm vor / als hätte Artaxerxes der Perse einen dreipfündigen Stein
auff sein Schlossdach zu Charas geworffen / wovon es gar zerschmettert worden. Er
erschrak dessen nicht wenig / zeigete es anfangs Bagophanes / und auf dessen
Raht Vologeses an / welche beiderseits sich munter bezeigeten / als währe
solches nicht zu achten; wiewol sie viel ein anders im Herzen befürchteten / uñ
dieser dem Könige riet / es würde seiner Königl. Hocheit nicht ungleich können
aussgedeutet werden /wañ dieselbe die beiden abtrünnige Fürsten vor der Schlacht
durch ein gnädiges Schreiben ihres schuldigen Gehorsams erinnerte / und auff
dessen bezeigung ihnen Gnade und ihres verbrechens vergebung anböhte. Die Furcht
machete / dass er sich hierzu leicht bereden liess / setzete es mit eigener Hand
auff / zeigete aber niemand den Inhalt / sondern versiegelte es / und schikte es
durch einen Heerhold über; welcher gleich im anfange des Auffbruchs sich bei
Artaxerxes melden liess / und ihm den Brieff dieses Inhalts einlieferte:
    Der grosse König Artabanus will nicht unterlassen /sein liebreiches Vaterherz
/ auch den Abtrünnigen Söhnen Artaxerxes und Phraortes / und allen denen / die
ihnen mit verbund sind / darzulegen; erbeut sich allergnädigst / das Verbrechen
zu übersehen / die Straffe abzustellen / und sie nach wie vor als geträue
Fürsten und Reichs Seulen zu halten / dafern sie nur ihre Missetaht erkennen /
umb Gnade anhalten / auffs neue sich dem Reich und ihrem Könige verbinden / und
ihm die beiden Fremdlinge aus Teutschland und Böhmen / nebest dem entführten
Fräulein alsbald lebendig übergeben und einlieffern. Solten sie aber wieder
vermuhten sich dessen wegern / und diese väterliche Gnade verachten / will er an
dem erschreklichen Blutbade / und der gänzlichen verhehrung der Persen- und
Meden länder allerdinge entschuldiget sein / und an den Uhrhebern es hernähst
ernstlich zu straffen wissen.
    Artaxerxes trug bedenken / es einigem Menschen sehen zu lassen / dessen er
sich gegen unsere Helden also entschuldigte: Hochwerte Herren Brüder; sie wollen
mir vergeben / dass vor gehaltener Schlacht ich ihnen diesen Narren-Brieff nicht
zeige / weil er absonderlich mich betrift / uñ ich ihn mit wenigen beantworte
will; setzete auch alsbald folgendes auf: Artaxerxes und Phraortes / auch andere
löbliche Fürsten dieser Morgenländer / haben Artabanus den Parter nie zum Vater
/ aber wohl zum Wüterich und Henker gehabt / dessen übermuhtigen frevels sie
lebendig oder Tod absein wollen / und daher seiner Gnade durchaus nicht begehren
/ erkennen sich auch vor keine Verbrecher / sondern beschützer ihrer Freiheit /
insonderheit vor geträue Freunde Königes Ladisla und GrossFürst Herkules / die
ihnen ja so lieb sind als ihr eigen Leben; und wer die Durchl. GrossFürstin
Valiska ihnen entzihen will / muss zuvor aller unser Mannschaft die Hälse
gebrochen haben. Der übrigen dräuungen will man gewärtig sein / aber mit diesem
bedinge / dass man umb die Meisterschaft spielen wird.
    Diese Antwort reichete er in unserer Helden und anderer Fürsten und Herren
Gegenwart dem Heerhold mit diesen Worten ein: Sihe da / mein Kerl / einmal
Antwort vor allemahl; und wer mir dergleichen anmuhtung nach diesem / schrift-
oder mündlich bringen wird / soll an statt Trinkgeldes den Galgen bescheissen. Die
Anwesende merketen aus seiner verenderung /dass es ein wichtiges betraf; aber
niemand / ohn allein Herkules kunte es aus sinnen / wiewol er sichs gar nicht
annam. Sie ordenten ihre Völker alsbald zur Schlacht / so dass Artaxerxes /
Phraortes / Fabius und Artobarzanes das FussVolk uñ die Elefanten führeten;
Herkules aber mit Pharnabazus / Arbianes / Leches /Klodius und Markus den
rechten Flügel der Reuterei / welcher also abgeteilet wahr. Pharnabazus ging
voran mit seinen 20000 Susianern / uñ hatte 500 Teutschen um sich zum
Leibschutze. Arbianes zohe hinter ihm her mit 20000 Meden / und hatte
gleichergestalt 500 Teutschen bei sich. Den dritten Hauffen führete Leches /
20000 Assyrer und 500 Teuschen /deren hundert die grossen Schlacht Schwerter
führeten. Den vierden und lezten behielt Herkules vor sich selbst / 10000
Assyrer / 10417 geworbene / 4441 Teutschen / 5872 Römer / und 770 Fabius
geworbene; und sah Herkules vor gut an / dass Markus seine und Klodius 1000
Römer Arbianes zuführete /dass also dieser Flügel 94000 Reuter stark wahr.
Herkules ritte stets neben Pharnabazus vor dem ersten hauffen her / uñ liess
Klodius zum Statverweser bei seinem eigenen / da er dann auff seinem
wolverwahrten Blänken sich so freudig erzeigete / auch den Völkern so geherzt
und freundlich zu redete / dass sie alle entschlossen wahren / mit ihm zu siegen
oder zu sterben. Den linken Flügel befehlichte Ladisla / welcher eine
gleichmässige abteilung mit Herkules abgeredet hatte. Unter ihm ging Prinsla vor
an mit 12000 geworbenen / 8000 Hirkanen und 500 Böhmen. Diesen folgete Neda mit
10000 Baktrianern / 10000 Arischen / und 500 Böhmen. Den dritten hatte Mazeus
14100 Meden / 6900 Drangianer / und 500 Böhmen. Den vierden behielt er vor sich
/ als 4428 Böhmen / 14000 Persen uñ 13072 Margianer / wobei er seinen Tyriotes
zum Statverweser bestellete / weil er sich vor dem ganzen Flügel sehen liess /
welcher in gleicher anzahl mit dem linken wahr. Das FussVolk ward in vier hauffen
gesetzet; den ersten führete Artobarzanes (Phraortes Bruder-Sohn) und Gallus /
20000 Susianer / 8000 Drangianer / und 6000 Assyrer. Den andern Fabius /12000
Hirkaner / 15000 Arische / und 7000 Margianer; Den dritten Phraortes / 20000
Meden 13000 Baktrianer / und die Elefanten / auff welchen sich 7000 Schützen
hielten. Den vierden und lezten Artaxerxes selbst / 48000 Persen; und blieben
6000 FussKnechte zur besatzung des Lagers; dass also die ganze Reuterei in 188000;
und das FussVolk / welches sich in der Schlachtordnung befand / in 156000 Mann
bestund / ein KriegsHeer von 344000 bewehrten Kerlen.
    Artabanus lies durch Vologeses seine Völker auch in Ordnung stellen /
welcher von den geworbenen Fussknechten den abgang der Reuterei unter Dorylaus /
ersetzet hatte / wie imgleichen auch dz Skytische Heer von ihren Fussgängern; an
deren statt 37000 Parter dem FussVolk wieder zugegeben / und deren anzahl auff
196000 ergänzet ward / über welches Fürst Pakorus Obrister FeldHerr wahr / der
sich in vier starke hauffen setzete. Den ersten gab er einem kühnen und
verständigen Partischen Herrn / nahmens Surinas / 42000 geworbene Knechte. Den
andern / Fürsten Orodes / 16500 Skyten / 14000 Indier / und 11500 geworbene. Den
dritten / Herrn Archelaus /20500 geworbene und 21500 Parter. Den vierden
behielt er bei sich / 50000 Parter. Nähst ihm hielt Madates mit den Elefanten /
auff welchen 12000 Schützen wahren / wobei Artabanus sich selbst befand; uñ
wahren 6000 Parter im Lager zur besatzung blieben. Den linken Flügel der
Reuterei führete FürstOsazes / 146500 Mann stark / welchen er gleichmässig in
vier grosse Geschwade verteilete. Bei dem ersten wahr FürstMitridates 25500
allerhand zusammen gelesene Völker / und 5000 versuchte Parter. Bei dem andern
/ Herr Arguntis GrossOberwachtmeister von Kartasis / 31000 Skyten. Bei dem
dritten Kartasis selbst / 35000 Skyten. Bei dem vierden der FeldHerr Osazes /
50000 Parter. Der rechte Flügel unter Fürst Vonones wahr gleich so stark an
Mannschaft / auch in gleich so viel Heere abgeteilet; das erste bekam Herr
Oxatres 32000 geworbene /zum angriff. Das andere Pardion / ein Handfester
Indianischer Herr / von 26000 seiner Landsleute und 5000 allerhand gesamleten.
Das dritte Herr Dataphernes / 15000 geworbene / 13500 aus dem FussVolk gesamlete
/ und 5000 versuchte Parter zum Leibschutze. Das vierde hatte Vonones selbst
zum Stichblade dieses rechten Flügels; 50000 Parter / den Kern der
Ritterschaft.
    Als diese beide Heere gegen einander hielten 845000 Mann zusammen gerechnet
/ (so hatten sich die Völker beiderseits auff dem Zuge und im Lager gestärket)
wahr niemand der nicht überlegete / was vor eine erschrekliche Blutstürzung in
wenig Stunden sich zutragen würde; nur der einige Artabanus wahr blind vor Eifer
und Liebe / dass er weder seines Heils noch schadens wahr nam. Arimazes wahr
befehlichet /mit den 1200 Streitwagen den ersten Angriff zu tuhn; und weil die
unsern davon gute wissenschaft hatten /folgeten sie Herkules Raht / in dem sie
4000 zu Fusse mit langen Spissen / und zwischen ihnen 4000 der allerbesten
Schützen desselben Weges in die länge herstelleten / da sich 50 Wagehälse mit
5000 Kronen willig erkäuffen liessen / dass sie mit angezündeten Fackeln / Stroh
und Flachs / welches sie auff Knäbelspiesse stecketen / den Wagen entgegen
treten / und die Pferde damit verschüchtern wollten; welches auch sehr glücklich
von statten ging / und ihrer nur zehn drüber ums Leben kahmen; dann als dieser
Wagen anfangs 50 lossbrachen / wurden sie durchs Feur erschrecket / dass sie
umbkehreten und sich in einander wickelten / da die bestelleten Schützen nicht
feireten / sondern die Pferde niderschossen. Nach diesem gingen 300 andere los /
deren Rosse gleichergestalt das Feur scheuheten / und zur seite ausslieffen /dass
sie von unserm Heer mit Pfeilen alsbald undüchtig gemacht wurden. Artabanus sah
/ dass dieser Anschlag / auff welchen er fast getrotzet hatte /von Freunden und
Feinden als ein Kinderspiel verlachet ward / deswegen er befahl / dass die
übrigen auff gelegenere Zeit versparet würden / und der linke Reuter Flügel den
Angriff tähte. Also ging Mitridates frisch los mit den seinen / die alle
Schwerter und Bogen führeten. Den ersten angriff tahten sie mit schiessen / aber
Pharnabazus / welcher ihm begegnete schonete sein auch nicht; uñ weil die unsern
den Wind zum vortel hatten / wirketen ihre Pfeile weit besser als der Feinde /
und erlegeten deren 3000 / da von den unsern etwa 50 erschossen wurden. Hierauf
wollte Pharnabazus mit dem Schwert ansetzen / aber der Feind weich seiner Art
nach zurück / und schoss die Pfeile hinterwerz / dass wo die unsern nicht so
behutsam gangen währen / würden sie grossen Schaden genommen haben; weil sie
aber sich bei zeiten zurück zogen / ging es noch gnädig ab / wiewol sie 165 dabei
einbüssete / uñ 300 zum gefecht undüchtig gemacht wurden. Osazes brach darauff
mit seinem hauffen selber los / die eine solche Menge Pfeile von sich schicketen
/ dass sie als Hagel niderfielen; aber Herkules / der sich mit Arbianes zusammen
gesezt hatte /wichen zurück / dass die Pfeile zu kurz fielen / und etwa 100 Mann
verwundeten und 36 erschossen / die von Arbianes Heer wahren. Die unsern
zücketen hieselbst noch keine Bogen / stelleten sich gleichwol als wollten sie
eiferig ansetzen / wodurch Osazes muhtig ward / und gedachte sie nahe gnug
kommen zulassen /und alsdann im weichen ihne grossen Schaden zu tuhn; aber
Herkules wiche zugleich mit / dass jener abermahl seine Pfeile umbsonst verschoss.
Bald darauff wendete sich Herkules / hiess die seinen freudig lossdrücken / und
traffen so wohl / dass 5000 Parter sitzen blieben / und 3000 hart verwundet wurde
/ da hingegen der unsern etwa 200 von Arbianes Heer verletzet und 80 zu bodem
gestürzet wurden; daher diesem Feindes hauffen nicht mehr gelüstete / sich unter
die Pfeile zuwage. Herkules sendete unter diesem Schiessen seinen Klodius an
Ladisla / und liess ihm ansagen / dass er aus der erfahrung gelernet / wie man
sich bei diesem Pfeil-Treffen zuverhalten hätte / welche unterrichtung ihm wohl
zu statten kam. Artabanus sah / dass der Bogen Streit / welcher der Parter
bestes wahr / und er darauff seine gröste Hoffnung gesezt hatte / ihm den Sieg
nicht bringen würde / wie ihm solches auch Vologeses schon hatte zuvor gesagt /
dass Herkules viel zu behuhtsam währe / und die fliehenden so blindlings nicht
würde verfolgen lassen /welches er zwar dazumahl verlachete / aber es in der
Taht mit grossem unlust und verlust erfuhr; befahl demnach / es mit dem Schwerte
auffs tapferste zu wagen / und den ersten Feinden nur getrost entgegen zugehen /
alsdann würde das Feld leicht zuerhalten sein. Es wahren hierzu seine Leute
willig / und die unsern sehr froh / daher sie / als hätten sie sich dessen
verglichen / zu ihren Schwertern griffen. Mitridates setzete abermahl voraus /
welches Pharnabazus ersehend / den seinen geherzt zuredete: Sie sollten gedenken
/ dz sie Männer währen / und die verübte träulosigkeit ihrer Landsleute unter
Gobares / mit einer ruhmwirdigen Taht abwischeten / damit die Susianer /so vor
diesem die ädlesten geachtet / ihren Ruhm und Preis nicht verlieren möchten.
Führete sie damit an den Feind / und griff mit ganzer Wuht an / da seine Leute /
die sich alle zum Tode bereitet hatten / nichts mehr begehreten / als ihr
sterben noch lebendig zurächen; und wann einer seinen Feind erlegt hatte /
meinte er dass seine getahn haben / wiewol ihrer viel den dritten vierden und
mehr hinrichteten / und gleichwol ohn sonderliche Wunden blieben; und tahten die
500 Teutschen hieselbst ein grosses durch ihr tapfferes vorgehen / denñ die
Susianer rechtschaffen folgeten. Mitridates wahr dieses verzweiffelten fechtens
an den Persen nicht gewohnet / bemühete sich sehr /ihren dolkühnen Einbruch
auffzuhalten / aber vergebens; dañ da wahr kein weichen / biss Mann oder Pferd
stürzete; und gab ein lustiges ansehen / dass des Feindes hauffe / welcher drei
gegen zween hatte / in kurzer Zeit geringer ward als diese. Niemand freuete sich
dessen mehr / als ihr Führer / welcher nur suchete Mitridates anzupacke / der
sonst sein vertraueter brüderlicher Freund wahr; samlete desswege eine Schaar von
150 Teutschen umb sich / brach mit ihnen durch / und traff seinen Mann zeitig an
/ welchen er mit aller Macht überfiel / aber gute gegenwehre fand; doch halff
ihm das Glük / dz seines Feindes Pferd über eines ertödteten Harnisch
strauchelte / und mit samt seinem Reuter zu bodem fiel. Da hätte man mögen ein
verwirretes schlagen sehen; jene wollten ihren FeldHerrn retten / und diese den
so gut als gefangenen nit verlassen. Aber der Teutschen Schwert drang durch /
dass Pharnabazus gelegenheit bekam abzusteigen und ihm auffzuhelffen / da er zu
ihm sagte: Bruder gib dich / dass du leben bleibest / du weist dass ich allemahl
dein Freund gewesen bin. Ich muss mit des Glückes Unfal zu frieden sein /
antwortete dieser / gab das Schwert von sich / und ward von 20 Susianern nach
Arbianes geführet / der ihn Artaxerxes zusendete. Vologeses sah diesem Treffen
mit grossem Unlust zu / hielt neben Osazes / und sagte: Jedes Ding hat seine
Zeit und verenderung; wie haben doch die Persen in so kurzer Zeit solchen
beständigen Muht gefasset / dz da ihrer drei vorhin kaum einen Parter
bestreiten durfften / jetzo einer dreien scheinet gewachsen sein. Machte sich
nach Arguntis / und redete ihn also an: Geehrter Spiesgeselle / auff! und
lasset jezt sehen / dass SkytischeFunken heisser als Persische Flammen brennen;
mich deucht / Mitridates werde eures entsatzes schier benöhtiget sein. Dieser
brach bald los / in Meinung / Pharnabazus abgematteten hauffen / wie eine Fluht
zu überfallen; Aber Herkules seien Auffbruch ersehend / munterte Leches also
auff: Sehet / dort ist Ehre zubekräfftigen; haltet euch frisch / dass Pharnabazus
guter anfang besser fortgesetzet /und er mit seinem hauffen vor des
einbrechenden frischen Feindes Wuht erhalten werde; taht ihm zusage guter
vergeltung / und liess ihn damit fortgehen / da er zu gewünschter Zeit ankam;
massen Arguntis sich mit solchen kräfften an die Susianischen Völker henkete /
dass sie als ermüdete bald würden hingerichtet sein; aber Leches einbruch zog ihn
ab / und liess Herkules Pharnabazus ansagen; dafern die Mitridatischen nicht
stark auff ihn drüngen / möchte er seine Völker abführen / aber jene wichen
ohndass / daher leistete er folge / weil er 5000 eingebüsst / und 4000
verwundete hatte / da an Feindes seiten 13000 ins Grass gebissen / und 9000
verwundet wahren. Leches ging anfangs mit den Skyten gar behutsam / und
ermahnete die seinen / sich vor des Feindes dräuen nicht zu entsetzen / sondern
von ihm uñ den Teutschen ein Beispiel zunehmen. Von den Teutschen behielt er 100
Schlachtschwerter bei sich / die andern hatte er unter seine Assyrer verteilt /
dass jede zwotausichte Schaar / 40 Teutschen bei sich hatte / welche die ersten
Glieder macheten. Dieser fund wahr ihnen sehr nützlich / dann die Teutschen
brachten diesen Wahn in die Skyten / ihre folger währen eben ihrer Art /wie sie
dann in warheit alle mögligkeit anwendeten /und ihren Vorgängern kek
nachsetzeten / kunten aber den Feind durchaus nicht auff die Weichseite bringen.
Die Blutstürzung wahr anfangs an beiden seiten fast gleich / aber in die harre
würden die Assyrer es nicht gespielet haben; deswegen liess Herkules 2000 Römer
und 4000 frische geworbene unter Klodius anführung ihnen zu hülffe gehen /
welche dann rechtschaffen erwiesen / dass sie wohl ehmals es mit ihren Feinden
hätten zu tuhn gehabt; wiewol die 100 Schlachtschwerter die allerbeste Wirkung
verrichteten / vor denen Vologeses auch von ferne sich entsetzete / und meinte
anfangs / diese wenige nur würden bei dem ganzen Heere sein / liess demnach
Arguntis erinnern / dieselben absonderlich anzugreiffen; aber es wollte niemand
gerne hinan / biss Arguntis 600 beherzete Ritter umb sich samlete / und mit
blinder Wuht auff sie hinein ging; wodurch aber Leches sich nicht schrecken liess
/sondern dreifachete sie auch mit frischen Römern /und ging diese kleine
Schlacht mit ihnen ein; Härterer Saz wahr bissdaher nicht geschehen; die beiden
Führer traffen aneinander / uñ zuwetzeten sich rechtschaffen / biss etliche
Skyten ihrem FeldHerrn beistand leisteten; worüber ein teutscher Ritmeister /
nahmens Schwerting / ergrimmete / und Arguntis Pferd mit seinem
Schlachtschwerte niderhieb / dass er drunter zu liegen kam. Leches hätte ihn
gerne gerettet / aber das Gedränge umb ihn von seinen eigenen Leuten / wahr zu
gross / die mit ihren Pferden ihn zutraten / da er einezeitlang unter den
Pferdefüssen ein jämmerliches Geschrei trieb / welches seine Skyten zu
tödlichem grimme auffmachte / dass sie wie blinde anfielen / und mit ihrem Führer
zusterben sich erkläreten. Die Assyrischen kunten solcher Macht nicht
wiederstehen / und begunten hintersich zu weichen / uñ währe Klodius Beistand
nicht gewesen / hätten die Teutschen / als die zu flihen ungewohnt wahren alle
Haar lassen müssen. Herkules kunte bei seinen Völkern nicht lange stille halten
/ umbritte selb sechs hin und her / uñ machte die seinen durch herzhafte Worte
sehr freudig. Sein Pferd ging als ein Pfeil m der Luft / welches Vologeses von
ferne sehend / sich nach Kartasis wendete / und zu ihm sagte: Sehet dort mein
Freund; jenes ädle Pferd / dass seines gleichen nicht haben soll / gibt seinen
Reuter den muhtigen Herkules zuerkeñen / da ich doch gemeinet / er hätte vor
längst schon gefochten. Ist der Reuter wie das Pferd / antwortete diese /so
dürfte er den Partischen Stuel zubehäupten kek gnug sein. Inzwischen sah
Herkules der Assyrer aussweichen / und schikte ihnen 2000 geworbene zum entsaz /
welche nicht allein alles wieder gut macheten / sondern mit der Teutschen und
Römer hülffe der SkytenVorsaz brachen; dann ihre Zahl hatte sehr abgenommen /
uñ wahren von 31000 kaum 15000 übrig / welche aber 9000 Assyrer / und 40
Teutschen mit sich in den Tod genommen hatten. Kartasis sah der Skyten
geringen überschuss / und begehrete von Osazes / dass er sie mit etlichen Parten
entsetzen möchte / wozu er sich ungerne verstund; dañ er wollte seine Mannschaft
nicht schwächen / mit denen er bedacht wahr / den Sieg zugewinnen; weil aber
Vologeses selbst es vor rahtsam hielt / musste er 8000 unter Phraates fortgehen
lassen / die aber wegen der Verzögerung zu späte kahmen; dañ als die Teutsche
und Römer ein Loch in die Skyten gebrochen hatten /gingen die andern mit zu /
und hieben sie wie Mücken nider / dass bei der Parter ankunft etwa noch 6000
übrig wahren. Herkules sah Phraates daher traben /und sendete ihm Arbianes und
Markus mit 10500 Meden und 500 Römern entgegen / denen er alsbald noch 500
Teutschen uñ gleich so viel von Fabius geworbenen nachschickete; Klodius aber
und Leches foderte er zurück; dann er merkete / dass sie schon zu weit gangen /
und dem Partischen FussVolk unter die Pfeile gerahten wahren / weil die übrigen
Skyten dahin ihre Zuflucht nahmen / auch endlich bei Kartasis schnaubend
ankahmen / und Arguntis elenden Tod mit seuffzen beklageten; welcher ihnen zur
Antwort gab: Seine Zeit ist kommen / und sein Wunsch erfüllet / dass er das
Schwert in der Faust haltend sterben möchte; ihm ist nirgend besser mit
geholffen / als dz wir seinen Tod zu rächen / uns lassen angelegen sein.
Vologeses hatte seinen Oheim Phraates vermahnet / des Partischen nahmens
eingedenk zu sein / mit der Verheissung / da ihm der Feind zu schwehr würde /
wollte er ihn zeitig gnug entsetze; ging desswege wolbedacht hinan / in willens
Leches anzugreiffen; aber Arbianes begegnete ihm tapffer / dessen Menge er doch
nicht scheuhete / sondern mit einem heftigen Angriff sie auffhielt. Markus sah
/ dass die Meden im vorzuge sich trennen liessen / setzete sich deswegen mit 500
Römern vorne an / und brachte damit den ganzen hauffen zum stande / dass die
Parter als die wenigsten wieder weichen mussten / welches ihm aber 25 Römer
kostete. Nun wahr Phraates sehr verschmizt / daher er sich einer Furcht añam /
und sich zurücke zog / dass er die unsern unvermerket unter des Fussvolks Pfeile
lockete / liess hernach seine Völker vonander gehen / dass die unsern kunten
getroffen werden / da dann jene eine solche menge Pfeile unter sie schicketen /
dass jederman meinte / ihres Gebeins würde nicht davon kommen. Arbianes
ermahnete seine Leute zur Flucht / wodurch der mehrerteil gerettet ward /
verlohr doch in diesem unfalle 3000 Meden und 25 Römer / und wahren im Gefechte
schon 1400 Meden den nidergehauen / aber dagegen auch 2300 Parter sitzen
blieben. Arbianes selbst ward von zween Pfeilen an der linken Hand und rechten
Beine beschädiget; Markus Pferd ward erschossen / und kam mit Noht auff ein
anders. Auch wurden 900 Meden / 40 Römer / und 15 Teutsche hart getroffen /dass
sie der Schlacht ferner nicht beiwohnen kunten. Herkules betrübete sich des
unfals; weil aber Arbianes ohn tödliche Wunde blieb / ward er froh / und setzete
sich mit seiner ritterlichen Schaar dem Feinde näher; befahl doch zuvor Leches
und Klodius / die übrigen Völker / so noch nicht getroffen hatten / nicht
anzuführen / biss ers geböhte / oder sie sehen würden ein frisches feindliches
Heer lossbreche / dem sie alsdann begegnen sollten. Pharnabazus und Markus gab er
die annoch vermögenden Völker / die schon getroffen hatten / welche 37760 stark
wahren / sie auff allen fall fertig zuhalten. Er aber nam 22500 / so von seinem
hauffen noch bei ihm hielten / als 10000 Assyrer / 4417 geworbene / 270 Fabius
eigene / 3872 Römer / 3941 Teutschen / und redete sie auf Teutsch / Römisch und
Persisch an; Sie sollten sich nach ihm richten / und ihrer Ehr und Mannheit
eingedenke sein; Gott teilete den Menschen nichts mit ohn mühe; so währe dz Feld
an ihrer seiten schon fast erstritten; ein kleiner Schweiss währe umb so grosse
Beute / die ihnen bevorstünde / noch wohl anzuwenden; sie sollten nur behutsam
fahren / keinen möglichen Schlag verseumen / und ihrer eigenen beschützung
unvergessen sein / auch fleiss anwenden / dass sie ungetrennet blieben / und sich
nicht im ersten anfall aus dem Atem arbeiteten. Hernach sagte er zu seinen
Teutschen absonderlich: Ihr meine lieben Teutschen / die ich so herzlich als
Söhne und Brüder liebe; lasset uns einer dem andern biss in den Tod träulich
beistehen / und zweiffelt nicht / Gott werde uns gnädig hindurch helffen.
Hiermit munterte er seinen ädlen Blänken auff /liess sein nohtfestes Schwert
dreimal umb den Kopff gehen / und setzete fort in fest geschlossener Ordnung /
erwartend / was vor ein Feind ihm begegnen würde. Vologeses sah ihn daher
prangen / und sagte zu Kartasis; Mein Freund erinnere sich seines gestrigen
Wunsches / welchen Königl. Hocheit als ein Versprechen auffnahm / und mit
grosser mildigkeit zuersetzen sich erboht; dort kömt Herkules her / die starke
Seele der ohmächtigen Persen / der gleichwol ein Mensch /ja noch ein lauter
Jüngling ist / und demnach durch mänliche Kraft wohl kann gezähmet und gelähmet
werde. Ich erfreue mich seiner ankunft / antwortete er / habe mich auch
eigentlich auff diesen meinen Mann gesparet / sonst würde ich meinen Arguntis
unentsetzet nicht gelassen haben. Redete nachgehends seine Völker an; Jezt währe
Zeit / die Skytische unüberwindliche Mannheit sehen zulassen / und der Brüder
Tod / die dort gestrecket lägen / eiferig zurächen /nicht durch blossen Zorn /
sonder mit der Taht. Der Sieg währe ihr / wann sie ihn nur behäupten dürfften;
brach damit los / und führete alle übrige Mannschaft in vorsichtiger Ordnung an.
Herkules hatte seine 1000 Schlachtschwerter in die mitte gesetzet / die Römer
aber vorne an / weil sie Speere führeten / damit sie auch den Angriff tuhn
mussten / und geriet ihnen derselbe so wohl / dass über 2000 nider gerennet / und
von ihrer Gesellen Pferde mehrenteils zutreten / auch sonst noch 1000 zum
gefechte undüchtig gemacht wurde. Kartasis hatte auch SpeerReuter / aber sie
wahren dieses Streits ungeübet / und führeten zu kurze Spiesse / welche zwar /
wañ sie traffen / den Gegener mächtig ausshoben; aber kaum 80 Römer wurden
gefellet / deren 56 durch hülffe der ihren wieder zu Pferde kahmen / die übrigen
aber das Leben zusetzen. Als dieses Treffen glücklich geendiget wahr /griffen die
Römer zu den Schwertern / hatten sich doch wegen des Speer rennens zimlich
getrennet /welches ihnen übel würde bekommen sein / wann nicht auch die Feinde
ihre Glieder zufüllen etwas Zeit hätten anwenden müssen. Als sie auffs neue
traffen /gingen die Skyten ihrer Art nach / sehr feurig los /aber der Teutsche
Wedekind und der Römer K. Autronius / nahmen ihres FeldHerrn warnung in acht
/brauchten samt den ihren das Schwert mit vortel / und den Schild zur fleissigen
beschirmung daher der heftige Sturm der Skyten / mehr getöss als Wunden gab /und
hingegen der Feind mannichen abgesattelten missen musste. Herkules rühmete der
seinen wolverhalten / und sagte zu den Schlachtschwertern / geht nun hin / und
arbeitet so lange es die Arme erleiden mögen /auff dass ihr sehen lasset / wie
erschreklich ihr den Römern selber seid; aber vertieffet euch nicht zu weit in
den Feind hinein. Sie ritten hierauff fuss vor fuss / dehneten sich in die breite
aus / und fielen mit solchen hieben zur rechten Seite in den Feind / dass ohn
verlust einiges Mannes sie 3000 Skyten im ersten angriff zu grunde richteten.
Herkules entsetzete die Römer und ersten Teutschen mit 6000 Assyrern; da hätte
man ein Gemätsche sehen sollen; dann als diese Assyrer der Teutschen und Römer
tahten sahen /uñ Herkules sie zu gleicher tapferkeit vermahnete /hielten sie
sich so ritterlich / dass keiner unter ihnen zu tadeln wahr. Kartasis musste
nohtwendig seine Völker teilen / und den Schlachtschwertern 6000 Skyten
entgegen ordnen / mit den übrigen ging er unerschrocken auff Herkules macht /
dessen Pferd nie kein mahl seine Tugend hatte sehen lassen wie anjezt. Er hatte
diesem ädlen Blänken eine leichte Rüstung angelegt /welche nur von Linnewad /
und mit stählenem Draht durchzogen / aber so hart durchnähet wahr / dass weder
Pfeil noch Schwert drauff haften kunte / es zu beschädigen; diese seine
sicherheit merkete es gleichsam / schlug und biss von sich / dass ihm niemand
nahen durffte; so schlieff trauen sein Reuter auch nicht / sondern was er traf
musste zu grunde gehen. Kartasis sah ihn solch wunder treiben / machte sich an
ihn / uñ sagte: Fürst Herkules / es beut euch Kartasis der Skyte seinen Gruss
an; schlug auch mit dem Worte ihn über die Schulder / dass ihm die linke Hand
davon schmerzete / und er den Schild kaum halten kunte / welches sich doch bald
wieder verzog; und antwortete er nur dieses wenige: Des muss Kartasis dank
haben; aber das Schwert liess er ihm dergestalt umb die Ohren sausen / dass er
mühe hatte sich zu schützen.
    Wir müssen aber des andern Flügels nicht gar vergessen / woselbst die unsern
zum Treffen nicht gelangen kunten / biss an der andern seite der Bogenstreit
geendet wahr / welches Artabanus also ordente /damit er an diesem Orte desto
eigentlicher sehen möchte / wie die Persen von den seinen (also hatte er sichs
eingebildet) hauffenweise nidergeschossen würden. Weil es aber hieselbst sich
nicht nach Wunsch fügete / musste Vonones mit seinem Flügel sich eben zu solchem
Treffen fertig machen / ritte auch auff Ladisla weidlich los / in Meinung / er
sollte desgleichen tuhn. Aber er wahr von Herkules gewarnet / deswegen er auff
stillem Fusse jenen die Pfeile entgegen schicket / so bald er den Feind damit
ablangen kunte /welches dem guten Vonones den Seiger gar verrückete / dass nach
hinterlassung 3000 todten er unverrichteter sache abzog / uñ kaum 200 von den
unsern beschädiget hatte. Dataphernes / welcher bissdaher geruhet / wollte es
besser machen / taht auch unter Mazeus Völkern zimlichen schaden / deren er 1200
erschoss; aber er geriet dagegen dem Persischen Fuss Volk unter die Pfeile / die
ihm seine Völker / worzu Neda seine Baktrianer weidlich hulffen / dergestalt
zurichteten / dass ihrer 13000 gestrekt lagen / und 10500 hart verwundet wurden /
dass wañ die übrigen nicht die schleunige Flucht ergriffen hätten / währe ihrer
keiner davon kemmen. Also liessen die übrigen unter Oxatres und Pandion sich
witzigen / dass sie ihre Pfeile zwar verschossen / aber wegen der andern
behutsamkeit nichts sonderliches verrichten kunten; doch felleten sie von
Prinsla 600; von NedaVölkern 450 und verloren dagegen der Parter 1700; der
Indier 1450 Reuter. Vonones wahr sehr ungehalten /dass Dataphernes die herrlichen
Völker auff die Fleischbank geführet / und dagegen dem Feind keinen abbruch
getahn hatte; rieff Herrn Oxatres zu sich /und befahl ihm / auff Prinsla
Geschwade anzugehen; der ihm dann freudig mit den seine begegnete / und ob er
gleich im anfange harten Wiederstand spürete /brach er doch endlich durch /
verwundete den Führer selbst schwerlich / und reiss ihn mit gewalt vom Pferde /
dass ihm weder seine eigene / noch der seinen gegenwehr helffen mochte / sondern
ward von 30 Hirkanern nach Artaxerxes geführet / bald nach Mitridates ankunft
/ da sie einer dem andern Gesellschaft leisteten / und einander erzähleten / wie
sie in voriger Nacht einerlei Traum gehabt / und sie gedaucht hätte / als gingen
sie vor dem Partischen Kriegsvolk her durch ein grosses Wasser / da die anderen
ihnen nachfolgeten; woraus sie der ihrigen gänzliche Niederlage muhtmasseten.
Nach Oxatres gefängnis ging das Blutvergiessen erst recht an; gestaltsam die
unsern den erstrittenen Vortel nicht aus den Händen lassen /und jene ihres
Führers Gefängnis rächen wollten /daher an Feindes seiten 15000 ins Grass sitzen
gingen / 6000 hart verwundet wurden / und die übrigen sich nach Entsaz umbsahn
/ da von Prinsla seinen geworbenen nur 1800 von den Hirkanern 400 / und von den
Böhmen 4 umkahmen / nebest welchen sich 300 verwundet befunden. Pandion der
Indier schickete Oxatres hauffen seine 5000 gesamleten und 1000 Indier zum
Entsaz / die sich zwar an Prinsla macheten / aber dergestalt empfangen wurden
dass ihnen arbeit genug geschaffet ward. Dataphernes sah diesen Entsaz noht
leiden / und schickte ihnen von seinen annoch übrigen 10000 gesunden / 6000 zu
hülffe; aber Mazeus ging ihnen entgegen mit seiner ganzen Macht / dass Prinsla
freien Abzug bekam / nach dem er noch 2500 von den Feinden nider gelegt / und
die übrigen zurück gingen /wobei er gleichwol auch noch 600 eingebüsst hatte
/und 200 verwundet wahren / und ward er wegen seines wolverhaltens von Ladisla
sehr gerühmet. Obgedachte / so gegen Mazeus angingen / gebrauchte sich ihrer
Fäuste rechtschaffen / aber sie wahren mehr als dreifach übermannet / daher sie
mehr Beistand von ihrem FeldHerrn begehreten / welcher seine annoch übrige 4000
/ und 5000 Indier von Pandion zu sich nam / damit er hoffete die verlohrne Ehre
wieder einzuhohlen. Sein erstes häuflein zog sich enge zusammen / und drungen
mit gewalt hinein / da ihnen Mazeus gerne freie eintrit gab / in Meinung / sie
einzuschliessen / und in der enge nider zu machen; aber der Anschlag missriet
ihm; massen er mit den feinen selbst umbzingelt ward / als Dataphernes ihn
angriff / gegen welchen sein halbes Heer sich wenden musste / uñ die
eingeschlossene Feinde daher Luft bekahmen / die sich ihrer Haut redlich
wehreten. Ladisla sah / dass dieses kein gut tuhn würde / und gab Tyriotes von
Neda hauffen 6000 Baktrianer / damit er auff Dataphernes traff. So bald Mazeus
hieselbst lossgelauffen wahr / taht er den ersten eingewickelten so gedrange /dass
sie alle den Tod tiesen mussten. Worauff er sich mit Tyriotes zusammen setzete;
wiewol er in diesem sehr herben Treffen 6500 Mann eingebüsst hatte /und 3400
hart verwundet wahren; da sie dann dem Feind so hart zusetzeten / dass er sich
auf Pandion zurücke zihen musste. Derselbe wollte nun seinen guten Freund nicht im
stiche lassen / sondern ging los mit seinen annoch übrigen 20000 Indiern /
vorhabens /mit Mazeus und Tyriotes (welcher 800 Baktrianer zugesezt hatte) das
garaus zuspielen; aber Ladisla / dem die Zeit ohn dass schon zu lange wehrete /
ging auff ihn mit 14000 Persen und 7000 Margianern / und musste Neda seine 6072
übrige Margianer / samt allen Böhmen (deren er nur 150 zu sich foderte) zu
seinem Heer nehmen; er aber / in dem er lossbrach / befahl Mazeus und Tyriotes /
alle annoch gesunde Mannschaft / die schon getroffen hatten / in einen hauffen
zusetzen / und seiner verordnung gewärtig zu sein; und stürmete darauff
dergestalt zu Pandion ein / als hätte er ihn gleich anfangs mit seinem ganzen
Heer übern hauffen rennen wollen. Weil dann dieser auch bisher gewohnet wahr zu
siegen / wollte er so bald sich nicht treiben lassen / dass also dieses der
allerheftigsten Treffen eines wahr / davon je mag gehöret sein. Beide Heerführer
gaben durch ihrer Schwerter wirkung den ihren ein Beispiel / wessen sie sich
verhalten sollten; Verlust und Gewin blieb in gleicher Wage / so lange Pandion
Freiheit hatte sich hin und her zuwenden / aber weil ihn Ladisla mit seinen
wenigen / doch ausserlesenen suchete / traff er ihn endlich an / schlug ihn umb
den Kopff dass ihm beide Ohren gelleten / und sagte: Mein / du must nicht
gedenken /ob sei dir das Feld allein eingeräumet. Dieser fühlete die schweren
streiche und bezahlete baar / so viel er kunte / dass Ladisla am linken Beine
etwas verwundet ward / welches zuvergelten er seine Hiebe verdoppelt / dz dem
Indier der Helm auffsprang / und zugleich einen geringen Schramhieb über die
Backe bekam. Ladisla meinte / er währe sehr verwundet / und ermahnete ihn /
sich zu ergeben; aber dieser bekam hiedurch nur Zeit / seinen Helm gleich
zurücken; worauf er alsbald die Rache vornam / und Ladislaen mit aller Krafft
zusetzete / dessen Pferd er in den Hals verwundete / das es strauchelte / und er
sich deswegen auff die Füsse begeben musste / nam doch seiner Schanze wohl wahr /
und hieb seines Feindes Pferde die Vorderfüsse entzwei das es auff den Kopff
stürzete / und Pandion herunter fiel / auff welchen Ladisla sich setzete / und
seinen Leuten zurieff / sie sollten niemand herzu dringen lassen; reiss ihm
hernach den Helm ab /und stellete sich / als wollte er ihm das Häupt abschlagen;
dieser aber fragete; wer sein Obsieger währe. Der heisset Ladisla / gab er zur
Antwort; und könnet ihr euch gefangen geben will ich euer Mannheit wegen euch
nicht weiter beschädigen. Ja / sagte dieser /einem solchen preisswirdigen Könige
ergebe ich mich willig / dem zu dienen ich ohn dass geneigt bin. Also nam er das
Schwert von ihm / und liess ihn aus dem gedränge nach Artaxerxes führen / der
seiner Gefängnis froh wahr. Die übrigen Indier / als sie ihr Häupt verloren
hatten / wurden wie das Vieh abgeschlachtet / dass ihrer kaum 6000 übrig wahren /
als Vonones ihnen 12000 Parter zum Entsaz schickte / welche den Persen eine
harte Nuss zu beissen wahren / weil deren schon 3500 gestrekt lagen / und 1500
sich heftig verwundet befunden / auch durch dieser ankunft noch 2000 fielen /
dass wo Ladisla mit 2000 herzhaften Rittern nicht gegenstand gehalten / währen
sie alle nidergesäbelt worden; Neda brach aber mit seiner Mannschaft (ohn dass
er die Böhmen ausser 300 /alle zurück liess) zu rechter Zeit auff und entsetzete
seinen König / erschlug auch einen vornehmen Partischen Obristen bei seiner
ankunft / und drücketen seine Leute ihm dergestalt nach / dass Ladisla Zeit hatte
/ die abgemattenen Persen und Margianer abzuführen / und alle seine annoch
gesunden Völker auff den lezten Saz zuordnen. Und ob wohl Neda gefechte nicht
lange währete / erschlug er doch der Parter 4500 / und verwundete ihrer 2300 /
dagegen er 1500 zusetzete und 600 verwundet wurden.
    Im rechten Flügel haben wir bissdaher Herkules und Kartasis sich zausen
lassen / die ein langwieriges Gefechte trieben; dann Herkules eilete nicht mit
ihm /weil er sah / dass die seinen hiedurch Lufft bekahmen / die Skyten
niderzuhauen / denen sie übrig gewachsen wahren / weil Leches und Klodius mit
ihren 9500 frischen Meden und 500 Römern / so von Arbianes Heer noch nicht
gefochten hatten / sie stärkete; und merkete Kartasis wohl / dass sein
absonderlicher Streit den seinen sehr schädlich wahr / deswegen er alle kräffte
samlete und entweder gewinnen oder verspielen wollte / auch Herkules selbst
gestund / er machte ihm gnug zuschaffen; aber mit dieser letzen abmattung wahr
es geschehen; dann Herkules / der sich gewaltig gesparet hatte / verwundete ihn
an etlichen orten / dass er kraftloss ward / uñ sich kaum auff dem Pferde halten
kunte / daher er ihn ferner nicht beleidigen wollte / sondern sagte zu ihm; Herr
Kartasis / ich meine / wir haben beiderseits unsern Ehren gnug getahn; seid
demnach mein Freund biss auff eure gute Erlösung / die euch nicht soll gehindert
werde. Woldañ / Durchleuchtigster GrossFürst / antwortete er; ob mir gleich der
Tod erträglicher als die ergebung währe / will ich doch eurem befehl gehorche;
reichte ihm auch dz Schwert / welches er doch nicht annehmen wollte / und ward
von 30 Meden hingeführet /denen Herkules befahl / dass er redlich und alsbald
verbunden würde. Es ist nicht zubeschreiben / was vor Jammer bei den Skyten
über seiner Gefängnis entstund / die als verzweiffelte unsinnige Leute ihren
Feinden in die Schwerter fielen / und doch ungerochen nicht sturben / welches
meist über die Meden ging /die solchen Anfall abzuhalten nicht bestand wahren.
Nun wollte gleichwol Herkules seiner Teutschen kräfte biss auff Osazes sparen /
deswegen er Pharnabazus mit 8000 so schon gefochten / herzu foderte / die
Teutschen und Römer abzulösen; dann ungeachtet von diesen Skyten nicht über
12000 mehr übrig wahren / wollten sie doch nicht weichen / sondern ihres
FeldHerrn Gefängnis rächen / daher von den Meden und Assyrern 8500 erschlagen
wurden. Der Römer lagen an diesem orte 300 / der Teutschen 85 /und 70 von Fabius
geworbenen / im Sande und Blute. Fürst Osazes machte sich fertig zum lezten
angrif / uñ Vologeses hielt es schon so gut als verspielet; wahr auch bedacht /
seinen König zum abzuge zubereden /und dem zornigen Glük zuweichen. Leches uñ
Klodius tahten vor ihr Häupt alle mögligkeit / die Skyten abzutreiben; aber
ihre Leute mehrenteils / wahren so harter püffe nicht gewohnet / daher sie sich
trennen /und diese ihre beiden Führer nebest etlichen wenig Teutschen und Römern
im stiche liessen / dass sie beide nicht allein verwundet sondern auch gefangen
wurden; währe auch umb die übrigen getahn gewesen / wann nicht Herkules mit
seinen Teutschen und Römern / die schon abgeführet wahren / sie entsetzet hätte
/ da es von neuen anging / dass noch 3000 Skyten nidergehacket wurden. Osazes
brach hieselbst los / und wahr entschlossen zu siegen oder zu sterbe dem
Herkules mit aller unverwundeten Reuterei grossmuhtig begegnete / und sich stark
genug befand diesen lezten Saz zuerhalten; aber es entstund plözlich ein so
heftiges Ungewitter mit Donner Bliz und Schlagregen / dass weder Menschen noch
Vieh sich behelffen kunten / und wahr erschreklich zu sehen /dass das Regenwasser
mit dem Blute vermischet daher lieff / worüber die Haar allen zuberge stunden /
weil sie bedachten / dass noch wohl etwas gräulichers erfolgen möchte. Vologeses
hielt es vor ein sonderliches Glük / weil er keine Hoffnung zum Siege hatte;
befahl auch / dass nach geschehenem abzuge ein jeder FeldHerr ihm die Zahl seiner
erschlagenen und hart verwundeten einreichen sollte; da sichs fand / dass der
linke Flüge / welcher vor der Schlacht 146500 Reuter hatte / dergestalt
geschwächet wahr / dass nur noch 53200 gesunde davon übrig wahren; dann 80300
wahren gefellet / und 13000 hart verwundet; und welches am meisten betrauret
ward / lebeten von 66000 Skyten nur noch 9000 / deren 1000 zum gefechte nicht
kunten gebrauchet werden. Im andern wahr es nicht viel gnädiger zugange; massen
von demselben 64700 tod / und 18800 hart wund / also noch 63000 vermögende übrig
wahren / dass Vologeses sich höchlich verwunderte / wie in so kurzer Zeit eine so
grosse Mannschaft / als 145000 hätte können erschlagen /und überdass noch 31800
verwundet werden. Gleichwol hatte es an Persischer Seiten auch Seelen gekostet;
dann Herkules missete 27800 Mann; und funden sich 5555 beschädigte / dass sein
gesunder überschus noch in 60645 Köpffen bestund. Unter den erschlagenen wahren
125 Teutschen und 374 Römer; unter den verwundeten aber 40 Römer und nur 15
Teutsche. Ladisla hatte noch weniger eingebüsst; massen er nur 19354 todten und
6200 verwundete hatte; da unter den Todten 25 Böhmen / und deren 160 unter den
beschädigten wahren / seine gesunde Mannschaft aber noch in 68446 Köpffen
bestund; kunten demnach noch 129091 Reuter an den Feind führen / welcher sich
nur noch 116200 Reuter stark befand. Vologeses machte sich mit der auffgesetzten
anzahl seiner verlohrnen nach dem Könige / welcher weder mit sich selber / noch
mit dem Heer / noch mit den Göttern zufrieden wahr. Mit sich nicht / dann es
reuete ihn / dass er Artaxerxes so viel Ehr und Gnade angetragen; mit dem Heer
nicht / weil es seiner Meinung nach viel zu verzagt gefochten; mit den Göttern
nicht; weil sie zu gut Persisch wahren / und das ungestüme Wetter / wie er
vorgab / zur unzeit daher stürmen lassen / dass er die Fremden samt dem Fräulein
nicht in seine Gewalt bekommen mögen. Als sein Feldmarchalk zu ihm trat / und
die menge der erschlagenen hoch betraurete; gab er zur Antwort: Feige Memmen
liegen besser im Sande / als dz man sie mit schwerem Solde unterhält; wir haben
gemeinet / Kriegsleute gehabt zuhaben /und sind kaum Schatten von Kerlen
gewesen. Ists nicht eine schande / dass man den weibischen Persen so viel Blut
gegeben / und dannoch der beiden jungen Laffen noch keinen / weder erschlagen
noch gefangen haben mag? Vologeses befand sich hiedurch sehr beleidiget / und
sagte darauff: Dafern ihre Königl. Hocheit dem Kriegsvolk einige furchtsamkeit
beimisset / tuht sie ihnen sehr ungütlich / und kann ich dieselbe wohl versichern
dass nicht die ungeübeten / sondern die allerbesten Völker uns leider abgeschlage
sind; drum lasse eure Hocheit ja bei Leib und Leben sich dieser beschuldigung
gegen keinen Menschen merken / wo sie sonst der Völker Herz nicht gar von sich
abwenden will. Ich bin vor diesem auch in Schlachten mit gewesen / aber härter
Stand ist mir Zeit meines Lebens nicht vorkommen / und traue eure Hocheit nur
ungezweifelt / dass die beiden Fremden / den Jahren wohl / aber nicht dem
verstande / noch der Faust nach /vor Jünglinge zuschelten sind / wo wir nicht
unsere vornehmste Obristen gar zu Kinder machen uñ aussschreihen wollen; jedoch /
hätten sie die Schlachtschwerter / welche uns den grösten schaden getahn /nicht
bei sich gehabt / sollten die Feinde sich unsers Bluts nicht gross rühmen.
Artabanus begehrete zuwissen / was diese dann vor ungeheure währen; deswegen
Vologeses drei gefangene Susianer herein führen liess / welche darauff
antworteten: Es währen vor wenig Woche 7000 Römer / 6000 Böhmen / und 6000
Teutschen den beiden Helden und H. Fabius auffzuwarten komen / unter denen 2000
Teutschen die Schlachtschwerter (daher sie selbst auch Schlachtschwerter
genennet würden) wie leichte Spizruhten führeten / und sich nit scheuheten / dass
ihrer hundert auff tausend und mehr angingen; Artaxerxes gäbe ihnen dreifachen
Sold und grosse verehrungen / und hätte der König aus Teutschland seinem Sohn
Herkules 150000 Mann zusenden angebohten / aber allem ansehen nach / begehrete
Artaxerxes deren in so grosser menge nicht / ob sie ihnen etwa diese Länder
möchten besser als ihr Vaterland gefallen lassen / und sich unterstehen / die
Freunde mit samt den Feinden auffzureiben. Vologeses hörete dieses mit leidigen
Ohren an / und trug ihm der Sinn wenig gutes zu / insonderheit / wann er dem
grausamen Wetter nachdachte / welches von Persen entstanden wahr / und sich nach
Charas hinzog / woselbst es auch grossen schaden an den vornehmsten Gebäuen
getahn / uñ den herrlichsten Saal auff dem Königlichen Schloss sehr hesslich
zugerichtet hatte / wie man hernach erfuhr. Nach abtrit der befrageten
Gefangenen / liess Vologeses den König wissen / man hätte zween vornehme Herrn
von den Feinden gefangen / als einen Bömischen / und einen Römischen / die man
wegen ihrer tapferkeit hoch rühmete. Wol wohl / antwortete Artabanus / man gebe
ihnen den Lohn / und lasse sie durch des Schwerts Spitze lauffen / damit die
Auffrührer daher unsern Zorn und Eifer erkennen / uñ zu gleicher straffe sich
gefasset machen. Einen solchen Lohn? sagte Vologeses; Sie sind ja weder
Verrähter noch meinäidige / sondern in der Schlacht gefange; und was man mit
diesen vornehme wird / müssen unsere FeldHerrn / Kartasis / Pandion /
Mitridates und Oxatres auch erwarten. Der König entsetzete sich über deren
Gefängnis / und fragete / welches so mächtige Schwert diese Helden hätte
demühtigen können; der teutsche Bliz Herkules / antwortete Vologeses /hat den
Skyten; und der Bomische Donner Ladisla den Indier nidergelegt / und mit
einzelner Faust gefangen / welche wir vor junge Laffen schelten. Hat dann das
Unglück diese Unholden uns zur beleidigung aussgehecket? sagte Artabanus; befahl
die beiden gefangenen / Leches und Klodius ihm vorzustellen / welche dann mit
guter freidigkeit und zimlicher ehrerbietung zu ihm in sein Gezelt traten / und
von ihm also angefahren wurden; Wer hat euch Landstreicher so verwägen gemächst
/ dass ihr an unsern Völkern euch vergreiffen / und wieder uns fechten dürffet?
wie wann wir solchen frevel an euch nach verdienst abstraffeten / wer würde uns
solches wehren? Leches gab unerschrocken zur Antwort: König der Parter; mein
Geselle und ich sind keine Landstreicher / sondern ehrliche Ritter / und dienen
unsern allerliebsten Herren /den beiden grossmächtigsten / Könige Ladisla uñ
GrossFürsten Herkules. Ob nun dero Königl. Hocheit und GrossFürstl. Durchl. Ursach
haben / euer Heer anzugreiffen / haben wir nicht zuverantworten; so viel aber
wissen wir wohl / dass wo man wieder Kriegsgebühr mit uns umbgehen wird / unsere
Herren mächtig genug sein / uns Blut zurächen. Weil er dieses vorbrachte / ward
Vologeses angemeldet / es währe ein Trometer von Fürst Herkules mit einem
Schreiben ankommen / welches an den Feldmarschalk hielte. Er befahl das mans ihm
alsbald brächte / hiess die Gefangenen abtreten / und lase in Artabanus gegenwart
folgenden Inhalt:
    Dem Durchleuchtigen Fürsten / und Hochberümten Partischen Feldmarschalk /
Herrn Vologeses / entbeut Herkules / bestalter Persischer Feldmarschalk /
gebohrner GrossFürst der unüberwindlichen Teutschen / seinen Gruss und Dienst /
und ersuchet dessen Liebe hiemit freundlich / dass den beiden Gefangenen seinen
lieben geträuen Leches und Klodius / ihre Wunden redlich verbunden / sie auch
sonst als freie wolgebohrne Herrn in ihrem Gefängnis gehalten werden / welches
mit gebühr erstattet werden soll / und ich das Vertrauen zu euer Liebe
auffrichtigkeit trage; sollte ihnen aber ichtwas ungebührliches begegnen /
welches abzuwenden eure Liebe nicht vermöchte / soll es an meinen vier
ansehnlichen Gefangenen grausamlich gerochen werden / denen ich biss auff diesen
unverhoffeten Fall allen brüderlichen Willen zuerzeigen / nicht unterlassen
werde / und hiemit Fürst- und ritterlich verspreche; gelebe auch der Hoffnung /
es werde der zornige Himmel uns Morgen gütiger sein /und mir fernere Kundschaft
mit Fürst Vonones / oder Osazes / oder auch wohl Pakorus gönnen / denen ich meine
bereitwillige Dienste als redlichen Fürsten und auffrichtigen ehrliebenden
Rittersleuten und tapfferen Helden entbiete / verbleibe auch euer Liebe in
absonderlicher Freundschaft willigster Diener Herkules.
    Vologeses wollte nach verlesung kein Wort hinzu tuhn / sondern erwartete des
Königs Erklärung; welcher in sich selbst griessgramete / dz seiner so gar mit
keinem Worte gedacht ward / als ob er nicht eins dazu gehörete. Zu gutem Glük
kam Pakorus in das Zelt getreten / zu dem Vologeses sagte: Bruder / ich habe
einen Gruss an dich von dem Persischen Feldmarschalk / GrossFürst Herkules. Ich
bedanke mich des ritterlichen Helden / antwortete er / welcher mich heut von
ferne ein solches Gefecht hat sehen lassen / desgleichen Zeit meines Lebens mir
nicht vorkommen ist; aber vielleicht ist es ein Schwert Gruss. Man kann es deuten
wie man will / sagte Vologeses / und gab ihm den Brieff zu lesen; welcher darauff
anfing: Sihet dann GrossFürst Herkules uns Parter vor solche Leute an / die kein
Kriegsrecht gelernet baben? man hat mir nicht gesagt / dz die beiden Gefangene
verwundet sind / sonst wollte ich sie schon haben verbinden lassen. Aber ihre
Königl. Hocheit tähte sehr wohl /sagte er / wañ sie dieselben entweder gar nicht
vor sich liesse / oder ihnen mit freundligkeit freien abschied gäbe. Das erste
ist schon zuspät / sagte Vologeses / massen unser König ihnen schon bedräulich
zugeredet hat. Das ist mir leid / antwortete er / inbetrachtung des grossen
verlustes / welchen wir heut eingenommen; und ich ihn doch mit nichten unsern
Völkern / welche sich in warheit tapffer gnug bezeiget / zulegen kann / sondern
dem Unglück / welches uns dieser beider fremden Fürsten feindschaft auffgebürdet
hat. Und O wollte der Himmel / dass wir mit denen möchten verglichen sein / der
Perse und Mede sollten ihren Hochmuht bald sinken lassen. Kan aber solches nicht
geschehen / möchte ich wünschen / wir hätten diese Stunde einen ehrlichen
Vergleich mit den Auffrührern; dann wo unser verfolg nicht glücklicher ablauffen
wird als der Anfang / wird die Erhaltung des Partischen Stuels nicht Menschen /
sondern den Göttern zuzuschreiben sein. Doch wird man hievon zur andern Zeit zu
rahtschlagen haben / da Königl. Hocheit Wille und Befehl die einige Richtschnur
meines verhaltens (so viel in meiner Kraft ist) sein soll; vor dissmahl werden wir
des Gebohts erwarten / wie es mit diesen Gefangenen solle gehalten werden. Es
verdross zwar Artabanus diese Rede nicht wenig / als welche zur wiedererlangung
der Fräulein gar nicht vorträglich wahr / durfte sich doch dessen nicht merken
lassen / weil Pakorus im ganzen Reich ein sehr grosses ansehen hatte; gab auch
vor dissmahl ihnen beiden die Freiheit / mit diesen beiden Gefangenen (denen
sonst billich die Zunge sollte aussgeschnitten werden) nach willen zuhandeln. Da
setzete sich nun Vologeses nider in seinem Zelt / schrieb eine Antwort an
Herkules / und schenkete dem Trometer 100 Kronen; sendete doch den Brieff bei
seinem Leib Trometer in dieses Gesellschaft fort / welche / fehlete nicht viel /
auff diesem kurzen Wege von den Scheltworten zun Schlägen geschritten währen.
Pakorus liess inzwischen Leches und Klodius Wunden besichtigen / welche wenig
zubedeuten hatten. Artaxerxes empfing nach gehaltener Schlacht unsere Helden
überaus freundlich / dañ er hatte auff einem hohen Elefanten ihr wolverhalten
gutenteils gesehen / wusste auch dass die beide vortreflichste FeldHerrn Kartasis
und Pandion durch ihre Hand erleget und gefangen wahren. Sie wollten als Obsieger
von der Wahlstat nicht weichen / sondern schlugen daselbst ihr Lager / liessen
die Zelten auffrichten / und alsbald mit einem Graben umbgeben / welches in zwo
Stunden fast geschehen wahr / uñ die Gefangene mit höchster verwunderung ansahen
/ denen aller guter wille als Freunden / so wohl von Artaxerxes und Phraortes /
als von unsern Helden erwiesen ward. Ihre Wunden wahren bald anfangs auffs
fleissigste versehen; insonderheit stellete Artaxerxes sich höflich gegen den
Skyten / uñ Indier / dann sie wahren vor dem in der Jugend mit ihm unter einem
Obersten / Ritmeister gewesen. Kartasis aber steckete es ihm nicht unter die
Bank / sondern sagte dürre heraus; Versichere dich Herr Bruder / dass deine Menge
den endlichen Untergang von dir nicht würde abgekehret haben / wann der kleine
teutsche Hauffe mit ihrem GrossFürsten nur ein halbviertelmeilichen von dir sollte
gewesen sein. Gut Herr Bruder /antwortete er / stinken dieselben deinen Skyten
so gewaltig zu / muss ich mit meinem H. Bruder GrossFürst Herkules handeln / dass
er sie dir nicht lasse nachhauen / wann du nun Morgen nach Charas wohl gar zu
fusse wirst neben dem Wüterich hertraben müssen / dem du nit ohn beleidigung
unser Freundschaft deine Dienste wieder mich angebohten hast. Pandion / der
etwas frecher wahr / ersetzete dieses also: Ja Herr Bruder / wann nun dieses
geschehen sollte / wem würde dann die Ehre des Sieges sein? würde man alsdañ
nicht sagen; GrossFürst Artaxerxes aus Persen ist kek durch andere Leute? wie er
dann freilich ist. Aber wie wirds fallen / wann diese SchuzGötter abzihen
werden? Ich rühme mich des beistandes meiner geträuen Freunde / antwortete er
/und ihre Ehre zubefodern / soll mein Gut und Blut mir nit zu lieb sein; wir
wollen aber diese SchuzGötter bei uns behalten / und dem einen den Partischen;
dem andern den Indischen Reichsstuel erstreiten helffen; dann der HochFürstl.
verbundnis Vorsaz geht nicht weiter / als den Partischen Hochmuht zu dämpffen
/ und an dessen statt einen König zusetzen /der seine Fürsten nicht als
Leibeigene / sondern als freunde hält. Herkules trug unwillen an diesem Gespräch
/ und gab er Kartasis zur Antwort: Meine Herrn; sie nach ihrer alten
brüderlichen Kundschaft haben dieser Scherzreden gute Freiheit / sonsten wann es
zur ernstlichen verantwortung kommen sollte / müste ich trauen zeugen / dass nit
allein meine wenige Leute / sondern auch andere sich redlich gehalten; zweifele
auch nicht / es hätte GrossFürst Artaxerxes durch seine Völker eben dasselbe
verrichtet / was durch anderer zuzihung geschehen. Es wahr von Artaxerxes
befohlen / dass alle die bei Leches so schändlich gehalten / sollten Wehrloss
gemacht / und hingeführet werden / dass sie in der Gefangenen gegenwart der
zehndeteil gehenket / die andern aber alle zur ewigen Knechtschaft verstossen
würden. Aber GrossFürstin Valiska brachte es mit ihrer Vorbitte dahin / dass aus
dem verurteileten zehndenteil der zehnde sollten zur straffe gezogen / uñ die
andern ihr geschenket werden; welche sie also anredete: Freilich habt ihr alle
mit einander den Tod wohl verdienet / weil ihr eure Führer verlassen / und aus
furcht davon gerücket seid; aber ich will euch vor meine FussSchützen bestellen /
und da in künftiger Schlacht ihr euch redlich halten /und den heutigen
Schandflek abwischen werdet / soll alles gebüsst sein. Vor welche Gnade sie
einen demühtigen Fussfall tahten / und nachdem sie auffs neue in äid genommen
wahren / sich verbunden / entweder ehrlich zusterben / oder das Verbrechen
einzuhohlen; da endlich Valiska auch die andern verzehndeten biss auff drei
Köpffe verbaht. Vologeses und Pakorus tahten Leches und Klodius gütlich /
stelleten ihnen ihr Gewehr / Waffen und Pferde zu / und liessen sie in
begleitung 50 Partischer Reuter nach Artaxerxes Lager zihen; machten sich
hernach wieder nach Artabanus / und frageten / wie ihre Königl. Hocheit es nach
diesem wollte gehalten haben; Weil er aber ihre Meinung zuvor hören wollte / liess
Vologeses alle FeldHerrn hinzu fodern / da er also anfing: Es ist das Glük uns
heut sehr zuwieder gewesen / da des feindes Schwert über den halben teil unser
Reuterei nidergehauen und hart verwundet / insonderheit / welches zubeklagen /
fast das ganze Skytische Heer / und das Indische zugrunde gerichtet hat / da
wir doch meinten / sie allein währen gnugsam / des feindes Macht zubrechen. Ich
weiss nicht / wie so gar alle dinge der veränderung unterworffen sind / und ein
jeder seinen Meister findet; dañ wo vor hat Kartasis mit seinen versuchten
Reutern sich bisher gedemühtiget? oder wo ist er nit durchgebrochen / wo er
ernstlich angesetzet? Und vor dissmahl hat eine geringe handvol Volks ihm fast
den Garaus gemacht. Ich schreibe den Persen nichts häuptsachliches zu / ob sie
gleich umb ein grosses sich gebessert haben; ihres Gebeins sollte nicht übrig
sein / wann Herkules und Ladisla mit ihren wenigen Teutschen und Römern (dann
die Böhmen haben nicht eins getroffen) ihre Vormaur und Schuz nicht gewesen
währen. Nun ist gleichwol die Partische Macht hiedurch noch nicht gebrochen /
aber doch zimlich geschwächet / welches ich freilich der himlischen Verordnung
zuschreibe / die uns sehen lässet / das alles Irdische der Verwandlung
unterworffen sei. Vor dissmahl werden wir allen unsern Wiz / Krafft uñ vermögen
anzuwenden habe / wie die empfangene grosse Wunde zuverbinden und zuheilen sei /
da wir unter zweien Wegen gewisslich einen zuwählen haben; nehmlich den Streit
Morgendes Tages fortzusetzen / oder einen kurzen anstand der Waffen zu machen;
dann ein völliger Vertrag scheinet noch zur Zeit allerdinge unmöglich. Sol ich
nun mein Herz aussschütten / und vor meinem grossgebietendem Könige und diesen
verständigen FeldHerren / als unsers Reichs Seulen / meine unverfängliche
Meinung sagen; so ist gewiss / dass der Sieg an unser seiten nicht allein misslich
/ sondern fast unmöglich sein wird / inbetrachtung dass unsere Feinde uns nunmehr
ohn zweifel an Reuterei überlegen sind / und wir bloss allein auff unsere übrige
Parter uns zuverlassen haben. Wolte aber jemand einwenden / wir könten von
unserm Fussvolke ein halb hundert tausend Mann beritten machen; gebe ich solches
zwar nach / halte aber davor / es sei vor dissmahl dem Partischen Stuel nichts
heilsamers / als dass wir uns zurücke zihen /und uns an eine Enge legen / das
Heer gewaltig stärken / und den muhtigen Feind etliche Wochen auffhalten;
alsdann werden wir des sichersten spielen / und nicht durch unzeitigen Eifer
verwarlosen / was Kindes Kinder würden beklagen müssen. Jedoch / sollte Königl.
Hocheit ein anders gesinnet sein / und die anwesende Fürsten meinen Vorschlag
aus einigem grunde zu tadeln haben / will ich folgen wohin man mich haben will /
nur allein / dass meine Reden wohl erwogen / und als redlich und träuherzig
auffgenommen werden mögen. Artabanus merkete / dass die übrigen ihnen diesen
Vorschlag nicht übel gefallen liessen /wusste auch aus Pakorus vorigen Reden /
dass derselbe einer gleichen Meinug wahr / daher er niemand mehr wollte lassen zun
Worten kommen / sondern fuhr also fort: Wann die Auffrührer umb anstand anhalten
wollten / würden wir ihnen denselben nicht umb hundert Tonnen Goldes verkäuffen;
aber Vologeses dürffte ihnen denselben fast anbieten. Sind wir dann irgend schon
aus dem Felde geschlagen? oder sind wir so gar bloss von Kriegsleuten / dass wir
aus Noht dem Feinde weichen müsten? wir haben ja noch mehr als 300000 bewehrter
Mañ umb uns / und wissen / dass wir den Feind an der menge übertreffen / welcher
uns ja seines Bluts auch wird gegeben haben. So sind unsere Parter / der Kern
und aussbund unsers Heers noch zum Treffen nicht kommen / und wollten am Siege
verzagen? Ey mein Vologeses / lasts sein / dass wir eine Handvol Knechte mehr
verloren haben / als der Feind / sollte dass unsern Muht brechen? ja lasts sein
/dass die ganze Reuterei geschlagen währe; müsten wir deswegen uns vor den
abtrünnigen Buben in einen Winkel verstecken? der Regen beuget die Kräuter nach
der Erden / und drücket ihnen den Kopff nider /aber er teilt ihnen zugleich die
Krafft mit / sich wieder auffzurichten. Ein unverzagtes Herz muss auch wohl einen
Schimpff über sich nehme / aber es suchet sein Schart ausszuwetzen. So ist
demnach unser Vorsaz und Schluss / mit dem Lager eine gute halbe Meile hinter uns
zurücken / umb so viel bessern Raum zur morgenden Schlacht zugewinnen / und
daran zusetzen / was in unserm vermögen ist / was gilts / es werden Morgen die
himlischen Zeichen anders stehe als heut. Dass wir aber von anordnung der
künftigen Schlacht unsere Meinung sagen / so halten wir von dergleichen Treffen
nicht / da man mit zerteileten Völkern fechtet. Mañ lasse Morgen den hellen
Hauffen treffen / dann so dringet die Macht besser durch / insonderheit beim
Bogenstreit / in welchem die teutschen Wölffe ja so bald und leicht als die
andern können gefellet werden. Aber auch das gesamte Schwert dringet besser
durch /und ob dañ gleich an Feindes Seiten ein Fähnlein oder etliche guter
Knechte sind / können doch dieselben nicht allentalben zugegen sein / und
müssen endlich mit daran / wann die übrigen getrennet sind. Ist also nöhtig /
unsere Völker auffzumuntern und zu stärken. Zwar es hat ein teil der Reuterei
abgesattelt / aber die Pferde haben sich mehrenteils wieder nach unserm Lager
gewendet (wer wollte dass nicht vor ein glückes Zeichen rechnen) welche man mit
frischen Reutern von unserm Fussvolk freilich besetzen kann / ob wir gleich nicht
absehen können / warumb unser Feldmarschalk solches vor ungereimt hält. Die
Schlachtordnung zu Ross soll vor den Elefanten hergezogen werden / dass wann der
Feind sich nahet / man von oben her mit Pfeilen in sie schiessen könne. Unsere
Parter stelle man die halbscheid vorne an / die werden vor andern ihrer
Mannheit und Pflicht eingedenke sein /und den Ohmächtigen Weichlingen den Sold
ihrer Auffruhr geben. Nun wird hiemit unserm lieben geträuen Vologeses befohlen
/ anzusagen / wie ihm dieser Vorschlag gefalle. Dieser wegerte sich zu antworten
/ ehe Pakorus nebest Vonones und Osazes ihre Meinung angezeigt hätten. Artabanus
musste damit zufrieden sein / und erläubete Pakorus zu reden / welcher
ungescheuhet sagete: Er merkete wohl / dass wer sichere uñ heilsame Rahtschläge
vortrüge / dürfte fast darüber in verdacht der kleinmühtigkeit fallen; könnte
aber dannoch nicht umbhin / zubekennen / dass Fürst Vologeses dasselbe
eingeführet / worauff sonder zweifel des Partischen Reichs Wolstand beruhete.
Ihre Königl. Hocheit möchte sich allergnädigst erinnern / was neben Fürst
Vologeses er bei erster zubereitung zu diesem Kriege als nohtwendigkeiten
eingeführet hätte; man müste sich nicht nur auff eine Schlacht / sondern auff
einen Krieg schicken; man müste ein Heer ins Feld führen / und das andere zum
Nohtfall fertig haben; man müste einen gelegenen sichern Ort kiesen / dahin man
/ wans die ärgeste Hand gewinnen sollte / sich zihen und von neuen stärken könnte;
dass alles währe verworffen und verachtet. Nun stünde zwar der Partische Stuel
bisher feste / aber er stünde gleichwol nicht im Himmel / sondern auff der Erden
/ da er durch Unglück (welches die Götter ja verhüten wollten) könnte umgestossen
werden; möchte demnach gerne wissen / dass wann die morgende Schlacht unmahl
fallen sollte / welches in der Götter Händen stünde / wie mans doch alsdann
weiter anschlagen wollte; ja wie man des Königes einzigen Leib in sicherheit
bringen / und aus der Feinde Klauen erretten wollte. Hierauff würde man noch wohl
können bedacht sein / wann man etwas Zeit hätte / weil mans bisher nicht hätte
achten wollen / aber die bestimmte und schon geschlossene morgende Schlacht
verhinderte solches alles / dass man auff nichts könnte gedenken / als wie die
Völker in höchster Eile ohn Nachtruhe möchten verstärket werden; sollte demnach /
zur gewinnung der teuren Zeit sein Schluss dieser sein / dass wann sein König bei
voriger Meinung verbliebe / wollte er sich redlich erkläret haben / bei demselben
zu leben und zu sterben. Die andern erbohten sich eben dessen / welches auch
Vologeses wiederhohlete / und mit diesem Wunsche beschloss / dass die Götter es
schicken möchten / dass nach verlauff 24 Stunden er mit fuge und warheit vor den
schlimesten Rahtgeber und unverständigsten Kriegsmann könnte gescholten werden.
Artabanus wahr sehr froh / dass der Schluss also fiel / und seinen blinden
Begierden ein genügen geschahe / dann er wahr schier Sinnloss vor Liebe / und
hatte ihm steiff eingebildet / es müste ihm seine Herkuliska wieder werden / und
der Feind untenliegen. Er wollte alsbald anordnung tuhn / woher das Fussvolk sollte
verstärket werden; aber es erhub sich im Vorlager ein grosses freuden Geschrei /
und als man nach der Ursach fragete / kam Kartasis daher geritten / dem seine
überbliebene Leute diese Ehre antahten. Der König liess ihn alsbald zu sich
fodern / erfreuete sich seiner ankunft / und fragete / wie es ihm vorstünde /
und ob er auch von den Abtrünnigen und Fremden währe beschimpffet worden.
Worauff er diese Antwort gab: Grossmächtigster König; ich scheuhe und schäme mich
nicht zubekennen / dass ich des allervortreflichsten und unvergleichlichen Helden
/ des teutschen Herkules Gefangener gewesen /und von ihm in einem auffrichtigen
absonderlichen Kampffe ritterlich überwunden und Krafftloss gemacht bin / dann
ich habe an ihm meinen Meister funden /den allerbesten Kämpffer / verständigsten
FeldHerrn und leutseligsten Fürsten / dessen Tugend und Frömmigkeit der Welt
beherschung gnug fähig ist. Er hat mich nicht als einen Gefangenen / sondern als
einen Freund und Bruder gehalten. Das erste Geboht an seine Leute / da er mich
gefangen fortschikte / wahr /dass man mich ehrlich halten und redlich verbinden
sollte. Nach geendigter Schlacht / hat er mir die Persische Kriegsmacht gezeiget
/ die trauen nit zuverachten / ja schwerlich zuverbessern / aber viel anders als
auff Persisch angestellet ist; und hat eure Königl. Hocheit sich zuversichern /
dass ob sie gleich auch gute Völker eingebüsst / dannoch ihr KriegsHeer sich
auff die 300000 Köpffe wehrhafter guter Mannschaft erstrecket. Sonsten schwöre
ich / das kein verächtliches Wort aus dieses Helden Munde gangen / dadurch eure
Königl. Hocheit / oder deren Leute möchten beschimpffet sein; Ruhmretigkeit
hörete ich ja so wenig von ihm / sondern er stellete sich / ob wüste er von dem
Treffen nicht dass allergeringste. Alles sihet auff ihn / alles höret ihn / alles
fraget ihn / als währe er alles. König Ladisla hanget ihm an als eine Klette
/und wahr überal vergnüget / da er seinen Herkules frisch und gesund aus der
Schlacht kommen sah /welcher sich gleichwol etwas unwilliger über eure Königl.
Hocheit vernehmen liess / weiss nicht / wegen wess empfangenen Schimpffes / wiewol
mit wenigen und unschimpflichen Worten. Darf ich meine Meinung sagen / so
gedünket mich / es streiten diese beide Helden wieder uns ohn feindseligkeit /
und wir reizen sie ohn gnug wichtige Ursachen zu unserm verderbe / welches uns
wenig Vortel bringen dürffte. Ich rede dieses nicht / als währe ich Persisch /
das ist /träuloss worden / dann an Partischer seiten habe ich mich verbunden zu
leben und zu sterben. Dass ich aber die Tugend auch an den Feinden rühme / wird
mir niemand verargen; aber ich weiss nicht / ob ich diese beiden Helden vor
unsere Feinde halten soll. Sie gestehen / ich habe ihnen den grösten Schaden
getahn / noch bin ich von ihnen als ein Freund geehret / ungeachtet eurer
Königl. Hocheit sache ich ungescheuhet behäuptet / und des Persen abfall
gescholten /wobei sie sich gestellet ob ginge sie das Häuptwesen gar nicht an.
Der Perse hat schon viel Höfligkeit von ihnen gelernet / welches er sehen liess /
in dem er mein Vorbringen teils grossmühtig / teils scherzhaft beantwortete /
auch teils mit stille schweigen vorbei gehen liess; nur dieses meldete er
ausdrücklich / er möchte GrossFürst Herkules den Partischen / und Könige Ladisla
den Indischen Reichs Stuel wohl göñen und gewinnen helffen / welches sie doch /
dem äusserlichen ansehen nach / beide nicht achteten. Als wir in Gesellschaft
redeten / trat die Göttliche Valiska /GrossFürst Herkules Gemahl in das Zelt /
eine Fürstin / deren gleichen der Erdbodem schwerlich gezeuget hat; ihr gang
wahr züchtig / ihr ansehen über menschlich / ihre schöne himlisch / ihre Rede
mit der allerlieblichsten Demuht vermischen doch so kräftig / dass kein Pfeil so
scharff durchs Fleisch dringet / als ihre Honigsüsse Worte durch die Seele der
Anwesenden. Artaxerxes ehrete sie als seine gebietende Königin; Phraortes / den
sie ihren Vater nennete / hielt sich vor ihren Diener; der junge Arbianes in dem
ein guter Landsknecht stecket / wartete ihr auff; der Römer Fabius / der seinen
Feind wohl sehen mag / setzete ihr den Stuel; sie aber sagte zu ihm: Mein Herr
Bruder /ich habe viel einen sanfteren Siz auff meines teuren Herkules Schosse;
taht sich auch zu ihm nicht anders / als ein Kind zu seiner Mutter; So liess
hingegen er nicht weniger spüren / wie hoch er dieses Kleinot der Welt hielte /
in dem er beide Hände in ihre Schoss legete / und mit ihren allerzartesten
Fingern lieblich spielete; dessen er von ihr einen anmuhtigen Kuss zur vergeltung
bekam. Sie hatte bei ihrer ankunft uns Gefangene schon mit dargebohtener Hand
sehr freundlich empfangen / und jezt fragete sie mit gebehtener verzeihung nach
unsern Nahmen / welcher von Artaxerxes genennet / und ihr zugleich freie
anordnung über unsere erlassung gegeben ward; da sie mir sagete; Berühmter Herr
Kartasis euer Unfall ist mir leid /so wohl der Verwundung als Gefängnis halben /
und wann es in meinem Vermögen währe / wollte ich allen Partischen Völkern auff
der Wahlstat das Leben wieder einblasen / so geneigt bin ich eurem und meinem
Könige / vor die vielfältige mir erzeigete Woltahten / und müste mir leid sein /
wann ihm an seiner Gesundheit etwas wiedriges zustossen sollte. So seid nun
gebehten / Herr Kartasis / und nehmet von mir eure vorige Freiheit an; ich
begehre zur wiederkehr dieses gute Willens von euch nur diss / dass ihr den König
meinetwegen Freund- und Kindlich grüsset /und dz seine Hocheit ich sehr bitten
lasse / dieselbe wolle fortin sich weiters nicht bemühen / meinen
allerteuresten Schaz Herkules und mich / in unser ehelichen Liebe zustören /
dann alles sein tichte / welches er hierauf wendet / ist vergebens uñ umsonst.
Und so wahr dieses Fleisch uñ Blut ist (die Hände zusamen drückend) soll kein
einiges Mañesbilde mich zu seiner Liebe bringen / als dieser mein Gemahl /
GrossFürst Herkules; derselbe ist der erste / dem ich mein Herz ergeben / und soll
auch der einige und der lezte sein /dass mag König Artabanus mir woltrauen. Mich
tauret von Herzen / fuhr sie fort / dz euer König mit seinen Fürsten so hart
über den Fuss gespannet ist / und ich kein Mittel weiss / diese Feindschaft
beizulegen tuht mir auch leid / dass er noch nicht ablassen kann / meinen H.
Bruder und meinen Gemahl zubeleidigen / die er noch diesen Morgen (welches sie
selber noch nicht wissen) durch einen Brieff von GrossFürst Artaxerxes hat
dürffen zur straffe abfodern lassen. Jedoch würden sie ihm auch diese und andere
unbilligkeiten verzeihen / wann er sich im Häuptwerk könnte finden lassen / und
meinen guten Raht' annehmen / dass er sich mit seinen Fürsten verglieche / und
uns andern unsern freien Willen gönnete; welches ich doch nur vor mich rede /
dann ich menge mich in so hohe sachen nicht ein. Als sie dieses gesagt; warff
sie mir diese güldene Kette umb den Hals / steckete mir diesen Ring an den
Finger / und nachdem einwolgesatteltes Pferd herzugeführet wahr / setzete sie
dieses hinzu; ihr werdet /Herr Kartasis dieses geringe / als ein Pfand meines
guten willens zum gedächtnis behalten / und stehet euch frei / bei uns euer
Gesundheit zupflegen / als bei wahren Freunden / oder nach eurem Lager zureiten
/ da ihr dem Könige meinen Ehrengruss vermenden wollet / und dass in gebührlicher
Zucht ihrer Königl. Hocheit Dienerin ich allemahl verbleibe. Aus dieser
Erzählung / sagte Kartasis / sihet eure Königl. Hocheit / wie mirs in meiner
Gefängnis ergangen /und wessen die Fremde gegen sie gesinnet sind. Artabanus /
der durch dieses vorbringen die Eitelkeit seiner Begierden billich hätte sollen
erkennen / ward durch das Lob der GrossFürstin nur in seiner närrischen Liebe
gestärket / bildete ihm auch eine lautere unmögligkeit ein / zu leben können /
wo er ihrer Schönheit nicht geniessen sollte; daher er in seinem Vorhaben die
Schlacht fortzusetzen / nur steiffer verblieb / unter der Hoffnung / sie in
seine Gewalt zubringen; meinte auch / es währe eine sonderliche schickung der
Götter / dass sie bei dem Zuge sich finden liess. Diesem nach befahl er Vologeses
/ die Völker fertig zuhalten / dann er wollte ohn Häuptstreit nicht weichen. Aber
auff Kartasis Vorbringen gab er zur Antwort: Es nehme ihn gross wunder / dass er
an derer feindseligen willen zweifeln könnte / die nicht allein bei den
Auffrührern sich auffhielten / sondern mit Raht und taht ihnen behülfflich / und
in allen Schlachten die födersten währen / denen er doch die allergeringste
Ursach zum Wiederwillen nicht gegeben / sondern das Fräulein zum Königlichen
Gemahl begehret / ihnen aber die grösten Fürstentühmer auffgetragen / und
schrifftlich versprochen; welches alles von ihnen hönisch verspottet uñ
aussgeschlagen währe. Das Fräulein / welche er des diebischen Räubers Gemahl
nennen dürffte / hätte ihm eheliche Träue gelobet / und sich nie no comma?
verlauten lassen / dass sie sich mit einem andern verbunden / aber wohl / dass sie
der Göttin Vesta verlobet währe; wollte deswegen solchen Raub und ehebruch an dem
Bösewicht rächen / obs ihm gleich sein halbes Königreich kosten sollte. Hierauff
fing er an sich nicht anders zugeberden / als ob er besessen währe; dann die
Begierde nach der so hochgerühmten Schönheit machte ihn schier zum Narre; bald
erfolgete drauf eine heftige Wuht / dass er allen seinen Göttern es verweisslich
vorhielt / dass sie eine solche diebische Taht an dem Räuber könten ungestrafft
lassen. Endlich brach er auch los wieder Artaxerxes / darumb / dass er dem Räuber
Unterschleiff gäbe / und ermahnete die Anwesenden / sie möchten doch nicht
gönnen / dass Partische Ehr und Hocheit so liederlich geschändet würde / und
zwar von denen /die ihnen weder an Macht noch Adel / noch verstande im
geringsten gleicheten; er vor sein Häupt wollte lieber tausend Leben dran setzen
/ wann er sie hätte / als eine Stunde Persische übermuht dulden. Ob sie nicht so
wohl Fäuste uñ Gewehr hätten / als die Feinde; warumb sie doch dañ den Muht so
leicht sinken liessen? Als seine KriegsFürsten diese Erklärung höreten / und
sahen / dass ihm die Trähnen nicht ferne wahren / verbunden sie sich
untereinander zu Siegen oder zu sterben. Insonderheit erbohten sich zehn
trefliche Ritter hohes Standes / vor der Schlacht sich in absonderlichen Kampff
einzulassen / ob an Feindes Seiten sich etliche hierzu finden würden; welches
der König mit sonderlicher Freude vernam / und auff Herkules und Ladisla zehn
tonnen Goldes und ein Fürstentuhm setzete; wiewol Vologeses nicht unterlassen
kunte / den König zu bitten / es diese Nacht reiflich zuerwägen /ob er solches
einzelne Gefechte zulassen wollte / er vor sein Häupt zweiffelte nicht / man
würde damit nur Schimpff und Spot einlegen; welches aber dem Könige so übel
gefiel / dass er ihn mit höhnischen Worten angriff: Ob er dañ meinte / dass allen
seinen Helden das Herz in die Füsse geschossen währe. Worauff er kürzlich
antwortete: Des Königes Wille geschehe /und die Götter geben dass er gut und
heilsam sei / ich aber zum törichten Lügener werde. Pakorus baht zugleich mit /
es möchte der König nichts aus unzeitigen oder erhitzeten bewägungen vornehmen /
als welche selten wohl ausschlügen; aber da wahr alles den Tauben geprediget.
    So bald der Partische Trometer im Persischen Lager ankam / lieferte er
Herkules das überschikte Schreiben ein / der solches in der andern gegenwart
erbrach / und es seiner Gemahl laut zulesen reichete /welches dann also lautete:
    Dem Durchleuchtigsten GrossFürsten / und hochberümten Persischen
Feldmarschalk / Herrn Herkules / erwiedert Vologeses freundlichen Gruss / welcher
nicht gemeinet / dass die Unwissenheit mit Gefangenen umbzugehen / ihm hätte
sollen zugelegt werden. Meine Feindschaft erstrecket sich ausser dem
Fechtplatze nicht / deswegen befinden sich die Gefangenen nach ihrem Willen; und
wann ihre Wunden und Mattigkeit nicht Pflaster und Laabsaal erfoderten / sollten
sie bei euer Liebe schon angelanget sein / dessen sie sich zu mir wohl versehen
mögen. Unsere Leute zuerlösen wird man sich nit wegern / so bald man der
Anfoderung berichtet ist / an deren guter Verpflegung mir zuzweifeln nicht
gebühren will. Was der morgende Himmel gibt / will ich mit annehmen. Ich / nebest
Fürst Pakorus / Vonones und Osazes grüssen eure Liebe dienstlich hinwiederumb /
und werden wir Gelegenheit suchen / Morgen in meinem / oder euer Liebe Zelt das
Abendmahl mit einander zuhalten. Inzwischen erbieten wir jeztgenante euer Liebe
/ ausser dieser Fehde / uns zu allen bereitwilligen Diensten / welches auff
begehren und vor sich selbst meldet und schreibet /
                                                                       Vologeses
    Valiska lachete der Höfligkeit und sagte: Wolte Gott / dass diese Fürsten
ihren überflus dem Könige mitteilen könten / sollte weiterer Feindseligkeit es
nicht bedürffen; aber als viel sie zu verstehen geben /wollen sie mit der
heutigen Schlappe nicht friedlich sein. Leches und Klodius kahmen auch an /
erzähleten des Königes Grobheit und rühmeten Pakorus Leutseligkeit; auch wie
träulich er neben Vologeses sich ihrer angenommen / und sie endlich gar auff
freien Fuss gestellet; welches Artaxerxes so wohl gefiel /dass er die GrossFürstin
baht / Herrn Pandion / Oxatres und Mitridates in begleitung 200 Persen zihen
zulassen; wie dann geschahe / und der Trometer 200 Kronen von Herkules bekam.
Als diese Begleitung sich wieder einstellete / zeigeten sie an / man hätte sie
nicht nahe an dess Feindes Lager wollen kommen lassen / sondern die Gefangenen
etliche Steinwürffe vom Lager eingehohlet / und sie geheissen in gutem friede
zurück reiten; sie hätten aber einen gewaltigen Aufflauff im Lager gemerket / als
währe man zum Auffbruch geschäfftig gewesen. Tyriotes ward deswegen mit 1200
Reutern aussgeschikt / auff der Parter Vorhaben zu achten / welcher bei spätem
Abend wieder kam / und berichtete / der Feind hätte sich eine halbe Meile zurück
gezogen / und einen bequemen Ort zum Lager genommen / ohn zweifel / dass man
auff Morgen Raum zur Schlacht haben könnte. Daher man an dieser Seite die Völker
speisete und zur Ruhe hinliess / auch die das hinterste Lager besezt hielten /
abfoderte / und die geschwächete Reuterei von den Fussknechten ersetzete / so dass
Pharnabazus 8000 seines Fussvolks; Phraortes 6000 beritten machte. Hierzu wurden
noch 3000 Drangianer / 2000 Assyrer / 3850 Hirkaner / 11000 Arische / 2000
Margianer / 5000 Baktrianer / 10000 Persen / Fussvolks / und 240 von den
versuchtesten Wagenknechten beritten gemacht mit welchen die Reuterei ersetzet
180000 Mann ausstrug; dahingegen das Fussvolk mit 11150 Trossbuben vermehret ward /
welches in 120000 Köpffen bestund; ein wolgeseztes Heer von 300000 Mann. An
Partischer Seite stärkete man die Reuterei ebenmässig / und wurden vor erst die
Skytischen Fussknechte 16500 auff Pferde gesetzt / und mit den annoch übrigen
8000 gesunden vereiniget / die 14000 Indier zu fusse nahmen auch Pferde / und
gingen zu ihren übrigen 6000 Landsleuten. Von den Partischen und geworbenen
Fussknechten wurden überdass noch 68300 Mann aussgelesen / die wohl ehmahls zu
Pferde gedienet hatte oder sich in der Schlacht darauff zubehelffen wussten / dz
die Reuterei 210000 Mann stark wahr; und weil aller umbliegenden Dörffer Flecken
und Städte Inwohner aussgewichen wahren / und sich bei dem Partischen Heer
auffhielten / wurden daraus 44800 Kriegsdüchtige genommen / und unter das
Fussvolk verteilt / das solches auff 140000 Mann ausstrug / ein Heer von 350000
Kriegsleuten. Artaxerxes hatte viel überlauffs von seiner Reuterei / dass ihnen
die Plunderung möchte gegönnet werden; aber sie wurden biss auff folgenden Tag
nach geendigter Schlacht hin gewiesen / mit dem Versprechen / dass weil sie heut
allein ohn das Fussvolk gefochten / sollte ihnen allein auch diese Beute
vorbehalten werden; womit sie sich gerne befriedigen liessen / und die Obersten
daher ein gutes Zeichen nahmen des künftigen Sieges. Des folgenden Morgens
machten sie beiderseits ihre Ordnung gar früh; die Persische Reuterei ward in
zween Hauffen gesezt; den Linken nahmen Ladisla und Fabius / weil seine Römer
ihn entweder bei sich haben / oder mit ihm zu fusse streiten wollten / daher man
ihnen das erste gerne einwilligte. Bei ihnen wahren Markus / Neda und Tyriotes /
mit 6458 Römern / 5743 Böhmen / 29891 allerhand zusammen gelesenen aus dem
Fussvolk / und 47908 von den vorigen gesunden / allerlei Landes art. Den rechten
Flügel führete Herkules / und hatte bei sich / Ritter Wedekind / Bubazes /
Leches und Klodius; wiewol diese beide wegen ihrer Wunden nicht fechten kunten.
Seine Völker die er anführete / wahren alle gesunde Teutschen 5801 hiebei 21200
aus dem Fussvolk gesamlete / und 63000 von der gestrigen Reuterei; dass also ein
jeder Flügel 90000 Köpffe starck wahr. Das Fussvolk ward in drei Hauffen gesezt;
den ersten hatten Artobarzanes und Gallus / 34000 Mann; den andern Pharnabazus
und Prinsla / 36000; den dritten Artaxerxes und Arbazes 43000. Phraortes blieb
bei den Elefanten mit 5000 Schützen / und ward Fr. Valisken ihr absonderlicher
mit 2000 Persen umbgeben. Das Lager mussten die Verwundeten Reuter verwahren.
    Vologeses wahr nicht minder geschäfftig / das Königliche Heer ins Feld
zusetzen. Die Reuterei teilete er unter Vonones und Osazes gleich; dieser bekam
24500 Skyte / 48000 versuchte Parter / und 32500 vom Fussvolk aussgelesene.
Vonones wurden 20000 Indier / 39900 seiner gestrigen Parter / 9300 altgeworbene
Reuter und 35800 aus dem Fussvolk gesamlete zugestellet. Das Fussvolk ordente
Pakorus in drei Hauffen; den ersten führete Surinas 28250 versuchte /und 11750
ungeübete; den andern Orodes / 18000 versuchte / und 22000 ungeübete; den
dritten Pakorus selbst / 40000 geübete und 8000 unversuchte. Die 12000 Elefanten
Schützen blieben auff den Elefanten bei dem Könige / über welche Madates gesetzt
wahr. Artabanus ritte vor der Schlacht bei seinen Völkern umbher / rühmete ihr
gestriges wolverhalten / und reizete sie mit grossen verheissungen zur weiteren
Tapfferkeit an; insonderheit hielt er den Parten vor / ob sie bei so gestalten
Sachen die Fäuste sinken lassen /und den Persen gönnen wollten / ihren Stuel über
sie zusetzen? Alles was er in seinen Kleidern trüge /wollte er dran wagen / dass
solcher Schimpff den ädlen Arsaziern nicht begegnete; liess sich endlich
vernehmen / wie er auff eines jeden verhalten selbst und durch andere acht geben
/ und die Tapfferen reichlich belohnen wollte. Nachgehends rieff er die zehn
Ritter vor sich / die den Kampff anzutreten sich erbohten hatten / und nach
wiederhohltem Versprechen ermahnete er sie der Partischen Mannheit. Diese
schikten alsbald einen Heerhold an die unsern ab / welche in dieser Frühe schon
in vollem anzuge wahren / und weil Fabius den Vortrab hatte / ward ihm folgender
absags Brieff unversiegelt zugestellet:
    Fürst Intaphernes / Obrister Befehlichshaber über die Besatzung des
GrossKöniglichen Partischen HäuptSchlosses zu Charas. Fürst Tiribazus / Obrister
über 6000 Partische Reuter. Herr Ariarates / Obrister zu Ross und Fuss. Herr
Masistes Obrister zu Ross. Herr Oretes / Obrister zu Ross. Herr Ochus / Obrister
zu Ross. Herr Kosroes / Obrister zu Ross. Herr Xerxes Obrister zu Ross. Herr
Oribazus Obrister über 50 Elefanten; und Herr Kantibaris / Obrister über 40
Elefanten; alle und jede gebohrne Parter und geschlagene Ritter / versprechen
hiemit / ausserhalb Bogenschusses des Häupteers ohn arge List und gefährde /
auff der wahlstat mit gebührlichem Ritter-Gewehr / Speer und Säbel zuerscheinen
/ und einen absonderlichen Beweisstuhm ihrer Mannheit abzulegen / dafern an
gegenseiten jn- oder aussländische Ritter / Fürsten und HerrenStandes sich werden
finden lassen / einen ritterlichen Kampff mit gleichmässigem Gewehr einzugehen
/unter dieser Bedingung / dass der überwundene / welcher sich gefangen gibt / mit
gewöhnlichem Lösegelde sich frei machen soll / es währe dann / dass die hohe
Obrigkeit auff ihn zu sprechen hätte. Und werden die Kämpffer sich nicht wegern
/ ihren Nahmen hinwieder zu melden.
    Fabius brachte diesen Brieff selbst an Herkules über / und baht / seinen
Nahmen unter den Kämpffern mit anzugeben / da der Streit vor sich gehen würde;
aber Herkules redete ihm ein / es währe kein FeldHerr an Partischer Seite
geneñet / und er schiene gleichwol / dass sie Hoffnung hätten / er und sein
Ladisla würden sich finden lassen; wozu er sich aber / angesehen seines
tragenden Amtes / zu hoch hielte; welches Fabius auch bedenken möchte. Ritte
darauf alsbald nach Artaxerxes uñ Ladisla / wurden wegen der Gegenkämpfer / die
sich selbst anbohten / bald einig /und setzeten dieses Antwortschreiben auff.
    Herr Wedekind / Teutscher Reitter / GrossFürstlicher Erb-Kammer Herr /
Obrister über 2000 Teutsche Reuter. Herr Herman / Teutscher Ritter / und
Obrister über 1500 Schlachtschwerter; H. Neda / Ritter und Obrister über 3000
Bömische Reuter. H. Siegfried Teutscher Ritter und Obrister über 1000 Teutsche
Reuter. H. Prinsla Bömischer Ritter und Obrister. H. Marx Römischer Ritter
/Obrister über 500 Römische ädle Freireuter. H. Kajus Autronius Römischer Ritter
und Obrister Statverweser über 6000 Römische Reuter. H. Tyriotes / Ritter /
Obrister über 6000 Susianische Reuter. H. Arbazes Ritter /Obrister Statverweser
und Unterfeldmarschalk eines Persische FussHeers. Und H. Bubazes Ritter /
Obrister zu Ross und Fuss / und Befehlichshaber über die Besatzung des GrossF.
Persisches Häuptschlosses zu Persepolis /fügen den Partischen Aussfoderern zu
wissen / dass der Kampff von uns wieder sie unter vorgeschriebenen bedingungen
angenomen sei / jedoch / dass das Lösegeld eines jedweden nicht unter 4000 Kronen
gesetzet werde; auch allemahl nur zween sich schlagen / und dem Uberwinder frei
stehe / den andern / dritten / und so lange ihm gefällig / ausszufodern; alles
redlich und auff guten Glauben.
    Als der Heerhold dieses überbrachte uñ weder Herkules noch Ladisla sich im
Schreiben meldete / verdross es die Aussfoderer nicht wenig. Aber Ariarates sagte:
Fürst Vologeses und Pakorus haben dieses unserm Könige schon gnug zuvor gesagt /
dass so grosse FeldHerrn sich gegen niemand als ihres gleichen Beampten setzen
würden; so dürffen wir auch die genenneten Ritter ohn angezeigete Ursach nicht
verwerffen; weiss auch nicht ob wir ihren bedingungen uns entbrechen können /
nachdem sie unsere angenommen. Es wusste niemand zu wiedersprechen / nur dass
Intaphernes sagete: Ich gedenke / die Teutschen werden mit den ungeheuren
Schlachtschwertern ankommen / welches man ihnen / als unritterlich und dieses
Orts unsitlich nicht gönnen wird; im übrigen bin ich mit allem wohl zu frieden /
und da mirs misslingen sollte /will ich unter 8000 Kronen meinem Ansieger nicht
erlegen / weil ich merke / dass jene nicht allein umb die Ehre sondern auch umb
den Gewin spielen wollen. Tiribazus hielt vor rahtsam / dass dem Feldmarschalk
Vologeses der Antworts-Brieff schleunigst zugeschikt würde / ob etwan der
FeldHerren einer oder ander / an Herkules oder Ladisla die Aussfoderung legen
wollte; dann man sähe den Feind schon heran rücken. Vologeses machte sich mit dem
Schreiben nach dem Könige / welcher wenig freude daraus schöpffete / und den
Vorschlag taht / dass Pakorus und Osazes es wieder unsere Helden wageten. Aber
Vologeses legte ihm vor Augen / was vor Gefahr drauff stünde; weil vor erst die
Uberwindung sehr zweiffelhaftig; hernach auffs wenigste nicht ohn heftige
Verwundung würde erhalten werden; wann nun diese ihre beide Handfesteste
FeldHerrn vor der Schlacht zum Gefechte sollten undüchtig gemacht werden / könnte
solches ohn des ganzen Heers merklichen Schaden nicht geschehen; es währe viel
sicherer / diese fremde Fürsten im Treffen zufahen oder niderzulegen / als durch
einzelne Ritter. Also musste Artabanus sich hiemit befriedige lassen /unter der
Hoffnug / er wollte in der Schlacht ihrer mächtig werden. Inzwischen zohe das
Persische Heer fort / uñ hatten die zehn Kämpfer sich mit guten Speeren uñ
Schwertern versehen; Weil dañ ihre Aussfoderer die Bahn schon eingenommen hatten
/ ritten sie auch hinzu / und hielten die drei Teutschen an / dass ihnen der
Angriff möchte gegönnet werden; sollte es ihnen dann glücken / dass sie mehren als
dreien ansiegeten / wollten sie des Lösegeldes nicht mehr als auff einen Mann
geniessen; worin man ihnen nicht wiedersprechen wollte. Als nun Kantibaris die
erste Aussfoderung taht / welches er mit dem Speerwinken zuverstehen gab / ritte
ihm Wedekind frisch entgegen / und warff ihn im ersten Treffen herunter / sprang
ihm nach / und ehe er sich auffrichten kunte / fassete er ihn bei den Füssen /
schleppete ihn von der Bahn / riss ihm den Helm ab / uñ fragete / ob er sterben
oder 4000 Kronen geben wollte; welches ihm Mardus als Dolmetscher vortrug; dieser
aber zur Antwort gab; er liesse es bei der schrifftlichen Bedingung / und ward
von Neda nach dem Heer geführet. Wedekind setzete sich wieder auff / und
begegnete Oribazus / der ihm vorgenommen hatte sich besser zuhalten / aber nur
in Gedanken / dann der Teutsche wollte ihn nicht vom Pferde stossen / sondern im
vorbei rennen ergrieff er ihn beim Arme / und schleppete ihn bei dem Pferde her
/ da er ihn also hübsch davon brachte; seumete sich weiters nicht / sondern weil
Xerxes sich schon gestellet hatte / rante er ihm entgegen / warff dz Speer
hinweg und liess frisch auff sich stossen / fassete das Schwert / welches nicht
länger / aber dicker und breiter als die gewöhnlichen wahr / und schlug ihn
damit flächling über den Kopff / dass ihm schwinden ward /deswegen er ihn mit
sampt dem Pferde hinweg führete. Artabanus mit seinen Leuten sah diesen
spötlichen Handel an / uñ taht ihm der Schimpff so weh /dass ihm die Augen
übergingen. Vologeses aber sagte: Alles was aus unzeitigem Eifer vorgenommen
würde /pflegete solchen und keinen bessern Ausgang zugewinnen / und da ihre
Königl. Hocheit würde fortfahren / des Zorns sich an statt der Vernunft
zugebrauchen / würde das Spiel sehr bald zum Ende lauffen. Es würde sich der
König erinnern / wie träulich er diesen Kampff wiederrahten hätte; aber er währe
nunmehr fast abgeschrecket / weiter zu rahten / weil niemand besser und lieber /
als schädliche Schmeichler und unbesonnene Grosssprecher gehöret würden. Mann
sollte ja billich der Teutschen gestrige Tahten betrachtet haben; und wollte er
seines teils gerne eine Tonne Schatz drumb geben / dass das Spiel nicht
angefangen währe / welches ihr ganzes Heer verzagt /und die Feinde muhtig
machete. Endlich erklärete er sich mit dürren Worten / dafern ihre Königl.
Hocheit ihrer angenommenen jetzigen Art nach / weiters verfahre würde / wollte er
seines Dienstes erlassen sein /oder in Gegenwart des ganzen Heers sein Ampt
ablegen / und sich selbst darauff entleiben / damit er nicht der Feinde Spot
werden möchte. Der König durffte ihm nicht einreden / und wahr so betrübt / als
stünde der ganze Sieg auff diesem Kampffe. Hingegen lachete Artaxerxes das Herz
vor freuden / und sagte zu unsern beiden Helden / zwischen denen er zu Pferde
hielt: Nun habe ich mein lebelang solche Krafft und stärke an keinem Ritter
gesehen / und möchte nicht mehr wünschen / als dass unser einer unvermerkt bei
Artabanus stünde / umb seine Raserei anzuhören. Derselbe wusste nun nicht / wie
ers best angreiffen sollte; den annoch übrigen den Kampff zuverbieten wollte sich
nicht schicken / und sah doch vor Augen /dass sie alle an den elenden Tanz
müsten; dann Kosroes wahr schon der vierde von Wedekind überwunden / welcher im
ersten Stosse zwar herunter gestochen wahr / aber doch auff die Füsse kam / und
den Schwertstreit anfing / wiewol er nach wenig Hieben mit dem Leben bezahlen
musste; dann er schlug ihm das rechte Bein oberhalb dem Knie rein hinweg / dass er
zur Erden stürzete / wollte ihn aber doch nicht liegen lassen / sondern bei dem
andern Beine schleppete er ihn davon / lösete ihm den Helm auff / und sah dass
er schon mit dem Tode rang / gleich da auff Vonones Raht Mitridates mit 12000
Partischen Reutern lossbrach / und ein grosses Feldgeschrei machete / dass die
Kämpffer beiderseits sich etwas zurückzogen; aber Wedekind ermahnete seine beiden
Spiessgesellen / ihm zu folgen / setzeten unter die sechs Partischen Aussfoderer
mit ihren Schwertern tapffer hinein / dessen sich diese nicht versehen hatten /
und doch nicht aussreissen durfften / stelleten sich demnach zur gegenwehr als
gut sie kunten / insonderheit Intaphernes und Tiribazus samt Orodes hielten sich
wohl / aber Ariarates uñ Mafistes wurden im ersten anfal verwundet und von den
Pferden gestürtzet. Ochus währe gerne aussgerissen und fürchtete sich doch des
Schimpffs / bedachte sich eines andern / und fiel als ein Rasender an / dass er
auch Hermans Pferd niderhieb; aber es ward ihm nicht übersehen; dann Wedekind
schlug ihm die rechte Hand reine hinweg /so wahr auch Herman schon zun Beinen /
gab ihm vollends den Lohn / und sties ihm das Schwert in den Leib dass er vom
Pferde fiel / auff welches dieser sich gerade setzete / und mit seinen gehülffen
es so weit brachte / dass die übrigen fünffe alle hart verwundet sich ergeben und
mit ihnen reiten mussten; hatten also acht lebendige und zween todte gefangene /
welche sie doch mit sich führeten. Artabanus währe des handels schier tolle
worden / auch die übrigen wahren des leidigen fakles sehr betrübet; aber endlich
verwandelte sich die Traurigkeit in einen wütigen Eifer / dass sie alle schwuren
/ den Schimpff zu rächen / oder darüber zu sterben. Ey sagte Vologeses / dieser
Vorsaz gefället mir wohl / dass ich am Siege so gross nicht zweiffeln will / wann
wir nur die Vorsichtigkeit nicht bei seit setzen; und ist mir lieb / dass
Mitridates nit über befehl gehandelt sondern der Pfeile geschonet hat; wie er
auch nur einen blinden Lermen zu machen aussgeschicket wahr. Nun hatten sich aber
die unsern dadurch nicht schrecken lassen / sondern da er näher kommen währe
würde er schon seine Bestreiter angetroffen haben. Als er aber mit den seinen so
schleunig umbkehrete / erkenneten die unser daher / dass er nur /einen blinden
Aufflauff zu machen lossgebrochen wahr / umb den elenden Kampff auffzuheben. Bald
hernach ward Herkules gewahr / dass die Reuterei an Feindes seiten sich
zuhinterst weit von einander taht / deswegen er zu Artaxerxes sagte: Gewisslich
hat der Feind ein Stükchen mit den übrigen Streitwagen vor. So müssen wir ihm
begegne / antwortet er: Liess die Reuter / welche vor dem Fussvolk her sich
aussgebreitet hatten / von einander gehen / und foderte die bestelleten Wagehälse
mit den langen Spiessen / und mit dem Feur herzu / welche den Wagen / so
Gliedsweise zwanzig stark gingen / muhtig entgegen traten. Nun hatte aber der
Feind einen Rank erdacht / diesem Unheil vorzubauen / und geblendete Pferde
fornen an gespannet / welche der Fuhrman / so fornen auff dem Wagen sass / und
mit einem breiten Schilde bedecket wahr / gewaltig zerpeitschete / so bal die
mit dem Feur sich naheten / welches an etlichen verfing / dass sie durchbrachen;
deswegen Artaxerxes 500 gute Fussschützen ihnen an die Seite stellete / und gegen
sie über 600 / welche den Wagen so viel Pfeile entgegen schicketen / dass von den
100 vördersten und äussersten Wagen keiner wahr / an welchem nich gelähmete oder
erschossene Pferde sollten gewest sein / die Vermögenden aber durch ihr rük und
quer lauffen eine solche Verwickelung macheten / dass es abscheuhlich zu sehen
wahr; dann weil die hintersten und mittelsten fort getrieben wurden / und doch
von den vörderen eingeschlossen wahren / verwundeten sie sich selbst an den
scharffen Sensen / biss sie endlich in einem Klumpffen stecketen / und weder vor
noch hinter sich kunten; doch wahren im anfange 25 von den Persischen
Feurträgern teils beschädiget /teils gar umbgebracht / und macheten des Feindes
Schützen sich auch herbei / dass von den 500 der unsrigen / so zu den Seiten der
Wagen hergestellet wahren / nur 200 zurück kahmen / wiewol auch die Feinde 250 im
stiche liessen. Weil dann die Wagen nichts wirken wollten / taht Vologeses befehl
/ dass so wohl Osazes an der linken / als Vonones an der rechten Seiten den
Angriff mit Pfeilen tuhn sollten / also / dass wann sich der Feind ihnen würde
eiferig entgegen stellen / sie sich nicht zu weit vertuhn; da sie aber an ihrer
stelle halten blieben / sich ihnen nähern sollten /so dass sie sich dabei nach
mögligkeit schützeten. Diese brachen los und gingen getrost hinan / weil wegen
der zimlich weiten abwesenheit des Fussheers sie vor ihrem Geschoss sich nicht
fürchten durfften; als sie nun sich den unsern nahe gnug sein merketen
/drücketen sie heftig los / dass die Pfeile in grosser menge herzuflogen. Aber
Herkules und Ladista hatten die Anzahl der durchnäheten Pferdedecken diese Zeit
her auff 18000 gemehret / welche vor den Völkern mit breiten Schilden hielten /
und von den Pfeilen aufffingen was nicht überhin ging. Die aber hinter diesen
hielten / wirketen mit ihrem Geschoss ungleich besser / weil die Feinde mit
dergleichen beschützung sich nicht verwahret hatten. Noch hielten sie in diesem
unauffhörlichen Schieffen eine halbe Stunde an /biss sie endlich sahen / dass der
Verlust gar zu gross wahr / und deswegen den Abzug nahmen / nachdem an Seiten
Osazes 4600 von seinem neuen Zusaz erschossen / und 5400 eben derselben hart
verwundet /auch 12000 Pferde / teils Tod / teils hart beschädigt wahren. Vonones
verlohr 3560 seiner neuen Völker; 7040 wurden davon zum Gefechte undüchtig
gemacht / und über 8000 Pferde gefellet; dahingegen Herkules nur 530 verlohr /
und 1100 verwundet wurden / mehrenteils Meden und Susianer. Bei Ladisla
stürzeten etwa 1300 / und 980 wurden sehr schadhaft / mehrenteils Hirkaner und
Arische. Aber die breiten Schilde stecketen so voller Pfeile / dass die Reuter
sie schwere halben kaum halten kunten. Osazes liess an seiner Seiten 10000
Neugerüstete und 8000 alte Reuter unter Mitridates ungestüm gnug lossgehen;
neben ihnen her stürmeten die Skyten ingesamt auch auff Herkules an / unter
ihrem GrossObristwachtmeister Sargapises / der an des erschlagenen Arguntis
stelle gesetzet wahr / dann Kartasis kunte wegen seiner Wunden keinen Harnisch
führen. Herkules schikte Bubazes mit 12000 alten und 4000 neugesamleten jenem
entgegen; den Skyten musste Wedekind mit 2000 Teutschen / unter welchen 600
Schlachtschwerter wahren /und 15000 alten Reutern begegnen. Vonones liess seinen
Archelaus mit 9000 neuen und 10000 alten Reutern auff Ladisla angehen; denen
Neda mit 6000 neuen / 10000 alten und 1500 Böhmen sich wiedersetzete. Neben
Archelaus ging Paras Feldwachtmeister los mit 12000 neuen und 8000 alten
Völtern; gegen welchen sich Markus setzete mit 1000 Römern / 9000 neuen / und
6000 alten Reutern. Anfangs gab es an allen Seiten fast gleichmässige
Blutstürzung; Mitridates wahr ein verwägener Ritter / der seiner Leute wenig
schonete / wann er den Feinden schaden kunte / deswegen er auff Bubazes sehr
heftig anging / welcher dagege behutsam fuhr / und zu erst sich begnügen liess /
dass er die seinen vom hinterweichen abhielt; hernach mahnete er sein Häuflein /
dass umb ihn hielt / und 800 stark wahr / mit wenigen auff / frisch durch
zubrechen / welchen die andern blindlings folgeten; dann die gestrige / den 8000
aussgerissenen angedräuete straffe / warnete sie / dass vor dem Feinde sterben
ehrlicher währe / als durch Büttels Hand auffgeknüpffet werden. Und eben dieser
Vorsaz verzweifachete ihre Kraft / dass sie mit ganzer Wuht anfielen /und den
Feind endlich hinter sich trieben. Weil aber Bubazes mit seiner Leibschaar gar
zu eifrig nachsetzete / ward er nach zimlicher Verwundung gefangen /und
Vologeses zugeführet / der ihn alsbald verbinden liess. Seine übrige Völker
erfuhren solches etwas späte / hoffeten ihn noch wieder los zu machen / und
setzeten in den Feind mit solcher Krafft / dass sie nicht mehr bestehen kunten /
und Mitridates von einem tapfferen Medischen Obristen / nahmens Agabazus vom
Pferde geschlagen und hart verwundet nach Herkules gebracht ward / der ihn
Artaxerxes zusendete /und zugleich von Ladisla begehrete / dass er ihm Tyriotes
schicken möchte / nachdem es ihm an Heerführern mangelte. So bald derselbe ankam
/ musste er mit 2000 alten Reutern Bubazes hauffen zum Entsaz gehen / welche nach
Mitridates Gefängnis heftig gedränget wurden; massen die Partischen als
verzweiffelte Leute fochten / ihren Führer zu rächen. Aber Tyriotes ankunft
brach ihr Wüten / und setzete alles wieder in guten Stand. Zwischen Wedekind und
Sargapises ging es sehr scharff zu; dann diese wollten ihrer Landsleute Niderlage
rächen / und jene ihr Leben nicht wolfeil verkäuffen / daher die Blutstürzung
dieses Orts am heftigsten wahr. Die Teutschen mussten anfangs sich schonen / und
mit den andern Völkern die Skyten sich abarbeiten lassen / welches den Persen
schier zu schwer gefallen währe; aber sie wurden zu rechter Zeit entsetzet / da
Skyles ein sehr verwägener überaus armstarker Obrister unter den Skyten sich an
Wedekind machte / ihm das Pferd unter dem Leibe erschlug / und ihn selbst zu
fahen /alle bemühung anwendete; aber Wedekind kam zun Beinen und weil seine
Teutschen sich der eindringenden Skyten redlich erwehreten / und mit den
Schlachtschwertern sie abhielten / machte er sich an seinen Feind / der sich
fürchtete / er möchte ihm das Pferd gleichmässig erschlagen / deswegen er
abstieg /und weil er ohndass lieber zu Fusse stritte / ging er auff diesen zu /
als hätte er ihn gar fressen wollen /rieff auch mit erschreklicher Stimme /
dieses sollte sein lezter Tag sein. Aber weil Wedekind die Sprache nicht verstund
/ hielt er die Antwort vor unnöhtig /und empfing ihn dagegen mit seinem Schwerte
dergestalt / dass dieser schon merkete / er hätte seines gleichen antroffen.
Gleichwol hatte Skyles den Vortel /dass er ein länger Schwert führete / auch des
Schildes sich besser zugebrauchen wusste. Sie zudröscheten sich der massen / dass
weder Schild noch Waffen gegenhalten kunten; aber in diesem versah es der
Skyte / dass er bald im anfange sich zu sehr abmattete; dann als Wedekind seine
gelindere Streiche fühlete /drang er mit aller Gewalt zu ihm ein / unterlieff
ihm den Streich / uñ hieb ihm den Wirbel am rechten Ellebogen hinweg / dass er
das Schwert fallen liess / aber zugleich seinen Feind mit dem Schilde wieder die
Brust warff / dass er strauchelte; weil er auch mit beiden Fäusten gleiche gerade
wahr / huhb er das Schwert mit der Linken auff / und setzete von neuen an /
welches aber kurzen bestand hatte; dann die Wunde schmerzete ihn überaus sehr;
so wahr ihm WedekindsSchild an allen Hiebe hinderlich / als der ihm zu nahe trat
/ dass er sein langes Schwert nicht brauchen kunte; daher er endlich aussreissen
wollte; aber dieser versezte ihm eins über den schon verwundeten Arm / dass er in
Ohmacht niderstürzete; riss ihm hernach den Helm ab / und legte ihm den Kopff zun
Füssen; setzete sich auff des erschlagenen Pferd / und mischete sich unter die
streitende Schaaren. Hier ging es nun sehr hart über die Skyten; dann ihrer ein
guter teil wussten das Gewehr zu Pferde nicht zugebrauchen / und wahr ihnen sehr
leid / dass sie nicht zu fusse blieben wahren. Herkules liess noch 400 Teutsche
und 3000 alte Reuter auff sie treffen / folgete mit 100 Schlachtschwertern
selbst nach / und drängete Sargapises so hart / dass er ihm die Glieder brach /
und alles vor sich niderschlug. Nun hatte jeztgedachter noch 2000 feste Skyten
bei sich / die sich ungetrennet zusammen hielten / deswegen Herkules mit allen
anwesenden Teutschen auff sie lossging / traff Sargapises selbst an und nach
ritterlichem Kampfe / wozu ihm die Teutschen Raum gnug macheten / zwang er ihn
/sich auff Gnade zuergeben / liess ihn auch alsbald nach dem Lager bringen /
woselbst Mitridates verwahret ward. Neda hatte nicht so harten wiederstand
/weil Archelaus neue Reuter sehr ungeübet wahren /welche als die Schaffe
hingemätschet wurden; und ob gleich ihr Führer allen möglichen fleiss anwendete
/seines Feindes einbruch auffzuhalten / wussten doch die seinen nicht / wie sie
die Glieder fest schliessen und mit gesamter Hand wieder Schläge aussteilen
sollten / daher er endlich gezwungen ward / dem Indier Pandion seiner Leute
unerfahrenheit klagen zu lassen / und dass er ihm etwa 6000 geübete zum Entsaz
schickete / damit er die seinen wieder zum Stande brächte. Aber der Indier
wendete ein / dass er seine geübete Mannschaft von seinen ungeübeten gar nicht
entrahten könnte / wo er sich sonst nicht ins gewisse Verderben stürzen wollte; so
wollten die Indier sich auch nicht trennen lassen / und musste daher Vonones
hierzu 6000 versuchete Parter unter Obristen Apreteus abschicken / welche
zimlich späte ankahmen / und doch dem erfahrnen Archelaus Raum machten / sein
übriges Heer zusamlen / von denen schon 4000 neue uñ 2500 alte Reuter
abgesattelt / auch 5000 schwerlich verwundet wahren / da hingegen Neda nur 2000
verloren und 1800 verwundete hatte; scheuhete sich deswegen nicht / auff die
ankommende Parter anzugehen / und hielt ihren heftigsten Anfall redlich ans
/in welchem er 32 Böhmen und 840 Morgenländer einbüssete; worauff er ihr meister
ward / und sie fast gar umbkreissete. Archelaus hatte sich wieder gesezt und
wollte seine Helffer nicht im stiche lassen / denen Neda 500 Böhmen und 6500
Persische entgegen stellete / welche sie auch glücklich auffhielten / biss er mit
den Parten fertig wahr / deren er 4000 erschlug / und 1500 nebest ihren Führer
/ mehrenteils verwundet /gefangen hinweg führen liess. Paras der Parter / und
Markus liessen in ihrem Gefechte erscheinen / dass sie beidereits willens wahren
/ an ihrer Seiten geträulich zu dienen; da im ersten ansatze jedweder in die 600
Mann einbüssete; aber hernach liess sichs augenscheinlich merken / dass die unsern
überwogen / und hielten sich Markus neue Völker so wohl / dass sie vor allen
anderen neuen Schaare den Ruhm davon brachten; dann die Römer würgeten Fuss vor
Fuss / denen diese so eiferig nachsetzeten / dass sie den Feind gar auff die
Flucht brachten / nachdem derselbe 2800 alte und 6300 neue Reuter eingebüsst
hatte / uñ von den übrigen noch 5000 unverwundet wahren / da hingegen Markus
überal 3600 verloren / und 700 verwundete hatte; nachdem er aber seines Glüks
sich missbrauchete / und den weichenden Feinden mit seinen Römern zu heftig
nachdrängete / wendete sich Paras /und ward Markus von einem Obristen und zween
Ritmeistern dergestalt überfallen / dass sie ihn vom Pferde rissen / und ihn in
der Flucht mit sich davon führeten / nachdem sie 53 Römer erschlagen / und
dagegen noch 250 Reuter eingebüsst hatten. Bubazes Völker fechten unter
Tyriotes anführung noch ritterlich wieder des gefangenen Mitridates hauffen;
welche keinen Führer mehr hatten / und deswegen fast ohn gegenwehr erschlagen
wurden / biss ihrer 5000 aussrissen / 4000 gefangen wurden und die übrigen auff
der Wahlstat blieben. Doch wahren hieselbst auch 3200 von den unsern erschlagen
/ und 2300 verwundet. Nicht geringern Sieg hatten Wedekind und Herkules; dann
sie höreten nach Sargapises Gefängnis nicht auff / die Skyten hinzurichten /
biss ihrer 12000 gestrekt lagen / 6500 sich gefangen gaben / und 6000 sich durch
die Flucht erretteten. Da hingegen an unser Seite 21 Teutschen und 6000
Morgenländische drauff gangen wahren / uñ befunden sich 16 Teutsche uñ 2800
Persische hart verwundet. Gleich dazumahl ward Neda mit Archelaus überschusse
auch fertig /von denen nur 3000 durch die Flucht erhalten wurden; 1600 nebest
ihrem FeldHerrn (welchen drei Bömische Reuter anpacketen) gefangen / die übrigen
alle in ihrem Blute lagen. Vologeses sah dass es den seinen schlechter als des
vorigen tages ging / und wusste des guten Rahts nicht vielmehr. Er hatte zwar
annoch fast alle seine Partische Reuter / die noch keinen Schwertschlag getahn
/ und andere / teils geworbene /teils gesamlete; aber dagegen sah er / dass des
Feindes Reuterei ihnen nunmehr an Mannschaft möchte überlegen sein (wie sie
dann noch 156675 gesunde; hingegen die Partische nur 138250 stark)
zugeschweigen dass sie viel muhtiger und geherzter zu fechten wahren als die
Partischen. Artabanus verfluchte sein Unglück / und begunte am Siege zu
zweiffeln; wahr ihm demnach leid / dass er seines Feldmarschalks Vorschlag / die
Schlacht auffzuschieben / so liederlich geschätzet hatte / liess denselben zu
sich fodern / und trug ihm anfangs vor / wie er bedacht währe / das Fussvolk
treffen zu lassen / damit die übrige Ritterschaft auff den lezten Satz gesparet
würde; hernach / dass Bagophanes ihn berichtet / wie der Persische Tropff Bubazes
/ welcher dem Fräulein Räuber Schuz gehalten / auff seine Hocheit schimpflich
geredet / und seine Zimmer-Jungfer Kleofis wieder seinen Willen geheiratet /
gefangen währe; denselben sollte er lassen in die Eisen schlagen / dann er müste
lebendig geschunden werden. Er aber gab zur Antwort: Er sähe des Himmels
ungewogenheit über Partenland vor Augen / welches einig nur von dem fremden
Fräulein herrührete; möchte wünschen / dass Phraortes mit ihr den Hals gebrochen
/ da er in den Königlichen Saal den ersten Fuss gesetzet; und wollte Gott / sagte
er / wir könten die Schlacht mit halber Ehr auffruffen / und der Fremden / ach
ach der Fremden los werden /ich versichere ihre Königl. Hocheit / dass den schon
erlittenen Verlust ich vor nichts achten wollte / und sollten der Perse und Mede
mit ihrem übrigen ganzen anhange uns in kurzen zun Füssen liegen. Ich begebe
mich des Fräuleins nicht / fiel ihm Artabanus in die Rede / sollten wir gleich
unser ganzes all dran strecken. Mein Gott / antwortete er / wie kann doch der
König in diesem gefährlichen Stande noch mit solchen Gedanken umbgehen? sihet
dann ihre Hocheit noch nicht / dass zwischen uns und dem Verderben so wenig Raum
ist / dass wirs mit einem Pferdelauff abmässen können? gewisslich wann ich wissen
sollte /dass zu diesem Ende der Krieg geführet würde / müste ich vor trübnis in
die Erde sinken / dass man so viel tapfferes Menschen Blut vergossen hätte. Aber
hievon zu reden will Zeit und Gefahr nicht leiden / nur die beiden Vorträge ihrer
Königl. Hocheit müssen von mir beantwortet werden. Bagophanes der faule Fetwanst
hat derselben gerahten / einen unzeitigen Eifer wieder einen Gefengenen (der
ohnzweiffel redlicher als er ist) sehen zu lassen. O ihre Königl. Hocheit
bedenke sich ja bald eines andern! dann wer weiss / was vor Helden gegen diesen
noch heut wohl müssen aussgetauschet werden? will demnach mich dieses Gefangenen
dergestalt annehmen / als einem redlichen Feldmarschalk gebühret; und will eure
Hocheit einen in die Eisen schlagen / so schlage sie den Rahtgeber hinein;
diesem Gefangenen wird gewisslich solche Unbilligkeit nicht angelegt werden / es
sei dann / dass ich zu gleicher Straffe verdammet werde. Schliesslich / dass das
Treffen zu fusse soll gehalten werden / währe wohl mein Raht / dass wir diese
Völker zu unsers Landes Schuz erhielten / im Fall der Reuterstreit / wie sichs
ansehe lässet / sollte verloren gehen; dañ also könten und wollten wir dem Feinde
mit dieser Mannschaft noch solche händel machen / dass sie ungejagt hinter sich
zihen sollten; weil ich aber weiss / dass mein Raht vor eine kleinmühtigkeit
gescholten werden muss / soll des KönigesBefehl alsbald ins werk gerichtet werden;
der Himmel gebe / dass es zum Siege diene / welches aber Farbe kosten wird. Ritte
hiemit fort / dañ er wollte sich mit dem Könige weiters nicht zanken / taht auch
beiden FeldHerrn von der Reuterei zu wissen /dass sie ihre gesunden Völker /
jeder an seinem Ort in ein Heer zusammen zihen / und etliche kleine Hauffen
Schaarsweise ins Feld setzen sollten / wann etwa der Feind auff sie zudringen
würde. Als dieses ins werk gerichtet ward / wusste die unsern nicht / was es
bedeuten sollte. Herkules muhtmassete / es würden die Elefanten ansetzen; aber
Ladisla ward gewahr / dass des Feindes Fussvolk herzu nahete / vor welchen 16000
Reuter in die quehre ausgedehnet vorher zogen; taht solches Artaxerxes zu wissen
/ der nichts mehr als dieses wünschete / uñ den seinen gleicher gestalt die Lose
zum auffbruche gab. Inzwischen liess des Feindes Reuterei sich ansehen / ob
wollten sie mit ganzer Macht den Angriff wagen / aber bald zerteileten sich 6000
Mann / welche hier und dar 60 Schaaren / jede von 100 Köpffen / ins Feld
setzeten / da ihre Fussvölker sich in eine breite Ordnung begaben /und mit ihren
Pfeilen und Bogen Stand fasseten; worauff sie grosse Hoffnung gesetzet hatten.
Herkules fürchtete / es würde Ladisla dessen nicht wahr nehmen / und liess ihn
warnen / sich vorzusehen; welcher gleich willens wahr / etliche Reuter auff des
Feindes kleine Reuterhauffen angehen zulassen / wodurch er sie würde auff die
Fleischbank geopfert haben. Artaxerxes zog mit seinen Landsknechten auch fort
/denen er geherzt zuredete / und dass sie alle Krafft ihrer Arme an die Bogen
legen sollten; worauff es dann an ein so unerhörtes schiessen ging / dass die
Pfeile in der Lufft knacketen / und so dicke durch einander flogen / dass sie
sich selbst verhinderten und lähmeten. Sie trieben dieses abscheuliche Wesen
über eine halbe Stunde / da inzwischen unsere Helden mannichen Versuch tahten /
wie sie den Partischen Reutern beikommen / und ohn sonderlichen Verlust ihnen
unterlauffen möchten / damit auch sie nicht wieder zu den Bogen griffen; aber es
wollte sich nirgends schicken; dann so oft sie etliche tausend auff sie ansetzen
liessen / drücketen jene (die sich auffs neue mit Geschoss versehen halten)
eiferig los / dass diese bald weichen / und allemahl mit Verlust abzihen mussten
/auch in unterschiedlichen anfällen 800 Mann einbüsseten / und bei die 2000
verwundet wurden. Herkules wollte diesem Unwesen abhelffen hiess 10000 Reuter ihre
Pfeile und Bogen wieder ergreiffen / stellete die bedecketen Pferde und
breitgechildeten Reuter 3000 stark vor ihnen her / welches ihm Ladisla nachtaht
/ und gingen unter dieser beschützung freudig auf die Parter los / doch also /
dz ihre Pferde einen langsamen Schrit halten mussten. Jene sahen solches /
erwarteten ihrer Ankunft vorsichtig / biss die Persen zu erst ihrer Bogen
gebraucheten / worauff sie auch lossschossen / und der Pfeile nicht schoneten;
wiewol sie stets hinter sich wichen / und ehe diese sichs versahn / wieder
ansetzeten; daher ihre Pfeile besser als der Persen wirketen / nur dass die
breiten /wiewol sehr durlöcherten Schilde dannoch eine grosse menge aufffingen /
die sonst mächtigen schaden würden getahn haben. So lange das Schiessen bei dem
Fussvolk wehrete / gedachte Herkules nicht weiter als an die Reuterei; aber wie
er die Partischen Elefanten hervor brechen sah / trieb ihn die Furcht / an
seine Valisken zugedenken / ob vielleicht dieselbe auch mit dem ihren fortgehen
/ und sich unter die Feinde mischen würde / nam deswegen 1000 Schlachtschwerter
und 4000 tapffere Morgenländische zu sich / befahl Wedekind und Tyriotes nebest
Leches und Klodius die Auffsicht / und ging mit seiner ritterlichen Gesellschaft
nach dem Fussvolke / gleich da die Partische Elefanten antraten / in das
Persische FussHeer einzubrechen. Er sah / dass Artabanus mit zehn Elefanten zurück
blieben wahr / deswegen er seinem Gemahl andeuten liess / dass sie sich mit vier
wolbesezten Elefanten nach der Seite hinter Ladisla ReuterHeer begäbe /schickete
ihr auch 40 Teutsche Schlachtschwerter uñ 1500 tapffere Morgenländer zur
vermehrung ihres Leibschutzes / dann er argwohnete / Artabanus würde einen
blinden Fall auff sie wagen / ob er sie ertappen könnte; dessen Elefanten
Schützen schon ihre Pfeile und Wurffspiesslein unter das Persische Volk abgehen
liessen / die nicht geringen Schaden tahten / in dem sie bei die 4000 Persen
erschossen. Phraortes feirete mit seinen Elefanten eben wenig / ging auff das
Partische Heer / und weil er den Wind zum Vortel hatte / drungen seine Pfeile
besser durch / dass sie eine zimliche Menge erschossen / und viel verwundeten.
Herkules hatte zu Persepolis etlichemahl einen blinden Elefanten Streit
anstellen lassen / umb zu ersinnen /wie man diesen grossen ungeheuten Tihren am
füglichsten beikommen möchte. Er wusste dieses an ihnen wohl / dass wie grimmig sie
währen / so leicht liessen sie sich verschüchtern / insonderheit / wann sie
schmerzen empfunden; deswegen er 2000 verwägene Persen / welche Artaxerxes schon
vor fünff Wochen mit dreifachem Solde darzu bestellet hatte / vor sich foderte /
welche starke Spiesse mit sehr scharffen krummen Siecheln in der Hand / und ein
kurzes breites Schwert / vornen zugespizt an der Seite führeten; gab ihnen 200
mit Schlachtschwertern zu / und taht ihnen seine Meinung zuwissen / sie sollten
sich nur hüten / dass ihnen die starken Tihre nicht zu nahe kähmen / und sie mit
dem langen Rüssel / welchen sie an statt einer Hand gebraucheten / nicht zu sich
rissen /sondern wann sie denselben von sich strecketen / sollten ihrer drei oder
viere sich zugleich an einen machen / und sie am Rüssel verwunden / auch des
Bauchs nicht schonen / da man sie mit starken Stichen und Hieben beschädigen
könnte. Dieses wahr ein guter Anschlag / aber es bedurffte Mühe und
Vorsichtigkeit / ihn ins Werk zurichten. Dann Madates wahr ihm dessen vermuhten
/ daher er den Elefanten Meistern /welche die Tihre (vorne auff dem Halse
sitzend) leiteten und anführeten / befehl erteilet hatte / da etwan ein
sonderlicher hauffe Volkes auff sie angehen würde /sollten sie ihnen entweichen /
und nach der Seiten sich wenden / damit sie in das gesamte Heer einbrechen
könten; dessen diese wohl eingedenke wahren / auch das vorder Heer / welches
Artobarzanes und Gallus führeten / erreicheten / deren sie in 3000 zutraten und
erdrücketen / ehe die verordente Schaar bei ihnen anlangete. Gallus geriet in
äusserste Lebensgefahr; dann der Tihre eines griff mit dem Rüssel nach ihm /
aber Gott taht ihm augenscheinliche Hülffe / dass er mit dem Schwerte fertig ward
/ und ihm den Rüssel hart verwundete; wodurch es vor schmerzen sich nicht mehr
wollte leiten lassen / sondern weich zur Seiten aus / dessen die / so es
nidertrat / wohl empfunden. Bald hernach kahmen die obgedachten Elefanten
Bestreiter an / teilten sich / und mit verzweifeltem Wuht machten sie sich an
die Tihre / denen sie doch wenig angewinnen kunten / nur dass die Teutschen mit
ihren Schlachtschwertern 15 ertödteten / und 25 hart verwundeten; worüber ihrer
20 das Leben ritterlich einbüsseten. Unter den Verwundeten Elefanten wahr ein
Junger / welcher wegen der schmerzlichen empfindnis nicht allein ein lautes
Geblärre machte / sondern zugleich seinen Meister über den Kopff herunter warff
/ und nach dem ihm bekanten Lager umbkehrete. Die alte Elefantin / seine Mutter
/ die ihn an der Stimme kennete / und ihn davon lauffen sah / wollte ihn nicht
verlassen / sondern gab ihm durch ihr Wiedergeblärre Antwort / und folgete
wieder des Meisters Willen hernach. Andere verwundete nahmen eben den Weg vor
sich / und wegen des heftigen Geruffes /welches das Fussvolk / sie zu
erschrecken anstellete /wurden die übrigen alle mit einander irre gemacht /dass
sie den geradesten Weg vor sich nahmen / und an einem Orte durch ihr eigen
Fussvolk setzeten / deren sie über 5000 zu nichte machten; hatten aber doch vor
ihrem abwich über die gedachte Teutschen / noch 500 der bestelleten Persen
auffgerieben / nachdem ihre auffgeladete Schützen in die 4600 von dem Persischen
Heer erschossen / und auff 3800 hart verwundet hatten. Den Persischen Elefanten
ging es nicht viel besser / wiewol sie anfangs grossen Schaden unter Artabanus
Heer anrichteten / und nachdem ihre 5000 Schützen von ferne in die 5800 Parter
erschossen und 4700 verwundet / näher hinzu gingen / und noch 2500 in den Tod
schicketen / glückete es ihnen wohl /biss Pakorus ihnen 1500 darzu bestellete
Wagehälse entgegen gehen liess die sich teils unter die Tihre macheten / und
ihnen den Bauch öffneten / dass sie niderfielen / und ihre Mörder mit
erdrücketen. Die andern wurden mit Geschrei und Wunden hinter sich getrieben /
dass sie gleich den Partischen / ihrem Lager zulieffen / aber zwischen ihren
Reutern und Fussvolke ohn einigen Schaden davon zogen / und der Parter welche
sie verschüchtert hatten / nicht über 400 das Leben behielten. Nach diesem
Elefanten Streite begunten die Fussvölker beiderseits nach ihren Schwertern und
Spiessen zu greiffen. Herkules aber begab sich mit 780 Teutschen wieder zu
Pferde / und dankete Gott / dass er diese Tihre so gnädig abgelenket hatte / vor
denen er sich am meisten fürchtete. Als er bei seiner Reuterei anlangete / fand
er Wedekind mit 500 Teutschen uñ 20000 Persen in voller Arbeit; dann so bald die
Elefanten ihre Verrichtung getahn / liess Vologeses so wohl Reutern als
Fussknechten andeuten /jezt währe Zeit / das Partische bisher unüberwindliche
Schwert hervorzulangen / und damit die geschworne Träue zu beweisen; sie sähen
ja allerseits /dass es müste gewonnen oder gestorben sein; ein furchtsamer / der
seine Hände ruhen oder zittern liesse / hätte nichts gewissers / als einen
unrühmlichen verfluchten Tod; die aber ohn auffhören auff den Feind zuschlügen /
hätten den Sieg / oder ja unsterblichen Ruhm ihres ritterlichen wolverhaltens;
sollte demnach ein jeder dahin trachten / dass er des Feindes Machtbrechen möchte
/ alsdann währe an der überwindung nicht zuzweiffeln. Doch gab er den beiden
FeldHerrn bei der Reuterei heimlichen Befehl / da über verhoffen das Messer
unmahl fallen sollte / an jeder Seite 8000 der aller wehrhaftesten vom Treffen
abzuhalten / und in Ruhe zulassen / dass sie auff solchen Fall des Königes Schuz
und Sicherheit sein könten. Sieder Herkules Abwesenheit wahr durch das Schiessen
nicht sonderliches verrichtet; dann als die Parter der Persischen Pfeile
empfunden / von denen ihrer 2000 erschossen / und dagegen der Persen hinter den
Schilden nur 520 gefellet wahren / gab man das Schiessen an / weil die Parter
nicht wollten / und die Persen wegen Herkules Befehl (wornach sich auch Ladisla
richtete) nicht durften. So bald aber jene von Vologeses Befehlempfingen / lies
Osazes 18000 gegen Wedekind angehen / denen er / wie oben stehet / begegnete.
Sie gingen anfangs beiderseits behutsam / und wollten sich aus ihrem Vortel nicht
begeben. Herkules sah ihnen zu / wie er kam / und weil sie einer dem andern
gewachsen wahren / liess er sie immerhin fechten. An Ladisla Seiten stund es fast
im gleichen stande. Die Schützen verrichteten nichts sonderliches /weil die
Parter keinen Muht hatten anzubeissen; biss Vonones 17000 Parter unter
Andragoras anführung mit entblösseten Schwertern losbrechen lies / denen Fabius
mit 18000 entgegen traff / und sich weidlich mit ihm umbtrieb. Surinas gab sich
an Partischer Seite mit seinen Fussknechten auch los / und begegnete ihm
Artobarzanes uñ Gallus / deren Völker / weil sie schon zimlichen Abbruch
gelitten / mit 3000 Mann von Artaxerxes gestärket wahren. Die Doppelsöldner mit
ihren langen Spiessen gingen voran / aber die mit den Schwertern kunten ihnen
nicht lange zusehen / sondern traten an beiden Seiten aus / und griffen so
grimmig an / dass von den ersten Gliedern niemand lebendig blieb; und ob gleich
Artobarzanes uñ Gallus alle Macht anwendeten / so drang doch Surinas durch / dañ
die von Artabanus ihnen getahne Zusage des dreifachen Soldes hatte sie kühn und
muhtig gemacht / dass sie keine Gefahr scheuheten / und immer vor sich hin
matzeten. Gallus samlete 1000 Mann umb sich / mit denen er Surinas entgegen trat
/ weil er den grösten Schaden taht / machte ihn auch durch seine Ankunft
stutzen / dass er weiter nit durch drang; aber als diese beide einander
auffstiessen / und einen harten Straus hielten / zohe Gallus den kürzern / und
ward nach empfangenen fünff Wunden gefangen hinweg geschleppet. Artobarzanes
gedachte ihn zuentsetzen / fiel auch so grimig an / dass Surinas mit seiner
Schaar hinter sich weichen musste / dem aber seiner Obristen einer mit 3000 Mann
zu hülffe kam / mit dem er auffs neue anfiel / dass die Persen hinter sich gingen
/ und in grosser Menge nedergeschlagen wurden; auch Artobarzanes selbst ging zu
grunde im absonderlichen Streite gegen Surinas / mit dem er ohndas in tödlicher
Feindschaft lebete / welches daher entstund. Ein vornehmer Medischer Herr /
nahmens Tigranes / hatte gar ein schönes Fräulein / nahmens Atossa / mit welcher
Surinas sich ehelich hinter der ElternWillen versprochen hatte / der Hoffnung /
nachgehends deren Einwilligung leicht zuerhalten; als er aber umb sie werben
liess / bekam er abschlägige Antwort / unter dieser Einwendung / sie währe einem
andern schon zugesagt. Wie dann GrossFürst Phraortes umb sie bei den Eltern
angehalten / dass seines Bruders Sohn Artobarzanes sie ehelichen möchte / welches
also bald bewilliget / und dem GrossFürsten mit grossem Dank nach seinem gnädigen
gefallen zuschaffen / übergeben ward. Ein ander Partischer Herr / nahmens
Ariarates hatte kurz vor diesem nach ihr gefreiet / und einen Korb erhalten /
dessen er von Surinas etlichemahl durch schimpfliche reden gestochen wahr; daher
er ihm dieses Glük missgönnete; und als er in geheim erfuhr / dass Surinas willens
wahr / mit 600 Reutern auffzubrechen / und das Fräulein mit ihrer guten
bewilligung heimlich zuentführen / machete er solches ihren Eltern durch einen
dritten vertraulichen zu wissen; sie hätten sich fleissig vorzusehen /dass ihnen
Frl. Atossa nicht in kurzen durch gewaltsamkeit geraubet würde. Nun hatten die
Eltern an ihr gemerket / dass sie verliebet wahr; dann ihre Leibdienerin (deren
sie nicht gut heissen wollte / dass sie mit ihres Herrn Vaters Leibdiener
Leichtfertigkeit trieb) machte ihnen aus Rachgier kund / dass sie offters geheime
Brieffe schriebe / welche / wo sie nicht irrete /an Herrn Surinas hielten;
deswegen sie die gute Tochter alsbald vornahmen / ihr heimliches Lädichen
öffneten / und darin von Surinas zwölff Schreiben funden / aus derem lezten sie
den gemachten Anschlag richtig erfuhren / dem sie sonsten nicht hätten vorkommen
mögen. Das Fräulein meinte nicht anders /dann ihr Vater wollte sie erwürgen / so
grimmig stellete er sich; daher sie aus furcht des todes sich erklärete / seinem
Willen folge zu leisten / der sie stündlich nach Ekbatana bringen liess / nachdem
sie ihm durch einen äid versichert hatte / dass von Surinas sie annoch unberühret
währe. Er hatte aber noch ein schönes Fräulein bei sich / nahmens Anutis /
seiner Stieffschwester Tochter / die von schlechten mitteln wahr; dieselbe
stellete er nach gemachtem Schlusse an den Raubeplaz / putzete sie treflich aus
/ und unterrichtete sie / wessen sie sich verhalten sollte. Surinas fand sich
dahin / der Hoffnung / seine geliebte Frl. Atossen anzutreffen / da Frl. Anutis
ihn also anredete: Wolgebohrner Herr / meine herzgeliebte hochvertrauete Wase
Frl. Atossa / meldet euer Liebe ihren Gruss /und lässet ihn durch mich
schmerzlich wissen / dass ein bosshaftiger Verrähter euer beider heimliche Liebe
ihren Eltern kund gemacht / darauff sie unter der Bedräuung des todes denen
gehorchen / und sich nach Ekbatana führen lassen müssen / umb Herrn Artobarzanes
/ dem sie vorm halben Jahre schon von ihren Eltern versprochen ist / beigelegt
zu werden / welches dann vor sechs Tagen schon vollnzogen worden. Vor ihrem
Abscheide foderte sie mich allein vor sich / und sagte: Hertzgeliebte Schwester;
unsere nahe Verwandschaft und innigliche Vertrauligkeit bewäget mich / die
meines Hertzen Geheimnis zu offenbahren / was gestalt ich mit Herrn Surinas mich
versprochen / aber wegen meiner Eltern und unsers GrossFürsten Gegenstand es
nicht halten kann; damit er aber wisse /woran er sei / so melde ihm nur dieses
wenige: Atossa bleibt Surinas Schwester / weil sie nicht kann sein Gemahl sein;
hätte sie aber eine Schwester oder Anverwandtin / wollte sie ihm dieselbe gerne
zufreien /nur dass sie ihm erwiese / wie hoch sie auff ihn hält; Warne ihn aber
zum fleissigsten / dass er Ekbatana meide / wo er leben wolle / und sich hüte /
an mich zuschreiben / da er mich sonst nicht in den Tod stürzen will; ich wolle
schon Gelegenheit suchen ihn dereins zusprechen. Dieses / sagte Anutis / hat
meine Wase Frl. Atossa mir befohlen / und zwar zum Wahrzeichen alle diese
zusammen gebundene Brieffe mir zugestellet / dem Herrn solche / zur bekräftigung
der Warheit einzulieffern / weil zu schreiben sie keine Gelegenheit haben
können. Dieser Zeitung wahr Surinas so leidig / dass er meinte / in die Erde zu
sinken /und schwur bei allen Göttern / nicht zu ruhen / biss er Artobarzanes
entleibet hätte / ob er gleich wieder sterben sollte; nam die Brieffe zu sich /
und wollte von Anutis hinweg scheiden / welche zu ihm sagete: Wie mein Herr /
zürnet er auff meine Schwester Frl. Atossen / die doch durch äussersten Gewalt
gezwungen /ihre Verheissung nicht halten kann? Davor behüten mich die Götter /
antwortete er: Ey so wird er mir ja eine Antwort geben / sagte sie / welche ich
hinterbringen kann; ich sehe dass mein Herr sehr betrübt ist; aber hiedurch tuht
er seiner geträuen Freundin keinen gefallen / die mit keinen andern Gedanken
umbgehet /als ihn durch ein ander Fräulein zubefriedigen / nachdem die Götter es
mit ihr nicht versehen haben. Dieser wusste vor Herzleid nicht / was er ihr sollte
zuentbieten / nur dass er ihr Knecht und Diener bliebe / als lange er lebete; Nam
hiemit kurzen Abschied / uñ wollte davon reiten; sie hingegen stellete sich gegen
ihn überaus höflich / mit dem erbieten / alles wohl zu werben / und baht ihn /
weil sie ihrem Vetter vorgetragen / ob wollte sie nach ihrer Fr. Mutter Schwester
zihen / und erst Morgen wieder kommen / möchte er ihr seine ledige Gutsche
leihen / dass sie nach dem nähesten Flecken fahren könnte / weil sie so zeitig
nicht zu Hause kommen dürffte. Und als er hierzu nicht allein willig wahr /
sondern sie nöhtigte / mit ihm zuzihen / weil er ohndas daselbst sein Ablager
halten würde / liess sie sich gerne bereden / wusste ihm auch dergestalt
freundlich und mit Liebäugeln zubegegnen / dass er eine sonderliche Gunst ihr
zulegte / und sich erboht / sie wegen der Vertrauligkeit / welche sie mit seiner
Liebsten hätte / Zeit seines Lebens zu lieben. Auff dem Wege / da er bei ihr in
der Gutsche alleine sass / beklagte sie ihrer Wasen Unglück mit wolgestalten
Trähnen / und unterlies dessen nichts / dadurch ein Mannes Herz zur Liebe kann
gezogen werden. Sie kehreten in einem offenen Flecken ein / da sie gute Herberge
hatten / und sinnete der gute Surinas den Worten fleissig nach / wie Atossa ihm
gerne ihrer Verwanten eine zufreien wollte daher er gedachte / sie würde zu dem
Ende ihm diese geschikt haben; dass also die gute Gewogenheit sich in eine
brünstige Liebe verwandelte / und er sie endlich umb die Ehe anredete / weil er
hoffete / sagte er / seiner gewesenen Braut Willen dadurch zuerfüllen. Sie
hingegen stellete sich dessen sehr fremde / und weil sie merkete dass er gefangen
wahr / wollte sie zwar keine abschlägige Antwort erteilen / aber doch ihres
Dinges gewiss sein / liess sich auch ganz schamhaftig vernehmen / sie dürffte
wegen solcher angehörten Rede kein Auge vor ihm auffschlagen / und ob sie gleich
das Herz ergreiffen wollte / ihm zu antworten / währe sie doch ihrer selbst nicht
mächtig / massen ihr Herr Vetter sie an Kindes statt angenommen / und versprochen
/ sie ausszusteuren / wann sie nach seinem Willen heirahten würde; sollte sie nun
ohn dessen Vorwissen sich einlassen / welcher vielleicht schon etwas anders mit
ihr Vorhaben möchte / würde sie ihn erzürnen / und (inbetrachtung / wie er mit
seiner leiblichen Tochter geberdet) von ihm gar verstossen sein. Je mehr aber
sich diese wegerte / je mehr er sich verliebet befand /erboht sich endlich bei
seinen ritterlichen Ehren / sie ohn allen Brautschatz zu heirahten; Liess zween
Ritter / im Flecken wohnend / zu sich bitten / und in derer Gegenwart versprach
er sich mit ihr. Worauf sie sich willig ergab / uñ diese Nacht sein Ehgemahl
ward. Des folgenden Morgens machte sie sich wieder auff nach ihrem Vetter /
unter dem schein / ihren Schmuk und Kleider nachzuhohlen / und sich gegen ihn
des ergangenen nichts merken zulassen da sie ihm doch alles offenbahrete / und
auffs schneleste mit ihm nach Ekbatana fuhr / welches nur anderhalb Meilen davon
abgelegen wahr. Sie machte sich alsbald zu ihrer Wasen / die in grosser
Liebesquahl gegen Surinas lebete / und zu Artobarzanes gar keinen Willen trug;
derselben brachte sie vor; Herr Surinas hätte sie vom Schloss in stiller geheim
fodern lassen / und nachdem er sich über Atossen Träulosigkeit mit lachendem
Munde beschweret / sie mit Gewalt hinweg geführet / ehelich Beilager mit ihr
gehalten / uñ ihr dieses Haaren Armband (welches sie ihm heimlich vom Arme
gestohlen hatte) mit diesen Worten zugestellet: Ich habe der Atossen Haar
getragen / aber fortin nicht länger / wollet ihr demnach dieses als meiner
vergessenen wieder zustellen / und dass ich ihr zuentbieten lasse / wir wollen
beiderseits der gemachte Kundschaft vergessen / als ob sie niemahls gewesen
währe. Atossa empfing hierüber solchen Eifer / dass sie das Armband ins Feur
warff / und den guten Surinas dergestalt schmähete / als ob er der geringste
Stalbube gewesen währe; legte auch alle getragene Hulde ab / und wendete sie
ihrem Artobarzanes zu / insonderheit / als Anutis hinzu setzete / wie hoch er
ihre Schönheit über jener erhoben hätte. Also blieb diese durch solchen Betrug
und Verleumdung in ruhiger und ungestöreter Ehe mit ihrem Surinas / deren sie
doch wegen des Todes Neid kurze Zeit zugeniessen hatte; wiewol die Liebe gegen
Atossen in Surinas Herzen sich nicht allerdinge wollte dämpfen lassen /und der
Eifer gegen Artobarzanes ganz unversöhnlich wahr / welchen er vor dissmahl mit
seinem Blute dämpfete / auch / da er ihm den lezten Stoss anbrachte / zu ihm
sagete: Diesen schenke ich dir wegen meiner Atossen / deren Gunst du unwirdiger
mir gestohlen /und andertlhalb Jahr als ein Räuber und Ehebrecher genossen hast;
wütete auch nach seiner Niderlage immerfort / biss ihm Prinsla mit 6000 frischen
Völkern entgegen ging / uñ den Abgematteten Luft machte /auch zeitig auff
Surinas traff / welchen er nach hartem Kampffe überwand und gefangen nam;
samlete hernach die Völker / und durch sein unnachlässiges Gefechte brachte er
den Feind auff die Flucht / nachdem derselben 9600 verwundet / 8800 erschlagen
wahren; dagegen aber 6400 Persische auff der Wahlstatlage /und 5800 beschädigte
sich funden. Orodes entsetzete den verwundeten Partischen überschuss mit seiner
ganzen Macht und fiel als eine Fluht auff Prinsla an /welches Pharnabazus
ersehend / ihm schleunig zu hülffe trat / aber doch zu späte kam; dann als
Prinsla die seinen von so grosser Menge übermannet sah /gedachte er sein Leben
teuer gnug zuverkäuffen / und taht mit seinen 6000 Knechten solche Gegenwehr /dass
Orodes sich darüber entsetzete; dann ungeachtet seiner Wunden / deren er neune
empfangen hatte /schlug uñ stach er von sich / dass ihm niemand nahen durffte /
biss seine jeztgedachte Leute fast alle erschlagen wahren / welche doch 9000 mit
sich in den Tod nahmen / und 4000 hart verwundeten / da er endlich vor
Mattigkeit niderfiel / und von Orodes nach Vologeses geschicket ward / der ihn
stündlich verbinden liess. Pharnabazus nahm ihm gänzlich vor / Prinsla Unfal
zurächen / aber er empfand so heftigen Wiederstand / dass er nicht einbrechen
kunte / daher an beiden Seiten das Schwert fast eine gleiche Anzahl frass.
    Bei der Reuterei ging es nicht weniger scharff daher. Dann ungeachtet der
grossen Niderlage / welche das Partische Volk anfangs litte / hielten sie doch
nunmehr hart gegen / als Vologeses die 11000 übrigen Elefanten Schützen (dann
1000 wahren im Gefechte drauff gangen) zu Pferde brachte / welche alle versuchte
Reuter wahren / und sie mit dem annoch übrigen 5500 gesunden Skyten zusammen
setzete / welche zur stärkung wieder Ladisla fortgeschicket / und hingegen
Pandion mit seinen Indiern von dannen ab gegen Herkules gefodert ward. Der
Parten / welche wieder Wedekind fochten / wurden ja so viel als der Persen
erschlagen / dieser aber mehr verwundet; daher Herkules noch 300
Schlachtschwerter und 700 andere Teutschen den seinen zu hülffe gehen liess /
deren Ankunft die Parter alsbald stutzen machete /weil sie sich treflich
abgearbeitet hatten / welches Osazes merkend / den Pandion mit diesen Worten
auffmahnete. Es wird schier Zeit sein / unsere Leute zuentsetzen / welche sich
wieder die menge der Feinde ritterlich gehalten haben / und ist nicht rahtsam
/dass man sie länger schwitzen lasse; dann nachdem sie sich erhohlet / können sie
von neuen wieder angehen; wolle demnach er sich gefallen lassen seiner
Gewohnheit nach frisch anzusetzen / ich will / so bald es Zeit sein wird / ihn
ohn hülffe nicht lassen. Dieser erklärete sich sein bestes zu tuhn / brach
gemehlig los / und stellete sich in der Parter Platz / denen er geboht abzuzihen
/ und sie dessen wohl zufrieden wahren / dann 5000 wahren von ihnen nidergemacht
/ und 4000 verwundet. Dagegen halte Wedekind 4800 Morgenländische und 20
Teutsche verloren / und wahren 6000 Persische und 60 Teutsche gequetschet. Als
Pandion zum Treffen kam / setzete er geherzt an / und gab den unsern so viel
zuschaffen / dass Herkules noch 5000 Persische und 500 Teutsche Wedekind zu
hülffe schicken musste / die durch ihre ankunft der anderen Herzwieder
erfrischeten. Fabius fand an seiner Seiten mehr Wiederstand als er meinte;
massen Andragoras Vonones UnterfeldHerr sich tapffer hielt / und sein äusserstes
Vermögen dran setzete / der Römer Gewalt zuhintertreiben / die ihm den grösten
Schaden zufügeten; und als dieses nach Willen sich nicht schicken wollte / machte
er sich an die Persischen Völker / und schlug deren 5000 nider / da er kaum 3000
dagegen verlohr / wiewol die Römer über 2000 an ihrem Orte niderhieben / und
2000 hart beschädigten / aber auch 300 einbüsseten / und ihrer über 250
verwundet wurden. Noch wollte kein Teil gewonnen geben / sondern trieben sich
auff dem weiten Felde unerschrocken hin und wieder / biss endlich die beiden
Heerführer auffeinander traffen / aber mehr von den Beistehern ihres Gegeners
als von ihren Schwertern getroffen wurden /biss der Parter Häupt Tod zur Erden
stürtzete / und Fabius hart verwundet / von den seinen aus dem Gedränge geführet
und verbunden ward. Ladisla lieff hierüber vol Zorn / und schickete 2000 Böhmen
nebest 8000 Persischen den seinen zu hülffe / denen die ElefantenSchützen und
Skyten entgegen gingen / und sich mit ihnen rechtschaffen zerhacketen. Orodes
bemühete sich noch immerhin / wie er Pharnabazus abtreiben möchte; weil aber die
seinen sich schon heftig abgearbeitet hatten / wurden sie hart gedränget /
daher er mit 6000 zur Seiten einbrach / und daselbst nicht geringen Schaden taht
/ biss ihm Pharnabazus auffsties / von welchem er auff den Tod verwundet ward /
dass ihn seine Leute mit genauer Noht retteten / und nach Pakorus trugen / der
ihn heftig liebete / und ihm versprach / seine Wunden an dem Tähter zurächten.
Nach Orodes abscheide ging es hart über seine Völker; dann seine geübeten wahren
schon der mehrerteil erschlagen und die übrigen verwundet / dass nur seine
ungeübeten / welche noch etwa in 13000 gesunder Mannschaft bestund / Wiederstand
halten mussten; die aber so schwerer Streiche nicht gewohnet wahren /und sich
daher schon nach der Flucht umbsahn. Pakorus liess ihnen unter Partamastris
10000 zu hülffe gehen / welche den Abbruch ersetzeten / und den Persen mehr als
zu viel zuschaffen gaben. An seiner Seite trug Herkules grosse Vorsorge wegen
des Fussvolkes /massen ihm Pakorus Vorsichtigkeit und erfahrne Kraft nicht allein
sehr gerühmet wahr / sondern er hatte ihn bei Artabanus etlichemahl gesehen /
und aus allen seinen Geberden und Reden eine sonderliche Grossmütigkeit
gespüret; so wusste er über das / dass weder Teutsche / noch Böhmen noch Römer bei
Artaxerxes hielten / sie auch dem Feinde an Mannschaft nicht gleicheten;
deswegen er ihm sehr angelegen sein liess / das Treffen an seiner Seite so weit
zubringen / dass er mit einem Entsaz dem Fussvolk zu hülffe gehen möchte. Er
merkete / dass der Indier Gefechte nicht gross auff sich hatte / ohn da Pandion
sich finden liess; deswegen nam er 50 Teutschen zu sich / ging damit den seinen
zu hülffe / und setzete mit an. Der Indier kennete ihn bald / hoffete / es sollte
ihm besser wieder ihn als wieder Ladisla gelingen / und fiel mit 300 Mann auff
ihn zu; aber die Teutschen empfingen sie dergestalt / dass einer nach dem andern
stürzete /und Herkules Gelegenheit bekam / seinen Wiederstreiter nach gefallen
zu haben / zu welchem er sagete: Herr Pandion / ich hätte gemeinet / ihr hättet
gestern schon euren sachen gnug getahn. Diesen verdross der Schimpff / und
foderte ihn zum freien Kampffe dass niemand daran möchte hinderlich sein; welches
ihm nicht gewegert ward / da Herkules mit etwas Eifer auff ihn drängete / und
ihm eines in die Rippen gab /dass er schwankete. Zwar es legte dieser
hinwiederumb alle mögligkeit an / mochte aber wenig schaffen /welches ihn fast
rasend machte / dass er seiner eigenen Beschützung wenig acht hatte / und sich
dergestalt entblössete / dass ihn Herkules wohl hätte können durchstechen / wollte
aber seines Lebens schonen /und zu hämerte ihm den Helm dergestat / dass ihm vor
den Augen funkeln ward / und wenig fehlete / er währe gar vom Pferde gestürzet.
Herkules sah sein unvermögen und sagte: Mein / ihr sehet / dass euch das Glük
wieder mich keinen Beistand leisten will /deswegen ergebet euch / dann ich möchte
euch ungerne hinrichten. Er aber hielt solche Reden vor gar zu schimpflich / und
gab zur Antwort: Man müste vor streiten als siegen; Pandion könnte solcher
gestalt nicht alle Tage der Gefängnis gewärtig sein. Welcher Troz Herkules
verdross / dass er zu ihm sagte: Weil ers dann nicht besser haben wollte / müste
ers nehmen / wie es fallen würde; griff ihn mit allem Ernst an / und schlug ihn
in kurzer Zeit zu bodem / da ihm sein Blänke vollends das Genicke abtrat /
welches ihm aber sehr leid wahr / und ihm das Leben gerne erhalte hätte. Seine
Völker liessen auf diesen Unfall ihre Zagheit alsbald merke / daher Herkules
seine verwundeten und abgematteten gemehlig abzihen liess / und ordnete geruhete
an ihre stelle. Osazes wollte nicht / dz diese aufs Haupt erleget würden / uñ
sendete ihne 12000 streitbare Parter zu / mit deren zutuhn sie wieder anfallen
/ und ihres Führers Tod rächen sollte. Die ElefantenSchützen hielten sich gegen
Ladisla Völker sehr wohl / dañ Madates ihr Führer wollte die empfangene
Ruhten-Streiche rächen / so dass er sich gegen Artabanus erklärete / nicht anders
als ein Sieger vor seine Augen zu treten. Er hatte sich mit sehr guter
Mannschaft / 4000 stark verwahret / mit denen traf er auf die Böhmen / dass
ihrer 150 stürzeten / und 300 hart verwundet wurden. Neda wahr hieselbst übel
auff die seinen zuspreche / dass sie den Partern nicht bessern Widerstand tahten
/ da sie es doch an keiner Mögligkeit erwinden liessen / nur dass Madates und der
seinen Raserei gar zu heftig wahr; so tahten die Persen nicht / wie sie billich
gesolt hätten / sondern wichen bald hie / bald da / und entblösseten der Böhmen
Seiten zu unterschiedlichen mahlen / dass er endlich gezwungen ward / bei Ladisla
umb Hülffe anzuhalten /gleich da Fabius überbliebene ihre Feinde ganz zurück
geschlagen hatten / deren nur 4000 gesunde und 1000 verwundete davon kahmen;
aber auch noch 2800 an unser seite über vorgedachte erlegt / und 1600 verwundet
wurden. Als Ladisla diesen Sieg vernam /hiess er die ermüdeten Römer uñ
Persischen ruhen /nam 1000 Böhmen und 3000 Persische zu sich / und ging Neda
zuhelffen / der von neun Partern umringet wahr / die weidlich auff ihn
zuschlugen / massen Madates befohlen hatte / niemand gefangen zunehmen /sondern
alles niderzumachen; nun tahten gleichwol seine Leute allen möglichen fleiss / zu
ihm durchzubrechen / aber Madates stund ihnen zu hart entgegen /biss Ladisla
hinzu drang / vor dessen Ankunft die Feinde Raum gaben / und Neda verliessen /
der sich seines Lebens schon getröstet hatte / und durch Niderlegung der Feinde
einen rühmlichen Tod suchete; aber so bald er Lufft vernam / legte er die
Verzweiffelung hinter sich / und liess sich aus dem Gedränge führen /weil er hart
verwundet wahr. Madates wahr nicht willens vor Ladisla Einbruch zuweichen /
traff auch bald auff ihn / und wie er sah / dass er (den er gleichwol nicht
kennete) den seinen so grossen Schaden zufügete / setzete er ihm heftig zu /
fand aber gar zu weite Schuch vor seine Füsse; dann nach andertalb
viertelstündigem Gefechte wahr der gröste Teil seines Bluts vergossen. Die
seinen riefen hin und wieder nach Madates / daher Ladisla erst vernam / mit wem
ers zu tuhn hatte / und sagte zu ihm: Wie ist ihm nun / Madates? wollen wir uns
abereins vor die Ruten führen? Dieser erkennete seine Stimme / und wie schwach
er wahr / samlete er doch das übrige seines Vermögens /uñ antwortete nichts /
ohn dass er ihn vor einen Ritterschänder ausschalt; welches ihm so sehr zu herzen
ging / dass er ihn straks angesichts niderhieb. Herkules sah / dass die seinen
den Feinden gnug gewachsen wahren / gab Leches Vollmacht / nach Befindung die
Völcker unter Siegfried und Herman lossgehe zulassen / dafern Osazes einbrechen /
oder den seinen Entsaz zuschicken würde. Er aber nam 150 SchlachtSchwerter
nebest 300 andern Teutschen uñ 3500 Persischen zu sich / damit ging er zum
andern mahle hin nach dem Fussvolke. Pharnabazus tummelte sich mit seinen Feinden
rechtschaffen / bekam auch die 4600 ElefantenSchützen (dann 400 wahren davon
umkommen) zur Erfrischung / die in kurzer Eile nicht geringen Schaden tahten.
Pakorus sah die seinen weichen /und ging ihnen mit 9000 zu Hülffe / dessen
Ankunft eine gewaltige Verenderung verursachete; dann weil er den Kern seiner
Völker umb sich hatte / brach er der Persen Ordnung / und hieb vor sich nider /
was er antraff. Artaxerxes merkete bald / dass er und kein ander diese Niderlage
wirkete / und schickete Pharnabazus noch 6000 geruhete Völker zu / die mit den
ElefantenSchützen sich vereinigten / und dem Feinde zur Seite einbrachen / daher
er gezwungen ward / sich gegen diese zukehren / dass Pharnabazus Lufft bekam /
seine Völker aufs neue zuordnen / welche er vermahnete / sie sollten des Feindes
Schwert / nicht seine Augen in acht nehmen / alsdann würde sich das Spiel bald
wenden; Aber Pakorus matzete an seinem Orte dergestalt / dass die unsern begunten
den Fuss zurück zusetzen / deswegen ihnen Pharnabazus an diesem nohtleidenden
Orte mit 5000 zu Hülffe ging / und ihnen zurief / ob sie einschlaffen wollten /
dass sie die Fäuste so sinken liessen; trat alsbald neben sie ein /hieb den
ersten und andern Parter nieder / und machte hiemit den seinigen einen frischen
Muht / dass das Spiel wiederumb in gleicher Wage hing / aber auff die Weichseite
kunte er die Parter nicht bringen / dann Pakorus stund fest wie eine Maur / und
sagte zu den seinen: Sehet ihr nicht / dass der Sieg fast in unsern Händen ist /
und wollet ihn nicht helffen ergreiffen? schlug auch mit solchem Eifer und
kräfftigen Streichen umb sich / dass ihm keiner nahen durffte. Da hätte man
sollen ein Elend und Jammer sehen; wann jemand fiel / sah sich niemand nach ihm
umb / sondern ward von den nachfolgenden gar ertreten / und schien nicht anders
/ als hätten sie alle einer dem andern den Tod geschworen. Pharnabazus wollte
diesem Unheil abhelffen / oder sein Leben dran setzen; nam 800 feste Knechte zu
sich / und brach mit aller Gewalt hindurch / dass er ein ziemliches Loch in des
Feindes Ordnung machete / und folgeten ihm 6000 mit allem Eifer nach / wodurch
die Parter zuweichen gezwungen wurden. Pakorus wahr nicht an diesem Orte / sah
doch bald / wie es den seinen ging / und samlete 1500 Mann umb sich / damit
hielt er diesen Einbruch auff / dass der Persen Fuss nicht weiter ging /meinte
auch nit anders / als Herkules oder Ladisla föchte an diesem Orte / deswegen er
nach kurzer Ruhe sich an Pharnabazus machete / und einen absonderlichen Kampff
mit ihm anfing / der sich auch redlich wehrete / wiewol ihm jener umb ein
grosses an Krafft und Geschikligkeit überlegen wahr; stund demnach nicht lange
an / dz an unterschiedlichen Orten seines Leibes das Blut von ihm ran / da er
doch seinem Bestreiter noch keine Wunde beigebracht hatte; endlich hohlete er
einen starken Hieb aus / ihm eines über die Schulder zuversetzen / geriet aber
auff den Schild /und brach ihm das Schwert vor der Faust ab / worauff er eine
starke Wunde in die rechte Seite bekam / dass er ohmächtig ward; Pakorus liess ihn
auffheben / und nach Vologeses bringen / der ihm von der Spilseiten her nahe
verwand wahr / und ihn fleissig verbinden liess. Er wahr biss daher die Seele
seiner Völker und der Parter schrecken gewesen / so dass nach seiner Gefängnis
den Persen der Muht gar entfiel / dass sie begunten hinter sich zuweichen /
welches Vologeses mit sonderlichen Freuden ansah / und schon so viel spürete /
dass da er ja das Feld räumen müste / der überwinder das seine auch empfinden
sollte. Es lief einer hin nach Artaxerxes / und berichtete beides ihres FeldHerrn
Gefängnis / und der Völker schlechten Zustand / dessen er nicht wenig erschrak /
und sich fertig machete / ihn wo möglich zu rächen; Aber Herkules kam gleich
darzu / wollte durchaus nicht göñen / dass er selbst treffen und fechten sollten /
sondern nam noch 5000 des besten Volcks zu sich / uñ über dieselben Valisken
3500 Persische und 40 Teutsche SchlachtSchwerter / welche er mit seinen
herzugeführeten in eine feste Ordnung setzete / ging mit diesem auserlesenen
Herr 12490 Mann stark (die alle geruhet und gespeiset hatten) dem
herzudringenden Feinde frisch entgegen / nachdem er die Sporn und das
BeinHarnisch abgelegt hatte / und sein Gemahl ihm ihr andächtiges Gebeht
nachschickete. Pakorus schlug die Persen wie Schafe nider / dass wo Herkules
nicht gleich währe ankommen / sie einer schändlichen Flucht sich nicht hätten
entbrechen können / dann ihre Ordnung wahr dermassen zurissen / dass die
Ersetzung unmöglich schien / auch Pakorus meinte / diesen Sieg sollte ihm kein
FussHeer aus den Händen reissen. Als Herkules bei den Persen anlangete / fragete
er sie / ob man auf solche weise den Feind abtreiben könnte; sie sollten sich
geschwinde samlen / und hinter ihn angehen; fassete den Schild und das Schwert /
und trat vor seinen SchlachtSchwertern her / die ihn wider seinen Willen
zwischen sich nahmen. Pakorus sah diesen daher stürmen / uñ erkennete an den
grossen Schlachtschwertern / dass Herkules verhanden wahr; vermahnete demnach die
seinen / nur noch diesen Stand herzhaftig auszuhalten / alsdann würde der
vollkommene Sieg ihnen unbenommen bleiben. Die Teutschen fingen schon an mit den
ungeheuren Schwertern drein zumatzen / und machten in kurzer Zeit solchen Raum /
dass niemand herzu nahen durffte / deswegen Pakorus noch 14000 geruhete herzu
hohlen liess / umb durch die Menge das schier erstrittene zu erhalten / stellete
die tapffersten mit ihren Schilden den Teutschen entgegen / und unterrichtete
sie / welcher gestalt man sich gegen sie verhalten müste /nehmlich / nur dahin
trachten / dass man mit dem Schilde einen Hieb ausnehme / und zugleich mit einem
langen Stosse unter die Achsel / einzutreten geschwinde wäre / dann könten sie
wohl gedämpffet werden; Und zwar ward hiedurch ihr Einbruch in etwas
auffgehalten; aber die andere Teutschen traten an ihre stelle / und mit der
Hirkaner Hülffe brachen sie von neuen ein / dass eine grosse Menge der Feinde
erschlagen ward. Herkules ging als ein erzürneter Löue drauff / dann
Pharnabazus unfall taht ihm wehe /zweifelte auch nicht / dafern nur Pakorus
erlegt währe / sollten die übrigen den Rückeweg wohl finden; hörete auch nicht
auff zusuchen / biss er ihn antraff / und in seiner Gegenwart einen starken
Parter / der einen Teutschen verwundete / mit einem Hiebe zu grunde richtete /
dessen er sich doch nicht entsetzete / sondern trat zu ihm mit guter Freudigkeit
/ und sagte: Ritterlicher Held / wo ich nicht irre / seid ihr eben der / welchen
ich suche. Und ihr / antwortete er / von dem ich mich gerne finden lasse.
Hierauff gebohten sie ihren Völkern beiderseits / dass kein Mensch ihren Kampff
stören sollte; gingen mit behuhtsamer Vorsichtigkeit und heftigen Schlägen auff
einander / aber nach wenig Streichen bekam Pakorus einen starken Hieb über den
Kopff / dass es döhnete / meinte doch baar zubezahlen / und verhieb sich wegen
Herkules geradem ausweichen / dass er durch den Nachhieb eine Beinwunde bekam /
daher er das zierliche Fechten angab / und sich seiner grossen stärke
gebrauchete /damit er Herkules überlegen wahr; der sich aber mit seiner
Geschikligkeit entgegen stellete / und ein langwieriges Treffen mit ihm hielt /
dann er wahr der beste Kämpffer zu fuss unter allen Partern. Sie wurden
beiderseits an unterschiedenen Orten ihres Leibes verwundet / uñ taht Pakorus
nicht so wehe / als dass er sehen musste / wie jämmerlich die seinen von den
Teutschen zugerichtet wurden; dann als die Schlachtschwerter des Feindes
Anschlag inne wurden / führeten sie keine Ober- sondern Unter- und Seitenhiebe
/denen jene nicht zu begegnen wussten. Herkules verwunderte sich über seines
Feindes Krafft / weil ihm am Nachdruk der Schläge nichts abging / und nichts
desto weniger sich wohl vorsah; so wahr ihm aber doch der Verzug dieses Streits
nicht zuwider / weil es den seinen so treflich glückete; aber Pakorus dauchte
die Zeit zu lange / und wagete einen Fall / dass ihm Herkules ausweichen musste /
der gleichwol seines Vortels acht hatte / und ihm die rechte Hand mit seines
Schwerts Spitze zimlich verwundete / dass er das Schwert nach Willen nicht
gebrauchen kunte; gab ihm auch alsbald darauff einen Stoss durch den rechten Arm
/ und schlug ihn über den Kopff / dass ihm die Ohren davon gelleten. Als er nu
wegen der Hand- und Armwunde das Schwert nicht mehr gebrauchen kunte / auch die
Krafft wegen des heftigen blutens ihm entgieng wollte Herkules weiter auff ihn
nicht schlagen /sondern sagte zu ihm: Ritter / ich habe diesen Kampff nicht aus
Feindschaft / sondern aus Pflicht mit euch gehalten / und demnach ich euch
durch Glückesfall zimlich verwundet sehe / will ich unsern Streit auffruffen /
nicht zweiffelnd / er werde sich gefallen lassen /mit mir nach unserm Lager zu
kehren damit unsere Wunden verbunden werden; an meiner seiten habt ihr euch
nichts als alle Freundschaft und Auffrichtigkeit zuversehen. Pakorus kunte sich
dieser Höfligkeit nicht gnug verwundern / und antwortete: Treflicher Ritter /
ich gönne euch viel lieber die Volstreckung eures Sieges / und dass ihr das
wenige übrige meines Bluts vollends hinweg nehmet / nachdem die Götter euch
solches gönnen. Das müste mich ewig gereuen /sagte Herkules / dass ein so teurer
Held von meiner Hand sterben sollte; fassete ihn bei dem Arme / und sagte: Kommet
mein Freund / wir wollen unsern Wunden raht schaffen / welche wir uns umb
anderer Leute Feindschaft geschlagen haben. Ja ich folge willig / antwortete er
wann ich keines andern als des unüberwindlichen Helden GrossFürst Herkules
Gefangener bin / sonst werde ich lebendig diesen Ort nicht verlassen; wie ich
mir dann die Hoffnung mache /eben dieser sei mein Uberwinder. Mein Freund mache
ihm keine widrige Gedanken / sagte Herkules; dann so wenig ich mich vor seinen
Uberwinder halte / so wenig soll er mein oder einiges andern Menschen Gefangener
sein / nur wolle er seine Verbindung nicht verseumen / und nach deren Empfahung
zihen wohin er selbst will. Nun ihr Götter / fing dieser darauff an; bestätiget
den Partischen Stuel / und setzet dieses Helden seinen zu allernähest; fasseten
sich hiemit einander bei den Händen / und gingen aus dem Gedränge hinweg / da
alsbald zwei Pferde hergebracht wurden / auff welchen sie mit einander nach den
nähesten Zelten ritten / da ihre Wunden auffs fleissigste verbunden wurde; uñ
nahm darauf Herkules diesen Abscheid võ ihm: Fürst Pakorus / ich werde noch eine
Rit gegen Fürst Osazes wagen / glücket mir derselbe /alsdann hoffe ich / soll
unsere Arbeit vor dissmahl geschehen sein; machte sich damit nach seinen Leuten
/und fand einen solchen erschreklichen Zustand / dass ihm die Haar zu berge
stunden. Dann nach seinem Abscheide hatten die 12000 Parter nach äusserstem
Vermögen Widerstand geleistet / aber endlich den kürzern zihen müssen; daher
Osazes mit seiner übrigen Mannschaft lossgebrochen wahr. Er wollte zwar nach
Vologeses Anordnung / acht tausend der besten zurücke lassen / und dagegen von
denen so schon gefochten hatten / ihre stelle erfüllen; aber diese wegerten sich
dessen / einwendend / sie hätten ihren Stand redlich gehalten / warumb sie dann
zweimahl ansetzen / und diese nur zusehen sollten? hätte man sie gerne Tod /
sollte man sie unabgefodert gelassen haben; wann aber die Noht an den Mann treten
würde / wollten sie biss zum lezten zu / bereit sein. Also musste er ingesamt seine
Völker anführen / da ihm Leches seinen ganzen hauffen entgegen gehen liess / nur
dass er 100 Teutschen und 500 Persen bei sich behielt. Siegfried und Herman
trieben das Werk sehr eiferig / teilten die Völker mit einander und führeten
sie an in zwo Geschwader / denen Wedekind mit seiner Macht zu hülffe ging / und
sie den heftigen Anfall der Parter ritterlich bestunden. Es wahr dieser Saz der
allerernstlichste / desgleichen bei der ganzen Reuterei nicht vorgangen wahr /
so dass das Würgen am eifrigsten anhielt / wie Herkules darzu kam. Bei Ladisla
wollte sich der Sieg am ersten eräugen; dann als Madates hingerichtet wahr /
entfiel seinen Leuten der Muht / dass sie in weniger Zeit zu rücke wichen /und
sich auff Vonones zohen / welcher deswegen gezwungen ward Ladisla Einbruch zu
hindern / und ihm seine übrige Mañschaft entgegen zustellen / denen sich Ladisla
mit seiner ganzen Macht erzeigete. Vologeses wollte nunmehr an seiner
schierkünftigen gänzlichen Niderlage nicht mehr zweiffeln / dann sein Fussvolk
sah er aussweichen / machte ihm deswegen leicht die Rechnung / Pakorus müste Tod
oder gefangen sein / und begab sich hin zu dem Könige / der kaum mit 6000
Fussschützen umbgeben wahr / dass wann Ladisla solches gewust / hätte er ihn
leicht anpacken können. Als Artabanus seinen Feldmarschalk kommen sah / rieff
er ihm mit betrübter Stimme zu; wir fürchten sehr / unsere Völker werden dissmahl
dem Feind wenig angewinne. Was angewinnen? sagte Vologeses / hätte man nur einen
ehrlichen und sicheren Abzug; mit dem Fussvolk ists geschehen / wie es auch umb
den guten Pakorus stehen mag; die Reuterei schwanket auch schon; aber was
hilffts / dass ich viel klage? da man mit dem Kopffe hindurch will /kans nicht
anders gehen. Mein heilsamer Raht ist dissmahl verlachet worden / und hat wenig
gefehlet / etliche freche Buben / die ihren Lohn schon bekommen /hätten mir gar
die Narrenschellen angehenkt; nun wird mans zu spät beklagen / dass man alle
vernünftige Ursachen / die man zum besten angeführet / aussgezischet und
beschimpfet hat. O hätte man den Feind etliche wenig Wochen auffgehalten / ihre
Muhtigkeit und Kraft sollte wie Wasser zerronnen sein. Ja hätte man noch heut
nach meinem Raht eine Enge ergriffen / wollten wir in wenig Tagen Meister
gespielet haben. Aber geschehene Dinge sind nicht zu wiederbringen. Eure Königl.
Hocheit wolle sich zu Pferde setzen; ich will / da mich das Unglück nicht gar zu
sehr dränget /noch heut sehen lassen / wie leicht ich mich ihres anlaufs hätte
wollen entbrechen / wann mirs nur frei gestanden währe. Eure Hocheit aber nehme
an diesem Tage und heutigem schweren Verlust zur Lehre / wie schädlich es sei /
wañ man die vergeblichen Begierden sich blenden lässet / uñ den unverständige
Schmeichlern lieber / als geträuen Rähten die Ohren leihet. Einem andern würde
diese scharffe Rede nicht ungestraffet aussgangen sein / aber Vologeses ansehen
wahr zu gross / dass der König es verschmerzen musste. So vergingen ihm auch zum
teil die liebes Gedanken /wegen der instehenden Gefahr / legte seinen
Königlichen Schmuk abe / setzete sich auff ein schnellauffendes Pferd / und
hielt neben Vologeses / biss er sah dass die Fussvölker sich zurück zohen / denen
er die 6000 Schützen zu hülffe schickete. Dann als Pakorus gefangen wahr / brach
Artaxerxer mit seinem Heer auff / und volstreckete den Sieg zu fusse; weil er
aber zu eiferig ging / und die Parter / deren noch eine gute Anzahl / zu
umbringen meinte / erweckete er hiedurch bei ihnen eine Verzweiffelung / dass
sie unmenschlich umb sich schlugen / biss sie der Gefahr entrissen / sich mit
zimlichen Vortel zurück zihen kunte / da die jeztgedachten Schützen ihnen guten
Vorschub tahten / und mit ihren Pfeilen die unsern dergestalt abwiesen / dass
auch Artaxerxes selbst zween Schüsse empfing uñ wegen der Verwundung des rechten
Fusses / in welchen ihm hinten an die Verse ein Pfeil fiel / sich musste hinweg
tragen lassen. Ladisla nam ihres Fussvolks Wolergehen zeitiger wahr als Herkules
/ und weil Vonones dem Könige 4000 schicken musste / gedachte unser Held bald /
Artabanus würde dem Hasenpanier folgen wollen / befahl dem Römer Autronius das
Heer / und ging mit 3000 Böhmen und 2000 Römern nach den zehn Elefanten /in
Meinung den König zuerhaschen / umbgab diese Tihre / und rieff ihren Meistern zu
/ dafern sie nicht umbkehren und nach dem Persischen Lager sich begeben würden /
sollten sie stündlich erschossen werden. Diese wussten dass der König schon
herunter wahr / so hatten sie keine Kriegsleute bei sich / deswegen liessen sie
sich durch Furcht und Dräuen schrecken / und leisteten Gehorsam. Das
Frauenzimmer aber welches auff dreien Elefanten sass / führete so ein
jämmerliches Geschrei dz Ladisla sie schier aus erbarmung hätte abzihen lassen;
weil er sich aber fürchtete / sie möchten in der geilen Persen Hände gerahten
und zu schanden gemacht werden / rieff er ihnen zu / sie sollten sich zu frieden
geben / und dem Glük danken /dass sie ihn zu ihrem Ehren-schützer bekommen;
worauff sie sich etlicher massen stillen liessen. Herkules sah nicht / auff was
Weise er seine Völker von der unordentlichen Schlacht abzihen / und sie fein
wieder setzen könnte; samlete vor erst 4000 Mann umb sich /und fing ein
absonderliches Treffen wieder den Feind von der Seiten her an; als nun die
seinen diesen wolgesezten hauffen sahen / machten sie sich in grosser Menge
dahin / biss endlich sein ganzes Heer sein wieder in Ordnung gebracht ward / auch
Osazes an seinem Orte ein gleichmässiges zu tuhn suchte / eben da Vologeses ihm
zuentboht / er sollte dem Könige 6000 handfeste Parter senden / und alsbest er
möchte / die Völker retten / weil das Fussvolk schon geschlagen /und Vonones auff
der Weichseite währe; dessen dieser nicht wenig erschrak / und die begehrete
Mannschaft hingehen liess / führete auch nach dem die Schlacht so behutsam / dass
die unsern ihm wenig angewinnen kunten. Es ward ihm aber die Zeitung gebracht /
dass die zehn Elefanten / auff deren einem seine allerliebste Pantea wahr / die
er kaum vor sechs Wochen wieder geheiratet hatte / nach der Feinde Lager
geführet würden / deswegen er ihm vornam / sie zu erlösen oder zu sterben; ging
also mit 5000 guter Mannschaft hin zu ihrem Entsatze. Ladisla sah ihn kommen /
hies 100 Römer mit den Tihren fortzihe / er aber setzete sich diesem entgegen /
welcher doch nicht ehe zu schlagen meinte / biss die Elefanten in seiner Gewalt
währen; aber Ladisla setzete ihm dergestalt zu / dass er sich nohtwendig wehren
musste / traff auch selbst auff ihn / und merkete an seinem treflichen Gefechte /
dass er ein sonderlicher grosser Herr sein müste / daher er mit guter
behutsamkeit auff ihn ging / und ihm doch sehr wenig abgewinnen kunte; ja
ungeachtet dieses herben Streits / zog er sich gleichwol stets nach den
Elefanten hin / weil er seinen Leitstern drauff hatte / dass Ladisla / damit er
ihn zum Stande brächte / zu ihm sagte: Ritter stellet das Weichen ein / oder ich
werde mich an eurem Pferde vergreiffen. Woldann / antwortete Osazes / weil es
anders nicht sein kann / muss ich euch zu willen werden; fiel damit so wütig auff
ihn zu / dass er mühe hatte sich zu beschützen; biss ihm noch ein Unterhieb geriet
/ damit er ihm eine starke Wunde in den linken Arm gab / weil er den Schild von
sich geworffen hatte / da er nach den Elefanten eilete. Also kunte Osazes sein
Pferd nicht mehr mit der Linken leiten / welches Ladisla eine schnelle
überwindung gab / da er ihm die rechte Hand darzu beschädigte / und den Daumen
halb hinweg hieb. Noch dannoch wollte dieser sich nicht ergeben / sondern
stellete einen seiner Obristen an seine stelle / in Meinung also zu entgehen.
Aber Ladisla wahr ihm zu steiff auff der Haube / reiss ihm den Helm ab / und als
er sah wer es wahr / dann er ihn zu Charas gesehen hatte / sagte er zu ihm:
Fürst Osazes / könnet ihr Ladisla Freundschaft annehmen /so trauet seiner
Versicherung / und reitet mit / dass man euren Wunden raht schaffe. Dieser
antwortete ihm: Ja Grossmächtiger König / wann mein lebendiger Schaz auff dem
Elefanten dieser Versicherung mit geniessen soll / will ich die angebohtene
Königl. Gnade gerne annehmen / und mich solchem ruhmwirdigen Helden ergeben.
Worauff er von neuen alle Zusage bekam. Seine Leute aber / als der FeldHerr
verloren ging / zogen die Feldhosen an / und kahmen ohn sonderlichen Verlust
davon. So bald Vologeses seinen König (der vor angst sich kaum auff dem Pferd
halten kunte) in Sicherheit gebracht hatte / samlete er die annoch übrigen
Reuter und Fussvölker umb sich / liess ihnen Pfeile gnug aussteilen / stellete sie
durch einander / und ging damit gegen Herkules / liess die Trometer zum Abzuge
blasen / und dass alle sich bei ihm finden sollten; daher er in kurzer Zeit ein
starkes ansehnliches Heer umb sich hatte / mit welchem er den Sieg hätte
zweifelhaftig gnug machen können / wañ sie nicht zu heftig währen abgemattet
gewesen; nam aber den sichersten Weg vor sich / ging algemach zurücke / und
schikte sich in die Zeit; doch sendete er den unsern die Pfeile in solcher Menge
zu / dass sie ihn weiters nicht verfolgen durften / und er also diese Völker /
welche sich von den Flüchtigen alle Augenblick mehreten / sicher ins Lager
brachte / welches er die vorige Nacht (ungeachtet des Königs Verspottung mit
weiten Graben und hohen Brustwehren hatte umbzihen lassen; besetzete solches
auch mit Schützen /und schaffete / dass die Verwundete verbunden / und die Matten
gelabet wurden. Musten also die unsern /weil sie mit Geschoss auff der Eile nicht
versehen wahren / ihnen den Abzug gönnen / und sich noch vorsehen / dass sie
unbeschädiget davon kahmen; da sie ohn einige Plunderung nach ihrem Lager
kehreten / auch Herkules / Ladisla / Artaxerxes und Phraortes auff dem Wege
zusammen stiessen und sich ihres wolergehens höchlich freueten / ob sie gleich
alle viere etwas verwundet wahren. Valiska sah von ihrem Elefanten sie daher
kommen / und empfand dessen unsägliche Freude in ihrem Herzen / dass sie nicht
unterlassen kunte / herunter zusteigen / und auff ihrem Reitpferde ihnen
entgegen zuzihen. An allen Orten hatte der lezte Saz viel Blut gekostet.
Artaxerxes / Herkules und Pharnabazus hatten von Pakorus eigenem Heere 14000
erschlagen / und 12000 verwundet / deren bald hernach 9000 sturben / weil sie
nicht so schleunig kunten verbunden werden / und etliche Verleumder daher ursach
nahmen / die Persischen zu beschuldigen / als hätten sie mit vergiftetem Gewehr
gefochten. Partamasiris war schon mit 5000 gefangen worden / wie auch von
Surinas Völkern 4000 / von dessen Verwundeten 7100 den Tod empfingen. Von Orodes
Hauffen wurden 3000 gefangen; der Verwundeten kahmen 4000 um / und blieb der
überschuss gar geringe / nachdem von dem ganzen Fussheer nur 31350 gesunder und
14200 beschädigter davon kahmen / ingesamt 45550 Mann. 12000 wahren gefangen /
und 82450 erschlagen. Es hatte aber unser Fussvolk auch grossen Abbruch gelitten;
dann über die zuvorgedachte wurden noch 9000 erschossen / und Pakorus mit seinem
Hauffen hatte in die 24000 Mann erschlagen / und 10675 verwundet / dass an
Persischer Seite sich 58225 todte / 20275 verwundete / und 41500 gesunde funden.
An seinem Reuterheer missete Herkules über vorgedachte noch 11619; wahren ihm
also 27000 abgeschlagen; Unter den übrigen wahren 23000 beschädigte / und 40000
gesunde; und fand man unter den todten 81 Teutschen / und 76 unter den
verwundeten. Ladisla hatte überall 26850 beschädigte / aber 16150 wahren drauff
gangen / und der gesunden überschuss bestund in 47000 Köpffen; da unter den
erschlagenen 182 Böhmen / und 353 Römer; unter den verwundeten aber 300 Böhmen
/und 350 Römer wahren. Des Feindes Reuterei hatte ein mehres eingebüsst; Von
Osazes Flügel wahren 59000 erschlagen / 7000 hart verwundet / und 16500 in
Gefängnis gerahten. Unter den Todten wahren 12000 Skyten und gleich so viel
Indier; Unter den verwundeten 3000 Indier / und unter den gefangene 6500 Skyten
/ also dass von diesem Flügel / welcher mit zutuhn der Indier anfangs 125500 Mann
hatte /nach der Schlacht nur 43500 gesunde / wiewol allerdinge abgemattete
Reuter übrig wahren. Vonones / als ihm an statt der Indier die ElefantenSchützen
und überbliebene Skyten zugeschikt wahren / hatte ein Heer von 102000 Reutern /
aber die wahren ihm dergestalt gestenzet / dz nur 30500 gesunde davon bei ihm
stunden; massen deren 5000 gefangen / 8000 hart verletzet / und die übrigen
58500 erschlagen wurden /dz von aller Skytischen Mannschaft nur 3000 bei dem
Heer übrig wahren / welches überall noch in 105350 gesunden und 29200
verwundeten bestund. Hingegen wahr das Persische Heer noch 128500 gesunde Köpffe
stark / und unter ihren 70125 beschädigten funden sich 30000 / welche nach
empfangener Verbind- und Labung noch düchtig wahren das Gewehr zu führe. Von den
Partischen Feldherren wahren gefangen /Fürst Pakorus / Fürst Osazes / Surinas /
Mitridates /Archelaus / Sargapises der Skyte / Partamasiris / und Apreteus.
Skyles der Skyte Pandion der Indier und Andragoras der Parter wahren
erschlagen. Von unsern KriegsObristen wahren gefangen / Fürst Pharnabazus /
Prinsla / Markus / Bubazes und Gallus. Unter den verwundeten Gefangenen wahren
Mitridates und Osazes die schwächesten / aber kein Mensch frölicher / als
GrossFürstin Valiska; sie herzete ihren Gemahl und Bruder vor Freuden / als sie
vernam / dass ihre Wunden so geringe waren / wollte ihnen auch alsbald die
Harnische helffen abziehen; aber Herkules hatte was anders im Sinne / und sagte
zu den anwesenden Fürsten: Vologeses hat jezt sehen lassen / wie gescheid er ist
/ die Völker durch vorsichtige und halb-furchtsame Abführung zuretten; aber ich
hoffe ihm die Karte dergestalt zuverstecken / dass er inwendig 24 Stunden
ungejagt davon lauffen / oder Morgen mit allen den seinen sich belagert finden
soll; befahl auch dass die gesunde Mannschaft sich alsbald laben musste / deren
Häuptleute er also anredete: GOtt Lob ihr redliche Persen / Meden / und andere
Bundgenossen; das Partische Joch ist nun schier gebrochen; der grosse Wüterich
Artabanus hat euch müssen den Rücken zukehren / und mag vielleicht wohl schon mit
flüchtigen Gedanken umbgehen. Lieber gönnet ihm die Ehre nicht / dass er sich
berühmen sollte / wir hätten sein Lager nicht angeschriehen. Zeiget euren
Kriegsleuten an / dass wer gesund ist / und ein unverzagtes Herz hat / solle sich
geschwinde mit Speise und Trank laben /und mir folgen; die Plünderung soll ohndas
vor Morgen früh nicht geschehen. Wer weis was vor Glük der milde Gott uns
zuweiset / dass uns dieser Rit nicht gereue? ich versichere euch / dass der Feind
der Kühnheit nicht ist / uns ein blosses Schwert zuzeigen / und ihr deswegen vor
neue Wunden euch nicht zubefürchten habt. Er hatte nunmehr bei hohen und
niedrigen ein solches Ansehen erlanget / dass sie ihn nicht anders als einen
irdischen Gott schätzeten / deswegen die Häuptleute willig wahren / und die
Völker begierig / ihm zu folgen / in solcher Freudigkeit / dass sie mit jauchzen
erschienen / und über die 20000 beschädigte mit fort ritten / so dass nur 6000
gesunde die Gefangenen / deren 33500 wahren / bewacheten / und 10000 zimlich
verwundete das Lager besetzeten; dagegen stelleten sich 140500 Mann zum Zuge /
und wahren 2000 Reuter aussgeschikt die verschüchterten Pferde zusammen
zutreiben. Valiska betrübete sich dieses vornehmens sehr / dass sie willens wahr
/ ihn davon abzumahnen / einwendend / man sollte einem fliehenden Feinde eine
güldene Brücke machen; aber Herkules sagte mit einem leichten Lachen: Wie mein
Schaz / seid ihr in so kurzer Zeit so verzagt worden? geliebt es euch / so leget
eure Waffen an / uñ reitet mit / weil keine Gefahr zu fürchten ist. Sie nicht
faul /machte sich fertig / und setzte sich auff ihren Blänken / welchen ihr
Fürst Menapis aus Hirkanien vor wenig Tagen geschikt hatte. 2500 Teutsche und
Böhmen /nebest 5500 Persen und Meden wurden geordnet / ihr auff allen Fall Schuz
zu halten / und wollte Ladisla durchaus nicht zurücke bleiben / sondern weil
seinen geringen Wunden schon raht geschaffet wahr / ging er mit Herkules fort.
Der Feind hatte seine Schildwachten zimlich weit aussgesetzet / welche nach
empfangenen Befehl geschwinde aussrissen / und im Lager ein grosses Schrecken
verursacheten / vorgebend / es währe der Feind wohl mit 150000 Mann verhanden und
im vollen anzuge / das Lager zu stürmen; denen Vologeses anfangs keinen Glauben
zustellen wollte /aber nachdem er die unsern sah / die in weit aussgebreiteten
Flügeln fort zogen / und 800 Teutsche Schlachtschwerter voran gingen / besetzete
er die Posten mit kranken und gesunden durcheinander / dann er verlies sich auff
seine tieffe Graben und hohe Brustwehren / hinter denen er vor Reuter anfal gnug
gesichert wahr. Herkules wusste vorhin wohl / dass er durch Sturm nichts schaffen
kunte / wahr auch dieser Ursachen halber nicht ausgezogen / sondern hatte bei
den Gefangenen sich genaue erkündiget / was vor eine beschaffenheit es mit des
Feindes Lager hatte / und dass die Elefanten sampt den Speisewage im
absonderlichen Lager gehalten wurden; dahin liess er Ladisla mit 20000 Mann gehen
/ er aber besetzete das Häuptlager rings umbher / dass sie nicht aussfallen kunten
/ wie sie dann ohn das darzu keinen Willen hatten; und ob gleich Vologeses 20000
aufbieten lies / einen ritterlichen Versuch zu tuhn / wollte doch Artabanus es
nicht göñen / sondern sagte: Lasset die hungerigen Teutschen Wölffe nur machen /
wir hoffen /sie werden sich endlich durch ihren eigenen Grim noch selber
fressen. Valiska sendete einen Trometer nach des Feindes Lager / und liess
Bagophanes anmelden / wo er seiner Gemahl Fr. Parasitis etwas zu entbieten hätte
(dann sie wahr mit unter dem gefangenen Frauenzimmer) wollte sie es gerne werben
/ gäbe ihm auch hiemit frei sicher geleit / zu ihr heraus zukommen. Als
Artabanus hörete / dass sie mit unter den Völkern wahr / merkete er leicht / dass
Herkules ihm solches nur zum Schimpff und auffzuge anstellete /und ward durch
Liebe uñ Eifer dergestalt eingenommen / dass er begehren durfte / man sollte ihm
seine Rustung bringen / er wollte hinaus / und mit dem Räuber Herkules einen
absonderlichen Kampff halten /der gewissen Hoffnung / ihm obzusiegen. Aber seine
Obristen hätten des lieber gelachet; und kunte Vologeses nicht umbhin / ihn
zuerinnern / er möchte doch in sich gehen / und bedenken / dass weder Kartasis
noch Pakorus vor Herkules Schwert hätten bestehen können / und dass wohl eben zu
dem Ende Artaxerxes ihn bewäget hätte / sein Gemahl herzuführen / dass seine
Königl. Hocheit dadurch ins Nez gelocket würde; zwar er könnte wohl leiden / dass
Bagophanes hinaus ritte / aber dem ausszuge seines Königes wollte er sich
wiedersetzen / und lieber sterben als einwilligen. Nun nun Bagophanes sagte
Artabanus / so reite hinaus / nachdem unsere Fürsten und KriegsObristen unser
Vorhaben dissmahl nicht vor rahtsam halten; sagte ihm etwas heimliches ins Ohr /
und liess ihn fort zihen. Herkules sah ihn kommen / und ritte von seinem Gemahl
hinweg / weil dieser vielleicht sich scheuhen möchte / in seiner Gegenwart mit
ihr zu reden. Die GrossFürstin hatte zwar ihren Reitarnisch angelegt / auch
einen köstlichen Degen an der Seiten /und den Köcher vol Pfeile / aber den Helm
hatte sie abgetahn / und einen schwarzen Huet mit einer weissen Feder
auffgesetzet / darunter sie ihr schönes Haar bei den Ohren herunter hangen liess.
So bald Bagophanes sich ihr nahete / rieff sie ihm zu: Wie stehets mein Freund?
habt ihr auch Wunden mit aus der Schlacht zubeweisen? Durchleuchtigstes Fräulein
/antwortet er / ich erfreue mich ihrer Gn. wolergehens /und habe derselben
meines allergnädigsten GrossKöniges Gruss anzumelden / dessen Hocheit sie
freundlich ersuchen lässet / auff guten Glauben in sein Lager zureiten. Ach nein
/ sagte sie mit einem Gelächter /vor dissmahl werde seiner Hocheit ich nit
gehorsamen können / weil von meinem allerliebsten Gemahl ich dessen kein
erläubnis habe; bedanke mich aber des überbrachten Grusses / und werdet mich wohl
entschuldigen / auch daneben euren König versichern /dass der gefangenen Herren
ich mich träulichst annehmen wolle; wie ich dann hoffe / dass man mit den unsern
auch also verfahren werde; soltet ihr aber Herrn Bubazes wegen seiner Kleofis
wollen zusetzen /würde euer Gemahl uñ andere / dessen schwer zu empfinden haben.
Es ist mir sonst lieb dass mein gnädigster König aus diesem harten Ungewitter
noch unbeschädigt entrunnen ist. Aber verlanget euch nicht /mein Freund / euer
schönes Gemahl bald wieder zusehen? an welcher sich wohl junge Herrn vergaffen
dürften / und ist sie ohndas meines Herrn Bruders gefangene / welcher vielleicht
ohn empfangenen Kuss sie nicht los geben möchte. Dieser meinte / es währe ihr
lauter ernst / und baht sehr / ihrer Ehren geträue Schützerin zu sein. Dessen
sie lachete / und ihm versprach / er sollte sie noch vor Morgen früh wieder
haben; wovor er sich untertähnig bedankete / und ihr ungescheuhet zuverstehen
gab / wie der König an ihrer Liebe so sehr hinge / dass er sich eines ärgern
befürchtete / wann er seinen Vorsaz nicht erlangen würde. Welches sie aber mit
einem ernstlichen Gesichte also beantwortete: Bei Leib und Leben saget mir davon
nicht / Bagophanes; was wollte oder könnte er seinen Vorsaz an mir erlangen?
wisset ihr oder er dann nicht / dass ich mich verehlichet habe? ich werde ja nicht
von meinem allerliebsten Ehegemahl GrossFürst Herkules hinweg lauffen / und eurem
Könige als eine Ehebrecherin auffwarten; hätte euch auch nimmermehr so
unverständig angesehen / dass ihr einem redlichen Weibesbilde ein solches
anmuhten würdet; und warumb scheltet ihr mich vor ein Fräulein? wisset ihr doch
wohl dass der Nahme mir nicht zustehet. Saget demnach eurem Könige / dass er die
Augen seines verstandes aufftue / und beides sein torächtiges Vornehmen mich
zuerstreiten / und sein bevorstehendes Unglück betrachte. Er sihet ja wie heftig
ihm heutiges Tages sein Stuel gerücket ist / und dürffte ihm / ehe ers meint 
noch wohl näher getreten werden. Währe demnach mein geträuer Raht / er liesse
sich etwas gnädiger und gutwilliger gegen die Fürsten heraus /als bisher
geschehen; alsdann wollte ich als eine geträue Unterhändlerin ihm in der Taht
beweisen / wie gut ichs mit seiner Hocheit meine. Zwischen diesem Gespräch hatte
Artabanus hinter der Brustwehr durch ein klares Durchsicht ihr Angesicht und
Gebärden eigentlich besehen / und dauchte ihn / sie währe ihm in so volkommener
Schönheit noch nie vorkommen; kunte daher durch Liebe gereizet / nicht
unterlassen /in sich selber zusagen. O du unverständiger blöder Artabanus /
kuntestu dieses unvergleichliche gutes nicht geniessen / da du es in deinem
Besiz hattest? und liessest durch ihr leichtes Dräuen dich davon abschrecken!
Nun ihr Götter / liefert sie noch einmal wieder in meine Gewalt / oder schicket
es / dass der Erzräuber diese Länder so geschwinde nicht verlasse /damit ich
Gelegenheit habe / mich ihrer zubemächtigen. Inzwischen hielt Valiska ihr
Gespräch mit Bagophanes / und vermahnete ihn gar ernstlich / seinen König von
den närrischen gedanken abzuzihen; da gleich Ladisla sich mit seiner Beute sehen
liess. Er hatte vor erst die Elefanten Meister gezwungen / ihre Tihre alle
miteinander heraus zuführen / die er mit 4000 Reutern nach dem Persischen Lager
begleiten liess; hiebei wahren 10000 Kameltiehre / 20000 MaulEsel und 16000 Wagen
/ die alle mit fort mussten / nachdem die Pferde schon davor gespannet wahren
/weil Vologeses wieder Artabanus Willen befohlen hatte / sie nach dem
befestigten Lager in sicherheit zu bringen / und sie also zum vollen und
schleunigen auffbruche fertig stunden. Als die Parter diese Beute sahen hinweg
führen / währe ihr König schier unsinnig worden; Vologeses aber geriet in Eifer
/ und sagte: Ich halte es vor ein unfehlbahres Zeichen unsers unterganges / dass
eure Königl. Hocheit mir in allen guten anschlägen so gar zuwieder ist; hätte
man nach meinem befehl die Wagen und Tihre alsbald hereingebracht / sollten sie
uns wohl blieben sein / und fürchte ich nur / dass zugleich Freunde und Feinde
alles meinem unverstande und unvorsichtigkeit zulegen werden. Artabanus taht als
hörete ers nicht / und fing an zu ruffen: Pfui uns an / wir sind nicht eines
faulen Apffels wert; ist es so weit mit uns kommen /dass wir solchen Schimpff und
Schaden mit geduldigen Augen ansehen müssen? hinaus / und hauet Kamehl und
Pferde nider / so bleibet uns ja noch wohl /was wir geladen haben. Vologeses
seufzete über dieser Tohrheit / wollte nicht antworten / und achtete selbst vor
nöhtig / dass man zum wenigsten nur zum scheine sich ins Gewehr stellete / daher
befahl er den gesunden Reutern auffzusitzen; aber es ging alles so schläfferig
zu / dass er leicht merkete sie würden wenig verrichten; weil auch Herkules mit
auffbrach und sich hinter die Wagen setzete / liess kein Parter sich ausserhalb
Lagers finden. Bagophanes machte sich wieder hin zu seinem Könige / brachte ihm
der GrossFürstin freundlichen Gruss an / und dass des Königes Gesundheit ihr sehr
lieb währe; gab vor / sie hätte durch Geberden gnug zuerkennen gegeben dass sie
im Herzen ihm sehr hold währe / aber wegen der anwesenden Auffmerker sich nichts
dürffen vernehmen lassen / ohn dass sie ihm (welches er aus furcht tichtete)
vertraulich angezeiget / dass eine sehr grosse Macht nicht ferne währe / dem
Königlichen Lager zuzusetzen; dann er hätte den schleunigen Auffbruch /umb der
Gefahr zuentgehen / gerne befodert. Phraortes hatte Artaxerxes im beiwesen der
gefangenen Partischen Herren angemeldet / dass nicht allein alle Partische
Elefanten eingebracht währen / sondern GrossFürst Herkules mit einer
ungläublichen Menge Kamehle / MaulEsel und Wagen angetrieben kähme. Dessen er
sich hoch freuete / und zur antwort gab; er könnte anders nicht gläuben / als dass
Herkules von irgend einem Gott müste gezeuget sein; zweiffelte auch nicht / da
ers nicht umb seines Gemahls willen unterlassen würde er gewisslich einen Versuch
auff des Feindes Lager getan haben. Nun hatten Pakorus und Osazes eben dieses
gefürchtet; aber da sie höreten /dass es ihm umb diese Beute wahr zutuhn gewesen
/gaben sie sich in etwas zu frieden / ungeachtet sie wohl sahen / dass dem
Partischen KriegsHeer hiedurch alle Mittel benommen wahren sich im Felde länger
auffzuhalten. Die ersten Elefanten so Ladisla im Felde mit dem Frauenzimmer
ertappet / wurden annoch steiff bewahret / und hatte sich deren niemand
angenomen /daher das betrübte Frauenzimmer in schweren sorgen wahr / wie mans
endlich mit ihnen anschlagen würde; aber so bald Ladisla wieder kam / machte er
sich herzu / uñ baht / sie möchten die vornehmsten unter ihnen melden; welches
sie willig tahten / und gaben sich Vologeses / Pakorus / Osazes / Vonones und
Archelaus Gemahlen alsbald an. So bald Valiska ihre weiblichen Kleider wieder
angelegt hatte / ging sie zu ihnen hin / und ward von ihnen (deren anzahl sich
auff 52 Fürsten- und HerrenStandes erstreckete) sehr demühtig geehret; sie fand
drei Jungfern ihres gewesenen Zimmers dabei / welche sie freundlich umbfing und
küssete; und weil es sich schon begunte auff den Abend zu neigen / nöhtigte sie
alle mit einander in die Zelte / mit versprechung / dass ihren ehren nicht die
allergeringste beschimpfung sollte angelegt werden; worauff sie ein gutes Herz
fasseten / und sich zu ihrem Dienst und Gehorsam erbohten. Sie wahr aber bei den
gefangenen Fürsten noch nicht gewesen /auch wusste das gefangene Frauenzimmer
nicht / dass ihrer Ehegemahlen etliche so nahe währen. Als sie nun in das
GrossFürstl. Persische Gezelt trat / und die Gefangenen daselbst antraff /
grüssete sie dieselben gar freundlich / erzeigete ihr mitleiden wegen der
empfangenen Wunden / und fing hernach an: Durchleuchtige Fürsten / Herr Pakorus
und Osazas / auch H. Archelaus; hie führe ich ihnen ihre allerliebste Gemahlen
zu / die noch von keinem Menschen als bloss von mir sind angesprochen und gesehen
worden / zweiffele nicht / sie werden eure Liebden in ihrer Traurigkeit etwas
trostes mitteilen. Pakorus antwortete ihr: Unvergleichliche GrossFürstin / der
Himmel ist mein Zeuge / dass ich so wenig wegen meiner Wunden als Gefängnis
traurig bin / sondern mir vielmehr vor ein Glük rechne / dass hiedurch (weil auff
andere weise es nicht geschehen können) ich die Gelegenheit funden / des
treflichen Helden / ihres geliebten wirdigen Gemahls Kundschaft zuerlangen. Und
eben dieses beklaget mein Gemahl / sagte sie / dass mit euer Liebe er keinen
höflichern anfang der Freundschaft hat machen können. Die guten Frauen machten
sich zu ihren Gemahlen / und bezeugeten ihr herzleid mit Trähnen / dessen sie
mit Worten sich nit durfften merken lassen. Herkules hatte sich mit Artaxerxes
schon beredet / wie mans mit den Gefangenen halten wollte; trat hin zu Pakorus /
der in einer Sänfte lag / und sagte zu ihm: Eure Liebe werden mir vezeihen /
dass ich die Ursach seiner Schwachheit sein müssen / und sich versichern / dass so
lange ich lebe / sein und bleiben will / ausser dieser jetzigen Fehde / Fürst
Pakorus Diener und geträuer brüderlicher Freund / uñ dass dieses versprechens
euer Liebe ich ein geringes Denkzeichen hinterlassen möge / bitte ich dienstlich
/ diesen schlechten Ring von mir anzunehmen / und zum Gedächtnis unser gemachten
Freundschaft zu tragen /auch nebest seinem lieben Gemahl alle Stunde und
Augenblick zuzihen / wohin ihm gelieben kann und mag / nachdem seine Liebe stets
frei / und keines Menschen gefangener ist; sollte mir aber das Glük so günstig
erscheinen / meinen Herrn und geliebten Freund dereins auff andere Gestalt in
meine Gesellschaft zubekommen / werde ich denselben so schleunig nicht von mir
hinweg weichen lassen. Wañ nun eure Liebe bei dem Herrn Feldmarschalk dieses
zubefodern unbeschweret sein wollte / dz mein geliebter Bruder Fürst Pharnabazus
/ und meine übrigen Leute alsbald lossgegeben werden möchten / sollen dagegen
Fürst Osazes / und die andere Herren ohn argelist abgefolget werden. Pakorus /
nach dem er den Ring mit begierigen Händen angenommen hatte / antwortete ihm:
Durchl. GrossFürst / unvergleichlicher Held / als Wunderspiegel aller Tugend; ich
bedanke mich der hohen Ehren ganz dienstlich / dass eure Dorchl. mir ein so
wertes Gedächtnis hinterlassen wollen / welches mit noch mehr Wunden / als ich
schon empfangen / zuerkäuffen / mich nicht wegern wollte. Wegen meiner und meines
Gemahls Freiheit bin ich ebenmässig dank zusage schuldig / werde nicht
unterlassen / dass mir anbefohlne fleissig ins Werk zu richten /mit angehängter
Bitte / eure Durchl. wolle mich hinfüro unter die Zahl ihrer Diener setzen / will
mich auch bemühen / dereins ein Gemüht sehen zulassen / welches guttaht auffs
minste erkennen kann. Artaxerxes liess alsbald zwo trefliche Gutschen herbringe /
auff deren eine Vologeses und Pakorus Gemahlen / auff die andere Vonones und
Bagophanes ihre gesetzet wurden / und Freiheit bekahmen mit fortzuzihen. In des
Königes Lager aber wahr gar ein elender und verwirreter Zustand; erselbst
hermete sich über alle masse / dass ihm dieser Zug so gar misslungen / und alle
Hoffnung der so hoch begehrten Heirat abgeschnitten wahr / verboht auch / dass
niemand ohn allein Bagophanes zu ihm in sein Zelt kähme / der ihm von dem
Fräulein (wie er sie stets nennete) ihren Geberden und Antwort etwas
vorschwatzen sollte. Aber Vologeses achtete des Verbots wenig / nahm Vonones und
Kartasis zu sich / ging hin zu ihm / und liess sich anmelden; da er zur Antwort
bekam; Königl. Hocheit währe jetzo unmüssig. Unmüssig? sagte er; trat mit seiner
Gesellschaft ungefodert hinein / und fing also an: Wess zeihen sich eure Königl.
Hocheit / oder was gedenken sie / dass sie in diesem gefährlichem Stande niemand
lieber / als einen unnützen Schmeichler umb sich leiden mögen? meinen sie etwa /
sie sitzen auff ihrem unüberwindlichem Schloss? wir haben ja den
durchdringenden Bliz / Herkules / kaum abzihen sehen / und ist wunder / dass er
ohn Sturm gewichen ist; eure Hocheit werden gewisslich einen andern Sinn
ergreiffen / sonst gebe ich sie reine gar auff. So betrachten nun dieselbe / dass
der Feind nicht allein unsere Völker geschlagen / sondern unsern Vorraht an
Speise und anderen nohtwendigen sachen hinweg genommen hat / dass wo wir noch 24
Stunden harren /uns der Hunger den Weg zeigen wird / wo er uns sonst nur offen
bleibet; und wir stellen uns nicht anders an / als ob wir in aller Sicherheit /
oder doch in aller Hülle und Fülle sässen? Ob eure Königl. Hochheit zu essen
haben / darumb bekümmert sich der Landsknecht nicht / wann er nicht mit niessen
darff. Wolle demnach eure Königl. Hocheit das algemeine Wesen und ihre eigene
Wolfahrt zu Herzen zihen /und durch unnöhtige / oder wohl gar unmögliche
betrachtungen sich nit selber ins Verderben stürzen. Ist also anfangs nöhtig
zubedenken / wie wir unsere FeldHerrn aus FeindesHand loswirken / und wie wirs
mit unsern Gefangenen halten wollen; hernach / obs besser sei / stündlich
auffzubrechen / oder liegen zubleiben; wovon eure Königl. Hocheit ihre Meinung
allergnädigst anzeigen wolle. Bagophanes hätte sich gerne verantwortet / fing
auch schon an sein Wort zureden; Aber Vologeses hies ihn das Maul halten / und
seines Amts warten / welches im Felde ja so unnöhtig währe / als wenig er des
Kriegs verständig. Artabanus taht / als hörete er diesen Zank nicht / sondern
seuffzete / und gab zur Antwort: Es ist zubetauren /dass unsere Parter / die
bisher weder dem Glük noch der Macht nachgeben wollen / sich so schändlich haben
lassen aus dem Felde schlagen / und zwar von den ohmächtigen Persen und Meden.
Man muss mit dem glückes lauffe zu frieden sein / antwortete Vologeses; die
Fremden die Fremden haben uns allen schaden getahn / sonst wollten wir die
übrigen mit der helffte unsers Volks gefressen haben. Vonones und Kartasis
stimmeten hiemit überein; welches doch Artabanus nicht hören wollte / sondern
sagte: Es währe eine Schande / dass die elende Handvol Fremde neben ihren beiden
unbärtigen Fürstlein von so grossen FeldHerrn nit könten gezähmet werden / da
doch die viel grössere Macht des Römischen Käysers von einem geringen Heer oft
abgehalten und geschwächet währe; fing darauff an / Herkules als einen Räuber
ausszuschelten / der ihm die Krohn seines Herzen geraubet und entführet hätte /
ohn welche er nicht leben könnte / noch zu leben begehrete. Hier gedachte
Vologeses / es währe jezt Zeit / es zubeantworten und fing also an:
Allergnädigster König; eure Hocheit wolle diese Liebe ja aus dem Sinne schlagen
/ und bedenken / dz diese GrossFürstin niemahls willen gehabt / sie zu lieben /
da sie noch im ledigen Stande wahr; wie viel weniger / nun sie einem andern
ehelich beigelegt ist /und zwar einem / ihrer Schönheit gleichmässigem Fürsten /
auff welches die jungen Fräulein pflegen am meisten zu sehen; und wann ich
eigentlich wissen sollte / welcher gottlose Schelm eure Königl. Hocheit zu diesen
unbilligen Gedanken reizet / wollte ich ihm den Kopff in stücken zerhauen. Ich
versichere eure Hocheit bei meinem äid und Glauben / werden sie in diesem
Unwesen also fortfahren / wird inwendig Monat frist sich kein redlicher Parter
des Königlichen Stuels annehmen; dann wer wollte sein Leben darzu hergeben /
einem andern sein Weib zuentfremden? ich meine / unser Krieg währe / die
Abtrünnige zum Gehorsam zu bringen / dessen doch eure Königl. Hocheit mit keinem
Worte gedenket; und jene unbilligkeit ist eben die Ursach / wann ichs ja sagen
soll /dass unsere Schwerter nicht durchdringen / unsere Pfeile nicht treffen / und
unsere Fäuste nicht siegen können. Eure Hocheit gibt vor / Herkules habe ihr das
Fräulein geraubet. Er hingegen beteuret nebest ihr zugleich / sie sein vor drei
Jahren schon ehelich versprochen. Wer soll hie Scheidesmann sein? eure Königl.
Hocheit hat keinen OberHerrn; Herkules erwartet auch keinen andern als Gott und
das Schwert /welches ihm in dieser Sache noch nicht abgefallen ist. Ey so
begeben sich doch dann eure Königl. Hocheit eines dinges / dass kein Mensch
möglich machen kann /und kein Gott will / uñ gedenke / dass die Welt auff einen
Menschen nicht stehet. Was wollte man tuhn /wann der Tod diese GrossFürstin
hinwegrisse? könnte man mit ihm darüber streiten? lasset uns diese vor Tod
rechnen / weil ihre Neigungen nie no comma? / ohn zu ihrem verderben gelebet
haben; dann sollen die Abtrünnigen sich nicht lange des heutiges Sieges
zuerfreuen haben. Aber was meint  dann nun eure Hocheit / wie mans mit den
Gefangenen halten solle? Artabanus durffte ihm in dieser Sache nicht
wiedersprechen / und gab vor / er wollte es ein halbviertelstündichen in bedenken
nehmen; womit Vologeses zufrieden wahr. Als Pakorus seinen Abzug nahm /und
Herkules ihm das Geleite zu Pferde biss auff halben Weg gab / wollte er seines
Königes Wolfahrt nicht hindan setzen / dann er befürchtete sich diese Nacht
eines ärgern und fing weitläuftig an / wie glückselig er seinen König halten
wollte / wann derselbe mit ihm möchte vergliechen sein / und da er nur wissen
könnte / was vor abtrag er vor die erwiesene unbilligkeit foderte / wollte er
neben Vologeses und anderen sich bemühen / dass er vergnüget würde. Herkules
merkete wohl wohin er zielete / und gab zur Antwort: Er führete das Schwert
wieder Artabanus eben nicht zur Rache / sondern dass er ihm nur sehen liesse /
wie wenig er nach seinem dräuen fragete / und sich nicht scheuhete / wans Gott
also versehen hätte / sein Leben dran zusetzen; der allmächtige Gott währe sein
Zeuge / dass er recht zu seinem Gemahl gehabt / ehe sie in diese Landschaft durch
MenschenRäuber geführet währe / hätte auch dem Könige anfangs dz gebührliche
Lösegeld vor sie gebohten / wovon er durchaus nicht hören wollen / deswegen er
sich der List gebrauchen müssen / weil sein Arm zu Charas nicht wirken können.
Zwar er bedankete sich des guten erbietens / aber es würde bei Artabanus in
diesem falle weder Träue noch Glaube sein / angesehen er jezt diese Stunde durch
Bagophanes seinem Gemahl anzeigen lassen / wie er seinen Zweg der Liebe
zuerreichen / noch immerhin bemühet währe / welches ja nicht als durch seinen
Tod geschehen könnte / und doch nach seinem Tode nicht geschehen würde; hätte
also gnug Ursach / ihm nach vermögen wieder mit dem Schwerte auffzuwarten / als
seinem abgesagten Todfeinde; welches alles Pakorus mit grosser betaurung
anhörete. Vologeses stellete sich auff die bestimmete Zeit wieder ein / des
Königes Erklärung zuvernehmen / welcher sich mit zimlichem Eiffer hören liess /
er könnte einwilligen / dass die fremde Gefangene gegen andere ausgewechselt
würden / aber den verwägenen Bubazes und den meinäidigen Pharnabazus wollte er
durchaus zur abscheulichen Straffe behalten /dass man ihm nicht mehr vorzuwerffen
hätte / er gedächte der Abtrünnigen nicht / deren dieser der gröste währe /
indem er ohn Königliche verleih- oder belehnung ein vornehmes Fürstentuhm
ansprengen und in besiz nehmen dürffen. Dieser Antwort wahr ihm Vologeses nicht
vermuhten / und ersetzete es solcher gestalt: Es fehlet wenig / dass wir gar des
Feindes Gnade leben müssen / und wollen ihn durch dräuung noch ferner reizen?
Aber dieses ungemeldet; soll Fürst Pakorus / soll Fürst Osazes / die beiden
ReichsSeulen nicht gelöset werden? wolan / man haue Pharnabazus den Schedel
herunter / und schlage zugleich Pakorus das Häupt abe; man tödte Bubazes / und
ermorde zugleich Osazes; aber auffs wenigste / dass mein Kopff dabei gelegt werde
/ dann ich muss doch endlich eben den Lohn zugewarten haben; und bleibet eure
Königl. Hocheit auff dieser beharlichen Meinung / so begehre ich hiemit
untertähnigst meinen Abscheid und Erlassung / auff das nicht hernähst jemand
sage; Vologeses habe also gerahten / und der gefangenen Fürsten Tod befodert /
damit er allein möchte gewaltig werden. Ehe dann der König dieses beantwortete /
ward ihm angemeldet / Pakorus währe in einer Sänfte mit etlichen Frauenzimmer
angelanget / daher ihm Vologeses entgegen ging / seiner Gemahl Wiederkunft sich
von Herzen erfreuete / über Pakorus verwundung sein mitleiden erzeigete / und
ihm hernach klagete / mit was Gedanken der König umbginge / Pharnabazus und
Bubazes abzustraffen; dessen er nicht wenig erschrak / und sich erklärete viel
lieber zusterben / als dieses einzuwilligen; liess sich auch auff einem Stuel ins
Königs Zelt tragen / und fing also an: Allergnädigster König / vor euer
HocheitWolfahrt habe ich heut den grösten teil meines Bluts vergossen / welches
das unüberwindliche Schwert des auffrichtigen GrossFürsten der Teutschen aus
meinem Leibe gezapfet / welcher mich hernach mit grösserem ernste beim Leben
erhalte / als vorhin verwundet hat; gestaltsam er mich selbst auffs Pferd
gehoben / nach den Zelten geführet / und meine Wunden ehe als seine verbinden
lassen / worzu er die Binden selbst von ander risse; jezt hat er mich samt Fürst
Vologeses / Fürst Vonones und Herrn Bagophanes Gemahlen auff freien Fuss
gestellet / mit dem ausdrücklichen bedinge / dass ich Fürst Pharnabazus uñ Herrn
Bubazes ihm wieder unbeschimpfet abfolgen liesse / welches bei euer Hocheit ich
leicht zuerhalten gedenke / in betrachtung / dass nicht allein Fürstliche Zusage
gehalten / sondern auch den übrigen gefangenen FeldHerrn gute verpflegung
hiedurch muss erhalten werden. So mögen die meinäidigen Auffrührer dissmahl
hinlauffen / antwortete Artabanus / weil wir unserer Bedienten Wolfahrt mehr als
jener Verbrechen beobachten müssen; stellete ihnen hierauff Freiheit zu / mit
den Gefangenen nach gutdünken zuschalten. Worauff sie beide alsbald mit einander
sich nach Vonones Zelt verfügeten / und die Gefangenen dahin auff Gutschen
hohlen liessen / der dreien (als Prinsla / Markus und Gallus) Stand von
Pharnabazus erfragend; welcher ihrer tapfferen redligkeit gute Zeugnis gab / und
dass Gallus GrossFürst Herkules geheimster Diener währe. Vologeses stellete ihnen
allen gänzliche Freiheit zu / wegen erlassung seiner Gemahl neben Vonones sich
bedankend / mit dem Wunsch / Gelegenheit zuhaben / dass sie Herkules in
absonderlicher Freundschaft ein solches erwiedern könten. Die drei Fürstinnen
aber lieferten Pharnabazus zwölff trefliche Kleinot und so viel Ringe /der
GrossFürstin zum Geschenke ein / und bahten ihn / dass das übrige Frauenzimmer vor
unehr weiter geschützet werden möchte. Diese erbohten sich / alles wohl zu werben
/ und macheten sich in guter Begleitung fort.
    Es wahr aber im Medischen Frauenzimmer grosse Traurigkeit wegen Artobarzanes
Tode / über welchen seine schöne Atossa sich nicht wollte trösten lassen
/insonderheit / da sie hörete / dass Surinas der Tähter währe / hielt auch bei
der GrossFürstin Saptina und Fürstin Barsene an / ihr bitten zu helffen / dass der
Mörder (wie sie ihn nennete) wieder hingerichtet würde; die ihr aber hart
zuredeten; sie müste sich zufrieden geben / das Unglück hätte sich im offenen
Treffen zugetragen; so währe ihr Gemahl im Kampffe vor das Vaterland ritterlich
gestorben / und Surinas hätte sich ja billich des feindlichen angriffs erwehren
müssen; viel besser tähte sie / dass sie mit ihnen hinginge /das gefangene
Frauenzimmer zubesuchen / damit sie nicht vor unhöflich gehalten würde; Madates
und Andragoras Gemahlen hätten eben diesen Unfal erlebet /und währen überdass
noch in Feindes Händen; ja sie alle miteinander hätten diese Gefahr stehen
müssen /und währe bloss dem Glük zuzuschreiben / dass ihre Gemahlen das Leben
davon gebracht. Hiedurch ward sie in etwas getröstet / und liess sich
auffsprechen mit hinzugehen nach dem Zelte / woselbst die Partischen Frauen
sich bei den Gefangenen auffhielten. Atossa meldete den Ort mit fleiss / wo
Surinas sass / wollte ihn auch weder grüssen noch ansehen / da hingegen er die
ehmahligen Flammen in seinem Herzen viel heftiger als die Wunden am Leibe
empfand / und sahen seine Augen auff nichts / als dieser ihre Schönheit; dann
sein Gemahl Anutis wahr ihm vor 16 Wochen in der Geburtsweh mit Tode abgangen /
weil sie einen sehr schweren Fall getahn / dass die Frucht bei ihr umbkommen /
und sie des dritten Tages hernach auch fort musste. Valiska hatte ihr
absonderliches Gespräch mit der schönen Panteen / und ihrem Gemahl Fürst Osazes
/ erzählete ihnen ihr Unglück / und was gestalt sie von dreien Partischen
Räubern aus Italien hinweg geführet währe; baht auch / sie möchten an ihrem Orte
dem Könige die unbefugte Liebe aus dem Sinne reden / deren Bagophanes noch heut
meldung tuhn / und sie in das Lager einfodern dürffen. Pharnabazus liess seine
ankunft durch einen Trometer von ferne melden / daher ihm eine zimliche Schaar
entgegen geschikt ward / mit denen er ankam / und von den unsern frölich
empfangen ward. Er lieferte der GrossFürstin in gegenwart des gefangenen
Frauenzimers die übergeschikten Kleinot und Ringe / und rühmete / dass Vologeses
ihrer Wunden sich geträulich angenomen hätte. Gallus insonderheit meldete
Herkules den Gruss von Pakorus an / der ihn warnen liess / sich nicht allen
zuvertrauen / die aus Parten sich gegen ihn freundlich stellete; Weltbetrieger
sucheten verdienst / und Bosheit liesse sich durch Geld erkäuffen. Woraus er
dann sein ehrliebendes Gemüht satsam spürete. Unsere Helden hatten sich schon
verglichen / wessen sie mit den Gefangenen auff der unsern freistellung sich
verhalten wollten / und redete anfangs Valiska das Frauenzimmer also an:
Durchleuchtige Fürstin Pantea /und allerseits geliebte anwesende Frauen /
Jungfrauen und Freundinnen; Es ist meines hochgeliebten Herrn Bruders Königes
Ladisla Meinung nicht gewesen / sie als Gefangene abzulangen / sondern weil
seine Liebe merkete / dass es über und übergehen würde / hat er eures Schutzes
sich annehmen wollen / damit sie nicht in etlicher frevelmühtigen Hände fallen
und einigen Schimpff oder Schande einnehmen möchten / welches in der Taht
zuerweisen / er euch allen und jeden ungemässene Freiheit zustellet / zu reisen
wohin sie gelüstet / worzu ihnen Elefanten / welche wieder eingeschicket werden
müssen / sollen gegeben werden. Ich erfreue mich / dass ich in ihre Kundschaft
gerahten bin / und bitte sie alle miteinander / dahin arbeiten zuhelffen / dass
euer König sich verheirahte /und auff mich nicht weiter gedenke / weil alle
seine Anschläge / mich zuerlangen / vergebens und umbsonst sind; nur dieses
hänge ich hinan / dass allen von Artabanus Frauenzimmer ich Freiheit gebe /
hinweg zuzihen / oder bei mir zuverbleiben / welche ich nach standes gebühr
unterhalten / und sie den ihren / wo sie es begehren / wieder zustellen will.
Fürstin Pantea bedankete sich in ihrer aller Nahmen / und gab diese Antwort:
Durchleuchtigste GrossFürstin; wir haben bisher den Ruhm ihrer unvergleichlichen
wunder-Schöne hin und wieder gehöret / davon unsere Augen tausendfach mehr / als
vorhin die Ohren eingenommen; aber ihre hohe Tugend und Freundligkeit ist uns
vor diesem nicht recht vorgetragen / welche zu preisen / wir die Zeit unsers
Lebens wollen eingedenke sein. Wir bedanken uns der recht Königl. Vorsorge /
welche der Grossmächtige König / ihrer Durchl. Herr Bruder vor uns und unsere Ehr
getragen / welches zuerkeñen wir schuldig sind / und wird das anwesende
Partische Frauenzimmer die angebohtene Gnade nit verabseumen; ich aber vor mein
Häupt bitte dienstlich / mir zuverstatten / dass meinem Gemahl ich in seiner
Schwacheit Gesellschaft und aufwartung leisten möge. Herkules trat auch auff /
und hielt folgende Rede an die gefangene Herren: Durchleuchtiger Fürst und
wolgebohrne Herren und Freunde; demnach der Grossmächtige Durchleuchtigste
GrossFürst / Herr Artaxerxes / wieder ihrer keinen absonderliche Feindschaft
träget / auch keinen beleidigungs / sondern Schuzkrieg führet / sich vor
unbillicher Gewalt des Parter Königes Artabanus zu handhaben; als ist seine
Durchl. nicht gesonnen / ihnen einigen missfallen zuerzeigen; wie er sie dann
nicht als Gefangene /sondern als Freunde angenommen hat / wovor er sie auch Zeit
seines Lebens / da sie es nur zulassen können / halten und ehren will. Vor
dissmahl stellet er ihnen frei / zu bleiben oder hin zuzihen / wie es ihnen am
liebsten sein wird; erkläret sich daneben / den Partischen Reichs-Fürsten allen
möglichen guten willen zuerzeigen / uñ ihre Landschaften keines weges durch
überzüge zubeleidigen / da sie nur einen Schuzbrieff von ihm begehren / welcher
ihnen weder an ihren Rechten noch Freiheiten keines weges schädlich sein soll.
Mein Bruder / König Ladisla / und ich vor meine wenigkeit / stellen uns im
gleichen allen auffrichtigen Partischen Fürsten und Herren zu Dienste und
Freundschaft / als welche wir viel zu redlich halten / dass sie ihres Königes
Vorhaben / mir mein herzgeliebtes Gemahl zu rauben / billichen sollten. Osazes
gab hier auff zur Antwort: Durchleuchtigster GrossFürst / unüberwindlicher Held;
wir bedanken uns samt und sonders vor die uns zugestellete Freiheit und
angebohtene gnädige und günstige Freundschaft / möchten wünschen / dass mein
geliebter brüderlicher Freund / GrossFürst Artaxerxes mit meinem allergnädigsten
Könige möchte verglichen /und dieser höchstschädliche innerliche Zwiespalt
(welcher den äusserlichen Feinden Tühr und Tohr zu unserm Verderben auffsperren
wird) auffgehoben sein / worbei ich dz meine nach mögligkeit gerne leisten will.
Sonsten wird wohl unser keiner rahten noch guteissen / dass eurer Durchl. ihr
herzgeliebtes Gemahl sollte abgespenstiget werden; müste mir auch von grund
meiner Seele leid sein / dass zu dem Ende ich und andere redliche Parter ein
Schwert sollten entblösset haben / vielmehr werde ich nebest andern dahin sehen /
dass eure Durchl. deswegen unangefochten bleibe. Herkules bedankete sich des
erbietens /baht neben Ladisla / Fürst Vologeses / Pakorus / Vonones und
Kartasis zu grüssen; und nam Valiska drei köstliche Ringe und Kleinot /
stellete sie Fürstin Pantea zu / mit bitte / dieselben den dreien
weggeschiedenen Fürstinnen nebest anmeldung ihres Schwesterlichen Grusses
einzuhändigen / und dass sie dabei ihrer Freundschaft allemahl eingedenke sein
wollten; gab ihr hernach ein gleichmässiges / umbfing sie mit einem freundlichen
Kusse / und liess sie mit ihrem Gemahl und dem Frauenzimmer hinzihen /deren aber
25 des Königlichen Zimmers bei ihr blieben / so annoch mehrenteils unberühret
wahren / und nicht wieder nach Artabanus begehreten. Mitridates wahr so schwach
/ dass die Aerzte vor gut ansahen /dass er bliebe / damit die gefährliche
Rückenwunde sich nicht lossgäbe / welches ihm den Tod verursachen würde /
deswegen blieb seine verlobete Braut / Frl. Tarinea / Surinas Schwester bei ihm
/ und nahm Surinas daher Gelegenheit und Ursach bei ihm zuverharren / wie er
dann gar schwach wahr / wegen vieles vergossenen Blutes; er ging aber eigentlich
mit den Gedanken umb / seine alte Liebe auffs neue fortzusetzen. Die Gefangene
wahren im Partischen Lager sehr wilkommen / und meldeten an / Herkules und
Ladisla hätten befohlen / dass alle Völker sich frühzeitig zur Ruhe begeben
sollten / welches ausser zweifel nicht umbsonst geschähe; währe demnach ihr Raht
/ dass man diese Nacht davon ginge / biss man den engen Durchzug hinter sich
gelegt und besezt hätte / damit nicht Morgen früh das Lager mit Persischen
Bauern und Soldaten belagert / zur algemeinen übergabe aus mangel der Speise /
gezwungen würde. Vologeses taht ihnen zu wissen / er hätte an die nähst
gelegenen örter umb Volk und Speise geschicket / fürchtete aber / dass wegen
erlittener Niderlage sie nicht so gar eilig sein würden / sich einzustellen. Es
kam ihnen zu gute / dass sechs Partische Reuter sich von den Persen heimlich
lossgemacht halten / und im Lager ankahmen / deren einen Vologeses zu sich
foderte / und ihm einsteckete / wessen er sich gegen den König verhalten sollte;
ging wieder von ihm und liess den Reuter in des Königs Zelt gehen / der also
anfing: Allergnädigster König; nachdem mir das Glük meine Bande zureissen
helffen / und ich aus meiner Hüter Gespräch vernommen / dass Artaxerxes alle nahe
angrenzende Persen mit Sturmzeug und Gewehr zuerscheinen /gleich nach der
Schlacht auffgefodert / daneben im ganzen Heer / welches sich fast an die 200000
Mann erstrecket / aussruffen lassen / dass ein jeder eine Stunde vor Tage gefasset
sein sollte; als hat meine Schuldigkeit erfodert / ihrer Königl. Hocheit solches
untertähnigst zuberichten / insonderheit / wann des Feindes Vorgeben / dass die
unsern keine Mahlzeit Brod mehr hätten wahr sein sollte. Artabanus entsetzete
sich hierüber ungleich mehr / als wann Vologeses ihm solches angezeigt hätte /
welchen er alsbald fodern liess / und mit ihm verabscheidete / dz man die annoch
übrigen Wagen und ledigen Pferde mit den besten Sachen beladen / und den
Auffbruch nach verlauff einer Stunde vornehmen sollte; welches im Lager mit
sanfter Stimme aussgeruffen ward; damit aber die unsern solches nit merketen /
liess er ausswendig des Lagers viel Feuer machen / und eine zimliche Menge zu
Rosse dabei halten; welches Herkules bald erfuhr / und mit den andern in die
Gedanken geriet / es würde ein Partischer Entsaz verhanden sein / dem solches
Feur zum Zeichen ihres richtigen Weges dienen sollte. So bald die gefangene
FeldHerrn von Herkules abscheid genommen hatten / ging er mit den übrigen
Christen in ein absonderliches Zelt / woselbst sie eine herzliche Danksagung zu
Gott hielte / uñ aus dem 15 Cap. des andern Buchs Mose diese Wort von dem
Christlichen Lehrer / den sie von Ekbatana gefodert hatten / ausslegen liessen.
    HErr deine rechte Hand tuht gross Wunder. HErr deine rechte Hand hat die
Feinde zuschlagen / und mit deiner grossen Herrligkeit hastu deine Widerwertigen
gestürzet; Dann da du deinen Grim ausliessest / verzehrete er sie wie Stoppeln.
    Sie sungen auch ihre gewöhnliche Danklieder / und unter denen / welches
Valiska nach geschehener ihrer Erlösung des vorigen Abends gemacht hatte / als
Bagophanes Völker geschlagen wurden / und lautet also:
                                       1
O Grosser Gott / du Schuz der kleine Schaar /
Du Trost in Angst / du Retter aus Gefahr!
Wie hastu mich so gnädig ausgeführet?
Den Feind gedämpfft / die Wiederwertigkeit
Gebrochen / dass die ganze Lebenszeit
Ich deine Hülff' und süsses Heil gespüret.
                                       2
Kein Mensch kann dein Erbarmen recht verstehn /
Den Gnaden Strohm siht man hoch übergehn /
Kein Ufer mag ihn fassen noch einschliessen;
Dein Vaterherz blizt in der Liebesbrunst /
Die helle Flamm ist gar ohn Rauch und Dunst /
Viel mehr noch als wir meinen oder wissen.
                                       3
Ihr Frommen hört / ich will aus tieffster Brust /
Als viel mir in der Schwacheit ist bewust /
Die Gottes-Gunst / mir angelegt / erzählen.
Ich war ohn Gott / ohn Trost / verwägen / blind /
Unglaubens voll / der Hellen Erb' und Kind;
So gar will ich mein schlimmes nicht verhehlen.
                                       4
Ich fiel in Noht / in Angst / in Räubers-Hand /
Das Unglück selbst wahr über mich entbrant /
Must über Land und Meer mich schleppen lassen;
Der Wüterich stund meiner Ehre nach /
Da duldet' ich viel Leid und ungemach /
Und fing schon an mein Leben selbst zu hassen.
                                       5
Aus dieser Angst reiss mich ein Augenblick;
Jezt bin ich frei und spüre lauter Glük /
So gar muss mir in allem Tuhn gelingen;
Gott hat mir sein Erkäntnis beigebracht;
Jezt bin ich Licht / vor wahr ich finstre Nacht /
Solt' ich dann nicht dich / O mein Gott / besinge?
                                       6
Nun hilff mein Hort / und führe glücklich aus
Dein Gnaden Werk / geleite mich nach Haus /
Lass mich nicht mehr in gleiche Noht gerahten;
Lass meinen Mund zu deinem Preis und Ruhm
Stets offen sein / und dass mein Christentuhm
Sich üben mög' in Zucht und LiebesTahten.
    Vor des Tages Anbruch ward Phraortes und Klodius mit 8000 wolberittenen
ausgeschikt / des Feindes Vorhaben zu erkündigen / und wo möglich / etliche
Gefangene einzubringen. Unterdessen machte sich Herkules mit dem Heer gefasset /
das Lager zustürmen / und wo möglich / Artabanus zufahen / dessen Artaxerxes
sich hoch freuete / und nur dieses beklagete / dass er wegen seiner Fusswunde
nicht mit anlauffen könnte; Aber ihnen ward dieser Anschlag bald benommen /
massen Phraortes einen geschwinden Reuter zurück sendete / mit Bericht / er hätte
nur etliche grosse Zelten vol hart verwundete im Lager funden / welche
berichteten / Artabanus hätte bei spätem Abend den algemeinen Auffbruch
ankündige lassen / welcher sich wegen Verhinderung über die angesezte Stunde
verweilet / biss von etlichen Schildwachten die Zeitung gebracht worden / der
Feind kähme nicht allein von fornen her / sondern auch von beiden Seiten mit
einer ungläublichen Menge Völker und allerhand Sturmzeuge. Worauff man alles
hätte liegen lassen /die Pferde von den beladenen Wagen abgestrikt / und damit
fortgejaget; und fünde man in etlichen Zelten die Speisen und Silbergeschir auff
den Tischen / und die Messer im Brod stecken / woraus ihre Eile und Schrecken
zuerkennen. Phraortes erhielte das Lager ungeplündert / und begehrete zu wissen
/ wessen er sich weiter zu bezeigen. Herkules sagte hierauff: Er hoffete / dass
sichs also verhalten würde / angesehen der grossen Furcht / welche Gott auff die
Feinde fallen lassen; jedoch / damit nichts verwarloset würde /sollte Phraortes
3000 Reuter überall zustreuet ausrennen lassen / umb zuforschen / ob etwa der
Feind sich an einem Orte verborgen hielte aus Hoffnung / die unsern unter der
algemeinen Plünderung zu überfallen. Aber nach Verlauff zwo Stunden kam
einhellige Zeitung / es währe ganz sicher / und der Feind in solcher Angst und
Eile davon gelauffen / dass er schon über sechs Meilen würde fortgangen sein. Als
dieses bei dem Heer ausgeruffen ward / entstund eine solche Freude bei jederman
/ dass sie alle ihrer Wunden vergassen / die Pferde an den Füssen seileten / und
überall riefen / man müste nun die Plünderung länger nicht auffschieben; welche
ihnen dann gerne gegönnet ward / doch also / dass sie schwören mussten / alle
gefundene Barschaften und Geschmeide geträulich herbei zubringen / welches
unter gesunde und ungesunde sollte gebührlich verteilt werden. Hierauff gingen
die Völker los / und zwar anfangs die Reuter /welche von der ersten
Tages-Schlacht übrig wahren /hinter sich nach der ersten Wahlstat / da sie mit
Entwapnung der Erschlagenen etliche Stunden zubrachten / deren viel sehr
köstliche Kleider anhatten / die aber durch die grosse Menge Bluts fast
verderbet wahren / welches an etlichen Orten / ungeachtet des ergangenen Regens
/ einer guten quehr Hand hoch über der Erden stund. Da ward Freund und Feind
gleich gehalten; nur dass die erschlagene Teutschen /Böhmen und Römer nebest
anderen vornehmen Befehlichshabern / in ihrem Harnische / und ungeplündert /
ausgesucht und hingelegt wurden. Auf den Elefanten / welche Ladisla bei dem
Frauenzimmer ertappete / funden sich 30 Toñen Goldes an Barschaft /welche in
Artaxerxes Zelt nidergelegt wurden. Auff den Kamelen wahren lauter Pfeile und
Gewehr; auff den Wagen und MaulEseln mehrenteils Speisen und Kleider / dabei
etliche tausend Fuder Wein. Im Partischen Lager aber war ein unsägliches Gut
verhanden / von Zelten / Kleidern / Speisen / Waffen /Tischgeschir /
Pferdeschmuk und Elefanten Zierraht /auch 120 Tonnen Goldes an gemünzetem Golde
und Kleinoten / welches alles nach dem Persischen Lager geführet ward. Die
Waffen von der Wahlstat wurden gleicher weise Artaxerxes geliefert. Aus der
ersten TagesSchlacht hatte sie 120000 Pferde von erschlagenen Feinden und
Freunden; aus der andern aber 156000 Pferde / alle mit guten Satteln und Zeuge
wohl versehen / und ob deren gleich 35000 verwundet wahren /wurden sie doch fast
alle geheilet. Nachdem die Beute von der ersten Wahlstat zusammen gelegt wahr
/machte das ganze Heer sich nach der anderen / und trugen alles geträulich
zusammen / da sie von Feinden und Freunden an Barschaft in die 80. Tonnen
Goldes; und an Ringen / Ketten / Armbändern und anderen Kleinoten in die 40
Tonnen Goldes funden. Da machte nun Artaxerxes solche Teilung / dass die
Teutschen / Römer und Böhmen den vierden Teil aller dieser Beute empfingen /
auch aus den gemeinen Reitpferden 69000 vor sich auszusuchen die Wahl hatten /
deren keines mit seinem Zubehör unter 100 Krone geschätzet ward / und durch die
Bank hin 70 Tonnen Goldes und drüber wert wahren. Wedekind und seine beide
Gesellen hatten ihre absonderliche acht Gefangene (die von den unsern nicht
sonderlich geehret wurden) kurz nach Pakorus Abzug frei gegeben / weil dieser
60000 Kronen vor sie aussagete / und bekahmen diese drei Teutschen von der
gemeinen Beute vorab 36000 Kronen und 36 köstliche Pferde / worzu Artaxerxes
ihnen wegen ihres wolverhaltens noch 60000 Kronenschenkete. Leches / Neda /
Klodius und Markus wollten nicht teil haben an der gemeinen Beute / ohn dass ein
jeder eine Kette / ein par Armbänder / einen Ring / und eine Hand voll Kronen
davon zum Gedächtnis nam / wiewol sie die ihnen angebohtenen 200 Pferde nicht
ausschlugen / sondern gleich unter sich teilten. Prinsla aber und Gallus / wie
auch der Römer Autronius bekahmen jeder 30 Handpferde / 20 Ringe / vier par
Armbänder / zwo güldene Ketten / uñ 50000 Kronen an Barschaft. Die Beute aus
dem Partischen Lager an Geld / Kleinoten / Elefanten /Kamelen / MaulEseln /
Wagen und Wagenpferden /Wein / Speisen / Korn / Kleidern / Zelten und Waffen von
der Wahlstat / und die auff den Kamelen geladen wahren / trug über 400 Tonnen
Schatz aus / und machte Artaxerxes die Teilung / dass Herkules und Ladisla die
eine; Er / Phraortes / Fabius und Pharnabazus die andere Halbscheid haben sollten
/ weil aber unsere Helden davon nichts hören wollten / nam ers alles mit einem
Lachen zu sich / und sagte: Ich merke wohl / dass Euren Liebden ichs in Verwahrung
biss auff ihren glücklichen Abzug nehmen soll. Nach gehaltener Plünderung trat
Phraortes unter dem ganzen Heer auff / und hielt eine treffliche Lobrede unsern
Helden zu ehren / denen er den Sieg ausdrüklich zulegte / und nicht scheuhete zu
bekennen / die Götter hätten sie zu ihrer Wolfahrt hergesand / sonst währe ihnen
unmöglich gewesen / die grosse Gewalt der Feinde zu dämpffen. Wedekinds
rühmliche Taht und anderer Wolverhalten ward auch nicht vergessen. Endlich
rühmete er des ganzen Heers Tapfferkeit / und preisete dieselben glückselig /
welche vor das Vaterland ihr Leben willig auffgeopffert hatten. Den erschlagenen
Teutschen / Böhmen und Römern hielt man eine sonderliche Leichbegängniss / und
wurden sie in ihrem Harnisch auff der Wahlstat begraben. Den vier Römischen /
dreien Böhmischen und zween Teutschen erschlagenen Ritmeistern aber richteten
sie statliche Gedächtnis-Steine auff. Vor ihrem Abzuge hielten sie Kriegsraht /
wie mans anschlagen sollte; aber ungeachtet etliche davor hielten / man müste
etliche Tagereisen in Feindes Land streiffen / und mit Feuer und SchwertRache
üben / so ward doch Herkules Meinung vor best gehalte / der aus wichtige Gründen
anzeigete / man würde in der nähe weder Mensche noch Vieh antreffen / uñ wäre
Artaxerxes nichts damit gedienet / dass man das Land verwüstete / über welches er
in kurzem selbst gedächte ein Herr zusein / und es fast schon erstritten hätte;
macheten sich deswegen zum Auffbruch fertig / und gingen des vierden Tages nach
gehaltener Schlacht wieder nach Persepolis.
    Der verliebete Surinas empfand unter den Zelten wenig trostes / dann er
betrachtete vor erst / dass er Fr. Atossen Ehegemahl selbst erschlagen / und ihre
Wunde noch sehr frisch währe; aber das ärgeste / dass sein voriges Gemahl ihn so
unwerd und verhasset bei ihr gemacht hatte / wahr ihm noch verborgen. Frl.
Tarinea seine Schwester / ein überaus verschlagenes Tausses / merkete / dass er
mehr leiden im Gemüht als an der Leibes-Wunde befand. Er wahr zwar ihres
Bräutigams Mitridates guter Freund / aber solche nahe vertrauligkeit hatte er
nicht mit ihm / dass er seinetwegen unter Feindes Hand gefangen bleiben sollte /da
er ihm ja nichts helffen kunte; schloss deswegen /ihn müste gewisslich eine andere
Ursach auffhalten /welches heraus zulocken / sie ihn also anredete:
Herzgeliebeter Bruder / warumb bistu nicht mit der Gesellschaft nach dem Könige
gereiset / da dirs frei gestellet ward? Ich sehe zwar / dass du an deinen Wunden
hart darnider liegest / aber behüten dich die Götter /dass du nicht eine grössere
gemühtes Krankheit habest / als diese ist. Zwar dass mit deinem Herzen es nicht
recht beschaffen sei / habe ich dir eigentlich abgemerket / dass ich daran im
geringsten nicht zweiffele / es drücke dich ein heftiges Anliegen; dann was
würde die starken Seufzer sonst aus deiner Seele hervor zihen? Nur allein
verbirge dich nicht vor mir / und biss versichert / dass ich alle mögligkeit
anwenden werde / dir zu dienen / und deinen Wunsch ins Werk zu richten / wann
nur deine Augen sich nicht an dem vergaffet haben was allerdinge unmöglich ist /
und der grosse Artabanus selbst nicht erstreiten kann / wie ich dann solcher
Tohrheit mich bei dir nicht vermuhten will. Geliebte Schwester / antwortete er /
ich gestehe dir gerne / dass mich ein heftiges Anliegen drücket / und ich
ungleich zuschlagener bin im Gemüt als am Leibe; aber deine Gedanken lege nur
von dir / dass du meinst mir könne geholffen werden; wiewol du sehr irrest / dass
ich gegen eine mich sollte verliebet befinden / die in der Ehe lebet. Irre ich in
dem / sagte sie /so will ich dir noch wohl hülffe zusagen / wie schwer dichs
gleich dünken mag / wañ du mir nur deines Herzen Last ungescheuhet offenbahrest.
Auch meine Herzen Schwester / wiederantwortete er / weistu meine alte Liebe noch
wohl / damit du mich pflegtest auffzuzihen / ich hätte nach der Jungfer gefreiet
/ und die Auffwärterin bekommen? Fehlet dir sonst nichts als dieses / sagte sie
/ so stelle es in meine Hand; ist sie dir dann nicht Jungfer bescheret gewesen /
soll sie Wittib dir nicht entstehen. O wann du mich so hoch beseligen köntest /
sagte er / wüste ichs nimmermehr zuvergelten; aber bedenkestu nicht / dass ich
Artobarzanes erschlagen / und der morgende Tag zum Auffbruche bestimmet ist? Was
dann mehr? sagte sie / der stärkeste ist der beste; so jaget dich auch kein
Mensch von Mitridates hinweg / der sich in einer Sänfte in die näheste
Persische Grenzestat / oder wohl gar biss gen Persepolis mit tragen lassen soll;
tuht ers aber nicht / so lass ihn zihen / ich will bei dir bleiben / biss ich dich
vergnüget habe. Sie ging darauff hin nach dem Frauenzimmer / weil sie mit
Fürstin Barsene gute Kundschaft gemacht hatte / und suchte Gelegenheit /mit Fr.
Atossen allein zureden / die in ihrer Traurigkeit noch immer fort fuhr. Als ihr
nun das Glük alles nach Wunsch fügete / grüssete sie dieselbe von ihrem
Bräutigam Mitridates / der ihr befohlen hätte / sie in ihrem schweren Ungluk
zutrösten; Hernach beklagete sie ihren Bruder Surinas / dass derselbe weder
Speise geniessen / noch seine Wunden verbinden lassen wollte / so heftig grämete
er sich / dass er ihren Liebsten ganz unwissend erlegt hätte / vor welchen er
doch wegen der nahen Schwägerschaft zusterben /sich nicht hätte wegern wollen;
aber am unerträglichsten währe es ihm / dass er vernehmen müste / wie sie über
ihres Gemahls Tod sich so gar nit wollte trösten lassen; Dieses / dieses / sagte
sie / wird ihm die Seele verzehren / dz er Euer Liebe Traurigkeit ursach sein
soll / die er von erster Kundschaft her noch stets uñ ungeendert geliebt / und
vor seines HertzenSchönste gehalten hat. Atossa hörete ihre Reden zu biss an
diese Worte / über welche sie ungeduldig ward / und also antwortete: Ich hätte
es zwar endlich der guten Geduld befohlen / Frl. Tarinea / dass eures Bruders
Schwert mich dessen beraubet hat / der mich / so lange er mich gekennet / von
herzen hat geliebt und gemeinet; aber dass euer Bruder mich noch darzu
auffzeuhet / als hätte er mich stets und unverrükt geehret /und vor seines
Herzens Freundin / ja schönste gehalten / solches schneidet mir das Herz durch /
und gibt eures Bruders bosshaftige und schnöde Falscheit gnug an den Tag.
Tarinea erseuffzete der Reden / welche sie aus dem innersten ihrer Seele sah
hervor brechen / wusste nicht / worauff sie gerichtet wahren / und was Surinas
ihr möchte leides zugefüget haben; gab doch darauff diese Antwort: Die Götter
währen ihre Zeugen / dass sie auf solche Meinung nicht ausgangen / Ihre Liebe
auffzuziehen / so wenig als ihr Bruder selbst /der vielleicht unschuldig bei ihr
könnte angegossen sein / darumb er doch nicht das geringste wüste; wollte auch
nicht unterlassen / ihm solches vorzutragen / nicht zweifelnd / er würde seine
Unschuld wohl darzulegen haben. Er mag sie darlegen / wem er will /sagte sie / ich
habe seiner Falscheit Zeugnis gnug; zwar so viel gestehe ich / dass ich mein
Versprechen ihm nicht gehalten / aber auch nicht gekunt habe /sondern durch
äussersten Zwang von ihm gerissen bin; sollte er aber mir deswegen so grossen
Schimpff bewiesen haben? O ihr Götter / straffet den leichtfertigen Verächter /
und lasset so unbillichen Hochmuht nicht frei durchlauffen. Hiemit wollte sie
hinweg gehen / aber Frl. Tarinea baht / sie nur noch eins unbeschweret zu hören.
Ja / sagte sie / so lange es euch gefället / leiste ich euch gerne Gesellschaft
/ wann ihr mir nur von eurem stolzen Bruder nicht saget. Was Eure Liebe mir
gebeut / antwortete sie / will ich gerne gehorsamen / aber ich bitte nur allein /
mir zumelden /wodurch mein Bruder / das neulichste Unglück ausgeschlossen /
verdienet / dass er vor einen boshaften falschen Verächter gescholten wird.
Geliebte Freundin /sagte sie / diese Erzählung würde mir viel zu schmerzlich /
und euch vielleicht selbst verdriesslich sein; Er kans Euer Liebe selbst wohl
sagen / was er bei meiner seel. Wasen mir zuentbohten und wieder eingeschicket /
ja nit gönnen wollen / dass dieselbe mich ein einziges mahl nach ihrer Heirat
besuchen dürffen. Ach ihr Götter / gab jene zur Antwort / erbarmet euch dieses
Missverstandes / und meines armen unschuldige Bruders! Atossa fiel ihr in die
Rede: ja lasset uns nu die äusserste Beschimpfung / und verächtlichsten Hohn
einen Missverstand täuffen. Nein Frl. Tarinea / so einfältig bin ich dannoch
nicht / dass ich geschehene Dinge mir zu Wasser machen lasse. Aber wir stehen gar
zu lange hier allein / und wird das beste sein / dz wir der Gesellschaft nähern.
Das Fräulein nam von ihr Abscheid / mit flehlicher Bitte /ihren Bruder des
starken Verdachts zuerlassen / und sich zuversichern / dass er dieser Auflage
sich wohl und redlich würde entbrechen können / dafern sie nur seine
Entschuldigung anzuhören wollte unbeschweret sein. O ja / sagte sie / vielleicht
ist er umb meiner Liebe willen krank. Ja bei dem reinesten Himmel /fiel ihr das
Fräulein in die Rede / ist er nirgend kränker umb / als umb euer Liebe. Behüte
Gott / sagte Atossa / wie könt ihr so falsch schweren; hat er mir doch alle
Kund- und Freundschaft vor der Faust ganz verwägen auffgekündiget / und dieses
ist doch noch nicht der gröste Schimpff. Liess sie damit hingehen /und machte
sich zur Fürstin Barsene / welche sie fragete / was jene mit ihr so ernstlich
geredet hätte. Sie wollte aber nicht rund aus bekennen / sondern gab vor / Herr
Mitridates liesse sie trösten / und zugleich den Tähter entschuldige / dass er
ihren Liebsten ganz unwissend erschlagen hätte. Nun wartete Surinas mit
schmerzen auff seiner Schwester Wiederkunft / bekam aber schlechten Trost von
ihr / da sie ihn fragete / was er ehemahls Fr. Atossen zuwider gehandelt; sie
währe sehr ungehalten auff ihn / umb einer Sache und Beleidigung / die ihr
ungleich weher tähte / als ihres Gemahls Ertödtung / gäbe auch vor / er hätte
ihr vorlängst alle Freundschaft auffgekündiget / und nicht eins gönnen wollen /
dass sein Gemahl Anutis sie eins besuchen dürffen / bei welcher er ihr / weiss
nicht was / zuentbohten / und wieder eingeschicket hätte. Ihr Götter / gab er
zur Antwort; ihr wisset meine Unschuld / und merke ich wohl / meines Lebens werde
nicht viel mehr übrig sein. Sie hingegen tröstete ihn /er sollte ein gut Herz
fassen; währe er ihm nichts ungebührliches bewust / könnte noch wohl alles gut
werden; nach ihrer Meinung aber müste sein verstorbenes Gemahl ihn heftig bei
ihr angetragen haben / ohn zweifel / ihn bei ihr verhasset zu machen / welches
zuerfahren / sehr nöhtig sein würde dass er sich so viel stärkete und ihr ein
kleines Brieflein schriebe / in welchem er bähte / ihm die Ursach ihres Zorns
anzumelden / uñ des unverdienten Argwohns ihn günstig zuerlassen / sie hoffete
ihr den Brieff wohl bei zubringen. Surinas wahr hierzu willig und fertig / und
setzete folgendes auff.
    Hochgebohrne Frau; die willigkeit ihrem Befehl zugehorsamen / hat bisher
meiner Feder nicht gönnen wollen / ihrer Liebe einigen Buchstaben zuzuschreiben
/ unter der Hoffnung / sie würde ihrer günstigen Zusage nach /Gelegenheit machen
/ ihre Wase nunmehr Seel. zubesuchen / weil meine Reise zu ihr nach Ekbatana von
ihrer Liebe mir so hart und ernstlich verbohten worden; dass sie aber solches
bissdaher nicht geleistet / habe ich dem missgünstigen Glük zugeschrieben / und
mich dannoch allemahl ihrer Schwesterlichen Hulde / welche sie mir / bei
zurücksendung der Schreiben durch ihre Wase mein gewesenes Gemahl
höchsterfreulich zuentbohten / getröstet. Ach der unglückseligen Stunde / die
mein Schwert wieder den gewendet hat / welcher eurer Liebe angenehm wahr / und
ich umb der Ursach willen ihn nicht hassen kunte / ungeachtet er mich meines
allerwerdesten Schatzes beraubet hat. Dieser einige Niderschlag ist es /wodurch
an eure Liebe ich mich versündiget. Im übrigen rühmet sich mein Gewissen / das
es allemahl und unverrücket dahin getrachtet / euer Liebe zugehorsamen /so dass
auff ihren Befehl ich mich selbst überwunden /und ihre Wase Seel. welche sie mir
zugeschikt / geheiratet habe. Bitte demnach dienstlich / mich des Argwohns
einiger Träulosigkeit hochgünstig zuentnehmen / oder auffs minste mir anzuzeigen
/ was die Ursach sei / welche diesen schlimmen Verdacht in ihrer auffrichtigen
Seele zeugen können. Bin ich schuldig / so lassen die Götter allen ihren Zorn
über mich aus / und machen mich vor der erbaren Welt zuschanden; oder auch / da
ich nicht von Anfang unser Kundschaft biss auff diese Stunde stets gewesen und
blieben bin / auch noch bin und bleibe / und biss an mein leztes vielleicht
schier künftiges Ende sein und bleiben werde; meiner höchst geehrten Freundin
Fr. Atossen geträuester / auffrichtigster und bereitwilligster Knecht Surinas.
    Frl. Tarinea nam das Schreiben zu sich / und nach verlauff zwo Stunden ging
sie wieder hin nach dem Frauenzimmer / entschuldigte sich ihres vielen
überlauffens / und fragete / ob der Auffbruch auff bestimmete Zeit noch vor sich
gehen würde; und als sie dessen berichtet ward / klagete sie / dass ihr Liebster
so gar schwach währe / und alle Aerzte vor unmöglich hielten / dass er das
bewägen sollte können erdulden; weil dann der Weg nach Parten ohn zweifel sehr
unsicher sein dürfte / währe sie willens bei dem GrossFürsten untertähnigst
anzuhalten / dass ihrem Liebsten möchte vergönnet sein / bei dem Heer zu bleiben
/und etwa in einer Persischen Stad sich heilen zu lassen; bähte sehr / die
GrossFürstin Fr. Saptina möchte ihr diese erläubnis gnädig zuwege bringen
helffen. Diese sagte ihr solches willig zu / wollte auch nicht zweiffeln ihr
Oheim GFürst Artaxerxes würde sich hierin keines weges beschweret befinden.
Nachgehends wendete sich Frl. Tarinea hin zu Fr. Atossen /und fragete / ob ihr
nicht belieben könnte / ein wenig in die Abend-kühle Lufft zugehen / und die
lange Zeit zuverkürzen; welches sie ihr nicht abschlagen wollte /weil sie ihr
vorgenommen hatte / dem Surinas seinen begangenen Frevel rechtschaffen unter die
Nase reiben zulassen / ehe sie von hinnen schiede. Jene wusste nicht wohl / wie
sie ihrer Werbung den Anfang geben sollte / klagete ihres Bruders Schwacheit /
und dass sein einiger Wunsch währe / er möchte von Artobarzanes erschlagen sein /
weil er leider den Tag erleben müssen / dass man ihn unerhörter sache vor träuloss
und hochmuhtig verdammete / uñ zwar in dem Gerichte / da er allen möglichen und
untertähnigen Gehorsam erzeiget / und Sonnen klar dargeleget hätte. Mein
Fräulein kann ihres frechen Bruders sache gar artig schmücken / antwortete Atossa
/ dass wann ich so guten Beweisstuhm und Wahrzeichen nicht hätte /dürffte sie sich
unterstehen / die schwarzen Raben in schneweisse Schwanen zuverwandeln.
Hochwerte Fr. Schwägerin / sagte sie; will sie meinen Worten nicht trauen /
welche doch redlich und auffrichtig sind / so lasse sie sich doch gefallen /
dieses meines Bruders Schreiben zulesen / darinnen sie ohn zweifel seine
Unschuld ersehen wird. Je / antwortete sie / wie wollte der unbescheidene Surinas
darzu kommen / an eine zuschreiben / deren er alle Kundschaft auffgekündiget /
und sie bisher nicht anders als seine vergessene geheissen / gerade als ob ich
ihm jemahls Boten geschicket? oder meint  er etwa / nach seines Gemahls
absterben / mich zum andernmahle aufs Eis zu leiten? O nein Frl. Tarinea / O
nein! als er dasselbe zubehalten nicht wirdigte / was er mit vielfältiger Bitte
von mir erlanget hatte / werde ich viel weniger seine Schreiben wirdigen / in
die Hand zu nehmen. Und wer wollte mir rahten / dessen Brieffe zu lesen / der
mich noch mit auffrückung meiner geringe Schönheit beschimpffet; ja der mit
seinem unbarmherzigen Schwerte mich achzehnjährige in den leidigen Witwenstand
gesetzet hat? O du barmherziger Himmel /fing Tarinea mit auffgehobenen Händen an
/ wie hastu in einen so schönen fräulichen Leib / so grosse und hessliche
unbarmherzigkeit eingiessen können? ist wohl einiger Richter so grausam / der
eines armen Sünders-Bitte und Fleheschrifft mit Füssen hinweg stossen sollte? uñ
meine hochwerte Fr. Schwegerin tuht solches bei dem / der nur umb blossen
unerweisslichen Verdachts willen sich muss vor schuldig aussschreihen lassen? Sie
tuhe / bitte ich / dem ganzen weiblichen Geschlecht so grossen Schimpff nicht an
/ dass man schier heut oder Morgen sagen sollte; Frau Atossa ist ein Vorbild und
Spiegel der weiblichen Unbarmherzigkeit / welche einen unschuldigen hat sterben
lassen /uñ seinen wahrhafte entschuldigungs Brief nicht eins ansehen wollen.
Dieses brachte sie mit solcher bewägligkeit vor / dass Atossa sich endlich
bereden liess / das Schreiben anzunehmen; und als sie es biss an diese Worte / Ach
der unglückseligen Stunde / gelesen hatte / sagte sie: wie ist eurem Bruder /
mein Fräulein? ich gedenke / das Gehirn werde ihm verrücket sein; dann was er
hie schreibet / ist alles mit einander ein lauteres gericht. Habe ich ihm
verbohten / mir zu schreiben? habe ich ihm oder meiner Seel. Fr. Wase die Reise
nach Ekbatana untersaget? habe ich ihm schwesterliche Liebe lassen anmelden? ja
/ nennet er denn unversöhnlichen Hass also / will ichs mir gläuben. Aber was vor
Schreiben mag ich ihm doch immer mehr durch meine Wase gesendet haben? dieselben
zeige er mir; die bringe er hervor / so will ich gläuben dass ich lebendig Tod /
und sehend blind bin. Jene kehrete sich hieran gar nicht / sondern baht / den
Brieff biss zum Ende durchzulesen; welches sie taht /und das übrige also
beantwortete: Ich will ihm vordissmahl sein Blutgieriges Schwert nicht affrücken;
nur dieses möchte ich von Herzen gerne wissen / wie ein Mensch so verwägen sein
/ und sich einer öffenklichen Lügen so gar nit schämen kann; habe ich ihm meine
Wase zugeschicket? habe ich ihm befohlen / sie zu heirahten? da ich doch mein
Pferd schon hatte satteln lassen / von Ekbatana heimlich ausszureissen /und ihm
zu folgen / wann nicht meine Wase gleich zu mir kommen währe / und mir
angedeutet / was gestalt er sie mit listigen Worten von meines Seel. Vaters
Schloss gelocket / mit Gewalt zu seinem Willen genöhtiget / und mir zu trotze
sie geheiratet hätte. Ist dass nicht träulosigkeit genug? weis er noch die
Ursach nicht meines billichen Zorns? und habe noch wohl eine wichtigere als eben
dieses. Und wie sollte ich ihm hievor nicht alles übels gönnen? wünschet er ihm
doch aller Götter Zorn und übergehung der Schande an den Hals / wozu er
vielleicht nicht meint  reiffe gnug zu sein / biss er etwa mich zum andernmahle
möchte betrogen haben. Hier liess nun Tarinea ihre Trähnen häuffig schiessen / uñ
gab mit Seufzen und Weinen zur Antwort: Nun nun mein herzlieber Bruder / ich
beklage nicht so sehr deinen Tod / der bald folgen wird / als dass du in deiner
reinen Unschuld als ein tausendschuldiger sterben must. Aber Fr. Atossa /ihr
unbarmherzige / ihr grausame; belüstiget euch nur nicht zu hoch über sein
Verderben; ich hoffe den Tag noch zuerleben / dass ihr eure Grausamkeit / hätte
schier gesagt / Bosheit noch beweinen werdet; dann wie kann ichs anders nennen /
weil ihr seine beteurungen vor ertichtete Lügen / und seine wahre lautere
Beichte / damit er vor der Götter Stuel zutreten sich erbeut / vor eine gehirns
Verrückung schelten und verlachen dürffet. Und was vor Ursachen habt ihr doch /
ihm so viel unwarheiten anzutichten? als habe er eure Wase vom Schloss gelocket
/ und / weiss nicht / was vor Gewaltsamkeit angelegt. Da ich doch wohl weiss / dass
mein Bruder eurer Wasen keinen Bohten geschicket / sondern als er nach gemachtem
Schlusse euer Liebe Gegenwart vermuhten wahr / hat die verstorbene Anutis sich
eingestellet / und ihm dieses vorgetragen. Frl. Atossa ihre Wase / währe durch
Elterlichen Zwang vor sechs Tagen schon / mit Hn. Artobarzanes beigelegt / wollte
hinfuro Surinas Schwester sein und leben / mit der Bedingung / dass er weder ihr
schriebe / noch zu Ekbatana sich sehen liesse; sie wollte schon Gelegenheit
finden / ihn zubesuchen; inzwischen wünschete sie / dass sie eine Schwester oder
Anverwantin hätte / welche sie ihm zufreien könnte. Dieses alles hat sie mit dem
Wahrzeichen bekräfftiget / dass sie meinem Bruder ein Bündlein von zwölff
Brieffen / die er ehmahls eurer Liebe zugeschrieben / eingehändiget mit Bitte
sie zu sich zunehmen / weil sie dieselben nit länger vor andern zuverbergen
wüste; und dafern dieses anders ist / Fr. Atossa / so wolle der Himmel mir alles
das Unglück von dieser Stunde an auffbürden / welches mein Bruder / auff dem Fall
seines verbrechens ihm selbst in diesem Schreiben wünschet. Aber was hilfft mir
diese beteurung? vielleicht werde ich auch hören müssen /das Gehirn sei mir
verrükt / und ich schäme mich keiner Lügen. Atossa stund als eine
Gedankenvöllige /und wusste nicht / was sie antworten sollte. Surinas ehemahlige
Schreiben hatte sie nach ihres Vaters Tode von ihrer Mutter etlichemahl gefodert
/ aber keine Nachricht davon erlangen mögen. Anutis Verschlagenheit und List
wahr ihr nicht unbekand / und je mehr sie sinnete / je zweiffelhaftiger sie
ward; endlich sagete sie: Geliebtes Fräulein; wo sich nach eurer erzählung
verhält / ist man mit eurem Bruder und mir sehr träuloss umbgangen; wiewol meine
Eltern dessen zubeschuldigen mir nit gebühren will; kann aber euer Bruder mir die
jeztgemeldete Schreiben aufflegen /werde ich mich weiter zuerklären / und gegen
eure Liebe mich sehr zuentschuldigen haben. Diese Schreiben? sagte Tarinea; ich
will mich ihr zur Leibeigenen geben / wann er sie nicht alle in verwahrung hält /
als einen köstlichen Schaz / weil sie ihn seiner Liebe stets erinnert haben; und
hat er sich fast täglich mit den Zeichen erlustiget / welche eure Liebe auff
dieselben mit ihrer schönen Hand gemahlet hat; und wollte Gott / eure Liebe könnte
zu meines Bruders erhaltung nur so viel Gunst sehen lassen / seine mündliche
endschuldigung anzuhören / damit die Falscheit zwischen ihnen getrieben / recht
möchte an Tageslicht kommen. Wann mirs keinen Verdacht gäbe / antwortete sie
/dass ich den Todschläger meines Gemahls besuchete /möchte ich mich aus diesem
zweifel gerne gerissen sehen. Tarinea wahr listig / und gab den Anschlag /als
ob sie Mitridates / der ihr etwas verwand / in seiner Schwacheit trösten wollte;
und weil die vergrabene alte Liebesflammen in ihr sich schon gewaltig
entzündeten / liess sie sich darzu vermögen. Mitridates lag absonderlich hinter
einer Abscherung / und Surinas erwartete mit verlangen / was sein Schreiben
wirken möchte. Als nun die so hoch begehrete in das Zelt trat / überging ihn
eine kleine Röhte / so viel sein weniges Blut erwecken kunte / richtete sich im
Bette auff / und hiess sie also wilkommen sein: Höchstwerte Freundin / komt sie
zu mir / mich wegen begangenen unwissentlichen Niederschlages abzustraffen / will
ich ihr das Schwert selbst zustellen / und als ein williges Opffer euer
schönheit sterben; ist aber die ehmahlige Gunst in ihrem liebreichen Herzen
nicht gar verbliechen / dann wolle sie ihrem Knechte durch ihre Gewogenheit den
Balsam mitteilen / der ihn bald wieder auff die Füsse setzen wird. Tarinea fiel
ihm in die Rede: Mein Bruder / du wirst zuvor deiner herzgeliebten Meisterin
deine Unschuld darlegen müssen / ehe du einige Gunst von ihr zu hoffen hast;
wollest demnach bei deinen ritterlichen ehren / und als wahr du gedenkest
dereins vor den Göttern angenehm zuerscheinen / alles umbständlich erzählen /
wie es mit deiner vorigen Heirat ergangen; sintemahl ich merke / dass ein
grosser Betrug dahinten stecket. Ja / sagte er / dessen trage ich keinen scheuh;
erzählete alles / kurz und lang / und dass seine wilfährigkeit gegen Atossen
zuerzeigen / er seine Anutis alsbald geheiratet hätte. Atossa fragte ihn / ob
er dann die von Anutis wiederempfangene Schreiben noch auffzeigen könnte. Ja
sagte er / sie sind noch in guter verwahrung / und erinnere sich nur meine
Freundin / dass sie auff das erste ein par Würffel gemahlet / mit der lieben
Unterschrift: Der Wurff ist gewaget. Auff das ander / die Glüks-Göttin auff
ihrem Glüksrade / und diese Worte dabei. Biss mir ja beständig O Göttin! Auff das
dritte / einen Löuen / mit diesem warhaftigen Spruche; Die Liebe erfodert auch
einen Muht. Und fortan biss auff den lezten und zwölfften / auff welches sie ein
Schiff auff dem Meer mit fünff Schiffshaken fest geleget / gemahlet hat. Zwar es
hat mein Gemahl / weis nicht warumb / mir offters angelegen / ihr diese
Schreiben wieder abfolgen zulassen; welches sie aber bei mir nicht erhalten
mögen. Was hinterbrachte euch aber euer Gemahl / fragte sie / da sie von
Ekbatana des andern Tages nach eurem Beilager wieder zu euch kam? Er antwortete:
Anutis ist ja meines wissens weder dazumahl noch jemahls hernach zu Ekbatana
gewesen /sondern wie herzlich ich allemahl bei ihr angehalten /mit mir dahin
zureisen / habe ichs doch nie können erhalten / weil mir Lebensgefahr drauff
stünde / nachdem Artobarzanes unser ehmahligen Liebe inne worden / und nicht
allein mir mit Gift dräuete / sondern auch seinem Gemahl es oft verweisslich
gnug vorhielte. O du falsche Anutis / fing Atossa an / habe ich umb dich
verdienet / dass du so verrähterisch und lügenhaftig mit mir umbgehen soltest?
erzählete damit /was gestalt sie zu ihr nach Ekbatana kommen / von wegen Surinas
ihr alle Freundschaft auffgekündiget /und was sonst dabei vorgefallen wahr; auch
das Haaren-Armband ihr wieder eingeliefert hätte / als welches Surinas länger
weder sehen noch tragen möchte; daher ich dañ / sagte sie / aus grossem Zorn
nicht allein dasselbe ins Feur geworffen / sondern auch viel schmähe- und
scheltworte auff euch aussgestossen. Hierob entsetzete er sich heftig /
insonderheit / da er hörete / dass sie umb Anutis darstellung an ihre statt gar
keine wissenschaft trug. Das allerliebste Armband / sagte er / ist wahr / das
ichs die erste Nacht meines Beilagers verloren / aber wo es blieben / nie habe
erfahren können / wiewol ich im Wirtshause dem Finder 500 Kronen ausslobete. Doch
danke ich den Göttern / dass ich diese Falscheit nicht vor meines Gemahls
absterben erfahre / sie hätte sonst ohn alle barmherzigkeit von meinen Händen
sterbe müssen /wie lieb ich sie auch umb euret willen gehabt habe. Tarinea liess
diese beiden allein reden / und ging nach ihres liebsten Bette / welchen sie in
der Ruhe liegen meinte / da er doch schon verschieden wahr / dessen sie zimlich
späte gewahr ward / da sie ihm sanfte an die Hand grieff / deswegen sie mit
einem Geschrei über ihn her in Ohmacht fiel. Atossa erschrak dessen /lieff hinzu
/ und fand sie in dem kläglichen stande; nam das Krafftwasser / dass vor dem
Bette stund / und rieb sie damit / biss sie wieder zu sich selbst kam. Da ging es
nun an ein winseln und klagen; wiewol Atossa sie mit ihrem Beispiel wohl zu
trösten wusste / versprach ihr auch alle schwesterliche Liebe und Träue /nebest
anzeigung / dass die Aerzte sich ausdrücklich hätten vernehmen lassen / im falle
er ja das Leben behalten sollte / würde er biss an sein Ende ein gebrechlicher
undüchtiger Mensch sein / wodurch sie sich in etwas begriff. Ihr Bruder wahr
wegen dieses falles auch betrübt / aber Atossen gegenwart wollte ihm eine
sonderliche Traurigkeit nicht gönnen / welche er nöhtigte / vor sein Bette
niderzusitzen / führete ihr seine beständige Liebe zu Gemühte / und baht sehr
fleissig / ihn in die vorige stelle wieder anzunehmen; worzu ihr Herz allerdinge
geneigt und willig wahr / ihm auch diese antwort gab: Herr Surinas / ihr und ich
sind beide durch meines Vaters getrieb / als viel ich merke und meiner Wasen
volstreckung betrogen und von ander gerissen worden. Nun gibt mir aber der
Himmel Zeugnis / dass / wie wichtige Ursachen ich gleich zuhaben vermeint / euch
zu hassen / hat doch mein Herz den rechten Ernst dabei nicht legen können. Was
wollen wir aber tuhn? das geschehene ist vorbei / und kann durchaus nicht
geendert werden. Mein Vater und euer Gemahl sind in der Ruhe / denen wir
verzeihen müssen. Mein Gemahl hat ohn zweifel aus des Himmels Versehung von
euch den Tod annehmen sollen / weil er euch eure versprochene Braut genommen.
Vor die abermahlige angebohtene Liebe bedanke ich mich von herzen / welches zu
gebührlicher Zeit eurem gefallen nach zubeantworten ich mich schuldig erkenne /
und unser voriges Band noch vor gültig halten muss; hermet euch nur weiters nicht
/ dass ihr bald gesund werdet / uñ besuchet mich auff meiner Mutter Schloss /
dahin ich in wenig Tagen zu reisen entschlossen bin. Ja ists möglich / so bildet
euch ein /als ob ihr ohn geschehene eingriff noch mein erster Bräutigam währet;
ich will mich gleich also vor eure erste halten; welches sie mit einem lieblichen
Lachen uñ schamrohter Farbe beschloss. Surinas umfing sie ganz lieblich /
beklagete nichts / als dass seine Wunden ihm an vielerlei glückseligkeit
hinderlich währen /und steckete ihr einen köstlichen Ring an den Finger. Sie gab
ihm wieder einen zur bestätigung / beantwortete seine Klage mit einem süssen
gelächter / und dass er inwendig Jahrsfrist nicht zufreie Gedanken fassen müste;
gönnete ihm doch die ehmaligen Küsse / und weil sie der Arznei wohl erfahren wahr
/ besah sie seine Wunden / und befand / dass sie fleissiger auffsicht wohl
benöhtiget wahren / nahm hernach abscheid von ihm / und ging hin dem Frauenzimer
Mitridates Tod und Frl. Tarineen Leid anzumelden / welche hingingen sie zu
trösten / dann sie hatte sich von ihrem Bruder ab in ein Nebenzelt gemacht.
GrossFürstin Saptina nöhtigte sie mit ihnen zugehen / und die Abend Speise
einzunehmen / welches sie gerne bewilligte / in Hoffnung / mit Atossen richtigen
Abscheid zu machen / wie auch geschahe / dass nehmlich Surinas / so bald seine
Wunden heile / sie besuchen / und von Artaxerxes einen freien Geleitsbrieff /
nach belieben zureisen / bitten sollte / weil er sich des Kriegs abtuhn / uñ
seine Medischen Lehngüter bezihen wollte; dañ sein Vater wahr ein gebohrner
Medischer Landsasse / und hatte sich in Parten verheirahtet /auch daselbst
seine durch Erbschaft seines Gemahls angefallene herrliche Güter beherschet. Es
lies aber Tarinea bei der Mahlzeit eine flehliche Bitte an das gesamte hohe
Frauenzimmer ergehen / sie möchten Fr. Atossen helffen bewägen / dass sie ihren
Zorn und Unwillen gegen ihren Bruder allerdinge möchte fallen lassen / nachdem
der Unfall sich ganz unwissend zugetragen hätte; da dann alle Anwesende /
insonderheit GrossFürstin Saptina ihr so viel und heftig zuredeten / dass / wie
ungeneigt sie anfangs sich zu stellen wusste / sich doch endlich erklärete / in
diesem Stücke sehen zulassen / wie gehorsam sie der GrossFürstin währe. Welche
ihr solches wolgefallen liess / und auff Tarineen weiteres anhalten / dass sie
doch ihren Bruder folgenden Morgens vor dem Auffbruche besuchen möchte / damit
er seine Abbitte und Entschuldigung bei ihr ablegen könnte / befahl die
GrossFürstin / zum Zeichen völligen Gehorsams auch dieses zuleisten; worauff sie
zur Antwort gab; sie wollte diese Nacht es in bedenken nehmen / ob sie ein
solches über ihr Herz bringen könnte. Des Morgens stellete Tarinea sich gar früh
bei ihr ein / und ward mit diesen Worten von ihr gewilkommet; Herzgeliebte Frl.
Schwester; ihr seid eine überal volkommene Täuscherin / der gleichen in der Welt
kaum zu finden; dañ anfangs habt ihr mich ganz umbgewendet; und hernach dem
ganzen Frauenzimmer ein artiges Näsichen angedrehet / welches aber ausser
zweifel mir schier heut oder Morgen zum sonderlichen Behelff dienen kann / und
versichert euch / dass die ganze Zeit meines Lebens ihr an mir eine ganz ergebene
Schwester haben sollet / weil ohn eure hohe Klugheit die ganze übrige Zeit
meiner bevorstehenden Jahre / ich ein unglückseliges Mensch blieben währe. Meine
herzgeliebte Fr. Schwester / antwortete sie / die Freude / welche wegen ihrer
Gewogenheit ich in meinem Herze empfinde / machet mich des verlustes meines
Bräutigams (der mir ohndas fast auffgedrungen ist) schier gar vergessen / und
ist mein einiger Wunsch / dass wir die Zeit unsers Lebens mögen bei einander
wohnen; Aber herzen Frau Schwester hat sie diese Nacht ihr Herz angesprochen /
der GrossFürstin Willen zuerfülle. Diese lachete des auffzuges /fassete sie bei
der Hand / und sagte: Ja kompt meine Freundin / ich muss der GrossFürstin
gehorsamen /oder ich verliere ihre Hulde gar. Da wahr sie nun ihrem Liebsten
sehr wilkommen / mit dem sichs begunte zimlich zubessern / hatten ihr
freundliches Gespräch in die zwo Stunden mit einander / und trug Fr. Atossa dem
Fräulein ihren nahen Anverwanten Herr Arbazes zur Heirat auff / der ein reicher
vornehmer Herr wahr / und ward diese Heirat nach verlauff eines halben Jahrs
fortgestellet. Unser sieghaftes Heer / nach dem alle Beute auff Elefanten /
Wagen / und andere Last Tihre geladen wahren / gingen frölich und wolgemuht fort
nach Persepolis / nachdem die Fürsten H. Surinas besuchet / und Artaxerxes ihm
auff sein begehren einen sicheren Schein willig erteilet hatte /daneben ihm 50
Reuter zugegeben die ihn mit seiner Schwester und Mitridates Leiche / wohin es
ihm geliebete / geleiten sollten.
    Diese zwischen eingefallene LiebesHändel / deren kein Mensch wahrnam / hat
uns / Artabanus Flucht zubeschreiben / verhindert. Demselben wahr neben allen
seinen Völkern nicht anders zu muhte als hätte er zur Stunde sollen nidergehauen
werden / da die falsche Zeitung kam / der Feind währe schon verhanden / das
Lager zustürmen. Er fiel auff seinen Läuffer /und hatte kaum 3000 Reuter / die
ihn folgeten / weil ihre Pferde seinem nicht gleich rennen kunten. Das
Frauenzimmer fiel eine über die andere auff Gutschen / und hatten nicht Raum
gnug aus dem Lager zukommen / dass Vologeses daher die Graben an vielen Orten
musste ausfüllen lassen / umb ihnen einen breiten Weg zumachen. Die verwundeten
empfingen durch die Furcht und eingenommene Speise Krafft genug mit zureiten /
und die schwächesten legten sich auff Wagen. Als der König voraus gehauen wahr
/ordnete Vologeses das Fussvolck und die Reuter alles zu Pferde / weil sie ohn
seinen Befehl schon alle Pferde von den Lastwagen hinweg genommen hatten. Ehe
die unsern dieser Flucht inne wurden / wahr Artabanus schon acht Meilen / das
Heer drei / die flüchtige Weiber fünff Meilen fort gesprungen / und als sie
einen engen Durchzug antraffen / stellete Vologeses daselbst die Schlachtordnung
auff allen fall / und liess seinen Völkern aus einer unweit gelegenen Stadt Brod
und Wasser bringen / da unterdessen alles unnütze Gesinde vor hindurch musste.
Aus den Flecken und Dörffern geschahe grosse Zufuhre / und mussten etliche Bauern
mit frischen Pferden zurück reiten / wegen des Feindes Folge Zeitung einzubringen
und als diese nichts als gute Sicherheit vernamen / schämete sich Vologeses und
andere KriegsFürsten dieser schändlichen Flucht über alle masse / setzeten doch
den Weg mit dem Heer fort nach Charas / daherumb die Völker verlegt / und die
Kranken in die Stadt gebracht wurden. Kartasis ward von dem Könige wohl gehalten
/und mit trefflichen Geschenken begabet / und stellete er ihm vier Tonnen Goldes
zu / seinem Könige Skolotus zur Verehrung / und sechs Tonnen / Völcker davor
zuwerben. Nach Indien ward gleich so viel zu Anreizgeldern übergemacht / und in
der Römer Gebiet acht Tonnen Goldes. Doch kunte Artabanus seine wütige Liebt
gegen GrossFürstin Valisken nicht ablegen / und hoffete noch immerzu / ihrer
Schönheit zugeniessen. Sein meistes sinnen aber wahr / wie er unsere Helden aus
dem Wege räumen möchte / dann wollte er ihr bei ihrem Abzuge nach Teutschland zu
Wasser und Lande auffwarten lassen / ob er sie erhaschen uñ in seine Gewalt
bringen möchte. Artaxerxes hatte alsbald nach erhaltenem Siege an alle
Bundsverwanten geschrieben / und ihnen den Verlauff durch schnelle reitende
Bohten zuwissen getahn / was gestalt unsere Helden den Sieg erstritten / ohn
deren Gegenwart die Feinde würden Oberhand behalten haben / daher man ihnen
billich ein dankbahres Gemüht erzeigen müste. Er vor sein Haupt wollte 30 Tonnen
Goldes zuschiessen; Phraortes und Pharnabazus würden das ihre auch willig tuhn;
so hoffete man des Feindes Lager zuerobern / welche Beute hernach zuschichten
währe nach gebühr; Inzwischen sollte ein jeder Bundsgenosse seine Grentzfestungen
mit guter Mannschaft besetzen / und sich öffentlich Feind erklären / damit
nicht einer nach dem andern verderbet würde; machte hiebei einen ungefehren
Uberschlag der Erschlagenen beiderseits / und versicherte sie /dass die
Partische Macht dergestalt gebrochen währe / dass sie das Haupt nicht wieder
auffrichten sollte.
    Das Glük liess sich dannoch merken / als wollte es Artabanus nicht allerdinge
verlassen / dann seine Bürger zu Charas und in andern Städten brachten eine
freiwillige Steur von 120 Tonnen Goldes auff / dabei die Ritterschaft ein
gleiches legte / und erbohten sich allerseits / auff des Feindes Einbruch Mann
bei Mann zufechten. Das angenehmste wahr ihm / dass des andern Tages nach seiner
Ankunft / ein grosser Indianicher Kämpffer / nahmens Gamaxus / von Bauern
erzeuget / zu Charas ankam / der fast Riesen Gestalt und von unmenschlicher
Krafft wahr / von Art und Geberden grob / hochmühtig / ruhmrähtig und überaus
verwägen / daher er sich bald bekant machte / dass noch desselben ersten Tages
Bagophanes von ihm reden hörete / und es dem Könige zuwissen taht; welcher ohndz
schon mit bösen Ränken umging / unsere Helden entweder durch Gift oder Schwert
aus dem Mittel zuräumen. Intaphernes und Tiribazus / weil sie auff diese
weidlich schmäheten / wahren bei ihm wohl daran / dass er sie in ihrer Schwachheit
besuchete /und ihnen vertraulich entdeckete / er hätte vier Hirkanische
ädelknaben mit grossen Verheissungen schon darzu vermocht / dass sie in der
Frembden Dienste sich begeben / und ihnen einen starken Gift beibringen wollten;
dann er währe äusserst gesinnet / ihnen den Abzug nicht zugönnen / damit sie
nicht bei dem Römischen Kayser sich dereins berühmeten / wie sie den grossen
König getummelt / seine versprochene Braut aus seinem wolverwahrten Schloss
entführet /sein mächtiges Heer erleget / und ihn selbst aus dem Felde gejaget
hätten. Dieses Feuer wusste Bagophanes weidlich zuschüren / taht des grossen
Indiers abermahl Erwähnung / und mit ziemlichen Scheingründen bestätigte er /
dass man diese von den Göttern selbst angebohtene Gelegenheit nicht verabseumen
oder verachten müste; wodurch er den König bewägete / dass er ihn alsbald
abfertigte / das Ungeheur auff Intaphernes Gemach zu hohlen; welches er dann
willig verrichtete / ihm des Königs Gnade anmeldete / und dass seine Hocheit
willens währe / ihn in Dienste zunehmen / und vor seinen Kämpfer zubestellen /
auch mit ansehnlichem Solde zuversehen. Dieser liess sich dessen keine Sau dünken
/ dass der König seinen ansehnlichen Hoffmeister an ihn schickete; fing an seine
eigene Tahten zurühmen / und sagte: Er dienete umbs Geld / und wer ihm am
meisten gäbe / währe ihm der liebste Herr / vor dessen Wolfahrt er seinen Säbel
auff Feindes Waffen wetzen / und auff der Widerwertigen Knochen stumpff hauen
wollte. Als Bagophanes diesen Tölpel vor den König brachte / fing er ohn alle
Höfligkeit an also zureden: Grosser König; gegenwärtiger Herr hat mich berichtet
/ dass Ihre Hocheit mich begehren zusprechen / und in Dienste anzunehmen; so
erbiete ich mich nun / Euer Hocheit zum besten / diesen wichtigen Säbel (welchen
er über die Helffte blössete) zugebrauchen / dem noch keiner entgangen ist /auff
welchen ich ihn gezükt habe. In den Indischen Landschaften / disseit uñ jenseit
des GangesFlusses /habe ich von dem funffzehnden Jahre meines Alters an / mich
nunmehr achtzehn Jahr in kämpffen und streiten gebraucht / und manchen Skyten
und andere Feinde erleget / dass ich oft biss an die Enkel in ihrem Blute gangen
bin. Ich habe 598 Kämpffer in absonderliche Streiten ertödtet / und deren
bissweilen fünff oder sechs zugleich auff einen Bissen genommen. Der mich kennet
/ hütet sich wohl vor meinen Streichen /die zu grunde richten / was sie treffen;
und wann Eure Hocheit mir den Sold vergnüget / sollen ihre Feinde wie Asche von
dem Winde verstäuben. Artabanus besah ihn von unten an biss oben aus / und
verwunderte sich seiner Grösse und starcken Gliedmassen; dann in ganz Parten
wahr niemand / der ihm mit dem Häupte die Unterschulder berühren mögen; sonst
wahr er dabei nicht ungeschikt oder tölpisch von Leibe /wusste sich auch des
Vortels im Streit wohl zu gebrauchen. Er wollte aber dem Könige einen Beweisstuhm
seiner Stärke sehen lassen / legte seine flache Hand auff den Tisch / und hiess
Bagophanes mit beiden Füssen drauff trete / welchen er mit steiffem Arme in die
Höhe huhb; foderte hernach zwei neugeschmiedete Huefeisen / die er von den
anwesenden besehen liess / dass sie sehr fest wahren / und beugete sie zugleich
auff einmal mit freien Händen gerade / als währen sie von Horn oder Wachs
gewesen. Er kunte einen Ochsen mit einem Hiebe im Leibe mitten von ander hauen;
auch mit der Faust ihn mit einem Schlage vor den Kopff / zur Erden stürzen
machen. Der König hielt eben diesen vor den rechten Mann / der seinen Feinden
sollte gewachsen sein / und versprach ihm ein ganzes Jahr hindurch / monatlich
10000. Kronen /auch acht Pferde uñ sechs Leibschützen zuhalten; dagegen sollte er
zween Jünglinge bestreiten / und sie ihm entweder tod oder lebendig liefern /
die seine abgesagte Feinde währen / und ihm mannichen Schimpff erwiesen hätten.
Ihre Leibeskrafft währe nicht besonders / aber in übung der Waffen vortrefflich
/ dass er nach ihrer überwindung sich wohl rühmen dürffte / er hätte den
trefflichsten Helden der Welt angesieget; sollte sie aber ja nicht beide zugleich
/ sondern eine nach dem andern vornehmen / und über seinen Sold vor jedes
geliefertes Haupt 50000. Kronen; da er sie aber lebendig fahen und überschicken
könnte / vierdoppelt so viel haben. Gamaxus gab zur Antwort: Ihm genügete an dem
versprechen und vermachtem Solde / weil auch dem Könige mit den lebendigen
Gefangenen mehr als mit den todten gedienet währe /denen er sonst ohn einigen
Schwertschlag das Genick brechen wollte / sollten sie ihm erster Zeit
eingehändiget werden; nam von Artabanus bäurischen Abscheid / und begehrete /
dass man ihm alsbald des folgenden Tages an die Grenzen geleitete / damit er das
Geld ehist verdienen und den König befriedigen könnte. Als der König von den
Verwundeten hinweg gangen wahr / besuchte Vologeses seinen Oheim Tiribazus / der
ihm nicht allein den bestelleten Kämpffer / sondern auch des Königes Vorhaben
wegen der Vergifftung offenbahrete; über welches lezte er sich heftig
entsetzete / und an solcher Bosheit ein abscheu trug / unterliess auch nicht /
seinem Oheim Pakorus es zuvermelden / der ihn höchst ermahnete / darüber
zuarbeiten /dass eine so unverantwortliche Taht abgewendet würde; Wie er aber
vernam / dass der König es mit ihm nicht berahtschlaget hatte / sagte er: Der
schändliche Fuchsstreicher Bagophanes stärcket ihn in solchem Unwesen / und wird
der Bube nit auffhören ihn zureizen / biss ihm der Hals gebrochen ist. Sie
beklageten beide den elenden Zustand des Reichs / und dass eine grosse Enderung
sich merken liesse / welche den Persen erheben / und Artabanus unterdrücken
dürffte; bezeigeten sich auch überaus betrübt / dann ihr Herz wahr ihnen über
dieser Bosheit fast erstorben; endlich nam Vologeses auff sich den König
zubesuchen / ob sich vielleicht dessen etwas würde vernehmen lassen. Aber er
gedachte seiner Hirkaner mit keinem Worte /nur den grossen Gamaxus rühmete er /
und dass er ein Fürstentuhm drumb geben wollte / dass ihm dieser unerschrockene
Held vor der Schlacht zugezogen währe / als welcher nicht allein die Persischen
Weichlinge sollte gedämpffet / sondern auch die Teutschen Wagehälse als die
Mücken nidergeschlagen haben; jedoch wollte er noch zufrieden sein / wann er ihm
nur die beiden Buben Herkules und Ladisla lebendig einbrächte / an denen er sich
dergestalt zu rächen vorhabens währe / dass andere sich an ihnen spiegeln sollten.
Vologeses gab zur Antwort: Was durch einen öffentliche Kampff geschähe / wollte
er mit rühmen; meinte auch / es wären noch wohl Ritter zufinden / so den beiden
gewachsen währen; hielte doch davor / sie würden sich schwerlich lebendig
greiffen lassen / sondern viel lieber von Feindes Hand sterben; Dass aber Ihre
Königl. Hocheit ihnen so abscheuhliche Straffen dräuete da sie doch freie Könige
und GrossFürsten währen / die in ihren Ländern grosse Gewalt hätten /schriebe er
seinem Zorne zu / nach dessen Linderung seine Hocheit sich wohl eines andern
bedenken würde; welche Erinnerung er aber mit grossem Unwillen aufnam / uñ ihn
fragete / ob er Persiche oder Teutsche Jahrsbestallung hätte / dass er so
fleissig vor seine Feinde strebete; denen wir / sagte er / das Herz wollen aus
dem Leibe reissen / und den Hunden zufressen vorwerffen lassen / und
Trozgebohten / der uns ein solches wehren soll / da er sonst nicht in gleiche
Straffe fallen will. Ihre Königl. Hocheit machen alles nach belieben / sagte er;
jedoch wann ich wissen sollte / dass dieselbe den allergeringsten Verdacht auff
mich geworffen hätte / ob sollte ich mit den Reichsfeinden einige Verständnis
haben / und durch das verfluchte Geld / dessen ich zeit meines Lebens eben so
wenig als des schlimmen Kohts geachtet / mich bestechen und zur Verräterei
bewägen lassen / müste mir leid sein / dass ich je geboren währe; bitte demnach
/ zum untertähnigsten / Ihre Königl. Hocheit wolle mich alsbald meines Ampts
allergnädigst erlassen / und mir den Ort benennen / woselbst ich mein übriges
Lebe in aller Einsamkeit / als in einem Gefängnis zubringen solle / will ich
solches vor eine gnugsame Vergeltung aller meiner bisher geleisteten träuen
Dienste halten. Wir haben euch in keinem Verdacht / antwortete er /könnet auch
eures Ampts durchaus nicht erlassen werden; nur vor unsere Erzfeinde allemahl so
frei zu reden können und wollen wir von niemande gewätig sein. Fragete hernach /
wie es mit den Werbungen beschaffen währe / dass man solche alsbald fortsetzete
/und befahl / dass die Grenze Städte wohl versehen / und der tapffere Gamaxus mit
40000 Reutern dahin begleitet würde; welches zubefodern Vologeses versprach /
und doch nicht unangezeiget liess / wo nicht ein vorsichtiger FeldHerr darüber
gesetzet würde /dürffte das ganze Heer verloren gehen; dann der Feind würde
keines weges unterlassen / ihne mit ganzer Macht auff den Leib zufallen; welches
er zu dem Ende anzeigete / dass ihm schier heut oder morgen nichts ungleiches
zugemässen würde. Worauff der König nur sagte: Er wüste schon / dass die Unglücks
Weissagungen zum Ende gelauffen währen. Das verleihen uns die gütigen Götter /
und dass ich doch auch einmal zum Lügener werden möge / wornach mich bisher
immer verlanget hat / antwortete Vologeses; ging hin / und zeigete Pakorus alles
an / der grossen Verdruss dran hatte / dass der König keinen heilsamen Raht mehr
annehmen / und überdas die wichtigsten Reichsgeschäffte mit seinen höchsten
Bedienten nicht mehr bereden wollte; hielt es vor ein Zeichen grossen Verblendung
/ und so bald er allein wahr / setzete er folgenden Brieff auff:
    Ein auffrichtiger Freund / welcher vor diesem den Durchleuchtigsten
GrossFürsten aus Teutschland / Hn Herkules gewarnet / sich denen nicht
zuvertrauen / die aus Parten sich gegen ihn freundlich stellen / kann vor
dissmahl nicht umhin / vertraulichst anzudeuten / dass man sich vor Gifftmischer
hüte die redlichen Helden den Tod in die Handschuch und Kleider / oder an Messer
und DegenGefäss anschmieren werden. So lässet sich auch ein wildes Ungeheur
finden / die beiden fremden Fürsten zum Kampff auszufodern / unter was Schein /
kann man nicht erforschen. Der Schreiber dieses Brieffes scheuhet sich seinen
Nahmen zunennen / und mit gewöhnlicher Hand die Buchstaben zu zihen; sendet aber
dem Durchl. GrossFürsten zur Wieder geltung einen Ring / welcher am Finger
getragen / allen gegenwertigen Gift durch seine wasserbleiche Verenderung
anzeiget / und verbleibet er Zeit seines Lebens dessen Durchl. ergebener
geträuer Diener /
                                                               Der Auffrichtige.
    Hiebei wahr ein ander Brief zum ümschlage / von ihm an Pharnabazus
geschriebe / nebest den 60000 Kronen / welche die drei Teutschen wegen
Intaphernes und seiner Gesellen zuheben hatten; vermachete die Gelder in 120
Beutel / und stellete sie so viel Reutern zu / welche Tag und Nacht reiten / und
sie biss nach Persepolis an Fürst Pharnabazus überbringen mussten; doch wollte er
den Brief an Herkules niemand vertrauen / sondern versteckete ihn in einen
schönen Sattel / welchen er auff seiner Handpferde eines legete / und einem
Reuter befahl / es Fürst Pharnabazus zuzustellen / mit dem ers verspielet hätte.
So bald diese in der Persichen HauptStadt anlangeten / ward das Pferd mit dem
Neben-Schreiben alsobald Pharnabazus eingehändiget / welcher diese Worte drinnen
fand:
    Meiner Bürgschaft / mein Herr und Freund / währe ich gerne los / deswegen
die wolgewonnenen Gelder in 120 Beuteln versiegelt übergeschikt werden / und ein
Pferd / welches Euer Liebe zugestellet werden soll; der Sattel aber ist vor
GrossFürst Herkules / denselben durchzublättern / und das gefundene in höchster
geheim zuhalten. Uns alle in den Schuz des Himmels befehlend / verbleibend sein
williger
                                                                            F.P.
    Pharnabazus seumete sich nicht / nahm den Sattel mit sich nach Herkules /
und gab ihn Libussen und Brelen auffzuschneiden / welche den Brieff samt
eingelegten Ring bald funden / und verwunderten sich unsere Helden über dieses
Fürsten Redligkeit / massen das geschriebene Merkzeichen den Uhrschreiber bald
kund machete. Zween Tage hernach meldeten sich vier Hirkanische ädelknaben an /
ihres alters von 18 Jahren / und erbohten sich / seiner Durchl. GrossFürst
Herkules als Leibdiener auffzuwarten; sie währen bisher drei Jahr in Königl.
Partischen diensten gewesen / und von ihren Eltern schrifftlich vermahnet /
ingeheim davon zureiten / damit sie nicht als Feinde des Vaterlandes dermahleins
möchten gestraffet werden; denen sie billich gehorsamet / und sich hieher
begeben hätten / ihrer Durchl. vor andern zu dienen; legten auch ihrer Eltern
warhafte Schreiben auff zum Zeugnis. Valisken trug der Sinn nicht viel gutes zu
/daher sagte sie auff Teutsch zu Herkules: Vielleicht haben die Gifftmischer
sich schon eingestellet / und dürfte der Kämpfer auch nicht lange verweilen. Ey
nicht so argwöhnisch / mein Schaz / antwortete er: Diese Jünglinge sind eines
adelichen freimühtigen Gesichtes / haben auch ihrer Eltern schrifftliches
Zeugnis / dass man von ihnen solche Untaht nicht muhtmassen kann / und wird
Artabanus nicht wenig schmerzen / wann er hören muss / dass seine Auffwarter in
unsere Dienste treten. Wendete sich hierauff zu ihnen / und liess sie durch einen
Handschlag angeloben / dass sie from und geträu sein wollten. Noch wollte die
GrossFürstin nicht trauen / sondern befahl etlichen Bömischen Knaben / auff
dieser Hirkaner tuhn und lassen gute acht zu haben; welche sich aber so
scheinbar verhielten / dass Valiska selbst allen argwohn fallen liess / weis sie
nichts ungeheissen anrühreten. Gamaxus eilete nicht minder / sein Vorhaben ins
werk zurichten / wusste nicht / wie er vor hochmuht gehen oder reiten wollte /
weil ein Partischer FeldHerr / nahmens Katenes mit 40000 Reutern ihm zur
begleitung zugegeben wahr. Nun halte Artabanus gleichwol diesen Völkern
ernstlich eingebunden / sich in kein Handgemenge zu wagen / es währe dann / dass
Gamaxus nach erhaltenem absonderlichen Kampfe von Feinden sollte überfallen
werden. Nach der Hirkaner ankunft / etwa fünff Stunden / liess sich ein
Partischer Heerhold anmelden / er hätte bei Herkules und Ladisla eine Werbung
abzulegen; und als er vorgelassen ward / fing er nach gebehtener verzeihung also
an: Des grossen Königes Artabanus bestalter Kämpfer / Herr Gamaxus / der
Sieghafte (diesen Nahmen hatte er in Indien erworben) übersendet den
Durchleuchtigsten Fürsten Herrn Herkules uñ H. Ladisla diesen Absagsbrieff /
welchen ihre Durchll. zu lesen unbeschweret sein werden. Wer ist dann der
bestalte sieghafte Kämpfer / H. Gamaxus? fragete Herkules / dass ich gleichwol
seines tuhns und wesens etwas wissenschaft habe / ehe ich mich weiter einlasse.
Der Heerhold rühmete ihn gewaltig; er währe zwar der ankunft eines Bauern Sohn
aus Indien / aber durch seine Tapfferkeit hätte er einen unsterblichen Nahmen
überkommen / und mit dem Säbel den höchsten Adel erstritten. Ein Baur? ein
Indianischer Baur? sagte Herkules; soll ich mich nun mit Bauern zudröschen? bald
packet euch hinweg / mit eurem Bäurischen Absags-Brieffe / und saget eurem
Könige / wann er selbst / oder irgend ein ritterlicher Fürst meines Bruders
Ladisla oder meiner Haar begehret /sollen sie ihnen ungewegert sein; aber einen
unflätigen Bauern zu kämmen oder zu laussen / halte ich mich viel zu gut. Wisset
ihr aber nicht / wer den Bauern die Absags-Brieffe an Könige uñ Fürsten zu
stellen mag gelehret haben? ich möchte wünschen / dz ich einen groben Sachsen
Bauern bei mir hätte / der sollte ihm etliche gute Streiche mit dem Flegel zeigen
/dass ihm sehen und hören verginge. Und ihr / Heerhold sollet wissen / dafern
hernähst ein ander mir von Bauern Absags-Brieffe anbieten wird / soll er Streiche
zu lohn tragen. Dieser musste mit solcher Antwort zu frieden sein / und mit
seinem Brieffe abzihen / da Valiska zu ihm sagte: Mein Freund / hat der
Baurknecht auch eine seine starke Baurdirne bei sich / die ihm den Flegel oder
die Mistgabel nachträget? Dieser musste des auffzuges selber mit lachen / und gab
zur Antwort: Er wüste wohl / dass Gamaxus nicht viel wählens machte unter dem
Frauenzimmer / dann beides in Städten und Dörffern währen sie ihm alle gerecht
/wann sie nur frei stark währen. Wie er dañ der Unzucht überal ergeben wahr /
dass er so wenig der Eheweiber als der unverheirahteten sich entielt / dessen er
bei Bagophanes ein Beweisstuhm ablegete; dann als derselbe ihn des Abends vor
seinem abreisen auff des Königs befehl in seinem Hause zugaste bitten /und
allerhand sachen mit ihm abreden musste / merkete er an dessen Gemahl Parasitis
die buhlerischen Blicke / machte den guten Hoffmeister trunken / und erhielt
sein Begehren leicht bei ihr / redeten auch miteinander ab / dass er nach seiner
Wiederkunft Ursach zu Bagophanes suchen / ihn erschlagen / und sie wieder
heirahten sollte; wie sie auch von ihm mit einem Sohn soll befruchtet worden sein
/ bei welchem sie in der Geburt gestorben / der Sohn aber zum beschrihenen
Mörder worden und auffs Rad geleget ist. Als Gamaxus sein Schreiben wieder bekam
/ und die Spotreden / welche ihm rund aus vorgetragen wurden / anhören musste /
meinte er vor herzensprast zu bersten / biss die Zähne im Kopffe / verwendete
die Augen / und stellete sich als ein Unsinniger. Katenes gab den Raht / dass der
Heerhold mit abgewechselten Pferden auffs geschwindeste nach dem Könige ritte
/umb zuvernehmen / wessen man sich weiters zuverhalten hätte; hingegen meinte
Gamaxus mit seinem Frevel durchzubrechen / und noch einen Aussfoderer
abzuschicken; doch als er Herkules dräuungen vernam / liess er sich bereden / dass
dem Könige es heimgestellet würde. Vologeses und Pakorus (der schon wieder gehen
kunte) wahren gleich bei Artabanus / da der Heerhold die Sache vortrug / und zu
lacheten sich dessen rechtschaffen. Ihre Königl. Hochheit verzeihe mir gnädigst
/ sagete Pakorus / dass ich GrossFürst Herkules hierin nicht verdenken kann /
sintemahl ich einem Bauernflegel nicht anders begegnen würde; währe demnach mein
Raht / man liesse diese Aussfoderung anstehen / dann eure Hocheit wird mit diesem
Untihr nur Schimpff und Spott einlegen; ich meine ja / man rede davon / wie der
Unflaht hin und wieder die unzüchtigen Hurenwinkel durchlauffe; mag auch wohl
deren Weiber missbrauchet haben / denen mans nicht zutrauet; sollte aber ein
solcher Gewissenloser wohl rechtschaffene Tugend und Tapfferkeit an sich haben?
Zwar den Bericht nach / soll er gross und schwer genug sein; aber ich wette / dass
GrossFürst Herkules ihm durch seine vorsichtige Ringfertigkeit werde überlegen
sein / und ihn vom Brodte tuhn. Er sei Tugendhaft oder nicht / antwortete der
König; wann er nur leistet / was unsere Tugendhafte nicht geleistet haben; ist
er dann gleich ein Baur von geburt / solches kann ihn nichts hindern / und wollen
wir ihn schon zum Fürsten in OberMeden erklären / dass die Teutsche nicht Ursach
haben / diesen Kampff abzulehnen. Die Schimpfrede ging ihnen beiden sehr zu
Herzen /gaben auch dem Könige zuverstehen / dass ihre Träue und untertähnigkeit
gegen ihren König viel grösser währe / als dass sie durch solche Worte sich
wollten geschmähet halten / wollten aber nicht desto weniger ihre Königl. Hocheit
geträulich warnen / dass sie gegen andere sich dessen mässigen wollte / es möchte
sonst deren Herz dadurch von ihrer Hocheit abgewendet werden. Uberdas würde der
König es reiflich überlegen / ehe er den Kämpffer zum Fürsten machete / dass
nicht die Auffrührer und andere anlass bekähmen ausszuschreihen / der König
verschenkete die Fürstentühmer den verlauffenen Indianische Bauern /und die
geträue Reichssassen nicht zugleich unwillig würden / dass der grobe Flegel ihen
sollte vorgezogen werden. Ich vor mein Häupt / sagete er / begehre nichts mehr /
als ich schon habe und besitze / aber wie lange hat Oxatres dessen Königl.
Zusage gehabt /und ist doch sein nie gedacht worden / als wann er wegen des
Vaterlandes hat mühe und arbeit über sich nehmen müssen. Ey so sind wir
gleichwol noch König / sagte Artabanus / und werden trauen unsern Worten Kraft
geben können / wo wir sonst nicht nur bitsweise und als ein Afterköniglein
herschen; deswegen halte nach diesem ein jeder ein mit dergleichen unerheblichen
einwürffen / damit wir nicht gezwungen tuhn und vornehmen müssen / was uns
selbst leid sein würde. Eure Königl. Hocheit fahre nach belieben /sagte Pakorus
/ aber sie werden erfahren / dass Pakorus ein redliches Herz gegen den
Partischen Stuel träget; sollte er aber drüber in Ungnade und Gefahr fallen / so
muss ihm endlich gleich gelten / ob sein Blut durch Feindes oder seines Königes
Hand vergossen wird; er wird doch nit nachlassen / so lange er lebet / eurer
Hocheit bestes zu rahten. Solches soll ihm mit allen gnaden vergolten werden /
sagte Artabanus; Aber in diesem Stük / welches dem Reiche nicht schädlich / oder
wohl erspriesslich sein kann / wollen wir unsern Willen haben; liess auch ein
Königliches Schreiben unter seiner Hand und Pitschaft auffsetzen /in welchem er
Gamaxus vor einen Fürsten in OberMeden erklärete / nebest der Verheissung / dass
ihm nach erhaltenem Siege ein Heer von 60000 Mann sollte untergeben werden /
damit er das Fürstentuhm einnehmen könnte. So bald der grobe Dröscher dieses
Schreiben empfing / liess ers vielmahl abschreiben /und hin und wieder anschlagen
/ legte auch eine Abschrifft bei seinen andermahligen Aussfoderungs Brieff /
welchen er unsern Helden zuschickete.
    In Persepolis stund ihnen ein ander Unglück bevor /welches bloss allein Gottes
barmherzigkeit von ihnen abwendete; dann es hatten die vier Hirkaner in
erfahrung bracht / dass ihre Herren den Kampff wieder Gamaxus abgeschlagen hatten
/ auff welchen Fall sie befehlichet wahren / ihr Vorhaben mit erster gelegenheit
ins Werk zurichten / wurden auch eines gewissen Tages eins / an welchem sie
ihrer Herren Stieffeln oder Handschuch dergestalt inwendig salben wollten /dass
nach verfliessung 48 Stunden sie keine mehr anlegen sollten. Einer unter ihnen /
nahmens Bazaentes /hatte an Herkules Freundligkeit sich so sehr verliebet / dass
ihn unmöglich dauchte / diese Mordtaht zu volbringen / währe auch ewig schade /
dass ein solcher lieber Herr so jämmerlich umbkommen sollte; beschloss deswegen die
lezte Nacht festiglich / es zuoffenbahren / und seinem Herrn das Leben zuretten
/ was hart verbindliche Verheissung er gleich dem Könige getahn hatte; machte
sich zu Tyriotes / und baht ihn / die GrossFürstin zubewägen / dass sie ihn
absonderlich / ohn seiner dreien Gesellen vorwissen zu sich fodern liesse /
nachdem ihrer Durchl. er etwas vorzutragen hätte / welches keinen Verzug leiden
wollte. Dieser wahr willig ihn anzumelden / und kam bald hernach ein Persischer
Knabe / welcher ihn zu der GrossFürstin foderte / gleich da die andern ausgangen
wahren / alles nöhtige zu ihrer Flucht fertig zu machen. Als er zu ihr ins
Gemach trat / schossen ihm die Trähnen in die Augen / baht untertähnigst / sie
möchte die Anwesenden abweichen heissen / setzete sich hernach auff die Knie /
und fing mit weinender Stimme also an: Durchleuchtigste GrossFürstin / ich armer
Sünder / der ich aus unbedachtsamen Frevel ein abscheuhliches Bubenstük
zuverrichten / auff mich genommen / komme / dessen gnädigste verzeihung zu
bitten / und das übel abzuwenden / ehe und bevor es von andern volführet werde /
die sich dessen nicht bereden können / dass es bösslich gehandelt sei. Alsbald
gedachte sie / es würde die Vergifftung antreffen /welche sie schon aus dem
Sinne geschlagen hatte /und antwortete ihm gnädig also: Mein Bazaentes / du
tuhst sehr wohl / dass du das böse bereuest / ehe es vollendet wird / und
erzeigest hiedurch dein auffrichtiges Herz / welches von untugend zwar kann
angesprenget / aber nicht überwunden werden; daher du dich nicht allein
gänzlicher verzeihung / sondern grosser überwichtiger Gnade wohl versichern magst
/ wann du nur redliche anzeige tuhst / damit das böse / ehe es volbracht wird /
abgewendet / und gleichwol kein unschuldiger verleumdet werde. So stehe nun auff
/ und offenbahre mir kühnlich / was du auff dem Herzen hast. Hierauff fing er an
zuerzählen / was gestalt Artabanus ihn und seine drei Gesellen mit herben Gift
ausgerüstet hätte / König Ladisla und GrossFürst Herkules damit hinzurichten /
wovor jedem eine freie Herrschaft zugesaget und verbriefet / auch aus dem
Königl. Frauenzimmer die Wahl der schönsten Jungfrauen versprochen währe / die
Bagophanes ihnen schon gezeiget hätte. Nun wollte er aber / nachdem ers recht
erwogen / lieber seine ganze Lebenszeit im Elende zubringen / als dieses
Bubenstük begehen; meldete hernach / dass sie verabscheidet hätten / da sie der
Stiefeln heut nicht könten bemächtiget sein / die Handschuch heut über der
Mahlzeit inwendig zu vergifften / und währe die Salbe der Wirkung / dass wann sie
die Haut nur berührete / der Mensch ohn alle Hülffe nach Verlauff 48 Stunden des
Todes sein / und inzwischen unsägliche Schmerzen ausstehen müste. Valiska
stellete sich / als hätte sie dessen nie keinen Argwohn gehabt / hiess ihn
schweigen / und aller Gnade gewärtig sein / ging nach ihres Bruders Gemach /
woselbst sie auch Herkules und Fabius fand / und redete sie mit nassen Auge also
an: Meine allerliebste Herzen; billich fallen wir auff die Knie / und danken
unserm GOtt und Erlöser vor seine unaussprechliche Barmherzigkeit / dass er mir
gleich diese Stunde die teuflische Vergifftung kund werden lassen / welche heut
diesen Tag an meinem Bruder und Gemahl hat sollen erfüllet werden / und man sie
menschlicher Vernunft nach nicht hätte meiden noch verhüten können. Sie
entsetzeten sich alle / höreten der Erzählung fleissig zu / und rahtschlageten /
wie den Sachen ferner zu tuhn währe; wurden endlich eins / die vier Hirkaner
neben vier Böhmischen bei der Mahlzeit auffwarten zulassen / und ihne vorsezlich
/ doch als ohngefehr die Handschuch hinzureichen / dass sie auff scheinbahrer
Taht ergriffen / desto besser überzeuget /und hernach absonderlich wegen des
Anstiffters befraget werden könten / welches dem Partischen Wüterich
unabwischlichen Schimpff geben würde. Fabius ward von ihnen nach Pharnabazus
gesendet / er möchte unbeschweret zur Mahlzeit kommen / weil etwas wichtiges
würde zubereden sein. Sie aber setzeten sich auff die Knie / hielten ihr
andächtiges Gebeht zu Gott / und danketen ihm vor diese unaussprechliche Gnade /
dass er des einen Herz gelenket / und zur Bekantniss angetrieben hätte / bahten
auch ihren Heiland / er wollte sich ihrer ferner annehmen / und sie frisch und
gesund in ihr Vaterland führen. Hernach verwies Valiska ihrem Herkules seine
Leichtgläubigkeit / und dass er ihre erste Warnung so gar in den Wind geschlage;
man müste nicht alles vor Gold halten / was da schimmert; die Bosheit könnte ja
so wohl / und viel besser unter auffrichtiger äusserlicher Gestalt / als
niedergeschlagenen Augen verborgen liegen. Als sie zur Mahlzeit gingen / machten
sie Artaxerxes und andern anwesenden Fürsten den schändlichen Meuchelmord
zuwissen / der mit seinem Anstiffter äusserst verfluchet ward. Die Hirkaner
stelleten sich hinter ihre Herren zur Auffwartung / an denen man die geringsten
Zeichen einer Verenderung nicht merken kunte / und da sie die Handschuch nebest
den Schwertern empfingen / trugen sie alles in ein NebenGemach; Weil sie sich
nun daselbst allein befunden / und Bazaentes auff die Schildwache stelleten /
strichen sie den Gift unvermerket hinein / da Fabius in Gesellschaft seinen
Teil auch bekam. Bei wehrender Verrichtung sagte einer zu dem andern: Heut
wollen wir unser Glük verdienen / und ein mehres leiste / als Fürst Vologeses
mit 500000 Mann nicht vermocht hat; Du aber / sagte einer zu Bazaentes / solt
dieses Ruhms nur halb geniessen / weil du nicht Hand mit angeleget hast. Dieser
gab lachend zur Antwort: Ich hoffe noch den besten Preis davon zutragen / weil
ich ihnen den Gift zustellen will. Nach verrichtetem Bubenstük traten sie mit
ernstlichem Angesicht vor den Tisch / und gingen mit flüchtigen Gedanken umb /
des Vorsatzes / so bald sie sehen würden / dass sie ihre Handschuch würden
angezogen haben / zu ihren Pferden zulauffen / welche sie nicht weit vom
OstenTohre in ein Haus gezogen hatten / vorgebend / sie sollten mit etlichen
Herren auff die Jagt reiten. Unter der Mahlzeit befahl Artaxerxes alle Diener
abzutreten / weil man geheime Sachen zu bereden hätte / welches niemand
argwöhnisch machte / weil es oft zugeschehen pflag. Weil sie nun nicht wissen
kunten / ob die Beschmierung geschehen währe / stund Valiska auff / ging nach
ihrem Gemache / und hiess Bazaentes und zween Böhmische Knaben mit ihr gehen /
deren jedem sie eine Schachtel zu tragen gab / als wollte man etliche Sachen
heraus nehmen / und sagte sie zu dem Hirkaner: Mein Sohn / ist der Anschlag zu
werke gerichtet / so sage mir die Warheit. Ja Durchl. GrossFürstin / antwortete
er; sie haben den Tod in meiner gnädigste Herren / und Herrn Fabius Handschuch
geschmieret. Gab ihr hernach sein Gifftbüchslein / und deutete an /man würde ein
gleichmässiges bei ällen dreien finden; überdas stünden ihre Pferde gesattelt /
allernähest beim Tohr in der Herberge zum gülden Löuen. Beweisstums gnug / sagte
sie / schweige nur stille /und verrahte dich selber nicht; ging hinter diesen
dreien her / nam ihnen die Schachteln ab vor der SaalTühr / und nachdem sie der
Gesellschaft bericht getahn hatte / liess sie durch die drei Hirkaner die
Schachteln in Libussen Begleitung wieder nach ihrem Gemache tragen. Bald darauff
wurden die Diener sämtlich wieder herein geruffen / uñ taht ihnen Valiska Befehl
/ so bald man mit den Hirkanern reden würde / sollten sie acht auff ihre Hände
geben / damit sie weder sich selbst noch andere zu verletzen Gelegenheit hätten;
doch hielt man ein / biss die Speisen abgetragen wahren / und Phraortes die drei
Hirkaner (den vierden hatte man vorsezlich weggeschikt) vor sich foderte /
welche er fragte / ob sie den Bauern Gamaxus bei Artabanus nicht gesehen hätten;
auch was sonsten neues nach verlohrner Schlacht vorgangen währe. Der fürnehmste
unter ihnen / nahmens Trountes / antwortete: Sie wüsten von keinem Gamaxus
zusagen / und hätte der König sich gar freudig gestellet / als ob er die
Schlacht gewonnen / zweifelte auch nicht / er würde sich mit sehr grosser Macht
bald wieder zu Felde begeben. Du redest sehr gut Partisch / sagte Phraortes /
und sollte mich dieses fast bewägen / einem vertraulichen Schreiben Glauben
beizumessen / in welchem ich von Charas aus berichtet werde /Artabanus habe
etliche verwägene Buben durch grosse Verheissungen auffgemacht / die sich eines
ungläublichen Bubenstüks unterfangen würden; seid ihr nun dieselben / so
bekennet es / weil die GnadenTühr offen stehet / alsdann wird man den
gelindesten Weg mit euch gehen; im widrigen dürffte es hernach scharffe
Abstraffung geben; ist aber die Unschuld auf eurer Seite / soll euch meine
Warnung an euren Ehren hernähst unschädlich sein. Vorerst aber kömt mir sehr
verdächtig vor / dass ihr alle vier es so zugleich soltet eins worden sein; Vors
ander / sehe ich keine wichtige Ursachen / warumb ihr eben euch hieher begeben /
dessen ihr ja in eurer Eltern Schreiben keinen Befehl habet / wisset auch keine
Beleidigung anzuzeigen / damit euch Artabanus zur Flucht bewäget hätte; und
welches das vornehmste ist / redet ihr sein bestes nach Vermögen / da ich das
Widerspiel viel besser weiss. Die Jünglinge stelleten sich freidig; sie wären
Hirkanisches Adels / und nicht der Meinung / ihrem ehrlichen Geschlechte einigen
Schandflek anzuwerffen / bähten untertähnigst / Ihre GrossFürstl. Durchl. wollte
sie des ungleichen Verdachts gnädigst enteben / oder zum wenigsten bei ihrem
gnädigsten Herrn ihnen Erläubniss erwerben / in ihr Vaterand zuzihen. So wisset
ihr euch alles bösen Vornehmens so gar frei und unschuldig? sagte Phraortes. Ja
/ gnädigster Herr / antworteten sie / wollten auch lieber sterben /als unzimliche
Sachen vornehmen. Phraortes lachete ihrer Ernstaftigkeit / und sagte: O wer
sich warnen liesse / ehe er überzeuget würde; dann hernach wird es viel zu lange
geharret sein. Diese drei sahen sich untereinander an / und missdauchte sie
Bazaentes Abwesenheit / wollten sich doch selbst nicht verrahten /sondern bahten
/ ihr vierder Geselle möchte zur Verantwortung dieser schweren Auflage auch
gefodert werden. Aber Phraortes gab zur Antwort: Seid ihr drei from / so wird
der vierde wohl mit from sein; oder ist er schlimmer als ihr / dann haben wir an
euch dreien schon mehr als gnug; wiewol euer Geselle nach befindung eben so
wenig als ein ander frei ausgehen soll. Machet euch aber hin / und hohlet die
drei par Handschuh her / dass sie euer gerühmeten Unschuld Zeuge sein. Was vor
Handschuch / gnädigster GrossFürst? fragete Trountes / der gewöhnliche
Worthalter. Du stellest dich sehr fremde / sagte Phraortes; Ich fodere dieselben
/ welche ihr ins NebenGemach getragen / und sie daselbst mit einem wolriechenden
/Sälbelein bestrichen habt. Der eine wahr willens zubekennen / und umb Gnade zu
bitten / weil er hörete /dass die Sache verrahten wahr; aber Trountes fing seiner
Verwägenheit nach an: Hat etwa Bazaentes / der dabei nistelte / etwas daran
geschmieret / wovon mir gleichwol nichts bewust ist / so straffe man ihn; ich
und meine Gesellen wollen gern selbst mit Hand anlegen. Bistu da zurissen /
sagte Phraortes / so muss Meister Hämmerlein über dich kommen; und meinestu Bube
/ diese HochFürstl. Gesellschaft werde sich durch deine schlauhe Verstellung
hintergehen lassen? Hierauff wurden die anwesende Diener befehlichet /ihnen die
Kleider zubesuchen. Worauf der eine / nahmens Orontes / alsbald eine Fussfall
taht / legte sich auff die Erde / und rief immerzu / Gnade / Gnade! die anderen
beide aber sträubeten sich / zücketen ihr Brodmesser / und traten dem Tische
näher / des willens / unsere beide Helden zuerstechen; aber die anwesende Diener
begriffen sie / brachen ihnen die Messer aus den Fäusten / und wurden drei
Böhmische darüber verwundet. Die Fürstliche Gesellschaft kehrete sich nicht gross
dran / und wurden etliche Trabanten hinein geruffen / welche die Buben mit
Stricken bunden / und Herkules ihnen nochmahl zu reden erlaubete; Worauff der
vorige zu seinem MitSchelme / nahmens Mazezes sagte: Mein redlicher Geselle und
lieber Bruder / du sihest und hörest / dass der meinäidige Bazaentes zum
Verrähter worden ist / wie ich allemahl gefürchtet / und der furchtsame Orontes
das Herz verloren hat; Lass uns aber geherzt sterben /nachdem wir nicht länger
glücklich leben / noch unserm allerliebesten Könige weiter dienen können; wir
wollen trauen weder Aufrührer noch Abtrünnige werden / sondern deren Bosheit
vielmehr verfluchen. Den Fürsten ging solche Schmach durchs Herz / und befahl
Artaxerxes / dass sie drunten im Vorhofe am ganzen Leibe mit Ruhten biss auffs
milde Blut gestrichen / hernach in absonderliche Gefängnis gelegt / und auff der
Folter stränge sollten gezogen werden; da man die Gifftbüchslein bei ihnen fand /
und ihre Uhrgicht mit Bazaentes Bekenntnis ganz überein stimmete. Orontes gestund
alles gutwillig / und erlangete durch Herkules Vorbitte die Gnade / dass er auff
vier Jahr in einen Turm gefangen gelegt ward / seine Sünde aldabei geringer
Speise zubüssen / und nachgehends milderer Gnade gewärtig zusein. Ihre gesamte
Bekenntnis ging dahin / dass ob zwar der König selbst sie zu solcher Taht vermocht
/ hätte doch Bagophanes und sein Weib durch Reiz- und Verheissung sie immer
heftiger getrieben / biss sie ihre Träue mit hohen Beteuerungen angelobet / und
sich behäglich erkläret hätten. Artaxerxes sprach den beiden boshaften die
Urtel / der Gift sollte ihnen angeschmieret / und sie hernach /weil sie noch
lebeten / auffs Feuer gesetzet / und zu Aschen verbreñet werden; welches des
folgenden Tages den Anfang nam; da sie alle drei auff eine Stellung geführet /
und ihnen die Uhrgicht vorgelesen ward / welche sie beständig bejaheten; worauff
Orontes öffentlich um Gnade bitten / und vor die schon erlangete danken musste /
ward auch darnach hingebracht / seine bereitete Herberge zubewohnen. Den andern
beiden wurden Hände uñ Füsse mit ihrem Gift gesalbet / welcher sie diesen und
folgenden Tag erbämlich peinigte. Bazaentes ward hernach vor die gesamte Fürsten
geführet / und von Valisken also angeredet: Mein Sohn / du solt dich erinnern
der Verheissung / so ich dir wegen deiner Anzeige getahn habe /und demnach an
meinen Gemahl eine Vergeltung untertähnig begehren / welche dir geleistet werden
soll. Dieser fiel auff die Knie / fing an bitterlich zuweinen /und baht durch
alle Götter / ihm vorerst seine vorgenommene Missetaht gnädigst zuverzeihen;
hernach vor Artabanus ihn Verfolgung zuschützen; und endlich / dass GFürst
Herkules ihn entweder Zeit seines Lebens in Dienst behalten / oder in
abgelegenen unbekanten Landschaften Lebensmittel verschaffen wollte / damit er
nicht wieder vor seines Vaters Augen kähme / als welcher ihn wegen der
vorgenommenen Ubeltaht ungezweifelt selbst erwürgen würde / weil er Fürst
Menapis geheimter Raht / und dem Partischen Wüterich biss auff den Tod gehässig
währe; Dafern er nun diese dreifache hohe Gnade erlangen könnte /schätzete er
sich glückselig gnug / und wollte Zeit seines Lebens es in untertähnigstem
Gehorsam erkennen. Die Fürsten hiessen ihn einen Abtrit nehmen / rühmeten
hernach seine rechtschaffene Erkenntnis / und nam ihn Herkules an vor seinen
HofJunker / hielt ihm auch einen Leibknaben und zween reisige Knechte sampt vier
Reitpferden und so viel Gutschpferden / und vermachte ihm monatliche Bestallung
1000 Kronen; so schossen der Medische / Persische und Susianische Fürst 80000
Kronen zusamen / und Gallus brachte ihm bei den KriegsObristen auch so viel
zuwege /welches alles er wider seinen Willen zu sich nehmen musste; Weil dann
Libussa gemerket hatte / dass er der GrossFürstin Valiska neu angenommene ädle
KammerJungfer / die schöne Laudize geneñet / gerne sah / welche ein
Jungfräulein von 15 Jahren wahr / befoderte sie es / dass sie ihm zur Ehe
versprochen ward. Sechs Stunden vor der verurteileten Verbrennung kam abermahl
ein Heerhold von Gamaxus an / welcher vor des Gerichts Volstreckung / dem er
selbst beiwohnen musste / nicht gehöret ward; da er dann anhörete / was gestalt
nach wiedergehohlter Uhrgicht Artabanus der Partische Wüterich vor einen
unredlichen Gifftmischer dreimal ausgeruffen ward; nach welcher Verrichtung man
ihn vortreten liess / da er dieses anbrachte: Der Durchleuchtige Fürst in
OberMeden /Herr Gamaxus der Sieghafte / hat an die Durchl. Fürsten / Herrn
Herkules und Herrn Ladisla mich abgefertiget / und ihnen dieses Schreiben
einzureichen /mir gnädig anbefohlen. Wie nun zum Henker / sagte Ladisla / ist
der Baur so schleunig zum Fürsten / und zwar zum Fürsten in Meden worden? O ihr
ädlen Meden / ist euch von dem Gifftmischer Artabanus so schwere Straffe
zugemässen / dass ein fremder Baur über euch herrschen soll / so wird euch hart
genug gefluchet sein; aber saget mir doch / Heerhold / wie komt ihr darzu / dass
ihr diesen Bauern vor einen Fürsten in Meden scheltet? sehet ihr den wahrhaften
GrossFürsten in Meden nicht hie gegenwärtig sitzen /und seinen Erben nicht weit
davon? Ich habe dieses nicht zurechtfertigen / antwortete er / nachdem mein
allergnädigster König ihm den Nahmen aufgetragen hat / und mir anbefohlen ist /
ihn also zuneñen. Phraortes sagte mit einem Gelächter: Artabanus der Giftmischer
verschenket mein GrossFürstentuhm / und weiss nicht / wie lange er seinen Stuel
besitzen soll; währe ich aber mit ihm allein im freien Felde / müste er mir
deswegen Rechenschaft geben. Weil nun dieser hierauff nicht antworten wollte /
nam Herkules das Schreiben / hiess den Abgesanten abtreten / und verlase diesen
Inhalt öffentlich:
    Gamaxus der Sieghafte / erhobener und bestetigter Fürst in OberMeden / der
bisher 18 Jahr lang seinen Säbel gebraucht und denselben nunmehr unüberwindlich
gemacht / nachdem er ihn niemahls / als nach erhaltener überwindung in die
Scheide gestecket; hat die schimpfliche Antwort des rasenden Teutschen Fräulein
Diebes abwesend vernommen / die er gegenwärtig von seiner zwanzigen nicht ohn
ihrer Zermalmung würde angehöret haben. Damit er nun solchen Frevel gebührlich
abstraffe /und die verwägene Lästerzunge hemme / fodert er denselben nebest
seinem Gesellen Ladisla / der nicht umb ein Haar besser als er selbst ist; auch
Artaxerxes den abtrünnigen Persen / und Phraortes den vermeinten Medischen
Fürsten ritterlich aus / dass sie alle vier zugleich auff dem Platze / welchen
mein Abgesanter benennen wird / erscheinen / die ich allesamt in einem Kampffe
bestehen /und sie mit vier Streichen mitten von einander spalten will. Solte
ihnen aber vor meinem durchdringenden Säbel grauen / dass sie mir zuentlauffen
meinten / will ich nicht allein sie vor verzagete Buben durch alle Morgenländer
ausruffen und öffentlich anschlagen / sondern sie zuverfolgen nicht ruhen / biss
ich sie ertappen / und mein Herz durch billiche Rache befriedigen werde / wann
gleich biss in den unachtsamen Winkel Teutschlandes ich ihnen nachreiten müste /
massen der Weg dahin / so wohl den herzhaften als verzagten offen stehet.
Solches dräuet /uñ wird unfehlbar vollenden FürstGamaxus der Sieghafte.
    Dieser ist ohn zweifel noch einer von den Himmel-Stürmern / sagte Herkules
nach verlesung / und hätte ich nie gemeinet / dass in einem Menschen ein so
unbesonnener Frevel stecken könnte; sehe aber / dass er sein Mass erfüllet / und
der Almächtige Gott diesen übermuht länger nicht dulden will; wollen demnach
meine Herren mir volmacht geben / ihm eine Antwort zuerteilen / die ich mit der
hülffe meines GOttes zubehäupten willens bin / hoffe auch nicht / dass mich Gott
deswegen aus so mannicher Gefahr errettet habe / dass ich von diesem Bauern sollte
erschlagen werden. Als ihm nun dessen vollige Gewalt eingeräumet ward /nachdem
man dem Abgesanten auff Herkules begehren die Straffe gelindert hatte / war
derselbe hinein geruffen / zu welchem Herkules sagete: Heerhold / des
ungeschlieffenen Bauern Gamaxus Feder ist gewaltig grob geschnitten / und sihet
man wohl / dass ihm der Flegel oder die Mistgabel besser als an Fürsten zu
schreiben / anstehe. Wann diese HochFürstliche Gesellschaft meine Vorbitte nicht
hätte wollen gelten lassen / hätten sie Ursach gnug / euch an den Galgen zu
henken / dass andere eures gleichen abscheuh bekähmen / sich vor solche
Brieffeträger bestellen zu lassen. Aber der bäurische Garstammel ist unsers
Zorns nicht wirdig / welches euch zur Lebensfristung dienen muss / jedoch /
dafern ihr euch gleich alsbald ohnwegerlich durch einen äid verbinden werdet /
dass ihr auff der Rükreise nichts durchaus / als Wasser und grob Bauern-Brod /
welches man euch zustellen wird / geniessen / und so bald ihr vor dem Stadtohr
ankomt /da der Baur sich auffhält / ihr euch auff einen Esel rüklings setzen /
gleich also biss zu diesem Bauern reiten / und ihm diese Mistgabel und
DröscheFlegel im nahmen unser aller zustellen / auch diese Antwort ihm sagen
wollet: Ob der Bauern Unstaht zwar billiger durch Henkers / als eines Fürsten
Schwert sollte abgestraffet werden / will ich doch am fünften Tage von diesem an
zu rechnen / auff bestimmetem Platze erscheinen / und versuchen / ob ich seine
ungespitzete Bauern Feder mit meinem Schwerte nicht beschneiden / und ihm die
ruhmrätige Ochsenzunge spannen könne. Werdet ihr aber euch dessen zu verbinden
nicht willig sein / so stehet der Büttelknecht haussen vor dem Schloss /
welcher euch an den Galgen knüpften soll. Dieser entsetzete sich vor der Straffe
/wahr willig den äid zu leisten / und alles geträulich zu verrichten; nur allein
baht er / ob die Antwort ihm nicht schriftlich könnte gegebe werden. Aber
Herkules gab ihm zum abscheide dieses: Bald packe dich / und bilde dir nicht ein
/ dass einiger Fürst mit einem bengelichten Baurwocken werde Schreiben wechseln.
Also musste dieser abzihen / und auff der Reise sich kümerlich gnug behelffen /
da ihm ein lahm geschossener Partischer Gefangener zugegeben ward / welcher ihm
den Flegel tragen / er aber selbst die Mistgabel zu sich nehmen musste.
    Frau Atossa hatte nunmehr sich zur Reise nach Meden fertig gemacht / und mit
Arbazes die Eheteidung mit Frl. Tarinea geschlossen / wollte auch des folgenden
morgens in Gesellschaft etlicher Medischen Herrn fortzihen; aber durch neue
Wiederwertigkeit ward sie noch vier Tage auffgehalten; dann Herr Pharnazes / des
Assyrischen Fürsten Armametres Bruder Sohn / der von grossen mitteln / und in
letzter Schlacht sich wolgehalten hatte / auch nach seines Vettern tode der
näheste Erbe dieses Fürstentuhms wahr / verliebete sich heftig in sie / uñ als
er sah /dass sie hinwegwolte / brach die Begierde seine Furcht / dass er sich an
GrossFürstin Saptina machete / ihr seine Liebe zuwissen taht / und fleissig
anhielt / ihm diese Heirat zu werben; es stünde ihm auff der eile zwar nicht /
wann nur nach abgelegter trauer ihm kein ander vorkommen möchte. Weil diese ihm
nun gute vertröstung gab / und allen ihren fleiss versprach /zweiffelte er am
guten verfolg weiter nicht / stellete ihr auch ein köstliches Kleinot zu / es
Fr. Atossen seinetwegen einzureichen. Die GrossFürstin wollte diese Gelegenheit
nicht verabseumen / setzete nach gehaltenem Abendmahle sich zu ihr / und meldete
an / es fielen wichtige Ursachen ein / dass man ihr abreisen noch nicht
einwilligen könnte; sie sollte den Unfal ihres Seel. Gemahls bei seit setzen / die
Götter wollten ihren Willen haben / und könnte geschehen / dass sie nach dieser
trübsaal ein höher Glük als vorhin zugewarten hätte. Fr. Atossa fürchtete sich
alsbald / sie ginge mit neuen Heirahtsgedanken umb / wovor sie den Tod zuwählen
bedacht wahr / und antwortete: Der Himmel hätte den grösten teil ihrer
Fröligkeit hinweg genommen / und währe billich / dass sie den Tod ihres Seel.
Gemahls betraurete / welcher ja von dem Tähter selbst betrautet würde; bähte
demnach untertähnig /sie nicht auffzuhalten / weil ihr nach ihrer betrübten Fr.
Mutter höchlich verlangete / und dieser frölichen Gesellschaft mit ihrer
wehmühtigen gegenwart nicht gedienet währe. Euer Mutter / sagte die GrossFürstin
/gehets noch wohl / und wann gleich dieselbe nicht währe / so will ich bei euch
ohndas Mutterstelle vertreten / weil ich schon weis / dass ich eine gehorsame
Tochter an euch habe / gehe auch schon damit umb /wie ich euch zu höherem Glücke
verhelffen möge / als eure leibliche Mutter nicht tuhn kann; wollet demnach auff
mein begehren euch förder nicht wegern / bei mir zuverharren / weil es einig nur
zu euer wolfahrt angesehen ist; und was dünket euch? hättet ihr mir nit zu
danken / wann ichs fügete / dass ihr dereins auff einem Fürsten Stuel sässet.
Dieser Ehre schätze ich mich allerdinge unwirdig / antwortete sie / und weil es
nicht anders als durch heiraht geschehen würde / gebühret mir nicht darauff zu
antworten / nachdem ich meinen lieben Ehegatten / des GrossFürsten so nahen
Anverwanten erst vor weniger Zeit verloren habe; bedanke mich nicht
destoweniger gegen eure Durchl. untertähnig / der gänzlichen zuversicht gelebend
/ sie werde meine Antwort vielmehr gut heissen als tadeln /und vissen die Götter
/ dass ich zu solcher Hocheit weder Sinn noch willen trage / wann ichs gleich
erlangen könnte. Fr. Saptina wollte nicht ablassen / und durfte gleichwol
ehrenhalben so stark nicht in sie dringen / doch als diese in steter wegerung
blieb / und sie ihr gleichwol das Kleinot gerne beigebracht hätte / sagte sie
endlich: Geliebte Tochter / ihr sollet mit mir nicht als mit einer fremden
umbgehen; euer redliches Gemüht ist mir gnug bekant / und dass ihr meinen Oheim
Seel. auffrichtig geliebt; weil ihr aber noch sehr jung seid / und unmöglich /
eure übrigen Tage einsam zuzubringen / muss man trauen des Glückes anbieten nicht
aussschlagen; ich gehe damit nicht umb / dass ich eure gebührliche trauerzeit
stören oder kürzen wollte / nur allein / dass nach verflossenen Wochen ihr wieder
mit einem wirdigen Gemahl möget versehen sein; derwegen lasset euch rahten / und
gebet eine andere Erklärung von euch / wie ich mich dessen zu euch versehe; da
ist Pharnazes nähester Erbe des Fürstentuhms Assyrien / welcher euch sein Herz
zugewendet / und umb eheliche Heirat ansuchet / dem kein Fürst in diesen
Morgenländern sein Fräulein versagen würde. Sehet da / beweisstuhms gnug / dass er
euch in ehren meint  / weil er keine falsche Kuplerin / sondern mich / eure nahe
Anverwantin gebrauchet / und mir dieses Kleinot eingehändiget hat / euch zum
Zeichen inbrünstiger gewogenheit zu liefern; nicht dz er gleich diese Stunde mit
dem Beilager gedenket fortzufahren / sondern nur versichert sein mag / dass nach
abgelegter trauer ihr die seine sein wollet. Fr. Atossa wusste vor angst nicht
zubleiben; sie durfte die GrossFürstin nicht erzürnen / und wollte doch
vielweniger das Kleinot nehmen; endlich fassete sie einen Muht und antwortete:
Durchleuchtigste GrossFürstin; hat Pharnazes auff Artobarzanes Tod gehoffet / als
dann soll er nun und nimmermehr an meine Seite kommen; treibet ihn aber sonst
eine ehrliebende Gewogenheit / so weiss ich ihm dessen fleissigen dank; aber dass
ich mich ihm versprechen /oder einiges Geschenke jetziger Zeit schon von ihm
annehmen sollte / bin ich keines weges gesinnet / in betrachtung er hernach
selbst mirs vor eine grosse Leichtfertigkeit aussdeuten würde. Haben die Götter
es versehen / wird es wohl geschehen müssen / wiewol ich wieder zu heirahten
nicht willens bin. Valiska verstörete dieses Gespräch durch ihre ankunft /
welches Atossen sehr lieb wahr / aber des folgenden morgens /da Herkules mit
seiner grossen Gesellschaft nach den Partischen Grenzen auffbrach / kunte ihr
die Reise nicht zugelassen werden / wiewol es ihr Glük wahr /dass Pharnazes mit
fort musste; und ob gleich die GrossFürstin sich sehr bemühete / sie biss auff
dessen Wiederkunft auffzuhalten / musste sie doch endlich nachgebe / dass sie nach
ihrer Mutter saht / und gleichwol weder durch gelinde noch harte Reden es dahin
bringen kunte / dass sie ihr das Jawort hinterlassen / oder das Kleinot angenomen
hätte. Surinas wahr nunmehr an seinen Wunden genesen / wusste auch den Weg den
sie zihen würde / und wartete ihr mit 30 Reutern auff den Dienst; es dauchte ihn
ihr verweilen einige Gefahr auff sich haben / weil die Abrede anders lieff / und
als sie mit ihrer begleitung 200 Pferde stark in den Medischen Grenzen anlangete
/ schikte sie ihre Völker biss auff 12 Mann alle wieder zurücke; traff des andern
Tages hernach ihren Liebsten in einer Abendherberge unvermutlich an / dessen sie
halb erschrocken halb frölich wahr. Sie erzähleten einer dem andern ihre
begebnis / und auff sein unablässiges anhalten / verehelichte sie sich mit ihm
völlig / doch in grosser stille und geheim / da er sie unter dem Schein ihrer
nahen verwantnis biss an ihrer MutterSchloss begleitete / und sich in der nähe bei
ihrer nahen verarmeten Anverwantin auffhielt / welche wegen der statlichen
verehrungen / die ihr von beiden teilen zukahmen / ihnen zu dienste wahr / dass
sie fast täglich beieinander wahren.
    Dem auffgeblasenen Gamaxus ward in der Partischen Grenzestad angemeldet /
was gestalt sein Abgesanter vorm Tohr sein Pferd umb einen unflätigen Esel
verwechselt hätte / und auff demselben rüklings daher ritte / so dass er auff
einer Schulder eine Mistgabel / auff der anderen einen Dröscheflegel hielte;
welches er hiemit beantwortete; er würde etwa seine Sinne gefressen haben.
Derselbe aber wollte seinem getahnen äide nachkomen / deswegen liess er ihm
anzeigen / er könnte Kraft geschwornen starken äides /darzu er durch bedräuung
des Todes gezwungen währe / nicht anders / als entweder sterben / oder auff
solche weise erscheinen. Dieser unverständiger kunte es noch nicht aussrechne /
was vor eine bedeutung solches mit sich führete / und gab zur Antwort; so wird
FürstGamaxus hinaus treten / umb zuvernehme / was dieses vor ein Auffzug sei.
Sein Abgesanter / nahmens Sisenes / ritte zu ihm hinan / und redete also:
Gnädiger Fürst / ich bin einmal euer Gn. Heerhold gewesen / aber nach diesem
nimmermehr wieder; euer Gn. Brieff muss harte schmähungen in sich gehabt haben /
daher mir zum Bohtenlohn der Galgen schon bereitet wahr / wovon GrossFürst
Herkules mich lossgebehten / mit dieser bedingung / dass ich auff der ganzen
Rükreise mit Wasser und groben Bauern-Brod vor liebnehmen / und die antwort /
wie sie mir gegeben ist vortragen zuwollen / äidlich angeloben musste; will nun
eure Gn. dieselbe anhören / will ich sie vorbringen. Gamaxus begunte die
Bäurischen Werkzeuge und deren deutung zuerkennen / lief auch so vol Zorn / dass
er schiene von Siñen kommen sein / und da Sisenes nicht reissaus genommen / würde
er ihn erschlagen haben. Katenes aber trat zu ihm / und sagte: Ein Fürst müste
sich über Feindes Schimpff uñ Spot nicht zu heftig eifern / sondern es
grossmühtig verlachen /und es an dem rechtschuldigen zu rächen / Gelegenheit
suchen. Weil er dann diesen Herrn ohndas gerne hörete / liess er Sisenes vor sich
kommen / und befahl ihm alles / klein und gross zu sagen; welcher seines äides
sich erinnernd / klaren Wein einschenkete. Da hätte man nun auffs neue ein
gräuliches Wüten sehen mögen; er verkehrete die Augen im Kopffe / und brüllete /
dass alle Anwesende sich davor entsetzeten; endlich schwuhr er bei allen
höllischen Göttern / so bald er nur den Lästerer ansichtig / wollte er ihn mit
seinen Helffern in kleine Stücke zerhauen / und ihr Fleisch samt dem Ingeweide
den Hunden und Raben vorwerffen / dann es währe ihm unmöglich / des Königes
Willen nach / sie lebendig anzunehmen / weil ihm nit anders zu Sinne währe / als
ob der Schimpff ihm das Herz abstossen wollte. Nun wusste Artaxerxes wohl /dass der
Feind die Grenzestädte nicht allein mit gnugsamer Mannschaffe versehen / sondern
auch mit obgedachter Reuterei verwahret hatte / deswegen er die ausserlesensten
Meden und Persen 30000 stark zu sich nam / denen Herkules Ladisla und Fabius
alle Teutschen / Böhmen und Römer zu gaben / und zogen mit diesem wolbewehrten
Heer fort / des gänzlichen vorhabens / den Feind zur Schlacht ausszulocken.
GrossFürstin Valiska wollte nicht dahinden bleiben / und hielt mit ihrem Gemahl
und Bruder täglich dreimal Behtstunde / dass Gott diesen trotzigen Riesen
dämpffen / und seine Almacht an ihm beweisen wollte. An dem späten Abend nach des
Heerholds Wiederkunft langeten sie nahe bei der Stad an / woselbst Gamaxus mit
grossem verlangen wartete / lägerten sich ins freie Feld unter ihre Zelten gar
enge / ruheten wohl aus / und liessen durch einen auffgefangenen Partischen
Einwohner den Feind ihre ankunft wissen / und fragen /ob ein redlicher FeldHerr
bei dem Heer währe / der Kriegs- und Fürsten gebrauch wüste und hielte / wollte
man durch einen Gesanten handeln / so bald man etliche Geisel von ihnen hätte /
weil man vernähme dass der Baur sich in solche Handlungen gar nicht zuschicken
wüste. Katenes liess solches an Gamaxus gelangen / und unterrichtete ihn / wessen
er sich zuverhalten hätte; welcher sich endlich weisen liess / uñ drei vornehme
Partische Obristen vor Geisel einsendete. Darauf ward Tyriotes zum Heerhold
erwählet / welcher / da er zu Gamaxus gebracht ward / ihn also anredete: Die
Grossmächtigsten Fürsten und Herren /GrossFürst Artaxerxes in Persen; GrossFürst
Phraortes / einiger wahrer GrossFürst über Meden / König Ladisla aus Böhmen / und
GrossFürst Herkules aus Teutschland; alle uhraltes Königliches geblüts / und
keine Bauern (hier fing Gamaxus schon an / sich selbst zuzerren und inwendig zu
brummen / daran aber Tyriotes sich nicht kehrete / sondern fortfuhr) haben sich
der unbescheidenen aussfoderung des Indiers Gamaxus / welcher des ersten Bohten
ausssage nach / aus einem Bauernhütlein soll entsprossen sein /nicht gnug
verwundern können / dass ein solcher unwerter ihm in den Sinn nehmen darff / ob
wollten sie ihr hochfürstliches Blut ihm darstellen / da sie etliche tausend
hochädle Ritter haben / deren jeder dem Gamaxus nicht allein am adel / sondern
auch herzhafter Kühnheit und ritterlicher Erfahrung es weit bevor tuht / und
ihm die Stange wohl halten soll / auch der geringste unter ihnen bereit ist / den
Kampff wieder ihn anzutreten. So hat auch König Artabanus / und alle seine
tapffere redliche FeldHerrn es ja erfahren / dass GrossFürst Herkules und König
Ladisla ritterliche KriegsHelden sind / und viel zu gut / sich mit einem Bauern
herum zu dröschen. Jedoch dass der Indier sich nicht rühme / man habe sich vor
seinem dräuen und Mördersäbel gefürchtet / ist der Durchleuchtigste GrossFürst /
Herr Herkules bewogen / seine Hocheit an die seite zulegen / und dem
GamaxusStreits sat zugeben / so bald ihm zuerscheinen nur belieben wird /doch
dass er mit Ritter-gebräuchlichem Gewehr uñ Harnisch sich stelle / oder aber
seiner Durchl. erleubet und unnachteilig sei / sich nach seinem Willen zuwapnen
/ und solches Gewehr zubrauchen / wie es ihm gefällig; und hierauff begehre ich
Antwort und erklärung. Gamaxus kunte sich nicht länger überwinden / uñ fing mit
gresslicher Stimme an; Warumb gibstu mir meine Fürstliche benahmung nicht / du
unbescheidener Bohte? Darumb / antwortete er / weil du kein Fürst / ja nicht
eins ein Ritter bist; und schilt mich ein unbescheidener. Du bist ein verwägener
Bohte / sagte jener / und möchtest mich leicht auff andere wege finden. Wans
redlich geschihet / sagte er /bin ich vor dich und deines gleichen
unerschrocken; aber die Verwägenheit / deren du mich zeihest /schlägt dir gar
über dem Kopffe zu; sonsten stehe ich hier / nit als ein Bohte / der den Bauern
umbs Geld läufft / sondern als ein Gesanter eines grossen Herrn. Katanes / der
ihm allernähest sass / raunete ihm ins Ohr / es währe keines Fürsten Brauch /
sich über eines Gesanten rede zu eifern / sondern was zur sache dienete /
zubeantworten / und das übrige verächtlich vorbei gehen zulassen; insonderheit
möchte er sich ja nicht an diesem vergreiffen / damit es nicht an ihren Geiseln
härtiglich gerochen würde. Aber Gamaxus gab über laut zur Antwort: Was? sollte
ich mich von einem liederlichen Bohten beschimpffen lassen? doch / sagte er /
sich über macht erhohlend / ich will dich der Freiheit eines Gesanten geniessen
lassen / sonst wollte ich dich mit diesem Säbel (welchen er fast zur helffte
ausszog) von oben an biss unten aus / in einem Streiche vonander hauen. Gross und
schwer genug sehe ich dich davor an / sagte Tyriotes; aber es würde wohl ein
schönes Fürstenstük sein / wann du Hand an einen Gesanten legtest; warte aber /
biss wir draussen mit einander sind / und dräue alsdann weiter; jezt gib mir
bescheid / oder lass keinen bescheid auch einen sein; dañ meinem gnädigsten
GrossFürsten ists ungelegen / auff dich vergeblich zu warten. Was? rieff Gamaxus
/ woltestu Bube einen Fürsten rechtfertigen. Du Bauernflegel kanst keinen
redlichen Ritter schelten / dañ ein Bube stirbestu wohl / antwortete Tyriotes. Da
sprang nun das grosse Ungeheur auff und wollte über ihn herwischen mit seinem
schon entblösseten Säbel; aber die Anwesende stelleten sich darzwischen; so trat
auch Tyriotes zur Tühr hinaus / setzete sich auff sein Pferd / und ritte eilends
davon / weil er sich vor gewalt befahrete; Aber Katenes schickete ihm schleunig
etliche nach / liess sich auffs freundlichste bei ihm entschuldigen / und dass an
seinen Geiseln es nicht gerochen würde / weil er gar keinen Gefallen an solchem
Unwesen trüge. Gamaxus wusste vor eifer nicht zubleiben / foderte endlich seiner
Diener einen /und befahl ihm / was er Herkules vortragen sollte. Die unsern sahen
Tyriotes daher rennen / und vor Zorn brennen / gedachten wohl / es würden
Bauernstreiche vorgangen sein / und als sie seine Erzählung angehöret / rühmeten
sie seine Herzhaftigkeit / und versprach ihm Phraortes davor ein Landgut in
Meden. Er beschrieb ihne des ungeheurs grösse und stärke / und zeigete seinem
Herrn Ladisla an / dass der ehmahlige Hages gegen diesen gar nicht zu rechnen
währe. Der abgeschikte Knecht folgete bald hernach / wahr mit so hohen Leuten
nie umbgangen / und erschrak vor ihrem herrlichen ansehen; fragete auch anfangs /
ob er seines Herrn / FürstGamaxus befehl anzeigen dürffte; und als ihm solches
erleubet wahr / fing er an: Mein gnädiger Herr / Fürst Gamaxus hiess mich dieses
sagen; Der junge BettelFürst Herkules / währe nicht werd / allein vor seinem
Grossmächtigsten Säbel zuerscheinen / sondern sollte selb sechse komen / doch dass
der frevelmuhtige Schelm der abgesante mit unter dieser Zahl währe / alsdann
wollte er sie alle in stücken zerhauen; es kähme ihm aber närrisch vor / dass man
ihm wollte vorschreiben / was vor Gewehr und Harnisch er sollte mit bringen; die
Aussgefoderten möchten ja wohl jeder sechs Harnische / übereinander anlegen /und
in jede Hand zehn Schwerter und zehn Schilde nehmen / und sollte ihnen doch
nichts helffen / wann gleich auch ein Gott an ihrer seiten mir föchte; seine
eigene Kraft währe sein Gott / die sollte ihnen bald fühlen lassen / was seine
Arme vermöchten. Herkules gab ihm zur Antwort; guter Geselle / reite wieder hin
/uñ bringe deinem Herrn zur Antwort: GrossFürst Herkules / den er vor einen
Bettel-Fürsten schilt / habe seines wissens noch keinen Pfennig vor seiner
Baurhütte gesucht; er merke aber wohl / dass dem Bauern Gamax die Haut jucke / die
wolle er ihm / nicht selb sechse / sondern unter dem SchuzGottes / den er
lästerlich schmähet / einzig und allein dergestalt krauen / dass ers heftiger
nicht begehren soll; und möge er mit seinen Waffen ankommen / wie es ihm beliebet
/ ich will auch nach meinem Willen erscheinen / uñ ihm arbeit schaffen. Ach mein
schöner Herr / sagte dieser mit nassen Augen / wie wollet ihr doch diesem
starken Riesen Wiederstand leisten? sein Säbel ist so schwer / dass ich dran zu
heben habe / und sein Harnisch ist so dicke / dass nichts hindurch dringen kann;
tuht mir demnach von herzen leid / dass ihr unter seine Hände gerahten sollet. Du
bist bescheidener als dein Herr / sagte Herkules / aber fürchte dich nicht
meinetwegen / sondern nachdem ich Gamaxus werde bestritten haben / soltu bei mir
alles guten gewärtig sein; gab ihm auch eine Handvol Kronen zum Trinkgelde. Die
Götter sein euer beistand / sagte dieser; Zog hin und vermeldete alles dürre hin
/ was ihm befohlen wahr / wodurch der Unhold noch mehr in eifer geriet; legte
seinen Harnisch an / setzete sich auff seinen sehr grossen schwarzen Hengst /
und ging fort unter der Begleitung 6000 Reuter / denen er vorschwatzete /wie er
mit seinen Feinden geberden wollte. Sein Pferd hatte gnug an ihm zutragen / so
schwer wahr er mit Waffen behänget / hatte den Harnisch / seinen Fürstenstand
zuzeigen / ganz vergülden lassen; auf dem Helm führete er einen Feurspeienden
Drachen / an dessen Brust diese hochmühtige Worte stunden: Was ich berühre / dass
verzehre ich. Sein Schild wahr wie ein kleiner Tisch mit stählen reiffen
überlegt / nur dass in der mitte eine eiserne Plate wahr / auff welchem ein
gemahlter Löue einen Hasen zureiss / mit dieser umbschrifft: Also zureisset Fürst
Gamaxus seine Feinde. Den Schild / weil er lieber links fochte / führete er am
rechten Arme / hatte in der Linken ein Speer / nicht viel über die gewöhnliche
Länge / aber so dicke / dass ein zimlicher Mann es mit beiden Händen kaum
umbfangen mochte / dessen Eisen etliche Pfund wog. Die unsern verwunderten sich
des überaus grossen Ungeheuers / und wahr Herkules wohl der rechte David gegen
diesen Goliat. Ladisla sagte zu ihm; HerzenBruder / unser HErr JEsus wird
diesen gräulichen fellen / sonst kann eines Menschen Kraft wieder ihn nicht
bestehen. Auff dessen hülffe verlasse ich mich auch /antwortete er / und werde
mich hüten / dass mich weder sein Speer noch Säbel berühre. Doch sendete er ihm
seinen Gallus entgege / und liess ihm sagen; wann er streiten wollte / dann sollte
er die grossen Bäume im Walde stehen lassen / und mit gebräuchlichem Speer
rennen / oder er würde ihn nicht anders als ein unvernünftiges Tihr angreiffen;
dem er zur Antwort gab; Grauet dem unnützen Jungen schon / und sihet mich nur
von ferne / wie wird ihm dann die Haut schauren /wann ich ihn treffen werde /
dass er wie Spreu verstieben muss? Dieses mein ringfertiges Speer / welches er vor
einen Baum ansihet / soll ihm das Herz in seinem zarten Leibe zubrechen / und mit
diesem Säbel will ich ihn so klein hacken / dass tausend Hunde / und tausend Raben
ein bisslein bekommen sollen. O antwortete Gallus / du pochest auff deine
viehische Kraft /aber der dir begegnen wird / hat denselben zum Vorfechter und
Schützer / der dich und deines gleichen zubendigen weiss. So lass ihn dann mit
seinem Schützer und Vorfechter ankomen / sagte Gamaxus / ich will ihnen beiden
nach verdienst lohnen. Du verstehest mich nicht / antwortete er; Meines Herrn
Beistand hat seinen Siz dort oben / den wirstu wohl ungetrotzet lassen. Was
trotzestu dann mit ihm / sagte jener / wann er dort oben sitzet? massen er
alsdan weder mich treffen / noch jenen schützen wird. Wolan / sagte Gallus /
deine Zeit ist kommen / und dein Frevel läuft zum Ende. Kehrete wieder umb /
erzählete Herkules die Gotteslästerung / und sagte: Eure Gn. werden in diesem
Kampffe Gottes augenscheinliche Hülffe empfinden bin auch des herrlichen Sieges
so gewiss / als währe er schon erstritten; aber der Unhold will sein Gewehr
durchaus nicht endern. So viel lieber ist mirs / antwortete er. Valiska lag mit
Libussen und Brelen auff den Knien unter dem freien Himmel / und behtete die
GrossFürstin also zu ihrem Heilande:
    Almächtiger Gottes Sohn / du HErr der Heerscharen; wende dein Antliz nach
dem Schemel deiner Füsse / von dem Königs Stuel / auff welchem du zu der Rechten
deines Vaters sitzest / und lege diesen Feind nider der deine Hülffe
lästerlicher weise schänden und schmähen darff. Er ist nur ein Stäublein vor
deinen Augen / wie hoch er sich erhebet und sträubet. Brich seine Macht /
überhäuffe ihn mit Furcht und Schrecken / und lass auch den Ungläubigen sehen
HErr / dass du wahrer Gott bist / und ein Helffer aller die dir vertrauen.
    Herkules hörete ihr Gebeht / welches sie in teutscher Sprache verrichtete /
und sagte zu ihr: Fürchtet euch nicht / mein Schatz / ich empfinde meines
Heilandes Beistand in meinem Herzen / und mehr als nie vor diesem; der zur
Rechten seines Vaters erhabene JEsus wird seine Herligkeit ungezweifelt sehen
lassen / und diesen Lästerer zum Schemel seiner Füsse legen. Hierauff nam er den
Bogen und nur zween Pfeile zu sich / und musste ihm Gallus das Speer und den
Schild nachführen. Gamaxus sah ihn freidig auff seine Blänken daher rennen /
und trabete ihm mit eingelegtem Speer entgegen; aber Herkules / da er ihn
überall so fest gewapnet sah / legte den Pfeil auff /und durchborete seines
Feindes Hengste die Kähle /dass er alsbald anfing zuschwanken / und er ihm ohn
Gefahr näher reiten kunte / da er mit dem andern Pfeile auff Gamaxus linkes Auge
zielete / und ein wenig zu hoch traff / dass er zwar das Auge ihm nicht
verletzete / aber doch gerade über dem Auge ihm ein ziemliches Loch bohrete;
Inzwischen nun Gamaxus den Pfeil heraus zihen wollte / musste er nohtwendig das
Speer von sich werffen / welche Gelegenheit Herkules nit verabseumen wollte /
sondern nam sein Speer / setzete mit allen Kräfften auff ihn an / uñ traff ihn
recht an die linke Schulder / dass er mit samt dem Pferde übern hauffen fiel /
und jederman meinte / das Ungeheur hätte den Hals zubrochen; daher die unsern
ein grosses FreudenGeschrei erschallen liessen; wiewol er von dem Falle keinen
sonderlichen Schaden genommen / sich auch bald unter dem Pferde hervor machete.
Aber Herkules wahr ihm geschwinde auff der Hauben / und so oft er sich
auffzurichten bemühete /rante er ihn danider / und liess seinen Blänken weidlich
über ihn her tanzen / welcher ihm Arme und Beine dermassen zerschlug / dass er
vor Schmerzen ein überlautes Geschrei ausliess / und allen Göttern heftig
fluchete. Die Zuseher verwunderten sich des Pferdes / welches solch Wunder trieb
/ ob währe es witzig gewesen; dann es fassete ihn beim Helme /und zog ihm
denselben vom Kopffe / dass er ihm ganz bloss wahr. Als Herkules diesen Vortel
sah / sprang er vom Pferde / in Meinung / ihn lebendig zufahen /weil er seiner
Hände nicht würde gebrauchen können. Aber Gamaxus hatte sich schon auff die Knie
gesetzet / da er zu ihm trat / und ob er gleich den Säbel noch nicht geblösset /
beschützete er doch das Häupt mit dem Schilde / dass er ihn nicht beschädigen
kunte; wie zerknirschet er auch wahr / kam er doch endlich auff die Füsse /
achtete Herkules Hiebe nicht / welche den harten Stahl nicht durch dringen
mochten / griff auch mit der linken nach ihm / die mit einem eisern Handschuch
verwahret wahr / in Meinung ihn zufahen; aber er entweich ihm / und traff ihm
die Faust / dass es ihn sehr schmerzete / und ein wenig wund ward /daher er den
Schild von sich werffen musste / damit er die rechte gebrauchen könnte / mit
welcher er auch endlich seines blossen Säbels mächtig ward. Valiska sah dieses
/ fiel nider auf die Knie / und fing ihr Gebeht wieder an. Da meinte nun
Gamaxus / er hätte schon gewonnen / und sagte mit grausamer Stimme: O du Schand
Bube / wie wird Fürst Gamaxus sich gnug an dir rächen können? möchtestu nun zehn
Hälse haben / ich wollte sie dir alle brechen; führete auch einen solchen Hieb
auff ihn / welchen kein Stahl hätte abhalten mögen; aber Herkules sprang ihm
behende aus dem Schlage / dass dieser in dem grimmigen Eifer sich verhieb / und
den Säbel etliche Spannen tief in die Erde schlug / dessen sich Herkules zu
nütze machete / und ihm eine starke Wunde über das HinterHaupt gab / dass der
rohte Saft ihm an beiden Ohren herunter lief. Der Riese gewan seinen Säbel
wieder / und trat auff ihn zu / in Meinung / durch einen Quehrschlag ihn in der
mitte vonander zuhauen; aber der Blänke rante herzu / und schlug ihn wider den
Arm / dass ihm der Säbel aus der Faust fiel / und er den Arm nicht mehr brauchen
kunte / sprang ihm hernach mit den vörder Füssen von hinten zu auf beide
Schultern / und zerbiss ihm das Haupt / dass ihm das Blut beide Augen füllete;
noch stärkete er sich /dass er sich gegen das Pferd wendete / mit demselben
zuringen begunte / und wenig fehlete / er hätte es gar nider geworffen /
ungeachtet er nur den linken Arm recht zugebrauchen hatte. Diese Zeit über wollte
Herkules ihn nicht verwunden / sondern erlustigte sich an dieser
augenscheinlichen Hülffe Gottes / nam ihm auch gänzlich vor / wo möglich / ihn
lebendig zufahen; legte deswegen sein Schwert nider / fassete den grossen
schweren Säbel in beide Hände / und gleich da sein Pferd Abtrit nehmen wollte /
schlug er ihn so kräfftig wider den Beinharnisch / dass ihm der linke Beinknoche
davon zubrach / und er mit einem schweren Fall zur Erden stürzete. Er aber trieb
sein Pferd ab / nam sein eigen Schwert wieder zur Hand / uñ trat zu ihm mit
diesen Worten: Wie dünket dich nun Gamaxus / soll ich dir noch selb sechse
kommen? Ich meine / du werdest schier umb Gnade bitten / wo sonst Vernunft bei
dir ist. O du Bettel Bube / antwortete dieser; sollte ich bei dir umb Gnade
anhalten? Du hast mich nicht redlicher weise angegriffen / sondern mit deinem
Pferde mich bezäubert; richtete sich mit dem Worte auf / und mit dem linken
Ellebogen warff er ihn wohl vier Schritte von der Seiten / dass er auf die Erde
zuliegen kam; doch machete er sich bald wieder auff / schämete sich des
versehens nicht wenig / und schnitte den Zügel von dem todten Pferde ab / mit
welchem er ihn meinte anzufesseln; sendete auch Gallus hin / etliche Teutsche
zuhohlen / die ihn gefangen hinweg tragen sollten / dann er wollte ihn gerne
lebendig behalten. Gamaxus merkete dieses wohl / hatte noch keine tödliche Wunde
bekommen / und wahr ihm das Herz / der linke Arm und das rechte Bein noch
vermögen gnug / hätte auch nach dem übrigen nicht gefraget / wann er nur hätte
stehen können; Er wollte aber viel lieber sterben / als gefangen sein /deswegen
fing er an unsere Helden schändlich zuschmähen / dass ja Herkules ihn erschlagen
sollte; welcher aber alles nicht achtete / sondern gleich gegen ihn über trat /
uñ zu ihm sagete: Gebrauche dich nur rechtschaffen deiner schandsüchtigen Zunge
/ du ungeschliffener Baur / ich werde schon Mittel finden /sie dir zahm zumachen
/ und währestu witzig / würdestu vielmehr in die flehe fallen. Ladisla rante mit
fünf Teutschen selber herzu / welches die feindliche Reuter ersehend / 25 Mann
gegen sie angehen liessen / dann sie wahren willens / Gamaxus zuretten. Fabius
begegnete ihnen mit 300. Reutern / und bekahmen die Feinde auch 500 zum Entsaz /
daher sich das Spielfein anzettelte. Pharnabazus und Leches ermahneten die Meden
und Persen / unverzagt zu sein. Neda und Prinsla machten sich fertig mit den
Teutschen und Böhmen / und bereiteten sich ingesamt zum instehenden Treffen. So
bald die fünf Teutschen bei Gamaxus ankahmen / und ihres GrossFürsten befehl
hatten / traten sie zu ihm hin / und fasseten ihn bei dem linken Arm uñ rechten
Schenkel / hatten doch Mühe gnug /dass sie ihn zwungen / dann er stiess den einen
mit dem Fusse wider das Bein / dass er sich selbst musste hinweg schleppen lassen;
endlich bunden sie ihm beide Arme und beide Beine zusammen / da musste er sich
geben / dann wann er das starke lossreissen wollte /schmerzete ihn das beschädigte
zu heftig. Sie nahmen ihm den Harnisch abe / auch den doppelten Panzer / bunden
ihm den Kopff auf sein Sattelküssen /und schleppeten ihn auf der Erden nach
ihren Zelten /da Tyriotes ihn mit 50 Meden bewachete / und aufs fleissigste
verbinden liess / welches er doch nicht gestatten wollte / sondern bisse von sich
wie ein gefangener Wolff; aber Tyriotes gab ihm mit dem blechen Handschuch so
mannichen Backenstreich / dass er endlich gebendiget ward. Herkules lag auf
seinen Knien / und dankete Gott vor die herrliche überwindung / setzete sich auf
sein Pferd / uñ ritte mit Ladisla hin nach Valisken / die ihn als einen
neugebohrnen empfing / und zu ihm sagete: Dieser Kampf soll mit Gott der lezte in
diesen Morgenländern sein; welches er selber mit wünschete. Fabius hielt sich im
Treffen sehr wohl mit seinen Römern / und weil die Feinde sich immer stärketen /
riet Herkules / man sollte mit der halben Macht auf sie gehen / dass man sie in
Unordnung und auf die Flucht brächte; nam auch die Teutschen / Böhmen und Römer
/ und stürmete mit ihnen dergestalt zu ihnen ein / dass sie alsbald weichen
mussten; dann ob sich ihre Mannschaft zwar biss auf 12000 gestärket hatte / wahren
doch die übrigen 28000 ihnen zu ferne / dass sie so schleunig nicht herzu kunten
/ daher sie nach kurzem Gefechte in die Flucht getrieben wurden / dass sie ihrer
Stad zuflohen / woselbst sie vermeinten sicher zusein. Aber Herkules und
Ladisla wahren ihnen zu geschwinde auf dem Rücken / und kahmen zugleich mit
ihnen in die Stad / besetzten das Tohr mit 500 Böhmen / dass ihre Völker einen
freien Einzug hatten / und nahmen alle Gassen ein; Und ob gleich Katenes sich
auf dem Markte gesamlet hatte / und gute Gegenwehre taht /wahr er doch
übermannet / und schlug ihn Herkules vom Pferde / liess ihn hinweg führen / und
nam alle Völker in der Stad gefangen / weil sie das Gewehr hinweg wurffen / und
umb Lebensfristung bahten. Artaxerxes besetzete die Stad mit seinen Völkern /
und hielt mit unsern Helden KriegsRaht / wie mans weiter halten wollte; da
Herkules den Vorschlag taht / man sollte die eroberten Partischen Reuter
Fähnlein nehmen / und mit 10000 guten Völkern nach der andern nähstgelegenen
Grenze-Stad als ein Partisches Heer zihen / alsdann würde man sie leicht
überrumpeln können; mit der übrigen Macht wollte er auff das annoch übrige Reuter
Heer gehen / unter der Hoffnung /sie bald zur ergebung zubringen. Welches sie
alle vor gut hielten / und wurden Pharnabazus und Fabius die Fähnlein
zugestellet / damit sie alsbald fortgingen /sich nahe bei der Stad niderliessen
/ dass man von den Mauren ihre Fahnen kennen kunte / und alsbald eine kleine
Schar von 12 Reutern hinein schicketen / als wollten sie ihre Pferde beschlagen
lassen. So bald diese auff der Brücken hielten / folgeten ihnen 30 zu fusse nach
/ unter ihren Reitröcken wohl geharnischt /die man zwar ehe man sie einliesse /
rechtfertigen /und zuvor bei dem Obristen des Städleins / welches überaus feste
/ und mit 4500 guten Kriegsknechten besetzet wahr / anmelden wollte / aber diese
drengeten sich hinein dass sie des Tohrs sich bemächtigten /zogen von Leder / und
fingen den Streit unerschrocken an / wurden auch anfangs hart gedrenget / dass
ihrer neun erschlagen wurden / aber eine Saar von 60 Mann entsetzete sie zu
fusse ritterlich / denen noch 500 zu fusse folgeten / welche die Partische
Wache niderschlugen / und das Tohr besetzeten / dass 3000 zu fusse in guter
Ordnung hinein zogen / welche doch in der Stad nichts tähtliches anfangen /
sondern nur auff Partisch ruffen mussten / man sollte alsbald den Obristen der
Besatzung nebest seinen vornehmsten Befehlichshabern unbewehret herzu führen /
auff welche Königl. Hocheit wegen beschuldigter verrähterei mit dem Feinde / zu
sprechen hätte. So bald dieses vor den Obristen kam / der mit seinen vornehmsten
auff dem Markte sich zum Streite fertig machte / hies er seine Leute dz Gewehr
niderlegen / ging mit den Häuptleuten nach unfern Völkern / die in der Stad in
guter Ordnung hielten / und redete Bubazes der die unsern führete / also an:
Mein Herr / ob bei Königlicher Hocheit / ich und meine Häuptleute mögen
verunglimpffet sein / kann ich nicht wissen / getröste mich aber meiner herrlichen
Unschuld / und stelle mich ohn alle Furcht zu meines lieben Königes erkäntnis /
und nach befindung / zur Straffe. Bubazes liess sie alsbald gefangen hinaus
führen nach dem Lager / und hielten noch 2000 Reuter ihren Einzug in die Stad zu
Pferde / die sich durch alle Gassen verteileten / und aussrieffen / es sollten
alle Inwohner sich in ihren Häusern stille halten / die Königl. Partischen
Kriegsknechte aber ohn Gewehr sich samlen / alsdann sollte ihnen Lebensfristung
zuteile werden. Weil nun dieselben weder ein Häupt / noch andre anführung hatten
/ ergaben sie sich / und wurden gefangen angenommen / hingegen die Stad mit 2000
Persen besetzet / über welche Bubazes Obrister blieb biss auff weitere Anordnung.
Inzwischen gingen Herkules und Ladisla mit der ganzen übrigen Macht auff das
Partische Heer los / welches sich zwar zur Gegenwehr stellete /uñ anfangs
tapffer gnug fochte / aber es hatte keinen langen bestand / weil sie nach
verlauff einer halben Stunde von den unsern umbgeben wurden / dass / weil ihnen
die Gegenwehr benommen wahr / sie sich auff angebohtene Lebensfristung ergaben /
da sie von ihren Pferden steigen / und das Gewehr samt ihren Harnischen von sich
legen mussten. Die unsern erfreueten sich dessen sehr / weil sie kaum 600 Mann in
dieser Schlacht eingebüsst hatten / liessen die Gefangenen mit 8000 Reutern
bewahren / und gingen nach Pharnabazus / der ihnen zeitig auffsties / und den
glücklichen Verlauff anzeigete. Sie rücketen ingesamt fort nach der dritten
Grenzestad / welche die grösseste / aber die schwächeste / doch mit 6000 guter
Mañschaft besetzet wahr. So bald sie davor anlangeten / funden sie die Parter
in voller bereitschaft /dann ein Bürger aus der ersten Stad / wahr hinüber
gelauffen / und hatte ihnen Katenes Gefängnis kund gemacht. Artaxerxes liess den
Ort alsbald aufffodern /mit der Bedräuung / dafern er stürmend übergehen würde /
sollte keines Menschen drinnen verschonet werden; aber er bekam zur Antwort: Sein
König hätte ihm und seinen Völkern die Stad anvertrauet / dieselbe niemand / als
der Königlichen Schein brächte zulieffern / würde demnach der Persische
GrossFürst es ihm als einem redlichen Kriegsmanne nicht verdenken / dass er seines
Königes Befehl / welchen er äidlich beschworen / geträulich nachzusetzen /
entschlossen währe. Herkules sagte hierauff zu der Fürstlichen Versamlung; so
werden wir gleichwol den Versuch tuhn müssen / ob wir mit so grosser Mannschaft
nicht können diese geringen Ort behäupten; hies 16000 Persen und Meden / nebest
2000 Teutschen / auch so viel Böhmen und Römer absteigen / und mit zusammen
geschlossenenen Schilden über dem Häupte der Stad nähern / denen es so wohl
geriet / dass sie an zwei Tohren die Brücken einbekahmen / ehe sie von den
Feinden kunten abgeworffen werden; bald legten sie Feur an diese zwei Tohre /
und viel dürres Reisich darauff / dass in kurzer Zeit dieselben verbranten. Zwar
die Feinde tahten ein heftiges Schiessen von der Maur / aber weil die unsern
geharnischt wahren /kunten sie ihnen keinen Schaden tuhn. So bald die Tohre
nidergefallen wahren / trug man Wasser und Erde zu / das Feur zu löschen /
welches alles wohl von statten ging. Die Feinde stelleten sich inwendig der Stad
gegen die geöffneten Tohre mit ihren Pfeilen /aber die unsern drungen hinter
ihren Schilden frisch hinein / liessen die Pfeile umb sich her sausen /wovon
auch ihrer etliche beschädigt wurden / und setzeten doch dessen ungeachtet fort
/ biss sie den Feind mit ihren Schwertern erreichen kunten / da die Teutsche 40
stark voran gingen / und gar zeitig einen zimlichen Platz in der Stad gewonnen /
so dass in kurzer Zeit über 2000 Mann driñen wahren / und ganze Gassen einnahmen.
Die Feinde mit ihrem Obristen / nahmens Astrazes / wahren mehrenteils auff der
Maur /dass sie den unsern in der Stad keinen Wiederstand leisten kunten / als
deren Zahl in einer Stunde über 8000 Mann bestund / welche gutenteils sich nach
der Maur zogen / und die Abtritte davon besetzeten. Herkules nahete sich mit der
Reuterei auch / und brachte solchen schrecken in den Feind / dass sie umb Gnade
und Lebensfristung bahten; worauff sie alle mit einander gefangen genommen
wurden / nachdem ihrer 800 / der unsern 200 erschlagen wahren. Herkules foderte
den Obristen der Feinde vor sich / und sagte zu ihm: Mein Kerl / wer hat dich so
frech gemacht / dass du einen so liederlichen Ort wieder ein solches grosses Heer
zubeschirmen wollen / dich verlauten lassen darfst. Dieser gab unerschrocken zur
Antwort: Durchl. GrossFürst / ein Knecht ist schuldig in viel einer
liederlicheren Sache vor seinen Herrn zusterben; weil ich nun mein Leben nicht
allein meinem Könige verkauft hatte / sondern es dem Vaterlande überdas schuldig
wahr / habe ich an meiner Seite nicht zu frech handeln können. Du hast recht
geredet / sagte Herkules / und weil du so redliches Herzens bist /magstu nach
verlauff dreier Tage frei zihen wohin dichs gelüstet. Vor welche Gnade er dann
untertähnig dankete. Es mussten aber diese drei Städte dem Persischen GrossFürsten
den äid der Träue und untertähnigkeit ablegen / und alle eingeflöhete Güter bei
Lebensstraffe angeben / sich auch mit drei Tonnen Schaz von der Plunderung
losskäuffen / da dann ein grosses Gut zusammen geliefert / und unter das Heer
aussgeteilet ward. Die unsern hatten überal etwa 1500 Mann eingebüsst / und
dagegen über die 13000 erschlagen; der gefangenen Reuter wahren an die 32000;
des Fussvolks aus den dreien Grenzestädten über 11000; und kahmen nur 140 Reuter
mit Gamaxus leztem Heerhold davon / welche auffs schnelleste nach Charas
zugingen. Katenes ward wegen seiner Höfligkeit / dem Tyriotes erzeiget / sehr
wohl gehalten / dass er zihen möchte wohin er wollte; weil er aber das Spiel so
liederlich versehen hatte / grauete ihn vor Artabanus /liess seine Barschaften /
die sehr gross wahren / heimlich von Charas hinweg hohlen / und setzete sich in
Mesopotamien / da er eine kleine Herrschaft kaufte /und in guter Ruhe sein Leben
zubrachte; jedoch zuvor an Vologeses / der ihm sehr gewogen wahr / seine
entschuldigung schrieb / dass alles durch die Reuter /welche Gamaxus erledigen
wollen / versehen / und durch ihre Flucht die Feinde in die Stad gebracht währen
/ woselbst ihn Herkules überwunden und gefangen angenommen hätte. Zween Tage
ruheten unsere Völker hieselbst aus / und ward Tyriotes zu Gamaxus Auffseher
bestellet / der ihn auff befehl also verbinden liess / dass ihm zuvor beide Arme
mussten entzweigebrochen / und nachgehend krum und kahm (wie auch dz linke Bein)
geheilet werden. Er suchte zwar alle Mittel / sich selbst umbs Leben zubringen
/aber die Macht wahr ihm benommen / dass er endlich geduldig sein musste / wie
heftig er auch von den Stalbuben genarret ward / die ihn nicht anders als den
BaurFlegel und Dröscher-Fürsten hiessen. Als sie nun auffbrechen wollten nach
Persepolis / gingen alle Fürsten zuvor hin den elenden Gamaxus zusehen / dessen
sie ihn bissdaher nicht gewirdiget hatten. Wie sie zu ihm hinein traten / stunden
sie ein wenig stille / umb zuvernehmen / ob er auch umb Gnade anhalten wollte;
weil er aber sie weder anredete noch ansah / fing Herkules also an: Kanstu
baurischer Tölpel noch nicht erkennen / dass deine viehische Stärke / darauff du
bisher getrotzet / dir zu nichts / als zum Unglück gedienet hat? sihe also gehets
allen Gotteslästerern /die sich auff sich selbst verlassen / uñ die Almacht
/welche alles meistert / verachten; dass du nun gleichwol deine gebührliche
Straffe wissest / so habe ich dich dem Durchleuchtigsten Medischen GrossFürsten
Herrn Phraortes zum Leibeigenen geschenket / biss dich Artabanus lossmachen / und
als einen Fürsten in OberMeden einsetzen wird; weil ich mich aber berichten
lassen / dass / demnach dirs wieder mich gefehlet / er dein nicht achte / so
mache dir keine andere rechnung / als dass du Zeit deines Lebens ein Kröppel und
lahmer sein / und als ein gebohrner Baur / Steine / Holz und Wasser trage solt;
von welcher Urtel dich nichts als der Tod erlösen wird; drumb schicke dich in
die Zeit / und lerne dich demühtigen / damit du der täglichen Peitsche entoben
bleibest. Gamaxus hatte ihn noch nicht ungewaffnet gesehen / wunderte sich /dass
er so viel Herzens gehabt / ihm zubegegnen / und hörete seine Reden mit grossem
Herzensprast an. Er kunte noch zur Zeit weder Arm noch Bein regen (dann das
Rechte wahr ihm auch zubrochen;) aber das Maul wahr ihm noch gesund / und fing
er an / alle anwesende Fürsten so heftig ausszuschelten / dass wenig fehlete /
Artaxerxes hätte sich an ihm vergriffen / welches er nur einig suchete. Aber
Phraortes redete ihm mit lachen ein; was wollte mein Bruder sich über meinen
Erben des OberMedischen Reichs eifern? sagte er; ich will versuchen / ob ich ihm
die Indianische Bauern-Grobheit nicht austreiben kann. Liess ihn darauff ganz
entkleiden / und auf den Bauch gestrekt legen / hernach vier Büttelknechte mit
Ruhten kommen / die ihm anfangs die grossen Lenden / hernach den Rücken /und
endlich die Beine biss an die Knie ganz wund streichen mussten; kehreten ihn
hernach umb / auf den Rücken / und frageten / ob er from sein wollte; Weil er nun
keine Antwort gab / fingen sie von neuen an /ihm den Bauch zugeisseln / dass er
endlich durch Schmerzen überwunden / umb Gnade anhielt / und Phraortes zu ihm
sagete: Wuste ichs nicht / man könnte die kleinen Kinderchen mit der ZuchtRuhte
from machen? Trotz und lass noch ein Schmähewort aus deinem Maule gehen / dann
will ich dir noch viel eine schärffere Zucht beizubringen wissen; Die Elefanten
sind auch gross und schwer / aber man kann sie doch zähmen; warumb sollte man dann
einen bübisschen Bauern nicht sittiger machen? Fünff gefangene Parter mussten
dieses ansehen / denen Herkules die Freiheit schenkete / und sie nach Charas
reiten hiess /Fürst Pakorus dienstlich zugrüssen / und alles was sie gesehen
hätten / zuerzählen. Diese eileten so geschwinde / dass sie wenig Stunden nach
der flüchtigen Reuter Ankunft daselbst anlangeten / machten sich hin nach
Pakorus / den Befehl abzulegen / welcher gleich dazumahl Vologeses / Osazes und
Vonones bei sich hatte / und in deren Gegenwart von Sisenes /Gamaxus gewesenen
Heerhold berichtet ward / wie er hätte zween ädle Hirkanische Jünglinge zu
Persepolis lebendig verbrennen sehen / und ihre beständige Uhrgicht angehöret /
dass der König sie abgefertiget / die beiden fremden Fürsten mit Gift
hinzurichten / deren Handschuch sie auch schon vergifftet / aber von ihrer
Gesellen einem verrahten / und auf frischer Taht ergriffen währen. Hernach
meldete er den Verlauff des Kampfs zwischen Herkules und Gamaxus / und dass ihr
ganzes Heer / teils geschlagen / teils gefangen /auch die drei Grenze-Städte
fast ohn Verlust eingenommen / und mit Persischen Völkern besetzet währen. Sie
erschraken dieser Zeitung über alle masse /und wahr ihnen zumuhte / als währe
die Hauptstat selbst eingenommen / berahtschlageten auch / wie man dem Unwesen
abhelffen / und des Königs Sinn /wo nit mit guten / doch mit scharffen Worten
auf einen bessern Weg bringen möchte. Auf dem Wege nach dem Schloss begegneten
ihnen obgedachte fünf Parter / und berichteten eigentlich / wie viel ihrer
geblieben und gefangen währen / und wie Gamaxus gebendiget würde; welches lezte
ihnen sehr wohl gefiel; dann es hatte der Grosssprecher auf die Partischen
FeldHerren / nicht allein gegen Bagophanes / sondern den König selbst heftig
lossgezogen; es währe Schande / dass man mit so grossem Volke das Feld verspielet
/ und die Feldherren aus Furcht des Todes teils davon gelauffen / teils sich des
Feindes Gnade ergeben hätten; welches Pakorus und Osazes dergestalt empfunden /
dass sie sich verschworen / im fall Gamaxus würde wieder kommen / sie ihn
niderschlagen lassen wollten. Als sie vor den König gelassen zuwerden begehreten
/ der eben mit Bagophanes von seinem Gamaxus sprachete / wie er nunmehr den
Kampfschier angehen würde / durfte er ihne den Zutrit nicht wegern; doch musste
Bagophanes als geheimer Raht (worzu er ihn vor fünf Tagen erkläret hatte) bei
ihm bleiben. Die Fürsten hatten Pakorus das Wort aufgetragen / weil er nicht
allein wohl bered / sondern von dem Könige mehr als einiger ander gefürchtet ward
/und fing er nach gebührlicher Begrüssung also an: Grossmächtigster König /
allergnädigster Herr; Demnach uns sehr traurige Zeitungen von Persenwerz
zukommen sind / welche nicht allein die Partische Macht / sondern auch Ehr und
guten Leumut schwächen / so haben wir gegenwärtige / als Ihrer Königl. Hocheit
geträue Untertahnen und Reichsfassen nicht umhin gekunt / derselben solches
redlicher und aufrichtiger Meinung vorzutragen / mit untertähnigster Bitte /
alles was von uns vorgebracht wird / mit gnädigstem Willen anzuhören. Ihre
Königl. Hocheit hat neulicher Zeit ohn / ja wider unsern Raht / denen sie doch
die KriegsLast aufgebürdet / ein herrliches Volk /unter Katenes befehl / an die
Persischen Grenzen abgeschikt / einen unbekanten Landstreicher und gebohrnen
Baurflegel dahin zubegleiten / vielleicht dass derselbe Schindhund / welchen ich
nicht wirdige zunennen / wieder gut machen sollte / was die verzagete Partische
FeldHerren (wie der Unflaht sie gescholten) verderbet haben; dero behuef er auch
zum Fürsten in OberMeden soll gemacht worden sein. Aber wie reiflich es bedacht
ist / so wohl ist es auch gelungen; Dann Ihre Hocheit wolle sich nicht entsetzen
/dass ich ihr die leidige Zeitung bringen muss / was gestalt nicht allein von
40000 Mañ nur 140 sich durch die Flucht gerettet / sondern die herrlichste drei
Grenze Städte in Feindes Hände gerahten / gebrandschatzet / und mit Persischen
Völkern besetzet sind. Ein solches Unglück / sagte der König / wollen wir
nimmermehr hoffen. Ja wollte Gott / antwortete Pakorus /dass dieses das
schlimmeste währe. Man hat zu Persepolis ein offentliches Gerichte gehäget / und
etliche Hirkanische ädelknaben lebendig verbrant / wobei man ausgeruffen: König
Artabanus zu Charas sei der Gifftmischer selbst / der gehe mit solchen
unredlichen Stücken umb / welche man an einem jeden Menschen verflucht. Den
Göttern sei es geklaget / dass man solche schmerzliche Zeitungen vernehmen muss!
Ich vor mein Häupt möchte wünschen / dass GrossFürst Herkules mir im neulichen
Treffen den Schedel herunter geschlagen hätte / so dürffte ich mich mit solchen
verweisslichen Dingen nicht mehr betrüben. O du elender Partischer Stuel / ist
es schon umb dich so bewand /dz man zu deiner Beschützung Gifftträger aussenden
muss / dann so ist uns nichts bessers / als dass wir den Persen und Meden die
Hälse nur hinstrecken. Lieber wes zeihen sich Eure Königl. Hocheit / dass sie zu
solchen unverantwortlichen Dingen sich verleiten lassen? Hat Arsazes auf solche
weise den ReichsStuel erworben und befestiget; haben dessen ruhmwirdigste
Nachfolger die Arsazier / GiftSchmierer ansgeschikt? Eure Hocheit wolle
allergnädigst erwägen / wie es muss geklungen haben / als der Büttel öffentlich
ausgeruffen hat: Artabanus zu Charas ist ein Gifftmischer / und hat vier Diener
ausgesand / König Ladisla und GrossFürst Herkules durch diesen Meuchelmord
hinzurichten. O des Jammers / dz man solches hören muss! Aber so gehets allemahl
/ wann man geträuen ReichsRähten nicht folgen will / sondern nur denen die Ohren
leihet / die uns nach dem Maul reden / und durch ihre Schmeichelworte uns umb
Ehr und guten Nahmen bringen. Eure Königl. Hocheit erinnern sich unserer aller
viere bisher gegebenen Rahts / man sollte die fremden Fürsten mit ihrem Gemahl
und Schwester zihen lassen / und sie nicht weiter zu unserm Schaden reizen; aber
was hats geholffen? Wir sehen ja / dass sie die Götter auf ihrer Seite haben / wo
sie nicht selbst Götter sind / oder doch Götterkinder. Sie wahren ja anfangs
nicht gesinnet / unss des unsern zuberauben / sondern das ihre gebührlich
zulösen; das sollte man ihnen gegönnet / oder da mans zu ehelicher Liebe begehret
/ besser bewahret haben; dann wie könnte ich mich doch bereden / einem Landsmann
zu meinem Gefangenen freien Zutritt zugönne / und allen andern den Eingang zu
versperren? Man sihet ja / dass die Götter selbst es also gefüget haben / wie es
ergangen ist; könten wirs nur noch erkennen / so stünde uns leicht zu helffen;
wo nicht / geht der Partische Stuel inwendig Jahrsfrist / das der Himmel ja
abwende / ganz verloren; dann was kann Menschen Gewalt wider der Götter
Doñerschlag? Was hilfft alles unser tichten und überlegen / wann der Himmel uns
seinen Beifall entzeuhet? Eure Königl. Hocheit frage nur den Bauern Gamaxus aus
Indien / GrossFürst Phraortes in Meden leibeigenen Knecht; verwundert sich Eure
Hocheit meiner Rede? Ich versichere dieselbe / dass GrossFürst Herkules
unüberwindlicher Arm ihn im absonderlichen Kampffe Mann an Mann angegriffen /
und den frechen Grosspraler dergestalt gezähmet / dass er ihm mit seinem eigenen
schweren Säbel das eine Bein gar entzwei geschlagen / lebendig gefangen genommen
/ und ihn obgedachten Medischen GrossFürsten vor leibeigen geschenket hat /
welcher ihn lahm und krüppel an Armen und Beinen heilen /und täglich als einen
kleinen Knaben mit Ruhten züchtigen lässet / darff ihn auch niemand anders als
den kleinen Gamaxus und das zarte WiegenKalb nennen. Ist es aber Euer Königl.
Hocheit nicht zuvor gesagt / dass sie mit ihm Schimpf einlegen würden? noch musste
er zum Fürsten in OberMeden erkläret sein; und wollte sich freilich geziemen /
dass ihre Hocheit diesen ihren Fürsten mit einer Heersmacht errettete. Aber
verflucht sei der Partische Ritter / der seinetwegen ein Pferd zäumet / oder
einen Sporn umgürtet. Dem BaurOchsen ist recht geschehen / ja ihm ist recht
geschehen; nur ist mir von grund meines Herzen leid /dass Eure Königl. Hocheit
mit muss eingewickelt sein. Ich rede frei / allergnädigster König / und hätte
wolvielmehr zureden / wann ich nicht seines betrübten Herzens schonete; breche
demnach hieselbst ab / und melde nur die Ursach / alles bisher erlittenen
Jammers / nehmlich / dass Eure Königl. Hocheit sich nicht will bereden lassen /
die vergebliche Liebe zu einer verheirahteten aus dem Sinne zuschlagen / welche
zuerlangen unmöglich ist. Es hat der grosse König so manniche schöne Jungfrau in
seinem Zimmer / mit denen er sich zur gnüge erlustigen möchte; deren gebrauche
sich Ihre Hocheit / und suche eines andern Eheweib wider ihren Willen nicht;
dann ich weiss /dass kein Partischer Fürst oder Herr umb dieser Sache willen ein
Pferd beschreiten wird. Bagophanes merkete / dass er mit unterschiedlichen
Stichen getroffen wahr / und hatte Intaphernes ihm schon gemeldet dass Pakorus
ungehalten auff ihn währe; wollte deswegen diese Gelegenheit / sich zuverantworte
/ in acht nehmen / und fing an / seine Entschuldigung zutuhn. Aber Pakorus
fragete ihn / was er bei Berahtschlagung der Reichs- und Kriegshändel zuschaffen
hätte /oder sein Gewäsche mit einzumengen; Er sollte zusehen / dass wann der
BaurFlegel etwa ausrisse / er ihm von seinem Weibe bliebe / die vor diesem des
unzüchtigen Handels gewohnet / an diesem starken Bauern den rechten Hahnen oder
vielmehr Ochsen bekommen hätte; wie sein Gesinde solches gnug ausbreitete / dass
vor deren Augen er sie missbrauchet hätte; wüste er dañ guten Raht / könnte er ihn
alhie anwenden. Dieser gab der guten Worte wieder nicht viel / dass er den
Fürsten endlich an seinem ehrlichen Nahmen griff /und ihm vorlegte / er suchte
ein Herr über den König selbst zusein / und wer wüste / warumb er die
Reichsfeinde allemal so hoch erhöbe. Aber Pakorus wollte sich nicht lange mit ihm
zanken / sondern sagte zum Könige: Hält Eure Königl. Hocheit mich in dem
Verdacht / dessen dieser Verleumder mich zeihet / so nehme dieselbe dieses
Schwert / und haue mich stündlich nider. Wir wissen von euch nichts böses /
antwortete er / sondern haben euch allemahl einen Beschützer unser Königl.
Hocheit erkennet; nur eure milde Zunge mag vielleicht unsern geheimen Raht zum
Verdacht leiten. So will ich nach diesem mich aller Rede gerne entalten / sagte
Pakorus / nur wolle Eure Königl. Hocheit mir allergnädigst erläuben / dass ich
gegen diesen schändlichen Verleumder und Ehrendieb meinen Fürstl. Nahmen retten
möge; fassete darauf das Schwert / und zerspillete ihm damit das Häupt biss an
beide Ohren / da er zugleich also redete: Fahre hin / du schändlicher
Fuchsschwänzer / der du bisher so mannichen guten Raht verhindert hast; Du und
deines gleichen sind das allerbeste Opfer / welches den Partischen
SchutzGöttern kann abgeschlachtet werden. Artabanus hätte sich dessen zu Pakorus
nicht versehen / uund da sichs ein ander unterstanden /würde er ohn
abscheuhliche straffe nicht davon kommen sein; aber ihm musste ers nicht allein
übersehen /sondern überdas noch gut heissen / wiewol er dem entleibeten das
Leben gerne mit 20 und mehr Tonnen Goldes gerettet hätte; Weil ihn dann sein
Gewissen drückete / legte er alle Schuld der Vergiftung und des Kampffes auff
Bagophanes / erkennete / dass es unklüglich gehandelt währe / wollte sich hernähst
besser vorsehen / und begehrete freundlich / dass sie viere als die vornehmsten
ReichsSeulen ihnen das Hauptwerk wollten lassen angelegen sein / damit das
verspielete wieder gebracht würde. Mit welcher Erklärung sie dann sehr wohl
zufrieden wahren / ihn bester massen trösteten / und allen möglichen Fleiss
versprachen.
    Zu Persepolis stelleten sich alle Fürsten der Verbündnis ein / dass sie
unsere Helden vor ihrem Abzuge sprechen / und bessere Kundschaft mit ihnen
machen möchten; und hatte Artaxerxes Schreiben bei ihnen so wohl gewirket / dass
die sechs Fürsten aus Assyrien / Hirkanien / Baktriana / Margiana / Arien und
Drangiana 100 Tonnen Goldes an Gold / Perlen /ädlen Steinen / Kleinoten /
güldenen und silbern Stücken / Indianischer köstlicher Seide und Tüchern mit
sich gebracht hatten. Herr Mazeus / der nach gehaltener Schlacht nach Ekbatana
verschicket wahr / kam auch wieder an / nachdem er auf seines GrossFürsten Befehl
von den Landständen 30 Tonnen Schaz zusammen getrieben hatte / worzu noch 10
Tonnen aus der Schazkammer geleget wurden. Pharnabazus liess aus seinem Schaz zu
Susa 30 Tonnen Goldes hohlen /und hatte von den Ständen 20 Tonnen darzu gelihen.
Artaxerxes legte 30 Tonnen dabei / und die Stadt Susa 10 Tonnen Goldes. So
mussten die angrenzenden Partischen Städte und Landschaften / unter Bedräuung
der gänzlichen Verwüstung ihm 20 Tonnen auffbringen. Die gesamte Morgenländische
KriegsHeere schossen 20 Tonnen zusammen / und bahten Fürst Arbianes / sie unsern
Helden ihretwegen untertähnig einzuliefern. Die eroberte Beute aus der Schlacht
mit Dorylaus / wahren 10 Tonnen; die Helfte der Beute aus der HäuptSchlacht /
wahren 200 Tonnen Goldes /welche Artaxerxes zusammen gelegt und unsern Helden
zum beste verwahret hatte / machte alles ingesamt 480 Tonnen Goldes. Als die
Fürsten beisammen wahren ward ein sehr grosses Freudenfest / auf welches alle
KriegsObristen gebehten wurden / angestellet / welche die grosse Kosten
betrachtend / dem Persischen GrossFürsten eine eigenwillige Zusteur auf 10 Tonnen
Goldes tahten. GrossFürstin Valiska brachte alles Partische Frauenzimmer / so
bei ihr blieben wahr / nach ihrem Stande zu Ehemännern / deren Hochzeit bei
diesem fünftägigen Fest mit gehalten wad / wobei etliche tausend Menschen
gespeiset wurden. Des andern Tages baht Valiska ihren Bruder /Gemahl und Fabius
zu sich auf ihr absonderliches Zimmer / und redete sie also an: Meine
allerliebste Herzen; wie heftig Artabanus sich bemühet / uns zubeschädigen /
und aus dem Mittel zuräumen / hat er in wenig Tagen überflüssig erwiesen / wird
auch zweifels ohn nicht nachlassen / unsern Untergang zu suchen / so lange er
unser kann mächtig sein. Inzwischen sitzen unsere herzliebe Eltern uñ Anverwanten
unsertwegen in steter Bekümmernis / und hundert tausend Sorgen / als welche sich
täglich neue Gefahr von uns einbilden / und von herzen niemahls können frölich
sein; die Ursach solches ihres Kummers ist keine andere als wir selbst; dann ob
uns der barmherzige Gott gleich in Freiheit gesetzet / wovor wir ihm nimmermehr
gnug danken können / so halten wir uns doch selbst von unser Reise auff / und
rennen aus einer Gefahr in die andere. Bissher haben wir in unserm Beruff
vielleicht gewandelt / vielleicht auch wohl mehr Gefahr über uns genommen / als
wir bedurfft hätten / und Gottes Gütigkeit hat uns dannoch allemahl
augenscheinlich lossgerissen; Lasset uns / bitte ich / der himlischen Gnade nicht
missbrauchen / dass Gott nicht ursach bekomme / über uns zuzürnen; ja lasset uns
bedenken / dass wir alle Mühe ausgestanden / damit wir in unser geliebtes
Vaterland wieder kommen möchten / woran uns nichts / als unser selbst eigener
Wille hinderlich ist. Wolte Gott / ihr möchtet mit mir einig sein / so wollten
wir morgen / oder ja übermorgen umb diese Zeit schon auff der Reise sein; und
ist einige Begierde bei meinem H. Bruder / nach seinem Gemahl / Söhnlein /
Mutter und Schwieger Eltern / ja nach seinem Königreiche / welches mit Schmerzen
nach ihm aussihet / so wird er mir mein Gemahl erbitten helffen / dass er sich
durch gute Wort länger nicht auffhalten lasse. An H. Fabius guten Willen
gebühret mir nicht zuzweifeln / und müste mir herzlich leid sein / wann mein
Schatz Herkules allein gege halten würde / welchen ich vorerst nirgends lieber
als zu Jerusalem / hernach zu Padua / und dann zu Prage sehen möchte. Mein
allerwerdester Schaz / antwortete Herkules / warumb beschuldiget sie mich einer
Sache /deren ich gar unschuldig bin? GOtt ist mein Zeuge /dass sint Gamaxus
Erlegung ich täglich mit den Gedanken umbgangen bin / aber mich nicht habe
loswirken können; nunmehr aber werde ich meinen Schluss /wann es ihnen sämtlich
also gefället / nicht brechen /und von heut an zurechen / über drei Tage (dann
das Fest müssen wir Ehrenhalben mit aushalten) die Reise in Gottes Namen
antreten / auch auff dem Wege nicht seumen / biss wir Jerusalem erreichet haben /
woselbst ich durch Verheissung verbunden / einsprechen muss. Sie wahren dessen
ingesamt von Herzen froh / und foderten Leches neben Libussen zu sich / denen
sie ihren Schluss zuwissen macheten / und dass sie den übrigen anzeigeten / sich
gefasset zuhalten / damit man sich länger nicht auffhalten dürffte. Herkules
liess den Obristen Wedekind ruffen / und gab ihm zuvernehmen / dass seine Reise
nunmehr erstes Tages vor sich gehen würde; Weil aber Artaxerxes bei ihm
angehalten / dass die Teutschen / Böhmen und Römer bei ihm auf eine gewisse Zeit
bleiben möchten / könnte man /wie er sähe / ihm solches nicht wegern; zweifelte
nicht / sie würden sich dessen nicht entbrechen / sondern diese gute Gelegenheit
/ Ehre und Ruhm zuerwerben / in acht nehmen; währen aber etliche unter ihnen /
zum höchsten / auff 300 Köpffe / Teutsche /Böhmen und Römer / (mit den 300
ädelknaben hätte es seine wege) die nach ihrem Vaterlande verlangen trügen /
sollten dieselben sich angeben / dañ so viel währen sie willens mit sich
zuführen; und wer seine erworbene Gelder mit überschicken wollte / könnte sie sein
zusammen gepacket / und auff Wagen oder LastTihre geladen / herbei bringen /
welches alles den ihren unverrücket sollte eingeliefert werden. Wedekind gab zur
Antwort; die Völker hätten ihn schon vermocht / ihretwegen untertähnigst
anzuhalten / dass sie dieser örter noch etwas verbleiben möchten. Ihre
Barschaften erstrecketen sich sehr hoch / welche sie täglich nach ihrem
Vaterlande wünscheten; wollten deswegen Pferde und Wagen verschaffen / dass sie
mit könten fortkommen; so währen auch etliche / die nach ihrem Vaterlande
verlangen trügen / deren Nahmen er ehist eingeben wollte. Fabius redete eben
dieses mit den Römern ab / wie auch Klodius und Markus / und funden / dass sie
Lust hatten / noch länger zu dienen /und ihre Güter mit überzumachen; welches
sie ihnen gerne zuliessen. Bei der Mittagsmahlzeit / so bald die Speisen
abgetragen wahren / stund GrossFürstin Valiska auff / neigete sich tieff gegen
die anwesende Fürsten / und hielt zu ihnen diese Rede: Grossmächtige
Durchleuchtigste Fürsten / Hochgebohrne Herren und Freunde; was massen mein Herr
Bruder und mein Gemahl / in diese / von unserm Vaterlande weit abgelegene
Landschaften / nur zu dem Ende sich begeben /dass sie mich geraubete wiederumb in
freien Stand setzen möchten / ist unnöhtig / nach der länge vorzutragen / weil
euren Liebden es samt und sonders gnug wissend ist. Wann dañ der grundgütige
GOtt nach seiner väterlichen barmherzigkeit es also geschicket /dass ich aus der
leidigen Gefängnis entrissen bin / und unsere eigene Notturft / insonderheit
meines HerrnBruders Königreich durchaus erfodert / dass wir die Reise nach unserm
Vaterlande ehist vor uns nehme /und überdas mir unmöglich ist meine herzgeliebte
Fr. Mutter in ihrem täglichen Herzleide länger ungetröstet zu lassen; als
gelanget an eure Durchll. und Liebden meine sehr inständige Bitte / dieselbe
wollen / in erwägung obangezogener wichtigen Ursachen / dem jeztfolgenden
ansuchen meines H. Bruders und Gemahls nicht entgegen stehen / sondern mir als
einer betrübeten Tochter gnädig und willig zulassen / dass ich meine
Herzallerliebste Fr. Mutter ehist wieder umbsahn möge / deren angenehmen
gegenwart ich so lange Zeit entbehren müssen. Solches erbiete ich mich Zeit
meines Lebens / nach äusserstem vermöge zuerkennen / und bedanke mich zugleich
untertähnig / dass eure Durchll. und Liebden / meine Erlösung durch allerhand
Vorschub befodern / mich in ihren kräftigen Schuz nehmen / und wieder die grosse
Macht des gräulichen Wüterichs Artabanus beschirmen wollen; welche hohe
erbarmung mir elenden erzeiget / die ganze erbare Welt zurühmen / und der Himmel
zuvergelten unvergessen sein wird. Nach diesem stunden Ladisla und Herkules auff
/ und fing dieser also an: Grossmächtige Unüberwindliche GrossFürsten / auch
Durchleuchtige Fürsten / Hochwerte Herren: Mein geliebter Bruder und ich /
bedanken uns billich und von Herzen wegen der übermilden Güte und Hülffe / die
von ihren Durchll. uns in unsern nöhten so reichlich erwiesen ist / dass wir viel
zu geringe sein werden / es bei den unsern nach gebuhr zu preisen. Nun müssen
wir sonder sparung der Warheit gestehen / dass uns schwer fallen wird / solche
gewogene Herrn und Freunde zuverlassen / mit denen unser ganzes Leben
zuzubringen / auch Lieb und Leid mit ihnen ausszustehen wir begehren / und
billich wünschen sollten / würden auch an unser Vaterland wenig gedenken / wañ
nicht die eingepflanzete Neigung / und der Untertahnen erheischende Notturft uns
unser Schuldigkeit erinnerten / und uns gleichsam antrieben / bei ihren Liebden
sehr dienstfleissig anzuhalten / dass uns hochgünstig möge erläubet sein /
morgendes Tages ohn einige Sperrung Abscheid zu nehmen; sollten wir dañ schier
heut oder Morgen von ihren Liebden um Teutsche und Bömische Völker ersucht
werden / wollen wir ihnen biss auff 150000 Reuter gerne zu dienste sein / auch /
da sie es begehren unsere annoch Anwesende ausser einer geringen Begleitung /
willig hinterlassen; zweiffeln nicht / dieselben werden nit weniger in unserm
abwesen / als vorhin / sich redlich und geherzt finden lassen. Die Fürstliche
Gesellschaft hätte nicht gemeine / dass unsere Helden sogar schleunigen Abscheid
begehren sollten / uñ freuete sich Artaxerxes sehr / dass die Schenkungen alle
richtig beisammen wahren; wollte doch vor sich hierauff keine Antwort geben /
sondern trat mit seinen Bundsgenossen in ein Nebengemach / unter welcher Zeit
Valiska den jungen Medischen Fürsten Arbianes zu sich foderte / und ihn / wessen
er sich verhalten sollte / unterrichtete. Nach verlauff einer halben Stunde
stelleten die Fürsten sich wieder ein / und brachte Phraortes diese Antwort vor:
Grossmächtige Durchleuchtigste Herrn / König Ladisla / und GFürst Herkules /
hochwerte Herrn und Brüderliche Freunde: Wie glückselig diese Landschaften sein
müssen / denen eure Liebden Zeit ihres Lebens mit Raht und Schuz vorstehen
werden / kann aus diesem ich und ein jeder unschwer ermässen / was unser
Vaterland diese kurze Zeit durch euren treflichen Beistand genossen / so dass
auch die kleinen Kinder die lieben Nahmen Herkules und Ladisla allentalben
schon im Munde fuhren / und mit gebrochener Aussrede preisen. O wie würden sich
hohe und nidrige /strettende und ruhende / Land und Leute freuen /wann sie hören
sollten / dass die fremden Freunde noch manniche Zeit in Persen leben / uñ nur
durch ihres Nahmens laut / der Feinde stolz brechen und in Halenfurcht
verwandeln würden / wie schon mehr als einmal geschehen. Aber leider! Persen
ist des Glüks unwirdig; der Himmel hat den Morgenländern diese Ebenbilder der
Volkommenheit / diese Kleinoter der Welt nicht zu eigen geben / sondern nur
leihen wollen / umb uns sehen zulassen / was vor ein gewünschtes Gut er der
Teutschen und Bömischen Welt mitgeteilet / welches wir ihr zwar nicht missgönnen
müssen / und doch / wans möglich währe / gerne mit ihnen gemein haben wollten;
weil es aber schwerlich wird geschehen köñen / stehet uns gleichwol als
dankwilligen zu / dass wir den bisher empfangenen nutzen erkennen wie dañ unsere
Fürstl. Verbündnis solches gerne erkennet /und euren Liebden sich mit Land und
Leuten / mit Gut und Blut verpflichtet halten / weil sie ihr Leben vor unsere
Wolfahrt gewaget / ihr Blut vor uns und unsere Leute vergessen / und keiner Mühe
/ Gefahr und arbeit sich verdriessen lassen; ja angebohtene Königreiche
aussgeschlagen / nur dass sie unsere Herrschaft befestigen / und des Wütrichs
Ungerechtigkeit abwenden möchten. Blind ist / der dieses nicht sihet; unachtsam
/ der es nicht besihet; undankbar / der es unvergolten lässet / so weit nur sein
vermögen reichen kann. Also werden wir uns bemühen / uns selbst zu durchsuchen /
ob wir der schuldigen Dankbarkeit einiges Zeichen finden und leisten können. Den
Ernst ihres vorgenommenen abzuges haben wir nit ohn betrübnis verstanden / aber
unsern Ohren dürfen wir nicht trauen / dass hierzu der allernähstfolgende Tag
sollte berahmet sein. Nein hochgeliebte Freunde / so werden sie ja ihren
verbundenen / die sich der Zahlung schuldig wissen / die Zeit zur Dankbarkeit
nicht entreissen. Wann die Noht sie triebe / wollten wir noch heut einwilligen;
aber ausser diesen Fall / der Gott Lob sich nicht findet / ist uns der morgende
Tag gar zu unerträglich / und hoffen zum wenigsten / bei ihnen zuerhalten / dass
sie nur so lange in ruhe und friede ihre angenehme Gegenwart uns gönnen / als
sie der Fehde und dem Streit unsertwegen beigewohnt /damit wir nicht angesehen
werden / als gebrauchten wir uns der Freunde in der Noht und Gefahr / und
jageten sie hernach von uns; welchen Verdacht von uns abzuwenden / sie nach
ihrer hohen Vernunft und Gewogenheit selbst werden gefliessen sein. Herkules gab
zur Antwort: Grossmächtige Fürsten / Hochwerte Herrn; wann ein leichter
Kindischer Pfeil von einem stählenen Armbrust abgeschossen wird / flattert er
nur / oder zubricht gar in stücken; gleich also treibet ein unverdientes Lob
mehr nider als in die höhe. Wir sind im wenigsten nicht bestand / nur mit
Gedanken zuergreiffen / was man uns als tähtlich zulegen will. O nein! Ladisla
und Herkules wissen sich ihres unvermögens wohl zuerinnern; aber an euer Liebe
Reden finden sie ein lebendiges Beispiel / wie leicht freundes Gemüht durch
gewogenheit verleitet / zu weit gehen kann; welche erinnerung eure Liebe uns nit
vor übel halten wolle. Wir haben bei neulicher Schlacht etwa eine Handvol Völker
gehabt / die neben eurem wolgerüsteten Heer dass ihre mit zu tuhn / sich
befliessen /aber ohn derer und unserer hülffe / die sehr klein / und des
gedenkens nit wert ist / hätten der hochlöblichen Verbündnis Heerführer und
Kriegsleute eben solches verrichten können was in unser Gegenwart geschehen ist;
zweiffeln auch nicht / Gott werde ihnen in kurzen völligen Sieg über ihre Feinde
verleihen / dessen treflichen anfang wir mit Augen angesehen / und uns höchst
freuen dass wir einen geringen Teil mit hinzugetahn / und vor ihren uns
geleisteten Schuz / eine dankbare Seele zuerzeigen / Gelegenheit gehabt; der
Durchleuchtigsten GrossFürsten Fürsten und Herrn hohe Gewogenheit gegen uns / ist
so reichlich und überflüssig schon erwiesen / dass sie keines Augenbliks mehr
bedarff / und daher unsere hochnöhtige Reise keine Stunde auffzuschiebe ist /
würde uns auch leid sein / wann ihre Liebden noch ein mehres zuerzeigen sich
unternehmen wollten. Wir haben uns bisher dieser Wegerung nicht versehen können /
sonsten würden wir zeitiger umb Urlaub angesuchet haben; dann die Zuversicht zu
dem Durchl. GrossFürsten /Herrn Phraortes / dessen Liebe uns die Versprechung
getahn / dass wir über Gelegenheit keinen Tag sollten auffgehalten werden / hat
uns beredet es würde ein schleuniger Abzug / uns vor keine Unhöfligkeit oder
undankbahres Abstreichen aussgedeutet werden; hoffen auch festiglich / ihre
Liebden werde nicht allein die beschehene Zusage / sondern auch meines Gemahls
angelegte Bitte gelten lassen / uñ unsern Abscheid / den wir fast ungerne nehmen
/ weiter nicht hemmen; wie wir dann an ihrer Hoch Fürstl. Gewogenheit durchaus
nicht zweiffeln dürffen / also erbieten wir uns hinwiederumb / ihren Durchll.
und Liebden / nach unserm wenigen vermögen allemahl bereit und auffwärtig zu
sein. Phraortes kunte seines versprechens nicht in Abrede sein / und gab diese
Wiederantwort: Ich erinnere mich billich / was eure Liebe allemahl in Vorbehalt
gesetzet / dass sie unverbunden sein / und zu jederzeit Freiheit hinweg zu
scheiden /haben wollten / welches ihnen auch von unser Fürstl. Verbündnis
niemahln gewegert werden soll; haben auch ihre grosse Gewogenheit daher verspüret
/ dass da sie gar zeitig / und ohn einige Wagnis gegen den Feind hätten können
ihren Abzug nehmen / sie dannoch der Hauptschlacht zuvor beiwohnen / und ihre
eigene Sachen biss dahin ausssetzen wollen / wozu sie weder durch Pflicht noch
Schuld verbunden wahren; in Erkäntnis dessen / erkühnen wir uns durchaus nicht /
ihre Liebden länger aufzuhalten / ungeachtet wir nichts liebers sehen möchten /
als dass sie gar bei uns bleiben / und der Feinde Landschaft zum eigenen
Besiztuhm annehmen wollten. Weil aber die Liebe zu ihrem Vaterlande und
angebohrnen Untertanen (welche wir billich mit unter ihre höchste Tugenden
rechnen) sie dessen nicht bereden lassen kann / und die Verschenkung des
Fürstentuhms Susiana uns ihre Gemühter gar zu kundbar gemacht hat / wollen wir
nicht allein hievon gar keine Meldung tuhn / sondern ihren Liebden auch die
versprochene Freiheit abzuziehen /gerne gönnen; jedoch dass sie gleichwol die
Zeit so gar kurz nicht bestimmen / und wir zuvor wissen mögen / dass sie reisen
wollen / ehe wir ihre Gemächer und Ställe ledig sehen. Ihr Erbieten wegen
beharlicher Freundschaft ist uns lieber / als mit Worten aussgesprochen werden
kann / geleben auch der tröstlichen Zuversicht / sie werden an unser Seite
einigen Zweifel nicht tragen / dass wir sein und bleiben wollen dieselben /
welche ihren hochverdienten Ruhm ausszubreiten / und ihrer lieben Gedächtnis sich
stets zu erinnern / auch allen möglichen Willen zu bezeigen / werden unvergessen
sein. Durchleuchtigste GrossFürsten und Fürsten / gab Herkules zur abermaligen
Antwort: Die blosse Schuldigkeit vor empfangene Woltaht / und die Begierde
solchen lieben Freunden noch länger beizuwohnen / hat uns so lange alhie
aufgehalten / weil wir die nahe Gelegenheit / ein dankwilliges Herz zu erzeigen
/ vor der Tühr sahen; hat nun solches ihren Liebden gefallen können / ins uns
dadurch alles tausendfach schon ersetzet. Billich sollten wir zwar unsere
gegenwärtige wirkliche Dienste länger leisten; weil ihnen aber nunmehr damit
wenig kann gedienet sein /und unsere eigene Geschäfte uns die Ohren Tag und Nacht
vol schreien / ja auch meinem lieben HerrnBruder / König Ladisla und Herrn
Fabius herzgeliebte Gemahlin diese Erinnerung vergeselschaften / dereins an sie
zu gedenken / als ist unsere emsige Bitte / uns über heut / morgen und
übermorgen nicht aufzuhalten. Ihr hohes Erbieten können wir weder erwiedern noch
aussschlagen / erkennen es mit dankschüldigem Herzen / und verbleiben zeit unsers
Lebens Ihrer Liebden bereitwilligste Knechte. Ladisla redete mit ein; Ihre
Liebden möchten insonderheit bedenken /dass er eine so lange zeit her aus seinem
Königreich währe / und keinen Anverwanten / als seine Frau Mutter hätte / der
dem Reiche vorstünde; so dürften auch seine ungeträue Nachbarn / insonderheit
die frechen Pannonier / seines Abwesens sich zu nütze machen / und in einem
Monat ihm mehr Schaden zufügen / als in Jahres frist könnte wieder gebracht
werden; wollte diesem nach / der gänzlichen Zuversicht leben /man würde ihren
Abzug weiter ausszusetzen / nicht anhalten / und wiederholete schliesslich das
vorige Erbieten. Hierauf gab nun Artaxerxes zur Antwort; Sie müsten gestehen /
dass jedem sein eigenes billich am meisten an gelegen wäre / könten demnach Ihre
Liebden wider ihre selbst eigene Wolfahrt nicht aufhalten /wie schwehr ihnen
gleich ein so gar schleuniger Abweich fallen würde / damit ihre Liebes- und
Freundschaft-Begierde nicht in eine Unbilligkeit verwandelt /mehr strafbar als
lobwirdig wäre. Aber eine Bitte hätte die Fürstl. Verbündnis an die Durchl.
GrossFürstin Fr. Valiska vor ihrem Abzuge abzulegen / deren Wegerung sie sich
nicht versehen wollten / und zu seiner Zeit sollte vorgetragen werden. Dieser
Erlassung freueten sich die unsern höchlich / und erklärete sich die GrossFürstin
/ denen / die ihr zubefehlen hätten /würde sie keine Bitte versagen / dafern die
Leistung nur in ihrer Gewalt stünde. Jederman meinte / es würde nunmehr alles
geendet sein; aber hie trat Arbianes auf / und wie Valiska ihm eingegeben hatte
/fing er zu seinen Eltern also an: Gnädiger Herr Vater und Fr. Mutter; wie
höchlich dieselben mir allemahl dieser Fürsten Gemühter zurühmen pflegen /
welche auf ihr Fürstliches Erbe nit verbacken sind / sondern in der Jugend /
durch lobwirdige übungen / Besichtigung fremder Länder und Sitten / und andere
löbliche Tahten / die tugendliche Volkommenheit und Ehre suchen / werden sie
sich gnädig erinnern können. Wann nun zeit meines Lebens mir hierzu bessere
Gelegenheit nicht werden kann / als das Glük mir jetzo anbeut; so gelanget
demnach an dieselbe mein kindlich-untertähniges ersuchen / mir väter- und
mütterlich zugönnen / dass mit dem teuren GrossFürsten / Herrn Herkules / ich nach
Italien / und so weiter nach Böhmen und Teutschland reisen möge / damit ich die
Landschaften und Schlösser sehe / auf welchen diese volkommene Fürsten gezeuget
sind; und dass ich dieses bei meinen Eltern desto leichter erhalten könne /bitte
den Grossmächtigen GrossFürsten / Herrn Artaxerxes / und die sämtliche anwesende
Fürsten / meine hochgebietende Herren Oheimbe ich untertähnig / mit ihrer
kräfftigen Vorbitte mir behülflich zusein / und dieses mein inständiges ansuchen
zubefodern. Sein Vater antwortete: Lieber Sohn / du hast an meiner seiten keines
Vorbitters vonnöhten / sondern sihe dich nach denen umb / welche bei GrossFürst
Herkules dir solches zuwege bringen; Ich vor mein Häupt sehe viel lieber / dass
dein Gemüht nach Erfahrung als Wollust; nach reisen als süsser Ruhe stehet. Zwar
ich halte es keinem jungen Fürsten vor übel / dass er daheim bleibet / wann er
wegen frühzeitigen Abfalls seiner Eltern / die Landesbeherschung anzutreten
gezwungen wird /oder sonst wichtige Ursachen hat / in seinem Lande zubleiben;
oder die Besichtigung fremder Landschaften ihm schädlicher als zuträglich oder
nüzlich sind; oder wann er daheim eben das sehen und erfahren kann / was in
andern Reichen hochgehalten wird; oder wann ihn Leibesschwacheit abhält; oder
endlich /wann die Gefahr solcher Reise gross / und der Vortel klein oder nicht
gültig ist; aber die / so aus blosser Faulheit und Lust dem Fleische sanfte
zutuhn / auf ihren Land Schlössern bei stetem fressen und sauffen veralten / so
dass sie kaum wissen / ob die ganze Welt zehn Meile breit und lang sei; Diese /
sage ich / sind unwirdig / dass sie eines Fürsten Namen führen. Ich kenne einen
preisswirdigen Fürsten / welchen ich nicht nennen will / der in seiner Jugend
genöhtiget ward /die Landesbeherschung wider seinen Willen anzunehmen / gleich
da er sich geschicket hatte / nach einer schon zimlich fernen Reise / eine viel
weitere über Meer und Land zutuhn. Aber seines hochgepriesenen Herr Vaters
unvermuhtlicher Todesfall riss ihn zurück /wie heftig er auch umb Erlassung
etlicher Jahre anhielt. O wehe mir / pflag er zusagen / dass ich meine Jugend mit
diesem schweren Joche muss lassen überladen; da er doch in diesem JünglingsAlter
Wiz und Verstand gnug hatte / nicht allein seine Herschaft /sondern viel eine
grössere zuverwalten. Solche Nohtwendigkeit / mein Sohn / bindet dich an
Ekbatana nicht / sondern du hast Freiheit / dich zuversuchen /und sagest recht
daran / dass du bessere Gelegenheit /etwas zufassen / nimmermehr finden werdest /
dafern dir nur diese werden kann. GrossFürstin Saptina merkete schon / dass Valiska
mit dahinter steckete / deswegen stund sie auff / und hielt sehr fleissig bei
ihr an /sie möchte bei ihrem Gemahl helffen loswirken / dass seine Liebe ihren
herzgeliebten Herr Sohn / zu seiner Gesellschaft und ferneren Unterweisung ihm
wollte lassen anbefohlen sein. Aber Herkules antwortete selbst hierauf: Ihm könnte
liebers nichts wiederfahren /als wann er seinen hochgeliebten Herr Bruder /
Fürst Arbianes zum Reise-Gesellen haben / und dessen angenehme gegenwärtige
Freundschaft noch länger geniessen sollte; weil ihm dann solches angebohten
würde / welches er vor ein sonderliches Zeichen der Gewogenheit erkennete /
wollte er hiemit Fürstlich versprechen / sich dieses Tugendergebenen Fürsten
nicht weniger als eines leiblichen Bruders anzunehmen / und allen Fleiss
anzuwenden / dass er gesund und frisch bei den lieben seinigen wieder anlangen
möchte; welches von allen anwesenden Morgenländischen Fürsten / mit hohem
erbieten angenommen ward.
    Nach Endigung dieses Gesprächs / meldete Gallus Herrn Fabius an / es währe
eine ansehnliche junge Frau in Trauerkleidern vor dem SchlossTor / die nach
seinem Nahme fragete / und ihrem vorgeben nach /aus dem Fürstentuhm Susiana
kähme. Er gedachte alsbald / es würde Statira sein / ging zu ihr / und hiess sie
freundlich wilkommen. Die verlauffenen unzimlichen Liebessachen machten sie sehr
schamroht / baht auch demühtig umb Vergebung / da ihm ichtwas widriges von ihr
begegnet währe; die Götter wüsten / dass sie nicht als durch äussersten
Liebes-zwang sich an ihm versündiget hätte / hoffete dessen Vergebung /und
wünschete / dass sein hoher Stand ihr hätte mögen wissend sein; dann wollte sie
schon so viel Macht gehabt haben / ihn der billigen Knechtschaft zubenehmen. Er
gab zur Antwort: Sie möchte ihr gefallen lassen / alles geschehene zuvergessen;
Ihr geträues Herz gegen ihn hätte verdienet / dass er sich ihrer Wolfahrt als
seiner eigenen annähme / welches zuleisten er ziemliches Vermögens währe. Aber /
sagte er / ist auch der gute Nabarzanes ungehalten / dass meine Seele so
unbarmherzig mit ihm verfahren? Ach / sagte sie / ich kann beteuren / dass ers mit
keinem Worte geahnet hat / so lange er im Leben gewesen / welches aber nur wenig
Stunden nach erfahrner Zeitung wehrete; dann er ritte des folgenden Tages auf
die Jagt /da ihn ein hungeriger Löue in stücken zurissen / und er mir von den
Jägern so elendig zu Hause gebracht ist / dass ich gleichwol ihm noch eine
Standeswirdige Begräbnis ausrichten können; Und ob ich zwar meinem Herrn
gestehen muss / dass ich schlechte Liebe zu ihm getragen / so ist mir dannoch der
Unfall so sehr zu herzen gangen / dass ichs biss an diesen Tag nicht vergessen
mögen. Fabius tröstete sie mit freundlichen Worten / sie sollte sich zufrieden
stellen / es währen unter den Susianischen Völkern unterschiedliche treffliche
Ritter HerrenStandes / deren einen er ihr zufreien wollte / welches auszuschlagen
er nicht rahten könnte. Sie zwar wollte sich dessen viel entschuldigen aber er
setzete sich zu ihr auff die Gutsche liess ihm sein Pferd nachführen / und
brachte sie in eine vornehme Herberge / mit Versprechung / wo nicht heut /doch
gewiss morgen sie zubesuchen; kehrete wieder nach dem Schloss / und zeigete
GrossFürstin Valiska an / dass die Susianische Frei Frau / die in seiner
Dienstbarkeit ihm so manniche Guttaht erzeiget / und aus Gobares Händen sein
Leben entrissen / Ihrer Durchl. untertähnigst auffzuwarten / ankommen währe. Ey
so hätte der H. Bruder sie herauff nöhtigen sollen / antwortete sie; rief
alsbald ihrer Hofmeisterin Libussen neben Kleofis / dass sie ihre LeibGutsche
anspannen lassen / und die fremde Frau herzu hohlen sollten; welches alsbald
geschahe / und Statira der hohen Ehre nicht wenig erschrak. Sie ward von dem
Fürstl. Frauenzimmer wohl empfangen / dann ihre getriebene Buhlerei wahr allen
unbewust / kunte sich auch so höflich bezeigen / dass sie aller anwesenden gute
Gunst bekam / auch dem Fürstlichen Frauenzimmer allernähest bei ihrer
LandesFürstin Barsenen gesetzet ward / deren sonderliche Hulde sie erwarb. Nach
geendigtem Abendmahl ward ein zierlicher Tanz gehalten / wiewol mehrenteils von
den jungen Eheleuten / da Valiska gelegenheit suchete / mit Statiren zureden /
bedankte sich sehr / dass sie ihrem brüderlichen Freunde Herrn Fabius in seinem
Elende so grosse Freundschaft und mächtige Schuz erwiesen /und baht Fürstin
Barsenen / ihr solches geniessen zulassen. Diese wollte nun alsbald / wie sie
sagte / ihren Gehorsam erzeigen / hohlete ihren Gemahl herzu /und sagte: Sie
hätte die Ehre eines Befehls von ihrer gebietenden GrossFürstin erhalten / dass
bei ihrem Gemahl sie dieser anwesenden ädlen Frauen gute Gunst und Gewogenheit
erwerben sollte / der nicht weniger als sie selbst Ihrer Durchl. Gehorsam
zuleisten / bereit sein würde. Ja antwortete er / solches erfodert unsere
Schuldigkeit / und was diese ädle Frau von euch und mir begehren wird / soll ihr
unwegerlich und Fürstlich geleistet werden / dessen gebe ich ihr diesen Ring zum
Pfande; zog denselben von seinem Finger /und stekte ihn Statiren an / welches
alsbald Barsene ihm nachtaht. Jene aber / die ihr so gar hohe Gnade nit
vermuhten wahr / und wohl gedachte / dass alles von Fabius herrührete / antwortete
sehr demütig: Sie währe so grosser Ehre unwirdig / müste ihren LandesFürsten ja
billich zu untertähnigem Gehorsam aufwarten; wüste auch nicht / ob sie die
GnadenRinge behalten dürfte; Sie untergäbe sich Ihrer Durchll. beiderseits
zueigen / und währe erbötig / alles ihr Vermögen in deren Hände einzuliefern.
Fabius trat mit hinzu /rühmete auffs neue ihre vielfältige Guttaht / die er
zuvergelten nicht gnug währe; Daher Pharnabazus ihr nicht allein das von Gobares
geschenkte LandGut bestätigte / sondern noch ein dabei gelegenes verehrete /nam
auch Nabarzanes Söhne erster Ehe vor ädle Leibknaben an / und versah sie
nachgehends mit hohen Ehrenämptern und grossen Landgütern / weil sie ihrem Vater
nicht in der Furchtsamkeit nacharteten /sondern tapffere Ritter wurden.
    Kein ernstlicher Gespräch ging auff dem Saale vor / als zwischen Artaxerxes
und Ladisla; dieselben redeten von allerhand Geschichten Teutschlandes /
insonderheit von den schweren Kriegen / welche Herkules Vorfahren mit den Römern
geführet / und ihnen so mannichen Sieg abgedrungen hätten; daher Artaxerxes
Gelegenheit nam / bei Ladisla anzuhalten / dass er ihm Herkules Lebenslauff
weiter erzählen möchte /weil er vor diesem durch des verfluchten ungenanten
Ankunft daran verstöret worden. Er wahr ihm hierin gerne zu willen / und huhb
an: Ist mir recht / so habe ich zulezt gemeldet / was gestalt wir beide aus
Schweden von meinen Eltern nach Böhmen abgefodert wurden / woselbst wir sehr
wilkommen / und des ganzen Landes Augen auff uns hingerichtet wahren /massen
hohe und geringe über unsere Einträchtigkeit /beides an Willen und Kleidern sich
verwunderten /und erzeigeten meine Eltern uns gleiche Liebe und Gewogenheit /
dass mein Herkules nicht anders als ein Sohn gehalten ward / insonderheit von
meiner Fr. Mutter / die ihn zum oftern küssete / und einsmahls in meiner
Gegenwart zu ihm sagete: Herzlieber Sohn Herkules / die Götter wissen / wie
inbrünstig ich euch liebe / hoffe auch Gelegenheit zufinden / es der eins in der
Taht zuerweisen; aber ihr sollet mir versprechen /dass wann ihr zu den Jahren
komt / ihr ohn mein Vorwissen nicht heirahten wollet. Welches er ihr willig
verhiess / und durch dunkele Reden so viel Anzeige gab / ihm würde kein lieber
Mensch / als sie / ein angenehmes Gemahl zuführen können; worauff wir dazumahl
wenig acht gaben / und der Ausgang mirs wieder zu Gedächtnis ruffet. Wir wahren
wenig Wochen zu Prag gewesen / da uns Zeitung kam / die GrossFürstin / meines
Herkules Fr. Mutter läge schwer danider an einem hitzigen Fieber / und trüge
grosses Verlangen / ihren Sohn zu sehen; deswegen wir uns zur Hinreise fertig
macheten / daran wir doch durch eine Begebnis verhindert wurden / die meinem
Herkules zu sonderlichen Ehren ausschlug. Ein sehr grosser starker Pañonier /
nahmens Bato / kam zu Prag an / meinem H. Vater in seines Königes Mnata. Nahmen
eine Schatzung abzufodern / welche man ihm weder geständig noch schuldig war.
Das Ungeheur brachte seine Werbung in unser beiden Gegenwart mit groben Troz und
bäurischer Unhöfligkeit vor /welches ihm mein H. Vater übersah / weil dieser
Leute plumpe Sitten ihm wohl bekant waren; aber mein Herkules beiss darüber die
Zähne im Kopfe zusammen / und fragte den Gesanten / ob die Pannonier mit freien
Königen umzugehen nicht besser gelehret währen? Trauen / sagte er / wann ich ein
König währe /und man würde mir solchen Troz beweisen / dürffte ich einen
Gesanten zuvor etliche Jahr in die Schuele der Erbarkeit abfertigen / ehe ich
ihn vor meinen Stuel treten liesse. Solche Rede ging dem Unflaht sehr nahe / er
sprang und dräuete / knirrete mit den Zähnen /und hielt sich so unbendig als ein
besessener; dessen doch Herkules nur lachete / und ihn sanftmühtig erinnerte /
zubedenken / dass er vor einem herschenden Könige stünde. Dagegen fing dieser an:
Was hastu spitziger Lecker des unüberwindlichsten Pannonischen Königes Gesanten
und bestelleten Feldherrn zu rechtfertigen? Trauen wann ich dich am andern Ort
hätte / würde ich dir den zarten Arsch so weidlich abstreichen lassen / dass du
in vier Wochen des sitzens nicht froh werden soltest. Ich möchte wünschen / Eure
Liebe hätten dazumahl meinen Herkules sehen sollen; das kann ich mit höchster
Warheit bezeugen / dass weder vor noch nach der Zeit ich ihn so eiferig gesehen
habe; es schien / als hätten sich die Haare auff seinem Häupte auffgerichtet /
und sprützete ihm das Blut aus Nase und Lippen; welches er bald abwischte / sich
vor meinem H. Vater in die Knie setzete / und in Kindlicher Demuht untertähnigst
baht / ihm Freiheit zu gönnen / sich an diesem wilden Ochsen gebührlich
zurächnen. Niemand wusste / was vor eine Rache er vor hatte / und gab ihm mein H.
Vater zur Antwort: Lieber Sohn Herkules / du weissest / dass ich dich eben so
lieb habe als mein eigen Kind; aber du hörest / dass dieser ein Gesanter ist /
der nach aller Völker Recht grosse Freiheit hat / und sehe nicht /was vor Rache
du gegen ihn anstellen köntest / sonsten wollte ich dir gerne zugefallen sein.
Diese Antwort deutete er vor sich aus / bedankete sich der gnädigsten Erläubniss
/ und kehrete sich gegen den Pannonier / ihn fragend / ob er so viel Herzens
hätte / dass er sich seines Gesanten Rechts auff wenige Zeit verzeihen / und
wegen angelegen Schimpfs ihm zu Ritters Recht stehen dürfte. Dieser / wie auch
mein H. Vater selbst / meinten nicht anders / er würde etwa einen Bömischen
Ritter vermögen / sich gegen ihn gebrauchen zu lassen; und als jener mit einem
hönischen Gelächter zur Antwort gab / er sollte nur ein Par stellen / wann er an
einem nicht gnug hätte; warff ihm Herkules seinen Handschuch mit diesen Worten
zu; So nim dieses Pfand auff / du verwägener Hund / dass noch heut du oder ich
vor freier Faust erschlagen werden muss. Mein H. Vater erschrak der Aussfoderung
höchlich / stellete sich zwischen sie / in Meinung /den ungleichen Streit
auffzuheben / dann wie dürfte ich vor deinem Vater erscheinen / sagte er / wann
ich dir solches zuliesse? Er aber gab zur Antwort: Tausendmahl ehrlicher /
alsbald gestorben / als diesen Schimpff auff mich ersitzen zulassen / der von
allen redlichen Rittern mir könnte Zeit meines Lebens vorgeworffen werden; will
auch meinen Eltern nicht unter die Augen kommen / ehe und bevor ich mich an
diesem Schänder gerochen habe / und sollte ich ihn über tausend Meile verfolgen.
Bato verwunderte sich über der Kühnheit eines so jungen Menschen / und mochte
ihn vielleicht der vorigen Rede gereuen / erboht sich auch gegen den König / die
Tohrheit der Aussfoderung dem Buben zuverzeihen; welchen Schimpff aber Herkules
nicht verschmerzen wollte / sondern trat hinzu /und schlug ihn ins Gesichte / dass
ihm das Maul an der Seite ganz erröhtete / da er zugleich sagete: Soltestu
ungeschliffener Schelm einen gebohrnen freien Fürsten vor einen Buben schelten /
der schon Waffen getragen hat? Der Pannonier taht / ob wollte er von sinnen
kommen / fiel auff Herkules mit seinem Dolche ein / der sein blosses Schwert in
der Faust hielt /in welches jener schier rasend gelauffen währe; aber die
Trabanten wahren bald darzwischen mit ihrem Gewehr / und redete mein H. Vater
dem Pannonier hart zu / er würde von seinem Könige nicht befehlichet sein /
diesen gebohrnen GrossFürsten und nähesten Erben Teutschlandes vor einen Buben
ausszuschelten /und ihm mit Stäupruhten zu dräuen. Nicht destoweniger wütete er
doch imerfort / und vermass sich mit hoher Verfluchung / diesen unablöschlichen
Schimpff zu eifern; rieff auch meinem Herkules zu; du bübischer Tropff /
erinnere dich deiner Ausfoderung / und bleibe nicht aussen / ich will mich dir
splitternacket /nur mit meinem Schwerte darstellen / und dir Schild und Harnisch
gönnen; lieff die Steige hinunter in den Platz / zog sich nacket aus / und band
ein kleines Schürztuch umb sich. Mein H. Vater wahr über die masse betrübet /
redete Herkules hart ein / man müste Königliche Gesanten nicht beschimpfen / ob
sie gleich grob und ungeschikt währen / und wollte gerne eine Herrschaft drum
geben / dass er noch in Schweden sässe. Was geschehen ist / antwortete er / habe
ich zur erhaltung euer Königl. Hocheit getahn / und tähte es noch / wans
ungetahn währe; sein König wird ihm nicht befohlen haben / eure Hocheit
zubeschimpffen; oder hat ers befohlen / muss an diesem Orte es gebührlich
beantwortet werden; was fraget mein H. Vater nach dem Pannonier Könige? und was
höret eure Hocheit die schimpfliche Anfoderung der begehreten Schatzung so
geduldig an? ist dieselbe willens /es einzugehen / möchte mein Bruder Ladisla
lieber eines Bauern Sohn sein / als dereins ein zinsbahres Königreich erben; will
sie es aber nicht eingehen / so ist ohn zweifel der Krieg schon so gewiss als
angekündiget. Jedoch habe ich hiervon nicht zureden; ich will und muss meine Ehre
wieder diesen Hund handhaben / oder mein Schwert wieder mich selbst brauchen;
mein H. Vater bedenke sich kurz / welches unter diesen beiden er am besten
zuverantworten habe. Meine Fr. Mutter kam geschwinde mit meiner Frl. Schwester
darzu gelauffen / weil das Unwesen ihr kund getahn wahr; sie fiel Herkules umb
den Hals / und mit vielem Weinen fragete sie / ob er sie so unselig / und bei
seinen Eltern so verhasset machen wollte? aber sein jetziges Gemahl / wie jung
und Kindisch sie wahr / sagte hingegen: Herzen Fr. Mutter / die Götter werden
meinem Herkules Schuz halten; aber viel besser ists / ehrlich gestorben / als
schändlich gelebet; Kehrete sich hernach zu Herkules / und sagete zu ihm:
Herzgeliebeter Oheim / rächet den Schimpff / oder ich will ihn mit meinem Bogen
an dem Pannonier rächen. Ja mein Frl. Wase / antwortete er / es soll gerochen /
oder gestorben sein / ehe ich dieses Schwert von mir lege. Ich ging hin / meine
Waffen anzulegen / dann meine Meinung wahr / im falle Herkules den kürzern zihen
würde / mich an seine Stelle zu setzen. Meine Eltern sahen / dz es durchaus
nicht wollte anders sein / gönneten ihm derwegen seine Freiheit / mit der
Bedingung / sie wollten vor seinen Eltern entschuldiget sein. Ich folgete ihm
gewapnet / und liess seinen Harnisch nachtragen; aber er hatte sich in ein
Untergemach versperret / uñ wie ich seinen Nahmen rieff /antwortete er mir /
jezt wollte er auffmachen / sprang auch Mutterleibes nacket mit dem Schwerte
heraus /hatte sein Hembde entzweigerissen / und ein Stücke davon umb den
Unterleib gebunden / dessen ich trauen nicht wenig erschrak / und ihn fragete /
ob er unwitzig währe. Nein mein Bruder / sagte er: Aber sihestu nicht / dass der
Hund auch entkleidet ist? was hätte ich vor Ehre / wann ich geharnischt einen
Nacketen erschlüge? sagte kein Wort mehr / als dass er die Augen gen Himmel
kehrete / und diesen kurzen Wunsch hinzu taht: Ihr Götter / straffet Hochmuht
und Frevel / der euch nie gefallen hat. Damit sprang er als ein Hirsch in den
Platz. Meine Eltern sahen ihn kommen / dann sie hatten nebest dem Fräulein sich
an ein Fenster gelegt / und wie sie ihn so nacket daher lauffen sahen / fiel
meine Fr. Mutter in tieffe Ohmacht. Der Pannonier hatte mit schmerzen auff ihn
gewartet / in Meinung / er würde sich entweder fürchten / oder die Zeit mit
bewapnung zubringen; wie er ihn nun mit so zartem Leibe uñ freien Augen daher
rennen sah / merkete ich eine Verenderung an ihm /ging doch eiferig auff ihn
los / und sagte: Komstu zarter Lecker mit entblössetem Leibe / so muss ich dir
deine Verwägenheit zuerkennen geben; hieb auch so erschreklich zu ihm ein / als
wollte er mitten durch ihn her schlagen; aber Herkules ging sehr behutsam /
welche Tugend ich allemahl am meisten an ihm gelobet habe / und welch ihm diesen
Hieb artig aus; und als sein Feind ihm nachtrat / und denselben Sreich
wiederhohlete / zog er den Leib tieff gekrümmet ein / und schlug ihm mit dem
Nachhiebe eine tieffe Wunde in die linke Schulder / wiewol er oberhalb des
Nabels von dem Pannonier ein wenig mit der Spitze geritzet ward / dass etliche
tröpflein Blut heraus fielen. Jener hub sein Schwert auff / ihm den Kopff
zuspalten /aber Herkules wahr mit einem Unterhiebe geschwinde fertig / und traff
ihm den rechten Ellebogen / dass er sein Gewehr fallen liess / welches Herkules
mit der Linken gerade auffhub / und zu ihm sagete: Wie nun du wütiger Hund / bin
ich noch dein ruhtenmässiger Bube? bald ergib dich meiner Gnade / so will ich
mich bedenken ob ich dir das Leben schenke. Dieses kunte der stolze Narr über
sein Herz nicht bringen / sondern winkete seinen anwesenden Leuten / ihm ein
Schwert zu reichen; denen ich aber zurieff; dafern einiger sich unterstehen
würde / in diesen Kampff sich zu mischen / sollten sie alle in stücken zerhauen
werden; jedoch wahren dieselben so redlich / dass keiner sich ichtwas unterstund.
Herkules vermahnete seinen Feind nochmahls / sich heraus zulassen / ob er Gnade
begehrete /aber jener lieff unbewehrt zu ihm ein / und zückete den Fuss / ihn
damit nider zustossen; worauff Herkules zween Schritte zurücke trat / und zu ihm
sagte: Weil dich dann der hochmuhts Teuffel gar besessen hat / mustu billiche
Straffe annehmen; gab ihm darauff mit dem erworbenen Schwerte einen Querhieb in
den dicken Wanst / dass ihm das Gedärm umb die Füsse fiel / führete alsbald mit
der Rechten einen kräfftigen Streich / und schlug ihm den Schedel bei der
Schulder glat hinweg / dass er mit des niderstürzenden Blute über den ganzen Leib
begossen ward /da ich meine Frl. Schwester ruffen hörete: Herzen Fr. Mutter /
erhebet euch / der Pannonier ist schon erschlagen / sein Gedärm und Häupt liegen
auff der Erde. Herkules in meiner und andrer Ritter begleitung trat hin zu der
Pannonischen Schaar / welche 30 Mann stark wahr / und den Kampff angesehen
hatten /und redete sie also an: Dieser euer stolzer Herr / da er von seinem
Könige aussgeschicket wahr / in dessen Nahmen bei meinem H. Vetter und Vater dem
Bömischen freien Könige etwas zuwerben / hat mich /einen gebohrnen GrossFürsten
der Teutschen / mit schmähe Worten angetastet / und da ich solches gebührlich
beantwortet / meiner zween im vollen Harnische gegen seinen nacketen Leib
aussgefodert / dessen ich ihn / wie ihr gesehen / im auffrichtigen Kampff
gelohnet habe; so nehmet nun eures schon nicht mehr so stolzen noch verwägenen
Herrn Kopf / Rumpf /Gedärm / Kleider / Harnisch und Pferd zu euch / nur sein
Schwert behalte ich mir zum Gedächtnis / weil ichs ihm / da er noch lebete / aus
der Faust gebracht /und redlich erobert habe. Damit kehrete er mit beiden
Schwertern umb nach dem Gemache / seine Kleider anzulegen. Aber meine Eltern und
Fräulein Schwester kahmen gleich mit grossen freuden herunter gelauffen / und
erschraken nicht wenig / da sie ihn so blutig sahen; doch halff ich ihnen bald
aus dem zweifel / und befahl Wasser zubringen / damit wusch meine Fr. Mutter
selbst und meine Fräulein Schwester ihm das unsaubere Blut allentalben ab /
dessen er sich zwar heftig schämete / und sichs doch nicht entbrechen kunte.
Die Pannonier wahren sehr betrübt und erkläreten sich / ihrem Könige alles
auffrichtig zuhinterbringen / und ist derselbe des unfals so hart erschrocken /
dass er von der Zeit an / so viel mir bewust ist /sich nicht unternehmen dürfen /
einige Schatzung zu fodern / wiewol ich mich eines gewissen Krieges mit ihm
vermuhten bin / welcher nicht wenig Blut kosten dürfte. Auff mein Vorhaben
wieder zu komen / so entstund bei den meinigen ein solches Frolocken / als nur
die geringe Schramwunde sich an Herkules zeigete / dass sichs schwerlich erzählen
lässet. Mein Herr Vater trat zu ihm / da er noch nacket wahr / ümfieng ihn
freundlich / und sagete: Mein teurer Sohn Herkules / gönnen die Götter euch
Gesundheit und Leben /werdet ihr die Siege uñ den Ruhm eurer ritterlichen
Voreltern / durch die eure verdunckeln / und bei allen Menschen in vergess
bringen; so befinde ich mich auch gehalten / bei euch umb Verzeihung zu bitten
/dass diese eure Ehre zu hindern / ich so emsig gewesen bin. Aber verzeihet mir
mein HerrBruder / sagte Ladisla zu Artaxerxes / dass in Erzehlung dieses Streits
ich mich so lange aufhalte. Mein Herr Bruder / antwortete er; nicht weniger hat
mich die Erzehlung dieses Kampfes belüstiget / als der neuliche / welchen ich
zwischen diesem teuren Held und dem Bauern Gamaxus mit Augen ansah / will ihn
auch erstes Tages in diesem grossen Gast-Saal auff sechs grosse Tücher zu
stetswärendem Gedächtnis abmahlen lassen / so dass auff dem ersten Tuche des
Pannoniers fehlhieb /und Herkules gerader ausswich; auff dem andern HerkulesBauch
schram hieb / und des Pannoniers linke verwundete Schulder; auff dem dritten des
Pannoniers rechte Ellebogen Wunde; auff dem vierdten / dessen zum Stosse
aufgehobener linke Fuss / und aussgeschüttetes Gedärme; auff dem fünften / die
Abschlagung seines Haupts; und auff dem sechsten und letzten /euer liebe Frau
Mutter und Frl. Schwester Abwaschung soll gesetzet werden. Aber ich möchte gerne
wissen / mit was Siegesgepränge der Gross-Fürst sein Herr Vater diesen seinen
tapfern Sohn ümb solcher herrlichen Taht willen empfangen habe. Ach er hat ihn
sieder dem / und schon zwei Jahr vorher nicht gesehen / antwortete Ladisla /
denn ob wir gleich sechs Tage hernach dahin zu reisen willens wahren / umritten
wir doch zuvor mit meinem Herrn Vater die Böhmischen Grenzen Südwertz / die mit
6000. Mann sollten besezt werden / und als mein Königreich mit einem grossen
Walde ümschlossen ist / ritte ich mit Herkules und fünf Jungen vom Adel in dem
Walde auf die Jagt / stiegen ab / und schliechen durch das Gestände den Hasen
nach / deren wir auch etliche fingen; wehrete aber nicht lange / da sahen wir
12. Räuber von der Seiten herzuschleichen / und hatten wir nichts als ein
leichtes Seitengewehr und Jägerspiesslein zur Hand / da hingegen jene mit guter
Rüstung versehen wahren. Auf / sagte Herkules zu mir / uñ geschwinde nach unsern
Pferden zu; und half das Unglück mir so wohl / dass ich gerade auf meines kam /und
hinweg rante / nicht anders gedenkend / Herkules jagete hinter mir her / weil
ich unterschiedliche reiten hörete; aber da ich einen guten Weg hatte
fortgespränget / und mich umsah / folgeten mir nur vier Leibjunckern / der
fünfte und Herkules wahren nicht zu spüren; und blieb ich doch guter Hoffnung /
er würde sich bald finden / oder einen andern Weg genommen haben. Endlich
missdauchte michs / und schickete an meinen Herrn Vater / dass er mir etwa 50.
Reuter senden möchte / weil ich befürchtete / Herkules währe unter Räuber Hände
gerahten. Es stund wohl andertalb Stunde an / da kam mein Herr Vater selbst mit
200 Reutern / wahr unmuhtig / dass wir ohn Gesellschaft uns so weit vertahn hatten
/ uñ ritte mit mir nach der unglücklichen Stelle / funden vor erst der unsern
Pferde / und bald hernach den Hofjunkern mit 15 Wunden erbärmlich zugerichtet /
den wir aufs beste labeten / uñ aus seiner schwachen Erzählung vernahmen /
Herkules und er hätten ihre Pferde nicht fangen können / währen von 12
gepanzerten Pannonischen Räubern überfallen / da Herkules sich zur Wehr
gestellet / und er nach vermögen ihm Beistand geleistet /auch darüber also
zugerichtet währe; Es hätten aber die Räuber Herkules wegen seiner Schönheit
nicht wollen verwunden / sondern ihn ermahnet / sich zu ergeben / sonst wollten
sie ein abscheuliches Spiel mit ihm halten. Worauf er sich erkläret / dafern ihm
Lebens- und Ehren-Sicherheit würde verheissen und gehalten werden / wollte er
sich gefangen geben / und vor erlegtem Lösegelde von ihnen nicht abweichen
/welches sie ihm zugesagt / uñ ihn zwischen sich hinweg geführet. Er selbst
hatte zwar / unangesehen seiner vielen Wunden / mitgehen sollen / aber Herkules
hette gebehten / ihn liegen zu lassen / weil ihm das gehen unmöglich währe / er
wollte / weil er sein leiblicher Bruder währe / vor ihn mit bezahlen. Welches sie
dann angenommen / sich ins Gesträuche nach ihren Pferden begeben / und mit
vollem rennen sich davon gemacht. Mein Vater fragete mich / wie lange es wohl
währe; und als er vernam / dass schon drei Stunden vergangen / seufzete er tief /
schikte 192 Reuter in zwölf gleiche Abteilung / auf so vielen unterschiedlichen
Wegen fort / dem Huefschlag / wo möglich / zu folgen; er aber kehrete mit mir
und den übrigen ümb nach Prag / und wie herzlich gerne ich gleich mit den
Nachsuchern gezogen währe / musste ich doch gehorsamen / uñ mit ihm reiten. Was
vor Schmerzen ich nun wegen seines Verlusts in meiner Seel empfand /ist unnöhtig
zu erzählen / und nahmen dieselben erst recht zu / da die Aussreiter nach
einander wieder kahmen / und alle nichts gewissers mitbrachten / als dass sie
nichts wussten. Der GrossFürst aus Teutschland schickete auch die andere
Bohtschaft nach Prag / dass sichs zwar mit seinem Gemahl ziemlich besserte /aber
sie nicht weniger ihres lieben Sohns Gegenwart heftig begehrete / weil die
Pfaffen aus den Opfern und anderen glaubwirdigen Zeichen andeuteten / Herkules
müste dieses und folgende Jahr aus Teutschland nicht gelassen werden / oder er
würde in gotlose Gesellschaft gerahten / und zu einem neuen Aberglauben
verleitet werden / wodurch er aller Teutschen Götter Feindschaft und Straffen
über sich ziehen würde. Da wahr nun guter Raht bei meinen Eltern sehr teuer; man
kunte seinen Verlust nicht verbergen / und durffte ihn doch niemand offenbahren;
Ich hingegen empfing gute Hoffnung aus des Schreibens Inhalt / und sagte zu
meinen Eltern; soll dann mein Herkules seine Götter beleidigen / wird ers nit tod
/ sondern lebendig tuhn müssen; deswegen getraue ich mich / ihn bald wieder
zufinden / wann mein Herr Vater mir nur Urlaub gibt / ihn zusuchen. Ich wollte
mehr reden / aber er fiel mir ins Wort / und sagete: Schweige / und lass dich das
nicht vernehmen / wo du sonst mein Sohn sein wilt; Ists noch nicht gnug / dass
ich einen verloren habe / und sollte dich darzu in die Rappuse geben? Zwar ich
musste schweigen / aber mein Schluss wahr schon gemacht / darumb ging ich hin zu
dem Teutschen Gesanten / und sagte: Er sollte Herkules Eltern meinen kindlichen
Gruss vermelden / und sie bester massen trösten / ich wollte nicht auffhören
zureiten /biss ich ihn wieder gefunden hätte; machte mich hernach zu meiner Fr.
Mutter / und führete ihr zu gemühte / was Herkules Eltern wohl gedenken würden /
dass ich ihn zusuchen mich so gar nicht bemühete / da er doch meinetwegen
gefangen währe / und ich ihn zu der Jagt verleitet hätte; gab ihr nachgehends
meines Herrn Vaters Hartnäckigkeit zuvernehmen / und baht inständig / es mir
nicht zuverargen / dass ich heimlichen Abscheid nehmen würde / nachdemmahl mir
eine lautere Unmögligkeit währe / ihn lebendig zuverlassen. Da mein Frl.
Schwester / die sider seinen Verlust kein frölich Auge auffgeschlagen / mir zu
hülffe kam; es währe billich / dass geträue Brüder einander in der Noht nicht
verliessen / und könnte ich ja mit so starker Begleitung gehen / dass ich vor
Räuber Anfall gesichert währe. Meine Fr. Mutter aber hiess mich schweigen / und
wollte / aus ursach / dass ich einiger Sohn / und der Vater zimlich schwach währe
/ mich von diesem vornehmen abschrecken; doch wie sie merkete / dass alles
umsonst wahr / stellete sie mir köstliche Kleinot / und ein ziemlich Stük Geldes
zu /bewehrete heimlich 12 Ritter / und vermahnete mich /einen fremden Nahmen
anzunehmen / und mich vor einen vom Adel auszugeben / als ob ich ein Teutscher
währe. Nähst kindlicher Danksagung / versprach ich /alles fleissig zubeobachten;
hinterliess einen Brief an meinen H. Vater / in welchem ich wegen meines
heimlichen abreisens mich bester massen entschuldigte / und machte folgenden
Morgens / des neunden Tages nach seinem Verlust mit meiner Gesellschaft mich
zeitig auff / nennete mich Winnibald / und bin sider dem in mein Vaterland nicht
wieder kommen. Nun ging meine Reise eben des Weges zu gutem Glük / dahin
Herkules geführet wahr / biss ich in den Pannonischen Grenzen anlangete / da ich
auff 11 Räuber traff / welche fünff Weibesbilder gefangen hatten / und sie
gleich schänden wollten; Ich setzete mit meinen Leuten an sie / und biss auff drei
wurden sie nidergehauen / von denen ich allerhand neues fragete / und ob sie mir
nicht Nachricht von einem wolgestalten Jünglinge geben könten / der umb die und
die Zeit im Böhmer Walde von 12 Pannonischen Räubern gefangen währe. Einer von
ihne bezeichnete mir alsbald den Ort / und bekennete / er währe selber in der
Gesellschaft gewesen / und hätte der schöne Jüngling sich dermassen tapffer
bezeiget / dass sie ihn mehr vor einen Gott als Menschen schätzen müssen /daher
sie sein nach Mögligkeit geschonet / ihn auch endlich gefangen angenommen / und
durch lauter Abwege und Krümme mit sich geführet / des vorhabens /ihn dem
Pannonischen Könige zu schenken; Aber vor vier Tagen währe eine Römische Schaar
auff sie gestossen / hätten den meisten Teil ihrer Leute nidergemacht / und den
Jüngling mit sich geführet; mehr wüste er davon nicht zuberichte. Ich ward
dieser Zeitung über die masse froh / vorerst / weil ich hörete /dass er noch im
Leben / und vor dem Pannonischen Könige sicher währe; hernach / dass ich
Anleitung hatte / an was Ort und Enden ich ihn suchen müste; begehrete demnach
von diesem / er sollte mich des Weges nach dem Römischen Heerlager führen / und
guter Belohnung gewärtig sein. Hier gab ich mich bei einem Römischen Ritmeister
an / mit meinen Leuten frei und ohn Sold unter ihm zudienen / da mir vergönnet
sein könnte / allemahl nach getahner Auffkündigung abzuzihen; welches ich bei ihm
leicht erhielt; dann wir gaben uns vor Teutsche vom Reinstrohm aus / mit denen
die Römer Friede hatten. Meinem Ritmeister schenkete ich einen Ring von ungefehr
300 Kronen / umb nachzuforschen / ob nit eine Römische Schaar / 20 Reuter stark
/ einen schönen Teutschen Jüngling von ohngefehr 19 Jahren / zwölff Pannonischen
Räubern abgenommen; versprach ihm auch 2000 Kronen / da er wieder gefunden /
oder ich nur Gewissheit erhalten würde / wo er anzutreffen währe / sintemahl
seine Mutter eine wolvermögende Witwe ihn zu dem Ende in Lateinischer und
Griechischer Sprache hätte unterrichten lassen / dass er dereins bei den Römern
sich in Dienste begeben sollte. Dieser wahr ein geitziger Mensch / der in seiner
Jugend seine Güter verschwendet hatte / und wieder etwas zuverdienen bemühet
wahr; aber er kunte durchaus nichts ausspüren; Ursach / weil er nicht von Römern
dieses Heers / sondern von einem zusammen gelauffenen Hauffen wahr gefangen /
die ihn / weil er den Feinden abgenommen wahr / vor leibeigen gehalten / und
nach Rom an einen vornehmen Herrn / nahmens Zinna / umb 4000 Kronen verkaufft /
der ihn nicht so sehr wegen seiner Schönheit und gutten Sitten / als dass er vor
einen Bereiter und Schützen sich ausgegeben / und ihm darin guten Beweisstuhm
sehen lassen / gekaufft hatte. Anfangs wahr dieser bitter-saure Mensch meinem
Herkules sehr hart mit gefahren / und seine Geduld zuprüfen / ihm mannichen
Schimpf bewiesen / ihn mit Holtzhacken / Wassertragen uñ grober Hausarbeit
schwer überladen / und nachdem er alles willig erduldet / ihm etwas mehr Gnade
erzeiget / so dass er ausser der Pferde Abrichtung / und Anweisung seiner Söhne
im Schiessen und auff der Laute / keine andere Arbeit verrichten dürffen. Dieser
sein Herr Zinna hatte eine schöne Tochter / ihres Alters im 15 Jahre / die bald
anfangs meinem Herkules gute Gewogenheit erzeiget / und durch Vorbitte mannichen
Unwillen von ihm abgewendet hatte; Nachdem sie aber je mehr und mehr Gunst gegen
ihn gesasset / hatte dieselbe sich in eine inbrünstige Liebe verkehret / so gar
/ dass sie nur immerdar Gelegenheit gesuchet / seiner Gegenwart zugeniessen /
woraus er zwar ihr Anliegen leicht gemerket / aber sich aller dinge tumb
gestellet / und nach Mögligkeit die Gelegenheit geflohen / mit ihr allein zusein
/ oder weitläufftige Sprache zuhalten; Welches alles sie seiner Blödigkeit /
Einfalt und Ehrerbietung zugeschrieben /doch endlich beschlossen / ihm ihre
Liebe zuoffenbahren; worzu sich gute Bequemligkeit finden lassen; nehmlich H.
Zinna wahr mit seiner jungen Frauen / die er vor drei Jahren geheiratet / auff
sein Landgut gefahren / und hatte auff seiner Tochter Zezilien Bitte Herkules
befohlen / sie zeit seines abwesens im Bretspiel zuunterrichte / welches er
nicht abschlagen dürffen. Es wahr aber der guten Jungfer umb dieses Bretspiel
nicht zutuhn gewesen / sondern da er zu ihr ins Gemach getreten / wahr sie ihm /
ungeachtet es in Winter gewesen / in dünner Sommerkleidung uñ reizender Blösse
entgegen gangen / ihn auch nicht anders als einen Buhlen empfangen / hatte
anfangs aus Scham kein Wort reden können / biss sie sich erhohlet / und also
lossgebrochen: Mein geliebter Oedemeier (diesen Nahmen hatte er an sich genommen)
haltet mir / bitte ich / nicht vorübel / dass ich euch fragen darff / von was
Geblüt und Eltern ihr eigentlich entsprossen seid / dann ich kann nimmermehr
gläuben /dass euer Stand geringer als der meine sei / angesehen der treflichen
Schönheit / Sitten und Tugend / die euch beiwohnen / und versichert euch / dass
ich diese Frage / umb eure Glükseligkeit zubefodern / an euch gelangen lasse.
Herkules hatte ihr zur Antwort gegeben: Er bedankete sich unterdienstlich dem
hohen Gunst / damit ihre Hochädle Tugend ihm / wiewol unwirdigem stets zugetahn
gewesen / und er nimmermehr zuverschulden wüste; In Betrachtung nun solcher
Gewogenheit wollte er ihr begehren willig erfüllen / wiewol er ihm sonst gänzlich
vorgenommen gehabt / es keinem Menschen dieses Orts zuvertrauen /weil er seiner
Eltern Schande niemand gerne offenbahrete; Ich Oedemeier / hatte er gesagt / kann
mich nicht erinnern / dass ich jemahls Eltern gehabt massen ein Teutscher Pfaff /
da ich 29 Wochen alt gewesen /mich aus Barmherzigkeit angenommen und
aufferzogen; meine Ankunft habe ich lange nicht erfahren können / biss etwa vor
neun Jahren / da ich mich mit einem Knaben in der Nachbarschaft zankete /
dessen Mutter darzu gelauffen kam / gleich da ich denselben in den Koht
niderstiess / und sie aus Zorn mich eines erhenketen Diebes / und ausgestrichener
Mutter Sohn schalt / welches ich meinem PflegeVater zwar klagete / aber er mir
den geringen Trost gab / ich sollte mich daran nicht kehren / das Weib währe eine
böse Haut /die keines Menschen schonete / der sie beleidigte; nach welcher Zeit
ich mich schämete / nach meinen Eltern zufragen; Nun unterrichtete mich dieser
Pfaffe im reiten / schiessen / und andern guten Künsten / biss ich das 17de Jahr
erreichete / und darauff unter dem freien Himel mich den Teutschen Göttern zur
ewigen Müncherei und Jungfrauschaft durch erschrekliche Flüche verloben müssen
/ über welches Gelübde diese Götter so fest halten / dass wann ein solcher ein
Weibesbild berühret / werden sie beiderseits entweder aussätzig oder rasend /
wie man dessen unterschiedliche Begebnissen hat. Ich wundere mich der
trefflichen Einfälle / sagte Artaxerxes / in welchen dieser Fürst sich so artig
zufinden weiss; aber mit was ungenehmen Ohren muss das verliebete Mensch solches
angehöret haben. Wegen seiner unehrlichen Eltern / sagte Ladisla / hatte sie
sich entfärbet / und daher ohn zweifel die HeirahtsGedanken danken fallen
lassen; dass aber die Liebesbrunst hiedurch nicht gelöschet worden / hat ihre
weitere Nachfrage an den Tag gelegt / da sie von ihm zuwissen begehret / ob die
Teutsche Götter auch wohl sähen und straffeten / was zu Rom oder sonst ausser
Teutschland geschähe? worauff er geantwortet: Die Götter / denen er gewidmet /
währen die Sonne und die Erde und soweit deren Gegenwart reichete /so weit
straffeten sie; dessen sie noch vor vier Jahren ein abscheuhliches Beispiel
hätten sehen lassen / da ein solcher Verlobeter aus Verdruss seines Gelübdes
/Teutschland verlassen / und zu Schiffe nach Engeland sich begeben hätte / der
Meinung / weil dieses eine andere Erde währe / durch das Meer von Teutschland
abgeschieden / würde er daselbst ungestraffet bleiben / ob er sich gleich zu
Weibesbildern halten würde; aber diese Einbildung hätte ihn sehr betrogen /
massen / wie er sich das erste mahl ihr genähert / und nur ihre Brüste berühret
/ währe seine Hand / und des Weibes Busem von dem allerscheusslichsten Aussaz
eingenommen / auch sie alle beide des Witzes beraubet / dz sie als volle Hunde
auf der Gassen nacket umher gelauffen / biss man sieaus geheiss eines Pfaffen
hätte verbrennen müssen. Dieser Rede wahr die gute Jungfer heftig erschrocke /
hatte ihre Busem verhüllet / und alle unbilliche Gedanken fallen lassen / jedoch
höchlich beklaget / dz die Götter ihm seiner fast übermenschlichen Schönheit
Anwendung missgönneten /damit sie ihn vor allen andern ausgezieret und volkommen
gemacht hätten. Er aber darauf gesagt: Er wüste nicht / was vor sonderliche
Schönheit an ihm währe / aber eben umb dieser Ursach willen / dass auch die
Pfaffheit ihn vor schön geschätzet / hätte er dieses Gelübde über sich nehme
müssen; dañ es würden nur die schönsten / und zwar aus den geringsten Leuten
darzu erwählet / weil die Reichen und Vornehmen sich dessen mit Gewalt
entbrochen hätte. Worauff sie sich mit ihm zuspielen gesetzet / und auff sein
bitliches ansuchen ihm nicht allein seine Stand zuverschweigen / sondern ihm
ferner nach wie vor alle Gunst und Freundschaft zu erzeigen / angelobet. Dieses
übel wahr kaum vor zween Tagen abgewendet /da hatte sich viel ein ärgers
angesponnen / also dz die Liebe / so die junge Tochter verlassen / sich in ihrer
StiefMutter Brust gesetzet / weil sie ohngefehr seines schönen Leibes gewahr
worden. So viel älter nun diese wahr (eine Frau von 24 Jahren) so viel stärker
hatten die Begierden sie gereizet / dass wie des folgenden Tages H. Zinna
ausgereiset / sie Herkules vor sich gefodert / und mit allerhand freundlichem
Gespräch umher gehauen; endlich ihn umfangen / und solcher gestalt angeredet: Du
mein allerliebster Oedemeier / nim wahr der höchsten Gunst / welche ich dir
zulege / und geneuss meiner Schönheit nach unser beider Lust / dann du kanst dich
in deinem Herzen rühmen / dass die Hochädle / darff auch wohl sagen / schöne Frau
Sulpizia / dich in ihrem Herzen höher hält /als den vornehmsten Herrn in ganz
Rom. Herkules hat mir beteuret / er habe sich nie in so grosser Angst /als
dazumahl befunden; hätte auch nicht gewust / was er antworten sollen / biss er
endlich sich begriffen /vor ihr in die Knie gefallen / und diese Antwort
gegeben: Gnädige Frau / ich demühtige vor Ihrer Gn. mich billich / als ein
gehorsamer untertähniger Knecht /demnach des Glückes Widerwärtigkeit mich zum
andern mahl in den leibeigenen Stand gesetzet / dem ich durch sonderliches Glük
schon entrissen wahr; habe dannoch Gott hoch zudanken / dass ich eine so gnädige
Frau uñ gütigen Herrn angetroffen / bei denen ich wohl gelitten und gehalten bin.
Nun erzeiget Eure Gn. mir unwirdige eine sonderliche Gunst und Liebe /welche der
Römische Käyser selbst nicht ausschlagen würde / da sie ihm nur werden könnte /
und ich daher mich derselben allerdinge unwirdig erkenne; wiewol deren
zugeniessen mein höchster Wunsch ist / wann nicht im siebenden Jahre meines
Alters ich durch einen Unglücksfall meine Gesundheit verloren / und der Manheit
beraubet währe. Ich bitte aber lauter um Gottes willen / diesen meinen Mangel
keinem Menschen zuoffenbahren / weil ich bisher aller Unbilligkeit frei bliebe /
auch lieber tausendmahl sterben / als in einige Schande gehehlen will; zweifele
nicht / Ihre Gn. werden mir ihrem gehorsamsten Knechte nicht minder nach wie vor
gnädig gewogen bleiben / und sich versichern / dass weder Pein noch einiges ander
Mittel / von mir bringen oder erzwingen soll / wessen Eure Gn. sich anjezt gegen
mich vernehmen lassen. Das unbarmherzige Unglück sei verflucht / hatte sie
geantwortet / das einen so volkommenen schöne Leib geschändet / und der Manheit
beraubet hat. Du aber hast sehr wohl getahn / dass du solches bisher in geheim
gehalten / dessen doch mein H. Zinna von dir stark muhtmasset / und wann ers
wüste / dich vor ein grosses Geld lossschlagen könnte. So behalte nun meine Rede
in deinem Herzen / ich will deine Heimligkeit hinwiederumb vertuschen / und dir
allen guten Willen erzeigen. Diese Zusage hatte sie auch redlich gehalten / dass
er nach der Zeit fast Kindes gleich mit Kleidern und Speisen versehen worden.
Doch hatte er stets besorget / sie würde nach der Warheit fleissiger Kundschaft
legen / und deswegen ihm vorgenommen / ein gut stük Geldes (welches er hernach
reichlich erstatten wollte) seinem Herrn zuentwenden / und bei erster guten
Gelegenheit davon zustreichen. Mich betreffend / kunte ich in andertalb Jahren
nicht das geringste von ihm erfahren / und wahr wohl zuverwundern / dass er sein
Unglück zuertragen / sich selbst also halssstarrigte / und es weder mir noch
seinen Eltern zuwissen taht / wiewol eure Liebe dessen Ursach hernach vernehmen
wird. Die blosse Hoffnung / seinen Zustand zuerforschen / hielt mich die ganze
Zeit in Römischen Diensten / und schrieb ich zwar etlichemahl an meine Fr.
Mutter / aber an was Ort ich mich auffhielte / liess ich sie nicht wissen /
sondern die Gelder musste sie mir auff Aquileja übermachen / von dannen ich sie
abhohlen liess; was vor bekümmernis seine liebe Eltern erlitten / dass sie so
lange nichts von ihm in erfahrung bringen kunten / ist leicht zuerachten / weil
er ihnen so ein lieber Sohn wahr. Doch wollte die Göttliche Versehung ihn der
Welt endlich wieder gönnen damit er das von dem Himmel ihm verlihene köstliche
Pfund nicht in die Erde vergraben / noch sein tugendergebenes Herz unter den
Ketten der Leibeigenschaft ersticken möchte; dann nach verlauff 16 Monat / nam
mein Rittmeister einen Freireuter an /der mich ohngefehr klagen hörete dass ich
einen Verwanten verloren / und zwar durch räuberische entführung / beschrieb
ihn auch nach seiner Gestalt und Kleidung / und erboht mich abermahl / 2000
Kronen zugeben / der mir seinetwegen nur etwas nachricht zuerteilen wüste;
worauff dieser Reuter / nahmens Minutius alsbald sagete: Er hätte vor
fünfviertel Jahren den allerschönsten und herzhaftesten Jungling der Welt / 12
Pannonische Räubern helffen abnehmen welchen sie nach Rom gebracht / und
daselbst umb 4000 Kronen verkauft hätten. Ich wusste nicht / was ich vor freuden
antworten sollte / hörete alsbald / dass es kein ander als mein Herkules sein
müste / fragete alles fleissig nach / uñ liess die 2000 Kronen herlangen welche
von mir anzunehmen ich ihn fast nöhtigen musste. Das schlimmeste wahr / dass er
mir den Römischen Käuffer nicht zu nennen wusste / wiewol ich der Hoffnung lebete
/ seinen ertichteten Nahmen zu Rom wohl ausszufragen / und dass seiner Schönheit
und Tugend halben er wohl bekant sein würde; bald aber fiel mir ein / er würde
gewisslich schon Tod sein / weil er von Rom aus gute Gelegenheit gehabt hätte an
mich zu schreiben nach Prag / uñ doch dessen sich nichts fünde; endlich speisete
mich die Hoffnung / der Himmel würde ihm Schuz halten; ging zu meinem Ritmeister
/ gab ihm zuvernehmen / wie seine fleissige Nachforschung so viel gewirket / dass
ich meines verlohrnen Freundes Zustand erfahren hätte / schenkete ihm die
versprochenen 2000 Kronen / und wirkete damit Minutius los / welchen ich mit
meines Herkules ehmahligen ädlen Leibdiener Ekhard (der sich stets bei mir
auffhielt / uñ unter der Zahl meiner 12 Reuter wahr) nach Rom schickete / allen
möglichen fleiss anzuwenden / dass sie ihn nur ausskundschaffen / und mir gewisse
Zeitung von ihm bringen könten; welches ihnen des vierden Tages nach ihrer
ankunft daselbst /gelungen wahr. Dann Ekhard hatte ihn des morgens sehr früh
vor seiner Herberge sehen hergehen / und in ein grosses ansehnliches Gebäu
einkehren / woselbst der Christen Gottesdienst in stiller geheim wahr gehalten
worden. Er wahr ihm gefolget / hatte ihn aber unter der Versamlung nicht sehen
können / biss die andern alle hinaus gangen / und er fast allein auff den Knien
sitzen blieben wahr / auch mit auffgehobenen Händen und fliessenden Augen sein
Gebeht so inbrünstig verrichtet / dass das Wasser ihm über die Wangen auff die
Erde gefallen / deswegen er nicht zu ihm gehen dürffen / und vor mitleiden
geweinet hatte /weil ihm dergleichen anstellung niemahls zugesichte kommen wahr;
endlich wahr ein alter ansehnlicher Lehrer zu ihm getreten / der mit
sonderlichem troste ihm zugeredet; er sollte in seinem schmerzlichen anliegen
sich mit Geduld wapnen / und im Gebeht nicht lass noch zweiffelhaftig werden /
sondern mit fester zuversicht sich auff Gottes Hülffe gründen / und versichert
sein / das dessen alwissen des Auge seine Trähnen ansehen / sie zählen / in
seinen Sak aufffassen / und in gar kurzer Zeit sie in Lust und Freude verkehren
würde. Worauff Herkules sich gegen diesen Alten sehr ehrerbietig erzeiget / und
mit frölichem Angesicht und lachenden Auge aus dem Hause hinweg gangen war / da
Ekhard mit diesen Worten zu ihm getreten: O Durchleuchtigster GrossFürst / wes
zeihen eure Durchl. sich an diesem Orte? können die ihres lieben Ladisla so gar
vergessen / dass sie demselben ihr Leben und Zustand nicht eins kund machen? Ja
können die sich ihrer Eltern und Geschwisteren so gar begeben / als ob sie nicht
mehr in der Welt währen? eure Durchl. kann nimmermehr gläuben / was vor Angst
Fürst Ladisla sider ihren Verlust erlitten / und von der Zeit her biss auff diese
Stunde sich unter einem schlechten Ritmeister in Römischen diensten bei dem
Römischen GrenzHeer auffgehalten / nur dass er einige Kundschaft von euer Gn.
einzihen möge / zu welchem Ende dann er mich ausdrücklich hieher gesand hat.
Herkules wahr ihm um den Hals gefallen /und hatte geantwortet: O du mein
geträuer Ekhard /wie treffe ich dich alhie zu so glücklicher Stunde an? meinestu
aber / dass du mit Fürst Herkules aus Teutschland redest? O nein! sondern mit
Oedemeier /einem verkaufften Knecht und Leibeigenen Sklaven /(wie diese Kette es
aussweiset) welcher mañichen herben Trunk der Knechtischen Bitterkeit eingesoffen
/und ihm Gott Lob eine zeitlang so gut worden ist /dass er sein Brod / wiewol als
ein Knecht mit abrichtung der Pferde verdienen können. Hierauff hatte Ekhard
angefangen überlaut zuweinen und gefraget /warumb er doch an seine Eltern / oder
an Fürst Ladisla in so geraumer Zeit nicht geschrieben / dass man ihn aus diesem
elenden Stande der dienstbarkeit heraus gerissen hätte / welches ja leicht
geschehen können /inbetrachtung / dass beides sein H. Vater und der Bömische
König mit dem Römischen Reiche frieden hätten. Da er ihm zur Antwort gegeben;
Ich hätte es gerne / und mit leichter mühe tuhn können / währen nicht zweierlei
im wege gestanden; als erstlich habe ich gezweifelt ob ich auch noch Eltern /
und einen Ladisla hätte; hernach und vors ander ist diese jetzige Knechtschaft
meiner Seele viel erträglicher und behäglicher als mein ehemahliger Fürstenstand
/ gestaltsam ich hiedurch zur seligen Erkäntnis des einigen wahren Gottes kommen
bin / und mein ehemahliges unruhiges Gewissen dermassen fest geankert habe /dass
die ganze Welt mir so heftigen Sturm nicht erwecken soll / welchen mit hülffe
meines Gottes zuhintertreiben und zu überwinden ich nicht sollte bestand sein.
Ekhard hatte diese Rede teils nicht verstanden /teils vor grossen freuden nicht
beobachtet / sondern ihn gebehten / mit nach seiner Herberge zu gehen /und nach
eingenomenem Frühstücke / heimlich davon zu reiten; welches er ihm vor der Faust
abgeschlagen /einwendend / er würde vielleicht nicht allein seinen Eltern /
sondern auch seinem Ladisla selbst ein ungenehmer Gast sein / wann sie erfahren
sollten / dass er die Teuflischen Abgötter der Teutschen und Böhmen verleugnet /
und dagegen den Christlichen Glauben angenommen hätte; er liebete zwar seine
Eltern und Ladisla von Herzen / könnte aber zu ihnen nicht hinüber reisen / ehe
und bevor er versichert währe / dass sie ihn wegen seines neuen Glaubens nicht
zuhassen /sondern ihm denselben frei zu lassen sich redlich und auffrichtig
erklären würden. Jedoch wahr er mit ihm in die Herberge gangen / woselbst er
zwei Schreiben /eines an mich / das ander an seine Eltern auffgesetzet / und mit
ihm Abscheid genommen / er wollte seiner ehist wieder gewärtig sein / und aus
Ladisla Antwortschreiben schon sehen / wessen er sich zu verhalten hätte. Auch
wahr er des Minutius gewahr worden /den er alsbald gekant / uñ zu ihm gesaget: O
der glückseligen Stunde / in welcher ihr mich zu Rom verkauft habet; weil ich
dadurch zu der einig wahren Glükseligkeit gerahten bin. Nun hatte Ekhard gerne
von ihm wissen wollen / auf was Gasse sein Herr wohnete /und wie dessen Nahme
währe; welches er ihm aber abgeschlagen / mit dem verspreche / er wollte ihn in
diesem Hause schon finden / wann er wieder kommen würde / und könnte er alsdann
seinen Nahmen mit Röhtelstein an die Hausstühr schreiben. So bald diese beiden
wieder bei mir anlangeten / wahr meine erste Frage / ob mein Herkules annoch im
Leben währe; worauff mir Ekhard zur Antwort gab: Das äusserliche an ihm lebet ja
noch / aber das Gemüht ist gar verschlimmert / dass ich ihn kaum vor Fürst
Herkules halten kann; massen es scheinet / als habe die Knechtische Dienstbarkeit
seinen Fürsten-muht gefesselt /und ihm ein SklavenHerz eingegossen. Ich ward
dieser Rede so unwillig / dass ich mich an dem Zeitungs-bringer schier vergriffen
hätte welcher doch auff sein Wort bestund / ich würde es selbst also befinden /
wo sonst das Schreiben mit seinen Reden überein stimmete. Die Auffschrifft hatte
er auff Ekhards Raht nach meinem willen gemacht / aber da ichs brach / wunderte
ich mich nicht wenig des befremdlichen Inhalts. Ich fing an zu lesen / legte es
bald hinweg / und nam es bald wieder zu mir / dann ich kunte vor Herzenprast es
weder durchbringen noch zureissen. Die Hand wahr mir gnug bekant / aber der
Begriff weder nach meinem / noch nach seinem ehmahligen Sinne; uñ weil ichs
nachdem wohl no comma? gelesen / habe ichs von Wort zu Wort behalten / dass ichs
mündlich erzählen kann.
    Dem Durchleuchtigsten Fürsten und Herrn / etc. wünschet der von Gott
erleuchtete Herkules Gottes Barmherzigkeit / zur heilbringenden Erkenntnis des
Christlichen Glaubens. Ich ehmahls unseliger ewig-verdammeter Fürst Herkules /
jezo angenehmes Kind Gottes / wiewol vor der Welt verachteter leibeigener Knecht
Oedemeier / habe /GOtt Lob! GOtt Lob! dereins funden / was mein Herz von Jugend
auff zum höchsten gewünschet; die Erkenntnis des einigen wahren Gottes / und das
erquikliche Seelenliecht / welches meinen blinden Verstand erleuchtet /und mir
den schmalen Weg nach dem Himmel gezeiget hat. O Glük! O Seligkeit! O du
angenehmes Rom! O du süsse Knechtschaft! die mich zum freien HimmelsFürsten
gemacht / und aus dem Rachen des Teuffels und des hellischen Feuers lossgerissen
hat. Verzeihet mir / Durchleuchtigster Fürst / dass ich verstossener Knecht diese
meine hohe Vergnügung vor eurem annoch unverständigem Herzen ausschütte. O JEsus
/ wie erquiklich bistu! O Welt / wie verführisch bistu! O Sünde / wie gräulich
bistu! O Verdamnis / wie erschreklich bistu! Das verführische lerne ich Gott Lob
meiden; das gräuliche / so ich neben euch vor diesem geliebt / hassen; des
erschreklichen bin ich gar los worden / durch die Erkenntnis des
allerkräfftigstsüssen Nahmen JEsus. Die Liebe dieses Nahmens / hat alle
Ehrenpracht und Herligkeit der Welt /zu meinen Füssen geworffen; dann ich sehe
und empfinde / dass ausser diesem JEsus / solches alles ein Dunst und Rauch / ja
eine Rennebahn ist zur hellischen Verdamnis; daher dann mit meinem JEsus ich
viel lieber ein leibeigener Knecht / als ohn ihn ein Käyser des ganzen Erdbodems
sein will. Zwar ich währe annoch herzlich gerne des GrossFürsten aus Teutschland
lieber Sohn; des Böhmischen Fürsten vertraueter Bruder / wann sie meinen JEsus
leiden / und mich deswegen nicht hassen wollten / dass ich das teuflische
Geschmeiss aller Teutschen und anderer falschen Götzen verfluche / und dagegen
den einigen Gott / welchen sie nicht kennen / anbehte und ehre; aber können sie
mir solches nicht gönnen / so verleugne und hasse ich Vater und Mutter / Bruder
und Schwester / auch meinen Ladisla / und begebe mich meines väterlichen Erbes
in Ewigkeit / ob gleich meine leibliche Augen ihre Trähnen täglich vergiessen /
dass ich sie meiden muss. Dieses einzige zuwissen verlanget mich herzlich / ob
Ladisla den jeztbeschriebenen Herkules leiden und lieben / und die alte
Vertrauligkeit mit ihm weiter bauen; ja ob er nicht allein einen Christen umb
sich leiden / sondern dessen geträuem Raht zur Seligkeit auch folgen könne /
damit ich ihn als einen / O weh / O weh! ewig verdamten nicht beweinen müsse.
Nichts suchen meine Trähnen so heftig / als bei Gott zuwirken / dass der teure
Fürst Ladisla / der weltliche Tugend / daran er wohl tuht / so hoch liebt / auch
das himlische Liecht ergreiffen / und den Christlichen Glauben annehmen möge /
welches dann wünschet und flehet desselben ehmaliger geträuer Welt-Bruder /
anjetzo inbrünstiger Vorbitter zu Gott / Odemeier der Leibeigene.
    Nach verlesung musste ich selbst Ekhard fragen / ob er auch der warhafte
Herkules währe / und wann ers währe / ob er dann seinen Verstand und Wiz noch
hätte. O ja / antwortete er; freilich ist ers / aber nicht der vorige; so hat
auch seine angebohrne Leutseligkeit nich abe / sondern treflich zugenommen /
aber seine Reden sind nur von himlischen Dingen / die seinem vorgeben nach er zu
Rom gelernet / und dadurch in die allerhöchste Glükseligkeit versetzet sei; wann
er hierauff zu reden komt / stehet er / als ob sein Geist verzücket werde; die
Augen wissen nicht / wie sie des Herzen Freude gnug wollen zuerkennen geben /
und trieffen ihm mit lauter Freuden-Trähnen. Einen fremden Nahmen / JEsus /
führet er viel im Munde / und wann er ihn nennet / bewäget sich sein innerstes.
Er beuget die Knie / er falzet die Hände / er schläget die Augen auff gen Himmel
/ und meinte ich in der Warheit nicht anders / als dass ich einen Engel vor mir
stehen sähe. Es muss ja eine sonderliche Kraft in diesem Nahmen sein; dann wañ er
ihn nennete / klang er mir in den Ohren so lieblich / und mein Herz bewägete
sich in meinem Leibe / dass ich schier willens wahr /ihn zu bitten / dass er mir
sagen möchte / was diss vor ein süsser Nahme währe. Aber diese Erzählung wollte
bei mir nicht wirken / sondern meinte gänzlich /Herkules müste durch Zauberei
auff diesen Weg gebracht sein; machete mich demnach zu einem gelehrten Römer /
meinem guten bekanten / und gab ihm zuverstehen / ich würde berichtet / dass zu
Rom ein neuer Glaube sein / und die sich darzu bekenneten /Christen sollten
genennet werden / welche einen fremden Nahmen / JEsus / viel im Munde führeten.
Aber dieser mahlete mir die Christen (wiewol mit höchster Unwarheit) solcher
gestalt ab / dass ich mich davor entsetzete; nehmlich / es währe derselbe JEsus
ein verführischer Jude gewesen / hätte durch teuflische Künste (Gott verzeihe
mir die lügenhafte Erzählung) viel Wunderzeichen sehen lassen; noch hätten die
verführete so fest an ihm gehalten / dass nach seinem Tode sie sich durch alle
Länder ausgebreitet / und vorgeben dürffen / der erhenkete JEsus währe wieder
lebendig worden / und gen Himmel gefahren; Ja /sagte er / sie dürffen zu Rom
selbst sich finden lassen / da sie frühzeitig eingenestet / und verführen
daselbst mañichen Menschen / Adel und Unadel; und ob man gleich viel Mühe
anwendet / sie abzuschaffen / ist es doch bisher vergeblich gewesen. Man saget
sonsten von diesen Leuten sehr abscheuhliche Dinge / und unerhörete Schande /
welche sie in ihren Versamlungen in grosser geheim begehen sollen / dass auch die
Götter / die von ihnen nur verspottet und geschändet werden / ihretalben
manniche straffen über Rom und ihre Länder ausgegossen haben / und die Obrigkeit
nicht umhin können / das Schwert über sie zuzücken /und als das
allerschädlichste Unkraut sie auszurotten. Wie? fragete ich; hat man sie dann
nicht dämpffen /und im ersten Grase abhauen können / ehe sie den reiffen
UnkrautsSamen überal streueten? Man hat es oft versuchet / gab er zur Antwort /
und sie bei hundert und tausenden hingerichtet / dass die Menge fast unzählig
ist; aber nichts hats gewirket; dann dieser Gift ist viel zustränge. Höret mein
Herr / ich habe es mit meinen Augen nicht ein / sondern wohl hundert mal
angesehen / fuhr er fort / dass wann ein Christ zu der allergrausamsten Pein
hingeführet wird / er nicht allein freudig als zum Tanze dahin ging / sondern
seine Glaubensgenossen / die umb ihn wahren / vermahneten ihn zur Bestendigkeit
/ er sollte den kurzen Tod und Fleisches Leiden nicht fürchten / sondern um des
Nahmen JEsus willen alles gerne ausstehen; und wann diese Tröster mit
angegriffen wurden / wegerten sie sich dessen nicht / sondern wahren alsbald
fertig /sungen und behteten mit / nicht allein erwachsene Mannesbilder / sondern
auch Weiber / Jungfrauen /Knaben / Mägdlein / Herr und Knecht durcheinander
/erzeigen hie gleichen Muht / und lassen sich immerhin henken / köpfen / brennen
/ kreuzigen / geisseln /und auff der Folter recken / biss ihnen die Seele
ausfähret dann hiedurch / sprechen sie / werde ihnen eine unvergängliche Krone
aufgesetzet / dass sie mit ihrem Gott ewig herschen sollen. Verwundert mein Herr
sich dessen? ich sage ihm mehr / welches viel tausend mit mir bezeugen müssen;
oft wann diese an ihrem Leibe dergestalt zugerichtet werden / dass man abscheuh
daran träget / bitten sie GOtt vor die / so ihnen solches antuhn / und werden
oft unter den Zusehern etliche durch ihre beständigkeit bewogen / alsbald zu
ihnen zutreten. Ists nicht zuverwundern? wann der Richter auf dem Stuel sitzet /
die Henkersknechte neben sich hat / und die Urtel über die Christen ausspricht /
komen andere mit hauffen herzugelauffen / uñ melde sich an / sie sein auch
Christen; Dann sie halten die Verleugnung ihres Glaubens vor die
allerschreklichste Sünde / die ein Mensch begehen könne. Daher ists oft kommen
/ dass der Richter hat müssen auffhören die Urtel zuvolstrecken / damit die
Landschaften von Leuten und Inwohnern nicht gar öde würden. Was der Käyser und
seine Grossen oft vor Mühe hiemit gehabt / stehet nicht auszusagen /aber
endlich hat man befunden / dass der Christenhauffe durch Verfolgung nur zunehme;
dann auch der Römische Raht selbst hat unter sich / die diesem Glauben zugetahn
sind; der jetzige Käyser Alexander gönnet ihnen Ruhe / und hält ihren JEsus mit
vor einen Gott; aber weil er andere Neben-Götter hat /wird er nicht vor eine
Christen gehalten / wiewol seine Mutter Fr. Mammea eine Christin sein soll. Ich
erschrak dieser Erzählung sehr hart / und hielt meiner damahligen Meinung nach /
das Christentuhm vor eine lautere Bezauberung / welche des Menschen Wiz und
Verstand hinweg nähme / fragete auch / ob man dañ kein einiges Mittel wüste /
ihrer etliche von dieser Verführung abzubringen. Ja / sagte er / es begibt sich
oft / dass man etliche / die in dem Irtuhm nicht so gar tieff ersoffen / mit
harter Bedräuung und angelegter Pein / auch Unterweisung der Gelehrten / wieder
zurechte bringt; aber die sind mehrenteils die ganze Zeit ihres Lebens traurig
/ und gehen / als währen sie erschlagen; komt ein Christ zu ihnen / der ihnen
Hoffnung machet / ihr JEsus wolle sie wieder annehmen /da geht es dann
tausendmahl heftiger als vorhin /lauffen ungefodert nach dem Richter / und
bekeñen /dass sie durch vorige Verläugnung sich hoch versündiget haben; Zeuhet
man sie dann zur Straffe / so gehen sie mit grösserer Freude zum Tode / als eine
Jungfer zum Tanze; Jedoch haben wir etliche / die nicht allein vom Christentuhm
wieder abgetreten sind / sondern auch beständig bei uns verharret / und den
Christen viel Schimpffs angelegt haben. Ich kunte der Erzählung länger nicht
zuhören / sondern stellete ein Schreiben an Herkules / in welchem ich ihm hart
verwies / dz er mir den BruderNahmen entzogen hätte; seine Knechtschaft irrete
mich nicht / nur trüge ich ein herzliches Mitleiden mit ihm / dass er durch den
neuen Aberglauben bezäubert / und seines unvergleichlichen Fürstenmuhts beraubet
währe / hoffete /er würde davon abstehen / der Pfafferei sich entschlagen / und
aller Ungebührligkeit / die den Christen einhellig nachgesagt würde / müssig
gehen / damit er nicht als ein Ubeltähter dürffte hingerichtet werden. Seiner
angenehmen Antwort hierauff wollte ich erwarten / in welcher er des weitläufftige
Predigens sich entalten / und mir schreiben möchte / ob er Ritterlichen übungen
den Kauf noch nicht gar aufgesagt /dann wollte ich bald bei ihm sein / ihn der
Leibeigenschaft benehmen / und was weiter anzufangen währe / mit ihm abreden.
Das Schreiben / so er an seine Herr Vater getahn / liess ich nach Aquileia
bringen / von dannen es nach Teutschland kam / woran ich doch unweisslich
handelte; dann so bald der GrossFürst es gelesen / und seines Sohns Christentuhm
/ auch dass er die Teutschen Götter so heftig schalt / vernommen /hat ers mit
seinen Pfaffen und ädlen in Raht gezogen /sich heftig darüber geeifert / und
meinen Herkules des Erbes entsetzet / biss dahin er sich eines andern bedenken /
und den Göttern vor erwiesenen Schimpff Abtrag machen würde. Solches hat er ihm
nach Rom zugeschrieben / welches er auch vor meiner Ankunft daselbst /
empfangen hat. Mein AntwortSchreiben sendete ich ihm bei Ekhard schleunig zu /
und stiess mir folgenden Tages ein Glük zur hand / welches zu seiner Befreiung
mir hernach wohl dienete. Es gab sich ein gewaltiger Pannonier in unserm Lager an
/ der nach abgelegter Werbung / wozu er ausgeschikt wahr / mit schimpfflichen
Worten fragete / ob nicht etwa ein streitbahrer Römer Lust hätte / einen Gang
mit ihm zu Ross oder zu Fuss zuwagen / möchte er dessen Manheit gerne empfinden;
Bald liess sich ein Häuptman angeben / welcher den Schwertstreit zufusse mit ihm
antrat / aber den kürzern zog / so dass dieser unverletzet blieb; dessen er sich
nicht wenig rühmete. Solches verdross einen Römischen Ritmeister heftig /setzete
sich zu Pferde / und foderte ihn aus; hatte aber schlechter Glük als der vorige
/ massen er mit dem Speer durch den Unterleib gerennet ward / dass er des andern
Tages verschied. Unser Feldherr Dio ward dessen sehr betrübet / dass die seinen
solchen Schimpf einlegeten / da hingegen des Pannoniers Troz nur zunam / weil er
seine Streiche sehr ungeheur führete. Der verwundete wahr mein sonderlicher
Freund / welcher / als ich ihm auffhalff / fragete / ob niemand ihn rächen
wollte. Dio selbst trat hinzu / und taht Verheissung / der Uberwinder an diesem
Pannonier sollte einer sonderlichen Römischen Gnade gewärtig sein; daher ich mich
erboht einen Versuch mit ihm zutuhn; wovor er mich nicht düchtig ansah; welches
mir nit wenig zu Häupte stieg / und mich daher erklärete /weil ich nur ein
FreiReuter währe / und keine Römische Gelder höbe / dem Pannonier vor mich
selbst nachzufolgen / und mein Heil an ihm zuversuchen /dero behuef ich von
meinem Ritmeister Erlassung begehrete; worauf mir der Kampf gerne erläubet ward;
ging hin zu dem Trotzer / und sagete: Nicht deine Manheit / sondern der blosse
Unfall hat deine Gegener erleget / und wann mirs nicht schimpflich währe /einen
auszufodern / der schon mit zween gekämpffet /müstestu oder ich der dritte
erleget sein. Ja / antwortete er mir / wann du dich selb ander stellen wilt /
will ich dir zugefallen sein / weil du in deiner Jugend so viel herzens hast /
dich mit einem Manne zuschlagen. Nun höre ich / sagte ich hinwieder / dass in dir
weder Tugend noch scham ist / weil du die Ruhmrätigkeit zum Schilde brauchest /
darumb mache dir die gewisse Rechnung / dass du mit mir an den Tanz must; hastu
dich aber heut abgemattet / so ruhe aus biss morgen früh / länger gebe ich dir
keine frist. Dio selbst liess mir treffliche Waffen / und ein festes Pferd
bringen / und sagte zu mir: Teutscher Ritter / dafern euer Nahme Winnibald mit
der Taht einstimmen soll / werdet ihr den schönen Sieg bald gewinnen / wozu ich
euch Glük will gewünschet haben. Der Pannonier aber hielt meine Rede vor gar zu
trotzig / und fing an / sich bedraulich vernehmen zulassen / wie er mich
zurichten wollte; dessen ich wenig achtete / die Waffen anlegete / und ihn mit
diesen Worten anredete: Lass nun sehen / ob dein Speer und Säbel so wohl stossen
und schneiden kann / als dein Maul gross sprechen; Wir begegneten einander zum
drittenmahl / ohn einigen Sattelwank / aber im vierden Satze half mir das Glük
/dass er stürzete / und sich doch wieder zu Pferde setzete / ehe ich bei ihm
anlangete. Da mussten nun die Schwerter nicht feiern / und trieben wir uns eine
halbe Stunde umb / dass das Blut beiderseits sich sehen liess / biss endlich ich
ihm den Helm lösete / und mit einem Schnitte ihm die Gurgel öffnete / dass er
ruhig ward / wiewol ich zwo zimliche Fleischwunden davon brachte. Nach
erhaltener überwindung warff Dio mir eine trefliche Kette umb den Hals / und
nante mich den Teutschen Sieger / versprach mir das Römische BürgerRecht / und
machte mich zum Ritmeister an des tödlich verwundeten Platz / der seinen Feind
noch vor seinem Ende stürzen sah / und aus Dankbarkeit mir sein Leibpferd /
welches überaus wohl gewand wahr / vermachete. So bald ich verbunden wahr / nam
ich meines Herkules Erlösung in acht / und setzete ein Schreiben auff an Herrn
Dio / in welchem ich untertähnig baht / mir mit einer Vorschrifft behülflich
zusein / dass mein zu Rom verkauffter naher Anverwanter mir gege Erlegung eines
gnugsamen Lösegeldes / unwegerlich möchte abgefolget werden / weil er nit im
Streite gefangen / sondern durch Räuberhand entführet wäre / gleich da er mit
mir auf der Reise gewesen / sich in Römische Dienste zubegeben. Worauff er mir
einen offenen Brief an Käyserl. Hocheit zustellete / dieses Inhalts:
    Demnach Zeiger dieses / Winnibald / Teutscher ädler Ritter einen verwägenen
Pannonier im absonderlichen Kampff ritterlich erleget / und dadurch verdienet
hat / dass er nicht allein mit dem Römischen Bürgerrecht / sondern auch andern
Käyserlichen Gnaden angesehen werde /und aber zur Erstattung seiner Dienste /
nur seines ohn ursach gefangenen und verkaufften Freundes Oedemeiers Erlös- und
Befreiung bittet / als wird Käyserl. Hocheit hiemit von mir untergezeichnetem
alleruntertähnigst ersuchet / ihm darin allergnädigste Hülffe zuleisten / welche
ich wohl versichere / dass Zeit meiner Feld Herrschaft ein so grosser Trotzer und
verwägener Pannonier sich nicht finden lassen / als der durch dieses ädlen
Ritters sieghafte Faust gebendiget und erschlagen ist; sollte aber Käyserl.
Hochheit nicht belieben / das Lösegeld aus gemeinem Seckel zuerlegen / erbiete
ich mich / es von dem meinen als eine schuldige Dankbarkeit auszuzahlen. Dio.
    Als ich an meinen Wunden genesen wahr / stellete Ekhard sich wieder ein /
berichtete / wie höchlich Herkules über meiner unverrükten Liebe sich erfreuete
/ und lieferte mir sein Schreiben / ohngefehr dieses Inhalts: Seine Seele hätte
die höchste Erquickung aus meiner beharlichen brüderlichen Gewogenheit
eingenommen / weil ihm doch unmöglich währe / seinen Ladisla nicht zulieben. Dass
ich seinen heilsamen Christlichen Glauben vor eine Zauberei hielte / legte er
nicht meiner Bosheit / sondern Unwissenheit zu /welche sein HErr JEsus mir
gnädig verzeihen würde; dz er aber davon abzustehen / von mir angesucht währe /
könnte er nach meinem Willen nicht beantworten / hätte doch seines Muhts und
herzens noch das allergeringste nicht verloren / sondern währe willens / der
Ritterschaft nachzuziehen / so bald ihm nur Antwort von seinem Herr Vater
zukähme / und möchte ich die Gedanken ja nicht fassen / als ob ein Christ mit
einem UnChristen nicht könnte weltliche Vertrauligkeit haben; Ich sollte nach
belieben nur kommen /dann würde ich spüren / dass er keiner Ungebührligkeit
anhinge / deren ich ihn beschuldigte / und würde Ekhard mir eine Herberge /
gerade gegen seiner Wohnung über / zeigen / dahinein ich mich legen könnte. Ich
bildete mir ein / mein Schreiben hätte ihn schon weicher gemacht / dass er vom
Christentuhm könnte abgebracht werden / insonderheit / weil Ekhard mich
berichtete / er hätte ihn etwas milder als vorhin befunden; welches mich hoffen
machete / ich würde vor meiner Ankunft zu Rom / ihn gar davon abschrecken können
/ und schickete ihm ein bedrauliches Schreiben zu / dieses Inhalts: Ich müste
leider mit Schmerzen vernehmen / wie er añoch mit der neuen Tohrheit (ach so
schrieb ich ja) behaftet / seine vorige Liebe zu seinen Land-Göttern nicht
hervor suchen könnte /dessen ich mich zu ihm nicht versehen; seines Herrn Vaters
Antwort / dafern er demselben seinen Glauben hätte kund getahn / wollte ich ihm
wohl vorher sagen /nehmlich / er würde ihn als einen Abtrünnigen und Verleugner
seiner Götter verfolgen / und vor seiner Bekehrung ihn vor keinen Sohn erkennen
nur wenig ich mich zu ihm einiger bestendigen vertrauligkeit versehen könnte;
wollte demnoch hoffen / er würde angesichts dieses / seinen Sinn endern / die
verzauberte Neuerung ganz ablegen / und mir nicht Ursach geben / ihm bei der
Römischen darzu verordneten Obrigkeit anzumelden / dass er durch Zwangmittel
gehalten würde / dem guten zu folgen / und die verfluchte Gesellschaft der
Verächter aller alten Götter zu meiden. Ekhard musste hiemit schleunig fort / dem
ich des folgenden Tages mit Minutius folgete. Aber O wunder! dieses mein
Schreiben war Herkules gleich so angenehm gewesen / als hätte ich ihm die
freundlichste Antwort zuentbohten. Nun nun / mein lieber Ekhard /hatte er gesagt
/ ich habe nicht unterlassen wollen /meiner Eltern und geliebten Bruders Ladisla
Seligkeit zu suchen; kann ichs dañ nicht erhalten / O so schicke du es / mein
Heiland / nach meinem Tode / dass ich sie nur nicht in der Helle möge verderben
sehen. Damit wahren ihm die Trähnen häuffig aus den Augen hervorgeschossen /
hatte sich endlich wieder erhohlet / und zur schliesslichen Antwort gegeben: Ich
sehe aus meines Ladisla Schreiben / dass er gesonnen sei / wegen meines
Christentuhms mich bei der Obrigkeit anzuklagen; ja ja / wie es meinem Gott
gefället / bin ich zu frieden; und O wie mit freudigem Herzen will ich zu der
Hochzeit des Lammes mich einstellen /und mitten in der Feuersglut nicht
unterlassen / vor ihn zu bitten / dass er von Gott möge bekehret werden. Reitet
ihr nur hin / mein Ekhard / und saget / dass mein Herzlieber Bruder Ladisla nicht
seume / sondern sich bald herzu mache / und dass ich durch meines Gottes Beistand
geschikt sei / umb des nahmens JEsus willen / gehenkt / versenkt / erkränkt /
geschunden / gebraten / und durch alle Pein hingerichtet zu werden; dann
hiedurch wird mir auffgesezt / nicht eine irdische und vergängliche / sondern
eine himlische ewige Krone / da ich in der Zahl aller ausserwählten / mit
höchstem Schmuk angetahn / über Welt /Sünde / Tod und Helle den ewigen
Sieges-dank erhalten und davon bringen werde. So komm nur bald mein Bruder
Ladisla / dass ich durch dein angeben die geistliche Ritterschaft ehist vollenden
möge. Dieses alle hatte er mit solcher freudigkeit vorgebracht / dz Ekhard
anders nicht gemeinet / dann es redete ein Engel Gottes mit ihm / hatte ihm auch
wegen Herzens bewägung in guter Zeit nicht antworten können / doch endlich zu
ihm gesagt: Durchleuchtigster Fürst; wer wollte eure Gn. zu solchem
erschreklichen Tode befodern? meint  die / dass Fürst Ladisla zum Wolfe oder
Bähren worden sei? Nein / er ist schon auff der Reise / seinen herzlieben Bruder
Fürst Herkules zubesuchen / nach welchem in das Verlangen nunmehr anderhalb Jahr
fast zu Tode gequälet hat. Kein Mensch ist mir mehr wilkomen / als mein Ladisla
/ hatte er geantwortet / aber reitet ihm entgegen / und meldet ihm an / ich
lasse ihn durch unsere ehmalige inbrünstige Liebe bitlich eriñern / er wolle
auff seine ankunft alles nach belieben anstellen / aber dafern er durch
schimpfliche Reden oder lästerunge wieder meinen Gott mich zubeleidigen willens
ist / solle er sich meines Angesichts entalten / damit ich nicht gezwungen
werde / ihm tähtlich sehen zulassen / wie viel mehr und höher ich Gottes Ehr als
Menschen Liebe achte; dann weder er noch kein ander Mensch bilde sich ja nicht
ein / dass ich solches mit geduldigen Ohren anhören werde. Als Ekhard mir dieses
alles erzählete / ward ich durch Liebe und erbarmung dergestalt eingenommen /
dass mein Herz im Leibe auffwallete / daher ich sagete; der Brieff müsse
verflucht sein / welcher meinem Herkules den Willen zusterben / und mir zu
dräuen Ursach gegeben hat. Nam mir auch gänzlich vor / ihm des Glaubens wegen
weiters nicht einzureden / und wahr nur darauff bedacht / wie ich von ihm die
Freiheit meines Heidentuhms / unser Freundschaft ungetrennet / erhalten möchte;
ritte ohn auffhören fort / dass ich des andern Tages nach Ekhards wiederkunft zu
Rom anlangete / uñ in die bezeichnete Herberge mich einlegete. Nach einer Stunde
sah ich ihn aus dem Hause gegen über / in adelicher Kleidung reiten / dann er
musste ein Pferd tummeln / welches er treflich abgerichtet / und sein Herr meinem
FeldHerrn Dio zum Geschenke senden wollte. Ekhard musste sich auf der Gasse zeigen
/ daher er sich meiner Ankunft alsbald vermuhten wahr / ritte auch kurz darauff
das Pferd wieder hinein / und trat in seine HaussTühr mit überaus freidigem
gemühte. Ich ging gleich mit meinem Hausswirt unten im Hause umbher / welcher zu
mir sagete: Mein Herr / sehet dorten meines Nachbars Leibeigenen / des gleichen
in ganz Rom nicht zu finden ist; jederman verwundert sich seiner Schönheit
/Geschikligkeit / uñ unvergleichliche Art / uñ haben grosse Herrn umb ihn / mit
darbietung ansehnlicher Gelder angehalten / aber Zinna sein Herr / will ihn
durchaus nicht folgen lassen. Ihr saget recht / antwortete ich / dass seines
gleichen / Käysers Hocheit aussgenommen / in ganz Rom nicht ist / es wird aber
Herr Zinna mir ihn schon aussfolgen lassen müssen / als der ich ohn zweifel das
näheste Recht zu ihm habe / der dann trauen des Geblüts nicht ist / dass er Zinna
oder einigem Menschen vor Leibeigen aufwarten sollte /nachdem er mannich tausend
freie Leute zu Untertahnen hat. Ich habe den Jüngling / sagte der Wirt /
allemahl vor Hochädel angesehen / aber von Zinna wird er übel zu bringen sein.
So getraue ich aber / sagte ich / er werde sich nicht lange wiedersetzen / dann
ich habe Käyserl. Hocheit selbst an der Hand; kunte auch mein Herz länger nicht
abhalten / sondern lieff zu ihm hinüber; und als er mich kommen sah / trat er
zu seines Herrn Tühr mit trähnenden Augen hinein da wir uns herzlich umbfingen /
und vor inniglichster bewägung kein Wort sprechen kunten / biss er endlich
sagete; Herzallerliebster Bruder / bistu kommen / deine Dräuung zuerfüllen / so
handele nach deinem belieben; nur schilt mir ja meinen Gott nicht in meiner
Gegenwart / dass ich nicht Ursach haben möge / dich zu hassen; kanstu dessen dich
entalten / so gönne mir nur drei Tage / mich an dir zuergetzen / dañ soltu
erfahren / wie freidig und getrost ich sein werde / umb meines Gottes / umb
meines allergütigsten Gottes und seines Sohns JEsus willen zusterben. Ich gab
ihm mit gebrochener Rede zur Antwort: Herzlieber Bruder /kränke doch deinen
ergebenen mit solcher herzens Angst nicht; mein unbedachtsames Schreiben habe
ich äusserst verfluchet / dann wer dich tödten wollte müste mir den Hals zugleich
mit brechen / ob ich gleich in deinen neuen Glauben nicht gehehlen kann; hoffe
aber / du werdest mir meine alten Götter frei gönnen / alsdañ soltu eben wenig
von mir in deinem Gottesdienste gehindert werden / nur dass unsere Herzen mögen
verbunden bleiben / wie sie von anfang her gewesen sind / und du sehr wohl weist
/ dass deine Seele meines Lebens einige Ergezligkeit und auffentalt ist.
Hiedurch ward nun mein Herkules dergestalt erfreuet / dass er nicht wusste / wie
freundlich er sich gegen mich halten sollte / und kunten wir des küssens und
umbfahens nicht müde werden. Hierzu kam die HaussJungfer Zezilia / und als sie
solches unser unnachlässiges küssen sah / sagte sie: Mein Oedemeier / was habt
ihr da vor einen lieben Freund angetroffen /dessen beginnen mich fast in meiner
Meinung stärken dörfte / dass ihr nicht ein Mann / sondern Weibesbild währet. Ich
trat alsbalb zu ihr hin / uñ nach geleistetem Handkusse antwortete ich; Hochädle
Jungfer /dass ich Oedermeier lieber Freund bin / können weder er noch ich in
abrede sein; weil ich dann seinen jetzigen knechtischen Zustand nach langer
forschung endlich erfahren / habe in ansehung unser nahen Blutfreundschaft ich
nicht umbhin gekunt / mich hieher zu machen / damit er seiner Leibeigenschaft
entoben /in seinen angebohrnen freien und Hochädlen Stand wieder gesezt werde.
Sie antwortete mir kein Wort /nur dass sie sagete: O Oedemeier Oedemeier / wie
habt ihr mir eine Nase gemacht! muss man gute Freunde so äffen? ging hiemit hin
zu ihrem Vater / und brachte vor / es währe ein fremder Ritter ankommen /welcher
vorgeben dürfte / Oedemeier währe ein freigebohrner Herr von hohem Adel / den er
wieder los haben wollte kam auch bald wieder mit ihm her / und fing Zinna mit
sauren Geberden an zu fragen / wer so kühn währe / seines Leibeigenen halben
Einsprache zu tuhn. Derselbe bin ich / gab ich zur Antwort / und hoffe leicht
zuerhalten / dass er mir gegen darlegung seiner verschlossenen Gelder meinen
geliebten Hochfreigebohrnen / uñ durch Räuber Hände entführeten Oheim folgen
lasse. Er hingegen schnarchete immerfort / ich sollte mich ja bei zeiten packen;
er wüste schon mittel / seine Diener vor dergleiche Ansprenger zu schützen; und
da sein Oedemeier die guten Tage länger nicht ertragen könnte / sollten ihm
schlimmere gnug folgen. Ich gab hierauf der freundlichen Worte auch nicht viel
von mir; Was? sagte ich / bin ich ein Ansprenger? und dürffet meinem Oheim noch
dräuen? habt ihr ihn etwa gnädig gehalten / seid ihr solches /in ansehung seiner
Tugend und hohen Standes schuldig gewesen; und mache mein Herr mir nur nicht
viel pochens; ich frage ihn nur / ob er von mir die aussgelegeten Gelder wieder
empfangen / oder meinen Oheim lieber durch Römische Käyserl. macht will
lossgesprochen haben? diese Wahl gebe ich ihm aus blosser freigebigkeit / dessen
er diesen Brieff / von meinem Gn. FeldHerrn Dio selbst geschrieben und
untersiegelt / zum Zeugnis lesen mag; reichete ihm denselben / welchen er mit
grosser betrübnis lase / auch alsbald nähern kauff gab / und mir antwortete: Ich
erkenne billich des Römischen FeldHerrn Vorschrifft / bin auch nicht der Meinung
/ mich euch / als einem wolverdienten meines Vaterlandes / zu wiedersetzen; weil
ich aber gleich jetzo einen auff der Gasse gesehen /der mir diesen Jüngling vor
leibeigen verkauft hat /will ich schon wissen / mich an ihm zuerhohlen. An diesem
/ sagte ich / werdet ihr wenig gewinnen / als welcher in Römischen diensten /
und mein bestalter Reuter-Fähndrich ist / sehe auch nicht / wie ihr dessen
Ursach habt / in dem ich mich schon erbohten die Gelder von dem meinen willig
zuerlegen / und dass ihr euch nicht zubeschweren habt / will ich alles / was er an
Kleidern und Zehrung euch gekostest / vierdoppelt bezahlen / damit ihr sehen
möget / ihr habt keinen Betler an ihm gehabt / sondern der euch mit allen euren
Gütern von dem minstenteil seiner Auffkünfte leicht eigen kauffen sollte; werdet
ihr euch nun willig finden lassen / könnet ihr die Gelder stündlich empfangen /
auff welchen fall ich nicht willens bin / Käyserl. Hocheit einigerlei weise
zubemühen. Als er dieses hörete / gab er zur Antwort; Ihr seid ungezweiffelt ein
redlicher Ritter / und gebet eure Liebe zu eurem Oheim gnugsam an den Tag; wie
gerne ich nun gleich meinen Oedemeier behielte / müste mir doch von herzen leid
sein / dass ein so ädles Herz mit leibeigenschaft weiters sollte belegt werden /
würde mich auch viel anders gegen ihn bezeiget haben / wann sein Hochädler Stand
/ an welchem ich gar nicht zweiffele / mir währe bekant gewesen. Zwar was vor
einen guten Willen ihm zubezeigen / zeigen / ich etliche Tage vorgehabt / ist
unnöhtig / und zu späht zuerzählen; damit aber ich in der Taht sehen lasse / wie
gewogen ich ihm bin / so schenke ich ihm nicht allein seine Freiheit ohn entgelt
wieder / sondern er soll von mir 8000 Kronen zur verehrung gewärtig sein; damit
ich verhoffe zuersetzen / was ich ehmahls verbrochen habe. Ich bedankete mich
des guten Willen / und angebohtenen Geschenks / mit anzeige / dass ich wohl wüste
/ mein Freund / dessen ertichteter Nahme Oedemeier währe / solches nicht
annehmen würde. Und weil Ekhard mit 5000 Kronen sich einstellete / liess ich
dieselben Herkules zun füssen setzen / und sagete zu ihm; Mein wirdigster Bruder
/ schaffe du hiemit deinen Willen. Fr. Sulpizia / Herrn Zinna Gemahl kam auch
hinzu gegangen / und verwunderte sich sehr über dieser begebnis / da Herkules
diese Rede anfing: Hochgeehrter Herr Zinna / auch tugendreiche Fr. Sulpizia und
JungferZezilia; dass diese Zeit über ich den Unfall meiner Knechtschaft geduldig
ertragen / ist unter andern auch diese Ursach / dass ihrer sämtlichen gewogenheit
ich wohl genossen / und fast wie ein leiblich Kind gehalten bin; wovor ich mich
dienstlich bedanke / nebest dem erbieten / schier dereins gelegenheit zu suchen
/ was gestalt solche woltahten vergolten werden. Wann dann der allerhöchste Gott
es vor dissmahl also füget / dass ich meine vorige Ritter- und adeliche Freiheit
wieder antreten soll / und mein werter Herr Zinna nicht allein darein williget /
sondern mir dieselbe ohn entgelt zustellet / so erkenne ich daher seine
Gewogenheit umb so viel klärer / unter der Hoffnung / mein Herr werde mir
vergünstigen /dass ich dieses gegenwärtige / meinen hochwerten Freundinnen Fr.
Sulpizien / und Jungfer Zezilien zum Gedächtnis meiner geleisteteten
Dienstbarkeit / und nunmehr angebohtenen Freundschaft einliefern möge. Reichete
hiemit einer jeden einen Beutel von 2500 Kronen mit diesen Worten: Ich ihr
bereitwilliger Diener / bitte sehr / mir dieses geringe nicht ausszuschlagen /
auch da deren Willen ich wegen unvermögens allemahl nicht erfüllen können /
grossgünstig zu übersehen. Sie wegerten sich dessen aber / biss ich mit hinzutrat
/ und Herrn Zinna freundlich ersuchete / eine Vorbitte bei den lieben seinigen
zutuhn / dass sie meinem Freunde die erste Bitte in seiner wieder erlangeten
Freiheit nicht abschlagen möchten; worauff ers gerne zuliess / und die Frau also
antwortete; Herr Oedemeier; eure höfliche Tugend hat nichts als gewogenheit
verdienen können; aber sehr ungütlich hat er bei uns gehandelt / dass er seinen
Stand und Wesen so gar ungemeldet gelassen. Es ist geschehen / sagte Herr Zinna
/ und wünsche ich nur / dass das ergangene allerdinge möge beiderseits können
vergessen werden / damit die folgende Freundschaft desto gewisser bestehe.
Inzwischen reichete ich der Frauen und Jungfer zwei zimliche Kleinot ein / da
Zinna / seinen guten Willen sehen zulassen / der Tochter befahl / ihres
verstorbenen ältesten Bruders bestes Kleid Oedemeiern zu hohlen; welches sie ihm
mit diesen Worten einreichete: Sehet da Herr Oedemeier / kleidet euch nun eurem
Stande in etwas gemäss / und erinnert euch eurer Schuld / mit euch selbst / und
zugleich mit mir abtrag zumachen / dass ihr euch selbst geschmähet /und mich
gehöhnet / dann ich spüre wohl / dass ihr der Verlobete nicht seid. Er aber
empfing es mit hoher ehrerbietung / welches wir etwas abgefernet sahen /aber
ihre Reden nicht hören kunten; da er ihr geantwortet hatte: Er hätte sich
befahret / die Erkäntnis seines Standes möchte ihm schädlich sein / und weil er
ein ertichteter Oedemeier gewesen / hätte er ihm auch seines knechtischen
Standes wirdige Eltern richten müssen; sonst währe er gewisslich ein Verlobeter;
ging hierauff in eine Kammer / und legete sich daselbst an. Die Frau nahm ihren
Abtrit / die Mahlzeit anrichten zulassen; und fragete Zinna nach unsers
Kriegsheers Beschaffenheit / biss Herkules wieder kam / uñ nach seiner ehmaligen
Fürstlichen Art daher trat; worüber die gute Jungfer sich dermassen in ihn
verliebete / dass sie die Flammen nicht bergen kunte /und ihr Vater selbst
merkete / dass des Herzen Feur ihr durch die Augen leuchtete; welcher mich sehr
baht /ihm Oedemeiers Stand etwas eigentlicher zuberichten / weil er sich
allemahl vor einen Unädlen ausgeben; Worauff ich kürzlich antwortete: Er würde
seinem treflichen Verstande nach / solches aus hochwichtigen Ursachen getahn
haben; sonst möchte er mir gläuben /dass er ein sehr vornehmer Teutscher Herr
währe / der in wenig Stunden viel tausend Reuter ins Feld führen könnte / die
seine angebohrne Untertahnen währen; hätte auch schon eine Feld-Herschaft über
40000 Mann bedienet / wie jung er anzusehen währe. Ich hätte mich des ersten
billich vermuhten sollen / sagte er / dann alles sein tuhn und vornehmen /
sonderlich zu Pferde / stehet ihm ungleich anders / als einem Bereiter an.
Jungfer Zezilia hörete meiner Erzählung fleissig zu / und meinte / den Frisch
schon gefangen haben / der grösser als ihr ganzes Meer wahr. Bei der Mahlzeit
wurden wir treflich bedienet / insonderheit von dem Frauenzimmer / ohn zweifel
ihre Dankbarkeit an den Tag zugeben. Hernach nöhtigte mich Herkules / seine
Pferdezucht zubesehen / die er eine zeit her abgerichtet / da ich im Mahrstalle
alles dermassen ordentlich fand / dass es nicht zuverbessern wahr; Es stunden 24
Reitpferde allerhand Farben in der Ordnung / welche / wann er ihnen zurief /
zuwrinschen /und mit den Füssen zukratzen anfingen / und wahren Zinna vor 34000
Kronen nicht feile / welcher gestund / dass er über 40000 Kronen aus Pferden
gelöset / die ihm Oedemeier abgerichtet. Er hatte es aber mit seiner Frauen und
Tochter abgeredet / dass sie uns die drei besten mit allem Zubehör schenketen /
welche wir auch zu dank annamen. Herkules kunte der guten Zezilien nicht nach
ihrem Willen stete Unterredung gönnen / weil ich meinen Anteil auch an ihm haben
wollte / und wahr uns nicht wenig verdriesslich / dass man unsertwegen eine grosse
Gästerei auf folgenden Tag anstellen wollte / welches abzuwehren / wir vorgaben
/morgen sehr früh nach dem Heer zureifen / weil ich nicht länger Urlaub hätte.
Bei dem Abendmahle ging das nöhtigen wieder an / und schenkete das Frauenzimmer
uns schöne güldene Ringe zum Gedächtnis /welches wir mit gleichmässigem
vergolten. Hernach wollte man uns in absonderliche Schlafkammern legen / und
kunten wir kaum erhalten / dass man uns beisammen schlaffen liess. Ich erfuhr
diese Nacht / worinnen meines Herkules sein Christentuhm bestund / da er etliche
Stunden auff blosser Erde in seinem Gebeht verharrete / und vor die Erlösung von
dem knechtischen Joche seinem Heiland dankete. Früh morgens machete Ekhard
unsere Pferde fertig / und ob man uns gleich auff das Frühstük nöhtigte / wollten
wir doch nicht einwilligen / sondern ritten weit zur Stadt hinein / und legeten
uns bei einem Wirt / Sabihn genand / dz sie von uns nichts erfahren sollten.
Ekhard musste alsbald nach Teutschland / und Herkules Eltern die Zeitung bringen
/ dass er wieder frei / und mit mir von Rom schon hinweg währe / den ritterlichen
übungen nachzusetzen. Er begehrete an seine Fr. Mutter absonderlich / ihm
zuschreiben / wie sein Herr Vater gesinnet / und dz auff den fall seines
beharlichen Zorns /sie ihn mit jährlichem rittermässigem Unterhalt versehen
möchte. Ich aber zog alsbald wieder nach dem Römischen Lager / und erhielt
willige Erlassung / insonderheit / da ich aus freien stücken angelobete /wider
die Römer nicht zudienen; meine Leute aber mussten noch ein Jahr lang sich
verpflichten / hernach sollte ihnen der Abzug frei stehen. Ich schrieb auch nach
Prag / man sollte mir keine Gelder mehr nach Aquileja übermachen / weil ich
meinen Herkules wiedergefunden / und mit ihm der Ritterschaft nachzöge / wollte
schon schreiben / da ich etwas würde benöhtiget sein; dieses taht ich zu dem
Ende / dass man mir nicht nachfragen sollte / weil ich über eine Tonne Barschaft
und Kleinot bei hatte / und eine zeitlang damit wohl auskommen kunte. Ich bekam
aber bei Ekhard (dessen Wiederkunft ich im Lager erwartete) ein Schreiben an
Herkules von seiner Fr. Mutter / darin sie ihm seines Herr Vaters beharlichen
Zorn wegen seines neuen Glaubens anzeigete / und dass er von ihm erbloss gemacht
währe / auf den fall er nicht wiederkehren / und mit den Teutschen Göttern sich
aussöhnen würde; jedoch versprach sie ihm alle Notturfft zur Reise nachzusenden;
und begab ich mich schleunig, wieder nach Rom zu meinem Herkules /der mein
schmerzlich wartete / und lebeten wir wenig Tage in stiller eingezogener Ruhe
beieinander / biss wir nach Heilung unser Wunden / die uns von 16 verwägenen
Räubern in Rom geschlagen wurden / endlich Italien zubesichtigen / uns
aufmacheten / und nach Padua ritten / woselbst ich durch Abenteur an mein
jetziges Gemahl geriet / und meine Frl. Schwester auff der Reise nach meinem
Beilager / gefangen ward / welches diese Länder zubesuchen uns hat veranlasst.
Aber mein H. Bruder wolle mir verzeihe /sagte er zu Artaxerxes / dass seiner
Liebe ich mit meiner ungestalten Erzählung so lange verdriesslich gewesen bin.
Artaxerxes bedankete sich des erzeigeten Willens der angenehmen Erzählung / und
ordnete an /dass ein zierlicher Tanz von dem Persischen Frauenzimmer musste
gehalten werden. Des folgenden Tages ward die Fürstliche Gästerei viel
köstlicher gehalten /weil es zum Abzuge galt / und fand sich ein vornehmer
Susianischer Freiherr / nahmens Phraatazes dabei / der seinem Fürsten 800 Reuter
auf eigene Kosten zugeführet hatte; derselbe verliebete sich in Fr. Statiren /
und weil Obrister Bubazes sein sonderlicher Freund wahr / machete er sich an
dessen Liebste Kleofis / und baht / ihm hierin behülflich zusein; die es bald an
die GrossFürstin Valiska brachte / und diese an Fabius / welcher nach vermögen
bemühet wahr / ihre Ehre zubefodern / uñ ihr träulich riet / dieses Glük nicht
auszuschlagen / weil dergleichen Heirahten nicht alle Tage vorfielen; und ob sie
zwar einwendete / dass ihr unmöglich währe / ihr Herz einem andern zuergeben /
welches den ädlen Kleon in sich gefasset hätte; redete er ihr doch ernstlich zu
/ sie möchte sich eines andern bedenken / weil er vermählet währe; Worauff sie
dann sich erklärete / sie wollte ihm Gewalt geben / mit ihr nach seinem Willen
zuschaffen / doch dass der Freier umb der Leute willen /biss auf geendete Trauer
sich mit der heimlichen Zusage begnügen liesse / insonderheit / weil sie von
ihrem Kleon sich schwanger befünde; worzu Fabius nicht sonderlich liebe wahr /
und doch begehrete / dass sie ihm die Frucht / wann sie etwas würde erwachsen
sein / zuschicken sollte / welches sie nach Verlauff zehn Jahr geträulich
leistete / da sie ihm einen wolgeschaffenen Sohn übersendete / welcher
nachgehends bei Herkuladisla / Herkules Sohn grosse Träue sehen liess / und durch
einen willigen Tod dessen Leben rettete. Der verliebete Phraatazes liess sich mit
der Zusage befriedigen / und muss ihr hieselbst zum Ruhm nachgesagt werden / dass
sie nicht allein sich nachgehends in dieser Ehe ehrlich und wohl verhalten /
sondern auch auf der GrossFürstin Fr. Klaren Raht / den Christlichen Glauben
angenommen / und in demselben gottselig gestorben ist.
    Am lezten Tage liessen die Morgenländische Fürsten 200 starke Pakwagen mit
gemünzetem Golde /Kleinoten / Perlen / ädlen Steinen und allerhand köstlichen
seidenen Tüchern beladen / deren sollten Leches sechs; Neda / Prinsla / Klodius
und Markus / jedem 4 / ingesamt 16 / geliefert werden; welche alle mit rohtem
Tuch überzogen wahren / und die ersten sechse vier Tonnen Schatz; die anderen
sechszehn / acht Tonnen Schatz geladen hatte; dabei fünff MaulEsel wahren /
deren jeder vor 4000 Kronen / güldene und silberne Tücher; und vor 12000 Kronen
Kleinot trugen. Die übrigen Wagen wahren viel schöner und ansehnlicher / deren
anfangs 24 / einerlei Gattung / mit braunem Sammet überzogen / an denen der
Nahme VRSVLA mit grüner Seide gesticket wahr / und funden sich gleich so viel
MaulEsel dabei; hatten funffzig Tonnen an gemünzetem Golde / drei Tonnen Schaz
an gülden und silbern Tüchern / und sieben Tonnen an Kleinoten auff. Diesen
folgeten 70 Wage mit rohtem Samet uñ silbern Schnüren verbremet / an welche der
Name SOPHIA mit silbern Fäden gesticket wahr /und darüber ein güldenes
Krönichen. Hierauff wahren 160 Tonnen gepregtes Goldes / 10 Tonnen an silbern
und güldenen Tüchern / und 20 Tonnen an Kleinoten / jedoch dass 30 Kamehle davon
auch ihren Teil zutragen hatten. Endlich folgeten 84 Wagen mit grünem Sammet
bekleidet / an welchen der Nahme VALISCA mit einer güldenen Krohn von Goldfäden
gesticket /gesehen ward / und dabei 40 Kamehle / welche mit den vorgedachten
gleichmässige Ladung hatten / nur dass 30 Tonnen Barschaft mehr darauff wahren
/welche Pharnabazus wegen des Fürstentuhms Susiana hinzu getahn hatte. Jeder
Wage wahr mit sechs Pferden bespannet; die ersten 22 mit 132 Rappen; die andern
24 mit 144 Braunen; die dritten 70 mit 420 Apfelgrauen; die lezte 84 mit 504
Blänken; da die ersten mit schwarzen Sameten; die andern mit rohten Sammeten;
die dritten mit silbernen; und die lezten mit güldenem Zeuge ausgeputzet wahren;
und hatten die Kamehl und MaulEsel gleichen Zeug mit den Wagenpferden / zu
welchen sie gehöreten. Vor Gallus wurden keine Wagen bestellet / sondern die
Fürsten liessen ihm 212000 Kronen einhändigen / wozu er schon 10 Tonnen an Gold
und Kleinoten beieinander hatte; dann weil er fast mit allen Obristen in
brüderlicher Freundschaft stund / und dieselben wussten / wie viel Herkules auf
ihn hielt / hatten sie ihm sehr grosse Verehrungen getahn / welches alles er
auff 10 Wagen packete. Die beiden Sprachmeister Mardus und Timokles bekahmen
jeder eine Tonne Goldes / und solches umb ihrer träuen Dienste willen / da
vorhin schon Timokles von Artaxerxes / Phraortes und Pharnabazus statlich
beschenket wahr. Nach dem Mittagsmahl hielt Artaxerxes eine trefliche Dankrede
an unsere Helden / dass sie ihre FeldHerschaft so wohl verwaltet / und ihnen den
Sieg erstritten / so dass in unterschiedlichen Schlachten der Feinde über 100000
gefangen / uñ in die 500000 erschlagen währen / welche Schlappe der Partische
Wüterich nicht leicht ersetzen würde / weil ihre versuchte Mannschaft
mehrenteils drauf gangen. Hernach erzählete er / was gestalt er unserer Helden
erste Kundschaft erhalten / da er unbekanter weise mit ihnen zu Ekbatana
gestochen / und von ihnen die Freundschaft-Ringe gegen die seinen bekommen.
Weiters bedankete er sich wegen Hinterlassung der Teutschen / Böhmischen und
Römischen Völker / und hielt zugleich an / dass Arbianes möchte vergönnet sein /
16000 Teutsche und 4000 Böhmen zuwerben / von denen 6000 die SchlachtSchwerter
zu führen düchtig währen / wozu ihm gnugsame WerbungsGelder sollten mitgegeben
werden. Schliesslich erinnerte er die GrossFürstin Valiska ihrer getahnen Zusage /
die Fürstl. Gesellschaft einer Bitte zugewehren / dessen sie / dafern sonst ihre
Liebe einige Gewogenheit zu ihnen trüge / ungewegert sein wollten / und alle
abschlägige Antwort vor einen Widerwillen halten; nehmlich / es währe eine
Anzahl beladener Wagen / und auff denselben ein Zeichen dankwilliges Gemühts
beigelegt / deren ein Teil Ihrer Liebe selbst; der ander / Königin Sophia; der
dritte Fr. Ursulen / Herrn Fabius Gemahl von den sämtlichen Fürsten dargebohten
würden / mit Bitte /nicht allein ihren Anteil willig und geneigt anzunehmen /
sondern auch das übrige / hochgedachten Frauen unbeschweret einzuhändigen.
Herkules gab ihm eine leutselige Antwort / darinnen er das hohe Lob höflich
ablehnete / sich im Nahmen ihrer aller vor empfangene Guttaht und Ehre bedankete
/ und umb fernere Gewogenheit baht / nebest dem versprechen /dass die begehrten
Völker gern und willig sollten ausgefolget werden. Vor die ihren Gemahlen
beigelegete Schenkungen bedankete er sich hoch / und baht / dass es bei einem
ziemlichen gelassen werden möchte /damit sie nit über zu grosse angewendete
Kosten sich zubeschweren hätte; welches Valiska mit einer zierlichen Rede
wiederhohlete. Diesen Abend teilten Tyriotes und Bubazes unter Ladisla 300
Aedelknaben vier Tonnen Goldes aus / an Barschaft / Ringen /und schönem
seidenen Gewande zur Kleidung mit silbern Verbreme / welches auff drei Wagen
gepacket ward / weil mans wegen der Eile nicht kunte verfertigen lassen; und
bekahmen die vier adeliche Frauen /Libussa / Euphrosyne / Brela und Agata von
der Fürstin Barsene / im Nahmen der Fürstlichen Verbündnis / jede 25000 Kronen
zu Zehrgeld / und etliche köstliche Kieinot / eins so hoch geschätzet. Frau
Statira hätte der GrossFürstin und Herrn Fabius gerne ein wirdiges Gedächtnis
gelassen / und baht Kleofis /ihr bei einem Kleinot Händler auff eine Tonne
Goldes Glauben zumachen / welche inwendig acht Wochen sollte bezahlet werden;
davor nam sie zwei Kleinot aus / wickelte jedes absonderlich in ein weisses
seidenes Tüchlein / und stellete es obgedachten beiden zu /mit untertähnigster
demühtiger Bitte / solches von ihr gnädigst und willig anzunehmen; bedingete
daneben /wann durch Wiederstattung es sollte vergolten werden / müste sie es vor
eine Verschmähung rechnen. Der grosse Gamaxus wahr nunmehr so weit genesen / dass
er keines Arztes mehr bedurffte / aber die zubrochenen Glieder / so ihm krum
geheilet wurden / damit er hinfüro zu den Waffen undüchtig währe / wahren noch
sehr schwach. Sie liessen ihn auff den Saal bringen / umb zuvernehmen / ob er
sich in seinen jetzigen Stand schicken könnte. Als er gefodert ward / wegerte er
sich zuerscheinen / biss man ihm die Ruhten zeigete / die er schon sechs mahl
gekostet hatte; da ging er endlich sehr traurig mit. Er wahr als ein Narr
gekleidet / ganz bund von allerhand Farben; an der Seite hing ihm ein grosser
lederner Säbel / und die Mütze sah einem Helme gleich / auff welcher ein Hase
einen lahmen Löuen peitschete. Er ging Schwacheit halber auff einer Krücke die
ihm unter dem Arme fest gemachet wahr. Als er in den Saal trat / und die Fürsten
samt dem Frauenzimmer so köstlich gekleidet sah / erschrak er nicht wenig / und
wünschete nichts als den Tod. Die Gesellschaft hatte angelegt / dass niemand
sich an ihn kehren wollte / nur etliche Knaben mussten ihr Affenwerk mit ihm
treiben / welches alles er gehen liess / als sähe ers nicht. Er sah imerzu
gleiche saur vor sich nider / hatte in einem offenen Winkel sich angelehnet /
und liess anfangs etliche Seuffzer gehen / die über den ganzen Saal gehöret
wurden; endlich als die Knaben des Kinderspiels zuviel macheten / und er sich
doch weder durffte noch kunte rächen / fing er mit erschreklicher Stimme an zu
heulen / und sagete: O du verteufelter Tod / kanst du dann Gamaxus nicht das
Herz abstossen / dass er diesem unleidlichen Spot und Hohn entrissen werde?
Herkules und Valiska traten ihm näher / sahen ihn an / und hoffeten / er würde
umb Gnade bitten; aber er taht / als sähe er sie nicht; biss Valiska zu ihm
anfing: Du unbarmherziger gräulicher Blutund; womit hatte ich dich jemahls
beleidiget / dass du meinen Liebsten Gemahl zuerwürgen / und mit seinem
unschuldigen Leichnam die Hunde und Vogel speisen woltest? hat man auch dessen
einige Begebnis / dass mit Fürstlichen Häuptern also verfahren währe? oder
wahrestu so hoch beleidiget / dass du hierzu gnugsame Ursach hattest? Gamaxus
blickete sie an / betrachtete ihre volkommene Schonheit / und gab zur Antwort: O
König Artabanus / ich halte euch nicht vor übel / dass ihr umb besitzung dieser
Schönsten das äusserste waget. Meinestu das? antwortete sie; aber sage mir ja
hiervon kein Wort mehr / wiltu sonst nicht gestriechen sein / und gib mir
Antwort auff meine Frage. Ich wahr bisher nicht anders gewohnet / sagte er / als
nach meinem Willen zu handeln / hatte auch dergleichen beschimpfung / so mir
damahls begegnete / noch nie auff mich ersitzen lassen. O du grobes Vieh /
antwortete Herkules / kuntestu dañ deinen Zustand nicht erkennen dass du aus
einer Baurhütte hervor gekrochen wahrest / und bissdaher nach Gottes verhängnis
durch deine Vihische Stärke nur Gewütet hattest /welche sich ja vor Gott billich
hätte fürchten sollen /als du keinen Menschen scheuhetest. Seid ihr dañ Gott?
fragete er / so soltet ihr mich mit Donner und Bliz / und nicht mit dem tollen
Pferde überfallen haben / des hättet ihr und ich Ehre gehabt. Jederman
verwunderte sich der Halstarrigkeit / und sagte Herkules weiter; Nein / ich bin
nicht Gott; aber Gott hat mich als sein Werkzeug gebrauchet / dass du gezähmet
würdest. Doch sage mir / was woltestu mich wohl sehen lassen / wann du meiner so
mächtig währest /als ich deiner bin? Ich wollte dich in hundert tausend Stücken
zerhauen / brüllete er überlaut; und bistu ein redlicher Rittersmañ / so tuhe
mir desgleichen. Du kanst mich weder schelten noch zornig machen / antwortete
Herkules / und weil du so ungelernig bist / uñ durchaus keine Demuht fassen
kanst / mustu so lange gestäupet werden / biss dir der Bauernstolz vergehet.
Darauff ward er hinunter geführet / und so heftig gestriechen / dass er am ganzen
Leibe rohe Fleisch wahr / da er endlich umb Gnade baht / und demühtig zu werden
angelobete.
    Diesen Abend kam Sysigambis Valisken ehemahlige Partische Hoffmeisterin mit
ihrem Sohn an / fiel vor der GrossFürstin nider / und baht untertähnigst /ihr
gnädigsten Schuz bei Artaxerxes zuerwerben /dass sie sicherheit vor Artabanus
hätte. Valiska hub sie von der Erden auff / liess ihr 12000 Kronen zählen / und
erhielt bei Pharnabazus / dass er ihr Zeit ihres Lebens in seinem Frauenzimmer
unterhaltung gab; ihr Sohn aber nam bei Arbianes Dienste / und reisete mit ihm
nach Teutschland. Auch offenbahrete Fr. Saptina ihrem Gemahl Phraortes / was
gestalt Valiska mit Arbianes eine Heirat vor hätte / und wie er durch dz
Brustbilde in Liebe gerahten währe / auch ohn zweifel sich selbst darin würde
verzehret haben / dafern die GrossFürstin sein anliegen nicht ausgeforschet /
welche schon ihre Gesanten nach Teutschland geschicket / die Anwerbung zu tuhn;
worüber Phraortes sich höchlich verwunderte / und seinen Sohn glückselig preisete
/ dafern er in solche trefliche Schwägerschaft gerahten sollte; aber ihr habt
übel getahn / sagte er /dass ihr mir solches nicht zeitiger angemeldet / damit
man ihn mit wirdigen Geschenken versehen mögen /und er seine Macht uñ Herligkeit
bei fremden könnte sehen lassen / worzu dañ kosten gehören. Ja / antwortete sie
meint  dann mein GrossFürst / dass GrossFürstin Valiska ihn werde lassen Mangel
leiden? und wañ solches gleich nicht währe / so habe ich ihn mit Perlen / ädlen
Steinen und Kleinoten dergestalt bespicket / dass er wohl bestehen soll / auch von
meinem Bruder zehn Tonnen Goldes gelihen / und auff sechs Wagen beigelegt.
Phraortes rühmete ihre Vorsorge / welche sein Sohn nach seinem Tode unvergolten
nicht lassen würde. Des folgenden morgens wahren die unsern frühzeitig wache /
liessen alle ihre Wagen anspannen / und hinaus vor das Tohr bringen. Herkules
und Ladisla hatten 60 Wagen / darauff sie ihre Gelder / Kleider und Sachen
führeten / nebest 30 MaulEseln und 12 Kamehlen. Fabius 12 Wagen /neun MaulEsel
und vier Kamehle. Arbianes 12 Wagen / 12 MaulEsel und sechs Kamehle. Gallus 12
Wagen 10 MaulEsel / und zwei Kamehle. Leches /Neda und Prinsla ingesamt 18 Wagen
/ 20 MaulEsel /und sechs Kamehle. Klodius und Markus 12 Wagen 18 MaulEsel und
vier Kamehle. Die Teutschen Völker 100 Wagen; die Böhmen gleich so viel / wie
auch die Römer / alle mit sechs Pferden bespañen. Hierüber wahren 26 Gutschen
welche den unser zustunden / auch jede mit sechs Pferden. Der Reitpferde wahren
eine gute Anzahl. Herkules und Ladisla hatten 280. Fabius 34. Arbianes 30.
Leches 20. Neda / Prinsla /Klodius / Markus und Gallus / jeder 16. Wahren
ingesamt 444 Reitpferde; 2712 Wagen- und Gutschpferde; 34 Kamehle; 99 MaulEsel.
Bei jedem Wagen funden sich zween Fuhrleute; bei jedem Kamehl zween Leiter / und
bei jedem MaulEsel einer; aber je zwei und zwei Reitpferde wurden von einem
Diener gewartet / die eines ritten und das andere an der Hand führeten; alle
diese Diener uñ Fuhrleute wahren gefangene Partische Kriegsleute / zu
Leibeigenen gemacht / und ihre anzahl 1293 Mann. Die 203 Pakwagen auff welchen
der Morgenländischen Fürsten trefliche Geschenke geladen wahren / hielten
haussen vor dem GrossFürstlichen Schloss / samt den 29 MaulEseln und 70 Kamehlen
/ denen nach obgedachter art Fuhrleute und Leiter zugegeben wahren /an der Zahl
575 gefangene Parter / welche alle dieses Zeichen auff der linken Brust
führeten. Es wahren die unsern der Meinung / ungessen auffzubrechen / aber sie
mussten zuvor wieder ihren Willen das Frühstük einnehmen / ungeachtet noch 40
Wagen mit allerhand Speisen / und 16 mit köstlichen Weinen ihnen mit gegeben
wurden. Bei der Mahlzeit trat ein Persischer Magus oder Gelehrter vor den Tisch
/ bedankete sich gegen unsere Helden im Nahmen aller Gelehrten unertähnigst /
das durch ihr kräftiges Schwert sie den künsten sicheren Siz erworben / und den
endlichen Untergang von ihnen abgewendet; wünschete ihnen Glük und alle wolfahrt
zur Reise / uñ reichte ihnen ein Lobgeticht ein / in welchem er rühmete / dass
eine neue Zusammenkunft der dreien Irresternen oder Planeten / als der Jupiter
/ Mars / und der Venus ihre Länder der beschirmet / und die Dräuungen des
grimmigen blutgierigen Saturn abgewendet hätten / und lautete also:
                                       1
GlükseligsLand / dem selbst der Himmel dienet /
Und stösset ihm den reichen Seegen ein!
Was solcher Art nicht freudig ist und grünet /
Muss an sich selbst nicht Hellers-düchtig sein.
O grosser Gott / du alles wunders vol /
Was hastu doch an Persenland erblickt /
Dz es nach wunsch mit deiner Gunst verstricket /
Beseliget und voller Lust sein soll.
                                       2
Es dräuet uns Saturn der Menschen-Würger /
Brand / Raub uñ Mord / verwüstug / untergang.
Es galt ihm gleich / Fürst ädler / Bauer / Bürger /
Alt / jung / reich / arm; wir fühlte schon den zwãg /
Der wie ein Bliz auff uns hernieder schoss;
Der Henker wahr zu würgen schon gefliessen /
Ganz Persen mit Blutströhmen zubegiessen;
So ging Saturn auff ihr' Einwohner los.
                                       3
Sein grosser Stolz wolt' auch den Himel breche;
Die Venus selbst / die Troz nicht leiden kann /
Hielt er in haft; den Jupiter zu schwächen /
Und Mars darzu / greiff er die Ruhten an.
O stolzer Tropf! darfstu mit Göttern noch
Den schweren Streit vermässentlich aufnehme /
Als woltestu sie bendigen und zähmen?
Ist Narrenwerk / sie sitzen viel zu hoch.
                                       4
Ihr Heldemuht empfand den Schimpf zu schwer /
Deswegen sie zusammenkunft verschrieben.
Bald griffen sie ihn an mit ihrem Heer;
Des ward sein Volk bei tausend auffgerieben.
Er selber lieff / (wie hinkend auch) davon /
Nicht anders als der Schüler vor der Ruhten /
Dass auch sein Volk nicht kunte recht verbluten /
Das wahr Saturn des tollen Wüters Lohn.
                                       5
O Persenland / jezt kanstu frölich rühmen /
Dass Venus selbst / dass Mars und Jupiter
Dich sicher macht. So will dir nun geziemen /
Dass du (es sei jung / alt / Knecht oder Herr)
Den schönen Dank anstimest; sprich nur frei /
Dass Noht und Tod / durch hülffe dieser Götter /
In dem Saturn / der Wüterige Spötter
Gedämpfet ist / von dir genommen sei.
                                       6
Ihr Kinder ihr / spielt ihnen stets zu ehren;
Ihr Musen singt / das Echo Wiederschal
Vernehmlich sei / last keine Furcht euch wehren;
Trometer gebt auch euren starken Hal.
Ihr Wälder / wolt ihr dann die lezten sein?
Risch auf / frisch auf! last euer Laub frei rausche
Die Flüsse stehn vor freuden schon und lausche /
Umb / ihren Klang zu stimmen mit darein.
                                       7
Als lange Laub und Grass in Persen grünet /
Die Sonne läufft / der Monde wächst und fält /
Sol unser Dank (der sich jezt hat erkühnet)
Ohn fehlen gehn biss an des Himmels Zelt.
O Venus / Mars. O Jupiter / fahrt fort /
Den gräulichen Saturn zu unterdrücken /
Dass Persen er nicht möge gar ersticken /
Und in das Meer hinwerffen über Bort.
                                       8
Eur heller Glanz hat uns bisher beschienen /
Jezt dräuet ihr / O weh! den Untergang.
Ach lasset uns euch ferner noch auffdienen /
Volführet den wohl angelegten Fang.
Zu stäubert / was Saturn uns zum verdruss
Anstifftet; bloss eur Nahme kann ihn dämpffen /
So dz sein Schwert nit siegen mag noch kämpfe /
Besondern in der Scheide stecken muss.
    Nach geendeter kurzen Mahlzeit ging es an den Auffbruch / welches dem
Frauenzimmer / sonderlich Frr. Saptinen und Barsenen manniche Trähnen aus den
Augen drückete. Herkules hatte 50 Teutschen; Ladisla so viel Böhmen; Fabius 100
Römer / und Arbianes 200 Meden / welche mit ihnen biss in Teutschland sollten;
über diese mussten noch 6000 / gleichenteils Teutsche / Böhmen und Römer / neben
8000 Meden und Persen / sie biss an die Römischen Grenzen begleiten. Als sie aus
dem Saal in den innersten Platz kahmen / stund Artabanus LeibElefante / der in
der Schlacht gefangen wahr / in seiner besten Zier /über drei Tonnen Schaz am
wert / daselbst fertig /und wahr ein Häusslein auff ihn gesetzet / von treflicher
Arbeit / in welchem 12 Menschen sich wohl behelffen kunten. Nähest dabei eine
Gutsche / ausswendig mit schwartzem Sammet überzogen / aber wann man solches
hinweg nam / glänzete sie aus- und inwendig von ädlen Steinen; der ganze
beschlag wahr klammer Silber / sehr stark vergüldet / und gingen acht artige
Schecken einerlei Gestalt davor / deren Schwänze und Mähne biss an die Erde
herunter hingen; vier Gutscher dabei / wahren in gülden Stük bekleidet / und
hatten trefliche Säbel an der Seite / dann sie wahren Partische gefangene von
hohem Adel. Dieses beides ward Frau Valisken von Artaxerxes absonderlich
verehret. Im vörderen grossen Platze wahren neun schöne Gutschen und 400
Handpferde mit allem Zubehör / davon Ladisla / Herkules und Valiska 300; Fabius
30; Leches 20; die übrigen fünffe offtgenante jeder 10 bekahmen; wie auch jeder
eine Gutsche mit sechs Pferden / alles nach Unterscheid Standes und Gebühr. Bei
den Gutschen wahren 18 Fuhrleute / wie auch 200 bei den Handpferden / alle
gefangene Parter. Ausserhalb des Schlosses traffen sie die obgedachten Wagen /
Kamehle und MaulEsel an / worüber sie sich höchlich entsetzeten / und ganz
ungehalten wahren / so dass sie schwuhren / wann sie solches sollten gewust haben
/ wollten sie heimlich davon gezogen sein / weil sie sich durch Woltaht gar zu
heftig überladen befünde; wiewol sie nicht meinten / dass so übergrosse Schätze
darauff währen. Hier ging es nun an ein Pauken / Trometen und Freudengeschrei /
dass keiner sein eigen Wort vernehmen kunte /biss unsere drei Helden samt Fr.
Valisken und Arbianes auff den Elefanten steigen wollten / da Phraortes zu ihnen
trat / und einem jeden absonderlich seinen Sohn väterlich anbefahl / bei Fr.
Valisken aber zugleich anhielt / ihm ein Fräulein ihres Geblüts / da ers wirdig
/ zuzuschanzen / ob sie gleich nur Herren Standes währe; dann er wollte es vor
seine höchste Glükseligkeit rechnen / wann er mit diesen trefflichen Fürsten in
Schwiegerschaft leben sollte. Worauff sie zur Antwort gab: Seine Liebe möchte
des Sohns wegen unbekümmert sein / sie hätte das Eisen schon unter dem Hammer /
wie sein Gemahl berichten würde / und sollten sie am glücklichen Fortgang nicht
zweifeln. Die Morgenländische Fürsten hatten auch einen Elefanten bereiten
lassen / auff welchen sie mit Saptinen und Barsenen fliegen; dann sie wollten die
unsern auff drei Meilen begleiten / und zogen in schöner Ordnung daher / biss sie
an die ersten Wagen (so voraus gangen wahren) anlangeten / da sie sich alle
vergeselschafteten / dass sie 629 Pakwagen / 36 Gutschen / 104 Kamehle / 128
MaulEsel / und 2290 Reitpferde bei sich hatten; dann die gesamte Persische
Reuterei hatten 400 von den besten erbeuteten Pferden zusammen bracht / und sie
gleich wie Artaxerxes die vorigen / ausgeteilet / auch mit Partischen Leitern
versehen. Vor obgedachten Pakwagen und Gutschen gingen 4000 Pferde (dann fünff
unter den Gutschen wahren mit achten bespannet / welche 16 Gutscher hatten) /
und wahr die gesamte Anzahl der gefangenen Parter 2500 Mann. Doch wurden unter
die obgedachten Pakwagen die Speise- und Weinwagen nicht mit gerechnet / weil
die unsern solche von den Römischen Grenzen wieder zurücke sendeten. Der grosse
Gamaxus / wie wund er von den gestrigen Ruhten an seinem Leibe wahr / musste er
doch in seinen bunten Narrenkleidern vor dem Elefanten her reiten / da man ihm
an jeden Arm eine grosse HenkersRuhte gebunden hatte / auff dass er sehen sollte /
was vor Helden er vor BettelFürsten gescholten. Als sie in dieser grossen
Herligkeit daher zogen / gingen Fr. Valisken die Augen über / und sagete in
Teutscher Sprache: O du Almächtiger Gott / was vor Gnade und Barmherzigkeit
hastu mir unwirdigen erzeiget! Ich ward von vier Räubern in diese Länder
geführet / und so viel Fürsten müssen mich wieder hinaus begleiten; Ich nahm
Geld von einem Räuber auff Borg / dass ich einen Nohtpfennig haben möchte / und
nun führe ich des Landes Mark mit mir fort. Nun mein Heiland / du hast uns
lassen gross werden / dein Segen hat uns reich gemacht /deine Hand hat uns
geschützet / dein Schutz hat uns erhalten / deine Hülffe hat alles allein
getahn; unsere Ohmacht gekräfftiget / unsere Gefängnis eröffnet / unsere Bande
zurissen / unsere Feinde gedämpffet / und uns mit Gütern überschüttet. O so
fahre fort / du kräfftiger Gott /gutes zutuhn denen / die dir vertrauen; gib dass
wir in diesem Glücke uns ja nicht überheben / sondern in der Demuht verbleiben /
damit wir nicht von deiner Hand gestürzet werden; geleite und führe uns auff
unsern Wegen / dass ich und andere ungetauffte Christen / die bei uns sind / das
gnadenreiche Bad der Sünden-Abwaschung an dem Orte empfahen mögen / da du wegen
unser Sünde dich selbst hast wollen täuffen lassen / und gib uns deinen Heligen
Geist / dass wir nach dieser Abwaschung uns ja nicht mit groben Sünden / die
wider dich und unser Gewissen streiten / auffs neue besudeln / sondern einen
Christlichen Wandel führen mögen / in aller Gottseligkeit und Erbarkeit / Amen;
mein Heiland / Amen.
    Billich danken wir dem allerhöchsten Gott / sagete darauff Herkules / und
ist unmöglich / dass wir dessen unaussprechliche Gnade / Schuz / und Woltaht
recht erkennen können / massen es unsern Verstand übertrifft / und unsere
Wirdigkeit weit übergehet; doch wird der grundgütige Gott mit uns schwachen
Geduld tragen / und wann wir nur den steiffen Vorsaz / ihm zudienen / behalten /
und den Sünden täglich absterben / wird er uns seine Gnade nicht entzihen. In
solchem Christlichen Gespräch gingen sie fort / biss sie bei einer Stad
anlangeten / woselbst sie das Mittagsmahl schon des vorigen Tages hatten
bestellen lassen; blieben daselbst drei Stunden beieinander / namen hernach
Abscheid / und zogen die Morgenländische wieder zurück / welche 4000 Reuter aus
Herkules begehren mit sich nach Persepolis nahmen. Ladisla ordnete das Heer /
dass die Persen den Vorzug haben / die Römer bei den Wagen bleiben / die
Teutschen und Böhmen aber von hinten zu und an beiden seiten schliessen mussten.
Valiska nam ihr Frauenzimmer zu sich auff den Elefanten / und tahten unsere
Helden ihr zwar bissweilen Gesellschaft / aber die meiste Zeit ritten sie. Fr.
Statira reisete mit ihnen fort / biss an die Susianischen Grenzen / woselbst sie
Abscheid nam /und sich nach ihren Gütern hinmachete / da sie drei Wochen nach
ihrer Heimkunft eines unehelichen Kindes genass / welches sie Statikleon nennete
/ und seinem Vater sehr ähnlich wahr / so dass er seinen begangenen Fehler den
seinen nicht verbergen kunte / da er diesen seinen Sohn von Statiren bekam;
worüber zwar Fr. Ursul dieses Weibes Unzucht verfluchete /ihn aber rühmete / dass
zur Rettung seines Lebens er eingewilliget / weil er ohn das noch ein
Ungläubiger gewesen währe. Orsillos erboht sich biss ans Meer mit zureiten / aber
Fabius liess ihm solches nicht zu / sondern erhielt bei Statiren / dass sie ihn
zum Verwalter und Auffseher über ihre Landgüter annam. Als sie bei dem
Tigerflusse anlangeten / und ihre Mannschaft ausser ihrer absonderlichen
Begleitung unter Wedekind / Tyriotes und Bubazes wieder zurück senden wollten
/erfuhren sie / dass Sysimitres 8000 Mann Fussvolk /nicht weit von dannen /
beisammen hätte / und sie nach Parten führen wollte / wurden derhalben zu raht /
diesem noch eine MummenSchanze zubringen / nahmen 5000 Reuter zu sich / und
traffen sie des andern Tages im offenen Felde an / gleich da ihnen das Gewehr
sollte ausgeteilet werden; Sie umgaben dieselben alsbald / dass sie nicht
entfliehen kunten / und sich gefangen geben mussten / da sie alsbald in
Persischen äid genomen / und von 2000 Reutern nach Persepolis begleitet wurden.
Sysimitres wahr mit angepacket neben 50 Werbern / welche 20 Tonnen Schaz bei
sich führeten / 12000 Reuter damit im Römischen Gebiete zubestellen. Diese nam
Herkules alle vor Leibeigene an / und wurden von den Geldern jedem Reuter durch
die Bank 115 Kronen gegeben / auch 33000 Kronen unter die Fuhrleute und
Pferdeleiter / sie lustig zumachen / ausgeteilet / und Sysimitres 1000 Kronen
zum Zehrgelde; die übrige Halbscheid / als 10 Tonnen Goldes nam Valiska zu sich
/ vor arme Christen / da sie welche antreffen würden. Sie foderte auch
Sysimitres vor sich / redete freundlich mit ihm / und erteilete ihm einen
Scheinbrief biss nach Parten; befahl ihm auch / König Artabanus ihretwegen
zugrüssen /und dz sie numehr ihren Zug nach Teutschland vorgenommen hätte. Ich
bin eurem Könige / sagte sie / allemahl in Ehren gewogen gewesen / aber nachdem
er sich unredlicher Stücke unterwunden / und Gifftmischer ausgeschicket hat /
habe ich nichts von ihm halten können / und möget euch wohl versichern /dass er
sich hiedurch bei seinen Feinden verhasseter /als durch keine andere Beleidigung
/ gemacht hat; jedoch / will ich noch nicht unterlassen / ihm das beste zurahten
/ nehmlich / dass er in sich gehe / seine geschwächete Macht erkenne / von der
vielfältigen Unkeuscheit abstehe / uñ in gleichem Stande mit andern
Morgenländischen Fürsten sich halte / sonst wird er nicht lange mehr König sein.
Könte er nun seine Begierden einzwingen / und umb Heirat mit dem Baktrianischen
Fräulein anhalten / würde er schier heut oder morgen erfahren / wie träulich
mein Raht gemeinet sei. Sysimitres bedankete sich untertähnigst /aller
erzeigeten Gnade / und hielt inständig an / die Werbung an seinen König /
schrifftlich aufzusetzen; welches sie ihr gefallen liess / doch dass er bei
Ritterlichen Ehren versprechen musste / nicht allein dem Könige solches
geträulich einzuhändigen / sondern den Inhalt auch den beiden Fürsten /
Vologeses und Pakorus wissen zulassen / denen Herkules sehr freundlich schrieb /
und ihnen kostbahre DemantKetten zum Gedächtnis seiner Freundschaft
übersendete; liess alle Völker mit Sysimitres zurück nach Persepolis gehen /und
behielt nur die obgedachten 400 Teutschen /Böhmen / Römer und Meden / neben den
300 Böhmischen ädelknaben bei sich. Es unterstunden sich zu unterschiedlichen
mahlen etliche Partische Fuhrleute und Pferdeleiter auszureissen / welche aber
alle wieder ertappet / erschreklich geprügelt / und an die Bäume aufgeknupffet
wurden / an der Zahl 29 / deren Stelle von den gefangenen Partischen Werbern
wieder ersetzet ward. Weil sich aber Herkules wegen seiner geringen Mannschaft
eines algemeinen Aufstandes von ihnen befahrete / taht er ihnen die Verheissung
/dass wann sie sich beständig und träu bezeigeten /wollte er ihnen eine viel
grössere Gnade beweisen / als sie ihnen nicht einbilden möchten; würde aber
einer oder ander sich gelüsten lassen auszureissen / sollte derselbe / da er
ertappet würde / lebendig gespiesset /und seine sechs näheste Gefärten / darumb
/ dass sie seine Flucht nicht gehindert hätten / ohn Gnade aufgeknüpfet werden.
Die lezte Dräuung währe gnug gewesen / sie inne zuhalten / aber die angebohtene
Gnade machte sie so freudig / dass sie bei geleistetem Fussfalle sich erkläreten /
der Gnade abzuwarten / und bei ihm zuleben und zusterben. Sie setzten ihre Reise
stränge fort / biss sie über den Eufrat kamen / und Damaskus in Syrien
erreicheten / dahin wir sie in guter Sicherheit und aller ehrliebende Ergetzung
wollen zihen lassen / uñ uns nach Teutschland wenden / umb nachzufragen / wie es
GrossFürstin Valisken ihren Gesanten / Ruprecht und Neklam ergangen.
    Dieselben seumeten auf ihrer Reise nicht / segelten auch mit gutem Winde
auff Bisanz / jezo Konstantinopel genennet / und gingen von darab den nähesten
Weg nach Teutschland zu Pferde / biss sie Magdeburg / GrossFürst Henrichs Schloss
erreicheten / welcher auf die Jagt ausgeritten wahr; wurden doch von der
GrossFürstin und dem Fräulein wohl empfangen / die sich sehr verwunderten / dass
diese von Valisken / welche sie eine GrossFürstin der Teutschen nenneten / und
von niemand anders mehr / den Gruss überbrachten; frageten deswegen alsbald nach
/ wie es Herkules und Ladisla ginge / und ob das Fräulein aus ihrem Gefängnis
lossgemacht währe. Worauff Neklam alles berichtete / auch in was hohen Ehren die
unsern bei den Morgenländischen Fürsten währen / und man der GrossFürstin ein
treffliches Geld- und Volkreiches Fürstentuhm erbeigen geschenket / sie aber
dasselbe nicht behalten wollen / sondern es einem Persischen Herrn wieder
verehret / weil Ihre Durchl. bedacht währe / mit ihrem Gemahl ihr Lebe in
Teutschland zuschliessen. Der grossen Reichtümer / welche sie zu Padua hätten /
und bei sich führeten / währe keine Zahl. Dass er aber seines gnädigsten Königes
Ladisla /und GrossFürsten Herkules Gruss nicht mitbrächte /währe die Ursach / dass
die GrossFürstin ohn deren Vorbewust / und auf dem Zuge wider den Hauptfeind /
sie abgeschicket / uñ ihnen etliche Schreiben überzubringen / gnädigst
anbefohlen hätte; reichete auch der GrossFürstin das an sie haltende / gebührlich
ein /die es begierig brach / und folgende Worte lase:
    Der Durchleuchtigsten / Grossmächtigsten Fürstin und Frauen / Fr. Gertrud /
GrossFürstin in Teutschland / wünschet deroselbten gehorsamste Tochter Valiska /
GOttes Barmherzigkeit und alle Wolfahrt. Höchstgeliebete gnädigste Fr. Mutter;
aus erfreulichem Herzen kann derselben anzumelden ich nicht unterlassen / wie dass
nach unsers Almächtigen Gottes sonderbahre Wunderschickung / mit dem
Durchleuchtigsten Fürsten und unvergleichlichen Helde / Ihrem herzgeliebeten
Sohn / meinem herzallerteuresten Schatze Herkules / auff Anfoderung und begehren
meines herzlieben Herrn Bruders / Königes Ladisla /ich mich ehelich eingelassen
/ und wir unser Hochzeitfest auff dem Königlichen Persischen Schloss mit
HochFürstlichem Pracht gehalten. Ob nun zwar solches hohen Glückes ich mich
selbst unwirdig schätze / und gerne gestehe / dass weder ich noch einige andere
dieses Ehegemahls wert ist / so ehret und liebt er mich dannoch dermassen / dass
mir alle Vergeltungs-Mittel benommen werden. Seine herrliche Tahten / denen
andere nicht zuvergleichen sind / und meine durch ihn glücklichverrichtete
Erlösung / wird Zeiger Neklam / und sein Gefärte Ruprecht (denen wir den
Adel-Stand mitgeteilet) ausführlich berichten können. Mir zweifelt nicht / euer
mütterliches Herz werde unsere selige Ehe gut heissen / und vor ihre liebe
Tochter mich annehmen / als welche zeit meines Lebens kindlich zuehren und
lieben ich nicht auffhören will. Die bewägende Ursach / die Botschaft abgehen
zulassen / ist meine herzallerliebste Fräulein Schwester / Frl. Klara / deren
Wolfahrt mir nicht weniger als meine selbst eigene anlieget / dessen ich Gott
zum Zeugen ruffe. Ach wie hat der treffliche junge Herr Arbianes / gebohrner
GrossFürst und einiger Erbe des grossen Medischen Reichs / ein Fürst von etwa 20
Jahren / seines Lebens ein Held; wie hat derselbe in meiner Frl. Schwester
Brustbildichen / welches er ohngefehr von meiner Libussen kommen / sich so
heftig verliebet / dass er weder Tag noch Nacht ruhen kann / und deswegen bei mir
inbrünstige Ansuchung getahn / ihm diese hochgewünschte Heirat zuwerben. Ich
versichere meine Fr. Mutter / dass er an Tugend / Herzhaft- und Frömmigkeit /
keinem einigen Morgenländischen Fürsten im geringsten bevor gibt / und mächtig
gnug währe / mit 2 oder 300000 Mann / ihm ein Gemahl einzuhohlen. Ist es nun /
dass diese meine erste Bitte bei ihrem mütterlichen Herzen statt finden kann / will
ich mich selbst zu Pfande setzen / dass meiner Frl. Schwester diese Heirat sehr
wolständig sein wird. Meine Meinung ist eben nicht / dass das Beilager so
schleunig erfolgen sollte / nur dass der verliebete Fürst / seiner auffrichtigen
Liebe festen Fuss setzen möge welcher zu rechter Zeit sich nach GrossFürstlicher
Wirdigkeit schon einstellen / und seinen Schatz / den er tausendmahl höher als
sich selbst liebt / gebührlich abhohlen wird. Wegen der Aussteur hat meine Fr.
Mutter sich nicht zubekümmern /massen mein Gemahl und ich dergestalt von unsern
grossen Schätzen sie versehen wollen / dass nie kein Teutsches Fräulein den
zehnden Teil je einem Gemahl zugebracht haben soll. So wird auch hochgedachter
GrossFürstlicher junge Herr gegen meine Gnn. Eltern und hochgeliebete Frl.
Schwester sich also einzustellen und zubezeigen wissen / dass verhoffentlich sie
allesamt daran gutes genügen haben werden. Ich erwarte meiner Fr. Mutter
gewierige Antwort / und empfehle dieselbe der starken Obhuet Gottes /
verbleibend / weil ich lebe / Euer GrossFürstl. Hocheit ganz ergebene gehorsame
Tochter und Dienerin
                                                                        Valiska.
    Unter dem lesen lieffen ihr die FreudenTrähnen über die Wangen / und nachdem
sie den Inhalt zum Ende gebracht / fing sie an: O du mein gewünschter Sohn! O
meine auserkohrne Fr. Tochter! Wann werde ich an euer höchstbegehreten Gegenwart
mich ergetzen? Das Fräulein hätte des Schreibens Inhalt gerne gewust / und wie
sie ihrer Frau Mutter einige und liebe Tochter wahr / die nicht bald sündigen
kunte /baht sie um Vergünstigung den Brief zulesen / welches ihr aber mit einem
freundlichen lachen abgeschlagen ward / unter dem einwenden / ihr Herr Vater
müste ihn zuvor sehen. Weil dann dessen Ankunft ihr vermeldet ward / ging sie
ihm entgegen / und befahl dem Fräulein / mit den Abgesanten zusprachen; Welche
Gelegenheit Neklam nicht verabseumen wollte / und sie also anredete:
Durchleuchtigstes Fräulein; die auch Durchleuchtigste GrossFürstin Fr. Valiska
lässet Ihrer Gn. Schwesterlichen Gruss und Liebe durch mich Unwirdigen entbieten
/ hat mir auch ein hochvertrauliches Schreiben zugestellet / Euer Gn.
untertähnigst und in gröster Geheim einzureichen /dafern dieselbe / wie sie
gänzlich hoffet / es verborgen zuhalten sich versprechen würde. Das Fräulein
fragete / vom wem dann der Brief aufgesetzet währe; und als er antwortete / die
GrossFürstin selbst hätte ihn geschrieben / auch dabei angedeutet / er hielte
eine Heimligkeit in sich / welche ihren Herr Bruder /GrossFürst Herkules anginge;
erklärete sie sich; Ihre gebietende Fr. Schwester möchte wohl versichert sein
/dass ihrem Herr Bruder Herkules zudienen / sie weder Mühe noch Gefahr scheuhen
wollte / daher er ihr den Brief kühnlich möchte anvertrauen / nachdem Ihrer Fr.
SchwesterWillen und Befehl zugeleben / sie bereit und schuldig währe; nam auch
das Schreiben ohn weiteres bedenken zu sich / und steckete es biss auff bequeme
Gelegenheit zulesen / in ihren Busem. Als die GrossFürstin ihren Gemahl auff dem
Obergange antraf / und das offene Schreiben in der Hand trug /fragete er sie /
was neuer Zeitung seine Fr. Schwester aus Böhme / oder ihr Herr Bruder aus
Schweden ihr zugeschrieben hätte? aber sie antwortete: meint mein Gemahl / dass
ich nirgend anders her Schreiben zugewarten habe? Nein trauen; meine
herzallerliebste Fr. Tochter Valiska / meines teuresten Sohns Herkules Gemahl /
lässet mich alhie ihre eigene Hand lesen /und durch dieselbe ihr ergebenes
Tochterherz. Der GrossFürst verwunderte sich dieser Rede / und fragete; was neues
sie dann schriebe. Welches er aber aus dem Briefe selbst lesen musste / da er
nach dessen Endigung sagete: Verzeihet mir / ihr LandGötter / dass ich eine
lautere Unmögligkeit bei mir befinde / einen solchen Sohn dergestalt zuhassen /
wie ihrs durch die Pfaffen von mir fodert; O des grossen Unglücks / dass du der
ganzen Welt ein Wunder wegen deiner Tugend und Manheit / und deinem Vaterlande /
ja das abscheuhlich zusagen / deinen leiblichen Eltern ein Fluch uñ Gräuel sein
must! die doch ihr Leben vor deine Wolfahrt gerne zusetzeten. Davor behüten ihn
die Götter / sagte sie; Er ist mir traue bisher noch in unverrücketer Liebe ein
angenehmer Sohn und kein Gräuel gewesen. Und warumb sollte ich mein Fleisch und
Blut hassen / welches über alle der meinen und seinen Ehre steiget / und von
aller Welt vor den vollkommensten und frömmesten gepriesen wird? meint mein
Gemahl / dass ich den losen Pfaffen allerdinge Glauben gebe? Wer weiss / ob sie
ihre schändliche Weissagungen nicht tichten / umb dass sie fürchten /der
ehrliebende Herkules werde ihnen den Muhtwillen besalzen / wann er schier heut
oder morgen wieder kommen sollte; es hat ja noch kein Gott sich bei uns
angemeldet / uñ eine solchen Fluch aus unserm Sohn gemacht; so findet sich auch
kein Mensch / der Zeitung von ihm einbringet / dass er in abscheulichen Sunden
leben sollte. Ein verdächtiges werk ist es / dz die heillose Pfaffe von nichts
als der GötterZorn plaudern; mein Sohn mus ja dessen warnehme / wie er sich auch
davor nit dz allergeringste fürchtet; uñ wäre mein Raht / man gönnete ihm freien
zutrit; haben dann die Götter auff ihn zusprechen / werden sie ja so mächtig
sein / und einem Jünglinge den Muht legen /wann nur wir selbst nicht durch
boshafte verleitung uns an unserm Sohn versündigen / dessen Lob und Preis schon
in erster Blüte allen Ruhm seiner Vorfahren verächtlich machet; mein geliebter
Gemahl wird von den Gesanten hören / wie man ihn in der Fremde ehret / und ihm
grössere uñ reichere Fürstentümer anbeut und schenket / als sein ganzes
väterliches Erbe /nur dass sie dieses Ebenbilde der Tugend bei sich behalten
möchten; und wir grimmigen Wölffe verbannen ihn von uns / ehe wir ihn als
beklageten gehöret! mich wundert / wie er noch an seine Eltern und Vaterland /
ja an das undankbare Vaterland gedenken und es lieben kann. Solte auch wohl meine
Furcht nicht vergeblich sein / dass etwa die Pfaffen und ädlen sich wieder ihn
zusamen verschworen / aus furcht / er möchte den ehmahs empfangene Schimpf
dereins rächen? Einmahl ist gewiss / dass sie die Köpffe vielfältig zusammen
stecken / und ihre gröste bemühung ist / den einfältigen Untertahnen einzubilden
/ dass sie ja bei ihren alten Göttern bleiben / und keine neue sich auffdringen
lassen sollen; welches unser Sohn wohl nicht willens ist. Zwar ich habe nicht
lust zu Krieg und Unfrieden; aber unterliesse ichs euretwegen nicht / ganz
Schweden und Böhmen müsten ihm den Weg in Teutschland öfne / und ihm den
GrossFürstlichen Stuel befestigen / welchen er doch vor seines lieben Vaters
absterbe nicht begehret. Schweiget O schweiget mein geliebtes Gemahl / sagte der
GrossFürst / und lasset ja solche Gedanken in eurem Herzen nimmermehr
auffsteigen; ich werde nach diesem schon hierauff bedacht sein / wie mein
Herkules ohn Krieg und Auffruhr sein Erbe behalte; vordissmahl müssen wir uns
wegen der vorgetragenen Heirat besinnen / dann ich sehe / dass unsere liebe
Tochter Valiska zum heftigsten darauf dringet. Wir haben Zeit gnug / antwortete
sie / eine Erklärung zu fassen / nachdem wir der Gesanten anbringen
aussführlicher werden vernommen haben. Gingen also miteinander auff das Gemach
/woselbst das Fräulein mit Neklam sprachete. Ruprecht sah ihn hinein treten /
küssete ihm die Hand /und meldete Valisken Gruss an / da ihm der GrossFürst
fragete: Wie gehets / mein Ruprecht / über Meer zu? gibts auch frische Stösse?
Ja etwas gnädigster Herr /antwortete er / aber ungleich frischer Geld; wiewol
unsere Völker dem Feinde / der sich über 450000 Mannstark schrieb / nebest
andern Morgenländischen entgegen gingen / da aus befehl meiner gnädigsten
GrossFürstin ich mit dieser Gesellschaft so eilig fort musste / dass mein gnädigster
Herr / GrossFürst Herkules dessen nicht eins berichtet ward. Darauff fing er an
zuerzählen / wie bei ihrer ankunft sie Frl. Valisken aus Gobares Händen
lossgemacht / den Räuber gefangen / entäuptet / und sein Fürstentuhm ihr
geschenket währe / welches er mit sonderlicher freude hörete. Neklam brachte her
nach eben denselben Gruss an / und lieferte dem GrossFürsten auch ein Schreiben /
also lautend:
    Grossmächtiger Herr und Vater; wegen unsers zustandes / beruffe ich mich /
teils auff mein an meine Gn. Fr. Mutter getahnes Schreiben / teils auff meiner
Abgesanten mündliche Erzählung; hoffe ihrer Hocheit wolergehen zuerfahren / und
die angenehme Antwort zuerhalten /dass mein Vortrag wegen der Heirat zwischen
meiner Herzgeliebeten Frl. Schwester / Frl. Klaren / und dem Durchleuchtigsten
Medischen Fürsten Arbianes nicht unangenehm sein werde / wie ich dann von grund
meiner Seele nicht anders als darzu rahten kann; nicht allein / dass hochgedachtes
Fürsten H. Vater / GrossFürst Phraortes /meines Herkules und meine eigene
Wolfahrt nach höchstem vermögen gesucht und befodert / sondern der junge Fürst
vor sich selbst wirdig gnug ist / des mächtigsten Königes Fräulein zu heirahten;
der dann meiner Frl. Schwester zur ersten anzeige seines dienstergebenen Herzen
etliche Kleinot übersendet / welche Zeiger dieses Neklam einliefern wird. Vor
die uns zugeschickete tapffere Völker bedanke ich mich untertähnig / welches
auch euer Gn. ergebener Sohn Herkules nicht würde unterlassen haben / wann nicht
meiner Abgesanten Reise ohn sein Vorwissen von mir angestellet währe.
Schliesslich empfele meinen gnädigsten Herr Vater dem geträuen Schuz Gottes zu
allem GrossFürstlichen wolergehen / als untertähnigst-gehorsamste Tochter
                                                                        Valiska.
    Fräulein Klara merkete dass nichts ungenehmes in den Brieffen wahr / daher
verlangete ihr immer heftiger / solches zu wissen / und erschrak nicht wenig
/als Neklam / nachdem der GrossFürst sein Schreiben gelesen / zu ihr trat / und
wie ihm befohlen wahr / die 16 köstliche Kleinot in einem zusammen gelegeten
seidenen / mit den teuresten grossen Perlen reichlich besticketen Tüchlein / ihr
also einreichete: Durchleuchtigstes Fräulein; eure Durchleuchtigkeit lässet der
auch Durchleuchtigste GrossFürstliche junge Herr / Herr Arbianes einiger Erbe des
Medischen Reichs durch mich unwirdigen freundlichst grüssen / und in ansehung
der brüderlichen Vertrauligkeit / welche er mit GrossFürst Herkules hat /
übersendet er euer Durchl. diese Kleinot / befihlet sich und sein
GrossFürstentuhm deroselben guter Gewogenheit / bittet / das übergeschikte mit
geneigetem Herzen und Händen auzunehmen / und sich zuversichern / dass /als lange
er lebet / sein und bleiben wolle euer Durchl. dienstergebener gehorsamster
Knecht Arbianes; schlug hierauff das Tüchlein vonander / und liess ihr die
Kleinot sehen. Das liebe fromme Fräulein wahr nicht allein wegen des ihr bisher
ungewöhnlichen anbringens / sondern auch des treflichen Glanzes der wichtigen
Demanten fast nicht bei ihr selber /durffte auch das angebohtene nicht berühren
/ sondern gab zur Antwort: Guter Freund / ich kenne ja diesen gewaltigen Fürsten
nicht / der so demühtige Worte und stolze Schenkungen mir vorbringen lässet /
dass ich nit weiss / ob die Rede auff mich ziele / und mir /die fünkelnde Kleinot
anzunehmen / geziemen wolle /ehe und bevor von meinen herzgeliebeten Eltern ich
dessen erläubnis habe. Du hast wohl geredet / sagte ihr Herr Vater; weil es aber
dir zur Unhöfligkeit könnte aussgeleget werden / wann du diesem mächtigen Fürsten
seine Schenkungen zurück sendetest / soltu sie mit gebührlicher Ehrerbietigkeit
annehmen; vielleicht eräuget sich Gelegenheit / es in andere Wege zuersetzen.
Also wegerte sie sich ferner nicht / nam die Kleinot zu sich / und ging hin /
sie in ihr Lädichen einzuschliessen / woselbst sie die von Herkules ehmahl
geschikte in eigener verwahrung hatte. Der Schein dieser kostbahren Sachen hielt
sie eine gute weile auff in der Beschauung / biss sie des Schreibens in ihrem
Busem sich erinnerte / welches sie ohn ferneres Nachdenken brach / und als sie
noch eines darinnen beschlossen fand / auch mit den Fingern leicht fühlete /dass
etwas in demselben verborgen wahr / öffnete sie auch dieses / sah den
köstlichen Ring / und steckete ihn an den Finger / des vorhabens / alsbald
hinzugehen / und ihrer Fr. Mutter denselben zuzeigen / doch als sie auff dem
umbkehren wahr / sagete sie zu sich selber; bin ich nicht einfältig / das
geschikte zu zeigen / ehe ich den Brieff lese? fing also an / Valisken umbschlag
durchzusehen / und nach verlesung etlicher Zeilen sagte sie; Ach ich armes Kind
/ dass ich mich von dem Abgesanten so listig habe hintergehen / und diese Brieffe
mir beibringen lassen; Ach hätte ich sie nur nicht erbrochen / alsdann könnte ich
sie meinen Eltern ohn einigen Verdacht zustellen. Hierauff wahr sie willens /
alle beide ungelesen zuzerreissen; bald bedachte sie sich / es währe besser /
sie den Eltern einzuhändigen; Und als ihr Valisken harte Vermahnung einfiel /
dass alles in geheim sollte gehalten werden /wollte ihr dieses auch nicht gefallen
/ damit sie ihre Fr. Schwägerin nicht erzürnete; doch musste sich Neklam abermahl
rechtschaffen aussschelten lassen. O du betrieglicher Fuchs / sagte sie / ist
dirs so grosse Ehre /dass du mich dergestalt geäffet und hinter das Licht
geführet hast? Aber / sagte sie bald darauff / vielleicht ist ihm des Brieffes
Inhalt verborgen / uñ zürne unbillich auff ihn. In solchem zweiffelmuht wahr sie
bei einer Viertelstunde begriffen / ehe sie sich erklären kunte / was sie tuhn
wollte / biss ihr endlich der Muht wuchs / dass sie sich also anredete; vor wem
fürchtestu dich mein Herz / dass du zweiffels nicht abkommen kanst? ist doch
weder der Fürst selber noch meine Fr. Schwester gegenwärtig. Wendete damit die
augen auff den Ring / und dauchte sie / nie so treflichen Stein gesehen haben /
massen er nicht anders funkelte als ein klarer Stern / und doch zugleich an statt
eines reinen Spiegels dienete. Ey so will ich meiner Fr. Schwester Schreiben zu
Ende lesen / sagte sie / demnach ich nicht gläuben kann / dass sie mir ichtwas
unbilliches zumuhten sollte; durchsah alles mit guter bedachtsamkeit / und fand
folgende Worte:
    Durchleuchtigstes Fräulein / herzgeliebtes Schwesterchen; vor erst zweiffelt
mir nicht / eure Liebe werde die Zuversicht zu mir tragen / dass derselben ich
von ganzem Herzen wie mir selbst gewogen bin / wozu mich die gedoppelte nahe
Anverwandschaft treibet / und sie daher ferner leicht schliessen kann / das ihr
Glük und Wolfahrt zubefodern / ich mir äusserst werde lassen angelegen sein.
Wann dann nun der Durchleuchtigste Fürst Arbianes / GrossFürst und einiger Erbe
des gewaltigen Medischen Reichs / ein Fürst von 20 Jahren / durch den blossen
Anblik euer Liebe Brustbildichens (welches sie meiner Libussen geschenket) sich
dermassen in ihre Schönheit verliebet hat. (Hier hielt sie ein / sich vor
folgendes gar zu hart fürchtend / wagete es doch endlich / und lase weiter) dass
er seine einige Lust und Freude auff die Beschauung ihres holdseligen
abgemahleten Angesichtes gesetzet / und solches nicht anders als eine Göttin
ehret / auch nichts mehr wünschet / als in ihrer Dienste zusterben. Als habe zu
Abwendung seines äussersten Verderbens nicht umhin können / an Eure Liebe / und
dero herzgeliebete Eltern zuschreiben / umb zuvernehmen / ob Euer Liebe Herr
Vater und Frau Mutter in solche Heirat gehehlen / auch sie selbst einem solchen
wirdigen Fürsten ihr Herz gönnen / und in demselbe ihm die Wohnung einräumen
köñen. Ich ruffe Gott zu Zeugen /dz ich nicht das allergeringste meines
Eigennutzes hierunter suche / ohn was Euer Liebe Wolfahrt halber mir zustossen
kann. Bitte demnach / mir unter Schwesterlicher Träue in geheim anzudeuten / ob
Eure Liebe diesem herzinbrünstigen Ansuchen statt zugeben / und dem
hochverliebeten Fürsten durch genehme Antwort seine bisher geführete
Schwermühtigkeit zulindern sich bereden könne /wie dessen ich ungezweifelte
Hoffnung trage / und sie dem gewaltigen Gott in seinem Schutz empfehlen will /als
die ich zeit meines Lebens verbleibe / Euer Liebe geträueste und ergebene
Schwester
                                                                        Valiska.
    Ach ihr Götter / sagte sie bei sich selber; soll ich dann lieben / ehe ich
unterrichtet bin / was lieben heisse? Libussa / Libussa! ich hätte mich dessen
zu euch nicht versehen / dass ihr mit meinem unachtsamen Bildnis mir so grossen
Kummer machen würdet. Jezt gedachte sie auff den andern Brief / aus welchem sie
den Ring genommen / und sagte: Ey lieber / wer muss doch dieses geschrieben
haben? Etwa mein herzallerliebster Herr Bruder / Herkules; oder mein geliebter
Oheim und Bruder König Ladisla? deren einer mir ohn zweifel den köstlichen Ring
wird zugeschicket haben. Dann des fremden Fürsten wegen sind mir schon so
teurbare Sachen zugestellet. Sie kuckete zuunterst in den Brief / den
untergezeichneten Namen zusehen / da sie diese Worte fand: Euer Durchl.
unwirdigem / doch biss in den Tod bereitwilligstem Knechte Arbianes. O weh mir /
sagte sie / dass dieser Brief geöffnet ist / welchen ich ja meiner Fr. Schwester
unversehret hätte können zurück senden; woraus meine Jungfräuliche Zucht ihr wäre
kund getahn. Aber du unbedachtsame Hand / sagete sie zu ihrer Rechten /hast mir
diese Angst zugerichtet. Wie heftig sie nun mit sich selber schalt / begunte
doch dz auffrichtige Herz verlangen zutragen / ob er auch in seinem
selbsteigenen Schreiben so verliebet währe / als Valiska ihn machete; begab sich
in einen Winkel / um / sich vor sich selbst zu verbergen / und versuchete / ob
ihre Schahm zugeben könnte / eines Verliebeten Brief zulesen / dessen Inhalt in
Lateinischer Sprache dieser wahr: Der / welcher die Vollkommenheit der
trefflichsten Fräulein dieser Unterwelt anbehtet / straffet sich selbst der
dumkühnen Verwägenheit / welche er durch Ansetzung seiner frevelmühtigen Feder
begehet; würde auch nimmermehr so viel herzens haben / nur deren Bildnis
anzuschauen / die fast höher scheinet / als dass sie unter das irdische sollte
gerechnet werden; wann er sich nicht gründete auff das Mitleiden / welches die
volkommene Tugend allemahl mit den Unverständigen träget. Sonne der Teutschen
Welt / wie heftig brennen eure Strahlen die jenigen / die sich dürffen gelüsten
lassen /mit ihren gar zu blöden Augen in dieses flamichte Licht hinein
zuschauen; welches der geblendete Arbianes zwar bekennen muss / aber das wenige
übrige seines fast erloschenen Gesichtes lieber zusetzen / als von diesem gar zu
angenehmen Lust-Himmel abkehren will. Verzeihet Durchleuchtigstes Fräulein Klara
/ eurem Knechte / (O wehe mir / sagte sie bei Verlesung ihres Nahmens / woher
kommen mir Unwirdigen solche gar zu hohe Ehrenbenennungen / dass ich mich der
Sonnen vergleichen lassen muss / und dem allerdunkelsten Sterne die Wage nicht
halten kann; und was zeihet sich dieser grosse Fürst / dass er sich so unzimlich
vor mir demühtiget? Doch lase sie diese Worte noch einmal / umb den rechten
Verstand zufassen) Verzeihet / Durchleuchtigstes Fräulein Klara eurem Knechte /
welcher durch alle Liebesangst gepeiniget / und auff der Folter der
hunderttausendfachen Begierden ausgedehnet / vor der grausamen Ansträngerin und
Peinigerin (die Verzweifelung meint  er) seine Missetaht auszudeichten gedrungen
wird / und durchaus keinen andern Richter leiden kann /als den Ausspruch Euer
Durchleuchtigkeit / welche / da sie ihrer Wirdigkeit den Stab reichen wird / muss
er freilich über meine Seele gebrochen werden; sollte aber (O Glük!) das
HochFürstliche Mitleiden sich auff den Richterstuel setzen wollen / würde mir
verhoffentlich / so viel Gnade begegnen / dass einige Hoffnung annoch überbleiben
könnte / Euer Durch. unwirdigem / doch biss in den Tod bereitwilligstem Knechte
Arbianes.
    O dass dich ja kein Mensch mehr sehe / sagte sie zu dem Briefe / ich dörffte
sonst meine Augen förder vor niemand auffschlagen; legte ihn wieder zusammen
/und ging hin / ihn in das näheste Feur zuwerffen; aber da sie hinzu trat
dauchte sie / es hätte sie jemand zurücke gezogen; ja sie meinte nicht anders /
als läge ein kleines Bildichen (wie etwa dieser Fürst aussehen möchte) in der
Gluht / welches mit betrübten Augen umb Hülffe ansuchete; zückete demnach / und
wollte ihn in den Busem stecken / aber sie fürchtete sich /der klagende Arbianes
sässe leibhaftig drinnen / und würde zugleich mit hinein fahren. O sagte sie /
in was Angst bin ich! wo lasse ich doch dieses Schreiben /welches ich weder
verbergen noch hinweg werffen kann? Als sie aber ihren Herr Vater von ferne daher
kommen sah / fuhr sie ohn weiteres bedenken damit zum Busem hinein / und nam
sich durchaus keines Dinges an. Der GrossFürst hatte inzwischen seinem Marschalk
befohlen / den Gesante gütlich zutuhn /und wahr mit seinem Gemahl hingangen /
sich mit ihr zubereden / da er ihr offenbahrete / wo gestalt der Wendische Fürst
vor dreien Wochen an ihn geschrieben / und seines Sohns wegen umb eine Heirat
mit seiner Tochter angehalten; dem er zwar keine ausdrükliche Zusage / aber auch
keine gar abschlägige Antwort erteilet / sondern seines lieben KindesJugend
eingewand / und dass er mit seiner Fr. Schwester der Königin in Böhmen es zuvor
bereden wollte. Das will ich ja nimmermehr hoffen / antwortete sie / dass mein
geliebtes Kind dem ErzRäuber zuteile werden sollte; dann was höret man von Krito
dem Wenden / und seinem Sohn Gotschalk anders / als dass sie zu Wasser und Lande
die Wege unsicher machen / und die Kauffleute überfallen / so dass fast alle
Handlung nidergeleget ist; Ich will nit sagen / wie schändlich dieser junge
Räuber soll zugerichtet sein / dass er nicht allein am linken Arme lahm / und am
rechten Beine hinkend / sondern darzu auch einäugig ist. Solches ist ihm nicht
schimpflich vorzuwerffen / sagte der GrossFürst / dann er hats im Gefechte von
seinen Feinden bekommen. Ja auf dem Straffenraube antwortete sie /da ihn die
Kaufleute ertappet / und gebührlich abgestraffet haben; Wil demnach nimmermehr
hoffen / dz mein Gemahl dergestalt unser Kind verrahten / und in die tiefste
Unglückspfütze stürzen wolle / welche / ungeachtet ihrer frommen Einfalt / hierin
nimmermehr gehehlen wird. Es ist noch weder ja noch nein gesprochen / sagte er;
aber meint  ihr / dass der jetzige Vorschlag besser sein werde / da wir unsere
Tochter einen so fernen Weg über Meer in fremde Landschaften schicken müssen?
Warumb nicht / antwortete sie; es ist besser tausend Meilen über Feld nach Ehren
auszihen / als vor der Tühr in Schande leben; so wissen wir ohndas / dass wir
unsere liebe Tochter nicht stets bei uns behalten können / und würde unsere Fr.
Tochter Valiska uns hierzu nicht rahten / wann es uns irgend verweisslich sein
könnte. Ich will euch hierin eben so hart nicht zuwider sein / sagte er / aber
völlige Verheissung von mir zugeben / bin ich nicht willens; Ist es ihm dann
Ernst / wird er auff eine ziemliche Hoffnung schon weiter anhalten; Sie ist noch
jung / und etwa von 15 Jahren / auch der Freier in dem Alter / da er billich
noch nicht auff Heirat gedenken sollte; aber es ist ja leider jezt die zeit /
dass Kinder freien / wie uns dessen unser Herkules und sein Gemahl Beispiels gnug
sind. Jung gefreiet / antwortete sie / hat niemand gereuet / wann es nur wohl
getroffen ist; doch können sie es beiderseits noch eine zeitlang ansehen / weil
weder dem jungen Herrn der Bart so bald ausfallen / noch unser Tochter das Häupt
grauen wird. Auf diesen gemachten Schluss gingen sie vonander / dann es wahr
schier Zeit / die Abendspeise einzunehmen; doch sollte die Mutter ihrer Tochter
Sinn ein wenig erforschen / welche sie zu sich fodern liess /und zu ihr sagete:
Allerliebstes Kind / wie gefallen dir die Kleinot / welche der treffliche
GrossFürst aus Meden dir geschenket; ich halte gänzlich davor / er stehe in den
Gedanken einer künftigen Heirat. Das liebe Fräulein erröhtete hierüber / und
antwortete: Herzen Fr. Mutter; wie sollte dieser Fürst dessen gesinnet sein /
nachdem er mich so gar nicht kennet /auch der Brauch nicht ist / dass die Fürsten
aus den weitabgelegenen reichen Morgenländern ihre Gemahlen aus Teutschland
hohlen; doch wie dem allen / so bin ich noch ein Kind / und habe etliche Jahr
dahin /ehe ich auff solche Sachen gedenken muss. Es ist nichts neues / antwortete
die Mutter / dass Fürst- und Königliche Fräulein in kindlichen Jahren / und wohl
in den Windeln verlobet werden / welcher Kindheit du schon entgangen bist; Wann
aber dieser Fürst nach dir würde / und deine Eltern und Brüder / auch Fr.
Schwester Valiska es vor gut ansähen / würdestu ja mit solchem Glük können
friedlich sein / nachdemmahl Fürstliche Fräulein nicht allemahl ihren Eltern in
der nähe bleiben können. Die Tochter hörete sie wohl gehen / scheuhete sich aber
zubekennen / dz sie zimliche Neigung in ihrer Seele empfand / und gab zur
Antwort: Sie verstünde dieses nicht / und liesse billich ihre liebe Eltern
sorgen / was denen dermahleins gefallen würde / müste sie sich mit belieben
lassen; doch hätte es ja keine Eile hiemit. Es möchte auch wohl Eile haben /
sagte sie; dann ich gebe dir in hohem Vertrauen zuwissen / dass der hinkende /
lahme / einäugige / Wendische Gotschalk Anschläge auf dich machen darff. Davor
behüten mich die Götter /antwortete sie / viel lieber wollte ich mich durch
Räuberhände / wie meine Fr. Schwester / ans Ende der Welt schleppen / als diesem
mich ehelich zuführen lassen. Der Meinung bin ich auch / antwortete die Mutter;
und ist demnach am sichersten / dass du beizeiten versprochen werdest / auf dass
dieser und andere seines gleichen dich unbemühet lassen. Ich hoffe ja nicht /
sagte das Fräulein / dass mich einiger Mensch wider meiner lieben Eltern Willen
zum Gemahl fodern könnte; so bin ich auch der Schönheit nicht / dass die jungen
Fürsten sich um mich rauffen und schlagen werden / wiewol ich mich dannoch
diesem Räuber Gotschalk viel zu schön und ädel schätze. Vor dem soltu nunmehr
wohl gesichert bleiben / sagte die Mutter / aber dem Medischen Fürsten muss
billich etwas gewisses zur Antwort werden; dann aus des Abgesanten Rede
erscheinet gnug / mit was Vorsaz er umgehe / welches auch Frau Valiska
ausdrüklich schreibet. Hier schwieg das Fräulein stok stille / kunte kein Ja
/und wollte kein Nein sagen / sondern blieb dabei / sie währe noch jung; wiewol
sie endlich sich so weit heraus liess / dass sie ihren Eltern allen Gehorsam
schuldig währe. Bei der Abendmahlzeit (wobei der GrossFürst vorsezlich nicht
erschien) fragete die GrossFürstin nach allerhand Begebnissen / und auff was
weise Ihre Fr. Tochter von ihrem Sohn Herkules erlöset währe / biss sie auff die
übergeschikten Kleinot zureden kam / da sie sagete: Es müste der Medische junge
Fürst mit den ihren grosse Vertrauligkeit pflegen /dass er einem unbekanten
Fräulein so köstliche Sachen überschickete. Neklam bekam alhier Gelegenheit
/Fürst Arbianes zurühmen / wie ihm von der Gross-Fürstin Valiska befohlen war /
zeigete an / wie freundlich und kühn er in dieser Jugend währe / dass er schon
ein fliegendes Heer führete / und Leches zum Feldmarschalk hätte; seine Länder
währen so gross /und mit Städten erfüllet / dass drei Fürsten sich damit zum
grossen überfluss behelffen könten; und machete des rühmens / daran er gleichwol
die Warheit nicht sparete / so viel / dass das Fräulein grosse Lust bekam / ihn
schier zusehen / redete aber doch kein Wort darzu / sondern wusste sich zustellen
/ als ob sie die Sache nicht anginge; woraus die Mutter ihre Verschlagenheit
wahrnam / deren sie sich zu ihr nicht versehen. Nach diesem fragete die
GrossFürstin / ob ihr Sohn in den Ländern wegen seines neuen Glaubens angefochten
würde / weil man vor gewiss sagete /es währe derselbe also beschaffen / dass er
keine andere Götter neben sich leiden könnte; welches Neklam beantwortete: Ihre
GrossFürstliche Durchl. möchte wohl versichert gläuben / dass der teure Fürst
Herkules wegen seiner Gottesfurcht und Frömmigkeit dermassen von hohen und
nidrigen gerühmet und geliebt würde / als einiger Mensch in der Welt. Von
seinem Glauben wüste er keinen Bericht zugeben / aber einmal währe gewiss / dass
seine Glaubensgenossen anjezt hin und wieder geduldet würden / da man sie vorhin
auffs äusserste verfolget hätte. Es fünde sich ein ansehnlicher alter Lehrer bei
ihm / den er als einen Vater ehrete / und neben anderen Christen sich von ihm
täglich unterrichten liesse; und hätte er mit Augen angesehen / dass derselbe
GrossFürsten Herkules und das Königliche Fräulein (die man billich das Weltwunder
nennete) nach Christlicher Art zusammen gegeben und vertrauet hätte. Es währe
unleugbar / dass GrossFürst Herkules dieser Lehre festiglich anhinge /und ob
gleich König Ladisla lange nit hätte können darzu gebracht werden / währe er
doch anjezt fast eiferiger als Herkules selbst; die GrossFürstin Valiska aber
freuete sich über nichts in der ganzen Welt so hoch / als dass sie zu dieses
Glaubens Erkenntnis kommen; und hätte er angehöret / dass sie mit sonderliche
Eifer gesprochen: Sie wollte sich ehe tausendmahl schinden / und hundert
tausendmahl braten lassen als diesen ihren jetzigen Gott verleugnen / oder neben
denselben einen andern Gott ehren / weil in höchster Warheit kein ander wahrer
Gott währe / als bloss dieser nur allein / welcher Himmel / Erde / Meer / und
alles was drinnen ist / durch seine Almacht erschaffen habe / und es in seinem
Wesen erhalte; Was man aber von andern Göttern vorbringe / sei nichts als
Menschengeticht und teuflische Lügen / dadurch die Menschen von der Seligkeit
abgeführet / und in das ewige Verderben gestürzet werden. Ihr singen / damit sie
Gott loben / fuhr Neklam fort / dringet durch Mark und Bein / dem der es anhöret
/ und wann sie behten /sehen sie als Engel Gottes aus / dann es scheinet / ob
habe die Seele des Leibes vergessen / und steige hinauff durch die Wolken / mit
GottSprache zuhalten. Ich vor mein Häupt schreibe ihnen alle ihre Glükseligkeit
wegen dieses Glaubens zu / dañ es däucht mich unmöglich sein / dass andere Leute
ihnen im unsträflichen Wandel es nachtuhn können. Kein unnützes Wort geht aus
ihrem Munde; Unzucht / Mord /Dieberei / Fressen / Sauffen / Verleumdung / und
dergleichen Laster darff vor ihnen nicht auffblicken / und wer ihr Diener sein
will / muss der Misshandelungen sich allerdinge entalten. Mich verlanget / dass ich
bald wieder bei ihnen anlangen möge / damit ich diesen köstlichen Glauben /
welchen sie den Seligmachenden nennen auch sasse; dann ob sie gleich niemand /
auch ihre Diener nicht / darzu nöhtigen / so nehmen sie doch ohn Unterscheid
einen jeden an / der es nur begehret / mit der Verwarnung / man müsse nicht
wähnen / ob wollte man bei diesem Glauben gute Tage in der Welt haben / sondern
vielmehr müsse man sich schicken / ein Unglück über das ander anzunehmen / weil
ihr Gott den Glauben und die Frömmigkeit nicht in diesem Lebe / sondern in dem
zukünftigen ewigen / mit unaussprechlicher Freude /Wollust und Herligkeit
ersetzen wolle. O das muss wohl ein mächtiger Gott sein / sagte das Fräulein
/welcher meiner Fr. Wasen und Schwester eine solche Kraft ins Herz drücken kann /
dass weder durch Tod noch Pein sie sich von ihm gedenket scheiden zulassen. Sage
dieses nit / mein Kind / antwortete ihre Fr. Mutter / dass es dein Herr Vater
höre / sonst würdestu seiner Gnade wenig übrig behalten; viel weniger rede es /
wann Pfaffen zugegen sind / dann sie würden dir ohn zweifel ein schlimmes Bad
zurichten. Solten sie an meinem lieben Herr Bruder ihren Muht noch nicht gnug
gekühlet haben? sagte das Fräulein; jedoch / wer weiss / wie ers ihnen dereins
wieder eintränket / wañ er / geliebts Gott / frisch und gesund seinen eigene
Grund und Bodem wieder betreten wird; einmal ist gewiss / dass der Herr
Abgesanter mir nicht geringen Lust gemacht / diesen seinen herrlichen Gott
anzunehmen. Mit solchen Gesprächen brachten sie den Abend zu / biss die Zeit der
Ruhe kam / da Neklam sich zu dem Fräulein machete / und sehr inständig anhielt
/ihr Antwort-Schreiben frühzeitig auffzusetzen / auch eben dasselbe bei ihren
Eltern zu befodern / weil ihre Reise sehr eilig währe. Sie erboht sich / bei den
Eltern solches zubestellen / ihre Antwort aber würde verhoffentlich wohl mündlich
können verrichtet werden. Nach Ihrer Gn. Willen / sagte er; aber das habe ich
wohl verstanden / dass meine Gnädigste GrossFürstin von Ihrer Durchl. gar unfehlbar
der schrifftliche Antwort gewärtig ist; massen / da von derselben ich hinweg
ritte / sie mir nachrief: Eriñert meine Frl. Schwester meines begehrens / dass
sie mir / was wegen ihres Bruders meines Gemahls / ich an sie gelangen lassen /
schrifftliche Antwort / und diese unter eigener Hand / zusende / dafern sie mich
vor eine Schwester erkennet. Das ist eine hohe Erinnerung /antwortete sie / nach
welcher ich mich billich richten /und meinen begierigen Gehorsam sehen lassen
muss; stund auch des morgens früh auff / und schrieb folgende Antwort / auff
welche sie diese Nacht über sich fleissig bedacht hatte:
    Grossmächtige Durchleuchtigste GrossFürstin / gnädige Frau Wase / Schwägerin
und Schwester; Euer Liebe Schreiben ist mir von Rükbringern dieses wohl
eingehändiget; weil aber durch Lesung / wenig unvermuhtlicher Zeilen (deren
Inhalts ich keinen Verstand habe) in gar zu grosse Scham gestürzet / ich das
Herz nicht ergreiffen können / es ganz durchzulesen / vielweniger / das andere
aus kindischer Unvorsichtigkeit erbrochene / weiter zu öfnen / die Kühnheit
gehabt / ohn dass ein köstlicher Ring daraus gefallen / welchen ohn zweifel mein
Herr Bruder Herkules mir geschenket; als gelebe ich der tröstlichen Zuversicht /
Eure Liebe werden mir freundlichst verzeihen / das zu fernerer Antwort ich nicht
gehorsame. Dem GrossFürstlichen Herrn Arbianes bitte ich / vor übergeschikte
unverdienete Kleinot höchlich zudanken welches zuverrichten ich unvergessen sein
müste / wann dessen Liebde Angesicht dermahleins zusehen sich zutragen würde;
Und wie ich nicht zweifele / Eure Liebe mir von herzen zugetahn sein / also ist
mein einiges Ansuchen /in solcher Gewogenheit unverrükt zuverharren; Dagegen ich
mich erbiete / Zeit meines Lebens zu sein und bleiben / Euer Liebe gehorsamste
und auffwärtigste Dienerin
                                                                          Klara.
    Dieses falzete sie artig zusammen / vermachte es mit einem durchzogenen
Goldfadem / und versiegelte es mit festem Lak / stellete es Neklam in geheim zu
/und befahl ihm / niemand / als der GrossFürstin selbst es einzuliefern. Es wahr
schon des vorigen Abends ein Römischer Abgesandter von Köln ankommen /mit
Bericht / Herr Julius Lupus / Käyserl. Stadtalter daselbst / hätte sich nach
dem benanten Orte schon hinbegeben / und würde der Gross-Fürst nicht seumen /
sich einzustellen / damit die schwebende Streitigkeiten in güte möchten
beigelegt und verglichen werden. Aus diesen Ursachen hatte er sich gestriges
Abends bei der Mahlzeit nicht finden lassen / sondern mit den vornehmsten
verschriebenen Ständen seines Landes sich beredet / auff was masse / und wie
weit man sich in Handelung mit den Römern einlassen wollte. Er brach diesen
Morgen mit dem Tages-Liechte auff /und befahl seinem Gemahl das
Antwort-Schreiben auffzusetzen / und seiner Nicht-Antwort Ursach zu melden.
Neklam aber musste mit seiner Gesellschaft das Früstük mit der Gross-Fürstin und
dem Fräulein einnehmen / da die Mutter ihre Tochter fragete; was sie dem
Medischen Fürsten zur Vergeltung schicken wollte; worauff sie antwortete; Ihr als
einem Fräulein würde nicht anstehen / jungen / und zwar fremden Herren einige
Verehrung überzumachen / hoffete / die Abgesandten würden die Mühe über sich
nehmen /und jhre freundliche Dancksagung an gebührenden Orten verrichten; dessen
Neklam / welcher den Brief schon von ihr empfangen / sich untertähnigst anerboht
/ und doch dabei meldete / wie angenehm seiner Gn. GrossFürstin ihrer Frl.
Schwester eigenhändige Antwort sein würde. Die Mutter antwortete / Sie wollte
nicht allein vor sich schreiben / sondern dir will gebühren / sagte sie zu dem
Fräulein / dass du deiner Frau Schwester und Wasen die schuldige Ehr durch einen
Brief erzeigest / in welchem du nähst gebührlicher Dancksagung wegen des
überschikten / dich deroselben zu allem Gehorsam anerbieten / und das vor sechs
Wochen dir von mir geschenkete Halsketchen jhr zusenden solt / mit Bitte / dass
sie es in deinem Nahmen dem Medischen jungen GrossFürsten / als ein Zeichen
gebührlicher Ehrerbietung und Dankes / einhändigen wolle. Dieses Ketchen war nun
sehr zierlich gemacht / an welchem 28. Demant als Glöcklein hingen / und zu
unterst ihr in Gold abgegossenes Brustbildichen / ganz eigen getroffen / und mit
ähnlichen Farben gemahlet / an welchem ein grosser Rubin hing / in dem ein Stern
gestochen wahr; die Umschrifft hiess: Klara / Frl. aus Teutschland. Sie erröhtete
ganz über ihrer Fr. Mutter Rede / und wahr ihr leid / dass sie den ersten Brief
schon von sich gegeben hatte / hoffete ihn doch wieder zu bekomen / und als ein
gehorsames Kind / taht sie nach ihrer Fr. Mutter Befehl / da ihr dann recht
liebe wahr / dass sie dem jungen Fürsten einiges Zeichen der Gewogenheit senden
sollte / weil sie in ihrem keuschen Herzen befand / dass die Furcht und Abscheu
wegen des Wendischen Freiers die Liebe zu dem Medischen alle Stunden vermehrete;
dessen sie sich in ihrem Schreiben gerne unter verdecketen Worten hätte
vernehmen lassen / wann sie der Mutter Augen / die es zuvor lesen wollte / nicht
gescheuet hätte; daher sie es dieser gestalt abfassete:
    Durchleuchtigste GrossFürstin / Gn. Fr. Wase / Schwägerin und Schwester;
wegen angebohtener grosser unverdieneter Hulde / auch übergeschikten Kleinoten
von dem Durchl. Medischen GrossFürsten / Herrn Arbianes / bedanke mich
untertähnig und freundligst; und auff ausdrücklichen Befehl meiner Gn. Fr. Mutter
übersende dessen Liebde zur anzeige eines dankwilligen Gemühts / beigefügtes
Halsskatchen / unter der Hoffnung / hochgedachter Fürst werde das geringe aus
gutem Herzen herrührend /von meiner Fr. Schwester Hand / meinetwegen anzunehmen
sich nicht wegern; Uns hiemit allerseits dem Schuz des Himmels empfelend / bin
und verbleibe euer Liebe gehorsamste und ergebene Dienerin
                                                                          Klara.
    Die Mutter erinnerte sie bei der Verlesung / es hätte wohl etwas zierlicher
und aussführlicher können gestellet werden / doch würde die eilfärtigkeit sie
entschuldigen; vermachte das Ketchen in einem güldenen Schächtelchen / und gab
dadurch dem Fräulein Gelegenheit mit Neklam zu reden / welchen sie ersuchete
/ihr das vorige Schreiben wieder zuzustellen / weil an dem jezt auffgesetzeten
es gnug sein könnte. Er aber gab demühtig zur Antwort: Nachdem von ihrer Gn. er
bereit einen ernstlichen befehl erhalten solches niemand / als ihrer Fr.
Schwester einzulieffern / hoffete er untertähnigst / es wurde dabei sein
verbleiben haben / weil er mit zehn als einem Schreiben viel angenehmer sein
würde. Dessen das Fräulein lachete /und es geschehen liess. Als die Mutter wieder
kam /stellete sie Neklam alles zu / schenkete ihm und Ruprecht jedem eine
güldene Kette dem Dolmetscher aber 150 Kronen zur Verehrung zu / nebest 800
Kronen zum Zehrgelde ingesamt auf den Rükweg / da sie dann nicht auffhöreten zu
eilen / unter der Hoffnung in Persenland schier wieder anzulangen.
    Fürst Baldrich / Herkules einiger Bruder / der nunmehr von 19 Jahren / wahr
nicht einheimisch / dann sein Herr Vater hatte ihn mit 20000 Mann seinem
Schwager dem Könige in Schweden / wieder die Reussen zu hülffe gesand / woselbst
er die erste bewehrung seiner Ritterschaft ablegen sollte. Dazumahl herschete in
Schweden König Haron / König Ragwalds Enkel / König Amunds Sohn / dessen Sohn
Fürst Siegward / ein Herr von 21 Jahren / mit nicht geringerer Liebe an
Baldrichen hing / als Ladisla an Herkules / hatten sich auch vereiniget / nach
geendigtem Kriege der Ritterschaft / wie ihr Bruder uñ Oheim / nach zusetzen /
daher sie König Haron embsig bahten / mit der ganzen Macht auff den Feind
losszugehen / auff dass man den gewünscheten Frieden desto schleuniger
wiederbringen könnte; welches sie auch erhielten / und durch eine herbe
Feldschlacht den Sieg erstritten / dass die Reussen gezwungen wurden /den Frieden
mit schweren bedingungen einzugehen; worauff Baldrich und Siegward von dem
Könige abscheid nahmen / vorgebend / nach Teutschland zu reisen; setzeten sich
mit zwölff ädlen Rittern / teils Teutschen / teils Goten zu Schiffe / und
fuhren zu Lande / wo jezt die Stad Wissmar belegen / ritten auch mit ihrer
Gesellschaft durch Teutschland des nähesten auff Italien zu / da ihnen
unterschiedliche Abenteur zustiessen / wodurch sie sich doch nicht auffhalten
liessen. Unter andern traff an den Italiänischen Grenzen eine Pannonische Schaar
von 20 Reutern auff sie /mit welchen sie ein herbes Treffen hielten / dass sie
fast allemiteinander verwundet wurden / und doch keiner das Leben zusetzete / da
hingegen ihre Feinde biss auff acht / ins Grass bissen / und diese durch die
Flucht ihr Leben retteten. Den unsern kam es zu statten / dass sie eine
ansehnliche Barschaft und viel Kleinot bei den Erschlagenen funden / auch deren
Pferde mit sich fortnahmen / weil sie stark und wohl abgerichtet wahren.
    Herkules und seine Gesellschaft spareten ihren Weg auch nicht / biss sie die
Stad Damaskus erreicheten /da Fabius mit 20 Römern voraus setzete / dem
Statalter / seinem nahen Anverwanten / Herrn Sulpitius ihre Gegenwart zu melden
/ welcher sich deren Ankunft hoch erfreuete / und ihnen auff eine Viertelmeile
entgegen zog. Herkules kennete ihn von ferne / eilete auf ihn zu / und bedankete
sich der vormahls erzeigete Ehre uñ Freundschaft / hätte zwar seine Rükreise
etwas richtiger nehmen können / aber sein Versprechen zu halten / ihn wiederumb
besuchen wollen. Sulpitius hiess ihn freundlich wilkommen / verwunderte sich des
Königlichen Prachtes / der vielen Wagen /und köstlichen Pferde / und da die
GrossFürstin mit dem Frauenzimmer ihm zu ehren von dem Elefanten flieg /
entsetzete er sich fast über ihrem herrlichen ansehen / und volkommener Schönheit
/ erzeigete sich ganz höflich gegen sie / und geleitete sie biss an ihre Gutsche
/ auff welche sie sich setzete / und ingesamt den Einzug in die Stad hielten /
woselbst schon das Geschrei aus des Statalters Hofe erschollen wahr /was vor
grosse Fürsten verhanden währen / daher die Gassen allentalben vol Menschen
wahren / dass man kaum zwischen her kommen kunte. Sie wurden von dem Statalter
Fürstlich bewirtet / der sie / ungeachtet alles einwendens / des andern Tages
noch nicht zihen lassen wollte; Herkules liess den Bischoff daselbst /mit dem er
auff der Hinreise Kundschaft gemacht / zu sich fodern / ihm und seinen Leuten
eine Predigt über den 9 und 10 vers des 32 Cap. des ersten Buchs Mose zu halten
/ welche Fabius mit anhörete / der bisher des Christlichen Glauben sich wenig
angenommen /wiewol ihm Ladisla schon offenbahret hatte / dass sein Gemahl Fr.
Sophia / so bald sie seiner Bekehrung von Leches verständiget / sich zum
Christlichen Glauben begeben / und durch ihre Frau Mutter auffs höchste erfreuet
hätte; In dieser Predigt aber begunte der heilige Geist in ihm zu wirken /
welches Herkules merkend / bei dem Bischoff anhielt / auff den Mittag eine Rede
zum Beweisstuhm der Warheit unsers Christlichen Glaubens zu tuhn; welches er
gerne bewilligte /und anfangs aus weltkündigen und vernunftmässigen Ursachen
behäuptete / dass nohtwendig ein GOtt sein müste / nach dem ja kein Mensch sagen
dürffte / das dieses grosse Weltgebau keinen Auffseher hätte / sondern seine
zierliche Ordnung und unwandelbahre Abwechselung der Zeiten / von einer
unendlichen Almacht herfliessen und erhalten werden müste; dann dass etliche
vorgäben / die innerliche Kraft dieser Welt währe GOtt / solches könnte mit der
gesunden Vernunft nicht zustimmen / weil mann oft solche Begebnissen sähe /
welche von dieser innerlichen Kraft nicht herrühreten / sondern derselben ganz
entgegen lieffen / oder doch anzeigeten / dass dieselbe mit deren Art / zeugung /
und fortsetzung gar nichts zu schaffen hätte; bliebe also dieses fest das ein
solches Almächtiges Wesen sein müste / welches der Welt Herr und Erhalter währe.
Hernach bewehrete er unser Seelen unsterbligkeit / und dass nach diesem
zeitlichen Leben nohtwendig ein ander folgen müste / nachdem ja alhie die
Gottlosen gemeiniglich das beste Glük hätten /und hingegen die frommen mannichem
Elende unterworffen währen / welches die Gerechtigkeit Gottes nicht würde
nachgeben können / dafern nicht inkünftig eine andere Zeit oder Ewigkeit
verhanden währe /da die Bösen ihre gebührliche Straffe / die frommen aber / so
nach Gottes Willen einhergingen / die Belohnung empfahen sollten. Hierauff
führete er starcken Beweisstuhm / dass Gott inbetrachtung seiner Güte /sich des
Menschlichen Geschlechts / als seines allerädlesten leiblichen Geschöpffes nicht
entschlagen könnte / sondern stete Sorge vor ihnen trüge / weil er ja der
allergeringsten Dinge sich annähme / dass sie müsten erhalten werden / und keine
Art der Tihre unterginge. Sorgete nun GOtt vor die Menschen / wie nicht anders
sein könnte / so würde er ja vor ihren ädlesten Teil / welches die Seele währe /
nit weniger / als vor ihren Leib sorgen / insonderheit / weil diese unsterblich
/ und nach diesem Leben ungetödtet bliebe. Als er diesen festen unbewäglichen
Grund gelegt hatte /fuhr er fort / uñ erzwang daher / Gott müste dem Menschen
nohtwendig geoffenbahret haben / durch was mittel / und auff was Weise er in der
Gnade Gottes verbleiben / und nach diesem zeitlichen Leben die Wolfahrt seiner
Seele erlangen könnte. Nun sollte man alle Heidnische Bücher durchsuchen / da
würde man vergebliche Arbeit anlegen / und hievon ausser etlichen wenigen
eingepflanzeten Fünklein nichts gewisses antreffen / sondern mehrenteils
kindische / ungöttliche / und wieder sich selbst streitende meinungen /die mit
leichter mühe / auch aus der Vernunft könten wiederlegt werden. Besähe man der
Heiden Gottesdienste unter dem ganzen Himmel / währen ja die närrische Possen
handgreiflich / welche sie von den Göttern getichtet hätten; dass man also alle
mühe vergeblich anwendete / wañ man bei ihnen nachfragete / wie der ewigen
Seligkeit nachzustreben währe. Kehrete man sich aber zu dem Judichen Volk / so
fünde sich vor erst diese Gewissheit / dass ihre Bücher die allerältesten / und
ihre Schrifften den Heidnischen weit vorgingen / so dass Moses vor dem Castor,
Æsculapius, Bacchus, Mercurius, Apollo, und vielen andern / die man nachgehends
vor Götter aussruffen dürffen / gelebet. In dieses Mose Büchern aber währe der
Christliche Glaube fest gegründet / dann es hätte Mose von dem HErrn Christus
geweissaget / anderhalb tausend Jahr zuvor / ehe er an diese Welt als ein Mensch
geboren worden. Also schloss nun dieser Lehrer / dass entweder der Judische
heutige / oder aber der Christliche Glaube der Seligmachende sein müste / oder
es währe gar kein wahrer Glaube in der Welt. Nun währe aber dieses lezte vor
unmöglich erwiesen / und könnte gleichfals den Juden leicht dargelegt werden /dass
ob sie zwar die Schrifften Mose uñ der Propheten annoch hätten / so mangelte
ihnen doch der rechte Verstand / weil sie den darin versprochenen Heiland nicht
erkeñen noch des Geistes deutung annehmen wollten / sondern alles auff das
Irdische ausslegeten /und ihnen eine weltliche Glükseligkeit traumen liessen /
die ihnen nun und nimmermehr wiederfahren würde / angesehen / sie den gerechten
Zorn Gottes durch hinrichtung des ihnen zugeschikten Heilands /sich über den
Hals gezogen hätten / dass sie nunmehr kein geliebtes ausserwähltes / sondern
verstossenes Volk währen; müste demnach endlich nohtwendig folgen / dass die
Christliche Lehre die wahre und Seligmachende währe. Nach diesem aussführlichen
Beweisstuhm erklärete er des Christlichen Glaubens heilige Volkommenheit / als
welche überaus nichts ungöttliches in sich begriffe / viel weniger billichte
/sondern die Menschen nur auff Gottes und des nähesten Liebe hinführete / auch
wie man im Kreuz und Leiden geduldig sein / und der von Gott gesetzeten
Obrigkeit Gehorsam leisten müste / in alle dem / was nicht wieder Gottes Ehre
und der Erbarkeit fleissige bewahrung stritte. Schliesslich führete er des
Menschen dreischiedlichen Stand ein / wie er nehmlich anfangs von Gott gerecht /
volkommen und heilig erschaffen / aber bald darauff durch den leidigen Satan
verführet / sich und alle seine Nachkommen des treflichen Ebenbildes Gottes in
geistlichen Sachen allerdinge beraubet / und ins zeitliche und ewige Verderben
gestürzet / Gott aber sich ihrer wieder erbarmet /und seinen Sohn vor sie in den
Tod dahin gegeben /auff das durch dessen Leiden und büssung die Gerechtigkeit
Gottes vergnüget / und seiner Barmherzigkeit der freie Lauff geöffnet würde /
deren alle diese zugeniessen hätten / die sich auff das verdienst des Sohns
Gottes verlassend / in allen Christlichen Tugenden sich übeten / und da sie
durch fleisches schwachheit in eine oder andere Sünde gerieten / sich bald
wieder erhohleten / und durch wahre Busse zu Gott umbkehreten. Hiemit wollte der
Christliche Lehrer seine Rede schliessen; aber Ladisla / welcher ihm den
Beweisstuhm / dass die Christliche Lehre allein die wahre seligmachende Lehr währe
/ sehr wohl gefallen liess / hielt bei ihm freundlich an / er möchte ihm und
anderen Anwesenden Christen zum besten / noch diesen Knoten aufflösen / und sie
ingesamt unterrichten /wodurch man eigentlich und unstreitig behäupten könnte /
dass dieselben Christen allein die wahre Kirche Gottes währen / und die
rechtgläubigen / die also lehreten und gläubeten / wie die Christen zu Rom / zu
Padua / zu Korint / zu Damaskus / und andere / so sich zu ihres Glaubens
einigkeit bekenneten; hingegen aber dieselben den unrechten und falschen Glauben
hätten / welche nicht mit ihnen übereinstimeten / sondern in vielen oder doch
etlichen Stücken eine andere Meinung behäupteten. Der Lehrer lobete an Ladisla
/dass er so gefliessen währe / den festen Grund der Warheit zuerkennen / und das
Zeichen / durch welches alle Ketzer und falsche Lehrer sich selbst verrieten /
dass sie irreten / und eine nichtige Lehre führeten; und fing darauff an diesen
unterricht vorzutragen: Es ist wohl zubeklagen / dass der abgesagte Feind der
Warheit der leidige Teuffel / so grosse Macht und Gewalt hat / dass er auch in
der Kirchen Gottes sich darffinden lassen / das schädliche Unkraut der
verdamlichen Lehre daselbst ausszustreuen; wiewol auch durch solches schädliche
übel unser Gott etwas gutes wirket / nehmlich / dass die rechtschaffene Christen
offenbaht werden / in dem sie solchen Irtuhmen sich eiferig wiedersetzen / und
die reine Warheit zubehäupten / alle mögligkeit anwenden. Ich will hieselbst
nicht anführen / was gestalt die Phariseer und Sadduzeer unserm Heilande und dem
Worte Gottes haben wiedersprechen dürffen; sondern meinem jetzigen Zuhörern und
ihrem Christlichen begehren zufolge / nach vermögen einfältig melden / dass bald
nach unsers lieben Erlösers Himmelfahrt / die falschen Brüder sich haben
hervorgetahn / und ihre menschlichen Getichte unter dem Nahmen der Christlichen
Lehre / hin und wieder aussgebreitet / wodurch manniche gläubige Seele ist
geärgert und in zweifel und Irtuhm gestürzet worden. Halte auch gänzlich davor
/ es sei die obangeführte Frage mit bloss zu dem Ende zubeantworten aufferlegt /
umb den eigentlichen Grund darzustellen / auff welchen ein gläubiger Mensch
sicher bauen und trauen mag / so dass er kräftig bewehret sei und bleibe / die
Lehre / welche er hat angenommen / sei die rechte auffrichtige und
unbetriegliche Warheit. Dieses fest zustellen / müssen wir uns versichern / dass
die Apostel und Jünger des HErrn den Menschen alle dieselbe Lehre haben
vorgetragen und mitgeteilet / welche ihnen zur Seeligkeit zu wissen nöhtig ist /
und Gott nach dieser ersten Lehrer abscheid / uns keine neue offenbahrungen
wiederfahren lassen wolle / solche glaubens Stücke uns beizubringen / von denen
obgedachte Jünger des HErrn nichts geschrieben noch gelehret haben; wie solches
der heilige Märterer Irenæus / des heiligen Polycarpus Schüeler in seinem
vierdten Buche wieder die Ketzereien bestetiget / da er diese Worte führet: Der
Jünger des HErrn ihre Lehre / welche biss auff uns gekommen / vor allen
menschlichen Getichten behütet / und in der ganz vollen Abhandelung der Heilgen
Schrifft verfasset ist / kann durchaus nicht leiden / dass man etwz hinzu tuhe
oder davon nehme. Woraus dann dieses folget / dass alles / was ein Stük des
wahren Christlichen Glaubens sein soll /müsse richtig und klar erwiesen werden /
dass es von des HErrn Jüngern gelehret sei. Welchem nach die reinen Lehrer aller
ihrer Lehre Beweisstuhm aus der H. Schrifft Altes und Neuen Bundes nehmen / und
dasselbe alles verwerffen / was darinnen nicht zufinden ist. Und zwar nicht
allein dieses halten wir vor falsch / was gerade wider das Wort Gottes streitet
/sondern auch / was ausser demselben Worte Gottes will vorgebracht und ertichtet
werden / als zur Seligkeit nöhtig. Nun findet sich aber insgemein dieses beides
bei den Ketzern und falschen Lehrern / dass sie neue GlaubensStücke schmieden /
und dass sie der uhralten Lehre widersprechen. Wiewol sie dieses lezten nicht
gerne sich wollen lassen beschuldigen / weil dadurch ihres Vorbringens
Richtigkeit auffgedecket wird. Aber gleich wie der Wolff sich nicht verbergen
kann / ob er gleich einen Schafspeltz anleget; noch die Schlange / ob sie gleich
den Kopff unterm Steine verstecket; also verräht sich ein jeder Ketzer und
falscher Lehrer durch sein Vorbringen / wie scheinbar er gleich seinen Irtuhm
vorbringen mag; welches wir bald finden / wann wir ihn nur nach und aus dem
Worte Gottes richten. Weil aber einem einfältigen Christen es nicht gegeben ist
/ dass er die Geister allemahl sollte prüfen können / ob sie aus Gott sind; so
haben zu deren Unterweisung ein und ander Lehrer /des Christlichen Glaubens
nöhtige Stücke in kurze Auszüge verfasset / welche die Einfältigen mit leichter
Mühe begreiffen / und sich deren als einer Richtschnuhr der Lehre gebrauchen /
dass wann ihnen etwas neues vorgetragen wird / sie alsbald zumutmassen haben / es
müsse solches zuvor wohl überlegt werden / ehemans añimt. Und dieses ist das
beste Mittel /wodurch die Unwissenden vor Ketzereien und falsche Lehren können
bewahret werden. Ladisla fragete weiter; ob dann die Ketzereien und falschen
Lehren unter den Christen so mannigfaltig währen. Welches der Lehrer
beantwortete: Es wehren schon unterschiedliche Arten der Ketzereien / und liesse
sich ansehen /der listige Menschenfeind wurde nicht ruhen / deren je länger je
mehr auszuhecken. Der erste Ketzer zeit des Neuen Bundes / sagte er / von
welchem die andern alle als aus der allergifftigsten Wurzel scheinen entsprungen
sein / wahr Simon der ErzZäuberer / seines Herkommens ein Samariter / dessen in
den Geschichten der Apostel / von Lucas auffgezeichnet / Meldung getahn wird /
welcher auch endlich den Lohn der Bosheit empfing / als die beiden teuren
Knechte Gottes / der Heilige Peter und Paul ihn zu Rom vor aller Welt zuschanden
macheten; massen als derselbe vorgab / er wollte sichtbarer weise gen Himmel
fahren /da behteten diese zu ihrem Gott und Heilande / welcher diesen ErzKetzer
aus der Lufft herunter stürzete /dass er an seinen Gliedmassen zerschmettert
ward. Dieser verwägene Bube durffte sich selbst vor den wahren Gott / ja vor
Vater / Sohn / und Heiligen Geist zugleich ausgeben / und sein unzüchtiges Weib
die Selenen oder Helenen vor eine Mutter aller Geschöpffe / von welcher auch die
Engel gemacht währen / von denen nachgehends diese Welt erschaffen worden. Er
versprach allen das ewige Leben / die an ihn und sein Weib würden gläuben / uñ
gab ihnen Freiheit / nach allem Muhtwillen zuleben / welches ihnen an der
Seligkeit durchaus nicht sollte schädlich /sondern vielmehr befoderlich sein.
Nach seinem erschreklichen Tode warff sein Landsman der schnöde Menander sich
vor das Haupt dieser schändlichen Rotte auff / und wahr ja so ein grosser
Zäuberer / als sein Lehrmeister Simon. Wenig Zeit nach diesem Leutebescheisser
entstunden die unflätigen Nicolaiten / deren in Johannes heimlicher Offenbahrung
gedacht wird. Diese durfften sich auch vor Christen ausgeben / und waren doch
ein abgeschäumeter Unflaht aller unverschämten Buben / weil sie allerhand
Schande und Unstäterei betrieben / und ihre Weiber unter sich gemein hatten. Aus
dieser frechen Gesellschaft entstunden die alten Gnostici oder die Wissende und
Erleuchtete genennet / welche in den Fleisches unzimlichen Werken noch mehr
ersoffen wahren als die vorigen; dann sie gaben vor / dass durch solche
Schandenbetreibung man eigentlich zur Seligkeit gelangete. Und damit auch diese
möchten die reine Lehre von unserm Heilande zerrütten / gaben sie vor / derselbe
währe nicht von Marien der Heilig hochgelobeten Jungfrauen gezeuget / sondern
sie hätte denselben uns nur gezeiget oder gewiesen; es hätte derselbe auch nicht
die wahre Menscheit angenommen / sondern nur eine Gestalt / derselben ähnlich.
Der Nazareer / wie auch des Korintus und Ebions Ketzerei trat auff die Bahn /
ohn gefehr / da Jerusalem von Vespasian zerstöret ward. Diese lebeten zwar nit
so gar unrein /aber die Heilige Lehre verfälscheten sie gewaltig; gaben vor /
nicht Gott selbst hätte die Welt erschaffen / sondern eine andere Nebenkrafft /
die nicht Gott sei. So währe auch der HErr JEsus nicht wahrer Gott /noch Gottes
Sohn / sondern von Joseph und Marien gezeuget; doch währe er klüger und heiliger
gewesen als andere Menschen. Ihr erster Ketzer-Meister Cerintus tichtete; es
währe JEsus von Marien geboren /Christus aber währe in denselben JEsus komme /
als er die Tauffe empfangen / und zwar in gestalt einer Taube / und durch diesen
empfangenen Christ hätte JEsus Zeichen und Wunder getahn. Als nun JEsus gelitten
/ währe Christus wieder von ihm gewichen und gen Himmel gefloge / als welcher
nicht hätte leiden können. Ebion aber hielt es in diesen Stücken nicht mit dem
Cerint / sondern gestund beides / dass Gott selbst die Welt gemacht / und dass
Jesus und Christ ein einziges Wesen oder eine Person wehre / nur steckete er in
dem Irtuhm / dass derselbe nicht Gott / sondern ein blosser Mensch wehre; und
eben dieses meinten auch die Nazareer / welche nebest den beiden jeztgedachten
vorgaben / es müsten die Christen so wohl die Beschneidung und andere Judische
Gesetz halten / als nach dem Evangelion leben. Es hat aber der Evangelist
Johannes die wahre Gotteit unsers Heilandes wider diese Ketzer / in seinem
Schrifften gewaltig verteidigt. Nachgehends / etwa vor hundert Jahren / ist des
Simons und Menanders Schule gross worden / durch die teuflischen Ketzer / den
Saturninus / Basilides und Karpokrates / welche zwar unter sich selbst nicht
allerdinge einig waren / aber doch dergestalt mit einander leicheten / dass sie
die Schöpfung der Welt nicht Gott selber / sondern den Engeln zulegten / und
zugleich unsers Heilandes wahre Gotteit unverschämt leugneten; überdas auch die
schändlichen Werke des Fleisches vor gut und wohl zugelassen hielten / und
hingegen den Heiligen Ehestand schändeten. Insonderheit entielt sich des
Saturninus Anhang alles Fleischessens / und betrogen durch solchen äusserlichen
Schein viel einfältige Herzen. Diese miteinander verneuerten den ehmahls von
andern gebrauchten Nahmen / und nenneten sich Gnosticos, die Erfahrnen und
Hochverständigen / da sie doch von dem Satan am Verstande allerdinge verblendet
wahren / dass sie das böse gut / uñ das gute böse neñeten. (Es hat der Leser von
diesen Teufelskindern schon Nachricht im Andern Buche dieser Geschichte am 387
Blade.) Nach der Zeit erweckete der Satan zween schädliche Ketzer / den Valentin
und Marcion. Des Valentihns Anhang gehörete mit unter die Zunft der Gnosticorum
oder vermeinten Hochweisen / welche solche wunderliche Träume von Gott / von
der WeltSchöpfung und andern Lehrstücken führen / dass sie des auszischens mehr
wert sind / als Hesiodus mit seiner Götter Geburt / und Ovidius mit seinen
Verwandelungen. Aus unserm Heilande machen sie weder einen GOtt noch einen
Menschen / sondern einen geistlichen Leib / der vom Himmel kommen /und durch der
Jungfrauen Marien Leib hindurch gelauffen sei / wie das Wasser durch eine Röhre
/ dessen Wesen es nicht an sich nimt; geben auch nicht zu / dass unsere Leiber
die Aufferstehung von den Todten zuhoffen haben. Das menschliche Geschlecht
teilen sie in dreierlei Arten aus / als die Irdische / Seelenmässige / und
Geistliche. Die Irdische sollen ganz vergehen. Die Seelenmässige / da sie gutes
tuhn / sollen an einem Mittelorte zur Ruhe kommen; Die Geistlichen aber (vor
welche sie keine als sich selbst halten) bleiben ewig / kommen an den Ort der
volkommenen Seligkeit / und werden mit den Engeln verheirahtet; Welchen
Geistlichen dann frei stehe / nach allem Willen ihr Leben zuführen / so dass kein
Laster / Unzucht noch Frecheit ihnen an der Seligkeit könne schädlich oder
hinderlich sein. Marcion aber nam des ehmahligen Zerdons Fantastereien vor
Warheit an; Es währen zween Götter / ein guter und böser. Der böse hette die
Welt gemacht / und die GesetzesLehr gegeben / daher er das Alte Testament der
Heiligen Schrifft verwarff; gab vor / der Menschen Leiber vergingen ewig. Den
Ehestand verboht er / und hielt unsern Heiland vor einen solchen / der weder ein
wahrer Mensch / noch jemahls geboren / sondern nur ein Gespenst wäre / oder
eine Erscheinung ohn Leib /daher er auch nicht gelitten hätte / noch leiden
können. Den BruderMörder Kain / die Leute zu Sodom /und andere ungläubige Heiden
preisete er vor selige; Den Abel / Enoch / Noah und andere Gottselige Altväter
aber vor verdamt; Dann jene währen dem H. JEsus / da er hinunter zur Helle
gestiegen / entgegen gangen / uñ hätten seiner Lehre gegläubet; Diese aber
hätten ihm nicht gegläubet / daher sie in der Helle bliebe. Und ob gleich diese
Ketzerei sehr ungereimt ist / und nirgends Grund hat / so findet sie doch hin
und wieder Anhang / in der nähe und ferne. Bald nach diesen Schwärmern kahmen
Hermogenes / Montanus und Tatianus angestiegen / und hatten ihre absonderliche
falsche Lehren. Hermogenes gab vor / nicht allein Gott währe von Ewigkeit her /
sondern auch das Zeug / aus welchem alle Dinge gemacht sind. Dass nun etliche
Dinge böse sind / solches haben sie nicht von Gott (welches dann wahr ist)
sondern von des Zeuges oder der Matery Mangel / daraus sie gemacht sind (welches
falsch ist / weil ganz kein Ding seinem wesen nach böse ist). Der Montanus ist
ein sehr schädlicher Ketzer gewesen uñ hat auch gelehrte Christen verführet;
Seine Glaubensgenossen werden sonst Cataphryges genennet. Sich selbst hielt er
vor den von unserm Heilande versprochenen Paracletum oder Vorsprach und Tröster.
Zwei Weiber / die Priscilla und Maximilla hatte er bei sich / gab sie an vor
sonderliche Weissagerinnern / deren Schrifften er die heiligen Bücher nennete.
Den Ehestand verwarff er gar; welches auch der Tatian taht / und nam dieser
grossen teils des Valentins Lehre an; Wein trinken und Fleisch essen hielt er
vor eine grosse Sünde; Und hat auch dieser bei vielen unbedachtsamen Menschen
Beifall gefunden. Endlich hat vor etwa dreissig Jahren sich ein neuer Schwärmer
auffgeworffen / nahmens Praxeas / welcher gerichtet / Gott der Vater selbst
währe JEsus Christ / welcher gestorben / gen Himmel gefahren / und zu seiner
selbst eigenen Rechten sich gesetzet habe; Seine Glaubensgenosse werden
Patropassiani genennet / weil sie / wie gesagt / vorgeben dürffen / GOtt der
Vater selbst habe am Kreuz gelitten. Diese angeführete sind die vornehmsten
Ketzer / welche inwendig diesen 193 Jahren nach unsers Heilandes Himelfahrt
entstanden sind; und ob deren zwar mehr erzählet werden / so sind doch die
übrigen der jeztgemeldeten ihre Schüler / und haben nach belieben einen Irtuhm
von diesem / einen andern von jenem entlehnet und angenommen / und also
vermischte Ketzereien angerichtet. Dass ich aber nach dieser Erzählung zur Sache
schreite / und die mir auffgetragene Frage aus dem Grunde beantworte /nehmlich /
woher es zuerweisen sei / dass alle dieselben genanten Christen / falsche und
nicht-recht-gläubige Christen sind / welche mit uns / die wir die algemeine oder
Catolische Kirche sind und genennet werden / nicht übereinstimmen; so ist
dieses der klare und grundfeste Beweisstuhm; weil solche Menschen /teils neue
Lehre vorbringen / welche wir von den Jüngern oder Bohten des HErrn nicht
empfangen haben; teils auch sich unterstehen dürffen / das Heilige uhralte Wort
Gottes / in des Mose und der Propheten Schrifften verfasset / zu leugnen /
auffzuheben / und eine ganz widerwertige Lehre vorzutragen / durch welche jenes
Wort Gottes Lügen gestraffet und verworffen wird. Da wird nun kein verständiger
/ und aus Gottes Wort unterrichteter Mensch so unbedachtsam verfahren / dass er
solchem blossen vorbringen der falschen Lehrer alsbald wollte Glauben beimässen /
sondern da wird er nachfragen / woher er sein Vorbringen zubehaupten bedacht
sei. Berufft er sich auf göttliche Offenbahrungen / so hat man ihm entgegen
zustellen /dass der warhafte Gott / welcher beständig ist in seinen Worten und
Tahten / sich ja selbst nicht werde zum Lügner machen / noch seine eigene
Warheit auffheben. Und wollte dann gleich ein solcher Schwärmer sich erbieten /
sein Vorgeben durch Zeichen und Wunder zubestetigen / so müssen wir ihm doch
nicht gläuben / sondern solche Wunder vor des Satans Werke halten / weil nicht
allein unser Gott Zeit des Alten Bundes uns schon gewar schauet hat / dass wir
auch den Wundertähtern nicht sollen gläuben / die wider GottesWort etwas
vorbringen / sondern unser Heiland hat solche Warnung wiederhohlet / und uns
angezeiget / dass viel falsche Propheten und Schwärmer werden auffstehen / und
viel Zeichen und Wunder tuhn / durch des Satans Hülffe / ihre falsche Lehre
damit zubekräfftigen / so dass nicht allein die einfältige sichere Herzen /
sondern wohl gar die auserwehlten Kinder Gottes / wanns möglich währe / dadurch
möchten verführet werden. Derwegen so haben wir kein sicherer Mittel / die
Geister zuprüfen / ob sie aus Gott sind / als wann wir ihre Lehre aus Gottes
Wort richten / uñ zugleich nachfragen / ob dann die algemeine Kirche Gottes von
Anfang her also gelehret habe; finden wir dann eines von diesen beiden nicht bei
dieser Prüfung / so sollen wir getrost sagen: Teuffel du leugest / du bringest
nicht die wahre Lehre GOttes / sondern deine schändliche Lügen hervor /die
Menschen dadurch von Gott abzuführen / und sie durch Irtuhm ins Verderben
zustürzen / derwegen so traue ich dir nicht / ob du dich gleich in einen Engel
des Lichts verstellen / und von äusserlicher Scheinheiligkeit / wie die Sonne
gleissen möchtest. Als nun der Lehrer hiemit seiner Rede die Endschaft gab /
dankete ihm Ladisla vor solche Unterweisung / und sagte zu den anwesenden: Ich
wundere mich nicht ein geringes / dass solche Rotten und Irrgeister von einigem
Menschen beifall erlangen können / da sie ihre eigene Tichtereien vortragen /
welche nohtwendig müssen Lügen sein; Und würde ich trauen dem Hesiodus /Ovidius
und andern viel ehe Glauben zustellen / als welche nicht ihre eigene Erfindungen
vorbringen /sondern was sie von ihren Vorfahren gehöret haben. Dessen bin ich
mit meinem Bruder eins / antwortete Valiska / möchte nur wünschen / einen
solchen falschen Lehrer selbst zusprechen / umb zuvernehmen /wie er doch auff
die unhintertreiblichen Gegenwürffe der Rechtgläubigen antworten wollte / deren
einen einzigen umzustossen oder zweiffelhaftig zumachen ihm ja allerdinge
unmöglich ist. Hernach hielt sie bei dem Lehrer freundlich an / er möchte sein
jetziges vorbrigen etwas weitläufftiger auffsetzen / und ihr solches bei erster
Botschaft auff Jerusalem nachschicken; Welches er dañ nit aus der acht liess /
und vor solche Mühe eine reiche Vergeltung bekam.
    Fabius hatte diesem Lehrer und alle seinem Vorbringen mit sonderlichem
fleisse zugehöret / worauff unsere Helden gute acht gaben / und die Hoffnung
fasseten / er würde sich zum Christentuhm begeben. Dem Bischoff stellete Valiska
sonsten vor dissmahl 100000 Kronen zu / unter den armen Christen in den Syrischen
Städten ausszuteilen. Fabius gab ihm derobehuef absonderlich / ohn der unsern
wissen / 5000 Kronen / mit begehre / er möchte Gott vor ihn bitten /dass er in
seinem angehenden Glauben zur Seligkeit gestärket würde; welches er ihm
geträulich versprach / auch einen Catechissmus oder Glaubens-Büchlein verehrete /
in welchem er fleissig lesen / und vor sich selbst Gott im Himmel anruffen sollte
/ dass er ihn ferner erleuchtete. Herrn Sulpizius Gemahl / Fr. Justinen
schenketen sie etliche kostbahre Kleinot / und begabeten alles sein Gesinde
reichlich / nahmen auch den jungen Sulpizius seinen Sohn gerne mit sich in ihrer
Gesellschaft fort / der ein guter Ritter / seines alters von 24 Jahren wahr / und
zu Rom seine versprochene Braut Frl. Benignen hatte / Herrn Klaudius Krispinus
Tochter / die er besuchen wollte. Als sie nun des andern Tages nach ihrer ankunft
von Damaskus hinweg zogen / und unsere Helden ingesamt mit dem Frauenzimmer auff
dem Elefanten sassen / redete Ladisla seine Schwester also an; Ich erfreue mich
von Herzen / dass ich den Jordan schier erreichen / und zu abwaschung meiner
Sünde die heilige Tauffe empfangen werde / deswegen ich dann gesonnen bin / mich
durch wahre Busse und fasten darauff zuschicken / dass ich dieses selige Bad
wirdig empfahen möge; zweifele auch nicht / die so eben dasselbe mit mir
zunehmen willens sind / werden sich gleicher gestalt darzu bereiten. Valiska
bedankete sich der brüderlichen Erinnerung / gab es Leches und seiner
Gesellschaft zuverstehen / und ordneten von dem Tage biss an ihre Tauffe eine
Fasten unter sich / da sie des Tages nur einmal gegen AbendSpeise nahmen / und
dabei nichts als Wasser trunken / hielten auch täglich dreimal Behtstunde / des
morgens wañ sie auffbrachen / des Mittages wañ sie ruheten / und des Abends wann
sie sich niderliessen; wobei Fabius sich immer mit finden liess / der doch sein
Vorhaben noch keinem Menschen offenbahret hatte. Wie sie an die Galileischen
Grenzen kahmen / besuchten sie alle nahmhafte örter / deren in heiliger
Schrifft meldung geschihet / dañ diese hatte Valiska mit sonderlichem fleisse
ausgezeichnet / und in ein Büchlein geschriebe. Erstlich besahen sie Kana / im
Galileischen Lande belegen / und liessen sich das Haus zeigen / in welchem der
HErr Christus Wasser hatte zu Wein gemacht. Von darab zogen sie gen Nazaret /
besahen den Ort / wo der ErzEngel Gabriel der keuschen Jungfrauen Marien die
fröliche Botschaft gebracht / dass sie den Heiland zur Welt gebehren sollte / und
zeigeten ihnen die Christen einen Brunnen / aus welchem das Kindlein JEsus
seiner Mutter hatte pflegen Wasser zu hohlen / daher unsere andächtige Pilgrim
Lust bekahmen / anfangs aus diesem Brunnen zu trinken / und nachgehends sich
daraus zu waschen. Von dannen reiseten sie nach Kapernaum / da der HErr Christus
sein meistes Wesen und Wohnung gehabt / und ward ihnen daselbst mannicher Ort
gezeiget / an welchen er seine Wunderwerke verrichtet. Von dannen zogen sie über
den Jordan /und besahen Chorazin; kehreten wieder zurück nach Betsaida / und von
darab nach den Bergen Tabor und Hermon / auch nach der lustigen Stad Naim /
woselbst unser Heiland den Todten Jüngling im Sarge zum Leben aufferwecket
hatte. Ferner reiseten sie nach Tyberias / und wieder Westwerz nach Sichem. Von
Sichem nach Samaria / und endlich nach dem gewünscheten Ort Betabara / da sie
die heilige Tauffe empfangen wollten. In allen diesen Städten teilete Valiska
unter den Christen so reichlich aus / dass sie damit über eine Tonne Schaz
vertaht / und wo Christliche Schuelen wahren / gab sie auff 10 Jahr lang den
Lehrern und Schülern reichen Unterhalt / worzu sie drei Tonnen Schaz anwendete.
Fabius meldete erst zu Betabara den unsern sein Vorhaben an / dass er von
Damaskus her die Christliche Lehre zimlich gefasset hätte / auch willens währe /
die heilige Tauffe anzunehmen; dessen sie höchlich erfreuet wurden / uñ Valiska
ihm etliche Stunden lang die schweresten Glaubens Stücke einfältig erklärete.
Herkules sendete seinen Gallus mit verstelletem Angesicht nach Jerusalem zu dem
Bischoff / liess ihn seine Ankunft vertraulich wissen / und dass etliche hohes
Standes mit ihm kommen währen / die heilige Tauffe zu empfahen; möchte demnach
die Mühe auff sich nehmen / und mit dem alten Lehrer / der ihn getauft hätte /
auff dem geschikten Wagen hinaus kommen / dass der Statalter dessen nicht inne
würde / dem er sich zu rechter Zeit schon wollte zuerkennen geben. Der Bischoff
freuete sich über Herkules ankunft / und dass ihm Gott glücklichen fortgang seines
vorhabens verlihen / zog des folgenden morgens mit Gallus in aller frühe fort /
uñ ward von den unsern sehr wohl empfangen / denen er eine herrliche erklärungs
Predigt von der Einsetzung und nuzbarkeit der H. Tauffe hielt; hernach vor erst
das Frauenzimmer / nachgehends die Mannesbilder verhörete / und sie dermassen
gegründet befand / dass weitere unterweisung unnöhtig wahr; insonderheit
verwunderte er sich des Christlichen Eifers / welchen er bei der GrossFürstin und
ihrem Bruder / wie auch bei Leches spürete / vermahnete sie zur beharligkeit
/und blieben fast den ganzen Tag im Gespräch vom ChristlichenGlauben / dann die
unsern nahmen den Tag gar keine Speise zu sich / und die ganze Nacht über
blieben sie im Gebeht. Des folgenden morgens gingen anfangs das Frauenzimmer mit
dem Bischoff an den Jordan / und empfingen die heilige Tauffe /hielten ihr
Danksagungsgebeht am Ufer eine Stunde lang / und wurden inzwischen Ladisla und
Fabius; und nach ihnen Leches / Klodius / Markus / Neda und Prinsla; endlich
Timokles und Mardus getauft. Nach verrichtetem andächtigen Gebeht / setzeten sie
sich zu Tische / und hielten Mahlzeit in aller Gottesfurcht; da die GrossFürstin
mit dem Bischoffe allerhand Christliche Gespräch führete / der ihr allernähest
sitzen musste. Nun hatte aber Herr Pompejus die Zeitung zu Jerusalem schon
bekommen / dass etliche vornehme Herrn mit einer grossen Anzahl Reuter und Wagen
/auch einem sehr statlichen Elefanten zu Samarien (dann hieselbst mussten ihre
Leute liegen bleiben) ankommen währen / deswegen er einen Reuter dahin schickete
/ um nachzufragen / was vor Leute sie währen / und von wannen sie kähmen.
Herkules hatte sich dessen schon besorget / und dem jungen Sulpitius
auffgetragen / was auff diesen Fall sollte geantwortet werden / welcher demnach
den Abgeschikten berichtete / es währen etliche vornehme Römische Herrn mit
statlichen Käyserl. Geleitsbrieffen ankommen / diese Landschaft zubesehen / weil
sie Christen währen /und sünden sich etliche des Herrn Statalters nahe
Anverwanten mit unter ihnen; währen ein wenig aussgeritten / und würden ihren Weg
(wohin / wüste er nicht) erstes Tages weiter fortsetzen. Unsere getauffete
machten sich dessselben Tages wieder zurück nach Samarien / wurden dieser
Nachfrage berichtet / brachen alsbald mit allen Völkern und Wagen auff nach
Jerusalem / und nahmen die Nacht zu hülffe / dass sie des andern Tages früh
morgens vor dem Tohr wahren / meinten auch ohn sonderbahre Nachfrage in die
Stad gelassen zu werden / welches ihne doch fehlete /massen der Wachtmeister
ihnen etliche entgegen lauffen liess / und geboht / der Stad nicht zu nahen / biss
ihnen solches vergönnet würde; sie aber zogen algemählig fort / einwendend / dass
sie Römer / und des Statalters Freunde währen / die ihn zubesuchen kähmen.
Pompejus sendete ihnen bald darauff zehn Reuter entgegen / und liess nachfragen /
was vor Leute sie währen. Plautus wahr mit unter ihnen uñ ersah Gallus / dessen
er sich höchst erfreuete / nicht zweifelnd /Herr Herkules würde mit dabei sein;
aber Gallus redete ihn alsbald auff Medisch an / dass er sich keiner Kundschaft
merken liesse / weil sein Herr unerkennet sein wollte / biss er sich dem
Statalter selbst meldete. Diese aussgeschikte bahten Herrn Fabius / (dann unsere
Helden liessen sich nicht sehen) er möchte mit den seinen stille halten / biss
einer hinritte / dem Statalter seine Antwort zu melden; dann Fabius hatte
gesagt /er kähme von Padua / seinen Herrn Vetter auff der Reise zu grüssen. Die
unsern sahen / dass sie mit ihrem ganzen hauffen nicht würden ungemeldet
eingelassen werden / daher Herkules / Ladisla und Arbianes sich in eine Gutsche;
Valiska mit Libussen und Euphrosynen sich in eine andere setzeten / und Fabius
mit Sulpitius / Leches und Gallus zu Rosse folgeten /denen dann der Einzug nicht
gewegert ward / da ein Reuter kurz vor ihnen her ritte / uñ seinem Herrn dem
Statalter anzeigete / dass seine Verwanten / die sich durchaus nicht melden
wollten / mit geringer Gesellschaft seinem Hofe naheten / daher er seinem Gemahl
und Tochter befahl / sich in Eile zuschmücken. Als sie noch einen zimlichen Weg
von des Statalters Wohnung wahren / stiegen sie ab / und gingen zu fusse hin.
Herkules und Ladisla traten voraus / Arbianes und Fabius folgeten auff dem fusse
/ Leches und Gallus / welche Sulpizius begleiteten / traten hinten nach /
allesamt in treflicher Kleidung nach standes Unterscheid / ohn einige Waffen /
nur mit leichtem Seitengewehr. Die drei Fürsten und Fabius hatten sich auff eine
Weise gekleidet / in einem glänzenden SilbernStücke mit Demanten besezt / und
auff den Hüten grosse weisse Federbüsche. Kurz nach ihnen folgete GrossFürstin
Valiska in gleicher Kleidung /und ihre genante Begleiteriñen hinter ihr. Das
Burg-Tohr wahr verriegelt / und ehe dann es geöffnet ward /meldete sie zuvor ein
Diener an / es begehreten etliche trefliche Herrn / eingelassen zu werden. Der
Statalter befahl alsbald auffzutuhn / ging ihnen entgegen / und ward im
Vorplatze Herkules gewahr / dem er umb den Hals fiel / und ihn mit diesen Worten
empfing: Ich rechne diesen Tag vor einen meiner glückseligsten /nachdem mein GOtt
an demselben meinen hochgeliebten Herr Sohn mich frisch und gesund sehen lässet
/ und zwar / wie ich merke / nach glücklicher verrichtung seines vorhabens.
Herkules bedankete sich der hohen Ehrerbietung / und antwortete: Ja mein
hochgeliebter Herr Vater; der Almächtige Gott hat das geraubete Königl. Fräulein
durch mich erlöset / und sie nur zum Gemahl bescheret / welche dort her komt /
sich meinem Herr Vater als eine gehorsame Tochter darzustellen / auch grosses
verlangen trägt / mit meiner Frl. Schwester Frl. Lukrezien Kundschaft zu machen.
Meiner Zusage mich eriñernd habe ich auff der Rükreise nicht vorbei zihen /
sondern meinem Herr Vater zusprechen sollen / da ich dann meine geliebte
brüderlichen Freunde / Ladisla / Böhmischen König / Arbianes Medischen
GrossFürsten / auch Herrn Fabius und Sulpizius mit mir führen wollen. Pompejus
empfing dieselben nach Standes Wirdigkeit / sehr freundlich / und erzeigete
Ladislaen so hohe Ehre / dass dieser sich dessen endlich beschwerete; Weil aber
die GrossFürstin schon stund / und auf ihn wartete / hiess er sie sehr ehrerbietig
wilkommen / und sagete: Durchleuchtigste GrossFürstin; meine schlechte Wohnung
hat sich / als lange sie stehen wird / zu rühmen /dass ihre Vortreffligkeit nicht
vorbei zihen / sondern bei ihrem bereitwilligsten Herberge nehmen wollen; und
weil mein Gemahl und Tochter vorlängst gewünschet / Ihrer Durchl. auffzudienen /
wolle dieselbe freundlichst gebehten sein / unsere Gesellschaft ihr gefallen
zulassen / und mit einem bereit stehenden Willen vorlieb zu nehmen. Valiska
neigete sich tieff gegen ihn bedankete sich der hohen unverdieneten Ehre / währe
vor sich so kühn nicht gewesen / dem Hochmögenden Herrn Statalter Ungelegenheit
zumachen / sondern vorerst ihrem Gemahl zugehorsamen /dann auch Gelegenheit
zusuchen / seiner Liebe vor die ihrem Gemahl erzeigete grosse Freundschaft
zudanken / und mit dem trefflichen Fräulein schwesterliche Freund- und
Kundschaft zumachen / deren hohe Tugend ihr Gemahl nicht gnug hätte rühmen
können; bähte demnach sehr dienstfleissig / ihrer Kühnheit zuverzeihen / und mit
überflüssiger Ehre sie hochgünstig zuverschonen. Pompejus wusste / dass die seinen
verlangen trugen / die fremden Gäste zuerkennen / trat mit den Mannesbildern
unter den gewölbeten Bogen /und sendete hin / sie ohn anmeldung der fremden
herzufodern / denen die GrossFürstin mit ihren beiden Nachfolgerinnen entgegen
trat / und jene sich wegen ihrer ausbündige Schönheit nicht gnug verwundern
kunten / biss nach freundlicher umfahung Valiska also anfing. Durchl. Fr.
Statalterin / auch Hochgebohrnes vortreffliches Fräulein; meine Verwägenheit /
dieselben unangemeldet zu überlauffen / habe ich durch nichts zuentschuldigen /
nur dass auff die hohe Gunst ich mich verlasse / mit welcher sie meinem Gemahl
Mütter- und Schwesterlich verwand und zugetahn sind / dessen kind- und
brüderlichen Gruss anzumelde / ich unvergessen sein wollte / wañ er solches nicht
selbst zuverrichten willens währe. Ach Gott / antwortete das Fräulein / ist dann
Eure Hocheit etwa meines höchstwerten Herrn Bruders / des Durchleuchtigsten
GrossFürsten / Herrn Herkules Gemahl? welches ich daher muhtmassen muss / weil
sonst keiner in der Welt sich meiner schwesterlichen Liebe rühmen kann. Valiska
umfing sie mit einem inniglichen Kusse / und sagete: Eben dieser ist mein Gemahl
/ hochgeliebtes Fräulein / und bin ich so erböhtig als schuldig / Ihrer Liebe
wegen der ihm geleisteten schwesterlichen Dienste / nach aller Mögligkeit
dankbar zusein. Wann auch meine Hochwerte Freundinnen belieben tragen / ihren
Sohn und Bruder zusprechen / sehen sie ihn dort her kommen. Das Fräulein
erwartete ihrer Fr. Mutter Begleitung nicht / sondern ging ihm entgegen /und
ward von ihm mit einem brüderlichen Kusse empfangen / da er zu ihr sagete:
Hochwerte Frl. Schwester; wegen vertraulicher Freundschaft habe ich nicht
unterlassen können / ihre Liebe zubegrüssen / und ihr mein Gemahl sehen zulassen
/ welche nichts höhers wünschet / als in ihre vertrauliche schwesterliche
Freundschaft auffgenommen zusein. Ach wie angenehm / sagte sie / ist mir meines
Durchl. Herrn Bruders Gesundheit und glückliches Wolergehen / möchte von herzen
wünschen / dass seinem Königliche Gemahl ich der gebühr nach auffwarten könnte /
deren gleichen an Schönheit und anderen Volkommenheiten / ohn Zweifel in dieser
Welt nicht ist. Meine Frl. Schwester / antwortete er / wird an ihr ein ergebenes
Herz finden / und bitte sehr / sie wolle alle Gedanken solcher unzimlichen
Demuht ablegen / dafern sie sonst mein Herz nicht betrüben will. Sie hätte gerne
geantwortet / aber wie sie berichtet ward / was vor welche die mit ihrem Vater
herzunahende währen /ging sie ihnen entgegen / und empfing sie mit sonderlicher
Höfligkeit / da sie gegen Ladisla sich des Wunsches gebrauchete / dass sein
geliebtes Gemahl möchte zugegen sein; Welches ihm keine schlechte Begierde nach
ihr in seinem Herzen erweckete / insonderheit /weil das Fräulein ihr sehr
ähnlich wahr. Inzwischen hatte Herkules sich zu der Statalterin gemacht / von
welcher er mütterlich gewilkommet ward. Valiska aber nahete sich wieder zu dem
Fräulein / deren fröliche Bezeigungen ihr sehr wohl gefielen / hielt manniche
holdselige Unterredung mit ihr / und legten mit einander eine vertrauliche Liebe
an / deren doch das Fräulein sich unwirdig schätzete / und sich zu allen dienst-
und Auffwartungen erboht. Herr Pompejus liess die Wagen auff einen grossen Platz
zusammen führen / da sie Tag und Nacht fleissig bewachet wurden; die Reit- und
Wagenpferde aber auf die Dörffer verlegt / die 400 Reuter blieben in der Stad /
und der Elefant ward auf die Burg geführet / da er gute Stallung fand. Es wahr
allerseits grosse Freude / nicht anders / als währen Kinder und Eltern /
Schwester und Brüder zusammen kommen / dass niemand wusste / mit wem er am
liebsten reden wollte; welches allermeist an dem Fräulein erschien / massen sie
bald mit Herkules ein Gespräch anfing / und mitten in demselben abbrechend / mit
der GrossFürstin anlegete; bald ihren Oheim Fabius seines ergehens fragete. Das
Mittagsmahl ward auf dem gewöhnliche Saal angerichtet /wobei Geminus der
Bischoff sich einstellete / zu welchem der Statalter sagete: Ihr habt sehr wohl
getahn /Ehrwürdiger Vater / dass ihr dieser Fürsten und Herren Ankunft mir
verhehlet / damit ich wegen schlechter Bewirtung mich desto besser
zuentschuldigen hätte. Er merkete diesen Stich wohl / gab zur Antwort /dass er
zwar schuldig gewesen / Ihrer Gn. alles zeitig anzumelden; weil er aber selbst
nicht gewust / was vor Herren ihn hinaus gefodert / er auch gleich jezt von
Betabara zu Hause angelanget währe / hoffete er / Ihre Gn. würden ihn wohl
entschuldiget halten. Es ward niemand als die Fürsten / nebest Fabius und
Sulpizius an diesen Tisch gesezt / und musste Frl. Lukrezie mit Gewalt sich
zwischen Herkules und Valisken setzen / der Bischoff aber blieb vornen an bei
dem Statalter. Nach geendigter Mahlzeit hätten sie die heiligen örter der Stad
gerne besichtiget / aber diesen Tag kunte es ihnen nicht gegönnet werden / und
wahr der Statalter bedacht / auff den Abend einen Tanz anzustellen / welches
Herkules hiemit abwendete / dass sie ingesamt willens währen / des folgenden
Tages das Heilige Abendmahl zugebrauchen / uñ zugleich ein Dankfest zuhalten /
dass ihr Heiland sie bisher so väterlich bewahret / und an diesen gewünschten Ort
sicher gebracht hätte; welche er ihm wohl gefallen liess / und sich erboht / des
wahren Leibes und Blutes des Sohns Gottes mit zugeniessen; dann er hatte mit
seinem Gemahl und Tochter schon vorm halben Jahre sich täuffen lassen. Als nun
solches des nähesten Tages von früh Morgens an biss auff den hohen Mittag
verrichtet wahr / hielten sie das Mahl in Fröligkeit mit einander; nach dessen
Endigung der Bischoff etliche mit Seitenspiel herzu foderte / die allerhand
Christliche Gesänge erklingen liessen / und mit der Stimme darein sungen; da
endlich Valiska die Laute foderte / etliche schöne Vorläufchen spielet / und
bald darauff folgendes Lied / welches sie diese Nacht getichtet hatte darein
sang:
                                       1
Nun der Winter ist dahin /
Ja der Winter meiner Schmerzen /
Dem ich jezt entrissen bin /
Liegt mir nicht mehr auff dem Herzen;
Der mich vor so hart geplagt /
Und durch tieffen Schlam getrieben /
Ist / wie Artaban jezt klagt /
Hinter mir in Parten blieben.
                                       2
Du mein Heiland / du mein Schuz /
JEsus / hier vor mich gelitten /
Hast des wilden Parters Truz
Vor der Faust rein abgeschnitten;
So dass O HErr deine Gunst /
Mitten unter Unglücks wüten
Vor des frechen Tigers Brunst
Meiner gnädig wollen hüten.
                                       3
Du mein JEsus bist mein Schild /
Der Verderben abgekehret /
O du Gottes Ebenbild /
Uber alles hochgeehret;
Was vor Dank soll deiner Macht
Ich Unwirdige doch singen?
Die mir Heil und Leben bracht /
Wie man ging / mich zuverschlingen.
                                       4
HErr / ich trat daher ohn Licht /
Lag im finstern Todes-Grabe /
Kante deinen Namen nicht /
Den ich jezt im Herzen habe;
Darumb stiess des Unfals Wuht
Meine Seele leicht danider /
Weil ich nichts / als Fleisch und Blut
Suchte / das mir hülffe wieder.
                                       5
Aber nun des Vaters Wort /
JEsus / sich mir offenbahret /
Hab ich einen starken Hort /
Der mir Leib und Seel bewahret /
Der in mir des GlaubensFeur /
Und der LiebeBrunst entzündet /
Dass kein Hellisches Geheur
Raum und Stelle bei mir findet.
                                       6
O du Himmels-Gnade du!
O du Trost der schwachen Seelen!
O du hochgewünschte Ruh!
Nimmer kann es denen fehlen /
Die in deinem Schutze sein.
Nun so hilff HErr / und vollende /
Dass ja deiner Güte Schein
Nimmermehr sich von uns wende.
                                       7
Lass im Glauben uns bestehn /
Biss wir diesen Leib der Erden
Durch des Todes übergehn
Abzutuhn gezwungen werden /
Dann führ' unsre Seele hin
Zu der Ruhe deiner Gnaden /
Wie dein Bruder-Herz und Sinn
Uns dahin hat eingeladen.
                                       8
O wie werd ich mich alsdann /
Höchstes Heil / an dich ergetzen!
Hier leid ich / so viel ich kann;
Dort wirstu die Pein ersetzen
Mit der Unaussprechligkeit.
JEsus / wann wird es geschehen /
Dass dein arme Christenheit
In das Paradeiss soll gehen?
    Alle anwesende höreten ihre geistlichen Andacht fleissig zu / und
verwunderten sich über die Inbrunst /welche sie durch äusserliche Geberden
scheinen liess /dass auch die Freuden-Tränen ihnen sämtlich aus den Augen drungen
/ weil sie die ihren fliessen sahen; daher der Bischoff Gelegenheit nam / durch
ein Christliches Gespräch sie zu stärcken / und sagte zu ihr: Durchleuchtigste
Gross-Fürstin; das ist die durchdringendeste Hertzens-Freude / zu welcher wir von
Gott erschaffen sind / wann wir an unserm Heilande alle unsere Seelenbelustigung
haben; dann hiedurch empfinden wir auch noch in diesem Lebe den süssen Vorschmak
jener unsäglichen Wollust / die unser Heiland durch sein Leiden und Tod uns in
dieser Stad erworben hat. Ja Ehrwürdiger Vater / gab sie zur Antwort: Wolte GOtt
/ dass unser muhtwilliges Fleisch sich nur stets könnte oder wollte zwingen lassen
/ dem irdischen abzusterben / und dem Geiste die himlische Betrachtung zugönnen;
aber leider! ich empfinde mit dem teuren Apostel Paulus auch das Gesez der
Sünden in meinen Gliedern / das da widerstreitet dem Gesez in meinem Gemühte /
und nimt mich täglich gefangen / indem es mir bald dieses / bald jenes einwirfft
/ und oft mitten in der AndachtsGluht meine Gedanken mit der Angiessung des
Weltwassers störet / dass sie der Betrachtung nicht gebührlich nach setzen /
sondern in dem ich mein bekantes Gebeht mit den Munde spreche / der Siñ wohl auff
ein anders hingezogen wird / und die Zunge das ihre volführen lässet; Und wann
ich mich bissweilen von dieser mir selbst widrigen Schwebung lossreisse / will sie
doch immer anhalten / und der Andacht den Lauff verhindern. Nichts neues /
Durchl. GrossFürstin / nichts neues /sagete der Bischoff / sondern diss ist eben
der Streit und Kampff / welchen die Gläubigen in dieser Irdischeit täglich
erfahren müssen; dann wir dürffen unsern Feind nicht weit suchen / sondern
tragen ihn in unserm Busem mit uns umher. Aber darüber sollen wir keinen
Zweifelmuht an uns nehmen / sondern uns trösten / dass unser Alkräfftiger
Verfechter JEsus / uns in diesem Kampfe nicht ohn hülffe lassen / sond'n mit
seiner Gnugtuhung beispringen will / auff dass / wo unser schwaches Vermögen
zukehret / seine Almacht gelten / und unsern Abgang reichlich ersetzen soll;
fehlen wir dann bissweilen aus Fleisches Schwacheit /und sehen / dass der faule
Esel nicht folgen will / wie der Geist treibet / sondern durch Gegenwürffe des
Gesichtes oder Gehörs / oder anderer Begierden abgeleitet wird / müssen wir uns
doch an der Gnade Gottes genügen lassen / wann wir nur unser Gewissen rein
behalten / oder da wir gestrauchelt / uns in der Zeit wieder auffrichten. Wer
dann also streitet / dem wird der gerechte Richter an jenem Tage die EhrenKron
nicht versagen. Aber wie schwer dieser Kampff zugehet / und wie wenig denselben
recht antreten dürffen /sihet man an den Welt-ergebenen / die nicht allein den
Irrungen der Andacht sich nicht entgegen setzen / sondern des unbendigen
Fleischesbegierden nit eins wiederstehen wollen / weil sie nach ihrer
Zärtligkeit dem Fleische nicht versagen können / was ihm sanfte tuht. Es ist
wahr / antwortete die GrossFürstin / dass der ungezäumete Weltauffe den
üppigkeiten sporenstreichs nachhänget / welches zwar die innerliche Bosheit in
ihnen brütet / aber die Gewohnheit leget dessen bei ihnen noch den
allerfestesten Fuss / dass man sie weder durch Vermahnung noch Zwang abhalten kann;
daher muss der Geist bei ihnen nohtwendig erliege / wie stark man gleich / ihn
losszureissen / bemühet ist; und tuht hierzu der Unglaube nicht wenig / welcher
der blinden Vernunft die Gewissheit des zukünftigen Gutes überal
zweiffelhaftig machet / da sie den gegenwärtige Schatten wählet / damit sie nit
um bei des betroge werde / weil sie doch das verborgene vor nichts hält. Ich
bekeñe dz vor meiner Bekehrung ich mañichen unnützen Gedanke angewendet habe; ob
die anreizung zur Tugend / nit nur allein um des gemeinen nutzen wille angesehe
/ denen aber / die dariñen sich übe / nur ein eingebildeter Wahn währe. Ja /
gedachte ich / wz hat jener davon / dz er um eines anderen willen sich schlagen
/ verwunden und erwürgen lässet / und könnte von seinem überflusse alle
erdenkliche Wollust einnehmen? Bald fiel mir ein; was man mir von Göttern sagete
/ könnte nit allerdinge errichtet sein / und müste man denen zum schuldigen
gehorsam die Tugend üben; aber der Zweifel wollte sich hiedurch noch nicht
dämpfen lassen / sondern der verworrene Sinn rennete der vorigen Bahn wieder
nach; wer hat jemahls einen Gott gesehen? vielleicht werden sie uns zum
Schrecken eingebildet / auff dass wir durch solche Furcht eingehalten werden /
unserer Wollust nachzuhängen / gleich wie man eine Klapper auff den Baum stellet
/ die Vogel abzuschüchtern /dass sie den Kirschen keinen Einfall tuhn; oder wie
man einem Knechte den rauchen Pelz umbhänget / die schreien den Kinder damit zu
stillen. Also wahr mein Herz in stetem Wankelmuht / welcher vielleicht wohl
andere mehr einnimt / und zu Frecheit antreibt / als lange ihnen das Licht der
Warheit nicht scheinet / und ich daher über der Heiden Gottlosigkeit eben so
hoch mich nicht verwundere; aber wann ich erleuchtete Christen sich in Sünden
und Schanden wälzen sehe /solches gibt mir überaus grosse ärgernis / und
verfluche diese unmenschliche Bosheit / dass sie wieder Wissen und Gewissen
streben / nicht anders / als lieffe ein Verurteileter mutwillig ins Feur / da
ihm doch der Richter Gnade und Lebensfristung anbeut / wann er nur seinem Frevel
steuren / und des Feurs sich entalten könnte. Der Bischoff wollte ihr dieses
beantworten; aber Libussa meldete ihr an / dass ihr eingesperretes Hündichen sie
der gestern morgen stets getrauret /und keinen Bissen hätte essen wollen. Sie
meinte aber ihren zahmen Löuen / den sie in einen Kasten gesezt hatte / welcher
keinen Tag von ihr bleiben wollte /so heftig liebete er sie / und sie daher ihn
ihr Schosshündichen zu nennen pflegete. Sie hörete Libussen anbringen nicht gerne
/ und ging hin / ihn zubesehen. Als sie nun zu ihm trat / und die Tühr am Kasten
öffnete / dass er hervor gehen kunte / sprang er frölich um sie her / dass die
Diener sich verwunderten; sie aber ihn speisen liess / und ihn mit sich auff den
Saal führete / welches dem anheimischen Frauenzimmer und anderen mehr / nicht
geringen Schrecken brachte / dessen sie doch bald benommen wurden / als sie
sahen /wie gehorsam er sich gegen die Gross-Fürstin erzeigete / dann er stellete
sich hinter ihr / und wartete nicht anders auff als ein Diener. Nach mittages
gingen sie hin / alles denkwirdige zubesichtigen / an was Orte Pilatus Richtaus
gestanden; auff welcher stäte der HErr JEsus gegeisselt / gekreuziget / und
begraben werden; hernach fuhren sie ingesamt hin nach dem Oelberge / wo der
Garte Getsemane gelegen wahr /an welchem Platze Herkules den Juden bestritten
/und die andern gekreuziget wahren / und brachten hiemit die Zeit zu biss an den
Abend. Die damahl gebraucheten Kreuze stunden noch allesamt auffgerichtet /und
solches den Juden zur Warnung und schrecken /doch sah man an denselben / dass
sie viel alte und neue Hiebe zeigeten / welche ihnen die Juden täglich gaben /
damit sie bald niderfallen möchten. Gallus besah die Kreuze gar genaue / und
ward an denselben gewahr / dass viel Ehreisches daran gekritzelt stund /welches
Plautus lesen und verdolmetschen musste / da sich dann befand / das erschrekliche
grausame Verfluchungen über Herkules und den Statalter von den Juden daran
geschnitten wahren / wiewol mit sehr kleiner und übel leserlicher Schrifft /
welches Herr Pompejus gerne alsbald geeifert hätte / aber auff Herkules Raht
unterdrückete er seinen Zorn / und stellete etliche heimliche Schildwachten aus
/ welche zu Tag und Nachte fleissige acht geben sollten / ob ein oder ander Jude
bei solchen Kreuzen sich würde finden lassen; welches kaum vier Stunde anstund /
massen 16 junge verwägene Juden hinzugingen / und nicht allein unterschiedliche
neue Hiebe daran tahten / sondern noch schlimmere Flüche über Herkules / den
Statalter / und den Römischen Käyser selbst hinein schnitten. Die bestelleten
Hüter nahmen dessen wahr /sendeten einen ihres mittels nach dem Statalter und
liessen ihm solches anmelden / welcher unter Gallus anführung 30 bewehrte Mann
hinaus schickete /denen obgedachte Juden begegneten und von ihnen gefangen
angenommen wurden; auch besichtigte Plautus die Kreuze fleissig / schrieb die
neuen Buchstaben ab / und brachte sie dem Statalter; welcher solches nicht
unbillich empfand / die Tähter befragete / auch auff ihr freimuhtiges Bekäntnis
sie geisseln / und als Auffrührer wieder die höchste Obrigkeit kreuzigen liess;
welches die gesamte Judischeit hoch empfand /und doch dawider nichts vornehmen
durfte. Bei spätem Abend / da sie über Tische sassen / und die Stadtor schon
verschlossen waren / kam der Wachtmeister und meldete an / es hielten drei
Reuter haussen vorm Tore / begehreten eingelassen zu werden / uñ gäben vor /
sie kähmen aus Teutschland / und währen von der GrossFürstin Valiska auff ihre
Wiederkunft hieher bescheiden. Die GrossFürstin bejahete / dass es ihre Leute
währen / daher sie alsbald eingelassen /und zu ihr auff ein absonderliches
Gemach geführet wurden / da Neklam alle begebnissen erzählete / und nach
gemeldetem Grusse die Schreiben einlieferte /welche sie brach / und der alten
GrossFürstin Fr. Gertrud zu erst lase / also lautend:
    Herzallerliebste Fr. Tochter; deren gewünschete Erlösung und Heirat mit
meinem lieben Sohn Herkules / hat meine Seele höchlich ergetzet / insonderheit /
weil euer Liebe gute Gewogenheit zu meiner Fr. Tochter ich aus ihrem beliebten
Schreiben überflüssig gesehen / welches mit Elter- und Schwesterlichem Herzen an
unser Seite nach mögligkeit soll ersetzet werden; dafern auch der Durchl. Fürst
aus Meden das vorgetragene weiter gebührlich suchen wird / will ich äusserst mich
bemühen / euer Liebe zu gefallen / es also zubefodern / dass andern Freiern sie
versaget / und da es den Göttern also gefallen sollte / diesem gefolget werde /
weil unsere Zuversicht nicht zweiffeln kann / eure Liebe werde uns keinen
unwirdigen vorschlagen. Vor übergeschikte Kleinot wird freundlich gedanket / und
die Vergeltung versprochen; dass aber mein Gemahl selbst nicht geantwortet / wird
Einbringer dieses / berichten können. Lebet wohl herzgeliebete Fr. Tochter mit
eurem Gemahl meinem allerliebsten Sohn /uñ nähst Mütterlicher begrüssung dessen
/ und eures Herrn Bruders / meines auch herzgeliebten Sohns Königes Ladisla /
seid göttlicher Obhuet unter der Vermahnung befohlen / dass ihr ingesamt mit
eurer hochgewünschten Gegenwart bald erfreuet / eure geträueste Mutter
                                                                        Gertrud.
    Bald hierauff durchsah sie auch der Fräulein beide AntwortSchreiben / und
ward der übergeschikten Halskette an Arbianes sehr froh / welche sie zu sich nam
/ wieder zur Gesellschaft ging / und den dreifachen Gruss an Herkules und Ladisla
ablegete /welches Arbianes mit sonderlicher begierde anhörete /aber wohl gedachte
/ dass sie ihm sein Glük oder Unglück in geheim melden wollte; wie sie dann / da
sie zu Bette gingen / zu ihm sagete: Geliebter HerrBruder /morgen will ich eure
Liebe auch erfreuen / weil sichs hinte nicht hat schicke wollen; welches er mit
grosser Hoffnung annam / und dass er diese kurze Zeit gerne abwarten wollte. Diese
Nacht begehrete die GrossFürstin Frl. Lukrezien zur Schlaffgesellin / welches ihr
überaus lieb wahr / dann sie hatte sich dermassen in sie verliebet / dass ihr
dauchte unmöglich sein / sich wieder von ihr trennen zu lassen. Des morgens früh
wartete Arbianes mit verlangen / was vor Zeitung ihn erfreuen oder betrüben
würde / da die GrossFürstin ihn später als er wünschete / fodern liess / und mit
diesen Worten ihn empfing: Mein Herr Bruder / welcher gestalt eure Liebe ich
allemahl zur beständigen Hoffnung angespornet / ist ihm nicht unwissend / und
mag er sich wohl versichern / dass ich nicht zweiffele / wir werden unser Vorhaben
zum gewünscheten Ende ausführen / dessen ich dann in dem empfangenem Schreiben
gnugsame Zeugnis habe. Es lässet aber der GrossFürst und sein Gemahl eure Liebe
freundlich grüssen / und bedanket sich nicht allein meine Frl. Wase vor
übergeschikte Kleinot / sondern übersendet zugleich euer Liebe dieses
Halsketchen mit ihrem Brustbildichen / unter der Zuversicht / mein Herr Bruder
werde es willig annehmen / und als ein Zeichen ihres dankwilligen Gemühts ihr
zum steten Gedächtnis tragen. Arbianes wusste nicht / mit was Ehrerbietigkeit er
dieses annehmen und beantworten sollte / bedankete sich zum höchsten / dass sie
seinen Wunsch schon so weit fortgesetzet / und erbot sich / nach ihren willen
alles zurichten. Nachgehends taht Valiska ihrem Herkules alles kund / und dass
sein Herr Vater sich keines Unwillen gegen die Abgesanten wieder jhn hätte
vermerken lassen; sie begehrete auch von ihm / dass der Morgenländischen Fürsten
Geschenke möchten abgeladen und besichtiget werden / damit dieselben es nicht
vor eine Verachtung ausslegeten / wann sie dereins von Arbianes solche
Unterlassung vernehmen sollten. Also wurden den ganzen Tag über alle Sachen von
den 200 Wagen auff die Burg getragen / da sie eine so überaus grosse Menge an
gemünzetem Golde / Kleinoten /ädlen Steinen / Perlen / und köstlichen Tüchern
sahen / dass sie sich darüber entsetzeten und ganz unwillig wurden / dass sie sich
gegen Arbianes vernehmen liessen / wann sie nicht fürchteten dass die vereinigte
Fürsten es vor eine Beschimpfung auffnehmen würden /wollten sie ihnen alles
wieder zurück senden / dann sie müsten sich schämen / so übermachte Schätze vor
ihre geringe Dienste anzunehmen; welches aber Arbianes höchlich verbaht / und
daneben beteuerte / dz /da es geschehen würde / er seinem Herr Vater nicht
dürffte unter die Augen komen. Weil auch angezeiget ward / dass etliche Juden die
vergangene Nacht sich zwischen die Wagen verstecket / und dieselben zubestehlen
vorgehabt / wurden auch die übrigen Wagen abgeladen / und die Tähter nach
empfangenem Staupbesem des Landes auff 20 Meile von Jerusalem / verwiesen. Des
folgenden Tages zogen die unsern samt dem Statalter und den seinen auff dem
geputzeten Elefanten aus nach Betlehem und andere örter /allerhand denkwirdiges
in Augenschein zu nehmen /und gelangeten des andern Tages umb den späten Abend
wieder zu Jerusalem an / dann sie durfften nicht weiter gehen / weil die
Gross-Fürstin ihrem Herkules zu wissen taht / dass sie die Geburtzeit heran nahen
merkete; wie sie dann von Gott des folgenden morgens umb sechs Uhr ihrer
weiblichen Bürden entbunden ward / und sie eines sehr wolgestalten Herrleins ohn
sonderliche Schmerzen genase / wusste auch die Geburtswehe dergestalt zuverbergen
/ dass man gar geringe verenderungen an ihr spürete. Was nun vor grosse Freude
nicht allein bei den lieben Eltern /sondern allen Anwesenden hierüber entstund /
gaben sie alle an den Tag; und liess Herkules dem Bischof behueff der Armen
Christen im Judischen Lande /eine Tonne Goldes einreichen / auch vor die gnädige
Entbindung eine öffentliche Danksagung in ihren Versamlungen anstellen. Es wahr
der achte Tag des Wintermonats / des 226sten Jahrs / heutiger gemeinen Rechnung
/ nach der Geburt unsers Heilandes / da das Herrlein zur Welt geboren ward / uñ
hatte die liebe Mutter in wehrenden sechs Wochen allerhand bedienung von Fr.
Terenzia / Frl. Lukrezien und ihrem eigenen Frauenzimmer / unter welcher Zeit
unsere Helden dem Gejägte und andern Fürstlichen übungen oblagen / insonderheit
aber den Löuen und andern grimmigen Tihren nachstelleten. So bald die sechs
Wochen zum Ende gelauffen / liess Herkules sein liebes Söhnlein durch die heilige
Tauffe dem HErrn Christus zuführen; wobei als Gezeugen erbehten wahren Ladisla /
Pompejus und Fabius / die ihn Herkuliskus nenneten / und hiemit der lieben
Eltern Wunsch unvermuhtlich erfülleten. Nach verrichteter Tauffe stellete
Herkules ein Fürstliches Mahl drei Tage lang an / wobei ein Ringelrennen
gehalten ward; worauff das GedächtnissFest der Geburt unsers Heilandes einfiel /
welches die unsern mit grosser Andacht hielten. Die GrossFürstin hatte zeit ihrer
Sechs Wochen ein ReimGeticht auffgesetzet über die Rede des grossen Engels an
die Hirten / und über den Lobgesang der himlischen Heerscharen / welches sie dem
Bischoff zuverlesen gegeben / weil es in Lateinischer Sprache auff Pindarische
art geschrieben war; derselbe liess es von etlichen Christlichen Schülern
auswendig lernen / welche es an diesem Feste auff des Statalters grossem Saal /
mit männigliches Vergnügung sungen / und allemahl das Seitenspiel mit
einstimmete / so dass in den ersten fünff Satzen der grosse Engel / in den dreien
lezten aber die himlischen Heerschaaren den Anfang macheten / denen immerzu die
Hirten antworteten / und darauff ein Häuflein an statt der Christlichen Kirche
die andere Antwort gab /gleich wie die GrossFürstin es eingerichtet hatte / und
hieselbst vorgestellt wird.
                                 Weihnacht-Lied
                     Nach Pindarischer Weise eingerichtet.
                                 Der Erste Saz.
                            Des grossen Engels Rede.
Ihr Hirten sollet Furcht und zagen1
Hinweg aus euren Hertzen jagen;
Den Schrecken leget von euch hin /
Der eure Seel hat überwogen;
Ich komme nicht mit Schwert und Bogen /
Ich der ich Gottes Boschtaft bin /
Euch grosses Wunder anzumelden
Nach welchem Väter und die Helden
So manches Seufzen und Geschrei
Zu Gott gen Himmel hingeschicket /
Damit sie würden frank und frei
Vom Tode der sie hart bestricket.
Das klare Licht / der helle Schein /
Damit ich gänzlich bin ümbgeben /
Sol euren Augen / eurem Leben
Zu diesem mahl unschädlich sein.
                                Der I. GegenSaz.
                              Der Hirten Antwort.
O heller Glanz! der Seraphinen /
Die unserm Himmels-Fürsten dienen /
Der alle Wolken auffgedecket /
So dass man durchhin sehen kann.
Es zittern unser Herz und Glieder /
Doch stärkt dein Trost sie etwas wieder /
Nach dem du uns versichert hast /
Es soll uns keinen Schaden bringen.
Bistu gewisslich erster Man.
Dein klarer Bliz hat uns erschrecket /
So sez uns nun in Ruh und Rast /
Und mache kund vor allen dingen
Was Wunder du erzählen wilt.
Wir wollen unsern Sin herneigen /
Und uns dir dankbarlich erzeigen /
Wo unser Dank sonst bei dir gilt.
                                 Der I NachSaz.
              Christlicher Weinacht-Herzen andächtige Betrachtung.
Sollen wir andere Völker der Erden
Unseren Schrecken nicht legen beiseit /
Welcher in dieser trübseligen Zeit
Täglich sich mehret durch Kriegesbeschwerden?
Sollen wir nimmer erlediget werden /
Klagen und sagen nur immer von Streit?
Leget sich einig derselbigen Leid /
Welche mit ihren bewolleten Heerden
Hecken und Wälder und Felder durchzihn?
Unser so lange geplageter Sinn /
Bleibet der immer in Furchten und Zagen?
Glänzender Engel die grosse Gefahr
Rücket und drücket die gläubige Schaar /
Welche den Schmerzen nicht länger kann tragen.
                                  Der II Saz.
                                Des Engels Rede.
Ich bringe nach so schwerem Leide2
Euch Freud uñ Lust; nach Hunger / weide;
Nach harten Schlägen sanfte Ruh.
Die Schlange hat euch vor betrogen /
Und Gottes Gnaden-gunst entzogen /
Die führ ich euch jezt wieder zu.
Mein predigen ist Himmels-freude /
Wie Gott euch mit dem Ehren-Kleide
Nach diesem selber zieren will.
Vernehmet doch das Wort der Gnaden /
Das allerbeste Lebensziel /
Worauff ich euch jezt muss einladen,
Hier ist der Satzen Donner nicht /
Der nichts als Schrecken kann erregen;
Mein Wort ist lauter Glük und Segen /
Das euch den Himmel selbst verspricht.
                                Der II GegenSaz
                              Der Hirten Antwort.
Was sind dann das vor grosse Gaben /
Die wir aus deiner Predigt haben?
O schöner Engel mach' es kund!
Sol etwa gute Zeit entstehen /
Da unsre Schaffe weiden gehen /
Dass weder Schäffer noch sein Hund
Die Dieb' und Wölfe darf abtreiben /
Die selten von den Hürden bleiben?
Wird etwan ein gewünschtes Jahr
Den Ställ- und Auen Segen bringen?
O reicher Gott / wird dieses wahr /
So wollen wir den Reihen singen;
Wir wollen den Schalmeien-Klang
Dir Gottes Engel zugefallen
Auf Berg- und Tahlen lassen schallen /
Und opfern dir ein Lamb zu Dank.
                                 Der II NachSaz
             Christlicher Weihnacht-Herzen andächtige Betrachtung.
Lässet der Himmel uns Freude vortragen?
Predigt der Engel noch selber von ihr?
Lieber was leiden und fühlen dann wir
Immer und immer die blutigen Plagen?
Wissen Betrübte von Freude zu sagen?
Hersscher der Erden / ach höre doch schier!
Deine Geängsteten winseln vor dir /
Bitten du wollest auffhören zu schlagen.
Gönne nach langer erlittener Pein
Deinen Geliebten eins frölich zu sein.
Sollen die Straffen uns gänzlich auffreiben?
Würge den Würger / ertödte den Tod;
Treibe den Treiber / und zwinge die Noht /
Ferner aus deiner Behausung zu bleiben.
                                  Der III Saz.
                                Des Engels Rede.
Vernehmets / O ihr blöde Hirten /3
Die ihr euch bei den grünen Myrten
Den langen Tag zu halten pflegt.
Die Lust und Freude / die ich bringe /
Ist nicht so kindisch und geringe /
Als sie von euch wird aussgelegt.
Es soll der ganze Kreis der Erden
Der grossen Freude fähig werden;
Da wo die Sonne früh aufsteht;
Da wo sie alles schwarz anstreichet;
Da wo sie Abends untergeht /
Und da der Winter nimmer weichet /
Sol diese Freude lautbar sein;
Der Menschen Seel und Herz erquicken /
Sie mit des Himmels Gunst anblicken /
Und nehmen ihre Sinnen ein.
                               Der III Gegen-Saz.
                              Der Hirten Antwort.
Das mag wohl Freude sein und heissen /
Die alle Welt soll zu sich reissen!
O lieber Engel / werden dann
Wir / die wir durch die Felder ziehen /
Und grosser Städte Wollust fliehen /
Auch dieser Lust sein zugetahn?
Vielleicht wird sie nur denen bleiben /
Die Wunder mit dem Degen treiben?
Vielleicht wird der Gelehrten Schaar
Uns diese Freud' und Lust nicht gönnen?
Vielleicht wird / der die Gelder baar
Ausszählt / sie an sich käuffen können?
Wo bleibet dann mein Korydon?
Was soll Menalkas dann beginnen /
Und Mops / der ohn das grober Sinnen?
Dann müssen wir ohn Trost davon.
                               Der III. NachSaz.
             Christlicher Weihnacht-Herzen andächtige Betrachtung.
Himlischer Bohte / du Fröligkeit-Bringer /
Deine Zeitungen sind Zucker und Wein;
Führen die grössesten Güter herein /
Welche durch Gottes Allmächtigen Finger
Leides und Neides- und Hellen-Bezwinger
Immer und ewig geordenet sein.
Weiche von dannen du fressende Pein /
Mache das quälen nach diesem geringer;
Himlische Freude geht stärcker als du;
Machest du Schmerzen so machet sie Ruh.
Sollen die Grenzen der Erden beschmecken
Diese verkündigte Freude; so muss
(Welches ich hoffe) mein einiger Fuss
Ewig im Leide nicht bleiben bestecken.
                                  Das IV Saz.
                                Des Engels Rede.
Ihr Hirten fürchtet euch vergebens;4
Der Fürst und Herzog eures Lebens /
Das Heil der Menschen ist gebohrn.
Euch armen Welt-geringen Leuten
Kömt Er / den Himmel zu erstreiten /
Den jhr aus Frevel habt verlohrn.
Des Degens Macht / das tieffe wissen /
Das blanke Geld trit er mit Füssen /
Es ist vor ihm nur Staub und Koht-
Er ist ein Heiland aller Armen /
Die ihr' Unwirdigkeit und Noht
Erkennen / läst er sich erbarmen.
So frischet nun Herz Sinn und Muht /
Geht / euren Heiland zu empfangen
Zu Betlehem solt ihr erlangen
Das allergröste Himmels Gut.
                                Der IV GegenSaz.
                              Der Hirten Antwort.
O Werter Engel / dein erzählen
Vertreibet unser Sinnen quälen.
Ist unser Heiland in der Welt?
Ist er zu Betlehem zu finden?
Verseumet dieses Glücke nicht.
Wir wollen die Sakpfeiffen stimmen /
Und spielen ihm ein Lobgeticht /
Das soll biss an die Wolken klimmen.
So wollen wir den leichten Winden
Gleich lauffen über Püsch und Feld /
Des Lebens Hertzog zu beschauen /
Auf / auf ihr Hirten / müst euch zauen
O sollen wir zum Fürsten gehn /
Vor welchem sich die Engel neigen /
Und alle Sklaven-Dienst erzeigen?
O Freude! sollen wir den sehn?
                                Der IV NachSaz.
             Christlicher Weihnacht-Herzen andächtige Betrachtung.
Gütiger Heiland / so bist du verhanden /
Welchen die Väter so heftig begehrt?
Werden wir heute des Glückes gewehrt /
Welches wir frölich vom Engel verstanden?
Lösest du heute die Ketten und Banden?
Werden uns himlische Güter beschehrt?
Werden die hellische Flammen verheert?
Machest du Teufel und Sünde zu schanden?
Gütiger Heiland / wir freuen uns dein.
Kehre bei deinen Geliebten ein /
Welche kein Bleiben auf Erden mehr finden.
Wende den Jammer und stille das Blut;
Sende den Frieden und dämpfe die Glut
Ehe wir unter den Straffen verschwinden.
                                   Der V Saz.
                                Des Engels Rede.
Der Heiland / welcher euch vom Bösen5
Durch Kreuz und Marter will erlösen /
Kömt nicht aus Mannes Samen her.
Er ist der grosse Schlangen-Treter /
Der grosse Gott und Wunder-Tähter /
Emanuel von hoher Ehr
Und starker Macht; Er ist bekleidet
Mit Fleisch und Blut / darin Er leidet /
Und ist doch Gott von Ewigkeit /
Der selbst den Himmel hat geründet /
Wird Mensch zu dieser letzten Zeit;
Der Meer und Erden hat gegründet;
Der mit dem hellen Blitze spielt;
Der Berge mit dem Donner splittert;
Vor welchem Hell' und Tod erzittert /
Wird von Marten heut gezielt.
                                Der V GegenSaz.
                              Der Hirten Antwort.
O Seht den wunder-schönen Knaben /
An dem wir unsre Wollust haben /
Der hier in dieser Krippen liegt!
Bist du das sehnliche Verlangen /
An dem die Väter stets gehangen?
Bist du / der uns das Heil zufügt?
O grosser GOtt und HErr der Erden /
Wie must du dann so elend werden?
Wo ist dein ReichsStab / Schwert und Krohn?
Wo ist die Königliche Wiegen?
O Himmels-Kind; O Jungfern Sohn!
Must du alhie so nacket liegen?
Was ist das vor Tapezerei?
Ein altes Tuch / ein dünnes Küssen /
Das dir kaum reichet biss zun Füssen;
Ein Bündlein Stroh / ein wenig Heu'!
                                 Der V NachSaz.
             Christlicher Weihnacht-Herzen andächtige Betrachtung.
Mächtiger Schöpfer! was soll es bedeuten?
Sage / was treibet zu solchem dich an?
Welcher den Himmel ümkeuselen kann /
Monden und Sternen hat können bereiten;
Meeres Ziel setzen und Wasser ableiten /
Kömmet als währe schier übel getahn /
Mächtig zu bleiben. Was treibet dich dann /
Unter den Tihren dein Bette zu spreiten?
Herscher der Erden / wo bleibet dein Schein?
Wickelt man diesen in Windelen ein /
Welcher durch seine Macht alles muss tragen?
Wunder O Wunder / der ewige Gott
Leidet Gebrechen / Frost / Hunger und Noht;
Welches ich nährlich vor Wunder darf sagen.
                                  Der VI Saz.
                     Der himlischen Heerscharen Lobgesang.
6Nun gebet Lob dem grossen HErren /
Was O dem schöpfet nah und ferren /
Und weisslich alle Welt ausszieret /
Weil Er euch das selbständge Wort
Zum Heiland runter hat geschicket.
Steht vor ihm hurtig und gebücket /
Besinget seine hohe Macht.
Ihr seid nun unserm Heilgen Orden /
Besinget diesen euren Hort /
Der seine Macht im Himmel führet /
Der euretwegen stetes wacht /
Von neuen einverleibet worden.
Drum preiset Gottes Gnaden-Raht /
Und last die Dankbarkeiten spüren /
Wie sich von rechte will gebühren /
Weil er euch so geliebt hat.
                                Der VI GegenSaz.
                              Der Hirten Antwort.
O Grosser Gott / du HErr der Stärke;
Wie wunderlich sind deine Werke;
Wie prächtig geht deine Macht.
Der du die Sonne früh ansteckest /
Und Abends spät den Monde weckest /
Machst Sommer / Winter / Tag und Nacht.
Und (das zum höchsten ist zu preisen)
Pflegst immer Gnade zu erweisen /
Uns die wir doch nur böse sein.
Lass unser Opfer dir gefallen /
Und schau in unser Herz hinein /
Ob wir gleich wie die Kinder lallen /
Ist doch der Sinn und Wille gut.
O lass das bäuerische singen
Biss hin zu deinen Ohren dringen /
Und halt uns stets in Schuz und Huht.
                                 Der VI NachSaz
             Christlicher Weihnacht-Herzen andächtige Betrachtung.
Gütiger Vater / was können wir geben?
Lieber / wie können wir danken der Gunst /
Welche nach deiner unmässlichen Brunst /
Unsere Güter / Gemühter und Leben
Häget und pfleget. Wie heftig wir streben /
Finden wir leider nur Nebel und Dunst;
Wolten zwar gerne mit höhester Kunst
Deine hochrühmliche Tahten erheben.
Aber O Vater / das himlische Licht
Rühmet vor deinem Gesichte sich nicht /
Solte dann Erde dir können gefallen?
Vater ersetze / was mangelt annoch /
Tilge der Sünden beschwerliches Joch /
Frölich soll unser Getichte dann schallen.
                                  Der VII Saz.
                     Der Himlischen Heerschaaren Lobgesang.
Nach diesem bleibt der grosse Frieden7
Von eurer Seelen ungeschieden /
Der Frieden welcher Gott gefält /
Der Herzens-Quahl und Unmuht stillet /
Der das Gewissen stets anbrüllet
Und wegen Schuld zu rede stellt.
Der Frieden / welcher Gottes Straffen /
Durch Christus Wunden abzuschaffen
Ihm lässet angelegen sein.
Wer diesen Frieden bei sich träget /
Bleibt ewig frei von Hellen-Pein /
Die durch den Teufel wird erreget.
Er bleibet stets in Gottes Schuz.
Und ob ihm gleich der Hellen Rachen /
Und eigne Schuld angst wollten machen /
Beut er doch ihnen allen Truz.
                               Der VII GegenSaz.
                              Der Hirten Antwort.
Ist nun die liebe Zeit erschienen /
Da Fried in unserm Lande grünen /
Und allen Krieg vertreiben soll?
Da Wölffe bei den Lämmern liegen /8
Da Pardel sich zun Böcken fügen /
Und bleibet doch die Heerde vol?
Da Räuberische freche Löuen
Dem Kalb uñ Mastvieh nicht mehr dräuen;
Da Küh' und Bären friedlich gehn /
Und eine Weid in Ruh befressen /
Die Jungen bei einander stehn /
Und Löuen Ochsen-Futter essen.
Da Kinder an der Mutter Brust
Beim Otter-Loche werden spielen /
Des Basilisken Nest durchwühlen
Und haben an den Schlangen Lust.
                                Der VII NachSaz.
              Christlicher Weinacht-Herzen andächtige Betrachtung.
Selig O selig / die Frieden bewohnen!
Selig O selig / des Acker und Land
Werden mit Pferden ohn Sattel berant!
Selig die ihrem Gesinde nur lohnen /
Dürffen nicht unter der Kriegeslast frohnen /
Sehen nie keine Feurspeiende Hand /
Keine Feld-Schlachten / kein Lager noch Brand /
Essen sie gleich nur gesalzene Bohnen.
Himlischer Vater; die die geistliche Ruh /
Sendestu heute den Deinigen zu.
Weltlicher Frieden / wann kömmestu wieder?
Schwerter und Spiesse die würgen noch fort /
Rauben und Stehlen / Verheerung und Mord
Schläget noch immer die Frommen darnider.
                                  Der IIX Saz.
                     Der himlischen HeerSchaaren Lobgesang.
Ihr Menschen Kinder last euch rahten
Und nehmet Gottes Wundertahten9
Mit hochgeneigtem willen an.
Ihr habet seine Gunst nun wieder /
Die lässet sich zu euch hernider /
Wol dem der sie recht fassen kann!
Vor diesem seid ihr abgewichen /
Und falschen Göttern nachgeschlichen /
Der rechte Gott wahr unbekant /
Der hat sich klärlich offenbahret /
In dem er seinen Sohn gesand /
Der euch vor Hellen-Gluht bewahret.
Erwecket euren Sinn und Muht /
Eur Herz und ganzes Wolgefallen /
Und lobt denselben mit uns allen /
Der euch so viel zu gute tuht.
                                Der IIX GegenSaz
                              Der Hirten Antwort.
O Grosser GOtt / richt' unsern Willen /
Den deinen gerne zuerfüllen.
Die böse Wurzel stecket fest
In unsern innersten Gedanken /
Die uns im guten machet wanken /
So gar sind wir der Sünden Nest.
Dein guter Geist muss unser Tichten
Nach deinem heilgen Willen richten /
Sonst ist es lauter Ubeltaht.
Wir straucheln stets auff unsern Wegen
Und wissen weder Trost noch Raht /
Weil Sünd' und Tod uns Stricke legen.
O milder Heiland spring' uns bei /
Dass wir an deinen Himmels-Gaben
Von Herzen Wolgefallen haben /
Und unser Wille deiner sei.
                                Der IIX NachSaz.
              Christlicher Weinacht-Herzen andächtige Betrachtung.
Fleischliche Kräffte sind ledige Bäume /
Zeigen viel schönes und geben es nicht.
Unser Vermögen / wie viel es verspricht /
Bleibet doch lauter vergebliche Träume.
Unsere Sinnen sind nimmer daheime /
Welche dem HErren die schuldige Pflicht
Sollen abtragen; das Geistliche Licht
Lieget im Brunnen erloschen. Ich zäume
Meine Gedanken / so rennen sie doch.
Heiliger Vater / das sündige Joch
Drücket zu stränge; du schaffe den Willen;
Schaffe die Kräffte / mein tichten ist schlim /
Sollen wir lieben / so steiget der Grim;
Deine Gunst aber kann alles erfüllen.
    Nach Endigung dieses Liedes hielten unsere Christen allerhand Unterredung
von geistlichen Sachen /da endlich Herkules im Nahmen der ganze Gesellschaft bei
dem Statalter fleissige Ansuchung taht /umb schleunigen Abscheid / wobei er
dieses vorbrachte: Hochmögender Herr Statalter / Hochgebohrne Fr. Statalterin
/ als Vater und Mutter zuehren; Was vor hohe Gewogenheit Eure Liebden mir und
meinen Gefärten diese Zeit über sehen lassen /leuchtet heller zu Tage / als dass
es meiner weitläufftigen Erzählung Juden Gewalt beschützet; bald darauff als ein
Sohn angenommen / und mit allem überflusse zur Reise versehen; Ja es sind alle
mir erzeigete Woltahten dermassen vielfältig und wichtig / dass ich sie
zuerkennen / meine ganze Lebenszeit darauf wenden muss. O wollte Gott / dass meine
Landschaften also belegen währen / dass aufs wenigste ich alle Jahr meine
hochwerte Eltern besuchen / und an ihrer gewünschten Gegenwart mich ergetzen
könnte; wiewol ich hoffe / Gott werde es schicken / dass wir zuzeiten uns noch
besuchen können. Vor dissmahl erinnert uns unserseits die hohe Nohtwendigkeit /
dereins aufzubrechen / und die unsern zu erfreuen / welche ohn allen zweifel mit
grosser Furcht und sehnlichem verlangen täglich nach uns aussehen werden / wo
sie uns wohl nicht gar als ermordete beweinen / weil in so langer Zeit ihnen
keine Schreiben oder andere Zeitung von uns zukommen ist / welche wir zu dem
Ende hinterhalten wollen / dz wir unsere Wolfahrt ihnen selbst überbringen / und
ihre freude umb so viel grösser machen möchten; Gelanget demnach unser bitliches
ersuchen / dass mit ihrer guten Bewilligung Abscheid zunehmen / uñ erstes Tages
zu Schiffe zugehen uns möge erläubet sein / damit wir das ungewöhnliche Wetter
und guten Wind nicht verabseumen / und hernach die unfreundlichen Stürme
ausstehen dürffen /welche insonderheit den Schwangern und Säuglingen / so bei
uns sind / sehr gefährlich sein würden. So gewiss wir nun unsers Herrn Vaters
guter Gewogenheit versichert sind / so ungezweifelt versprechen wir uns auch von
dessen Liebe eine freundwillige und schleunige Erlassung / demnach wir nunmehr
eine geraume Zeit hieselbst ausgehalten / und nit wenig Ungelegenheit gemacht
haben. Pompejus gab zur Antwort: Durchleuchtigster GrossFürst / Hochgeliebter
Herr Sohn; Eure Liebe rechnet das wenige so hoch /was etwa ich und die meinige
aus Pflicht geleistet haben / und verschweiget daneben das unermässliche /welches
von derselbe durch Gottes gnädige Schickung uns zukommen ist / nehmlich die
heilsame Erkenntnis des wahren Gottes / ohn welche wir ewig hätten müssen
verloren sein; Jedoch / wann Eure Liebe sich der neulich überschikten Kleinot
nur erinnert / wird sie befinden / dass auch dz zeitliche schon mit Zinsen
ersetzet ist / und ich das geringe auf teuren Borg wider meinen Willen habe
austuhn müssen. Ob ich nun zwar liebers nicht wünsche / als dz solche liebe
Freunde biss an mein Ende von mir nicht möchten getrennet werden / und aber wegen
ihrer Wolfahrt solches nicht geschehen kann / so schätze ich mich nicht allein
glückselig / dass ein so treflicher Fürst / von dessen Ruhm alle Welt erfüllet ist
/ mir den Nahmen eines Vaters zugeben sich nicht wegert / sondern zugleich mir
auch die Hoffnung machet / gelegenheit zusuchen / dz wir uns zuzeiten
gegenwärtig erlustigen mögen. Den begehreten Abscheid / in ansehung meines
Durchl. Herrn Schwagers / Königes Ladisla / muss ich billich nicht hemmen /
zweifele doch nicht / meine Herren werden unbeschweret sein / noch etwa 9 /oder
10 Tage bei mir zuverharren / damit eine gnugsame Anzahl Schiffe herbei gebracht
/ und die Güter eingeladen werden mögen / alsdann dieselben länger aufzuhalten
mir nicht gebühren will. Die Gross-Fürstin beantwortete ihm solches also. Durchl.
Herr und Vater / auch herzgeliebete Fr. Mutter; wir erkennen uns schuldig /
Ihrer Liebe hierinnen gerne zugehorsamen / und die zur Bereitung nohtwendigen
Tage auszuhalten / auf dass wir zur gebührlichen Danksagung Zeit und Gedanken
gewinnen; Ich habe aber zugleich eine kindliche Bitte an dieselbe abzulegen / ob
mir könnte gegönnet sein / meine herzgeliebete Frl. Schwester / Frl. Lukrezien
mit mir nach Padua zuführen / deren Heil und Wolfahrt mein Herr Bruder und mein
Gemahl neben mir / als unser selbsteigenen uns werden lassen angelegen sein.
Herr Pompejus hatte sich dieses begehrens schon zeitig versehen / wollte ihr auch
solches nicht abschlagen / und gab diese Antwort: Durchleuchtigste GrossFürstin /
hochwirdige Fr. Tochter; in was Gesellschaft könnte mein geliebtes Kind Lukrezie
mehr Zucht und Gottesfurcht fassen /als bei Ihrer Durchl. die ich sonder
Schmeichelei wohl einen Spiegel der volkommenen Tugend nennen und preisen kann /
daher Ihre Liebe ein solches bei mir suchet / warumb ich vielmehr zubitten hätte
/ und gezwungen bin / vor diese hohe Zuneigung gegen mein Fleisch und Blut mich
dienstlich zubedanken / nicht zweifelnd / dieselbe werde mit der Unvolkommenheit
meiner Tochter geduld tragen / und sie vor ihre Dienerin annehmen / sie auch biss
zu meiner Abfoderung /oder ihren weiteren Abzug / ihrer Unterweisung teilhaftig
machen / ob ich gleich keine Mittel es zuvergelten weiss. Das liebe Fräulein
hatte bisher gezweifelt / ob die Eltern ihr diese Reise gönnen würde / erfreuete
sich solcher Einwilligung / und nach geleistetem Handkusse sagte sie: Gnn. Herr
Vater und Fr. Mutter; ich bedanke mich kindlich dieser willigen Vergünstigung /
mit dem versprechen / allen möglichen Fleiss anzuwenden / dass in meiner
Aufwartung ich der Durchleuchtigsten GrossFürstin / die mich unwerte des
SchwesterNahmens wirdiget / gebührlich an die Hand gehe / und mit willen sie
nicht erzürne. Die GrossFürstin sagte gleichmässig Dank / und wiederhohlete ihr
voriges versprechen. Ward demnach alles zum Aufspruche fertig gemacht / und noch
desselben Tages 50 treffliche Schiffe verschrieben / in den nähesten Hafen
einzulauffen / weil sie von allem mitgebrachten nichts hinterlassen wollten / da
die Partische Leibeigene / umb ihre Freiheit zubefodern / sich vor Ruderknechte
anerbohten. Neklam und Ruprecht / nebest ihrem Dolmetscher Azores / hatten sich
angegeben / dass sie den Christlichen Glauben anzunehmen grossen Willen trügen /
deswegen sie nach fleissiger Unterrichtung / so von Leches geschahe / die
Heilige Tauffe empfingen / da inzwischen Arbianes alle Tage zwo Stunden sich mit
Fr. Valisken und Brelen in der Teutschen Sprache übete / wozu er schon zu
Persepolis den Anfang gemacht hatte. Als nun am achten Tage nach Herkules
Ansuchung / alle Sachen zu Schiffe gebracht wahren / lieferte Fr. Valiska dem
Statalter sehr köstliche Kleinot und Gewand / liess auch dem Fräulein drei
TonnenSchaz auszählen /Kleinote aber und andere Sachen sollten ihr zu Padua
geliefert werden. Arbianes bezeigete sich auch gar freigebig / weil ihm viel
gutes geschehen war / uñ bezahleten die unsern alles reichlich / was ihre Leute
und Pferde verzehret hatten. Des folgenden Tages brachen sie auff / und
geleitete sie Herr Pompejus und sein Gemahl biss nach Joppen / woselbst die
Schiffe im Hafen lagen. Es trug sich aber mit dem Elefanten ein sonderliches zu;
nehmlich sein Meister ein Indianer wahr unwillig / mit nach Padua zureisen /
dann er hatte sich zu Persepolis mit eines Bürgers Tochter ehelich versprochen;
Nun wusste er / dass ihm Lebensgefahr drauff stünde / wann er heimlich davon
lauffen würde / darumb legete ers mit dem Elefanten an / dass er sich wegern
sollte / weiter zuzihen / welches er also verrichtete: Er hatte schon etliche
Tage her dem Elefanten vorgesaget / man wollte ihn über Meer in ein fremdes
rauhes Land führen / woselbst ihm schlimmes Futter sollte gereichet / auch aller
Zieraht entwendet werden / würde nur Holz / Steine und Wasser tragen müssen /
und das verächtlichste Tihr unter allen sein; derhalben wollte er ihn geträulich
warnen / dass er sich nicht sollte lassen zu Schiffe bringen / damit er dieses
übels entfreiet bliebe. Man hat sich über dieses Tihrs Art billich zuverwundern
/ gestaltsam dasselbe von dem gemeinen Leute vor vernünftig gehalten wird / weil
es des Menschen / insonderheit seines Meisters Reden verstehet / uñ darnach sich
zuhalten weiss /welches an diesem gnugsam erschien; dann vorerst hatte man viel
Mühe / ehe man ihn zu Jerusalem aus dem Stalle bringen kunte; ging auch den
ganzen Weg nach Joppen so traurig / dass jederman meinte / er währe mit einer
Krankheit behaftet / welches sein Meister ihnen artig wusste einzubilden / biss
man ihn ans Schiff brachte / und über eine darzu gemachte Brücke hinein leiten
wollte; dann da stund das Tihr am Unfer ganz stille und unbewäglich / dass mans
weder mit Schlägen noch harten Worten aus der Stelle bringen kunte. Ein Mede
aber war unter Arbianes Reuterei / welcher dieses Tihrs Eigenschaft wusste / und
sah / dass die Schuld an dem Indianer lag / welches er Herkules offenbahrete /
es würde gewisslich der Meister dem Elefanten etwas widriges eingebildet haben
/zweifelte nicht / da man ihn mit harten Straffen dräuete / würde das Tihr
schier folgendes Tages mit frölichem willen hinein gehen. Herkules kam dieses
zwar ungereimet vor / doch wollte ers versuchen / und dräuete den Indianer mit
Ruhten streiche und kreuzigen zulassen / wo er das Tihr nicht willig machete
/welches er abgeschrecket hätte. Dieser wollte die Taht zwar nicht gestehen / und
furchte sich doch vor der Straffe / daher er allen möglichen Fleiss versprach
/ober das Tihr auff bessere Meinung bringen könnte; nam es im Stalle absonderlich
vor / und redete ihm sehr freundlich zu: Er hätte zwar bisher gemeinet /sie
würden in ein unfreundliches wildes Land geführet werden / aber nunmehr vernähme
er gar das Widerspiel / dass nehmlich ihre Reise nach dem ädlesten Ort der Welt
gerichtet währe / woselbst das allerniedlichste Futter anzutreffen / und er
überdas mit dem köstlichsten Zeuge sollte beleget werden; müste deswegen einen
frischen Muht haben / und sich ferner nicht wegern / zu Schiffe zugehen / gab
ihm auch ein sehr gutes Futter / und sagete / dieses währe aus demselben Lande /
und nur das geringste / dorten aber würde es viel besser fallen. Nun hatte sich
Herkules im Stalle heimlich verstecket / dz er alles hörete / und mit Verlangen
erwartete / was hierauff erfolgen würde; da er des andern Morgens mit
Verwunderung sah / wie freudig das Tihr nicht allein nach dem Meer ging
/sondern selbst über die gemachte Brücke in das Schiff eilete. Hieselbst nam nun
Herr Pompejus und sein Gemahl freundlichen Abscheid von unser Gesellschaft / und
befahl sie der Gnade Gottes zu allem Wolergehen; vermahnete auch seine Tochter /
sich gegen Herrn Fabius zu Padua nicht anders zuhalten / als ob er ihr
leiblicher Vater währe / an welchen er ihr auch einen Brief mitgab. Die unsern
wünscheten ihm hinwiederumb allen leibliche und Geistlichen Segen / da die
GrossFürstin im scherze sagete: Wann etwa zu Padua sich ein wirdiger Freier
angeben würde / bähte sie umb Volmacht / neben Herrn Fabius darin zuschaffen /
hoffete auch / sie würden alsdann auff das HochzeitFest gerne erscheinen.
Worauff der Vater ebenmässig im scherze antwortete / es sollte ihr alles
heimgestellet sein. Darauf gingen sie frölich zu Schiffe / und sägelten mit
gutem Winde ohn Sturm und Gefahr den geraden Weg auff das Eiland Kreta zu.
    Die in Mesopotamien Gefangene / wahren schon bei gter Zeit zu Persepolis
angelanget und wurden durch deren Ankunft die vereinigten Fürsten höchlich
erfreuet / gaben ihnen allen Gewehr / und liessen sie den Fähnlein schwören / da
diese Knechte hernach sich oft glückselig preiseten / dass sie in Artaxerxes
Dienste gerahten wahren. Sysimitres kam auch daselbst an / zeigete seinen
Geleits-Brieff / und ward darauff wolgehalten / und als ein Freund zur Mahlzeit
geladen / da er sich nicht scheuhete der GrossFürstin Werbung an Artabanus / dem
Persischen GrossFürsten anzumelden / welcher aber wohl sah / dass es vergeblich
sein würde / wie es dann nicht anders erging; massen / als dieser zu Charas
anlangete / reichete er zum ersten Vologeses und Pakorus ihre Schreiben von
Herkules ein / auch die treflichen DemantKetten /die er ihnen zum Gedächtnis
sendete / welche sie willig annahmen / und nur beklageten / dass sie nicht
Gelegenheit hätten / es zuvergelten. Sie gingen aber mit Sysimitres zu dem
Könige / umb zuvernehmen /wessen er sich auff der GrossFürstin Schreiben erklären
würde / weil sie wohl wussten / dass solcher Raht umbsonst wahr / sie auch selbst
ihn nicht gut heissen kunten. Als sie nun vor den König traten / fing Pakorus
also an: Grossmächtigster König / allergnädigster Herr; mein brüderlicher Freund
/ Fürst Vologeses /und ich / treten mit hoch erfreuetem Herzen vor eure Königl.
Hocheit / nachdem gegenwärtiger Herr Sysimitres gleich jetzo die längst
gewünschete Zeitung wegen geschehenen Abzuges GrossFürst Herkules und Königes
Ladisla mit sich übergebracht / und hiedurch den erlittenen Schaden wohl
erstattet hat. Parten mag sich billich dieses Tages freuen / nach welchem mich
einig und allein verlanget; dann es wird derselbe unsers Glüks wiederbringung
und des Persen Untergang und verderben sein / so dass ich nicht zweiffele / den
Abtrüningen solle die bisher eingenomene Freude ehist versalzen werden / deren
sie durch andere Leute wolverhalten genossen. Eure Königl. Hocheit fasse nur ein
gutes Herz / und freue sich mit uns / dass die Götter das Gewitter aus
Teutschland dereins von uns abgekehret haben; wir unsers teils versprechen allen
möglichen fleiss anzuwenden / damit der bisher erlittene Schade nicht allein
wiederbracht / sondern die Partische Gewalt noch eins so weit aussgebreitet
werde. Wir haben zwar mannichen guten Kriegsmann verloren / aber alle sind sie
gleichwol noch nicht drauff gangen. Ich habe diese Tage bei der
Landesbesichtigung mehr Mannschaft funden / als ich nicht gemeinet; nur ist
nöhtig / dass sie im Gewehr wohl geübet werden / und wird ihre Königl. Hocheit
ihren Kriegs Obristen etwas freundlicher begegnen / als neulich dem redlichen
Surinas geschehen; dann sollte ein ehrlicher Ritter sich aus blossem Argwohn vor
einen Verrähter schelten lassen / möchte er lieber wünschen /dass er nie kein
Schwert an die Seite gegürtet hätte /sondern in stiller Ruhe auff seinen Gütern
sitzen blieben währe; dann was soll dieser Ritter machen? wollte er sich wieder in
Partische Dienste begeben / würden andere seines gleichen von ihm begehren /
sich des Argwohns gebührlich zuentschütten; ob er aber solches durch leugnen
tähte / würde ihm solches wenig nutzen / sondern sich alle Tage herumb schlagen
müssen; und geben nur die Götter / dass andere sich hieran nicht stossen / und
gedenken / es sei besser / bei Zeit der Gefahr entgangen / als mit solchem Dank
gelohnet werden. Artabanus achtete dieser Vermahnung wenig / dass er sie gar
unbeantwortet liess / uñ sich doch heimlich darüber entrüstete / aber das erste
machte ihn überaus bestürzt / dass er Pakorus nicht wollte weiter reden lassen /
sondern Sysimitres fragete / woher er diese Zeitung brächte / und was vor
Schaden er dann gelitten hätte. Welcher darauff erzählete / was gestalt ihn
Herkules bei seinem Abzuge in Mesopotamien überfallen / seine Knechte gefangen /
den Reuterwerbern alle Gelder abgenommen / und sie selbst vor Leibeigene mit
geführet. Die GrossFürstin hätte ihm eine mündliche Werbung an ihre Königl.
Hocheit anbefohlen / hernach selbige schrifftlich auffgesetzet; welche er hiemit
überreichte. Der verliebete Mensch durfte ihm noch Hoffnung machen / dass etwas
Trostes in dem Brieffe entalten währe / dann sein Verlangen nach ihr / wahr ihm
noch nicht verschwunden / zürnete auch heimlich auff Pakorus / dass er Bagophanes
entleibet / und ihn dieses Trösters beraubet hatte /wiewol dessen hinterbliebene
Wittib seine Stelle in der Schmeichelung wohl zuvertreten wusste / die er gleich
diesesmahl bei sich hatte / und ihr doch verbohten / einigen Unwillen gegen
Pakorus merken zulassen / mit dem Versprechen / dass er den Mord schier heut oder
morgen an ihm schon rächen wollte. Damit er aber das Schreiben unverstöret lesen
könnte /ging er in ein Nebengemach / und fand folgenden Inhalt:
    Von Gottes Gnaden Valiska / gebohrne aus Königlichem Stamme Böhmen /
verheirahtete GrossFürstin in Teutschland / wünschet Könige Artabanus alle
Wolfahrt /und hat nicht unterlassen wollen / auch auff ihrer Heimreise / seiner
Liebe künftiges beste zubeobachten / und dieselbe zuermahne / dass sie nach
diesem ihren Königlichen Nahmen durch so abscheuhliche Gifftmischung weiter
nicht beschmitze / welches ihre eigene Untertahnen / da sie redlich sind / nicht
gut heissen werden. Mein einiggeliebter Gemahl GrossFürst Herkules (dem zu ehren
und Gedächtnis ich mich ehmahls Herkuliska genennet) hat nunmehr mit mir und
meinem Herr Bruder König Ladisla / die Persischen Länder verlassen / werden auch
auff der Reise nicht ruhen / diss wir bei den unsern (die gleiches Standes mit
euer Liebe sind) uns wieder finden; und hieraus eure Liebe gnug zuermässen hat /
dass sie mein Angesicht nimmermehr wieder sehen / oder einige Hoffnung zu meiner
Heirat haben könne / deren sie auch ohn zweifel (wo sie sonst gesundes
verstandes ist) sich allerdinge werden begeben haben; sollte nun mein
wolgemeinter geträuer Raht bei euer Liebe haften können /bitte ich sehr / mir
zu folgen / also / dass sie das Baktrianische Fräulein eheliche / und eine
billiche Rachtung mit den vereinigten Fürsten zutreffen sich bemühe / damit ihr
Stuel nicht gar umbgekehret werden möge. Wird sie aber diesen Vorschlag
verachten / dürffte sie solches zu spät beklagen / welches zuvernehmen mir
unlieb sein würde /dann vor erzeigete Guttaht bin und verbleibe ohn nachteil
meiner Ehren / euer Liebe ich allemahl bereitwilligste und geträue Freundin
Valiska.
    Nach verlesung dieses / da niemand als Parasitis bei ihm wahr / fing er an /
sich so traurig zugeberden / dass sie nicht anders meinte / ob würde ihm die
Seele aussgehen. Ach du Schönheit der Welt /sagete er: Wie soll und kann mein Herz
dasselbe aussbannen / welches darinnen mir Demanten Ketten befestiget ist? Ach
ihr Götter! warumb habt ihr eurem Artabanus das Meisterstük eures volkommenen
Kunstwerks gezeiget / dass er durch dessen anschauung der unglückseligste dieses
ganzen Erdbodems werden sollte? Hat dann der mächtigste König der Welt nicht
können ein Fräulein vor einem einzigen Räuber beschützen / noch die geraubete
wieder erstreiten / welcher sein ganzes Reich vor der mächtigen RömerGewalt so
leicht verteidigt hat? Parasitis redete ihm mit grosser freundligkeit zu; Ihre
Königl. Hocheit möchten doch nicht soviel die Schönheit dieser Ungeträuen / als
ihre Falscheit und leichtfertiges Gottloses Herz betrachten / welche ihren
äidschwuhr nicht allein dem Könige / sondern auch der Göttin Vesta gefälschet
/und sich dadurch beides bei Menschen und Göttern unwert und verhasset gemacht
hätte; und wer wüste /mit was Straffe sie der Himmel schier heimsuchen dürfte.
Dieses brachte sie nicht allein dassmahl vor /sondern drei Wochen hernach
bestellete sie etliche unbekanten / welche als durchreisende Kauffleute nach
Indien / ausssprengen mussten / es währe die gewisse Zeitung eingebracht / dass als
der Teutsche GrossFürst Herkules und sein Gemahl Valiska oben auff dem Schiffe /
da sie nach Italien gefahren / sich umbschauend erlustigen wollen / hätte ein
starker Wirbelwind sie gefasset / und über Bort in das Meer geworffen / da sie
alsbald von einem ungeheuren Fische verschlucket worden; ihr Bruder König
Ladisla mit etliche tapfferen Rittern hätte sich in ein Boht gesetzet / umb sie
aus dem Wasser zuzihen / währen aber ingesampt von demselben Meerwunder
verzehret / wie solches über 40 Kauffleute uñ Schiffknechte zu Tyrus äidlich
aussgesagt / welche nahe bei ihnen hergefahren / und es mit leiblichen Augen
angesehen hätten. Dieser Lügen ward nun so fest gegläubet / dass sie auch nach
Persepolis erscholle / und nicht wenig betrübnis daselbst verursachete; wiewol
Phraortes und sein Gemahl immerzu wieder sprachen. Auff unser vorhaben wieder
zukomen / als Parasitis dem Könige obgedachter massen zuredete / begriff er sich
in etwas / und brach endlich in grossem Eifer also los: Nun so fahre hin du
leichtfertiges / träuloses Weib / du solt uns ein Beispiel weiblicher Unträue
und falscheit sein / und wollen wir die gebührliche Rache gegen dich uñ den
ErzRäuber / auch alle deine Helffershelffer vorzunehmen wissen / sollten wir
gleich ein unzähliges Heer biss in Teutschland führen / und die Landstreicher
daselbst heimsuchen; machte sich darauff wieder in das grosse Gemach / und wollte
Sysimitres viel zu Rede stellen / warumb er sich nicht besser vorgesehen / und
den Räubern entgangen währe. Welches aber Vologeses beantwortete: Dafern ihre
Königl. Hocheit den Sachen gebührlich nachdenken würde /zweifelte er nicht / es
würde Sysimitres bei deroselben schon völlig entschuldiget sein; nachdem ja
kein Mensch dergleichen Unglücksfälle vorhersehen oder vermelden möchte; überdas
hätten neugeworbene Fussvölker / so annoch unbewehret / einer solchen Macht der
allergeübtesten Reuter nicht wiederstehen können. Worauff er nähern kauff gab /
uñ nach anderen Unterredungen fragete / ob Gamaxus von den Räubern mit fort
geschleppet währe. Er aber antwortete: Elender Mensch ist nie geboren / als
dieser unselige / dessen Jammer mich zum Weinen bewogen hat; er lebet annoch zu
Persepolis / da habe ich ihn gesehen / als er bei der Mahlzeit in bunter
Narrenkleidung dem Persen / Meden und Susianer auffwartete / und von den Knaben
sich tummeln lassen musste /welche ihn den Gross-Narren aus Meden nenneten. So oft
er sich mit einem Worte verlieff / wurden ihm die lahmen Fäuste mit Ruhten
gestriechen / dass das Blut herunter tropffete. Er suchte Gelegenheit mit mir zu
reden / und als er endlich so viel Raum hatte / sagte er mit kläglicher Stimme;
Seid gebehten / mein Herr /und nehmet mir mein elendes Leben / damit ich dieses
unleidlichen Spottes abkomen möge; oder gebet mir nur ein wenig Gift / den ich
einnehme / dañ ich suche nichts mehr als den Tod. Wañ aber mein König einiges
mittel wüste / mich loszumachen / weil ich ja in seinen Diensten in dieses Elend
gerahten bin / würden die Götter ihm solches tausendfach belohnen / und könten
hernach meine Arme und Beine mir wieder zu brochen / und gerade geheilet werden
/ da ich dann mich dergestalt erzeigen / und meinen Schimpff einbringen wollte /
dass des Königes Feinde sich dessen nicht sollten zuerfreuen haben. Wir wollten ihn
gerne lossmachen / sagte Artabanus / wañ es nur möglich währe / aber sein
ärgestes ist / dass er die Partischen Fürsten so hoch erzürnet hat. Ich werde
den Ehren-Schänder wohl vor meinen Augen nicht leiden / sagte Pakorus / sondern
da er sein wird / will ich weg bleiben. Parasitis kunte ihre Trähnen nicht
bergen / und ungeachtet das ungeheur lahm und ein Kröpel wahr /hätte sie ihn
doch gerne lossgemacht / und zur Ehe genommen / oder zum wenigsten die stete
Buhlerei mit ihm getrieben / daher sie nicht unterlassen kunte / den König
nachgehends / da sie mit ihm allein wahr / heftig zu bitten / dass er ihn ohn der
Fürsten wissen erlösen / uñ ihn an einem Orte auffhalten möchte / dass die
Fürsten nichts von ihm erfahren könten; worzu aber Artabanus weder gelegenheit
noch mittel sah. Vordissmahl aber fing er an / wie er den Persen und Meden
straffen wollte; wahr doch ein vergeblicher Stolz; dann Artaxerxes nahm ihm nach
andertalb Jahren das ganze Königreich Parten / und bald hernach erwürgete er
ihn mit eigener Faust / wie solches von einem andern GeschichtSchreiber gemeldet
wird /da dañ Vologeses und Pakorus heftig verwundet / gefangen / aber wegen
ihrer redligkeit von dem Persen hoch erhaben wurden. Die Ursach dass Pakorus in
vorigem Gespräch des Surinas erwähnung taht / wahr diese: Es hielt derselbe sich
mehrenteils in Meden auff / damit er mit seiner geliebeten Atossen heimliche
Freude haben könnte / ward deswegen bei Artabanus von seinen gehässigen
verunglimpfet / er hätte einen heimlichen verstand mit den Auffrührern / und
währe willens sich bei ihnen in Dienste zubegeben. Worauff ihn der König vor
sich fodern liess / uñ als er vor ihn trat / schalt er ihn vor einen Landkündigen
Verrähter / und meinäidigen Tropfen; welches er bester massen entschuldigte /
und sich erboht / wieder seine Verleumder solches gebührlich ausszufechten; weil
er aber kein gehör erlangen kunte / klagete er solches Pakorus wehmühtig /
vertrauete ihm seine abermahlige Liebe mit Atossen / ging wieder zu dem Könige /
und erboht sich / seine Unschuld durch einen Kampf ausszuführen; vermochte es
aber nicht zuerhalten; deswegen er umb gnädigste erlassung seiner Kriegsdienste
anhielt / nebest ritterlicher beteurung /dass / wie ungnädig ihm auch seine
Königl. Hocheit sein möchte / er doch nimmermehr an Persischer Seite gegen
dieselbe dienen wollte. Worauff er endlich erlassen ward / da er alle seine Güter
in Parten und Meden verkauffte / die Gelder nach Antiochia in Syrien übermachte
/ uñ nach Damaskus reisete / da er bei H. Sulpizius Freiheit im Lande zu wohnen
erhielt /auch ein schönes Landgut kaufte / und seine vertrauete Atossen heimlich
und in guter sicherheit davon brachte / gleich umb die Zeit / als unsere Helden
auff dem grossen MittelMeer flölich und mit gutem Winde fortsägelten / biss sie
Kreta erreicheten / und in eben den Hafen einliefen / woselbst Valiska / uñ
hernach Herkules vor diesem aussgestiegen wahren / dessen doch ihrer keiner
wahrnam / biss sie ihr ehmaliges Elend betrachtend / ans Ufer traten / und
Valiska der Bäume gewahr ward; worüber ihr die FreudenTrähnen aus den Augen
hervordrungen. Sie fassete ihren Gemahl bei der Hand und ging mit ihm hin /
traff ihren Baum bald an / an welchem sie ihre und Herkules Schrift fein
aussgewachsen und unverletzet sah /nahm ihr Messerchen hervor / und schnitte
diese Worte darunter: VALISCA per DEI gratiam liberata, patriam repetit cum suo
HERCVLE. Das ist: Valiska durch Gottes Gnade erlöset / kehret wieder in ihr
Vaterland mit ihrem Herkules. Sie zogen von dannen nach der Stad Gnossus /
woselbst sie drei Tage stille lagen / und den Ort besahen / da Herkules den
falschen Ladisla erschlagen hatte. Als nun des Landes Inwohner in erfahrung
brachten / dass die warhaften Helden bei ihnen angelanget währen / kahmen viel
tausend Menschen herzu / dieselbigen zu sehen / von denen sie höchlich geehret
wurden. Auff Euphrosynen und Agaten fleissiges anhalten fuhren sie ingesamt
nach Korint / blieben auch in Griechenland wegen des Ungewitters etliche Wochen
/ und besahen daselbst die örter / wo Herkules und Ladisla gefangen / und zum
schnöden Gericht aussgeführet wahren / auff welche Stellen die LandesObrigkeit
ihnen herrliche Ehrenseulen auffrichten liess wovor ihnen Herkules nachgehends von
dem Römischen Käyser sonderliche Freiheiten erhielt. Sonst liessen unsere Helden
zu Korint 50000 Kronen unter die armen Christen aussteilen /und belegten eine
Tonne Goldes / davon die jährlichen Rente zu behueff der Lehrer Unterhalt sollten
angewendet / auch Schreiber davon bestellet werden /welche der Christlichen
Lehrer ihre Bücher abschrieben / damit dieselben nit untergingen. Am fünften
Tage nach ihrer Ankunft zu Korint / stellete sich Fr. Artonis / des Perdickas
nachgelassene Wittib / bei den unsern ein / von denen sie ganz freundlich
empfangen und mit vielen Kleinoten beschenket ward /weil sie dem Persischen
GrossFürsten Artaxerxes und Fürsten Pharnabazus nahe verwand wahr. Sie
hinwiederumb liess solche Huld und Ehre den unsern / insonderheit der GrossFürstin
spüren / dass sie ihr von Herzen gewogen wurden. Ihrem Oheim Fürst Arbianes
versprach sie / dass auff seine glückliche Rükreise sie sich gefasset halten / und
mit ihm / nach verkäuffung ihrer Güter / in Meden zihen wollte / da sie dañ nicht
allein der GrossFürstin Klaren geheime KammerFrau worden (massen sie nicht wieder
heirahten / noch eigene Güter besitzen wollte) sondern auch zum Christlichen
Glauben sich bekehret hat. Klodius und Markus samt ihren Eheliebesten wahren
nicht willens / in Griechenland zu wohnen / und verkauften alle ihre liegende
Gründe und Güter / der Stad Korint /wovon Herkules sie zwar anfangs gedachte
abzuhalten / und mit dem Kauffe nicht zu eilen / ob ihnen vielleicht dermahleins
gefallen möchte in Griechenland zu wohnen; bekam aber von ihnen zur Antwort /dass
da sie nur könten gelitten werden / sie nicht bedacht währen / ihre Herren Zeit
ihres Lebens zuverlassen / sondern mit ihnen in Teutschland zuzihen /und
daselbst ihre ungeenderte Wohnung zu nehmen; welche träue unsern Helden so wohl
gefiel / dass / weil Euphrosyne von Fr. Valisken schon bestallung hatte /machte
Herkules ihren Markus zu seinen Hoffmarschalk; Ladisla aber nam Klodius zum
Landdrosten /Hoff- und Kriegs-Raht an / neben versprechung / dass Fr. Agata
neben Brelen / seiner Gemahlin Fr. Sophien Hoffmeisterin und KamerFrau sein
sollten; welches diesen vieren lieber wahr / als hätte man ihnen ganz
Griechenland zu eigen gegeben. Der gute Attalus / der sich umb ein grosses
gebessert hatte / kam mit seiner hurtigen Eurydize auch / unsere Helden zu
sprechen / und seiner ehmaligen Tohrheit verzeihung zu bitten / und wurden wohl
begabet weg gelassen. Sie brachten sonst ihre Zeit zu Korint in aller
Gottesfurcht zu / und liessen ihnen täglich Gottes Wort erklären / biss ein sehr
füglicher Wind enstund / da sie wieder zu Schiffe gingen / und mit grossem
verlangen nach dem Adriatischen Meer Nordwest sägelten / in Hoffnung / den
nähesten Hafen bei Padua bald zuerreichen / da dann die Partische Leibeigene /
welche als freie Leute gehalten wurden / dergestalt die Fäuste an die Ruder
legeten / dass man sie von der garzuheftigen Arbeit abmahnen musste.
                            Ende des Fünften Buchs.
 
                                    Fussnoten
1 Luc. II. v. 10, 11. Fürchtet euch nicht.
2 Sihe ich verkündige euch grosse Freude.
3 Die allem Volk wiederfahren wird.
4 Dann euch ist heut der Heiland geboren.
5 Welcher ist Christus der HErr.
6 Ehre sei Gott in Höhe.
7 Friede auf Erden.
8 Esa. XI. v. 6, 7, 8.
9 Vnd den Menschen ein Wolgefallen.
 
                                 Sechstes Buch.
Gleich umb dieselbe Zeit / da Herkules mit seiner frölichen Gesellschaft seine
Schiffart von Korint nach Italien fortsetzete / kahmen die beiden jungen
Fürsten / Baldrich aus Teutschland / und Siegward aus Schweden in den
Italiänische Grenzen an / woselbst sie mit ihren zwölff Ritterlichen Dienern
sich auf Römisch kleideten und ausrüsteten / des Vorsatzes /ihrem Bruder und
Oheim / Herkules und Ladisla in die abgelegenen Morgenlänger zufolgen / weil sie
in Erfahrung brachten / dass sie daselbst sich annoch auffhieten / und den Krieg
wider den Partischen Käyser heftig fortsetzeten / dem sie / wie das verlogene
Geschrei ging / seine Reiche entwenden / und unter ihre Gewalt bringen wollten;
ja es durfften etliche aussträuen / sie hätten anfangs mit dem Römischen Reich
eben dasselbige vorgehabt / und währen bloss durch Ladislaen Heirat davon
abwendig gemacht. Es überlegeten aber hochgedachte beide junge Fürsten / ob sie
des nähesten bei Aquileja zu Schiffe treten / oder zuvor unter unbekanten Nahmen
die Stad Padua besehen / und daselbst Herkules Zustandes sich eigentlicher
erkündigen wollten / welches ihnen endlich am besten dauchte / und daher sich
auffmacheten / des Orts bald anzulangen. Hieselbst wahren Fr. Sophia und ihre
Eltern über die masse sehr betrübt /weil ihnen sint Leches Abscheid / und also
nunmehr inwendig Jahresfrist keine Zeitung zukommen wahr; wiewol der Statalter
seinen Leuten allemahl den Trost vorhielt / es währe nicht möglich / dass / wann
es den ihren unglücklich ginge / ein solches lange stille und verschwiegen
bleiben könnte; das Geschrei / wie wenig er demselben gleich trauete / brächte
dannoch lauter gute Zeitung ein / und währe vor weniger Zeit ein Egyptischer
Kauffmann zu Rom gewesen / welcher daselbst beständig ausgesagt / was gestalt
der Persen Fürst durch Hülffe und Beistand der Teutschen Fürsten / denn grossen
König der Parter / und dessen fast unzählige Macht aus dem Felde geschlagen /
und biss in seine HauptStad Charas getrieben hätte / womit des Statalters zu
Damaskus Schreiben an Käyserl. Hocheit allerdinge übereinstimmeten; währe
demnach nicht zuzweifeln / sie würden ehistes fröliche Zeitung und Briefe von
ihne zugewarten haben. Fr. Sophia vertrieb ihre Zeit viel mit Lustfahren / und
besuchete die ihrem Ladisla und Herkules geschenketen Landgüter zun oftern / da
Fr. Ursula und Frl. Sibylla ihre untrenliche Gefärtinnen wahren. Drei Tage vor
Herkules Ankunft zu Padua / wollte sie ihren neu-angelegeten Garten auf ihrem
Landgute besichtigen / welchen sie mit allerhand fremden Gewächsen und schönen
Blumen besetzen liess / weil es numehr gegen den Frühling ging / und es der 19
Tag des Hornungs wahr / da sie obgemeldete ihre beide Wasen / ihre Leibdienerin
Beaten / und einen ädelknaben mit sich nam / und des morgens früh mit dem Tage
davon fuhr / weil es sich zu einem schönen Wetter ansehen liess / welches sie
doch betrog massen der Wind aus dem Westen einen heftigen Plazregen zusamen
trieb / dass sie die Gutsche umher zumachen / und vor dem Regen sich verbergen
mussten. Ihr Gutscher hatte auf diese Gelegenheit schon etliche Wochen gehoffet /
gebrauchte sich demnach der jetzigen /und führete sie von der Landstrassen auf
einen ungebahneten Weg / hörete auch zwo ganzer Stunden nicht auf zurennen / biss
sich der Regen gelegt hatte / da endlich das Fräulein sagete: Wie kömt es doch /
dass mir der Weg ungleich länger vorkomt / als vor nie /und gleichwol die Pferde
immerzu in Flüchten gangen sind? gewisslich hat der Gutscher des Weges verfehlet.
Fr. Sophien missdauchte es gleich so wohl / öfnete den Wagen / und als sie sich
umsah / merkete sie alsbald / dass sie auf dem rechten Wege nicht wahren /
deswegen schalt sie den Gutscher aus / wie er darzu kähme /und ohn ihr Geheiss
einen andern Weg vor sich nehmen dürffte. Dieser entschuldigte sich auffs beste
/ er hätte aus guter Wolmeinung solches getahn / der gemeine Weg währe gar zu
kotig in diesem Regenwetter / daher hätte er einen andern gesuchet / welcher
zwar etwas umb / aber nun schier geendiget währe. Das Frauenzimmer empfand
grosse Angst im Herzen / und riefen einhellig / er sollte wieder umkehren / und
nach Padua fahren; aber der Bube taht / als hörete ers nicht / und wie er
merkete / dass sie absteigen wollten / jagete er mit verhängeten Zügeln nach einem
dicken Gepüsche zu; Worauf Frl. Sibylla sagete: Ach ihr Götter / wir sind
gewisslich verrahten / oder wohl gar verkaufft; worüber Fr. Ursul sich dergestalt
entsetzete /dass ihr eine Ohmacht zustiess; doch weil Fr. Sophia ihr hart zuredete
/ sie sollte sich fest halten / und das Unglück nicht häuffen / fand sie sich bald
wieder /gleich da 20 Räuber aus dem nähesten Gepüsche hervor sprungen / die
Gutsche umgaben / und ihr Führer das Frauenzimmer also anredete: Ihr schönen
Bilderchen seid uns dieses ungewöhnlichen Orts sehr wilkommen / als deren wir
schon unterschiedliche mahl /aber bisher vergeblich erwartet haben; weil dann
nun das heutige Glük uns so günstig ist / werdet ihr euch nicht wegern / mit uns
zugehen / dann wir sind nicht willens / euch einiges Leid oder Betrübnis
anzufügen; nur allein werde ich mich bemühen / durch euren Vorschub und
Befoderung meine Gelder wieder zuerlangen / die mir vor zwei Jahren ungefehr
entwendet sind / und eurer etliche darumb gute Wissenschaft tragen. Ich habe zu
dem mahle Mühe gehabt / mich zuerretten / da die wolerbauete Höhle unvermuhtlich
gestürmet ward / aber nunmehr bin ich willens / die Zinsen samt dem Hauptstuel
einzuhohlen. Das Frauenzimmer erschrak der Rede heftig / doch erhohlete sich Fr.
Sophia mitten in der Angst / fassete ein Herz / und gab ihm diese Antwort: Mein
Freund / ich vermerke aus allen euren Reden / dass wir euch nicht unbekant sind /
will euch daher erinnert haben / dass ihr bescheidentlich mit uns umgehet / und
euer keiner sich gelüsten lasse / ichtwas wider unsere weibliche Ehre und Zucht
vorzunehmen; Hat man euch dann /wie ihr vorgebet / und wohl sein kann / eure
Gelder entwendet / so versichert euch / dass sie annoch unverzehret und in guter
Gewarsam sind / auch mit leichter Müh wieder können beigebracht werden. So
lasset mich nun wissen / wie hoch eure Anfoderung sei /und trauet meinem
versprechen / welches ich äidlich leisten will / dass euch noch heut diesen Tag
solche Gelder sollen eingehändiget werden / und kein ander Mensch als wir dessen
jemahl ichtwz in Erfahrung bringen / viel weniger einiger / solches an euch
zueifern sich unterstehen soll, lasset mich nur mit meiner Gesellschaft
unbeschimpfet nach Padua wieder umkehre; oder deucht euch ein solches einige
Gefahr auf sich zuhaben / welche doch ferne ist / so behaltet unser eine in
redlicher Verwahrung / biss die Auszahlung und eure gänzliche sicherheit euch
vergnüget ist; ein mehres werdet ihr ja weder fodern noch begehren können.
Dieser Vortrag wollte fast der ganzen RäuberGeselschaft gefallen / aber ihr
Führer Furius wollte durchaus nit einwilligen / und redete seine Leute also an:
Wie nun dann ihr Brüder / ist euch dann der Weiber List und Bosheit so gar
unbekant / dass ihr diesen geschmiereten Worten gläuben dürffet? Sie suchet uns
nur zuentwischen / das ist ihr vorhaben; ist sie einmal wieder zu Padua / dann
wird sie uns viel ehe so viel Kreuze aufrichten / als die Gelder uns zustellen
lassen; bedenket wie heut das Glük über alles verhoffen den Regen hergeschicket
hat / ohn welches Mittel unser geträuer Bruder diese Gutsche schwerlich so weit
würde gebracht haben; wollen wir nun so töhrich sein / und den Vogel aus der
Hand fliegen lassen / so wird uns das Glük selbst verfolgen / weil wirs nicht
haben erkennen wollen. Ist demnach mein fester und unbewäglicher Schluss / sie
allesamt mit uns zunehmen / und bei uns in Verwahrung zubehalten / biss uns die
Gelder geliefert werden. Die Räuber durfften ihrem Hauptman nicht widersprechen
/ und gaben durch ihr stilleschweigen an den Tag / dass sie mit ihm einig währen;
Furius aber ermahnete das Frauenzimmer / ohn weitere Sperrung einen kurzen Weg
mit ihnen zugehen / an ihren Ehren sollte ihnen durchaus nichts wiedriges
begegnen. Fr. Sophia fragete ihn /auf was weise sie ihnen dann die Gelder
liefern könten / wann er sie allesamt mit sich nehmen wollte? Der kleine Bube /
antwortete er / soll uns dieses zu Padua schon verrichten. Befahl ihnen darauf /
abzusteige /oder da sie dessen sich wegern / und ein Geruffe anrichten würden /
wollte man sie bei Hals und Beinen fortschleppen / und sich ihrer nach allem
willen gebrauchen; ja sie sollten ohn Hoffnung der Erlösung als Beischläfferinnen
stets bei ihnen sein und behalten werden. Hiedurch wurden sie bewogen / gute
Worte zugeben / und sagte Fr. Sophia: ja sie wollten folgen /wann man zuvor ihren
Ehren sicherheit zugesaget hätte; welches dann die Räuber / insonderheit der
Gutscher / mit heftigen Schwüren verrichtete / und sie bei einer Stunde durch
Püsche und Hecken mit sich führeten / biss sie bei einem Felsen anlangeten / in
welchem eine zimliche Höhle wahr / so dass in die 60 Mann sich darinnen hätten
aufhalten mögen. Es wahr zwar renlich / aber wüste in diesem Mörderloche; ümher
wahren die Schlafstäten mit schlechtem Gitterwerk von dem Mittelplatze
abgesondert / und zu den Speisen hatten sie eine NebenHöhle. Nun empfand Furius
eine heftige Begierde in seinem Herzen gegen Frl. Sibyllen / und nam ihm
gänzlich vor / seinen unkeuschen Willen an ihr zubüssen; stellete sich deswegen
insonderheit gegen sie freundlich / dessen sie wegen grosser Betrübnis nicht
wahr nahm / wiewol Fr. Sophia es bald merkete / und auf alle Mittel bedacht wahr
/ dieses Unheil abzuwenden. So bald sie in die Höhle ankahmen / begehrete das
Frauenzimmer / man sollte ihnen einen absonderlichen Ort eingeben; welches ihnen
nicht gewegert ward / da dann Fr. Sophia ihre Wase Frl. Sibyllen geträulich
warnete / sich wohl vorzusehen / weil Furius sie bulerisch anblickete / und
zubefürchten währe / er dürffte sich eines mehren unterwinden; wurde demnach
eins / ihre Brodmesser fertig zuhalten / und sich damit aufs äusserste
zuschützen. Der mutwillige Räuber kunte die ungestüme Glut nicht lange dämpfen /
durfte doch wege seiner Gesellen keine Gewalt anlegen / sondern machete sich mit
angenommener. Gleisnerei und Sanftmuht zu ihnen hin / und liess ihnen etliche
Speisen und einen Trunk Wein aufftragen / so gut ers hatte / setzete sich zu
ihnen nider / und nöhtigte sie zum essen / dessen sie sich nicht sonderlich
wegern wollten / damit sie nicht durch Hunger zur Mattigkeit gebracht / und zu
ihrer selbst eigenen Beschützung unvermögen würden; nur wendeten sie ein / dz
sie gar ohn Messer währen. Furius schnitte ihnen vor / und suchete alle seine
Höfligkeit hervor / sich beliebet zu machen /und ihnen die Furcht und das
Misstrauen zubenehmen. Nach gehaltener kurzen Mahlzeit setzete er sich zu dem
Fräulein / und hielt an / ihm ihre gute Gunst mitzuteilen / gab ihr seine
heftige Liebe zuverstehen / uñ wie hoch er geneiget wäre / ihr zudienen; Zwar
die Gesellschaft hätte auf ihr Häupt auch 250000 Kronen geschlagen / dieselben
aber wollte er ihr als eigen wieder zustellen / da sie ihrer treflichen Schönheit
geniess ihm nur geringe Zeit gönnen würde. Er wollte sie hierauf küssen / und
umfahend zu sich drücken; aber Frau Sophia stellete sich zwischen sie / und
sagete: Nicht also ihr verwägener / dieses euer beginnen ist trauen dem
äidlichen Versprechen nicht gemäss / und möget wohl wissen / dass wir lieber alle
mit einander sterben /als in euer Vornehmen gehehlen wollen. Das Fräulein
fassete auch ein Herz / und gab ihm dürre zuverstehen; Er sollte sich der
Gedanken nur entschlagen / dass er meinte / sie lebendig zu seinem unzüchtigen
Willen zuhaben / dann sie währe eine versprochene Braut / und gesinnet / lieber
den Tod als Ehrenverlust anzugehen; die Gelder / so auf ihr Haupt gesetzet
währen /würden schon entrichtet werden / und begehrete dieselben von ihm nicht
wieder; welches sie dann mit so harter Stimme redete / dass die anderen es wohl
höreten / und deswegen näher hinzu traten / umb zuvernehmen / was vorginge. Frau
Sophia sah an ihren Geberden / dass sie nicht willens wahren / Gewalt zuüben /
und redete sie also an: Günstige gute Freunde / erinnert euch / bitte ich / der
teuren Verheissung / welche ihr uns ingesamt getahn habet / und gebet nicht zu
/dass einige unter uns an ihren Ehren beleidiget werde; die Gelder / so ihr
fodert / wie viel dessen gleich ist /und augf acht Tonnen Goldes sich erstrecket
/ sollen euch ohnfehlbar / wie ich weiss / geliefert werden /und will ich euch
über das versprechen / dass euer keinem das geringste Leid unser Entführung
halben wiederfahren soll / ob man gleich schier heut oder morgen eurer könnte
bemächtiget sein; nur allein beredet diesen euren Häuptman / dass er seine
unzimliche Begierden mässige / und uns unangefochten lasse / damit wir nit
verursachet werden / uns des Lebens selbst zuberauben / welches euch zu keinem
guten erspriessen würde; dann ihr könnet leicht gedenken / dass wañ wir nicht
sollten wieder bei den unsern anlangen / man durch alle Hecken und Schlupfflöcher
uns zum fleissigsten nachspüren werde; Was vor abscheuhliche Straffen aber ihr
alsdañ müstet zugewarten haben / ist leicht zuvermuhten. Bald trat Genutius ihr
Gutscher hervor / und sagte: Ihr Herren und gute Freunde; es ist euch ingesamt /
und einem jeden insonderheit wohl bewust / dass / wie ich über mich nam / diese
Gesellschaft eine zeitlang zumeide / und mich vor einen Gutscher bestellen
zulassen / ob mir möglich sein würde / eine oder andere dieses Hochädlen
Frauenzimmers in eure Gewalt zuliefern / ihr mir hinwiederumb die aufrichtige
Verheissung getahn / dass auf solchen Glückesfal ihnen weder am Leben noch an der
Ehre ichtwas sollte gekränket werden / wann ihr nur die begehreten Gelder erhalte
würdet; und beteuere ich bei meinem äide / dass / wo ich das geringste an diesem
euren versprechen gezweifelt hätte / wollte ich lieber mein Leben selbst
aufgeopffert / als dieses keusche hochädle Frauenzimmer in eure Hände übergeben
haben; ist demnach billich / dz wir unserm Häuptman einreden / dessen eingedenke
zusein / und von seinem Vorhaben abzutreten; dann was meine gnädigste Frau euch
anjetzo vorgehalten / wird in der Warheit nicht aussen bleiben / da ich dann
wünschen möchte / eure Gesellschaft / die mir sonst so angenehm ist / nimmermehr
gesehen zuhaben. Hierauff gingen sie mit einander hinzu / und bahten Furius mit
bewäglichen Worten / er möchte durch blinde und Vernunftlose Begierden sich
nicht verleiten lassen / ein solches zuwagen / was ihm und der ganzen
Gesellschaft das unvermeidliche Verderben über den Hals zihen würde. Furius
entsetzete sich der unvermuhtlichen Einrede / kehrete sich mit freundlichen
Worten zu dem Frauenzimmer / einwendend / sie beschwereten sich unbillich und
ohn ursach über ihn / weil er ja nichts ungebührlichs angefangen / sondern bei
dem Fräulein nur durch untertähnige Bezeigung umb eine geringe Gunst angehalte /
und nähme ihn wunder /dass sie sich dergestalt hochmühtig erzeigen und ihn
anklagen dürften / so dass sie nicht eins bedächten /dass sie gefangene Leute /
und in seiner Gewalt währen. was er ihnen versprochen hätte / und wie weit ihn
solches verbunde / wüste er gar wohl / sollte auch von ihm nicht gebrochen werden
/ aber sie dagegen sollten auch wissen / dass ihnen ein solcher Hochmuht nicht
zustünde / und sie gar über ihn herschen wollten. Hernach trat er mit seiner
Gesellschaft zusammen / und beklagete sich anfangs / dass Genutius wider äid uñ
gebühr sich ihm widersetzet / und seinem Ansehen unleidlichen Eintrag getahn
hätte / indem er die Gesellschaft auf eines gefangenen Weibes falsche Anklage
wider ihn auffmahnen dürffen / worüber dann billich Urtel und Recht ergehen
müste; Dass nun die eine dräuete / sich selbst zuentleiben / währe gar liederlich
/ und würde sie ehe alles erdulden / als zu dieser verzweiffelten Taht greiffen;
jedoch dieses alles vor dissmahl beiseit gesetzet / so ginge die Verheissung nur
bloss auf die beiden verheirahteten Frauen / das Fräulein und die adeliche
LeibJungfer währen nicht mit eingeschlossen / so dass / wann einer oder ander zu
dieser etwa Anmuht hätte / könnte er seinem Willen wohl ein genügen tuhn. Aber
auch dieses ungeachtet /so suchte er durchaus nicht / der Fräulein unzüchtig
zumissbrauchen / sondern er hätte sich in dieselbe höchst verliebet / und währe
des gänzlichen vorhabens / sie zuehlichen / daher er einiger Ungebühr nicht
könnte beschuldiget werden / weil ja in ehelicher Liebe keine Schande steckete;
hoffete demnach / seine ehrliche Gesellen und Brüder würden ihm hierin nicht
zuwider sein / sondern vielmehr befodern / dass er seine inbrünstige Liebe zum
gewünschten Ende ausführen möchte; dagegen wollte er ihnen 100000 Kronen von
seinem Anteil (er bekam aber den dritten Teil aller Beute) zuwenden / und vor
sein Häupt aus dieser Höhle mit seiner Liebsten nicht weichen / biss sie alle mit
ihren Geldern sich in sicherheit gebracht hätte. Genutius hielt bitlich an umb
Erlaubnis / vor sich zureden / aber Fannius ihr Unterhauptman fing an: Es müste
durchaus die Uneinigkeit zwischen ihm und ihrem Hauptmann beigeleget und in der
Asche gedämpfet werden / weil daraus nichts anders als ihr aller verderben
entstehen würde; baht darauf den Hauptman / dass er Genutius die geführte Rede
günstig verzeihen möchte / weil er solche vorzutragen /gleichwol ein und andere
Scheingründe gehabt hätte; Hingegen sollte jener von aller weiteren Einrede
abstehen / und der ganzen Gesellschaft Ausspruch billichen; welches sie
beiderseits eingingen. Hernach ward Furius Vortrag in bedacht gezogen / welchen
sie vor billig hielten / und die versprochenen Gelder mit grosser Danksagung
annahmen / als ob sie schon gezählet währen; doch eriñerten sie ihn / dass er
aufs glimpflichste verfahren / und alle Mittel versuchen möchte / der Fräulein
Willen zuerlangen; wañ aber keine Freundligkeit zulangen wollte / würde er schon
wissen / sie ihm verbindlich zumachen. Bald setzete Furius zehn Schildwachten
aus; hiess auch die übrigen einen Abtrit nehmen / und verfügete sich wieder nach
dem Frauenzimmer / des gänzlichen Vorhabens / entweder durch Zulassung oder
Gewalt seinen boshaften Willen zuvergnügen. Diese hatten ihres Gutschers
vorbringen angehöret / und verwunderten sich der unerhöreten Verräterei /
entschuldigten ihn gleichwol in etwas / und hielten ihn noch vor den redlichsten
unter allen; Als sie nun alle andere sahen einen Abtrit nehmen / und den
Hauptman allein bleiben / sagete Fr. Sophia zu ihren Gespielen; Dieser Schelm
wird nit unterlassen / Gewalt zugebrauchen / ihr aber mein Schwesterchen haltet
euch so fest ihr immer könnet /sollte er euch dann überwältigen wollen / hoffe
ich ihn durch die Hülffe meines einigen wahren Gottes dergestalt anzugreiffen /
dass er keinem ehrlichen Weibesbilde mehr soll Schande anmuhten. Dieser nun
stellete sich mit angenommener Freundligkeit bei ihnen ein / und verwies es Fr.
Sophien als im scherze / dz sie sich dergestalt über ihn beschwerete;
entschuldigte sie bald darauff / weil sie seines Standes und Wesens keine
Kundschaft hätte / könnte er ihr solches nicht allerdinge verargen; tähte ihnen
demnach ingesamt zuwissen / dass er hohes Römischen Adels / und wegen Verfolgung
seiner unbefugten mächtigen Feinde aus Rom gewichen währe / hätte sich in
Pannonien nidergelassen / und daselbst eine gewaltige freie Herschaft an sich
gebracht; so mangelte es ihm weder an Barschaften noch anderem Reichtuhm / dass
er als ein Fürst zuleben Mittel gnug hätte; allein es fehlete ihm ein wirdiges
Gemahl / die er biss daher nicht antreffen können / als heut diesen morgen / da
er am wenigsten darangedacht / hätte ihn das hochgeneigete Glük dieses überaus
schöne / und seinem Stande gemässe Fräulein / ja seine hochgeliebte Frl.
Landmännin zugeführet / deren er sich ganz zueigen ergeben /und in ehelicher
Liebe uñ Träue mit ihr zuleben / auch sie zur gebietenden Frauen über sich
selbst zumachen / sein endlicher Vorsaz währe; könnte demnach ihn niemand
anklagen / als suchete er ihre Ehre und Zucht zuschwächen / weil seine Liebe
auff eheliche Träue gegründet währe / die er hiemit äidlich wollte versprochen
haben / nicht zweifelnd / sie würde sich in die Zeit schicken / und solches
erbieten annehmen / dann ob sie gleich vorschützete / dass sie mit einem andern
schon verlobet währe / könnte ihn solches nicht hindern / dann wer die Braut
hätte / ginge billich mit ihr zu Bette. Das liebe Fräulein war nicht anders als
eine TodtenLeiche / dass sie auch in starrende Ohmacht niderfiel / und weder Hand
noch Fuss regete / welches Fr. Ursul ersehend / zu ihr nahete / und sie bester
massen erquickete / biss sie endlich zu sich selber kam / und zu Fr. Ursulen
sagete: Liebe Fr. Schwester /warumb verbeut sie mir zusterben / da ich ehrlich
zuleben nicht mehr bemächtiget bin? Unterdessen hatte Fr. Sophia ihre
Unterredung mit dem wütigen Furius /und vermahnete ihn durch allerhand
bewägliche Ursachen / sich eines bessern zubedenken / sintemal er ja weder
leichtfertige Metze noch gemeiner Leute Töchter / sond'n hochgeborne Römische
Frauen uñ Fräulein vor sich hätte / welche lieber den Tod als Schande wählen
würden; sein eheliches vorgeben währe umsonst / dann hierzu würden beiderseits
Gemühter erfodert; währe er aber ein so grosser Herr / als er vorgäbe / und
dergestalt begütert / müste er umb ihre Wase nit in der RäuberHöhle / sondern
bei ihren Eltern werben / und vor allen dingen sie zuvor frei lassen / damit es
nicht ein Zwang währe; hätte es dann GOtt also versehen / würde solche Heirat
wohl vor sich gehen. Aber der wütige Mensch lachete des vorbringens / und gab zur
Antwort: Sie möchte ihn doch nicht gar vor einen Narren halten; auff solche art
finge man die jungen Füchse; wollte sie demnach warnen /mit dergleichen Reden und
kindischen Anmuhtungen sein zuverschonen. Er währe freilich ein vornehmer Herr /
und ein KriegsObrister von der Zahl der ehemaligen tapfferen Verbündnis aus der
verstöreten Höhle / auch bei dem Gefechte mit gewesen / uñ durch sonderlichen
Schuz der Götter dem Tode entrunnen / wovon dismahl zureden unnöhtig / weil er
mit ehr- und ehelichen Liebesgedanken umginge / und seinen Willen alsbald mit
dem Fräulein zuvergnügen bedacht währe; wollten nun die übrigen ihre gebührliche
Schamhaftigkeit sehen lassen / sollten sie einen Abtrit nehmen / dass er mit
seiner Braut allein währe; wo nit / währe diss ihre straffe / dass sie alle mit
einander sollten geschändet werde; machte sich hiemit zu dem Fräulein / welche
auf der Erden sass / und liess sich dergestalt unzüchtig in Worten und Geberden
vernehmen / dass Fr. Sophia augenscheinlich sah /ihre Wase würde ihre Ehre
länger vor ihm nicht erhalten können / stellete sich gleichwol nochmahls
zwischen sie / und fing an: Herr Furius / ich erinnere euch nochmahls eures
geschwornen äides / dz ihr dieser Fräulein Ehre ungekränket lasset / dann ihr
werdet im widrigen befinden / dass wir alle lieber sterben / als in diese Schande
gehehlen wollen. Er aber stiess sie mit ungestüm zur seiten hinweg / dass sie auf
die Erde zuliegen kam / und nahete mit solchem rasen zu dem Fräulein / als einer
der allen Wiz und Scham ausgezogen hat. Aber Fr. Sophia wahr bald wieder auff
den Beinen / erwog sich ihres Lebens fiel über Furius her / und stach ihm ihr
Messerlein in die Kehle / dz an statt der Rede er alsbald anfing das Blut
auszugurgeln; Ihre Leibdienerin Beata wollte sie nicht verlassen /gab ihm sechs
Stiche in den Leib / dass er alsbald niderfiel / mit Händen und Füssen zappelte /
und bald darauff seinen unflätigen Geist auffgab. Fr. Sophia befand durch Gottes
Gnade eine sonderliche Kekheit in ihrem Herzen / lief geschwinde hin nach dem
andern Ende der Höhle / da etliche Schwerter lagen /nam deren viere zu sich /
ging zu ihrer Gesellschaft /uñ teilete ihnen das Gewehr mit diesen Worten aus:
Habt nun gute Hoffnung ihr meine Schwestern / der gröste Feind ist erleget /
welcher so wenig des Löse-geldes als der eingebildeten Heirat sich erfreuen
wird; nehmet nur ein frisches Angesicht an euch / haltet die Schwerter auffrecht
in den Händen / und lasset mich allein reden / wann die Räuber sich wieder
einstellen werden. Deren kamen nun mit Fannius sechse wieder / nach Verlauff
einer halben Stunde / und zweifelten nicht / ihr Hauptman würde mit seinem
erwähleten Gemahl gute Rachtung getroffen haben; als sie aber das Frauenzimmer
mit den blossen Schwertern sahen / entsetzeten sie sich / und frageten / was
solches vor eine Bedeutung hätte. Fr. Sophia antwortete ihnen mit diesen
sitsamen Worten: Ihr gute Herren und Freunde; diese Schwerter haben wir nicht
ergriffen / einigen Menschen zubeleidigen / wozu wir ohndas viel zu schwach sind
/ sondern da uns weiter an unsern Ehren sollte zugesetzet werde / wollen wir den
Ansprengern die Spitze bieten / oder uns selbst den Lebensfadem abschneiden /
weil wir ungezweifelt sterben / oder unsere Ehre behalten wollen. Ihr wisset /
was vor teure Verheissungen ihr mir und meinen Gespielen geleistet / welches
aber von eurem Häuptman nicht gehalten worden / sondern er hat sich unterstanden
/ meine Wase in meiner Gegenwart zuschänden /davor hat er von meiner Hand den
Lohn empfangen /und lieget zu meinen Füssen gestrecket; dessen ihr euch dann
nicht bekümmern sollet / gestaltsam alle seine Gelder unter euch als
rechtmässigen Erben können ausgeteilet werden. So haltet ihr nun redlich / was
ihr uns versprochen habt / und zweifelt nit an unserm verheissen / dass nehmlich
nicht allein die begehreten Lösegelder sollen ausgezählet werden / sondern auch
keinem unter euch wegen dieses vornehmens leid geschehen soll. Die Räuber
erschraken hierüber / dass sie anfangs kein Wort sprechen kunten / schleppeten
den Leichnam bei den Füssen hervor / und als sie kein Lebenszeichen mehr an ihm
sahen / seuffzeten sie darüber / lieffen zur Höhle hinaus / und meldeten den
übrigen diesen unfall an / auch wie das Frauenzimmer alles auffs äusserst gesezt
hätte. Genutius hörete solches nit ungerne / dann er zweifelte nicht / es würde
ihm Furius meuchlischer weise das Leben genommen haben; Weil er dann unter allen
der verständigste wahr / hub er also an: Ihr meine Herren und Freunde; da sehet
ihr / was gestalt die Götter über ihre Ehr und furcht halten / und keinen
Meinäid ungestrafft lassen. Unser gewesener Hauptman wahr von solcher Stärke und
Waffen-erfahrenheit / dass nicht leicht jemand ihm darinnen etwas bevor tuhn wird
/ uñ nun hat ein schwaches Weibesbild ihn müssen abschlachten als ein
verbannetes Opffer zu der Götter Versöhnung. Lasset uns solches dienen zur
Warnung / dz wir keine Götter verspotten / damit wir nicht auff gleiche / oder
noch wohl schändlichere weise umkommen. Vorerst wird nöhtig sein / dass unter uns
ein Hauptman gesetzet werde / dem wir allen Gehorsam angeloben / welcher
nachgehends das Frauenzimmer begütigen wird; Und weil ich nicht zweifele / es
werde Herr Fannius uns allen zum Hauptmann gefallen / werden wir demselben
unsere Schuldigkeit abzulegen keine Bedenkzeit vonnöhten haben. Sie liessen
ihnen ingesamt diesen Vorschlag gefallen / leisteten ihrem neuen Hauptman den
äid / und wurden eins / dass dem Frauenzimmer auffs freundlichste sollte
zugesprochen / und alle Versicherung ihrer Ehren getahn werden; gingen auch
unbewaffnet in die Höhle / und fing Fannius also an: Versichert euch / ihr
schönen Frauen und Jungfern /dz unser gewesener Häuptman diese Untaht wider
unser wissen und willen verübet hat / und wir daher nicht gesinnet sind / seinen
Tod zuunbillichen / vielweniger zurächen / sondern wann uns die versprochene
Gelder zugestellet werden / wollen wir euch samt und sonders auff freien Fuss
stellen / auch euch keinerlei weise an euren Ehren kränken / welches wir hiemit
aufs neue äidlich angeloben. Unser Frauenzimmer ward hiedurch höchlich erquicket
/ bedanketen sich des versprechens / und bahten / dass ihnen ein reiner Winkel zu
ihrem Auffentalt eingeräumet / und mit aller hand Sachen umleget würde / damit
niemand unvermerket könnte zu ihnen kommen; alsdann wollten sie gerne beieinander
bleiben / biss ihnen die Gelder vergnüget währen; welches begehren dann von den
Räubern alsbald verrichtet ward / und vor allen andern Genutius dabei sehr
gefliessen wahr / so dass nur ein Loch offen blieb / durch welches ihnen Speise
und Trank kunte gereichet werden.
    Anfangs / da dieses Frauenzimmer gefänglich angenommen ward / mussten vier
Räuber die Gutsche samt dem ädelknaben ins Gesträuche führen / dass sie von
niemand ausgespüret würde / woselbst sie auch den ganze Tag verblieben / biss der
Abend einbrach / da brachten sie dieselbe des nähesten Weges an das Meer / und
lag der Knabe drinnen mit verbundenen Augen; drei Räuber aber sassen bei ihm /
welche demselben eine blaue Dunst vorzumahlen / errichteter weise mit einander
überlegeten / wie zeitig sie ihre Gesellschaft würden erreichen können / die mit
ihren schnellen Rolwagen schon nach dem Meer sich fortgemachet / und das
Frauenzimmer übergeführet hätten; wodurch sie den Knaben so irre macheten / dass
er nichts als Ungewissheit nach Padua zubringen wusste. Endlich / als sie kurz vor
Tage bei des Meeres Ufer anlangeten / unterrichteten sie den Knabe / wie mit
Einlieferung der Gelder sie es wollten gehalten habe /unter der bedrauung /
dafern man ihnen zu Wasser oder Lande nachfragen würde / sollte die gefangene
Weibsbilder ohn alle gnade geschändet und getödtet werde. Die Pferde kehreten
sie im Fahrwege nach Padua hin / traten an des MeeresUfer / uñ machte ein
grosses Geräusche im Wasser / als ob sie auf eine Schiffe davõ fuhren / uñ
kehrete des näheste Weges wieder umb nach ihrer Höhle. Fürst Baldrich und
Siegward begegneten ihnen mit ihre Dienern / hielten aber keine Unterredung mit
ihnen / sondern ritten ihres weges fort und sahen die Gutsche von ferne stehen /
höreten auch bald darauff / dass ein Mensch sich mit jämmerlichem Geschrei
vernehmen liess / daher sie hinzu ritten / ihm die Bande aufflöseten / und
frageten / was ihm wiederliches begegnet währe. Ach meine Herrn / antwortete der
Knabe mit weinender Stimme / seid durch Gott gebehten / und lasset mich auffs
allerschnelleste nach Padua bringe / damit durch meine verseumnis / nicht die
vortreflichsten Frauen derselben Stad / umb Ehr und Leben kommen. Fürst Baldrich
wollte hievon mehr wissen / und befahl dem Knaben alles in möglicher kürze
zuerzählen / welcher andeutete / dass des Bömischen Königes Herrn Ladisla Gemahl
samt zwo ihren Wasen von etwa 20 Räubern gestriges Tages von dieser Gutsche
geraubet / uñ vielleicht gar über Meer hinweg geführet / er aber hieher gebracht
währe / mit dem bedinge / dz er in eben dieser Kleidung heut über zween Tage
acht Tonnen Goldes an einem gewissen Ort im offenen freien Felde ohn beisein
einiges Menschen als zweer Fuhrleute einliefern sollte; im wiedrigen würde
hochgedachtes Franenzimmer umb Ehr und Leben kommen. Die Fürsten erschraken
dieser Zeitung / und frageten / ob dann König Ladisla / der ihnen unbekant /
nicht bei seinem Gemahl gewesen währe. Ach nein / antwortete er / es ist dieser
König mit seinem Gesellen GrossFürst Herkules aus Teutschland / annoch in den
weit abgelegenen Morgenländern / und weiss niemand eigentlich zu sagen / ob sie
lebendig oder Tod sind /weil man in geraumer Zeit keine gewisse Zeitung von ihne
gehabt hat. Baldrich fragete / an was ende das Frauenzimer gefangen / wohin sie
geführet / und wie er mit der Gutsche hieselbst angelanget währe. Worauff er
antwortete: Der Ort ihrer raubung währe ohn zweifel etliche Meilen von hinnen /
hätte von vier Räubern / die ihn hieher gebracht / verstanden / dass sie schon
über Meer geführet / welche auch selbst vor ungefehr einer Viertelstunde zu
Schiffe gangen währen / wie er aus dem Geräusche im Wasser gemerket. Baldrich
fragete weiter / wie diese vier Räuber währen bekleidet gewesen; und als der
Knabe anzeigete /dass sie auff Kauffmans Art gingen / auch einer von ihnen einen
langen schwarzen Knäbelbart / tieffe Augen / und eine zimliche schmarre über der
rechten Wangen hätte; ein ander aber feurrohte Haar und nur ein Auge; sagte
Siegward; es sind eben die so uns dort nach der rechten Hand begegneten; drum
raht mein Bruder / was tuhn wir / dass wir sie erhaschen. O nein / ihr meine
Herrn / sagte der Knabe; dann wo diese auffgehalten würden / dass sie bei ihrer
Gesellschaft nach genommener abrede nicht wieder ankähmen / hätte meine Gn. Frau
samt ihren Gespielen /nichts gewissers als Schande und den Tod zugewarten / und
solches noch vor Abends; ist auch denen nichts heilsamers als dass ich bald nach
Padua komme / und sie durch das Lösegeld frei gemacht werden. Die Fürsten
hielten hierauff kurzen Raht / befahlen ihren zwölff Dienern / sich auffs
schnelleste mit diesem Knaben nach Padua zu machen / mit vorgeben / sie währen
Teutsche Reuter / und sie beide ihre Herrn /Teutsche von Adel / von dem GFürsten
aussgeschikt /nach seines Sohns Fürst Herkules Zustand zu fragen; sollten sich
doch alsbald aus der Stad weg begeben /und im nähesten Dorffe oder Flecken
disseit / herberge nehmen / fünff oder sechs Tagelang die Strassen da umbher
bereiten / und zu Padua unter dem Tohr verlassen wo sie sich aufhielten. Sie
aber legeten ihre Harnische ab / wapneten sich mit verdecketen Panzern und ihrem
Seitengewehr / setzeten sich auff ungesattelte Pferde / und höreten nicht auff
zu rennen /biss sie die vier Räuber nahe bei einem Dorffe erblicketen / folgeten
ihnen von ferne / kehreten mit ihnen in eine Schenke ein / und stelleten sich
gar furchtsam; heischeten auch von dem Wirte Speise und Trank /und genossen
dessen so geizig / als hätten sie etliche Tage her hunger gelitten. Die Räuber
sahen ihnen fleissig zu / urteileten aus ihren Kleidern und Pferden / dass sie
nicht schlechte Leute sein müsten / und frageten endlich / nach gebehtenem
Urlaub / woher sie kähmen / und wohin sie gedächten. Baldrich gab zur Antwort /
sie währen Brüder / Herrn Standes / nicht weit von Aquileja / hätten aus Zorn
und rachgier einen vornehmen Herrn ihren Vormund erschlagen /und sich aus dem
Staube gemacht / das Leben zuretten / sucheten irgend einen Ort zu ihrer
Sicherheit /wo sie den auch antreffen möchten / weil man sie ohn zweifel bald
verfolgen würde; weil er sie nun vor redliche Leute ansähe / die mit ihnen
mitleiden tragen würden / hätte er ihnen ihr Unglück erzählen wollen /unter der
Hoffnung / sie wurden von ihnen nicht verrahten noch in grösser Unglück gestürzet
werden. Der vornehmste unter den Räubern sagte hinwieder; ihr jungen Herrn mich
dauret eurer sehr / und wann ich wüste / dass euch mit einer Gesellschaft könnte
gedienet sein / die nicht allein in guter sicherheit sich auffhält /sondern
überdas mit leichter mühe ohn sonderliche Gefahr / Reichtuhm und Schätze
erwirbet / sollet ihr in dieselbe wohl auffgenommen werden; welches ich euch auff
eben den Glauben wissen lasse / den ich euch durch verschwiegenheit leisten will.
O dass währe uns ein gewünschtes Glük / sagte Baldrich / und wann ihr uns hierzu
werdet befoderlich sein / soll es von uns dankbarlich erkennet werden / find auch
erböhtig / unsere Pferde alsbald zuverkäuffen / und alles Geld neben den
Kleinoten / so wir bei uns haben / dieser löblichen Gesellschaft einzulieffern
/deren wir uns mit Leib und Leben verbinden wollen /nur dass wir bei ihnen
sicherheit und auffentalt haben mögen. Der Räuber nam dieses erbieten an /hiess
sie ihre Pferde bald verkäuffen / weil ihr Weg sehr eilig währe / und sie noch
diesen Abend bei den ihren anlangen müsten. Also machten sie sich miteinander
auff / und gingen eine Zeitlang im gebahneten Wege / da ihnen zween Reuter
begegneten / auff welche die beide Fürsten einen Anschlag macheten /ihnen
unversehens in den Zaum fielen / sie vom Pferde warffen / und etliche hundert
Kronen baarschaft bei ihnen funden / welche sie zu sich nahmen / den beraubeten
Hände und Füsse bunden / und sie ohn weitere beschädigung liegen liessen /
entzäumeten doch ihre Pferde und jageten sie in das weite Feld. Die Räuber
verwunderten sich ihrer Kühnheit / und dass sie diese Heldentaht ihrem Haupman
wollten zu rühmen wissen. Gegen Abend kahmen sie bei der Höhle an / vernahmen
anfangs mit schmerzen / dass Furius entleibet wahr / und berichteten nachgehends
/dz sie diese beiden ohngefehr angetroffen / welche um Mords willen aussgerissen
währen / und bei ihnen sicherheit und unterhalt sucheten / brächten auch auff
3000 Kronen baarschaft und Kleinot mit sich / alles der Gesellschaft zuzustellen
/ und sich damit einzukäuffen; zweiffelten nicht / sie würden mit der Zeit guten
nutzen schaffen / wie sie ihrer Kühnheit schon eine statliche bewehrung abgelegt
hätten. Der neue Hauptman Fannius gab den beiden Fürsten darauff Urlaub / ihr
begehren selbst vorzutragen / da Baldrich also anfing: Wol ädle Mannhafte und
veste / hochwerte Herrn und Freunde; nachdem mein Bruder Veturius und ich /
nahmens Anton / in das Unglück leider gerahten sind / dass wir unsern nahen
Anverwanten und Vormund erschlagen / weil er uns unsere Güter nicht einräumen /
sondern sie wie vorhin / noch etliche Jahr unter seiner Verwaltung / aus antrieb
des schändlichen eigennutzes behalten wollen / hat das gute Glük uns zu diesen
unseren Gefärten gebracht / die unsern Unfall mitleidig beklagend / von wegen
dieser löblichen tapfferen Gesellschaft uns sicherheit und auffentalt
versprochen / und wir hingegen angelobet / mit ihnen samt und sonders Leib und
Leben zu wagen; bitten demnach / sie wollen dieses mit ihrem guteissen
bekräfftigen / damit wir von unsern Verfolgern nit mögen ertappet werde. Wir
erbieten uns / vor erst mit blossem Unterhalt friedlich zu sein / und keinen
teil an ihren Gütern zu haben / biss wir zuvor ihren Schaz mit einer ansehnliche
Beute vermehret und uns so verdienet gemacht / dass sie samt und sonders uns
wirdig erklären / ihres Gutes mit zugeniessen. Fannius hiess sie in aller Nahmen
wilkommen sein / und wünschete dass ihre Gesellschaft mit dergleichen tapfferen
Leuten täglich möchte vermehret werden; die übergebrachten Gelder und sachen
nähme er an / doch dass sie davon /wie auch von aller künftigen Beute / ihrer
gemachten Ordnung nach / ihren anteil haben sollten. Das Frauenzimmer hörete ihr
anbringen / sahen sie in so schöner junger Gestalt / und jammerte sie sehr / dass
sie in diss schändliche Leben gerahten sollten. Ach Gott / sagte Fr. Sophia / ists
nicht immer und ewig schade / dass diese junge Männer zu Räubern gedeien müssen /
die ohn zweifel der Welt in vielen sachen könten nüzlich sein. Wir müssen sehen
/ sagte Fr. Ursul / dass bei unserm abzuge wir ihnen Hoffnung machen der vergebung
ihres begangenen frevels / damit sie die löbliche Tugend fortzusetzen angelocket
werden. Bei der Abendmahlzeit ward gefraget / wer dem Frauenzimmer die Speise
zutragen sollte / uñ weil die alten Räuber von geringer Höfligkeit wahren / und
sich darzu gebrauchen zu lassen wenig belieben hatten / ward Baldrich darzu
befehlichet / welcher sich anfangs entschuldigte / er währe die wenige Jahr
seines Mannbahren alters mehr mit Gewehr und Waffen als mit hohem Frauenzimmer
umbgangen / aber bloss seinen Gehorsam zuerzeigen / wollte er sich dessen nicht
wegern. Er hatte schon vernommen / welcher gestalt wegen vorsorge ihrer Ehren
sie die blossen Schwerter bei sich hätten / und mit allerhand gezeug umbschanzet
währen; ging zu ihnen mit entblössetem Häupte /stellete sich gar höflich / und
in dem er ihnen die Speise reichete / sagte er: Den Tag meiner höchsten
glückseligkeit / will ich den heutigen halten / an welchem der Himmel mir die
Gelegenheit verleihet / so treflichen Frauen und Fräulein auffzudienen. Fr.
Sophia wollte ihm antworten / aber verdacht zu meiden /ging er alsbald von ihnen
hinweg; wodurch sie in grosse furcht gerieten / als ob diese beide junge Herren
ihnen aufs neue zusetzen / oder aufs wenigste ihre schleunige Loslassung
verhindern würden. Siegward musste bald hernach ihnen den Trank reichen / welchen
er also überantwortete: Hochgebohrne Frauen und Fräulein / wirdiget / bitte ich
/ euren ergebenen Knecht der Ehren / dieses unwirdige Trinkgeschir von ihm
anzunehmen / als welcher zu ihrem Dienste sich allemahl bereitwilligst finden
lassen wird; nam auch /wie zuvor Baldrich / ohn Erwartung einiger Antwort
/seinen Abtrit / und verliess sie in grosser Furcht / so dass sie die ganze Nacht
über umb einander wacheten / ob einer oder ander sich ihnen nahen würde. Den
beiden Fürsten ward vor Mitternacht die Ruhe gegönnet / aber hernach mussten sie
auf / und die Schildwache bestehen / wahr ihnen doch sonderlich liebe / dz sie
nicht getrennet wurden / und beredeten sich / welcher gestalt sie ihren Anschlag
vornehmen / und dz Frauenzimmer erlösen wollten. So bald der Tag anbrach / baten
umb Urlaub auszugehen / und nach Beute sich umbzusehen / welches ihnen
selbdritte gegönnet ward / doch dass sie behutsam fahren / und durch
Vermässenheit sich nicht in Gefahr stürzen sollten. Es glückete ihnen / dass sie
vier Kauffleute antraffen / denen sie ohn des dritten Hülffe die Knäbelspiesse
aus den Fäusten rissen / und mit blossem Gewehr sie zwungen / ihre Barschaften
herzugeben / wo sie sonst ihr Leben retten wollten / erhielten solches leicht /
und empfingen auff 6000 Kronen Gold und ädelgesteine von ihnen / stiessen bald
in der Kaufleute Gegenwart ihren Gesellen mit dem Knebelspiesse durch / und
bahten die beraubete / sich drei Tage in der nähe aufzuhalten / uñ nach deren
Verlauff bei dem Statalter zu Padua sich zumelden / woselbst ihnen alles
gedoppelt sollte bezahlet werden / mussten ihnen aber einen äid schwören / vor
Endigung solcher Tage keinem Menschen ichtwas von ihnen zu melden / und
verehreten ihnen hernach 20 Kronen Zehrgeld. Gingen darauff wieder hinter sich
nach der Höhle /und schleppeten den ertödteten mit sich. Bei Einlieferung eines
teils der Beute (dann etwas hielten sie zurücke) gaben sie an / was gestalt sie
die Kaufleute beraubet hätten / weil aber ihr Geselle Nachplünderung halten /
und sich nicht wollen abwehren lassen / hätte ihn ein Kaufman erstochen / ehe
sie ihm zu hülffe kommen mögen / weil sie von ferne eine stärkere Gesellschaft
gemerket / dass sie abzihen müssen / da sie doch den todten Leichnam nicht im
Stiche lassen wollen. Fannius empfing den Raub / rühmete ihr wolverhalten / und
warnete die Gesellschaft / ein Beispiel an dem erschlagenen zunehmen / und sich
nicht zuweit zuwagen. Auf den Mittag lieffen sie beide abermahl aus / doch ohn
andere Gesellschaft / umb / wie sie vorgaben / frischer Beute nachzustellen /
machten sich aber aufs geschwindeste nach dem Dorffe / woselbst sie ihre Pferde
verkaufft hatten / besprachen dieselben mit höherem Gelde zulösen / gaben auch
dem Käuffer 12 Kronen auf die Hand / und bestelleten zween Wagen / die auff
allen fall stets sollten fertig stehen; eileten wieder nach der Höhle / und
händigten Fannius das übrige vom heutigen ein / vorgebend / es währen ihnen
zween Kaufleute begegnet / denen sie dieses abgenommen / und auf Bedräuung
erfahren hätten / dass morgen zu früher Tageszeit / 6 Kleinotändler mit zween
Karren sehr grosses Werts vorbei gehen würden; daher ihnen nicht rahtsam
gedaucht /diese beiden leben zulassen / sondern nach dere Ermordung und
Fortschleppung in einen Busch / währen sie umgekehret / damit der Anschlag auf
morgen könnte gemacht / und glücklich vollendet werden / wann es ihnen also
gefiele; der Ort währe so gar bequehm /dass ihnen niemand entgehen sollte / wann
er nur an dreien stellen nit weit von einander / besetzet würde /welches mit 14
Mannen sehr wohl geschehen könnte. Das Maul begunte den Räubern schon nach dieser
Beute zuschmecken / lobeten der unsern fliess über alle masse / und verhiessen
ihnen einen Anteil von des Frauenzimmers Lösegeldern / dessen sie sich doch
eiferig weigerten; nur erinnerte sie Siegward / es würde sich gebühren / dass
etliche ihres Mittels dem Frauenzimmer Trost einredeten / damit sie nicht in gar
zu grosser Traurigkeit / ihnen selber Leid antähten. Diese ungeschlieffene
wahren mit dergleichen Höfligkeiten nie umgangen / hielten demnach an / dass die
beide Fürsten solches auf sich nehmen / und bester gestalt verrichten möchten /
denen dann nichts angenehmers wahr / wiewol sie sich dessen nicht wollten merken
lassen / liessen sich auch dazu nöhtigen /und auf hartes anhalten gingen sie hin
/ da Siegward das Frauenzimmer also anredete: Wann der Himel uns Menschen den
Gnadenschein allemahl nach Wirdigkeit mitteilete / würde Tugend der Gewalt
nimemahls kniebeugen / sondern über alle Widerwertigkeit herschen; aber die
Götter handeln zum offtern nach ihrem freien Willen / indem sie unsere
Standhaftigkeit auf die Bewehrung stellen / und dem Unglück gönnen / der
Unschuld Eingriff zutuhn / damit der schönen Tugend helle Strahlen auch im
finstern leuchten /oder da es ihnen noch an der Volkommenheit mangelt / sie von
aller trüben Unsauberkeit entleeret / immerzu besser hervor brechen / und der
Welt gezeiget werden. Lasset euch deswegen / Hochgebohrne Frauen und Fräulein /
lasset euch nicht befremden / dass sie in diese schändliche Räuberhöhle sich
haben müssen führen lassen / woselbst das helle Licht ihrer Tugend schon anfähet
die finsteren Winkel der Bosheit zuerleuchten / so gar / dass aller gegenwärtigen
Räuber Frevel durch den Glanz ihrer Volkommenheit gebrochen / und wie Schnee
zerschmolzen / von aller Gewalttähtigkeit sich entalten muss. Ich und mein
Geselle werden uns äusserst bemühen / ihnen angenehme und behägliche
Ehrendienste zuleisten / und nicht ruhen / biss sie dieser Gefängnis entnommen
/ihrer ehmahligen Frei- und Sicherheit völlig geniessen; Gelanget demnach an
Ihre Durchll. unser untertähniges bitten / sich aller Sorge und Befahrung
zuentschlagen / damit die Furcht sie nicht in Ungelegenheit stürze / und ihrer
Gesundheit schädlich sei. Das Frauenzimmer hielt schon hoch auf diese junge
Räuber /hätten sich aber solcher Höfligkeit bei ihnen nicht versehen / sondern
fürchteten sich mehr vor ihnen /als vor den übrigen allen; höreten demnach
dieses Erbieten mit lachenden Herzen und Augen an / und antwortete Fr. Sophia
also: Ihr tapffere junge Herren; ich weiss nicht / ob wir unser oder euer Unglück
mehr beklagen sollen / angesehen den verächtlichen Stand / in welche ihr / ohn
zweifel aus höchstdringender Noht gerahten seid / und lasset es ein Zeichen sein
unser guten ehrliebenden Gewogenheit / dass wir erbötig sind / euren Unfall mit
eben so grossen Lösegeldern abzulehnen / als unsere Gefängnis; wir bedanken uns
sehr eurer Gutwilligkeit / wodurch wir ungleich mehr erquicket sind / als der
Zungen Schall vorzubringen weiss; bitten auch / ihr wollet in diesem rühmlichen
Vorsatze beständig verbleiben / und versprechen euch hinwiederumb / dass so bald
wir uns in Freiheit befinden werden / ihr einen offenen Zutrit zu meinem Herr
Vater haben sollet / welcher nach seinem zimlichen Wolvermögen bei Römischer
Käyserl. Hocheit euch völlige Vergebung eures ehmahligen versehens erhalte wird.
Grossmächtigste Königin / allergnädigste Frau / antwortete Siegward / wie könnte
meinem lieben Gesellen und mir ein höheres Glük zustossen / als dass Eure
Vortreffligkeit nebst dero Durchll. Gespielen gegen uns unwirdige ein so
mitleidiges Herz träget /welches allein tausendmahl gnug ist zu unsers
unkräfftigen willens gnugsamer vergeltung; unser Unglück möchte vielleicht durch
ihre befreiung sich endigen / und ob es gleich nicht erfolgete / würden wir
dannoch satsame Vergnügung haben / wann nur ihre Traurigkeit wird beiseit
geleget sein. Nachdem aber uns ein langweiliges Gespräch könnte verdacht werden /
wollen Eure Durchll. samt und sonders wir dem guten Glük befehlen / und sie
daneben versichern /dass mein Geselle und ich / als lange wir leben / sein und
bleiben werden allergeträueste Diener Ihrer Durchleuchtigkeit / und unserer
allerbesten Freunde der unvergleichlichen Helden / welche sind und genennet
werden Ladisla und Herkules. Hiemit neigeten sie sich tieff / und gingen davon /
dem gesamten Frauenzimmer eine herzliche Begierde hinterlassend zuwissen / wer
doch immermehr diese beide sein möchten / aus deren reden sie schon so viel
abnahmen / dass sie Fürsten Standes / auch Ladisla und Herkules wolbekante / und
ohn zweifel nahe Anverwanten währen /die sich bloss umb ihrer Rettung willen in
diese Räuberzunft begeben hätten. Ach mein Heiland /sagte Frau Sophia / wie so
ein herzlicher Trost ist uns doch in diese Angstöhle zugeschicket / weil ja
unmöglich ist / dass wir bei meines Ladisla und Herkules besten Freunden / uns
einiger Unbilligkeit befürchten sollten. Das Fräulein insonderheit erfreuete sich
dieses Trostes höchlich / und rühmete / dass ihr Herz schon einer
hundertpfündigen Last leichter währe als vorhin; da Fr. Sophia ihr zur Antwort
gab. Ich habe euch ja heut und gestern ohn unterlass damit getröstet / mein Gott
und mein JEsus dem ich andächtig diene / würde uns unfehlbare Hülffe und Rettung
senden; dann dieser almächtiger Helffer verlässet die seinen nicht / deswegen
haltet ihr nur mit eurem Gebeht zu den ohmächtigen ertichteten Götzen zurücke
/und lasset mich allein solches verrichten / was gilts /mein HErr JEsus wird
euch in meiner Gesellschaft zugleich mit gnädig sein / und O wann ihr solches
nur erkennen köntet! Nun wahr Frl. Sibylla schon zum offtern von ihr vermahnet /
den heidnischen Aberglaube abzulegen / aber biss daher ohn alle Furcht und
Verfolg / dann der Vesta Dienst / und der Dianen Gotteit wahr ihr so tief
eingebildet / dass sie davon nicht abstehen kunte; in dieser Stunde aber ward sie
durch solche Rede dermassen bewäget / dass ihr dauchte / ihr Herz würde durch den
genenneten süssen Nahmen JEsus / mit sonderlicher Freude erfüllet / dass sie sich
erklärete / sie wollte fortin eine Christin leben / und hiemit ihren vorigen
heidnischen Unglauben ablegen und verleugnen; welches Fr. Sophien eine grosse
Freude zuhören wahr / vermahnete auch Frau Ursulen ein gleiches zutuhn; welche
aber auf ihrer alten Leir verblieb / sie wollte und müste zuvor wissen / ob ihr
Liebster Fabius ein solches zugeben könnte /alsdann sollte die erste Stunde ihr
die liebste sein. Als unser Frauenzimmer sich in dieser Vergnügung befand / wahr
zu Padua nichts als Leid und Klage durch des ädelknaben Ankunft erwecket; dañ
der Statalter furchte sich / es würden die Räuber mehr der Rache /als dem Gelde
nachtrachten / weil er vernam / dass einer und ander von den ehmals bestrittenen
sich dabei funden; doch wie er hörete / was vor äidliche Zusage sie dem
Frauenzimmer zu ihrer Ehren- und Lebensversicherung geleistet hatten / fiel ihm
der schwerste Stein vom Herzen. Er überlegete zwar alles gar fleissig / wie die
seinen könten gerettet werden /aber aus des Knaben Erzählung befand er / dass
gewaltsame Hand ehe schädlich als vorträglich sein würde / weil ausser zweifel
die Räuber ihre heimlichen und verkleideten Kundschaffer und Schildwachten
hätten / welche / da sie einigen Anzug gewafneter Leute merken sollten / den
seinen an Ehr und Leben schändlich sein dürffte. Dannoch verlangete ihn unter
dieser Bekümmernis zuwissen / wz vor fremde Ritter sich so einsam unterstanden
hätten / den Räubern nachzureiten / liess dere Reuter etliche vor sich fodern /
und taht fleissige Nachfrage; kunte aber doch ausser dem gegebenen Befehl nichts
erfahren / womit er sich vor dissmahl musste begnügen lassen. Die Erlösung der
seinen betreffend / hielt er am rahtsamsten / der Räuber Geiz mit den begehrte
Geldern zuersättigen /nachgehends aber ihnen äussersten Vermögens
nachzutrachten; deswegen die Gelder noch diesen Abend abgezählet / und auf sechs
Karren geladen wurden /damit sie früh morgens zeitig gnug auf den bestimmten Platz
/ zwo Meilen von der Stad / gegen Norden zu /könten geliefert werden. Das
gefangene Frauenzimmer lag diese Nacht wohl in tausenderlei Gedanken /wer doch
diese junge Herren sein möchten; Ihre Gestalt traff mit Ladisla und Herkules in
vielen Stücken überein / vielmehr aber ihre Sitten und Geberden; doch weil sie
nichts gewisses ersinnen kunten / fielen sie auf andere Sorge / wie diese
tapffere Herren es immer und ewig anschlagen wollten / dass sie aus der
RäuberHänden errettet würden / biss sie endlich aus grosser Müdigkeit
einschlieffen. Die beide Fürsten nahmen auch die Ruhe biss eine Stunde nach
Mitternacht / da wecketen sie ihre Gesellen / es währe Zeit /den Anschlag ins
Werk zustellen; wähleten fünfe aus den Räubern / welche sie ihrem vorgeben nach
auf den engen Weg verlegen wollten / schwätzeten ihnen auff dem Wege viel schönes
dinges vor / und unterrichteten sie / wessen sie sich verhalten / den
ankommenden sich nicht zeigen / sondern wann sie durch den engen Weg währen /
unvermerket nachfolgen müsten / biss sie den Anfal vernehmen würden / alsdann
sollten sie mit ansetzen / uñ die Kauffleute erschlagen helffen. Diese gedachten
an nichts anders / als wie sie dieser Unterrichtung sich gemäss verhalten wollten
/und sagte der eine zu den beiden Fürsten: Geliebte Brüder / ich halte davor /
es haben euch die Götter uns zum sonderlichen Glük zugeschicket / dass wir durch
eure Anschläge zu schleunigem Reichtuhm gelangen sollen / daher die ganze
Gesellschaft schuldig ist / euch solches zuvergelten. Ja freilich halte ichs mit
davor / sagte Baldrich / dass nicht ohn der Götter sonderbahre Schickung wir eure
Gesellschaft angetroffen haben / und zwar zu dem Ende / dass deren Gerechtigkeit
durch unsere Hand an euch volstrecket werde; Mit welchem Worte sie beide ihre
Schwerter entblösseten / uñ alle fünffe / einen nach dem andern in solcher Eile
niderstiessen / dass keiner das Gewehr zuentblössen Zeit hatte / schnitten ihnen
hernach / ehe sie gar verschieden / die Köpfe abe / nahmen sie mit sich / und
legten sie nicht weit von der Höhle hinter einen grossen Stein. Bei der
Gesellschaft gaben sie vor / es könnte der Ort von fünfen nit zur gnüge besetzet
werden / und würde nöhtig sein / dass noch fünfe mit ihnen gingen / welches
Fannius gerne einwilligte /und ihnen Glük wünschete zu ihrem vorhaben. Sie ginge
in zimlicher Eile fort / uñ begunte der Tag anzubrechen / da sie nit weit mehr
von den erschlagenen wahren / deswegen die beiden Fürsten einander winketen /
den Angriff vorzunehmen; Der Räuber einer /welcher sich allentalben fleissig
umbsah / ward gleich dazumahl der entäupteten Leichnam gewahr /uñ fing an
zuruffen / Verräterei / Verräterei! aber Baldrich stiess ihm dz Schwerd durchs
Herz / dass er ruhig ward / und traff Siegward den andern / dass er ohn Geschrei
stürzete. Die übrigen drei wurden ihrer Schwerter mächtig / und traten zusammen
/ den Fürsten Widerstand zutuhn / wehreten sich auch ihrer Haut dergestalt / dass
sie gnug sehen liessen / wie lieb ihnen das Leben währe / so dz auch Siegward
darüber am linken Arm eine Fleischwunde bekam / die doch nicht viel auff sich
hatte; wehrete aber auch nicht lange / dass die Räuber gleich den vorigen ihre
Köpffe hergeben mussten. Baldrich verband Siegwarden die Wunde auffs beste / liess
ihn aber / weil er so blutig wahr / nicht mit in die Höhle gehen / sondern
stellete ihn nicht weit davon hinter einen dicken Baum / und überlegte kürzlich
/ wie es ferner anzustellen währe. Die RäuberSchaar wahr anfangs mit Furius 22
Mann stark / davon wahren noch 10 im Leben; In der Höhle wahren ihrer neun
beieinander / uñ der zehnde nicht weit davon in der NebenHöhle / die Speise
zubereiten. Baldrich trat freimühtig hinein / und meldete an /es währe nunmehr
der Weg solcher massen besezt /dass ihm die Beute nicht entgehen sollte; der
Hauptmann möchte nur selbsechse in der Höhle bei dem Frauenzimmer bleiben / so
wollte er mit den übrigen dreien sich fortmachen / weil an der Eile alles gelegen
währe / und die Karren wohl nicht weit mehr sein dürffen. Drei verwägene Buben /
die handfestesten unter allen gingen mit ihm hatten sich mit Panzern wohl
verwahret / uñ eilete frisch mit ihm fort. Der eine sah /dz er an den Kleid'n
mit Blute etwz besprützet war /welches ihm widrige gedanke uñ ein grausen
verursachete / fragete auch mit ungestüm / woher ihm diese verdächtige Zeichen
kähmen? Er aber antwortete freimühtig / er hätte solches in der Höhle nicht
melden wollen / dass sein Geselle mit einem andern Mitgesellen auff dem Wege in
uneinigkeit gerahten währe / und sich miteinander geschmissen / und weil sie
beiderseits Wunden davon getragen / er aber sich zwischen ihnen gestellet / und
die Sache endlich beigelegt / hätte er diese Blutzeichen davon auffzuweisen.
Dieses brachte er vor / weil sie der Höhle noch zu nahe / und dem Baume / hinter
welchem Siegward auflaurete / zu ferne wahren. Die Räuber aber blieben in der
Furcht / wollten ihm nicht trauen / sondern liessen ihn voraus gehen / und
folgeten sie mit entblösseten Schwertern nach / welches er aber nicht achtete
/und sie hiess gutes muhts sein / weil es heut an reicher Beute ihrer keinem
fehlen würde; endlich da er sich nahe bei Siegwarden befand / zog er auch von
Leder /und sagte: Wiltu nun wissen was vor Blut an meinen Kleidern haftet / so
versichere dich / dass deine zehn Gesellen das Lösegeld wegen des gefangenen
Frauenzimmers schon empfangen / und euch dreien euer anteil gleich jetzt auch
werden soll. Siegward hörete ihn reden / sah auch / dass er von den dreien
grausam überfallen ward / aber er trat geherzt mit ein / und schlug tapffer auff
die Räuber / dass einer gar zeitig stürzete / und der ander am rechten Arme hart
verwundet ward; den dritten machten sie wehrloss / bunden ihm und dem verwundeten
Hände und Füsse / und schleppeten sie hinter einen Dornpusch / die umb nichts
bahten / als dass sie möchten erschlagen werden; aber Baldrich gab zur Antwort:
Sie sollten nur so hohes verlangen nach dem Tode nicht tragen / er würde ihnen
schon mehr als zu früh kommen; schnitten dem erlegeten das Häupt ab / und gingen
nach der Höhle zu / des vorsatzes / alle übrigen auff einmal ritterlich
zubestehen. Genutius der verrähterische Gutscher begegnete ihnen auff halben
Wege / erschrak so heftig / da er das abgeschnittene Häupt / welches seines
nahen anverwanten wahr / in Baldrichs Hand sah / dass er keinen Schrit / weder
hinter noch vor sich tuhn kunte; Siegward griff in an / warff ihn zur Erden /
band ihm alle viere / und fragete / warumb er aus der Höhle gangen währe, er
aber baht anfangs umb einen schleunigen Tod / zeigete hernach an / Fannius hätte
selb viere ein heimliches Gespräch gehalten / und ihn heissen zusehen / wie es
draussen stünde / auch den sechsten / nahmens Appius auff die Schildwache
inwendig der Höhle gestellet / dass gänzlich zubefürchten währe / dem
Frauenzimmer dürfte Gewalt angelegt werden; deswegen sie mit vollem lauffe
herzueileten / nahmen zween feste Schilde / die sie des vorige Abends zu rechte
gesezt hatten / zu sich / und gingen hinein vol eifers und rachgier / weil sie
ein klägliches Geschrei drinnen vernahmen; dann Genutius argwohn wahr nicht
falsch / massen Fannius dreien seinen vertrautesten / seine Liebe zu Fr. Sophien
angezeiget und mit ihnen abrede genomen hatte / dass jeder eine unversehens / und
weil sie im festen Schlaffe lägen /überfallen / und ihrer leicht geniessen
wollten / in Hoffnung / sie würden nach begangener taht wohl schweigen / und sich
selbst nicht in ein böses Geschrei bringen. Weil sie aber wussten / dass Genutius
nicht einwilligen / sondern alle verhinderungen hervorsuchen würde / schicketen
sie denselben hinweg /und musste der übrige den Eingang verwahren; sie aber
gingen in aller stille hinzu / schliechen einer nach dem andern durch das
Tührlein / welches sie unvermerket öffneten / namen die Schwerter hinweg /und
legten sich ganz unverschämt zu ihnen nider. Das Frauenzimmer lag als im tieffen
Schlaffe begraben /weil die Furcht sie biss daher stets munter gehalten hatte;
doch ward das Fräulein ihres unkeuschen Buhlers am ersten gewahr und liess ein
hartes Geschrei gehen / wovon die übrigen erwacheten / und ein elendes Geheule
anfingen / stiessen mit den Füssen / kratzeten mit den Händen / und tahten alle
mögliche Gegenwehr / wodurch doch diese Unfläter nur mehr und mehr in ihren
begierden entzündet wurden / und wahr gleich an dem / dass Fr. Sophia hätte
Gewalt erleiden müssen / fehlete auch den übrigen wenig / da die beide Fürsten
in die Höhle traten / dem Geschrei eilig zulieffen / und die Gewalttähter
anschriehen / sie sollten das Frauenzimmer erlassen / oder eines abscheuhlichen
Todes sterben. O ihr Herrn / rieff Fr. Sophia rettet unsere Ehre / die wir sonst
nicht länger beschützen mögen. Die drei Räuber entsetzeten sich vor der
angehöreten Dräuung / und tahten gemach /aber Fannius liess sich nichts iren /
sondern rieff überlaut / dafern ihm jemand einrede würde / sollte er schändlich
erwürget werde. O du frecher Schelm /sagte Baldrich / darfstu auch noch trotze?
risse ihn mit gewalt hinweg / uñ sties ihn mit dem Fuss in die Seite / dz er
ohmächtig ward; den andern dräuete sie den Tod / dafern sie sich der Gesellschaft
Straffe nicht unterwerffen würden. Appius der mit dieser Schande nicht zu tuhn
hatte / trat mit hinzu / und ermahnete sie / diese anmuhtung einzugehen /
welches sie aus furcht des Todes tahten / und wurden mit starken Riemen hart
gebunden. Der Speise bereiter hatte den Lermen gehöret / und kam gelauffen / umb
zuvernehmen was vorginge / aber Baldrich packete ihn alsbald an / und sagte: Kom
her Bruder / du must die Fessel auch annehmen / biss du deine Unschuld wirst
dargetahn haben; Siegward nam ein gleiches mit Appius vor /welcher sich dessen
anfangs verwunderte / aber der erste merkete dass die Sache nicht richtig wahr.
Fannius kam wieder zu sich selbst und sah sich nach seinem Schwert umb / aber
Baldrich warff ihn gleich wieder zur erden / trat ihn mit Füssen / und band ihn
gleich den andern da er zu ihm sagete: Siehe du unverschämter Bube / auff diese
Weise gehe ich mit allen denen umb / die durch Raub und Mord gedenken gross zu
werden; deswegen must du nicht wähnen /dass du annoch mein Hauptman / sondern
mein Gefangener seist; ging hernach hinaus mit Siegward / hohleten die
abgehauene Köpfe alle herein / und sagten: Sehet da ihr diebische Räuber / diese
eilffe haben den Lohn ihres verdienstes von unsern Händen schon empfangen / der
eure wird auch schon folgen / dafern ihr nur der Zeit erwarten könnet. Ist dass
redlich gefochten / antwortete Fannius / solches kann ich noch nicht absehen /
doch ein Gefangener muss geduldig sein / und bitte ich nur umb einen schleunigen
Tod. Was sagestu vom redlichen fechten / sagte Baldrich /hastu wohl jemahls
redliche tahten getahn? dieses hohe Frauenzimmer soll dir die Urtel sprechen /
hastu dann redlich gefochten / darfstu dich keiner wiedrigen besorgen.
Inzwischen hatten Fr. Sophia und Fr. Ursul sich hervor gemacht / ihren Erlösern
zu danken /denen die Fürsten entgegen traten / und ihnen die Hände demühtig
küsseten / Fr. Sophia aber also anfing: Ihr hochgepreisete Helden habt in
warheit euch umb uns so verdient gemacht / dass alles unser vermögen viel zu
wenig sein wird / das geringste von dem unzähligen zuersetzen; gönnet uns aber /
bitte ich sehr / den Anfang mit worten zu machen / so lange kein wirkliches
vermögen sich bei uns findet uñ nehmet eine recht herzliche Danksagung von uns
an / dass ihr durch eure kräftige Faust unsere Ehre gerettet / und die
allernäheste Schande von uns abgekehret habet; und gläubet uns / dass wir nicht
ruhen / noch uns vor glückselig halten werden / ehe und bevor wir unser
Schuldigkeit mögliche leistung haben sehen lassen /welches in dieser schanden
Höhle nicht geschehen kann / da wir zu nichts als woltahten zu empfahen /düchtig
sind / deren ich hieselbst noch eine einzige von euch meinen Herrn bitte / dass
mir vergönnet sein mögen / zu fragen / wer doch unsere Erlöser eigentlich sein /
und welcher gestalt sie meines Gemahls Königes Ladisla / und meines Herrn
Bruders GrossFürst Herkules kund- und freundschaft haben. Baldrich setzete sich
wieder ihre verwilligung vor ihr nider auff ein Knie / küssete ihren Rockes Saum
/ und gab diese Antwort: Grossmächtige Durchleuchtigste Königin / gnädige Fr.
Wase: Ich danke dem Himmel und meinem Glücke / dass mir die Ehr zugestanden /
euer Durchl. einige Dienste zuerweisen; sehr leid aber ist mirs / dass ich mich
draussen so lange geseumet / und durch meine abwesenheit verursachet / dass die
verzweifelten Buben wieder äidliches versprechen euer Durchl. und deren
wirdigsten Gespielen einige Unbilligkeit haben anmuhten dürffen / und dannoch
die gütigen Götter alles schädliche gnädig abgewendet haben. Euer Durchl. meines
liebsten Gesellen und meinen Nahmen anzumelden / sind wir so willig als schuldig
/ ungeachtet dieselben in der Welt so unbekant und geringe sind / dass sie sich
schämen vor ihrer vortrefligkeit genennet zu werden; doch / wie gesagt /ich
gehorsame / uñ zeige an / dass dieser mein Freund ist und heisset Siegward /
meiner Fr. Mutter Bruder Sohn / ein gebohrner Königlicher Fürst und nähester
Erbe des Königreichs Schweden; ich aber bin des Teutschen GrossFürsten Herkules
leiblicher und einiger Bruder / genennet Baldrich; dass wir also in ansehung der
nahen Blutfreundschaft gehalten wahren /euer Durchl. uns zu dienste darzustellen
/ so bald wir durch sonderliche schickung ihr Unglück in erfahrung gebracht. Fr.
Sophia kunte ihm länger nicht zuhören /sondern umfing ihn mit herzfreundlichem
Kusse /richtete ihn auff / und sagte: Ach ihr Durchleuchtigste Fürsten / muss ich
unwirdige dann allemahl ursache sein / dass gebohrne Könige und GrossFürsten sich
in Lebensgefahr setzen? Nun nun / der gnädige Gott hat sie ohn allen zweifel
hieher zu unser errettung geleitet / der uns inkünftig bessere und erfreulichere
Kundschaft gönnen wird / und wollen meine in ehren höchstgeliebte Fürsten und
Schwägerliche Freunde nicht gedenken / dass ihre hochberühmte Nahmen mir so
unbekant sein sollten / massen deren mein Gemahl / und Herr Bruder GrossFürst
Herkules zum offtern gedacht haben. Hernach ward Siegward auch sehr freundlich
von ihr empfangen / und lieff Baldrich ungeseumet hin / die bestelleten Wagen
zuhohlen / nam auch auff dem Wege einem Reuter sein Pferd / umb desto
geschwinder fortzukommen / und versprach ihm / solches bald wieder an dieser
stelle einzuliefern. Siegward fragete den gebundenen Koch / ob auch Schätze und
kostbahre sachen in der Höhle verhanden währen; worauff Fannius zur Antwort gab
/ Mein Herr / schenket mir Leben und Freiheit / so soll euch alles vor eigen
geliefert werden. Du Schelm / sagte Siegward / meinestu dann noch teil daran zu
haben? Alles was hieselbst vorhanden ist / gehöret dem Durchl. Frauenzimmer zu /
und du must billich deiner Bosheit erkäntnis durch schwere Straffe einnehmen.
Fr. Sophia stund nicht weit von Appius / welcher mit kläglicher bitte bei ihr
umb Gnade anhielt / andeutend / wie er kaum vor dreien Wochen in diese
Räuberzunft gerahten währe / und noch keine einzige Bosheit hätte begehen
helffen. Welches sie ihr dann zu herzen gehen liess / und ihm das Leben schenkete
/da ihn Siegward die Bande lossschnitte / und er darauff alle Gelegenheit und
Reichtuhm der Höhle anzeigete. Es stunden etliche Kasten neben einander her
/welche sie öfneten / und 400000 Kronen an Barschaft und Kleinoten funden /
wie auch allerhand Mannes- und Weibeskleider zimlich kostbar / deren eines Frau
Ursul zu sich nam / und es dem Fräulein brachte / welche biss daher von ihrem
Lager nicht auffgestanden wahr / dann die Kleider wahren ihr so gar zurissen /
dass sie ihren Leib nicht bedecken kunte. So bald sie dieses angelegt hatte /
rief Fr. Sophia ihr zu: Herzgeliebete Frl. Wase und Schwester /kommet uns /
bitte ich / näher / und bedanket euch gegen diesen Königlichen Fürsten euren
Erlöser. Sie trat geschwinde zu ihm hin / neigete sich tief / und sagte mit
anmuhtiger stimme: Verzeihet mir / bitte ich / Durchleuchtigster Fürst / dass ich
bissdaher nohtwegen unhöflich sein / und die wolgebührliche Danksagung
auffschieben müssen / wiewol ich schon weiss / dass in meinem gar zu schlechten
Vermögen /einige Ersetzung weder statt noch Raum findet / jedoch soll ob Gott will
/ die Betrachtung der geschehenen Hülffe nimermehr aus meinem Gedächtnis
verschwinden / und was von mir nicht ersetzet werden kann / will ich dereins
meinen Herrn Bruder GrossFürst Herkules durch Bitte dahin vermögen / dass dessen
Durchl. meiner Armuht zusteuer lege / und meinen lieben Eltern diese Woltaht
vergelten helffe. Siegward sah das Fräulein steiff an / verliebete sich an
ihrer Schönheit und holdseligen Höfligkeit im Augenblicke / küssete ihr die Hand
sehr ehrerbietig / und gab zur Antwort: Hochgebohrnes Fräulein / ich bitte die
Götter / sie wollen Eure Liebe bei ihrer Volkommenheit stets erhalten / deren
Vermehrung ich nicht wünschen kann / weil dieselbe schon auff der höchsten
Staffel ruhet / möchte von ganzem Herzen wünschen des Vermögens zu sein / ihrer
Vortreffligkeit gebühr- und behäglich aufzuwarten; Vor erwiesene schlechte
Dienste zudanken / ist ein blosser überfluss / sind auch schon tausendfach mit
dem guten Willen vergolten. Fr. Sophia gab an der Fräulein statt zur antwort:
Durchleuchtigster Fürst / es würde meiner Frl. Schwester zur groben Unhöfligkeit
billich ausgelegt / wann sie einen solchen Fürsten / von dessen Durchl. sie
überdas so hohe Woltaht empfangen / nit vielmehr vor ihren Gebieter als Diener
erkennen und halten würde. Sonsten ist unsere gesamte Bitte an Eure Liebe und
den Durchl. Fürst Baldrich / sie wollen mit uns nach Padua reisen / und alda
unsers dankbegierigen Herzen einigen Beweisstuhm uns göñen; wir wollen uns nicht
wegern / den Weg mit unsern Füssen zumässen / nachdem unsere Erretter uns
begleiten werden. Siegward antwortete mit wenigem / er währe schuldig Ihrer
Durchl. zugehorsamen; aber kein Auge kunte er von dem Fräulein wenden / dessen
sie sich fast schämete / und doch keinen Unwillen fassen durffte; so wollte Fr.
Sophia ihm in seinen Liebesgedanken keine Verstörung einstreuen / sondern trat
mit Fr. Ursulen zurück / da der ungebundene Räuber Appius etliche Speisen
herzuschaffen bemühet wahr. Als sie bei Fannius herging / trat sie denselben mit
Füssen / und dräuete ihm alle Pein und Straffen. Unterdessen wollte Siegward die
gute Gelegenheit mit dem Fräulein zureden / nicht verabseumen / küssete ihre
zarten Hände / und sagete: Er würde sein Glük / welches ihn zu dieser Höhle
getragen / zeit seines Lebens nicht gnug rühmen können / dafern er bitlich
erhalten könnte / dass in ihre gute Gnade er möchte aufgenommen werden; Zwar seine
Unwirdigkeit währe nicht zuleugnen / aber vielweniger das Feur zuverbergen
/welches ihre Vortreffligkeit in seiner Seele angezündet hätte / so dass solches
entweder durch einen schleunigen Tod müste erlöschet / oder durch ihr
ehrliebendes Mitleiden erträglich gemacht und abgekühlet werden. Durch dieses
unvermuhtliche ansträngen ward das schon ohn das schamhafte Fräulein dermassen
angeröhtet / dass sie solches zuverbergen / mit ihrem Wischtüchlein etliche mahl
über ihr Angesicht herfuhr / und sich endlich also erklärete: Durchleuchtigster
Fürst / wie unbestand ich bin / diese Reden zubeantworten / welche aus ihrer
Durchl. Munde ich anjezt angehöret / ist denen bewust / die meiner Blödigkeit
Kundschaft haben; so befinde über das ich an meiner Unvolkommenheit nicht das
allergeringste /dass einen so grossen Fürsten und vortrefflichen Helden einiger
weise befriedigen könnte. Wie hoch Euer Durchl. ich wegen geschehener Erlösung
verbunden bin / ist mir nicht unwissend / dass aber wegen Unverstand ich deren
anmuhten nicht zubeantworten weiss /bitte ich demühtig umb Vergebung / will auch
an deren ehrliebenden keuschen Herzen nicht zweifeln /weil ein solcher
Tugendreicher Fürst dasselbe nicht ersticken wird / was er mit Vergiessung
seines Blutes und Wagnis seines Lebens errettet / und von dem instehenden
Verderben befreit hat. Hiemit schauete sie sich umb / und gab ihrer Wasen einen
Wink / herbei zutreten; die ihr gerne zugefallen sein wollte / und durch gesuchte
Unterredung ihn von ihr abzihen / da sie zu ihm sagte: Durchl. Fürst / ich sehe
ja nicht / wo Fürst Baldrich muss geblieben sein / wie fleissig ich mich gleich
nach ihm umtuhe. Durchl. Fr. Wase / antwortete er / mein lieber Bruder ist
hingangen / die Wagen herzuhohleln / welche wir schon gestern auff diesen fall
bestellet haben; Es fället mir aber ein / dass wir draussen noch drei Gefangene
gefesselt / deren ich mich etwas besser werde versichern müssen; nam den
begnadeten Appius mit sich / und hohlete Genutius herzu / der sich schier
lossgearbeitet hatte / striegelte ihn zimlich abe / und schleppete ihn in die
Höhle / welchen Fr. Sophia mit Füssen trat / und zu ihm sagete: Du
Henkermässiger Bube / was habe ich dir jemahls zu leide getahn / dass du mich in
diese grosse Noht und äusserste gefahr meiner Ehren gestürtzet hast? Dieser
bereuete seine übeltaht sehr / und gab zur Antwort: Allergnädigste Frau; ich bin
ein grosser Sünder / und unwirdig von ihr angeredet zuwerden /weil ich solche
fromme Gottfürchtige Frauen und Fräulein verrahten / und in der Rauber Hände
geliefert habe / will mich auch der Todesstraffe gerne und willig unterwerffen;
Aber dem Himmel sei Dank / dass weder Furius noch Fannius gottloses und
unkeusches Vornehmen zu Werk gerichtet / sondern ihrer aller Ehre erhalten ist;
dañ der wahre Gott / den ich ehmahls schändlich verleugnet habe / ist mein Zeuge
/dass ich viel lieber hätte sterben / als ihren Nohtzwang erleben wollen; in
betrachtung dessen bitte ich flehentlich und lauter umb Gottes willen / Eure Gn.
wollen mir meine Sünde vergeben / und mir eine Todesstraffe ohn sonderliche Pein
aufflegen / die ich willig ausstehen / und zugleich den wahren Gott / welchen
ich ehemahls verleugnet habe / inbrünstig anruffen will / dass er meiner armen
Seele wolle gnädig sein. Fr. Sophia ward durch diese wahre Reue zum Mitleiden
bewäget / insonderheit / da sie hörete / dass er ehmahls ein Christ gewesen / und
als ein Christ sterben wollte / und sagte zu ihm: Du tuhst wohl bei deiner Seele /
dass du deine Sünde erkennest / und bedacht bist / wie dir zur Seligkeit möge
geholffen werden; bleibe in solcher Buss Andacht / so werde ich dich mit der
peinlichen Straffe verschonen / die du wohl verdienet hast. Der Almächtige Gott /
antwortete er / wolle Euer Gn. dieses erbieten hier zeitlich und dort ewig
vergelten. Sie wollte sich bei ihm länger nit aufhalten / sondern weil Siegward
hingangen wahr / die beiden übrigen auch herzuholen / trat sie zu dem Fräulein
/und sagte im Scherze: Lieber saget mir mein Schwesterchen / wie gefält euch
dieser Fürst? mir zweifelt nicht / er sei eben so stark geschossen / als vor
diesem mein Ladisla / da er mich unter den Bäumen fand; seid aber höchlich
gebehten / und stosset ihn mit abschlägiger Antwort nicht vor den Kopff / dann
sein Stand und Wesen ist wert / dass er von euch geliebt werde. Das Fräulein
kunte vor Scham nicht antworten / sah sie eine zeitlang an / und sagte
nachgehends: Herzgeliebte Fr. Schwester / ich bitte sehr /wollet mit diesen
Reden mich nicht gar zu schamroht machen / der Fürst ist mir in diesem Stük
allein Mannes gnug / welcher solche verliebete Reden gegen mich führet / dass
denen wegen meiner Geringfügigkeit ich weder trauen noch antworten darff.
Hernach hielt sie bitlich an / sie möchte nicht mehr von ihr hinweg treten / auf
dass / wann ihr an Worten gebräche / sie sich auf ihren Beistand zihen könnte. O
du falscher Mund / sagte Fr. Sophia / wer wollte dir gläuben / dass du in
Liebesberedungen meine Gegenwart leiden köntest? Nein / nein / ich bin in dieser
Seuche auch krank gelegen / und weiss / wie hoch die Liebe begehret ohn Aufmerker
zu sein. Herzen Frau Schwester / antwortete sie / ich bitte durch Gott / mich
dessen nicht zuzeihen / sondern sich meiner ernstlichen Meinung zuversichern /
deswegen so tretet mir / bitte ich / zu hülffe / und lauffet mich mit Reden los.
Ja /sagte Fr. Sophia / wer lehrete mich reden / als mein Ladisla mir in etlichen
Stunden kein Augenblick Ruhe gönnete? dass ihrs nun nicht besser habt / als ich
jens mahl / will ich weit gnug von euch bleiben / damit ihr erfahret / wie einer
gejagten Hindin zumuhte sei /welche den blutgierigen Wölffen entsprungen / sich
unter Jägers Hand befindet. Das Fräulein fiel ihr umb den Hals / und baht umb
aller Freundschaft willen /sie nicht zuverlassen / nur aufs wenigste / biss sie
zu Padua würden angelanget sein / wollte auch von ihr nicht ablassen / biss sie
dessen Zusage hatte / welche ihr Fr. Sophia mit dieser Bedingung gab / dass sie
nach Mögligkeit sich gegen den Fürsten freundlich erzeigen / und ihres Herzen
Meinung ihr offenbahren sollte / ob sie ihm ihr Herz zuwenden wollte oder nicht /
dafern er / wie sie nicht zweifelte / ernstlich darumb ansuchen würde. Das
Fräulein meinte dieses mit stilleschweigen zubeantworten / aber als sie ihre
Beteurung hörete / dass sie den Fürsten selbst zur Ansträngung reizen wollte /
erklärete sie sich / zu Padua ihres willens zugeleben. Siegward brachte die
beiden Räuber auch herzu / die er mit prügeln vor sich her trieb / und Appius
ihm träulich halff; Sie verwunderten sich sehr / als sie Fannius selb sechse
gebunden antraffen / durfften doch einer dem andern kein Wort zureden / nur dass
sie ausser Genutius / alle umb einen geschwinden Tod anhielten / welches aber
die hochbeleidigten Frauen nicht willigen wollten; Als sie nun merketen / dass
alles ansuchen umbsonst wahr / fingen sie an / die beiden Fürsten vor falsche
meinäidige Verrähter auszuschelten / dessen aber Siegward lachete / und ihnen
zur Antwort gab / es sollte ihnen frei stehen / alles zusagen / weil sie in dem
Stande währen / dass sie keinem redlichen Menschen mit schänden könten schädlich
sein. Genutius kehrete sich an nichts / lag in seinen heissen Trähnen / und rief
Gottes Barmherzigkeit an / dass er ihm die Sünde der Verleugnung / und andere
begangene Untahten gnädig vergeben / und seine arme Seele mit dem Schecher am
Kreuz in dz Paradeiss aufnehmen wollte; welches das Fräulein hörend / zu Fr.
Sophien sagete: Wolte Gott /dass dieser Mensch vor drei Tagen solche gute
Gedanken gehabt hätte / währen weder er noch wir in diss Unglück gerahten. Ich
habe ihm schier verzihen / antwortete sie / zweifele auch nicht / wo ich ihm das
Leben schenke / werde ich die Zeit seines Lebens einen geträuen Knecht an ihm
haben; doch muss er noch nicht wissen / wessen ich gegen ihn gesinnet bin.
Siegward machte sich wieder nach dem Frauenzimmer / und suchte Gelegenheit / mit
dem Fräulein allein zureden / wovor sie sich aber mit allem Fleiss hütete / uñ
ihm daher einen Argwohn verursachete /ob währe sie ihm ungewogen / trat deswegen
mit Fr. Sophien an eine absonderlichen Ort / und redete sie also an:
Grossmächtigste Königin; hat Eure Hocheit einige Vergnügung aus meinen
untertähnigen Diensten empfangen / so bitte dieselbe ich zum höchsten /mir
Gewogenheit und Gunst bei dem vortreflichen Fräulein zuerwerben / deren
liebreiche Augelein mein Herz dermassen durchscheinen / dass ohn sie zuleben mir
fortin unmöglich sein wird; mein Ansuchen ist auf Ehre gebauet / dieselbe
dereins zur gewaltigen Königin in Schweden zuerheben / und will solche Befoderung
zuerkennen / zeit meines Lebens äusserst geflissen sein. Fr. Sophia
entschuldigte sich anfangs des Königlichen Nahmens / welche vor Betretung des
Böhmischen Reichs sie zuführen oder anzunehmen nicht willens währe; bedankete
sich nachgehends der hohen Gewogenheit gegen ihre Frl. Wase / welche zwar des
höchsten Römischen Adels / und Käyserlichen Geblüts währe / aber doch ihrem
künftigen Gemahl kein Land und Leute zum Heirahtgut bringen könnte / ob sie
gleich mit Barschaften und Kleinoten von ihren Eltern Königlich könnte versehen
werden /nachdem sie ein einiges Kind / und über 40 Tonnen Goldes in gewisser
Erbschaft allein von ihren Eltern zugewarten hätte. Sie baht ihn aber
freundlich / seine Begierden / so viel möglich / zumässigen / und da es sein
Ernst währe / einer kurzen Zeit abzuwarten / alsdañ wollte sie ihm hiemit
aufrichtig versprechen / es nach seinem begehren dergestalt zubefodern / dass er
ihr bereitwilliges Gemüht ihm zudienen / mehr in der Taht als schöne Worten
spüren sollte / dessen / sagte sie / gebe Euer Liebe ich dieses Ringelein zum
Pfande; welches sie aus ihren Kleidern hervor zog / und ihm auf den kleinen
Finger steckete. Diese Verheissung brachte den Fursten zu einer sonderlichen
Fröligkeit / versprach auch nach allem Vermöge sich einzuhalten / und in
ungezweifelter Hoffnung der angenehmen Zeit geduldig zuerwarten; jedoch würde ihm
vergünstiget sein / mit dem Fräulein zureden. Welches Fr. Sophia beantwortete:
Es könnte ihre Frl. Schwester eines solchen treflichen Fürsten geneigten Willen
und Unterredung nicht anders als vor ein sonderliches Glük halten; machte sich
auch zu ihr hin /weil Fr. Ursul mit ihr redete / und sagete zu ihr: Seid ihr
meine Schwester / so scheuhet euch nicht / diesem FürstenHoffnung seines
begehrens zumachen / dessen ehrliebendes Gemüht ich schon erforschet habe. Die
Liebe begunte dieses Fräulein schon zimlich zubeschleichen / nam diese
Erinnerung nicht allein mit gutem Willen auf / sondern da Siegward sich wieder
zu ihr fand / und die herzliche Inbrunst seiner ehrlicher Liebe ihr mit
bewäglichen Worten abermahl vortrug / auch auffs höchste beteuerte / dass seine
Seele an nichts als ihrer volkommenen Schönheit und Tugend Rast und Ruhe fünde /
gab sie diese Antwort: Durchleuchtigster Fürst / ich bedanke mich dieser
Gewogenheit von ganzem Herzen / welche dankbarlich zuersetzen ich mich schuldig
weiss / will mich auch befleissigen / ihrer Durchl. darzutuhn / dass deren hohe
Woltaht zuerkennen / ich unvergessen sein werde; allein gelanget an dieselbe
mein ehrendienstliches Ersuchen / mit uns nach Padua zukehre / woselbst mich
weiter zuerklären ich bessere Kühnheit haben werde /so bald nur mein Herr Vetter
der Statalter / welcher nicht mindere Gewalt als mein leiblicher Herr Vater
über mich hat / von seiner Tochter Fr. Sophien / des Ansuchens Euer Durchl. wird
berichtet sein; Inzwischen wolle dieselbe sich zu mir alles dessen versehen / wz
ein züchtiges Fräulein einem höchstverdienten Freunde ohn Abbruch Jungfräulicher
Zucht leisten kann; mit welchem Erbieten mein Fürst / wie ich weiss /wohl wird
friedlich sein. Siegward hatte hieran zimliche Vergnügung / und hielt sein
freundliches Gespräch in zwo Stunden noch mit ihr / biss Baldrich mit den Wagen
und ihren ungesattelten Pferden ankam /die er wieder eingelöset hatte. Er
berichtete / wie es ihm auff dem Wege ergangen währe / dass der Reuter /dem er
das Pferd / umb schneller fortzukommen / wiewol wider seinen Willen / abgeborget
/ ihn biss an das Dorff verfolget / und daselbst vor dem Schulteiss ihn als einen
Strassenräuber angeklaget / auch die Hafft über ihn begehret hätte / so dass er
Mühe gehabt / sich der Bande zuentbrechen / und durch Bedräuung mit dem
Statalter / seines WegesFreiheit zuerhalten; Zwar den Reuter / welcher ein
verzagter Hudler / hätte er ausgefodert / sich mit ihm zuschmeissen / welcher
aber den Ernst sehend / sein Pferd beim Zügel genommen / sich darauff gesetzet /
und stilschweigens davon geritten währe; worauf endlich der Schulteiss diese
gewierige Urtel gefunden. Wo kein Kläger ist /da ist auch kein Richter; doch
hätte er ihm diesen Spruch mit fünf Kronen / die er ihm heimlich zugestekt /
abgekauft. Sie lacheten dieser Rechtfertigung / und nach eingenommenem Inbiss
machten sie sich fertig zum Aufbruch. Die Gefangenen wurden an die Wagen
gebunden / dass sie beiher mit fortlauffen mussten; die abgehauene Köpffe aber
nebest Furius Leichnam und Genutius (welche Gnade ihm Fr. Sophia taht) auf die
Wagen gelegt samt den Schätzen und Kleidern / und musste das Frauenzimmer mit
schlechten Sitzen / von Kleidern gemacht / auff dem eine Wagen vorlieb nehmen /
damit sie auch sehr wohl zufrieden wahren. Die Fürsten ritten auff ihren
ungesattelten Pferden neben dem Frauenzimer so zierlich daher / machten auch
allerhand Sprünge und Ringeläufchen mit ihnen / als hätten sie die bequemsten
Sattel auffgehabt. Ihren Weg setzeten sie fort / so viel ihre schwerbeladene
Wagen uñ angebundene Gefangene folgen kunten / und weil die Pferde davor ermüden
wollten / liess Fr. Sophia sich von Baldrich / und Frl. Sibylla sich von Siegward
vor sich auff dem Pferde führen / da ihnen Kleider untergelegt wurden / dass
hiedurch das Fräulein mit ihrem lieben Fürsten in zimliche Kundschaft geriet /
dem sie etliche Küsse gönnen musste / weil sie dessen auff dem Pferde sich nicht
entbrechen kunte / da sie ihn gleichwol seiner zugesagten Mässigkeit erinnerte /
und auff der Zuchtbahn stets erhielt. Es wahr ihr Glük / dass ihre Reuter sich in
das nähstgelegene Dorff eingelegt hatten /deren etliche auff sie stiessen / mit
welchen sie daselbst einkehreten / ihre köstliche Harnische anlegeten / und
grosse rohte Federbüsche auff den Helm stecketen / namen auch ihre schneeweisse
wolgeputzete /und mit schönen Decken gezierete Handpferde / auff welchen sie den
Einrit halten wollten. Fr. Sophia leihete daselbst von einer reichen adeliche
Witwen eine schöne Gutsche / setzete sich mit dem Frauenzimmer drauff / und
zogen mit wolbefriedigtem frölichen Herzen des geradesten Weges nach Padua zu.
Der Statalter hatte diesen Morgen sehr früh die Lösegelder durch dieses Dorff
fortgeschikt / welches Fr. Sophien angezeiget ward / welche ihnen zween Teutsche
Reuter nebest Appius nachschickete / ihnen das wiederkehren anzudeuten. Die
Eltern zu Padua erwarteten ihrer Kinder Ankunft mit Schmerzen / unter der
herznagenden Furcht / es möchten die Räuber nach empfangenen Geldern nicht
Glauben halten / sondern durch Unkeuscheit und ihrer Töchter Schönheit gereitzet
/ ihren Ehren Abbruch tuhn / gedachten deswegen hin und her / wie es am
fügligsten anzugreiffen währe / kunten aber kein ander mittel finden / wie klug
sie sonst wahren / und sagte der Statalter zu Herr Kornelius; wir müssen der
himlischen Vesehung alles befehlen / welche sie bisher gnädig bewahret hat / sie
auch ferner erhalten / und vor unehr schützen kann. Er hatte dieses kaum
aussgeredet / da hörete er von allen Türmen lermen blasen / und als er nachfragen
liess / ward ihm zur Antwort gebracht / dass etliche tausend Reuter mit sehr
vielen Wagen / Gutschen /und einem getürmeten Elefanten sich im offenen felde
sehen liessen / und der Stad gerade zu zögen. Der Statalter hielt vor gewiss /
es würde der Römische Käyser selber sein / und machte sich fertig ihm entgegen
zu reiten / und in aller untertähnigkeit ihn zu empfahen. Aber eben dieses
befürchteten sich Herkules und Ladisla / deswegen ritten sie mit dem jungen
Fabius spornstreichs vorhin / wurden auch vor dem Tohr alsbald erkennet / und
unwegerlich eingelassen /und als auff ihre frage nach des Stataltes gesundheit
/ ihnen dessen wolergehen vermeldet ward / ritten sie gleich nach seinem Hofe zu
/ stiegen im vorderplatze ab / und gingen miteinander ohn einiges anmelden die
Stiege hinauff in den grossen Gastsaal / woselbst der Statalter auff einem
Stuel sass / und ihm die Sporn umbgürten liess. Da er nun seinen geliebten
schwieger Sohn in einem treflichen TyrischenPurpur mit den kostbahresten
Demanten besetzet hinein treten sah /fliess ihm beides vor freuden und betrübnis
eine geringe Ohmacht zu / dass ihm unmöglich wahr / so schleunig auffzustehen /
und ihnen entgegen zu treten / erhohlete sich doch / in dem sie sich vor ihm
stelleten /fiel anfangs Ladisla umb den Hals und küssete ihn aus väterlicher
neigung; hernach empfing er Herkules und seinen Sohn / und sagte: O seid mir
wilkomen ihr meine hochwerte allerliebste Herrn / Freunde und Söhne / deren
ankunft ich mir diese Stunde nicht vermuhten wahr / und weiss nicht / warumb mir
der Himmel allemahl zwischen der Vergnügung den bittern Wermutsafft einmischet /
dessen ihr nicht erschrecken sollet / uñ ich euch doch nicht verbergen kann / wie
dass nehmlich vorgestern meine herzliebe Töchter Sophia / Ursul und Sibylla /
auff eins ihrer Landgüter aussgefahren / und von etlichen Räubern angehalten sind
/ biss ihnen ein gewisses Lösegeld eingehändiget werde / vorauff sie alsbald und
ohn alle schmälerung ihrer ehren wieder sollen lossgelassen werden; habe demnach
solche Gelder schon an den mir benenneten Ort fortgeschicket / und werden die
geraubete noch heut / oder gewiss morgen früh sich wieder einstellen. Dieser Rede
erschraken sie sehr / insonderheit Ladisla / welcher von Korint biss hieher
grösser verlange als die ganze Zeit über nach seinem herzgeliebeten Gemahl
getragen hatte / und gab zur Antwort: Hochgeneigter Herr Vater / es ist mir
dises eine sehr traurige Zeittung / werde auch nicht ruhen / biss ich mein Gemahl
angetroffen / und den Räuberischen bösewichten den verdienten Lohn erteilet
habe. Der Statalter baht ihn / er möchte sich nicht überschnellen / damit er
nicht grösser Unglück verursachete / wann ihre gegenwart von den Räubern gemerket
würde; zwar in gar weniger Gesellschaft hin nach dem Platze zu reiten /da die
Gelder aussgezählet würden / wollte er ihnen nicht verbieten / aber dass vor des
Frauenzimers ankunft daselbst / sie sich ja nicht sehen liessen / damit die
Räuber sich nicht einer gefährlichen Nachstellung befahreten. Ach Gott / sagete
Ladisla / so vernehme ich leider / dass es umb mein Gemahl gefährlicher stehet /
als vor nie / muss demnach mich der Geduld ergeben; aber unmöglich ist mirs / dass
ich sie ungesuchet lassen sollte / ob mir gleich der gewisse Tod darüber
zustossen würde / und hoffe noch mittel zu finden / den Räubern beizukommen da
mir Gott das Leben fristet. Herkules befand rahtsam dass man eilete / liessen
deswegen etliche ihrer ehmahls hinterlassenen Ritterlichen Kleider und Waffen
herzubringen /legten sie an / und macheten sich mit vier Reitknechten des
Statalters auff / noch ehe Fr. Valiska mit ihrer Gesellschaft ankam. Im
hinreiten überlegten sie alles fleissig / und machten den Schluss / dass Herkules
allein nach dem lieferungs Platze sich hinmachen /und die andern weit genug
zurück bleiben wollten / biss er etwas Zeitung erfahren / und durch den
mitgeschikten ädelknaben ihnen seine Meinung überbieten könnte. Sie wahren kaum
eine gute halbe Meile geritten da sahen sie zween ansehnliche Ritter mit zwölff
bewapneten Dienern gege sie anzihen / denen eine schöne Gutsche mit Frauenzimmer
/ und zween beladene Wagen samt etlichen gefangenen nachfolgeten. Jene wurden
dieser auch zeitig gewahr / und weil Siegward seinem lieben Fräulein sein gutes
Herz /und dass er nicht allein mit Räubern sondern auch mit ehrlichen Rittern
kämpffen könnte / gerne wollte sehen lassen / auch Baldrich nit dawieder redete /
sendeten sie ihren Italiänischen Leibknaben ihnen entgegen /und liessen ihrer
zween auff ein ritterliches Speerbrechen ersuchen; welches ihnen zum erstenmahle
höflich abgeschlagen ward / mit vorgeben / sie hätten anjezt nöhtigen geschäften
nachzureiten / wodurch sie gehindert würden / in ihr begehten einzuwilligen
/auff eine andere und bequemere Zeit aber sollte ihnen gerne gewilfahret werden.
Jene kunten damit nicht friedlich sein / wussten nicht / ob sie es vor eine
Verachtung oder Zagheit aussdeuten sollten / und bohten ihnen hinwieder zu; ob
zwar ihr gebrauch nicht währe / andere als ihre und der Tugendfeinde zum Streit
zu nöhtigen / auch ihnen ihren Weg gerne gönneten /wollten sie ihnen dannoch
zubedenken geben / obs ihrem herrlichen ansehen nicht wohl anstünde / etwa durch
einen Rit allen ungleichen Verdacht von sich abzulehnen. Worauff Herkules
antwortete: Feiner Knabe / sage deinen Herren / ihre Höfligkeit mache /dass wir
viel von ihnen halten / und weil sie unser eilfertigkeit unberichtet sind / ich
sie dessen nicht verdenke / wann sie ungleiche gedanken von uns schöpffen; wir
wollen ihnen aber solche benehmen / und ihnen den Rit zu willen sein / dass sie
nur bald lossdrücken. Jene liessen ihnen diese Antwort wolgefallen / und machten
sich an beiden seiten fertig / da Siegward auff Ladisla / Baldrich auff Herkules
seinen Bruder lossging und traffen beiderseits dergestalt /dass die Splitter in
die Luft fuhren / doch ward keiner gefellet / wiewol Siegward und Baldrich im
Sattel schwanketen / aber doch fest sitzen blieben / dessen unsere Helden sich
nicht wenig wunderten / und sagte Herkules zu Ladisla / ich hätte nicht gemeinet
/ dass mir ein Ritter diesen Stoss ungefellet ausshalten sollen. Sie nahmen
beiderseits neue Speer / wageten den andern Rit heftiger als zuvor / und
empfunden der Stösse alle viere / aber Baldrich und Siegward wurden Stegreiff
los / dass sie des falles sich mit noht entielten / welches sie heftig verdross.
Herkules und Ladisla / sahen sich umb / der Meinung / ihre Bestreiter sollten
erleget sein / welche sich aber geschwinde wieder eingerichtet hatten / dass jene
ihrer Gefahr nicht eins inne wurden / daher Ladisla zu Herkules sagete; Dieses
sind trauen zween handfeste Ritter / aber als viel ich merke / trauen sie dem
Speer weiter nicht / sondern gedenken es auch mit dem Schwerte zuversuchen /
welche sie schon entblösset haben. Ey so werde ich ihnen auch so geschwinde noch
nicht entlauffen /sagte Herkules / sondern versuchen / ob dem Hochmuht nicht zu
steuren sei / nachdem wir keine Feindschaft wiedereinander haben; damit ging der
Schwertstreit an / und trieben ein solches gehacke / dass die Stücke von den
Schilden flogen / und sie in kurzer Zeit davon wenig übrig hatten; weil sie dann
des Feindes Streiche nicht aussnehmen kunten / wurden ihre Harnische hin und
wieder sehr zuschlagen / wiewol die beiden jungen Fürsten empfunden / dass sie
ihre Meister angetroffen hatten. Frau Sophia kunte dem gefährlichen Kampfe
länger nicht zusehen /sprang von der Gutsche / und rieff Baldrichen als
demnähesten zu: GrossFürst Baldrich / ich ermahne euch bei der Liebe / damit ihr
euren Eltern verbunden seid / dass ihr diesem unnöhtigen Streite die Endschaft
gebt. Dieser taht als hörete ers nicht / und stürmete immer heftiger auff
seinen Gegenkämpfer zu / welcher aber / da er seines lieben Bruders nahmen
hörete / auch Fr. Sophien erkennete / keinen Schlag mehr führete / sondern auff
Teutsch zu ihm sagete: Liebster Bruder Baldrich / du hast dich mit deinem Bruder
Herkules gnug versuchet / und satsam an den Tag gegeben / dass du deinem Manne
wohl stehen darfst. Auff welche Rede Baldrich sein Schwert hinweg warff /den Helm
auffschlug / und sagte; So müsse dieses Schwert verfluchet sein / dessen ich so
gröblich missbrauchet habe; sprang vom Pferde / und wollte seinem Bruder die Hand
küssen; der aber ja so bald auff der Erden stund / und ihn freundlich umbfing /
legten die Helme ab / und küsseten sich vor grossen freuden ohn einiges Wort
sprechen / dann es gab Herkules die höchste vergnügung da er seinen Bruder ihm
so gewogen sah / weil er wohl wusste / wie verhasset ihn die Teuffelspfaffen bei
seinen Anverwanten gemacht hatten. Zwischen Ladisla und Siegward ging es etwas
schärffer zu / dann weil sie sich weiter ins Feld gezogen hatten / kunten sie
nicht so bald von Fr. Sophien gescheiden werden / wiewol sie schleunig hinzu
lieff /auch diesen Streit anffzuheben / so dass sie nicht acht gehabt / dass
Herkules verhanden wahr. Ladisla sah ohngefehr dass jene beiden sich mit
entblösseten Häuptern so freundlich umbfingen / daher sagte er zu Siegward;
Ritter / was mag jenes bedeuten / dass euer und mein Geselle dort so grosse
freundschaft machen / und die Helme samt den Schwertern hinweg getahn haben?
Siegward rante eilig dahin / biss er Herkules Angesicht erkennete und doch etwas
zweiffelte / kehrete wieder umb nach Ladisla uñ sagete: Mein Herr /ist jener
nicht mein Oheim der unvergleichliche Held GrossFürst Herkules? ja / antwortete
er / Herkules ist sein Nahme / und ist er euer Oheim / so müsst ihr mir seinem
Ladisla ohn zweifel auch verwand sein. Als Siegward solches hörete / sprang er
vom Pferde /und sagte: Durchleuchtigster Oheim / verzeihet / bitte ich / eurem
Diener dem Schwedischen Siegward / seinen unbesonnenen Frevel / dessen die
Unwissenheit einzige Ursach ist; Herzlieber Bruder / gab er zur Antwort /
empfahen wir einander so unwürsch in der Fremde / würde solches unser so fest
beschwornen Freund uñ Brüderschaft sehr nachteilig sein / wann es vorsetzlich
geschähe / weil aber der blosse Irtuhm hieran schuld träget / sind wir
beiderseits wohl entschuldiget. Aber O mein herzgeliebtes Gemahl komt ja dorter
gelauffen! Hiemit warf er den Helm hinweg / und rante ihr eilends entgegen. Sie
erkennete sein Angesicht alsbald / und kunte vor freuden keinen Schrit weiter
tuhn / dann die Ohmacht wahr ihr sehr nahe; welches er merkend vom Pferde sprang
/ und zu rechter Zeit bei ihr anlangete / gleich da sie nidersinken wollte /
umbfing sie inbrünstig und sagte: Wie mein allerliebster Schaz / wollet ihr
euren Ladisla nicht freundlicher als mit sterbenden Augen empfangen / welcher
sider seinem abscheide niemahls von herzen frölich gewesen ist? Sie in ihres
Liebsten Armen sich befindend / erhohlete sich bald / schlug die Augelein auff /
und mit einem lieblichen Anschauen sagte sie zu ihm: O ihr meiner Seelen Lust
und einige Freude in dieser Welt; welches hohe Glük erfüllet heut meinen Wunsch
/ und lässet mich meinen Gemahl und König wieder sehen und umbfahen? wie so gar
unvermuhtlich und doch überreichlich ersetzet Gott meine zweitägige
aussgestandene Unglückseligkeit durch die Ankunft meines herzgeliebten Gemahls.
Mit diesen Worten umbfing sie ihn aus inbrünstiger Liebe / und hing als eine
Klette an ihm / dass sie ihrer selbst drüber vergass; biss Ladisla sie fragete / ob
sie seinen Herkules uñ ihren Bruder Fabius nicht gesprochen hatte; Ach nein /
sagte sie / wo sind sie dann? Ihr habt ja / antwortete er / den Streit zwischen
Herkules und Baldrich auffgehoben. Ich habe seine Erkäntnis nicht abwarten
können / sagte sie / damit ich auch euer Gefechte beilegen möchte / als ich sah
/dass jener Feindschaft so bald geendiget wahr. Aber O mein Schaz / ist dann
unsere Frl. Schwester Frl. Valiska auch erlöset? Ja Gott lob / sagte er / sie
wird mit ihrem Söhnlein Herkuliskus und Frl. Lukrezien Pompejen schon zu Padua
angelanget sein. Hievor sei dem almächtigen Gott lob und preiss gesaget /
antwortete sie; aber versichert euch mein Schaz / dafern diese beide trefliche
Fürsten uns nicht durch sonderliche wunder-schickung Gottes zu hülffe kommen
währen / würdet ihr mich lebendig nicht wieder gesehen haben / dann nach verlust
meiner ehren (die mir niemahls / auch vor zwei Jahren unter den Baumen nicht
näher / als heut diesen Morgen gewesen) würde vor euren keuschen Augen ich mich
lebendig nicht haben finden lassen. Herkules und Baldrich hatten ihr umbfahen
auch zum Ende gebracht; Beata aber / Fr. Sophien Leibdienerin ward von dem
Fräulein befehlichet / von der Gutsche zu steigen / um zuvernehmen / was vor
fremde Ritter nach beigelegtem Gefechte mit den beiden Fürsten solche
Freundschaft pflögen / welche bald wieder umbkehrete / schlug in die Hände / und
rief ihnen zu: O Gott lob / Gott lob / König Ladisla und GrossFürst Herkules;
König Ladisla und GrossFürst Herkules! Fr. Ursul kunte auff diss Wort nicht länger
verzihen / lieff Herkules entgegen / und rieff ihm von ferne zu / ob ihr Fabius
nicht mit überkommen währe; welcher aber mit entblösseten Häupte schon daher
sprengete / machte sich herunter / und empfing sie mit frölichem Herzen. Das
Fräulein stieg auch ab / und nahete sich zu Herkules / welcher sie umfahend
brüderlich küssete / und zu ihr sagete: In Ehren herzgeliebete Frl. Schwester /
ich erfreue mich von herzen ihrer Erlösung und guten Gesundheit / und bitte Gott
/ dass er sie in stetem Auffnehmen ihrer Ehren und Vergnügung erhalten wolle. Das
liebe Fräulein bedankete sich sehr freundlich / erfreuete sich seiner glücklichen
Wiederkunst / und fragete nach seines hochwirdige Gemahls wolergehen / dessen
sie bald berichtet ward. Diese lieben Freunde kunten des wilkommens nicht zum
Ende gelangen; Ladisla und Baldrich / Herkules und Siegward liessen alle
brüderliche Bezeigung sehen / und ob gleich Ladisla und Siegward etwas verwundet
wahren / achteten sie dessen doch nicht / biss Fr. Sophia das Blut an ihnen
spürete / und sie die Waffen abzulegen erinnerte / welches doch nie geschahe /
sondern weil es schon zimlich späte auff den Nachmittag wahr / setzeten sie sich
auff / und zogen nach der Stad. Die Statalterin hatte ihren Sohn und
Schwieger-Sohn noch nicht gesehen /sondern da sie wieder hinaus geritten wahren
/ meldete ihr Gemahl ihr deren Ankunft an / und tröstete sie in ihrer
Betrübnis; dann sider ihrer Tochter Verlust hatten ihre Trähnen sich nicht
gestillet. So bald aber deren Erlösung ihnen durch einen Reuter zuwissen getahn
ward / da erhuhb sich Fröligkeit / und wussten nicht / was sie vor Freuden
ansahen wollten; legten schöne Feirkleider an / und putzete insonderheit die
Grossmutter die beiden jungen Herrlein auffs köstlichste / welche schon anfingen
das Abba zusprechen; dann der kleine Fabius wahr ein Jahr und 16 Wochen alt;
Herkuladisla eilf Wochen und drei Tage jünger /nachdem jener am 28 des
Weinmonats / dieser am 18 des Jenners im folgenden Jahr / zur Welt geboren wahr
/ und man heut diesen Tag den 22 des Hornungs schrieb. Als unsere Gesellschaft
zur Stad einritten /kehreten Baldrich uñ Siegward in eine Herberge / woselbst
dieser seine Wunden verbinde liess / deren die schlimmeste wahr / welche er von
dem Räuber empfangen hatte / dass er den Arm in einer Binde tragen musste / weil
er schon ein wenig entzündet wahr. Sie legeten beide einerlei Kleider an / von
Grassgrünem Atlass mit Golde reichlich gesticket; auff dem Hute hatten sie eine
Schnuhr von Demanten / und eine lange weisse Feder / die ihnen auff dem Rücken
herunter hing; die Stiefeln wahren von weissem zarten Leder / und die Sporn
gülden / und führeten in der rechten Hand einen weissen Elfenbeinen Stab mit
güldenem Beschlage. Ladisla mit seinen Gefärten machten sich hin zu den ihren /
und erwartete der Statalter uñ sein Gemahl im Mittelplatze ihrer lieben Kinder
/da die jungen Herlein nachgetragen wurden. Sie empfingen die drei Helden mit
frölichen Geberden / hielten den beiden Vätern ihre Söhnlein zu / und sagte die
Grossmutter: Da sehet ihr eure wolgestalte liebe Kinderchen zum ersten mahle /
welche euch der mildreiche Gott in eurem abwesen bescheret hat. Ladisla trat mit
grosser Herzensfreude hinzu / da sein Herkuladisla ihn lieblich anlachete / uñ
das Abba dreimal lallete / noch ehe er ihn anrührete / worüber ihm die
Freudenträhne aus den Augen hervor drungen / dass wie feste er sich hielt /
dieselben doch nicht hinterbleibe wollten / nam deswegen das liebe Kindichen auf
seine geharnischte Arme / herzete es etliche mahl und sagte: Der Almächtige Gott
und Schöpffer Himmels und der Erden verleihe dir seine Gnade / und lasse dich in
Erkenntnis der Himlischen Warheit auffwachsen / dass du ein Erbe bleibest des
ewigen Lebens. Fr. Sophia und Ursul kahmen aus der Gutsche darzu gangen / und da
sie ihre Gemahlen sich dergestalt mit den Kindern ergetzen sahen / wurden sie
vor Freuden laut weinen / dass es im ganzen Platze gehöret ward / und fing Fr.
Sophia zu ihrem Söhnlein an: Du mein herzallerliebstes Schäzchen / an dem ich
diese Zeit über alle meines Kummers Vertreibung gehabt / jezt sihestu deinen
Herr Vater zum ersten mahle; aber der barmherzige Gott verleihe mir und dir /
dass er uns ja nimmermehr solcher gestalt entwanderen möge. Der Statalter trat
mit hinzu / und sagte zu seiner Tochter: Geliebtes Kind / du hast mir nun zum
andern mahle durch dein gar zu kühnes ausfahren grosses Herzleid gemacht /
welches du leicht hättest verhüten können / wann du nur etliche wenig Reuter zu
dir genommen; doch weil der heutige Tag uns zur sonderlichen Freude gemacht ist
/ will ich mit scharffen Reden dir dein Verbrechen nicht aufrücken / hättest aber
bei deinem Gemahl wohl verdienet / dass an statt freundlicher Begrüssung er dir
einen guten Auswischer erteilete / damit du hernähst dir solches liessest zur
Warnung diene. Ladisla antwortete an ihrer statt. Es kann sein / mein Herr Vater /
dass mein allerliebstes Gemahl in diesem falle gesündiget hat / und ihren Eltern
grosse Bekümmernis erwecket / aber ich bitte / dz ihr auch vor dissmahl noch
dieser Fehler möge verzihen werden / dañ will ich mich in Bürgschaft stellen /
dass sie nach diesem vorsichtiger gehen wird. Ja / Gott weiss / sagte Frau Sophia
/ dass mir in diesem Unfal meiner lieben Eltern Kummer ja so sehr als meine
eigene gefahr zu herzen gangen ist /und weiss nicht / durch was Hindernis ich
vergessen /etlichen Reutern zubefehlen / dass sie mir folgen sollten / wie ich mir
festiglich vorgenommen hatte. Ich habe es ja angehöret / sagte das Fräulein /
dass ihr des Abends zuvor es bei dem Gutscher also bestelletet /der ohn zweifel
aus Vorsaz es unterlassen hat. Was soll ich dann weiter machen? fuhr Fr. Sophia
fort /Gott schicket den lieben seinen auch zuzeiten wegen ihrer Sünde ein Unglück
zu / in welchem er doch am kräfftigsten bei ihnen stehet / und hiedurch viel
gutes wirket / erstlich / dass wir unsere Bosheit erkennen /und / dass wir noch
viel härtere Straffen mit unsern Sünden bei Gott verdienen / wann er nach seinem
strengen Rechte mit uns verfahren wollte; dann auch /dass wir in unserm Gebeht zu
Gott angefrischet werden / dessen wir in Glückes Zeiten viel in vergess stellen;
endlich auch / dass wir Gottes almächtige Hülffe erfahren / und ihm davor von
herzen danken. Ja wer weiss / ob nicht zum sonderlichen Glücke meiner Frl.
Schwester es also hat ergehen müssen? Sibylla erröhtete hierob im ganzen
Angesichte / und wahr ihr unmöglich / es zubeantworten. Ladisla hörete seines
Gemahls gottfürchtige Reden mit grosser Herzensfreude an / und wunderte sich /
dass sie in Erkenntnis des heiligen Willen Gottes schon so weit kommen wahr /hielt
sich auch fertig / ihr eine Christliche Antwort zugeben; aber sie fassete ihn
beim Arme / und sagte: Kommet mein geliebtes Herz / der Wund Arzt wartet schon
auff euch / und werde ich nicht frölich sein /ehe ich weiss / ob eure Wunden ohn
gefahr sind. Er folgete ihr mit lachendem Munde / und versicherte sie / dass er
nicht eins der Verletzung empfünde; wie dann nach der Entwafnung erschien / dass
er nur am rechten Arme einen Schramhieb bekommen / welcher kaum ein Tröpflein
Blut geben mögen / wann nicht ein Blutäderchen währe getroffen worde. Herkules
ward an seine Valisken gedenken / nam von Fr. Sophien Abscheid / und wollte
hinaus reiten / sie einzuhohlen; Sie aber erboht sich / neben Frl. Sibyllen mit
zufahren /fragete ihren Bruder / in was Farbe die GrossFürstin sich gekleidet
hätte / legte gleichmässige Kleider an /und zog mit Herkules und Ladisla /
welche ihre vorigen Kleider wieder angetahn / ihr entgegen. Der Statalter hatte
inzwischen von seinem Sohn verstanden /was gestalt die beiden jungen Fürsten das
Frauenzimmer erlöset / und in eine Herberge / sich auszukleiden / eingekehret
währen / denen er alsbald seine LeibGutsche entgegen sante / und ritte der junge
Fabius mit dahin / mit dem sie ohn Verzug auf ihren weissen Pferden fortgingen;
Weil dann Fr. Sophia ihnen auf der Gasse begegnete / die GrossFürstin einzuholen
/zogen sie in Gesellschaft mit fort / und traffen Klodius und Prinsla nahe vorm
Tohre an / die von der GrossFürstin abgeschikt wahren / umb zuvernehmen /aus was
Ursachen ihr von Herkules / genommener Abrede nach / kein Bescheid zuentbohten
würde. Prinsla kennete alsbald die beiden Fürsten / sprang vom Pferde / und
küssete ihnen die Hände / musste aber alsbald wieder auffsitzen / dann sie ranten
so wohl zu Wagen als Pferde aufs schnelleste fort / kahme auch inwendig einer
geringen halben Stunde bei den Völkern und Wagen an. Fr. Valiska sass mit Frl.
Lukrezien und dem übrigen Frauenzimmer auf dem Elefanten / hatte allerhand
Gedanken wegen des langen aussenbleibens ihres Gemahls / und zeigete an / dass
sie sehr befürchtete / es müste zu Padua nicht recht zugehen. Sie sah etliche
gemeine Leute aus der Stad gegen sie daher gehen / welche sie fragen liess / was
neues man daselbst hätte / und obs dem Herrn Statalter und den seinen wolginge?
Worauf diese antworteten: Es ginge dem Statalter wohl / nur lieffe ein
ungewisses Gerüchte / ob sollte dessen Fr. Tochter neben andern hohen
Frauenzimmer von etlichen Räubern auf freier Heerstrasse angegriffe uñ entführet
worden sei. Die GrossFürstin erschrak dessen von ganzem Herzen / und fing an: Ach
du almächtiger grundgütiger Gott / wende doch dermahleins nach deinem
väterlichen Willen und gnädigem Wolgefallen dieses Unglück von uns deinen
ergebenen Kindern / uñ gönne nicht / dass mein lieber Herr und Gemahl nebest
meinem Bruder ihre beste Lebenszeit in Ausspürung der gottlosen Räuber zubringen
müssen. Sie stieg mit ihrem Frauenzimmer von dem Elefanten auf die Erde /legten
sich unter dem freien Himel auf ihre Knie / und tahten ihr andächtiges mit
Trähnen vermischetes Gebeht zu Gott / dz er seine Barmherzigkeit über sie
grossmachen / auch dieses Unglück bald enden und in Freude verkehren wollte. Nach
geendetem Gebeht stiegen sie wieder auff den Elefanten / und musste Klodius samt
Prinsla nach der Stad zureiten / dessen Wiederkunft und eigentliche Zeitung sie
mit Schmerzen erwarteten. Frl. Lukrezie sagte zu der GrossFürstin: Es nähme sie
wunder / dz man den Räubern dieses Orts so viel übersähe / dass dieselben sich
auch nicht scheuheten / der Obrigkeit ihre Kinder hinweg zuführen / da doch in
dieser Landschaft Leute wohneten /welche dem Römischen Reiche als eigene
Glieder einverleibet währen. Dass vor diesem im Judischen Lande die Räuberhöhlen
dergestalt zugenommen / dass fast das ganze Land hin und wieder währe untergraben
/und vol unzähliger Räuberhöhlen gewesen / währe so hoch nicht zuverwundern /
weil die Juden / der Römer grösseste Feinde / solches also getrieben hätten
/denen gleichwol nunmehr ziemlich gesteuret währe; aber in Italien solchen
Muhtwillen zudulden / dürffte fast ein Zeichen sein / dass die Obrigkeit ihr Amt
nachlässig verwaltete. Ich weiss selbst nicht / sagte die GrossFürstin / wohin
ichs deuten soll / halte wohl davor / wann den Räubern etwas eiferiger
nachgetrachtet /und ihre Schlupflöcher fleissig gesucht würden / sollte man ihnen
das Handwerk bald legen; Aber es finden sich unter den Inwohnern in Dörffern und
Flecken oft so gottlose Leute / die solche Räuber hausen und hägen / ja ihnen
wohl Anleitung geben / weil sie Nahrung von ihnen haben / und der Beute oft am
meisten genissen. Da währe nun hochnöhtig / dass wann solche ertappet würden /
man sie gleich so hart als die Räuber selbst bestraffete / was gilts / wo nicht
hundert sich an einem spiegeln sollten / und sich scheuhen / mit solchen Buben
Gemeinschaft zuhaben. Das ist meines Herrn Vaters Gebrauch / antwortete das
Fräulein; der pfleget allemahl nach diesem Spruche zuurteilen / dass weil Hehler
und Stehler gleiche gut sein / müssen sie nicht allein in einer Gesellschaft
geniessen / sondern auch leiden / und hats in kurzer Zeit dahin gebracht / dass
mehr Räuber von des Landes Inwohnern angegeben / als durch scharffe
Nachforschung betroffen werden. Als die GrossFürstin dieses so bald nicht
beantwortete / baht Fr. Euphrosyne umb gn. Vergebung / und sagte: Wolte dann
Gott / gnädiges Fräulein / dass Euer Gn. Herr Vater nur ein Jahr Römischer
Statalter in Griechenland sein / und solchen Ernst wider die Räuber und Mörder
gebrauchen möchte / dann sollte dem unmenschlichen Wesen /welches leider daselbst
eingerissen ist / endlich noch abgeholffen werde. Ich habe etwas davon gehöret
/sagte die GrossFürstin / und dass der freie Adel viel Unbilligkeit begehen soll.
Ja gnädigste GrossFürstin /antwortete sie / weil Griechenland von den Römern ihre
eigene Herschaft und uhralten Freiheiten und Gebräuche erhalten / will der Adel
/ welcher im Lande fast alles allein ist / ihre Freiheit auch wider die Gesetze
der Vernunft ungestöret wissen; daher / wann einer ihres Mittels durch
übermässiges Wolleben das seine vertahn hat / klopffet er auff den Pusch / und
suchet durch Beraubung der Kauffleute sich wieder zubereiche; Ob auch von ihnen
eine und andere Mordtaht begange wird / solches wollen sie durchaus nicht am
Leben gestrafft haben / sondern erlegen ein geringes Geld / damit soll das
unschuldige Blut bezahlet sein. Die GrossFürstin antwortete: Solche Aedelleute
sollte man umb ihrer Untaht willen wieder in den niedrigsten Stand herunter
stossen / gleich wie ihre Vorältern umb ihrer Tugend willen in den Adelstand
erhoben sind; dann sollte es erst dahin kommen / dass ein ädelman ihm grössere
freiheit / böses zutuhn /nehmen wollte / als ein Unädler / dürffte in kurzem das
gemeine Wesen noht leiden. Von adelichen Eltern geboren sein / ist ein grosses
Glük / aber es machet solches niemand weiter ädel / als nur nach dem Nahmen; die
Tugend aber / die er hernach selber hinzu tuht / gibt ihm die wahre adeliche
Hocheit / ohn welche das blosse Herkommen in meinen Augen kein Härlen mehr gilt
/ als ein Esel / den man in eine Pferdehaut nähet. Libussa sah stets nach der
Stad / und däuchte ihr / dass Klodius länger aussen bliebe / als sich in solchem
Zustande gebühren wollte / biss sie der Fürstlichen Gesellschaft von ferne gewahr
ward /auch die Gutsche dabei sah / deswegen sie voller freude anfing zuruffen:
Glük / lauter Glük! die unsern sind Gott Lob verhanden / und mein Sin trägt mirs
eigentlich zu / meines gnädigsten Königes Gemahl Fr. Sophia finde sich bei ihnen
in der Gutsche. Gott gebe / antwortete die GrossFürstin / dass du vor dissmahl eine
wahrhafte Weissagerin seist / so will ich dir auf ein andermahl eine grosse
Lügen gerne zugute halten. Sie fliegen aber miteinander von dem Elefanten / was
vor Frauenzimmer auch in der Gutsche sein möchte /sie freundlich zuempfahen. Als
Fr. Sophia solches ersah / hiess sie ihren Gutscher eilen / und als sie auff 100
Schrit nahe hinzu kam / stieg sie mit Frl. Sibyllen ab. Libussa stund hinter der
GrossFürstin / erkennete die abgestiegenen alsbald / und sagte zu der
GrossFürstin: Ich bin eine glückselige Wahrsagerin / dann dorten kömt Fr. Sophia
mit Frl. Sibyllen her. Frl. Lukrezie bestätigte solches / drumb fassete die
GrossFürstin dieselbe bei der Hand / und trat ihne freimühtig und mit einem
lächelnden Angesicht entgegen. Diese aber verwunderten sich dermassen über ihrer
volkommenen Schönheit / dass sie meinten / mehr ein himlisches als irdisches
Bilde zusehen / wollten sich zwar viel gegen sie neigen / aber Valiska eilete
ihnen entgegen / umfing Fr. Sophien mit einem inbrünstigen Kusse / und redete
sie also an: Verzeihet mir / meine herzallerliebste Fr. Schwester / dass ich des
so langwierigen abwesens ihres Gemahls leider ursach sein müssen; mein Gott weiss
/ wie oft und viel mir solches unruhige Gedanken gemacht / und ich gewünschet
habe / mein herzlieber Herr Bruder währe bei seinem allerliebsten Gemahl daheim
geblieben / welches ihm ja nicht gefallen / sondern noch dissmahl seinem Herkules
folgen wollen; ich will mich aber äusserst bemühen / diese Schuld auffs wenigste
zuerkennen / erfreue mich von ganzem Herzen ihrer Liebe guten gesundheit und
Wolergehens / der gänzlichen Zuversicht zu unserm Gott gelebend / er werde uns
nach diesem gönnen / in friedlicher Ruhe und schwesterlichem Vertrauen manniche
Zeit mit einander zuleben. Frau Sophia antwortete ihr mit züchtiger
Ehrerbietung: Durchleuchtigste GrossFürstin; es klaget Eure Durchl. sich gar
unbillich einer sache an / die weder in ihrer Macht noch Willen gestanden; mein
Gemahl hat wegen brüderlicher Schuldigkeit nicht anders gekunt / als derselben
Raubung zueifern / weil sie umb seiner uñ meint  willen in dieses Unglück
gerahten wahr. Die Abwesenheit meines teuren Gemahls beklage ich durchaus nicht
/ nach dem Eure Durchl. glücklich erlöset ist / daher mich däucht / als währe er
kaum gestern von mir gezogen / und danke dem allerhöchsten Gott / dass er sie
alle miteinander nach überstandener Gefahr / glücklich und gesund alhie hat
anlangen lassen; bitte sehr / Eure Durchl. wolle ihr gn. gefallen lassen / auff
meines H. Vaters Hof mit uns einzukehren / woselbst deroselben nach meinem
wenigen Vermögen gehorsam auffzuwarten mich befleissigen will. Die GrossFürstin
ward über solcher Demuht sehr unwillig / und fing an: Ey meine herzgeliebete Fr.
Schwester / ich bitte durch Gott / mit dergleichen niderträchtigen / und in mir
Schahm und Unmuht wirkenden Reden mich hinfüro zuverschonen; dann was sollte mich
mehr betrüben oder kränken / als wann eine Grossmächtige Königin / und meines
leiblichen Herrn Bruders Gemahl / mit mir anders als schw[...]lich umgehen
wollte; sihet aber Eure Liebe mich vor so stolz an / müste mir leid s[...]A1 mich
vor deren Augen habe finden lassen; wo nit / wird sie / wann sie mich liebt /
mich nimmermehr so hoch wieder betrüben. Fr. Sophia entschuldigte sich bester
massen / und erklärete sich / weil ihrer Liebe es also gefiele / ihrem Willen
genüge zutuhn. Inzwischen hatten die beiden Fräulein sich herzlich / und wohl mit
hundert Küssen empfangen / hernach sagte Frl. Lukrezie zu der GrossFürstin:
Durchl. Fr. Schwester /alhie sihet Eure Gn. unsere geliebte Freundin Frl.
Sibyllen / dere wir in unserm Gespräch so oft Erwähnung getahn / und stehet sie
bereit / Euer Gn. die Hände zu küssen. Sie ist mir eine sehr geliebte Freundin /
antwortete sie / umfing sie lieblich / und versprach ihr alle Schwesterliche
Liebe und Träue zuerweisen. Hingegen bezeigete sich das Fräulein sehr
untertähnig / und baht / dz sie ihre schlechtgültige Auffwartung ihr gn. möchte
gefallen lassen. Es stunden aber die beide jungen Fürsten eine geraume Zeit mit
entblössetem Häupte / ehe sie ihr wilkommen verrichten kunten / hätten auch
weiters noch warten müssen /wann nicht Herkules sein Gemahl erinnert hätte / da
er zu ihr sagte: Geliebter Schaz / sehet da eure beiden Oheimbe / den
Königlichen Fürsten aus Schweden /und meinen geliebten Bruder Fürst Baldrich /
welche Gott aus sonderlicher Versehung biss hieher geleitet hat / und bereit
stehen / eure Liebe zu grüssen. Die GrossFürstin erröhtete gar wegen ihrer
unvermuhtlichen Gegenwart: und antwortete: Ach mein Gott / soll dann der heutige
Tag so voller Glükseligkeiten sein /und mir die längstgewünschete Kundschaft
dieser so angenehmen Oheimben und Freunde erteilen? neigete sich zugleich sehr
ehrerbietig gegen dieselben / da Siegward zu ihr trat / und auff ein Knie sich
niedersetzend / ihr die Hand küssete / nachgehend also anfing: Nachdem der
günstige Himmel mir den langgewünscheten Tag scheinen lässet / an welchem mir
Gelegenheit fället / Ihrer Gn. unvergleichlicher Vortrefligkeit aufzudienen /
habe ich den gewünschten Zweg meiner Glükseligkeit schon erreichet / vor dissmahl
demühtig bittend / dass in die Zahl ihrer bereitwilligsten Knechte ich möge
untergenommen werden. Valiska beschwerete sich der Ehrerbietung gar zu schwerer
auffgeladener Burde / welche zuertragen sie allerdinge sich unbestand befünde /
baht deswegen den Fürsten / auffzustehen / damit sie nicht gezwungen unhöflich
sein müste. Siegward küssete ihr die Hand zum andernmahle / hub sich sittig auff
/ und nach berührung des Saumes ihres OberRoks gab er vor / es währe alle Welt
schuldig / vor ihrer höchstrühmlichen Tugend sich zu demühtigen und des Himmels
volkommenes Meisterstük gebührlich zuverehren / bähte demnach / ihre Gn. ihm
sein unvermögen in ablegung der schuldigen Ehre gnädig zu gute halten / und sich
versichern möchte / dass mit Gedanken er leisten wollte / was in äusserlicher
volbringung ihm unmöglich währe. Herkules selbst gedauchte diese Höfligkeit zu
gross sein / setzete deswegen seine Reden ins mittel und sagete: Geliebter Bruder
und Oheim / eure Liebe dürften mein Gemahl wohl gar zu einer Stummen machen /
nachdem ihr schwer fallen wird dergleichen über ruhm zubeantworten. Dem ist
freilich also /sagte sie / und behalte ich mit dieser unbilligkeit Rache billich
bevor / wo mir sonst nicht abtrag gemacht wird; neigete sich abermahl gegen ihn
/ und trat hin zu Baldrich / welcher gleichergestalt niderkniete /und nach
[...]em Handkusse mit anmuhtiger Rede sagete: Durchl. Frau Schwester und Wase /
[...] Herrn Bruders und eurer Durchl. Heirat wünsche ich den himlischen
Se[...]rer glücklichen erlösung / und möchte wünschen / dass unsere liebe Eltern:
A2 dessen wissenschaft haben sollten; im übrigen wird meine Fr. Schwester an
meiner wenigkeit einen stets bereitwilligen Diener haben. Die Fürstin umbfing
ihn freundlich / bedankete sich der geschehenen Glükwünschung /und erboht sich
hinwieder zu aller schwesterlichen Freundschaft. Nachgehends ward Frl. Lukrezie
von ihnen auch hoch geehret / da unterdessen Fr. Sophia mit dem andern
ankommenden Frauenzimmer ein freundliches Gespräche hielt; weil aber die Sonne
ihren Untergang dräuete / und Libussen nach der Stad verlangete / sagte sie aus
scherz zu der GrossFürstin; Gnädigste Frau / soll ich bestellen / dass die Zelten
hervorgesucht und auffgeschlagen werden / alsdann wird meine Schwester
Euphrosyne umsuchen was vor eine kalte Küche uns übrig sei / damit diese Fürstl.
Gesellschaft den Hunger stille. Der GrossFürstin wahren ihre schwänke bekant / und
gab ihr zur Antwort: Fürchtestu dich schon / dass du mit deinem Leches nicht gut
geschir gnug haben / und noch eine Nacht unsanft liegen werdest? nöhtigte
darauff alles Frauenzimmer auff den Elefanten / uñ hielten auff demselben den
Einzug. Es wahr schon gar früh durch ganz Padua erschollen / dass ihre Erretter
wieder zu lande geschlagen / und diesen Abend ankommen würden; weil dann die
ihnen erbauete trefliche Burg allerdinge fertig /und mit aller Haussnohtturft
überflüssig versehen wahr / sendete der Paduanische Raht / Herrn Zezilius
Antenor und eilf andere Herrn ihres mittels mit allen Stadspielleuten vor das
Tohr / sie zuempfahen / und auff ihre Burg zu führen. Unsere Helden kanten sie
alle / stiegen deswegen von ihren Pferden / weil auch diese zu fusse gingen /
und wurden von wolgemeldetem Herrn also angeredet: Grossmächtigster König Herr
Ladisla / uñ Durchleuchtigster GrossFürst Herr Herkules; es erfreuen sich alle
Einwohner dieser Stad über der glücklichen Wiederkunft ihrer Erlöser /
insonderheit der Raht und die Stad Obrigkeit hieselbst / als welche mich und
gegenwärtige meine Amtsgesellen abgefertiget / eure Durchll. und dero
Gesellschaft / untertähnig und gebührlich zuempfahen / und auff ihre schon vor 12
Wochen verfertigte Burg zu führen / mit untertähniger und dienstfreundlicher
bitte / solches Gebäu als ihr ewiges Erbe gnädig und günstig anzunehmen / es
nach ihrem belieben zubewohnen / und was daran noch gebauet zu werden / ihnen
gnädig gefallen möchte / kühnlich anzuzeigen / auch mit den schlechten Speisen /
die in solcher Eile haben können zuwege gebracht werden / freundlich vor lieb
zunehmen / und unser aller gnädige und gewogene Herrn stets zuverbleiben.
Herkules bedankete sich in ihrer beider Nahme / der hohen Ehre / möchte wünschen
/dass die Stad der grossen Kosten des Gebäues hätten sparen wollen / weil es
ihnen aber also gefallen / erkenneten sie daraus ihre hohe gewogenheit / und ob
sie gleich dem Herrn Statalter ihre Gesellschaft diesen Abend schon versprochen
/ wollten sie dannoch ihnen gerne folgen / auch sonst alle mögliche gelegenheit
suchen / ein dankbahres Herz sehen zu lassen /verpflichteten sich der Stad zu
dienste / und bahten umb beständige gewogene freundschaft / auch / dass die Herrn
Abgeordenten diesen Abend bei ihnen in Gesellschaft verbleiben wollten. Hierauff
ging Blass-Trommel- und Seitenspiel durch einander / dass man sein eigen Wort
nicht hören kunte. Die Abgeordenten stiegen auff ihre Gutschen / uñ fuhren
vorhin / Herkules und Ladisla folgeten nach / liessen Leches und Klodius alsbald
nach des Statalters Hoff reiten / und ihn nebest seinem Gemahl nach ihrer neuen
Burg hohlen. Markus und Neda mussten Herr Kornelius und Emilius mit den ihren
herbitten / sie aber zogen mit ihrer Gesellschaft fort / biss sie auff den
Markplaz kahmen / da ihre gegossene Bildnissen stunden / und mit den ersten
Merzenblümlein aussgezieret wahren. Die kleinen Kinder stunden umb denselben her
/ sungen ihr gewöhnliches Liedlein (im ersten Buche am 211 Blade gemeldet) mit
voller Stimme / und drungen damit der GrossFürstin die Trähnen aus den Augen /
welche hieselbst mit dem Frauenzimmer von dem Elefanten stieg / und nach
besichtigung der auffgerichteten Bilder von den Abgeordenten treflich empfangen
/hernach mit Ladisla und Herkules in den Vorderplaz der neuen Burg geführet ward
/ denen die andern alle folgeten. Der Abend verhinderte es / dass alle
denkwirdige sachen von ihnen nicht kunten besichtiget werden / gingen durch
einen treflichen Schwiebogen in den innern Platz / der mit Marmel übersetzet und
mit Blumen bestreuet wahr. Der grosse Gastsaal wahr gegen Mitternacht gebauet /
auff welchem 60 Tische kunten angerichtet werden. An einer Seite stund die Stad
Padua / auff der andern die bestürmung des Raubnestes so artig abgemahlt / dass
Herkules sich darüber zum höchsten verwunderte. Der Statalter und andere
erbehtene Gäste kahmen bald herzu / und nach bezeugung ihres grossen mitleidens
wegen der GrossFürstin müheseliger / nunmehr geendeter Unruhe / empfingen sie
dieselbe sehr freundlich / wurden auch dergestalt von ihr hinwiederumb geehret /
dass sie daher schon ihren hohen Verstand und Tugend erkenneten. Nicht weniger
bedankete sich der Statalter und sein Gemahl gegen Fürst Baldrich und Siegward
/wegen geschehener erlösung / und erbohten sich zu aller Freundschaft und
Liebediensten. Bei anrichtung der Abendmahlzeit nahm Herr Antenor die Wirtschaft
auff sich / hatte drei lange Tische auff diesem Saal decken lassen / und wurden
an dem ersten / der Statalter nebest allen Fürsten / auch seinem Sohn und dem
jungen Sulpizius gesetzet / da dañ H. Antenor wieder seinen willen hieselbst die
Stelle nehmen musste. Ein jeder hatte sein Gemahl neben sich sitzen /und ward
Baldrichen Frl. Lukrezie / Siegwarden Frl. Sibylla / Arbianes Frl. Helena / und
Sulpizius Frl. Luzilla Antenoria / Herrn Antenors Tochter beigefüget. Die
übrigen Anwesenden nahmen die andern Tische mit ihren Ehegemahlen ein. Die
Trachten wahren sehr köstlich / dass jeden wunder nam / wie man in so kurzer Zeit
darzu hätte raht schaffen können; so griffen auch die unsern frisch zu / weil
ihrer etliche diesen Tag grosse mühe und wenig Speise genossen hatten. Nach
geendeter Mahlzeit hielten sie ein freundliches Gespräch / und gab der
Statalter allemahl der GrossFürstin anlass zu reden / weil jederman ihrer
anmuhtigen vernünftigen Erzählung gerne zuhörete / dz auch Frl. Helena in ihrem
Herzen bekennen musste / Herkules hätte inbetrachtung ihrer volkomenheit wenig
Ursach gehabt / sich einer andern zuergeben. Siegward hielt mit Frl. Sibyllen
mancherlei unterredung / und mischete / so oft sichs schicken wollte / sein
ansuchen / umb geliebt zu werden / mit ein / worauff er zwar keine abschlägige
/ aber doch so genügliche Antwort nicht bekam / als er wünschete. So empfand
auch Baldrich nicht geringe neigung gegen Frl. Lukrezien /dessen er sich doch
nicht merken liess / weil er weder mit ihr bekant wahr / noch ihr einzige Dienste
geleistet hatte; verdienete aber nicht desto weniger gute Gunst bei ihr durch
sein ehrliebendes züchtiges Gespräch / dass sie ihm diesen Abend sehr wohl gewogen
ward. Herkules uñ Ladisla redeten gar wenig mit der Gesellschaft / aber mehr mit
ihrem Gott im herzen /und danketen ihm vor seine gnädige hülffe / die er ihnen
bisher so reichlich erzeiget hatte. Der Statalter meinte / die müdigkeit und
unlust der aussgestandenen Meer-reise / währe ihres stillschweigens Ursach
/deswegen stellete er ihnen frei / nach belieben sich zur Ruhe zubegeben /
welches ihnen nicht unangenehm wahr / nicht / dass sie alsbald schlaffen gehen
/sondern ihrer gewohnheit nach / ihr Dankgebeht zu Gott halten wollten / weil sie
vor dem Essen darzu keine Gelegenheit gehabt / nahmen demnach freundlichen
abscheid von der ganzen Gesellschaft / da ihnen der junge Fabius und die andere
Christen Mannes und Weibesbilder auff dem Fusse nachfolgeten / weil sie durch
einen Wink verständiget wurden / dass der Gottesdienst sollte gehalten werden. Als
sie nun in einem abgelegen Gemache sich allein befunden / schicketen sie sich
zur Andacht / setzeten sich miteinander auff die Knie / uñ nam die GrossFürstin
ihr Buch zur Hand / aus welchem sie unterschiedliche Dankgebehte mit heller
Stimme lase / auch hernach aus König Davids Gebehtbuche / der Psalter genennet /
den 9 / 11 16 /18 / 23 / 30 / 34 / 40 / 46 / 92 / 103 / 111 / 118 / uñ 145 /
Psalm; danketen also ihrem Gott zwo Stunden von ganzem herzen vor seinen
augenscheinlichen /ihnen in allen nöhten geleisteten beistand; stimmeten ach
miteinander den 107 Dankpsalm Davids / gesangsweise an / welchen Herkules auff
der Meers-Reise in Lateinische verse eingerichtet hatte / und sein Gemahl sie
hernach also übersetzete:
                                Der CVII Psalm.
                                       1
Preist unsern Gott von wegen seiner Güte /
Dann sein barmherziges Gemühte
Bestehet biss in Ewigkeit.
Diss sagen / die der HErr hat frei gesprochen /
Und in der hochbetrübten Zeit
Die schwere Last der herben Noht gebrochen.
                                       2
Die Er von den weit abgelegnen enden
Hat lassen wiederumb anländen
Von dannen da die Sonn' auffsteht /
Und da sie sich zu Abendzeit verstecket /
Da wo die Norden Kälte geht /
Und wo das Meer den Boden gar bedecket.
                                       3
Sie gingen in der Wüstenei verirret /
Der Weg wahr einsam und verwirret /
Und traffen nirgend keine Stad
Zur Wohnung an. Sie wahren aus der massen
Von durst und hunger müd' und mat /
Dass sie auch schier die Seele mussten lassen.
                                       4
Da traten sie zum Herrn mit ihrem behten /
Der brachte sie aus Angst und nöhten /
Und führete sie richtig an /
Dass sie den Weg gebührlich vor sich nahmen /
Und wandelten die ebne Bahn /
Zur Stad / da sie zur freien Wohnung kahmen.
                                       5
Die sollen nun dem HErren Dank beweisen
Vor seine Gunst / und höchlich preisen
Die grossen Wunder die Er tuht
Hier unter uns; dass er die Seel erfüllet
Mit seinem allerhöchsten Gut /
Und ihren Durst und Hunger fein gestillet.
                                       6
Die welche da in todes Schatten lagen
Und in die Eisen eingeschlagen /
Weil sie des HErren Lehr und Wort /
Des höchsten Raht so durften untertreten;
Drumb plaget' Er sie fort und fort /
Sie fielen hin / und durfte keiner retten.
                                       7
Da traten sie zum HErrn mit ihrem behten /
Der brachte sie aus Angst und nöhten /
Und führete sie her ans Licht /
Aus dunkelheit und aus des todes Schatten /
Die schweren Ketten blieben nicht /
Die sie vorhin so hart gebunden hatten.
                                       8
Die sollen nun dem HErren Dank beweisen
Vor seine Gunst / und höchlich preisen
Die grossen Wunder die Er tuht
Hier unter uns / dass Er die Ehrnen Tühren
Durch hin zu bricht / und macht die Huht
Der Riegel gar zu Wasser / wie wir spüren.
                                       9
Die Narren die von ihrer Sünde wegen
Und übeltaht / mit harten schlägen
Sind heimgesucht von ihrem Gott;
Dass ihre Seel' auch ekelt vor den Speisen /
Die mussten nunter in den Tod
Durch Krankheit und viel ungemach hinreisen.
                                       10
Da traten sie zum HErrn mit ihrem behten /
Der brachte sie aus Angst und nöhten /
Und sendete sein Wort herzu /
Er machte sie gesund von allen Seuchen /
schafft ihnen Fried und süsse Ruh /
Dass Noht und Tod von ihnen musste weichen.
                                       11
Die sollen nun dem HErren Dank beweisen
Vor seine Gunst / und höchlich preisen
Die grossen Wunder die Er tuht
Hier unter uns; sie sollen Gott danksagen /
Und alle sämtlich wolgemuht
Des HErren Werk mit freuden weit ausstrage.
                                       12
Die auff dem Meer mit vollem Sägel fahren /
Und hohlen ihre frische Waaren
Von fern auff grossen Wassern her /
Die haben recht des HErren Werk gesehen
Und seine Wunder in dem Meer /
Dz wañ er spricht / wind uñ sturm muss lossgehe.
                                       13
Da fuhren sie gen Himmel auff den Wellen /
Die mussten sie gleich wieder fellen
Biss in den allertiefsten Sand.
Dess wolt ihr Geist vor bangigkeit verzagen /
Weil ihnen sämtlichen geschwand
Wie Trunkenen und wussten nichts zu sagen.
                                       14
Da traten sie zum HErrn mit ihrem behten /
Der brachte sie aus Angst und nöhten;
Da ward der trübe Himmel klar;
Das Wetter brach / darob sie freude nahmen /
Dass es so schön und stille wahr /
Und sie durch ihn zum lieben Hafen kahmen.
                                       15
Die sollen nun dem HErren Dank beweisen
Vor seine Gunst / und höchlich preisen
Die grossen Wunder die Er tuht
Hier unter uns. Sie sollen bei den Leuten
Aus Herzenbrunst und Andachtgluht
Ihn rühmen / und bei alten stets ausbreiten.
                                       16
Der Flüsse macht zu dürren Wüsteneien /
Und Brunnen / die sonst Wasser speien /
Läst überal versieget sein.
Der alle Frucht des Ackers läst verschwinden /
Dass er saur wird / und trägt nichts ein /
Von wegen der Einwohner groben Sünden.
                                       17
Der trocken Land mit Wasser reichlich füllet /
Dass dürrer Sand viel Güsse bringt /
Gleich einer aufgelauffnen Bach;
Und macht / das die dem Hunger mussten frohne /
Nunmehr da bleiben vor und nach
In Städten / die sie bauen zubewohnen.
                                       18
Auff dass sie da dem Acker Samen geben /
Und den Weinbergen schöne Reben /
Dass sie zu recht-gelegner Zeit
Die reiffe Frucht mit voller Erndte kriegen /
Da geht sein Segen weit und breit /
Sie nehmen zu / ihr Vieh muss nicht erliegen.
                                       19
Doch werden sie gemindert und verstossen /
Wann über sie wird ausgegossen
Angst und beschwere Grausamkeit.
Wann er den Spot auff ihre Fürsten schüttet /
So gehen sie ohn Unterscheid
Auff falscher Bahn / und werden gar verrüttet.
                                       20
Noch schützet er die Armen vor gefährde /
Und mehret sie gleich einer Heerde.
Das siht ein jeder frommer Mann
Mit Lust; da muss das Maul die Bosheit halte /
Wer ist klug und merkt dieses an?
Der kann verstehn / wie Gottes gunst wird walte.
    Nach Endigung dieses Gesanges lase die GrossFürstin diesen ihren gewöhnlichen
Abendsegen:
    Das walte Gott Vater / Sohn / und Heiliger Geist /Amen. Gnädiger und
barmherziger Gott und Vater / ich danke dir durch deinen lieben Sohn JEsus
Christ / meinen Heiland und Erlöser / dass du mich heut diesen Tag und die ganze
Zeit meines Lebens so gnädig- und väterlich behütet und bewahret hast vor
Schaden und Gefahr /vor des Teuffels Trug und List / vor der Welt verführischem
Gräuel / vor Leibes und Seelen unfall / vor unvermuhtlichen schnellen Tod / und
vor alle dem / was mich von deiner Liebe hätte abzihen können. Ich bitte dich
von ganzer Seele / verzeihe mir alle meine Sünde und Missetaht / damit ich dich
jemahls erzürnet / und nicht allein zeitliche Straffen / sondern auch den ewigen
Tod wohl verschuldet habe. Nim dich hinte und die ganze folgende Zeit meines
Lebens meiner geträulich an / und fasse mich unter die Beschirmung deiner Gnaden
Flügel /damit weder mein Fleisch / noch der leidige Teuffel /noch böse gottlose
Menschen mich berücken und in unfal stürzen. Die Obhuet der lieben heiligen
Engel lass über mich walten / dass ich sicher ruhen / und gesund wieder auffstehen
möge. In deine Hände / mein Gott und Erlöser / befehle ich mein Leib und Seele /
mein Gemahl / Eltern / Söhnlein / und alle Anverwanten; bekehre HErr GOtt / die
noch in der heidnischen Blindheit stecken /und die schon erleuchtet sind /
bestätige in deiner Warheit und Liebe / dass weder Troz noch Gewalt / weder Ehre
noch Schande / weder Glük noch Unfal / weder Leben noch Tod sie von deiner Liebe
und Beständigkeit abschrecke. Lass mein übriges Leben nach deinem Wolgefallen
angestellet sein / zu Lobe deinem hochheiligen Nahmen / und zu meiner Seelen
Heil und Seligkeit /Amen / Amen.
    Hierauff behteten sie das heilige Vater Unser / den Christlichen
Apostolischen algemeinen Glauben / und beschlossen mit diesem Sprüchlein des
33sten Psalmes: Unsere Seele harret auff den HErrn / er ist unser Hülffe und
Schild; dann unser Herz freuet sich fein / und wir traue auf seinen heiligen
Nahmen; Deine Güte / HErr / sei über uns / wie wir auff dich hoffen.
    Hernach verfügeten sie sich / ein jeder auf sein zubereitetes Schlafzimmer /
ohn dass Fr. Sophia und Frl. Lukrezie wieder nach den Gästen gingen. Siegward
hatte unterdessen bessere Gelegenheit gefunden / mit seinem geliebten Fräulein
zureden / uñ bemühete sich sehr / eine unbedingete Antwort bei ihr zu erhalten
/welches ihr aber die Jungfräuliche Zucht nicht gönnen noch zulassen wollte / ob
sie gleich ihr Herz schon darzu geschicket hatte; Zwar sie gestund / dass wegen
beschehener Rettung sie ihm hoch verpflichtet währe /weil sie aber über sich
selbst keine Gewalt hätte /sondern ihren Eltern und Anverwanten billich müste
untergeben sein / wurde er nach seiner Fürstlichen Vernunft leicht ermässen /
wie in solchen sachen ihr nicht geziemen wollte / schliessliche Antwort zugeben
/zweifelte auch nicht / er würde solches vielmehr an ihr loben / als tadeln oder
hassen. Er aber kunte sich hiemit nicht befriedigen lassen / sondern erwiederte
/dass in dergleichen Teidungen deren Wille eigentlich der vornehmste währe /
denen es zum nähesten anginge; wollte gleichwol dieses nicht zu dem Ende geredet
haben / als ob er ihre hochansehnliche Eltern und Anverwanten vorbei zugehen
oder zuverachten willens währe / nur allein bähte er umb so viel Versicherung
/dz wañ er an solchen Orten ein solches suchen würde / sie ihm nicht
verhinderlich oder zuwider sein wollte. Hieselbst befand sich das Fräulein
gefangen / durffte es doch unbeantwortet nicht lassen / und gab ihr gleichwol
die gewöhnliche Scham nicht zu / eine richtige Erklärung von sich zugeben /
ungeachtet Fr. Sophia sie dessen schon gnug versichert hatte / dz ihren Eltern
angenehmers nicht würde begegnen können /sondern sagte zu ihm: Durchl. Fürst /
Eure Liebe halten bei mir umb ein solches an / wovor ich billich höchlich Dank
sage / mich auch wohl erinnere / dass demselben meiner Ehren heutige Rettung
nähest Gott zudanken habe / und daher ihm nach Mögligkeit zubegegnen schuldig
bin; Ich bitte aber sehr / Eure Liebe wollen mir in diesem Stücke bedenkenszeit
gönnen / und inzwischen sich versichern / dz meiner herzgeliebeten Eltern und
Anverwanten Wille / des meinigen die unfehlbahre Richtschnur sein und bleiben
muss; wobei dieses anzuhängen ich mich selbst überwinden will / dz meine Eltern
und Freunde wohl erkennen werden / wie viel Euer Liebe sie schuldig sind. Fr.
Sophia setzete sich zu Siegward nid er / und fragete ihn / wie er sich an der
von dem Räuber empfangenen Wunde befünde; Worauf er zur Antwort gab: Dieser
Verletzung währe leicht raht zuschaffen /wann das Fräulein nur zuerbitten sein
möchte / dass sie ihm seine Herzenswunde / welche sie ihm geschlagen / wieder
heilen wollte / könnte aber weder hülffe noch Verwerffung bei ihr erlangen / indem
sie mit zweifelhafter / und auf Schrauben gestelleter Antwort je mehr und mehr
sich vernehmen liesse; wann aber Ihre Liebe der heut früh getahnen Verheissung
gnädig eingedenke sein / und ihm seinen Wunsch erhalten wollte / würde sie ihn
sich dergestalt verbunden machen / dass zeit seines Lebens er sich vor ihren
verschuldeten halten und erkennen müste; dafern aber diese seine Bitte nicht
statt haben könnte / würde die Unerträgligkeit ihm die lezte Urtel bald sprechen
/deren zuunterwerffen er sich schon gefasset hielte. Wie meint  Eure Liebe /
antwortete Fr. Sophia / dass meine Fräulein Schwester zu solcher Undankbarkeit
angewiesen ist / dass sie dessen Verderben suchen sollte der ihre Ehr und Leben
von dem schändlichen Verderben / mit Darstreckung seines Königlichen Blutes
errettet hat? Eure Liebe wollen sie des Verdachts freundwillig erlassen / und
von mir die Versicherung nehmen / dass ihre Vernunft dessen viel anders
unterwiesen ist. Zwar ihre Zucht und Scham ist mir wohl bekant / und muss sie
billich in dieser Sache bedachtsam fahren / damit Eure Liebe nicht schier heut
oder morgen selbst daher Ursach nehme / ihre gebührliche Zucht in Argwohn
zuzihen. Wolle demnach dieselbe sich ein wenig gedulden / biss ich Gelegenheit
habe / meiner Frl. Schwester Eltern es zuhinterbringen / welches keinen Tag soll
auffgezogen werden / da dann Eure Liebe an billicher Dankbarkeit nicht zweifeln
soll. Siegward ging hierauf in sich / und befand / dass seine Anwerbung viel zu
heftig getrieben wahr / bedankete sich anfangs gegen Fr. Sophien / und sagete
nachgehends zu dem Fräulein: Verzeihet mir / Hochgebohrnes Fräulein / dass meine
Kühnheit durch gar zu heftige Liebesregungen sich hat aufftreiben lassen / die
lohbrennenden Flammen meiner Begierden ohn Zumengung einiger Höfligkeit heraus
zustossen; ich bekenne meinen gar zu groben Fehler /und will mich äusserst
bemühen / denselben zuersetzen / dafern nur bei euer Vortrefligkeit ich des
ergangenen Vergebung erhalten kann. Sie antwortete ihm mit holdseliger Stimme:
Durchl. Fürstich vernehme ganz gerne / dass Eure Liebe sich in ihrer Ansträngung
mässigen wollen / denen zubegegnen ich mich unbestand befinde / will demnach
hernähst mit Euer Liebe desto kühner reden / und stets nachsinnen / wie vor
beschehene Rettung mit deren guten Vergnügung ich mich dankbarlich einstellen
könne. Aber / sagte sie zu Fr. Sophien / warumb bleibet sie nicht bei ihrem
liebsten Gemahl / und lässet denselben allein schlaffen? Ich danke Gott von
herzen / gab sie zur Antwort / dass ich ihn wieder habe / werde mich auch nach
Trennung dieser Gesellschaft bald bei ihm finden; wie dañ solches nicht lange
anstund / weil der Statalter aufbrach / und die Gäste alle folgeten / die
beiden Fürsten auch auff eins schönes SchlafGemach geführet wurden /und die
beiden Fräulein allernähest bei Herkules Zimmer ihre Kammer hatten. Die beiden
Fürsten / so bald sie allein wahren / offenbahreten einander ihre Liebe / und
trösteten sich / dass vermittels Frr. Valisken und Sophien sie ihren Zweg noch
wohl erreichen könten. Es hatte aber Frl. Lukrezie Siegwarden gute Zuneigung zu
Frl. Sibyllen fleissig angemerket / kunte daher nicht unterlassen / sie nach
ihrer Entkleidung damit zustechen / und fing an: Herzgeliebtes Schwesterchen /
was schenkete mir Fürst Siegward drumb /wann ich ihm hinte meine Schlaffstelle
überliesse? Sibylla bezahlete sie baar mit dieser Antwort: Hierzu würde dich /
geliebte Schwester / nichts bewägen / als dass du mit ihm einen angenehmen Tausch
halten möchtest; aber gib dich zufrieden ich will Fürst Baldrichen deine gute
Gunst und Gewogenheit mit ehestem zuerkennen geben / und deinen schrifftlichen
Aufzug mit Silvan zuvergelten wissen / welcher mir zwar überaus grossen
Schrecken verursachete / aber gegen den heutigen wahr es kaum zurechnen;
erzählete hiemit / wie nahe ihr die Gewaltsamkeit gewesen /welche einig dieser
Fürst abgekehret hätte. So bistu ihm billich verpflichtet / sagte Lukrezie; aber
dein Einwurff hat weder Schmak noch Klang; dann vorerst weistu / dass ich Fürst
Siegwards stelle nicht einnehmen würde / da er sie mir gleich anböhte / wüste
auch nicht / dass du unser beider wegen einigen Verdacht fassen köntest / ohn dass
er bei mir gesessen. Hastu dann mehr ursach zuargwohnen? fragte Frl. Sibilla
/oder hat er dich / mir seine Liebe vorzutragen / irgend begrüsset? betriegen
mich meine Augen nicht / so haben die deine dich schon zimlich verrahten /
welche Fürst Baldrichen viel fleissiger beschaueten / als einige andern
anwesenden. Ach nein / antwortete die verschlagene Lukrezie / meine Augen mussten
wohl ruhen /dann die Ohren hatten viel zuviel zuschaffen / euer beider verliebete
Reden einzunehmen / dass deiner Kühnheit mich nicht wenig wunder nam. Das frome
Sibyllichen meinte nicht anders / sie hätte alles gehöret / welches jene doch
nur tichtete / gab deswegen zur Antwort: Herzen Schwesterchen / ich habe ihm ja
die Rede nit verbieten können / vielweniger mich ihm unwürsch erzeige / wollte
ich nicht vor unhöflich angesehen sein. Ich weiss ja wohl / wie viel ich ihm
schuldig bin / und dafern er ein Christ währe / würde ich ihn auf meiner lieben
Eltern geheiss nicht ausschlagen / aber einem Heiden vermähle ich mich nun nicht
/ sondern sterbe viel lieber im Jungfern Stande; und wie froh wollte ich sein /
wann du dich auch finden / und den allein seligmachenden Christlichen Glauben
annehmen köntest / welcher von meiner Schwester Fr. Sophien mir schon lange
ausgelegt und vorgetragen ist / ich ihn aber erst gestern Abend angenommen habe
/ und daher / Gott Lob / einen sonderlichen Trost emfinde. Frl. Lukrezie umfing
sie auff diese Rede / und sagete: O wie angenehm ist mir diss zu hören / dass du
dich zu unserm heiligen Glauben gegeben hast! dein Wunsch ist an mir schon lange
erfüllet / massen ich schon albereit eine getauffte Christin bin / und habe
nähst Gott meine Bekehrung bloss allein GrossFürst Herkules zudanken / dem ich
bisher mit keuscher schwesterlicher Liebe zugetahn bin / dass ich umb
Heirahtsachen mich nicht bekümmert / oder davon hören mögen / ungeachtet meine
Eltern nicht allein von dem närrischen Prokulus / sondern auch von Herrn
Karvilius und andern vornehmen Römischen Rittern eine zeiter Ansprache gnug
gehabt; dann so wenig sie als ich / haben Lust / mich einem Heiden zuvermählen /
und weil Fürst Baldrich eben so wenig als Siegward dem Christentuhm zugetahn ist
/ würde er umsonst hoffen / wann er in den Gedanken stehen sollte. Wie aber /
antwortete Frl. Sibylla / wann deinetwegen ich mich bemühete / ihn zum
Christlichen Glauben zubringen / woltestu dich dann weiters noch wegern / mit
Fürst Siegward die Schlafstelle zuvertauschen? Aber ich vernehme ganz gerne /
dass du und ich einen Freier an Prokulus gehabt / der / wie ich berichtet bin /
bei meinen Eltern neulicher Zeit einen statlichen bodem-losen Korb bekommen; Da
nun deine Meinung / welche du von Fürst Siegward gefasset hast / vor sich gehen
sollte / könnte in dieser Heirat mit Prokulus ich dir gute Dienste leisten. Frl.
Lukrezie lachete des erbietens / und antwortete: Unser Gott wird uns schon
beschere / wz er uns gnädig ausersehen hat; Und vielleicht gibt es die
gelegenheit /schier morgen oder übermorge bessere Kundschaft mit den liebe
Fürsten zumachen / nur bleibe dem deinen geträu / und mache mir den meine durch
deine verlöffelte Auge nit abspenstig. Furcht ist allemahl bei den verliebeten /
sagte Frl. Sibylla / drum wird es an dir nit fehlen; nam sie bei der Hand / uñ
führte sie mit sich nach Bette. Der junge Fabius war früzeitiger mit seiner
liebsten Ursulen schlaffen gange / hatte ihr alsbald sein Christentuhm
offenbaret / uñ sie ernstlich erinnert / ihrer Seligkeit wahrzunehmen / und nach
dem Beispiel seiner Schwester / ihr den Christlichen Glaube gefallen zu lassen /
welches sie zu seiner vollen vergnügung beantwortete: Es hätte seine Schwester
sie darzu oft und viel / auch noch gestern Abend in der Räuber Höhle ganz
fleissig vermahnet / so währe sie auch davon nicht abgeneigt gewesen / nachdem
sie ihr diesen Glauben fleissig vorgetragen und erkläret / nur weil sie an
seiner einwilligung gezweifelt / hätte sie es auffgeschoben / und wollte sie von
nun an mit Gottes hülffe eine Christin leben und sterben / worauff sie
beiderseits ihr andächtiges Gebeht zu Gott verrichteten / und darüber von herzen
erfreuet wahren. Siegward und Baldrich wahren des folgenden morgens am ersten
munter / und so bald jener sich hatte verbinden lassen / legten sie himmelblaue
Kleider an / mit Silber reichlich gesticket; die BeinKleidung und darzu
gehöriger Schmuk wahr alles von schneweisser Seide mit Silber durch webet und
besetzet / welches ihnen zierlich anstund. Die Fräulein erwacheten auch mit der
Sonnen auffbruch / umbfingen sich herzlich / und tahten ihr Christliches
Morgengebeht / und als sie etwas waches im innersten Platze vernahmen / sahen
sie aus dem Fenster / und wurden der beiden Fürsten gewahr / die ein langes Bret
hatten setzen / und die eilf Häupter der erschlagenen Räuber darauff stellen
lassen. Das unvermuhtliche anschauen dieser beiden färbete die Fräulein feurroht
unter dem Angesicht / dass je eine die andere fragete / was diese starke
verenderung bedeutete / uñ weil keine trauen wollte / gingen sie beide vor den
Spiegel / da Lukrezie sagete: Was verbirgestu mir deine züchtige flammen /mein
Schwesterche? sihe da / diesen Kuss gebe ich dir im nahmen und von wegen Fürst
Siegwards. Ich bedanke mich / antwortete sie / und werde ihn hernach fragen / ob
du dessen von ihm befehl habest; aber diesen Kuss schicket dir Prokulus von Rom
über. Das Fräulein hätte sich dessen schier geeifert / und sagte: Pfui des
ungenehmen garstigen Kusses! nimmermehr werde ich denselben an meinen Lippen
sitzen lassen; fassete alsbald ein Tuch / und rieb damit ihren schönen Mund /
gleich als währe er beschmitzet. Aber Fräulein Sibylla sagte: Nun nun Schwester
/ wegere dich nicht zu hart; das alte Sprichwort ist wohl ehe wahr worden / die
sich gramen / die sich nahmen. O weh! antwortete sie / davor wollte ich mir den
bittern Tod kiesen. Und wie kanstu mir so schlechten dank erzeigen / da ich dir
deinen besten Schaz zugewünschet habe? Ich weiss noch von keinem Schatze / sagte
sie /doch so viel ich merke / muss ich mein verbrechen wohl verbessern / küssete
sie zum andernmahle viel freundlicher und sagete: Diesen Kuss gibt dir der
Durchl. GrossFürst Baldrich / uñ bittet dessen vergeltung. Nun fährestu ja noch
etwas bescheidener / antwortete Frl. Lukrezie / und wann ich gleich diesen auch
abwischen wollte / darff ich doch nicht wegen meines Herr Brudern GrossFürst
Herkules / welchen ich dadurch erzürnen möchte; Also trieben diese keusche
Fräulein ihre ehrliebende Kurzweil miteinander / und wurden eins /sich den
beiden Fürsten gleich zu kleiden / als ob es ohngefehr geschehen währe /
putzeten sich auch ohn zutuhn ihrer Leibdienerinnen dermassen köstlich aus /dass
der Statalter selbst und sein Gemahl dessen Ursach merketen. Sie hatten sich
kaum angetahn / da kam die GrossFürstin und Fr. Sophia zu ihnen / und brachten
eine grosse menge treflicher Kleinot mit sich / welche sie den beiden Fräulein
im nahmen Herkules und Ladisla zum Beutpfennige einhändigten / und wie fast
Sibylla sich wegerte / musste sie doch dieselben annehmen / weil die GrossFürstin
ihr solche selbst anlegete da sie zu ihr sagete: Gott gebe / dass ich meine
geliebte Frl. Schwester bald als eine wirdige Braut möge helffen ausskleiden /
worauff an meinem Orte ich will bedacht sein. Lukrezie kunte das schmuzerlachen
nicht einhalten / und sagte: Durchl. GrossFürstin / meiner Frl. Schwester hat
hinte schon von einem Bräutigam geträumet. Schweig du Plaudermaz / antwortete
Frl. Sibylla / ich weiss nicht / wer dich zu Jerusalem das Tichten (hätte schier
was gröbers gesagt) so artig gelehret hat. Es ist kein Tichten / sagte Fr.
Sophia dañ mich dünket / das Eisen liege schon in der Schmide / welches ihr das
Frauenzeichen brennen soll. Ach wie gehets allemahl über die frömmesten und
einfältigsten / wann sich die Spötter rotten / klagete das Fräulein; doch litte
ichs alles gerne wann nur die Durchl. GrossFürstin daher mich nicht in
vergeblichen argwohn zihen möchte. Valiska getrauete Sophien hörete es doch mit
innerlichem unwillen / dann sie hatte ihr schon einen Bräutigam im herzen
ausersehen /desswege sagte sie: Mir zweiffelt nicht / meine geliebte Frl.
Schwester werde mit keinem unwirdigen sich in verlöbnis einlassen / wiewol
hievon zu reden mir nicht gebühren will; Frl. Lukrezien betreffend / bin ich
schon versichert / dass sie mich umb solche sachen werde mit wissen lassen / wann
sie dergleichen vornehmen sollte. Sibylla wollte sich viel entschuldigen /aber die
Gelegenheit ward ihr benommen / massen Herkules und Ladisla zu ihnen hinein
traten / da nach geschehener empfahung Frl. Lukrezie in ihrer Rede fortfuhr /
und zu der GrossFürstin sagete: Ich habe meiner geliebten Schwester / Frl.
Sibyllen gestern Abend und heut früh einen gefreiet / und von ihr schon
volkommene Zusage erhalten / dass ihrer Eltern willen und unwillen ungeachtet /
sie diesem Bräutigam sich ergeben / und seine Gedächtnis aus ihrem Herzen
nimmermehr kommen lassen wolle / nachdem ich sie dessen träue und ungefärbeter
Liebe versichert habe. So will ich der erste sein / sagte Herkules / der hierzu
von herzen Glük wünschet. Ladisla folgete /und die übrigen Anwesenden / daher
das gute Fräulein so bald zu keiner Antwort kommen kunte; endlich gegen Frl.
Lukrezien sich kehrend / also anfing: Geliebte Schwester / warumb erkühnestu
dich / diese HochFürstl. Gesellschaft mit ungleichem bericht auffzuzihen / dessen
zu dir ich mich nimermehr versehen hätte? bitte demnach eure Liebden ingesamt /
mir zuverzeihen / dass deren vergebliche Glükwünschung zubeantworten ich vor
überflüssig schätze; hat aber meine Frl. Schwester etwa ein Scherzwort geredet
/müste sie ja billich verschwiegen halten. Schweige liebes Kind / sagte Frl.
Lukrezie / und verrahte dich selber nicht / ich rede von dem himlischen
Bräutigam unserm Heilande / zu dem du Gott lob getreten / und dadurch ein
Gliedmass der Kirchen Gottes worden bist; im übrigen weiss ich mich keiner andern
Rede zuerinnern / es währe dann sache / dass meinen Scherz mit Prokulus du in
ernst verstehen woltest. Dieses ist ohn zweifel die beste Heirat / sagte
Herkules / und wird dieser Seelen-Bräutigamb meiner Frl. Schwester ihren
Leiblichen schon ausersehen haben. Also gab sich das Fräulein zu frieden / und
wahr ihr leid / dass sie sich so weit schon bloss gegeben hatte / welches dann
zuverbessern sie zu Lukrezien sagte: Ob ich gleich deine aufftreiberei mit dem
elenden Prokulus vor eine kurzweil gehalten habe / musste ich mich doch befahren
/ andere / denen solches unwissend / möchten es anders aussdeuten; weil du aber
selbst ihnen allen missverstand stand benommen hast / muss ich dir deinen willen
zu gute halten. Fr. Sophia nöhtigte die Gesellschaft mit nach dem Saale zu gehen
/ woselbst ihre Eltern sich schon eingestellet hätten / und ihrer warteten; Als
sie nun auff dem Obergange fortgingen / begegneten ihnen Baldrich und Siegward /
welche freundlich empfangen wurden / und sagte Fr. Valiska zu ihnen: Geliebte
Herrn Oheimbe und Brüder / wann sie vor einer guten Stunde kommen währen /
hätten sie gelegenheit funde / mit diesen beide lieben Engelchen allein
zusprachen / welches nun verabseumet ist; dann weil ich zu gegen bin / will mein
Vorwiz allemahl mit im Spiele sein. Aber Fürst Siegward / wie stehets umb eure
Wunden? Dieser antwortete; Seines glückes verseumnis währe ihm sehr leid; die im
Räuberstreite empfangene Wunde hätte sich in etwas entzündet / würde aber des
Arztes ausssage nach / bald geheilet sein. Fr. Sophia störete ihr Gespräch /
einwendend / es würde Zeit gehens sein / weil die boshaften Räuber den Lohn
ihres verbrechens noch vor der Mahlzeit einnehmen sollten; hernach würden die
vornehmsten des Rahts auff ihrer Eltern Hofe zur Gästerei erscheinen; damit wir
aber / sagte sie / nicht ohn ordnung gehen / wolle der Durchl. Fürst Baldrich
meine Frl. Schwester Lükrezien hinzuführen unbeschweret sein; gab sie ihm damit
an die Hand / welches er mit hohem Dank annam / und nach gebohtenem Handkusse
das Fräulein baht / einen so unwirdigen Geleiter nicht zuverstossen; sie hingege
bedankete sich der hohen Ehre / wüste wohl / dass sie unwirdig währe von
GrossFürstlichen Herren begleitet zu werden / und sie daher sein erbieten bloss
vor eine sonderliche Gunst und Gewogenheit rechnen müste / deren ersetzung
annoch in ihrem vermögen nicht währe. Ach mein Fräulein antwortete er; Warumb
tuht eure Liebe ihrer eigenen Wirdigkeit solchen unverantwortlichen Schimpf an /
welchen einer anderen Zungen ich nimmermehr zu gute halten würde; ich vor meine
wenigkeit möchte wünschen der Ehren uñ Glükseligkeit wert zu sein / dass vor
ihrer vortrefligkeit Ritter uñ Diener ich mich halten / und von ihrer Liebe
davor angenomen würde / alsdañ würde unter der bescheinung ihrer guten Gunst und
gewogenheit ich in Streit-uñ kämpfen desto mehr bestand sein / und mich rühmen
können / dass mein bleicher Monde von der treflichsten Sonnen einigen Strahlen zu
empfahen gewürdiget worden / wie unwirdig ich mich gleich solches hohen glückes
halten und erkennen muss. Das Fräulein wahr willens ihm solches mit guter
Vergnügung zuersetzen / weil aber Siegward mit Frl. Sibyllen zu ihnen naheten /
sagte sie: Mein Durchleuchtigster Fürst wolle nach seiner Gewogenheit mir
verzeihen / dass seinem gar zu hohen erbieten Antwort zu geben / ich durch
anderer ankunft abgehalten werde; doch gab sie ihm ihren guten Willen durch
einen sanften Handdruk zu verstehen. Siegward kunte seine Liebesschmertzen
weniger als Baldrich verbergen /und baht Frau Sophien / wie sie ihm das Fräulein
an die Hand lieferte / sie möchte bei diesem allerliebsten Engelchen durch ihre
volgültige Vorbitte ihm das Glük erhalten / dass sie seiner Seele durch genehme
Erklärung die hochgewünschte Ruhe erteilen wollte; welches sie mit lachender Rede
beantwortete: Ihre Frl. Schwester währe noch bisher mit allen hochverdienten
Freunden dankbarlich ümgangen / und hätte seine Liebe gar nicht zu zweifeln /
sie würde dem Allerhöchstverdienete auch den höchsten Dank in allem
tugendhaften Wolstande mitteilen. Das Fräulein selbst antwortete ihm: Sie
befünde sich dieser des Fürsten Auflage wegen hart beleidiget / durch welche er
sie bei ihrer Fr. Schwester in verdacht bringen wollte / als ob sie ihm zu
einiger Unruhe Ursache zu geben / sich gelüsten liesse / welches von ihr so
ferne / als der Himmel von der Erden währe / daher sie dessen Erstattung zu
fodern unvergessen sein würde. Worauff Siegward sagete: Hochgebornes Fräulein
/ich suche durchaus nicht / mit euer Liebe zu rechten /dann alsdann müste ich
auch in der allersichersten Sache unten liegen / nur allein geschiehet alles
bitsweise / in dem ich nichts als Mitleiden suche / welches sie mit ihrem
Gefangenen tragen möge / welcher in dem grausamsten Gefängnis der Verzweifelung
sich befindend / auff keine andere Weise / als durch ihre Hülffe / das ist /
angenehme Erklärung / kann heraussgezogen werden. Das Glük gönnete ihm die Antwort
nicht / damit sie vor dissmahl ihn ziemlich zu befriedigen willens wahr / dañ
wegen der anderen herzunahung musste er mit ihr fortgehen / und Baldrichen
folgen. Auff dem Saale wurden sie von dem Statalter freundlich empfangen / und
verwunderte sich derselbe der vielen unbekanten Kleinot / damit die Fräulein
aussgezieret wahren. Er suchte Gelegenheit mit Baldrichen zu reden / und sagte zu
ihm: Eure Liebe verzeihe mir / dass gestern durch überflüssige hohe
Glükseligkeiten verhindert / nach euer Liebe Eltern und deren Wolergehen zu
fragen ich unterlassen habe. Baldrich antwortete: Hochmögender Herr Statalter
/wegen solcher freudlichen Nachfrage bedanke ich mich höchlich / hoffe nicht
anders / meine Eltern werden annoch in guter Gesundheit sein; die ich aber in
Jahres frist und länger / weder gesehen noch einige Zeitung von ihnen gehabt /
massen von meinem Herrn Vater mit einem Teutschen KriegsHeer von 20000 Mann ich
meinem Herrn Oheim dem Schwedischen Könige wider seine räuberische Nachbarn die
Reussen zu Hülffe gesand bin / von dannen ich nach glücklich geendigtem Kriege /
ohn meiner Eltern Vorwissen mit meinem Oheim und Bruder / gegenwärtig / in diese
Landschaft mich begeben / den ritterlichen übungen nachzusetzen / und meinem
geliebten Bruder Herkules in den Morgenländern zu folgen / dass also den Gruss von
meinen lieben Eltern ich niemand anmelden können. Nach solcher Erzählung trat
Fr. Sophia hervor / und hielt diese Rede an ihren Vater. Hochgeliebter Herr
Vater; nach dem gestriges Tages ich schon erzählet / mit was treflicher Kühnheit
gegenwärtige tapffere Helden / die Durchleuchtigsten Fürsten / Herr Siegward und
Herr Baldrich mich uñ meine Gespielen aus den Händen so vieler Räuber
lossgerissen / und unsere Entehrung abgewendet / bitte ich kindlich / dass ohn
längeres verweilen / den annoch übrigen Räubern ihre Bosheit vergolten werde
/jedoch dass Appius Leben und Freiheit nach meinem getahnen versprechen erhalte /
auch mein ungetreuer Genutius nebest dem Koche unter meiner freien Anordmmg
verbleibe; den übrigen sechsen aber die Straffe nach Recht wiederfahre. Der
Statalter zeigete an / es sollten ihr die drei nach ihrem Willen geschenket sein
/ wiewol sie alle / als Räuber / den Tod verschuldet; im übrigen / damit er
nicht aus väterlichem Eifer die masse im Urteilen überschritte / hätte er die
Vornehmsten des Rahts darzu verordnet / welche schon an der Gerichtsstelle
sässen / und der Missetäter Gegenwart erwarteten. Es wurden dieselben alle mit
einander vor die Richter gestellet / welche folgende Urtel über sie sprachen:
Appius / ob er zwar nach einhelliger Zeugnis der anderen / noch keine Bosheit
hätte verrichten helffen / müste er doch von Rechtswegen mit dem Schwerte vom
Leben zum Tode gebracht werden / darumb / dass er sich in die höchstverbohtene
Räuber-Gesellschaft begeben / und sich denen zum Gehorsam verbunden hätte; jedoch
würde ihm Krafft von Fr. Sophien getahner Versprechung /Leben und Freiheit
geschenket / sollte aber zwei Jahr lang auff der neuerbaueten Burg Holz hacken /
und die Vorplätze sauber halten. Der Koch welcher gleichwol schon eine und
andere Untaht begangen /sollte mit dem Strange am Galgen getödtet werden. Der
verrähterische Gutscher Genutius / ob er zwar härtere Straffe verdienet hätte /
sollte als ein Meinäidiger zween Finger / und durchs Schwert den Kopf verlieren /
und solches auff Fr. Sophien Begnadigung. Die eilf Köpffe der erschlagenen
Räuber sollten auf Stangen gestekt; des ertödteten Furius Leichnam ans Kreuz
geheftet; die beiden im Steit gefangene Räuber gerädet / und Fannius samt den
andern dreien Gewalttähtern / gegeisselt und lebendig gekreuziget werden. Als
die Verurteileten hinaus geführet wurden / wollte die Fürstliche Gesellschaft der
Volstreckung beiwohnen / und liess Frau Sophia unterschiedliche kleine
ReitGutschen mit zwei Pferden anspannen /auff deren jedweder zween sitzen sollten
/ und mussten auff ihre Anordnung Siegward Sibyllen / Balhrich aber Lukrezien
Gesellschaft leisten / welches ihnen allerseits angenehme wahr. Auf der
Gerichtsstat / so bald die Köpffe aufgestekt / uñ Furius Leichnam ans Kreuz
geheftet wahr / musste Appius hervortreten /welcher durch einen demütigen Fussfal
vor die ihm erteilete Gnade dankete / und sich erboht / die ganze Zeit seines
Lebens in Fr. Sophien Diensten als ein Leibeigener zu verbleiben / weil ohn das
die Armut ihn in die Räuber-Höhle getrieben hätte. Der Koch und Genutius /
wurden von einem RichtersMann (dann so wahr es angeleget) angemahnet / ob ihnen
irgend etwas Gnade begegnen könnte / sollten sie es durch einen Fussfal vor Fr.
Sophien / versuchen. Da dann der Koch der erste wahr / und mit heftigen Trähnen
umb Lebensfristung anhielt / worauf sie durch Markus den Richtern ansagen liess /
was vor Gnade sie ihm zuerzeigen willens währe; welche ihn wieder vor sich
treten liessen / und anmeldeten / es sollte ihm das Leben geschenket sein / müste
aber zwölff Ruhtenstreiche von dem Büttel über den Rücken annehmen / und darauf
Appius als ein Mitarbeiter zugegeben werde / die Straffe aber sollte er auf eine
andere Zeit ausstehen. Der ernstlich büssende Genutius hatte alle seine Gedanken
/ Herz und Sinne nach Gott hingerichtet / und hielt bei demselben umb die
allererspriesslichste Gnade an / dass ihm seine ehmahlige Verleugnung und andere
begangene Ubeltahten möchten vergeben / und die Seligkeit mitgeteilet werden /so
gar / dass er nicht acht drauff gab / als er von dem Richter zum Fussfall ermahnet
ward. Herkules und Valiska sah aus seinen Geberden / dass er mit solchen
Gedanken umginge / und wurden dadurch zum mitleiden bewäget. Der Richter
erinnerte ihn zum andern mal / durch einen Fussfall umb Linderung der Straffe
anzuhalten; worauff er vor Fr. Sophen Wagen niderfiel / und diese Rede
vorbrachte: Hochgebohrne Gnädigste Frau; die zwo schweresten übeltahten / so
unter allen meinen Sünden ich die ganze Zeit meines Lebens begangen habe / sind
diese / dass vor drei Jahren ich meinen Gott und Heiland aus furcht des
zeitlichen Todes verleugnet / und vor vier Tagen Eure Gn. so schändlich
verrahten / und in der Räuber Hände eingeliefert. Die erstgedachte ist ohn
zweifel eine ursach gewesen aller nach folgenden / weil ich dadurch des Heiligen
Geistes Einwohnung verscherzet / und der Gnade Gottes mich unwirdig gemacht
habe. Ich danke aber dem grundgütigen Gott / dass er mich durch diese Gefängnis
zur Erkenntnis gebracht / und mir ein bussfertiges Herz verliehen / welches
(meinem Heilande sei Dank gesaget) schon den Trost empfindet / dz er meine
Bussträhnen ansehen / und mit dem gläubigen Schecher am Kreuz mich wieder zu
Gnaden annehme wolle. So seid nun gebehten / Gn. Frau /und vergebet mir auch
meine Sünde / die ich wider euch begangen / und einen schmählichen Tod wohl
verdienet habe / will auch die mir gesprochene Urtel nicht allein gerne und
willig über mich nehmen / sondern bedanke mich auch vor die hohe Gnade und der
Straffe Linderung unter diesem Wunsche / dass der Allerhöchste Gott Eure Gn. und
alle die ihrigen hinfüro vor solche und dergleichen gefahr gnädiglich bewahren
wolle / in welche sie durch meine Unträue gerahten ist; auch wolle Ihre Gn.
neben andern anwesenden Christen mich bei unserm Heilande helffen verbitten /
dass er meiner armen Seele wolle gnädig sein. Ladisla / der bei seinem Gemahl in
der Gutsche sass / sagte zu ihm: Du tuhst sehr wohl / dass du über alle deine Sünde
Reu und Leid trägest / und ob du zwar den Tod freilich verschuldet hast / will
ich doch sehen / ob bei meinem Gemahl ich dir noch eine bessere Gnade erlangen
könne; möchte aber auff solchen fall wohl wissen / wessen ich mich zu dir nach
diesem zuversehen hätte. Solcher Barmherzigkeit / Gnädigster Herr / bin ich
allerdinge unfähig / antwortete er / habe mir deren auch nit die geringste
Hoffnung gemacht / und wann meine Gn. Frau nicht aus ungezwungenem Willen mir das
Leben schenken kann / will ich lieber sterben als in ihrer Ungnade leben. Herkules
und Valiska hatten sich nahe herzu führen lassen / dass sie alles Gespräch
eigentlich hören kunten; Und weil die GrossFürstin sehr mitleidiger art wahr /
ging ihr dieses armen Sünders Busse sehr zu herzen / daher sie Fr. Sophien
zurief: Meine Fr. Schwester sei gebehten / und schenke mir diesen verurteileten
armen Sünder. Er ist ohndas Euer Liebe eigen / antwortete sie; Drumb gehe hin
Genutius / sagte sie zu dem verurteileten / ich habe dir alle dein Verbrechen
von herzen vergeben / und die zeitliche straffe von dir abgekehret; Sihe aber zu
/dass deine Busse keine Heuchelei sei / und vernim /was diese Durchl. GrossFürstin
dir befehlen wird. Dieser nach geleisteter trähnender Danksagung und angelobeter
Besserung / ging hin / setzete sich vor Fr. Valisken auff die Knie / und sagete:
Dass Gottes Barmherzigkeit sich zu mir gewendet habe / uñ meine Busse mit Gnaden
Augen angesehen / erkenne unter andern ich daher / dz ihr / Durchleuchtigste
Frau /mich / einen so schändlichen Ubeltähter losszubitten bemühet seid; Ich weiss
mich unwirdig solcher Gnade / und stelle mich in untertähnigstem Gehorsam dar
/nach Euer Gn. Ausspruch zuleben oder zusterben /wann ich nur einen gnädigen
Gott im Himmel behalten mag. Valiska liess ihm die Ketten und Bande abnehmen /
und befahl / dass er biss auf weitern bescheid / hinter ihrer Gutsche hergehen
sollte. Als die übrigen sechs Räuber dieses sahen / meinten sie / die
Gnadenordnung würde nunmehr an ihnen sein / bezeigeten sich aber über alle masse
ungeduldig / da sie des Richters Befehl an den Büttel höreten / dass er die Urtel
an ihnen volstrecken sollte; Weil sie dann alle Hoffnung hiemit verloren /
fingen sie an / die beiden Fürsten heftig auszuschelten / dass sie von ihnen zu
diesem schmerzhaften Tode behalten wahren. Die Geisselung ward an allen sechsen
zugleich vorgenommen / und hernach die Räderung an den zween verrichtet / da
ihnen alle Glieder von unten auff zustossen wurden / biss ihnen endlich das
Genicke getroffen ward. Die Kreuzigung wahr erbärmlich anzusehen /und trieben
die Ubeltähter ein solches Zetergeschrei /dass das Frauenzimmer Augen und Ohren
zuhielten /und Frl. Sibylla insonderheit so grosses Mitleiden erzeigete / dass
sie von ihrer Gutsche stieg / und die GrossFürstin untertähnig baht / die Richter
dahin zuvermögen / dass sie durch einen schleunigen Tod der heftigen Pein
möchten entnommen werden; welches sie ihr dann nicht versagen wollte; und ward
dem Büttel der Befehl erteilet / mit einem Speer ihnen das Herz durchzustechen.
Als das Fräulein sich wieder zu Siegwarden auffsetzete / fing er diese Rede zu
ihr an: Ach wie wunderlich spielet doch das Glük mit uns Menschen auff dieser
Unterwelt! diesen frechen Buben kann so heftige Pein nicht angeleget werden /dass
durch ihre Ubeltaht sie nicht viel ein schärfferes verdienet hätten / uñ
gleichwol kann deren Leiden das Gemüht meiner hochwerten Fräulein dermassen zur
barmherzigkeit bewägen / dass sie ihnen den Jammer zukürzen alle zulangende
Mittel angewendet hat / da hingegen ein ander / der nur durch Gedanken und
auffrichtige Liebe an ihrer vortreffligkeit sich vergriffen /dieselbe zu keinem
Mitleiden reizen / vielweniger einigen gegründeten Trost erlangen kann / wie
andächtig und herzlich er gleich darumb ansuchet. Mein Fräulein fasset die Pein
und Schmerzen dieser gottlosen Räuber so heftig zu Gemüht / welche doch
erträglicher als die meinen sind; dann ihr Leiden wird in kurzer Zeit durch den
Tod geendet / da hingegen der erschrekliche Peiniger meine Seele dergestalt ohn
unterlass geisselt / rädert und kreuziget / dass sie kein Augenblick Ruhe nehme kann
/ so lange mein höchstgeliebtes Fräulein die Barmherzigkeit mir versaget. Das
Fräulein wusste ihm hierauf nit so schleunig zuantworten / sondern schwieg ein
wenig stille / deswegen er also fortfuhr: O ich unglückseliger / der ich weder
Erlassung noch Urtel / weder Gnade noch Straffe / ja weder Zusage noch Abdankung
erhalten kann! Erkühnet euch doch / mein Fräulein / durch Brechung des Stabes /
das ist / durch ausdrükliche Verwegerung eurer Liebe und Gunst / mir meines
Lebens Ende anzudeuten / wann ja wegen meiner gar zuverwerflichen
Unvolkommenheiten deren Hulde und Begünstigung ich zu unwirdig bin; Ich will die
Urtel meiner gar zu kühnen Liebe beständig anhören / und deren Volstreckung auch
mit dieser meiner Hand zu verrichten nicht unwillig sein / umb zubezeugen / dass
wann ich lebendig nicht gehorsamen kann / ich dannoch durch Leistung ihres
begehrens andeuten will /und ein unfehlbahres Zeugnis hinter mir verlassen /dass
mein Herz und Seele sich ihrem Befehl allerdinge unterworffen habe. Diese Rede
brachte der Fürst aus halb verzweifeltem Herzen vor / weil ihm diese Nacht
unterschiedliche Einbildungen vorkommen wahren /er würde von dem Fräulein und
ihren Anverwanten mit guten Worten hingehalten / und am Ende schimpflich
abgewiesen werden / welches ihm so steiff im Sinne lag / dass er der Fräulein
stilleschweigen vor eine Ungunst / ihre Reden vor eine Auftreiberei / und ihre
Freundligkeit vor eine Falscheit ausdeutete; Weil er dann seinen Begierden nicht
mehr zugebieten wusste / liess er sich vor dissmahl mit solcher Heftigkeit heraus /
dass nach geendeter Rede er in Ohmacht fiel / mit seinem Häupte in ihre Schos
nidersank / und die Leidensträhnen ihm aus den Augen hervor brachen; dessen das
Fräulein / weil es ihr ganz unvermuhtlich kam / zum höchsten erschrak / und
seine inbrünstige Liebe daher gnug abnehmen kunte /wusste auch nicht / wie sie
sich hierin verhalten sollte; doch rüttelte sie ihn so viel / dass er als aus
einem tieffen Schlaffe aufffuhr / und mit schweren seuffzen sagete: O einzige
Ursach meines Todes / warumb gönnet sie ihrem ergebenen Knechte vor alle seine
Neigungen / und da ichs sagen darff / vor alle seine Dienste nicht so viel Gnade
/ dass weil er ja sterben muss /er unter ihren Händen sterben möge; gebet nit zu
/mein Fräulein / dz ich euch so barmherzig spüre /weil einer grössere Vergnügung
ich nicht wirdig bin. Nam hiemit ihre Hand / und küsset dieselbe ohn auffhören;
daher sie sich des schreckens in etwas erhohlete / und ihm diese Antwort gab:
Durchleuchtigster Fürst und Retter meiner Ehren; warumb leget Eure Liebe mir ein
solches zu / das mir nimmermehr zu Sinne kommen wird? oder was ursach hat
dieselbe /mich einer Härtigkeit zubeschuldigen / die ganz ferne von mir ist? der
Almächtige Gott gibt meinem Gewissen Zeugnis / dass ich mich nicht erinnern kann /
Eure Liebe mit einem Worte oder Gedanken beleidiget zuhaben / sondern vielmehr /
wie ich mich schuldig weiss / also auch willens bin / dieselbe nach aller
ehrenbillicher Mögligkeit zuvergnügen; dann sollte ich die hohe Woltaht nicht
erkennen / welche mein hochwerter Fürst in Rettung meiner Ehre und Lebens
erzeiget hat / so währe ich des Lebens unwirdig. Ich bitte aber von grund meiner
Seele / so hart und heftig in mich nicht zudringen / noch mir zuverargen / dass
seinen Begierden ich mich nicht gleich stellen kann; dann würde Eure Liebe nicht
dermahleins mirs zu einer Leichtsinnigkeit auslegen / wann in so wichtigen
Sachen ich unbedachtsam verfahren wollte? Es muss ja ein züchtiges Fräulein
billich ihrer lieben Eltern und Anverwanten Raht und bewilligung zuvor einhohlen
/ehe sie ihre Erklärung von sich giebet / dz ich mich auch befürchte / schon
über Jungfräuliche gebühr gehandelt zuhaben / indem ich mich bereit so viel
vernehmen lassen / dass an meinem guten Willen zuzweifeln / er nicht die
allergeringste Ursach hat. Aber wer weiss / Durchl. Fürst / ob nicht etwas an mir
hafte /welches da Eure Liebe es erführe / dieselbe wohl alle Neigung und Liebe
von mir abwenden möchte / und zu deren Nachricht und besten ich nicht länger
verhehlen will / dass ich nehmlich eben des Christliche Glaubens bin / umb des
willen der teure GrossFürst Herkules von seinem Herrn Vater und Vaterlande
gehasset wird; diesen aber abzulegen / soll kein Ding in der Welt mich bewägen /
auch meine eigene Eltern nicht / sondern wollte mich viel lieber / wie diesen
Räubern geschihet / geisseln / rädern und kreuzigen lassen / angesehen / diese
Leibespein in wenig Stunden ihre Endschaft gewinnet / die Verleugnung der
Warheit aber / die unablässige ewige Hellenquahl gebieret / deren keine
Weltangst zuvergleichen ist; mag demnach Eure Liebe wohl bedenken / was sie bei
mir suchet; dann gleich wie er das Christentuhm vielleicht hasset / so habe ich
hingegen meinem Gott angelobet / entweder in meinem Jungfräulichen Stande zu
sterben / oder nur einen Christen zuheirahten. Siegward hörete diese Rede an /
nit anders / als ob ihm währe ein Schwert durchs Herz gestossen; dann nachdem
Herkules den Christlichen Glauben angenommen /hatten die Pfaffen in Teutschland
/ Schweden und Böhmen denselben so gar scheusslich abgemahlet und beschrieben /
dass jederman ihn vor einen Greuel und abscheuh hielt / welches insonderheit
diesen beiden Fürsten fest eingebildet war / daher Siegward dem Fräulein diese
Antwort gab: O ihr Götter / warumb gebet ihr zu / dz die vortreflichsten Blumen
der Welt in solche Unvernunft gerahten können? Und ihr züchtiges keusches
Fräulein / wie hat Eure Liebe doch in einen so boshaften Glauben gehehlen mögen
/ welcher nicht allein die alten Götter alle übern hauffen schändet / sondern
ein abgesagter Feind aller Ehr und Tugend sein soll; dass man auch / wo man solche
Leute antrifft / mit allerlei Straffen hinter ihnen her ist / auff dass so ein
verfluchtes Unwesen gänzlich möge abgetahn / und aus der Welt geräumet werden /
weil die Götter selbst hiedurch so hoch beleidiget werden / dass sie die Welt umb
solcher Bosheit willen / mit Verwüstung / Auffruhr / Pestilenz / schädlichem
Ungewitter / und anderen Landstraffen heimsuchen und überschwemmen. Sibylla /
ungeachtet sie kaum vor zween Tagen zum Christentuhm getreten wahr /hatte sie
doch dessen eine zeit her gute Unterrichtung von ihrer Wasen eingenommen /
hörete deswegen diesen Einwurff mit geduldigen Ohren an / und antwortete mit
einem sanften Gelächter: Wie nun dann /Durchleuchtigster Fürst / hält Eure
Liebe die unvergleichlichen WeltMuster / Herren Ladisla und Herkules / ja auch
die in allen Tugenden volkommenste Fürstin dieser Welt / GrossFürstin Valisken /
samt meinen Wasen Fr. Sophien und Frl. Lukrezien vor solche nichtige und
schändliche Leute / und ehret nicht destoweniger dieselben äusserlich so hoch?
so kann ich ja daher nicht anders schliessen / als dass Eure Liebe durchaus kein
Freundesherz zu ihnen träget /sondern sie inniglich hassen muss / weil mein Fürst
keine boshafte Feinde der Tugend und Erbarkeit lieben kann. Siegward bestürzete
hierüber / und sagete: Wie so? haben dann die jeztgenennete denselben Glauben
auch angenommen? Ja freilich / antwortete sie; und zwar eifern sie über dieser
Erkenntnis der Himlischen Warheit ja so heftig / als Fürst Herkules selbst; aber
dieses alles beiseit gesetzet; Hält dann Eure Liebe den frommen Tugendergebenen
Fürsten Herrn Herkules vor einen Ehr- und Tugendlosen / so entäussere die sich
seiner Freundschaft / und überweise ihn solcher Laster / alsdann will ich seiner
auch müssig gehen; kann aber eure Liebe solches nicht leisten / wie sie es in
Ewigkeit nicht leisten wird / und gleichwol den unbillichen argwohn nicht
ablegen /sonder der Meinung bleiben will / dass der Christen Nahme dieser
beschuldigung unterworffen sei / so wende sie ja zugleich alle bisher
vorgegebene neigungen von mir abe / und beschmitze sich nicht mit einer solchen
vermeinten lasterhaften / umb deretwillen seine vermeinten (aber O der
elenden!) Götter sein künftiges ErbReich mit verwüstung / Auffruhr / Pestilenz
und dergleichen Straffen heimsuchen möchten; ich werde trauen so wenig zugeben /
dass man mich vor solchen Fluch ausstrage / als wenig ich denselben lieben kann /
der mich ohn beweisstuhm der Schande und Laster zeihen darff. Hie wahr Siegward
mit einem zweischneidigen Schwert geschlagen; er durffte seine beschuldigung
nicht rechtfertigen / uñ gleichwol wahre die Worte aus götzeneiferiger
unbedachtsamkeit geredet / bemühete sich deswegen / seinen fehler zuverbessern /
in dem er vorgab / er wollte dieses nicht von allen Christen insgemein / sondern
nur von den vornehmsten und verführern verstanden haben / welche die einfältigen
und unwissenden zu solcher neuerung antrieben / und dem gemeinen vorgeben nach
/durch Zäuberei ihr Gemüht blendeten / welche dañ ohn zweifel ihre Bosheit artig
würden zuverbergen wissen / dass sie von den wenigsten kaum erkennet würde / mit
denen sie ihre Schande und Bosheit begingen; in dieser Meinung währe er allemahl
steiff gewesen / was gleich seine Pfaffen ihm von allen Christen durch die Bank
hin vorschwätzeten. Aber sie antwortete ihm: O nein Durchl. Fürst / so leicht
entwischet man hier nicht; dann last sein / dass er die einfältigen aussnehme / uñ
die Gelehrten / welche er verführer nennet / allein wolle verstanden haben /
wird doch solches seinen Markt nich verbessern / massen GrossFürst Herkules ein
aussbündig gelehrter Crist /uñ unser aller bekehrung nähst Gott die einige Ursach
ist. So gläube eure Liebe nur kühnlich dass nichts überal so heimlich in den
Christlichen versamlungen vorgehet / da bei König Ladisla / GrossFürst Herkules
und sein Gemahl Fr. Valiska sich nicht hätten finden lassen / weil wegen
empfangener Tauffe ihnen solches alles frei gegönnet ist. Bleibet also nach wie
vor / dass eure Liebe / als lange sie ihre beschuldigung handhabet / auffs
wenigste diese Hochgedachte drei Fürsten vor Feinde der Tugend halte muss; wiewol
ich die schuld dieser unverantwortlichen bezichtigung nit auff euer Liebe /
sondern vielmehr auff die gottlosen Pfaffen lege / als welche den unschuldigen
Christen solche Laster auffbürden / deren sie nicht allein müssig gehen /
sondern ihnen auch von herzen / wie dem Teuffel selbst abhold sind. Ich werde
mir aber vorbehalten / dass eure Liebe mich mit unter die Zahl der Ehrlosen
rechnet / und dessen sehr schweren abtrag fodern; überdass schicke die sich nur
gar wohl drauf /was vor vergnügung der GrossFürstin wegen dieser allerdinge
unleidlichen beschuldigung könne geleistet werden. Davor behüte mich der Himmel
/ und der höchste GOtt / der drinnen herschet / gab Siegward mit einem
demühtigen Handkusse zur antwort / dass solche und dergleichen volkommene Spiegel
aller Ehr und Tugend ich vor feinde und feindin derselben schelten oder halten
sollte / ehe müsten alle meine Pfaffen geschändet und verfluchet sein / will mich
auch nicht wegern / dem Christlichen Glauben beifall zu geben / wañ mir nur kann
dargetahn werden / dass alle Christen insgemein der Tugend ergeben sind und den
Lastern zu wieder. Eure Liebe sodern gar zu viel /sagte das Fräulein / massen ja
unter Juden / Heiden und Christen sich Lasterhafte und Tugendergebene finden;
aber dieses will ich gar leicht darstellen / das unser Christentuhm durchaus
keine Bosheit billichet /sondern von uns erfodert / dass wir I den wahren Gott
über alle dinge ehren / fürchten und lieben / II dem Nähesten geträulich
beistehen / ihn herzlich meinen /und ihm nach vermögen helffen. III Und endlich
uns vor allen Sünden / als da sind / Geiz / Hoffart / Unzucht / Hass / Neid /
Mord / Völlerei / Raub / Dieberei / Verleumdung / Ungerechtigkeit / Betrug /
Lügen / und dergleichen hüten / hingegen aber aller Tugend /Erbarkeit / Demuht /
Geduld / Genügligkeit und Heiligkeit in gedanken / worten und werken uns die
ganze Zeit unsers Lebens befleissigen sollen. Sehet Durchl. Fürst / diss ist die
Lehre / welche eure Liebe vor so abscheuhlich hält / aber wie ich davor achte
/aus blosser unwissenheit / und verleitung euer boshaften Pfaffen / die unsers
Glaubens gar keine Erkäntnis haben / und diese Lügen von uns richten /deren uns
bisher kein Mensch hat überzeugen können / will auch euer Liebe mein Leib und
Seele zum Pfande setzen / dass nichts unbilliges in unser Lehre verfasset ist /
als wie ich kürzlich eingeführet habe. Siegward sah sie an / verwunderte sich
ihrer eifervölligen worte / baht höchlich umb verzeihung seiner durch unverstand
aussgestossenen Reden / verfluchte der Heidnischen Pfaffen Bosheit / dass sie so
schändliche Lügen auff die Beine setzen / uñ redliche Leute ohn allen Grund
verleumden dürfften / uñ erklärete sich endlich / in diesem Stük / das
Christentuhm betreffend / dergestalt sich finden zu lassen / dass sie desswege
sich über ihn nicht sollte zubeschweren haben; bestünde dann der Christliche
Glaube in obgedachter Lehre / wie er solches ihrer Liebe zutrauete / so lehrete
ihn ja die Vernunft selbst / dass solches alles gut und heilig währe / und hätte
er bisher der erkäntnis des wahren Gottes gemangelt / wollte er sich gerne
unterrichten lassen / und der ewigen Seligkeit nachzustreben geflissen sein.
Uber welches erbieten sie sich höchlich erfreuete / und daher gewisse
muhtmassung nam / Gott würde ihre Ehe versehen haben. Er aber fuhr fort / und
baht inständig / ihm durch klare Antwort sein Leiden zu ringern / oder wo
möglich gar auffzuheben. Worauff sie zu ihm sagete: Es ist mir von herzen
angenehm / dass eure Liebe sich zu sich zum höchsten erfreuen wird; anlangend die
ehrliebende Anwerbung / und dass eure Liebe mich vor ihr künftiges Gemahl
wirdiget / bedanke ich mich demühtig / werde es auch nach mögligkeit zuerkennen
geflissen sein; völlige Erklärung aber darauff zu geben / streittet wieder
Jungfräuliche Zucht und wieder mein Christentuhm / welches mich heisset Vater
und Mutter ehren / und alle die an deren statt mir von Gott gesetzet sind; daher
muss ich zuvor derselben bewilligung einhohlen / ehe und bevor eure Liebe ich mit
völliger Mundes erklärung vergnüge; hat dann Gott eure Liebe mir versehen / will
ich mich derselben nicht wiedersetzen / und wird mein Durchl. Fürst mit dieser
Antwort wohl können friedlich sein / angesehen ich mich schon weiter heraus
gelassen / als Jungfräuliche Zucht leiden kann. Siegward nach Art aller
verliebeten / hielt diese Rede noch auff Schrauben gesetzet sein / dann seine
Nachteinfälle wollten ihm nicht aus dem Kopffe / wollte deswegen alle hindernis
aus dem Wege räumen / und antwortete ihr. Ach wie furchtsam ist doch des
Menschen Herz bei der Hoffnung dessen / dass er so hoch begehret / und doch wegen
der Vortrefligkeit eines so köstlichen Schatzes in stetem zweifel stehen muss;
welcher auch vor dissmahl mich treibet / von meinem Fräulein instendig zu bitten
/ mir nur in so weit sicherheit zu geben / dass wegen meines Ansuchens und dessen
erlangung / sie bei ihren Eltern und Anverwanten mir nicht wolle hinderlich sein
/ noch nach deren bewilligung fernere auffschiebung einsträuen; ja wo möglich /
mich ihres bestendigen willens zuversichern. Das Fräulein sagte hierauff mit
einem freundlichen Lachen; Bei meiner träue / eure Liebe hätte einen guten und
vorsichtigen Baumeister geben / nachdem sie weder zimmern noch richten wollen /
biss der unbewägliche feste Grund geleget sei; ich weiss aber nicht ob einer
jungen Tochter dieses zubeantworten anstehe / es währe dann / dass ich betrachten
müste / wie weit eure Liebe den KöniglichenStand überschritten / und meinetwegen
sich als einen Sklaven der nichtigen Räuber gehalten / wodurch sie mich ihr
dermassen verpflichtet / dass ich vielleicht mehr meiner schuldigkeit als
Jungfräulicher Scham nachsetzen muss; in ansehung dessen will ich nun euer Liebe
mich in so weit versprechen / dafern dieselbe meiner Eltern Willen erhalten wird
/ welches sie durch meine Fr. Schwester Fr. Sophien am füglichsten suchen kann;
jedoch mit vorbehalt meines Gelübdes /dass sie zuvor ihr Heidentuhm ablegen / und
zu der Christlichen Kirchen sich begeben wolle / ehe und bevor die verheirahtung
vor sich geht. Solten aber über vermuhten meine Eltern nicht einwilligen können
/ muss dieses alles ungeredet sein; und da mein Fürst weiter in mich dringen
wollte / würde er meine neigung gar von sich wenden; dann ich kann und will nicht
vorsezlich wieder meines Gottes Befehl handeln. Der Fürst nam bloss nur die Worte
der versprechung in acht / wusste nicht / mit was äusserlichen Geberden er seine
vergnügung sollte sehen lassen; er küssete ihr die Hände / umbfing sie
nachgehends ehrerbietig /und redete sie also an: Diesen Tag / Hochgebohrnes
herzallerliebstes Fräulein / will ich zum anfange aller meiner künftigen
Glükseligkeiten setze / als an welchem von Euer Liebe mir die allerhöchste
Woltaht begegnet / die meine Zunge auszureden nicht bestand ist / sintemahl mein
Fräulein zugleich und auff einmal meiner Seelen ewige Wolfahrt suchet / und der
Liebe die vergnügliche Folge zuleisten mir verspricht. So will ich nun von dieser
Stunde an / unter der Begierde des Cristentuhms mich vor Euer Liebe
versprochenen Bräutigam halten / und zugleich mich verpflichten /dass weil meine
Seele in mir wallet / ich meiner vertraueten alle mögliche Ehre und Liebe
zuerzeigen /und nach keinem andern Weibesbilde / ihr zubegehren / mich umsehen
will; steckete ihr hiemit ein köstliches Ringelein an den Finger / und sagte: So
vermähle nun meinem herzgeliebten Fräulein ich mich in dieser Stunde / als ein
des Christentuhms begieriger / biss an ihrer lieben Eltern völlige Bewilligung. O
nein /Durchl. Fürst / antwortete das Fräulein / diese Meinung hat es nicht / und
nimt Eure Liebe mein versprechen gar zu raum auf / kann demnach / eine solche
Vermählung einzugehen / mich nicht erklären / es währe dann / dass Eure Liebe
nicht eine eheliche / sondern brüderliche verstehen wollte / zu welcher /
angesehen ihres hohen Verdienstes / ich mich gerne will finden lassen / und
dieselbe Schwester geträulich halten / biss meine Eltern mir eine nähere gebieten
werden; auff diese weise / uñ nicht anders nehme ich diesen Ring von Euer Liebe
an. Und ich / Hochgebohrnes Fräulein / sagte er / lasse an diesem erbieten biss
dahin mich herzlich genüge / da dañ meine höchstgeliebte Frl. Schwester mir
gönnen wird / ihr den brüderlichen Kusszuerteilen; dessen sie sich zwar mit
Worten und Händen erwehrete / aber doch zulassen musste / weil auf der Gutsche
die Gelegenheit nicht wahr / sich äusserst zusträuben; und ob er gleich wegen
solcher Kühnheit einen scharffen Verweis hören musste /kunte er doch seine
Entschuldigung so wohl anbringen / und der guten Gelegenheit wahr nehmen / dass er
solche Gunst / ehe sie von der Gutsche fliegen / noch mannichmahl erhielt / und
das unbetrogene Fräulein dessen zimlich gewohnet ward / so dass auch auff sein
bitliches anhalten sie ihm ein Ringelein zur Bekräfftigung gemachter
Freundschaft folgen liess / wiewol mit dem bedinge / dass noch zur Zeit er
solches keinen Menschen sollte sehen lassen / damit ihr versprechen nicht
offenbahr würde. Nun wusste aber das Fräulein schon zuvor / dass ihren Eltern
diese Heirat nicht unangenehm sein würde / wie sie dessen von Fr. Sophien
versichert / auch höchlich gebehten und vermahnet wahr / dem Fürsten auff sein
ernstliches ansuchen behägliche Antwort zuerteilen / sonsten würde sie sich
dessen nimmermehr unterstanden haben. Der gute Baldrich / ob er gleich nicht
weniger als Siegward sich verliebet befand / wahr doch nicht so kühn und
zutäppisch / daher ihm gleiche Vergnügung nicht wiederfahren kunte; jedoch
befand er sich sehr wohl bei seinem geliebten Fräulein in der zugemachten Gutsche
/ aber die Ehrerbietung / welche er ihr trug /wahr grösser / als dass er sich
hätte erkühnen dürffen /ihr sein Leiden recht vorzulegen; und durch solche Zucht
erhielt er gleichwol mehr Gunst bei ihr / als wann er gar zu harten Sturm auf
dieses Schloss gewaget hätte / weil ihr Siñ also beschaffen wahr / dass /wohin sie
von ihr selbst sich nicht lenkete / sie weder durch Zwang noch liebkosen kunte
gezogen werden. Ihr Gespräch wahr mannicherlei; dannn sie fragete bald nach
Herkules / bald nach Ladislaen Verhaltung in ihrer Jugend; welches alles er mit
kurzer Antwort ersetzete / weil er alle Gelegenheit suchete / ihr seine Liebe
zuentdecken / worzu er gute Anleitung bekam /da sie den Vorhang an der Gutsche
zumachte / weil vor der abscheuhlichen Kreuzigung sie sich entsetzete; daher er
so viel Kühnheit nam / dass er anfangs ihre zarte Händichen ergriff / und sie
bald hernach zu unterschiedlichen mahlen küssete / rühmete hernach deren
Volkommenheit / und nach etlichen tief ausgelassenen seufzen / wiederhohlete er
seine heut früh angelegte Bitte / dass er vor ihren Ritter möchte angenommen
werde; welches sie nur vor einen Scherz ausdeutete / einwendend / die so der
Ritterschaft nachzögen / suchten fast allentalben dergleichen Teidung; dessen
sie an einem Römischen Ritter / nahmens M. Anizius einen unbetrieglichen Spiegel
hätte / und einen solchen falschen Hund darstellen könnte / der inwendig halben
Jahresfrist / 63 Römischen ädlen Jungfern und hochädlen Fräulein sich zum Ritter
verpflichtet / so dass er einer jeden teuer versprochen / ausser ihr keiner andern
aufzuwarten / wodurch ihrer 18 verleitet / auf sein stränges anhalten ihm
eheliche Liebe versprochen / und deren 6 gar von ihm zu unfall gebracht währen.
Sehet Durchleuchtigster Fürst /sagte sie / dieser träulose Bube / der es endlich
gar mit einem Schelmen verlauffen müssen / hat dannoch durch seine Bosheit so
viel gutes gestifftet / dass wir jungen einfältigen Fräulein uns fein lernen
vorsehen /und nicht einer jeden süssen Pfeiffe gehör geben. Zwar Eure Liebe sehe
ich nicht vor einen solchen an /dann wie könnte der allergeträueste Liebhaber
GrossFürst Herkules einen so ungleichen betrieglichen Bruder haben? aber
obgedachtes Römische Frauenzimmer haben den Bösewicht Anizius auch nicht vor
einen solchen gehalten / und darüber ihre Leichtgläubigkeit gar zu spät bereuen
und beweine müssen. Der ErzSchelm hat verdienet / sagte Baldrich / dass ein jeder
redlicher Ritter Rache an ihm üben sollte / weil durch solche Büberei der
löblichen Ritterschaft er diesen Schandflek angehänget / dass eines
auffrichtigen ritterlichen Herzen standhafte Träue in zweifel muss gezogen
werden; ich vor mein Haupt gelobe hiemit an / wann ich wüste / an was Ort und
Ende er sich aushielte / ich nicht ruhen wollte / biss er durch Büttels Hand die
verdiente Straffe empfangen hätte / und wanns möglich währe / 63 mahl
gekreuziget würde; versichere auch Eure Liebe beständig / dass wann ein solcher
Bube in meinem Vaterlande sich würde finden lassen / der nur einer einige
Herren-Standes Fräulein solche Unträue beweisen dürffte / müste er allentalben
durchächtet / und da er nicht zufinden währe / als ein verlauffener Schelm an
den Galgen geschlage werden; baht hierauff inständig / ihre Vortrefligkeit
möchte doch dergleichen Argwohn von ihm nicht fassen / nachdem er lieber
ungebohren / als seinem Herr Bluder so ungleich sein wollte; fassete endlich ihre
Hände / küssete sie abermahl inbrünstig / und sagete: Ihr Götter / die ihr den
Ritterstand zur Beschützung weibliches Geschlechts ohn zweifel insonderheit
eingesezt habet / straffet ja bitte ich alle dieselben / welche ein ehrliebendes
Fräulein oder ander Weibesbild zubetriegen die Gedanken fassen dürffen /
absonderlich aber suchet mich mit eurem Donnerstrahl heim /wann ich jemahl einem
andern Fräulein mich vor ihrem Ritter anbiete / als dieser Hochgebornen Fräulein
Lukrezien Pompejen. Behüte Gott / Durchleuchtigster Fürst / antwortete sie /
warum verwünschet er sich dergestalt? Mein Gott und Schöpffer weiss / dass mir
solches von herzen zuwider ist; nicht dass Eure Liebe ich zu solchem Freunde
ausschlagen wollte /dessen Wirdigkeit ich ja nicht eins gleich legen kann /sondern
derselben anderwerz viel höhere Glükseligkeiten zubefodern / will ich meinen Gott
bitten / dass er Euer Liebe jeztgeführete Reden / als ungesprochen rechnen und
vorbei gehen lassen wolle. Er hingegen brachte vor: Was ein bebachtsames Gemüt
aus steiffem Vorsaz redete / könnte den Göttern nicht verborgen bleiben; währe
auch nicht willens /dieses Gelübde Zeit seines Lebens zuwiderruffen; hätte er
aber ihre Vortrefligkeit dadurch beleidiget bähte er ganz demühtig um
Verzeihung. Der anderen von ihr gedachten Glükseligkeiten wollte er sich herzlich
gerne begeben / wann er nur der jeztgewünscheten könnte fähig sein; woran ihm ohn
zweifel nichts als seine gar zu grosse Unwirdigkeit verhinderlich währe; Hielt
nochmahls an / das Fräulein möchte ihm die grosse Ehre uñ gnade erzeigen /und
gönnen / dass er in seinem Herzen und gege ihr allein / sich ihren Ritter halten
und nennen dürffte. Warumb nicht / Durchleuchtigster Fürst / antwortete sie /
das soll Euer Liebe frei stehen / mich so hoch zuehren / und zwar solcher gestalt
/ dass ihr die freiheit soll unbenommen sein / sich schier heut oder morgen einer
wirdigern Fürst- oder Königlichen Fräulein im rechten Ernst darzustellen /
jedoch mit diesem ausdrüklichen bedinge / dass gleichwol meiner alsdann nicht
spötlich gedacht werden möge / als hätte ich mir andere als Scherzgedanken
hierüber gemacht. Ach mein Hochgebohrnes Fräulein / gab er zur Antwort /welche
tödliche Seelenstiche sind das; wollte Gott /ich könnte meines ergebenen Herzen
auffrichtige Gedanken derselben augenscheinlich darlegen / umb zubekräfftigen /
dz in dieser Welt meine Geister durch nichts anders / als Euer Liebe
Volkommenheit könne vergnüget werden; doch der begünstigten Gnade mich
zugebrauchen / nehme ich mit inbrünstigem Willen an / dass mein Fräulein mir
gönnet / ihr Ritter zusein /gelebe auch der tröstlichen Zuversicht / sie werde
mir die Kühnheit verzeihen / dass ich einen Ring von ihren allerschönsten Fingern
raube / damit dieses hochgeneigten versprechens ich einiges Warzeichen haben
möge. Dieses wollte sie ihm nicht versagen / sondern gönnete ihm die Wahl unter
allen / ausgenommen /den sie am linken kleinesten Finger trug / weil GrossFürst
Herkules ihr denselben auff brüderliche Träue geschenket hatte. Baldrich
rechnete sich schon auff der höchsten Stuhffe der Glükseligkeit / zog einen
schönen DemantRing von ihrem Goldfinger / küssete ihn / und band ihn unten in
die Goldfädem / mit welchen sein linker Zopf eingeflochten wahr / mit Beteurung
/ er wollte lieber sein Leben als diesen Ring verlieren. Bald darauf zohe er viel
einen köstlichern aus seinem SchiebSak / steckete ihn an den entblösseten Finger
/ und baht sehr / ihn so hoch zuwirdigen / und umb seinet willen an ihrem Finger
zudulden; welches sie mit anmuhtiger Danksagung annam. Sie hielt sonsten mit ihm
ein freies Gespräch / da sie unter andern zu ihm sagte: Durchl. Fürst / wann
mirs nit verarget würde / eine vorwitzige Frage zutuhn / und ihre Liebe solche
bei sich behalten wollte / möchte ich von derselben wohl berichtet sein / durch
was gelegenheit meine Frl. Schwester Frl. Sibylla mit dem Durchl. Fürsten Herrn
Siegward in so kurzer Zeit so gute Kundschaft gemacht habe / dann /
äusserlichem ansehen nach / dürfften dieselben wohl eine solche Handlung treffen
/ dass uns daher ein oder etliche fröliche TanzTage gemacht würden. Hochgebohrnes
Fräulein antwortete er mit einem lachen / ob gleich Fürst Siegward mein
geträuester brüderlicher Freund ist / würde ich doch nicht unterlassen / Euer
Liebe diese Heimligkeit zuoffenbahren / wann sie mir eigentlich kund währe; aber
ausser zimlicher Muhtmassung habe ich nichts gewisses. Darff ich aber solche
Muhtmassung mit wissen / sagte sie / hat Eure Liebe sich bei mir alle
Verschwiegenheit zuversichern. Warumb nicht /mein Fräulein? antwortete er / weil
das Herz ganz ihr eigen ist / findet sich nichts in demselben / welches vor
ihrer Liebe begehret verborgen zu sein. Meine Muhtmassung aber ist diese: Als
wir der Räuber ingesamt waren mächtig worden / machte ich mich alsbald hinweg /
umb etliche Wagen aus der nähe zuhohlen /noch ehe ich das Fräulein gesehen oder
gesprochen hatte / dann ich merkete / dass wegen ihrer zurissenen Kleider sie
sich in einem Winkel verborgen hielt; Als ich nun nach Verlauff zwo Stunden
wieder kam / traf ich meinen Freund an / dass er mit dem Fräulein gar ein ernstes
Gespräch hielt / welches ich merkete von Liebeshändeln sein; worin ich sie dann
nicht stören wollte / sondern Raum genug gönnete; Ausser zweifel aber ist es /
dass mein Freund durch Liebe zu diesem Fräulein sehr gepeiniget wird / und wann
ich mich erkühnen dürfte / Eure Liebe seinet wegen untertähnig zubitten / dass
dieselbe bei dem Fräulein ihm mit einer kräfftigen Vorbitte wollte zu hülffe
kommen /hätte ich nicht zuzweifeln / er würde zu dem Zweg seiner ehrlichen
begierden leicht gelangen. Mein Freund / antwortete sie / gedenket Eure Liebe /
dass dieser Fürst meiner Vorbitte bei dem Fräulein in dieser Sache bedürffe? hat
er ihr doch ihren teureste Schaz / die Keuschen-Ehre gerettet und erhalten / wie
sollte sie dann sich ihm in ehelicher Liebe nicht wollen ergeben / angesehen des
hohen Fürstlichen Standes /in welchem dieser ihr Liebhaber lebet / wann gleich
der hohe Verdienst nicht dar währe? reize derwegen mein Durchl. Fürst seinen
Freund nur an zur beharlichen Ansuchung / alsdann wird er seinen Zweg schon ohn
meine hülffe erhalten / wiewol Eure Liebe spüren soll / dass dero Vorbitte bei mir
gültig gewesen ist. Baldrich wusste sich in dieser Fräulein art nit zuschicken /
durfte ihm auch die Gedanken machen / er selbst würde hierunter zur eiferigen
Nachstellung angefrischet / welches ihn auch so muhtig machete / dass er willens
wahr / umb ehelich Liebe ausdrüklich anzuhalten / deren er biss daher noch keine
Erwähnung getahn hatte / aber sie wahren schon bei des Statalters Hofe
angelanget / und traten die Diener herzu / ihnen die Gutsche auffzumachen. Die
ganze Gesellschaft ging hinauff in den GastSaal / woselbst der Statalter nebest
den vornehmesten Herren der Stad sie empfingen / und zehn lange Tische
mehrenteils in bunter Reihe besetzet wurden. Nach gehaltener Mahlzeit teilten
Herkules und Ladisla die aus Persen übergebrachte grossen Schätze aus / über
deren grosse Menge sich jederman zum höchsten verwunderte / insonderheit aber
entschuldigten sich Fr. Sophia und Fr. Ursul / dass sie solches annehmen sollten /
da sie doch ihren Gemahlen nicht hätten können in der fremde Gesellschaft
leisten. Leches und die übrigen empfingen auch neben ihren Eheliebsten die
beigelegten Gelder und andere Sachen; nur vor Gallus fand sich nichts /dessen
Ladisla sich verwunderte / und nicht anders meinte / es würde von den
Morgenländischen Fürsten wegen der Eile vergessen sein / deswegen er zu ihm
sagete: Machet euch keine Gedanken Gallus /finde ich gleich euren Anteil hier
nicht / soll er euch doch unverrücket bleiben / wie ihr solches mit euren
geträuen Diensten wohl verdienet habet. Ach Gnädigster Herr / antwortete er / was
könnte ich doch vor einige Gnade verdienet haben? wollte Eure Durchl. mit mir nach
Verdienst handeln / so müste ich heut dem Räuber Fannius Gesellschaft geleistet
haben. Auff welche Rede / die er kaum endigen kunte / drungen ihm die Trähnen so
häuffig aus den Augen / dass er einen Abtrit nehmen musste / auch Ladisla selbst
vor Mitleiden ihm keine Antwort geben kunte. Er stellete sich aber bald wieder
ein / und zeigete an / dass er die Schenkungen von den Fürsten zu Persepolis und
andern KriegsObristen in so grosser menge empfangen hätte / dass er des nehmens
überdrüssig worden / und es auf viel Wagen fortschleppen müssen / wovon er
seinem Gelübde nach / der armen Christenheit hin und wieder den zehenden
träulich entrichtet / welcher über andertalb Tonnen Goldes sich erstrecket. Es
ist mir lieb / sagte Ladisla / dass ihr diese Reise nicht umsonst getahn / und
ist unser aller ernstlicher Befehl und Wille / dass hinfort ihr eures ehmahligen
Verbrechens keine Erwähnung / als etwa bei euch selbst und vor GOtt tuht / weil
eure folgende Träue alles vorige bei uns gänzlich ausgelöschet uñ vertilget hat.
Sonst werde ich mich unterstehen / mein liebstes Gemahl zuersuchen / dass sie
euch zur Heirat verhelffe /nachdem es euch noch an dieser zeitlichen
Glükseligkeit mangelt. Er bedankete sich dessen untertähnigst /und bekennete /
dass er seinem Gott angelobet hätte /da es ihm so gut werden könnte / eines
verarmeten ädelmans Tochter / die ehrlich und eine Christin währe /oder zuwerden
gedächte / zuheirahten / deren Eltern und Geschwistern sich seines grossen Gutes
mit sollten zuerfreuen haben. Er hatte sich aber in Fr. Sophien Leibdienerin /
Jungfer Beaten heftig verliebet /und ihres Standes Kundschaft eingezogen / dass
sie von gutem Paduanischen Adel / aber ihre Eltern durch alte Schulden in tieffe
Armuht gerahten währen. Sie wahr ohngefehr von 24 Jahren / from / schön und eine
Christin / und hatte Fr. Sophien von ihrer Jugend her auffgewartet. Weil dann
dieselbe ihres Gemahls erbieten hörete / fassete sie alsbald die Gedanken / ihre
geträue Dienerin zubefodern / gab vor / sie hätte etwas zubestellen / und wollte
sich bald wieder herzu machen / hiess Beaten ihr nachfolgen / und da sie mit ihr
allein wahr / sagte sie: Ohn zweifel gedenket der liebe Gott auch an dich wege
deines Christlichen Wandels; dafern du nun dein Glük erkeñen kanst / wird dir
leicht geholffen sein; Du hörest / wessen Gallus sich erbeut / welcher / ob er
gleich kein gebohrner ädelman ist / so wird er doch von Königen und Fürsten
dergestalt geliebt / dass ihm ein mehres als der gemeine Adelstand erfolgen kann;
drumb erkläre dich bald /wessen du gesinnet bist / alsdann will ich eure Heirat
ohn verweilen befodern / und kanst durch dieses Mittel deine Eltern und
Geschwister alle mit einander aus ihrer Armuht lossreissen. Diese gab zur
Antwort: Sie hätte ihr vorgenommen / Ihrer Gn. Frauen Leib-bedienung nimmermehr
zuverlassen / wollte ihr aber gerne gehorsamen und ihres Willens leben / hoffete
auch /es würde Gallus so übermühtig nicht sein / und hernähst ihre Armuht ihr
schimpflich vorwerffen. Ey was wollte er dir vorwerffen / sagte sie / ich will dir
vor alles Bürge sein; ging wieder mit ihr hin / da Gallus mit verlangen wartete
/ und nicht wenig fürchtete /man würde ihm eine ungenehme zu freien wollen /
hörete aber mit freuden / dass ihn Fr. Sophia also anredete: Guter Freund Gallus
/ ich habe meines Herrn Königes uñ Gemahls begehren an mich wohl verstande /in
dem dessen Liebe von mir gewärtig ist / euch einen Ehegatten zuzufreien; weil
ihr dann euer Christliches Gemüht gnugsam habt erkläret / dass euchs weder umbs
Geld noch andere üppigkeit zu tuhn ist / sondern bloss allein umb Ehr und Tugend
/ will ich euch einen Vorschlag tuhn / aus welchem ihr mein gutes Gemüht gegen
euch spüren sollet; nam einen Abtrit mit ihm / und sagte: Ich kann meiner
Leibdienerin Jungfer Beaten das Zeugnis geben / dass sie nicht allein von
adelichen Eltern gezeuget / sondern vor sich selbst from und tugendreich ist;
ihre gute Gestalt hat schon unterschiedliche ädle Anwerber erwecket /denen ich
sie bisher versaget / ohn zweifel / weil sie ihrer keinem von Gott versehen
gewesen / und ob sie gleich zeitliche Güter von ihren Eltern nicht zu hoffen hat
/ bin ich doch des vorhabens sie ehrlich und ihrem Stande gemäss ausszusteuren.
Aber ich muss zuvor wissen / ob sie euch zum Ehegatte freiwillig gefallen kann /
weil ich durchaus nicht willens bin / euch wieder euren Willen eine
auffzudringen. Gallus bedankete sich untertähnigst / und zeigete an; er trüge
keinen zweifel der Allerhöchste würde ihm diese adle Jungfer gnädig ausersehen
haben / weil eben auff dieselbe /und auff keine andere er sein absehen gehabt;
dafern nun die Jungfer ihm ihr Herz zuwenden / und sein Gn. Herr GrossFürst
Herkules gnädigst einwilligen könnte /würde ihm angenehmers in dieser Welt nicht
begegnen. Vor dieses lasset mich sorgen / antwortete sie /und ist mir lieb dass
ich die rechte getroffen habe; ging zu Herkules und taht ihm alles zu wissen;
welcher Jungfer Beaten ihm bei der Hand zuführete / und zu ihm sagete: Mein
Gallus / ich habe schon unterschiedlichemahl darauff gedacht / euch zu einer
löblichen Heirat zuverhelffen / aber eine andere als Italiänische / ja dass ichs
recht sage / als eben diese Jungfer meine Freundin euch zuzuführen / bin ich
niemahls willens gewesen / sonst sollte euch die Wahl unter Artabanus gefangenen
unberührten Frauenzimmer frei gestanden sein; weil dann meine Fr. Schwester mir
zuvorkommen ist in der Versprechung / merke ich daher Gottes sonderbahre
schickung / will aber anfangs / damit ihr ein wirdiger Bräutigam sein könnet
/euch in den ädlen Teutschen Ritterstand auffnehmen /und bei Römischer Käyserl.
Hocheit befodern / dass ihr unter die Römische und Paduanische Geschlechter
gesetzet werdet; hernach will bei dieser Jungfer ich Vatersstelle vertreten / und
wegen eures wolverhaltens ihr 50000 Kronen zur Heimsteur einreichen lassen /
damit weder sie sich wegen eures unadels / noch ihr wegen ihrer Armut euch
zubeschweren haben sollet. Sie bedanketen sich beiderseits mit einem Fussfalle /
und baht Gallus untertähnigst / ihre Durchl. wollten die versprochenen Gelder
zurück behalten / weil er schon ein mehres hätte als seine wirdigkeit sich
erstreckete. Fr. Sophia aber führete sie zusammen / dass sie mit ihrem Jaworte
ihre eheliche träue bestätigten /und sollte die Verlöbnis alsbald gehalten worden
sein / wann nicht die Braut bei ihrer Frauen untertähnigst angehalten hätte /
dass ihren lieben Eltern es zuvor möchte kund getahn werden / welches / da ihrer
Gn. es nicht zu wieder / sie selbst gerne verrichten wollte. Es ward ihr solches
leicht verwilliget / und gab ihr Gallus sechs Gutschpferde samt einer statlichen
Gutsche / fünff Persische Reitpferde vor ihren Vater und vier Brüder / noch eine
Gutsche mit vier Pferden vor ihre Mutter und vier Schwestern / einen Pakwagen
mit allerhand Seidenen Tüchern und 20000 Kronen baarschaft beladen / auch
Kleinot und Ringe auff 9000 Kronen wert / davon ihre Eltern samt allen ihren
Kindern sich adelich aussputzen sollten / welches sie mit grosser Danksagung zu
sich nam / und nach ihres Vaters armseligen Meierhof fuhr / nam auch zehn
Schneider mit sich und auff einem andern Wagen allerhand Speise und Trank.
Inzwischen fuhren Herkules und Ladisla mit ihrer aussteilung fort / stelleten
Frl. Lukrezien und Sibyllen trefliche Kleinot zu /jeder auff 80000 Kronen /
neben allerhand güldenen und silbern Stücken / und von allem was sie sonst
köstliches mit übergebracht hatten; Frl. Helene bekam halb so viel / aber Fr.
Pompeja alles gedoppelt / dass sie gar unwillig drüber ward. Ihre beide
ädelknaben von Rom / Publius und Tullius hatten sich bissdaher stets zu Padua bei
Fr. Sophien auffgehalten / deren je dem 12000 Kronen geschenket / und damit
ihren Eltern zugeschikt wurden. Der geträue Timokles und Mardus wurden von ihnen
anfangs in den Adelstand auffgenommen / hernach jeder mit 60000 Kronen /Gutschen
/ Reitpferden und Leibdienern verehret /und dass jeder / so lange er lebete /
jährlich 2000 Kronen besoldung haben sollte; weil sie dann beiderseits sich
erbohten / in ihrer Herren Dienste zuverbleiben /wurden sie vor Zeugmeister von
ihnen bestellet. Timokles hatte schon zu Jerusalem mit Frl. Lukrezien
Leibdienerin / einer Römerin / sich verliebet / offenbahrete solches seiner Gn.
Fürstin Valiska / und bekam alsbald Zusage der Heirat. So gab Mardus sich bei
Frl. Sibyllen Leibdienerin an / welche Herkules samt dem Fräulein aus Silvans
Händen erlöset hatte / und erhielt gleichergestalt sein ansuchen.
    Unter diesem Verlauff / ward dem jungen Fabius angemeldet / es währe ein
feiner junger Geselle im Vorhofe / welcher untertähnig anhielte / ob ihre Gn.
ihn ein Wort hören möchten. Er liess denselben alsbald vor sich fodern / umb sein
Vorbringen zuvernehmen / welcher ihm eine in Lateinischen zierlichen Versen
auffgesetzete Glükwünschung wegen seiner glücklicher Wiederkunft einreichete /
die er selber gemacht hatte / und baht untertähnig / weil er Lust zu den freien
Kunsten trüge / und geringe Mittel hätte /sein Vorhaben ausszuführen / möchten
ihre Gn. ihn mit einer Beisteur gnädig ansehen / dess wollte er den wahren Gott
herzlich bitten / dass es ihrer Gn. tausendfältig hier zeitlich und dort ewig
möchte vergolten werden. Fabius vernam aus seinem reden / dz er ein Christ wahr
/ lieff das Brieflein gerade durch / und gefiel ihm der Inhalt sehr wohl /
deswegen er sich gegen ihn freundlich bedankete / und dass er Morgen vor der
Mittagsmahlzeit sich wieder einstellen sollte /da er ihm seinen guten willen
schon wollte vergelten. Der Schuelknabe / seines alters von 14 Jahren / nahmens
Vibius Mela / ward der Zusage sehr froh / und stellete sich zu rechter Zeit ein.
Es hatte aber Fabius seinem Buchhalter befohlen / so bald er wieder kähme / ihm
100 Kronen zur verehrung zu geben / welcher aber nach gebrauch seines schon mehr
getriebenen Handwerkes ihm nur 20 Kronen zustellete / und die übrigen 80 in
seinen Sekel steckete / der Hoffnung /weil ihm dergleichen Diebesgriffe schon
manniche angangen währen / sollte ihm dieser / auch gelingen. Fabius liess das
Verssgeticht Herkules und Ladisla sehen / denen es wolgefiel / und sich erbohten
/ wann sie den Knaben aussfragen könten / sollte ihretalben ihm auch eine
Verehrung zugestellet werden / weil ohndas sie mit darinnen benennet wahren. Nun
wollte dieser Knabe sein dankbahres Gemüht sehen lassen / und brachte abermahl
sein Brieflein ein / in welchem er rühmete / dass er vor jeden Verss (deren
zwanzig wahren) eine Goldkrone bekommen / und das unwirdige Geticht mit gutem
recht aureum Carmen, oder ein güldenes Geticht nennen könnte; welches da es
Fabius von seinem Leibknaben eingehändiget ward / erkennete derselbe daraus
seines Buchhalters oder Zahlmeisters Dieberei / liess sich doch dessen nicht
merken / wie saur es ihm gleich ward zuverbeissen / sondern foderte ihn vor sich
/ und mit sanftmuht sagte er zu ihm; ist der gestrige Knabe heut wieder da
gewesen / und hastu ihn nach meinem Befehl beschenket? Ja / Gn. Herr /
antwortete er / es ist alles nach ihrer Gn. anordnung ergangen / und zu
richtiger Rechnung gebracht. Der Knabe / welches dieser nicht wusste / wartete
annoch im Vorhofe auff / und musste der Zahlmeister einen Abtrit nehmen / dieser
aber auff das Gemach kommen / welcher eine kurze / aber zierliche und schamhafte
Rede hielt / durch welche er seine Unhöfligkeit entschuldigte / und nochmahls
vor das ansehnliche Geschenk in Griechischer Sprache dankete. Der junge Fabius
redete ihn an und sagte: Lieber Knabe /sage mir die Warheit / wie viel dir
meinetwegen zur Verehrung zugestellet sei. Gn. Herr / antwortete er /zwanzig
Kronen / und mehr als ich gehoffet hatte. Der Zahlmeister musste alsbald wieder
hervor treten / welchen er mit ernster Stime fragete; Hastu diesem Knaben die
100 aussgezählet? dieser verstummete hierauff / und verriet sich durch seine
anröhtung / fing schon an umb Gnade zu bitten / weil er sich erinnerte / dass er
nicht alles geleistet hätte. Er ward aber alsbald ins Gefängnis gelegt / und
auff fleissige nachfrage befand sichs / dass er allen Dienern und Arbeitsleuten
abgeknappet / und doch alles vol zur Rechnung gebracht hatte / so dass er eines
halbjährigen Diebstals / auff der Reise begangen / über 9000 Kronen überwiesen
ward / und er andern zum Beispiel den Galgen bekleiden musste. Es ging diese
Unträue der GrossFürstin sehr zu herzen / deswegen fing sie also an: Wie ein
grosses Unglück ist es den von Gott ihn hohen Stand gesetzeten / dass sie nicht
alles selbst verwalten können / sondern ihren Bedieneten viel wichtige Sachen
anvertrauen müssen; sind dann unsere Leute unträu und dem Geiz ergeben / alsdann
kann es nicht anders ergehen als dieses Beispiel zeigt / welches uns vor Augen
stehet; was vor grossen und schimpflichen nachteil aber uns solches gebieret /
bedarff keines weitläuftigen beweisstuhms; es entstehet uns daher böse Nachrede /
Missgunst / und der Leute ungewogenheit; niemand will Fürsten und Herrn arbeiten
/dann / sprechen sie / es wird uns unsere Mühe und Waare nicht bezahlet; niemand
will uns zu ehren ein oder ander Lobgedichte auffsetzen; dann es wird nicht
vergolten. Sehet ein solches Ubel verursachen unsere ungeträue Rentmeister /
welche man viel härter als andere Diebe abstraffen muss / weil sie die aller
grössesten Diebe der Welt sind / in dem sie nicht allein denen dass ihre stehlen
/ welchen sie nicht redlich lohnen / sondern ihren Herrn stehlen sie den guten
Namen / uñ der Leute gewogenheit / welchen Verlust ich viel schädlicher achte /
als wann man uns umb viel Tonnen Goldes betreuget. Herkules gab ihr zur Antwort:
Wie aber mein Schaz / wie kann man diesem weit eingerissenen Ubel steuren? es hat
der jetzige Dieb / wie gesagt wird / sich schon verlauten lassen /dass wann man
ernstliche untersuchung tuhn wollte /würde seine Gesellschaft bald vermehret
werden; man sollte nur eine Fürstliche Aussgabe durch viel Hände gehen lassen /
würde man sehen / dass an allen Händen etwas würde kleben bleiben / und währe
nichts neues / dass aus des Herrn Hand eine Krone dem armen Betler zugedacht / in
des Dieners Hand in eine Groschen verwandelt würde / ja wohl gar verschwünde /
und der Betler mit Schimpff- und Scheltworten abgespeiset / GOtt darzu dankete /
dz er ohn Schläge davon kähme. Es ist zubeklagen / sagte Valiska / dass der Geiz
die Mensche dergestalt unträu machet / welche ihren Herren durch leiblichen äid
sich zu aller Träue verbunden haben; Ich halte aber davor / man könnte dem
Unwesen durch zweierlei Mittel abhelffen; Erstlich / dass man den Bedienten
ehrlichen Sold gäbe / davon sie sich und die ihren zur gnüge erhalten könten;
Hernach / dass man bei ihrer Bestallung ihnen zugleich den Strik vorlegete /
unter der Bedräuung und unbegnadeten Volstreckung / dass wo man sie auff einer
einzigen Dieberei / sie währe gleich nur einer Kronen wert / ertappen würde /
ihnen die Ablohnung von dem Büttel sollte erteilet werden; Ich bin dessen gewiss /
es sollten nicht zwanzig gehenket werden / dass nicht etliche hundert sich daran
spiegeln sollten. Und ob mir jemand einwerffen wollte / es würde dieses gar zu
stränge gestraffet sein / dem gebe ich zur Antwort / dass weil man keinen
gelindern Weg sihet / müsse Fürsten und Herren Ansehen und redlicher Nahme durch
solche Schärffe erhalten werden. Der Statalter gab der GrossFürstin recht / und
liess allen seinen Bedieneten ansagen / dass wo jemand /wer der auch währe / sich
mit dergleichen Diebsnägeln kratzen würde / sollte dem erhenketen ohn alle Gnade
Gesellschaft leisten. Dem frommen Schuelknaben aber schenkete der junge Fabius
noch 100 Kronen / Herkules vermachte ihm jährlich gleich so viel / als lange er
von nöhten hätte von andern unterrichtet zuwerden / und des erhenketen
gestohlene 9000 Kronen wurden zur Unterhaltung der Armen angewendet.
    Jungfer Beata kam noch bei guter Tageszeit in ihres Vaters Hütchen an /
welches zwo Meile von der Stad gelegen wahr; sie fand ihre Eltern im
KüchenGarten arbeiten / und zwo Schwestern neben zween Brüdern das graben
verrichten / worüber ihr die Trähnen aus den Augen drungen / ging zu ihnen hin
in ihrer statlichen Kleidung / womit Frau Sophia sie ausgeschmücket hatte / und
sagte zu ihnen: Herzliebe Eltern / Schwestere und Brüdere leget solche
BauernArbeit ab / und nehmet euren Adelichen Stand an / nachdem der barmherzige
Gott mir einen Bräutigam bescheret hat / der uns aller schmählichen Armut
benehmen will. Die Eltern sahen die trefflichen Kleinot an ihr blänken / und
frageten / wer dann dieser Bräutigam währe; insonderheit durffte die Mutter /
ungeachtet ihrer kümmerlichen Armuht nachforschen / ob er auch ädel geboren /
dañ sie gedächte ihre Tochter nicht in den schlechten Bürgerstand
zuverheirahten. Aber die Jungfer wahr viel klüger / und antwortete: Liebe Mutter
/ leget doch solchen eitelen Hochmuht ab / was pochet ihr auff das eingebildete
Blut / und verachtet den Bürgerstand / da ihr doch Armuhtswegen euch bisher als
eine Bauerin habt ernähren / den Flachs spinnen / und aus Oepffel / Birnen /
Kraut und Nüssen / etliche Groschlein käuffen müssen / wovon ihr das liebe
tägliche Brod haben möget / noch dürffet ihr auff euren Adel trotzen / der euch
keinen Heller einträget / und von den vermögenden schlimmen Bauern verachtet
wird. Ist mein Liebster dann gleich kein gebohrner ädelman / so ist er doch an
Tugend ädel gnug / und hat durch seine geträuen Dienste den Adel-und Ritterstand
von Königen und Fürsten erlanget /neben der Zusage / dass er auch in den
Römischen Adel soll auffgenommen werden / welchen Stand auszuführen er reich
genug ist / und über 15 Tonnen Goldes vermag. Als solches ihr Vater hörete /
welcher auch ein Christ wahr / sagete er: Ach du mildreicher Gott / du
verlässest ja die deinen nicht / wann sie nur im festen Vertrauen auf dich
bleiben / wie ich anjezt in der Taht erfahre. Jungfer Beata erinnerte sie / dass
alsbald an ihre übrigen zwo Schwestern und zween Brüder (welche bei andern vom
Adel sich in der nähe auffhielten / und ihnen zu dienste wahren) ein Bohte
abgefertiget würde / sich ohn verweilen einzustellen /gingen mit einander in das
Häusslein / und liess sie daselbst alle Sachen abladen; dem Vater stellete sie die
übergebrachten Gelder zu / als ein Geschenk von ihrem Bräutigam / welche er des
folgenden Tages an etliche benachbarte vom Adel einschickete / uñ damit seine
verpfändete Güter einlösete / die so bald nicht aussinnen kunten / was vor einen
glücklichen Fund dieser alte verarmete Opimius (diss wahr sein Nahme) getahn
hätte. Die Schneider mussten Tag und Nacht an den Kleidern arbeiten / damit sie
zu Padua bald anlangen könten / und stelleten die Schwester uñ Brüder sich gar
zeitig ein. Zu Padua ward des abends / da Beata weg gereiset wahr / ein
zierlicher Tanz gehalten / und wahren aller anwesenden Augen auff Herkules und
Fr. Valisken hingekehret / da sie auf Fr. Sophien Anfoderung einen Tanz mit
einander verrichteten / in solcher künstlichen Zierligkeit / als jemahls mochte
gesehen sein / dass auch der Statalter zu Kornelius sagete: Ich gläube nicht /
dass so lange die Welt gestanden ein volkommener paar Eheleute gelebet haben /
und erscheinet aus allen ihren Geberden / mit was herzlicher Neigung sie
einander meinen; in welchen Gedanken er dann nicht irrete / massen ihre Liebe
sich von Tage zu Tage stets mehrete / dass sie kaum eine Stunde mit Herzensruhe
von einander sein kunten. Ja es wahr so ein einträchtiger Wille zwischen ihnen
/dass nicht anders zuurteilen stund / sie hätten beide nur eine Seele gehabt;
gingen sie mit einander / so fasseten sie sich bei den Händen / welche mannichen
Kuss einnehmen mussten; sassen sie beieinander / so schaueten sie sich mit
freundlichem lachen an / und bemühete sich ein jeder / wie er dem andern
Vergnügung schaffen / und ehrliche Ergezligkeit geben möchte. Wie oft klagete
er ihr / dass sein Herz viel zu voll währe / und als ein angestecketes Fass / dem
keine Lufft gegeben wird / dessen nichts von sich auslassen könnte / was drinnen
verschlossen währe. Wann ihm dann sein Gemahl antworten wollte / ging es ihr
gleich also / und musste das stumme umfahen die beste Rede sein / weil die Zunge
als gelähmet / ihr Amt nicht verrichten kunte. Zu zeiten kam es / dass die
Vernunft in ihnen sich losswirkete von der Liebesklammer / und alsdann fingen
sie an einen so häuffigen Strohm der verliebeten Reden auszugiessen / dass man
hätte meinen sollen das Herz währe gar ausgeleeret / und ihre inbrünstige Liebe
biss an das innerste ausgedrücket /da hingegen sie vermeinten / kaum die
äussersten Borken gezeiget zuhaben. Zu verwundern aber wahr es / dass diese
strängst gespannete Liebe die Ehrerbietigkeit des einen gegen den andern im
allergeringesten nicht minderte / so wenig / wann sie allein / als in
Gesellschaft wahren / und geschahe gar selten / dass sie ihre Unterredungen nicht
mit Geistlichen Sachen sollten vermischet haben. Als sie vor dissmahl den Tanz zum
Ende gebracht hatten / foderte die GrossFürstin Frl. Lukrezien und Sibyllen auff
/ und führete sie den beiden jungen Fürsten mit diesen Worten zu: Geliebete
Herren Oheime; hie bringe Euren Liebden ich meine herzgeliebeten Fräulein
Schwestere zu / welche dort nicht anders als zwei verlassene TurtelTäubelein
sassen / und vielleicht eine der anderen ihre unglückselige Einsamkeit klageten /
welches mir nicht wenig zu herzen geht; bitte demnach höchlich / sie wollen
dieselben zum Tanze führen / und nach dessen Endigung sie in ihrer guten
Gesellschaft behalten. Die Fräulein wurden hierüber etwas schamroht / weil ihnen
einfiel /wie weit sie heut auff den Gutschen sich mit ihnen eingelassen hatten /
und antwortete Frl. Lukrezie also: Durchl. GrossFürstin / was sollte uns und
unsers gleichen angenehmer als die Einsamkeit sein? insonderheit die wir als
vertrauete Schwestern eine gute Zeit nicht beisammen gewesen / und die uns
begegnete Abenteur einander zuerzählen grosse Begierde tragen; wie dann gleich
jezt meine Frl. Schwester zum Ende gebracht / in was Furcht und Gefahr sie
neulich in der Räuberhöhle gewesen / wovon sie durch dieser Fürsten Heldentaht
errettet / und bei ihren JungfräulichenEhren erhalten sei; und wahr ich gleich
bemühet /ihr zu gemüht zuführen / wie viel sie den Durchleuchtigsten Fürsten
schuldig währe / habe ihr auch in etwas an die Hand gegeben / wie sie ihr
dankbares Herz gegen dieselben könnte sehen lassen / wozu ich sie doch nicht
bereden kann / nicht / dz Undankbarkeit sie davon abhält / sondern weil sie / wie
sie selbst bekennet / ihren Durchll. gar zu viel schuldig sei. Nun habe ich
dagegen eingewand / es sei besser / einen möglichen Anfang zur Bezahlung
zumachen / als gar nicht zahlen wollen / insonderheit / weil HochFürstliche
Gemühter grössere Beliebung an dem guten Willen / als an unwilliger Ablegung der
Schuld tragen; Hierauff / Durchleuchtigste GrossFürstin habe ich ihre Antwort
noch nicht erhalten / welche ich vor dem Tanze gerne wissen / oder zum wenisten
von Euer Durchl. hören möchte / ob ich ihr nicht recht gerahten habe. Ey
geliebte Schwester / antwortete Frl. Sibylla /du bist gar zu ausschlägern / und
breitest alles aus /was man mit dir ingeheim redet / welches mich warnet / dass
ich dir nach diesem nichts mehr vertrauen, vielweniger auff dein anbringen
Antwort geben / sondern meine Durchl. GrossFürstin / dir einzureden / bitten /
und zugleich bei derselben mich rahts erhohlen werde / wie ich mein dankbahres
tiefverschuldetes Gemüht diesen beiden Fürsten am füglich- und annehmlichsten
könne sehen lassen. Wol zufrieden /sagte Frl. Lukrezie / dass du mir so wenig
trauest /vielleicht kömt der Tag / dass dichs gereuen dürffte /als dañ will ich
deiner so wenig achten / als du anjezt meiner tuhst. Du gibst grosse Sachen von
dir aus /antwortete jene / muss aber dein dräuen lassen dahin gestellet sein /
und auff solchen fal tuhn / als wann du noch zu Elia jenseit des Meers bei
deinen Juden sässest. GrossFürstin Valiska lachete dieses ertichteten Zankes /
und wollte ihn länger unterhalten / daher sagete sie zu Lukrezien: Geliebete Frl.
Schwester / ich will unserer auch geliebten Schwester Frl. Sibyllen gnugsames
Vermögen zur Dankbarkeit durchaus nicht in Zweifel zihen / aber allem ansehen
nach / dünket mich / Eure Liebe leisten bei ihr nicht das Werk einer geträuen
Schwester / dann weil dieselbe / eurem eigenen vorbringen nach / ihrer
Unvermögsamkeit / den Dank beiden zuleisten / gegen Eure Liebe sich beklaget /
stünde derselben / meines erachtens / als einer vertraueten Schwester sehr wohl
an / wann sie in dieser Bemühung sich ihr zur Hülffe anerböhte / und die Helffte
der Last von ihr über sich nähme. Frl. Sibylla bedankete sich der gnädigen
Urtel; jene aber / wie sie gar erfindsam wahr / sagete: Es hat aber meine Frl.
Schwester mich hierumb nicht eins begrüsset / und weiss man wohl / dass angebohtene
Dienste in schlechtem Wert und geringer Achtung stehen. So bitte ich dich noch
darumb / antwortete jene / du wollest diese Müheverwaltung auff dich nehmen; und
zwar eben diese Bitte an dich zulegen / wahr ich bedacht / da unsere Gn.
GrossFürstin uns aufffoderte. Das lasse ich auff seinen Wert und Unwert beruhen /
sagte Frl. Lukrezie / aber was würden diese verständige Fürsten von mir vor
Gedanken fassen / wann ich mich zu etwas erbieten wollte / worzu mein Vermögen
nicht bestand ist / daher dero Liebden sich von mir sehr wenig oder wohl gar
nichts zuversprechen haben / ich ihnen auch geträulich rahten will / dass sie sich
an den Selb-schuldigen halten / welcher ungleich besser als ich / zuzahlen hat;
zugeschweigen / wie frech und vermässen ich müste geschätzet sein / wann
zwischen ihre Heimligkeiten ich mich einstecken wollte. Nicht also / sagte die
GrossFürstin / sondern es werden eurer zwo der Schuld besser / als nur eine
einzige abhelffen können / insonderheit / weil sich zween Gläubiger finden / die
ohn zweifel die Schuldfoderung nicht auffs höchste treiben werden / deswegen
nehme Frl. Lukrezie die Schuld mit auff sich / nebest der Erklärung /dass sie
Selb-schuldige wolle mit sein / alsdann will ich vernehmen / ob nicht einer von
diesen Fürsten ja so gerne auff sie / als auff Frl. Sibyllen sehen wolle. Der
müste gerne in Schulden stecken / antwortete sie /der sich selbst eines höheren
verpflichtete / als sein Vermögen sich erstrecket. Fürst Siegward gab sich mit
ins Gespräch / baht anfangs umb verzeihung / dass neben seinen Freund und
Gesellen / er in des Durchleuchtigen Frauenzimers Erlösung / sich so faul und
nachlässig erzeiget / und nicht bald der ersten Stunde ihrer Ankunft sie der
Angst benommen hätte / daher ihnen mehr die Züchtigung und Straffe / als einige
Vergeltung nachstünde; hielt hernach bei der GrossFürstin an / sie möchte ihren
Unvolkommenheiten zu hülffe kommen / und bei diesen vortreflichen Fräulein ihnen
diese Gunst erwerben / dass sie ihre begierigen Dienste nicht nach dem Vermögen /
sondern Willen urteilen wollen. Worauff die GrossFürstin zur Antwort gab: Als
viel ich merke / währe dieser Streit bald geschlichtet / weil meine Durchll.
Oheimbe nur alles vor eine unverdienete Gunst rechnen wollen was von meinen
Frll. Schwestern ihnen etwa gutes begegnen möchte. So erklären nun dieselbe sich
ohnbeschweret / ob sie diese Bedingung eingehen können / alsdann werden sie ihre
Schuld völlig bezahlen / und dannoch vor solche gehalten werden die zubezahlen
nicht schuldig sind. Die Fräulein merketen wohl / wohin dieser Vortrag zielete /
tahten doch nicht desgleichen /stunden unterdess und sahen eine die andere an /
weil keine gerne hierauff antworten wollte; biss endlich Frl. Sibylla anfing:
Durchleuchtigste GrossFürstin / ob gleich dieser Durchll. Fürsten Höfligkeit so
gross ist /dass sie ihre mir erzeigete Woltahten so geringe schätzen / muss doch
ich so vergessen nicht sein / dieselbe in den Wind zuschlagen / es währe dann /
dass ich etwas über meine Ehre liebete / welche nähest Gott Ihren Durchll. ich
einig zudanken habe; erkenne mich deswegen schuldig / alles mein ehrenwilliges
Vermögen / in Erzeigung der höchstschuldigen Dankbarkeit gerne anzuwenden /
nicht zweifelnd / weil dieser Last ich nicht allein bestand bin / meine
herzgeliebete Frl. Schwester werde einen Teil auff sich nehmen / welches in
allen Begebenheiten zuerkennen / ich mich willig erbiete; dass sie aber dieser
Durchll. Fürsten Anfoderung hierzu erwarten will / ist nichts als eine
stilschweigende Wegerung; massen sie höret und vernimt / dass unsere Rechnung so
weit vonander stimmet / dass dieselben meine Schuld nicht eins wissen noch
erkennen wollen. Geliebte Frl. Schwester / sagte Frl. Lukrezie / du legest es
über in die länge oder quere /muss ich doch zuvor wissen / ob ich gnugsam bin /
dir deine Last tragen zuhelffen / damit mirs nicht gehe wie jenem stolzen Rehe /
welches dem Hengste die Bürde ab- und über sich zunehmen wagen durffte /und
unter solcher Last erdrücket ward. Du wilt gar zu vorsichtig spielen /
antwortete Sibylla / welches allemahl eben so hoch nicht zu loben ist; versprich
mir nur auff den fall der gnugsamen Düchtigkeit deinen Beistand / so wird sich
das übrige algemach schicken. Du spannest die Pferde hinter den Wagen /
antwortete jene; ich muss ja nicht ehe versprechen etwas zuleisten / sondern
vorher mich prüfen / obs in meinem Vermögen sei oder nicht; und höre doch deines
Anschlages Ungültigkeit aus einer gleichen Anfoderung: versprich mir nur / dass
du mich wollest zur Königin in Parten machen / so wird sich das übrige algemach
fein schicke. Du bist eine Verdreherin meiner Reden / sagte Frl. Sibylla / und
reimet sich dein Einwurff gleich als eine Bradwurst auff dein Näheküssen. Sie
wollte weiter reden / aber Fr. Sophia / welche ihrem Gespräch eine zeitlang von
ferne zugesehen hatte / und nicht wissen kunte / was dessen Ursach oder Inhalt
wahr / trat gleich hin zu ihnen / und ward dieselbe von der GrossFürstin also
angeredet: Herzen Fr. Schwester / Eure Liebe / bitte ich sehr / helffen mir den
streit dieser beiden allerliebsten Fräulein glücklich beizulegen / welcher daher
entstanden ist /dass Frl. Sibylla an ihrer Frl. Schwester begehret / in Abtragung
der Dankbarkeit / womit sie diesen bei den Durchll. Fürsten sich meint 
verschuldet sein /ihr möglichen Beistand zu leisten / dessen sie sich zugleich
erbeut und wegert. Daran tuht meine geliebte Frl. Schwester Lukrezie recht und
wohl / antwortete sie / wann sie dieser Anmuhtung sich beständig entschläget /
dann bei meiner Frl. Schwester Sibyllen ist das Vermögen / sich vor ihr Häupt
dankbarlich zuerzeigen / insonderheit gegen den Durchl. Fürsten Herrn Siegward /
dessen Liebe vornehmlich ihrer Ehren Retter gewesen ist; Weil aber der Durchl.
Fürst H. Baldrich sich gleich so hoch umb mich verdienet gemacht /und unter
seine schuld mich gebracht aber solches zubezahlen weder Gelegenheit noch Krafft
habe / ist mein gänzlich tichten / meine herzgeliebete Frl. Schwester Lukrezien
an meinen Platz hinzustellen /der gewissen Zuversicht / sie werde mir diese Bitte
nicht versagen / die nach äusserstem Vermögen ohn einige Bedingung zuersetzen /
ich mich hiemit will verpflichtet haben. O wie klungen die ersten Worte so wohl
vor mich / antwortete Frl. Lukrezie / und hielt ich mich schon gar vor eine
lossgesprochene / befinde aber / dass durch die folgenden ich aus der Bach ins
Meer gejaget werde / weil ich dorten selb andere / hier aber ganz allein zahlen
soll. Nun muss zwar meiner Frau Schwester ich billich zu gehorsam stehen / und ihr
gebieten über mich nehmen / ob ich gleich darunter gar erliegen sollte / nur
werde ich gezwungen / bei hochgedachten Fürsten demühtige Ansuchung zutuhn / dass
er mein Unvermögen übersehen / und nit grössere Erstaltung von mir fodern wolle
/ als meine schwachen Kräffte zulassen. Nicht ist meine Frl. Schwester mir
schuldig / sagte Fr. Sophia / aber mir genüget an diesem erbieten / und bitte
sehr / sie wollen ihren Tanz länger nicht auffschieben / nachdem ich verhoffe /
die wichtige Streitigkeit sei nunmehr beigelegt. Noch eines nur / Fr. Schwester
/ sagte Frl. Lukrezie /dass ich wissen möge / wie hoch dem Durchl. Fürsten
ihretwegen ich müsse verpflichtet sein. Sie lachete der Frage / und gab zur
Antwort: Weil meine Frl. Schwester mir solches abfodert / ist sie dem Fürsten so
hoch verschuldet / dass sie ihm volkommene Gewalt zustelle / von ihr nach
belieben zufodern / und sie ihm keine Bitte versage / weil dessen Liebe weder
ungebührliche noch unmögliche Dinge von ihr begehren wird. Meine Fr. Schwester
bedenket es kaum halb / sagte sie / was sie jezt redet / welches ich ihr nach
diesem weitläuftiger auslegen werde. Also setzeten sie ihren Tanz in guter
Zierligkeit fort / nachgehends liessen die Fürsten sich bei dem Fräulein sitzend
nider /und wageten sich / allerhand verliebete Reden vorzutragen / insonderheit
Siegward / als welcher in guter Hoffnung stund / noch diesen Abend von seinem
Fräulein das unbedingete Jawort zuerhalten; weil aber solches von ihr nicht
zuerzwingen wahr / sondern sie auff ihrer heutigen Antwort fest bestund / und
ihn zugleich freundlich erinnerte / er möchte alle unständige Eile aus seinem
Herzen verbannen / damit alles fein erbar zugehen möchte; machte er sich zu Fr.
Sophien /erinnerte sie des in der Höhle getahnen versprechens /dass nach
anlangung zu Padua / sie ihr seine Sache bestes vermögens wollte lassen angelegen
sein; dessen möchte sie sich gnädig erinnern / und die Befoderung tuhn / dass die
langwierige Brunst ihm das Blut nicht gar austroknete; zwar er befünde das
allerliebste Fräulein ihm nicht allerdinge abhold / nur dass sie alles auf ihrer
Eltern und Anverwanten Bewilligung aussetzete / welches den Zweifel in seiner
Seele immerzu vermehrete; Weil ihm dann nicht unwissend währe / dass Ihre Liebe
ihm sein suchen bei hochgedachten Eltern hernähst wohl würde erhalten können
/welches er aus der ihm gemacheten Hoffnung schliessen müste / bähte er
instendig / ihm zufoderst der Fräulein volständige Einwilligung zuerwerbe /
damit er aller furchtsamen Angst entnommen / seinen Geistern ruhe und sicherheit
erteilen könnte. Sie antwortete ihm; dass sie nicht allein ihrer Zusage / sondern
auch ihrer schuldigkeit sich wohl erinnerte / daher sie schon heut früh mit ihrem
Herr Vater alles verabscheidet hätte / dessen gutwilligkeit sie in der Taht
verspüret /in dem derselbe alsbald einen reitenden Bohten nach Rom an der
Fräulein Eltern / ihren Willen einzuhohlen / abgefärtiget / der mit
abgewechselten Pferde Tag uñ Nacht eilen würde; weil aber das meiste bei dem
Fräulein selbst stünde / wollte sie hinte ihr Schlasgeselle sein / und versuchen
/ wie weit sie es gegen Morgen früh fortsetzen könnte / und er sich eine kurze
Zeit gerne gedulden würde. Aber saget mir /bitte ich / (taht sie hinzu) / wessen
mag der liebe Fürst Baldrich gesinnet sein? ich hoffe ja nicht / dass er willen
trage / uns so bald zuverlassen / und genehmere örter zu suchen / welches ich
aus seiner angenommenen schwermuht argwohnen muss. Siegward verstund diesen
Possen nicht / welcher nur angeleget wahr / Baldrichs Liebe gegen Fräulein
Lukrezien ausszuforschen / antwortete deswegen in aller einfalt: Er währe
versichert / dass sein lieber Freund die allergröste Vergnügung an diesem Orte
hätte / und nichts so sehr befürchtete / als dass er denselben gar zu zeitig
würde verlassen müssen / sintemahl er in Frl. Lukrezien sich dergestalt
verliebet befünde / dass er sein selbst darüber vergässe / uñ doch wegen ihrer
ernstaftigkeit / deren sie sich gegen ihn gebrauchete / und dass er ihr keine
Dienste geleistet / sein heftiges anliegen nicht lossdrücken dürfte; gäbe vor /
er merkete in ihren Augelein einen scharffen Nebenblik / den sie auff ihn
schösse / wann von seiner verliebung er zu reden anfinge / und weil er denselben
nicht ertragen könnte / würde er aus furcht / sie zubeleidigen / in seinen
begierden lieber vergehen / als einer so grossen Wagnis sich unternehmen; und
ist dieses / sagte er /nicht der geringsten Ursachen eine / dass ich mein
Vorhaben so eilends fort treibe / damit ich meinem Liebsten Freunde desto besser
zu hülffe treten möge. Ist dieses die Ursach seiner Traurigkeit / antwortete sie
/ so wird euer Liebe gebühren / ihn zu trösten /und ihn auff meine träue
zuversichern / dass den Stoss /welchen er dem Räuber Fannius gab / ich zuvergelten
/ und dieser Fräulein gewogenheit ihm zuerwerben /mich äusserst bemühen will; nur
reize eure Liebe ihn an / dass er sich etwas freier gegen sie gebrauche / und
nicht unterlasse / auff gute gelegenheit ihr seine Liebe zu offenbahren / auch
ungeachtet aller wiedrigen Antwort / nicht ablasse / dann ihre Art und
eigenschaften sind mit Frl. Sibyllen nicht einerlei / sondern gehen viel
frischer / bewäglicher und spizfindiger; und ob sie gleich sich weit werffen
wollte / wird der liebe Fürst doch allemahl etliche eingemischete Reden hören /
die ihr ertichtetes wegern und wiedersprechen selbst gnug wiederlegen werden.
Siegwarb ward ihres erbietens sehr froh / verliess sich zwar auff ihr versprechen
/ und wollte doch selbst versuchen / wie weit ers bringen könnte. Vor erst aber
machte er sich zu Baldrichen / liess ihn alles wissen / und stärkete ihn / seine
Anwerbung ungescheuhet anzubringen. Die GrossFürstin hatte unterdessen mit
Arbianes einen Tanz gehalten / und ihn erinnert / mit Baldrichen gute Kundschaft
zu machen / welches ihm zu seinem Vorhaben sehr dienlich sein würde; gab ihm
auch an die Hand /sein Vermögen an den Tag zu legen / und ein Frei-rennen auff
seine Kosten anzustellen / auch nichts zu sparen / ob gleich alle seine Schätze
(welches doch unmöglich) drauff gehen sollten / damit er ihm einen Nahmen
erwürbe. Er bedankete sich wegen des geträuen Rahts / trat vor den Statalter /
und redete ihn also an: Hochmögender HerrStatalter / nachdem der gütige Himmel
meine Gnn. Herrn und Brüderliche Freunde / König Ladisla / GrossFürst Herkules
und Herrn Kajus Fabius glücklich und gesund wieder hieselbst angelangen lassen /
bin ich willens / hierüber etliche Freuden Tage anzustellen / und dabei ein
Freistechen zu halten / da alle ankommende Ritter von mir sollen aus den
Herbergen frei aussgelöset werden / so viel deren sich bei dieser ritterlicher
Ubung wirklich gebrauchen / bitte demnach eure Gn. wollen hierin gnädig gehehlen
/ und mir zu diesem Vorhaben den Platz gönnen / auff welchem König Ladisla sein
allerliebstes Gemahl aus Räuber Händen erlöset hat. Dem Statalter wahr nicht
unbewust / dass er grosse baarschaften bei sich führete / willigte deswegen nit
allein gerne ein / sondern bedankete sich zugleich /dass er seiner gegenwart eine
so wirdige und ritterliche Gedächtnis hinterlassen wollte. Baldrich hatte durch
seines Gesellen einrahten sich nicht wenig gestarket /nam ihm vor alle
mögligkeit anzuwenden / ob er seinem Vorhaben einen beständigen Fuss setzen
möchte /und weil er sein liebes Fräulein allein sitzen fand /nam er nach
gebehtener erläubniss den nähesten Siz bei ihr / und bedankete sich / in
niderträchtiger Demuht / dass auff der Durchl. Fr. Königin in Böhmen anmuhten /
sie sich erbohten hätte / derselben Stelle zuvertreten. Nun hätte er aber von
höchstgedachter seiner Fr. Schwägerin so hohe woltahten empfangen /dass er
solches nicht anders / als mit darbietung seiner selbst zuersetzen wüste / würde
demnach das hochgebohrne Fräulein an ihrer Fr. Wasen statt ihn vor einen Knecht
und Diener annehmen / und sich der Gewalt über ihn gebrauchen / dass sie ihm
völlig und ohn einige bedingung beföhle / alsdann wollte er mit darstreckung
seines Blutes und äussersten vermögens sich bereit halten / ihren gebohten
entweder genüge zu tuhn / oder einen willigen Tod anzutreten. Worauff sie also
antwortete: Ich getraue nicht / Durchl. Fürst / es vor meiner Fr. Schwester
verantworten zu können /wann sein gar zu hohes erbieten ich annehmen würde /
massen von derselben ich aussgefodert bin / nicht in noch tieffere Schulden mich
zusetzen / sondern die ihre nach vermögen abzutragen; wiewol sein getahnes hohes
erbieten ich billich erkenne / und wie daraus seine gute gewogenheit ich zur
genüge verspüre / also werde ich gelegenheit suchen / mich dankbar finden zu
lassen / als gegen einen / der mich schon gewirdiget hat / sich mir ritterlicher
Weise zuverbinden / welcher ehren ich mich doch / wie schon heut erwähnet
/unwirdig halte / und dürfte ohn zweifel schier heut oder morgen euer Liebe
Gemahl mirs zum Hochmuht auslegen / dass ich einen solchen hohen Fürsten vor
meinen Ritter anzunehmen / mich nicht gescheuhet. Baldrich merkete aus dieser
Antwort / dass sie sein ansuchen nicht verstehen wollte / daher er auff Siegwards
anmahnung sich steurend / seine runde Meinung dergestalt vorbrachte.
Hochgebohrnes Fräulein / wie kann doch eure vortrefligkeit von ihrem
dienstergebenen Knechte diese Gedanken fassen / ob würde er irgend einer andern
als ihr / sein Herz zuwenden / oder ausser sie ein Gemahl suchen? eine solche
unteutsche Seele hat mir der Himmel nicht eingegossen / müste auch billich
verfluchet sein / wañ gegen ihres gleichen ich anders reden als gedenken würde.
Wolle demnach ihre Liebe bei meinen Ritter- und Fürstlichen ehren / die ich
nimmermehr zu schänden bedacht bin / sich versichern lassen / dass meine Seele
nichts anders suchet noch sehnet / als von deroselben vor einen künftigen Gemahl
angenommen zu werden /welches da ichs erhalten kann / mir die allerhöchste
Vergnügung geben wird / im widrige / werde ich nichts so emsig suchen / als
meinem Fräulein durch die allerkräftigste bewährung darzutuhn / dass mein Herz
niemand anders als ihrer vortrefligkeit könne ergeben sein. Das Fräulein hielt
diese Anwerbung vor gar zu dürre uñ kühn / stellete sich etwas erschrocken / und
gab zur Antwort: Durchl. Fürst / dieses euer Liebe Ziel habe aus dero vorigen
reden wegen meiner einfalt ich nicht absehen noch mir volstelle können /als die
ich dergleichen anmuhtungen bissdaher allerdinge ungewohnet bin; bedanke mich
zwar der hohen gewogenheit gebührlich / aber weil einem Römischen Fräulein / die
ihren lieben Eltern und Anverwanden unterworffen und zum gehorsam verbunden ist
/ in dergleichen teidungen sich einzulassen / keines weges geziemen will / wird
eure Liebe fernere erklärung von mir nicht gewärtig sein / deren sonsten geträue
freundschaft biss an mein Ende zuerzeigen ich mich nicht wegern will / uñ da ich
mich selbst rühmen darff / leiste eben hiedurch euer Liebe ich schon eine
wirkliche Freundschaft / wann dieselbe ich von solchem vornehmen und ihr selbst
gar zu schädlichen Gedanken abrahte / weil ich weiss / dass da ihre Liebe dieses
fortsetzen und erhalten würde / dieselbe sich ihrer lieben Eltern und aller
Fürstlichen Erbschaft ewig verzeihen müste. Baldrich gedachte nicht anders / als
das Fräulein suchete nur ertichtete aussflüchte / sich seiner zuentbrechen / liess
deswegen einen tieffen Seuffzer aus dem innersten seines Herzen / und sagte mit
gebrochener Stimme: Nun meine Seele / so bitte dieses mehr als irdische Fräulein
demühtig umb verzeihung /wegen deines unbesonnenen frevels / nim auch / ob
gleich peinlich / dannoch willig an / was durch diese Frecheit du dir selbst
auffgebürdet hast; ihr aber / trefliches Fräulein / gedenket ja nicht / dass ich
deren aussdrükliche wegerung unter einer ertichteten Furcht mir vorgehalten / vor
unrecht aussgeben oder anklagen wolle; nein / der Gehorsam euer Liebe versprochen
/erfodert viel ein anders; sondern weil ich mir unternehmen dürffen / ihre Ohren
durch meine verwägene Anwerbung zubeleidigen / will ich der Straffe mich willig
unterwerffen / nur allein wünsche ich / dass diese allerliebste Hand (die ihre
drückend) die volstreckung der billichen Rache über sich nehmen / und mein gar
zu freches Herz abstossen wollte. O du glückseliger Baldrich / dass du diese so
trefliche volkommenheit gesehen hast! aber O du unglücklich-verwägener / dass du
derselben dich hast dürffen fähig schätzen! So bestätiget nun / hochgebohrnes
Fräulein /meine getahne verpflichtung / wodurch ich mich verbunden / niemand als
nur ihr zu leben und zu sterben; und weil ich des ersten unwerd bin / mich auch
nunmehr selbst vor einen solchen halten muss / weil ihre Urtel so geht / will ich
das andere ja so bestendig volstrecken / als ich die Schuld des Todes über mich
mutwillig gezogen habe; nur lasset diese meine willigkeit ein Zeichen meiner
geschwornen träue sein. Hiemit stund er auff / und wollte abscheid von ihr nehmen
/ des gänzlichen vorhabens / noch diesen Abend hinaus in einen Wald zu reiten /
und daselbst sein Leben durch Hunger zuendigen. Aber das Fräulein befürchtete
noch ein schwerers / fassete ihn bei der Hand / und da er auffstund weg zugehen
/ sagte sie mit ganz verworrenem Gemühte zu ihm: Durchl. Fürst / und mein Ritter
/ wohin gedenket eure Liebe so eilig? Nach dem Ende meines Unglücks / antwortete
er: Wo meint  aber eure Liebe solches anzutreffen? fuhr sie fort; ist es in der
nähe / so nehmet mich mit /dann ich wollte des Unglücks auch gerne entladen sein.
Diesen Wunsch / sagte er / wird eure vortrefligkeit alsbald nach meinem Abwich
erhalten / wann die Ursach ihres Unglücks wird aus dem Wege geräumet sein. Dass
sind dunkele Reden / antwortete sie / deren Verstand ich nicht begreiffen kann /
bitte demnach /mich dessen klärern bericht zu tuhn / oder ich muss billich an
seiner mir so teuer versprochenen gewogenheit zweiffeln. Eben diese Gewogenheit /
sagte er /weil sie mich gar zu verwägen gemacht / soll davor mögliche Busse
angehen / und bitte die Götter / eure vortrefligkeit in stetem Schuz zu halten /
mir aber zuverzeihen / dass ich habe lieben dürffen / welches ich nur sollte
angebehtet habe. Eure Durchl. leget mir grosse beschimpfung an / sagte sie / in
dem sie mich über gebühr erhebet / dessen ich dann zu seiner Zeit gebührlichen
abtrag fodern werde; nur bitte ich dissmahl / mich eigentlich zuberichten / wo
des Unglücks endschaft anzutreffen sei / auff dass ich zugleich mit ihm dahin
gelangen könne. Da werde ichs finden / antwortete er / da es keine Gewalt mehr
über mich hat; ihre Liebe aber hat hieran keinen teil / weil sie keines
verbrechens kann beschuldiget werden; bitte demnach mein Fräulein wolle ihren
unwirdigen Knecht gnädig beurlauben / einen kurzen abtrit zunehmen. Ich habe
über eure Durchl. mich höchst zubeschweren / antwortete sie / dass dieselbe sich
vor unwirdig schelten /und mir einige Gnade über ihre Fürstliche Hocheit zulegen
darff / und soll trauen alles auff ein Kläuel gewunden werden; sonsten willige in
euer Liebe abtrit ich gar gerne / dafern dieselbe mir angeloben wird /auffs
schleunigste sich wieder einzustellen. Dafern dir Götter mir solches gönnen /
sagte er / gehorsame ich auch in diesem / wie in allen andern; aber was ist euer
Liebe mit dessen Wiederkunft gedienet / der wegen begangenen frevels seine Augen
nicht auffschlagen darf / uñ daher sich unwirdig achtet / den Himmel
anzuschlagen / weil er dessen allervortreflichstes Geschöpff zu hart beleidiget
hat? Das Fräulein zweiffelte an seinem wütigen Vorhaben nicht mehr / wusste aber
vor Angst nicht / wessen sie sich erklären sollte; dann sie merkete / dass er auch
ohn ihre Bewilligung aufstehen wollte / davon zugehen / welches zuverhindern sie
ihr gänzlich vornam / und zu ihm sagete: Durchl. Fürst / ich trage sehr hohe
begierde / mit euer Liebe Frl. Schwester / Frl. Klaren in Kundschaft zugerahten
/ und derselben gehorsamlich aufzuwarten / nachdem deren vortrefliche Schönheit
und Tugend mir von Fr. Libussen hoch gerühmet ist; da ich dann von deren Durchl.
auch einen gedächtnis Ring zu überkommen hoffe. Alsdann wolle eure Liebe /
antwortete Baldrich / meiner Frl. Schwester meinen Gruss anmelden / und zum
Wahrzeichen unbeschweret andeuten / ich habe ihr begehren in Schweden geträulich
verrichtet / aber die erhaltung sei mir erst über ein Jahr versprochen /alsdann
sie alles nach belieben werde abfodern können. Wie? sagte sie / will dann eure
Liebe nicht mit uns in ihr Vaterland reisen? dass währe trauen ein schlechter
Ritterdienst / dessen zu euer Liebe ich mich nit versehen hätte. O eure Liebe
kränke doch meine Seele weiter nicht mehr / antwortete er / weil dieselbe ja
willig und bereit ist / den Sold / welchen sie verdienet / zuempfahen; man
gebrauchet sich ja gegen arme Sünder wohl der Folter / aber nicht / wann sie
gutwillig alle Schuld bekennen / und ja so fertig sind / die Straffen
auszustehen / als der Richter ist / sie anzulegen. Das Fräulein kunte so
Herztreffende Reden nicht länger anhören / sagte deswegen zu ihm:
Durchleuchtigster Fürst / ist einige ungetichtete Liebe in seiner Seele gegen
meine Wenigkeit / so wolle er sich in dergleichen vorbringen mässigen / damit
ich nicht ursach habe / mich seiner Unbilligkeit zubeklagen. Dass Eure Liebe ich
vor meinen wahren Freund halte / habe ich schon heute nicht schlechten
Beweisstuhm dargelegt /es wäre dañ / dass man über züchtiger Fräulein gebühr von
mir fodern wollte / welches / wie ich weiss / eure Redligkeit nicht begehren kann.
Mein Freund vernimt ja von mir / wie träulich ich es mit ihm meine / indem ich
ihm so auffrichtig vorstelle / was vor Unglück ihn wegen meiner Heirat zustossen
würde; nennet er dann solches eine Folter? hält er das vor eine Peinigung?
Baldrich ergriff sich in etwas durch diese Reden / wusste doch nicht / wie ers
verstehen sollte /dass ihm diese höchstgewünschete Heirat so schweres Unheil
erwecken könnte / und antwortete ihr: Durchl. Fräulein / was könnte mir doch ein
so glückseliges Engelchen vor Unglück bringen? oder meint  Eure Liebe / dass meine
liebe Eltern uñ mein Teutsches Vaterland / solche Tugend und Schönheit hassen /
die an ihr in solcher Volkommenheit hervor leuchten? Wolte der Himmel / dass ich
sonst kein widerwärtiges in dieser Welt zugewarten hätte / würde ich dieses mit
gutem Willen ertragen. Ja mein Durchl. Fürst / sagte sie / eben durch diese
Reden gibt er an den Tag / dass er die meinen nicht recht verstehe / erachte mich
demnach schuldig / ihm solche zuerklären; Anfangs aber ersuche ich Eure Liebe /
meine Geringfügigkeit nicht über ihren Wert zuloben / damit vor derselben ich
nicht schamroht stehen dürffe; Hernach erinnere ich dieselbe / dass ihr nicht
unbewust ist /was gestalt sein Herr Bruder / GrossFürst Herkules /unangesehen
seines gleichen an Ehre / Frömmigkeit und Tugend in der Welt schwerlich zufinden
/ dannoch von seinem Herr Vater und dem ganzen Vaterlande / bloss wegen seines
Christentuhms und gottseligen Lebens angefeindet wird / dass man auch damit
umgehet / ihn des Reichs nicht allein zuenterben /sondern noch darzu als einen
Feind der Teutschen Götter in die ewige Acht zuerklären. Nun kann Euer Liebe aus
auffrichtigem Herzen ich nicht verhehlen /dass nicht allein ich und meine liebe
Eltern Christen sind / sondern überdas ich meinen Leib lieber zu Aschen
verbrennen lassen / als denselben allein seligmachenden Glauben verleugnen /
oder einen UnChristen an meiner Seite warm werden lassen wollte; und weil dieser
mein Vorsaz weder durch Macht noch Güte / ja weder durch Pein noch Tod kann
gebrochen werden / so sihet und verstehet Eure Liebe / wie grosse Ursach ich
gehabt / dieselbe von ihren verliebeten Gedanken abzuzihen / die mir sonsten
nicht unangenehm sein könten / angesehen deren hohe Fürstlichen Stand / doch
vielmehr deren Tugend und Frömmigkeit / und dass dieselbe mit meinem grösten
Freunde GrossFürst Herkules in so naher Blutfreundschaft stehet. Au weh!
antwortete Baldrich; nehmen dann so vortrefliche Fräulein auch diesen neuen
Glauben an /welcher von aller weltlichen Obrigkeit mit höchster Straffe
verfolget wird? Je warumb nicht? sagte sie /warum sollten nicht so wohl Weibes-
als Mannesbilder ihrer ewigen Seligkeit acht haben? und zweifelt eure Liebe
hieran? oder meint  sie / dass die GrossFürstin Fr. Valiska / und Fr. Sophia / ja
auch meine Wase und Schwester Frl. Sibylla / neben König Ladisla und vielen
anderen unser Gesellschaft eines anderen Glaubens leben? Ey mein Fräulein /
antwortete er / so kann ich / was sie mir auch sagen mag / weder sie noch
jeztgedachte Tugendergebene Herzen vor unkeusch und viehisch halten / und daher
sie des unzüchtigen Christentuhms mit nichten beschuldigen; und ob der übrigen
Art und Sitten mir gleich unbekant sind /weiss ich doch ungezweifelt / dass weder
König Ladisla / noch mein Bruder Herkules mit unzüchtigen Gemahlen sich
schleppen können / noch meine Wase Frau Valiska einigem Menschen in ungebühr
zuwillen sein. Das Fräulein entsetzete sich vor dieser Rede /und gab ihm mit
zimlicher Ungestüm zur Antwort: So hält Eure Liebe unser Christentuhm und die
viehische Unzucht vor ein Ding? O der grundgütige GOtt verzeihe euch ja diese
schwere Gotteslästerung / weil sie verhoffentlich nicht aus Bosheit / sondern
blosser Unwissenheit entspringet; Aber was muss doch vor ein abgeseimeter Bube
sein / der solche Abscheuhligkeiten von den unschuldigen Christen aussprengen
darff / da keine heiligere noch keuschere Gesetzte / als eben der Christen /
können gefunden werden / nachdem dieselben nicht allein äusserliche Unreinigkeit
sondern auch die innerliche unzimliche Gedanken und Bewägungen vor Sünde halten
/ und davon abmahnen. Baldrich antwortete hierauf: Wird mein erzähletes von den
Christen mit Unwarheit ausgegeben / so müssen alle unsere Pfaffen die
gottlosesten Schelmen unter der Sonne sein; dann ein solches bilden sie täglich
grossen und kleinen / hohen und nidrigen ein / und erwecken dadurch einen
solchen unversöhnlichen Hass in aller Menschen Herzen / dass wann einziger sich in
meinem Vaterlande sollte finden lassen / der sich vor einen Christen angäbe /
oder nur ihren Glauben / wañ dessen gedacht wird / ungeschändet liesse / würde
er ohn einige Gnade unsern Göttern / als das angenehmeste Opffer abgeschlachtet.
So gebet ihr nun / Durchl. Fürst / selber zuverstehen /sagte sie / was grosse
Gefahr Euer Liebe auff meiner Heirat stehen würde / und er daher meiner
auffrichtigen Träue sich wohl versichern kann / weil ich ihn von diesem Vorsatze
so herzlich abrahte / massen eine lautere Unmögligkeit ist / dass umb seinet /
oder einiges Menschen willen / wer der immer sein mag / ich meinen Glauben
verlassen / und einem andern zugefallen zum Teuffel fahren wollte / sondern
vielmehr willig und bereit bin / umb meines Gottes willen mein zeitliches Leben
herzlich gerne einzubüssen / wans von mir sollte gefodert werden / worzu auch ein
jeder rechtschaffener Christ sich gefasset hält und halte muss; Und ob zwar
zwischen Heiden und Christen die Heirat zugelassen ist / wie dann Euer Liebe
ich vertraulich offenbahre / dass die Frau Statalterin meine Fr. Wase / den
Christliche Glauben mit ihres Gemahls Zulassung stets bekennet hat / so habe ich
doch in meinem Herzen es meinem Gott äidlich angelobet /dass nimmermehr kein
UnChrist mein Bräutigam oder Gemahls sein soll; Wolle demnach mein Fürst und
Ritter erkennen und erwägen / dass unsere Ehe durch seine gar zu grosse Gefahr
und durch meine lautere Unmögligkeit gehindert wird / massen ich gar nicht
zweifele / er werde dieses bei ihm gelten lassen / dass ich schuldig bin / mehr
meinen Gott / als einigen Menschen zulieben. Ach mein ausserwähltes Fräulein
/antwortete er / ich bitte sie durch ihren Gott / dem sie so fest anhanget / sie
wolle ihre Liebe mir nicht so gar vor der Faust abschlagen / und mir diese Frage
beantworten; dass wann ich ihrem Gott mich auch ergeben /und denselben unter die
meinen auffnehmen würde /ob dann nicht die Unmögligkeit an ihrer seiten
zerginge. Nein / Durchl. Fürst / antwortete sie; eine solche Beschaffenheit hat
es gar nicht mit unserm Glauben /dass man zugleich unsern Gott / welcher der
einige wahre Gott ist / bekennen / und nebest demselben andere Götter / die alle
übern hauffen falsch und ertichtet sind / verehren könnte; sondern der allererste
Grund unser Christlicher Lehre ist dieser / dass wir allein allein unsern einige
wahren GOtt / als einen Gott fürchten / lieben / ehren / und alle andere falsche
/ betriegliche / ohmächtige und nichtige Götter verachten /verwerffen / und aus
unserm Herzen verbannen müssen; und weil wir krafft unser Lehre / und bei
Verlust der ewigen Seligkeit / nicht anders können / so ist diss die vornehmste
Ursach / dass die Heiden uns so hart verfolgen / und mit grossen Hauffen tödten.
Es ist ein hartes / sagte Baldrich / dass in diesem stük euer Gott von euch
erfodert. Ach nein / sagte das Fräulein lächelnd / es ist nichts als die höchste
Billigkeit; dann sehet / mein Fürst / wann jemand von euch erfodern wollte / ihr
soltet nicht allein die Tapfferkeit / sondern auch die Furchtsamkeit; nicht
allein die Gerechtigkeit / sondern auch die Ungerchtigkeit; nicht allein die
Keuscheit / sondern auch die Unzucht und Ehebruch; nicht allein die Warheit /
sondern auch die Lügen vor herrliche Tugenden und vor gut halten; woltet ihr ihm
auch folge leisten? So währe ich nicht wert / dass mich der Erdbodem trüge /
antwortete er / wañ ich nicht lieber tausend Tödte über mich nähme / als dieses
einwilligte. Und so müste ich / sagte das Fräulein / lieber tausendmahl tausend
Töde über mich nehmen / als dasselbe vor meinen Gott halten / was falsch /
errichtet / nicht und teuflisch ist; dann Gott ist mehr als Tugend. Mein
Fräulein redet recht und wohl / sagte er /aber woher will man erweisen / dass euer
einiger Gott nur der wahre / und alle andere falsch und nichtig sind? Dessen bin
ich so gewiss und versichert / antwortete sie / dass ich allen übrigen Göttern /
meinen einigen ausgenommen / Troz biete / ob einer so mächtig sei / dz er mir
ein einziges Häärlein kränke; und wann wir diese ganz unfehlbahre Gewissheit
nicht hätten / so währen wir die allerelendesten und unwitzigsten Menschen; und
was könnte uns doch so beständig im Glauben / und so willig zum Tode machen /
wann wir diese Gewissheit nicht hätten: O nein mein Fürst /wir sind Gott Lob
unserer Sinnen nicht beraubet /noch der Vernunft entlauffen / sondern unser
Glaube ist das allergewisseste Vertrauen / welches durch keinen Teuffel noch
Menschen kann gebrochen werden /wann wirs nicht selbst boshafter weise tuhn; Und
dafern Euer Liebe dereins gefallen könnte / sich dessen berichten zu lassen /
wird sein Herr Bruder / oder dessen Gemahl (die eine ausbündig-gelehrte Christin
ist) ihm ein solches nicht versagen. Gnädiges Fräulein /sagte er hierauff / darf
ich noch um einer einzigen Frage Beantwortung anhalten? Nicht nur um eine
/antwortete sie / sondern umb alle. Ich traue ihrem versprechen / sagte er /
sonst würde ich mich nimmermehr so weit erkühnen; möchte demnach herzlich gerne
wissen / ob dann / im falle ich ein Christ würde / mein voriges ansuchen statt
finden könne; und damit Ihre Liebe desto gewissern fuss habe / verspreche ich
hiemit und kraft dieses festiglich / dass wann nichts schändliches in ihrer
Christlichen Lehre entalten wird / wie ich solches nunmehr schon vor gewiss
halte / ich morgen umb diese Zeit schon verhoffe ihres Glaubens zusein. Das
Fräulein / weil sie ihn herzlich liebete / ward dieses erbietens überaus froh /
liess sich doch nichts sonderliches merken / und gab zur Antwort: Durchl. Fürst /
währe ich bedachtsam verfahren / hätte unter allen Fragen / die mir können
vorgestellt werden / ich diese einzige billich sollen aussnehmen /weil einem
Fräulein nicht geziemet / ein solches zubeantworten / ehe und bevor sie dessen
von ihren Eltern / oder die ihnen an Eltern statt gesetzet sind /ausdrücklichen
Befehl hat / wie dann solches unsere Christliche Lehre im Munde führet; Weil ich
aber durch mein Verspreche zu einer Antwort mich habe verbindlich gemacht / will
ich leisten / so viel mir der Wolstand gönnet / und Ihrer Durchl. verheissen /
dass derselben ich frei stelle / bei meiner Gn. GrossFürstin hierumb zuwerben /
welche von meinen lieben Eltern Volmacht hat / mich zuverheirahten / so hoch
halten sie dieselbe; inzwischen gebet / bitte ich / eurem inständigen ansuchen
bei mir selbst / einen geringen Auffschub / und lasset / als ein vernünftiger
Fürst und Tugendhafter Ritter die güldene Mässigkeit in eurem Herzen nicht
ersterben; Ich lauffe ja diesen Abend nicht hinweg / habe auch Euer Liebe schon
mehr anlass gegeben / als mir geziemet; doch ehe etwas weiters gesucht und
vorgenommen wird / muss Eure Liebe zuvor bessern Unterricht wegen des
Christentuhms einnehmen / welches aber vor morgen früh nicht geschehen kann;
Wolle demnach dieselbe alle Schwermühtigkeit beiseite legen / und sich frölich
erzeigen / dafern ich dieselbe vor meinen Ritter und wahren Freund halten soll;
Vor allen dingen aber muss sie noch zur zeit unsere Unterredung keinen Menschen
wissen lassen / es währe dann / dass sein lieber Geselle seiner innigsten
Heimligkeiten in wahrer verschwiegenheit dürffte teilhaftig sein / als welcher
/ wie mich dünket / mit meiner herzlieben und vertraueten Schwester Frl.
Sibyllen gleiche Handlung fortzusetzen bemühet ist / dass ich fast argwohnen muss
/ sie sein dessen beide eins worden / uns unwitzige schwache Töchter mit solchem
heftigen Liebessturm zuüberwältigen; welches sie mit einem freundlichen lachen
beschloss. Baldrich richtete hierdurch seine fast nidergeschlagene Geister wieder
auf / hatte aber keine gelegenheit es zubeantworten / weil er von Fr. Ursulen
zum Tanze aufgefordert ward. Siegward fand unterdessen viel eine volkommenere
Vergnügung; dañ wie er seine harte Ansprengungen abermahl ergehen / und seiner
grossen Liebesangst sich vernehmen liess / nebest dem hochbeteureten erbieten /
wie inbrünstig er zeit seines Lebens ihr dienen wollte / gab sein Fräulein ihm
dieses zur Antwort: Vor dieses hohe Verspreche bedanke ich mich billich und von
herzen / soll auch zu seiner Zeit / da ich dessen grössere freiheit haben werde /
unvergolten nicht bleiben; dass aber Eure Liebe sich über mich noch beklagen /und
ein mehres / als ihm schon heut versprochen und gewilfahret / suchen darff /
befremdet mich nicht wenig. Kan ich mehr / als schon geschehen ist? oder
begehret mein Herr Bruder / dass seine Schwester die Zuchtbahn überschreiten soll
/ dessen sie von ihm dereins hohe Verweis einnehmen müste? Welches Fräulein hat
einem Mannesbilde mehr freihet gegönnet /als Euer Liebe ich heut übersehen
müssen? dessen ich mich mehr als keines Dinges schäme / und die Augen vor ihm
kaum auffschlagen darff. Also gelebe zu meinem vertraueten Freunde ich der
festen Zuversicht / er werde sich am geschehenen biss dahin vergnügen lassen /
und das übrige bei meiner Fr. Schwester suchen / damit ich nicht ursach habe /
ihn einiger Unbescheidenheit anzuklagen / dessen ich von herzen gerne möchte
geübriget sein / würde mich auch sehr schmerzen / wann mein Erlöser sich
geringer Mässigkeit in dieser Stad / und in meines H. Vettern Behausung / als in
der Wüstenei und Räuberhöhle gebrauchen wollte / und er / wann ichs sagen soll /
meine Fr. Schwester dergestalt an seiner seiten hat / dass er wenig ursach hat /
sich gross zufürchten. Es kunte Siegward in seinem herzen nicht leugnen / dass er
dem Fräulein durch etliche gar zu kühne Reden / gnug ursach gegeben hatte / ihm
den eingemischeten Verweisszupredigen / baht deswegen demühtig umb Verzeihung /
und erboht sich / hinfüro der gebührlichen Bescheidenheit zugebrauchen. Es
machte sich aber Frl. Lukrezie hin zu der GrossFürstin / und erzählete ihr / was
vor abscheuliche Meinungen Fürst Baldrich von dem Christentuhm führete / und
nachdem sie ihn eines andern berichtet hätte / er aussführlichere Erklärung alles
dessen begehrete / worin eigentlich solcher Glaube bestünde / auch was Gesetze
zuhalten den Christen vorgeschrieben währen / damit er seinen Herrn Bruder bei
seinen Eltern entschuldigen / und ihm freien Zutrit zu sein ErbFürstentuhm
machen könnte. Die GrossFürstin liess solches alsbald an Herkules und Ladisla
gelangen / denen hierzu so liebe wahr / dass sie ihre freude nicht kunten
verbergen / insonderheit / da Frl. Sibylla ihnen daneben anzeigete /dass Fürst
Siegward ihr schon verheissen / den Christlichen Glauben anzunehmen; welche doch
nur Schamröhte davon zum Botenlohne trug / dann Herkules sagte zu ihr: Ich
dürffte aus dieser Schickung fast vor gewiss schliessen / meine Frl. Schwester
habe den Fürsten durch ihre Schönheit darzu anlass gegeben; und dafern dem also;
wünsche ich meiner Frl. Schwester zu dieser Heirat Gottes Segen / und alles
gedeiliche Fürstliche Wolergehe / dieselbe zugleich versichernd / dz in der Welt
ich ihr keinen zum Gemahl lieber / als eben diesen Fürsten wünsche. Ach mein
Durchl. GrossFürst / antwortete sie / verdiene ich dann durch meine Einfalt
dermassen beschimpffet zu werden? gewisslich / da ich solches hätte wissen sollen
/würde ich einen andern aussgeschicket haben / euer Liebe dieses zuvermelden.
Vertrauete Frl. Schwester /sagete er / habe ich dann nicht macht / ihr meines
herzen Wunsch und Meinung zu offenbahren / nachdem sie ja meine ihr zugetahne
Seele wohl erkennet? nam hiemit ihre Hand / küssete ihr dieselbe / und fuhr also
fort: Eure Liebe wolle mich dann berichten / ob sie so grossen Wiederwillen
gegen meinen Oheim und nähesten Anverwanten träget / dass sie meint  / durch
dessen ahnung beschimpfet zu werden / alsdañ will ich mich schon hüten / dass ich
nicht allein seinen Nahme nicht mehr nenne / sondern werde allen fleiss anwenden
/ ihn zubereden / dass er gleich Morgen alsofort davon reite / umb durch seine
gegenwart eure Liebe keine wiederwertigkeit zuverursachen. Frl. Sibylla wusste
nicht / ob sie dieses vor Schimpf oder Ernst annehmen sollte / biss Ladisla mit
darzu redete / und also anfing: Hochgebohrne Frl. Wase und Schwester / sie wolle
sich / bitte ich sehr / an meines lieben Bruders Reden nicht ärgern / massen
derselbe allemahl im brauche hat / die verliebeten Herzen umzutreiben. Ach nein
/ antwortete sie / hohe Zeit ist es / dass ich gehe / damit ich nicht gar zum
Spotte werde; jedoch versichert euch / König Ladisla / dass ich mich an euch
beiden rächen will / dafern mir nicht diesen Abend abtrag geschiehet; kehrete
sich hiemit umb /und ging hin zu Fr. Sophien / ihr diesen Spott zu klagen / von
welcher sie noch kurzweiliger empfangen ward / massen dieselbe fragete / auff
welchen Tag sie dann das Beilager bestimmet hätten; worauff sie zur Antwort gab:
Nun erfahre ich des alten Sprichworts unleugbahre Warheit; Gute Freunde in der
Noht /gehen wohl hundert auff ein Loht; Ich habe eures rahts nie mehr / als eben
jezt von nöhten / und muss nur euren Spott in mich fressen; ich bitte euch aber
von herzen /machet dass vor schlaffen gehens ich mit euch allein reden möge; wo
nicht / und ihr mich ferner umbzutreiben gesonnen seid / schwöre ich / dass ich
morgen nach Rom fahren / uñ mich meiner Eltern Rahts gebrauchen will. Gebet euch
zu frieden / mein Schwesterchen / sagte sie / Ihr und Frl. Lukrezie sollet hinte
meine Schlaffgesellen sein / da wir uns Schwesterlich zubereden Zeit genug haben
werden. Unter diesem Liebes-getrieb (den fast alle Anwesende merketen /und schon
ein mehres als wahr / urteileten) hatte Arbianes sein Gespräch mit Frl. Helenen
/ die in ihrem Herzen den beiden Fräulein sehr neidig wahr / dass ihnen von den
Teutschen Fürsten so wohl auffgedienet ward / und sie bei dem Meden sitzen musste
/ welcher ihr von keiner Liebe schwätzete / suchete auch gelegenheit / abscheid
zu nehmen / wie sie dann unbegrüsset alles Frauenzimmers davon ging / nur dass
sie bei Fr. Sophien sich einer Unpässlichkeit annam / und mit einem bitteren
Lachen sie erinnerte / bald darzu zutuhn / dass den Verliebeten zu ihrem Zwegk
verholffen würde. Welche aber sich mit ihr einzulassen nicht gemeinet wahr /
sondern sie auff ihr begehren willig erliess; und bekam hiedurch Arbianes
gelegenheit / hin zu Baldrich und Siegward zu rücken / mit denen er diesen Abend
vertrauliche Brüderschaft machete /welche biss an ihr Ende steiff und fest
wehrete. Als die Zeit wahr / schlaffen zu gehen / meldete Fr. Sophia ihrem
Ladisla an / sie hätte sich diese Nacht einem andern Schlaffgesellen versprochen
/ würde deswegen nit ungeduldig sein / massen die beiden Fräulein ihres rahts
und trostes begehreten / könnte leicht muhtmassen / dass sie von den beiden
Fürsten zimliche anfechtung erleiden müssen. Ladisla ermahnete sie /allen fleiss
anzuwenden / dass solche Heirahten vor sich gingen / woraus viel gutes entstehen
könnte / er wollte diese Nacht bei Herkules bleiben / und möchten sie seine Fr.
Schwester mit sich nehmen; dessen sie hoch erfreuet ward / weil sie nur immerzu
suchete / bei und umb ihr zu sein / welche auch nicht minder freundlich sich
gegen sie anstellete / ward dieses vorhabens von ihrem Herkules bald berichtet /
deswegen sie sich zu Frl. Lukrezien machete / und zu ihr sagete: Herzen
Schwesterchen / ihr werdet hinte mein Schlaffgeselle sein / weil mein Gemahl und
Bruder beisammen bleiben werden / und hätten wir so ein raumes Lager / wollten
wir unsere beiden Schwestern zu uns nehmen. Fr. Sophia kam gleich darzu gangen
/und sagete: Daran sols nicht fehlen / wann nur ihre Liebe uns bei sich dulden
kam. Geschahe auch kurz hernach ein algemeiner Auffbruch / und wurden die beiden
Fräulein von den verliebeten Fürsten biss vor ihre Schlaffkammer begleitet /
woselbst auff bitliches ansuchen ihnen ein ehrliebender Kuss gegönnet ward /doch
mit dem bedinge / wie Frl. Lukrezie vorgab /dass dessen Morgen nicht gedacht /
viel weniger es wiederhohlet würde / welches Baldrich mit anwünschung einer
seligen Nachtruhe beantwortete; Fr. Sophia aber Siegwarden erinnerte / dass wann
sie ihrer Liebe glücklichen fortgang haben wollten / müste es durchaus zu vor
wegen des Christentuhms seine richtigkeit haben / sonst währe alles vergebens
und umsonst; würde demnach er mit seinem Gesellen abrede nehmen und Morgen früh
gar zeitig vor diesem Gemache sich finden lassen / alsdann wollten die Fürsten
und sie deswegen mit ihnen fernere unterredung pflegen / und nachgehends das
übrige zuverrichten ihnen lassen angelegen sein. Siegward versprach demselben
nachzukommen / und schied mit seinem Gesellen wolvergnüget davon / wie auch das
Frauenzimmer nach abgelegter Kleidung sich zur Ruhe legeten; jedoch nam Fr.
Sophia zuvor Frl. Sibyllen absonderlich vor / mit bitte / ihre Liebesheimligkeit
ihr nicht zuverschweigen / damit man den Sachen einen gewünscheten aussschlag
geben könnte / nachdem ja billich währe / und die Dankbarkeit wegen geleisteter
sehr hohen verdienste erfoderte / dass man einen solchen Königlichen Fürsten
nicht mit vergeblichen Worten hinhielte / ihm eine solche Hoffnung zu machen /
und wann es an den Schluss gehe sollte / ihn schimpflich abzuweisen worzu ich doch
euer Gemüt / sagte sie / viel zu redlich weiss; zwar mir ist wohl bekant / setzete
sie hinzu / wie schwer es einem Fräulein eingehet / dasselbe andern zu
offenbahren / was von einem Mannesbilde mit ihr in Heirahtsache gehandelt wird /
weil ihr aber mein Schwester Herz kennet / und dass eure Wolfahrt ja so hoch als
meine eigene mir anlieget /werdet ihr kein bedenken tragen / mir zu melden / ob
ihr willens seid / den lieben Fürsten zu ehelichen oder nicht. Das Fräulein
antwortete hierauff: Herzallerliebste Fr. Schwester / ich gläube nicht / dass
einiges Fräulein in so kurzer Zeit mehr bestürmung ausgestanden / als ich
gestern und heut / sehe auch nicht /wie ich mich sein endlich erwehren soll; zwar
wann wegen beschehener Rettung / ich ihm nicht Ehren-und dankbarkeit halben so
viel übersehen müste /hätte er wohl etliche gute auswischer verdienet / nicht dass
er mir ungebührliche sachen angemuhtet hätte /sondern dass in den zulässigen er
das Ziel der mässigkeit überschreitet. Mein geliebtes Kind / sagte sie /wann
unsere Buhler / die uns herzlich und in ehren meinen / nicht aus den Schranken
der Erbarkeit weichen / müssen wir ihnen einen kleinen muhtwillen übersehen /
insonderheit / wann die erste Liebe / die am heftigsten fähret / sie antreibet
/ dann sie können ihren willen nicht so wohl hinterhalten / als die Fräulein /
sintemahl alles ihr beginnen zu Schimpf und Ernst feurig und begierig ist / so
dass sie mehr mit bescheidenheit als hartem verweiss sich lenken lassen; aber ihr
habt mir meine Frage noch nicht beantwortet / ob ihr des lieben Fürsten ansuchen
statt zugeben gesonnen seid. Ach ach! antwortete das Fräulein / ich bin noch viel
zu blöde / diese erklärung abzustatten /sonsten da mir Gott diesen Fürsten zum
Gemahl versehen hätte / und meinen lieben Eltern es nicht zu wieder währe /
könnte ich mit ihm sehr wohl friedlich sein / würde auch nicht minder an ihm / als
eure Liebe an König Ladisla einen ergebenen Gemahl haben / wo sonst seinen reden
einiger Glaube beizumässen ist. Wollet ihr dann / sagete Fr. Sophia / es in
meine Hand stellen / nach belieben zuverfahren / wie vor euren Eltern ichs werde
verantworten können? so will euer blödigkeit ich dergestalt zu hülffe kommen /dass
ihr meine träue daher spüren sollet. Und wessen sollte ich mich hierin lieber
gebrauchen / antwortete sie / als eben der ich meine himlische glückseligkeit
allein zu danken habe / dann ich bin gewiss / dass dieselbe mir weder böses rahten
noch mich verrahten wird; aber wir müssen von unsern Eltern uns keine grössere
einwilligung einbilden / als etwa erfolgen möchte /daher michs nöhtig däucht /
dass man deren Erklärung erwarte. An deren bewilligung / sagte Fr. Sophia /trage
ich nicht den allergeringsten zweifel / und hat mein H. Vater volkomene gewalt
von euren Eltern /euch nach gutdünken ausszusteuren / wie ihr dann wohl wisset dass
sie euch als einer verständigen und züchtigen Tochter den freien Willen gegeben
/ und überdas euch bekant ist / dass sie nicht willens sind / euch zu Rom
zuverheirahten / weil an keinem Orte der Welt redlicher Weiber Ehre mehr
angefochten wird / als eben daselbst / insonderheit / wañ die frechen neuen
Käyser die Herschaft antreten / und ihren Lieblingen und andern Gewaltabern
allen muhtwillen verstatten. Woldann / sagte hierauff das Fräulein / wann meiner
Fr. Schwester es also gut und rahtsam deucht / verfahre dieselbe ihres gefallens
/ jedoch dass unser Beilager nicht so schleunig fortgesetzet werde / wie ihrs
jenesmahls mit Fr. Libussen und Brelen triebet. Ich will ihm schon wissen recht
zu tuhn / sagte sie / dess solt ihr euch zu mir Schwesterlich verlassen; nam sie
damit bei der Hand / und führete sie an den Ort / wo die GrossFürstin mit Frl.
Lukrezien von gleicher teidung schwätzete / die sich aber sehr weit zu werffen
wusste; es hätte der Fürst zwar seine gute Gewogenheit mit nicht unzierlichen
Reden ihr zuverstehen gegeben / dass sie aber solche als unter dem schein einer
Heirat sollte angenommen haben / hätte gar keine Gefahr; so währe sie auch der
Freiheit nicht / in solchen sachen vor sich selbst zu handeln / weil sie sich
wohl erinnerte / dass sie der GrossFürstin angelobet / ohn ihr vorwissen und willen
dessen nichts zubeginnen / massen ihr in stätem Gedächtnis läge / dass ihr H.
Vater /ihr ernstlich befohlen / ihrer Liebe nicht anders als einer Mutter
zugehorsamen. Die GrossFürstin hätte der Reden gerne gelachet / hörete aus ihren
Worten /wie saur es ihr ward / den eingeschlucketen Angel zuverbergen / stellete
sich doch allerdinge einfältig / und sagte: O du geliebter Bruder / Fürst
Baldrich / an was unseligen Ort hastu dein Herz gewendet / nehmlich zu dieser
unbarmherzigen Fräulein / die in der nähe deine bittere Seufzen nicht hat hören
können / die ich von ferne so klar erkennete / als hättestu sie mir in die Ohren
geruffen; wie ists aber möglich / meine allerliebste Frl. Schwester / dass eure
Seele so rauch und hart sein / und die wachende auffmerkende Sinnen allerdinge
unempfindlich machen kann? Ich will anjezt nicht streiten / ob mein BruderBaldrich
wirdigkeit halben sich bei euer Liebe angeben dürffe / nur führe ich ihr dieses
zugemühte / er ist eures ergebenen Bruders Herkules leiblicher und einiger
Bruder / ihm weder am verstande noch Tugend so gar ungleich. Nun erinnert sich
eure Liebe gleichwol billich / wie hoch sie sich demselben verbunden / und möget
sein Fleisch und Blut so verächtlich halten. Mir zweifelt nicht / er müsse
diesen Tag von euer Liebe mannichen herben Trunk eingenommen haben / dann ich
sah eigendlich / wie ihm nach empfangener saursichtigen Antwort / die Augen vol
Wassers stunden / dass ich etlichemahl willens wahr / ihn von euer Seiten hinweg
zuführen / damit ihm die Augen wegen gar zu grosser Angst nicht brechen möchten.
Nun erkenne ich ja euer Liebe gewöhnliche Sanftmuht gar wohl / daher ich
schliessen muss / er werde aus gar zu inbrünstiger Liebe sich gegen dieselbe
etwas verhauen haben; aber / mein Schwesterchen / es köñen die jungen Mäñer
nicht eben die Worte auff der Goldwage führen / insonderheit / wann sie durch
Schönheit zur Liebe angedrungen werden / dañ können sie nicht umhin / durch
Worte an den Tag zugeben / was sie im Herzen wünschen. Jedoch will ich ihn eben
nicht entschuldigen /nur eine Vorbitte vor ihn als meinen näheste Anverwanten
anzulegen / bemühe ich mich / ob ich so glückselig sein / und ihm dieses Fehlers
Verzeihung erhalten könnte. Das Fräulein wusste hierauff nichts ertichtetes
vorzubringe / das einigen Schein der Warheit hätte / wollte sich doch selber
nicht verrahten / sondern gab zur Antwort; Ob der Fürst so traurig und bestürzt
sollte gewesen sein / hätte sie nicht merken können viel weniger hätte sie ihn
einiger Unhöfligkeit oder ungebührlicher Reden zu beschuldigen; nachdem aber
ihre Liebe so genaue acht auff ihre Unterredung gehabt / müste sie bekennen /
dass er sehr inständig auff eine ihr unmögliche Erklärung gedrungen / währe aber
von ihr beantwortet / dass Jungfräuliche Zucht nicht wüste / solcher gestalt sich
heraus zulassen /welches er ihr nicht verargen würde / nachdem sie unter ihrer
lieben Eltern Gewalt sich befünde; Dass aber Eure Liebe / sagte sie ferner / mir
einigen Unwillen gegen diesen Fürsten zuleget / so antworte ich hierauff wohl
bedächtlich / dass ich ihn vielmehr ehre und züchtig liebe / auch durchaus keine
Ursach habe /ihn anzufeinden; Wolle demnach meine Gn. Gross Fürstin dieses
Verdachts mich gnädig erlassen / massen ich dieselbe hoch und teuer versichere /
dass ich lieber sterben / als einigem von den ihrigen widrige Gedanken zuwenden
wollte. O wie hoch erfreuet mich dieses / antwortete die Gross Fürstin / ja viel
höher als ich ausreden kann / und solches nicht allein meint  /sondern auch ihrer
lieben Eltern wegen / dann mein Schwesterchen weiss / wie hoch dieselben auff
meinen Gemahl halten / bin auch versichert / dass ihnen die angenehmeste Zeitung
sein würde / wann sie vernehmen sollten / Eure Liebe währe mit meines Herkules
Bruder verheirahtet. So bitte ich nun schwesterlich /sie wolle mir den Grund
ihres Herzen entdecken / ob sie mir volle Macht geben könne / hierin zuhandeln
/damit eure Seele beiderseits / und hiedurch zugleich die meine vergnüget werde.
Das verliebete Fräulein kunte die ertichtete Stellung weiters nicht fortsetzen
/küssete der Gross Fürstin die Hand / und gab diese Antwort: Durchleuchtigste
Gross-Fürstin / womit hat ihre unwirdige Dienerin doch verdienet / dermassen
inniglich von ihr geliebt zuwerden / da doch einige Wirdigkeit an ihr nicht ist
noch entstehen kann; meine Seele hat nie heftigers in dieser Sterbligkeit
gewünschet / als ungetrennet bei ihrer Liebe zusein / und an dero Holdseligkeit
sich zuergetzen / und spüre anjezt /dass meine Gross Fürstin damit schon umgehet /
dessen einen unbewäglichen Grund zulegen. Als mir nun unmöglich ist / derselben
zuwiderstreben / auch neben meinen lieben Eltern die Gewissheit habe / Eure Liebe
werde ausser meiner Wolfahrt durchaus nichts mit mir vornehmen / so untergebe
derselben ich mich in dieser Sache / wie in allen andern / ganz und gar / mit
Bitte /meiner lieben Eltern statt neben Gross Fürst Herkules zuvertreten / und
nach ihrem gutachten zuverfahren. Sie wollte weiter reden / aber Valiska umbfing
sie freundlich / küssete ihren Mund zu unterschiedenen mahlen / und sagte zu
ihr: Herzallerliebstes Schwesterchen / also wird mein Wunsch erfüllet / dass wir
ungetrennet mögen bleiben; und O möchte ich diese Erklärung vor einer halben
Stunde gewust haben / alsdann sollte der liebe Fürst nit mit solchem Unmut von
uns geschieden sein; aber seid gebehten / uñ verleihet Fürst Siegwarden ein gut
Wort bei Frl. Sibyllen /damit er gleiche Erklärung von ihrer Liebe erhalten
möge. Das würde ein lauter überfluss sein / antwortete sie / massen ich schon
weiss / dass ihre Zusage biss an der Eltern Bewilligung sich heraus gelassen hat /
so sind sie auch einem andern zimlich geheim / dass mich wundert / woher sie
diese Kühnheit genommen / angesehen der grossen Scham / deren sie bisher sich
allemahl gebrauchet hat. Gleich traten Frau Sophia und das Fräulein zu ihnen hin
/ und nach Erzählung / wz jedwede verrichtet / entstund allerseits grosse
freude; jedoch bahten die Fräulein / dass den Fürsten ihre Erklärung nicht
alsbald möchte zuwissen gemacht werden / hielten mit einander ihr andächtiges
Abendgebeht / und legten sich alle viere auff ein Lager. Die Fürsten erzähleten
gleicher gestalt einander / wie es mit ihren liebsten Fräulein ihnen ergange
währe / insonderheit hielt Siegward seinem Gesellen vor / dass ihrer Liebe
Niessung keines weges erfolgen würde /dafern sie nit den Christlichen Glauben
annähmen /den sie biss daher so abscheuhlich gehalten / er aber schon so viel von
seinem Fräulein verstanden / dass nichts heiligers könnte erdacht noch gefunden
werden. Ja / sagte Baldrich / unsere Pfaffen müssen gewisslich selbst von andern
hintergangen / oder die abgefeimdesten Buben sein / und in Errichtung solcher
Schandlügen nur ihren Nutzen suchen; Dann vorerst geben sie vor / es trete
niemand zu dieser Lehre / als offentliche übeltähter / und die von allen
Tugendergebenen gehasset werden; ja / keinerlei art der Unzucht werde von ihnen
/ so wohl Weibes- als Mannesbildern unterlassen; bei ihren Zusammenkunften
werden so abscheuhliche Laster begangen / wovor ich mich entsetzet / und es
nicht anhören mögen. Wer wollte aber von meinem Bruder und Oheim / ja von ihren
züchtigen Gemahlen und den Tugendliebenden Fräulein ein solches gedenke /
geschweige gläuben können? Dieses alles / antwortete Siegward / ist mir von
meiner herzgeliebten Fräulein heut früh auf der Gutsche zu voller gnüge benommen
/ und dagegen angezeiget /alle ihre Gesetze bestehen in der Ehre des wahren
Gottes / des nähesten Liebediensten / und Entaltung von allen Lastern. Ja nicht
allein böse Tahten / sondern auch unzimliche Gedanken / werden ihnen allerdinge
verbohten; Sihe Bruder / wer kann solches tadeln? können auch die Götter selbst
heiliger leben? Zwar dieses gestund mein Fräulein / dz sie alle unsere Götter
vor nichts achten / schalt sie vor ertichtete und allerdinge ohmächtige / und
bestätigte / es währe nur ein einziger wahrer Gott / der Himmel und Erden
erschaffen / und von Ewigkeit allemahl gewesen sei. Hievon müssen wir nun
bessern Bericht einnehmen alsdann können wir uns erklären / was wir tuhn oder
lassen wollen. Das allerhärteste in dieser Sache ist dieses / sagte Baldrich /
dass ihr Gott keinen andern neben sich leiden will; ich wollte der Christen Gott
gerne ehren / wann ich nur auch die unsern nicht schände dürffte / denen ich
mich gleichwol bei den Opfern ehemahl äidlich verbunden habe. Bistu der Meinung
sagte Siegward / so mustu dich fertig halten / deiner Götter Gotteit zubeweisen
/ deswegen suche hervor / was du irgend weist oder gehöret hast / die Irmen Säul
oder den Krodo oder deine Göttin Freia ausgerichtet zuhaben / das der
unfehlbaren Gotteit wert sei. Dessen könnte noch wohl etwas auff die Bahn
gebracht werden / antwortete er / wann ichs alles genau überlegen wollte; aber
meinestu dann / dass deine Schwedische uñ Gotische Götter / der Torr /Otin /
Meton Wagnost / Haddig / Wodan / Fricko /Rostioff / und Rostar / wie auch deine
Göttin Frigga /allerdinge nichtig und errichtet sein? trauen was man so lange
Zeit her vor Gott gehalte uñ verehret hat /muss gleichwol nit vor gar nichts
geachtet werden. Doch wir werden uns zur Ruhe legen / und morgen zuvernehmen
haben / was uns davon vorgetragen werden soll. Diese Nacht brachten Herkules und
Ladisla mehrenteils mit behten zu / dass Gott diese beiden Fürsten erleuchten /
und zur Erkenntnis der Warheit möchte kommen lassen / und erwarteten des Morgens
mit verlange. Baldrich aber und Siegward hatten wohl eine rechte Angst Nacht;
dann kurz nach Mitternacht /da sie im tieffen Schlaffe lagen / kahmen ihnen
zwölff feurige Götzenbilder vor / unter denen die eine schien ein Weibesbild
sein; In ihren Händen hielten sie teils grosse Kriegsfahnen; andere / blutige
Schwerter; etliche Korn und Milch; etliche breñende Kerzen; die Göttin aber
einen Liebes Bogen mit zierlichen Pfeilen / und auff der Schulder ein zartes
Knäbelein. Sie sahen alle mit einander anfangs sehr grimmig aus /und hinter
ihnen wahr ein schwefelbrennendes Feur angezündet. Die beide Fürsten empfunden
daher im Schlaffe ein grosses grausen / und wahr ihnen nicht anders zumuhte /
als wollte ihnen das Herz aus dem Leibe steigen / insonderheit Baldrichen / als
welchen sie am grimmigsten ansahen / und zwar anfangs ohn einiges Wortsprechen /
biss endlich Irmen Seul also zu den andern Gespensten anfing: Was dünket euch ihr
lieben Brüder und Mit-Götter / insonderheit Bruder Krodo und Schwester Freia /
was dünket euch dieselben verschuldet zu haben / welche undankbahrer meinäidiger
weise sich unterstehen dürffen / nicht allein von uns abzutreten / sondern
unsere Gotteit als ein Geticht und nichtige Erfindung zuverachten und
zulästern? Uns dreien haben es die Teutschen zudanken /dass sie von der Römer
Joch frei blieben / dass sie ihr altes Vaterland bewohnen / und darinnen in gutem
Friede und Wolstande leben; Wir haben das alte Königliche Geschlecht bei ihnen
erhalten / uñ alles Verderben von ihnen abgekehret. Ihr anderen Mit-Götter habt
das freie Schweden und Goten-Volk unter eurem Schuz gehabt / und ihnen gleiche
Träue und Hülffe erzeiget; und nun wird uns von ihren jungen frechen und
Gottschåndigten Fürsten der Dank davor / dass sie unsere Gotteit gar zu nichte
machen / und in ein Getichte verkehren wollen. Wollen wir aber solches gedulden
/ und diesen Frevel an ihnen ungestraffet lassen? je so währen wir alle mit
einander nicht eines Hellers wert. Krodo gab ihm zur Antwort: Wañ ein Untertahn
seinen König oder Fürsten beleidiget / muss er die Straffe des Lasters der
beleidigten Hocheit ausstehen; warumb sollten dann dieselben frei ausgehen /
welche ihren Göttern alles gebrante Herzleid anfügen / und von deren Gehorsam
sich aushalstern wollen? Nein / wir müssen unsere Göttliche Macht und Ansehen
vor ihrer Bosheit schützen / sollten sie auch mit allen ihren Helffern und
Helffers-Helffern zu grund und bodem gehen; Und dieser Meinung werden unsere
Mit-Götter die Schwedischen und Gotischen auch sein. Ja warumb nicht / fing das
Gespenste Torr an / hat man uns doch eben den Schimpff und Spot erwiesen /
welcher euch angelegt ist / darumb wollen wir alle vor einen stehen / und den
neuen Gottes-Feinden und Himmels-Stürmern ihren verdienten Lohn geben. Hierauff
gedauchte die beide Fürsten im Schlaff / es hätten die Gespenster einen runden
Kreis geschlagen / und untereinander ein langes heimliches Gespräch gehalten /
biss Krodo diese Urtel aussgesprochen: Demnach es billich und nöhtig ist / dass die
höchste Obrigkeit ihr Ansehen und von undenklicher Zeit hergebrachte Macht und
Gewalt gegen jedermänniglich schütze / welcher ihnen Eintrag zutuhn / sich
unterstehen darff; und aber dieser unsinniger meinäidiger Teutsche Baldrich /
neben seinen frechen Gesellen den Schwedischen Siegward / sich nicht scheuhen /
ihre allerhöchste und himlische Obrigkeit / von denen sie und ihre Vorfahren
alles gutes haben / zuverachten / zuschänden / zuverleugnen / und deren Gotteit
zum Gerichte zumachen / als erkennen wir Teutsche und Schwedische Götter vor
Recht / dass jeztgedachte beide Freveler /andern ihres gleichen zum Beispiel /
mit harter und ansehnlicher Straffe beleget werden / damit unsere göttliche Ehre
gerettet / und ihr ganzes Vaterland vor unserm verderblichen Zorn erhalten
werde. Hierauff wollte er gleich den Stab über die verurteileten brechen / aber
das weibliche Gespenst die Freia trat hinzu / und sagte: Halt ein mein Bruder
Krodo / wir wollen ihnen zuvor den Zweifel benehmen / welcher ihnen wegen unser
Gotteit von den verführischen Römerinnen beigebracht ist. Ganz Teutschland und
Schweden hat seine Pfaffen / unter denen ihrer viel mit dem Geist der Weissagung
begabet sind / zukünftige Dinge zuoffenbahren; Woher haben sie aber solches /
als durch Eingebung ihrer Götter? oder kann ein ertichtetes / das da nichts ist /
auch wohl wirken /und einem andern künftige Dinge offenbahren? Da verrichten die
Teutschen und Schweden / wie andere Völker / ihren Göttern die gebührliche
angenehme Opffer / aus deren Eingeweide und anderen Zeichen sie ihre künftigen
Glückes- und Unglücks fälle erkennen. Woher kompt solches anders / als aus ihrer
Götter Schik- und Versehung / welche ihnen solche Opfer lassen gefallen / und
dieselben durch diese Gnade vergelten; massen ja die Tihre solche Zeichen von
sich selbst nicht haben können. Kan aber ein ertichtetes /das da nichts ist /
auch wohl wirken / und den Tihren diese Glückes-Zeichen verleihen? Man weiss / wie
oft wir Götter ingesamt einen und anderen Lästerer mit abscheuhlicher Straffe
haben beleget / dass jeder man hat erkennen müssen / unsere göttliche Krafft habe
sich an solchen unsern Verächtern gerochen; kann aber ein ertichtetes / das da
nichts ist / solche Rache anstellen? oder wird eine andere Krafft / welche uns
neben sich nicht leiden will / durch solche Straffen unser ansehen bei den
Menschen erhalten? Dass ich nicht sage / wie unsere Wachsamkeit es allein ist
/welche Teutschland und Schweden vor ihren Feinden schützet / ihren
Kriegsvölkern den Sieg verleihet /ihnen Brod und Milch giebet / ihre Freiheit (O
ein ädles Kleinot) erhält / und der Inwohner Zahl vermehret; welcher
Vernünftiger wollte dann an unser Gotteit zweifeln können? Dass ich aber zu dem
Zwegk meines Vorhabens gelange / so bin ich vor dissmahl bloss zu dem ende
aufgetreten / eurer aller göttlichen und gerechten Zorn zumiltern / und die
aussgesprochene Urtel von diesen beiden unbesonnenen Fürsten abzulehnen / oder
zum wenigsten ihnen Zeit zur Busse und besseren Gedanken zuerhalten / weil sie
nicht aus Bosheit / sondern durch Weiberlist / sich zu dieser Sünde haben
verleiten lassen. Hierauff kehrete sie sich zu den beiben Fürste / und redete
sie also an: Ihr meine lieben Söhne / was haben ich und eure andere Götter euch
doch zu leide getahn / dass ihr unser in so kurzer Zeit müde worden / und andere
unbekannte anzunehmen gewilliget seid? treibet euch die Liebe gegen die beiden
schönen Römischen Fräulein darzu? O bleibet beständig in meinem Dienste / ich
will euch wohl andere zuführen / denen diese das Wasser nicht reichen; oder meint 
ihr / unserer eurer alten Götter Vermögen sei nicht kräfftig genug / euch weiter
zuschützen? Ich versichere euch / dass bei unserm Dienste euch die allerhöchste
Glükseligkeit begegnen soll. So geht nun in euch / betrachtet eure Pflicht /
damit ihr euren Land Göttern verbunden seid / und lasset ab von eurem jetzigen
Vorhaben / alsdann will ich euch alle eure Götter wieder zu Freunde machen;
Werdet ihr aber auff eurem Unsinne verharren / so schreibets eurem Muhtwillen zu
/ wann die von Gott Krodo jezt ausgesprochene Urtel an euch erfüllet wird /
welche euch jenes Feur vorstellet / und nichts anders bedeutet / als Unglück /
Verachtung / Schande und Verderben. Als sie dieses ausgeredet hatte / fingen die
teuflischen Gespenste ein unerhörtes Gepölter an / als ob sie alles über
einander geworffen hätten / dass auch die beiden Fürsten darüber erwacheten / und
weil sie schon im Angstschweisse lagen / sich die Furcht noch mehr einnehmen
liessen / dass sie schier nicht zu bleiben wussten. Es hielt aber das Gepolter bei
einer Stunde an /biss die erste Morgenröhte sich sehen liess / welche zeit über
die Fürsten stille hinlagen / biss endlich Siegward sich ermannete / und seinen
Leibdiener /welcher bei ihnen auff der Kamerschlieff / auffzuwecken / ihm mit
harter Stimme rieff / kunte ihn aber nicht ermuntern / biss es zimlich helle
wahr. Baldrich /nachdem es stille worden wahr / redete seinen Gesellen an / und
sagete zu ihm: Bruder was habe ich hinkte eine elende Angstnacht gehabt / uñ
wundert mich /dass mir dz Herz vor furcht und schrecken nicht gar zersprungen
ist. So bin ichs nicht allein gewesen /antwortete Siegward / der sich von den
erzörneten Landgöttern hat müssen rechtschaffen ängsten lassen. Dass währe wunder
/ sagte jener / dañ eben diss hat mich so heftig gepeiniget. Sie macheten / dass
die beiden Leibdiener zuvor auffstehen und einen Abtrit nehmen munsten / hernach
gabs ihre erzählung / dass beiden ein gleichmässiges begegnet wahr / und sie es
daher vor keine Träumerei / sondern warhafte begebniss hielten / welches die
Furcht in ihnen vermehrte /dass sie nicht wussten wessen sie sich verhalten
sollten. Der abscheid wahr / dass sie gar früh sich bei der Gross Fürstin sollten
anfinden / umb den Inhalt des Christlichen Glaubens von ihr zuvernehmen; aber
solches wollte die Furcht vor den erzürneten Göttern ihnen nicht zulassen; und
gleichwol wollten sie an ihrer verheissung nicht gerne fehlen; endlich wurden sie
eins / sich dessen bei der Gross Fürstin durch ein Brieflein zu entschuldigen /
welches Siegward auffsetzete / und ihr solches bei seinem Diener zusendete.
Dieser begegnete Frl. Sibyllen ihrer Leibmagd / und baht / die Gross Fürstin
zuvermögen / dass sie dieses Schreiben nebest Fr. Sophien in geheim lesen möchte;
welches diese Dienerin wohl bestellete / und die Gross-Fürstin nicht ohn
verwundern zu sich nam / trat mit Fr. Sophien in ein Nebengemach / und lasen
folgendes mit höchster bestürzung.
    Durchleuchtigste Gross Fürstin / Gn Fr. Wase; ob zwar einem jeden redlichen
Ritter / die Schuldigkeit / sein Versprechen zu leisten / oblieget / und wir
beide zu ends benante uns gleich jetzo einstellen sollten / den Inhalt des
Christlichen Glaubens zuvernehmen / so fället uns doch eine so wichtige
Verhinderung darzwischen / welche zu unser entschuldigung uns dünket gnug sein;
weil aber selbiges der Feder zu weitläufftig fallen würde / es umbständlich
anzuführen / möchten wir wünschen / die Gelegenheit zu haben / euren Liebden es
mündlich zu erzählen / und zugleich ihres rahts uns zugebrauchen / als
erschrockene Leute / welchen der Götter dräuung diese Nacht kaum das Leben übrig
gelassen hat; wie solches anmelden werden / euer Liebden
untertähnigst-gehorsamste; Siegward uñ Baldrich.
    Da wird der lose Teuffel sein Spiel diese Nacht wohl rechtschaffen gehabt
haben / sagte die Gross Fürstin; liess den beiden Fürsten mündlich sagen / sie
wollte nach ihrem begehren bald bei ihnen sein / ging doch zuvor hin zu ihrem
Gemahl und Bruder / und gab ihnen den Brieff zuverlesen / welche darüber nicht
wenig erschraken / es mit ihr überlegeten / und ihre Meinung ihr zuverstehen
gaben; worauff sie zu den beiden Fürsten auff ihr Gemach sich verfügete / und
Fr. Sophien mit sich nam. Als sie zu ihnen hinein traten / entsetzeten sie sich
über ihrer bleichen todten Farbe / und traurigen Gestalt / und nach wünschung
eines glückseligen morgens / fragete die Gross Fürstin /was vor anfechtung sie
gehabt hätten. Es hatten sich die Fürsten in etwas erhohlet / zweifelten doch /
ob durch erzählung der Begebnis sie ihre Götter nicht beleidigen würden / massen
die begierde nach dem Christentuhm ihnen gar vergangen wahr; endlich fing
Baldrich also an: Durchleuchtigste Frr. Wasen; dass nicht ohn wichtige Ursachen
wir unser Versprechen zuleisten unterlassen haben / mögen sie uns wohl sicherlich
trauen / und ob wir uns zwar fürchten / durch die erzählung unser Abenteur noch
in eine schlimmere zu fallen / können wir doch nicht umbhin / ihren Liebden es
zu offenbahren; sagte also alles her was sich begeben hatte / uñ verwunderte
sich über alle masse / dass die beide Fürstinnen sich darüber nicht allein gar
nicht bewägeten / sondern mit zimlichem Gelächter es anhöreten / so dass Siegward
sich nicht entalten kunte / sie zuerinnern / sie möchten es nicht als ein
Mährlein annehmen / sondern sich versichern lassen / dass sichs in der Warheit
also begeben hätte /weil ihnen beiden zugleich solches begegnet wäre. Welches
die Gross Fürstin beantwortete: Durchll. Herren Oheime und Brüder; nehmet / bitte
ich / unser beiden Gelächter nicht also auff / als ob wir euch Lügen zumässen
wollten / sondern vernehmet die wahre Ursach / die uns hierzu bewäget; Es hat der
leidige böse Teuffel aus der Hölle / ingestalt dieser zwölff ertichteten Götter
euch ein Blärspiel angerichtet / bloss dass er euch von dem Christentuhm
abschrecken / und in dem eitelen Heidnischen Wahn stärken und erhalten möge /
und weil er kein füglicher Mittel darzu gewust hat / als eben dieses / so hat er
diesen Schrek-pelz umbhången / und unter diesem ohnmächtigen Gespenst euch
ängstigen wollen / welches ihm dann leicht zu tuhn wahr / weil ihr keinen Gott
kennet / an dem man sich in solchen fällen halten kann. Ich versichere euch aber
/ dass wie dieses dz erstemal ist / also soll es auch das leztemahl sein / und
wollen wir ihm durch beistand und hülffe meines Gottes / dieses Mittel / euch
ferner zuerschrecken /schon benehmen. Ihr müsst aber zuvor ein Herz ergreiffen
/ diesen Auffzug verlachen / und euer vertrauen auff den wahren Gott setzen /
alsdann sollet ihr ob Gott will eben so leicht über diss Gespenste lachen /wie ich
getahn habe. Jedoch / weil eure Gemühter zimlich verwirret sind / wollen wir
diesen Tag so hingehen lassen / uñ werdet ihr auff mein wolgemeintes gutdünken
euch heut diesen Tag aller frölichen Gesellschaft entalten / so wollen wir wils
Gott / morgen früh vornehme was wir heut zu tuhn willens waren. Damit ihr
gleichwol aber nicht allein seid / sollen euch Leches und Klodius auff diesem
Gemache Gesellschaft leisten / mit euch Speise nehmen / und allerhand heilige
Gespräche in euer gegenwart halte / ich will eure abwesenheit bei der ganzen
Gesellschaft schon gebührlich zuentschuldigen wissen. Sie liessen sich dieses
nicht allein wolgefallen / sondern auch den Schrecken algemach aus ihrem Herzen
vergehen; da dann die Gross Fürstin alles mit Leches abredete / wie er nebest
Klodius sich bei den Fürsten bezeigen sollte; die solches auch wohl in acht nahmen
/ und den Fürsten ein solches Herz macheten / dass ihnen nach der Nacht
verlangete; Als der späte Abend da wahr / legten die beiden Fürsten sich wieder
zusammen / Leches und Klodius aber auff das Nebenbette / hiessen jene in Gottes
Nahmen sicher schlaffen / und blieben sie inzwischen die ganze Nacht im
andächtigen Gebeht zu Gott. Den beiden Fräulein ward die rechte Ursach ihrer
abwesenheit von von der Gross Fürstin kund getahn / denen ihre aussgestandene
Angst sehr zu Herzen ging / und sie in ihr andächtiges Gebeht nahmen / dessen
die vier nahe Anverwanten auch unvergessen wahren. Die beiden Fürsten schlieffen
die ganze Nacht hindurch sehr wohl / und so bald die annoch hinter der Erden
versteckete Sonnenstrahlen den Himmel begunten anzuröhten / fing die Nachtigal
unfern von ihrer Schlaffkammer auff einem lustigen Baume ihr angebohrnes
Stimlein sehr krauss und bund durcheinander zu zwitzern / dass Siegward da er
erwachete / eine sonderliche Lust darob empfand / stiess auch seinen Gesellen an
/ und fragete / ob er nicht schier aussgeschlaffen hätte. Leches / als er sie
wache sein vermerkete / fragete er nach getahnem Morgenwunsch / wie ihre
Durchll. geruhet hätten. Sehr wohl und nach allem Wunsche / antwortete Siegward /
und so bald euchs geliebt / wollet ihr der Durchl. Gross Fürstin andeuten / dass
wir verlangen tragen bei ihrer Liebe uns anzufinden / und unser vorhaben
unerschrocken fortzusetzen. Ja sagte Baldrich / eben biss ist auch meine Meinung
/ und könnet solches erster mögligkeit bestellen. Jene beiden nahmen hieraus ab
/ dass die Fürsten gerne allein sein wollten / deswegen sie alsbald auffstunden
(dann sie hatten sich in ihren Kleidern nidergelegt) und davon gingen. Bald
darauff sagte Baldrich zu Siegwarden; Mein Bruder / nun habe ich Gott lob
eigentlich erfahren / dass das gestrige Geblärre ein lauter Gespenst gewesen ist
des schwachen Teuffels / welcher wieder der Christen Gott weniger dann nichts
vermag / und ich demnach kein bedenken mehr trage / alle deine und meine
teuflische ertichtete Götter zuverlassen und zuverachten; aber höre doch / wie
mirs gangen ist; als ich in sanfter Ruhe und tiesem Schlaffe lag / liess mein
ehmaliger Gott Krodo sich abermahl vor mir finde / aber mehr saursichtig als
erschreklich / taht doch so viel / wie mich dauchte / dass er meines Herzen
mächtig ward /und mir dasselbe aus dem Leibe risse / da dann kein Vermögen bei
mir wahr / ihm solches zu wehren; als ers nun zu sich gerissen hatte / und es in
eine schwarze Lade einschliessen wollte / trat die Gross Fürstin in begleitung
meiner geliebten Fräulein ihm unerschrocken entgegen / setzete mit einem
helblitzenden Schwerte auff ihn zu / und ängstete ihn dermassen /dass wie ungerne
gleich / er ihr doch mein Herz überlassen musste / und lieff er heulend davon als
einer dem kein herzhaftiges åderchen mehr übrig ist / daher ich ihm nachschrihe;
O du elender Tropff / bistu der starke Gott / und kanst dich eines schwachen
Weibesbildes nicht erwehren? Inzwischen nam die Gross Fürstin mein Herz mit
lachendem Munde zu sich / und hielt es einer schneweissen Täubelein zu / die mit
ihrem güldenen Schnabel es hin uñ wieder fleissig reinigte / auch viel Unflahts
heraus zog; endlich wischete es die Gross Fürstin mit einer zarten Linnewand /gab
es Frl. Lukrezien hin / und sagete: Sehet da Frl. Schwester / von nun an lasset
euch dieses Herz stets anbefohlen sein / weil in seiner vorigen unreinigkeit es
euch nicht gefallen kunte. Diese wegerte sich dessen gar nicht / sondern /
nachdem sie es zu unterschiedenenmahle geküsset / öffnete sie ihre Brust /
steckete es in ihre linke Seite / zog ihr eigen Herz wieder heraus / drückete es
in meinen Leib hinein / und sagte: Dieser Tausch wird unser keinen gereuen. Zeit
dieser begebnis aber sah ich König Ladisla und meinen Bruder Herkules von ferne
stehen / die mit auffgehobenen Händen vor unser beider Wolfahrt zu Gott im
Himmel fleissig behteten / und gedauchte mich / als wann die vorige weisse Taube
sich oben auff ihre Finger setzete / uñ nachgehends gen Himmel flöge. Geliebter
Bruder antwortete Siegward / hieraus schliesse ich / dass nicht allein durch der
Gross Fürstin bemühung / die ich vor sehr heilig halte / wir zum Christentuhm
gebracht werden sollen / sondern du auch deiner Fråulein volkommene hulde durch
eben ihren vorschub erhalten werdest / Gott gebe / wie es mit meiner Liebe kömt
/ an welcher ich doch nicht verzweiffeln will. Betreffend sonst meine Nachtruhe
/ist dieselbe auch ungestöret blieben / nur kurz zuvor ehe ich erwachete / sah
ich der Christen Gott mit einem rohten Kreuz / welcher alle meine nichtigen
Götter mit einem einzigen Augenwink zur Erden niderschlug / nicht anders / als
ob sie durch den Donner währen gerühret worden / dz ich demnach derselben
unvermögen schon ja so hoch verlache / als gestriges tages die Gross-Fürstin. Sie
macheten sich mit dem Tage von dem Lager auff / legeten Schneweisse seidene
Kleider an / mit güldenen Blumen durchwirket /und gingen hin / vor dem
bezeichneten Gemache auffzuwarten / biss ihnen geruffen würde. Die Gross Fürstin
wahr von Euphrosynen des wolstandes der beiden Fürsten nach Leches begehren
schon berichtet /dann sie schlieff diese Nacht abermahl bei Fr. Sophien und den
beiden Fräulein / welche sie in ihrer Ruhe liegen liess / und mit Fr. Sophien
hinging in das näheste Gemach / führete die beiden Fürsten mit sich / und
fragete kürzlich nach ihrem zustande / und als sie den eigentlichen bericht (ohn
was Frl. Lukrezien betraff / welches ihr verschwigen ward) eingenommen hatte /
fing sie diese Christliche Rede an: Durchleuchtigste Fürsten / hochgeliebte
Herren Oheime und Brüderliche Freunde; ich zweiffele durchaus nicht / es müsse
Gottes sonderbahre schickung sein / welche uns an diesen Ort zusammen geführet
hat / umb / eure Seligkeit / welche das höchste Gut ist / und zugleich eure
zeitliche Vergnügung / durch gewünschete heirahten zubefodern / auch hiedurch
uns andere / eure näheste Anverwanten höchlich zuerfreuen. Nun weiss ich zwar wohl
/ wie hart es unserm Fleisch und Blute eingehet / wann wir den Glauben / in
welchem wir geboren und aufferzogen sind / fahren lassen / und dagegen einen
neuen / entweder zuvor unbekanten / oder doch bei den unsern verhasseten und
verflucheten annehmen sollen. Wann wir aber dagegen bedenken /wie eine hohe
wichtigkeit diesem oblieget / dass man den wahren Almächtigen Gott recht erkenne
/ dann so pfleget sich unser Sinn schon in etwas besser zihen zu lassen /
insonderheit / wann wir vorerst zu dieser Erkäntnis gelangen / dass nach diesem
zeitlichen kurzen Leben unsere Seele nicht verschwindet / sondern entweder zur
ewigen Straffe wegen begangener Bosheit behalten / oder mit unaufhörlicher
Himmels Lust von Gott beseliget werden soll; alsdann will unser Verstand gerne
nachsinnen / wie mans anfahen müsse / dass man der Verdamnis entrissen / und der
göttlichen Gesellschaft einverleibet werde; aber ohn leit- und führung der
himlischen Taube / nehmlich Gottes des Heiligen Geistes / arbeitet man alhie
vergebens und umbsonst; dann nachdem der Mensch aus dem Stande der heiligen
volkommenheit in die boshafte Sünde gerahten ist / kann ihm der Weg zur
Himmelstühr ohn Gottes gnädige offenbahrung nicht gezeiget werden; massen bloss
allein sein heiliges Wort der Brunnen ist /aus dem wir das seligmachende Wasser
der geistlichen erkäntnis schöpffen / so dz unsere blinde vernunft hie selbst
nicht herschen / sondern sich demühtig vor Gott erzeigen / und demselben sich
untergeben / auch gewiss gläuben muss / wessen wir in seinem Worte unterrichtet
werden. Wer nun anfangs diese erste Gnade von Gott dem Heiligen Geiste
überkommen hat / dass er ihm vornimt / den Christlichen Glauben anzutreten /
derselbe muss vorerst solches nicht nur zum schein / oder andern zugefallen tuhn
/ sondern sein Herz muss sich bloss wegen der Ehre Gottes /und umb seiner eigenen
Seligkeit willen darzu schicken / sonst ists nur eine Heuchelei / und währe
tausend mahl besser / man liesse es gar bleiben; gestaltsam solche vorsezliche
Gottes Verächter nach diesem Leben hundert tausendfach mehr und hårter / als die
ärgesten Mörder / Räuber und Diebe gestraffet werden. Vors ander muss ihm keiner
durch Annehmung des Christentuhms Hoffnung zu zeitlicher Glükseligkeit und
Leibes Wollust mache / dass er gedenken wollte / Gott würde ihm wegen dieses
Glaubens in diesem Leben allerhand Lust und Freude gönnen und geben / oder er
dürffte alsdann schalten und walten /wie es seinem mutwilligen Fleische am
besten däuchte. O nein! Unser Gott hat uns wissen lassen / und selbst angedeutet
/ je lieber ihm ein Kind in dieser Welt sei / je mehr wolle ers unter seiner
Straff Ruhte halten / damit er ihn zähme / und von Sünden ableite /in welche wir
gemeiniglich durch zeitliches Glük gestürzet werden. Uberdas ist unserm
Christentuhm die üppigkeit dermassen zuwider / dass ob gleich jemand die
Erkenntnis unsers Gottes erlanget hat / und aber nicht daneben die Laster und
Untugend meidet / sihet Gott solche Erkenntnis gar nicht an / sondern straffet
ihn nach diesem Leben viel härter / als die unwissenden Heiden / weil ihnen der
Wille Gottes bekand ist und sie nur aus Vorsaz dagegen handeln. Sehet ihr meine
geliebete Herren Oheimbe und Brüder / dieses habe Euren Liebden ich anfangs
vorhalten wollen /worauff sie sich zubedenken haben / ob unter diesen
Bedingungen ihnen geliebe / zu der allein seligmachenden Warheit unsers
Christlichen Glaubens zu treten / oder ihnen besser gefalle / in ihrem vorigen
Heidentuhm zuverbleiben / auff welchen fall ich mich weiter heraus lassen werde;
dann ob man zwar billich die Unwissenden zur Erkenntnis der Warheit anmahnet / so
muss doch niemand zu dem Glauben gezwungen werden / sondern man muss dem
Allerhöchsten ein ungezwungenes freiwilliges Herz aufopffern / weil es unmöglich
ist / dass bei dem Zwange sollte können ein Beifal und Glaube sein. Baldrich gab
hierauff zur Antwort: Durchleuchtigste Gross Fürstin / gnädige Fr. Schwester /
Euer Liebe andächtige und gottfürchtige Reden haben mein Herz dergestalt
durchdrungen und zur Begierde der Erkenntnis des wahren Gottes / auch zur
Niessung der kunftigen ewigen Seligkeit hingerissen / dass / ungeachtet aller
Widerwertigkeit /Feindschaft / Hasses / Verfolgung / ja des zeitlichen Todes
selbst / ich durch des wahren GOttes Beistand bei mir entschlossen bin / mein
Häupt nicht sanfte zulegen / noch einiger Händel mich zuunterfangen /biss ich
darzu gelanget / uñ den Namen eines Christen empfangen habe; bitte demnach / von
wegen unser nahen Blutfreundschaft / Eure Liebe wolle mir hierzu ungeseumet
behülflich sein / gestaltsam auch mein geliebter Bruder Siegward eben den
gottseligen Vorsaz hat; Dann nachdem wir unsere verführische Kroden und
Irmen-Psaffen auff dieser öffentlichen lügenhaften Verleumdung ertappen / ob
sollte der ganze Christliche Glaube auff lauter Schande / Unzucht /und viehische
Vermischung hinleite / wie sie solches ungescheuhet vorgeben dürffen / und wir
dagegen ein widriges handgreiflich befinden / können wir nicht anders schliessen
/ die Buben ertichten solche Abscheuhligkeiten / nur das Volk dadurch
abzuschrecken / damit ihnen ihr Nuz und Vortel nicht entzogen werde; Dass ich
nicht einführe / was gestalt wir Gott Lob diese Nacht in Erfahrung gebracht /
dass unsere falsche Teuflische Götter gegen der Christen Gott nichts vermögen /
sondern dessen Almacht und Straffe unterworffen sind. Also ist nun unser Herz
geschikt und begierig / von Euer Liebe zuvernehmen / was ein Christ sei und
heisse / was derselbe wissen und gläuben / und wie er sich beides gegen Gott und
Menschen verhalten müsse. Siegward bezeugete auch mit wenigem / dz eben dieses
sein herzlicher Wunsch und steiffer Vorsaz währe / und baht umb klare und
einfältige Unterrichtung. Worauff die Gross Fürstin also fortfuhr: Nun wolan /
geliebte Herren Brüder / so verleihe uns der grundgütige Gott seine Gnade / und
erleuchte eure Herzen / dass ihr mein folgendes Vorbringen nicht allein verstehen
und fassen / sondern mit uns euer ganzes Leben darnach richten / und mit allen
Ausserwählten Gottes nach dieser Sterbligkeit / Kinder und Erben der ewigen
Seligkeit werden möget; worzu Fr. Sophia mit trähnenden Augen aus wahrer Andacht
ein herzliches Amen sprach. Die Gross Fürstin aber fuhr fort / und wie sie die
Häupt Stücke des Christlichen Glaubens sehr wohl gefasset hatte / fing sie an
zuerzählen / wie der wahre Gott nur ein einiger Gott / und ausser dem kein ander
Gott mehr währe /sondern die übrigen Götzen / wie sie immer Nahmen haben möchten
/ währen durch des Teuffels eingeben und getrieb von vorwitzigen Menschen
ertichtet; da dann derselbe Feind Gottes und der Warheit / solche Abgötterei
zustärken / durch Gottes Verhängnis /sich zuzeiten in einer gestalt solcher
Abgötter hätte sehen lassen / auch wohl durch dieselben geredet / geweissaget /
uñ wunderbahre Dinge verrichtet / so dass daher die ohndas unwissende Menschen in
ihrem Irtuhm währen gestärket worden. Der einige wahre Gott aber währe von
Ewigkeit her / ohn Anfang / ohn Ende / unbegreiflich / unermässlich / Almächtig /
Gerecht / ein Geist / der allentalben / im Himmel / auff Erden und in allen
Tieffen gegenwärtig / sähe und erkennete aller Menschen Tuhn / Tichten / und
innerste Gedanken / und hätte er ohngefehr / wie mans rechnete / vor 4175 Jahren
/ Himmel / Erde und Meer aus nichts erschaffen / da vor derselben Zeit nichts
ausser Gott gewesen. Auch hätte derselbe Gott eine unzahlbare menge Geister oder
Engel erschaffen / alle zu seinem Dienste und Gehorsam / deren doch etliche viel
tausend tausend von Gott abgefallen / zu Teuffel worden / und deswegen in die
ewige Verdamnis gestürzet währen. Das allerlezte Geschöpff Gottes währen die
ersten Menschen / Adam und Eva / jener aus einem Erdenkloss / diese aber aus
Adams Rieben einer von Gott gemacht / welcher ihnen eine unsterbliche
vernünftige Seele eingeblasen / auch dieselbe mit seinem Geistlichen Ebenbilde /
nehmlich / mit volkommenem Verstande / Krafft / heiliger folge Gottes und
gerechtem Willen ausgeschmücket / welches Ebenbilde ihnen von den Teufeln
missgönnet worden / welche sie zum Abfall gereizet / und sie durch solchen ihren
ungehorsam des jeztgedachten treflichen Seelen Schatzes beraubet hätten. Hier
erzählete sie allen Verlauff der ersten Menschen im Paradeiss / und dass GOtt
wegen solcher übertretung über sie erzürnet / auch willens gewesen wäre / sie
mit samt den Teuffeln zuverdammen; aber endlich durch Barmherzigkeit bewogen /
hätte er sich ihrer erbarmet. Saget mir nun /geliebte Herren Bruder / fing sie
darauff an / ob ihr dieses alles wohl begriffen habet; Und als sie es mit einem
Ja gestunden / fuhr sie fort: Nun müsst ihr ferner wissen / dz zwar schlechter
dinge nur ein einiges göttliches Wesen ist / aber nicht desto weniger ist in dem
einigen Wesen eine dreifache Unterschiedligkeit / oder wie die Gelehrten reden /
sind drei unterschiedene Personen in dem einigen göttlichen Wesen / und heissen
/ Vater / Sohn / und Heiliger Geist. Diese drei aber sind nicht drei
unterschiedliche Götter /sondern nur ein einiger Gott in einem unzertrenneten
Wesen / und dannoch sind diese drei unter sich /nicht nach dem Wesen / sondern
nach dem Selbstande / oder nach der Persönligkeit / wie man redet / warhaftig
unterschieden / so dass der Vater nicht der Sohn / der Sohn nicht der Heilige
Geist der Heilige Geist nicht der Vater noch der Sohn / sondern eine Person von
der andern nach ihrer Persönligkeit / auch inner- und äusserlichen
Eigenschaften unterschieden /und gleichwol ein einiges / nicht zusammen
gesetzetes / sondern schlechtes Wesen / und der einige wahre Gott sind. Eure
Liebden sollen sich nicht verwundern / dass ich ihnen ein solches vortrage /
welches das allerhöchste Geheimnis unsers Glaubens ist / uñ von keinem Menschen
recht mag verstanden werde; wir müssen alhier unsere blinde Vernunft gefangen
nehmen / und was wir durch den Verstand nicht ausgrüblen können / muss ein
einfältiger schlechter Glaube fassen / und durchaus nicht daran zweifeln / weil
unser GOtt sich uns Menschen also in seinem heiligen Worte / welches nicht
liegen kann / offenbahret hat. Eines muss ich nur hinzu setzen / das zu wissen
nöhtig ist / nehmlich / dass Vater / Sohn / und Heiliger Geist in dem einigen
göttlichen Wesen durchaus gleicher Ehre / Krafft und Herligkeit sind / keiner
grösser oder geringer / keiner ehe oder später als der ander / sondern
schlechter dinge gleich. Die erste Person wird darumb Vater genennet / weil sie
den Sohn von Ewigkeit her aus ihrem göttlichen Wesen gezeuget hat; und weil die
andere also ohn Anfang und ohn Ende gezeuget wird / heisset sie der Sohn. Der
Heilige Geist aber / die dritte Person / hat den Namen daher / dass sie von alle
Ewigkeit her vom Vater und Sohn als ein ausgeblasener Geist / wesentlich
ausgehet. Und ob eure Vernunft hieselbst viel nachsuchens machen wollte / was vor
eigentliche Beschaffenheit es hiemit håtte / so wehret ihr ja / und heisset sie
ruhen / weil solches nicht allein alles vergeblich / sondern auch wider Gottes
Willen ist / welcher dieses von uns nur schlechter dinge will gegläubet haben.
Nach Fest-legung dieses ersten Hauptgrundes der Christlichen Lehre / erzählete
sie vor dissmahl nur Inhaltsweise /was gestalt Gott der Sohn sich des zur
Hellen-Straffe verurteileten menschlichen Geschlechtes aus sonderlicher
Barmherzigkeit und Liebe angenommen / in der fülle der Zeit Mensch worden / und
durch seine gnugtuhung / Leiden und Sterben vor unsere Sünde gebüsst / wodurch
er den Zorn Gottes und die hellischen Straffen von uns abgewendet / und die
Seligkeit uns wieder verdienet und zuwegen bracht / welche uns auch dermahleins
nach diesem Leben wirklich würde zugelegt werde / wañ wir mit festem Glauben uns
auff solches Verdienst unsers Heilandes verlassen / uns von aller Bosheit
entalten / und die Werke der Christlichen Liebe und wahren Gottseligkeit nach
Erheischung der Heiligen zehn Gebohten ernstlich fortsetzen. Nachgehends sagte
sie ihnen den algemeinen Christlichen Glauben vor / und erklärete ihnen
denselben nach allen nöhtigen Umständen gar einfältig /welches alles sie
andertalb Stunde lang in höchster Andacht anhörete / und sich über der
holdseligen Rede verwunderten / die aus ihrem Munde ging / dann sie wahr als
verzukt anzusehen / die Augen stunden ihr gen Himmel / und erschien eine solche
Freudigkeit in ihrem Angesichte / als währe sie ein Engel Gottes gewesen. Auff
ihre geendigte Reden aber fing Baldrich also an: Hocherleuchtete und in
göttlicher Weissheit wolerfahrne Gross Fürstin; billich halte ich diesen Tag vor
meinen Geburts Tag / an dem mir so über hohe Gnade und Barmherzigkeit
wiederfahren ist /dass davor dem gütigen Gott und Euer Liebe ich nimmermehr gnug
danken kann. Mein Herz ist durch ihre Unterrichtung erleuchtet / meine Seele
getröstet / mein Muht gestärket / mein Geist wider die Teuflischen Gespenster /
die mich gestern verunruheten / gewapnet / und mein Wille unterwiesen / dass er
nunmehr tugendhaft und gottselig fahren kann / weil mir der Verstand geöffnet
ist / und ich / Gott Lob / nunmehr weiss / woran ich mich in Anfechtung halten /
und wohin ich in meinem anliegen mich wenden soll; unmöglich aber ist mirs /
meine iñigliche Vergnügung auszusprechen. Die Teufelin Freia / der Teufel Krodo
und Irmen Seul / und wie sie sonst Nahmen haben mögen / sollen mich durch Gottes
gnade nicht mehr schrecken /weil ich den wahren ewigen und einigen Gott / ihm
sei Lob / erkenne und im Herzen habe; derselbe Gott / der mich erschaffen und
erlöset hat / wolle seine gnade in mir vermehren / dass ich ohn wanken mich an
ihm steifhalte / und durch keine Wiederwertigkeit von ihm getrennet werde.
Siegward gab gleichmässige Erklärung von sich / welches die Gross Fürstin mit
sonderlicher Freude vernam / sie zur Dankbarkeit gegen Gott vermahnete / und mit
ihnen niderkniend folgendes Gebeht sprach: O du grundgütiger Gott / wir danken
dir von herzen / dass du uns nach deiner väterlichen Güte aus dem verdamlichen
Unglauben hervor gerissen / und zur heilsamen Erkenntnis deines lieben Sohns /
auch zur Erbschaft des ewigen Lebens gebracht hast; Wir bitten dich herzlich /
erhalte uns in solcher Gnade / stärke unser neuen annoch schwachen Glauben /
vermehre in uns die Hoffnung und Liebe /und setze uns fest in Christlichen guten
Werken und heiligem Wandel / dass wir dir O Gott gefallen / und nach dieser
Sterbligkeit mit dir ewig leben mögen /Amen.
    Hierauff behtete sie mit ihnen abermahl den Christlichen Glauben und das
Vater Unser so oft / biss sie es ohn Anstoss nachsagen kunten / erklärete es auch
gar einfältig / und erinnerte sie / dass sie etliche Tage aneinander früh morgens
sich bei ihr einstellen / und den nöhtige Unterricht so oft mit ihr
wiederhohlen sollten / biss sie denselben zur gnüge würden gefasset haben. Solte
sich aber / sagte sie / der Teuffel noch weiters wollen gelüsten lassen / euch
bei Nachtzeiten (wie er dann nicht ein Geist des Lichtes / sondern der
Finsternis ist) zuverunruhen / und mit seinem Gepölter zuerschrecken / so
verachtet ihn nur mit alle seinem Wesen / und sprechet in wahrer Andacht den
Christlichen Glauben und das Heilige Vater Unser /alsdann werdet ihr sehen / wie
schimpflich er abzihen / und eurem Glauben den Sieg wird lassen müssen /dann es
wird in der Heiligen Schrifft unser Glaube an den Sohn Gottes ein Schild
genennet / nebest der Versicherung / dass wir damit alle feurigen Pfeile dieses
Bösewichts auslöschen können. Nach Endigung dieser Rede umfing sie beide Fürsten
/ und nach gebotene Kusse sagte sie: Nun werde ich mich erst recht vor Eurer
Liebden Schwester / und dieselben vor meine Brüder halten / nachdem wir an Gott
einen Vater / und an der Christlichen Kirche eine Mutter haben / dass wir also
nicht allein leibliche oder fleischliche / sondern auch geistliche Brüder und
Schwestern sind. Sie nam aber Baldrichen / und Fr. Sophia Siegwarden bei der
Hand / und gingen mit ihnen nach Herkules Gemache / der mit Ladisia schon
auffgestanden wahr / und ihr Morgengebeht in einer Andacht verrichteten / kunten
auch leicht gedenken /was die ursach ihrer Ankunft wahr / wiewol sie dessen
sich nichts merken liessen. Die Gross Fürstin aber liess sie nicht zu Worten
kommen / sondern fing also an: Der glückseligste Tag nach meiner Bekehrung ist
mir der heutige gewesen / an welchem durch Gottes gnade ich diese beide Durchll.
Fürsten / meine geliebte Herren Oheime und Brüder aus des leidigen Teuffels
Rachen lossgerissen / und zur Gemeinschaft der Christlichen Kirchen gebracht
habe / wovon ich zu gelegener Zeit ein mehres erzählen werde. O mein
allerliebstes Herz / antwortete Herkules / der Tag müsse gesegnet sein / an
welchem mein geliebter Bruder und Oheim zur Erkenntnis GOttes sind gebracht
worden; ist mir auch insonderheit lieb / dass solches ohn mein zutuhn und
vorwissen verrichtet ist /damit mein Herr Vater nicht dereins mir beimässe /ich
hätte meinen Bruder verleitet / und die künftige Beherschung des Vaterlandes
ihm missgönnet / wovon er dieses Glaubens wegen mich zuenterben soll gesinnet
sein; Im übrigen wünsche ich den beiden neuen Christen Gottes beharliche gnade /
und des Heiligen Geistes Inwohnung / der in ihnen den Glauben vermehre / und sie
zugleich neben uns dereins in die ewige Herligkeit auffnehme. Geliebter Herr
Bruder /antwortete Baldrich; wegen des Christlichen Wunsches bedanke ich mich
herzlich; was aber meinen Herr Vater und dessen Vorhaben wegen deiner Enterbung
betrifft so ist Gott mein Zeuge / wie hart mir solches zuwider gewesen ist / dass
ich nicht allein unserm Herr Vater geschworen / viel lieber zusterben /als in
deine Enterbung zugehehlen / oder dir als dem ältern vorzugreiffen / sondern da
mich ein bübischer Pfaffe hierzu anmahnen wollen / und sich unternehmen durffte
/ deiner in ungleichen zugedenken / umb /bei dem Vater dich noch weiters
verhasset zumachen / habe ich aus brüderlichem Eifer ihn mit meinem Seitengewehr
durchstossen / und hiedurch meinen H. Vater so hoch erzürnet / dass wenig fehlete
/ er hätte mich gefänglich einziehen lassen / wann meine Fr. Mutter mich nicht
vor seinem Zorn etliche Tage verborgen gehalten hätte. Geliebter Herr Bruder /
sagte Herkules / mir ist dein Gemüt schon gnug bekant /aber hiedurch hastu es so
viel klärer zuverstehen geben / und verheisse ich dir deswegen / dass ich nicht
lassen will / meines Herrn Vaters Gross Fürstentuhm entweder mit dir zuteilen /
oder dir helffen ein Reich zugewinnen / welches deinem Stande gnug sei. Es wahr
überaus grosse freude unter ihnen / welche auch Ladisla mit vielfältigem
glückwünschen und erbieten zuerkennen gab / biss endlich Siegward in ihrer beider
Namen also anfing: Grossmächtigster König / auch Durchleuchtigster Gross Fürst /
gnädige Herren Oheime und Brüder; Nachdem der Algütige Gott meinem lieben
Freunde und mir die allerhöchste geistliche Glükseligkeit zugewendet / da wir am
wenigsten darauff bedacht wahren / haben wir das Vertrauen zu seiner
Barmherzigkeit / er werde uns in derselben biss an unser Ende / ja biss in alle
Ewigkeit erhalten; Wann wir dann hieneben wünschen / dass auch die lieblichste
irdische Glükseligkeit / welche in Erhalt- und Besitzung eines tugendreichen
frommen und gottseligen Ehegemahls bestehet / uns von Gott möge mitgeteilet
werden / und wir dieselben an den beiden Hochgebohrnen Römischen Fräulein / Frl.
Lukrezien Pompejen / und Frl. Sibyllen Fabtin uns gänzlich eingebildet haben /
und demnach willens sind / umb dieselben gebührlich zuwerben / geleben wir der
ungezweifelten Hoffnung und Zuversicht / Eure Liebden werden uns hierin / ihrem
gutem Wolvermögen nach / alle befoderung leisten / welches mit unserm Blute
zuersetzen wir stets willig und bereit sein wollen. Herkules fing schon an /
seine Antwort zugeben / aber die Gross Fürstin fiel ihm in das Wort / und sagte:
Nicht also /Durchl. Fürst Siegward / meine Fr. Schwester und ich haben dieses
biss daher träufleissig unterbauet / und da es sollte ausgeführet und glücklich
geendiget werden / wollten andere herzu treten / und den Dank verdienen? Wir
wollen unserer Gemahlen Mit Arbeit in diesem Werke mit nichten zulassen /
sondern Eure Liebden sollen gleich jetzo mit uns gehen / uñ vernehmen /wie weit
durch unsere Bemühung es schon fortgesetzet sei. In Gottes Nahmen / sagte
Herkules / ich weiss ohn das wohl / dass ihr in Heirahtsachen nicht allein euch
gerne gebrauchen lasset / sondern auch zuzeiten gut Glück damit habet; und weil
ich meinem lieben Herrn Oheim / wie auch Bruder keine liebere Fräulein wünschen
kann / nachdem beider Zucht / Tugend und Frömmigkeit mir insonderheit wohl bekant
ist / so seid erinnert / mein Schatz / und leget allen möglichen Fleiss an / dass
ich dessen bald genehme Zeitung erfahren möge. Nun hatten dannoch diese beide
Fürstinnen des vorigen ganzen Tages nicht unterlassen / den beiden verliebeten
Fräulein ihre Buhler noch immerzu angenehmer zumachen / welche / weil sie ihr
Herz schon allerdinge darzu geneiget hatten / so viel desto leichter konten
eingenommen werden / und dauchte ihnen der vorige Tag sehr lang und unlustig /
weil ihrer Augen bester gegenwurf sich nicht wollte finden lassen / dass auch Frl.
Lukrezie sich nicht einhalten kunte / zu Frl. Sibyllen / wiewol als im Scherze
zu sagen: Herzen Schwesterchen / mich deucht du fingest heut früh eine
Fröligkeit an / die da scheinet / sich bald geendet zu haben / und wann ich
meinem fragenden Herzen sollte eigentliche Antwort geben / würde ich gestehen
müssen / dass ich gleiches anliegen habe welches / wann ichs recht täuffen soll /
halte ichs vor ein Fieber / weil mir bald heiss bald kalt ist; nun habe ich
solches gleichwol nicht über Meer mit mir gebracht / dessen mir mein Gewissen
und meine ganze Gesellschaft Zeugnis gibt / und ich demnach nicht anders
schliessen kann / ich muss die erste Nacht / da ich bei dir geschlaffen / es von
dir geerbet haben. Frl. Sibylla lachete der Rede / und gab ihr zur Antwort:
Gewisslich mein Schwesterchen / du beichtest fein heraus mit deinem Liebes-Fieber
/ aber die wahre Ursach dessen triefstu gar nicht. Ey sagte jene / bistu dann
eine von denen / welche der Dinge Ursachen zuerkennen wissen / und daher die
glückselige genennet werden / so lass mich doch deine Gedanken vernehmen /aber
trifstu nicht recht / werde ich dich über laut ausszischen. Ists dann wahr /
antwortete diese / dass du ein solches vor so ein grosses Geheimnis hältest? so
frage nur in dieser ganzen Gesellschaft / welchen du wilt /auch allerdinge die
geringesten Auffwarter / es wird keiner sein / der dieses Ziel nicht leicht
treffen sollte. Bin ich dañ allein so but uñ unwissend / sagte jene /dass ich den
Ursprung meines Fiebers nicht finden kann / so benim mir doch solchen Unverstand.
Was man liebt / antwortete ihre Freundin / ob mans gleich nicht sihet / höret
man doch gerne davon reden / daher werde ich dir kein missfallen erzeigen / wann
ich vorbringe / was du selbst besser weissest als ich; erinnere dich / wer es
wahr / dem du des Abends deiner Ankunft bei der Mahlzeit so nahe rücketest /
derselbe hatte das Fieber / wie es seine veränderung ausswiess /und ist also gar
kein Wunder / dass du von demselben damit angestecket bist; O Schwester Schwester
sagte Frl. Lukrezie / wie übel und unschwesterlich hastu dann bei mir gehandelt
/ dass du mich nicht bei zeiten gewarnet hast; dann bei meiner träue / hätte ich
wissen sollen / dass ich bei einem Fieberkranken sässe /würde ich mich balde von
ihm hinweg gemacht haben; aber diese Reue und Klage dürffte nun schier zu späte
sein / deswegen biss gebehten / und gib mir guten Raht und heilsame Arznei zu
dieser Krankheit vertreibung / weil deiner Meinung nach / du deren Ursach so wohl
und eigen erkennest. Verwägen gnug vor ein junges Mädchen / antwortete die
andere; wisse aber / dass ich keine Liebes-Arztin bin / habe gleichwol heut früh
ohngefehr aus unserer Frr. Schwesteren Gespräch verstanden / das dein Fieber
deren Art sei /welche durch eben dasselbe müssen vertrieben werden / durch
welches sie entstande sind. O du Erzverschlagene / sagte jene / ich merke schon
/ dass deine Arztin dir vor dein Fieber was geordnet hat / und wilt mir solches
nicht offenbahren; doch wann ich sehen werde / dass du diese Arznei einnimst /
will ichs auch wagen / aber ohn einen Vorgänger tuhe ichs nicht / weil die Arznei
gar zu gefährlich ist. Du soltest dich vom Galgen lossschwätzen / antwortete
diese; aber dass du wissest / wie weit du fehlest / so bezeuge ich dir / dass ich
von keinem Fieber / noch von einiger anderen Krankheit getroffen bin. O
Schwester / wieder antwortete jene / dass sind schlimme Kranken / welche ihre
Krankheit verleugnen / man hält sie vor unwitzig /und verzagen alle Arzte an
deren wiederstattung; lege deswegen diesen Unsin ab / und lass dir helffen; sihe
ich weiss dass dein Fieber ungleich gefährlicher ist als meines / dañ du hast dich
eine geraume Zeit unter dem Gewölbe der Räuberhöhle auffgehalten / da du den
ersten Anstoss bekommen / welches uber alle masse schädlich sein soll; du bist
über Wasser gangen / welches auch die heftigkeit des Fiebers vermehret /ja ich
merke dass es ein stetsanhaltendes Fieber ist /welches entweder kurze wendung
machet / oder gar zu beschwerliches viertägiges verursachet / damit man sich
etliche Jahr schleppen muss; Nein nein / so töricht will ich nicht sein / mich in
solche Lebensgefahr zu stürzen / sondern so bald meine Arztin mir die Arznei
darbieten wird / will ich sie begierig annehmen / und mich hernach im Bette fein
stille halten / damit dem übel bei zeiten gerahten werde; und wo sonst guter
Raht bei dir haften kann / so tuhe du ihm auch also /was gilts / du wirst deines
beschwerlichen und feurhitzigen Fiebers alsdann auch entlediget werden. Ich
schätze es vor eine Kunst und Woltaht / sagte Fräulein Sibylla hierauff / wann
man kranke gesund machet / aber dass du so bemühet bist / mich gesunde krank zu
machen / muss ich zum wenigsten vor eine Tohrheit halten; ist dir aber die
Arztnei so nöhtig /will ich aus getrieb unser Freundschaft die Gross Fürstin
erbitten / dass sie dir beizeiten rahte / damit nicht das ganze ådle Frauenzimmer
durch dich beschimpfet werde. Mit solchen und dergleichen auffzügen / trieben
diese Fräulein sich diesen Tag umb / welches sie des folgenden Morgens wieder
anfingen / als die Gross Fürstin von ihnen auffgestanden und mit den Fürsten in
dem Bekehrungswerke wahr / dass sie darüber zimlich lange in den Federn blieben /
und sie kaum die nöhtigsten unter-Kleider angelegt hatten / als die beiden
Fürsten mit ihren Begleiterinnen zu ihnen hinein traten; dessen dann die
Fräulein nicht wenig erschracken / kehreten ihnen den Rücken zu / und bahten die
Gross Fürstin sehr / einen gar geringen Abtrit zunehmen / biss sie sich völlig
würden bekleidet haben. Aber sie gab ihnen zur Antwort; nicht also meine
herzgeliebete Schwesterchen / ihr sollet diesen beiden Fürsten Glük wünschen /
wegen ihres angenommenen Christentuhms / und die unzeitige Scham bei seit legen
/ nachdem ihr guten Freunden schon gnug bekleidet seid; jedoch warff sie selbst
ihnen kurze Nacht- oder Halsmäntelchen von klarer Linnewad über die Schultern /
und führete Frl. Lukrezien hin zu Baldrich / da inzwischen Fr. Sophia sich mit
Siegwarden nach Frl. Sibyllen verfügete / welche ihn gar schamhaftig empfing /
weil sie wohl wusste / dass es nunmehr zum völligen Schlusse angesehen wahr. Die
Gross Fürstin aber / da sie ihre beide verliebeten zusammen führete / lies sie
ihnen nicht so viel Zeit /sich untereinander zu grüssen / sondern redete das
Fräulein also an: Herzgeliebete Frl. Schwester / dafern das feste Band unserer
verknüpfeten Freundschaft in eurem Herzen nicht zubrochen ist / wird eure Liebe
sich erinnern / wie oft wir gewünschet haben / von Gott zuerlangen / dass wir
nimmermehr voneinander möchten getrennet werden / weder in dieser noch in jener
Welt. Diesen Wunsch ins Werk zu richten /habe ich täglich nachgesonnen / aber
vergebens / biss dieser Durchleuchtigster Fürst / ein gebohrner Gross Fürst und
uhraltes Königliches Geblüts aus Teutschland / meines herzgeliebeten Gemahls
einiger Bruder /mir vertraulich zuverstehen gegebe / was gestalt euer Liebe
Zucht / Tugend / Gottesfurcht uñ Schönheit ihm sein Herz dermassen eingenommen /
dass in dieser Welt er nichts anders suchet / als euer Liebe zu dienen / und
deren gegen. Liebe in unzertrenlicher Ehe gottselig zugeniessen / wodurch er
gezwungen sei /mir als seiner nähesten Blutsverwantin solches zu offenbahren /
und meiner hülffe in erwerbung eurer Gunst und guten willens zugebrauchen; wann
ich dann nicht zweiffele / mein geliebter Oheim und Bruder suche dieses von
Herzen / so hoffe ich zugleich /eure Liebe werde sein inbrünstiges ansuchen
nicht ausschlagen / sondern auff meine unterhandlung ihn vor ihren Schaz und
künftigen Gemahl annehmen; hingegen versichere ich dieselbe hinwiederumb / dass
eure Liebe er Zeit seines Lebens ehren / lieben und schützen / auch dieselbe
auff ein solches Leibgedinge setzen soll / dessen kein Fräulein sich wird schämen
dürffen; und ob etwa eure Liebe durch vorschützung der Nohtwendigkeit eurer
Eltern guteissen einzuhohlen / die endliche Erklärung auffschieben wollte / so
erinnere ich dieselbe / was massen ihre Eltern mir volkommene Gewalt / sie
zuverheirahten / auffgetrage /und sie daher an derselben einwilligung nicht
zweiffeln darff. Das Fräulein gab zur Antwort: Durchleuchtigste Gross Fürstin /
dass dieser auch Durchleuchtigster Fürst und gebohrner Gross Fürst aus Teutschland
zu mir unwirdigen so hohe Gunst und Liebe gefasset /und zu seinem Gemahl mich in
seinem Herzen erkiesen wollen / erkenne ich billich mit gebührlicher
Dankbarkeit; nachdem aber euer Liebe Vortrag mir so schleunig und allerdinge
unvermuhtlich vorkomt / als bitte untertähnig / mir etliche Monat bedenkfrist zu
göñen / damit ich nicht durch unvorsichtige Antwort mich übereile / wie dann ein
Fräulein in solchen teidungen bedachtsam fahren soll und muss. Der Gross Fürstin
wahren ihre Schwänke wohl bekant / lachete deswegen / und fragete / wie viel
Monat sie dann bedenkzeit soderte. Ich stelle es in euer Liebe bestimmung /
antwortete sie / wanns nur nicht unter sieben oder acht Monat sein wird / wie
dann gut Ding weile haben will; bei welcher vorbringung sie selbst das Lachen
nicht allerdinge einbeissenkunte. Wolan / sagte die Gross Fürstin / ich gebe euer
Liebe nicht allein acht / sondern achtzehn Monat meines Jahrbuchs / in welchem
jeder Monat einen Augenblick hält / und länger nicht; und ob ihr bedacht währet /
weitere Ausflucht zusuchen / schlage ich diesen Kreis umb euch beide / bei
Straffe meiner höchsten Ungnade / und Auffkündigung aller Freundschaft und
Hulde / wo euer einer den Fuss drüber setzet / biss ihr einer dem andern diese
Ringe auff schierkünftige Heirat /wechselsweise eingeliefert habet; steckete
hiemit ihnen beiden überaus köstliche Ringe auff die Finger / gab dem Fräulein
einen herzlichen Kuss / und trat damit aus dem Kreise. Das Fräulein stellete sich
etwas ungeduldig / und gab vor / sie hätte sich über gewalt zubeklagen / indem
sie in diesen Kreis ungleich fester / als in das allerwolverwahreteste Gefängnis
versperret währe / auch keines weges daraus zubrechen wüste / als entweder durch
ihre gnädige Auflösung / welche sie hoffete / oder gänzliche Erfüllung des
Befehls / welches ihr unmöglich däuchte; worauff aber die Gross Fürstin kein Wort
antworten wollte. Hingegen wusste Fr. Sophia ihrem Fräulein dergestalt zubegegnen
/ dass dieselbe sich bald darauff mit dieser Antwort heraus liess: Nach dem ihre
Fr. Schwester sie versicherte / dass ihre herzgeliebete Eltern mit dieser Heirat
würden friedlich sein / und es ihr also gefiele / dass diesem Durchl. Fürsten sie
sich zu ehelicher Träue versprechen sollte / erinnerte sie sich billich / dass
anfangs sie gehalten währe / ihr hierinnen zugehorsamen / dann auch / dass sie
diesem Fürsten mehr als niemand anders sich verbunden sein wüste / als ohn
dessen Hülffe und Rettung ihre Ehre nicht hätte mögen erhalten werden; In
Betrachtung dessen / wollte sie hiemit demselben sich in aller Demuht ergeben /
unter der festen Zuversicht / was ihrer Unvolkommenheit abginge / würde dessen
Durchl. geduldig übersehen / und mit seinem reichen überflusse erstatten. Gleich
am Ende dieser Erklärung / da die Gross Fürstin sich eben auch von Frl. Lukrezien
hinweg wendete / kam Euphrosyne geschwinde herzu gelauffen / und baht sehr / ob
die Gross Fürstin und Fr. Sophia nicht belieben möchten / alsbald mit nach
Libussen und Brelen zugehen / denen zugleich die Kindesweh angestossen währen.
Diese beiden wurden froh / dass sie gelegenheit bekahmen / die Verliebeten allein
zulassen; dagegen schämeten sich die Fräulein nicht ein geringes / mit ihren
Fürsten in so unvolkommener dünnen Kleidung allein zusein; bahten demnach Fr.
Sophien / die Befoderung zutuhn / dass von ihren Leibdienerinnen ihnen ihre
weisse Seidene Oberkleider herzugebracht würden; welches aber unbeantwortet
blieb nur dass die Gross Fürstin ihre beiden nochmahl erinnerte / alles einwendens
(von dem Fräulein geschehen) ungeachtet / den Kreis vor ihres begehrens
Erfüllung nicht zuverlassen. Da dann nach ihrem Abscheide Fürst Baldrich sich
erkühnete / und bitlich anhielt / das Fräulein möchte an seiner bisher
erlittenen Liebespein ein genüge tragen / und ihn nicht weiter mit
Verzweifelungsgedanken ringen lassen; versprach hingegen / sie zeit seines
Lebens dergestalt zubedienen / dass sie in der Taht spüren sollte /wie ihm in der
Welt nichts angenehmers sein würde /als in ihrer Auffwartung zusterben. Worauff
sie dann ihn nicht länger auffhalten wollte / sondern ihm diese vergnügliche
Antwort gab: Durchleuchtigster Fürst /Euer Liebe bisher geschehenes Erbieten
gegen mich Unwerte / ist viel zu hoch / und kann mein Unvermögen in Ewigkeit
daran nicht reichen / ob gleich zeit meines Lebens ich mich hierzu bemühen
würde; Verspreche demnach auf geheiss meiner gebietenden Gross Fürstin / die mir
an Eltern statt zubefehlen hat / dass Euer Durchl. ich in aller gebührlichen
Demuht schuldigen gehorsam / und solche unbrüchige Träue leisten will / die von
einem künftigen Gemahl erfodert wird /zugleich bittend / Ihre Liebe wollen nit
schier heut oder morgen mir verweisslich auffrücken / dass deren nicht gleich
anfangs mich genehm erkläret / nach dem ich ja billich der Jungfräulichen Scham
und Zucht eingedente sein müssen. Der Alwaltige Gott aber stärke Eure Liebe in
dem wohl angefangenen Christentuhm /und lasse Ihr an mir alle Lust und
geziemliche Freude finden / die mein hochgeliebeter Fürst sich von mir je
einbilden mag / wiewol meiner Unvolkommenheit ich mir gar wohl bewust bin; jedoch
/ was an Tähtligkeit bei mir abgehet / wolle Eure Liebe durch einen inbrünstigen
Willen ersetzen lassen. Baldrich hatte sich solcher Erklärung nicht versehen /
daher ihm nicht anders als einem verzucketen zu muhte wahr / stund und besan
sich / ob er auch warhaftig solche Worte gehöret / oder in einer Einbildung sie
ihm selber gerichtet hätte; welches das Fräulein merkend / und dass sein
stilleschweigen aus zu übermässiger Freude herrührete / fassete sie ihn bei der
Hand / und sagte: Wie nun mein Durchl. Fürst / kann er mit solcher Erklärung noch
nicht vergnüget werden? Ich meine ja / nachdem ich mich ihm ergeben / alles das
geleistet zuhaben /was sein ehmahliges heftiges ansuchen begehret /und meine
gebietende Gross Fürstin mir ernstlich aufferleget hat. Hiedurch begrif er sich /
setzete mit ihrem höchsten Unwillen sich vor ihr auff ein Knie /fassetete ihr
die Hand / und nach vielfältigem küssen derselben / da er von ihr aufzustehen /
eiferig angefodert ward / redete er auf vorgeleisteten gehorsam sie also an: Ach
mein auserwähltes Fräulein woher soll ich immermehr wirdige Antwort nehmen /
ihrer hohen Gunst gebührlich zudanke? Ich erkenne mein Unvermögen / und bitte
sehr mir es nicht zur Grobheit auszudeuten dass ich weder meine gedanken recht
zufassen / noch meine Schuldigkeit abzulegen bestand bin; jedoch verspreche ich
/ als lange ich leben werde /diese mir erzeigete höchsterquikliche und
genügliche gunst in meiner Seele steiff und unverrücket zuverwahren. So nehmet
nun / O mein teurester Schaz /mich euren Diener mit beharlicher gewogenheit an /
und übersehet freundlich / was ich nicht aus Verachtung / sondern blosser
Unmögligkeit unterlasse; Ich will stets unter der Bemühung mich bearbeiten / dass
mein ihr durchhin ergebenes Herz in der Taht erzeige / wie hoch eure
Vortrefligkeit ich liebe und ehre. Nam hierauff den Ring von seinem Finger /
steckete ihr denselben an / und sagete: Hiemit überliefere ich meiner
herzgeliebeten Fräulein mein Herz und alle meine Lebenskräffte zueigen / so dass
meine begierden an keine andere als allein an sie gedenken oder hangen sollen /
und da mein Fräulein (welches Gott gnädig abwende) mir durch Todesfal frühzeitig
sollte entrissen werden / dass ich nimmermehr einer andern schuldig werden will.
Bei Leibe nicht / Durchl. Fürst /sagte sie so hohe Verpflichtung nehme ich
keines weges an / dass Eure Liebe nach meinem Tode nicht Macht haben sollte / eine
neue Heirat zuergreiffen /sondern es ist mir gnug und übrig gnug / dass bei
Lebenszeit euer Träue und Schutzes ich versichert bin; zähle demnach Eure Liebe
von solchem Versprechen los und ledig / und verbinde mich hingegen / dass in
Ewigkeit kein ander Mannesbilde eheliche Versprechung von mir haben oder
bekommen soll; nam zugleich den von der Gross Fürstin ihr gelieferten Ring
/steckete ihm denselben an / uñ sagete weiter: Von nun an bin ich nicht mehr
mein eigen / sondern dem ich diesen Ring mit gutem Wolbedacht überliefere / zum
Zeichen / dz mein Wille demselben nach Priesterlicher Einsegnung in allem
untergeben ist. Baldrich umfing nach getahner Danksagung seine Braut / wiewol
mit etwas ihrer Wegerung / und erteilete ihr mannichen Liebeskuss / dass endlich
das Fräulein ihn erinnerte / die Mässigkeit nicht zuüberschreiten / dann sie
währe gesinnet / biss an des Priesters Hand ihre Freiheit zuhandhaben; werde auch
/ sagte sie / nunmehr ohn meiner Fr. Schwester der Gross Fürstin Ungnade aus
diesem Kreisse trete dürffen / nachdem ihren Willen ich halte erfüllet sein. Ja
mein herzgeliebtes Fräulein / antwortete er / nur dass sie meiner inniglichen
Freude nicht so gar zeitig abbrechen / und mich alsbald verlassen wolle; nam sie
bei der Hand / und setzete sich mit ihr auff die näheste Bank / höchlich
wünschend / dass ihr Beilager nicht lange möchte auffgeschoben werden. Das liebe
Fräulein taht ihm auff sein bitliches ansuchen gerne Gesellschaft / und hatte
mit ihm manniche Unterredung / wiewol er gemeiniglich gar ungereimet antwortete
/ welches sie ihm nicht vor übel hielt / weil sie sah und spürete /dass es aus
heftiger Liebe herrührete. Siegward genoss nicht mindere Gunst von seinem
Sibyllichen / als die wegen Blödig- uñ Offenherzigkeit sich weniger als Lukrezie
zuwegern wusste / auch auff ihres liebsten Fürsten anhalten ihm frei stellete /
das Beilager nach belieben zubefodern / so bald ihrer Eltern bewilligung zur
Heirat einkommen würde. Nach zweistündigem Gespräch und ehrliebender Buhlerei
erinnerten die Fräulein ihre Liebsten / es würde zeit sein / abzuweichen / damit
sie nicht von andern dergestalt beieinander angetroffen würden / dann sie
wünscheten / dass ihre Verlobung noch etliche Tage in geheim verbleiben möchte.
Ich werde mich aber / sagte Frl. Lukrezie / an meiner Fr. Schwester / Fr.
Sophien zurächen wissen / dann ich bin dessen gewiss / dass sie uns zum Schimpff /
und unsern Fürsten zur Behägligkeit uns die Kleider so lange hinterhält /
zweifele auch nicht /da es nur in ihrem Vermögen gewesen / sie hätte unsere
Fürsten uns gar vor das Bette zugeführet / welches ich ihr in Ewigkeit nicht
hätte verzeihen können. Die Fürsten gedauchte selber Zeit zum Abscheide sein /
nahmen demnach auff erhaltene Umfahungs-vergünstigung von ihren Fräulein Abtrit
/ und begaben sich hin auff ihr Gemach / da kurz hernach Fr. Sophia mit den
begehreten Kleidern ankam / und die Zeitung brachte / Libussa währe zweer
wolgestalter junger Söhne / Brela aber einer schönen Tochter genesen / und
wiewol die Müttere sich beiderseits zimlich schwach befünden / hoffete man doch
gute Besserung; Aber / sagte sie / habt ihr Herzen Kinderchen eure Fürsten dann
so unwürsch gehalten / dass sie euch gar entlauffen sind? Ich hoffete als gewiss /
euch zubeschleichen umb zuerfahren / welche ihrem Liebsten die gewogenste Gunst
würde widerfahren lassen. Sehr gut / antwortete Frl. Lukrezie / dass die Fr.
Schwester so unbarmherzig mit uns verfähret / und unsere Kleider uns vorentält
/ dann die lieben Fürsten sind einig nur deswegen von uns geschieden /dass sie so
dünne besponnen nicht länger anschauen mochten. Gebet euch zu frieden / ihr
lieben Herzchen / sagte sie / habe diesen Morgen ich mich etwas verspätet / und
ihre Liebsten ihnen nicht zeitig gnug zugeführet / hat einig nur die
Unterweisung im Christentuhm verursachet / daher ich dieses Verbrechens
Verzeihung von euch noch wohl verhoffe / insonderheit / da ich mich erbiete / bei
meinem H. Vater zuverschaffen / dass ihr Beilager diesen Tag gehalten werde.
Daran trage ich keinen Zweifel / sagte Frl. Lukrezie aus scherz / weil ich mit
meinem Liebsten dessen schon einig bin / und ein solches nicht länger
auffschieben werde. Aber Frl. Sibilla / die solches vor wahr hielt / erschrak
dessen nicht wenig /und bedingete sich heftig / ob ihre Schwester Frl. Lukrezie
des Jungfern-Standes so müde währe / möchte sie immerhin beiliegen / welches ihr
doch wenig Ruhm nachtragen würde; sie vor ihr Häupt wollte hiemit angelobet haben
/ untere 14 Tagen keines weges in den Ehestand zutreten / dann sie hoffete
unterdessen Antwort von ihren lieben Eltern. Hernach verwies sie es derselben /
dass sie so leichtsinnig währe / und ohn der Gross Fürstin Vorwissen das Beilager
so frühzeitig bestimmen dürffte. Welches ernstes diese bei sich selbst lachete /
und aus begierde sie etwas besser aufzutreibe / sagete sie: Je Herzen Kind /
warum hastu dich dann mit deinem Fürsten versprochen wañ du nicht gedenkest mit
ihm in den Ehestand zutreten? Ich bitte dich sehr / beschimpfe dich und mich
nicht so hoch / dass ich auffs wenigste 14 Tage vor dir her /Beilager halten
sollte; doch will ich deinen Liebesten noch wohl dahin bereden / dass er dich auf
eine andere Meinung bringen soll. Je so währestu das leichtfartigste Tihr /
antwortete Frl. Sibylla / wann du solches vorzunehmen dich unterstehen würdest.
O du leichtgläubige Einfalt / sagte jene / kanst du dann so gar keinen Scherz
vom Ernste unterscheiden? oder gedenkestu / ich werde ohn genommene Unterredung
mit dir und anderen dessen meinen Fürsten gewehren? O nein / solche Eile hats
noch trauen nicht; gelebe auch der gänzlichen Zuversicht zu meiner Frau
Schwester Fr. Sophien / ihre Reden sein nur zum Scherze gemeinet / dann sonst
würde sie mir ursach geben / ihr zum ersten mahle etwas zuversagen / weil ich
eben so wenig als du willens bin / nach art der gemeinen Knechte und Mägde nach
dem Beilager zueilen / da weder meiner Eltern Befehl / dem man billich
gehorsamen muss / noch einige instehende Nohtwendigkeit mich darzu anstränget;
werde es also mit dir rechtschaffen zutuhn habe / dass du mich ohn alle ursach
der Leichtfertigkeit / und zwar in unser Fr. Schwester Gegenwart zeihen darffst.
Ja wie schön wirstu mir kommen /antwortete Sibylla / sah nur an / was dich
gelüstet /ich will dir zu rechte stehen / vor was Richter du auch treten magst /
und ist mir sonderlich liebe / dass ich so gültige Zeugen führen kann / welche mit
ihren Ohren es angehöret / wie du ohn einiges Schimpflachen es selbst gestanden
und ungefraget ausgebeichtet hast; dass du aber / nach dem du eine widrige
Meinung an meiner Seiten vernimst / numehr einen Scherz daraus machen wilt / soll
dir ohn Zweifel misslingen / sondern ich will unsere Fr. Schwester / wie auch die
Gross Fürstin selbst und ihren Gemahl bitlich ersuchen / und auffs härteste
anliegen / dass deinem so hohen begehren ein genügen geschehe. Billich das /
sagte Fr. Sophia / umb ihren Streit zu unterhalten / dann wer wollte verliebete
Herzen von einander trennen / die ohn Verletzung der Erbarkeit ehelich leben
können /und dessen bereit eines sind? Ihr werdet ja nicht übern hauffen närrisch
sein / sagte Frl. Lukrezie / und fangen etwas an / da ihr alle miteinander nur
mit Schimpf bestehen müstet / massen mein Vertraueter / wie ich schon weiss /
wider meinen Willen sich hierzu von keinem Menschen wird bereden lassen; jedoch
/wanns ja geschehen sollte / weiss ich in Warheit untriegliche Mittel / dass Fürst
Siegward sich nicht soll abweisen lassen; deswegen so gib mir nur bald
auffrichtige Erklärung wessen du dich verhalten wilt /alsdann weiss ich mich
desto besser darnach zurichten; dann gehe ich unser Fr. Schwester Vortrag ein /
so geschihets bloss / dz ich entweder dich befriedigen / oder mich an dir rächen
will. Du soltest fünff Zungen-Dröscher übertäuben / antwortete sie / und
inzwischen Zucht und Scham in die Rappuse geben / daher lasse ich mich mit dir
weiter nicht ein / und magstu immerhin nach deinem Fürsten senden / und den
Kirchen Lehrer herzu ruffen lassen / dass er euch zusammen gebe / noch ehe
einiger Mensch der Verlobung inne wird; Ich vor mein Häupt zweifele an meines
Fürste ehrliebendem Sinne gar nicht / der mein begehren mir schon eingewilliget
/ und sein Versprechen Fürstlich halten wird. Aber wie schön wird es nun stehen
/wann Frl. Lukrezia Pompejin hin zu dem Herrn Statalter und anderen hohen
Häuptern treten / und dieselben bitlich ersuchen wird / ihren Bräutigam dahin
zubereden / dass er das Beilager ferner nicht auffschieben / sondern noch vor
angezündeter Kerze mit ihr zu Bette zugehen unbeschweret sein wolle. Ja warumb
nicht? sagte die lustige Lukrezie / wann ichs allein durch meine Bitte nicht
würde erhalten können / wirstu / in betrachtung unser Freundschaft / mir dein
gültiges Wort verleihen / dann ich habe mir vorgenommen / nicht abzulassen / biss
ich werde erhöret sein; dich aber betreffend / weiss ich schon wohl / dass du gerne
wilt genöhtiget sein / doch soll dirs so gut nicht werden / sondern ich will
verschaffen / dass du deinen Liebsten noch selbst darumb bitten solt / dass er das
Beilager nicht auff die lange Bank schiebe. Leere Bäume sind es / da nichts
drauffsitzet / antwortete Sibylla / und möchte sich noch wohl zutragen / dass du
vor Abends auff gelinderen Seiten spieletest / und mich säuberlich gnug bähtest
/ diese deine Reden nicht weiter zubringen. Darumb ists auch alhier unter der
Rose geredet / sagete jene. Ja ja / fiel Sophia ein /so dürffte mein Anschlag zu
Wasser werden; Wollen sich demnach meine Frll. Schwestere ohn verweilen kleiden
/ weil es schon hoher Tag ist / und wir den heutigen im Garten zubringen /
morgen aber nach der Mördergrube fahren / und sie verstören wollen. Die Gross
Fürstin kam darzu gangen / hatte von den Fürsten alle Begebnis eingenommen / und
wünschete den Fräulein Glük und Segen / dabei andeutend / sie hätte Schneider
bestellet / die von den besten gülden und silbern Stücken ihrem Gemahl / Bruder
und beiden Oheimben eine zimliche Anzahl Kleider machen sohe / und wollten sie
(das gesamte ihnen zubehörige hohe Frauenzimmer) auf gleiche art mit jenen
gekleidet sein / damit Zeit des Beilagers ihre Brüder- und Schwesterliche
Einigkeit etlicher massen daher gespüret würde. So bald die Fräulein angelegt
wahren / gingen sie mit einander in den Garten / da die Fürsten und andere ihrer
warteten / nahmen allerhand kurzweilige Spiele und Ergezligkeit vor / wobei die
Fräulein von Frau Sophien mannichen Stich ihrer Verliebung bekahmen / und der
Statalter daher an ihrer Verlobung nicht mehr zweifelte / welches ihm von
herzen angenehm wahr / auch die Gleichheit der Kleidung / die vorgestern und
heut sich an ihnen sehen liess / zum unfehlbaren Zeichen nam / und zu den
Fräulein sagete: Herzliebe Kinder / billich seid ihr bedacht / diese treffliche
Fürsten gebührlich zuehren /massen dieselben in Rettung der einen / sich um alle
beide gnug verdienet gemacht haben / und gefället mir insonderheit wohl / dass
meine Töchtere ihne sich in der Kleidung so åhnlich halten / daher ich ihrer
Gemühter Einigkeit fast urteilen dürffte / wie sie dann billich mit ihren
Woltähtern einig sind. Frl. Lukrezie gab zur Antwort: Gn. Herr Vater / ich
bekenne / diesen beiden Fürsten / wegen rettung meiner Wasen mich mehr
verschuldet sein / als mit alle meinem vermögen ich nicht werde bezahlen können,
bin deswegen neben ihnen billich darauff bedacht / wie hierzu ich meine
Gutwilligkeit erzeige. Die gleicheit aber unser Kleidung träget entweder sich
ohngefehr zu /oder meine Frau Schwester Fr. Sophia wird davor stehen / welche
uns beiden diese Röcke nach ihrem gefallen hat zustellen lassen. Diese wollte
alhie eine Kurzweil machen / und sagete: Je mein Frl. Schwester / wer hatte
ihnen dann vorgestern die blauen Röcke angelegt? mus ich dann allemahl die
Schuld tragen /wann etwas gutes geschiehet? gewislich dünket mich /meine Frll.
Schwestere haben mit den beiden Fürsten eine gewisse Kleiderordnung gemacht. Die
schamhafte Sibylla erröhtete hierüber dergestalt / dz jederman ihrer lachen
musste; aber Lukrezie achtete dessen wenig / und fing also an: Gewislich Fr.
Schwester /wer sich / wie unsere Schwester Frl. Sibylla / leicht schrecken
liesse / müste mit ihr kein Gespräch oder Kurzweil antreten; weil ich aber ihrer
lustigen Schwänke wohl gewohnet bin / und allen Anwesenden solche bekand sind /
fürchte ich mich vor keinem Verdacht; jedoch / wann wir diesen Fürsten
zugefallen etwas tähten / dass wir einem andern nicht tuhn wurden / unsere Ehr uñ
Zucht gleichwol verwahret / sollte ein solches uns schimpflich in dieser
Gesellschaft /und der Durchl. Fürsten gegenwart auffgerücket werden / und zwar
von ihr selbst / als deren es mit zugefallen geschehen würde? Ey dass wird sich
schwer verantworten lassen; uñ ihr Durchleuchtigster Gross Fürst / sagte sie zu
Herkules / Eure Liebe wähle ich zum Richter / ob nicht unsere Fr. Schwester
wieder gebühr und Freundschaft gehandelt / und deswegen mit einer harten Busse
zubelegen sei? So recht so recht / sagte der Statalter zu seiner Tochter / da
hastu dereins deinen Meister bekommen / dann meine liebe Tochter Sibylla ist dir
zu from; und dafern meine Tochter Lukrezie mich nicht vorbei gangen währe /
sollte sie eine genehme Urtel angehöret haben / die Gross Fürst Herkules
vielleicht so scharff nicht spreche wird. Durchaus nicht / Herr Vater / sagte
Lukrezie / dass ich denselben sollte vorbei gangen sein / sondern weil ich mich
befahre / noch eines Ober Richters zubedürffen /habe ich mir denselben
vorbehalten / und ihm mit meiner Klage nicht verdrieslich sein wollen / dafern
der wichtige Streit durch Gross Fürst Herkules könnte beigelegt werden. Herr
Fabius verwunderte sich ihrer leichtbesinlichen schlauheit / und sagte zu ihr:
Bei glauben / geliebete Tochter / es ist immer schade /dass sie zum Fräulein /
und nicht zum Sohn gedien ist. Wie so mein Herr Vater? antwortete sie / darff
ich auch in dieser Sache einen Richter wählen? Und als er nun seine bewilligung
gab / sagte sie zu Baldrich: Durchl. Fürst / ich bitte eure Liebe freundlich /
hierin zu urteilen / ob ich besser ein Fräulein oder junger Herr bin. Nein meine
Tochter / antwortete der Statalter mit einem Gelächter / ich erwarte dieser
Urtel nicht / und will lieber gewonnen geben / dann dieser Durchl. Fürst dürfte
den Ausspruch aus einem andern Grunde hervor suchen / dass ichs mit ihm wohl müste
einig sein; aber wie wenig sich die Warheit bergen lässet / ist hiedurch schon
erwiesen / und zweiffelt unser keinem / währe diese Sache dem Durchl. Fürsten
nicht in etwas bekant / oder zum wenigsten derselben ungewogen / meine Tochter
würde dessen Liebe nicht so kühnlich zum Richter erkieset haben. Das gute
Fräulein hatte sich verhauen / wollte sich doch so offentlich nicht schuldig
geben / sondern antwortete also: Dass diesen Durchl. Fürsten ich zum Richter
erwählet / ist die Ursach / dass dessen auffrichtiges Herz meine Fr. Schwester
Sophia mir diese Tage so treflich gerühmet hat; und weil ich meiner guten Sache
traue / welche auff diesem grunde beruhet / dass ich weder blosse Schwerter /
noch vergossenes Menschen-Blut sehen mag / dessen dieser Durchl. Fürst bei der
Räuber abstraffung inne worden / habe dessen Liebe ich vor andern zum Richteramt
ersuchet / und solches umb so viel mehr / weil er als ein mir unbekanter nicht
kann in verdacht gezogen werden / ob würde er wegen Kund- oder verwandschaft /
oder aber aus Unwissenheit eine ungerechte Urtel sprechen. Es sei aber diesem /
wie ihm wolle / so habe nicht ich /sondern dieser unschuldige Fürst sich dessen
zubeschweren / dass man ihn ohn alle Ursach in Verdacht zihet. Der Statalter
wusste nicht / was er ihr vor eine Antwort geben wollte / trat hin zu ihr / und
nach einem väterlichen Kusse sagete er: Herzgeliebte Tochter /der Himmel gebe
eurem guten verstande ein gleichmässiges Glük / dann werdet ihr über Unfal euch
nicht zubeschweren haben. Ach mein hochwerter Herr Vater / antwortete sie / ich
bitte demühtig / meine gar zu bäurische Kühnheit mir zuverzeihen / demnach ich
meine fehler willig erkenne / und damit mein Herr Vater seiner ergebenen Tochter
gehorsames Herz desto eigentlicher erfahre / wolle er mit mir auff ein kurzes
absonderliches Gespräch einen geringen Abtrit nehmen. Dieses redete sie mit
sanfter Stimme / dass kein Anwesender es verstehen kunte. Er aber wahr ihr gerne
zu willen / und da sie allein von den andern abgesondert stunden / redete sie
ihn also an: Mein Herr Vater / ich gestehe gegen ihn nunmehr gerne / dass der
Durchl. junge Fürst aus Teutschland / bei mir umb eheliche Liebe sehr inständig
angehalten / und weil die Gross Fürstin es daneben treibet / die von meinen
lieben Eltern ungemässene Volmacht hat / mich wirdig zuverheirahten / weil sie
doch nicht willens sind /mich einem andern als Christen zuvermählen. Wie?
verwundert sich mein Herr Vater hierüber? ich versichere ihn als einen
vertraueten so nahen Blutsverwanten zugleich / dass nicht allein ich / sondern
meine herzliebe Eltern getaufte Christen sind / und viel lieber alles verlassen
/ ja Leib und Leben verlieren / als diesen Glauben wieder ablegen wollen. So
sihet nun mein Herr Vater / ob mir / diese Heirat auszuschlagen / rahtsam sei /
nachdem ich diesen Fürsten schon dahin beredet habe / dass er neben seinen
Gesellen unsern Glauben angenommen hat. Der Statalter antwortete: Liebes Kind /
ihr saget mir sehr unvermuhtliche Zeitung / die einem andern ich nicht gläuben
würde / nicht sage ich solches wegen eurer Heirat /die ich nicht zuverbessern
wüste / sondern dass mein Oheim und Brüderlicher Freund euer Vater den Römischen
Glauben abgeleget hat / wovon auff erste zusamenkunft ich mit ihm weiter reden
werde. Aber berichtet mich / wie Fürst Siegward mit meiner Tochter Sibyllen
stehe; Gleich also / antwortete sie / als Fürst Baldrich mit mir / und erwartet
sie nur ihrer lieben Eltern einwilligung / wovon Fr. Sophia dem Herr Vater schon
berichten wird. Wie aber? fuhr er fort; will dann dieser Fürst eine heirahten /
die nicht seines Glaubens ist? O nein sagte sie / dann eben durch ihr getrieb
hat er sich zum Christentuhm begeben. So höre ich wohl /antwortete er / mein Haus
ist voller Christen. Ja Herr Vater / sagte sie / ist euch solches unbewust? eure
Tochter / euer Sohn / euer Eiden / eure Schnuhr / Klodius / Markus und die
übrigen mit ihren Eheliebsten sind alle aus freiem willen unsers Glaubens worden
/weil die himlische Weisheit sie überschattet und erleuchtet hat / dass sie
gesehen und erkennet / wie bloss allein hierinnen ihre ewige Seligkeit besteht /
deren wir über alle dinge nachtrachten müssen; kann nun mein Herr Vater solche
Leute nicht bei sich leiden /wolan / Teutschland / Schweden / Böhmen stehen uns
offen / wir begeben uns gerne unsers Vaterlandes /nur dass uns der Himmel bleiben
möge. Nicht also geliebetes Kind / antwortete er / habe ich so lange Jahr eine
Christin im Ehebette leiden / und mit ihr mich wohl begehen können / so werde ich
umb des Glaubens willen meine Kinder nicht verstossen. Ich will euch aber
träulich rahten / dass ihr diese Heirahten ja nit ausschlaget / und meine Tochter
Sibylla sich nicht wegere dem Schwedischen Fürsten dz Jawort zugeben / ihrer
Eltern Wille wird da sein insonderheit / wann sie vernehmen werden dass sie eine
Christin ist. Fr. Sophia trat zu ihnen hin / und nach gebehtener verzeihung
meldete sie an / dass ihrer Beaten Eltern mit ihren Kindern ankommen währen /
gingen demnach miteinander nach dem grossen Saal / und ward der gute alte
Opimius wohl empfangen / welcher sich gegen den Statalter und Fr. Sophien aller
geschehenen befoderung bedankete. Gallus und Leches wahren diesen Morgen
miteinander auff die Jagt geritten; als er nun wieder heim kam / uñ seines
künftigen Schwiegervaters ankunft berichtet ward / ging er in den Saal / ihn
zuempfangen / wobei sich nicht geringe verwirrung zutrug; dann so bald ihn
Opimius sah zu sich nahen / kennete er ihn / ward auch von ihm wieder erkennet
/ verwandelten sich beiderseits / und fing jener mit sonderlichem Eifer an:
Hochmögender Herr Statalter / da sehe ich einen schändlichen Räuber / meinen
ärgesten Feind / der mich leider in meinen bisher geführeten elenden Stand
gesetzet hat / und ich schon lange bemühet bin / ihn auszuspehen / damit ihm
nach verdienste gelohnet werden möchte / weil dann der gerechte Gott mir
denselben alhier ohngefehr in die Hände liefert / als dessen Rache ohn zweifel
hinter ihm her ist / und seinen schandbösen Muhtwillen länger nicht dulden kann /
als begehre und bitte ich demühtig / und als ein Römischer Untertahn / dass der
gottlose Bube fest gemacht werde / damit ihm nach seinem Verdienst als einem
schändlichen Räuber und Strassendiebe gelohnet werde. Gallus bestürzete
dergestalt über dieser Anklage / dass er anfangs kein Wort machen kunte / und
bildete der junge Fabius ihm gänzlich ein / er würde an ihm irren / deswegen er
zu ihm sagete: Mein Herr / er führet eine sehr harte und ehrenrürige Klage
wieder diesen Ritter / der in grosser Herren bestallung und wirklichen diensten
ist / wolle sich demnach wohl bedenken / und zuvor sich fleissig erkündigen / ob
er auch den rechtschuldigen angetroffen habe. Gnädiger Herr / antwortete Opimius
/ ob gleich zuzeiten ein Mensch dem andern sehr ähnlich ist / erkenne ich doch
an meinem unfehlbaren Abzeichen dass ich meinen allerbosshaftigsten beleidiger
angetroffen habe. Gallus hatte sich inzwischen etwas erhohlet / trat näher zu
Opimius / und mit demühtiger neigung und traurigen geberden sagte er zu ihm:
Mein hochgeehrter Herr / ich bekenne vor diesen hohen Häuptern / dass er an mir
den rechtschuldigen angetroffen / welcher vor diesem ein solcher Ungenanter
gewesen ist / wie ihr mich genennet und ausgescholten habet / erinnere mich auch
des gottlosen verbrechens wodurch ich mich an euch / einen frommen unschuldigen
Herrn sehr versündiget habe / aber ich bitte denselben durch Gott und durch
seine eigene frömmigkeit / mein Herr wolle mir meine grobe Missetaht und
verübete Bosheit vergeben / weil mir dieselbe von herzen leid ist / und ich
davor abtrag zu machen / mich solchergestalt anerbiete / dass ich vor jedwede
abgenommene Krone / hundert erstatten /und vor die angelegte Schmach eine
gleichmässige anzahl Gelder erlegen will. Herkules kunte leicht ermässen / was es
antreffen würde / redete deswegen ins mittel / und sagete: Herr Opimius / hat
dieser mein lieber geträuer etwa sich ehmahls an euch vergriffen / wollet ihr
solches der Vergeb- und vergessung anbefehlen / nachdem er nicht allein seine
vorige Untugend abgelegt / und aller auffrichtigen redligkeit sich befleissiget
/ sondern / welches euch etwa mag unwissend sein / mit eurer geliebeten Tochter
ehelich versprochen ist. Er erblassete von neuen über dieser Zeitung / und
antwortete: Durchl. Gross Fürst / ich bin gar zu hart von diesem euren Diener
beleidiget / und sehe nicht / wie ich mich dergestalt überwinden / und ihm mein
liebstes Kind gönnen soll, zwar er hat mir vorgestern durch überschickung grosser
Gelder und anderer kostbahren sachen / ein gutwilliges Herz sehen lassen /
welches ich auch mit gebührlichem dank angenommen / unter diesem Vorsaz / ihn
vor meinen lieben Schwiegersohn auffzunehmen / aber so wenig ich gewust / wer
der Geber ist / so wenig ists ihm kund gewesen wem er gutes getahn hat. Und wann
ihre Durchl. wissen sollte / nicht allein was vor Schaden und Spot er mir
angefüget / sondern auch /was vor Elend / Armut und Mangel mir dadurch
verursachet worden / so dass ich in diesem meinen unbehülflichen Alter mich
meiner Hände Arbeit / die dessen nit unterrichtet wahren / kümmerlich ernähren
uñ das Brod des trübsaals mit meinem Weibe und Kindern essen müssen / würden
meine anwesende Gnn. Herren mir meinen unwillen nicht verübeln. Ladisla wollte
des verlaufs gerne ausführlichen bericht haben /und sagete zu Gallus: Lieber
erzählet uns / was vor Ursach ihr diesem guten Herrn zu so heftigem Zorn
gegeben habt / alsdann werde ich mich bemühen /euren Span beizulegen. Ja
gnädigster Konig / antwortete er / ich habe mich dermassen schwer an diesem
Herrn vergriffen / dass er Ursach gnug hat / nicht allein mich anzufeinden /
sondern auch peinlich anzuklagen; dann ohngefehr vor drei Jahren und etwas
drüber / ba ich annoch unter der verfluchten Räuber Rotte wahr / bin ich selb
sechse diesem Herrn auffgestossen / habe ihm drei Pferde vor dem Wagen
abgespannet / 3000 Kronen Barschaft geraubet / und ihn neben seinen Sohn und
Fuhrman in harter Kälte fast nacket an einen Baum gebunden / damit sie uns nicht
verfolgen und den Raub wie der abjagen möchten; erinnere mich überdas / wie
etliche meiner Gesellen ihm und seinem Sohn grossen Schimpff und Beleidigung
angeleget / welches ich als ihr Häupt und Führer wohl hätte ablehnen können / da
mirs Ernst wäre gewesen. Unter diesen Reden drungen dem alten Opimius die
Trähnen aus den Auge / und taht hinzu: Er hätte solche Gelder von etlichen guten
Freunden / auff alle seine übrige Pfandeentlehnet / einen sehr harten und
ungestümen Gläubiger damit zubefriedigen / auff dass er von seinen Gütern nicht
gar vertrieben würde / und als er wegen dieses Verlustes nicht hätte bezahlen
können / währen ihm alle seine Landgüter / ausgenommen ein einziges Bauern
Hütlein / abgedrungen /in welchem er sider dem sehr kümerlich sich behelffen
müssen; Die Anfesselung währe nach seiner Erzählung ergangen / da er mit den
seinen biss in den dritten Tag gestanden / und wegen Anlauffs der wilden Tihre
sich des Lebens erwogen hätte / biss endlich ein Betler sich durch Gottes
sonderliche Schickung des Weges verirret / und sie abgelöset / hätten aber vor
Frost /Hunger und Durst weder gehen noch stehen können /endlich noch aus der
Noht eine Tugend gemacht / auff allen vieren davon gekrochen / und zulezt bei
einem bekanten / geringe Kleider und Speise überkommen. Die Gross-Fürstin
antwortete ihm hierauff: Mein Freund / ich muss bekennen / dass ers grob genug
gemacht / und euch sehr hart beleidiget hat / aber zur unversöhnlichen
Feindschaft ist es viel zu wenig. Dañ vernehmet; eben dieser Gallus hat mich /
ein Königliches Fräulein mit gewaltsamer Hand und Vergiessung vieles
unschuldigen Blutes geraubet / und ursach gegeben / dass ich über Meer geführet /
verschenket /und in äusserste Ehren- und Lebensgefahr und Armut gerahten bin;
Was unsägliche Mühe und Gefahr hat deswegen mein Herr Bruder / mein Gemahl / und
andere Freunde angehen müssen / sind unter Henkers Hände gerahten / und in
höchste Beschimpffung und Schande; noch dannoch haben wir ihm nicht allein
gnädig verzihen / sondern zum vertrauetesten Diener angenommen / dass er unserer
verborgensten Heimligkeiten Wissenschaft gehabt; haben ihn endlich zu grossem
Reichtuhm verholffen / in den Adel Stand gesezt / und alle Gnade erzeiget /
nicht dass er solches hätte verdienen können / sondern bloss / weil wir gesehen /
dass nach geschehener Busse er sich gebessert /und alle Bosheit abgeleget / so
dass er jezt billich unter die redlichsten und frömmesten gezählet / und daher
von Fürsten und Herren geliebt wird; So lasset nun / mein Freund Opimius /
allen Zorn und Wiederwillen fahren / und nehmet von mir seinetwegen zum Abtrag
10000 Kronen an / die ich nach geendigter Mahlzeit euch baar auszählen lassen
will. Gallus selbst hielt nochmahls sehr umb Verzeihung an / und verpflichtete
sich / die Beleidigung nach Mögligkeit zuverbessern / auch ihm / seiner
Eheliebsten und acht übrigen Kindern die versprochenen 300000 Kronen redlich
einzuliefern / und in zehn gleiche Teile auszuteilen. Worauff Opimius sich
erklärete / weil so gewaltige Fürsten und Herren ihm das Zeugnis seiner
Besserung gäben / er selbst auch durch übermildes erbieten seine Reue gnugsam an
den Tag legete / wollte er das ergangene der Vergessenheit befehle und ihn
hinführo als einen lieben Freund und künftigen Schwieger Sohn halten / unter
der Hoffnung / er würde sich gegen sein liebes Kind gebührlich / und als ein
geträuer Ehegatte bezeigen. Herkules bedankete sich seines Dieners wegen /
setzete Opimius zum Verweser aller seiner im Paduanischen Gebiet geschenketen
Landgüter / und dass er deren Aufkünfte ein Jahr frei geniessen / auch die
neugebauete Burg daselbst / bewohnen sollte. Die Gross Fürstin erboht sich / alle
seine versetzen Güter und Pfande ihm einzulösen / und Ladisla sagte zu Gallus:
Ich will euch die Mantuanischen Güter mit gleicher Bedingung eintuhn / dass ihr in
der nähe bei euren Schwieger Eltern wohnen könnet; welcher hohen Gnade er sich
zwar untertähnigst bedankete / wendete aber ein / er håtte seinem gnådigsten
Gross Fürsten sich zu untrenlichen Diensten verbunden / auch von dessen Durchl.
gnädigste Zusage erhalten / ihn nimmermehr / als lange er sich redlich halten
würde / abzuschaffen. Es ist also / sagte Herkules / bin auch willens / euch zu
meinem Schaz- und Ober Waffenmeister zusetzen /nachdem ich vernehme / dass ihr
bei mir zubleiben Lust habet. Also wahr nun diese Fehde geschlichtet /und
beredete man sich / folgendes Tages das Raub Nest zu verstören / zu dessen
Behuef 400 Bauern mit Hacken und anderm nöhtigen Werkzeuge auffgemahnet wurden.
Die Verliebeten brachten diesen Tag in aller Fröligkeit zu / und erhielten die
beiden Fürsten bei ihren Fräulein / dass das Beilager auff Gallus Hochzeitfest
sollte angestellet werden / welches auff den 14 den Tag bestimmet ward. Des
nähstfolgenden Tages wahren sie frühzeitig auff / ihr Vorhaben ins Wert
zurichten. Das Fürstliche Frauenzimmer setzete sich zusammen auff eine weite
Gutsche / die Fürsten und Herren mit ihrer Ritterschaft legeten ihre Waffen an
/ und ritten mit 100 Pferden hinaus / kahmen anfangs an die Stelle / woselbst
die Brüder und Oheimbe ihren Kampff mit einander gehalten / da sie ihrer
zerhacketen Schilde noch etliche Stücke antraffen; nachgehends erreicheten sie
der erschlagenen Räuber Leichnam / die von den wilden Tihren schon zurissen / uñ
biss auffs blosse Gerippe verzehret wahren; Von darab macheten sie sich durch das
Gestäude nach der Höhle / liessen die Bauern alles zuschlagen und abbrechen /
und funden noch zimlichen Vorraht an Speisen und Gewehr; dann die Gelder und
Kleider wahren schon alles hinweg geführet / und den beiden Fürsten als ihr
Eigentuhm eingehändiget. Weil nun keine Feindseligkeit daselbst verspüret ward /
legeten die Fürsten ihre Waffen ab / führeten ihre Gemahlen und versprochene
Fräulein hie und da in dem lustigen dicken Gehölz umher / und suchete ein
jedweder mit seiner Liebesten allein zusein. Baldrich mit seinem Fräulein wahr
einen zimlichen Weg in seinen Liebes Gedanken zum Walde hinein gangen / und
ersahn einen lustigen dicken Baum / unter welchen sie sich nidersetzeten / etwz
Ruhe zunehmen. Als sie nun in ihrem Liebes Gespräch auff nichts anders bedacht
wahre / als wie sie einander in aller Zucht die anmuhtigsten Liebeszeichen
erweisen möchten / da sah das Fräulein ohngefehr zween starke Bähren zu ihnen
heran eilen / und mit erschreklichen Sprüngen ihrer zubegehren / daher sie aus
grossem Schrecken rieff: O mein Schaz / nun sind wir beide des Todes! Das wende
Gott ab / antwortete er / sprang auff / entblössete sein gutes Schwert / und
stellete das vor Angst bebende Fräulein hinter sich an den Baum / dass sie Schuz
und Sicherheit hätte. Die Bähren scheuheten sich vor ihm nicht / sondern lieffen
zugleich daher /welches Baldrich ersehend / und seines Gewehrs sich tröstend /
zu ihnen eintrat / und in dem sie zu ihm naheten / dem eine straks angesichts
das Maul und die rechte Vörder Tatze in einem Hiebe dergestalt zurichtete / dass
er mit greulichem Geheule sich hinweg stahl. Der andere verliess ihn auch / und
lief gerade nach dem Baum auff das Fräulein zu / welche den gewissen Tod vor
sich zusehen meinend / ihrem Gott die Seele schon befahl; und zwar / hätte
Baldrich sich umb ein Augenblick geseumet / würde er ihrer Liebe nimmermehr
genossen haben; weil sie ihm aber tausendmahl lieber als sein Lebe wahr /
setzete er dem Bähren mit vollen Sprüngen nach / und gleich da derselbe das
Fräulein mit der linken Tatze angriff / und ihr den Rok an der Seite gar zuriss /
hieb er ihm dieselbe Tatze reine hinweg / jedoch mit einem so unglücklichen
Streiche / dass er zugleich seinem Fräulein eine zimliche Wunde oben ins Bein
schlug / dass wann er einer guten Hand breit höher getroffen / er ihr das Gedärm
im Leibe würde beschädiget haben; der Bähre aber wollte nicht weichen / sondern
setzete auff Baldrich an / traff ihn auch mit der Rechten Tatze an den linken
Arm dermassen / dass ihm das klare Blut heraus drang / wiewol er ihm davor
geschwinde lohnete / und den Kopff vor die Füsse legete / gleich da das Fräulein
sich nieder auff die Erde setzete / und zu ihm sagete: Ach mein Herzen Schaz /
mich deucht /ich bin hart verwundet. Bald lief er hinzu / den Schaden
zubesichtigen / dessen sie anfangs sich aus Scham wegerte / aber wegen
Todesfurcht / und weil sie das Blut häuffig sah herablaufsen / endlich zuliess;
Da er nun sah / dass er sie mit dem Schwerte verwundet hatte / fehlete wenig /
er hätte sich selbst entleibet / wo das Fräulein ihm nicht frisch zugesprochen
hätte / da sie zu ihm sagete: Mein allerliebstes Herz / dafern ihr euch einiges
Leid antuht / sollet ihr aller meiner Hulde ewig entsetzet sein. Ich danke
meinem Gott / dass er unser Leben gefristet hat / und ihr wollet euch selbst
schaden? O du unbesonnene Faust / uñ schandloses Schwert / sagte er; fassete es
grimmig / und schlug es wider den Baum / in Meinung / es zuzerbreche / welches
ihm aber wegen seiner güte unmöglich wahr. Das Fräulein redete ihm freundlich zu
/ stellete sich / als empfünde sie des Schmerzen wenig / und baht / er möchte
ihr sein Schnupftuch reichen / damit sie die Wunde verbinden könnte; nahm ihren
köstlichen Blutstein hervor / und stillete damit das Blut / wischete das
vergossene Blut rein abe / und durch Baldrichs Hülffe / dem seine Trauer-Trähnen
flossen / verband sie die Wunde /nicht ohn grosse Schahm / dass sie dergestalt
sich vor ihm entblössen musste; Er aber legete sich vor ihr in die Knie / und
baht lauter umb Gottes willen / ihm diesen unvorsichtigen groben Fehler
hochgünstig zuverzerhen / weil es ohn allen Vorsaz geschehen / und ihr Leben
zuretten fast nicht anders hätte sein können. Das Fräulein umfing ihn freundlich
/ mit Bitte /sich der Verwundung halben keine Gedanken zumachen; es währe Gott
ihr Zeuge / dass ihr seine Angst und Wehmuht tausendmahl heftiger / als eben die
Wunde schmerzete; Ihrer notwendigen Entblössung aber trüge sie die allergröste
Schahm / welches sie doch / weil er ihr versprochener Gemahl währe / noch
endlich verschmerzen wollte; umfing ihn darauff zum andern mahle / und entsetzete
sich nicht ein geringes /da sie seines hartblutenden Armes gewahr ward / welchen
er alsbald er entblössen / und von ihr verbinden lassen musste. Nun sorgete er
vor nichts so sehr / als wie er sie ohn sonderliche Bewägung nach der
Gesellschaft bringen könnte / leitete sie anfangs mit langsamen Tritten fort /
sah aber / dass ihr weiter zugehen unmöglich wahr / hieb geschwinde einen
zimlichen Teil Sträucher / band dieselben zusammen / setzete sie drauff / und
zog sie als auff einem Schlitten daher / wurden auch eins / vorzugeben / der
Bähr hätte ihr das Bein verletzet. Der andern Gesellschaft kam verdächtig vor /
dass diese so lange ausblieben / und begunten sich zuverteilen / ihnen
nachzusuchen / aber die Gross Fürstin und Frl. Sibylla sahen sie endlich daher
zihen und lacheten des vermeinten Auffzuges /dass diese sich von dem Fürsten
also schleppen liess; wiewol die Gross Fürstin bald ein schlimmers muhtmassete /
und zu dem Fräulein sagete: Ohn zweifel ist unser Frl. Schwester ein Unfal
zugestossen; mit welchem Worte sie von der rechten Seite her noch zween grimmige
Bähren herzu lauffen sah / nam ihr Schwert zur Hand / welches sie auff Reisen
selten von sich legete / und sagte zu ihrer Gefärtin: Stellet euch dort hinter
jenen Baum / mein Fräulein / biss diese Räuber werden gebendiget sein; Sie aber
lief geschwinde Baldrichen zu / welcher gleich der Un Tihre gewahr ward / und
ihnen / weil er die Gross Fürstin mit blossem Schwerte muhtig herzu eilen sah /
herzhaft entgegen sprang / das Fräulein bittend / nur ein gutes Herz zuhaben.
Sie gelangeten fast zugleich bei den wütigen Bähren an / welche sich teilten /
und jeder seinem nähesten Raub suchete / aber die Gross Fürstin taht auff den
ihren einen dreifachen doppelten Hieb / wodurch derselbe zu grunde gerichtet
wahr. Baldrich verwunderte sich dessen zum höchsten /wollte seine Erfahrenheit
auch sehen lassen / und hieb den Bähren den Leib auff / dass er das Ingeweide
ausschüttete. Der Kampff ist wohl gerahten / sagte Valiska / aber so viel ich
merke / hat mein Herr Bruder schon mit dergleichen Ansprengern zuschaffen gehabt
/ und gebe nur GOtt / dass das Fräulein unbeschädiget blieben sei. Ich wünschete
solches von herzen / antwortete er / aber sie hat leider eine Wunde davon
getragen /welche doch mit Gottes Hülffe keine gefahr haben soll. Also gingen sie
alsbald dem Fråulein zu / deren blutige Kleider der Gross-Fürstin nicht geringen
Schrecken macheten / jedoch sich zufrieden gab / weil ihr die Farbe in etwas
wieder kommen / und zimlich frisch redete. Ihre Leibdienerin Lektoria gehuhb
sich / sehr übel / bestellete alsobald / dass etliche Reuter sie fein sanft nach
der Gutsche tragen / und sie gestrekt darauff legen mussten; Baldrich aber
geleitete die Gesellschaft nach dem Orte des beschehenen Anfalles /traffen auff
dem Wege den entlauffenen ersten Bähren an / welcher wegen schmerzens nicht
weiter kommen kunte / und von Baldrich vollend hingerichtet ward. Die anwesende
verwunderten sich der ungeheuren grossen Tihre / und bekennete / dass diese kühne
glückliche Taht wohl unter die vortreflichsten zurechnen währe. Als sie bei der
Gutsche wieder anlangeten /und das Raubnest gänzlich verstöret wahr / machten
sie sich auff die Heimreise / uñ setzete sich Baldrich zu dem Fräulein / deren
verwundetes Bein er stets auff seiner Schoss hielt / biss sie zu Padua anlangeten
/ und eine vernünftige Aerztin sie verband / welche / weil ihr Baldrich 500
Kronen versprach / allen fleiss anwendete / dass sie am achten Tage ganz heile
wahr. Diese Zeit über / weich Baldrich nicht weit von ihr /und nam Siegward
daher Gelegenheit / seinem Fräulein gleichmässige Beiwohnung zuleisten / weil
diese ihre geliebte Schwester nicht verlassen wollte. Nach wieder erlangeter
Gesundheit musste das gute Fräulein zimliche Auffzüge über sich nehmen; dañ weil
Frr. Valiska und Sophia die Wundezeit ihrer Schwacheit etliche mahl besichtiget
/ und befunde hatten / dass sie mit dem Schwert geschlagen wahr / gab es
Gelegenheit zu allerhand kurzweiliger Ausdeutung; woran sie sich doch wenig
kehrete / sondern beteuerte / sie hätte sieder dieser Verwundung zehnfache Liebe
zu dem Fürsten bekommen / weil sie wüste / dass es nicht vorsezlich / sondern
ohngefehr / und zu ihres Lebens Erhaltung geschehe währe. Also ward nun diese
Zeit in aller ehrliebenden Kurzweil verzehret / biss der angesezte Tag zu Gallus
Hochzeit herzu nahete / da ein Christlicher Lehrer gefodert ward / der anfangs
die Fürsten mit ihren Fräulein / hernach Gallus wie seiner Beaten nach
damahligem Kirchen Gebrauche einsegnete; aber die Fürstliche Hochzeit ward auff
etliche Wochen ausgesetzet / damit der Fräulein Eltern dabei erscheinen könten.
Die Gross Fürstin richtete Gallus Hochzeit auff ihrem neuerbaueten Hofe statlich
aus /und wurden der ganze Raht und vornehmste Adel der Stad darauff geladen. Des
späten Abends führeten die Gross Fürstin und Fr. Sophia den Fürsten ihre
geliebeten Fräulein zu / und setzeten sie ihnen auffs Bette /wiewol sie nicht
auff einem / sondern unterschiedlichen Gemächern schlieffen. Arbianes hatte
inzwischen alles zum Stechen auffs prächtigste versehen lassen; da wahren grosse
Hütten vor die Pferde / und trefliche Zelten vor Ritter und Herren
auffgeschlagen; Gar-Köche / Weinschenken und Krämer hatten vor sich selbst
herrliche Buden auffgerichtet / mit deren etlichen der Fürst ein Verding machete
/ alle ankommende Ritter / so mitsteche / und ihre Schilde auffhengen würden /
auch deren Leibdiener nach Standesgebühr zuspeisen; Insonderheit wahren
unterschiedliche Schaubühnen auffgerichtet / umb und umb mit Gitterwerk
verwahret / dass man an denen / die drauff sassen / nichts sehen kunte / es wäre
dann / dass sie die Fenster öfneten / und wahren die Stiegen so artig gelegt /
dass man weder von oben her / noch in den Schranken jemand auf oder absteigen
sah. Des morgens / ehe die jungen Eheleute auffstunden / kam die Gross Fürstin
und Fr. Sophia zu ihnen aufs Schlaffgemach / und frageten / ob nicht bald zeit
währe auffzustehen / brachten auch beides den jungen Fürstinnen und ihren
Gemahlen neugemachte Kleider / einerlei Gattung wie sie sich mit ihren Gemahlen
geputzet hatten / und wahren an denen weder Demanten noch Perlen gesparet. Die
neuen Eheleute hätte lieber eine gedoppelte Nacht haben möge / musste aber heraus
/und sich anlegen / damit sie dem Ritterspiel zeitig gnug beiwohnen möchte /
dessen Vortrefligkeit daher leicht abzunehmen war / weil sie die Stad Padua mit
fremden Rittern angefüllet sahen. Die so bei dem Stechen sich gebrauche wollten /
waren schon des Abends zuvor in de aufgeschlagene Zelte angelanget / woselbst
sie diesen Abend uñ ihr Geld zehrete; Als der Statalter mit der Fürstliche
Gesellschaft kam / sties man gewaltig in die Trometen / uñ begab sich derselbe
mit Herrn Zezilius Antenor / Kornelius uñ Emilius / auch anderen Paduanischen
Herren auff die ihnen zugeordnete Schaubühne. Herkules / Ladisla und der junge
Fabius setzeten sich mit ihren Gemahlen auff die allernäheste dabei. Die dritte
nahmen Baldrich /Siegward und Arbianes / mit den beiden jungen Fürstinnen ein.
Die vierde und grösseste ward mit hem Paduanischen ädlen Frauenzimmer und
Rahts-Herren angefüllet. Bald darauff klopffete ein alter Greiser mit einem
Stabe zum drittenmahle auff / und redete ein ander folgende Worte: Nachdem auff
bewilligung des Römischen Statalters hieselbst / Herrn Q. Fabius /ber Durchl.
Gross Fürst aus Meden / Herr Arbianes /aus Liebe zur Ritterschaft / dieses
ansehnliche Speerbrechen angeordnet / sind die gewöhnliche Satzungen und
Gebräuche dabei gefüget / dass vor erst niemand als volkomene ädle Ritter / denen
keine Untaht mit Warheit könne nachgesaget werden / sich auff der Bahn finden
lassen. Zum andern / niemand aus Feindschaft den andern ausfodern; Zum dritten /
niemand /da er herabgestochen würde / auf den überwinder einigen Neid oder Hass
werffen / oder ihn ferner umb einen Rit begrüssen / und sonsten alles dz tuhn
und lassen soll / was Ritters brauch erfodert und bisshergeübet hat / Darauff ward
die Bahn frei gelassen und die Schranken geöffnet / zwischen denen etliche
hundert Ritter sich setzete / in mancherlei ansehnlicher Rustung. Doch hatten
alle Zuseher auff drei / welche in Gesellschaft ritten / insonderheit die Augen
gerichtet / als welche vor andern gar pråchtig auffgezogen kahmen. Der in der
mitte hatte einen schwarzglänzenden Schild / in welchem zu oberst eine
helleuchtende güldene Sonne stund / und in der mitte ein Silbernes V; nähest
darunter wahr die bleich-roht-scheinende Morgenröhte sehr artig entworffen / und
zu unterst diese Worte gesetzet. CLARAm Solis Auroram spero. Das ist: Zur hellen
Morgenröhte der Sonnen stehet mein hoffen. Aufs dem Helme führete er ein
Tiegertihr / in dessen linken Tatze ein Schildlein hing mit dieser Schrifft:
Amor absens gravis Entfernete Liebe ist schwer zuerdulden. Der zur rechten
führete einen blauen Schild mit eben solcher Soñen und dem Silbern V. nähest
darunter stund der schimmernde Morgenstern / mit dieser Unterschrift: LV CIferum
Solis gero. Der Sonnen Morgenstern trage ich bei mir. Auff seinem Helme stund
eine nackete Jungfer / welche in der Rechten ein Täflein hielt / mit dieser
Auffschrift: Amor præsens suavis. Nahe Liebe ist süsse. Der dritte hatte einen
rohten Schild mit eben der vorige Sonnen und dem V. In der mitte den
helleuchtenden Abendstern mit dieser bezeichnis: SIderis Hesperum sub Sole fero.
Des Himmels Abendstern trage ich unter der Soñen bescheinung. Auff dem Helm aber
ein Schäflein / an dessen Brust diese schwarze Buchstaben geetzet wahren; Amor
savet gnavis. Die Liebe begünstiget die Unverdrossenen. Hinter ihnen her ritten
drei ansehnliche frische Ritter in blanker Rustung mit güldenen Blumen sehr
artig bestreuet / jeder führete einen rohten Löuen im Schilde mit dieser
umbschrift: Pro Lege & Rege. Alles dem Gesez und Könige zu dienste. Auff dem
Helme hatten sie lange weisse Federbüsche / und auf einem daran geheftete
Schildlein diese Worte: DEO DVCE. Durch Gottes anführung. Diese sechse nahmen
die obriste Stelle ein / und foderten eine zimliche anzahl Speere / dass mann
leicht urteilete / sie währen nicht willens / ohn stechen abzuzihen; wie dann
die drei ersten alsbald sich auff die Bahn setzen / hatten einen zierlich
geputzeten lädelknaben /welcher mit heller Stimme also anfing: Hochlöbliche
preisswirdige Ritterschaft; demnach gegenwärtige diese drei Ritter Gebrüder /
auff ihrer schleunigen Reise nach Griechenland ohngefehr vernommen / dass ein
ausländischer Fürst dieses Ritterspiel angeordnet /haben sie etliche wenig Tage
abgebrochen / diesem Stechen ein oder zwo Stunden beizuwohnen / dienst-und
freundlich gesinnend / ihnen diese Bahn ein wenig zu gönnen / biss sie durch
tapfere Speere /denen sie wolgewogen bleiben wollen / herunter geworffen werden
/ jedoch mit dem bedinge / dass sie von niemand über den dritten Rit angefodert
werden; des erbieten sie sich hinwiederumb / einem jeden nach Standes gebühr und
hocheit ihre Freundschaft und Dienste an. Hiemit nam der Knabe abscheid / und
ritte aus den Schranken / da seine Herren sich fertig hielten / mit allen / so
es begehren würden / ein Treffen zu tuhn; wie sich dann gar bald drei
ansehnliche Ritter funden / die sich ihnen entgegen setzeten. Der erste hatte
einen Bähren im Schilde / welchen eine schöne Jungfer an der Hand leitete / mit
diesem Merkworte: Feritas mansuescit amore. Das Wild wird durch Liebe Zahm. Sein
Helm wahr ganz vergüldet / worauff der Hoffnung ihr Bilde stund / und in deren
linken Hand ein Täflein / mit diesen Worten: Spes non confundit; Hoffnung lässet
nicht zuschanden werden. Dieser hatte sich gleich gegen den mit den Morgenstern
gestellet. Der andere führete ein Lamb im Schilde / welches einen Hund in den
Schenkel bisse /mit dieser umbschrifft: Furor fit læsa sæpius patientia. Die zu
oft beleidigte Geduld wird endlich grimmig. Auff seinem Helme stund ein halber
Monde /und nähestdarunter diese drei Buchstaben S.L.S. welche diesen Inhalt
hatten: Sors Lunæ Similis. Das Glük endert sich / wie der Monde. Dieser bekam
den mit der Morgenröhte zum Gegener. Des dritten Schild wahr sehr künstlich
gemahlet / als brennete er von hellen Flammen / die mit einem Dampffe
unterhalten wurden / dass sie nicht kunten über sich schlagen / und stunden diese
Worte umbher: Flamma sub fumo, Amor adversus Unglückliche Liebe ist wie Feur
unter dem Rauche. Sein Helm kam mit dem Schilde nicht über ein / sintemahl oben
drauff ein nacketes Knäblein stund / an dessen Vorderleibe dieses Zeichen wahr;
Aperta simplicitas fallere nescia. Offenherzige Einfalt ist ohn Betrug. Dieser
hatte sein Speer gegen den mit dem Abendstern gerichtet. Sie seumeten sich
beiderseits nicht lange / ritten stränge auff einander an / und traffen zu allen
seiten wohl / so dass niemand wankete; den andern Rit tahten sie mit heftigerm
ungestüm / in welchem der mit dem Bähren sich des falles mit mühe entielt /
auch der mit dem Lamb schier die Erde hätte küssen müssen / da doch ihre
Gegenstecher nicht umb das geringste sich bewågeten / die beiden mittelsten aber
auch noch dissmahl in gleicher wage blieben. Niemand zweiffelte / es würde im
dritten Sazschärffer daher gehen / wie sichs dañ bald fand / massen die drei
ausgeforderte / wie ungerne sie auch wollten / die Erde suchen mussten / und hatte
der mit dem Bähren diesen Vortel vor seinen Gesellen / dass ihm sein Pferd im
falle Gesellschaft leistete / worüber er doch einen Arm verrenkete. Die Obsieger
nahmen alsbald die Bahn wieder ein / und warteten / ob sich mehr an sie machen
würden / die sich bald funden; aber im ersten Treffen den unwilligen Absprung
nahmen; ihnen folgeten drei andere /deren zween gleicherstalt durch ihrer
Bestreiter erstes Speer gefellet wurden; aber des mit dem Morgenstern sein
wiederstand wagete den andern Saz / in welchen er stürzend den Rücken zubrach /
davon er in wenig Stunden verschieden / welches dem Sieger sehr leid wahr.
Jedoch kahmen noch drei unterschiedliche drei-par / welche alle miteinander im
ersten Treffen den Sattel räumeten. Herkules und Ladisla rühmeten der Uberwinder
Wolverhalten / nicht zweiffelnd / da sie also fortfahren würde / dürften sie den
Preis davon tragen / preiseten auch den Vater selig / dem Gott so ritterliche
Söhne bescheret hätte. Es stund nicht lange an / da taht sich ein gewaltiger
Ritter hervor / voller Hoffnung / den höchsten Gewin davon zutragen / welchen er
in 16 Ritterspielen behäuptet hatte. Sein Harnisch wahr blau angelauffen mit
güldenen Striemen; die Pferdedecke schneweis mit köstlichen rohten Korallen
besticket / und unten herumb mit drei reihen Rubinen. Auff dem Helm steckete
eine köstliche Siegesfahne / mit diesen worten: Virtus non latet. Tugend hält
sich nicht in Winkeln. Im Schilde schwebete ein Adler / dabei diese Lobschrift:
Meruit Laurum. Er hat den Lorberkranz erworben Im Halse hatte er eine grosse
güldene Kette / an welcher zu unterst Käysers Alexander Severus Bilde hing.
Dieser ritte hin zu den dreien Obsiegern / und foderte den mit dem Morgenstern
mit diesen Worten aus: Mannhafter Ritter / eure Faust hat bisher anzeige getahn
/ dass es euch eben so wenig an Kraft als erfahrenheit mangelt / welche Preis ich
euren Gesellen zugleich nachrühmen muss /dass ich nicht zweiffele / euer jeder sei
geschikt genug dieses zuerwerben / was viel hoffen und wenig erlangen mögen.
Vordissmahl aber ist mein gesinnen an euer Speer / das es auff meiner Brust /
oder wo es am besten treffen kann / einen Versuch tuhn wolle / wo sonst das meine
euch nicht zugeringe deucht; will mich bemühen / es auff begebenheit
zuverschulden /so weit mein Vermögen reichet. Es ist ein unverdientes Lob / mein
Herr / antwortete dieser / welches mir seine gewogene Zunge zuleget / und mich
ihm sehr verbunden machet / dass zu seinem Willen ich mich schuldig erkennen muss
/ werde auch unbetrübet meinen Sattel leeren / wann sein Speer solches wirken
sollte / und hätte Ursach / mich zu rühmen / wann der Unfal mich übersehen wollte
/ daher ich mich auff allen Fall fertig halte. Mein Herr / antwortete dieser: Es
müste ein verwägener Ritter sein / der ihm selbst vor treffens den Sieg
zuschreiben dürfte; lasset uns aber den Speeren anbefehlen / dass sie uns den
Ausgang wissend machen; kehrete sich hiemit um / und stellete sich dermassen
unerschrocken / dass alle Anwesende die Gedanken fasseten / es würde dieses das
gedenkwirdigste Treffen sein. Sie liessen beiderseits ihr Herz und
geschikligkeit sehen / traffen auch dergestalt / dass die Zuseher / solche Püffe
zuerdulden können / vor unmöglich hielten; massen sie dann nicht allein die
Speere in kurze Stücke zu splitterten / sondern auch mit den Leibern einander
dergestalt begegneten / dass die Waffen knarreten / und sie beide hinter sich
bogen; welches Herkules ersehend / zu Ladisla sagete; er håtte dergleichen
Treffen wenig gesehen. Sie empfunden beiderseits / dass sie es nicht mit Kindern
zu tuhn hatten / hielten sich demnach feste auff den Pferden / und schicketen
sich zum andern Satze /welcher mit neuen starken Speeren volführet ward /mid
ihrer keiner nicht den allergeringsten Wank taht /ob gleich die Splitter in die
Luft fuhren. Im dritten gange aber legete der mit dem Morgenstern alle Macht und
geschikligkeit an / empfing auch seinen Mann so tapfer / dass er denselben samt
dem Pferde übernhauffen warff / wiewol ihm und seinem Rosse der Fall auch nicht
weit wahr / dessen er sich bloss durch seine geschikligkeit entbrach / und sich
der Niderlage seines Gegeners höchlich freuete / der sich kümmerlich wieder
erhub / uñ zu seinem Obsieger sagete: Teurer Ritter / ich göñe euch den Preis /
den ihr an mir behäuptet / wann ich nur euren Nahmen wissen möchte. Mein Herr /
antwortete jener / wir werden einer dem andern wenig angewonnen haben / ohn dass
mein Pferd sich ein wenig fester gehalten hat, dass ich aber meinen Nahmen
verberge / zwinget mich mein Gelübde / welches der morgende Tag enden / und
meinem Herrn mich zuerkennen geben wird. Hiemit musste der Abgestochene sich
begnügen lassen / foderte von seinen Leuten ein Pferd / und ritte aus den
Schranken hinweg / gleich da ein ander sich auff die Bahn stellete / und des mit
dem Abendstern begehrete / ward aber im andern Treffen auff die Erde gelegt. Der
mit der Mogenröhte fand auch seinen Bestreiter /der ihm zween harte Stösse
aushielt / und im dritten abspringen musste / dessen sich nicht allein der
Obsieger / sondern auch seine beide Gesellen erfreueten /dann im andern gange
hätte er schier den kürzern gezogen. Nach erhaltung dieses Sieges neigeten sich
diese drei Gesellen gegen die anwesende Ritterschaft / und macheten sich aus den
Schranken ins Gehölze hinein / deren Platz die drei / so mit ihnen den Einzug
gehalten / einnahmen / funden auch bald / die ihrer begehreten / so dass ein
jeder fünff Ritter niderlegete /und ihrer keiner gefellet ward; weil sie aber
nicht gesinnet wahren / an dem Gewin teil zu haben / machten sie sich gleich den
ersten hinweg. Hierauff ging das Stechen unter den andern erst recht an / und
verdienete mannicher ein gutes Lob / deren wolverhalten von den Richtern
fleissig angezeichnet ward. Als nun der Statalter das Stechen vor dissmahl
aufruffen wollte /bliess man mit allen Trometen / und traten die Richter / H.
Kornelius / Emilius / und Antenor zusammen /schlossen auch einhellig / die
beiden mit dem Morgen- und Abendstern hätten den ersten; der mit der güldenen
Kette / und der mit der Morgenröhte den andern; die drei ebengleiche aber den
dritten Dank erworben. Die jungen Fürstinnen beide / sollten den ersten Preis /
zwo schwere güldene Ketten mit angehängeten köstlichen Kleinoten / jede zu 5000
Kronen geschåtzet / den beiden obgedachten austeilen / welche aber / wie oft man
sie gleich durch den Ausschreier foderte / doch nicht erschienen. Die Gross
Fürstin und Fr. Sophia hatten den andern Gewin / zwei par Armbånder / jedes par
zu 3500 Kronen; aber auch diese Gewinner wahren nirgend anzutreffen / daher
ausgeruffen ward / dafern inwendig sechs Stunden sie sich nicht stellen würden /
sollte Morgen umb diese vier Gewin auffs neue gestochen werden. Die drei
ebengleiche aber wurden durch ungeschichte vor Leches /Neda und Prinsla erkennet
/ daher sie / ungeachtet alles wegerns von der Statalterin / Fr. Ursulen / und
Frl. Helenen den dritten Preis / als jeder einen schönen Demant Ring / 2000
Kronen an wert / zu sich nehmen mussten. Bald darauff trat Arbianes hervor /und
baht / dafern der trefliche Ritter mit der Kette zu gegen währe / er sich
günstig anmelden möchte / warumb der Gross Fürst aus Teutschland H. Baldrich /
der mit ihm gestochen / und seine Mannheit übrig empfunden hätte / freund- und
dienstlich bitten liesse. Dann die beiden nebest Siegward hatten sich in aller
stille von ihrer Schaubühne gemacht / und ihre Waffen angelegt / da Baldrich
seine Lukrezien dem Morgenstern; Siegward seine Sibyllen dem Abendstern; und
Arbianes Frl. Klara aus Teutschland der Morgenröhte verglichen / welche alle
drei der Sonnen aller Schönheit Gross Fürstin Valisken sie untergeben hatten. Es
wollte aber auff Arbianes anfodern der Ritter sich nit angeben / daher man
weitere nachforschung unterliess / und baht Arbianes alle Ritter / die sich in
den Schranken hatten finden lassen / sie möchten an Speise und Trank / die ihnen
sollten vorgetragen werden / neben ihren Leibdienern günst- und freundlich vor
lieb nehmen / wie dann alles auffs reichlichste angeordnet wahr / und Herr
Fabius etliche Auffseher bestellet hatte / acht zu geben / dass alles richtig
herginge. Des folgenden Tages ward das Stechen wieder zeitig angefangen / wo bei
unter andern sich ein Ritter fand / der in kurzer Zeit 15 den Sattel räumen
machete / und er nur einmal auff die Weichseite gebracht ward. Herkules und die
andern sahen aus seinem verhalten / dz er der gestrige mit der Kette wahr /
wiewol er sich gar anders ausgeputzet hatte / dann seine Waffen wahren blank /
mit schwarzer geblümeter Etzung. Im Schilde stund ein Schlaffender gemahlet /
dem das Bilde der Tugend mit dem Fusse in die Seite sties /und diese Worte
dabei: Evigila post somnum. Hastu ausgeschlaffen / so ermuntere dich wieder.
Auff dem Helme führete er einen Falken / der übersich nach der Sonnen sah / und
in der rechten Klaue ein Schildlein mit diesen Worten hielt; Radiis impar. Den
Sonnen-Strahlen bin ich nicht bestand. Er tummelte sich dergestalt auff dem
Platze / dass wenig mehr Lust hatten /sich an ihm zu reiben; und als ihrer zween
seiner ohngefehr auff einmal begehreten / foderte er beide zugleich / ward auch
von ihnen wohl getroffen / welches er nicht allein ohn wank aushielt / sondern
den einen vom Pferde warff / dass er ohmächtig liegen blieb. Endlich da er sich
zimlich abgearbeitet hatte / ritte er an die Seite / und verliess die Bahn / auff
welche sich ein treflicher Ritter setzete / der kaum vor einer halben Stunde in
Gesellschaft sechs anderer in den Schranken ankommen war; In seinem Schilde liess
sich ein heller Strahl sehen / welchen ein Kranker auffzufahen sich vergeblich
bemühete / mit dieser Umschrifft: Aut fove, aut occide, Erquicke oder tödte
mich. Auff dem Helme hatte er eine gekrönete Schlange / die ihre Zunge in
Gestalt eines Pfeils heraus steckete; sein Pferd wahr herrlich ausgeputzet / und
sehr wohl abgerichtet / wobei der Ritter selbst sich gar höflich erzeigete / und
der Zuseher gute Gunst erwarb /hielt sich auch im Treffen nicht minder hurtig
als kräfftig / so dass Klodius / der bisher grosse Ehre eingelegt hatte / von ihm
im dritten Ritte abgestochen ward; welchen Markus zurächen meinte / aber im
andern Satze ihm Gesellschaft leisten musste. Baldrich wähnete alsbald / es würde
eben der sein / mit welchem er voriges Tages zu allererst gestochen hatte /ward
auch in seiner Meinung nicht betrogen. Nach diesem kahmen zween in einerlei
Rüstung auffgezogen / und tahten ihren Ehren gutes genügen / dass ich der anderen
/ die jeztgedachten nit gleicheten / geschweige / weil alles zuerzählen viel
zuverdriesslich sein würde / massen das heutige Spiel sich viel länger als das
gestrige auff den Tag verzog / ungeachtet es wohl andertalb Stunden zeitiger
angangen wahr / biss endlich die Richter ihm Anstand gaben / und obgedachte beide
junge Fürstiñen den mit der Tugend / uñ den mit der gekröneten Schlangen
herzufodern liessen / welche gehorsamlich erschienen / und von Fr. Sibyllen
alsbald erkennet wurden; dann der erste wahr Herr Q. Skaurus / der ander Herr
Kajus Pupienus / des damahligen Bürgemeisters zu Rom leiblicher Bruder /und
beide der jungen Fürstinnen nahe Anverwanten /daher sie sich unter einander
grosse Höfligkeit erwiesen / und Sibylla zu Lukrezien sagete: Sehet da /
geliebte Schwester / unsere Herren Oheime haben mit eurem Gemahl gestriges Tages
unwissend gestochen /und ihre Manheit gnug dargelegt / dero behuef wir dann
gevolmächtiget sind / sagte sie zu den Rittern /Euer Liebden das Zeugnis euer
Tugend mitzuteilen; nehmet demnach diese Ketten im Nahmen des Durchl. Fürsten
Arbianes von unsern Händen / und tuht unsern Fürstlichen Gemahlen / insonderheit
dem unvergleichlichen Gross Fürsten Herkules und seinem Königlichen Gemahl / der
Krone des ganzen weiblichen Geschlechts / dann auch ihrem Herr Bruder / dem
Grossmächtigen Könige Ladisla die Ehre eurer Gesellschaft / welches sie mit aller
möglichen Freundschaft erkennen werden. Diese beide Ritter danketen sehr wegen
beschehener Ehre / hielten sich unwert /so hohen Preis anzunehmen / nachdem sie
des vorigen Tages von dem ritterlichen Helden Gross Fürst Baldrich herunter
geworffen währen; jedoch ihnen /als vortreflichen Fürstinnen zugehor samen /
müsten sie billich ihres Willens leben; wünscheten ihnen nachgehends zu ihrer
Heirat Glük / und bahten /ihrer bei der Hoch Fürstl. Gesellschaft im besten
zugedenken. Gross Fürstin Valiska und Frau Sophia stelleten den beiden
gleichgewaffneten Rittern den andern Dank zu / und wahren eben die / so des
vorigen Tages zu allererst mit Siegward und Arbianes gestochen hatten. Den
dritten Preis / welcher ein grosser weisser Federbusch mit einem angeheffteten
Kleinot war / bekamen Klodius und Markus von Fr. Ursulen und Frl. Helenen /
dessen sie sich höchlich bedanketen. Als nun Sibylla der sämtlichen Gesellschaft
zuwissen taht / wie Herr Skaurus und Pupienus ihre nahe Anverwanten währen /
wurden dieselben alsbald von Leches und Neda in das Fürstliche Gezelt
eingehohlet / dahin sie nach abgelegten Waffen mit ihnen gingen / und anfangs
von der Gross Fürstin sehr höflich empfangen wurden / deren Volkommenheit sie vor
übermenschlich schätzeten / tahten ihr demnach überaus grosse Ehr / und nach
geleistetem Handkusse sagte Skaurus: Durchleuchtigste Gross Fürstin; das Lob
ihrer hohen Volkommenheit / nachdem es die weiten Morgenländer erfüllet / und
ganz Asten durchstrichen / kann in diesen Orten sich so wenig als die Sonne
selbst verbergen; mein Geselle und ich schätzen uns sehr glückselig / wegen der
Ehre / die wir haben / ihre Hände zuküssen / dienstlich bittend / Ihre Durchl.
wolle durch ihr gebieten uns wirdigen / in die Zahl ihrer Diener auffzunehmen.
Ihr meine hochwerte Herren / antwortete sie; das Lob meiner Wenigkeit muss sehr
dunkel sein / nachdem der Nebel der Unvolkommenheit meine Kräfte allerdinge
überzogen hat / da hingegen Eurer Liebe tapffere Tahten sich überal hören lassen
/ deren meine Fr. Schwester / Fürstin Sibylla mir schon etliche gnug denkwirdige
erzählet hat; werde demnach auff gebührliche Dankbarkeit bedacht sein müssen /
dass Ihre Liebden mir ihre Kundschaft gönnen. Der Statalter kam mit den
gesamten Fürsten darzu / da es überal viel Höfligkeiten abgabe / gestaltsam den
unsern nicht unbewust wahr /in wz grossem Ansehen diese beide am Käyserl. Hofe
wahren / daher auch Skaurus bei der Mahlzeit zwischen die Gross Fürstin und Fr.
Sophien; Pupienus zwischen Frr. Lukrezien und Sibyllen den Siz wider ihren
Willen nehmen mussten / da allerhand lustige Gespräche vorgingen und diese Römer
insonderheit gute Kundschaft mit ihrem Obsieger macheten / der seiner
überwindung ursach bloss nur dem Glük zulegete / und durch seine Höfligkeit sich
ihnen sehr beliebt machete. Sonst redete Pupienus die Mahlzeit über gar wenig /
sass als in tieffen Gedanken / und betrachtete nach emsiger beschauung der Gross
Fürstin /ihre vortrefliche Schönheit; dann fing er zwar etwas an / mit Fürstin
Lukrezien zusprachen / hatte aber so gar keinen Schmak / dass sie leicht merkete
/ seine Gedanken währen nicht bei dem Gespräch; und weil sie seiner Blicke nach
der Gross Fürstin acht hatte / geriet sie in argwöhnische Gedanken / einer
unzimlichen Begierde / welches / weil Herkules es ohngefehr sah / selbst
besorgete; wahr aber ein blosser Irtuhm; dann er befand sich gegen ein
treffliches Römisches Fräulein heftig verliebet / und bildete ihm ein / die
Gross Fürstin währe derselben fast ähnlich / deshalben er sich ihres anschauens
nicht entalten kunte. Sibylla wusste etwas von seiner Liebe / hatte auch dieser
Fräulein sehr geheime Kundschaft / daher fragete sie ihn /wie es ihrer Wase und
Schwester Frl. Virginien erginge; worüber er dermassen bestürzete / dass ihm das
Feur unter die Augen schoss / und eine geraume Zeit es unbeantwortet liess /
endlich zu ihr sagete: Er wüste nicht anders / als dass sie annoch in des Käysers
Mutter ihrem Frauenzimmer sich fast wider ihrer Eltern Willen auffhielte / weil
dieselbe so hohe Gunst ihr zugelegt / dass sie ohn ihre Gesellschaft nicht gerne
sein wollte; ginge ihr sonst annoch wohl / verharrete aber steiff in ihrer
Unbarmherzigkeit gegen ihn / so dass er nit zweifelte / sie würde in kurzem
seines Untergangs ursach sein. Fürstin Sibylla tröstete ihn bester massen / mit
dem versprechen / erster Gelegenheit an sie zuschreiben / und ihr solches zum
höchsten auffzurücken / auch zugleich sie eines bessern zuunterrichten /der
guten Zuversicht / dafern sie annoch frei und unversagt / ihm ihre Gunst zur
förderlichsten Heirat zu erwerben; auff welche Zusage er sich zimlich erhohlete
/ und der angenommenen Schwermühtigkeit Urlaub gab. Herkules liess sich auch mit
ihm ein / und fragete nach Keiserl. Hocheit Wolergehen; empfing darauff Bericht
/ es währe dieselbe annoch wohl auff / würde auch erster Gelegenheit hieselbst zu
Padua anlangen /und die Teutschen und Pannonischen Grenzen besichtigen; welches
er nicht ungerne hörete / und fing an /dieses Käysers löbliche Beherschung
zupreisen / auch dass er zeit seiner Dienstbarkeit zu Rom mit Verwunderung
gesehen / wie ernstaft und freundlich Käyserl. Hocheit / ungeachtet ihrer
Jugend / (massen er mit Herkules gleiches Alters wahr) sich verhalten /und
allezeit ansehnliche alte Männer umb sich gehabt / dass seine Herschaft nicht
anders als glücklich ausschlagen könnte / und wollte er vor sein Häupt sich
glückselig schätzen / die Ehre zuhaben / dass er seiner Hocheit auffwarten möchte;
wüste sich auch wohl zuerinnern / dass er schuldig währe / vor seinem Abzuge
dieselbe zubesuchen / dafern Ihre Hocheit nicht alhier zu Padua erscheinen
sollte. Nach auffgehobenen Speisen ward ein zierlicher Tanz gehalten / und nahete
Skaurus sich sehr zu Frl. Helenen / welches Fr. Sophia nach Mögligkeit befoderte
/ wiewol er sich diesen Abend nicht sonderliches vernehmen liess. Des folgenden
Tages ging das Stechen wieder an / und ward manniches Speer gebrochen. Den
ersten Preis bekam ein vornehmer Sizilischer Herr; den andern ein Paduanischer
Ritter; den dritten der junge Ritter Neklam / welche Fr. Euphrosyne / Agata und
Terba austeileten / und wahr Libussen und Brelen leid genug / dass sie des
Wochen Bettes hüten mussten. Weil dann die sämptliche Gesellschaft nicht Lust
hatte / länger unter den Zelten zuschlaffen / macheten sie sich nach dem
neuerbaueten Hofe / und liess Arbianes auch noch diesen Abend den anwesenden
Rittern nach allem überflusse aufftragen / wobei ihrer etliche sich frischer als
bei dem Rennen bezeigeten. Frl. Helena hatte auf Fr. Sophien anhalten sich
diesen Tag statlich ausgeputzet / und wahr sie gleichwol ein sehr wolgestaltes
Bildichen / die sich adelich gnug zuhalten wusste / hatte auch Skaurus gute
Gewogenheit wohl gemerket / dem sie durch ihre anmuhtige Freundligkeit je mehr
und mehr ursach zur Liebe gab / welche dann dermassen bei ihm wuchs / dass er
sich nicht entalten kunte / ihr diesen Abend etwas näher zutrete / und sie umb
Liebe zubegrüssen / welches sie aber anfangs mit einem höflichen Scherz
beantwortete; es begäbe sich wunderselten / dass die Römische Herren zu Padua
Liebe sucheten / und könnte sie nicht gläuben / dass er nicht schon zu Rom / oder
daselbst in der nähe haben sollte / was sein Herz befriedigte / gestaltsam deren
ends ein überfluss an schönen Fräulein sich befünde / deren gleichen man zu Padua
nicht eins hoffen dürffte. Er hingegen beteuerte / dass er bisher an heirahten
nicht gedacht hätte / versicherte sie seines dienstergebenen Herzen / und baht
umb behägliche Antwort; dessen sie nicht geringe Scham empfing /und es
widersetzete; Sie bedankete sich sehr des guten Willen / wüste denselben nicht
anders als mit ehrliebendem stilleschweigen zudeantworten / weil sie nicht ihres
eigenen willens / sondern unter ihrer Eltern Gewalt lebete / denen sie nach
eingepflanzetem und Römische Recht hierin nicht vorgreiffen könnte; und würden
dieselben schon rahten und schaffen / was ihnen beliebete / und ihr müste
gefällig sein / an welche sie ihn auch freundlich wollte verwiesen haben. Fr.
Sophia kam zu ihrem Gespräch / und fragete / ob sie nicht könnte mit in den
heimlichen Raht auffgenommen werden; bekam auch alsbald von ihm zur Antwort:
Seine Seele hätte dieses allerliebste Fräulein erwählet / defern er ihrer Liebe
wirdig könnte geschätzet werden / würde aber auff sein inbrünstiges Ansuchen
schlecht auf ihre Eltern hingewiesen / und müste die Gefahr stehen / dass ob er
gleich daselbst gute Erklärung bekähme / er bei ihr nichts behägliches erhalten
dürfte /bähte demnach Fr. Sophien / ihm hierin behülflich zusein / welches
zuerkennen / er zeit seines Lebens sich bemühen wollte. Herr Oheim / antwortete
sie; meine Frl. Schwester kann nach Römischen Sitten ja nit anders / als ihre
Eltern hierin schaffen lassen; und weil derselbe mich vor eine Anwerberin
erwählet / wolle er inzwischen / weil ich solches verrichte / mit dem Fräulein
ihm die Zeit nicht lange wehren lassen; Ich weiss schon sehr wohl / dass kein
Römischer Herr / wer der auch sein mag / meinem Oheim sein Fräulein versagen
wird. Ging damit hin / und liess Herrn Emilius mit Fr. Julien seinem Gemahl eilig
zu sich fodern /trug ihne Skaurus ehrliebende Werbung vor / und bekam von ihnen
ungemässene Volmacht / mit ihm zuschliessen / weil sie sich dieses Glüks nicht
wenig freuete. Zeit wehrender dieser Unterredung hatte Skaurus das Fräulein so
hart genöhtiget / dass sie ihm biss an der Eltern Bewilligung ihre Liebe und Träue
verhiess; dann sie zweifelte nicht / sie würden hierin gerne gehehlen / nahm auch
den angebohtenen Ring vor Fr. Sophien Wiederkunft von ihm an / und liess gerne
geschehen / dass er von ihrem Finger wiederum einen zohe / nur dass sie gebührlich
bedingete / sie wollte Unhöfligkeit zumeiden / sich ihm nicht widerspenstigen.
Fr. Sophia eilete bald wieder zu ihne hin /und redete Skaurus also an: Mein Herr
Oheim / begehret ihr meine Frl. Wase und Schwester nach Römischer Träue zum
Ehegemahl / so saget mir solches /bitte ich im rechten Ernst / auff dass ich
alsdann nach eurem Willen ferner handeln könne. Auf sein innigliches Ja und
bitten / fuhr sie nun gegen das Fräulein also fort: Herzgeliebete Frl. Schwester
/ seid ihr dann gesonnen / diesen vornehmen Römischen Herrn vor euren liebsten
Gemahl anzunehmen / so last michs wissen / dass ich nach habender Volmacht weiter
schreiten möge. Diese aber wollte anfangs ein mehrers nicht antworten / ohn dass
es bei ihren lieben Eltern stünde / sie zuversprechen / und nicht bei ihr
selbst; und weil sie mit denselben noch kein Wort davon geredet hätte / würde
ihr weitere Erklärung übel anstehen. Wollet ihr aber dann euren Eltern nicht
gehorsamen / sagte Fr. Sophia / wann sie euch diesem Herrn zusagen würden? Meine
Fr. Schwester fraget gar zu scharff in dieses Herrn Gegenwart / antwortete sie
mit einer Schamröhte / worauff ich weder ja noch nein sagen darff. Wollet ihr
dann / fuhr sie fort / wider eurer Eltern Willen wohl nein sagen? dessen versehe
ich mich trauen nicht zu euch. So wird auch der Himmel mich vor solchem
Ungehorsam wohl bewahren /antwortete sie / dann ich habe ohn unzeitigen Ruhm
zumelden / noch allemahl mich nach ihrem Willen gerichtet / wie die Erbarkeit
mir solches befihlet. Nun wolan / sagte sie hierauff / so verspreche ich euch
/Herr Skaurus / dieses Fräulein zu eurem Gemahl / nebest 10 Tonnen Goldes
Brautschaz / nach der mir von ihren Eltern erteileten Volmacht / und gefället es
euch / könnet ihr die Zeit eures Beilagers mit einander abreden. Skaurus
bedankete sich der genehmen Antwort / umfing das Fräulein mit höflichem Kusse /
und versprach sich ihr zu aller Liebe und Träue; welches nicht allein von ihr
gebührlich angenommen ward /sondern sie gönnete ihm auch auff sein anhalten /
dass er sie nach ihres Vaters Hofe geleiten möchte; liess ihren Eltern solches
andeuten / und ward er von denselben nit allein wohl empfangen / sondern auffs
neue mit seiner Liebsten versprochen / erhielt auch / dass bald des
nähstfolgenden Tages das Beilager eingewilliget ward.
    Diesen Abend kam die Gross Fürstin bei Sibyllen zu sitzen / von welcher sie
überaus herzlich geliebt ward / und sie hinwiederumb nicht geringe neigung zu
ihr trug / welches zubezeugen / sie mit den Armen sich umbschränket hielten /
und fing Sibylla also an: Durchl. Fr. Schwester / ich bin ganz unwirdig der
Ehren / die von ihrer Liebe mir angetahn wird; doch wie dem allen / so beteuere
ich bei meinem teil des Himmels / dass meine inbrünstige Liebe und neigung mich
dergestalt gegen sie entzündet hat / dass mich unmöglich däucht / deren trennung
erdulden können. Ach dass ich doch nicht über Meer mit meinem liebsten Fürsten
fahren dürfte / damit ihrer Liebe gegenwart ich stets geniessen möchte. Aber
Durchl. Fr. Schwester / ich habe schon erfahren / dass man derselben hat
vorbringen dürffen / als währen zwischen dem Durchl. Gross Fürsten Herkules und
meiner wenigkeit einige Heirahtsgedanken vorgangen / welches zwar in des Pöfels
/ und vielleicht auch wohl anderer Leute Wahn / aber in mein Herz niemahls kommen
ist / gestaltsam ich mich dessen allemahl unfähig erkennet habe / ungeachtet von
ihrer beider Liebe mir durchaus nichts bewust gewesen / biss des allerliebsten
Fürsten Ohmacht und Klagereden / wegen damahligen verlustes eurer Liebe / mich
davon in etwas berichteten / wiewol auch dazumahl noch / König Ladisla davon
nicht das geringste weder gestehen noch wissen wollte; wie ich auch davor halte /
ihm solche Liebe verborgen gewesen sei; möchten demnach meine Fr. Schwester
Sophia und ich / herzlich gerne wissen /wie doch ihre Durchl. eine so volkommene
Liebe in solcher Jugend dermassen bedachtsam führen und heimlich halten können /
dass weder ihre Eltern noch ihr Bruder deren inne worden; sollten wir überdas auch
können gewirdiget sein / den Anfang und die beharligkeit ihrer beider Liebe
zuerfahren / würde es uns die aller angenehmste Geschichte sein / die uns könnte
vorgetragen werden; jedoch wann wir hierin zuviel wünschen / hoffe ich bei
meiner Fr. Schwester dessen noch wohl vergebung zuerlange. Die Gross Fürstin
låchelte hierauff / küssete sie inniglich / und antwortete ihr also: Mein
auserwähltes Schwesterchen /sie erinnert mich einer Sache / daran ich lieber
gedenke / als viel Worte davon mache / wiewol in ansehung unser vertrauligkeit
ich euer Liebe solches nicht verschweigen kann / und mag sie demnach sich wohl
versichern / dass sie / meine einige Libussen / als meines Herzen erkennerin
ausgenommen / die erste ist / die es aus meinem Munde erfähret. Ich bedinge mich
aber hiebei anfangs / dass eure Liebe mir es nicht zum Hochmuht auslege / wann in
erzählung etlicher von meinem allerliebsten Schatze geführeten reden / ich mir
unverdienete stolze Ehrennahmen gebe / deren ich mich zwar allerdinge unwirdig
weiss / und doch die wahre begebenheit erfodert / dass ichs hinan hänge. Sibylla
wollte hier mit vielen behäupten / es währe ihre unvergleichliche volkommenheit
also beschaffen / dass sie nicht wirdig gnug möchte benahmet werden; aber die
Gross Fürstin verhinderte ihre reden / mit einem Kusse / und fuhr also fort: Es
sind nunmehr vier Jahr und zween Tage (so eigen weiss ichs) dass mein teurer
Herkules mit meinem H. Bruder aus Schweden zu Prag ankam / da er gleich das
neunzehnde Jahr auff wenig Wochen vollendet / und ich dz vierzehnde erst vor
sieben Wochen angefangen hatte. Sie schicketen aber einen Reuter voraus / und
liessen meinen Eltern ihre Ankunft anmelden / denensolches von herzen lieb und
angenehm wahr. Ich bekümmerte mich zu der Zeit mehr umbs reiten / schiessen und
umb die Bücher / als umb der Fräulein Zier und Schmuk / welches meinem Herr
Vater nicht so gar zu wieder / aber meiner Fr. Mutter fast unerträglich war
/welche zu diesemmahle mich erinnerte / ich sollte mich gebührlich putzen lassen
/ damit mein Bruder Ladisla (welchen ich in neun Jahren nicht gesehen hatte) und
mein Oheim Herkules (der mir allerdinge unbekant wahr) gleichwol einigen
gefallen an mir haben / und zugleich erkennen möchten / dass ich dannoch nicht
unter den groben Baurdirnen auffgewachsen währe. Die Schönheit und Tugend meines
Herkules wahr von meiner Fr. Mutter Leibdienerin (die etlichemahl mit ihr nach
Teutschland gewesen /) mir oft erzählet / wobei sie / mich zuerlustigen /
gemeiniglich den Wunsch ergehen lies; O dass mein Fräulein diesem Fürsten
vermählet werden sollte / weil ohndas euer Gn. er so åhnlich ist / und seines
gleichen in aller Welt nicht lebet. Ja ich gestehe gerne / mein Schwesterchen /
dass mein zartes Herz / welches von der Liebe noch durchaus nichts wusste /
dermassen in reinen keuschen Flammen gegen diesen mir unbekanten Fürsten
entzundet ward / dass ich nichts so heftig suchete / als ihn nur einmal zusehen;
daher ich mich überaus hoch erfreuete / als ich dessen ankunft innen ward /
meinte auch / da mir einige Schönheit beiwohnete / müste ich solche vor dissmahl
nicht durch unachtsamkeit verbergen / damit deswegen von den ankommenden ich
nicht beschämet würde. Ich legte ein dünnes sittichgrünes Kleid an / mit Golde
durch und durch gewirket / und liess meinen Busem / mit einem zarten Flohr
bedecken / dann ich wahr viel Mañbahrer anzusehen / als mein Alter mit sich
brachte. Meine Haar / von ihnen selbst zu allergnüge gekräuselt / liess ich an
beiden seiten zopfsweise über die Schuldern hangen / die übrigen wurden mir als
ein erhabenes Krönichen aufs Häupt gelegt / auff welche ein Perlen Kranz
gesetzet ward; und ob gleich meine Libussa / die ich etwa zwei Jahr in meinem
Zimmer gehabt hatte / mir einbilden wollte / sie hätte mich noch nie no comma? so
schön gesehen / gefiel ich mir doch gar nicht / dass ich auch mit ihr schalt /
warumb sie mich eben zur unzeit so unachtsam anlegete. Ich wahr willens / mich
gar von neuen auffbinden zulassen; sie aber rieff unterschiedliche des
Frauenzimmers herzu / umb mir solche einbildung zubenehmen / welche einhellig
bejaheten / es könnte nicht zierlicher gemacht werden / dass ichs also musste
sitzen lassen /wiewol je länger je mehr ich mir selber missfiel. Kaum wahr ich
völlig angetahn / da hörete ich sechs Trometen / und zwo Heerpauken auffmachen /
deren Art und Weise mir unbekant wahr / und ich daher muhtmassete / meine
liebsten Freunde würden schon verhanden sein / wie dann in demselben Augenblicke
meine Fr. Mutter zu mir in mein Gemach trat / und mich auffmahnete / mit ihr in
den grossen Saal zugehen / und meine beiden Herrn Brüder (so sagte sie)
zuempfahen. Ich ging in guter künhnheit mit ihr hin / dann es hatte bisher keine
furcht mein Herz eingenommen /und wahr sonderlich erfreuet / weil meine Fr.
Mutter /die mich zwar ohn unterlass herzlich liebete / doch zu diesemmahle mir
insonderheit ihre inbrünstige Neigung sehen liess / in dem sie mich an ihre Brust
drückete / und nach etlichen erteileten küssen zu mir sagete: O mein herzliebes
Kind / was grosse vergnügung habe ich an dir / wann ich nur den Tag erleben
sollte /dass du mit einem wirdigen Gemahl soltest versehen sein. Es dauchte mich
diese Rede gar selzam / dergleichen ich nie von ihr gehöret hatte. Sie ist /
sagte alhie Fürstin Sibylla / ohn zweifel mit eurer Liebe und Gross Fürst
Herkules Heirat schon schwanger gangen. Ich kann nicht wissen / antwortete die
Gross-Fürstin / mit einem süssen Lachen / aber wir wahren wenige Zeit im Saal
gewesen / da traten mein Bruder und Herkules zugleich zur Tühr hinein / weil
einer vor dem andern den Vorzug nicht nehmen wollte. Aber O mein herzen
Schwesterchen / wann ich daran gedenke / wie mir dazumahl zumuhte wahr / dann
geht mir eine kitzelnde Schauderung über den ganzen Leib / als würde ich mit
kleinen håuffigen kühlen Tröpflein besprützet. Ich sah den allerfreundlichsten
Jüngling in seiner unvergleichlichen Blüte daher treten; Er hatte ein grassgrün
Seiden / mit Gold durchwebetes Kleid an / und einen langen schneweissen
Federbusch (dessen Art ich von der Zeit her hoch gehalten) auf seinem schwarzen
Huhte / welchen er unter dem linken Arme trug. Die Augen stunden ihm wie einem
Falken / klar und helle / das Goldgelbe Haar hing ihm kraus umb die Achseln /
und stund ihm alles so höff-zücht-Fürstlich an / dass mein Herr Vater selbst sich
über ihn verwunderte / und ihm die Freudenträhnen in die Augen stiegen. Er stund
mitten im Saal (mich däucht / es schwebe mir noch vor Augen / als währe es
gestern geschehen) und liess seine Söhne gegen sich daher treten / welche sich
zugleich vor ihm in die Knie setzeten / und jeder eine Hand fassete / welche sie
inniglich küsseten / stunden auch ehe nicht auff /biss mein Herr Vater zu ihnen
sagete: Seid mir wilkommen / geliebte Söhne / und erhebet euch / dass eure Fr.
Mutter euch empfahen möge / die ohndas mehr als ich / teil an euch zuhaben
vermeint. Bald im Augenblick stunden sie auffrecht / gingen meiner Fr. Mutter
entgegen / setzeten sich gleichmässig vor ihr in die Knie / und küsseten ihr die
Hände; welche aber vor freuden schier in Ohmacht nidergesunken währe. Sie huhb
beide zugleich auff / fiel ihnen zum offtern umb den Hals mit inniglichen Küssen
/ und fing endlich an: Ach ihr meine herzallerliebste Kinderchen / ich erfreue
mich von Herzen / dass ich euch frisch uñ gesund bei mir habe / werde euch auch
so bald nicht von mir lassen / sondern meinem Herr Bruder die Rechnung zumachen
wissen / wie lange ich euch ihm habe müssen gönnen. Sie beide danketen ihr
kindlich vor solche mütterliche Gewogenheit; und als mein Bruder mich stehen
sah / fragete er meine Fr. Mutter in geheim / was vor ein fremdes Fräulein ich
währe; auch / warumb seine Frl. Schwester sich alhie nicht anfünde; dessen sie
lachete / und ihm zur Antwort gab: Wie meinestu dann / geliebter Sohn /dass diese
eine andere / als deine geliebte Frl. Schwester sei? Lass dich nicht wundern /
dass sie so zeitig auffgeschossen ist / dann das Unkraut reiffet allemahl am
ersten. Ja Herzen Schwesterchen / ich muss bekennen / dass diese meiner Frau
Mutter Reden mir durchs Herz schnitten / bloss nur / weil ich mich fürchtete
/mein schönster Herkules / der schon völlig in meiner Seele wohnete / hätte
daher einigen Argwohn meines unverhaltens fassen mögen; fing deswegen an:
Gnädige Fr. Mutter / ich erkenne meine Unvolkommenheit /und dass wegen der Jugend
Unverstand ich nicht allemahl eurem Willen mich gemäss verhalte; nur allein bitte
ich kindlich / mich nicht so gar zeitig vor meinem Herr Bruder und H. Oheim
anzuklagen / noch ehe deren Liebde zuempfahen ich gewirdiget bin. Ach mein
Herzchen / antwortete sie / du hast mich ja Zeit deines Lebens nie kein mahl
erzürnet / warumb sollte ich dich dann anklagen? Dass ich dich aber dem Unkraut
vergleiche / geschihet nicht deines Unverhaltens wegen / sondern weil man dz
weibliche Geschlecht im scherze also zunennen pfleget. Unter dieser Antwort trat
mein Bruder zu mir / umfing mich brüderlich /und gab mir unterschiedliche Küsse
/ die wegen Herkules Gegenwart ich ihm aus Schahm nicht vergelten durffte;
endlich sagete er zu mir: Herzgeliebtes Schwesterchen / ich erfreue mich von
Herzen deines guten wolergehens / zweifele nicht / du werdest allemahl mit
schwesterlicher Liebe mir gewogen bleiben /wie ich dir solches hinwieder
festiglich verspreche; aber sihe da meinen teuren Herkules / das rechte Wunder
dieser Welt / desgleiche der Erdbodem noch nicht gezeuget hat / demselben will
ich dir bester massen befehlen / dz wie du sihest / er von unsern Eltern
kindlich / und von mir mehr als brüderlich geliebt wird / du imgleichen ihn als
einen wirdigen Bruder ehrest. Ich wahr bedacht / ihm darauff zu seiner guten
Vergnügung zuantworten / aber mein allerschönster Herkules / nachdem er mich
eine zeitlang / und als erschrocken angesehen hatte / dass ihm auch der
mehrerteil seines Rohtes in Milchweiss verkehret ward / setzete sich vor mir auff
ein Knie / tüssete mir die Hand sehr ehrerbietig / und mit zimlicher blöder Rede
fing er also an: Verzeihet / Durchleuchtigstes Fräulein /eurem unwerten Knechte
/ der sich erkühnen dürffen /ihre Hände zuküssen / dessen er sich doch unfähig
weiss / und seid / bitte ich / damit hochgünstig zufrieden / dass Eure Königliche
Eltern mich / einen solchen unvolkommenen Menschen des Sohns-Namens gewirdiget
haben / der ich viel lieber als ein Diener aufwarten würde / wann mirs nur könnte
gegönnet werden. Im übrigen will ich nicht unterlassen / ihrer Vortrefligkeit
hochverdienten Ruhm / an was Ort und Enden ich auch sein werde / nach Vermögen
auszubreiten / als welche der Himmel selbst mit allen mehr als menschlichen (ach
verzeihet mir diese Erzählung / Herzen Schwester Sibylla) Volkommenheiten
ausgezieret /und der Welt zum Beispiel seiner Wunderwirkung vorgestellt hat. Er
hat hieran die lautere und eigentliche Warheit geredet / sagte Sibylla. Worauff
die Gross Fürstin ihr einen gelinden Backenstreich mit diesen Worten gab: Ich kann
meiner Frau Schwester Beschimpffung nicht ungerochen hingehen lassen /werde es
auch hernähst schärffer zueifern wissen /aber lasset mich / bitte ich / in
meiner Erzählung fortfahren. Min Herr Vater / wie er meinen Herkules also reden
hörete / trat in ein Neben Gemach / und sah ich eigentlich / dz die Freuten
Trähnen ihm aus den Augen hervor drungen. Meine Fr. Mutter aber lief herzu / hub
ihn auff von der Erden / und sagete: Herkules mein Schaz / warumb stehet ihr
nicht auff? oder meint  ihr / dass ich meine Valisken so hochmühtig erzihe / dass
sie eures gleiche / Gross-Fürstliche Herren / deren Ruhm schon gewaltig
auffsteiget / soll vor sich niderknien lassen? Herzallerliebste Fr. Mutter /
antwortete er / nachdem er gleichwol auffgestanden wahr; Eure Königl. Hocheit /
bitte ich / vergönnen mir / dasselbe in ihrer Frl. Tochter anzubehte / was die
günstigen Götter ihr vor allen andern mitgeteilet haben. Ich schäme mich Frau
Schwester / sagte sie zu Sibyllen / dass ich solches selbst erzählen soll / aber
weil mein Gewissen mir Zeugnis gibt / dass ich niemahls mich vor eine solche
gehalten / wie ich auch eine solche nimmermehr werden kann / hoffe ich / Eure
Liebe werde mirs zu gute halten / und keinen Argwohn einiges Stolzes daher auff
mich werffen / insonderheit / weil schon jens mahl / da ich noch eine blinde
Heidin wahr / es mir höchlich missfiel / und michs doch nicht durffte merken
lassen / versuchte gleichwol auff solches angehörete übermässige Lob
zuantworten; aber die Zunge blieb mir am Gaumen kleben / dass ich mit höchstem
Unwillen / auff mich selbst / schweigen musste; endlich noch erhohlete ich mich
auf meiner Fr. Mutter Geheiss / umfing ihn / wie sie mir geboht (doch ohn einiges
küssen / weil die Schahm und Zucht meine Begierden hinterhielt) und redete ihn
also an: Durchleuchtigster Fürst / hochwerter Oheim / ich weiss nicht / ob über
sein niderknien /oder über seine mir gar zu ungenehme Reden ich mich mehr
beschweren soll / deren ich so wenig das eine /als das andere zuertragen weiss /
und hätte ich dieser Beschimpffung nur den allergeringsten Argwohn haben sollen
/ würde vor Ihrer Liebe Angesicht ich mich nicht habe finden lassen; jedoch will
ich mich dessen nichts begeben / sondern ich fodere Eure Liebe vor den Recht
Spruch der unbetrieglichen Billigkeit /dass wegen angefügten Schimpfs sie mir
volle Rede und Antwort gebe; Mein geliebter Herr Bruder befihlet mir / und zwar
billich / dass Eure Liebe ich gebührlich ehren soll; aber wie kann bei so gestalten
Sachen ich ihm schuldigen Gehorsam leisten? Mein Durchl. Fräulein / gab er zur
Wiederantwort; wie soll dann ohn äusserste Beleidigung der Götter ich dieses
ungeehret lassen / welches sie als ein Wunder uns zur Verwunderung vorgestellt
haben? meint  etwa eure Vortrefligkeit / Herkules habe von ihrer
unvergleichlichen Tugend so gar keine Wissenschaft / welche doch bereit über
Meer gesetzet / und die weit abgelegenen Reiche erfüllet hat? Ach meine Fr.
Schwester / sagte sie alhie abermahl zu Fürstin Sibyllen / höret doch /bitte ich
/ mit geduldigen Ohren an / was ich hie vorbringe / wie ichs dazumahl anhören
müssen / was mein Herkules aus gar zu überflüssige: Höfligkeit vorbrachte. Warum
entschuldiget sich meine Fr. Schwester so hoch / antwortete Sibylla; ich darff
ihren Zorn wider mich zureizen / mich nicht erkühnen /sonst wollte ich leicht
dartuhn / wie grosse Ursach Gross Fürst Herkules gehabt / dasselbe zuehren /
wessen sich alle Welt verwundert; bitte aber sehr / Eure Liebe wolle ihre so
angenehme Erzählung förder nicht mit dergleichen unnöhtigen Entschuldigungen
stören /damit mir die Zeit / das Ende zuerfahren / nicht geraubet werde; dañ
mein Schlaf würde diese ganze Nacht nichts sein / wann ich ohn volkommene
Wissenschaft von ihr scheiden sollte. Ich sollte meine Fr. Schwester wegen des
übermässigen Ruhms abermahl billich züchtigen / sagte die Gross-Fürstin / aber
mit Vorbehalt will ich in meiner Erzählung fortfahre. Ich war jensmahls bereit /
meinem Herkules das so gar unverdiente Lob zubeantworten / aber meine Fr. Mutter
redete ihm ernstlich ein: Herzlieber Sohn / sagte sie / dafern ihr nicht wollet
/ dass ich unwillig auff euch werde / und mein liebes Kind nicht gar von euch
hinweg führen soll / müsst ihr dergleichen unnöhtige und unzimliche Höfligkeiten
beiseit setzen; dann ihr seid nicht bei fremden / sondern bei nähesten
Blutverwanten; sehet / dieses mein Kind ist eures Herr Vaters Schwester Tochter
/ darumb sollet ihr sie als eine Schwester lieben / und ihr nach diesem
nimmermehr höhere Ehre leisten / als welche unter Brüder und Schwestern statt
finden kann; wegert ihr euch aber dessen / so handelt ihr meinem mütterlichen
Geboht und Willen schnurgleich zuwider. Was meine gnädigste Fr. Mutter mir
befihlet / antwortete er / dem muss ich aus Pflicht gehorsamst nach setzen / nur
habe bei meiner Durchl. Frl. Wasenich demühtig anzuhalten /ihre Liebe werde mir
nicht zur Unhöfligkeit ausdeuten / was aus Kindlichem Gehorsam zuleisten ich
gezwungen werde. Hier kam mein Herr Vater wieder zu uns / und redete mit
Herkules von allerlei neues / was in Schweden sich zugetragen / biss die Mahlzeit
angerichtet ward / da ich gleich gegen meinen Herkules überzusitzen kam / auff
welchen ich etlicher massen einen Unwillen / wege mir angelegter Beschämung /
geworffen hatte / der sich aber von ihm selber verlohr / uñ hatte nach dem ich
niemahls das Herz / ihm solches verweisslich vorzuhalten. Bei der Mahlzeit
redeten wir beiderseits gar wenig / sondern weideten die Augen fast immerzu
einer an dem andern / dass ich als blind mich nicht begreiffen kunte / was mir
wohl oder übel anstünde. Wie aber mein Herkules sich seiner Vernunft allemahl so
bescheidentlich zugebrauche weiss / also besan er sich auch bald / nam eine
andere Art und seine gewöhnliche Freidigkeit an / und ergetzete mit seinem
holdseligen Gespräch meine Eltern /dass ich mir einbildete / er achtete meiner
wenig / oder wohl gar nicht; dann so oft sichs begab / dass er mit mir in
Gegenwart anderer redete / machte er wenig Worte / und sah mich fast nicht an /
dass ich drüber in die Gedanken geriet / ob ich ihn etwa unwissend beleidiget
hätte / oder er vielleicht etwas an mir sähe /welches sein Gemüht von mir
abwendete; aber wañ er allein mit mir zureden kam / ward ich der furcht bald
entladen, dann nachdem (allen unvermerkt / das wahr seine Gewohnheit) er mir die
Hand geküsset hatte /baht er bald darauff umb Verzeihung / massen seine
Mässigkeit und Zucht / deren er sich noch diese Stunde gebrauchet / ich über
alle seine andere Tugenden erhebe; wiewol er nicht unterliess mir täglich
zubeteuren / dass seine Seele mir allein verbunden währe /wann sie nur dessen
könnte gewirdiget sein. O wie oft nam ich mir vor / ihm solches mit behäglicher
Antwort zuersetzen; dann (warumb sollte ichs meiner Fr. Schwester verschweigen?)
mein Herz wahr ihm so gar ergeben / dass ich Tag und Nacht an nichts / als nur an
seine Holdseligkeit gedenken kunte; und gleichwol verzohe sichs etliche Tage /
ehe ich die Kühnheit ergreiffen kunte / ihm meine ehrenliebende Gutwilligkeit
zubekennen biss ich endlich mich selbst überwand / und da er sehr inständig umb
Gewogenheit bei mir anhielt / ihm dieses zur Antwort gab: Durchl. Fürst; warumb
wollte Eure Liebe an meinem guten Willen zweifeln / da sie / meines wissens
dessen ja die allergeringste Ursach nicht haben? dann in Betrachtung unsers
herkommens und Standes / sind wir allerdinge einander gleich und zwinget uns ja
die nahe Verwandschaft zur vertraulichen guten Gewogenheit; bitte demnach /
mich hinfüro des Verdachts freundlich zuenteben / als ob zu Euer Liebe ich ein
anders / als in Ehren hochgewogenes Herztragen sollte / nachdemmahl ich dieselbe
wohl versichern kann / dass sie an mir keine andere Freundin / als an meinem Herr
Bruder einen ergebenen Freund haben soll; welches so kühn auszureden ich mich
nicht scheuhe weil seine Tugend mich / seine nahe Blutfreundin / ihm umb so viel
mehr verbindlich gemacht hat. Dieser Erklärung erfreuete sich Herkules / wie ich
eigentlich sah / von Herzen mit vorgeben / sein Gemüht währe nicht verständig
gnug / eine Antwort abzufassen / durch welche er seine Vergnügung an den Tag
legen könnte /und als er sah / dass meine Fr. Mutter sich zu uns nahete / sagte
er zum Beschluss; Sein Herz sollte nun und nimmermehr einer andern Fräulein / als
mir zur Liebe und Bewohnung offen stehen / dasern es nur wirdig währe / einen so
treflichen Schaz in sich zufassen /wollte auch meinem hochgünstigen Erbieten
gerne Glauben zumässen / wann ich nur sein geschehenes ansuchen noch zur zeit
vor jedermänniglich möchte verborgen halten; welche Erinnerung aber gar unnötig
wahr; dann hätte einiger Mensch ausser meiner geträuen Libussen dieser meiner
Liebe iñe werden sollen / würde mirs unerträglicher als der Tod selbst gewesen
sein. Jedoch halte ich wohl / dass mein Bruder unser Vorhaben in etwassgespüret /
weil er aber gemerket / dass dessen Meldung zutuhn / meinem Herkules zwider wahr
/ halte ichs gänzlich davor / er habe seinem Herzen selbst gebohten / es nicht
zuwissen /damit er ihm ja nicht möchte zuwider handeln. Ich wahr willens / das
obgeahnete ihm zubeantworten /aber meine Fr. Mutter trat zu uns / und fragete
/wovon wir mit einander Unterredung hielten; da ich ihr zur Antwort gab: Ich
erkündigte mich / wie meine Frl. Wase / Frl. Schulda in Schweden lebete / und
wie es beides meinem Bruder und Oheim bisher daselbst ergangen währe. Deinem
Bruder und deinem Oheim? sagte sie; warumb nennestu Fürst Herkules nicht auch
deine Bruder? nachdemmahl du ja weist / dass er und Ladisla mir gleiche liebe
Söhne sind / und ich zwischen ihnen durchaus keinen Unterscheid mache; darumb
soltu ihn fortin nit anders als deinen Bruder halten / auch gleich jetzo
solches mit einem züchtigen wolzugelassenen Kusse und schwesterlichen umfahen
bestätigen. Auff welchen Befehl ich mich darzu erkühnete / welches ohn ihre
Gegenwart zutuhn / ich das Herz nicht hätte haben können; aber hier kunte ich
ehrenhalben nicht anders / da ich meinen Herkules also anredete: Weil die
Erbarkeit mir gebeut / meinen Eltern zugehorsamen / als wird mein Herr Oheim mir
nach diesem die Kühnheit nicht verargen / wann ich ihm den Bruder-Nahmen zulegen
werde / da hinwiederumb ich von ihm des Schwester Nahmens gewärtig bin. Mein
Herkules wahr fast nicht bei ihm selber /so durchging ihn die Vergnügung / und
weil ihm ehrenhalben anders nicht gebühren wollte / nahm er mich wieder zur
Vergeltung in seine Arme / da er dañ nach geliefertem züchtigen Kusse zu mir
sagete: Vortrefliches Fräulein; O wollte der Himel / ich hätte einige Wirdigkeit
an mir / den süssen Bruder Namen von ihrer Liebe anzunehme; nun weiss ich aber
schon vorhin wohl / dass dieser mein Wunsch weiter als mein vermögen reichet / es
währe dañ / dz dieselbe den Abgang meiner Geringfügigkeit mit dem Reichtuhm
ihres überflusses ersetzen wollte; jedoch werde ich mich nit scheuhe / vor
dissmahl unverschämt zusein /und die mir zugelegte Ehre ihrer schwesterlichen
hohen Gewogenheit anzunehmen / insonderheit / weil meine gnädigste Fr. Mutter
dessen die Gebieterin ist. Ihr bleibet der ihr seid / sagte sie zu ihm /
ungeachtet ihr von mir gnug vernommen habt / wie sehr mir eure unmässige
Ehrerbietigkeit gegen mein Kind zu wieder ist / werde auch nit unterlassen /
euch erster gelegenheit bei euren Eltern hierüber hart gnug anzuklagen. Ich
hoffe gänzlich / antwortete er / meine geliebte Eltern werden mir vielmehr
gebieten / meine wirdige Frl. Schwester zu ehren / als sie mich darumb straffen
sollten; habe aber an eure Hocheit ich mich anderwerts versündiget / will ich
selbst lieber mein Ankläger sein / als durch verleugnen mich der gebührlichen
Straffe entbrechen; wie ich dann nicht zweiffele / ihre Hocheit werde mich
erstes Tages gnädigst erlauben / nach meinen Eltern zu reiten / weil sie nach
meiner gegenwart verlangen tragen / uñ hoffe ich / mein geliebter Bruder Ladisla
werde nunmehr sich nicht wegern /hieselbst zuverbleiben / biss wir etwa unsere
Ritterschaft fortsetzen möchten. Je mein herzen Sohn /sagte sie; wollet ihr dann
schon umb abscheid anhalten / da ihr kaum mich gegrüsset habet? was ist euch
alhie so hart entgegen / dass lasset mich wissen / wissen / auff dass es durch
meine vorsorge verbessert werde; eure anwesenheit habe ich euren Eltern schon
zuentbohten / welche auch wohl zufrieden sein werden / wann sie eure Gesundheit /
und dass ihr wohl überkommen seid / vernehmen sollen. Meiner Gn. Fr. Mutter
gehorsame ich billich / antwortete er / nur wolle dieselbe ja von mir die
Gedanken nicht fassen /als währe mir an diesem Orte ichtwas zu wieder / da ich
so wohl / als bei meinen leiblichen Eltern bin. Mein Bruder kam auch zu uns
gangen / und wurden wir eins / hinunter in den Lustgarten zugehen / da mein
Herkules sich abermahl so fremde gegen mich bezeigete / dass ich / muss bekennen /
mich in seine stellungen nit zu schicken wusste. Des folgenden morgens sehr frühe
/ befahl meine Fr. Mutter meiner Libussen / dass sie meinen Brüdern weiss
Leinengerähte auff das Bette bringen / und ich ihr solches aus meiner Lade geben
sollte; dessen ich mich nicht wegerte; aber diese wollte es durchaus nicht
hintragen / es währe dann / dass ich mit ihr ginge; worzu ich mich endlich von
ihr bereden liess / als die ohndas mein Herz in ihren Händen hatte. Im hingehen
sagte sie zu mir: Ach mein allerliebstes trauten Fräulein / was habe doch eurer
Gn. ich einen allerschönsten Bräutigam ausersehen / welcher allein / und sonst
niemand in der Welt eurer Schönheit wirdig ist. Meine wirdigkeit /sagte ich /
erstrecket sich nicht so gar weit; aber wie hastu solches tuhn köñen / weil du
ja nicht von diesem Schloss kommen bist? und meinestu wohl so viel gewalt über
mich zu haben / dz du mir nach deinem gutdünken / einen mir vielleicht
ungenehmen anfügen woltest? O nein Libussa / so weit erstrecket sich deine
Herschaft nicht / du müstest sonst hint diese Nacht eine gar grossmächtige Frau
und Königl. Gebieterin worden sein; dieses brachte ich mit solchem Scherzlachen
vor / dass sie meine zufriedenheit daher erkennete / und merkete ich schon / wo
sie hinaus wollte /lehnete mich auch meiner gewohnheit nach an sie /welches ihr
ein Zeichen meines guten willens wahr /daher sie in ihrer Kühnheit also
fortfuhr: Ach mein auserwähltes Fräulein / ihr treflichster Weltschaz (so
nennete mich die Schmeichlerin) wie meint  dann eure Gn. ich werde derselben
etwa einen schlechten unbenahmeten Fürsten zu freien? O nein; er ist der
allerschönste / allertugendreichste und allervolkommenste / der jemahl von
Menschen erzeuget ist; eben derselbe ist es / von dem alle so ihn kennen / diese
Urtel fellen / er werde in kurzem der ganzen Welt ein Wunder sein; und was
schenket ihr mir / mein Fräulein /dass ich seinen Nahmen / seinen Helden-nahmen
nenne? Sihe da / sagte ich / was hastu dann wohl hinte vor einen wunderstatlichen
Menschen im Traum gemachlet / und unter was vor einen Nahmen wiltu ihn springen
lassen? Ja freilich ists ein wunderstatlich gemahltes / aber lebendiges Bilde /
antwortete sie / aber der Himmel selbst hat ihn an die Welt gestellet. Hierauff
nahm sie Kreide / und schrieb diese Buchstaben H.R.K.L.S. an die Wand / mit
bitte / ich möchte diese stumen durch etliche selbstlautende lebendig machen;
Und als ich sagete / ich wüste mich in ein so schweres Rätzel gar nicht zu
finden / brach sie also los: Ach was ist doch der GrossFürstliche junge Herr und
nähester Erbe des allermächtigsten Teutschen Reiches ein vortreflicher erkenner
/ eurer Durchl. Schönheit / welche ihm sein Herz dergestalt bestricket / dass er
seine Begierden an nichts / als an euren liebreichesten Augelein weidet.
Schweige du Närrin / antwortete ich /dass ja kein Mensch deine Reden vernehme /
du müstest sonst aller meiner Hulde in ewigkeit entsetzet sein / und an mir
deine grausamste Feindin haben; und hastu mich zu dem Ende mit auffgesprochen
/werde ich dir keinen Fuss weiter folgen. Dieses brachte ich mit solchem
ertichteten Ernste vor / dass sie höchlich erschrak / und mit wehemühtigen Worten
umb verzeihung baht / vorwendend / es währe ihr Scherz / und hätte sie nicht
gemeinet / dass sie mich damit so hart erzürnen köñen / sonst wollte sie es wohl
haben stecken lassen / da es niemand als die Götter finden könten; wodurch ich
mich dann begütigen lies / ihr alle verzeihung versprach / als ob es nicht
geschehen währe / und mit ihr / biss an meiner Brüder Kammertühr ging / welche
sie so leise aufzumachen wusste / dass niemand dessen inne ward; und weil sie
beide noch fest schlieffen / legte sie ihnen das Gerähte unvermerkt zu ihren
Füssen / trat leise wieder zu mir heraus / und berichtete / dass sie noch im
harten Schlaffe lägen; daher ich auff ihr anhalten mich erkühnete / mit ihr vor
das Bette zu treten / da mein Herkules vorne an schlieff / hatte den linken /
biss über den Ellenbogen entblösseten Arm heraus gelegt /und war nicht anders als
ein Gemahleter Engel in sehr freundlicher Gestalt anzusehen. Ich bekenne euch
/meine Fr. Schwester / dass seine dazumahl verschlossene Augen mein Herz mit
spitzigern Stralen durchschossen / als seine in liebe brennende noch nie getahn
hatten / und dauchte mir unmöglich sein / lange zu leben / wo ich seiner Liebe
nicht bald vergewissert würde / daher ich als in der Liebe entzücket vor ihm
stehen blieb / und mit unverwendetem Gesicht ihn anschauete / endlich wieder
meinen Willen einen tieffen Seufzer aus dem innersten meiner Seele gehen liess
/dass mir leide wahr / sie würden davon erwachet sein. Die verschlagene Libussa
merkete wohl / wo mich der Schuch drückete / wollte mich doch in meiner
Betrachtung nicht stören / aber als sie meinen Seufzer hörete /winkete sie mir /
und gingen wir ihnen unvermerket wieder davon / zwar ich meines teils / nur mit
dem Leibe / dann die Seele blieb bei meinem Herkules. Auff dem rükwege / da
Libussa meine vorige gewogenheit sah / baht sie mich sehr bewåglich / ihr zu
offenbahren / warumb ich mich doch über ihre vorige Rede so sehr geeiffert
hätte; die Götter währen ihre Zeugen / dass es nicht aus böser Meinung geschehen
/könnte auch mit ihrem einfältigen verstande nicht absehen / dass solches meiner
Ehr und standes Hocheit im geringsten abbrüchig währe; verdrösse michs aber
vielleicht / dass sie den allerschönsten liebreichste Fürsten so hoch rühmete /
möchte ich nur gnädigst bedenken / dass er mein so naher Anverwanter währe /den
ich über dz / nach eigenwilliger geheimer anvertrauung / zum lieben Bruder
auffgenommen hätte. Ich merkete sehr wohl / was vor Ränke das verschlagene Tausses
hatte / und sie hiedurch nur forschete / mir hinter die Künste / oder dass ichs
eigentlich sage / hinter meine allerheimlichste Heimligkeit zukommen /dessen ich
mich aber nicht merken liess / sondern ohn alle bewägung zu ihr sagete;
Vielleicht erfährestu die Ursach in kurzem / welche dir und allen Menschen noch
zur Zeit verborgen ist und sein muss; darumb hüte dich / dass du mir hievon nichts
sagest / biss ich selbst anheben möchte / dann wirstu mir schon recht geben
müssen. Worauff sie dieses Fass wohl zuzuschlagen wusste. Mein Herkules aber / wie
fremde er sich gleich in beisein andrer stellete / begunte doch etwas kühner zu
werden / und schwätzete mir unter allerhand verdecketen reden so viel vor / dass
ich daher seine verliebeten Geister wohl abnehmen kunte / und mich doch als eine
Unverständige merken liess / biss er sich etwas deutlicher erklärete / da zohe
ichs alles auff eine Brüderliche Gewogenheit / und versicherte ihn hinwieder
meiner Schwesterlichen Träue / wodurch er alsbald abgeschrecket ward / mir sein
Gemüht weiter zueröffnen / biss er einsmahls mit mir allein im Garten herumb
ging; O ich weiss noch den Ort / den Tag und die Stunde so gar eben / ist mir
auch kein Wörtlein seines vorbringens entwischet. Er stund eine zeitlang in
Gedanken / und als mit Furcht beladen / seine Farbe enderte sich zu
unterschiedlichen mahlen /brach doch endlich sein schweigen / und nachdem er mir
die Hand nicht ohn Seuffzen sehr inbrünstig geküsset hatte / liess er diese Reden
an mich abgehen: Durchleuchtigstes Fräulein / verzeihet / bitte ich /eurem an
Leib und Seel zueigen ergebenen Knechte /dass er vor euch dissmahl sein Herz
auszuschütten /durch die allerhitzigsten / jedoch nit minder keuschen Flammen /
gezwungen wird; Meine Seele / wie unwirdig sie auch sein mag / hat dannoch in
eure unvergleichliche Schönheit sich dergestalt verliebet / dass mir tausendmal
erträglicher ist / den Tod und alle Pein anzugehen / als die sehnlichen
Begierden in mir zudämpffen; Ich rede von nichts anders / mein Fräulein / als
was Zucht und Ehre zum Grunde hat / und verfluchet sei mein Herz vor aller Welt
/ wann es etwz anders suchet / oder begehret. Darumb / O ihr meiner Seelen
innigste Wollust / verzeihet doch eurem Knechte / dass er in dieser Jugend auff
Liebe gedenken darff / der ihm sonst vorgenommen hatte /wann eure Vortrefligkeit
in der Welt nicht währe /sein ganzes Leben ohn eheliche Liebe zuverschliessen /
und seine Seele ohn Hinterlassung trauriger Wäysen und Wittib / in den Waffen
auffzugeben; aber bloss nur die unvergleichliche Valiska hat diesen Muht in mir
gebrochen / vor deren Trefligkeit alles weichen muss. Ich / suche nicht / mein
Fräulein / mich in kindlichen Jahren ins Ehebette zusetze / so wenig mir lieb
sein würde / dz einiger Mensch in der Welt / ohn allein sie / wissen oder nur
argwohnen sollte / dass umb Liebe ich mich schon bemühen dürffte; dann hätte ich
die gebührlichen Jahre erlanget / würde ich mich unterstehen / bei Ihrer Liebe
Eltern und Bruder selbst zuerhalten / was ich vor mein höchstes Gut in dieser
Welt schätze; aber meiner Jugend stehet solches nicht an. Ja mein Fräulein / ich
hätte noch diese Gewalt über mich selbst erzwingen wollen / auch ihrer Liebe
meine Flammen zu verbergen / wann nicht die furcht mich antriebe / da möglich /
vorzubauen / dass nicht einander vor meinen mänlichen Jahren dasselbe erstreite
möge / welches schon die näheste Erndte aller Liebligkeit zeigt. Dieses machet
mich kühn / O mein Seelichen / dieses macht mich verwägen / O meine Vergnügung /
mich selbst zuüberwinden / und die bisher anhaltende Schahm in so weit zurück
zulegen /dass Ihre Liebe ich von Grund meiner Seele bitte / mir hochgeneiget
anzudeuten / ob meine Unwirdigkeit von ihr könne verdecket / und meine
inbrünstige Liebe / als eines künftigen Bräutigams angenommen werden; als dann
verspreche ich derselben an äidesstat / und aus wolbedachtem Muht und Willen
/dass ihrer Vortrefligkeit ich Zeit meines Lebens als ergebenster Knecht dienen
und auffwarten will. Solte aber derselben meine Wenigkeit nicht können annehmlich
sein / wolan / so verpflichte ich mich auch hiemit beständigst / dass ihre Liebe
ich mit solcher ungenehmen Anmuhtung weiter nicht beschwerlich sein / sondern
nach empfangener Urtel dieser meiner Verwägenheit / mit ja so frölichem Herzen
die Volstreckung an mir selbst verrichten will / als lieb und angenehm ihr die
Hintertreibung eines so mutwilligen Frevelers sein kann und mag. Hiemit schwieg
er stille /und erwartete meiner Antwort / die ich so schleunig bei mir nit
einrichten kunte; welches er vor ein böses Zeichen annam / und also fortfuhr:
Warumb schweiget mein Fräulein so gar stille / und lässet mich ohn einige
Antwort? Ist die Urtel über mein Verbrechen in ihrem hochvernünftigen Gemühte
schon abgefasset /so will ich die Standhaftigkeit nehmen / sie nicht allein
anzuhören / sondern ihr ohn auffschieben ein genügen zu leisten / es währe dañ /
dass sie von einem Menschen nicht könnte verrichtet werden. Ich kunte mich noch
nicht begreiffen / wessen ich mich erklären sollte / wie wohl meine Seele den
unbewäglichen Schluss schon vor dieser seiner Anmuhtung abgefasset hatte; endlich
sagete ich zu ihm: Durchleuchtigster Fürst / warumb dringet Eure Liebe in dieser
meiner kindlichen Jugend so stark in mich / und zwar auff ein Ding / welches ihr
nach diesem leicht gereuhen dürffte? gestaltsam ich meine Unvolkommenheit in
guter Erkenntnis habe / und mir daher nichts so hart zuwider sein kann / als das
gar zu ungebührliche Lob / welches Eure Liebe nicht ohn meine Beschämung mir
aufleget / und ich zu mehr gelegener Zeit davor Abtrag fodern werde. Vor dissmahl
erinnere ich nur Eure Liebe / wie leicht sich es zutragen könne / dz sein Herz
durch weit grössere Schöne und Volkommenheit an einem andern Orte möchte
eingenommen werden / da mein Herr Bruder dann zugleich sich und mich verfluchen
würde / dass meinetwegen er aus seiner eigenen Schuld / seines willens nicht
leben könnte. Jedoch diesen fall ausgesetzet; wie kann in so weit ich mich selbst
versprechen / die ich doch nicht mein selbst eigen / sondern unter meiner Eltern
Gewalt bin / und es demnach bei ihnen müste gesuchet werden. Aber auch dieses
beiseite getahn / weil Eure Liebe / dass sie es noch zur Zeit daselbst nicht
suchen könne / mit ihrer jetzigen Jugend zu aller gnüge entschuldiget hat; nur
bedenke mein Fürst / ob ein so junges unverständiges Fräulein / welche kaum das
13de Jahr ihres Alters vor sieben Wochen hinter sich gelegt / auf dergleichen
ansuchen schahm wegen antworten dürffe; insonderheit / die bisher weder von
Liebe weiss / noch von der Liebe ichtwas gehöret hat. Ich erkenne ja Euer Liebe
gutes Herz gegen mich; seine Auffrichtigkeit zihe ich nit in zweifel; seine
Wirdigkeit lieget noch heller am Tage. Nun ich setze dagegen / was ich im
innersten meines Herzen / als das allerverborgenste trage / und nicht gerne
wollte / dass einiger Mensch ausser uns beiden es hören sollte / nehmlich / ich
liebe den Durchleuchtigsten Fürsten Herkules mehr und inniglicher als meinen
leiblichen Bruder / und scheinet fast / dass meine Fr. Mutter ein gleiches tuhe /
nicht ohn meines Bruders Vergnügung / als der seinen Herkules über sich selbst
liebt. Ich erkühne mich noch weiter zubekennen / dass mir unmöglich sein wird
/des Durchl. Fürsten Herkules Abscheid erdulden zu können / welcher mich vor
seine Schwester gewirdiget hat / dessen ich mich sonst unwirdig weiss. Die Götter
sind meine Zeugen / dass wann der Himmel Eure Liebe mir zum leibliche Bruder
gegeben hätte / ich die ewige Jungfrauschaft geloben / und von meinem Bruder
nimmermehr / auch nicht in offener Feldschlacht weichen wollte; daher soll kein
Mannesbilde in Ewigkeit nicht bei mir erhalten / dass ausser Herkules ich ihn
lieben sollte. Ich sah eigen / dass er hiedurch auffs allermerklichste in seiner
Seele gerühret ward / welches die Fröligkeit seines Angesichts nicht verbergen
kunte / daher ich diese verwägene Kühnheit gebrauchte / dass nach Zulassung eines
brüderlichen züchtige Kusses / ich ihn bei der Hand fassete / und dieses Gelübde
taht: Du klarer und keuscher Himmel / unter welchem wir in reiner Liebe stehen /
höre du selbst meine Reden an / und biss ein unbetrieglicher Zeuge dessen / was
ich anjezt diesem Durchl. Fürsten auff sein innigliches ansuchen / umb seine
Geister zubefriedigen / verspreche: Kein Mensch in aller Welt /ist mir lieber /
als Herkules: kein Mannesbilde soll meinen Willen beherschen / als dieser geborne
GrossFürst der Teutschen. Hastu dann / O du göttliche versehung / ihn mir dereins
zum Gemahl zugeordnet /und können die meinen / unter welchen ich bin / darein
gehehlen / so will ich diese himlische Verordnung vor meine Vergnügung schätzen;
sollte ich ihm aber /da er ungeendert auff meiner Liebe beharren würde /nicht zu
teile werden können / wie dann die fälle sich wunderlich zutragen / so gelobe
ich doch auffs wenigste hiemit an / mich nimmermehr in den Ehestand zubegeben /
sondern in dieser heiligen Liebe / und versprochenen Träue beständig zuverharren
/ so dass weder Furcht noch Angst; weder Zwang noch Geschenke; weder Troz noch
liebkosen; weder Noht noch Tod mich davon abwenden soll; und breche ich dieses
Gelübde / so straffet mich ihr himlischen und hellischen Götter als einen Fluch
/ ohn alle Barmherzigkeit; jedoch / unter diesem Bedinge / dass ich dieses
zuleisten ungehalten bin / da etwan Fürst Herkules / welches ich ihm nit
zugetraue / sich von mir sollte lassen abwendig machen / welches die Götter an
ihm ungestraffet nit lassen würde. Mein Herkules stund vor mir als entzücket und
wollte sich in die Knie setzen / ich aber wehrete ihm / mit dieser Bedräuung
/dafern er solches tähte / wollte ich ohn Anhörung seiner Antwort von ihm hinweg
gehen / und seine Gegenwart auffs fleissigste meiden; welches dann sein
Vornehmen brach / und redete er solcher gestalt: Mein herzallerliebstes Fräulein
/ es soll der heutige Tag zeit meines Lebens von mir hochfeirlich begangen werden
/ an welchem ich den grössesten Schaz dieser Welt in Hoffnung empfangen habe /
dessen mich zubegeben /keine menschliche Gewalt / Wiz noch Beredsamkeit bei mir
erhalten soll. O mein allerholdseligstes Engelchen / wie weit über hoffen bin ich
vergnüget; wie weit über Verdienst und Wirdigkeit wede ich geliebt. O ihr
gütigen Götter / gebet gebet / bitte ich / dass keine Schlange sich zwischen
unsere Seelen eindringe / sondern erhaltet dieses geknüpfte Band / so dass zu
rechter Zeit und nach eurer Versehung / unsere Liebe zum wirklichen Geniess
kommen und gelangen möge. Ich wünschete dieses mit in meinen Gedanken / aber wer
mir damahls gesagt hätte / dass solches zu Charas in Parten hätte sollen zum
ersten mahle erfüllet werden / würde mir sehr traurige Zeitung angemeldet haben.
Es fuhr aber mein Herkules also fort in seiner Rede: Mein Fräulein wolle sich
nunmehr erinnern /was gestalt ihre Fr. Mutter in unterschiedlichen verdecketen
Reden sich hat vernehmen lassen / wie angenehm ihr unsere schierkünftige
Heirat sein würde. So gebühret mir ja an meines lieben Bruders Ladisla
Bewilligung nicht zuzweifeln; dann was könnte / in Betrachtung unser
Freundschaft / ihm angenehmer sein? Unter diesem Vorbringen gingen unsere
züchtigen Küsse zimlich durcheinander / und wahr ich schon so kühn / dass ich
mirs vor eine Unhöfligkeit auslegete / wann ich ihm einen einzigen sollte haben
unvergolten gelassen. Endlich lösete er mir ein schwarzes seidenes mit Silber
durchwirketes Band von meinem Leibe ab / und als ich fragete / aus was Ursachen
solches geschähe; antwortete er: Dieses allerliebste Band soll mir / als lange
ich ausser meiner Fräulein Ehe lebe / ein tägliches Denkzeichen der jetzigen
teuren Verheissung sein / will ihr auch solches nicht wieder einhändigen / biss
ich die Hoffnung habe / sie erstes Tages zuehelichen. Ich gab zur Wiederantwort:
Das elende Band währe viel zu unwirdig / den Nahmen solcher Gedächtnis zutragen
/ baht demnach / mir es wieder zuzustellen / vielleicht könnte vor seinem Abzuge
ich ihm noch wohl ein besseres einreichen. Ach mein Fräulein / sagte er / lasset
mir / bitte ich / dieses liebe Band / weil es wirdig gewesen ist /ihren
allerschönsten Leib zuumfassen / und nehmet von mir dieses Ringelein zum
Gegengedächtniss an /welches meine geliebte Fr. Mutter mir angestecket /da ich
von ihr schiede; jedoch bitte ich / es hinzulegen / dass es von meinem Ladisla
nicht gesehen werde /dann ich habe höchstwichtige Ursachen / ihm unsere Liebe
noch zur Zeit zuverbergen. Eben diese Verschwiegenheit / sagete ich / ist mein
einiger Wunsch; nam den Ring mit einer Schamröhte / liess ihm das Band ohn
fernere Einrede / und verhiess / bei künftiger glücklicher Einlieferung es mit
einer gewissen Anzahl Küsse einzulösen / steckete ihm auch einen Ring an / uñ
sagete: dabei gedenke mein Fürst und Bruder seiner Valisken / ja der seinen /
sage ich / dafern es durch der Götter Almacht und unserer Eltern
Widerspenstigkeit (dessen ich keines hoffen will) nicht gehindert wird. Also wahr
unser Ehe Verlöbnis fester geschlossen / als ich mir selber einbilden kunte /
wiewol ich sie viel fester wünschete; und lebeten wir in solcher teuschen Zucht
beieinander / sonderlich wann wir allein wahren / dass je länger wir mit einander
umgingen / je mehr sich einer vor dem andern schämete. Fürstin Sibylla baht umb
Verzeihung / und fragete /ob dann GrossFürst Herkules ihr das Leib Band auch
wieder zugestellet hätte. Ja / sagete sie / zu Charas auff meinem Schloss habe
ichs von seinen Händen empfangen / so weit hat er mirs nachgeschleppet / bin
daher auch / vermöge meiner Zusage / gehalten gewesen / ihm bald darauff das
eheliche Beilager zugönnen / dessen ich an diesem meinem allerliebsten
Herkuliskus (welchen sie auff der Schoss hielt) Beweisstuhms gnug habe; Ich hätte
aber schier vergessen / meiner Fr. Schwester zumelden / dz bald darauff meine
Libussa das Band an meinem Leibe vermissete / ging stille schweigens hin /
holete ein anders / und sagete nach ihrer Verschlagenheit zu mir: Gnädigstes
Fräulein / ich bitte untertähnigst / mir zuvergeben /dass ich heut vergessen habe
/ Ihrer Gn. das Leibband umbzubinden; und ohn weiteres Wortsprechen legete sie
mir ein schneeweisses an / mit güldenen Fäden durchzogen / da ich vor freuden
nicht unterlassen kunte / mit einem lachen zu ihr zusagen: O du leichtfärtiger
Sak / wiewol ist dir bewust / dass du mir schon eines umgebunden hast; nur
woltestu gerne wissen / wohin es kommen sei; aber so gut soll dirs nicht werden /
es sei dann / dass du auff den Abend es in drei mahlen errahten wirst. Ja /
antwortete sie /wann ich nur die Freiheit haben mag / nach Willen zurahten / will
ich den GrossFürstlichen jungen Herrn zuallererst nennen / ob derselbe es etwa
ohngefehr möchte abgelös-wollte sagen / gefunden haben. Ich gab ihr darauff einen
gelinden Backenschlag / aus welchem sie meine Gewogenheit zuurteilen pflegete
/und fing sie darauff an zubitten / ob ich etwa einer geträuen und
verschwiegenen Dienerin benöhtiget währe / möchte ich keine andere als sie
wählen; redete mir auch den Abend (dann sie musste stets bei mir schlaffen) so
bewäglich zu / dass ich meines Herkules ansuchen / aber nicht mein getahnes
Versprechen ihr offenbahrete / da sie dann durch allerhand kräfftige Ursachen
suchete mich zubereden / dass ich solche Liebe ja nicht ausschlagen vielweniger
verachten sollte / in betrachtung / dass kein ander Fürst der Welt mit diesem
zuvergleichen währe; welches ich zwar mit einem lachen anhörete / aber doch den
Angel / welchen ich schon eingeschlukt hatte / nicht verbergen kunte; wie sie
dann des morgens mir vorhielt / dass ich im Schlaffe allerhand LiebesReden
gepflogen / und unter andern geruffen hätte: O Herkules / Herkules / was vor ein
Feur habt ihr in meiner Seele angezündet / welches mich entweder beglückseligen
oder verbrennen wird. Und erhielt sie bei mir in kurzer Zeit / dass ich ihr mein
ganzes Herz in dieser Liebessache sehen liess / so gar / dass ich manniches
ehrliebendes Liebe-Gespräch mit ihr hielt / da sie Herkules stelle zimlich
zuvertreten wusste; muss auch bekennen / dass nach dessen Verlust sie mein einiger
Trost und Auffentalt meines Lebens gewesen ist / so dass nähst Gott ich ihr zu
danken habe / dass ich nicht durch Verzweiflung mir selbst Gewalt angeleget;
einmal ist gewiss / dass ohn ihre tägliche Tröstungen ich meines allerwerdesten
Schatzes Verlust nicht hätte ertragen können. Es ist aber nunmehr Zeit / meinen
unlieblichen Erzählungen die Endschaft zugeben / und mit einander die Nachtruhe
einzunehmen / weil diese Zeiter das vielfältige Getümmel und die stätige
Gästereien unsern Schlaff sehr gestöret haben; Aber diese Ruhegedanken vergingen
ihr bald / weil Euphrosyne ihr die Zeitung brachte / Fr. Terba empfünde die
Geburtswehe /bei welcher sie dann die ganze Nacht mit behten zubrachten / weil
es ihr schwer ankam / biss sie gegen Morgen eines jungen Söhnleins genase.
Desselben Tages ward die öffentliche Verlöbnis mit Herr Skaurus und Frl. Helenen
gehalten / wurden auch des Abends ehelich beigeleget / da der Statalter ein
Schreiben von seinem Bruder aus Rom / dieses Inhalts bekam:
    Freundlicher geliebter Bruder; dass es dir samt den lieben deinen nicht
allein wolgehet / sondern auch dein teurer SchwiegerSohn mit seinem
unvergleichlichen Gesellen GrossFürst Herkules / nach wolverrichteter Erlösung
ihrer Schwester und Gemahl frisch und gesund wiederumb bei dir angelanget /
erfreuet mich sehr. Die Gefahr und Besreiung meiner lieben Tochter / hat mir
Angst uñ Freude erwecket; erkenne dem streitbahren Schwedischen Fürsten mich
davor verbunden; da auch hochgedachter Königlicher Fürst eheliche Liebe bei
meinem Kinde / wie gemeldet wird / suchet / und du es vor gut und rahtsam
achtest / soll sie ihm zu ehren unversaget sein; wollest mir demnach weiter
schreiben / was vorgehen wird / damit ich der Vermählung / wo möglich /selbst
beiwohnen / und meine Tochter nach Standesgebühr aussteuren möge. Käyserl.
Hocheit dürffte ehist auffbrechen / die Pannonischen Grenzen zubesichtigen /und
ihren Weg auff Padua zu nehmen / insonderheit / da Ihr der hochgedachten Herren
glückliche Wiederkunft vorkommen sollte. Gehabe dich wohl / und melde der
HochFürstlichen Gesellschaft / nebest andern Anverwanten und Freunden meinen
Gruss und Dienste an. Ich bin und verbleibe dein geträuer Bruder
                                                                  Markus Fabius.
    Nach Verlesung rief er seine Tochter und Fr. Sibyllen zu sich / und sagete
zu ihnen: Lieben Kinder / jezt wird guter Raht sehr teuer sein / und mag den
besten geben / der ihn hat; dann mein Bruder / wie ich aus diesem seinen
Schreiben vernehme / kann in Fürst Siegwards Heirat durchaus nicht einwilligen;
nicht dass er ihn dessen unwirdig achte / sondern / weil er schon einem andern
sein Kind versprochen hat / da Käyserl. Hocheit nicht allein Freiwerber gewesen
/sondern durch ihn der Schluss geschehen ist / welcher durch kein Mittel kann
auffgeruffen werden; und erfreuet mich noch in diesem herben Unglück / dass wenig
Menschen Wissenchaft drumb haben / dass meine Tochter Sibylla schon ins Ehebette
getreten /kann auch wohl vertuschet werden / und muss der Fürst mit der vier oder
fünftägigen Niessung zufrieden sein / nach dem er euch / geliebtes Kind / doch
nicht behalte kann. Der frommen Fürstin wahr nicht anders zumuhte / als hätte man
ihr die lezte Todes-Urtel gesprochen / sagte daher zu Fr. Sophien: Ihr wisset
/herzliebe Fr. Schwester / wie sehr ich euch gebehten /das Beilager biss auff
meiner lieben Eltern Bewilligung auffzuschieben / da hingegen ihr mich deren
guteissen stets versichert habt; nicht rede ich solches /euch etwas
vorzuwerffen / sondern mich zuentschuldigen / dass meine Eltern vorbeizugehen ich
nicht willens gewesen bin. Nachdem aber nun meinem werten Fürsten ich durch
Priesters Hand einmal zugeführet /und die Ehe allerdinge volzogen ist / soll
mein Gott mich schon davor bewahren / dass ich in Ehebruch einwilligen wollte;
sondern weil man GOtt mehr als Menschen gehorchen muss / will ich entweder meinen
Fürsten behalten / oder frölich und wolgemuht sterben. Käyser und Eltern mögen
hierunter nach belieben wählen / wann nur mein herzgeliebeter Fürst ausser Noht
/ und Gefahr bleibet / welchen ich gleich jezt erinnern will / sich stündlich aus
dem Staube zumachen; mit mir schicke es mein Gott nach seinem Willen; eins weiss
ich wohl / dass ein ander Mannesbilde mich nimmermehr lebendig auff solche weise
berühren soll. Unter dieser Rede gab Fabius seiner Tochter durch winken
zuverstehen / dass es Scherz wahr / deswegen nam sie die Antwort auff sich / und
sagete: Herzliebe Schwester / es ist mir dieses Unglück sehr leid / und weiss nit
/ wie man demselben begegnen soll; Ich frage aber nur / ob das Beilager schon biss
heut währe aufgeschoben / wollte sie auff diese ihres Herrn Vaters Erklärung wohl
rükfällig werden / und dem Fürsten die Zusage auffruffen? nimmermehr bilde ich
mir solches ein / weiss auch versichert / der Fürst würde sich damit nicht haben
befriedigen lassen. Ist demnach das ergangene nicht anzuklagen / sondern das
künftige zubetrachten / worin ich doch wenig Raht weiss; dann was will man gegen
den Käyser einwenden? Euer Herr Vater hat es dero Hocheit in die Hände übergeben
/und kans nicht wiederruffen; so mag auch solche Heirat wohl ehe als die unsere
geschlossen sein. Ey so last es immerhin so wichtig und gefährlich sein /
antwortete Sibylla / ich kann ja noch mit meinem Blute bezahlen / seid nur
bemühet / meinen liebsten Gemahl in gute Sicherheit zubringen / in Betrachtung
/dass vor weniger Zeit er nicht allein euer Leben / sondern auch eure Ehre
gerettet hat. Ja meint  ihr / sagte Fr. Sophia / euer Gemahl werde euch
verlassen / und seine Sicherheit suchen? das sind alles vergebliche Gedanken;
dann was euch begegnet / wird gewisslich ihm auch wiederfahren müssen. Hiemit nam
sie das Schreiben aus ihres Vaters Händen / und lase daraus /als währe dieses
der Begriff: Geliebter Bruder; ich habe dein Schreiben gelesen / und zwar mit
höchstbetrübtem Herzen; muss zwar gestehen / dass wann der Sachen Beschaffenheit
es leiden könnte / ich diesem wirdigen Fürsten mein Kind fast schuldig währe;
weil aber Käyserl. Hocheit bei mir selbst Anwerbung getahn / sie dem vornehmen
Römischen Herrn und tapfferen Helden / Ritter Prokulus zuverheirahten.
    Als Fr. Sibylla den Nahmen Prokulus hörete / merkete sie den Auffzug alsbald
/ fassete den Statalter bei der Hand / welche sie ihm küssete / und sagte zu
ihm: Komt Herr Vater / lasset uns wieder nach der Gesellschaft gehe / daselbst
wollen wir Käyserl. Hocheit / und meines Herrn Vaters Gesundheit / uñ des
elenden Stümpers Prokulus Ungesundheit trinken; der Auffzug ist schon verrahten
/ und aller Angstschweiss mir abgewischet; dañ Prokulus ist noch lange der Mann
nicht / nach dem meine liebe Eltern sich gross umsehen sollten. Aber Fr. Schwester
/ ich gelobe euch hiemit im rechten Ernste / dass ich mich in kurzem an euch
rächen will / sollte ich auch aller meiner guten Freunde Raht darzu gebrauche. Der
Statalter küssete sie freundlich / und sagete: Geliebte Tochter; ich erfreue
mich eures guten Verstandes / und gebe euch mit euer Schwester zusammen / wann
ich nur ausser Gefahr bleibe; reichete ihr damit das Schreiben zulesen / und
erinnerte seine Tochter / dahin zusehen /dass das HochzeitFest gegen des Käysers
Ankunft angesetzet würde / weil H. Pompejus ohn zweifel inwendig solcher Zeit
auch würde gegenwärtig sein; gingen hernach wieder zu der Gesellschaft / und
brachten den Tag frölich zu / weil es einem jeden nach Wunsch erging.
    Des folgenden morgens als die Fürstliche Gesellschaft aus der Christlichen
Versamlung wieder nach des Statalters Hofe fuhren / und GrossFürstin Valiska im
rechten aushange sass / begegnete ihr ein fremder Ritter zu fusse / hinter
welchem zween ädle Jünglinge als Diener hertraten / der sie sehr ehrerbietig
grüssete / und auff Teutsch zu ihr sagete: Die Götter schützen euch / O schönste
der Welt / und sein einem fromen Fürsten gnädig / der euretwegen im grösten
Elende lebet. Es däuchte sie / diesen Ritter ehmahls gesehen zu haben / hiess
ihren Gutscher stille halten / und gab ihm zur Antwort: Mein Freund / ich
bedanke mich eures guten wunsches / und bitte / er wolle sich kund geben / dann
wo ich nicht irre / habe ich ihn vor diesem gesprochen / weis aber nicht wo.
Durchl. GrossFürstin / antwortete er; Als Klogio der Sikambrer ihre Durchl. zu
Prag begrüssete / bin ich / sein Gefärte Farabert / nicht weit davon gewesen /
und würde mir eine sonderliche Gnade sein / wann bei derselben ich auff ein halb
Stündichen Gehör erlangen könnte / und zwar in geheim / ohn aller Menschen
vorwissen. Der GrossFürstin kam solche Anmuhtung etwas fremde vor / und
antwortete ihm: Mein Freund / ich habe noch keinem Menschen Gehör versaget /
würde auch ihm solche nicht wegern / wañ ich wüste / wessen ich mich zu ihm
zuversehen hätte; aber einem unbekanten und in etwas verdächtigen so gar einsam
zu hören /möchte ich leicht bedenken tragen. Durchleuchtigste GrossFürstin /
sagte er / ich bin ein ehrlicher auffrichtiger Fränkischer Ritter / und währe
billich verflucht /wann mit einiger unbilligkeit ich schwanger ginge /möchte
auch wohl leiden / dass hundert Menschen bei meiner verhörung umb mich währen /
wann sie nur unsere Teutsche Sprache nicht verstünden / wiewol ich nicht bedacht
bin / ichtwas vorzubringen / dass eurer Durchl. im wenigsten könnte nachteilig
sein. Ich bin willig / antwortete sie / euch zu hören / und werdet ihr auff den
Nachmittag umb zwei Uhr auff jenem neuerbaueten Hofe euch anfinden / da ich mich
gleichergestalt werde einstellen. Er bedankete sich mit wenigen / und dass er
unfehlbar erscheinen wollte. Nun haben wir im andern Buche dieser Geschichte
vernommen / was gestalt der Franken- und Sikambrer König / Herr Hilderich diesen
Ritter Farabert nach Padua gesendet / sich ingeheim daselbst auffzuhalten / ob
er der geraubeten Fräulein Valisken Zustand erfahren könnte; welcher dann /
solches desto besser zuverrichten / sich in einer Herberge gegen des Statalters
Hofe über auffhielt / uñ sich vor einen Teutschen von Adel Römisches Gebiets
ausgab / umb desto sicherer zu sein. Ladisla ädler Leibknabe Tullius hielt sich
stets zu Padua auff bei Fr. Sophien / mit welchem dieses Ritters ädler Jüngling
Anter Kundschaft machete / ging viel mit ihm umb / und gerieten dadurch in
vertrauliche Freundschaft mit einander / welches alles auff Faraberts getrieb zu
dem Ende geschahe / dass er desto besser der unsern Zustand in der fremde
erfahren könnte / wie dann eben durch dieses mittel er alles dessen innen ward /
wz Fr. Sophien von den unsern zukam / so gar / dass ihm die vermuhtliche Heirat
zwischen Herkules und Valisken des andern Tages angemeldet ward / als Leches die
Schreiben von den unsern nach Padua brachte / und wie es sonst umb das zu Charas
gefangene Fräulein stund / welches alles er seinem Könige Hilderich getråulich
zuschrieb / auch bald hernach / was vor Völker aus Teutschland / Böhmen und
Italien den unsern in die Morgenländer zugeschicket währen; Aus welchen allen
dieser hochverständige König nichts anders / als die gewisse Ehe zwischen
Herkules und dem Fräulein schliessen kunte / und es zwar beseufzete / aber doch
mit der himlische Versehung friedlich wahr / weil ohndz sein lieber Sohn
Markomir noch imerzu als ein Wahnwitziger in Ketten und Gefängnis verwahret
ward. So bald nun unsere Helden aus den Morgenländern zu Padua anlangeten /
hielt sich Farabert stille und eingezogen in seiner Herberge / aus furcht / er
möchte von Fr. Valisken oder von Libussen / (welche ihn zu Prag gesehen hatten)
erkennet werden / liess aber seinen Walter geschwinde nach seinem Könige reiten
/ und demselben allen Zustand der unsern anmelden / welcher zu seinem Gemahl
sagete: Wir müssen mit der Götter schickung zufrieden sein / und vor gewiss
halten / es sei dieses vortreflichste Fräulein der Welt niemand anders / als dem
löblichen Fürsten Herkules bescheret gewesen / welches wir zum teil aus unsers
wahnwitzigen SohnsReden zuerkennen haben; nur wollen wir die gütigen Götter
anflehen / dass sie unserm Sohn gnädig sein / und seinen Verstand ihm wieder
zuwenden wollen / da er noch eine zeitlang leben soll. Es hatte vor zehn Tagen
sich ein Gallischer Arzt bei dem Könige anmelden lassen / welcher über die 30 im
Häupt verstörete Menschen glücklich geheilet / und zu völliger Vernunft
wiedergebracht hatte /begehrete auch den jungen Fürsten zu sehen und seinen
mangel recht zubetrachten / welches ihm aber erst vor zween Tagen gegönnet ward
/ da er dann befand /dass hochnöhtig währe / ihm vernünftige Leute zuzuordnen /
welche / wann er etwas ruhig währe / gebührlich mit ihm zureden wüsten /
insonderheit sollte man ihm vortragen / dass Fürst Herkules todes verblichen / und
Fräulein Valiska nicht allein bei den ihren gesund wieder angelanget / sondern
ihm auch mit sonderlicher Hulde zugetahn währe; Hierbei gebrauchte er seine
Kunst / liess ihm die Ader springen / gab ihm innerliche Arznei ein / und
schmierete ihm eine kräftige Salbe an beide seiten des Häupts / welches schon
zimliche wirkung taht / so dass die rasichte Wuht / die ihn täglich aufftrieb /
sich legete / wie wohl er in seinen reden keine vernunft spüren liess. Als nun
Walter abgedachte Zeitung von Valisken Heirat und wiederkunft nach Padua dem
Könige anmeldete / kam dieser Arzt gleich darzu / und zeigete an / es würde dem
jungen Fürsten zu seines verstandes wiederbringung sehr dienlich sein / wann man
bei dieser GrossFürstin erhalten könnte / dass ungemeldet ihrer getahnen Heirat /
sie ihm ein freundliches Brieflein zuschreiben möchte / in welchem sie sich
gegen ihn zu aller freundschaft und Schwesterlichen Liebe erböhte. Sein Vater
der König liess solches bei schleunigster Eile an Farabert gelangen / welcher
solches zu werben / vor dissmahl bei der GrossFürstin umb verhörung anhielt. Als
er sich nun zur ernennten Zeit einstellete / empfing ihn Valiska (welche ihrem
Gemahl und Bruder sein begehren schon verständiget hatte) gar freundlich /und in
Gallus / Klodius / und Markus gegenwart /welche die Teutsche Sprache nicht
verstunden / hies sie ihn seine Werbung ungescheuhet vortragen / welche sie
anzuhören bereit und willig währe. Worauff er also anfing: Durchleuchtigste
Hochgepreisete GrossFürstin / gnädigste Frau; unter andern hohen und lobwirdigen
Tugenden / welche eure Durchl. in dieser ihrer Jugend schon durch den grösten
teil der Welt berühmt gemacht haben / ist nicht die geringste / dass ihren
ärgesten Feinde zuvergeben / und der Elenden sich anzunehmen / aus getrieb ihrer
angebohrnen gütig- und barmherzigkeit / sie so gar willig und bereit ist /
wodurch sie dann ihren Stuel den himlischen Göttern schon sehr nahe gesetzet
hat. Nun weis ich nit / ob ihrer Durchl. es mag kund getahn sein / was gestalt
meines allergnädigsten Königes Herr Sohn / der Durchleuchtigste / anjetzo
leider! allerelendeste Fürst Markomir / bald nach eurer Durchl. gewaltähtige
entführung / umb dero Heirat zum andernmahl anwerbung getahn / und durch die
hochbetrübte Zeitung ihres verlustes / in so tieffe und schwermühtige
traurigkeit und bekümmernis gerahten / dass er endlich seiner Vernunft beraubet
ist / und in banden muss verwahret werden / woran seine Königliche Eltern ein
unaussprechliches Herzleid sehen / und vor grosser betrübnis kaum zubleiben
wissen. Es hat sich aber vor weniger Zeit ein berühmter Arzt bei ihnen
angemeldet / und zur wiederbringung des jungen Fürsten Gesundheit den trostlosen
Eltern gute Hoffnung gemacht / dessen Arznei die himlischen Götter gesegnen
wollen; und ist desselben wolmeintlicher Raht und gutdünken / es würde kein Ding
in der Welt seinen Pflastern und anderen Arztneien stärkere Kraft mitteilen /
als wann ihre Durchl. gnädigste GrossFürstin / sich dieses elenden wizlosen
jungen Fürsten in so weit erbarmen / und durch ein freundliches Brieflein seine
zuschlagene uñ nider gedrückete Geister wollte helffen auffrichte; welches wie
ihrer Durchl. es weder Schimpff noch Schaden bringen kann / sondern vielmehr zu
grösserer ausbreitung ihres Lobes dienen wird / also wird dieselbe dadurch
meinen Grossmächtigsten König sich dergestalt verbunden machen / dass er mit
rechtschaffener väterlicher neigung derselbe wird zugetahn und ergeben sein; dass
ich geschweige /was vor Ruhm uñ Ehre derselben zuwachsen wird /wann durch dieses
mittel / sie dem jammervollen Fürsten seinen Verstand; den traurigen Eltern
ihren Sohn; und dem Franken- und Sikambern Volke ihren künftigen Beherscher
wieder geben würde. Dieses / Durchleuchtigste GrossFürstin / habe auff meines
Königes begehren / kraft dieses Befehl-brieffes (welchen er der GrossFürstin
ehrerbietig einlieferte) vortragen sollen /nicht zweifelnd / eure Durchl. werde
solches gnädigst vermerken / und sich nicht wegern / demselben seine Gesundheit
und menschlichen Verstand wieder zubefodern / der bloss allein aus gar zuheftiger
Liebesbegier nach eurer unvergleichlichen vortrefligkeit / solches ädle Kleinot
verloren / und einem unvernünftigen Vieh fast åhnlich worden ist. Womit er
unter traurigen geberden seiner Rede die Endschaft gab. Die GrossFürstin liess
nicht weniger bei seinem vorbringen ihr mitleiden sehen / und nach verlesung des
Brieffes antwortete sie also: Mein Freund / Herr Farabert; das unverdienete Lob
/ welches in seiner Rede er mir zulegen wollen / muss ich billich von mir
ablehnen / uñ doch seine gute gewogenheit daraus erkennen; sonst mag er sich wohl
versichern / dass der leidige Unfal /welcher den Durchleuchtigsten Königlichen
Fürsten /Herrn Markomier getroffen / mir nicht weniger zu herzen stosset / als
sähe ich denselben gegenwärtig an meinem leibliche Bruder / insonderheit aber
schmerzet michs über die masse / dass ich dessen eine Ursach soll gehalten oder
genennet werden / daher ich weder Gefahr / noch mühe und kosten sparen wollte /
wann ich einiges ehrenbilliches Mittel zubedenken wüste /den lieben Fürsten /
dem ich in warheit Schwesterliche Hulde trage / von seinem Unglück zuerledigen;
warumb sollte ich mich dann wegern / dessen Liebe mit einem Schreiben
zubegrüssen. Ich habe aus seinem vornehmen zur gnüge verstanden / dass dieser
euer Fürst mir von herzen gewogen gewesen / würde mich auch nicht gewegert haben
/ seinem ehrliebenden ansuchen statt zugeben / wann ich nicht schon vorhin mich
an den Durchleuchtigsten GrossFürsten /Herrn Herkules / meinen jetzigen Gemahl
äid-ehelich versprochen gehabt / welches doch dazumahl meine leibliche Fr.
Mutter nicht wusste / ich auch lieber hundert tausendmahl hätte sterben / als
solches Gelübde brechen wollen / dessen verknüpfung so fest gewesen / dass michs
auch / unter der allergrössesten gefahr /von dem grossen Könige Artabanus in
Parten lossgetrieben / und meinem versprochenen Gemahl mich geliefert hat. Ich
habe von eures Fürsten / meines grossen und lieben Freundes Unfal etwas in
Persen erfahren / und sint der Zeit seine Liebe meinem Almächtigen wahren Gott
in meinem täglichen Gebeht vorgetragen / zweiffele auch nicht / derselbe werde
meine Seufzer erhören / und die Mittel zu des treflichen Fürsten Gesundheit
gnädig verleihen. Ihr solt euch aber /mein Freund / gar nicht scheuhen / meinem
Gemahl dieses euer Ansuchen zu offenbahren / sondern versichert sein / dass
derselbe nicht minder als ich / oder als sein geträuester Bruder ihm zu helffen
/ bemühet sein / und sich ganz glückselig schätzen werde / wann er darzu einige
Gelegenheit haben mag. So werde ich mich nun zu demselben hin machen / ihm euer
billiches begehren anzumelden / uñ da derselbe euch etwa zu sich fodern würde /
habt ihr ihm zu trauen als eurem Könige selbst. Farabert hörete diese
freundwilligkeit mit höchster verwunderung an / küssete ihr die Hand / welche
sie ihm darboht / und wollte seine Dankrede kniend verrichten / welches sie ihm
doch keines weges gestatten wollte / sagete / es gebührete ihr kein Dank / ehe
und bevor sie etwas dankwirdiges geleistet hätte; ging zu ihrem Gemahl und
Bruder /zeigete ihnen alles an / und erhielt leicht bei ihnen /dass er zur
Abendmahlzeit gebehten / und an den Fürstlichen Tisch / als eines grossen Königs
vornehmer Raht uñ Diener gesetzet ward / da dañ Herkules mit solcher
freundligkeit ihm begegnete / dass er sich darüber sehr verwunderte / demselben
alle elende begebenheit des jungen Frankischen Fürsten erzählete /und dass er
willens währe erstes tages wieder nach seinem Könige zu reisen. Des folgenden
Tages umb den Nachmittag ward er von Herkules und seinem Gemahl wieder
vorgefodert / und von ihm also angeredet: Mein Freund / Herr Farabert; ich kann
nit unterlassen /ihm zubezeugen / wie schmerzlich des hochbenahmten ritterlichen
Fürsten Herrn Markomirs Unfal mir zu herzen geht / insonderheit / dass mein
liebstes Gemahl / wiewol ganz wieder ihren willen / darzu Ursach geben müssen;
wollte Gott / ich wüste mittel und wege zuerdenken / seiner Liebe Gesundheit
wieder zuerhalten / ob mirs gleich etliche viel Tonnen Goldes / ja mein Blut
kosten sollte. Mein Gemahl hat nicht unterlassen wollen / an seine Liebe
zuschreiben / Gott helffe / dass es erspriesslich sei. Was sonsten in diesen
Wetschern vermacht ist / werdet ihr unbeschweret sein / meiner Gn. Fr. Mutter /
der Fr. Königin / im nahmen meiner Gemahl einzuliefern / und solches als einen
aus Asien mitgebrachten Beutpfennig / zum gedächtnis und beweisstuhm alles
möglichen Kindlichen gehorsams; zu dessen überbringung euch zween MaulEsel
sollen zugestellet werden. Dem Grossmächtigsten Könige und Herrn / Herrn
Hilderich / wollet ihr meinen Kindlichen und bereitwilligsten gehorsam anmelden
/ und dass in seinem schweren Haussunglück dessen Königl. Hocheit / ihrem
hochweisen und tapfferen Helden-verstande nach / einen muht fassen /dem
Almächtigen Gott stille halten / und von demselben unfehlbahre Hülffe gewertig
sein wolle; ich würde es unter meine höchsten glückseligkeiten mit rechnen / wann
ihrer Hocheit Angesicht zusehen / ich nach diesem die Ehre haben sollte / als
deren hoher Nahme durch alle Welt berühmet ist. Solte auch Gottes barmherzigket
/ wie ich hoffe / über den Durchl. GrossFürsten / Herrn Markomir zur Gesundheit
walten / bitte ich / mir solches ehist zuzuschreiben; endete hiemit seine Rede /
und schenkete diesem Frankischen Ritter eine schwere güldene Kette / ein par
Armbänder und andere ritterliche Kleinot / auf 8000 Kronen wert / nebest 4000
Kronen baar / über welcher Freigebigkeit er sich entsetzete. Die GrossFürstin
wiederhohlete schier ein gleichmässiges / uñ fragete ihn / als im scherze / ob
er ein Liebste hätte; worüber er erröhtete / und gerade zu mit ja bekennete; da
sie also fortfuhr: So müsst ihr derselben ein Zeichen meiner gute gewogenheit
überbringen; reichete ihm auch allerhand Kleinot / auff 6000 Kronen wert / und
sagete: Wann ihr mir zur guten Zeitung zuschreiben werdet / dass der liebe Fürst
Herr Markomir genesen sei / will ich euch solches mit 10000 Kronen baar ersetzen;
stellete ihm endlich den Brief an den jungen Fürsten zu / wobei etliche
eingewickelte Kleinot wahren / und im Vorhofe liess sie ihm ein trefflich
geputzetes Schneeweisses Reitpferd zuführen / nebest einen mit güldenen Tüchern
beladenen MaulEsel / alles vor den jungen Fürsten / daneben sie anzeigete / dass
2000 Kronen dabei befindlich währen / dem Gallischen Arzt einzuhändigen / nebest
dem Versprechen / dass auff künftige Gesundheit des jungen Fürsten ihm gedoppelt
so viel sollte übergemacht werden. Da dann Farabert höflichen Abscheid nam /
voller Hoffnung zu seines Fürsten Gesundheit.
    Sonst brachten die unsern die hinterstelligen 20 Tage biss zu dem angesezten
HochzeitFeste / mit aller zulässigen Lust hin / da der junge Sulpitius / nebest
Klodius und Markus / auch ihren Eheliebesten nach Rom reiseten / die ihren
zubesuchen / bei denen Herkules und Ladisla an Urban den Bischoff daselbst
/50000 Kronen / behuef der armen Christen; an ihren alten Wirt Sabihn 4000; an
den Arzt Galehn 1000 Kronen / und an Herrn Zinna / sein Gemahl und Tochter /
viel Kleinot auff 12000 Kronen wert übermacheten / und unterliess Fürstin Sibylla
nicht / an ihre vertrauete Freundin Frl. Virginia / Herrn Aquilius Tochter
zuschreiben / da sie ihr dann ihre und Lukrezien Heirat zuwissen machete / und
sie auff das HochzeitFest einladeten / sendete ihr auch sehr schöne Kleinot
über. Herkules und Ladisla unterliessen nicht / an Käyserl. Hocheit zuschreiben
/ und entschuldigten sich zum höchsten / dass ihrem Versprechen nach / sie
derselben / wegen eingefallener Entführung ihrer Frl. Schwester / zu Rom nicht
hätten auffwarten / noch die schuldige Danksagung vor erzeigete hohe Käyserl.
Gnade mündlich ablegen können / erbohten sich danebe / vor ihrem Abzuge solches
zuleisten / und verpflichteten sich zu ihrer Hocheit Diensten / übersendeten
auch des Käysers Mutter Fr. Mammeen sehr köstliche Kleinot / und allerhand
Persische Seidene / silberne und güldene Tücher / daneben vier Tonnen Schaz /
gemünzetes Partisches Goldes. Dem Käyser aber 20 Partische Handpferde mit
köstlichem Zeuge geputzet / welches über 4 Tonnen Goldes austrug / wahr auch bei
jedem Pferde ein Partischer Leibeigener / von den leztgefangenen Werbern / in
gülden Stük gekleidet. Klodius und Markus nahmen alles zu sich / und unter der
Begleitung von 300 Reutern zogen sie geschwinde fort / biss sie zu Rom glücklich
anlangete / da man sie anfangs nicht einlassen wollte / und gleichwol wahren sie
nicht willens / ihre Herren zumelden / darumb gaben sie sich bei der Wache an /
sie währen von dem Statalter zu Padua an dessen Bruder Herrn M. Fabius
abgeschicket / kahmen auch unter diesem Schein fein durch / kehreten bei T.
Bellizius ein / welcher Klodius Schwester Mann wahr / und wurden von den ihre
sehr wohl und freundlich empfangen. Bei Herr Fabius gaben sie sich noch desselben
Tages an / welcher mit seinem Gemahl sich schon zu der Reise fertig gemacht
hatte / hörete auch mit Freuden die löblichen Tahten und Fürstlichen Tugenden
ihres geliebten Schwieger-Sohns. Er wahr ein überaus reicher Herr /wollte auch
solches vor dissmahl erscheinen lassen /indem er seiner Tochter Schmuk gegen
künftige Hochzeit auff Königlich zurichte liess / der sich auff 6 Tonnen Goldes
belief. Er hielt aber vor dissmahl dienlich / dass Klodius und Markus sich noch
desselben Tages bei dem Käyser und seiner Fr. Mutter angeben liessen / weil das
Geschrei von der Helden Wiederkunft vor wenig Tagen ausgebrochen währe / machte
sich auch selbst nach dem Käyserl. Hofe / und gab an; es hätten die Teutschen
Fürsten / König Ladisla und GrossFürst Herkules ihre Leute von Padua hergesand
/welche umb allergnädigstes Verhör bei Ihrer Käyserl. Hocheit und dero Fr.
Mutter / alleruntertähnigst anhielten. Der Käyser vernam dieses gerne / liess
seine Mutter zu sich bitten / und befahl / dass die Gesanten alsbald vorgeführet
würden / da Klodius diese Rede hielt: Allergrossmächtigster Unüberwindlichster
Käyser / Allergnädigster Herr; wie auch Grossmächtige Durchleuchtigste /
gnädigste Frau; Meine gnädigste Herren / die Durchleuchtigste Grossmächtige /
Herr Ladisla / König in Böhmen / und Herr Herkules /GrossFürst und nähester Erbe
Teutschlandes / auch erwähleter Fürst des Landes Susiana / entbieten Eurer
Käyserl. Hocheit und HochFürstl. Würde / ihren untertähnigen Gruss / und
bereitwilligste Dienste; entschuldigen sich mit dem Unfal ihrer Fr. Schwester
und Gemahls / wegen ihrer ehmahligen Nicht-einstellung / wie ihre Schuldigkeit
sonst hätte erfodern wollen / und übersenden Ihrer Hocheit dieses Schreiben. Der
Käyser bedankete sich des geschehenen Grusses und freundlicher Anerbietung
seiner lieben und wirdigen Herre Brüder und Freunde / hielte die getahne
Entschuldigung vor überflüssig / erfreuete sich ihrer glücklichen Wiederkunft /
und hoffete sie vor ihrem Abzuge zusprechen / und bessere Kund- und
Freundschaft mit ihnen zumachen; brach das Schreiben /und nach Verlesung sagte
er; Er möchte wünschen /dass sie die Mühe auff sich genommen hätten / uñ selbst
überkommen währen / alsdann würde er ihnen das Geleite von Rom ab / biss an ihre
Grenzen gegeben haben; nun aber möchte sichs vielleicht zutragen /dass er sie
vorher zu Padua besuchete. Klodius antwortete: es würde ihren Gnn. Herren
solches zuvernehmen / die allergröste Vergnügung und Freude sein. Nun hörete der
Käyser die auff den innern Platz gestellete Handpferde / und fragete seine
anwesende Diener / was solches bedeutete / dz man die Pferde daher geführet
hätte? worauff Klodius zur Antwort gab: Unüberwindlichster Käyser; meine
obhochgedachte Gnädigste Herren übersenden Ihrer Hocheit etliche aus Parten /
Meden / Persen / Hirkanien / und andern Asiatischen Fürstentuhmen mitgebrachte
Pferde / und Partische ädelgebohrne gefangene Leibeigene / untertähnig bittend
/ Ihre K. Hocheit wolle dieselben als ein Zeichen ihrer durch GottesGnade
daselbst erlangeten Ehr und Beute / mit hochgeneigetem Herzen von ihrer Hand
annehmen / und allezeit ihr hochgewogener Käyser verbleiben. Es hat den teuren
Helden nicht so wohl ergehen können / antwortete der Käyser / dass ichs ihnen
nicht besser wünschen und gönnen sollte / und haben unsere Beamten in Syrien
schon schrifftliche Meldung getahn / was gestalt der Persische Fürst Artaxerxes
bloss durch dieser Helden Raht uñ unüberwindliche Faust / des Parters Artabanus
Macht gebrochen / dessen eigentlichen Verlauff wir von ihnen in kurzem
einzunehmen verhoffen. Ging hin / und besah die köstlich geputzeten muhtigen
Pferde / unter denen insonderheit zwei Skytische schneeweisse vorne an stunden /
mit güldenen Huefeisen und Gebiss / auch so überaus statlichen Decken /mit den
ausserlesensten Indischen Perlen reichlich besticket / an denen Sattel und Zeug
von lauter Demanten glänzete / dass der Käyser anfing: In Warheit / dieses ist
gar zu ein grosser Beutpfennig / dessen Vergeltung wir noch nicht absehen
können. Befahl den Leibeigenen auffzusitzen / und die Pferde zu tummeln / an
deren sehr guter Abrichtung er ein grosses Wolgefallen hatte. Der Käyserlichen
Mutter überschikte Wagen / deren Pferde mit köstlichen güldenen Zeuge beleget
waren / kamen auch herzu / welche Markus also einlieferte: Grossmächtige /
Durchleuchtigste /Gnädigste Frau; Meine Gnädigste Frauen / die Durchleuchtigste
GrossFürstin Fr. Valiska / GrossFürst Herkules Gemahl / und die auch
Durchleuchtigste Fr. Sophia / des Böhmischen Königes / Herrn Ladisla Gemahl /
haben Ihrer HochFürstl. Würde ein geringes Gedächtnis ihres untertähnigen /
gehorsamen und kindlichergebenen Willens / von der Partischen eroberten Beute
übersenden wollen / untertähnig bittend / solches von ihren bereitwilligsten
Händen hochgeneigt und gnädig anzunehmen / und ihre hochgeneigete und gnädige
Frau und Mutter stets zubleiben. Es ist des verehrens schon zu viel an dem
gemacht / antwortete sie / dass nicht allein die teure Fürsten kurz nach
Eroberung des Raubnestes mir übergeschicket / sondern auch meine herzgeliebete
Fr. Tochter / Fr. Sophia mir unlängst selbst eingeliefert hat / und muss nun zum
dritten mahl durch Annehmung so grosser Geschenken mich wider meinen Willen
unhöflich erzeigen; jedoch / weil die Wegerung meinen hochgeliebeten Freundinnen
und Töchtern ungenehm und widrig sein würde / will ich ihnen gehorsamen; bedanke
mich der Ehren freundlich / und hoffe in meiner bisher unbekannte Fr. Tochter der
treflichen GrossFürstin Kundschaft schier zukommen. Als die Güter abgeladen
wurden / und sie so grosse Schätze an Kleinote /Gold und Tüchern funden / ward
der Käyser fast unwillig / dass er auch zusagen sich nit entalten kunte; Diese
Fürsten wollen uns mit Gewalt zum unhöflichen machen; dann womit sollen so
grosse Schätze doch vergolten werden? Nachdem aber er vernam /was vor grossen
Reichtuhm sie mit sich gebracht hatten / gab er sich zufrieden / uñ befahl
Anordnung auff seine Reise zumachen / dann er wollte am dritten Tage hernach
auffbrechen. Herr M. Fabius stund ihm zur seiten / berichtete / was gestalt sein
SchwiegerSohn der Königliche Schwedische Fürst Siegward / innerhalb 12 Tagen das
HochzeitFest mit seiner lieben Tochter / auch GrossFürst Herkules einiger Bruder
/Fürst Baldrich / mit Herr K. Pompejus Tochter / zu Padua halten würden / und
baht untertähnigst / Ihre Käyserl. Hocheit / und dero Fr. Mutter möchten
allergnädigst geruhen / diesem Ehrenwerke beizuwohnen. Dem der Käyser zur
freundlichen Antwort gab: Ja mein lieber Geträuer / es soll euch versprochen
sein; machet nur Anordnung / dass alles zur Reise verfertiget werde / wie es
unser Hocheit gebühret; Wir werden diesen Fürsten zuehren uns über unsere
Gewohnheit kleiden (dann dieser Käyser stets in schlechten Kleidern auffgezogen
kam) zweifeln auch nit / unsere Fr. Mutter werde die Mühe zur Reise gerne / über
sich nehmen. Wie sie dann sich willig darzu erboht. Diesen Abend mussten Klodius
und Markus bei dem Käyser Mahlzeit nehmen / die nicht unterliessen /ihrer Herren
Ruhm und Tahten zuerzählen / insonderheit was von ihnen in Schlachten und
absonderlichen Kämpffen vorgangen wahr; da alle anwesende wünscheten / Herkules
möchte den ungeheuren Gamaxus zum schauen mit übergebracht haben. Des folgenden
Morgens legten sie ihre Werbungen und übergebrachte Sachen / anfangs bei dem
damahligen Römischen Bischoff Urban ab / nachgehends bei Sabihn und Galehn /
endlich auch bei Herrn Zinna / welcher sich zugleich freuete und schämete / dass
der hochberühmte Herkules sein ehemaliger Oedemeier und Leibeigener währe; wie
nicht weniger sein Gemahl und Tochter /welche die übergeschikte köstliche Sachen
mit grossem Dank annahmen / wiewol die gute Frau sich sehr unmuhtig befand / dass
Herkules geheiratet / und vor diesem sie mit Vorschützung seiner Unmögligkeit
abgespeiset hätte / daher ihr unmöglich wahr / sich bereden zulassen / dass sie
mit ihrem Gemahl und StiefTochter nach Padua auff die Hochzeit gezogen währe /
sondern wendete eine ertichtete Leibesschwacheit ein / uñ blieb daheim. Nun
hätte Klodius mit seinen Freunden und Anverwanten / denen seine Eheliebste grosse
Verehrungen taht / sich gerne noch eine zeitlang ergetzet / aber seinen Herren
die gebührliche Träne zuerweisen / nam er des andern Morgens nach seiner
Ankunft von ihnen Abscheid / und verliess / dass sie mit seiner Liebesten und mit
Markus nach Padua überkommen sollten; machte sich mit 12 Reutern geschwinde fort
/ umb zuberichten / dass Käyserl. Hocheit mit einer grossen Gesellschaft sich bei
der Hochzeit würde finden lassen. Gleich da er zu Padua in der Morgenstunde
ankam / ward dem Statalter daselbst die Zeitung gebracht / Herr K. Pompejus
Statalter von Elia oder Jerusalem / währe ausgestiegen / und kähme mit Gutschen
und beladenen Wagen an; dessen Fr. Lukrezie sich herzlich erfreuete / erhielt
auch leicht / dass die gesamte Fürstliche Gesellschaft sich in einerlei trefliche
Kleidung ausputzeten / und ihm entgegen zogen. Herkules und Ladisla macheten das
erste; Baldrich und Siegward das andere; Arbianes und der junge Fabius (der
schon abwesend in den Römischen Raht erkohren wahr; das dritte; Skaurus und
Pupienus das vierdte Glied. Ihnen folgten vier kleine statliche ReitGutschen; In
der ersten wahr die GrossFürstin und Lukrezie; In der andern Fr. Sophia und
Sibylla; In der dritten Fr. Ursul und Helehn; In der vierden Beata / Gallus
EheLiebste und Lektoria / Lukrezie ädle LeibJungfern / mit den beiden jungen
Herrlein / Herkuliskus und HerkuLadisla. Ihnen folgeten 50 Teutsche und
Böhmische Reuter in treflicher Zierde / welche von Leches und Neda geführet
wurden. Da sie eine grosse Teutsche Meile von Padua wahren / sahen sie den
Statalter von ferne daher fahren / stiegen von ihren Pferden und Gutschen / und
nahmen ihre Gemahlen bei der Hand /mit denen sie sanftmühtig fortgingen;
welches Fr. Terenzia ersehend / zu ihrem Gemahl sagete: Ach mein Gott / dort
kommen unsere Kinderchen her; stiegen auch herunter / und begegneten ihnen zu
fusse. Als sie aneinander gerieten / umfing Herr Pompejus zu anfangs Herkules
und dessen Gemahl; hernach Ladisla und Frau Sophien / ihres Wolergehens sich
hoch erfreuend; als er aber an Baldrich und seine liebe einige Tochter kam /
ergriff ihm sein SchwiegerSohn die Hand / küssete dieselbe mit grosser
Ehrerbietung /und sagete: Hochansehnlicher Herr Statalter / Gn. Herr Vater;
nachdem der Almächtige GOtt nach seiner gnädigen Vesehung / Euer Liebe
wolerzogene Tochter / mein geliebtes Gemahl mir zugeführet hat /als bitte ich
sehr und kindlich / Eure Liebe wollen vor ihren Sohn mich annehmen / und dabei
sich versichern / dass mit kindlichem Gehorsam meinen hochwirdigen
SchwiegerEltern / und herzlicher Träue gegen meinen teuresten EheSchaz / ich
Zeit meines Lebens mich werde finden lassen. Herr Pompejus umfing ihn freundlich
/ bedankete sich des hohen erbietens / und gab ihm seine Tochter an die Hand mit
diesen Worten: Ich habe meiner Fr. Tochter / der Durchl. GrossFürstin dieses mein
liebes einiges Kind über geben / welche dann freilich sie an keinen unwirdigen
hat verheirahten wollen; und was vor einen angenehmern SchwiegerSohn könnte mir
Gott zuschicken / als eben den / der mit dem teuren GrossFürsten Herrn Herkules
unter einem Herzen geruhet hat / und daher nicht anders sein kann / er muss in
ansehung dessen /nichts als alles löbliches an sich haben / wie er dañ solches
in errettung meiner geliebten Wasen überflüssig erwiesen hat. Lukrezie setzete
sich vor ihrem Vater in die Knie / bedankete sich Kindlich dieser väterlichen
einwilligung / küssete ihn hernach / und sagete: Gn. herzallerliebster Herr
Vater; nachdem die Durchl. GrossFürstin von mir begehret hat / diesem werten
Fürsten vor meiner lieben Eltern ankunft mich ehelich zuergeben / hoffe ich /
sie werden keinen unwillen deswegen auff mich werffen. Meine Fr. Tochter / die
Durchl. GrossFürstin hat es sehr wohl geordnet / sagte der Vater; weil nach der
Gemühter vereinigung nichts heilsamers noch sicherers / als die Heirat ist /und
merke ich wohl / nachdem dirs mit GrossFürst Herkules gefehlet / hat es gleichwol
niemand anders als dessen Herr Bruder sein sollen. Der barmherzige Gott verleihe
dir seine Gnade / dass du dich gebührlich gegen ihn zu halten wissest / und gönne
mir den Tag /an welchem ich meine hochgewünschete Kindeskinder sehen möge.
Hierauff empfing er die übrigen auch /da inzwischen Fr. Terenzia von der
GrossFürstin und den andern sehr freundlich gewilkommet ward / welche / da sie an
ihre liebste Tochter geriet / die Trähnen häuffig vergoss / ihr umb den Hals fiel
/ und aus mütterlicher neigung sagete: Mein allerliebstes Kind /es geht mir
zwar sehr nahe / dass ich dich so weit von mir hinweg schicken mus; jedoch ist
mirs eine sonderliche herzens freude / dass du in die Verwandschaft deren
auffgenommen bist / welche dir die allerliebsten in der Welt sind. Herzgeliebete
Fr. Mutter / antwortete sie / es ist ebenwol auch meine grösseste bekümmernis /
dass ich euch so ferne sein mus / doch können wir ja noch zu zeiten beieinander
sein; vordissmahl aber wollen wir solche traurige Gedanken bei seit legen / und
unsere Freude durch die Trähnen nicht stören / sondern zu meinem liebsten
Fürsten und Gemahl treten / damit er euch seine Fr. Mutter auch kennen und
sprechen möge. Baldrich trat gleich herzu / setzete sich auff ein Knie vor ihr
nieder / welches aber weder sie noch Lukrezie gedulden wollte / und ihn wieder
auffhuben / da die Mutter ihn in die Arme nam / und aller mütterlichen Liebe und
Träue sich erboht. Er hingegen wusste ihr dergestalt mit lieblichen reden zu
begegnen / dass sie ihre Tochter wegen dieser Heirat glückselig schätzete. Nach
geendigtem umbfangen / setzeten sie sich wieder auff / und musste H. Pompejus
zwischen Ladisla und Herkules reiten / Lukrezie aber vergeselschaftete sich mit
ihrer Mutter /und berichtete sie alles dessen / was bisher vorgangen wahr /
zeigete ihr auch die Beinnarbe / welche ich /sagte sie / zum stetswehrenden
Zeichen und unablöschlichem Gedächtnis meines herzliebsten Gemahls und seiner
ungefärbeten Liebe tragen will. Also zogen sie auff Padua zu / uñ wurden daselbst
von neuen wohl empfangen / woselbst sie des Käysers ankunft erwarteten / und
alles Königlich anordnen liessen / dann sie wollten das Hochzeitfest in dem
neuerbaueten Hofe halten / dessen Gemächer mit den kostbahresten Persischen
Tüchern behänget wurden / und bestellete der Statalter auff Herkules ersuchen /
dass in allen Flecken und Städten eine Tagereise nach Rom hin / reitende Diener
heimlich befehlichet wurden / des Käysers ankunft mit schnellen Pferden nach
Padua zuberichten. Zween Tage vor der angesezten Hochzeit kam Zeitung / der
Käyser in Gesellschaft 30 Gutschen und 300 Pferde / würde drei grosser Meilen von
Padua das Nachtlager halten / daher macheten sich Herkules und Ladisla mit den
dreien Fürsten zu rechter Zeit auff / ihm eine gute Meile von der Stad
zubegegnen /da sie eine Reuterei von 150 Mann mit sich nahmen. Herkules und
Ladisla ritten vorne an / ihnen folgeten die drei Fürsten / und zwar Arbianes in
Medischer Kleidung / denen Klodius und Prinsla in vollem köstlichen Reitarnisch
nachritten; aller nähest hinter denen / 150 Bömische ädelknaben / in ihren
rohten Scharlaken Manteln mit Golde reichlich verbremet; zulezt wahren Leches
und Neda / welche obgedachte wolbewapnete Reuterei führeten / und auff ihren
Helmen allemiteinander die allerschönsten langen schneweissen Federbüsche
aufgestecket trugen. Die vier Fürsten wahren gleich gekleidet in Persischem
Gülden Stük / mit herrlichen ädelgesteinen besetzet / die einen grossen Schein
von sich gaben. Auff ihren Hüten hatten sie weisse Federbüsche / an welchen
trefliche Kleinot geheftet wahren. Der Käyser wahr der Hoffnung / seine ankunft
würde zu Padua ungemeldet sein / doch auff wiedrigen fall hatte er sich über
seine Gewohnheit herrlich angelegt / und in eine verdeckete Gutsche sich gesetzet
/ vor welcher 50 Mann her ritten / und 250 hinten nach folgeten. Nun wurden die
Vorreuter der unsern in ihrer schimernden Kleidung von ferne gewahr / jedoch
unwissend / wer sie sein möchten / meldeten es dem Käyser an / und führeten ihm
seinen hochmuhtigen Hengst zu / auff welchen er sich setzete / und zween
Hoffjungkern an die unsern abschickete / mit freundlicher Frage / ob sie von
Padua kähmen; denen Herkules zur Antwort gab; Ja /sie als fremde / die sich zu
Padua eine Zeitlang auffgehalten / währen ihrer Käyserlichen Hocheit ankunft
inne worden / hätten demnach / ihre Schuldigkeit abzulegen / deroselben
auffwärtig entgegen reiten wollen. Diese jageten schleunig zurück / und
überbrachten solche Antwort / daneben vermeldend / es sähen die vier ersten den
Göttern ähnlicher als den Menschen /insonderheit der / so ihnen die Antwort
gegeben. Also zweifelte der Käyser nicht mehr an der Warheit / ritte sanftmühtig
fort / und sah mit grosser verwunderung an / was gestalt Herkules seinen
Blänken tummelte /und wie artige Sprünge das Pferd sehen lies; biss sie etwa auff
50 Schritte beisamen wahren / da sprungen unsere Fürsten ab von ihren Pferden /
entblösseten die Häupter / und erzeigeten dem Käyser sehr grosse Ehrerbietung;
und als sie so nahe kamen / fasseten sie seinen Stegrieff an / welches er ihnen
doch nicht zulassen wollte / sondern einem nach dem andern die Hand sehr
freundlich boht / die von ihnen höflich geküsset ward. Nach solcher verrichtung
traten sie etliche Schritte zurück / und fing Herkules diese Rede an:
Grossmächtigster unüberwindligster Käyser / gnädigster Herr; niemahls ist von
meinem Gesellen Ladisla und mir / grössere Undankbarkeit begangen / als die
eurer Käyserl. Hocheit wir leider haben sehen lassen müssen / in dem vor die
hohe unverdienete Gnade und Ehre / uns vor zweien Jahren angetahn / eurer
Hocheit wir uns zu Rom nicht dargestellt / umb / den höchst schuldigen Dank in
etwas blicken zulassen / welchen gänzlich abzulegen / unser vermögen viel zu
unvermögen ist. Wann wir dañ dieses unser verbrechen billich und willig erkennen
/ auch ihrer Hocheit höchstruhmwirdige Sanftmuht und Gütigkeit uns wohl bewust
ist / als bitten wir untertähnigst / diesen unsern groben Fehler uns gnädigst zu
übersehen / insonderheit / weil zwar unser Herz hierzu ganz willig und bereit
wahr / und nur durch den unvermuhtlichen Verlust meiner Frl. Wasen / jetzigem
Gemahl hintertrieben / und biss auff diese unsere Wiederkunft auffgeschoben sein
müssen. Da wir gleichwol nicht willens gewesen sind / diese eurer Käyserl.
Hocheit eigentühmliche Länder zuverlassen / ehe und bevor wegen empfangener
hohen Käyserl. Gnade / vor eurer Hocheit / wir uns zu Rom würden eingestellet /
uñ nach äusserstem / wiewol schwachen vermögen / unsere untertåhnig-
dankbegierige herzen ausgeschüttet haben. Weil aber solches anjezo hieselbst
geschehen kann; sei eurer Käyserl. Hocheit vor die unerhörte höchst milde
Käyserliche Gnade und Güte von uns untertähnig Dank gesaget; und ob solche wir
gleich nimmermehr ersetzen können / wollen dannoch eurer Käyserl. Hocheit / wir
/ uñ gegenwärtige / mein Oheim Siegward und Bruder Baldrich / Fürst- und
träulich angeloben / dass wir Zeit unsers Lebens sein und bleiben wollen / vor
unser Häupt / eurer Käyserl. Hocheit ergebene Knechte / und in künftiger
Herschung / Freunde des Römischen Reichs / dergestalt /dass wir alles / was
Teutsche / Bömische und Schwedische Freiheit nicht bricht / dem Römischen Reich
zugefallen tuhn / gegen deren Feinde (die nicht unsere eigene Landsleute oder
Bundgenossen sein möchten) auff begehren hülffe leisten / und Zeit unsers Lebens
alle Teutschen / Böhmen und Schweden / von aller feindseligkeit wieder den
Römischen Nahmen / nach vermögen abhalten wollen; sollten auch in unsern
Königreichen / Fürstentühmern und Herschaften einige Römische Leibeigene und
Gefangene sich befinden /wollen wir dieselben entweder ohn entgelt / oder doch
durch unsere Kosten lossmachen / und biss an die Römischen Grenzen sicher geleiten
lassen / auch im übrigen uns dergestalt bezeigen / dass eure Käyserl. Hocheit
unsere willige begierde zur dankbarkeit / ob Gott will / spüren wird. Nach
geendeter Rede / traten sie wieder hin zu dem Käyser / uñ küsseten ihm die Hände
demühtig. Der Käyser sass als ein Verzücketer auff seinem Rosse; bald betrachtete
er Herkules Schönheit / bald seine süsse beredsamkeit / bald das hohe Lob seiner
herrlichen Tahten in dieser Jugend /da ihm der Bart erst zu wachsen anfing; bald
erwog er ihre sämtliche Fürstliche Geberden / frische unerschrockene Angesichter
/ und anmuhtige funkelnde Auge / und antwortete endlich mit sanftmühtiger
Stimme: Ihr Durchleuchtige Fürsten und hochgepreisete Helden / die ihr der
ganzen Weltscheinet zu dienste geboren sein; was gebrauchen eure Liebde vor
entschuldigung? ja was klagen sie sich einiger undankbarkeit an mit Worten / und
erzeigen nicht desto minder in der Taht viel grösseren Dank / da sie gar keinen
schuldig sind? Eure Dienste und Woltahten /durch preisswirdige tapfere bestreit-
und vertilgung der verschwornen Räuber / dem Römischen Reiche erzeiget / deren
auch eurer Liebden Herrn Bruder und Oheim neulich teilhaftig worden sind /
haben Ehre und vergeltung verdienet / und zwar ein mehres / als bisher geschehen
ist; und dannoch müssen wir uns noch durch schwere lasten / eurer in Asien
erstrittenen Schätze überladen lassen / dessen unsere Fr. Mutter und wir / uns
nicht unbillich beschweren; welches auff bessere gelegenheit soll ausgesetzet
sein. Die angebohtene Freundschaft und Verbündnis nimt dz Römische Reich willig
und mit auffrichtigem Herzen an / erkläret euch / eure Königreiche /
Fürstentümer und Herschaften nochmahl vor freie Freunde / und beut euch wieder
eure Feinde / die nicht unter Römischen Schuz gehören / Hülffe und beistand an /
insonderheit / weil eure Liebden durch Römische heirahten / wozu wir Glük / Heil
und Segen wünsche / ihre Freundes-Gemühter gegen das Römische Reich zur gnüge
erscheinen lassen. Wir werde uns aber in dieser unser Beredung unter dem freien
Himmel mässigen / und nach Padua uns erheben / das hinterstellige daselbst
zuverrichten. Begehrete hierauff / dass unsere Fürsten sich wieder zu Pferde
setzen möchten / mit Vorwendung / es unvonnöhten gewest währe / dass sie davon
abgestiegen. Ladisla winkete ihren Pferdeknechten /da zween starke Teutschen
Herkules Blänken leiteten / der sich überaus unbändig stellete / dass der Käyser
fürchtete / er würde seinen Reuter nicht auffsteigen lassen; welcher aber hinzu
trat / und ihm einen Streich mit der Geissel über die Lenden gab / welches das
Pferd geduldig litte / und sich wie ein Lamb oder Hund von ihm streicheln liess.
Der Käyser fragete Ladisla / was art dieses Pferd währe; dem er zur Antwort gab:
Der GrossFürst aus Meden / des gegenwärtigen Fürst Arbianes Herr Vater hätte es
eine zeitlang im Stalle gehabt / aber wegen seiner halsstarrigen Unbendigkeit
nie gebrauchen können / biss seine Frl. Schwester / dazumahl unter 16 Jahren
ihres Alters / es gebendiget und zuerst beritten; nach deren Abschied es vorige
Wildheit wieder angenommen / biss sein Bruder Herkules es zum sonderlichen
Geschenke von hochgedachtem GrossFürsten bekommen / und es unter de Sattel
gebracht / wiewol es noch diese Stunde keinen Menschen / als diese beiden seine
ersten Reuter auffsitzen liesse. Der Käyser hörete solches mit Verwunderung an
sah unterdessen fleissig zu wie artig Herkules hinauff sprang; da das Pferd
wegen seines ädlen Reuters mit solche Stolze die Füsse warff /sich richtete /
und zierliche Sprünge verrichtete / an denen doch das allergeringste nicht
zutadeln wahr. Es wollten zwar unsere Helden hinter dem Käyser herreiten / aber
sie mussten ihm zur Seite bleiben / und ihn zwischen sich nehmen / und folgeten
die drei Fürsten allernähest nach / da es allerhand freundliche Gespräch unter
ihnen gab / und ihnen der Käyser sein Verlangen nach ihrer Kundschaft wissen
liess / mit dem erbieten / er wollte ihnen aus seinen Landschaften gerne ein Heer
von 50000 und mehr / in Persen zugeschikt haben / da er nur ihre Meinung hätte
wissen mögen. Eine halbe Meile von der Stad kahmen die beiden Statalter /
Fabius und Pompejus mit dem treflichsten Paduanischen Adel ihm entgegen / und
geleiteten ihn biss vor den neuen Hoff / weil unsere Fürsten ihn umb solche Ehre
sehr hart anlagen / und er viel lieber sie alsbald mit sich auff das daselbst in
der Stad belegene Käyserliche Schloss geführet hätte. Die GrossFürstin Valiska mit
ihrer Fürstlichen Gesellschaft / stunden haussen vor des Hofes Tohr in
prächtiger Kleidung / den Käyser daselbst zuempfahen / welcher sie ersehend / zu
Herkules sagete: Geliebter Herr Bruder / die Götter haben in Warheit Euer Liebe
ein wirdiges Gemahl zugeführet; Und als er merkete / dass sie ihm entgegen trat /
stieg er vom Pferde / ging zu ihr hin / und empfing sie sehr höflich; Wir
erfreuen uns / sagte er / wegen Euer Liebe glücklichen Errettung heissen sie
hieselbst freundlich wilkommen / und erbieten uns zu aller angenehmen
Freundschaft. Die GrossFürstin neigete sich sehr tieff vor ihm / und antwortete:
Eure Käyserl. Hocheit ich unwirdige Dienerin / bedanke mich dieser gar zu hohen
Gnade in Untertähnigkeit / verbleibe derselben in Ehren gehorsamste / demütig
bittend / dieselbe wollen meinem Bruder / Gemahl und Oheimben mit Käyserl. Hulde
allezeit gewogen verbleiben. Der Käyser erboht sich abermahl zu aller
brüderlichen Freundschaft / und geleitete die GrossFürstin in den Hoff auff den
grossen GastSaal / dem Herkules mit Frau Sophien / Ladisla mit Fr. Lukrezien /
und Baldrich mit Fr. Sibyllen folgeten. Jedoch baht das Fürstliche Frauenzimmer
umb gnädigsten Urlaub / wieder hinunter zutreten / und die Käyserliche Fr.
Mutter zuempfahen / welches er auff vielfältiges anhalten ihnen endlich
erläubete. Diese ansehnliche Frau hatte sich über Herkules höchlich verwundert /
und in offenem Felde ihn zu aller gnüge beschauet; aber da sie die GrossFürstin
sah / fing sie zu ihrem Frauenzimmer an: Ich habe nimmermehr gegläubet / dass
solche Volkommenheit unter der Sonnen anzutreffen währe / und ist das gröste
Wunder / dass dieser Schönheit eine so ungläubliche Herzhaftigkeit und Liebe zu
den Waffen beiwohnet. Sie stieg ab von ihrer Gutsche / und ging ihr entgegen /
da die GrossFürstin sie mit dieser Rede empfing: Grossmächtige Frau / gnädigste
Fr. Mutter; Woher hat ihre unwirdige Dienerin diese hohe Gnade verdienet / dass
von ihrer Vortrefligkeit sie dieses Orts besuchet wird? viel billicher hätte mir
gebühren wollen / Ihrer Hocheit zu Rom auffzuwarten / und daselbst zu ihrem
Dienste mich einzustellen; weil aber meiner gnädigsten Fr. Mutter es gefallen /
der angesezten Hochzeit mit ihrer höchstansehnlichen Gegenwart / die treflichste
Zierde zuerteilen / bedanken wir anwesende uns davor untertähnig / mit
demühtiger Bitte / dieselbe wolle uns kühnlich anbefehlen /worin unsere Dienste
können angenehm und behäglich sein. Durchleuchtigste GrossFürstin / antwortete
Fr. Mammea / ich habe nie längere Zeit / als auff dieser Reise zwischen Rom und
Padua gehabt / wegen des grossen verlangens / welches nach ihrer Liebe
Kundschaft mich hat sehnen gemacht / erfreue mich sehr / dass ich ihr Angesicht
gegenwärtig sehe; bedanke mich wegen gar zu grosser übermachten Geschenken /
deren ich mit gutem fuge mich zubeschweren hätte / und erbiete mich zu allen
möglichen und mütterlichen LiebeDiensten / höchlich bittend / Ihre Liebe wollen
hinfort mit dergleichen gar zu niderträchtigen Bezeigungen mich nicht mehr
beschimpffen / dafern sie mir sonst nicht verargen will / dass ich ihr den lieben
TochterNahmen gebe. Umfing sie hierauff gar freundlich / wie imgleichen die
übrigen drei Fürstinnen / und ging mit ihnen auff den Saal / woselbst der Käyser
ihr Sohn sich mit den Fürsten besprachete /von denen sie daselbst sehr höflich
empfangen ward. Fürst Siegward und der junge Fabius empfingen die übrigen
Römische Herren; der erste wahr M. Klodius Pupienus Maximus / dazumahl sitzender
Bürgemeister zu Rom; der ander Herr Kassius Dio / Römischer FeldHerr. Ihm
folgete Herr M. Fabius / welcher Siegwarden von dem jungen Fabius gezeiget ward;
daher diese beiden sich väter- und kindlich empfingen / und einer an dem andern
gutes genügen hatten. Nach ihm kam Herr Aquilius / Frl. Virginien Vater / ein
mächtiger Römer / und nach ihm noch 16 andere Römische Herren / unter denen auch
Zinna / Herkules ehmahliger Herr wahr. Zulezt kahmen Klodius Schwäger mit Markus
/ und endlich Sabinus mit Galehn / welche beide / Herkules und Ladisla
Bildnissen am Halse trugen / die ihne neulich geschicket wahren. Hierauff
folgete das Römische Frauenzimmer; die Fräulein zuerst / unter denen Frl.
Kordula / des Römischen Bürgemeisters Pupienus Tochter / und Frl. Virginia / H.
Aquilius Tochter den Vorgang hatten; hernach Frl. Felizitas / des anwesenden
Herrn Lollianus Tochter /und Frl. Benigna / des jungen Sulpitius Braut; nach
ihnen noch 14 hochädle Römische Fräulein / unter denen auch Frl. Zezilia / Herrn
Zinna Tochter wahr. Hinter ihnen her gingen die Römische Frauen / unter welchen
die dritte Fr. Plazida wahr / Herr M. Fabius Gemahl / die mit ihrem lieben
SchwiegerSohn unter dem empfangen auch die erste Kundschaft machete. Sonsten
ward dieses sämtliche Frauenzimmer auff dem Saal von unsern Fürstinnen auffs
neue gewilkomet / da Sibylla von ihrer Mutter mit Freuden Trähnen umfangen ward.
Noch ehe man sich zum essen setzete / begab sichs / dz Herr Dio mit Ladisla zum
absonderlichen Gespräche kam / welcher zu ihm sagete: Hochwerter Herr / Euer
Liebe Diener / der ehmalige Winnibald / erinnert sich billich der hohen
Befoderung ihm in Erlösung seines lieben Freundes des Oedemeiers erzeiget / und
verpflichtet sich zu ihrer Liebe angenehmen freundschaft. Dio sah ihn an /
erkennete auff solche Erinnerung ihn alsbald / und fing an: Wie dann /
Grossmächtiger König / ist dann Eure Hocheit selbst der Manfeste Ritter und
Sieger Winnibald / dem auch unter diesem Nahmen das Römische Reich / wegen
Erlegung des Pannonischen Trotzers schuldig ist? gewisslich hat Eure Durchl. ihr
selbst gross unrecht getahn / dass dieselbe ihren Königliche Stand uns allen
verborgen gehalten / uñ von einem schlechten Reuter Häuptman sich befehlichen
lassen. Ladisla gab zur Antwort; seines liebsten Freundes Oedemeiers /
gegenwärtiges GrossFürsten Herkules damahliger knechtischer Zustand hätte es
nicht anders leiden wollen. Der Käyser hörete diese Reden / und gewan Lust / es
ausführlich zuvernehmen; weil aber die Tische mit Speise schon besetzet wahren /
machte man sich hinzu / so dass bei dem ersten niemand als Fr. Mammea / Valiska /
Sophia / der Käyser / Herkules / Ladisla / Bürgemeister Pupienus / und der Feld
Herr Dio gesetzet wurden. Den andern nahmen Lukrezie und ihre Mutter; Sibylla
und ihre Mutter; Baldrich und Siegward mit ihren SchwiegerVätern ein. Bei dem
dritten funden sich Arbianes und Kordula; Skaurus und Helena; Pupienus und
Virginia; der junge Fabius und Fr. Ursula. Darauff folgeten vier lange Tische /
deren zween mit Frauenzimer / und zween mit Herren besetzet wurden. Bei den
übrigen Tischen ward keine sonderliche Ordnung in acht genommen. Vor dem
obersten Tische warteten Klodius und Leches nebest Euphrosynen und Agaten auff
/und hatten Böhmische ädelknaben hinter sich stehe /welche das Geschir von ihnen
nahmen. Zeitwehrender Mahlzeit erschallete allerhand Seitenspiel; da etliche wohl
abgerichtete Knaben mit drein sungen. Nach abgetragenen Speisen hielt Herr
Pompejus eine trefliche Rede an Käyserl. Hocheit / und deren Frau Mutter / in
welcher er sich vor ihre allergnädigste Gegenwart im Nahmen der jungen Eheleute
und sämtlichen Anverwanten untertähnigst bedankete; wie imgleichen hernach M.
Fabius an die Römische und andere anwesende Herren und Frauenzimmer ein gleiches
verrichtete; Nach dessen Endigung die GrossFürstin dem Käyser Fürstin Lukrezien
zuführete / den ersten EhrenTanz mit ihr zuhalten; wobei der Käyser ihr eine
freie Bitte gab; worzu nach geschehener Danksagung / sie 24 Stunden Bedenkzeit
baht. Den andern Tanz hielt Herkules mit Sibyllen; den dritten Ladisla mit
Helenen; den vierden Baldrich mit Frl. Kordula; den fünften Siegward mit Frl.
Virginia; den sechsten Skaurus mit Frl. Luzilla Atenoria; den siebenden der
junge Pupienus mit Frl. Felizitas; den achten Sulpitius mit seiner Benigna. Es
wahr aber Kordula mit einem Römischen Ritter / nahmens M. Zelius Balbinus / des
Römischen Bürgemeisters / D. Zelius Balbinus Bruder ehelich versprochen /
welcher erst folgendes Tages sich einstellete / und ritte Prokulus der Römer in
seiner Gesellschaft unerbehten mit / des Vorsatzes / sich an Baldrich und
Siegward zurächen /dass sie ihm die beiden Fräulein so stilschweigens vor der
Nase / wie er vorgab / hinweg gefreiet hätten /deren eine nach freier Wahl er
gesinnet gewesen zuheirahten. Unter dem Tanzen sass der Käyser bei Ladisla / und
hatten ihre Unterredung von Herkules / insonderheit von seiner Knechtschaft zu
Rom / da der Käyser sich nicht müde hören kunte / dann er wahr unserm Herkules
dermassen gewogen / dass er mit den Gedanken umging / ihn vor einen Neben-Käyser
zuerklären / welches er ihm noch desselben Abends durch den Statalter zu Padua
antragen liess; Er aber lehnete solches demütig ab / vorgebend / er befünde
solche Wirdigkeit und Vermögen bei ihm gar nicht / hätte auch kein belieben
einige Herschaft anzutreten / sondern / wo möglich / sein Leben in stiller Ruhe
zuzubringen; dessen der Käyser sich zum höchsten verwunderte. Fürstin Sibylla
wahr diesen Abend sehr bemühet / wie sie ihrem Oheim Pupienus Frl. Virginien
guten Willen erwürbe / führete ihr sein trefliches Herkommen / adeliche Sitten /
hochberümte Tapfferkeit und grossen Reichtuhm zu gemühte / beklagete sein Elend
/ in welchem er wegen ihrer Härtigkeit sein Leben führete / rühmete seine
geträue Liebe gegen sie / uñ baht durch ihre Schwesterliche Vertrauligkeit /ihm
die wolwirdige Gunst mitzuteilen. Das Fräulein gab ihr alles gerne nach / ohn
das lezte / sagte sie /währe ihr ungläublich / dass er einige Liebe zu ihr tragen
sollte / nachdem alle mahl / wann er mit ihr redete / seine Worte so kalt und
unzierlich sich vermerken liessen / als ob er mit einer unwerte sprachete / oder
auff eine andere gedächte. Ach herzliebe Schwester /antwortete sie / wie
fälschlich urteilestu von der Liebe; massen eben diese ungereimete Reden
vielmehr sein verliebetes Herz als abgekehreten Siñ anzeigen / wie ich an meinem
herzgeliebeten Gemahl mehr als einmal erfahren habe; vornehmlich / ehe und
bevor er meiner Gegenliebe völlig versichert wahr. Erzählete hiemit / wie
schwermühtig er diese Tage zugebracht / und alle lustige Kurzweile gemieden /
auch im Baumgarten hin und wieder an die jungen Bäume den Nahmen Virginia mit
verdecketen Zügen eingeschnitten / und manniches Geticht ihr zuehren und Liebe
auffgesetzet hätte; dessen ich dir /sagte sie / einen guten Beweisstuhm
auffzulegen habe /weil ich deren unterschiedliche ihm heimlich abgenommen / und
wo mir recht ist / noch eines bei mir habe / welches ich gestern Abend auff
seinem Gemache fand; zohe hiemit dasselbe hervor / und gabs ihr zulesen / dessen
Inhalt dieser wahr:
Virginia! O mässiget die Strahlen /
Den hellen Glanz / dem keiner sonste gleicht;
Vor welchem selbst des Himmels Schein erbleicht /
Wie feurig ihn gleich Sonn und Sternen mahle.
Ich muss ohndas den Frevel teuer bezahlen /
Den Frevel / der verwägen nach euch streicht /
Und dannoch als unwirdig sich verkreucht /
Wie hoch er bei sich selber auch mag pralen.
Ach ädles Bild / wie offters nam ich mir
Die Kühnheit / euch mein Leid zuklagen / für;
Und habe doch vor Furcht und scheuh nicht können
Ein einzig Wort aus meines Herzen Schrein
Lossdrücken / dann die klaren Augelein
Verblenden mir Vernunft und alle Sinnen / etc.
Nach Verlesung sagte sie: Ach meine HerzenSchwester / es ist gewisslich eine
andere Virginia als ich /deren Augen er alhie so heftig anklagete; dann
versichere dich / dass ich ihm die meinen niemahls recht gegeben / sondern sie
allezeit niedergeschlagen /wann er mit mir gesprachet hat. Nicht also meine
Schwester / antwortete Sibylla / rede nicht so verächtlich von diesem vornehmen
Herrn; es verdienet solches weder sein Adel / nach welchem er dir gleich ist
/noch sein aufrichtiges Gemüht / welches ihn dir ganz unterwirffet; und kann ich
wohl schwören / dz so ein hartverliebeter mir zeit meines lebens nit vorkommen
ist. Schaue doch / bitte ich / wie er dorten sitzet / uñ sich mit Grillen
schläget / da er vor diesem ein so freier lustiger Mensch wahr / der ganze
Geselchaften frölich machen kunte. Verzeihe mir Frau Schwester /gab sie zur
Wiederantwort / da meine Worte zu weit gangen sind; die warheit aber ohn Scherz
zu reden /kann ich die Einbildung nicht fassen / dass er auf mich sollte ein
sonderliches absehen haben; aber das weiss ich wohl / dass vor diesem das gute
Fräulein Perilla seinet wegen manniche heisse Trähnen vergossen / und ihn doch
zu keiner Liebe hat bewägen können / biss sie endlich des bittern Todes drüber
sein müssen. Hierumb habe ich gute Wissenschaft / sagte Sibylla /aber wie kanstu
/ geliebete Schwester / ihm solches so verkehrt auslegen / da er bloss umb deiner
Liebe willen dieses Fräulein verachtet hat? Vielmehr soltestu daher ein
unfehlbares Kennezeichen seiner aufrichtigen Träue nehmen / und ihm solches
hinwiederumb geniessen lassen. Fr. Schwester / antwortete sie / es hätte Herr
Pupienus eine bessern Vorsprach in ganz Rom nicht angetroffen / als eben dich /
so dz ich fast zweifeln muss / ob ich dir auch meines Herzen Gedanken offenbahren
darf. Zweifelstu an meiner Träue /sagte Sibylla / so handelstu wider
Schwesterliche Aufrichtigkeit; Was bisher ich vorgebracht / ist nicht mehr ihm
als dir zum besten geschehen; dann wer ist in Rom deiner mehr wirdig / als eben
Herr Pupienus? daher ich nicht absehen kann / aus was ursachen du ihm so gar
ungnädig bist. Die Ursach kann ich dir leicht sagen / antwortete sie: Ich habe
mich berichten lassen / er habe anfangs das gute Frl. Perilla mit süssen Worten
zu seiner Liebe gereizet / und sie hernach gehasset / da sie sich nach seinen
Willen nicht hat wollen auffs Eyss leiten lassen. Dass mirs nun nicht eben also
wiederfahre / habe ich vor sicherer gehalten / ihn zu meiden / als mich in
Gefahr zu setzen / dann du weist / wie leicht zu Rom ein Fräulein antüchtig
werden kann. Wie aber? sagte Sibylla / wann ich meinen Glauben vor ihn setze /
nit allein / dass er dir nimmermehr unträu werden soll / sondern auch / dass er mit
dergleichen gedanken niemahls umgangen ist; Ja versichere dich / HerzenSchwester
/ dass ich ihn viel zu scharf auf die bewehrung gesetzet habe / in dem ich ihm zu
unterschiedenen mahlen die trefflichsten Fräulein vorgeschlagen / aber mit so
grossem seinen Unwillen / dass er daher meines Gesprächs sich zuentäussern
angefangen; sagte mir auch dürre in die Augen / eine einzige nur lebete in
seinem Herzen / die übrigen währen ihm alle tod. Solches betrachte doch /bitte
ich freundlich / uñ lasse ihn meiner Vorbitte geniessen. Das Fräulein lächelte
hierauf / und antwortete: Ich gläube schier / Herzen Fr. Schwester / du
dürfftest mich gar bereden wollen / dass ich hin zu ihm lieffe / und ihm meine
Liebe und Hulde anböte; hastu es dañ mit deinem Fürsten auch so gemacht / so muss
das Paduanische Brod dein Gemüht gar verendert /und aus einer schamhaften die
allerverwägenste gemacht haben. Uber das kann ich ja Herrn Pupienus nicht ins
Herz sehen / oder aus seinem stilleschweigen vernehmen / wie er mir gewogen sei;
befinde ich aber dereins seine Anwerbung also beschaffen / dass ich verwahret bin
/ werde ich wissen mich zu erklären /dass du mit mir guten Frieden haben solt;
dann meine Eltern haben mir freie Wahl gegeben / einen Bräutigam zukiesen / und
weiss schon wohl / dass ihnen keiner so angenehm / als eben dieser sein würde.
Hieraus vernam Sibylla / dass das Herz schon gewonnen wahr / baht demnach / sie
möchte bei diesem Vorsaz bestendig bleiben; es würde Pupienus / dafern er
Ehrerbietung halben nur könnte / sein ganzes Herz vor ihr aussschütten. Sie
suchete darauf gelegenheit / mit ihm zureden / und erinnerte ihn / wie sehr er
geirret hätte /in dem er ihm so wiedrige Gedanken von dem Fräulein eingebildet;
der ganze mangel läge an ihm selbst /weil er gar zu blöde mit ihr ümgangen / und
sich gar zu sehr gedemütigt hätte; sollte demnach mit vernünftiger und
bescheidener Herzhaftigkeit sich zu ihr machen / und am glücklichen Fortgange
nicht zweifen. Pupienus ging auf solche Rede in sich selber / erkennete den
Sachen zu wenig und zu viel getahn haben /und bedachte sich in kurzer frist /
was gestalt er fortin sich verhalten wollte. Hierzu ward ihm nun gute anlass an
die Hand gegeben / dann Fr. Sophia foderte ihn auff mit dem Fräulein zu tanzen /
welches er sehr wohl verrichtete / nachgehends sie wieder an ihren Ort führete /
und sich / weil Raum gnug da wahr / zu ihr niedersetzete / suchete auch
gelegenheit / auff seine Liebe zukommen / wozu sie selbst ihm gute Anleitung gab
/ indem sie ihn fragete / wie ihm die Paduanischen Fräulein gefielen / welche
ihrer Urtel nach /den Römerinnen in vielen stücken es zuvor tähten; und ob er
seinem Oheim Herrn Skaurus nicht folgen wollte / dem / wie der Ausgang bezeugete
/ kein Römisches Fräulein gut gnug gewesen / und daher seine Liebe bei dem
vortreflichen Fräulein / Frl. Helene nidergelassen hätte / als welcher / müste
sie gestehe /nicht bald eine Römerin an Schönheit uñ höflichen geberden gleich
wäre. Pupienus antwortete ihr: Hochgebornes Fräulein / ich habe mich wegen
meines Oheims Skaurus umb zweierlei hoch zuverwundern; als vor erst um seine
schleunige Erklärung / dz / da er nie der Liebe sich angenomen / er so
geschwinde uñ in eines Tagesfrist sich seine Fräulein ergebe hat. Virginia fiel
ihm in die Rede / und antwortete; Solches währe höchlich an ihm zu loben /
massen ihrer viel etliche Jahr lang mit der Wahl zubrächten / und dannoch unter
tausenden ihnen nicht eine gerecht währe; diese / sagte sie / ist ihnen zu lang;
jene zu kurz; diese zu feist; jene zu mager; diese zu roht / jene zu bleich;
diese zu freundlich / jene zu saur; diese lachet zu viel / jene mutzet zu sehr;
ja es mags leicht ein Härlein an ihr versehen / welches sie der Liebe unwert
machet; aber diese Wahl-Hansen trift doch zu lezt die bahre bezahlung / dass sie
dem Glüke noch darzu danken /wann sich eine über sie erbarmet / und die eheliche
Liebe ihnen nit versaget. Seid aber gebehten / Herr Pupienus / sagte sie / und
lasset mich das andere auch wissen / dessen ihr euch wegen Herr Skaurus so hoch
verwundert. Gar willig mein Fräulein / antwortete er; nur dass ich zuvor ihre
Urtel bestätige / und allen solchen Wählern das zeitliche und ewige Ach und Weh
wünsche. Was ich nun weiter an meinem Oheim in verwunderung zihe / ist noch das
vornehmste / nehmlich die unbegreifliche Glükseligkeit / die in dem heirahten
ihm zugestossen; gestaltsam sein ansuchen so schleunig statt gefunden / dass wie
er des späten Abends umb Liebe anhielt / er des folgenden Tages des Beilagers
gewehret ward. Solches hat sein geträues Herz verdienet / antwortete sie; dann
wie hätte sein Fräulein ehrenhalben anders gekunt / als einem solchen
auffrichtigen Liebhaber sich gerne zu gönnen / deren es in der Welt zu dieser
Zeit sehr wenig gibt; ja sie sind ohnzweifel selzamer als die Feurrohte Schwanen
und grassgrüne Raben. Pupienus liess über solche Reden einen tieffen Seufzer aus /
und sagete: O ihr Götter! wie fähret das Glük auff dieser Welt so gar
wunderlich! Skaurus muss vor einen volkommenen Liebhaber ausgeruffen werden / und
hat seinem Fräulein seine Liebe zu offenbahren kaum Zeit gehabt /ehe er ins
Ehebette getreten ist. Hingegen / wie mannichen vergeblichen gang habe ich
unseliger tuhn müssen / und nicht eins einen gütigen Anblik erhalten können. Ich
weiss nicht / mein Fräulein / warumb dieselbe ihres ergebenen Dieners bisher so
wenig geachtet / oder nur nicht wahrgenommen hat / welcher doch bereit und
willig ist / ihretwegen den Tod mit frölichem Herzen anzutreten. Zwar seine
unwirdigkeit ist ihm wohl bewust / aber wo will dann mein Fräulein noch endlich
denselben antreffen / der sich ihrer wirdig schätzen darf? ich sage noch mehr /
und kann bei meinen ritterlichen ehren dartuhn / dass nie keines Menschen Liebe
mein Herz berühret / ich geschweige / beherschet hat / als deren ich mich
einmal ergeben. Kan nun deren zuneigung von mir durchaus nicht gewonnen werden
/ so will und muss ich auch zufrieden sein; nur ist auff solchen Fall mein einiger
Wunsch /dass sie mir eine schleunige Urtel sprechen wolle /damit ich wisse / ob
hinfüro das Leben oder der Tod mich beherschen soll. Erhöret solches / bitte ich
/ mein Fräulein / und gebet nicht zu / dass ein Knecht deswegen sterben muss / dass
er seinem Herrn gar zu träulich gedienet hat. Hiemit schwieg er / und sah sie
inniglich an / dass sie seine Stralen nicht ertragen kunte /daher sie anfangs zu
ihm sagete: Ich bitte euch / Herr Pupienus / mässiget euch in anschauung meines
blöden Angesichts / damit die Anwesenden nicht gereizet werden / nur allein nach
uns umzusehen. Eure beschwerung betreffend / weis ich solche nicht zubeantworten
/ weil dieselbe mir Bömische Dörffer sind / und mir dieses Fräulein ganz
unbekant ist /deren unbarmherzigkeit ihr so heftig anklaget. Solte ich aber
meine Meinung anzuzeigen Freiheit haben /halte ich davor / Frl. Perilla suche
ihre billiche Rache / als deren Liebe ihr so gar verschmähet / dass sie den Tod
drüber leiden müssen. Dafern nun dem also ist /ei so lasset euch dieses nicht
befremde / dass es euch zu Hause gebracht wird; seid aber nicht so einfältig /wie
dieses gute Fräulein / sondern gebrauchet euch guter Freunde. Sehet da / ich will
mich gerne bemühen / euren Schaz zubereden / dass sie fortin nicht so stränge
mit euch verfahren / noch Frl. Perille Tod råchen soll. Der gute Pupienus meinte
nicht anders / als sein Herz müste ihm wegen solcher Rede zuspringen /lies
etliche tieffe Seuffzer / und sagete: O so sei es dem Himmel geklaget / dass
wegen meiner auffrichtigen Träue ich heut muss gerechtfertiget werden. Gläubet
mir doch / mein Fräulein / dass kein Ding in der Welt meine Liebe zu Perillen
gehindert hat / als dass mein Herz ich schon einer andern geschenket / und
darüber durchaus nichts mehr zubefehlen hatte / so gar / dass wann 100000
Perillen gewesen währen /und hätten mich in 1000000 Stücke zerleget / würde doch
ihrer keine ein Sonnen Stäublein davon zu ihrer Liebe erhalten haben / nachdem
ich mit Leib und Seel einem Fräulein ergeben bin / die ich ungleich höher /als
hundert tausend Perillen schätze; ja bei der ich viellieber Tod als bei jener
lebendig zu sein begehre. So verzeihet mir nun / mein Fräulein / dass ich der
Perillen / wann sie neigung zu mir sollte getragen haben /nicht gehorsamen / noch
ein gleiches darbieten können / weil einer viel grösseren Gewalt ich mich schon
unterworffen hatte / und derselben zuwiederstehen /viel zu schwach und
unvermögen wahr / die ich dannoch lieber / als einiges in der Welt über mich
genommen / welches mich dann nit gereuen soll / ob ich gleich gar darunter
ersticken müste. Ich weis dieses nicht zubeantworten / sagte Virginia / weil
solches /dermassen bei euch gültige Fräulein mir gar unbekant ist / ich auch von
solcher begebenheit allerdinge unberichtet bin / wie mir dann nicht geziemet
nach der verliebeten Zustande zu forschen / und daher nicht weis / ob dieses
Fräulein euch trost und vergnügung ab- oder zugesaget habe. Pupienus / auff
Sibyllen Rede sich steurend / wollte nicht länger unterm Hütlein spielen / und
fuhr also fort: Hochwertes Fräulein; ich ihr geträuester Diener bitte von grund
meiner Seele / sie wolle doch dereins die auffrichtigkeit ihres ganz ergebenen
Pupienus erkennen / welche er zu ihrer vortrefligkeit bisher ohn einiges wanken
getragen. Und warumb verstellet sie mir ihre wissenschaft so gar / als ob sie
davon biss an diese Stunde keine nachricht hätte? gläubet doch / auserwählete
Seele /dass sie / ja allein sie / in mein Herz geheftet ist /deren
allergeringstes Häärlein der jezgedachten Perillen kein einiges stellichen hat
einräumen können oder wollen / obs gleich ohn ihrer Liebe bewust oder
einwilligung sollte geschehen sein. O viel zu ein stumpfer Stachel ist Perilla /
dass derselbe den teuren und werten Nahmen Virginia aus meiner Seele kratzen
sollte. Ist es nun möglich / auserwähltes Fräulein / dass mit ihrem guten Willen
dieser süsse Nahme in meinem herzen wohnen kann / ei so erfreuet und vergnüget
doch endlich euren ergebenen Diener mit so angenehmer Zeittung. Wo nicht / so
lasset ihn doch auffs wenigste eure unüberwindliche ungewogenheit anhören /auff
dass er daraus das Werkzeug hervor suche / welches den gar zu grossen Frevel
abstraffe / der mein Herz so verwägen gemacht hat / sich zur Wohnung deren
zubereiten / die nach ihrer wirdigkeit zuurteilen / viel ein wirdigers verdienet
uñ heischet. Scheuhet euch nur nicht / mich alsdann die Urtel hören zulassen /
die ich weder vor unrecht erkennen / noch ihr mich entzihen will. Als er diese
Rede geendiget / und das Fräulein sich in ihrem Herzen schon erkläret hatte /wie
sie diese Werbung beantworten wollte / kam Sibylla darzu / und fragete / was
ihres langweiligen /ihrem bedünken nach / schwermühtigen Gesprächs Inhalt doch
währe. Worauff das Fräulein zur Antwort gab: Herzgeliebete Fr. Schwester; du
weist / wie vertraulich wir von Kindesbeinen auff miteinander umbgange sind /
und ich nichts unter meinem Herzen haben können / dass dir hätte müssen
verschwiegen bleiben; warumb sollte ich dann einiges Gespräch mit diesem oder
jenem halten / davon ich dich ausschliessen könnte? viel weniger werde ich unser
leichten beredung / in welchem nur kurzweilige Auffzüge entalten sind / das
allergeringste verbergen? und weil dich gelüstet es zu wissen / so hat Herr
Pupienus dein Oheim mich anjezt mit einem Römischen Herrn geschossen / da ich
ihm dann mit etwa einem Paduanischen Fräulein wieder zutreffen / mich
unterstehen will; wusste es aber nicht gewünschter auszuführen /als wann du mir
dieselbe zeigen woltest / mit welcher seine Liebe diese Zeit über / die
langeweile hingebracht hat; und wird ja dieselbe ohn allen zweifel hieselbst
ihm zugefallen eingeladen und erschienen sein / ob er gleich umb verdacht zu
meiden / sich ihr nicht nahen will. Die unbetriegliche Sibylla hielt dieses vor
wahr / und schickete sich schon / ihren Oheim zuentschuldigen / ward aber von
Fr. Sophien abgefodert / nach ihrer Fr. Mutter zukommen / die auff der Steige
ohngefehr einen Fuss verrenket hatte / welcher ihr doch bald wieder eingerichtet
ward / wiewol sie noch grosse schmerzen daran empfand. So wollte nun Virginia dem
hülfbegierigen Pupienus den Trost länger nicht versagen / uñ gab ihm diese
Antwort: Mein Herr / sagte sie / ich schätze mich unwirdig der Ehren / die in
seiner / wie ich hoffe / ehrliebenden Anwerbung er mir zugeleget / bin auch zu
diesem unverantwortlichen Stolze von meinen lieben Eltern nicht angewiesen / dass
ich hohen Römischen Herrn ohn einrede / sich vor meine Diener anzugeben / gönnen
oder zulassen sollte. Eurer Liebe hoher Adel und beschriehene Tugend ist mir ja
nicht unbekant / und dass er in beiden / keinem Römer bevor gibt; so vernehme ich
nun meines Herrn begehren an mich / wie auch sein getahnes erbieten / zu aller
auffrichtigen geträuen Liebe / welchem mit hochmühtigem Undank zubegegnen ich
keine Ursach habe / viel weniger dass ich mich unterstehen sollte / ihm eine oder
andere eingeführete Urtel zusprechen / nachdemmahl ich über ihn nicht zugebieten
habe. Hat nun die gute Perilla meinetwegen / wie ich anjezt vernehme / umbsonst
lieben / und dass mehr ist / sterben müssen / ist mir zwar von herzen leid /
jedoch eurer Liebe zuvergelten / dass sie mich unwirdige allen anderen vorzeuhet
/ achte ich mich schuldig / und gebe demnach eurer Liebe volkommene Gewalt / mit
meinen lieben Eltern deswegen zu handeln / was vor mein Häupt ich biss an
derselben einwilligung annehme / unter der gebührlichen Danksagung / dass eure
Liebe mich vor andere hat zu seinem künftigen Gemahl wählen und erkiesen wollen;
gelebe auch der Hoffnung / dieselbe werde hinfort sich über meine härtigkeit
zubeklagen auffhören / auch ein weiteres an mich nicht begehren / inbetrachtung
/ dass ich ein Fräulein / und dem Willen und Geboht meiner lieben Eltern
unterworffen bin. O wie eine unversehene Freude entstund hiedurch in dem Herzen
dieses Verliebeten. Er hätte ihr gerne die Hände zur Dankbarkeit geküsset / aber
wegen der Anwesenden musste er einhalten / entschuldigte sich demnach bei ihr /
dass ihm die Gelegenheit benommen währe / sein dankbahres und mit freuden
angefülletes Herz sehen zu lassen; versprach ihr auffs neue alle auffrichtige
Liebe biss an sein Ende / und brachte ihr unvermerket ein Ringelein an ihren
Finger / welchen zubehalten sie sich doch wegerte / mit höflicher Zucht
einwendend / sie hätte fast schon über Jungfräuliche Gebühr sich heraus gelassen
/ und müste ihre Beruffung auf ihre Eltern nur ein lehrer Schein sein / wann sie
durch Ringe-nehmen sich ihm ganz verpflichtet machete; will aber mein Herr sein
Vorhaben beschleunigen / sagte sie / kann er leicht Gelegenheit finden /meinen
Herr Vater deswegen anzureden / dessen Erklärung mich diesen Ring entweder
zunehmen oder auszuschlagen heissen wird. Der gute Pupienus baht seiner
Unbedachtsamkeit Verzeihung / wollte in so gutem Anfange keine Zeit verspillen /
und suchete Gelegenheit / mit Herrn Aquilius zureden. Sein guter vertraueter
Freund Skaurus wusste sein anliegen sehr wohl / und trug Mitleiden mit ihm / weil
er sich befürchtete / es möchte endlich seine gar zu heftige Liebes-Einbildung
zur Vernunft-losen Raserei ausschlagen; welchem übel vorzubauen er gleich diese
Stunde ihm vorgenommen hatte / wo möglich / die Heirat bei der Fräulein Eltern
zubefodern / redete damnach mit Herr Aquilius auff diese weise: Es fünde ein
vornehmer tapfferer Römischer Herr / sehr hohes Adels und grosser Güter / sich
gegen seine Frl. Tochter in allen Ehren auffs heftigste verliebet / so gar /
dass /wo ihm diese Heirat nicht gelingen würde / derselbe in Lebensgefahr stünde
/ wollte demnach vor sein Häupt Herrn Aquilius hiemit freund und gebührlich
ersucht haben / dass wann derselbe verliebete sich bei ihm angäbe / er ihm
gewierige Antwort wiederfahren lassen möchte / dañ er wollte hieselbst seine Ehre
und Redligkeit verbürgen / dass derselbe solcher Gunst und Heirat wirdig währe.
Nun wahr zu Rom ein vornehmer junger Herr / Nahmens Kajus Julius Silanus /dem
Aquilius über die masse gewogen wahr / uñ ihn gerne zum Tochter-Mann gehabt
hätte / und weil derselbe mit Skaurus zimlich nahe befreundet / stund dieser
ganz in den Gedanken er redete von niemand anders / als von diesem; daher er
Skaurus diese Antwort gab: Mein Herr und wahrer Freund / weil ich keines weges
zweifele / er suche nicht weniger meines lieben Kindes / als seines guten
Freundes beste / so will ich ihm hiemit die Verheissung getahn haben / dass wann
derselbe / wer es auch sein mag / sich gebührlich melden wird / ich mich
dergestalt heraus lassen werde / dass er damit wird können friedlich sein. Gingen
hierauff von einander / und wahr Skaurus bedacht /seinem lieben Freunde Pupienus
folgenden Morgens die angenehme Zeitung vorzutragen. Derselbe nun geriet bald
darauff an Herrn Aquilius / und gab ihm mit ehrerbietigen Worten zu vernehmen /
was gestalt seine Seele sich in seine herzgeliebete einzige Frl. Tochter
ehrengebührlich verliebet hätte / und sein höchster Wunsch / ja alle seine
Glükseligkeit auff dieser Heirat bestünde / bähte demnach / er wolle ihn
wirdigen / vor einen SchwiegerSohn anzunehmen /des wollte er hinwiederumb sich in
allem möglichen Gehorsam finden lassen. Herr Aquilius entsetzete sich der ganz
unvermuhtlichen Anwerbung / und ob ihm gleich der eingebildete Silanus sehr
angenehm wahr /schätzete er doch Pupienus (wie ers auch war) viel höher / so dass
ihn der Zusage schon gereuete / welche er Skaurus getahn hatte / und als er so
schleunig sich nicht zubesinnen wusste / gab er ihm zur Antwort / er möchte von
Herzen wünschen / dass vor einer halben Stunde er diesen seinen Vorsaz gewust
hätte / damit er ihn deswegen gebührlich hätte können befriedigen /welches
nunmehr schwerlich würde geschehen können nachdem gleich jetzo Herr Skaurus vor
einen andern Anwerbung getahn / und das Jawort von ihm erhalten hätte. Dieser
meinte solcher Antwort wegen / teils vor betrübniss / teils vor Eifer in die
Erde zusinken /nam ihm auch vor / sich an Skaurus zuräche / oder darüber
zusterben; welches bald ins Werk zurichten /er den jungen Fabius ersuchete /
seine / wegen mit Skaurus zureden / und ihm anzumelden / dass weil er ihm durch
vorsezliche Ab penstigung dessen / das ihm am liebsten in der Welt währe / gar
zu grob beleidiget hätte / müste er solches alsbald durch einen Kampff auff Leib
und Leben mit ihm austrage. Fabius hörete solches ungerne / und baht / ihm der
Sachen etwas bessern Bericht mitzuteilen; kunte aber ein mehres nicht aus ihm
kriegen / als dass Skaurus es am besten würde anzeigen können; ging auch hiemit
gleich hin zu dem Fräulein / und sagete: Mein allerteurester Lebens- und
SeelenSchaz; nachdem das neidische Glük gleich diese Stunde durch Getrieb eines
falschen Freundes mich aller Hoffnung / sie von ihren Eltern zuerlangen /
entsetzet hat / so will durch Auffopfferung meines Blutes ich ein unfehlbahres
Zeichen meiner unbrüchigen redlichen Träue hinter mir verlassen / welches
entweder durch des Verrähters / oder durch mein einiges Schwert muss verrichtet
werden /und quälet dieses meine Seele am allerheftigsten /dass nach meinem Tode
ein ander eingeschlichener dessen geniessen soll / wessen er nicht wirdig ist.
Das Fräulein entsetzete sich dieser Rede / erhohlete sich doch so best sie kunte
/ und gab ihm zur Antwort: Mein Herr; er überschnelle sich nit / sondern stelle
seine Geister in Ruhe / und versichere sich / dass meine ihm getahne Zusage ich
so fest halte / als währe die Heirat schon volzogen; dafern er mich auch wissen
lassen kann / was es eigentlich ist / dass ihn solcher gestalt verwirret / werde
ich mich bemühen / sein ungenehmes zuhintertreiben. Ach mein Fräulein /
antwortete er / wie kann ich immermehr dieses erbieten und ihre Redligkeit
vergelten / deren ich nicht wirdig bin? Zeigete ihr hierauff ihres Vaters Rede
an / worüber sie sich dergestalt bewägete / dass sie sich nicht entalten kunte
also zuantworten. Ich hoffe ja nicht /dass mein Vater durch ZauberKunst
eingenommen sei / mich / bloss auff Skaurus ansuchen / wider meinen Willen
zuversprechen. Seid ihr aber getrost mein Herr / und zugleich versichert / dass
ich eurer geträuen Liebe die schuldige Vergeltung leisten will / sollte gleich
mein Herr Vater zu einem andern Vornehmen /welches ich doch schwerlich gläuben
kann / verleitet sein / dann ich verlasse mich in diesem Stük auff meiner
gnädigsten Frauen Fr. Mameen Hulde / welche an mir keinen Zwang wird verüben
lassen / wann gleich 20 Skaurussen darhinter stecketen. Werdet ihr mir nun
versprechen / ruhig zusein und vor meiner Wiederkunft nichts tähtliches
vorzunehmen / will ich gleich hingehen / und meines Vaters Vorhaben eigentlich
ausforschen. Der junge Fabius wollte die Ausfoderung an Skaurus so bald nicht
gelange lassen / ging aber doch zu ihm / und suchte Gelegenheit nachzufragen /
ob er mit Herr Pupienus in Unwillen gerahten währe / wie man ihm solches gleich
jezt hätte wollen einbilden. Welches er mit einem lachen beantwortete: Ihre
Freundschaft währe fester gegründet / als dass sie könnte getrennet werden. Wie
aber / sagte Fabius /wann etwa LügenMäuler euch suchten aneinander zuhetzen? Die
müsten drüber zu schanden werden / antwortete er. Wol wohl / mein Bruder / sagte
Fabius / so vernehme ich schon / dass er an aller Beleidigung seines Freundes
unschuldig ist / die ihm etwa mag eingebildet sein / und bitte sehr / er wollte
sich nichts irren lassen / ob Herr Pupienus aus Unwissenheit einige Zorn würde
merken lassen. Skaurus erschrak dessen /und baht ihn / sich nach Gewissheit
zubemühen /damit allerhand Ungelegenheit vermieden würde. Als das Fräulein ihrem
Vater durch ihre Leibdienerin sagen liess / sie hätte nohtwendig mit ihm zureden
/kam er alsbald zu ihr in ein NebenGemach / dahin sie Fürstin Sibyllen mit sich
geführet hatte / und trug dem Vater ohn alle furchtsame Bezeigung dieses vor:
Geliebter Herr und Vater / ob ich gleich schuldig bin /euch allen kindlichen
Gehorsam zuerzeigen / so will euch doch nicht geziemen / meine Wolfahrt und
Freiheit in Skaurus Hände zustellen / worzu ich denselben viel zu wenig schätze;
sollte euch aber einige Neigung darzu verleittet haben / so beruffe ich mich auff
meine gnädigste Frau Mutter / Fr. Mammeen; welche meine freiheit gebührlich
schützen und handhaben wird. Der Vater hätte sie gerne mit harten Worten
angegriffen /aber der Käyserlichen Frau Mutter Gewalt und bekanter harte Zorn
schreckete ihn abe / dass er sich eines andern bedachte / und ihr zur Antwort
gab: Mein Kind / was ich getahn habe / ist zu deinem besten geschehen / kanstu
nun solches nicht erkennen / und wilt dich meiner väterlichen Gewalt entzihen /
muss ichs dahin lassen gestellet sein / wiewol ich ein solches umb dich nicht
verschuldet habe. Herzlieber Herr und Vater / antwortete sie; ich unterwerffe
mich euremGehorsam / in aller Mögligkeit / aber dem stolzen Skaurus meine
freiheit zuübergebe / ist mir ungleich beschwerlicher als der Tod. Ich bitte
aber kindlich /mir zuoffenbahren / was vor einen Gemahl mir derselbe zugedacht
habe. Hier stutzete ihr Vater / und antwortete: Die reine Warheit zusagen / hat
er mir denselben nicht genennet / jedoch mir denselben also beschrieben / dz ich
gänzlich muhtmasse / er habe alles sein absehen auf den jungen Herrn Silanus.
Das Fräulein stund und sah Sibyllen starre an / welche gleich muhtmassete / sie
würde mit Pupienus ihres Dinges schon eins worden sein; mischete sich deswegen
mit in ihr Gespräch / und sagte zu Aquilius: Mein Herr Vetter / es ist zumahl
kühn gehandelt (verzeihet mir diese meine Kühnheit) eine Tochter / ja seine
eigene wolgerahtene zuversprechen / ehe der Freier genennet wird. Das Fräulein
fing hierauff an zuweinen / und sagte:Mein Herr Vater / seid ihr meiner dann so
müde und überdrüssig / so hättet ihr michs billich wissen lassen / als dann
wollte ich diese Reise wohl gesparet haben. Ey was könnte es schaden / sagte
Sibylla / wann ich mich mit einmengete / und meinen Oheim Skaurus darzu hielte /
mir den Freier zunennen / und seiner empfangenen Volmacht sich zubegeben. Es
stehet dir solches frei Herzen Fr. Schwester / sagte das Fräulein / und das
erste zu Skaurus gefallen / das andere soll ihm schon abgezwungen werden. Sibylla
wollte nicht seumen / ging hin zubaht / und jenen also anredete:Mein Herr Oheim /
ihr habt (zweifels ohn aus Unwissenheit) ein schlimmes und gefährliches Unglück
gestifftet / welches doch in eurer Macht stehet / wieder gut zumachen. Dieser
erblassete hierüber / nebest hochbeteureter Entschuldigung / dass ihm solches
allerdinge unbewust währe / wo es ihm wohl nicht gar zur ungebühr auffgeleget
würde / und seine Fr. Wase mit Unwarheit hintergangen währe. Habt ihr nicht
/mein Oheim / fragete sie / dem jungen Silanus meine Frl. Schwester / Frl.
Virginien zufreien wollen / an welcher eures Freundes Pupienus Seele und Leben
hanget / wie euch gar wohl bewust ist? Der müste mir ein hartes Recht stehen /
antwortete er / der mir dessen wollte zeihen / massen ich glelch diese Stunde
bemühet gewesen bin / eben dieses Fräulein meinem besten Freunde und Bruder
Pupienus zuerhalten / wiewol ich seinen Nahmen noch nicht genennet / und dannoch
von ihrem Herr Vater schon so viel Zusage habe / dass ichs heut oder morgen hoffe
zum gewünschten Ende auszuführen / sollte ich mich auch meiner gnädigsten Frauen
/ Fr. Mammeen Beistandes gebrauchen. Sibylla umfing ihn mit einem Kusse /und
sagte: O ihr redlicher Freund / wie hält man euch in so schlimmen Verdacht /
welcher gar leicht zur Blutstürzung ausschlagen sollte. Ja mein Bruder /sagte
Fabius / es hat sich Pupienus schon erkläret / du müssest ihm / oder er dir den
Tod antuhn / und zwar aus diesem Verdacht. Ich währe auch eines schändlichen
Todes wert / sagte Skaurus / wann ich so schelmisch gehandelt hätte; mein Bruder
aber wolle hingehen / ihm den Argwohn zubenehmen / ich werde inzwischen nicht
seumen / ihn zubefriedigen. Machte sich mit Sibyllen alsbald hin zu Aquilius /
da die Tochter noch bei ihm wahr / und fing also an: Mein Herr / er wollte sich /
bitte ich / meiner heutigen Anwerbung erinnern / in dem ich einem vornehmen
Herrn und redlichen Freunde zum besten / umb das hochgebohrne / und mit allen
Tugenden begabte Fräulein / Frl. Virginien / inständig angehalten. Hieselbst
wollte ihn das Fräulein in die Rede fallen / aber Sibylla hielt sie davon mit
Hand und Mund ab / welches Skaurus zwar merkete / aber sich nichts dran kehrete
/sondern also fort fuhr: Nun hat zwar mein Herr Vetter mir grosse Macht und
Freiheit zugestellet / in solcher Heirahtsache nach willen zuverfahren / weil
ich aber dessen mich nicht habe auch noch zur Zeit meinen Freund nicht
nahmhaftig gemacht / welches ich aber nunmehr verrichten / und meinen Herrn
versichern werde / dz ich keines andern Menschen / als meines herzlieben
Freundes und Bruders / Herrn Pupienus sein Wort geredet habe / da ich dann nicht
ruhen werde / ich habe dann zuvor solches mein vorhaben auffgute und gewisse
Wege gerichtet / und bin willens gleichstehendes fusses hinzugehen / und meine
gnägigste Fr. Mammea untertähnigst zuersuchen / dass sie meiner Frl.Wasen guten
willen zu dieser wolgemeineten Heirat erwerben helffe. Durch diese Rede ward
das Fräulein so voller Scham / dass ihr die Sprache stehen blieb / und Sibylla
sie also aufffrischete: Geliebte Frl. Schwester / es ist kein Mensch alhie
zugegen / vor welchen du dich zuschämen Ursach habest /deswegen erkläre dich ohn
scheuh. Der Vater fing darauff also an: HerrSkaurus / ich hatte mir auff einen
andern Freier gedanken gemacht / daher ich Herrn Pupienus / der gleich nach
eurem abscheide umb eben dieses bei mir angehalten / abschlägige Antwort
erteilet / unter diesem vorwenden / dass Herr Skaurus vor einen andern das Jawort
gleich diese Stunde erhalten hätte. Es muss dem redlichen Pupienus dieser Wahn
benommen werden / sagte Skaurus / und bitte sehr /meine Frl. Wase wolle
denselben ihr zu aller ehrliebenden Gewogenheit lassen anbefohlen sein. Diese
hatte sich nunmehr erhohlet / und allen unwillen gegen Skaurus fallen lassen /
gab ihm auch diese Antwort: Ich kann euch nicht verübeln / mein Oheim / dass ihr
euch eures guten Freundes annehmet / und bedanke mich zugleich / dass ihr mich so
wohl zuversorgen bedacht seid; weil es mir aber nicht zustehet / einen Ehegemahl
zuwählen / sondern mein Herr Vater gewalt über mir hat / wird derselbe sich
erklären / und mir befehlen was ich hierin tuhn oder lassen soll. Mein liebes
Kind / antwortete Aquilius; wiltu meinem Willen folge leisten / so gönne ich
dich niemand lieber als Herrn Pupienus zum Gemahl. Ich gelebe meines Gn. Herrn
Vaters Willen / antwortete sie / und wann mein Oheim Herr Skaurus / seinem
versprechen nach / meiner gnädigsten Fr. Mutter / Fr. Mammeen einwilligung
erhalten wird / wird nichts übrig sein / als dass man vernehme / ob Herr Pupienus
auch guten Willen zu mir trage; welches lezte sie mit einem Schmuzerlachen
vorbrachte. Nun hatte Pupienus ohngefehr gesehen / dass Skaurus zu Aquilius in
das Nebengemach gangen wahr / meinte nicht anders / als dass er würde bemühet
sein seine Liebe zuhintertreiben; welches ihn als halb-wütig auffmahnete / sich
auch dahin zuverfügen / öffnete die Tühr / und trat mit einer solchen bleichen
Zornfarbe hinein / dass sie ingesamt leicht urteileten / er würde mit einem
schlimmen Vorsatze kommen / insonderheit / weil er die Hand schon an das
Seitengewehr gelegt hatte / und das Fräulein meinte / jezt würde er auff
Skaurus einstürmen / wie dann ungezweifelt geschehen währe / wann sie / durch
furcht getrieben / nicht also angefangen hätte: Herr Pupienus / versündiget euch
nicht an euren allerbesten und geträuesten Freund Herrn Skaurus / ihr und mein
Herr Vater seid durch einen blossen oder vielmehr stummen Irtuhm betrogen / und
hat Herr Skaurus niemande anders als bloss allein euch das Wort geredet /zu
erlangung meiner Heirat. Ja mein Bruder / sagte Skaurus zu ihm; hätte ich bei
dir gehandelt / wie deine einbildung ist / alsdann währe ich nicht deines
/sondern des Henkers Schwerts wirdig / ich hätte aber gehoffet / du würdest
deinem Freunde ein bessers zugetrauet haben. Habe ich geirret / antwortete
Pupienus / so verzeihe mir mein Bruder / und fodere von mir abtrag biss an mein
Blut; ihr aber Herr Aquilius / seid gebehten und lasset euch diese meine Liebe
nicht zuwieder sein / welche mich eurer Frl. Tochter so gar eigen gemacht hat /
dass ohn sie / ich ohn allen zweifel verderben muss. Ich bedanke mich gegen euch
mein Oheim / antwortete er / dass ihr mein liebes Kind zu ehren euch erwählet
habt / und damit ihr wissen möget / wie ich darzu gewilliget sei / so übergebe
ich euch alles Recht / das ich an meiner Tochter habe /und zur ersten aussteuer
ihrer Seel. Frau Mutter ganze verlassenschaft. Da wahr nun allentalben grosse
freude / welche niemand besser / als das Fräulein zu unterdrücken wusste; welche
also anfing: Ich erkenne mich schuldig / meinem Herr Vater zugehorsamen /halte
aber allerdinge nöhtig sein / dass Herr Skaurus bei meiner Gn. Fr. Mutter Fr.
Mammeen umb mich anwerbung tuhe / und zwar unter dem schein / als wann dessen
zwischen uns nichts vorgangen währe /damit wir in ihrer guten Gnade verbleiben
mögen. Sie hielten solches alle vor gut / ward auch alsbald ins werk gerichtet /
und bekam zur gnädigen Antwort /sie währe selbst schon etliche Zeit her auff
diese Heirat bedacht gewesen / nur dass sie Pupienus Willen nicht gewust hätte.
Fürstin Sibylla ging mit dem Fräulein wieder hin nach ihrer Gesellschaft / und
fragete sie / was vor eine gute Luft sie angewähet / dass sie dem guten Pupienus
sich so bald ergeben. Worauff sie antwortete: Es ist sehr gut mit dir Fr.
Schwester; aber meinestu / dass ich nicht rieche / wie dein Blasebalg einen so
heftigen Geist in Herr Pupienus gebracht /dass er seine Meinung mir so gar ohn
allen umschweiff hat vortragen dürfen / und hätte ich mich ja billich vor dir
hüten sollen / inbetrachtung / dass die neulich verheirahtete / ihren
vertrauesten Schwestern den allerlieblichsten Jungfernstand allemahl missgönnen.
Ey wie unrecht bistu daran / sagte sie: Gute Freunde gönnen einander so viel
gutes als ihnen selbst / welches mich auch bewäget hat / deine Wolfahrt
zubefodern /deren dich ob Gott will nimmermehr gereuen wird; dass verleihe mir der
Himmel / antwortete sie / aber schaue dort / bitte ich / wie eine ernstliche
Unterredung Herr Skaurus mit der Käyserlichen / Fr. Mutter hält / welche / wie
ich weis ihm vor weniger Zeit etwas ungnädig worden ist / hoffe doch er werde
durch diese Anwerbung wieder Gnade erlangen; zwar ich danke den Göttern dass in
ihrer steten Gewogenheit ich geblieben bin / aber ich habe nicht anders gelebet
/ als ein Mensch über dessen Häupt ein Schwert an einem dünnen Häärlein hanget /
weil ihre Gnade sehr unbeständig / und ihr Zorn schier unversöhnlich ist; und
kann man in ihrer Gnade nicht besser bleiben /als wann man sie oft beschenket /
und selten sihet. Es stund nicht lange an / dass Skaurus wieder nach dem
Nebengemache ging / und das Fräulein dahin fahren liss / woselbst ihr Vater und
Pupienus annoch bei einander wahren / und einen festen Grund zur unbewäglichen
Freundschaft legeten. So bald das Fräulein mit Sibyllen sich einstellete / trug
Skaurus der Käyserlichen Mutter einwilligung vor / und liess ihre Frl. Tochter
vermahnen / sich ihrem Willen nicht zuwiedersetzen; welche aus Ehrerbietigkeit
hin zu ihr ging /und ihr untertähnigst vor ihre hohe Mutterliche Vorsorge
dankete / auch von ihr einen köstlichen Ring empfing / welchen sie ihrem
Bräutigam schenken sollte. Sie machte sich bald wieder hin nach dem Nebengemache
/ da die Glükwünschung von den wenigen Anwesenden verrichtet ward / und baht
Sibylla umb volmacht / das Beilager zubestimmen / nach deren erhaltung sie den
verliebeten aufflegete / dass nähst folgenden Tages damit fortzufahren; wo gegen
das Fräulein sich heftig sträubete; ihr Vater aber erklärete sich / sie möchten
sich deswegen untereinander selbst vergleichen; ging mit Skaurus und Sibyllen
davon / und liess sie beide beieinander / da dann Pupienus bei seinem geliebeten
Fräulein sich so zutähtig machete / auch mit allerhand köstlichen verheissungen
anhielt / dass sie endlich in die bestimmete Zeit einwilligte / und ward das
übrige dieses Tages in aller zulässigen Lust verzehret. Des folgenden Morgens
kam der ädle Römer M. Zelius Balbinus an /vernam mit freuden / dass sein
brüderlicher Freund Pupienus den Zweg seiner mühseligen Liebe erlanget / und
diesen Abend das Beilager angesetzet währe /machte sich zu ihm / und nach
abgelegter Glükwünschung hielt er bei ihm an / seinen Herr Bruder den Römischen
Bürgemeister zuerbitten / dass in dieser hochansehnlichen Gesellschaft ihm mit
seiner schon versprochenen Kordula ein gleiches begegnen möchte. Der junge
Pupienus durffte seinem Bruder dieses nicht vortragen / weil wegen seines
frühzeitigen Beilagers er etliche stachelreden hatte fliegen lassen / machete
sich deswegen an Sibyllen / und gab ihr den Einraht / GrosFürst Herkules
zubewägen / dass er solches nach seinem Wolvermögen zu werk richten möchte.
Welcher dann diesem Römischen Herrn solchen Dienst gerne leisten wollte / wie er
auch von dem Bürgemeister nicht allein dessen herzlich gewehret ward / sondern
derselbe sich überdas bedankete / dass er seiner Tochter eingedencke sein / und
auff so HochFürstlichem HochzeitFeste deren Beilager befodern wollen. Es hatte
des vorigen Abends ein junger frischer Aedelman von Mantua / Namens K. Perpeña
/bei Frl. Zezilien sich mit Liebe angetragen / und durch Fr. Euphrosynen es
fleissig getrieben / wozu er nicht allein durch ihre gute Gestalt bewogen ward
/sondern weil er sah / dass Herkules und die GrossFürstin sich so freundlich
gegen sie bezeigeten / so gar /dass sie auch deswegen von den vornehmen Römischen
Fräulein geneidet ward; dann Valiska hatte sie nicht allein ihrem Gemahl zum
Tanze zugeführet /sondern auch in des Frauenzimmers Gegenwart / nach beschehener
Danksagung / dass sie ihrem Herkules so hohe freundschaft zeit seines Elendes
erwiesen / ihr sehr köstliche Kleinot eingereichet. Jedoch bekam dieser Buhler
nicht die gewünschete Erklärung von ihr / sondern ward hiemit abgespeiset: Ihr
wollte nicht gebühren / dergleichen Teidungen anzutreten; Ihr Herr Vater würde
schon bei sich beschliessen / welchen vor einen Eidam anzunehmen er beliebung
trüge / unter dessen Macht und Willen sie noch allemahl sich gehalten hätte.
Perpenna ward dieser Antwort sehr betrübet / dass er kaum die Macht bei sich
befand bei ihr seines ungenehmen ansuchens wegen umb Verzeihung anzuhalten /
klagete seiner Schwester /Jungfer Rosinen sein Unglück / und baht / ihm mit
geträuem Raht beizuspringe; welche ihn hiess gutes muhts sein / machte samt
Euphrosynen sich alsbald nach Fr. Sophien / und hielt demühtig an / bei der
GrossFürstin es dahin zurichten / dass Ihre Durchl. ihrem Bruder das Fräulein
gewogen machen wollte. Perpenna war sehr hohes Adels von ansehnlicher
Freundschaft / dem Fr. Sophia gerne einen Dienst leisten wollte / nam es willig
auff sich / und neben der GrossFürstin legete sie es mit Herkules an / dass Zinna
sich gerne finden liess / und diese also das dritte Par macheten / welche diesen
Abend sollte Beilager halten.
    Der rasende Prokulus hielt sich in einer Herberge heimlich auff / und lies
bei Käyserl. Hocheit durch Skaurus umb allergnädigstes gehör anhalten /
erlangete sein begehren / und gab dem Käyser untertänigst zu verstehen / Er
währe von einem und andern Ritter unverschuldet sehr hart beleidiget / welches
in ansehung seines Ritterstandes er nicht verschmerzen könnte /baht umb
allergnädigste erlaubung / sich nach Ritters Brauch zu rächen / und seine Ehre
zu handhaben. Der Käyser wahr ihm alsobald zuwillen / sonder einige nachfrage /
mit wem ers zutuhn hätte / und stellete ihm frei / sich Ritterlich
zuverantworten; wovor er gebührlich dankete / und nach seiner Herberge sich
verfügete. Fürstin Sibylla sah ihn von dem Käyser hinweg gehen / und nam sie
wunder / was dieser Mensch hieselbst suchen möchte / ging hin zu Fürstin
Lukrezien / und sagte zu ihr; HerzenKind / ich habe gleich jezt deinen alten
Schatz gesehen / und tuht mir leid / dass ich ihn dir nicht zeigen können. Was
vor einen Schaz / mein Herzchen / antwortete sie; ich wüste mich ja keines
zuersinnen / wann es nicht dein Schatz Prokulus währe? Ja dein Schatz sagte
Sibylla /du hast es in warheit errahten; aber was mag er bei Käyserl. Hocheit zu
verrichten haben? Er ging neben mir hin / und als ich mich zur neigung an die
seite stellete / trat er vorüber / als hätte er mich nicht gesehen. Er hat auch
weinig Ursach / dich zu grüssen /sagte Lukrezia / nachdem du ihm so einen
ungebodenten Korb gegeben / dessen er vielleicht bei dem Käyser sich wird
beklaget haben. Also trieben diese ihren Schertz / und hätten den Handel schier
errahten sollen. Vber eine gute halbe stunde / da der Käyser mit der Fürstlichen
Gesellschaft im grossen Saal freundliche Unterredung hielt / liess sich ein Ritter
bei Baldrich und Siegward angeben / er hätte wegen eines Römischen Herren mit
ihnen zu reden; worauff sie antworteten / dafern es nicht heimliche Sachen
währen /möchte er sichs gefallen lassen / zu ihnen auff den Saal zu kommen.
Dieser wahr darzu willig / grüssete alle anwesende gebührlich / und überreichete
beiden Fürsten / jedem ein Schreiben gleiches Inhalts:
    Nachdem du Baldrich aus Teutschland (Siegward aus Schweden) wider Recht und
Billigkeit mich höchlich beleidiget und beschimpffet / und mein geliebtes
Fräulein Lukrezien Pompejin (Sibyllen Fabiin) mir und meiner herzinniglichen
Liebe entzogen hast / wodurch an meinem Ritterlichen Ansehen und Stande ich mich
allerhöchst beleidiget befinde / und daher solcher Schimpf ohn Rache nicht kann
ausgetragen werden / als fodere auff Erlaubnis meines allergnädigsten Käysers
ich dich Baldrich aus Teutschland (Siegward aus Schweden) nach Rittersbrauch /
dass du mit dem Speer und Schwerte zu Ross / an was Ort und Ende dichs gelüstet /
erscheinest / und wegen obgedachtes Schimpfs mir Rede und Antwort gebest / wo du
sonst des Ritterstandes nicht unwirdig wilt gescholten sein.
                                                             Prokulus der Römer.
    Die Fürsten beide erröhteten über solcher unvermuhtlichen Ausfoderung / und
empfundenshoch / dz der Käyserlichen erlaubnis dabei gedacht wahr / traten
anfangs zusammm / und zeigeten einander das Schreiben; und als sie sah / dass
einziger sie beide foderte / rechneten sie sichs nit zum geringen Schimpf
/beredeten es auch mit Herkules und Ladisla / die sich darüber bestürtzt
befunden / und ihnen / was vor Erklärung sie vor gut hielten / anzeigeten;
traten darauff wieder an ihre stelle / und als der Käyser und andere Anwesende
mit Schmerzen erwarteten / was ihre Verenderung verursachen möchte / gab
Baldrich diese antwort: Mein Geselle Siegward / Königlicher Fürst aus Schweden /
ein ehrlicher Ritter; und ich / geborner Fürst aus Teutschland / haben mit
wissen niemahls wieder Recht uñ Billigkeit gehandelt / sondern der blosse
muhtwille treibet den Ausfoderer / uns solches aufzubürden; und weil er sich
auff allergnädigste Käyserliche Erläubniss beruffet / welche wir untertähnig
ehren und billichen / mag er uns die stelle zum Kampf stündlich ernennen; obs
dann zu erst mir wieder ihn misslingen sollte / wird mein lieber Geselle sein
bestes hernach auch tuhn; wiewol es uns beiden sehr lächerrlich vorkömpt / dass er
umb unsere Gemahlinnen mit uns fechten will / die wir nicht allein mit ihrer
Eltern guter Bewilligung geheiratet / sondern auch mit ihrem belieben schon im
Ehebette besitzen. Den anwesenden kam diese rede sehr fremde vor / insonderheit
dem Käyser / welcher den Briefebringer mit zornigen Geberden fragete / wer ihn
abgeschikt hätte; und als dieser den Prokulus nennete / begehrete der Käyser
beide Schreiben zusehen / redete nachgehends Pompejus und M. Fabius an / sie
fragend / ob sie dem Prokulus ihre Töchter versprochen hätten. Diese gaben zur
antwort: Er hätte zwar deswegen teils schrift- teils mündliche Anwerbung getan
/ aber gar keine antwort erhalten / und währe ihnen trauen zumahl selzam dabei /
dass sie ihre einzige Töchter ihm hätten erzihen sollen; stünde auch fast
aberwitzig /dass er sich beider zugleich anmassete / da ihm / Römischen sitten
nach / nur eine hätte zu teil werden können. Das Fürstliche und Römische
Frauenzimmer kam auch darzu / und vernahmen Prokulus beginnen /worüber Fürstin
Sibylla sich über ihre gewohnheit eiferte / und Käyserl. Hocheit untertänigst
baht / solche unbilligkeit zustraffe / nachdem wed' sie noch ihre Wase / nie
kein wort / so wenig mündlich als schriftlich / oder durch einen andern mit ihm
gewechselt hätten / auch grosses bedenken würden getragen haben /nach Prokulus
oder seines gleichen sich umzusehen. Wolan / antwortete der Käyser / sie geben
sich allerseits zufrieden / wir werden dem Prokulus seine Buhlerei (dann
Proculus heisset zu teutsch ein Buhlerchen oder kleiner Buhler) besalzen. Befahl
darauff / ihn straks angesichts / frei / oder gebunden herzuholen. Baldrich aber
und Siegward bahten Käyserl. Hocheit demühtig / diesem Römischen Ritter gnädig
zu erscheinen / damit man sie nicht schier heut oder morgen beschüldigen möchte
/ dass umb ihret willen einigem Römer etwas hartes zugestanden währe; und könnte
vielleicht sein / dass er seines Gehirns Verrückung / wegen heftiger
eingebildeter Liebe empfünde; sie verzihen ihm von Herzen / wollten auch im
Kampfe dergestalt mit ihm verfahren / dass ihre gutwilligkeit daher sollte
zuspüren sein: Herkules und Ladisla halfen den Käyser erbitten; welcher endlich
einwilligte /der Tohrheit lachete / und ihnen erzählete / was gestalt Prokulus
ohn einiges meldung / sich beschimpfet zusein beklaget / und des Kampfs freiheit
begehret hätte / weil ohn solchen der Streit nit könnte geschlichtet werden. Eure
Käyserl. Hocheit wissen / sagte Herkules / dass die Liebe oft zugleich der
vernunft und den Augen Sand einsträuet / daher diesem Ritter meines erachtens
zuverzeihen ist: gelebe auch der tröstlichen Zuversicht / Eure Käyserl. Hocheit
werde ihm unser aller vorbitte gnädigst geniessen lassen. Prokulus wahr gleich
bemühet / seine Rüstung anzulegen /als ein Käyserlicher Hellebarter ihn
abfoderte / und zu gleich warnete / er möchte sich wohl schicken / des Käysers
Ungnade abzulehnen. Er aber meinte sein Vorhaben leicht und aus gutem Grunde
zubehaupten /und ging verwägen gnug fort / wie er dann ein fester
starkgesetzeter Ritter wahr / der mir Skaurus und andern sich ehemahls versuchet
/ und ihnen gnug zuschaffen gegeben hatte. Als er nun vor die sämtliche
Gesellschaft trat / und sich bedingete / sein Gruss und untertähnige Dienste
würden allen / ohn seinen beiden Wiedersachern / nach Standesgebühr angebohten;
redete der Käyser ihn also an: Wie ist dir heut geschehen / du Gehirnloser
Mensch? hastu etwa von einer tollen Sau / oder wohl gar vom Narren gefressen /
dass du so tölpische Sachen vornehmen darffst? da stehen die beide Fürstinnen; da
stehen ihre Väter Pompejus und Fabius; ihre Müttere sind auch nicht aus der
ferne zuhohlen. Darumb sage geschwinde an / ist dir dieser Fräulein halber
einige Zusage geschehen? zwar zu beiden kanstu ja keinen Anspruch haben / du
möchtest dann etwa Römische Satzungen und Sitten /durch Verlierung deines
Kopffes aufzuheben bedacht sein. Dieser baht anfangs / Ihre Käyserl. Hocheit
möchten einige Ungnade auff ihn nicht werffen; taht auch hinzu / er hätte
gebührliche Anwerbung an beiden Orten getahn / unter der ungezweifelten Hoffnung
/ ihm würde ja an einem / gewierige Antwort werden. Inzwischen hätten der
Teutsche und Schwede / so bisher vor Feinde des Römischen Reichs gehalten worden
/ ohn der Eltern wissen sich an die Fräulein gewaget / uñ durch listige
Hintergehung / wo nicht wohl gar durch Nohtzwang / sie ihm abspenstig gemacht /
massen ja beständig berichtet würde / es währe Frl. Lukrezie von dem Teutschen
durch Verwundung / im Walde geschehen / sich ihm zuergeben / gezwungen worden.
Was hastu Lügener / sagte der Käyser / von Römischen Feinden zuschmähen? doch
setze wir dieses vor dissmahl aus. Aber wie getrauestu dir zubehaupten / dass
diese Heirahten ohne der Eltern wissen geschehen sein? und wollen wir anjezt
hören / was ihre Väter darzu sagen werden. Pompejus / nach gebehtener verzeihung
/ fing also an: Höret Prokulus /welcher Wahnwiz treibet euch / mich meines tuhns
und lassens zubesprechen / und sonderlich in dem /was euch im geringsten nicht
angehet? Zwar ich weiss schon / dass ich euch wegen keines einzigen Dinges
Rechenschaft zugeben habe / dann ich unterwerffe mich bloss allein Gotte /
meinem allergnädigsten Käyser / und dem Vaterlande; doch höchstgedachter
Käyserl. Hocheit zuuntertähnigstem schuldigen Gehorsam / rede ich mehr als mir
nöhtig ist / und beruffe mich auff mein Gewissen / dass gegen Fürst Baldrichs und
meiner Tochter Heirat ich nicht das geringste /weder gedacht noch geredet habe
/ welches ohndas wohl wahr bleiben wird / es währe dann / dass ihr ein anders
erweisen würdet; euch Prokulus aber mein Kind zugebe / ist nie in mein Herz
kommen. Hastu aber / sagte er zu seiner Tochter / ihm etwa einige Zusage aus
Schimpff oder Ernst getahn / das zeige mir an / weil ohn das wider meinen Willen
es nicht hätte mögen bündig sein. Diese lächelte dem Vater zu /und gab zur
Antwort: Ich habe diesen Menschen in vier Jahren nicht gesehen / und bin heut
etwa 16 Jahr alt; so wird er vielweniger die Unterhändler od' Kupler zeigen
können / die zwischen uns gange währen /und müste mir von herzen leid sein / ja
tausend mahl unerträglicher als der Tod / dass ich ihm zu gute leben sollte /
nachdem ich Gott Lob / den Unterscheid zwischen Tugend und Tohrheit gelernet
habe / womit ich gleichwol seinen Ehren nichts ungebührliches anwerffen will.
Unter diesem Vorbringen erröhtete Prokulus von Zorn / suchte aus seinem
SchiebSak zwei Brieflein hervor / in rohtem Taffet eingewickelt / und wollte
darauff seine Antwort tuhn; aber der Käyser hiess ihn schweigen / und M. Fabius
reden; Welcher dieses vorbrachte: Er erinnerte sich etlicher massen / dass
Prokulus ihm mit seinem ungenehmen ansuchen beschwerlich gnug gewesen / hätte
ihm doch / Unhöfligkeit zumeiden / mit dürrem Nein / nicht wollen vor den Kopff
stossen / sondern ihn ermahnet / sitsam zuverfahren; sein Kind währe jung /
hätte keine Lust schon zuheirahten / und währe über das nicht einheimisch / dass
er ihren Willen nicht wissen könnte. Hierauf zwar hätte Prokulus gerühmet / wann
er nur seinen Willen haben würde / sollte es ihm an der Tochter Neigung nicht
ermangeln; welches er aber nicht ohn ursach vor eine nichtige Einbildung
gehalten / und ihn ernstlich ermahnet / er sollte sich in Rom oder ausserhalb
besser umsehen / alsdann würde er anderwerts sein Glük schon antreffen; welches
sein Kind auch tuhn sollte. Woraus dann dieser Freier leicht vernehmen mögen /
sagte Fabius / dass ich nicht gewilliget wahr / ihm mein Kind zuverrahten / wollte
sagen / zuverheirahten; jedoch will ich von meiner Tochter auch vernehmen / ob
sie etwa hinter meinem Rücken mit ihm sich eingelassen habe. Hochgeliebter Herr
Vater /antwortete Sibylla; ich weiss nit / ob ich mir so hohe Gedanken / als biss
an Herrn Prokulus Heirat hätte machen dürffen / welches ich vor dissmahl
aussetzen will; kann er aber dartuhn / dass zeit meines Lebens ich ein Wörtlein mit
ihm gewechselt habe / will ich euer Straffe mich gerne unterwerffen. Wolan
Prokulus /sagte der Käyser / so ist nun die Ordnung an dir / deinen gültigen
Gegenbeweiss zuführen / nachdem allemahl / nach der gesunden Vernunft Ausspruch /
dem Bejaher einer Taht / solches oblieget; hernach soll nach scharffem Recht
gesprochen werden. Dass Eure Käyserl. Hocheit mir Recht und Gerechtigkeit
wiederfahren lassen will / bedanke ich mich untertähnigst /antwortete er; da ich
dann anfangs bei den beiden gewesenen Fräulein anzuhalten habe / dass meines /
bei Ritters Ehr und Glauben geschehenen Versprechens sie mich erlassen möge /
weil ich sonst mein gutes Recht nicht darstellen darff. Die beiden Fürstinnen
fingen an zu lachen / und sagte Lukrezie: Mein guter Herr Prokulus / ich habe ja
niemahls einige Versprechung / weder mündlich noch schrifftlich von euch
empfangen / vielweniger begehret; sollte es aber eurer Einbildung nach geschehen
sein / will ich dieselbe hiemit auffgeruffen / und ganz abgetahn haben. Und als
Sibylla nicht ohn Gelächter sich ein gleichmässiges erboht / fing Prokulus / in
beiden Händen etliche Schreiben haltend / also an: Allergnädigster Käyser /und
andere anwesende Herren; was man im gemeinen Sprichwort saget: Mannes List ist
behende / aber Weiber List hat kein Ende / davor habe ich mich stets wohl
vorgesehen / und bester massen verwahret / dass ich dessen Warheit nicht mit
meinem Spot und Schaden erfahren möchte / und bin doch nicht desto weniger in
ihr Nez gefallen; wie aber / und auf was weise / werden sie allerseits aus
meinem allerkräfftigsten Beweisstuhm zuvernehmen haben. Nachdem mir von einer
guten Freundin ist gesagt worden / wie dass Herr Pompejus / und Herr Fabius /
jeder eine einzige / sehr schöne wolgezogene Tochter hätte / und mir nicht bald
fehlen würde / eine oder andere zum Gemahl zuerhalten / habe ich nach Römischen
Sitten meine Anwerbung an Herr Pompejus schriftlich über Meer an Herr Fabius
aber mündlich abgelegt / und von jenem gar keine / von diesem aber zum ersten
mahle diese Antwort erhalten / dass sein Kind nicht einheimisch /darzu jung / und
vielleicht schon einem andern zugedacht währe. Worauff ich etwas in Ruhe
gestanden /und nach Verlauff etlicher Wochen von Frl. Lukrezien dieses angenehme
Brieflein (welches er losswickelte und zeigete) bekomen. Von mir ein Brieflein?
sagte Lukrezie mit einem Gelächter. Wollet ihr solches /und eure eigene Hand
leugnen? sagte Prokulus. So müste ichs acht Tage vor meiner Geburt geschrieben
haben / antwortete sie / biss dahin ich dann nicht gedenken kann. Ihr Vater aber
redete ihr ein / sie sollte ihn zuvor ausreden lassen. Also fuhr jener weiter
also fort: Fünff Tage nach Empfahung dieses / ist mir ein anders (welches er
auch zeigete) von Padua aus / von Frl. Sibyllen zugeschrieben worden. Ey behüte
Gott /sagte dieselbe / was will endlich aus diesen Lügen werden? Ein freies
Affenspiel / antwortete Lukrezie mit einem untergedruckten Lachen; Jene aber fuhr
fort: Schämet ihr euch nicht / Prokulus / euren Käyser /und andere anwesende
grosse Herren dergestalt umzutreiben? Weil aber ihr Vater sie schweigen hiess /
setzete jener sein Vorbringen also fort; Es gebühret sich nicht / das geschehene
zuleugnen / wo man ehrlich ist / insonderheit / wann es mit eigenhändiger
Schrifft kann erwiesen werden / halte auch davor / dafern der Teutsche und
Schwede nicht ZauberKünste gebraucht hätten / würden sie dieser beider Fräulein
guten und ergebenen Willen gegen mich / mit keinem Wasser abgespület habet. Du
vermissest dich ein grosses auff deine Briefe / sagte der Käyser zu ihm / und
wann es niemand von den Anwesenden zuwider sein würde /müsten sie öffentlich
verlesen werde. Alle gegenwärtige / insonderheit die beiden Fürstinnen / bahten
sehr / dass es geschehen möchte. Worauff der Käyser den ersten von Prokulus nahm
/ und es seinem geheimen Schreiber reichete / da Prokulus die Fürstinnen umb
Verzeihung baht / dass durch ihre Unträue er gezwungen würde / ihre Heimligkeiten
zuoffenbahren; worüber diese beide sich schier zum Schiefer gelachet hätten. Der
Diener aber fing zuerst an die stolze Auffschrifft zulesen / welche auff diese
Art eingerichtet wahr:
    Dem Wolgebohrnen Herrn und Ritterlichen Helden /Herrn Sextus Marzius
Prokulus / Römischer Käyserl. Hocheit gewirdigtem Ritter / Hof- und KriegsRaht /
etc. meinem hochgeneigeten Herrn / und in Ehren herzangenehmen allerliebsten
Freunde.
    Wir lassen diesen Streich jetzo hingehen / sagte der Käyser / nur möchten
wir gerne berichtet sein / von welchem ehemahligen Käyser du magst zu solchem
Raht bestellet sein? Allergnädigster Käyser / antwortete er; ich habe niemahls
mir unwirdigen diese Ehrenbenennung zugelegt / und bin in den Gedanken gestanden
/ das liebe Fräulein würde durch ein falsches Gerüchte betrogen sein. Ja mein /
sagte Lukrezie /wann ihr nur nicht selbst gar zu hesslich beschmissen währet. Der
Diener falzete inzwischen den Brief von einander / und lase folgenden Inhalt:
    Wolgebohrner Herr / und durch diesen Weltkreiss hochgepreiseter Ritterlicher
Held. Was gestalt Eure Liebe mein Herr / bei meinem Herr Vater umb meine Heirat
ganz ehrerbietige und wolständige Ansuchung getahn haben solle / bin ich von
meiner herzlieben Fr. Mutter in höchster geheim berichtet worden / auch dass mein
harter Vater nicht willens sei / Eurer Liebe einige Antwort zu erteilen / unter
der Hoffnung / Euer Liebe gute Neigung gegen mich / durch solches stilschweigen
in eurem Herzen zuersticken / weil er willens sein soll / mich mit einem
Ravennischen reichen Witwer zuverheirahten welcher auff seinem höckerichten
Puckel mehr dann 65 Jahr träget. Nachdem aber meinem zarten Herzen allerdinge
eine Unmögligkeit ist / einen solchen ekelhaften unvermögenden Greisen und
Leisen / an der Seiten zuerdulden / und meinen schönen Leib den abgelebeten
dürren Knochen unterwürffig zumachen / insonderheit da ich einen solchen
gewünscheten Buhler an Euer Liebe habe; Als gelanget an dieselbe mein
ehrendienst- und herzfreundliches ersuchen / mich dieses ausgeborreten Unglücks
zubenehmen / und durch seine blühende grüne Krafft mich zuerfreuen; das ist /
mit seiner Werbung fleissig anzuhalten / oder / wo möglich / mich gar aus meines
Vaters Gewalt hinweg zuhohlen / als seine ganz ergebene; jedoch mit dem
ausdrüklichen bedinge / dass /dafern seine Liebe diesen Brief und dessen Inhalt
einigem Menschen der Welt offenbahren wird / er von aller meiner Hulde in
Ewigkeit soll entsetzet sein / werde auch auff solchen fall mir einen andern
Buhlen und Retter erkiesen; sonsten aber bin und verbleibe ich meines
herzgeliebeten Herrn und allerangenehmesten Freundes / weil ich lebe / ganz
ergebene gehorsame Lukrezie Pompejin.
    Fr. Lukrezia musste Zeit des lesens ihren Mund mit einem Wischtuche zuhalten
/ damit sie sich des lachens erwehrete / nachgehends sagte sie zu Prokulus:
Tapfer Ritter / wer mag doch immermehr des Narren mit euch so ungescheuhet und
handgreiflich gespielet haben? Mein Herr Vater aber wolle doch den Brief besehen
/ ob er die Hand kenne / dann dass es meine nicht sein wird / bin ich gnug
versichert. Aber der Käyser baht / ein wenig / iñe zu halten / biss dass übrige
auch verlesen währe. Welches dann dem elenden Prokulus sehr angenehm wahr / und
zu Lukrezien sagete: Ja eben dieses komt mit eures Bohten rede über ein /
welcher mir mündlich anzeigete / dafern ich diesen Brief lautbahr machen würde /
wollte sie alles /auch ihre eigene Hand verleugnen. Es ist gut / antwortete sie;
man pfleget den geheimen Bohten wohl so viel in den Mund zulegen; sonst zweifele
ich nicht / wann der Schau-Spiel-Schreiber Plautus oder Terentius wieder aus der
Asche hervor kähmen / würden sie an euch zeuges gnug haben / woraus sie ein
gaukel- volles Spiel tichten könten. Er aber kehrete sich daran wenig / baht nur
/ der hönischen zunge ein Gebiss anzulegen / und reichete den andern Brief hin /
welcher also verlesen ward / dass vor erst die Ausschrift mit dem ersten nach
allen worten überein kahm / da doch der eine zu Jerusalem / der ander zu Padua
sollte geschrieben sein; und alle anwesende daher die Auftreiberei leicht
merketen; darauf folgete nun dieser Inhalt:
    Wann die liebe Sonne durch ihre glänzende Strahlen so wohl meines Herzen Lust
und Freude / als den klaren Tag hervor bringen / und dieselbe euch mein Herr /
zeigen könnte / würdet ihr / höchstwerter Schaz erkennen mögen die Herligkeit /
in welche ich durch Euer Liebe Anwerbung nach meiner Heirat gesetzet bin;
hingegen muss ich mich dannoch plagen und grämen / dass meine unbedachtsame Eltern
(wie ich aus deren Schreiben mit höchstem Unwillen vernehme) bedenken tragen /
Euer Liebe mich alsbald zuversprechen. Ach mein Seelen-Freund / wie herzlich
danke ich euch vor solche Gunst und Liebe / kann auch nicht absehen / warumb
meine Eltern dieses Glük nicht mit mir zugleich mit beiden Händen ergreiffen /
es währe dann / dass sie dem hinkenden einäugigen Nummius Lelianus noch weiters
zuhörete /welcher ihnen grosse güldene Berge von seiner Liebe gegen mich
vorschwätzen soll / von dessen unglücklicher Ehe mich doch entweder Herrn Prokulus
kundbare Tapfferkeit und geträue Gegenliebe / oder zum wenigsten mein eigenes
Brodmesser frei sprechen wird. Euer Liebe der Verschwiegenheit dieses meines
Schreibens zuerinnern / achte ich vor unnöhtig / massen dessen hoher Verstand
leicht zuermässen hat / dass durch ein widriges er mich in das tieffste Unglück /
ja in den Tod selbst stürzen würde; und zwar die ihm zu aller Liebe und Träue
ganz ergeben ist / auch in alle Ewigkeit eine solche verbleiben wird / Sibylla
Fabiin.
    Geliebete Fr. Schwester / sagte Lukrezia zu dieser; du kanst anmuhtigere uñ
zierlichere Liebes Briefe tichten / als ich / welches sie mit einem grossen
Gelächter vorbrachte; diese aber begunte Ernst daraus zumachen / und gab zur
antwort: Herzen Fr. Schwester / du und ich müssen zuvor des schändlichen
verdachts allerdinge entoben sein / ehe du schimpfen wilt. Mein Gewissen /
sagte jene / hat mich schon lossgesprochen / und müste mir leid sein / dass meinen
Allergnädigsten Käyser und andere gegenwärtige Fürsten und Herren ich so stumpf
schätzen sollte / dass sie diese Auftreiberei und kurtzweiligen Aufzug / wer ihn
auch muss angelegt haben nicht merken und erkennen sollten. Niemand antwortete
darauf / wiewol sie alle gnug sehen liessen / dass sie ihrer Meinung währen. Der
Käyser aber fragete Prokulus schon mit gelindern worten / was die Briefe in
seiner andern Hand bedeuteten / und ob sie zum weitern Beweisstuhm dienete könnte
er sich deren gebrauchen. Ja allergnädigster Käyser / sagte er / diese Briefe /
ungeachtet diese junge Frauen sich mit gnug hönischen worten suchen auszuwickeln
/ werden der Sache den endlichen aussschlag geben. Das wird niemand lieber sein /
als eben mir und meiner Fr. Schwester / sagte Lukrezie / drum so lasset höre /
was ihr noch weiters vor aufgeschriebene Getichte zur Ergäntzung dieses
Affenspiels mit euch gebracht habet / hernach wollen wir mit einem Handklopfen
und Freuden Geschrei Anzeige tuhn /wie uns diese Handlung gefallen habe. Es
wahren aber zwei Antwort-Schreiben / welche er auf der beiden Fräulein
empfangene Briefe hatte auffgesezt und vermeintlich übergeschicket / deren der
erste nach Jerusalem also lautete:
    Wolgebohrnes Fräulein / herzgeliebete und einig-vertrauete. Euer Liebe
angenehmes Brieflein ist mir wohl eingeliefert / zweifele nicht / sie werde in
der gefasseten LiebesGunst bestandigst verharren / und den alten
Teuge-nicht-mehr in den bodemlosen Korb setzen / dem ich / da ich ihn kennen
sollte / mit wenigem zuschreiben wollte / er möchte sich mit weichem Brei speisen
/ weil die Milchzähne ihm ausgefallen sein. Euren Herr Vater noch weiters mit
Schreiben zuersuchen / achte ich vor einen überfluss / werde inwendig
ViertelJahres Gelegenheit suchen /mich selbst zustellen / und wann Briefe oder
mündliche Ansuchung unsern Vorsaz nicht heben kann / ihren getahnen Vorschlag ins
werk zurichten beherzt gnug sein. Inzwischen lebet wohl mein Herz / und
versichert euch aller Träue von eurem ergebenen S.M. Prokulus / dem Römer.
    Der Herr hat seine Sache nicht allein durch sein selbsteigenes Schreiben
sehr wohl behauptet / sagte Lukrezie lachend / sondern über das sich sehr wohl
verantwortet. Aber was vor Zähne / meint  er wohl /ihm mein alter Greiser und
Leiser nunmehr zuschreiben werde? WindZähne / sagte Sibylla. Es gab ein gemeines
Gelächter / aber der Diener lase den andern Brief an Fr. Sibyllen / wie folget:
    Mich wundert sehr / mein Fräulein / dass meine Geister mir ihre grosse Liebe
gegen mich / nicht vor ihrem AntwortSchreiben geoffenbahret haben; versichere
sie hin wiederumb / dass die Lust / Freude und Herligkeit / welche sie noch zur
Zeit nur in der Hoffnung hat / gar bald in der Taht erfolgen solle; und weil mir
an der Niessung eurer vortreflichen Schönheit sonsten nichts / als der elende
Lelianus hinderlich ist / wird seine Seele schier auf der Spitze meines
Rauffdegens tanze müssen; werde gleichwol auff Gelegenheit bedacht sein / ihren
Herrn Vater noch einmal zubegrüssen / und nachdem die Antwort fallen wird /
mich weiters wissen zuverhalten / dessen sie versichert Ihrer Liebe ganz
ergebener und beständiger Liebhaber S.M. Prokulus.
    Nach verlesung fürchtete sich Prokulus / man würde ihn nicht zu Worten
kommen lassen / daher er alsbald also anfing: Weil ich dann nun /
allergnädigster Käyser dieser beiden Römerinnen / eigenhändigen Beweisstuhm
hervor gebracht habe / in welchem sie Sonnenklar zuerkennen gegeben / dass ich
mehr von ihnen / als sie von mir zur ehelichen Liebe ersuchet bin / wird und
kann nichts mehr übrig sein / als dass mein gerechtester Richter in dieser Sache
die Urtel felle / welche / angesehen der bestendigen Käyserlichen Gerechtigkeit
/ nit anders / als vor mich und meine auffrichtige träue / wieder die Falscheit
dieser beiden Römerinnen stehen mus. Allergerechtester Käyser / fing darauff
Fürstin Sibylla an; dass gegenwärtiger Prokulus von etwa einem Schalke oder einer
Schälkin frei auffgezogen / und mit abgelesenen ersten Brieffen / welche unser
keine nie gesehen / tapffer bei der Nase umbgeführet sei / liegt mehr als zu
helle am Tage / massen so wenig ich von dem Lelianus / als meine Fr. Schwester
von dem alten Greisen leisen ungeneñeten Buhler ichtwas weis / oder jemahls
gehöret habe. Ob nun Prokulus die ertichteten Brieffe beantwortet habe oder
nicht / kann uns weder Schaden noch Vortel geben / und müste er ja beständig
erweisen / dass ihm die Brieffe von uns zugeschrieben und übergeschicket / auch
seine Antwort /davon wir nie etwas gehöret oder gesehen / uns eingelieffert
währen. Er bringe die Brieffeträger an den Tag / und lasse sie scharff fragen /
dann wird sichs finden / wie weit sein Beweisstuhm reiche. Weil ihm aber
vielleicht solches unmöglig sein wird / und durch diesen possierlichen Auffzug
meiner Fr. Schwester und mir durchaus keine böse Nachrede erwachsen kann /wiewol
/ wann der Anstifter uns kund währe / wir ihn aufs wenigste darüber zurede
stellen würden / überdas auch Herr Prokulus durch seines Gehirns blödigkeit mag
überschnellet und zur leichtgläubigkeit angetrieben sein / als gelanget an ihre
Käyserl. Hocheit meiner Fr. Schwester und mein demühtigst-untertähnigstes bitten
/ dieselbe wollen allen ungnädigen Willen gegen Herrn Prokulus fallen lassen /
und von dessen Wiz ein mehres nicht fodern als der ungütige Himmel ihm verlihen
hat. Dass währe wohl eine wunderliche Sache / sagte Prokulus / wann in diesem
Gerichte ich unterliegen und den kürzern zihen sollte; und dafern diese Schreiben
von irgend einem andern / als von den beiden Fräulein herkommen währe / würde
ich solches eifern biss an mein Ende. Der Käyser fiel ihm hieselbst ein / und
sagete: Ohn allen zweifel hättestu verdienet / das dein unbesonnenes Vornehmen
nicht mit Waffen / sondern mit Hundepeitschen gestraffet würde / und hätten wir
solche grobe Narrei nimmermehr hinter dir gesuchet. Es mus aber dieser teuren
Fürsten und Fürstinnen vorbitte dir zum besten kommen / mit denen / wegen
angelegten Schimpffes abtrag zu machen / befleissige dich ja bald / oder du
dürfftest nicht gar lange mehr Prokulus heissen. Dieser kam zur erkäntnis / taht
vor dem Käyser einen Fussfall / und baht seiner unbesonnenheit allergnädigste
verzeihung; und weil er nicht wusste / wer Baldrich und Siegward wahren / liess er
sich dieselbe zeigen /da ihm Baldrich näher trat / und zu ihm sagete: Ritter /
dass ihr meinem geliebten Gemahl in ehren nicht abhold gewesen seid / kann ich
euch wohl gönnen / wie auch / dass mit den ertichteten Liebes-Brieffen ihr euch
bisher erlustiget; aber nunmehr müsst ihr solcher Gedanken müssig gehen / würde
auch unritterlich gehandelt sein / wañ ihr einem andern sein Gemahl zuentwenden
euch unterfangen woltet; ich vor mein Häupt möchte euch noch viel eine schönere
gönnen; aber dass ihr gleichwol mich habt unter dem Schein einer guten Sache /
nicht ohn meine Beschimpfung ausfodern dürffen / müste euch so leicht nicht
geschenket sein / wann es euch nicht leid währe. Jedoch / wie jung ich bin /
habe ich doch meines wissens nie keine ausfoderung umbsonst und ohn darstellung
angenommen / und mus deswegen der Kampf durchaus / zum wenigsten mit dem Speer
vor sich gehen / um darzutuhn / wer unter uns beiden meiner Lukrezien
glücklichster Liebhaber sei. Prokulus sah ihn so schwank und jung in dünner
Kleidung vor sich stehen / und wahr ihm sehr lieb / dass der Streit seinen
fortgang gewinnen sollte / nahm ihn gerne auff sich /und gab zur Antwort: Ritter
/ ob ich gleich / mus bekennen / der glücklichste Liebhaber dieser Fräulein nit
bin / hoffe ich doch mit dem Speer leicht zuerhalten /dass ich der erste unter
uns beiden / und nicht unträu gewesen bin. Nicht unträu? sagte Baldrich; Je was
ist dass dann vor eine Träue / dass ihr zugleich umb meine Fr. Schwester / Fürstin
Sibyllen habt anwerben durfen? sehet guter Freund / was ihr redet / und kämpfet
unter so augenscheinlicher bösen Sache nicht / es dürfte sonst die Träue selbst
suchen / sich an euch zu rächen. Meine Träue ist dadurch nicht gebrochen
/antwortete er / sondern im fall dieses Fräulein dieselbe nicht hätte erkennen
wollen / wahr mein Anschlag auff Frl. Sibyllen hingerichtet. Ey sehet da / ein
schöner Anschlag / sagte Sibylla / und mus ich alhie noch schamroht stehen /
weil mir ins Gesichte gesaget wird / dass ich habe Noht-bedarff sein sollen. Das
Gelächter hierüber wahr nicht geringe / da der Käyser den beiden Fürstinnen ihre
vermeinten Liebes-Brieffe zum lächerlichen angedenken einhändigte / auch auff
Baldrichs anhalten den Kampf einwilligte / welcher inwendig der Käyserlichen
Burg / da es eine gute Rennebahn gab / sollte gehalten werden / weil man ohndas
daselbst speisen wollte; machten sich also beide Kämpfer fertig / welches
Baldrich bloss taht /umb eine Kurzweil zu machen. Ihren wurden gleichmässige /
aber auff des Käysers befehl / stumpfe Speer gegeben / da Lukrezie ihrem Gemahl
ein köstliches Fähnlein dran heftete / worüber sein gutes Herz treflich zunam.
So durfte Prokulus nicht weniger sich des Sieges getrösten / und mangelte ihm
weder an guten Waffen noch starkem wolgewanten Pferde. Sie schicketen sich
beiderseits zum Treffen / und ranten aus allen kräften zusammen; doch hielt
Prokulus diesen ersten Stoss aus / wiewol er dem falle sehr nahe wahr / und
Baldrich hingegen unbewäget vorüber ging / da er sagte; Hiemit mag Prokulus
erwiesen haben / dass er der erste Liebhaber unter uns beiden gewesen sei. Der
Käyser sah dass Prokulus gezwungen ward sich an seines Pferdes Mähne zu halten
/weil er Stegreiff-los gemacht wahr / und wunderte sich nicht wenig / weil ihm
dessen Leibeskräfte nicht unbewust wahren; welcher dann des Stosses wohl empfand
/ auch des Schimpfs zu bersten meinte / verwandelte die Herzhaftigkeit in
raserei / und ging zum andernmahle los / unter der Hoffnung / es wieder
einzubringen / nach dem sie beiderseits mit neuen Speeren versehen wahren; aber
es ging ihm unglücklicher weder vorhin; dann ob er gleich sein Speer auff
Baldrichen zum andernmahle brach / vermochte er ihn doch nicht wankend zu
machen; da hingegen er nicht allein den Sattel räumen musste / sondern es fuhr
ihm auch ein Splitter von seines Gegeners Speer unter dem Helm durch den Hals /
dass ihm das Blut über den Harnisch herab lieff / und er als Tod auff dem Platze
liegen blieb / welches Baldrichen sehr leid wahr / sprang vom Pferde / lösete
ihm den Helm ab /und zog ihm den Splitter aus der Wunde; und als er sah / dass
er sich erhohlete / tröstete er ihn / er sollte gutes muhts sein / die
unvermuhtliche Unglücks-wunde währe ihm leid / möchte des Arztes gebrauchen / uñ
sich versichern / dass er bemühet sein wollte /ihm einen gnädigen Kåyser zu
machen. Dieser empfand der Schmerzen / bedankete sich gleichwol des guten willen
/ und baht / wegen des ergangenen umb günstige verzeihung / lies sich von der
Burg leiten /und verbinden / wiewol er sein lebelang einen schiefen Kopff tragen
musste / weil ihm eine Sehnader gelähmet wahr. Der Käyser sah dieses Treffen mit
verwunderung an / dann er wusste dass Prokulus nicht so leicht abzustechen wahr /
und weil H. Dio neben ihm stund / sagete er zu ihm: Was wird dieser junge Fürst
dereins vermögen / wann er die stehenden Jahre erreichen soll? Lukrezie freuete
sich des Sieges am meisten / ging ihrem Gemahl auff dem Platze entgegen / und
halff ihm daselbst die Rüstung abzihen / welches dem Käyser dermassen gefiel /
dass er sie öffentlich die andere Römische Lukrezie nennete / und sie vor sich
foderte / sie fragend / ob wegen ihrer anfoderung sie sich schier bedacht hätte.
Worauff sie antwortete: Grossmächtigster unüberwindlichster Käyser /
allergnädigster Herr; Euer Käyserl. Hocheit ich unwirdigste Magd / erkenne mich
so hoher Käyserl. Gnade und Hulde unfähig / würde auch so weit mich nicht
erkuhnen dürffen / wann die kindliche Begierde / meinen lieben Eltern nahe zu
sein / mich nicht antriebe; unter welcher Zuversicht an ihre Käyserl. Hocheit
ich mein untertähnigstes Ansuchen abgehen lasse / umb zuvernehmen / ob mein
herzlieber Vater des Syrischen Statalter Amtes nicht könne erlassen / und etwa
zu einer Römischen Bedienung in Teutschland / zu Köllen oder der Ends befodert
werden / woselbst er vielleicht seinem allergnädigsten Käyser und geliebten
Vaterlande der Stad Rom zu dienste auch noch etwas gutes schaffen möchte. Der
Käyser wunderte sich dieser Bitte / meinte auch nicht / dass ihr Vater damit
friedlich sein würde / uñ antwortete ihr: Geliebte Freundin; sie bittet / meinen
wir / mehr ihre kindliche Liebe sehen zu lassen / als ihres nutzen wahr zunehmen
/halten auch nicht / dass ihr Vater darein gehehlen werde / inbetrachtung / er
sich aus der Sicherheit in Gefahr / aus friedlichem Stande in Unruhe versetzen
würde; wollen nicht sagen / dass die jährlichen Einkommen gegen einander nicht zu
rechnen sind. Ihrer Käyserl. Hocheit zuwiedersprechen / will mir nicht gebühren /
sagte Lukrezie; wann aber deroselben allergnädigst gefallen könnte / meinen Vater
darüber selbst zu hören / würde er seine Meinung anzeigen. Ja / warumb nicht /
antwortete er; rieff ihn selbst herzu / und taht ihm seiner Tochter Bitte zu
wissen. Worauff er diese Antwort gab; Allergnädigster Käyser; wann mirs umb
meinen eigen nutzen zu tuhn währe / würde ich mein Kind dieser bitte wegen
anfeinden; weil aber alles mein tichten und trachten dahin stehet / wie euer
Hocheit und dem lieben Vaterlande ich nüzliche uñ erspriessliche dienste leisten
möge / habe ich meiner Tochter dieses selbst an die Hand gegeben / weil ich
davor halte / die Freundschaft zwischen diesen Teutschen Fürsten und mir / sei
so fest gelegt und unterbauet / dass meine nahe Anwesenheit / sie und die ihren
in Römischer Freundschaft zu unterhalten /mehr / als etliche tausend
Kriegsknechte wirken soll; bitte diesem nach untertähnigst / ihre Käyserl.
Hocheit wolle meines Kindes anwerbung nicht ungnädig vermerken / und nach ihrer
freien Wahl und Macht darin ordnen und schaffen / auch mir allergnädigst
verzeihen / wann ihrer Käyserl. Hocheit diese Bitte sollte zuwieder sein. Woldann
mein Pompejus / sagte der Käyser / dieser Redligkeit und auffrichtigen Träue
müsst ihr geniessen. Foderte den Bürgemeister Pupienus und andere Römische
Rahts Herren zu sich / gab ihnen dieses bewäglich zuverstehen / und ward der
Schluss gemacht / ihm hinfüro eine sonderliche Mildigkeit zuerweisen. Wie ihm
dann nicht allein das Statalter Amt zu Köllen geliefert ward / sondern empfing
jährlich aus des ReichsSchazkammer 30000 Kronen über das ordentliche vermachte
Einkommen /und gab ihm der Käyser und die Stad Rom den Zunahmen PIVS, das ist /
der Gottfürchtige.
    Nun suchete GrossFürstin Valiska alle Gelegenheit / wie sie dem Käyser eine
Belüstigung machen / und ihre ritterliche Erfahrenheit sehen lassen möchte
/daher sie mit Herkules redete / ob ihr könnte zugelassen sein / etliche
verdeckete Auffzüge anzulegen; und nach guter bewilligung musste Gallus mit
etlichen Reutern schleunigst nach dem Walde reiten / in welchen sie vor zwei
Jahren geführet wahr / auff dass er das übrige des Kunstpulvers überbrächte /
dessen er noch über verhoffen einen guten Anteil fand / und neben Herkules
Schwert / welches er jensmahl mit dem Stabe verwechselt hatte / zu sich nam / da
er fast den ganzen Rükweg / sich seiner vorigen Sünden erinnernd / mit gebeht
und flehen zubrachte. Gegen den Abend streich Valiska einen Bömischen ädelknaben
/der mit ihr gleicher Leibes grösse wahr / das Gesichte an / machte ihm ein
falsches Haar / gab ihm ein Amazonisch Kleid anzuzihen / und ordnete ihm
Timokles mit verstelletem Angesicht vor einen Dolmetscher zu /nebest völligen
unterricht / wessen sie sich verhalten sollten. Diese / wie ihnen befohle wahr /
liessen sich desselben Abends angeben / dafern sie von Käyserl. Hocheit und den
anwesenden Fürsten und Herren /gnädigst / gnädig und freundlich könten gehöret
werden; traten nach Erlaubnis in den Saal / neigeten sich höflich wiewol auff
fremde Art / und redete Timokles also: Unüberwindlichster Käyser /
Durchleuchtige Fürsten und Herren / Fürstinnen / Frauen und Fräulein;
gegenwärtige mein gnädigstes Fräulein / Frl. Minitea / der Grossmächtigsten
Fürstin Talestris / herschender Königin der Amazonen leibliche Schwester /die
nach Afrika zusägeln willens / hieher verschlagen ist / hat die
höchstansehnliche Versamlung Käyserl. Hocheit mit so vielen Fürsten und Herren /
auch Fürstinnen / Frauen und Fräulein / ohngefehr in Erfahrung gebracht / und
der ursach halben sich hieher begeben / dass sie möchte sehen lassen / ob nicht
auch ihre weibliche ritterliche übungen sich bei dieser Landesart Rittern
angenehm / und in etwas beliebt machen könten; bittet demnach untertähnigst und
freundlich / dass ihr möge vergönnet sein / morgen vor essens ein vierfaches
Ritterspiel zur kurzweiligen Lust anzustellen als nehmlich eine ReitSchuele /
ein Ringelrennen / eine Fechtschuele und ein Freischiessen; stellet auch Ihrer
Käyserl. Hocheit untertähnigst anheim / ob dieselbe die Gewin setzen / oder ihr
solches daneben erläuben wolle. Da nun dieses ihr Ansuchen statt finden wird /
will sie solches an ihrem orte dereins höchst zu rühmen haben Der Käyser und alle
anwesende verwunderten sich dieses vorbringens zum höchsten / macheten anfangs
ein Gelächter druber /weil allen und jeden gnug bewust wahr / dass die
Amazonischen Weiber vorlängst schon gedämpfet und ausgerottet währen / und kunte
doch niemand /ohn Ladisla und Arbianes ausssinnen / wer dieses Aufzugs Meister
sein möchte. Nicht destoweniger blieb die ertichtete Amazonin stehen / und
erwartete der genehmen Antwort / mit vorwendung / sie wollte nicht hoffen / dass
Käyserl. Hocheit und den Anwesenden Fürsten und Herren ihr ritterliches Ansuchen
einiges missfallen erwecke sollte; im widrigen bähte sie umb gnädigste und
freundliche Vergebung ihrer gebrauchten Kühnheit. Als nun der Käyser ihr
beharliches Ansuchen sah / gab er Dion Volmacht / ihr als einer Amazonischen
Fürstin zuantworten / und alles nach ihrem begehren einzuwilligen; daher dieser
also anfing: Durchleuchtiges ritterliches Fräulein / tapffere Amazonin; die
sonderliche Ehre / welche Käyserl. Hocheit / auch den anwesenden Durchll.
Fürsten und Herren / Fürstinnen / Frauen und Fräulein durch diesen Vortrag
wiederfähret / wird von allerhöchstgedachter Ihrer Käyserl. Hocheit und anderen
anwesenden gnädigst und freundlich auffgenommen / und wie Euer Durchl. dieses
tapffere Vornehmen zu allem Ruhm ausschlagen muss / also wird man nit unterlassen
/ ihren ritterlichen übungen / teils als Mitübende /teils als Zuseher
beizuwohnen / da dann Käyserl. Hocheit gnädigst geruhen wird / allen obgedachten
übungen dreifache gedoppelte Gewin zusetzen / so dass je zween den ersten /
andern und dritten in allen vier Ritterspielen zugewarten haben sollen: und wird
endlich Ihre Durchl. gnädigst und freundlich ersuchet / gegenwärtige
Gesellschaft mit ihrer Gegenwart diesen Abend zuvermehre. Die Amazonin bedanke
sich durch ihren Dolmetscher der gnädigst- und günstigen Wilfahrung / hätte
diesen Abend annoch nöhtige Geschäffte zuverrichten / wollte aber morgen
frühzeitig gnug im Schlossplatze sich finden lassen; nam hiermit Abscheid / und
verliess die Gesellschaft in wundersamen nachdenken / was sich morgen begeben
würde. Es stund der Amazonin alles weiblich gnug an / das Angesicht wahr auch
unbekant / weder Teutsch noch Italiänisch. Ihrer viel stunden in den Gedanken /
der Käyser selbst würde es also geordnet haben / nur dass er unserer Fürstlichen
Helden ritterliche Erfahrenheit sehen und prüfen möchte. Hingegen gab der Käyser
es auff Herkules oder Ladisla / oder Arbianes. Die GrossFürstin / welche zwischen
Fr. Mammeen und dem Käyser sass / wusste sich so wohl in die Possen zuschicken /
dass kein Römer auff sie argwohnete / auch die unsern selbst / ausser Herkules /
zweifelten; dann sie fing mit dem Käyser ein Gespräch an von den Amazonischen
Heldinnen / ob man auch trauen dürfte / dass dergleichen / wie man schriebe / je
gewesen währen; etliche gäben vor / sie währen von Herkules dem beruffenen
Griechischen Helde gedämpft; andere dagegen hielten mit dem Homerus / sie hätten
sich noch nach Herkules Tode mit vor Troja wider die Griechen gebrauchen lassen;
ja man dürffte bejahen /dass sie annoch zur Zeit des grossen Alexanders gewesen
währen. Worauff der Käyser zur Antwort gab: Weil nicht allein die
Geschicht-Schreiber einhellig es bejaheten / sondern man auch noch auff diesen
Tag etliche trefliche Gebäu zeigete / die von ihnen sollten gerichtet sein; ja
über das ihrer vornehmsten Königinnen Nahmen und Nachfolge verhanden wåhren /
hätte man seines erachtens nicht gross dran zuzweifeln. Ward also dieses Gespräch
auffgehoben / und der Abend mit tanzen und kurzweilen hingebracht. Des folgenden
Morgens stellete der AmazoninDolmetscher sich wieder ein / und liess bei Käyserl.
Hocheit und den Fürsten anhalten / eine gute Anzahl wohl abgerichteter muhtiger
Pferde / teils gesattelt / teils nur schlecht gezäumet auff den Reitplaz führen
zulassen; auch ein Gestelle zum Ringelrennen auffzurichten /und etliche stumpfe
Schwerter nebest unterschiedlichen Bogen und Pfeilen dabei zuordnen / welches
alles zur gnüge verrichtet ward. Der Käyser und die alten Römischen und
Paduanischen Herren stunden auf einem absonderlichen Gemache Ostenwerts. Das
fremde / Römische und Paduanische ädle Frauenzimmer / hatten allernähest dabei
ihren Stand. Gleich gegen über wahren die Fürstinnen alle mit einander /nebest
Fr. Kordula / Virginia und Helena. Die GrossFürstin liess sich anfangs an ihrer
stelle öffentlich sehen / grüssete auch insonderheit den Käyser durch ihr
GukFenster / umb allen Argwohn abzulehnen /und musste hernach alle ihre
Gesellschaft die Angesichter mit schwarzem Flohr behängen / da sie ihre
Euphrosynen an ihren Platz stellete / Haar / Angesicht / Hände und Arme
braunschwarz anstrich / und ein Amazonisch Kleid anlegete; hatte zween Böhmische
mit gleicher Kleidung verstellete ädelknaben bei sich / welche ihr einen
köstlichen Bogen / ElffenbeinenKöcher mit Pfeilen / und ein stumpffes Schwert
nachtrugen. Als sie in den Platz trat / erzeigete sie allen Zusehern / und die
zur ritterlichen ubung sich eingestellet hatten / nach StandesGebühr / hofliche
Ehr / und liess darauff durch ihren Dolmetscher folgende Werbung vortragen:
Durchleuchtigste Fürsten / Hochgebohrne Herren und hochädle tapffere Ritter;
gegenwärtige mein gnädigstes Fräulein bedinget sich ausdrüklich / dass sie weder
aus hochmühtiger Einbildung / noch schändlichem Ehrgeiz diese übung angestellet
/vielweniger ihr die Gedanken machet / ob sollte sie so treflichen Helden etwas
angewinnen können / deren höchste rühmliche Ritterschaft so weit erschollen
/dass sie auch den Amazonischen Ritterinnen nit verborgen bleiben mögen / sondern
bloss nur die Ehre und das Glük zuhaben / sich in ihrer Gesellschaft mit zuüben /
hat sie diese RitterSpiele mit antreten wollen / unter der ungezweifelten
Zuversicht / sie werde hiedurch niemand einige Verdriessligkeit erzeigen oder zum
Widerwillen anreizen. Bittet daneben dienst- und freundlich / einer unter ihrer
Hoch-Fürstlichen Gesellschaft wolle den Anfang mit dem Pferde bereiten machen.
Ladisla / welcher nunmehr seine Schwester gar aus dem Verdacht gelassen / weil
er sie niemahls mit verstelletem Angesicht gesehen hatte / gab ihr diese
Antwort: Durchleuchtigstes Fräulein / tapffere Amazonin / wie sollte einiger
Ritter an diesem hochlöblichen beginnen Verdruss tragen / oder deren ritterliches
Vornehmen einiger Ungleicheit beschuldigen? Vielmehr erkennen wir ingesamt und
jeder insonderheit /Euer Liebe uns davor zu Dienst verbunde / nachdem sie uns
gewirdiget / dass in ihren ritterlichen übungen wir uns zugebrauchen gelegenheit
haben konnen; und weil ihre Liebe dieses vierfachen Ritterspiels Uhrheberin ist
/ wird sie unbeschweret sein / in allen nach ihrem guten belieben den Anfang
zumachen / damit aus ihrem vorgehen wir lernen mögen / wie wir folgen sollen.
Die Amazonin neigete sich abermahl / sah frisch umher / erblickete ein
gesatteltes hohes und muhtiges Pferd unter dem Hauffen / und liess die Diener /
die es hielten / es auff die Bahn zihen. Der Käyser / dem es zustund / und es
über alle seine LeibRosse schätzete / wiewol ers selber zureiten nicht getrauete
/ und schon bedacht wahr / Gelegenheit zusuchen /dass Herkules es tumeln möchte /
sah dieses nicht ungerne / dann er meinte / sie wurde mit Schimpff bestehen /
und das übermühtige Tihr nicht zwingen können; aber sie lief mit vollem Sprunge
darauff zu /schwang sich als im Augenblick in den Sattel / fassete den Zügel /
und beritte es so artig / dass alle Zuseher zweifelten / ob ihr jemand solches
nachtuhn wurde; anfangs sprengete sie damit hinter und vor sich / und zu beiden
Seiten aus; hernach liess sie es im einfachen und gedoppelten Kreisse lauffen /
und trieb es zu so hohen gewaltigen Sprüngen an / dass jederman meinte / sie
würde den Hals zubrechen / sass doch nicht destoweniger dermassen fest im Sattel
/ als währe sie darauff geleimet / dass auch der Käyser zu seinen Beistehern
anfing: Ich habe dieser verstelleten Amazonin in meinem Herzen sehr unrecht
getahn / dass ich dieses Pferd ihr nicht zugetrauet / da sie es doch ungleich
tapfferer und witziger als alle meine Bereiter / getummelt hat. Gleich da sah
er / dass sie im vollen rennen herunter sprang / und sich gegen die anwesende
höflich neigete. Herkules nam eben dasselbe Pferd / und machte ihr alles genaue
nach was sie hatte sehen lassen / liess auch einsmahls seinen Huet mit gutem
Willen auff die Erde fallen / und hueb ihn mit seinem Stäblein in vollem rennen
auff. Ladisla und die drei Fursten tahten auch ihr bestes / aber an die Amazonin
und Herkules kahmen sie nicht. Die Romischen Ritter verzageten alsbald /
hieselbst Ehre zugewinnen / håtten viel lieber weit davon sein mögen; aber
ehrenhalben mussten sie mit machen / da der junge Pupienus sich vor andern wohl
hielt. Als der junge Sulpitius in seiner übung war / sihet die Amazonin Herkules
ädlen Blänken stehen / der von vier Dienern gehalten ward /bedachte sich / ob
Verdacht zumeiden / sie ihn unbeschritten sollte lassen / und liess sich endlich
durch Begierde reizen / dass sie hinzu trat / den Zaum ergrif /und sehr gerade
hinauf sprang. Das Pferd seinen ersten Reuter kennend / hielt sich zahm und
gehorsam /liess sich lenken uñ kehren nach allem Wink / und rante sie wie ein
Pfeil auff demselben hin und wieder /biss es zimlich ermüdet war / daher Ladisla
von neuen gedachte / es müste ohn zweifel seine Schwester sein / Gott gäbe / wie
sie auch unvermerket von der Schaubühne kommen währe / und mit der ihm
wolbekanten Farbe sich verstellet hätte. Arbianes wankete auch /und hätte sich
schier erkühnet / GrossFürsten Herkules seine Meinung zuentdecken / hielt aber
doch inne /aus furcht / sie zubeleidigen / da sie es währe. Endlich ergriff sie
ein ungesatteltes doch gezäumetes sehr unbendiges Pferd / sprengete damit hin
und her / und tummelte sich rechtschaffen / klemmete sich auch mit den Beinen so
feste darauff / dass sie keinen Wank taht / ungeachtet das Pferd nur immer sich
bemühete /sie abzuwerffen; welches dem Käyser und andern Römern / als eine
unbekannte übung fremd vorkam / und sehr zweifelten / ob auch ihrer Leute einer
solches wagen dürffte; wie sie dann in Warheit sich dessen alle entielten; aber
die Fürsten ingesamt braucheten sich in dieser ungesattelten RenneSchule sehr
wohl /dass keiner dem andern nachgab. Nach Vollendung dieser übung / welche
andertalb stunden wehrete /nam die Amazonin ein Speer zum Ringelrennen / taht
den ersten Rit auff ihrem Schecken / und nam den Ring artig hinweg. Herkules
Ladisla tahten desgleiche; Baldrich stach ein wenig zu hoch. Siegward traff
Arbianes und die übrigen alle fehleten zum ersten mahl / ohn Skaurus brachte ihn
davon. Nach diesem ward noch 20 mahl umgestochen / da die Amazonin und Herkules
kein mahl; Ladisla einmal; Baldrich und Arbianes viermahl; Siegward dreimal /
wie auch Skaurus; die übrigen offter fehl stache. Sie hätten gerne noch etliche
Ritte getahn / aber weil die Sonne schon hochstund / ward auch diese übung
aufgeruffen; daher nam die Amazonin ihr stumpfes Schwert zur hand / und foderte
anfangs Herrn Skaurus aus / mit dem sie drei zierliche Gänge hielt / ihm auch
eines über die linke Schulter und das rechte Bein anbrachte / da er sie doch
nicht treffen kunte. O nun verzweifele ich an allen übrigen Römern fing der
Käyser an /nachdem mein Skaurus / der seines gleichen in Rom nicht hat / den
kurzererzihen muss; kann auch nimmermehr nicht gläuben / dass sein Gegener ein
Weibesbild sei; aber was vor ein treflicher Achilles muss doch immermehr unter
diesem Amazonischen Kleide verborgen liegen? Der Teutschen Fürsten ist es ja
keiner /als die ich alle vor mir in der übung sehe; ist demnach nit anders / es
muss etwa GrossFurst Herkules diesen seinen lieben Diener also abgerichtet haben.
Nach Skaurus Abtrit / der sich nicht wenig schämete / weil er seine gröste
Hoffnung auff die Fechter Kunst gesetzet hatte / trat des Käysers
OberFechtmeister hervor /und begehrete der Amazonin; die ihm gerne zu willen
wahr / seinen ersten ungestümen Doppelhieben und Stössen auswiche / doch dabei
ihren Vortel ersah /und ihm eins übers Maul versetzete / dass die rohte Suppe
folgete / und er mit Schimpff das Gewehr niderlegen musste. Nachgehends übeten
sich die sämtliche Fürsten mit den Römern / und erlangeten hohen Preis wegen
ihrer treflichen Erfahrenheit / wiewol Skaurus und Pupienus ihnen wenig
nachgaben. Nun wahr ein grosser Fechter unter den Umstehern / der seine
Fechtterkunst zuruhmen anfing / und wie manniche Schuele er ohn einigen
empfangene Schlag gehalten hätte / möchte sich auch gerne mit der Amazonin
versuchen / wann er dessen könnte gewirdiget sein. Der eine Böhmische ädelknabe
hörete solches / hinterbrachte es der Amazonin / die ihm ein Schwert in die Hand
gab / welches er dem Fechter einreichen /und ihn herzu führen sollte. Dieser war
hierzu willig /uñ gedachte sonderliche Ehre einzulegen; hielt sich nach seiner
grobe Art zimlich / machte sein Aufheben / mit neige / Handstellung in die seite
/ Schränkung der Füsse uñ Beinschnitten / so gut ers gelernet hatte /welches
doch von der Ritterschaft als eine unnütze Gåukelei verlachet ward / uñ die
Amazonin durch ihren Dolmetscher zu ihm sagete: Guter Freund / es ist
kramantschens gnug / und habt eure Auffhebe Kunst durch Anbehtung eures Schwerts
zur gnüge sehen lassen / so kommet nun her / dz ich der Streiche auch empfinden
möge. Ja wohl / antwortete dieser Ungeschliffene / gar zu früh werde ich euch
kommen /hoffe auch / mir werde vergönnet sein / meine Kunststreiche anzubringen.
Darumb sind wir hie / sagte sie / trat ihm entgegen / und befand dass er in der
güldenen Kunst sehr gut wahr / und sich im gestrekten Lager mit guter
Vorsichtigkeit zu halten wusste / dass ihm so leicht nicht beizukommen wahr;
deswegen sie anfangs sich auch eines langen / bald aber darauff eines kurzen
Lagers gebrauchete / liess ihm sein Spiegelfechten ein wenig antreiben / trat ihm
endlich ein /und versetzete ihm eins über die Stirn / dass ihm das Gesichte
verging; wiederhohlete den Streich / und schlug ihm die Vörderzähne aus dem
Maule / führete alsbald darauff einen starken Unterhieb / und richtete ihm das
linke Schienebein also zu / dass er in die Knie niderschoss / und ein starkes
Geschrei ausliess. Da erhub sich nun ein solches Gelächter unter den Anwesenden /
dass niemand sein eigen Wort horen kunte. Die Amazonin aber liess ihm durch ihren
Dolmetscher eine Hand vol Kronen zu seiner Schmerzen linderung einreichen /
welche er vor lieb nahm / und als währe alles wohl verrichtet / davon ging.
Herkules war anfangs nicht willens mit ihr zu fechten / endlich kam ihn eine
Lust an / sie zuversuchen / da dann ein so überaus zierlicher und künstlicher
Kampff von ihnen gehalten ward / dass alle Anwesende darüber Augen und Mund
auffsperreten; doch bekam die Amazonin im dritten gange einen sanften Schlag
über den Arm /und ward damit auch das Gefechte geendiget. Das Schiessen wahr
noch übrig / worin Herkules sich selbst fürchtete überwunden zu werden. Die
Amazonin ergriff ihren Bogen / und begehrete von der Gesellschaft / sie möchten
nach belieben das Ziel stecken und ordnen. Worauff Skaurus den Pfahl schlug;
Pupienus aber einen schwarzen Flecken eines Reichstahlers in der mitte der
Scheibe mahlete / welches der Amazonin gar zu gross dauchte; daher sie hinzu trat
/ein weisses Fleklein einer Haselnus gross in das Schwarze machete / hernach
einen schwarzen Quehrstreich mitten über die Scheibe zohe / und durch den
Dolmetscher anmelden liess / sie wollte den gemahleten Strich von der Rechten nach
der Linken zu / biss an das weisse Fleklein vor sich nehmen / und voller Pfeile
schiessen / die andern möchten von der Linken nach der Rechten zu / ihren Schuss
nehmen / und den Strich mit Pfeilen fullen / hernach sollte das Weisse den
Meisterschuss geben. Die Anwesende hielten solches vor eine Unmögligkeit / und
sahen ihrem beginnen fleissig zu / da sie einen Pfeil nach dem andern /dem
geraden Zuge nach / in die Scheibe schoss / als währe sie nach der Schnuhr hinein
gestecket; und da sie den achten abdrücken wollte / flog ein Geier hoch in lüften
über ihr her / welchen sie ohngefehr sah /und ihn alsbald herunter schoss / dass
er Skaurus auff die Achsel fiel; volführete darauff ihr Vorhaben / biss 19 Pfeile
in der Reihe stecketen / und drei Daumen breit von dem weissen Flek übrig wahr.
Der Käyser sah diesem mit höchster verwunderung zu / und sagte zu Dio: Ich wahr
schier halb willens / das Schiessen mit zu halten (wie er dann ein guter Schütze
wahr) aber nun ist mirs Lieb / dass ich mich des Bogen geäussert; dann dieser
vermummeten Amazonin gleichen lebet nicht. Es liess sich niemand im Platze finden
/ der lust hatte dieses Schiessen mit anzutreten / biss die Amazonin sie anreden
liess / wer in vorigen übungen sich mit gewaget hätte / würde ihr auch in der
lezten Gesellschaft leisten. Also trat Ladisla zu erst hin / schoss seinen Pfeil
ans äusserste der Linken in den Strich / doch dass er nicht gar in die mitte kam
/sondern ein wenig zu hoch steckete / weil er aber den Strich über die
Halbscheid rührete / liess man ihn stecke. Herkules folgete / und schoss den
seinen recht nach gebühr. Baldrich kam etwas zu niedrig / deswegen ward er
ausgezogen. Siegward hoffete es besser zu machen / aber er traff nicht allein zu
hoch / sondern auch zu weit nach der Rechten. Arbianes hatte das Glük / dass sein
Pfeil / gleich Ladislaen stecken blieb. Pupienus schoss gar fein / aber er
beteuerte dass es ein blosser Glückesschuss währe; die übrigen alle schossen
gröblich fehl. Also kam die Ordnung wieder an Ladisla / der traff dissmahl recht.
Herkules im gleichen; die übrigen fehleten alle. Zum drittenmahl fehlete Ladisla
des Streichs / auch alle anderen / ohn Herkules / und machte es Pupienus am
schlimmesten /daher sich niemand mehr wollte gebrauchen lassen /ohn allein
Herkules füllete die Zeile / wiewol nicht so gar gleich als die Amazonin / wollte
doch nit desto weniger den Meisterschuss mit halten / da ihm dann der Vorschuss
gegönnet ward / welcher so wohl geriet dass er mitten auff das Weisse zustecken
kam; dessen die Amazonin sich herzlich erfreuete / liess das Löchlein nach
ausgezogenem Pfeile zupflöcken / legete an / und schoss in eben dasselbe Loch /
welches Herkules gemacht hatte / wie es dann von allen / die sich mit ubeten /
besichtiget ward. Arbianes wollte nicht mehr zweiffeln / es müste die
unvergleichliche Schützin Valiska sein / trat zu ihr hin / und sagete auff
Medisch: Fr. Schwester / sie ist es und keine andere; welche ihm dann lachend
antwortete: Ein Freund verräht den andern nicht; legte ihren Bogen nider /
setzete sich auff ein gerades Pferd / und liess ihr das Geschoss wieder reichen;
bald kahmen nach ihrem geheiss etliche Hasen hergelauffen / denen sie nachsetzete
/ und alle / die sich nicht unter die Leute und Pferde verstecketen / im vollen
rennen / zu bodem schoss / dass der Käyser überlaut sagete: O wunder der
volkommenheit / wiltu nicht schier auffhören zu wundern! sie taht hierauff noch
etliche zierliche ritte / schoss einen Pfeil gerade übersich in die Höhe / dass es
zischete /schwang sich sehr artig vom Pferde / und hielt durch ihren Dolmetscher
folgende Rede: Grossmächtigster unüberwindlichster Käyser; auch Durchleuchtigste
Hochgebohrne Fürsten und Herren; Fürstinnen / Frauen und Fräulein; es bedanket
sich mein gnädigstes Fräulein / Frl. Minitea untertähnigst / dienst- und
freundlich / dass man ihr diese Ubung nicht allein gönnen / sondern auch ihren
unvolkommenheiten gnädig und günstig übersehen wollen; den ritterlichen Mitübern
erkennet sie sich zu ehrliebender Freundschaft schuldig / wie sie auch uhrbötig
ist / allen Anwesenden nach Standes gebühr auffzuwarten / und behägliche
angenehmligkeiten zuerweisen. Endlich musste ihr Dolmetscher anzeigen / es möchte
der unglukliche Fechter des folgenden Tages sich bei ihr anmelden /welchen sie
noch weiter ergetzen wollte / nachdem sie nicht gerne einigen ungewogenen in
dieser Landschaft verlassen möchte. Hiemit nam sie einen Abtrit in ein
Untergemach / liess den Bömischen ädelknaben / der des vorigen Tages sich
angegeben hatte / unvermerket an ihre Stelle treten / stieg durch ein
Nebentuhrlein auf ihre Schaubuhne / da Gallus ihr aufs schleunigste die Farbe
weg nam / und legte sie ihre Kleider an /des verfolgs erwartend. Der Käyser
sendete hin nach dem Fürstlichen Frauenzimer / mit begehren / es möchten ihrer
sechse unbeschwert herzu treten / und die Gewin nach der Richter Urtel
austeilen. Also gingen Valiska / Sophia / Lukrezie / Sibilla / Ursula und
Kordula hin / solches zuverrichten. Den höchsten Preis von allen vier Spielen
empfing die Amazonin von Sophien / und Herkules von seinem Gemahl; als wegen des
Bereitens ein par güldener PferdeStangen mit einem Gebiss von ädlen Steinen;
wegen des Ringelrennens einen treflichen Kranz von den kostbahreste Perlen;
wegen des Fechtens ein Schwert / dessen Gefäss von Demanten schimerte; und wegen
des Schiessens ein Kleinot in gestalt eines Handbogen zugerichtet. Der ander
Gewin ward Ladisla und Skaurus eingereichet / wegen des Fechtens; Ladisla und
Baldrich wegen des Reitens; Ladisla und Siegward wegen des Ringelrennens;
Ladisla und Arbianes wegen des Schiessens; welches ihnen Lukrezie uñ Sibylla
lieferten; nehmlich jedem wegen des Reitens ein par güldener Sporn mit Rubinen
ausgesezt; wegen des Ringelrennens / auch einen Perlen Kranz; wegen des Fechtens
ein Kleinot in gestalt eines Adlers; und wegen des Schiessens des KäysersBilde
umb und umb mit Saphiren versetzet. Den dritten und lezten Preis teilten Ursula
uñ Kordula aus; Siegwarden und Arbianes wegen des Reitens / ein par güldener
Sporn /etwas geringer als die vorigen; Baldrich und Skaurus einen Perlen Kranz
wegen des Ringelrennens; Baldrich und Siegward ein par güldener Armbänder wegen
des Fechtens; wie auch eben diesen beiden wegen des Schiessens eine güldene
Kette; und belieff sich der sämtliche erste Gewin auff 100000 Kronen; der ander
auff 60000; der dritte auff 35000 Kronen. Es hatte sich der Tag zimlich schon
auff die Späte gezogen /und wahren so wohl Zuseher als Ubende noch nüchtern / dz
jeden nach der Spise verlangete. Die GrossFürstin machete hieselbst noch einen
blinden Auffzug / in dem sie die Amazonin baht / mit ihr zu Tische zu gehen /
welche sich aber höflich entschuldigte / mit einwendung / sie hätte annoch sehr
nöhtige Sachen zuverrichten / bähte umb verzeihung / und wollte nach verlauff
wenig Stunden sich unfehlbar einstellen /Käyserl. Hocheit untertähnigst / und
der Hoch Fürstl. Gesellschaft dienstlich auffzuwarten; mit welchem erbieten dann
der Käyser und die anderen alle / zu frieden sein mussten / weil sie ja noch das
Glük haben würden / diesen so treflich fertigen Menschen zuerkennen. Zeit
wehrender Mahlzeit uber / wahr alles Gespräch von Herkules und dieser Amazonin /
dass auch der Käyser sagete: Ihn verlangete sehr / diesen wunder geübeten
Menschen zukennen / und wer er auch sein möche / könnte er ihn doch vor kein
Weibesbild halten. Fr. Söphia antwortete: Es liesse diese Amazonin sich anmelden
/ dass ihrer Käyserl. Hocheit sie sich gerne untertähnig darstellen wollte / im
falle sie bei derselben eines Frevels gnädigste Vergebung erhalte könnte /
welchen an ihrer Hocheit sie einsmahls / doch nicht aus bösem willen verübet
hätte / und wollte sie vor ihr Haupt ihre Hochheit wohl versichern /dz die
verstellete Amazonin / so die ritterliche Ubung verrichtet / ein wahres
Weibsbild währe. Ist sie eine solche / sagte der Käyser / so ist sie die
volkommenste in ritterlichen Ubungen; jedoch beteuren wir / dass wir uns durchaus
nicht erinnern können / von einigem Weibsbilde einen Frevel eingenommen zuhaben
/ und ob solches gleich geschehen währe / müste ihr doch willig verzihen sein /
insonderheit / weil es nicht aus Bosheit / sondern vielleicht aus blossem Irtuhm
wird geschehen sein. Dieser gnädigen verzeihung / antwortete Fr. Sophia /
bedanke wegen meiner Fr. Schwester der Teutschen GrossFürstin / ich mich
untertähnigst /und will ihrer Käyserl. Hocheit nicht långer verschweigen / dass
die ritterliche Amazonin keine andere gewesen / als die Durchleuchtigste
GrossFürstin / Fr. Valiska / die ihrer Hocheit an der Seite sitzet. Der Käyser
entsetzete sich fast / wegen dieses vorbringens / wusste nicht / wovor er sie
halte sollte / wendete ihr sein Angesicht zu / und sagete: Wie ist es dann
möglich / dass eure Liebe auff einmal und an einem Orte in zween durch Angesicht
/ Leben und Kleidung unterschiedliche Menschen sich verstellen kann? Nun habe ja
ihre Liebe ich nicht allein auff der Schaubühne gesehen /sondern ihr auch die
Gewin auszuteilen selbst in die Hand gegeben; überdas mit leiblichen Augen
angesehen / dass Fr. Sophia der Amazonin die wolgewonnenen Kleinot zugestellet.
Die GrossFürstin erröhtete in etwas / und gab zur Antwort: Unüberwindlichster
Käyser; nachdem allergnädigste verzeihung dieses meinen kühnen Frevels ich schon
erhalten / will ihrer Käyserl. Hochheit ich untertähnig berichten / dass ich zwar
die Amazonin in den RitterSpielen / aber weder die gestrige / so sich angab /
noch die heutige so den Gewin empfing / gewesen bin. Dañ nachdem ich nach
vollendung der Spielen einen geschwinden Abtrit nam / habe ich jene zum betrug
in bereitschaft gehabt / und ist mir solches so wohl gelungen / dass keiner / so
nicht zuvor es gewust / mich ungezweifelt erkennet / ohn FürstArbianes hätte mir
das Spiel schier verderbet /als welcher mich beim Schiessen / dessen er mehr von
mir gesehen / aushohlete / und da meine warnung nicht gewesen / mich vielleicht
verrahten / uñ in offentlichen Spot gesetzet hätte. Alle anwesende Römer und
Römerinnen kunten sich der GrossFürstin nicht gnug verwundern / so dass ihrer
unterschiedliche sie vor eine himlische Göttin zuhalten anfingen / uñ der
gänzlichen Meinung wurden / sie musste entweder die algebietende Juno / oder die
streitbare Pallas / oder das Schön-Muster die Venus sein. Ja man fand folgendes
Tages unterschiedliche Zettel ausgesträuet /auff welchen dieses Heidnische
Verssgeticht geschrieben stund.
                                       1
Ihr Römer nehmt des Glückes wahr;
Jezt habt ihr das versprochne Jahr /
Da euch die Götter selbst besuchen;
Wie könt ihr dann dem Glücke fluchen?
Erkennet doch die Seligkeit /
Womit euch Jupiter erfreuet;
O der genehmen lieben Zeit /
Die über uns diss Glük ausstreuet!
                                       2
Hilff Juno! deine Himmelspracht /
Hastu zu uns hernieder bracht.
Hilff Pallas! dein ungläublich reiten /
Dein Ringelrennen / Schiessen / Streiten /
Hab ich mit Augen angesehn.
Hilff Venus! deiner Schönheit prangen /
In welchem deine Glieder stehn /
Kan nicht an Menschen Schwacheit langen.
                                       3
Vor diesem wahr der Weisen Schluss;
Die Juno / Pallas und Venus
Bestünden nicht in einem Wesen.
Sie haben warlich falsch gelesen.
Hilff Juno! du bist Pallas mit;
Du / du bist Venus gleicher massen;
Und fehl' ich hie umb einen Trit /
Wil ich mich wohl verbrennen lassen.
                                       4
O du dreifacher Gotteit-Sin /
Bistu nun ein' Amazonin?
Und läst dich fast Barbarisch nennen?
Dass nicht die Welt dich mög' erkennen.
Valiska muss sehr heilig sein!
Ihr Römer schreibt den hohen Nahmen
In die Stat-Bücher fleissig ein /
Zum guten Nachricht eurem Saamen.
                                       5
Nicht weiss ich / ob auch Phöbus sich
Hier bei uns findet sichtbarlich
In Herkules Gestalt und Leibe.
Recht / wann vor Ladisla ich schreibe /
Gott Merkur / oder Mars vielleicht.
Doch / weil wir sie nicht dürffen ehren /
Und mein Spruch ihrer Hocheit weicht /
Wil ich mich nur zur Göttin kehren.
                                       6
Dreifache Göttin! ich dein Knecht
Begehre keines Menschen Recht /
Noch Gnade / dich will ich besingen /
Und mein LobOpffer willig bringen.
O schütze du diss unser Land;
Wend' ab Krieg / Seuchen / teure Zeiten /
Durch deine Krafft und starke Hand /
Und lass die Feind' unglücklich streiten.
Noch kunte der Käyser sich in die Sache nicht schicken / wie sie dann ihr
Angesicht / und gleich als im Augenblicke hätte verstellen konnen / und gar in
eine als von der Sonnen angebrante Farbe verendern; welches sie nur mit einem
sittigen Lachen beantwortete /und umb vergünstigung eines kurzen Abtrittes
anhielt / damit sie ihrer K. Hochheit diesen zweifel benehmen möchte; machte
sich auff Bewilligung mit allen Fürstinnen und neulich verheirahteten Römischen
Fräulein in den Garten / und strich ihnen sämtlich das Gesicht / Haar und Hände
an; kehreten hernach wieder miteinander nach dem Saal / und stelleten sich in
die Reihe vor dem Tische her / da sie so gar unkentlich wahren / dass ihre Eltern
selbst an der Warheit / dass sie ihre Kinder währen / zweifeln mussten / meinten
auch nicht anders / es müste diese verenderung durch eine heimliche ZauberKunst
verrichtet werden. Aber Herkules benahm ihnen diesen Wahn bald / und berichtete
sie kürzlich / durch was mittel diese Farbe angestrichen und wieder abgetahn
würde; lies auch dem Käyser ein weinig reichen und zeigete ihm / wie mans damit
machen müste. Nun dürfte ich schweren / sagte der Käyser / das Frauenzimmer
anschauend / dass Prokulus sich aller Ansprache willig begeben / und keines
streits begehren würde / wann er Fürstin Lukrezien und Sibyllen in dieser
Gestalt sehen sollte. Allergnädigster Käyser / antwortete Lukrezia / so müste er
mir dannoch zum Eheliebsten viel zu schlim sein /wann mir gleich eine zehnmahl
hesslichere Gestalt angebohren währe; nicht dass ich ihn wegen seines Standes oder
Herkommens verachte / sondern weil die blödigkeit seines Gehirns und sein
Tugend-mangel noch wohl hundert mahl heslicher als mein jetziges Angesicht
erscheinen würde / wann mans sehen könnte. Ich gebe diesem recht / sagte der
Käyser; aber wisset ihr nicht / fragete er Gallus / wie dieses Kunstpulver
zugerichtet wird? Nein / aller gnädigster Käyser /sagte er; Mein Obrister / da
ich noch ein Räuber wahr / hatte diese Kunst vor sich allein / und gab vor / es
währe seine eigene erfindung / die er noch keinem einigen Menschen mitgeteilet
hätte; erboht sich gleichwol / mich dieselbe zulehren / welches aber seine
Niederlage im Walde / und meine glückliche Bekehrung verhindert hat. Der Käyser
hörete solches ungerne /lies ihm einen teil geben / und verwahrete es fleissig
/im Nohtfalle zugebrauchen / da ihm Valiska an dem Frauenzimmer sehen lies / wie
mans wieder abreiben könnte Er richtete diesen Abend eine vertrauliche
freundschaft mit Herkules und seinem Gemahl auff /so dass er ihn invictissimum
Heroa, optimumque Imperatoris fratrem; Einen unüberwindlichen Held / und des
Käysers allerbesten Bruder. Sie aber / Incomparabilem Heroinam, optimamque
Imperatoris sororem; Eine unvergleichliche Heldin / und des Käysers allerbeste
Schwester nennete; sich auch erboht / mit ihnen alle seine Hocheit zuteilen und
gemein zu haben; dessen sie doch beiderseits sich unwirdig nenneten / und vor
die hohe gewogenheit sich untertähnig bedanketen. Des folgenden Tages kahmen der
Grosfürstin die obgesetzete Reimen zur Hand / über welche sie sehr unwillig ward
/ dem Tichter / dafern sie ihn ausforschen könnte / schwere Rache dräuete /
zureiss die schrift in kleine stücken und sagete; es müste ihr ewig leid sein /
die Stad Padua jemals gesehen zuhaben / wann zu solcher Abgötterei sie Ursach
und Anlass geben sollte; ja sie gelobete 2000 Kronen aus / wann man ihr den
Uhrschreiber anmelden würde. Ach du mein Gott /sagte sie überlaut bei der
Mahlzeit / soll man die wahre aller höchsteilige Gotteit so schimpflich halten
/ dass man sie einem schwachen Menschen Kinde /um etwa eines Rittes oder Schusses
willen zuleget? ja sollte ich elende vor eine Göttin angesehen sein / die ich
doch so grossem Vngluck unterworfen gewesen /und über Meer und Land mich habe
müsse schleppen lassen? Mein Gefängnis ist ja in ganz Asien bekant; meine
Unfälle wissen die kleinen Kinder daselbst zu erzåhlen. O was vor unbesonnenheit
treibet doch die Menschen an / dass wann Gott etwa einem eine geringe
LeibesZierligkeit verleihet / solches alsbald vor himlisch und göttlich soll
gehalten und ausgeruffen sein. Narren sind es / und unverständige grobe
Klozhölzer / die dem götlichen wesen schwache menschliche Leiber / Fleisch /
Blut und Knochen zulegen. Die verständige Weltgelehrte habens viel besser / als
die Wahnwitzige Tichter / so man Poeten nennet / gewust; dann sie verstehen und
bekennen /dass Gott ein Geist / nicht ein Mensch; eine Kraft und unbegreifliches
Wesen / nicht ein kleines umschriebenes Geschöpf sein müsse; und währe sehr gut
/ dass man aus deren schriften die jugend etwas fleissiger in der Erkäntnis
Gottes unterrichtete / und der Tichter Lügen Bücher im Feur gen Himmel schickete
/ so lange ein Mensch dadurch geärgert und verführet werden kann. Ich möchte den
jetzigen Tohren gerne fragen / warumb er nicht mit einer Göttin friedlich ist /
und aus mir eine dreifache / als eine hochmühtige / blutgierige und Unzüchtige
zu machen gedenket / und kann mir doch in alle Ewigkeit nicht beweisen / dass auch
nur eine einzige Göttin im Himmel oder auf Erden oder unter der Erden sei. Dann
worzu sollte sie doch sein? oder wie sollte ich gläuben / dass Gott ein Weib habe?
dann lieber worzu hat er sie doch? ein Geist suchet ja keine fleischliche
Wollust; so zeuget er auch ja keine Kinder oder Geisterlein mit ihr; dann wer
lachet des OvidianischenMehrleins nicht / dass er den Höchsten Gott / welchen er
Jupiter nennet / zum Ochsen umb Frl. Europen willen machet? O du blinde Vernunft
/ lerne doch erkennen / dass Gott ein reines keusches unverendertes ewiges Wesen
sei / dem kein Abzug kein Zufal / kein Muhtwille / keine Frecheit /aber auch
keine Schwach- und Unvolkommenheit kann noch muss zugeleget werden; dann wie könnte
Gott alle dinge ordnen / schaffen und erhalten / wann einiger Gebrech an ihm
währe? wie könnte er das höchste Gut sein / wann einige zuneigung zum Bösen bei
ihm währe? Ich rede kühnlich / weil ich einen gnädigsten Käyser habe / und umb
so viel kühner / weil ich dem wahren Gott nichts unbilliches / nichts
vorwerfliches /nichts gebrechliches antichte; weiss auch / dass die Grosmächtige
Käyserliche Fr. Mutter mit mir allerdinge einig ist. Dann warumb sollte ich
leugnen / dass ich eine Christin bin? so weiss ich ja auch / dass mannicher Christ
bei meinem Gnädigsten Käyser wohl gelitten ist / und dessen Hocheit meinem HErrn
und Heiland Jesus Christ selbst nicht verachtet (dieses sagte sie / weil der
Käyser denselbe auch mit unter seine andere HausGötter rechnete). Weil dann die
Christen / fuhr sie fort / den Tichtungen von den falschen Göttern und Göttinnen
hertzlich feind sind / hat der heutige schändliche Lugen Tichter keine andere
Belohnung bei mir zu hoffen / als verachtung / Feindschaft / Hass / Schmach und
Straffe / dafern ich seiner nur mächtig werden kann. Alle Anwesende höreten ihr
fleissig zu / sahen ihr die Augen im Kopfe vor Zorn fünkeln / und sprach der
Käyser sie zufrieden; sie möchte diesen Närrischen Tichter ihres ädlen Eifers
unwirdig halten; könnte er ihn in erfahrung bringen /sollte es ihm ungestraffet
nicht hingehe. Worauf sie sich dann zufrieden gab / und bei dem Kåyser bitlich
erhielt / dass aufgeruffen ward / da iemand dergleichen Zettel gefunden / sollte
er sie straks Angesichts einliefern / dere 25 eines Inhalts herzugebracht und
mit Feur verbrennet wurden. Es wahr dieses der Sechste Tag der Hochzeit / an
welchem Herkules und Ladisla allen Römischen Herren / Frauen und Fräulein
köstliche Kleinot und Ringe / teils aus der Räuber Höhle /teils aus Asten
mitgebracht / austeileten / ihrer Freund- und Kundschaft dabei zudenken;
insonderheit bestelleten sie bei Herr M. Fabius / dass dem Käyser in der Stad Rom
/ nicht weit von ihren aufgerichteten Bildnissen / ein Siegesbogen / und eine
hohe Spitze sollte aufgebauet werden / dero behuef sie ihm dann 4 Tonnen Goldes
einlieferten; Welches er dem Käyser unangezeigt nicht lassen durfte / der ihre
Gewogenheit daraus erkennend / hinwiederum jedem einen güldenen KönigsStab / als
freien Bundgenossen / und des Römischen Reichs Freunden / schenkete.
    Des nähstfolgenden Tages zimlich früh / ward dem Käyser angemeldet; es
hielte ein sehr grosser starker Ritter / scheussliches Angesichts mit 12
Gewapneten /und 10 Leibdienern vor dem StadTohr / gäbe sich an vor einen
Pannonischen Herren und Gesanten seines Königes / und begehrete vor den
Römischen Käyser gelassen zuwerden / als welchen er wegen seines Königes und des
Pañonischen Reichs etwas vorzutragen hätte. Vielleicht / antwortete Dio / will
Pañonien sich dereins bequemen / nachdem es uns etliche Jahr aneinander manniche
Ungelegenheit verursachet hat /und verlanget mich zuwissen / was dieser guts
neues bringen wird. Der Käyser befahl / man sollte ihn neben den seinen in die
Stad lassen / und in eine gute Herberge legen / biss er nach gehaltenem
Frühstücke (dann sie wahren willens auf die Jagt zureiten / welches hiedurch
auffgeschoben ward) vorgefodert wurde; Wie dann nach verlauf einer guten Stunde
geschahe / und der Käyser mit Herkules / Ladisla / und den gesamten Römischen
Herren sich in ein grosses Gemach begab / da Herkules ihm zur Rechten / Ladisla
zur Linken / und die Römer gegen uber sitzen mussten. Bald trat dieses
erschrökliche Ungeheur /welches einem wilden / als vernünftigen Menschen
ähnlicher sah / mit ungewischeten Stiefeln und Sporen hinein / und ohn einige
Ehrerbietung hielt er diese Rede mit grausamer Stimme; Es ist durch die Welt
bekant / dass der bisher zwischen euch Römern und uns Pannoniern geführte Krieg
an beiden seiten gute Stösse und wenig Nutzen abgeben hat / uñ wir allerseits
lieber den Frieden als Krieg haben möchten. Wer unter uns die wichtigste ursach
habe / das Schwert zugebrauchen / wird ein unverdächtiger Richter leicht finden
/ weil wir unsere Freiheit / in welcher wir ehmahls gelebet / wieder suchen /
ihr aber ein unbefugtes Joch uns anzuwerffen bemühet seid. Doch habe ich keinen
Befehl / mich hierüber zuzanken / sondern dem Römischen Käyser oder seinen
Gevolmächtigten anzusagen / dass mein König zum Frieden wohl geneigt sei; weil er
aber nicht absihet / was vor Mittel zum schleunigen Vergleich möchten
vorgeschlagen werden können / oder ablanglich sein / und dannoch durch Wurffel
oder Kartenspiel sichs weder gewinnen noch verlieren lassen will / als meint 
seine Königl. Hocheit / den sachen nicht besser abgeholffen werden möge / als
dass auff eines Mannes Spitze das ganze Hauptwerk gestellet werde / da sonst eine
solche tapffere Erklärung von euch Römern angenommen werden darff. Jedoch /
warumb woltet ihr euch dessen wegern / die ihr euch ja vor die Ritterlichsten
und Streitbahresten der Welt haltet / auch durch überwindung vieler Länder und
Städte gnug erzeiget / dass euch die Fäuste nicht schlaffen / noch die Waffen
verrosten. So höret dann nun meines Königes Vortrag /worin sein ganzes Reich
eingewilliget hat; Ich will im Nahmen meines Königes und des Pannonischen Reichs
(dessen ich satte schrifftliche Volmacht auffzulegen habe) euch einen Kämpffer
stellen / mit Schild / Helm / Speer und Schwert / auch gnugsame Versicherung
tuhn / dass / dafern derselbe von eurem Gegenkämpffer sollte gefellet / das ist /
erschlagen oder lebendig gefangen werden / der Pannonier König und sein Reich
dem Römischen Käyser jährlich die angemuhtete Schatzung / zehn Jahr lang
aneinander unwegerlich geben und entrichten sollen und wollen. Hingegen wann der
unsere über eurem Kämpffer die Oberhand / wie er hoffet / erlangen würde / will
der Pannonische König und sein Reich von euch zehn Jahr lang aller Ansprache
entlediget und benommen sein / auch wehrender Zeit über sich aller Tähtligkeit
(da ihm sonst nicht Ursach gegeben wird) entalten. Sehet da eine billiche
Rachtung / weder euch schimpflich noch uns verweisslich / und kann vielleicht in
einer Viertelstunde aller Span geschlichtet / und der Krieg vertragen werden /
wann ein solches euch nur anstehet / dessen ich gerne bald möchte verständiget
sein. Der Käyser hiess ihn nach geendigter Rede einen Abtrit nehmen / und
beredete sich mit den anwesenden; da die Römer ingesamt Herrn Dions Meinung
beipflichteten / man sollte diesen Vorschlag nicht eingehen; massen die Pannonier
in solchen absonderlichen Streiten sehr verwägen und doch gluklich währen /und
mannichen streitbahren Römer auff solche weise oft schimpflich gnug erlegt
hätten. Wolte man ihnen die Schatzung erlassen / könnte solches aus freier
Mildigkeit geschehen / so bliebe man ausser furcht der Beschimpffung. Es träffe
ohn das nicht so gar ein übermässiges an / und währe zu dieser Zeit nicht
undienlich / dass man einen Stillstand mit ihnen machete / damit das Reich in
etwas ausruhen / und sich erhohlen könnte. Ehre gnug / dass sie umb Friede
anhielten /und stünde Römischer Hocheit nicht unrühmlich an /einem so mächtigen
Feinde denselben auff ersuchen mitzuteilen. Als die Römer dieses Schlusses fast
einig wahren / baht der Käyser unsern Herkules / seine Meinung hierüber
zuentdecken; welcher nun ihren Schluss nicht tadeln wollte / und diese Antwort
gab: Ich bin zu geringe / Unüberwindlichster Käyser / so vieler hochweiser
Herren Raht zuverwerffen / oder vor undüchtig zuhalten / angesehen mir überdas
des Römischen Reichs Notturfft ganz unbewust ist / würde mir auch unbesoñen
anstehen / mich in fremde Händel einzumischen; nur / da mirs nicht sollte
verarget werden / gebe ich ihnen vernünftig zubetrachten / ob diese ohndas
tölpische Pannonier es den Römern nicht vor eine Zagheit auslegen werden / dass
man ihnen die Schatzung erlässet / und doch des angebohrenen Kampffs sich
entbricht. Freilich werden sie sich rühmen / und in ihren Zechen davon fingen /
ein einiger Ritter habe dem Römischen Käyser diesen Vertrag abgetrotzet /und
ganz Rom dermassen in Furcht gesetzet / dass man wegen Erlassung des Kampffs Gott
noch darzu gedanket habe. Versichert euch / meine Herren / es wird nicht anders
ergehen; Ihr angebohrner Stolz und eingesenkte Ruhmrätigkeit pfleget nicht
anders zuverfahren; Dürffte demnach ich schier der unvorgreiflichen Meinung sein
/ im falle man den unnöhtigen Kampff nicht annehmen wollte / bei der Anfoderung
der Schatzung zuverharren / aufs wenigste noch eine zeitlang / als ihnen solche
alsbald nachzulassen. Ich vor mein Häupt / nachdem ich vor einen Römischen
Burger auffgenommen / und in ihren höchsten Adel eingeschrieben bin / habe
Römischer Käyserl. Hocheit noch kein Zeichen der tiefschuldigen Dankbarkeit
/viel weniger dem Römischen Reich einigen Dienst erweisen können; möchte
wünschen / dass ich könnte gewirdiget werden / diesen Kampff auff mich zunehmen /
wollte ich durch Gottes Hülffe und Beistand an der überwindung nicht gar
verzweifeln / ungeachtet ich schon merke / dass dieser Unhold selbst der Kämpffer
sein werde. Der Käyser umfing ihn hierauf mit brüderlicher Gewogenheit / und
antwortete ihm: Mein allerliebster Freund und bester Bruder; Euer Liebe erbieten
ist zu gross / und kann von uns und dem Römischen Reiche nit ersetzet werden;
müste uns auch ewig leid sein / dafern Eure Liebe hiedurch in Lebensgefahr
gerahten sollte; und dannoch dessen Ehre und Ruhms Auffnahme zuhindern / will uns
gleich wohl nicht gebuhren; stellen demnach Eurer Liebe heim /hierin nach
gutdunken zuverfahren. Burgemeister Pupienus bedankete sich imgleichen gegen ihn
/ wegen des Römischen Rahts / vor solches erbieten / welches nach Vermögen
zuersetzen / nebest Kåyserlicher Hocheit sie alle wollten gefliessen sein. Diese
Volmacht nahm Herkules mit Danksagung an; ward also der Pannonier wieder hinein
gefodert / welchen Herkules also anredete: Höret ihr Gesanter; nicht unbillich
verwundert sich unser allerseits gnädigster Käyser uñ Herr / eures unhöflichen /
Ehrerbietungs-losen und frevelmuhtigen Vorbringens / und dz eure Anfoderung ihr
vor Darlegung schrifftlicher Volmacht so dürre und verwägen habt vortragen
dürffen; jedoch sei dieses verhalten eurer Unbedachtsamkeit zugeschrieben /
wodurch ihr uns zuerkennen gebet / dass mit hohen gewaltige Fursten zuhandeln
eures Handwerks nicht sei. meint aber euer Konig / Römischer Wiz und
bedachtsame Vernunft fahre so unvernünftig / und stelle des ganzen Reichs
Wolfahrt auff eines MenschenFaust / oder wie ihr vielleicht gerne sehen mochtet
/ auff Wurffel und Kartenspiel / wie die Hollunken ihre Diebespfennige? Die
Verzweifelung gibt solche Vorschläge an die Hand / nicht verständige
Herzhaftigkeit und Stärke; dann sollte dieses allemahl gultig sein / wie wollte
dann der Schwächere sein Recht behäupten? Es möchte sich vielleicht ein
verwägener Wagehalss unter euch finden / welcher nit durch Tugend / sondern aus
Raserei und Wahnwiz angetrieben / sein viehisches wüten suchte anzubringen / wie
ich dessen vor vier Jahren ein Beispiel in meiner bluhenden Jugend am Böhmischen
Hofe erlebet habe / da ich ehrenhalben nicht umhin kunte /mich mit einem euch
nicht unähnlichen frechen Pannonier nacket zuschlagen / worzu ihn bloss seine
Unbescheidenheit brachte / und darüber mir zur Busse den Kopff lassen musste. Dass
ich aber auff mein voriges komme / hält man nicht allein unnöhtig / sondern auch
unverantwortlich / dergleichen Vortrag einzugehen / es währe dann / dass ein
Ritter sich von freien stücken anmeldete / Pannonischen Hochmuht abzustraffen /
und euch mit seiner Faust erkennen zugeben / wie wenig Römische Tapfferkeit
euren unvernünftigen Frevel achtet. Könnet demnach euren so gutwilligen Kämpfer
melden / alsdann dürffte sich etwa einer finden / welcher Römischer Käyserl.
Hocheit zu untertähnigen Ehren einen oder etliche Ritte mit wagete. Der
Pannonier stund und bisse die Zähne im Kopffe zusammen / dass es ein starkes
Geknirre gab / sagte auch bald darauff zu Herkules: Seid ihr wohl derselbe /der
meinen Bruder den ritterlichen Bato soll erschlage haben? dem ich nun so manniche
Zeit vergeblich nachgefraget / uñ nicht anders gemeinet / er währe mir aus der
Welt entlauffen. Ich hoffe / die Götter werden uns Gelegenheit geben / dereins
bessere Kundschaft mit einander zumachen / wornach ich mich äusserst bemühen
will. Vor dissmahl habe ich auff getahne Verweis zu antworten / dass wir Pannonier
nicht absehen können / warumb ein ritterliches ausfodern vor unbillich oder
unvernünftig sollte geachtet werden /zumahl wann solches Mann an Mann / Ritter an
Ritter geschihet; ja wann hiedurch dem algemeinen lieben Vaterlande kann gedienet
/ und grösserem Unheil und blutsturzen abgeholffen werden. Ob wir dann gleich so
zärtlich geschikt nit sind / noch weibisch-höfliche Sprüche gelernet haben /
führen wir dannoch unsere Schwerter mit guter Vorsichtigkeit / und geben wohl
acht / dass wir uns an des Feindes seinem selber nit spiessen. Dass aber mein
Konig diesen Vorschlag tuhn wollen / stehet zu meiner Verantwortung nicht; nur
allein hoffe ich / das lezte erbieten werde nicht nur zum schein geredet sein /
und ist mir gleich / was der künftige Kämpfer vor bedenken haben mag / sich in
den Streit zuwagen / wann nur die Bedingung / die Schatzung betreffend /
eingegangen wird / ohn welche an unser Seiten der Kampf nicht kann angetreten
werden. Die schrifftliche Volmacht aufzulegen / hat mich noch Zeit genug
gedaucht / massen ich ja nicht entlauffen will; und wer sie zusehen begehret /
kann sie hie von mir nehmen; werde mich schliesslich nicht scheuhen / den Kåmpfer
nahmhaft zumachen / dann derselbe bin ich / wann nur der Gegener sich findet /
und meiner Gesellschaft schrifftliche Versicherung geschihet / dass auff getahnen
Vorschlag der Kampff angenommen sei / alsdann werden wir hernach umb den Sieg
fein zierlich zuspielen haben. Herkules lachete des Hochmuhts / und indem Dio
seine schrifftliche Volmacht durchlase / sagete er zu ihm: Mein Kerl /ihr werdet
nach diesem in Käyserl. Hocheit Gegenwart etwas bescheidener verfahren / oder
uns darlegen / ob solchen Hochmuht sehen zulassen / von eurem Könige euch
ausdrüklich befohlen sei; und wañ es an diesem ermangeln würde / hätte man euch
vor keine Gesanten zuhalte; sollte sichs aber finde / so muss euer König wissen /
dz man nit ursach habe / solche Troz zudulden / viel weniger sich davor
zufürchten / massen ihr ja mit keinen überwundenen handelt / sond'n als von dene
ihr den Frieden gerne habe wollet. Im übrige / dz ihr euch eures Spiels so hoch
rühmet / so komt ihr mir ohndz als ein zierlicher Spieler vor /welches ich auf
seine wert ersitze lasse; nur möchte ich gerne wissen / wie ihr so nach meiner
besseren Kundschaft trachtet / und ihr doch unberichtet seid /ob sie mir
angenehm sein würde; dañ ist gleich jener von mir erlegte Pannonier euer
leiblicher Bruder gewesen / werdet ihr ja deswegen keine Rache üben wollen /
inbetrachtung / er mir durch seine Unhöfligkeit / deren er sich beides wieder
den Bömischen König höchstsel. andenkens / und wieder mich gebrauchete / grosse
Ursach darzu gab. Ich handele alhier auff Pannonisch / antwortete dieser / und
bringe die Sache ritterlich vor / habe auch schon angezeiget /dass ich keine
zierliche Sprüche gelernet habe. Was ich aber vor ein Spieler bin / soll sich
ausfündig machen / wann mirs nur gegönnet wird / will auch nicht zweiffeln / da
ich euch nur an Ort uñ Ende haben kann / ihr mir eure bessere Kundschaft wohl
gönnen sollet /es benehme mir dann ein solches euer schnellauffendes Pferd / dem
ich etwa nicht würde folgen können Gut mein Pannonier / sagte Herkules / dass ihr
mich so träulich warnet; werde mich demnach meiner Haut versicheren müssen /
wann mir vor euch grauet; doch trüge ich schier belieben / diese Stunde solche
Kundschaft mit euch zu machen. Weil aber das gemeine Wesen dem eigenen
vorzuzihen ist / wird mein gnädigster Käyser in eure ausfoderung / nicht aus
pflicht /sondern eure muhtwillen zu dämpfen / schon gehehlen / und die begehrete
Versicherung alsobald ausfertigen lassen. Wann ich dann etwas eigentlicher
vernehmen werde / mit was bedingung ihr den Streit zu führen gesoñen seid / will
ich einen meiner guten Freunde vermögen / dass er euch Fuss halten soll. Der
Pannonier ward dieser Erklärung froh / und erboht sich / zu Ross und Fuss in
vollem Reitarnische unter Schild und Helm mit Speer und Schwert nach ehrlichem
Ritters brauch zu kämpfen / mit bedingung / dass sein Bestreiter Zeit seines
lebens sein Leibeigener sein müste / da er ihn im Kampf lebendig fahen könnte /
und erhöhte er sich hinwiederumb zu gleichmässigem. Herkules liess hierüber ein
Gelächter aus / und sagete: Als viel ich hore / mein Pannonier / suchet ihr auch
euren eigenen nutzen hierunter / ob ihr etwa die Zahl eurer leibeigenen Knechte
vermehren möchtet. Wie aber /wann ich euer Gegener währe / und ihr mich griffet
/würdet ihr euch meiner wenig zuerfreuen haben / dañ ich bin zimlich steiff von
sinnen / und lasse mich nicht gerne peitschen. Dass ich euch aber nicht zu lange
auffhalte / so geht hin und wapnet euch aufs beste; ich nehme nicht allein den
Kampf / sondern auch dessen bedingung an / meinem gnädigsten Käyser zu ehren /
weil der Sinn mirs noch nicht zuträget /dass ihr der erste sein werdet / der
einen gebohrnen GrossFürsten der Teutschen aus offentlichem Kampfe zum
Leibeigenen hinweg führen sollte / ob gleich eure Landsleute als Räuber mir
ehmahls die Dienstkette angeleget haben; doch wo ihr von der Reise noch müde
seid / so ruhet aus biss Morgen / länger werde ich euch nicht Zeit geben. Der
Pannonier wahr voller freuden / lachete uber laut und gab zur Antwort: Ich danke
den Göttern / dass sie mir heut einen gedoppelten Sieg in die Hand spielen wollen
/ auff einmal mein Vaterland zubefreien / und meinen Bruder zu rächen. Der
Reise beschwerligkeit hat mich gar nicht müde gemacht / wann ihr nur bald gnug
erscheinen möchtet; und wann ihr nun mein Leibeigener sein werdet / dann habe
ich schon mittel / steiffe Siñen zu beugen / und verwähnete Gedanken
einzurichten. Dass ich aber bei dem Römischen Käyser einen gebohrnen GrossFürsten
der Teutschen zum Verfechter Römischer Ehre antreffe / ist mir sehr fremde /
weil dieselben bissdaher nicht gut Römisch gewesen sind. Nahm hiemit seinen
Abscheid / und verliess Herkules in grossem Zorn / welchen Ladisla also anredete:
Mein Bruder / biss gebehten / und lass mich deine stelle vertreten / dañ dieser
Hund ist deines Schwerts unwirdig. So ist er auch gewislich nimmermehr der Ehren
/ antwortete Herkules / das eines herschenden Königes Gewehr über ihn sollte
gezücket werden; und weil ich weis /dass du allemahl meiner ehren Befoderer bist
/ hoffe ich / du werdest dich hierin nicht sperren. Alle Anwesende verwunderten
sich ihrer Herzhaftigkeit und geträuen Freundschaft / hatten auch nebest dem
Käyser gute Hoffnung zum Siege. Wie sie nun nach der Gesellschaft gingen / und
ihnen den verhandelten Kampf zu wissen macheten / verenderte die GrossFürstin in
etwas ihre Farbe / gab sich doch bald zu frieden / da sie hörete / dass er
ehrenhalben nicht anders kunte /liess seine festesten Waffen herzubringen / und
halff ihm dieselben auffs fleissigste anlegen / neben der erinnerung / seiner
gewöhnlichen Vorsichtigkeit eingedenke zu sein / und einen Vortel / den ihm Gott
zeigen würde / nicht auszuschlagen; dann sagte sie / ich halte es vor eine
Verwägenheit / wann man sich des Feindes Unfal nicht gebrauchen will / welchen
Gott allemahl uns zum besten schicket; ich will Zeit wehrendes Kampfes euch in
meinem andächtigen Gebeht der Barmherzigkeit und schuznehmung unsers Gottes und
Heilandes befehlen. Als er allerdinge gewapnet wahr / liess der Käyser einen
köstliche Helm von dem reinesten und festesten Stahl herbringen / setzete ihm
denselben mit eigenen Händen auff / und sagete: Mein werter Herr Bruder; Gott
verleihe euch Glük uñ Sieg zu steter aufnahme eures unsterblichen Preises.
Besah hernach sein Schwert / und dauchte ihn solches nicht stark gnug sein;
stellete ihm ein anders zu / dessen Klinge der erste Käyser Julius / seinem
vorgeben nach / sollte geführet haben. Er besan sich / was vor ein Pferd er
nehmen wollte; aber auff seines Gemahls und Ladisla anhalten musste er sich seines
ädlen Blänken gebrauchen. Die anwesende Fürsten und Ritter wapneten sich auch /
und hielt insonderheit Baldrich bei seinem Bruder inständig an / dass er an seine
statt den Kampff antreten möchte / welches er ihm mit sittigen Worten abschlug.
Die Streitbahn wahr bestimmet / wo Ladisla vor diesem seinen Feind Fulvius
erleget hatte / dahin sie ingesamt ritten / und Herkules von dem Käyser und
Bürgemeister Pupienus in der mitte begleitet ward. Er ritte sehr freudig /
führete einen güldenen Römischen Adler auff dem Helme /der eine Siegsfahne in
der rechten Klauen fuhrete; in seinem Schilde wahr ein strahlender Himel /
GottesReinigkeit zubedeuten / angemahlet / unter welche ein Ritter in vollem
Harnische auff den Knien mit erhobenen Händen sein Gebeht verrichtete / mit
dieser umschrift: Clypeus omnibus in the sperantibus tu DEVS es. Du Gott bist ein
Schild allen die auf dich hoffen. Das Frauenzimer setzete sich mit der
GrossFürstin auff ihren Elefanten / dem sie ein neues kostbahres Zeug hatte
machen lassen / und musste Arbianes wieder seinen Willen ihr darauff Gesellschaft
leisten. Der ungeschliffene Pannonier / nahmens Pines / hatte mit seinen
wolgewapneten handfesten Rittern / auch allen Dienern sich schon hinaus gemacht;
welchen Ladisla ersehend / alsbald seinen Leches zu ihm abfertigte /und ihn
fragen liess / was er so viel gewapneter mit sich führete; sie sollten sich
entweder erklären / ob sie lust zum Streit hätten / weil die Pannonier seine
Feinde währen / oder da sie sich dessen wegerten / sollten sie sich von der Bahn
packen / oder auffs wenigste alle Rustung / gleich den andern ihren Dienern
ablegen. Diese verdross solche Anmuhtung / und gaben zur Antwort: So einer oder
ander auff sie zu sprechen hätte / währen sie ja so willig als fertig / einen
ritterlichen Saz zu wagen; ihre Waffen trügen sie mit ehren /und wollten sie
schützen als lange sie warm dariñen währen. Ladisla entboht ihnen darauff; so
sollten sie sich dann bereit halten / unter der Bedingung (das gemeine Wesen
ausgesezt) zu kämpffen wie ihr Fuhrer /es wurden sich Ritter finden / die ihnen
zeigen sollten /wie man in Feindes Lande die Waffen zu rücke lasen müste / wann
man umb Frieden ansuchete; und als die Pannonier sich abermahl erkläreten /
seines willens /so weit den Kampff beträffe / unter der angemuhteten Bedingung
zugeleben; sagte Ladisla zu seiner Gesellschaft: Ey so will uns das Glük noch so
wohl / dass wir uns neben unsern Freund mit wagen können. Foderte darauff Baldrich
/ Siegward / Leches / Neda uñ Prinsla zu sich / und sagete: Komt ihr geliebte
Brüder und Ritter / das Glük / nach Gottes schickung / suchet uns auch zu ehren.
Der junge Fabius und Skaurus höreten solches / und fingen an: Wie dann?
Durchleuchtigster Fürst / will dann eure Durchl. uns ihrer Gesellschaft nit auch
wirdigen / da wir doch noch zween Feinde vor uns übrig sehen? warumb nicht?
antwortete er / wir wollen ob Gott will ritterlich gewinnen / oder rühmlich
sterben. Setzeten sich hiemit neben einander auff den Platz / uñ höreten frölich
an / wie so freundlich ihnen der Käyser zuredete / und ihre Tapferkeit rühmete.
Ladisla / Baldrich und Siegward erhielten durch viel bitten / dass ihnen der
Anfang zu streiten gegönnet ward / liessen auch die drei ansehnlichsten
Pannonier alsbald fodern; aber deren Führen Pines wollte es durchaus nicht
gestatten / er hätte dann zuvor seinen Kampff geendiget. Ja sagte er / fürchtet
sich etwa mein zarter Kämpffer / dem ich so unhöflich vorkome / und sihet mich
nur von ferne; was wird es abgeben /wann er das Gewicht meiner unhöflichen Arme
empfinden mus? Du unbehöfelter Kloz antwortete Leches / legestu dieses meinem
gnädigste Herrn zur Furcht aus / bistu in Warheit hesslich betrogen / und gedenke
ich noch heut dich dessen zuerinnern. Je du nichtwerter Tropf / sagte Pines /
was hastu mich zu schelten? Siehe da / ich schwere dir bei Pannonischer
Ritterehre / dass / so bald dein Gnädigster Herr / wie du ihn nennest / von mir
wird gezähmet sein / welches in einer viertelstunde geschehen soll / ich dich
schon finden / und nach verdienst abstraffen werde. Grober Büffels Ochse /
antwortete Leches / es gehören ihrer zween zu einen Kauffe / und durfte ich
meinem Gn. Herrn vorgreiffen / müstestu mir zeigen / wie fein du die Leute
zuzähmen weist; bin aber versichert / dass dir ein solcher aufwarten wird / nach
dessen Abtrit du des andern Bestreiters nicht begehren solt / es währe dann /
dass du als ein ungehorsamer Knecht mit Peitschen und Ruhten müstest bestritten
werden. Rante hiemit zurück / und hinterbrachte das ergangene Gespräch; wodurch
Herkules Zorn nicht umb ein geringes vermehret ward / schikte auch den
Pannoniern alsbald eine zimliche Anzahl fester Speere / darunter er ihnen die
erste Wahl gab / nam hernach die ihn gut dauchten / befahl sich seinem Gott /
und erwartete freudig / wann sein Feind lossgehen würde. Sein Pferd hielt sich so
unbendig unter ihm / dass dem Käyser nicht wohl dabei wahr / und sich fürchtete /
es möchte ihm am Siege hinderlich sein; da hingegen ihm solches als ein gewisses
Zeichen seines guten Muhts gar angenehm wahr. Der Pannonier nam ihm vor / alle
Vorsichtigkeit anzuwenden / dann er sah und vernam / dass sein Feind gutes
Herzens wahr / und als er innen ward / dass Herkules nicht allein sein wartete /
sondern durch Speerwinken und schwänken zuverstehen gab / dass er sein begehrete
/ gab er seinem grossen Hengste die Sporen / legte ein / und rante mit grimmigem
Eifer auff ihn zu; aber sein Pferd wahr kaum 10 Schritte gelauffen / da fiel es
im Augenblicke tod unter ihm nieder / dass seine Diener ihn lossreissen und
auffheben mussten. Herkules wahr schon auff dem Wege / ihm zubegegnen / sah
diesen Unfall / kehrete wieder umb / und hielt es vor ein gewisses Zeichen
seines künftigen herrlichen Sieges; wie dann alle anwesende darüber nicht wenig
frohlocketen. Hingegen rasete der Pannonier so heftig / dass er das schon todte
Pferd mit einem Streiche fast halb in der mitte von ander hieb / und die unsern
sich des ungeheuren Schlages entsetzeten. Doch musste der vornehmste Pannonier
absteigen / und ihm sein Pferd uberlassen /welches er beschritte / und zum
andern mahl lossbrach. Herkules seumete sich auch nicht dann sein Blänke flog
daher wie ein Pfeil / da sie dann dermassen heftig traffen / dass sie beiderseits
hinter sich bogen / und doch keinen Stegreiff verloren / trabeten also dieses
mahl mit aller Zuseher und ihrer selbst eigenen Verwunderung neben einander her
/ da der Käyser hoch beteuerte / er hätte nicht allein zeit seines Lebens ein
solches Treffen nicht gesehen / sondern ihm desgleichen nie einbilden köñen. Der
Pannonier empfand des Puffes wohl / dann er wahr auff die Oberbrust getroffen /
dass ihm das Gerippe knackete / und er dessen nicht wenig erschrak / massen ihm
nie kein Mensch (auch sein Bruder Bato nit / mit dem er einsmals unwissend
gestochen) einen so schmerzlichen Stoss beigebracht hatte. Die Speere wahren
zersplittert / und scheuheten sie sich fast beide / den andern Rit zutuhn /
hätten es lieber zum Schwertstreit kommen lassen; doch gedachte Herkules
zuversuchen / ob er ihn fellen könnte; liess neue Speer austeilen / und begegnete
dem Pannonier zum andern mahle / da er sich im Sattel drehete / dass Pines neben
hin stechen musste / und hingegen er seinen Feind so kräfftig fassete /dass er auf
seines Pferdes Hals zuliegen kam / und mit grosser Mühe sich des Falles
entielt. O du teurer Held / sagte der Käyser / der du billich vor die
ausserlesenste Kron aller Ritterschaft gepreiset wirst! Es gab Herkules ein
grosses Vergnügen / dz er diese Ehre eingelegt hatte / warff sein Pferd schnelle
umb /ehe er den ganze Lauff volbrachte / und machte sich mit entblössetem
Schwerte an seinen Mann / der sich seiner nicht so bald vermuhten wahr / sich
auch noch nicht recht wieder eingerichtet hatte / daher er etliche schwere Hiebe
/ die doch ohne Wunden abginge /empfing / ehe er zur Gegenwehr kam / ward
endlich seines Schwertes auch mächtig / und ging darauff ein überaus herber
Kampff an dass die Schilde in kurzer frist sehr schadhaft wurden. Nun hatte
Herkules einen grossen Vortel wegen seines wolgewanten Pferdes /welches mit
schlagen und beissen dem Pannonier sehr zusetzete / dass es auch endlich dessen
Pferd die Nase und OberLippen hinweg bisse / wodurch es in eine Wuht geriet /
und seinen Auffsitzer wider seinen Willen davon trug. Dieser erzürnete sich
hierüber heftig /dass er vor einen Feldflüchtigen sollte angesehen werden /
sprang herunter / und begegnete unserm Herkules zu fusse / welcher zwar lieber
den Pferdestreit fortgesetzet hätte; aber weil er sich fürchtete / es möchte
Pines ihm den Blänken beschädigen / stieg er ab / und trat ihm freudig entgegen
/ da sein Feind ihm schon die gewisse Rechnung des Sieges machete / nachdem er
meinte / es würde unserm Herkules unmöglich sein / ihm zu fusse auszuhalten /
hätte auch dürffen grosse Gefahr abgeben / wann Gottes Schuz nicht gewesen / und
Herkules durch Ringfertigkeit nicht zuersetzen gewust / was ihm an Leibesschwere
abging; dann es tobete der Pannonier mit seinen Hieben so kräfftig / dass kein
Stahl vor ihm hart genug wahr. Der ädle Blänke kunte seinen lieben Herrn nicht
verlassen / rante hinzu / und schlug nicht allein den Pannonier auff den linken
Arm / dass ihm der Schild entfiel / sondern zerrete ihm den Helm auff dem Kopffe
/ dass er sich endlich auflösete. Dieser vermeinte des Unfals rasend zuwerden /
fassete das Schwert / und gedachte ihm das Häupt herunter zuschlagen / traf aber
zu kurz / und gab ihm gleichwol eine zimliche Halsswunde /dass es endlich wiche /
und auf Herkules Abtreibung sich hinweg machete / auch alsbald verbunden ward.
Als der Pannonier dieses Unfals entoben wahr / ergreif er wieder frischen Muht
/ dann ihm wahr noch wenig an Kräfften abgangen / ohn dass ihm der linke Arm sehr
schmerzete / uñ verdross ihn heftig / dass ihm der Schild entfallen wahr / legete
sich deswegen in ein gestrektes Lager / dass ihm nicht beizukommen wahr / ruckete
vorerst den Helm wieder gleich / und buckete sich unter seines Schwertes
Beschirmung zur Erden / den Schild auffzuheben. Herkules verschief diese
Gelegenheit nicht / sondern trat ihm zur Seiten /und gab ihm unter dem Helm mit
einem Schnitte eine zimliche Halsswunde / mit diesen Worten: Du wütiges Tihr /
hiemit bezahle ich dir an statt meines Pferdes. Der Pannonier achtete des Schaden
wenig / nur der Spot taht ihm weh / welcher ihm diese Schmachrede austrieb: O du
elender Wurm / dass du annoch lebest /hastu deinem Pferde zudanken / dann nachdem
du dessen Hülffe beraubet bist / so schicke dich willig zum knechtischen Joche /
welches dich hart gnug drucken soll. Je du tumer Kloz / antwortete er / beste
hestu dann noch auff diesem Vorsatze? Ich gelobe dir bei meiner Redligkeit / dz
du schwehr abtrag machen solt. Fingen hiemit aufs neue einen grausahmen Streit
an / dass die Funken aus ihren Helmen und Waffen sprungen auch Herkules
nachgehends bekennete / dass nach Gamaxus seines gleichen ihm nicht vorkommen
währe. Der Pannonier wahr am Halse und in der Rechten Seiten wund; Herkules
hatte einen Hieb oben an das Rechte Bein bekommen / und vergossen beiderseits
zimlich viel Blut / wiewol Pines am meisten /welcher noch endlich seines
Schildes wieder mächtig ward / da sie sich zum andernmale verpausteten. Nun
merkete der Pannonier gleichwol / dass der Abgang seines Blutes ihm die Kräfte
umb ein grosses verringerte / wollte sich deswegen der annoch übrigen recht und
mit vortel gebrauchen / und ging zum drittenmahl grimmig los / fand aber solche
gegenwehr / dass er sich verwunderte / wie ihm dieser junge Ritter aushalten
möchte; fassete endlich den Schild / und warf damit Herkules wieder die Brust /
dass er drei Schritte zurück prallete / trat ihm nach / und wahr des ganzen
vorhabens ihn zugreiffen / und vor leibeigen anzunehmen / hatte ihm auch den Arm
schon ümb den Hals geleget / woruber Ladisla / die GrosFürstin / und andere /
höchlich erschraken: Er aber drehete sich ringfertig los / und versetzete ihm
einen Schnitt über die Linke Hand / dass drei Finger davon zur Erde fielen. Noch
dannoch wollte der Unhold nicht gewonnen geben / hieb ihm den Schild mitten
voneinander / mit einem Streich / dass er zur Erde fiel / und also ein jeder sich
mit dem Schwerte schützen / und den Feind angreiffen musste; worin aber Herkules
dem Pannonier zu fertig und erfahren wahr / hatte etlichemahl Gelegenheit / ihn
niderzustossen / suchte aber nur / wie er ihn lebendig in seine Gewalt bringen
möchte / welches ihm folgender Gestalt glückete: Er gebrauchete sich eines
kurzen Lagers dass ihn Pines sehr nahe treten musste / welcher einen starke
Streich auff ihn führend / sich verhieb / daher Herkules ihm die Rechte Hand
verwundete / dass er sein Schwert nicht mehr führen kunte / dessen er über die
masse traurig ward /und doch sein schandsüchtiges Maul nicht zu zähmen wusste /
sondern zu Herkules sagete: O du unwerder nichtiger Tropf / du Verläuffer deines
Vaterlandes; haben die Götter mich zu dem Ende durch meine Kraft in so mannicher
Gefahr geschützet / dass ich unter deinem kindischen Schwert erliegen soll? Sihe
da / du leichter Bube / vollende an mir den Sieg / dessen du unwirdig bist. Warf
hiemit das Schwert von sich / und erwartete unerschrocken / wann Herkules ihn
niderstossen würde; der sich aber durch diese Schmachrede nicht zu übermässigem
Zorn bewägen lies / sondern zu ihm hintrat / den Helm herunter risse / und mit
dem Schwertknauffe ihm eins wieder die Stirn versetzete / dass er taumlich zur
Erden stürzete; also rief Herkules seinen Gallus und Neklam herzu /welche ihm
Hände und Füsse binden / und wie ein Vieh hinweg schleppen musste / dessen er
sich als ein Rasender gehuhb. Die Grosfürstin und alle andere /wurden dieses
Sieges höchlich erfreuet / dz sie vor freude jauchzeten; doch ging Herkules mit
grosser Unmacht in das näheste Lustauss / liess sich daselbst abzihen / und die
Beinwunde verbinden / über welcher er noch drei andere / wie wohl geringere
empfangen hatte / da sein Gemahl mit Frr. Lukrezien und Sibyllen hin zulief /
ümb seine verwundung zubesichtigen; und nach dem sich gar keine Todesgefahr noch
Lähmung befand / sondern Galehn sie einer schleunigen Heilung versicherte /
lacheten und weineten sie zugleich vor Freuden / gingen hin / uñ brachten den
andern diese fröliche Zeitung / deren der Käyser sich nicht minder als Ladisla
und Baldrich erfreuete / lies auch den gefangenen Pannonier laben und das Blut
stillen / damit er von mattikeit nicht verginge. Die andern Pannonier hatten
sich uber ihres Führers Gefängnis so heftig entsetzet / dass ihnen Herz und Muht
entfallen wahr / und weinig Lust hatten / den Kampf anzutreten / biss der
vornehmeste unter ihnen sie ermunterte / und diese Rede hielt: Es ist viel
zuspät / ihr redlichen Brüder / den Streit abzuschlagen / und viel zu früh / das
Herz sinken zulassen / dann sehet / unser Häupt ist überwunden / und mit ihm
leider das ganze Königreich auff 10 Jahr lang / welches aber doch leidlicher ist
/ als dass wir ihn sollten in der Noht und knechtschaft stecken lassen. Ich halte
die an uns getahne ausfoderung vor eine sonderliche Schickung der gütigen
Pannonischen Götter; lasset uns nur zur gewöhnliche Herzhaftigkeit greiffen /
und unsern Feinden die Spitze bieten / alsdann zweifelt mir nicht / wir wollen
ihrer etliche lebendig fahen / und unsern Führer / welcher dem Vaterlande noch
trefliche Dienste leisten / und uns grossmachen kann / gegen sie auswechseln.
Ladisla eiferte sich über ihrem lange stille halten / und lies sie fragen / ob
sie ihr versprechen aus Schrecken vergessen / und allen Muht verloren hätten.
Nein sagte dieser / wir erwarten des Angrifs von den Auffoderern. Also ging das
Spiel von neuen an /da Ladisla / Baldrich / Siegward / und Fabius sich auff die
Bahn setzeten / und ihrer Feinde wahrnahmen. Ladisla traf mit seinem Manne sehr
glücklich /dann er rennete ihn im erstenmahle dass er mit samt dem Pferde übern
Hauffen fiel / und den linken Schenkel ganz entzwei brach: Dieser / da er dess
Schmerzen empfand / und dass er zum weitern Gefechte unduchtig wahr / zog sein
Schwert aus / in willens sich damit zuentleiben; aber Ladisla wahr ihm
zugeschwinde aufm dache / risse ihm das Schwert aus der Faust / und sagte; wie
nun du frecher Hund / wiltu wieder dich selbst wüten / nachdem dirs wieder mich
nicht hat wollen gelingen? zog ihm den Helm ab / und lies ihn gebunden vom
Platze schleppen / setzete sich wieder auff / und dankete Gott inniglich / dass
er ihm diesen herrlichen Sieg ohn alle mühe bescheret hatte. Der Käyser ritte ihm
frölich entgegen / wünschete ihm Glück / und umfing ihn als seinen geliebeten
Bruder. Baldrichs Gegener hielt festeren Stand / ward erst im dritten Treffen
zur Erden geworffen / welches so ungestüm zu ging / dass er auffs Genicke
sturzete / und den Hals zubrach; da hingegen auch Baldrich mit dem Speer am
linken Beine verwundet ward. Siegward /nach dem sein Feind ihm zween stösse
aufgehalten /wollte des dritten nicht abwarten / sondern machete sich mit dem
Schwerte fertig / und hielten diese gar ein ernstliches Gefechte zu Ross / in
welchem dieser Schwedische Held beides sein tapfferes Herz / und Erfahrenheit zu
kämpffen zur gnüge sehen lies / und ein hohes Lob davon trug / biss der Pannonier
an mannichem Orte verwundet / fast alle Kraft verlohr / und doch mit
schändlichen Schmäheworten den Fürsten immerzu reizete / schärffer anzusetzen /
damit er durch einen schleunigen Tod die ungenehme Leibeigenschaft abwenden
möchte / welches ihm aber fehlete / massen Siegward endlich Gelegenheit bekam
/dass er ihm das Schwert aus der Hand risse / und ihn zu bodem warff / auch bald
darauff ihn von der Bahn in gewahrsam bringen lies; jedoch hatte er auch drei
zimliche Wunden davon getragen. Fabius brachte mit seinem Manne am längsten zu /
welchen er zwar im dritten Treffen auff die Erde geworffen hatte / fiel aber
wegen grosser Bemühung mit seinem Pferde selbst über und über; und weil der
Pannonier zeitiger als er /auff die Füsse kam / fehlete gar weinig / er wåhre
von ihm erschlagen worden / so dass ers bloss der Barmherzigkeit Gottes zudanken
hatte / dass er noch den Sieg erhielt; dann als sein Feind ohn unterlass auff ihn
zuschlug / und ihm keine zeit gönnete auff zustehen /begab sichs / dass derselbe
hinten aus glitschete / und rüklings einen schweren Fal taht / da er mit dem
Häupte auff einen Stein schlug / dass ihm eine Ohmacht zusties. Fabius wahr schon
hart verwundet /hatte sich auch dess Lebens bereit erwogen / aber wie er seinen
Feind in diesem Stande ersah / ermannete er sich auffs beste / riss ihm Schwerd
und Schild aus der Hand / und lösete ihm den Helm gar vom Häupte / wodurch
dieser zu sich selber kam / und in dieser Noht sich befindend / nach Fabius
griff / ihm den linken Schenkel fassete / und bei nahe ihn gar zur Erden
gerissen hätte / weil er wegen verlust seines Blutes gar machtloss wahr; aber in
dem der Pannonier ihn also nach sich zohe / lähmete er ihm den Arm mit einem
Hiebe / dass er ablassen musste / verwundete ihm auch den rechten Schenkel / dass
er darauff nicht treten kunte / und lies ihn hinweg tragen / sich aber von
Galehn verbinden. Wahren also diese vier ersten durch herrliche Siege
niedergelegt. Die vier übrigen geriete hiedurch in eine grimmige Wuht / und
begehreten alsbald zu treffen / welches ihnen von Skaurus und seinen dreien
Bömischen Gesellen nicht versaget ward. Es wahr ein kurzer unansehnlicher / aber
untersezter Baumstarker Mañ / mit dem Leches es zutuhn hatte / welcher auch drei
Ritte ohn enigen Wank aufhielt / so dass im dritten der Unfal Leches schier
getroffen hätte / welcher im vierden Gange es auff die Spitze setzete / und
einen so gewaltige Rit taht / dass sie beide übern Hauffen purzelten; doch
schikte es Gott / dass Leches der erste wieder zu Beinen wahr /und auff seinen
Feind frisch angieng / welcher sich unter seinem Pferde heftig bemuhete /
hervorzukriechen / und vermehrete ihm Angst und Zorn seine ohn das starken
Kråfte dermassen / dass er sein gelähmetes Pferd vom Leibe abwalzete; durch
welche Bemühung ihm der Krebsriemen zubrach. Er hatte sich gleich auff alle
viere gesetzet / da Leches ihm nahete / und sich über seine starke Gliedmassen
sehr verwunderte /auch äusserst darnach trachtete / wie er ihm das aufstehen
verbieten möchte / stiess ihn mit einem Fusse /dass er auff den Rücken zu liegen
kam / und nachdem er nicht gesinnet wahr / diesen Vortel aus den Händen zugeben
/ schlug und stach er gewaltig auff ihn zu /worüber der Pannonier meinte vor
Eifer zubersten /lag und brüllete als ein wilder Ochse / dass ihm der Dampff zum
Helm Gesichte ausging; woraus Leches die unfehlbaren Zeichen nam / mit wem ers
zutuhn hätte; und ob er gleich sich stets bemühete / ihm das auffrichten
zuverbiete / kunte er doch endlich nicht verwehren / dass er auff den Hindern
zusitzen kam /und seines Schwerts mächtig ward / womit er so grausam von sich
hieb und stach / dass ihm Leches nit zu nahe treten durffte / der sich dann
gewaltig schämete /dass ihn ein sitzender so lange abhalten sollte; dann Neda und
Prinsla wahren mit ihren Feinden schon fertig / dergestalt / dass sie sie beide
im andern Treffen zu boden warffen / und im Fussstreite nach heftiger Verwundung
lebendig gefangen nahmen; welches Leches ersehend / zu seinem Gegener sagete: Ey
so müste ich nicht eines faulen Apffels wert sein / wann ich deine viehische
Verwägenheit nicht endlich legen sollte. O du nichtiger Tropf / antwortete
dieser; hätte mich der Unfal nicht getroffen / du würdest schon längst in meiner
Gewalt sein / dann ich getraue mich /deiner viere zubestehen / und auf einmal
lebendig davon zutragen; und bistu ein redlicher Ritter / so lass mich zun Beinen
kommen / dann will ich es ohn Schild mit dir austragen. Ich habe dich einmal
nidergeworffen / sagte Leches / und soll auch das lezte mahl sein; fing darauf an
/ eiferiger als vorhin auf ihn zuschlagen / dann er fürchtete sich / alles sein
Ansehen würde ihm verschwinden / gab auch gar genaue acht /an was orten er ihn
am besten verwunden möchte /und ward gewahr / dass sein Krebs sich in der Seite
von ander zog / so oft er von sich hieb; nam deswegen den Schild / und warff
ihn damit vors Gesichte /trat bald darauf ein / und hieb ihm die Faust lahm / in
welcher er das Schwert führete / trat ihm auff den Hals / und durchstach ihm den
linken Arm / dass er denselben auch nicht gebrauche kunte; worüber er ein so
erschrekliches Geschrei führete / dz es über die Maur in die Stad erscholle /
fing an seinen Göttern zufluchen / und schalt Leches überaus schändlich /dass er
ihn ja vollends hinrichten sollte. Aber da Gallus und Neklam diese überwindung
sahen / traten sie mit etlichen Stecken Knechten herzu / welche ihm anfangs
beide Beine zusammen fesselten / dessen er sich heftig sträubete / aber doch
endlich gebendiget ward; doch kam Leches nicht ohn Wunde davon / sondern es
hatte ihm dieser sitzend das rechte Bein an der Wade zimlich verletzet. Skaurus
und sein Gegener wahren dazumahl noch in voller Arbeit; dann weil sie mit den
Speeren sich nicht hatten fellen können / wahren sie mit den Schwertern zu Ross
aneinander gerahten / biss der Pañonier aus Unvorsichtigkeit Skaurus Pferd am
rechten Vörderbug lähmete / dass sein Reuter absteigen musste / und sein Feind
sich auch herunter machete / fingen auffs neue zu fusse einen ganz herben Streit
an / dass sie fast gleiche Wunden davon trugen; triebens auch so lange / biss dem
Pannonier das Schwert vor der Faust absprang / welcher doch deswegen den Muht
nicht fallen liess / sondern seinem Feinde glücklich unterlief / und nach
hingeworffenem Schilde mit ihm zuringen anfing worin er schier sollte des Römers
Meister worden sein / wann dieser nicht beizeiten sich seines Dolches erinnert
hätte / welchen er hervor suchete / und mit dreien Stichen ihm das Lebe nam:
ward aber Mattigkeit wegen durch Neda und Prinsla von der Bahn geleitet. Der
Käyser und alle anwesende erfreueten sich des völligen Sieges von ganzem Herzen
/ wünschete den Uberwindern Glük / liessen die annoch unverbundene fleissig
versehen / die beiden erschlagenen Pannonier entwapnen und in die Erde
verscharren / und mussten die 10 unbewapnete Diener der Käyserlichen Gesellschaft
folgen /deren viere wegen ihrer Herren Unfal sehr leidig und betrübt wahren /
die übrigen 6 aber sich darüber freueten / und auf bitliches ansuchen von dem
Käyser frei gelassen wurden / da sie sich in Ladislaen Dienste begaben / dann
sie zeigeten an / wie sie in ihrer zarten Jugend aus Böhmen hinweg geraubet /
und in diesen Stand gerahten wåhren. Die sieben Gefangene /wie mat und verwundet
sie wahren / wollten sich nicht lassen verbinden / sondern stelleten sich als
währen sie rasend / und hielten mit schänden und schmähen stets an /
insonderheit Pines meinte mit schelten es dahin zubringen / dass man ihn vollend
hinrichten sollte; aber Herkules machte es mit ihm / wie ehemals mit Gamaxus /
liess ihn auff ein Bret binden / dass er sich nicht rühren kunte / hernach musste
der Arzt ihm die Arznei aufflegen / und allen Fleiss zur Heilung anwenden;
welchen Ernst die übrigen sehend / sich endlich drein gaben / und die Verbindung
annahmen. Die vier Pannonische Diener wurden des Abens wolgehalten / und
folgende Morgens in beisein Neda und Neklam / welche Pannonisch verstunden /
auff ihr inständiges ansuchen zu den Gefangenen gelassen / die von ihnen
begehreten / mit dem Könige und Landständen / insonderheit mit Herr Dropion
Pannonischen Statalter / Pines Bruder zureden / dass / in betrachtung ihrer
geträuen Dienste / sie auf ihre Erlösung bedacht sein möchten. Der Kåyser liess
hernach diese Diener äydlich belegen / dass sie ihrem Könige und allen andern /
die reine ungefälschte Warheit wegen alles Verlauffs anzeigen wollten / gab ihnen
ein ehrliches Geschenke / liess alle an den Pannonischen König schrifftlich
gelange / und erinnerte ihn / sein erbieten redlich zuhalten / alsdann sollte der
begehrete zehnjährige Anstand ihm zugelassen sein. Es wahr überal grosse Freude
in Padua / wegen dieses glücklichen Sieges / und schrieb der Käyser allen
Verlauff an den Römischen Raht / rühmete vornehmlich Herkules Tapfferkeit / und
taht ihnen zuwissen / wie er solches zuerkennen bedacht währe. Nun mussten
gleichwol unsere ritterliche Helden / ausserhalb Ladisla / etliche Tage des
Bettes hüten / bei denen Galehn grossen Fleiss anwendete / dass Herkules und
Baldrich des sechsten Tages auffstunden. Mit Prinsla / Neda und Leches besserte
sichs noch zeitiger. Siegward / Fabius und Skaurus wahren am härtesten verwundet
/ daher es mit ihrer Besserung langsamer zuging. So wahr den Gefangenen nichts
so sehr / als die Heilung zuwider / dass sie auch gesinnet waren / sich durch
Hunger zutödten; dann weil sie alle Herren Standes /Hochådles Geschlechtes / und
von grossen Mitteln waren / kunte sie in knechtische Dienstbarkeit sich nit
schicken / welche sie doch muhtwillig erwählet hatte. Ja ihr Führer hörete noch
nit auf / allerhand Schmachreden über Herkules auszuschütte / in Meinung /
hiedurch den Tod zuerhalten / welches Gallus anzeigete /aber zur Antwort bekam /
er sollte ihn mit Hoffnung speisen / dz neben seinen Gesellen er durch wichtiges
Lösegeld sich wohl würde köñen frei käuffen / als warum es seinen Herren
eigentlich zutuhn währe; welcher Trost sie in gute Ruhe setzete / dz sie Speise
namen / die Ketten willig trugen / uñ die Gesundheit wieder erlangeten; da dann
der Käyser mit den Fürsten hinging / sie zu sehen / und zuvernehmen / wie sie
sich doch bezeigen würden / verwunderten sich sehr über Pines verwägenheit / der
hochmuhtig gnug fragen durfte / was man vor ihre Erlösung foderte; Herkules aber
ihm zur Antwort gab: Je du frechstolzer Kerl; deucht dichs noch nicht Zeit sein
/ dass du vor Käyserl. Hocheit / vor einem herschenden Bömischen König / und vor
mir einem gebohrnen GrossFursten /der überdas dein Herr ist / dich endlich
demühtigest /deinen elenden Zustand erkennest und umb Gnade und Barmherzigkeit
anhaltest? du must ja ohn zweifel bisher mit lauter Baurflegeln umbgangen sein /
dass du gedenkest / auch die höchsten in der Welt sein deiner Ehrerbietung nicht
wirdig. Und was hastu zu fragen / was man vor Lösegelder von dir fodere? wiltu
es wissen? durchaus nichts fodert man / so wenig vor die andere als vor dich /
sondern nachdem du dich deiner eigenen Urtel erinnern kanst / hastu nichts
gewisses /als die ewige Ketten der schnödesten Dienstbarkeit zutragen / worzu
dir die liebe Geduld wird von nöhten sein. Jedoch hättestu alsbald nach der
Uberwindung die Demuht ergreiffen können / würdestu einen gnädigen Herrn an mir
gehabt haben / der / inbetrachtung deiner guten Fäuste / mit dir viel anders
würde umbgangen sein. Nun aber ist die Gnadenzeit vorbei / insonderheit / weil
du diese Zeit deiner Knecht- und Leibeigenschaft dich des schändens nicht hast
entalten wollen. Drumb gläube mir / wann du gleich vor dein Häupt mir hundert
tausend TonnenGoldes liefern köntest / würde ichs weniger als diesen Stab
achten. Als Pines dieses hörete / speiete er ihn an / schalt ihn aus vor einen
Zäuberer / Verrähter / Landläuffer / und des KäysersSchmarotzer; dass er ihn ja
zum Zorn reizen möchte; wie dann die anderen alle es ihm also nachmacheten. Aber
Herkules lachete dessen nur /und sagete ihnen. Je ihr ehrvergessene Buben /
wisset ihr dann nicht / dass ihr Gefangene / ja dass ihr Leibeigene Knechte seid /
und durch euch selbst darzu verurteilet / und durffet solche Schmachrede wieder
mich ausstossen? Ja du Unhold / sagte er zu Pines / scheuhestu dich nicht / mich
gar anzuspeien? Ich erinnere dich deiner ehemahligen dräuung / wie du mittel
wüstest / meinen steiffen Sinn zu lenken; deren werde ich mich nun auch
gebrauchen müssen / umb zu versuchen / ob ich dein teuflisches Lästermaul nicht
zähmen und zåumen könne / wie dann wohl ehe einem stårkeren / als du /
wiederfahren ist. Liess hierauf sechs Steckenknechte mit scharffen Ruhten fodern
/jeden gefangenen an eine Säule binden / entkleiden /und von oben an biss unten
aus rechtschaffen streichen; welcher Schimpff ihnen dermassen zu Herzen ging /
dass sie allen ihren Göttern flucheten / auch durchaus umb keine Erlassung noch
Gnade anhielten; daher Herkules sagete: Man mus die halsstarrigen Schelmen noch
besser antasten; liess Salzwasser herzu bringen / den volgestriemeten Hinterleib
damit abwaschen / und sie ein viertelstündichen zappeln / da sie zwar ein
elendes Geheule trieben / aber keine Gnade sucheten. Es musste ihnen hernach das
Salzwasser abgespület / und an dessen statt heilsames Oel darüber geschmieret
werden / welches ihnen grosse linderung gab / und sie nicht anders gedachten /
es würde hiemit seine Endschaft haben. Aber Herkules liess sie an den Pfälen
umbkehren / mit befehl / es sollte ihnen der ganze Vorderleib gleich also
zergeisselt werden / welches sie aber noch nicht zur helfte ausgestanden hatten
/ da sie anfingen umb Gnade zu bitten / ohn allein Pines meinte durch raserei
zu überwinden / deswegen man an ihm mit der Geisselung tapffer fortfuhr /biss gar
an den Unterleib / da rieff er endlich: Ich mus meinen steiffen Sinn brechen /
und umb erlassung anhalten. Deine Demuht mus grösser sein / sagte Herkules /
hies doch die Geisselung einstellen / aber viel ein schärffer Salzwasser / als
das vorige auff die frischen Striemen giessen; wovor er erzitterte / und sagete:
Gnade mein Herr / Gnade / und erinnert euch /dass ihr auch unter der Götter
gewalt feid. Des erinnere ich mich täglich ohn dein erinnern / dass ich unter
Gottes gewalt bin / sagte Herkules / und ist dieses bloss darumb geschehen / dass
du auch nunmehr anfahen mögest zuerkennen / du seist unter Gottes und deines
jetzigen leiblichen Herrn gewalt dem du Ehre /Demuht und Gehorsam schuldig bist;
und können diese erste Ruhten dich zu solcher Schuldleistung nicht antreiben
habe ich deren noch mehr im vorbehalt / ja / spitzige hölzerne Keilichen /
welche dir an Händen und Füssen unter die Nagel sollen eingedrükt werde / biss du
tuhst was dir oblieget. Bei meinen Göttern / antwortete er / mir geschihet
endlich recht /weil ich mir ein gleiches auff den verhoffeten Glückesfall
vorgenommen hatte; aber diese meine Gesellen sind unschuldig in die
Leibeigenschaft gerahten / und von mir verleitet / deswegen lasset sie durch ein
ansehnliches Lösegeld sich frei käuffen. Kein einziger mache ihm die Hoffnung
zur Freiheit / sagte Herkules; zu späte zu späte! der Stab ist gebrochen / drumb
gebet euch nur willig drein / weil ihrs nicht anders habt wollen haben; erkennet
aber dabei / dass Gott ein gerechter Richter ist / und allen Hochmuht stürzet
/dessen wir ein Sonnen-klares Beispiel an euch sehen /dann sonst würde noch wohl
einer unter euch den Sieg davon gebracht haben. Diese scharffe Urtel ging ihnen
sehr zu herzen / doch weil sie es nicht endern kunten /mussten sie sich endlich
darein geben / und die wenige Zeit über / weil unsere Helden sich daselbst
auffhielten / täglich acht Stundenlang im Karren zihen / und den Unflaht von den
Gassen abführen / wiewol sie sich noch Hoffnung machten / nach etlicher Zeit
Gnade und Freiheit zuerlangen.
    Als die Verwundeten alle ihre Gesundheit erhalten / erinnerte Valiska ihren
Gemahl und Bruder / es wurde Zeit sein / ihrer herzgeliebeten Fr. Mutter dereins
die Klageträhnen abzuwischen / und währe ihr fast leid / dass sie solches nicht
durch Botschaft verrichtet hätte / weil über verhoffen sie so manniche
Paduanische Nacht machen müssen / und ihre Reise so lange auffschieben. Herkules
gab ihr recht / und erinnerte doch zugleich / dass er dem Keiser verheissen /die
Wiederkunft seiner Botschaft biss auff den 16den Tag nach deren hinreisen
zuerwarten / wohin nur noch zween Tage ausstünden / und möchte sie neben Fr.
Sophien / durch Leches / Klodius und andere / alles zum Auffbruch verfertigen
lassen; was an Wagen und Pferden annoch zuverschaffen währe / würden Gallus und
Neklam schon von etlicher Zeit her wohl in acht genommen haben; der vierde Tag /
von diesem anzurechnen / sollte hiemit zum unfehlbaren Auffbruch bestimmet sein.
Fr. Sophia taht solches ihren Eltern zu wissen / die sich zwar betrübeten / dass
ihr liebes Kind von ihnen scheiden würde; weil sie ihnen aber jährliche
Besuchung versprachen / gaben sie sich zu frieden / und legeten ihr die
Heimsteur zurechte. Herr M. Fabius gab seiner Tochter Sibyllen 15 Tonnen Goldes
in baarschaft / und acht Tonnen an Kleinot und Kleidern. Pompejus stellete
seinem SchwiegerSohn 20 Tonnen gemünztes Goldes zu / und 10 Toñen an Kleinot und
Kleidern / daneben vermachte er ihm die vom Käyser jährlich versprochene 30000
Kronen aus der Rentkammer. Valiska und Sophia vermehreten dieser beiden
Brautschaz / jedweder mit 10 Tonnen baarschaft / und sechs Toñen an Geschmuk
/welches sie wieder ihren willen nehmen mussten. So kam die Botschaft von Rom zur
bestimmeten Zeit an /und brachte dass vom Kåyser begehrete / teils mit /teils
aber folgete nach. Als vor erst vier Königliche Kronen / welche der Käyser
unsern beiden Helden und ihren Gemahlen auffsetzete / sie invictissimos,
Unüberwindlichste; Decus equestre, Zier der Ritterschaft; carissimos Imperatoris
Fratres des Käysers allerliebste Brüder; und endlich Herkules einen Freien König
der Teutschen; Ladisla einen Freien König der Böhmen und darzu gehörigen Völker;
auch beide des Römischen Reichs liebe angenehme Bundgenossen nennete; Valisken
aber Miraculum Orbis, das Wunder der Welt; incomparabilem pietate, virtute,
forma Heroinam: Die unvergleichliche Heldin an Gottesfurcht / Tugend und
Schönheit; dilectissimam Imperatoris sororem; Des Käysers allerliebste
Schwester; Exemplar fidelitatis conjugalis; Das Muster ehelicher Träue / Und
schliesslich / eine Königin der freien Teutschen. Fr. Sophien bestätigte er ihren
alten Ehren-Nahmen: Romanarum mulierum decus. Aller Römischen Weiber Zierde; gab
ihr überdas diesen Nahmen; Vinculum & Origo amicitiæ
Bohemicæ-Germanicæ-Romanæ. Das Band uñ der Anfang der Bömisch- Teutsch-Römischen
Freundschaft; und nante sie eine Königin der Böhmen und darzu gehörigen Völker.
Fürst Baldrichen und Siegwarden stellete er trefliche / mit Demanten
ausgesetzete Reitarnische / samt allem darzu gehörigen PferdeZeuge zu /
reichete ihnen Speere mit güldenen Spiesslein / an denen trefliche Siegesfahnen
hingen / gürtete ihnen köstliche Schwerter an / warff ihnen grosse schwere
güldene Ketten mit seinem Brustbilde umb den Hals / und nennete sie Imperij
Romani amicos & Impertoris Consangvineos Des Römischen Reichs Freunde / und
des Käysers Blutverwante; nachdem er sie schon vor Römische Bürger des höchsten
Adels erkläret und auffgenommen hatte. Schliesslich wählete er auch Leches / Neda
und Prinsla in den Römischen Adelstand / gab ihnen schöne / mit Golde
eingeschmelzete Reitarnische / auch trefliche Speer und Schwerter / und nante
sie Imperij filios & Imperatoris dilectos. Des Römischen Reichs Söhne / und
des Käysers geliebete Als alles geschehen wahr / nöhtigete sie der Käyser mit
sich in den Schlossplaz zu gehen / da er Herkules und Ladisla jedem 100
Handpferde / mit Purpur-Decken behänget / und bei jedem Pferde zween
freigelassene Teutsche Leibeigene in statlicher Kleidung / verehrete; daneben
jedem 100 Gutschpferde / mit nöhtigem zierlichen Zeuge / welche von 50 Teutschen
Leibeigenen gewartet wurden. Hierüber 400 Fuder der besten Griechischen und
Italianischen Weine / ingesamt / wobei die Wagen und Pferde / sie biss Prage
zuführen / schon bestellet wahren. Den beiden Königinnen / jeden eine von
güldenem Stücke mit Perlen gezierete Gutsche /und vor jeder acht schneweisse
Pferde mit güldenem Zeuge und vier leibeigenen Gutschern. Königin Valisken aber
absonderlich ein überaus wohl abgerichtetes Klöpperchen / sehr bund und zierlich
geschecket; und ein grosses Kleinot / ihrem Elefanten vor die Stirn zuhängen.
Den beiden Fürsten / jedem 20 Handpferde /und bei jedem zween Teutsche
Freigelassene; Ihren Gemahlen aber jeden eine Gutsche von silbern Stük mit
Perlen gesticket / und vor jede 6 schneeweisse Pferde mit silbern Zeuge / und
dreien Gutschern. Schliesslich bekahmen Leches / Neda und Prinsla jeder 5
Hand-Pferde / und bei jedem einen freigelassenen Teutschen; Ihre Eheliebsten /
jede eine braune Sammete Gutsche mit silbern Schnuren verbremet /und vor jeder 4
weisse Pferde mit zween leibeigenen Gutschern. Herkules wahr unwillig wegen der
gar zu grossen Schenkungen / welche doch nit durfften ausgeschlagen werden;
hielt darauff eine zierliche Dankrede an den Käyser und Römischen Raht / strich
des Käysers löbliche Tugenden herrlich aus / und preisete die Römer glückselig /
dass ihnen Gott diesen löblichen Käyser gegeben / vor dessen Gesundheit und
langes Leben sie zubitten wohl befuget währen. Die Römer verwunderten sich über
seine Beredsamkeit mehr / als über seine andere Volkommenheiten / und bekenneten
öffentlich / dass in ganz Rom schwerlich einer auffzubringen währe / der in
zierlichem Latein und wolgestelleter Rede es ihm gleich tun sollte. Valiska /
als er sein Vorbringen geendiget hatte / fing auffs neue an /mit solcher
Anmuhtigkeit / dass männiglich darüber bestürzet ward / indem sie den Käyser
wegen seiner Gerechtigkeit / Weissheit und Gütigkeit biss an die Wolken erhuhb /
auch vor die ihr und den ihren gar zu grosse angelegete Ehre höchlich dankete /
wobei sie einführete / es hätte Käyserl. Hocheit heut diesen Tag ihren
ehmahligen Traum erfüllet / welcher ihr wenige Zeit vor ihrer unglückliche Reise
nach Padua vorkommen währe; wie sie in dieser Stad aus einem Pusche eine schöne
Königliche Kron / gleich der empfangenen hervor gezogen / ungeachtet die Dornen
sie anfangs sehr verhindert / und die gifftigen Schlangen ihr heftig gedräuet
hätten. Worauff der Käyser antwortete; Es währe ohn zweifel die Erfüllung / wie
sie wähnete / geschehen / weil dieses sein Schloss ohndas Dumus, das ist /
Dornhecke genennet würde. Arbianes wollte des nähstfolgenden Tages dem Käyser
seine Freigebigkeit auch sehen lassen / und lud ihn nebest den Römischen und
vornehmsten Paduanischen Herren auff eine zweitägige Gasterei / worauff er schon
etliche Zeit hatte zurichten lassen / und alles Königlich in grossem uberflusse
verschaffet ward / da er dem ganzen anwesenden Frauenzimmer zierliche
GedenkRinge 50 Stük ingesamt / jedes 150 Kronen wert / schenkete; dem Käyser
aber lieferte er einen Medischen Säbel / dessen Gefäss von klarem gegossenen
Golde / mit teuren Demanten eingelegt wahr / steckete in einer Elffenbeinen
Scheide künstlicher Arbeit / und hing an einer schweren güldenen Kette. Bei der
Einlieferung bedankete er sich aller Käyserlichen Gnade /so ihm diese Zeit
begegnet / und erboht sich zu allen untertähnigsten Diensten. Der Käyser nam
alles mit freundlicher Danksagung an / und schenkete ihm hinwiederum eine
DemantKette / an welcher sein Brustbilde hing / und zuunterst ein köstlich
Kleinot.
    Weil dieses also vorging / kam Libussa auff den Saal / und zeigete Königin
Valisken an / es währen 12 von ihren Partischen Leibeigenen in dem innersten
Hofe / und bähten mit überaus bewäglichen Geberden / dass sie vor Ihre Königl.
Hocheit / deroselben etliche wenig Worte anzumelden / allergnädigst möchten
gelassen werden. Sie werden gewisslich umb eine Gnade anhalten wollen / sagte sie
/ machte es ihrem Gemahl zuwissen / und ging auff dessen Erlaubnis zu ihnen hin
in den Vorhof. Diese / so bald sie der Königin Ankunft von ferne vernahmen /
tahten einen demuhtigen Fussfall / stunden bald wieder auff /gingen etwas näher
hinzu und fielen abermahl nieder auff die Erde; stunden endlich auff / und als
sie noch fünff Schritte von ihr wahren / legten sie sich zum dritten mahl nider
ohn einiges Wort sprechen / biss die Königin sie auffstehen hiess / und dass sie
ihr begehren ohn furcht anzeigen sollten. Worauff sie sich alle auf die Knie
setzeten / ihre Häupter niderbogen / und der vornehmste unter ihnen einen Brief
in der Hand hielt /welcher diese Rede vorbrachte: Grossmächtigste
unüberwindlichste Königin / allergnädigste Frau; Was hohe und übermilde Gnade
unsere gnädigste Herren /König Herkules und König Ladisla uns unwirdigen ihren
Leibeigenen schon jenseit des Meers haben wiederfahren lassen / indem Ihre
Königll. Hocheiten uns die schierkünftige Freiheit / gegen des
Durchleuchtigsten GrossFürsten Arbianes Rükreise / oder noch wohl ehe / gnädigst
versprochen / wissen wir samt und sonders uns wohl zuerinnern / werden überdas
mit Kleidung / Speise / und anderer Notturfft so reichlich versehen / dass wir in
der Warheit solche übermässige Woltahten zuerkennen / viel zuwenig sind. Nicht
desto weniger haben wir ingesamt uns vorgenommen /noch umb eine Gnade zubitten /
welche in diesem Bitte-Schreiben entalten ist / und ersuchen Eure Königl.
Hocheit alleruntertähnigst / dieselbe wolle es wirdigen allergnädigst anzunehme
/ und wo möglich dessen Inhalt den unsern allergnädigsten Königen und Herren /
durch ihre kräfftige und volgültige Vorbitte uns zuerlangen; davor wir
bereitwilligst sein wollen /alles unser Vermögen / Blut und Leben ungesparet
/vor ihre Wolfahrt uñ zu ihren Diensten auffzuopffern. Die Königin hiess sie
auffstehen / nam das Schreiben zu sich / und befahl / dass morgen früh / drei
Stunden nach der Sonnen Auffgang sie sich wieder bei ihr sollten melden lassen /
alsdann sie ihnen / dafern sie nichts ungebuhrliches sucheten / gnädigste
Einwilligung erhalten und mitteilen wollte. Ging mit unerbrochenem Briefe zu
ihrem Gemahl und Bruder / und nach Erzählung alles Vorbringens der Leibeigenen
/lasen sie ingesamt diesen Inhalt:
    Grossmächtigste unüberwindlichste Könige / allergnädigste Herren; was vor
sonderliches hohe Glük der Himmel uns armen gefangenen Partern vor andern
unsers gleichen zugeschikt / in dem / dass in ihrer Königll. Hochheiten Gewalt
und Leibeigenschaft wir gerahten sind / ist niemand unter uns / der es nicht
erkennen / und sich darob allerhöchst erfreuen sollte / nachdem wir ganz nicht
zweiffeln / die aus lauter Gnade uns erteilete Königl. Zusage der künftigen
Freilassung auff GrossFürst Arbianes Durchl. Heimreise werde uns nicht unmilder
gehalten werden. Wann wir dann bissdaher eiferigst nachgesonnen haben / auff was
Weise wir unsere schuldige Dankbarkeit hinwiederumb möchten sehen lassen / und
bei uns befinden / dass solches in den Pferdeställen und bei Wagen und MaulEseln
nicht geschehen kann; nicht dass solcher Arbeit wir uns zuentbrechen suchen /
ungeachtet wir fast alle gebohrne von Adel / und von Jugend auff unter den
Waffen uns geübet haben / sondern bloss nur der Gelegenheit nachstreben / unsern
allergnädigsten mildreichesten Herren / welche wir als unsere eigene Seele
lieben /etwa behäglichere und nützlichere Dienste zu leisten. Als gelanget an
unsere allergnädigste Herrn unser untertähnigstes bitten / dero Königliche
Hocheiten ihnen unsern herzlichen Wunsch nicht ungnädig wollen missfallen lassen
/ welcher in diesem bestehet / dass / wo möglich / zu ihrer Hocheiten Diensten
wir mit ritterlichen Waffen möchten versehen werden / auff dass wir auff
begebenheit unser dankwilligstes Herz könten sehen lassen; wiewol nach ihrer
Königll. Hocheiten allergnädigstem belieben /wir bereit sind / in unserm
jetzigen Stande / auch biss an unsers LebenEnde gehorsamst zuverbleiben / als
eurer Königll. Hocheiten alleruntertähnigste und allergehorsamste Knechte und
Leibeigene / sonst alle ehmahls freigebohrne Parter.
    Die Auffschrift des Brieffes wahr: Denen Grossmächtigsten unüberwindlichsten
Fürsten und Herren /Herrn Herkules / Könige der Teutschen; und Herrn Ladisla /
Könige der Böhmen / unsern allergnädigsten Königen und allermildesten
Woltähtern.
    Als sie den Brieff zum Ende gelesen hatten / sagte Ladisla: mir zweifelt
nicht / es ist mannicher geherzter Ritter und Kriegesmann unter diesen Parten /
die uns freilich im Harnische und mit dem Schwerte viel nüzlicher / als bei der
Mistgabel sein könten; so haben wie auff unser schierkünftigen Reise geträuer
Völker von nöhten / wañ uns etwa das Pannonische oder ander Räuber Gesindle aus
Hoffnung grosser Beute auffwarten sollte / bin auch dessen versichert /dass wegen
gemachter Hoffnung der Freiheit / und weil sie von ihrem Vaterlande so weit
abgefernet sind / sie uns keine Unträue beweisen / viel weiniger die Flucht vor
sich nehmen werden. Herkules schwieg ein weinig stille / in Meinung / er sollte
sich weiter heraus lassen / wessen er zutuhn gesinnet währe; weil er aber damit
abbrach / und also beide nichts redeten; fing Valiska an; ich sehe wohl / eure
Lieb den wollen einer dem andern nicht vorgreiffen / und gleichwol merke ich
schon / wessen sie beiderseits willens sind; meine unvorgreiffliche Meinung
dabei zusetzen / muss ich bekennen / dass dieser Leute Leibeigenschaft und
verächtliche Dienstleistungen mir sehr zu Herzen gangen / in Betrachtung dass sie
weder wegen Ubeltaht noch Standes-art darzu verdammet sind / sondern bloss allein
/ dass sie vor ihr Vaterland redlich gestritten / und ihrem Herrn und
ungezweifelt wahrem Könige geträulich gedienet haben / dahero ich mir ein
Gewissen drüber gemacht / dass man sie nicht ohn jhr bitten in freien Stand
gesetzet / insonderheit / weil von der Zeit her der getahnen Vertröstung / sie
ihnen weder Mühe noch Arbeit haben verdriessen lassen. Herkules lächelte
hierauff ein weinig / und kurzweilhalben sagte er zu ihr; mein Schaz / ich
erinnere mich des alten Sprichworts; Alte Liebe rustet nicht; und kann sie nicht
wohl bergen / wie gewogen sie des guten Artabanus Leuten ist. Verzeihe es euch
Gott / mein Schatz /antwortete sie / dass ihr hierüber scherzet / und mich noch
darzu wohl einiger Liebe gegen Artabanus zeihen könnet; jedoch gestehe ich / dass
ich Ursach habe ihn zulieben / weil er meine alte Liebe / wie er wohl durch
Gewalt hätte tuhn können / ungestöret gelassen hat. Damit ich aber wege dieses
Unrechts Abtrag haben möge / will ich / dass ihr euch meinem Willen vor dissmahl
gemäss bezeiget / und diesen Partern ihr begehren leistet / da ich dann meinen
Herr Bruder Schwesterlich ersuchen will / dass er mit gleich stimmen möge. Ja
herzen Fr. Schwester / sagte Ladisla / wann du mir nur zuvor versprechen wirst /
dass du meinen Herkules nimmermehr wegen der Liebe zu Artabanus übergeben wilt.
Hierauff bedarff es eine gute weile Bedenkzeit / antwortete Valiska / und wer
weiss / ob ich nicht bald verlangen bekommen möchte / mein prächtiges Schloss zu
Charas wieder zusehen. Diese Begierde und Reise ab zuwenden / sagte Herkules
/will ich meinem Schaz in Teutschland gleich ein solches Schloss auffbauen lassen
/ und zwar dass die kosten mit lauter Partischen Geldern abgetragen werden /
wovon wir aber zur andern zeit mit bessern Mues werden zuscherzen habe / und dass
vorgenommene vor dissmahl abhandeln / da dann / die Warheit zubekennen / ich
schon vor etlichen Wochen mir vorgenommen gehabt / diese guten unschuldige Leute
durch die zustellung der Freiheit zuergetzen / bin aber allemal durch andere
Einfälle daran verhindert worden / und zweiffele nicht / mein Bruder Ladisla
wird dessen mit mir einig sein. Derselbe wahr nun wohl zufrieden / und musste
Gallus vernehmen / wie viel Ritter /ädle / und Kriegsbeamten unter ihnen währen
/ auch wie gross eigentlich ihre Anzahl sich befünde. Welcher zur Nachricht
brachte / ihrer währen annoch 2496 Mann überal / unter denen 50 geschlagene
Ritter / 1584 ädle / und die übrigen 862 sonst nahmhafte Männer und Kriegsleute
/ so dass sie alle / ausser etwa 200 Befehlichshaber gewesen. Leches und Klodius
bekahmen darauff befehl / dass sie 50 ganze Ritterharnische 2000 volständige
Oberharnische / und 446 blosse Bruststük oder Krebse aus ihrer Rüstkammer /
welche sie aus der Räuberhöhle erobert hervornehmen / das übrige Gewehr alles
auff Kamehl und Wagen laden / und gnugsahme Fuhrleute / Eseltreiber / und
Pferdeleiter ümbs Gelt biss nach Prag miete sollten / welches Markus und andere
verrichteten / und solche aus der Stad Padua Gebiet inwendig 24 stunden zusammen
brachten / da dann die 565 ihnen von dem Käyser geschenkete Teutsche leibeigene
/ gleicher Gestalt bewafnet wurden. Diesen Abend liess Herkules seine innigliche
Bitte an den Käyser abgehen / dass ihm sein Abzug gnädigst möchte zugelassen
werden / da dann sein Gemahl sehr bitten halff / so dass der Käyser ihren Ernst
merkend / ihr Begehren nach Willen zuliess / wie wohl er sie gerne noch etliche
Wochen auffgehalten / und sie gar mit sich nach Rom genommen hätte / durffte
ihnen aber solches nicht anmuhten / insonderheit / weil ein halbstündichen
hernach der alte Wenzesla mit einem Königlichen Schreiben an Königin Sophien
ankam / welcher eine Tagreise von Padua unserer Helden Wiederkunft berichtet
wahr / und es doch schwerlich gläuben wollte /biss er unter dem Tohr daselbst
seines Zweifels benommen ward / ritte auch gleich hin nach dem Neuerbaueten Hofe
/ woselbst Arbianes das Gastmahl hielt / und liess sich bei Königin Valisken
angeben / es währe einer von ihren alten Dienern von Prag ankommen / welcher
ihre Königl. Hocheit untertähnigst zusprechen begehrete. Sie ging alsobald zu
ihm hinaus /unwissend wer erwähre; welcher / da er sie in ihrem Königlichen und
treffliche Pracht sah / ward er darüber so vol Freuden / dass er vor Ohmacht
niedersank: Sie liess ihn aber bald erquicken / und sagte zu ihm: Mein Geträuer
Frommer Wenzesla / wie geberdet ihr euch so kläglich? bringt ihr uns etwa
traurige Zeitung von Hause? O nein / antwortete er; wann ich nur eigentlich
wissen sollte / wovor ihre Durchl. ich anreden muss. Vor eure Gnädigste Frau / und
König Herkules Gemahl / antwortete sie / welche eure ehmalige geträue Dienste
schier belohnen wird. Vor König Herkules Gemahl? sagte er; O wie hat dann eure
Hocheit ihre glückliche Erlösung und Ankunft an diesen Ort / ihrer
höchstbetrübten Fr. Mutter verhehlen können? als die wegen ihrer Kinder Verlust
täglich weinet und zu weinen nicht auffhören kann. Gebet euch zufrieden / sagte
sie / wir wollen ob Gott will / sie gar bald mit unser Gegenwart erfreuen;
fassete ihn bei der Hand / führete ihn mit auff den Saal / und sagte zu
Herkules: Herzgeliebter Schaz / hier bringe ich unsern geträuen alten Wenzesla
mit mir / welchen meine Fr. Mutter in ihrer Bekümmernis abgeschicket hat.
Herkules und Ladisla nebest Königin Sophien sprungen in ihren königlichen Kronen
auff / liessen ihn mit Speise und Trank laben / und hatte er kaum Zeit zu esse /
weil er hie und da nach der Königin Wolstande befraget ward / dessen sich
zuentbrechen / er sein Schreiben an Königin Sophien hervornam / und es mit
diesen Worten einreichete: Allergnädigste Königin / meine auch allergnädigste
Königin entbeut ihrer Hocheit mütterlichen Gruss und liebe / und übersendet
deroselben dieses Schreiben / worauff ihre Hocheit /wie ich getröstlich hoffe /
nunmehr die Antwort selbst mundlich überbringen wird. Das soll ob Gott will
geschehen / antwortete sie; brach den Brief / und lase ihn zugleich mit Königin
Valisken / welcher also lautete;
    Hedewieg / verwittibte Königin in Böhmen / entbeut ihrer herzgeliebten Fr.
Tochter / Königin Sophien / Mütterliche Liebe und Träue; Herzallerliebste Fr.
Tochter; es müssen ja noch leider meine unanffhörliche Trähnen /wegen des
verlustes meiner allerliebsten Kinder / mein Angesicht und ganzen Leib Tag und
Nacht befruchten /weil von deren Zustande mir in so langer Zeit keine einige
Nachricht zukommen ist. Ach ihr Götter; wie hart habet ihr mich angetastet / und
aller der meinen ohn alle barmherzigkeit mich beraubet! Mein einiger Trost und
Hoffnung ist das allerliebste Söhnlein Herkuladiska (ach des lieben
doppelnahmens / der mich meiner Söhne so oft erinnern wird) welchen zu sehen
mein Herz so gar entzündet ist / dass / dafern eure Liebe sich noch länger wegert
/ mit ihm herüber zukommen / ich die Reise auff Padua / ungeachtet meiner
Leibes-unvermögenheit / alsbald nach dieses meines Dieners Wiederkunft auff mich
zu nehmen / gänzlich entschlossen bin; welches meiner Fr. Tochter zuzuschreiben
ich nicht umbhin können /Mütterlich bittend / ihre herzgeliebete Eltern
meinetwegen Schwesterlich zu grüssen / und was vor Zeitung sie von den unsern
haben mag / mich ehist wissen zu lassen. Inzwischen bin und verbleibe ich meiner
herzgeliebten Frau Tochter Mütterlich ergebene Hedewieg.
    Valiska küssete den Brieff / und stiegen ihr die Freuden Tränen aus den
Augen / fing endlich an und sagte; ich danke dem Almächtigen Gott von Herzen
/dass meine allerliebste Fr. Mutter annoch beim Leben und Gesundheit ist / und
hoffe vor Ausgang dreier Woche sie zu ümfahen / und ihr die TrauerTränen
abzuwischen. Aber mein Wenzesla / ich habe euch schier zu lange mit dem
verdienten Bohtenlohn auffgehalten / welches ich mit guten Zinsen verdoppeln
will; hielt auch bei ihrem Bruder an / er möchte ihn in den Böhmischen Adelstand
auffnehmen / sie wollte ihm schon ein Gut in Böhmen kauffen / und ihn mit ihrer
alten Hoffmeisterin verheirahten / dass er nach diesem nicht mehr dienen /
sondern als ein Herr leben sollte; welches der gute alte anfangs vor scherz annam
/ doch als er den Ernst sah / mit demühtigstem niederknien sich untertähnigst
bedankete / da ihm Herkules 6000 /Ladisla auch so viel / und Sophia 2000 Kronen
versprachen. Des folgenden morgens / wahr der andere und lezte Tag der
Fürstlichen Medischen Gästerei /und der näheste vor dem Auffbruch / stelleten
die 12 Parter sich wieder ein / denen befohlen ward / dass sie alle ihre
Mitgesellen inwendig drei Stunden mit sich herzuführen sollten; welche / da sie
zugegen wahren / König Herkules / in beisein des Käysers und aller Fürsten und
Fürstinnen also anredete: Durch was vor Unglücksfal ihre Parter in den unseligen
Stand der leibeigenen Dienstbarkeit gerahten seid / ist unvonnöhten / euch
weitläufftig vor zuhalten; ihr wisset dass durch Feindes Macht ihr überwunden /
und von dem Persischen Könige / dem Grossmächtigsten Fürsten / Herrn Artaxerxes
darzu verurteilet seid / dass weil ihr gegen seine Völker die Waffen gebraucht
/und darüber den kurzern gezogen / ihr biss an eures Lebens Ende die knechtischen
Ketten tragen / und zu schnöder Arbeit soltet verdammet sein / wie dann dero
behuef ihr mir und Könige Ladisla / auch andern Rittern geschenket und
zugestellet worden seid; Weil wir aber eure Demuht / Gehorsam und guten Fleiss
gesehen / und mein liebes Gemahl bei Einlieferung eures untertähnigsten
Bitte-Briefes mich und ihren Herr Bruder fleissig ersuchet / dass ihretwegen wir
euch ingesamt eine sonderliche Gnade erzeigen möchten / haben wir uns lassen
euer Unglück zu herzen gehen / sind auch gewilliget / euch dieselbe alsbald
wiederfahren zulassen / wann ihr uns zuvor äidlich versprechen werdet / Zeit
eures lebens es mit redlicher unbruchiger Träue zuerkennen / uñ bei dem
Durchleuchtigsten GrossFursten Arbianes / als seine Leibschaar / so lange dessen
Liebe ausser Persischem /Medischem und Partischem Gebiet sich befinden wird /
ungesparet Leib und lebens / Gutes und Blutes euch gebrauchen zulassen / auch
ohn dessen geheiss oder einwilligung euch nicht von ihm zu scheiden; worauff ihr
euch alsobald werdet zubereden und zuerklären haben. Der meisteteil fing an /
vor freuden die Trähnen zuvergiessen / und hielt der vornehmste unter ihnen /
ein Ritter von 44 Jahren diese Rede: Grossmächtigste Unüberwindlichste Könige /
allergnädigste Herrn; was vor ungläubliche Heldentahten von euren Königll.
Hocheiten wir in den Morgenländischen Schlachten mit Augen angesehen / werden
wir wohl Zeit unsers lebens aus unserm Gedächtnis nicht kommen lassen. Aber die
Heldentaht / anjetzo uns erzeiget / erheben wir billich über alle die vorigen /
da eure Hocheiten aus recht Königlichem erbarmen uns eine solche allergnädigste
Verheissung getahn / welche wir nimmermehr bestand sein werden / zuerkennen; wir
geloben hiemit alle und jede äidlich an / dasselbe alles nach ungefärbeter
Auffrichtigkeit und höchstem vermögen zu leisten / was eure Konigll. Hocheiten
dissmahl an uns allergnädigst begehret /und was dieselbe hernähst von uns
erfodern werden /so gar / dass wir auff erlangete lebens und standes Freiheit /
bereitsind / unser Leben und Blut als ein Zeichen der Dankbarkeit gleich dieses
Augenblick mit unsern eigenen Händen auff die Erde zu schütten; sollten wir aber
noch überdas in ritterlichen Kriegsdiensten gebraucht werde / wollen wir uns
dergestalt bezeigen / dass verhoffentlich unsere altergnädigste Herren erkennen
werden / sie haben ihre barmherzigkeit an solche Männer gelegt / welche
tausendmahl lieber sterben / als einmal undankbar wollen erfunden werden.
Unseren Helden gefiel diese Erklärung so wohl /dass sie dieselben des wirklichen
Aids erliessen / und mit dem Handschlage zu frieden wahren. Worauff die Ritter
an einen besondern Ort; die ädlen an einen andern / und die unädlen allein
treten mussten / woselbst ihnen die Waffen ausgeteilet / und sie in 20 Geschwader
gesetzet / auch alle Ritter / und andere mehr unter ihnen / zu Befehlichshaber
geordnet wurden / nachdem sie schon zuvor hohe Kriegsämter bedienet hatten.
Ihnen wurden 20 schöne Reuterfähnlein ausgeteilet / in welchen zween Löuen (wie
sie es selbst wähleten) stunden / und unter denen diese Worte: Vitam pro
libertate. sollte so viel heissen; Wir opffern unser Leben vor die geschenkte
Freiheit. Und haben nachgehends diese Parter in dem Wendischen und Panonischen
Kriege / davon im siebenden und achten Buche folgen wird / sich so ritterlich
gehalten / dass sie fast ja so grossen Ruhm in Teutschland und Böhmen / als die
Teutschen und Böhmen in Persen erworben. Dem Käyser gefiel diese Freilassung so
wohl /dass er unter diesen Parten 20000 Kronen zum Gnadenpfennige austeilen liess
/ nebest dem versprechen /so bald er zu Rom wieder anlange würde / wollte er
seine ihm geschenkete 20 Parter frei geben / und sie nach Böhmen wolberitten
fortschicken. Vor welche Gnade die gesamten Parter einen untertähnigsten Fussfal
tahten / und wegen ihrer wenigen Gesellen sich herzlich freueten. Weil dañ nun
des nähst folgenden Tages die scheidung geschehen sollte / hielten die
Paduanische / Mantuanische und Ravennische Abgeordenten bei König Herkules und
Ladisla fleissig an /dass sie ihren neuerbaueten Höfen und Landgütern gewisse
Verwalter und Bewohner verordnen wollten; da dann Herrn Opimius der Hoff samt dem
zugehörigen Gute zu Padua; Herrn Perpenna Fr. Zezilien Gemahl der zu Mantua; und
Sabihn von Rom der zu Ravenna eingetahn ward / die nach Abzug ihrer jährigen
Bestallung / wegen des ubrigen dem Paduanischen Statalter Rechnung einlieffern
sollten. Auch bestelleten sie Galehn vor ihren Leibarzt / umb 3000 Kronen
jähriges Soldes / wogegen er sich vier Jahr verpflichten musste / und dass in
solcher Zeit er 20 Teutschen / und so viel Böhmen in der Arzneikunst fleissig
und geträulichst unterrichten sollte / wovor ihm nach verlauff solcher Zeit 8000
Kronen versprochen wurden. Sie hatten ihm wegen heilung der Verwundeten Fürsten
/Ritter und gefangenen Pannonier 5000 Kronen zugestellet / und daneben 9000
Kronen / wovor er allerhand Arznei einkauffen und mit übernehmen sollte. Weil
auch Ladisla sich eines harten Krieges von den Pannoniern zubefahren hatte /
liess er vor etliche tausend Reuter und Fussvolk zu Padua und in den nähesten
Städten Waffen einkäuffen / welches ihm nicht allein wohl zugelassen wahr /
sondern der Käyser verehrete ihm aus der Städte Rustkammer 1600 Reuterharnische
/ Schwerter und Schilde / 3000 Speereisen /und auff 6000 Fussknechte gute Rustung
/ nebest dem versprechen / dass da der Pannonier seinem Reiche den Krieg anmuhten
würde / wollte er ihm nach belieben Rustung gnug ausfolgen lassen / und ob er
gleich wegen des geschlossene zehnjährigen Stillestandes ihm keine Reichshülffe
mit Völkern leisten durfte /sollte doch allen seinen Leuten frei stehen / ihm in
solchem Kriege zu dienen / massen ihm hiemit alsdañ freie Werbung im ganzen
Römischen Reiche sollte erläubet sein. Es ward diesen Abend ein sehr herrliches
Seitenspielwerk angestellet / da Königin Valiska dem Käyser zu ehren / ihre
Laute und süsses Stimlein hören liess / wiewol er des Gesanges Inhalt nicht
verstund / weil es folgender Teutscher / von ihr selbst gesetzeter Abendsegen
wahr.
                                       1
HErr GOtt / lass es gnädig walten /
Vater / Sohn / und heilger Geist!
Dir Herr dank ich allermeist /
Dass du mich hast heut erhalten.
Du hast deiner Engel Schaaren /
Mich vor unfal zu bewahren /
Umb mich rings umbher gesezt.
Du hast mich vor Satans wüten
Wollen diesen Tag behüten /
Der sein Schwert auff mich gewezt.
                                       2
Dich mein Helffer will ich preisen
Vor so hohe Gnaden-gunst;
Gib dass ich aus rechter Brunst
Dir mag Lob und Dank beweisen.
Ich bin schlim und voller Sünden /
Und muss deinen Schuz empfinden /
Dem kein ander gleichen mag.
Ich bin unwert des erbarmen /
Welches du O Gott mir armen
Hast erzeiget diesen Tag.
                                       3
Herr / vergib mir meine Schulden;
Was ich böses aussgericht /
Ruffe vor Gerichte nicht /
Sieh mich an nach Vaters Hulden.
Ich bin ja von Staub und Erden /
Und muss solches wieder werden;
Kein Mensch ist vor dir gerecht.
Sol ich meine Schwacheit klagen /
Und dir / was ich bin / ansagen?
Herr ich bin ein schlimmer Knecht!
                                       4
Du hast Gutes mir befohlen /
Böses hab ich nur getahn /
Ich bin sündlich umb und an /
Und bekenn' es unverhohlen.
Liebster Vater / lass verschwinden /
Was an mir böse  ist zu finden /
Dann mein Heiland JEsus Christ
Hat vor mich den Tod gelitten /
Dessen Leiden und verbitten
Mein Erlösung worden ist.
                                       5
JEsus hat vor mich bezahlet /
Meine Schulden gut gemacht /
Er hat alles wiederbracht /
Da sein Blut ihn roht gemahlet.
Seine Striemen / seine Wunden
Haben mich der Last entbunden /
Sein unschazbar teures Blut
Hat mir Sünder Heil und Leben
Und das Himmelreich gegeben /
Und macht alles wieder gut.
                                       6
Jedoch / dass ich Gottes Willen
Nach rechtschaffner Glaubensart /
Aller Kräfften ungespart
Auch soll embsiglich erfüllen.
Sol vom übeltuhn abstehen /
Und auff Gottes Wegen gehen /
Brechen Fleisches üppigkeit;
Sol die Heiligkeit anzihen /
Glaubens-Früchte lassen blühen /
Und Gott dienen allezeit.
                                       7
Heilger Gott / gib Krafft und Stärke /
Führe mich zum guten an.
Dein Geist / welcher alles kann /
Mehr' in mir die Glaubenswerke.
Dir befehl ich Leib und Leben /
Und was du mir sonst gegeben;
Lass mich deinen Geist / O Gott /
Auff den guten Wegen leiten /
So werd ich zu allen Zeiten
Halten dein Recht und Gebot.
                                       8
Lass mich deinen Engel schützen /
Weil ich schlaff' in dieser Nacht /
Dass ich frei von Satans Macht /
Unter deiner Huht mag sitzen.
Lass mich deine Flügel decken /
Lass mich kein Gespenst erschrecken /
Treibe von mir Angst und Noht.
Lass mich friedlich schlaffen gehen /
Und frisch wiederumb auffstehen.
Amen / Amen / hilff O Gott!
Unter dem singen brachen ihr zu unterschiedlichen mahlen die Andachts-Trähnen
los / und begehrete des Käysers Mutter vor ihr / sie möchte ihr den Inhalt
dieses Teutschen Gesanges in die Lateinische Sprache übersetzen; worauff sie zur
Antwort gab: Ja von Herzen gerne / Gn. Fr. Mutter / massen Euer Liebe als einer
Christin ich nicht verhehlen will / dass es mein Abendsegen-Gesang ist / welchen
nach meiner schlechten Einfalt ich mir selber auffgesetzet habe; ging in ein
NebenGemach / und brachte es von Wort zu Wort ins Lateinische / so viel die Art
derselben Sprache es gönnen wollte / welches dann Fr. Mammeen so wohl gefiel / dass
sie hernach es durch einen Christlichen Kunst-Tichter in gleichmässige
Lateinische Verse bringen liess. Die weil / dass Königin Valiska im abschreiben
begriffen wahr / baht Königin Sophia Herkules / er möchte auch eines in die
Laute zusingen ihm gefallen lassen / welches / weil Fürstin Lukrezie und Sibylla
ihr mit bitten zu hülffe kahmen /er nicht abschlagen kunte / nahm die Laute /
und nach etlichen Vorspielen / stimmete er folgendes Lied /über den kräfftigen /
heilsamen und süssen Nahmen JEsus / von ihm selbst in Teutscher Sprache
auffgesetzet / mit ganz bewäglicher und anmuhtiger Stimme an:
                                       1
Süsser JEsus! meine Freude /
Meine Seel- und Augenweide.
Süsser JEsus! meiner Brust
Allerangenehmste Lust.
JEsus / du mein Trost und Leben /
Dem ich mich zueigen geben;
Du in Glük und Unglücksfal
Mein Heil und mein ganzes-Al.
                                       2
JEsus / deines Nahmens prangen /
Wil ich / was ich kann ablangen /
Jezt besingen mit Gebühr.
Defne du die Sinnen mir /
Dass ich möge Worte finden /
Die in Andacht uns entzünden /
Und zu deinem Ehren-Schein
Nicht zu schlecht noch irdisch sein.
                                       3
JEsus Nahm' ist gross und prächtig
Uberal geehrt und mächtig /
Als den Gott ja selber führt.
Grosser JEsus / dir gebührt
Alles was die Engel können /
Die zu deinem Dienste rennen;
Ihr unzählig-grosses Heer
Rufft dir zu Lob / Preis und Ehr.
                                       4
Vor dir zittert und erschricket
Was von Gott zum Argen rücket.
Teuffels Wuht und Hellen-Brand
Scheuhet sich vor deiner Hand.
Und wann sie sich regen wieder /
Legt dein Donner sie bald nieder.
Ihr Zorn / ist er noch so heiss /
Wird er doch durch dich zu Eis.
                                       5
Vor dir muss der Himmel biegen /
Und die Erde sich einschmiegen;
Das Meer sinket wie ein Stein /
Und die Berge fallen ein.
Die zum argen sich verschworen /
Gehen alzumahl verloren /
Und der Tod hat kein Entalt /
Wo der Nahme JEsus schalt.
                                       6
Vor dem Nahmen JEsus müssen
Gross und klein die Erde küssen /
Und sich beugen alle Knie /
So dort oben als auch hie.
Dann der Nahme JEsus führet
Alle Macht / so man je spüret;
Alles was man wissen kann /
Ist ihm gänzlich untertahn.
                                       7
Doch diss tröstet unsre Herzen /
Und vertreibet allen Schmerzen /
Dass der Nahme JEsus Christ
Uber alles heilsam ist.
Wann der Gottes Zorn herdringet /
Wann Gesetzes-Fluch erklinget /
Und macht seinen Donner gross /
Reisst uns JEsus Nahme los.
                                       8
Wann des Teuffels scharffe Klauen
Unser Mark und Bein durchhauen;
Wann die Sünd uns nagt und beisst /
Und GewissensRuh zureist.
Wann Tod und der HellenRachen
Uns vor Angst Blut schwitzen machen;
Macht uns JEsus Nahme frei
Von al solcher Wuterei.
                                       9
JEsus Nahm' hat alle Schätze /
Dran ich einig mich ergetze;
Er bringt Gottes Huld und Gunst /
Defnet seine Liebes-Brunst.
JEsus läst uns nicht verderben /
Er vertreibet Angst und sterben;
JEsus wendet Noht und Leid /
Und schenkt alle Seligkeit.
                                       10
JEsus Nahm' im Gnaden-Bunde /
Ist wie Honigseim im Munde;
In den Ohren klingt sein Hal
Lieblicher dann Lautenschal;
Und dem Herzen / das erschrocken /
Bringt er lustiges frohlocken;
Er vergnüget Sin und Muht
Mehr als Wollust selber tuht.
                                       11
Wer den Nahmen JEsus liebt /
Bleibt wohl ewig unbetrübet /
Nichts ist / das ihm schaden kann;
Läufft ihn alle Welt gleich an.
JEsus bringt Muht im Trauren /
Lässet Furcht nicht bei uns tauren;
JEsus Nahm ist Schild und Schuz /
Und beut allen Feinden Truz.
                                       12
JEsus Nahm' heilt allen Schaden /
Und wann wir in Schwermuht baden /
Jaget er sie von uns hin /
Und befriedigt Herz und Sin.
JEsus ist im Hunger Speise /
Und ein Trank auff Durstes Reise /
Kuhlung in der Hitzespein /
Und erwärmt im Froste fein.
                                       13
JEsus ist ein Arzt der Kranken /
Bricht unzimliche Gedanken;
JEsus ist der Armen Schaz /
Der Gefangnen freier Platz.
Er ist der Verlassnen Segen /
Helffer unter Zwang und Schlägen
Ist in Ohmacht feste Krafft /
Und im sterben LebensSafft.
                                       14
JEsus zahlt vor alle Schulden;
Und die strängen Frevel dulden
Setzet er in Sicherheit.
JEsus wendet alles Leid.
Er bricht aller Teuffel wüten /
Und will wiederumb vergüten /
Was der erste Mensch zuvor
Durch den Sünden-fall verlohr.
                                       15
Vor wem solt' uns dann wohl grauen /
Wann wir hin auff JEsus trauen?
Allerliebster JEsus Christ /
Bin ich gleich sehr schwach; du bist
Kräfftig gnug; steck' ich vol Sünden;
Du wilt mich der Schuld entbinden.
Bin ich der Untugend Knecht;
Du bist heilig und gerecht.
                                       16
Ich will nichts von mir angeben;
Ich bin tod / du bist das Leben;
Ich bin nichtig umb und an /
Und du bist der alles kann.
Solt' ich dann nicht frölich sprechen?
Liebster JEsus mein Verbrechen
Schadet meiner Seelen nicht /
Dann du bist mein Heil und Liecht.
                                       17
Jedoch muss ich nach Vermögen /
Wie die Kinder Gottes pflegen /
Nicht der Sünden Dienst' hinfort
Leisten / sondern HErr / dein Wort
Mir zur Lebens-Richtschnuhr wählen /
Und würd' ich aus Schwacheit fehlen /
Muss ich büssend in mich gehn /
Und vom Sündenfall auffstehn.
                                       18
Alsdann kann ich Gnade finden /
Und du wilt mich fort entbinden
Von der Hellen Pein und Noht /
JEsus du mein Heil und Gott.
O lass weder Glük noch Leiden
Mich von dir ja nimmer scheiden /
Sondern deines Nahmens Schein
In mein Herz gedrücket sein. Amen.
Baldrich und Siegward höreten den Geistreichen worten / die andern / so kein
Teutsch verstunden / der lieblichen Gesangsweise zu. Aber Königin Sophia /welche
wohl wusste / dass ihr Eheschaz nicht allein die Laute wohl spielete / sondern auch
eine reine und artige Stimme drein sang / hielt bei denselben bitlich an /der
hohen Gesellschaft zuehren auch eines anzustimmen / welcher ihr dieses nicht
abschlagen wollte / und weil es gleich ümb die heilige Osterzeit wahr / da man in
der werten Christenheit die Gedächtnis der Siegreichen Auferstehung unsers
Heilandes hielte /liess er dieses Osterlied aus andächtigem Herzen erschalle:
                                       1
DIe Leidensangst ist nun vorbei /
Der HErr ist aufferstanden!
Und wir Gefangne sind schon frei
Von schweren Hellen-Banden.
JEsus hat durch seine Macht
Uns Leben / Heil und Segen bracht /
KeinLeid ist mehr verhanden. Lobt den HErre.
KeinLeid ist mehr verhanden. Alleluja.
                                       2
Des Vaters Zorn fiel auff uns zu;
Den hat der Sohn gestillet
Gesetzes Fluch brach uns die Ruh /
Das JEsus nun erfüllet /
Und bezahlt der Sünden Schuld /
Dass unsers Gottes Gnad und Huld
Nun reichlich wieder quillet. Lobt den HErren.
                                       3
Die Schlang hatt' uns zu falle bracht;
Der Heiland hats gerochen;
Wir lagen in der HellenAcht;
Christ hat uns lossgesprochen.
Satan legt uns Ketten an /
Die Menschen Hand nicht lösen kann /
Gott selbst hat sie zubrochen. Lobt den HErren.
                                       4
Verdamnis wahr der Sünden lohn;
Christ bringt uns Heil und Leben /
Durch seine Schmerzen / Angst und Hohn
Hat er uns Friede geben /
Und dass wir nach dieser Zeit
Bei Gott in steter Seligkeit
(O Freude!) sollten schweben. Lobet den HErre.
                                       5
Du süsser Heiland JEsus Christ;
Was grosse Himmels Gaben
Sind es / die wir zu dieser frist
Durch dein' Erstehung haben.
Dein Grab ist so gnaden-reich /
Dass alle Welt sich kann zugleich
An solchem völlig laben. Lobt den HErren.
                                       6
Wie freudig must' Israel sein /
Als Mose sie ausführte!
Du JEsus hast der Hellenpein /
Sie unser Herz schon spürte /
Von uns Menschen abgewand /
Und frei gemacht von Satans Hand /
Die uns ganz grimmig rührte. Lobt den HErre.
                                       7
Wer wollte dann sich freuen nicht
In diesen Oster-Tagen?
Da uns Gott frei von Sünden spricht /
Und wendet alles klagen.
Freue dich du Christen-Schaar /
Du bist befreit von Gefahr /
Und los von Hellenplagen. Lobt den HErren.
                                       8
Drumb müssen wir diss OsterFest
Im süssen Teige feiern /
Das unser Gott erscheinen läst /
Dem Sauerteige steuren /
Und in voller SeelenZier
Zu Gottes Lobe gehn herfür /
Das heisset sich erneuren. Lobt den HErren.
                                       9
Hilff Heiland / dass wir deine Gunst
Nach Wirdigkeit erkennen /
Und in rechtschaffner GlaubensBrunst
Beständig dich anrennen;
Dass auch unser Muht und Sin
Von heisser Andacht immer hin
Und Liebe möge brennen. Lobt den HErren.
                                       10
Und weil du die Verdamnis hast
Durch deinen Sieg vernichtet /
Son nim die schwere Zornes-Last /
Die dein Tod hat geschlichtet /
Liebster Heiland / von uns ab /
Dann haben wir den Trostes-Stab /
Der unsern Geist auffrichtet. Lobt den HErren.
                                       11
Lass endlich auch die Friedes-Lust
In unsern Herzen wohnen /
Dass / wie du deinen Feinden tuhst /
Wir auch der unsern schonen /
Und ohn Zorn versöhnlich sein /
Auff dass dein süsser Gnaden-Schein
Uns ewig möge lohnen. Lobt den HErren.
Der Käyser und andere anwesende Heiden merketen leicht / dass alle diese Gesänge
nichts anders als Christgläubige Lieder währen / welches sie ihnen doch nicht
liessen zuwieder sein / weil die Sänger bei ihnen so angenehm wahren.
    Die gefangenen Pannonier hatten den herannahen den Auffbruch unserer
Gesellschaft in Erfahrung bracht / und wahren biss daher immerzu in Hoffnung
gestanden / man würde sie mit nach Böhmen oder Teutschland nehmen / welches dann
ihr einiger Wunsch wahr / nachdem sie hoffeten / dereins Gelegenheit der
Erlösung oder dess aussreissens zubekommen; aber sie wahren dem Käyser schon vor
eige geschenket / der sie diesen Tag aus dem Karren spannen / und ihnen ansagen
liess / sie sollten sich gefasset halten / dass sie des nächstfolgenden Tages nach
dem Tyrrhenischen Meer geführet würden / woselbst man sie auff unterschiedliche
Schiffe an die Ruder schmieden sollte / weil man ihnen keine unleidlichere
Knechtschaft als diese / wüste / und ihnen recht geschähe /als die aus lauterm
Mutwillen sich in dieses Unglück gesturzet hätten; insonderheit sollte der
vornehmste unter ihne täglich zweimahl vor essens / wegen der aussgestossenen
frechen schmachreden wie der König Herkules / rechtschaffen abgestriegelt
werden. Welche Urtel ihnen dermassen hart vorkam / dass sie wünscheten / ihrer
Hände nur ein halb viertelstündichen mächtig zusein / ümb ihr mühseliges Leben
zuendigen /wussten auch ihre Zunge nicht zuzähmen / dass sie nicht auffs neue
allerhand Lästerung aussgegossen hätten.
    Leches und andere Bedienete / wahren diese Zeit über sehr geschäftig / dass
alle annoch ungeladene Güter und Waffen auff Wagen gebracht wurden / welche des
nähstfolgenden Tages mit dem Tage lossbrachen / an der Zahl 1075 / vor denen 6000
Pferde gingen; ihne folgeten 40 Gutschen / welche weil sie ledig wahren / von 80
Pferden gezogen wurden. Darnach gingen die Wagen mit Wein / und endlich die
Maulesel / Kamehl und Reitpferde / den Fürsten und Rittern zuständig / an der
Zahl 800 / dann die ubrigen wahren unter die Freigelassene Parter (welche in
lauter Freuden Sprüngen gingen) aussgeteilet / und hatte man die vom Käyser
freigelassene Teutschen / an der Zahl 565 / auch beritten gemacht. Der Käyser
gab ihnen 1200 Römische Reuter und 4000 Fussknechte zur begleitung zu / biss an
die Bömischen Grenzen /da das Fussvolk vorne und zu beiden Seiten der Wagen
aussgeteilet daher zogen; nähest hinter den Wagen folgeten 600 Römische Reuter /
welche Klodius führete; nach den ledigen Handpferden gingen 200 Römische Reuter
/ deren Führer ein tapfer Römischer Ritter war / nahmens K. Sempronius Valens.
Der Elefant zohe diesen nach / und ward von den übrigen 400 Römischen begleitet
/ deren Führer Markus wahr. Unsere Fürstliche Gesellschaft musste mit dem Käyser
vor ihrem Abzuge noch früstücken / welches an die drittehalb stunden wehrete /
da nahmen sie freundlichen Abscheid / und ritte der Käyser mit ihnen biss vor das
Tohr / unsere Helden versicherend / dass er nie unwilliger von einigen Menschen
sich geschieden hätte. Haussen vor der Stad hielten ihre Reuter als 615
Teutschen / 350 Bömen (dann die 300 ädel Knaben wahren wehrhaftig gemacht / und
mit ritterlichen Waffen versehen) / und 200 Meden; diese hielten zur rechten in
dreien unterschiedlichen Hauffen. Zur linken hatten sich die freigelassene
Parter in zierliche Ordnung gestellet / denen Leches zum Obersten gegeben wahr.
Diese riefen den unsern Glük / Gesundheit und langes Leben zu. Sie nahmen ihren
Weg auff den unseligen Flecken zu / woselbst sie das erste Nachtlager halten
wollten. Die vorgedachte zur rechten haltende Reuter nahmen den vorzug unter Neda
und Prinsla; darauf ritten unser Fursten und Herren in folgender Ordnung: König
Herkules und Herr Pompejus (dann dieser und folgende Römische Herren wollten
diese Nacht bei ihne im Flecken bleiben) König Ladisla und Herr M. Fabius von
Rom / Fürst Baldrich / und Q. Fabius der Statalter zu Padua; Furst Siegward
/und der junge K. Fabius (welcher samt seinem Gemahl gar mit biss nach Prag zog);
Fürst Arbianes und Herr Kornelius; denen Gallus und sein Schwäher Opimius
folgeten / und zulezt Neklam / nebest Baldrichs und Siegwards zwölff
ritterlichen Dienern. Ihnen folgete das gesamte Frauenzimmer in schönen
Gutschen; Königin Valiska / Furstin Lukrezie / samt deren Fr. Mutter / und
Libussa / welche den kleinen Herkuliskus auff der Schoss hielt / sassen in der
ersten. In der andern Königin Sophia / und Fürstin Sibylla mit ihren Müttern.
Auff der dritten / Fr. Ursul mit ihrer Mutter /samt Euphrosynen und Brelen. Auff
der vierden Fr. Agata / Fr. Terba / nebest GallusEheliebsten und Lukrezien
gewesenen Leibdienerin Lektoria. Auff der fünften / sechsten und siebenden
wahren der Fürstinnen und Frauen Dienerinnen samt den SäugeMüttern und
Kinderwarterinnen. Auff dem achten zween alte gelehrte ChristlicheLehrer; auff
der neunden und lezten Gutsche wahr der Arzt Galehn mit seinen fünf Gesellen /
und folgete ihm ein leichter Rüstwage / auff welchen er allerhand Arzneien auff
den Nohtfal hatte. Die Parter unter ihren 20 Fåhnlein zogen hinten nach / in
solcher Vergnügung / dass sie sich ihrer aussgestandenen Dienstbahrkeit glückselig
schätzeten / ohn welche sie nicht würden Gelegenheit gehabt haben /einen solchen
Zug zutuhn / wünscheten auch öffentlich erstes TagesGelegenheit zuhaben / durch
eine tapfere Taht ihre Herren ein dankbares Herz sehen zulassen. Auff diesem
Wege fing das Christliche Frauenzimmer an / ihre andächtigen Danklieder mit
heller Stimme zusingen / als / den 3 / 23 / und 121 Psalm /des Königes David /
welche Herkules in lateinische Reimen gebracht hatte / und zu Teutsch also
lauten:
                                 Der III Psalm.
                                       1
ACh HErr du Herscher aller Welt /
Wie viel ist meiner Feinde!
Wie trüglich wird mir nachgestelt /
Und finde keine Freunde.
Es setzen sich
Viel wider mich /
Und sagen meiner Seelen /
Es wolle Gott
In Noht und Spot
Sie immer lassen quälen.
                                       2
Doch bistu HErr vor mich der Schild /
Ob man mich gleich vernichtet;
Zu Ehren du mich setzen wilt /
Hast mein Häupt auffgerichtet.
Wann mein Geschrei
Ich bring herbei /
Und zu dem HErren flehe;
So höret er /
Und kehrt sich her
Von seiner heilgen Höhe.
                                       3
Ich lieg und schlaff in guter Ruh /
Hernach erwach' ich wieder /
Und sehe / dass Gott immerzu
Komt über mich hernieder;
Drumb fürcht ich nicht /
Was man mir spricht
Von hundert tausend Schaaren /
Die mich so gar
Bald hier / bald dar
Zufressen sich nicht sparen.
                                       4
Auf Helffer auf! du starker Gott /
Triff meiner Feinde Backen
Im Grim / und mache sie zu spot /
Die mich so bösslich zwacken;
Greiff heftig an
Den frechen Zahn /
Zuschmetter' ihr Gebeine /
Dann bei dir hat
Schutz / Hülff und Raht /
Wer spricht / ich bin der deine.
                                Der XXIII Psalm.
                                       1
DEr grosse Gott
HErr Zebaoht /
Dem ich mich hab ergeben;
Der ist mein Hirt /
Drumb er mich wird
In meinem ganzen Leben
Gleich wie ein Schaf ohn irren führen /
Dass ich nicht werde Mangel spüren.
                                       2
Er weidet mich
Ganz sicherlich
Auff einer grünen Aueñ
Alwo ich muss
Den überfluss
Der reichen Güter schauen;
Er führt mich hin zum kühlen Brunnen /
Da nie frisch Wasser ist zerrunnen.
                                       3
Er richtet zu
Trost / Lust und Ruh /
Zum Labsaal meiner Seelen;
Ich tret' heran
Auff rechter Bahn /
Da muss mein Fuss nicht fehlen.
So will mich Gott mit Trost erfüllen
Nur bloss umb seines Nehmens willen.
                                       4
Geh' ich zumahl
Im finstern Tahl /
Da Tod und Teuffel wüten /
Acht' ich Gefahr
Nicht umb ein Haar /
Weil mich Gott will behüten /
Und mit dem Stab' und HirtenStecken
Bei mir den FreudenTrost erwecken.
                                       5
Zum vollen Tisch
Hastu mich risch
Und prächtig hingeführet /
Weil mich der Feind
Zudämpfen meint /
Mein Häupt hastu gezieret
Mit Oel / und mir frisch eingegossen
Den Becher / des ich wohl genossen.
                                       6
Barmherzigkeit
Und gute Zeit
Die werden mich begleiten /
So dass mir nicht
An dem gebricht /
Was Lust kann zubereiten.
Ich werde / Gottes Wort zutreiben /
In seiner Kirchen immer bleiben.
                                Der CXXI Psalm.
                                       1
ICh habe mein Gesicht
Hin zu der Berge Spitzen
Andächtig hingericht /
Die mich so wohl beschützen;
Da ich sonder Grauss und Grämen
Rettung pflege herzunehmen.
                                       2
Mein hoffen bistu Gott /
Bei dem ich Schuz empfinde;
Ich fürchte keine Noht /
Dann der hilfft mir geschwinde /
Der den Himmel hat bereitet /
Und die Erden ausgebreitet.
                                       3
Er leitet meinen Fuss
Zu diesen bösen Zeiten /
Dass er fest treten muss
Ohn Anstoss und ohn gleiten /
Dann der dein zuhüten pfleget
Hat sich nie zur Ruh geleget.
                                       4
Sich diesen Hüter an /
Auff den Israel trauet /
Er ist kein solcher Mann /
Dass ihm vor wachen grauet /
Hat man ihn doch nie gesehen
Schlummern oder schlaffen gehen.
                                       5
Der HErr von grosser Macht /
Der dich so sicher leitet /
Hat dich an örter bracht /
Da keiner dich bestreitet;
Er gibt deiner Rechten Schatten /
Drumb geht alles dir von statten.
                                       6
Der heisse Sonnenstrahl /
Den wir des Tages fühlen /
Macht dir gar keine quahl /
Er muss vielmehr dich kühlen;
Wil der Mond zu Nachte schaden /
Bleibstu dessen doch entladen.
                                       7
Der HErr / der alles kann /
Behüte dich vor bösen /
Der wolle dich fortan
Durch starke Hand erlösen /
Vor des bösen Teuffels wüten
Woll' er deinen Geist behüten.
                                       8
Gott wolle bei dir sein /
Und mächtig dich bewahren /
Wann du kömst wieder ein /
Wann du hinaus wirst fahren /
Wolle dich der HErr geleiten /
Jetz und und zu allen Zeiten.
Sie blieben in solcher Andacht / biss sie in den Flecken kahmen / da Valiska mit
Libussen abstieg / nach ihrer bekanten Herberge ging / und den Wirt / welcher
vor der Tühr stund / also anredete: Guter Freund /habt ihr nicht Zeitung von dem
Jünglinge gehabt /welcher vor ohngefehr zweien Jahren / nebest zwo Jungfern aus
diesem Hause entführet worden? Ja /Durchleuchtigste Königin / antwortete er;
Eure Konigl. Hocheit ist mir wohl bekand / welche diese Zeit her zu Padua ich oft
gesehen / auch wohl weiss / dass dieselbe eben der Jüngling ist / und bitte
untertähnigst / mit dieser geringen Hütten / wie es bei mir bestellet ist /
gnädigst vor lieb zu nehmen Sie boht ihm die Hand / stieg die Leiter hinan auff
ihre ehmahlige Schlaffkammer / und hielt ihr Dankgebeht daselbst eine halbe
Stunde nicht ohn Trähne / vor die gnädige Beschützung ihrer Ehr und Lebens.
Hernach nahmen sie die mitgebrachte kalte Küche hervor / hielten frölich
Mahlzeit / und wiederhohleten daselbst durch erzählung ihre vielfältige
Mühseligkeit. Klaudius der Räuber / welchen Herkules jensmahl im Walde unter den
andern Erschlagenen hart verwundet angetroffen /wohnete in demselben Flecken /
dann er hatte vor die Gelder / so ihm von Ladisla auff Herkules begehren zum
Bohtenlohn zugestellet wahren / ein Bauern Gütchen gekauft / auff welchem er
sich mit seinem jungen Weibe saurer Arbeit nehrete. Dieser sah Gallus ohngefehr
auff der Gassen in seiner köstlichen Kleidung stehen / ging zu ihm / demühtigte
sich sehr / uñ erfreuete sich hoch wegen seines glücklichen wolergehens. Gallus
kennete ihn gleich / führete ihn bei der Hand in die Stube / und sagte zu
Herkules: Gnädigster Herr / hier stelle ich unsern ehmahligen geträuen Bohten /
welchen wir unter den erschlagenen Räubern antraffen / und sind also wir beiden
von der gottlosen Gesellschaft noch allem übrig / welche so hohen Häuptern so
unsägliche Mühe und Gefahr erwecket haben; auff welche Worte ihm die Trähnen
hervordrungen. Herkules antwortete ihm; wie oft habe ich euch erinnert / dass ihr
euch deswegen nicht anklagen oder betrüben sollet / und könnet dannoch nicht
unterlassen / mich dadurch zu beleidigen. Du aber / sagte er zu Klaudius; hastu
dein Leben auch gebessert? Dieser setzete sich auff die Knie / baht
untertähnigst umb Gnade / und berieff sich auff das Zeugnis aller Inwohner; da
ihn der Wirt offentlich rühmete / dass kein fleissiger Ackerman in der ganzen
Gegend währe / lebete mit seinen Nachbarn friedlich / und beklagete täglich
seine ehmahlige Bosheit. Ladisla und Fabius lobeten im gleichen / wie geträulich
er dazumahl die Werbung verrichtet / ungeachtet er mattigkeit wegen kaum reden
können. Königin Valiska kennete ihn auch / und sagete zu ihm: Wie da mein Kerl /
treffen wir uns hier an? gestehe mir nur / ob du nicht eben derselbe bist /
welcher mir den alten lumpigten Rok um den Kopf schlug / da ich mich im Felde
aufs Pferd setzen musste. Dieser erschrak der Erinnerung / und gereute ihn sehr /
dass er sich gegen Gallus kund gegeben hatte / fiel abermahl nieder / baht um
Gnade / und berieff sich darauff / dass Herkules im Walde ihm Leben und Freiheit
versprochen hatte. Die Königin aber sagte zu ihm: Fürchte dich nit / ich habe
dir schon vor längst verzihen / stehe nur auff / und vernim / was dir mein
Gemahl vortragen wird. Der erschrockene Mensch kam hiedurch wieder zu sich
selbst / und als ihn Herkules fragete / ob er in der Jugend irgend ein Handwerk
gelernet / oder sonst mit Pferden umbzugehen wüste; gab er zur Antwort; er hätte
zwar in der Jugend bei einem Rademacher gelernet / währe aber / ehe er die
Lerne-jahr gar aus gehalten / von böser Gesellschaft verführet / und endlich in
die Räuberzunft gerahten. Herkules sagte Gallussen auff Medisch / er sollte ihn
in bestallung nehmen /dass er als ein Wagenmeister fleissige Auffsicht hätte /uñ
da etwas zubrochen würde / er solches bei zeiten wieder machen liesse. Gallus
trug ihm nach genommenem Abtrit solches vor; welcher aber einwendete /er hätte
vorm halben Jahr sich in den Ehestand begeben / auch ein geringes Gütlein
gekauft / welches durch seinen grossen fleiss und Arbeit sehr gut und geschlacht
worden / würde aber in grund wieder verderben / wann er nicht selbst dabei
währe: Weil nun Gallus seine Einfalt bekant wahr / lachete er der Entschuldigung
/ wollte sich nicht lange vergeblich bei ihm bemühen sondern befahl ihm / sein
junges Weib herzuhohlen. Diese hatte sich etliche Jahr bei adelichem
Frauenzimmer in Dienste auffgehalten / und wusste einem jeden nach gebühr zimlich
zubegegnen /wahr ihres alters von 28 Jahren / und von geringer ankunft / dann
ihr Vater wahr im Flecken Kühhirte. Da sie ankam / neigete sie sich züchtig vor
Gallus / und sagete: Ihr Eheman hätte ihr angezeiget / dass ihre Gestr. sie
unwirdige zusprechen begehrete; hätte sich gehorsamst einstellen sollen / umb
zuvernehmen / was ihr Herr seiner Magd zubefehlen hätte. Frau / sagte Gallus /
seid ihr Klaudius Ehegatte? und auff bejahung gab er ihr zuvernehmen / was vor
ein Glük ihnen bevorstünde; da ihr dann bei meiner Eheliebsten / setzete er
hinzu / als eine Schäfnerin sein / und alles wessen ihr bedürfet / haben sollet.
Sie bedankete sich dessen sehr / und baht um befoderung; worauff er mit ihrem
Manne wieder zu Herkules ging / des Weibes Höfligkeit rühmete / und dass er
Dienste zunehmen willig währe. Wem wiltu aber dein Haus uñ Gut vertrauen?
fragete Herkules. Meinem Schwiegervater / antwortete er / wann er nur seines
tragenden Kühhirten dienstes wegen es gebuhrlich bestellen könnte; zwar er hat
die Mittel nicht / meine acht Morgen Acker in gutem Bau zuerhalten / drumb mag
er sie austuhn / und die Pacht davon nehmen; dann meine zwei Pferde muss ich nun
wohl verkäuffen / und mich samt meinem Weibe etwas höfischer kleiden. Die
Gesellschaft lachete des ernstlichen vorbringens / und sagte Herkules: Wie hoch
hältestu dann deine Pferde? Ich habe sie / antwortete er / mit 15 Kronen
bezahlet /aber diesen Frühling sie sehr abgetrieben / dz sie über 12 Kronen
nicht gelten werden. Dass werden keine sonderliche muhtige Hengste sein / sagte
Herkules; befahl Gallus in fremder Sprache / er sollte ihm und seinem Weibe ihrer
bestallung nach / Kleider geben /und 300 Kronen herbringen; welches alsbald
geschahe / da Klaudius ein gutes Ledernkoller / graue Hosen uñ Reitrok mit einer
silbern Schnuhr / Stiefeln / Sporn und ein gutes Pferd mit allem Reitzeuge; sein
Weib des gleichen ein ehrbares Kleid bekam / welches sie beiderseits anlegen /
und zu Herkules hinein treten mussten / der ihm 100 Kronen Anreitsgelder / und
noch andere 100 Kronen gab / die er seinem Schwiegervater zustellen sollte / dass
er den Ackerbau recht in acht nehmen könnte; seinem Weibe gab er die dritten 100
Kronen / sie ihrer Mutter zum Geschenke zu bringen. Wovor sie dankete / mit dem
Wunsch / der allerhöchste wahre Gott möchte ihrer Königl. Hocheit solches hier
zeitlich uñ dort ewiglich vergelten. Dass ist ein feiner Wunsch / gute Frau /
antwortete er; aber kennet ihr auch denselben Gott / von welchem ihr redet? sie
stutzete hierauf / und erröhtete drüber; welches Herkules sehend / zu ihr
sagete: Antwortet mir nur frei und scheuhet euch in geistlichen Sachen vor
keinem Menschen. Dass will ich auch nicht tuhn / gnädigster Herr / sagte sie /
demnach mein Gott ernstlich erfodert / dass man ihn aus Furcht nicht verleugnen
soll / dann ich bin eine Christin / und gläube festiglich /dass ich den almächten
wahren Gott / und seinen lieben Sohn JEsus Christ / so viel meine einfalt
zulässet / erkenne. Umb so viel angenehmer werdet ihr mir und meiner Gesellschaft
sein / sagte Herkules; aber von wem habt ihr diese allein seligmachende Lehre
gelernet? Von meinem lieben alten Vater / antwortete sie / welcher Gott lob in
diesem Glauben unter mannichen Verfolgungen beständig verharret ist / und sein
herrliches Landgut in seiner Jugend verlassen / damit er bei seinem Heilande
bleiben könnte; daher sich Gott auch sein erbarmet / und ihm das tägliche Brod
bescheret hat / ob ers gleich saurlich verdienen müssen. Meine Mutter aber ist
RömischesGlaubens / und weil sie zu der Christlichen Lehr gar kein belieben
träget / noch davon hören mag / lässet sie mein Vater so hingehen / Gott wolle
sie erleuchten / und zu sich zihen / dass sie der hellischen Verdamnis entrinnen
möge. Was gläubet dañ euer Klaudius? fragete er weiter. Antwortet vor euch
selbst / sagte sie zu ihm /damit euer gnädigster Herr wisse / wie ihr mit Gott
stehet; derselbe fing nun an: Ich bin leider in der Jugend nicht unterrichtet /
was man von den Göttern wissen soll; aber dieses bilde ich mir gänzlich ein /dass
dieselben von uns das böse wollen gelassen und das gute getahn haben. Warumb
aber lässestu dich nicht von deinem Schwäher und von deinem Weibe unterrichten
was du nicht weist? sagte Herkules. Ich habs ihnen nicht zugetrauet / antwortete
er / dass sie von so hohen Sachen gewissheit haben sollten; wann aber ihre Gn. mir
solches befehlen / will ichs gerne tuhn. Herkules trug es Gallus auff / er möchte
gefliessen sein diese arme Seele zu retten; und begehrete an Klaudius Frau / dass
sie hinginge und ihre Eltern herzuhohlete / ihnen aber noch zur Zeit von der
getahnen Verehrung nichts sagete. Sie ging frölich hin / zeigete ihnen kürzlich
an / wie es ihr sonst ergangen währe /und hies den Vater gutes muhts sein / weil
sie gänzlich davor hielte ihr Gn. Herr währe ein Christ. Der gute alte / nahmens
Dametas / wahr ungewohnt mit solchen hohen Leuten umbzugehen / und durfte sich
doch nicht wegern / hatte aber mit seinem Weibe viel zu tuhn / ehe er sie / mit
zu gehen / bereden kunte. Er entsetzete sich / als er die Fürstliche Versamlung
sah; aber Herkules machte ihn beherzt / als er ihn also anredete: Mein guter
Alter / ihr habt eure Tochter in diesem euren armseligen Zustande fein erzogen
/und insonderheit wohl bei ihr getahn / dass ihr dieselbe in der Christlichen
Lehre unterrichtet; möchte aber wohl wissen / wie ihr unter den Verfolgungen euch
habt retten können. Gnädiger Herr / antwortete er: Weil ich gehalten bin / zu
antworten / wolle ihre Gn. mir verzeihe / wann ich mit derselben nicht würde
nach gebühr reden / weil ich nie in solche Gesellschaft kommen bin / noch
dergleichen je mit Augen gesehen habe. Betreffend mein Christentuhm / würde ich
lange Zeit haben müssen / da ich alles erzählen sollte / dann ich bin schon 74
Jahr alt / und habe umb meines Glaubens willen / ohn ruhm zu melden / viel
erlitten. Saget nur her alter / antwortete Herkules / ich will euch gerne zu
hören. Darauff fuhr Dametas also fort; Mein lieber Vater Seel. hatte ein feines
Landgut nicht gar weit von Rom / und wahr dem Christlichen Glauben eiferig
ergeben / wiewol meine Mutter eine Heidin wahr und blieb. Im neunden Jahre
meines alters entstund unter dem damahligen Römischen Käyser Marcus Aurelius
Antoninus Philosophus, wie er genennet ward / eine heftige Verfolgung wieder die
Christen /in welcher des folgenden Jahrs der trefliche Kirchenlehrer Justinus
der Märterer genand / mit Ruhten gestrichen und entäuptet ward; und vier Jahr
hernach musste der alte Lehrer Polykarpus / des Evangelisten Johannis sein Jünger
oder Schüler / auch umb des nahmens JEsus willen sein Leben zu setzen in der
Stad Smyrna / in klein Asien gelegen / da man ihn anfangs auff einen Holzhauffen
gesezt / und lebendig verbrennen wollen / weil aber das Feur nicht wollte wirken
/ ist er mit dem Schwert erstochen worden. Zeit dieser Verfolgung / welche 18
Jahr lang anhielt /hatte mein Vater mich anfangs zu einem Christen in Rom getahn
/ welcher mich in der seligmachenden Lehre fleissig unterrichtete / ward aber
mit andern Christen getödtet / und entran ich heimlich / kam zu meinem Vater /
welcher gleich in der Zubereitung zu der Flucht begriffen wahr / weil die
Gläubigen hin und wieder ausgespehet wurden. Wir nahmen zimliche Barschaft zu
uns / und als wir in einem abgelegenen Walde eine verfallene Höhle antraffen /
richteten wir dariñen unsere Wohnung zu / hatten etwas Brod und Salz mit uns
genommen / und lebeten daselbst von den Wurzeln etliche Wochen / nach deren
Verlauff wir uns erkühneten / bissweilen auszugehen /und auff den nähesten
Dörffern Speise einzukäufen /und ob gleich die wilden Tihre daselbst sich
häuffig hielten / lebten wir doch unter Gottes Schuz sicher /und hatten von ihne
keinen Anfal. Nach verlauff zehn Jahr (so lange wahren wir Einsideler) begaben
wir uns hin nach meines Vaters Gute / und funden / dass meine Mutter schon vor
drei Jahren todes verbliechen wahr / und sie ihres Brudern Sohn zum Erben aller
Güter eingesezt hatte / bei dem wir uns meldeten / uñ von ihm begehreten / er
möchte uns ein stük Geldes heraus geben / alsdann wollten wir ihn in ruhigem
Besitze lassen; welcher uns zur Antwort gab: Dafern wir ihm nicht alsbald würden
einen leiblichen und unbrüchigen äyd schwören / dass wir in Ewigkeit uns aller
Ansprach an solchen Gütern freiwillig verzeihen wollten / wüste er schon Mittel /
uns anzumelden / dass wir durch den abscheuhlichsten Tod hingerichtet würden /als
Erzfeinde der Römischen Götter. Welches uns kürbe machte / dass wir ihm ein
genügen tahten / uñ darauff einen geringen Zehrpfennig von ihm bekahmen / wovor
wir Speise kaufften / nach unser Höhle gingen / und unserm Gott andächtig
dieneten / da dann mein Vater durch den zeitlichen Tod von Gott abgefodert ward
/ 9 Wochen / nachdem wir seine Güter verschworen hatten. Ich wahr dasmahl im
20sten Jahre meines Alters / kunte mich allein in der Einöde nicht behelffen /
machte mich deswegen hinweg / und nachdem ich acht Tagereise mich nach der
fremde disseit her begeben hatte / vermietete ich mich bei einem Bauern / dem
ich schier als ein Leibeigener dienete 12 Jahr lang / als 6 Jahr unter der
Verfolgung / und so lange unter der Freiheit / welche nach vorgedachten Käysers
absterben / sein Sohn und Nachfolger im Reich / Käyser Marcus Aurelius Commodus
Antoninus, den Christe gab; suchete hernach einen andern Herrn bei dem ich des
Viehes hütete / und an gegenwärtige meine Haussfrau mich verheirahtete / welche
zwar heidnisches Glaubens / aber mir dannoch allemahl geträu verblieben ist / ob
ich gleich wenig Jahr hernach von ihr zuzihen gezwungen ward / und solches wegen
einer noch heftigern Verfolgung / so vor 28 Jahren unter dem Käyser Septimius
Severus entstund / und überaus hart wahr / so gar / dass hin und wieder Römische
Befehl ausgingen / in welchen gebohten ward / dass bei schwerer Straffe sich kein
Mensch zum Christlichen Glauben begeben sollte. Ich ward von einem gottlosen
Buben / dem nach Vermögen ich alles gutes getahn hatte / angegeben / wegen
meines Christentuhms / hätte auch müssen das Leben einbüssen / wann ich nicht
währe gewarnet / da ich mich auff die Flucht begab / und mein Weib mit schwerem
Leibe verlassen musste / hielt mich bei andern Einsiedlern in den Wüsteneien auff
/ und erlitte grossen Hunger und Kumer drei ganzer Jahr / nach welcher Zeit ich
mich wieder nach meinem Weibe machete / die sich und diese ihre Tochter
kümmerlich ernehrete / machte mich mit ihnen auff / und liessen uns nieder zu
Padua / woselbst wir uns unser Hände fleissiger Arbeit ernehreten / biss nach
Verlauff fünff Jahr der grundgütige Gott mir diesen Ort zugewiesen / da ich von
solcher Zeit an den Inwohnern ihrer Ochsen und Kühe gehütet / und Gott Lob mein
tägliches Auskommen gehabt. Mein liebes Kind unterwiess ich fleissig in der
seligmachenden Lehre / brachte sie auch zeitig bei eine ädle Frau / jenseit
Padua wohnend / welche eine Christin wahr / und mein Kind zu aller Gottesfurcht
gehalten hat / biss mit meinem Willen sie gegenwärtigen Klaudius / als einen
fleissigen Hauswirt gefreiet. Ihr seid bei eurem Gott und Heilande / so viel ich
vernehme / beständig verblieben /sagte Herkules / derselbe hat auch euren
Glauben angesehen und eurem Elende nunmehr ein Ende machen wollen / indem er
euch meine Kundschaft gegönnet /und euch durch mich in eurem Alter vergelten
will /was ihr seinet wegen auszustehen euch nicht gewegert habt. Redete darauff
Opimius an / und sagete zu ihm: Ihr solt diesen guten Alten zu euch nehmen auff
den euch eingetahnen Hof / ihm daselbst zwo Stuben und so viel Kammern einräumen
/ und so lange er noch von ziemlicher Leibeskrafft sein wird / ihm ein Reitpferd
und einen Diener halten / dass er nach seiner guten Gelegenheit zuzeiten auff die
darzu behörige Landgüter reite / und Auffsicht habe / dass der Ackerbau
geträulich in acht genommen werde / und sollet ihm meint  wegen alle Monat 20
Kronen samt gnugsamer Speise / Trank / und Bürgerlicher Kleidung ausfolgen
lassen; Und dafern ihr euch aus gutem freien willen auch zum Christlichen
Glauben hinbegeben könnet / sagte er zu Dametas seiner Frauen / sollet ihr alles
guten mit zugeniessen haben / wo nicht / will ich euch zwar von eurem Ehegatten
nicht abscheiden /aber doch werdet ihr euch selbst Unterhalt schaffen müssen.
Der fromme Alte fiel nieder in die Knie / und bedankete sich vor solche hohe
Gnade mit weinenden Augen; hernach wendete er sich zu seiner Frauen /und
vermahnete sie / dass sie sich ihres offtmahligen Versprechens erinnern / und
ihrer Seelen und Leibes Wolfahrt wahrnehmen / ja auch seines Gottes Gnade und
Schickung erkennen sollte. Welche sich darauff neben ihn auf die Knie setzete /
und also anfing: Ihr grosse Fürsten und Fürstinnen gegenwärtig; ich bekenne /
dass biss daher mein lieber Mann mich auf keinerlei weise hat können zum
Christlichen Glauben bewägen / wie heftig ers ihm gleich hat lassen angelegen
sein; dessen aber meiner Meinung nach er selbst mit ursach ist; gestaltsam da
ich vor viel Jahren ihm verweisslich vorwarff / wie er doch so albern währe /und
umb eines Gottes willen / der seine Gläubigen so verfolgen liesse / alle andere
Götter verachtete / und diesem einigen so fest anhinge / dass er um dessen willen
alles das seine verliesse; gab er mir zur Antwort: Sein Gott währe so gnädig und
reich / dass er seinen Gläubigen alles hundertfältig zuvergelten versprochen
hätte / was sie etwa an zeitlichen Gütern umb seinet willen verlassen würden.
Nun habe ich bisher auff solche Vergeltung geharret / des steiffen Vorsatzes /
dass / so bald selbe sich blicken liesse /ich den Christlichen Glauben annehmen
wollte. Und weil dieselbe schon vorhanden ist / so erkenne ich daher / dass der
Christen Gott warhaftig sei / und will fortin bei demselben leben und sterben.
Herkules antwortete: Gute Frau / ich will in eurem schwache Glaubensanfange euch
nicht irre machen / wiewol ihr eures Mannes Reden unrecht verstande / und Gottes
Vergeltung auff diese zeitlichen Güter hingezogen habt / welche von den
künftigen ewigen zuverstehen ist; wie ihr dann nach diesem euch werdet
unterrichten lassen. Hiess sie beide auffstehen / und mussten Klaudius und sein
Weib ihren Eltern die 200 Kronen zustellen / denen die andere anwesende eine
Beisteur tahten / dass sie 800 Kronen baar bekahmen / und sich wegerten alles
anzunehmen; erhielten endlich auch durch einen Fussfall gar leicht / dass sie die
übrige Zeit ihres Lebens in dem Flecken zubringen möchten; da ihnen dann der
Statalter zu Padua verhiess / ihnen zu ihrem Unterhalt alles gnug zu
verschaffen. Nun wohnete ein armer frommer Christ in demselben Flecken /dem
Dametas eine Almosen baht / und von Herkules zur Antwort bekam / er sollte
demselbe seines SchwiegerSohns Haus und Acker schenken / er wollte ihm solches
schon wieder ersetzen / gab ihm darzu 50 Kronen / dass er Mittel hätte / den
Acker zubestellen. Dem Klaudius aber vermachete er monatlich 60 Kronen
Bestallung / und hielt ihm einen reitenden Diener; dagege sollte er geträu und
fleissig sein / auff Wagen und Gutschen gute achtung geben / und das baufällige
zeitig bessern lassen / dero behuef ihm unterschiedliche Rademacher zu Dienern
untergeben wurden. Der einfältige Klaudius wusste nicht / was er vor freuden
beginnen sollte / bedankete sich in aller Demuht / und versprach möglichsten
Fleiss anzuwenden; wozu er dann von dem alten Dametas ernstlich vermahnet ward.
Herr Pompejus nam mit seinem SchwiegerSohn Abrede / er wollte mit Gottes Hülffe
innerhalb ViertelJahrs alle seine Sachen von Jerusalem abhohlen /seine Güter zu
Rom lossschlagen / und alle Barschaften auf Kölln mit sich nehmen / dann er
währe bedacht / mit seinem Gemahl daselbst / oder wohl gar in Herkules Gebiet
sein Leben zuenden; welches seiner Tochter eine grosse Freude wahr. Siegward
hatte vorhin Königin Sophien verheissen müssen / dass er sich etliche Jahr mit
seinem Gemahl zu Prag auffhalten wollte / wo er inzwischen nicht zur Schwedischen
Kron gefodert würde versprach auch seinen Schwieger Eltern / sie jährlich
zubesuchen. Mit diesen Begebnissen und Gesprächen ward der Abend hingebracht /
biss man die FeldBetten hervor suchete / da Kinder und Eltern eine gemeine Sträu
macheten / so bald das AbendGebeht gehalten wahr / dann die beide Gebrüdere
Fabiussen hatten durch Pompejus Anmahnung den Christlichen Glauben angenommen
/in welchem sie biss an ihr Ende beständig verblieben. Des Morgens sehr früh /
nahmen Eltern und Kinder trähnenden Abscheid / befohlen sich allerseits dem
Schuz Gottes / und nam jeder seinen Weg vor / da dann unsere Helden mit
zimlichen TageReisen / so viel der Wagen Menge zuliess / forteileten / die
Böhmischen Grenzen zuerreichen / weil Valiska überaus hohes Verlange trug / ihre
Fr. Mutter zusehen und zuerfreuen / und nam sie wunder / dass der alte GrossFürst
derselben so gar nichts wegen ihrer völligen Erlösung zuentbohten hatte /
welches Neklam doch kund genug gemacht; aber die Ursach wahr / dass derselbe
wähnete / es währe ihr von den unsern selbst zugeschrieben worden.
    Die vier Pannonische Diener hinterbrachten des Gesanten Pines und seiner
Gesellen Unfal ihrem Könige gar zeitig / nebest dem Käyserlichen Schreiben
/worüber derselbe und seine Land Stände so heftig erschraken / dass sie in guter
Zeit sich nicht begreiffen kunten / was ihnen zutuhn währe / wiewol der gröste
teil den verwägenen Pines verfluchete dass er seinen König durch sein
grosssprechen und vermässenes verheissen darzu beredet hätte / einen solchen
Vertrag einzugehen / welcher nicht könnte wiederruffen werden. Sein Bruder
Dropion / Königlicher Statalter /der seine beiden Brüder an Bosheit und Stolz
übertraff / lag eben dazumahl an einer beschwerlichen unsaubern Krankheit hart
danieder / dass er bei der Versamlung nicht erscheinen kunte / und durfte man ihm
die unglückliche Zeitung nicht anmelden / damit er nicht durch gar zuheftigen
Eifer ihm selbst schade tähte. Zwar es gingen viel Stimmen dahin weil man dem
Käyser / was ihm freiwillig angebohten währe /redlich und unbrüchig halten müste
(dann hierin wahren sie einig) sollte man nicht seumen / alsbald ein mächtiges
Heer zusamlen / dem Bömischen Könige ins Land zufallen / damit man sich an
demselben rächete / und von den Böhmen ablangete / was den Römern müste
entrichtet werden; welchen Vorschlag der König ihm anfangs wolgefallen lies;
aber etliche ansehnliche Reichs- und KriegsRähte führeten mit wichtigen Gründen
an / es würde rahtsahm sein / bedachtsam zufahren und den Römischen Frieden fest
zusetzen / damit dem Käyser die Hände zu der Böhmen Hülffe gebunden würden;
welches auch vor beschlossen angenommen ward / insonderheit / weil die Arzte
gute Hoffnung gaben / dass der Statalter schier genesen würde. Weil aber die
vier Diener zugleich anzeige tahten / dass der Bömische uñ Teutsche Fürst in
kurzen wieder in ihr Vaterland zihen würden / und einen überaus grossen Schaz
mit sich nehmen / die doch nicht über 300 bewerter Mann bei sich hätten / es
währe dañ / dass der Käyser sie / wie wohl zuvermuhte / mit mehr Völkern sterken
würde; so ward vor gut angesehen / dass etwa 6000 handfeste Reuter ihnen auff
zuwarten / an die Grenzen sollten verlegt werden /mit Befehl alles was sich
wiedersehen würde ohn Barmherzigkeit nider zuhauen / und die übrigen gefangen
zunehmen; jedoch nicht anders / als wañ sie vor sich selbst Räuber währen / und
keinen Königlichen Befehl hätten. Diese Völker hatten die Grenzen schon drei
Tage beritten und allentalben Schildwachten aussgesetzet / ehe die unsern
daselbst ankahmen. Neklam musste mit 16 Böhmen und 26 Römern /in drei gleiche
Hauffen imerzu vorausshauen / ob irgend einige Gefahr sich eräugete / da er dann
endlich 6 Schildwachten zu Pferde auff einem Hügel erblickete / und noch 12 auff
einem andern zur Seiten aus /welche / sobald sie sein inne wurden / mit
verhängetem Zaume davon flohen / welches er Herkules anmelden liess / der zu
Ladisla sagete; gilt Bruder / es werden uns noch heut die Pannonier eine
Mummenschanze bringen / sendete auch bald darauff Leches mit 150 Partern (dann
diese hielten inständig darumb an) / sich mit Neklam zusammen zusetzen / und
durchaus in kein Handgemenge sich einzulassen / wie sehr man ihn auch darzu
nötigen wollte / es währe dann / dass er zurückweichend fechten / und seiner Haut
sich nohtwendig erwehren müste. Diese gingen in aussgedehneter breite fort / und
durchsahn das weite Feld / da sie von ferne einer ReuterSchaar / von ohngefehr
800 Mann gewahr wurden / welche doch mehr schienen hinter sich zuweichen / als
vor sich zu zihen. Inzwischen wahren unsere Helden bemühet /wie sie ihre Wagen
in solche Ordnung bringen / und mit ihren 4000 Römischen Fussknechten besetzen
möchten / dass nicht etwa an einem oder andern Ort die Feinde einen unversehenen
Anfal tähten / und eine Beute davon brächten; mussten daher die Wagen mit den
Schätzen in die mitte gefasset / und zu beiden seiten die mit Waffen beladene
hergestellet werden /zwischen denen sich das Fussvolk setzen musste mit ihrem
Geschoss / als in eine Wagenburg. Zu hinterst den Wagen blieben die ledigen
Handpferde / welche nur mit 80 Reutern versehen wahren weil man sich daher
keines Angriffs vermuhten wahr. Vor den Wagen gingen die Reuter in dieser
Abteilung; Herkules führete 1200 Parter und 245 Teutschen zur rechten Hand /
und hatte bei sich seinen Bruder und Prinsla; Ladisla nam den linken Flügel 1146
Parter 250 Böhmen uñ 135 Teutschen / und war Siegward und Markus bei ihm.
Arbianes wurden seine 200 Meden /100 Böhmen / und 235 Teutschen zugestellet /
damit er den nohtleidenden entsaz tuhn sollte. Aber die Römische Reuterei /
welche von Neda / Klodius / Gallus und Valens dem Römer geführet wurden / mussten
zuhinterst schier den ledigen Pferden zur seite bleiben /und sollten dieselben
nicht ehe / als wann die höchste Noht es erfodern würde / das Gewehr wieder den
Feind gebrauchen. Diese kleine vier ReuterHeere gingen mit solchem Muhte fort /
dass sie des gänzlichen Schlusses wahren / dem Feinde / ob er gleich viermahl so
stark währe / ritterlich Fuss zuhalten / und wahr ihr sonderliches Glük / dass sie
sehr erfahrne Wegweiser bei sich hatten / unter denen der alte Wenzesia nicht
der geringste wahr. Als Herkules von Leches obgedachte Zeitung bekam / liess er
ihm sagen / mit seinen Leuten in guter Vorsichtigkeit mit unentblössetem Gewehr
/ schrit vor schrit fort zugehen /denen endlich die andern nur 50 Reuter
entgegen schicketen / und mit guter Freundligkeit fragen liessen / was vor Leute
sie währen / wohin sie gedächten /und wessen sich unbekannte zu ihnen zuversehen
hätten. Leches gab zur antwort; er dienete einem Herrn /welcher nicht wollte
genennet sein / so währe auch ihre Reise also beschaffen / dass man davon nicht
viel sagen müste / aber ein jeder der ihnen begegnete / er möchte auch sein wer
er wollte / hätte sich zu ihnen aller Redligkeit und Freundschaft zuversehen.
Der Abgeordnete fragete ihn / ob er sichs gefallen lassen könnte / etwas
deutlichere antwort zugeben. Und als Leches sagete / er hätte nicht weiter
Erlaubnis / ritten diese mit freundlichem Grusse davon / es anzudeuten. Die
unsern gingen auch fort / als währen sie ohn alle Furcht eines Anfals / und
wehrete nicht lange / da sahen sie von einer Seiten in die 1200 / von der andern
in die 2000 Reuter herzueilen / die mit obgedachten 800 sich zusammen setzeteten
/ und in zimlicher Ausdehnung ein ansehnliches Heer macheten /schikten auch
dreissig Reuter an Leches / und als ob er noch nicht währe befraget worden /
liessen sie ihm obgemeldte dreifache Frage mit eben den Worten vortragen; als
aber Leches bei seiner ersten Antwort verharrete / fing dieser an zu trotzen /
er müste sich klärer heraus lassen / oder man würde mittel suchen /ihn darzu zu
nöhtigen. Dessen mus man gewärtig sein sagte Leches / von mir aber werdet ihr
ein mehres nicht bringe / viel weniger von meinen Leuten /dann dieselbe sind
alle sprachloss. Mein Kerl / antwortete dieser / du wirst heut noch müssen anders
reden / des will ich dir meinen Kopff zum Pfande geben. Gib her zum Pfande /
antwortete Leches / so will ich ihn meinem Herrn liefern. Diesen verdross der Spot
/ schüttelte den Kopf und die rechte Hand / und ging wieder zu den seinen /
welche sich des Trotzes verwunderten / und stund nicht lange an / dass noch 2000
Mañ der Feinde Heer vermehrete. Hier wird es noch heut Kappen abgeben / sagte
Leches zu Neklam / welcher aufs schnelleste hinter sich gehen / und Herkules das
ergangene melden musste / er aber blieb mit seiner Mannschaft stille halten / biss
er sah 600 auff ihn angehen / vor denen er hinter sich / doch in guter Ordnung
wiche. Neklam wahr schon wieder auf dem Rükwege nach Leches / sah solches von
ferne / kehrete wieder umb / und brachte 300 Parter mit sich von Herkules / die
gleich ankahmen / als die Pannonier Leches seinen Leuten zuschrihen / sie sollten
halten / weil man gerne wissen wollte / ob so viel stumme Betler in einer Schaar
sich unter einem verwägenen Führer versamlet hätten. Leches sah seinen Entsaz
/vermerkete daher / dass ihm erlaubet sein würde sich zu wehren / schwenkete
seine Schaar und ritte den Pannoniern mit entblössetem Gewehr entgegen / weil
jene das ihre schon um den Kopf gehen liessen / und als er ohn ferner Wort
wechseln angegriffen ward /drengete er sich dergestalt in die Feinde hinein /
dass /wie stark sie auch wahren / dannoch zurück weichen mussten; doch erhohleten
sie sich bald / und suchten Gelegenheit / die unsern zu umringen / ehe Neklam
sich mit ihnen zusammen setzete; welches ihnen aber missriet / dañ dieser ging zu
schnelle fort zum beistande / da dann die Parter an beiden Seiten mit solchen
Wuht anfielen / dass die Pannonier alsbald zu weichen gedrungen wurden und in
diesem Anfal über die helffte sitzen liessen / da hingegen von den unsern nicht
ein einziger erschlagen / uñ nur 26 etwas / doch nicht sonderlich verwundet
wurden; Leches durfte ihnen nicht nachsetzen / ging ja so schnelle hinter sich
als die Feinde / und nam ihn wunder / dass er nicht verfolget ward / welches der
Feind bloss aus furcht einer hinterlist unterliess. Unser Heer kam algemach heran
/ dass sie einander sehen kunten / und ging Leches mit den seinen nach Ladisla /
ihm rühmend / wie tapfer seine Leute gefochten / und über 300 ohn einigen
verlust auffgerieben hätten. Es kahmen aber noch 3000 Reuter zu dem Feindlichen
Hauffen / dass die unsern es sahen / dann ob die Pannonischen Stände gleich im
anfange nur 6000 auszusenden geschlossen hatten / vermehreten sie doch solche
Zahl biss zur helffte. Herkules hatte alle seine Leute vorhin schon unterrichtet
/ dass sie beides tapfer gegen den Feind und behutsam auff sich selbst sein
sollten / wollte in Feindes Angesicht sein Heer nicht sonderlich ausbreiten / noch
sich alsbald zur Schlacht stellen / sondern sendete Neklam mit 20 Reutern an sie
/ umb zuvernehmen / aus was ursachen man seine Leute im freien Felde überfallen
hätte. Als dieser mit sanftmuht solches vorbrachte / fehlete wenig / er währe
mit den seinen nidergehauen worden / dafern es nicht ein einziger Obrister
verhindert hätte; jedoch zwang man ihn zu sagen / was vor Leute sie währen / und
wohin ihr Weg ginge / welches er dann willig taht / weil er dessen befehl hatte.
So bald er nun die beiden Könige genennet / gab man ihm zur Antwort; dafern der
erste diese Erklärung würde haben ausgelassen / hätte man mit ihm können
friedlich sein / und sollte er hinreiten /seinen beiden Herren anzumelden / es
hätte eine tapfere Schaar Pannonier ohngefehr in erfahrung bracht /dass diese
fremde Fürsten mit grossen Schätzen auff dem Wege nach Prag währen / welche aus
ehrerbietung zubegleiten sie sich stelleten / nachdem sie der Hoffnung gelebeten
/ man würde sie der Mühe lohnen. Ich kann meinen gnädigsten Fürsten solches
leicht vortragen / wegere mich dessen auch nicht / sagte Neklam / tuhe ihnen
aber den Vorschlag / dass von ihren Leuten etliche mit reiten / entweder es
anzumelden /oder anzuhören / dass ichs redlich hinterbringe / denen ich alle
Freiheit verspreche / zureden / was ihnen gefallen wird. Die vornehmsten
Obristen ritten zusammen / beredeten sich kürzlich / und machten einen ihres
Mittels aus / welcher mit 30 Reutern fortgehen /uñ die Werbung gesagter massen
anbringen sollte. Herkules hörete solches mit auffgeschlagenem Helme an / und gab
zur Antwort: Ja wann man meine Leute nicht so mörderisch- und räuberischer weise
überfallen hätte / würde ich dem süssen Pfeischen trauen /nun aber habt ihr
schon so viel sehen lassen / dass der Wolff unterm SchafPelze verborgen lieget;
Werdet demnach eurer Gesellschaft ansagen / dass sie ihren Glauben bei mir
verloren / und ich sie in schwerem Verdacht halte / daher ich mir Sicherheit
zuschaffen bedacht bin / und ihnen anzeigen lasse / sie sollen sich denen vor
Geleitsleute antragen / die ihrer begehren und bedürffen / ich vor mein Häupt
bedürffe ihrer ganz nicht; und wo sie sich wegern würden / alsbald von einander
zugehen / und mir den freien Weg zugönnen / müste ich nohtwendig mit Gewalt
durchbrechen / dessen ich doch gerne möchte geübriget sein. Dieser hörete
solches geduldig an / und gab zur Antwort: Er verstünde die Erklärung sehr wohl /
und wann keine andere verhanden währe / wollte er sie gebührlich zuhinterbringen
wissen. Keine andere vor dissmahl / sagte Herkules mit einer sonderlichen
Herzhaftigkeit / und liess ihn damit fortgehen / verfolgete doch nicht desto
minder seinen Weg in guter Ordnung. Die Pannonier eiferten sich über alle masse
wegen der Antwort / und als sie vernahmen / welche grosse Menge der Wagen / und
wie schwach ihre Reuter währen / des vermischeten Fussvolkes aber zwischen den
Wagen nur etliche hundert Mann (dann es hatten sich diese mit Vorsaz verborgen
gehalten); stelleten sie ihre Ordnung / als 6000 / welche fechten / die übrigen
aber die Wagen anfallen / sie auffhauen /und die Beute zu sich nehmen sollten /
die man hernach brüderlich teilen wollte. Jedoch sendeten sie zuvor einen
Ritmeister selb sechse an die unsern ab /ihnen vorzutragen; weil man sie so
schimpflich abgewiesen hätte / und ihre angebohtene Dienste verachtet / könten
sie sich daher nichts anders als Feindseligkeit vermuhten / wollten die Antwort
vor eine Absagung gehalten haben / und ihrer keines schonen / es währe dann /
dass ihnen die Fürsten / so viel ihrer währen / nebest allem Frauenzimmer
gefangen zugestellet / und alle Wagen und Pferde vor freie Beute geliefert
würde. Herkules hätte sich der Anmuhtung schier geeifert / und sagte zu ihm:
Reite hin du Unverschämter / ich will dir bald folgen. Das Pannonische Heer diese
Antwort vernehmend / gingen nach gemachter Ordnung als die hungerigen Wölfe los;
drei tausend gegen Herkules / und gleich so viel gegen Ladisla / so dass sie gar
keine zum Entsaz hinterliessen /und mussten die übrigen zugleich sich mit an die
Wagen machen. Herkules scheuhete sich nicht / einem solchen Hauffen mit den
seinen zubegegnen / dann er sah / wie muhtig seine Völker wahren / deren 60 mit
Speeren sich versehen hatten / daher sie den ersten Angriff tahten / und ein
jeder seinen Mann niderwarff. Die Schwerter feireten auch nicht / so dass der
kleine Hauffe den grösseren drängete / dann die Parter hatten sich vereiniget /
dass sie ihren Platz entweder lebendig oder tod behäupten wollten. Nun wollte aber
Herkules ihrer schonen / daher liess er Klodius mit 800 Römern zu hülffe ruffen /
welche von der seiten her in den Feind brachen / dass sie wie Mücken von den
Pferden stürzete; eine Partische Schaar 400 stark setzete sich zusammen / und
schlugen sich mitten durch den Feind hindurch / dass sie hinter sie kahmen /und
sie also zwischen sich fasseten / deren Führer Fürst Baldrich wahr / welcher
seinem Bruder wollte sehen lassen / dass er auch gelernet hatte / die Faust
zugebrauchen / der doch solchen verwägenen Saz doch nicht lobete / nur weil er
glücklich geriet / nichts dawider redete. An Ladisla Seiten gings gleich so
scharff daher / dann es wollte auch hieselbst Siegward sein Herz und
Fausterzeigen / über welchen Ladisla gleichsam eiferte / welcher nach Herkules
Beispiel die übrigen Römer zu sich foderte / und seinen Feinden so gedrange taht
/ dass sie Mühe halten ihre Ordnung zuerhalten. Herkules sah / dass an ihrer
seiten der Sieg bald folgen würde / und liess Arbianes anzeigen / er sollte dem
dritten Hauffen wehren / dass sie den ihren nicht könten zu hülffe kommen. Diese
hatten ihnen die ungezweifelte Hoffnung gemacht / es würde wenig Gefahr und Mühe
mit Abplünderung der Wagen haben / daher sie als blindling auff dieselben
ansetzeten / wurden aber von den Römischen FussSchützen dergestalt gewilkommet /
dass ihrer durchs Geschoss über 800 / teils ertödtet / teils zum Gefecht undüchtig
gemacht wurden / und nachdem sie so nahe kahmen / dass die Pfeile sie weiters
nicht verletzen kunten / mussten Spiesse und Schwerter das beste tuhn / dass sie
das Herz nicht hatten einen einzigen Wagen anzugreiffen. Ihre Leute / welche
gegen Herkules stritten / und nicht mehr stand halten kunten / liessen diese zu
ihrem Entsaz abfodern / aber Arbianes griff sie von der Seite an / und liess den
Fussvölkern anzeigen / sie sollten sich zwischen den Wagen hinweg begeben / und
ins offene Feld treten / damit der Feind desto besser könnte angegriffen werden /
welches sie nach Wunsch verrichteten / so dass dieser PlunderHauffe am ersten
auff die Flucht gebracht ward / welches ihnen doch das Leben nicht fristen
mochte / dann die Römischen Fussvölker fielen auff der Erschlagene Pferde /
Arbianes aber verlegte ihnen den Weg / dass von dieser FeindeSchaar nicht über
140 Mann davon kahmen / und die übrigen alle das Leben zusetzeten. So bald
Herkules dieser Flucht inne ward / samlete er 400 Parter und 50 Teutschen umb
sich / hieb damit um den Feind / und setzete sich hinter ihn / dass er nicht
Gelegenheit haben kunte auszuweichen / drang auch dergestalt in sie / dass ihre
Ordnung endlich getrennet / und sie wie Schafe nidergeschlagen wurden /da dann
Baldrich mit 200 Mann auff Ladislaen Feinde ansetzen musste / welche gar
eingeschlossen / das Gewehr nicht mehr brauchen kunten / als deren ohndas über
800 nicht übrig wahren. Herkules nam 160 Feinde gefangen / Ladisla 400; die
übrigen lagen alle auff dem Platze gestrecket / dergestalt / dass nicht ein
einziger Obrister / und nur drei Ritmeister das Leben davon brachten. Nach
erhaltenem Siege ward gemeine Plünderung gehalten / und fing man der
Erschlagenen Pferde auff; Es wahr zuverwundern / dass von den Partern nur 16 tod
und 30 verwundet wahren; wie dann die Römer auch nur 23; die Teutschen 12; die
Böhmen 8; die Meden keinen einzigen misseten / und unter dem ganzen Heer nicht
200 Verwundete wahren / welche alle wieder genasen. Die Gefangene wurden
ernstlich befraget / wer sie zu diesem Angriff ausgeschikt hätte / brachten aber
einmühtig vor / ihre Obristen hätten ihren Anzug von Padua in Erfahrung bracht /
daher sie aus Hoffnung guter Beute sich zu diesem Wagestücke ohn ihres Königes
und der LandStände Vorbewust / vereinigt hätten / weil sie dessen von ihrem
Könige gute Erlaubnis zuhaben / nicht gezweifelt / nachdem Zeitung erschollen
währe / der junge Böhmische uñ Teutsche Fürst hätten die Pannonischen Gesanten
zu Padua bestritten. Welches Vorbringen ihnen gegläubet ward / und liess man sie
unbewehret und nacket hinlauffen. Nachgehends hatten die unsern keinen Anfall
mehr / sondern gingen glücklich fort / biss sie die Böhmischen Grenzen betraten
/da sie mit ihren Gemahlen und Christlichen Rittern abstiegen / und ihr
DankGebeht zu Gott eine Stunde kniend verrichteten / Herkules aber anfangs von
de andern abgesondert / diese Andacht vor Gott ausschüttete: HErr mein Gott /
sagte er / Du Vater aller Gnaden und Barmherzigkeit; wie soll ich erkennen die
unaussprechliche Woltahten / die du mir deinem unwirdigen Knechte erzeiget hast?
Ich wahr ohn alle Erkenntnis der allein seligmachenden Warheit / als ich von den
Räubern dieses Weges geführet ward; ich wahr von aller menschlichen Hülffe
verlassen / da ich der Bosheit hieselbst gehorsamen musste / und leicht umb Ehr
und Leben / ja auch umb meine Seligkeit hätte kommen mögen; dann ich steckete
annoch in der heidnischen Blindheit; Ich wahr O HErr dein Feind / handelte dir
zuwider; hielt die Teuflischen Abgötter vor meine Schützer und alles mein
Tichten wahr schlim / irdisch und eitel. Aber du mein Gott hast mich aus der
Unwissenheit hervor gerissen / und aus der höllischen Verdamnis mich errettet;
davor danke ich dir von Herzen / davor preise ich dich mein Heiland! Ja HErr /
was soll ich sagen? Ich bin viel zugeringe aller deiner Güte; viel zu unwirdig
aller deiner Barmherzigkeit und Träue / die du an deinem Knechte getahn hast;
dann ich hatte nichts eigenes / da ich über diese Grenzen geschleppet ward / und
nun bin ich durch deinen Segen mit überaus grossen Gütern versehen; Mein liebes
Gemahl hastu mir zugeführet / und sie mitten unter der Schande bei Ehren
erhalten / sie auch / welches das vornehmste ist / zum Christlichen Glauben
gebracht. Nun HErr / ich weiss mich in deiner überschwenglichen Gnade selbst
nicht zufinden; Kein Mensch hat desgleichen genossen; kein Mensch hat mehr
ursach / deine Güte zu erheben / deinen Ruhm auszubreiten / deiner Gnade
zudanken / als ich / HErr / dein Knecht. O so nim von mir an das Opffer meiner
Lippen; O so lass dir wolgefallen das Gespräch meines Herzen / HErr mein Gott!
Ich schütte vor dir aus meine Seele / mein Heiland; Ich übergebe dir das
innerste meiner Sinnen / das wirken meiner Gedanken / und alles was ich gar bin.
Mein Helffer / verschmähe solches nicht wegen seiner Undüchtigkeit / sondern
weil es bloss auff deine Gnügtuhung sich im feste Glauben steuret / so lass es
gelten HErr; Ja HErr lass es gelten / und erbarme dich fortin allezeit über
deinen armen Knecht; gib ihm HErr deine Gnade / dass er seine blinde Eltern /
Schwester und Anverwanten zu dir führen möge; verleihe seinen Worten
Anmuhtigteit und Krafft /dass sie angenommen werden / und durchdringen möge;
behersche und erweiche der meinigen Herz / dass sie dir folgen / und zur ewigen
Seligkeit sich zihe lassen. Ist es auch dein gnädiger Wille / so bekehre mein
ganzes Vaterland / dass dein Wort möge auffgenommen / und deine Kirche unter
ihnen erbauet werden. Dieses mein Gott /wollestu gnädig erhören / umb der
blutigen Wunden deines lieben Sohns meines HErrn und Heilandes / Amen /Amen.
    Nach dieses Gebehts endigung trat er hin zu den andern / da sie ingesamt den
Lobgesang des Mose /aus dessen anderm Buche; hernach den Lobgesang des alten
Zacharias; wie auch das herrliche Danklied der heiligen Jungfrauen Marien / der
Mutter unsers Heilandes / mit andächtiger Stimme sungen / und daneben andere
geistreiche Gesänge mehr; nachgehends lase ein Christlicher Lehrer den 84 / 91 /
96 / 100 /103 / 107 / 112 / 118 136 145 / und 147 Psalm des Königes David /
beschlossen mit dem heiligen Vater Unser / und hielten darauf eine geringe
Mahlzeit unter den grünen Bäumen. Weil sie dann nicht zweiffelten /ihre grosse
menge Wagen / Rosse und Völker würden ein grosses Geschrei im Lande erwecken /
liessen sie die Römischen Völker wieder zurück gehen / denen sie eine Tonne Schaz
austeileten und hatten bereit nicht allein gute Gelder von den Pannoniern zur
Beute /sondern auch jeder ein statliches Pferd erhalten. Die Weine wurden ins
freie Feld abgelegt / und die Wagen wieder zurücke gesand. Baldrich und Siegward
mussten mit 30 Reutern vorangehen / und ausgeben / sie hätten etlichen Römischen
Kauffleuten viel Waaren vor gute Beute abgenommen / die ihnen nachgeführet
würden. Als diese zur ersten Grenzestad kahmen / und die Besatzung ihrer gewahr
ward / schicketen sie etliche zu ihnen hinaus / stille zu halten / und der
Festung sich nicht zu nähern; denen Baldrich die verabscheidete Antwort gab /
welche dem Befehlichshaber verdächtig vorkam; dann wie leicht / sagte er /kann
sich einer vor des GrossFürsten Sohn ausgeben. Ward derhalben fleissig
nachgefraget / ob nicht jemand in der Stad verhanden / dieses Fürsten Kundschaft
hätte. Der alte Pribisla / Leches Vater / hatte einen Rittersiz in dieser Stad
vor weniger Zeit von seinem ohn leibes Erben verstorbenen jüngeren Bruder
geerbet / auff welchem er sich dazumahl auffhielt; seiner Diener einer wahr eine
Zeitlang am Teutschen Hofe gewesen / welcher den jungen Fürsten wohl kennete.
Pribisla selbst gewan Lust / mit hinaus zuzihen /liess seine Gutsche anspannen /
und fuhr mit seinem Knechte fort. Baldrich sah den Wagen von ferne kommen / und
zohe sich gemehlich wieder zurück nach der geschlagenen grossen Wagenburg / in
welcher unterschiedliche grosse Zelte auffgerichtet wahren. So bald Pribisla
daselbst ankam / musste sein Diener ihn bei dem jungen Fürsten melden / die
einander alsbald kenneten. Valiska wollte vor diesem alten lieben Freunde sich
nicht verbergen / ward von etlichen Teutschen nach dem Fürstlichen Zelt gehohlet
/ und gaben dieselben vor / es währen etliche gute bekanten bei dem Fürsten /
die ihn gerne sprechen wollten. Der gute Alte gedachte an nichts wenigers / als
an seine Obrigkeit / und ging als in Gedanken / biss er in das Gezelt hinein
trat. Als er nun Königin Valisken gleich gegen über erblickete / geschwand ihm
vor freuden /dass er zur Erden nidersank / da sein Sohn Leches alsbald hinzutrat
/ und mit Neda hülffe ihn erquickete zu ihm sagend: Wie nun / geliebter Vater /
wollet ihr durch euren Unfall die Fröligkeit unser glücklichen Wiederkunft
betraurigen? Pribisla schlug die Augen auff / sah die Königin starre an / dass
er der übrigen keine acht hatte / und sagete: O ihr mein gnädigstes Fräulein /
was vor gütige Götter haben eure Gn. wieder zu Lande gebracht? O des glückseligen
Tages /welchen mich der Himmel noch hat wollen erleben lassen! Valiska ging zu
ihm hin / umbfing ihn freundlich / und antwortete: Mein lieber Freund; ja mein
GOtt hat mich gnädig wieder hergeführet; aber sehet ihr euren König Ladisla / uñ
mein Gemahl GrossFürst Herkules (also wollte er wieder genennet sein) nicht dorten
sitzen? O du glückseliger Tag! sagte er; stund auff / und wollte seinen König mit
vielen Worten wilkommen; aber die Rede blieb ihm stehen / daher fassete ihn
Ladisla bei der Hand / hiess ihn nidersitzen /und sagte: Es wäre ihm sehr lieb /
dass er solchen geträuen aufrichtige Untertahnen gesund fünde. Hernach fragete er
/ wie es seiner Fr. Mutter ginge. Sie ist höchlich betrübet / gab er zur Antwort
/ und beweinet den Tod ihrer lieben Kinder / als hätte sie davon schon gewisse
Zeitung; wollen demnach eure Hocheit nicht seumen / sie zu trösten. Libussa wahr
hingangen / ihre zwilling Söhnichen herzuhohlen / und den Grossvater damit
zuerfreuen / nahm sie beide zugleich auff die Arme / und sagete: Herzlieber Herr
Vater /dass ich gleichwol euer väterliches Herz auch mit einem Beutpfeñige
erfreuen möge / schenke ich euch zween Söhne auff einmal / welche uns Gott vor
ohngefehr eilff Wochen bescheret hat / und haben wir den ältern Pribisla / den
jüngern Leches genennet. Dem alten qual sein Vaterherz im Leibe auff / dass er
sich musste halten lassen / daher ihm ein Stuel gesetzet ward / worauff nach
gebehtener verzeihung er sich niderliess / die Kinderchen auff seine Schoss nam /
und also anfing: Ihr gütigen Götter / mus mir die algemeine Freude noch nicht
gnug sein / dass ich auch ein absonderliches Glük meines Hauses auff meiner Schoss
halten soll? O so lasset uns diese Freude ja mit keiner bitterkeit verwermuten;
wünschete endlich / dass er nur noch zehn Jahr zurück hätte / und dieses Glüks
neben andern länger geniessen könnte. Sie beredeten sich aber hieselbst / dass sie
alle Wagen / Reuter und Pferde in dieser Stad stehen lassen / und in enger
Gesellschaft mit ihren Gemahlen und Kindern nach Prag fortrücken wollten / ehe das
Geschrei von ihrer Wiederkunft ausbräche; gaben sich auch in der Stad nicht kund
/ sondern Pribisla musste wieder vorhin fahren /und berichten / dass sichs alles
nach geschehener anzeige verhielte / ward ihm auch Wenzesla / umb mehrer
begläubigung zugegeben / welcher mit dem Befehlichshaber wohl bekant wahr. Also
wurden sechs Gutschen mit Frauenzimmer und Kinderchen beladen /und setzeten sich
die fünff Fürsten mit fünff Rittern zu Pferde / da auch Pribisla mit ihrer
Gesellschaft auff Valisken Gutsche fortzohe. So bald sie vor Prag anlangeten /
und Pribisla nebest Wenzesla von der Schildwache gesehen wurden / liess man sie
ungewegert in die Stad; aber vor dem Schloss liessen sie sich angeben / die
Fürsten Baldrich und Siegward währen ankommen / und wollten der Königin die Hände
küssen. Dieselbe nun sass in ihrem absonderlichen Zimer / da ihr solches
angemeldet ward / und erwartete ihres Wenzesla alle Stunden. Ihr wahr aber sehr
liebe / dass die jungen Fürsten ankahmen / von denen sie lange keine Zeitung
gehabt; liess sie demnach durch einen ädelknaben zu sich hinauff bitten. Die
unsern hatten sich sehr prächtig / und auff einerlei Art gekleidet; Herkules und
Ladisla setzeten sich mit ihren Gemahlen auff eine Gutsche zusammen /und machten
sie rings umbher zu. In die andere mussten sich Leches und Neda mit ihren
Eheliebsten setzen / und hatten zween Reichsstäbe / und vier Königliche Kronen
bei sich. In der dritten wahren die beiden Fürstinnen / mit Euphrosynen und
Agaten / welche die beiden jungen Herrichen bei sich hatten. Die drei Fürsten /
und hinter ihnen Prinsla und Wenzesla ritten voran (Fabius wahr bei den Völkern
blieben) biss sie in den innersten Platz des Schlosses kahmen /da sie den
abgeschikten ädelknaben schon hatten vorhin gehen lasen / mit bericht / sie
brächten sehr gute Zeitung mit sich von dem verlohrnen Fräulein und ihrem Herr
Bruder; welches sie ihr zu dem Ende sagen liessen / damit durch gar zu schnelle
unversehene Freude ihr nicht etwas wiedriges zustossen möchte. Die Besatzung des
Schlosses hatte sich mit ihrem Gewehr an beiden Seiten des Platzes gestellet
/unter denen Valiska viel bekannte Angesichter / auch den Befehlichhaber selbst
kennete / und nicht wohl wusste / wie sie unerkennet auffs Gemach kommen sollte;
endlich rieff sie dem Hauptman und sagete: Schweiget / wann ihr uns kennet / uñ
gebietet euren Knechten bei lebens straffe / dass sie ein gleiches tuhn. Stiegen
darauff ingesamt abe / so dass die Königinnen neben einander voran / Libussa aber
und Brela mit den beiden Kronen ihnen zur Seite gingen; hinter ihnen her Ladisla
und Herkules / und mit beide Kronen neben ihnen / Leches und Neda. Nähest den
Königen / Fürstin Lukrezie / die von Arbianes / und Fürstin Sibylla / die von
dem alten Pribisla geleitet ward. Baldrich und Siegward gingen gar voraus / biss
vor der Königin Gemach / traten auff erfoderung hinein /und wurden Mütterlich
empfangen. Die Königin wunderte sich / dass Baldrich so gross und mänlich worden
wahr / dann sie hatte ihn in mehr als vier Jahren nicht gesehen / kunte auch ihr
mütterliches Herz nicht lange bergen / und fragete alsbald / was vor Zeitung sie
von ihren lieben Kindern brächten / und ob sie von Padua kähmen. Gleich auff
dieses Wort öfnete Valiska die Tühr / und trat mit einem lächelnden Angesicht
hinein / wodurch sie ehmahls ihr Mutterherz oft gewonnen und ergetzet hatte.
Weil dann die alle Königin gegen der Tühr übersass / ward sie ihrer allerliebsten
Tochter alsbald gewahr; worüber sie laut ruffe ward: O mein HerzenKind! Hiemit
blieb ihr die Rede stehen / und liess die Hände in ihre Schos sinken / dann die
unversehene Freude belief ihr Herz dermassen / dass wenig fehlete / sie währe in
der Ohmacht verschieden; welches Valiska ersehend / schleunig hinzu lief /
rüttelte und schüttelte sie mit Sophien Hülffe / dass sie endlich die Augen
auffschlug / und ihr liebes Kind fest an ihre Brust drückete / aber doch vor
Freuden kein Wort sprechen kunte. Valiska küssete sie ohn unterlass /und sagete:
Herzallerliebste Fr. Mutter; darff eure ungehorsame Tochter sich auch wieder vor
euren Augen finden lassen / die durch ihr Lustfahren euch so mannich tausend
Herzleid gemacht hat? Ach mein HerzenSchaz / antwortete sie / habe ich dich dañ
warhaftig in meinen Armen / oder ist es nur eine blosse Einbildung?
Allerliebste Fr. Mutter / sagte sie; ja mein gnådiger Gott hat mich wieder
hergeführet; und sehet da meine herzliebe Fr. Schwester / Königin Sophia / eure
auch ergebene Tochter. Die Mutter erhohlete sich hierauff / kunte aber ihre
Valisken so schleunig nicht verlassen / sondern hing fest als eine Klette an ihr
/ biss sie allerdinge sich besan / da sie ehre Schnuhr auch mit küssen und
umfahen wilkommen hiess kehrete sich hernach wieder zu Valisken / und sagete: Ich
hoffe ja / dass dein Bruder / und mein Sohn Herkules sich auch werden wieder
gestellet haben. Ja / Fr. Mutter / antwortete sie; sie werden beide bald bei
euch sein. Gleich damit traten sie zur Tühr hinein / und begegnete ihnen die
Königin mit offenen Armen / umfing sie zugleich / und küssete einen umb den
andern / unter welcher Zeit Libussa und Brela die jungen Herrichen hohleten / da
Sophia den ihren seiner Grossmutter darboht / welchen sie alsbald zu sich nam /
und ihn herzete und küssete. Valiska hielt sich mit ihrem Herkuliskus hinter den
andern verborgen / biss sie diesen Herkuladisla wieder von sich gab / trat
hernach unvermutlich / zu ihr / und sagete: Sehet da Fr. Mutter / ich will euch
auch meinen und meines Herkules Söhnlein schenken / meinen allerliebsten
Herkuliskus / damit ich nicht mit geringerem Beutpfennige komme / als meine Fr.
Schwester Königin Sophia. Die Mutter bewägete sich hierüber noch zum
allermeisten / dass man ihr einen Stuel setzen musste / geberdete sich auch mit
dem schönen Kindichen über alle masse freundlich / und sagte zu ihm; Ach du mein
trauten Schaz / bistu schon dar / du schönste Frucht der ehelichen Liebe /
welche ich so oft gewünschet habe? welches das Kindlein mit einem lieblichen
Lachen anhörete. Hernach sagete sie zu ihnen ingesamt: Ihr allerliebsten Herzen
/ wie komt ihr mir doch so gar ungemeldet / dass kein einiger Mensch euer
Ankunft Wissenschaft hat? O des glücklichen Tages /den wir jährlich feiern
sollen! Valiska halte Brelen schon hinaus geschikt / die beiden Fürstinnen
zuhohlen / welche / da sie zur Tühr hinein traten / sagte Ladisla: Gn. Fr.
Mutter / ihr habt eure Kinder noch nicht alle gewilkommet; sehet da Fürst
Baldrichs und Siegwards Gemahlen / meines EheSchatzes näheste Blutverwanten /
welche mit uns kommen sind / euch kindlich zugrüssen. Ey so haben meine geliebte
Herren Söhne sich auch verheirahtet? sagte sie; trat ihnen entgegen / und mit
einem freundlichen Kusse hiess sie dieselben sehr wilkommen sein; wie auch zulezt
Fürst Arbianes wohl empfangen ward. Der Königin Hofmeisterin sah diesem allen
mit Verwunderung zu / lief endlich nach dem Frauenzimmer / und taht ihnen
zuwissen / das verlohrne Fräulein mit ihrem Herr Bruder und Gemahl währen wieder
zu Hause angelanget / und schon bei der Königin auf ihrem Gemache; wodurch eine
neue Freude entstund / da sie ingesamt hinlieffen / ihr umb den Leib / Arm uñ
Beine fielen /dass sie sich nicht rühren kunte / und ihnen solche freude doch
nicht wehren wollte. Es ist nicht zubeschreiben / wie viel FreudenTrähnen über
ihr vergossen wurden / insonderheit wusste die liebe Mutter nicht / wessen sie
sich geberden sollte / dann die Freude wahr zu gross / welche sich nicht halten
liess / und doch auff einmal nicht losbrechen kunte. Doch erzeigete sie sich
über niemand anmuhtiger / als wann sie ihre Tochter und den kleinen Herkuliskus
im Arme hatte. Ladisla sendete Leches hinunter auff den Platz /der Besatzung
anzudeuten / sie sollten sich über ihres Königes und seiner Fr. Schwester
glücklicher Wiederkunft freuen / daher sie ein solches FreudenGeschrei (König
Ladisla lebe / Fürstin Valiska lebe) anfingen /dass es durch die ganze Stad
erscholle / und alle Inwohner herzu lieffen / um zuvernehmen / was solches
frohlocken bedeuten möchte; darum ward Leches zu ihnen hinaus geschickt / der
ihnen anmeldete / ihr König mit seinem Gemahl und Frau Schwester währen auff dem
Schloss glücklich angelanget. Da hätte man nur ein Gejauchze und glückwunschen
durcheinander hören sollen; dann die Gassen wurden je länger je mehr mit
Menschen angefüllet; Die vornehmste Frauen und Jungfern der Stad lieffen in
ihren häusslichen Kleidern durch das gemeine Volk hin und her /und wahr alles ihr
wünschen und bitten / ihr König und seine Fr. Schwester möchten ihnen doch ihr
Angesicht sehen lassen; welche ihnen solches nicht versagen wollten; massen
Ladisla mit seinem Gemahl /samt seiner Fr. Schwester und Herkules / stelleten
sich auff die Zinnen der Schlossmaur / dass sie von allen kunten gesehen werden /
da Herkules / nachdem er mit winken ihnen ein Zeichen / dass er wollte gehöret
sein / gegeben hatte / also anfing: Ihr löblichen Einwohner dieser Stad und des
ganzen Königreichs; billich habt ihr Gott hoch zudanken / dass derselbe euren
König nach ausgestandener Gefahr und erworbenen grossen Ehren uñ Reichtuhm euch
zum besten /frisch und gesund wieder her geführet hat. Ich will eure vorigen
Könige zwar nicht verachten / aber an diesen gegenwärtigen reicht ihrer keiner
mit seinen Tahten; dann dieser euer König ist in den weit abgelegenen
Asiatischen Königreichen und Herschaften dermassen berühmt / dass auch die
kleinen Kinderlein / ihn vor einen Schuz-Gott / und die Feinde vor ihren
Verderber besingen. Die Zeichen seiner Königlichen Ehre werdet ihr morgen sehen
/ nachdem er mehr Gold und Kleinot mit sich gebracht / als das ganze Königreich
nicht den zehnden Teil auffzubringen vermögens ist / wann sie gleich alles
zusammen raffen. Eures Königes wirdige Gemahl sehet ihr zu seiner Seiten stehen
/ welche ihm schon einen Erben / und da er leben soll / einen Nachfolger im Reich
/ an diese Welt geboren hat. Euer angebohrnes Königliche Fräulein hier an
meiner Hand gegenwärtig / hat mir Gott zum EheSchatze bescheret / und wird
unvonnöhten sein / dass ich euch meine Nahmen /Herkules gebohrner GrossFürst aus
Teutschland /nenne. So seid nun frölich über eurem Könige und dessen glücklicher
Wiederkunft / und versehet euch zu demselben aller Gnade / Schutzes und Liebe /
worzu seine Königl. Hocheit sich gnådigst anerbeut. Hierauff erhub sich ein
neues frolocken von Jungen und Alten / dass es auff den nähesten Dörffern und
Flecken gehöret ward; Jederman liess seine Handtihrung liegen / schlachteten
ihren Göttern Opfer (welches man ihnen nicht wehren durffte) und richteten unter
einander Freudenmahle an. König Ladisla sendete noch desselben Tages reitende
Bohten durch sein ganzes Königreich / die sämtlichen LandStände zuversamlen /
damit bald im Anfange alle Irrungen und Streitigkeiten zwischen der
Ritterschaft und den Städten auffgehoben und gänzlich abgetahn / gute
ReichsSatzungen gestellet / die GrenzeStädte besichtiget / an Graben /Wahl und
Mauren gebessert / und die Besatzungen gestärket / auch die junge Mannschaft
durch das ganze Reich mit Gewehr versehen / und darinnen fleissig geübet würde.
Des folgenden Tages gegen Abend / kahmen die beladene Wagen / Kamehle und
MaulEsel /samt den vielen Gutschen / HandPferden und dem grossen Elefanten an /
neben welchem der Löue in seinem Kefich auff einem eigenen Wage hergeführet ward
/ über welches alles sich die Inwohner und die Königin selbst verwunderten / und
das ungeheure Tihr / des gleichen nie zuvor daselbst gesehen wahr /nicht gnug
beschauen kunten. Als die LandStände sich eingestellet hatten / hielt König
Ladisla drei Tage offenen Hof / und wurden die vornehmste Herren sehr wohl
gehalten / so dass in der Zeit 20 Fuder des mitgebrachten köstlichen Weins drauff
gingen. Am dritten Tage musste die junge Ritterschaft ein Stechen halten / da
sich ausfündig machete / dass deren ein grosser Teil besser gelehret wahr / die
grossen Trinkgeschir auszusauffen / als die ritterlichen Waffen zugebrauchen /
welches Ladisla ihren Eltern verweisslich vorhielt / und die ädlen ganz ernstlich
vermahnete / sich eines nüchtern und mässigen Lebens zubefleissigen / und in
allerhand ritterlichen übungen sich täglich zugebrauchen; ob sie nicht wüsten /
was vor einen grimmigen Feind sie an dem Pannonischen Volk hätten / welche den
Waffen Tag und Nacht oblägen; würden sie nun im Müssiggange die Zeit zubringen /
uñ die StreitKunst hindan setzen / würden sie ausser allem Zweifel in kurzer
frist den Pannoniern zu Leibeigenen gedeien / da sie dann nicht allein sich
selbst / sondern auch ihre Eltern verfluchen würden /dass sie von ihnen nicht zur
Ritterschaft währen angehalten worden. Welche Vermahnung dann so grossen Nutzen
schaffete / dass sie ingesamt versprachen / sich zubessern / und dessen über
wenig Wochen einen Beweisstuhm vor ihrem Könige abzulegen. Die junge Mannschaft
in Städten und auff den Dörffern ward auch zum Gebrauch der Waffen angeführet /
und mussten alle WaffenSchmiede fleissig arbeiten / dass deren ein guter Vorraht
gemacht würde / dero behuef ihnen Ladisla zwo Tonnen Goldes austeilen / und eine
gewisse Anzahl einsetzen liess / wie viel Schwerter /Spiesse / und andere Waffen
sie inwendig zehn Wochen einschaffen sollten; endlich ward der Schluss gemacht /
dass Ladisla und sein Gemahl des fünften Tages hernach öffentlich sollten
gekrönet werden /worzu fleissige Zubereitung gemachet ward.
    Des nähst folgenden / als des vierten Tages vor der angesetzeten Krönung /
brachte die Jäger Knechte ein abscheuliches WunderTihr mit sich aus dem Walde
/welches eine Leib hatte wie ein Bähre / zween Köpfe neben einander / der rechte
wahr ein gezåumter PferdeKopf mit zween spitzigen Hörnern / fast einer halben
Ellen lang; der linke ein grosser Wolffes Kopf mit einer langen ausshangenden
Zungen; der Leib wahr zottich rauch und Feurroht / und lieff auff zween
MenschenFüssen (welche die fördersten) uñ auff zween OchsenFüssen (welche die
hintersten wahren) sehr geschwinde / dass die Jäger einen ganzen Tag zu tuhn
gehabt hatten / ehe sie es ermüden und fahen können. Unsere Fürstliche
Gesellschaft muhtmassete daher wenig gutes / und bahten Gott / dass nach seiner
Barmherzigkeit er alles Unglück von ihnen und ihren Herschaften gnädig abwenden
wollte.
    Farabert der Fränkische Ritter eilete auff der Reise nach seinem Könige /
gewaltig fort / welchem Herkules üm mehrer sicherheit willen 20 Römische Reuter
zur Begleitung zugegeben hatte. So bald er bei seinem Könige anlangete / trug er
anfangs kürzlich vor /wie ganz gnädig er beides von der GrossFürstin Valiska /
und dem unvergleichlichen GrosFürsten Herkules selbst / gehalten währe / meldete
deren anbefohlnen mündlichen Gruss sowol der Königin als dem Könige selbst an /
und überlieferte ihr die beiden beladenen MaulEsel / als einen Beutpfennig / von
GrosFürstin Valisken aus kindlicher Liebe übergemacht / nebest demühtiger Bitte
/ solchen gnädig von ihr anzunehmen; welches alles die Königin nicht wenig
befremdete / insonderheit da sie die übergeschikten köstlichen Sachen in des
Königes Anwesenheit hervor nam / als 12 güldene Ringe von allerhand kostbahren
Steinen; 12 Kleinot zum gnugsahmen Königlichen Schmuk; eine Demant-Kette / ein
par Armbänder von Demant; 12 Schüsseln / 24 Teller; 4 Leuchter; 4 Schalen von
reinem Silber und stark übergüldet; ein grosses Trinkgeschier / in Gestalt eines
Schiffes; 12 Becker in einander gestekt; 4 Salzfässer; und 4 Gieskannen; und
zwar diese viererlei von reinem Golde gegossen; endlich allerhand teurbahre
Tücher von Gülden und Silbern Stük; welches alles die Königin mit Verwunderung
ansah / und von Farabert zuwissen begehrete /ob sie gläuben dürffte / dass ihr
solches von der jungen Teutschen GrosFürstin aus einem rechten Freundesherze
geschicket würde. Worauff er antwortete /dass bei seinen ritterlichen ehren er
nicht anders gläuben könnte / angesehen der hohen Beteuerungen / welche er aus
ihrem und ihres Gemahls munde gehöret hätte / zeigete danebe an / was grosse
Geschenke er vor sich selbst hätte annehmen müssen. Der König fing darauff an;
das müssen redliche und sehr ehrliebende Herzen sein / welche sich dergestalt
gegen unserzeigen. Er sah den Brieff an / und das beigefügte Schächtelchen /
welches von Kleinoten zimlich schwehr wahr / und als ihm das prächtig geschmükte
Pferd und der beladene MaulEsel darzu gezeiget ward / sagte er; ihr Götter /
helfft meinem Sohn zur völligen Gesundheit / wie ich dessen aus dem guten
Anfange eine starke Hoffnung habe / und gebet mir Gelegenheit / mich diesen
trefflichen wunder Leuten dankbar zuerzeigen. Er hätte seinem Sohn den Brieff
gerne ungebrochen eingehändiget / fürchtete sich aber / es möchte ein oder
anders darinnen begriffen sein / welches zu seiner Besserung mehr schädlich als
befoderlich währe; liess den Arzt zu sich fodern / und fragete nach seines Sohnes
Zustande / nebest Anmeldung /dass ein Schreiben von der jungen GrosFürstin
ankommen währe; Der Arzt gab zur antwort / es liesse sich je länger jemehr zur
besserung an / und währe nicht allein die wahnsinnige raserei hinweg / sondern
er finge schon an sich fein zubegreiffen / und verständig zureden / wie wohl mit
wenig Worten. Der König fragete weiter / ob er vor rahtsam hielte / ihm das
Schreiben zuzustellen / und was ihm vor Geschenke dabei übermacht währen. Er
bedachte sich darauff ein wenig / und gab sein bedenken / dafern das Schreiben
nichts Herzenrühriges in sich begreiffen würde / könnte es wohl geschehen / daher
es würde nöhtig sein / es zubrechen und durchzusehen; welches der König alsbald
leistete / und diesen Inhalt fand:
    Durchleuchtigster Königlicher GrossFürst / freundlicher in Ehren geliebter
Herr Oheim; Wie mannicher Gefahr ich gleich eine zeitlang unterworffen gewesen
bin /habe ich dannoch nicht umhin gekunt an Ihre Liebe zugedenken / in
betrachtung der hohen Zuneigung / welche dieselbe durch Anwerbung umb mich zu
einem Gemahl /Sonnenklar hat sehen lassen; da ich dann mich schuldig gewust /
Eurer Liebe begehren in Ehren zuerfüllen / dafern nicht eine lautere
Unmögligkeit mich daran verhindert hätte. Weil aber ein jeder Tugendliebender
Mensch gehalten ist / redliche und auffrichtige Freundschaft nach allem
Vermögen zuvergelten / so versichere Eure Liebe ich hiemit und kraft dieses /
beständigst / dass ich zeit meines Lebens sein und bleiben werde / des treflichen
Königlichen GrossFürsten Markomir in ehren ergebene geträue Schwester / bin auch
willig und erbötig mit dessen Liebe alle meine Glükseligkeit gemein zuhaben /
nichts überal ausgenommen / nachdem ich versichert weiss / dz dieselbe / ihrem
Tugendergebenen Herzen nach / nichts als ehrenzulässige Freundschaft an mich
und meines gleichen gesinnen kann. Es hat mich zwar eine fliegende Zeitung von
Euer Liebe Unpässlichkeit und Gemühts Traurigkeit nicht wenig erschrecket / hoffe
aber zu dem Almächtigen wahren GOtt / es werde mein teurer Fürst alle unnütze
Bekümmernis aus seiner Seele verjagen / worzu ich dessen Liebe schwesterlich will
ermahnet haben /auch deren Gewogenheit daher erkennen / wann sie mir hierinnen
brüderliche Folge leisten wird. Beigefügtes Persische Pferd / und andere
geringfügige Sachen / wolle mein Herr Bruder von seiner in Ehren ergebenen
Schwester Valisken anzunehmen unbeschweret sein / und beigefügte 2000 Kronen
seinem Arzt in meinem Nahmen einreichen / zur Bezeugung / dass denselben ich bei
seinem Gewissen erinnerte / allen möglichen Fleiss zu Eurer Liebe Gesundheit
anzuwenden / und auff künftige gute Zeitung Ihrer Liebe völligen Besserung /
ein gedoppeltes von mir gewärtig zusein. Ich bin und werde sein (nähst
Begrüssung Eurer Liebe Eltern / als meines Gn. Herrn Vaters und Fr. Mutter)
meines höchstgeliebeten Herrn Bruders / des teuren Fürsten Markomir
ehrenbereitwilligste Schwester
                                                                        Valiska.
    Dem Könige überlieffen die Augen von FreudenTrähnen / und der Arzt freuete
sich nicht wenig des übergeschikten Geschenkes / rieht / dass dem jungen Fürsten
das Schreiben alsbald gelieffert würde / welches sie / weil das Pitschaft
unverletzet wahr / fein und unvermerket zumachten: nahmen die Wetscher und
KleinotSchachtel mit sich / und gingen zu dem jungen Fürsten in sein Gemach /
welcher auff seinem Lager lag / und allerhand Gedanken in seinem Gehirn herumb
schweben liess / da der Vater ihn also anredete: Geliebter Sohn / wir werden dir
Zeitung bringen von grosser Wichtigkeit / und erinnern dich beiderseits / dass du
solches ohn sonderliche GemühtsBewägung annehmest. Gn. Herr Vater / antwortete
er; was kann einem solchen elenden Menschen / als ich bin / vorgebracht werden /
dass ihn sonderlich bewägen sollte? Er wollte weiter reden / aber der Vater fiel
ihm ins Wort / und sagte: Was nennestu dich einen elenden? ist dir ein Ungemach
zugestosse / das schlage aus dem Sinne / und danke den gütigen Göttern / dass sie
deiner Gesundheit dich wieder vergewissern wollen. Damit wir dich aber nit
zulange auffhalten / so wisse / dass deine allerbeste und angenehmste Freundin
und Schwester dir diesen Brieff sendet / und andere Sachen mehr; hoffen / du
werdest es gerne annehmen / und dich brüderlich gegen dieselbe erklären.
Markomir / als aus einem tieffen Schlaffe erwachete /fragete den Vater / was vor
eine Freundin er dann hätte? je mein Sohn / antwortete er / eben dieselbe /ümb
deret Willen du dich diese ganze Zeit her gehermet hast. Ach mein Herr Vater /
sagte er / ist dieselbe meine Schwester und Freundin? ja ist dieselbe annoch im
Leben? freilich ist sie noch im leben / antwortete er; und ob sie deine Freundin
sei / wird / meinem vermuhten nach / dieser Brieff dir sagen / dafern du ihn nur
lesen wirst. O mein Herr Vater / ein Brief? sagte er / ein Brieff von dem
unvergleichlichen Fräulein an mich Unwirdigen? rede nicht so verächtlich von dir
selbst / antwortete der Vater; du weist ja wer du bist; nim vielmehr dieses
Schreiben und liese es fein bedachtsam durch. Er griff mit beiden Händen darnach
/besah das Pitschaft / umb welches der Nahme Valiska gegraben wahr / küssete
den Brieff / lass ihn langsam durch mit Trähnen fliessenden Augen / und als er
ihn gar zu Ende gebracht hatte / sagte er mit einem Seuffzer: Ihr Götter / O ihr
gütigen Götter; euch danke ich von Herzen / dass ihr dieser allerwirdigsten
Fräulein Gnade und Gewogenheit mir erworben und zugewendet habet / und mich
wirdig gemacht / einen Gruss und Befehl von ihr zuerhalten. O ihr mein lieber
Arzt / wendet allen Fleiss an zu meiner Gesundheit / damit ich dieselbe bald
sehen möge /welche nach diesem als meine allerwirdigste Frl. Schwester ich ehren
will / weil ich deren ehelicher Liebe mich ganz unwirdig weiss. Der Vater und der
Arzt höreten diese Worte mit sonderlicher HerzensFreude an / und öffnete der
junge Fürst darauff die Schachtel / aus welcher er sechs köstliche Ringe / so
viel mänliche Kleinot und eine DemantKette hervor nam / aber das unterste /
welches in einem seidene Tüchlein eingewickelt wahr / erfreuete ihn noch am
meisten / nehmlich ein Armband aus ihren Haaren /mit den köstlichsten Perlen
durchwickelt / wobei dieses kleine Brieflein lag:
    Meinem hochwerten Herrn Bruder / GrossFürst Markomir / zur Bezeugung und
Festaltung Schwesterlicher Träue und Liebe.
    Viel zuviel / allerwerteste Fürstin / sagte er nach Verlesung; an dessen
Vergeltung ich auch durch auffopferung meines Blutes nicht reichen kann; band es
geschwinde umb seinen rechten Arm / und sagte: dieses würde mich vom Tode zum
Leben aufferwecken /warumb dann nicht viel leichter von der GehirnsVerwirrung
zur völligen Vernunft? die Wetscher liess er auch auffschliessen / aus welchem
allerhand köstliche Gülden und Silbern Stük zu seiner Kleidung genommen wurden /
insonderheit ein grosser schneeweisser Federbusch / welchen er auff seinen Huht
zustecken befahl. Und weil die genennete 2000 Kronen sich auch sunden / reichete
er sie dem Arzt / und sagete; erinnert euch eurer Schuld / und versichert euch
von mir aller Gnade. Endlich legte er seinen Schlaffrok an / und liess sich auff
den Gang leiten / das übergeschikte Pferd zusehen / welches ihm sehr wohl gefiel
/ und wünschete / dass ers bald beschreiten möchte. Der Arzt verwunderte sich
seiner Freidigkeit und vernunftigen Rede / dergleichen er von ihm noch nicht
gehöret hatte / bedankete sich untertähnigst wegen des grossen Geschenkes / und
ermahnete den Fürsten / er möchte nur bei solcher angenommenen Weise beständig
bleiben / aller schwermütigen Traurigkeit Urlaub geben / und seine Arznei
fleissig gebrauchen / als dann sollte er mit der Götter Hülffe inwendig vier oder
funf Wochen seine völlige Gesundheit und Kräffte wieder erlangen. Worauff er
antwortete: Mein Freund / alle Ursach meiner Bekümmernis ist verschwunden /
warumb sollte ich dann meine Seele noch weiters peinigen? der Himmel gönne mir
nur das Glük / dass ich dieser Fürstin Angesicht sehen möge / deren
schwesterliche Hulde mir ungleich lieber ist als aller Welt Schätze. Seine Fr.
Mutter kam auch darzu und weinete vor Freuden über ihres Sohns gutem Zustande
/welcher dann von Tage zu Tage an Verstand und Kräfften zunam / biss er inwendig
versprochener Zeit zu völliger Gesundheit gelangete.
    Unsere Fürstliche Gesellschaft zu Prag lebete inzwischen in aller zulässigen
Ergetzligkeit / und erwarteten des angesetzten Tages der Königlichen Krönung /
wobei Valiska einen sonderlichen Auffzug zumachen / in voller Zubereitung wahr /
und nicht desto weniger mit ihrem Herkules täglich überlegte / auff was Mittel
und weise er bei seinem Herr Vater völlig möchte können aussgesöhnet werden.
                            Ende des Sechsten Buchs.
 
                                Siebendes Buch.
Dass dieser Welt Freude und Wollust kurz und unbeständig sei / und immerzu mit
Leid und Unfal versalze werde / solches musste auch unsere fröliche Gesellschaft
zu Prag vor dissmahl erfahren / welche an nichts widriges gedachten / sondern
allentalben Anordnung macheten / was zur prächtigen Krönung des neuen Königes
und der jungen Königin dienen könnte. Drei Tage vor solchem bestimmeten
Land-Feste / meldete sich ein Teutscher Reuter vor dem Königlichen Schloss an /
er kähme aus Teutschland von dem GrossFürsten / und begehrete von der Königin
Verhör / welches keinen Auffschub leiden wollte. Es ward solches der Fürstlichen
Gesellschaft angedeutet welche daher schon schlechte Hoffnung zur guten Zeitung
fasseten / insonderheit da sie bald darauff Herkules ehmaligen ädlen Diener /
den geträuen Ekhard (der diese zwei Jahr her sich wieder bei dem GrossFürsten in
Dienste begeben hatte) sahen zur Tühr hinein treten und von seinem ehmaligen
Herrn / der ihn alsbald keñete / also angeredet ward: Mein gute Ekhard / lebestu
noch? was verursachet deine schnelle einsame Ankunft? gehets auch daheim noch
wohl zu? und was gutes neues bringestu uns von meinen lieben Eltern? Dieser
entsetzete sich über der unvermuhtlichen gegenwart dieser HochFürstliche
Gesellschaft / liess einen tieffen Seufzer gehen / und gab zur Antwort: Ihr
Durchleuchtigste Fürsten / ich freue mich von herzen ihres guten Wolergehens /
und tuht mir sehr leid / dass ihre Fröligkeit ich stören / und der unselige Bohte
sein muss / Eure Durchll. klagend zuberichten / was gestalt der meinäidige
Wendische RäuberFürst Krito und sein Sohn Gotschalk / meinen gnädigsten
GrossFürsten / samt dessen Gemahl und Fräulein Tochter /verrähterischer weise /
und unter dem schein einer freundschaft / mit einem Heer überfallen / sie
gefangen mit sich nach Friessland geführet / und seine Diener / wenig ausgenommen
/ erschlagen haben. Die ganze Gesellschaft erschraken zum heftigsten wegen
dieser Zeitung / insonderheit Fürst Arbianes / welcher fürchtete / dass nun alle
Hoffnung der so hochgewünschete Heirat in Brunnen fallen würde. Herkules und
Ladisla stunden alsbald auf / denen Valiska Baldrich und Siegward folgeten / und
nach kurzer Beredung entschlossen sie sich / ihrer Eltern und Verwanten Rettung
ungeseumet vorzunehmen / da ihnen dann sehr wohl zustatten kam / dass nicht allein
die Völker aus den Besatzungen in die 8000 stark / sondern ein guter Teil der
Ritterschaft / 12000 zu Pferde sich zu Prag eingestellet hatten / worzu noch
desselben Tages alle nähstanwohnende junge Mannschaft mit ihrem besten Gewehr
auffgemahnet ward / denen sich 14000 gegen folgenden Morgen einstelleten / und
ward die Nacht über alles zum schleunigen Aufbruch fertig gemacht / die Wagen
mit Speisen beladen / und dem Fussvolk alle mitgebrachte Pferde zum reiten
ausgeteilet / so dass sie schon ein ansehnliches Heer beieinander hatten / da
Arbianes alle Parter und andere Morgenländische Völker zu sich foderte / und
ihne zuverstehen gab / was man vor einen Zug vorhätte / bei welchem Ehre
zuerwerben stünde / hoffete / sie würde sich als redliche Leute halte / und
ihrer getahnen Zusage eingedenke sein / auff welchen Fall er sie zu sich nehmen
/ und als seine Leibvölker führen und gebrauchen wollte. Diese erfreueten sich
dessen hoch / erbohten sich Leib und Leben bei ihm auffzusetzen / und nicht
minder bemühet zu sein / in diesen Ländern einen Nahmen zuerstreiten / gleich
wie in ihrem Vaterlande die Teutschen und Böhmen getahn hätten. Das sämtliche
Frauenzimmer wahr überaus betrübet /da sie sahen / dass Gefahr und Blutvergiessen
von neuen wieder angehen sollte / und liess die alte Königin ihre heisse Trähnen
fliessen / dass sie ihre liebste Söhne so bald wieder von sich lassen musste / und
sie doch keines weges von der Reise abhalten kunte; nur suchte sie bei ihnen
inständig an / sich weder vor noch nach geschehener Erlösung zu seumen / alsdañ
wollte sie mit ihren Ehegemahlen und Kinderchen ihrer frölichen Wiederkunft
geduldig erwarten; welches Valiska also beantwortete: Herzen Fr. Mutter /ich will
euch zwar mein allerliebstes Söhnlein Herkuliskus hie lassen / aber von meinem
Herkules scheide ich lebendig nimmermehr / zweiffele auch nicht / euer
mütterliches Herz werde mir diese Reise gerne zulassen. Fr. Sophia sagte
desgleichen; sie hätte ihrem Heilande angelobet / ihren Ladisla nicht mehr
zuverlassen; so wollten Frr. Lukrezie und Sibylla auch nicht dahinden bleiben
sondern mit ihren Gemahlen gleiche Gefahr gerne ertragen; trösteten daher die
alte Königin ingesamt / sie möchte ein gut Herz haben / ihre Reise ginge nicht
über Meer / noch in die Wildfremde / sondern sie blieben auff Teutschen Grund
und Bodem. Ekhard ward zwo Stunden nach seiner Ankunft mit Leches und Prinsla
wieder nach Teutschland fortgeschicket / so viel guter Mañschaft / als möglich /
im nahmen der Bömischen Königin uñ Fürst Baldrichs zusammen zutreiben / und
mussten 20 Teutsche / so mit aus Asien kommen wahren / mit ihnen fort /nachdem
sie alle äidlich angelobet hatten / dass ihrer keiner von Herkules und Ladisla
Wiederkunft nicht dass allergeringste in Teutschland melden wollten. Niemand trieb
den Auffbruch schleuniger als Arbianes /dann er befahrete / das Fräulein würde
durch Zwang sich dem Wendischen jungen Fürsten müssen beilegen lassen; dass wo
Valisken Trost nicht gewesen /würde er vor Angst vergangen sein. Er foderte
nochmahls seine Landsleute vor sich / liess ihnen 30000 Kronen austeilen / und
dass ein jeder sich mit guten Waffen und Gewehr auffs beste versehen sollte. Die
Fursten ingesamt hätten gerne gesehen / dz ihr Frauenzimmer dahinden geblieben
währe; weil aber alle abmahnung vergeblich wahr / und die übrigen beteureten /
sie müsten und wollten durchaus bei ihrer allerliebsten Fr. Schwester Valisken
bleiben / mussten sie ihnen diesen Zug einwilligen / und sprach Valiska die alte
Königin durch allerhand bewägliche Ursachen zufriede / sie versichernd / dass die
reitende Bohten ihr wöchentlich alles verlauffs bericht einbringen sollten;
Worauff sie als gezwungen einwilligte / und dass sie inzwischen an ihren lieben
Kinderchen / den beiden jungen Herlein sich ergetzen wollte. Ja Fr. Mutter /sagte
Valiska / sie sind freilich eure Kinder / der fleischlichen Geburt nach / aber
ich bitte euch von Herzen / lasset mir ja die Teuffels Pfaffen und abergläubigen
Weiber keine darüber kommen; dann sie sind Christen Kinderchen / und haben die
heilige Tauffe schon empfangen / in welcher sie von allen ihren Sünden
abgewaschen und gereiniget / und von ihrem Gott vor himmels Erben angenommen
sind. Die Mutter fragete / ob dann solche kleine Kinder auch schon Sünde an sich
hätten / welche ja noch mit keinen Gedanken / geschweige Worten oder Werken
einiges Ubel begehen könten. O ja Fr. Mutter sagte Valiska / es ist kein einiger
Mensch / der nicht sollte Sünde an sich haben; dann ob gleich die unmündigen
kleinen Kinder mit Gedanken / Worten und Tahten noch nicht sündigen / so haben
sie doch die böse Art durch die fleischliche Geburt von ihre Eltern geerbet /da
an statt des geistlichen ebenbildes Gottes / worzu anfangs der Mensch erschaffen
ist / eine durchgehende Verderbung alle unsere geistliche Seelen- und
Leibeskräfte eingenommen hat / so dass an statt der erkentnis Gottes eine
klägliche Blindheit; an statt der Liebe Gottes / eine wiederstrebene Frecheit; an
statt des willens zum guten / eine starke Begierde zur Bosheit uns angeerbet wird
/ welcher verderbte Saame in dem kindlichen Alter in uns verborgen lieget / und
mit den Jahren je mehr und mehr hervorbricht. Aber dieses sind hohe und eurer
Vernunft verborgene Sachen /davon meine Fr. Mutter noch zur Zeit den Verstand
nicht begreiffen kann / und ich doch nicht zweiffeln will / dass wañ der
barmherzige Gott uns glückliche Wiederkunft gönnen wird / wir von diesen und
andern zur Seligkeit gehörigen Sachen ausführlicher reden wollen. Die Fürsten
ingesamt / nachdem sie gewapnet und ihre Völker zum Auffbruch fertig wahren /
nahmen des anderen Tages nach empfangener bösen Zeitung von der alten Königin
Abscheid auff ein kürzes /verliessen Fr. Agaten und Brelen bei den jungen
Herlein / und gingen mit dem Heer auf Teutschland zu / da sie ritten / und das
Frauenzimmer auff dem Elefanten fort zohe / welcher allentalben in Städten und
auff dem Lande nit vor ein Tihr sondern vor einen Teuffel gehalten ward. Valiska
nam auff den Fall der glücklichen Erlösung viel Kleinot und Kleider mit sich /
welches Arbianes an seinem Orte auch nicht verseumete / und ward zur bezahlung
des Heers eine grosse Barschaft auf MaulEseln mit geführet. Auff der Reise
hielten sie täglich zweimahl Behtstunde / und sungen allerhand geistreiche
Lieder / welche Herkules mehrenteils selber gemacht hatte / unter welchen dieses
ihr täglicher Morgensegen wahr:
                                       1
Was soll ich dir vor dank / mein Jesus bringe /
Vor den Brun deiner Gütigkeit /
Den du mir läst ohn unterlass neu springen /
Und mich in freier Sicherheit
Beschirmest; O Herr deine Gunst
Hat ja in mir die Finsternis gebrochen
Und allen falschen Götzendunst /
Wodurch ich bin von Sünden lossgesprochen.
                                       2
Du hast mich Herr durch deiner Engel wache
In dieser ungestümen Nacht /
(Da seinen Grim der hocherzürnte Drache
Ohn zweifel mir gar nahe bracht)
Beschützet / dass mir weder Fuss
Noch Häupt von ihm veletzet ist / deswegen
Empfind' ich / dass ich billich muss
Dir O mein Heil der Lippen Opffer legen.
                                       3
Vergib mir Gott / was ich gesündigt habe /
Vergib umb deines Sohnes Blut /
Und gönne / dass mich solches kräfftig labe
In rechter Glaub- und liebes-Glut;
Lass mich dir heut befohlen sein /
Damit dein Schuz den Feinden mich entreisse /
Und schreib' ins Lebens-Buch mich ein /
Demnach ich ja nach deinem Nahmen heisse.
                                       4
Angst und Gefahr / versehrung meiner Glieder /
Unehr / und was mir schaden kann /
Wend' ab von mir / lass deinen Geist hernider /
Und zeug mir wahren Glauben an /
Dass nicht mein Fleisch in frecher Lust
Die Bosheit dir zu wieder möge stärken /
Erfülle mein Gemüht und Brust
Mit frömmigkeit und allen guten Werken.
                                       5
Dir geb' ich mein Gemahl / mein eigen Leben /
Mein' Eltern / Bruder / Schwester / Kind;
Gib allen / was du mir schon hast gegeben /
Dass keiner von uns geistlich-blind
Verderbe; lass des lebens Geist
In ihnen das Verständnis auch entzünden /
Dass ich nach Wunsch / wie du Herr weist /
Sie alle mög' in deinem Reiche finden.
                                       6
O Vater! O durch deines Sohnes Wunden /
Durch seine Geissel / Angst und Noht
Löss' alle die vom Teuffel sind gebunden
Zubrich den ewiglichen Tod;
Erhalte deine Christenheit /
Wie klein sie ist / dass nicht der Feind sie dämpfe /
Hilff dass in dieser Sterbligkeit
Ich wieder Welt uñ Fleischeslust recht kämpfe.
                                       7
Biss du mir wirst des Lebenskron auffsetzen /
Und aller auserwählten Schaar;
Dañ werd ich mich an deiner Gunst ergetzen /
Dann werd ich rühmen immerdar.
O über-hochgewünschtes Gut /
Wann soll ich doch der Güter recht geniessen;
Die durch dein teuer-vergossnes Blut
Hernider auff uns deine Kinder fliessen.
Ihr Zug ging gewaltig schnelle fort / so viel die Pferde es erleiden wollten /
und nahmen ihre Weg von Prage Nordwest dem Elbestrohm nach / biss sie / da jezt
Dressden liegt / ankahmen / woselbst 5000 Teutsche Reuter zu ihnen stiessen.
Zwischen da und Wittenberg (welches der Zeit noch nicht erbauet wahr) wurden sie
noch mit 4000 gestärket. Von darab gingen sie den nähesten Weg nach Magdeburg /
wo die GrossFürstliche Hoffhaltung wahr / und funden daselbst 6000 wolgerüstete
Reuter / seumeten hier nicht lange / und zogen den Streich / da jezt Helmstäd
/Braunschweig / Hildessheim / Poppenburg (woselbst sie über die Leine setzeten)
Hameln im Braunschweigischen / und Oldendorff im Schaumburgischen gelegen ist /
gelangeten endlich an / wo nachgehends die Stad Minden in Westfalen / von dem
grossen Karl und Fürst Wedekind erbauet worden / hielten daselbst an der Weser
algemeine Heerschauung / uñ befunden ihr ganzes Volk / 58000 stark / so hatte
sich die Mañschaft auff dem Wege gemehret; und ob sich zwar mehr einstelleten /
wollten sie doch keine mehr zu sich nehmen / weil sie nicht zweiffelten / mit
dieser Anzahl den Feinden gnug gewachsen sein. Herkules in angestrichener Farbe
/ Siegward / und Arbianes (welcher immer mit unter den födersten sein wollte /)
nahmen 8000 wolberittene zu sich / und hielten damit den Vorzug / massen sie
gnugsame Kundschaft hatten / welches weges der Feind gangen wahr / daher sie /wo
jezt Osnabrügt lieget / eigentlich erfuhren / dass sie mit kurzen Tagereisen in
aller sicherheit fortgingen / hätten vor vier Tagen der Ends 36 Stundenlang
geruhet / und vorgegeben / sie laureten / ob nicht ein Heer zusammen gelauffener
Sachsischer Bauern ihnen folgen / und eine gute Last frischer Stösse abhohlen
wollten; ihr Heer währe gross / dass man sie auff 60000 stark schätzete / deren
dritter Teil zu fusse / und die übrigen wohl beritten währen; hätten vorgehabt
den GrossFürsten samt den seinen mit gewaltsamer Hand von seinem Festungs-Sitze
hinweg zunehmen / wann die List ihnen nicht währe angangen; sie würden nunmehr
schon auff jenseit der Ems sein / und sich der Isel nahen / weil sie ihren Zug
nach Gelderland richteten. Dieses alles taht Herkules seinem Ladisla zu wissen /
und dass sie mit dem Häupteer ja nicht seumeten / sondern dasselbe in grossen
Schaaren nach einander fortauen lassen sollten / ob man den Feind noch im Felde
disseit der Isel ertappen und die lieben seinigen loswirken könnte. Er ging mit
den seinen bei Rheen über die Ems / und bekam Zeitung / dass des Feindes Nachtrab
etwa drei Meilen von ihm währe /uñ läge ganz sicher / ohn alle Furcht einiger
feindlichen Nachfolge. Siegward setzte ihnen mit 1200 Pferden nach / und zeigete
sich dem Feinde von ferne /welcher ihm 2000 entgegen schickete umb zuvernehmen
was Volk sie währen / mit befehl / da sie dem GrossFürsten angehöreten / sie
alsbald niderzuhauen /und niemand lebendig zu lassen; aber sie wurden ohn einige
Antwort auff ihre Frage dergestalt empfangen /dass sie mehrenteils mit blutigen
Köpffen umkehreten / nachdem 800 von ihnen auff dem Platze gestrekt lagen / und
100 gefangen wahren / erhaschten doch drei Teutschen / welche sie mit sich
führeten / und auf bedrauliche nachfrage diese einhellige Antwort (dann also
wahr es beschlossen) bekahmen; es hätte sich ein Sachsisches Heer auff 16000 zu
Ross gesamlet / ihren GrossFürsten zuretten / meinte nit / dass die Wendischen
Völker über 12000 stark währen. Worüber ihr Fürst Krito sehr muhtig ward /
legete sich unweit von Deventer an die Isel / und machte anordnung / die Sachsen
umbher zubezihen / und sie miteinander niderzuhaue. Herkules schickete Bohten
uber Bohten an Ladisla / mit den Völkern zu eilen / damit der Feind nicht über
den Strom ginge / noch ihrer grossen Mannschaft inne würde; liess hin und wieder
Kundschaffer ausreiten / auff des Feindes Vornehmen acht zu haben / welcher
seine drei Gefangene / nehmlich den alten GrossFürsten Herrn Henrich sampt dessen
Gemahl und Frl. Tochter in einem Dorffe / nahe am gemeldeten Iselflusse gelegen
von 1000 Reutern und 1500 zu Fusse bewachen liess; ging mit der ganzen Macht von
allen Seiten los / und fürchtete nichts so sehr / als dass ihm der Feind / die
Handvol Sachsen Bauern / wie er sagete / ohn empfangene Schläge /entlauffen
würde. Herkules erfuhr seinen Anzug gar früh / zog sich mit den seinen zurück und
baht Gott inständig / dass er ihm Glük zu seiner Eltern und Frl. Schwester
Erlösung verleihen wollte. Des Feindes Vortrab ging als blindlings fort / den
eingenomenen Schimpff zurächen / und da sie an die Wahlstat kahmen / und die
erschlagenen antraffen / bissen sie vor Zorn die Zähne im Kopffe zusammen /
unter heftiger Bedräuung / wie grausame Vergeltung darauff erfolgen sollte / und
mussten beides die erschlagene uñ flüchtige sich von ihnen gnug lästern und
ausschelten lassen / dass sie Wendischer Tapfferkeit einen solchen Schandflek
angelegt / und sich von den unerfahrnen Bauern erschlagen und abtreiben lassen.
Ein Obrister unter ihnen besah die Todten / betrachtete ihre Wunden / und
sagete: Er könnte nimmermehr gläuben / dz unerfahrne bäurische Hände die
Schwerter so geschiklich zuführen / und den leichtesten ort zur Tödtung an ihren
Feinden zufinden wüsten / es müsten ausser Zweifel erfahrne Kriegsleute sein /
denen man behuhtsam begegnen sollte / damit man die Reue nicht zu späht / und
nach empfangenem Schaden sehen liesse. Aber die übrigen verlacheten ihn / dass
sie auch mit höhnischen Worten frageten / ob er sich heftiger vor der Bauern
rostigen Schwertern als vor ihren Dröscheflegeln fürchtete? welches er mit einem
stilleschweigen beantwortete. Dieser Hauffe 6000 stark /ging fast eine halbe
Meile vor dem Heere her / welches Herkules verkundschaffet ward / und
unvermuhtlich mit seiner ganzen Macht 12000 stark (dann 4000 wahren schon zu ihm
gestossen) auff sie anging / dass inwendig einer halben Stunde 4000 erschlagen /
800 gefangen / und die übrigen mehrenteils verwundet /ihr Leben durch die flucht
erretteten / da Siegward auff des Feindes Führer traf / welchen er nach kurzem
Gefechte gefangen nam / und ihn Herkules überlieferte / der unter harter
Bedräuung ihn fragete / wie es dem gefangene GrossFürsten und den seinen erginge.
Dieser sah ihn vor einen Römischen Herrn an / der etwa vom ReinStrome her dem
GrossFürsten zu hülffe kommen währe / und bekannte so viel wegen harter Verwundung
ihm möglich wahr / insonderheit / dz im gedachten Dorffe sie zimlich stark
verwahret würden. Gleich dazumahl stiessen inwendig zwo Stunden /drei Hauffen /
jeder 2000 stark zu Herkules / und brachte der lezte die Zeitung / das übrige
Heer folgete in unterschiedlichen grossen Abteilungen nach Mögligkeit / währen
aber sehr abgeritten / dass sie auch grossen teils bei ihren ermüdeten Pferden zu
fusse hergingen / und sie mit Brod erquicketen / welches ihm ungenehm zuhören
wahr; musste sich daher wieder zurück zihen / und wurden der ankommenden Pferde
ins Grass gejaget / dessen daselbst grosser Vorraht wahr / die Völker aber
ingesamt mussten mit ihrem Gewehr sich zu fusse fertig halten / und von vornen zu
einen kleinen Wahl / in gestalt eines halben Monden geschwinde auffwerffen /
hinter welchem sie vor Reuterei gesichert waren / und bereit / eines Fussheers
Anlauff redlich zuempfahen. Aber es bedurffte dessen nicht / weil der Abend
herzu nahete / und der Feind wegen empfangener harten Schlappe nicht ein
geringes erschrak / dass er sich zur Ruhe begab / wiewol unter dem gewissen
Vorsatze / des folgenden Morgens sein Schart auszuwetzen; Und kam solches den
unsern wohl zustatten / massen Herkules auf seiner Stelle diese Nacht ein
bequehmes Lager abstechen /und in etwas auffwerffen liess / vor das ganze
ankommende Heer / welches kurz nach Mitternacht sich einstellete / Speise nam /
und drei Stunden ausruhete. Unsere Helden aber hielten KriegsRaht / und
beschlossen / die Schlacht alsbald diesen Tag solcher gestalt zuordnen: Herkules
und Arbianes (welcher schon 38 Wochen lang sich in Teutscher Sprache fleissig
hatte unterweisen lassen) sollten 20000 auserlesene Reuter im rechten Flügel
führen; Baldrich uñ Siegward 17000 im linken; und Ladisla 18000 Böhmen zu fusse
in der Mitte. Die übrigen 3000 sollten zur Beschützung des Lagers behalten
werden. Arbianes erkundete sich fleissig bei den Gefangenen / wo das Dorff läge
/ in welchem die gefangene Fürstliche Häupter verwahret würden; hielt hernach
bei Herkules an / ihm zugönnen / dass er mit seinen Partern frei ab uñ zureiten
/ und nach Befindung den nohtleidenden beizuspringen urlaub haben möchte
/welches er ihm gerne einwilligte / weil er seines gefährlichen Anschlages keine
Wissenschaft trug. Valiska hatte die ganze Reise über seiner Schwehrmuht genaue
acht gehabt / und weil ihr die ursach gnug bekant wahr / machte sie sich vor der
Schlacht mit ihrem kräfftigen Trost an ihn: Er sollte dem wahren Gott vertrauen /
ob er denselben gleich nicht kennete /derselbe würde das Fräulein schon retten /
und zu seinem besten gnädiglich erhalten; nur begehrete sie vor dissmahl von ihm
zuwissen / ob er auch zugeben wollte / dass das Fräulein den Christlichen Glauben
annähme; dann im falle er sich dessen beschweret besünde /dürffte es wegen
seiner künftigen Heirat hart halten / in Betrachtung / dass Herkules uñ
Baldrich / ja sie selbst / vor Gott im Himmel und vor ihrem eigenen Gewissen es
nicht wüsten zuverantworten / dass ihre einige herzgeliebete Schwester der
Erkenntnis des wahren Gottes mangeln / und hernähst an ihrer Seele ewig schaden
leiden sollte. Und O wollte Gott / sagte sie weiter / dass mein geliebeter Freund
und Bruder selbst zu unserm heiligen Glauben sich begeben möchte / damit er nach
dieser kurzen Vergängligkeit der ewige Himmelsfreude mit uns teilhaftig würde
/welches ich ihm von grund meiner Seele wünsche; Er hat biss daher unserm
Gottesdienste vielfältig beigewohnt / und gnugsam erfahren / dass unser
Christlicher Glaube auff nichts heilloses oder schändliches bestehe / welches
ich doch nicht zu dem Ende vorbringen will / ob wollte Euer Liebe ich wider ihren
Willen ein solches auffdringen / sondern sage nur bloss mein Gutdünken / worzu
mich die schwesterliche Gewogenheit antreibet / welches mir zu keinem argen wird
ausgeleget werden köñen; Was aber meine Frl. Schwester betrifft / muss derselben
der Christliche Glaube / wie auch ihren künftigen Erben durchaus und schlechter
dinge gegönnet und zugelassen werden; kann nun ein solches Eure Liebe nit
eingehen /wird sie mir solches offenherzig anvertrauen / damit ich wisse wie
hierin weiters zuverfahren sei. Arbianes / nach geliefertem demütigen Handkusse
/ schwieg ein wenig stille / lächelte darauff / und gab diese Antwort: Es
zwinget mich vor dissmahl Eure Durchl. ihr mein Herz zuoffenbahren / welches vor
meiner Heirat ich sonst nicht willens wahr; Dass nun dieselbe dieses ihres
Kummers / den Glauben betreffend / abkomme / beruffe ich mich auff des einigen
wahren Gottes Zeugnis / dass sie der des Juden erschreklichem falle zu Ekbatana
ich mir gänzlich vorgenommen /dem Christlichen Glauben zufolgen / bin auch nach
der Zeit darinnen solcher massen gestärket / dass zu Betabara ich mich herzlich
gerne hätte tauffen lassen / wann ich nicht betrachtet hätte / dz das
GrossFürstliche Fräulein annoch im Heidentuhm steckete / und vielleicht ihre
Eltern mir dieselbe wegen meines Christentuhms versagen möchten; hernach / dass
ich mich befürchtet / die Fürstliche Gesellschaft hätte wähnen dürffen / ich
tähte es nur zum schein / ihre bessere Gunst und Gewogenheit zuerlangen. Dieses
/sagte er / ist die Ursach meines aufschiebens; habe sonst mein Gebeht täglich
zu Gott und seinem lieben Sohn JEsus Christ / meinem wahren Heiland und Erlöser
abgehen lassen / und den Christlichen Glauben zimlich gefasset / auch meinem
Gott dieses Gelübde getahn / dass / wo das liebe Fräulein mir zu teile werden /
und ihr von ihren Eltern das Christentuhm nicht sollte gegönnet werden können /
ich daheim nicht ruhen wollte / biss ich sie zu dieser allein seligmachenden Lehre
würde gebracht haben / demnach mein Gewissen dergestalt versichert ist / dass wir
allein in diesem Glauben können selig werden / dass / ob Gott will / weder Teuffel
noch Menschen / weder Gefahr noch wolergehen mich davon abführen soll / und meine
Fr. Schwester in diesem stük mit vergeblichen Sorgen beladen ist / die ich
herzlich hiemit will ersuchet haben /in bisher geleisteter Träue fortzufahren /
und die gewünschte Heirat zubefodern / welche mir verhoffentlich weder
GrossFürst Herkules / noch sein Herr Bruder missgönnen wird. Die GrossFürstin wahr
dieser unvermuhtlichen Erklärung so froh / dass sie ihn aus wahrer Liebe umfing /
und nachgehends zu ihm sagete: Nun werde ich erst Eure Liebe vor einen
warhaften Bruder halten / nachdem ich weiss / dass dieselbe ein Kind Gottes / und
MitErbe der himlischen Seligkeit ist. Aber wie hat mein herzvertraueter Freund
sein Christentuhm vor mir dergestalt verbergen können / da er doch weiss / dass
mir angenehmere Zeitung nicht zukommen mag? Arbianes zeigete an / er hätte sich
nicht allein höchlich verwundert / sondern auch mannichmahl herzlich betrübet /
ja allerhand misströstliche Gedanken daher gefasset / dass er weder von ihr / noch
von GrossFürst Herkules nie kein mahl zum Christentuhm angemahnet währe; deswegen
er sich nicht erkühnen dürffen / ihnen sein Vorhaben zueröffnen; merkete aber
nunmehr / dass sie ihn darzu nicht hätten reizen wollen / umb ihm seinen eigenen
und freien Willen hierin zugönnen; baht / seine Verschwiegenheit ihm nit
zuverargen / und ihn in ihr andächtiges Gebeht einzuschliessen / dass er in der
himlischen Warheit beständig verharren / und in der heilsamen Erkenntnis je mehr
und mehr zunehme möchte. Valiska gab ihm zur Antwort: Er hätte die eigentliche
ursach ihres nicht-ermahnens völlig errahten / und währe sie zum oftern willens
gewesen / ihn bloss zufrage / wie ihm ihr Gottesdienst / dem er so fleissig
beiwohnete / gefiele / hätte sich aber allemal eines and'n bedacht / um ausser
Verdacht zubleibe / als wollte sie ihn zu ihre Glauben nöhtige; sonst würde sie
nit erst anfange / ihn in ihr Gebeht zunehme / welches sie von anbegin ihres
Christentums her fleissig getahn hätte / uñ doch mit freude vernähme / dz er
zeitiger als sie selbst darzu eine rechten Vorsaz gehabt hätte. Sie gingen
hierauf von einander zur kurzen Ruhe / und lies Valiska dem Frauenzimmer dieses
ihres lieben Freundes sein Christentuhm nicht ungemeldet. Des morgens sehr früh
mussten die Völker Speise nehmen / und in aller stille auffbrechen / weil die
Schildwachten und Kundschafter einbrachten /der Feind rüstete sich schon /
hätte sein Lager etwa andertalb Meile von hinnen / und währe wegen der
erlittenen Niederlage so vol grimmiges Eifers / dass er des Tages kaum erwarten
mögen. Diese Zeitungsträger irreten gar nicht; massen der alte Wendische Fürst
vor Unsin zu berste meinte / und zu seinen Obersten sagete: Pfui uns
nichtwerten! wir mögen uns wohl in unser Blut und Herz hinein schämen / dass wir
von einer solchen Handvol Landstreicher und BauernFlegel dergleichen Spot
einnehmen müssen / dessen diese hochmuhtige Sachsen sich nit gnug werden rühmen
köñen / weil sie uns nicht den dritten Teil an Mannschaft gleichen. Lasset uns
auff sie angehen / den Schimpf einzuhohlen und zwar also / dass ihrer keiner
entrinne / der des geschehenen Zeitung überbringen könne. Die Obristen gaben ihm
mit traurigen Geberden zur Antwort; sie währen bereit / teils als gebohrne
Untertahnen / teils als dem Gewaltaber ihres Königreichs zufolgen / ja Leib und
Leben willig vor ihn und seine Wolfahrt auffzusetzen; fünden aber schier das
ganze Heer überal unwillig zu der Schlacht / so dass weder das Fussvolk noch die
Reuterei einiges Zeichen ihres frischen Muhts von sich gäben; möchte demnach
ihre Durchl. gnädigst bedenken / was vor Vnraht hier aus entstehen dürffte /
wann sie in des Feindes Gegenwart sich wegern sollten zufechten; ihr einhelliger
Raht währe / dass man sich in die Zeit und das Glük schickete / und dem
KriegsHeer ihre inständige Bitte einwilligte / damit übel nicht ärger würde; es
währe ja sein leiblicher und einiger Sohn / welchen er so härtiglich am Leben
zustraffen suchete / und dagegen von dem Heer in Schuz genommen währe. Zwar sie
erkenneten dessen schweres Verbrechen wohl; weil es aber nicht aus Bosheit /
sondern aus Liebesgetrieb herrührete / möchte ihre Durchl. mit ihm ins Gnaden
Buch sehen / und üm der mannigfältige Vorbitte Willen ihm Väterliche Verzeihung
und Gnade wiederfahren lassen. So dürfet auch ihr begehren / antwortete Krito /
dass ich den Verwägenen unverschämten Bube nicht allein lebendig und ungestraffet
lassen sollte /sondern ihn auch wieder vor einen Sohn annehmen /der mein
allerhöchstes Gut mir zuentführen / sich blutschändiger Weise hat dürffen
gelüsten lassen? ehe wollte ich gleich jezt hinreiten / und ihn mit eignen Händen
erwürgen / auff dass mit des Bösewichts Tode die Auffruhr meines KriegsHeeres
zugleich auffhöre /und sie erkennen mögen / was sie ihrem Fürsten / Königlichen
Verwalter und algemeinem FeldHerren schuldig sind. Eure HochFürstl. Durchl.
sagte der vornehmste / fahren nach belieben / wann ja unser geträuer Raht nicht
Stat finden kann; aber / wo ich nicht heftig irre / halte ich gänzlich davor /
es werde das Heer hiedurch noch auffrürischer gemacht / und dannoch der junge
Fürst zur Straffe nicht heraus gegeben werden / weil die gemeinen Knechte /
insonderheit die Wenden / ihn vor Gewalt zuschützen / sich äidlich verbunden
haben; dass also hiedurch nichts anders gewirket wird / als dass man dem Feinde
den Sieg willig in die Hand spielet; und wer weiss / ob nicht der junge Fürst aus
Hoffnung der Heirat / den Feinden einen Vertrag anbieten / und seinen Herr
Vater mit allen seinen Geträuen dem gefangenen GrossFürsten gefangen liefern
dürfte? was vor Gnade aber wir bei demselben werden zugewarten haben / wird
unsere begangene Taht uns leicht berichten können. Aber dieses erfolge nicht /
wie ich auch nicht hoffen will / so bin ich dannoch versichert / dass das
Häupteer kein Schwert wieder den Feind zücken wird (es werde dann von ihm
gewaltsam angegriffen) / wo nicht der junge Fürst zuvor wird begnadet der Ketten
entlediget / auff freien Fus gestellet / und aller Straffe los gesprochen sein.
Kan nun eure Durchl. ein solches über ihr hoch beleidigtes Herz nicht bringen /
noch aus der Noht eine Tugend machen; wolan! so habe ich meines Lebens mich
schon getröstet; dann es ist / in eurer Durchl. Diensten sich selbst auff
zuopfern / willig und bereit; und erwarte ich nur / wann der Feind / oder unser
eigen Volk ansetzen / und mich niederhauen wird /dann kein Mensch soll mich / so
wenig gefangen / als Unträu und meinäidig sehen; nur allein betraure ich meines
Gnädigsten Fürsten gewissen Vntergang / und so wohl des Friesischen Reichs / als
des Wendischen Fürstentuhms Verwüstung / welches hierauss nohtwendig erfolgen
muss. Als dieser aussgeredet hatte /tahten alle Obristen einen Fussfal / und bahten
/ ihre Durchl. möchten ihrer selbst schonen / und durch unzeitigen Zorn sich
nicht in den gewissen Tod stürzen /sintemahl ja alles mit ihrer Durchl. höchster
Ehr beigelegt und verglichen werden könnte / und nicht allein der junge Fürst /
sondern auch die sämtlichen Völker erböhtig währen / ihr verbrechen durch einen
demühtigen Fussfal abzubitten / dafern nur ihre Durchl. die von ihrem Sohn Fürst
Gotschalk begangene Vnbilligkeit gnädigst und Väterlich vergeben und vergessen
würde; auch währe ihres untertähnigsten ermässens hiebei zu beobachten / dass der
junge Fürst durchaus nichts unzüchtiges vorgenommen / ja nicht eins begehret /
sondern nur einwendete / sein Herr Vater selbst hätte ihm schon ein jahr lang
dieses Fräulein zugefreiet / währe auch ausdrücklich unter diesem Vorgeben
ausgezogen / ihm als seinem Sohn und künftigen Nachfolger in der Herschaft /
ein wirdiges Gemahl durch Gewalt zuhohlen / weil ihre Eltern sich wegerten ihm
das Fräulein in güte abfolgen zulassen. O des Ungerahtenen Buben / antwortete
Krito / welcher nimmermehr von meinem Leibe kann gezeuget sein dann sonst würde
er wieder kindlichen eingepflanzeten Gehorsam nich handeln / noch diese zum
Gemahl begehren / die sein Vater ihm selbst im Herzen vertrauet hat; sein
einwenden zubeantworten /achte ich nicht schuldig / und habe ich gleich vor
diesem ihm das Fräulein zugedacht / hatte es damahls eins andere Beschaffenheit
mit mir / weil mein liebes Gemahl annoch im Leben wahr; nachdem aber dieselbe
mir mit Tode abgangen ist / wie euch allen bewust / habe ich mich nach einer
andern ümtuhn wollen / die mir kein Mensch / er sei wer er wolle / abspenstigen
oder entfremden soll dessen sich gleichwol dieser Bube durch heimliche entführung
hat dürffen gelüsten lassen; würde es auch ungezweifelt verrichtet haben /wann
ich ihm nicht hätte auff der Flucht mit ihr ertappet und eingehohlet. Dass nun
mein KriegsVolk so meinäidig an mir handelt / wird sich zu seiner Zeit finden /
und ungestraffet nicht bleiben / nur muss ich wegen des Feindes Gegenwart viel
vertuschen und verschmerzen. So geht nun hin zu dem Heer / und versuchet / ob
sie zugeben können / dass der leichtfertige Bube auff eine Festung in Gefängnis
geleget werde / biss der Feind gedämpfet ist / alsdañ will ich bloss den Völkern
zugefallen / Fürstlich versprechen /dass ich ihm am Leben nicht straffen will. Die
Obristen wussten schon wohl / dass dieser Versuch würde vergebens sein / doch ihrem
Furste zugehorsamen / gingen sie hin / und tahten den Völkern diesen Vorschlag;
bekahmen aber zur antwort; ihre Durchl. möchte ihr gnädigst gefallen lassen /
dem jungen Fürsten die begangene Fehler gänzlich und aus väterlichem Gemüht
zuvergeben als ob es nicht geschehen währe / auch ihn zuversichern / dass nach
seinem ableiben (welches die Götter lange verhüten wollten) er algemeiner Erbe
und Nachfolger in der Herschaft sein und bleiben sollte; dann auch / dass dem
ganzen KriegsHeer eine durchgehende und unbedingete Vergebung wiederfahren
möchte / so dass kein einiger wegen dess Schutzes /dem jungen Fürsten erteilet /
angefochten / oder unter einigerlei Schein und Einwendung zur Straffe gezogen
würde; könnte nun ihrer Durchl. ein solches nicht belieben / währe ihr
einhelliger Schluss / mit den Sachsen Friede zutreffen / ihnen den entführeten
GrossFürsten nebest den seinen wieder einzuliefern /und in dessen Schuz sich
zubegeben / unter der Hoffnung / derselbe würde solche Woltaht erkennen / und
ihrem jungen Fürsten seine Frl. Tochter nicht versagen; sonsten da ihr bitliches
und untertähnigstes suchen Stat haben würde / wollten sie alle einen Fussfal tuhn
/ üm Gnade bitten / und alsbald wieder den Feind zu Felde gehe / auch nicht
ümkehren / biss derselbe gänzlich würde auffgerieben / und die gestrige Schande
mit ganzen Strömen Sachsen Blutes abgewaschen sein. Die Obristen wollten dem Heer
einreden; es währe zuviel / dass man dem Fürsten und FeldHerren nicht allein
Gesetze vorschreiben / sondern auch trotzen wollte. Aber es erhuhb sich ein
algemeines Geschrei; wollten sie es dem Fürsten nicht hinterbringen / könten sie
es ja wohl lassen; das Heer hätte endlich an Fürst Gotschalk Häuptes gnug / wann
es anders nicht sein wollte / und würden sich unter ihnen auch deren gnug finden
/ welche der Obersten stelle vertreten könten. Die Abgesanten befahreten sich
eines grössern übels / meldeten dem alten Fürsten alles an /und bahten sehr /
sich eines andern in der Noht zubedenken; welcher aber vol Zorn und Eifer lief
mit Befehl / dieselben ihm gefänglich einzuliefern / die das Wort den
Auffrührern zum besten geführet hatten; weil man aber ihn erinnerte / dass / wo
er nicht alsbald dem Heer eine angenehme Erklärung und völlige Einwilligung
geben würde / es ihn in kurzem gereue möchte / und auff solchen fall wohl gar
bald des gefangenen GrossFürsten sein Gefangener sein; fuhr er gelinder /
überwand sich selbst / und liess beides dem Sohn und KriegsHeer völlige
Verzeihung anbieten /und was sie sonst begehret halten / des gänzlichen
Vorhabens / hernähst bald ursache zufinden / dass eines mit dem andern
abgestraffet würde. Die ausgestelleten Schildwachten kahmen häuffig an / mit
vermeldung / der Feind zöge in voller Schlachtordnung daher / und hielte man sie
zwar nicht über 16000 Mann stark / nach der Gefangenen aussage / jedoch liesse
sich ein grosser Staub hinter ihnen zur Seite spüre / welches anzeige gäbe / es
müsten mehr Völker verhanden sein. Sie kommen / antwortete Krito / zu meines
muhtwilligen Sohns Glüke. Hiess die Obristen / den Fürsten seine Sohn / und einen
Ausschuss des Heeres herzuruffen / im Nahmen des ganzen Kriegvolks eine Abbitte
zu tuhn / und die übrigen inzwischen zuordnen / dass dem Feinde könnte begegnet
werden. Fürst Gotschalk ward an einer Kette / die ihm sein Vater vor zween Tagen
hatte anlegen lassen /herzugeführet; dann ob zwar das Heer ihn in Schuz nam /
wollten sie doch die Fürstlichen Bande nicht brechen. Mit ihm stelleten sich 40
Häupt- und Unter-Häuptleute / neben gedoppelt so vielen gemeinen Fussknechten und
Reutern ein / den Fussfal gebührlich zuleisten; und als der junge Fürst sich vor
seines Vaters Füssen niederlegete; fing er mit standhaftem Gemüht also an:
Grossmächtiger Fürst (den Vater-Nahmen ihm zu geben habe ich keine Ursach /)
nachdem mir die begehrete rechtmässige Liebe zu dem Durchleuchtigsten Teutschen
Fräulein / meinem erwähleten und bestätigten Gemahl von euch nicht will gegönnet
werden / gilt mir gleich / ob mir diese Ketten / oder meine lebendige Geister
abgenommen werden; massen ich doch mein Blut nicht länger in meinen Adern
begehre zu tragen / als nur so lange ich eure vorgenommene Blutschande
verhindern und abwenden kann; bleibe auch nach wie vor der Meinung / es stünde
eurem sechs und funfzigjährigen Alter sehr wohl an /dass sie an der Jugend so hoch
nicht straffete / was ihr selbst bei euren grauen Haaren zehnfach sündiget /und
zwar mit schlechter Fürstlicher Ehre; meint  ihr etwa noch immerhin / mir sei
unwissend / dass meine fromme Fr. Mutter nich Tod / vielweniger begraben /sondern
annoch im Leben / und von euch auff einem Schloss heimlich eingesperret sei /
nur bloss der Ursach / dass ihr mit dem GrossFürstlichen Fräulein /eure unzimliche
Lust büssen / hernach meine Fr. Mutter / eines herschenden Königes in Däñenmark
leibliche Schwester heimlich hinrichten / und dieses Fräulein ehelichen könnet?
O nein / eure Durchl. versichern sich / dass mir alles mehr dann zu wohl wissend
sei / und ich solches bisher nur bloss eure Schande zuverbergen / verschwiegen
habe / immittelst doch in dieser Sache solche anstellung gemacht / dass meine Fr.
Mutter vor Henkers- uñ MördersSchwert / oder schändlicher Giftmischung noch wohl
gesichert bleiben wird. Glaubet mir / dass unser Heer (ja unser; dañ ich habe als
nähester ungezweiffelter Erbe der Wendischen Herschaft auch Teil daran) schon
nach Wendland mit mir sollte auffgebrochen sein / meine Fr. Mutter zuerlösen /
wann der Feind uns nicht so schleunig gefolget währe / welchem zubegegnen / im
falle ich völlige Erlassung bekomme / ich nicht werde hinderlich sein. Ja umb
eben dieser Ursach willen stelle ich mich ein / meiner ganz billichen Liebe zu
dem GrossFürstl. Fråulein / oder vielmehr wegen derselben versuchten Errettung
verzeihung zu bitten /ungeachtet ich überdas keusch / und an keinem unwirdigen
Orte geliebt habe; will zugleich auch eure Durchl. zu Gemüht führen / dass sie
betrachten / wie in dero beschützung / und ihr Leben zuerretten / ich ehmahls
mein Leib und Leben in die Schanze geschlagen / und einen grossen teil meiner
Gesundheit an meinen Gliedmassen eingebüsst / welches mir billich mit besserer
Vergeltung / als durch entwendung meiner künftigen Gemahl / und anlegung dieser
Kette sollte ersetzet worden sein. Was leugest und schändestu? antwortete sein
Vater mit verwirretem Gemüht; darfstu mich noch verleumden / uñ bei meinem / ja
bloss bei meinem Kriegs-Heer mich so schändlich angiessen / ob hätte ich mein
liebes Gemahl / deren Sohn zu sein du nicht wirdig bist / versperret / umb eine
andere zu heirahten / da doch das ganze Land weiss / wie herzlich ich sie
geliebt / sie auch gebührlich / als eines Königes Schwester und
Hoch-Fürstliches Gemahl zur Erden bestatten lassen? heisset dass Abbitte tuhn?
heisset dass / sich demühtigen / da man zu grösserm Auffruhr / Lügen lichtet /
schmähet und lästert? ja heisset das einen Fussfal tuhn / da man sich selbst
rechtfärtiget / und trotzige Dräuungen heraus stosset? Er wollte in seiner
verweisslichen Rede fortfahren / aber es kam eine Zeitung über die andere; der
Feind liesse sich nunmehr recht sehen / währe an Mañschaft ihnen gleich / mit
treflichen Waffen und Gewehr versehen / und hielte schon in voller
Schlachtordnung / würde auch ohn zweifel stündlich angreiffen / und des
GrossFürsten Erlösung versuchen. / Was angreiffen / was versuchen? sagte Krito:
Diese Landstreicher sollen uns wenig mühe schaffen / wann nur dem innerlichen
Span wird gerahten sein. Jedoch / weil er sah / dass gefahr verhanden wahr / und
er den Sieg nicht würde erhalten / wo er nicht vorsichtig spielete / rieff er
überlaut: Er vergäbe hiemit seinem Sohne und dem ganzen KriegsHeer völlig / und
nach allem ihrem begehren / setzete dessen seine Fürstliche Träue zu Pfande /
und liess alsbald seinem Sohn die Ketten abnehmen / umbfing ihn aus ertichteter
Liebe /und versprach / nach gehaltener Schlacht ihm seinen Willen zuvergnügen;
welches zwar der Sohn nicht gläubete / und ihm doch liebe wahr / dass er die
Freiheit erlangete / nicht allein mit zu fechten sondern auch den rechten Flügel
zuführen / welcher in 17000 Reuter bestund; da er dañ nach angelegter Rustung
2000 seiner geträuesten Leute umb sich nam / die er wusste / nach alle seinem
Willen fertig und bereit zu sein / massen er in steter Furcht lebete / der Vater
würde ihm durch Meuchelmörder / auch wohl mitten in der Schlacht nachstellen. Der
linke Flügel / 20000 Reuter stark / ward von einem Wendischen Herrn /nahmens
Plusso / angeführet / welcher ein überaus verwägener starker Ritter / und in
Feldschlachten wohl geübet wahr. Der alte Fürst ordente seinem Sohn einen
Feldmarschalk zu / nahmens Niklot / welcher ihm sehr geträu / und in allen
Bübereien beipflichtig wahr / und sollte derselbe acht auff seinen Sohn geben /
ob er irgend sich etwas gefährliches unternehmen würde / weil er offentlich
bekennen dürfte / dass er sich der Liebe zu dem Fräulein noch nicht begeben
hätte. Und wann die Götter diesen meinen ungerahtenen Sohn hinnehmen wollten /
sagete er / es geschähe auff was weise es möchte oder könnte / hätte ich ihnen /
und die darzu behülfflich währen / hoch zu danken. Welches dieser wohl verstund /
und seinem Fürsten versprach / ihn / wo möglich / dieser Furcht zubenehmen. Das
Fussvolk 20000 Mann / führete Krito selbst zwischen der Reuterei / und wahr Herr
Gunderich /seines verstorbenen Bruders Sohn darüber Oberster Statverweser. Das
ganze Heer / weil ihnen alles nach willen versprochen wahr / stellete sich
überaus freidig zum Treffen / fingen ein starkes Feldgeschrei an / und meinten
/ es könnte ihnen an dem Siege durchaus nicht fehlen. Herkules (der sich bei
seinem Heer noch immerzu in angestrichener Farbe vor einen Persischen Abgesanten
halten liess) schickete Leches und Klodius mit 1000 Pferden vorne an / unter dem
befehl / durchaus nicht ernstlich zu treffen / sondern sich / wo möglich / nur
ein wenig mit des Feindes ausgeschikter Reuterei zu tummeln / und etliche
Gefangene zuerhaschen / von denen man des Feindes Vorhaben berichtet werden
könnte; gingen demnach sehr behutsam fort / biss ihnen eine feindliche Schaar 1500
stark auffstiess / die mit grimmiger Wuht in sie fielen / dass sie sich nohtwendig
wehren mussten / da sie dann / ungeachtet sie zur helfte übermannet wahren / sich
dergestalt ihren Feinden zuerkennen gaben / dass jene den ersten Eifer bald
ablegten / und ihrer Schanze besser acht nahmen: jedoch zog sich Leches gerne
zurück / hatte in diesem kurzen Treffen 200 Mann eingebüsst / und an Feindes
Seiten 650 erleget / und 25 gefangen / mit welchen er nach Herkules eilete / und
alles Zustandes berichtet wurden / dass der Zwiespalt zwischen Vater und Sohn
gleich diesen Morgen / mehr auffgeschoben als auffgehoben währe; hätten demnach
die Völker noch keine Speise genossen / weil sie mit diesem Vergleich zutuhn
gehabt. Wolan / sagte Herkules / diese beiden Räuber und MenschenDiebe sollen ob
Gott will / über meine Frl. Schwester sich nicht lange mehr zanken / und unsere
Zeit ist kommen; gab das Feldgeschrei aus: Hilff Gott! liess auffblasen und
trummeln /und zog in wolgesezter Ordnung und guter freidigkeit los. Ihre Feinde
wahren gleich zuspeisen bedacht /weil sie aber die vielen glänzende
RitterHarnische und blanke Waffen sahen / griffen sie auch zum Gewehr / wiewol
nicht alle mit gleichem Muht und Herzen / dann die Friesen / deren ohngefehr der
dritte Teil wahr / so wohl zu Rosse als zu fusse / währen lieber aus der Gefahr
gewesen / als die ohndas die unverantwortliche Taht des Wenden nicht billichte /
und wohl merketen / dass derselbe ihre freiheit zuschwächen /alle gelegenheit
suchete; jedoch mussten sie wider ihren Willen fechten / weil ihnen nit allein
lauter Wendische Befehlichshaber gesetzet / sondern sie auch durch die
Wendischen Völker dergestalt verstecket wahren / dass sie weder einer dem andern
ihre Meinung offenbahren / noch Abtrit nehmen kunten. So bald beide ansehnliche
Heere sich ins Feld gesetzet / und einer den andern ins Gesichte bekam / sendete
Ladisla einen Heerhold / seinen Leches an Krito ab / und liess ihm sagen: Der
Grossmächtige König aus Böhmen / König Ladisla / nachdem er vernommen /dass sein
H. Vetter und Vater der GrossFürst aus Teutschland Herr Henrich / nebest seinem
Gemahl und Frl. Tochter / von dem Wendischen Fürsten Krito / und seinem Sohn
Gotschalk / unabgesaget / und unter dem schein einer Brüderlichen Zusammenkunft
und Beredung / gefangen hinweg geführet worden; hätte seine Pflichtschuldigkeit
ihn auffgemahnet demselben kindliche Träue zuerweisen / als welcher ihn in der
Jugend väterlich aufferzogen; begehrete demnach an den Wendischen Fursten /
entweder gnugsame Ursachen der geschehenen Entführung anzuzeigen / oder in
Mangel deren (wie ihm dañ unmöglich sein würde / eine so schändliche Taht
zurechtfärtigen) vor erst /den GrossFürsten samt den seinigen alsbald auff freie
Füsse zustellen; und hernach / wegen begangener unfürstlicher ganz
unverantwortlicher Entführung umb Verzeihung zubitten / und gebührlichen Abtrag
zumachen; im fall aber er sich dessen wegern würde / sollte ihm hiemit nicht
allein als einem Erzfeinde und offentlichen StrassenRäuber abgesagt / sondern
auch die FeldSchlacht angekündiget sein / da dann der wahre Gott als ein
gerechter Richter und Rächer aller Untahten / der gerechten Sache schon
beistehen / und den Verbrecher zur gebührlichen Straffe zihen würde; jedoch
foderte der Böhmische König ihn den Wendischen Fürsten / und der gebohrne
GrossFürst aus Teutschland Fürst Baldrich / seinen Sohn Gotschalk aus zum
absonderlichen Kampffe / da sie sonsten so viel herzens haben dürfften
zuerscheinen; worauff er als ein Gesanter der Antwort wollte gewärtig sein. Krito
wahr zu stolz / selbst zuantworten / rief seinen Verweser Gunderich zu sich /
und legte ihm die Worte in den Mund; welcher dann dieses vorbrachte: Der freie
Fürst und Beherscher der unüberwindlichen Wenden / auch erwähleter Grossmächtiger
SchuzHerr des Friesischen Königreichs / hätte keinem Menschen in der ganzen Welt
seines tuhns und lassens Rede oder Antwort zugeben / vielweniger dem vermeinten
Böhmischen Könige / von welchem man bisher nichts gehöret / als dass umb eines
Weibes willen er der Römer Joch ohn einigen Schwertschlag über sich genommen /
und ihnen als ein Knecht bedienet währe; daher man ihn mehr vor einen Sklaven
als König achten müste / und zugleich unwirdig schätze / mit welchem ein freier
Fürst absonderliche Handwechselung hielte; So wusste man überdas schon / dass kein
Teutscher junger Fürst mehr im Leben währe / und sein Sohn viel zu ädel / mit
einem ertichteten Fürsten sich zuschmeissen; den begehreten Abtrag wollte er ihm
diese Stunde machen / und ohn weitere Anfoderung willig und gerne vergnügen /
dass er dessen fortin nicht mehr begehren sollte: Leches antwortete hierauff: Dass
mein gnädigster König seine freiheit den Römern übergeben / und deren
Dienstbarkeit sollte über sich genommen haben / ist eine öffentliche Land- und
Schandlüge / und wird von deinem Fürsten nur zu dem Ende ertichtet / dass er sich
des absonderlichen Kampffs entbrechen möge / welches ihm doch sein Leben nicht
lange fristen wird. Ob auch der Durchl. Fürst Baldrich tod oder im Leben sei /
wird seine streitbare Faust gar bald Kundschaft geben. So sage du nun deinem
Fürsten zum endlichen Schlusse: Mein gnädigster König halte deinen Fürsten als
einen überzeugeten öffentlichen StrassenRäuber und MenschenDieb unwirdig seines
Schwerts / und sich zu hoch /seine Hände mit solchem nichtigen Blute zubesudeln
/gelebe auch der Hoffnung / es werde der gerechte Gott seiner guten Sache
beipflichten / uñ ihm gönnen / dass der ruchlose Räuber zur gebührlichen Straffe
gezogen werde. Gunderich wiedersprach diesem / als einer unbillichen Schmähung /
die einem Heerhold nicht frei hingehen müste. Aber Leches sagte zu ihm: Mein
Kerl / hier gilt nicht lange zankens / sondern ich bleibe auff meinem Vorbringen
/ dessen ich gnugsame Volmacht habe / und weil du mir dräuest / fodere ich dich
auff einen absonderlichen Kampf / welchen du mit mir austragen must / wo du
sonst Ritter Standes nicht wilt unwirdig gescholten sein. Kehrete hiemit umb /
und rennete Sporenstreiches nach ihrem Heer /weil er etliche sich hervor tuhn
sah / die ihn schelmichter weise angreiffen wollten / und darzu von ihrem
Fürsten ausdrüklich hingeschikt wurden. Nun wahr Gunderich nicht allein ein sehr
verwägener /sondern auch wohl geübeter starker Ritter / welcher ihm schon die
Hoffnung gefasset hatte / des Vaters und Sohns Zwiespalt sollte zu seiner
Erhöhung dienen / ob sie unter einander sich aufreiben möchten / weil alsdann er
der näheste Erbe währe; daher er sich auch bei solcher Uneinigkeit bezeigete /
dass er so wenig dem einen als dem andern Beistand leisten wollte /und ob er
gleich von beiderseits Anhange darzu gereizet ward / wendete er beständigst ein
/ es wollte ihm durchaus nicht gebühren / sich zwischen seines gnädigsten Fürsten
und dessen Sohns Streitändel einzumischen / wann sie aber ihn zu ihrer
Versöhnung gebrauchen wollten / währe er willig und schuldig alle seine Kräffte
daran zustrecken. Die Ausfoderung von Leches nam er getrost an / und mit diesen
Worten baht er seinen Fürsten umb Vergünstigung den Kampff auszuüben:
Grossmächtiger Fürst; mein Sinn der mich noch nicht betrogen hat / saget mir
gänzlich zu / dieser schmähsüchtige Gesanter müsse den Lohn seines frechen Mauls
von meinem Schwerte einnehmen / welches er so frevelmühtig ausgefodert hat;
bitte demnach untertähnigst / Eure Durchl. wolle mir gnädig erlauben / dass
unserm Heer ich die Bahn öfne / und dem herrlichen Siege über die tölpischen
Böhmen und Sachsen den rühmlichen Anfang mache; hernach wollen wir des
Böhmischen Königes unbesonnenes Häupt bald auff einer Stangen stecken sehen.
Niklot taht seinem Fürsten zugefallen den Vorschlag /obs nicht ein Ding währe /
dass dem tapfern jungen Fürsten Gotschalk der Kampff wider den jungen
SachsenFürsten zugelassen würde; aber derselbe antwortete im Eifer: Wo euch
nicht gebühret zureden /Niklot / da schweiget / biss mans euch abfodere; hätte
ich aber meiner Gliedmassen Gesundheit noch / die in Beschützung meines Gn.
Herrn Vaters ich freudig und willig zugesetzet habe / wollte ich nicht harren /
biss ihr mich darzu anmahnen würdet. Dieses redete der Fürst / weil ihm wohl
bewust wahr / wie gerne dieser seines Vaters Bosheit pflegete auszuüben /
zweifelte auch nicht / da er sich vor einigen Meuchelmörder zubefürchten hätte /
würde es dieser sein; welcher sich vor des jungen Fürsten Zorn fürchtend / sich
sehr demühtigte / und seiner Unbedachtsamkeit gnädige Verzeihung baht / welches
Gotschalk mit einem stilleschweigen beantwortete. Der Vater stellete sich / als
hätte er dieser Rede keine acht / wendete sich nach Gunderich / und sagte zu
ihm: Reite hin mein Oheim /uñ biss eingedenke / dz du dich als ein Vorbilde
Wendischer Tapferkeit erzeige müssest / weil du zu dem Ende von mir abgeschicket
wirst / da dir dañ nach erlangetem Siege / dessen wir schon versichert sind /die
gebührliche Kron auffgesetzet / und das Ehrengedächtniss zugestellet werden soll.
Leches hinterbrachte auch die erhaltene Antwort / und dass er ehrenhalben nicht
umhin gekunt / seines Königes Redligkeit zu handhaben / und den Freveler
auszufodern / baht umb gnädigste Vergünstigung / und hoffete / Gott würde ihm
Kräffte / und dem Heer durch seinen Sieg / frischen Muht verleihen. Warum nicht
/ antwortete Ladisla / nachdem ihr das Wort gesprochen / und mirs so gut nicht
werde kann; deswegen schaffet es nach eurem Willen / weil ihr ohndas wisset / lass
ich eurer Ehren steter Befoderer bin. Auff diese Volmacht sendete er Neklam selb
sechse an den Feind / um zuvernehmen / ob dem Ausgefoderten das Schwert in der
Scheide los / und das Speer in der Faust feste währe /sollte er gar allein
zwischen beiden Lagern sich finden / seine Manheit sehen lassen / und vor allem
unredlichen überfall gesichert sein. Ja / antwortete Gunderich / ich erwarte des
Lästerers schon / und will ihm sein letzes einschenken. Er ist kein Lästerer /
sagete Neklam / sondern ein Lästermaul redet solches / habe auch wohl ehe gesehen
/ dass eine grosssprechige Zunge gehemmet ist. Kehrete damit umb / und
hinterbrachte den Bescheid / daher Leches alsbald fortritte / weil er seinen
Mann sah desgleichen tuhn. Sie wahren beiderseits eifrig / aber Leches
behuhtsamer / traffen allerseits wohl / und hielten das erste mahl redlich aus
/hätten auch den andern Saz gerne gewaget / aber die Speer wahren zubrochen /
und so bald keine neue verhanden / daher sie zu den Schwertern griffen / und
einen grimmigen Streit anfingen / in welchem doch Gott und die gerechte Sache
endlich scheidung machete / dann nachdem sie eine gute Viertelstunde gearbeitet
hatten / warff Leches den Wenden vom Pferde /sprang ihm nach / und nach
abgezogenem Helme schlug er ihm den Kopff mit einem Streiche hinweg /welche er
samt des Feindes Schwerte zu sich nam /und beides zu seines Königes Füssen mit
diesen Worten niderwarff: Diese göttliche Rache soll verhoffentlich ein Beispiel
sein unsers künftigen herrlichen Sieges / nachdem ich durch Gottes gnädigen Schuz
allerdinge unverwundet und bei ganzen Kräfften blieben bin. Unser Heer liess auff
erhaltenen Sieg ein starkes FreudenGeschrei aus / dagegen erschrak der Wendische
Fürst des Unfals / dass er erblassete; welches zubemänteln er zu den seinen
sagete: Der gute Gunderich hätte den Sieg leicht erhalten / dann ich habe
eigentlich gesehen / dass er unter dem Gefechte in die fallende Sucht / die ihn
zuzeiten anstosset / (welches doch errichtet wahr) geriet / und daher seinem
Feinde zuteil worden ist; welches uns aber wenig irret / und soll sein Blut bald
gerochen werden. Herkules liess alsbald durch 3000 Reuter unter Klodius den
ersten Anfal tuhn / denen der Wendische Plusso so viel entgegen schickete / die
sich dann rechtschaffen zuwetzeten / doch spieleten die Teutschen bald Meister;
wiewol ihren Feinden zeitig gnug der Entsaz zukam / dass Herkules gezwungen ward
/ unter Neda einen geruheten Hauffen 2000 stark fortzuschicke / welche alles vor
sich nidermacheten / und Plusso mit seiner ganzen Macht losszubrechen vor gut
ansah; dem Herkules nicht lange Ruhe gönnete aber doch Arbianes mit der
Halbscheid seiner Parter und 2000 Teutschen zum Entsaz im Felde stehen liess.
Baldrich hatte den linken Flügel mit Siegward geteilet / und taht dieser mit
4000 den ersten Angriff; dem Niklot mit 6000 frisch begegnete / und sich im
Felde weidlich umtrieben /dass keiner sich eines sonderlichen Vorzuges zurühmen
hatte; dann dieser Wende wahr ein sehr geschikter Kriegsmann / und bemühete sich
allezeit mit Vortel zuspielen; jedoch als jener von Markus mit 2000 frischen
Reutern entsetzet ward taht der Feind gemach / dass ihnen Verstärkung nötig fiel
/ die ihnen zu rechter Zeit zu hülffe ging / und die unsern auffs neue zurück
geprallet wurden / so dass Prinsla mit 3000 zur Seiten einbrechen musste / wodurch
er der unsern fuss gegen den Feind wiederumb fest setzete / dass sie etliche Acker
långe den Feind weichen macheten. Die Fussvölker wollten nicht die schläfferigsten
sein / dann Ladisla frischete seine Böhmen geherzt an; Er hätte bisher in
FeldSchlachten mehrenteils fremde ausländische Völker an seinen Feind geführet /
welche ihm allemahl so träulich beigestanden / dass er nie ohn den völligen Sieg
abzug genommen hätte; jezt wollte er acht geben / wie fest und tapffer seine
angebohtne Untertahnen sich bei ihm halten wollten / dessen er sich zu ihnen
ungezweifelt getröstete; taht hiebei die Versprechung / dass er einem jeden / der
ihm einen Befehlichshaber lebendig liefern oder dass er einen gefellet hätte /
mit Zeugen beweisen könnte / zehn Kronen über seinen Sold / und ein Frei Jahr
geben wollte auff alle seine Haabe und Guter; hernach setzete er 15000 Kronen
auff des Wendischen Fürsten Häupt / und wahr Fabius sein Feldmarschalk / Leches
und Gallus aber GrossOberwachtmeistere. Es trug sich zu / dass wie er diese seine
Rede hielt / sah er unweit von ihm einen KriegsKnecht stehe / mit einem grossen
SchlachtSchwert / stark von Leibe uñ Gliedmassen /welcher sehr bleich aussah /
und fast an allen Gliedern zitterte; dessen er lachete / und zu ihm sagete: Mein
Kerl / wie fürchtestu dich so hart? grauet dir vor des Feindes Geschrei / so
trit nur zurück / und mache dich wieder nach dem Lager. Dieser erhohlete sich
bald / und antwortete: Gnädigster König; ich bin ungezwungen von mir selbst mit
fortgezogen / da ich wohl hätte köñen daheim bleiben / aber die begierde meinem
Könige zudienen / und dessen Feinde zuverfolge / hat mir de Harnisch angelegt /
uñ dz Schwert in die Faust gegebe / dessen ich mich / ohn ruhm zumelde / mehr
gebraucht habe; ich bin mir aber wege dieser unart selber feind / welche ich
almal empfinde /wañ ich fechte soll; dafern ich aber meine Platz lebendig verlasse
/ od' im Treffe einige Furchtsamkeit sehen lassen werde / soll mein nähester
Spiessgeselle das Recht an mir verüben. So verzeihe mirs mein Freund / sagte der
König / und will ich dir vor diese bezichtigung gerecht sein. Nun redete dieser
Böhme die Warheit; dann er hielt sich in der Schlacht so wohl / dass er 21 von den
Feinden erlegete / und dagegen neun Wunden mit dem Leben davon brachte; sein
nahme aber wahr Miezla. Fürst Krito muhtigte die seinen auch mit grossen
verheissungen / deren er doch wenig zu leisten willens wahr / hielt ihnen
daneben vor / wie gehässige Feindschaft die Sachsen zu ihrem Geschlecht trügen /
und sie fast den Hunden gleich schätzeten / daher sie ihn und seinen Sohn
unwirdig geachtet hätten / ihnen das Fräulein zum Gemahl abfolgen zulassen;
diesen Schimpf zu rächen / håtte man anjezt die gewünschteste Gelegenheit /
darumb sollten sie auff ihn sehen / und ihm immer nach würgen / alsdann müste ohn
allen zweifel der Sieg auff ihre Seite fallen. Der erste Angriff zwischen ihnen
wahr sehr herbe; Leches und Gallus mussten den ersten Fall wagen / die sich zwar
äusserst bemüheten einzubrechen / aber sie funden gleichmässigen Wiederstand
/weil Krito ihnen sehr tolkühne Wagehälse entgegen gehen liess / welche den
untergesteckten Friesen mit ihrem Beispiel einen Muht eingossen / dass sie nicht
weniger kühne Gegenwehr tahten / und niemand hinter sich zu weichen bedacht
wahr. Also wütete nun das Schwert an allen Orten / aber am hitzigsten ging es
dissmahl zwischen Baldrich und Gottschalk zu /woselbst Niklot und Siegward
einander noch die Wage hielten / biss sie beide selbst aneinander gerieten / und
sich rechtschaffen zwageten. Baldrich fürchtete sich sehr / er würde an seinem
Orte sich am schlechtesten halten / weil der Feind so leicht nicht weichen wollte
/ deswegen er mit seiner übrigen ganzen Mannschaft ansetzete / und den seinen
zurieff /ob sie allein sich wollten überwinden lassen; der rechte Flügel hätte
schon geobsieget; so währe des Feindes Fussvolk auff der Weichseite; was sie
gedächten /dass sie als schlaffende die Hände sinken und den Muht fallen liessen.
Gottschalk hörete dieses / und wie die Liebe ohndz allemahl furchtsam ist /
gedachte er / ihm würde also sein / liess sich doch nichts merken / sondern
sendete seinem Feldmarschalk das übrige seines Heers zu / Baldrich entgegen / ob
sie Wiederstand tuhn / und seinen ungestümen Einbruch zurück halten möchten.
Seine 2000 geträuen aber nam er zu sich / rante mit ihnen auffs
allerschleunigste dem Dorffe zu / woselbst der GrossFürst neben den seinen
verwahret ward. So bald er daselbst anlangete /erteilete er seines Vaters Leuten
befehl / auffs geschwindeste nach der Schlacht zu reiten / und sich zu dem
linken Flügel zuschlagen / als wo man ihrer benöhtigt währe / das Fussvolk aber
nach des Lagers beschützung zu gehen; welche sich dessen wegerten /einwendend /
es währe ihnen bei Leib und lebens Straffe gebohten / von den Gefangenen nicht
zu weichen / viel weniger dem jungen Fürsten zu gönnen /dass er zu ihnen nahete.
Er aber wollte sich nicht lange mit ihnen zanken / und weil er an Reuterei ihnen
überlegen wahr / liess er ihrer zwölffe alsbald niderhauen / dräuete auch dem
ganzen Hauffen gleiche Straffe / dafern sie nicht alsbald abzihen und seinem
befehl nachkommen würden; Er währe von seinem liebsten Herr Vater selbst
hergeschikt / die Gefangenen an einen andern Ort zu bringen / damit sie nicht
von ihren Völkern lossgemacht würden; zwar es merketen diese den Auffsaz wohl /
aber weil sie übermanet / und unversehens umbringet wahren / liessen sie sich
weisen / und zogen auff seinen befehl ab. Gotschalk erfreuete sich des guten
anfangs höchlich / besetzte das Dorff mit seinen Leuten auffs beste / machete
sich darauff mit etlichen wenigen zu dem GrossFürsten /und redete ihn also;
Gnädigster Herr / als Vater zu ehren; nachdem kein Ding in der ganzen Welt / als
der bittere Tod / meinen Vorsaz brechen kann / das Durchl. Fräulein vor meines
ungerechten Vaters unbilligem vornehmen zu schützen / und aber derselbe annoch
der Billigkeit in seinem Herzen nicht raum geben will / da hingegen ich / die dem
Fräulein versprochene Rettung zu halten / mir gänzlich vorgenommen / als kann
ihrer Hocheit ich nicht bergen / dass mein Vater allerdinge gesinnet / und
entschlossen ist /diesen Abend das ehebrecherische Beilager mit ihr zu halten /
welches / da man der Zeit abwarten wird /kein Mensch wird hindern können;
beliebe derowegen ihre Hocheit / meinen Vorschlag ihr gnädigst gefallen zu
lassen / und mir zu gönnen / das dero Frl. Tochter ich von dieser Schande
befreien / und in gute sicherheit führen möge; ob dann gleich vor vier Tagen der
Anschlag mir nicht hat wollen glücken / nachdem er zu unvorsichtig gewaget wahr;
so zweiffele ich doch nicht / vor dissmahl meinen Vorsaz durch der günstigen
Götter beistand / zum gewünschten Ende hinaus zufuhren; massen ich mit 2000
Reutern versehen bin /welche bereit sind / Leib und Leben bei mir auffzusetzen;
überdas auch die übrigen Völker mir versprochen haben / sich zu meiner
Verfolgung nicht gebrauchen zu lassen. Die GrossFürstin / wie from sie sonst wahr
/ kunte sich hieselbst nicht entalten / so wohl des Sohns als des Vaters
Verräterei auszuschelten /und liess sich ausdrüklich vernehmen / dass sie dem
einen eben so wenig als dem andern trauete. Seid ihr Fürsten? sagte sie / und
handelt wie Räuber und Strassendiebe. Wollet ihr mein liebes Kind heirahten /
und schleppet sie mit ihren Eltern umbher als gefangene Hunde? Der GrossFürst
redete ihr ein / man müste den Göttern nicht allein im guten wolergehen /sondern
auch im Unglück geherzt aushalten / dieselben schicketen oft den frommen
dergleichen Wiederwärtigkeiten zu / umb zuerforschen / wie man sich in ihre
Weise finden wollte / und währe denselben nichts so hart zu wieder / als die
Ungeduld. Hernach kehrete er sich zu Gotschalk / und sagete ihm mit dürren
Worten; Es kåhme ihm sein Vorbringen wankelmühtig und verdächtig vor / hätte
auch wenig Ursach / sich auff sein Wort zuverlassen; jedoch / dafern er ihm äid-
und Fürstlich angeloben würde / dass er sein liebes Kind nicht allein vor anderer
gewaltsamkeit beschützen / sondern auch selbst aller tähtlichen Unzimligkeit
sich entalten wollte / die ihrer Zucht und jungfräulichen Keuscheit irgend könnte
nachteilig sein /währe er zu frieden / dass er sie zu sich nähme / und in gute
gewahrsam brächte; sollte er aber mit unerbaren Gedanken schwanger gehen / wollte
er sie lieber selbst erwürgen / als ihre Schande erleben; nicht / dass er sie ihm
hiemit vor der Faust zum Gemahl abschlüge /sondern er wollte durchaus nicht
einwilligen / dass sie als eine geraubete sollte entführet und geehlichet werden.
Gotschalk befand es sehr hart / diese Verheissung zu tuhn / wollte doch nicht mit
gewalt verfahren / sondern / weil es anders nicht sein kunte / leistete er den
äid / und empfing darauff das Fräulein / welche über die masse heftig weinete /
dass sie nicht allein von ihren Eltern sollte geschieden / sondern auch von diesem
Einäugigen ungehalten Räuber / als sein Gemahl / in die fremde hinweg geführet
werden / da sie vielleicht wohl in wenig stunden seiner Gewaltsamkeit weichen /
uñ seinem muhtwillen raum geben müste; jedoch wahr ihr des alten Wenden Beilager
ungleich abscheuhlicher / insonderheit / weil Gotschalk ihr seiner Fr. Mutter
Leben und Zustand offenbahret hatte; in dessen betrachtung sie sich endlich in
etwas zu frieden gab / und sich von ihrem Herr Vater zu ihm auff sein Pferd
heben liess / weil sie aus zweien Ubeln unvermeidlich das geringere wählen musste
/ und noch etwas Hoffnung hatte / der Fürst würde / inbetrachtung seines jezt
geleisteten äides sich der Unbiligkeit entalten / wozu ihn ihr Herr Vater beim
Abscheide /ehr ernstlich vermahnete. So bald Gotschalk diese herzliebe Beute vor
sich auff dem Pferde hatte / und umb besserer Eile willen seinen Harnisch
ablegete /liess er den GrossFürsten und sein Gemahl mit 400 Reutern bewahren /
1600 liess er zurück gehen nach dem Heer / den ihren Beistand zu leisten / und mit
hunderten setzete er über die Isel / unter dem Vorsaz /dass er des nähesten Weges
durch Holland nach der Westsee reiten / sich mit dem Fräulein zu Schiffe setzen
/ und nach Dänenmark zu dem Könige / seiner Fr. Mutter Bruder sich verfügen
wollte / woselbst er nicht allein vor seines Vaters Grim und Verfolgung / im
falle er die Schlacht erhalten würde / verhoffete sicher zu sein / sondern durch
dieses Königes Vorschub bei dem Teutschen GrossFürsten ausgesöhnet zu werden und
die Einwilligung zur Heirat zuerhalten. Unterdessen ging es in der Schlacht
scharff daher / insonderheit / wo Herkules mit seinem ädlen Blänken sich den
Feinden zuerkennen gab / deren er die vornehmsten niederschlug dass jeder vor ihm
auswiche / der ihn sah; er hatte seiner aus Persen mitgebrachten Teutschen 20
umb sich / welche allen Anfall / so Schaarsweise auff ihn gerichtet wurden / von
ihm abkehreten; noch wollten die Feinde nicht hinter sich weichen / als lange ihr
Führer Plusso sich auff dem Pferde hielt; welcher nicht geringe Tahten
verrichtete /und mit Klodius gleich in der Arbeit wahr / ihn lebendig gefangen
zu nehmen / hätte es auch sonder zweifel ins Werk gerichtet / wann nicht
Herkules darzu kommen währe / welcher die Gefahr ersehend / als ein Bliz durch
drang / und den Wenden dergestalt überfiel / dass er von Klodius ablassen / und
wieder ihn sich kehren musste; meinte auch / diesen Kämpfer bald niderzulegen
oder doch hinter sich zutreiben /welche Rechnung aber er ihm zu früh machete /
massen ihm Herkules bald im anfange den linken Arm lähmete / dass er sein Pferd
nicht nach Willen zwingen kunte / setzete immer eifferiger auff ihn / und sagete
unter dem Gefechte: Ihr gottlosen Diebe und meinäidige Strassenräuber müsst
dannoch wissen und empfinden / dass ein Gott im Himmel sei / welcher der Menschen
Bosheit auff Erden sehen und abstraffen kann; schlug ihn auch so oft und viel umb
die Ohren /dass er endlich betäubet zur Erden stürzete / und der Blänke ihm das
Genicke abtrat / welchen er auff der Erden liegend / zuerstechen meinte. Sein
Fall brachte seinen Leuten ein solches Schrecken / dass ihnen der Muht gar
entfiel / uñ ihrer nicht wenig sich schon nach der Flucht umbsahn; aber ein
unverzageter Wendischer Obrister / nahmens Gilimer / der zuvor den Vertrag
zwischen dem Vater und Sohn gemacht hatte / taht sich hervor / samlete etliche
tausend umb sich / und brachte diesen Hauffen wieder zum zimlichen Stande. Fürst
Arbianes hatte sich bissdaher nicht gereget / sah / dass nach Plussons
hinrichtung Herkules Meister spielete / und seinen Feinden übrig gewachsen wahr
/ daher fassete er die unbewägliche Erklärung / sein Vorhaben ritterlich
auszuführen / oder willig zu sterben / kehrete sich zu seinen Meden und Parten
/ und redete sie also an: Nun auff / ihr redlichen Landsleute und Brüder; unser
Oberhäupt / welches ihr kennet / und von ihm noch grosse Gnade zu hoffen habet /
hat mir den Befehl erteilet / den gefangenen GrossFürsten und die seinigen /
durch euren ritterlichen Beistand zuerlösen / welche Ehre er euch vor andern
gönnen wollen / umb seine hohe Gewogenheit euch vorzulegen / so gedenket nun an
euer getahnes versprechen / und haltet euch also / dass ihr Ruhm und Ehre über
Meer nach eurer Heimat davon traget; ich verspreche euch hiemit Fürstlich / dass
euch der Mühe nicht gereuen soll. Seine Leute gaben durch Schwingung ihrer
Schwerter umb die Köpfe / ein Zeichen ihrer freidigkeit / gingen mit ihrem
Führer los /und liessen sich durch einen gestriges Tages gefangenen / des
nähesten Weges nach dem Dorffe führen. Die daselbst ausgestellete Schildwache
sah ihn herzu eilen / erkennete bald die feindlichen Fähnlein / und rennete dem
Dorffe zu / der Besatzung solches anzuzeigen; welche dann nicht anders gedachten
/ als dass an ihrer seite das Feld allerdinge würde verloren sein / daher sie
ohn langes bedenken auff ihre Pferde fielen / und nach der Abseite den Fluss
hinunter die sicherste flucht vor sich nahmen / so dass kein einziger bei dem
GrossFürsten blieb / und der lezte / so Abschied von ihm nam / zu ihm sagete:
Eure Hocheit muss bei den Göttern in sonderlichen Gnaden stehe /als welche
derselben eine so schleunige und unvermuhtliche Rettung zugeschikt haben /
welches ausser Zweifel meinem Fürsten das Leben kosten wird. Der Grossfürst
verwunderte sich ihrer schnellen flucht /noch mehr dieser geführeten Rede / und
kunte vor freuden nicht antworten. Arbianes / der sich jezt Karl nennete /
eilete dem Dorffe zu / sah die flüchtigen gar zeitig / uñ weil er in furchten
stund / sie möchten den Grossfürsten mit sich führen / schickete er ihnen den
Halbscheid seiner Völker nach / welche sie bald ereileten / umringeten / und ohn
alle Gnade nidersäbelten / dass kein einziger davon kam; zwar etliche und zwanzig
suchten durch die Isel sich zuerreten /aber am andern Ufer kunten sie nicht
auskommen /und ersoffen mit einander. Der Medische Fürst zweifelte anfangs / ob
er nach dem Dorffe gehen / oder diesen flüchtigen nachsetzen sollte / endlich
wählete er den Dorffweg / fragete nach des gefangenen Grossfürsten Herberge / und
wusste vor freuden kaum zubleiben / weil er voller Hoffnung wahr / den so lang
gewünscheten Schaz seiner Seelen schier anzutreffen; Er stieg mit etlich wenig
Teutschen / die seine Völkern zugegeben wahren / im Hofe ab / ging in das
BauernHüttlein / und so bald er den Grossfürsten samt dessen Gemahl erblickete
verwunderte er sich über ihrem treflichen Ansehen / weil sie kein ander
Angesicht sehen liessen / als ob sie auff ihrem Schloss gewest währen. Er trat
zu ihnen hin mit sehr tieffer und demühtiger Ehrerbietung / küssete ihnen die
Hände / und erfreuete sich / wie er sagete / des gehabten grossen Glüks / ihre
Grossfürstliche Hocheiten aus der schändlichen Räuber Händen zuerlösen. Der
Grossfürst zweifelte nunmehr an der Warheit nicht / nachdem er sah / dass dieser
weder Wendisch noch Friesisch gewapnet wahr / auch ihre Sprache nicht führete;
hielt sich zwar freundlich gegen ihn / und erzeigete doch solche
Standhaftigkeit / als währe ihm nichts widriges begegnet / wiewol ihn gross
Wunder nam / was Rettung diese sein möchte / massen ihm weder der Völker
Ankunft / noch der gehaltenen Schlacht einige Meldung geschehen wahr; unterliess
demnach nicht / nachzufragen / von wannen ihm diese kräfftige Hülffe zukähme /
und durch was mittel er sich getrauete / ihn nebest seinem Gemahl sicher und ohn
feindliche Verfolgung davon zubringen. Arbianes antwortete: Seine Hocheit würde
verhoffentlich schon berichtet sein /was massen sein Sohn Fürst Baldrich / und
dessen Geselle / Fürst Siegward aus Schweden / mit dem boshaften Wenden in
voller Arbeit der blutigen Feldschlacht währen / und den Sieg ehist erhalten
würden / weil bei seinem Abzuge so wohl die feindliche Reuter-flügel als das
Fussvolk schon angefangen hätten /hinter sich zuweichen / und deren eine grosse
Anzahl mit seinen Augen gesehen hätte zur Erden stürzen; Dass nun der Grossfürst
mit den seinen nicht etwa beleidiget oder entführet werden möchte / wäre er
abgeschikt / dem Unheil vorzubauen / und ihre Hocheiten ingesamt frei und sicher
durchzubringen; fragete auch bald darauf / wo dann das Durchleuchtigste
Grossfürstliche Fräulein / Frl. Klara währe. Ach wir elenden / antwortete die
Grossfürstin; wie bübisch und meinäidig hat uns der Wendische Fürst hintergangen
/welcher kaum vor einer halben Stunde unter der Begleitung von 100 Reutern sie
über den Strohm geführet / und zweifele nicht / da ihnen stündlich nachgesetzet
würde / könnte man sie bald erreichen. Dem verliebeten Arbianes brach wegen
dieser Zeitung der kalte Schweiss aus / hiess seine Völker mit dem Grossfürste und
seinem Gemahl alsbald den Rükweg nehmen / er aber wählete 150 von den berittene
/ liess sich den Ort zeigen / wo sie übergangen wahren / und sah deren noch
etliche von ferne reiten / setzete hindurch /welches nicht ohn Gefahr zuging /
weil die Ufer von den vorige sehr schlüpferig / und zum teil eingetreten wahren;
ging als ein Unsinniger immer fort / und wie eine Löuin / deren ihre jungen
entführet werden / hörete auch nicht auff nachzujagen / biss er seinen Feind
erreichete / und sein Heil bester massen versuchete.
    In der Schlacht ging es inzwischen alles über und über; dann nach Arbianes
Abzuge erhielt nicht allein Herkules an seinem Orte die Vberwindung / nachdem er
den Gilimer gestenzet / und seinen versamleten Hauffen zutrennet hatte / sondern
er ging alsbald hin /seinem Bruder Baldrich zuhülffe; und liess Klodius das
übrige bei seinem Flügel verrichten / welcher auch mit solchem Eifer den lezten
Anfal wagete / dass die Feinde wie Mücken von einander stoben / und die Wendische
mehrenteils in den Tod geriete / die Friesen aber ümb Gnade anhielten / und sich
darauff berieffen / dass zu dieser schändlichen Taht sie gezwungen währen; weil
dañ keiner dieses Orts einige Gegenwehr vornam / wurden sie durcheinander /
Wenden und Friesen gefangen abgenommen. An Baldrichs Seiten liess der Sieg auff
Herkules Ankunft sich auch wolan / weil dessen mitgebrachte Völker 2000 stark
/über laut riefen gewonnen beim rechten Teutschen Flügel. Es hatten die beiden
Fürsten hieselbst überaus grosse Manheit sehen lassen / unter der Hoffnung / am
ersten fertig zu werden / aber des Feindes Wiederstand wahr zuheftig / welche
sich lieber auff der gefasseten Stelle liessen niederhauen / als dass sie hätten
weichen sollen; doch wie Siegward den handfesten Niklot nach zimlicher
Verwundung gefangen hinweg schleppen liess / erstarreten gleichsahm seinen
Völkern die Hände / dass eine grosse Blutstürzung erfolgete / welches auch an
diesem Ort meist über die Wenden ging. Ladisla sah / dz sein Leches kein Loch
in des Feindes Fussvolk gewinnen kunte / uñ war willens ihmselbst zu hülffe
zutreten / welches aber Fabius ihm nit gönnen wollte / nam 3000 geruhete Böhme zu
sich / uñ trat damit den Feinden zur Seite ein / wodurch Leches alsbald Lufft
bekam und seiner gegenstreiter Ordnung trennete. Krito sah Fabius Einbruch /
wähnete als vor gewiss der König würde selbest an diesem Ort fechten / schickete
ihm die Handfestesten entgegen / wo möglich / ihn selbstlebendig zufahen / dann
er sah / dass die Reuterei schon so gut als verloren ging / und hoffete durch
seine Gefängnis zur guten Rachtung zugelangen. Dieser Hauffe 2000 stark / wollten
ihres Fürsten Anschlag ins Werk richten / drängeten als blind und taub zu Fabius
hinein / und entstund daher ein blutiges Gemätsche. Leches und Gallus sahen
Fabius noht leiden /drängeten mit 200 Mann hindurch / und hoffeten ihn
zuentsetzen / aber sie kahmen zuspät / und mussten ansehen / was Gestalt er von
sechs Gepanzerten angefasset und davon getragen ward; worüber diese beiden sich
der Gestalt eiferten / dass sie ungescheuhet aller Gefahr hinein fielen / und
einen grossen Raum ümb sich macheten / biss Krito selbst mit seinem besten Kern
auff sie lossging / und sie beide anpackete / nach dem Gallus zimlich verwundet
wahr. Ladisla wusste eigentlich nicht / wie es hieselbst zuginge / nur / weil er
das Häupt-Banter daselbst fliegen sah / zweiffelte er nicht / den alten Fürsten
daselbst anzutreffen / fiel mit 4000 der besten Mannschaft gleich darauf zu
/risse es dem Fähndrich mit eigener Hand hinweg /welcher auch sein Leben dabei
zusetzen musste / und hielt mit unablässigem stechen und hauen an / dass ihm
niemand mehr stehen durffte. Krito wahr nicht weit davon / sah wohl / dass er
endlich erliegen müste / wollte doch solange möglich / Widerstand tuhn / und sein
Leben verkäuffen / so teuer es gelten könnte. Er hätte seine Mannschaft gerne
wieder zum Stande und in Ordnung gebracht / aber der Feind gönnete ihm so viel
Zeit nicht; endlich funden sich noch 400 Mann zu ihm / deren Führer zu ihm
sagete: Gnädigster Fürst /sehet dass ihr eur Leben durch die Flucht rettet /
nachdem alles schon verloren ist / ich will / wo möglich /des Feindes Nachdruk
so lange auffhalten / biss ihr aus dem Gedränge sein werdet. Zu späte / zu späte
/antwortete er; hier ist weder Pferd noch andere Gelegenheit davon zukommen / wo
wir nicht mit dem Schwerte uns den Weg mitten durch den Feind öffne; wollen
demnach fechten / so lange warm Blut in uns ist / ob wir die Häupter dieses
feindlichen Heers treffen / und sie mit uns in den Tod nehmen könten; setzete
damit auff Ladisla mit grimmiger Wuht / und mussten alle die es sahen / bekennen
/ dass wo das ganze Heer seine Schuldigkeit solcher Gestalt geleistet hätte /
würde der Sieg an unser Seiten sehr blutig gewesen sein / oder wohl gar verlohre.
Nun war Ladisla nicht gewohnet / den Fus hinter sich zusetzen / und musste
gleichwol diesern tapfern Schaar anfangs Willen gönnen / aber nach dem er sich
mit 600 Mann vergeselschaftet / und eine feste Ordnung geschlossen hatte / trat
er diesem Feinde muhtig entgegen / und nach kurzem Gefechte geriet er an Fürst
Krito / mit welchem ers wagete / und ihn aus aller bestund, so dass derselbe
endlich strauchelte / und wie heftig er sich gleich sträubete / gefänglich
angenommen / aus dem Gedränge geführet / verbunden / und in gute Verwahrung
geleget ward. Worauff es nicht lange anstund / dass das feindliche Heer zurück
wiche / die Waffen von sich warff / und ümb Gnad und Barmherzigkeit flehete.
Ladisla befahl alsbald / dass man das Blutvergiessen angäbe / und alles was sich
demütigte / lebendig gefangen nähme / welches zwar geschahe /aber doch also /
dass die Gefangenen aller ihrer Waffen und Kleider beraubet / und wie das
unvernünftige Vieh zusammen getrieben wurden.
    So bald Arbianes die feindlichen Hinter Schaaren erreichete / hieb er alles
nider / und galt ihm gleich /ob sich einer zur Gegenwehr stellete oder üm Gnade
baht / daher der Wendische junge Fürst bewogen ward / seine Völker üm sich
zusamlen und sich zum Treffen fertig zuhalten / meinte Anfangs nicht anders /
es währen seines Vaters Leute so ihm nachgeschikt /das Fräulein aus seinen
Händen zureissen / und ihn nider zumachen / welches er dem Fräulein fest
einbildete / die er 4 Reutern zu verwahren gab / ein wenig abwertz mit ihr
zureiten / und beklagete höchlich /dass er nicht mit mehrer Mannschaft sich auff
den Weg begeben hatte; doch wollte er lieber sterben / als unter seines Vaters
Hände wieder gerahten / setzete sich mit den seinen / und wollte nicht ungerochen
erleget sein. Als Arbianes den Stand und die ernstliche Gegenwehr merkete /
setzete er immer eiferiger an /und rieff ihnen zu; Ihr Schelmische
StrassenRäuber /jetzt müsst ihr euren Frevel büssen / dass ihr das
GrossFürstliche Blut aus ihrem Lande habt hinweg führen dürfen; worauss Gotschalk
erst verstund / dass es Feindes Völker wahren; wusste nicht / wessen er sich
verhalten sollte / und gedachte / sie währen vielleicht mit des GrossFürsten
vorwissen und Geheiss ihm nachgeschicket / darumb er einige Hoffnung der
gütlichen Handlung fassete / auch selbst / wie erunbewaffnet wahr / darumb
anhielt. Aber da wahr den Tauben geprediget / dann Arbianes und die seinen
matzeten immer vor sich weg / und riefen als zur Losung / Schlage tod / Schlage
tod. Wodurch diese endlich gezwungen wurden / sich nach bestem vermögen
zuschutzen / weil weder Barmherzigkeit noch Gehör verhanden wahr; und wehrete
dieses Blutbad so lange / biss Gotschalk durch Arbianes Hand erschlagen wahr /
mit dem die wenig übrigen als im Augenblick drauff gingen. Noch dannoch fand sich
das Fräulein nit unter diesem Hauffen / worüber sich Arbianes sehr hermete / und
einen Verwundeten fragete / wohin sie geführet währe; welcher ihm nachricht
erteilete / sie würde von 4 Reutern hinter jenem Gehäge Nordwerz verwahret. Er
sah gleich dieselben Reuter davon streichen / und bald darauff das liebe
Fräulein in Himmelblauer Kleidung hinter ihnen her / bald folgete er ihr gar
allein nach / nachdem er seinen Leuten den Befehl erteilet hatte / mit des
erschlagenen Gotschalks Leiche ümzukehren und einen bequemern Durchrit am Ufer
zusuchen / steckete sein Schwert ein / warf den Schild auff die Schulder /
hängete den Helm an den Sattel Knauff / und rante ihr mit entblössetem Häupte
nach / weil sie ohn das nicht so gar geschwinde jagen kunte / und ihre Reuter
sich schon aus dem Gesichte verloren hatten. Als er ihr nahete / sprang er vom
Pferde / in Meinung ihr die Hand zuküsse / und ihr Pferd beim Zügel zuleiten;
sie aber / welche annoch der Meinung wahr / sie sollte dem alten Wendischen
Fürsten zur Erfüllung seiner Unzucht / zugeführet werden / stiess ihr Pferd an /
und jagete auffs schnelleste hinweg. Arbianes kunte so bald mit seinem Pferde
nicht fertig werden / dass sie ihm einen zimlichen Vorsprung abgewan / doch
erreichete er sie zeitig wieder / fassete ihr Pferd bei dem Zügel / und griffe
ihr nach der Hand /da er schon abgestiegen wahr / worüber sie dermassen erschrak
/ dass sie in eine starke Ohmacht geriet / und vom Pferde stürzete / nam doch
keinen Schaden / weil Arbianes ihrer Schwacheit bald innen ward / und sie als
eine todten Leiche ihm in den Arm fiel. Er wahr über diemasse bekümmert / dass er
sie ohn Geist und Leben mit verschlossenen Augen sah / und sagete aus wahrer
Andacht; O du barmherziger Gott / erhalte mir diesen werken Schatz / dass nach
vollendeter ihrer Gefahr sie nicht gar aus vergeblicher Angst vergehen möge;
legte sie damit auff seinen ReitRok / den er abgezogen hatte / ersah eine nahe
fliessende Bach /daraus schöpfete er mit seinem Helme des frischen Wassers /
bestrich sie damit unter dem Gesichte und an den Händen / biss sie endlich zu
sich selber kam /mit einem starken Seuffzen die Augen auffschlug /den Fürsten
als einen unbekanten ansah / und mit gebrochener bewäglicher Stimme ihn also
anredete: Guter Freund / wer ihr sein möget / ich weiss nicht /ob vor geleistete
Dienste zu meiner Erquickung ich euch danken soll / nachdem mir nichts liebers
als ein sanfter Tod begegnen könnte / so dass alle die mich sterbens wehren /
eine lautere Unbarmherzigkeit an mir begehen / dafern sie willens find / mich
dem boshaften Wüterich dem alten Wendischen Räuber zuzuführen / dessen eigener
Sohn mitleiden mit mir getragen / und mich seiner Gewaltsamkeit hat entführen
wollen. Arbianes geriet hiedurch in so grosses mitleiden / dass ihm die Trähnen
häuffig über die Wangen abliessen / welches ihr gute Hoffnung gab / und sie
daher also fort fuhr; eines tröstet mich / junger Herr /dass es scheinet / ob
trügen eure trieffende Augen mitleiden und Erbarmung mit meinem schwere Unfal
/wovor ich billich dankbahr sein werde / wann mir nur so viel vermögen übrig
bleibet; seid ihr aber befehlichet / mich dem Schandsüchtigen Räuber zuzuführen
/ so tuht dieses Werk der Barmherzigkeit an mir /und stosset euer Sieghaftes
Schwert durch meinen Leib / damit der schnöde Wendische Hund seinen unkeuschen
Willen an mir nicht erfüllen möge; und da ihr wegen solcher Tahl Ungnade
fürchtet / so gebet /bitte ich / nur vor / ich habe mich selbst entleibet
/alsdann werdet ihr mich beseligen / und euch alles ungleichen Verdachts
entledigen. Arbianes sass vor ihr auff den Knien / küssete ihr die Hände / dass
sie von seinen Trähnen genetzet wurden / und antwortete: Durchleuchtigstes
Fräulein / ich bitte durch Gott /Ihre Durchl. wolle alle furcht und schrecken
aus ihrem Herzen jagen / und sich versichern / dass sie des boshaften Wendischen
Blutundes und Räubers wegen durchaus keine Anfechtung mehr haben wird; dann
ihrer Durchl. Herr Bruder / Fürst Baldrich ist gestern mit einem starken Heer
ankommen / und hält jezt die Feldschlacht mit den Feinden / von dem auff aus
drüklichen Befehl ich mit einer guten Anzahl Reuter abgangen bin / Eure Durchl.
samt dero herzgeliebten Eltern loszumachen / welche ich dann mit einer starken
und sichern Begleitung schon fortgeschicket / und aus Feindes Hand erlediget
habe; auch so bald Eurer Durchl. Entführung ich von ihnen verständiget worde /
habe ich nach aller Mögligkeit hinter ihnen angesetzet / und die Räuber / wie
sie ohn zweifel gesehen /durch Gottes Beistand erleget; Wolle demnach Eure
Durchl. ihr gnädigst gefallen lassen / mit mir umzukehren / auff dass ihr Herr
Bruder / uñ andere angenehme Freunde / durch ihre hochbegehrte Gegenwart
erfreuet werden. Ich meines teils verspreche ihrer Durchl. so viel Sicherheit
und Schuz / als mein und der meinen Schwert biss auf den lezten Mann wird
schaffen können. Das liebe Fräulein wollte anfangs nicht trauen / meinte / er
suchte mit guten Worten und ertichtetem Mitleiden sie zubetriegen / und
antwortete: Mein Herr / wie sollte mein herzlieber Bruder Fürst Baldrich in der
nähe sein / von dem wir sieder seiner Abreise aus Schweden nicht die
allergeringste Zeitung haben möge / sondern wird nebest seinem Oheim Furst
Siegward vor tod geschätzet und beweinet. Durchleuchtigstes Fräulein / wieder
antwortete er; sie versichere sich bei dem wahre Gott / dass ich ihr die reine
Warheit geredet habe / massen eben dieser Furst Siegward bei Furst Baldrich sich
befindet / und bitte sie umb ihrer eigenen Wolfahrt willen / sich alhie weiter
nicht auffzuhalten / damit wir nicht dem fliehenden Feinde in die Hände fallen /
welcher allem vermuhten nach sich bald wird sehen lassen; Zweifelt sie aber an
meiner Auffrichtigkeit und Träue / will ich sie des Argwohns bald enteben; dann
ich habe an Ihre Durchl. einen Bruder- und Schwesterlichen Gruss / von dem teuren
GrossFürsten / Herrn Herkules / und der unvergleichlichen Grossfürstin Fr.
Valisken / als von denen ich aus Persen in einer ansehnlichen Gesandschaft an
ihrer Durchl. Grossfürstliche Eltern abgefertiget bin / da ich die schelmische
Entführung erfahren / und ihren Herr Bruder Fürst Baldrich zu gutem Glük in Prag
angetroffen habe; Ja zum unfehlbaren Warzeichen liefere Ihrer Durchl. ich dieses
Schreiben gehorsamst ein / von höchst gedachter Grossfürstin an dieselbe selbst
geschrieben / deren Hand und schön-gezogene Buchstaben derselben nicht werden
unbekant sein. Sie nam diesen Brief ganz begierig an / erkennete alsbald die
Hand / und nach abgelegtem Zweifel sagete sie: O du allerliebstes Brieflein /
wie grosse Angst uñ Kummer vertreibestu aus meinem Herzen! Aber mein Herr und
Freund /wie soll ichs immermehr erkennen / dass er überdas noch meine Wolfahrt und
Rettung ihm so hoch lässet angelegen sein? stekete hiemit nach des Pitschafts
Besichtigung das Brieflein in ihren Busem / und sagete: Nun nun mein Herr und
Freund / ich will ihm und seinen Worten gerne trauen / auch hiemit versprechen /
dafern er mich ungeschimpffet in Gewarsam bringen wird / sollen ihm solche
Freundschaftdienste nach äusserstem Vermögen vergolten werden. Jedoch wolle
mein Herr und Freund mir zuvor sagen / wer er ist /damit ich wissen möge / mich
der gebühr gegen ihn zuverhalten. Durchl. Fräulein / antwortete er / ich bin der
Durchl. Grossfürstin Fr. Valisken ganz ergebener Knecht / und werde über meine
Wirdigkeit von ihr geschätzet / bin sonst ein naher Anverwanter des Medischen
Grossfürsten Herrn Phraortes / dessen einiger Sohn und Erbe / Fürst Arbianes mit
mir aufferzogen ist / welcher inwendig Viertel Jahrs mit höchstgedachter
Grossfürstin / dieser Länder ankommen wird. Als das Fräulein solches hörete /
stund sie auff / neigete sich gar ehrerbietig gegen ihn / hub ihn auch in die
Höhe / weil er noch auff den Knien sass und baht sehr / seine Liebe ihr durch so
demütiges niderknien nicht gar zu grossen Schimpff erweisen möchte / angesehen
er ohn zweifel Grossfürstliches Standes sein müste / nachdem er eines so
mächtigen Grossfürsten Anverwanter währe. Und weil nun Eure Liebe / sagete sie
ferner / mir Fürstlich versprochen / meiner Jungfräulichen Zucht und Ehren
Schützer zusein / so will ich mit gutem Willen mit ihm fort retten / unter dem
Versprechen / dass meine liebe Eltern diese seine hohe Dienste werden zuerkennen
wissen. Arbianes verhiess ihr nochmahls äidlich / sie lebendig nicht zuverlassen
/ noch einigerlei weise ihr ungebuhr anzufügen; küssete ihr den Rockes Saum
wider ihren Willen / stieg auffs Pferd / und setzete sie vor sich / weil ihr
eigenes davon gelauffen wahr / hoffete auch in weniger Zeit sie in gute
Sicherheit zu bringen / welches ihn doch fehlete / wie wir vernehmen werden. Im
fortreiten erzählete er ihr / wie zeit seines anwesens es in der Schlacht
ergangen währe / und dass der Feind schon die Wankseite genommen / da er nach dem
Dorffe geeilet / endlich auch / dass er den jungen Wendischen Fürsten mit eigener
Hand nidergehauen / uñ seinen schnöden Leichnam durch seine Reuter schon
fortgeschicket hätte; Worauff sie zur Antwort gab: Es hätte dieser Fürst zwar
viel gutes bei ihr getahn / und seines leiblichen gottlosen Vaters Gewalt / doch
mehr aus gefasseter Hoffnung ihrer Heirat / als rechtschaffenem Mitleiden von
ihr abgewendet; weil er dann mit diesen ihr gar widrigen Gedanken umgangen währe
/ sie nach Dännemark zuführen / und sie daselbst zu ehlichen; währe ihr lieb /
dass sie fortin seinetwegen unangefochten sein würde / ob sie ihm gleich einen
solchen Tod nicht gönnete. Sie ritten in diesem Gespräche fort / und wurden
gewahr / dass seine Reuter von ferne ihnen stark winketen / auch bald darauff zur
Seite aus Sudwerz wichen; bald hernach sahen sie viel zustreuete Völker über die
Isel setzen / und bei hundert stark ausreissen; daher Arbianes zu dem Fräulein
sagete: Als viel ich merke / ist Gott Lob / der herrliche Sieg an unser seiten
erstritten /wann wir nur glücklich möchten hinuber sein; Wollen wir aber nicht in
der fluchtigen rachgierigen Feinde Hände gerahten / müssen wir uns von dem Wege
gegen Suden begeben / weil die Feinde sich West und Nordwest-werz wenden; hieb
damit seinen starke Gaul an / und liess ihn immer durch das offene Feld hin
lauffen / biss er auff einen schmalen Fusspfad geriet / auff welchem er hinritte /
und nicht anders meinte / weil er seinen bisher so hochgewünscheten Schaz vor
sich auff der Schos führete / könnte es ihm an nichts mehr gebrechen.
    Umb diese Zeit kam der GrossFürst auff der Wahlstat an / sah daselbst die
überaus grosse Menge der Erschlagenen liegen / und hielt sich nicht lange unter
denen auff / sondern nam den nåhesten Weg nach dem Lager / hielt seine Völker
enge umb sich zusammen /weil er sich eines überfalles befürchtete / und ihm
schon etliche Schaaren auff gestossen wahren. Als er unser Sieghaftes Heer /
welches sich zur Plunderung fertig machete / von ferne ersah / schickete er 30
Reuter voraus / seine ankunft anzumelden / da dann Baldrich und Siegward neben
Leches (der samt Fabius und Gallus den Feinden zeitig wieder entrissen wahr) ihm
mit entblösseten Häuptern entgegen ritten /wurden auch mit freuden empfangen /
sonderlich da sie noch frisch und ohn sonderliche Verwundung wahren. Geliebter
Sohn / fing der GrossFürst an / ob dein Bruder Herkules in den abgelegenen
Morgenländern ihm einen grossen Nahmen erwirbet / so muss doch deiner billich
vorgesetzet werden / weil du in rettung deiner Eltern dich gebrauchest / und
dein Vaterland zu schützen / dir lässest angelegen sein; und wie bistu doch eben
zu so glücklicher Stunde wieder zu Hause angelanget / da wir dich schon vor Tod
beklaget haben? Gn. Herr Vater / antwortete er; Euer Unfal ist mir sehr zu
herzen gangen / dessen ich doch bald vergessen will / nachdem ich euch neben
meiner herzlieben Fr Mutter frisch und gesund sehe. Er wollte mehr reden / aber
die Mutter fiel ihm umb den Hals /herzete und küssete ihn / sprechend: O mein
herzlieber Sohn / ich habe dich schon etliche Zeit als einen erschlagenen oder
im Meer ersoffenen beweinet; wie fuhren dañ die gütigen Götter dich bei so
gelegener Zeit zu unser Rettung her? Allerliebste Fr. Mutter /antwortete er; Ich
habe Gott lob bisher sehr wohl gelebet / und neben meinen Bruder Fürst Siegward
hie gegenwärtig / Ruhm und Ehre / Geld und Gut erstritten; dz wir aber zu euer
Rettung ankommen sind / haben wir der barmherzigkeit des Almächtigen Gottes
allemiteinander billich zu danken / wiewol ich das wenigste dabei getahn /
sondern die trefliche Persische Herren Gesanten / die wir zu Prag angetroffen /
haben durch ihre Sieghafte Schwerter und hochverständige anordnung den Feind
erlegt / und den schönen Sieg erstritten. Diese sind von meinem lieben Herr
Bruder GrossFürst Herkules / und König Ladisla heraus gesand / haben etliche
hundert Wagen mit Golde und Kleinoten geladen / aus den Asiatischen Ländern
gebracht / welche ihnen zustehen / und können diese nicht gnug ruhmen / wie hoch
sie beide daselbst geliebt und geehret werden; und ob man ihnen gleich grosse
Königreiche auffgetragen / wollen sie es doch nicht annehmen / weil sie
entschlossen sind / in ihrem Vaterlande zu sterben / und daselbst ihr übriges
Leben zuzubringen / dessen ich mich dann herzlich erfreue / und ungleich mehr /
als wañ mir das ganze Römische Reich geschenket würde. Mir kann nichts
angenehmers zu Ohren kommen / sagte der Vater / als wann den meinen Ruhm uñ Ehre
nachgesagt wird /möchte aber wünschen / dass dein Bruder aus Teutschland nie
komen währe / oder zum wenigsten nunmehr bliebe wo er ist / nachdem er seine
Landgötter verleugnet / und ich daher gänzlich entschlossen bin / dir mein
Grossfürstentuhm nach meinem tode zuzuwenden. Mir? sagte Baldrich / mir? Gn. Herr
Vater / und zwar bei meines unvergleichlichen Herrn Bruders lebezeiten? solches
wende ja der grund gütige Gott in allen Gnaden ab; dañ ehe ich einem solche
Bruder /dessen Ruhm alle Welt durchstreichet / vorgreiffen /und ihn als
rechtmåssigen Nachfolger erbloss mache wollte / würde ich lieber dieses Schwert
durch mein eigen Herz stossen / oder ja ein Feind meines eigenen Vaterlandes
werden; dann viel ehrlicher währe mirs /ich stürbe standhaftig / als dass ich
einem solchen Bruder mich entgegen setzen sollte / den die ganze Welt liebt uñ
ehret; ja der die ganze Welt zubeherschen gnug wirdig ist; hat mir Gott eine
Herschaft ausersehen / wird er mir solche schon zuweisen; ich habe den Verrähter
Krito in meiner haft / der mus mir nicht allein mit dem Halse bezahlen / sondern
sein Land soll es ihm zugleich mit kosten / und Friessland wird seine Gefahr auch
stehen / weil sie ihre Schwerter mit in der Schlacht gebrauchet / und den
Strassenraub verfochten haben; aber meinem H. Bruder und seinem
unvergleichlichen Gemahl GrossFürstin Valisken / soll von mir alle Gewalt / nach
belieben damit zuschalten / zugestellet werden; ihnen zum besten aber beides
zugewinnen / habe ich Gott lob Macht und Mittel genug / gestaltsam ich ein Heer
von 58000 Mañ mit mir gebracht / und durch Gottes gnädigen Schuz nicht 4000 in
der Schlacht eingebüsst habe /da hingegen der Feinde an die 30000 erschlagen
sind. Wir werden hievon zu besserer gelegenheit reden und handeln / sagte der
GrossFürst; vor dissmahl wird billich sein / dass wir nach dem Lager reiten / und
wegen geleisteter Hülffe den Persischen Herren Gesanten uns dankbar erzeigen.
Aber lieber / wer ist der frische junge Held / welcher deiner Frl. Schwester
gefolget ist / umb sie aus des jungen Wendischen Fürsten Händen losszumache /
auch mich neben deiner Mutter so tapffer errettet / und die feindliche Wache
auffgerieben hat? Baldrich hatte davon keine wissenschaft / sah aber / dass die
Parter seine Eltern begleiteten / und fragete einen Teutschen / der bei ihnen
wahr / wer sie geführet hätte. Welcher zur Antwort gab; Ihr Oberster Herr Karl
währe / seinem vorgeben nach / von dem Persischen Gesanten bevolmächtiget worden
/ den GrossFürsten zuerlösen / und nachdem er vernommen / dass das Durchl.
Fräulein entführet / währe er mit 150 Mann gefolget / hoffete / er würde sich
bald wieder einstellen. Baldrich ward der Zeitung sehr froh /und sagete: Es
wüste kein Mensch im ganzen Heer von dieser geschehenen Rettung / welche ohn
allen zweifel dieser junge GrossFürst aus Meden aus eigener bewägnis vorgenommen
hätte; und weil man nicht wüste / wo er möchte geblieben sein / beklageten ihn
schon die höchsten Häupter des Heers / als einen erschlagenen oder gefangene; er
ist aber eben der junge GrossFürst / sagte er / welcher vor etlichen Monaten umb
meine Frl. Schwester soll anwerbung getahn haben / und in betrachtung seines
Standes und löblicher Ritterschaft wohl wert ist / dass er in unsere Freundschaft
auffgenommen werde. Wol zu frieden /sagte der Vater; haben die Götter sie ihm
ausersehen /und überdas ihn aus Meden hergesand / sie zuerretten / werde ich sie
ihm auch wohl gönnen / wann er nur ihren guten willen erwerben kann; wiewol / die
Warheit zu sagen / ich sie an einen solchen Ort in meinem Herzen gewünschet habe
/ daher ich ein gleichmässiges nehmen könnte / welches beides Baldrich und
Siegward verstunden / aber sich dessen nicht merken liessen; dann er hätte sie
diesem gerne gegeben / und dagegen Frl. Schulda aus Scheden seinem Sohn gefreiet
/ welches nunmehr zu späte wahr. Sie ritten ingesamt nach dem Lager / woselbst
Herkules und Ladisla nebest Neda und Neklam auffwarteten / den GrossFürsten und
sein Gemahl ehrerbietig zu empfahen / da sie / als der Sprache unerfahrne durch
Neda das Wort tuhn liessen / welcher also anfing: Grossmächtigster GrossFürst /
gnädigster Herr; die auch Grossmächtige Fürsten und Herren / König Ladisla und
GrossFürst Herkules / eurer GrossFürstl. Hocheit gehorsamste untertähnige Söhne /
dañ auch die Durchleuchtigste GrossFürstin / und erwählete Furstin zu Susa / Fr.
Valiska / eurer Hocheit ganz ergebene Tochter / entbieten ihrem Gn. Herr Vater
uñ Gn. Fr. Mutter durch uns kindlichen Gruss / wunschen ihnen alles wolergehen an
Leib und Seel / und lassen ihnen wissen / was gestalt sie annoch frisch und
gesund leben / auch willens sind / ihre herzgeliebete Eltern schier künftig
zubesuchen / haben uns gegenwärtige Gesanten / nebest den Durchleuchtigsten
Grossfürstlichen Herrn aus Meden / Fürst Arbianes (der sider eroberter Schlacht
gemisset / aber sich geliebts Gott wieder finden wird) abgeschicket / beides an
die Grossmächtigste Königin in Böhmen / und an ihre Grossfürstl. Hocheit / um
etwas gewisses zu werben /welches zu gelegener Zeit soll vorgetragen werden /
unterdessen befehlen wir uns eurer Hocheit zu aller gewogenheit und Gnade /
wünschen derselben Glük wegen jezt geschehener Erlösung / und bitten / dass Gott
dieselbe hinfüro vor solcher und dergleichen gefahr gnädiglich bewahren wolle.
Der Grossfürst sah die Gesanten an / verwunderte sich ihrer Furstlichen geberden
/ bedankete sich des geschehenen Wunsches und geleisteter Rettung / hiess sie
wilkommen sein /erfreuete sich seiner geliebeten Kinder glücklichen wolergehens /
und liess sich vernehmen / dass ihre vorgenommene Werbung ihm nicht sollte
unangenehm sein. Baldrich liess in seinem Zelt alsbald Mahlzeit anrichten / so
gut mans im Felde haben kunte / und nöhtigete seine Eltern / mit ihm vor lieb
zunehmen. Diese liessen sich hierzu nicht lange bitten / weil sie den ganzen Tag
noch keiner Speise genossen hatten /nur begehreten sie / die beiden Herrn
Gesanten möchten mit ihnen Mahlzeit halten; welche sich aber durch einwendung
etlicher nöhtigen geschäften entschuldigten / wollten hernach ihrer Hocheit
untertähnigst auffwarten; insonderheit / eilete Herkules von ihnen hinweg / dañ
sein Herz wallete ihm im Leibe auff / dz er die Trähnen länger nicht einzwingen
kunte; ging also mit Ladisla nach dem Zelte / woselbst das gesamte Furstliche
Frauenzimmer sich in prächtiger Kleidung auffhielt / welche durch die Zeitung
von Arbianes hoch erfreuet wurden / insonderheit Valiska / die ihn schon als
einen erschlagenen schwesterlich betrauerte. Das Heer trug verlangen nach der
Plünderung / aber es ward ihnen bei Lebensstraffe gebohten / sich dessen diesen
Tag zuentalten / mit Verheissung / sie sollten morgen früh alle Beute gemein
haben. Bei dem Grossfursten und seinem Gemahl hielt niemand Mahlzeit / als
Baldrich / Siegward und Leches / und gingen allerhand Gespräche unter ihne vor /
da insonderheit der Grossfurst Leches fragete / wie seine Teutschen sich in den
Morgenländern hielten; Ich zweifele nicht / sagte er / sie werden Beute zumachen
wohl abgerichtet sein / massen sie von Jugend auff sich darzu gewehnet. Leches
gab zur Antwort: Sie hätten in unterschiedenen Häupt Schlachten und Scharmützeln
einen solchen Nahmen erworben / dass die Feinde sich einzig und allein vor ihnen
fürchteten; Der Persen Grossfürst / nunmehr König / gäbe ihnen durch die Bank hin
dreifachen Sold / und währe keiner unter ihnen /der nicht etliche viel tausend
Kronen wert vor sich gebracht hätte / wie sie dann 100 Wagen mit Silber Gold /
und andern köstlichen Sachen beladen / mit heraus biss nacher Prag geschikt / von
dannen die ihren es abhohlen sollten; durchgehend hielten sie Leibdiener und
Handpferde / weniger und mehr; insonderheit hätte Obrister Wedekind an die 200
köstliche Handpferde uñ so viel Partische Leibeigene / uñ erstreckete sich sein
baarer Schaz neben Kleinodien /Kleidern und Waffen auff die 8 Tonnen Goldes. Das
wird dir ein gefunden fressen vor meine Hühnerfänger sein / sagte der Grossfurst
/ und wollte ich nicht gerne /dass meine Untertahnen solches erfahren sollten / sie
dürfften sonst alle den Pflug an die Wand hängen /und den Weg nach Persen
suchen. Baldrich trachtete nach Gelegenheit / sein Vorhaben ins Werk zurichten /
und als er mit seiner Fr. Mutter Sprache hielt / sagte er: Wegen jeztgescheher
Erlösung freue ich mich von herzen / dass meine Reise nach Persen durch meine
höchstwirdige Fr. Schwester / König Ladislaen Gemahl ist verhindert worden /
dann sonst wahren mein Bruder Siegward und ich / des ganzen Vorhabens /unsere
Herren Brüder zusuchen / und von ihnen in Kriegssachen etwas zulernen. Wie dann
mein lieber Sohn / antwortete die Mutter / bistu dann bei der jungen Königin in
Italien gewesen? Ja / sagte er / wir haben beide die Ehre und das Gluk gehabt /
sie und ihre Frl. Wase aus Räuber Händen los zuwirken / und sie nach Prag
zubegleiten / woselbst sie anjezt sich bei ihrer Fr. Schwieger Mutter neben
ihren jungen Herrlein Herkuladisla auffhält / und mag sich meine Fr. Mutter wohl
versichern / dass dieser Heirat wegen König Ladisla vor glückselig zupreisen ist
/ massen er und mein Bruder Herkules hiedurch bei dem Römischen Käyser in
bruderliche Kund- und Freundschaft gerahten sind / so gar / dass wie ich euch
bei höchster Warheit vergewissern kann / Käyser Alexander meinem lieben Bruder
Herkules zu unterschiedenen mahlen auffgetragen hat / ihn zum Neben Käyser
zumachen / und alle Gewalt mit ihm gemein zuhaben / welches er doch bestendig
ausgeschlagen hat; Betrachte demnach mein Herr Vater / was vor einen Sohn er
zuenterben gesonnen ist / der mit einem Fusstrampffe die ganze Welt in Harnisch
bringen / und Teutschland mit Grund und Bodem ins Meer hinein schieben könnte /
da doch derselbe hingegen seinen Eltern und dem Vaterlande mit so kindlicher
träuen Liebe anhanget /dass vor deren Heil uñ Wolfahrt zusterben / er sich
nimmermehr wegern würde / welches wohl klar genug daher erscheinet / dass er das
rauhe Teutschland mehr liebt und höher achtet / als die aller geschlachtesten
Landschaften der ganzen Welt. Wolle daher mein Herr Vater in betrachtung dessen
/ auffhören / einen solchen Sohn zuhassen / damit er nicht wider seinen Willen
genöhtiget werde / sein Schwert wider sein eigen Vaterland zuwende / welches ohn
dessen Grundverderbung nicht geschehen kann / ich auch /ihm zuwiderstehen viel zu
geringe und schwach sein würde / wann gleich ganz Schweden und Dänemark bei mir
stünden. Der Vater antwortete ihm mit einem halben Eifer: Was mein Sohn? legestu
mir zu / dass ich meine Herkules hasse / den meine Seele von seiner ersten Jugend
an / über mich selbst geschätzet /uñ vor eine sonderliche Gabe der Götter / ja
vor ein Muster eines volkommenen Menschen gehalten hat? mit welchem Worte ihm
die Bewägungs-Trähnen aus den Augen hervor drungen / dass sie auff den Tisch
fielen / und sagte weiter: Ehre gnug Teutschland /Ehre gnug / dz man deine
Erbfürsten hat wollen auff den Käyserlichen Stuel setzen. Aber O mein teurer
Herkules / warum hastu doch durch einen neuen Aberglauben dich deinen Eltern
entrissen / und deines lieben Vaterlandes unfåhig gemacht? Was? antwortete
Baldrich / seines Vaterlandes unfähig? schwieg hiemit stille / sah vor sich
nider / und sagte weiter. Gn. Herr Vater / ist dann mein teurer Bruder Herkules
wegen seines gottseligen Christentuhms / des Vaterlandes unfähig worden / so
werde ich zugleich mit ihm das Elend bauen müssen; dann ich halte es vor meine
höchste Seligkeit / dass meine Fr. Schwester Königin Sophia mich und meinen
Bruder Siegward zu eben diesem allein seligmachenden Glauben gebracht hat. Weil
dann die verteuffelte / boshafte und verlogene Kroden-Pfaffen meinen Herr Vater
leider so weit eingenommen / dass er umb der Erkenntnis willen des einigen wahren
Gottes / seine Kinder enterben will /wolan / so mag hernähst der Schelmen-Pfaffen
einer die Grossfürstliche Kron auffsetzen / und sich rühmen / dass ihm solches
durch seine boshafte Lügen so wohl gelungen ist / jedoch / wo mein Herr Bruder
und König Ladisla / ja auch gegenwärtiger Königlicher nähester Erbe in Schweden
/ und ich / als ein verbanneter / euren Tod (welchen Gott lange verhüten wolle)
ableben sollten / würden wir ihnen den ReichsStab dergestalt anglüen / dass sie
beide Fäuste daran verbrennen müsten. Der Almächtige Gott verleihe meinen lieben
Eltern nur ein langes Leben / dann bei ihrer Zeit soll dergleichen Unruhe wohl
verbleiben; aber hernach dürffte alles mit zehnsachen Zinsen eingefodert werden
/ und auff solchen fal das gottlose Pfaffenblut meinen Zorn schon löschen. So
höret nun mein Herr Vater / und wisset / dass ihr in diesem Stük an mir einen
andern Herkules habt / auch bemächtiget seid / mit mir nach eurem Willen
zuschalten / ohn was mein Christentuhm betrifft / in welchem ich meinem Gott
mehr / als den Eltern / Gehorsam leisten muss / wann ich auch durch tausend uñ
noch tausend Peinigungen sollte hingerichtet werden. O Sohn / O Sohn / sagte der
Vater mit betrübter Stimme / hältestu so dein äidliches versprechen / welches du
mir bei dem Opfer geleistet hast / dass du deine uhralten Land Götter / die uns
bisher so wohl und träulich geschützet / und in Freiheit erhalten / nun und
nimmermehr verlassen / noch andere neue annehmen woltest? Ja Gn. und liebster
Herr Vater / antwortete er; wann ich gleich zehn tausend und noch zehn
tausendmahl tausend äide darüber geschworen hätte / müste sie doch alle
gebrochen und verflucht sein. Dañ wer ist schuldig / ungerechte und gottlose
äide zuhalten / insonderheit / welche dem allerhöchsten einigen wahren Gott /dem
Schöpffer Himmels und der Erden selbst zuwider lauffe? es bedenke nur mein Herr
Vater / wann jemand ihm sagete: Der Mensch in jenem Neben Zelte währe sein
Erzfeind / der Wendische Strassen Dieb und Menschen Räuber / und er darauff
einen hohen äid schwüre / er wollte ihn lebendig verbrennen; befünde aber hernach
/ dass nicht dieser / sondern sein leiblicher guttähtiger Vater drinnen währe /
wollte er sich wohl schuldig halten / dem geleisteten äide nach /ihn zuverbrennen?
Ich meine ja nicht / Herr Vater /sondern er würde seinen äid brechen / uñ es
damit entschuldigen / dz er schändlich hintergangen währe. Gleich also haben die
bübische Kroden Pfaffen mir ganz fälschlich eingebildet / der Gott / welchen
mein Herr Bruder / dessen Gemahl / König Ladisla / ich /Gott Lob / und andere
Christen mehr verehren / währe ein falscher verfuhrischer GOtt / da wir doch im
widrigen wissen und befinden / dass er unser Schöpffer /unser Erhalter / unser
himlischer Vater / und der allein wahre Almächtige Gott ist; sollte ich dann wohl
gehalten sein / diesen Gott zuschänden / wie ich aus blinder Unwissenheit in
meinen kindlichen Jahren /auff der Buben Verleitung versprochen habe? Tausend
und noch tausend Herzen liesse ich mir lieber aus meinem Leibe reissen / wann
sie darinnen währen; Feur / Wasser / und aller Büttelpeinigung liesse ich auff
mich zustürmen / ehe ich diesen Gott verleugnen / oder ein Schmähewort auff ihn
auslassen wollte. Bitte demnach meinen Herr Vater kindlich / er wolle doch den
teuflischen Pfaffen nicht so leicht Glauben beimässen / wann sie der
unschuldigen Christenheit zulegen / wie sie aller Stünde und Schande ihr Leben
wie das unvernünftige Vieh zubringen. Wahr ist es /dass etliche gottlose Buben
unter dem Nahmen der Christen sich aller Schande haben gelüsten lassen; aber
dieselben wahren nit Christen / sondern Erz Bösewichter / sind auch von den
rechtschaffenen Christen nie vor Glaubensgenossen gehalten / sondern
ausgestossen / so bald sie ihrer Gottlosigkeit innen worden; dann die wahren
Christen / zu denen wir uns halten und bekennen / die unbillichen solche Bosheit
von ganzem Herzen / und haben durchaus keine Gemeinschaft mit diesem Wuhst /
sondern befleissigen sich aller Zucht und Erbarkeit / dz meinen Herr Vater ich
wohl versichern kann / dieses der Pfaffen widriges angeben bestehe nur in lauter
Lügen und Bosheit /welche der Teuffel in ihnen aushecket / damit den elenden
Menschen der Weg zur Seligkeit versperret werde. Dieses sind allemahl auch meine
Gedanken gewesen / sagte seine Mutter; dann meines allerliebsten Herkules Art
und Eigenschaft trug ja kein belieben zu der Unreinigkeit / sondern wahr aller
Unzucht von ganzem Herzen feind / wie er auch hiedurch in grosse Gefahr geriet /
und nicht allein das Gefängnis drüber erdulden musste / sondern hätte nach des
Adels Willen wohl gar den Kopff hergeben müssen / wann sein geträuer Ladisla ihn
nicht gerettet hätte; Wie sollte er dann / da er verständiger worden ist / sich
des guten so gar abgetahn / und dem bösen ergeben haben? Ja wie hätte er köñen
solchen Glauben annehmen / in welchem nicht allein jedem erlaubet ist / alle
Schande zutreiben / sondern auch keiner gelitten wird / wo er nicht allerlei
Unfläterei mit machet? nimmermehr gläube ich ein solches; nimmermehr fasse ich
diesen Argwohn von meinem zuchtigen Sohn Herkules. Weil Baldrich seine Rede
vorbrachte / sah sein Vater vor sich nider / und wusste nicht / was er antworten
sollte / dann er sah seine Freidigkeit / vernam auch aus seinen Worten / dass
weitere Abmahnung vom Christentuhm / allerdinge vergebens und umsonst sein würde
/ endlich sagete er zu ihm: Lieber Sohn / wann dann dieser dein und deines
Bruders Gott so stark und mächtig ist / und dein Glaube so gut und heilsam /
welches ich so heftig nicht wieder fechten will / weil ich sein keine Erkenntnis
habe / so will ich weder dich noch deinen Bruder hinführo nöhtigen / denselben
zuverleugnen / sondern mich eines bessern unterrichten lassen; nur allein müsst
ihr euren Gott vor euch allein haben und ehren / und de Untertahnen ihre Götter
und gewöhnlichen Gottesdienst gönnen / sonsten werdet ihr ein solches Unglück
erwecken / welches das ganze Land verstören / und zu grunde richten wird. O wie
erfreuete sich Baldrich dieser Erklärung! Er bedankete sich kindlich der
våterlichen Zuneigung / und versprach ihm im ubringen allen möglichen und
bereitwilligen Gehorsam / mit Beteurung / ihr Glaube währe nicht also beschaffen
/dass man die Menschen mit Gewalt darzu zwingen müste / sondern wann die
Untertahnen sich nicht wollten durch Freundligkeit leiten lassen / währen sie
nicht willens / jemand zunöhtigen; wiewol sie auch nicht zugeben könten / dass
die Untertahnen sie und andere / wegen solches Glaubens verfolgen sollten / da
etliche aus gutem freien Willen ihn annehmen würden. Bald darauf nam Leches
einen Abtrit / vorgebend / er wollte etlicher Geschäffte halber bei dem Heer
Anordnung tuhn / verfügete sich hin zu Herkules / mit der erfreulichen Zeitung /
der Grossfürst hätte auff Fürst Baldrichs Rede und gegebenen Betricht / sich nach
Wunsch erkläret / wollte seinen Kindern / und jederman Glaubens Freiheit gönnen /
und deswegen niemand gehässig sein; erkennete schon guten teils /dass seiner
Pfaffen Verleumdung auff Lügen beruhete /und liesse sich vernehmen / dass er
nicht abgeneigt sei / von der Christlichen Lehre besseren Unterricht anzuhören /
nachdem Fürst Baldrich durch sein ernstliches Vorbringen ihn zur mildiglichen
Vergiessung seiner Tråhnen bewäget hätte; welches sie alle hoffen machete / er
würde mit der Zeit selbst können gewonnen / und zur Erkåntniss der himlischen
Warheit angeführet werden. Herkules wusste nicht / wie er seine Vergnügung
hierüber auslassen sollte / und fing an: Dir sei Dank und Preis / O mein HErr
JEsus / dass du mir meines Vaters Herz wieder zugewendet / und dem Christentuhm
ihn gewogener gemacht hast / dass ich nunmehr in guter Hoffnung stehe / ich werde
nach diesem Leben nit allein vor mich / sondern zugleich mit meinen herzlieben
Eltern der himlischen Seligkeit geniessen. Er und Ladisla rieben die
angestrichene Farbe ab / legten ihre Kleider an / und erwartete nichts / als dass
Baldrich / genommener Abrede nach /mit seinen Eltern des Weges hergehen sollte /
wie dann bald darauff geschahe / und er dessen zeitig gnug berichtet ward;
deswegen er sein Gemahl bei der Hand fassete / und seinen Eltern entgegen ging
/hielt sich auch fest / die Freuden Trähnen einzuzwingen / die wider seinen
Willen losbrechen wollten. Seine Eltern sahen ihn von ferne in der von Demanten
schimmernder Kleidung daher treten / und frageten Baldrich / wz vor trefliche
Leute jene wären / die in mehr als Königlichem Pracht sich sehen liessen?
Herzlieber Herr Vater und Fr. Mutter / antwortete er; es ist eben der tapffere
Held welcher heut die Feld Schlacht wider den Feind geordnet / den ersten Angrif
getahn / und durch seine hohe Erfahrenheit zustreiten / das Feld erhalten hat.
Die / so er bei der Hand führet / ist sein einiggeliebtes Gemahl / die Ehre und
Kron des ganzen weibliche Geschlechtes; und sehet /wie sie eilen / euch wir dig
zuempfahen; hoffe demnach / meine geliebete Eltern werden nunmehr in der nähe
ihren wirdigsten Sohn Herkules / und die unvergleichliche Valiska erkennen /
dann eben die sind es /und keine andere. Uber dieser Rede erstarreten die Eltern
/ dass sie weder vor sich gehen / noch ein einziges Wort sprechen kunten.
Herkules aber eilete mit seiner Valisken ihnen stark entgegen / dann die
kindliche Inbrunst trieb ihn fort; und als er nahe vor sie kam / setzete er sich
vor dem Vater auf die Knie / küssete ihm die Hand ganz anmuhtig / und fing also
an: Gnädigster herzallerliebster Herr und Vater / euer Sohn Herkules / welchen
der grosse Gott in dieser seiner Jugend wunderlich / aber sehr gnädig und wohl
geführet hat / stellet sich in kindlichem Gehorsam untertähnigst ein / nachdem
er erfreulich vernommen / dass euer liebreiches Vaterherz seine Gegenwart
ertragen kann / würde sonst die Künheit nicht gehabt haben /sich vor eurem
Angesicht finden zulassen. Ich danke aber dem grundgütigen Gott / dass er mir so
hohe Gnade verlihen / meinen herzlieben Eltern in ihrem Gefängnis beipflichtig
zusein / und die räuberische Bosheit straffen zuhelffen. O mein lieber Sohn /
stehe auff / sagete der Vater / wollte auch weiter mit ihm reden / aber die
übermässige Herzens-Bewägung zog seine Lebens-Geister zurück / dass er zur Erden
nidersank / und von den seinen Erquickung einnehmen musste / da es dann der alten
Grossfürstin nit anders erging / welche schon vor ihm in tieffer Ohmacht lage
/und von Valiska gerieben und geschüttelt ward. Der Grossfürst erhohlete sich
bald wieder / stund auff und umfing seinen Herkules mit diesen Worten: Nun du
mein teurer Sohn / du unsterblicher Ruhm und Ehre deines Vaterlandes; die Götter
werde mir verleihen /dass ich auch teil an dir haben möge / nachdem sie mir schon
eine grosse Erfüllung meines unauffhörlichen Wunsches gönnen / und dich mir
wiederumb sehen lassen / werde mich auch dergestalt gegen dich zubezeigen wissen
/ dass du nicht Ursach haben solt / dich über mich zubeschweren / oder aus deinem
Erbreiche zuweichen. Aber wer sind dann jene / die dort gegen uns daher treten?
Es ist mein geträuer Bruder / König Ladisla / und sein wirdiges Gemahl /
antwortete Herkules / die wohl verdienet / dass sie von ihm geliebt und geehret
werde. Der Grossfürst ging ihm entgegen /und nach freundlichem umfahen sagte er:
Herzgeliebter Oheim und Sohn; euer Liebe gesundheit und wolergehen ist mir eine
vergnügliche Freude / und danke dem gütigen Himmel / dass er uns dereins gesund
und frisch wieder zusammen geführet hat / wie ich dann euer Liebe mich wegen
geschehener Erlösung nicht wenig verbunden befinde und erkenne. Die alte
GrossFürstin hatte sich inzwischen auch erhohlet / herzete und drückete ihre
Schwieger Tochter ohn einiges Wortsprechen / biss sie auch an ihren Herkules
geriet /an welchen sie sich mit beiden Armen henkete / endlich aber anfing: Nun
will ich gerne und willig sterben / nachdem die Götter mich dein Angesicht
wiederumb haben sehen lassen. O du mein herzallerliebster Sohn / den ich über
mich selbst geliebt habe / wie hastu doch über dein liebreiches Herz bringen
köñen / dass du dich mein so lange entäusserst / und kaum etliche wenig Schreiben
mir zugeschicket hast? hastu an meinem Mutterherzen gezweiffelt / so verzeihe
dirs dein GOtt; hat dich aber die Furcht und die Ernstaftigkeit deines Vaters
abgehalten / hätte ich noch wohl mittel finden wollen / ihn zubegütigen / weil er
wieder seinen Willen und als gezwungen dich verlassen müssen. Der Almächtige
wahre Gott hat uns früh genug zusammen geführet / antwortete er / nachdem
derselbe zuvor meines Herr Vaters Herz mir zugewendet hat. Ladisla trat auch zu
ihr hin (da unterdessen der Grossfürst seine liebe Schwieger Tochter wilkommen
hiess) meldete ihr seiner Fr. Mutter Gruss an / und baht umb vezeihung / dass er
biss daher sich vor ihr verborgen gehalten; da sie zur Antwort gab: Freundlicher
herzgeliebeter Herr Sohn / ich bin euch mich selbst schuldig / vor die
brüderliche Träue / welche ihr meinem Herkules in seinen höchsten nöhten
erzeiget / und nicht habt verstossen wollen / da er von seinen Eltern selbst hat
müssen verlassen / ja verstossen sein; über welche Worte sie eine so grosse
Menge Tråhnen vergoss / dass ihr Wischtuch feuchtenass ward / und alle Anwesende
mit ihr überlaut weineten; dann ihnen ward hiedurch Herkules ausgestandenes Leid
zu gedächtnis bracht / und dass er so lange Zeit in Leibeigenschaft hatte leben
müssen; doch nam diese Betrübnis bald ein ende: dann Baldrich und Siegward
wahren hingangen / ihre Gemahlen auch herzuführen; welche der alte Grossfurst von
ferne sehend / zu Herkules sagete: Mein lieber Sohn / was vor Fürstliches
Frauenzimmer wird von deinem Bruder und Fürst Siegwarden dort her geführet? Mein
Herr Vater / antwortete er; ich will nicht hoffen / dass eurem Vaterherzen ich
unangenehme Zeitung sagen werde / in dem ich melde / dass die zwo Frauen / meiner
Fr. Schwester Königin Sophien allernäheste Blutverwanten sind / der vornehmsten
Römischen Herren und Statalter leibliche und einige Töchter / des uhralten
Fabius und hochberuhmten Pompejus Geschlechts / deren Brautschaz und väterliches
Erbe sich auff viel Tonnen Goldes erstrecket. Valiska fiel ihm in die Rede / und
sagete: Ja Gn. Herr Vater / sie sind meine herzvertrauete Schwestern / und gnug
wirdig / dass sie in unsere nahe Freundschaft auffgenommen werden / daher ich sie
auch den beiden lieben Fürsten / Baldrich und Siegward zugefreiet / da Römische
Käyserl. Hocheit selbst auff ihren hochzeitlichen Ehrentagen erschienen ist /
hoffe kindlich / mein Herr Vater wird in solche Heirahten gnädigst einwilligen /
und diese hochgebohrne Römerinnen / die von frömmigkeit und Tugend mehr / als
von Gold und ädlen Steinen glånzen /vor liebe Töchter auff und annehmen. Der
Grossfürst antwortete ihr mit einem freundlichen Lachen: Herzgeliebete Fr.
Tochter / es müste einzumahl widriges Werk sein / welches mir missfallen sollte /
wann von euer Liebe es herrühret / und habe ich vielmehr mit Dank zuerkennen /
dass meine Fr. Tochter meines Sohns wolfart ihr so hoch hat wollen lassen
angelegen sein / wiewol michs schier etwas frühzeitig deucht /dass mein Baldrich
schon hat heirahten durfen; weil mir aber nicht zustehet / der Götter Versehung
zu wiedersprechen / und er ein so grosses Glük nicht hat verseumen sollen / muss
ich ihm recht geben / und mich selbst beschuldigen / dass mein heirahten ich zu
weit hinaus gesetzet habe. Empfing hierauff die beiden Fürstinnen sehr
freundlich / wünschete ihnen allerseits Glük zum Ehestande / und erboht sich
gegen sie zu aller Väter- und Schwigerlichen Liebe und Hulde. Es wehrete dieses
empfahen über eine grosse Stunde / dz das späte Dunkel darüber einbrach / und
diesen Abend Herkules ankunft dem algemeinen Kriegsheer nicht kund ward /
welches gleichwol diese Nacht in fröligkeit zubrachte / ungeachtet ihrer etliche
tausend ihre in der Schlacht empfangene Wunden wohl auffzuweisen hatten / welche
ihnen doch auffs fleissigste verbunden wurden. Die alte Grossfürstin kunte
dannoch nicht unterlassen / wegen ihrer entführeten Tochter sich zubekümmern /
daher sie sagete: Ach du gütiger Himmel; nun lebe ich in so grosser Vergnügung /
nach ausgestandenem herben Unglück / und habe alle meine verlohrne Kinder
beieinander neben mir sitzen / nur dass ich die bissdaher bei mir stetig anwesende
meine liebe Tochter entrahten muss / damit ja zwischen unser Freude eine bittere
bekummernis eingesträuet werde. Herkules selber trug nicht wenig sorge
ihretwegen / liess auch 2000 wolberittene Teutschen über die Isel setzen / dass
sie alle Felder auff drei Meilweges durchreiten sollten / ob ihnen Fürst Arbianes
auffstossen / oder sonst kund werden möchte. Als nun der alte Grossfürst auff
vorgesagte Klage sein Gemahl trösten wollte / gab sich ein Kriegsknecht bei
Leches an / ihm vermeldend / er währe aus der Zahl / welche den gefangenen
Wendischen Fürsten bewacheten / könnte unangezeiget nicht lassen / wie frech er
sich bezeigete / und sich sehr unnüz machete /dass man ihn so lange ungespeiset
und ungetränket liesse / noch einigen hohen Kriegsbeamten ihm zugäbe /welcher
ihm mit Gespräch die Zeit verkurzete. Herkules gab Leches (da er solches
anmeldete) zur Antwort: Es håtte sich gebühret / dass er beizeiten solches
geordnet / und ihm Fürstlichen Unterhalt verschaffet hätte / als er aber vernam
/ wie schlim und verächtlich seine liebe Eltern von ihm währen gehalten / uñ man
ihnen zu unterschiedlichen mahlen in 24 Stunden weder Essen noch Trinken
gebohten / musste der Kriegsknecht ihm anzeige / ob er besser währe als der
unüberwindliche GrossFürst der Teutschen; dessen Herr Sohn ihn auff solche Weise
zu halten bedacht währe / wie seinen Eltern es begegnet; doch ward ihm ein wenig
kalte Kuche und ein Trunk geringe Bier dargebracht / welches er auff die Erde
schüttete und mit Fussen zu trat / vermeinend / durch solchen frevel unsern
Fürsten eine Furcht einzujagen / und ihm selbst ein Ansehen zu machen / welches
ihm aber so gar missriet / dass bald darauff ein Gewaltiger über die Steckenknecht
zu ihm gehen / uñ ihm eine schwere Kette anlegen musste / mit dieser
verweisslichen Rede /weil er sich als ein toller Hund bezeigete / und sein
bevorstehendes Unglück aus hochmuht nicht erkennen könnte / müste er empfinden was
solcher frevel verdienete; dawieder er zwar mit scharffen Dräuungen sich
bedingete / halff aber nichts / und musste er sich den Ketten untergeben / in
welchen er etwas schmeidiger ward.
    Fürst Arbianes setzete auff dem angetroffenen Fusspfade mit dem Fräulein
zimlich fort / und begegnete ihm auff dem ganzen Wege kein Mensch / den er umb
des Landes Gelegenheit hätte fragen können / biss gegen den Abend stiess ein Baur
ihm auff / welchen er fragete / ob nicht in der nähe ein Städlein oder Flecken /
oder sonst ein bequemer Ort zur guten Nacht Herberge anzutreffen währe; und
bekam zur Antwort; allernähest nach der linsen zuläge ein Dorff / dahin müste er
sich wenden / sonst winde er im offenen Felde bleiben müssen / hätte aber dorten
eine gute Schenke / da essens und trinkens gnug zubekommen währe. Der verliebete
Arbianes nam den Weg vor sich / und hatte manniches Gespräch mit dem Fräulein
schon gefuhret / wahr auch etlichemahl Willens / sich zuerkennen zugeben /
zückete aber doch wieder /wann er den Anfang machen wollte; endlich fing er an /
sein gewohnliches kurzes Liedlein zusingen / welches dieses wahr.
                                       1
O du klare Sonne du /
O erleuchte meine Sinnen /
Wende deine Gunst mir zu /
Und lass gelten mein beginnen /
Gib auch meinen Geistern Ruh /
Dass sie nicht vor Angst zurinnen.
                                       2
O du klarer Himmels-schein!
O wo bistu doch zufinden?
Kanst abwesend kräfftig sein /
Und in mir die Gluht anzünden;
Schenke mir die Kühlung ein /
Sonst wird meine Krafft verschwinden.
Das Fräulein hörete seiner anmuhtigen Stimme fleissig zu / und erriet gar bald /
dass es auff sie selbst gemeinet wahr / argwohnete auch von anbegin / es würde
Fürst Arbianes selber sein / welches zuerfahren / sie auff ihre Wase Fr.
Valisken zureden kam /und zu ihm sagete; Durchleuchtiger Fürst / ich bitte ihn
durch das Fräulein / zu deren Andacht er dieses gesungen hat / dass er mir
eigentlich sagen wolle / wie neulicher Zeit er bei meiner herzallerliebsten Fr.
Schwester Fürstin Valiska gewesen ist. Ach mein Durchleuchtigstes Fräulein /
antwortete er / die Erinnerung ist so hoch und stark / dass mir unmöglich ist
/die Warheit zuverschweigen; versichere sich demnach eure Liebe / dass die
Grossfürstin Fr. Valiska / meine höchstgewogene Fr. Schwester neben ihren Gemahl
/Grossfürst Herkules / und Herr Bruder König Ladisla /wie auch Fürst Baldrich und
Fürst Siegward aus Schweden (welche samt und sonders ihre neulich geheirahtete
Gemahlen bei sich haben) mit einander im Lager sind / und mit eurer Liebe Eltern
sich schon herrlich ergetzen werden / und ist mir uberauss leid /das ich der
unglückselige Arbianes (bei solcher Freude nebest ihr nicht sein soll / wollte er
sagen; aber sie fiel ihm auff den aussgesprochen Nahmen in die Rede) was? sagte
sie / ist dann eure Liebe der Grossfurstliche Herr aus Meden / Fürst Arbianes
selber? Ja mein Gn. Fråulein / antwortete er / ich bin ja derselbe / dem eure
Durchl. mit einem einzigen Worte sein Leben ab-und zusprechen kann; halte auch
davor / wann ich das kleine allerliebste Brustbildiche / welches bisher abends
und morgens von mir ist verehret werden / wie auch das aus sonderbahrer Gnade
übergeschikte Hals Ketchen zeigen werde / habe ich glaubwirdigen Beweis
dargelegt / dass ich ihrer Durchl. zu Leib und Seel ergebener Arbianes sei.
Zeigete hiemit die Kette / so er stets am Halse auff blosser Haut trug / langete
auch das Gemählde hervor / und nachdem ers hatte sehen lassen / sagte er; ich
danke dem wahren und alwaltigen Gott aus dem innersten Grunde meines Herzen /
dass er mir die Gnade verlihen hat / den höchsten Schatz meiner Seele aus Räuber
Händen zuerlöse /zweiffele auch nicht / er werde mich ferner geleiten /sie
unangefochten und sicher den lieben ihrigen zuzuführen / möchte von Herzen
wünschen / dass der vergebliche Schrecken eure Liebe nicht übernommen und in
Ohmacht gestürzet hätte / weil diese Vermeilung uns von der rechten Bahn
abgeleitet hat. Zwar ich fürchte mich vor mein Håuptwenig / nur dass euer Liebe
keine Ungelegenheit zustossen möge / welche zuschützen ich mein Blut und Seele
gutwillig und mit süsser Wollust anwenden will. Das Fräulein / ohn dass sehr
schamhaftig / befand sich in so grosser Verwirrung / dass ihr das Hertz im Leibe
schlug; dannoch hielt sie billich sein / ihrem Erlöser alle mögliche Dankbarkeit
zuerzeigen / und gab ihm diese Antwort; Durchleuchtigster Fürst / eure Liebe
erzählen mir die angenehmeste Zeitung / so mir in dieser Welt zuhanden kommen
möchte / dass mein herzgeliebeter Herr Bruder Herkules und dessen Gemahl wieder
zu Lande komen sind / wodurch in dieser Betrübnis ich höchlich erfreuet werde /
dass aber mein hochwerter Fürst mir die allerdinge unverdiente freundschaft
erzeigen /und in Rettung meiner Wenigkeit / sein Blut und Leben willig darbieten
und wagen wollen / gibt mir ein überflüssiges Zeugnis seiner guten Gewogenheit
/welches auch nach vermögen zuverschulden die lieben meinigen neben mir / sich
äusserst werden lassen angelegen sein / so bald nur unsere Sicherheit und
Zusammenkunft es zugeben wird / welche eure Liebe zubefodern sich / bitte ich
herzlich / bemühen wolle /nachdem dieselbe den Anfang und den grösten Teil
meiner Rettung so willig über sich genommen haben. Aber aus was Ursachen haben
meine geliebete Herren Brüder euer Liebe solche Mühe auffgebürdet / die von
andern ihren Rittern ja wohl hätte können verrichtet werden? und dass ich
schlieslich dieses mitfrage /warum hat eure Liebe an dem unwerden nichtigen
Gemählde so grosses Gefallen / dass sie es der Gestalt in Ehren hält / welches
doch in meinen Augen sehr geringe geschätzet wird / ungeachtet es mehr Schönheit
zeigt / als diese selbst / nach welcher es gemahlet ist? der hoch verliebete
Fürst hörete ihren freundlichen Reden als ein Verzükter zu / küssete ihre Hände
/ und antwortete / wann er hundert Leben bei sich hätte / und jedes Beraubung
ihm den allergrausamsten Tod gebehren sollte / müsten sie doch alle in dere
Diensten angewendet werden / die er vor seines Lebens Leben / vor seiner Seelen
Seele hielte / liebete und ehrete; welches ihn dann angetrieben / nicht / wie er
anfangs vorgegebe / aus Geheiss / sondern allen unwissend / sich ihrer Erlösung
zu unterfahen / weil ihm sein Herz ihre Gefahr und Entführung angesagt hätte
/dass er aus der Schlacht hinweg geritten währe / um zuversuchen / ob er ihre
Gefängnis brechen könnte /welches ihm Gott lob / so weit geglücket. Erinnerte
sich aber seiner Ehemahligen Kühn- und Grobheit /dass er sich unterstehen dürffen
/ ihre hochwirdigsten Augelein mit einem unhöfflichen Schreiben zubeleidigen /
bähte ganz inniglich / und von Grund seiner Seele / sie wollte die Unterhandlung
der Grossfürstin ihrer Fr. Schwester gültig sein lassen / und mit derer
Wirdigkeit seine Ungültigkeit durchkneten / damit ihm gegönnet sein möchte /
sich vor ihrer Vortrefligkeit bereitwilligsten Knecht und Diener anzugeben. Es
wahr schon zimlich späte / als er diese Rede endigte / sah dass er bereit vor
dem Dorffe wahr / vernam auch einen Stein-alten Mann vor der äussersten Hütten
des Dorffes stehen / zu dem er sich nahete / und zu ihm sagete: Lieber Vater /
seid gebeten / mir und dieser meiner Schwester Nachricht zugeben / wo wir diese
Nacht sichere Herberge haben mögen / und nehmet diese Gold Krone von uns zur
Verehrung an. Der Alte wegerte sich des Geschenkes / liess einen schweren
Seuffzen aus / und sagete: Mein Herr / reitet doch geschwinde in dieses mein
Hütchen / und lasset euch länger nicht auff der Gassen sehen. Bald merkete
Arbianes / dass er wenig Sicherheit in diesem Dorffe finden würde / taht nach des
alten Vermahnung / und kehrete bei ihm ein / stieg mit dem Fräulein ab vom
Pferde / und fragete den Alten / warumb er einen so schweren Seuffzen hätte von
sich gelassen; währe etwan einige Gefahr verhanden / möchte er ihm dasselbe
auffrichtig offenbahren / damit er nur seine Schwester / deren Eheliebster ohn
gefehr 10 Meile von hinnen wohnete / in gewarsam bringen könnte. O ihr Lieben
Kinder / antwortete er / mich jammert euer Schönheit / Frömmigkeit und jugend /
darum habe ich euch vertraulich warnen wollen / nicht in das Dorff zureiten /
ihr würdet sonst ohn allen Zweiffel umb eures guten Pferdes und schönen Kleider
Willen diese Nacht ermordet werden; und wer weiss / ob ihr nicht ausserhalb
Dorffes schon gesehen seid? Nein sagte Arbianes / nur dass vor einer halben
Stunde uns ein Mann mit einem rohten Barte und grosser Glatze begegnet ist /
welcher uns den Weg nach diesem Dorffe bezeichnet / auff gute Herberge
vertröstet / und alsbald sich von uns gewendet hat. Ja eben dieser ist der
rechte Mause Kopff / antwortete der Alte / und wird ohn Zweifel mehr Beute
zusammen treiben wollen; währet ihr nur gleich fort geritten / hättet ihr schon
ein Stådchen erreichet / woselbst ihr gute und sichere Herberge antreffen mögen.
Das Fräulein zitterte vor grosser Angst und sagte zu Arbianes: Ach mein
herzlieber Bruder / lasset uns ja eilends von hinne reiten /dass wir diesen
grimmigen Mördern nicht in die Hände gerahten. Lieber Vater / sagte Arbianes /
ich bedanke mich freundlich dieser geträuen Warnung /und wie es mein grosses
Gluk ist / dass ich in eure Kundschaft gerahten bin / also soll es nicht weniger
euch zur sonderlichen Wolfahrt gedeien / dafern ihr es redlich mit uns meinen
werdet / dann ich will euch in diesem euren Alter dergestalt versorgen / dass ihr
Zeit eures Lebens alle Tage drei Kronen sollet zu verzehren haben / wann ihr
gleich noch hundert Jahr leben würdet; helffet nur / dass ich diese meine
Schwester in sicherheit bringe / da sie ohn Gefahr diese Nacht aussruhe kann /
alsdann will ich ihr mit meinen Waffen nach vermögen Schuz halten / dass von einem
Dutzet Bauern sie sobald nicht soll beraubet werden. O mein Herr antwortete der
Alte / das währe gar zu grosse Belohnung vor diesen schlechten Dienst / ich
untergebe aber eurer gute Gnaden mich und die meinen / und verspreche euch und
seiner Schwester / mein äusserstes anzuwenden / sollet auch mit der Götter
Hülffe morgen fruh vor Tage schon vor obgedachtem Städlein sein; aber ihr werdet
euch biss nach mitternacht heimlich bei mir verbergen müssen / welches zu oberst
auff meinem Häu wohl geschehen kann; dahin will ich eure Waffen und Pferdezeug
tragen helffen / und euer Pferd in die gemeine Weide straks hinter meiner Hütten
treiben / damit es nicht bei mir gefunden werde. Arbianes ward dieses Trostes
sehr froh / sattelte sein Pferd ab / und halff es hinaus treiben / koppelte ihm
auch die Vörder Beine zusammen / und liess es gehen. Als er wieder in das Haus
kam / fand er das Fräulein auff einem Klotze sitzen / und vor grosser Herzens
Angst zittern und beben. Er tröstete sie aber mit kräfftigen Worten / sie möchte
sich zufrieden geben; Gott hätte ja die gröste Gefahr durch dieses frommen
Mannes Warnung schon abgekehret / und würde weiter helffen. Ja schöne Jungefrau
/ sagte der Alte / ob euch schon mehr Leute als der Roht Bart /möchten gesehen
haben / sollet ihr doch vor aller Gefahr wohl versichert sein; aber ihr müsst
hier nicht lange verweilen / sondern jene steigere Leiter hinauff klettern / und
das übrige mich nur machen lassen. Wir wollen euch gerne gehorsamen / sagte das
Fräulein /nehmet ihr euch unser nur geträulich an; lösete hiemit ein köstliches
Armband von ihrem Arme / und reichete es ihm mit diesen Worten: Sehet da lieber
Vater /nehmet dieses guldene Armband von mir an / als ein Zeichen meiner
schierkünftigen Dankbarkeit / ihr könnet es willig vor 1000 Kronen verkäuffen.
O nein / meine liebe Jungefrau / antwortete er / was sollte mir das Kleinot
nützen? Ich dürffte es ja keinem Menschen zeigen / dann jederman würde sprechen
/ ich hätte es gestohlen / und sollte wohl gar druber an den lichten Galgen
kommen; gebet ihr euch nur zufrieden / ich will eurer gutwilligen Gnade biss dahin
wohl erwarten / und dessen kein ander Pfand als eure Verheissung begehre / nur
bitte ich / ihr wollet nach eurer Erledigung mich in eure Landschaft nehmen /
und in diesem meinem hohen Alter mir nöhtigen Unterhalt verschaffen / worzu der
dritte Teil dieses Kleinots nicht wird nöhtig sein. Erinnerte sie hierauff / dass
sie sich auff das Häu macheten / da dann der Furst anfangs seine Waffen hinauff
trug / welches ihm saur genug ward / kam bald wieder / und liess das Fräulein vor
sich hinauff steigen / nachdem er sie fleissig ermahnet hatte / mit den Händen
sich feste zuhalten /und eine Staffel nach der andern zuergreiffen / wann sie
mit den Füssen hinauff treten würde. Anfangs dauchte ihr solches unmöglich sein
hinauff zukommen / aber die Gefahr machte das versuchen / und die Angst / die
Kuhnheit es zuvollenden / da der Fürst allernähest hest hinter ihr hinauff stieg
/ und mit einer Hand ihr nach Mögligkeit halff / dass sie endlich das Häu
erreichete. Als sie sich nun gar zu oberst nach der Gassen hin gelagert hatten /
sagte sie; Ach mein werder Fürst / sollte der gute Alte mir nicht zu einem
Trunklein Wassers verhelffen können? Ich habe diesen ganzen Tag in aller meiner
Angst weder gegessen noch getrunken / daher ich mein mattes Herz weiters nicht
zustillen weiss. Der Fürst / in dem schier-tunkelen sich erkühnend / küssete sich
freundlich / beklagete ihre Mattigkeit / und baht / sich ein wenig allein
zugedulden / biss er hinunter steigen / und etwas verschaffen könnte; eilete
geschwinde / gab dem Wirte 10 Kronen / er möchte / wo möglich / sich bemühen
/dass seine Schwester vorerst einen Trunk / und hernach etwas Speise bekähme. Der
Alte hatte ein Mass Bier stehen / gab ihm solches in einem irdenen Gefäss / und
sagete: Er möchte sich ein wenig gedulden / das Gold dürffte er nicht sehen
lassen / wollte aber doch Mittel schaffen / etwas herbei zubringen / so gut es
zubekommen wåhre. Der Fürst war bei dem Fräulein kaum wieder angelanget / und
taht sie den ersten Trunk mit grosser Begierde / da sie bei der Stimme erkennete
/ dass der Roht Bart / so ihnen begegnet wahr / mit dem Alten vor der Tühr redete
/ ihn fragend / ob nicht ein junger weissmäulichter Ritter mit einer sehr schönen
Jungfer in Himmelblauer seidenen Kleidung / mit breiten Silber Schnüren
verbremet /zum Dorffe hinein geritten währe; dem der Alte zur Antwort gab: Es
könnte wohl geschehen sein uñ däuchte ihn schier / als hätte er jemand mit einem
Geklapper reiten hören / hätte aber Schwacheit halben sich darnach nicht umsehen
können; dann das leidige Bauchgrimmen / sagte er / plaget mich so hart / dass ich
vor Angst nicht zubleiben weiss / welche Schmerzen ich doch leicht zuvertreiben
wüste / wann mirs nicht an Mitteln mangelte; seid demnach gebehten /lieber
Nachbar / und strecket mir einen Gülden oder andertalb vor / ich will es euch
inwendig sechs Tagen wieder geben / weil mir etwas ausstehet / gegen selbe Zeit
zuheben. Ihr seid schon in meiner Schuld / antwortete dieser / und habt noch nit
abgezahlet / dürffte also die Schuld endlich zu gross werden; lasset mir aber
euer fettes Rindichen über / das will ich euch bezahlen / und das vorige
abrechnen. Es ist zwar alles mein Vieh / das ich habe / sagte der Alte / könnte
auch von den Stad Schlächtern wohl 12 Gülden davor heben / aber weil ihr auch
zuzeiten in meinen Diensten seid / möget ihrs umb zwölfftehalb Gülden hinnehmen
/und mir zween Gülden auff Rechnung tuhn. Dieser dingete so lange / biss ers ihm
umb eilfftehalb Gülden zuschlug / die zween Gülden empfing / und ihn baht /er
möchte seine Magd nach der Schenke lauffen lassen / dass sie seinen Sohn
heimholete / ihm in seiner Schwacheit Handreichung zutuhn. Dieser erboht sich /
es selber zu bestellen / weil er gleich nach der Schenke wollte / und daselbst
nachforschen / ob der junge Ritter da eingekehret währe / welcher ihn ersuchet
hätte / morgen sehr frü ihn nach dem Reinstrohm zubringen / hoffete ein gutes
Trinkgeld zuverdienen. Die unsern auff dem Häu höreten dem Gespräch fleissig zu
/ verwunderten sich nicht wenig über des Rohtbarts Lügen / als auch über des
Alten Verschlagenheit / und sagte dz Fräulein: Durchleuchtigster Fürst / ich
erkenne mich diesem Alten viel schuldig sein / will ihn auch seiner Träue lohnen
/ da mich die Götter in Sicherheit bringen werden / und habe ich mich durch den
Biertrunk schon zimlich gelabet. Die gröste Gefahr ist Gott Lob vorüber /
antwortete er /und wird man in dieser Hütten uns nicht mehr nachfragen; Ich
bitte aber mein Fräulein demühtig umb Verzeihung / dass ich die Kühnheit gehabt /
ihr den Nahmen einer Schwester ohn gebehtenen Urlaub zugeben / und sie darzu
noch vor eine verheirahtete anzumelden / daher auch der gute Mañ verleitet / sie
vor eine Jungefrau gescholten hat. Es bedarf dieser Entschuldigung durchaus
nicht / sagte sie / dann unangesehen mir hiedurch keine Beschimpffung
wiederfahren / erfodert es die Nohtwendigkeit fast unvermeidlich / und beklage
ich billich vielmehr / dass ein so mächtiger GrossFürst meinetwegen sich in diesem
engen Bauernhutlein verstecken / und sein Leib und Leben diesen alten unwirdigen
Menschen anvetrauen muss. Worauff er zur antwort gab: O ihr mein höchsterwähltes
Fräulein / ihr einige Wollust aller meiner Kräffte und Gedanken; Gott dem
Herzenkündiger ist es bekant / dass auff diesem dürren Grase ich tausend mahl
sanfter / als auff dem Königlichen Schloss zu Ekbatana sitze / nachdem ich das
Glük habe / euer Vortrefligkeit Gegenwart zugeniessen / deren mein Leib und
Leben nur durch den Anblik des Gemähldes ich zueigen übergeben habe; uñ wollte
Gott / dass meine Geringfügigkeit von ihrer Liebe dessen könnte gewirdiget werden
/ wz mein Herz suchet / und mein untertähniges Schreiben vor diesem inständig
gebehten hat / alsdann will Euer Liebe ich vor dem Heiligen Angesicht Gottes
versprechen / ihr nach äusserstem Vermägen auffzuwarten / und alle meine Kräffte
zuüben / dass ihrer Vortrefligkeit sie in etwas mögen scheinbar und angenehme
sein; bitte deswegen durch die herrliche Volkommenheit / welche der Himmel ihr
mitgeteilet / sie wolle ihren ergebenen Knecht mit gewieriger Antwort erfreuen /
oder wann derselbe ja lebendig nur unglückselig sein soll und muss / ihn solches
wissen lassen / damit er auffhören könne / dasselbe zusuchen / wessen er /
angesehen seiner Geringfugigkeit / sich selbst unwirdig schätzen muss. Weil er
dieses vorbrachte / hielt er ihre beiden Hände umfangen / küssete dieselben nach
geendeter Rede ehrerbietig / und erwartete mit höchstem Verlangen / was ihm vor
Erklårung folgen würde. Es wahr schon zimlich finster / dass man fast wenig sehen
kunte / welches der Fräulein Schahm in etwas ringerte / die sich ein wenig
besinnend / bald hernach also anfing: Durchleuchtigster Fürst / die Götter geben
meinem Gewissen Zeugnis / dass ich der Liebe keine einige Wissenschaft gehabt /
noch ihr im geringsten nachgesonnen / ehe dann Euer Liebe und meiner Frau
Schwester Schreiben mit eingehåndiget worden sind / welches meines behalts noch
nicht 40 Wochen ist. Mit was Schahm ich auch dieselben gelesen / erinnere ich
mich / so oft ich auff meines Herr Vaters Schloss an die stelle gelange
/woselbst es geschahe. Nun bedanke ich mich aber sehr freundlich / so wohl der
dazumahl übergeschikten kostbahren Kleinot / als der hohen gar unverdienten
Gewogenheit / welche eure Liebe / so wohl dazumahl im Schreiben / als jetzo
mündlich mir erzeiget hat /erkenne zugleich die mir heut geleistete Rettung
billich / und dass ich davor euer Liebe hoch verschuldet bin. Dafern auch die
Götter mir Gnade verleihen werden / dass neben euer Liebe ich auff meines Herr
Vaters Schloss und in seine Gewarsam anlange / will nach eingenommenem Raht und
Willen meiner Eltern /Brüder und Fr. Schwester / auff euer Liebe freundliches
gesinnen mich dergestalt zuerklären wissen / dass verhoffentlich dieselbe mit mir
wird können friedlich sein. Dieses brachte sie aus gutem Bedacht vor / umb
zuerforschen / ob er ihre eheliche Versprechung biss dahin könnte anstehen lassen
/ welche sie ihm alsdann zugeben / schon entschlossen wahr / weil an ihrer
Eltern und Verwanten Einwilligung sie nicht zweifelte. Dieser aber erinnerte
sich / dz die Grossfürstin ihn etliche mal seiner Blödigkeit wegen zimlich
angegriffen / nebest Ermahnung / er sollte in allen ehrliebenden Teidungen / so
wohl beim Frauenzimmer als Mannesbildern sich frischer finden lassen / damit er
durch gar zu tieffe Blödigkeit nicht einen Argwohn eines unädlen Herzen
erweckete. Dieses munterte ihn zu weiterer Ansuchung auff / weil ohndas nach art
der Liebe er das ärgeste furchtete / ob suchete das Fräulein durch diese
ungewisse Antwort ihn nur hinzuhalten / auff dass sie hernähst den ihrigen selbst
an deuten könnte / wessen sie sich ihrem Willen erklären sollten; fassete demnach
ihre Hände auffs neue / küssete dieselben / und fing also an: Mein
allerschönstes Fräulein / ich bedanke mich vorerst ganz demühtig / dass ihre
Liebe dieses mein anmuhten mit geduldige Ohren angehöret / und mit keinem
äusserlichen Unwillen auffgenommen hat; und wollte Gott / dass meine Seele mit der
gegebenen Antwort sich könnte befriedigen lassen / uñ dieselbe mich nicht
anstrångete / ihrer Liebe weiters noch beschwerlich zusein; aber die Furcht
/welche allemahl rechtschaffene Liebe begleitet / zwinget und nöhtiget mich /
umb eine beständige Erklärung auff mein inbrünstiges ansuchen anzuhalten /damit
ich der heftigen Peinigung / welche die Ungewissheit in mir erwercket /
entrissen / nach so langer Angst und quahl in ruhe gesetzet werden / und
Erleichterung empfinden möge. Es erwäge doch mein Fräulein in ihrem
hochvernünftigen Herzen / was unleidliche Schmerzen heut unter den Händen ihrer
Räuber / und hernach wegen des Alten anzeige sie empfunden / da sie anfangs
durch Ohmacht vom Pferde herunter geworffen / und wegen des lezten in solche
Erschütterung gerahten ist / dass sie ihrer eigenen Gliedmassen nicht mächtig
sein mögen. Nun beteuere ich aber bei meinen ritterlichen Ehren / dass die
Liebesangst in mir ungleich grössere Pein und Schmerzen verursachet / als wann
mein Leib von Räubern und Mördern in hundert tausend Stucken zerhacket würde; Ja
sollte die Hoffnung welche meine Durchl. Fr. Schwester durch ihren Trost biss
daher in mir geetzet und erhalten / nunmehr ersterben und ganz abe sein / wollte
ich lieber gleich diese Stunde mich in die Hände der mörderischen Baure ergeben
/ damit nur mein Jammer dereins zur Endschaft gelangen möchte. Mit welchen
Worten er als ein todter Mensch bei ihr niderstürzete / und ihr daher schier ein
gleichmässiges begegnet währen; ruffen durffte sie nicht / weil sie sich dadurch
in Lebensgefahr stürzen möchte; so hielt auch anfangs die Blödigkeit sie abe /
dem Fürsten Hülffe zuerzeigen / biss sie endlich durch Liebe überwunden / ihn
nach vermögen schüttelte; hernach etwz mehr sich erkühnend / ihm das Wammes
auffrisse / und da solches noch nicht helffen wollte / ihm des überbliebenen
Biers unter das Angesicht streich / wodurch et endlich wieder zu sich selber kam
/ da er mit schwacher Stimme sagete: Ach mein Gott / was sanfter Tod würde mirs
sein / wann in den allerschönsten Armen ich sterben sollte / von denen lebendig
umfangen zuwerden ich vielleicht gar zu unwert bin; fing hierauff an seinen
dreifachen doppelten Reim mit leiser Stimme herzusagen / wiewol mit einer
geringen Verenderung der beiden lezen im ersten Satze / auff diese Art:
O du klare Sonne du /
O erleuchte meine Sinnen /
Wende deine Gunst mir zu /
Und lass gelten mein beginnen /
Wo nicht / muss in einem Nuh /
Mein verliebter Geist zerrinnen.
Das Fräulein / die solcher strången anlåuffe allerdinge ungewohnet wahr /
antwortete ihm mit sehr trauriger Rede: Ach mein Fürst / sagte sie / was vor
Ursach hat eure Liebe / sich über mich zubeschweren / ja sich und mich in so
herzlichen Kummer zuversenken? ist es nit schon unglücks gnug / dass wir unserer
Fürstlichen Hocheit vergessen / und umb eines schändlichen Mörders willen /
unsere Lebensfristung in einer elenden Bauern Hütten suchen müssen? und wollen
uns durch unnöhtige Gedanken uñ falsche einbildungen selbst ersticken / da doch
wildfremde zu unserer Erhaltung bemühet sind? wird mein Furst solcher gestalt
fortfahren / so bestelle er nur bei dem Alten / dass etliche Mörder herzugeruffen
werden / die konnen uns mit leidlichern Schmerzen abschlachten / als dass wir uns
selbst durch langwierigen herzängstenden Jammer algemehlich verzehren; und O wie
wohl hätte mein Fürst an mir getahn / wann er mich nur heut bei erster Erlösung
in meiner Ohmacht hätte ersticken und vergehen lassen. Sie wollte weiter reden;
so wahr auch Arbianes schon mit einer guten Antwort fertig: Sie höreten aber /
dass jemand mit hartem Ungestüm ins Haus trat / und den Alten zurede steilete /
ob er wahnwitzig worden währe / dass er das schöne Rind umb so ein liederliches
verkauft hätte. Der Alte gab zur Antwort; biss zu frieden / lieber Sohn / ich will
keinen Pfennig davon zu Beutel stecken; meine grosse Schwacheit nöhtiget mich
darzu / und wann ich nur die zween empfangene Gulden davon verzehre /magstu das
übrige alles einfodern / und nach deinem Willen anlegen; kanstu auch ein mehres
davor bekommen / gönne ich dirs gerne / und will dich nicht auffhalten / wann du
liebere Gesellschaft als deinen alten schwachen Vater hast; nur lass Wolfgang
meines Bruders Sohn zu mir kommen / der heut aus der Stad hieselbst angelanget
ist / dass er mir ein wenig handreichung tuhe; ich sehe doch wohl / dass dir kein
sonderliches Gluk bescheret ist. Der ungerahtene Sohn wahr mit dieser Antwort
sehr wohl zufrieden / rieff Wolffgangen herzu / und ging wieder nach der Schenke
/soffe und spielete vier Tage und Nachte aneinander /biss das verkaufte Rind
verzehret wahr. Wolffgang aber kam geschwinde gelauffen / und fragete seine
alten Vetter / was er von ihm begehrete / erboht sich auch zu aller auffwartung
/ als lange er von seines Herrn Dienst absein könnte. Der alte antwortete ihm:
Lieber Sohn / nachdem mein leibliches Kind das bevorstehende Glük nicht erkennen
kann / noch dessen wirdig ist / so warte du mir diese Nacht nur wenig Stunden
auff / des will ich dir lohnen / dass du mirs Zeit deines lebens solt zu danken
haben: dann wie Arm ich mich gleich bisher gestellet / bin ich doch der
allerreicheste in dieser ganzen Dorffschaft / und will dir / wann ich sterbe /
meinen heimlichen Schaz zum Erbe vermachen. Der junge Knecht wusste umb seine
kurzweiligen Schwänke sehr wohl / lachete darüber / und sagete: Ja lieber Vetter
/ seid meiner eingedenk bei auffsetzung eures lezten willens / dass ich des
vergrabenen Schatzes mit geniesse / welcher bisher ungezählet und unsichtbar
gewesen ist. Was? sagte der Alte / meinestu / es sei mein Scherz? sihe /da gebe
ich dir alsbald fünf Kronen zum neuen Kleide / damit du wissest / was du schier
heut oder Morgen von mir zugewarten habest. Wolffgang nam sie zu sich / in
Meinung es währen einzelne Groschen; und als er sie beim brennenden Kreusel
besah / weil er des Goldes gute erkäntnis hatte / sagte er mit nicht geringer
verwunderung; lieber Vetter / woher kommen euch diese wunder schöne Kronen /
dergleichen ich bei meinem Herrn nie gesehen habe? Was gehets dich an / woher
ich sie habe? anwortete der Alte / lass dirs gnug sein / dass ich sie habe; nim
sie zu dir / und lege sie zu deinem besten an / unter der Versicherung / dz du
deren noch vielmehr von mir erben wirst. Dieser bedankete sich des gar zu
grossen Geschenkes / und erboht sich aller mögligkeit. Ja umsonst schenke ich
sie dir auch nicht / sagte der Alte / sondern dass ich deiner Dienste dagegen
geniessen will / welche doch also beschaffen sind / dass sie dir weder unmöglich
noch beschwerlich sein können; nur nim diese Groschen / gehe nach der Schenke /
und hohle mir Wein und Speise / so gut es zubekomen / und als viel auff drei
hungerige Menschen gnug ist; hast aber nicht nöhtig zu sagen / wem du es hohlest
/ damit nicht jemand wegen meines Reichtuhms Argwohn fasse; dann diese
Verschwiegenheit fodere ich von dir am allermeisten. Dieser wahr willig / ging
hin / und verrichtete den Befehl. Arbianes hatte sein herzliebes Fräulein auff
seiner Schoss sitzen / lehnete sein Häupt an ihres / und horcheten miteinander
fleissig zu. Unterdessen nun Wolfgang nach der Schenke wahr / fing Arbianes an /
da ers zuvor gelassen hatte / und sagte zu ihr: O du allersusseste Vergnügung
der glückhaften Liebe! O wann werde ich mich deiner dereins auch zuerfreuen
haben? mein auserwähltes Fräulein / gönnet bitte ich / eurem bereitwilligsten
Knechte / dass durch betrachtung eurer vortreflichsten Volkommenheit er seine
Gedanken / welche fast leztzügig sind /ergetzen möge / und labet doch seine
verzweiffelten Geister mit dem allersüssesten erquikwasser eurer kraftbringenden
Barmherzigkeit und güte / damit meine schwachen Glieder gestärket / und zur
Reise /welche wir diese Nacht werden tuhn müssen / düchtig und bestand sein
mögen; kann aber dieses mein inbrunstiges ansuchen nicht erhöret werden / so
freue ich mich doch / dass der junge Baur sich ohnzweiffel bemühen wird / mein
Fräulein zu den lieben ihrigen sicher durchzubringen. Dieses redete er mit so
schwacher Stimme / und abgebrochenen Worten; dass daher gnug erschiene / wie
heftig seine Geister von der Liebe geplaget wurden. Dem Fräulein ging diese Rede
sehr zu herzen / kunte doch schamhalber ihm die vergnügliche Versprechung nicht
leisten / ob gleich ihr Herz darzu willig wahr / sondern fing also an: O wehe
mir armen verlassene Tochter! will mein Fürst so unbarmherzig mit mir handeln /
und in dieser allerhöchsten Gefahr / meine Ehr uñ Leben einem groben
unverständigen Bauernflegel anvertrauen / der umb eines Groschen willen mich
verrahten und verkäuffen dürfte / da doch seine so wohl schrift-als mündlich mir
getahne verheissungen viel anders klungen; so hätte er weit besser an mir getahn
/ dass er mich mit samt den Räubern erschlagen hätte / dann so währe ich ja dem
Unglück auff einmal entgangen /und dürfte mich nicht aufs neue einiger
Entfuhrung und angedräueten Schande befürchten. O Träue / O Glaube wo bistu?
schwebestu auch nur in der mächtigen Fürsten Feder und Munde / und bist von
ihren Herzen so weit entfernet? Mit welchen Worten die Trähnen håuffig aus ihren
åugelein hervor drungen /dass sie über Arbianes Hände flossen / aber sein Herz
viel stärker traffen / als die allerheftigsten Meerswellen / wann sie gegen die
Felsenschlagen / und ganze Fuder Steine hinweg reissen. O ihr allerschönsten
Augelein; sagte er / wollet ihr dann durch diese Trähnen-Bach mein bisher
lichterlohe brennendes Herz nun ganz und gar ersäuffen? O stillet stillet euch /
und lasset meine Augen dieses verrichten. Aber O ihr Trähnen / bin ich eures
fliessens Ursach / so machet mirs kund / damit wegen dieses unverantwortlichen
frevels ich mich gebuhrlich abstraffe. Nein / sagte sie / kein lebendiger Mensch
ist dieser Trähnen Ursach / nur das leidige Glük / welches mich in diese Gefahr
gestürzet / dem boshaften Wendischen Räuber mich überliefert / und einen solchen
Fürsten mir zum Erretter / zugeschicket hat / welcher ohn Ursach mich in der
einsamen Fremde verlassen / und mich einem unflätigen Bauern anvertrauen will.
Arbianes wischete ihr mit seinem Tüchlein die Trähnen ab / und sagete: Ach Gott
/ ich bekeñe willig / dass meine unvorsichtige Reden ihre Durchl. veranlasst
haben / meine Träue und Glauben in zweifel zuzihen / und wåhre ungleich besser
gewesen / ich hätte meines Herzen mattigkeit verschwiegen gehalten / und meine
Reise so weit fortgesetzet / als mein Leben mich begleiten wird / wann ihrer
Liebe ja nicht gefallen kann / durch eine beständige Erklärung meine arbeitende
Geister auffzurichten. Küssete hiemit ihre annoch nassen Augelein / und traff zu
unterschiedlichen mahlen ihr Mündichen / gleichsam als aus Irtuhm / so dass / wie
geherzt er sich zuerzeigen bedacht wahr / doch alles sein beginnen entweder in
einer gar zu kühnen Furcht / oder zu furchtsamen Kühnheit bestund; wodurch er
dannoch so viel schaffete / dass sich das hochbekümmerte Fräulein im Weinen
mässigte / und zu ihm sagete: Ach mein hochwerter Fürst; wie froh werde ich sein
/ wann ich uns nun aus dieser Gefahr wissen soll; mein Herz aber trägt mir eigen
zu / wir werden so leicht nit entgehen / doch es gerahte nach der Götter Schluss
/ so danke ich ihnen dannoch / dass sie mich aus des Wendischen Råubers Fäusten
erlöset / und dieses Fürsten Kundschaft mir gegöñet haben / auff welchen meine
Fr. Schwester so hoch hält (wie aus deren Schreiben euer Liebe ich hoffe
zuerweisen /) ja welcher meiner wenigkeit viel höhere Gunst und Liebe zugewendet
/ als mit alle meinem vermögen ich nicht ersetzen kann / und doch nach vermögen
zuersetzen / mich stets werde befleissigen. Dieser Rede gebrauchete sie sich zu
dem Ende / ihm seinen zweifel zubenehmen / schaffete auch hiedurch so viel bei
ihm / dass er seiner schwermühtigen Gedanken einen grossen Teil fallen liess / und
ihr solcher gestalt antwortete: Durchleuchtigstes Fråulein / ist es wohl möglich
/dass ihre vortrefligkeit wegen des unwerten Arbianes Kundschaft einige
vergnügung haben sollte? O mein auserwählter Seelen Schaz / verfolget / bitte ich
/ dieses holdselige erbarmen / bekräftiget diese mitleidige Gunst durch eine
ehrenverbündliche Erklerung / die meinem fast abgezehreten Herze mehr stärkung
als das kräftigste Korallen-oder Perlen Wasser mitteilen wird. Als er dieses
redete / griffe das Fräulein in ihren Busem / und fragete den Fürsten / ob dann
das heut ihr eingelieferte Schreiben von ihrer Fr. Schwester selbst durchhin
geschrieben währe / oder sie nur die Auffschrift mit eigener Hand verfertiget
hätte; auch /was doch der eigentliche Inhalt sein möchte. Dass sie es selbst
geschriebe / antwortete er / kann ich wohl beteuren / wird auch die Hand schon
ausweisen; den Begrieff aber weiss ich in wahrheit nicht / nur als ich gestern
Abend in meinem Herzen beschlossen hatte /mich vornehmlich in ihrer Liebe
Erlösung zugebrauchen / baht ich die GrossFürstin / sie möchte mir einen kleinen
Schein zustellen / bei welchem mein höchstwertes Fräulein mich erkennen könnte /
da mir etwa der almächtige Gott die Gnade verleihen würde / sie aus Räuber
Händen zuerretten / und sie vielleicht aus Furcht mir nicht trauen würde; da sie
dann alsbald in ihrem Zelte sich nidersetzete / dieses Brieflein schrieb / und
nach versiegelung zu mir sagete: Sehet da /mein Bruder / göñet euch Gott das
Gluk / meine Frl. Schwester in meinem abwesen anzutreffen / so gebet ihrer Liebe
/ wann ihr so viel raum allein haben könnet / dieses Brieflein / und das ich
nähst vermeldung Schwesterlicher Liebe und Träue sie herzlich ersuchen und
bitten lasse / diesen Brieff selbst zu lesen / den Inhalt keinem Menschen / als
dem Einhändiger zuverständigen / und dafern sie ein tröpflein Blut in ihren
Adern zu meiner Liebe ubrig hat / meinem Schwesterlichen ansuchen genüge zu
tuhn. Diese Werbung /Durchl. Fräulein / hätte bei einreichung / ich herzlich
gerne verrichtet / dafern beides ihr Kummer und die Eile fortzureiten es nicht
verhindert hätten. Das Fräulein antworte ihm: Dass müste gar ein unmögliches sein
/ und über meine Kraft sich erstrecken / welches bei so hoher Errinnerung ich
meiner werten Fr. Schwester versagen sollte / nachdem ich mir ohndas vorgenomen /
ihr in allem schlechter dinge / als einer gebietenden Mutter zugehorsamen / weil
nach ihrem hochgewogenen Herzen sie mir nichts unmögliches /viel weniger
unanständiges zu muhten wird noch kann. Ach mein Gott / sagte der Fürst / dass wir
doch nur so viel Licht hätten / dieses Schreiben zu lesen / ob vielleicht etwas
drinnen entalten währe / dass zu meiner Vergnügung könnte erspriesslich sein. Dem
Fräulein kam schon die Reue / wegen gar zu offenherziger Erklärung / dass sie
sagete: O mein Fürst / wiewol wird Euer Liebe der Inhalt bewust sein / sollte er
auch meiner Fr. Schwester den Brief selber in die Feder gesaget haben / welches
mich dann bald zum Wiederruff bewägen sollte / sintemahl das Schreiben solcher
gestalt mehr euer Liebe / als meiner Fr. Schwester begehren an mich fodern
würde. Dieser hingegen bekräfftigte mit sehr teuren Worten / es währe ihm kein
Wörtlein daraus bewust / nur dass er aus der GrossFürstin frölichen Geberden
gemuhtmasset hätte / es würde seinem heftigen Seelen-Wunsche nicht allerdinge
zuwider sein. Das Fräulein fing an / ihre getahne Erklärung in gewisse Schranken
der Jungfräulichen Zuchtbedingungen einzuzihen / und sagete: Meiner Fr.
Schwester Sin zur gebührenden Keuscheit ist mir schon gnug gerühmet / daher sie
derselben zuwider an mich nichts begehren wird / und sollte gleich ihr Schreiben
wegen etlicher Redearten auff etwas mehres / als ein schamhaftiges Fräulein
leisten kann / durch gelehrte Ausdeutelungen können gezogen werden /getraue Eurer
Liebe ich dannoch ohn bösen Argwohn zu / sie werde meiner Fr. Schwester Scherz
Schreiben als ein Zuchtliebender Furst schon zuverstehen wissen. Arbianes wollte
hierauff Antwort geben / hörete aber / dass Wolffgang wieder kam / und mit dem
Alten ein heimliches Gespräch hielt / auch bald darauf mit einer alten dunkelen
Leuchte zu ihnen hinauff flieg /und neben einem guten Kruge Wein / Brod kalt
Gebratenes und etliche Kähse ihnen mit diesen Worten vorlegete: Hochgeehrter
Ritter / verdenket es meinem alten Vettern nicht / bitte ich demühtig / dass er
mir unwirdigen ihre Anwesenheit offenbahren wollen; ich gelobe ihnen bei fester
unbrüchiger Träue / dass ich weder durch Gewalt noch Geschenke mich bewägen
lassen will / euch gegen einigen Menschen zumelden /sondern mich hiemit zu allen
ihren Diensten verbunden haben / dann unter dieser ausdrüklichen Bedingung habe
ich ihres Geldes 5 Kronen von meinem Vetter gehoben / welche ich nicht anders
als MietGelder rechnen will. Guter Freund / antwortete Arbianes / uns will nicht
gebühren / an eines redlichen Menschen Auffrichtigkeit und Träue zuzweifeln /
möget euch aber wohl versichern / dass da ihr euer Versprechen haltet / ihr vor
einen kurzen Dienst dergestalt sollet belohnet werden / dass ihr zeit eures
Lebens solche Glükseligkeit nicht hättet hoffen können. Ach ja /guter Freund /
sagte das Fräulein / lasset euch keine unbilliche Gedanken zur Verräterei
bewägen / und nehmet diesen Ring von mir an / als ein Zeichen der künftigen
Belohnung / welchen ihr umb 400 Kronen verkäuffen könnet. Davor behüten mich die
Götter /antwortete er; Ihrer Gnaden Zusage ist mir Versicherungs gnug der
zukünftigen Leistung / unb bitte ich untertähnig / sie wollen sich zu mir aller
Träue versehen / die ich nimmermehr zubrechen / bei Straffe aller himlischen und
hellischen Götter verheissen will. Liess ihnen hierauff die Leuchte / bittend /
sich vor Feurschaden zuhühten / und mit den geringen Speisen vorlieb zunehmen;
womit er von ihnen hinweg ging. Fräulein Klara wahr von Herzen hungerig /
schikte sich zum essen / und mit ihrem kleinen Brodmesser schnitte sie ihrem
lieben Fürsten Brod und Fleisch in die Hand / sagend: Hochwerter Freund / Eure
Liebe wird mir zu sonderlichem gefallen dieses wenige zu sich nehmen / und die
erste Mahlzeit mit mir halten /unter dem Wunsche / dass deren mehr und bessere
erfolgen mögen. Er hingegen hielt inständig an / weil das Glük ihm so viel Licht
gegönnet / das Schreiben erst zulesen / ob etwa er daher seiner hungerigen
Seelen hochbegehrete Speise zunehmen hätte / alsdann wollte er der Leibes Kost
gerne etliche Tage entbehren; über welche Worte sie eine sonderliche Liebes
bewägung in ihrem Herzen empfand / dass sie zusage sich nicht entalten kunte:
Mein hochwerter Fürst /wessen besorget er sich doch widriges an meiner Seite /
da er mich auff seiner Schoss hält? findet sich etwas in meinem Schreiben / dass
ihm behäglich und zuträglich ist / wird es ja unter so kurzer Zeit weder
schädlich werden noch verschwinden; Dafern er aber die angebohtenen Speisen
verschmähet / und im essen und trinken mir nicht Gesellschaft leistet / will im
rechten Ernste ich den Brieff vor morgen Abend nicht lesen / oder ihn wohl gar
ungelesen zureissen. Ey mein Fräulein / antwortete er; wie könnte eure Liebe eine
solche Grausamkeit an den allerliebsten Buchstaben verüben / die von so
angenehmer Hand in schwesterlichem Vertrauen geschrieben sind? Jedoch bin ich
schuldig einen bereitwilligsten Gehorsam zuerzeigen /und will über mein Vermögen
essen und trinken / auff dass in dessen Wegerung Eure Liebe hernähst nicht
gelegenheit uñ ursach suche / des lieben Briefes Lesungs weiter aufzuschieben.
Mein Freund antwortete sie / hat sehr grosse Hoffnung auff diesen Brief gesetzet
/ und möchte vielleicht wohl ein solches darinnen entalten sein / welches
zuleisten / uns / wegen abwesenheit von den unsern beiderseits unmöglich währe.
Solches kann nicht sein / antwortete er / in Betrachtung / dass unsere Fr.
Schwester bei Auffsetzung solches Briefes der gewissen Hoffnung gelebete wir
würden diesen Abend bei ihr und der ganzen Fürstlichen Gesellschaft anlangen.
Zum wenigsten hat sie nicht muhtmassen können / dass wir beide uns allein in
solcher Einsamkeit beieinander finden würden. Ein solches gestehe ich / sagte
sie / werde auch desto williger sein / des Briefes Inhalt mir wolgefallen
zulassen. Fingen hierauff beiderseits an mit gutem Lust der Speisen zugeniessen
/ und rühmete Frl. Klara dass die ganze Zeit ihrer Gefängnis uber / ihr die
Speisen nicht den tausendsten teil so wohl geschmäcket hätten. Bald ergriff sie
auch das Trinkgeschir / und brachte ihm eins auff Grossfürstin Valisken
Gesundheit und Wolergehen / wiewol ich nicht zweifele / sagte sie /alle die
meinen neben ihr / werden unsers aussebleibens herzlich bekümmert sein / wo sie
uns nicht wohl gar als erschlagene oder doch als gefangene beweinen. Sie hielten
eine frische Mahlzeit mit einander / bei welcher Arbianes sich immerzu an ihren
liebreichen Augelein speisete / so viel er dieselben bei der tunkelen Leuchte
beschauen kunte. So bald das Fräulein rühmete / dass sie sich allerdinge
gesättiget hätte /hielt er auff ein neues an / das Brieflein zuverlesen /dessen
sie nur zum Scherze / umb sein Vornehmen zuerforschen / sich wegerte / vorgebend
/ sie hätte bei dem tunkeln Wasser- oder Knatterlichte kaum die Speisen erkennen
können / wie sie dann so klein geschriebene Buchstaben dabei lesen sollte? Aber
weil sie sah / dass nach kurzgebehtener Verzeihung er sich erkühnen wollte / den
Brief aus ihrem Busem hervor zulangen / kam sie diesem mit einem freundlichen
lachen (welches die ganze Zeit ihrer Entführung das erste wahr) selber zuvor /
nam das Schreiben in die Hand / und entschuldigte sich / dass sie so viel Herzens
nicht hätte / es zuerbrechen. Liess auch gerne geschehen / dass er solches
verrichtete; da er nach Eröffnung denselben Brief kussete / und ihn solcher
gestalt anredete: O du allerliebstes Briefelein / hastu einige Glukseligkeit in
dir / so teile doch dem bisher allerunglückseligsten Arbianes etwas mit / auff
dass er in seinem Leiden nicht gar untergehe / noch dieses Häu sein Todten Bette
sein möge. Reichete ihn hiemit dem Fräulein ganz ehrerbietig über / und baht mit
freundlicher Umfahung / diesem Schreiben die Lesens-wirdigung anzutuhn / in
betrachtung der Herz Schwesterlichen Liebe / damit die GrossFürstin ihr zugetahn
währe. Dieses ist eine hohe und kräfftige Ermahnung / sagte sie / dere ich mich
nicht zuwider setzen weiss; legete den Brief von einander und lase / da Arbianes
ihr leuchtete / folgenden Inhalt / ohn einiges Wortsprechen.
    Herzallerliebste Fräulein Schwester; nach dem der gütige Gott uns ingesamt
wieder nach Hause geleitet / auch unsern Lieben Eltern und Euer Liebe Rettung
zutuhn /Gelegenheit bescheret hat / haben Euer Liebe Herren Brüder und ich / den
Durchleuchtigsten GrossFürstlichen Herren aus Meden / Fürst Arbianes / dessen
heftiger Verliebung gegen eure Vortreffligkeit / keine andere gleichen mag /
mit über bringen / und ihr denselben als ihren versprochenen Bräutigam und
Gemahl zuführen wollen /nicht zweiffelnd / dieselbe werde unserm festgemachten
Schlusse keines weges wiedersprechen / sondern / wann dem lieben Fürsten seine
vorgenommene Bemühung /Eure Liebe aus Räuber Händen zureissen / glücken sollte
/ihn dessen nach seinem ehrliebenden Begehren geniessen zulassen / uñ nicht
anders gedencken / als dass sie in Begleitung ihres versprochenen Bräutigams sich
befinde /massen wir unsers Orts gar nicht zweiffeln / es werden eure liebe
Eltern in diese Heirat einwilligen / und ihrer Herren Söhne / wie auch meinen
wolgemeineten Vortrag gelten lassen; daher wir der gänzlichen Zuversicht
zugleich leben / Eure Liebe werde / ehe sie bei uns anlanget / also bald nach
Lesung dieses Brieffleins / ihr Herz und Willen dem unsern gleich stimmend
machen / und diesen Lieben ihr ganz und gar zu eigen ergebenen Fürsten ihr Herz
zur steten Wohnung einräumen / dafern sonsten noch ein einziges Blutäderchen an
ihrem Leibe übrig ist /welches ihren Herren Brüdern und mir mit Schwesterlichem
Willen zugetahn verbleibet. Inzwischen bewahre der Allmächtige Gott eure Ehre /
Leben und Gesundheit vor den boshaftigen Räubern / und bringe uns in wenig
Stunden wieder zusammen / wie solches wünschet und hoffet / Euer Liebe
inbrünstig-ergebene Schwester und geträue Freundin
                                                                        Valiska.
    Der Fürst gab fleissige Achtung auff ihr Gesichte /weil sie den Brieff lase
/ und aus ihren unterschiedlichen Verenderungen merkete er / dass seiner Sache
bester massen darinnen würde gedacht sein / baht daher inständig / dafern
möglich / ihm des Brieffes Inhalt wissen zulassen. Ja warumb nicht Durchl.
Furst? sagte sie / legte inzwischen das Schreiben wieder zusammen / steckete es
an den vorigen Ort / und fuhr in ihrer Rede fort / sie würde / von ihrer Fr.
Schwester wegen glücklicher Wiederkunft ihrer Herrn Brüder berichtet und dass
ihre Liebe aus guter Gewogenheit gegen ihre Wenigkeit mit uberkommen währe / umb
bei ihren lieben Eltern zuvernehmen / ob einige Heirat zwischen ihnen könnte
gestifftet und verabredet /auch über etliche Zeit / wann sie zu den verständigen
Jahren würde kommen sein / volzogen werden; da dann ihre Fr. Schwester bei ihr
ansuchete / sich hierin gegen ihrer lieben Eltern und Brüder Willen nicht zu
wiederspenstigen. Dieses ist der ganze Inhalt / Hochwerter Fürst / sagete sie /
welchem nachzukommen /ich mich schon im Anfange von mir selbst erkläret habe.
Sie brachte dieses mit einer angenommenen Ernstaftigkeit vor / und gedachte
nochmals / ihn damit hinzuhalten / würde auch in ihren Gedanken nicht betrogen
sein / wann sie nur der weiten Aussstellung des Beilagers nicht gedacht hätte;
welches dem verliebeten Fürsten allen Glauben benam / sintemahl die Grossfürstin
ihm viel andere Verheissungen getahn hatte / und er daher / nach freundlicher
Umfahung / die ihm züchtig gegönnet ward / diese Antwort gab: Mein Fräulein /
ich bedanke mich sehr der beschehenen Erzählung dess schrifftlichen Inhalts; habe
aber durch Einlieferung des Briefes meiner Fr. Schwester Befehl und Willen nur
zur helffte erfüllet / nachdem sie mir ernstlich aufferleget / ich ihr auch mit
einem Handschlage mich verbindlich machen müssen / alle Mittel zugebrauchen /
dass / nachdem ihre Vortreffligkeit das Schreiben würde gelesen haben / ich
solches auch zu lesen bekommen möchte; zweiffele nicht / es werde Eure Liebe ihr
solches gefallen lassen / und mir dasselbe zuzeigen unbeschweret sein. Ich weiss
nicht / Durchl. Fürst / antwortete sie / ob meine Fr. Schwester diesen Befehl
erteilet habe / wiewol Euer Liebe vorbringen der Unwarheit zubeschüldigen / mir
nicht gebühren will; nur dieses weiss ich wohl /dass die Auffschrifft nicht zugleich
an Eure Liebe mit /sondern nur allein an mich gerichtet ist / es währe dann /
dass mein werter Fürst an meiner auffrichtigen Erzählung zweifel tragen / und
der Ursach wegen das Schreiben selbst lesen wollte / welches ich doch nicht eins
fürchten noch gedenken will. Dieses sei ferne von mir antwortete er; nur muss ich
dem Befehl meiner Fr. Schwester geträulich nachkommen / dafern ich sonst nicht
in ihre schwere Ungnade / die mir gar zu unerträglich sein würde / fallen wollte.
Bitte demnach von Herzen / mein Fräulein wolle umb eine frevelhafte Bemühung zu
hinterhalten / mir das Briefflein unbeschweret zeigen / nachdem ich so
auffrichtig gespielet / dass / ob ichs gleich brechen müssen / mich dannoch der
ersten Lesung gebührlich entalten habe. Ach nein mein Fürst / gab sie zur
Antwort / dann ob er dieses gleich noch so ernstaftig vortragen würde
/versichere ich ihn doch / dass ohn ausdrücklichen schrifftlichen Beweisstuhm ich
solches ihrer Liebe gar nicht trauen werde. Diesem nach stehe er nicht so hart
auff des Briefes Besichtigung / sondern glaube meinen Worten / weil ich ja nicht
hoffen will / dass er mich von Anfang her dieser unser gemachten guten Kundschaft
falsch gespüret haben sollte. Nicht rede oder begehre ich solches / meiner Fr.
Schwester / oder deren Willen mich zu widersetzen / wann es ja von ihr also
sollte geordnet sein / sonden weil nur etliche wenig Worte darinnen entalten
sind / die mir eine Röhte abjagen könten / bitte ich nochmahls freundlich /
seine Lesungs Begierden einzustellen / und will Eure Liebe ich versichern / dass
meine Fr. Schwester deswegen gar keine Unganst auff ihn legen soll. Ach mein
Fräulein / sagte er / sie wolle / bitte ich / ihren ergebenen Knecht durch
solche Wegerung nicht zu hoch betrüben / dafern sonst meine Hoffnung ich nicht
auff ungewissen und betrieglichen Trieb Sand soll gebauet haben / sondern meiner
gebehtenen Verzeihung statt geben / damit sie nicht schier heut oder morgen mir
meine Blödigkeit vorzulegen und schimpflich auffzurücken habe; umfing sie damit
sehr inbrünstig / und nam die Kühnheit den Brieff in ihrem Busem zu suchen /
wogegen sie sich / als viel Höffligkeit leiden wollte / sehr sträubete / aber
endlich doch gewonnen geben musste / da er das Schreiben mit den spitzen Fingern
ergriff / und zu sich nam. Als dieser Raub erhalten wahr / wollte dannoch das
Fräulein sich einer schlauheit gebrauchen / und griffe nach der Leuchte /in
Meinung das Licht aus zulöschen; aber der Fürst kam ihr zuvor / baht auffs neue
um verzeihung / nam einen Abtrit und durchlase den Brief mit guter
Bedachtsamkeit / löschete nachgehends dass Licht aus /setzete sich vor ihr in die
Knie / und hielt folgende bewägliche Rede: Allerschönstes Fräulein / Euer Liebe
händige ich dieses Schreiben gebührlich wieder ein / dessen Inhalt ich weder
loben noch schelten darff / so lange Eure Liebe ihre Wolmeinung daruber
ausszulassen bedenken träget; nur bitte ich nochmals um hochgünstige Verzeihung /
dass ich mich der Gewaltsamkeit gebrauchet / und es durchzulesen / ihrer Liebe
hinweg geraubet habe. Zwar ich gestehe ja willig und allemahl / dass der Liebe
und Gunst ich unwirdig bin / welche von Euer Liebe mir erzeiget zuwerden / meine
Durchl. Fr. Schwester unter so hoher Erinnerung ansuchet / daher ich fortin
nicht weiters als noch dieses letzemahl / mich unterstehen will / Eure
Vortreffligkeit mit meiner inbrunstigen Bitte anzuliegen / dass / wofern möglich
/ dieselbe mir unbeschweret anzeigen wolle / ob von ihrer Gnade ich meine
Vergnügung zugewarten / oder wegen meiner gar zu hoch gefasseten Gedanken /
welche meine Fr. Schwester in mir ernähret / die endliche Urtel meines
verbrechens anzuhören habe / dann wo dieselbe meinen würde / mich etwa in
fernerer Ungewissheit hinzuhalten / muss ich zwar in ihren Willen mich schicken;
weil ich aber über mein Herz und dessen Wirkungen weiter nicht zugebieten habe /
als wann durch ihre tröstliche Erquickung / das geringe übrige Fünklein des
Lebens darinnen auffgeblasen wird / so hoffe ich /es werde Eure Liebe nicht über
wüterichs Art mit mir handeln / und mir nicht befehlen zuleben / wann alle
Lebens Mittel mir entrissen sind / die einig und allein in diesem bestehen / und
erhalten werden / was meiner Durchl. Fr. Schwester freundliches gesinnen von
ihrer Durchl. bittet. Hiemit entging ihm alle Krafft /sich länger auff den Knien
zuerhalten / legte sich sanft neben ihr nieder / und gedauchte ihn nicht anders
/ als dass ihm die Seele aussfahren wurde. Das liebe Fräulein kunte wegen der
Tunkelheit seine Mattigkeit nicht erkeñen / und befahrete sich doch deren
/deswegen sie ihm die Hand fassete / und als er dieselbe als ein Todter Mensch
hangen liess / empfand sie daher seine harte Ohmacht / welche sie mit Trähnen
beweinete / und bald darauff allen möglichen Fleiss anwendete / ihn mit den Wein
aufzumuntern / welchen sie ihm nicht allein unter das Gesichte sprützete /
sondern nachdem sie ihm das Wammes gar auffgerissen / in den Busem goss / dz er
dessen Krafft endlich emfindend / seine Entwerffung durch einen schweren
Seuffzen zu verstehen gab / da sie zu ihm sagete: Hat mein Fürst so grosse
Beliebung / sich und mich zutödten / warumb hat er solches dann nicht heut bald
anfangs mit seinem blutigen Schwerte verrichtet? dann also hätte ich dieser
Angst ja noch entubriget sein können. Ach davorbehüte mich Gott / allerschonstes
Fräulein / antwortete er / dass zur Verkürzung ihres Lebens ich behülfflich sein
sollte; nur bitte ich dienstlich / sie wolle doch eines so unwerten Mensche
halben / als ich bin / sich weiters nicht bemühen / sondern ihn den Unglücks
Lauff dereins endigen lassen / weil nach dessen leztem ihn bisher stets / aber
unter viel susserer Hoffnung / verlanget hat. Mein Fürst hat durchaus keine
Ursach / sagte sie / dergleichen Rede zuführe / es währe dann / dass er mir gar
verbieten wollte / meine Erklärung auff meiner Fr. Schwester begehren ausszulassen
/ auff welchen fal ich mehr ihn / als er mich vor einen Wüterich anklagen müste;
solches nun abzuwenden / wolle mein Fürst Zeit nehmen / sich zuerhohlen / und
mir auch selbige zugönnen / damit ich mich ein wenig bedenken möge. Hierauff
richtete er sich wieder in die höhe / drückete und küssete ihre Hände mit
solcher inbrünstiger Bewägung / dass sie es länger mit stilschweigen nicht
ertragen kunte / ein Herz ergriff / und ihm diese Erklärung gab:
Durchleuchtigster Fürst; wann die Jungfräuliche Blödigkeit und Schahm / die mein
Herz bisher stets unter ihrem vollen Gehorsam gehabt / mir so viel Kühnheit
zugeben wollte / dass der Mund aussreden dürffte / was das Herz ihm gnug bewust ist
/ alsdann würde ich nicht allein hie in dieser Einsamkeit /sondern vor der
ganzen Welt frei öffentlich bekennen / dass Eurer Liebe ich mehr als aus einer
Ursach / zu alle seinem ehrliebenden Willen ohn Ausrede verbunden bin. Vor erst
sehe ich an die Vertrauligkeit / welche zwischen Euer Liebe und meinen Herrn
Brüdern /auch meiner Fr. Schwester ist / die allein gnug währe / mich Euer Liebe
willen zu unterwerffen. Hierzu kömt die hohe Bedienung / welche dieselbe meinen
ietzgedachten nähesten Blutsverwanten Zeit ihres Elendes erzeiget / welche von
Leches und Neklam mir grosses teils erzählet sind. Aber wañ solches alles schon
nicht währe / meint  dann mein Fürst / dass ich so unempfindlich sein / und nicht
mit Dankbarkeit erkennen würde / dass er bloss durch das anschauen meines
unachtsamen Brustbildes sein Herz mir zugewendet / und darauff alsbald so wohl
bei mir als bei meinen lieben Eltern gebührliche und mehr als gebuhrliche
Ansuchung getahn? was wirds dann erst sein und gelten / wann ich der heutigen
Erlösung eingedenk bin / die weder Zeit noch Unglück noch wolergehen aus meinem
Gedächtnis reissen soll? muss ich dann nicht gestehen / mein Fürst / dass ich
schuldig bin /mich vor die Eure zuhalten? aber ich vernehme über diss alles / dass
meine Herren Brüder / und Fr. Schwester / die mir zugebieten haben / den Schluss
schon abgefasset / ich sollte des Durchleuchtigsten Grossfursten aus Meden seine
verlobete sein; da sie zugleich die Versicherung hinzu tuhn / meine Herzliche
Eltern werden solches vorgenehm halten / wie ich dann an deren Willen zu
zweiffeln keine Ursach habe / zugeschweigen / dass inkünftig mir noch
dergleichen Gefahr zustossen möchte (ach ja / ich fürchte sehr / sie werde nicht
aussen bleiben) aus welcher ohn ihrer Liebe Hülffe und Beistand ich nicht
errettet werden könnte; und also mein hochwerter Fürst mich noch mehr ihm
verbunden machen dürffte wann ich gleich anjetzo aller Vergeltungs-Schuld frei
wåhre; hätte schier wegen Menge meiner Pflichten ausgelassen /dass ohn gegebene
endliche Erklärung ich meiner hochgeliebeten Fr. Schwester Hulde und Liebe
schwerlich würde erhalten können. Dieses alles und jedes / Durchl. Fürst /
dränget mich nicht weniger als sein mündliches bitten / und ängstiges verhalten
/ seiner Liebe dessen völlig und ohn alle Bedingung zuversprechen / was einer
geträuen verlobeten Braut ihrem Bräutigam und künftigen Gemahl schuldig ist
/will solches auch hiemit und krafft dieses / Euer Liebe mit gutem Wolbedacht
unwiederruflich geleistet haben / jedoch mit diesem billichen und ernstlichen
Vorbehalt / dass Eure Liebe mit mir als seiner verlobeten Braut zugeberden / zwar
freie Macht haben / aber doch meiner Jungfräulichen Zucht und Keuscheit nicht
weniger wider sich selbst / als wider andere Schuz halte / und dieselbe in
keinerlei weise anfechten / viel weniger beleidigen oder kränke soll / biss dahin
aus freiem ungezwungene willen / uñ ungenöhtigter einwilligüg ich in unsere
endliche Heirat gehehle werde / welche dañ uber die gebühr ich nit auffschiebe
/ sond'n hierin meiner Fr. Schwester willen / uñ der meinige Anordnung gerne
folge will. Also hat nun eure Liebe / hochwerter Furst uñ Bräutigam / von mir
alles / wz ein züchtiges Fräulein über ihr Herz und Zunge bringen kann; und sollte
er mir die hinangesetzete Bedingung / die nur auff kurze frist sich erstrecken
möchte / zweiffelhaftig machen wollen / so will und kann ich ihn nicht anders als
einen muhtwilligen Feind meiner wolgebührlichen Zucht / ja als einen boshaftigen
Freveler / der kein Häärlein als die vorige Räuber besser sei / vor allen meinen
Anverwanten anklagen / und was Dienst er mir gleich tuhn möchte / doch alles vor
nichts rechnen / sondern vielmehr umb Rache wieder seine (wie ich nicht
verhoffe) geubete Bosheit / bei allen Göttern und Menschen inständig anhalten /
wo zu doch mein allerliebster Fürst und versprochener Bräutigam / weiss ich gar
gewiss /keine Ursach geben wird. Arbianes aus ubermässiger Freude bezwungen /
kunte seine hohe vergnügung länger nicht einhalten / umfing sie mit inniglichen
ehrliebenden küssen / deren ihm etliche in züchtiger Scham bezahlet wurden / und
fing nachgehends also an: Durchleuchtigstes herzallerliebstes Fräulein / mit was
duchtigen Worten soll oder kann vor diese überhohe Gunst und Gnade ich mich
bedanken? Ach nehmet von mir das begierige Herz / welches bereit ist / viel
lieber alle Welt Angst auszustehen / als zu gönnen /dass in meiner gegenwart
ihrem Leibe oder Willen einige Wiederwertigkeit angetahn wurde. Ich gestehe zwar
/ mein unvergleichlicher Schaz / dass der hinzugesetzete Vorbehalt meinen
hitzigen Liebesbegierden sehr zuwieder ist / nachdemmahl ihre Liebe dasselbe vor
ein ungebührliches hält / und anklagen will / was Gott den jungen Eheleuten
selbst gönnet und frei gibt; jedoch aber will ich mich auch in diesem Stük ihrem
Willen gemäss verhalten / mit angehängter sehr demühtiger bitte / mir eine
gewisse Zeit zubestimmen / zu welcher diese Bedingung soll auffgeruffen sein. Ach
mein Schaz / antwortete sie / dringet nicht weiter in mich / sonst werde ich
gezwungen / mich vor euch mehr zufürchten / und zuverwahren / als euch zu
lieben; Zeit zu berahmen / stehet keinem Fräulein zu /und fürchte sehr / meine
Fr. Schwester werde mehr eilen als mir lieb sein wird; aber dessen sei mein
Fürst und wahrer herzens Freund versichert / dass wo ich meinen lieben Eltern
nicht in reiner jungfräulicher Keuscheit wieder geliefert werde / will ich
demselben nun und nimermehr / weder geträu noch hold sein /der mir solches
hindern und abzwingen wollte. Sonsten hat mein Fürst sich gar zu weiter
aussetzung unser Heirat so gross nicht zubefürchten / weil er mit meiner Fr.
Schwester so wohl und brüderlich daran ist /dass dieselbe ihm allen Vorschub tuhn
wird. Dieses sagete sie mit grosser Scham / nur dass sie seiner heftigkeit durch
solche gemachte Hoffnung einen Zaum anlegen möchte; wie er dann sich hierauff
erklärete /sich selbst zu überwinden / und in den Schranken ihres Willens sich
zuverhalten; welches dann das liebe Fräulein so froh und kühn machete / dass sie
ihm mannichen Kuss lieferte / biss ihr endlich die müdigkeit den Schlaf brachte /
da sie ihn höchlich baht /seine Ruhstete von ihr absonderlich zunehmen / wo er
sonst ihr die Freiheit ohn Furcht zuschlaffen gönnete. Ja mein auserwähltes
Seelichen / antwortete er / ich erkenne mich allerdinge schuldig / ihrer Liebe
hierin zugehorsamen; hielt doch noch umb ein Viertelstündichen an zum Gespräch /
und dass er sich aller ehrliebenden ergetzung an ihrer unsäglichen Schönheit /
als ein versprochener Bräutigam gebrauche möchte; welches sie ihm nach
vorgeschriebener gemässigter Weise einwilligte. Ehe dann diese kurze Zeit
verfloss /wurden sie etlicher Reuter auff der Gasse hin uñ wieder reitend gewahr
/ welche vor der Inwohner Haus Tühren anklopfeten / deren einer auch mit
zimlichem ungestüm an ihr Tührlein stiess / und eingelassen zu werden begehrete.
Worüber das Fräulein so heftig erschrak / dass sie als ein Espinlaub zitterte.
Wolfgang machte die Tühr alsbald auff / und fragete nach seinem begehren; da
dieser von ihm wissen wollte / ob nicht ein junger Ritter in blau angelauffenem
Harnische mit güldener Verblümung / eine schöne adeliche Jungfer im himmelblauen
Silberstük bekleidet / in oder durch / oder neben dieses Dorff hinweg geführet
hätte; welches das Fräulein hörend / nicht anders meinte / als der Wendische
Råuber hätte sie schon wieder in ihrer gewalt; rückete auch gar hart an ihren
Liebesten und sagete mit sanfter wehmühtiger Stime und zitterndem Leibe; Ach
mein auserwåhlter Freund uñ Lebensschaz / ach schützet die eurige; gewiss gewiss
lässet der alte Räuber mich suchen / dem ich doch lebendig nicht zuteile werden
will. Mein Seelen Schaz /antwortete er / gebt euch doch zu frieden / und
erschrecket nicht so hart / wir sind ja nicht alsbald gefunden / ob man uns
gleich nachfraget; dann des jungen Bauern Antwort gibt uns anzeige gnug / dass er
uns zuverrahten nicht gemeinet ist. Wie er dann dem Reuter diesen bescheid
erteilete; er hätte den ganzen Tag biss in die sinkende Nacht hart vor dem Dorffe
in einem Garten ohn unterlass gearbeitet / aber dergleichen Leute nicht vernommen
/ würde auch ausser allem zweifel hieselbst vergeblich nachfragen / massen eine
Stunde vor Abends ein vorübergehender Bohte / welchen er kennete / berichtet /
er hätte ein sehr schönes Weibesbild mit einem geharnischten Ritter nach dem
Iselstrohm zureiten sehen / und wie ihn gedäuchte / währe sie mit gutem willen
von dem Ritter geführet worden. Wo ist diser Bohte dann geblieben? fragete der
Reuter. Davon weiss ich nichts zu melden / antwortete er / nur dass er wegen
seiner Reise grosse Eile vor gab / und noch vier Meile diese Nacht zu lauffen
hätte / wohin er sich nun gewendet / kann ich gar nicht wissen. So höre ich wohl /
sagte der Reuter / ich werde meinem Fürsten das Bohtenlohn nicht abverdienen;
kehrete sich hiemit zum Dorffe hinein und ritte seinen Gesellen nach / deren
Wolfgang 10 gezählet hatte / und sie alle miteinander / wie fleissig sie auch
nachfrageten / gar keine weitere Nachricht erhalten kunten. Unsere Verliebeten
zweiffelten nicht /es würden des Wendischen Fürsten Ausspeher sein /welcher etwa
mit etlichen Völkern aus der Schlacht entrunnen / und an einen sichern Ort sich
gelagert håtte; woran sie doch sehr irreten / und dadurch sich in grosse
trübseligkeit und angst stürzeten. Dann es wahren die von Herkules ausgeschikte
Reuter / mit welchen sie fein sicher hätten können überkommen; aber die
himlische Versetzung wollte ihnen ihre Vergnugung so frühzeitig nicht zuschicken
/ sondern sie mussten zu ihrer besserung zuvor scharff bewehret werden / und
einen herben Becher der Wiederwertigkeit austrinken / wie hernacher folgen wird.
    Wir wenden uns aber wieder hin nach dem sieghaften Kriegsheer / bei welchem
der alte GrossFürst mit seinen Kindern sich in aller fröligkeit finden liess /weil
sie annoch gute Hoffnung hatten / Arbianes würde sich schier einstellen; wie dañ
dazumahl seine 150 Reuter mit dem erschlagenen jungen Wendischen Fürsten /
wiewol zimlich späte ankahmen / uñ den Bericht einbrachten / ihr Oberster hätte
diesen mit eigener Hand nidergehauen / und nachgehends nicht geringe mühe gehabt
/ das flüchtige Fräulein / welche ihn vor eine Feind gehalten / zuerhaschen /
und aus der Ohmacht wieder zurechte zubringen / da er inzwischen ihnen hart
befohlen / nicht zuseumen / sondern mit dem erschlagenen fortzugehen; doch
hätten sie ihn endlich gesehen das Fräulein vor sich auff dem Pferde führen /
und als sie in die 400 flüchtige Feinde durch den Strom gesehen hindurchsetzen /
und durch winken ihm solches zuverstehen gegeben / währen sie gewahr worden /
dass er mit ihr den sichersten Weg Südwerz genommen / worauff sie ihn bald aus
dem Gesichte verloren / weil sie selbst umb gefahr willen den Strom auffwarz
gehen müssen / und den gar zu häuffig herzu dringende flüchtigen Feinden sich
entzihen. Worauff Valiska die Anwesende tröstete / und zu ihnen sagete: So
wollen wir uns zufrieden geben /dann Arbianes ist ein so verständiger Fürst /
welcher mit Gottes hülffe schon Mittel und Wege finden wird / entweder durch
zukomen / oder sie auff eine kurze Zeit in gute gewahrsam zubringen. Die alte
GrossFürstin ward hiedurch in etwas getröstet / dass sie bei ihren Schwieger
Töchtern sich frölicher erzeigete /weder vorhin / zwischen welche sie sich
gesezt hatte /und es nicht wenig beklagete / dass sie mit Fr. Lukrezien nicht
Unterredung halten kunte / weil sie kein Teutsch verstund / wiewol Valiska sich
als eine Dolmetscherin bei ihnen vielfältig gebrauchen liess. Es meldete sich
abermahl ein Teutscher Kriegs Knecht an / vorgebend / man hätte mit dem
gefangene Wendischen Obersten Niklot viel Mühe / welcher nicht allein seine
verbundene Wunden auffrisse / sondern alle Gelegenheit suchete / sich selbst
zuentleibe; würde demnach das beste sein / dass er fest gebunden würde. Der alte
GrossFürst antwortete: Dieser wird ohn zweifel der verrähterische Bube sein /
welcher mich nicht allein mit List von meinem Schloss gelocket / sondern hand
an mich gelegt / und gleich einem gemeine Bauern mich gebunden fortgeschleppet
massen ich mich erinnere / dass derselbe von seinen Leuten Herr Niklot geneñet
ward. Also ward ernstlich befohlen /man sollte ihn fest an einen Pfal oder Leiter
binden /den Wunden auffs beste Raht schaffen / und ihm allerhand Labung
beibringen / dann es müste ihm seine Bosheit andern zum abscheuchlichen Beispiel
vergolten werden. Da wussten nun die Kriegsknechte ihm schon recht zutuhn / dass
er gezwungen / Speise und Trank nehmen / und ihres willens geleben musste. Den
unsern wollte die Zeit ohn Gespräch zu lange wehren /weil sie willens wahren /
der Fräulein Ankunft biss an die Mitternacht zuerwarte; Weil dann die alte
GrossFürstin gerne gewust hätte / durch was gelegenheit ihr lieber Herkules zu
dem neuen Glauben kommen währe / welchen er so hoch und über alles schätzete
/und sich gleichwol erinnerte / wie lieb ihm ehemahls ihr landüblicher
Gottesdienst gewesen / bei dem er so manniches andächtiges Opffer vor sich hätte
verrichten lassen / begehrete sie an ihn / ihr die ursach und gelegenheit
solcher seiner Glaubensverenderung anzuzeigen. Herkules hörete ihr begehren mit
sonderlicher Freude an / und taht einen inniglichen Seuffzer zu Gott / er möchte
seinem Donner durch seine unverständige Zunge Krafft uñ Nachdruk verleihen / und
die Herzen seiner lieben Eltern rühren / dass sie zur Erkenntnis der Warheit
gebracht würden. Wie er in diesem andächtigen Wunsche stilleschweigend sass
/gedachte sein Gemahl / er trüge dessen etwa bedenken / daher sie ihn in
Persischer Sprache erinnerte / diese gute gelegenheit zu seiner Eltern Bekehrung
nicht vorbei zulassen / sondern vielmehr mit beiden Händen zuergreiffen;
vielleicht schickete es Gott also /dass seine Fr. Mutter selbst anlass darzu geben
müste; fuhr nachmahls fort / und sagete auff Teutsch zu ihm: Mein allerwerdester
Schaz / lieber wegert euch nicht /unser Fr. Mutter begehren zu erfüllen / dann
ich selbst habe vorlängst gerne wissen wollen / wie sichs mit euer Bekehrung zu
dem seligmachenden Glauben begeben hat. Herkules gab durch ein freundliches
Lachen seinen guten Willen zuverstehen / und fing also an: Gnädigste
herzallerliebste Fr. Mutter; euer mütterliches Herz ruffet mir eine solche
unaussprechliche Freude in mein Gedächtnis / welche mich des zeitlichen pfleget
vergessen zumachen / so dass meine Seele nichts höhers wünschet / als diesen
sündlichen unnützen Leib zuverlassen / und mit allen ausserwählten Kindern Gottes
der himlischen Wollust in ihres Heilandes Gegenwart zugeniessen / deren
Herligkeit keines Menschen Zunge beschreiben kann. O was elender Mensch und
nichtiger Erdwurm würde ich sein /wann ich zu dieser Erkenntnis der göttlichen
allein seligmachenden Warheit nicht kommen währe / welche nunmehr mein Herz in
dem Vertraue zu Gott dermassen fest geankert hat / dass alles ubrige / wie hoch
es von der Welt mag gehalten sein / mich nur wie ein unflätiger Koht anstinket.
Nicht sage ich dieses / ob verachtete ich Gottes zeitliche Gaben / die er mir in
kurzer Zeit häuffiger als einigem Menschen mag mitgeteilet haben / und ich /
wann ein mächtiges Königreich zu kauffe währe / solches mit Golde wohl an mich
bringen könnte / nachdem meines geträuen Bruders / Königes Ladisla / und meine
Gelder fast nicht zuzählen sind / als die nach Silberwerd angeschlagen / an die
70000 Zentner oder Hundert schwehr sich belauffen; zugeschweigen aller
zeitlichen Ehre und Herschaft / die mir unwirdigen im Partischen / Persischen
und Römischen Reiche aufgetragen sind / und zum teil fast auffgedrungen werden
wollen. Noch wollte ich solches alles verfluchen / und als einen Wust in des
Meeres Abgrund versenken / wann ich das allergeringste der zur Seligkeit
notwendigen himlischen Erkenntnis davor entrahten sollte. Mir zweifelt nicht / Gn.
Fr. Mutter / diese meine Reden dünken euch kindisch / ja lächerrlich sein; und
zwar eben so ist mirs anfangs mit meinem Bruder Ladisla auch gangen / dass er
mich vor einen aberwitzigen Menschen hielt / welches ihn sider dess oft gereuet
hat /aber es dazumahl nicht endern kunte; dann ehe Gottes Geist in des Menschen
Seele den Glauben wirket /hält er göttliche Weissheit vor ein kindisches
Affenwerk; und solches alles kömt von dem argen Menschen-Feinde dem leidigen
Teufel her / als der nicht leiden kann / dass dem Menschen das Licht der Erkenntnis
Gottes scheine / und dadurch sein schändliches Reich verstöret oder doch
verringert werde; wie er dann ein Hasser und Verleumder alles guten ist. Wo aber
die Furcht Gottes sich nur zuregen beginnet / so dass der Mensch gedenket und
nachsinnet / was doch nach diesem kurzen vergänglichen Leben sein werde /weil
unsere Seel nicht verschwindet / sondern ewig bleibet / dann ist er schon
bemühet / etwas zufassen /worauff er sich eigentlich verlassen / sein Gewissen
befriedigen / und sein künftiges höchstes Gut fest gründen und bauen möge /
weil doch in dieser Sterbligkeit nichts gewissers ist / als die Ungewissheit
unsers wolergehens; nichts beständigers / als des falschen Glückes
Unbeständigkeit. Diese Gedanken /herzliebe Fr. Mutter / haben in meinen
kindlichen Jahren mich oft angefochten und gereizet / auch in eurer Gegenwart
(wo ihrs euch erinnern könnet) zu wünschen / wie gerne ich wissen möchte / was
eigentlich Gott währe / wie er von uns wollte geehret sein /und womit er nach
diesem Leben die wahre Frömmigkeit beseligen wollte. Ein solches aber lehrete
mich weder Krodo noch die Irmen Seul / noch die vermeinte Göttin / die man zu
Magdeburg verehret. Fragete ich dann die Pfaffen darum / lacheten sie mich noch
darzu höhnisch aus; warumb ich durch die Wolken steigen / und in der himlischen
Götter geheimen Raht mich einmischen wollte; Ich sollte mich an ihren Gottesdienst
halten / dem Vaterlande gute Dienste leisten / und der Tugend mich befleissigen
/ dann würde mir nach diesem wohl sein / und könnte ich wohl gar dadurch erwerben /
dass ich dereins unter die Zahl der Götter auffgenommen würde; an welcher lezten
Rede ich ein Greuel hatte / und mit den ersten musste ich mich abspeisen lassen /
ohn dass wohl etliche hinzu setzeten /ich sollte mich der Fröligkeit dieses Lebens
gebrauchen / und mit guter Gesellschaft lustig und guter dinge sein. Andere; ich
sollte nur frei auff die Feinde der Teutschen Freiheit streiffen / und von der
eingehohleten Beute der Pfaffheit milde Opffer zukommen lassen / alsdann würde
ich eine hohe Stuhffe im Himmel erwerben; Und also ging ich unwitziger und
verwirreter von ihnen / als ich kommen wahr. Mein damahliger Römischer Lehrer
Tibullus / gab mir des Römischen Bürgemeisters Tullius / und anderer gelehrter
Heiden Schrifften von der Götter Wesen zulesen / in welchen ich gleichwol noch
etwas fand / aber in Warheit / nur ein Fünklein / welches unter der
Vemunft-Aschen ein wenig glimete und hervor blickete / und ich dannoch dadurch
auffgemuntert ward /den Sachen etwas fleissiger nachzudenken; sah und befand /
dz gewisslich ein Gott sein müste / der dieses grosse Rund erschaffen hätte / und
in unverrükter Ordnung / welche wir vor Augen sehen / erhielte /auch demnach
seine Herschaft ungleich weiter / als über das enge Teutschland reichen wurde.
Mein Bruder Ladisla wird sich erinnern können / wie oft ich mich gegen ihn
vernehmen lassen / dass weder Krodo /noch Irmen Seul derselbe Gott sein könnte /
welcher die Welt in ihrem Stande und Wesen erhält; und dass ichs vor einen
Unverstand hielte / dass man Gott unter so ungestalter Bildung schnitzen und
mahlen dürffte. Wie oft hat dieser mein Bruder / wann wir mit einander zur Luft
ausritten oder gingen / mich gefraget /worauff ich so emsig gedåchte / und was
ich so viel und oft hinauff sähe gen Himmel / dass ich alles Gesprächs drüber
vergässe; ich ihm aber allemahl zur Antwort gab: Ich betrachtete entweder der
Sonnen Wunderlauff / oder etwas anders am Himmel; wiewol alsdann meine Gedanken
sich immerzu nach dem mir unbekanten Gott richteten / und ihn herzlich
anfleheten / er wollte sich mir gnädig offenbahren / damit ich ihn erkennen / und
nach seinem Willen leben möchte /weil ich keinen Menschen zusuchen noch zufinden
wüste / von dem ich dessen könnte berichtet werden. Lieber Sohn / sagte hieselbst
die Grossfürstin / warumb aber stundestu so heftig nach solcher Erkenntnis und
Wissenschaft? Gn. Fr. Mutter / antwortete er; ich wahr dessen versichert / dass
unsere Seelen nicht umkommen / wann sie von dem Leibe durch den zeitlichen Tod
abgeschieden werden / sondern dass ihnen hernach von Gott also gelohnet werde /
wie mans in diesem Leben verdienet hat; sollte ich dañ nicht geflissen sein /
mich umb mein künftiges / das ewig wehret / mehr zubekümmern / als umb das
hiesige / dessen wir keine Stunde lang versichert sind? Nun sah ich aber / dass
ich meiner Seele nicht füglicher noch beständiger rahten könnte / als wann ich
des wahre Gottes Erkåntniss erlangete / unter dessen Gewalt wir alle sind; auff
dass ich hernach eigentlich lernete / was derselbe Gott von denen erfodert und
haben will /denen er das höchste Gut nach dieser Sterbligkeit gedenket
mitzuteilen. Zwar es bekümmern sich leider wenig Menschen umb dieses / aber mit
ihrem unaussprechlich grossem Schaden / welches sie in dieser Welt nicht
empfinden / aber es ihnen doch nicht aussebleiben wird. Nun auff mich selbst
wieder zukommen / ob ich gleich dazumahl des einigen wahren Gottes Erkenntnis
annoch nicht hatte / so erstrecketen sich dañoch so weit meine kräfftige
Nachsinnungen /dass demselben die Unfläterei / Unreinigkeit / Ungerechtigkeit und
Bosheit nicht gefallen könnte / weil er selbst das volkommenste Gut sein / und
nichts als gutes / das ist / Erbarkeit und Tugend / von uns Menschen begehren
müste; daher ich weiters schloss / es würde eine vergebliche Hoffnung sein / wann
man Gottes Zorn wider die Gottlosigkeit durch Opffer und der unvernünftigen
Tihre Blut versöhnen und stillen wollte / sondern es müste das bmse hinweg getahn
/und nach Ordnung der löblichen Gesetzen gestraffet werden / welches mich dañ
jensmahl bewägete / den frechen unzüchtigen Buben Ingevon / wiewol vor freier
Faust zufelten / wodurch ich schier in Lebensgefahr hätte gerahten dürffen. Ich
muss mich aber erinnern / was vor eine Erzählung meine Gn. Fr. Mutter vor dissmahl
von mir gewärtig ist / damit ich deren /und anderer anwesenden Geduld mich
zuhören / nicht missbrauche; welche ingesamt an mir ein Beispiel vor Augen haben
/ an dem die Barmherzigkeit GOttes so wunderlich und kråfftig hat wollen
erscheinen lassen /dass niemand von der Seligkeit solle ausgestossen werden / der
ihr herzlich nachtrachtet / und der allerhöchste GOTT sich keinem Menschen wolle
verbergen / der ihn von herzen zuerkennen begehret; dann ich bin dessen in
meinem Glauben versichert / Gott habe meine Seuffzen / die in meinem Heidentuhm
ich ihm zuschickete / gnädig erhöret / wiewol auff solche Weise / die ein
Unverständiger mehr vor eine Straffe /als vor eine Woltaht schätzen würde / und
ist doch meine allergröste Glükseligkeit gewesen / so mir jemahls begegnet ist /
und in dieser Welt begegnet kann; nehmlich / da ich im Böhmer Walde von den
Pannonischen Räubern gefangen / von Römischen Buschklöpfern ihnen wieder
abgenommen / und von ihnen in der Stad Rom vor einen Leibeigenen verkauffet
ward. O der glückseligen Leibeigenschaft! dann dieselbe hat mich nicht allein zu
der Erkäntnis Gottes fein geschikt gemacht / in dem sie den hohen Muht des
stolzen fleisches in mir gebrochen / und zur Demuht mich angehalten / sondern
mir auch anlass gegeben /meine Seuffzer je mehr und mehr nach Gott zu wenden /
welche auch nicht vergebens noch umbsonst vor der Himmelstühr angeklopffet
haben. So vernehmet nun / Fr. Mutter / was Gott an mir vor ein Wunder getahn hat
/ und erkennet daher seine Liebe damit er uns armen Sündern zugetahn ist. Ich
dienete dazumahl meinem Herrn zu Rom geträu und fleissig / mich schämend / dass
ich meinen elenden Zustand den lieben meinigen zuschreiben und offenbahren
sollte; dann ich gedachte / es würde mir schimpflich sein /wann ich nicht vor
mich selbst Mittel und Weise ergreiffen könnte / mich wieder in freien Stand zu
setzen; welches sich doch nach meinem Willen nicht fugen wollte. Ich hatte
anfangs einen harten Herrn / dessen Tochter bald darauff mir gar zugeneiget ward
/ und endlich sein Eheweib mich noch schlimmer liebete; ich aber baht den wahren
mir annoch unbekanten Gott / dass er mich vor aller Unzucht und Schande
gnädiglich bewahren / und mich wieder in mein Vaterland geleiten wollte. Als ich
nun einsmahls mit solchen Gedanken des Abends auf meinem schlechten Lager
einschlieff / kam mir in derselben Nacht dieses Gesichte im tieffen Schlaffe
vor; Ein kleiner schöner Engel Gottes trat vor mir / mit überaus freundlichen
Geberden / hatte in der rechten Hand einen offenen Brieff /an welchem ich diese
Worte lase; Gottes Erkäntnis geht über alles. In der Linken hatte er eine
kleine Ruhte / daran hing ein Brieflein mit dieser Schrifft: Diese züchtiget und
heilet. Als ich solches alles mit grosser herzensfreude (wie mich schlaffend
däuchte) ansah uñ betrachtete / redete der Engel mich also an: Mein Bruder /
Gottes erbarmung beut sich allen Menschen an / und wirket bei denen die ihn
suchen und seine Erkäntnis begehren; so mache dich nun früh mit dem Tage auff
die Strassen / da wirstu einen Mañ antreffen / welcher dir des Himmels Schlüssel
zeigen /und auff deine Bitte gerne mitteilen wird. Nach welcher Rede endigung /
däuchte mich / er in einen Winkel getreten / und unsichtbar worden währe. Bald
hernach stellete sich ein hesslicher ungestalter Teuffel vor mir / mit
feurspeiendem Rachen / und scheusslichen Geberden / ohn zweifel / den die
unwissende Teutschen unter dem nehmen Krodo verehren; derselb dräuete mir mit
einer grossen Keule / uñ liess sich zugleich vernehmen / dafern ich diesem
falschen und verführischen Bilde (so nennete er den Engel) folge leisten würde
sollte mit seiner Straffkeule ich Zeit meines lebens geschlagen werden. Er währe
derselbe wahre Gott / welcher bisdaher den Teutschen Königen und Fürsten wieder
alle ihre Feinde Schuz geleistet /und des Landes Freiheit erhalten håtte. Kaum
kunte er diese Dräuungen ausreden / da ging vorgedachter Engel auff ihn los mit
einem feurigen Schwert / vor welchen er sich im geringsten nicht schützen kunte
/sondern unter zitternder Furcht davon lauffen musste. Gleich hierüber erwachete
ich / hörete meine Pferde wrinschen und kratzen (dann ich schlieff im
Mahrstalle) empfand anfangs etwas grausen wegen des teuflischen Gespenstes /
aber bald darauff eine herzliche Freude / mich auff des Engels Trostund beistand
verlassend / daher ich des lieben tages mit grossem verlangen erwartete /
welcher kaum hervor ragete / da ich meine Kleider anlegete und mich auff die
Gassen hinaus machete / die eine ab / die andere auff ging / wie mirs vorkam /
der gewissen Hoffnung / Gott würde mir den durch seinen Engel verheissenen
Lehrer zuschicken; stund auch nicht lange an / dass ein alter und hagerer Mann /
ehrbahres ansehens mir auffsties /welcher unter einem langen Mantel ein zimlich
grosses Buch verborgen trug. Diesen grüssete ich freundlich / und fragete ihn /
was vor ein Buch das währe; dann der Mantel schlug ihm ohngefehr vorne auf / dz
ich dasselbe eigentlich sehen kunte. Er aber nach geschehenem Wiedergrusse
antwortete mir; Lieber Sohn / wer seid ihr / uñ warumb fraget ihr darnach? Ich
bin ein Leibeigener Knecht / antwortete ich / wie meine Kette ausweiset / und
durch blossen ungluksfal aus Fürstlichen Stand in dienstbarkeit gerahten; habe
sonst vor diesem auch meine Lehrer gehabt / und liesse mich noch gerne in allem
guten / sonderlich in göttlichen Sachen unterrichten / hoffe auch schier einen
solchen anzutreffen / der meinen Begierden / die nach der erkäntnis des wahren
Gottes streben / ein genügen tuhn werde; massen ich dessen versichert bin /dass /
wann ich nur dessen Erkäntnis haben möchte /wollte ich durch unablässiges Gebeht
schon bei demselben erlangen / dass ich aus der Knechtschaft wieder in freien
Stand gesetzet würde. Der alte sah mich an als in höchster verwunderung / weiss
nicht was ihm an mir gefallen möchte / und gab mir zur Antwort: Schönster ädler
jungling / ich halte euch in warheit mitten unter eurer knechtischen Kette vor
einen solchen / und wunsche euch des almächtigen wahren und einigen Gottes Gnade
zu eurem Gottseligen vorhaben / kann auch inbetrachtung eures äusserlichen wesens
/nicht gläuben / dass ihr aus Spot oder verachtung solches redet; darumb folget
mir unvermerket nach /dann dieses (auff sein Buch zeigend) ist des Himmels
Schlüssel / und die einige geöfnete Pforte zur heilsamen erkäntnis des wahren
Gottes / der allein Gott ist; dann alle Götter der Heiden sind falsche Götzen
/aber der HErr / der einige / ewige almächtige Gott hat den Himmel gemacht / und
uns denselben zum ewiglichen Sitze erworben. O mein lieber Vater / antwortete
ich; des Himmels Schlüssel ist mir hint diese Nacht im Gesichte verheissen / und
zweifele nicht / eben ihr seid derselbe / welcher ihn mir mitteilen soll. Der
Alte boht mir einen Kuss / und sagete: Lieber Sohn / nehmet von mir an den Kuss
des Friedes / uñ folget mir nach / der Himmels Schlüssel soll euch mitgeteilet
/und das Geheimnis der erkäntnis Gottes zur Seligekeit offenbahret werden. Ich
wahr hierzu gar willig / und liess mich von ihm in ein Haus führen / da wir
miteinander auff ein Gemach allein gingen / und er anfing mich zu unterrichten /
was zur erkäntnis des wahren Gottes zu wissen und gläuben nöhtig ist; und als
ich ihn fragete / woher ihm diese Wissenschaft und himlische Lehre kähme / davon
ich noch nie etwas gehöret / auch in andern Buchern nichts davon gelesen hätte
/sagte er: Dieses Buch / welches ihr bei mir auff der Gassen gesehen / hält
diese göttliche Weissheit in sich / und ist das aller älteste Buch und dz
allerheiligste auff der ganzen Welt / in welchem durchaus nichts falsches kann
gefunden werden / sintemahl es nicht aus Menschlichem Gehirn entsponnen /
sondern etlichen wenigen sehr heiligen Männern von Gott selbst eingeblasen ist /
auff dessen Befehl sie auch haben schreiben / und diese Lehre zu unser
unterrichtung und Seligkeit hinterlassen müssen / da zwar die Feinde der Warheit
allen Mensch- und möglichen fleiss angewendet / wie sie dieses Buch samt der
darinnen entaltenen Lehre möchten vertilgen und aufheben / ist ihnen aber
unmöglich gewesen / und wird ihnen wohl / so lange die Welt stehet / unmöglich
bleiben / nachdem unser Gott selbst uns die versicherte Zusage getahn hat / dass
weder Teuffel noch Menschen diese Lehre ausrotten / oder dieses Buch vertilgen
sollen. Hierauff fuhr er fort / mich in den ersten Häuptstücken der Christlichen
Lehre zu unterweisen / und vermahnete mich endlich / wañ ich des vorhabens währe
/ den wahren Gott aus der Christlichen Lehre zuerkennen /müste ich zugleich auch
den steiffen Vorsaz haben /die wahre ungefärbete Gotseligkeit in meinem ganzen
Leben fortzusetzen / aller Gottlosigkeit / Untugend /Unzucht / Völlerei / und
andern Lastern / wie sie nahmen haben möchten / mich zuentalten / und hingegen
die Warheit / Keuscheit / Gerechtigkeit / Versöhnligkeit / Geduld / Mässigkeit
und insgemein alle Zucht und Erbarkeit zu lieben und nach äusserstem vermögen zu
üben geflissen sein; insonderheit müste ich an der einmal erkannten Warheit fest
und beständig halten / und weder durch Wollust / noch Noht /weder durch Gefahr
noch Leiden / weder durch Lebensbegierde noch Todesfurcht mich davon abtreiben
lassen; welches da ichs ihm aus gutem Herzen versproche hatte / führete er mich
mit sich in die Christliche Versamlung / woselbst ein ander Lehrer aufftrat
/etliche Christliche geistreiche Gebehter ablase / und darauff etliche Worte aus
obgedachtem heiligen Buche / welches man die heilige Schrifft / oder Gottes Wort
nennet / erklärete; nachgehends die Anwesenden zur beständigkeit im Glauben /
zur Geduld / Gottesfurcht und frömmigkeit vermahnete / das Gebeht wiederumb zu
Gott hielt / und damit die Versamlung von einander gehen liess / ihnen daneben
vermeldend /welches Tages / und zu welcher Stunde die zusammenkunft zum Gebeht
uñ zur unterrichtung sollte wieder gehalten werden. Mein erster Lehrer aber
schenkete mir ein Gebeht- und Glaubens-Büchlein / welches man die Christliche
unterrichtung neñet / befahl mir /alle tage eine Stunde zu ihm zukomen / uñ
tröstete mich herzlich in meiner Leibeigenschaft / unterrichtete mich auch
täglich / und zeigete mir die unbewäglichen Grundfeste / auff welche diese Lehre
gebauet ist / und fest bestehet / dass die Pforten der Hellen selbst sie nicht
überwältigen noch erschüttern können / da ich dann in Erkenntnis dieses heilsamen
Glaubens wohl zunam / und dem frommen Lehrer zeit meines Lebens werde zudanken
habe. Ich gestehe auch gerne / dass bloss allein die Liebe zu dem Christentuhm
mich abgehalte hat / meinen lieben Eltern den Zustand meiner Knechtschaft
zuzuschreiben / weil ich mich gar zeitig fürchtete / man würde mir diesen
unbekanten Glauben in meinem Vaterlande schwerlich zulassen / wie ich dann
dessen gnug zu funde kommen bin; ja mein liebster und geträuester Ladisla selbst
durffte mir bedraulich gnug zuschreiben / wie er mich wegen meines Christentuhms
anklagen / und zum Wiederruff zwingen wollte; nachdem er aber sah / dass alles
vergebens wahr / geduldete er meinen Glauben / und ich seinen Unglauben / biss
ihn Gottes Barmherzigkeit erleuchtete / dass er seine nichtige falsche Götzen
fahren / seiner armen Seele rahten liess / und den wahren einigen Gott bekennete.
Also sehet ihr nun / Gn. Fr. Mutter /dass meine damahlige Leibeigenschaft /
welche die meinen vor einen sonderlichen Unfal und Straffe rechnen / mir
ungleich besser und heilsamer / als meine Freiheit und Fürsten Stand / ja als
mein zeitliches Leben gewesen sei / weil eben dieselbe mich an solchen Ort
gebracht hat / wo selbst mir die heilsame Lehre zur künftigen himlischen
Seligkeit hat können mitgeteilet werden / und hat mein Gott an mir erfüllet /
was ein grosser Christlicher Lehrer Paulus genant /an einem Orte schreibet / dass
denen / die Gott lieben /alle Dinge / dz ist / nicht nur die glücklichen /
sondern auch die wiederwertigen Dinge zum beste dienen müssen. Sehet / herzliebe
Fr. Mutter / also hat mein wunder-gnädiger Gott mich geführet / uñ sich über
mich erbarmet / welches mir doch der hellische Feind nicht gönnen wollen / der
sich durch seine Werkzeuge die leidigen Pfaffen bemühet hat / mich und meinen
heiligen Glauben bei meinen lieben Eltern in Verdacht zubringen / ob hatte ich
mich zu einem häuffen gottloser frecher Buben gesellet / welche nichts als
üppigkeit und Schande begehen / abscheuhliche Vermischungen / heimlichen Mord
und zäuberische Künste: reiben / die wahre Gotteit verachten / und mit kurzen
zusagen / die ärger als das tumme Vieh leben /und nit werd sein / dass sie der
Erdbodem trage und ernähre. Nun stelle ich euch aber diese meine Gesellschaft
dar / umb nachzusinnen / ob jemand unter ihnen allen sei (dann wir sind Gott Lob
/ alle eines Christlichen Glaubens) von dem ihr solchen gottlosen teuflischen
Sinn euch auch nur vermuhten köntet /und hoffe zu meinem Gott / er werde den
boshaftigen Pfaffen auff ihren Kopff vergelten / was sie mir zugerichtet / und
ihnen doch / Gott sei ewig Lob / nit hat gelingen müssen; dann ich vor mein
Häupt bin ganz nicht willens / mich im geringste an ihnen zurächen /weil ich dem
/ der über alles herschet / vorlängst schon alle Sache und Rache befohlen und
heimgestellet habe. Hierauf fing Baldrich an: Ja mein Herr Bruder; freilich hat
das teuflische Pfaffengeschmeiss alle Lügen-mittel hervor gesuchet / Eure Liebe
bei unsern geliebten Eltern schwarz und verhasst zumachen / und kenne ich die
Redlensführer sehr wohl / denen mit der Hülffe Gottes kann gelohnet werden. König
Ladisla mischete sich mit ein / und fing also an: Grossmächtigster GrossFürst /
Gn. Herr Vater; ich erinnere mich / was Gestalt ich der erste gewesen bin / der
Euer Liebe meines Herkules Christentuhm zuwissen gemacht / und seine Schreiben
von Rom übergeschicket / auch dazumahl grosses missfallen an solcher seiner
Enderung getragen; aber niemahls habe ich mir einbilden können / dass seine
Tugendhafte Seele einen solchen Glauben sollte angenommen haben / in welchem man
zu allen Lastern Freiheit suchete und fünde; dann ich bin seines Lebens und
Wandels bester Zeuge; so gedenke mein Herr Vater nicht / dass dieser sein Sohn /
den alle Welt liebt und ehret / deswegen nach seinem Vaterlande verlange
getragen hat /dass er dereins die Herschaft daselbst überkähme /wiewol er von
Gottes und Rechtswegen der billiche Erbe ist / dafern er überleben soll; sondern
bloss die Begierde seine Eltern zusehen / und deren Wolfahrt zusuchen / hat ihn
über Meer und Land gefuhret / da er sonst das trefflichste Fürstentuhm
Morgenlandes /nehmlich Susiana wohl besitzen möchte / in welchem mehr Goldgülden
/ als in Teutschland Pfennige zuheben sind / welches ihn auch so lange er lebet
/ vor seine Obrigkeit erkennen / und ihm jährlich und alle Jahr / drei Toñen
Goldes übermachen wird / ob er sich gleich dessen zuentbrechen / äusserste
Bemühung angewendet hat. Und wann gleich dieses nicht währe / so stehet ihm zu
Rom der gleichmässige Gewalt- und Ehren-Stuel neben dem Käyser schon fertig /
wann er sich nur darauff setzen wollte. In betrachtung dessen alles / wolle nun
mein Herr Vater den Unwillen gegen seinen Sohn gänzlich fallen lassen; da er
auch durch falsche Verleumdungen hintergangen ist / wird er mit Gottes Hülffe
erfahren / wann er meinem und der ganzen erbaren Welt Zeugnis nicht gläuben kann
/ was vor einen Sohn er allen fromen zum besten an diese Welt gezeuget hat. Der
GrossFürst hatte diese ganze Zeit uber sich des Königlichen Ansehens sehr
verwundert / welches Ladisla zuhalten wusste / hörete auch aus seinen ernstlichen
Reden / dass ihm sein Vorbringen von Herzen ging / und antwortete ihm also:
Grossmåchtigster König / geliebter Herr Sohn; es ist nicht ohn / dass mein
Vaterherz aus Missverstand meinem Sohn der Gebühr nicht begegnet ist / aber bloss
aus Furcht der Götter / deren Ehre ein jeder Mensch ihm billich låsset angelegen
sein / als lange er sie vor Götter achtet. Meinen Sohn habe ich nie vor einen
Freund der Laster gehalten / aber wohl dieselben / welche ihn zu dem neuen
Glauben verleitet / weil man mirs dazumahl einmühtig also vorgetragen hat / und
ich dessen nunmehr viel eines andern berichtet werde. Nun kann ich zwar den
begangenen Irtuhm nicht allerdinge entschuldigen / dann ich hätte der blossen
Anklage und Verleumdung nicht sollen alsbald Gehör geben / sondern der
Verantwortung erwarten; jedoch kann mein Fehler / wie ich meine / leicht
verbessert /und das unterlassene ersetzet werden. Vor dissmahl hat meine Seele
ihre völlige Vergnügung / dass der gütige Gott mir meine Söhne / Töchter und
Anverwanten auff einmal hat wollen zuschicken / von denen ich meinte / keinen
nimmermehr wieder zusehen; Insonderheit aber / und vor allen andern / bin Euer
Liebe ich hoch verpflichtet / dass dieselbe meinem lieben Sohn Herkules so
geträue Gesellschaft / und ein besser Herz / als seine Eltern selbst / hat
erzeigen wollen / werde mich auch äusserst bemühen / es nach allem Vermögen
zuersetzen. Nachdem es aber sehr späte ist / will mir nicht gebühren / Eure
Liebden ingesamt von der Ruhe noch länger auffzuhalten / in betrachtung / sie
heut in der Schlacht ihre volle Arbeit gehabt / und ich selbst deren in etlichen
Nachten sehr wenig genossen / ich auch nicht gläuben kann / dass in 24 Stunden
einiger Schlaff in ihre Augen kommen sei; überdas werden wir geliebts Gott
morgen zeitig gnug beide Hände vol zurahten und zuschaffen finden. Dem
Frauenzimmer wahr solche Erlassung nicht unangenehm / und begab sich ein jeder
nach seinem Schlaffzelte / die Ruhe einzunehmen / wiewol die GrossFürstin ihrer
lieben Tochter wegen die ganze Nacht schlafloss blieb / und ihrer Trähnen nicht
schonete.
    Inzwischen lag dieses Fräulein mit ihrem lieben Fürsten auff dem Häu in
grosser Herzens Angst / und hätte ohn Zweiffel vergehen müssen / wann der
verliebte und nunmehr zimlich befriedigte Arbianes sie nicht mit allerhand
TrostReden gestärket hätte. Dann die aus geschikten Reuter gingen schier die
ganze Nacht / und kahmen vier unterschiedliche Hauffen an / da einer in der Güte
/ der ander mit pochen wissen wollte / ob nicht die in Himmelblau gekleidete
Jungfer des weges hergeführet währe / aber von Wolffgang alle einerlei Bescheid
bekahmen / worüber dem lieben Fräulein der Schlaff bald verging / dass sie zu
Arbianes sagete; ach mein teurer Schatz / hülffen uns doch die Götter nur aus
dieser Gefahr / alsdann wollte ich an weiterem glücklichen Verfolg nicht gross
zweiffeln. Hingegen stellete er sich geherzt und baht sehr /sie möchte ihr doch
gefallen lassen / ein stündichen oder etliche zuschlaffen / damit sie durch
Müdigkeit an der künftigen Reise nicht verhindert würde; worin sie ihm endlich
gehorchete / legete sich neben ihn /wickelte die Kleider fest um sich / und
schlieff immerhin biss an den lichten morge. Ehe dañ der Tag anbrach / trat
Wolfgang zu Arbianes / und sagete in aller stille zu ihm; er fürchtete sehr /
die Jungefrau würde in ihren schönen Kleidern schwerlich durchkommen / es
liessen sich im Felde hin und wieder zustreuete Völker ohn Waffen sehen / als ob
sie flüchtig währen / welche dann der Beute am meisten pflegeten nachzutrachten
/ daher hielte sein alter Vetter vor rahtsam / dass er Pferd und Harnisch nach
der Stad brächte / und daselbst schlechte Bürger Kleider entlehnete / in welchen
sie den geringen Weg zu Fusse gingen / welcher in andertalb Stunden wohl könnte
geendiget werden; wurden demnach diesen Tag sich alhier auffhalten müssen / biss
gegen Abend / dann wollte er sie im langen Korn biss vor die Stad bringen /da sie
nach-gehends keine Gefahr mehr zufurchten hätten. Arbianes lies ihm den
Vorschlag wolgefallen /reichete ihm 20 Kronen / davon er alte Kleider und gute
frische Speisen bezahlen sollte / und legete sich noch eine Stunde schlaffen /
biss die Sonne am klaren Himmel schiene / und durch den offenen Giebel ihre
Strahlen auff sie warff / wodurch ihm der Schlaff gebrochen ward / dass er sich
recht gegen sein Fräulein übersetzete / und die volkomene Schönheit ihres
Angesichts betrachtete / dessen er so eigentlich noch nicht wahr genomen hatte.
Das Brustbildichen stellete er neben sie / umb zu erforschen / ob es eigentlich
getroffe währe / da er als ein Kunstverständiger eine zimlichen Mangel befand /
dann die lebendige Farbe ihres zarten Angesichts wahr ungleich schöner als des
Gemäldes / dass er endlich anfing: O du allerschönstes Engelchen / ist dann nur
Böhmen und Teutschland so glukselig / die volkommene Zier hervor zubringen / so
muss ich ja billich von den glückseligsten mich mit rechnen dass ich in Teutschland
kommen / und so hohe Gunst und Liebe bei diesem wunderschönen Fräulein erhalten
habe. Das Fräulein erwachete / da er diese Rede anhuhb / stellete sich doch als
schlieffe sie / um zuvernehmen / was vor eine Endschaft er seinem Wunsche geben
würde; da er also fort fuhr: O mein Gott / wie soll ich doch der
unvergleichlichen GrossFürstin Valiska gnug danken / dass sie mein Herz
auffgemuntert / und die Kühnheit in mich gebracht hat / um dieses allerschönste
Tugend ergebene fromme Fräulein zuwerbe / der ich mir sonst vorgenommen hatte /
mich in meiner verborgenen Gluht selber zuverzehren / und dieses Gemälde /
welches doch den tausendsten Teil an ihre Schönheit nicht reichet / Zeit meines
wenigen übrigen Lebens zuverehren. O aller liebreichstes Fräulein / wann wird
die höchst gewünschete Stunde erscheinen / da an dieser volkommenen Schönheit /
nach so langen unausssprechlichen Liebes Schmerzen / in züchtiger ehelicher Liebe
und vergnügung ich mich ersättigen werde? er wollte weiter reden / aber das
Fräulein / welche ohn das sehr mitleidig wahr / kunte ihm ohn Bewägung länger
nicht zuhören; so hatte sie auch ihren lieben Fürsten noch nicht recht beschauet
/ wie er ungeharnischt von Leibe und Angesicht eigentlich gestaltet währe /
schlug deswegen ihre klare Augelein auff / und empfand wegen getahner ehelichen
Zusage nicht geringe Schahm im Herzen. Als sie ihn nun in seiner dünnen Kleidung
vor sich in den Knien sitzen / und das Gemählde in der Hand halten sah /
richtete sie sich auff / dass sie gegen ihn zusitzen kam / und nach Wünschung
eines frölichen morgens rühmete sie / wie sanft und wohl sie nach aussgestandenem
Schrecken auff diesem Häu geschlaffen hätte / auch sonsten sich sehr wohl befünde
Aber mein Hochwerter Fürst / sagte sie mit einem freundlichen Anblik / hat auch
Eure Liebe etwas Ruhe gehabt? ach in was grosse Sorge / Angst und Gefahr ist er
doch meint  wegen gerahten / da sonst / wann ich nicht währe / er in seinem
trefflichen Grossfürstentuhm wohl ruhig und sicher sitze / und aller zulässigen
Wollust geniessen möchte. Hierauff setzete er sich zu ihr an die Seite / umfing
sie mit inniglichen küssen / dass sie ihm einzureden nicht umhin kunte / hernach
antwortete er ihr also: O Sonne aller Schönheit / O einiger Glanz und wärmender
Strahl meiner Seele! schätzet mein Fräulein mich diese Stunde vor unglückselig /
in welcher ich der allergrössesten Wollust genossen / und das volkommene Meister
Stük des gütigen Himmels / an der Vortreffligkeit ihres wunderschönen Angesichts
betrachtet habe? Mein Seelen Schätzchen / gläubet mir / dass mein Herz in
grösserer Freude niemals geschwebet hat. Mein Fräulein / ihr / ihr seid mein
Grossfurstentuhm; ihr seid meine sichere Wollust / und die einzige Ruhe aller
meiner auffwallenden Gedanken / ohn welche nach diesem ich keine Stunde werde
ruhen können. Ja hette der Himmel Eure Liebe gleich im nidrigen Baure Stande
lassen geboren werden / und nur dieses Hütlein ihr eigentuhm wäre / wollte ich
mein Medisches GrossFürstentuhm gerne damit vertauschen /und mich zum Haussknechte
hieher vermieten / nur dass ich der allerdurchdringendesten Strahlen dieser
voll-schönen Augelein (die Er zugleich kussete) in meiner Seele empfinden / und
gegenwärtig geniessen möchte. Die innigliche Liebe wollte ihm nicht mehr worte
gönnen / sondern er sass als ein gehauenes Bilde mit unverwendeten Augen / dem
allerschönsten Angesichte seiner Herzgeliebeten Fräulein gerade entgegen;
wodurch das keusche fromme Herz durch mitleiden der Gestalt bewogen ward / dass
sie selbst wünschete / schon bei ihren Eltern zusein / damit sie seine Seele in
keuscher ehelicher Liebe völlig befriedigen könnte; vor dissmahl aber boht sie ihm
einen züchtigen Kuss / legte ihr Häupt an seines / streich ihn mit der zarten
Hand über seine Augen und Angesicht her / und sagete; ihr mein
ehren-höchstgeliebeter Fürst und Erretter / was finden doch eure Augen an mir
sonderliches / welches eine solche unerhörete Liebe in eurem Hochfürstlichen
Herzen erwecken sollte / dass ihr um meint  Willen den Grossfürstlichen Stand
verlassen / und in bäurischer Knechtschaft euch zubegeben einwilligen woltet?
vielleicht hat Libussa Euer Liebe etwas von mir erzählet / welches sich doch im
wenigsten bei mir nicht finden lässet; es sei aber wie ihm wolle / so befinde
ich mich nicht allein unwirdig solcher gar zugrosser Liebe / sondern auch hart
verpflichtet / dieselbe nach äusserstem vermöge mit allem Gehorsam / und was
meinem Fürsten kann behäglich sein / zuersetzen / dessen ich auch / sobald wir
bei den lieben meinigen ankommen werden /mich in keinem begehreten und mir
zuleisten möglichen Stücke entbrechen will. Arbianes hatte sich wieder erhohlet /
zog das Fräulein auff seine Schoss / und betrachtete ihr Angesicht mit
sonderlicher Anmuht; hernach erinnerte er sich ihrer Reden / dass sie sich vor
unwirdig so grosser Liebe gescholten hätte / und beantwortete es folgender
Gestalt / in dem er sie immer steiff ansah; O du unvergleichlicher Pracht aller
Schönheit / sagete er; ja du volkommenes Muster der jungfräulichen Tugend und
Wirden; könnet ihr beide zugleich der Zungen es so gar ungestraffet hingegen
lassen / dass sie sich an euch so hoch vergreiffet / und eure Werdigkeit in
zweifel zihen darf? mein löbliches und liebliches Seelichen / höret auff / euch
selbst zuverachten und gebet nicht Ursach / dass ich etwas an euch hassen sollte /
welches mir doch unmöglich ist / gläubets bei meinem äide / dass es meinem Herzen
lauter tödliche Stiche sind / wann ich solches anzuhören gezwungen werde / dass
ihr unbarmherziger Mund wider die herrliche Volkommenheiten wütet; lasset / bitte
ich / die Warheit meiner Reden frei gehen / und tadelt nicht / was Gott selbst
über andere weit erhoben hat. Was sollte mir Libussa vorgeschwätzet haben? zwar
ich lasse sie in ihren Wirden /als eine adeliche verständige Frau / aber von
meiner Liebe hat ausser meiner Fr. Schwester kein einiger Mensch ein Wort aus
meinem Munde gehöret / auch GrossFürst Herkules selber nicht. Ach mein teurer
Fürst / antwortete sie; eben als wann auff diesem unachtsahmen Häu ich mich von
ihm zu solchem Stolze würde auffblasen lassen / dass ich mich wirdig schätzete /
um deret Willen wohl Grossfürstliche Herren zu Bauer Knechten gedeien sollten;
nimmermehr wird mein Schaz ein solches bei mir erhalten / ungeachtet ich mich
schon zu allem möglichen Gehorsam / wie billich / verbunden habe; dann ein
solches würde mich unwirdiger machen / als kein Ding in der Welt; aber wie mein
Fürst; werden wir uns nicht schier zur Reise fertig machen / oder müssen wir den
starken Grase Geruch uns noch heut den ganzen Tag unser Häupter füllen lassen?
Arbianes erzählete ihr was gestalt sie vor abends wegen Unsicherheit nit
auffbrechen dürften / würden auch ihre Kleider mit burgerlicher schlechter
Tracht verwechseln müssen / damit sie ohn angefochten in die Stad kähmen. Ach
ach! antwortete sie / es währe alles wohl angelegt / wann nur meine wenige
Schönheit / wie geringe sie auch ist /mich nicht verrahten möchte dass ich etwas
mehr als Bürger-Standes bin. Darauff habe ich mich bei Zeiten geschikt / sagte
er / und mit einem Kunstpulver mich versehen / damit ich mein Fräulein
unkäntlich gnug machen / und der Farbe nach / sie wie ein hessliches
Bauern-Mägdlein zurichten will / dass ihre Eltern selbst sie nicht kennen sollen;
nur scheue ich mich /ihrer aussbündigen Schönheit diesen Schimpf anzulegen / und
möchte die Sonne am Himmel selbst auff mich zürnen / dass ich ihr das anschauen
eurer trefflichen Zierde / durch diesen Nebel entzihen wollte. Ach nein ach nein
mein Fürst / antwortete sie / wie würde ich ihm hernähst in solcher hesslichen
Gestalt gefallen können? hat Eure Liebe eine zimliche vergnügung an meiner
wenigen Schönheit / so beraube er mich derselben nicht / es sei dann dass die
unvermeidliche Noht es erfodern würde. Der Furst merkete ihren Irtuhm / und
sagete; sollte ich ihrer Schönheit Abbruch zutuhn mich unterstehen können? ehe
müste meines Lebens Fadem selbst gebrochen werden. O nein nein mein Fräulein /
diese Meinung hat es durchaus nicht; sondern mein Pulver streichet ihr eine
hessliche Farbe zwar an / aber die ich / wann michs geliebt / abwischen und
vertreiben kann. Ey das währe ein gutes mittel durchzukommen / antwortete sie /
dass wir aber die lange Zeit vertreiben mögen / so wolle mein Fürst / bitte ich /
mir unbeschweret erzählen /wie mein lieber Bruder Baldrich zu so schleuniger
Heirat kommen sei / und was vor ein Fräulein er gefreiet / dann ich erinnere
mich / dass er gestriges Tages seiner Gemahl gedacht hat. Arbianes wahr ihr
hierin gerne zugefallen / wiederhohlete alle begebnissen zu Padua / und mischete
zugleich Siegwards Heirat ein; wodurch sie die Zeit biss an den Mittag
verzehreten / da Wolffgang wiederkam / gute Speise und Trank in einem Trage
Korbe neben alter Kleidung herzubrachte / auch dabei berichtete / es streiffeten
hin und wieder Wendische und Friesische Reuter /mehrenteils hart verwundet /
welche einhellige Zeitung brächten / die Sachsen und Böhme hätten ihr ganzes
Heer erleget und den alten Wendischen Fürsten im Streite lebendig gefangen / dass
zubefürchten stünde / es würde ganz Friessland und andere einverleibete
Landschaften in ihre Gewalt gerahten. Ey Gott Lob / sagete das Fräulein / so
wird der gottlose Räuber zweifels ohn mit dem Halse bezahlen müssen. Schwerlich
kann ich solches gläuben / antwortete Arbianes / wofern er sonst nur demütig sein
/ und zum Kreuz kriechen kann; dann GrossFürst Herkules und sein Gemahl sind viel
zu barmherzig / und ihren ärgesten Feinden zuvergehen so willig / als bosshaftig
jene immer sein mögen / sie zubeleidige / dessen ich so mannichen Beweis mit
meinen Augen angesehen /dass jederman sich uber solche Gelindigkeit zum höchsten
verwundern muss. Ey so wünsche ich dem verwägenen Menschendiebe ein
auffgeblasenes trotziges Herz / sagte sie / dass er nicht ungestrafft uñ mit dem
Leben davon komme / er dürffte sonst dereins gelegenheit suchen / sein Schart
wieder auszuwetzen /und möchte der lezte Betrug wohl ärger werden als der erste.
Ich will nicht hoffen / antwortete er / dass wir uns dessen vor ihm werden
zubefürchten haben / dann zum wenigsten wird man ihm die Finger dergestalt
beschneiden / dass er des kratzens nicht mehr machen kann; nur möchte ich wohl
wissen / wie seines Sohns Tod ihm gefallen werde. Sehr lieb / sehr angenehm wird
ihm derselbe sein / antwortete sie; dann über einem Raub / der ihrer / dem
Himmel sei Dank / keinem bescheret wahr / entstund eine solche unversöhnliche
Feindschaft zwischen Vater und Sohn / dass wo meine Brüder und Freunde diese
scheidung nicht gemacht hätten / würden sie ausser allem Zweifel sich unter
einander auffgerieben haben / massen aus des Sohns Munde ich selbst gehöret / es
müste ihm sein Vater in der Liebe / oder durch den Tod weichen /oder aber er
wollte seinen Kopff dran strecken. Es verliess sich aber dieser auff der gemeinen
Kriegsknechte und der Häuptleute Gunst und Beistand / welche er als einen Mann
auff seine seite gebracht hatte; hingegen verfuhr der Vater mit Troz und
Verwägenheit /welcher / nach meines Herr Vaters Meinung / den Sohn in kurzer
frist mit eigener Faust erwürgen / oder durch einen Meuchelmörder es verrichten
würde. Ich vernehme / sagte Arbianes / der Sohn sei schon einmal mit meinem
Fräulein auff der Flucht gewesen /und wieder eingehohlet worden. Ja / antwortete
sie; so bald er auff der Reise verstund / dass sein Vater selbst willens währe /
mich zuheirahten / suchete er gelegenheit / mir solches zuoffenbahren / nebest
dem Vorschlage / dafern ich sein Gemahl mit gutem Willen werden wollte / hätte er
ein Mittel erdacht / mich davon zubringen; welches mein Vater mit einer
zweifelhaften Zusage beantwortete / und von ihm die äidliche Verheissung nam /
dass er mich / ehe wir ingesamt in völlige Freiheit gesetzet währen / nit
berühren wollte. Worauff er zwar mit mir davon ging / des Vorsatzes / mich in der
Römer Gebiet hinzuführen /aber er ward von seines Vaters Leuten zu fruh an
ausgekundschaffet / und zurück gehohlet. Wir werden uns aber vor dissmahl in
solchem Gespräch mässigen / uñ uns an die Speisen machen / weil es hohe Zeit ist
/ das Mittagsmahl einzunehmen. Er liess sich darzu leicht bereden / legte dem
Fräulein vor / und assen mit gutem Lust; Hernach setzeten sie allerhand
Unterredungen fort / biss es zeit wahr / sich zu der Reise oder Wanderschaft
fertig zumachen.
    Unsere Fürstliche Gesellschaft feirete desselben Tages auch nicht / dañ so
bald der Tag anbrach / ward zu allererst durch das ganze Lager ausgeruffen / dass
der GrossFürsten älterer Sohn / Fürst Herkules aus der Fremde wieder zu Lande
geschlagen / und bei der Furstlichen Versamlung sich befünde / währe eben der
ertichtete Persische Gesanter / Valikules / unter angenommener fremder Gestalt /
welcher die Schlachtordnung gestellet / die Völker an den Feind geführet / und
durch seine Tapferkeit die überwindung erhalten hätte; und ob dieser trefliche
Held gleich vor diesem bei seinem Herr Vater währe angetragen / als ob er einen
schändlichen Glauben angenommen / der Tugend abgesaget / und ein Feind aller
Erbarkeit / des Vaterlandes / und der Teutschen Freiheit worden währe / so hätte
doch sein H. Vater nunmehr das Wiederspiel gnugsam erfahren / und daher diesen
seinen lieben Sohn gerne und willig zu Gnaden auff und angenommen / welcher
hingegen sich gnug und übergnug verpflichtet / seine unverschuldete Verleumdung
/ als welche aus unwissenheit / und falschem Geschrei entstanden / an keinem
einigen Menschen zurächen / ungeachtet ihm sehr wohl bewust währe / dass ihrer gar
wenig Ursach und Schuld daran trügen / denen doch ohn Nachfrage sollte verzihen
und vergeben sein. Diesen Raht gab Herkules selbst /damit die anwesende Pfaffen
/ die sich bei dem Heer funden / keinen Auffstand seinetwegen erwecken und aus
furcht der Straffe uneinigkeit machen sollten. Das Heer / welches gleich umb
erläubnis zur Plunderung anhielt / erfreuete sich dieser Zeitung sehr /
insonderheit die gemeinen Knechte / als denen wohl bekant wahr / was gestalt
Herkules vor acht Jahren die Gewaltsamkeit etlicher ädlen von ihnen abgekehret /
und sie in gute Freiheit gesetzet hatte / stelleten ein grosses Freudengeschrei
an / Unser junge GrossFürst Herkules lebe; und begehreten untertähnig / dass er
sich ihnen zeigen möchte / als welchen sie vor ihren Erlöser hielten / und ihn
in langer Zeit nicht gesehen hätten. Er wahr hierzu willig / ritte neben seinem
H. Vater und Bruder Baldrich hinaus / da ihnen alle Völker entgegen jauchzeten /
er aber nach gegebenem Wink / dass er gerne von ihnen möchte gehöret sein /also
anfing: Ihr ädle und freie Teutschen alhie versamlet; was vor herzliche
Vergnügung ich an eurem guten Willen trage / kann ich mit Worten nicht
aussprechen; gläubet mir aber / als einem redlichen Ritter und gebohrnen
Teutschen Fürsten / dass ich nimmermehr unterlassen werde / vor das Vaterland und
die Teutsche wolher gebrachte / und bisher löblich erhaltene Freiheit / wieder
alle und jede Feinde / Römische und Unrömische zu fechten / und aller deren
Anfal und feindseligkeit abzutreiben / als lange ich einen warmen Blutstropffen
bei mir verspüre. Ich bin noch niemahls meines Vaterlandes oder der der
Teutschen Feind worden / dessen ich mein Gewissen / und denselben Gott zum
zeugen nehme / welcher Himmel und Erden beherschet; wie auch die wenig Teutschen
/ so mit mir aus den fremden Låndern wieder zu Hause angelanget / und sich unter
euch befinden / bezeugen werden. Darumb so bleibet auch ihr hinwiederumb
beständig / und eurem GrossFürsten / meinem Gn. Herr Vater / auch uns seinen
beiden Söhnen getråu /als angebohrnen Untertahnen in ihrer ungestöreten Freiheit
gebühret / und versichert euch / dass ihr an uns dreien habet / welche vor euer
Heil und Wolfahrt ihr Blut zuvergiessen / und ihr Leben in die Schanze
zuschlagen sich nimmer wegern werden. Der alte GrossFurst fing darauff an: Ihr
meine redliche auffrichtige Teutschen / und liebe geträue; in diesem Ritterzuge
habt ihr mir eurem GrossFürsten euer Herz dargelegt / und augenscheinlich sehen
lassen / wie fest ihr mir anhanget und zu meiner Rettung gefliessen gewesen seid
/ welches euch mit allen väterlichen Gnaden soll vergolten werden. Diesen meinen
Sohn Herkules hat mir der Himmel wieder zugeschikt / welchen ich frei und
unschuldig finde aller falschen und lügenhaftigen aufflagen / deren ihn etliche
haben zeihen wollen / welches weil es aus unverstand und unwissenheit geschehen
ist / soll ihnen nochmahls durchgehend verzihen sein; vor dissmahl geht hin die
Beute einzusamlen / welche ihr gestriges Tages durch eure sieghaften Fäuste habt
erstritten; inzwischen werden wir dasselbe abzuhandeln vornehmen / was zu unsers
Teutschen Reichs Wolfahrt / Ehre und Auffnahme dienet. Es erhub sich abermahl
ein grosses Freudengeschrei / welches sehr wüste durcheinander ging / und machte
das Heer sich darauff nach der Wahlstat / da sie mehr bei den Erschlagenen
funden / weder sie gehoffet hatten. Die gesamten Fürsten aber / denen Fr.
Valiska auff des alten GrossFursten begehren beiwohnen musste / hielten Raht / was
weiter würde vorzunehmen sein / da sie einhellig schlossen / man sollte gleich
mit dem Heer in Friessland gehen / sich aller feindtähtligkeit entalten / und
bei den Stånden des Landes vernehmen / ob sie sich gutwillig bequemen /und einen
von des GrossFursten Söhnen vor ihren König annehmen / oder des wolbefugeren
Kriegszwanges wollten gewärtig sein. Wurde das erste statt haben / alsdann sollten
des Landes schwere aufflagen alsobald und wirklich abgeschaffet / und alle
Inwohner ein ganzes Jahrlang aller gewöhnlichen Schatzung erlassen sein; ihre
Gerechtigkeiten sollten bestätiget /die Zölle geringert / die Frohndienste aus
leidlichste gemässiget / uñ alles in den uhralten Stand gesetzet werden. Im
wiedrigen würden ihre Dörffer verbrennet / ihre Städte verstöret / ihre Güter
geraubet / die Weibsbilder geschändet / sie selber in harte Dienstbarkeit
hinweggeführet / und das Land mit neuen Inwohnern besetzet werden / weil ohn
alle gegebene Ursach / sie den mit ihrem lezten Könige auffgerichteten Frieden
gebrochen / indem sie mit dem Wendischen Erzräuber ihre Macht zusammen gesetzet
zu / nicht allein der schåndlichen Entfuhrung / sondern auch der Schlacht
beigewohnt / und alle feindliche bezeigung vorgenommen hätten. Nach gemachtem
diesen Schlusse ward umbgefraget / was mit dem gottlosen Råuber Krito wurde
vorzunehmen sein; da Herkules vor gut ansah / dz der Bube Niklot allererst
vorgenomen / und nach befindung gestraffet würde / welches in des alten
GrossFursten abwesenheit geschahe / als welcher ihn seines ausschauens nicht
wirdigen wollte. Als derselbe vor dieses Hochfürstliche Gericht gestellet werden
sollte / begehrete er zuvor vergünstigung /mit seinem gefangene Fürsten zu reden
/ welches alle Fürsten ihm zu wegern willens wahren / ohn dass Ladisla riet / man
könnte ihm solches gönnen / jedoch dass es in Leches und Prinsla gegenwart
geschehen sollte. So bald Niklot zu seinem Fürsten nahete / empfing derselbe ihn
also: Sihe da mein lieber geträuer /sind wir also beiderseits unter der Feinde
Ketten und Banden gerahten? es ist mir sehr lieb / dass du zu mir komst / nach
dem ich ein und anders in diesem Unfal mit dir zubereden habe; ihr beiden aber /
sagte er zu Leches und Prinsla / tretet mit der ubrigen Wache etwas ab / damit
ich diesem meinen Geträuen anzeigen möge / was meinetwegen eurem GrossFürsten soll
vorgetragen werden. Wir sind unter des gefangenen Wendischen Fürsten gehorsam
nicht / sagte Leches /sondern bereit und schuldig unsern gnädigsten Herren
zugebohte zustehen / deren ausdruklicher befehl ist /dass wann sie miteinander
reden wollen / solches laut /und in unser gegenwart geschehen solle. Wil man mir
verbieten / mit meinen Leuten zu reden? sagte Krito /dass würde ein ungütlicher
handel sein. Fürst Krito hat keine Leute mehr / antwortete Leches / sondern sie
sind unter des Teutschen GrossFürste Gewalt; so haben wir uns darüber nicht
zuzanken; befahl auch den Steckenknechten / mit Niklot wieder davon zugehen.
Welcher aber also anfing: Mein Herr / sagte er zu Leches / gönnet mir zuvor ein
Wort mit meinem Gn. Fürsten zu reden / wie mir solches von euren Gnn. Fürsten
erläubet ist. Wendete sich hernach zu Krito / und sagete: Gn. Fürst uñ Herr /
eure Hochfürstl. Durchl. weiss uñ sihet / wie unglücklich unser Anschlag gerahten
ist / in welchem ich mich als ein geträuer und gehorsamer Diener habe lassen
gebrauchen / und nichts über Befehl getahn / fürchte aber sehr / man werde
solches nicht ansehen / sondern allerhand Ursachen / mich hart zustraffen /
hervorsuchen; doch helffen die Götter / dass Eure Hoch-Fürstl. Durchl. einen
guten und ehrlichen Vergleich erhalten mögen / alsdann will ich mit Freuden vor
ihre Wolfahrt sterben. Mein Kerl / sagte Leches / ob du würdest sterben müssen /
wird solches gewisslich nicht vor eines andern Wolfahrt / sondern wegen deines
befindlichen Verbrechens geschehen / würde euch auch beiderseits die Demuht und
Anruffung der Gnade viel zuträglicher sein / als solcher Stolz und eigene
Rechtfertigung. Als auch Leches des Wendischen Fürsten weiteres Grosssprechen
nicht anhören wollte / eilete er mit Niklot davon / welcher als er vor die
Versamlung der Fürsten trat / fragete er ohn einige Ehrerbietung /ob sich
geziemete / einen redlichen gefangenen Ritter und freien Herren des ädlen
Wendischen Volkes mit Hundes Ketten zubelegen. Worauff Ladisla ihm antwortete:
Du stolzer und verwägener Tropff wirst ohn mein erinnern wissen / dass du deine
wolverdienete Ketten nicht als ein Ritter / oder freier Herr / wie du dich
nennest / sondern als ein gefangener Räuber /Menschendieb / und Beleidiger eines
grossen freien Fürsten trägest. Hastu nun etwas einzuwenden / welches dich von
solcher kurzen aber sehr harten Anklage frei machen kann / wird man dir mehr
Gnade erzeigen / als du gedenken magst. Ein Diener / antwortete Niklot / wann
derselbe tuht und verrichtet / was seine höchste Obrigkeit ihm aufleget und
anbefihlet / soll und muss wegen seines Gehorsams vielmehr gerühmet / als
gescholten werden / woher wird man dann ursach finden köñen / ihn zustraffen?
Wann ein Diener auff seines Herrn Befehl etwas gutes und löbliches verrichtet /
wiederantwortete Ladisla / ist es lobens wert; aber die Bosheit und übeltaht muss
so wohl an dem Knechte / der sie verrichten hilfft / als an dem Herrn /der sie
anstifftet / gestraffet werden; wiewol man sich hieruber mit dir einzulassen
nicht gesinnet ist / sondern weil du nicht leugnen kanst / was vor grosse und
unverschämte Beschimpfung du nichtwerter Tropf dem Grossmächtigsten herschenden
GrossFürsten der Teutschen durch Verräterei / Meinäid / und schändliche
eigentähtliche Beleidigung angetahn hast / soltu einen kurzen Abtrit nehmen /
und deiner wolverdienten rechtmässigen Urtel gewärtig sein. Er wollte in seiner
Grosspralerei fortfahren / fing auch schon also an: Ein redlicher Diener ist
seinem Herrn gehorsam wider alle seine Feinde und Beleidiger; und weil der
Sachsen GrossFürst sich als einen solchen / durch Unwerdhaltung der Heirat mit
seiner Fräulein Tochter / gegen meinen mächtigen Fürsten. Aber es ward ihm alhie
gebohten zuschweigen / und mussten die Häscher mit ihm hinweg eilen / da dieser
Bube noch wohl über Gewalt / und Gehörs Verwegerung sich beschweren durffte. Die
Fürsten fasseten eine geschwinde Urtel in die Feder / gingen davon / und
hinterliessen Neda / dieselbe dem gefangenen vorzulesen / und ohn Verzug / auch
ungeachtet alles einwendens /selbe an ihm zuvolstrecken; Welcher dann den
gefangenen vor sich foderte / und ihm diesen Todes Spruch vortrug: Demnach des
Wendischen Fürsten Kriegs Bedieneter / Nahmens Niklot / nicht allein freiwillig
gestehet / sondern es noch als eine lobwirdige Tahtrühmet / dass er den
herschenden GrossFürsten aus Teutschland durch falschen äidschwuhr von seinem
Schloss gelocket / und wider versprochene Träue / nebest seinem Gemahl und Frl.
Tochter / nicht ohn spötliche Verhönung gefänglich angenommen /auch seine Diener
mördlich erschlagen / und man überdas gnugsame Nachricht hat / dass er solches
unredliche Vorhaben nicht allein gut geheissen / sondern es seinem Fürsten
selbst an die Hand gegeben / und dessen alles ungeachtet gar keine Demuht und
Reue erscheinen lassen / noch einige Gnade begehret / Als soll ihm auch das
gestränge Recht ohn Gnade wiederfahren / und sein hohes Räuberisches und
Menschendiebisches Verbrechen dergestalt eingebracht werden /dass man ihn zwanzig
Schrit von dieser Gerichtsstelle nach dem Lager zu / lebendig spiessen soll / und
solches von Rechtswegen / andern dergleichen gottlosen Buben zum Beispiel / uñ
ihm selbst zur wolverdienten Straffe. Der Räuber entsetzete sich über dieser
Urtel / dass er zitterte und bebete / dann er hatte ihm nicht einbilden können /
dass ihm ein hårteres als das Richt Schwert dürffte angemuhtet werden. Zwar er
wollte nunmehr anfahen sich zustellen / als währe ihm sein Verbrechen leid / und
hielt umb Gnade an / aber es wahr zu spåht / dann Neda wahr mit Leches und
Prinsla schon davon gangen / und seumeten die Henkers Buben nicht / die Urtel
zuvolstrecken / da sie ihm anfangs die Hände auff den Rücken bunden / ihn oben
auff den spitzige Pfahl setzeten / und ihn darauff zogen / dass die Spitze ihm
zur rechten Schulder ausging / und er etliche Stunden lang unsäglichen Jammer
trieb. Unterdessen berahtfragete sich unsere Fürstliche Gesellschaft / mit was
vor Straffe der Verrähter Krito sollte beleget werden / da von König Ladisla an /
welcher seine Meinung zuerst sage musste /biss an den alten GrossFürsten / welcher
ihm den Schluss vorbehielt / alle Stimmen dahin gingen / es sollte / könnte und
müste das grobe Verbrechen nicht gelinder als mit dem Leben gebusset werden;
womit der GrossFurst einig wahr / und dabei anzeigete / wie er willens währe /
diesen Menschendieb mit sich nach Teutschland gefangen zuführen / und ihn auf
der Stelle enchäupte zulassen / woselbst er den verrähterischen Raub begangen
hatte. Welches alle anwesende in des GrossFürsten freien Willen stelleten /ohn
allein Valiska hielt solches nicht vor rahtsam /und brachte dagegen dieses vor:
Gnädigster Herr Vater; ich bin zu jung und unverständig / Eurer Gn. Willen und
Vortrag zutadeln oder zuverbessern / erinnere mich auch meines weiblichen
Geschlechtes / dass mir nicht geziemen will / in dergleichen Gerichtligkeiten mich
einzumengen; aber eure väterliche Gewogenheit gegen mich / gibt mir die Kühnheit
/ meinem Herr Vater dieses zubedenken vorzustellen; obs nicht vorträglicher sein
würde / dass der boshafte Räuber vor unserm Auffbruche seinen Lohn empfinge;
dann also würden die Land Stände dieses Reichs nicht vorzuschützen haben / ihr
Reichs-Verwalter / dem sie mit äid und Pflichten verbunden / lebete noch / und
ob er gleich gefangen währe / hätte man doch Hoffnung zu seiner Erledigung /
welches die Handelung gewaltig auffzihen und hinterhalten / und wohl ursach zu
allerhand Ungelegenheit geben dürffte. Ja wie bald könten sich etliche zusammen
rotten / einen sonderlichen Dank / nicht allein bei ihm / sondern auch bei dem
Dänischen Könige seinem Schwager zuverdiene / als welcher schon damit schwanger
geht seinem Sohn dieses Königreich / nicht ohn Nachteil und Gefahr des
Teutschen Reichs / in die Hand zuspielen / wie er darzu vermeint nicht wenig
ursach und recht zuhaben / nachdem der ohn Leibes Erben verstorbene König seiner
Schwester Sohn gewesen. Ich geschweige / dass es von allentalben her an
Vorschrifften / den Räuber zubegnaden / nicht ermangeln wird / denen man oft /
wie ungerne auch / weichen muss. Hingegen / wann er kalt ist / bricht sich
solches fast alles auff einmal; Die Untertahnen / als von ihrem äide hiedurch
entlediget / werden unsere Macht scheuhen /und vor unsern Waffen sich
demühtigen; ja vielleicht der Dänische junge Fürst selber / als ein berümter
friedliebender und gerechter Herr / dürffte seine Festung / darinnen er sich
auffhält / in der Gute abtreten / nach dem man ihm vielleicht da es eurem
väterlichen Willen also gefiele / mit dem Wendischen Fürstentuhm an die Hand
gehen könnte. Der GrossFürst verwunderte sich zum höchsten ihrer vernunftreichen
Anführungen / umfing sie mit einem Kusse / und gab zur Antwort: Meine
herzgeliebete Fr. Tochter hat recht und wohl geurteilet / und kann ich mir solches
sehr wohl gefallen lassen. Ward demnach Prinsla abgefertiget / nachdem Niklot
eine gute halbe stunde zuvor gespiesset war / de gefangene Krito diese Urtel
mündlich vorzutrage: Nachdem er Krito der Wenden Fürst sich sehr wohl eriñern
würde / und durchaus nit leugne könnte / wie unredlicher / verrähterischer uñ
räuberischer weise er den Grossmächtigsten GrossFürsten /samt seinem Königl.
Gemahl und Frl. Tochter / unabgesaget / und unter dem schein einer freundlichen
Beredung / durch seine meinäidige Niklot hintergange /gefange genomen / uñ aus
seinem eigene Reiche hinweg geschleppet / auch sonst allerhand unverantwortliche
Händel vorgenommen / die keinem ehrliebenden Menschen / geschweige einem Fürsten
und Königlichen Vorsteher zustunden / so hätte er sich dadurch nicht allein der
Königlichen Verwaltung dieses Friesischen Reichs / sondern auch feines eigenen
Wendischen Fürstentuhms / ja seines Leib und Lebens verlustig gemacht; sollte
demnach auff ernstlichen Befehl des grossmächtigsten Grossfursten der Teutschen
/Herre Henrichs / und Beltebung des auch Grossmåchtigsten Königes aus Böhmen /
Herren Ladisla / dann auch der beiden Durchleuchtigsten Grossfürstlichen Herren
als Herrn Herkules und Hern Baldrichs / und endlich des auch Durchleuchtigsten
Königlichen Schwedischen Fürsten Siegwards / sich zum willigen Tode gefasset
halten / und nicht unerschrockener zur empfahung der Straffe sein / als verwägen
er gewesen / solche zuverdienen / wie dann nach Endigung einer Stunde er durch
des Nachrichters Hand als ein gewaltähtiger Strassen Räuber und Menschen Dieb
vom Leben zum Tode mit dem Schwerte sollte hingerichtet werden. Der Furst
erschrak der gesträngen Urtel heftig / machte aber doch ihm Hoffnung / es würde
zum Schrecken angesehen sein / dass er seiner Königlichen Verwaltung sich desto
leichter begäbe / daher er diese Antwort gab: Gehet hin Ritter / uñ nähst
Vermeldung meiner Dienste und Grusses / zeigt der hochgedachten Fürstlichen
Gesellschaft an / dass ob ich gleich aus Liebes Zwang habe eine Taht begangen /
die ich nicht aller Dinge zuverantworten weiss / so ist sie dannoch der
Wichtigkeit bei weitem nicht / dass sie nicht auff andere Weise / als mit meinem
hochfürstlichen Blute sollte können / abgetragen und gebüsst werden; vielmehr
zeigt ihnen an / sie haben wohl und fleissig zuerwägen / was vor ein Gewaltiger
und mit vielen Königen und mächtigen Fursten nahe befreundeter Fürst ich bin /
dessen Blut auff unerhörete Weise von den Pannoniern / Pohlen / Dänen / Wenden /
und andern Völkern würde an ihnen sämtlich / und an ihren Helffers Helffern
gerochen werden; dann auch dass ich nicht der erste Fürst bin und gefunden werde
/ der auff solche Weise / die ehmals vor rühmlich und Tapffer gehalten worden /
ihm ein wirdiges Gemahl gesuchet hat; daher ich bei ihnen bitlich begehre / sie
wollen mich dieser schmähliche Hafft entnehmen / ihrem Väter-Brüder- und
schwägerlichen Willen mir zuneigen / und durch freundwillige Aussfolge des
Durchleuchtigsten Fräuleins mich vor einen Schwieger Sohn / Bruder und Schwager
auff und annehmen / alsdann will ich nicht allein dem Grossfürsten oder seiner
Herre Söhne einem die Verwaltung dieses Königreichs willig abtreten / sondern
auch die gar zu kühne Entfühung mit einer ansehnlichen Geldbusse ersetzen /
welche sie mir nach ihrer Höffligkeit aufflegen werden. Prinsla wollte ihm diesen
Dienst nicht versagen / vermahnete ihn gleichwol / seines verbrechens etwas
bessere Erkenntnis sehen zulassen / und hinterbrachte diese Werbung an behörigen
Ort / deren sich die Fürstliche Gesellschaft nicht gnug verwundern kunte /gaben
ihm endlichen Bescheid / und liessen ihn wieder hingehen / welcher nach
empfangenem Befehl den Gefangenen also anredete; Krito / euer anmuhten ist sehr
stolz und unverschämt / welches keine Stat finden kann / und lassen vor
höchstgedachte meine allergnädigste und gnädigste Herren euch hiemit schliess-und
unwiederrufflich andeuten; ob ihr euch darauff beruffet / erstlich / dass ihr
Fürstliches herkommens /und mit hohen Häuptern nahe befreundet seid / hättet ihr
eben dasselbige ja auch von dem Grossmächtigsten Grossfürsten wissen und bedenken
sollen / als an dessen Hochheit ihr gewaltsahme Hand unverwarnet legetet.
Hernach / dass dergleichen boshafte Raub- und Entführung wohl ehemals vorgangen
und von unverständigen Gewalttähtern gelobet / sei dieselbe auch wohl ehemahl am
Leben gestraffet / wann man des Räubers hat können bemächtiget sein; und
gesetzet /dass frevelmühtige Wüteriche solche gottlose Art zu heirahten
vortrefflich mögen geschätzet haben / können sie doch dessen sich nicht bereden
lassen / solches mit gut zuheissen; vernehmen aber noch nicht /wie ihr dieses
verantworten oder beschönen wollet /dass ihr einen so mächtigen Beherscher
Teutschlandes nicht allein Verrähterlich hintergangen / sondern ihn nebest
seinem Gemahl als Hunde fort schleppen / und kaum nöhtigen Leibes Unterhalt habt
abfolgen lassen / wie sie dann gestriges Tages ungegessen und ungetrunken auff
euren aussdruklichen Befehl haben in der Hitze zubringen müssen / welcher Schimpf
von ihnen höher als die Ermordung selbst gerechnet wird / daher es weder mit
Abtretung einer Verwaltung (deren ihr schon wirklich entsetzet seid) noch
Ausszahlung etlicher Gelder / wans gleich etliche hundert Tonnen Goldes währen /
sondern durchaus mit eurem Blute muss aussgesöhnet werden / wornach ihr euch
zurichten /und nach verlauff einer halben Stunde den Tod so willig antreten
werdet / als wolbedacht und vorsetzlich ihr die Freveltaht an so Grossfürst- und
Königlichen Hocheiten begangen / und überdas noch neulich den Grossmächtigsten
König in Böhmen nicht wenig beschimpffet habt / welches mit eigener Faust an
euch zurächen er keines weges unterlassen würde / wann ihr nicht als ein
Ubeltähter schon verdammet währet. Das will ich nimmermehr gläuben / antwortete
Krito /dass man mit einem herschenden Fürsten und Königlichen Verwalter
dergestalt verfahren wolle. Ich weiss nicht anders / sagte Prinsla / als dass der
Stab schier über euer Håupt solle gebrochen werden / und alle fernere Einrede
nur ein Uberfluss sei. Ging hiemit davon / und liess den Gefangenen in
erschreklicher Herzensprast sitzen / welcher nunmehr den Ernst spürend / einen
von der Wache absendete / Prinsla zurucke zuruffen / welcher aber zuvor nach der
Fürstlichen Gesellschaft ging / und neben getahner Antwort berichtete / dass
Krito ihn hätte zu sich fodern lassen. Also gab man ihm zum drittenmahle
Unterricht / und liess ihn gehen / ward auch von dem Gefangenen mit neuer
Hoffnung empfangen / welcher inständig um Gnade anhielt; er wollte sich seines
Fürstentuhms auff ewig verzeihen / und in Polen weichen / daneben äidlich
angeloben / keine Ansprach nimmermehr an sein Fürstentuhm zuhaben; hoffete
gänzlich / man würde ihm hierin zu Willen sein / weil mit einer Hand vol Blut
ihnen wenig / ja gar nichts gedienet währe. O nein / gnädiger Herr / sagte
Prinsla / ein solches darff ich meinen allergnädigsten Herrn nicht hinterbringen
/ massen dieselben mit euch in keine Handelung sich einlassen / sondern als
einen auff scheinbahrer Ubeltaht ergriffenen euch bestraffen wollen /als welcher
durch seinen Raub zu so grosser gestriger Blutstürzung Ursach gegeben / dass
ganze Bächlein Menschen-Blutes haben müssen rinnen / und demnach ihr so gewiss
mit dem Kopfe bezahlen müsst /als gewiss ich lebe / weil derselbe euch zu dieser
unverantwortlichen Taht verleitet hat. Die Hochfürstliche Gesellschaft würde
auch eurem äyde wenig zutrauen haben / sondern mit Polen ein neues Feur
befürchten müssen / angesehen eures Vaters Bruders Sohn / welcher doch ein
redlicher Fürst ist / daselbst die Herschaft führet; so ist über das nunmehr
schon bei Leibes Straffe verbohten / dass kein Mensch eurer Begnadigung gedenken
soll; man hat euch vor der Schlacht billiche Vorschlåge getahn / die habt ihr
hochmühtig verachtet / und dadurch die Gnaden Zeit versessen. Demnach verzeihet
mir / dass ich euch nicht gehorsamen kann. Als Krito hierauss merkete / dass seine
ertichtete Demuht nicht helffen wollte / liess er seinen Trotz hören und sagete;
Was sollte man einem Herschenden Fürsten des Henkers Schwert anbieten /und um
einer Liebetaht Willen ihm den Tod ansagen /der bisher ein Furcht und Schrecken
aller seiner Feinde / auch der Römer selbst gewesen ist? dahin müste es noch in
langer Zeit nicht kommen / sondern zuvor dz oberste zu unterst gekehret werden /
dürffte auch eine solche Rache drauff erfolgen / dass Kindes Kinder darüber
zuklagen hätten; darum geht hin / und warnet eure Herren / dass sie sich nicht
selbst in das unvermeidliche verderben stürzen / welches auff meinen Tod
nohtwendig erfolgen muss. O mein Herr dräuet ja nicht / sagte Prinsla / ihr habt
gewisslich nicht mit Kindern und furchtsamen Memmen / sondern mit Fursten und
Tapffermuhtigen Helden zutuhn / deren Muht und Macht unüberwindlich ist;
bedenket demnach vielmehr wie ihr wohl sterben möget / weil euch zuleben nicht
mehr möglich ist. Wie nun zum Henker / antwortete Krito / nennestu Lecker mich
nur schlecht hin einen Herrn / und weist dass ich der Grossmächtige freie
Beherscher des unüberwindlichen Volkes der Wenden bin? Er wollte in seinem Trotze
fortfahren /aber Prinsla fiel ihm in die Rede und sagete: Du bist aber auch ein
bosshaftiger Räuber und Menschendieb / und viel zu wenig in deinen Banden / dass
du einen redlichen Ritter beschimpffen / und vor einen Lecker schelten soltest;
hast dich auch zuversichern / dass wann du dem Henker nit schon zugesprochen
währest / ich bei meinem allergnädigsten Könige leicht erhalten wollte / es mit
dir durch eine ritterliche Kampf auszutragen / worzu ich dich aber nunmehr /
nicht als einen gewesenen Fürsten / sondern als einen schmäh süchtigen
schändlichen Räuber / der seiner übeltaht überwiesen ist / unwerd halte. Hiemit
ging er von ihm hinweg / vol Zorn und Grimmes / dass er diesen Schimpff musste
ungerochen über sich gehen lassen. So bald er den Fursten solches hinterbrachte
/ ward das Gericht gehäget / Siegward / Fabius / Leches und Neda zu Richter
verordnet / uñ Gallus befohlen / mit dem Scharff Richter und seinen
Steckenknechten hinzugehen / welcher die gesprochene Urtel an dem boshaften
Räuber ohn verweilen volstrecke / auch wañ er mit willen nicht nach der
Richtstat gehen wollte /ihn durch sechs Kriegsknechte dahin schleppen lassen /
und ihm den Schedel herunter schlagen sollten. Der Scharff Richter / als er zu
dem gefangenen in das Zelt trat / ward er von ihm ganz verwägen gefraget / was
sein begehren währe. Worauff er antwortete: Der Furst würde ihm gnädig verzeihen
/ und sichs gefallen lassen / die Volstreckung der Urtel von seiner Hand
gutwillig anzunehmen / weil es anders nicht sein könnte. Was? sagte Krito /
woltestu ehrloser Schelm einen herschenden Fürsten berühren? geschwinde packe
dich hinweg aus meinen Augen / und sage deinem GrossFürsten / ich lasse ihn wegen
dieses unleidlichen Schimpffs zum Kampffe auff Leib und Leben ausfodern. Dessen
habe ich keine Volmacht / sagete dieser / sondern ich frage nochmahls / ob der
Furst willig mitgehen wolle / alsdann will ich oder meine Diener keine Hand an
ihn legen; wo nicht / ist mir aufferlegt / den Fürsten hinzuschleppen / und das
Nachrichter Amt zuvolstrecken / da der Fürst wählen kann / was ihm beliebet /
dann ich bin schuldig meines Gn. Herrn Befehl nachzukommen. Hier fing Krito an
zuzittern und zu beben / drängete sich in einen Winkel / und rieff ohn unterlass
bald über Gewalt / bald umb Gnade. Gallus redet ihm etwas tröstlich zu / und
ermahnete ihn / sich des mitgehens nicht zuwegern /es möchte leicht bei der
Gerichtsstat durch bitte mehr Gnade / als hieselbst durch Widerspenstigkeit
zuerhalte sein. Also liess der erschrockene Mensch sich bereden / und ging hin.
Er ward aber auff Befehl des Weges hergeführet / woselbst Niklot am Spiesse
steckete / und ein über alle masse grosses Elende betrieb /kennete ihn doch
nicht / und fragete Gallus / was dieser arme Mensch so schwer verbrochen hätte /
dass man so grausam mit ihm verführe. Mein Herr / antwortete er / es ist der
verwägene Schelm / welcher meinen gnädigsten GrossFürsten durch falschen Schwuhr
in die Gefängnis gebracht. Was? sagte er /ist das mein getråuer Niklot? So soll
sein Nahme sein / antwortete Gallus. Krito entsetzete sich über der harten
Straffe / dass ihm alle Krafft entging / trat ihm näher / und sagete: Du mein
geträuer Niklot / dein Jammer geht mir sehr zu herzen / weil ich dir aber nit
helffen kann / wünsche ich dir einen schleunigen Tod zu Abhelffung deiner
unleidliche Pein. Dieser sah zwar seinen Fürsten an / aber weil ihm die
Vernunft aus übergrosser Pein schier vergangen wahr /antwortete er nichts /
sondern brüllete vor Angst immerhin wie ein Ochse / trieb auch mit den
gebundenen Händen und freien Füssen solchen Jammer / dass alle Zuseher ein
Abscheu daran hatten / und doch bekenneten / er hätte noch wohl ein mehres
verdienet. Krito kunte seine wehmühtige Trähnen nicht einzwingen /uñ begehrete
an Gallus / dass dem redlichen Ritter seine Pein verkürzet würde. Aber er
antwortete ihm: Währe er ein redlicher Ritter / dürffte er nicht am Pfale
stecken / weil aber sein begangener hoher Verraht solches verdienet / muss er
andern zum Abscheuh und Schrecken ihm diesen Lohn gefallen lassen / biss ihm Gott
den Tod zuschicket; und nimt mich wunder über wunder / dass der Fürst nicht
erkennen kann noch will / wie hohe Beleidigung dem Grossmächtigsten GrossFürsten in
seinem eigenen Reiche / unter dem schein eines guten Willen / von ihm und diesem
seinem verrähterischen Niklot angetahn ist. Dieser schwieg stille darzu / taht
gleichwol als wann ers beantworten wollte / aber als er sah / dass er schon bei
dem Gerichte angelanget wahr / stellete er sich vor die obgedachte Richter / und
fragete / wer sie währen / dz sie sich unterstehen dürfften seine Richter zusein
/ da er doch keines Menschen Oberbotmässigkeit unterworffen währe. Siegward gab
ihm zur Antwort: Es könnte ihm gleiche viel sein / wer sie währen / nachdem er
leicht zuerkennen hätte / dass sie von dem Grossmachtigsten GrossFürsten verordnet
währen /ihm seine wolverdiente Straffe anzusagen. Ich höre eurer keinen /
wiederantwortete er / sondern will und muss den GrossFürsten selber sprechen / dem
ich durch meine entschuldigung ein solches Vergnügen geben werde / dass er meines
Blutes nicht begehren wird. Habt ihr / Krito / so erhebliche entschuldigungen
sagte Siegward / die sollet und müsst ihr vor uns euren Richtern anmelden /
oder in dessen verwegerung die Endurtel über euch nehmen / massen der
Grossmächtigste GrossFürst seinen frechen / unbefugten und meinåidigen Räuber vor
seinen Augen nicht dulden kann. Er wollte antworten / sah sich aber ohngefehr
nach der linken Hand umb / und ward gewahr /dass seines Sohns Leichnam daselbst
in der nähe auff dem Rücken lage / welches ihn wunder nam / und zu den Richtern
sagete: Ehe ich mich weiter mit euch einlasse / begehre ich zu wissen / auff was
weise dieser mein ungerahtener Sohn / welcher ohnzweiffel meines Unglücks und der
erlittenen Niederlage die gröste Ursach ist / umbkommen sei. Leches gab ihm auff
Siegwards befehl zur Antwort; Dieser sein Sohn /weil er Zeit wehrender Schlacht
sich hätte durffen gelüsten lassen / dz Durchleuchtigste Fräulein als einen Raub
über den Iselstrohm davon zu führen / hätte man ihn verfolget / ertappet / und
als einen Räuber nidergehauen / dass er noch also dem wolverdienetem
Henkersschwert entgangen währe. Ihm ist recht geschehen / antwortete Krito /
massen er seinem leiblichen Vater das Herz hat stehlen und die Seele rauben
wollen. Euch aber ihr vermeinten Richter frage ich nochmahl / was euch hat
können so verwågen machen / dass ihr einen freien mächtigen Fürsten vor Gericht
zu fodern / und einige Urtel anzudräuen / euch unterstehen dürffet / noch ehe
und bevor seine Sache erörtert ist? Siegward gab ihm zur Antwort: Was bedarff
eure Sache des erörterns? stehet eure freche ubeltaht nicht Sonnenklar vor
Augen? so müsst ihr demnach billich leiden / was ihr dem Grossmächtigsten
GrossFürsten / welcher euch und die eurigen niemahls beleidiget hat / zugemässen
habet / welchen ihr ausser zweifel umb keiner andern Ursach willen diebischer
weise aus seinem Reiche hinweg geführet / als dass ihr durch seine schändliche
ermordung alle Rache von euch abkehretet / und euch wohl gar zum GrossFürsten über
die Teutschen machetet / nachdem ihr den Wahn hattet ergriffen / dass keine
Teutsche junge Herschaft mehr im Leben währe. Dieses ist ja eine solche Taht die
ohn allen zweifel das Leben verwirket / und an deren bestraffung andere eures
gleichen ein Beispiel nehmen und sich spiegeln müssen / auff dass sie hinfort
sich scheuhen / solcher Bosheit sich zu unterfangen. Weil ihr dann gleich jetzo
die Urtel selbst uber euren Sohn gesprochen habt / dass ihm recht geschehen sei /
und derselbe doch viel bessere entschuldigung einzuwenden gehabt hätte / so
werdet ihr ja erkennen / dass euch als vornehmsten Uhrheber dieser schändlichen
Entführung / weder unrecht noch gewalt geschehe / wann ihr mit gleichmässiger
Straffe beleget werdet. Dass ihr aber auff euren freien Fürstenstand euch
beruffet / so müsst ihr bedenken / das Gott und das Schwert euer Oberherr sei /
welche euch als einen Räuber und Menschendieb aus solchem Stand gehoben und in
die Fessel gelegt / auch gleich jetzt fertig sind / eure begangene schlime
Bosheit abzustraffen. Krito redete ihm ein / er sollte sich mässigen einen so
grossen und gewaltigen Fürsten vor einen boshaften / und desgleichen
auszuruffen / seine Taht währe bei weitem so schlim und unverantwortlich nicht /
als man sie ihm aus egen wollte / würde ihm auch leicht sein / dass auffgebürdete
von sich abzulehnen / uñ der ganzen erbaren Welt darzutuhn /dass er keines weges
mit mörderischen Gedanken umbgangen / und also den Tod nicht verdienet hätte;
dero behueff er keine längere / als sechswöchige Frist begehrete / welche man
ihm keines weges würde versagen können. Krito / antwortete Siegward / ihr suchet
Zeit und weile / nicht eure Taht zurechtfärtigen /welches euch unmöglich ist;
sondern euren Kopf zu retten / welches nicht geschehen kann; lase ihm demnach die
Urtel vor / also lautend. Der gewesene Wendische Fürst Krito / weil er an dem
Grossmåchtigsten GrossFürsten der Teutschen die allerschelmichste Verräterei
begangen / so jemahls von einem Fürsten ist erhöret worden / und der gerechte
Gott ihn in des verrahtenen Hände und gewalt zur Straffe überliefert hat / soll
und mus der Gerechtigkeit / allen seines gleichen Verråhtern zur Warnung und
abscheuh / ein genügen geschehen / und dieser Verrähter durch des Henkers
Schwert vom leben zum Tode gebracht werden. Krito wollte sich dawieder bedingen /
aber Leches winkete dem Scharfrichter / welcher hinter dem Verurteileten stund /
dass er mit der Volstreckung verfahren sollte; derselbe nun zohe ganz leise das
Richtschwert aus /und schlug ihm also stehend den Kopf vom Rumpfe glat hinweg /
dass er ohn sonderliche Todesangst dahin fuhr. Worauff seinem Sohn der Kopf auch
abgeschnitten / und beide auff Spiesse gestecket wurden / da sie von dem ganzen
Heer und allen Gefangenen mussten beschauet werden; es wurden sonst noch 36
vornehme Wenden an Bäume / nach empfangener harten Geisselung / auffgeknüpffet /
als welche bei der Verräterei sich hatten wirklich gebrauchen lassen /und weil
der Tod den Niklot nicht durch die Spiessung so bald würgen wollte / ward endlich
ein Steckenknecht befehlichet / ihm das Herz abzustechen. Drei Stunde vor Abends
brach der GrossFürst mit dem Heer auff / und ging damit Nordwerz nach der Vechte
auff Friessland zu / blieben auff der Grenze liegen / und entielten sich aller
tähtligkeit / sendeten aber an die Stände und Städte / dass nach empfangener
angebohtenen schrifftlichen Gnade sie sich stündlich erkläreten / oder des
Ernstes gewärtig sein sollten. Als sie auff dem Zuge wahren / kahmen die
ausgeschikten Reuter Schaarsweise wieder an / aber kein einiger wusste das
geringste von Arbianes oder dem Fråulein zu sagen / dessen die Fürstliche
Gesellschaft von herzen betrübt ward / ohn Valiska hatte noch gute Hoffnung / und
fragete / vor was Leute sie sich im nachfragen ausgegeben hätten; uñ als sie
antworteten /weil es in Feindes Land wåhre / hätten sie sich vor Wendische
Reuter angemeldet; ward sie dessen sehr unwillig / und sagete: Hiedurch habt ihr
trauen die allergrösseste Narrei und Tohrheit begangen; dann meiner ihr nicht /
dass der Fürst mit dem Fräulein sich etwa in einem Dorffe heimlich verstecket
habe / und bei seinem Wirte durch Geschenk und Verheissungen es leicht dahin
gebracht / dass sie ihn ungemeldet gelassen? Hättet ihr euch vor die ihr seid /
angegeben /was gilts / ihr würdet sie schon angetroffen haben. O nein mein Schaz
/ sagte Herkules / so leicht glåubet man einem nachforschenden Reuter nicht /
dass man umb eines Worts willen sich ihm alsbald vertrauen sollte; der almächtige
Gott nehme sie in seinen väterlichen Gnadenschuz / sonst könten sie leicht in
ungelegenheit / und unter die flüchtigen Wenden gerahten; gelebe aber der
gänzlichen Hoffnung / sie werden sich etliche Tage verbergen / biss die flüchtige
Schaaren vorbei gangen sind / die sich nicht lange pflegen auffzuhalten.
Baldrich scherzete druber / und sagete: Ohn zweifel sitzet mein Bruder Arbianes
mit meiner Frl. Schwester an Ort und Enden / welche er umb diss Königreich nicht
vertauschete / nachdem ich mich nit erinnern kann / jemahls einen verliebetern
Menschen gesehen zu haben. Sie sitzen / wie es ihnen beiden beliebt / sagte der
Vater / wann sie nur frisch und gesund wieder bei uns anlangen; das übrige sei
der göttlichen Versehung heimgestellet / und meiner geliebten Tochter Fr.
Valiska / als deren ich sie in meinem herzen geschenket habe / sie nach ihrer
wilkühr zuverheirahten. Ich bedanke mich dessen kindlich und demühtig /
antwortete sie / und wünsche nähst meiner herzallerliebsten Frl. Schwester
Gesundheit nicht mehr / als dass mein Bruder Arbianes / das aufrichtige geträue
Herz / diese Worte anhören möchte.
    Diese beide Verliebeten aber sassen denselben Tag noch immerzu auff dem
starkriechenden Häu / und unter ihrem Liebes Gespräch und unnachlässigen kussen
beklageten sie dannoch / dass die ihrigen ohn allen zweifel ihres aussenbleibens
sehr betrübt sein würden / daher das Fråulein zu ihrem Liebsten sagete: Höchster
Schaz / wir lassen uns unser Unglück wenig anfechten / und gedenken nicht eines
auff das zukunftige; meinen vielleicht auf dieser Sträu immerhin zufaulenzen /
oder im nähesten Städlein das Ende unsers Kummers zufinden / da es wohl erst
recht angehen möchte / massen unter der Vergnügung eurer herzlichen keuschen
Liebe / mir dannoch mein Herz so schwer als ein Stein unter der Brust lieget /
und mir nicht viel gutes verspricht; Ach dass doch meine liebe Eltern und Brüder
nur wissen möchten / wo wir uns auffhalten / zweifelt mir nicht / sie würden
schon ein zimlich fliegendes Heer ausschicken / uns abzuhohlen / und dafern
solches nicht geschihet / sehe ich nicht /wie wir durch die verschlagenen Völker
sicher kommen werden / unter denen sehr wenig sind / die mich nicht kennen
sollten. Ja wer weiss / ob nicht unsere lieben Freunde uns ehe als erschlagene
beweinen / als dass sie errahten sollten / wir hätten auff diesem Häu unsere
Heirat abgeredet; auch dürffte ich allem ansehen nach / fast gläuben / die
nächtlichen Reuter sind unsers Volks gewesen / und uns zum besten ausgeschikt /
massen sie sich ja nicht als fluchtige anstelleten / und aber der Feind ja
gänzlich soll geschlagen sein / wie Wolfgang berichtet. Mein allerschönstes
auserwähltes Fräulein / antwortete er / sie mögen Freund oder Feind gewesen sein
/ der Almächtige Gott wird uns dannoch helffen / dem wir vertrauen wollen; Und O
mein Gott / göñe uns beiden doch /unsere keusche Liebe durch schleunige Heirat
zuergetzen hernach beschere uns dereins die ewige Seligkeit / die dein Sohn uns
armen Sündern erworben /und durch sein Verdienst zuwege gebracht hat; Inzwischen
habe Geduld mit unsers Fleisches Schwacheit /und leite Zeit unsers Lebens uns
auf dem Wege / den du uns selbst in deinem Heiligen Worte vorgeschrieben hast. O
das ist wohl ein guter und köstlicher Wunsch / sagte das Fräulein; was mich
betrifft / will meinem Fürsten ich wohl äidlich versprechen / mich nach aller
Mögligkeit der Zucht und Tugend zu befleissigen / und wolle Eure Liebe mir nur
diese Gesetze vorschreiben / nach denen ich wandeln soll / und wie er meint  /
ich unter des wahren Gottes Gnade verbleiben könne / denen will ich zufolgen mich
nimmermehr beschwerlich finden lassen. Ach mein herzgeliebeter Schaz /
antwortete er / ich nehme ein solches erbieten von ganzem Herzen frölich an /
wann euer Liebe mir nur in diesem Stük folgen / und den allein seligmachenden
Christliche Glauben ihr gefallen lassen wollte / welcher von euren Herren Brudern
und deren Gemahlen / auch von mir gutwillig und zu unser Seelen Wolfahrt
angenommen ist / alsdann hätte Eure Liebe ich nichts mehr anzufodern / weil an
ihrem Tugendergebenen Herzen mir zu zweifeln durchaus nicht gebühren will. Solte
ich mich dessen wegern? sagte sie; sollte ich andere Götter ehren als mein Gemahl
/ oder einem andern Glauben anhangen? Ich nehme ja billig ein Beispiel von
meiner Fr. Schwester / und wie dieselbe sich alsbald nach meines Herrn Bruders
Willen gerichtet / also will ich ebenmässig mich hierin verhalten / insonderheit
/ weil zu diesem Glauben ich von der Zeit her grosses belieben getragen / wie
Leches denselben meinem Herr Vater zu Prag so sehr rühmete; und noch mehr /
nachdem Neklam dessen gegen mich absonderlich gedachte. Arbianes nam dieses
erbieten mit herzlicher Vergnügung auff / und beteuere / dass ihren Herren Brüdern
und Frauen Schwestern diese Erklärung erfreulicher als ihre leibliche Errettung
sein würde; unterrichtete sie doch dabei / sie musste nicht ihm / als ihrem
Bråutigam zugefallen / sondern bloss aus Liebesbegierde zu der Erkenntnis des
wahren Gottes / und zur Erlangung der ewigen Seligkeit solche Enderung ihres
Glaubens vornehmen / dann sonst würde sie in ihrem Christentuhm keinen festen
fuss setzen / sondern in stetem Wankelmuht bleiben / und nach Menschen Willen
ihren Glauben endern und umwechseln / welches eine grössere Sunde wåhre / als
wann man aus Unwissenheit im Unglauben verbliebe. Hierauff unterrichtete er sie
gar einfältig in den vornehmsten Stücken des Christlichen Glaubens / wie nur ein
einiger wahrer Gott währe / und derselbe doch dreifaltig; hiesse Vater / Sohn /
uñ Heiliger Geist; Dieser Gott hätte Himmel / Erde / Meer / und alles was
drinnen ist / vor ohngefehr 4000 und mehr Jahren erschaffen /und den ersten
beiden Menschen grosse Volkommenheit mitgeteilet / sie auch zu Erben der
Seligkeit eingesetzet / welche aber von dem Teuffel zur Sünde sich verleiten
lassen / und darüber unter Gottes Zorn zur ewigen Verdamnis / mit allen ihren
Nachkommen /denen die Sunde angebohren würde / gerahten währen; aber der ewige
Sohn Gottes hätte sich über alle Menschen wieder erbarmet / und sie durch eine
sonderliche Gnugtuhung wieder zu Gnaden gebracht /dass wann sie an denselben
gläubeten / und im Christlichen gottseligen Wandel verharreten / ihnen die
Seligkeit wiederum sollte mitgeteilet werden. Diesen kurzen einfältigen Begriff
trug er dem Fräulein vier oder fünff mahl nach einander vor / biss sie ihm
denselben fast von Wort zu Wort (wie sie dann ein überaus herrlich Gedächtnis
hatte) nachsagen kunte / dabei sie unterschiedliche Fragen taht / umb alles
desto desser zubegreiffen / und von ihm / so viel sein Vermögen kunte / guten
Unterricht bekam. Hernach behtete er ihr dz Vater Unser / den Christlichen
Glauben / und die Heiligen zehen Gebohte oft vor / dass sie solches alles
gleicher gestalt ohn Anstoss hersagen kunte / jedoch wünschete / dass das Gebeht
des HErrn ihr möchte etwas deutlicher erkläret werden / weil wegen der kurzen
Bitten / so darin begriffen / es ihr etwas schwer vorkäme. Mein Herz / sagte er
/ ihr tuht sehr wohl uñ weisslich / dz ihr begehret dasselbe zuverstehen / was ihr
behtet / massen / wo ein Gebeht ist ohn Verstand /da ist keine Andacht / wo aber
keine Andacht ist / da ist auch kein Gott wolgefälliges Gebeht / und erfolget
auch darauff keine Erhörung noch Hülffe. Versichert euch aber / dass wann alle
Menschen in der ganzen Welt / sie mögen so heilig / und in Gottes Wort und
Erkenntnis so erfahren sein / als sie immer wollen / sie doch kein besser / noch
kunstlicher noch volkommener Gebeht machen köñen / ja auch keines / welches in
solchen Stucken diesem gleich sei; massen in diesem kurzen Gebeht alles dasselbe
begriffen ist /wessen wir von Gott zubitten bedürffen. Da wir anfangs sprechen:
Unser Vater / der du bist im Himmel; anzudeuten / dass unser Gebeht nicht an
irgend ein Geschöpff / sondern allein an den Schöpffer / an Gott muss
hingerichtet werden / der in dem Himmel der Herligkeit / seine Almacht und
Herschaft führet / und doch allentalben gegenwärtig ist; denselben nennen wir
unsern Vater / und solches aus Befehl unsers Heilandes / auff dass wir durch
solchen süssen liebreichen Vater Nahmen sollen versichert werden / der
allerhöchste Gott trage gegen uns ein Vaterherz / und wolle uns keine Fehlbitte
tuhn lassen / gleich wie ein Vater seines lieben Kindes Bitte / nach seinem
Willen angestellet / unerhöret nicht lassen kann. Also müssen wir durch diesen
Vater Nehmen in dem Vertrauen zu Gottes Güte / gestärket werden / damit unser
Gebeht nicht aus Zweifelmuht herrühre / welcher alles behten undüchtig machet.
Hierauff folgen nun die sieben kurze Bitten in einer wolgefügten Ordnung. Dann
sehet / mein Schaz / unsere höchste bemühung / ja alles unser tichten und
trachten soll vornehmlich und vor allen Dingen dahin gerichtet sein / dass es zu
Gottes Ehren gereiche; dass nun solches von uns geschehen möge / bitten wir von
Gott in der ersten Bitte: Du unser lieber himlischer Vater / gib und verleihe
uns diese Gnade / dass dein Heiliger Nahme von uns nimmermehr geunehret / oder
geschändet / sondern allemahl gebührlich geehret werde; dass wir in allem tuhn
und lassen deine Ehre suchen. Das heisset: Geheiliget werde dein Nahme. Nähst
dieser Bemühung nach der Ehre Gottes / muss dieses unser vornehmstes sein / dass
wir mögen in der Gnade Gottes stets verbleiben / also / dass wir in diesem Leben
wahre Gliedmassen seines Gnaden-Reichs / oder der Christlichen Kirchen; und in
dem künftigen ewigen Leben wahre Gliedmassen seines herrlichen Reichs oder der
himlischen Seligkeit sein. Dieses bitten wir von Gott /wann wir in der andern
Bitte sprechen: Zukomme dein Reich. Weil wir schwache sündige Menschen aber
durch uns selbst nicht wissen uns also zubezeigen in unserm tuhn und lassen /
als Gottes Wille erfodert /und wir allemahl wider Gottes Ehre handeln / wañ wir
wider seinen Willen handeln / auch die angebohrne Sünde uns immerzu reizet /
dasselbe vorzunehmen und fortzusetzen / was den fleischlichen Lüsten und
Begierden lieb und angenehm ist / welches dann allemahl wider Gottes Willen /
und folgends wider Gottes Ehre streitet / so müssen wir Gott den HErr bitlich
ersuchen / dass wie die Heiligen Engel / und die Seelen der verstorbenen
gläubigen Menschen nicht sündigen / sondern dem Willen Gottes sich in allem
gemäss bezeigen / also wolle unser gnädiger himlischer Vater uns mit seinem
Heiligen guten Geist erleuchten und fuhren / dass wir ja nicht wider seinen
heiligen Willen handeln / das ist / dass wir ja nicht sündigen / sondern uns von
Sunden entalten / und nach seinem Willen unser Leben anstellen und fuhren
mögen. Sehet mein Schaz / dieses bitten wir von Gott in der dritten Bitte /wañ
wir sprechen / Dein Wille (du lieber Himlischer Vater) geschehe / (werde bei uns
und von uns im heiligen Wandel geleistet) wie im Himmel (von den Engeln und von
den in die Seligkeit auffgenommenen Seelen) / also auch auff Erden (von uns
annoch hieselbst lebenden Menschen). Darauff fahren wir fort / und bitten von
unserm himlischen Vater / weil wir durch unsere eigene Krafft und Vermögen uns
nicht können die leibliche Nahrung schaffen / sondern dieselbe als arme
dürfftige Kinder aus Gottes Gnadenhand empfangen müssen / dz er uns solche
Nahrung / als viel wir zu unsers Lebens Unterhalt bedürffen / alle Tage /biss an
unser Lebens Ende bescheren wolle / und solche Lebens Nohtturfft heissen wir das
tågliche Brod /da wir in der vierden Bitte sprechen: Unser tägliches Brod gib
uns heute; Oder; gib uns alle Tage / wessen wir Zeit unsers Lebens zu unser
Unterhaltung bedürffen. Weiters / so müssen wir uns erinnern / dass weil wir die
Erbsünde an uns haben / und wir dieselbe nicht gänzlich ablegen können / so
lange wir in dieser Schwacheit leben / sondern solche Erbsünde uns täglich zu
sündigen anreizet / so dass wir nicht allerdinge uns von den Sünden der
Schwacheit entalten können; und aber auch solche Sünden uns die Verdamnis
zuwendete / wann sie uns nicht von Gott aus Gnaden vergeben würden; Gott aber
dieselben niemand vergeben will / als welche ihn in wahrer Busse herzlich darumb
ersuchen; sehet so haben wir hoch von nöhten /dass wir unsern himlischen Vater
anflehen / er wolle nicht mit uns handeln nach unsern Sünden / und uns nicht
vergelten nach unser Missetaht / sondern uns dieselben um seines lieben Sohns
JEsus Christus willen (welcher vor unser Sünde hat gnug getahn) gnädiglich
vergeben; daher bitten uñ spreche wir in der fünften Bitte: Und vergib uns
unsere Schulde; unsere Sündenschulde / auch diese / damit wir O Gott dich
täglich aus schwacheit beleidigen. Wir setzen aber ganz merklich diese Wort
hinzu: Als wir vergeben unsern Schuldigern. Gott hat uns befohlen / dass wann wir
von andern beleidiget werden / sollen wir denen solches gerne vergeben / und sie
deswegen nicht hassen noch anfeinden / so gar / dass wo wir diesem Befehl Gottes
zur brüderlichen Versöhnligkeit nicht nachstreben /sondern uns suchen aus
eigener Bewägung zurächen /so will uns Gott unsere Sündenschuld auch nit vergeben
/ damit wir ihn täglich beleidigen / sondern er will uns unsere Sünde vorbehalten
zur ewigen hellischen Verdamnis. Und solches hat uns unser Gott nicht allein in
seinem Heiligen Wort gedräuet / sondern auch hieselbst in diesem Gebeht befohlen
/ dass wir uns selbst Gottes Straffe über den Hals bitten sollen /wann wir unsern
Beleidigern nicht vergeben wollen; dann wir müssen ja ausdrücklich sprechen:
Gleich wie wir unsern Beleidigern ihre Beleidigung vergeben /also wolle und
solle unser Gott uns unsere Sünde auch vergeben. Und eben dieses treibet uns
Christen an / dass wir langmühtig sind / und unsern Feinden gerne vergeben. Das
Fråulein fiel ihm hieselbst in die Rede / und sagte: Ich habe Gott Lob alles wohl
verstanden / was mein Schaz mir an statt einer Erklärung mitgeteilet hat / und
ich solchen Verstand von mir selbst nicht würde gefunden haben. Aber es fält mir
bei dieser fünften Bitte eine Frage ein / ob wir dann den Wendische Räubern /
Krito / Gotschalk / uñ ihren Gehülffen auch die Beleidigung vergebe / und sie
deswege ungestrafft lassen müssen; ich meine ja es erfodere die Gerechtigkeit
selbst / dass solche Räuber und Gewalttähter gestraffet werden. Der Fürst
antwortete: Mein Fräulein tuht wohl / dass sie diesen Einwurff auffgelöset zu
werden begehret. Grobe Ubeltahten und Sünde / welche vorsezlicher muhtwilliger
weise begangen werden / als da sind / Mord / Raub / Diebstahl / Ehebruch und
dergleichen / hat Gott in seinem Wort ernstlich gebohten / dass sie von der
Obrigkeit gestraffet werde / so gar / dass wo dieselbe inbestraffung solcher
Bosheit nachlåssig ist / will Gott diese Nachlåssigkeit hart und schwer an der
Obrigkeit straffen; aber solche Straffe mus nit ergehen aus Nachgier oder
sonderlicher Feindschaft wieder denselben der solche Bosheit verübet hat /
sondern es mus geschehen aus Liebe zur Gerechtigkeit / und aus gehorsam gegen
Gott; und mus doch inzwischen / wann die Obrigkeit selbst durch solche
Ubeltähter beleidiget wird / mus sie zwar die Ubeltaht an den Tähtern straffen /
aber doch so viel an ihnen ist / es dem Beleidiger vergeben / der dannoch
dasselbe zur Straffe ausstehen mus was ihm Gott aufferlegt hat. Ein Mensch aber
/ der nicht Obrigkeit ist / und von seinem Nähesten beleidiget wird / mus nicht
sein eigen Richter oder Rächer sein /sondern der Obrigkeit es klagen / derselben
es als Gottes Dienerin in die Hand geben / und in allem ohn Rachgier verfahren.
Jedoch ist niemand verbohten eine Nohtwehre zu tuhn / wann er von einem andern
mördlich überfallen wird. Ich bin hiemit zu frieden /sagte das Fräulein / und
ist mir mein zweifel dadurch benommen / wolle demnach mein Schaz in Erklärung
der übrigen zwo Bitten fortfahren. Die sechste Bitte /antwortete Arbianes lautet
also / Und führe uns nicht in versuchung. / Die versuchung ist zweierlei; Eine
heilsame / und eine schädliche Versuchung. Die heilsame rühret her von Gott /
und ist diese / wann er uns zeitliches Unglück zu schicket / durch welche er uns
von den weltlichen Lüften abzihen / und zu seinem Gehorsam leiten; oder dadurch
er unsere Geduld und Beständigkeit im Glauben prüfen und bewehren will. Welche
Versuchungen / weil sie uns gut und zur Seligkeit beföderlich sind / müssen wir
von Gott willig annehmen / und nicht wieder seine Schickungen murren / sondern
nur bitten / dass Gott gnädig sein /und dieselben uns nicht zu schwer machen
wolle. Die andere Versuchung ist die schädliche / da ein Mensch versuchet oder
angetrieben wird zu einer oder andern groben Sünde / oder wann er wegen der
begangenen Sünde versuchet und angetrieben wird zur Verzweifelung; welche aber
nicht von Gott herrühret / sondern von dem Teuffel / von den gottlosen
verführischen Leuten / und wohl von unserm eigenen bösen willen des üppigen
Fleisches. Dass wir nun in dieser sechsten Bitte sprechen: Du lieber himlischer
Vater / führe du uns nicht in Versuchung / ist also zuverstehen; du gnädiger
Gott / gib es doch dem Teuffel / oder den gottlosen Menschen / oder unsern
sundlichen Begierden nicht zu / dass wir von ihnen durch schädliche Versuchungen
zur Sünde / noch hernach zur Verzweifelung verführet werden / sondern steure und
wehre denselben / und wende solche Versuchungen gnädiglich von uns abe. In der
siebenden und lezten Bitte fassen wir nun alles zusammen / dass uns Gott von
allem schädlichen übel Leibes und der Seele erlösen wolle / und solches alles
wolle er nach seiner Gnade durch seine Kraft an uns verrichten. Welches wir mit
einem gläubigen Amen beschliessen / durch welches Wort wir bezeugen / wir haben
den ungezweifelten Glauben / und die Hoffnung zu Gott unserm himlischen Vater /
er werde uns umb seines lieben Sohns willen erhören / und uns die Bitte geben
/die wir von ihm gebehten haben. Nach geendigter dieser Auslegung des Vater
unsers / ermahnete er das Fräulein / dass wann unser Gott uns Ungluk und
Wiederwertigkeit zuschickete / müsten wir nicht unwillig auff ihn werden / oder
gar von ihm abfallen / sondern wann er uns gleich gar tödten und umbkommen
liesse / müsten wir ihm doch nicht umb ein Haar weniger /als in der höchsten
Glükseligkeit anhangen / und solche zeitliche Straffen vor eine väterliche und
gnädige Züchtigung erkennen / als welche zu unser besserung uns allemahl
angelegt würde / damit wir in dieser Welt gleichsam als durch ein Feur geläutert
/ an der ewigen Seligkeit nicht Schiffbruch erlitten. Schliesslich beschrieb er
ihr die unsägliche Freude des himlischen ewigen Lebens durch Gottes eingeben
(wir ers dann ehmahls in den Predigten gehöret hatte) so fein und anmuhtig / dass
sie daher eine sonderliche Wollust in ihrem Herzen empfand / und sich
verpflichtete / sie wollte alles Unglück / was ihr auch begegnen würde / geduldig
ertragen / und zu Gott das feste vertrauen haben / es währe ihm ja so leicht /
sie von diesem Häu / da es ihm gefiele / wieder auff ihres Herrn Vaters
GrossFurstliche Schloss zubringen / als sie durch räuberische Entführung davon
auff dieses Häu gerahten währe. Dass ist recht und wohl geredet / mein
herzgeliebtes Fräulein / sagte er; zweifele auch nicht /der barmherzige Gott
werde uns mit seinen Gnaden-Augen ansehen / und erinnere ich mich GrossFürst
Herkules täglichen trostes / da er stets zu sagen pfleget: Ich bin gewiss / und
dessen versichert; dass unser Gott geträu ist / der uns nicht lässet versuchen
über unser vermögen / sondern schaffet endlich / dass die Versuchung also ein
Ende gewinne / dass wirs können ertragen. Ja wann uns Gott gleich eine Kreuzes-
oder Unglüslast wegen unser Sünde aufflege / so helffe er doch allemal uns
dieselbe tragen / lege seinen Gnaden Hand unter und hebe selbst nach; und wann
wir müde sind /alsdann nehme er sie gar von uns hinweg / und werffe sie ins
Meer. Mit diesen und andern tröstlichen Reden machete er das liebe Fräulein so
standfeste / dass sie sich erklärete / wann es eine solche beschaffenheit mit dem
Unglück hätte / dass uns Gott solches nicht aus Zorn / sondern / wie er sagete /
unsern Gehorsam zu prufen aufflegete / so möchte sich ja ein Mensch glückselig
schätzen / wann ihn Gott zu seiner selbst eigenen bessserung dergestalt mit der
väterlichen Zuchtruhte heimsuchete. Aber sie redete noch zur Zeit als eine
Unerfahrene / wiewol sie sich dessen hernach zu ihrem besten oft erinnerte / und
ihr betrübtes Herz dadurch gewaltig stärkete. Sie gerieten endlich wieder auf
das Andenken ihrer Verwanten / und wollte das Fräulein gerne berichtet sein / wie
sichs eigentlich mit König Ladisla Heirat zugetragen hätte / dessen Gemahls
löbliche Tugenden und Schönheit Libussa ihr sehr gerühmet / dass sie nicht wenig
verlangen trüge / in ihre Kundschaft zukommen. Ja mein Fräulein / sagete er /
die Römerinnen tragen auch hohe begierde / sie zu sehen / aber heftig beklagen
sie es / dass eure Liebe mit ihnen nicht werde unterretung halten können /
nachdem jenen das Teutsche noch zur Zeit unbekant ist / und neulich erst den
Anfang gemacht haben / in dieser Sprache sich unterrichten zu lassen. Je mein
Fürst / antwortete sie / weis seine Liebe dann noch nicht / was vor eine
gelehrte Braut dieselbe an mir bekommen? dann meine Brüder / und König Ladisla
selbst haben in meiner Kindheit mich immerzu in der Lateinischen Sprache geübet
/ dass ich solche nicht allein verstehen / sondern auch zur Roht mit reden kann /
ob ich mich gleich zuzeiten auff die Worte und deren zusammen fügung etwas
bedenken mus. Ey so mus mein Fräulein das Latein fleissig treiben /sagte er /
dann also kann sie mit meinem Herr Vater und Fürst Pharnabazus unterredung
pflegen / welches ihnen sonderlich lieb sein wird / biss sie etwa unsere Sprache
wird gefasset haben / die ungleich leichter zu lernen ist / als die überaus
schwere Teutsche. Auch wollen wir / da euer Liebe es gefället / nach diesem
mehrenteils Lateinisch miteinander reden / wann wir allein sind / weil das
Teutsche mir ohndas saur genug wird. Die reine Warheit zusagen / antwortete sie
/mus ich bekennen / dass mein Fürst die Teutsche Fertigkeit noch nicht gefasset /
wiewol er seines herzens anliegen noch mehr als zu deutlich an den Tag geben
kann. Aber wie hat er doch immer und ewig das Reimen- tichten so wohl gelernet /
dass er sie gar dreifach schränken kann? Mein Seelichen / sagte er / darzu währe
ich eben so geschikt als der Esel zum Lautenschlagen / wann ich mich dessen
unterwinden würde; aber meine Fr. Schwester hilft mir damit zu rechte / ja dass
ichs eigen sage / sie setzet sie über / aus meiner Medischen oder Lateinischen
Tichterei / sonst würde es über die masse elende Reimen und abmässung der Wörter
geben; und wann ich wissen sollte / das meinem Fräulein belieben könnte / eines
anzuhören / welches ich ehmahls in meiner Mutter Sprache gnug verwirret / ihr zu
ehren und Gedächtnis getichtet / die GrossFürstin aber hernach in das Teutsche
gebracht /würde ich mich erkühnen / es herzusagen / weil doch hieselbst keine
Singenszeit ist. Das Fräulein hielt alsbald eiferig an / ihr diesen freundlichen
Willen zuerzeigen / weil das erste ihr sehr wohl gefallen hätte. Worauff er
dieses vortrug.
                                       1
O Grausame Furcht im Lieben /
Wie ist deine Glut so heiss?
Die noch keiner recht beschrieben /
Keiner zubeschreiben weiss!
O du gar zu herbes Quälen;
Mus ich dann ohn Ruh und fehlen
Bald nur Feur sein / bald nur Eis?
                                       2
Meine Lust ist weit entsessen;
Ja bin ich dann wohl so wehrt;
Das die / so ich ganz vermässen
Liebe / meiner auch begehrt?
O grausame Furcht im Lieben /
Die noch keiner recht beschrieben /
Er mag fahren wie er fährt.
                                       3
Freilich mus ich rund bekennen /
Dass ich gar zu freche bin.
Darumb mus ich schier verbrennen /
Und doch kann ich meinen Sinn
Nicht von dieser Sonnen wenden /
Hätt' ich gleich an andern enden
Einen sicheren Gewin.
                                       4
Nun es gehe wie es wolle /
Meine Liebe brech' ich nicht /
Ob gleich auff der Parken Rolle
Meines Lebens Fadem bricht.
Dann ohn dieser Sonnen Strahlen /
Die mein Herz so schön bemahlen /
Hab ich weder Schein noch Licht.
                                       5
Fräulein / deren hohe Gaben
Selbst der Himmel zeuht hinan /
Weil sie mehr als Menschen haben /
Ach nehmt euren Sklaven an /
Der durch eurer Bildnis blicken
Noch vor Liebe mus ersticken /
Und sich kaum mehr kennen kann.
                                       6
O du klarheit lass dich finden /
Brich die Dunkelheit in mir /
Meine Geister die verschwinden /
Meine Seele berstet schier /
Und die Kräfte sind erlegen /
Weil vor harten Liebes-Schlägen
Ich mus seufzen für und für.
                                       7
Nun ich will des Glückes warten /
Gibt das warten mir gleich Pein;
Vielleicht dürfte sichs noch karten
Dass der klare Sonnenschein
Mein Anschauen wird erleiden /
Alsdann werd' ich voller freuden
Und durchaus vergnüget sein.
Wol zufrieden mein allerschönstes Seelichen; wohl vergnüget mein aller teurester
Schaz / fuhr er weiter fort / nach dem die Hoffnung mich nicht ganz verlassen /
sondern schon in so weit besehliget hat / dass ich die mündliche Zusage erhalten
/ und die höchst gewünschete Volstreckung nicht ferne zu sein hoffe; daher mich
fortin nicht gereuen wird / ob gleich ihretwegen ich mannichen schweren
Herzensprast aussgestanden habe. Ach mein allerwerdester Fürst / antwortete sie;
billich rechne ich mich unter die glückseligen / dass von ihm ich dermassen
herzlich geliebt /und über Wirdigkeit hoch geschätzet werde / und hat er sich
nicht zubefahren / dass ich einem solchen geträuen Liebhaber einige Vergnügung
sollte auf zuschieben Willens sein / so bald ich mich nur bei meinen lieben
Eltern und Verwanten finden werde. Ich gelebe der tröstlichen Hoffnung / sagete
er / und will in guter Geduld erwarten / wann das Glük mir die vollige Niessung
ihrer Gunst und Liebe in ehelicher träue und zulässiger Belüstigung gönnen wird.
Weil aber die Sonne ihren Lauff schier zum Ende gebracht / und sich unter die
Erde verstecken will / werde ich mein Fräulein bitten / mir zugönnen / dass ich
sie mit meiner Kunst Farbe anstreiche / und den herrlichen Sonnenschein ihres
liebreichsten Angesichts unter dieser Wolke verberge; endlich ihr auch diese
bäurische Kleidung anlege / um zubesehen / wie stolz dieselben sich werden
dünken lassen / dass sie diesen ihren allerwolgestaltesten Leib zubedecken
gewirdiget werden. Das fromme Fräulein hatte vor diesem dergleichen verliebete
reden nie gehöret / viel weniger der Liebe Anmuht ihr einbilden können / die
anjetzo ihr mit überhäuffetem Masse eingeschenket ward /daher sie allerdinge
sich darein nicht zuschicken wusste; dañ ihr auffrichtiges unbetriegliches Herz
meinte nicht / dass etwas an ihr wåhre / wodurch ein solcher Fürst zu
dergleichen hohen Neigungen sollte können gereizet werden / daher baht sie ihn /
er möchte sie nicht über Wirdigkeit erheben / noch mit dergleichen Lobreden
belasten / die nur eine Schahm in ihr erwecketen / dass sie gedenken und
argwohnen müste /es wåhre zum Auffzuge angesehen / und wollte vielleicht er sie
erforschen / ob eine töhrichte Einbildung und närrischer Ehrgeiz hinter ihr
steckete / dass sie in unverdieneten Ruhm gehehlen könnte; welches er mit
traurigem Gesichte beantwortete / O ihr meines Lebens Meisterin / sagte er / kann
mein Fräulein so wiedrige Gedanken von ihrem ergebenen Knechte fassen /oder hat
sie dessen irgends an mir gespüret was zu ihrer Grossfürstlichen Hocheit
Verkleinerung gereichen möchte? und warumb will sie ihre Vortreffligkeit doch
nicht erkennen / oder vielmehr mir verbieten /solche zuverehren / und ihr den
gebührlichen Preis zuzulegen / welches doch weder ich noch einiger Mensch völlig
leisten kann? Umfing sie hiemit inniglich / und baht mit beweglicher Rede / ihn
hinfüro des ungleichen verdachts zuerlassen / welcher ihn mehr als der Tod
selber schmerzete. Wann es dann so sein muss / antwortete sie / dass mit aller
Gewalt ich mich einer sonderlichen Schönheit und anderer beiwohnenden
Volkommenheiten in meinem grosse Mangel soll bereden lassen / will ichs meinen
allerliebsten Fürsten zugefallen so lange mit gläuben / biss er sich eines andern
besinnen / und mir solches hernach selber wieder aus dem Sinne schwatzen wird;
vor dissmahl aber wolle mein liebster mit der Verstellung meines Angesichts
fortfahren / damit ich hernach auch mein ehrbahres Kleid anlegen könne. Arbianes
hiess Wolffgangen Wasser herauff geben / womit er die Farbe zurichtete / und vor
erst ihr Goldgelbes Haar bräunlich machete / über welche Veränderung sie sich
nicht wenig verwunderte; hernach streich er ihre Hände und Arme biss zu den
Ellenbogen an / und zulezt ihr Gesicht / Hals und Kehle / da sie ihren kleinen
Spiegel hervor suchete / und in dem selben sich besehend /hochbeteurete / sie
kennete sich selbst nicht mehr. Endlich verfügete sie sich in einen
absonderlichen Winkel / zohe ihre Fürstlichen Kleider ab / und legte die
wolzuflicketen an / schürzete sich in Gestalt einer Dienstmagd zimlich auff /
zohe grobe wüllinne Strümpffe / und breite Schuch an / in welchen sie einen
guten Teil Häu stopffen musste / damit sie ihr nicht von den Füssen fielen.
Inzwischen sturzete ihr Arbianes eine weisse Mütze auff / und über dieselbe eine
schwarze vierdraten / mit wöllinen Frenseln umher besetzet / hängete ihr
leztlich ein weisses grobes Leilach umb / dessen hinter Zipffel ihr biss an die
Waden herab hing / und als sie der gestalt bäurisch gnug aussgeputzet wahr /
sagte sie zu ihm; jezt erinnere ich mich der vorigen Rede meines Fürsten / dass
er sich nicht wegern wollte / in diesem Hütlein vor einen Knecht zudienen / wann
ich Magd oder Tochter drinnen währe; ei so betrachte er mich doch nun recht
eigen / ob ich nicht vor eine grobe Bauern Dirne mit lauffen kann. Ja / sagte er
/ nach der jetzigen Kleidung und angestrichenen Farbe zwar wohl; wie aber / mein
Fräulein / wann ihr die Kleider ausgezogen würden! Ach davor bewahre mich der
Almächtige Gott / antwortete sie / und lasse mich ja lieber auff dieser Stelle
die Seele aussblasen. Ich bin aber des starkriechenden Häues von Herzen
überdrüssig / und möchte wünschen / dass wir alsbald fortgehen sollten / weil ich
mich sehr wohl zufusse befinde; ist mir auch insonderheit lieb / dz das heutige
heisse Wetter sich in einen Rege zu verendern wollen scheinet / und in solcher
Witterung man umb soviel weniger auff uns acht haben wird / will auch lieber
durchhin nass werden /als im finstern gehen / dann bei Nacht Zeit ist es gar zu
grauhaft / und wann uns alsdann jemand auffstossen sollte / dürffte man
allerhand wiedrige Gedanken wegen unser nächtlichen Reise fassen. Der Fürst liess
ihm solches wolgefallen / rieff Wolffgangen und fragete / ob sie noch zeitig
gnug in die Stad kommen könten / wann sie sich jezt mit dem Regen auffmacheten.
Ja mein Herr / sagte er / nun währe wohl die gewünschete Zeit / wann nur eure Fr.
Schwester sich im nassen behelfen und den Regen leiden könnte; ob wir dann gleich
etwas späte nach geschlossenem Tohr kommen würden / habe ichs schon mit einem
Trinkgelde bei dem Tohr Hüter bestellet / dass wir sollen eingelassen werden.
Arbianes machte sich alsbald in seine Kleider / nam sein Geld und Kleinote /
deren er unterschiedliche bei sich hatte / zu sich / hing die Bauern Plötze an
die Seite / und hatte mit dem Fräulein mühe gnug / ehe er ihr von der steigere
Leiter helfen kunte. Als sie hinunter kahmen / gedauchte den Alten / das
Fräulein währe ihm gestern Abend im dunkeln ungleich schöner vorkommen / wollte
doch nach ihrer Verenderung nicht fragen / sondern reichete ihr ein weisses
Stäblein / wo bei sie gehen sollte /welches sie mit diesen Worten hinnam: Lieber
Vater /ihr habt wohl als ein Vater bei mir gehandelt / welches ich auch als eine
dankbahre Tochter erkennen will /und vor diesen Stab euer Stab im Alter sein / so
und dergestalt / dass ihrs nicht besser wünschen sollet. Würde sich nun alhie bei
euch meinetwegen weitere Nachfrage begeben / die von dem Teutschen Grossfürsten
oder seinen Söhnen herrührete / so stellet ihnen meine auff dem Häu
hinterlassene Kleider zu / und berichtet alles was ihr von mir wisset /
insonderheit /da inwendig sieben Tage ihr von uns keine Botschaft haben soltet
/ so schaffet euch Fuhre umb dieses Geld (dann sie legete ihm 20 Kronen in die
Hand) fahret hin / wo das Teutsche Heer sich auffhalten wird / und bringt meine
Kleider hochgedachten Herrn über / die werden euch schon des Weges zulohnen
wissen. Dieser euer Wolffgang aber soll mein Diener sein / und sein künftiges
Gluk noch zur Zeit nicht aussrechnen können. Ach liebe junge Frau / antwortete
der Alte /so hohes erbietens bin ich nicht wirdig / und möchte nur wünschen
zuwissen / was vor liebe Leute ich beherberget habe / welches bei mir sterben
sollte. Das Fräulein fragete den Fürsten auff Lateinisch / ob sie ihm etwas
Nachricht geben dürffte / und auff Erläubniss nam sie ihn absonderlich / und
sagte zu ihm; Sehet Vater / dass ihr vor erst meinen guten Willen spüret /
versichere ich euch in hohem vertrauen / dz ihr Braut uñ Bräutigam beherberget
habet / welche Gott wunderlich zusammen gesellet hat / und ihres Standes so hoch
sind / als einiger Mensch in diesem Königreiche. Der Alte erschrak dessen
höchlich / baht um Gnade und Verzeihung / wünschete ihnen Glük und sichere Reise
zu den ihrigen / und befahl sich ihrer beharlichen Gewogenheit. Arbianes nam
auch freundlichen Abscheid von ihm / bedankete sich der erwiesenen Träue / und
versprach ihm gnugsahme Vergeltung neben der Erinnerung / er sollte seine und
seiner Liebsten Kleider beieinander lassen / und sie /wann er etwa abgehohlet
würde / mit sich bringen. Welches er willig versprach / auch zugleich eine
Vorbitte wegen seines ungehorsamen Sohns einlegete /damit derselbe auch dereins
seiner Befoderung möchte zugeniesen haben; dann er währe jung / und von böser
Gesellschaft verleitet / würde alsdann das böse wohl ablegen / und alle
Mögligkeit leisten. Worauff Arbianes ihm allen freundlichen Willen verhiess; nam
einen Springstecken zur Hand / liess Wolffgang mit dem Fräulein ein wenig voran
gehen / und folgete gemehlig nach / Gott den HErrn von Herzen anstehend /er
möchte ihr Geleitsman sein / und sie in kurzen zu den ihren bringen. Als sie in
das offene Feld kamen /und zwischen dem Korn / welches gleich in der Blüte stund
/ daher gingen / erhub sich ein überaus ungestümes Ungewitter / da nicht allein
ihne der Wind gerade entgegen stund / welcher den scharffen Regen mit zimlichen
grossen check vermischet / ihnen ins Gesichte schlug / sondern der Bliz und
Donner sich dergestalt sehen und hören liess / dass auch ein Herzhafter dadurch in
Furcht und Schrecken gesetzet ward. Das Fräulein beschirmete ihr Angesicht mit
dem Leilach so best sie kunte / und wurden sie ingesamt in kurzer Zeit so
pfützenass / dass ihnen kein trockener Fadem übrig blieb. Arbianes beklagete das
Fräulein sehr / und führete sie stets unter dem Arme / welche sich aber keine
Ungelegenheit verdriessen liess / vorgebend / sie hätte nie keinen angenehmern
Lustgang verrichtet / und könnte das Wetter so ungestüm nicht sein / dass sie es
nicht schärffer wünschete / wann sie nur hiedurch vor Unfal gesichert würde;
aber als sie den Weg zur Helffte gebracht hatten / liess der Regen nach / und
gingen neben etlichen grossen Bäumen her / hinter welchen sich drei verschlagene
Wendische Fussknechte wegen des Regens aufhielten / deren einer ein Schwert bei
sich fuhrete / die andern beiden aber mit langen Prügeln sich versehen hatten.
Sie macheten alsbald einen Anschlag auff die unsern / ihnen / wz sie etwa bei
sich hätten / abzunehmen / weil sie sonst keine Leute im Felde spüreten /
insonderheit hatten sie Lust / Arbianes umb seine Bauernplötze zubringen / und
sich damit zuwapne / daher sie alle drei mit einander lossbrachen / und der eine
sein Schwert /noch ehe sie gar nahe kahmen / entblössete / welches Arbianes
ersehend / dem Fräulein eine Muht einredete / sie sollte sich wegen dieses
überfalles durchaus nicht fürchten / sondern bei Wolffgangen bleiben / oder
/welches das beste / sich nur an den einen Baum nidersetzen / massen da diese
Räuber ihnen etwas wurden anmuhten sein / sie es bald gereuen sollte. Hernach
hiess er Wolffgangen ein gutes Herz fassen / und mit seinem Springstecken sich
dem einen frisch entgege setzen / oder nur abwehren / dass er von ihm mit dem
Prügel nicht getroffen würde / er wollte mit Gottes Hülffe den andern beiden
Mannes gnug sein. Kaum hatte er solches ausgeredet / da riefen jene ihnen zu
/sie sollten stille stehen / oder alsbald niedergemacht werden. Das Fräulein
verliess sich auff Gott und ihres Fürsten Herzhaftigkeit / daher sie ohn einige
Wehklage sich nidersetzete / nicht zweifelnd / dieser Streit würde bald
geendiget sein. Arbianes aber gab den Ansprengern zur Antwort; was sie ihnen
zugebieten hätten zu stehen oder fortzugehen? sie sollten sich bald packen / und
der eine das Schwert in die Scheide stecken / oder es würde noch vor abends mit
ihnen dreckicht gehen werden. Diese liessen auff solche Dräuung sich trotzig
vernehmen / weil sie keine Gnade erkennen könten / mussten sie ohn alles erbarmen
in grüner Heide das Leben verlieren; da dañ der eine mit dem Prügel auff Wolgang
lossging / der andere sich auff die Huht stellete / ob diesen etwa ein Entsaz
zukommen würde / der mit dem Schwerte aber sich an Arbianes machete / des festen
Vorsatzes / ihn alsbald niderzumachen; welcher aber mit seiner kurzen Plötze
sich zum rechtmässigen Gefechte stellete /und seines Feindes getrost erwartete.
Dieser erkennete hieraus / dass der vermeinte junge Baur der Fecht Kunst nicht
allerdinge unwissend sein müste / gedachte doch / weil er selbst ein guter
Fechter wahr /ihm etliche blutige Streiche zuversetze / biss er ihn würde
auffgerieben haben / da er sich dann nicht wenig auff sein langes Schwert
verliess. Arbianes aber achtete sein nit / gab nur acht / wie es Wolffgang mit
seinem Manne ergehen wurde / und als er merkete /dass diese beiden einer dem
andern gewachsen wahre /hielt er seinen Feind mit Worten auff / und fragete ihn
/ was ihn so kühn machete / die Inwohner dieses Landes auff freier offener
Landstrasse zuüberfallen / und möchte gerne wissen / ob er ihn vor einen Mörder
und Räuber / oder vor einen abgestrichenen Landsknecht halten sollte. Diesen
verdross der Spot / und begunte heftig auff Arbianes losszudringen / welcher mit
einem kurzen Lager ihm auffwartete / auch nicht lange anstund / dass er ihm einen
Schnit über das Maul gab / dass die rohte Suppe mildiglich hervor flosse /
welches diesen zum wütigen Eifer verursachete / dass er ihm auch wohl einen Tod
durch Pein dräuen durffte; worüber sich Arbianes erzürnete / ihm eintrat / und
mit einem quehrhiebe ihm den Unterbauch öfnete / dass ihm das Gedärme zum Leibe
heraus floss / und vor Ohmacht das Schwert fallen liess; Arbianes machte sich
alsbald hin nach dem dritten /der auff die Huht gestellet wahr / welcher schon
mit flüchtigen Gedanken umging / weil er seines Gesellen Unfall von ferne sah /
und über das unbewehret wahr; sein Feind aber sass ihm zu zeitig auff der Haube /
dem jener sich mit seinem grossen Prügel entgegen setzete / aber denselben mit
samt der abgehauenen rechten Hand bald fallen liess / und ihm bald darauff mit
einem hiebe der Schedel geöffnet ward /dass das Gehirn samt dem Blute heraus
flosse. Der Obsieger kehrete hiemit umb nach Wolffgangen /umb zuvernehmen / wie
es ihm ginge. Derselbe hatte nun anfangs mit seinem Ansprenger sich
rechtschaffen zudrosche / und sehr herbe trockene Schläge ausgeteilet und
angenommen; Weil er aber merkete / dass der Wende ihm mit Fertigkeit / die
Streiche auszunehmen und zuversetzen zu gescheid wahr / unterlief er ihm / und
fing an mit ihm zuringen / da sie dann sich mit einander bei ben Haaren wohl
zuzauseten / biss es Wolffgangen durch seine Leibesstärke geriet / dass er diesen
zur Erden niederwarff / sich auff ihn setzete /und ihm die Augen im Kopfe
dergestalt zerschlug /dass sie ihm zuschwollen. Derselbe aber gedachte an sein
Brodmesser / und suchte es hervor / ihn damit zuerstechen / gleich als Arbianes
herzu nahete / welcher solches sehend / ihm im Augenblicke vorkam /und die Hand
begriffe / als er gleich den Stich vollenden wollte / schnitte ihm auch mit der
Plötze über die Finger / dass er das Messer fallen lassen musste / und in dieser
Angst fragete / obs recht währe / dass zween sich uber einen macheten. Arbianes
aber lachete dessen / reichete Wolffgang die Plötze / und befahl ihm /den Räuber
damit hinzurichten / welches er mit dreien Hieben leistete / und die
erschlagenen Buben hinter eine Hecke schleppete. So bald das Fräulein des
völligen Sieges inne ward / stund sie auff von ihrem andächtigen Gebeht /
dankete Gott mit kurzen Worten / und eilete hin zu ihrem lieben Fürsten /
welchen sie umfahend / also anredete: Gott Lob und Dank / mein Schaz / dass wir
dieser Gefahr gesund und unverwundet entgangen sind; lasset uns aber unsern Weg
eilig fortsetzen / damit nicht andere Buben über uns kommen / und die Gefahr
vergrösseren. Mein Fräulein redet wohl / sagte er; dann ob wir gleich solcher
Uberwindungen mehr erhalten würden / sind sie doch unrühmlich / und durffte dem
guten Wolffgang das Fell gar zu hart gegerbet werden / dann wo ich nicht irre /
hat er des Räubers Prügel zimlich gekostet. Ja mein Herr / antwortete er / ich
werde der empfangenen Stösse wohl etliche Tage mich zuerinnern habe / danke aber
eurer Gn. vor mein erhaltenes Leben / welches der Mörder bedacht wahr / mit dem
Messer mir zunehmen. Derselbe hat seinen Lohn empfangen / und wird hinfort ruhig
sein / antwortete er; gingen also fort / und fragete ihn Arbianes / ob er ihm
nicht könnte eine bequeme Herberge zuweisen / woselbst ihm ein eigen Gemach mit
einem Feurheerd und zwei bereiteten guten Betten eingeråumet würde. Welches er
beantwortete; Er dienete bei einem Gastwirt vor einen Haussknecht / welches ein
Witwer und guter Mann /aber sehr geizig währe / hätte ein feines Hintergemach /
und würden sie bei demselben besser als bei keinem andern können bewirtet
werden. Welches das Fräulein gerne vernam / ging mit ihrem lieben Fürsten immer
fort / und gelangeten noch vor Tohrschliessens bei der Stad an / gleich da eine
Gesellschaft trunkener Bauern heraus schwärmeten / und Arbianes zurechtfertigen
begunten / woher er kähme / und wer er währe; welcher aber sich mit ihnen in
kein Gespräch einlassen wollte / sondern Wolffgangen das Wort überliess / wickelte
sich also fein von ihnen los / ohn mit dem lezten währe er schier in ein
schlimmes Bad gerahten; dann als dieser sich an das Fräulein machete / und mit
ihr zutanzen / sie bei der Hand fassete /weil der Sakpfeiffer vor ihnen herging
/ verdross ihn solches so hart / dass er schon im vollen Werke wahr /von Leder
zuzihen / und den Schimpf zurächen / dafern Wolfgang sichs nicht angenommen
hätte / welcher den Bauern kennete / und ihn erinnerte / diese fremde Jungefrau
unbeschimpffet zulassen; dieser aber mit hohen Flüchen (sie steiff bei der Hand
haltend) beteuerte / er wollte der Dirnen kein Leid antuhn / nur sie müste
einmal mit ihm tanzen / und möchte hernach wohl ungehindert ihres Weges gehen.
Arbianes sich besiñend / lachete endlich des Handels / weil das Fräulein / um
Unheil abzuwenden / sich zum Tantze anerboht / da sie sich äusserst bemühete /
ja so unhöflich zuspringe / wie sie wohl ehmals es von den Sachsischen Bauern
Mägdlein gesehen hatte / wiewol dieser Tanz ihre verstellung leicht hätte
verrahten mögen / wann dass nüchterne Zuseher sich dabei angefunden / massen der
Baur seiner tölpischen Gewohnheit nach sie dergestalt herumb schwänkete / dass
die Kleider ihr zimlich in die höhe flogen / und man das zarte ihres Beins
nähest ober dem Knie sehen kunte / fehlete auch wenig / sie währe mit samt dem
Tänzer ubern hauffen gefallen / welcher im springen wegen des glatten Erdbodems
ausglitschete / und sich mitten im Koht rechtschaffen umbwälzete / das Fräulein
aber bloss durch ihre leichte geradigkeit sich des Falles entledigte. Wolfgang
nahm ihres Beines entblössung wahr / und aus der zarten Haut muhtmassete er /
sie müste unter dem Angesicht und an den Händen mit einer Kunstfarbe verstellet
sein / weil der Alte ihm von ihrer Schönheit gesagt hatte. Der Baur machete sich
aus dem stinkenden Lachen wieder hervor / und weil der Sakpfeiffer noch immerzu
auffspielete / wollte dieser noch weiter an den Tanz; aber Wolfgang / auff
Arbianes anmahnung machete den Spielman durch verehrung eines Groschen auffhören
/da der Baur das Fräulein schon wieder bei der Hand gefasset hatte / und mit
diesen Worten abscheid von ihr nam: Dirne / du must deine Tage wenig mit den
Händen gearbeitet haben / dann niemahls habe ich so weiche Finger angerühret /
als die deine sind. Das erschrockene Fräulein wusste hierauf so bald nicht zu
antworten / endlich sagete sie: Sie währe eine Nähterin / darumb hätte sie keine
schwelle in den Händen; zog sich hiemit von ihm nach ihrem Liebesten / welcher
zu ihr sagete: Dieses wahr gleichwol noch übrig /mein Fråulein / dass ich sie
nicht hatte tantzen sehen. Verzeihe es euch Gott / mein Schaz / amwortete sie
/dass zu meinem grossen Unglück ihr mich noch auffzihen dürffet; niemahls habe ich
in grösser angst uñ ungemach getanzet / und behüte mich Gottes Barmherzigkeit ja
hinfort / dass dergleichen Tänzer ich nimmer wieder an die Hand bekomme; aber
lasset uns schleunig fortgehen / dass ich nicht weiter ansprach von den
Trunkenbolzen bekomme / und Wasser haben möge /meine besudelten stinkenden Hände
abzuwaschen. Fassete ihn bei der Hand / und ging mit ihm zum Stadtohr ein /
klagend / es hätte der grobe Baur mit seiner steinharten Faust ihr die Finger
dergestalt zerdrücket / dass sie ihr rechtschaffen schmerzeten. Als sie in das
Wirtshaus anlangeten / sagte Wolfgang zu seinem Herrn; Hie sind fremde Leute
auff dem Wege zu mir kommen / und haben mich umb nachweisung einer guten
Herberge gebehten / wo ihr sie nun am besten lassen könnet / werdet ihr wissen.
Sein Herr fing an mit ihm zuschelten / eb er Kost und Lohn mit müssiggehen
verdienen könnte / möchte er sich nach einem solchen Herrn umbsehen; er hätte ihm
diesen Tag über durch versäumnis einen Gulden schaden getahn /welches er bei der
Ablohnung wohl finden wollte. Ich habe es nicht endern können / antwortete Wolgang
/und wañ ichs nicht nachhohlen kann / bin ich zu frieden dass ihr mirs abkürzet.
Der Wirt wollte noch weiters auff ihn losszihen / aber Arbianes fiel ihm in die
Rede / sagend: Guter Freund / ich und diese meine Wase / sind vom Regen
getroffen und zimlich nass worden; in was Gemach weiset ihr uns / dass wir uns
fein abtroknen mögen? Da geht in die Gesinde-Stube / antwortete er / ich werde
hinte kein grosses Feur anlegen / die Haut machet euch die Kleider wohl wieder
trocken / wann ihr über Nacht drinnen schlaffet. Solches schlimmen Ruhbettes
sind wir ungewohnet /sagte Arbianes; und weil er merkete / dass die Schuld ihrer
verachtung an den Kleidern lage / sagte er weiter: H. Wirt / urteilt uns nicht
nach der Kleidung; ich bin ein wolhabender Kauffman / und habe mich also
verkleiden müssen / weil ich vom Reinstrom herkomme; gebet mir / und meiner
Wasen ein gutes abgelegenes Gemach / ich will euch täglich eine Krone davon geben
/ und auff drei Tage voraus bezahlen. Legte ihm damit solches Geld in die Hand /
womit der Wirt nach dem Liechte lieff / es zubesehen; kam bald wieder / zohe
seinen Huht demühtig ab / und verhiess alles / was in seinem vermögen wahr /
ihnen gerne zu leisten. Ey so lasset uns ein gutes Feur anlegen / sagte Arbianes
/ und die besten Speisen zurichten / mich aber vor die bezahlung sorgen. Der
Wirt führete sie selber nach dem begehreten Gemache / und fragete ob sie einen
steten Auffwarter haben wolter. Ja / sagte das Fräulein / aber keinen andern /
als diesen euren Knecht / mit dem wir bereit Kundschaft gemacht /und in seiner
Gesellschaft ankommen sind, hat er euch dann / weil ich ihn auffgehalten / etwas
verseumet /habe ich schon mittel / es zuerstatten. Davon ist nichts zu sagen /
antwortete dieser; rieff seinen Wolfgang herzu / uñ befahl ihm / sich sonst an
nichts zu kehren / als bloss diesen Fremden auffzuwarten. Da ging es nun dem
Fürsten nach seinem willen; er machete sich mit dem Fräulein sein trocken / uñ
ergetzeten sich nach der muhseligen Reise / mit guter Speise und Trank. Nach
gehaltener Mahlzeit fragete der Fürst Wolfgangen / ob er die schon angelobete
Verschwiegenheit auch gedächte redlich zu halten / alsdann sollte er in der
elenden Knechtschaft nicht lange mehr zubringen / sondern in kurzem ein solcher
Herr werden / der selber Pferde und Diener halten könnte. Dieser versprach bei
Bauch und Halse / sich durch keines Henkers zwang zur Verräterei und
Träulosigkeit bringen zu lassen / sondern was ihm vertrauet würde / mit sich in
die Grube zunehmen. Wolan sagte der Fürst / so soltu wissen / dass du jezt einer
Grossmåchtigen Fürstin / und einem Fursten auffwartest /welche dich in kurzer
Zeit zu solchem Ehrenstande erheben wollen / dahin du dein lebenlang nicht hast
können gedenken. Wolfgang erschrak hierüber / fiel vor ihnen in die Knie / und
gelobete freiwillig an / vor ihre Wolfahrt gerne zusterben / weil er lange gnug
gelebet hätte / nachdem er das Glük gehabt / dass hohe Fürsten Häupter ihn vor
ihren Knecht anzunehmen gewirdiget hätten. Nein / sagete das Fräulein / ihr
sollet wils Gott nicht sterben / sondern mit uns wohl leben / dafern ihr nur
euren Worten redlich nachkommen werdet; sollte euch aber leichtfertigkeit
verführen /meinäidig zu werden / könnet ihr uns damit zwar keinen Schaden /
sondern nur Wiederwillen tuhn; aber wir würden solches dergestalt an euch rächen
/ dass das ganze Land daran ein Beispiel und Abscheuh haben würde; wiewol ich
mich dessen zu euch nicht versehe / dass ihr die wolangefangene Tråue so
schåndlich soltet überschreiten. Arbianes befahl ihm darauff / er sollte haussen
nähest vor dem Gemache seine Schlafstelle nehmen / damit er ihn allemahl bei der
Hand hätte / wann er seiner Dienste benöhtiget währe. Das Fräulein hatte ihre
alte Lumpen noch an /schåmete sich auch in des Fürsten gegenwart ihren Leib zu
blössen / daher sie ihn freundlich baht / ihr die unhöfligkeit nicht zuverargen
/ dass sie an ihm einen kurzen Abtrit begehrete / nur so lange / biss sie sich
entkleiden / und ihr Bette einnehmen könnte. Der Furst erkennete hieraus ihre
Schamhaftigkeit / wahr gehorsam / und fand bei seiner kurzen Wiederkunft sie im
Bette / vor welches er sich noch ein Stündichen nidersetzete / Sprache mit ihr
zuhalten / da sie ihn baht / er möchte Morgen geringe Zeug zu Kleidern
einkäuffen lassen / dass sie nicht so gar lumpicht gingen / sie währe ihrem
zulappeten Rocke so gram / dass sie ihn an ihren Leib nicht wieder legen wollte.
Hierzu wollen wir bald raht schaffen / antwortete er / taht mit ihr den
Schlafftrunk / und nach gewunscheter glückseliger Ruhe / legte er sich an sein
absonderliches Bette. Des morgens da sie beiderseits wohl ausgeruhet hatten /
machete sich Arbianes auff stellete Wolfgangen einen köstlichen Ring zu /
welchen er bei dem Goldschmiede umb 1500 Kronen ausbieten sollte. Dieser ging
zuvor nach einem reichen der ädlen Steine wolerfahrnen Manne / vorgebend / es
währe ein ådelmann bei ihnen zur Herberge / welcher aus noht seinem Herrn diesen
Ring verkäuffen wollte / der aber keinen verstand von solchen Waaren hätte / und
ihn bitten liesse / ihm den Wert ohngefehr anzuzeigen. Mein Kerl / antwortete
dieser / nach genauer besichtigung; diss ist trauen keines schlechten ädelmannes
Ring / der ihn aus noht verkäuffen müste / sondern er kömt zweifels ohn aus
einem Fürstlichen Schatze hervor /und weiss ich gewiss / dass seines gleichen in
diesem Königreiche nicht zu finden ist / massen seine kostbarkeit über die 6000
Kronen austräget. Was wollet ihr mir aber davor geben / fragete Wolfgang / ich
will euch die Warheit sagen / dass ich ihn ohngefehr auff dem Felde gefunden habe
da eine Schaar verschlagener Wendischer Reuter vor mir hinjagete. Der Schätzer
hätte sein Wort gerne wieder zurücke gehabt / besah ihn aufs neue / und gab vor
/ weil der Ring nur von einem Reuter herkähme / müsten gewisslich die drei
eingefasseten Demant nicht echte sein / sagete auch bald darauff / er befünde es
schon an unfehlbaren Zeichen / dass es keine Morgenländische / sondern geringe
Bömische Steine währen. Aber Wolfgang merkete den Kauffmansstreich / und sagete
/ es währe zu späht / ihn zuhintergehen / nachdem er ihn schon anderswo / doch
unter einem andern vorgebe hätte besehen lassen / da ihm schon 4000 Kronen davor
gebohten währen. Dieser besah ihn darauff zum drittenmahl / und sagete: Er
müste zwar bekennen / dass er nunmehr seiner gültigkeit innen würde / aber solche
kostbare Sachen währen nicht jedermans kauff /und musste er die Gefahr stehen /
ob er in etlichen Jahren ihn an seinen Mann bringen könnte; doch wann er ihm den
Ring vor einem andern gönnen wollte / währe er erbötig / ihm 3500 Kronen davor zu
geben. Er hat mir eben das meiste auch nicht gekostet / antwortete Wolfgang /
nur dass ich gleichwol mein Gluk nit verschenken mus; ists euch aber ein ernst zu
käuffen / so leget noch 800 Kronen zu / und schaffet mit dem Ringe euer bestes.
Nach kurzem gedinge wurden sie der Sachen einig / uñ nach träuer angelobeter
verschwiegenheit an beide Seiten / empfing Wolfgang 4200 Kronen / welche er ohn
verweilen in einem zurissenen Futtersacke dem Fursten brachte / und allen
Verlauff ihm erzählete / der ihm diese Träue so wohl gefallen liess / dass er ihm
alles übrige schenkete / uñ nur die begehreten 1500 Kronen davon behielt; gab
ihm auch urlaub / die Gelder alsbald seinem alten Vetter zu bringen / der sie zu
seinem besten in verwahrung nehmen sollte; welcher grossen Schenkung aber dieser
sich åusserst wegerte / uñ doch annehmen musste / daher er alles geschwinde
überbrachte / und dem Alten die Freiheit gab / ihm selbst nach freien willen
gutlich davon zu tuhn / er hätte einen so reichen und vornehmen Herrn / dass er
wohl merkete / er würde von ihm mit grossem Reichtuhm begnadet werden. Der Alte
entsetzete sich wegen des vielen Goldes / und gelobete Wolfgangen an / er wollte
schon wissen es zu seinem besten zuverwahren / hätte aber gerne gewust / wer
sein Herr eigentlich währe; aber bekam doch keinen andern / als diesen bescheid
/ er müste sich gedulden / biss die Zeit kåhme es zuoffenbahren /sein Gelubde
wåhre zu stark / solches zumelden / und seinem Vetter damit nichts gedienet / ob
ers gleich wusste; nam des Fürsten Pferd und Harnisch zu sich /weil alles im
Felde stille war / uñ brachte es mit über / hatte aber schon zuvor etlich
schwarzgefärbetes Zeug / Wöllin und Leinen durcheinander gewebet /eingekaufft /
wovon sie alle drei sich schlecht und bürgerlich kleideten / auch neue Hemder
und ander leinen Gerähte aus mittelmässiger Linnewand machen liessen; welches
alles gegen Abend erst fertig ward /und das Fräulein den ganzen Tag über in den
Federn liegen musste / da der Fürst ihr die Zeit zuverkürzen /alle Begebnis
erzåhlete / was zeit seines anwesens sich in Italien zugetragen hatte / wobei er
des Christlichen Glaubens nicht vergass / sondern auff ihr begehren die vorige
Unterrichtung zu unterschiedlichen mahlen wiederhohlete / dass sie zimlich weit
in der Erkenntnis Gottes und ihres Heilandes kam / und die Lehre fein begriff.
Hernach erinnerte er sie / was gestalt die zarte Haut ihres Beines sich unter
dem Tanzen hätte merken lasse; weil man nun nicht wissen könnte / was einem auff
der Reise zustossen möchte /wünschete er / dass der mehren teil ihres Leibes / wo
er am leichtesten könnte entblösset werden / mit der Farbe angestrichen sein
möchte; welches das Fräulein anfangs vor einen Scherz auffnam / aber endlich
selbst vor rahtsam hielte / foderte die gemachte Salbe von ihm / und in seiner
Abwesenheit richtete sie sich fast überal hesslich gnug zu / dass sie vor sich
selbst abscheuh trug. Gegen Nachmittage breitete das Gerücht hin und wieder in
der Stad aus / der Wendische Fürst Krito währe in der Schlacht gefangen / und
durch Büttelshand hingerichtet / sein Sohn erschlagen / und nachgehends
entäuptet / und würden die Sachsen das ganze Königreich einnehmen / weil sie
keinen Widerstand hätten. Bei spätem Abend kam ein reitender Bohte /
bekräfftigte nicht allein dieses / sondern brachte mit / die Sachsischen Völker
gingen alle zum Reich hinein / und hätten die vornehmsten örter alle
auffgefodert. Arbianes liess nachfragen / an was Ort sie sich gelagert hätten /
und erfuhr / dass sie wohl 14 Meile von hinnen sein würden / und imer weiter ins
Land gingen / damit sie sich aller Seehafen bemächtigten / auff dass aus
Dännemark oder Engeland dem Dänischen jungen Fursten keine Hülffe zukommen
sollte. So wird es zeit sein / sagte Arbianes zu dem Fräulein / dass wir uns auff
den Weg begeben / dann je ferner das Heer von uns lieget / je unsicherer die
Strassen zureisen sind / offenbahrete darauff dem Fräulein / auff was Weise er
die Reise vorzunehmen bedacht währe; er wollte morgen eine Karre und ein Pferd
davor / einkauffen / allerhand geringe leichte Waaren / von Korallen /
Tockenwerk und dergleichen Sache von den Krämern einlösen / in ein Kram Fass
vermachen / und mit ihr sich darauff setzen / da Wolffgang ihr Fuhrman sein
sollte. Der Anschlag gefiel dem Fräulein sehr wohl / taht noch hinzu / wie sie in
ihrer angestrichenen Farbe sich vor ihrer Fr. Schwester Grossfürstin Valisken
wollte als eine Krämerin stellen / und die schönen Waaren feil bieten; durffte
auch schon erzählen / wie sie ihr Wort machen / und das Frauen Zimmer auffzihen
wollte. Wie sie den Abend ihre neue Kleider bekam / legte sie dieselben an / und
gefielen ihr recht wohl / weil sie ja noch renlich und ganz wahren; sass diesen
Abend zimlich lange hin mit ihrem Fürste und erzählete ihm / wie heftig die
Teutschen Pfaffen es ihnen biss daher hätten lassen angelegen sein / ihren Herr
Bruder Herkules bei ihrem Herr Vater anzutragen / als einen Gottlosen / Unreinen
/ und geschwornen Feind aller Teutschen Götter / welcher überdas mit den
Gedanken umginge / wie er sein eigenes Vaterland verrahten /und dessen
Herschaft den Römern vollends in die Hand spielen wollte; welches auch ihr Herr
Vater eine gute Zeit her also gegläubet / aber nach Neklams Abzuge hätte er
angefangen daran zuzweiffeln / insonderheit / weil sie ihren lieben Bruder so
abscheuhlicher Unzucht beschuldigten / deren ihr Herr Vater wohl wüste / diesen
seinen Sohn von Herzen feind und zuwieder zusein. Sonst führeten sie ihr
Liebesgespräch miteinander gar freimühtig / dann sie wahr in dieser kurzen Zeit
ihm zimlich geheim worden / dass sie mit ihm als einem leiblichen Bruder umging.
Des folgenden morgens verschaffete Wolffgang alles / was sie zu der Reise
bedurfften / dass es gegen Abend seine gute Richtigkeit hatte / dann sie wollten
des nähstfolgenden sehr früh auffbrechen / damit sie des dritten Tages hernach /
wo möglich / bei den ihrigen sein möchten; aber diese Rechnung macheten sie II
ganzer Wochen zu früh / und mussten diese beide neu und erst angehende Kinder
Gottes zuvor ihres himlischen Vaters Zuchtruhte zimlich scharff schmecken / dass
das Blut drauff folgete / ehe sie seiner Gnaden Guter recht und ohn Angst
geniessen kunten. Die Zeitung von des Wendischen Fürsten Niederlage und
schmehlichen Tode ward diesen Tag von allentalben her bekräftiget / dass die
unsern daran nicht mehr zweifeln durfften / daher ihr Schluss wegen der
schleunigen Reise desto fester gemachet ward. Arbianes sprach diesen Abend
seinen Hausswirt an / er möchte ihm seinen Wolffgang zum Diener überlassen / wo
vor er ihm ein Stük Geldes geben wollte. Dieser machte sich anfangs gar
geschäfftig / er währe ihm in der Hausshaltung sehr nöhtig / köme so bald keinen
andern bekommen / der ihm anstünde / weil es ausser der Miete Zeit wåhre / und
was des einwendens mehr wahr / doch als ihm der Fürst 20 Kronen zum Abtrit
anboht / und ihn überdass 12 Kronen vor die Speisung bezahlete / wahr er
zufrieden / erboht sich auch / des Fürsten Leibpferd wolzufuttern / und seine
Waffen in Verwahrung zunehmen / biss nach Verlauff 14 Tage /zum längsten / ihrer
Abrede nach / es abgehohlet würde; nach welcher Abhandelung die unsern sich an
die Ruhe legeten / des folgenden Tages zur Reise erwartend. Nun trug sich aber
ein grosses Unglück in der Nachbahrschaft zu / in dem bei Dörrung des Malzes /
aus des Brauer Knechtes Unvorsichtigkeit / kurz vor der Sonnen Auffgang eine
Feuersbrunst im allernähesten Hause entstund / deren unsere verliebeten nicht
eins gewahr worden währen / sondern darinnen elendig hätten umkommen und zu
Aschen verbrennen müssen / wann nicht Wolffgang mit vielem klopffen und ruffen
sie aus dem harten Morgen Schlaff erwecket hätte / da ihnen kaum so viel Zeit
übrig wahr / die Kleider anzulegen; dann weil die helle brennende Lohe schon zu
ihrem Fenster hinein schlug / gedachten sie an nichts / als nur ihr Leben
zuretten / liessen alle ihre Gelder und Kleinot liegen weil wegen der Hitze man
dabei nicht wohl kommen kunte / so gedachten sie auch nicht eins daran in der
Angst / sondern sprungen mit ihren annoch unzugemachten Kleidern zur Kammer Tühr
heraus / da ihnen Gott sonderlich halff / dass sie unverletzet auff die Gasse
kahmen / woselbst Arbianes sich erst des hinterlassenen besan / jedoch es wenig
achtete / weil er des vorigen Abends in sein Kleid 100 Kronen / und in der
Fråulein ihres 60 Kronen zum Nohtpfennig vermacht hatte. Die Strassen wahren
schon vol Volks / die Brunst zulöschen / und ward jederman angemahnet /
zuzulauffen und Wasser zutragen; welches aber den unsern ungelegen wahr /
sondern gingen mit Wolffgangen nach dem Stad Tohr / da sie herein kommen wahren
/ in Meinung dahinauss zulauffen / und ihre alte Herberge wieder zusuchen / weil
sie es aber verschlossen funden / gingen sie nach dem andern Tohre / welches
nahe an einem fliessenden Wasser lag / woselbst die Bürger das Wasser schöpffete
/ und weil Wolffgang ihne bekant war / ihm und seiner Gesellschaft den Ausgang
nicht wehreten. Das Fräulein empfand grosse Angst in ihrem Herzen / und baht den
Fürsten / so viel möglich fortzueilen / dann der Sin truge ihr nichts gutes zu;
lieffen also miteinander alle drei zimlich fort / dass in kurzer Zeit sie die
Stad einen guten Weg hinter sich legeten. In der Stad fragete jederman / bei wem
das Feur ausskommen währe / da der Rechtschuldige nicht allein sich statlich
ausszureden wusste / sondern auch die Schuld eigentlich auff seinen Nachbar
/Arbianes Wirt / legete / dessen Haus dann in ja so grossen Flammen als sein
eigenes stund. Jederman rieff hierauff / man sollte ihn ins Feur werffen und
lebendig verbrennen / weil durch seine Vewahrlosung dieser Jammer und Schade
entstanden währe; aber der gute unschuldige Mann ward gewarnet / dass er sich
versteckete / und sein Leben erhielt / nachdem er nicht ohn Lebens Gefahr bald
nach der unsern Abscheid in ihre Kammer gangen / und die Kleinot samt dem Golde
/ über 1000 Kronen baar noch zur guten Beute davon brachte / dass er nach dem
Brande reicher wahr als vorhin. Es fand sich aber einer auff der Gassen /welcher
überlaut rieff; sein Knecht Wolffgang müste Zweiffels ohn der rechtschuldige
Tähter sein / dann er hätte sich zeitig zum Tohre hinaus gemacht; man sollte ihm
mit etlichen Pferden schleunig nachsetzen /als dann könnte man ihn leicht
erhaschen und nach verdienst abstraffen. Bald fielen vier verwägene Bürger auff
Pferde / nahmen ihre Schwerter zu sich / und jageten ihrer Spuhr nach / die man
wegen des gefallenen Taues sehr wohl sehen kunte. Arbianes ward ihrer zeitig
innen / und dass sie ihre blossen Schwerter um den Kopff kommen liessen / daher
sagte er zu Wolffgang: Diese haben gewiss nicht viel gutes im Sinne /darum halte
dich fertig / dass wann du sehen wirst / sie auff uns anfallen / alsdann biss nur
darauff bedacht /wie du mit meiner Liebsten auffs geschwindeste davon lauffest /
und sie in Sicherheit bringest; ich will diese schon wissen auffzuhalten / nam
etliche pfundige Steine von der Erden auff / und wie er im werffen sehr
geschwinde wahr / gedachte er sich bester massen zuwehren. Nun wahr Wolffgang
diesen Verfolgern von Angesicht unbekant / uñ setzeten deren zween vor den
andern aus / sahen Wolffgang mit dem Fräulein davon lauffen / und Arbianes
stehen bleiben / und sich zur Gegenwehr bereiten / daher meinten sie / sie
hätten den Rechtschuldigen angetroffen / und stürmeten grimmig auf ihn zu. Es
wahr sein Glük /dass er sich neben einen Baum gestellet hatte / und sie ihn nicht
überrennen kunten / fassete daselbst gewissen Stand / und richtete die Hand zum
Wurff / ob sie ihn anfallen wurden. Diese riefen ihm alsbald zu: Du
schändlicher Mordbrenner / jezt werden wir dir den wolverdienten Lohn geben /
damit du dich deiner Bosheit nicht berühmen könnest / wie viel armer Leute du
gemacht habest. Hilff mir Gott / sagte Arbianes bei sich selber / als wahr ich
unschuldig bin; rief ihnen hernach zu: Er währe kein Mordbrenner /und hätte nie
solchen bösen Willen gehabt. Aber diese kehreten sich daran im geringste nicht /
sondern setzeten gleich auff ihn zu / dass er genöhtiget ward /sein bestes
zutuhn; da er dann dem ersten die Stirn einwarff / dass er reine tod vom Pferde
stürzete. Der andere dieses eriehend / wollte seines Mit Bürgers Tod rächen; aber
mit dem andern Steine ward er gleich vor das Maul getroffen / dass ihm die Vörder
Zähne heraus sprungen / und er in Ohmacht vom Pferde fiel. Arbianes nicht faul /
nam des ersten Schwert zur Hand / und hatte noch einen Stein ubrig zu seiner
Beschützung / aber der dritte wahr ihm zu nahe auff der Hauben / welcher ihm /
da er sich nach dem Schwert bückete / eins über den linken Arm versetzete / dass
der rohte Schweiss darauff folgete / wollte ihm auch den andern Hieb beibringen /
aber er weich ihm aus /und mit einem Nachhiebe schlug er ihm das rechte Bein im
Knie-gelenke rein abe / dass auch dieser zur Erden stürzete / und ein klägliches
Geschrei trieb /biss ihm die Seele ausfuhr. Ehe nun dieser verschiede /kam auch
der vierde herzu gesprenget / und war willens ihn zuüberrennen / ward aber auch
mit dem Steine dergestalt getroffen / dass ihm der Kopff borste /und kein Wort
mehr redete. Der andere mit dem zuworffenen Maule kam wieder zu sich selbst /
fassete sein Schwert / und lieff ganz verwägen auff Arbianes zu / trieb es auch
mit seinen unauffhörlichen Streichen / dass ihm anfangs durch Fechterkunst nicht
zubegegnen wahr / aber endlich hieb ihm Arbianes die rechte Faust hinweg / dass
sie mit samt dem Schwerte auff die Erde fiel / mid im andern Streiche spaltete
er ihm das Häupt mitten von einander. Das Fräulein hatte anfangs des Streites
gar ein wenig zugesehen / kehrete sich aber bald umb / und vor grosser Angst
lief sie dergestalt fort / als ob sie Flügel gehabt hätte / dass auch Wolffgang
ihr schwerlich folgen kunte / und /welches das ärgeste war / verliess sie den
vorgenomenen Weg / und setzete zur Seiten aus über das quere Feld. Wolffgang
lief ihr nach / was er Leibes und Kräffte hatte / rieff ihr auch zu / sie möchte
dem Wege folgen; aber sie wahr vor Angst nicht bei sich selber / und gedäuchte
sie nicht anders / als ob ihr lauter Feinde nachlieffen / welches sie schüchtern
machte / dass sie nur suchte weit von der Landstrassen abzukommen / biss sie an
ein hoch aufgelauffenes fliessendes Wasser kam / durch welches sie ohn weiteres
bedenken hindurch watete / und sie darinnen hätte ersauffen müssen / wann nicht
Wolffgang sie (nicht ohn grosse Gefahr) hindurch gebracht hätte / massen ihr
dasselbe biss an die Gurgel reichete. So bald sie auff das Ufer trat / gedachte
Wolffgang / sie würde sich nun zur Ruhe begeben / aber sie fing den Lauff von
neuen in ihren nassen Kleidern an / triebs auch noch eine gute halbe Stunde /
biss sie endlich vor grosser Mattigkeit zur Erden stürzete / da sie allen Odem
verloren hatte / und nicht anders schien / es würde ihr alsbald die Seele
ausfahren. Arbianes befand / dass ihn die Armwunde schmerzete / legte seine
gewöhnliche Salbe drauff / die er zu allem Glük zu sich gestekt hatte / und band
sein Schnupfftuch darumb / dass er gute Linderung fühlete; weil er aber mit dem
Gefechte schier eine halbe Stunde zugebracht hatte / wahr ihm sein herzgeliebtes
Fräulein gar aus dem Gesichte kommen; doch trabete er anfangs ihrer Spuhr nach
/und hatte das eingestekte Schwert in der Hand / weil es ihm am Gehänge
mangelte. Ihm wahr fast angst /dz er seinen Schaz nicht erblicken kunte / ging
doch immer des Weges fort / und hatte nicht mehr acht / ob er frisch betreten
wahr / sondern richtete seine Augen gen Himmel / und baht inständig / Gott
möchte ihn samt dem Fräulein zu den ihrigen verhelffen / und vor weiterem Unfal
gnådiglich bewahren; in welcher Andacht er andertalb Meilen ging / ehe dañ drei
Stunden verlieffen / geriet endlich an ein Dörflein / und fragete / ob nit ein
junger Knecht mit einer jungen bräunlichen Frauen / gleich wie er gekleidet / da
eingekehret / oder hindurch gangen währen / bekam aber zur Antwort von einem
Manne: Er hätte fünff Stunden lang aneinander vor seiner Haus Tühr gearbeitet
/aber keinen einigen fremden Menschen gesehen vorüber gehen / da doch nur diese
einige Strasse währe /und alle durchreisende nohtwendig hier vorüber müsten.
Arbianes hoffete / sie würden noch zurücke sein / und sich etwa hinter einer
Hecke verberget haben /deswegen er ihrer daselbst in die sechs Stunden wartete /
und inzwischen nohtdürfftige Speise und Trank zu sich nam. Als sie aber gar nit
ankahmen / ward er herzlich betrübet / und behtete inniglich zu Gott / er möchte
das unschuldige fromme Fräulein durch den Schuz seiner lieben Heiligen Engel
geleiten / dass sie nicht von ihm getrennet würde. Aber sie wahr schon ferne von
ihm / und hatte sich zur Ruhe niedergesezt /nachdem Wolffgang Muhe gnug mit ihr
gehabt hatte /sie wieder zuerquicken / wiewol ihre Herzensangst so gross und die
Mattigkeit so stark wahr / dass die Zunge kein verständiges Wort hervor bringen
kunte / da Wolffgang endlich zu ihr sagete: Ach Frau (dann anders wollte sie von
ihm nicht genennet sein) wie so gar übel haben wir getahn / dass wir uns von dem
rechten Wege abgewendet / und dadurch meinem Herrn uns gar aus dem Gesichte
gebracht; wie wollen wir doch immermehr ihn wieder antreffen? Ach mein lieber
Wolffgang / antwortete sie; meint  ihr / dass euer Herr noch wohl sollte im Leben
sein? Ach nein /ach nein / er ist ohn zweifel schon ermordet. Fing hierauff an /
so erbärmlich zu weinen / dass es einen Stein in der Erden jammern mögen / wollte
auch durchaus sich nicht trösten lassen / wie viel gleich Wolffgang ihr
vorsagete / und sie demühtig eriñerte /sie möchte doch nicht aus blossem Argwohn
sich selbst durch Sorgen ermorden; die Götter hätten ihn ausser zweifel
geschützet / wie er dann mit seinen Augen gesehen / dass er den ersten und andern
durch zween Würffe zu grunde gerichtet hätte / und weil der Verfolger nur viere
gewesen / wurde er der übrigen zween sich durch gleiches Mittel leicht erwehret
habe / nachdem es an Steinen ihm daselbst nicht hätte mangeln können; währe
demnach nichts rahtsamers / als dass sie wieder umkehreten / und auff den vorigen
Weg sich begäben. Ach nein ach nein / sagte sie / das Herz träget mir viel ein
ärgers zu / dass er hart verwundet oder wohl gar erschlagen ist. So werde ich
demnach den Rükweg zugehen mich nimmermehr bewägen lassen / dass ich den Mördern
ins Schwert lieffe / und wann ich gleich wollte / so hat weder mein geängstetes
Herz Krafft sich zuerheben / noch meine ermüdeten Beine einiges Vermögen mich
weiter zutragen; fiel damit zum andern mahl in tieffe Ohmacht /und lag nicht
anders / als ob sie verschieden währe. Wolffgang wahr über die masse betrübt /
wusste nicht / was er zu ihrer Erquickung vornehmen sollte / rieb ihr den Schlag
an beiden Händen / bliess ihr in den Mund / schriehe ihr in die Ohren / und
wendete alle Mögligkeit an / dass er sie endlich wieder zurechte brachte / da sie
eine starke Trähnen Bach aus ihren betrübten Augelein hervor brach / dass er den
Jammer långer nicht ansehen kunte / auch so verwirret sich befand / dass ihm alle
Erkenntnis entging / welches Weges sie kommen wahren. Endlich redete er sie mit
Ernst an / und sagte: Verzeihet mir / geehrte Frau /dass ich die Kühnheit
gebrauche / euch einzureden /welches bloss allein zu eurem besten geschihet; Es
wird in Warheit höchstnöhtig sein / dass wir uns auff die Beine machen / nachdem
wir über zwo Stunden schon alhier zugebracht haben; auffs wenigste müssen wir
uns erheben / dass wir zu Leuten kommen / und uns in Sicherheit bringen / dann es
scheinet an den ungebaueten Sand-Hügeln / dass in der nähe kein Dorff werde
anzutreffen sein; und was wollen wir durch unnützes klagen uns selbst verzehren?
ich sage noch / und bleibe beständig dabei / die Götter werden meinen Herrn
behütet haben / welcher tausend mahl bekümmerter umb euch / als umb sich selbst
ist; ja welchen ihr durch euren Tod gewiss umbbringen würdet. Ach wollte Gott /
sagte sie / dass er nur bekümmert währe / alsdann könnte sein Kummer noch
gebrochen werden / ist er aber schon kummerloss / so muss der meine sich auch
durch den Tod endigen. Damit ging das weinen von neuen an / dass Wolffgang wegen
mitleidens ihm selbst den Tod wünschete. Doch endlich nach Verfliessung funff
Stunden / welche sie daselbst zubrachten / liess sie sich noch bereden / dass sie
auffstund und ihm folgete / da Sie sich dann in etwas begriff / ihre Augen gen
Himmel kehrete / und Gott /den sie kaum vor vier Tagen erkennet hatte / mit
überaus herzlicher Andacht anflehete / er möchte nicht zugeben / dass der fromme
Fürst erschlagen würde / welcher bloss ihretwegen sich in diese Gefahr begeben
hätte; tröstete sich auch zugleich dessen / dass Arbianes ihr vorgesagt / Gott
schickete den Gläubigen zwar Unglück zu / aber liesse sie nicht drinnen stecken
und verderben.
    Wir wollen aber diese beide verliebten ihr Elend bauen lassen / uñ zu der
HochFürstlichen Gesellschaft uns wenden / welche dann nicht feireten / die
Friesen unter das Joch zu bringen / nahmen eine Stad nach der andern ein / und
erzeigeten sich den Willigen gnädig /den Wiederspenstigen aber / deren doch
wenig wahren / sehr hart und scharff / wodurch die übrigen gewitziget / alle
Wiedersezligkeit fallen liessen. Nun hatte der lezte erblose Friesen König des
Königes in Däñemark einigen Sohn und Reichserben / seinen Landstånden / als
einen künftigen König und seinen Nachfolger vorgeschlagen / der Hoffnung / dass
wañ beide Königreiche unter einem Herrn sein würden /es ihnen allerseits umb so
viel sollte erspriesslicher sein. Aber den Ständen wahr solches durchaus nicht mit
/ durften doch bei ihres Königes lebzeiten nicht dawieder reden / aber so bald
er todes verbliechen wahr / lagen die vornehmsten dem Wendischen Fürsten an / er
möchte sich ihres Reichs als ein Verweser geträulich annehmen / weil die Stände
über der Wahl und Krönung des Dänischen Fursten sich so schleunig nicht
vergleichen könten / und würde er ihnen solches nicht versagen / inbetrachtung /
dass ihr König seiner Gemahl leibliche Schwester zur Ehe gehabt hätte. Währe dann
dem Dänischen Fürsten das Reich bescheret / würde es ihm hiedurch nit entzogen.
Fürst Krito wollte diesen angebohtenen Vogel nicht gerne aus der Hand fliegen
lassen / wie er ohndas sehr ehrgeizig wahr / und ihm schon die Hoffnung zur
erblichen Friesischen Krone gemacht hatte / trat die Verwesung an / und gelobete
den Ständen bei seinen Ehren / dass er ihren befehl und freien Willen nicht ein
Haar überschreiten wollte; liess darauff dem Dänischen Fürsten anmelden / wiewol
im Nahmen der Stände /dass er eine Zeitlang das Königreich räumen sollte /biss er
durch eine freie Wahl zur Herschaft gefodert würde. Dieses fiederten die
Vornehmsten des Reichs /dañ ihnen grauete vor der Dänischen Herschaft / welche
sie wohl ehmahls mit ihrem grossen Schaden erfahren hatten; wiewol sie viel ein
härter Joch an dem Wenden würden gehabt haben / wann derselbe ihr volkommener
Meister und König sollte worden sein. Der Dänische Fürst roch den Braten gar
zeitig / klagete es seinem Herr Vater / bei welchem er schon zimlich wieder
ausgesöhnet wahr; der beides die Stände und seinen Schwager Krito schriftlich
erinnerte / sie möchten sich des vorigen Königes gemachter sorgfältigen
Versehung gemäss bezeigen / und nicht Ursach zu grosser unnöhtiger Blutstürzung
geben / nachdem sie / und die ganze erbare Welt leicht ermässen würde / wie
schimflich es der Dänischen Kron anstehen wollte / wann dieselbe ihres Königs
Sohn ohn alle gegebene Ursach aus dem wolbesugten Sattel ausheben liesse.
Welches dann Krito nicht anders als eine Ankündigung des Kriegs auslegte /
gleich da er mit den Gedanken schwanger ging / das Teutsche Fräulein zu rauben;
kunte auch den Landständen die Sache so gefährlich machen / dass sie auff sein
unnachlässiges anhalten einwilligten / ein Heer von 68000 Mann auff die Beine zu
bringen / worzu er verständige Befehlichshaber aus seinem feinem Furstentuhm /
und 40000 Reuter und Fussknechte verhiess; aber ehe noch solche Anzahl beieinander
wahr / verrichtete er obgedachte Entführung. Der Dänische Fürst wahr solcher
Macht nicht gewachsen / und wegerten die Dänischen Stände sich gegen ihren König
ausdrüklich / eine so harte Fehde mit Friessland anzutreten / da sie zwar zur
Ursach einführeten / dass man nicht wüste wie man mit der Kron Schweden stünde;
aber ihr Häuptbedenken wahr dieses / dass sie nicht gerne ihren König gar zu
mächtig haben wollten / welcher sich der ausländischen Macht zu ihrem Zwange und
ihrer Freiheiten verkleinerung gebrauchen könnte; jedoch gönneten sie / dass der
junge Fürst in dem Dänischen Reich 1500 tapfere Kriegsknechte werben / und über
See zu sich gehen liess / wozu er noch 1400 geträue Friesen hatte /mit welchen er
die Hauptfestung / die in seiner Gewalt wahr / zu aller Nohtturft besetzen kunte
/ auch auff Andertalbjahr allerlei Vorraht an Früchten /Holz / Salz und Fleisch
hineinbrachte / nicht zweifelnd / die Stände würden des wüterischen Wenden bald
überdrüssig werden. Nun vernam dieser Dänische Fürst gerne / dass der Wende Krito
erleget / und des Königreichs Macht geschwächet wahr / aber dass der GrossFurst
aus Teutschland es gar einnehmen /und unter sich bringen wollte / dauchte ihm gar
zunahe getreten sein. Derselbe aber kehrete sich an ihn und seine Festung nicht
im geringsten / biss er die übrigen Orter alle unter seinem Gehorsam hatte /
welches doch jenem den Argwohn nicht benam / sondern taht seinem Vater alles bei
schleuniger Bohtschaft zu wissen / man hätte sich vor den Teutschen wohl
vorzusehen / dass sie nicht zu mächtig würden / und die ehmaligen Uberzuge / von
den Dänen geschehen / zu rächen sucheten; aber ehe er sichs versah / lag der
GrossFürst ihm vor der Nase / und belagerte den Ort zu Lande dergestalt / dass
kein Mensch weder aus noch ein kunte / des gänzlichen vorhabens / von dannen
nicht zu weichen / biss die Festung gewonnen /und alles in Friede und Ruhe
gesetzet währe; sendete demnach einen Trometer zu ihnen hinein / und foderte den
Ort als eine unstreitig Frisische Festung auff / mit angehängter bedräuung /
dafern inwendig dreien Tagen sie sich nicht ergeben würden / sollte ihnen hernach
der Zutrit zu aller Gnade versperret sein. Insonderheit wurden die Frisischen
Häuptleute und Knechte vermahnet / sich von dem Dänen abzuzihen / und der Stände
Schluss anzunehmen / weil der Dänische Fürst durchaus keine rechtmässige
Ansprache zu dem Königreiche hätte; dann nachdem keine Erben von des
verstorbenen Königes Geblüt und Stamme übrig /währe damit der Stuel erlediget
und den Ständen heimgefallen / einen König nach freiem willen zuerwählen / also
dass der verstorbene dasselbe nicht hätte können nach belieben verschenken. Aber
dieses wollte nichts verfangen / sondern der Däne / Fürst Olaff gab zur Antwort:
Es befremdete ihn sehr / dass der Teutsche GrossFürst ihn in seiner Festung
belagern dürfte /da er ihm doch nicht eins abgesaget / noch einige Ursach der
bestreitung / als seinen in den rechten ungegründeten Willen einführen könnte;
hätte er mit dem Wendischen Fürsten / seinem selbst eigenen Feinde /und etlichen
Frisischen Ständen / so jenem wieder Recht angehangen / etwas zu fechten gehabt
/ ginge weder ihn noch dieses Königreich ichtwas an / sollte ihm auch nimmermehr
mit Warheit überbracht werden / dass er in ihr Vorhaben eingewilliget / einigen
Vorschub darzu gelegt / oder wolgefallen daran gehabt hätte. Nun währe aber ja
die angelegete Unbilligkeit seines ermässens zur gnüge gerochen / nicht allein
an dem ganzen Heer / sondern an dem Wendischen Fürsten selbst / welchen man
(eine fast unerhörete Straffe) durch Büttels Hand håtte abschlachten lassen;
währe dann der Teutschen Grim auch durch Blut noch nicht versöhnet / je warumb
erholeten sie sich dann nicht an Wendland welches an der Ostsee /nicht an der
Westsee belegen währe. Man dürfte ihm vorwerffen / er hätte kein recht an diesem
Reiche /währe auch von den Ständen nicht beruffen / als denen die Wahl
heimgefallen währe; er möchte aber gerne wissen / ob dann die Sachsen Recht
daran hätten / oder ob die Stände sie zur Herschaft eingehohlet. Mit dem
Schwerte / und durch harte dräuungen währen sie darzu gezwungen / sonst würden
sie sich wohl hüten / dass sie denen sich nicht unterwürffig macheten / die ihnen
wohl ehmahls unabgesagt ihr Land durch und durch geplündert hätten. Jedoch hette
vor den Sachsen er sein Recht oder Unrecht nicht zu streiten; der lezte Friesen
König hette ihn an Kindesstat erwählet und angenommen / auch den Landständen es
frühzeitig gnug zu wissen getahn / welche überdas durch ihr nicht wiedersprechen
ihre einwilligung gnug zuverstehen gegeben; dass sie aber nach des Königes Tode
währen rukfällig worden / sollte der Teutschen GrossFürst / wann er löblich
handeln wollte / vielmehr straffen als unterstützen helffen. Er sässe auff seinem
Schloss / und in seiner Feste / davon wollte er sich trauen nicht durch einen
Trometer herunter blasen /noch von einem Schreier herunter predigen / sondern
durch unüberwindliche Fäuste heraus stürmen lassen /und sollte der Sachsen
GrossFürst erinnert sein / dass Dänische Herzhaftigkeit noch wohl so gross / und so
fest gesenket währe / dass sie Friessland über Meer nicht allein beschützen /
sondern aus unrechtmässiger Gewalt wieder losszureissen / eine Schanze wagen
dürfften; wie dann der Grossmächtigste König in Dännemark sein Gnädigster Herr
Vater ihn in seiner gerechten Sache nicht hülff-los oder unentsetzet lassen
würde / dabei man sich zuerinnern hätte / dass wohl ehe die Sachsen der Dänischen
Kron hätten müssen ein Knie beugen. Inzwischen / da es dem GrossFürsten also
gefallen würde / könnte er sich an seiner Festung versuchen / vielleicht sünde er
mehr / als er gemeinet hätte. Er wollte zwar vor dissmal dem Trometer seinen
unbesonnenen Frevel übersehen; wurde aber noch einer nach ihm kommen / und sich
unterstehen / ihm seine Leute abspenstig oder anfrührisch zumachen /wollte er ihm
den gebührlichen Lohn geben / und ihn über die Maur hinaus henken lassen. Die
unsern vernahmen solche Erklärung ungerne / sahen auch / dass es viel Zeit und
Blut kosten würde / die Festung mit Gewalt anzugreiffen; so ward ihnen des
Dänischen Fürsten Herzhaftigkeit und ritterliche Erfahrenheit von allen Ständen
hoch gerühmet. Herkules betrachtete am meisten / dass er gleichwol ein zimliches
Schein Recht vor sich hätte / insonderheit / weil die Stände anfangs ihm nicht
widersprochen; daher er in der Fürstlichen Versamlung also anfing: Ich habe nie
keinen Krieg mit grösserem Unwillen / als diese Belagerung / geführet / und
däucht mich / mein Gewissen werde dadurch in etwas beleidiget; am besten währe
es / man könnte den Fürsten / der uns ohndas verwand ist / in der Güte bewäge /
dass er sich der Ansprache dieses Reichs begäbe / welches mich däucht auff diese
weise wohl geschehen könnte. Erzählete hierauff seine Meinung / und bekam von
allen Beifall und Volmacht zuhandeln. Also setzete er sich / und nach kurzem
bedenken schrieb er folgenden Brief an den Dänischen Fürsten.
    Ich Herkules / gebohrner Grossfürst und nähester Erbe / des freien Teutschen
Reichs / erwähleter Fürst zu Susa in Asien / und Obrister Feld Herr der Königl.
und Grossfürstlichen Verbündnis in Asien wieder den Parter König Artabanus /
entbiete dem Durchleuchtigsten Fürsten / und nähesten Erben des Königreichs
Däñenmark /Fürsten Olaff / meinem geliebeten Oheim / meinen Gruss und alles gutes
/ und lasse dessen Liebe hiemit wissen /welcher gestalt nach Erlegung des
boshaften Menschen Räubers Krito / die sämtlichen Stände dieses freien
Königreichs Friessland / meinem Gn. Herrn Vater / dem Grossmächtigsten Grossfürsten
aus Teutschland die Beherschung dieser Länder einhellig auffgetragen / und die
Krone ohn Abbruch ihrer uhralten wohl hergebrachten Freiheiten auffzusetzen /
sich anerbohten / mit dem ausdrücklichen Vorbehalt / dass sie lieber alle
miteinander zum Lande ausszihe / als der Dänen Herschaft über sich nehmen wollen
/ und könnte sie nichts hindern / dass ihr gewesener lieber König / ihnen den
Dänischen Fürsten vorgeschlagen / welchen anzunehmen sie nie Willens gewesen /
wie wohl sie / Unruhe zumeiden / ihrem Könige b y dessen Lebzeit nicht
ausdrücklich wiedersprechen wollen /auch dessen blosser Vorschlag dem Dänischen
Fürsten kein Recht zu disem entledigten Reiche geben konne. Wann nun mein Herr
Vater mich seinen ältern Sohn mit dieser Kron gnädigst anzusehen Willens ist /
und kein Mensch / als Eure Liebe / mir dieselbe streitig machet /ungeachtet
dieselbe weiss und sihet / dass mit der Stände Bewilligung sie ihren Vorsatz nicht
heben / noch dieses Reich erhalten kann. Als will dieselbe ich Oheimlich ermahnet
haben / sich wohl zubedenken / ob sie mit gutem Gewissen die Beherschung dieses
Reichs wieder der Untertahnen Willen durch Blutvergiessung erhalten können / und
ihr nicht rühmlicher anstünde / sich ihres vorhabens willig zubegeben. Mein
Oheim traue mir zu als einem auffrichtigen Fürsten / dass wann meine Wahl nicht
schon geschehen währe / ich mit ihm mich den Ständen stellen /und wann die
Stimmen auff seine Liebe fielen / der erste sein wollte / der ihm hierzu von
Herzen Glück wünschete. Lasset uns demnach / Durchl. Oheim / nicht ohn noht Blut
stürzung anrichten / meldet die Gefahr / welche von euren Friesischen Knechten
die kaum des Ernstes erwarten werden / euch zustossen könnte / und begebet euch
euer vermeinten Ansprach / alsdann will ich mich hiemit erbieten und verpflichtet
machen / Euer Liebe Freund und Bruder zusein / auch es dahin zu bringen / dass
Euer Liebe die volkommene freie Beherschung des Wendischen Fürstentuhms erblich
eingeräumet werden soll. Welchen Vorschlag Eure Liebe verhoffentlich wählen /und
weitere Ungelegenheit abwenden wird; auff welchen Fal ich dann Zeit meines
Lebens bin und verbleibe / Euer Liebe zudienst und Freundschaft
bereitwilligster und ergebener Oheim
                                                                       Herkules.
    Als Fürst Olaff dieses verschlossene Schreiben empfing / und diese
Auffschrifft lase: Dem Durchleuchtigsten Fürsten und Herrn / Herrn Olaff /
nähestem Erben des Königreichs Dänenmark / meinem freundlichen lieben Oheim;
wahr er willig / es zuerbrechen / und nach Verlesung beredete ers mit seinen
Befehlichshabern / welche es vor eine Kleinmühtigkeit an Seiten Herkules
ausslegeten / und vorgaben / es währe ihm rühmlicher angestanden / den Fürsten zu
einem absonderlichen Kampf ausszufodern / als freundliche Bit Brieffe zuschreiben
/ insonderheit / da er sich vor einen Kriegs Held und bestalten Feld Herrn
aussgäbe. Riehten demnach mit einhelliger Stimme / er sollte seiner guten Sache
trauen / und es in der Götter Nahmen dem Schwert anbefehlen / weil man billich
zweiffeln müste / ob die Dänischen Stände dem sieghaften Sachsischen Heer sich
entgegen setzen / und mit ihne den Krieg auffnehmen würden. Und als der Fürst
fragete / auff was weise sie es dann vor best hielten / tahten sie den
unvorgreiflichen Vorschlag / sie wollten die wehrhaftesten Däne 600 Mann / und
die tapffersten Friesen / 400 stark / ausslesen / sich mit dieser Schaar unter
ihres lieben Fursten Anführung ins Feld setzen /und den Feind mit gleicher
Anzahl zur Schlacht fodern /unter der von beiden seiten gegebenen gnugsamen
Versicherung / dass / welcher Teil unterliegen und das Feld räumen würde / dem
andern alle Ansprache zu diesem Königreich abtreten sollte. Furst Olaff lachete
dieses vorschlages / und gab ihnen zur Antwort; ob sie den Teutschen Grossfursten
und andere Anwesende Fürsten so Kindisch hielten / dass sie ihres grossen vortels
sich begebe / und um die Frisische Kron noch erst 1000 Knechte fechten lassen
wollten / welche sie schon so gut als in Händen håtten / oder doch zu haben
vermeinten. Er vor sein Häupt wollte durch einen solchen ungereimten Vortrag
sich ihnen nicht zum gelächter vorstellen / sondern in freundlich-abschlägiger
Beantwortung dem berümten jungen Grossfürsten Herkules / so viel zuverstehen
geben / dass wann er bereit währe / er sich willig wolle finden lassen / mit ihm
in einem absonderlichen Kampf sein Heil zuversuchen / unter der Bedingung / dass
auff den fal seines Sieges / die Sachsen abzihen / seine Festung unangefochten
lassen / und ihm Freiheit gönnen sollten / mit den Friesischen Ständen sein Recht
ausszufuhren / und ein grosses wird es sein / sagte er / wañ ich solches von
ihnen erhalten werde; setzete darauff dieses Antwort-Schreiben in der eile auff.
    Olaff / gebohrner Fürst und Erbe des Königreichs Dänenmark / erwähleter und
angenommener Erbe und Nachfolger des Königreichs Friessland / entbeut dem
Durchleuchtigsten Grossfürstlichen Herrn aus Teutschland / Herrn Herkules /
Fürsten zu Susa / und Obersten Feld Herrn der Königlichen und Grossfürstlichen
Verbündnis in Asien / seinem geliebeten Oheim / freundlichen Gruss und alles
gutes; füget dessen Liebe zuwissen /dass dero Schreibens Inhalt er gelesen und
reifflich erwogen habe / selbes aber gründ- und umständlich zubeantworten / noch
zur Zeit unnöhtig und unfruchtbar achte / jedoch vor angebohtene Freund-Oheim-
und Brüderschaft sich hoch bedanke und ein gleichmässiges mit auffrichtigem
Herzen anerbiete / ohn dass er in Abtretung eines Königreichs so leicht / und ohn
vorwissen seines gnädigsten Herr Vaters und Königes nicht gehehlen können /
würde ihm auch fast unrühmlich und ehren-verkleinerlich anstehen / wann mit
freundlichen Brieffen er seine wolversehene / und vor Feindes Anfal gnug
verwahrete Festung sollte stürmen und einnehmen lassen. Hätte er eine gleiche
oder etlicher massen bestante Macht auff den Beinen / währe er unerschrocken /
dem Glük im offenen Feldesein gutes Recht anzuvertrauen / aber in Mangel dessen
ist er biss dahin gezwungen sich von Wahl und Mauren zuwehren; giebet gleichwol
seiner Liebe daneben zubedenken / obs uns beiderseits zuverdenken währe / wann
wir um ruhige Besitzung eines so schönen Reichs / Schwert an Schwert setzeten
und Leib an Leib wageten / damit die Götter zu Richtere gesetzet / den Aussschlag
im kurzer frist und ohn Blutstürzung der unschuldigen geben möchten. Welches
Euer Liebe zur WiederAntwort zugeben / auch vor angebohtenes Fürstentuhm
zudanken sich schuldig erkennet hat / und im übrigen / als lange erlebet / ist
und sein will / Euer Liebe zu dienst- und Freundschaft-bereitwilligster und
ergebener Oheim
                                                                          Olaff.
    Ekhard wahr dissmahl der Heerhold / welchem der Däne eine statliche güldene
Kette schenkete / und das Antwort Schreiben mit grossmühtigen Geberden zustellete
/ sagend: vermeldet meinem Oheim dem trefflichen Helden Fürst Herkules meinen
Gruss und Dienste / und dass von seinen preisswirdigen Tahten mir in Spanien und
Engeland etwas vorkommen ist; möchte wünschen / dass dieser Span zwischen uns
nicht entstanden währe / dann würde ich mein Schwert / wie leicht es auch ist /
lieber wieder seine Feinde als ihn selbst entblössen; und verlanget mich nach
nichts so sehr / als die Ehre zuhaben / sein tapfferes kämpfen anzusehen / ja
auch seiner Streiche selbst zuempfinden; ich gelebe aber zu einem so hoch
beschriehenen Helde der ungezweifelten Hoffnung / seine Liebe werde meine Frage
einer Antwort wirdigen. Durchleuchtigster Fürst / antwortete Ekhard / mir
zweifelt nicht / ihre Durchl. werde mit meinem Gnädigsten Herrn / Grossfürst
Herkules / dereins in gute Kundschaft gerahten / dessen Durchleuchtigkeit einem
solchen tapfferen Fürsten und lieben Oheim ein Königreich zuschenken / sich
nicht lange bedenken würde /wann es mit der Stände Einwilligung geschehen könnte;
massen dessen Durchl. weder nach Herschaft noch Hocheit fraget / und dessen zum
Beweisstuhm /den Käyserlichen Stuel / darauff der jetzige Römische Käyser seine
Durchl. hat setzen / und zum Gleichwaltigen Mit Herscher annehmen wollen /
aussgeschlagen hat. Weil ich aber merke / dass Eure Durchl. Begierde träget /
meines Gnädigsten Grossfürsten Schwert zuprüfen / mag sie dessen sich wohl
gänzlich versichern /dass sie des Wunsches inwendig einer Stunde wird gewehret
sein / dafern dessen sonst in diesem Schreiben einige Meldung geschehen ist. Ich
weiss wohl / Ritter /sagte der Däne / dz Euer Fürst mein Oheim / seines Gegners
Speer und Schwert wohl leiden mag / das übrige werde ich schon zuvernehmen haben.
Liess ihn hiemit zimlich bezechet zihen / und gab ihm einen Trometer mit.
Herkules verlass den Brieff in der Fürstlichen Versamlung / da Fürst Baldrich
sehr anhielt /dass der Kampf ihm möchte übergelassen werden /dessen sein Vater
wohl zufrieden wahr / und er sich dessen schon freuete / aber Herkules wollte
durchaus nicht einwilligen / sonderlich da er die mündliche Werbung vernam /
einwendend / es müste ihm ja billich zur Kleinmühtigkeit gerechnet werden / wann
er einem Fursten auff Ausfoderung nicht selber stehen /sondern einen andern an
seinen Platz stellen würde. Doch trug er der Gesellschaft dieses vor: Ob er zwar
willens währe / im fal er unterliegen würde / sich dieses Königreichs zubegeben
/ so könnte er doch den Ständen dieses Reichs nicht auffbürden / dass sie wider
ihren Willen diesen Fürsten annehmen sollten /wiewol / da er im Leben bliebe / er
nicht unterlassen wollte / ihnen solches zurahten. Weil dann ihnen solches
beliebete / verfassete er dieses in ein kurzes Schreiben / und als er den
Trometer mit einer köstlichen Kette / daran sein Brustbilde wahr / geschenket
hatte / sagte er zu ihm: Reitet hin / mein Freund / und nach Anmeldung meiner
Dienste und Grusses / saget meinem Oheim: Ich nehme seine ritterliche höfliche
Ausfoderung willig an / hätte zwar lieber auff freundlichere weise mich mit
seiner Liebe abfinden wollen; weil aber solches nicht haften mag / ist mirs
dannoch lieb / dass unser Span durch absonderlichen Kampff kann ausgetragen werden
/ jedoch solcher gestalt / dass der überwundene sich aller Ansprache zu diesem
Königreiche schlechter dinge begebe / und solches Fürstlich verbriefe / welches
an meiner seiten schon bündig gnug geschehen ist / und ihr in diesem Schreiben
(welches er ihm einreichete) zuubergeben habet. Ob mirs dann in meiner guten
Sache nicht glücken sollte /muss ichs dahin rechnen / dass es meinem Arme sehr
zuwider sein wird / mein Schwert wider meinen Oheim zukehren / dem ich gewisslich
lieber in andern Diensten auffwärtig sein wollte. GrossFurstin Valiska stund dabei
/ und taht dieses hinzu. Trometer / vermeldet eurem Fürsten / einen Gruss von
seiner unbekanten Wasen Valisken aus Böhmen / uñ dass ich ihn erinnern lasse / er
wolle mit besserm Gewehr als Recht sich gefasset halten / wañ er Hoffnung zum
Siege haben will; ich vor mein Häupt wollte es in dieser so guten Sache wider ihn
mit dem Schwerte zu Ross und Fuss wagen / und an der überwindung wenig zweifeln.
Der Trometer verwunderte sich nicht allein solcher Erklärung / sondern auch
ihrer übermässigen Schönheit / machte sich fort / und hinterbrachte alles;
welches Fürst Olaff lieb und angenehm wahr / kunte es auch Herkules nicht
verübeln dass er den Ständen das Recht ihrer Wahl vorbehalten wollte / dann er
gedachte / wann nur die Teutschen würden abgewiesen sein / sollte sein Herr Vater
den Stånden schon so nahe treten / dass sie ihn annehmen müsten; wiewol auff
solchen fal die Wahl auff Fürst Siegward ohn allen zweifel würde gefallen sein /
welches sie ihm nachgehends ausdrüklich zuerkennen gaben / doch dabei
unangezeiget nicht liessen / dass ihm nichts schaden tähte / als dass er der
Dänischen Kron ungezweifelter Erbe währe / ausser welcher Betrachtung er von den
Stände alsbald würde beliebet / angenommen / und noch bei ihres Königes Lebzeit
gekrönet worden sein; mit welcher Erklärung er dann völlig in seinem Herzen
zufrieden wahr. Vor dissmahl aber dauchte ihm schimpflich sein / dass ein
Weibesbild ihn im Kampffe bestehen wollte. Worauff der Trometer zu ihm sagete:
Durchl. Fürst / ob sie mit dem Schwerte wider Eure Durchl. haften würde /
solches weiss ich nicht / wiewol sie scheinet muhts gnug zuhaben /mehr als ich
mir bei einigem Weibesbilde habe einbilden können; aber ihrer Augen Schwerter /
Spiesse und Pfeile sind scharff und hurtig gnug / alle Mannesbilder zu
überwinden / dann ihres gleichen an Schönheit und freundlichen Geberden / lebet
in der ganzen Welt nicht; so kann ich auch wohl mit warheit sagen /dz ein Fürst
von grösser Schönheit und tapffermuhtigen Bezeigungen / als Herkules / mir nie
vorkommen ist / aus dessen Reden und Sitten wohl erscheinet / dass er im Felde und
auf der Streitbahn sich rechtschaffen zutummeln wisse. Ein anwesender
Schmeichler / welcher sonderliche Gnade hoffete zu verdienen / wollte dem Fursten
liebkosen / uñ fragete den Trometer / ob er nicht in seiner kühnen Erzählung dem
Fürsten zu nahe getreten wåhre. Aber derselbe wollte es selbst beantworten / und
sagete: Mein Kerl / lass du mir diesen und jedermänniglich die Warheit reden;
oder meinestu / dass ich in einer Narrenhaut stecke / und einem tapfferen Ritter
sein gebührliches Lob nicht gönne? Er wollte aber / seine Herzhaftigkeit
zuerzeigen / den Kampff nicht långer auffschieben / setzete die schrifftliche
Einwilligung nach begehren auff / suchte seine besten Waffen hervor / und machte
sich zum Kampffe fertig; und weil er wusste / dass Fürstliche Mannes-und
Weibesbilder zusehen würden / putzete er sich gar zierlich / nam einen starken
Friesischen schwarzen Hengst mit einer Himelblauen Decke / mit Perlen reichlich
gesticket / und einen schwarzen mit Golde eingegossenen Harnisch; die Feldbinde
wahr gleicher art mit der Pferdedecke; im Schilde stund ein Königliches
Mannesbilde / hatte eine Kron auff dem Häupte /und umb sich her diese güldene
Buchstaben: Regni Lex, Honesta Regis Voluntas. Des Königes ehrlicher Wille ist
des Landes Recht. Womit er seinen Anspruch behåupten wollte. Auff dem Helme
führete er einen güldenen Löuen / welcher eine Schlange zerdrückete / dass ihm
der Gift ansprützete / hatte aber in ber Tatzen ein Täffelein mit dieser
Auffschrifft: Fraus Fortitudinem non frangit Betrug bricht die Stärke nicht.
Diese Waffen hatte er machen lassen /der Meinung / sich deren wider den Wenden
Krito oder dessen Sohn Gotschalk im Kampffe zugebrauchen. Herkules musste auff
seiner Valisken begehren sich folgender gestalt ausrüsten. Er ritte einen
starken schneeweissen Hengst (aber nicht seinen ädlen Meden) dessen Decke ein
zartes Persisches gülden Tuch wahr / mit den schönsten grossen Zahl Perlen
besticket / und umher die scheinbaresten Demanten /zwo Reihen uber einander. Der
Sattel blänkete von allerhand ädlen Steinen; sein Harnisch war stark übergüldet
/ mit geetzetem schwarzen Blumwerk; Im Schilde wahr seine Valiska gemahlet / und
umher diese Worte: In Coelo DEVS, in terra HÆC meus amor est; Gott im Himmel /
und diese auff Erden ist meine Liebe. Auff dem Helme hatte er auch einen
güldenen Löuen / welcher sich aber von einem Schäflein leiten liess und an seiner
Brust diese Worte stunden: Effectus Amoris. Diss ist der Liebe Wirkung. Seine
Feldbinde wahr von gleichem Zeuge mit der Pferdedecke / uñ sass an seinem
Schwerte / welches stark uber uñ über vergüldet wahr / ein treflicher Demant
oben auf dem Knauffe / welcher Strahlen von sich warf. Olaff hielt zwischen
zween vornehmen Dänischen Herren / seinen Anverwanten / welche ihn zubesuchen /
vor weniger Zeit kommen wahren / hatten etliche Jahr der Ritterschaft in der
fremde obgelegen / und mannichen guten Preis erworben; der eine hiess Harald /
der ander Hunibold. Neben Herkules ritten König Ladisla und Furst Baldrich. Das
Fürstliche Frauenzimmer hatte sich auff den Elefanten gestellet / dem Kampffe
zuzusehen / woselbst Valiska als eine Sonne unter den Sternen hervor leuchtete /
und erwies ihnen Fürst Olaff / so bald er sie sah / mit abgezogenem Helme
grosse Ehrerbietigkeit / ward auch über Valisken Schönheit ganz bestürzet / dass
ihn schier gereuete /den Kampff begehret zuhabe; doch gedachte er in seinem
Herzen; wie wann du Herkules erlegetest / und durch eine einzige überwindung
zugleich dieses Königreich und das Reich aller versamleten Schönheit
erstrittest? sendete auch einen zierlichen ädelknaben an das Frauenzimmer / bei
welchem er sich anfangs entschuldigen liess / dass er die unbilliche Entführung
des GrossFürstlichen Fräulein weder befodert noch gut geheissen hätte; hielt
demnach umb Erläubniss an /dass ihm der Kampff mit ihrem guten Willen möchte
zugelassen sein; und liess sich ihren ingesamt / und jeder absonderlich
gehorsamen Knecht und bereitwilligsten Diener nennen. Herkules gefiel die
Höfligkeit sehr wohl / und nam ihm gänzlich vor / so viel möglich / sein zu
schonen. Valiska aber / welche ihren Köcher mit übergüldeten Pfeilen / und den
Bogen angehengt hatte / gab dem Knaben diese Antwort: Reite hin /und melde
deinem Herrn / dem Dänischen Fürsten /unserer sämtlichen Ehren-gewogenheit an /
und dass ich ihn träulich warnen lasse / das Schwert in so schlimmer Sache nicht
zugebrauchen / da ihm weder Gott noch Recht Beistand leisten will; kann er nun
meinem Raht folgen / werde ich mich bemuhen / ihm dergestalt zubegegnen / dass
ihm nach der Friesischen Kron nicht verlangen soll; bringe ihm auch diesen Ring
meint  wegen zum Pfande / dass wann er meinem allerliebsten Gemahl im Streit
angewinnen sollte /ich ihm zwar dieses Königreich nicht streitig machen / aber
ihn doch ausgefodert haben will / dass er ungeharnischt / mit Schild und Schwert /
oder auch wohl ohn Schild / umb Leib und Leben den Kampff mit mir antreten muss.
Fürst Olaff entsetzete sich der ernstlichen Ausfoderung von einem Weibsbilde /
wollte auch den Ring mit solchem bedinge nicht annehmen / sondern schickete ihn
wieder zuruk / und liess ihr sagen: Er währe bereitwilligst / in allen möglichen
Dingen ihr zugehorsame / aber seiner Ausfoderung sich zubegeben / würde ihm
unertäglicher sein / als der Tod; sein Schwert aber wider eine solche trefliche
Fürstin auffzuheben / wollte er lieber unbewehret sich von ihrer Hand niderhauen
lassen / wie herzlich gerne er auch die Ehre haben möchte / diesen Ring zu ihrem
unsterblichen Gedächtnis zubehalten. Zeit dieser Handelung schickete Baldrich an
Olaffs Gefärten /und liess ihnen sagen: Sie hielten alhie beiderseits gegen
einander gewapnet / nicht als Feinde / sondern als Zuseher / uñ verzöge sich der
Kampf in etwas; währe demnach nicht unabgeneiget / mit ihrer einem ein
ritterliches Speer / nit aus Feindschaft / sondern zur Lust / und dem
anwesenden Frauenzimmer zur Ergezligkeit zubrechen / wann es ohn Unwillen könnte
eingewilliget werden. Olaff wahr dessen wohl zufrieden / und erläubete seinem
Gefärten Herrn Harald solches gar gerne; welcher es ohn auffschieben annam /und
den Saz mit ihm anging; hielt sich auch im ersten Treffen wohl; im andern
schwankete er; und im dritten musste er seine alte Mutter die Erde küssen; dessen
er sich nicht ein geringes schåmete / weil er sah / dass sein Obsieger
unbewäglich sitzen blieb. Ladisla hatte auch belieben mit dem andern einen
Versuch zutuhn /welcher nicht allein ehrenhalben es nicht ausschlagen kunte /
weil es bloss dem Fürstlichen Frauenzimmer zugefallen geschehen sollte; sondern
hatte auch die Hoffnung gefasset / seines Gesellen Schimpf einzubringen /
welches ihn aber sehr betrog; dann ob er gleich den ersten Stoss etlicher massen
aushielt /schwankete er doch davon als ein trunkener / musste auch im andern
Gange einen solchen Sprung nehmen /dass er den rechten Schenkel zubrach; massen
ihn Ladisla mit samt dem Pferde über und über warff. Olaff kennete der seinen
Rittermässigkeit / und wunderte sich nicht wenig / dass sie dergestalt
beschimpffet stunden / daher er auch die Rechnung ihm leicht machete / er würde
aller seiner Kräffte uñ Erfahrenheit in diesem Kampffe wider Herkules bedürffen;
zu welchem ende er sich fertig machete / da er von der jungen GrossFurstin gleich
diese Antwort bekam: Sie erkennete sein ritterliches Gemüht aus dem / dass er das
versprochene vor unwiederruflich hielte / und weil ihm ihre Bestreitung so gar
unangenehm währe / sie auch nicht hoffete / dass ihres Gefechtes es bedürffen
sollte / möchte er dessen erlassen sein / und dannoch den Ring / weil es ihm also
gefiele / zum Zeichen ihrer künftigen Gutwilligkeit behalten; welchen er
alsbald an seinen kleinen Finger steckete / und gleich willens wahr / Herkules
mit einem Speerwinken zuverstehen zugeben / dass er zum Treffen fertig währe; Er
sah aber / dass Valiska ihren Bogen zum Schuss anlegete / umb nach einer Taube
zuschiessen / deren drei hoch oben her in Lüfften schwebeten; und lachete /
seiner Meinung nach / ihrer Tohrheit bei sich selbst / dass sie einen so
unmöglichen Schuss in Gegenwart so vieler Fursten wagen / und sich dadurch nur in
Spot setzen wollte; aber als er gewahr ward /wie geschwinde sie die eine
getroffen / dz sie mit samt dem Pfeil tod herunter fladderte / verwunderte er
sich dessen über alle massen / insonderheit / als sie fast im Augenblick darauff
die andere / und endlich / ehe man sichs versah / auch die dritte / ohn einigen
Fehlschuss herunter hohlere; sagte auch zu einem Ritter / der hinter ihm hielt:
Dafern dieses Wunder Bild so fertig mit dem Degen / als mit dem Bogen ist /
würde ich mich nicht unterwinden / einen Gang mit ihr zutuhn / und wann ich
diese drei Schüsse mit meinen Augen nicht hätte angesehen / würde ichs vor eine
lautere Unmögligkeit halten; wiewol ich bei wir anstehe / obs eine warhafte
Taht / oder eine Augen-Verblendung ist. Dieser verwunderte sich darüber nicht
weniger / erinnerte aber den Fürsten / es schiene / dass sein Gegener auff ihn
wartete. Es ist mein Vorhaben durch diese Wunderwirkung mir schier aus dem
Gedächtnis gefallen / antwortete er; gab auch Herkules ein Zeichen /dass er
losbrechen wollte. Derselbe pflegte sich nun in dergleichen Geschäfften nicht
gerne zweimal ansprechen zulassen / legete ein / und begegnete dem Dänischen
Fürsten sehr artig / traff ihn auch dergestalt /dass er hinter sich bog / und
wenig fehlete / er hätte sich auff der Erden ausstrecken müssen; dessen er sich
gleichwol entsetzete / und schon merkete / dass Speer würde ihm die Friesische
Kron nicht erstreiten /weil sein Wiedersacher fest im Sattel blieb; jedoch
hoffete er im andern Treffen sich besser zuhalten / da es Herkules bald ungleich
ergangen währe; dann als er meinte den Stoss anzulegen / ward sein Pferd
schüchtern / sprang zur seiten aus / und lief wider seinen Willen mit ihm eine
zimliche Ecke hinweg / biss er endlich wieder Meister ward / sich aber des Fehls
/der ihm sonst nie begegnet wahr / sehr schämete / und dannoch das Pferd
umzuwechseln bedenken trug /sondern sich wieder auff die Bahn setzete / und
seinen Feind dergestalt empfing / dass er ihn mit samt dem Rosse zur Erden warff.
Sein Vater sah den gewaltigen Rit / und sagte: Hilff Gott / wie können eines
Jünglings Arme solche Macht volbringen! Nun glückete es gleichwol dem Dänen /
dass er weder unter das Pferd zuliegen kam / noch sonst einigen Schaden empfing /
sondern da ihm sein Leibdiener ein frisches Ross zuführete / setzete er sich
darauff / und mit dem entblösseten Degen hielt er sich fertig / weil er lieber
zu Pferde als zu Fusse kämpffen wollte. Herkules schickete Neda an ihn / und liess
ihn warnen / er möchte den Streit lassen auffgeruffen sein / nachdem er sähe /
dass das Glük ihm in dieser Sache nicht beipflichten / noch nach willen fugen
wollte / alsdann sollte er sein Freundes Gemüht in der Taht spüren; welches
erbieten ihn etwas schimpflich dauchte / und zur Antwort gab: Ob sein Pferd
lieber fallen / als zur seite aussprengen wollen / könnte er nicht endern hoffete
/ das angefangene zuvollenden würde ihm Fürst Herkules nicht versagen. Wol dann
/ antwortete er hierauff / so kann es ja nicht anders sein; Setzete auch
dergestalt auff ihn zu / dass Valiska fürchetete / der Dåne würde mit dem Leben
bezahlen mussen / daher sie zu dem Grossfürsten sagete: Ich sehe ungern / dass der
Dänische Fürst keine freundliche Anmuhtung /weiss nicht / aus Tapfferkeit oder
Verstockung / will gelten lassen / und dürffte ihm vielleicht die Reue zuspaht
kommen. Das Gehacke ging unter diesen beiden rechtschaffen an / und liess Olaff
wohl spüren / dass er muht und herzens gnug hatte / umb ein Königreich das Schwert
zuführen / meinte auch / in dem ersten Anfal der überwindung einen festen Grund
zu legen; aber Herkules betrachtete / dass er in seiner Eltern und des ganzen
Kriegsheers gegenwart stritte / wollte demnach sehen lassen / dass das Gerüchte
von seinen Tahten nicht aus blosser gewogenheit erschollen wåhre / daher er
alles mit Doppelhieben dem Dänen dergestalt zusetzete / dass er in kurzer Zeit an
unterschiedlichen Orten seines Leibes die blutigen Merkzeichen der empfangenen
Verwundung von sich gab /wiewol wegen güte seiner Waffen es nicht tieff
durchgangen wahr. GrossFürst Henrich / der bei dem Frauenzimmer auff dem
Elefanten wahr / fing an: die Streiche hat mein Sohn in Teutschland nicht
gelernet /noch von einigem Kämpfer gesehen. Gn. Herr Vater /antwortete Valiska /
ich achte dieses Gefechte fast vor nichts; aber wann man ihn unter einem ganzen
Hauffen sollte mätschen sehen / wurden die Hiebe wohl anders zischen und krachen /
versichere auch meinen Herr Vater / dass mein Herkules noch Höfligkeit gegen
Fürst Olaff gebrauchet / dann sonst würde er ihn schon längst vom Pferde
gerissen und abgeschlachtet haben. Nun hielt sich dannoch der Dähne /dass ihn
niemand tadeln kunte / und die Warheit zu sagen / würde ausser Herkules und
Ladisla nicht leicht ein ander ihm überlegen gewesen sein. Dann er ging sehr
behutsam / versetzete so viel ihm möglich wahr / und gab sich nicht bloss / ohn
wann er meinte / seinen Feind mehr zubeschädigen / als von demselben getroffen
zu werden. Nachdem es aber Herkules verdross / dass er so lange Wiederstand hielt
/ taht er einen heftigen Anfal / gleich da sein Gegener die Hoffnung fassete / er
wurde sich nunmehr zimlich abgemattet haben / und doch dagegen seine Hiebe nur
verzwiefältigte / ihm auch dergestalt den Helm zuhämmerte / dass ihm vor den
Augen zu funkeln begunte /und er sich zuerhohlen / zur Seiten ausweich; aber
Herkules setzete ihm auff dem Fusse nach / schlug den Helm auff / uñ rieff ihm
zu; Fürst Olaff / lassets dereins gnug sein gefochten / und gebet dem Streit
anstand / dann ich wollte ungerne einen so guten Ritter / als ihr seid / tödlich
beschädigen; ihr sehet ja vor Augen / dass es euch weder an gutem Herzen noch
kräftigen Fäusten / sondern bloss an gerechter Sache mangelt. Dieser Schimpf /
wie ers auslegete / schmerzete ihn mehr als die empfangene Wunden / dass er
derselben gar darüber vergass / kehrete umb / und antwortete mit kurzen; O nein
Fürst Herkules / diese Rechnung ist noch zur Zeit zu früh gemacht. Woldann /
sagete er / so werde ich die Kreide zum andernmahl ansetzen müssen; damit erhub
sich der Streit von neuen / ob hätten sie noch keinen Schwertschlag geführet;
aber Gluk / Erfahrenheit uñ geschikliche Kraft hing nicht in gleicher Wage /
sondern an Herkules Seite im grossen Ausschlage / der seinen Feind zu
unterschiedlichen mahlen hätte niderstossen können /wollte aber nicht / sondern
da er seinen Vortel ersah /warf er ihn vom Pferde herunter und sprang ihm nach
/ wiewol er ihm selber auff die Beine halff / und ihm Zeit genug gönnete / sich
zum Fusskampfe zubereiten / welcher auch ernstlich angetreten / aber nicht so gar
lange geführet ward; und wahr wunderlich anzusehen / dass / nachdem die Kämpfer
Sattellos wahren / die Pferde einander so grausam anfielen / als währen sie
rasend worden / schlugen und bissen sich so lange /biss sie beide niderfielen /
und das Leben einbüsseten; woraus etliche Zuseher ein Unglückszeichen nehmen
durften / als würden die beide Fursten sich ebenmässig hinrichten; aber Valiska
weissagete viel anders /und zwar recht / es sollten diese Pferde das Opffer vor
ihre Herren sein / wie dann bei denen die Gefahr nicht so gross wahr; massen /
nachdem Herkules seinen Feind Schildloss gemacht / und ihm den Helm gelöset hatte
/ risse er ihm denselben gar vom Häupte /setzete ihm die Schwertspitze an die
Kehle / und sagete; Ich ermahne euch nochmahls / mein Oheim / dass ihr
Lebensfristung nicht muhtwillig ausschlaget / welches weder euch noch mir
rühmlich sein würde / uñ ich doch genöhtiget / etwas wieder meinen Willen tuhn
musste / welches mir eben so leid als der ganzen Kron Dänenmark sein sollte; ihr
wisset dass man mit Gottes schickung mus friedlich sein / welcher nur einem den
Sieg gönnet / welchen ich doch an euch zubehäupten nicht begehre; begebet euch
dieses Königreichs / welches lieber untergehen / als euch zum Herrn annehmen will
/ und gedenket dass Dänenmark seinen künftigen Herrn und König wohl ernehren
könne; alsdann will ich mein allererstes erbieten erwiedert haben / uñ diesen
Kampf als ungeschehen rechne. Olaff antwortete ihm mit geherzter Rede; besser im
Streit geblieben / als gefangen hinaus geschleppet / und missgönne ich meinem
Obsieger das minste nicht / welches mein Blut ist / nachdem er das meiste / die
Ehre davon getragen hat. Nicht ein Häärlein Ehre verloren / sagte Herkules /
werde auch nach auffhebung des Streits euch vor keinen Gefangenen oder
überwundenen / sondern vor meinen brüderlichen Freund añehmen und halten. Welche
Worte den Dänischen Fürsten / der ohndas der Tugend herzlich ergeben wahr /
dergestalt bewägeten / dass er ihm sein Schwert willig darboht / und zu ihm
sagete: Unvergleichlicher Held; eure Kräfte haben zwar meinen Leib / aber eure
Höfligkeit meine Seele überwunden /schätze mich unwirdig einem solchen frommen
redlichen Fürsten ein Königreich zuvorentalten / wann es auch mein angebohrnes
währe / und ist mir leid / dass aus unbedachtsamkeit ich eure Liebe zur
Feindschaft wieder mich fast genöhtiget / welches aber wieder einzubringen ich
mich bemühen will / wünsche deroselben Glük und alle gedeiliche Wolfahrt zu
dieser Kron / und verbleibe Zeit meines übrigen lebens zu deren wolgefallen. Als
Herkules dieses hörete / legte er seinen Helm abe / umbfing ihn brüderlich / und
sagte: Er sollte mit ihm alle seine Glükseligkeit gemein haben; mag auch euer
Liebe nicht bergen / setzete er hinzu /dass wir vordissmahl umb ein Reich
gestritten / welches nunmehr weder eure Liebe noch ich begehren; nam ihn bei der
Hand und ging mit ihm hin nach dem nähesten Zelt / dass seinen Wunden alsbald
möchte raht geschaffet werden. Die gesamte Fürstliche Gesellschaft machte sich
hin / ihn zubesuchen / nachdem er verbunden wahr / und trat Valiska vor hinein /
welche anfangs mit wenig Worten ihren Herkules (der von ihm noch nicht gewiechen
wahr) anredete / und / wie sie sagete / sich von Herzen erfreuete / dass er
unbeschädiget aus dem Kampfe getreten wahr; wendete sich hernach zu dem
Dänischen Fürsten / und sagete zu ihm: Durchleuchtigster Fürst und Oheim; ich
möchte von ganzem herzen wünschen / dass die Gelegenheit es håtte leiden wollen /
auff andere Weise /als vor dissmahl geschehen ist / mit euer Liebe Kundschaft zu
machen; jedoch / weil Gott lob aller Zwiespalt verglichen / und die
Misshelligkeit beigelegt ist /erfreuet mich höchlich / dass eure Liebe so wohl /
als mein höchstgeliebter Gemahl den Kampf ohn tödliche Wunden geendiget haben /
wovor ich dann nicht geringe Sorge getragen. Es hat in Warheit eure Liebe durch
auffruffung des Kampfs und der ganzen Fehde /sich uns alle zu ihren verbundenen
gemacht / und verspreche derselben ich meinesteils in künftig alle Dienste und
Freundschaft / die ohn Ehren-verletzung von mir können geleistet werden; dessen
ich euer Liebe dieses schlechte Pfand nunmehr selbst einliefern / und ihrer
künftigen Königlichen Braut mit einer halben Million Goldes verfallen sein will /
selbe Zeit des Beilagers auszuzahlen; nahm hiemit einen sehr köstlichen Ring /
steckete ihm denselben an den Finger und sagete; Wann sie ein wichtigers als ein
Königreich erdenken könnte / wollte sie ihm darzu / als viel an ihr währe /
schwesterlich behülflich sein. Der Fürst vergaffete sich fast an ihrer Schönheit
und freundlichen Reden / nam den Ring mit hoher Ehrerbietung von ihr an /
vermeldend / dass noch nie kein angenehmer Geschenk ihm dargeboten währe / als
dieser Ring; das übrige erbieten wüste er nicht zubeantworten / weil es gar über
sein verdienst reichete; baht hernach / dz das vorgelauffene gänzlich möchte
abgetahn / und als ungeschehen in vergess gestellet werden nachdem er numehr
aller Ansprach an dieses Königreich / sich willig begäbe / welches er niemand
lieber als ihrer hohen vortrefligkeit gönnete /deren auch seine Festung
einzuräumen / er alle Augenblick bereit und willig währe. Sie nam dieses Erbieten
mit hohem Danke an / und versprach im Nahmen ihres Herkules / dass das grosse
Fürstentuhm der Wenden ihm erblich sollte erstritten und zugestellet werden /
wurden auch dero behueff Siegward / Leches und Neda alsbald gevolmächtiget / mit
8000 Teutschen und Böhmen / denen 9000 Frisische Völker /und 7000 gefangene
Wendische Reuter sollten beigefüet werde / nach Wendland / welches jetzo
Mekelnburg heisset / zu gehen / die alte Fürstin ihrer Haft zuerlassen / und den
Untertahnen anzutragen / ob sie mit gutem Willen / den Dänischen Fürsten / Herrn
Olaff (welcher alle ihre Landes Freiheiten bekräftigen würde) zu ihrem Fürsten
annehme / oder der gänzlichen Verwüstung wollen gewärtig sein. Sie muhteten zwar
Fürsten Olaff an / ob ihm gefallen könnte / als ein Feldherr mit zuzihe / aber er
wegerte sich dessen /einwendend / weil er nichts höhers wünschete und begehrete
/ als mit den Königl. und Fürstlichen Helden in bessere Kundschaft zugerahten /
båhte er sehr / ihm zu gönnen / dass er ihrer Gesellschaft sich eine Zeitlang
gebrauchen möchte. Niemand wollte ihm dieses versagen / deswegen rieff Valiska
Siegwarden zu sich / und baht / er möchte die mühe über sich nehmen /und seiner
Frl. Schwester / Frl. Schulda das Heirahtgut erstreiten / sie verhoffete
zwischen ihr und dem Dänischen Fürsten eine glückliche Ehe zu stiften; die Wenden
würden zweifels ohn erschrocken sein /weil nicht allein ihre Fürsten / sondern
auch ihre geubete Mannschaft erschlagen und gefangen währen /dass also die Eile
alles nach Wunsch erhalten würde. Siegward bedankete sich der schwesterlichen
Vorsorge / wegen seiner Frl. Schwester / und machte sich fertig zum Auffbruch;
nahm auch sein Gemahl mit sich / deren Libussa Gesellschaft leistete / unter
genomenem Abscheide / dass inwendig sechs Wochen sie mit der hülffe Gottes zu
Magdeburg sein wollte. GrossFürst Henrich hielt sich insonderheit gar freundlich
gegen Olaff / dann er hatte in der Jugend mit seinem Vater gute Freundschaft
gepflogen / als sie miteinander in Engeland und Reussen der Ritterschaft
obgelegen; daher er sich auch gegen den jungen Fürsten aller wilfahrung erboht;
worauff er antwortete: Eure Grossfürstl. Hocheit erfreuen sich billich des
glücklichen Sieges / aber tausendmahl billicher ihres Sohns Fürst Herkules / als
den ich vor einen unvergleichlichen Held und beste Kämpffer des Erdbodems
schätze / mehr als von einigem Ritter ich mir niemahls einbilde können; und
nachdem die Götter mir seine Kundschaft auff keine andere / als diese weise
gönnen wollen / bin ich damit gerne friedlich / der ungezweifelten Gewissheit /
wie dieses unser erster Streit gewesen / also solle er auch der lezte sein.
Nachgehends foderte er selber an / dass man ihm Schreibezeug hergeben möchte / da
er folgenden Brief an seinen Oberhauptman der Festung auffsetzete:
    Olaff / Fürst aus Dänenmark / entbeut seinem Verweser Erich / dass er straks
angesichts dieses / mit der ganzen Dänischen und Friesischen Besatzung sich
hieselbst bei mir in des Grossmächtigsten GrossFürsten der Teutschen Heerlager
einstelle / und die Schlüssel der Stad Tohre mit sich bringe / Zeigern dieses
aber mit seiner Mannschaft einzihen / Mauren / Wahl und Tohre nach seinem
gefallen besetzen / und ihm nach alle seinem belieben schalten und walten lasse
/ als lieb euch meine Huld und Gnade ist.
    So bald er dieses geschrieben hatte / begehrte er an Herkules einen Obersten
mit ohn gefehr 1000 Mann nach der Festung abgehen zulassen / dass sie alsbald
/wann seine Leute auff diesen Befehl abzihen würden /den Ort fleissig besetzeten
/ welches Prinsla und Klodius anbefohlen ward / die auch ohn seumen fortzogen /
aber nicht eingelassen wurden. Dann ob gleich der Dähnische Obriste seines
Fursten Hand und Siegel sah / wollte er doch so bald nicht trauen / sondern
argwohnete / er würde diesen Brieff zuschreiben genohtiget sein / gab demnach
zur Antwort / es könnte leicht geschehen / dass zween einerlei Hand schrieben /
und möchte seinem Gnädigsten Fürsten das Pitschaft wohl abgehändiget sein /
daher er zuwilfahren bedenken trüge / wann aber Herr Harald / oder Herr Hunibold
/ ober sein Gnädigster Fürst selber zur Festung kommen / und ihm mündlichen
Befehl erteilen würde / befünde er sich schuldig zugehorsamen. Olaff meinte /
die Fürstliche Gesellschaft würde ihm solches nicht gönnen / dahin zureiten /
weil Harald mit Gallus und Ekhard auff die Jagt aussgeritten wahr / als aber
Valiska selbst anhielt / wann seine Verwundung es leide wollte / ihm seines
Dieners Vorschlag der aus redlicher Pflicht herrührete / gefallen zulassen /
ritte er bis an den Graben / und rieff ihm zu seinem schrifftlich gegebenen
Befehl nicht folge leisten / die Festung räumen / und wegen geschehener Wegerung
bei der Durchl. Grossfürstin Valiska um Gnade anhalten würde / sollte er als sein
Erzfeind sterben / wollte auch keine Antwort voll ihm anhören / sondern ritte
alsbald mit seinem Diener wieder zurück. Erich / dem sein Gemüht wolbekant wahr
/ machte sich geschwinde fertig / führete die Völker mit weissen Stäben ab / und
ging er selber ohn alles Gewehr / nur dass ihm sein Leib Diener das Schwert
nachtrug / hielt die Tohr Schlüssel in der Hand / und als er vor Valisken nider
fiel / legte er dieselben / wie auch sein Schwert zu ihren Füssen nider / baht
vor sich und seine herbeigeführete Soldaten um Gnade / wegen Wegerung der
Ubergabe / und erboht sich zu allem untertähnigsten Gehorsam. Valiska aber
redete ihm mit diesen Worten freundlich zu: Stehet auff mein Freund / und gürtet
alsbald euer Schwert an / dann ihr tuht euren eigenen Ehren unrecht / dass ihr
mit einem Fussfalle euch als ein Ubeltähter einstellet / und doch nichts
gehandelt habet / als was einem redlichen und geträuen Diener zustehet. Warff
ihm damit eine güldene Kette um den Hals / und versprach ihm daneben ein gutes
Ritter Pferd / samt einem volståndigen Reit Harnischer und 6000 Kronen baar /
welches dieser in unvermuhtlicher Freude mit untertähnigster Danksagung annam;
seinen Völkern aber / deren 2900 wahren /liess Herkules durch die Bank hin drei
Monat Gold baar ausszahlen / und mussten hernach auff Olaffs Befehl sich mit den
Friesischen Völkern / so nach Wendland sollten / zusammen tuhn / dass er Willens
wahr / deren nur 12 bei sich zubehalten / aber Herkules und Valiska lagen ihm
hart an / dass er 400 alle gebehrne Dänen / zu seinem Leibschuz und Auffwartung
unter seinem Leib Fähnlein zurück behalten möchte / welche alle von Valiska
absonderlich beschenket wurden / und auff deren getrieb ihrem Fürsten aufs neue
schwören mussten ihm getråu zu sein /und ihn in keiner Noht zuverlassen / dessen
sich Olaff nicht gnug verwundern kunte. Als nun jederman der Meinung wahr /
Herkules würde mit seinem Gemahl sich krönen lassen / und die Herschaft
antreten / foderte er seinen Vater den Grossfursten und seinen Bruder Baldrich zu
sich / und in beisein der sämtlichen Landstånde hielt er diese Rede:
Hochansehnliche Stände dieses Grossmächtigen freien Frisischen Reichs / geliebte
Herren und Freunde; dass dieselben nach einhelligem Schlusse meinem Gnädigsten
Herr Vater / dem Grossfürsten und mächtigen Beherscher der Teutschen / auch du
Erb Herschaft ihres Vaterlandes aufgetragen / und dessen Hocheit zu ihren König
erwählen wollen / nach dem der Alte Königliche Friesische Stam abgangen ist /
solches erkennet seine Hochheit mit gnädigster Gewogenheit / unter
gleichmässigem gnädigsten erbieten / als ein geträuer König und Vater des
Vaterlandes / ihre Rechte / Gerechtigkeiten / Freiheiten und löbliche Satzungen
/auch wasdem allen sonst anhängig ist; wie dann alle und jede Einwohner samt und
sonders / ädel und Unädel / hoch und nidrig / Bürger und Baur / in Schuz und
Schirm zunehmen / und alles das zutuhn und zulassen / was von einem Friesischen
Könige nach Uhralten Rechen und Gebräuchen erfodert wird. Wiederhohlet gnädigst
die schon getahne Verheissung / dass alle Einwohner von heut anzurechnen / ein
ganzes Jahr aller Schatzung / wie die Nahmen haben mögen /sollen entoben / die
in funfzig Jahren neu angelegete Landes Beschwerungen ewig abgeschaffet / die
Frohndienste auffs leidligste angeschlagen / und alles in den uhralten Stand
hiemit und Krafft dieses gesetzet sein / welche Gnade die Einwohner mit
dankbahrem Gemüht und Herzen erkennen werden. Nachdem aber höchstgedachte ihre
Hocheit / ihr angebohrnes Teutsches Erbreich nicht übergeben / noch ihren Siz in
Friessland versetzen kann sondern mit ihren Reichs Geschäfften vor sich gnug
zutuhn hat; als will ihre Hocheit den Herren Land Ständen einen von uns seinen
beiden Söhnen gegenwärtig / zum Könige vorgestellt habe / wie solches diesem
ihren Reiche am sichersten / zuträgligsten und erbaulichsten sein wird /hat auch
mir als dem ältern solches mit Beliebung der gesamten löblichen Landstände
gnädigst Väterlich auffgetragen / welches ich dann um Ungehorsamkeit zumeiden /
in Kindlicher Demuht über mich genommen habe / bedanke deswegen so wohl gegen
meinen Gnädigsten Herr Vater / als die sämtlichen Stände mich Kind- dienst- und
freundlich / und wie ich daraus ihrer aller gute Gewogenheit verspüre / also
erkenne ich mich schuldig und verbunden / es an jedem Orte nach gebühr / mit
kindlichem Gehorsam und freundwilligen Bezeigungen / nach vermöge zuersetzen.
Weil aber ich mich wohl erinnere / dass die Teutsche Beherschung nach meines Gn.
Herr Vaters ableben (welches Gott lange Zeit gnädigst verhüten wolle) auff mich
als den ältern Erben bestehen wird / und zwei Königreiche unter einem Herrn sich
nimmermehr so ruhig befinden / als wann jedes seinen eigenen König hat / welcher
sich seines einigen dergestalt annimt / dass er keinen fremden die hohen
Bedienungen einraumet / und dadurch der einheimischen Hass und Wiederwillen (es
geschehe dann mit deren freien belieben) aus sich ladet; als habe in Betrachtung
dessen / ich vordissmahl meine Rede an ihre Grossfürstl. Hocheit / meinen Gn. Herr
Vater / an seine Durchl. meinen geliebten Bruder der Fürst Baldrich / und an die
Hochansehnlichen gesamten Land Stände richten wollen / Kind Brüder-freundlich
bittend / sie wollen allerseits dieses Reichs beste wohl und fleissig beobachten
und ohn Einrede darein gehehlen / dass die Beherschung desselben von mir
abgenommen / und meinem jeztgedachten lieben Bruder Fürst Baldrich auffgetragen
werde / welcher dann seinem Fürstlichen Verstande und begnadeten Gaben nach /
diese Bürde wohl wird tragen / und dem Reiche als ein löblicher König vorstehen
können. Versehe mich dessen zu ihnen allen samt und sonders / und wiederhohle
hiemit mein voriges erbiete. Der Alte Grossfürst / welcher dieses sein vorhaben
schon zeitig an ihm gemerket hatte / antwortete darauf; ob er zwar des Vorsatzes
gewesen währe / ihn als seinen ältern Sohn ehe in eine wirkliche Herschaft
einzusetzen / als den Jüngern / so wollte er dannoch ihm hierin seinen freien
Willen gönnen / insonderheit / weil er betrachtete /dass den beiden grossen
Herschaften besser mit unterschiedlichen / als einem Könige gedienet währe
/damit die Friese nicht ihr Recht und Schuz in Teutschland suchen dürfften /
welches einen Schein einiger Dienstbarkeit und Unterwerffung haben könnte / und
mannichem unruhigen Kopffe Ursach zur Neuerung an die Hand geben; zweifelte also
nicht / die Land Stände würden ihr und des Landes beste beobachten / und seinen
jüngern Sohn Baldrich vor ihren König erkennen. Hie wahr nun der Land Stände
Vorsteher und Worthalter fertig / gewierige Antwort zugeben; aber Fürst Balbrich
winkete ihm / ein wenig zuverzihen / und huhb also an: Gnädigster Herr Vater /
und freundlicher lieber Herr Bruder / ob sie wohl allerseits gedenken möchten /
mir geschähe durch diese Väter- und Brüderliche Hulde eine sonderbahre
Annehmligkeit / so zeuget doch mein Gewissen / dass /wo diese nicht weniger
wiederwärtige als unvermuhtliche Anerbietung mir sollte bewust gewesen sein / ich
ohn genommenen Urlaub mich so lange wollte hinweg gemacht haben / biss die Krönung
meines Herr Bruders würde geschehen sein / sintemahl nicht allein wegen meiner
Jugend und Liebe zu ritterlichen übunge ich dieser Reichs Last mich unbestand
befinde /sondern würde mir auch zumahl verwägen und frech anstehen / wann meinem
ältern Herr Bruder / der zum Reichs Stabe ungleich geschikter und begabter ist
/ich vorgreiffen / und also eine Herschaft betreten sollte / ehe und bevor
dessen Liebe auff dem Gewalt Stuele sitzet. Ist es dann gleich / dass diese
beiden Reiche von einem einzigen Könige nicht sollten verwaltet werden / welches
doch meines Herr Bruders Liebde ich von Herzen gönnen wollte / ei so nehme nur
dieselbe die Herschaft bei unsers Gn. Herr Vaters Lebezeit über sich / alsdann
wird sichs hernach schon schicken / wie es ferner wird anzuschlagen sein; warum
ich dann kind- und brüderlich anhalten /und die Land Stände / solches einzugehen
und zuschliessen / gebehten haben will. Nein geliebter Bruder / antwortete
Herkules / du weist ohn mein erinnern / was vor ein verwirretes Wesen aus
solchem ümtauschen erfolgen / und wie gar beschwerlich es diesem Königreiche und
mir fallen wollte; hoffe auch /dafern du mich liebest / wie ich dann daran im
geringsten nicht zweifele / du werdest hinfüro dich dergleichen Entschuldigungen
begeben / und dieses dir von Gott versehene Königreich nach seinem Willen
annehmen / wie ich dann mich dessen versichert halte /die Land Stände werden in
diesem falle des Landes Wolfahrt reiflich erwägen / und sich schliesslich
zuerklären wissen. Baldrich wollte seine Gegen Antwort tuhn / aber sein Herr
Vater redete ihm ein; er sollte sich nicht wegern / seines Bruders Willen und
seinem guteissen gemäss zuleben. Worauff der Friesische Worthalter diese Landes
Erklärung ablegete: Gegen Eure GrossFürstliche Hocheit und Durchleuchtigkeiten
bedanken sich die sämtlichen Land Stände dieses löblichen Königreichs
untertähnigst / dass dieselben in hochweiser Betrachtung / was diesem Lande am
vorträglichsten sein möchte / uns einen Herscher und schierkünftigen König auff
unser einhelliges untertähnigstes Begehren / gnädigst bestimmen und setzen
wollen / wie auch nicht weniger vor die mildreiche Erlassung der einjährigen
Schatzung / dann endlich Auffheb- und Milterung der ungewöhnlichen Zölle
/Auflagen und Frohndienste / untertähnigst gedanket wird; nehmen darauff den
Durchleuchtigsten GrossFürsten und Herrn / Herrn Baldrich / vor ihren herschenden
allergnädigsten König untertähnigst auff und an / uñ sind bereitwilligst / über
drei Tage die Erb Huldigung und gewöhnliche Krönung mit gebührlicher Feirligkeit
ergehen zulassen; wünschen ihrem gnädigsten Könige Friede / Gesundheit / langes
Leben / glückliche Herschung und alles Königliche Wolergehen / und ergeben
demselben sich mit alle dem ihrigen ohn einige Ausrede und Bedingung
untertähnigst / demühtigst bittend / Ihre Durchl. und Würden / ihrer aller
gnädigster König sein und verbleiben wolle. Hierauff ward von allen Seiten Glük
gewünschet / und am bestimmeten Tage die Krönung vorgenommen / da Baldrich und
sein Gemahl Fürstin Lukrezie mit treflichem Pracht gekrönet / auch dabei
allerhand Freigebigkeit vorgenommen ward; aber die Fröligkeit wollte bei der
Fürstlichen Gesellschaft nicht recht lossdrücken; dann weil das Grossfürstliche
Fräulein schon 11 Tage verloren wahr / und man nicht die allergeringste Zeitung
von ihr erfuhr / beforgeten sie sich sehr / es müste nicht recht mit ihr und
Arbianes stehen. Des ersten Tages nach der Krönung sassen die Fürsten und
Fürstinnen ingesamt an einem Tische / da unter der Mahlzeit der alten
Grossfürstin die Klaren-Trähnen von den Augen herunter flossen /und sie zugleich
also zu ihrer Schwieger Tochter Fr. Valisken anfing: Ach meine Herzen Fr.
Tochter / wie frölich würde ich sein / wann mir nur ein Mensch die Zeitung
brächte / dass mein allerliebstes Kind Klärichen annoch am Leben währe / kann mir
aber nunmehr keine Hoffnung darzu machen / dann mein Herz trägt mirs eigen zu /
sie müsse entweder tod / oder in überaus grosser Trübsaal sein. Mein Gott weiss /
antwortete Valiska / dass ich bei keiner frölichen Gesellschaft trauriger / als
ebe bei dieser gewest bin / jedoch hat mein Geist annoch gute Hoffnung / der
allerhöchste Gott werde das allerliebste grundfromme Herz neben den
Gottfürchtigen Fürsten (dañ sein Christentuhm hatte sie ihnen allen schon
zuwissen getahn) vor Lebens- und Ehren-Gefahr gnädiglich erhalten. Ich trage
eben dieses Vertrauen zu meinem Heilande / sagte Herkules / wiewol ich mich
nicht darein zufinde weiss / dass sie uns so gar nichts zuentbieten / welches kaum
möglich sein könnte / wann sie in der nähe währen. Als sie mit diesen traurigen
Gedanken und Unterredungen sich also plageten / trat Neklam zu dem GrossFürsten /
und meldete an / es währe ein alter abgelebter Mann auff einem Bauern Wagen
ankommen /trüge einen volgestopften Sak auff dem Rücken / und gäbe vor / er
müste den GrossFürsten aus Teutschland selber sprechen / dessen hätte er
ausdrüklichen Befehl. Lasset ihn herkommen / sagete der Grossfürst /wer weiss /
was er vorzutragen hat. Neklam verrichtete diesen Befehl / wollte nicht lange
nachfragen / von wannen er kähme / und was er suchete / sondern erinnerte ihn
bloss / den Sak haussen stehen zulassen; Worauff dieser zur Antwort gab: Ich
werde ja dasselbe nicht von mir legen / welches einzuliefern ich eigentlich
überkommen bin. Also liess ers gerne geschehen / dass er nach seinem Willen
verfuhr. Als dieser mit seiner Bürde zur Tühr hinein trat / und den grossen
Fürstlichen Pracht sah / währe ihn schier geschwunden / setzete den Sak neben
sich auff die Erde und lehnete sich dran / endlich erhohlete er sich wieder /
zohe sein Hühtlein ab / lösete de Sak ohn einiges Wortsprechen auff / zohe
hernach der Fräulein rohten UnterRok / und das Himmelblaue Silber
Stücken-Oberkleid hervor (dann er wahr der alte Witto / bei dem sie auff dem
Häu ihre erste Herberge hatten) trat vor den GrossFürsten / und wollte seine
Erzählung ansahen / da er beide Kleider im Arme trug; aber die alte GrossFürstin
kennete dieselben straks ansehens /und fing an überlaut zuruffen: O du
almächtiger Gott /das sind ja meiner lieben Tochter Kleider! bald saget mir /
mein guter Alter / ob sie lebe oder tod sei. Der gute Mann erschrak der Rede /
wusste nicht / was er antworten sollte / und in der Verwirrung fing er an: Was
weiss ichs / ob sie lebendig oder tod ist / wann sie hie nicht ist? Darauff fing
die betrübete Mutter an zuklagen und weinen / dass ihr Gemahl ihr gnug einzureden
hatte: Sie möchte doch in Geduld stehen /und dem alten einfältigen Manne Zeit
gönnen / anzudeuten / was er davon wüste; befahl auch diesem /sein Wort
vorzubringen / welcher also redete: Gnädigster Grossfürst / ich habe des abends
nach gehaltener Schlacht einen jungen Ritter und eine Jungfer in meiner Hütten
auff dem Häu / umb Gefahr zu meiden / heimlich verstecket / welche sich anfangs
vor Bruder und Schwester angaben / aber ich nachgehends wohl merkete / dz es eine
andere Beschaffenheit mit ihnen haben möchte / davon ich doch eigentlich nicht
zusagen weiss / wiewol sie mir so viel anvertraueten / dass sie des höchsten Adels
in diesem ganzen Königreiche währen; Diese haben nach ihrem Abscheide mir
besohlen / wann inwendig sieben Tagen nicht Nachfrage kommen / oder sie mir
nicht einen Wagen senden würden / sollte ich mich nach dem GrossFürsten der
Teutschen machen / ihm diese Kleider bringen / um zur Nachricht anzeigen / dass
sie bei mir gewesen währen. Das ist mir ja wohl eine recht wunderliche Sache /
sagte der GrossFürst; ist dann diese Schwester mit ihrem lieben Bruder
mutternacket davon gesprungen / und hat Unter und Ober Kleider verlauffen
wollen? Nein / antwortete er; sondern sie durfften in diesen statlichen Kleidern
im Felde nicht wanken /wegen der flüchtigen streiffenden Reuter / und hatten
alte Lumpen angelegt / dass sie sicher durchkommen möchten. Das wird ihr wenig
helffen / sagte der GrossFürst; die Haut und Farbe wird sie bald verrahten /dass
sie keine Bauern Magd ist. Davor hätte ich sie in dieser Kleidung leicht
angesehen / sagte der Alte /dann wie zart und schön sie mir des ersten Abends
bei ihrer Ankunft vorkam / so hesslich und fahlbraun sah ich sie im wegreisen /
dass ich nicht wissen kann /wie sich ein Mensch so schleunig verendern mögen.
Valiska merkete bald / dass Arbianes sie würde angestrichen haben / und
vermeldete solches den Eltern /fragete hernach den Bauern / wohin sie dann ihren
Weg genomen hätten. Davon sagten sie mir nichts eigentliches / antwortete Witto
/ nur dass aus allen Umständen ich wohl merkete / sie wollten sich hieher begebe /
wie mich auch des folgenden Tages ihr neuer Diener / meines Bruders Sohn
Wolffgang berichtete /gegen weichen sie wegen seiner Träue sich sehr freigebig
erzeiget / und ihm einen grossen Beutel vol güldener Pfennige / welche man
Kronen nennet / verehret haben / die er bei mir nidergesetzet / und ich wohl drei
Tage darauff zugebracht / ehe ich sie alle zählen können / habe endlich durch
fleissiges anmerken die rechte Zahl getroffen / als nehmlich 135 Stiege (eine
Stiege aber ist 20) / davon ich / weil er michs geheissen /etliche wenige
verzehret / und die übrigen mit mir gebracht habe. Es ist mir aber unlieb / dass
ich sie hieselbst nicht finde / will ja nicht hoffen / dass sie in der
Feuersbrunst drauff sollten gangen sein. Ach mein Gott / sagte die alte
GrossFürstin; sind sie dann in Feuersnoht gerahten? Ja / Gn. Frau / antwortete er
/das Städchen / darinnen sie lagen / ist mehrenteils abgebrand / und sollen in
die 30 und mehr Menschen im Schlaffe elendig umkommen sein. Da ging es nun an
einklagen / weinen und heulen / dann es wahr niemand / der ihm nicht gänzlich
eingebildet hätte / sie währen zu Staub und Aschen verbrand / so dass Herkules
selbst das ärgeste vor wahr hielt; endlich noch gab Valiska den Raht / man sollte
100 schnelle Reuter ausschicken / und vernehmen lassen / ob kein Mensch von
ihnen Nachricht zugeben wüste; welches alsbald zu werke gerichtet / und dem
alten Witto eine RennenGutsche angespannet ward / mit überzufahren. Prinsla und
Ekhard mussten ihre Hauptleute sein / eileten geschwinde fort / und auff scharffe
Nachfrage zogen sie den Bericht ein / Wolffgang währe mit einem unbekanten
jungen Manne / und mit einer fremden jungen Frauen davon gestrichen / gleich als
der Brand angangen / und hielte man gänzlich davor / das Feur währe von ihnen
angelegt / daher vier Bürger auff Pferden ihnen nachgesezt hätten / welche man
des andern Tages / teils mit Steinen zu tode geworffen /teils nidergehauen
angetroffen hätte / und wüste kein Mensch zusagen / wo jene müsten geblieben
sein. Der alte Witto widersprach dieser Beschuldigung /und erboht sich / sein
Leben zulassen / dafern sein Oheim oder diese fremden solches Bubenstük
verrichtet hätten; es möchte dann ohngefehr geschehen sein /oder aus Unvorsicht:
begehrete auch Nachricht / wo ihr Wirt anzutreffen währe. Man gab zur Antwort;
weil man ihm wegen des Feurschadens mit dem Tode gedräuet / hätte er sich
heimlich davon gemacht / und ginge das Geschrei / er hielte sich auff dem
nähesten Dorffe auff / unter der Hoffnung / von der Obrigkeit Schuz und Freiheit
zuerlangen / dass er sein abgebrantes Haus wieder bauen möchte. Es mussten
alsobald 20 Reuter dahin jagen / welche in demselben Dorffe ihn antraffen / und
begehreten / dass er unter ihrem Schuz und auff gutem Glauben mit nach seiner
Stad zihen sollte; welches er willig leistete / und den unsern alles offenbahrett
/ so viel ihm bewust wahr; taht endlich hinzu / wie bösslich sein Nachbar ihn
wegen des Feurschadens verleumdet / welches aus dem Brauhause nohtwendig müste
entstanden sein / und erboht sich / dass er sich mit demselben auff Leib- und
Lebensstraffe wollte setzen lassen / würde auch die Warheit bald an den Tag
kommen / wann nur dessen Gesinde unter harter Bedräuung absonderlich befraget
würde: welches auch erfolgete / massen dieselben aus Furcht des Todes bekenneten
/ was gestalt ihr Herr es ihnen hart eingebunben / ihnen auch Geschenke
versprochen / dass sie den Ursprung des Brandes seinem Nachbar zulegen sollten;
daher dann dieser unschuldige Mann nicht allein von der Bürgerschaft frei
gesprochen / sondern sein Verleumder gefänglich gelegt / und nachgehends des
Landes verwiesen ward. Prinsla freuete sich anfangs dieser Gewissheit / dz die
unsern nicht im Feur drauff gangen wahren / hatte aber daran noch kein genügen /
sondern liess sich den Weg zeigen / welchen sie ohngefehr müsten gereiset sein
/da er dañ nicht irrete / sondern in dem Dorffe anlangete / woselbst Arbianes
seiner Fräulein Ankunft etliche Stunden erwartet hatte; liess die Inwohner
zusammen ruffen / und erfuhr so viel: Es währe des Tages /da der Brand sich
zugetragen / ein junger sehr betrübter Mann daselbst angelanget / hätte nach
einem andern jungen Manne und einer Jungefrauen ernstlich gefraget / ob sie
daselbst nicht durchgereiset währen /und als er Nein vernomen / hätte er ihrer
etliche Stunden vergeblich gewartet / hernach mit Vergiessung vieler Trähnen
sich wieder auff den Rükweg begeben / von dem sie fieder dem nicht das
allergeringste vernommen; meldeten auch dabei / er hätte eine frische Wunde am
linken Arme gehabt / welche er selbst verbunden. Ein mehres zuerforschen wahr
den unsern unmöglich / deswegen sie wieder umkehreten / der Fürstlichen
Gesellschaft alles hinterbrachten / und dieselbe zimlich zufrieden stelleten /
weil sie gewiss wahren / dass das Feur sie nit verzehret hätte / und demnach der
Hoffnung lebeten / Gott würde sie in ihrem vermuhtlichen Elende / und auff der
Reise gnädiglich bewahren / und sie wieder zu Lande bringen; und wer weiss /
sagte Valiska / ob sie nicht schon ihren Weg nach Magdeburg / oder wohl gar nach
Prag genomen haben. Der alte Witto hatte Ekharten angezeiget / wessen das
Fräulein / seine Unterhaltung betreffend / sich gegen ihn gnädigst erbohten
hätte; deswegen gab man ihm eine bequeme Wohnung in einer Stad / und dass er die
mitgebrachten Gelder sicher angreiffen / und nach belieben alle Wochen drei oder
vier Kronen davon verzehren / nachgehend von der Obrigkeit ein mehres fodern
sollte; sein Oheim / wann er ankähme / sollte das seine schon wieder bekommen.
Unsere Fürstliche Gesellschaft machte sich hierauff zur Heimreise fertig /
welches Valiska aus verlangen nach ihrem Söhnlein sehr befoderte. Zwar die Land
Stände des Königreichs hatten ihnen die Hoffnung gemacht ihr König Baldrich
würde nunmehr bei ihnen bleiben / und das Reich selbst in guten Stand bringen /
als sie aber vernahmen / dass er wieder mit nach Prag reisen / uñ doch bald sich
wieder einstellen wollte /gaben sie sich zufrieden / dañ er hatte die Gerichts
Stüle und hohen ämter alle mit den verständigsten auffrichtigsten Leuten
bestellet / und dem Reiche aus eigener Bewägung diese Freiheit erteilet / dass er
keinen einzigen Ausländer zu einem Amte im Königreiche befodern wollte / sondern
lauter Land sassen / es währe dann / dass die Stände aus eigenem Wilkühr einen
oder andern wollten befodert haben. Sie wollten ihn aber vor dissmahl nicht ohn
seine eigene Leute zihen lassen / sondern gaben ihm 8000 Reuter mit zum Leib
Schutze / und erbohten sich / da es nöhtig sein würde / ihm und seinen
Anverwanten mit des ganzen Landes Macht beizuspringen. Die übrigen Teutschen und
Böhmischen Völker bestanden annoch in 46000 Mañ / welche nicht allein alle zu
Pferde wahren / sondern (gar wenig ausgenommen) ihre Hand-Pferde aus der
Schlacht mit sich führeten. Prinsla wahr Feldmarschalk / dann die Fürstliche
Gesellschaft hatte sich in Gutschen verteilt / dass jeder sein Gemahl bei sich
hatte; wiewol der GrossFürst offtmahl mit Valisken und die GrossFürstin mit ihrem
lieben Sohn Herkules fuhr / umb die Christliche Lehre recht zubegreiffen /
welche mit gutem Willen anzunehmen / sie sich schon des andern Tages nach ihrer
Erlösung erkläret hatten.
    Wie nun der Abgesagte arglistige Menschen Feind der leidige Teufel der
wahren Christlichen Gotseligkeit allemahl wiederstrebet / also fürchtete er sich
vordismahl sehr / es möchte ihm durch unsere Fürstliche Helden sein Reich und
Dienst in Teutschland /Schweden und Böhmen zerstöret / und die heidnische
Abgötterei durch Einführung des Christlichen Glaubens abgeschaffet werden /
welchem vorzubauen / es des Nachtes vor gehaltener Schlacht einem Teutschen
Pfaffen bei dem Kriegs Heer in Gestalt der Göttin Freia erschien / und ihn
folgender massen anredete; Lieber Sohn / verwundere dich nicht / meines
ungestalten zitternden Leibes / Trähnen fliessender Augen und hochbetrübten
Geberden / in welchen du mich anjetzo sihest / sondern biss einzig darauf bedacht
/ wie du deinem Vaterlande ausshelfen / und ihre bisher fleissig bedienete / auch
nit minder gnädige Schutz-Götter retten; ja den algemeinen Untergang des freien
Teutschlandes durch deine Vorsorge abwenden mögest / und versichere dich / dass
die schierkünftige blutige Schlacht den Teutschen Grund und Bodem umkehren /
Städte und Dörfer verwüsten / und alle Einwohner zu Römische Leibeigene machen
wird / dafern du nicht wirst bei Zeiten darzu tuhn / und alle Kriegs geübete
Mannschaft auffmahnen / ihrer selbst wahrzunehmen. Dann sihe / die jungen
Fürsten / die sich den Römern zu Dienste ergeben / und ihre verführische Töchter
geheiratet / welches bisher unerhöret / gehen mit diesem Vorhaben schwanger /
nicht allein den Uhralten ädlen Gottesdienst gar auffzuheben / wobei ihr Pfaffen
alle des Hungers sterben müstet / sondern alle Länder den Römern zinssbahr
zumachen / welches Joch sie in Ewigkeit nicht werden von sich werffen können /
dafern sie einmal unterdrücket find. So reite nun eilend fort / wecke dein
sicheres Vaterland auff vom Schlaffe / und nach Vermeldung meines unfehlbahren
Schutzes und Beistandes / auch reicher Belohnung ihrer Träue / zeige ihnen an /
des Grossfürsten Kinder und Oheime sein Willens / ihnen neue Römische Götter
aufzudringen / und die alten wolverdieneten abzuschaffen. Werden sie nun ein
solches einwilligen / alsdann will ich mit zutuhn meiner Brüder / Krodo / Irmen
Seul und anderer Gotter / alle umliegende Völker wieder sie in Harnisch bringen
/ die sollen ihre Mannschaft erschlagen /ihre Güter und Vieh rauben / und die
wenige so überbleiben werden / in ewige Dienstbarkeit hinweg schleppen / dann
werden sie mit Schmerzen erfahren /aber gar zuspäht bereuen / dass sie ihren
SchuzGöttern den Dienst und Gehorsam aufgekundiget / und einen Gekreuzigten an
ihre Stat angenommen haben. Nach Endigung dieser Rede fing die vermeinte Göttin
an /des Teutschlandes Untergang von neuen zubeweinen /dräuete auch diesem
Pfaffen alle Strafe und Verfolgung / dafern er nicht stündlich sich erheben und
sein Vaterland warnen würde. Bald liess ein ander Teufel in Gestalt des Abgottes
Krodo sich sehen / welcher ihm ein schönes Land mit Städten / Dörffern / Wäldern
/ Ackern und Wiesen aussgezieret vor Augen stellete / und dabei diese Rede
führete: Sihe da du Teutschland / durch meinen Schuz und Beistand bistu so schön
worden / da du zuvor eine Wüste und Einöde wahrest / der Wölffe und Füchse
Wohnung / wirstu nun meine Woltahten nicht erkennen / sondern meinen
Gottesdienst aufheben und einen neue dir aufdringen lassen / so will ich dir
hiemit zeigen / durch was vor eine grausame Straffe ich mich an dir rächen will;
nam einen Topf mit Sand gefüllet und streuete ihn aus über die Wiesen und Felder
/ wovon alles Gewächse im Augenblick verdorrete; über die Wälder goss er einen
giftigen Dampf aus / welcher dieselben versengete und algemehlich verzehrete;
über die Städte und Dörffer aber speiete er ein grosses Feur aus seinem Rachen /
wovon sie biss auff den Grund verbrennet wurden / dass weder Stok noch Stiel davon
übrig wahr. Worauff er zu der Freia sagete / sihe meine Schwester und MitGöttin
/ gleich also soll Teutschland zugerichtet werden / wo die Inwohner so frech und
verwägen sind / dass sie von uns ab zu neuen Göttern treten. Ach nein / mein
Bruder / schone schone / antwortete Freia / wir wollen ein besseres von den
frommen Teutschen hoffen / und uns dieses unsers geträuen Dieners Siegwiess
gebrauchen / welcher des Landes bestes wissen / und sein eigenes nicht unter die
Füsse treten wird. Damit verschwand alles /und erwachete dieser aus dem Traum /
voller Angst und kummers / wie er dann vor vielen andern ein Andächtiger Diener
der Freia wahr / und bei dem gemeinen Volk wegen seiner äusserlichen
Scheinheiligkeit in grossem ansehen: wollte demnach solchen vermeinten
göttlichen Befehl nicht in den Wind schlagen /sattelte alsbald früh morgens sein
Pferd / und begehrete von seinem Obersten Urlaub / nach Hause zureiten / unter
dem einwenden / er hätte sein Weib daheime gelassen / welche der Geburt sehr
nahe währe /und er aus seinem gestrigen Opfer und angemerketen Vogelgeschrei /
gewisse Merkzeichen genommen /dass die Geburt sehr gefährlich zugehen dürffte /
wann er nicht sollte dabei sein / welches Unglück von seinem Hause abzuwenden / er
billich müste gefliessen sein. Sein Obrister wollte ihm solches weder verbieten
noch zulassen / gab ihm doch zum Bescheide / er als einer der bei der Schlacht
das Schwert nicht führen wollte / wurde wohl können Erlassung erhalten / nur müste
er den jungen Fürste Baldrich selbst darumb begrüssen. Dieser taht solches mit
eben dem vorbringen / und ward von dem Fürsten mit freundlicher Antwort
angesehen; es sollte ihm seine Heimreise / und allen Pfaffen / die es begehren
würden / nicht gehindert noch gehemmet werden; habt euch aber / sagte er / wegen
eures lieben Weibes nicht so hart zubefürchten / dañ ich will euch ihret wegen
bessere Nachricht geben / als eure Opffer und lügenhafte Vogel nicht getahn /
nehmlich / sie hat einen jungen Sohn zur Welt gebracht / der nach verlauff eines
Jahrs wird anfangen zu gehen und zusprechen. Dieses redete er aus blossem
Scherze / und wahr doch in der Wahrheit also ergangen. Damit er aber keinem
Pfaffen ursach geben möchte / ihn zuverleumden / gab er diesem 12 Kronen Zehr
geld / mit dem versprechen / er wollte auff seine Ankunft in Teutschland ihm eine
bessere Verehrung tuhn. Dieser bezeigete sich äusserlich zimlich demühtig / und
setzete alsbald seine Reise fort. So bald er in Teutschland kam / suchete er hin
und wieder die Pfaffen heim / erzählete ihne seine gehabte Erscheinung / hielt
ihnen alles mit einem sonderlichen Eifer vor / und unterliess nicht / es zum
ärgesten ausszudeuten / dass Baldrich von seinen Opffern und Vogelgemerk so
verächtlich hätte reden dürfe; wobei er als ein sonderliches Wunderwerk
vermeldete / dass sein Pferd / sonst von geringer Kraft / ihn auff dieser Reise
täglich 12 Meilen fortgetragen / und kein Spier Grass oder ander Futter dabei
gefressen / welches die unfehlbahre göttliche Begleitung ausser Zweifel gewirket
hätte / ihn in diesem seinem heiligen Vorsaz dadurch zustärken / und andere
zuermuntern / dass sie ihrer Götter sich annähmen / damit das Land in seinem
guten Wesen uñ Wolstande erhalten würde. Es bewågete dieses alle / zu welchen er
kam / und ritten die Pfaffen mit Hauffen aus / allen Inwohnern des Landes
zwischen Elbe / Weser und Rein / diese göttliche Warnung vorzutragen / da dann
ihr Vorschlag allentalben angenomme ward / dass man eine grosse Kriegsmacht
versamlen / den Fürsten entgegen zihen /und ihne weder den Einzug in das Land
verstatten /noch sie vor ihre Obrigkeit erkennen sollte / biss sie die neuen
Götter verleugnet und abgeschaffet / dem Uhralten Gottesdienst volkommene
Freiheit / und ihren Land Göttern Liebe / Gehorsam und Schuz versprochen hätten.
Sie sendeten auch alsbald unterschiedliche Pfaffen nach Friessland / ein
gleichmässiges bei dem Fürstlichen Heer vorzutragen / und wo möglich /den
Fürsten alle Mannschaft / so wohl Böhmen als Teutschen abspenstig zumachen /
welches dann von ihnen allerseits unverdrossen und nach Wunsch fortgesetzet ward
/ und kahmen diese des andern Tages nach dem Auffbruche bei dem Heer an / unter
dem Schein / ob wollten sie ihrem Grossfürsten wegen der geschehenen Erlösung und
des erhaltenen Sieges Glük wünschen / da sie bei den vornehmesten Teutschen und
Böhmischen Kriegsbeamten es so verschlagen zutreiben wussten / dz sie alles
dessen / was sie begehreten / völlige Verheissung empfingen. König Baldrich
merkete im fortzihen / dass die Völker den grösten Teil ihrer Freidigkeit
abgeleget hatten / und so traurig / als überwundene daherzogen / und ob er ihnen
gleich etlichemahl / insonderheit seinen alten bekanten freundlich zuredete /
kehreten sie doch das Angesicht von ihm hinweg / und liessen gar kein Zeichen
eines gewogenen Willens sehen / daher er zu der Fürstlichen Versamlung sagete;
er könnte sich über dem Unmuht des Heers nicht gnug verwundern / hielte gänzlich
davor / die neulich herzugeschlichene Teufels Pfaffen / müsten durch hellische
Getrieb nichts gutes im Schilde führen; hielte demnach vor nöhtig /geträue Leute
nach seinem Königreiche zusenden /und von den Ständen zubegehren / dass man ihnen
eine starke bewehrete Mannschaft nachschickete /weil man sich einer Auffruhr /
dem Friesischen Reiche sehr schädlich / befahrete. Aber sein Vater wehrete ihm
solches / man müste aus blossem Argwohn nit so heftig fahren / das Heer währe
in Pflicht und Aiden / dagegen kein Mensch in Teutschland / welcher bei seiner
Lebzeit nach der Herschaft streben dürfte. Aber bei Baldrich wollte solches
nicht haften /wie wohl er sich weiters nicht merken lies / und nicht desto
weniger etliche Friesen ingeheim zurück gehen hiess / dass ihm straks Angesichts
30000 bewehreter Mann biss an die Grenzen folgen sollten / und noch 40000
auffgebohten würden / sich stets fertig zuhalten / welches er mit Königlichen
Gnaden ersetzen wollte. Ekhard der Teutsche wahr mit unter den Abgefertigten /
ritten Tag und Nacht fort / und funden alle Untertahnen hoch und niedrig / zu
ihres Königes Diensten willig und gehorsam. Prinsla brachte seinem Könige auch
zur neuen Zeitung / die Pfaffen gingen ausser Zweifel mit gefährlichen Sachen um
/ und dürfften wohl fragen / wer den jungen Fürsten Herkules so verwägen gemacht
hätte / in sein Vaterland zukommen / ehe und bevor er mit den Land Göttern
völlig aussgesöhnet währe; so gar / dass sie hinzusetzeten ihr Herschender
Grossfürst würde es schwer zuverantworten haben / dass er ihn auff und angenommen.
Doch /sagte Prinsla / verwundert mich am meisten / dass auch unsere Böhmische
Völker nicht viel anders / als die Teutschen / scheinen gesinnet sein. Die
Fürsten nahmen dises nunmehr besser zu Herze / wollten sichs aber bei den Völkern
nicht merken lassen / und zogen algemach fort / biss sie auf drei Meilen die
ersten Sächsischen Grenzen erreicheten / da ihnen 4000 Reuter von 20 Pfaffen
angeführet / entgegen ritten /und im Nahmen des ganzen Teutschlandes / so viel
dessen von der Römer Joche annoch befreit währe /anfangs um Verzeihung bei
ihrem herschenden GrossFürsten anhielten / nachgehends diese Werbung vorbrachten:
Es wünschete das ganze Reich ihrem lieben Grossfürste Glük und Heil / wegen
seiner Erlösung uñ erstrittenen Sieges / und erkenneten sich nach wie vor Ihrer
GrossFürstl. Hocheit zu allem Gehorsam als geträue Untertahnen verbunden; nur
eines müsten sie /des algemeinen Vaterlandes heischender Nohtdurfft nach /
ungemeldet nicht lassen / was gestalt von den Land Göttern selbst angedeutet
währe / dass der junge Grossfürst Herr Baldrich / nebst den Böhmischen Könige /
und Schwedischen jungen Fürsten ankommen währen / einen neue Gottesdienst
einzuführen / und die uhralten Teutschen Götter abzuschaffen / welches dann
nichts anders / als des algemeinen Vaterlandes äusserstes Verderben mit sich
auff dem Rücken führete; solches nun abzuwenden / währen alle Einwohner von den
Göttern selbst auffgemahnet / hätten einen grossen Ausschuss bewaffnet und
ausgeschikt / ihrem lieben Grossfürsten entgegen zuzihen / und denselben
untertähnigst zubitten / ihre Hocheit möchte gnädigst geruhen / mit ihrem Heer
ausserhalb den Grenzen sich zuhalten / biss sie ihren gehorsamen Untertahnen
diese grosse herzklemmende Furcht gänzlich benommen /und dem uhralten Teutschen
Gottesdienst Schuz und durchgehende Sicherheit versprochen hätten. Solten sie
aber über alles verhoffen solches nicht erhalten können / müsten sie mehr des
Vaterlandes Heil und Wolfahrt / als der jungen Fürsten Lüsternheit beobachten /
und mit gewapneter Hand ihren gnädigen und hochverdienten Göttern beispringen /
auff dass durch deren Zorn sie nicht den Römern und andern grimigen Feinden zur
ewige Knechtschaft übergeben würden /wie auff solchen fall die Götter ihnen
ausdrüklich gedräuet hätten. Der alte GrossFürst / ohndas ein eiferiger Herr /
fragete alsbald / wer sie so kühn gemachet hätte / dass in seinem Abwesen sie
sich in Harnisch begeben dürffen. Und als sie trotzig gnug antworteten; des
algemeinen Vaterlandes Nohtdurfft / dem jeder mit seinem Blute verbunden währe /
hätte sie auffgemahnet / vor welches zusterben sie alle miteinander bereit
wahren; hiess er sie anfangs etwas harren / damit er mit seinem Sohn und Oheimen
hievon reden könnte / und fragete sie zugleich / ob etwa ein durchgehender
Wahnwiz seine Teutschen durchwehet hätte / nachdem ja kein Mensch wegen
Abschaffung des alten Gottesdienstes jemahls einigen Gedanken gefasset /
vielweniger ein Wörtlein davon hätte entfallen lassen. Die Fürstliche
Gesellschaft trat zusammen / und bekümmerten sich wegen dieses gewaltigen
Auffstandes nicht ein geringes / weil Adel / Pfaffheit und Bauern der Sachen
ganz einig wahren. Jedoch wahr der alte Grossfürst nicht willens / ihnen eine
Antwort zu erteilen / sondern mit seinem Heer fortzurücken; welches aber schon
zuruffen begunte: Hier müste man die Waffen niderlegen / biss ihre gütigen Götter
gnugsame Sicherheit und Frieden hätten; im übrigen währen sie ihrem GrossFürsten
mit Gut und Blut verpflichtet; Da dann die Böhmen mit den Teutschen durchaus ein
Liedlein sungen / nur 350 Mañ / als seine ehmahlige ädelknaben / und andere /
die er mit aus Persen gebracht hatte / nebest den 50 Teutschen von derselben
Persischen Reise / und alle Parter und Meden / samt Olaffs 400 Dänen / ingesamt
4300 Mann / sonderten sich von dem Heer / und machten sich hin zu den Fürsten /
zu welchen sich alsbald die 8000 Friesen / uñ 6000 untergestekte Wenden
hinbegaben / deren unsere Fürsten über die masse froh wahren / und ihnen alle
Speise-Wagen zubeschützen untergaben / von welchen sie eine statliche Wagenburg
macheten / in welche sich das Frauenzimmer mit begab; Nur mit 6000 Reutern ging
der GrossFürst eilig wieder hin nach den abgeordneten 4000 Teutschen / und geboht
ihnen bei Leib und Lebensstraffe dass sie straks angesichts eine gute halbe Meile
zurück gehen / und daselbst guter und gnädigster Erklärung selten gewärtig sein;
dem sie alsbald gehorsamlich nachkamen / so dass ihnen keine gelegenheit gegönnet
ward / mit dem ungehorsamen Fürstlichen Heer ein Wort zureden. Inzwischen mussten
die 12300 gehorsame alsbald anfangen / die geschlagene Wagenburg mit einem Wahl
und Graben einzufassen / worzu bald die übrigen 6000 / so mit dem GrossFürsten
den kurzen Rit getahn hatten / sich begaben, / und die Arbeit zum eiferigsten
fortsetzeten / wobei die Wenden das beste tahten / welches Herkules so wohl
gestel / dass er ihnen allen die Freiheit / und LandGüter gnug in ihrem
Vaterlande versprach / wovor sie sich demühtigst bedanketen. Unsern Fürsten wahr
sonst nicht gar wohl bei dieser Sache / dann sie sahen vor Augen /dass die
algemeine Empörung nahe wahr / uñ stunden nicht in geringer Gefahr / die freche
Pfaffheit würde ihnen zumuhten / den wahren Gott zuverläugnen / und den
Teuflischen Abgöttern Opffer zutuhn / wovor sie lieber tausend Hälse verloren
hätten. Sie rieten aber dem GrossFürsten / er möchte sich zu dem Kriegsheer
machen / und auffs best er könnte / sie befriedigen und zum Gehorsam bringen.
Weil nun demselben seiner Teutschen Hartnäckigkeit und verstokter Sin auff ihren
Gottesdienst gar zu wohl bekant wahr / hielt er solches genehm / und liess dem
Heer durch Prinsla andeuten / sie sollten Teutsche Redligkeit und ihren äid
beobachten / und durch heimliche Auffwiegeler sich ja nicht zum Auffruhr
anführen lassen / wodurch sie dem Teutschen Namen eine unablöschliche Schande
anhenken würden; Er wollte sich jezt unter ihnen finden lassen / und dergestalt
sich erklären / dass ihnen ihres tuhns von sich selbst gereuen würde; folgete
auch bald darauff / von wenig Friesischen Reutern begleitet / uñ begehrete
anfangs / dass / weil er den Böhmen eigentlich nicht zugebieten håtte / sollten
bis Teutschen sich allein lagern; welche aber durch einen Obersten sich
entschuldigten / sie wåhren biss daher ein Heer und ein Hauffe gewesen / und
könten sich nicht trennen lassen / ehe und bevor sie wüsten / wie man bei ihren
lieben Land Göttern halten wollte. Der GrossFürst liess sich dieses nicht irren /
hiess die Befehlichshaber ohn Unterscheid zusammen vor sich treten / damit sie
seine Rede vernehmen könten / und trug dieses vor: Was vor Unglück / ihr meine
lieben Söhne / hat sich zwischen euch und mich geleget? Welche Widersinligkeit
hat euch an meiner väterlichen Hulde zweifeln machen können? Wisset oder
erkennet ihr nicht mehr / dass ich euer alter GrossFürst bin / GrossFürst Henrich /
der biss daher sich åusserst bemühet hat / wie er Teutsche Freiheit und
Vaterlandes Wolfahrt erhalten / und der Römer Troz und anderer Feinde Wuten von
unserm Reiche abwenden möge / welches ihm auch noch nie missglücket hat? Was hat
euch dann / und zugleich alle Landsassen bewogen / meine alle wolbekante
Redligkeit in Zweifel zuzihen / als ob ich Teutschland zuverderben vorhabens
wuhre? Habe ich etwa solche Schelmenstücken von dem Bübisschen Wenden Krito
gelernet? Dem habe ich ja den Schedel herunter hauen lassen Oder haben meine
Söhne und Oheime diesen unredlichen Willen aus fremden Ländern gebracht / und
mir eingebildet? Ey die haben ja kein fremdes Kriegsvolk umb sich / sondern
neben euch / ja vor euch ihr Leben in der Schlacht gewaget; und was wollten doch
wir einzelne wider den Willen aller Inwohner beginnen? Habe ich etwa heimliche
Werbungen in Feindes Gebiete? Lasset hervor treten / der mich dessen zeihet. Ich
versichere ihn bei meinen Grossfürstlichen Ehren /und bei diesem meinem grauen
Håupte / dass da er mich dessen ichtwas überzeugen kann / ich als ein Verrähter
mich binden und henken lassen will. Nun wo bistu mein Ankläger / wo bistu? trit
kühnlich hervor /du hast mit mir nicht als mit deinem Grossfürsten /sondern als
mit einem gemeine Landsknechte / ja als mit einem schlechten Bauern zuschaffen.
Sihe da / ich ermahne dich bei deiner Redligkeit / verbirge dich nicht länger /
sondern zeige nur bloss an / was du aus meinen Geberden habest muhtmassen können
/ dass ich Teutschland zu beleidigen / oder ihnen ihre Götter wegzuschaffen sollte
willens gewesen sein; ich will deiner Anklage erwarten / und dieses mein Heer
(welches ich doch durchaus nicht schuldig bin / auch nie kein Beherscher der
Teutschen vor mir eingangen ist) gerne und willig zum Richter leiden. Hiemit
schwieg er stille / legte sein Schwert abe / und setzete sich nider auff die
Erde. Als nun keiner sich finden wollte /stund er wieder auff / und fing abermahl
an: Bin ich nun nicht eins mehr wirdig / dass mir geantwortet werde? ei so bin
ich schon gar zu lange euer GrossFürst gewesen. Ich meinte / man würde aus
hochbewäglichen Ursachen mir zufolgen sich gewegert haben / so sehe ich aber /
dass es nur ein frecher Stolz und verwägener Muhtwille ist / und wird demnach
mein bestes sein / dass ich mit meinem Sohn nach Friessland umkehre / und daselbst
das Gnaden-Brod die übrigen wenig Tage meines Lebens fresse. Hierauff fing ein
Unter Befehlichshaber an zuruffen: Wes zeihe wir uns / ihr Brüder? Warum treten
die Hauptleute nicht zusammen / und vergleichen sich einer gebührlichen Antwort?
Oder ist etwa ein Kläger verhanden / er sei geistlich oder weltlich / ådel oder
unädel; der trete hervor / und versichere sich alles Schutzes /nachdem der
gewaltige GrossFürst selber sich vor das KriegsRecht stellet / welches freilich
unerhöret ist /und uns schier heut oder morgen von unsern Nachbarn fast
schunpflich dürffte vorgeleget werden. Die Hauptleute folgeten diesem Raht /
weil kein Kläger sich finden wollte / und nach kurzer Berahtschlagung redete der
ansehnlichste unter ihnen also: Unüberwindlichster Grossfürst / Gnädigster Herr;
Euer Hocheit anwesendes Kriegsheer ist erbötig und bereitwillig / Leib und Blut
vor dero Wolergehen einzubüssen; nur allein bitten sie untertähnigst / es wolle
dieselbe darüber nicht ungeduldig werden / dass das gemeine Vaterland bemühet ist
/ ihren uhralten Gottesdienst unverendert zuerhalten / damit nebest Hinfallung
dessen / nicht auch ihre Freiheit zugleich mit untergehe /wovor sie lieber alle
mit einander tausendmahl sterben wollen. Wann nun Ihre Hocheit ihren Untertahnen
solches versichern wird / ist alles Unwesen schon gänzlich auffgehaben. Man hat
in Erfahrung bracht /ob sollte unsere junge Herschaft neue Götter mit sich von
Rom hergeführet haben / die so hochmühtig uñ stolz sein sollen / dass sie keine
andere Götter neben sich leiden oder dulden können / sondern alles allein sein
wollen / gleich wie der Römische Käyser alles allein sein will; Diese neuen
Gotter einzuführen / und die alten wolverdienten abzuschaffen / sollen die
jungen Fürsten des gänzlichen Vorhabens sein. Weil aber Teutschland so wenig der
Römer Götter / als sie selbst zu Ober Herren leiden kann / als wird Ihre Hocheit
sich in diesem Werke dergestalt gnädigst erklären / dass so wohl sie selbst / als
die Fürstliche junge Herrschaft und das ganze Land der Gefahr befreit werde.
Ey lieber / sagte hierauff der GrossFürst / sollen dann geschworne Untertahnen /
umb eines blossen nichtigen Verdachts willen / sich ihrer höchsten Obrigkeit im
algemeinen Auffruhr / mit Schwert und Spiess widersetzen / und ihr den Durchzug
in ihr Erbreich gewaltsam verlegen und verbieten? Welche unsere Vorfahren haben
sich jemahls unterstanden /wider ihre Könige sich auffzulehnen / und durch
falschen nichtigen Argwohn zu dergleichen unerhörten Aufwiegelung sich reizen
zulassen? ich muss aber anjetzo zweierlei vernehmen / welches über meine Söhne
geklaget wird / als vor erst / sie haben neue Römische Götter; vors ander / sie
wollen solche den Teutschen vorstellen / die alten abschaffen / und zugleich das
Vaterland umb ihre teuer erkauffte / und bisher wohl erhaltene Freiheit bringen.
Niemand wird mirs verdenken / dass ich vor meine Söhne rede / dann sie sind mein
Fleisch und Blut. So sei es nun also /dass meine Söhne einen Gott (dann mehr als
einen Gott gläuben sie nicht) in der fremde erkennet haben /von dem sie vormahls
nichts gewust; soll man sie umb solcher Erkenntnis willen dann des Landes
vertreiben /welche keinem Menschen schaden kann? Ja sprechet ihr / sie haben
Römische Götter / die können wir nicht dulden. Römische Götter? höret mir / bin
ichs wirdig / biss einige nur / dann wird das übrige schon alles geschlichtet
sein. Meine Söhne haben den Christlichen Glauben angenommen / das gestehen sie;
ist aber dieser der Römische Glaube? Ey sendet doch hin in der Römer Gebiet /
und nur biss gen Köllen am Rein / fraget nach / ob die Römer Christen sind / ja
ob sie der Christen ihren Gott verehren? Ich versichere euch bei meiner
Redligkeit / ihr werdet keine andere / als diese Antwort von ihnen bekommen: Das
Römische Reich / und dessen Vorsteher / sind der Christen abgesagete Feinde /
wollen durchaus ihren Gott vor den wahren Gott nicht erkennen / vielweniger
annehmen / sondern ihren Wiederwillen gegen denselben zubezeigen / verfolgen sie
die Christen auffs härteste sie es nur erdenken können. Nun dann / ihr lieben
Teutschen / haben dann nun eure junge angebohrne Fürsten Römische Götter
angenommen? Römische Gelder haben sie mit sich gebracht / die wollen sie den
Teutschen zum Beutpfennige aussteilen; das sind die Römischen Götter / könnet ihr
die nicht leiden /so müsst ihr ja die Geld Liebe in kurzer Zeit abgeleget
haben. Aber ich muss nachfragen / ob dann die Erkenntnis eines neuen oder vorhin
unbekanten Gottes einigem Menschen / will nicht sagen / Königen und Fürsten in
ungleichem ausszulegen sei? Wer ist unter euch Teutschen / der nicht wissen sollte
/ was vor Götter man in Dännenmark / Schweden / ja in Italien selbst verehre?
hat euch jemand deswegen zu Rede gesetzet? Nein / sprechet ihr / solches ist die
Frage nicht / sondern wir wissen solches zwar / aber daneben verehren wir
dannoch die unsern / und stossen sie nicht von der Brücke in die Weser oder
Elbe. Gut; ihm sei also; es wird euch solches auch niemand wehren; ihr ehret
sie; und zwar billich / dann ihr haltet sie noch vor wahrhafte Götter. Meine
Söhne aber zweifeln an ihrer Goteit / daher entalten sie sich solches
Gottesdienstes / biss sie von unsern Geistlichen eines bessern unterwiesen
werden. Ja / werffet ihr ein / und zwar als den schweresten Knoten: unsere junge
Herschaft / ist daran nicht vergnüget / dass sie einen fremden Gott vor sich
haben / sondern sie wollen denselben auch ihren Untertahne auffdringen / und die
alten Land-Götter abschaffen / auch zugleich die Teutsche Freiheit in Römische
Dienstbarkeit und Leibeigenschaft verwandeln. Hilf Gott! wer hat eine solche
erschrekliche schandbahre Verleumdung auff die Beine setzen dürfen? können dann
meine Söhne ein solches durch sich selbst verrichten? oder haben sie euch darum
jemals begrüsset / dass ihr ihnen hierzu möchtet behülfflich sein? oder ist etwa
Friessland in Bestallung genommen / solches ins Werk zustellen? O ihr nicht mehr
beherzete / sondern furchtsame Teutschen! werden dann zween einzelne Männer /
die den Jahren nach noch unter die Jünglinge zurechnen sind /euch und alle eure
Götter zum Lande aussjagen? Ich meine ja / Teutschland habe noch seine Grenz
Völker liegen / die werdens ohn Zweifel nicht verschlaffen /wann etwa die Römer
kommen / und uns als Leibeigene aus dem Lande schleppe wollten. Doch ihr lieben
SpiessGesellen / vielleicht möchte sich jemand finden / der meinen Söhnen solches
zeihen dürfte / lasset deswegen den Schreier ankündigen / dass er hervortrete /
als wahr ich ein ehrlicher Grossfurst bin / und ein solcher zu sterben begehre /
will ich ihm wieder meine Söhne Schuz halten / und wann er nur die allergeringste
glaubwirdige anzeige tuht / dass meine Söhne des einen oder andern sich nur haben
verlauten lassen /will ich sie dem Heer zur wilkührlichen Straffe übergeben.
Verflucht sei / wer einem Römer / zum Nachteil des Vaterlandes hold ist / und
sollte ein solches von meinen Söhnen mit Warheit können gesagt werden / sollte
diese Faust sie vom Leben zum Tode richten. Aber O nein / diese haben der
Freiheit süsse Wollust und Ergezligkeit viel zu tieff in ihr Herz gesenket / und
würden sich lieber zehnmahl henken als unter der Römer Joch zwingen lassen. Drum
so höret nun / wessen ich mich / und zugleich meine Söhne sich beständig
erklären / dabei es auch sein verbleiben haben soll: In ganz Teutschland soll
keinem einigen Menschen / er sei adel oder unadel / der alte gebräuchliche
Gottesdienst verbohte oder verwehret sein / sondern ein jeder mag dabei nach
Gewohnheit seiner Vorfahren verbleiben. Eure Landes und Lebens Freiheit soll im
wenigsten nicht gekränket werden / die jetzige Wiederspenstigkeit soll tod und
vergessen sein / ohn dass man die Redlensführer und ersten Auffwiegeler / andern
zum Abscheu mit gebührlicher Straffe ansehen muss / deren doch / ob ihrer etwa
viel währe /nicht über vier ihre Köpffe verlieren / die übrigen begnadet werden
sollen. Habt ihr nun hieran ein Genügen oder nicht / so erkläret euch bald /
auffdass ich wissen möge / ob ich noch der Teutschen Grossfürst /oder ihr
Verbanneter soll genennet werden. Hierauff fing das ganze Heer / da es ihnen
durchgehends kund getahn ward / an zuruffen: Der Grossfürst und unsere junge
Herschaft lebe / und halte her Teutschen Freiheit und ihren Göttern Schuz. Mit
welcher Erklärung unsere Fürstliche Gesellschaft vor dismahl wohl zufriden wahr /
wurden auch etliche Häuptleute aussgewählet / welche mit Prinsla nach den
abgeschickten 4000 Reutern sich hinmachen sollten / daselbst anzuhören /was
Gestalt derselbe jenen ihrer Grossfürsten auffrichtiges erbieten anmelden sollte /
dañ erselbst vor sein Häupt wollte sich mit den Ausrührern in keinen Zank
einlassen / viel weniger auff ihren ungegründeten Argwohn Rede und Antwort geben
/ und gleichsam vor ihrem Gerichte stehen. Als aber jenen die vorgemeldete
gnädige Erklärung des Grossfürsten von Prinsla vorgetragen ward / dieselbe den
ihrigen / so auff der Grenze in grosser Menge lagen / zuhinterbringen /mit dem
ernstlichen Befehl / dass sie darauff alsbald in Ruhe stehen / und hinter sich in
ihre Gewahrsam zihen sollten / wollten die 20 Pfaffen damit durchaus nicht
friedlich sein / frageten die Gegenwertigen Häuptleute / so mit Prinsla kommen
wahren / ob sie mit solcher Erklärung könten einstimmen; und als dieselben zur
Antwort gaben / sie hätten zuvernehmen / wessen der grösseste Teil ihrer
LandsLeute gesinnet währe / trugen diese Pfaffen im Nahmen des ganzen
Teutschlandes vor / es müste sowol der Grossfürst selber / als die Anwesende
junge Fürsten / der Bömische König mit eingeschlossen / sich äidlich
verpflichten /und schrifftlichen Schein von sich geben / dass sie nicht allein
den alten Gottesdienst ihren Inwohnern frei lassen / sondern auch vor ihr Häupt
denselben gut halten / die neuen Götter abschaffen / den Christlichen Glauben
verleugnen und verfluchen / und die uhralten LandGötter vor die wahren und
rechtmässigen erkennen wollten; würden sie dieses eingehen /alsdann währen sie
nach wie vor ihre liebe Obrigkeit; wo nicht / würde man der Teutschen
versamleten Macht es nicht verdencken / dass sie die Grossfürstliche Erklärung vor
gefährlich und als auff Schrauben gesetzet / halten müste. Dass auch der
Grossfürst so hart und strenge auf einen Ankläger drünge / währe nicht anzusehen
/ gestaltsam es klärlich am Tage läge / dass sein Sohn und Oheim sich öffentlich
vor Christen aussgäben / und nach des Grossfürsten Anzeige ungescheuet gestünden /
dass sie allein ihren einigen Gott vor den wahren Gott hielten. Nun würden sie ja
nicht leugnen / dass die Christen alle andere Götter in ihren Herzen verflucheten
/ und vor Lügen-Teufel hielten; wie könnte dann Teutschland zugeben / dass ihre
Obrigkeit alle Inwohner in ihrem Gottesdienste verfluchen und vor einen Abscheu
halten sollten? könnte dieses wohl einige Vertrauligkeit setzen? ja könnte es wohl
möglich sein / dass unter dieser Misshelligkeit das Teutsche Reich bestehen sollte?
Die abgeschikten Hauptleute fingen auf diese Rede schon wieder an zu wanken /
ungeachtet sie sich Grossfürstlich erkläret hatten / wegerten sich aber doch
gleich so wohl / als Prinsla selbst / diese Antwort dem Grossfürsten zu
hinterbringen / sondern begehreten / es möchten etliche ihres Mittels solches
selbst verrichten; dessen sich diese gar nicht scheueten / wähleten 6. Pfaffen
/welche mit fortritten / dieses Anmuhten mit gleich so dürren worten
vorzutragen. Als diese ankamen / wahren des Grossfürsten seine getreue Leute sehr
geschäftig / die Schanze umb die Wagenburg aufzuführen /welche schon in solchem
Stande wahr / dass man sich daraus aller ihrer Menge erwehren kunte / und hatte
man bei diesem Graben unterschiedliche Quellen angetroffen / die ein kleines
Wasser in guter Menge hervor gaben. Nun wussten die neu ankommende Teutsche
Völker noch nicht / dass Herkules wieder zu Lande geschlage währe / weil er / da
der erste Pfaffe von dem Heere nach Teutschland ging / sich den Völckern noch
nicht kund gegeben hatte / daher wollte er auch noch dissmal sich von diesen 6.
Pfaffen nicht sehen lassen / als sie vor die Fürstliche Gesellschaft (denen Fürst
Olaf stets beizuwohnen genöhtiget ward) sich stelleten / und ihre unverschämte
Meinung mit eben den vorigen Worten verwägen gnug vortragen durften; ja der
älteste unter ihnen grief König Baldrichen solcher gestalt absonderlich an:
Grossmächtigster König / ich erinnere mich dessen ehmahliger Teutscher
Gottseligkeit / welche er mir zum öftern bei unserm uhralten köstlichen
Gottesdienste hat sehen und erscheinen lassen / so gar / dass er auch äidlich
versprochen / sich davon nimmermehr abzuwenden / und mus ich dannoch mit grossem
Unmuht und inniglichen Seelen-Schmerzen hören und vernehmen / dass derselbe
solches so liederlich hindan gesetzet / und nach dem Beispiel seines abtrünnigen
Bruders den gekreuzigten falschen Gott und verführer angenommen; hätte
nimmermehr gemeinet / dass ein solcher frommer tugendliebender Fürst zu einem so
lasterreichen Unglauben sein Gemüht hätte können hinwenden: Er wollte in seiner
verweislichen Schmachrede fortfahren / aber Baldrich ward durch die dreifache
schåndung / welche dieser Bube seinem Gotte / seinem Bruder und ihm selbst
anlegete / zu so heftigem Zorn bewäget / dass ihm das Blut vor die Augen schoss /
daher er ihn alsbald schweigen hiess / und die andern fünft Pfaffen fragete / ob
diesem ihren Worthalter ausdrüklich befohlen währe / ihn dergestalt absonderlich
vorzunehmen; welches sie aus furcht weder mit ja noch nein beantworte durften /
biss endlich dieser freche sich vernehmen liess / ob ihm solches gleich so eben
nie währe aufgetragen / so hätte er doch gnugsame Volmacht / die Warheit zu
reden / und die Fürsten im nahmen des ganzen Volkes ihrer Schuldigkeit
zuerinnern. Baldrich ergriff sich inzwischen in etwas /und antwortete ihm: Wolan
/ ich bin mit dieser dir gegebenen Volmacht zu frieden / dass du die Warheit
reden solt; aber Lügen vorbringen / und deiner Obrigkeit selbe auffbürden stehet
dir nicht frei. Also mustu nun deine ausgespeiete Reden wahr mache / oder als
ein frevelmühtiger Lugener und Verleumder deiner angebohrnen Obrigkeit / die
Straffe leiden. Sol ich aber deine Rede vor wahr halten / so mustu anfangs
Sonnenklar darlegen / dass mein Gott ein falscher und verfürischer Gott sei;
hernach dass mein Glaube ein Lasterreicher sei / und endlich wie du vor diesem
meinen Herr Bruder zu verleumden pflagest / dass derselbe in allerhand Unzucht
und Unflätereien sich mit andern Schand-ergebenen wälzete; und werde ich willig
sein / deinen dreifachen Beweisstuhm anzuhören /aber auch / wann dirs daran
fehlen wird / soltu mit mir in Unglücks Küche kommen. Dieser beantwortete es mit
einem kaltsinnigen einwenden; was öffentlich am Tage läge / bedürffte keines
grossen Beweisstuhms / dañ es währe schon Sonnen-klar; so währe er auch vor
dissmahl nicht abgeschicket / sich in solche weitläufftigkeit hinein führen
zulassen. Pfaffe Bertram /bedenke dich ja bald einer bessern Antwort / sagte
Baldrich; ich sage / dass du alles dreies schändlich gelogen hast; wiltu nun dein
Leben retten / so führe Beweisstuhm / oder bekenne dem gottloses Verbrechen; dann
bistu nicht ausgeschikt / dich in Weitläufftigkeit einzulassen / so wirstu viel
weniger ausgeschikt sein / meinen Herr Bruder und mich mit falschem lügenhaftem
Maule zuverleumden. Der Pfaffe fing darauff an: Gn. König / dräuet mir und
meinem Leben nicht / auff dass ihr euer eigenes nicht in gefahr setzet; was ich
geredet habe / will ich zu seiner zeit gnugsam verantworte. Da kunte nun Baldrich
seinen Zorn länger nicht einzwingen / sondern griff ihn mit dieser Rede an: Je
du gottloser ehrvergessener Schelm und Verleumer; wer hat dir dann die Kühnheit
und Gewalt erteilet / meinen Gott in meiner Gegenwart zuschmähen / meinen Herrn
Bruder vor einen Abtrünnigen / und mich / einen herschenden König /vor einen
Meinåidigen auszuschelten? ist dirs nicht gnug / was du vorhin schon gelogen /
und bei meinem gn. Herr Vater hochgedachten meinen preisswirdigen Herr Bruder /
als einen Tugend Feind und der abscheulichsten Laster ergebenen angetragen hast?
Dieser wollte noch nicht zum Kreuz kriechen / sondern blieb steiff dabei / er
wollte die Warheit zu seiner Zeit vorstellen; welches dem erzürneten Fürsten
zuverschmerzen unmöglich wahr / zog sein Schwert aus /und schlug ihm mit einem
Hiebe den Schedel reine hinweg / sagend: Du wirst mir fortin die Auffruhr wohl
nicht weiter schüren. Die übrigen Pfaffen erschraken dermassen / dass sie kein
Wort sprechen kunten; so wahr auch der GrossFürst selbst nicht allerdinge damit
zufrieden / meinte / man hätte ihn allemahl noch finden können. Doch die Taht
wahr geschehen /und numehr zubedenken / wie sie eine zeitlang vertuschet bliebe;
wurden also die fünff übrige Pfaffen fleissig bewachet / und setzete Baldrich
sich alsbald zu Pferde / ritte in Gesellschaft 50 Friesischer Reuter zurücke /
umb zubefodern / dass die begehrete Mannschaft aus seinem neuen Königreiche
herzu eilete. Den abgeordenten Reutern und Pfaffen aber liess der Grossfürst
andeuten / sie sollten sich straks angesichts nach den ihrigen machen / und ihnen
seine getahne GrossFürstliche Erklärung vortragen; die 6 Pfaffen müsten bei ihm
in freier Hafft bleiben / biss man sich erkündigen würde / ob ihre hochmuhtige
frevelhafte Anwerbung nebest angefügeten gräulichen Schmach reden wider die
jungen Fürsten / ihnen von seinen Untertahnen einhellig auffgetragen währe oder
nicht. Zwar die annoch übrige Pfaffen durfften trotzig anhalten / dass sie ihre
Amts Brüder auff freien Füssen haben / und das Fürstliche Heer sprechen wollten;
bekahmen aber von Prinsla zur Antwort: Das lezte würde man ihnen durchaus nicht
gönnen / nachdem der Auffwiegeler schon mehr als zu viel unter dem Heer währen,
das erste dürffte niemand als sie selbst bei dem Grossfürste werben / welches
ihnen dann sollte erläubet sein, aber die guten Herren rochen Lunten / und nahmen
mit ihren Reutern den Abzug / wiewol nicht ohn heftige Dräuungen / welche doch
Prinsla / wie ihm befohlen wahr / unbeantwortet liess / als hätte er sie nicht
gehöret. Ladisla wusste nicht / was er vor Zorn wegen seiner Böhmen Träulosigkeit
anfahen sollte / nam Prinsla und Neklam zu sich / ritte nach dem Heer / und hielt
zu ihnen diese Rede: Ihr Teutschen; ich als Böhmischer König / habe euch wegen
eures tuhns und lassens weder zubefehlen noch zuverbieten; nur mit meinen
anwesenden Untertahnen des Böhmischen Reichs rede ich / und frage dieselben /ob
sie auff mich auch etwas zusprechen haben / das der Auffruhr und ihres
Ungehorsams wert sei; solches sollen sie alsbald durch einen Gevolmächtigten
andeuten; Ich erinnere mich / dass ich den Kern meiner jungen Ritterschaft alhie
bei mir habe; wie es nun ihren frommen redlichen Eltern und Anverwanten gefallen
wird / wann sie dieses von ihnen erfahren sollen / stehet zu erwarten; Ich meine
/ sie werden es empfinden / wann ihre Söhne erbloss gemacht / vor ihres Königes
Verrähter ausgeruffen / des ganzen Königreichs von meiner Fr. Mutter und den
sämtlichen Land Ständen in Ewigkeit verbannet / und vor Vogelfrei ausgeruffen /
wo nicht wohl gar die Ketten der Leibeigenschaft ihnen angelegt werden. Darum so
vernehmet meine Königliche Gnade / und gebraucht derselben zu eurer Wolfahrt /
wo euch sonst nicht aller Wiz entgangen ist; Ein jeder Böhme / der gleich diese
Stunde zu mir treten / ein Zeichen der Reue an den Tag legen / mir auffs neue
den äid leisten / und wie ein redlicher Untertahn sich nach diesem verhalten
wird / soll volle Erlassung des jezt ergangenen /krafft dieses meines Königlichen
versprechens haben /so gar / dass dessen / als währe es nie geschehen / in
Ewigkeit nicht gedacht werden soll. Da hätte man ein elendes Geschrei hören
sollen. Alles was Böhmisch wahr / so bald des Königes Rede durch die Völker von
einer Schaar zur andern lief / dass rief umb Gnade / Gnade / sonderten sich von
den Teutschen ab / fielen von ihren Pferden / und tahten einen wehmühtigen
Fussfal / einwendend / sie währen verleitet und hintergangen; die Teutschen
Pfaffen währen Lügener und Bösewichter / und ihr König gerecht uñ from; trieben
dabei ein solches Geheule / dass Ladisla selbst zu Mitleiden bewäget ward; gab
ihnen einen freundlichen Wink mit dem abgezogenen Hute / dass sie auffstehen
sollten; und als er sie gestillet hatte / redete er sie also an: Nun ihr redliche
auffrichtige Böhmen /und liebe Geträue; Ich weiss und sehe vor Augen / dass ihr
nicht aus Bosheit / sondern blosser Einfalt gesündiget habet; stehet auff /
setzet euch zu Pferde / und folget mir nach; wer des ergangenen gegen mich im
guten oder unguten gedenket / soll mein Freund nicht sein. Nam sie hiemit auffs
neue in Pflicht und åide /und wahr sehr froh / dass er noch 28000 Böhmen zählete
/ da der Teutschen kaum 16000 mehr sich funden / weil die übrigen mit Siegward
nach Wendland fortgangen wahren. Diese Teutschen nun erschraken der
unvermuhtlichen Absonderung höchlich / dann sie sahen / wie leicht sie von den
andern hätten können nidergemacht werden / welches auch auff ihre beharliche
Widersezligkeit wohl erfolget währe. Ladisla muhtmassete leicht / dass ihnen das
Herz würde entfallen sein / darumb redete er sie also an: Ihr bisher so redliche
Teutsche Herzen / und gewesene liebe Spiessgesellen; mich wundert nicht wenig /
wie ihr so unbedachtsam verfahret / und von eurem liebreichen Vater dem
GrossFürsten euch absondern könnet / welcher sich doch gegen euch dergestalt
erkläret hat / dass ich nimmermehr ein gleiches tuhn würde / auch kein erbarer
Mensch ein mehres von ihm fodern kann; und dannoch wisset ihr nicht / ob ihr ihn
vor euren Herrn erkeñen wollet oder nicht; gedenket ihr nicht / dass er euch alle
auff der Rolle hat / ja das Haus weiss / aus welchem ein jeder entsprossen ist?
ich sähe ungerne /dass euch etwas wiedriges zustehen sollte / weil ihr in
neulicher Schlacht euch so ehrlich und tapffer gehalten / und kann doch nit
ersinnen / wie man euch zu hülffe treten soll / nachdem ihr die Gnadenzeit als
recht unsinnige Leute vorbei streichen lasset; Trotzet ist aber etwa auff eure
auffrührischen Landsleute / die sich ohn alle ursach wider ihre Obrigkeit setzen
dürffen? Oder machet ihr euch Gedanken / euer Grossfürst werde von allen Menschen
verlassen sein / weil seine Untertahnen ihn höhnen dürffen? O weit gefehlet!
Ganz Friessland ist schon im Harnisch; der Schwedische Fürst ist mit seinem Heer
zurück gefodert; nach Böhmen gehen meine Bohten Tag und Nacht ohn Ruhe fort /
darinnen ich keinen wehrhaften Mann sitzen lassen will / er soll auff das
ungehorsame Teutschland angehen / wo sie sich nicht in kurzem eines bessern
bedenken werden; alsdann werdet ihr aber gar zu späte beklagen / dass ihr meinen
wolgemeineten Raht so unsinnig verachtet habet; wiewol / wo ihr eure Vernunft
nicht gar gefressen / ihr leicht euch die Rechnung machen werdet / dass man euren
Muhtwillen die längste zeit schon geduldet habe. So höret nun meinen geträuen
Raht / und folget demselben erstes Augenbliks; sendet etliche eures Mittels an
eure annoch guterzige Obrigkeit ab / welche euren Frevel verbitten / und umb
Barmherzigkeit und Gnade anhalten; was ich zu eurem besten werde tuhn können /
soll euch hiemit versprochen sein; bleibet ihr aber aufrührisch nach wie vor / so
will ich unter euch hauen und stechen helffen / biss mir der Arm erstarret / und
ihr alle werdet vertilget sein. Hiedurch ward ihnen eine solche Furcht
eingejaget / dass sie sich auff ihren Pferden nicht halten kunten / wurffen das
Gewehr von sich / fielen auff die Erde nider / riefen nur umb Barmherzigkeit
und Gnade / und dass der König ihr kräfftiger Vorbitter bei dem Grossfürsten sein
wollte. Ladisla sendete seinen Prinsla geschwinde nach dem Grossfürsten / mit
Bitte / samt Herkules dem Heere zu nahen / stellete doch inzwischen seine Böhmen
zum Schrecken in Schlachtordnung / und kahmen die Fürsten mit allen Partischen
und Wendischen Völkern darzu / nicht anders / als wollten sie gleich auff die
Teutsche hinein setzen / und alles nidermachen. Ladisla rennete ihnen mit wenig
Reutern entgegen / und nach kurzer Beredung kehrete er wieder umb nach dem Heer
/ da der alte Grossfürst in vollem Harnische / und das Schwert in der Faust
haltend / sie auff seinem Pferde also anredete: O ihr Unbesonnene / hätte schier
gesagt / Ungetråue / welches der Teutschen Redligkeit gar zu unerträglich währe;
ich meine ja /ich euer herschender Grossfürst habe mich gnug vor euch
gedemühtiget / mein Schwert abgegürtet / und mich gar auff die Erde geleget; und
dannoch kuntet ihr weder mein Vaterherz sehen / noch eure Sünde erkennen. Würde
ich euch nun ungleich tuhn / wann mit diesem entblösseten (sein Schwert zeigend)
ich euch niderschlüge / welches ihr in der Scheide so liederlich geschätzet
habet? Sehet / diese redliche Böhmen /welche ihr schändlich verleitet hattet /
finden sich alsbald wieder zu ihrem Könige / da sie sein Angesicht sehen / und
seine Stimme hören / und ihr liesset mich in Ungewissheit von euch / da auff den
fal meines Verbrechens ich mich euch zur Straffe dargestellt hatte. O ihr
Undankbahren! betrachtet euer Verbrechen / und lasst hören / welches die
geringste Straffe sei / die ihr verdienet. Sehet diese redliche und ehrliche
Wenden an; die wahren anfangs meine Räuber / und nun sind sie mein geträuer
Beistand worden wider meine Untertahnen / welche kommen wahren / mich aus
Räubers Händen losszureissen. Was soll ich aus euch machen? Wie soll ich euch
nennen? Schåmet euch in euer Herz und Blut / dass ihr eurem ehrlichen Nahmen
einen solchen schlimmen Schandflecken anhånget; schämet euch ihr äidvergessene /
dass ihr von eurem Landes Fürsten abtretet / ohn alle gegebene ursach. Hier fing
das Volk an / sich so jämmerlich zugeberden / dass dem Gross-Fürsten selbst die
Augen übergingen / dann er sah / dass etliche / die ihm nahe wehren / sich
fertig macheten / sich selbst zuentleiben / welches er ihnen ganz ernstlich
verboht. Herkules aber / der sich beliebt zumachen / gefliessen wahr /fing also
an: Gnädigster Herr und Vater / ich bitte untertähnigst / mir zuverzeihen / dass
ich die Kühnheit fasse / mich als ein Vorsprach dieser eurer Untertahnen
anzugeben. Als sie dieses erbieten höreten / ging das algemeine Geschrei an: O
GrossFürst Herkules tretet zu uns in dieser Roht / und erlanget uns Gnade; davor
wollen wir euch unser Blut verpflichten. Herkules winkete ihnen / stille zu sein
/ und fuhr in seiner Rede fort: Höret doch mein Herr Vater; ja hörets als ein
Vater dieser eurer Untertahnen; höret wie sie ihr Verbrechen bereuen / und noch
beizeiten wiederkehren / ehe sie etwas wirkliches wider eure Hocheit vorgenomen
haben; Mein Herr Vater lasse doch vor dissmahl Gnade vor Recht ergehe / und
vergebe ihnen allerdinge / gleich wie König Ladisla seinen Leuten vergeben hat.
Ist gleich das jetzige verbrechen gross /so haben sie doch vor weniger Zeit sich
rühmlich uñ wolverhalten / werde auch durch die gegenwärtige Gefahr sich warnen
lassen / nimmermehr desgleichen vorzunehmen / wovor ich nicht allein mich als
einen selbschuldigen Bürgen darstellen / sondern die verhoffete Gnade nicht
anders / als mir selbst geschehen /rechnen will; stieg hiemit von seinem Pferde /
und taht einen demühtigen Fussfal. Der GrossFürst aber gab ihm diese Antwort:
Geliebter Sohn / das Verbrechen ist fast zu grob / es ohn Straffe hinstreichen
zulassen; dann ob sie gleich zu meiner Rettung sich ehmahls haben eingestellet /
mus ich doch aus diesem ihren jetzigen verhalten abnehmen / sie haben solches
nicht mir zum besten / sondern aus begierde zur Beute getahn. Mit den redlichen
Böhmen hats viel eine andere Beschaffenheit; die sind von den meinen verführet
/und daher zimlichermassen zuentschuldigen; diese aber haben das Unheil
gestiftet; da ich ihnen fortzuzihen befahl / hörete ich wohl Teutsche / aber
keine Böhmen schreiben / hier müste man die Waffen niderlegen. Jedoch mein Sohn
/ damit du sehen mögest / wie gültig deine Vorbitte bei mir sei / sihe da / so
schaffe alles nach deinem gutdünken und belieben / ich will solches genehm halten
/ und mit meinem Häuptschlusse bekräftigen / nur durchaus sollen sie anzeige
tuhn / welche die ersten Uhrheber dieser Auffwiegelung sind / dieselben sollen
und müssen sie melden /und gänzlich von sich absondern. Bald hierauff riefen
die Befehlichshaber; was Pfaffen Nahmen tråget /packe sich von dem Heer hinweg;
ja sie fasseten sie bei den Armen / schleppeten sie hervor / und bekenneten
öffentlich / diese währen die einige Ursach alles Auffstandes; welche der
GrossFürst / an der Zahl 15 anpacken liess. Ein gemeiner Fussknecht trat herzu und
trug vor / es währen drei unter diesen Pfaffen / welche sich hätten verlauten
lassen / man würde die Landgötter nicht befriedigen / noch ihren Zorn und
Unwillen abwenden können / ehe und bevor vier Köpfe auff Stangen stecketen; und
als ein ander gefraget / welches diese Köpfe währen / hätten sie zur Antwort
gegeben / es währen die vier schweresten / fettesten /und teuresten. Alsbald
wurden diese drei Pfaffen von einander gebracht / und absonderlich befraget /
was vor Köpfe sie gemeinet hätten; da der eine diss / der ander dass zu seiner
entschuldigung vorbrachte / und ihre ausflüchte gar nicht übereinstimmen wollten
/ biss endlich ihnen die Folter gedräuet ward / welcher zuentgehen / sie
einmühtig bekenneten / die vier Köpfe hiessen / Henrich / Ladisla / Herkules /
Baldrich. Diese Uhr gicht ward den Völkern vorgetragen / und umbgefraget / was
diese drei verdienet hätten; denen der gröste Teil zusprach / dass sie lebendig
sollten gespiesset oder geviertelt werden / aber der GrossFürst liess ihnen die
Köpfe abschlagen / und auff Spiesse stecken; die übrigen 12 Pfaffen worden zu
den andern fünffen geleget / die mit höchstem Schrecken des vornehmen Gross
Pfaffen Bertrams Häupt auff einer Stange stecken sahen / und nicht anders
meinten / es würde ihnen gleich also ergehen. Herkules erteilete den Völkern
durchgehend völlige erlassung / allerdinge wie Ladisla seinen Böhmen getahn
hatte / nur dass sie diese Nacht biss an den Morgen von 3000 Friesen und 2000
Wenden bewachet werden / wehrloss bleiben / und weder Speise noch Trank geniessen
mussten / welches alles sie gerne erduldeten. Die Böhmen hingegen tahten diese
Nacht aus freiwilligem erbieten eine fast ungläubliche Arbeit / in dem sie den
schon gemacheten Wahl / mit noch einem viel dickeren /und weiteren Graben
umbschanzeten / so dass gegen Morgens das Lager mit einer doppelten Festung
dergestalt eingeschlossen wahr / dass ihnen mit gewalt nicht wahr beizukommen.
Des folgenden Morgens wurden 20 Bömische und gleich so viel Teutsche Reuter mit
harten äiden belegt / und unter gewissem befehl nach der Auffrührer Lager
geschikt / als nehmlich sie mussten dieselben von dem ganzen Fürstlichen Heer
grüssen / sie aller beständigkeit versichern / und anhalten / dass man ihnen auff
drei Tage gnugsame Speise mitteilete / damit sie zu leben hätten / nachdem die
Fürsten ihnen alles versageten / und aus dem fest umbschossenen Lager durch
gewalt nichts zuerhalten währe. Der Anschlag geriet glücklich / und ward die
Speise sein fortgebracht / da die Teutschen mit zutuhn der Böhme / so viel deren
sich willig anerbohten noch den dritten Graben und Wahl umb das Lager zogen /und
es unüberwindlich macheten. Die 4000 Reuter samt ihren übrigen Pfaffen hatten
des vorigen Abends den versamleten Auffrührern des GrossFursten Erklärung
hinterbracht / und dass man die sechs abgeschikte Geistlichen in Haft zurücke
behalten / welches die Pfafheit hoch empfand / und alle beredsamkeit anwendeten
/ die Völker auffzumuntern / dass sie auffs schleunigste den rechten Ernst darzu
tähten / des GrossFürsten und die junge Herschaft zur schriftlichen Versicherung
und ablegung des Christentuhms ansträngeten / und mit ihrer unüberwindlichen
Faust / so wohl des Landes Freiheit / als den uhralten Göttern zu hülffe kähmen /
alsdann könnte das Feur in der Asche gedämpfet werden / welches / wo es überhand
nähme / und die Teutschen Grenzen überschritte / nicht würde zu löschen stehen:
erhielten auch bei der Versamlung so viel / dass sie des folgenden Tages / bald
nach abhohlung der obgedachten Speisen / andere 6000 Mann abfertigten / ihrem
GrossFürsten anzuzeigen / die sechs Pfaffen hätten durch vortragung der
Landeswerbung / und dass sie dem jungen Fürsten Baldrich etwa die Warheit in die
Nase gerieben /nicht wieder befehl gehandelt / wie dann dem hochgelerten
Geistlichen Herrn Bertram noch wohl so viel Freiheit zustünde / dass er die jungen
irrenden Fürsten von der Laster Bahn ab / auff den guten Weg wieder anführete;
begehreten demnach / dass sie alsbald auff freien Fuss gestellet / und auff des
Landes Vortrag bestendige Erklärung möchte gegeben werden / weil man mit der
schon heraus gelassenen nit könnte friedlich sein. Würde dann der Grossfürst sich
dessen wegern / sollte sie nur ausdrüklich sich vernehmen lassen / dz das Land de
Göttern uñ ihrer Freiheit mehr / als dem GrossFürsten uñ der jungen Herschaft
verbunde wäre. Insonderheit sollten sie dz Kriegsheer zur beständigkeit vermahne
/ und dene bei ihnen anwesende Pfaffen es verweisslich gnug vorhalten dz wider
genomene abscheid sie ihne so gar keine Zeitung zuentböhten. Sie setzeten dieses
hinzu / weil die 40 Reuter / welche die Speisewagen abgeholet / ihnen
auffgebunden hatten / die Pfaffen bei ihnen / währen ihrer Sachen uneins worden
/ und hätten die helffte sich wollen an die Fürsten henken / aus Furcht / es
dürffte der Handel unglücklich ablauffen. Ja dass zuverwundern / hätten ihrer drei
ausdrüklich vorgegeben das Christentuhm währe nicht so schnöde als mans
austrüge. Jedoch hätten sich die vornehmesten Obersten zwischen ihre
Streitigkeiten geleget / und sie mit einander wieder verglichen / da sie dann
bei ihrem abreiten schon damit umgangen währen / drei ihres Mittels an die
grosse Landes Versamlung abzuschicken / welche ohn Zweifel sich bald würden
einstellen. Weil nun diese sich nicht anfunden / und sie die Erzählung der
Reuter vor gewiss hielten / fürchteten sie / es würde eine Unlust sich zwischen
ihnen zugetragen haben / da sie dann den dreien Christen-Freunden keine
gelindere Straffe als den lichten Galgen dräueten. Als die unsern der
Herzunahung obgedachter 6000 Reuter verstendiget wurden / musste Neklam ihnen mit
allen Partern und 3000 Wenden entgegen reiten / ihr Begehren zuvernehmen / und
da sie auff ihren vorigen Troz verharren wurden / sie ab zuweise. Zwölf Pfaffen
/ welche de Hauffen führete / stelleten sich ganz verwägen / so dz sie auch
etliche Schmähe Worte mit einmengeten / und durchaus begehreten /man sollte ihre
sechs Amts Brüder (dann von den übrigen wahr ihnen noch nichts kund getahn) los
geben /sonst wollten sie sich von allem daraus entstehendem Unheil auffs
zierlichste bedinget haben. Prinsla / welcher Neklam auff Herkules guteissen /
gefolget wahr / zeichnete die Redlens-Führer fleissig an / und antwortete; man
hätte keinen Befehl sich mit ihnen zuzanken; stunde ihnen doch frei / selbst hin
zureiten /und dem Grossfürsten ihre Werbung vorzutragen. Sie nicht faul / ritten
alsbald mit ihnen fort / und wurden geschwinde vorgelassen. Weil sie sich dann
nicht weniger trotzig als zuvor im freien Felde vernehmen liessen / ungeachtet
sie vor Augen sahen / dass das ganze Heer sich zu dem Fürsten geschlagen hatte
/sprach ihnen der Grossfurst diese Urtel / dass den sechs Wortaltern der Grind
sollte herunter geschmisse werden; welches sie anfangs vor eine blosse Bedrauung
hielte / aber da der Scharf Richter bald darauff mit seinen Knechten zu ihnen
nahete / ihnen auch der vier hingerichteten Häupter vor Augen gestellet wurden
/begunte ihre frecheit sich in eine Reue zuverkehren /wiewol sie sich bedingete
/ dz man nach aller Völker Recht mit ihnen handeln / uñ sie als des Landes
Abgeordente ünbeschimpfet lassen sollte; Aber Ladisla gab ihnen zur Antwort; sie
währen nicht des Landes /sondern der Auffrührer Abgeordente / und zwar solche /
die ihnen dieses Amt selbst erwählet hätten; weil sie dann an ihrer Obrigkeit
sich nicht allein durch Empörung / sondern auch durch frevelmuhtige Schmach
reden hart vergriffen hätten / sollten sie alsobald zum willigen Tode niderknien
/ oder aber lebendig gespiesset werden; welches so viel bei ihnen wirkete / dass
/ weil es anders nicht sein wollte / sie den gelindern Tod annamen / und nichts
höhers wünscheten / als dz ihre übrige Amts Brüder nur wissen möchten / wie es
ihnen hieselbst erginge. Worauff Neklam zur Antwort gab / wann dieselben mit
Troz sich anfinden würden / könnte ihnen eben der Groschen zum Arbeits Lohn
ausgezahlet werden. Ihre abgehauene Köpffe wurden inwendig des Lagers
auffgestecket / und die übrigen sechse zu den andern gefangenen getahn / da sie
mit Brod und Wasser sehr kärglich gespeiset wurden. Nach solcher Volstreckung
ging Prinsla mit allen Parten / 3000 Wenden und gleich so viel Friesen den
Auffrührischen sechstausenden abermahl entgegen / ihne gebietend / sie sollten
auff Befehl ihres herschenden Grossfürsten stehendes Fusses sich hinweg packen /
und da sich nach diesem jemand mit dergleichen trozigen Reden als die heutigen
Pfaffen wurde finden lassen / sollte es ihm den besten Hals kosten; ihr Grossfürst
hätte sich gestriges Tages erkläret / ganz Teutschland bei ihren Geist- und
weltlichen Freiheiten zulassen / dabei hätte es sein verbleiben; währe dann
solches den Landsassen noch nicht gnug / sollten sie morgen gegen Abend ihre
Abgeordenten / jedoch keine schmähsüchtige trotzige Pfaffen / sondern höfliche
vom Adel und vom der Gemeine abschicken die ihre Werbung mit geziemender
Untertähnigkeit vortrügen / als dann sollte eine gebührende gnädigste Antwort
erfolgen. Die 12 Pfaffen hätte man wegen ihrer Unhöfligkeit und Schmäheworte
angehalten / mit denen ihre Grossfürstl. Hocheit schon also würde zuverfahren
wisse /wie sichs gebühren wollte. Diese wollten mit solcher Antwort nicht
friedlich sein / und begehreten insonderheit etliche Pfaffen von dem Fürstlichen
Heer zusprechen; aber Prinsla umzog sie mit seinen Völkern /reiss den Worthalter
vom Pferde / und dräuete ihm den Tod / wo er sich noch eines Worts wieder seine
hohe Landes Obrigkeit würde verlauten lassen / fragete auch die ganze Schaar /
ob sie willens wären / in gute oder gezwunge abzuzihe; welche als übermannet
sich erbohten zu gehorsamen / und den gegebenen Befehl zuhinterbringen. Ihre
Ankunft erweckete nicht geringen Auffland / insondernheit / weil alle ihre
Pfaffen zurück blieben / worüber die Geistligkeit nicht wenig erschrak / da sie
noch überdass anhören mussten / dass der Grossfürst ihrer keinen mehr hören /
sondern nur mit den weltlichen Handlung pflegen wollte; gingen darüber fleissig
zuraht / verteileten sich durch das ganze Lager / und macheten die Sache so
gefährlich /als ob ihnen allen / grossen und kleinen / das Leben schon
abgesprochen währe. In des Fürstlichen Heers Zustand aber wussten sie sich gar
nicht zurichten /scholten auf ihre Amts Brüder heftig / dass dieselben unter
sich selbst zwiespalt angefangen hätten / und dem gemeine Wesen dadurch nicht
geringe Ungelegenheit zuzögen; gerieten zugleich auf die Gedanken /der Grossfürst
müste dem Heer die Wege versperret haben / dass keine Botschaft von ihnen
durchkommen könnte. Durch ihr ungestümes anhalten aber brachten sie es vor
dismahl dahin / dass die Einwilligung geschahe / es sollte morgen zeitig früh /
ungeachtet alles Grossfürstlichen Verbohts / diese ernstliche und / wie sie es
nenneten / schliessliche Anfoderung eingeschicket und vorgetragen werden / dass I
ihre Pfaffen alle miteinander auff freien Fuss gestellet. II Die begehrete
schriftliche Versicherung wegen Erhaltung des Uhralten Gottesdienstes von dem
Grossfürste und der jungen Herschaft innerhalb 24 Stunden ausgefertiget; III der
Christliche Glaube von allen und jeden so ihn angenommen hätten / abgelegt und
verschworen; IV Allen und jeden / wie sie Nahmen haben möchten / so zu dieser
Handlung Raht und Taht gegeben auch dabei sich wirklich finden liessen /
durchgehend /verzihen / und dessen in Ewigkeit nicht gedacht werden sollte.
Dieses sollten 20 Pfaffen / 20 ädle / und 20 von der Gemeine dem GrossFürsten und
der jungen Herschaft ungescheuhet vortragen / und zur Begleitung 40000 Mann zu
sich nehmen. Die ädlen hielten die auffgezeichneten Foderungen gar zu frech sein
/wollten auch den Aufbruch verhindern / und den gelindern Weg gehen; aber der
Pfaffen Geschrei drang durch / da sie vor gaben / man sähe numehr schon wohl /
wie hoch man die Götter achtete / deren Ehre und Beschützung man um eines
bedräulichen Wortes Willen wollte fahren lassen. Ihnen ward geantwortet; es hätte
diese Meinung durchaus nicht / aber doch müste man Vernunft gebrauchen / und wohl
bedenken / dass man nit mit Feinden / noch mit Fremden / noch mit seines gleichen
/ sondern mit der angebohrnen höchsten Obrigkeit zuhandeln hätte; dieselbe nun
begehrete an ihre Untertahnen zweierlei; vor erst / dass man vor morgen abends
keine Handlung vornähme; hernach / des Landes Anfoderung nicht dürch geistliche
sondern weltliche vorgetragen würde; was nun davon nicht könnte beliebet werden /
müste nicht von einem Stande allein vor sich geschlossen / und den andern beiden
Ständen einzuwilligen auffgedrungen / sondern ihnen reifflich zubedenken
vorgestellt / und ihr Wolmeinm darüber gehöret werden; ja dass allem Dinge sein
Recht geschähe / währe nöhtig und heilsam / dass die Verständigsten aus allen
dreien Ständen sich zusammen tähten / alles wohl erwögen / einen Entwurff
aufsetzeten / nachgehends der ganze Gemeine vortrügen / und geschickte Männer
erwähleten / die als Abgeschickte gebraucht / und ihnen schrifftlicher
Unterricht erteilet würde / was und wie weit sie handeln sollten / alsdann würde
man am glücklichen Verfolg nicht zuzweifeln haben; dann was biss daher vorgenommen
währe / hätten nur ihrer etliche von der Geistligkeit / nach getrieb ihres
eigenen Willens / und vielleicht aus gar zuheftiger Bewägung ihrer Begierden
geschlossen und verrichtet / daher man sich nicht verwundern dürffte / dass es
keinen Verfolg gehabt; Und sollten sich die Herren Geistlichen dieses versichern
/ dass der Adel und die Gemeine ihren Göttern ja so fest anhingen als sie / nur
dass man gleichwol die Obrigkeit nicht mit Füssen treten / das ist / sie weder
beschimpffen noch trotzen / sondern sie gebührlich ehren / und alles auffs
glimpflichste suchen müste / so lange man Hoffnung zur Einwilligung trüge. Die
Pfaffen mussten gleichwol hierauff geschehen lassen / dz eine Rahtschlagung von
den Häuptern aller dreien Stände vorgenommen ward; aber sie drungen hiemit durch
/ dass sie vorerst antworteten: Der GrossFürst suchete den Sachen Auffschub
zugeben / und zwar zu dem ende / dass anfangs des ganzen Volks Gemühter sich
enderten / und die Liebesbrunst gegen ihre Götter erkaltete; dann auch / dass
zwischen ihnen der Same der Uneinigkeit ausgesträuet würde / worzu das beste
Mittel schon vor die Hand genommen währe / indem man die Geistligkeit
ausschliessen / und ihnen der Zungen Freiheit abschneiden wollte / welchem
Unwesen aber beizeiten müste vorgebauet werden. Dann wer währe so blind und
unverständig / der nicht sehen und merken sollte / was gestalt der Grossfürst /
oder vielmehr die junge Herschaft der Stände Trennung suchete / indem man die
Geistligkeit ausschlösse /weil man versichert währe / dass diese sich des
Gottesdienstes ungleich mehr und eiferiger als andere annehmen würden; könnte
auch wohl sein / dass man Hoffnung schopffete / man würde etliche Häupter der
übrigen Stände durch Schenkungen oder statliche Verheissung gewinnen / und auff
der Fürsten Seite bringen können. Dieses ward den unruhigsten des gemeinen Volks
von den Pfaffen tapffer eingeblasen / welche ein wüstes Geschrei anfingen; man
müste diese Sache niemand als den Geistlichen anvertrauen / damit man vor
Verraht und Betrug sicher bliebe. Wodurch dann aller guter Raht Krebs gängig
gemacht / und das ganze Werk nach der Pfaffen willen angestellet ward. Als die
ausgesetzete Fürstliche Schildwachten die Zeitung brachten / dass so ein starkes
Heer / halb zu Pferde und halb zu Fusse sich sehen liesse / besetzeten die
Fürsten ihr Lager mit aller Mannschaft / die sie durch einander gemischet hatten
/ und sendeten ihnen Prinsla und Neklam mit 2000 Wenden und so viel Parten
entgegen / umb zufragen / wer sie so verwägen kühn gemacht hätte / dass ohn ihres
GrossFürsten ausdrüklichen Befehl sie ihre Wohnungen verlassen /und als in einer
offentlichen Fehde sich sehen lassen dürfften; doch begehrete ihre Grossfürstl.
Hocheit von ihnen vor dissmahl mehr nicht zuwissen / als wer dieser Aufwiegelung
Ursach / Anfänger / und des Heers Führer wahre. Hieselbst wollte sich nun so bald
kein Weltlicher melden / nur die Pfaffen fingen ihr Geblärre an / und begehreten
/ dass Prinsla dem GrossFürsten obgedachte Anfoderungen alsbald einreichen sollte
/wann ihnen nicht könnte erlaubet sein / vor ihren GrossFürsten zutreten. Das
werde ich wohl nicht tuhn /antwortete er / dass ich mich von euch Pfaffen vor
einen Bohten und Briefeträger sollte bestellen lassen; ich diene meinem
GrossFürsten als ein Ausländischer /und euer keinem nicht / daher werde ich mich
schon hüten / über Befehl nichts auff mich zunehmen; halte auch nit davor / dass
Ihre Grossfürstl. Hocheit vor Abends einige Werbung anhören werde / nachdem sie
Arznei eingenommen hat. Inzwischen ritte der / welchen er vorigen Tages vom
Pferde gerissen / zu ihm hinan / und fragete ihn / warumb er ihm den Schimpff
angeleget / welches er ihm nicht gut heissen könnte /sondern müste sich deswegen
ritterlich mit ihm vergleichen. Gar willig und gern / mein guter Kerl /
antwortete er / so bald ich dessen nur von meinem Allergnädigsten Könige
Erlaubnis habe / soll dir ein solcher Rittertanz unversaget sein / dessen zum
Pfande ich dir diesen Handschuch gebe. Dieser wollte so lange nicht harren / aber
die ädlen redeten ihm ein: Er sollte der Sachen einen geringen Anstand gebe /
weil dieser Herr sich aller Billigkeit erhöhte. Sie wollten aber auff
vorgebrachte Grossfürstliche Fragte ein mehres nicht antworten / sondern zogen /
Prinslaen Einrede ungeachtet / frisch fort nach des GrossFürsten Lager zu.
Herkules verdross dieser Troz nicht wenig /nam Prinsla mit seinen Reutern in die
Festung / und gab ihm Urlaub / wieder hinaus zu reiten / und dem Ausfoderer Fuss
zuhalten; welches er geschwinde verrichtete / und im achten Hiebe ihm den
Schedel herunter schlug / welches die Pfaffheit nicht vor ein gutes Zeichen
hielt / deren doch 12 sich nach geendigtem Kampffe nahe an den äussersten Graben
macheten /und hinüber riefen: Der Grossfürst möchte sichs gefallen lassen / den
Abgeordente Gehör zugeben; ward ihnen aber durch Neklam geantwortet: Seine
Grossfürstl. Hocheit könnte sich über diesen grossen Frevel nicht gnug verwundern
/ warumb sie mit so starker Mannschaft herzu nahen dürfften / und überdas wider
sein ausdrükliches Verbot diesen Morgen umb Handelung anhalten; Ihr GrossFürst
währe anjetzo ganz unmüssig / und mit andern Wichtigkeiten beladen /sollten biss
gegen den Abend verharren / und alsdann /was vorzubringen währe / durch
verständige und höfliche des Teutschen Adels und der Gemeine antragen lassen; Es
währen ReichsHändel / die man vor hätte; die Pfaffen sollten ihres dinges warten
/ und sich umb solches / was sie nicht anginge / unbekümmert lassen / welches
ihnen bei Vermeidung hoher Ungnade und unausbleiblicher Straffe hiemit sollte
gebohten sein. Köntet nun ihr anwesende alle miteinander euch rahten lassen /
setzete er auff Befehl hinzu / soltet ihr straks angesichts euren Frevel
erkennen / umb Gnade anhalte / und wie das Fürstliche Heer alsbald getahn euch
zu eures GrossFürsten Schuz einstelle / alsdann würdet ihr redlich bei eurer
Obrigkeit / und wohl bei euch selbst handeln. Diese Pfaffen kunten solches
Vorbringen kaum abwarten / und gaben zur Antwort: Sie müsten es dahin lassen
gestellet sein / dass ihr GrossFürst in so hochwichtiger Sache ihnen Gehör
versagete / dessen man in Teutschland bisher ganz ungewohnet währe: doch würden
sie Götter es in kurzem anders schicken; fingen darauff an / die Grossfürstlichen
Völker heftig auszuschelten / dass sie widersinnisch worden / und das gemeine
Wesen stecken liessen / sie würden solches alle miteinander in wenig Tagen mit
dem Leben bezahlen müssen / wo sie nit alsbald wieder kehreten. Es rief aber
einer von dem Heer liber den Wahl ihnen zu / er währe von dem ganzen Heer
befehlichet / ihren Landsleuten zudanken vor die guten Speisen / welche sie
ihnen zukomen lassen / hoffeten / wann sie verzehret sein würden / dürfte man um
ein mehres ansuchen. O ihr meinäidige Betrieger rief ein Pfaffe darauff / freuet
euch des Diebstahls nicht / Gott Krodo wird euch die Speise gesegnen / dass sie
euch das Herz abstossen muss. Herkules liess 26 Parter ausgehen / welche diese
Pfaffen alle griffen / und ins Lager führeten; Ihre Völker solches sehend /
ranzen in zimlicher Anzahl herzu / in Meinung sie zutreten / kahmen aber zu
späte / und wurden die fördersten / mit blutigen Köpffen zurück gewiesen / die 12
Pfaffen aber auff den äussersten Wahl geführet / uñ den 6 Wortaltern der Grind
öffentlich herunter geschlagen / dass die Auffrührer es sehen kunten / bei denen
guter Raht sehr teuer wahr; dann die Pfaffen reizeten den Pöfel an / das Lager
zustürmen / und den Schimpff ungerochen nicht zulassen. Der Adel hingegen
widerstund nach aller Mögligkeit /einwendend / sie hätten nicht allein dessen
gar keinen Befehl von der Versamlung / sondern würden überdas den Fürstlichen
nicht eins gewachsen sein im offenen Felde / wie wollten sie dann dieselben in
ihrem Vortel und festem Lager angreiffen können; möchten demnach die Herren
Geistlichen diese Völker nicht ins mutwillige Verderben stürzen / sondern ihrer
schonen / auff bessere gelegenheit warten / und von Vermässenheit abstehen /
auch an dem kläglichen Fal ihrer Gesellen sich spiegeln / und der Vernunft raum
und gewalt über den Zorn gönnen. Aber die Pfaffen wollten ihnen gar nicht lassen
einreden / scholten den Adel aus vor ungeträue Leute / denen ihr Gottesdienst
kein Ernst währe. Es müste das unschuldige Blut gerochen werden / und würde Gott
Krodo voran treten mit seiner grossen Keule / und ihnen freien Weg über den Wahl
machen. Der Adel warnete sie nochmahl träulich / welcher in 2000 stark war /
aber der gemeine Mañ / als sie von ihres Gottes Hülffe und Beistand höreten
rühmen / wahren mehrenteils bereit ihren Pfaffen zufolgen / und wurden 25000
stark zum Anfal angeführet / 13000 aber derselben blieben bei dem Adel zurücke.
Die unsern hätten sich dieser Verwägenheit nicht versehen können / wiewol
Ladisla /Olaff / Fabius / Klodius / Markus und Gallus der Stürmenden Ankunft
redlich erwarteten / und ihnen die Kolben dergestalt lauseten / dass ihrer wenig
mit dem Leben davon kahmen. Herkules und Prinsla nahmen die Parter und Wenden
zu sich / fielen damit aus / und hieben die schlecht bewehreten Auffrührer wie
das unvernünftige Vieh nider / dass vor endigung einer halben Stunde 9000
erschlagen / 2000 hart verwundet / und 8000 gesunde gefangene ins Lager
geschicket wurden. Die unsern meinten / dass die hinterbliebene 15000 Auffrührer
zum Entsaz ihrer Gesellen sich würden finden lassen / als aber dieselben sich
nicht allein gar nicht bewägeten / sondern die 6000 flüchtigen kaum wieder zu
sich nehmen wollten / liess man sie unangefochten / biss man gewahr ward / dass sie
sich ins freie Feld setzeten / in gestalt eines Heers / welches zuschlagen
willens ist; da gingen Ladisla und Herkules ihnen mit 20000 Reutern frisch nach
/und liessen ihne durch einen Trometer andeuten / sie sollten stehen; man würde
nichts feindseliges wider sie vornehmen. Worauff sie stille hielten / und ihrer
Ankunft erwarteten / da Ladisla sie also anredete: Was vor Unsinnigkeit treibet
euch wahnwitzige Leute /dass ihr eures herschenden GrossFürsten Lager mit Sturm
anzulauffen euch nicht scheuhet? gedenket ihr etwa / die Reichsfeinde ligen
drinnen? O nein / es ist eure angeborne Obrigkeit / eure Landsleute / eure
Bundgenossen und nachbarliche Freunde. Antwortet mir nur nichts ich weiss schon
euer Vorbringen wohl; man hat die 12 rasichte Pfaffen gefänglich angenommen / und
ihrer 6 entäuptet; ja es ist billich / und mit gutem Recht geschehen; dann
durfften diese gotlose Schelmen sich nicht scheuhen / ihren GrossFürsten
zulästern / ihm selbst zudräuen / und seine Leute ihm abspenstig zumachen / ja
dieselbe vor meinåidige auszuschelten / da sie selbst die meinåidigsten Schelmen
wahren / so hat man ihnen ja den Lohn davor erteilen müssen. Erkennet nur die
hohe Gnade / dass man sie nicht alle 12 hingerichtet und lebendig gespiesset hat.
Aber betrachtet daneben / was ihr drüber angefangen / und ein so grosses Blutbad
gestifftet / da hingegen an unser Seiten kaum 40 Menschen verwundet / und kein
einziger erschlagen ist. Wolte man mit euch nach Verdienst handeln / sollte uns
ein geringes sein / euch allen die Hälse zubrechen; aber Gott behüte mich davor
/ dass ich einiges Menschen Blut vergiessen sollte / der mirs nicht mit Gewalt
abhohlete. So leget nun euer Gewehr auff guten Glauben nider /begrabet eure
Todten / und verbindet eure Verwundeten / euch soll in solcher Zeit kein Mensch
ein Häärlein kränken / auch kein ungenehmes Wort sagen. Wann ihr nun bei den
euren wieder anlangen werdet /könnet ihr / da es euch gut deucht / sie warnen /
sich ja beizeiten zubedenken / und die Gnadenzeit nicht zuversitzen; euch ist
von eurem GrossFürsten ein gnugsames gebohten / seid ihr witzig / so werdet ihr
eurer Wolfahrt wahr nehmen. Die ädlen und andere verständige tahten sich hervor
/ wendeten zur Entschuldigung ein / es währe der Sturm wider ihren Willen auff
unnachlässiges Getrieb ihrer Pfaffen vorgenommen; bedanketen sich / dass man
ihren Todten die Ruhe in der Erde gönnete / und zogen alle mit einander 21000
stark hin / dieselben zubegraben / da ihnen überdas gegönnet ward / die besten
Sachen /und alles was sie wollten / von den erschlagenen zu beuten; dann die
Grossfürstlichen Völker durfften keinen einzigen Todten besuchen oder plündern.
Nach gehaltener Begräbnis wurden diese Völker ihrer Sachen uneins / ob sie zu
ihrem GrossFürsten sich schlagen / oder wieder umkehren wollten / da dann 8000
sich angeben liessen / wann sie könten zu Gnaden angenommen werden / wollten sie
in ihres lieben GrossFürsten Dienste und Gehorsam wieder treten / und bei
demselben leben und sterben. Ladisla ritte zu ihnen hinaus / versprach ihnen im
Nahmen des Grossfürsten (der sich heut nicht wollte sehen lassen) völlige
Vergebung / und führete sie ins Lager / da sie hin und wieder unter die Völker
verstecket wurden / doch wahr kein einziger vom Adel unter den hinterbliebenen /
sondern die gingen mit denn 11000 gar traurig wieder zurück / und mussten ihre
Verwundeten mit sich nehmen / hatten nur noch eine einzigen Pfaffen in ihrer
Gesellschaft / dann die übrige 6 halten im Sturm ihren Lohn bekommen. Als sie
bei spätem Abend ihr grosses Lager erreicheten / ward alles Volk rege / und
frageten / wo dann ihre übrige Gesellschaft bliebe; danach Erzählung ein
wunderlicher Zustand im Lager wahr / nicht anders / ob hätte einer den andern
erwürgen wollen; etliche riefen / welche die verständigsten wahren / warumb man
solchen Frevel gebraucht / und des GrossFürsten Lager gestürmet; man hätte sich
ja hiedurch öffentlich vor Feind erkläret / welches traun ein jeder nicht würde
über sich nehmen. Andere scholten mit den überkommenden / warumb sie sich
getrennet / und ihren Bundsverwandten / ja Brüdern nicht Beistand geleistet;
aber die / so dem Sturm beigewohnt / auch der übrige Pfaffe selber / mussten
gestehen / es währe unmöglich gewesen / denen im Lager ichtwas abzugewinnen /
weil nicht allein sie gar zu fest verschanzet läge / sondern eine sehr grosse
Mannschaft bei sich hätten / und zwar die allergeübtesten Teutsche und Böhmen;
so hätten sich etliche tausend Mann ganz unbekanter Sprache unter ihnen gefunde
/ welche nicht anders als lauter Teufel mit ihren Schwertern gewütet. Niemand
aber wahr / der den 8000 Abtrünnigen (wie sie sich mussten schelten lassen) nicht
alles übels gewünschet hätte. Wie hart und schwer man auch die Träulosigkeit des
Fürstlichen Heers rächen wollte / kunte man sich so bald nicht erklären /
insonderheit / dass sie ihnen eine solche Menge Speise betrieglich entwendet /
deren sie ohn das nicht viel übrig hatten. Doch liess die gröste Traurigkeit sich
bei den Geistlichen spüren / dann sie merketen schon / dass es endlich über sie
auslauffen dürffte / wann das Messer unmahl fallen sollte / wurden auch von
etlichen Einfältigen befraget / warumb Gott Krodo und Göttin Freia zugeben
wollen / dass ihre ergebene und geträue Verfechter so liederlich nidergeschlagen
/ und doch den Wiederwärtigen kein Abbruch geschehen währe. Die Pfaffen
bemåntelten solches best sie kunten / und bearbeiteten sich / das noch ein Heer
50000 stark mit der Sonnen Auffgang fortgehen / und die obengesetzeten
Anmuhtungen ungeendert vortragen sollten. Umb Mitternacht kam König Baldrich /
mit 24000 Reutern an / denen Ekhard mit 30000 zu Fusse folgete. Herkules und
Ladisla wurden des Entsatzes froh / dann auch die 8000 Gefangene hatten sich
gutwillig untergestellet / das nunmehr ihr Heer über die 102000 Mann bestund /
und folgendes Tages mit Ekhards Fussvolk umb so viel gestärket ward / denen eine
grosse menge Speisewagen folgeten / und von allentalben her ihren Pferden
Futter zugetragen / auch von den Reutern selbst eingehohlet ward. Die Fürsten
hielten vor undienlich /das ganze Heer in dem verschantzeten Lager
einzuschliessen / macheten noch ein sonderliches Reuter Lager / und legeten
fünff kleine sehr feste Schanzen eine kleine halbe Meile von ihrem Lager auff
den engen Durchzug / daher die Auffrührer allemahl kommen mussten / wann sie zu
dem GrossFürsten wollten; wurden inwendig drei Stunden verfertiget / und mit 15000
Mann / mehrenteils Schützen / (welche Baldrich mit sich gebracht) wohl besetzet.
Die Aufrührer erfuhren solches von ihren ausgesetzeten Schildwachten / hatten
aber das Herz nicht / es zu hindern / sondern erwarteten des Tages / und
setzeten ihr Vorhaben ins Werk. Ihr Anzug ward den Fürsten zeitig kund getahn /
die nach gehabtem Raht die junge GrossFürstin und Königin Frr. Valisken und
Lukrezien vermochten /auff dem wolgeputzeten Elefanten ihnen in begleitung 40000
Reuter (denen noch 20000 folgen mussten) entgegen zuzihen / noch ehe sie bei den
fünff Schanzen anlangeten / und sollte Herkules / doch unerkant / die Völker
führen / welcher alle Wenden und Parter nebest 31000 Teutschen / Böhmen und
Friesen in gleicher Anzahl zu sich nam / und drei viertelmeilen vom Lager auff
sie sties / sendete Prinsla mit 500 Reutern vor an / und liess ihnen sagen; sie
sollten stille halten /und keinen Fuss näher rücken / oder des feindlichen Angrifs
gewärtig sein. Ihr höchstgebietender GrossFürst hätte eine ansehnliche
Gesandschaft an sie abgehen lassen / von welcher sie dero Hocheit schliessliche
Meinung wurden zuvernehmen haben. Die Pfaffen wahren bedacht / fortzugehen /
aber der Adel wollte durchaus nicht; man müste sich dañoch schämen / der
Obrigkeit vorsezlich zu trotzen; die Geistligkeit möchte doch dermahleins
auffhören / sich in das mutwillige Verderben zu stürzen / und betrachten dass
ihres mittels schon 52 / teils in Haft / teils in den Tod gerahten währen / so
trüge an der neulichen Niderlage niemand schuld als der Geistlichen Troz und
Verwägenheit. Man hielte ja den GrossFürsten annoch vor ihre Obrigkeit / wessen
wollte man sich dañ zeihen /dz man ihm allen Gehorsam versagete? Vielleicht
währen die Vorschläge so beschaffen / dass sie einen guten Grund zur gütlichen
Handelung setzen könten /und möchten al endlich die Herrn Geistlichen wissen
/dass man nicht schuldig währe / ihnen / als die Ochsen ihren Hirten / blindlings
und ihres gutdünkens zu folgen; würden sie diese herrlichen Völker in gefahr
setzen / wie sichs ansehen liesse / sollten sie es hernähst vor der Versamlung
zuverantworten haben. Hiedurch wurden sie eingehalten / dass sie der Gesandschaft
erwarteten. Als sie nun das ungewöhnlich grosse wolgeputzete Wunder-Tihr sahen /
und die zwei allerschönsten Weibesbilder oben darauff / welche sich in
Königlichem Pracht biss an den Gürtel zeigete / entsetzeten sich gross und klein /
dass ihrer viel sie vor warhaftige Götter hielten. Valiska merkete ihre
verenderung / und als sie sah / dass der meisteteil sich ehrerbietig erzeigete /
schöpfete sie gute Hoffnung / etwas fruchtbarliches auszurichten / und fing diese
Rede an: Von Gottes Gnaden / ich Valiska / gebohrnes Königliches Fräulein aus
Bohmen / des Durchleuchtigsten unüberwindlichen Helden / Herrn Herkules /
gebohrnen GrossFürsten und unstreitig-nähesten Erden des freien Teutschen Reichs
/ erwähleten Fürsten zu Susa in Asien / und der König- und GrossFürstlichen
Verbündnis daselbst / Feld Obristen sein Gemahl. Der ganze Adel dieses
vernehmend / neigete sich sehr tief mit dem Häupte auff ihren Pferden / da sie
in ihrer Rede unverrücket also fortfuhr. Ja ich Valiska / Teutsches Geblüts uñ
eures hochverdienten GrossFürsten Frauen Schwester einige Tochter / bin von
seiner Grossfürstl. Hocheit an euch seine Untertahnen und Söhne abgefertiget /
von euch zuvernehmen / was vor ein sonderbahres Unglück und schwere Gottesstraffe
es doch immer und ewig sein möge / dass / in dem er auff der Fahrt ist / seinen
lieben freien Teutschen sich wieder als ein gnädigster Vater darzustellen / und
durch seine glückliche Erlösung nach gehaltenem Siege sie zuerfreuen / er mit
schmerzhafen Augen ansehen und bestürzetem Herzen vernehmen mus / dass dieselbe
ihm den siegprächtigen Einzug in sein Reich zuverhindern sollen gemeinet sein;
da er doch seinen Untertahnen mit keinem Wort oder Gedanken zu solchem
Auffstande einige Ursach gegeben / noch den allergeringsten unter ihne
beleidiget hat. Wessen zeihet ihr euch / ihr redlichen Teutschen / wessen zeihet
ihr euch? seid ihr eures frommen Grossfürsten und Vaters in so kurzer Zeit müde
worden / darumb dass er von Räubern hinweg geführet ist / die doch ungestraffet
nicht haben bleiben müssen? wo ist dañ der prächtige Herr / den ihr vielleicht
schon an seine Stelle erkohre habt? trit hervor / du neu-erwähleter GrossFürst /
dass wir deine Hocheit sehen / wo wir dessen sonst können gewirdiget sein. Bistu
ein Ausländischer / so rühme dich / dass du der erste Unteutsche bist / dessen
Herschaft die Teutschen ertragen können. Bistu ein Teutscher / so lege mir
deinen Adel vor / ob er höher sei als meines Gn. Herrn Schwiegervaters / dann
ich will nimmermehr hoffen / dass du aus dem Pfaffen Stande zur Herschaft werdest
erhaben sein. Jedoch rühme dich noch nicht des Grossfürstlichen Sitzes / du wirst
aufs wenigste mit meinem freundlichen lieben Herrn Oheim und Bruder / dem
Grossmächtigsten Friesen Könige / Herrn Baldrich den Kampf darumb angehen müssen
/ welchen du vielleicht gestern in seinem Lagerhaft bestürmen wollen / aber
vergeblich / weil er hingeritten wahr / und die Mannschaft seines Reichs /zu
seinem und der seinigen Entsaz hohlete; komm nun wieder und suche ihn / wie dichs
gelüstet / er wird sich finden lassen; aber komm nur nicht mit Teutschen
Kriegsknechten / sondern mit ausländischen; dann sein eigen Blut zuvergiessen /
träget dieser tapffere junge Held gross bedenken / und hat schon heut herzlich
beklaget / dass er seinen Wahl mit deren Blut besprützet hat sehen müssen / deren
man lieber håtte schonen wollen / wann sie nicht muhtwillig an der unsern
Schwertern und Spiessen sich selbst gespiesset hätten. Nun / geschehene dinge
sind wohl zu tadeln /nicht zu endern / wañ nur das zukünftige Unglück verhindert
wird / haben wir dem wahren Gott im Himmel zu danken. O ihr meine herzliebe
Teutschen / was vor fehl sehet ihr doch an meinem und eurem Herr Vater /dass ihr
ihm so auffsetzig seid? Hasset ihr ihn vor sein eigen Håupt? so habt ihr dessen
noch die allergeringste Ursach nicht angezeigt; hasset ihr ihn wegen seiner
lieben tapferen Söhne? wie sichs ansehen lässet /so bedenket ja wohl was ihr
beginnet. Mein Gemahl Herr Herkules ist sein Erstgebohrner / ein Held / ohn
unzeitigen und doch mit warhaftigen Ruhm zu melden / welchen das Römische Reich
zum Käysertuhm hat befodern wollen; aber nein / sagete er; ich will bei meinen
lieben Teutschen bleiben / und ihre Freiheit wieder das Römische Reich und alle
andere Feinde beschützen helffen; ein Held / dem man in Asien ein Fürstentuhm
geschenket hat / nur dass er daselbst bleiben / und die höchste
Herschaftverwalten möchte; aber nein / sagte er / ich will lieber in Teutschland
von meinen künftigen Unterahnen schlechte Heller / als hieselbst Kronen und ädle
Steine zur Schatzung einnehmen. Könte er auch seine Liebe und Zuneigung dem
Vaterlande klärer darlegen? noch verachtet ihr ihn / ja eure Geistligkeit hat
sich bemühet / ihn gar zuverbannen / welches an ihnen und dem ganzen Lande zu
rächen / ihm gar ein leichtes währe / und dass er mit 1000000 wolbewehreter
Mannschaft kähme / und Teutschland zur Einöde machete; aber dass wende ja
derselbe gnädig ab / welcher droben im Himmel der Sonnen den Glanz / und uns
allen den Atem giebet. Sehet meine geliebte Teutschen / diese Königin / welche
neben mir stehet / ist König Baldrichs allerliebstes Gemahl / und hat zugleich
mit mir einen demühtigen Fussfal getahn vor eurem erzürneten GrossFürsten / dass
uns möchte gegönnet sein / mit euch zu reden / ehe und bevor er mit seinem Heer
auffbreche / und seinen Eifer durch Rache zu stillen suche. Ihr gebet zwar vor /
ihr redliche Teutschen /eure Waffen sein zum Schuz eurer uhralten Götter
ergriffen; aber wer will euch dann dieselben nehmen? Ja / ihr müsst Teutsche
Freiheit verfechten; aber wer will euch solche dann wohl streitig machen? etliche
mutwillige Buben sind es / die euch solches einbilden / ob wollten eures
GrossFürsten Herrn Söhne in diesen beiden Stücken euch eintrag tuhn. Sie liegens
/ ja sie liegens durch ihren Hals / die Gottschändichte Auffwiegeler; und wollet
ihr mir gläuben; es ist ein Geticht zu eurem verderben ausgesträuet. Wollet ihr
mir nicht gläuben / O ihr Teutsche Herzen / so lasset mir einen einzigen in
meine gegenwart kommen / der ein wiedriges wahr mache. Kan ers; gut; ich will
alsdann leider sein / und an hochgedachter Herren statt mich eurer wilkührlichen
Straffe unterwerffen. Bringet er aber verleumdungen vor / so soll ihm diese
weibliche Hand / wie schwach sie auch scheinet / abstraffen /wiewol ehemahl ein
Boshafter durch dieselbe ist gezüchtiget worden. Aber ich will schliessen / ihr
redliche Teutschen / und euch zu allem überflusse zu gemüht gezogen haben / was
euer GrossFürst sich zu unterschiedlichen mahlen erkläret hat / nehmlich / er
wolle in seinem ganzen Reiche keinen einigen Menschen zu einem neuen Glauben
oder Gottesdienst zwingen / auch nicht ansuchen noch bereden lassen /sondern ein
jeder / hoch und niedrig / reich und arm /Geist- und Weltlich möge seines alten
Glaubens leben / wie es ihm gefält / und von alters gebräuchlich ist. So soll
auch euer Gottesdienst an keinem Orte / weder gehindert noch beschimpfet /
vielweniger verbohten werden. Eure weltliche Gerechtigkeit / Freiheit / und was
dem anhängig ist / bestätiget er / dass sie sein und bleiben sollen / wie sie
Zeit seiner Herschaft stets und unverrücket gewesen sind / nichts durchaus davon
ausgeschlossen. Ja er lässet durch mich seine Schwieger Tochter allen seinen
Untertahnen eine algemeine durchgehende Verzeihung noch- und zum leztenmahl
ankündigen / und solches aus sonderlicher angebohrner Gnade / nur etliche wenige
der Straffe vorbehaltend / die als Uhrheber dieses unverantwortlichen
Auffstandes etwa möchten überzeuget werden / und zwar also / dass deren Anzahl
nicht über 30 sein solle. Ob ihr nun dieses sein Grossfürstliches gnädigstes
Erbieten annehmen / euer eigen bestes beobachten / dem Lande Friede und Ruhe
gönnen / und das äusserste Verderben durch mutwillige halssstarrige
Wiederspenstigkeit euch nicht selbst über den Hals zihen wollet /solches sollet
und müsst ihr euch inwendig 30 Stunden erklären / dann hernach wird die
Gnaden-Tühr versperret sein. Ich vor mein Häupt will mich hiemit erbohten und
verpflichtet haben / bei eurem GrossFürsten alles dasselbe zu werben / was euch
seinen Untertahnen kann erspriesslich / und seiner Hocheit und dessen Herren
Söhnen nicht nachteilig oder schimpflich sein; welches nicht eins zubegehren /
ihr selbst verständig gnug sein werdet. Hiemit gab sie ihrer Rede ein Ende / und
erwartete der Antwort. Der Adel und das gemeine Volk wahren im Herzen so
gerühret / dass sie nichts mehr begehreten / als bei ihrem GrossFürsten auff
solchen Vortrag ausgesöhnet zu sein; aber die Pfaffheit / und welche sich der
Auffruhr schuldig wussten / wollten diesen Weg nicht hinaus /daher fing der
Vornehmste unter ihnen also an: Ihr redliche Teutsche Gott ergebene Herzen und
auffrichtige Biederleute; euch ist / meine ich / nicht unbewust / was gestalt
bisher die mächtigen Schuzgötter Teutschlandes / Krodo / Freia / IrmenSäul / und
andere mehr / euch vor aller ausländischen Herschaft behütet / und allen Gewalt
der Reichsfeinde kräftig hintertrieben und abgekehret haben / und wir uns daher
schuldig wissen / uns denselben dankbar zuerzeigen uñ auf alle Wege zuverhüten /
dz ihnen kein Spot oder Schimpf angetahn / vielweniger sie gar verworffen oder
von unser Obrigkeit bei seite gesetzet werde. Ihr habt von dieser gnug schönen
uñ beredsame jungen Fürstin halte ich / wolverstanden / wessen euer G Fürst sich
anerbeut (dañ dz übrige berühre ich nicht / nur wz zur sache dienet) nehmlich /
seine Hocheit wolle allen uñ jeden Untertahne den uralte Gottesdienst frei
lassen. Je / möchte jemand sagen /genug genug / wann wir dieses haben / das ist
eben was wir suchen / was wollten wir mehr? Aber ist dieses gnug ihr meine lieben
Söhne / ist dieses gnug? Weit O weit gefehlet! unsere Götter wollen trauen nicht
allein der Untertahnen / sondern auch der Obrigkeit ihren Gehorsam / Herz und
Ehrerbietung habe /sonst straffen sie die Verachtung ihnen angelegt / so wohl an
den Untertahnen als an den Verächtern selbst. Ich will von unserm jetzigen
Grossfürsten nicht muhtmassen / dass er sich bald eines andern bedenken / die
Zusage endern / und seine Nachfolger es wohl gar aufheben könten; nur dieses
einige gebe ich euch ingesamt zuerwägen / ob sich nicht gebühre; ja ob nicht des
ganzen Reichs Heil und Wolfahrt es erfodere /dass Obrigkeit und Untertahne einen
gleichmässigen Glauben / einen durchgehenden Gottesdienst / einen Gott haben. O
wie jammert mich schon des Elendes /welches aus den unterschiedlichen / ja /
wiederwärtigen Gottesdiensten entstehen wird. Der Herr wird zu dem Knechte
sagen; warum machestu es nicht nach /wie ich dirs vormache / damit du meine
Gnade behaltest / und zu hohen Ehrenämtern befordert werdest? der Knecht wird
sich mit seinem Gewissen schützen /er könne die uhralten Götter nicht hindan
setzen / und durch deren Verwerffung alle seine VorEltern übern Hauffen
verdammen. Dann wird sein Herr fortfahren: O du elender Narr / was uhralte
Götter / was uhralte Götter? das alte gilt nicht mehr / es klappert / aber das
neue klinget und ist angenehm; deine Götter sind falsche Götzen / Lügen-Götzen /
tüchtige Götzen; deine VorEltern sind durch Irtuhm verführet; sie habens nicht
besser gelernet / die himlische Erkäntnis und Wissenschaft ist ihnen nicht mit
geteilet. Dieses darff der Knecht nicht aus dem Grunde wiederlegen /wie leicht
es ihm auch währe / wo er sonst nicht ohn Kopf nach Hause gehen will / (aus
welcher Ursach ohn Zweifel meine sechs Liebe und hochselige MitBrüder haben
müssen ihr unschuldiges Leben lassen) / er darf nicht spreche; Herr woher wisset
ihrs / dass meine und eure Vor Eltern geirret haben / und ihr nicht irret? Er
darf nicht wieder antworten; Herr euer Gott ist ein solcher / wie ihr die meinen
mit unwarhaftem Maule aus schreihet / sondern er mus alles stilschweigend in
sich fressen; das wird ihm ein Schwert im Herzen /ein Brand in der Seele / ein
Denkmahl im Gewissen sein / und ihn von der schuldigen Träue abwendig machen /
weil er seinen Herrn vor einen Feind der Götter halten muss. Ist er dann ein
Bidermann / wird er die Götter gerne geschützet sehen / und kann ers selber nicht
/ muss er wohl ausländische Hülffe herzu ruffen. Ey ich meine / da werde es
alsdann ein schön fressen geben / da werde es an ein Katzebalgen gehen / welches
nicht auffhören kann / biss Teutschland der Feinde Beute / und der auslåndischen
Spot worden ist. Was soll ich aber von Recht und Gerichte sagen? die Ehrgeizigen
unter uns / wann sie kein ander Mittel sehen / über andere zusteigen / werden
bei der Obrigkeit sich melden / ihr alter Gottesdienst gefalle ihnen nicht mehr
/ sie haben Lust ihrer Obrigkeit sich gleich zu halten und ihren Gott anzunehmen
/ damit werden sie Gnade erlangen / und zu Ehrenämtern befodert werden; ja diese
werden unsere Richter sein / und die Urtel nicht nach Billigkeit und Recht /
sondern nach Gunst und Gewogenheit abfassen / insonderheit / da ein Liebhaber
der alten Götter mit einem Neuling oder Christen wird über den Fuss gespannet
sein. Da wird jener in seiner gerechtesten Sache unterliegen müssen / und dieser
wird Freiheit haben / dem Richter vorzuschreiben / wie er sprechen soll. Es wird
kommen / ihr redliche Teutschen / ja es wird kommen / und dahin gelangen / dass
wann der im alten Glauben beständiger / will hülffe haben / wird er zuvor seinen
Göttern müssen ungeträu werden / und den Glauben endern: Und also wird
Teutschland sich verwundern müssen / über sich selbst / wie es so schleunig von
seinem heilsamen Gottesdienst abgeführet / und eine Gottes-Verläugnerin worden
ist; aber man wirds müssen an Gütern / Hals und Bauche empfinden / wann Gott
Krodo seine Keule zücken / und Göttin Freia die Steine zum Wurf fasse wird / dass
alles über und über gehen muss / und kein verschonen wird zu hoffen sein biss
Teutschland zur Einöde / und ihre Einwohner zu Staub und Koht worden sind.
Bedenket dieses wohl / O ihr in Gefahr schwebende Teutschen / bedenket es /und
bauet im Anfange vor / dass ihr nicht ansehen dürfet / wie eure Weiber und Kinder
in Dienstbarkeit weggeschleppet / und ihr alle miteinander jämmerlich
abgeschlachtet werdet. Bestehet festiglich auff dem gemachten Schlusse / dass
unser Grossfürst und alle seine Kinder / Erben / Nachfolger und Angehörige sich
äyd- und schriftlich verbinden / nicht allein den Untertahnen de uhralten
Gottesdienst frei zulassen /sondern auch selbst vor sich denselben schlechter
Dinge zubehalten / und durchaus keinen fremden Gott / wie der auch Nahmen haben
möge / neben einzuführen. Werden sie sich dessen wegern / alsdann müssen
ablangliche Mittel an die Hand genommen werden /oder aber Teutschland ist schon
so gut / oder vielmehr / schon so schlim als eine Wüstenei und Mordgrube; wohin
es aber mit der Götter Hülffe nimmermehr kommen soll. O Krodo / O Irmen Seul / O
Freia / O ihr Teutschen Götter gross und klein / sehet an die Noht und Gefahr
eures / ja eures Teutschlandes /schützet euch selbst und eure Ehr / auch
zugleich alle / die eurem Dienste auffrichtig ergeben sind. Die aber so euch
wiederstreben / und andere Götter einzufüren sich bemühen / die greiffet an mit
Drüsen / Pestilenz und fallender Sucht / dass vor Angst / weh und Schmerzen sie
nicht wissen / wo sie daheime sind /biss nach eurer billichen Rache sie durch ihr
eigen Schwerdt sich gefället haben / und ihre innerliche Galle ihnen zu
SchlangenGifft gedeie / der ihnen das gottlose Hertz brenne und brate / biss sie
ihre verfluchte Seele hinden und fornen / und zu allen Löchern aussspeien. Die
Grossfürstin hatte seine Rede mit grossem Verdruss angehöret / aber wegen dieser
teuflischen Verwündschung meinte Sie vor Zorn zu bersten; doch weil Sie sah /
dass der Pfaffe nicht geringen Beifall bekam / ob gleich niemand öffentlich
redete / mässigte Sie sich selbst als best Sie kunte /und gab ihm diese Antwort:
Heilloser Pfaffe / wann du so wohl behten und segnen köntest / als du fluchen
gelernet hast / müste deines gleichen in frommer Andacht erst geboren werden;
weil aber dein gottloser Fluch nur in den Wind geht / und keine Christen
treffen kann (dann Trotz allen deinen Götzen / dass sie ihn an mir erfüllen) / so
will vor dissmahl ich deiner unergründlichen Bosheit nicht antworten. Eines lobe
ich an dir / dass du es mit dem Vaterlande gut meinst /wo sonst deine Reden /
wie ich sehr fürchte / nicht wegen deines Eigennutzes ausgestossen sind. Dass du
aber dich unternehmen darffst / deine dir von Gott vorgesetzete Obrigkeit
dergestalt zu verunglimpfen /und sie ungescheuhet zubeschuldigen / als würde sie
Recht und Gerechtigkeit verkehre / und die Urtel nach eigenen Lüsten sprechen
und sprechen lassen / daran handelst du als ein meinäidiger Bösewicht. Wohin
aber soll ich diesen deinen teuflischen Frevel rechnen /dass du schlimmer Bube dir
die Gewalt zueignest /deiner höchsten Obrigkeit nach deinem Willen Gesetze
vorzuschreiben / und sie zunöhtigen / dass sie ihr Gewissen besudeln? Gläubet mir
ihr redlichen Teutschen; Obrigkeit und Untertahnen können gar wohl in weltlichem
Friede und guter Einigkeit leben / ob sie gleich nit einen Glauben habe; nur
allein dieser schmähsüchtige Pfaffe gebrauchet sich dieses Grundes / euch wider
euren geträuen GrossFürsten zu eurem Verderben auffzuwiegeln. Dann ist es nicht
ein unbesonnenes Vornehmen / dz er seine Grossfürstl. Hocheit und dessen Herren
Söhne zur äid- und schrifftlichen Versicherung zwingen will / nach seinem
gefallen / wider ihre Ehre uñ Gewissen / als ob er sie schon im Stokhause sitzen
hätte / da euch schwehr fallen wird / ihrer Waffen Macht zuentgehen / wo es
nicht durch Bitte und untertähnigstem Gehorsam geschihet? Bist du der Mann /
Pfaffe / dem ich nachgefraget habe / dass er des GrossFürsten Stuel besitzen will?
Zum Zungendröscher bistu schier gut genug /was die Glocke betrifft / wann das
Geläute nur nicht so gar garstig währe; aber Herr und GrossFürst zuspielen /
bistu viel zu unbesonnen. Du hast viel Geifers ausgespeiet / welcher deines
GrossFürsten und seiner Herren Söhne HochFürstund Königliche Ehre dermassen
geschändet / dass du verdienet hast / man schnitte dir Riemen aus dem Leibe / und
henkete dich dran. Aber es tuht mir leid / dass über dich Unflat ich meinen viel
zu ädlen Zorn auslasse. Euch rede ich fortin an / ihr redliche Teutschen /
schlaget meinen Raht ja nicht aus / wollet ihr sonst leben. Nehmet die
angebohtene Gnade und eingewilligte unbrüchige Sicherheit eures Gottesdienstes
ohn ferner bedenken an /und fürchtet euch nicht vor den schwarzen Raben /welche
dieser Schänder nur mit Wasserfarbe mahlet /und nimmermehr ausgehecket werden
sollen. Er wird nur bloss von den bösen Teufel getrieben / welcher an dem
gestrigen Blutbade noch kein genügen hat / sondern euer noch viel tausend gerne
auff die Fleischbank opfern wollte / woran er eine grosse Freude haben würde /
dafern es ihm nach Wunsch gerahten sollte. So sei nun euch ädlen erläubet zureden
/ ja auch den verständigen aus der Gemeine / was eure weitere Anfoderung sein
möchte; ich will euch gnädigst hören / und meinem Gn. Herr Vater alles gerne
hinterbringen; aber was Pfaffe ist und heisset / das schweige hinfüro / dann
deren Geifer ist so hoher Ehren nicht wirdig /werde mich auch nach diesem mit
keinem mehr einlassen / es geschehe dann zu seinem Verderben / und zu Erhaltung
meiner Fürst- und Königlichen Ehre. Die Pfaffen sahen wohl / wo dieses hinaus
wollte /daher sie nicht bedacht wahren / ihnen die Zunge hemmen zulassen /
sondern der vorige / Nahmens Wilken / fing seine Schmachrede von neuen also an:
Ich will ja nimmermehr hoffen / dass die hochädle tapffere Teutsche Ritterschaft
/ und die ganze Gemeine /sich von einer jungen Frauen / welche erst von dem
Spiegel hinweg getreten ist / werde vorschreiben / und von unserm hochlöblichen
Werke abwendig machen lassen; ich meine ja nicht / dass dem Adel es Nachteil
geben könne / wann sie mit der Geistligkeit an einem Joche zihen / und zwar
daselbst / wo man vom Gottesdienst handelt. Es würde trauen dem Teutschen Abel
höchst schimpflich sein / dass man heut oder morgen sagen sollte / sie hätten den
gemachten Bund auff Einrede einer schönen jungen Frauen / welche sie vor
niemahls gesehen / zerfliessen lassen / und des Vaterlandes Wolfahrt zurück
gestellet. Bissher haben wir Männer in Teutschland unsere Weiber befehlichet /
und ihnen nicht gegönnet / sich in Reichshändel zumischen; und nunmehr scheinet
es / als würden wir unwerd geachtet / mit denen man durch Männer handele / dass
diese Jungefrau geharnischten Männern Gesetze vorschreiben / und im Nahmen der
höchsten Obrigkeit antragen soll. Valiska wollte ihm länger nicht zuhören / und
fing an: Was sagestu schändlicher Verleumder? Wiltu mir antichten / ob sollte ich
den löblichen Teutschen Adel zu unverantwortlichen Sachen anreizen wollen? Ja
hastu so gelernet / deines angebornen jungen GrossFürsten und künftigen
Herschers Ehegemahl zuehren / dass du sie einem gemeinen Weibe vergleichest / uñ
unwert ausschreihest / die im Namen ihres Gn. Herrn Schwiegervaters mit dessen
Untertahnen zu ihren eigenen besten handele? Dieser Schimpff müste auff mich
nicht ersitzen / oder ich unwirdig sein / eines Fürsten Gemahl zuheissen.
Fassete hiemit ihren Bogen / und schoss ihm einen Pfeil ins Herz / dass er ohn
Wortsprechen niderstürzete. Die Pfaffen lieffen geschwinde zu / huben den
zappelnden auff / in Meinung / er würde dem Tode noch so nahe nicht sein / daher
ihm einer zurief: Herr Wilken /Herr Wilken / was vor ein Mordpfeil hat euch
übereilet? Dieser verkehrete die Augen im Kopffe / brüllete wie in Ochse / und
fuhr damit zu seinem Gott Krodo. Das anwesende Pfaffengeschmeiss fing darauff ihr
Zetergeschrei an / und ermahneten die ihrigen zu Rache; nun sähe man
augenscheinlich / wie es gemeinet währe; ohn zweifel würden alle ihre
abgeschikte Amts Brüder schon solcher gestalt hingerichtet sein /auff dass man
die gesamte Geistligkeit abschlachtete /uñ keiner übrig bliebe / der sich ihrer
Götter geträulich annähme / und den alten Gottesdienst erhielte. Aber Valiska
fiel ihnen in die Rede / und fing mit freundlichen Geberden an: Ihr redliche
fromme Teutschen / lasset euch ja von diesen Buben nicht zu weiterem Auffruhr
verleiten; Ihr sehet / dass man euch gewachsen ist; befodert euren Untergang
nicht selber mutwillig; ich habe den Schand Buben wegen seiner Lästerung billich
gestraffet / ihr aber sollet so viel grössere Gnade zugewarten haben. Doch rahte
ich euch als eure geträue Freundin; lasset die Pfaffen abtreten / oder zum
wenigsten das Schände-Maul halten / dann sie verhindern eure Wolfahrt; und
erkläret euch / ob ihr eures gnädigsten GrossFürsten gehorsame Untertahnen oder
muhtwillige Auffrührer sein wollet; werdet ihr aber länger schweigen / muss man
solches vor eine augenscheinliche Widerspenstigkeit halten /welche euch den
garaus machen wird. Das gemeine Volk / ohndas der Pfaffheit ergeben / ward
hierüber entrüstet / meinten / man verführe mit ihnen gar zu stränge / begunten
sich auch fertig zum Streit zumachen / und wahr an dem / dass sie den Angriff
auff Herkules Völker wagen wollten. Aber der Abel begütigete sie / mit dem
versprechen / es würde noch alles nach ihrem Willen ergehen / lauffen und
kauffen wollte nicht zu hauffe; die ansehnliche GrossFürstin hätte den ihr
angelegten Schimpf nach Teutsche Gebrauch gerochen; Der Pfaffe sollte höflicher
gefahren sein / dessen ungestüme verächtliche Reden kein vernünftiger Mensch
billichen könnte; Könige und Fürsten müsten dannoch ihre Wirde und Hocheit
behalten / und währe kein Untertahn befuget / dieselbe solcher gestalt
zubeschimpffen / massen auch fremde den hohen Häuptern Ehrerbietigkeit
zuerzeigen schuldig währen. Herkules / so bald er des Pövels Vorhaben merkete /
taht den 20000 Reutern die ihm folgeten /Befehl / umb des Feindes Völker
herzuhauen / und ihnen den Weg nach ihrem Lager zuverlegen / seine 40000 Reuter
aber stellete er ihnen entgegen in einer ausgedehneten ansehnlichen
Schlachtordnung / und wahren 8000 Schützen aus den fünff Schanzen mit
herzugefodert. Die Kriegserfahrne unter den Auffrührern sahen wohl / mit was
Vorsaz Herkules (den sie noch nicht kenneten) umging / dass er sie einschliessen
/ und aller gelegenheit zur Gegenwehr berauben wollte / daher sie die Obersten
warnete / ihres Tuhns wahrzunehmen / und sich weit genug von einander zusetzen;
aber ehe sie dieses ins werk richten kunten /waren sie dergestalt schon
eingefasset / dass ihnen unmöglich war / sich der unsern zuerwehren; worüber der
Adel höchlich erschrak / den grosssprechigen Pfaffen ihren Hochmuht verwies / und
zu ihnen sagte: Weil sie alles nach ihrem steiffen Sinne richten wollten / sollten
sie sich nun auch des Streits annehmen /und die Schlacht ordnen / nun sie von
allen Seiten her umgeben währen / dass sie sich nicht regen noch wenden / noch
das Gewehr gebrauchen könten. Herkules fuhr in seiner Bereitschaft immer fort /
hatte sein Reuterheer in zween gleiche Flügel geteilet / die sich von beiden
Seiten zimlich nahe an den Feind gehenket hatten. Hinter ihnen / wie gesagt /
stunden auch 20000 Reuter unter Prinsla Auführung / und die Schützen hielten
Stand vor dem Feinde. Neklam musste mit 500 Reutern nahe hinzu / und ihnen
anmelden / es tähte dem Grossfürstlichen Heerführer leid /dass er gezwungen seines
GrossFürsten Untertahnen niederschlagen müste / und wegen ihrer Widersezligkeit
doch nicht anders könnte / weil sie den Anfang zum Treffen an ihrer Seite gemacht
/ welches verfolget sein müste / es währe dann / dass sie das Gewehr niderlegeten
/ Gnade begehreten / und die sämtlichen Pfaffen auslieferten / als welche an
allem Unheil allein Schuld trügen; denen doch nicht ärgers wiederfahren sollte /
als dass sie zu den übrigen schon gefangenen sollten hingeführet werden; würden
sie dessen aber sich wegern / sollte es ihnen allen das Leben kosten. Die Völker
sahen / dass ihnen unmöglich wahr /sich gebührlich zur Gegenwehr zusetzen /
willigten deswegen ein / dass sie die Pfaffen zurück lassen / aber mit ihrem
Gewehr Abscheid nehmen wollten. Neklam vermahnete sie abermahl / die Gnade / so
ihnen gebohten würde / anzunehmen / und zu ihrem GrossFürsten zutreten / damit
sie ihr Leben retten möchten; Und als sie sich dessen wegerten / drücketen die
Schützen los / stelleten 3000 nider / und verwundeten 5000 / dass sie zum
Gefechte undüchtig wahren. Nach solchem Treffen setzeten die Reuter von allen
dreien Seiten in sie hinein / und trieben sie dergestalt enge in einander / dass
sie sich nicht regen kunten / und sich unter einander selbst hätten erdrücken
müssen / weil sie nicht eins gelegenheit hatten / sich an einem Ort
durchzuschlagen. Es wurden über die vorgemeldete noch 4000 nidergehauen / und
600O verwundet / biss Herkules abermahl an sich hielt / ob sie sich eines bessern
bedenken würden / da sie dann das Gewehr von sich wurffen / umb Gnade bahten /
und sich erklärete / zu ihrem GrossFürsten zutreten / und unter dessen völligen
gehorsam sich zubegeben; worauff sie als gefangene / 32000 stark in vier
achttausichte Schaaren nach des Grossfürsten Lager hingeführet /die 11000
verwundete aber zurück nach den ihren gelassen wurden / wiewol 40 verwundete vom
Adel lieber mit dem grösten Hauffen nach ihren Fürsten mit wollten / daher man
sie verband / und gerne mit nahm. Als diese grosse Menge gefangene bei dem Lager
ankahmen / ritte der GrossFürst zu ihnen hinaus / und fragete sie mit gütlichen
Worten: Aus was ursachen sie sich wider ihn aufflehneten / da er doch keinen
Menschen zubeleidigen willens währe. Die gefangene fielen nider / bahten umb
Gnade / und entschuldigten sich / dass sie von den Pfaffen darzu angetrieben
währen / unter dem hochbeteurlichen Vorgeben / die junge Herschaft wollte die
alten Götter abschaffen / neue einführen / und das ganze Vaterland den Römern
zinssbar und unterwürffig machen. Es funden sich bei diesem Hauffen 33 Pfaffen /
und 17 wahren im Treffen drauff gangen / der von Valisken erschossene
mitgerechnet. Der GrossFürst hiess dieselben vor sich treten / und fragete sie
ingesamt / welcher hellische Geist ihnen eingeblasen hätte / solchen algemeinen
Auffstand des Landes zumachen. Welches ihrer 10 beantworteten: Die Pflicht /
damit sie ihren Göttern verbunden währen / hätte solches von ihnen erzwungen. Es
wurden diese Worthalter allein gestellet / und fing der GrossFürst abermahl mit
sanftmühtiger Rede an: Dafern ihr dieses gnugsam werdet behäupten können / will
ich euch recht geben / und euer Vornehmen loben; darumb beweiset mirs / ob dann
jemand sei /welcher gewilliget ist / eure Götter euch zunehmen /und euch den
gewöhnlichen Gottesdienst zuverbieten. Dieses / antworteten jene / währe die
kundbahre Warheit / und unleugbar / dass die junge Herschaft solchen Vorsaz
hätten. Ihr tuht wohl / dass ihr mir solches anzeiget / sagte der GrossFürst / und
wann ihr solches behäupten könnet / werde ich wissen / meine Kinder deswegen
ernstlich anzusehen; Befahl auch / dass seine Söhne und König Ladisla alsbald
hervor gefodert würden; welche geschwinde da wahren / und der 10 Pfaffen
Beschuldigung von ihrem Herr Vater anhöreten. Da sagte nun Herkules zu
denselben: Haltet ihr eure Anklage vor die kundbahre Warheit / wolan so
überweiset uns dessen / als dann sind wir bereit /des Landes Straffe über uns
zunehmen; Wir aber wissen uns dessen unschuldig / und ist solcher Vorsaz nie in
unser Herz kommen. Diese Pfaffen wahren ihnen eines solchen gerichtlichen
Verfahrens nicht vermuhten / schwiegen stille / und sahen sich nach ihren
übrigen Amts Brüdern umb / dass sie zu ihnen treten sollten; Aber der Grossfürst
zeigete an / die übrigen sollten schweigen / oder so etliche unter ihnen währen /
die sich getraueten die Anklage gebührlich zubehäupte /sollten sie zu den zehnen
nahen; dessen sich doch keiner unterstehen wollte; Und drängete er stark in die
Zehne / ihren Beweisstuhm wieder seine Söhne zuführen / und sich zu versichern /
dass ihnen dessen volkommene Freiheit hiemit sollte gegeben sein. Dieses machte
ihnen einen Muht / und fing der eine also an: Es ist eine preisswirdige Liebe zur
Gerechtigkeit / dass eure Grossfürstl. Hocheit in diesem Gerichte uns die Freiheit
gibt / des Landes Notturft wieder ihre Söhne zubehäupten / als welche ihre alten
Land-götter verläugnet / und einen neuen angenommen haben; welches / weil sie es
nicht werden in abrede sein / halte ich daher unsere Anklage vor schon erwiesen.
Herkules wollte / dass Baldrich dz Wort führen sollte / welcher darauff sagte: Nein
Pfaffe / deine und deiner Gesellen Klage ist dadurch nicht erwiesen; massen dein
voriges also lautete; eure junge Herschaft währe gewilliget / eure alten Götter
euch zu nehmen / und euren Gottesdienst euch zuverbieten; dieses mustu und deine
Mitkläger als eine kündliche Warheit darstellen; dann ob mein H. Bruder und ich
einen andern Gott erkennen / und wissen dass eure Götter falsche Götter sind /
ist ganz eine andere Frage / und gestehe ich dir nicht / mich deswegen
zubesprechen; deswegen führe einen redlichen Beweis deiner beschuldigung / oder
wisse / dass ich dich als einen lügenhaften Verleumder peinlich anklagen werde.
Dem Pfaffen entfiel das Herz / wusste hierauff nichts gründliches zu antworten /
und brachte halb zitternd vor / er könnte nicht anders schliessen als dass die
junge Herschaft den uhralten Gottesdienst auffzuheben würde gesinnet sein / weil
sie denselben vor sich abgelegt hätten. Hat niemand unter euch Pfaffen einen
bessern Beweisstuhm als diesen? fragete der GrossFürst; dann die jungen Fürsten
wahren auff getahne Antwort wieder davon geritten. Die Pfaffen schwiegen alle /
biss der Worthalter anfing: Gott Krodo und die Göttin Freia hätten es selbst
angedeutet / dass die junge Herschaft mit solcher Verenderung umginge. Ja mein
Pfaffe / sagte der Grossfürst / so mustu solche Zeugen darstellen / oder als ein
Lügener und Verleumder gestraffet werden. So ruffe nun deine Götter herzu / dass
sie dich vertreten / sonst wirstu den Ausspruch des Rechtens bald zuvernehmen
haben. Wendete sich darauff zu den Gefangenen ädlen / und fragete sie / was sie
meinten / solche Untertahnen verdienet zu haben / welche ihrer angebohrnen
höchsten Obrigkeit dessen schuld gäben / dass allerdinge falsch und ertichtet
währe / und sie nicht desto weniger dadurch eine algemeine Auffruhr erwecketen.
Diese nach kurzer unterredung antworteten: Es hätten solche Untertahnen
verdienet / dass sie lebendig gespiesset würden. Und solches währe ihr rechter
Lohn / sagte der Grossfürst. Weil mir nun bewust ist / dass meine lieben Söhne
dieser Beschuldigung allerdinge unschuldig sind / ich auch solches meinen
Untertahnen habe anmelden /und ihres Glaubens Freiheit sie versichern lassen
/diese gottlose Pfaffen aber nicht desto weniger auff solcher Verleumdung steiff
bestehen / und deren doch den allergeringsten Beweisstuhm nicht führen köñen
/sollte ihnen zwar die Straffe der Spiessung angelegt werden / aber meine
angebohrne Gnade und Barmherzigkeit ihnen wiederfahren zu lassen / sollen sie
mit dem Schwert vom Leben zum Tode gebracht werden; wie dann solches alsbald an
diesen zehnen volstrecket ward. Die übrige 23 Pfaffen wurden von dem GrossFürsten
auch befraget / ob sie gnugsame Ursachen der Auffwiegelung anzuführen wüsten;
welche sich aber durch ihrer Gesellen Unfal witzigen liessen / dass sie ingesamt
mit einem Fussfal umb Gnade anhielten /und dass sie von andern verleitet währen.
Hätten die andern auch also geredet / sagte der GrossFürst / sollte ihnen
gnädigste vergebung wiederfahren sein; dass demnach diese zu den andern
Gefangenen hingeführet wurden. Darauff nun wendete sich der Grossfürst zu den
Gefangenen Völkern / und verwies ihnen ernstlich / dass sie von den
leichtfertigen Pfaffen wieder ihre höchste Obrigkeit / deren sie mit Pflicht und
äiden verwand / sich so leicht und unbesonnener weise hätten lassen in Harnisch
bringen / wodurch sie ja ausser allem zweifel ihr Gut und Leben verwirket
hätten. Doch Gott sei dank / sagte er / dass solche Auffrührer mich und die
meinigen noch bei zeiten gewarnet haben / ich hätte sonst dürffen in Gefahr
gerahten / da ich allem Unglück meinte schon entgangen sein. Ihr aber erkläret
euch alle miteinander / ob ich euer GrossFürst / und ihr meine Untertahnen seid /
dañ ich will wissen / wie ich mit euch dran bin / und was ich wieder euch
vorzunehmen habe. Der Adel / welcher 3000 stark / allein getreten wahr / machte
den Anfang mit einem Fussfalle / bahten umb Gnade und vergebung ihres
unbesonnenen ungebührlichen und straffwirdigen Vornehmens; die Grossfürstliche
Erklärung währe ihnen bald anfangs völlig gnug gewesen /hätten aber mit fuge und
ohn Lebensgefahr nicht können von der Versamlung sich loswirken / hielten diese
ihre Gefängnis vor ihr höchstes Glük / und währen so bereit als schuldig von
neuen in ihm Hocheit Pflicht und äide zu treten / und ihr Leib / Gut und Blut
bei derselben auffzusetzen. Als der gemeine Hauffe dieses hörete / riefen sie
gleicher gestalt umb Gnade / sie hätten nicht aus Bosheit noch unwille wieder
ihre liebe Obrigkeit die Waffen ergriffen / sondern aus Andacht zu ihren Göttern
/ währen von den Pfaffen verleitet und hintergangen / auch nunmehr willig vor
ihre Obrigkeit zu leben und zu sterben. Musten demnach ingesamt den äid ablegen
/ uñ sich auff weitern bescheid unbewehret bewachen lassen da ihnen vor ihre
bezahlung Speise und Trank zur Notturft ausgefolget ward / weil man solches aus
Friessland uñ andern orten gnug zuführete. So bald die Verwundeten bei der
auffrührischen Versamlung ankahmen / und allen Verlauff erzähleten / da erhub
sich ein solcher Auffstand / dass jederman meinte / es müste nun über und über
gehen; dann es wurden die einfältige Bauern (deren Anzahl der gröste wahr) so
rasend gemacht / dass sie als die Unsinnigen hin und wieder lieffen / und durch
einander schrihen / man hätte dem dinge viel zu lange zugesehen; es währe vor
den Landgöttern unverantwortlich / dass man keinen Ernst darzu tähte / dann auff
solche weise würden sie endlich alle miteinander auffgerieben und gefangen
werden / ehe man sichs versähe; der Götter gerechte Straffe träffe sie / weil
man so schläfferig handelte /und die Hände als lahm sinken liesse. Endlich
fingen sie auff der Pfaffen reizung an / auff den Adel losszuzihen; es währe das
gemeine Wesen ihnen kein Ernst; sie wollten und wollten auch nicht; mit dem linken
Auge sähen sie nach den Göttern / doch nicht auffrichtig; mit dem rechten nach
Grossfürstlicher Gnade und eigener Ehre. Die ädlen traten zusammen / und
entschuldigten sich / ihr Herz währe nicht so gesinnet / nur allein wünscheten
sie / dass das Werk mit besserem Nachdenken und reiffer Vernunft beobachtet wurde
/ alsdann wåhre ihre Macht noch gross genug /die Obrigkeit dahin zu halten / dass
dem algemeinen Landesbegehren ein genügen geschehen müste; erbohten sich auch /
ihre redligkeit dergestalt sehen zu lassen / dass inwendig 24 Stunden alles auff
einen festen Fuss gesetzet werden sollte. Aber sie hatten kein Gehör; massen ein
vewägener Schmid von den Pfaffen darzu angehetzet / aufftrat / und ungescheuhet
vorbrachte; es währe das rahtsamste und sicherste / dass man die Befehlichshaber
aus der Gemeine nähme /und den Adel dämpfete / oder zum wenigsten sie jagete /
dass ihnen die Schuch entfielen / dann sie hätten bereit schon voriges tages
erwiesen / wie unträulich sie den Göttern anhingen / und heut möchten sie es wohl
nicht besser gemacht haben / nachdem man vernehmen müste / dass sie des jungen
Weibes Mord an dem vornehmen geistlichen Manne begangen / gebillichet hätten.
Und was wollte man an ihrer Träulosigkeit zweifeln; hätten sie doch bei heutigem
feindlichen Anfalle sich alsbald zufechten gewegert / und verloren geben ehe
sie angegriffen worden; so hätten die verwundete von Adel nicht mit den andern
fortgewolt / sondern die willige Gefängnis davor gewählet. Dieses ward von
vielen Handwerksleuten ganz begierig angenommen / und schüreten die Pfaffen es
weidlich / dass die ädlen / so annoch 15000 stark wahren /sich in nicht geringer
gefahr und furcht befunden / so gar / dass wann sie ihre entschuldigung vortragen
wollten / man ihnen kein Gehör gab. Sie vereinbahreten sich aber untereinander /
dass keiner von ihnen absonderlich austreten / vielweniger zu dem GrossFürsten
weichen sollte / damit die hinterbliebenen nicht gefähret und einer Verräterei
verdacht würden / und sie alle miteinander das Leben unter des Pövels Hand
zusetzen müsten; beredeten sich demnach kürzlich / und liessen der Versamlung /
die sich am gemeinen Volke auff 190000 Mann erstreckete / gütlich vortragen; es
tähte ihnen schmerzlich weh / dass sie sich vor Verrähter müsten halten und
austragen lassen / da sie doch nit weniger als andere dahin trachteten / dass der
gemachte Schluss ins Werk gerichtet würde. Also wüsten sie sich in ihrem Gewissen
der Bezichtigung frei und unschuldig. Nicht destoweniger / weil man ihnen
misstrauete / und die ämter abstrickete / wollten sie es dahin lassen gestellet
sein / und hiemit ihren Abscheid / nicht nach des Grossfürsten Lager / dann
deshalben währen sie nicht ausgezogen / sondern nach ihrer Behausung nehmen /
weil sie nicht mehr könten gelitten werden. Wünscheten nicht destoweniger dem
hinterbliebenen mächtigen Heer Glük und alle gedeiliche Wolfahrt / uñ dass sie
dem Vaterlande ihre alten Götter und wolerstrittene Freiheit erhalten möchten.
Die Pfaffen wahren schon im vollen werke begriffen /wie sie andere Häuptleute an
ihre stelle verordnen möchten / und liessen sich gutenteils selbst gebrauchen /
dass also ihr Wort nunmehr allentalben ohn wiedersprechen galt / hätten auch ohn
zweifel dem Adel grossen Schimpf angelegt / wann sie nicht deren Rache / nach
vollendetem diesen Zuge sich befürchten müssen; und nur dieses hielt sie ein /
dass sie ihre eigene Zunge mässigten / und den Handwerkern das Wort in den Mund
legeten / was auff diese Werbung ihnen sollte vor bescheid gegeben werden / da
vorgedachter Schmid zur Antwort gab; man währe an den ädlen solcher
geschmeidigen Worte ganz ungewohnet / denen man daher umb so viel weniger zu
trauen hätte; sollten aber wissen / dz wañ sie gleich nit wären / oder diese
Stunde an des GrossFürsten seite stünden / sich dañoch aufrichtige Teutschen
Herze anfinden würde / die vor ihre Götter / da es die noht erfoderte /auch zu
sterbe bereit währe. Dz sie nun umb erlåubnis anhielte des freien abzuges /
sollte ihne derselbe nit gehindert werde / uñ möchte nur gehen / wohin sie es
gelüstete. Der Adel war sehr froh dieses zimliche bescheides / beschleunigte
ihren Abscheid also / dz sie alle ihre Speisewagen uñ Knechte unabgefodert
hinterliessen / uñ umb die Abendzeit ihren Weg vor sich nahme / als wollten sie
des geradesten nach ihrer Heimat reisen; aber da sie eine Viertelmeile vom Lager
wahren / hieben sie zur linken umhin / nahmen einen Umschweiff auff drei Meilen
/ und kahmen vor der Sonnen Auffgang biss eine halbe Meile an des Grossfürsten
Lager / da sie 150 ihres Mittels an ihre Obrigkeit abschicketen / unter denen
Friderich und Luter (deren im ersten Buche Meldung geschehen) mit wahren / als
die von ihren Nachbahren gezwungen sich hatten in die Auffruhr mitbegeben
müssen. Ihr vorbringen aber wahr dieses. Es hätte der Adel nunmehr in
augenscheinliche Erfahrung bracht / dass die heilose Pfaffen diesen Auffstand
mehr um ihres eigen Nutzes als des Gottesdienstes Willen angerichtet hätten /
und weil sie in ihre unverschämte Bosheit nicht einwilligen können / währen sie
fast alle miteinander um ihr Leben kommen / massen die Pfaffen den Pövel auff
sie als Grossfürstliche Geträue zu verhetzen / in vollem Werke schon begriffen
gewesen / und sie ihrer rasichten Wuht zuentrinnen / sich aus dem Staube machen
müssen; stelleten sich in der Gnadenzeit untertähnigst ein / bei ihrer
Grossfürstl. Hocheit ihres unbesonnenen verbrechens demühtigste Abbitte zutuhn /
und als geträue Untertahnen / vor dessen Wolfart und Ehre / ihr Gut und Leben
gerne aufzusetzen /nachdem an Grossfürstlicher gnädigster Erklärung /wegen
Glaubens und Landes Freiheit sie ein satsames Genügen hätten. Herkules / Ladisla
und Baldrich wahren mit 300 Partern hinaus geritten / ihre Werbung mit
zugemachten Helmen / um nicht erkennet zuwerden / anzuhören / und als sie ihre
Beräuung und erbieten vernahmen / sagten sie ihnen im Nahmen des Grossfürsten
völlige Vergebung und alle Gnade zu. Nun ward Herkules der beiden vorgedachten
ohngefehr gewahr / wunderte sich ihrer Undankbarkeit / und liess sie durch Neklam
an die Seite absonderlich fodern / setzete den Helm ab und sagete zu ihne: Ist
diss der dank / welchen ihr mir zu Padua versprochen habt? O ihr unbesonnenen /
und habt euch mit in die Verbündnis können schreiben lassen / welche mich erbloss
zumachen bedacht ist? Friderich kennete alsbald sein Angesicht / sprang vom
Pferde / küssete ihm die Füsse / und sagete mit trähnenden Augen:
Durchleuchtigster Grossfürst / gnädigster Herr; die Götter sind meine Zeugen /
dass ich aus Zwang / wie viel andere mehr / habe mitreiten müssen / da ich mir
nicht den Hals wollte brechen lassen / aber habe ich oder dieser mein Geselle von
eure Durchl. Gegenwart das geringste gewust oder bisher vernommen / wollen wir
aller Straffe uns gerne unterwerffen; von Herzen lieb aber ist mirs / dass meines
Erlösers Angesicht zusehen ich beglückseliget werde / und bitte untertähnigst /
ihre Durchl. wolle wich in ihre Dienste auff und annehmen / so geringe und
schlecht die Anbefehlung immer sein mag / will ich mich doch glückselig schätzen /
wann ich solches erhalten werde. Luter baht desgleichen / daher Herkules ihnen
zufolgen befahl / untergab auch alsobald jedem 4000 Mann zuführen / doch /
sagete er / dass ihr mir die rechten Redlens Führer dieser Aufruhr geträulich /
und ohn einigen Hass oder Gunst anzeiget. Ja warumb nicht / sagte Friederich /
meldete auch von den schon Gefangenen annoch lebendigen Pfaffen 7 / und von
denen die annoch bei den Auffrührern wahren 16. Die Gefangene wurden alsbald
befraget / schuldig befunden / und mit dem Schwert gerichtet / gleich da Etard
mit den 20000 Friesen Fussvolk ohn Pfeiffen und Trummeln Schlag angezogen kahm
mit welchen die gestriges Tages Gefangene 59000 Unädle Teutschen vermischet
wurden / dass nunmehr ihr gesamtes Heer in die 180000 Mann stark wahr / und so
wohl gerüstet / dass Herkules und Ladisla sich vermassen / den halben Teil der
Welt damit zuüberwältigen / wann ihnen Gott nicht zuwieder währe: wie sie dann
schon des vorigen Abends den Schluss gemacht hatten / ob gleich Ekhard sich nicht
stellen würde / wollten sie doch mit ihren Völkern aufbrechen / auf der
Auffrührer Lager gerade zu zihen / und ihnen die oft angebohtene Gnade nochmahls
vortragen / auch sonst allerhand gütliche mittel versuchen / dass sie in Ruhe
stünden / und von der Empörung abliessen; würde aber in der Güte nichts
zuerhalten sein / wollten sie einen Angriff in Gottes Nahmen wagen / nicht
zweifelnd / es würden solche zusammen gelauffene und grossen Teils unversuchte
Bauern leicht auff die Flucht zubringen sein; aber sie wurden von dem
Ankommenden Adel berichtet / die Abtrünnigen würden sich diesen Tag unterstehen
/ ihren Willen entweder durch ihres Grossfürsten Einwilligung / oder durch
bewehrete Hand zuvergnügen; daher die unsern ihrer Ankunft um so viel lieber
erwarten wollten. Dieselben nun wurden sehr froh / dass sie des Adels auff solche
Weise wahren los worden / hätten auch lieber ihren Vorsaz stündlich ins Werk
gerichtet / als diese Nacht es auff geschoben; so bald aber die Morgenröhte
hervorblickete / wahren sie munter / und gingen aus ihrem Lager los / aber mit
solcher Unordnung und Sicherheit / dass alle die des Kriegs ein wenig Verstand
hatten / alsbald urteileten / es würde ihrem Frevel mit geringer Macht zusteuren
sein / wie wohl sich dessen keiner wegen der Pfaffen Trotz durfte vernehmen
lassen / als welche durch Abschaffung des Adels den höchsten Gewalt an sich
gezogen hatten dass jederman ihnen ins Maul sah / und ihre Worte nicht anders
als eine göttliche Rede annam. Ehe sie aus ihrem Lager aufbrachen / trat ein
sehr frecher und verwägener Pfaffe auf /nahmens Seifart / und deutete an / sein
Gott Krodo /von seiner Schwester Freia und seinem Bruder Irmen Säul begleitet /
währe ihm diese Nacht erschienen /hätte ihm ein feuriges Schwert in die Hand
gegeben /und dabei diese Worte gebrauchet: Nim hin mein lieber geträuer Sohn
dieses götliche Schwert / und haue damit nider / alles was sich mir und dir
zuwiedersetzet; dann dieses ist eben das Schwert / welches vor 218 Jahren
Grossfürst Herman / Siegmeiers Sohn auff mein Geheiss und unter meiner Anführung
wieder den Römer Quintilius Varus und seine Völker gebrauchet / und mein liebes
Teutschland dadurch in die Freiheit gesetzet hat. Dieser hatte solches kaum zu
Ende gebracht / da entstund ein grosses Geschrei; Gott Krodo hätte klärlich
hiemit andeuten wollen / dass dieser heilige tapfere Mann ihr Heerführer und
algemeiner Feld Oberster sein sollte; welche Ehre dieser willig annam /als
worauff seine Lügen eigentlich angesehen wahren / wie wohl er des Kriegs aller
Dinge unerfahren wahr /ob es ihm gleich an verwägener Kühnheit nicht mangelte.
Ein ander Pfaffe trat alsbald zu ihm her / und nach getahnem Glükwunsche zu
solchem wirdigen Amte sagte er / die Göttin Freia hätte ihm diese Nacht
offenbahret / dass ihr älter Bruder Gott Krodo diesen heiligen Mann mit gnugsamer
Weissheit und tapfferer Stärke ausgerüstet hätte / solches Amt zuverwalten. Womit
dieser Schmeichler verdienete / dass der obgedachte ihn zu seinem obersten
Statverweser einsetzete / und wahr sein Name Hardet. Dieser teilete hinwiederumb
seinen guten SauffBrüdern die ämter aus /dass er desto grössern Anhang haben
möchte. Sonst führeten sie ein gressliches geschrei durch einander: Es müste vor
der Sonnen Untergang sich ausfündig machen / ob Teutschland noch von einem
freien unbezwungenen Volke / oder von Römischen Sklaven bewohnet würde. Die
unsern erfuhren ihren Auffbruch zeitig gnug dann der flüchtige Adel hatte
gerahten /dass man die Schildwachten etwas weiter hinaus setzete / welche den
unordentlichen Anzug anmeldeten /daher die Unsern nach genommener Speise eine
artige ansehnliche Schlachtordnung ins Feld stelleten / ob sie gleich nicht
willens wahren zu treffen. Die fünff Schanzen wahren diese Nacht viel stärker
befestiget /und mit den Schützen besetzet / denen befohlen wahr / dem
ankommenden Teutschen Heer anzudeuten /dass sie vor der Schanze stille hielten /
es würden sich Gevolmächtigte von dem GrossFürsten zu ihnen verfügen / und alles
ohn Schwertschlag in der güte beilegen. Aber ein solches wahr den hochmuhtigen
Pfaffen ungelegen / darumb sie nach angehörter Werbung die Schanzen durch
etliche Trommelschläger aufffoderten / unter der Bedräuung / dafern sie nicht
alsbald abzihen / und sich bei ihnen unterstellen würden / sollten sie alle
gehenket werden. Prinsla / Friederich und Luter lagen mit in den Schanzen /
liessen sich auff der Brustwehr sehen / und gaben zur Antwort: Sie währen nit
bedacht / einigen Pfaffen der Antwort zuwirdigen; Ihr gnädigster GrossFürst / dem
sie dieneten / hätte ihnen diese Schanzen anvertrauet / welche sie lebendig
nicht verlassen wollten. Friederich und Luter wahren dem Heer sehr wohl bekant /
deren Führer nicht wussten / was sie gedenken sollten / als sie ihrer ansichtig
wurden / biss endlich ein Pfaffe rief: Oho Verräterei / Verräterei! der Adel
ist GrossFürstlich worden und übergetreten; O hätten wir ihnen allen nur die
Hälse gebrochen / oder das Genik eingedrükt! Friederich rief hinüber zur Antwort
/ nachdem er ihnen ein Friedenszeichen gegeben hatte: O ihr redliche Teutschen /
bedenket euch eines bessern / wie wir ädle getahn haben / und ergebet euch eurer
angebohrnen Obrigkeit zum Gehorsam / wie ihr schuldig seid /damit ihr leben
möget. Ihr Pfaffen aber geht hin /und wartet eures Gottesdienstes abe / darzu
ihr bestellet seid / und führet diese unwissende einfältige Leute nicht
muhtwillig auff die Fleischbank; dann was wollet ihr Kriege führen / darzu ihr
gleich so geschikt seid / als der Esel zum Lautenschlagen. Du abtrünniger Bube /
antwortete der vorige Pfaffe; was hastu der Geistligkeit ihr vornehmen zulästern
/ dessen die Götter selbst Stiffter und Uhrheber sind / denen wir dich und
deinen ganzen Beistand zum angenehmen Opfer abschlachten wollen; lieffen auch
alsbald alle fünff Schanzen zugleich an / als blinde erzürnete Ochsen. Aber die
Pfeile wurde ihnen in solcher Menge zugeschicket / dass / ungeachtet die
vördersten mit Schilden wohl versehen wahren / ihrer doch 5000 erschossen / und
6000 hart verwundet wurden / ehe sie den Graben erreicheten. Noch dannoch drang
ihr Wuht durch; dann sie fülleten die Graben mit den Erschlagenen / und
brauchten dieselben an statt einer Brücken / biss sie an den Wahl kahmen / da sie
mit langen Spiessen / Morgensternen und anderem Bäurischen Gewehr elendig
hingerichtet wurden / dass ihrer noch 12000 das Leben einbüsseten / und 14000 mit
blutigen Köpffen zurück gingen; wodurch dann die übrigen sich warnen liessen / es
nähern Kauffs zugeben / weil sie sahen / dass es mit dem Kopffe gegen den Stein
gerennet wahr. Herkules gelebete der Hoffnung / wann sie ihre grosse Macht sähen
/ würden sie das Herz fallen lassen / deswegen er auff den Schanzen ein weisses
Fähnlein zum Zeichen eines gütlichen Vergleichs ausstecken liess; welches die
Pfaffen den unsern zur Furchtsamkeit auslegeten / und die ihren zum andern Sturm
anmahnete / nebest getahner Versicherung / der Feind würde nicht fuss halten. So
bald Herkules solches merkete / und aber das Blutvergiessen nach aller
Mögligkeit verhüten wollte / geboht er der Besatzung ohn weitere Gegenwehr
alsbald abzuzihen / und zu den seinen sich hin zubegeben; Dass also die Aufrührer
vor dissmahl sich der Schanzen ohn einigen Schwertschlag bemächtigten / uñ den
Durchzug öffneten / auch fast im Augenblick die Schanzen schleiffeten. Da ging es
nun an ein jauchzen und frohlocken; der Feind dürffte nicht stehen; Gott Krodo
hätte sich ihnen in seiner gresslichen gestalt sehen lassen / dass sie vor
Schrecken davon geflohen währen. Macheten darauff ihre Ordnung / und gingen auff
die unsern freihmühtig zu / der gänzlichen Meinung / sie würden alle schon in
der Flucht begriffen sein; aber als sie ihre trefliche ausgedehnete
Schlachtordnung sahen /stutzeten sie / und wollten Kriegs Raht halten / dann der
Schrecken wahr sehr gross / weil Herkules seine Völker dergestalt im offenen
Felde ausgebreitet hatte /dass es dreimal grösser schiene als es wahr. Der
GrossFürst und Olaff führeten das Fussvolk / 60000 stark; Herkules und Fabius den
rechten; Ladisla und Baldrich den linken Flügel / jeden 60000 Reuter / da die
geharnischten alle die vördersten Glieder halten /und bei den Auffrührern die
Furcht mehren mussten /welche nur zusammen gelauffene / und leichte Reuter mit
Schwertern und Spiessen versehen wahren; So wussten die Pfaffen nicht / wie sie
es angreiffen sollten / daher sie fast vor Angst erstarreten / und kein Wort
sprechen kunten; welches die unsern zeitig wahr nahmen / und Herkules an seiner
Seiten mit der Helffte seiner Reuterei / Ladisla mit gleicher Menge an seinem
Orte lossging / da doch Prinsla und Neklam /jeder mit 30 Pferden voraus setzeten
/ und ihnen ansagen mussten: Ob sie dann ihre Vernunft und alle Sinnen gefressen
hätten / dass sie muhtwillig sterben / uñ wie das tume Vieh sich wollten
nidermatzen lassen /da sie doch alle miteinander wohl leben könten. Es tähte
ihrem GrossFürsten noch diese Stunde leid / dass er in dem Blute seiner
Untertahnen baden müste /deren er lieber tausend beim Leben erhalten / als einen
einzigen erschlagen wollte. Er bliebe annoch bei seinem ersten und gnädigsten
erbieten / welches ihre ädlen angenommen / und sich diesen Morgen samt und
sonders eingestellet hätten / währen auch ohn einige Straffe oder verweissliche
Rede gnädigst auff und angenommen / ja zu ihres GrossFürsten LeibSchuz verordnet.
So möchte doch nun die Gemeine auch in sich gehen / als welche ihrem GrossFürsten
ja so lieb als die ädlen währe / weil durch sie das Land müste gebauet und der
Feind abgetrieben werden. Sie sollten sich zu ihrem GrossFürsten nichts als aller
Gnade und väterlichen Gewogenheit versehen / dafern sie ohn genommene Bedenkzeit
sich bequemen / und umb Verzeihung anhalten würden; Wo nicht / sollten sie alle
nidergehauen / Weiber und Kinder erwürget / und ihre Güter den Böhmen / Friesen
und Wenden vor erbeigen eingeräumet werden / welches dann keines weges ausse
bleiben würde / gestaltsam sie vor Augen sähen / dass ihnen unmöglich währe /
solchem überausgrossen und wolgerüsteten Heer zuwiderstehen. Die verzagtesten
und unschuldigsten machten alhie den Anfang / trenneten die Ordnung / welche
ohndas übel versehen wahr / wurffen das Gewehr von sich / liessen ihre Pferde
lauffen / und gingen ganz gebücket den unsern entgegen / mit geängsteter Stime
ruffend: Gnade / Gnade! Und belief die Anzahl dieses ersten Hauffen sich auff
25000 Mann; Woraus Herkules gewisse Hoffnung schöpffete / die übrigen würden
sich auch finden; liess aber doch 20000 Mann umb die Auffrührer hinhauen / ihnen
den engen Durchzug von hinten zuverlegen / damit die Redlensführer nicht durch
die Flucht sich davon machen / und heimlich entwischen möchten. Andere 18000
folgeten der vorigen Schaar nach / und macheten mit ihrem Abtrit /dass kein
einziger mehr auff die Gegenwehr bedacht wahr. Herkules rennete unter der
Begleitung 6000 Reuter dem übrigen grossen Hauffen mit eingestecketen Schwertern
entgegen / schlug seinen Helm auff /und rief ihnen zu: Ihr redliche Teutschen /
uñ meine geliebete Landsleute; was bedenket ihr euch noch lange / ob ihr lieber
glücklich leben oder schändlich sterben wollet? Sehet ich bin Herkules / eures
GrossFürsten älter Sohn / der ich schon in der Jugend mich eurer wider den Adel
angenommen habe; darum so trauet mir / und versichert euch / dass ich euch allen
alle Gnade und Vergebung bei meinem gn. Herr Vater schon erbehten habe / dafern
ihr nur die Häupter und Uhrheber dieser unbefugten Auffruhr nicht werdet lassen
davon streichen / als durch deren weniges und gottloses Blut aller Zorn und
Eifer eures GrossFürsten kann gestillet und ausgelöschet werden. Damit wahr alles
geschlichtet; Der ganze Hauffe trieb die Pfaffen / und die ihnen fest anhingen /
in eine Schaar zusammen / ja wohl mannicher Mitschuldiger stellete sich am
unwürschesten wider die Pfaffen /auff dass sie ihres begangenen Frevels sich
entbrechen möchten. Herkules taht seinen Helm gar ab / hub beide Hände auff gen
Himmel / und dankete dem grundgütigen Gott / dass er diesem Blutbade so
gnädiglich gesteuret / und des mörderischen Kroden Teufels Anschläge zunichte
gemacht hätte; liess die ganze Menge der Auffrührer mit seinem Heer umgeben / und
die Pfaffheit zusammen führen / zu welchen die schon gefangene auch hingeführet
wurden / und ihre Anzahl sich auff 320 erstreckete; welche König Baldrich also
anreden musste: O ihr meinäldige Pfaffen / was vor ein böser blutgieriger Geist
und Teufel hat euch getrieben / ein solches unverantwortliches Wesen wider eure
höchste Obrigkeit und seine Söhne anzurichten? Wer kann von eurem Vornehmen
anders urteilen / als dass ihr in diesen Hochmuht gerahten sein müsst / das
ganze weltliche Gericht / uñ Oberbotmässigkeit an euch zubringen / und die
Fürstliche Herschung übern hauffen zu werffen? Dann vorerst habt ihr alle
Untertahnen wider euren GrossFürsten und dessen Söhne auffgewiegelt; nachgehends
euch auch des ganzen Adels entlediget / die höchsten Kriegsbedienungen und ämter
euch angemasset / eures GrossFürsten Schanzen unabgesagt bestürmet / und seiner
angebornen Untertahnen / die in Pflicht und äiden sitzen / so manniche tausend
auffgeopffert / ja mit wenigen zureden / alles das getahn und vorgenommen / was
ihr nur eurem GrossFürsten und dessen Söhnen zu Troz habt erdenken können. Nun
ist eure Bosheit euch auff eure Scheitel gefallen; Ihr stehet als die verlassene
und auff dem Diebstahl ergriffene / wie es dann allemahl den Auffwiegelern
zuergehen pfleget / dass sie doch endlich das Bad austragen müssen. So sprecht
euch nun selbst die Urtel / was durch solche Bosheit ihr verdienet habet; könnet
ihr einiges Recht in der Welt finden / welches euch zustatten kommen möchte /
das will man euch gerne gönnen. Aber euer eigenes Gewissen / der unbetriegliche
Richter rufft eure Schuld und Straffe euch selber zu / welches ein jeder
vernünftiger euch vor der Stirne lesen kann. Damit ihr aber eures GrossFürsten
und seiner Söhne angebohrne Gnade erkennen und geniessen möget / soll dem
grössere Teil verzihen / und die Bosheit geschenket sein; aber alsbald gebet
eure Verführer und Auffwiegeler heraus /und die vor andern sich des Unwesens
angenommen; lasset auch diesen vor allererst hertreten / welcher in Friessland
von mir Urlaub baht / nach Hause zureisen / und sein schwangeres Weib zubesuchen
/ da er selbst von einem schändlichen Teufel geschwängert /mit der gottlosen
Frucht der algemeinen Auffruhr beladen wahr / und wie mir schon bewust ist / die
andern zu solchem übel angereizet hat. Derselbe nun trat willig hervor / weil er
sah / dass es doch nicht anders sein kunte / und brachte ein; Er wäre vor diesem
allemahl ein geträuer Grossfürstlicher Diener gewesen /hätte dieses Werk nicht
aus eigenem Getrieb getahn /sondern auff der grossen Göttin Freia ernstlichen
Befehl und angehängte Dräuung verrichten müssen / die ihm nit allein glücklichen
Fortgang / sondern auch Schuz und Schirm verheissen und zugesagt hätte; und
währe er viel zu wenig gewesen / sich ihrer Macht und hohem Ansehen
zuwidersetzen / deswegen er in solcher Verrichtung wohl würde zuentschuldigen
sein. Zuentschuldigen? sagte König Baldrich; wolan / lass uns deine
Entschuldigung besehen. Du wendest ein /deine Göttin Freia habe dichs geheissen.
O mein Kerl; der bosshaftige Lügen Geist / der leidige Teuffel hat dich gereizet
/ du Erz-Bösewicht; derselbe hat gefallen an Unfrieden / Krieg und Blutstürzung
/ und ist ihm dannoch / dem allerhöchsten Gott sei Dank /nach seinem Willen
nicht gelungen / dann er hatte euch allen viel ein grösseres Verderben
zugeschnitten / wann nicht viel ein stärker es gnädigst abgewendet hätte; aber
gesetzet / deine Freia habe es dir befohlen; hättestu dann nicht deiner
weltlichen Herschaft es zuvor anzeigen sollen? Wie leicht hättestu mirs können
sagen / als du umb Urlaub der Reise bei mir anhieltest / und das währe deine
Schuldigkeit gewesen. Aber Gott Lob / dass es schon so weit kommen ist /und du
erkennest / auch bekennen must / deine vermeinte Göttin habe dich hinter das
Licht geführet /weil du augenscheinlich sihest / dass dein Vornehmen den
glücklichen Fortgang nicht erreichet; so wirstu auch diese Stunde empfinden / ob
sie dir wider des Henkers Schwert Schuz halten werde; meinst du aber / dass die
wahre Gotteit wohl könne mit Lügen umgehen / und ichtwas wider die Warheit
vorbringen? Nein; die gesunde Vernunft lehret dichs ja / dass Gotteit / das
volkomenste Gut / mit dem schändlichen Laster der Lügen und Betriegerei durchaus
keine Gemeinschaft haben könne. Dann was Gott oder göttlich ist / das leuget
nicht / und wz da leuget und treuget / das muss oder kann ja kein Gott sein. Nach
dieser RedeEndigung musste der angemassete Feldherr Grosspfaffe Seifart mit seinem
Statverweser Grosspfaffen Hardek / und andern Redlensführern hervortreten /und
die ganze Zahl der recht schuldigen mit ihrem ja bekräftigen / deren annoch 22
lebendige Pfaffen und 16 Handwerker uñ Bauern wahren / denen ihr Verbrechen
vorgehalten / die Urtel gesprochen / und alle durch des Henkers Schwert abgetahn
wurden. Die übrigen Pfaffen wurden vorgefodert / und befraget / ob sie mit ihres
GrossFürsten und seiner Söhne gnädigstem anerbieten und gegebener Erklärung
friedlich /und wie der Adel und Gemeine gutwillig getahn / solches anzunehmen
bedacht währen; welche alle einen demühtigen Fussfal leisteten / ihren Irtuhm uñ
Missetaht bekenneten und beräueten / auch allen Gehorsam versprachen / bahten
daneben untertähnigst /dass die Grossfürstliche Zusage wegen des alten
Glaubensfreiheit in ihrer Kraft verbleiben möchte. Der Adel und die Gemeine
bahten sehr vor ihr Leben /und bekahmen darauff ohn fernere nachforschung ihres
verbrechens vollige verzeihung / und nochmahlige versicherung ihrer Geist- und
weltlichen Freiheit; daher ein solches Frolocken unter den Völkern entstund /
dass auch die Pfaffen selbst es bereulich beklageten / dass sie wieder solche
fromme gnädige Herrn sich auffgelehnet hätten. Als nun der GrossFürst sah /dass
die Untertahnen überal ein gutes Herz gegen ihn gefasset hatten / ritte er
selbst / von wenigen seines Landadels begleitet / bei ihnen umbher / hiess sie
diesen Abend ruhen / die Todten begraben / und folgenden Morgens mit alle ihrem
Gewehr erscheinen / so dass die Teutsche alle miteinander allein / die Böhmen und
Friesen aber zur seite halten sollten; welches alles nach seinem willen ging / da
er den Elefanten ausrüsten hiess / und vor das Teutsche Heer stellen / stieg mit
seinen Söhnen und Ladisla hinauff / welche sich Schneeweiss uñ Königlich
gekleidet hatten / und mussten von den ädlen / Pfaffen und gemeinem Manne 300 in
gleicher Anzahl umb den Elefanten hertreten; er aber fing diese Rede zu allen
Anwesende an: Liebe geträue Untertahnen und Landsassen; ich und wir alle
miteinander haben Gott hoch zu danken / dass er des bösen Feindes Vorhaben
gesteuret / und das angestiftete Elend gnädig abgewendet hat / da die Obrigkeit
und Untertahnen / Väter und Kinder / Brüder und Anverwanten einander grimmig
auffreiben sollten; nun aber / Gott lob / an statt dessen / eine löbliche
Vertrauligkeit und fester Friede angerichtet und gestiftet ist / nachdem
gleichwol / welches ich hoch beklage /über die 30000 meiner Untertahnen dz Leben
einbüssen müssen. Euch allen ist wohl bewust / und bedarfs keines weitläuftigen
erzählens / was gestalt vor wenig Jahren ich meinen herzlieben älteren Sohn /
Fürst Herkules / aus meinem Reiche verbannet habe / umb dass er nicht allein
einen fremden / uns unbekanten Gottesdienst in der Fremde angenommen / der uns
überal abscheuhlich beschrieben ward / und wir doch weit anders befinden /
sondern auch zugleich sich hiemit dem Römischen Reiche als ein Lehnträger und
Untertahn verpflichtet hätte / so dass bei künftiger seiner Herschaft er der
Römer Willen geleben / und ihnen die Teutschen Völker zinssbar machen wollte;
welches gleichergestalt eine abgefeimete grobe Lügen ist / und die Ertichter und
Aussträuer derselben ihren Lohn nach Gottes wunderbahrem Gerichte schon
empfangen haben. Beklage deswegen billich und von Herzen / dass durch falsches
angeben ich mich dazumahl zu ungerechtem Zorn und Eiser wieder diesen meinen
Sohn Herkules / der mir allernähest alhie zur Linken stehet / verleiten lassen /
und ihn als einen Durchächteten halten müssen / welches doch mein eigen Herz
dergestalt abgezehret hat / dass wo es länger hätte wehren sollen / ich in kurzer
Zeit des Todes drüber sein müssen / und mich dessen doch gegen niemand habe
dürfen merken lassen. Wie hart und unbillich nun ich mich gleich gegen ihn
erzeiget / so hat er doch hingegen seinen kindlichen Gehorsam von mir nicht
abgekehret / sondern ist stets geblieben / der er vorhin wahr / nehmlich ein
ergebener Sohn seiner Eltern / ein Freund der Tugend / uñ ein Liebhaber seines
undankbahren Vaterlandes / welches augenscheinlich daher zusehen ist / dass ob
ihm gleich der Römische Käyserliche Stuel (O welch eine Ehre den Teutschen!)
angebohten und auffgetragen ist / er dañoch solchen nur deswegen ausgeschlagen
hat / weil er alsdann hätte müssen ein Feind seiner Teutschen werden / und sie
nohtwendig bestreiten. Zweifele nun dann einer / ob er seinem Vaterlande die
gebührliche Liebe und Träue erzeiget habe oder nicht. Den kindlichen Gehorsam
wird kein Mensch an ihm leugnen können /wer nur betrachtet / dass so bald er
meiner Entführung innen worden / er mit Leib und Lebensgefahr (dann er wahr ja
ein Verbanneter) sich nach Teutschland gemacht / und zu reiten nicht auffgehöret
/ biss er mich und die meinen lossgerissen / und des gottlosen Räubers frevel
gebührlich abgestraffet hat. Also will ich euch nun diesen meinen Sohn länger
nicht verbergen /welchen ihr gutenteils ohndas schon wieder kennet; denen aber
seine glückliche Wiederkunft bissdaher unwissend gewesen / die sehen nur sein
Angesicht an /sie betrachten seine Gestalt und Wesen / so werden sie befinden /
dass er nicht so gar sich verendert hat /dass man ihn nicht mehr kennen sollte. Von
seinen herrlichen Tahten zu rühmen / die er in Italien und andern weit
abgelegenen Ländern begangen / will mir als seinem Vater nicht anstehen / und
sind etliche hundert Teutschen und Böhmen in dem Heer / welche als grossenteils
sehende Zeugen / davon werden bericht geben können. Dem almächtigen grundgütigen
Gott sei Lob und Dank gesaget / dz er den unschuldigen erretten / diesen meinen
lieben Sohn dem Vaterlande zum besten hat wollen in der Fremde unter so
mannicher grosser Gefahr erhalten / und sein Herz also lenken / dass er fremde
angebohtene Herschaften ausgeschlagen / und nach seinem Teutschlande verlangen
getragen hat. So vernehmet nun meinen ernstlichen Willen und Meinung / und
richtet euch darnach; ihr wisset / dass diesem meinen Sohn Herkules / als dem
erstgebohrnen / mein Teutsches Reich von Gott und Rechtswegen zustehet / (dann
die ergangene Acht und der Ban mus Tod / rein abe / und als ungeschehen sein) so
dass er mit keinem fuge davon kann ausgeschlossen werden. Nun bin ich zwar euer
GrossFürst annoch im Leben und zimlicher Gesundheit / wiewol den Abgang meiner
Kräfte ich schon merke / habe aber mir gänzlich vorgenommen / meine übrigen Tage
/ wie weit sie noch reichen werden / in guter Ruhe und sanfter Stille
zuzubringen / und meinem Gott zu dienen; dass nun gleichwol das Reich nicht ohn
ein gewisses Häupt sein möge / so will ich gleich jezo diesen meinen Sohn
Herkules euch vor erst als euren GrossFürsten hiemit vorgestellt haben / und
zugleich des Aides / damit ihr mir verbunden seid / euch Kraft dieses erlassen /
auch alsbald auff diesen euren GrossFürsten euch verweisen / dem ihr alsbald auff
stehendem Fusse die Huldigung abstatten sollet; hingegen wird er sich verbinden
/ alles dass ungeendert zu halten / was ich euch heut und vorige Tage /
GrossFürstlich versprochen habe. Damit aber unser Teutsches Reich sein ehmaliges
Ansehen unter diesem euren jungen Herscher wieder bekommen möge / soll er fortin
nicht mehr den Nahmen eines GrossFürsten / sondern Königes der Teutschen führen /
wovor ihn unsere Reichsfeinde die Römer selbst ehren / halten und erkennen.
Herkules erschrak dieses vorbringens von herzen / machete sich auch schon
gefasset / die Antretung der Herschaft durch erhebliche Ursachen abzulehnen;
aber die ganze Menge fing ein solches Freuden-geschrei an / dass die Erde
erzitterte / uñ die Luft sich zerteilete / auch eine Viertelstunde nichts anders
gehöret ward / als; Glük zu unserm neuen Könige Herkules; Glük zu unserm lieben
Könige Herkules; Glük zu dem tapfern / glückhaften / unüberwindlichen Könige der
Teutschen! Einem Ehrgeitzigen hätte kein angenehmer Lied können gesungen werden
/ aber der demühtige Herkules hörete es mit grosser ungeduld an / dass er auch
dem Volke endlich durch unterschiedliche Zeichen andeutete / er wollte gerne
gehöret sein /da er also anhuhb: Gnädigster Herr uñ Vater / ich ruffe mein
Gewissen zu zeugen / dass / wann ich dieses sollte gemuhtmasset haben / ich eurem
liebreichen Vaterherzen mich diese Stunde noch nicht hätte wollen zuerkennen
geben; wie ich dann durchaus nicht willens bin / einen Fuss in die Königliche
Herschaft zu setzen / als lange der grundbarmherzige Gott euch meinen Herr Vater
bei Leben und Vernunft erhalten wird; nicht wegere ich mich dessen aus
ungehorsam /sondern aus gebührlicher kindlicher Demuht / zweifele auch nicht /
mein Herr Vater so wohl / als das ganze hochlöbliche Königreich der Teutschen
werde mich alles ungleichen verdachts gnädigst und freundlich erlassen / und will
ich zugleich meine herzliebe Brüder /König Ladisla und König Baldrich gebehten
haben /da sonst einige rechtschaffene Liebe in ihre Herzen gege mich übrig ist /
meinen Gn. Herr Vater dahin helffen zubereden / dass er seine gefassete Meinung
Väterlich endern / und die wirkliche Beherschung Zeit seines lebens behalten
wolle / sonsten / wann es ja so sein müste / will ich gerne einwilligen / dass ich
vor einen erwähleten König uñ künftigen Herscher der Teutschen gehalten werde.
Ladisla und Baldrich sahen seinen ernst / und nicht geringe Bewägung /daher sie
allerhand Ursachen hervorsucheten / den GrossFürsten zur enderung seines
Vortrages zubereden / unter welcher Zeit Herkules von dem Elefanten stieg / und
sein liebes Gemahl vermochte / ihm bei seinem Vater zu hülffe zu treten / welche
alle Reden wohl vernommen hatte / dann sie hielt allernähest bei dem Elefanten
auff ihrer Gutsche; stieg demnach willig abe / stellete sich gegen den
GrossFürsten gleich über zu fusse / da Fürst Olaff ihr eine Sammete Decke
hinspreiten liess / und hielt diese Rede: Grossmächtigster / gnädigster Herr
Vater; euer väterliches Herz und hochgeneigter Wille gegen mich / ist in weniger
Zeit mir dermassen bekant worden / dass ich eine Todsünde begehen würde / wann in
denselben ich einigen zweifel setzete; daher ich dann die feste Zuversicht
gefasset / es werde euer Vaterherz das untertähnige demühtige Ansuchen euer
Hochheit ergebenen Tochter nicht verstossen / sondern ihr behägliche und
erfreuliche Antwort wiederfahren lassen. Vor erst aber erkühne ich mich zu
fragen / warumb doch mein Herr Vater meinen herzallerliebsten Gemahl Fürst
Herkules so hart beschweren / und ihm alsbald die lastsame Bürde der Herschaft
aufladen will / da doch nicht allein mein Herr Vater sein Reich bissdaher so
löblich beherschet / sondern auch noch stark / vermögen und verständig gnug ist
/ demselben weiter vorzustehen; hingegen mein Gemahl Fürst Herkules bissdaher vor
wirkliche beherschung Land und Leute sich aufs höchste gehütet / uñ dazu sich
durchaus nicht hat bereden können. Wil dann mein Herr Vater dieses nicht lassen
gültig sein / ei so endere ihre Hocheit doch diese ihre gefassete Meinung nur
umb meinetwillen /uñ gönne mir nach so grossem ausgestandenen Herzleide / dass
ich mich an meinem herzallerliebste Gemahl ein wenig ergetzen möge / welches die
unaufhörlichen Reichsgeschäfte sonst nicht zulassen würden; massen / wann ich
meinte / ich hätte ihn bei mir am Tische sitzen / würde er sich hinweg machen /
den Königlichen Stuel besteigen / und den Untertahnen Recht sprechen müssen. Nun
mir zweifelt nicht / mein Herr Vater werde diese meine erste öffentliche Bitte
mir nicht ungnädig abschlagen / sondern uns ein wenig ruhe gönnen / nachdem wir
bissdaher die weit abgelegenen Weltwinkel durchkrochen / und fast keinen Tag
allein mit einander reden können; es ist uns gnug uñ übrig gnug / dass wir schon
wissen / was wir nach unsers Herrn Vaters Tode (welchen Gott ja lange verhüten
wolle) dereins sein sollen / dass wir noch zur Zeit nicht begehren. Hierauff
kehrete sie sich umb nach dem Heer / und redete dasselbe also an: O ihr
unüberwindlichen Teutschen! wie könnet ihr mit geduldigen Ohren anhören / dass
euer GrossFürst / der euch bisher so wohl und redlich vorgestanden / sich euer gar
abzutuhn vorhabens ist? lieber gebet nicht zu / dass durch seine abdankung eure
schuldige dankbarkeit gehindert werde / welche zuerzeigen ihr nach
eingepflanzetem Recht gehalten seid; deswegen helffet mir und meinem Gemahl
bitten / dass euer GrossFürst /der euch bissdaher so wohl geschützet / den
Reichsstab in der Hand behalten / und ja nicht ablegen möge. O ruffet ihm den
Nahmen eines Königes zu / dz wie ihr dem Bömischen / Frisischen und andern
umliegenden Königreichen weder an Macht noch Adel / noch weitleuftigkeit ichtwas
bevorgebet / auch an der Benahmung nicht geringer seid / weil eure Voreltern von
undenklichen Jahren her / unter Königen gelebet haben. Sehet da; werdet ihr
helffen / dass meine Bitte haften kann / will ich dem ganzen Teutschen KriegsHeer
durch die Bank hin ein Denkgeschenk austeilen /und einem jeden ohn unterscheid
zwo Kronen einreichen lassen. Die KriegsObersten liessen sich hierzu leicht
bereden / traten vor den Elefanten / und fing ein vornehmer Herr unter ihnen
also an: Grossmächtigster / unüberwindlicher GrossFürst / gnädigster Herr und
Landes-Vater; wie gnädig eure Hocheit sich gegen uns seine ungehorsame
Untertahnen hat erzeiget / und nach erlassung aller misshandelung und Straffe /
ihren geliebten Herr Sohn den unvergleichlichen Held /GFürst Herkules / uns zur
höchsten Obrigkeit vorstellen wollen / werden wir Zeit unsers Lebens zu preisen
Ursach haben / und doch nimermehr gnug preisen können. Ob nun zwar an ihre
Hochfürstl. Durchl. unserm gnädigsten Grossfürsten / Herrn Herkules wir im
geringsten nit zu tadeln haben / sondern bekennen müssen / auch willigst
bekennen / dass seine preisswirdige Tahten des ganzen Teutschen Nahmens Ehre sein
und ewig bleiben werden / so ist doch auff dessen / wie auch der
unvergleichlichen Grossfürstin und Frauen / Fr. Valiska / inständiges begehren /
an Eure Hocheit unser aller flehendliches suchen und untertähnigstes bitten /
dieselbe wollen ihren Untertahnen nicht so schleunigst aufdanken / sondern
denselben etwas Zeit gönnen / dass vor erzeigete väterliche Gnade sie ihr
dankbegieriges Herz in etwas sehen lassen können. Damit aber Eure Hocheit sehe
und gnädigst merke / wie genehme derselben Vortrag uns allen sei / so
verpflichtet sich hiemit und Krafft dieses / das TeutscheReich / dass wir seine
Grossfürstl. Durchl. Herrn Herkules nicht weniger ehren / fürchten und lieben
wollen / als ob er schon auff dem Reichs Stuel sässe / aber doch / wie schon
erwähnet / wollen ihre Hocheit wir untertähnigst und demühtigst nochmahls
ersuchet haben / dieselbe wolle bei Lebzeit /den ReichsStab nicht aus den Händen
legen. Schliesslich zeigt der Adel und die ganze Gemeine an / dass sie nach
diesem nicht mehr zugeben können / dass ihre Hocheit den Nahmen eines Grossfürsten
/ sondern Königes der Teutschen führe / wie denselben ihrer Hocheit Vorfahren
vor langen Jahren / nicht ohn Schrecken der Feinde geführet haben; erklären auch
hiemit dieselbe vor ihren König / wie dann seine Durchl. Grossfürsten Herkules
gleicher Gestalt vor ihren schon erwähleten und bestätigten König; als auch die
beiden Durchl. Grossfürstinnen und Frauen / Fr. Gertrud /und Fr. Valiska vor ihre
allergnädigste Königinnen. Worauff das Geschrei wüste durcheinander ging / da
etliche den beiden Königinnen Glük / Heil / Friede /Gesundheit und langes Leben
zurieffen / dass der Redener sein Wort nicht ausführen kunte / welcher willens
war vor das von Fr. Valisken angebohtene Gnadengeschenk untertähnigst zudanken /
und Könige Baldrich im Nahmen der Teutschen Stände zu der Friesischen Kron Glück
zu wünschen. Der alte Grossfürst sah nunmehr / dass er seinen Vorsaz nicht kunte
zu Werk richten / und gab sich in des Landes und seiner lieben Kinder Willen.
Das übrige dieses Tages ward mit aller Fröligkeit zugebracht / und sah man
seinen wunder / wie die Teutschen Völker eine solche unzählige Anzahl Kränze /
in Gestalt Königlicher Kronen von Laub / Grass / Korn / Kräutern / Blumen /und
was sie haben kunten / flochten und herzu trugen / dass sie bei unterschiedlichen
Hauffen in die zehn Ellen hoch / und eins so breit aufeinander lagen. Die
Fürstlichen Häupter hielten sich in einem grossen Zelt beieinander / da König
Baldrich (weil sie von dem ergangenen Wendischen Kriege ihr Gespräch hatte) zu
Königin Valisken sagete: Wann der allerhöchste Gott diese Welt und alle
Königreiche mit Väterlichen Gnaden-Augen ansehen / und sie mit einander zum
Christentuhm bringen möchte / alsdañ würde ohn Zweifel zuhoffen sein / dass Krieg
und Unfriede würde auffhören / und durchgehends vertrauliche Christliche
Einigkeit gestifftet werden / nachdem unser Heiland seinen Jüngern und gläubigen
in seinem heiligen Worte einen so gar ernstlichen Befehl erteilet hat / dass sie
sich untereinander lieben / und nit allein alle ungebührliche Feindschaft
ablegen / sondern man auch seinen Feinden gutes tuhn / und dem Beleidiger alle
Freundschaft und Liebe-Dienste erweisen solle / welches alsdann ein jeder /
hohes und niedriges Standes würde müssen in acht nehmen / wo er sonst nicht
wollte vor einen Unchristen gehalten sein. Valiska schwieg auff solche Rede ein
wenig stille / bald hernach sagte sie zu Herkules: Ich muss bekennen / dass mein
lieber Bruder / König Baldrich sehr wohl und vernünftig geurteilet hat / und
halte ichs mit ihm / dass wann die Christliche Lehre durch alle Welt wird
angenommen / und das Heidentuhm auffgehaben sein / wie man ja dazu überaus
grosse Hoffnung hat / alsdann werde nicht allein das unbefugte
BeleidigungsSchwert / sondern auch das eigentähtliche RachSchwert zubrochen /
und aus der Welt verbannet werden. Aber Herkules gab ihr diese Antwort. Ja mein
trauten Schatz / so müste es zwar billich sein /wañ nach algemeiner Einführung
des Christlichen Glaubens ein jeder / wes Standes er sein möchte / seinen
Glauben mit seinen Werken zuzeigen gefliessen sein würde. Aber meint  ihr dann /
dass der hellische Friedenstörer alsdann schlaffen / und die Menschen
/insonderheit / hohe weltliche Häupter unangefochten lassen werde? Es hat ja der
Sohn Gottes uns viel ein anders zuvor gesaget / dass nehmlich am Ende der Welt /
oder in den lezten Zeiten man noch am allermeisten von Kriegen und
Kriegsgeschrei hören werde; welches ohn zweifel von den Christen selbst
zuverstehen ist / wann alle Welt soll Christlich werden. Valiska antwortete
hierauff: Je was werden dann diese wohl vor Christen sein / welche wider ihres
Heilandes Befehl und Willen so vorsezlich zuhandeln /uñ öffentliche Beledigungs
Kriege anzufahen sich nicht scheuhen werden? Ach mein Seelichen / sagte er
hierauff; weiss sie dann nicht / dass heut schon unter den Christen viel gefunden
werden / welche sich zwar zur Kirchen Gemeinschaft bekennen / und nicht desto
weniger einer und anderer Bosheit ihre Seele gewiedmet haben? Betrachtet nur den
schänd- und schädlichen Lehr-Krieg / welcher von den Ketzern in der Kirche
geführet wird / die sich alle vor Christen angeben / und dannoch biss auffs
äusserste sich katzebalgen. Es werden aber / sagte Valiska / die Christlichen
Lehrer und hohen Häupter der Kirchen wohl durch ihr einreden und vermahnen / die
unbefugten Kriege können hintertreiben / und durch angeführte Ursachen /deren
sie aus Gottes Wort mehr als tausend zunehmen haben / die Könige und Fürsten zu
friedliebenden gedanken bewägen. Ja / sagte Herkules / wañ dieselben allemahl
möchten gehöret werden. Wie soll aber ein grosser König oder Fürst es machen /
wann er von einem andern seines gleichen heftig und hart beleidiget wird? soll
er darzu stille schweigen / und solche Unbilligkeit zustraffen allerdinge
vergessen sein? Valiska / nach kurzem stilleschweigen und tieffem nachsinnen /
gab zur Antwort: Es müsten alle Könige und Fürsten / die niemand vor ihren Obern
/ als Gott und das Schwert erkennen / dieselben / sage ich / müsten vermöge
ihrer geistlichen Gemeinschaft dessen einig sein / dass wann einer ihres Mittels
/ einem andern unrecht tuhn / oder sonst tähtliche Beleidigung anfüge würde /
die andern sich alsbald darein mischen / und beiden Teilen aufflegen müsten /
dass sie der übrigen allen Machtspruch sich unterwerffen / und der Beleidiger
endlich dem Beleidigten gnugsame Erstattung leisten müste. Würde aber der eine
Teil sich dessen wegern / so dass der beleidigte nicht wollte ohn Rache sich
lassen befriedigen / oder der Beleidiger seinen Fehler nicht wollte erkennen noch
verbessern / als dann stünden die übrigen alle an des Friedfertigen Seite / und
zwünge den Kriegsüchtigen zur Billigkeit. O mein Schaz / antwortete Herkules /
wie schwerlich würde sich dieses werkstellig machen lassen. Der eine würde einen
Verwanten / einen sonderlich gewogenen Freund / einen geträuen Nachbar haben /
umb dessen Beistand er sich würde bewerben / und dadurch unter allen Königen
Uneinigkeit machen / dass sie leicht in zween Hauffen ritten / und beide
streitende Teile ihren Anhang hätten / worauff es über uñ über gehen / und der
böse Friedenstörer der leidige Satan keine bessere gelegenheit ihm wünschen
könnte / die ganze Christenheit aneinander zuhetzen; da er sich insonderheit
würde bemühen / der Könige ihre hohen Bedienete zum Geiz zuverführen / durch
dessen getrieb sie von den Gewalttähtern würden Geld nehmen / und mit Judas
Ischariot wohl ihre Herren gar verrahten. Dann wo der Geiz herschet / oder die
Geizigen gewalt und gehör habe / da hat Satan seine geträuen Leute im Spiel /
durch welche er seinen Vorsaz / das ist / Krieg und Mord leicht erhalten kann.
Sonsten gestehe ich gerne / dass wann die ganze Welt zum Christlichen Glauben
gebracht währe / und ein jeder König oder grosser Herr sein Gewissen in acht
nähme / insonderheit aber dessen sich erinnerte / dass er am grossen algemeinen
Gerichts Tage / von alle dem Blute / welches auf seine Veranlassung vergossen
ist / Rechenschaft geben müste / würde Satan nicht so leicht können blutige
Kriege anzetteln / es währe dann / dass einer oder ander König das Christentuhm
im Munde /und des bösen Teufels Willen im Herzen führen möchte. Zugeschweigen /
dass zwischen etlichen Ländern und Völkern eine solche eingewurzelte Feindschaft
ist / dz deren Vergleichung und Liebe scheinet eine lautere Unmögligkeit sein.
Ladisla redete mit darein / weil er sah / dz seine Schwester hieselbst eine
geraume Zeit ihre Antwort hinter hielt / uñ sagte: Ich vor mein Häupt will diesen
Sachen so weit nicht nachdenken / nur möchte ich gerne berichtet sein / ob dann
keinem Christlichen Könige von Gott zugelassen sei / einigen Beleidigungs Krieg
anzufahe; dann dass er sich und seine Untertahnen wider frevelmühtige Anfälle wohl
schützen / und gewalt durch gemalt abtreiben dürffe / daran will ich schier nicht
zweifeln /demnach wir ja in Gottes Worte lesen / dass recht fromme gottselige
Könige und Obrigkeiten / zeit des Alten Bundes / das Schuz Schwert mit gutem
Gewissen / ja wohl gar auff Gottes Befehl das Rach Schwert ergriffen / und dessen
glücklich gebraucht haben. Diese Frage / mein geliebter Bruder / kann viel
leichter erörtert werden / sagte Herkules; Und ist diss meine Meinung / dass so
lange einiger beleidigten Obrigkeit der Weg Rechtens offen stehet und gegönnet
wird /kann sie mit gutem Gewissen keinen Krieg ansahen noch führen / man möge den
Krieg auch täuffen wie man will. Solte aber dem beleidigten aller Weg Rechtens
verlegt und abgeschnitten werden / dann wird derselbe nicht zuverdenken sein /
wann er mit dem Schwerte suchet / sich der Unbilligkeit und gefahr zuentschütten
/ oder auch sein Recht zusuchen. Wiewol eine Christliche Obrigkeit alle und jede
Umstände vorher wohl und fleissig zuerwägen hat / ehe sie den Harnisch anleget.
Insonderheit muss alsdann solche Obrigkeit sich hüten / dass sie sich nicht lasse
zu einer grösseren Rache verleiten / als die eingenommene Beleidigung erfodert;
noch unschuldig Blut vergiesse /da sie dessen kann geübriget sein. Dann Menschen
Blut ist vor unserm Gotte sehr teuer und wert geschätzet / und mag eine jede
Obrigkeit sich dessen wohl versichern / dass wann dieselbe Krieg und
Blutvergiessen veranlasst / sie vor dem hohen Gericht des Allerhöchsten Gottes
von solchem unschuldig vergossenen Blute wird Rede und Antwort geben müssen; Und
O weh denen / die solches nicht vor ihres Lebens Ende erkennen und rechtschaffen
bereuen; dene wird Gottes Strafhand gar zu schwer und unleidlich fallen.
Betreffend die grossen und blutigen Kriege / welche Moses /Josua / David und
andere wider die Ungläubigen geführet haben / damit hat es seine sonderliche
Beschaffenheit; dann weil solche heidnische Völker / wider welche diese Kriege
geführet wurden / durch ihre übermachte Sünden es dahin gebracht hatten / dass
Gott über sie die Straffe der Ausrott- oder Vertilgung beschloss / und solches
sein Gericht an ihnen zuverüben diesen seinen fromen Dienern anbefahl / waren
solches keine menschliche / sondern des HErrn Kriege / wie sie auch in Gottes
Wort genennet werden / über welche alhie kein Mensch seine Urtel fellen /
sondern mit König David sagen muss: HErr du bist gerecht /und deine Gerichte sind
gerecht. Sonsten dass unser Gott kein gefallen an dene Kriegen haben könne /
welche unter Christen geführet werden möchten / solches wird wohl niemand in
Zweifel zihen / es währe dann / dass er Gottes Wort und Warheit wollte zu Lügen
machen; Dann was der grosse Lehrer Paul den Christen insgemein gebeut / da er
spricht: Ist es möglich / so viel an euch ist / so habt mit allen Menschen
Friede. Und der Sohn Gottes: Selig sind die Friedfertigen / dann sie werden
Gottes Kinder heissen; solches ist nicht allein den Untertahnen / sondern auch
der Obrigkeit angesagt / und stehet an statt eines gnugsamen Beweisstuhms / dass
alle Kriege / deren man irgend kann müssig gehen / den Gläubigen keines weges
erläubet sind; haben auch solche Kriegsüchtige schon die gedräuete Straffe / dass
sie Gott zustreuen wolle. Sie wurden endlich in dieser Unterredung verstöret
/weil bei den Völkern ein überaus grosses Geschrei sich erhub / dessen ursach zu
erfahren sie aus ihrem Gezelt hervor gingen / und sahen / dass etliche hundert
Mann einen Kranz von Grass / Korn / Laub und Blumen hinzu trugen / in solcher
grösse und weite / dass alle Fürsten sich dessen verwunderten; weil alle Träger
in dessen Kreise stehen / und darinnen rings umher gehen kunten. Es wahren aber
lauter Friesische Untertahnen / welche ihn gemacht hatten / brachten auch
denselben ihrer neuen Königin Fr. Lukrezien herzu / legten ihn zu ihren Füssen /
und wünscheten ihr so mannichen glücklichen Tag / als Blumen / Grass / Kornhalme
und Laub an diesem Kranze währen. Welches ihr Gemahl / König Baldrich mit guter
Freundligkeit beantwortete / und allen Trägern eine sonderliche milde Gabe
versprach. Sie machten sich darauf wieder in ihr Gezelt / uñ suchten durch
allerhand Unterredungen sich zuergetzen; aber es wollte dañoch die Fröligkeit bei
den Königl. Häuptern nit volkomen sein / wegen der eingemischeten Trauer- uñ
Leidgespräche / welche von dem verlorne Fräulein /bald von einem bald vom andern
angeführet wurde; da insonderheit die liebe Mutter sich imerzu ängstete /und
sich gar nit wollte bereden lassen / dz sie añoch im Leben sein sollte /
insonderheit als ihr um dieselbe Zeit im Schlaffe vorkam / wie sie zwei tieffe
Wasser sähe / in deren einem ihre liebe Tochter biss an de Hals wadete / uñ
mañichmahl gar unter die Welle kam; in dem andern aber Fürst Arbianes noch
grössere gefahr ausstund / weil unterschiedliche ungeheure Fische auff ihn
ansetzeten / und ihn zuverschlingen dräueten. Sie erzählete solches ihren lieben
Kindern nicht ohn Trähnen / welche daher auch wenig gutes zu deuten wussten / ohn
dass Königin Valiska sie versicherte; es währe ihrer Gn. Fr. Mutter dieses
zweifels ohn noch zum troste von Gott also vorgestellt / massen sie daher die
sichere Hoffnung fassete / dass sie noch beiderseits im leben / aber in
unterschiedlicher Gefahr / auch wohl von einander getrennet sein möchten. In
welcher Auslegung sie dann nicht umb ein Haar fehlete. Des andern Tages nach der
geendigten Fehde liess Baldrich seine Friesen wieder zurück gehen / gegen welche
er sich gebührlich bedankete / uñ wegen geträuen beistandes ihnen alle
Königliche Gnade versprach / neben der Verheissung / dass allen die ihm zugezogen
währen noch ein halbes freies Jahr / nach dem schon versprochenen ganzen Jahre /
sollte geschenket sein; über welche mildigkeit sie sich zum höchsten verwunderte.
Er behielt aber auff Herkules gutachten deren 9000 bei sich / die er biss nach
Prag mitführen sollte / ob etwa der Teufel auch in Böhmen los werden wollte / dass
man einen nohtschuz bei sich hätte / und wurden dieselben mit den 6000 Wenden in
ein Heer zusammen gesezt / doch dass jede Landes-Art ihre eigene Befehlichshaber
und Geschwader hatten. Die Teutschen mussten gleicher gestalt ausser 12000 /alle
miteinander nach hause gehen / die genennete aber bei ihren nunmehr bestätigten
Königen bleiben /da alles Volk nebest den Pfaffen angeloben mussten /dass sie von
der Christen Gott und ihrem Glauben nichts spöt- oder verächtliches /
vielweniger lästerliches reden wollten; dagegen sollten sie in ihrem Gottesdienste
auch ungestöret / unangefochten und unbespottet bleiben; wiewol einem jeden
Untertahnen freistehen sollte / wann ihm aus ungezwungenem freien willen belieben
würde / den Christlichen heiligen und allein seligmachende Glauben anzunehmen /
wiewol gar wenig sich anfunden / deren Herz von Gottes Geiste zu solcher
heilsamen Bekehrung gerühret ward /so gar wahren sie in ihrem heidnischen Irtuhm
und väterlicher gewohnheit ersoffen. Als sie sich auff den Weg nach Magdeburg
begaben / säumeten sie auff der Reise nicht lange / und behielt Ladisla umb
mehrer sicherheit willen / alle seine Böhmen bei sich / biss sie zu Magdeburg
anlangeten / da mussten sie alsbald fort nach ihrer Heimat gehen / jedoch 9000
bei ihrem Könige verbleiben. Weil nun hieselbst auff fleissige Nachfrage kein
Mensch das allergeringste von dem verlohrnen Fräulein zu sagen wusste (dann die
Mutter hatte Hoffnung gehabt / hieselbst etwas zuerfahren) da ging das Herzleid
von neuen bei ihr an / so dass sie alle Hoffnung verlohr / sie Zeit ihres lebens
wieder zu sehen / drunge auch stark darauff / dass man ihres todeswegen die
Trauer anlegen sollte / welches sie aber nicht erhalten kunte. Ihr Hoffgesinde /
so dem Heidentuhm annoch ergeben wahr / sucheten vor sich selbst bei ihren
Pfaffen an / aus den Opffer-zeichen oder anderen üblichen nachforschungen ihnen
anzumelden / wie es mit dem Fräulein möchte beschaffen sein / dann sie ward von
hohen und nidrigen wegen ihrer Demuht und Frömmigkeit überaus heftig geliebt;
aber es wollten die Pfaffen sich weder durch schenkungen noch verheissung bewägen
lassen / das allergeringste davon zu melden / aus furcht / sie würden ihre
Obrigkeit dadurch beleidigen / weil ihnen bewust wahr / dass die Christen solches
alles vor ein Affenwerk und Narrentand hielten. Ladisla währe gerne bald wieder
zu Prag gewest / aber König Henrich wollte ihn vor seiner und seines Sohns
Herkules beschehener Krönung nicht lassen / welche des neunden Tages nach ihrer
Ankunft angesetzet wahr / und die Teutschen ädlen / so vor aus gezogen wahren /
solches durch das ganze Land ausbreiten mussten. Herkules liess seine und seines
Gemahls Krone bei schneller Botschaft von Prag hohlen / nebest etlichen Tonnen
Goldes Barschaft / vielen Kleinoten / und 50 Fuder der mitgebrachten
köstlichsten Italianischen und Griechische Weine / ward auch eine herrliche Bahn
zum Ringelreñen vor dem Schloss angeleget / und bemüheten sich die Jäger
allerhand Wildbrät herbei zuschaffen / da die Fürsten selbst alle Tage dem
Weidewerk oblagen. Der Ausschuss von den Landständen stelleten sich gebührlich
ein / aber über dieselbe eine solche menge Volkes / welche der Königlichen
Krönung zusehen wollten / dass umb das Königliche Schloss her von allen seiten fast
eine halbe Meile Zelten und Hütten auffgerichtet wurden. König Henrich und
Herkules wurden mit der Kron gekrönet / welche der Käyser selbst unserm Herkules
zu Padua auffgesetzet hatte / die beiden Königinnen aber mit Valisken Kron /
welche sie eben an dem Ort hatte empfangen / und ist unmöglich zubeschreiben was
vor ein Freudengeschrei dabei getrieben ward. Man warff ganze Säcke vol
Silbergeld / und ganze Tonnen vol güldener Münze bei der Krönung aus / dessen
man dazumahl in Teutschland allerdinge ungewohnet wahr / und legten die
einfältigen Bauern solches also aus /als wann sie es nur auflesen / und alles
wieder einliefern müsten. Wie sie aber ein wiedriges vernahmen /dass ein jeder
behalten sollte / was er ergriffen hätte da speiete sich mannicher selber an /
dass er das auffgelesene andern hingereichet hatte / und doch nicht wusste wem. Ja
etliche durften fragen / wie viel Tage solches Geldaussäen wehren würde. Bei der
Königlichen Gästerei ging alles prächtig zu / nur dass die rechte Kunstweise zu
Singen und auff Seiten zu spielen /von König Henrich an seinem Hofe annoch nicht
angeordnet wahr / daher nach gehaltener Mahlzeit Valiska an dem obersten Tische
mit ihrer Lauten sich lustig machete / da die anwesende Abgeordente von den
Ständen hinzudrungen / dem herrlichen Spielwerk und eingerichteten Gesange
zuzuhören / gleich als sie den 45sten Psalm des Königes David in einer
lieblichen Weise sang / welcher also lautete.
                                Der XLV. Psalm.
                                       1
Wie treibet mich mein Herz und Sin /
Und reisst mein Vermögen hin /
Ein Lied ein feines Lied zu tichten /
Vom Könige will ich zurichten
Den aller lieblichsten Gesang;
Gleich wie ein schneller Schreiber führet
Die Feder / die er richtig spüret /
Sol klingen meiner Zungen Dank.
                                       2
Du bist der allerschönste Mann /
Der unter Menschen leben kann /
Dess Lippen auch von Honig fliessen;
Drum wird dich Gott zusegnen wissen
Mit Freud und Wollust für und für.
Du starker Held in Unglücks Zeiten /
Dein blankes Schwert gürt an die Seiten /
Und schmücke dich mit Pracht und Zier.
                                       3
Recht / dass der Streit und Kampf dir glückt /
Weil du so prächtig bist geschmükt.
Fahr her zu uns auff deinem Wagen
Der Wahrheit / und las dir behagen /
Was Sanftmuht und das Recht begehrt;
So wird die Stärke deiner Rechten
Dich wunderbahrlich lehren fechten
Zu wieder dem der dich beschwehrt.
                                       4
Scharff und durchdringend ist dein Pfeil /
Und stränger als kein Donner Keil /
Kein Volk mag dessen Schuss ertragen;
Zur Erden werden sie geschlagen /
Da wo der Feinde Schaar sich hält.
Dein Stuel O Gott kann nicht vergehen /
Dein Reichs Stab muss gerader stehen
Als wohl kein ander in der Welt.
                                       5
Gerechtigkeit die hältstu wert /
Und hassest den / der Gottloss fährt /
Es muss ihm fehlen allentalben /
Drum hat dein Gott mit solchen Salben
Dich Gott und Herscher schön geschmiert /
Die Fröligkeit in uns entzünden /
Mehr als die sich bei dir empfinden /
So treflich bistu aus geziert.
                                       6
Es riechen deine Kleider ja
Wie Aloes und Kasia /
Und wie die Myrren / wo du stehest /
Und her aus grossen Häusern gehest
Von Elffenbeinen auffgebaut.
So tritstu her in deinem Prangen /
Wie solchen Schmuk auch um sich hangen
Die Königs-Töchter und die Braut.
                                       7
Zur rechten Seiten steht sie dir
In aller reinster Goldes Zier /
So gut als mans aus Ophir bringt.
O schönste Tochter / was hier klinget /
Da hör und sihe du nach aus /
Neig her die Ohren: Unterdessen
Must deines Volkes du vergessen
Und deines lieben Vaters Haus.
                                       8
So wird der König allemahl
Dich lieben wie sein Einig-Al /
Und deiner Schönheit stets begehren.
Er ist dein HErr / den mustu ehren /
Und ganz demühtig vor ihm stehn.
Die Tochter Zor wird Gaben bringen /
Und Reiche werden zu dir dringen
Dass sie vor deinen Augen flehn.
                                       9
Der Königs-Tochter schöner Pracht
Ist innerlich vor höchst geacht /
Mit gülden Stük ist sie geschmücket /
Und ihre Kleider sind gesticket;
So wird sie an den König bracht;
Das Frauen Zimmer auch daneben /
Die ihr zu Dienst Gefärten geben
Sind allesamt in deiner Macht.
                                       10
Die Heimfahrt ist mit Lust geschehn /
Ins Königs Hoff siht man sie gehn.
Du wirst viel schöner Kinder säugen
An Väter statt / und Fürsten zeugen
Der ganzen Welt. Zu aller Zeit
Wil deines Nahmens ich gedenken /
Drum werden dir die Völker schenken
Sehr hohen Dank in Ewigkeit.
Die heidnischen Zuhörer verstunden dieses Gesanges Inhalt ganz nit / meinten /
es währe von eines irdischen Königes Tapferkeit und Heirat getichtet / und
hatten mehr gefallen an der gesanges Weise / als an den Worten. Ihre Fr. Mutter
selbst / die alte Teutsche Königin / zweifelte / worauff sie zielete / deswegen
Valiska mit lauter Stimme zu ihr sagete: Gn. Fr. Mutter; dieser Gesang ist
nichts anders / als ein Geistliches Lied / welches ein geistreicher weissagender
König des Israelitischen Volkes / nahmens David /unserm Heilande und Erlöser
Jesus Christ / uñ der glaubigen Christlichen Kirchen zu ehren getichtet hat /
mehr als 1000 Jahr vorher / ehe derselbe unser Heiland seiner Menscheit nach an
diese Welt geboren ist / dañ der heilige Geist Gottes hat ihm solches
eingegeben / er aber hat es auffgesetzet den damahligen Gläubigen zu trost / dass
dieser versprochene Himmels König gewisslich kommen und nicht ausbleiben würde /
wie lange sichs gleich damit verzöhe; Und rühmet alhie der Tichter den Sohn
Gottes als einen himlischen Bräutigam seiner gläubigen Kirchen / wie derselbe so
schön / freundlich-beredsam / mächtig und gerecht sei; seine Braut aber / dass
dieselbe auch von ihrem Bräutigam treflich ausgeschmücket sei /durch welchen
Schmuk die iñerliche Zierligkeit des Glaubens / der Hoffnung / Liebe / Geduld /
und anderer Christlichen Tugenden verstanden wird; dañ vor dem heiligen Gotte
gilt kein äusserlicher Pracht von Gold / Perlen und ädlen Steinen / sondern ein
Herz /welches sich von den sündlichen Werken des Fleisches und von der Liebe der
üppigen Wollust abzeuhet / und hingegen seinen Gott sich zu allem Gehorsam
ergiebet. Diese Rede höreten alle im Saal versamlete Heiden mit grosser
befremdung an / und begunten etliche zu sagen: Wañ der Christen Glaube also
beschaffen währe / dass er nur zur übung der Tugenden anführete / so müsten es
gottlose Verleumder sein / die den Christen alle Freiheit zur Sünde uñ Schande
aufbürdeten. Herkules nam auff seiner Fr. Mutter begehren die Laute auch zur
Hand / und gab ihr zuvernehmen wie bereit er währe ihr zugehorsamen / nebest
anzeige / er wollte ein Lied hören lassen /in welchem angezeiget würde / was vor
einen herrlichen und kräftigen Trost eine gläubige Seele daher zunehmen hätte /
dass dieser unser himlischer Bräutigam JEsus Christ seiner Menscheit nach erhaben
währe / und zur rechten der Kraft Gottes im Himmel sich gesetzet hätte; da er
dañ nach einem und anderem kurzen Vorspiel (umb die reinstimmung der Lauten
zuvernehmen) dieses Lied erschallen liess.
                                  Seelen-Trost
 Uber unsers zur Rechten Gottes sitzenden Heilandes Vertretung seiner Gläubigen
                                   bei GOtt.
                                       1
GOtt Lob! das Heil ist wieder bracht /
Die Noht ist überwunden;
Weil JEsus Christ in grossem Pracht
Sich hin zu Gott hat funden
Dann weil er nun im Himmel sitzt /
Und kräfftig seine Schaar beschützt /
Ist sie der Angst entbunden.
                                       2
Der schwarze Satan stund vor Gott /
Der uns sehr hart verklagte;
Die Sünde macht' uns grosse Noht /
Die das Gewissen plagte;
Der Tod trat her mit vollem Lauff /
Die Helle taht den Rachen auff /
Dass alle Welt verzagte.
                                       3
Der Eifer Gottes brante sehr /
Gesetzes Spruch wahr herbe;
Die Urtel drükte gar zu schwehr /
Wer sündiget der sterbe;
Dann Missetaht kann anders nicht /
Als dass sie stürzet ins Gericht /
Und raubt des Himmels Erbe.
                                       4
Wie wiltu armer Sünder dann
Der Hellen Pein entgehen?
Kom schaue deinen Heiland an /
So wirstu wohl bestehen;
Der dir zur Rettung ist gesand /
Sizt hoch zu Gottes rechten Hand /
Da horet er dein flehen.
                                       5
Daselbst vertrit er dich mit Krafft
Und reinigt dich von Sünden.
Umsonst sucht Satan deine Hafft /
Dann Christ will dichs entbinden.
Der Tod zeucht seine Klauen ein /
Die Helle muss verstopfet sein /
Und was dich quählt / verschwinden.
                                       6
Dein JEsus stillet Gottes Zorn /
So gross ist sein vermögen;
Bricht des Gesetzes steifes Horn /
Und macht aus Urtel Segen;
Ja alle deine Missetaht /
Die Gottes / Grim erwecket hat /
Muss sich in Abgrund legen.
                                       7
Was fürchtestu O Sünder dann /
Was stehestu in Zagen?
Nur schaue deinen Heiland an /
Der deine Schuld getragen;
Der ist / so weit der Himmel geht /
Hoch über Engels-Krafft erhöht /
Mehr als wir können sagen.
                                       8
Dein Fleisch O Mensch / herscht überal
In JEsus deinem HErren /
Darum bewäget dich kein Fal /
Er sei nah oder ferren.
Wer könt uns doch / wo JEsus Christ
Dein Bruder Ober Meister ist /
Die Himmels Tühr versperren?
                                       9
Er ist des Vaters liebster Sohn /
Dem Gott noch nichts versaget;
Durch sein Verdienst ist aller Hohn
Gott Lob / vor uns gejaget;
Als er vor uns sein teures Blut
Vergossen hat mit grosser Fluht /
Und sich in Tod gewaget.
                                       10
Der herschet nun mit voller Macht
Als Gott und Mensch zusammen;
Und weil er uns zum besten wacht /
Wird uns wohl nichts verdammen;
Der Teufel sei noch eins so gross /
So gibt ihm JEsus doch den Stoss
Und wirfft ihn in die Flammen.
                                       11
Uns aber will er nach dem Tod'
Aus Gnaden zu sich zihen /
Und schaffen / dass wir aller Noht
Durch seine Hulff' entfliehen.
Drum trit zu diesem JEsus her /
So wird dein Heil je mehr und mehr
Auff wachsen und vol blühen.
                                       12
Ach ja / du süsser JEsus Christ /
Der du hinauff gestiegen /
Und Herscher über alles bist /
Lass uns nicht unter liegen.
Vertrit dein armes Häuffelein /
Und gib / das wir nach dieser Pein
Uns hin zu dir verfügen. Amen.
Es ist ein überaus grosses / sagte seine Fr. Mutter nach dieses Liedes Endigung
/ dass ein armer sündiger Mensch von dem allerhöchsten Gott die Freiheit hat
/sich in seinen Nöhten zu ihm durchs Gebeht hinzuwenden / und dessen hohe Kraft
zu seinem besten zugebrauche. Zwar ich habe zeit meines Heidentuhms ja auch wohl
die Hoffnung gehabt / meine damahlige vermeinte Götter würden zeit der Noht bei
mir stehen / und mir Rettung widerfahren lassen / aber keine Zuversicht / kein
Vertrauen wollte sich dabei eräugen /und wahr nicht viel anders / als wann mich
der kalte Schweiss erwärmen sollte. Ja gn. Fr. Mutter / antwortete Königin
Valiska; wie kann man trauen / da kein grund ist? Wie kann man auff den Trieb Sand
fest bauen? Ich muss ja vorhin in meiner Seele dessen versichert sein / dass
derselbe warhaftiger Gott sei / der mir helffen soll / ehe ich mich versichern
kann / dass ich die gewisse Hülffe von ihm zugewarten habe. Ja ich muss zuvor auch
wissen / ob derselbe geneigt und willig sei mir zuhelffen / zu dem ich meine
Zuflucht nehmen soll. Dann wo es an diesem gedoppelten Grunde mangelt / da ist es
dem listig-verschlagenen Teufel ein leichtes / des Menschen Herz aller
Zuversicht zuberauben / und die völlige Verzweifelung ihm beizubringen. Ja es
hat noch Mühe gnug / dass ein gläubiger frommer Christ vor den Anfechtungs
Pfeilen dieses Hundert-Tausend-Künstlers gesichert bleibe /deren freilich die
Heiligen Kinder Gottes / als lange sie in dieser gebrechligkeit wallen / nicht
können allerdinge entoben sein; massen dieser Feind unserer Seligkeit ein
unverschämter Gast ist / und sich lieber einstellet / da er nichtgeladen wird /
als da er seine Stelle schon weiss. Jedoch sind wir in der SchuzHand unsers
Almächtigen Gottes / der uns mit seinem GnadenSchilde decket / dass die
Anfechtungs-Schüsse leer und ohn Blut abgehen müssen. Aber uns lieget inzwischen
ob / Gottes Barmherzigkeit hierüber inbrünstig anzuruffen / und dabei uns
fleissig zuhüten / dass wir nicht durch unsere Sicherheit und üppiges getrieb den
Schuz Gottes von uns wenden / und dem Versucher uns unbewaffnet darstellen. Wann
wir nun hieselbst das unsere nach Vermögen tuhn / und mit Furcht und Zittern im
Glauben unsere Seligkeit wirken / ob wir gleich zuzeiten aus Fleisches
Schwacheit straucheln /will doch Gott darumb nicht alsbald die Hand gar abzihen /
sondern auf ergangene Bereuung gnädig sein /und gerne wie der auffhelffen. Ich
erinnere mich / dass meine gn. Fr. Mutter mir schon mehr als einmal ihres Herzen
Anliegen zuverstehen gegeben / dass sie den Anfechtunge nicht allemahl zusteuren
wisse; aber wir müssen den Teuffel nicht zuviel hofiren / noch auff alle seine
Einwürffe uns zur Verantwortung einlassen / sondern uns auff unsers Gottes
Barmherzigkeit und seines lieben Sohns Verdienst beruffen / alsdann wird der
Heilige Geist seinen kräfftigen Trost in unser Herz fest einsenken / dass Satan
mit allen seinen Versuchungen zu schanden werden muss. Meine herzgeliebte Fr.
Tochter hat mir vor etlichen Tagen auff der Reise / da wir auf dem Elefanten
beieinander wahren / ein tröstliches Lied hören lassen / sagte die alte Königin
/ dessen Anfang dieser wahr: Ach wie angst ist unser Seelen / wann der Teufel
auff uns sticht; und möchte ich dasselbe noch gerne einmal hören. Valiska gab
zur Antwort: Mein Herr Bruder König Ladisla hat dasselbe auffgesetzet / uñ wird
verhoffentlich seiner Fr. Mutter nicht versagen / es alsbald anzustimen. Ihr
Bruder sagte mit einem Lachen: Geliebte Schwester / du weist allerhand Mittel
zuerfinden / mich und andere zum Schuelrecht anzufodern / so dass man nicht bald
gelegenheit haben kann / die dein begehren zuversagen; nam die Laute zur Hand
/gab ihr eine andere Verstimmung / und sang dieses Lied darein.
             Umb Beistand des Heiligen Geistes zeit der Anfechtung.
                                       1
Ach wie angst ist unser Seelen
Wann der Teuffel auf uns sticht;
Wann er / Herz und Geist zu quählen /
Unser Trost-Stab gar zubricht;
Wann er seine Pfeil' ohn Ruh
Scheust auff uns Elenden zu /
Und macht uns mit seinen Waffen
Unerträglich viel zuschaffen.
                                       2
O da ist kein Trost zu finden /
Da fält alle Freude hin:
Unsre Kräffte die verschwinden /
Und der hart geplagte Sin
Schreiet lauter weh und Ach /
Lässet keine Stunde nach /
Kan die Pein nicht mehr ertragen /
Noch sein Herzleid von sich sagen.
                                       3
Geiliger Geist / du Kraft der schwachen /
Du im tunkeln helles Licht /
Wirstu über uns nicht wachen /
Wirstu uns erleuchten nicht /
So ist es um uns getahn.
Keiner ist der helffen kann /
Wann du wirst dein Heil versagen /
Und vor uns nicht Sorge tragen.
                                       4
Schau' auff uns elende Kinder;
Ohn dich sind wir Vater los
Satan bleibt wohl Uberwinder
Wann du Gott uns lässest bloss.
Heiliger Geist / beut uns die Hand /
Und feucht unser dürres Land;
Las dich als ein Schützer finden /
Und Anfechtungs-Feur verschwinden.
                                       5
Höchster Trost in allen Nöhten /
Sieh' uns arme Sünder an /
Und lass vor dich unser behten.
Nichts ist das uns retten kann /
Wann du nicht die Hand anlegst
Und den Feind zu rücke schlägst;
Nichts ist / das der Teuffel scheuhet /
Als wann deine Kraft ihm dräuet.
                                       6
Dann weiss er nicht Fus zuhalten /
Sondern muss die Flucht angehn;
Sein' Anfechtung muss erkalten /
Wann dein Heil du lässest sehn;
Wann du uns zur Seite stehst /
Und zu unser Hülff' aussgehst /
Dann so müssen seine Flammen
Ihn selbst brennen und verdammen.
                                       7
O so komm du Rettungs-Bringer.
Unsre Seele sei dein Haus.
So wird alle Noht geringer /
So reist Satan furchtsam aus /
Und des schwachen Menschen Muht
Wächset unter deiner Huht /
Dass er allem Teuffels-wüten
Und Anfechtung Troz kann bieten.
                                       8
Wir sind willig unsre Herzen
Dir zu liefern; nim sie an /
Und lass deines Wortes Kerzen /
Welches dunkel brechen kann /
Bei uns scheinen für und für;
HErr entzünde die Begier /
Dass wir gläubig zu dir rennen /
Und von heisser Liebe brennen.
                                       9
Dann soll aller Teuffel Schrecken
Uns fortin nicht schrecklich sein /
Wann wir deinen Trost nur schmecken /
Wann du zu uns kehrest ein.
Ach erhör uns Gottes Geist /
Der du heilig bist und heist;
Dann so wollen wir dort oben /
Und hie niden dich stets loben. Amen.
Herkules wollte auch eines hinzu tuhn / welches gleiches Inhalts währe / und liess
dieses erschallen:
                                       1
Wann unsre Macht des Satans List und Pfeil /
Und seine Wuht nicht kann zu rücke treiben;
Wann unser Fleisch uns selber alleweil
Verführen will / auf böser Bahn zu bleiben;
Wann Sünden-Angst zu giftig auf uns schlägt /
So dass wir uns auch vor uns selbst entsetzen;
Und unsern Geist durch Zweifelmuht erlegt /
Dass gar kein Trost ihn wieder kann ergetzen;
                                       2
Sotrit uns zu / du grosse Himmels Kraft /
Gott Heilger Geist / gib Kraft in solche Nöhten;
Las Satans Pfeil und List sein abgeschafft /
Und dass der Geist das Fleisch mög' untertrete;
Die Sünden-Angst nim gnädig von uns hin /
Dass sie uns nicht in dieser Noht erdrücke;
Hilf wieder auf und stärke Muht und Sin /
Dass unser Geist sich / HErr Gott / zu dir schicke.
                                       3
Du bist ia HErr der armen Sünder Trost /
Der schwachen Krafft / die Hoffnung der Elenden;
Wann Satans Grim auff Sie gewaltig stost /
Pflegstu die Noht in Gnaden abzuwenden.
Du richtest auf was sonst er schlagen liegt;
Dein Gnaden-Strohm erquicket matte Seele;
Dein Schutz ist / der die frommen nicht betriegt /
Vñ unser Herz frei macht von Satans quähle.
                                       4
Diss frischet uns / O höchster Tröster / an /
Dass wir nicht gar in diesem Kampf erliegen /
Den sonst kein Mensch zum Sieg' aus führe kann /
Wann wir nicht Kraft durch deine Gnade kriege.
Ach Heilger Geist / so steh uns schwachen bei /
Las deine Macht und Güte tröstlich scheinen;
Zu dir erhebt sich unser Noht-Geschrei /
Derwegen komm und rett' O Gott die deinen. Amen.
    Fürst Olaff wunderte sich / dass diese Fürsten und Valiska das Seitenspiel
und die Singekunst so wohl begriffen hatten. Sein Leibdiener ein gebohrner
Engeländer / wahr derselben auch wohl erfahren / und hatte unterschiedliche
anmuhtige Lieder aus den heidnischen Geschichten / die nicht uneben gesetzet
wahren / welches Königin Valiska wusste / und ihm die Laute reichete / den
anwesenden ädlen eines auffzumachen; Welcher in gebührlichem Gehorsam solches
leistete /und aus dem Ovidius das Getichte von dem Pyramus und der Tysbe in
diesen Reimen anstimmete:
                     Tysben Klage über ihres Pyramus Tod.
                                       1
Pyramus mein bester Freund /
Meines Lebens Sonne;
Meine Freud und Wonne /
Der mich träulich hat gemeint!
Was vor Unglück hat dich troffen?
Wer hat dich alhie ermordt?
Stilstu so mein sehnlich hoffen /
O du meiner Seelen Hort?
Wer hat dich erschlagen?
Wiltu mirs nicht sagen?
                                       2
Pyramus erhöre doch
Deiner Tysben Schreihen;
Wiltu so erfreuen
Ihr angst-schweres Liebe-Joch?
Ach was soll ich nun beginnen?
Weh O weh der grossen Noht!
Ach der Herzog meiner Sinnen
Ligt vor meinen Füssen tod!
Leiden über Leiden
Wirket Todes scheiden!
                                       3
Mein Ziel wahr in dich gericht
Und dir wahr ergeben
Mein Herz / Geist und Leben;
O freundlich Angesicht /
Wo ist deine Schönheit blieben?
Warumb bistu doch so bleich?
Das zulieben mich getrieben /
Ist nun eine todte Leich'.
O du bittre Liebe /
Darin ich mich übe!
                                       4
Dieses Schwert sei stets verflucht /
Welches hat dein Leben
In den Tod gegeben /
Vnd dein keusches Blut versucht.
Trag' ich schuld an deinem sterben /
Wie mir zeigt diss mein Kleid;
Bin mit dir gleich zuverderben
Ich ganz willig und bereit;
Wil mit meinen Händen
Gern mein Leben enden.
                                       5
Ich will dein Gefärte sein /
Vnd dich nicht verlassen
Auff des Todes Strassen;
Dieses wünsch ich nur allein:
Unsre Leiber mögen liegen
Fein in eines Grabes Raum;
Darzu will ich dieses fügen:
O du blutger MaulbeerBaum!
Deine Beerlein färbe
Blutroht / wann ich sterbe.
Valiska lobete den Tichter / und sagete zu Olaff: Solche und dergleichen
weltliche Gesänge / die weder von Göttern noch Menschen schandbahre Sachen in
sich begreiffen / sondern entweder der Warheit ähnliche Erzählungen / und
keusche Liebes-Reden / oder sonst der Tugend Lob uns vorstellen / sind mir nicht
unangenehm. Der Lauten Spieler hörete dieses / und liess folgendes noch darzu
erklingen:
                           Koridons Morgen-Seuffzer.
                                       1
Nvn die finstre Nacht ist hin /
Hoffnung hat mich jezt umfangen.
Fillis liebste Schäfferin
Bistu schon hinweg gegangen!
Warumb geh' ich nicht mit dir?
O du Sonne meines lebens /
Lieb' ich dich dann so vergebens?
Bricht dein Glanz noch nicht herfür?
                                       2
Zwar der Sonnen-Fackel wacht /
Und die Morgenröhte scheinet /
Alles Wild im Walde lacht;
Und mein Herz im Leibe weinet.
Fillis läufstu' noch vor mir?
O du Sonne meines lebens /
Lieb' ich dich dann so vergebens?
Bricht dein Glanz noch nicht herfür?
                                       3
Höre doch die Nachtigal /
Wie sie schon ihr Stimlein fuhret /
Wann sie klaget ihren Fal /
Dass sie unkeusch ist berühret.
Fillis aller Wälder Zier /
O du Sonne meines lebens /
Lieb' ich dich dann so vergebens?
Bricht dein Glanz noch nicht herfür!
                                       4
Schaue deine Schäffelein /
Wie sie in den Auen spielen /
Weil auch sie des Tages Schein
Und der Sonnen Hitze fühlen.
Fillis Fillis komm doch hier!
O du Sonne meines lebens /
Lieb' ich dich dann so vergebens /
Bricht dein Glanz noch nicht herfür?
                                       5
Unsre Heerden weiden all /
Welche Berg und Tahl besteigen /
Und der Schäffer-Pfeiffen-Schall
Läst die Echo nimmer schweigen.
Fillis Fillis kömstu schier?
O du Sonne meines lebens
Lieb' ich dich dann so vergebens /
Bricht dein Glanz noch nicht herfür?
                                       6
Deine Schäflein weiden nicht /
Wer will deine Lämmer tränken?
Gib mir deiner Augen Licht /
Die mein Herz abwesend kränken.
Deiner wart' ich mit begier.
O du Sonne meines lebens /
Lieb' ich dich dann so vergebens?
Bricht dein Glanz noch nicht herfür?
                                       7
Hat dich Unglück übereilet?
Hat dich wa der Wolf verletzet?
Hastu dich wa sonst verweilt /
Oder untern Baum gesetzet?
Scheuhstu wa das wilde Tihr?
O du Sonne meines lebens /
Lieb' ich dich dann so vergebens /
Bricht dein Glanz noch nicht herfür?
                                       8
O ihr Hirten jauchzet nicht /
Lasset die Schalmeien schweigen;
Lasset euer Traur-geticht
Hin biss an die Wolken steigen;
Ruffet / rufft / (was schweiget ihr?)
O du Sonne meines lebens /
Lieb' ich dich dann so vergebens?
Bricht dein Glanz noch nicht herfür?
Das Königliche KrönungsFest ward drei Tage feirlich gehalten / da unter andern /
sechs grosse Bähren mit so viel Ochsen kämpffen mussten / welches eine feine Lust
zu sehen wahr / uñ vier Ochsen auch zween Bähren das Leben einbüsseten. Die
versamleten Bauern hatten auch ihre gewöhnliche übungen mit dem Steinwurff und
dergleichen; unter andere kurzweilen hatten sie eine Gans an einen Quehrbalken
bei den Füssen auffgehenket / unter welchem sie mit vollem rennen herjagen / und
nach der Gans greiffen mussten / da der / so ihr den Hals abrisse / eine Tonne
Bier zum Gewin davon brachte. Nach geendigtem solchem Fest schicketen sich die
unsern zur Reise / welche die beiden jungen Königinnen vor allen andern
befoderten /weil nach ihren jungen Herrlein ihnen sehnlich verlangete.
    Es wird aber Zeit sein / dass wir dem höchst betrübten Grossfürstlichen
Fräulein ein wenig nachfolgen / umb ihren elenden Zustand anzuschauen / welches
ohn mitleiden nit geschehen kann. Dieselbe hatte auff ihres getråuen Wolfganges
emsiges anhalten sich endlich noch erhoben / und einen ungebahneten Weg /Leute
anzutreffen / vor sich genommen / aber biss eine Stunde vor Abends sahen sie
keinen Menschen / endlich stiessen drei / dem äusserlichen ansehen nach /erbare
alte Männer auff sie von der linken Seiten her; welche auff ihre nachfrage / ob
in der Nähe kein Dorff währe / zur Antwort gaben; nicht weit von hinnen hätten
sie in eine Flecken ihre Wohnung; ermahneten sie mitzugehen / und vertrösteten
sie guter Herberge. Das Fräulein ward ihrer Gesellschaft froh / und sagete: O ihr
ehrliche Männer und gute Freunde / des müsse euch Gott im Himmel lohnen / dass
ihr uns zu rechte weiset / damit wir nicht in dieser Einöde dürffen liegen
bleiben; und möchte ich wünschen / dass euer Flecken nicht gar zu weit währe /
ich werde sonst schwerlich so weit gehen können. Wir werden gar bald dahin
gelangen antwortete der eine / fragete auch darauff / was vor Leute sie währen;
dem Wolffgang antwortete; diese junge Frau währe seines Bruders Eheweib / und
wohnete in Friessland jenseit der Isel /dahin sie zu gehen willens währen. Nun
hatte sich aber Wolfgang in der Welt gar verloren / und da er meinte nach der
Isel zukommen / ging er immer weiter davon abe; welches diesen dreien die
gewisse muhtmassung gab / sie würden zweifels ohn dieser Länder unbekant sein;
sageten doch / sie gingen gar recht / und würden die Isel bald zusehen bekommen;
aber ehe Wolfgang sichs versah / nahmen ihrer zween ihn bei den Armen / der
dritte setzete ihm das Messer an die Kehle / uñzwang ihn / anzuzeigen / ob er
Geld bei sich hätte / sollte ers albald hergeben /oder seines lebens beraubet
sein. Dieser / mehr wegen der Fräulein als sein selbst vor dem Tode sich
fürchtend / erboht sich zu alle ihrem Willen / und langete die 100 Kronen hervor
/ die er bei sich vernähet hatte. Das Fräulein gedachte hieselbst / sie müste
auch Geld geben / oder sterben / rieff aus grosser Angst / und sagte mit
kläglichen Geberden: Ach ihr guten Leute / tödtet diesen meine Schwager nicht
/damit er mich durchbringen könne / ich habe auch noch Geld bei mir / dass will
ich euch alles gerne einhändigen; langete auch allentalben hervor / da sie
meinte etwas vernähet zu sein. Diese drei Diebe /welche eigentlich Pferde aus
der Weide zustehle ausgangen wahren / erfreueten sich der guten Beute / kehreten
sich weiter nicht an sie / sondern liessen sie immer vor sich hingehen /
schenketen auch Wolfgangen auff sein bitliches anhalten drei Kronen Zehrgeld /
und machten sich von ihnen hinweg / wollten ihnen gleichwol nicht anzeigen / wo
sie Leute antreffen könten / dann sie fürchteten / man würde sie verfolgen /da
das Fräulein anfing: Ach du almächtiger Gott / wie greiffestu mich doch so gar
hart und ernstlich an; du hast mich von meinen lieben Eltern / hernach von
meinem allerliebesten Fürsten geschieden; nun bin ich überdas noch aller
Lebensmittel beraubet / welche mehrenteils im Feur auffgangen / und das wenige
überbliebene mir nun gar abgenomen ist; doch mein Gott / erhalte nur den lieben
Fürsten beim Leben /und mich bei ehren / dass wir endlich frisch und gesund
wieder mögen zusammen kommen. Sie hatte diesen ganzen Tag weder gegessen noch
getrunken / und wahr vom lauffen so müde / dass sie keinen Fuss mehr nach sich
zihen kunte. Wolfgang wünschte nichts mehr / als nur ein Dorff oder Stad
zuerreichen / da er das Fräulein bei Leute bringen / und er einen des weges
erfahrnen Menschen antreffen möchte / der ihn wieder auff den Weg nach seinem
alten Vetter brächte / dañ wollte er schon Gelder finden / und dem Teutschen
GrossFürsten nachzihen / der das Fräulein mit gnugsamer begleitung abholen würde.
Als er aber sah / dass sie vor mattigkeit nit weiter fortgehen kunte / sagte er
zu ihr: Frau / der Abend fält mit macht herein / und wir sind im offenen Felde
da keine Bahn ist; lieber stärket euch aufs beste / ich hoffe /wir werden bald
bei Leute kommen / dann wir haben die Sandhügel überwunden / und gerahten an
besametes Land / welches dort von ferne sich blicken lässet /da wir dann einen
Landweg antreffen werden / so haben wir wils Gott unsere mühselige Reise
abgelegt. Ja wohl abgelegt / mein guter Wolfgang / ja wohl abgelegt / sagete sie;
ich fürchte sehr / sie werde erst recht angehen / machte sich doch aufs
stärkeste / und liess sich von ihm bei der Hand leiten / biss sie gar nicht mehr
folgen kunte; da fassete er sie / wie er ein starker untersezter Mensch wahr /
und trug sie eine grosse Viertelstunde / biss er bei eine Heerstrasse kam /
woselbst er sie nidersetzete / umb ein wenig zu ruhen /und wahrzunehmen / ob
nicht ein Mensch des Weges reisen würde. Endlich sah er einen Lastwagen daher
fahren / welcher zimlich schwehr beladen wahr / und baht den Fuhrman / er möchte
diese Frau welche sich sehr müde gangen / biss an das näheste Dorff auffsitzen
lassen. Der boshafte unbarmherzige Mensch aber wegerte sich dessen; seine
Pferde währen auch müde / und den ganzen Tag abgetrieben; so müste er über das
eilen / damit er das Dorff vor später Nacht erreichete; sie währe ein junges
frisches Weib / die den Weg noch wohl gehen könnte / welcher in einer halben
Stunde würde geendiget sein; wie wollte sie ihm getan haben / wann er gar nicht
kommen währe. Das Fräulein hatte sich ein wenig ausgeruhet / nur dass sie die
Füsse wund gangen / und erboht sich gegen Wolffgang / sie wollte so weit noch wohl
gehen; weil er aber ihr hinken über sein Herz nicht bringen kunte /nam er sie
wieder auff den Rücken / und trug sie fort /da sie von dem mehr als
halbtrunkenen Fuhrman so viel schimpflicher Reden annehmen musste / dass ihr die
Trähnen aus den Augen schossen / und doch alles geduldig erlitte. Du fauler Balg
/ sagte er unter andern zu ihr / lässt du dich als ein jähriges Kind von dem
Kerl auff dem Puckel tragen? pfui schäme dich du Muz; wann ich dein Kerl währe /
ich wollte dich mit der Peitsche dergestalt wissen zustriegeln / du soltest mir
wie ein Tanzpferdichen springen. Bald griff er auch Wolffgangen an; mein Kerl du
must lieber tragen als ich / dass du das junge faule Weib auff dem Rücken
fortschleppest; lass das Weib lauffen auff den Füssen die ihr angewachsen sind /
und wann du ja etwas tragen wilt / will ich dir schon eine Last auflegen / dass
meine Pferde etwas Leichterung empfinden. Nun wollte Wolffgang sich mit ihm nicht
gerne überwerffen / sondern sagte / er sollte ihn seines Weges gehen lassen / wie
er ihm ja an seinem fahren nicht hinderlich währe; könnte er erkennen / dass
seinen Pferden eine Müdigkeit zustossen könnte / warumb sollte dann ein schwaches
Weib nicht können matt werden. Worauff der Unflaht so garstige Reden
ausschüttete /dass das züchtige Fräulein darüber erstarrete / insonderheit als er
anfing sie unzüchtig zubegreiffen / und ihr bald darauff einen Groschen boht /
seines Willens zupflegen. Wolffgang redete ihm ein / er sollte wissen / dass er
mit keinem unzüchtigen Weibe fortginge / uñ dafern er sie weiter mit
schändlichen Worten und anderer Ungebühr antasten würde / sollte ers mit ihm
zutuhn haben / nachdem er schuldig währe / sich seiner Schwägerin anzunehmen. Ja
du Knolle / antwortete er / ich fürchte mich gleich so wenig vor dir / als vor
dieser jungen Metzen / und nun soll und muss sie meines Willens sein / oder ich
will euch beiden die Hälse umdrehen; fassete zugleich die Peitsche / und hiebe
das Fräulein umb die Beine unbarmherzig gnug; worüber Wolffgang alle Geduld
verlohr / und in solchen Eifer geriet / dass er einen Stein fassete / und damit
auff den Buben lossging. Derselbe nun fiel ihm alsbald in die Haar / und gedachte
ihn zur Erde niderzureissen / welches ihm aber fehlete / kahmen mit einander
zuringen / und weil Wolffgang sich durch das gehen zimlich abgemattet hatte /
sollte der ander ihm schier überlegen gewesen sein / arbeitete sich endlich von
ihm los / und als er sah / dass jener sein Brodmesser hervor suchete / ihn damit
zuerstechen / er aber den Stein noch in der Hand hatte / schlug er ihm damit die
Hirnschale ein / dass er alsbald niderfiel /und nach wenig zappeln das Leben
auffgab. Erst geriet das Fräulein in die allergrösseste Angst / und sagete: O du
barmherziger Gott / nun fallen wir ja erst in die aller schlimmeste
Lebensgefahr. Ach Wolffgang / Wolffgang / hattet ihr ihn doch nur immerhin
peitschen lassen / er würde vielleicht nichts ungebührliches vorgenomen habe.
Davor wollte ich zehnmahl sterbe / antwortete er / ich habe de gottlosen Schelm
schon viel zuviel zu gute gehalte / uñ schäme mich /dz ich ihm nicht gleich
anfangs das Schandmaul gestillet habe; grif dem schon verschiedenen in den
Schiebsak / fand einen zimlichen Beutel mit Gelde /und eine frische Semmel bei
ihm / gab solche dem Fräulein / und steckete das Geld zu sich / schleppete
hernach die Leiche hinter einen dicken Pusch / trieb den Wagen nach der andern
Seite vom Wege ab / da die Pferde einen jehen Hügel hinunter renneten / und der
Wagen gar umschlug / dass die Pferde weder hinter noch vor sich kunten; Er aber
fassete das Fräulein wieder auff / und lief / so viel ihn Angst und Gefahr
treiben kunte / biss er endlich vor dem Dorffe anlangete / da es schon zimlich
finster wahr / ging nach der Baurschenke / und liess ihm Speise uñ Trank geben
/so gut es zubekommen wahr / da dann das Fräulein sich des Schreckens zimlich
erhohlete / auch eine gute Mahlzeit hielt / und bald darauff ihr eine Sträu
machen liess / darauf sie die ganze Nacht hindurch wegen der grossen Müdigkeit
schlief. Zwo Stunden nach ihrer Ankunft entstund das Geschrei im Dorffe / des
Schenken Wage läge mit samt den Pferden unten am Hügel / eine halbe Viertelmeile
vom Dorffe / und währe kein Mensch dabei; welches seinem Weibe angesaget ward /
die darauff anfing über ihren Mann sich heftig unnütze zumachen; es währe des
versoffenen Bier Tölpels sein Brauch also / dass er in allen Krügen schwabbelte /
und die Pferde ihren Weg vor sich hingehen liesse / weil er sich darauff tröge /
dass sie die Strasse kenneten; würde demnach wohl wieder kommen / wañ er den
Rausch hinter etwa einem Zaune ausgeschlaffen hätte / wo er wohl nicht gar mit
einem unzüchtigen Balge abseit gangen währe; doch schickete sie ihre beiden
Hausknechte hin / den Wagen auffzuheben / und nach Hause zubringen /damit nichts
von den auffgeladenen Sachen davon gestohlen würde. Aus welchem allen Wolffgang
leicht muhtmassete / er läge bei der Wirtin zur Herberge /und hätte ihr den Mann
erschlagen. Es wahr ihm das beschwerlichste / dass er nicht wusste / wo er wahr
/setzete sich zu einem reisenden Bohten / der das Nachtlager auch daselbst
suchete / bezahlete vor ihm eine Kanne Bier / und fragete / welchen Weg man
nehmen müste / wann man an den und den Ort an der Isel belege / reisen wollte.
Dieser berichtete ihn / es läge ein Städchen fünff Meile von hinnen an einem
Wässerchen dadurch man reisen müste. Nun wahr dieses eben dasselbe / welches
gleich diesen Morgen abgebrand wahr / und sie mit Lebensgefahr verlassen hatten;
dass er demnach leicht sah / wie so gar er des Weges verfehlet / und sich
vergangen hätte / wusste also diesen Abend keinen Schluss zumachen / weil er das
Fräulein in ihrer süssen Ruhe nicht verstören wollte. Früh morgens taht er ihr
alles zuwissen / und baht / sich heraus zulassen / ob ihr nicht gefallen könnte /
dass er einen Karren im Dorffe mietete / und sie an einen sichern Ort führen
liesse / woselbst sie sich in einer Herberge auffhielte / biss er nach ihrem Herr
Vater lieffe / und sie mit gnugsamer Begleitung abhohlete; welches sie aber
durchaus nicht eingehen wollte / sondern er sollte selbst mit ihr hinfahren / und
sehen wo sie bliebe; dann wañ er sich alhie von ihr scheidete / und sie auff dem
Wege in grössere Gefahr geriete / dass sie den vorgenomenen Ort nit erreichen
könnte / währe es abermal vergebens / und sie überdas ohn alle Gesellschaft. Also
musste er bei ihr bleiben /dingete einen Karren / und setzete sich früh morgens
mit ihr darauff / noch ehe die Zeitung von dem erschlagenen Wirte eingebracht
ward; da sie dann den Weg nach dem Rein auff der Fräulein begehren vor sich
nahmen / von dannen sie nach dem Elbstrohm sich wenden / und des nähesten Weges
nach Magdeburg zihen wollten. Wolffgang gab dem Fräulein die drei übergebliebene
Kronen / welche die gestrigen Räuber ihm wieder geschenket hatten / mit Bitte /
sie in ihre Kleider zuvermachen / und ob schon Räuber an sie kommen würden /
sich dessen nicht merken zulassen; des Erschlagenen Geld aber / welches sich
auff 9 Gülden Silbermünze erstreckete / behielt er bei sich. Sie wahren etwa
drei Meilen gefahren / da kahmen fünff verschlagene Wendische Landsknechte zu
Fusse an sie / nahmen Wolffgangen alles Geld / worffen ihn samt dem Fräulein
gebunden in ein Stücke Rogken / schlugen den Fuhrman / weil er sich sträubete /
und sein Pferd nicht gerne verlieren wollte / halb tod / setzeten sich auff den
Karren / und fuhren davon. Frl. Klara wünschete ihr nur den Tod / und gleichwol
wann sie die Hoffnung fassete / ihr Arbianes würde annoch im Leben sein / nam
sie sich vor / alle Unglücks Widerwertigkeiten zuerdulden / insonderheit danckete
sie Gott höchlich / dass sie sich am ganzen Leibe über und über mit der Farbe
angestrichen / und hesslich gnug gemacht hatte. Sie lagen beiderseits gar elendig
doch wirkete Wolffgang so lange mit seinen Händen / dz sich der Strik lösete /
machte hernach seine Füsse / und bald das Fräulein auch los / welche er nach
seinem Vermögen tröstete; das Glük würde sie ja noch endlich ansehen / und ihnen
freundlicher werden / wann es seinen Muht gnug wurde gekühlet haben. Das ärgeste
war / dass er keinen Weg kennete /und ihre Füsse zum gehen undüchtig währen /
sonst wollten sie noch sehen / dass sie wieder bei Leute kähmen. Ey ich will frisch
mit lauffen / sagte das Fräulein / und an die Fussschmerzen nicht gedenken / weil
das schmieren / welches mich gestern Abend die Wirtin lehrete / mir sehr wohl
geholffen hat; aber den Weg /welchen die Räuber gefahren sind / wollen wir
meiden / und uns auf eine andern wenden / so bald nur ein Scheide Weg zusehen
ist. Sie gingen sanftmühtig fort / und kehreten sich nach der Linken zu; kahmen
auch des Nachmittags ganz ermüdet in ein geringes Dörflein / da nichts als Brod
und Butter / und sehr schlechtes Getränke zubekommen wahr; so wussten ihnen die
Leutlein keine Anzeige zutuhn / wohin sie sich wenden sollten / deswegen sie über
Nacht daselbst blieben / und sich sein ausruheten; aber als des folgenden
Morgens sie fort wollten / und kein klein Geld bei sich hatten / die geringen
Speisen zuzahlen /auch niemand die Gold Kronen kennete / ob sie gut währen oder
nicht / musste Wolfgang an statt der bezahlung seine Schuch im stiche lassen / wie
ungerne er auch wollte. Sie brachen doch wieder los / und tanzete dieser auff den
Söcken / dessen er dann nicht ungewohnet wahr / und dannoch das Fräulein gross
Mitleiden mit ihm trug / beteurend / wann sie solches hätte wissen sollen /
wollte sie ungessen blieben sein; dessen er aber lachete / sie versichernd / wann
er sich vor ihr nit gescheuhet / würde er des vorigen Tages seine Schuch lieber
unter dem Arme / oder auff einem Stecken über der Schulter / als an seinen
Füssen getragen haben; dann es ist mit einem Menschen / sagte er / als mit einem
Pferde / welches wann es nicht von Jugend auff zu den Huefeisen gewehnen ist /
geht es unbeschlagen viel besser; also finden sich unter uns Bauern / die
stölpern immerfort / wann sie in Schuhen gehen / da hingegen sie barfuss fest und
geschwinde fort treten. Nun mein lieber Wolffgang / antwortete sie / last es
geschehen / dass ihr meint  wegen einen Tag barfuss gehen müsst / uñ zweifelt
nicht / dass / so bald mir mein Gott zu meinen lieben Eltern hilfft / es euch an
Stiefeln und vergüldeten Sporn nicht mangeln soll. Behüte Gott / Frau / antworte
er / wie sollte ich darzu kommen / ich möchte sie dann meinem Herrn in der Hand
oder unterm Arme nachtragen. Ihr solt sie keinem Herrn nachtragen / sagte sie /
sondern selbst ein Herr sein / und seid dessen gewiss / dass ich noch einen
Aedelman aus euch zumache gedenke. O gn. Fr. antwortete er; so würde gar nichts
guts aus mir werde; dañ weiss sie nit dz bekannte Sprichwort: Kein Schermesser so
scharff je schiert / als wañ ein Baur zum Herrn wird. O nein / ich will gern uñ
lieber in meine nidrige Stande mich halten / wañ ich in demselben zimliche
Lebensmittel habe / als hoch steigen / uñ ungewiss sitzen; dañ wer wollte mich
doch vor einen Aedelman halte / da ich in einer groben uñ tölpischen Bauernhaut
stecke. Wañ ich demnach wissen sollte /dz meine gn. Frau ein solches aus Ernst
redete / wollte ich keinen Schrit weiter gehe / ehe dieselbe mir gnädig
versprochen hätte / mein mit solcher Ehre uñ Hocheit zuverschone. Gebt euch
zufriede Wolfgang /sagte sie / ich verspreche euch hiemit / dz wieder euren
willen euch nichts begegne soll / lasset uns nur Gott fleissig anruffen / dass er
uns zu meinen Eltern bringe. Also verkürzete er dem Fräulein sonst des weges
Ungelegenheit mit allerhand einfältiger Unterredung / da er ihr angeloben musste
/ dass in dieser Fremde er sich vor ihren Ehman ausgeben sollte / welches zu ihrer
Ehren rettung am dienstlichsten sein würde. Sie gelangeten des späten Abends bei
ihrer geringen Speise / welche sie zu sich gestecket hatten vor einem Flecken an
/ da das Fräulein vor mattigkeit keinen Fuss mehr von der Stete bringen kunte.
Ihnen begegnete ein armer Betler / welcher sie umb eine Gabe ansprach / zu dem
sie sagete: Ach ich sollte euch ja wohl billich etwas geben / aber ich habe nichts
damit ich euch aushelffen kann; geht aber mit mir in den Flecken / und zeigt
mir eine Herberge / daselbst will ich nach meinem geringen vermögen euch gerne
mitteilen. Dieser wahr darzu willig führete sie zu einer Witwen / und empfing
von ihr einen Groschen /nachdem die Wirtin ihr eine Krone gewechselt hatte /da
sie zu dem Betler sagete: Ach ihr guter Mann / seid ihr doch noch elender als
ich bin / aber vor dissmahl weiss ich euch weiters nicht zuhelffen; soltet ihr
aber etwa nach Magdeburg kommen / und vor des GrossFursten Schloss eine Almosen
suchen / so fraget nach einer / nahmens Klara / alsdann will ich euch ein mehres
schenken. Dieser nahm den Groschen vorlieb /und gedachte / der Weg währe ihm
viel zu weit / eine Verehrung daher zu hohlen. Das Fräulein liess ihr gute Speise
und Trank reichen / und wahr ihr ein grosses /dass ihr alles auff der Reise so
wohl schmeckete. Sonsten wahr Gottes Kraft in dieser Schwachen sehr mächtig / dass
sie gar ein gutes Herz fassete / Gott wurde sie zwar wegen ihrer Sünde züchtigen
/ aber ihr gnädig wieder helffen; worüber sie oft vor Geistes-freude lachete /
und in ihrem Herzen sagete: Ach du frommer Gott / ich bin ja durch meines lieben
Fürsten unterweisung (welchen du dir in deinen gnädigen Schuz wollest lassen
befohle sein) dein Kind worden / und erfreue mich auch / dass du so zeitig
anfangen wilt / meinen Glauben und Gehorsam durch deine väterliche Zucht-ruhte
zubewehren; aber ach mein lieber Vater / handele mit mir schwachen nach deiner
Gnade / und lege mirs doch nicht schwerer auff / als ichs ertragen kann / alsdann
will ich dir in Kindlicher Geduld gerne aushalten / wañ du nur mein Vater / uñ
ich dein Kind bleibe; bei welchen Gedanke sie auch vordissmahl ihre
Andachts-Trähnen vergoss / als die Wirtin sich zu ihr niedersetzete / und sie
fragete / von wannen sie kähme / und wohin sie gedächte. O sagte sie / ich komme
von der Isel / und mein weg ist nach der Elbe / wann ich ihn nur finden könnte.
Nach der Elbe? antwortete sie / das ist weit hin; doch zu zeiten kehren Karren
und Wagen bei mir ein die des Weges hinreisen / mit welchen ihr füglich werdet
überkommen; und wann ihr euch mit nähen behelffen köntet /wollte ich biss zu
solcher Gelegenheit euch gerne bei mir behalten / dann mein Mañ ist mir leider
vorm halben Jahre mit Tode abgangen / und hat mich schwanger hinter sich
verlassen / dass ich nunmehr alle Tage der Entbindung gewärtig bin; wollet ihr
mir nun etlich Kinderzeug verfertigen / will ich euch dessen gebührlich lohnen /
und eurem Manne auch im Hause Arbeit verschaffen / dass er die Kost haben soll.
Dem frommen Fräulein gefiel dieser Vortrag sehr wohl / weil ihr unmöglich wahr /
auff ihren Füssen zu wandern; liess sich mit ihr ein / und machete alles was sie
begehrete / wollte aber kein Geld zu lohne haben / sondern baht /dass sie umb so
viel besser gespeiset würde / weil ihr Magen die harten Speisen nicht wohl
verdaue könnte; schmierete auch diese Zeit über ihre Füssefleissig /dass sie in
kurzer Zeit ganz heile wurden / und bezeigete sich im Hause nit anders als eine
Dienstmagd /welche von Jugend auff darzu gewähnet währe / dass Wolfgang sich
dessen nicht gnug verwundern kunte. Ihre Frau aber gewann sie sehr lieb wegen
ihrer träue und fleisses / dass sie sich erboht / sie so lange zubehalten / als
es ihr selbst gefallen wurde. Einsmahls fragete sie Wolfgang / ob ihr das Herz
nicht weh tähte / dass sie einer so geringen Frauen müste auffwärtig sein; dem
sie zur Antwort gab: Mein guter lieber Freund / warumb sollte mir deswegen mein
Herz wehe tuhn? Der Almächtige Gott / dem wir Menschen alle mit einander auff
gleiche weise unterworffen sind / hat mir seinem Kinde solches aufferleget /
sollte ich dann demselben entgegen murren? Nein O nein! derselbe verfähret ja
noch gnädig mit mir / giebet mir das tägliche Brod / und bewahret mich vor Unehr
und Schande; davor bin ich schuldig ihm von herzen zudanken /und daneben nicht
zuzweifeln / dass es ihm gar ein geringes und leichtes sei / mich in vorigen
Stand wieder zusetzen. Diesem gingen wegen solcher Rede die Trähnen aus den
Augen / und fing darauff also an: Ach Frau (anders musste er sie nit nennen) /
ich bitte euch lauter umb Gottes willen / gönnet mir doch / dass ich allein nach
euren Eltern reise / ihnen euren Zustand anzumelden / damit ihr diesem Elende
möget entrissen werden; Ihr seid ja nun an einem Orte / da ich euch zufinden
weiss / und sollet meinem guten Raht nach / hieselbst verbleiben / biss euch
gnugsame Begleitung zugeschicket werde; sollte aber solches in dreien Wochen
nicht erfolgen / dass ich etwa auff meiner Reise in Unfal kähme / welches ich
doch nicht hoffen will / so gebet euch dieser Wirtin nur kühnlich kund / dieselbe
wird alsdann alles ihr Vermögen (aus Hoffnung grosser Vergeltung) gerne daran
wenden /dass euch gebührlich geholffen werde; Und dafern ihr in diesen meinen
geträuen Raht nicht werdet einwilligen / wird mir entweder mein Herz aus
Mitleiden zerspringen / oder ich werde wider euren Willen mich auff den Weg
machen. Welche Rede er mit einem heftigen weinen beschloss / und (weil sie
allein wahren) durch einen Fussfal baht / ihren Willen in seine Reise zugeben.
Das Fräulein kunte seiner grossen herzlichen Träue sich nicht gnug verwundern /
umfing ihn als ihren Bruder / und sagte: Mein lieber und wahrer Freund / was hat
doch mein Gott mir vor eine grosse Gnade und Woltaht erzeiget / dass er euch zu
mir geführet hat. Zwar ich habe mir bisher steiff vorgenommen / euch keines
weges von mir zulassen /sondern auff gelegene Fuhre zuwarten / und alsdañ mit
euch zugleich auffzubrechen; aber weil ihrs anders vor gut ansehet / will ich
einwilligen / dz nach Verlauff dreien Tagen ihr diese Reise mit einem des Weges
kündigen Bohten in Gottes Nahmen vor euch nehmet / dafern inzwischen keine
gelegenheit zu meiner Mitreise sich eräugen wird. Aber O wie wohl hätte sie
getahn / wann sie seinem Raht gefolget währe; doch wollte des Allerhöchsten
Versehung / dass sie noch etwas besser in die KreuzSchuele sollte geführet / und
daselbst bewehret werden.
    Der hochbekümmerte Arbianes musste nicht weniger / als ein angehender Christ
durch die ZuchtRuhte Gottes des HErrn fein zugerichtet / und zur Geduld
angewähnet werden / welcher wegen des Verlustes seiner lieben Fräulein in
unsäglichen Sorgen wahr /massen als er im obgedachten Dorffe von ihr nichts
erfahren kunte / lies er wieder zurück / und rief zu zeiten im offenen Felde den
Nahmen Klara mit lauter Stimme / wie wohl vergebens und umsonst; wo er eine Hecke
in der ferne oder nähe sah / lief er hinzu / und meinte / sie würde dahinter
ruhen / wendete sich auch zwar nach der Seite hin / nach welcher sie gelauffen
wahr / aber da er das aufgeschwollene tieffe Wasser erreichete / sagete er bei
sich selbst; nun bin ich gewiss / dass sie diesen Weg nicht gangen ist /stund also
und bedachte sich / ob er auf oder nider gehen sollte; und in diesen Zweifel fiel
er nider auff die Knie / und baht Gott von Herzen / er wollte ihn des rechten
Weges geleiten / dass er sein Fräulein antreffen möchte. Nach vollendetem
eiferigen Gebeht lief er mit dem Strohme fort / biss in die finstere Nacht / und
weil er keinen Menschen in der nähe merkete /legete er sich hinter einen Pusch
nider zur ruhe / da er zuvor einen guten Trunk aus der Bach getahn / und seine
Arm-Wunde aufs neue verbunden hatte / schlieff auch in der Herzens Angst biss die
Mogenröhte anbrach. Als er des Tages Gegenwart spürete / nam er nach getahnem
Gebeht seinen Weg wieder vor sich /biss er der Bach Ende erreichete / da sie in
das Wasser lief / welches bei dem abgebranten Städlein vorüber floss; da ging nun
sein Jammer erst recht an; Ach mein gnädiger Gott / sagete er / verlass mich doch
nicht in dieser meiner grossen Noht; ach HErr zeige mir die rechte Bahn / dass
ich ihrer nicht verfehle. Nun sah er wohl / dass er nohtwendig wieder zurück / und
über die Bach musste / dann unmöglich wahr es / dass sie sollte eine andern Weg
gangen sein; brachte also drei Stunden auff dem Rükwege zu / biss er einen
schmalen Steg antraff / über welchem das Wasser einer Handquer ging / und ihm
unmöglich wahr / einen festen Trit darauff zu tuhn; gedachte endlich /
vielleicht hat das Fräulein einen bessern Weg angetroffen / welchen du nicht
finden kanst; wagete sich hinein ins Wasser /hielt sich mit der Hand an dem
Siege / und kam mit grosser Lebens Gefahr noch hindurch / weil es in der mitte
tieffer wahr / als dass ers hätte ergründen mögen. Als er das Ufer erreichet
hatte / ging er in seinen nassen Kleidern immer fort / und sah doch keine Bahn
/blieb in steten Gedanken zu Gott / und meinte / wie er seinen Weg fort setzete
/ also geleitete ihn die Göttliche Versehung / traff doch keinen Menschen an /
sondern ging biss an den späten Abend / dass er endlich ungessen sich hinter eine
Hecke legen und ausruhen musste. Des folgenden morgens sah er weit um sich / und
ward dreier Männer (welche Wolffgangen und das Fräulein des vorgestrigen Tages
beraubet hatten) gewahr / ging zu ihnen hin / und fragete / ob man nicht in der
Nähe an ein Dorff gelangen könnte; auch /ob sie nicht eine junge Frau und einen
jungen Mann /wie Er gekleidet wäre / vernommen hätten. Diese gedachten alssbald /
Er müste auch des schönen Goldes bei sich haben / welches ihre gewisse Beute
sein sollte; und gaben jhm zur Antwort: Sie hätten ja vorgestern solche zwei
Menschen Bilder angetroffen /die vom gehen sehr ermüdet gewesen / hätten ihnen
auch auf ihr Begehren den Weg nach einem Dorffe gezeiget / wohin sie nunmehr
selbst gedächten / und stünde ihm frei / mit ihnen zugehen. O ihr guten Leute /
sagte er / was habt ihr ein gutes Werk getahn /so wohl / dass ihr denen zu Leuten
verholffen / als dass ihr mir dessen Nachricht gebet / welches ich euch
unvergolten nicht lassen kann; griff in den Schiebsak /und verehrete ihnen eine
Krone. Diese sageten davor Dank / und gingen mit ihm fort / und weil sie wusste
/dass sie bald an einen wanksamen Ort gerahten würden / da ihnen das rauben nicht
würde gelingen / sucheten sie schleunige Gelegenheit / ihr Vorhaben ins Werk
zurichten / daher der eine / ehe er sichs versah / ihm nach dem rechten Arme
griff / ihn dabei fest zuhalten; der ander wahr auch schon fertig / ihn bei der
Kehle zufassen; aber wie er von Gliedmassen stark und gerade wahr / also risse
er den Arm bald los / zog von Leder / und stiess dem erste das Schwert durchs
Herz / zu ihm sagend: Je du gottloser Mörder / ist das die Vergeltung vor mein
Trinkgeld? dem andern hieb er alsbald auch den Kopf mitten von einander; und den
driten / welcher schon das Messer gezückt hatte /ihn zuerstechen / und nunmehr
vor Angst davon lieff /verfolgete er / hohlete ihn bald ein / warf ihn zur Erde
/ und dräuete ihm den Tod / dafern er ihm nicht sagen würde / ob die beiden
Menschen / denen er nach gefraget hätte / annoch im leben / oder von ihnen
erwürget währen. O mein Herr / antwortete dieser / schenket mir das Leben / ich
will euch die ganze Warheit sagen / dz wir ihnen alles ihr Gold abgenomen / uñ
sie ohn beschädigt gehen lassen. Wohin aber haben sie sich gewendet? fragete er;
wir haben sie über eine Sandhügel heissen gehen / gab er zur Antwort / da sie
ohn Zweifel bei spätem Abend zu einem Dorffe kommen sind. So mustu mir keine
weitere Ungelegenheit machen / sagte Arbianes / und ich will dir als einem Räuber
und Mörder lohne / hieb ihm den Kopf herunter / und nach dem er ihm 50 Kronen
aus dem Schiebsak genommen hatte / besuchete er auch die andern beiden
erschlagenen / fand alles geraubete Gold wieder / machte sich schleunig über die
Sandhügel / kam auff den rechten Weg / und eilete dem Dorffe zu / voller
Hoffnung / sein Fräulein daselbst noch anzutreffen / als welche vom gehen
ermüdet / hieselbst ausruhen würde; ging in die BauernSchenke / und sah mitten
im Hause auff einer Sträu eine Leiche liegen / dessen er nicht wenig erschrak /
und doch die Ursach seines entsetzens selbst nicht wusste. Die Wirtin gab acht
auff seine Verenderung / und fragete / was er sich so entsetzete? ob er etwa der
Mörder währe / welcher ihren Mann gestern oder vor gestern Abend im Felde auff
freier Land-Strasse erschlagen hätte? Woraufer herzhaft zur Antwort gab; sollte
ich mich nicht entsetzen / dass man eine schier ganz nackete Leiche so dahin
wirft / nicht viel besser als obs ein Vieh währe? Aber Frau / wañ ein Mann
solche nachteilige Frage an mich würde abgehen lassen / würde ich ihm eine hart
treffende Antwort geben; ist euer Ehwirt erschlagen / so suchet den Tähter /
oder habt ihr Ursach auf mich zu argwohnen / so saget es rund aus / als dann
werde ich euch schon begegnen. Sie hingegen fuhr ihn an; er sollte ihr nicht viel
trotzens im Hause machen /es währe ihr Unglücks gnug / dass ihr Mann ermordet
währe; und da er sich nicht bald packen würde / wollte sie ihm Füsse machen /
dieses redete das Weib aus Zorn / dann gleich da Arbianes zur Haus Tuhr
hineintrat / wahr das lose Weib Willens ihre Buhlerei mir ihrem Knechte
zutreiben / mit dem sie in Ehebruch lebete / auch schon mit denselben angelegt
hatte / dass er ihren Mann / als welcher ihr ungeträu währe erwürgen / und sie
wieder heirahten sollte / daher sie in den festen Gedanken stund / er hätte die
Taht selbst begangen / und dass er ihr solches nicht offenbahren wollte; dass sie
demnach Arbianes nicht in verdacht hatte / nur dz sie sein gerne wollte los sein;
welcher dann auf ihre obgedachte Rede zur Antwort gab / weil er nicht bedacht
wahr / lange mit ihr zu zanken: Wol in Gottes Nahmen / Frau / das Haus ist euer
/ so viel ich vernehme / und muss mich dessen wohl äussern /wann ihrs so haben
wollet; aber des Mords beschuldiget mich ja weiters nicht / oder ihr werdet mit
mir in Unglücks Küche kommen. Ging damit zur Tühr hinaus nach des nähesten
Nachbars Wohnung / welchen er um etliche Stunden Herberge baht / und dass er ihm
Speise und Trank vor doppelte Bezahlung schaffen möchte; klagete ihm auch / wie
es ihm mit der Wirtin ergangen währe / und begehrete seines guten Rahts. Worauff
dieser antwortete; sie währe zwar seine nahe Anverwantin / aber eine grund-böse
Haut / und währe vorgestern Abend ein junger Mann mit einer ermüdeten jungen
Frauen / wie er gekleidet / zu ihr kommen /die Nacht Herberge bei ihr gehabt /
und früh morgens davon gezogen; denselben hätte sie nach seine abreisen eben
dieses Mords geziehen / und zwar aus dieser liederlichen Ursach / weil derselbe
ihr eben solche Münze zur Bezahlung geben / als ihr Mann hätte bei sich gehabt.
Arbianes muhtmassete selbst aus dem Zeichen / dass Wolffgang der Tähter wohl sein
möchte /weil er wusste dz er von den dreien alles Geldes beraubet wahr / kunte
doch mit solchen Gedanken sich nit lange auffhalten / sondern erfreuete sich
vielmehr der angenehmen Zeitung / dz er der Mahlzeit kaum abwarten kunte / und
erkundigte sich / wohin diese beide ihre Weg genommen / dankete Gott in seinem
Herzen vor erst / dass sein liebes Fräulein annoch im Leben währe / und einen
geträuen Menschen bei sich hätte; hernach / dass er ihn diesen Weg so ganz
wunderbahrer Weise geführet / und baht / dass er weiter sein richtiger Gleitsmann
sein möchte / damit er bald bei ihr anlangen / und zu ihren Eltern sie bringen
könnte / wo zu er Mittel gnug bei sich hätte. Sonsten verständigte ihn sein Wirt
/ dass gestern früh diese beiden einen Karren gemietet / darauff sie hinweg
gefahren währen / wollte sich ihres Weges bei dem Fuhrmann erkundigen / wo er
wieder zu Hause währe angelanget; aber dessen Weib wusste noch nichts von ihm
zusagen / dann er wahr wegen seiner empfangenen Wunden auf dem nähesten Dorffe
liegen blieben /weil er nit weiter fort kommen können; doch gabe sie Nachricht
genug / wohin er die fremden zuführen / gedinget währe; welchen Weg auch
Arbianes nach gehaltener kurzen Mahlzeit / mit einem Bohten / ihm den Weg zu
zeigen / vor sich nam. Er wahr nicht weit gangen / da begegnete ihm der Fuhrmann
auff einem Wagen / welchen der Bohte als sein Nachbar fragete /wie er zu diesem
Unglück kommen währe; welches er ausführlich berichtete / und Arblanes mit Händen
greiffen kunte / was vor welche von den Räubern gebunden / und ins Korn
geworffen währen; liess sich deswegen den Ort und die Stelle fleissig bezeichnen
/wo es geschehen währe / gab dem Fuhrmann aus mitleiden etliche Kronen / eilete
des weges fort / und fand es also / besah den Ort wo sie gelegen / traf auch
die Stricke an / damit sie wahren gebunden gewesen / aber keinen Menschen dabei
/ doch schöpffete er guten Trost / sie müsten von vorüberreisenden Leuten
lossgemacht / und davon kommen sein; nahm auch den Weg nach derselben Stab vor
sich / in Meinung / sie würden alles ungeachtet / gleichwol noch dahin gereiset
sein. Wie wollen ihn aber seinen mühseligen Unglücks Weg fortgehen lassen / und
zu rechter Zeit ihn im elenden Betlers Stande wieder finden.
    Das liebe Fräulein wahr willens / ihren getråuen Wolffgang nach ihren Eltern
lauffen zulassen / als sie sechs Tage im erwähneten Flecken bei der Wittiben in
fleissiger Nähe-Arbeit sich auffgehalten hatte; aber es kam eine neue
Verhinderung darzwischen; dann des Abends kehrete ein fremder Herr mit seiner
Frauen und jungen schier manbaren Tochter in ihrer Herberge ein / da diese Frau
der Fräulein schönes Nähewerk besichtigte / und sie fragete / ob sie sich zu ihr
vermieten wollte / sollte sie gut essen uñ trinken / auch ein gewiss Jahrlohn haben
/ und könnte ihr Mann wohl bei ihr bleiben / weil ihr Herr solcher Leute
bedürffte. Sie aber bedankete sich dessen / einwendend / sie müste mit ihrem
Mañe nach dem Elbstrom reisen /woselbst ihre nahe Anverwantin wohnete / welche
zubesuchen / sie keinen umgang haben könnte / weil sie ihre Verlassenschaft ihr
erblich zuvermachen bedacht währe. Diese Frau / Nahmens Mechtild / welche auff
jenseit des Reins im Römischen Gebiet wohnete / erdachte diese List / und
fragete; ob sie und ihr Mann des Weges nach der Elbe vor diesem gereiset? Und
als sie aus Einfalt Nein sagete / fing diese an: So bin ich mit diesem meinen
Herrn hieselbst zu eurem guten Glük angelanget / dann unser Weg geht auch dahin
/und will euch aus guter Gewogenheit zu mir auff meine Gutsche nehmen / wañ sonst
euer Mañ beiher lauffen / und zuzeiten hinten auff sitzen will. Wem wahr zu
diesem vermeinte Glük lieber / als dem grundfrommen Fräulein; Sie bedankete
sich mit höflichen Geberden / so viel ihr vermummeter Stand zulassen wollte /
welche sie doch schier verrahten hätten; massen die Frau nicht unterlassen kunte
/ sie zubefragen / von was Leuten sie währe; dessen ursach sie merkend / zur
Antwort gab: Ihre Eltern währen arme Leute / und gar geringes Standes / und
hätten sie in der Jugend vor vier Jahren zu einer Aedel Frauen vermietet /
welche ihr das nähen gezeiget / und ihres Junkern Gutscher gefreiet hätte /
welcher Wolffgang sie aber Armgart hiesse. Diese liess sich damit abspeisen /und
geboht ihren Leuten ernstlich / da einer fragen würde / wohin ihr Weg ginge /
sollten sie nicht den Rein / sondern die Elbe nennen. Wolffgang ward des guten
Glüks von dem Fräulein bald berichtet / der zugleich mit ihr sich freuete / auch
auff der Reise gerne bei dem Wagen herlief / und nunmehr ihm die Rechnung
machete / wie bald er vom reichen Manne spielen / und der erlittenen Unruhe sich
ergetzen wollte; dann gedachte er / wie er den hohen Adelstand / damit ihm das
Fräulein hatte gedräuet / von sich ablehnen /und sonsten ihm einen solchen
Dienst lossbitten könnte / der ihm angenehmer währe / weil doch das Fräulein sich
hatte verlauten lassen / dass sie ihn nimmermehr von sich lassen wollte; Aber
seine gefassete Freude währete nicht lange; dañ wie sie des andern Tages den
Reinstrom erreichete / und hinüber schiffeten / höreten beides er und das
Fräulein / dass sie schändlich betrogen wahren / daher sie dann zu der Frauen
sagete: Ach mein Gott / warumb habt ihr so gar übel an mir getahn / uñ mich nach
dem Rein geführet / da ich doch an der Elbe zuschaffen habe? Die Frau aber /wie
sie dann ein überaus böses und unbarmherziges Weib wahr / gab ihr diese trotzige
Antwort: Schweig du junge Metze / es wird dir wohl gleich sein / ob du bei dem
Rein oder bei der Elbe das Brod frissest; hätte ich dir dieses nicht auff solche
weise beigebracht / würdestu dich in meine Dienste nit eingelassen haben; hastu
aber an der Elbe etwas Bettel-Erbschaft zugewarten / kann dein Baurflegel immer
hinlauffen / und es einfodern; du aber must bei mir bleiben / und meine Tochter
im nähen unterweisen /wovor du gebührlich in Speise und Trank solt gehalten
werden / wie ich dann wohl weiss / was Mägden gebühret / dass sie nicht Hungers
sterben / noch zu freche werden; und ist wohl deine vorige Frau die rechte
gewesen / dass sie dir jungen halbgewachsenen Balg das heirahten schon gegönnet
hat / darzu du noch über 10 uñ mehr Jahren früh gnug kommen währest; sie wird
gewiss nicht gewust haben / wie man sich der Mägde mit Nuz gebrauchen soll. Das
Fräulein zitterte vor Angst / aber Wolffgang / der alles hörete / und die Gefahr
besser als sie betrachtete / sagte zu ihr: Gebet euch zufrieden / liebe Armgart
/ ihr habt Gott Lob eine gute Frau bekommen / bei welcher ihr wohl werdet leben
können / weil es Gott versehen / dass wir in diesem Lande wohnen / und unser Brod
verdienen sollen; es ist ohndas mit unser Reise nach dem Elbstrohme so eilig
nicht; ich will euch vorerst ein Viertel Jahr in dieses Herrn Dienste
Gesellschaft leisten / und hernach zu euren Verwanten reisen; Und wann gleich
dieser Herr meiner Dienste nicht benöhtiget ist / will ich doch wohl Arbeit finden
/ dass ich mich ernähre /nachdem ich vor euch nicht sorge darff. Das Fräulein
begriff sich darauff alsbald / stellete sich frölich / und antwortete ihm: Wol
wohl / wann ihrs so vor gut ansehet / will ich auch zufrieden sein / vielleicht
gefält mirs bei dieser meiner Frauen also / dass ich in viel Jahren nicht begehre
von ihr zuscheiden. Ja hältestu dich from / fleissig und geträu / sagte sie / so
will ich dich hernähst befodern / dass du über mein Gefinde Altfrau sein solt.
Welches erbiete das Fräulein mit grosser Danksagung annam. Sie hatten etliche
Tagereisen hinter Köln ihr adeliches Gut / und als sie daselbst ankahmen / musste
das Fräulein die erste Stunde das Nähezeug hervor nehmen; da sie dann alles /
umb Verdacht zumeide / auffs beste und schleunigste verfertigte; nur baht sie /
ihre Frau möchte ihr die überbliebenen Speisen von ihrem Tische zuessen geben
/sie wollte sich an gar wenigem genügen lassen / wann sie nur was verdauliches
hätte; dann ihr Magen währe gar schwach / dass sie die grobe Kost nicht vertragen
könnte. Aber sie durffte umb ein weniges nicht bitten /das filzige Weib gab ihr
wenig gnung / und hätte sie des Hungers verschmachten müssen / wann nicht die
Tochter / die ihr sehr geneigt wahr / ihr bissweilen etwas heimlich zugestecket
hätte; welches ihr aber die gottlose Mutter endlich verboht / und Wolffgang es
doch reichlich erstattete / welcher alles / was er an Lohn verdienete / an gute
Bisslein legete / und ihr solches zutrug; daher sie sich desto weniger umb
Unterhalt bekümmerte / und nur geflissen wahr / wie sie ihrer Frauen gute Gunst
erlangen möchte / welche sich sehr hart gegen sie bezeigete / und fast täglich
eine ursach vom Zaune brach / mit Ohrfeigen / dass das Nasebluten drauff folgete
/ sie anzugreiffen / welches sie geduldig verschmerzete / und in beständiger
Hoffnung zu ihrem Gott verblieb / derselbe würde sie mit den Augen seiner
Barmherzigkeit ansehen / und die Schmach von ihr nehmen. Sonsten hielten die
drei Töchter sie so lieb und wert / dass sie nimmer von ihr weg wollten / und die
Nähekunst in kurzer Zeit zimlich von ihr fasseten / trugen ihr insonderheit ein
verborgenes Trinkgeschir mit Wein zu / damit nicht von dem blossen Wasser und
sauren Kofend ihr Magen gar verdürbe. Hingegen bezeigete sie sich / als achtete
sie dessen wenig / ja als währe ihr gänzlicher Wille /nimmermehr von dannen
zuscheiden. Wolffgang hielt nicht vor dienlich / sich in dieses Herrn Dienste
einzulassen / wie er auch darumb nicht sonderlich angesprochen ward / sondern
arbeitete den Leuten in der Stad umbs Tagelohn / wiewol ihm vergönnet wahr
/zuzeiten des Nachts bei seiner vermeinten Frauen zuschlaffen / da er stets
auff der Erden vorlieb nam /und doch Gott dankete / dass er gelegenheit hatte /
zu ihr zukommen / und seinen Anschlag ihr zuentdecken / wann ihm ein guter
Gedanke einfiele / wie er sie füglich hinweg bringen möchte / welches sich doch
in sieben Wochen nirgend zu schicken wollte; welche Zeit über er ihr / wie schon
gemeldet / an essen heimlich zutrug / dass sie sich sehr wohl behelffen kunte /und
sie daher nicht allein sein gutes Herz erkennete /sondern solche schwesterliche
Hulde zu ihm gewan /als währe er ihr leiblicher Bruder gewesen. Wann sie allein
wahr / brachte sie die Zeit mit vielem herzbrechenden Seuffzen zu / hielt sich
aber doch zum fleissigen Gebeht / da sie unter andern auch diese Andacht aus
eigenem nachsinnen vielfältig Gott dem HErrn auffopfferte:
    O du grosser und Almächtiger Schöpffer Himmels und der Erden; Ich danke dir
von Grund meiner Seelen /vor die hohe Gnade / welche du in Bekehrung meiner /mir
erzeiget / und durch meinen teuren und frommen Fürsten / mich so weit in deiner
Erkenntnis hast unterrichten lassen / dass ich mein Vertrauen auff deine grundlose
Barmherzigkeit setzen / und in allem Unglück mich so sein trösten kann / so dass
ich weiss / es wiederfahre mir nichts zum Verderben / sondern alles zur Besserung
O HErr mein Gott / sihe auff mich in diesem Elende / da ich vor eine Magd wider
meinen Willen dienen muss / reiss mich los / mein Erlöser / der du mich schon aus
viel grösserem Elende erlöset hast / dass ich die meinen bald wieder sehen / und
von ihnen in deiner Erkenntnis / (wornach mich / wie du HErr weist / so herzlich
verlanget) besser unterwiesen werden möge; Bewahre mich mein Gott vor
Zweifelmuht / Misstraue und Unehre; und meinen lieben Fürsten vor Unglück und
Verderben / welchen du O HErr / sonder zweifel mir zugeführet hast / und bringe
uns nach diesem Leide in Fröligkeit wieder zusammen; alsdann wollen wir dir /
mein Gott und Vater / unsern Dank anstimmen / und vor deine hohe Woltaht dir von
Herzen Lob und Preis sagen / auch zugleich erkennen / dass diese deine väterliche
Züchtigung uns sehr gut und heilsam gewesen sei. Dieses mein Gebeht / HErr mein
Gott und mein Erlöser / wollestu gnädiglich erhören / und dich mein erbarmen /
Amen / Amen.
    Ja wann dieses Fräulein den Schmak dieser heilsamen Gnade Gottes in ihrem
Herzen nicht empfunden hätte / währe sie ohn allen Zweifel in ihrer Betrübnis
vergangen / wie sie dann von Tage zu Tage abnam /dass ein grosser Teil ihres
Fleisches ihr entging / welches alles sie doch in Hoffnung und Geduld überwand.
    
    Als die Königliche Gesellschaft von Magdeburg aufbrechen wollte / ihre Reise
nach Prag fort zusetzen / ging das Wehklagen wegen der Fräulein Abwesenheit von
neuen wieder an / dañ niemand wusste sich darein zuschicken / dass sie weder von
einem noch andern die aller geringste Zeitung nicht hatten / und sie doch nicht
in Feindes Lande wahren. Herkules sagte zu seinem Gemahl: Nimmermehr würde Fürst
Arbianes sich so verborgen halten / wann er noch im Leben währe / und kann ich
mir keine andere Gedanken machen / als dz sie entweder in der flüchtigen Feinde
Gewalt gerahten / und elendig erschlagen sind / welche etwa ihrer Fürsten Tod an
ihnen haben rächen wollen; oder aber mein Frl. Schwester ist durch Unfal
umkommen / und er hat sich darüber aus Ungeduld und übermässiger Liebe selbst
entleibet; dann bedenket mein Herz / wann sie gleich biss gar in der Romer Gebiet
hinkommen währen / so weiss Arbianes wohl / wie viel ich bei denen gelte / dass
wann er sich nur kund gäbe / er nach allem Wunsch sichere Begleitung biss hieher
haben könnte; hielten sie sich aber in Friesischer oder Teutscher Landschaft auf
/ wie könnte ihnen dann an Hülffe gebreche / wann sie sich nur meldeten? Welches
wann ichs betrachte / kann ich meine Gedanken nicht wohl zwingen / dass sie noch
Hoffnung ihres Lebens fassen sollten. Mein Schaz / antwortete sie / des grossen
HErrn Hand ist unverkürzet; so können hundert und noch hundert Ungelegenheiten
uns in der fremde eingesträuet werden / welche uns abschrecken / dasselbe
vorzunehmen / was uns am dienstlichsten sein möchte. Wir wollen dem
allerhöchsten vertrauen / er werde das fromme Fräulein und den Christgläubigen
Fürsten gnädiglich bewahren / dann ich zweifele überdas nicht / weil er sie
etliche Tage in seiner Gewahrsam gehabt / habe er ihr das Christentuhm schon
beigebracht. Dasselbe ist mein höchster Wunsch in diesem Unglück / sagte Herkules
/ auff dass wir zum wenigsten in der himlischen Seligkeit der eins wieder
zusammen kommen mögen / wann ja in diesem Leben Gottes Versehung es nicht
zulassen wollte. Inzwischen müssen wir meine liebe Fr. Mutter immerzu in der
Hoffnung erhalten / welche vor traurigkeit fast gar von Leibe kömt. Sie ginge
nach solcher Beredung hin zu der Königlichen Versamlung /weil Ladisla sie durch
Prinsla fodern liess / mit anzeige / es währen denkwirdige Schreiben von seiner
Fr. Mutter von Prag ankommen / welche ihnen dann weitläufftig zuwissen taht / es
liessen sich im Königreiche hin und wieder traurige und erschreckliche Zeichen
sehen und hören / die wenig gutes bedeuten könten. Bei einer GrenzeStad nach
Pannonien hätte sich ein Fisch Teich in Blut verwandelt; nit weit davon hätte es
Blut und Schwefel geregnet; eine SchaarWölffe in die 30 stark von Pannonien
wertz / hätten unterschiedliche Heerde Vieh angefallen / etliche hundert stük
samt den Hirten zurissen / und währen endlich mit grosser Mühe alle erschlagen.
Am andern Orte hätten viel tausend Raben sich gesamlet / uñ in zween
unterschiedlichen Hauffen einen harten Streit gehalten / dass ihrer viel tod
blieben. Zween grosse Adler hätten sich in hoher Luft gebissen / und währen
endlich ganz ermüdet uñ sehr blutig herunter gefallen / so dz ein Baur den einen
erschlagen / den andern lebendig gefangen hätte. Die Hunde führeten allentalben
im Reich ein ungewöhnliches Geheule / und fielen in einander als ob sie rasend
währen. Ein Schaff hätte einen jungen Wolff zur Welt gebracht; Und in einem
Dorffe hätte ein Kind in MutterLeibe über eine viertel Stunde geweinet / und
endlich geruffen / weh weh! von vielen Bäumen hätte es Blut getreuffet; die
Sonne währe einen ganzen Tag wie Blut am Himel gestanden / wie wohl in ihrem
gewöhnlichen Lauff / uñ mit keinen Wolken bedecket / und des Abends als mit
einem Sacke bekleidet / untergangen; da man desselben Tages an vielen Orten
grausame Gespenste gesehen hätte; und welches den Inwohnern die gröste Furcht
eintriebe / hätte man bei hellem Tage in der Luft drei Kriegs Heer nach einander
von Pannonien wertz gegen ein einiges zihen sehen / die beides zu Fusse und
Rosse einen grimmigen Kampf gehalten / da man nicht merken können / an welcher
Seiten der Sieg geblieben währe. Als dieses gelesen ward / wahr niemand zugegen
/ dem es nicht ein grauen erwecket hätte / insonderheit / weil der
Wunder-begebnissen so viel uñ mannicherlei wahren / und sagte Ladisla; ohn
Zweifel stehet meinem Reiche ein grosses Unglück vor / der fromme Gott kome nur
mit Gnaden / dass wirs können ertragen / und straffe uns doch nit wegen der
teuflischen Abgötterei / die von den Untertahnen verübet wird / und von uns
leider noch zur Zeit nicht kann geendert oder abgetahn werden; ich halte es auch
nicht vor umsonst / dass ich meinen verstorbenen Herr Vater / (ach seligen kann
ich leider nicht sagen) so oft im Schaffe uñ zwar allemahl in elender
jämmerlicher und armseliger Gestalt vor mir sehe. Werde dem allen nach nicht
unterlassen / so bald ich nach Prage mit Gottes Hülfe kommen werde / mögliche
Anstalt zumachen / damit auff den unverhoffeten Fal man sich gleichwol bereit
könne finden lassen; er vor sein Häupt legte alle Zeichen so aus / dz dadurch
eine schleunige und erschrekliche Kriegs Gluk von den Pannoniern / gedräuet
würde. Herkules antwortete ihm; es währen zwar solche Begebnissen nicht in den
Wind zuschlagen / sonderlich / wann sie in so grosser Menge vorgingen / jedoch
auch nit gar zu hoch zu schätzen; bissweilen hätte der böse Menschen-Feind sein
Spiel mit drunter / die Abergläubigen zu allerhand ungötlichen Opfern
anzutreiben. Doch wie dem allen / währe ein wachendes Auge allezeit zurühmen
/daher ihm nicht zuwerdenken stünde / dass er nach seinem Königreiche eilete /
wohin sie ihm alle (weil der morgende Tag zum Auffbruch bestimmet währe)
Gesellschaft / und auff den Fal Beistand leisten wollten /welches ihm sehr
angenehm wahr.
    Fürst Siegward wahr vor zween Tagen mit seinem Heer aus Wendland daselbst
schon angelanget / woselbst es ihm nach Wunsch ergangen wahr. Zwar es hatten
etliche wenig flüchtige Reuter vor seiner ankunft die Zeitung gebracht / wie ein
unglückliches Ende ihr vorgehabter Anschlag genommen / und ihre beiden Fürsten
samt den vornehmsten Obersten und grösten Teil ihres Heers das Leben eingebüsst
hätten; worauff dañ die Landstände sehr eilig gewesen /durch offenen
Trummelschlag ihre junge Mañschaft auffzumahnen / und ihre Grentzen / Städte und
Festungen damit zubesetzen / aber er währe ihnen zu früh ankommen / sonst dürfte
er mehr Arbeit angetroffen haben. Als Siegward dieses in der kürze vortrug /
antwortete Valiska; Darumb halte ich viel von der Eile / wann man etwas
wichtiges vor hat; aber wie kömt es / dass eure Liebe / mit so einem kleinen Heer
sich eingestellet hat? will ja nicht hoffen / dass die übrigen Völker sollten
drauff gangen sein. Sie fragete hiernach nicht umbsonst / weil ihr bewust wahr /
dass er ein wolgerüstetes Kriegsheer 24000 stark mit sich geführet hatte / und
mit Leches / Neda / und ihrem Frauenzimmer / nur unter einer Begleitung von 6000
Mann / Teutschen / Böhmen und Olafs Dänen / wieder kommen wahr. Siegward aber
gab ihr diese Antwort: Behüte Gott / meine Fr. Schwester; dass würde bei so
gestalten Sachen ein grosser und unverantwortlicher Verlust gewesen sein. Ich
habe Gott lob keinen einigen Mañ eingebüsst / sondern alles ohn Schwertschlag
zum gewünscheten Ende ausgeführet. Zeigete auch auff begehren an / er hätte bei
seiner ankunft die Grenzen und engen Durchzüge wohl besetzet gefunden / da man
ihm auch anfangs den Einzug verhindern wollen / biss er etliche Vorsteher solcher
Völker /seine verständige von Adel / auff guten Glauben und eingeschikte Geisel
zu sich gefodert / und ihnen zuverstehen gegeben / was vor eine gerechte Straffe
von Gott über ihre beiden meinäidigen Fürsten ergangen währe / auch daneben
ihnen vor Augen gestellet / in was Gefahr und verderben sie ihr Land und alle
Einwohner stürzen würden / dafern sie in ihrem Vorsatze fort führen / und diesem
seinem Heer den fortzug wegerten / welches von dem GrossFürsten der Teutschen /
und seinen Herrn Söhnen / ausgeschikt währe ihr bestes zubefodern / da sie es
nur erkennen könten. Diese gaben zur Antwort; man könnte noch nicht trauen / dass
ihres Fürsten Niederlage so gross / und derselbe samt seinem Sohn sollte Tod sein.
Ich aber / sagte Siegward / fiel ihnen in die Rede; Ich könnte dieses zweifels
sie bald benehmen / und hiess sie zu meinen mitgeführeten Wendischen Völkern
gehen / denen ich zugleich anzeigen liess / dass sie alles / was sie wüsten /auch
sonst gehöret und gesehen hätten / geträulich berichten sollten. Nun hatte ich
diesen fest eingebildet /ich zöge nur voran als mit einem fliegenden Heer /umb
zuvernehmen / ob Wendland ihr bevorstehendes Glük erkennen könnte / und dass auff
meine anfoderung alle hinterbliebene Fürsten mit ihrem bei sich habenden Heer
alsbald folgen / und auff befindliche Wiedersezligkeit jung und alt / was nur
den Wendischen Nahmen hätte / ausrotten würden. Dieses hatten sie nun ihren
Landsleuten nicht allein als vor gewis eingebildet / sondern auch allen verlauff
ihres begangenen Menschen raubes und der darauff erfolgeten schweren Niederlage
und bestraffung / ausführlich erzählet; wodurch diesen das Herz dergestalt
entfallen wahr / dass als sie wieder zu mir kahmen / und vor Seelen-Angst kaum
reden kunten / nur untertåhnig von mir zu wissen begehrete / was man vor einen
Gehorsam und unterwerffung von dem Wendischen Volke / welches ihres gewesenen
Fürsten Untaht weder gut geheissen / noch dessen sich teilhaftig gemacht /
erfoderte. Ich aber ihnen zur Antwort gab; sie sollten zuvor wieder zu den
ihrigen hinreiten / und ihnen zu wissen tuhn / in was zustande sie alle
miteinander begriffen währen / welches ihre Landsleute ihnen ohn zweifel anjetzo
würden gemeldet haben; und sich bald wieder bei mir einstellen / alsdann würden
sie zuvernehmen haben / was grosse unverdienete Gnade man ihnen anbieten würde.
Diese wurden solcher gemachten Hoffnung überaus froh / hinterbrachten alles
träulich / und hatten dadurch eine solche Furcht erwecket / dass sie alle
geruffen / man sollte nur dahin sehen / dass ihnen Leben und Freiheit überbliebe /
das übrige wollten sie alles gerne über sich nehmen / wahr auch niemand gewesen /
welche nicht ihre todte Fürsten und deren vornehmste Rahtgeber biss in abgrund
der Hellen sollte verflucht haben. Die vorigen stelleten sich bald wieder bei mir
ein / deren ältester /namens Hunerich / im nahmen des ganzen Wendischen Volkes /
vortrug: Es währe ihnen allen von Herzen leid / dass ihr gewesener Fürst Krito /
und sein Sohn Gotschalk / eine solche unverantwortliche Taht an dem
Grossmächtigen GrossFürsten der Teutschen /Herrn Henrich und den seinen / begangen
/ und müsten bekennen dass ihnen durch die angelegte Straffe recht geschehen
währe. Uberdas währe ihnen wohl bewust / dass allemahl die Untertahnen / ob sie
gleich allerdinge unschuldig / dannoch mit leiden müsten /wann ihre Obrigkeit
etwas verbrochen hätte; doch dannoch hätten zu ihrer Grossfürstl. Hocheit sie das
vertrauen / dieselbe würde gnädig mit ihnen verfahren / nachdem sie sich hiemit
und Kraft dieses auffrichtig wollten erbieten und verpflichten / dass / wann ja
noch ein oder etliche (dann viel würden deren nicht sein) in ihrem Lande sollte
gefunden werden / die schuld an dem begangenen Raube trügen / dieselben durch
grausame Straffen vom Leben zum Tode sollten gebracht werden / gleich auff die
Weise / wie dem frechen Buben und falschen Schmeichler Niklot nach seinem
verdienst begegnet währe. Endlich bahten sie / ich möchte nach tragender meiner
volmacht ihnen andeuten / was von ihnen erfodert würde / welches nach äusserster
mögligkeit sollte geleistet uñ erfüllet werden; tahten auch dabei einen
demühtigen Fussfal / ganz flehlich bittend / man möchte mit ihnen nach Gnade /und
nicht nach der Stränge verfahren. Ich hiess sie auffstehen / und dass alsbald ihre
Leute / so die Grenze besezt hielten ihr Gewehr von sich geben / und alsdann
meinen gnädigen Vortrag vernehmen sollten. Welches sie nicht allein gerne und
willig leisteten /sondern in 12000 stark / einen kläglichen Fussfal tahten: da
ich sie gutes muhts sein hiess / und ihnen vortrug; sie sollten gleich jezt in der
Taht erfahren /was vor hohe Gnade der Grossmächtige GrossFürst der Teutschen ihnen
durch mich seinen Gevolmächtigten antragen liesse: Als nehmlich / dass ihrer
Fürsten verbrechen an keinem einigen Menschen mehr sollte geeifert werden /
sondern alles Tod und abe sein; das ihr Land und Fürstentuhm weder mit Geldbusse
noch anderer Straffe sollte belegt werden; dass alle Inwohner /ädel und unädel bei
ihren Freiheiten und Gütern sollten gelassen werden. Dass alle Beschwerung /
welche Krito Zeit seiner Beherschung ihnen auffgebürdet /sollten allerdinge
auffgehoben und abgeschaffet sein. Ihre alte fromme Fürstin / welche der Räuber
eingemauret / und vor Tod angegeben hätte / sollte und müste alsbald frei gemacht
/ und ihr die völlige Herschaft eingeräumet werden / jedoch dass ihr Land Raht
von lauter eingesessenen Wenden / aus allen Stånden ihr sollte zugeordnet werden
/ welche dann nebest der Fürstin und allen Untertahnen angeloben würden /dass der
Durchleuchtigste Dänische Fürst / Herr Olaff / der einige und gewisse Erbe sein
/ und von der Fürstin vor einen Sohn sollte angenommen werden. Als ich meine Rede
hiemit beschloss / entstund eine solche Freude unter dem Volk / dass sie vor
vergnügung nicht wussten was sie tahten; sie riefen durcheinander her: Verflucht
sei Krito und Gotschalk in Ewigkeit / dagegen lebe und hersche glücklich der
allergnädigste und allerwoltähtigste Grossfürst der Teutschen / welcher uns mehr
gutes erzeiget / als wir nicht wert sind. Ich liess die vornehmsten vor mich
fodern / und befahl dass alsbald nachdem mir bewussten Orte geschikt / und die
eingesperrete Fürstin auff meiner Leibgutsche zu mir gebracht würde / doch dass
man ihr von allem verlauff nichts sagete / welches zuverhüten / ich Neda mit
gehen liess. Man hatte sie im elenden Stande angetroffen / und da man sie auff
die schöne Gutsche ganz ehrerbietig gesetzet / hatte sie gefraget / ob ihr
gottloser Gemahl oder ihr geträuer Sohn sie hohlen liesse; worauff ihr
geantwortet worden; weder ihr Gemahl /noch ihr Sohn / sondern ein fremder
unbekanter Herr /dem weiter nachzufragen sie sich gnådigst mässigen wollte / biss
er sich selbst meldete. Der Ort wahr nur eine Meile von meinem Lager / und ritte
ich ihr geharnischt entgegen / stieg mit blossem Häupte vom Pferde / ging zu ihr
an die Gutsche / und nachdem ich sie davon gehoben hatte / boht ich ihr mit
gebogenem Knie den Handkuss. Die fromme Fürstin hatte ihr gänzlich eingebildet
ich würde kein ander als der Dänische Fürst Olaff sein / weil sie dessen Liebe
ohndas von Angesicht nicht kennete / fiel mir umb den Hals /herzete und küssete
mich / und mit weinender Stimme sagte sie zu mir. Ach ihr mein allerliebster
Obeim und Sohn; wie schicken die gütigen Götter euch mir zur hülffe und rettung
so ganz gnädig zu; und werde ich meinem Gn. herzlieben Herr Bruder dem Könige in
Dännemark nimmermehr gnug danken können / dass seine recht brüderliche Liebe und
Gnade mich aus meiner elenden Gefängnis los gemacht / dessen Liebe flehlich zu
bitten ich nicht auffhöre werde / mir diese Gnade zuerzeigen / dass ich dem
gottlosen Wüterich Krito ja nimmermehr unter die Augen komme / sondern in
Däñenmark die übrige Zeit meines lebens in stiller einsamkeit und ruhe zubringen
möge. Ich gab ihr zur Antwort: Ihre Durchl. möchte mir gnädig verzeihen / dz ich
derselbe Fürst nicht währe / wiewol sie gleich einen solchen gehorsamen
untertähnigen Sohn und diener an mir haben sollte; sagte ihr auch meinen Nahmen /
und dass von dem Grossmächtigen GrossFürsten aus Teutschland ich abgeschicket währe
/ ihre Durchl. nicht allein aus ihrem Gefängnis losszureissen / sondern dieselbe
auch als eine mächtige und volkommene Beherscherin des ganzen Wendlandes
einzusetzen und zubestätigen; welches da sie aus verwunderung es nicht
begreiffen kunte / meldete ich ihr kürzlich ihres gewesenen Gemahls freveltaht
und lebens verlust an / auch dass ihr Sohn in der Schlacht als ein tapferer Held
mit drauff gangen währe; welches lezte ihr die Trähnen hervor trieb / und sich
doch bald zufrieden gab / insonderheit / da sie vernam / wer ihr künftiger Erbe
und Nachfolger in der Herschung sein würde. Sonsten wahr eine solche Freude bei
den Untertahnen / dass es zubeschreiben unmöglich ist / ward mir auch angezeiget
/ dass wañ man ihnen die freie Wahl gegeben / würden sie keinen andern als den
Dänischen Fürsten gekieset haben. Ich musste auff der frommen Fürstin heftiges
anhalten mit ihr nach ihrem Schloss zihen / und alle meine Völker in ihre
Städte und Festungen verlegen / dass ich mühe hatte / meine mitgebrachten los zu
bitten; uñ weil man unvermuhtlich einen sehr grossen Fürstliche Schaz / auff
viel Tonnen Goldes in den heimlichen Gewölben fand /davon der Fürstin nichts
kund wahr / mussten nicht allein meine Völker drei Monat Sold / sondern mein
Gemahl und ihr Frauenzimmer Königliche Schenkungen wieder ihren willen annehmen;
da dann das ganze Land nebest ihrer redlichen Fürstin sich willig anerbeut / dem
Grossfürsten der Teutschen und allen den seinen mit Leib / Gut und Blut allemahl
auffwärtig und bereit zu sein. Die unsern erfreueten sich sehr /dass alles so wohl
und friedlich abgangen wahr / aber die freude durch ganz Wendland wahr nicht
auszusprechen; dañ Krito hatte sie unter sehr schweren Frohndiensten und
Schatzungen gedrücket / dass sie von ihm biss aufs Blut ausgesoge wurde. Fürst
Olaff stellete sich bei dieser Erzählung / als ginge ein solches ihn gar nichts
an / ohn dass er Siegwarden /wegen der seiner Wasen erzeigeten freundschaft und
dienste / höchlich dankete / und sich zu aller mögligkeit hinwiederum erboht.
Herkules redete ihn an / mit bitte / er möchte ihm gefallen lassen / sich den
Landstände des Wendischen Fürstentuhms zustellen /damit er samt der alten
Fürstin die Huldigung zugleich annehmen könnte. Valiska kam auch darzu / und
hielt freundlich an / ein solches zu leisten / und sie zu Prag wieder zu
besuchen. Er aber gab zur Antwort /er hoffetete von der König- und
FürstlichenGeselschaft die Gnade zuerhalten / dass ihm gegönnet würde / mit ihnen
in Böhmen zuzihen / nachdem ihm unmöglich währe / ihre Gesellschaft so schleunig
zuverlassen. Worauff Königin Valiska / die ihn schwesterlich liebete / ihm diese
Erklärung taht; es würde seine Liebe schwerlich gläuben können / wie angenehm
ihnen allen und jeden dieses sein Erbieten währe; rechneten auch in Warheit
seine brüderliche Freundschaft höher als das erworbene Königreich. Er wollte ihr
auff gegebene Antwort den Handkuss bieten / aber sie umfing an dessen statt ihn
als einen Bruder /welches auch von den jungen Königen und Fürsten geschahe / die
sich ihm mit Gut und Blut anerbohten /und wahr insonderheit zwischen ihn und
König Baldrich eine solche innigliche Liebe / dass sie nicht wohl kunten lange von
einander sein. Noch hielt aber Valiska an / er möchte sich erklären / wie bald
ihm gefällig sein könnte / nach Wendland zureisen. Worauff er mit wenigem
antwortete; er hätte noch zur Zeit nicht Ursach dahin zuzihen / hoffete auch /
man würde ihm allerseits verzeihen / dass er sich desselben Fürstentuhms
unangemasset liesse. Dann ob gleich ihr gar zu mildes anbieten / ihr gewogenes
Herz ihm Sonnenklar vor Augen stellete / würde ihm doch nit gebühren solches
anzunehmen / ehe und bevor er sähe / wie es zu verschulden sein könnte; müste
überdas seinem Herr Vater es erstlich zu verstehen geben /und es abwarten / ob
derselbe auch einwilligen könnte / dz er ein solches Geschenk annähme;
schlieslich baht er demühtig / ihm davon ein mehres nicht zu sagen. Also
schlugen sie dieses Fass zu / und antwortete Valiska als im Scherze; sie merkete
wohl dass ihr getahnes doppeltes versprechen würde müssen bei einander sein. Ihr
Zug ward zimlich eilig fortgesetzet / so dass nur 300 Reuter mit ihnen gingen /
und das ganze Heer von Teutschen / Böhmen / Friesen / Wenden und Olafs Dänen /
ingesamt 34000 stark / alle wolgewapnet und beritten / unter Neda und Klodius
folgen mussten. Zu Prag liess die alte Königin auff ihre Ankunft bester massen
zubereiten / weil ihr der Aufbruch durch einen reitenden Bohten angemeldet ward;
und als sie daselbst anlangeten / ging sie ihnen biss an das Schloss Tohr entgegen
/ und liess die beiden jungen Herlein hinter sich her tragen. So bald sie
einander erreicheten / trat Valiska aus der Ordnung vorhin /nahm ihr liebes
Söhnlein auff ihren Arm / welches nunmehr 38 Wochen alt wahr / herzete und
küssete es mütterlich / und gabs hernach ihrer Fr. Schwiegermutter mit diesen
Worten: Sehet da / herzliebe Fr. Mutter / diesen meinen herzallerliebsten Schaz
/ an welchem ihr auch Teil habet / habe ich euch noch nicht kund machen wollen /
auff dass ihr auch alhie zu Prag möchtet durch eine neue Lust erfreuet werden; so
nehmet nun eures Sohns Herkules und mein allerliebstes Söhnlein hin / und
erfreuet euch / dass ihr ein Kinds Kind auff die Arme bekommet / ehe ihr wisset /
dass ihr GrossMutter seid. Die Mutter ward der unvermuhtlichen Zeitung froh / nam
das liebe Kindichen ganz begierig an / und kunte sich an demselben nicht sat
noch müde küssen. Ach du mein herzallerliebster Herkuliskus / sagte sie zu ihm;
der allmächtige Gott verleihe dir seine Gnade / dass du in seiner Furcht
auffwachsen / und zu allen Christlichen Tugenden mögest erzogen werden / auff
dass du nach dieser Sterbligkeit / die kaum nennens wert ist / ein klarer Stern
unter allen Auserwählten erfunden werdest. Rief hernach den alten König ihren
Gemahl zu sich / hielt ihm das Kind zu / und sagete: Da mein Herzgeliebeter;
wisset ihr noch nicht / dass ihr Grossvater seid / so besehet nur diesen kleinen /
ach / allerliebsten Herkuliskus / der seiner ElternGesicht so wenig als sich
selbst verleugnen kann. Der König nahm ihn alsbald auff seine Arme / und sagte zu
Herkules: Lieber Sohn / habe ich dann nicht ehe als zu Prag mich einen
glückselige Grossvater kennen müssen? doch es ist wohl angelegt / damit wir auch
alhie eine neue unvermuhtliche Freude einnehmen mögen; aber der allerhöchste
Gott / sagte er zu dem Kinde / hat dir sehr grosse Gnade verlihen / dass du ein
Christ in deiner Kindheit schon bist / ehe du es selbst wissen oder verstehen
kanst; dein Heiland nehme dich in seinen Gnaden Schuz / und lasse dich nach
dieser Vergängligkeit mit allen Kindern Gottes der ewigen Herligkeit geniessen.
Die alte Böhmische Königin erzeigete sich nicht minder frölich / dass sie die
ihrigenfrisch und gesund wieder herzen und umfahen kunte / auch ihr geliebter
Bruder und dessen Gemahl erlöset wahren; aber die traurige Zeitung wegen der
Fräulein Verlust (die man ihr nicht hatte zuschreiben wollen) betrübete sie
herzlich / hoffete doch / sie würde von Gott wieder zu Hause geleitet werden.
Nach gehaltener Mahlzeit ward der alte König / fein Gemahl / und Fürst Olaff in
ein grosses Gemach geführet / in welchem Herkules und Ladislaen Gelder wie
Kornhauffe aufgeschüttet lage / dessen sie sich nit gnug verwundern kunten; und
als sie die sehr grosse Menge der köstlichen Kleinoten sahen / sagten sie / es
schiene fast / ob hätten sie Asien von dergleichen Kostbarkeiten ganz leer
machen wollen; dessen Valiska lachete / und ihnen anzeigete / dass das überaus
weitläufftige und reiche Land diesen Abgang an Golde und Kleinoten nicht eins
merkete; wiewol auch ein sehr grosser Teil aus der Paduanischen Räuber-Höhle
erobert währe. Des ersten Tages nach ihrer Ankunft wurden Klodius /Markus und
Neda mit 1800 Teutschen und Böhmischen Reutern nach Padua abgefertiget / Herrn
Q. Fabius / Herrn Pompejus und andern guten Freunden ihre kurze und glücklich
geendigte Kriege und Siege anzumelden / und sie zugleich ihrer Zusage der
Besuchung zuerinnern / nebest Bitte / dass sie alsbald mit ihnen überkommen
möchten. Diese seumeten sich nicht auff dem Wege / wurden aber von einer
Pannonischen Schaar 2000 stark / aus einem Pusche unversehens überfallen / so dz
Neda mit 300 Mannen sie anfangs aufhalten musste / biss die andern sich in Ordnung
begaben / da dann ein sehr herbes Treffen vorging / in welchem 600 Pannonier
erschlagen / und die übrigen mehrenteils verwundet in die Flucht getrieben
wurden / sie aber auch 400 Mann einbüsseten / und an die 500 Verwundete unter
sich hatten. Zu Padua empfing man sie sehr wohl / woselbst Herr Pompejus mit
aller seiner Haabe von Jerusalem schon wieder angelanget wahr. Sie erfreueten
sich ingesamt unserer Helden wolergehens / und dass Fürst Baldrich mit so
geringer Mühe ein Königreich erlanget / da Pompejus nach eingenommenen Bericht
diese Urtel von Herkules fellete: Ich höre und vernehme mit Verwunderung / dass
dieser unvergleichliche Held eben so glücklich den Teutschen als anderen Völkern
obsieget; und muss sein Muht ja so kräfftig sein / dass er allen seinen
Kriegsleuten die Herzhaftigkeit eingiessen / und den Feinden Schrecken bringen
kann. Insonderheit wahr er herzlich froh / dass sein geliebter Schwieger Sohn sein
Königreich so nahe bei Köln hatte / und sie allemahl in wenig Tagen zusammen
kommen kunten; trug auch grosses Verlangen / die unsern zusehen / und mahnete
Herrn Fabius / Kornelius / Emilius / Antenor und Opimius samt etlichen andern
auff / dass mit ihren Gemahlen sie sich zur Reise fertig machen mussten /welche
des andern Tages sollten vorgenommen werden. Inzwischen wahren die unsern in so
weit vergnüget weil sie die Unruhe (ihrer Meinung nach) nunmehr zum Ende
gebracht / und die Waffen abzulegen /Muess und Zeit bekommen hatten (dann die
vielen ergangenen Unglücks Zeichen schlugen sie fast gar in den Wind / unter der
Meinung / der böse Feind wollte ihnen dadurch eine vergebliche Furcht einjagen);
so dass sie der gänzliche Einbildung wahren / wann nur Frl. Klara und Fürst
Arbianes wieder funden währen /könnte man in der Furcht des HErrn von Herzen
frölich sein. König Henrich erinnerte Ladisla / er sollte seine Krönung länger
nicht auffschieben / sondern dadurch seine Untertahnen erfreuen / damit er
hernach mit so viel grösserem Ansehen und Nachdruk gute Anordnung in seinem
Königreiche machen / und allerhand eingeschlichene Missbräuche in Städten und
auff dem Lande abschaffen könnte; Welchem er zufolgen bedacht wahr / und solches
Fest 6 Wochen nach seiner Wiederkunft zuhalten ausschrieb / mit ernstlichem
befehl / dass die Ritterschaft und andere wehrhafte Untertahnen sich dagegen
auffs beste rüsten und einstellen sollten.
    Zehn Tage vor der angesetzeten Krönung meldete der Frankische Ritter
Farabert sich vor Prag an / hatte 220 wolberittene treflich geputzete Reuter und
12 beladene Maulesel bei sich / ward auffbegehren mit allen seinen Leuten willig
eingelassen / und bei der Bürgerschaft verlegt und Kostfrei gehalten / da er
zwar ansuchete / dz auff den nähstfolgenden Tag er möchte vor Königin Valisken
zur gnädigsten Verhörung gelassen werden / aber dieselbe liess ihm gegen die
Abendmahlzeit mit ihrer statlichen Leib Gutsche nach dem Schloss hohlen /
räumete ihm und seinen LeibDienern etliche Gemächer ein / und musste daselbst
absonderlich Königlich gespeiset werden / da ihm Leches und Klodius Gesellschaft
leisteten. Des folgenden morgens wurden die beladene Maulesel nach dem Schloss
gebracht / abgeladen / und alle Sachen in verschlossenen Wetschern von rotem und
gelben Leder hinter ihm von 46 Dienern hergetragen /welche / da er vorgefodert
ward / inzwischen auf dem hohen Gange warten mussten / biss ihnen geruffen würde.
Königin Valiska liess ihn fragen / ob er mit ihr absonderlich / oder in anderer
ihrer Anverwante Gegenwart / reden wollte; und als er zur Antwort gab; wann eine
so höchstwirdige König- und Fürstliche Gesellschaft sein anbringen mit anhören
wollte /würde bei seinem allergnädigsten Könige er solches hoch zurühmen haben.
Also wahren alle vier Könige samt dem ganzen Frauenzimer / nebst Siegward und
Olaf versamlet / da Königin Valiska ihrem Gemahl zur Seiten sass / und den
Gesanten / Ritter Farabert mit einem auffstehen grüssete / und die Hand zuküssen
ihm darboht; welches er untertähnigst verrichtete /etliche Schritte wieder
zurücke trat / und also anfing: Grossmächtigste unüberwindlichste Könige und
Königinnen / Durchleuchtigste Fürsten und Fürstinnen. Mein Allergnädigster / und
Gnädigster Herr / auch allergnädigste Frau; der Grossmächtigste unüberwindlichste
König der freien Franken und Sikambter; wie auch dessen Hocheit Gemahl die
Grossmächtigste Königin / und deren Hocheiten HerrSohn / der Durchleuchtigste
Königliche Fürst Markomir / haben mir ihrem Diener allergnädigst und gnädig
anbefohlen /alle eure Anwesende Königliche Hocheiten und Fürstliche
Durchleuchtigkeiten freund- und dienstlich zugrüssen / und ihren Hocheiten uñ
Durchleuchtigkeiten samt uñ sonders ihre auffrichtige beharliche Freundschaft
und Dienste anzumelden / auch dabei dieselben zuversichern / dass ihnen nicht
mehr anliege / als wann einige empfangene Freundschaft zuvergelten /ihnen die
Macht und Gelegenheit benommen werde /welches sie doch nie als vor dissmahl bei
ihnen empfunden / nachdem das Glük ihnen noch zur Zeit die Mittel an die Hand
nicht geben will / eine wirdige Dankbarkeit vor erzeigete Woltaht / im Werke
sehen zulassen. Absonderlich lässet mein König sich gegen de Grossmächtigsten
König / Herrn Herkules freund-Väterlich bedanken vor den angenehmen Gruss uñ
Freundschaft-Anerbietung / uñ ersetzet dessen Hocheit ein solches mit
gleichmässigem. Die unvergleichliche Königin uñ Grossmächtigste Frau aber / Fr.
Valiska wird dessen versichert / dass wie dero Hocheit sich erkläret / meinen
allergnädigsten König und Königin an Eltern Stat anzunehmen / also haben
dieselben gegen diese ihre wirdigste Fr. Tochter sich hinwiederumb erklären
wollen / alles dasselbe zuleisten / was derselben kann lieb und angenehm sein.
Mein gnädigster Fürst aber / Herr Markomir / dem die Götter durch ihrer Hocheit
freundliches Schreiben die völlige Gesundheit wieder zugestellet haben / achtet
sich unwirdig dero hohen schwesterlichen anerbietens / und verbleibet Zeit
seines Lebens seiner Gnädigsten Königin und Frauen / Frauen Valiska in Ehren
dienstergebener Knecht. König Henrich selbst bedankete sich des überbrachten
Grusses in ihrer aller Nahmen / und zeigete an / wie lieb ihne des Franken
Königes und der seinigen Wolergehen währe / und dass sie hoffeten / die Ehre
zuhaben / in Ihrer Liebden Brüder- und Väterliche Kundschaft zu kommen.
Herkules setzete hinzu; Es könnte ihm nichts angenehmers begegnen /als dass eines
so Grossmächtigen und Weltberühmten Königes väterliche Gewogenheit er erhalte /
daher er nicht ruhen / noch seine Seele völlig befriedigen würde / ehe und bevor
seines Gn. Herr Vaters / Königes Hilderichs / und liebwerten Bruders
GrossFürstMarkomirs Angesicht er gesehen / und seinen Gehorsam und Dienste ihnen
mündlich angetragen hätte. Königin Valiska brachte ihren absonderlichen Dank mit
grosser Freundligkeit und Ehrerbietigen Benennungen vor / und stellete sich
überaus frölich wegen des jungen Fürsten wieder erlangeter Gesundheit / wie ihr
dann solches eine grosse Freude wahr; daher sie sagete: Der Tag müsse gesegnet
sein / an welchem ihr mein Freund Herr Farabert / mich zu Padua angesprochen und
des liebwerten Fürsten / meines freundlichen lieben Herrn Bruders / Herrn
Markomirs Zustand mir zuwissen gemacht / weil nicht allein hiedurch / wie ich
herzlich gerne vernehme / des lieben Fürsten Gesundheit befodert ist / sondern
ich auch in die Väter-und Mütterliche Gunst und Gnade der Grossmächtigen Königes
und Königin der freien Franken auff und angenommen bin; hoffe auch dieser Tage
von dem Herrn Gesanten den jetzigen erfreulichen Zustand meines Herrn Bruders
und Oheims umbständlicher zuvernehmen. Grossmächtigste Königin / antwortete er;
Ihrer Königl. Hochheit solches zuerzählen erkenne ich mich in tieffster
Untertähnigkeit schuldig / und überliefere deroselben diese beide Schreiben von
meinem allergnädigsten Könige Herrn Hilderich / uñ von dem Durchl.
GrossfürstenHerrn Markomir; nebst angehengter untertähnigster Bitte / Ihre
Königl. Hocheit wolle mir allergnädigst erlauben / die dabei übergeschickete
Sachen / als ein Zeichen Mütterlicher Gewogenheit meiner allergnädigsten Fr.
Königin /und dienstergebenen Bereitwilligkeit höchstgedachten meines gn. Fürsten
/ vor ihre Gegenwart einzuliefern. Sie empfing solche Briefe ganz ehrerbietig /
und dass dem Gesanten frei stünde / alles nach ihrer Gn. Eltern seines Herrn
Königes und Fr. Königin Anordnung und Befehl zuschaffen / brach des Königes
Brief zuerst / und fand diesen Inhalt:
    Durchleuchtigste Grossfürstin (dann es wahr diesem Könige ihr Königlicher
Stand annoch unbewust) freundliche geliebte Fr. Tochter und Wase; je näher eines
Menschen Art der göttlichen Volkommenheit trit / jemehr befleissiget sich
derselbe andern zu dienen und deren bestes zubefodern / die ihrer Hülffe
bedürffen; daher uns dann keines weges wundert / dass Eure Liebe (deren Ruhm
schon in dieser ihrer jugend den Weg der Ewigkeit suchet) sich der Wolfahrt
unsers freundlichen liebe Herr Sohns / aus recht schwesterlicher Freundschaft
und mitleiden / so hoch und ernstlich angenomen hat; welches dann die gütigen
Himmels-Götter mit ihrem Gedeien dergestalt gesegnen wollen / dass es mehr
gefruchtet und gewirket / als wir an unserm Orte hätten hoffen und wünschen
mögen / gestaltsam der ehmahls elende Markomir an seiner Vernunft und Leibe
ungleich gesunder und glückseliger worden ist / als vor nie / und derselbe sich
nicht scheuhet offentlich zubekennen / dass wann er gleich sein Leben und Blut
vor Euer Liebe Wolfahrt auffopffern würde / solches doch nicht zuschätzen währe
gegen das empfangene Gut / von Euer Liebe über ihn mit vollen Ströhmen
ausgeschüttet. Wir seine Eltern sind daher Euer Liebe verbunde zu aller Väter-
und Mütterlichen Liebe / welche in der Taht dermahleins zuerweisen / wir das
Glük und die Gelegenheit uns von den Göttern wünschen / und uns vor unglückselig
achten werden /biss wir dessen einen rechtschaffenen Anfang werden gemacht haben.
Nehmet von uns den Willen an / herzgeliebete Fr. Tochter / und versichert euch
dass die Versiegelung unser Freude dieses ist / dass durch Eurer Liebe gewogene
Kindliche Freundwilligkeit / wir auch teil habe an den Ruhm / welcher Eure Liebe
durch ihren hohen Verdienst weit über alle andere ihres gleichen setzet. Die von
Eurer Liebe meinem Gemahl und Sohn übergeschikte kostbahre Bezeugungen ihrer
Freundwilligkeit und Liebe / sind allerseits wohl eingeliefert und begierig
angenommen / daher man desto weniger zweiffelt / die geringe Gegenbezeigung
einer Mütterlichen Ergebenheit und Brüderlichen dienstwilligsten Herzen (wo bei
unser Väterlicher Wille sich nimmermehr aus schliessen soll) /werde hinwiederum
mit gleichmässiger Vergnügenheit angenommen werden. Meine werte Fr. Tochter
wolle nebest ihrem hochberühmten Gemahl und sämtlichen Anverwanten von uns
freundlich gegrüsset sein / deren zu aller Väterlichen Mögligkeit wir verbunden
sind und bleiben wollen / als lange wir leben.
                                                                      Hilderich.
    Valiska lase es mit hoher Vergnügung / und reichete es nachgehends ihrem
Herkules mit diesen Worten ein: Mein Schaz / hie gebe Eure Liebe ich zu
vernehmen eine sonderliche VäterlicheGunst und Gnade /damit unser Gn. Herr Vater
der Grossmächtigste Franken König uns zugetahn ist; mehr als in unserm vermöge
sein wird / es zuverschulde. Herkules nam es ehrerbietig an / und in dem ers
durchsah / erbrach sie auch das andere von Fürst Markomir geschrieben /unter
dieser Auffschrift: Der Ruhmwirdigsten des Erdbodens / Grossmächtigsten
Grossfürstin der Teutschen / Frauen Valiska / seiner einigen Lebens-Erhalterin /
und Vernunft-wiederbringerin / zu ihrem selbst eigenen unsterblichen Ruhm. Nach
Verlesung dessen / sagte sie zu Farabert: Herr Gesanter; wañ dieser Brieff mir
nicht von so angenehmer Hand zukähme / würde ich ihn zu lesen mich nimmermehr
unterstehen / in Betrachtung der gar zu ungebührlichen Benennungen / welche in
der Auffschrift entalten sind. Er aber liess solches unbeantwortet / und legte
sie den Brieff von einander /welcher also lautete:
    Wann der Himmel selbst / unvergleichliche Grossfürstin und vollig-gewaltsahme
Gebieterin über mein Leben / mit seinem Donnerschalle aussblasen und uns hieniden
anmelden wollte / alle die Volkommenheit / welche er selbst eurer Vortreffligkeit
mit unermässlicher fülle mitgeteilet hat / würde er dannach so wichtig nicht sein
/ es uns Menschen durch einiges ander Mittel / als ihr selbst vorzustellen;
welches doch meine armselige Feder abschrecket / sich dessen zuunternehmen / was
uns allen unmöglich fället / daher ich bloss nur dasselbe zupreisen versuchen will
/ was wir gewesenen Elenden / nunmehr beglückseligten Menschen von ihrer
Erbarmung und Güte gutes begegnet ist. Ihre Strahlen der innerlichen und
aüsserlichen Volkommenheit hatten mich am Verstande und Gesundheit geblendet /
und weil ich deren entrahten musste / machten sie mich einem unvernünftigen Vieh
ganz ähnlich; biss der helle Gnaden-blik ihrer kräftigen Schrift und das Zeichen
eines solchen erbietens / dessen ich nicht wert bin / meine Vernunft durch der
Augen Anblik / wieder zu ihrer Richtigkeit brachten / und ich wieder wusste wer
ich wahr / uñ wer ich sein sollte. Vortreflichste Grossfürstin / einige
Wiederbringerin meiner Sinnen / gönnet bitte ich / eurem gar zu tief
verschuldeten /dass ihm frei stehen möge / dieses mit vollem Munde zurühmen / was
von ihrer Gnaden Hand er empfangen hat; mehr als alle Welt ihm nicht hätten
mitteilen können /und lasset ihm gnädig zu / sich dessen vor dissmahl durch seine
Schrifft / und erste Mögligkeit mündlich zubedanken / in solcher untergebener
Ehrerbietigkeit / als die empfangene Woltaht erheischet. Was mein Gn. Herr Vater
mir anbefohlen / meiner Erlöserin zum Zeichen aller Ergebenheit zu übersenden /
wird verhoffentlich die Gnade erhalten / dass unter ihrer Vortrefligkeit gewarsam
es verbleiben möge; und ihr gehorsamer Knecht die Freiheit habe / dasselbe vor
allen zubekennen / was ihre kräfftige Hülffe ihm hat wiederfahren lassen /
alsdann wird derselbe sich vor recht glückselig schätzen / welcher mit allem /
was er ist und hat / ist und verbleibet der volkomenwirdigsten GrossFürstin Fr.
Valisken ganz verschuldeter und verpflichteter Knecht Markomir.
    Valiska wollte vor der ganzen Gesellschaft nicht aussagen / was an diesem
Schreiben ihr so sehr missfiel / nur zeigete sie dem Gesanten / wie
hocherfreulich ihr die Zeitung wegen des lieben Fürsten Gesundheit währe. Und
als des aufftragens der vielen Wetscher kein ende werden wollte / stellete sie
sich etwas ungeduldig / und fragete / warumb man sie doch mit solcher Last
beschwerete. Farabert aber liess dieselben / an der Zahl 24 in zween Hauffen
stellen / da an den rohten der Königin / an den gelben aber des jungen Fürsten
Nahme stund; und er untertähnig anhielt / ihre Königl. Hochheit möchte mit
solchem Willen und Wolgefallen dieses alles teils von der Königin / teils von
dem jungen Fürsten / annehmen / wie dass von ihr übergeschikt währe angenommen
worden. Worauff sie sich freimühtig erklärete; ja / ob sie gleich
augenscheinlich und an den vielen Wetschern sähe / dass die Königlichen Geschenke
gar zu gross währen / wollte sie doch / umb ihrer Gn. Fr. Mutter der Fr. Königin
ihren Gehorsam / und dem jungen Grossfürsten ihre schwesterliche Liebe sehen zu
lassen / sich dessen durchaus nicht wegern. Und musste der Gesante mit zur
Königlichen Mahlzeit gehen / da er als eines grossen Königes Diener gebührlich
geehret ward. Nach der speisung foderte ihn Valiska allein vor sich in ihr
Gemach / und zeigete ihm an / dass so hoch sie über des jungen Fürsten erlangeter
Gesundheit sich erfreuet / so heftig hätte sie sich über dessen Schreibens
Inhalt betrübet / weil sie ein solches übermachtes Lob darinnen hätte lesen
müssen / das ihr Herz sich vor ihr selbst geschämet / wollte auch hiemit
angeloben / dass ob sie zwar vordissmahl dem Fürsten schriftlich antworten wollte /
sie doch hinfüro weder dergleichen Briefe mehr von ihm anzunehmen / noch
zubeantworten bedacht währe. Hernach musste ihr Farabert erzählen / wie es mit
dem Fürsten eigentlich beschaffen währe; da er ihr zuvernehmen gab / was gestalt
in den ersten fünff Wochen nach ihrer Hocheit empfangenen Schreiben / seine
Durchl. zur volständigen gemühts und leibes Gesundheit gerahten / da es sich von
Tage zu Tage gebessert / und er Farabert fast immer bei ihm sein / und ihrer
Hocheit Wunderfälle und lebens Art ihm erzählen müssen; nachgehends hätte er
sich wieder in seinem Fürstlichen Stande /aber weit prächtiger als vorhin /
öffentlich sehen lassen / hätte auf der Jagt sich viel geübet / und allerhand
Ritterspiel eiferig getrieben / auch dabei so freimühtig gewesen / dz man sich
darüber verwundern müssen. Sein Schild dessen er sich gebrauchete /währe also
bezeichnet dass aus einem verborgenen dicken Dampfe eine ganz helle Flamme hervor
schlüge in sieben zwar unterschiedlichen / aber nahe zusammen stehenden Strahlen
an welchen zu unterst die sieben Buchstaben V.A.L.I.S.C.A. stünden / nicht
anders / als sieben reiche Quellen dieser auffsteigenden Flamenstralen. Umbher
stunden die Worte mit grünen Buchstaben: Coelestis Medicina facile reparat quod
per se periit. Das ist: Die himlische Arznei machet leicht wieder gut / was
durch sich selbst verderbet ist. Ein sehr herrlicher Spruch / sagte Valiska /
wann er nur recht verstanden und erkläret wird; aber der Nahme oder die
Buchstaben unten an den Strahlen müsten nicht die gesetzeten / sondern diese
sein: C.R.E.A.T.O.R. Das ist; der Schöpfer / oder der wahre Gott. Farabert fuhr
in seiner Erzählung fort; es hätte Fürst Markomir oben auff dem Helme einen
andern Strahl / welcher einen verwelketen Grassstengel wieder grünend machete und
in die höhe richtete / und darunter dieses Wort: Desuper Auxilium. Die Hülffe
komt von oben herab. Das ist ein recht löbliches Wort / sagte Valiska / und
möchte wünschen / dass des Fursten Brieff hiemit zustimmete; wie aber? wird der
liebe Fürst meinem Gemahl und mir nicht die Ehre antuhn / uns zuzusprechen. Wir
werden gewiss nit unterlassen / unsere Gnn. Eltern / euren König und Königin
zubesuchen / weil wir nicht zweifeln / wilkommen zu sein. Ja / Grossmächtigste
Königin / antwortete er / höhere Vergnügung würde meinem Könige nicht begegnen /
werde auch keine angenehmere Zeitung nach hause bringen können als diese. Sie
besah nachgehends die überschicketen Sachen / deren sie sich verwunderte; dañ
da wahren zwo Königliche Kronen und Reichsstäbe; Hals- und Armketten von dik
gegossenem Golde / Pferdespangen und Puckeln aus gleichen Erz; und Steigbügel
von hohem wert. Hernach die allerzarteste Linnewand / die Menschen Augen jemahls
gesehen / uñ allerhand Bettegerähte /Tisch- und Tellertucher / und was zur
uberflüssigen auszierung eines Königlichen Essesaals / Verhör-stuben / geheimen
Zimmers / und Schlaffgemachs kann oder mag gefodert werden; welches sie hernach
dem andern Frauenzimmer zeigete / welche bekenneten /desgleichen nie gesehen zu
haben. Es ward Farabert Königlich beschenket samt allen seinen Dienern / da die
46 so die Wetscher auffgetragen hatten / alle mit köstlichen neuen Kleidern
versehen wurden / und jeder 300 Kronen Barschaft / Farabert aber zu sechs
Kleidern allerhand teurbahre Tücher / und 8000 Kronen / auch vor 6000 Kronen
Kleinot bekam; seinen übrigen 204 Reutern wurden jedem 60 Kronen ausgezählet /
und bei jeder Mahlzeit jedem eine Krone verehret. Farabert hielt zwar an / dass
er des vierden Tages nach seiner Ankunft gnädigst möchte abgefertiget werden /
aber sie vermochten ihn / dass er die Zeit der angesetzeten Krönung abzuwarten
versprach; weil aber solche durch einen feindlichen Uberfal verhindert ward /
ging er am Tage der unglücklichen Zeitung nach empfangenen Briefen eilig fort
nach seinem Könige.
    Das allerliebste Fräulein ward nunmehr als eine Erschlagene von ihren
verwanten herzlich betrauret / so dass auch bei Herkules selbst wenig Hoffnung
ihres lebens mehr übrig wahr / dessen er aber sich nicht merken liess / damit der
Eltern betrübnis nicht dadurch vermehret wurde; aber der grundgütige Gott wollte
sie in ihrer elenden Magdschaft nicht lange stecken und verächtlich halten
lassen / sondern sie den ihren nach seiner väterlichen Versehung wieder
zuführen. Dann Wolfgang sinnete Tag und Nacht / wie er sie nach dem Elbstrom
bringen möchte / ob er gleich sein Leben darüber einbüssen sollte; aber das
Fräulein wollte / dass er des sichersten spielen musste / damit sie Ehr und Leben
behielte. Nun arbeitete er bei einem reichen Bürger / dessen erwachsener Sohn
Richard /seines alters von 22 Jahren / hohes Sinnes / und über die masse
ehrgeitzig / etliche Pferde auff der Sträu hielt / welche ihm Wolfgang neben
seiner verdingeten Arbeit / fleissig wartete / dass er seine gute Gunst erhielt /
und zuzeiten einen Trinkpfennig bekam. Es wahr dieser Kerl ein rechter Waghals
durfte sich unterstehen / was ihm einfiel / und glückete ihm allentalben wohl /
ungeachtet die Tugend sehr dünne bei ihm gesäet / und überdas der unkeuscheit
sehr ergeben wahr. Als Wolfgang merkete / dass er eines Worts bei ihm mächtig
wahr / sagte er einsmahls zu ihm; es währe schade und jammer / dass ein solcher
frischer und tapferer Mensch im Bürgerstande sterben / und sein gutes Herz so zu
reden / unter dem Koht vergraben sollte; wann er nun wissen könnte / wessen er
sich zu ihm zuversehen oder zu trauen hätte / wollte er ihm Anleitung geben / und
darzu behülflich sein / dass er in wenig Tagen durch eine tapffere ehrliche Taht
nicht allein den hohen Adelstand erwerben / sondern ein grosser reicher Herr /
und angenehmer Freund treflicher Fürsten werden sollte; die Taht / deren auff
solchen fal er sich würde unterwinden müssen / währe eben so schwer und
unmöglich nicht / wann er nur die Kühnheit nehmen dürfte / ein Fräulein sehr
hohes Standes / die an einem Orte nicht weit von hinnen / in dienstbarkeit
wieder ihren Willen behalten würde /zuerretten / und nach den ihren zubegleiten.
Dieser wollte alsbald wissen / wo das Fräulein anzutreffen /und auff was Weise
die Erlösung vorzunehmen währe. Welches aber so dürre auszubeichten / ihm
ungelegen wahr / daher er ihm diesen Dunst vormahlete: Diesseit Köln läge ein
Städlein / in welchem dieses Durchleuchtige Fräulein von einem unwirdigen
verwägenen Weibe schlechtes Adels / als eine Magd wieder ihren Willen
auffgehalten wurde / wiewol derselben dieser Fräulein hoher Stand unwissend
währe; wann man nun etwa zwölf bewehrete Reuter hätte /könnte man sie ohn alle
Lebensgefahr davon bringen; doch müste man eine Gutsche mit guten ausgeruheten
Pferden in bereitschaft haben / darauff man sie setzete / und an einen Ort /
welchen er zu seiner Zeit nennen wollte / hinbrächte. Ich weiss so schleunig nit
zu rahten / antwortete Reichard / woher man so viel Mannschaft / welcher man
trauen dürfte / nehmen könnte; Gutschen und Pferde hat mein Vater gut genug /
wollte auch wohl so viel Gelder schaffen / als zu der Reise kosten erfodert würden
/ dann auff dem Lande hat mein Vater hin und wieder Aufkünfte zu heben / und
andere Schulden ausstehen / welche ich bald einfodern wollte. Wie? antwortete
Wolfgang / könnte mein Herr nicht eine heimliche Werbung anstellen / oder von
seinen Eltern begehren / dass sie ihm so viel Reuter ausrusteten /unter dem
Vorgeben / er wollte damit zu Kriege zihen / einen Herrn suchen / und Ehre / Ruhm
und Güter zuerwerben bemühet sein? Dieser bedachte sich ein wenig / trug es
seinem Vater vor / und erlangete dessen bewilligung auff acht Reuter / welche er
ihm werben und gebührlich ausrusten wollte. Wolfgang dauchte die Zahl zum
nohtfalle gnug sein / welche Reichard inwendig sechs Tagen zu liefern versprach
/ und sollte Wolfgang inzwischen es schaffen / dass ohn verzug die Sache
vorgenommen würde / er vor sein Häupt wollte entweder sterben / oder die Erlösung
ritterlich zu werk richten / hätte auch mit seines VatersGutscher es schon
angeleget / Wagen und Pferde fertig zu halten / und solche nur sechs Stunden
(also hätte ers ihm vorgeschwätzet) zugebrauchen / davor er ihm drei Gülden
versprochen / auch die helfte schon vor heraus gegeben hätte. Als Wolfgang sah
/ dass an dieses Menschen Träu und Glauben nicht zuzweifeln wahr / taht ers dem
Fräulein in der Nacht zu wissen /und sagte zu ihr: Ach dass Gott wollte / dass ihr
nur einmal Gelegenheit hättet / auff das Feld zu gehen oder zu fahren / dann
wollte ich mir getrauen / euch ohn alle Gefahr davonzubringen. Dann sehet / vor
erst könnte ich euch adeliche Kleider verschaffen; vors ander tähtet ihr die
angestrichene Farbe ab; wer wollte euch dann vor die jezige Armgard ansprechen?
so habe ich schon eine Gutsche wohl bespannet / und acht beherzete Reuter / die
euch begleiten sollten; O dass ihr nur einmal hinaus vor das Tohr kommen möchtet
/mein Herz trägt mirs zu / dass mein Anschlag gerahten würde. Mein frommer und
geträuer Wolfgang / antwortete sie; ich kann dem allerhöchsten Gott nicht gnug
danken / dass Er mir euch zugewiesen hat; dann ihr habt mir diese ganze Zeit über
/ solche Träue erzeiget / welche ein Bruder seiner leiblichen Schwester kaum
leisten würde. So fahret nun fort geträu zu sein / wie ich dann nicht zweifele /
und gläubet mir sicherlich / dass ihr von mir Zeit eures lebens dergestalt sollet
geliebt und begnadet werden / als ihr euch noch nicht einbilden möget. Aber dass
ich auff euren Vorschlag komme; meint  ihr dann / geträue Leute angetroffen zu
haben / denen ich mich sicherlich vertrauen dürfte / wann ich mich in meiner
wahren Gestalt stellen würde? Dass hoffe ich gänzlich / antwortete er; erzählete
ihr auch den ganzen Anschlag / und dass er seinem Gesellen den Ort noch nicht
genennet hätte /woselbst das vornehme Fräulein anzutreffen währe. Ich verlasse
mich nähest Gott auff euch / sagete sie /uñ dafern euer Anschlag aller richtig
ist / hoffe ich die gröste Tochter / deren ich zimlich mächtig bin / wohl dahin
zubereden / dass sie mich mit sich hinaus auf ihr nähestes Meyer-Gut nehme. Dass
währe der sicherste Weg / sagete er; aber ich mus es 24 Stunden vorher wissen /
weil es so schleunig nicht zu werke gerichtet werden kann. Wir wollen nach
mögligkeit eilen / antwortete sie / dann meines bleibens ist ohndas nicht länger
hie / inbetrachtung / ich nicht weis / wessen ich mich zu dem alten Ehebrecher /
meinem jetzigen Herrn zuversehen habe / welcher von unzimlichen Sachen mit mir
zu reden beginnet / und Geschenke ausbieten darff; ich ihn gleichwol aber das
leztemahl der gestalt abgewiesen habe / und ihn mit der Dräuung /es seinem Weibe
zu sagen / erschrecket / dass er verhoffentlich mich wohl zufrieden lassen soll /
und furchte ich mich nur des nachtes am meisten vor ihm / wann ihr nicht hie
seid / wiewol ich alsdann die Tuhr und das Fenster so fest versperre und
inwendig verbolwerke / dz niemand ohn Gewalt herauff brechen wird. Des folgenden
Morgens / da das Fräulein mit der grösten Tochter die Nähe-arbeit trieb / fing
sie an zu wünschen / dass sie einmal einen halben Tag in die frische Luft kommen
möchte / es gäbe eine feine Verenderung / und befünde sie sich ohndas nicht
allerdinge wohl auff / welches ihre Gestalt gnug anzeigete; nun fürchtete sie
aber ihrer Frauen Zorn (dann sie wahr schon etlichemahl von ihr mit Maulschellen
gelohnet) dass sie sich dessen nicht würde durfen verlauten lassen; hätte demnach
höchlich zu bitten / ob sie es nicht dahin bringen könnte / dass sie eins mit ihr
nach ihrem Vorwerk ausfahren möchte / davor wollte sie ihr /wann sie Braut sein
würde / ein statliches Bräutigams Wischtuch mit sonderlichem fleiss verfertigen.
Ja warumb nicht / antwortete sie: Dieses soll meine Mutter mir nicht versagen /
und wans euch geliebete / könnte es noch wohl heute geschehen. Ach nein / geehrte
Jungfer / sagte sie / ich will zuvor eures Herrn Vaters Hemde uñ Kragen fertig
machen / woran ich heut und Morgen zu arbeiten habe; könnte es dañ übermorgen
geschehen / währe mir sehr lieb. Dass will ich euch wohl vorherzusagen / antwortete
die Jungfer / noch ehe ich meine Mutter darumb begrüsse. Wer weiss aber / sagte
das Fräulein / ob sie mir so viel Feierabend gönnet /dass ich mit euch fahre?
Davor lasset mich rahten und sorgen / antwortete sie; ich habe meiner Mutter wohl
ehe etwas abgebehten / und soll mirs vordissmahl auch nicht misslingen. Weil nun
dieselbe gleich in die Stube trat / brachte die Tochter vor / sie möchte ihr
erläuben / übermorgen nach dem Vorwerk zu fahren /und Armgarten mitzunehmen /
der sie ihre schöne Rosmarin / Negelblumen und andere Gewächse zeigen wollte. O
ja / sagte die Mutter / das ist eine mögliche Bitte; ich werde meinen Mägden
Wagen und Pferde halten / dass sie zur Lust ausfahren / und sich im Kräutergarten
ergetzen. Sie soll mir auf dem Hindern sitzen und nähen / dann mit dem ausfahren
kann sie das fressen nicht verdienen. Aber sage mir / hat die faule Metze dir
etwa solches angegeben: die Landläufferin wird des sitzens irgend schon müde
sein. Nein gewisslich nicht / herzen Fr. Mutter / antwortete sie / ich selbst
habe sie darzu gebehten / weil schon vor etlichen Wochen ich von ihr verstanden
/ dass sie mit künstlicher Auffbindung der Rosmarin Båume fein umzugehen wisse /
davon unser Gärtner wenig vergessen hat. Das Fräulein entschuldigte sich mit
demühtigen Worten / und baht / ihre Frau möchte sie nicht in dem Verdacht haben
/ sie wollte gern nach ihrem Befehl bei ihrer Nähe-Arbeit bleiben. Aber die
Tochter hielt immer an mit bitten / weil ja die schöne Rosmarin sonst gar ins
wilde wachsen würde / wo man sie nicht beizeiten gewähnete. Worauff endlich ihre
Mutter sagete: Machet mir zusammen fertig was ich euch eingesetzet habe; komt
dann Zeit / so komt auch wohl Raht; Womit sie hinweg ging / und sagte die Jungfer
zu dem Fräulein: Nun ist die Sache schon klar / massen wann meine Mutter sich so
weit heraus lässet / das ist gleich so viel / als ob sie ja gesaget håtte;
darumb zweifelt nur nicht / wir wollen übermorgen / so bald es euch gefället /
auff sein. Diesen Nachmittag wurden die Töchter / ohn die jüngste /von dem
Fräulein abgefodert / andern Hausgeschäfften obzuliegen / welcher gelegenheit
der Hausvater /Namens Bernhard / wahr nam / sich zu dem Fräulein machte / uñ ihr
gewaltig liebkosete / wie er sie so heftig liebete / und bedacht währe / sie
nicht länger als eine Magd / sondern seinen Kindern gleich zuhalten / dagegen
würde sie verhoffentlich seine Liebe und Gunst erkennen / und nicht / wie bisher
geschehen / ihn verächtlich von sich abweisen; nach welcher Rede er sein
Töchterlein vermahnete hinzugehen / und mit ihren Tocken zuspiele. Das Fråulein
aber wollte in deren Abtrit nicht einwilligen / sondern sagte zu ihm: Herr / wann
ihr wollet / dass ich bei euch bleiben /und euch auf euer erbieten antworten soll
/ werdet ihr das liebe Kind alhie bei uns lassen / oder mirs nicht verdenken /
dass ich zugleich mit ihr davon gehe. So wollte auch das Kind durchaus nicht
hinweg / sondern hielt sich an ihr / und setzete sich endlich gar auff ihre
Schoss / welches dieser Unzüchtige / Schande halben einwilligen musste / sich aber
zu ihr setzete / und um freundliche Erklärung bei ihr anhaltend / sich
ungebührlicher Griffe gebrauchen wollte / dessen sie sich entbrechend / also zu
ihm sagete: Herr / dass ihr euch gegen mich als ein gewogener Freund erkläret /
und meine Magdschaft zumiltern mir versprechet / dessen wird euch der Himmel
lohnen / weil mein Unvermögen die Vergeltung nicht zulässet; dass ihr aber
gedenket / mich zu eurem unzüchtigen Willen zuverleiten /da ich überdas in der
Ehe lebe / solches werdet ihr hinfüro abstellen / oder mir es nicht verubeln /
dass bei meiner Frauen ich umb Schuz wider euch anhalte / und so kühn bin / euch
anzuzeigen / dass ich tausend mahl lieber den Tod leiden / als ich was wider
meine Zucht und Ehre begehen oder zulassen werde / wie schlecht uñ geringe ihr
mich auch halten möget; stellet demnach euren Mutwillen ein / oder gönnet mir
/dass ich einen andern Dienst suche / da von dergleichen unerbaren Ansprengungen
ich frei bin. Der Alte (dann er wahr schon ein 52jähriger) wollte sich zornig
stellen / und weiss nicht / was vor Straffen dräuen; aber seine älteste Tochter
kam unvermuhtlich wieder /dass er kaum gelegenheit hatte / heimlich zu ihr
zusagen / sie sollte schweigen / oder ihres Lebens nicht sicher sein. Worauff sie
zur Antwort gab: Ja Herr /ich will auch vor dissmahl noch schweigen / wann ich nur
hernähst unbemühet bleibe. Also ging er hinweg /als hätte er kein Wasser
betrübet / dañ er fürchtete sich vor seinem Weibe nicht viel weniger als vor dem
Henker selbst. Sie klagete diese Nacht ihrem Wolffgange solches alles / und gab
ihm zugleich zuverstehen / auff welche Zeit sie ihre Lustreise verhoffentlich
ungezweifelt fortsetzen würde; welches ihm sehr lieb wahr; im übrigen aber ihr
den Raht gab / da sie des folgenden Tages aber eins unzimliche Ansprache von dem
Alten haben würde / möchte sie sich etwas gelinder vernehmen lassen / damit er
nicht aus toller Liebe eine Erklärung fassete / die auff Gewalttaht bestünde;
könnte auch nicht schaden ihn auff etliche wenig Tage (wanns nicht anders sein
könnte) hinzuweisen / und ihm also in Sicherheit das Maul auffsperren. Aber wie
sie dazu sich selbst nicht bereden kunte / also schikte es Gott / dass er aus
Schahm und Furcht sich des folgende Tages von ihr nicht sehen liess. Wolffgangen
dauchte numehr hohe Zeit sein / seinem Gesellen Reichard die rechte Warheit
zuoffenbahren / welcher ihm zuvor einen leiblichen äid schwören musste / was er
ihm anjezt vertrauen würde / in geheim zuhalten; dagegen versprach er ihm
hinwiederumb im Nahmen der Fräulein äidlich / ihm entweder ein freies RitterGut
erblich zuverschaffen / oder zwo Tonnen Goldes in Barschaft / da ihm solches
angenehmer sein würde; gefiele es ihm auch / sollte er in den Ritterstand / und
zum Grossfürstlichen Beamten gesetzet werden. Und als sie sich darauff
beiderseits auffs hårteste verbunden / sagte ihm Wolffgang das vornehme
Fürstliche Fräulein würde morgen umb 9 oder 10 uhr aus dieser Stad nach dem und
dem Vorwerk fahren; da müste man nun einen Anschlag auff sie machen / dass man
sie dergestalt hinweg führete / dass es so bald nicht ruchtbar wurde; alsdann
währe durchaus keine Gefahr bei der Sache / nur dass die / so sie angreiffen und
wegnehmen sollten / in vermummeter Gestalt es verrichteten / damit sie hernähst
nicht erkeñet / oder doch nicht so gar bald ausgekundschaffet werde könten.
Reichard wahr zu allem willig und bereit / nahm von seinen Eltern und Verwanten
Abscheid / und richtete sich nach der Zeit / dass er auff den nähstfolgenden Tag
sehr früh mit seiner Reuterei hinaus ritte / vorgebens / er wollte über den Rein
/ und im Kriege sich eine zeitlang versuchen; hatte auch die Gutsche fertig /
und fehlete ihm nichts / nur dass das Fräulein sich blicken liesse / die man
hinweg nehmen sollte. Als Wolffgang diesen lezten Abend nach seiner Gewohnheit zu
dem Fräulein ging / seinem Vorgeben nach /bei seiner Armgart zuschlaffen / wollte
der alte Bernhard ihm solches nicht gönnen / fing einen falschen Zank an / und
sagte / er sollte sich alsbald von seinem Hofe hinweg packen; Er kähme in
Erfahrung / dass er hin und wieder austrüge / was in seiner Haushaltung vorginge
/ dessen er hinfüro wollte geübriget sein. Dieser wusste sich dessen unschuldig /
baht deswegen umb Verzeihung / und erboht sich / sein Leben zulassen / wann ihm
das allergeringste könnte überbracht werden; Er merkete aber daher / dass der Alte
irgend auff diese Nacht eine gefährlichen Anschlag möchte gemacht haben. Die
Frau / Nahmens Mechtild / kam gleich darzu / und fragete ihren Mann / was er
sich mit Wolffgang zukeiffen hätte? Da dieser seine jezt getahne Entschuldigung
wiederhohlete / und die Frau inständig baht / ihm zum wenigsten noch diese Nacht
seine Armgart zugönnen / alsdann wollte er lange nicht wieder kommen. Die Frau
wahr diesen Morgen von ihrem kleinen Töchterlein berichtet / ihr Vater hätte
Armgart küssen / und auff seine Schoss nehmen wollen / welches sie nicht hätte
wollen leiden / und sich darüber mit ihm gescholten. Dieses fiel ihr gleich ein
/ daher sie einerlei mit Wolffgangen argwohnete /und zu demselben sagete: Gehe
hin / und schlaffe bei deinem Weibe / wie bisher geschehen / kein Mensch soll dir
solches wehren; ja wann du eine einzige Nacht von ihr bleibest / will ich dich
zustraffen wissen. Ihr Bernhard solches hörend / gedachte alsobald / die Karte
würde falsch sein / und ging stilschweigend davon / sie aber folgete ihm auff
dem fusse nach / und da sie mit ihm allein wahr / fing sie also an: Sehet doch
den junge frischen Buhler / der meine Mägde beginnet zuküssen / und auff der
Schoss zuführen / so ungescheuhet / dz seine kleinen Kinder es ansehen und
austragen müssen. Er fragete mit einem wundervollen Eifer / wer ihn also belogen
hätte. Ihr kleinstes Töchterlein Adelgund kam gleich daher gelauffen / zu dem
die Mutter sagete: Mein Kind / sage mir / was taht dein Vater unserer Armgart?
Je HerzenMutter /antwortete das kleine / habe ichs euch doch bereit gesagt; Er
wollte sie herzen / und auff seine Schoss nehmen / aber unsere Armgart / meine
liebe Armgart /wollte es nicht leiden. Je du loser Sak / sagte der Vater / wer
hat dir solches zusagen eingestecket? Ja HerzenVater / antwortete sie / ist es
nicht wahr / woltet ihr nicht auch ihr nach dem Busem greiffen? Wisset ihr noch
wohl / als ihr mich woltet aus der Stube schünnen / und unsere Armgart wollte es
nicht leiden? Gut mein Töchterchen sagte die Mutter / wo du es aber noch einem
einzigen Menschen sagen wirst / will ich dir den Hals abschneide. Je HerzenMutter
/ sagte diese / ich will es keinem Menschen mehr sagen. Es kam die gröste Tochter
eben darzu gangen / deren diese kleine entgegen lief / und überlaut zuruffen
anfing: Höre Alheid (also hiess diese) es ist nicht wahr / dass unser Vater hat
wollen unsere Armgart küssen / auff die Schoss nehmen / und ihr in Busem
greiffen; Nein es ist nicht wahr / es ist doch nicht wahr. Diese erschrak der
Rede / und sagte: Je du Balg / wer saget dann solches? habe ichs gesagt? Nein /
antwortete die kleine /du wahrest nicht dabei ich habs allein gesehen / aber ich
darffs nicht mehr sagen / oder meine HerzenMutter will mir den Hals abschneiden.
Die Mutter hiess die beiden Töchter hingehen / und als lieb ihnen ihr Leben währe
/ das Maul halten. Hernach sagte sie zu ihrem Ehe Junkern: Pfui schämet euch in
euer Herz und Blut / ihr alter ehebrecherischer Narr; ist euch nun ein neuer
Kitzel nach meiner Magd ankommen? Er wollte noch stark leugnen; aber sie hiess ihn
schweigen; wie es doch möglich währe / dass dieses Kind von sechs Jahren ein
solches aus ihren Fingern saugen sollte; Kinder und Narren (hiesse das alte
Sprichwort) sagten die Warheit; welches an ihrem Töchterchen erschiene. Sie
wollte dissmahl ihm solches zu gute halten / würde er aber sich noch eins gelüsten
lassen / zu ihrer Magd zunahen / wollte sie schon wissen ihn dergestalt die
Schüppe zugeben / dass er dessen vor aller Welt Schimpff und Spot haben sollte. Ob
er an ihr nicht ein Genügen haben könnte / da sie noch frisch und kaum von 32
Jahren währe. Er gestund endlich so viel / dass er solches aus Kurzweil getahn
hätte / umb zusehen / wie beides Armgart und die kleine Klapperbüchse sich
dagegen bezeigen würde. Ich will euch diese Entschuldigung gläuben / wie die
erste Leugnung / sagte sie / und dannoch umb Friedes und eurer eigenen Ehre
willen hievon nicht wissen / nur lasset euch ja witzigen / wollet ihr sonst
nicht / dass ich euch öffentlich beschimpfen soll. Sein Gewissen sagte ihm /dass er
schweigen sollte / aber seinen Vorsaz / ob er gleich heut vergebens währe /
hoffete er doch zur andern Gelegenheit auszuführen. Wolffgang meldete dem
Fräulein des alten Buben Vornehmen an / schlugens aber beide aus dem Sinne / und
brachten den mehrenteil der Nacht mit andächtigem Gebeht zu /dann sie hatte ihn
schon zum Christentuhm beredet; Ihr mit Trähnen vermischetes Flehen ging hin zu
Gott / dass derselbe nach seinem väterlichen Willen ihr Unglück brechen / und das
Vornehmen zu ihrer Erlösung gerahten lassen wollte. Die gröste Tochter Alheit
hatte alle ihre Ketten / Ringe / Perlen und Kleinot ihr in Verwahrung getahn /
weil sie dieselben fein zusaubern wusste; Hievon nam sie einen zimlichen Anteil
auff die 200 Kronen wert zu sich / deren als eines Nohtpfenniges auff der Reise
zugebrauchen / und hernähst ihr viel ein kostbahrers wieder zuschicken; liess
Wolffgang zimlich fruh von sich / nahm ihr gewöhnliches nähen vor / und gedachte
des ausfahrens nit im geringsten / als die Jungfer zu ihr kam / wiewol sie
schmerzlich verlangen trug / die Gewissheit zuerfahren / damit sie / genommener
Abrede nach / ihren Wolffgang solches zeitig gnug / mit einem weissen
ausgestekten Tüchlein aus ihrem Kammer Fenster möchte zuverstehen geben. Aber
kaum hatte diese sich an Händen und unter dem Gesichte gewaschen /da fragete sie
das Fräulein alsbald / ob sie sich nicht fertig machen wollte / mit hinaus
zufahre; der Wagen würde schon angespannet / und dürffte der Auffbruch wohl eine
Stunde zeitiger geschehen / als sie gemeinet / weil die Mutter umb 4 uhr
nachmittage wieder daheim sein / und selbst mitfahren wollte; Welche Antwort sie
nicht ohn grosse Bekümmernis anhörete /und doch ihrem Gott trauete / er würde es
zu ihrem besten schicken. Das Vorwerk lag eine gute Meile von der Stad / und
mussten sie durch einen kleinen Wald fahren / in welchem die Taht zuvolstrecken /
sie den Anschlag gemacht hatten. Wolffgang ging in seiner täglichen Kleidung
hinter dem Wagen her / welches die Frau ersehend / ihn fragete / wo er hinaus
gedächte / und ob er sich befahrete / dass sie ihm seine Armgart entführen wollte.
Nein Hochädle Frau / antwortete er; sondern weil ich heut ohndas Herren los bin
/ gehe ich mit / ob ich ihr auff dem Vorwerke zu etwas könnte behulflich sein. So
gehe mit / sagte sie /ich finde allentalben Arbeit vor deines gleichen. Die
Abrede zwischen ihm und seinen Reutern wahr / dass auff der bestimmeten Stelle er
ein Zeichen geben sollte / dessen er unvergessen wahr; massen so bald er anfing
zusingen / liessen sich 4 Reuter sehen / welche mit angeklebeten Bärten sich
unkentlich gnug gemacht hatten / und von hinten zu dem Wagen folgeten / auch wie
es angelegt wahr / Wolffgangen mit ungestüm frageten / ob er zu der Gutsche
gehörete / und was vor Leute darauff sässen. Er aber zur Antwort gab: Er
gehörete nicht darzu / und möchten sie selber zusehen / wornach sie frageten.
Frau Mechtild hörete solches / und nach ihrem Frevelmuht fragete sie die Reuter
/ was sie sich umb ihren Wagen / oder wer darauff sässe / zubekümmern hätten;
sie sollten sich ihres Weges packen / oder gewärtig sein / was ihnen begegnen
sollte. Die Reuter verteileten sich / dass zween den Gutscher zwischen sich nahmen
/ die andern zween aber an den Wagen ritten / und der eine diese Antwort gab:
Wie nun Frau / was habt ihr fremde Leute zu trotzen? oder darff man diesen
Bauern umb nichts fragen? sah inzwischen das Fräulein starre an / und sagte als
im Zorn zu ihr: Wie nun zum Henker / wie nun Armgart? finden wir uns so
ohngefehr hie beieinander? wer hat dich heissen aus meinem Dienst gehen / und
einen andern Herrn suchen /ehe du mir die versprochene Zeit ausgehalten hast?
Das Fräulein antwortete / als aus Furcht: Sehet da Herr seid ihrs? und kennet
meinen Mann nicht mehr /welcher hinter dem Wagen hergehet / dem ihr ja / und
eben so wohl auch mir Urlaub gegeben habt nach dem Elbstrohm zu unsern Freunden
zu reisen. Ich kenne ihn wohl / antwortete er / aber aus begierde zuerfahren / ob
du hier währest / habe ich ihn nicht angesprochen; sage mir aber du betriegerin
/ heisset dieses nach der Elbe reisen / uñ bist über den Rein gangen? Mein Herr
/ antwortete sie / die Schuld lieget nicht an mir / sondern an dieser Frauen /
als welche mich mit List nach dem Rein geführet / und nachgehends mich gezwungen
hat in ihre Dienste zu treten / dessen ich wohl nimmermehr willens gewesen währe.
Je Frau /sagte dieser darauff / wie dürfet ihr euch dann erkühnen mir mein
Gesinde abzuspannen? und dräuet mir selbst noch wohl darzu? bald dürftet ihr mich
auff dem vorsatze finden / dass ich gleiches mit gleichem vergölte / und eure
Tochter zu meiner Beischläfferin mit mir nähme / wozu sie mir deucht gross genug
sein. Was woltestu nehmen? sagte die Frau / halte ja bald ein mit dieser Pfeiffe
/ oder es wird dir ein selzamer Tanz darauf erfolgen. Je du leichtfertiges
freches Weib / antwortete dieser / kanstu dann noch nicht erkennen / dass du mir
durch entführung meines Gesindes / unrecht getahn hast? so wird dir das Wasser
bald über die Körbe gehen. Hier entfiel ihr der Muht gar / fürchtete der Tochter
Ehre / und fing an sich zuentschuldige; es hätte Armgart dieses nicht
offenbahret / dass sie in eines andern Dienste währe / würde demnach solche
unwissenheit zu ihrer entschuldigung gelte lassen / uñ möchte er seine Magd nach
seinem belieben immerhin nehmen / welche sie ohndas in kurzen lauffen zulassen
willens gewesen. So heissets nicht / sagte dieser / ich will trauen wegen des mir
erwiesenen Schimpfs und ausgestossener dräuung abtrag haben; darumb gib alsbald
Ringe / Ketten / Armbänder / und alles geschmeide her / was du und deine Tochter
an euch traget / oder meine dräuung soll stündlich auff dieser grünen Heide
erfüllet werden. Die Angst machete / dass sie bald einwilligten / und auff 500
Kronen wert von sich gaben. Ihrer zween bunden dem Fuhrman Hände Füsse / legten
ihm einen Knebel ins Maul / und schleppeten ihn eine gute Ecke zum Walde hinein
/ Wolfgang aber musste auffsitzen /und die Gutsche fortführe / da die Reuter /
welche ein lediges Pferd bei sich hatten bei ihm blieben / und denen auf dem
Wagen den Tod dräueten / dafern sie einiges Geschrei anfahen würden. Sie
brachten den Wagen zwo Meilen von der Stad an einen unwegsamen Ort in ein dickes
Gepüsche / da die Jungfer anfing zu zittern und zagen / nicht zweifelnd / es
würde um ihre Ehre getahn sein; aber das Fräulein tröstete sie / mit dem
versprechen / ihr sollte durchaus kein Leid geschehen / möchte nur wünschen dass
ihre Mutter sich auch also gegen sie bezeiget hätte / dass sie ungestraffet
bliebe / weil aber dieselbe sehr unbarmherzig mit ihr verfahren / ihr weder
essen noch trinken / noch ruhe gegönnet / und täglich gelegenheit vom Zaune
gebrochen sie mit Fåusten zu schlagen / dass ihr oft Mund und Nase geblutet /
müste sie inne werden und in etwas empfinden was solche wüterische Grausamkeit
verdienete. Der ertichtete Herr riss darauff die Frau von der Gutsche / und mit
einem starken Prügel zerschlug er ihr die unbarmherzigen Hände / Arme /und das
Gerippe / dass sie endlich drüber in Ohmacht fiel / und das Fräulein noch vor sie
bitten musste. Der frommen Adelheit (oder Alheit) aber geschahe gar kein leid /
wiewol ihrer Mutter Elend ihr die häuffigen Trähnen aus den Augen trieb / und
Wolfgang zu ihr sagete: Danket ihr Gott / dass ihr dieser meiner vermeinten
Frauen kein leid habt angetahn / eurer würde sonst nicht besser als diesem
grausamen unbarmherzige Weibe gewartet werden / bei welcher ihr diesen Tag uñ
folgende ganze Nacht verbleiben sollet / und wo ihr euch erkühnen werdet vor
Morgen früh von diesem Orte weg zuzihen / müsst ihr umb Ehr und Leben kommen /
hernach aber möget ihr zihen wohin ihr wollet / könnet euch auch berühme / dass
nie kein Mensch eures gleichen / ein vornehmer Weibesbild zur Magd gehabt als
ihr. Das Fräulein kehrete sich nichts an das Weib / aber zu der Tochter sagte
sie: Meine Freundin / ich danke euch sehr vor allen erzeigeten guten Willen /
und versichere euch / dass ich nicht unterlassen werde / mich gegen euch in der
Taht dankbar zuerzeigen; eines ist mir fast leid / dass euer alter unzüchtiger
Vater nicht mit heraus gefahren ist /welchen ich wegen seiner ehebrecherischen
anmuhtungen hätte wollen eurer Mutter gleich zurichten lassen / damit eins dem
andern nichts vorzuwerffen hätte. Warnet ihn aber / dass er von solcher
schändlichen Büberei abstehe / oder da ichs erfahren sollte /werde ich ihn schon
finden; dann meine Hand ist so lang dass ich über hundert Meilen damit reichen
kann /welche zu küssen eure Mutter das gottlose freche Weib unwirdig ist / und
doch dieselbe zu ihrer Mägde-Arbeit so grausam angetrieben hat. Ihr solt auch
wissen / dz ob ich gleich anjetzo flüchtig davon eile / wollte ich doch (wann ich
mich nur bei dem Römischen Statalter zu Köllen meldete) bald nach euer Stad
umbkehren / und eure böse Eltern durch Henkers Hand abschlachten lassen. Als sie
dieses geredet hatte / machte sie die angestrichene Farbe von ihrem Angesicht
und Händen hinweg / und liess die Jungfer ihre zarte Schönheit sehen / welche
sich deren hoch verwundernd / zu ihr sagete: Ach gnädige Frau; vergebet doch
meinen Eltern / was sie aus unwissenheit wieder euch gesündiget haben. Ja /
sagte sie / es soll ihnen auff eure Bitte vergeben sein / da sie sich bessern
werden; euch aber hoffe ich noch gutes zu tuhn. Wolfgang stellete sich nunmehr
sehr demühtig gegen sie /und weil sie sich was lange aufhielt / sagte er:
Durchleuchtigstes Fräulein / ihre Durchl. wolle ihr gnädigst gefallen lassen
abscheid zu nehmen / demnach es hohe Zeit sein wird. Ja mein Freund / antwortete
sie /wir wollen uns nicht långer aufhalten. Ihr redlichen Leute aber / sagte sie
zu den Reutern / seid mir geträu und beiständig auff meiner kurzen Reise / uñ
versichert euch / so wahr ich gedenke ehrlich zu leben und selig zu sterben /
dass ich euch dieses rittes dergestalt ergetzen will / dass ihr vor Armut sollet
befreit sein /und in grosser Fürsten ansehnliche Dienste / da ihrs begehret /
auffgenommen werden. Diese viere sprungen von ihren Pferden / tahten ihr einen
Fussfal / und verpflichteten sich ihr äidlich / vor ihre Wolfahrt Leib und Leben
auffzusetzen. Wolfgang nam das Fräulein vor sich auff das ledige Pferd / und
ritten miteinander nach ihrer Gesellschaft / welche sich nicht weit davon in
einem Dorffe auffhielt / woselbst das Fräulein von Reichard höflich empfangen
und alsbald mit buhlerischen Augen angesehen ward / dessen sie doch nicht wahr
nam / sondern zu ihm sagete: Mein Freund / dass ihr auff meines geträuen Dieners
Wolfgang anmuhten euch zu meiner rettung habt wollen gebrauchen / ist eine
löbliche Taht / welche euch und allen euren Gehülffen dergestalt soll vergolten
werden / wie ihr selbst wünschen könnet / nur seid mir geträu und beiständig
auff den Nohtfal / wir werden unsern Weg in etlichen Tagen endigen / da ich mit
Gotteshulffe zum Ende meiner trübsaal / ihr aber zum anfange eures Glüks
gelangen sollet. Reichard wahr ein stolzer Mensch /meinte / es geschähe ihm von
dem Fräulein nicht Ehre und danks genug / uñ liess sich vernehmen; dass er ihrer
Gn. mit seiner hülflichen Hand beigesprungen / währe nicht eben aus Hoffnung der
Vergeltung /sondern aus mitleiden wegen ihres elendes geschehen / wie solches
einem jeden tapferen Gemüht zustünde /der unterdrücketen sich anzunehmen. Welche
Antwort sie seiner unwissenheit zulegete / sich nochmahl aller vergeltung erboht
/ und mit Wolfgang auff eine Kammer ging / woselbst sie die mitgebrachten
adelichen Kleider anlegete / sich auff die herzugeführete Gutsche setzete / und
unter inbrünstiger anruffung Gottes frölich davon fuhr / da Wolfgang sich zu ihr
in den Wagen setzen musste / mit welchem sie im Gebeht zu Gott fleissig anhielt /
und diesen Tag und die ganze Nacht zu eilen nicht auffhörete / biss sie des
folgenden morgens sehr früh den Reinstrohm erreichete / und sich hinuber setzen
liess / eben des Orts daher sie kommen wahr. Sie mieteten daselbst im nähesten
Flecken einen des weges kündigen Bohten / welcher sie die richtigste Strasse
nach Magdeburg bringen sollte / und hatten eine gute und sichere Reise. Reichard
hätte nunmehr mögen etliche wenig Tage sich der Untugend entalten / alsdann
würde er in kurzen an Ehr und Reichtuhm höher / als keiner seines Geschlechts
gestiegen sein; aber als er der Fräulein ausbündige und ganz volkomene Schönheit
sah / die dannoch durch ihr Elend umb ein grosses gemindert wahr / wuchsen die
unzüchtigen Begierden in ihm dermassen / dass er ihm gänzlich vornahm / das
äusserste zuversuchen / damit er ihrer geniessen möchte / dann der Stolz / umb
dass er etwa acht Reutern zugebieten hatte / wahr so gross bei ihm / dass er sich
selbst nicht kennete; er ritte bei der Gutsche auff und abe / liess sich sehen /
und redete so kühnlich mit ihr /als währe er ein Fürst / oder sie eines Bürgers
Tochter gewesen. So bald sie über den Rein wahren / stellete er sich / ob könnte
er wegen des Zahnewehes / das reiten und die Luft nicht wohl erleiden / daher er
an Wolfgang begehrete / dass er auff sein Pferd sässe / und ihm die Stelle in der
zugemachten Gutsche überliesse; wozu dieser willig wahr / aber das Fräulein
ungerne sah / weil sie wenig höfliches Gespråchs bei ihm vermuhten wahr / und
sich doch dessen nicht durfte merken lassen. Als der Freveler sich bei dem
schönen Fräulein allein befand / und aus allen ihren Geberden wohl muhtmassete /
sie müste sehr hohes Standes sein / welches er noch zur Zeit nicht eigentlich
von Wolfgang erfahren köñen / scheuhete er sich dañoch /plumpssweise losszubreche
/ fing an sie höchlich zubeklagen / dz ein so trefliches uñ mit aller Schönheit
begabtes Fräulein sich als eine Haussmagd hette müsse verächtlich halte lassen /
erfreuete sich hoch / dz er die Ehre gehabt / sie losszumache / uñ baht
schliesslich / ihm mit gnädiger gewogenheit zugetahn zuverbleiben / nach dem er
mehr als brüderliche Träue an ihr erwiesen / welches ihn Zeit seines Lebens
erfreuen würde / und dass in ihre Kundschaft er gerahten währe / deren Schönheit
ihn dermassen strängete / dass ihm unmöglich währe / ihr solches zuverbergen. So
wohl dem Fräulein die ersten Worte gefielen / so herzlich entsetzete sie sich
über die lezten / dass sie kaum ihrer Vernunft gebrauchen kunte / diese wenig
Worte zusagen; Mein Freund / dass er sich zu meiner Rettung hat wollen lassen
gebrauchen; ist mir ein sonderlicher gefallen daran geschehen / wie wohl ich mich
leicht auf andere Weise hätte können lossmachen / wann ich mich nur dem Römischen
Statalter zu Köllen / Herrn Julius Lupus zuerkennen geben wollen; aber
versichert / sollen seine mir erzeigete Dienste und angewante Kosten / ihm nicht
unvergolten bleiben / sondern mit Reichtuhm und Ehren Erhöhung zu aller gnuge /
und mehr als sein Stand mit sich bringt / ersetzet werden / welches er mir wohl
sicherlich trauen mag / dafern er sonst sich weiters bereitwillig finden lassen
wird / mich nach Vermogen an Ehre und Leben zuschützen / da die Noht / wie ich
doch nit hoffen will / es erfodern würde. Meine Schönheit betreffend / ist
dieselbe keines sonderlichen Ruhms wirdig / aber immer und ewig leid müste mirs
sein / wann dieselbe / wie schlecht sie auch sein mag / auf andere Weise /als in
Erbarkeit / einigem Menschen gefallen sollte. Welches sie auch mit solchem Ernst
uñ eiferigen Worten vorbrachte / dass er sich in etwas entsetzete /und schon
bereuete / dass er diesen Argwohn bei ihr erwecket hatte; dann er hoffete eine
solche Gelegenheit anzutreffen / seinen Muhtwillen dergestalt zuerhalten / dass
weder sie es verhindern / noch jemand davon ich / was erfahren sollte; derhalben
/ sie aller Furcht zubenehmen / er um Verzeihung baht / vorgebend / er hätte
entweder seine Reden aus Unbedachtsamkeit anders vorgebracht als sie gemeinet
wåhren /oder aber ihre Gn. wurden sie ungleich aufgenommen und ausgeleget haben;
währe ihm also leid / dass er in solches misstrauen bei ihr gerahten sollte. Welche
Antwort sie / als währe sie völlig befriediget / aufnahm /und doch aus seinem
strängen anschauen und unsittigen Geberden wohl merkete / dass er nichts gutes im
Siñe haben möchte. Wie sie auf einem Dorffe das Frühstucke von der mitgenommenen
kalten Kuche /andertalb Meile disseit Reins hielten / merkete Wolfgang aus
seinen Bezeigungen / was er im Schilde führete / und suchete Gelegenheit /
allein mit dem Fräulein zu reden / welche ihm aber zuvor kam / und die
leichtfertige Anmuhtung ihn wissen liess / daher er mit den Reutern in Reichards
Abwesenheit redete; sie sollten sich versichern / dass ihrer keiner ohn Fürst- und
Königliche Geschenke bleiben sollte / wann sie ihm äydlich wurden angeloben / dass
sie dz Fråulein vor alle Gewaltsamkeit / äusserstes Vermögens wollten schützen
helfen / wann ihr irgend Unbilligkeit sollte angemuhtet werden. Diese liessen
sich einhellig auf solche Zusage heraus / als lange sie warm Blut håtten / sollte
es keine Noht haben. Wolan / sagte er / so helffet auff den Fal euren Herrn
abhalten / wann er sich einiger Gewaltsamkeit oder unlöblicher Taht unterfahen
wollte / biss dahin aber lasset euch nichts merken; dagegen will ich euch åydlich
versprechen / dass euch bloss allein vor diese Tråue eine Tonne Schaz soll
ausgeteilet werden / so bald wir nur bei der Elbe angelanget sind. O wie
freueten sich diese arme Landläuffer / neigeten sich vor ihm / und verhiessen /
so wohl Nachtes als Tages fleissig zu wachen / und alles böse zu verhindern.
Welches er dem Fräulein anzeigete /und dass sie sich vor dem Buben durchaus nicht
fürchtete / sondern / da sie ein unbilliches Wort oder Geberde von ihm vernehmen
würde / ihm nur kühnlich /und hart genug einredete / weil die Reuter ingesamt
sich zu ihrem Schutze / auch wider ihren Herrn selbst / äydlich mit ihm verbunde
hätte. Ey Gott lob sagte sie / so ist mir dieser schwere Stein vom Herzen
genommen / stellete sich auch freimühtig / und lies gerne zu / dass der freche
Bube sich wieder zu ihr auf die Gutsche setzete / weil er darumb anhielt. Er
hätte gerne gesehen / dass man mit der Reise so heftig nie eilen mögen / wendete
ein / die Pferde könten es nicht ertragen / und würden bald tod nider fallen.
Aber da half nichts zu; dann Wolfgang antwortete / man hätte an dem erbeuteten
und andern geschmeide Mittel gnug / frische Pferde zukauffen / wann diese gleich
drauff gehen würden / weil ihre Wolfahrt auf der eile bestünde; dass er also
nicht weiter wiedersprechen durfte. Auf der Gutsche fing er an sein Unglück
zubeklagen / dass er in so nidrigem Stande hätte müssen geboren werden; der
Himmel hätte ihm wohl eine so ädle und unüberwindliche Seele gegeben / als
mannichem nicht / der ein Fürstentuhm besässe; aber was diesen wohl anstünde /
und von jederman an ihnen gelobet würde / durften er und seines gleichen kaum
mit Gedanken überlegen; woraus leicht zuerkennen währe / dass es einem tapferen
Manne und hohen Geiste nicht allein am Lebens- sondern vielmehr an
Standes-Glucke gelegen währe / wañ man empor schweben wollte. Das Fråulein
erkennete hieraus seinen Hochmuht /und was er darunter verdeckete / verliess sich
auf Wolfganges Vertröstung / und gab ihm diese Antwort: guter Freund / es hat
unser Gott selbst der Stände Vnterscheid gesetzet / daher sie kein Mensch
vermischen muss / sondern ein jeder ist billich mit dem seinen zufrieden / bloss
darumb / weil dem allerhöchsten es nit gefallen hat / ihn in einen andern
zusetzen; welches ich nicht darumb sage / ob sollte niemand nach Ehren und
Standes Besserung trachten; dañ was hat rechtschaffene Tugend sonst vor Lohn als
Ehre? nur dieses wird ein jeder Vernünftiger gestehen / dass nicht ein jeder
tapferer Mann könne zum FürstenStande gelangen; und noch dannoch hat er seine
Ehre und Ruhm vor der Welt; dz also alle und jede / in was Stande sie auch leben
/ Gelegenheit haben können /ihre Tugend und gutes Herz zu üben. Dass er aber sich
beschweret / ein ander dürfte sich dessen nicht unterfahen / was einem Fürsten
erläubet ist / solches muss trauen mit Unterscheid gesagt werden; from uñ ehrlich
leben / ist allen Menschen frei gegeben / ja sie sind durch die eingepflanzeten
Gesetze darzu verbunden. Aber wann etwa ein Bürger oder ädles Standes
/Fürstlichen Häuptern dasselbe nachtuhn wollte / was sie als Fürsten vornehmen /
würde ein grosses Stük der wahnwitzigen Tohrheit sein. Dann heissets nach dem
bekantem Sprichworte; Wann zween ungleiches Standes / eines tuhn / das ist nicht
einerlei. Zum Beispiel: Ein Fürst gebeut den Inwohnern seines Landes /mit dem
Gewehr auf zusein / und einen Zug gegen den Feind mit ihm zutuhn. Wann dessen
aber ein ander sich unterstehen wollte / dürfte er spot oder Schläge zu Lohn
tragen. Also ordnet ein König oder Fürst in seinem Lande allerhand Gesetze; ein
ander muss es trauen wohl bleiben lassen / ob er gleich tausendmahl bessere
Gesetze geben könnte / als dieser mit allen seinen Rähten. Ein ander Beispiel:
Ein Fürst trachtet nach der Heirat einer Fürstliche Fraülein /als die Standes
ihm gleich ist; wurde nun ein ädler oder Bürgersmañ / wie tapfer / reich / und
ansehnlich er gleich sein möchte / ihm solches ungescheuet nachmachen wollen /
hätte er an statt der Braut entweder eine NarrenKappe / oder die Striegel / wo
nicht wohl gar den Staupbesem zugewarten / nachdem er die Sache angreiffen würde.
Also sehet ihr nun / Reichard / dass ihr und eures gleichen euch billich etlicher
Sachen entalten müsst / die Königen und Fürsten allein zustehen / wo nicht
sonst eine Verwirrung aller Stände und Ordnung in die Welt sollte eingefuhret
werden. So beklaget euch nun nicht / wegen eurer angebohrnen Nidrigkeit /
sondern strebet der Erbarkeit und Tugend nach / als weit euer Stand / in welchen
euch Gott selbst gesetzet hat / reichen kann / und versichert euch als dann / dass
ihr nicht umsonst euch bemühen / sondern ohn Zweifel in einen höhern (kans
gleich nit der höchste sein) Stand schreiten werdet. Ich will nur euer jezt
bevorstehendes Gluk euch vor Augen stellen: Ihr seid Bürger Standes der Geburt
nach / jezt habt ihr euch zu meinem Diener bestellen lassen / dessen ihr in
wenig Tagen grosse Vergeltung empfahen sollet / nicht allein an Geld und Gütern
/sondern auch / wann es euch geliebt / könnet ihr in den Adel und RitterStand
aufgenommen werden; massen was mein geträuer Diener Wolfgang und ich selbst euch
versproche haben / soll euch auf den Fall eures beständigen wolverhaltens (woran
ich dann nicht zweifeln will) Fürstlich geleistet werden; nur leget diese
verkehrete Meinung abe / uñ gönnet hohen Fürstlichen Häuptern / was ihnen von
dem Himmel selbst und Einwilligung aller Völker zugeeignet und übergeben ist /
damit ihr nicht wieder den Stachel lecket / und euch in Unglück stürzet /
welches ich euch gar nit gönne. Dieser verwägene Tropf hätte ihre Meinung
hieraus ja billich fassen / und seinen gottlosen Vorsatz endern sollen /
insonderheit / weil er die ungezweifelte Rechnung zu machen hatte / es würde ihm
solches nimermehr ungestrafet hindurchgehen; aber wie der leichtfertige Bube
schon eines redlichen vornehmen Mannes Tochter wieder ihren Willen zu Unfal
gebracht / und ihr hernach den Raht gegeben /sie sollte schweigen / und sich
nicht selbst in der Leute Mäuler bringen / welches sie auch vor ihr bestes
gehalten; als gedachte er / würde ein Fürstliches Fräulein vielmehr ihres guten
Leumuts acht haben / und sich nicht verrahten; blieb demnach in seinem steifen
Vorsatze / und antwortete ihr so ungereimtes Ding /dass er dadurch klar an den
Tag gab / die Sinne spieleten Meister über die Vernunft. Jedoch entielt er sich
aller äusserlichen Bezeigung wodurch er den ArgwohnsBrunnen zustopfen meinte.
Des Abends in der Herberge eines Dorffes / ihrem Herr Vater schon unterworffen
(welches ihnen allen ohn dem Bohten / der es vergass anzuzeigen / unbewust wahr)
stellete sich Reichard gar wolgemuht / liess seinen Reutern frisch aufftragen /
und nöhtigte sie / insonderheit Wolffgangen / gar freundlich zum trinken / dann
sein Vorhaben wahr / sie alle trunken zumachen. Aber als die Reuter sahen / dass
dieser sich wegerte über Durst zutrinken /neben der Erinnerung / man könnte nicht
wissen / was auff einem unverschlossenen Dorffe sich zutragen möchte / welches
durch Nüchternheit müste abgelehnet werden / wollte ihrer keiner sich zum sauffen
bewägen lassen / welches jenen nicht wenig verdross /dass er auch etlicher
Dräuworte sich vernehmen liess; an welche sich doch niemand kehrete noch es
beantwortete / uñ er daher immerzu kühner ward / der Hoffnung / niemand würde
auffs äusserste widerstehen dürffen; setzete sich demnach schon halb beräuschet
zu dem Fräulein nider / mit viel grösserer Verwägenheit als vor nie / und trank
ihr auf Gesundheit dessen zu / der sie mehr als sich selbst liebete. Das
Fräulein erinnerte sich bei dem Worte ihres lieben Fursten nicht ohn seuffzen /
doch weil ihr des Buben Gedanken nicht unbewust wahren / gab sie ihm zur
Antwort: Mein guter Reichard / ich begehre eines solchen Freundes nicht / der
mich mehr / als sich selbst lieben sollte; so habe ich auch auff euer hartes
nöhtigen schon mehr getrunken / als mir dienet; werdet mich daher mit diesem
Trunke / wie ich weiss / gerne verschonen. Dieser rechnete ihm solches nicht vor
einen geringen Schimpff / baht / sie möchte ihn doch nicht so gar unwirdig ihrer
Freundschaft halten; dann ob er gleich der Geburt nach nur Bürgerstandes
welchen Unterscheid der Stånde ein Schelm erdacht hätte / nachdem sie alle eines
Zeuges währen) / so währe er dannoch derselbe / welcher ein Fürstliches Fräulein
zuerlösen mächtig gnug gewesen / ja der umb ihrer Freiheit willen sein ganzes
väterliches Erbe angewendet / seines Vaterlandes sich verlustig gemacht / und
LebensGefahr über sich genommen / ungeachtet er sie vorhin weder gesehen / noch
ein Wort von ihr gehöret / ohn was er von dem Tagelöhner Wolffgang hätte
/welchen Freund / ausser ihn / sie in der Welt nicht finden würde; und hätte
doch vor alle seine Dienste uñ Woltaht nichts mehr / als verächtliche
Beschimpffungen / die ihm Herz und Seele durchschnitten; hoffete gleichwol / sie
würde dergleichen Undankbarkeit nicht ferner wieder ihn gebrauchen / sonst müste
er sich beizeiten vorsehen / und des Weges mit ihr ziehen / den er kommen währe.
Das Fräulein verschmerzete diesen Hohn / und antwortete ihm sehr gütig: Sie
wüste sich durchaus nicht zuerinnern / dass sie ihn mit einem Worte oder
Augenwink beleidiget hätte / möchte sie demnach solches Argwohns entschütten.
Sie håtte nicht gemeinet / dass er die Verwegerung eines Trunks so ungleich
empfinden wollen / sollte ihm sonst wohl unversaget blieben sein; nam auch das
Gläselein von ihm an / und taht über Vermögen bescheid. Da fing nun der schlauhe
Bube an / sich auffs neue beliebet zumachen; aber das Fräulein suchete sich von
ihm abzuscheiden / liess der Wirtin ruffen / und fragete / ob ihr nicht in einem
absonderliche verschlossenen Gemache / wie schlecht es auch währe / eine Sträu
könnte gemacht werden / in welchem sie mit jenem ihrem Diener / auff Wolffgang
zeigend / allein sein / und etliche wenig Stunden ruhen könnte. Gar wohl / sagte
die Wirtin / ich habe eine fest-verschlossene Kammer / die will ich euch
einräumen. Nun hatte der Bösewicht schon vorher gemuhtmasset / sie würde des
gemeinen Lagers sich nicht gebrauchen / auch an die Wirtin begehret / dass sie
ihr an solchem Orte ihre RuheBette zurichten sollte / da er zu ihr kommen könnte /
dann sie währe seine versprochene Braut / und håtte Recht darzu / wiewol sie
nach Art der Jungfern sich dessen wegerte; gab ihr auch eine Verehrung /und
erkauffte sie dadurch / dass sie ihm den Schlüssel zu der Kammer zustellete /
schmierete hernach die Hespen / dass sie leise auffgingen / und machete
Wolffganges Lager so weit von der Fräulein Stråu /als das Gemach lang wahr. Das
fromme Fråulein hatte sich solcher Verräterei nicht versehen / nam mit
Wolffgang einen freundlichen Abscheid von ihren Reutern / und vermahnete sie /
des folgenden Tages zeitig auffzusein. Als sie nach Bette ging / fragete sie die
Wirtin / unter wessen Gebiet dieses Dorff gehörete / und bekam zur Antwort: Der
Grossfürst zu Magdeburg währe ihre Obrigkeit / welchen seine Stånde neulich zum
Könige gemacht håtten / und hiesse König Henrich. Ey Dank sei dir / du höchster
Gott /sagte das Fräulein; meinte / sie währe nun allem Unglück entlauffen /
schloss die Kammer Tühr zu / und hielt mit Wolffgang eine herzliche Danksagung:
Du frommer Gott / sagte sie / du Vater aller deren / die auff dich trauen; wie
so gar gnädig erzeigestu dich uns armen Sündern / und reissest uns im Augenblick
aus der Noht und Anfechtung / wann wir meinen am allertieffesten darinnen
zustecken. Ich gedachte schon / mein liebes Vaterland würde ich nimmermehr
wieder sehen / und soll nun schon diese Nacht darinnen schlaffen / ehe ich weiss
/dass ich daselbst angelanget bin. HErr / du hast mich zwar gezüchtiget / aber
mit gelinder Hand / du hast mich gestäupet / aber mit deiner KinderRuhte / dass
ich nur wenig Streiche mit der Fuhrmans Peitsche / und etliche Schläge von der
Hand meiner unbarmherzigen Frauen empfangen habe. O wie wohl wird mirs sein / dass
ich auch von deiner Züchtigung etwas bekommen habe. Mein gnädiger Heiland / gib
vor dissmahl meinem Unglück die Endschaft /und lass mich die meinen schier wieder
sehen; erhalte auch meinen liebsten Fürsten / dass er in der fremde nicht
verderbe / noch umb meint  willen in Unfall gerahte /sondern hilff uns nach
deiner Gnade wieder zusammen /auff dass wir HErr mit frölichem Munde deinen Preis
zugleich und auff einmal anstimen / und uns in deiner heilsamen Erkenntnis von
den unsern je mehr und fleissiger unterrichten lassen mögen / Amen.
    Nach geendigtem Gebeht gab sie Wolffgangen zuverstehen / sie wollte früh
Morgens den Amtman / der hieselbst zugebieten håtte / zu sich fodern / sich ihm
zuerkennen geben / die Reuter bei sich behalten / und Reicharden wegen seiner
groben Unbescheidenheit und Unzucht Urlaub geben / jedoch dass er sich nicht
zubeklagen hätte / ihm eine zimliche Verehrung von etliche tausend Kronen nach
Kölln ubermachen lassen / weil sie ihn vor ihren Augen länger nicht leiden
könnte. Gott sei Lob / sagte Wolffgang / dass ihre Gn. schier in ihren wirdigen
Stand wieder treten / und ich dieselbe werde gebührlich ehren dürffen / massen
mirs im Herzen weh getahn / dass mit derselben ich mich so gemein machen müssen /
da ich doch nicht wert bin / ihr geringster Diener genennet zuwerden. Gebet euch
zufrieden mein lieber und frommer Wolffgang / antwortete sie / ich weiss wohl
zuerkennen / was vor Mühe uñ Ungemach ihr bloss meint  wegen ausgestanden / und
die allergrösseste Träue mir erwiesen habt / die von eingem Menschen geleistet
zuwerden möglich sein kann / wovor ich dann will schuldig gehalten sein / euch
höher zuerheben / als ihr meint  wegen euch genidriget habet. Sie hielten mit
ihrem Gespräch noch ein wenig an / biss das Fräulein aus Müdigkeit in einen
harten Schlaff geriet / wie imgleichen auch Wolffgang / welcher sich doch
vorgenommen hatte / die Nacht hindurch zuwachen. Die Reuter lagen mit Reicharden
in der Stuben auff gemeiner Sträu / und umb Mitternacht machte sich der Bube in
aller stille hinaus / verriegelte auch auswendig die StubenTühr / dass ihm
niemand folgen kunte / ging hin / schloss die Kammer sanfte auf / und legete
sich unvermerket zu dem Fräulein. Er spürete / dass sie fest schlief / und die
Kleider mehrenteils auffgelöset / wiewol nicht abgelegt hatte / zog seine
Kleider ab / und näherte sich ihr gar sehr / wie sie auff der rechten Seite mit
aufgezogenen Knien und durchwickeltem Rocke lag / da er sie gewaltsam uberfiel /
in Meinung / seinen Mutwillen / ehe sie recht erwachete / zutreiben; aber sie
empfand seinen ersten Angrif / und rief überlaut: Wolffgang / Wolffgang / wer
ist bei mir auff dem Lager? fing auch bald ein Geheule an / und stiess von sich /
dass nicht allein Wolffgang davon erwachete / sondern geschwinde herzulief / über
den verwägenen Schelm herfiel / und sich rechtschaffen mit ihm zausete / dass das
Fräulein Lufft gewan auffzustehen / und aus der Kammertühr umb Hülffe
zuschreihen; wovon die Reuter wache wurden / und doch aus der versperreten
Stuben nit kommen kunten biss sie die Tühr entzwei fliessen / und der Kammer
zueileten. Inzwischen zuschlugen sich die beiden auff der Sträu / dass ihnen Maul
und Nase blutete / und währe der Bösewicht schier Wolffgangs-Meister worden /
dann er fassete ihn bei der Kehle / hätte ihn auch erwürget / wann dieser nicht
an sein Brodmesser gedacht / und ihm damit den Arm durchbohret hätte /dass er
ablassen musste / und Wolffgang Mattigkeit halber / und dass ihm die Kehle schier
eingedrücket wahr / nicht weiter nachsetzen kunte / daher Reichard ihm das
Messer nahm / und ihm mit der Linken drei gefährliche Stiche gab / hätte ihn
auch gar ermordet /wann nicht gleich die Reuter herzu gelauffen währen /und ihn
bei den Fussen weggezogen hätten / da er zu ihnen sagete: O ihr leichtfertige
Schelmen / wie handelt ihr bei mir eurem Herrn; ist das die Träue / die ihr mir
schuldig seid? fassete hiemit das Messer / und stach dem einen eine zimliche
Wunde in das Bein /welcher aber ihm das Messer bald aus der Hand brach / und ihm
damit die Schulter verletzete. Das Fräulein schickete einen ab / ein Licht
zuhohlen / welcher bald wieder kam / und das Blut auff der Fräulein Lager sah /
auch dass Wolffgang zimlich Macht-los wahr /welchen das Fräulein nicht ohn
Trähnen selbst verbinden halff / da unterdessen die Reuter den Tähter mit Füssen
zutrate / hätten ihn auch umbs Leben gebracht / wann nicht Wolffgang sie
gebehten hätte / sie sollten ihm nicht weiter Schaden zufügen / sondern
festgebunden verwahren / und ihm die Wunden verbinden. Weil dann Wolffgang noch
keine TodesAngst empfand / sondern nur wegen des verblutens von Kräfften kommen
wahr / dankete das Fräulein Gott inniglich und von Herzen. Die Wirtin / deren
Ehman verreiset /ward herzu geruffen / und befraget / auff was weise der
Bösewicht durch die KammerTuhr kommen währe / mit Bedräuung / da sie
Wissenschaft drumb hätte /sollte sie es bekennen / oder schwerer Straffe
gewärtig sein. Worauff sie mit einem Lachen antwortete: ob es dann was neues
währe / dass man den Bräutigam zu der Braut liesse? massen als sie solches von
ihm berichtet worden / hätte sie auff sein heftiges anhalten ihm den Schlüssel
abfolgen lassen. O du verwägener Bube / sagte das Fräulein / so darffstu dich
noch wohl darzu vor meinen Bräutigam angebe? Nun ich will dir deinen Lohn schon
zustellen / und das BrautBette dergestalt zurichten lassen / dz du kein
Königliches Fräulein mehr gewaltsam überfallen solt. Geboht hierauff einem
Reuter / dass er von dem HaussKnechte sich geschwinde sollte hinbringen lassen / wo
der Amtman dieses Dorffs wohnete / und demselben anzeigen / es sei alhie seines
gnädigsten Königes nahe Anverwantin / die begehre gnädigst / dass er auffs
schnelleste mit einem gute WundArzt und einer gewapneten Schaar sich hieselbst
einstelle. Sie nahmen beide Pferde / ranten geschwinde fort / und brachten den
Amtman samt dem Arzt mit sich. Jener / weil er oft zu Hofe gewesen wahr /
kennete das Fräulein alsbald / demütigte sich vor ihr / und baht untertähnigst /
ihm die Gnade zuerzeigen / und ihm zubefehlen / dass er ihrer Durchl.
Wiederkunft seinem allergnädigsten Könige anmeldete; Aber sie antwortete ihm:
Er sollte ohn das schon gnädigst angesehen werden; Liess Wolffgang auffs neue
verbinden / und hörete mit Freuden / dass der Arzt guten Trost gab; wie dann auch
des TähtersSchaden wohl in acht genommen ward / welcher sich bezeigete / als wann
er von Sinnen komme wåhre / und nicht wüste / was er verrichtet hätte. Die
gewapnete Begleitung stellete sich auch bald ein / dass sie frühzeitig
auffbrachen / und den nähesten Weg nach Magdeburg vor sich nahmen. Wolffgang
musste bei ihr auff der Gutsche sitzen / dem sie fast schwesterliche Hulde
erzeigete / welches er doch in einfåltiger Untertåhnigkeit verbaht / als der
dessen allerdinge unwirdig währe / und daher gerne mit einem Karren vorlieb
nehmen wollte / weil er seiner Wunden halben das reiten und gehen nicht ertragen
könnte. Sie aber sprach ihn zufrieden: Er sollte mit dergleichen Wegerungen sich
nit verunruhen / sondern alle knechtische Nidrigkeit ablegen; sie wollte ihm
schon wissen Leute zuzugeben / die ihn in höfischen Sitten unterrichten würden;
welches er mit betrubtem Herzen anhörete / und noch hoffete / es zu seiner Zeit
abzulehnen. Der freche Reichard ward auff einen Karch gebunden / und seinem
Verdienste nach / fortgeschleppet. Als sie zu Magdeburg ankahmen / entstund
grosse Freude bei allen Hofeleuten; Weil sie aber vernam / dass die Königliche
Gesellschaft schon vor etlichen Wochen nach Prag verreiset währe /wollte sie
daselbst nicht länger als eine Nacht verharren; gab Wolffgangen ein schönes
Scharlaken Kleid /dessen Wunde / (wie dann die Bauern gute Haut zuheilen haben)
in kurzer Zeit anfingen sich zusetzen und schliessen / und musste noch immerfort
bei ihr auff der Gutsche bleiben. Sie wahr über die masse betrübt / dass man ihr
zu Magdeburg so gar nichts von dem Fürsten zusagen wusste / nur dass die
Königliche Gesellschaft denselben nebest dem Fräulein sehr beklaget hätte / und
sie daher an seinem Leben anfing zuverzweifeln / so dass ihre Augen selten ohn
Tråhnen / und ihr Herz ohn Seuffzen wahr; da gleichwol Wolffgang sie nach
vermögen tröstete; man musste dem Allerhöchsten trauen / er würde diesen
gläubigen und frommen Fürsten ja so wohl im Unglück / als sie /erhalten haben /
wie er dann nimmermehr gläuben könnte / dass er in dem Streite mit den Bürgern des
abgebranten Städleins sollte erschlagen sein; uñ wer weiss / sagete er / ob seine
Furstl. Gn. nit wohl schon zu Prag ankomen ist / und gleich so grosses Leid über
ihre vermeinte Tod trägt / als sie über ihn? Sie reisete ohn einige sonderliche
begebniss fort / biss sie auf 3 Meile an Prag kame / da sie eine Jäger in fremder
Kleidungsart / vor eine sitzenden Betler ganz demühtig stehen / und den Huht in
der Hand halten sahen welches sie wunder nam; und weil es nicht weit von dem
Fahrwege wahr / befahl das Fräulein Wolfgangen (der nunmehr geheilet wahr)
hinzugehen / und zuvernehmen / warumb dieser wolgeputzeter Jäger einem so
unachtsamen Menschen in zurissenen Kleidern /diese grosse Ehrerbietigkeit
erzeigete. Dieser / so bald er hinzutrat / ward er / ungeachtet seines schönen
ungewöhnlichen Kleides von dem Betler (dann derselbe wahr Furst Arbianes)
erkennet / welcher voller Hoffnung und Begierden mit lauter Stimme zu ruffen
anfing: Wolfgang Wolfgang / verbirge dich nicht vor mir in deinem Ritter-kleide
/ und sage mir / wo das liebe Fräulein ist / damit ich meiner grossen
Herzensangst entweder lebendig oder Tod abkommen möge. Gute Zeitung / glückliche
Zeitung gnädiger Fürst / antwortete er; wollte auch weiter reden; aber das
Fräulein; welche alle Worte des Fürsten eigentlich hörete / uñ seine Stimme
alsbald erkennete / sprang herunter von ihrer Gutsche / und wollte zu ihm lauffen
/ aber aus grosser herzlicher Liebe / und nicht weniger aus erbarmung uber
seinen kläglichen Zustand / fiel sie in Ohmacht zur Erden nieder. Arbianes sah
sie / und geriet in eben denselben Zustand / dass der Jäger mit ihm / und
Wolfgang mit dem Fråulein gnug zu tuhn hatten / ehe sie wieder zum verstande uñ
zu kräften kahmen. Das Fräulein ermunterte sich zu allererst /lieff ungescheuhet
hin zu ihrem allerliebsten Bräutigam / umbfing ihn in seinen Betlers Kleidern
und ganz verworrenen Haaren / herzete und küssete ihn /und sagete endlich: O weh
mir unglückseligen / dass der teure Furst aus Meden / meinetwegen zum Betler
worden ist / und es meinem Erlöser viel unglücklicher als mir selbst hat gehen
müssen. Nun nun mein Schaz / der almächtige Gott hat uns auf die Läuterung
gestellet / wir haben durch seine Gnade und Hülffe ausgehalten / und sind in den
Augen seiner Barmherzigkeit wert erfunden worden / dass euer Bettelstand / und
meine elende Magdschaft (HErr Gott dir sei dank vor die Stäupe und vor die
Hülffe) zum ende gelauffen ist. Arbianes sass noch / als währe er verzukt / die
Zehren lieffen ihm über die Wangen / und fand so viel Kraft nicht in seinen
Gliedern / dass er sich hätte erheben mögen; endlich richtete er sich langsam in
die höhe /sah sie starre an / und geschwand ihm zum andernmahl / dass er
nidersank / sie auch anders nicht meinten / er würde gar verschieden sein; sein
Jäger welcher Zariaspes Sysigamben Sohn wahr / hatte nicht weit davon eine
Flasche mit Wein stehen / welche er herzu hohlete / und das Fräulein ihn damit
erquickete / da sie zugleich zu ihm sagete: Wie ist ihm nun /Fürst Arbianes /
will mein Vertraueter nach überstandenem Elende es noch schlimer machen / als im
anfang auff dem Heu? lasset uns doch nach dem Leide die Trähnen abwischen / und
nach dem Elende das Trauren einstellen / damit wir nicht selbst diesen Tag zum
verworffenen machen / welchen uns Gott zur ergetzung gegeben hat. Er schlug die
Augen wieder auff / uñ sagete: Ach du gnadenreicher Heiland / du Helffer aller
die auff dich traue; lebet das allerfrömmeste und tugendreicheste Fräulein der
Welt noch? ja lebet sie dem bisher elenden Betler Arbianes noch zu Trost und
beståndiger Träue? Schweiget / mein allerliebstes Herz / sagete sie / und
schändet euch selber nicht; ihr wisset ja besser als ich / dass wir geduldig mit
alle dem müssen friedlich sein / was von Gott uns zukomt. Er richtete sich
hiemit auff / und gab zur Antwort: Dir sei dank HErr in ewigkeit / dass du diesem
Königlichen Fräulein mit so reichem Trost-Geiste in ihrer Noht beigestanden bist
/ und ihr vertrauen auff deine Hülffe so fest erhalten hast. Sie aber nam ihn
bei der Hand und fuhrete ihn nach der Gutsche / da die Anwesenden nicht anders
meinten / sie hätte ihren Wiz verloren / oder dieser Betler hätte sie
bezaubert / dass sie dergestalt sich gegen ihn bezeigete. Arbianes wegerte sich
anfangs / ihr zu folgen / und taht den Vorschlag / ihre Liebe möchten im Nahmen
Gottes nach der Stad fahren / dieser sein Diener sollte geschwinde hinreiten /
und ihm gebührliche Kleider samt seinem Leibwagen heraus hohlen / dass er ihr
wirdig folgen konnte. Aber sie wollte durchaus nicht von ihm weichen. Was? sagte
sie / sollte ich meinen hochwerten Fürsten umb seines Betler-kleides willen
verlassen / welches er bloss meinetwegen angelegt und getragen hat? Eure Liebe
lasse den Diener in Gottes Nahmen reiten / dz er die Kleider heraus uns entgegen
bringe auff das näheste Dorff der Stad / inzwischen wollen wir ihm gemählich
folgen; musste also der Furst auff den Wagen steigen / da dz Fräulein ihrem
Amtman befahl / hinter sich auff dem nähesten Dorffe mit allen seinen Leuten
sich biss Morgen niderzulassen und den Gefangenen fleissig zuverwahren; redete
auch ihren acht Reutern ganz freundlich zu / sie sollten bei dem Amtman verharren
/ und auff Morgen ihrer ergezligkeit gewärtig sein. Wolfgang aber musste auff ein
Pferd steigen / und ihrem Wagen etwas von weitem folgen. Auff der Gutsche ging
das Herzen uñ drücken erst recht an / wiewol der Fürst wegen seiner Lumpen / die
nicht ohn Unziefer wahren / sich übel schåmete / da hingegen sie beteuerte / er
währe in ihre Augen mit dieser Kleidung tausendmahl schöner als in güldenen
Stücken / weil er sie ihretwegen trüge. Sie erinnerten sich ihrer schuldigen
Dankbarkeit gegen Gott / der ihnen so wunder-gnädig geholffen hatte / daher
Arbianes dieses Gebeht aus dem innersten seines herzen mit vielen Trähnen hervor
suchete /und das Fräulein ihm ganz andächtig mit pfutze-nassen Augen
nachbehtete:
    Gott unser Helffer! ach wie gross ist dein erbarmen /wie unaussprechlich
deine Güte! ich hätte fast an deiner Hülffe verzweiffeln dürffen; der Fall wahr
mir sehr nahe /und strauchelte schon / weil ich den Stab deines Heils und den
Trost deiner Hülffe nicht sichtbarlich empfand. Herr Gott / sagte ich / hastu
mich dann gar von deinen Augen verstossen / und von deiner Gnade verbannet /dass
du mich nicht sihest? hastu allen Sturm deines Grimmes über mich ausgestürzet /
der ich nur Staub uñ Asche bin? Ja Herr mein Gott / ich gedachte / die Fluht
hätte mich gar ergriffen; die Wasser deines grimmigen Zorns währen über mich
zusammen geschlagen. Herr sagte ich / wo ist deine Hülffe? mein Gott / rieff ich
/ wo ist deine so teuer versprochene erbarmung? und finde mich / ei Gott lob!
schon auff dem Trocken / ehe ich des Wassers abflus merke; und liege in deinen
hülffreichen Vater-Armen / da ich eben meinte zuversinken. O mein Gott /gross
sind deine Wunder / die du an uns beweisest; unermässlich ist deine Liebe /
welche du gegen uns trägest / ob du sie gleich eine kurze Zeit / ja kaum ein
Augenblick in deinem Herzen verborgen gehalten. Ja Herr / ich habe diese
Betlerskleider mit meinen Sünden und ehemaligen weltlichen üppigkeiten wohl
verdienet / den erlittenen Jammer hoch verschuldet / die empfangenen Schläge und
Wunden mir selbst gemacht / und ist mir noch nicht der tausendste Teil der
gerechten Straffen auffgelegt / wann du mein Gott mit mir vor Gerichte treten /
und nach meinen Werken mir lohnen woltest. Aber Herr / deine Güte hat überwogen
/ dass meiner Sünde / wegen der gnugtuhung deines Sohns nicht hat müssen gedacht
werden. Davor danke ich dir / mein Schöpfer / davor preise ich dich / Herr mein
Gott. O so lass nun nach dieser kurzen Walfahrt uns fördet nicht mehr in der Irre
gehen / nachdem wir sehr wohl gelernet haben / dass wann du Herr züchtigen wilt /
ein Fürst leicht an den Bettelstab gerahten; und wann du helffen wilt / der
Betler im Augenblick zu Fürstlicher Hochheit wieder gelangen kann / damit HErr
dein Wort wahr bleibe / dass du die Gewaltigen vom Stuel stossest / und die
niedrigen erhebest. Dir HErr unserm Gott / dir JEsus unserm erbarmer / sei vor
deine väterliche Züchtigung / die uns so heilsam; auch vor deine gnädige Hülffe
uñ Rettung / die so tröstlich süsse ist /Lob / Ehr / Preis und Herligkeit von
nun an biss zu ewigen Zeiten / Amen / Amen.
    Nach volendeter herzlicher Danksagung wurden sie eins / diesen Tag jährlich
nicht anders als ihren Geburtstag in beharlicher Danksagung zu Gott / und milder
Handreichung den Armen Christen / deren es in Meden viel gäbe / zu feiern.
Hernach fragete der Fürst / was vor einen elenden Gefangenen sie auff dem Karren
mit sich gefuhret hätte. Da sie zur Antwort gab; eben dieser hätte sie zwar
durch gnug kühne Verwegenheit und angewante Kosten von ihrer Dienstbarkeit
lossgemachet / dass ohn sein zutuhn sie so bald nicht würde errettet worden sein;
aber durch sein unkeusches beginnen hätte er alle vorige Woltaht verderbet /
daher sie willens währe / ihn mit abscheuhlicher Straffe zubelegen; erzählete
darauff seine Untaht / und nam hiedurch gelegenheit / Wolfganges über-grosse und
fast ungläubliche Träue /Zucht und Auffrichtigkeit zu rühmen / da sie endlich
sagete; Es währe kein Mensch auff Erden / dem sie mehr als ihm schuldig währe /
dann er hätte Leib und Leben / Hunger und Kummer / Angst und Gefahr /Noht und
Tod nichts geachtet / wañ er ihr nur dienen können / deswegen nach ihren Eltern
und Bräutigam sie ihn vor ihren allerliebsten Freund / und ihren Brüdern gleich
hielte; müste sich daneben verwundern /dass er sich wegen künftiger gar zu
grosser Gnade und erhöhung mehr / als über sein voriges Elend bekümmerte. O so
verzeihe mirs der almächtige Gott / antwortete Arbianes / dass seinetwegen ich so
mannichen argen Gedanken gefasset / und mir eine uñ andere Träulosigkeit von ihm
eingebildet habe / welches / inbetrachtung seines guten anfanges ich billich
nicht hätte tuhn sollen; jedoch wird Meden noch so reich sein / dass ich einem so
redlichen Menschen Abtrag wegen meiner ungleichen Gedanken mache. Aber dem
Gefangenen / mein werdester Schaz / ob er wohl den Tod verschuldet / und mir das
liebste in der Welt hat schänden wollen / müssen wir Barmherzigkeit erzeigen /
wo er sonst nur wahre Erkäntnis und Räue seiner Ubeltaht ergreiffen / und die
Bosheit ablegen kann; dann Gott hat uns Gnade erzeiget / und mit uns den Bogen
nicht auff das genaueste gespannet; daher müssen wir uns unsers täglichen
Gebehts erinnern / da wir von Gott bitten; du unser himlischer Vater / vergib
uns unsere Schuld / als wir vergeben unsern Schuldigern. Dann es versichere sich
nur mein Seelichen dass wir uns ehmahls auch an Gott hart vergriffen haben /und
wohl schwerer als wir wissen oder meinen; und währe es sonst nicht geschehen / so
ists freilich unsere ehmahlige heidnische Abgötterei / die von Gott in seinem
Worte / wie ich von König Herkules oft gehöret / eine geistliche Unzucht /
Hurerei und Ehebruch genennet wird. Der Bube sei euch / mein Schaz /übergeben /
antwortete sie / ungeachtet ich ihm den Tod fast geschworen habe; jedoch
übergebe ich ihn mit dem bedinge / dass nach erteileter Begnadigung er nicht mehr
vor meine Augen komme; dann er hat aus muhtwilligem Vorsatze einer solchen
Bosheit sich unterstanden / die nach aller VölkerRecht / am Leben gestraffet
wird. Arbianes sass uñ betrachtete die grosse Träue des frommen Wolfganges /
daher er eine solche Gewogenheit zu ihm fassete / dass er ihn zu sich an die
Gutsche rieff / und also anredete: Mein geträuer auffrichtiger Wolfgang;
nimmermehr hätte ich in dir oder deines gleichen ein so ädles Herz gesuchet /
welches ich bei dir angetroffen / und ich fürstlich zuvergelten entschlossen
bin; befleissige dich nur / das wenige übrige / welches dir von deinem vorigen
knechtischen Stande noch anhangen mag / vollends abzulegen / dann ich will dich
zu einem solchen Manne machen / auf welchen Länder und Städte sehen sollen. Ach
Durchleuchtigster GrossFürst / antwortete er / ich bitte lauter umb Gotteswillen
/ ihre Durchl. wolle mich unwerten einfältigen Menschen nicht über meine
wirdigkeit erheben / welches ohn zweifel euer Durchl. selbst würde nachteilig
sein; es ist ja schon zu viel /dass euer Gn. und meiner Gn. Fräulein Diener ich
soll genennet werden / der ich zur Bauern Arbeit erschaffen bin. Du hörest / fuhr
Arbianes fort / was ich dir sage / dass du alle niedrigkeit / welche dir in
deinem künftigen Stande nicht geziemen will / ablegen / und ein Herren-standes
Gemuht annehmen solt; dann wo ich lebe / soltu in meinem Grossfürstentuhm der
näheste umb mich sein / als mein Statalter / weil du mir eine herrliche
Bewehrung abgeleget hast / dass auff deine Träue ich mich verlassen darff. Nur
dieses fasse zum steten Gedächtnis in dein Herz / dass wann du nun zu solchen
Ehren wirst erhaben sein / du dich allemahl deines ehmahligen geringen Standes
eriñerst /und der Träue / welche du deinem Fräulein und zu gleich mir / diese
Wochen über erwiesen hast / alsdann wirstu ein gewünschter Mann sein und
bleiben. So entschuldige dich nun nicht mehr / das ist mein ernstlicher Wille /
mit deiner Unwirdigkeit; du bist annoch jung uñ gelernig / und was du nicht
weist / will ich dir schon anleitung geben / und dir Leute zuordnen / von denen
du es lernen kanst. Wolfgang befahl sich seines GrossFürsten Gnade / und wahr der
angebohtenen Ehre trauriger / als dass er sich derselben hätte erfreuen sollen /
gelebete auch der Hoffnung / das Fräulein zuerbitten / dass sie den Fürsten auf
andere Meinung bringe möchte. Unsere beide verliebeten erzählete sonst einander
in der kürze / was sider ihrer unglukliche treñung ihnen begegnet wahr / worüber
dz Fräulein zu unterschiedlichen mahlen ihre Trähne vergoss / als sie vernam /
wie mañiche Lebensgefahr den Fürste in so kurzer Zeit zugestossen wahr. Sonste
sah Arbianes Zeit solcher erzählung sein Frl. steif an / dz ihre Haar den
rechten Glanz noch nit hatte / auch dz Angesicht bei weitem nicht der vorigen
Zarteit wahr; aus ursache / dass sie dz Abwische-tuch nit recht hatte
zugerichtet; dessen er sie eriñerte; aber zur Antwort bekam / nachdem sie ihres
herzen Schönheit wiederfunden / uñ bei sich auf der Gutsche håtte /währe sie
schön genug; gestund ihm auch / dz sie die angestrichene Farbe von ihrem Leibe
noch nicht hinweggemacht hätte / auch nicht wohl wusste / wie sie es mache sollte;
der Fürst ihr aber zur Antwort gab: die gute fromme Libussa würde mit
HerzensLust sich darzu schon gebrauchen lassen. Welcher Vorschlag ihr nicht übel
gefiel / uñ sagete hernach; mir zweifelt nicht / die lieben unsern werden uns
schon lange als ermordete beweinet haben; weil es dañoch fruh genug am Tage ist
/ möchte ich wünschen / dass ich mich recht wieder verstellen könnte / dann wollten
wir gleichwol noch unsern ersten Vorsaz mit der Krämerei ins Werk richten / und
einen seinen Auffzug machen. Darzu haben wir Gelegenheit gnug / antwortete er;
fuhren damit zur Stad hinein / vorgebens / Wolfgang währe ein Königlicher
Teutscher Bedieneter /und kähme von Magdeburg bei seinem Könige etwas
zubestellen; dass sie also willig und ohn weitere Nachfrage in die Stad
eingelassen wurden; so hatte Zariaspes seinem Herrn die Kleider eine halbe Meile
entgegen bracht / welcher mit dem Fräulein in ein Wirtshaus einkehrete / und
Leches samt Gallus zu sich fodern liess / unter dem Schein / es hätten sich
etliche Reuter mit einander gezanket / uñ bähten sie als scheides Leute zu sich;
der abgeschlite aber musste Gallus dieses ingeheim sagen: Herr nehmet eure
Kunstfarbe zu euch / es wird von einem begehret /dem ihrs nicht wegern werdet.
Diese frageten weiters nicht nach / gingen mit / und sahen Arbianes in seinen
Betlers Kleidern (welche er wieder angelegt hatte) im Gemache stehen / woruber
sie vor mitleiden anfingen zuweinen. Er aber tröstete sie / sie sollten ihre
Tråhnen sparen / nachdem die seinen ihm Gott Lob allerdinge schon abgewischet
währen / deren er in diesem Kleide manniche vergossen / massen er sein
herzgeliebtes Fråulein vor wenig Stunden wieder gefunden / und mit sich gebracht
hätte; welche gleich aus einem NebenGemache herzutrat / und von Leches alsbald
erkennet ward. Die Freuden Trähnen stunden ihne allerseits in den Augen / und
nach Empfahung taht der Fürst jenen beiden sein Vorhaben zuwissen; worauff
Gallus das Fräulein anstriche / und Leches dem Fürsten einen falschen Bart mit
Terpentin anmachte. Kleider nahmen sie in der Nachbarschaft von einem Kramer /
und allerhand leichte Waaren von gemeinen Korallen / gläsern Perlen und etliche
Nadeln / deren das Fräulein ein Kramerlädichen vol auf ihrem Rücken nach dem
Schloss trug; der Furst aber eine zimliche Bürde von groben schlechten weissen
Zanken oder gekloppelse ihr nachschleppete / da Leches und Gallus vor ihnen
hergingen / und durch ihre Gegenwart macheten / dass sie allentalben ohn
Ansprach durchgelassen wurden. Libussa begegnete ihnen zum guten Glük im
innersten Platze / zu welcher Leches sagete; geht hin mein Herz / und saget
eurer Gn. Königin / es sein hieselbst fremde Krämer / die ihrem Vorgeben nach /
sonderliche köstliche Waaren feil tragen. Diese wahr bald fertig / und bekam
Befehl /sie in das gemeine Königliche Gemach zuführen. Wohin sie bald gingen /
und nach abgelegtem schlechten Grusse ihre Lädichen auf einen Tisch setzeten /
da das Fräulein ihre Sachen / ehe sie aufgemacht uñ besehen wurden / treflich
rühmete: Sie hätte die allerschönsten Korallen uñ gemachte Perlen / die Menschen
Augen je gesehen hätten. Gemachte Perlen? sagte Valiska; das müssen mir wohl
unbekannte und köstliche Sachen sein; aber woher bringt ihr dann diese schöne
Waaren? Vom Reinstrohme / antwortete sie; und haben den Weg mit unsäglicher Mühe
/ unter mannicher Gefahr zum Ende gebracht /ob wir hieselbst Lieb haber unserer
Waaren antreffen möchten / dann uns ward gesagt / dass hier so viel hohe Herrn
und Frauen bei einander währen / die den Krämern ihr Geld gerne gönneten. So hat
mein Mann auch seine Zanken oder Spitzen. Wol wohl / sagte Valiska / lasset eure
Kostbarkeiten sehen / wir käuffen euch den ganzen Krahm wohl auff einmal abe /
wann er uns dienet / und wollen uns alle miteinander fein drein teilen. So währe
ich zur glückseligen Stunde ankommen / sagte das Fräulein / und wollte ich euer
Gn. noch wohl eine SchnührKette und einen Brief Nadeln in den kauf geben. Die
Fürstliche Gesellschaft lachete der milden Zugabe überlaut; woran sich doch das
Fräulein nit kehrete / sondern in ihrer Beantwortung also fortfuhr. Wie wollte
aber mein Krahm euer Gn. nicht dienen? ich habe mannichem Adel und Unadel davon
verkauft / und darf / dem Himmel sei dank / allezeit wohl wiederkommen / da ich
eins gewest bin /weil ich und mein Mann noch keinen Menschen im Handel und
Kauffe betrogen haben / welches wir wohl mit guten Gewissen konnen vor die Götter
kommen lassen. Imer Schade / sagte Valiska / dass so aufrichtige Leute zu
Krähmern gedien sind; hörete auch schon was vor herrliche Sachen verhanden sein
würden / und sagte zu dem jungen Königl. und Fürstlichen FrauenZimmer; komt doch
her meine herzen Schwesterchen /und lasset uns die treflichen Waaren beschauen /
welche ädele und Unädele zukäuffen nicht beschweret sind. Inzwischen sah das
Fräulein ihre beiden Herrn Brüder stehen / daher die Trähnen ihr vor Freuden
schier lossgebrochen währen; doch hielt sie sich feste /und sagte zu ihnen: Ihr
junge Herren und Fürsten /wer ihr seid / komt uñ käuffet euren Liebsten eine
schöne Kermess / damit ihr euch bei ihnen sehr beliebet werdet machen können. Ach
ja mein Schaz / sagte Valiska zu Herkules / hie werdet ihr gnug wirdige Sachen
finden / wann sie nur erst ausgelegt währen. Das Fräulein / die sich ganz
ernstaftig stellete / wahr damit bald fertig / hatte rohte / grüne / gelbe /
blaue und schwarze gläserne Korallen an langen Schnüren /auch weisse / die sie
vor gemachte Perlen angab / legete alles aus / fein bund durch einander her /
und sagete: Sehet ihr Fürstliche Jungfern / sind das nicht so schöne bunte
Sachen / gelüstets doch einem der es sieht / wie die mannicherlei Farben
durcheinander her spielen; und wie treflich sollte eure Schönheit vermehret
werden / wann ihr sie also bund durcheinander an euren weissen Hälsichen uñ
ärmichen truget. Sehet die Schnuhr gebe ich um 8 Groschen / wann ich sie nur 4
Meilen auff disseit Köllen trage; nun müste ich ja billich vor den weiten Weg
auch etwas haben / dass ich etwa vor die Schnur 10 Groschen bekähme / vor welches
geringe Geld ihr sie viel Jahr tragen / und euch damit aussputzen könnet. Da
hätte man nun sollen ein Gelächter hören; woran aber das Fräulein sich nicht
kehrete / sondern zu Valisken sagete. Schöne Fürstliche Jungfer; warum verlachet
ihr meine gute aufrichtige Waaren / und machet dass die andern desgleichen tuhn
müssen? Zwar die Perlen uñ ådlen Steine / welche ihr ümb euer schneeweisses
Hålfichen und ärmlein traget / mögen wohl teurer sein / aber die meinen scheinen
doch weit besser / sind auch viel heller uñ durchsichtiger / von allerhand hohen
Farben /und werden durch sonderliche Kunst zugerichtet / da die euren nur aus
dem Wasser gefischet / und aus der Erde gegraben werden / welche Arbeit ein
jeder ungeschliffener Baur wohl verrichten kann / aber von dieser kunstlichen
Zubereitung seine groben Hände wohl lassen muss. Krämerin / antwortete Valiska /
ihr seid wohl unterwiesen / eure Waaren zu loben. Ja / schönste Fürstliche
Jungfer / sagte sie; wann meine Waaren es selber könten / wollte ich kein Wort
darzu reden; aber habe ich dann nicht die Warheit gesaget? Die Reden sind so gar
uneben nicht / sagte Valiska zu der ganzen Gesellschaft; dann freilich ist es
eine grosse Tohrheit / dass wir Menschen mit denen Sachen prangen / die im Meer
von den nicht werten Muscheln gezeuget werden; und die Steine hoch schätzen /
welche doch nimmermehr des Werts sind. Ey warumb dann? sagte Herkules / (mit ihr
ein LustGezånke zuhalten) ist dann Gold und Silber nicht auch irdisch / und viel
häuffiger in der Erde zufinden / als die ådlen Steine? Ich bekenne meinen Irtuhm
/ sagte Valiska / aber in Gegenschätzung der Speisen und anderer
Nohtwendigkeiten / ist es gar zu hoch angeschlagen. Herkules antwortete zur
Kurzweil: Wachsen doch solche auch aus der Erde / und zwar in viel grösserer
Menge; und müssen hohe Leute ja auch ein Narrenspielchen haben / daran sie den
Gecken sehen lassen / welches ausser Zweifel der Perlen und ädlen Gesteine
Schazbarkeit ist. Die Krämerin mischete sich mit ein / deutete alles auf ihren
Vortel / und sagete: Wann ihr dann alle miteinander meine Waaren so hoch rühmet
/ so gönnet mir auch eures Geldes davor / alsdann will ich euch meines Mannes
schönes Geklöppel auch sehen lassen. Das möchte vielleicht von höherm Wert sein
/ antwortete Valiska. Wie dann nun? sagte das Fräulein /habe ich euch dann meine
Waaren zu wolfeil gelobet /stehet euch frei / ein mehres davor zugeben / welches
ich als ein Geschenk rechnen will. Herkules fragete /was er ihr dann vor alle
ihre Korallen und Perlen zahlen sollte. Wir wollens fein ausrechnen / was es
trage wird / antwortete sie; zählete die Schnürlein / foderte Kreide / und
machete eine Rechnung von 40 Gülden und 10 Groschen: Er aber zog alsbald eine
Handvol Kronen heraus / und fragete / ob sie ungezählet zufriede währe. Ja
antwortete sie / wann es nur so viel ist /als ich gefodert habe / sonst müste
ich mit schaden verkauffen / und merke ich wohl / es werden Goldpfennige sein /
deren ich noch alle mein Tage vor meine Waaren nicht bekommen habe / weiss aber
wohl / dass sie mehr gelten als das Silbergeld / und will auff solchen fal den
empfangenen überschuss auff meines Mannes Spitzen Krahm rechnen. So werden wir
leicht Kaufleute werden / sagte Herkules / reichete ihr die Gelder / und teilete
die schönen Sachen unter dem Frauenzimmer aus / dass das gesamte junge
Frauenzimmer Fürstliche und adeliche mit den Korallen behänget wurden / und sie
es das Königliche Geschenk nenneten. Valiska liess die Zanken auch hervor langen
/ deren sie noch am meisten lacheten / weil die vornehmsten nicht uber zween
Groschen die Elle austrugen / daher sie zu der Krämerin mit einem Gelåchter
sagete: Wie dann / gute Frau / haben euch dann auch Adel und Unadel diese Waaren
abgekaufft? O ja / vor ihr Gesinde / antwortete sie / denen sind sie gut genug /
und kann ja nit fehlen / ihr werdet auch Volk haben /denen ihr etwas buntes umb
Kragen / Hemder und Schnupfftücher verbremen lasset. Nein / sagte Valiska aus
Scherz / mein Gesinde muss solche bunte Sachen nicht tragen / es tuhst ihnen noch
wohl schlecht hin. Libussen verdross / dass die Krämerin sich mit so geringen
Sachen durch sie hatte lassen angeben / und fürchtete nicht wenig / sie würde
grossen Spot müssen über sich nehmen / daher sie zu Königin Valisken sagete: Was
soll der Bettel? Eure Hocheit lassen sie gehen / und werde ich hernähst mich
besser vorsehen /was vor Krämer ich angebe. Das Fråulein bekam Lust / sich mit
dieser zuzanken / und sagte: Wz saget ihr Jungfrau? scheltet ihr meines lieben
Mannes Krahm vor einen Bettel? Er hat ihn trauen nicht zusammen gebettelt /
sondern sein baares Geld davor gegeben /ob er gleich wohl ehmahls gebettelt hat.
Und was habt ihr mir meine redliche Waaren zuverachten / wollet ihr sie nicht
käuffen / oder mangelt es euch am Gelde / so lasset mir meine Waaren so gut sie
sind; vielleicht gereuets euch / dz eure gn. Frau selbst mit mir handelt / und
solches nit durch euch verrichtet / dass ihr auch euren Vortel damit håttet
spielen können /wie es dann bei Fürstlichen Höfen ins gemein zugehet / dass die
grossen Herren viel näher käuffen / und gleich vor ihr Geld bekommen würden /
wann sie selbst zu Markte gingen oder die Krämer zu sich foderten. Es entstund
ein gemeines Gelächter hierüber /dass Valiska kaum diese Worte zu Libussen vor
lachen sagen kunte: Sihe / das schadet dir nicht kanstu nicht andern Leuten ihre
Waaren so gut lassen als sie sind? Diese lief darüber vol Eifer / und wollte der
Krämerin ihren Frevel verweisslich vorhalten. Aber dieselbe sagte zu ihr: Was
habt ihr mich hieselbst auszuschelten? seid ihr doch nicht gebietende Frau auff
diesem Schloss / so habe ich euch auch meine Waaren nicht feil gebohten / und
sage noch einmal / lasset mir meine Waaren unverachtet; seid ihr eine junge
ädelfrau / so bin ich eine ehrliche Krämerin; so stehets euch auch nicht fein an
/ dass vor dieser Fürstlichen Gesellschaft ihr euch so mausicht machet. Libussa
nam ihr den Schimpff so sehr zu herzen / dass sie kein Wort antworten kunte / und
verdross sie am meisten / als sie ihren Leches darüber lachen sah. Valiska aber
sagte zu ihr aus Kurzweil: Lass dir dieses zur Warnung dienen / und gib dich mit
keinen Krämerinnen mehr in Zank / sie haben die Zunge noch besser gelernet
zugebrauchen als du. Sie erhohlete sich endlich darauff / und sagete: Mein
lebelang bin ich dergestalt nicht beschimpffet worden / und werde Eurer Hocheit
Vermahnung ich hernähst wissen in acht zunehmen. dabei aber die Krämerin sich
stellete / als hörete sie es nicht / sondern fragte Valisken / ob sie vor ihres
MannesWaaren ihr kein Geld gönnen wollte. Ich muss wohl / antwortete sie / wo ich
sonst ohn lose Worte gedenke von euch zukommen. Nein / gn. Jungfer / sagte sie /
so böse bin ich nicht / dass ich einem Menschen lose Worte geben sollte / der mirs
nicht abhohlete. Wolan / sagte sie / so bin ich sicher vor euer Ungnade / und
will meinem Liebsten und andern anwesenden jungen Herren auch ein Jahrmarkt
käuffen; saget mir nur in der Güte / was ihr vor die ganze Lade vol haben
wollet. Eure Gn. geben was sie wollen / antwortete sie / es sind 50 Stücke
drinnen /die kosten uns 80 gute Gulden in Kölln bezahlet / und wann Eure Gn.
wüsten / was vor Elend / Noht und Jammer mein Mann auff dieser Reise erlitten /
sie musste mit ihm weinen. Ach lieber Gott / sagete die mitleidige Valiska / dz
ihr alles lachen verging / es kann wohl sein / dass euch beiden das tägliche Brod
zuerwerben durch solche Nahrung saur gnug wird / gab ihr zwo Hände vol Kronen /
und sagte / sie könnte nun in Gottes Nahmen hingehen. Mich deucht / Eure Gn.
geben mir zu viel / sagte sie / aber Gott belohne euch das ubrige und euer
Mitleiden. Wendete sich darauff zu Libussen / und sagete: Ich bitte euch
freundlich /ädle Frau vergebet mirs / dass ich ein wenig zu heftig wider euch im
Zorn geredet habe / es ist mir leid / und will / Abtrag zumachen / euch diesen
Brief vol Nadeln verehren. Libussa hätte sich schier auffs neue geeifert / wann
nicht Leches ihr einen ernstlichen Wink gegeben hätte / woraus sie urteilete /
diese müste nur eine verstellete Krämerin sein / nam deswegen die Nadeln zu sich
/ und sagete: Weil ich sehe / dass euch meine Beschimpffung leid ist / will ichs
euch vergeben / und dieses Geschenk zum Gedächtnis beilege / dass ihr mich so
fein sauber habt ausgehechelt. So böse ists nicht gemeinet gewesen / antwortete
die Krämerin /und ist mir lieb / dass ich mit euch wieder verglichen bin.
Baldrich trat zu ihr hin / und sagete: Gute Krämerin / wo bleibet die
versprochene Schnür-Kette mit dem Briefe Nadeln / nachdem euch alle Waaren
abgehandelt sind? Junger Herr / antwortete sie / eures Geldes habe ich noch
wenig gesehen / und dürffet doch eine Zugabe fodern; aber doch / da habt ihrs
beides /ich will vor dissmahl die reicheste sein / nehmets hin /und schenkets
eurer Liebesten / wann ihr dermahleins eine bekommen werdet. Valiska lachete des
Auffzuges von Herzen / trat hinzu / und nahm das gebohtene zu sich / sagend /
mir gehöret dieses / vermoge unsers Kauffs / eigentlich zu / aber ich wils
gleichwol mit dem Bedinge nehmen / dass ichs dieses jungen Herrn seiner Liebesten
zurahte hägen will. Die Krämerin reichete ihr solches willig ein / und sagete:
Gnådige Frau / mich deucht / ihr verstehet euch sehr wohl auff Krämerei / denke
ja nicht / dass ihr des Königes aus Böhmen Frl. Tochter seid / von welcher ich
mir habe sagen lassen / sie sei auch wohl ehmahls lieber eine Krämerin als eines
grossen gewaltigen Königes versprochene Braut gewesen / wodurch sie ohn Zweifel
in unsere Gülde getreten ist / und dieselbe Königlich geadelt hat; Ist nun Eure
Gn. dieselbe / so kann ich nicht unterlassen / dieselbe als eine ehrliche
Gülde-Schwester zugrüssen. Valiska verwunderte sich der Rede / sah alle
anwesende an / und sagte: Die Karte ist falsch / und ist diese gewisslich eine
verstellete Krämerin / uns einen Auffzug zu machen. Das Fräulein aber kehrete
sich an nichts / ging mit Arbianes davon / und sagete kein Wort mehr / da Leches
und Libussa (weil er ihr winkete) ihnen auff dem Fusse nachfolgeten. Valiska
sagete nach ihrem Abscheide zu den anwesenden: So statlich bin ich zeit meines
Lebens nicht auffgetrieben / als vor dissmahl / und noch wohl kurzweiliger / als
ehemahls mein Partisches Frauenzimmer; und was gilts / wo meine Libussa der
lose Balg diesen Possen nicht angerichtet / und einen ertichteten Zank mit der
Krämerin gehalte hat /mich so viel zierlicher auffzuzihen? So bald das Fräulein
aus dem Gemache wahr / sagte sie zu Libussen: ädle Frau / verzeihet mir / bitte
ich / alle Grobheit /die ich heut / bloss ein Gelächter über uns beiden
anzurichten / an euch begangen habe / und wann dieses nicht währe mein Vorsaz
gewesen / hätte ich euch hoch beleidiget; Je länger aber ich euch ansehe / je
mehr erinnere ich mich unser ehmahligen Freundschaft / wie wir uns dann vor
diesem wohl gekennet haben; Kommet und führet mich auff ein absonderliches Gemach
/ mein Mann wird mit eurem EheJunkern auff ein anders gehen / dann ich habe von
Kölln ab einen hochvertraulichen Gruss an euch von einer Nähterin / die ist wohl
vor diesem etwas mehr / und eure gute Freundin gewesen. Libussa gedachte alsbald
an das Fräulein und sagete: Ach gute Frau / ich verzeihe euch alles gerne / wie
heftig ich mich gleich zu anfange geschämet habe; nur saget mir / wie heisset
diese Nähterin? Sie nennet sich Armgart / antwortete sie / und hat im wolstande
Klara geheissen. Ey Gott Lob und dank / sagete sie / so lebet das allerfrömmeste
Fräulein der Welt noch? O dass doch nur der liebe Fürst auch noch möchte im Leben
sein! wollte alsbald von ihr hinweg lauffen / und ihrer Königin diese
hocherfreuliche Zeitung bringen. Aber Leches hielt sie auff / und sagete: Wie
eilet ihr so / wollet ihr als blindlinges davon springen? besehet doch diese
Krämerin recht / nachdem ihr höret / dass ihr bekanten seid / und wann ihr die
Warheit erkennet / so bittet wegen eures heutigen trotzes umb vergebung. Libussa
meinte vor freuden zu bersten / so bewägete sich das Herz in ihr / fiel der
Krämerin umb den Hals / und sagete: Ach gnädiges Fråulein; ich zweifele nicht /
sie sei es selbst in angestrichener Farbe. Ja Gott Lob /antwortete sie; aber
meldet mich nicht / sondern schaffet / dass ich meine Fr. Schwester Königin
Valiska allein möge sprechen. Leches erinnerte sie abermahl / dass sie um
verzeihung anhielte; aber sie sagte; es bedurfte solches nicht / sie håtte nicht
mit dem Königlichen Fräulein / sondern mit einer Krämerin sich gezanket / und
weil dieselbe schon verschwunden währe / hätte sie sich weiters nicht darumb
zubekummern; lieff darauff hin / und traff Euphrosynen vor dem Gemache an /
welche sie baht / dass sie Königin Valisken vermöchte heraus zukommen / weil die
Krämerin eine heimliche Werbung an sie abzulegen hätte. Die Königin gab zur
Antwort: Was mag meiner Libussen hinte geträumet haben / dass sie mich mit dieser
Krämerin so äffet / welche sie ohnzweifel selbst ausgerüstet hat / dann wie
hätte sie sich sonst so leicht mit ihr wieder vergliechen / als wodurch sie an
den Tag leget / dass ihr Zank nur ertichtet gewesen; doch ging sie hin / dräuete
auch Libussen mit einem heimlichen Wink / uñ fragete die Krämerin / was sie
begehrete; welche darauff anfing: Gnädigste Königin /ich habe neun Meile hinter
Kölln einer ädelfrauen etliche Waaren verkauft / dieselbe hatte eine Nähterin
/welche da sie vernam / dass ich nach Magdeburg reisen wollte / baht sie mich mit
heissen Trähnen / auf den fall der Teutsche GrossFurst daselbst nicht sein würde
/ ich möchte vollends nach Prag mich erheben /und Gelegenheit suchen / der
jungen Teutschen Gross-Fürstin Valiska nur dieses wenige (dessen ich gut
Trinkgeld bekommen würde) anzumelden / dass ihre geträue Dienerin Klara annoch
lebete / nur dass sie durch Unfal und betrug währe zur Magd einer boshaften
Frauen worden / und von derselben manniche Ohrfeige einschlucken müste. Valiska
sprang vor freuden auff / uñ sagte: Ey dem allerhöchsten Gott sei lob und dank /
dass sie noch lebet / die Magdschaft soll ihr bald benomen werde / und ihr gute
Krämerin müsst ohn ein reiches Trinkgeld nicht scheiden / dass ihr dieses so
träulich habt werben / und solchen weiten Weg über euch nehmen wollen. Lieff
damit wieder nach der Gesellschaft / und wusste nicht / wie sie vor fröligkeit
sich geberden sollte. Herkules sah solches an ihr / und sagte: Mein Schaz / was
vor eine heimliche Verehrung hat euch die Krämerin getahn / damit sie euch so
erfreuen können? Eine über köstliche Verehrung / antwortete sie; wollte ihm aber
nichts mehr sagen / sondern trat hin zu Herkules Fr. Mutter und sagete überlaut;
Gn. Fr. Mutter / der allerhöchste Gott will uns nach der Traurigkeit wieder
erfreuen. O herzliebe Fr. Tochter / fiel ihr diese in die Rede; ist etwa mein
liebes Kind wieder zu Lande geschlagen? Zwar noch nicht zu Lande geschlagen /
antwortete sie / aber gnug ist es uns vor erst / dass wir nunmehr gewiss wissen /
dass sie noch lebet und gesund ist / wiewol in fremden Landen / uñ daselbst vor
eine Nähe-Magd dienet / davon wir sie mit Gottes hülffe bald befreien wollen.
Dir sei dank HErr Gott / sagte die liebreiche Mutter / aber an was Ort hält sie
sich auff? Neun Meile hinter Köllen / sagte sie / in der Römer gebiet /woselbst
die fremde Krämerin sie selbst gesprochen hat. Die ganze Gesellschaft wollte die
Zeitungsbringerin selbst fragen / aber Libussa zeigete an / wie sie mit ihrem
Manne hinweg gangen wåhre / und bald wieder kommen würde; ging damit wieder
davon nach dem Fräulein auff ein absonderliches Gemach / da Libussa ihren Leib
von der angestrichenen Farbe reinigte / und ihr in die Kleider half / welche sie
von Magdeburg mit gebracht hatte; Arbianes aber auff einem andern Zimmer sich
auch ausputzete / dem die Freude mehr Kraft und stärke verliehe / als er sonst
an sich hatte. Als sie beide fertig wahren / fasseten sie einander bei der Hand
/ liessen Leches und Libussen vor sich her treten / und folgeten denen auff dem
Fusse nach / dass ihrer niemand gewahr ward / biss das Fräulein nahe vor ihrer Fr.
Mutter stund / und ihr mit küssen und Trähnen umb den Hals fiel / welche über
der unvermuhtlichen gegenwart sich entsetzend / in Ohmacht nidersank. Arbianes
stellete sich vor Valisken /und wollte ihr die Hand küssen / aber sie umfing ihn
schwesterlich / und sagete: Herzlieber Herr Bruder; ach wie hat eure Liebe sich
doch so lange Zeit verborgen gehalten? Gott sei Lob / dass ich dieselbe wieder
vor mir sehe / wiewol das verfallene Angesicht gnug zu erkennen gibt / dz er
mehr böse als gute Stunden mus gehabt haben. Ich danke dem allerhöchsten GOtt /
antwortete er / dass eure Liebe ich gesund und frisch antreffe / und bin mit
meines Gottes züchtigung wohl zu frieden / nachdem von demselben ich die Gnade
gehabt / das Durchl. Königliche Fräulein wieder anzutreffen / so das mein
überstandenes Elend ich nicht allein gerne vergessen / sondern es als ein
Gnadenzeichen / dass Gott an mich gedacht hat / rechnen will. Die alte Königin kam
bald wieder zu sich selbst / umfing ihr allerliebstes Kind mit herzen und kussen
/und wollte in einem Augenblick alles ihr ergehen wissen; sie aber gab zur
Antwort; Gn. Fr. Mutter / wir wollen unsere Trähnen heut nicht weiter reitzen /
sondern dem almächtigen wahren Gott / und unserm Heilande JEsus Christ von
herzen danken / dass er nicht weniger meine Ehr und jungfräuliche Keuscheit / als
mein Leben väterlich behütet und errettet hat. Arbianes ward von König Henrich
freundlich empfangen /welchen er nach geschehener Danksagung und geleistetem
Handkusse also anredete: Grossmächtigster unüberwindlichster König / gnädigster
Herr; ob zwar zu jener Zeit / da eure Königl. Hocheit ich erstmahls angesprochen
/ mich unterstanden habe / das Durchleuchtigste Fräulein / eurer Königl. Hocheit
Frl. Tochter aus Räubers Henden losszuwirken / und ihren Eltern sie wieder
zuzuführen / hat doch ein leidiger Fal / der gutenteils ans Irtuhm entstanden /
nicht allein solches gehindert / sondern von höchstgedachtem Fräulein mich
endlich gar hinweg gerissen / welche kaum vor sieben oder acht Stunden ich drei
Meile von hinnen / durch Gottes sonderbahre schickung ohngefehr angetroffen /
und von ihrer Durchl. die Ehre gehabt / dass sie mich im Betlerstande und
Kleidern auf ihre Gutsche genommen / so dass dannoch nach Gottes Willen dieselbe
ich nicht allein gesund und frisch / sondern auch im unbeflecketen
jungfräulichen Stande hieher geleiten können. Wann nun vor diesem umb eine
Heirat bei ihrer Königl. Hocheit durch meine Gn. Fr. Schwester und Königin /
Fr. Valiska / ich untertähnige ansuchung getahn / als will anjezt ich solche
Anwerbung selbst mündlich in untertähnigstem Gehorsam vortragen / demühtigst
bittend / ihre Königliche Hocheit wollen mit angenehmer Antwort und väterlicher
neigung mich beseligen / und ihre herzgeliebete Frl. Tochter mir versprechen;
dagegen ich mich dann Christlich erklären und verpflichten will / sie Zeit meines
lebens als ein hochwirdiges Gemahl zu lieben und ehren / und nach meinem Tode
mit einem Grossfürstlichen Leibgedinge versehen. Mein geliebter Herr Sohn /
antwortete der König; wem sollte ich mein herzliebes Kind lieber goñen und geben
/ als der ihretwegen / wie ich verstehe / aus einem mächtige GrossFürsten gar zum
Betler worden ist / und wohl unsägliche mühe und arbeit uberstanden hat / wie
euer Liebe bleich-mageres Angesicht gnugsam uñ überflüssig bezeuget. Fassete
damit seine Frl. Tochter bei der Hand / und nachdem er sie etlichemahl geküsset
hatte / sagte er zu ihr: Ich zweifele nicht / geliebtes Kind / du werdest die
Träue und Liebe / dir von diesem GrossFürsten erwiesen / mit gebuhrlichem Dank
zuerkennen gesonnen sein / und nach meinem Schlusse ihn vor deinen Bräutigam und
künftigen Gemahl annehmen. Gnädigster Herr Vater /antwortete sie; Dieser
Durchleuchtigster GrossFürst hat meinetwegen äusserste Noht / Armut und
Lebensgefahr ausgestanden / und über die 20 Wunden in meiner getråuen
nachsuchung empfangen / so das mein Unglück gegen das seine nicht eins zu rechnen
ist; auch hätte ich weder von dem Wendischen Gotschalk / noch von bevorstehender
Todesgefahr ohn seine Hülffe können errettet werden; und welches ich vor das
höchste halte / hat er die drei Tage über / so er mich in seinem gewarsam gehabt
/ mich nicht allein im Christlichen Glauben unterrichtet / ohn welche Erkäntnis
ich mein ausgestandenes Elend unmöglich hätte ertragen können; sondern hat sich
auch so ehrliebend und züchtig gegen mich verhalten / dass er mir nicht das
allergeringste zugemuhtet / welches meiner jungfräulichen Keuschheit im
wenigsten hätte zu wieder sein können; daher / nach dem er sein ehrliebendes
begehren mir vorgetragen / ich ihm die Versprechung getahn / seiner Durchl. nach
eingehohletem Befehl und Raht / meiner herzlieben Eltern / Herrn Brüder / uñ Fr.
Schwester / mit solcher Antwort zubegegnen / die eine anzeige eines dankbahren
willens mit sich brächte. Weil dañ mein H. Vater mir solches anbefihlet / will
seinem Geboht zugehorsamen / ich diesen Durchl. Grossfürsten vor meinen Bräutigam
und künftigen hochwirdigen Gemahl annehmen / ihm alle Träue uñ Liebe versprechen
/ uñ daneben demuhtig bitten / seine Durchl. wolle mit meiner Schwacheit und
geringem vermögen geduld tragen / wann allemahl ich mich nicht wurde der Gebühr
nach verhalten köñen / wornach doch meine stete Bemühung streben soll. Da ging
nun nicht allein das Glük wünschen /sondern auch das wilkome erst recht an / und
erfreueten sich Königin Sophia / Lukrezia und Fürstin Sibylla von Herzen / als
die höreten / dass das liebe züchtige Fräulein sie mit diesen Worten in
lateinischer Sprache anredete: Grossmächtigste Königinnen /Durchleuchtigste
Fürstin; weil der almächtige Gott mir diese Barmherzigkeit erzeiget / uñ ihrer
sehr angenehmen Kundschaft mich gewirdiget hat / als bitte ihre Liebden ich
demuhtig / sie wollen meine gering-schätzige Gegenwart ihnen nicht lassen
verdriesslich sein / sondern sich versichern / dass denen samt und sonders
aufzuwarten ich begierig bin / wie dann in meiner sieben Wöchigen Magdschaft ich
viel geringern Leuten habe müssen die Hände küssen / dass mich das Angesicht
davon geschmerzet hat. Die lezten Worte bewägeten die ganze Gesellschaft zuweinen
/ so dass die Königinnen ihr kein Wort antworten kunten / sondern an Stat der
Rede ihr um den Hals fielen /uñ noch endlich Fr. Sophia zu diesen kurzen Worten
sich zwang: Durchleuchtigstes Königliches Fräulein /herzallerliebste Frl.
Schwester; unserm Heilande JEsus Christ sei Lob und Preis vor ihre Beschütz-und
Erhaltung; wir unsers teils freuen uns dessen von ganzem Herzen /
freundschwesterlich bittend / ihre Liebe wolle mit so tiefen Ehrerbietungen uns
nicht beschämen / sondern die Freiheit uns gönnen / dass wir derselben als einer
hochbegabten Königlichen Fräulein mögliche schwesterliche Dienste / Freundschaft
und Liebe erzeigen können. Valiska hatte sich zu ihr noch nicht genahet / dann
sie wollte unter dem FrauenZimmer die letze sein / trat demnach zu ihr /küssete
sie zum offtern auff ihr annoch bleiches Mündlein / und sagte: O ihr mein
tausend Schätzichen und herzallerliebstes Schwesterchen / warum habe ich nicht
das Gluk haben sollen / ihr grosses Unglück zu wissen / auff dass ich ein so
tugendreiches Herz und volkommenes Muster der auffrichtigen Frömmigkeit und
Demuht loswirken / und mich ihrer Schwesterlich annehmen mögen. Nun / ich habe
auch Noht und Angst versuchet und geschmecket / aber ich dancke meinem Gott noch
darzu / das er mir solches zugeschicket hat / dann sonst würde ich weder eure
Liebe noch mich selbst / noch einigen andern Menschen haben erkennen können.
Zweifele auch nicht / mein allerliebstes Seelichen werde dereins sich nicht
weniger über diese Väterliche Züchtigung Gottes Kindlich erfreuen / weil solche
viel böses aus unserm Herzen hinweg schaffet / und die kindliche Furcht gegen
Gott in uns wirket / dass wir im guten Glük nicht auffgeblasen werden / noch uns
selbst zukennen auffhören /sondern stets gedenken / dass der Allmächtige welcher
uns ehmahls gestäupet / uns allemahl wieder finden könne / auch viel schärffer
angreiffen / als zuvor geschehen. Ist also / mein herzen Schwesterchen diese
RuhteGottes nichts anders / als ein kräfftiger Teriak und Seelen Arznei / welche
die heftigen Zufälle der angebohrnen Bosheit abhält / dass sie nicht das Herz
gar einnehmen / sondern wañ sie auffsteigen / vor ihren volkommenen Wirkungen
abgeleitet werden. Ach wie ergetze ich mich / wann meine Seele es bei mir
überleget / wie oft ich in Noht / Gefahr und Angst gestecket / und dannoch
allemahl meines Gottes und Heilandes Hülffe und Rettung genossen / auch da ich
sein Feind noch wahr! wir wollen aber vordismahl keines ausgestandenen Unglücks
mehr gedenken / sondern uns miteinander über unser Erlösung herzlich ergetzen.
Das liebe Fräulein hörete ihren andächtigen Reden fleissig zu / und antwortete
ihr: Unvergleichliche Konigin / und wahres Ebenbild der Gottseligkeit und
volkommenen Tugend; wie grosse Hoffnung mache zu ihrer Hocheit ich mir wegen
zukünftiger träu fleissiger Unterrichtung zum wahren ungefärbeten Christentuhm /
weil schon zum aller erstenmahle ich eine so köstliche Herz Stärkung von ihrer
hochgelehrten Zunge einnehme / dass dieselbe wohl nimmermehr aus meinem Herzen
komen wird / auch solche heilsame geistliche Erquickung lieber in steter
Betrachtung erhalten / als mit meinen ungeschickten Reden beantworten will; nur
allein bedanke ich mich vor dismahl sehr dienstlich uñ von ganzem Herzen /dass
meine höchst gepreisete Fr. Königin / Wase und Schwester sich um meine Wolfahrt
so heftig hat bemühen wollen; bitte solche hohe Gewogenheit in steter Blüte
zuerhalten / und an meiner Unvolkomenheit kein Missfallen zutragen / weil mein
Herz und Seele /ungeachtet die Folge nicht dabei sein kann / sich stets bemühen
wird / meiner Gn. Fr. Königin und Schwester nach äusserster Mögligkeit
auffwärtig zusein. Ja mein Schwesterchen / antwortete Valiska / sie herzlich
küssend / wir wollen diese Höfligkeiten den fremden überlassen / würde mich auch
sehr schmerzen /wañ mein Schätzichen an statt der so hochgewünscheten
Vertrauligkeit und Liebe mir Wortspeise aufsetzen wollte. Herkules mengete sich
hieselbst ein / umfing seine Frl. Schwester Brüderlich und erboht sich zu aller
aufrichtigen Liebe. Als das freundliche Wilkommen / welches in die andertalb
Stunden wehrete / ein Ende genomen hatte / kunte das Fräulein nicht umhin / an
Leches zubegehren / er möchte doch ihren lieben Freund den geträuen frommen
Wolfgang ihm bestermassen lassen befohlen sein / und ihn fein unterweisen / wie
er sich bei hohen Leuten zubezeigen hätte. Sie ward von der Gesellschaft gebehten
/ anzuzeigen / was dieser vor ein geträuer Mensch währe /der solcher
Unterrichtung bedürfte; worüber / da sie es kürzlich erzählete / was er bei ihr
getahn hätte /sich alle Anwesende verwunderten / und musste ihn Leches herführen
/ dass sie ihn sehen möchten. Er entsetzete sich gewaltig / als er so viel Könige
und Königinnen sah / dass ihm die Farbe und Rede verging; welches Valiska
merkend / ihn mit diesen freundlichen Worten anredete. Wolfgang / mein guter und
lieber Freund; ihr sollet euch vor diesen grossen Herren uñ Frauen nicht
entsetzen / als bei deren Gesellschaft ihr euch noch oft und viel werdet finden
lassen / sondern sollet alle unständige Niedrigkeit eures Gemühts ablegen / und
von gegenwärtigem Leches Bericht einnehmen / wie ihr geliebts Gott / morgen bei
Empfahung der Belohnung eurer redlichen Tråue / die wohl aus einem recht
adelichen und nicht aus einem bäurischen Gemüht entstanden / euch verhalten
sollet. Ja mein frommer Wolfgang / setzete das Fråulein hinzu /versichert euch
nur dass ich eben dieselbe im diesem Königlichen Pracht gegen euch verbleiben
werde / die ich im Mägde-Kittel gewesen bin / ohn dass wir unsere getichtete Ehe
aufruffen werden / weil ich eurem gnädigsten Grossfürsten und Herrn nunmehr
versprochen bin / nach welcher Aufruffung / wie ich wohl weiss / euch eben so
heftig als mich verlanget hat. Wolfgang begrif sich hierauf in etwas / setzete
sich auf die Knie / bedankete sich aller Königlichen Gnade / und baht sehr
flehentlich / sie möchten doch seinem groben Unverstande und Bäurischer Einfalt
nicht grössere Gnade auflegen / als er ertragen könnte / und da ihm ja einige
über seine Wirdigkeit begegnen müste / wollte er dem Fräulein in dieser ihrer
Königlichen Hocheit seine erste untertähnigste Bitte vortragen / sie möchte
gnädigst erhalten / dass ihm zuvor etliche Tage frei gegöñet würden / sich bei
dem Hofeleben umzusehen / und von andern zufassen / wie gegen Königen und
Fürsten er sich verhalten müste /welches ihm als einem Bauern und Haus Knechte
allerdinge unbewust währe. Die ganze Gesellschaft legete ihm solches zur guten
Vernunft aus / wurden ihm auch drei Tage Auffschub gegönnet / in welcher kurzen
Zeit Leches und Neklam ihn dergestalt anführeten / dass er sich adelich gnug
zubezeigen wusste / und er nunmehr bei sich befand / dass es besser währe / in
solchem Stande zuleben / als eines Bürgers Hausknecht zusein. Diese drei Tage
über wurden die 8 Reuter und der gefangene Reichard mit essen und trinken wohl
gehalten / wiewol dieser ihm keine andere Rechnung machete / als dass er eines
grausamen Todes würde sterben müssen. Sonsten bestimmete Konig Henrich noch
diesen Abend / dass nach sechs Tagen Fürst Arbianes und der Fräulein Beilager
sollte gehalte werden / gegen welche Zeit sie der Römischen Herren Ankunft
erwarteten. Wolffganges und der Reuter Begnadigung ward des angesezten Tages
vorgenommen / da König Henrich den ersten anfangs in den hohen Teutschen Adel
auffnam ihm Schild / Helm und Wapen gab / nehmlich ein Hündichen / welches ein
Lamb bewahrete und oben auff dem Helm eine Fahne / in welcher ein grüner
Lorbeerbaum stund /mit diesen Worte: Der Träue Belohnung; und nahm das Fräulein
ihn alsbald zu ihrem Hofmeister an / da ihm drei Reitpferde / eine Gutsche mit
vier Pferden /zween reitende Knechte / so viel Gutscher und zween Leibdiener
gehalten wurden / so dass etliche des Adels ihm solches missgönneten / und davor
hielten / die Vergeltung währe vor einen Bauern schier zu gross. Valiska wollte
ihm alsbald Neklams Schwester / eine züchtige schöne Jungfer von 18 Jahren /
freien / und die Braut mit 12000 Kronen aussteuren; welche Heirat ihm zwar sehr
angenehm war / jedoch emsig anhielt / dass biss auff seines alten Vettern Witto
Ankunft das Beilager und die Trauung gnädigst möchte verschoben werden /
welches das Fräulein selbst vor gut ansah / und alsbald Anstalt machete / dass
eine Begleitung von 30 Reutern mit einer ledigen Gutsche nach Friessland gehen /
und den alten Witto nebest seinem ungerahtenen Sohn Gerd nach Prag hohlen
sollten / auch ihm dabei anzeigen / wann er sonst noch andere seine Verwante
gerne wollte befodert haben /ihm frei stunde / solche mit überzubringen; König
Baldrich liess zugleich einen Befehl an die Landstände abgehen / dass alle
Inwohner des Dorffes / woselbst das Fräulein bei Witto gelegen / sollten
vorgefodert /und der Rohtbart wegen seiner begangenen sehr vermuhtlichen
Mordtahten scharff befraget / auch nach Befindung samt allen Mitschuldigen /
andern zum abscheuhlichen Beispiel mit dem Rade gestossen /und darauff gelegt
werden. Die 8 Reuter / deren noch keiner über 21 Jahr alt wahr / hatten diesen
Morgen schon neue Kleider mit Golde stark verbremet bekommen / in welchen sie
nebst Wolffgang erscheinen mussten / da Arbianes sie also anredete: Ihr redliche
Reuter und liebe geträue; es ist der Tag eures Gluckes erschienen / da ihr
erfahren / sehen und geniessen müsst / was ehrliche und geträue Dienste vor
Belohnung zugewarten haben. Ihr habt das Durchleuchtigste Königliche Fråulein /
meine Vertrauete / aus ihrer Dienstbarkeit geführet sie auff dem Wege begleitet
/Unheil nach Vermögen von ihr abgewand / uñ euch nichts von ihrem Schutze
abschrecken lassen; des soll euch / ihrem Fürstilchem Verspreche nach begegnen
/was ihr begehret; und damit ihr sehen möget / was vor angenehme Dienste ihr mir
hiedurch geleistet habet /als wird der ädle Wolffgang von Friesentahl (dieser
Zunahme ward ihm von dem Fräulein gegeben) euch eine Tonne Schaz zum ersten
Gnadenpfennige baar austeilen / jedem drei Reitpferde / zween Reitknechte und
einen Leibdiener zustellen / und mit monatlichem Solde versehen; geliebt euch
nun meiner gnådige Anerbietung zugebrauchen / sollet ihr von mir anfangs vor
meine HofJunkern bestellet / und alsbald in den Adelstand auffgenommen werden;
wo nicht / wird man euch noch so viel Barschaft nebst andern Verehrungen
zustellen / und euch nach belieben zihen lassen / wohin ihr begehret. Diese
bedanketen sich aller angebohtenen Gnade mit einem Fussfalle / und erkläreten
sich einhellig / in ihrer Grossfürstl. Durchleuchtigkeit Diensten zuleben und
sterben / wiewol der angebohtenen Hofbestallung und des Adelstandes sie sich
allerdinge unwerd schätzeten. Es geschahe dieses alles im fördersten
SchlossPlatze / da die Henkers-Buben mit dem gefangenen Reichard in einem Winkel
stehen / und dieser solches alles ansehen und anhören musste. Nach der
Hochfurstlichen Gesellschaft Abtrit ward daselbst ein Gericht gehäget über den
armen Sünder Reichard / da Wolffgang und die 8 Reuter nahe dabei stehen / Leches
aber auff dem Richterstuel ihm diese Urtel vorhalten musste: Er wurde ohn einiges
leugnen gestehen / was gestalt er sich durch seine verteufelte fast unerhörte
Bosheit und wahnsinnigen übermuht hätte lassen verleiten /einem Hochfurstlichen
Fräulein (welches ihm nicht unbewust gewesen) nach Ehr und Keuscheit zustreben;
wodurch er dann verdienet / dass er andern seines gleichen Buben zur Warnung und
Beispiel abgestraffet würde / und zwar auff diese weise: Dass sein
schandsüchtiger Leib an allen seinen Gliedern sollte mit einem Rade durch des
Henkers Hand zustossen /und hernach den Raben zur Speise darauff gelegt werden;
worzu er sich nach Verlauff drei Stunden sollte gefasset halten / weil er aus
blossem vorsezlichen und muhtwilligen Frevel ein solches lieber hätte verdienen
/ als der hochversprochenen Fürstlichen Vergeltung abwarten wolle. Er erblassete
anfangs in etwas uber der harten Straffe / jedoch verging ihm solches gar bald /
stellete sich standhaftig und unerschrocken /und gab diese Antwort: Ja Herr
Richter / ich erkenne und bekenne / dass durch meine vorsezliche Bosheit ich
diese Straffe wohl verdienet habe / und aller Begnadigung unwirdig bin / die mir
sonsten / wann ich meine unbilliche Begierden hätte bendigen wollen /mit grösser
masse als meinen Reutern wurde zugewendet worden sein; will demnach die
Volstreckung eurer Urtel mit möglichster Standhaftigkeit über mich nehmen / und
vor die Bosheit leiden / weil ich durch Tugend mich nicht habe wollen verdienet
machen; nur allein bitte ich untertähnigst / dz das Königliche Fräulein mir nach
meinem Tode vergeben wolle; und dass meinen lieben Eltern und Anverwanten diese
meine schändliche Hinrichtung nicht möge kund gemacht werden. Wolfgang / wie ihm
befohlen wahr /fragete ihn / ob er dann nicht umb Gnade anhalten wollte; es könnte
geschehen / dass seine demühtige Bitte das Königliche Fräulein und die ganze
Königliche Gesellschaft bewägen möchte / ihm auffs wenigste einen gelinderen Tod
auffzulegen / erboht sich auch /ihm hierin gerne zudienen / weil er ihm schon
von Herzen die ihm angelegte Verwundung vergeben hätte. Worauff er antwortete:
Euer Herz / mein Freund / muss gewisslich eine Wohnung vieler herrlichen Tugenden
sein; und wollte Gott / dass in meiner Kindheit ich durch Verzärtelung nicht zum
Muhtwillen veranlasst währe / hätte ich auch etwas gutes verrichten können /
welche Reue aber nunmehr zuspäte ist. Ich gedachte / ihr hättet euch hieher
gestellet / umb an meiner Verurteilung und Hinrichtung euer Herz und Augen
zubelustigen / und muss nun hören / dass solches aus Erbarmung geschehen ist / ja
ihr noch vor mich bitten wollet / welches ich umb euch gar nicht verdienet habe.
Die Götter verleihen euch davor alle Glükseligkeit / die einem Menschen zufallen
kann; Ich bedanke mich von Herzen / nicht allein vor diese Gewogenheit / sondern
dass durch eure Vorsorge ihr das übel verhütet / welches ich zubegehen willens
wahr. Jedoch / wollet ihr auch noch solcher gestalt eure Tugend scheinen lassen
/ und euch bemühen / bei dem Königlichen Fräulein zuerhalten / dass mein Leib in
die Erde verscharret werde / will ich den Tod / auff was weise er mir
zugesprochen ist / gerne und frölich ausstehen / und die Götter bitten / dass sie
euch solche Guttaht unvergolten nicht lassen. Als die Königliche Gesellschaft
diese Erklärung vernam / sagte Herkules: Der Mensch ist der Gnade wert / und
wird ohn zweifel zum feinen Manne gedeien; doch weil ich weiss /dass meine Frl.
Schwester ihn vor Augen nicht leiden kann / ist mein Bedenken / dass man ihm seine
angewante Kosten nebest einer Verehrung / die doch in unserm Nahmen nicht
geschehen muss / zuwende. Und als sie alle einwilligten / auch das Fräulein
selbst auff Arbianes einreden sich sein erbarmete / in Betrachtung des guten /
das er gleichwol bei ihr getahn hatte / wollte Herkules sein Gemüht noch etwas
besser prüfen / und begehrete / dass ein gar ungestaltes Mensch in ihrem
Sudelkleide (dann sie wahr in der Gesindes-Küche Schüsselwäscherin) nach dem
Gerichte gehen und / noch ehe Wolffgang die Gnade brachte / dem Richter Leches
vortragen musste / sie hätte bei Königin Valiska gleich jetzo bitlich erhalten /
dass man ihr diesen verurteileten jungen Mann allergnädigst zum Ehegatten geben /
und ihm Leben und Freiheit schenken möchte / da sie bereit währe / mit ihm in
das Elende sich hinschicken zulassen / und sie sich mit einander wohl ernähren
wollten. Leches enderte darauff die Urtel alsbald / und schenkete ihm unter
dieser Bedingung das Leben. Er aber trat hin zu der hesslichen Dirne / und
nachdem er sie wohl beschauet hatte / liess er einen tieffen Seuffzen aus dem
innersten seines Herzen gehen / und sagte zu ihr: Gutes Mensch / was hastu von
mir je gutes empfangen / dass du dich mein so träulich annehmen / und mich vom
Tode erlösen wilt? Zohe hierauff 6 Kronen heraus / sprechend: Dieses hatte ich
dem Nachrichter zur Verehrung ganz zugedacht / will es aber teilen / und euch die
Helffte schenken / mit Bitte / solches vor euren guten Willen vor lieb zunehmen;
reichete ihr solches dar / und fing zu dem Richter also an: Ob zwar kein Ding in
der ganzen Welt einem Menschen angenehmer sein kann /als das Leben / und
mannicher / dasselbe zuerretten wohl eine Verheissung tuhn würde / die er zu
halten nicht gemeinet währe; so ist doch nunmehr / Gott Lob / mein unbewäglicher
Sinn und Vorsaz / entweder ehrlich und redlich zu leben und handeln / oder bald
zu sterben; und weil ich sehe und merke / dass zu diesem guten frommen Mädchen
ich ein solches Herz nicht tragen kann / dass ich ihr geträu bliebe / will ich
immerhin sterben / damit ich nicht veranlasst werde /auffs neue zu sündigen.
Wie so? fing die Dirne an; warumb woltet ihr nicht lieber euch mit mir
verehlichen / als unter des Büttels Hand einen so abscheulichen Tod leiden? ich
bin ja / ohn ruhm zu melden /noch Mensch gnug / und ärgert euch nicht an diesem
meinen schmutzigen Kittel / mit welchem ich aus der Küche von meiner arbeit
hergelauffen bin / ich habe noch andere säuberliche Kleider / meinem Stande
gemäss / und über die hundert Gulden durch meine saure arbeit verdienet / die will
ich euch geben / uñ werde ich in meinen Feirkleidern euch schon besser gefallen.
Ach mein gutes Mädchen / antwortete er /seid gebehten / und bekümmert euch
ferner nicht umb meinen Tod / welchen ich wohl verschuldet habe; danket auch dem
Himel / dass ich nicht ein solcher bin /der aus begierde des Lebens / euch zu
äffen bedacht währe / und euch hernach im elende wollte sitzen lassen; die Götter
werden euch schon denselben zum Manne bescheren / den sie euch ausersehen haben.
Wolfgang kam gleich darzu / umb zuvernehmen wessen er sich erkläret hätte; da
die Dirne Reicharte diese Antwort gab. Mein Liebster / wisset ihr dann nicht
/dass man euch mit dem Rade alle eure Knochen entzwei stossen soll! O wie werdet
ihr es bereuen / dass ihr diese meine Liebe ausgeschlagen habet / wann euch nun
der erste Stoss gegeben wird / und gedenket nur nicht / dass ich euch alsdañ los
bitten werde. Ihr sollet / gute Freundin aller dieser Ansprache von mir wohl
entoben sein / sagte Reichard / die Götter nehmen euch in ihren Schuz. Kehrete
sich nach Wolfgang / und sagete: Mein Freund / habt ihr mir die Gnade der
beerdigung erhalten? Ja / sagte er / dieselbe ist euch ganz richtig erteilet /
aber ihr werdet vernommen haben / dass diese gute Dirne euch viel eine grössere
/nehmlich / Leben und Freiheit erbehten hat. Nein /mein Wolfgang sagte er / ich
will nun gerne sterben /damit ich nicht an diesem frommen Mädchen zum Schelme
werde. Da hätte man nun diese Dirne hören sollen / wie sie mit schelten und
schmähen auff ihn ansetzete; Je du Galgenschwengel / du Henkermässiger Bube /
sagte sie / bist nicht wert / dass ein ehrlich Mädchen sich dein erbarme / oder
einigen willen zu dir trage; pfui mich an / dass ich durch deine äusserliche
gestalt mich habe bewägen lassen / dich los zu bitten / ich werde doch nun und
nimmermehr keinen Mann bekomen können / dann jederman wird mirs vorhalten / ein
zum Radebrechen verurteileter armer Sünder / habe lieber also hingerichtet sein
wollen /als mich zur Frauen nehmen; fing auch ein solches gehäule an / dass die
Zuseher dessen gnug lacheten / und also ging sie nach dem innersten Platze /
woselbst die Königliche Gesellschaft auff einem Lustgange bei einander sassen.
Valiska wahr dieser Magd zimlich gewogen / massen sie wohl 16 Jahr in der Küchen
gedienet / und ihr Winterzimer hatte pflegen einzuheitzen /dass sie nunmehr von
36 Jahren wahr; als sie nun dieselbe also heulen sah / fragete sie / was ihr
begegnet währe. O Gn. Königin / der Schelm uñ Dieb will mich nicht haben /
antwortete sie / sondern viel lieber sterben. Valiska lachete dessen / und
sagete: Gib dich zu frieden du solt noch wohl einen bessern Mann bekommen / so
viel Brautschaz habe ich dir zugedacht; worauff sie sich dañ endlich stillen
liess. Die Furstliche Gesellschaft kunte sich über Reichards erklärung nicht gnug
verwundern / insonderheit / als Leches kam /und ihnen seine Worte vortrug.
Gewisslich / sagete König Henrich / dieser Bube dürfte noch so gut werden / als
schlim er bisher gewesen ist / daher lasse man ihn lauffen / und dass nach
zweijähriger frist er sich / mit aufflegung eines schriftlichen Zeugnis seines
verhaltens / bei mir anmelde / alsdann soll er von mir einer Gnade gewärtig sein.
Herkules rieff Leches zu sich / und legete ihn in den Mund / was er anfangs mit
Wolfgang / hernach zu Reichard reden sollte; welcher sich wieder auff den
Richterstuel setzend also anfing: Reichard / deine anfangs erwiesene Dienste
/samt der jetzigen Reue / die du über deine begangene Bosheit trägest / haben
die versamleten Grossmächtigsten Könige zu dieser hohen Gnade bewogen / dass die
Straffe / welche deiner eigenen Bekäntnis nach / du wohl verdienet / soll
gemiltert werden / wie ich hernach anzeigen will. Damit aber dein frommer Vater /
wegen der Königlichen Fräulein nicht umb das seine komme / will ich wissen / wie
grosse Kosten du zu deren Erlösung angewendet habest. Dieser gedachte noch nicht
/dass er mit dem Leben davon kommen wurde / und antwortete: Mein Herr / wie
ergetzet es meine Seele /dass noch vor meinem betrubten Ende ich vernehmen soll /
dass man meinem lieben Vater das ausgelegete wieder zustelle will; dasselbe nun
beläuft sich alles in allem auf 2000 Kronen / und etwas weniger; könnte aber ich
elender Mensch so bitselig sein / dass solche Gelder / weil es ohndas mein
väterliches Erbe ist /dem frommen Mädchen / so mich lossbitten wollen /gegeben /
und ich dagegen mit dem Schwerte begnadet würde / zweifele ich nicht / die
Götter würden alles beides mit reicher vergeltung erstatten; doch sollte mein
Herr Richter davor halten / dass durch dieses ansuchen ich das Königliche
Fräulein zum Wiederwillen reizen würde / wolle er dessen nur nicht gedenken. Es
fält mir aber gleich ein / dass die Gutsche mit den Pferden in die jeztgemeldete
Rechnung nicht gehören. Leches trug grosses mitleiden mit diesem Menschen / ging
abermahl mit Wolfgang zu der Königlichen Gesellschaft / und zeigete dieser dem
Fräulein an / ihm währe bewust / dass Reichard in seiner Landstad eines ehrlichen
Mannes Tochter durch heimlichen Nohtzwang entehret / und sie durch vorstellung
ihrer Schande / wann sie es ruchtbar machen würde geschweiget hätte; hielte
davor / wann man ihm geböhte / dieselbe zu heirahten / würde er solches
gehorsamlich leisten. Kennet ihr das gute Mensch? fragete das Fräulein. Ja /
sagte er / ich habe in ihres Vaters Hause etliche Tage Holz gehacket / und sie
gesehen / dass allentalben da sie ging / ihr die Augen vol Trähnen stunden / und
mannichen elenden Seufzer von sich liess. Das Fräulein sagete; tuht alles /
wessen ihr schon befehlichet seid / und gebet ihm darzu noch 1000 Kronen /
welche er der redlichen Dirnen meinetwegen schenken soll / unter dem einwenden /
dass ich ihr gewogen sei / weil ihr mir ihre frömmigkeit gerühmet habet. Also
ging Wolfgang hin zu Reichard /der mit seinen acht Reutern ein Gespräch hielt /
und sie vermahnete / dass sie sich an ihm spiegeln / und durch kein ding in der
Welt sich zur Unträu oder andern Untugenden sollten verfuhren lassen; welches sie
von ihm nicht ohn grosses mitleiden anhöreten / weil sie sich erinnerten / dass
er dannoch alles ihres Glüks die erste warhafte Ursach währe. Wolfgang störete
dieses Gespräch / da er ihn also anredete: Sehet da Reichard / die grosse
Königin / Fr. Valiska / welche dem Königlichen Fräulein insonderheit ergeben /
und dañoch mit eurem Unfal / darin euch gutenteils eure unbedachtsamkeit
gestürtzet / grosses mitleiden träget / hat mir die 3000 Kronen zugestellet /
welche eurem Vater ihretwegen sollen übergebracht werden; und nun höret die
begnadigung und erfreuet euch derselben; euer schlimmes verbrechen soll euch
vergeben sein / Leben / Freiheit / und ehrlicher Nahme wird euch geschenket /
wiewol mit dieser bedingung / dass wo man erfahren würde / dass ihr von neuen
wieder Ehrbarkeit handeltet / werdet ihr in die ausgesprochene Urtel und Straffe
verfallen sein; könnet ihr aber nach verlauff zwei Jahren dem Grossmächtigsten
Könige / Herrn Henrich ein schriftliches Zeugnis aufflegen / dass ihr ehrlich
gelebet und der Tugend nachgestrebet / sollet bei seiner Königl. Hocheit ihr
euch angeben / und einer Gnade gewärtig sein: aber vor dissmahl sollet ihr bei
Sonnenschein / dieses / und aller gegenwärtigen Könige und Fursten ihre Länder
räumen / und euch nach eurem Vaterlande erheben / dieses zu leisten / was mein
gnädigstes Fräulein euch hiemit aufflegt; nehmlich / sie hat Zeit ihrer
Magdschaft ohngefehr vernommen / dass ihr eines ehrlichen Mannes frommes Kind
sollet schändlich hintergangen und betrogen haben / die sollet und müsst ihr
durchaus ehelichen / oder aller schon versprochenen Gnade verlustig sein. Was
saget ihr darzu? Ja mein Freund /antwortete er / ich gestehe und beräue diese
meine Missetaht / und will von ganzer Seelen dieses Verbrechen durch folgende
Heirat gerne wieder gut machen / nur bitte ich untertähnigst / dass vor dem
Beilager mir möge vergünstiget sein / mich ein Jahrlang in fremden Ländern
zuversuchen / ob durch eine rühmliche Taht ich meine grosse Schande in etwas
abwischen könnte. Ich hoffe euch solches noch wohl loszumachen / sagete Wolfgang /
aber es mus mit einwilligung euer Braut geschehen. Weiters hat der Medische
Gross-Fürst / Herr Arbianes / der Königl. Fräulein versprochener Bräutigam / mir
noch 3000 Kronen zugestellet / welche ihr in seiner Durchl. Nahmen /eurem Vater
sollet einhändigen / als zur Danksagung vor eure ausrüstung. Hieruber werde ich
euch noch 1000 Kronen wegen meiner Gn. Fräulein einreichen /welche ihr euer
Braut ihretwegen mit übernehmen sollet / bloss darumb / dass deren grosse
frömmigkeit ihrer Gn. ist gerühmet worden / worzu ich noch 200 Kronen vor mein
Häupt legen will / darumb dass sie bei meiner Arbeit mir etliche mahl einen guten
Labetrunk hat zukomen lassen. Zwar euer verbrechen hindert / dass euch selbst
kein Fürstliches Geschenk mag gegebe werden; jedoch habe ich durch einen Fussfal
erhalten / dass mir und diesen meinen acht Gesellen frei stehet / euch unserer
gewogenheit nach / eine mögliche Verehrung zu tuhn / da wir dann euch 9000
Kronen von unsern empfangene Gnaden-geldern schenken / uñ uns zu aller möglichen
Freundschaft verbinde wollen. Er hatte dieses kaum ausgeredet da schickete
Leches ihm 3000 Kronen / welche er Reicharden seinetwegen zustellen sollte /
nebest der Vermahnung dz er hinfüro alle untugend aus seinem Herzen verbañete /
und der Erbarkeit nachsetzete / alsdañ würde er nicht allein völlige vergebung /
sondern noch wohl ansehnliche Befoderung bei König Herkules haben können / dessen
Hocheit ihm ohndz nit ungewogen währe. Die acht Reuter redete ihm auch
freundlich zu / und lieferten ihm 12000 Krone / welche er ihren arme uñ
dürftigen Eltern mit übernehme möchte / als welche alle in der nähe bei seiner
Heimat / etliche auch gar in seiner Landstad wohnete. Reichard ensetzete sich
vor so grossen Geschenke / welcher nunmehr die Bosheit in seine Herzen
verschworen hatte / leistete einen demühtigen Fussfal in seinen Ketten /
erkennete / dass er der erteileten Königlichen Gnade allerdinge unwirdig währe /
wollte aber Zeit seines lebens nicht auffhören daran zugedenken / und entweder
ritterlich sterben / oder einen bessern Nahmen als bisher / erwerben; dankete
nachgehends Wolffgangen sehr uñ seinen gewesenen Reutern / und gab ihnen
zuverstehen / wie er gesinnet währe / sich mit 50 Pferden auszurüsten / so bald
er wurde zu Hause angelanget sein / und nach Ehren zustreben /weil er seine
Gelder nicht wüste besser anzulegen. Seinen Gutscher / der wegen dieser
Begnadigung sich höchlich erfreuete / foderte das Fräulein durch Wolffgangen vor
sich / rühmete / dass er wohl gefahren hätte / und schenkete ihm 1000 Kronen / da
sie ihm frei stellete / ob er bei ihr bleiben / und ihr LeibGutscher sein / oder
lieber zu seinem vorigen Herrn zihen wollte. Er gab zur Antwort: Er könnte zwar
sein Lebelang keinen bessern Herrn bekommen / weil er aber sich mit einem
frommen redlichen Mädchen in Reichards LandStad verlobet hätte / wollte er
derselben gerne sein Wort halten / wann er nur zu seinem vorigen Herrn / umb dass
er dessen Gutsche und Pferde ohn sein wissen mitgenommen / wieder kommen
dürffte. Welche Erklärung Arbianes so wohl gefiel / dz er ihm noch 1000 Kronen
verehrete / und dass er Pferde und Gutschen wieder dahin bringen sollte. Reichard
wollte mit dem Gutscher alsbald aufbrechen / uñ davon scheiden / aber ihm ward
gebohten / diese Nacht auff dem nähesten Dorffe zubleiben dahin das Fräulein ihm
etliche Sache / an Fr. Mechtild Kinder mit überzunehmen / zuschicken wollte.
Hiebei erinnerte er sich / man möchte daheim / wegen der Fräulein gewaltsamen
Entführung auff ihm einen Argwohn geworffen haben / worüber er in Lebensgefahr
gerahten dürffte / welches er Wolffgang zuverstehen gab /und darauff von König
Herkules an den Statalter zu Kölln eine Vorschrifft bekam. Das Fräulein legte
alle heimlich und öffentlich entwendete Geschmeide zusamen / es Jungfer Adelheit
wieder zuzustellen / legte dabei 4000 Kronen vor dieselbe / 3000 Kronen / vor
deren mittelste Schwester Adelwald / und gleich so viel vor die jüngste
Adelgund; wie auch vor einer jeden ein schön Kleinot und drei Ringe hohes Werts
/und dabei diesen Brief:
    Sonders liebe Freundin / Jungfer Alheid / eurer unbarmherzigen Mutter
ehmahlige armselige Magd und Nähterin Armgart / sonsten vor dem / und Gott lob
nunmehr wieder / gebohrnes Königliches Fräulein aus Teutschland / Frl Klara /
bedancket sich nochmahls alles geleisteten guten Willen / sendet ihr alle
heimlich und offentlich entwendete Geschmeide unversehret wieder / nebest 10000.
Kronen / und etliche Kleinot Gnaden-Gelder / ihr und ihren beiden Schwestern
nehest begrüssung /und stellet ihnen allen dreien frei / zu ihr nach Prag
zukommen / und ihrer Königlichen Hochzeit / welche sie mit dem Durchl.
Grossfürsten Herr Arbianes aus Meden schier zu halten entschlossen ist /
beizuwohnen / da ihnen alle Gnade und milde Königliche Woltaht wiederfahren soll.
Zwar es währe mir gar ein leichtes / mich noch weiters an eurer grausamen Mutter
/ und ehebrecherischen Vater gebührlich zu rächen / aber aus lauter Gnade soll
ihnen verziehen sein / wiewol ich nicht ungerne gesehen hätte / dass euer Vater
den Prügel wegen seines huhrischen Herzens / gleich eurer Mutter kosten mögen /
damit eins dem andern nichts vorwerffen dürffte / doch weil mir der Zorn nunmehr
vergangen / mag er so hinlauffen / und sich bessern. Gehabt euch wohl und besucht
mich kühnlich nach eurem belieben; insonderheit grüsset mir die kleine Adelgund
/ als welche durch ihre Gegenwart eures schlimmen Vaters unkeusches Vorhaben
(welches / da ers vollendet hätte / ihm und allen den seinen den Hals würde
verlustig gemacht haben) guten teils abgewendet und verhindert hat. Ich bin und
verbleibe eure und eurer beiden Schwestern gute Freundin Klara / Königliches
Fräulein aus Teutschland / versprochene Grossfürstin in Meden.
    Wir haben bissdaher die wohl zuprügelte Frau Mechtild mit ihrer Angst-vollen
Tochter auf ihrem Wagen im Pusche verlassen / welche nach Wolfganges Abscheid
gerne alsbald wieder nach Hause gefahren währen / aber die Dräuung hielt sie
zurück / und dass sie keinen Fuhrmann hatten / daher sie den Tag und die Nacht
daselbst ausshielte / und noch ihr bestes wahr / dass sie Essen und Trinken gnug
bei sich hatten. Die Nacht wehrete ihnen sehr lange / und empfand das Weib
überaus grosse Schmerzen wegen der Prügelung / weil sie keine Salbe zur
Linderung bei sich hatte. Dass ihre Armgart ein Fürstliches Fräulein sein sollte /
wollte ihr in den Kopff nicht / wie wohl die Tochter solches gerne glåubete / weil
sie nur mit einer angestrichenen Farbe sich so hesslich gemacht / und vor dem
Abzuge ihre wunder zarten Hände / Hals und Angesicht ihr hätte sehen lassen.
Aber die Mutter sagete; Ey was Fräulein / lag sie doch fast alle Nacht bei dem
Baurflegel Wolfgang / den sie selbst ihren Mann nennete. Nein herzen Mutter /
antwortete sie /ich erinnere mich / dass unsere Haussmagd etlichemahl mir
angezeiget hat / dass sie allemahl nur eine Schlafstelle in ihrem Bette gefunden
/ und also der Baur sich ohn Zweifel auf der blossen Erde hat behelfen müssen.
Sie sei wer sie wolle / sagte die Mutter; hätte ich aber gewust / dass ich diese
schmertzhafte Prügelung von ihr sollen gewärtig sein / wollte ich ihr den Hals
zubrochen haben. Ach liebe Mutter / sagte sie / ihr seid auch alzu hart mit ihr
gewesen / dann ungeachtet sie kein Augenblick bei ihrer Arbeit seumete / suchetet
ihr doch allemahl Uhrsach an sie / dass michs oft gejammert hat. Was wiltu junge
Metze mich auch noch rechtfärtigen? sagte die Mutter; währe ich meiner Hände
mächtig / ich wollte dir das weise Maul dergestalt zurichten / dass du es auff ein
andermahl schon halten soltest. Ich sage nichts ungebührliches / sagte die
Tochter / und gebe der Himmel / dass wir nicht von diesem Fürstlichen Fräulein
noch eine grössere Straffe zugewarten haben. Und ach ach! was muss doch mein
Vater ihr vor Ungebührligkeit angemuhtet haben / davon das kleine Kind gestern
zusagen wusste? dein Vater ist ein alter verhuhreter Bube / antwortete sie / und
hätte ihm wohl gönnen mögen / dass er davor von den Reutern rechtschaffen
abgeschmieret währe. Sie brachten den Tag mit ihrem Gespräche hin / und die
Nacht schlief die junge Tochter hindurch /welches der Mutter wegen ihrer
Schmerzen fehlete; früh morgens aber bemühten sie sich so viel / dass sie den
Wagen mit den Pferden umwendeten nach dem Wege daher sie kommen wahren / da dañ
die Pferde aus hunger im vollem Lauff davon sprungen / und gross wunder wahr /
dass sie de Wagen nicht in Stücken lieffen; sie fehleten doch des rechten Weges
nicht / und kahmen noch vor Mittages vor dem StadTohr an / gleich da ihr
Fuhrmann sich auch daselbst finden liess. Als sie zu Hause anlangeten / musste
sich die Mutter von dem Wagen heben lassen / die sich erst mit ihrem Manne auffs
neue überwarff / aus lauterm Eifer / dass er nicht gleichen Lohn mit ihr
empfangen hatte. Sie sinneten fleissig nach / wer doch immermehr so verwägen
sein dürffen / gewaltsame Hand an sie zulegen / erfuhren / dass gleich denselben
Tag Reichard mit seinen Reutern davon gezogen währe / in dessen Vaters Hause
Wolffgang sein meistes Wesen gehabt hatte daher sie denselben in starken
Verdacht zogen.
    Als nun Reichard zu Hause anlangete / hatte er mit dem Gutscher es abgeredet
/ dass von seinem Unfal er im anfange nit gedenken sollte / den er auch schon
beredet hatte / mit ihm fortzuzihe. Er liess die Laden mit der Barschaft vor
Mechtilden Hoff führen / ging kühnlich zu ihr hinein und fragete nach der
grösten Jungfer / welche bald hervor trat / und er sie also anredete: ädle
Jungfer / mein allergnädigstes Fräulein /das Durchl. Königliche Fräulein aus
Teutschland lässet ihr durch mich ihren gnädigsten Gruss anmelden /und übersendet
ihr dieses Schreiben / neben grosser Barschaft Gnaden Gelder und andern
köstlichen Sachen / welche vor dem Hofe auf meinem Wagen stehen / und von ihren
Knechten können abgeladen werden. Alsbald fiel ihr ihre Armgart ein / brach den
Brief / und lase ihn teils mit Freuden / teils mit Betrübnis; da inzwischen die
Mutter / alles ungeachtet /Reicharde vor einen StrassenRäuber aussrief / und ihm
alles Unglück dräuete. Er wollte sich aber mit ihr nicht einlassen / sondern gab
zur Antwort; Frau / habt ihr auff mich zusprechen / so tuht solches mit recht /
und nicht mit Scheltworten / alsdann will ich meine Taht handhaben / die ich
keines weges leugne / wie wohl ich keine Hand an euch geleget / auch nicht dabei
gewesen bin / noch Anordnung darzu gemacht habe; Lasset die Sachen von meinem
Wagen heben / und fahret alsdann wohl und glücklich. Die Jungfer lies alles
abtragen / sie aber hielt bei der StadObrigkeit um Haft an wieder Reicharden /
welcher aber sich erboht Fuss zuhalten / und deswegen 6000 Kronen zur
Verpflichtung bei dem Raht nidersetzete / auch seine Vorschrift durch seinen
Gutscher Südmeier / (diss wahr sein Nahme) eilend nach Kölln überschickete / da
Herr Julius Lupus an den Raht schrieb / bei LebensStraffe sich an Reicharden
nicht zuvergreiffen / sondern ihn vor frei und allerdinge unschuldig zuerkennen
/ hingegen Mechtilden samt ihrem ganzen Hause in freier gewahrsam zuhalten / ob
etwa sie möchten wegen ihres Verbrechens angeklaget werden; dass diese also noch
um schön Wetter bitten musste. Reichard gab sich bald bei der Jungfer Eltern an /
die er geschwächet hatte / erkennete seine Sünde / baht um Vergebung / lieferte
die 1200 Kronen wegen der Fräulein und Wolfganges ein / und legte 1000 Kronen
von den seinen hinzu / wodurch er beides von den Eltern und der betrübten /
nunmehr hocherfreueten Tochter / völlige Vergebung erhielt / hätte zwar das
Beilager gerne biss auff seine Wiederkunft aufgeschoben / aber beiderseits Eltern
wollten durchaus nicht einwilligen / dass er also / wie auch Südmeier ihre Heirat
volzogen / und darauf 56 Reuter stark aussgingen / Ehre zusuchen.
    Die Römischen Herren von Padua / kahmen des Tages vor dem Beilager an / und
wurden nit anders als grosse freie Fürsten empfangen und geehret. Niemand wahr
frölicher / als Arbianes und sein Fräulein /welche diese Tage über von Herkules
und Valisken sich fleissig in der Christlichen Lehre unterrichten liessen / und
nahm ihre Gesundheit zusehens zu. Die Grossfurstliche Trauung geschahe auff dem
Königlichen Saal / wobei niemand als Christen (ohn allein Fürst Olaff) geduldet
wurden. Dann die vornehmste Böhmische Herren / Pribisla / Krokus / und andere
/hatte den Glauben begierig angenommen / wie auch der alte geträue Wenzesla /
welcher wegen seiner gefliessenen Dienste in den Königlichen geheimen Raht
auffgenommen ward. Die Freude der jungen Eheleute wahr sehr gross / und hatte
König Henrich seinen Ekhard / neben Friederich und Luter nach Teutschland
geschicket / 24000 wolgeübete Teutsche Reuter zuwerben / zu welchen Ladisla 4000
Böhmen / Baldrich 4000 Friesen / und Herkules 2000 Wenden geben wollten / und
sollten diese alle Fürsten Arbianes mit 20 Tonnen Goldes zur Heimsteur mitgegeben
werden /weil er ohn das die Völker zuwerben befehliget wahr. Des ersten Abends /
bald nach geendigter Hochzeitlicher Mahlzeit / trat ein kleiner zierlicher Knabe
mit höflicher Ehrerbietung zu der Grossfürstlichen Braut /und lieferte ihr einen
versiegelten Brief mit diesen Worten ein: Durchleuchtigstes Fräulein; es ist
eine fremde Botschaft gleich jezt ankommen / und hat dieses Schreiben / an ihre
Durchl. haltend / mit sich gebracht / welchen auff Befehl ich untertähnigst
übergeben sollen. Sie nam denselben mit freundlicher Bezeigung an / und umb
dessen Inhalt zuvernehmen / trat sie ein wenig zurück / da inzwischen der Knabe /
allen unvermerkt / sich hinweg machte / und sich nicht mehr sehen liess. Nach
Erbrechung aber fand sie darinnen wie folget:
    Zu Ehren den Hochfürstlichen Hochzeitern / welche nach ausgestandenem herben
Unglück / des allerlieblichsten Glückes süsseste Erndte halten und geniessen
sollen.
                                       1
Die so man in LiebesSachen
Obrist über alles stellt /
Raubet durch ihr süsses Lachen
Odem und Geist aller Welt;
Treibet aller Menschen Sinnen /
Hin / das Süsse zubeginnen /
Eh' die junge Krafft verfält.
                                       2
Alles was die Lust empfindet /
Eilet zu der Süssigkeit /
Leistet / eh' es gar verschwindet /
Ihrer Gotteit ohne Streit
Seine Schuld mit gutem Willen /
Alle Wollust zuerfüllen /
Biss hin an die graue Zeit.
                                       3
Einsamkeit will niemand lieben /
Träue Liebe wählen wir;
Haben Zwene was zu üben /
Ach das sättigt die Begier /
Vielmehr als wir sagen können /
Ob mans gleich uns nicht will gönnen /
Noch so sucht mans für und für.
                                       4
Wol! so soll die Traur sich legen /
Jaget Angst aus eurer Brust /
Nach dem Sommer kompt der Regen /
Da du Kummers vol sein must.
Trauren will uns nicht behagen /
Eh wir uns auff Krücken tragen;
Mein / so suchet LiebesLust.
Nach geendeter Verlesung reichete das Fråulein solches Königin Valisken / welche
den Dänischen Fürsten Olaff in Verdacht zog / er währe des Hochzeit Liebes
Tichter / wie wohl derselbe sich niemahls darzu gestehen wollte; daher man sich
des weitern Nachforschens entielt. König Baldrich aber / welcher mit dieser
seiner Frl. Schwester in der Kindliche Jugend sich nicht allemahl gleiche
brüderlich zuvertragen pflegete / hatte diese Zeit über so herzliche Liebe ihr
zugewendet / dass ihre Eltern sich darüber höchlich verwunderten; dann er sah
dass ihre Frömigkeit ihr von Herzen ging / welche er sonst an ihr vor eine
Heuchelei gehalten hatte. Sein Gemahl Königin Lukrezia / welche in Tichtung
lateinischer Reimen eine anmuhtige Gnade hatte / ward diesen Tag von ihm
fleissig ersuchet / seiner Frl. Schwester zuehren ein Hochzeit Geticht
aufzusetzen / worzu sie dann ganz willig wahr / es innerhalb weniger Zeit zu
Papier brachte / und es Königin Valisken / welche sie bei der Tichtung antraff /
zuverlesen geben musste; deren es dann so wohl gefiel / dass sie alsbald es in
folgende Teutsche Reimen ubersetzete.
                                       1
So muss noch dannoch Unfals Wuht /
Nicht immerzu die Frommen trillen.
Es heisst nicht stets / Gut oder Blut /
Nach frevelhafter Räuber willen.
Die Gottesfurcht muss endlich siegen /
Dann Gottes Wort kann nimmer liegen.
                                       2
Ein Fräulein / deren Frömmigkeit
Und hoher Tugend nichts mag gleichen /
Hat zwar vom herben Unglücks Neid
Sich scharff gnug müssen lassen streichen;
Doch ihre Tugend musste siegen /
Dann Gottes Wort kann nimmer liegen.
                                       3
Sie ward geraubt / und schlim geliebt;
Feur / Wasser / Schmach und Hungerbissen
Hat ihren schwachen Geist betrübt /
Sie lag dem Frevelmuht zun Füssen;
Doch ihre Demuht musste siegen /
Dann Gottes Wort kann nimmer liegen.
                                       4
Sie must' in Unschuld flüchtig sein /
Nicht anders als des Unglücks Ballen;
Noch zwang sie sich geduldig ein /
Liess böse - und gutes ihr gefallen.
Des must' auch ihre Tugend siegen /
Dann Gottes Wort kann nimmer liegen.
                                       5
Diss Lämlein hatte wohl die Bach
Den Raube-Wölffen nie getrübet;
Noch strebten sie ihr grimmig nach /
Gleich wie man leichte Kegel schiebet.
Doch endlich must' ihr' Unschuld siegen /
Dann Gottes Wort kann nimmer liegen.
                                       6
So prüfet Gottes Vater Hand /
Die er vor Kinder ihm erwehlet;
Sie müssen manchen harten Stand
Aushalten / der rechtschaffen quälet /
Und müssen durch Geduld doch siegen /
Dann Gottes Wort kann nimmer liegen.
                                       7
Du wunder-frommes Seelchen hast
Gott Lob geduldig ausgehalten /
Darumb benimt dich Gott der Last /
Und lässet lauter Gnade walten;
So hastu kräfftig müssen siegen /
Dann Gottes Wort kann nimmer liegen.
Dieses / als es kurz vor schlaffengehens der G. furstlichen Braut von Libussen
eingehändigt ward / wie wohl ohn Nennung / von wanne es kähme / lase das fromme
Fräulein es nicht ohn Trähnen uñ echtzen durch /erholete sich doch bald / und
aus begierde den Tichter zuerkeñen / redete sie Libussen so bewäglich zu / dass
sie ihr alle beide ins Ohr raunete. Weil dann Königin Valiska ihr zur Seite
stund / bedankete sie sich gegen dieselbe mit so demühtiger Bezeigung und Rede /
dass sie derselben die innigsten LiebeTrähnen aus den Augen lockete / und sie mit
solcher herzlichen Inbrunst sich küssend umbfangen hielten / dass Herkules durch
freudliche Anmahnung daran ein Ende machen musste. Noch kunte das fromme Fräulein
sich nicht zuruhe geben biss sie der ersten Tichterin / Königin Lukrezien sich
auf gleichmässige Weise dankbahrlich erzeiget hatte. Worauff sie von ihrer Fr.
Mutter und Königin Valisken nach Bette ihrem lieben Fürsten zugeführet ward / da
sie sich in züchtiger ehelicher Liebe zusammen hielten / und dem allerhösten
herzlich dankete / dass derselbe sie mit Gnaden-Augen angesehen / und nach so
mannicher Gefahr ihnen den Schein seiner Väterlichen Hulde so reichlich
mitgeteilet hatte.
                           Ende des Siebenden Buchs.
 
                            Achtes und Leztes Buch.
Zu Prage auff dem Schlosswahle machten die Polter Geister diese erste Nacht des
Beilagers ein solches Unwesen / dass die ausgestelleten Schildwachten darauff
nicht bleiben kunten / wie ungerne sie auch wichen; dann etliche / die hart
Widerstand leisteten /wurden gar hinunter in den Graben gestürzet / dass sie sich
durch schwimmen erretten mussten; die anderen wurden mit Gewehr und Waffen
abgetrieben / und sahen doch keine Hand / die solche führete. Dieses
Gespenste-werk hielt über eine Stunde an / und kunte keiner von allen anwesenden
Kriegsknechten einigen Laut von sich geben. Kaum hatte sich dieser Aufflauff
gestillet / als Neda / dem die Ober Wachtmeisterschaft anbefohlen wahr / seinen
Umgang hielt / und diese ganze Seite des Wahls von allen Kriegsleuten entblösset
fand / worüber er sich eiferte / und schon harter Dräuworte sich vernehmen liess
/ sah aber eine Schildwache ganz pfützenass den Wahl wieder herauff klimmen /
und fragete mit Troz / welcher Henker ihm dahinunter geführet hätte; Die
entwichene / welche sich in das Wachtauss begeben hatten / höreten seine Stimme
/ und gingen wieder zu ihm hin / andeutend /was sich kurz vergangen zugetragen;
so riefen etliche jenseit des Graben gegen den Wahl / man möchte ihnen das Tohr
öffnen / weil sie mit grosser Gefahr hinüber geschwummen währen / und ihr Leben
gerettet hätten. Neda verwunderte sich dessen nicht ein geringes / stellete sich
doch gegen die Knechte / als gläubete ers nit / besetzete die Wachten auffs neue
/und befahl ihnen / alsbald anzeige zutuhn / da sich dessen mehr zutragen würde;
hätte es auch den Königen gerne angedeutet / aber er durffte sie nit so früh aus
dem Schlaffe wecken; doch so bald der helle Tag sich sehen liess / ging er hin zu
seinem Könige auff das Schlaffgemach / und als er denselben wachend vernam /
sagete er: Gnädigster König; wann ich nit ausgelachet würde / müste Ihrer
Hocheit ich eine nächtliche Begebnis anmelden. Ist es lachens wert /antwortete
er / so sagets nur her. Die bösen Teuffel /sagte Neda / haben diese Nacht ihr
Polterwerk auff dem Osten-wahle getrieben / und alle daselbst sich befindende
Kriegsknechte / teils in den Graben hinunter geworffen / teils zum Wahl Tohr
hinab gejaget /dass bei meinem Umgange ich denselben ganz ledig gefunden. Der
König gab zur Antwort: Ich halte / dass die Knechte der gestrigen Hochzeit mit
genossen /und mehr gesoffen / als ihre Gänse Köpffe vertragen können / daher sie
selbst zu Polter Geistern worden sind. Nein / gnädigster König / sagte er; ich
habe scharffe Nachfrage gehalten / und befinde / dass deren keiner im geringsten
nicht ist bezechet gewesen. Als es hernach der Königlichen Gesellschaft
angemeldet ward / urteilete Herkules daher / es würde dieses Beilager dem Teufel
zuwider sein / weil viel gutes / zu ausbreitung des Christlichen Glaubens daraus
entstehen könnte; Nach gehaltener Unterredung aber bahten sie Gott / er wollte dem
Teufel steuren / und seine schädliche Wirkungen von ihne allen in Gnade
abwenden. Sie hatten sich kaum zur Mahlzeit nidergesezt / und begunten die
jungen Eheleute umzutreiben /ob die Braut ihre Unter- und Oberkleider auch vor
dissmahl verlauffen hätte / wie jensmahl auff dem Häu; da das fromme Christliche
Fräulein ihre Antwort zugeben schon fertig wahr; aber Leches verhinderte sie
daran / welcher vor den Tisch trat / und untertähnigst umb Verzeihung baht / dass
er nicht unterlassen dürffte / ihren Hocheiten und Durchll. anzumelden /was
gestalt eine fliegende Zeitung durch die Stad erschollen währe / die wenig gutes
nach sich führete. Ladisla fiel ihm in die Rede / und sagete: Was vor Unglück
sträuet uns dann nun der leidige Teufel zwischen unsere Christliche Fröligkeit?
Ich gedachte wohl / er würde uns dieselbe nicht lange ungestöret lassen; ists
aber ein schlimmeres / als welches er hinte auff dem Wahle gestifftet hat?
Solches mag wohl ein Zeichen eines viel schädlichern gewesen sein / antwortete
er; massen über die 20 Menschen in grosser Angst zum Osten Tohre herein
gelauffen sind / mit vermelden / es sein die Pannonier mit unsäglicher Macht ins
Land gefallen / und verwüsten alles vor sich her als eine überschwemmende
Sündfluht / so dass sie weder Menschen noch Vieh / weder Städte noch Dörffer
/weder Acker noch der fruchtbahren Bäume schonen. Ist dem also / sagte Herkules
/ so befürchte ich ein grosses Blutbad / und schwere Landesverwüstung; dann es
wird König Mnata seinen Bato / Pines / und was er sonst finden kann / zurächen
suchen. Doch dem Allerhöchsten sei herzlich Dank gesaget / dass er unser
Wiederkunft von dem Wendischen Kriege erwartet hat / dann sonst würde er alles
übern hauffen geworffen haben. Das Fürstliche Frauenzimmer entsetzete sich
darüber / dass ihnen alle Lust zur Speise verging / und weil das Geschrei sich in
wenig Stunden heftig vermehrete / musste Neda mit etliche Teutschen / Ekharden
folgen / umb / so viel Reuter und Fussvolk / als in der Eile möglich sein würde /
herüber zuschaffen / und sie reicher Beute zuvertrösten. Diese jageten eilend
fort / und erreicheten jenen mit seiner Gesellschaft an den Grenzen / gaben ihm
den Königlichen Befehl / und kehreten wieder umb nach Prag / da sie 9000
Teutsche Reuter mit sich nahmen /auch von darab biss an Prag alle wehrhafte
junge Mannschaft mit ihren Waffen auffbohten. Umb Prage her geschahe desgleichen
/ von Leches / Prinsla / Neklam und anderen. Herkules freuete sich seiner
Teutschen / Friesen und Wenden / 34000 stark / zu welchen sich 14000 Böhmen
tahten / und unter Baldrich und Siegward noch desselben Tages fortgingen /denen
ernstlich eingebunden ward / nichts hauptsachliches wider den Feind vorzunehmen
/ noch durch ihre bekannte List sich in Gefahr locken zulassen. Ich wundere mich
dieses überfals nicht / sagete Herkules /sondern vielmehr / dass er sich nicht
zeitiger gereget hat / weil mir stets vorgestanden / dass der Kampff wider Pines
vor Padua angefangen / sich in Böhmen wurde endigen mussen; woran er dann gar
nicht irrete; Dann weil König Mnata und seine Stände nicht allein jensmahls von
den zurück kommenden Dienern vernommen hatten / was gestalt der Teutsche
Grossfürst Herkules nebest König Ladisla und andere mehr wider ihre Gesante vor
Padua gestritte / uñ sie erlegt hätte / sondern auch wussten / dz ihre
streiffende Schaaren zu unterschiedliche mahle von den unsern zurück geschlagen
waren / wollten die Pannonier solchen Schimpff und Schaden nicht länger auf sich
ersitzen noch ungerochen lassen; damit aber alles mit Raht und vorsichtigkeit
angefangen würde / stellete ihr König eine Reichsversamlung an / und solches
auff unablässiges getrieb seines Statalters Dropion /des verwägenen Pines und
Bato dritten Bruders / welcher ein uberaus Mañfester und hochmühtiger Mensch
wahr / und nicht geringere Gewalt im Königreiche als Mnata selbst hatte. So bald
die gesamten Landstände beieinander wahren / trat derselbe auff / und hielt
diese Rede: Ich weiss nicht / unüberwindlichster König / und ihr tapferen
hochweisen Landstände dieses unvergleichlichen Pannonischen Reichs; ich weiss
nicht / ob mirs anstehen will / unsere jetzige Reichsnotturft vorzutragen; oder
da mirs anstehen wird / ob ich in meinem vorbringen nicht etwa vor einen solchen
angesehen werden möchte / welcher mehr umb sein eigenes anliegen als umb des
Reichs beste redet. Zwar in meinem Gewissen bin ich versichert / dass ich nichts
als gemeine Wolfahrt suche /welches einem jeden Biderman oblieget; ob ich aber
auch von eurer Königl. Hocheit / und der anwesenden hochtapferen Versamlung
davor gehalten werde / wird ihre allergnädigste und freundliche Erklärung
entdecken. Wie hoch dieses unser Reich vor allen anderen zu schätzen sei /
werden uns die Römer selbst Zeugnis geben / als denen wir die einige hinderung
sind /dass ihr Reichsstab sich nicht über ganz Europa ausstrecken kann; sie sind
bisher wieder uns zu felde gelegen / so lange ich ein Mann gewesen bin / aber
unsers Bluts nichts umbsonst gekostet / und unserer Macht nicht grössern abbruch
getahn / als wir ihnen. Wie lange wollen wir dann des tolkühnen Teutschen
Jünglings / der sich Herkules nennen lässet / und seines verwägenen Gesellen des
After Königes in Böhmen Hochmuht / beschimpf- und spottung dulden / und ihren
Geifer / den sie uns ins Gesichte geworffen / unabgewischet lassen. Ich klage
nicht eigentlich hieruber / was meinem Bruder / dem redlichen Bato /einem
Königlichen Gesanten schon vor vier Jahren begegnet ist. Ich betraure eben
meinen andern Bruder nicht / den ritterlichen und umb diese Kron hochverdienten
Pines / dass er vor einen leibeigenen Ruderknecht sich auff der Römer Schiffen
neben seinen tapferen Gesellen gebrauchen lassen muss; dann dieses /möchte jemand
gedenken / währe mein eigenes Haussunglück / welches mit den Reichshändeln nicht
müsse vermenget werden; wiewol ein jeder weiss / dass sie nicht als meine Brüder
in ihren eigenen oder meinen verrichtungen; sondern in des ganzen Landes
Geschäften als Königliche Reichs-gesanten beleidiget und geschändet sind. Meiner
drei ausgerusteten Kriegs Schiffe habe ich auch schon vergessen / welche der
Böhme auff dem Adriatischen Meer schändlich überfallen / uñ alle ehrliche
Mannschaft / hoch und niedrig / durcheinander her / an ihre eigene Masten
aufgeknüpfet hat. Nur geht mir zu herzen / und peiniget alle meine Geister /
dass der Pannonische Nahme / davor ehmahs Käyser und Könige erzittert /Länder und
Völker erbebet / von den leichten Böhmen und nacketen Teutschen als ein Spot mus
gehalten werden. Es ängstet mir mein Blut / dass ein Teutscher Jüngling uns ein
zehnjähriges Joch an den Hals geworffen / damit uns die Römer unter ihrer
Zinss-schuld halten / welches wohl kein Mensch gehoffet hätte / sollte auch wohl
unmöglich blieben sein / wann nicht der Teutsche Zäuberer Herkules / welcher /
beständiger aussage nach / einen Teufel in Pferdesgestalt reiten soll / und ihm
allemahl den Sieg erhält /uns diesen Spot bereitet hätte. Was rahtet ihr nun / O
ihr Väter des Vaterlandes? was rahtet ihr unserm gegenwärtigen Könige / in
dieser hochwichtigen Sache? soll es ungerochen bleiben? sollen wirs noch weiter
in uns fressen / wie bisher geschehen ist? so haben wir erstes tages die
Bömischen Gesanten vor dem Schlosstohr / die werden uns gebotsweise ansage / dass
wir den Reichsschoss nach Prage einliefern sollen /welchen sie vor diesem hieher
mit ehrerbietigkeit gebracht haben; und weil sie wissen / dass unsere Rentkammer
rechtschaffen bespicket ist / und die Untertahnen von grossen Geldmitteln sind /
so werden sie nach unser Haabseligkeit zuschnappen nicht auffhören / biss sie
alles hinweg haben. O der Schande! ein Königlein / ein junger Ohn-bart mus uns
beschimpfen / und der Römische Käyser hat uns nichts angewinnen können. Wolte
Gott / ich währe ein Weib / so wollte ich mich in einen Winkel verkriechen / und
daselbst des Vaterlandes Unglück beweinen; aber mir als einem Ritter und
Kriegsmanne wollen die Trähnen weder anstehen noch fliessen. Währen wir die
alten Pannonier / müsten die Ohmächtigen Böhmen schon alle mit ihrem Könige
unter der Peitsche / und der Pannonier Leibeigene sein; aber nun geben wir mit
stilleschweigen an den Tag / dass wir uns fürchten / und noch wohl dem Himmel
darzu danken / dass wir zwischen unsern vier Pfälen wohnen können / und in unserm
Lande unangefochten bleiben. Wachet auff meine Bruder / wachet auff / was
schlaffen wir? ein vierwöchiger Zug / sehet eine kurze Zeit / eine geringe Mühe
/ soll Böhmen zu grunde richten / des will ich euch meine Güter / meine Ehr und
mein Leben zu pfande setzen. Fürchtet ihr euch aber vor dem Bömischen Schwerte /
und wollet ihnen lieber zusehen /wie sie euer spotten / als den Spott abwenden
und rächen; wolan / so will ich meinen allergnädigsten König und die löblichen
gesamten Landstände untertähnigst und freundlich ersuchet haben / sie gönnen mir
auff meine Kosten / Völker / inner- oder ausserhalb des Reichs zu werben / und
dass mir frei stehe /mein håussliches Unglück / an meinen löbliche Brüdern erlitten
/ als ein redlicher Mañ zu rächen / weil mirs könnte verdacht bringen / wañ ich
des Reichs Anspruch auff meine selbst gewachsene Hörner nehmen /und verfechten
wollte. Und wann ich auch dieses nicht erlangen kann / so mus entweder mein König
mich hinrichten lassen / oder ich will mein eigen Schwert wieder mich selbst
gebrauchen / weil mir unmöglich ist /solche Schande noch långer zuverschmerzen.
Diese lezten Worte endigte er mit solchem rafichten Eifer /dass ihm das Blut aus
Maul und Nase sprützete. Der König kennete den Sinn dieses verwägenen Menschen /
sah auch / dass er aus dem grimmigsten Eifer geredet hatte / wollte aber seinen
Willen noch nicht anzeigen / sondern begehrete / dass die Stände zuvor sich über
diese beide Fragen beständig heraus lassen sollte; Ob man den von dem König in
Böhmen und GrossFursten in Teutschland eingenommenen Schimpf sollte verschmerzen /
oder rächen; und wann er müste gerochen sein / auff was Weise und Wege man
alsdann die Rache sollte vornehmen. Bei der ersten Frage wahren sie uberal einig;
man müste Pannonische Ehre und ansehen keines weges von so geringen Feinden
schwächen lassen / sondern die Rache ernstlich vornehmen / und es dahin spielen
/ dass ihrem Könige und dem ganzen Reiche satsamer Abtrag / beides von den Böhmen
und Teutschen geschähe. Die andere Frage aber ward auf dreierlei Weise
beantwortet. Mastyes des Königes Unter Statalter / ein verständiger
ReichserfahrnerMann sehr hohes Adels / welcher stets zum Friede geneiget wahr /
seinem Könige geträu / und dem Vaterlande ergeben / musste auff Befehl / und der
Ordnung nach / seine Meinung zu erst sage /welcher dann diese Stimme gab: Nach
dem unser allergnädigster König und die gesamten Reichs-Hof-und Kammer-Rähte
dessen allerdinge einig sind / dass von unsern Beleidigern / anfangs den Böhmen
und nachgehends den Teutschen / wir des angelegten mannichfaltigen Schimpfs
wollen ergetzet sein / wird darauff reiflich müssen erwogen uñ überleget werden
/wie und auff was Weise man einen solchen tapferen und billichen Vorsaz wolle
ins Werk richten / so dass unser gutes Recht in den Schranken der Billig- und
Gerechtigkeit erhalten werde / wie ich mir dann andere Gedanken zumachen / nicht
Ursach habe / als dass wir alle und jede dahin stimen werden / wir wollen nichts
vornehmen / als was recht / löblich / und vor der ganzen erbahren Welt
verantwortlich sei / so dass man allentalben an uns rühmen möge / wir haben
unsere Macht nicht missbrauchet / sondern vernünftig und erbar gehandelt. Nun
bringt aber aller verständigen und der Gerechtigkeit ergebenen VölkerRecht es
mit sich / dz der Beleidigte allemahl zu erst dem Beleidiger sein Verbreche
vorhalte / uñ vor angefügten Schimpf und Schaden gebührlichen Abtrag uñ
Gutmachung fodern lasse / so dass / wann jener sich zur Billigkeit erbeut man den
Zwiespalt und die Fehde durch friedliebende verständige Mäñer ohn Streit uñ
Blutvergiessen hinzulege sich bemuhet / will aber die Güte nicht haften / dann so
kündiget man ihm den Krieg billig an / und suchet durchs Schwert / was durch das
Recht nicht zuerhalten ist. Und also halte ich vor billich und best / dass in
dieser wichtigen Sache man den gelindesten Weg auch vor die Hand nehme / damit
hernähst / wann derselbe nicht zureichen will / man die umliegende freien
Königreiche und Herschaften / von solcher Ungerechtigkeit uñ erlittenen
Gewalttaht Bericht tuhn / und ihren Beistand / da man dessen benöhtiget währe /
suchen uñ erlangen könne / welche in einer so gerechten Sache ihre Hülffe dem
Pannonischen Reiche nit versagen werde. Endlich setzete er hinzu / man hätte wohl
zubedenken / dass Böhmen und Teutschland in enger Verbündnis sehr mächtig währen
/ denen nunmehr Friessland und Wendland zu Gehorsam stünde / auch Schweden und
Dänenmark ja wohl das Römische Reich selbst sie nit hülf-los lassen dürften / um
welches sie neulicher Zeit sich wohl verdienet gemacht / und ihne zu Dienste /
der Pannonier Feindschaft über sich gezogen hätten; welches alles / wañ ers bei
sich erwöge / nichts anders mit sich brächte / als dass dieser Krieg ein grosses
nach sich zöhe; zu geschweigen dass man von unter schiedlichen Wunder begebnissen
sagen wollte / welche ihre geistlichen mehrenteils vor sehr unglücklich und dem
ganzen Reich dräuend / auslegete; Ist demnach meine unvorgreifliche Meinung /
wiederholete er / dass man vor erst den gelindesten Weg gehe / und Abtrag in der
Gute fodere; wie wohl ich bereit bin /einem heilsameren und vorträglichern Rahte
gerne zuweichen / insonderheit dem Königlichen Schlusse ohn einiges
Wiedersprechen mich zu unterwerffen. Als dieser geendiget hatte / wahr die
Ordnung an Agiss /dem Reichs- und Hof-Marschalk / welcher ein auffrichtiger
frommer Mann wahr / und ihm seines Königes Heil und gemeines LandesWolfahrt mehr
als kein ander liess angelegen sein; aber Dropion wahr ihm überaus gehässig /
trachtete ihm auch nach Ehr und Leben / weil in unterschiedlichen Sachen er sich
dessen Bosheit zu des Königes Nutzen entgegen gesetzet hatte. Er wahr schon
zimliches alters von 63 Jahren /uñ hatte sich beide durch Krieges- und
FriedesHändel um dz Vaterland wohl verdienet gemacht. Dieser hatte sich schon in
etwas erkundet / mit was Vorsaz Dropion umging / aber er durfte sichs gegen
niemand merken lassen / weil dieser Wüterich durch seinen grossen Anhang viel
zumächtig wahr; ging demnach auch vor dissmahl und bei dieser Sache gar behuhtsam
/ und stimmete bei der ersten Frage nicht allein ganz nach Dropions Willen /
sondern rühmete auch dessen Heldenmuht / dass er ihm mit solchem Eyfer seines
Königes und des Vaterlandes Ehre liesse angelegen sein. Bei der anderen Frage
aber fiel er dem Unter-Statalter Mastyes allerdinge zu / und zwar unter diesem
Scheine / als hielte er vor gewiss /dieser würde es mit jenem schon also
überleget und abgeredet haben; nur dass er hinzu setzete / das Gerücht erhöbe den
jungen nunmehr schon gekröneten Teutschen König Herkules und den Böhmischen
Ladisla sehr hoch / ob hätten sie so trefliche Helden-Tahten in Persen
verrichtet / dass man sie daselbst vor die allertreflichsten / klügesten / er
fahrnesten uñ glücklichsten Helden schätzete / und man davor hielte /es müste der
Himmel den Sieg dahin lenken / wo diese Beistand leisteten; wie man sich dañ
billich darüber verwunderte / dass sie den tapferen Wendischen Fürsten Krito /
und sein wolgeübetes Heer mit so gar geringem Verlust nidergelegt und sich
Friess- und Wendlandes ohn Schwertschlag / und so zureden / im Augenblick
bemächtiget; überdas noch den algemeinen Aufstand der Teutschen Untertahnen /
ehe man sichs versehen mögen / beigelegt und auffgehoben hätten; wie solches dem
Könige schon vor etlichen Tagen durch vertrauliche sichere Hand zukommen währe.
Hiemit endigte er seine Rede / und untergab sich des Königes schliesslichem Macht
Spruche. Dem Dropion wahr dieser beider Stimme überaus zuwieder hätte auch gerne
dazwischen geredet / wann er ihm nit dadurch ungleichen Verdacht zugezogen hätte
/ schwieg aber um so viel lieber / weil die Ordnung zurede an Pyrechmes den
Unter Marschalk wahr / der ihm als sein Geschöpf und Befoderter schlechter Dinge
anhing / auch von ihm schon unterrichtet wahr / wie ers am liebsten sehen
möchte; daher dann dieser / ohndas ein frecher ruchloser Mensch / allen Wiz
zusammen suchete / wie er dieser beiden Vortrag hintertreiben könnte / uñ fing
also an: Grossmächtigster unüberwindlichster König und ihr tapffere und geträue
Väter unsers Vaterlandes; wann meine Pflicht und Schuldigkeit ich betrachte /
weiss ich schon wohl / dass in dieser höchstwichtigen Reichs Beredung ich mein
Gutdünken aufrichtig und unverhohlen werde sagen müssen /welches doch den
Verständigern weichen / und meinem aller gnädigsten Könige unterworffen sein
soll. So bin ichs nun mit dem Herrn Statalter Mastyes /und dem Reichs- und
HofMarschalk Herr Agiss / bei der ersten Frage allerdinge eins / als welche kein
Biederman anders beantworten wird. Dass man aber des eingenommenen Schimpfes
Abtrag noch lange in der güte fodern / und gleichsam vor der Tühr bekteln /auch
den Krieg mit sonderlichem Prunk ansagen wollte / halte ich vor unnöhtig / vor
schimpflich und vor schädlich. Vor unnöhtig halte ich die Friedenshandlung; dann
wie wollten uns dieselben in Ruhe und Friede leben lassen / welche ohn ursach und
ohn vorhergangene Beleidigung / die Königlichen und Reichs-Gesanten / in Warheit
die treflichsten Säulen dieses Reichs / feindlich anfallen bestreiten und
niderhauen / bloss nur / unser ganzes Reich zuschänden und in Ungemach zusetzen.
Werden wir mit solchen verwägenen Ansprengern Friede zuhandeln suchen da wir
beleidiget sind / und niemand beleidiget haben; ich meine / sie werden drüber
rühmen und pralen. Die Pannonier fürchten sich eines ernstlichen Angriffs werden
sie sagen / drumb kommen sie ungefodert und bieten uns die Schmukhand / damit
sie vor unserm Schwerke mögen sicher sein; ei wie ein seines Näsichen werden wir
als dann bekommen und unsern Könige heim bringen; Zihet hin / werden sie sagen /
und seid fein from / so sollet ihr keine Stäupe haben. Und das würde auch / muss
ich bekennen / die rechte Antwort sein. Aber gesezt / sie nehmen unsern
Friedens-Vertrag etwas ehrerbietiger an; haben sie dann zu dem Ende uns in Spot
und Schade gesezt / dass sie es wieder gut machen wollen? Haben sie uns die
zehnjährige Schatzung / welche wir den Römern geben müssen / zu dem ende
abgedrungen / dass an unser statt sie dieselben erlegen wollen? Ich weiss schon die
glimpflichste Antwort / welche sie uns geben können: Ihr Pannonier müsst in
eurem Unglück zufrieden und geduldig sein; das Glük hats also über euch
verhänget; Wir haben unsern Leib an den euren gewaget / und durch einen
redlichen Kampff den Sieg erhalten; währe das Messer an unser Seite unmahl
gefalle / hätten wir ja müssen damit zufrieden sein. Sehet ihr meine Herren /
das wird ihre höflichste Antwort uns zum Trost geben; Können wir nun damit
zufrieden sein / je was wollen wir dann noch Kosten auff die Gesandschaft
wenden? Wil uns aber diese ihre Erklärung nicht behagen / warumb wollen wir sie
dann mit unser Beschimpffung anhören? Unser Schwert und Feur muss der Gesante
sein / welcher unsere Sache werben kann /dann eben diesen haben sie an uns
geschicket. Oder sind wir schlimmer als die kahlen Böhmen und nackete Teutschen?
Lasset uns keine Friedens Gedanken tichten / da sie nicht haften köñen /
sondern solches unnütze Spiel unsern Kinderchen anbefehlen. Der Krieg / der
muhtige uñ vorsichtige Krieg muss den Schimpff abwischen / und den Schaden mit
grossen Zinsen wieder einbringen. Auff was weise aber ist dieser von uns an die
Hand zunehmen? Sollen wir einem offenbahren muhtwilligen Feinde denselben noch
eine zeitlang vorher ansagen / welcher ohn alle Absagung die unsern uberfallen
und nidergeschlagen hat? Was währe das anders / als solchen ungerechten Feind
warnen / er sollte sich rusten / er sollte sich nach Hülffe umtuhn / er sollte
Italien / Schweden / Dännemark / Friess- und Wendland / und alle die sie wissen /
wider uns auffwiegeln / und uns als eine Fluht von allentalben herüberschwemmen
weil er vor sich selbst zu schwach ist / uns Widerstand zuleisten. Ein schöner
Vortel an unser Seite / da wir unser eigen Unglück erbetteln sollen. Aber wir
müssen ihnen gleichwol vorher absagen / möchte jemand einwenden /damit wir unser
Sachen Gerechtigkeit andern Königreichen darlegen. Ey es bedarffs nicht ihr
meine Herren / es bedarfs nicht. Wir haben uns umb fremde Hülffe gegen diesen
Feind nicht zubewerben / die wir viel einem mächtigern vor uns selbst gnug
gewachsen sind. So würde auch unsere Nachbarn ohn zweifel es uns zum Unverstande
auslegen / dz wir einem Beleidiger durch Warnung den Harnisch selbst anzihen
wollten. Am besten wird es sein / dass wir ihre getahne Absagung gnug sein lassen;
dann wir wollen den Feind nicht ausfodern und angreiffen / sondern der uns durch
die weltkündige Beleidigung ausgefodert /und schon angegriffen hat / entgegen
treten / und seinen Frevel von uns abtreiben. Diesem nach müssen wir die
auffgebohtenen Völker in aller Eile zusammen fuhren (dann der Krieg ist schon in
unser vorigen Versamlung beschlossen worden) und uns unter einander äidlich
verbinden / dass keiner lautkündig mache /worauff unsere Kriegsrüstung angesehen
sei. Ja es müssen die Grenzen nach Böhmen zu / wohl besetzet werden / nebest
genaufleissiger Auffsicht / dass niemand von uns dahin reise / welcher ihnen
einige Zeitung unsers Vorhabens bringen könne. Schliesse hiemit / und
wiederhohle mein anfängliches erbieten. Mastyes und Agiss höreten eigentlich /
dass dieser nicht allein die Stime / sondern auch die Worte aus Dropions Maul
genommen hatte / daher merketen sie / dass dieser Frevel unter so scheinbahren
Ursachen durchdringen würde / weil ihnen die Freiheit benommen wahr / solche
heillose Gründe durch wichtige Ursachen anzugreiffen und umzustossen. So liess
über das der König schon spüren / dass ihm dieses Vorbringen nicht übel gefiele /
als er den tapferen Hyppasus /seinen lieben und geträuen Raht und Feld Obersten
Wachtmeister mit diesen Worten anredete: Lasset euch nun auch vernehmen / mein
redlicher Hyppasus /was ihr wider unsere frevelmühtige Feinde stimmen wollet.
Wir reiten schon in zween Hauffen / allergnädigster König / antwortete er / und
dürffte ein redlicher Diener fast bedenken tragen / sich weiter heraus zulassen
/ weil er nohtwendig der einen Meinung beifallen / und die andere verlassen muss
/ da er dann dessen seine Ursachen anzuzeigen / und die missfällige zuwiderlegen
gezwungen wird; dessen ich mich aber nicht zubefürchten habe / weil eine
zeitlang danider zu Bette gelegen / und von den uns angefugeten schweren
Beleidigungen / darüber der Marschalk Herr Pyrechmes klaget / wenig
Wissenschaft habe; nur dass vor etlichen Jahren ich verstanden / dass Herr Bato
von dem jungen Fürsten Herkules nidergehauen sei / jedoch vor freier Faust / und
da der Sieger mit schweren Scheltworten ausgefodert ist; So weiss ich auch / dass
unterschiedliche Pannonische Schaaren von den Teutschen und Böhmen etwas Abbruch
gelitten haben / aber da sie jene angesprenget / und zu ihrem selbst eigenen
Schutze sie genöhtiget / welches auch in der lezten zimlich harten Niderlage
also ergangen. Der ritterliche Pines ist von Herkules überwunden und zum
Leibeigenen gemacht / aber er ist ja Ausfoderer gewesen / und meldet nit allein
das Käyserliche Schreiben / sondern auch der zurück geschicketen Diener Zeugnis
einhellig / dass Herkules von Herr Pines fast zum Kampff genöhtiget sei / mit der
Bedräuung / da er ihm zu Padua nicht fuss halten würde / wollte er ihn so lange
verfolgen / biss er wohl sollte stehen. Von anderen Beleidigungen weiss ich nicht
zusagen; trage demnach billich bedenken / mich weiter heraus zu lassen / wiewol
ich nicht zweifele /man werde Ursachen gnug haben / ob sie mir gleich verborgen
sind; und bitte untertähnigst / Ihre Königl. Hocheit wolle aus beiden schon
vorgetragenen Meinungen die behäglichste allergnädigst erwähle / dem wir
zweifels ohn ingesamt Beifal geben werden. Der König besan sich auff dieses
Vorbringen / und Dropion währe schier vor Eifer geborsten / mässigte sich doch
über vermögen / und kunte sich nicht inne halten / den König also anzureden:
Grossmächtigster König; demnach der Feld Obrist-Wachtmeister sich mit seiner
Unwissenheit entschuldiget / wie er dañ wege Leibes schwachheit bei unser
vorigen Versamlung nicht erschienen ist / halte ich davor / er könne mit
weiterer Stimmung wohl verschonet werden. Nicht also / antwortete Mnata; sondern
gleich wie ihr alle mit einander eure endliche Meinung sagen müsst / und zum
teil schon gesaget habet / also muss Hyppasus auch tuhn; jedoch also / dass / wie
unserm lieben geträuen Pyrechmes es kein Mensch verübeln soll / dass er wider die
beiden vorhergegangenen Stimen seine Gedanken ausgedrücket hat / also soll einem
jeden in dieser Reichsversamlung nicht allein frei stehen / sein Gutdünken
offenherzig anzusagen / sondern auch dessen Ursachen einzuführen. Der Statalter
Herr Dropion hat recht geurteilet / antwortete Hyppasus / dass wegen meiner
Unwissenheit ich mit weiterer Stimmung könnte verschonet werden; weil aber Euer
Königl. Hocheit gnädigster Wille mir Befehls gnug sein muss / und ich über das
noch das ernstliche Gebot vor mir habe / will ich ausser Zweifel setzen / dass wir
nicht vielfältig sollten beleidiget sein / und stimme darauff mit dem Statalter
Herr Mastyes; dass ein jedes Königreich / krafft durchgehender Gerechtigkeit /
uber das gemeine Recht aller Völker steiff zuhalten schuldig sei / ob gleich die
unbedachtsamen Feinde solches nicht in obacht nehmen wollten. Zwar wir sind
beleidiget / wie ich nicht zweifeln will; aber sollen wir aus diesem Grunde nicht
mit Vorbehalt unser Ehren und Ansehens versuchen / ob der Feind auff ergangene
grossmühtige Erinnerung in sich gehen / der Billigkeit statt geben / und den
groben Fehler verbessern wolle? Ja sollen wir aus eben demselben Grunde ihm auff
den fal der Wegerung nicht den Krieg ankundigen / sondern ihn ungewarnet
anfallen / so würde daraus folgen / dass nur der erste Beleidiger solche
beiderlei vornehmen und der Beleidigte sich deren entalten müste / welche
Meinung ohn zweifel viel Widersprachs bei den Kriegs- und Rechtsverständigen
finden wurde; Und kann uns von vernünftigen redlichen Leuten (der unwissenden
muss man nicht achten) nicht vor einen Unglimpff ausgeleget werden / dass wir dem
frevelhaften Beleidiger friedlichen Abtrag anfodern / nebest dem ansdrüklichen
Bedinge / dass im widrigen falle uns nicht unbewust sei / wie wir des empfangenen
Schimpfes und Schadens halben Erstattung zusuche wohl befuget sind / und das Herz
haben /uns mit dem Schwerte dessen beides zuentschütten. Wird dañ der Feind auch
solches in de Wind schlagen / und sich zur Gegenwehr rüsten / so stehet uns ja
besser / dz wir fechten als rauben / dz wir unser Recht gebührlich suche / als
diebischer weise stehle; es währe dann / dz wir uns vor unsern gewaffnete
Feinden furchteten / uñ dieselben lieber ermorde als bestreiten wollte. Jedoch
dürfen wir nit gedenke / der Feind werde auf unsern unabgesagten Anfal alsbald
verlohre geben / das Land verlauffen / und der gegenwehr vergessen. Sie kommen
erst aus dem Kriege /sind des fechtens wohl gewohnet / und wegen des neuen erst
erhaltenen Sieges sind sie muhtig; ja wer weiss ob sie ihr tapferes Heer nicht
mehrenteils noch beieinander haben / und nichts mehr wünschen / als dass wir
durch unrechtmässiges vornehmen unsere Sache verdächtig und ihre scheinbar
machen / welches ihre Völker zur herzhaftigkeit anspornen wird? Ich kann mir
durchaus nicht einbilden / dass ihnen unsere starke Kriegsverfassung allerdinge
sollte unbewust und verborgen sein. Diesem allen nach ist mein gutachten / man
handele nach Herrn Mastyes vorschlage / wo sonst nicht des Königes Machtschluss
ein anders gebeut / auf welchen fall ich meine Meinung billich zu endern habe.
Die Anwesende / so viel ihrer des Königes und des Vaterlandes beste sucheten /
kahmen zu weit anderen Gedanken / als sie mit sich in die Versamlung gebracht
hatten / und wurden sehr wankelmühtig / ob man auch in warheit von dem Teutschen
und Bömischen Könige beleidiget währe; dann dass dieser seine unwissenheit
vorwendete / geschahe bloss darumb / dass er Dropions ungunst und Zorn nicht wollte
durch die runde wiedersprechung auff sich laden. Doch sahen die in zweifel
gerahtene / das solches in obacht und beredung zu nehmen (ob man beleidiget
währe oder nicht) nunmehr zu späte sein würde. Der König selbst sass als währe er
nicht bei sich selber / währe auch durch die eingeführete Häuptgründe schier
auff andere Meinung gebracht /wann nicht der dumkühne Pelegon / Dropions
ergebener / ein Feldhäuptman über ein fliegendes Heer / mit seiner
ungestümigkeit dem Fasse gar den Bodem ausgestossen hätte / in dem auff
Königliche Befehl er also anfing: Solte ich ein hocherhabener Pannonischer König
sein / und meinen mutwilligen Beleidiger mit sanften friedfertigen Worten
ersuchen / dass er den angelegten Schimpff gutmachen / und den Schaden erstatten
möchte? davor wollte ich den Stand eines tapferen schlechten Ritters oder
Fechters wählen / als welcher die Freiheit hat / auff denselben zuzustossen und
zu hauen / der ihn angreiffet; ja ein Baur würde mehr Recht haben als unser
König / weil er seinem Pfluggesellen eine Ohrfeige wieder beut / wañ er zuvor
eine empfangen hat. Haben wir noch nicht Schimpfs gnug erlitten / da man sich
genöhtiget hat zu unsern Gesanten / wie dieselben durch schelmische Zaubergriffe
angetastet / beschimpfet und nidergelegt würden; und wir wollen den Frieden noch
darzu betteln? dafern dieser Raht gelten sollte / werde ich mir ein ander Land
suchen müssen / in welchem ich ohn der Teutschen und Böhmen beschimpfung leben
könne / dann ich sehe schon zuvor / wie statlich uns diese nichtwerte
Landläuffer trillen werden / zweifele auch nicht / mañicher redlicher Mann werde
mit mir eines vorhabens sein. Ich möchte aber gerne wissen /was vor eine
Erstattung wir durch Friedeshandelung von diesen unsern abgesagten Feinden
begehren wollen. Sollen sie den Schimpff und Schaden mit Gelde büssen? dessen
haben wir / dem Glük sei dank /schon überflüssig; oder sollen sie die Beleidiger
zur Straffe heraus geben? Ey ihre Herscher sind es ja selber / die werden sich
dem Büttelsschwerte nit unterwerffen / so lange sie sich wehren können. Auch
müsten wir solche Handelung nicht mit ihnen / sondern mit ihren Untertahnen
anstellen / welches ja nicht geschehen kann / und ist in aller Welt wohl unerhöret
/dass man einen Beleidiger durch friedliche Handlung zur Lebensstraffe fodert /
wie ich dann aus meines gnädigsten Königes Munde bald anfangs gehöret habe / dass
der angelegte Schimpf (von dem Schaden will ich nicht reden) durch keine andere
gnugtuhung /als durch der frevelmühtigen Blut bei seiner Hocheit könne
ausgesöhnet werden; welchen recht Königlichen Schluss / woran Pannonischen
vorzuges Ehr und Ansehen hanget / ihre Hocheit nimmermehr wiederruffen wird /
und mus aus diesem unwiedertreiblichen grunde alle gütliche Handelung verstieben
und von sich selbst verschwinden. Aber unser König soll durch der Völker Recht
gehalten sein / diesen ehrenschändigen Beleidigern den Krieg anzukundigen. Ey
warumb? ich habe mich in den Rechtshändeln nicht hoch verstiegen; aber dieses
Völker Recht / ja dieses eingepflantzete Recht weiss ich wohl / dass ich mich
unabgesaget wehren soll / wann ich angefallen bin / oder ich dürfte mir des
Feindes Schwert selber in das Eingeweide rennen. Auff auff meine Herren /
Freunde und Brüder / auff auff / und lasset uns der ganzen erbaren Welt zeigen /
dass Pannonische Tapferkeit annoch in voller blüte stehe / und die Erndte nahe
sei /da sie ihre herrliche Frucht einsamlen müssen; alsdann will ich mein Häupt
nicht sanfte legen / der Zäuberer Herkules und sein Schmeichler Ladisla müssen
dann zuvor gebendiget / und unsere Götter durch ihr Blut versöhnet sein. Man
sah es dem Könige an / dass ihm dieser Vortrag wohl gefiel / insonderheit / als
acht Rähte und Obersten nacheinander dieser Stimme beipflichteten; und ob zwar
Amytaon und seines Bruders Sohn Deon den gelindern Weg als den erbarern ihnen
gefallen liessen / welche beide ihrem Könige sehr geträulich dieneten / so ging
doch aller ubrigen Stimme dahin / wie es Pyrechmes und Pelegon getrieben hatten
/ weil sie wussten / dass ihrem Befoderer Dropion es also gefiel / und zugleich
merketen / dz der König auch nicht dawieder wahr. Hier musste nun der
Oberstatalter Dropion seine Meinung sagen /welcher vor erst wiederhohlete / was
vor unleidlichen Schimpf das Pannonische Reich von dem Böhmen und Teutschen
eingenommen / welches doch alles verkehret angezogen / und unsern beiden Helden
angetichtet ward / als hätten sie sich nur die Pannonier zubeschimpffen in den
Streit mit Pines gemischet / wie desgleichen auch Bato ohn alle gegebene Ursach
von Herkules währe beleidiget / und meuchlischer weise erlegt worden / alles dem
Pannonischen Reiche zu troz; hätte überdas von vertraueter Hand / dz sie von dem
Römischen Käyser grosse Gelder empfangen /Pannonien zubestreiten / solches Land
mit ihm zu teilen / und alle Inwohner entweder zu tödten / oder in wüste Länder
/ solche zu bauen / zuversetzen; welches sie untereinander mit ihrem Blute
sollten verschrieben haben; ob dann nicht ein kindisches Vornehmen sein würde /
wann man mit ihnen gutliche Handlung wollte pflegen / welche nicht allein
dahinaus schlagen würde / dass man Spot zu lohn bekähme /sondern man hätte sich
zuversichern / dass der Böhme ein gutes Stuk des Pannonischen Reichs / zur
erweiterung seiner Herschaft fodern würde / welches anzuhören ganz unleidlich
währe. Hielte demnach unnöhtig und allerdinge uberflüssig / dass man einem
Landkündigen Freveler / welcher die begangene beleidigung weder leugnen könnte /
noch zubereuen willens währe /de Krieg lange vorher sollte ankündige; dañ
hiedurch würde man den Feinden anlass geben / ihre Grenzen aufs stärkeste
zubesetzen welche ohndas zimlich verwahret währen / und dürfte man auff diese
weise gnug zu tuhn bekommen / ehe man sich der Grenz-Festungen würde bemächtigen
können / wo nicht wohl gar die Feinde den Krieg auf dem Pannonischen Bodem zu
führen sich bemühen dürften. Doch stellete ers endlich ihrer Königlichen Hocheit
alles anheim / ob man den Frieden erbetteln / oder durch tapfere Faust Böhmen
erstreiten sollte / da er dann dessen Machtspruche sich willigst hiemit wollte
unterworffen haben. Woldann in Glückes Nahmen / sagte der König; so sei hiemit
der Krieg wieder unser abgesagte Feinde die Böhmen und Teutschen beschlossen /
also und dergestalt / dass wir keines weiteren absagens nöhtig haben /
vielweniger eine gütliche Handlung vornehmen wollen / die uns nichts als Schimpf
und verachtung bei den Feinden zuzihen würde. Sollen demnach die Völker in
möglichster Stille / und inwendig drei Wochen beieinander sein / auffdas unsere
unbefugete Beleidiger schleunig und mit schmerzen empfinden mögen /was es vor
nutzen bringe / wann man die unuberwindliche Pannonische Macht zu Zorn und Eifer
reitzet. Euch aber Herr Statalter Dropion / soll hiemit und Kraft dieses das
höchste algemeine Feldmarschalks Amt auffgetragen und anbefohlen sein / unser
lieber geträuer Agiss aber euch / als der näheste nach euch /zugegeben werden /
mit welchem ihr alles bereden /und in Raht stellen sollet; wird euch beiden also
volkomene Gewalt Kraft dieses / erteilet / diesen Krieg anzufangen / zu führen /
und zu endigen / wie euch und den hohen Kriegshäuptern solches am vorträgligsten
dünken wird; jedoch dass / wann der Feind Handelung und Abtrag anbieten würde /
uns solches zugeschrieben / und unser Befehl darüber eingehohlet werde. Hierauff
verpflichtete sich Dropion / den Bömischen König lebendig oder Tod zu liefern /
wann sein gnädigster König ihn zur belohnung mit dem Bömischen Reiche belehnen
wollte; welcher unverschämten Anfoderung nicht allein der König und seine
Geträuen / sondern der gröste teil seines eigenen anhanges erschraken / dass
wenig fehlete / der König hätte ihn deswegen scharf angegriffen / doch mässigte
er sich / und gab ihm zur Antwort; er sollte alle gebührliche Träue und möglichen
Fleiss anwenden / auch hinwiederumb aller Königlichen Gnade von ihm gewärtig
sein. Dropion hatte ihm die Hoffnung gemacht /nicht allein die ungemässene Macht
und Freiheit über das ganze Heer vor sich allein zuerhalten / sondern auch
dieses seines anmuhtens gewehret zu sein; als er aber in beiden fehlete /
verdross ihn solches nicht wenig / setzete doch das lezte aus / und bemühete sich
den Agiss von seiner Seite zu schaffen / als welchen nunmehr das Alter anfinge
zuberücken / und oft gute heilsame Anschläge zerflössen / wann die Häupter noch
erst lange darüber zweieten. Aber der König /welcher von seinen gefährliche
Anschlägen schon etwas nachricht hatte / gab zur Antwort; er hätte nicht weniger
seinen Raht und Marschalk Agiss / als ihn Dropion darzu erwählet / dass sie
gesamter Hand an seine statt alles richten uñ fortsetzen sollten / wie solches dem
Pannonischen Reich am vorträglichsten und heilsamsten währe / dessen auffnahme
durch diesen Krieg gesuchet würde. Zwar Agiss stund auff / und baht inständig /
Königliche Hocheit möchte allergnädigst ihre Meinung endern / und ihn dieser
Last enteben; aber er blieb beständig auff seinem vortrage / nur dass er endlich
einwilligte / es möchten Mastyes und er das Los drumb werffen / wer unter
solchem Amte mitgehen / oder im Reiche als Statalter verbleiben sollte. Welches
Dropion vernehmend / darzwischen redete / es hätte die Meinung nicht / als ob er
Herrn Agiss unlieber als einen andern neben sich dulden könnte / sondern weil dem
Könige gefiele / ihm ein Neben Häupt zuzuordnen / währe er mit dem Marschalk wohl
zu frieden / uñ hoffete in guter einigkeit mit demselben zu leben / und des
Vaterlandes beste zu schaffen. Dieses aber brachte er aus ertichtetem Gemüht vor
/ dann er wahr Agiss von herzen feind /aber weil er vor Mastyes sich noch am
meisten fürchtete / wollte er aus zweien vermeinten Ubeln das geringste wählen.
Nach dem diese Versamlung von einander gelassen wahr / gingen Mastyes / Agiss /
Hyppasus und Amytaon in geheim zu dem Könige / und stelleten ihm vor
zubetrachten / mit was hohen Gedanken Dropion umginge / und nicht hätte
verbergen können / dz er bloss zu seinem besten diesen Krieg triebe / damit er
eine Krone anff sein Häupt bekähme / welches ausser zweifel nirgend anders hin
gespielet währe / als dass er der Pannonischen auch bald teilhaftig werden
möchte; währe demnach sehr nöhtig / dass man ihm nach äusserster Mögligkeit die
Karte versteckete / also und dergestalt / dass ihm etliche des Königes Geträue zu
hohen KriegsRähten und Befehlichshabern zugegeben wurden / und hinwiederumb
/Verdacht zumeiden / dem Agiss etliche verdächtige; also würde allentalben
vielem Unheil vorgebauet werden können. Dieses ward angenommen / und mussten
Hyppasus und Amytaon dem Dropion zutreten; bei Agiss aber / welcher sonst lauter
Geträue umb sich hatte / Pyrechmes und Pelegon verbleiben / welches abermahl
Dropion sehr zuwider wahr / und sich dessen doch nicht durffte merken lassen /
nahm ihm auch vor / im Anfange behuhtsam zugehen / und mit der Zeit allen
Verdacht abzulehnen. Er wahr sehr geschäfftig / das Heer in aller stille
zusamlen / welches mitten im Reich geschahe / da 180000 wolgeübete und bewehrete
Pannonier zusammen gebracht wurden / als 93000 zu Pferde / und 87000 zu fusse /
und in bestimmeter Zeit zum Auffbruch fertig lagen. Dropion bekam 55000 zu
Pferde / und 50000 zu Fusse; Agiss 38000 Reuter / und 37000 Fussknechte; welche
aber umb besserer Einigkeit willen oft durcheinander versetzet / sich lagern
und fortzihen mussten. Agiss taht dem Dropion als dem Ober Häupt grosse Ehre an
/und willigte in alle seine Vorschläge / weil sie von diesem listigen anfangs
also angelegt wurden / dass man sie dem Vaterlande vor erspriesslich halten musste;
So wahren auch Hyppasus und Amytaon gnugsam unterrichtet / wessen sie sich /
Verdacht abzulehnen / bezeigen sollten / und nur darauff fleissig merken / was
vor welche dem Dropion vor andern anhingen / und nicht unterlassen / die
gemeinen Knechte und Unter-Befehlichshaber in des Königs Gewogenheit zuerhalten.
Dieses grosses Heer / da es noch eine halbe kleine Tagereise von den Böhmischen
Grenzen war / ward in sechs Reuterhauffen und so viel Fuss Heere verteilt / und
einem jeden Befehl gegeben / an was Ort und Enden sie einfallen sollten / welches
auff eine gewisse Stunde des folgenden Tages geschehe musste; wie sie auch als
eine stränge Fluht / ehemans inne ward / los brachen / und die GrenzFestungen
zuüberrumpeln meinten / welches ihnen doch missriet /dann Ladisla hatte sie aus
Vorsorge bald bei seiner ersten Wiederkunft mit starker Besatzung versehen /uñ
gute Befehlichshaber hinein gelegt; / doch mussten sie endlich gewonnen geben /
dann der Feind stürmete Tag und Nacht unauffhörlich / biss er sie erhielt / und
alles / so wohl Inwohner als Besatzung nidermatzete /wiewol er über 20000 Mann
davor sitzen liess / welche zwar alsbald wieder ergänzet wurden / muhtmasseten
aber daher / dass ihres Bluts in diesem Kriege viel drauff gehen würde. Eines
taht ihnen grossen Schade / dass sie nicht alsbald fortzogen / sondern nach
eroberten Festungen den Völkern dreitägige Ruhe gaben / alles zuverschwenden /
was in diesen Städten gefunden ward; dañ hiedurch gewunnen die unsern Lufft /
dass sie sich gefasset machen kunten.
    Baldrich und Siegward / wie zuvor gemeldet / gingen ihnen mit 48000
wolgewapneten Reutern entgegen / da ihnen eine ungläubliche menge der Inwohner
mit ihren Weibern und Kindern aufsties / dann sie lieffen alle davon / und
liessen Vieh / Korn und alles im Stiche / nur dass sie ihre Barschaften und das
Leben retten möchten / wie wohl etliche ihrer Pferde /Ochsen / uñ Kühe nicht
vergassen / auf welchen ihrer viel noch die besten Sachen fortschleppeten.
Baldrich liess alle erwachsene Mannesbilder anhalten / und sendete deren in zween
Tagen 15000 nach Prag / dass sie mit Gewehr und Waffen sollten versehen werden.
Ladisla hatte zu diesen noch 16000 / von denen allen wurde die helfte beritten
gemacht; und unter Leches nach Baldrichs Heer fort geschicket. Der Feind drang
schleunig zum Lande hinein / und die unsern gingen ihnen nicht langsamer
entgegen / da sie des Elendes zeitig gewahr wurden / weil sie des Nachtes von
ferne viel Dörffer und Flecken sahen in hellem Feur stehen /und daher zu rahte
wurden / ihnen in guter Behutsamkeit zu nähern / damit solchem Land-Verderben
gesteuret würde. Siegward ging mit 6000 wolberittenen voraus ümb zu vernehmen /
ob man dem Feinde nicht einen einfall tun / und ihn etwas stutzen machen könnte
/ traf viel flüchtige Bauern an / und erfuhr von ihnen / es lägen drei Meile von
hinnen in einem grossen Dorffe 9000 Reuter / frässen / söffen / und trieben mit
den geraubeten Weibern allen schändlichen Muhtwillen. Er befahl sich Gott / nam
etliche Wegweiser zu sich / und kam zwo Stunde vor Abends daselbst an /
besetzete das Dorff auswendig mit 1000 Mann / und fiel mit der übrigen ganzen
Macht zu Fusse hinein / funden den mehren Teil schlaffen / die übrigen sauffen
und schwärmen / und hielten ein solches Gemätsche unter ihne / dass ganze
Bächlein Blut aus den Häusern flossen / weil sie in einem oft 400 antraffen.
Alles was Feind wahr / ward ohn Unterscheid nidergemacht / ohn 50 Häupt- und
Unter Häuptleute wurden gefangen / und etwa 14 gemeine Knechte verstecketen sich
im Stroh / und erretteten ihr Leben. Alle Pferde bekahmen sie / welche mit
statlicher Beute beladen wahren / erlöseten auch 6000 gefangene starke Männer /
welche nach Pannonien in Dienstbarkeit sollten geführet worden sein. Es wahr eine
grosse Freude unter ihnen / dass sie keinen einzigen Mann eingebüsst / und etwa
30 Verwundete unter sich hatte / bewehreten die Erlöseten mit der Feinde Rüstung
/ nahmen das übrige Gewehr mit sich / legeten selbst Feur in das Korn und Stroh
dessen eine grosse Menge verhanden wahr / damit es dem Feinde nicht zu Teil
würde / und zogen frölich davon / da sie mit einem Freuden-Geschrei empfangen
wurden / dann es wahr heller Mondenschein / dass sie die ganze Nacht reiten
kunten. Die Gefangene wurden scharf befraget / und mit der Folter gezwakt / weil
sie anfangs gar wiederwärtiger Aussage sich vernehmen liessen / biss sie endlich
einhellig anzeigeten / wie stark sie an Mannschaft / auch wie sie gesoñen währen
/ nit zuruhen / biss ganz Böhmen würde eingeäschert und verwüstet / oder doch
unter des Pannonischen Königes völligem Gehorsam sein; welches Baldrich so hoch
empfand / dass er sie alle 50 als kundbahre Mordbrenner an Bäume aufhenken liess.
So bald die wenige überbliebene diese leidige Zeitung ihrer Niderlage
überbrachten / wollte das Heer / welches sich nunmehr zusammen geschlagen hatte /
des Tages kaum erwarten / brachen im Grime auf / und wollten dieses Häuflein mit
Gewalt tod haben; wie dañ Baldrich ihm gar zeitig diese Rechnung machete /
bewehrete noch 6000 der flüchtigen Einwohner / und ging mit der ganzen Macht
60000 stark ihnen entgegen /da er einen sehr vortelhaften engen Durchzug
zuerhalten / und daselbst festen Fuss zusetzen treflich eilete /welches ihm
glückete / und alsbald ein raumes Lager abstechen / umgraben und aufwerffen
liess. Leches kam um Mitternacht mit 16000 Reutern zu ihm / und brachte Zeitung
das Prinsla mit 20000 Fussknechten nicht weit währe / welche auch (weil sie auff
Bauern Pferden schnelle fortjageten) gegen den Morgen sich einstelleten / und
alle miteinander diesen Tag das Lager dergestalt verschanzeten / dass sie nicht
zweifelten / etliche hundert tausend Feinde darinnen wohl auffzuhalten. Herkules
stund in steter Furcht / seines Bruders gewöhnliche Hitze zu fechten möchte dem
ganzen Wesen schådlich sein / wollte daher auff die ankommende Teutschen Völker
nicht warten / sondern ging mit 400 Reutern schnelle nach dem Lager /und fand
alles in gutem Wolstande / wie ers wünschete / nur dass er die Graben / von forne
nach dem Feind zu / etwas breiter und tiefer machen liess / dass der
auffgeworffene Wahl an diesem Ort wie ein zimlicher hoher und geher Berg
anzusehen wahr. Dropion bekam dessen bald Zeitung / dass die unsern auf dieser
enge Stand gefasset hätten / uñ willens währen seiner alda zuwarten / hielt
eilig Kriegs-Raht / und befand /dass Hyppasus Meinung der Warheit ähnlich wahr
/die unsern würden hieselbst suchen / sich aufzuhalten / und zugleich ihrem
weiteren Einbruch zusteuren /biss sie mit gnugsahmer Mannschaft aus Teutschland
sich würden versehen haben / eine Feld-Schlacht zuwagen / wie wohl er solches in
den Wind schlug / nebest hohen Flüchen / wann sie gleich drei Mann gegen einen
herzufuhren würde / wollte er sie doch mit seiner wolgeübete Mannschaft
niderschlagen; macheten endlich den Schluss / die auffgeworffene Schanze zu
stürmen / und hiedurch den Weg überal zu öffnen; zu welchem Ende sie 18000
Reuter zum Vortrabe ausschicketen / alle mögliche Kundschaft einzuziehen / und
alles was ihnen von Menschen auffstossen würde / ohn Barmhertzigkeit
niderzumachen; würde sich aber ein bewaffneter Hauffe sehen lassen / sollten sie
ihn anfangs sicher machen / und durch einen Hinterhalt berücken. Herkules hielt
gleicher massen vor dienlich / dass etliche tausend Reuter aussgeschicket würden /
umb zuerforschen ob der Feind herzunahete; welche zuführen Baldrich so heftig
anhielt / dass mans ihm nicht versagen kunte / daher gab ihm sein Bruder 2000
Teutschen / 1000 Wenden / 1000 Friesen / und 2000 Böhmen / alle wolversuchte
Leute / mit geträuer Vermahnung / aufs behuhtsamste zugehen / und ohn Vortel den
Streit nicht zuwagen; und weil Siegward ihn nicht verlassen wollte / ritten sie
miteinander / da Olaf Freiheit baht / in Gesellschaft mit zugehen. Nach ihrem
Abzuge sagte Herkules zu Fabius; ich fürchte sehr / mein Bruder werde eine
Schlappe hohlen / wo die Feinde ihn antreffen / baht ihn demnach / nebest Leches
mit 8000 Mann zu seinem Entsatze fort zueilen / und ihrem Huefschlage zufolgen;
wodurch auch aller dreien Fürsten Leben gerettet ward. Dann Baldrich wahr etwa
drittehalb Meile fortgangen / da erblickete er ohngefehr 5000 Reuter von Feindes
Volk / die sich / wie sie die unsern sahen / enge zusammen zogen / aufdass sie
desto kühner zum Anfal gemacht würden; welcher Anschlag ihnen vorerst geriet;
massen der ohndas zuschlagen begierige junge König die seinen geschwinde ordente
/ mit der Helfte auf den Feind lossging / und die andere Helfte Siegwarden und
Olaf zum Entsatze liess. Der Feind wollte ihm anfangs nicht Fuss halten / zog sich
immer zurück / und lockete ihn nach sich / woraus Siegward den Betrug merkete
/und durch einen Reuter ihm sagen lies / er möchte sich nicht zu weit vertuhn /
des Feindes weichen / so ohn Noht geschähe / kähme ihm viel zuverdächtig vor. Er
aber lies sich nichts anfechten / meinte es müste gewaget sein / und boht den
Feinden das Häupt mit starken Spornstreichen gerade zu / welche dagegen nur
bemühet wahren / ihm an die Seite zukommen; welches er doch zuhindern wohl
gelehret wahr / greif auch freudig an / und erlegete in kurzer frist 5 Ritter
mit seiner Faust. Die Pannonier wähneten vor erst / es wurden nicht sonderliche
Obristen bei diesem Vortrabe sein / daher sie des Anfalls nicht gross achteten /
aber da sie der Streiche empfunden /gingen sie gezwungen zurück / welches sie ohn
das vorsetzlich zutuhn willens wahren. Baldrich hieb ihm frisch nach / würde
auch diesen Hauffen bald auff die Flucht getrieben haben / wann der versteckete
feindliche Entsaz 13000 stark nicht gewesen währe / welche die ihren zwar Noht
leiden sahen / und doch nicht losbrechen wollten / weil Baldrich ihnen noch nicht
nahe gnug wahr / dass sie ihn hätten ümringen können; gleichwol liessen sie 3000
geruhete auf ihn ansetzen / welche ihn auch stutzen macheten / dass er von den
vorigen ablassen / und gegen diese sich kehren musste / wodurch er einen
gedoppelten Feind bekam. Siegward sah solches / und sagete zu Olaf; dieses
Aufzuges bin ich mir schon anfangs vermuhten gewesen; nam 800 Reuter zu sich /
befahl dem Dänen die übrigen / und dz er nicht ehe / biss es hohe Noht sein würde
/ damit lossgehen möchte. Er kam zu rechter Zeit an / und entsetzete Baldrichen /
weil die Feinde ihn sonst hätten umringen dürffen / ermahnete ihn auch / hinter
sich zuweichen / aufdass / wann mehr Feinde verhanden währen / sie nit ins
Gedränge getrieben würden; welches er auch / so viel möglich in acht nam /
insonderheit / weil er sah / dass der Feind noch imerhin sich zurück zohe /
ungeachtet er an Mannschaft weit überlegen wahr. Durch sein weichen nun gerieten
die Pannonier auf den Wahn / ihr Anschlag wurde entdecket sein / deswegen sie
den añoch verstecketen zu entbohten / sie möchten nur losbrechen /weil der Feind
nit weiter anbeissen wollte; doch verweilete sich ihr Anzug zimlich lange / dass
die unsern sich gar biss auf Olaf gezogen hatten / welcher den Nachfolgern der
gestalt auf den Hauben sass / dass die unser seits Verwundete Zeit hatten / sich
verbinden zulassen / und die Ermüdeten sich in etwas erhohlen kunten. Es
gebrauchete sich aber dieser Held dermassen / dass Baldrich zu Siegwarden sagete;
er hätte solche Tapferkeit und vernünftige Stärke nimmermehr hinter ihm gesuchet
/ massen er mit 2000 Mañ sich gegen 5000 (dann 3000 wahren schon von den Feinden
erleget) dergestalt verhielt / dz es die Feinde selbst wunder nam. Er wahr nicht
lange an einem Orte / sondern da er die seinen frisch angeführet hatte /machte
er sich unvermerkt los / und fiel an einem andern Orte mit etlichen an / da
sichs der Feind am wenigsten vermuhten wahr / dass in kurzer Zeit er 2000 von den
Feinden erschlug / und die übrigen nicht mehr begehreten anzubeissen / als
welche meinten /er sollte ihrem ausweichen immer nachsetzen; welcher Hoffnung
auch die übrigen wahren / und deswegen ihren Auffbruch noch in etwas
verweileten; nachdem er aber dessen nicht willens wahr / liess der Pannonische
Entsaz 10000 stark sich mit fliegende ReuterFähnlein sehen; da Siegward zu
Baldrich sagete: Schaue Bruder / wie würdest du dich und uns gestürzet haben /
wann du meiner Erinnerung nicht gefolget währest; nun rahte bald; gehen wir
durch / oder halten wir Stand? Olaf zog sich geschwinde mit ihnen zusammen / und
sagete: Ihr Brüder / hier will gefochten oder gestorben sein; ich meines teils
befinde mich Gott Lob also / dass ich ein Stündichen mit machen /und ein halb
Dutzet auff die Spitze nehmen will; sollte mich aber Feindes Schwert nidermachen /
so bezeuge ich hiemit / dass ich als ein gläubiger Christ zusterben bereit bin /
ob ich gleich biss daher diese meine Bekehrung vor jederman heimlich gehalten
habe. Der allmächtige Gott wird unser Schuz sein / antwortete Baldrich / welchen
wir mit unsern Seuffzern mitten im Gefecht darumb ersuchen wollen; ermahnete
hierauff die Reuter / sie sollten bedenken / was vor eine Feind sie vor sich
hätten / der keines Menschen / auch des Kindes in der Wiegen nicht schonete /
daher sie keine Gnade oder Lebensfristung hoffen dürfften / wann sie lebendig
sich fahen liessen; Er neben seinen Gesellen wollten bei ihnen fuss halten; und
verflucht sei / rief er überlaut / der sich den Feinden lebendig ergibt. Sie
hatten überal etwa 300 Mann eingebüsst / und 360 wahren verwundet / dass der
Gesunden Anzahl sich auff 5340 Mann erstreckete / da hingegen der Feinde noch
12000 gesunde waren / welche mit grossem Geschrei und starken Spornstreichen
auff sie angingen. Die unsern fasseten eine kurze Erklärung / setzeten sich gar
breit / dass sie nicht leicht kunten umgeben werden / weil es im offenen Felde
wahr; da Baldrich zur Rechten / Siegward in der Mitte / und Olaf zur Linken die
Völker führeten / auch so unverzagt an den Feind ansetzeten / dass sie der
Kühnheit sich nit gnug verwundern kunten. Die Pannonier bissen anfangs weidlich
ins Grass / dann sie verliessen sich nicht allein auff ihre Menge / sondern
meinten auch /die unsern würden sich im ersten Treffen schon abgemattet haben;
weil sie aber der treflichen Gegenwehr empfunden / ginge sie behuhtsamer / und
fielen die unsern Schaarsweise an / unter der Bemühung / dass ein jeder / wann er
angegriffen ward / seinen Feind mit in den Tod zunehmen suchete / welches unsere
Fursten merkend / eine gevierde Schlachtordnung in zimlicher Ausbreitung
schlossen / und dadurch diesen Vorsaz des Feindes brachen. Baldrich ging
hieselbst am heftigsten / daher fast die Helffte des feindlichen Heers sich
gegen ihn richtete / dem aber Lufft zu machen / Siegward allen Fleiss ankehrete.
Olaff meinte den Feind mehr mit List als kraft zubegegnen / auff dass er sich in
die Harre sparen könnte; aber sie liessen ihm keine Ruhe / dass er wider seinen
Willen alle Kräffte anwenden musste. Die drei Helden wurden durch ihr Gefechte
den Feinden in kurzer Zeit bekant /und vereinigten sich drei Schaaren / jede von
400 Mann / sie zuüberfallen und hinzurichten / unter der Hoffnung / es würden
alsdann die übrigen bald zutrennen sein. Sie hingegen versahn sich auch mit
einem Schutze / und wollten sich von ihren Völkern nicht abreissen lassen /
welches dann ein greuliches Blutstürzen verursachete; aber endlich ward Baldrich
/ da er kaum 150 Mann bei sich hatte / von 400 umgeben; durch welche er sich
funff mahl hindurch schlug / dass Freund uñ Feind ihn rühmen mussten; aber seine
Mannschaft ging mehrenteils drauff / dass er sich ohn zweifel hätte niedermachen
lassen / oder ergeben müssen wann nicht Olaff seiner Gefahr währe inne worden /
welcher dem Dänen Harald an seinem Orte die Auffsicht befahl / und mit 200 Mann
ihm zu hülffe ging / es auch so weit brachte / dass er sich mit ihm vereinigte /
und diesen Streit auffs neue fortsetzete / da die Feinde ihre Schaar immerzu
stärketen. Siegward hatte inzwischen an allen Seiten zutuhn /missete sie beide /
und machte 500 Reuter aus / die sich durchschlagen / und wo sie auch sein würden
/ihnen hülfliche Hand bieten sollten; aber es wahr ihnen unmöglich durchzubrechen
/ daher sie beide einen überaus heftigen Stand zuhalten gezwungen wurden / weil
sie 250 Mann stark / sich gegen 1600 wehren mussten / und an unterschiedlichen
Orten ihres Leibes zimliche tieffe Wunden empfingen. Ihre damahlige Rettung wahr
/ dass die Feinde anfingen sich gegen Siegward schläffrig zubezeigen / und er
daher Lufft bekam / mit 600 Köpffen sich loszumachen; ging hin / wo er wusste /
dass seine liebe Gesellen Noht litten; und wie heftig eine andere Schaar von 800
Reutern sich ihm gleich wiedersetzete / brach er doch endlich durch / und befand
/ dass sie fast alles Beistandes beraubet wahren; rief ihnen doch freudig zu /und
sagte: Haltet euch frisch / ihr Brüder / wir müssen vor unserm Ende ihrer noch
mehr ohn Köpffe tanzen machen. Sein Anfal wahr hieselbst so heftig /dass ihm
niemand wiederstehen kunte; vernam aber mit Betrübnis / dass Baldrichs Gegenwehr
wegen der empfangenen Wunden zimlich schlecht wahr / deswegen er ihn mit 150
Mann aus dem Gedränge führen liess. Der Feinde Heerführer / ein starker
ansehnlicher Ritter / nam sein mit 300 Pferden wahr / und umgab ihn von neuen /
geriet endlich an ihn selbst / und hielten ein absonderliches Gefechte mit
einander / da Baldrich wegen seiner Wunden ohnzweifel hätte müssen den kürzern
zihen wann nicht Olaff mit 100 Reutern zum andern mal ihn entsetzet hätte / der
sich an den Pannonischen Feld Herrn machete / und nach wenig Streichen ihm den
rechten Schenkel sehr hart verwundete / dass er vor Schmerzen vom Pferde stürzete
/ und in dem Getümmel vollend zutreten ward; hatte doch zuvor Baldrichen eine
harte Wunde in die Schulder beigebracht / dass er sein Schwert nicht mehr
gebrauchen kunte. Es ging das Spiel über und über / dann Freund und Feind hatten
sich durcheinander vermischet / wiewol Olaf den steiffesten Stand halten musste /
weil er Baldrichen beschirmete. Siegward befand sich auch zwar im Gedränge /
aber er brach durch / zog 600 Mann an sich / und ging Olaff zu Hülffe. Es wahren
kaum noch 2500 unbeschädigte von den unsern / da hingen der Feind noch mit 8000
stritte / und den Sieg schon auszuschreien anfing /weil die unsern nur immer
hinter sich wichen / und wann sie den Feind ohn Ordnung merketen / einen Anfal
wageten / damit sie nicht gar auf die Flucht getrieben würde. Aber Siegward ward
des Staubes hinter sich gewahr / und sprach den seinen ein Herzein; Sie sollten
gar ein wenig nur noch stehen / er hätte den gewunscheten Entsaz schon gespüret;
welcher auch nicht lange verweilete; dann Fabius hatte des Treffens von ferne
wahr genommen / ging mit 3000 voran /und liess Leches mit den übrigen nach der
rechten Seite zugehen. Die Feinde sahen seine geringe Mannschaft / vor welcher
sie sich zwar entsetzeten / aber doch nicht weichen wollte / wiewol er durch
seine Ankunft ein solches Loch machete / dass Baldrich und Olaff / die wegen
Mattigkeit und Verwundung fast keinen Schwertschlag tuhn kunten / Luft bekahmen
/sich aus dem Gedränge zubegeben / und Baldrich seine Wunden im freien Felde
verbinden liess / auch Olaff / sich zuerhohlen / den Helm absetzen musste. Fabius
fochte wie ein grimmiger Löue / und als er Siegwarden verwundet antraff / sagte
er zu ihm: Bruder nim nur Ruhe / und lass dich verbinden / du wirst gar bald ein
köstlich spiel sehen; welchen Trost er annam / hin zu Baldrich rante / und ihm
anzeigete /dass Fabius diesen Einsaz führete / und ein grösser Hauffe bald
zugegen sein würde; sahen auch in dem Leches mit den seinen von der seite
hersprengen / der sich in zwo Schaaren teilete; die eine musste immer fortauen /
dz sie dem Feinde den Rükweg abschnitten; die andere welche er selbst führete /
stürmete auff den Feind grimmig ein daher in kurzer Zeit die Pannonier auff die
Weichseite gebracht wurde / dz sie endlich zur gemeinen Flucht sich schicketen /
da sie den hintersten in die Hände fielen / und ohn Gegenwehr wie das Vieh
abgeschlachtet wurden / so dass auch nicht ein einziger entran / und nur 300
gefangen wurden / welche Nachricht gaben / ihr Haupteer läge kaum zwo Meilen
von hinnen / und würde vor Abends noch alhier anlangen; daher die unsern
geschwinde Beute macheten / insonderheit Pferde und Gewehr (welches ihnen am
nöhtigsten wahr) zu sich nahmen / ihre Todten auff Pferde luden / und als
völlige Uberwinder frölich zurück gingen / wiewol sie 4700 Mann verloren hatten
und von Baldrichs erstem Heer nicht ein einziger ohn Wunden wahr; dagegen hatte
Fabius kaum 50 eingebüsst / und 200 beschädigte unter seinem Entsaz / wunderte
sich auch nicht wenig / dass diese drei Fursten mit so wenig Völkern den Feind
nicht allein auffgehalten / sondern fast überwunden hatten / dann was die
Pannonier vor Kriegsleute wahren / wahr ihm nicht unbewust. Noch fürchtete
Baldrich sich nicht wenig vor seinem Bruder Herkules / und sagte: Wie werde ichs
gegen ihn verantworten / dass ich seiner Warnung nicht gefolget bin / und mich so
unvorsichtig ins Spiel gewaget? Sie wurden mit ihrer grossen Beute wohl empfangen
/ wiewol Herkules seinem Bruder etwas scharff zuredete; Er selte hinfort nicht
den Eifer über die Vernunft herschen lassen / weil solches die gefährlichste
Bahn zum Tode währe. Er erkennete sein Verbrechen willig / und dass er seine
Wunden wohl verdienet hätte / die er mit Geduld ertragen wollte / nur währe ihm
leid / dass Siegward und Olaff (dem er die Ehre des Sieges / und Erhaltung seines
Lebens öffentlich zulegete) darüber in Schaden gerahten / und seine Tohrheit mit
büssen mussten. Sie mussten alle drei wider ihren Willen sich in Sänften nach
Prag tragen lassen / woselbst Neda bei ihrer Ankunft mit 40000 anlangete / die
nur wenig Stunden ruheten / und mit Ladisla / König Henrich und Arbianes
fortgingen / da die junge Fürstin Fr. Klara ihren Schaz sehr ungerne von sich
liess /er ihr auch fast äidlich angeloben musste / dass er sich in keine unnöhtige
Gefahr wagen wollte. Die Römische Herren blieben zu Prag bei dem Frauenzimer
/woselbst Königin Valiska de Oberplaz bei der Besatzung versah / uñ fleissige
Anordnung machete / dz das Lager mit Speise und Futter gebührlich versehe würde
/ liess auch Ekharten zum andern mahl ohn der ihrigen wissen nach Teutschland
gehe / in ihrem Name 30000 Reuter zuwerben / uñ jedem 25 Krone auf die Hand
zugeben / welcher behuef sie ihm 8 Toñen Goldes zustellete. Das Pannonische
Häupteer hatte mit ihrem vortrabe verlassen / dass sie alle Stunden einen Reuter
zu ruk sollten gehen / und alle begebenheit zeitig gnug andeuten lassen; wie sie
auch / so bald Baldrich den ersten Angriff taht / hinüber entbohten / sie hätte
ohngefehr 6000 wolbewapnete Reuter in der Falle / deren keiner zurück gehen /
noch den ihren die Zeitung ihres Unfals bringen sollte; dessen Feldmarschalk
Dropion froh ward / dann er hatte einen hohen äid geleistet / nicht zu ruhen /
biss er den Tod der im Dorffe erschlagenen etlicher massen gerochen hätte. Nun
harrete er eine / zwo drei Stunden auff weitern bescheid / und als keiner mehr
folgete /sagte er: Dieses geht nimmermehr recht zu; vielleicht haben die unsern
ein Nez gestellet / und sich selbst darinnen verstricket; brach mit der ganzen
Menge Reuter / die annoch in 66000 Köpfen bestund /schleunig auff / nachdem er
zuvor einen vornehmen Obristen zurück in Pannonien gesand hatte / bei dem Könige
zu suchen / dass er noch 120000 Reuter aufs geschwindeste samlen / und zum Entsaz
nachschicken / oder selbst führen möchte / weil der Feind ihrer ankunft zu
zeitig inne worden / und eine grosse Mañschaft aus Teutschland (welches er doch
nur muhtmassete) zusamen geführet hätte / woraus er schliessen müste / dass der
heimliche Reichsschluss von seinen missgünstigen / ihn in Schande zu bringen / den
Feinden verrahten währe. Weil er auch der Reuterei am meisten trauete / liess er
von seinen Fussvölkern 20000 beritten machen / wozu sie geraubete Pferde gnug
hatten. Als er gegen den Abend auff der Wahlstat ankam / und den erbärmlichen
Zustand sah / dass alle seine Völker nidergehauen / und kein einiger Todter von
den Feinden zu finde wahr / wusste er nicht / was er gedenken sollte; seine Leute
ritten die Erschlagenen durch und durch / die alle nacket ausgezogen wahren /
und traffen nur einen einzigen an / der sich ein wenig wieder entworffen hatte /
und den ganzen Verlauff erzählete / dass anfangs nur 6000 sich mit ihrem ganzen
Heer zwo Stunden geschlagen / und keinen Fuss gewichen / weil ihre drei Führer
wie Löuen angefallen / biss ihnen anfangs etwa 3000 zulezt schier gedoppelt so
viel zu hülffe kommen / und ohn alle Gnade alles niedergehauen / Plunderung
gehalten / die Pferde zusammen getrieben / und ihre erschlagene / etwa 4000 Mann
mit sich fortgeschleppet hätten. Die hochmuhtigen Pannonier gedachten des
Schimpfs und Schadens zu bersten / verschwuren sich untereinander / es
ungerochen nicht zu lassen / und liessen sich hieselbst nieder / damit sie mit
den hinterbliebenen morgens früh fortgehen könten / begruben die Erschlagenen /
und durften ihnen noch wolfluchen / dass sie von so wenigen Feinden sich hätten
lassen niderhauen. Agiss sah wohl was vor eine menge Pannonisches Bluts diese
Fehde fressen wurde / und gab den Raht / man möchte ein wenig gemach tuhn / und
mehrer hülffe aus ihrem Reich erwarten / welche einen andern Weg einzufallen
müsten ausgeschikt werden / damit der Feinde Macht getrennet würde /die
vermuhtlich einen festen Stand etwa an einer vortelhaften Enge würden gefasset
haben. Aber Dropion wollte davon durchaus nicht hören / einwendend / man müste
sich ja ins Blut und Herzschämen / wann man das vergossene Blut ungerochen
liesse; dass demnach der Aufbruch sehr früh vorgenommen ward. Herkules gedachte
wohl / dass sie nicht lange ausse bleiben wurde / liess die ganze Nacht das Lager
von hintenzu und an beiden seiten noch fester verschanzen / übergab Fabius das
Fussvolk / welches er auff 40000 Mann ergänzete / und wahr Gallus dabei
Statverweser neben den Dänen Humbold. Die Reuterei bestund in gleicher Menge /
welche Herkules und Leches teilten / und ob zwar noch 10000 Reuter übrig wahren
/so hatte doch Herkules dieselben auff die dreissig kleine Schaaren verteilt /
dass sie hin und wieder reiten musste / umb nachzuforschen / ob die Feinde auch
etwa an andern Orten mehr einbrechen würden. Die verlohrne Schildwache brachte
gar zeitig ein / des Feindes Vortrab ohngefehr 8000 stark liesse sich eine halbe
Meile von hinnen sehen / denen Leches mit gleicher Anzahl entgegen ging / mit
dem ausdrüklichen Verboht / sich in kein Häuptwerk einzulassen /sondern nur
etlichen Gefangenen nachzutrachten / und von ihnen nöhtige Kundschaft
einzuzihen; welches er aufs fleissigste verrichtete; dañ so bald die Feinde ihn
erblickete / welche einen gleichmässigen Befehl hatten / zohen sie sich zurück /
ob sie Leches locken / und etliche seines Volks erhaschen könten / weil sie
durchaus keine gewissheit hatten / wie schwach oder stark / oder an was Ort die
unsern sich / offen oder beschanzt / geleget hätten. Hingegen erteilete Leches
den seinen / welche lauter Böhmen wahren / ernstlichen Befehl / dafern sich
einer lebendig würde greiffen lassen / sollte er vor unredlich ausgeruffen / und
seine Güter preiss gemacht werden; lobete sonst vor jedwedern Feindes Gefangenen
50 Kronen aus / und liess 100 wolberittene vorangehen / einen behutsamen Anfal zu
wagen / wo ihne sonst keine stärkere Schaar begegnen würde. Der Feind sendete
ihnen 200 entgegen / daher Leches die seinen auch verstärkete. Nun trieben sich
diese Häuflein rechtschaffen im Felde umb / aber keiner wollte sich bloss geben /
oder ernstlich angreiffen / welches Leches ersehend / selbsechse auff den Führer
anfiel / ihn vom Pferde warff / und gefangen hinweg schleppen liess. Seine Leute
wageten es ihm nach / und ob ihrer gleich 30 das Leben drüber einbüsseten /
erschlugen sie doch dagegen 50 Mañ und bekahmen 16 Gefangene / da hingegen
keiner von den unsern dem Feinde zu teile ward / ohn ein einziger Verwundeter /
dem das Pferd im umbkehren nidergehauen ward / gleich da sie den Abzug nahmen
/und er also sich musste mit fortschleppen lassen / hätte sich auch gerne selbst
entleibet / wann er seiner nur währe mächtig gewesen. Leches ging mit den seinen
nachdem Lager / weil er nach erhaltenem Vorsatze nicht weiter fechten wollte; so
durfte ihm die Feinde auch nicht kühnlich nachsetzen / welche doch als
überwinder den Platz einnahmen / und den unsern schimpflich nachrieffen / ob sie
blanke Schwerter nicht könten schimmern sehen / dass sie als verzagete Hasen
davon strichen; ward ihnen aber geantwortet; ja sie sähen dieselben noch wohl /
aber ihre gestrige Gesellen könten sie nicht sehen / währen auch zu faul /
auffzustehen / und davonzulauffen; welcher Spot ihnen durch Leib und Leben drang
/ dass sie hinter ihnen aufs neue angingen / und Leches sich gezwungen schwänken
musste; aber der Streit wahr bald auffgehoben; dann die unsern gingen behutsam /
und zogen sich unter dem Gefechte immer zurück / dass wenig Blut vergossen / und
kein Gefangener mehr erhaschet ward / weil der Feind nit kühnlich nachsetzen
durfte. Der Gefangene Böhme / nahmens Grozemissla / wahr ein überaus verschmizter
Schalk / und nahm ihm gänzlich vor / seinem Könige und Vaterlande mit seinen
Lügen zu dienen / weil er mit der Faust nicht kunte / deswegen / da er vor die
Obersten des Heers gestellet wahr / nam er sich zugleich eines frölichen herzens
und sehr schwachen Leibes an / und auff ihre grimmige Befragung antwortete er
also: O ihr grossen Götter / die ihr euch des ädlen Volks der Pannonier billich
annehmet; vor erst sage ich euch dank / dass ihr dannoch endlich die Gemühter
dieser meiner angebohrnen Landsleute erwecket / den grossen und erschreklichen
Ubermuht der Böhmen und Teutschen niderzulegen / und den Schimpf an den ihrigen
verübet / zu rächen. Ihr werdet schon aus meiner Sprache vernehmen (dann er
redete gut und fertig Pannonisch) dass ich kein gebohrner Böhme bin / ob ich
gleich vom achten Jahr meines alters her / in diesem verfluchten Lande leben
mussen / da mein lieber Vater /nunmehr vor 16 Jahren (habe ich sonst recht
behalten) mit mir zugleich von etlichen Bömischen Räubern gefangen / und zum
Leibeigenen gemacht ward / welchen Schimpf / weil ihn sein ädles Pannonisches
Herz nit erdulden kunte / er mit einem willigen Tode abwendete / da er drei
Jahrlang das Elend gebauet / und mich nach mögligkeit fleissig erzogen hatte.
Meine Dienstbarkeit nach seinem Tode / wahr so gar herbe nicht / weil ich bei
meines Herrn Fraue in guten Gnaden lebete / auch ihm selbst vor vier Jahren das
Leben rettete / wovor er mich mit der Freiheit begabet hat /dass ich gar an seine
statt Reuterdienste leisten mus /habe auch auff seinen Befehl mich mit seines
verstorbenen Bruders Tochter verheirahtet / welches allein (mus bekennen) mich
von der Flucht abgehalten hat /weil ich sie durchaus nicht bewägen köñen / mit
mir fortzugehen / sonsten wurde ich mich vorlängst schon in meinem Vaterlande
wieder angefunden haben. Dann wie viel gutes mir gleich in Böhmen geschihet /so
stinket mir doch ihr Hochmuht zu / massen mein Pannonisches Blut gerne oben
schwimmen wollte /welches / den Göttern sei dank / schier geschehen wird / da ich
leben soll; und wie mat ich gleich bin /haben doch die ädlen Pannonier mir recht
getahn /dass sie meine Adern mit ihrem Schwerte gelüftet /aufdas / wañ etwas
Bömisches sich dahinein gesetzet hätte / es auff ihrem Grund und Bodem vergossen
werden / und daselbst bleiben möchte. O ihr unvergleichlichen Helden / sparet
euch nicht länger / den empfangenen Schimpf zu rächen; lasset dortin zur seiten
nur etliche Reuter gehen / da werden sie 50 ädle Pannonische Helden / welche im
bewussten Dorffe sind gefangen worden / an Bäumen auffgeknüpfet finden. O was vor
Spot uñ Hohn mussten sie erleiden /ehe und bevor ihnen diese Gnade des Strickes
angeleget ward. Die Hundebuben traten sie mit Fussen /striechen ihnen allerhand
abscheuhlichen Unflat ins Maul / prügelten und striechen sie mit Ruhten / als
kleine Knaben / umb die Lenden / und riefen ihnen zu (welches doch alles
errichtet wahr) ob sie es mehr tuhn wollten / und dem Bömischen Könige noch
weiter unabgesaget ins Land fallen. Mein Herz will mir im Leibe zerspringen / wañ
ich daran gedenke / was vor schändung wieder das hochädle Volk die Pañonier /
ausgestossen ward; da die jeztgedachten Kriegshelden sollten gehenket werden /
und sich überaus tapfer und unverzaget zum Tode finden liessen / ihren Henkern
zugleich verweisslich vorhaltend / dass sie wieder Kriegsbrauch mit ihnen
handelten / welches hart und schwer würde gerochen werden / da dräuete man ihnen
/ die Zunge auszuschneiden / und musste der erste so gehenket ward / Mnata / der
ander / Dropion / der dritte Mastyes / der vierde Agiss / der fünfte Pyrechmes
heissen / und so fort an / wie viel ihnen der hohen Pañonischen Häupter bekant
wahren. Aber auff euer begehretes / ihr grossen Helden / zukommen / so haben die
verlauffene Bauern hin und wieder ein grosses Geschrei gemacht / als ob euer
Heer wohl 100000 Mann stark währe / welches man ihnen doch nicht gläuben kann /
und ich / dem Himmel sei dank / ein übriges befinde. Der junge Bömische König /
und etliche seiner Anverwanden sind nicht von schlechter Verwägenheit / aber den
Krieg dieser Landesart verstehen sie nicht; so hat eure Weltkündige grosse Macht
ihnen solche Furcht und Schrecken eingejaget /dass sie sich ihres Lebens erwogen
/ massen sie wohl sehen / wie es ihnen endlich ergehen werde; jedoch umb einen
Versuch zutuhn haben sie bei die 50000 Bauern zusammen geraffet / wobei sich
etwa vier oder fünff und zwanzig tausend Teutsche / Friesische / und Wendische
zimlich geübete Kriegsleute befinden; der vorgedachten aber kaum der funfte
Teil auff Kriegerisch bewehret ist / und der zehnde mit Waffen nicht umzugehen
weiss / weil alle Trill- und übunge viel Jahr lang stille gelege sind: Wollen nun
meine Herren eine Anzahl Affter Reuter sehen / wie dieselben mit Mistgabeln /
Schweine Spiessen / Häuvorken und dergleichen musterischem Baurgerähtlein
auffgezogen kommen / ob wollten sie auf die Wolffes Jagt reiten (dann an Pferden
mangelts ihnen nicht / wiewol die meisten ungesattelt sind) mögen sie etwa eine
gute Meile förder zihe. Das gestrige Glük hat sie etwas muhtig gemacht / aber
ihre drei Führer (kann nicht eigentlich erfahren / ob ihr König / wie ich
gänzlich davor halte / mit darunter gewesen sei) sind gleichwol dergestalt
geputzet / dass sie des Bettes wohl eine geraume Zeit werden hüten müssen. Die
Völker liegen in ihrem Lager ganz sicher; dann sie haben so viel Erde umb sich
hergeworffen / dass sie meinen /wer zu ihnen kommen wolle / müsse zuvor Flügel
erborgen. Meine Schwacheit lässet mich nicht mehr reden; lieber erbarmet euch
eures unglücklichen geträuen Landsmannes / gebet ihm Pflaster auff seine Wunden /
und erwartet hernach / wz vor Dienste er euch zuleisten kündig sei. Hierauf
liesser etliche Trähnen fallen / und sagete: O mein allerliebstes und einiges
Söhnlein / hätte ich dich nur bei mir / deine Mutter /die Böhmische Sau / möchte
daheime immerhin grunzen; aber bleibestu mir / O mein allerliebster Mnata
(diesen meines angebohrnen Königes Nahmen habe ich ihm aus sonderlicher
Anmuhtigkeit gegeben) bleibestu mir zurück / so will und begehre ich nicht eine
Stunde zuleben. Schwieg hiemit stille / und stellete sich gnug ohmächtig an. Die
Pannonier höreten ihm dergestalt ins Maul / als währe er ihnen von Gott als ein
Engel vom Himmel zugeschicket / liessen ihn fleissig verbinden / und zeigeten
Dropion alles an /welcher mit Pyrechmes selbst zu ihm ging / und zu ihm sagete:
Guter Geselle / wie gehets in eurem Lager zu? Dieser gab zur Antwort:
Grossmächtiger und Unüberwindlicher Herr Ober Statalter; als es pfleget zugehen
/ da Bauern und Adelleute eine Gesellschaft machen; und kann wohl bezeugen / dass
der hohe und teure Nahme / Dropion / von ihrer vielen als ein Donner angehöret
wird. Dieser liess ihm solche hohe Ehren-benennung sehr wohl gefallen / und sagte:
Du hast deinem Glük wohl zudanken / dass du auff solche weise gerettet bist; gab
ihm etliche hundert Kronen /und stellete ihm frei / wieder nach Böhmen zureiten
/sein Söhnlein abzuhohlen / und inzwischen der Böhmen Macht und Anschläge sich
zuerkunden / insonderheit / ob sie auch nach Teutschland umb Hülffe geschicket
hätten. Allergnädigster Herr / antwortete er /ich will willig sterben / oder das
jezt empfangene Geschenk dergestalt ersetzen / dass durch ganz Pannonien ich
dessen hoffe Ehr und Ruhm zuerlangen; dann Eure Hocheit versichere ich / dass ehe
dann vier Tage zum Ende lauffen / das feindliche Lager in vollen Flammen stehen
soll. Sonsten hoffen sie auff neue Teutsche Hülffe / aber sie fürchten selbst /
dass sie zuspät ankommen dürffte / und weiss ich wohl so viel /dass des Landes
Inwohner ein schlechtes Vertrauen zu ihrem alten und jungen Könige tragen / weil
sie die alten Land Götter verleugnet / und einen fremden Gott sollen angenommen
haben. Ich will aber / wo es euch sonsten also gefället / mich / als währe ich
entflohen /bei ihnen wieder einstellen / und wie ihr michs heissen werdet /
ihnen Bericht geben; dann ich weiss / dass sie mir mehr / als allen euren Leuten /
welche sie gefangen hinweg geführet / trauen werden; heut aber über zween Tage
so erwartet meiner / alsdañ will ich euch ein unfehlbares Zeiche meiner Träue /
so ich meinem Könige und dem lieben Vaterlande schuldig bin / sehen lassen; und
werdet ihr Helden inzwischen nicht unterlassen / die Feinde in ihrem vergrabenen
Lager zubegrüssen. Dieses erbieten gefiel den Häuptleuten so wohl / dass sie
zusammen schossen / und ihm einen mit Golde beladenen Maul Esel schenketen
/davor er Mordbrenner zubestellen / und dz Lager anzünden zulassen / sich
äidlich verband; nahm damit Abscheid / und kam vier Stunden nach Leches in ihrem
Lager an. Als seine Mitgesellen ihn von ferne mit einem wolgeputzeten Pferde und
beladenen Maul Esel sahen daher stechen / sagte einer zu dem andern; Sehet da
komt der abgefeimte Schalk her / gilt wo er sich nicht mit seiner Pannonischen
Sprache frei lossgelogen hat; lieffen ihm bei 10 und 20 entgegen / und wollten
wissen / wie es ihm bei den Feinden ergangen währe. Ihr Narren / sagte er /
kuntet ihr euch nicht zugleich mit mir lassen gefangen nehmen? man wollte euch ja
nichts zuleide tuhn / sondern Gnaden-Gelder austeilen; und weil ich allein
ausgehalten / ihr aber alle mit einander ausgerissen seid / haben sie mir es
allein gegeben / dz ich also nicht schuldig bin / euch das geringste mitzuteilen
/ als was mein guter Wille ist / worüber ihr die Rappuse halten sollet; warf
etliche Hände vol Goldes unter sie / und ritte nach dem Lager zu / da er sich
bei Leches meldete / und seine Taht erzählete. Derselbe führete ihn alsbald hin
zu Herkules / dem er alle seine gehaltene Reden von Wort zu Wort wiederhohlen
musste / und er nicht allein des Possens sich wohl zulachete / sondern ihn auch
öffentlich rühmete / und ihm von seinem Könige den Adelstand und ein Ritter-Gut
verhiess / ungeachtet er nur seines Handwerks ein Seiler-Geselle wahr; vermahnete
alle anwesende / von diesem geträuen Untertähnen ein Beispiel zunehmen / und
auff alle mögliche weise dem Vaterlande zudienen; liess auch endlich auff sein
stränges anhalten geschehen / dass er seine mitgebrachten Gelder ausboht / da
einer und an der Lust hätte / sich freiwillig zuwagen / und zuversuchen / ob sie
des Feindes Lager anzünden könten / sollte ein jeder 200 Kronen davor von ihm
zuheben haben. Worauf sich neun der Pannonischen Sprache erfahrne Wagehälse /
alle Handwerks Gesellen angabe / solches ins Werk zurichten / und er selbst den
zehnden Mann zugeben willens wahr; welches ihm Herkules doch nicht zulassen
wollte / einwendend / man kennete sein Gesicht / und dürffte er den ganzen Handel
verderben. Leches musste anordnen / dass die ausgeschickete Schildwachten sich mit
Lumpen behängen / und alte rostige Knebelspiesse zu Pferde führe mussten. Das
Hauptlager ward mit dem Fussvolke auffs beste besetzet / unter welchen eine gute
Anzahl wolgeübete Teutsche wahren / aber die Reuterei stellete er auswendig zu
beiden Seiten hinter die Hügel und das Gehölze / dass sie von den Feinden nicht
kunten gesehen werden / und nam ihm gänzlich vor / in dreien Tagen nicht
zuschlagen / weil die Gefangene einhellig bekenneten / dass in ihrem ganzen Heer
kein unduchtiger oder ungeübeter Mann währe / und ihnen schon begunte an Speise
abzugehen / wozu dieses kam / dass er Ladisla mit mehren Völkern vermuhten wahr.
Das Pannonische Heer / da sie die erhenkete Häuptleute antraffen / wollten an
ihres Gefangenen Aussage und Träue weiter nicht zweifeln / und weil die
angeknüpffete alle hohes Adels wahren / und der vornehmsten Obristen nahe
Anverwanten / liessen sie sich verlauten / sie wollten den Böhmischen König mit
seinem ganzen Adel gleich also erhöhen. Mit diesem Troz gingen sie fort / nicht
als zur Schlacht / sondern / ob sollten sie gebundene arme Sünder / wie die
ScharffRichter / ohn Gegenwehr niderhauen. Weil es aber zu späte wahr / einen
Sturm oder Schlacht zuwagen / lagerten sie sich eine halbe Meile von den unsern
ins offene Feld zwischen ihre Wagenburg / und liessen ihr gerichtetes Lager
hinter sich mit 6000 Mann besetzet. Herkules bekam Zeitung von ihrer nahen
Anwesenheit / wollte sich aber nicht an ihnen reiben /dann seine Ausspeher
befunden / dass sie sehr gute Wache hielten. Obgedachte neun Handwerks Gesellen
hatten sich in drei gleiche Geselschaften geteilet /und wollte eine von der
andern nichts wissen / lieffen auff unterschiedlichen Wegen nach des Feindes
hinterstem Lager / und gaben sich nach einander an / sie währen Pannonische
Handwerkspursche / hätten teils in Böhmen / teils in Teutsch- und Wendland
gearbeitet / und nicht ohn grosse Gefahr ihr Leben gerettet /weil man sie wegen
ihrer Landsleute ermorden wollen; begehreten Dienste / und liessen sich von dem
Obristen der Besatzung einschreiben / wiewol alle mit falsche Nahmen; welcher
ihnen Gewehr austeilen liess / und ihnen frei stellete / ob sie lieber vor oder
nach Mitternacht wachen wollten. Diese ihrem Anschlage nach / teilten sich durch
alle Nacht-Stunden / damit es ihnen ja nicht fehlen sollte; Ein jeder hatte sein
Feurzeug und Zunder bei sich / und wahren bereit /entweder ihrem Versprechen
nachzukommen / oder vor das Vaterland zusterben; doch gingen sie behutsam /
legeten sich hinter etliche Strohhütten / als wollten sie ruhen / und stecketen
den Zunder behende hinein / dass niemand des gewahr ward / dann die Hütten wahren
mehrenteils ledig / insonderheit mitten im Lager / da sie das Feur eingeleget
hatten / dass in kurzer Zeit eine grosse Brunst auffging / ehe ein Mensch herzu
lauffen und das Feur löschen kunte; Und als die Flammen hin und wieder das Stroh
erreicheten / stund das Lager in vollem Feur / ehe man sichs versah /dass die
Kriegsleute mit samt dem Tross hinaus zulauffen gezwungen wurden / uñ die
Uhrheber unvermerket und in guter Sicherheit davon strichen. Beide Kriegsheere
kunten den Brand eigenlich sehen / und freueten sich die unsern des glücklichen
Fortganges nit wenig /die Feinde aber gerieten in grosse Furcht / meinten
anfangs / es würden die Böhmen das ledige Lager angefallen und gesturmet haben /
daher sie sich in Ordnung stelleten / ob sie etwa würden angegriffen werden /
wie dann Leches gerne eine Schanze gewaget hätte / aber wegen hartes verbohts
sich nicht regen durfte. Der Feind ward des Unfalles sehr bestürtzet /dañ alle
ihre Zelten / die sie mit sich geführet / samt aller Speise und anderem Voraht
wahren samt den mehrenteil Wagen aufgebrennet / dass nichts mehr zufressen vor
das Heer übrig wahr; freueten sich aber noch / dass das Volk auf zween Tage Brod
hatte zu sich nehmen müssen / und hoffeten des folgenden Tages von den unsern
schon zu bekommen / was ihnen nunmehr mangelte. Von 50000 geraubeten- und
Wagen-Pferden verdurben 10000 im Feur / die übrigen nebest 9000 stük Rind Vieh
lieffen zum Lande hinein / und wurden von den Einwohnern aufgefangen. Als die
Morgenröhte anbrach / funden sich die neun Neugeworbene nicht / und meinte man
anfangs / sie würden im Schlaffe vom Feur ergriffen / und verbrennet sein / aber
weil kein einziger davon erschiene / muhtmasseten sie / eben diese müsten diese
Taht begangen haben / wodurch sie immer heftiger zum Zorn bewäget wurde / dass
sie einmühtig aufbrachen / und gerade zu auf der unsern Lager zogen. Unsere
ausgesetzete Schildwachten wurden ihrer zeitig iñen / flohen davon / und liessen
die Lumpen samt dem bäurischen Gewehr / als aus Furcht / dahinten / welches die
Feinde mit grossem Gelächter besahen / uñ sich wolrechtschaffen darüber
zukitzelten / gerieten auch hiedurch in solche Sicherheit / dz sie sageten; es
müste der Pañonische Adel sich billich eines solchen elenden Feindes schähmen /
welcher ohn Zweifel / wann er ihre Rüstung nur sehen sollte / alsbald davon
lauffen würde / und aus diesem eingebildeten Wahn den Schluss macheten / straks
Angesichts das Lager anzugreiffen / und mit stürmender Hand hinweg zunehmen;
jedoch stelleten sie ihre Feldschlacht gar ansehnlich / die unsern destomehr
dadurch zuschrecken. Herkules hielt auf einem Hügel / betrachtete des Feindes
Macht gar eigen / und sah wohl / dass bei öffentlicher Feldschlacht es an beiden
Seiten viel Blut kosten würde / und seine Völker ihnen wegen Unerfahrenheit und
geringer Anzahl nicht gewachsen währen; liess auch Fabius andeuten / er möchte
sich gefasset halten / und die besten Völker vorne anstellen / den ersten
Anlauff abzuschlagen. Seine Reuter aber liess er zwischen den Bäumen und hinter
den Hügeln stille halten / dass der Feind ihrer nicht gewahr würde / sendete auch
keinen einzigen Reuter dem Feinde entgegen /welches sie ihm zur sonderlichen
Furcht ausslegeten /und einen Abgesanten biss aus Lager reiten liessen /welcher
ihne dieses in Böhmischer Sprache vortragen musste: Es erinnerte sich der
Grossmächtigste König in Pannonien / Herr Mnata / und sein unvergleichlicher Adel
/ was gestalt vor etlichen Jahren ihrer ansehnliche Gesanten einer / Herr Bato
der Grosstähtige /einen unablöschlichen Schimpf zu Prag einnehmen müssen /
welchen zurächen man zwar bald anfangs vorgenommen / aber weil ihr König durch
der Götter Rache umkommen / und sein Sohn sich in Winkeln verstecket / hätte der
Pannonische König sich an einer Elenden / vielleicht unschuldigen Wittiben nik
rächen / sondern biss zu gelegener Zeit versparen wollen; inzwischen hätte man in
gläubwirdige Erfahrung bracht / dass der junge Böhmische König mit unter den
Kämpfern zu Padua gewesen / die ihre Gesanten schelmischer Weise und durch
Zauberkünste erleget /welches ungestraffet nicht bleiben müste; worzu noch
dieses kähme / dass man ihre Völker bei dem Abzuge von Padua feindlich angefallen
/ und unabgesaget bestritten. Währe demnach gegenwärtiges unüberwindliches
Krieges-Heer des Grossmächtigsten Pannonischen Königes zugegen / die Volstreckung
der gebührlichen Rache vor die Hand zunehmen / und zugleich mit abzulegen / was
ihre unbillicher weise erhenkete von ihnen foderten; jedoch trüge der
Pannonische Feldherr Mitleiden mit den unschuldigen Untertahnen; wollte demnach
vernehmen / ob dieselben ihr bestes erkennen / Lebens-Gnade annehmen / und ihren
König samt allen seinen Anverwanten und gesamten Adel zur wolverdieneten Straffe
heraus geben wollten / als dann sollte das Königreich mit gänzlicher Verwüstung
verschonet / und ihnen ein solcher tapferer König vorgestellt werden / der sich
ihrer besser als der jetzige eine zeitlang verlauffene annehmen würde. Im
wiedrigen sollte keine lebendige Seele im ganzen Königreiche übergelassen werden
/ wornach sie sich zuachten / und ihre Meinung schleunig anzudeuten hätten. So
bald Herkules des Heerholds Ankunft vernam / machte er sich von hinten zu in das
Lager / und nach gemachter Anordnung / liess er ein Geschrei anrichten / als ob
einige Meuterei darinenunter dem Volke währe / da etliche schreien mussten / es
währe besser / wenige gestorben / als das ganze Land verdorben; endlich traten
etliche auf die Brustwehr und zeigeten dem Pannonier demühtig an / ihr König uñ
dessen näheste Anverwanten währen nicht zugegen / sondern wegen ihrer
empfangenen grossen Wunden nach der Häupt Stad gezogen / sich heilen zulassen;
der Adel währe auch in geringer Anzahl bei ihnen / daher des grossen
Pannonischen Königes begehren nicht könnte volstrecket werden / ob sie gleich
gerne wollten. Damit zog dieser wohl gemuht ab / hinterbrachte Dropion die Antwort
/ und empfing aufs neue dieses zuwerben: Ob ihr König und dessen Angehörigen
nicht zugegen währen / könnte nicht schaden / man würde sie zu Prag schon finden
und in den Tohren aufhenken; sie aber sollten alsbald das Gewehr niderlegen / den
Anwesenden Adel herausgeben / dem Pannonischen Könige Träue und Gehorsam
schwören / und dessen milde Gnade gewärtig sein; bekam aber zur Antwort; sie
könten des Schlusses nicht so bald einig werden / würde auch biss morgen früh /
zwo Stunden nach der Sonnen Aufgang wohl anstand haben köñen / alsdañ wollten sie
sich gebührlich zuerkläre wissen. Womit dañ die Pañonier vordismahl zufrieden
wahre / der gänzlichen Hoffnung / es sollte alles nach ihrem Wunsch ergehen. Nur
Amytaon trat auf /und zeigete an er hielte der Böhme Antwort sehr verdächtig /
möchten wohl diese Nacht eines starken Entsatzes vertröstet sein / wie man nit
sagen könnte / dann im Kriege gingen die Sachen wunderlich; hielte demnach vor
rahtsam / dass man die berittenste Reuter zurück gehen / uñ bestellen liesse / dass
ihnen Brod und andere Nohtwendigkeiten aus Pannonien zugeführet würden; dann im
falle es mit des Lagers Ubergabe triegen sollte / müste das Heer sich teilen /
Speise zusuchen / oder des Hungers verschmachten. Der hochmuhtige Dropion
lachete ihn aus / aber die andern hohe Kriegs Beamten / hielten diesen Vorschlag
vor das sicherste / deswegen ers auch endlich geschehen liess / aber zu dem
ersten Rahtgeber sagete; wolan Herr Amytaon / wir wollen euch zugefallen unserm
Lande diese Beschwerung anmuhten / aber wann wir andere morgen in Feindes Lager
speisen / sollet ihr am untersten Tische allein sitzen. Nun hatten sie vor der
Auffoderung des Lagers nach der rechten Seiten 5000 / und nach der linken 3000
Reuter ins Land geschicket / Speise von den nähesten Dörffern einzuhohlen / und
alles Vieh heran zutreiben. Aber Herkules schickete der erstgemeldeten Schaar
4000 Teutschen uñ 7000 Böhmen nach / welche sie mit Verlust 400 Mann / alle
niderschlugen / dass kein einziger entran. An seinem Orte machete Leches es nicht
anders /und büssete nur 100 Reuter ein; wie wohl ohn gefehr 20 ledige Pferde mit
Blute sehr besprenget und teils verwundet / zurück lieffen / daher obgedachter
Amytaon nichts gutes muhtmassete / und den Vorschlag taht / dass etliche
Pannonier / der Böhmischen Sprache kündig / in Bauern Kleider ausgeschikt würden
/etwas bericht einzuziehen; welcher Anschlag ihnen wohl zu nütze kam; dañ einer
von diesen begab sich bei Mondenschein in das Gehölze / und als er eine grosse
Menge Reuter von ferne vernam / kroch er auff allen viere unter den Püschen
hinan / da er ihr Gespräch hörete / was gestalt die beide feindliche Schaaren
biss auff den lezten Mann nider gehauen / und alle ihre Pferde samt den
aufgebundenen Wetschern gebeutet währen; welches die Pannonischen Obristen nicht
allein bestürtzet / sondern ihne auch die Gedanken machte / es müsten mehr
Völker / als die im Lager / verhanden / und ein gefährlicher Anschlag über sie
gemacht sein / dass sie ihre Wache fleissig versahn / und doch wegen Furcht des
künftigen Brodmangels den gewissen Schluss macheten / das Lager in Güte oder mit
Sturm zugewiñen. Des morgens zur bestimmten Zeit liessen sie ihren gestrigen
Gesanten wieder hinreiten und die Erklärung einhohlen /welche diese wahr; es
hätte der unbesonnene langsame Pöfel sich noch nit allerdinge darüber
vergleichen können; etliche wollten auff / und etliche nieder /wie es dann bei so
gestalten Sachen pflegete zugehen; bähten demnach / die Herre Pannonier möchten
sich noch diesen einzigen Tag gedulden / alsdann sollte ihnen unfehlbare Antwort
gegeben werden. So bald dieser hinweg wahr / kam König Ladisla und König Henrich
in Begleitung 2000 Reuter auf schnellen Läuffern an / dann sie trugen verlangen
zuwissen /wie es mit dem Heer ginge / hatten Nacht und Tag geritten / und
liessen Arbianes mit dem Heer folgen. Herkules wahr ihrer Ankunft herzlich froh
/ uñ liess sie mit ihren Völkern ins Lager zihen / da dann der Abscheid wahr / es
sollte die Reuterei keinen Entsaz vornehmen / biss sie die rohte Blutfahne würden
an einer hohen Stange aussgestecket sehen. Der Pannonische Feld Herr wahr mit der
gegebenen Antwort nicht vergnüget / und liess nochmahls andeuten / sie sollten
stundlich abzihen / oder dess Sturms gewärtig sein /da dañ alles ohn erbarmen
sollte nider gemacht werden. Ladisla selbst gab ihm unerkant zur Antwort / es
währen ja 24 Stunden eine kurze Zeit / die noch wohl abzuwarten stünde; sie vor
ihr Häupt dürften sich nit weiter in Handlung einlassen / weil sie von ihrem
Könige (der nit so gar hart verwundet währe) Zeitung hätten / dz er um
Mitternacht würde bei ihne sein; hätte derselbe nun Lust / sich henke zulassen /
möchte er selber von sich sagen / der gegenwärtige Adel könnte sich dessen so
leicht nicht bereden lassen / dz sie ihre Hälse dem Strange widmeten. Aus
welchen lezten Worten dann der Heerhold den Auffzug unschwehr verstund / und
sich heftiger Dräuworte vernehmen liess / wie sein Pferd in ihrem Blute biss an
die Knie waden sollte. Welches Ladisla beantwortete: Der Herr Gesanter möchte
doch nicht zu unwillig werden / sondern den armen Böhmen mit einem guten Worte
zu hülffe kommen; in Menschen-Blute zu reiten stünde abscheuhlich / und währe
ihm besser / dass er sich davor im Spanischen Weine badete; welches Spottes
dieser fast bersten wollte / auch mit solchem Eifer die Antwort hinterbrachte /
dass er noch eins so viel hinzu log / auffdas man ja den Sturm / welcher leicht
durchdringen wurde / länger nicht auffschieben möchte. Es taht ihnen allen die
Beschimpfung sehr weh / und macheten alsbald Ordnung / dass zu fusse 67000
stürmen / uñ zu beiden seiten die ganze Reuterei (welche von dem Fussvolke
gestärket wahr) halten sollte / wann etwa ausser dem Lager sich etwas regen /oder
den Sturm zuverhindern sich unternehmen wollte. Die Völker hatten diesen Morgen
ihre lezten Speisen verzehret / und wahr nichts übrig / als etwa Pferdefleisch
rohe und ungesalzen zu fressen / welches die Obersten ihnen vorhielten / und sie
zur tapferkeit anmahneten; setzeten die Völker in sieben hauffen / dass sie
zugleich und auff einmal den Sturm antreten /und nicht auffhören sollten / biss
das Lager erstritten währe. Die vördersten Glieder trugen Holz / Steine /Erde /
und was sie finden mochten / die Graben auszufüllen / welches gar schleunig
geschahe / und traten sie bald darauff mit einem unmenschlichen Geschrei den
Sturm an / in welchem Eifer sie gar bald oben auff die Brustwehr kahmen / aber
dergestalt mit Steinen / pfeilen / und langen Spiessen zurück geprallet wurden /
dass sie wie die Mücken hinunter fielen /wiewol immerzu andere nach ihnen hinauff
klimmeten / und so inständig anhielten / dass sie die unsern schon mit den
Schwertern erreichen kunten; welches ihnen gleichwol sehr herbe besalzen ward;
dann Ladisla /Henrich und Fabius liessen sehen / wie feind sie denen wahren /
die ihne den Galgenstrik hatten ankundigen lassen. Noch durften die draussen
schon gewonnen ruffen / weil sie etliche ihrer Fähnlein sahen auff dem Wahle
stecken / und doch die Pfeiffe bald einzogen / da sie so gute Schuch vor ihre
Füsse antraffen / dass sie den Wahl Tod oder verwundet hinunter purzeln mussten /
welchen sie frisch und frech hinauf gestiegen wahren. An einem Orte hielten sich
die Pannonier wohl / da sie schon 3000 stark auff dem Wahl in zimlicher Ordnung
hielten / und wie wutige tolle Hunde anfielen / biss obgedachte drei Helden sich
gegen sie kehreten / und biss auff 800 alle auffgerieben / diese aber zum Wahl
hinunter tummelten /und von ihren eigenen Völkern nidergemacht wurden / da die
unsern nur 500 misseten / und 1200 beschädigte hatten; der Feinde aber 7000 Tod
/ und 6000 hartverwundet wurden. Nach des Strums endigung musste ein Böhme auff
die Brustwehr steigen / und hinüber schreihen; was man ihnen doch zu leide
getahn hätte / dass sie des lebens müde und überdrüssig währen; sie möchten sich
eines andern bedenken / und gut Wildwerk essen / wann sie kein Brod hätten;
welches dann gnug wahr / die ohndas verbitterten Gemühter hitzig zu machen / dass
sie den Sturm zum andernmahl anlieffen / und mussten die Häuptleute vor ihren
Knechten hertreten / welches im ersten Sturm nicht geschehen wahr. Diese wollten
nun ihr Leben teuer gnug verkäuffen / und fochten sehr tapfer / in Meinung / vor
dissmahl die Oberhand zubehalten; worüber andertalb Stunden unnachlässig
gestürmet ward / in welcher zeit der Feind fünffmahl abwiche /und so oft immer
frischer wieder ansetzete. Die Häuptleute wahren mehrenteils Tod oder verwundet
/der Wahl und die Graben lagen vol todte Leichnam /und wahr ein so erbärmliches
Geheule der sterbenden / dass der umbliegende Wald davon erschallete / dann sie
liessen in diesem andern Sturme 12000 sitzen /und 18000 wahren hart verwundet /
weil sie es so eiferig trieben / dass sie 40 Fähnlein auff die Brustwehr brachten
/ und auffstecketen / welche sie mit Spot und Schaden hinterlassen mussten;
wiewol an unser Seite es auch nicht leer abging / sondern 4000 erschlagen /und
8000 verwundet wurden / so dz auch König Henrich am Schenkel verletzet ward. Als
die Feinde sahen / dass alles vergeblich wahr / zogen sie ab / vol Grim und
Eifer; dann keiner hatte vor drei Stunden die Gedanken gehabt / dass es misslingen
sollte. Die unsern riefen ihnen spötlich nach; wann sie Brod betteln wollten /
müsten sie nicht trotzen / sondern gute Worte geben; ob dann ihre ausgeschikte
Kuhdiebe vielleicht mit einer gestohlenen Heerde wiederkähmen / möchten sie Geld
vor Salz bringen; jedoch zuvor den dritten Saz auch versuchen / nach dem
Sprichworte / dass aller guten Dinge drei währen; und als sie keine Antwort
bekahmen / riefen sie ihnen endlich zu / sie möchten doch ihre Todten mit sich
schleppen / und sie nicht wie das Vieh unbegraben liegen lassen. Diesen Spot
sollten sie billich verstanden haben / aber ihr auffgeblasenes Herz gab ihnen ein
/ dass sie abermahl einen Obersten mit zehn Rittern vor das Lager schicketen /
mit dieser Bedräuung / dass da sie innerhalb 16 Stunden sich nicht ergeben / und
alle ädle und Furstliche Häupter liefern würden / sollte des Kindes in
Mutterleibe nicht verschonet werden; der heutige Sturm währe nur Kinderspiel
gewesen / Morgen würde die recht geübete Mannschaft 120000 stark anfallen / und
alles in grund niederreissen. König Ladisla wollte diesen Troz länger nicht
dulden / ritte mit 50 Teutschen zu ihnen hinaus / liess sie alle greiffen /
schlug den Helm auff / und redete sie also an: Je welcher Teuffel hat euch
dumkühnen Hunden die Sicherheit gegeben /ohn vor erbehtenen Urlaub an mein eures
Todfeindes Lager zu reiten / und meine Völker mir abzuspenstigen / ja mich gar
zum Stricke heraus zu fodern? wisset ihr schäbichten Hunde nicht / wie ihr mich
/ einen rechtmässigen König dieses Reichs gebührlicher weise ausfodern sollet?
oder gedenket ihr etwa /König Ladisla werde euer unverschämtes bellen gross
achten? währe euer König / der schändliche Mordbrenner selbst bei dem Volke /
müste er mir mit eigenem Schwerte rechenschaft ablegen / da er sonst nicht wollte
vor einen verzagten Mörder und Räuber ausgeruffen sein; aber unter euch anderen
achte ich keinen der wirdigkeit / mich mit ihm absonderlich einzulassen; dañ ihr
seid alle miteinander Schelme und Mörder / die mir mein Reich unabgesaget
uberfallen und gutenteils verwüstet haben / deswegen ich den übrigen allen / so
bald ich ihrer mächtig werde / eben denselben Lohn ausfolgen lassen will /
welchen ihr anjezt durch euren Frevel / und dass ihr mich nicht gewirdiget / umb
sicher geleit anzusuchen / verdienet habet und einnehmen sollet. Hierauf liess er
einen Galgen auff die Brustwehr setzen / und den Obersten samt neun Rittern
daran knupfen / dass die Feinde sie fein kunten bammeln sehen / dem zehnden aber
wurden Ohren uñ Nase abgeschnitten / auch an beiden Händen die ersten Glieder
der Finger abgehauen / und sagte hernach Ladisla zu ihm; reite du nun hin / und
zeige den Mordbrennern an / ich wolle von Mnata dem Pannonier wegen des
unredlichen Räuberisch-und Mordbrennerischen überfalles abtrag haben / vor eins;
hernach sollen sich die Mordbrenner klein und gross / innerhalb 16 Stunden aus
meinem Reiche fortpacken / und mir den boshaften Schelm ihren Feldherrn / samt
allen Obristen zu Geissel geben / dass sie mir allen zugefügten Schaden ersetzen
wollen; im wiedrigen will ich nach erhaltenem Siege / an welchem ich mit GOtt
nicht zweifele / sie als Mordbrenner und Räuber abstraffen / und das Pannonische
Reich einer Wustenei gleich machen / worzu ich schon mittel in Händen habe.
Obgedachter Seiler geselle Grozemisla trat in seiner neuen Rittersgestalt auch
herzu / uñ sagete: Mein Herr / vermeldet eurem Feldherrn und allenhohen
Kriegsbeamten / welche mir das Geld /Mordbrenner zubestellen / verehret / meine
Dienste /und dass ich aufs fleissigste alles verrichtet / aber doch übel
missrahten sei / gestaltsam meine Bedienete es unrecht verstanden / und da sie
das Bömische Lager anzünden sollten / sie irre gangen / und dem Pannonischen
ihren Zunder beigebracht haben; ob ich auch zwar selbst mit meinem ungebohrnen
Söhnlein mich gerne einstellen wollte / könne von meinem allergnädigsten Könige
ich doch kein Urlaub erhalten / sondern dass ich wieder Bömisch Blut setzen möge
/ hat seine Königl. Hocheit aus mir armen Seilergesellen einen ädelman und
Ritter gemacht; hiemit guten Tag /mein Herr. Der geschändete Ritter kennete ihn
alsbald / durfte kein Wort dawieder reden / welches ihm auch die abgeschnitte
Nase gnug verboht / ritte mit einem vor dreien Tagen gefangenen und an beiden
Armen gelähmeten hin / und brachte die Zeitung / wie der Bömische König selbst
im Lager währe / alle seine Gefärten henken lassen / und diese Antwort gegeben;
worüber sie alle sehr bestürzt wurden / und in die Gedanke gerieten / es müste
schon ein grosser Entsaz verhanden / oder doch nicht weit zurücke sein;
verzweifelten demnach an eroberung des Lagers / und furchten sich vor einem
nächtlichen Uberfal / höreten auch schon die Völker / so diesen Tag sider heut
früh nicht gessen hatten / offentlich murren / warumb man sie in solcher
unvorsichtigen Sicherheit so weit ins Land geführet / und hintersich alles
verderbet hätte /dass sie entweder den Feinden in die Schwerter und Spiesse
lauffen / oder / welches noch unertäglicher /durch Hunger und Durst ihr Leben
enden müsten. Die hohen Obristen speieten sich selbst an / dass von einem
schlimen Seilerknechte sie sich dergestalt hatten berücken lassen / bekenneten /
er hätte ihnen mehr Schaden / als das Böhmische Heer getahn / und schmerzete sie
überaus / dass er sie noch darzu von neuen auffzihen durffte. Die Erhenkung der
zehne /und Zerstümmelung des eilfften ging ihnen sehr zu Herzen / aber Agiss
kunte nicht umhin / Dropion es zuverweisen / dass er nicht hätte wollen nach
seinem Raht bescheidener handeln / weil man ja mit einem Könige zuschaften hätte
/ darzu in seine Lande; welches aber der Freveler mit Troz beantwortete / und
dass er in kurzen diesen After König mit allen seinen Anverwanten auff gleiche
weise wollte lassen auffknüpffen. Der KriegsRaht ward gehalten / und wollte keiner
die erste Stimme geben / biss Pyrechmes anfing: Ihr Herren / mich deucht schier /
es werde uns der eilfärtige Auffbruch das allerbeste Mittel sein zu unser aller
Rettung; was stehen wir dann alhier als träumete uns? Ich muss nunmehr bekennen /
dass wir in unserm unabgesagten Einfal entweder zu unbesonnen oder zu schläfferig
gangen sind / und daher sehr wenig Ehr und Ruhm mit uns nach Hause bringen
werden / welche wir uns sehr gross eingebildet hatten; doch möchten wir erst
wieder auff Pannonischem Grund und Bodem sein / könnte dieses erste versehen
wieder eingebracht werden / in welches der bübische Seiler-macher / die Götter
schänden ihn / uns gestürzet hat. Hyppasus antwortete ihm / er hätte gar recht
geurteilet; es währe aber nicht raht / von dem ergangenen viel Worte zumachen /
weil es unwiederbringlich /nur hielte er davor / der schleunige und stokstille
Abzug müste ergriffen und fortgesetzet werden. Pelegon wahr bemuhet / seinen
Befoderer Dropion zuentschuldigen / uñ alles dem neidischen Glük zuzulegen; Aber
Agiss gab zur Antwort: Es währe solches ein überflüssiges / massen ja kein Mensch
/ seines wissens / über ihren Feld Herrn klagete. Derselbe aber wahr so dutzig /
dass er fast kein Wort reden kunte /fing endlich hierauff an: Ja noch zur Zeit
höre ich keinen / der mich verleumde / aber in künftig werden sich deren ohn
zweifel wohl mehr als zu viel angeben /doch weil ich mich meiner Redligkeit und
wolgemeineten Vorsatzes tröste / will ich herzhaft erwarten /was folgen wird.
Amytaon sagte zu ihm: Er vor sein Häupt würde nicht unterlassen / ihm dessen
Zeugnis zugeben / dass alles redlich und wolgemeinet gewesen währe; das Glük und
dessen Fälle hätte kein Mensch zuverantworten / und würde man Anordnung zum
stündlichen Auffbruch machen müssen. Also sagete man durch das ganze Lager an /
dass die Verwundeten / welche das schnelle reiten nicht erdulden könten /alsbald
voraus gehen sollten; welches noch bei guter Tageszeit geschahe / so dass die
unsern dessen nicht eins inne wurden. Der algemeine Auffbruch ward mit dem
dunkeln Abend vorgenommen / da gleichwol 6000 von den zubest berittenen zurück
bleiben / und viel Feur anlege mussten / und solches innerhalb der zum teil
hinterlassenen Wagenburg; wodurch dann die unsern verleitet wurden / dass vor des
Tages Anbruch sie nicht das allergeringste davon erfuhren / da die grosse stille
es verriet / weil man so gar keine ausgestellete Schildwachten vernam. Etliche
von den unsern wollten sich eines Auffsatzes besorgen / aber Herkules liess 500
Reuter nach des Feindes Lager gehen /und versicherte inzwischen die andern / dass
der Hunger sie frühzeitig gnug würde hinweg getrieben haben; welches die
ausgeschicketen gar bald einbrachten / weil sie von 400 tödlich verwundeten
hinterbliebenen Pannoniern (welche weder das reiten noch fahren ertragen kunten)
allen Bericht eingezogen hatten. Zwar man setzete ihnen eiferig gnug nach /aber
vergebens / weil jene gar zu grossen Vorsprung genommen hatten / deswegen
kehreten sie wieder umb / und danketen Gott herzlich / vor diesen verliehenen
Sieg. Des folgenden Tages / da Arbianes mit dem wolgerüsteten Teutschen Entsatze
kam / hielten sie Kriegsraht / und schlossen in der Kürze / den Feinden zu
folgen / ob man den Krieg in Pannonien spielen /oder auffs wenigste des
erlittenen Land- und Brandschadens sich am ersten Anfal erholen könnte / weil
nicht zuzweifeln währe / die schändlicheRäuber würden sich durch diesen Unfal
nit lassen abschrecke /sondern in grösser Anzahl wieder komen als vorhin. Es
gingen die Pañonier nach ihre Grenzen zu / in solcher Eile / als ihre Pferde es
ertragen kunten / deren ihne doch uber die 16000 niderfielen / und 12000
verwundete Kriegs Leute mit drauff gingen; dann es mag nie keine Feldflucht
eiferiger fortgesetzet sein /als dieser unrühmlicher Abzug / doch überschritten
sie die Grenzen nicht / aus Furcht / die Böhmen möchten in ihrem Lande eine
gleichmässige Verwüstung anrichten / daher sie sich an einen solchen Ort
lagerten / woselbst ihnen durchaus nicht bei zukommen wahr; dann ob sie zwar auf
dem Rükwege grossen Hunger erlitten / Wurzeln und PferdeFleisch fressen / und
allerhand Ungemach ausstehen müssen /funden sie doch auf den Grenzen die
begehrete Zufuhre häuffig / und ergetzeten sich nach allem Willen /setzeten sich
auch muhtig / dem Feinde zuwiederstehen / weil ihr Heer sich annoch auf 100000
wolbewehreter Mann ersteckete. Die unsern / deren Völker sich immerzu
verstärketen / gingen ihnen mit 140000 Mann eiferig nach / und beklageten die
erschreckliche Landes Verwüstung sehr / da Ladisla den Tähtern schwere Straffe
dräuete / kunten aber von den Feinden keine Gewissheit einzihen / biss der Vortrab
endlich ihres Lagers gewahr ward / und solches den unsern zuwissen machete.
Herkules wollte den Krieg nicht gerne in die Harre spielen / weil er sich dem
Feinde gnug gewachsen sah / sendete einen Trommelschläger an ihr Lager / und
liess ihne die Schlacht anbieten; aber sie gaben zur Antwort; man hätte dem
Böhmischen Könige vordissmahl die Ehre getahn / und auf seinen Befehl das Land
biss an die Grenze geräumet /auch die übrigen Anfoderungen an den Pannonischen
König gelangen lassen / welcher sich in kurzem würde zu erklären wissen;
deswegen sollte er sich trolle / und seinem Könige anzeigen / dass er sich in
etwas geduldete / oder da er so viel herzens hätte /sich an ihrem Lager auch
versuchete / ob es so gute Beschützer als das Böhmische hätte. Auf Rükbringung
dieses zweifelte niemand / es würde der Feind eine neue Macht an sich zihen /
dem man nach Mögligkeit vorbauen müste / und sah doch niemand / wie es am
füglichsten anzugreiffen währe. Leches und Klodius hielten jeder umb 8000 Reuter
bei König Ladisla an / damit sie zur Rechten und Linken in Feindes Land gehen /
und Beute einzuhohlen den Anfang machen wollten / welches ihne beiderseits
zugelassen ward / jedoch mit gesetzeter Masse / wie weit sie sich vertuhn
sollten. Neda und Prinsla bekahmen gleichmässige Erläubniss / jeder mit 9000 Mann
sein Heil zuversuchen / und gingen eilig fort / in Hoffnung was gutes
zuschaffen. Dropion hatte sich zwar an einen festen Ort nidergeschlagen / dass er
eine freie Seite hatte / weil daselbst lauter Morast wahr; aber dagegen halte er
sich selbst eingesperret / da die unsern ihn mit 18000 Mann in sechs
unterschiedlichen Schanzen dergestalt einhielten / dass ihm unmöglich wahr /
auszufallen / oder einen einzigen Bohten auszuschicken /und wahren diese
Schanzen mit tieffen Graben der gestalt an einander gehänget / dass die Feinde /
wie gescheid sie wahren / bekeñen mussten / desgleichen vortelhafte Einsperrung
Zeit ihres Lebens nicht gesehen zuhaben. Unsern vier aussgegangenen fliegenden
Heeren glückete es nach allem Wunsch / weil die Inwohner von der unsern Ankunft
gar keine Zeitung hatten / und sowol Bauern als Bürger in aller Sicherheit das
ihre bei sich selbst verwahreten. Weil dann das Land dieses Orts treflich
bewohnet / und vol Fruchte und Vieh wahr / funden sie allen Uberfluss / massen
sie 120 Dörffer / 30 Flecken und 14 Städchen aussplünderten / und alles Korn und
Speisen auff Wagen und LastVieh lude / in solcher Menge / dass ihr ganzes Heer
die folgende Zeit des Krieges davon überflüssig zu leben hatte; und ob sie zwar
der Gebäu mit Feur verschonete / verbranten sie doch alle Früchte / welche sie
nit mit fortnehmen kunten. Ihres Viehes wahr fast keine Zahl; Leches brachte
8000 feiste Ochsen /12000 Melke Kühe / 16000 Schaffe / 4000 Pferde /ohn was vor
de Wagen gespannet wahr / deren Anzahl sich auff 3000 erstreckete / mit 6000
Pferden und 16000 Ochsen bespañet. Klodius hatte so reiche örter nit angetroffen
/ jedoch 5000 Ochsen 3000 Pferde 8000 Schaffe und 1000 mit Früchten und Wein
wolbeladene Wagen erbeutet. Neda brachte aus etlichen Städten 1800 Fuder Wein /
und 5000 Melke Kühe /samt 3000 jungen Rindern / 600 Fuder Korn uñ 6000 Schaffen.
Prinsla hatte viel Tuch / gegerbet Leder /und Kleider geraubet / so viel 300
Wagen fortschleppen kunten / und weil er etwas tieffer ins Land gangen wahr /
hatte er eine Heerde Ochsen und Kühe 14000 stark / 15000 Schaffe / und 3500
ledige Pferde angetroffen / welche sich auff die Flucht hatten geschicket. Als
die Feinde eine solche uberaus grosse Beute /nicht gar weit von ihrem Lager
nacheinander daher treiben sahen / wussten sie nicht was sie vor Eifer tuhn oder
reden wollten / und verfluchten die Inwohner /dass sie so langsam zur Gegenwehr
wahren / durften uñ kunten doch keinen Aussfal wagen / weil die unsern ihnen
zufleissig aufwarteten. Es wurde alle erbeutete Sachen in Eile fortgeschickt /
und durch das Land verteilt / welches die zum Kriege undüchtigsten / 3000 stark
fortbringen mussten / denen 8000 erlösete Böhmische Leibeigene zugegeben wurden /
und 6000 mit Waffen versehen und zum Heer getahn. Die unsern wollten es hie bei
nicht lassen gut sein / weil sie Zeitung hatten / dass in der abgelegenen Weite
die Völker zusammen getrieben wurden / musste demnach Leches alsbald wieder fort
mit 10000 aus geruheten / dem Herkules und Arbianes mit 12000 auf eine halbe
Meile immerzu nachfolgeten; wie im gleichen Neda und Prinsla mit 12000 nach
einem andern Orte / von denen Ladisla und Markus mit 10000 nicht weit blieben.
Nun wahr das Geschrei an dieser Seite schon durch das Land erschollen / dass die
Böhmen den Einfal getahn hatten / daher der König etliche hundert
Befehlichshaber von seinem neuen Heer /welches noch nicht gar bei einander wahr
/ nach diesen Grenzen schickete / mit Befehl / alle erwachsene Mannschaft
zusamlen und bewehret zumachen. Diese wurden Leches seiner Ankunft gewahr /
zogen ihm 14000 stark entgegen / und schicketen herum / dass sich mehr zu ihnen
schlagen sollten. Leches empfing sie mit unverzagtem Herzen / welche anfangs als
verzweifelte Leute fochten / und die unsern beide Hände vol zutuhn bekamen / biss
ihre Ordnung getrennet ward / und nachgehends / weil sie sich nicht wieder
setzen kunten / wie das Vieh abgeschlachtet wurden. Ehe sichs aber Leches
versah / ward er von der Linken her von einem neuen Feinde 15000 stark
angegriffen / gegen welche er sich kehrete so best er kunte / da inzwischen die
ersten sich samleten / voller Hoffnung / sich rechtschaffen zurächen. Aber
Herkules kam zu rechter Zeit / gab Arbianes 7000 gegen die ersten zuführen; er
aber ging mit 5000 Leches zu Hülffe / welcher dieses unvermuhtlichen Entsatzes
sich erfreuend / den Feind gerade von fornen zu angriff / da Herkules zur Seite
einfiel. Arbianes empfand schwachen Wiederstand von den schon Abgematteten
/daher er zu erst fertig ward / dass von diesem ganzen Hauffen nicht mehr als
4000 lebendig blieben / deren 3600 gefangen wurden / die übrigen sich durch die
Flucht errettete. Der andere Feindes-Hauffen hielt sich biss dahin noch wohl /
weil viel handfeste Leute unter ihnen wahren / aber so bald sie Arbianes auch
herzu dringen sahen / entfiel ihnen aller Muht / dass sie ihr Gewehr von sich
worffen / und um Gnade rieffe / welche ihnen auch gegeben ward / wurden also
hieselbst 8000 gefangen genommen / und erretteten sich kaum 50 durch die Flucht.
Dieser herrliche Sieg ward in andertalb Stunden völlig erhalten / welcher den
unsern nur 1800 Mann kostete / wiewol ihrer 2600 beschädiget wahren. Sie hielten
in aller Eile Plünderung / funden bei den Lebendigen und Todten sehr viel
Barschaft / welches alles den Kriegsleuten frei gegeben ward; und also hielten
sie es auch bei dem ersten Einfall / dass die Völker alle Barschaft vor sich
raubeten / und überaus viel Gold zusammen schleppeten. Unter den Gefangenen
wahren 130 Ober Befehlichshaber / wurden aber den gemeinen Knechten gleich
gerechnet / und alle vor Leibeigene nach Böhmen fortgeschicket. Herkules ging
noch zwo Meile weiter zum Lande hinein / traf eine zimliche Stad an wiewol nicht
sonderlich feste / und weil sie an Mannschaft sehr entblösset wahr /
bemächtigete er sich derselben ohn Blutvergiessen; sie wahr aber vol hinein
geflehetes Guts / von Vieh / Korn und allerhand Waaren / so dass die Gassen und
Höfe an vielen Orten mit den Wagen angefüllet wahren. Herkules liess ausruffen
/dass alle Leibeigene sich zur süssen Freiheit einstellen sollten / worauff in
kurzer Zeit sich 4000 / mehrenteils Böhmen anfunden / welche viel dankens machen
wollten; aber sie mussten helffen die Wagen und das LastVieh mit allerhand Raub
beladen / da dann 3000 volgepackete Wagen / 6000 MaulEsel und Esel /8000 Pferde
/ und 7000 Ochsen mit voller Ladung fortgetrieben wurden. Als Herkules mit
solcher grossen Menge gefangenen / gesattelter Pferde / und Beute nahe bei des
Feindes Lager herzohe / und das Heer ihn mit grossem jauchzen empfing / meinte
Dropion vor Herzensangst zusticken / fluchete und schalt so wohl auff seinen
König selbst / als auff dessen Leute / dass sie mit dem Entsatze so schläfferig
umgingen. Neda geriet an seinem Ort an ein sehr grosses Dorff / in welchem sich
an die 16000 Pannonier gesamlet hatten / das Gewehr daselbst zuempfangen /denen
er zuentboht / ob sie sich ergeben / oder mit samt dem Dorffe im Feur auffgehen
wollten. Anfangs wegerten sie sich in etwas / aber als Ladisla mit seinen Völkern
darzu kam / bahten sie umb Gnade und Lebensfristung. Man wollte so viel
Leibeigene nicht mit sich schleppen / vielweniger sie lauffen lassen /dass sie
auffs neue sich hätten mit Waffen versehen /und weil gleichwol Ladisla keinen
gefallen an Vergiessung so viel Menschen Blutes hatte / mussten sie alle
miteinander ihnen den Daumen an der rechten Hand / oder zween Finger lähmen
lassen / damit sie zum Gefechte undüchtig würden / welches sie / umb den Hals zu
retten gerne angingen. In dem Dorffe traffen sie fast ja so viel hinein
geflehete Güter an / als Herkules an seinem Orte / wie auch 3600 Bömische
Leibeigene / welche frei gegeben / und mit Waffen versehen wurden. Diese kahmen
zwo Stunden nach Herkules an / uñ erwecketen bei den ihren eine neue Freude /
bei den Feinden aber fast eine rasichte Verzweifelung. Gleich diese Stunde
fingen die unsern fünff lauffende Bohten auff / welche von dem Könige an Dropion
abgeschicket wahren / ihm mündlich anzudeuten / dass nach verlauff zween Tagen
derselbe mit einem wolgerusteten Heer 150000 stark bei ihm sein / und dem Feinde
den verwägenen Einfal besalzen wollte; welches die unsern durch erschrekliche
Peinigung aus ihnen brachten; hielten darüber Kriegsraht / und fundens am
dienstlichsten sein / dass sie wieder hinter sich nach ihrem alten Lager gingen.
Es ward aber von einem befreieten Leibeigenen / der Geburt ein Italiäner / den
unsern kund getahn / dass vier Meile von dem Lager ein verhauener Wald währe /
welcher inwendig einen grossen und fruchtbahren Raum fast einer Meile im
umbkreiss hätte / dahin währe ein grosser Vorraht allerhand Früchte / Speisen /
Waaren / und Viehs gebracht / zweifelte nicht / man konnte alle Beute leicht
erhalten / wann eine zimliche Macht dahin ginge / weil sich mehrenteils Weiber
/und nicht über 8000 Männer dabei funden. Ladisla bekam Lust / diesen Rit zu
tuhn / nam 30000 frische Reuter zu sich / gingen die ganze Nacht fort / und
gelangeten eine Stunde vor der Sonnen Aufgang daselbst an / funden den zimlich
breiten Eingang mit bewehreter Mañschaft besetzet / und erwarteten des Tages zum
Angriff / da inzwischen die unsern bemühet wahren / noch fünff örter zu öffnen /
und durch dieselben hinein zu dringen. Die Feinde wurden der unsern zeitig gnug
wahr / hatten sich mit Geschoss etwas / mit Schwertern uñ Spiessen aber wohl
versehen / und schossen anfangs verwägen gnug in die unsern /denen aber die
Schilde wohl zu statten kahmen / welche sie auff diesen fal mit sich genommen
hatten /wiewol von unsern Leuten in die 300 erschossen / und 700 verwundet
wurden; es half ihnen aber zurschleunigen überwindung / dass durch die fünff
geöfneten Löcher in die 2500 Mann in kurzer frist hindurch drungen / und
inwendig des Platzes ein grosses Blutvergiessen anfingen / daher ein sehr
jämmerliches Geschrei von den Weibern und Kindern gehöret ward /dass allen ihren
Mäñern der Muht entfiel / uñ die im grossen Eingange gedachten / es würden der
unsern vielmehr durch gebrochen sein / wie gleichwol ihre Anzahl sich immerzu
mehrete. Ladisla liess diese nochmahls zur ubergabe anmahnen / welches sie auch
annahmen / nachdem ihrer ingesamt 3200 erschlagen wahren. Sie funden einen
uberaus grossen Vorraht daselbst; 16000 ledige Pferde / 40000 Rindvieh / 20000
malter Fruchte auff Wagen geladen; 300 Wagen mit allerhand Waaren zu Kleidungen;
1200 fuder Wein /19 Tonnen Goldes an Barschaft / 70000 Schaffe /und sehr viel
geschlachtetes und eingesalzen Fleischwerk. Bei dem Vieh und Wagen wahren über
8000 Leibeigene / mehrenteils Böhmen / welches alles nach möglicher Eile
fortgebracht ward / so dass nach verlauff 23 Stunden sie im Lager ankahmen / und
ein durchgehendes Freudengeschrei erwecketen. Die vornehmsten Häupter von dem
Feinde / sahen auff ihrem erhöheten Wahle mit grosser bestürzung zu / und
erzeigete sich Dropion nicht anders als ein Wahnwitziger / dass ihm alle
mögligkeit auszufallen gänzlich abgestricket wahr / er auch kaum noch auff einen
einzigen Tag Lebensmittel an Speise und Trank in seinem Lager hatte / dass wann
der König seine ankunft noch vier Tage weiter hinaus gesetzet / hätten sie aus
Noht sich alle ergeben mussen / daher ein über aus grosses Leid unter ihnen
entstund / weil von des Königes anzuge sie ganz keine nachricht hatten / und
weil die unsern noch so ungescheuhet zum Lande hinein gingen / den Raub zu
hohlen / sie in der Furcht stecketen / es würde keine anstalt gemacht / solches
zu hindern. Die unsern sahen dass es zeit sein würde auffzubrechen / liessen alle
Beute samt den Gefangenen alsbald forttreiben / und lagerten sich gegen den
Feind / nicht anders / als ob sie daselbst ein Lager befestigen wollten; aber so
bald die Dunkelheit einbrach / zogen sie in aller stille fort / ritten die ganze
Nacht /und bekahmen eine Enge hinter sich / dass sie vor überfal gesichert
wahren. Dropion hätte sich dessen nimmermehr versehen / liess zwar aus seinem
Lager etliche kleine Reuterschaaren gehen / weil er alle Schanzen ledig sah /
und gleichwol trauete er nicht /weil er sich einer Hinterlist befürchtete /
nochmehr aber / dass seine Knechte wegen mangels gar davon lauffen möchten / wann
sie das weite Feld offen hätten; aber als etliche Bauern / insonderheit fünff
Abtrünnige von den Gefangenen (welchen die Dunkelheit davon half) ihm die
gewisse Zeitung brachte / der Feind ginge in aller eile hinter sich / ward er
dessen zum teil froh / wiewol er nicht aufhörete auff seinen König und dessen
Gewaltige (deren etliche dañ / welches er wusste / ihm diesen eingelegeten
Schimpf wohl gönneten) zu schmähen; aber ein geträuer des Königes / redete ihm
ein / er möchte alles nach belieben reden / und nur Königl. Hocheit schonen /
als welche hieselbst keines weges zubeschuldigen währe / sondern vielmehr wir
selbst / sagete er / in dem wir diesen Fehler begangen / und uns so gar auff die
Grenze gelegt / da kein mittel gewesen ist / einigen Bohten abzufertigen / oder
zubekommen; welches versehen doch unser König uns nicht auffrücken wird / weil
kein Mensch einer solchen Schlauheit zu dem Feinde sich hätte versehen können.
Dropion stellete sich äusserlich / als wann er durch solche Vermahnung völlig zu
frieden gestellet währe / aber des folgenden morgens fand man diesen redlichen
Mann auff seinem Lager Tod / da ihm das Häupt an der rechten seite eingeschlagen
und die Kehle abgestochen wahr. Kurz nach dem Dropion des Feindes Abzug erfahren
hatte /kam ein Königlicher Bohte zu ihm / anmeldend / es nähme den König / und
alle seine Leute höchlich wunder / dass ihm in etlichen Tagen so gar keine
Botschaft aus dem Lager zukommen währe / hätte darüber geeilet / mit der
Reuterei voran zu gehen / mit welcher er gegen Abend bei ihm sein / und den
Feind ernstlich angreiffen wollte. Dropion schickete ihm 2000 Reuter / unter der
Anfuhrung seiner ergebenen entgegen / welche ihm alles nach seinem Willen
vortragen und den Fehler beschönen sollten. Wir haben aber hieselbst zuvernehmen
/ mit was Gemüht und Willen Dropions erste Botschaft (da er von dem Könige ein
neues Heer / noch ehe er der unsern Lager gestürmet hatte / begehrete)
auffgenommen sei. In Pannonien wahr dazumahl überal grosse Freude / weil man
alle Tage / ja fast alle Stunde eine Anzahl Vieh nach der andern aus Böhmen
brachte / und umb ein liederliches Geld verkauffte / wobei stets zur neuen
Zeitung ausgeruffen ward: das ganze Land stünde mit ihrem Könige in solchem
Schrecken / dass dieser davon zuzihen / jenes sich an König Mnata zuergeben
willens währe / dann die beste Mannschaft hätte sich in den eingenommenen Grenz
Festungen auffgehalten / nach deren Hinrichtung den übrigen das Herz entfallen
währe. Mnata wahr etwas leichtgläubig / und trauete seinem ungeträuen Dropion zu
viel / daher er sich gegen die seinen öffentlich vernehmen liess: Er hielte
Böhmen so gut als überwunden / und sollte ihm Teutschland hernach vor den
Schimpff auch schon gerecht sein. Dieses wussten Dropions Zugetahne ihm
dergestalt einzubilden / dass er ganz sicher ward / und des verständigen Mastyes
Reden verachtete / welcher stets auff die guten Zeitungen antwortete: Er
fürchtete / man würde mit den Böhmen mehr zu tuhn bekommen / als Vieh rauben und
Dörffer brennen; das Land währe reich an Mannschaft; Teutschland stünde ihnen
bei / als ginge sie es selbst an / und däuchte ihn unmöglich / dass ein so
tapfferer König in Gesellschaft eines noch tapfferern geträuen Freundes nicht
eine Schanze wagen sollte / ein Königreich zubehalten /welches ihm angeerbet
währe; riet demnach man sollte sich gefasset machen / damit man zeit der Noht
bereit währe; dessen aber der König lachete / und sich vernehmen liess / er währe
nicht willens / sein ausgeschiktes Heer mit einem Manne zuverstärken / so gewiss
währe er des Sieges; mit welcher Erklärung seine Geträuen vor dissmahl musste
friedlich sein. Als aber die Zeitung erscholle / dass die 9000 im Dorffe von
geringer Mannschaft nidergehauen währen / welches Dropions Anhang gerne
vertuschen wollte / begunte Mnata zumerken / dass die Böhmen noch nicht gemeinet
währen / das Land zuverlauffen / insonderheit / als Mastyes und Deon / die auff
alles gute Kundschaft legeten / ihm zu wissen tahten / sie hätten von guter
Hand Zeitung / dass Teutschland und Böhmen ihr äusserstes wider Pannonien zuwagen
entschlossen währen / und dero behuef sich gewaltig rüsteten. Weil dann Dropions
begehren wegen Auffrichtung eines neuen Heers darzu kam / wobei doch der
Niderlage ihres Vortrabes keine Meldung geschahe /merkete Mastyes / dass ein
Schade müste eingenommen sein / welches zuerforschen / er seinen geträuen Diener
/ der mit Dropions seines Abgefertigten Diener sehr vertraulich wahr / an
denselben mit fleissiger Nachfrage setzen liess / welcher / ob ihm gleich
ernstlich von seinem Herrn verbohten wahr / dessen nichts zugedenken / so
offenbahrete er doch diesem auff versprochene Verschwiegenheit alles / wie es
ergangen währe. Mastyes hielt vor nöhtig / dass dem Könige es vertrauet würde /
wiewohl ohn des Anbringers Meldung; Worauff dann Mnata den Abgeschickten mit
ernstlichen Worten zu Rede stellete / warumb er so verrähterisch mit ihm umginge
/ und ihm die Warheit vertuschete / welche ihm von unterschiedlichen andern / so
dem Heer beiwohneten / mit allen Umständen schon zugeschrieben währe. Dieser
verstummete anfangs / und als er des Königes Zorn merkete / bekennete er rund
aus / dass ihm / solches zumelden /von dem Feld-Herrn ausdrüklich verbohten
währe. Hieraus nahmen Mastyes und Deon gelegenheit /ihren König absonderlich mit
Trähnen zuwarnen / er möchte sich doch vorsehen / und bedenken / was es auff
sich hätte / dass nicht allein Dropion ihm den wahren Verlauff hinterhalten
durffte / sondern auch solche Leute umb sich hätte / welche ihm geträuer währen
/ als dem Könige selbst. Aber es wollte diese Vermahnung noch nicht bei ihm
wirken / insonderheit / weil der Abgeschikte / nachdem er sich bedacht hatte /
den Feld Herrn zuentschuldigen wusste / dass derselbe seinen König mit so
ungenehmer Zeitung nicht betrüben wollen / sondern sich hoch verheissen /sein
Schart zuvor redlich auszuwetzen / ehe man in Pannonien davon etwas erführe. Der
König hielt darauff Raht mit den Gewaltigen / was man auff Dropions begehren
vorzunehmen hätte / und weil dieser noch gar einen grossen Anhang bei dem Könige
hinterlassen / wussten dieselben alles nach dessen Willen zufidern. Mastyes wahr
sehr sorgfältig / hatte mit Deon und etlichen wenig andern schon überleget /was
des Königes und seines Reichs beste sein würde / und trieb fleissig / dass ein
Heer von 150000 Reutern möchte gesamlet werden / mit welchem der König selbst zu
Felde ginge; welches zusammen zutreiben äusserster Fleiss angewendet ward / dann
die Teutsche Hülffe / deren Dropion selbst gedachte / hielt sie nicht in
geringer Furcht / dass die verständigsten es schon unter sich beklageten / dass
man den Krieg so liederlich angefangen / und nicht zuvor gütliche Handlung
versucht hätte. So bald aber Dropions und aller KriegsObersten anderes Ansuchen
wegen eiligster übersendung der Speise Wagen / dem Könige vorgetragen ward / und
dass ihr Lager mit allem Vorraht durch blossen Unfall (wie sie sageten) im Feur
auffgangen währe / befahreten sich Mastyes und Deon viel eines ärgern / erfuhren
auch durch heimliche Geschenke von einem mit übergekommenen Diener / dass alles
durch Feindes List und Verräterei zugangen währe. Jedoch / weil auch dieser
beständigst darauff verblieb dass des Feindes Lager in wenig Stunden sich ergebe
würde / war die Furcht bei ihnen nicht so gross / wiewol Mastyes gnug zuverstehen
gab / dass er solcher guten Zeitung wenig trauete / und Dropion mit guten
listigen Worten gespeiset würde / wunderte sich auch nicht wenig / dass er von
Agis oder Hyppasus /genommener Abrede nach / gar kein geheimtes Schreiben bekam;
aber diesen ward viel zu fleissig auff die Hand gesehen / dass ihnen solches
zuleisten unmöglich wahr. Es mussten alsbald 1200 Wagen auffbrechen und mit
allerhand Speisen nach Böhmen zugehen / welche den flüchtigen / wie schon
gemeldet / wohl zu gute kahmen. Weil dann Dropions abermahlige Gesandschaft
(welche er gleich seiner Ankunst auff die Pannonischen Grenzen abgehen liess)
sich angab / nebest Vermeldung / dass man wegen Mangel des nöhtigen Unterhalts /
des Feindes Bodem hätte verlassen / und sich zuruk zihen mussen; entstund daher
ein grosses Schrecken / und gedachten Mastyes und Deon nicht anders / als währe
das ganze Heer geschlagen; welches eigentlich zuerfahren / sie dem Könige rieten
/ er sollte sich seiner Königlichen Gewalt gebrauchen / und die 8 Abgeschikte
absonderlich mit Ernst vermahnen / dass sie ihm den ganzen Verlauff umständlich
anzeigeten; wodurch diese auch geschrecket / einhellig berichteten / dass sie
über 70000 Mann in zweien Stürmen und kleinen absonderlichen Schlachten
eingebüsst / und doch dagegen dem Feinde sehr geringen Schaden getahn hätten;
insonderheit zeigete ihrer einer dem Statalter Mastyes vertraulich an / wie
hoch König Ladisla und seine Verwanten von Dropion beschimpffet / und zum Galgen
gefodert währen / wodurch derselbe zum Eifer gereitzet / seiner Abgesandten
zehne henken / und dem eilften Ohre /Nase und Finger abschneiden lassen; welches
dieser mit entsetzen und grossem Herzensprast anhörete /und nebest seinen
Vertraueten beklagete / Dropions verwägener Frevel und unverschämter Ehrgeiz
nach der Böhmischen Kron / würde ganz Pannonien ins Verderben stürzen. Bald
hernach brach die Zeitung aus / die Teutschen und Böhmen hätten Dropions Heer
mit überaus grosser Macht ganz umlagert; und als alle Stunden eingebracht ward /
was gestalt alles Vieh geraubet / alle Früchte hinweg geführet / und was man
nicht fortbringen könnte / verbrennet würde /sahen sie die Früchte des unnöhtigen
Krieges vor Augen / wollten gleichwol das Herz nicht gar fallen lassen / sondern
reizeten den König / dass er eilen /und durch seine Gegenwart den Völkern einen
Muht /und den Feinden Schrecken machen sollte. Also brach Mnata endlich auff mit
150000 wolbewehrete Völkern / über welche er seinen geträuen Hyppasus zum Unter
Feldherrn zusetzen willens wahr. Als Dropions 2000 Reuter auff den König
stiessen / wussten deren Führer nicht gnug aufzuschneiden / wie viel Feinde sie
erschlagen / und wie grosse Verwüstung sie in Böhmen angerichtet; aber der König
wollte solchen eiteln Ruhm nicht unbeantwortet lassen / und fragete; wo dann die
Siegszeichen / der Feinde Fähnlein und Gewehr währen / und was sie bewogen hätte
/ als flüchtige davon zulauffen; es währe unerhöret / dass ein so starkes Kriegs
Heer ohn gewagete Feldschlacht das Hasen Panier aufgeworffen hätte; Und weil
auff diesem Zuge von den Untertahnen nichts überal als klagen und weinen / wegen
des überaus grossen Verlustes ihrer Güter gehöret ward / da sie zugleich sich
vernehmen liessen / es währe der Feld Herr Dropion mit einer so grossen Macht in
seinem Lager ganz stille dabei gewesen / dass sichs ansehen lassen / als hätte er
mit den Feinden einen heimlichen Verstand gehabt / ja als ob er ihnen einen Frei
Brief / nach gefallen zurauben / zuplündern und zuwürgen erteilet hätte /
erzürnete sich der König nicht ein geringes daruber / so dass er willens wahr /
das KriegsRecht über die hohen Häupter ergehen zulassen. Als er im Lager ankam /
gingen Agis / Hyppasus und Amytaon in trauriger Gestalt zu ihm hin / und
klageten sich selbst an / wie sie durch unterschiedliche Unvorsichtigkeit und
Versäumnis dasselbe nicht geleistet hätten / was ihnen gebühret / wobei sie
gleichwol unangezeiget nicht liessen / dass allemahl die gröste Schuld bei ihnen
nicht gewest währe / und dass den listigen und glücklichen Anschlägen des Feindes
sie sich nicht bestand befünden / welche allentalbe durchgedrungen / und eine
grosse Anzahl ihrer Völker gefressen /da hingegen wohl kaum eine Hand vol der
feindlichen Völker drauff gangen währen. Jedoch hoffeten sie /bei des Königes
Gegenwart es wieder einzubringen wann sie des ergangenen gnädige Verzeihung
erlangen könten. Mnata verstund aus ihren Reden wohl /was sie gerne klagen wollte
/ und doch nicht durfften /beklagete die erlittene Niderlage / und zeigete an
/dass ihnen freilich wollte gebühret haben / sich besser in Feindes Lande und
Gegenwart vorzusehen; weil aber es an ihrer Auffrichtigkeit und Träue nicht
ermangelt hätte / und man das geschehene nit endern könnte / sollte ihnen ihr
versehen hiemit zugedecket und vergeben sein / welches sie hernähst würden
wissen einzubringen; ernennete auch darauff Hyppasus zu seinem Feldmarschalk
über die mitgebrachten Völker / und foderte Dropion vor sich / welcher zu ihm
tretend fragen durffte / warumb der König selbst mit überkommen währe. Derselbe
aber anzeigete / es währe billich über seine schleunige Zurükkunft sich mehr
zuverwundern / und dz er sich hieselbst von den Feinden hätte einschliessen
lassen / als dass er kähme /ihn losszureissen. Der verwägene Dropion wahr ihm
solcher verweisslichen Rede nicht vermuhten / uñ fragete / warumb der König sich
seiner überkunft verwunderte; ob dergleichen Glüksfälle nicht wohl ehe vorgangen
währen. Mnata kunte länger nicht schweigen / und sagete: Was Glüks fälle?
heisset man dasselbe auch Glückesfälle / was man liederlich verübet /und durch
Verachtung des Feindes oder andere dergleichen Verwarlosungen ihm selbst
zurichtet? heisset man das Glüksfälle / wann man des Landes Plünderung mit
leiblichen Augen anschauet / ja den Feind ungehindert abzihen lässet / welcher
fünff mahl mehr Beute wieder gehohlet / als man ihm abgenommen hat? Dieser
Unhold sah seinen König mit grimmigen Augen an / und weil er seine Gewalt fest
gelegt hatte /dass er bei den meisten KriegsBeamten / ja auch Reichs Bedieneten
mehr als der König selber galt /fing er an dergestalt zuschnarchen / und seine
dem Reich geleistete Dienste zuerheben / auch schon zu dräuen / dass er seine
Hand abzihen wollte / dass der König gnug zuschaffen hatte / ihn wieder
zubegütigen / dann ausser Agiss / Hyppasus und Amytaon / hingen ihm alle Feld
Herren und vornehme Obersten an /weil sie durch seine Befoderung gestiegen
wahren / so gar / dass welche der König gesezt hatte / fast nichts golten /
wiewol dieselben durch des Königes Gegenwart nunmehr anfingen / das Häupt
auffzurichten /weil sie bei dem neuen Heer eine grosse Anzahl ihres gleichen
funden. Agiss und Pyrechmes schlugen sich zwischen die Uneinigkeit des Königes
und seines Feld Herrn / da dann die Furcht einer Auffruhr an seiten Mnata / und
das böse Gewissen bei Dropion die Vegleichung leicht befoderte / und ward bald
darauff algemeine Kriegsbesichtigung gehalten / da sie ihre zusammen gestossene
Macht also beschaffen befunden / dass sie sich getraueten ein kurzes Spiel
zumachen / brache des dritten Tages nach der unsern Abzuge auff / und führeten
90000 Fussknechte in der Mitte / und an beiden Seiten die Reuter / jeden Flügel
80000 stark / alle miteinander auserlesene Kriegsleute; hatten auch ihre
Rustwagen bei sich / welche auff 6 Wochen Speise gnug nachführeten. Siegward und
Olaf waren völlig wieder genesen / und kamen zween Tage nach der Unsern
Wiederkunft mit 10000 gesamlete Böhmischen Reutern an / dz ihr ganzes Heer in
160000 Mañ bestund / unter denen aber der vierde Teil zum Kriege nit abgerichtet
war. Sie verscharrete bei ihrer Ankunft die erschlagenen Pañonier in die Erde /
umfassete ihr Lager etwz weiter / uñ befestigten es dergestalt / dz es fast
unüberwindlich war. Fleisch / Butter / Brod / Mehl / Salz uñ Wein hatten sie
überflüssig von der mitgebrachten Beute / richtete auch eine grosse menge
Baköfen uñ gemeine Küchen zu / dz die Völker / hoch und nidrig wohl verpfleget
/uñ im Gewehr ohn unterlass geübet wurden / weil sie nit zweifelte sie würden den
Feind bald wieder unter dem Wahle haben / wiewol ihre Leute sehr muhtig wahren
und ihre Ankunft wünscheten / damit der Krieg bald zum Ende gebracht würde. Neda
und Prinsla mussten mit 6000 Reutern gegen Feindes Land zureiten / und 200 Mañ je
vier und vier eine Meileweges lang vor sich hergehen lassen / mit dem Befehl /
dass so bald die ersten etwas gewisses vernehmen würden sollten sie ein Zeichen
geben / und so fortan / dass die hintersten es schleunig an sie bringen könten.
Am sechsten Tage nach der unsern Wiederkunft meldeten diese an / dz der Feind
mit einer schier ungläublichen Macht und Menge ihrer Ritterschaft im Anzuge
währe / und mit solcher Grausamkeit fort gingen / dass sie keines fruchtbahren
Baumes verschonete / auch die Steine auf den guten Acker mit Hauffen
aussstreueten /ihn zuverderben. Die unsern hielten hierauff Kriegsraht / und
teilten ihre Völker solcher gestalt /dass König Henrich / Ladisla / Leches /
Prinsla und Gallus das Lager mit 9000 Fussknechten bewahren /die Reuter Flügel
aber an beiden Seiten verborgen (wie vormahls) halten sollten / jeder 50000
Köpffe /da Herkules / Arbianes / Klodius und Neda den Rechten; Siegward / Olaf /
Markus / und Herr Bertram /ein Frei-Herr von der Weser den Linken zubefehlen
hatten. Der Feind schlug sein Häuptlager eine gute Meile von den unsern / uñ
erkundigte sich fleissig /wessen man sich an dieser Seite verhielte / erfuhren
auch dass das Lager mit gnugsamer Mannschaft besetzet / und beide Reuter-Flügel in
Ansehung des vortelhaften Ortes zur Gegenwehr düchtig und stark genug währe / so
dass man sie weder einschliessen noch hintergehen könnte; währe also kein besser
Mittel / als dass man den Feind zur Schlacht aussfoderte. Diesem ward alsbald des
ersten Tages nach ihrer Ankunft folge geleistet; aber die unsern gaben zur
Antwort; hätten sie auff ihrem Grund und Bodem sich gewegert zu schlagen / sollte
ihnen ein solches noch zur Zeit ebener gestalt versaget sein; doch gefiele ihnen
wohl /dass sie nunmehr beginneten Kriegsart vorzunehmen /und die unredlichen
Mordbrenner und Räuber Stükchen angäben / deren sie doch wohl auff dem jetzigen
Zuge wieder auffs neue gnug möchten betrieben haben / wie wohl man ihnen darzu
keine Ursach gegeben / noch in ihrem Lande einen einzigen Baum / geschweige ein
Haus oder Dorff durchs Feur beschädiget hätte. Agiss hatte dem Könige es
zuvorgesaget /dass sie abschlägige Antwort bekommen würde / und der Feind ausser
Zweifel den Krieg etwas in die Harre zuspielen gesonnen währe. Ward darauff von
ihnen aufs neue umgefraget was vor ein Mittel zum schleunigen Siege vorzunehmen
sein würde. Dropion stimmete abermahl auf eine gewaltsame Bestürmung des
feindlichen Lagers / Agiss hielt vor rahtsamst / dass man etwas wieder zurück wiche
/ und hernach an einem añoch unverderbeten Ort zum Lande nach der HäuptStad zu /
hinein ginge / da ihnen der Feind folgen / oder ohn ein befestigtes Lager ihnen
entgegen zihen müste. Welche Meinung ihm der König nicht übel gefallen liess /
würde auch wohl mit der unsern grossem Schaden ins Werk gerichtet sein / wañ
nicht Dropions ergebene ihn überstimmet hätte / dass auch Hyppasus einwenden
nicht geachtet ward / in dem er mit guten Gründen ihnen vorstellete / dass
solcher Sturm viel Volk fressen / und die Erstreitung des überaus festen Lagers
dannoch sehr misslich sein würde. Dann Dropion brachte dagegen vor / es mangelte
ihnen an gute Wegweisern / uñ würde man auf den engen Durchzügen auffgehalten
werde / welche dem Feinde alle miteinander kündig; hingegen / wañ das Lager
erobert währe / würde damit die Schlacht zugleich erhalten / der Feind zustreuet
/ und das ganze Land auff einmal unter den Gehorsam gebracht; dem der König
Beifal gab / insonderheit als sich Dropion mit hohen Schwüren verfluchete / er
wollte den empfangenen Schimpf und Schaden rächen / oder darüber zu Grunde gehen
/ auch durchaus weder Gnade erzeigen noch begehren; welches sehen zulassen er
durch stränges anhalten den König darzu bewägete / dass er alles wiedrige rahtens
/ so von etlichen geschahe / ungeachtet einwilligte / dass ein hoher neuer Galgen
vor unser Helden Augen auffgerichtet ward / und man zugleich einen Trometer an
das Lager schickete / welcher ohn gesuchten freien Abzug ihne ankündigte /dafern
sie sich nit stündlich ergeben / das Gewehr niederlegen / und umb Gnade wegen
des geschehenen Verbrechens anhalten würden / sollte im ganzen Königreich Böhmen
keine lebendige Seele bleiben auch des Kindes in Mutter Leibe nicht verschonet
werden; das ganze Land müste zur Wüstenei gedeien / und König Ladisla nebest
allen seinen Anverwanten den jezt auffgerichteten Galgen bekleiden Ladisla
hörete dieses mit dem aller bewäglichste Eifer an / liess ihn hinein führe / und
fragete ihn mit grimmigen Angesicht / wer ihn so verwägen gemacht hätte / dass er
einem Könige in seinem Reiche den Galgen andräuen dürffte; befahl schleunigst
einen Galgen oben auff der Brustwehr zu richten / und den frechen Buben daran
zuhängen; aber durch König Heinrichs Vorbitte schenckete er jhm das Leben / weil
er vorgab / er wollte endlich gerne am Galgen sterben / und es vor eine Gnade
rechnen / massen / wann er sich im geringsten gewegert hätte diese Werbung
abzulegen /würde ihm der schmerzhafteste Tod auff Dropions Befehl angetahn
worden sein. Doch liess ihn Ladisla Mutternacket ausszihen / mit Koht beschmieren
/ die Hände auff den Rücken / und einen schäbichten Hund auff die Schulder
binden / hernach ruklings ihn auff ein reudiges Pferd setzen / und einen
gefangenen Pannonier / nach zustümmelten Fingern / Nase / und Ohren / zugeben /
der ihn unter solchen Schmerzen bei dem Zügel hinleiten musste / gab ihm auch
diese Antwort / seinem Könige zubringen: Redliche Teutschen und Böhmen währen
bisher nicht gewohnet /sich auff Gnade und Ungnade zuergeben / noch ehe sie
angegriffen würden / viel weniger dem Diebs-Henker den Hals zum Stricke
darzubieten; währe Mnata ein redlicher König / würde er desgleichen
Beschimpffung keinem König- oder Fürstlichem Blute anmuhten; er vor sein Häupt
achtete seiner Dräuungen gar nicht / durch welche er sich nicht als ein König
/sondern als ein schändlicher Wüterich erzeigete / dem er aber sein Schwert
entgegen setzen / und ihn versichern wollte / dafern die Galgen Bedräuung nit in
24 Stundenfrist widerruffe würde / wollte er eben denselben daran henken lassen /
der ihn auffzurichten befohlen hätte. Hiebei gab er ihm einen offenen
Aussfoderungs-Brief an Mnata / welcher also lautete:
    Mnata / währestu ein redlicher König / würdestu Königl. Hocheit nimmermehr
biss an den Diebes-Galgen beschimpffen / insonderheit / weil man dir nicht / als
Kriegsrecht / und zwar anff gelinde Weise hat wiederfahren lassen. Weil dann
dieser Schimpff gar zu schändlich /und der Anstiffter dessen nicht wert ist /
dass er eines Königes Nahmen tragen soll / hastu dich solcher Benennung selbst
beraubet / die ich dir sonst nicht würde gewegert haben. Damit du aber sehest /
wie gering ich deinen Troz halte und schätze / habe ich dir deinen Bohten in
solcher gestalt wieder geschikt / wie du es verdienet hast; Und dafern noch eine
Ader eines redlichen Königes und Ritters an dir ist / so stelle dich mit
rittermässigem Gewehr ein zwischen meinem und deinem Lager / woselbst ich deiner
warten / und von dir nicht scheiden will / es sei dann / dass du oder ich durch
das Straff-Schwert abgeschlachtet werde. Wegerstu dich dessen / so schrecket
dich deines Gewissens Brandmahl / und machest dich selbst zu einem solchen / der
keines redlichen Königes Schwerts wirdig sei.
                                                 Ladisla dein geschworner Feind.
    Der elende Trometer brachte seinem Könige diese Antwort nebest dem
Absagsbrieffe; welcher nebest seinem Dropion und den andern Obersten / sich
nicht anderst geberdete / als wollten sie unsinnig werden. Das
Ausfoderungs-Schreiben ward gelesen / und umbgefraget / was zu tuhn währe; da
Dropion zwar den Kampf nicht rahten durfte / und ihn doch herzlich gerne gesehen
hätte / währe ihm auch lieber gewesen /dass sein König / als Ladisla den kürzern
gezogen hätte. Aber Agiss erwies durch hochwichtige Ursachen / dass solchen Kampf
sein Heer keines weges zulassen könnte noch sollte; wobei es auch sein verbleiben
hatte. Doch erkläreten sie sich einhellig / den Schimpf noch vor der Soñen
Untergang grausamlich zu rächen / dass keinem hinfort gelüsten sollte / dem
Pannonischen Könige und seinem unuberwindlichen Kriegsheer einen schäbichten
Hund zuzuschicken. Es mussten 10000 Reuter absitzen / und zu dem Fussvolke treten
/ dass ihre Zahl auff 100000 vol ward. Das Lager besetzeten sie mit Fuhrleuten
und andern unnützen Gesinde / und teilete Mnata mit Dropion die Reuterei gleich
/ dass jeder 75000 Pferde führete / welche Zeit des Sturms in voller
Schlachtordnung halten sollten. Dropion wahr so stolz / dass er an seinen König
begehren durfte / ihm den Bömischen König zur Straffe überzulassen / so bald er
würde gefangen sein; befahl auch dem Fussvolk / sie sollten ihn nicht erschlagen /
sondern lebendig greiffen. Mnata munterte die seinen zur Herzhaftigkeit auff /
sie sollten nur betrachten / was vor einen unablöschlichen Schimpf man ihrem
ganzen Volke durch überschickung des schäbichten Hundes angelegt hätte / welchen
auszudeuten man keines Dolmetschers bedürfte / gestaltsam der nichtige Böhme (so
nennete er Ladisla) schon im vorigen Zuge die Pannonier vor Hunde / und ihre
Anfoderung vor ein Hundisches bellen hätte schelten dürffen; es währe solcher
Hohn tausendmahl bitterer / als der Tod selbst; dann dieser brächte einem
redlichen Mañe keine Schande / jenes aber beschimpfete ihn so hoch /als weit ein
Hund geringer dann ein Mensch währe. Abbitte währe davor viel zu schlecht / es
müste solcher Frevel mit dessen Blute ausgesöhnet werden / der ihn begangen
hätte; deswegen sollten sie ihrer angebohrnen und durch die ganze Welt
beschriehenen Mannheit eingedenke sein / und mit wenigen zu sagen / nur sich
erinnern dass sie Pannonier währen /alsdann würde einem jeden seine Schuldigkeit
es schon zuruffen / was ihm gebühren wollte; er selbst währe willens / den
rechten Flugel anzuführen / wann der Feind mit seiner Reuterei losbrechen wurde
/ biss dahin er auff einem Hügel halten / und eigentlich acht drauff geben wollte
/ wer seine Tapferkeit am besten gebrauchen würde / wiewol er an keinem im
geringsten nicht zweifelte. König Henrich unterliess nicht /den seinen den Muht
gleichergestalt zuerwecken; sie sollten nicht des Feindes menge ansehen / noch
sein wüstes Geschrei achten / sondern ihnen nach de Fäusten sehen / uñ sie
daselbst angreiffen / wo ihnen am besten beizukomen währe / welches allen und
jeden nicht sollte unvergolten bleiben / ungeachtet sie schuldig währen / vor das
Vaterland und vor ihre Könige streitend zu sterben. Damit höreten sie / dass das
Zeichen zum Sturm gegeben ward / und ein so gräuliches Geruffe sich erhuhb / dass
wohl ein gnug herzhaftiger dadurch sollte bewäget sein / und wahr inwendig einer
halben Stunde der doppelte Graben an zehn Orten 25 Schuch breit ausgefüllet.
Weil dann die Pannonier die Gefahr des ehemaligen Sturmes noch in frischem
Gedächtnis hatten / macheten sie sich mit Hacken und Schauffeln an den
auffgeworffenen Wahl / der Meinung / ihn niderzureissen / und einen ebenen
Eingang zumachen / welches ihnen anfangs glücklich von statten ging / dz sie drei
zimliche Strassen zur helfte hindurch arbeiteten. Ladisla entsetzete sich in
etwas vor dem gräuliche toben / aber sein unüberwindliches Herz fassete bald
festen Stand / und befahl er / dass 6000 Mann ausfallen und die Arbeiter
angreiffen sollten / welches so wohl glückete / dass sie ohn verlust eines einzigen
Mannes / 2000 niderschlugen / und ihr Werkzeug davon ins Lager brachten; doch
wollte sichs in die harre nicht treiben / dann der Feind drang gewaltig auff sie
zu / umb ihnen den Weg nach der Seitenpforte / von dannen sie kommen wahren /
abzuschneiden; daher sie sich wieder davon machen mussten / und verloren im
Abzuge 300 Mann / nahmen doch dabei 1400 Feinde mit sich in den Tod / und wurden
ihres wolverhaltens von Freunden und Feinden gepreiset. Nach ihrem Abscheide
ging das Hacken von neuen an / doch nicht mit vorigem Eifer /weil sie sich eines
abermahligen überfalles besorgeten / welcher ihnen auch bald über den Hals kam;
dann auff der andern Seite liess König Henrich 8000 hinaus eilen / die mit kurzem
Gewehr ein heftiges Gemätsche triebe / dass endlich die Gräber die Flucht nahmen
/nachdem ihrer 3000 erschlagen / und so viel verwundet wahren / davon hernach
nicht 300 lebendig blieben; sie aber dagegen auch 400 einbüsseten. Der
feindselige König musste dieses mit Augen ansehen /und kunte ihnen doch den
Entsaz nicht so eilig zuschicken / daher er das niderreissen verbieten / und zum
Sturm auffblasen liess. Inwendig dem Lager hatten die unsern nicht gefeiret /
sondern hinter dem Wahle / da der Feind arbeitete / tieffe Wolfes- gruben
auffgeworffen / und mit dünnen Reisich bedecket /welcher anschlag sehr wohl
gelung / dann weil an solchen Orten der Wahl am leichtesten zuersteigen wahr /
lieffen die Feinde daselbst mit grossem Eifer an /und als ihnen wenig
Wiederstand von forne zu geschahe / drungen sie leicht hinüber in das Lager /
und stürzeten sich hauffens weise in die Gruben / worinnen sie jämmerlich und
mit grossem Geschrei / teils sich mit ihren Schwertern beschädigten / teils sich
unter einander erdrücketen / dass ihrer auff solche weise 1600 umbs Leben kahmen
/ und die Nachfolger zücketen / die nicht hinüber wollten / weil sie sahen /wie
erbärmlich es den ihren erging. Draussen wusste man nicht was der anlauffenden
Stuz bedeutete; dann ob diese gleich die Ursach anmeldeten / kunte mans doch
wegen des vielfältigen Geschreies nicht vernehmen / biss sie endlich den Betrug
muhtmasseten / und diese Lücken verlassend / den ganzen Wahl teils hinauff
kletterten / teils mit Leitern bestiegen / aber von den unsern mit langen
Spiessen dergestalt empfangen wurden / dass ihrer im ersten Anlauffe 3000 Tod
zurück fielen / welches alles ihr König ansah / und mit ihnen zwar mitleiden
trug / aber aus heftigem Grim nicht desto weniger befahl / den Sturm
unauffhörlich fortzusetzen. Da ging es nun uber und über; die ganze Seite des
Wahles wahr im Augenblick mit Feinden erfüllet / die mit Steinwerffen den unsern
sehr gedrange tahten / und man ihnen durchaus nicht steuren kunte / dass sie drei
unterschiedliche Löcher durch den Wahl brachen / durch deren äusserstes nach der
Rechten zu / sechs Mann neben einander streitend hindurch dringen kunten;
wehrete auch nit lange / dass in die 4000 Feinde inwendig des Lagers sich
befunden / welche mit den unsern einen herben Streit anfingen / und zugleich der
ihren immer mehr und mehr an sich zogen / welches doch Ladisla mit willen
geschehen liess / biss ohngefehr 10000 durchgedrungen wahren / da musste Leches und
Gallus von der Rechten /Fabius und Prinsla von der Linken die Lücke verhauen /
dass niemand mehr durchdringen kunte; Ladisla aber trat mit grossem Volke auff
sie zu / schloss sie enge ein / und hörete nicht auff / biss sie alle
niedergesäbelt wahren; worüber sie doch 3000 im Stiche liessen / weil jene aus
verzweifelung fochten / uñ nicht ungerochten sterben wollten. Es wahr ein solches
Elend und Jammer / desgleichen nie mochte gesehen sein / dann aus den Tohren des
Lagers flossen Bächlein Blut hinaus / und stelleten sich die unsern so häuffig
auff den Wahl / dass der Feind nicht mehr belieben trug hinan zuklimmen / weil
sie keinen lebendigen wiederkommen sahen. Mnata hätte den Sturm gerne weiter
fortgesetzet / aber Agiss und etliche geträue Obersten mehr / wiederrieten
solches; es währe gar zu kühn gewaget / eine so grosse menge der Feinde in ihrem
Vortel anzugreiffen / da ihrer zehn so gut drinnen / als 60 draussen währen; man
müste den Feind durch Hunger (welches doch unmöglich) oder durch eine andern
Einfal zur Feldschlacht dringe /sonst würde die Gefahr und der Verlust zu gross /
auch der Gewin oder Sieg zu zweifelhaftig sein; wodurch er sich dann bereden
liess / dass er den Abzug gönnete / dessen die unsern wohl zu frieden wahren / weil
die tapfersten sich sehr abgemattet / 7000 überal eingebüsst / und 5000
beschädigte hatten; da hingegen der Feinde 28000 geblieben und 13000 hart
verwundet wahren. Auch hatte König Henrich funff / wiewol geringe Wunden
bekommen / dañ vor dissmahl hatte er den härtesten Stand gehalten. Dannoch aber
wollte Ladisla seinen Heldenmuht sehen lassen / und befahl Leches und Prinsla /
mit 15000 Mann auff den abzihenden Feind auszufallen / welche dann gnug spüren
liessen / wie gehässig sie den Landverderbern wahren. Aber die Feinde stelleten
ihnen auch keine Kinder entgegen / daher ein hartes Treffen entstund / welches
schier eine ganze Stunde wehrete / weil ein jeder den seinen frischen Entsaz
zuschickete / dass endlich die Feinde den unsern zu schwer fallen wollten / als
welche im offenen Felde ihrem Könige zu zeigen sich bemüheten / dass es ihnen
weder an Kraft noch herzen gefehlet / sondern nur des Orts ungelegenheit
hinderlich gewesen währe; daher dauchte den unsern am rahtsamsten sein / sich
zurücke zuzihen / uñ dem Gefechte anstand zu geben / nachdem hieselbst an
Feindes seiten 5000 / und der unsern 4000 gestrecket lagen. Ladisla wagete
diesen Ausfal wieder Herkules guteissen / als welcher solches ernstlich
wiederrahten hatte / und dem Treffen zusah / fand aber keine Gelegenheit / dem
Fussvolk mit der Reuterei zu helffen / biss dieser Abzug geschahe / da nam er
seiner Schanze wahr / brach mit 4000 Teutschen / deren 1500 Schlachtschwerter
führeten / dem Feindes Fussvolk zur seite ein / und fing ein solches Gehacke an
/dz ihm 20000 weichen mussten / deren er doch 6000 in den Tod schickete. Der
Feind wollte diesem Unwesen länger nicht zusehen / und liess 8000 Reuter auff ihn
ansetzen / die mit grosser mühe durch ihr eigen Fussvolk hindurch brachen / und
deren nicht wenig ertraten / ehe sie Herkules erreichen kunten / der sie zeitig
gnug kommen sah / noch 3000 der seinen zu sich foderte / und die
herandringenden ganz unerschrocken und mit guter vorsichtigkeit in geschlossener
fester Ordnung empfing / die doch nach kurzem Gefechte sich bald wieder zurück
zogen / teils / weil sie vor den grossen Schwertern nicht bestehen kunten /
teils in Meinung / die unsern zu locken / dass sie mit der Menge umbgeben / und
also erschlagen werden könten. Aber Herkules roch den Braten / und folgete nicht
so hitzig nach / hatte doch mühe / die seinen abzuhalten / welches er noch
endlich mit dem Trometen-zeichen tuhn musste. Der Feind ward mit 6000 gestärket
/und ging auffs neue auff ihn an / dessen er sich mit seinem Häuflein nicht
wegerte / mischete sich freudig unter sie mit seinem ädlen Blänken / und hielt
ein so ernstliches Treffen / dass / ungeachtet der Feind an Mañschaft fast eins
so stark wahr / er sie dannoch auff die Weichseite brachte / nachdem er ihren
obersten Führer / und fünff andere ansehnliche Ritter mit seiner Faust erleget
hatte. Die Feinde liessen noch 5000 im stiche / und büsseten die unsern nur 600
ein. Es zog sich eine feindliche Schaar 8000 stark / enge zusammen / des
vorsatzes ihm von hinten zu den Weg zuverlegen / aber weil er seine Bestreiter
schon auff die Flucht gebracht hatte / nahm er seinen Abzug /ehe diese ihm so
nahe kommen kunten. Dropion hatte an seinem Orte dieses Reutertreffens
Kundschaft erhalten / liess deswegen auch eine Schaar 9000 stark sich gegen
Siegward nahen / dem Olaf mit gleicher Anzahl entgegen ging und sich dergestalt
bezeigete /dass in kurzem 4000 Pañonier absattelten / uñ die übrigen sich nach
Entsaz umbsahn / welcher ihnen auch 15000 stark / zeitig gnug kam; aber Olaf
wusste /dass man nicht willens wahr / eine Feldschlacht zu wagen / daher zog er
sich wieder nach seinem Gewarsam / und hinterliess 1600 Todten. Gegen Herkules
hatten sich auch 16000 ins offene Feld gesetzet / aber niemand fand sich / der
ihnen begegnen wollte; welches der Feind ersehend / schier rasend worden währe /
durffte doch mit den Reutern sich nicht zu weit vertuhn / weil er allerhand
hinterlistige Auffsätze befahrete / und gereuete ihn schon / dass in Auffrichtung
des Galgen er eingewilliget / ja den unnötigen Krieg angefangen hatte / weil er
nicht allein sah / dass die unsern sich ihrer Haut redlich erwehren / und umb
den Sieg mit ihnen spielen wollten / sondern auch handgreifflich zumerken begunte
/ dass Dropion alles zu seinem eigenen besten getrieben hatte. Hingegen zierete
Ladisla seinen blutigen Wahl mit 60 Fähnlein aus / welche der Feind zurücke
gelassen hatte / freuete sich auch des von Gott verliehenen Sieges / massen der
Feind diesen Tag 39300 zu Fusse / und 10000 zu Ross eingebüsst / und sie dagegen
nur 11000 Fussknechte / und 2200 Reuter zugesetzet hatten. Als der Feind sah /
dass er sein Schart vor dissmahl nicht auswetzen kunte / liess er zwei
absonderliche Reuter-Heer / jedes 14000 stark / von beiden Seiten ins Land gehen
/ mit Befehl / alle Menschen zuerwürgen / Flecken und Dörffer anzuzünden / und
das Vieh überzutreiben. Dass er aber die unsern in der Furcht behielte /und ihnen
die Nachfolge wehrete / stellete er sich zur HauptSchlacht; das übrige gesunde
Fussvolk 48000 in die Mitte / und zu beiden Seiten henkete er die Reuterei als
zween Flügel an / jeden zu 50000 stark / und mussten die übrigen 12000 Pferde /
teils umb ihr Lager her halten / teils hin und wieder im Felde reiten / umb
zuerforschen / ob die unsern den ausgeschikten nachgehe würden. So bald Herkules
dessen inne ward / erklärete er sich / den Feind im offenen Felde durch eine
algemeine Schlacht anzugreiffen / weil er ihm gewachsen war / taht Ladisla und
Siegwarden solches zuwissen / und zog alle Völker zusammen. König Henrich blieb
wegen seiner Verwundung mit 6000 im Lager; Ladisla / Fabius und Gallus führeten
38000 heraus zur Schlacht. Herkules / Arbianes / Leches und Klodius nahmen den
rechten Flügel 48000 Reuter; Siegward / Olaff / Neda / Markus und Prinsla den
Linken 50000 stark. Mnata ward dessen zeitig berichtet / zog nicht allein die
12000 Reuter wieder an sich /sondern sendete auch den beiden ausgeschikten
Schaaren eilige Botschaft zu / mit Befehl / alsbald wieder umzukehren; wollte
sich doch nicht in das offene Feld zihen / sondern blieb nahe bei seinem Lager
stehen / und erwartete des Angriffs in seinem Vortel; welches Herkules nicht
schreckete / sondern Leches mit 6000 losbrechen liess / dem eine gleiche Schaar
begegnete / aber mit solcher Vorsichtigkeit / dass von den unsern mehr als der
Feinde verwundet wurden /und Leches es abzuwenden umsonst bemühet wahr /ursach /
er hatte grossen teils unerfahrne Böhmen bei sich. Im andern Flügel taht Neda
mit 7000 den ersten Anfal / aber ehe er sichs versah / gingen ihm 9000 gerade
auff den Leib / dz er bald im Anfange 1600 einbüssete / und hinter sich
zuweichen gezwungen ward / biss ihn Prinsla mit 3000 entschüttete / da brachte er
den Schimpff bald wieder ein / und erschlug der Feinde 2200. Leches wollte nicht
nachlassen / so wahr sein verschlagener Wiedersacher nicht willens / mit ganzer
Macht anzubeissen / worüber er seine Völker zu weit wagete / dass ihm 1600
mehrenteils Böhmen hart verwundet / und 1400 erschlagen wurden / daher Klodius
ihn zuentsetzen befehlichet ward / der mit 3000 auff den listigen Feind anging
/gar zeitig durchbrach / und mit Leches Hülffe 2000 fellete / und 600
verwundete. Herkules liess Ladisla und Siegwarden zuentbieten / sie sollten in
Gottes Namen mit der ganzen Macht den Angriff tuhn / und ging er gleicher
gestalt so eiferig los / dass er gnug sehen liess / dass er nicht willens währe /
ohn eine sonderliche Taht abzuzihen. Aber die Feinde wollten doch nicht mehr /
als der unsern Anfal Beschützungsweise ablehnen / daher das Schwert nichts
sonderliches verrichtete / ohn Ladisla mit dem Fussvolke wirkete das meiste / dass
des Feindes / bei welchem der König selber wahr / gar zeitig zurück wiche / und
sich in des beschanzete Lager zog. Als nun Ladisla hierüber zu kühn ward / fiel
ihm Dropion mit 9000 Reutern zur seite ein / uñ taht ihm nit geringe schade /
biss Siegward selbst mit 12000 zu hülffe ging / und der Pannonier sich an dem
verrichtete wohl vergnüge liess; wiewol er im Abzuge 1000 Reuter einbüssete /
nachdem er 2500 von unsern Fussvölkern erschlage hatte jedoch auch dz Pañonische
Fussvolk 4000 auff dem Platze liess / und von den unsern nur 600 auffrieben.
Endlich drang Herkules kräftige Faust durch an seinem Orte /dass bei diesem
Flügel es zum vollen Treffen kam / uñ ein grosses Blutbad vorging / da hingegen
Siegward und Olaff die ihrigen mit grosser Mühe von der Flucht abhielten;
Ladisla aber gar nichts mehr verrichten kunte / weil Mnata wieder seine
Gewohnheit sich mit den Fussvölkern im Lager entielt / uñ der Reuterei gleicher
Gestalt Befehl erteilete / hinter sich zuweichen; wodurch Siegward Luft bekam /
und Herkules den völligen Sieg nicht behaupten kunte; über dessen Gefechte Mnata
sich am meisten verwunderte /und in Furchten stund / er würde ihm den ganzen
Flügel zuschanden machen. Wie nun solcher Gestalt der Feind weder schlagen noch
weichen wollte / sahen die unsern von beiden Seiten einen grossen Staub auffgehen
/ und merketen bald / dass es des Feindes abgeschikte Völker wahren / deswegen
nahmen sie den Abzug / und wahren zimlich betrübet / dass so viel Volk darauff
gangen / und doch nichts Hauptsachliches verrichtet wahr; dañ über vorgedachte
hatte Siegward noch 4000 uñ Herkules 600 verloren / ingesamt 7600 Reuter / 3100
Fussknechte. Hingegen missete Agiss im linken Flügel 8800 Mann über die
obgedachten / und Dropion im rechten noch 2000; ingesamt 16000 zu Pferde und
4000 zu Fusse. König Mnata / wie streitbahr er sonst wahr / wollte vor dismahl
nicht mit fechten / dann ein Pannonischer Pfaffe / welcher ihm zu
unterschiedlichen mahlen zukünftige Dinge vorher angezeiget hatte / warnete ihn
heimlich / kurz vor der Schlacht / er sollte diesen Tag sich nicht ins Gefechte
begeben / wo er sonst nicht seine Gesundheit / oder wohl gar sein Leben verlieren
wollte; deswegen hielt er sich zwischen dem Fussvolke / und taht Befehl / wessen
man sich verhalten sollte / wodurch er aber die seinigen zaghaft machete / weil
sie dessen an ihm nicht gewohnet wahren; insonderheit entsetzete sich die
Reuterei sehr darüber / dass er mit dem Fussvolke so zeitig den Abzug ins Lager
nam da er doch stärker als der Feind wahr / und noch keinen sonderlichen Abbruch
erlitten hatte / viel weniger sich befürchten durffte / dass ihm von des Feindes
Reuterei Einfal geschähe / weil die Flügel ihm Sicherheit gnug hielten. Der
hochmuhtige Dropion / welcher schon etliche Jahr her mit gefährlichen Sachen
wieder seinen König schwanger ging / und ihn nur des gemeinen Volks Liebe zu
ihrem Könige abhielt / sein Vorhaben ins Werk zurichten / meinte hieselbst
Gelegenheit zuhaben / ihm eins anzuwerffen / und beschwerete sich gegen die
Obersten / niemand als der König hätte den Sieg durch sein furchtsames weichen
verhindert /dann sein Gegener wie kühn er auch gefochten / hätte sich kaum in
der Ordnung halten koñen / welchen er in einer halben Stunde Schachmat wollte
gemacht /und hernach dem andern Flügel auch seine Faust zuerkennen gegeben
haben; nun hätte man an Stat der Uberwindung nur Schande / an statt der
Ritterlichen Ehre / Verachtung erstritten. Der meiste Teil war der Meinung / es
könnte nicht schaden / dass man den König drüber zu Rede stellete / und seines
Abzuges Ursach zu wissen begehrete; aber ihrer etliche hielten solches
zustränge. Er Mnata selbst zweifelte nicht /die Reuterei würde seinen Abwich
nicht zum besten empfunden haben / dessen / die Warheit zusagen / die Furcht
Ursach wahr / hatte sich aber doch einer Entschuldigung besonnen / ging zu den
versamleten Obersten / und fragete was ihre Beredung währe; worauff Dropion zur
Antwort gab; sie beklageten untereinander ihren Unfal / dass wegen Ausweichung
des Fussvolks ihr herrlicher Sieg / welchen sie schon mehrenteils in Händen gehabt
/ ihnen entrissen währe. Der König gab zur Antwort; sein Abzug währe nit aus
Furcht oder Unvorsichtigkeit geschehen / sondern als er de Feind hätte so stark
auf ihn zudringen gesehen /währe er hinter sich gangen / seinen Reutern Raum
zumachen / dass sie von beiden Seiten in der Feinde Volk fallen / und ohn verlust
ihr FussHeer auffreiben sollten / welches Feldmarschalk Dropion an seinem Orte
sehr wohl verrichtet / wann nur der ander Flügel sich gleicher gestalt auch
bezeiget hätte; welcher aber nit allein diese Gelegenheit aus der acht gelasse /
sondern auch des FeindesReutern schlechten Wiederstand geleistet hätte. Agiss der
Reichs Marschalk hatte diesen Flügel geführet / und vorsichtig gnug gefochten /
nur dass ers mit Herkules zutuhn hatte. Er wahr des Königes allergeträuester Raht
und Diener / hatte auch von Anfang her ihm diesen Krieg wiederrahten / aber
durch andere überstimmet / einwilligen müssen / und taht ihm sehr weh / dass er
sich unverschuldeter Sache musste rechtfertigen lassen / deswegen er diese
Schuzrede vorbrachte. Allergnädigster König; wie ich mich bisher in meinen
Ritterdiensten im Kriege und Feldzügen verhalten / weiss ihre Königl. Hocheit
selbst / und das ganze Land; scheuhe mich auch nit /dessen allemahl Rede und
Antwort zugeben; ich gestehe aber gerne / dass die meinen vordissmahl den lezten
Stand nicht gehalten / noch des Feindes Wuht abtreiben können / dann sie hattens
auch nicht mit Böhmischen Bauern / sondern mit dem ausserlesensten Kern der
Teutschen Ritterschaft und SchlachtSchwertern zutuhn; so wahr ihr Führer nicht
ein ungeübeter wehrloser / sondern der in aller Welt gepreisete Herkules / wie
man ihn an seinen Tahten und unbendigem Pferde leicht hat erkennen mögen / und
haben mich die Götter nicht darzu ersehen / dass ich der erste ihm ansiegen soll;
dann warumb sollte ich diesem Helden sein Lob nicht göñen / welches in unsers
ganzen Heers Munde schwebet? Ich gestehe / dass ich ihm nicht habe können die
Wage halten / noch seinen heftigen Einbruch verhindern / wiewol ich ihm dannoch
nicht entlauffen bin. Darff ich aber / gnädigster König / darff ich die Ursach
meiner Niederlage bekennen? so träget des Fussvolks Abzug daran die gröste Schuld
/dann hiedurch ward mir die Iñerseite geblösset / und zwar mir unbewust / und
wider alles mein vermuhten / dessen der Feind sich gar wohl hat wissen zu nutze
zumachen. Aber Ihre Königl. Hocheit beschuldigen mich / ich hätte es übersehen /
und des Feindes Fussvolk nicht angefallen. Sehr gut / gnädigster König /wann ich
einen ohmächtigen und geringen Feind vor mir gehabt hätte. Weil ich aber schon
beiden Fäusten Arbeit fand / wie kunte ich dann noch einen neuen Feind anfallen
/ da mir der eine schon mehr als gewachsen wahr? Herkules lässet sich nicht nur
oben hin auffhalten; an welchem Orte derselbe fechtet / ist die ganze / nicht
nur halbe Auffsicht und Krafft nöhtig. Man frage nur diese drumb / welche schon
heut mit ihm sich versuchet / und mit gedoppelter Macht zuweichen sind gezwungen
worden / da ich kaum eine gleiche Mannschaft mit ungleichem Gewehr wider ihn
angeführet. Zwar ich möchte wünschen / dass ich nicht allein ihn hätte auffhalten
/ sondern gar lebendig fahen können / aber in meiner Krafft / gestehe ich gerne
/ ist es nicht gestanden; sollte ich nun deswegen straffbar sein / was würden
dann die heutigen Bestürmer ihres Lagers zuverantworten haben? Schliesslich weiss
Eure Königl. Hocheit / dass wegen meines herzu kriechenden Alters ich mich
entschuldiget und gebehten habe / dieses hohe Amt einem andern auffzutragen; Ich
wollte gerne mit fechten / auch allen möglichen Raht aussinnen helffen / aber es
hat mir ja so gut nicht werden können; bitte demnach untertähnigst und von
Herzen / Ihre Königl. Hocheit wolle mich allergnädigst entschuldiget halten /
und sich versichern / dass dieselbe mich nicht allein unter ihre geträuesten
Diener / sondern auch eiferigsten Liebhaber des Vaterlandes und Ihres
Königlichen Stuels wohl zählen darff. Feldmarschalk Dropion hatte sich vor diesem
Manne stets am meisten / wegen seiner Auffrichtigkeit und Träue gefürchtet / und
viel Mittel angewendet / ihn auff seine Seite zubringen /aber bisher vergebens /
weil er nicht den Eigennuz /sondern des Reichs und seines Königes Wolfahrt
suchete. Hier aber meinte er ihn zustreicheln / und wider den König anzuhetzen
/ und fing nach dessen geendigter Rede also an: Je wann ein redlicher Ritter und
KriegsOberster deswegen zurecht stehen soll / dass er des Feldherrn verschwiegene
Gedanken nicht hat sehen / und denen sich gemäss bezeigen können /wollte ich
lieber ein gemeiner Landsknecht sein; Ich zeuge / und alle die zugegen sind /
dass Herr Agiss GrossOber Wachtmeister an seinem Ort keine Mögligkeit hat ermangeln
lassen / sondern das Glük ist ihm zuwider / und auff seines Feindes seite
gewesen. Der König hörete schon / wo dieser hinaus wollte / fiel ihm deswegen in
die Rede / und sagete: Ich habe ja meinen GrossOber Wachtmeister und Reichs
Marschalk weder angeklaget noch vor das Kriegs-Recht gefodert / sondern bloss nur
meine Meinung angedeutet; bin ich nun in derselben betrogen worden / wie ich
nunmehr gestehe / werde ich ja deswegen noch zu keiner Rechtferngung gehalten
sein. Ich will bekennen / dass mein Abzug der sehr wohl gemeinet wahr / übel
gerahten ist; aber euer Abzug / Feldmarschalk biss an des ReichsGrenzen hat uns
auch wenig Vortel gebracht /welches ich euch sagen muss / weil ihr euch nicht
scheuhet / mich euren König zurechtfertigen; und haben unsere Feinde sich vor
dissmahl nicht gross zurühmen / massen der Schade noch nicht so übergross /und an
beiden Seiten fast gleich sein wird; möchte auch wünschen / dass bei dem heutigen
ganz unglücklichen Sturm ich deren Raht gefolget hätte / welche mir den zeitigern
Abzug rieten / solches sollte mir ungleich grössern Vortel / als mein heutiger
Abzug Schaden / gebracht haben. Die Ankunft der ausgeschicketen ReuterSchaaren
hinderten ihn weiter zureden; dann als diese eine so grosse Menge der
erschlagenen / und doch keine Feinde sahen / riessen sie alle / wo dann ihr
König / und ob er noch im Leben währe; daher er sich ihnen zeigen / und sie
befriedigen musste. Dropion hatte grossen Verdruss daran / dass der König ihm so
verweisslich zuredete; weil es aber noch nit Zeit wahr / sich zurächen / frass ers
in sich / und nahm mit seinen Verschwornen gefährliche Händel vor. Agis aber
suchete Gelegenheit / mit seinem Könige absonderlich zureden / und da er bei ihm
allein wahr / sagete er zu ihm: Eure Königl. Hocheit erinnern sich gnädigst /
Mastyes und meiner mehrmahligen geträuen Warnung / den Feldmarschalk betreffend
/ und versichern sich / dass er noch diese Stunde nicht mit guten Gedanken
umgehet; die Götter wenden nur gnädig ab / dass eben er nicht ein grösser Feind
seines Königes / als der Böhmische König sei; eines weiss ich versichert / dass er
diesen Krieg weder unserm Reiche noch seinem Könige zum besten angestifftet hat
/ sondern dieses ist seine Andacht / wann er König in Böhmen ist / wolle er
Pannonien auch wohl behäupten. Und warumb hindert er / dass Eure Hocheit nicht
wieder heirahten soll? Je dass kein gebohrner Erbe zur ReichsNachfolge sein möge /
nachdem der einzige vor zwei Jahren / durch unvermuhtlichen Tod unter
augenscheinlichen Gifftzeichen beiseit geschaffet ist. Eure Königl. Hocheit weiss
sehr wohl / wie geträulich ich und Mastyes diesen Krieg wiederrahten /da wir uns
nicht so sehr vor den Feind / als vor unsern eigenen Feldherrn gefürchtet / und
dazumahl es so teutsch nit ausbeichten dürffen / und wollte Gott / man hätte
unsere eingeführte Ursachen auf die Wage der gesunden Vernunft geleget; doch
die jungen Rahtgeber / die von Dropion alle mit einander wahren zu Ehren
gebracht / mussten mit ihrer grossen Menge der einträchtigen Stimmen durchdringen
/ in welchen sie gewisslich mehr Beleidigungen richteten / als uns angetahn sind;
aber lebet auch noch wohl die Helffte von ihnen? 6 sind von den Feinden
auffgeknüpffet / und 15 in Stürmen und Schlachten drauff gangen / da sie
zweifels ohn ihren blutgierigen und ungeträuen meinäidigen Raht viel zuspät
werden bereuet haben. Jedoch / weil der Streit angefangen ist / muss er redlich
ausgeführet werden / und verhoffe ich nicht lebendig /als nur wie ein Obsieger
aus Böhmen zuzihen. Eure Hocheit setzen ein Geboht / (ich rede dieses aus den
allerhochwichtigsten Ursachen / auff welchen meines Königes Heil und Leben
beruhet) dass wer inkünftig aus der Schlacht entrinnet / und das Feld verlässet
/ er sei hoch oder niedrig / solle Ehr / Gut / und Leben verwirket haben. Aber
diss ist mein Raht / dass man alle mögliche Mittel ergreiffe / den Feind zur
Schlacht zubringen / ehe uns ein ander Feind mördlich anfalle. Ich weiss wohl /
was vor Reden ich schon von dem Feldmarschalk gehöret habe: Dem Könige sei das
Herz entfallen; Er dürffe bei der Reuterei nicht fechten / halte sich hinter dem
Fussvolke / und meide die Wunden. Was kann hieraus entstehen / als Auffruhr? Ich
rede mit meinem Könige vertraulich / und wollte wohl ein mehres reden / wanns
nicht noch zur Zeit zu unzeitig währe. Dieses versichere sich Eure Königl.
Hocheit / dass ich des Feldmarschalks Gnade und Heuchelgewogenheit / nach
bewusster ehmaliger Beschimpff- und Verfolgung leicht haben könnte / welche er mir
durch sich selbst und durch andere anbeut; aber ich will lieber unter dem
MeuchelSchwert / wie schon andern geschehen ist / sterben / als an meinem Könige
im geringsten träuloss werden. Ists aber möglich / so unterdrücke Ihre Königl.
Hocheit meine vertrauliche Reden / biss sie wieder in ihr Land kommen / und des
äusserlichen Feindes entladen sind / alsdann will derselben ich ihren innerlichen
viel schädlichern mit solchen unfehlbaren Beweisstuhmen vor Augen stellen / dass
Sie sich selbst verwundern wird / wie sie dem Verderben hat können entgehen. Im
Felde fürchten sich dieselbe nicht / und befehlen mir allemahl in beisein
Dropions oder anderer / dass Ihrer Hocheit ich die mir genenneten Häuptleute mit
ihre Schaaren zur Leibwache herschaffen solle. Auch ordnen dieselbe es nach
diesem / da es ihr gelieben kann / also / dass der Feldmarschalk wider des Feindes
rechten Flügel / in welchem Herkules / gewisslich ein treflicher und ehrliebender
Held streitet / gehen möge. Der Ruhm / welchen er mir gab / ging nit von Herzen
/ sondern von Eurer Hocheit mich abzuzihe / war es angesehe / und währe dieselbe
ihm nit in die Rede gefallen würde er seine Bosheit wider seine König erst recht
ausgeschüttet habe; aber alles der Zeit uñ Geduld befohle; ich will nit
unterlassen / vor meines Königs Heil uñ wolfahrt zuwache / welches ich durch
dieses mittel bisher glücklich verrichtet / dz des gemeinen Volkes Träue zu ihrem
Könige ich in festem Stande erhalten habe. Der König erschrak dieser Rede nicht
wenig /bedankete sich der Träue / welche unvergolten nicht bleiben sollte / und
hiess in ja schweigen / dass nicht zur unzeit eine Aufruhr entstünde; er hoffete
diesem Tokmäuser dergestalt zubegegnen / dass es ihm zun Augen ausgehen sollte.
Liess alle Völker versamlen /hielt gemeine Heerbeschauung / und befand / dass er
noch 44000 gesunder Mañschaft zu Fusse / welche von den Fuhrleuten (an deren
statt die Trossbuben treten mussten) auff 50000 ergänzet wurden; die Reuterei aber
in 124000 Mann bestund; und weil er sein gröstes Vertrauen auff die Ritterschaft
gestellet hatte / mussten von den Fussknechten noch 10000 beritten gemacht werden.
Die grund Ursach aber / dass Agiss seinen König so träulich vor dissmahl warnete /
wahr diese; es hatte Dropion einen Leibdiener / dem er sein geheimstes
vertrauete / ungeachtet er vor etlichen Jahren dessen Vater wegen einer Mordtaht
gebührlich hatte hinrichten lassen / welches aber dem Sohn nicht aus dem Sinne
wollte / wie viel gutes ihm gleich von seinem Herrn geschahe / welcher ihm den
hohen Adelstand in künftig versprochen / und schon zimliche Landgüter
zugeschanzet hatte. Dieser machte sich des vorigen Abends in stiller geheim zu
einem Fähndrich / seinem nahen Anverwanten / welchen er wusste sehr gut Könisch
sein / beklagete anfangs seines lieben Königes Gefahr / und dass er ihm solche zu
offenbahren zu ihm kähme / mit begehren / es Herrn Agiss anzumelden / welcher
schon auff Raht würde bedacht sein. Du handelst redlich mein Oheim / antwortete
dieser / dass du die von deinem Herrn empfangene Guttaht geringer / als deines
Königes Heil und Wolfahrt achtest / weil ich leicht ermässen kann / kein Mensch
als eben dieser / gehe mit gefährlichen sachen zu unsers Königes verderben umb.
Dem ist also / sagete dieser; massen ich euch wohl versichern kann / dass mein
König in Leib und Lebensgefahr schwebet / er gewinne oder verliere die künftige
Feldschlacht; weil ich mit meinen Ohren den Rahtschlag angehöret / dass wo das
Glük uns den Sieg gönnen wird / solle der König / wo nicht durch Feindes Hand /
doch gewiss durch MördersSchwert in der Schlacht gefellet werden; welchem
bestelleten Mörder zwar drei Tonnen Schaz versprochen sind / aber er wird
alsbald durch einen andern Mörder unter dem Schein der eiferigen Rache
nidergemacht werden / auff dass der Anschlag schier heut oder Morgen nicht unter
die Leute komme; sollte aber der Feind Meister spielen / wird mein Herrn der
Feldmarschalk mit den seinen (einer sehr grossen menge von beiden Flügeln) aus
der Schlacht reissen /unter dem vorschutze / man müsse dem Vaterlande zu helffen
/ sich auffmachen; da dann der gute König solle in der Feinde Hände gerahten /
und wegen des auffgerichteten Galgen / erhenket werden; hernach könne mein Herr
mit den Feinden Rachtung treffen /und durch seinen grossen Anhang die
Pannonische Kron leicht erlangen. Der Fähndrich hatte dieses kurz vor dem Sturme
bei Agiss vertraulich abgelegt / welcher aber biss hieher keine gelegenheit gehabt
hatte /den König zu warnen. Gleich als nun Agiss von dem Könige weg gehen wollte /
kam sein Leibdiener / und reichete ihm ein wolvermachetes Schreiben von dem
Statalter Mastyes ein / welcher in des Königes Abwesenheit die Herschaft
verwaltete / und ihm ernstlich liess angelegen sein / hinter Dropions künste
zukommen / auch so viel erfuhr / dass der König gewiss auff diesem Zuge / er
gewönne / oder verspielete / sein Leben einbüssen würde; welchem Unheil
vorzubauen / er in seines Königes Nahmen und Befehl eine Macht von 80000 zu Ross
in aller eile versamlete / und an Agiss schrieb; er sollte vor allen dingen den
König abrahten / dass so lieb ihm sein Heil und Leben währe /er in keine Schlacht
sich mit dem Feinde einliesse /ehe und bevor er ihm noch einen ansehnlichen
Entsaz würde zugeführet haben / welcher des fünften Tages nach empfahung dieses
/ ihm nicht weit mehr sein sollte. Hernach / dass er nicht in dem Reuterflügel
sich streitend finden liesse / bei welchem Dropion währe; und endlich / dass man
dem Bömischen Könige keine ehren verkleinerliche Beschimpfung antuhn liesse.
Agiss hielt vor nöhtig / es dem Könige zu offenbahren / verschwieg doch des
Fähndrichs anbringen / und bewägete den König / dass er nun mehr völlig gläubete
/dass Dropion ihm nach Leben und Kron stünde / ging auch mit Agiss hin nach dem
Heer / und sagete beides hohen und nidrigen selbst an; ein jeder sollte an seinem
Orte fleissig und wachsam sein; dann nach verlauff fünff Tagen müste es durch
eine algemeine Schlacht redlich ausgetragen werden / ob der Böhme ihm / oder er
dem Böhmen zugebieten hätte / inzwischen sollten sie ingesamt fein ausruhen und
alles volauf haben. Dropion verdross solches heftig / dass er die Zeit zur
Schlacht vor gehaltenem Kriegsraht / oder doch ohn sein vorwissen bestimmete;
meinte auch /er hätte Agiss / der ihm allernähest stund / und sich freundlich
gegen ihn bezeigete / nunmehr gar auff seiner Seite / daher sagete er zu ihm:
Hui! wie will unser König nun ohn unsern Raht wieder gut machen / was er allein
verderbet hat? wie aber / wañ das Heer ihm nicht folgen wollte? Ich möchte
wünschen / antwortete Agiss / dass unser König darüber Raht gehalten / oder zum
wenigsten es mit dem Herrn Feldmarschalk beredet hätte; weil es aber ihrer
Hocheit also gefället /deren Befehl und Wille unser Gesez sein mus / so wenden
ja die Götter dieses Unglück gnädig ab / dass das Heer sich ihrem gekröneten
Oberhäupte entgegen richten wollte; ich vor mein Häupt wollte mich lieber selbst
umbringen / damit ich ein solches Unglück nicht sehen dürfte; dann was könnte dem
Feinde angenehmers auff der Welt begegnen? und würde auff diesen Fal besser sein
/ dass der Herr Feldmarschalk den König eines andern beredete / wann seinem hohen
verstande nach / er dieses vornehmen vor undienlich befinden sollte / wobei ich
dz meine geträulich tuhn will. Ich will auch nicht hoffen / gab dieser Schalk zur
Antwort / dass die Völker sich sperren werden; und weil vor dissmahl dem Könige es
also gefallen / dass er seinem eigenen Raht folgen wollen / will ichs mit gut
heissen; gab damit an den Tag / dass ihm schon leid wahr / sich gegen Agiss so
weit heraus gelassen zu haben / weil derselbe nach seiner Leier nicht tanzen
wollte. Der König stund ein wenig / als voller Gedanken / welche ihm dañ im
Kopffe rechtschaffen herumb lieffen / und man leicht muhtmassen kunte / dz sein
Herz beschweret wahr. Dropion aber gedachte / es währe ein Zeichen der Scham /
wegen seines heutigen versehens; doch erhohlete er sich bald / nahm eine
sonderbare freundliche Herzhaftigkeit an sich / und redete die versamleten
Kriegshäupter also an: Liebe Geträue; ich habe aus höchstwichtigen Ursachen /
welche schier künftig sollen gemeldet werden / bei mir beschlossen / mit den
Feinden einen viertägigen Anstand zu machen / unter dem Scheine / dz man Zeit
habe und sicherheit / die Erschlagenen beiderseits zubegraben / welches sie ohn
zweifel gerne eingehen werden. Ist demnach mein gnädigstes Gesinnen / mir eure
Meinung hierüber anzudeuten. Dropion gab zur Antwort; er könnte sich hier weder
mit ja noch mit nein heraus lassen / es währe dann / dass er die wahren Ursachen
solches vornehmens hörete / alsdann wollte er auff dieses ganz unvermuhtliche
vorbringen sich gehorsamlich erklären. Gar wohl / antwortete der König /und
warumb sollte ich meinen Kriegsfürsten und Rähten solche Ursachen verhehlen / wañ
sie dieselben zuwissen begehren? ich habe bei meinem Auszuge aus meinem Reiche /
es mit meinem hinterlassenen Statalter Mastyes verabscheidet / er solle auff
allen Nohtfall noch ein Reuter Heer 80000 stark samlen /und mir solches eiligst
nachschicken; weil ich dann heut nach gehaltenem Treffen von ihm Zeitung
erhalten / dass nach Verlauff vier Tagen er bei uns sein wolle / bin ich durchaus
nicht willens / die Häupt Sache dem Glük zuuntergeben / biss solcher Entsaz in
der nähe sei / von welchem ich bissdaher nichts habe melden wollen / damit den
Feinden es nicht verkundschaffer würde. Dropion entsetzete sich des Vorbringens
/ sah dass ers nicht hintertreiben kunte / und doch seinen Wiederwillen
anzuzeigen / fing er mit verwirretem Gemüht also an: Ich weiss nicht / ob es
rahtsam sein würde / dem Feinde einigen Anstand zugeben / wann er darumb
anhalten sollte / wiewol er darzu viel zu hochmühtig ist / und nun wollen wir
selbst darumb ansuchen? Ich schätze unsere Macht stark genug sein / dem Feinde
anzusiegen / deswegen fodere man ihn aus auff Morgen zur Schlacht / ehe er die
Kühnheit zu treffen ableget / und durch Zeitung wegen des Entsatzes / der mich
sehr / und nicht ohn ursach befremdet / davon abgeschrecket werde. Marschalk /
warumb befremdet euch der Entsaz? sagte der König; meint  ihr / dass er uns so
gar unnöhtig / und ein lauter überfluss sei? Haben wir doch schon über 80000 Mann
/ die Verwundeten mitgerechnet / heut diesen Tag eingebüsst. Und warumb
schriebet ihr mir dann nechten / wir dürfften dem Feinde nicht unter 250000 Mann
in der Schlacht unter Augen stellen? Aber GrossOber Wachtmeister Agiss / was ist
hierüber eure Meinung? Allergnädigster König / antwortete er; es kann sein / dass
der Herr Feldmarschalk sein hoch vernünftiges absehen habe / welches ich nicht
wissen kann / aber meiner unvorgreiflichen Meinung nach / hat Eure Königl.
Hocheit sehr vorsichtig gehandelt / dass dieselbe auff einen Entsaz ist bedacht
gewesen / weil wir andern solches aus der acht gelassen; wundere mich gleichwol
nicht wenig / dass Ihre Hocheit ein solches / ohn aller deren Vorwissen / welche
mit derselben ausgezogen find / vorgenommen /und mit Herr Mastyes abgeredet hat.
Der mehrenteil der übrigen / ungeachtet sie gut Feldmarschalkisch wahren /
stimmeten mit zu / dann sie sahen nicht /was ihnen der Entsaz schaden könnte /
weil ihnen das eigentliche Vorhaben des Dropions (welches kaum ihrer sechse
wussten) annoch nicht entdecket wahr. Aber Dropion dachte den Sachen etwas
tieffer nach /und befahrete sich / Mastyes würde diesen gewaltigen Hauffen nicht
allein führen / sondern dabei solche Befehlichshaber ordnen / welche zu steiff
Königsch währen / und ihm alle seine Vorschläge zunichte machen dürfften / hatte
doch das Herz nicht / weiter zuwiderspreche / nur sagete er / seine Meinung
währe noch / dass man mit dem Feinde ein Treffen wagete /ehe der Entsaz sich mit
ihnen zusammen tähte; dann vor erst würden alsdann die Feinde aus ihrem
unüberwindlichen Lager nicht zubringen sein; hernach dürffte das alte Heer es
ungleich verstehen / dass die frischen Völker an der Beute anteil haben sollten /
welche dieselbe durch ihre Mühe und Blut schier erworben und in Fäusten hätten.
Der König bedachte sich ein wenig / und gab zur Antwort: Ich nehme diese
wichtige Ursachen billich zu herzen und so wenig ich an meines geträuen
Marschalks Auffrichtigkeit und Träue zuzweifeln habe / so gewiss bin ich auch /
dz er den Krieg wohl verstehet; wolle demnach die Schlacht auff gut Glük mit dem
jetzigen Heer wagen / doch nicht ehe / biss dass unser Entsaz auff zwo Stunden
hinter uns ligen wird / da wir uns dessen gar nicht /als nur auff den äussersten
Nohtfal gebrauchen wollen / und sie dañoch an der Beute keinen Teil haben
sollen; ist eins. Uberdas trage ich euch meinen unbrüchigen Schluss vor / welchen
ich mir ganz ins Herz gepflanzet / und als ein Gesez gestifftet habe / dem ich
mich selbst ohn Ausrede mit gutem Wolbedacht unterwerffen will / dass wer vor
erhaltenem Siege den Abzug durch die Flucht oder aus anderem Vorgeben /nehmen
wird / soll an Gut / Ehr und Leben gestraffet /oder / da man ihn nicht ertappen
kann / als ein Verrähter des Vaterlandes durchächtet werden. Dieses nun wahr
Dropion ganz ungelegen / wie auch den Vornehmsten seines Anhangs / welche
obgedachten Anschlag über den König gemacht hatten; daher er zur Antwort gab: Er
vor sein Häupt und andere redliche Kriegs Helden bedurfften solches Gesetzes
nicht / als welche daselbst zubleiben willens währen / wo der gröste Hauffe
ihrer Völker bleiben würde. Und diesem fielen alle seine ergebene freimühtig zu
/ dass Agiss und andere Geträue nicht stark dawider sein durfften. Der König aber
erdachte diese List / und sagete: Wolan / weil wir uns hierüber nicht
vergleichen können / und meinen Obersten mein Vorschlag / den ich gerne ins Werk
gerichtet haben möchte / nicht gefallen kann / ich aber dabei besorge / dass wann
die Unter Häuptleute und gemeinen Knechte solche Wegerung erfahren sollten / sie
es ungleich auffnehmen möchten / so wollen wir alsbald hingehen / und des ganzen
Heers Meinung darüber vernehmen / welche uns allen wolgefallen muss; ging vor
hinaus / hiess die andern folgen / und gab es den Völkern mit sonderlicher
Leutseligkeit zuverstehen / welche einmühtig riefen: Dieses Königliche Gesez
würde der unbewägliche Grund ihres künftigen Sieges sein. Daher die Obersten
sichs also gefallen lassen wussten / und ward Dropion / welcher sich noch keiner
Verräterei befahrete / die Karte hesslich verstecket. Noch desselben Abends
schickete Mnata einen Heerhold an die unsern ab / welcher sich gebührlich
meldete / und wie ihm befohlen wahr / diese Werbung vorbrachte: Der
Grossmächtigste Unüberwindlichste König des ädlen hochbenahmten Pannonischen
Volkes / nachdem er dem Böhmischen Könige seinem Feinde die Schärffe seines
Schwerts in etwas zuerkennen gegeben / auch willens wahr / mit demselben ein
absonderliches Treffen auff Leib und Leben zuhalten / wann von seinen
Untertahnen es ihm hätte können gegönnet werden / lässet den Böhmischen König
durch mich seinen Heerhold / auff den fünften Tag nach diesem / zu einer
auffrichtigen offentlichen Feldschlacht einladen / da seine Königliche Hocheit
alles Vortels sich begeben /und die Sache auff das Glük und seine Faust setzen
will; inmittelst schläget seine Königliche Hocheit einen viertägigen Anstand vor
/ dass die erschlagenen allerseits mögen begraben / und den Leibern nach ihrem
tapfferen Tode die Ruhe gegeben werden; im übrigen ist seine Königliche Hocheit
nicht gesinnet /dieses Land zuverlassen / biss sie / die ihrem Trometer angefügte
Schmach Königlich gerochen haben wird. Ja Königlich gerochen / antwortete
Ladisla / solches währe ehrlich und wohl zuerdulden / wie es auch Gott fügen
möchte; aber Galgen vor gebohrne uñ herschende Könige auffzurichten / das ist
noch lange kein Königlich Stük. Wer weiss / sagete der Herhold / wer diesen
schnöden Galgen auffzurichten angeordnet hat? meinetalben wollte ich / der
Uhrheber henkete schon dran / so versichert bin ich / dass es nicht aus meines
Königes Geheiss geschehen sei. Dieses sagete er auff Agiss ausdrücklichen Befehl /
weil er dessen und des Königes geträuer wahr; und gerieten die unsern hiedurch
in wunderliche Gedanken; doch beantworteten sie es nicht / sondern Ladisla gab
diesen endlichen Bescheid: Sage deinem Könige / oder vielmehr dem Pannonischen
Wüterich; ich und gegenwärtige meine hohe Anverwanten / werden schon wissen /
wann es Zeit sein wird eine Feldschlacht zuliefern. Er hat sich gegen mein Land
und Volk nicht als ein Feind / sondern als ein Mörder und Mordbrenner erzeiget
/worinnen ich mich ihm nicht habe wollen gleich stellen / wie ich leicht gekunt
hätte / sondern geschonet was mich nicht beleidiget. Vordismahl haben wir ihm
eine Mummen Schanze gebracht / und lassen seine grosspralichte Dränungen auff
ihrem Unwerd beruhen; die begehrete Frist wegen Begrabung der Todten wird ihm
eingewilliget / er handelt auch dabei redlicher (wo sonst keine Tokmäuserei
dahinten stecket) als sein Gott und Ehr vergessener Dropion / welcher seine
erschlagene den Raben und wilden Tihren übergab / womit er bekennete / dass seine
hingerichtete Strassen Räuber und Mordbrenner vielmehr den Galgen und das Rad
bekleiden sollten / als mit der Erden überkleidet werden; jedoch könnte es Gott
schicken /dass / ehe sechs Tage verfliessen / er mehr ursach /desgleichen Anstand
zubegehren / haben möchte. Also wurden zu beiden Teilen die Geisel eingeschikt
/und liessen Ladisla und Herkules die ihren nicht allein ehrlich begraben /
sondern hielten ihnen auch bei dem Heer öffentliche Lobreden ihrer Mañheit. Die
Feinde aber wurden nur schlechts hin in die Erde verscharre / nach dem sie von
den unsern geplündert wahren / und hielten die Pannonier ein abscheuliches
Geheule und Geklapper der Waffen bei dem Begräbnis. Zeitwehrendes Anstandes
funden sich an beiden Seiten etliche Ritter und Knechte / welche von ihrem
Könige Urlaub begehreten eine gleichmässige Schaar zum absonderlichen Kampfe
ausszufodern; aber Herkules wollte es an seiner Seite nit gut heissen / darum dass
man der geübtesten in der Schlacht würde benöhtiget sein / die Ungeübeten aber
leicht einen Schimpff durch verwägenen Unverstand einlegen /und dadurch bei dem
Heer eine Furcht erwecken könten / weil die Abergläubisschen allemahl aus solchem
Verlauff / als aus einem Vorbilde und Spiegel das künftige Glük oder Unglück der
algemeinen Schlacht zu urteilen pflegeten / wodurch sie dann entweder sicher
oder furchtsam gemacht würden. Agiss hätte gleicher gestalt gerne an Pannonischer
Seite ein solches gehindert / aber Dropions Frevel ging vor / dass man nicht
allein solchen ritterlichen Leuten diese wolständige und preisswirdige Ubung
gerne gönnen und zulassen sollte / sondern rühmete die / welche sich angaben /
öffentlich vor dem Heer / und versprach ihnen eine Verehrung / da sie sich
Pannonisch / das ist / wie er sagete / unüberwindlich erzeigen würden. Es wahr
aber eine Schaar ganz verwägener Buben / 120 Mann stark / welche in vier
absonderlichen Hauffen die Freiheit zum Kampff begehreten / deswegen sie in eine
Schwade gesetzet / und ihre vier Häuptleute ümb den obersten Befehl mit würffeln
spielen mussten /welcher dem Frechesten unter allen zufiel. Weil dann der König
auch wolgefallen daran hatte / vermahnete er sie zur Tapfferkeit / und dass ein
ieder unter ihnen /nicht weniger eines andern als seine eigene Gefahr und
Verwundung abzuwenden gefliessen sein / auch zuschlagen und stechen nit ablassen
sollten / biss sie den Feind auf die Weichseite gebracht hätten. Bald darauff
schickete er den vorigen Heerhold ab an die unsern / uñ liess ihnen anzeigen /
weil den Arbeitsamen Männern die Zeit im Müssigange lange wehrete /und man in
Zelten des Würffel- und KartenSpiels auch müde würde / meldeten an Pannonischer
Seiten sich eine ritterliche ädle Schaar 120 stark / und nicht mehr / hiemit an
/ ob eine gleiche Anzahl von Feinden so viel Herzens hätte / zwischen beiden
Lagern mit ihrem ritterlichen Gewehr zuerscheinen / damit man sähe / an welcher
Seite / die rechtmässigste Sache /und tapffermuhtigsten Kämpffer sich fünden /
jedoch mit diesem ausdrücklichen Vorbehalt / dass dieses anmuhten dem gemachten
Anstande nicht im geringsten sollte nachteilig sein. Die unsern beredeten sich
nach geendigter Anwerbung hierüber / und ob sie gleich wussten / dass es
dergleichen Wagehälse unter den Pannoniern nicht wenig gab / welche durch
frevelmuhtige Raserei oft wahrer Tugend überlegen währen / wollten sie doch
solchen Schimpff auff sich nicht ersitzen lassen / und gaben die Antwort / dass
weil es schon zimlich spät / sollte auff morgen geliebts Gott / der Streit auff
begehrete masse hiemit angenommen sein / dass er mit ritterlichem Gewehr / als
Speer und Schwert /in vollem Harnisch aussgeführet würde; könten demnach die
Aussfoderer zwo Stunden nach der Soñen Auffgang / unter der Begleitung anderer
500 Reuter /und nicht mehr / erscheinen alsdann wollten sie mit gleicher Anzahl
verhanden sein / doch unter diesem Vorbehalt / es fiele der Sieg auff eine oder
andere Seite / sollten die 500 doch kein Schwertzücken / sondern den Kämpfern
ihren freien Willen gönnen / auch zu mehrer Versicherung / solche Begleitung ohn
Harnisch verrichten. Mnata und Dropion wahren dieser Einwilligung froh /
durchsucheten ihre Kämpffer fleissig / ob ihnen ichtwas an guten Pferden oder
Gewehr mangelte / welches sie auffs fleissigste verbesserten / und ihnen / da
sie siegen würden / eine Tonne Schaz ausszuteilen / versprachen. Die unsern /
damit dieser Kampff desto glücklicher ablauffen möchte /wurden eins / dass Ladisla
/ Herkules / Siegward /Olaff / und Arbianes unerkanter Weise selbst mit Kämpffen
wollten; und dass solches desto unvermerketer geschehen möchte / ward Leches zum
Obersten Führer bestellet / welcher dessen anfangs sich demühtig wegerte / und
endlich aus Untertähnigkeit gehorsamlich über sich nam. Neda / Prinsla / Klodius
/Markus Gallus / wie auch Fabius / wollten nicht zurück bleiben; die Dänen Harald
und Humbold / die vornehme Teutsche Herren und sehr handfeste Ritter /Oswald /
Sebald / Gebhard / Burchard / Bertram von der Weser / Walfried / Günter /
Erhard / Ernst / Künebald / Gotfried / Adelbert / Roland / Gotard / Willibald /
Arnhold / und Ludwieg / alle vornehme Obersten / bahten sehr inständig / dass sie
möchten gewirdiget werden / diesen ritterlichen Zug mit zutuhn. Neklam / und der
neue Ritter Grozemisla bekahmen dessen auch Urlaub. Zu diesen wurden noch 30
nahmhafte Teutschen / 16 Böhmen / 6 Friesen / 8 Wenden / und 27 Parter
gewählet / da insonderheit die lezt genenneten darümb ganzflehentlich anhielten.
Sie gingen zu rechter Zeit los / alle mit schneeweissen Feldzeichen / und hatten
500 von den tapffersten zur Begleitung mit sich genommen / welche nach dem
Pannonischen Begleitern ritten / und sich ihnen zeigeten /dass sie ganz keine
Waffen / als das Seiten Gewehr bei sich hatten / alle mit Himmelblauen
Feldzeichen und statlichen rohten Federbüschen aussgezieret / funden auch ihre
Feinde redlich und ohn heimliche Waffe / die mit rohten Feldbinden (wie auch
ihre Kämpffer) sich angelegt hatten / und wahren Mnata und Dropion selbst mit
unter ihnen / üm den Streit desto besser zu sehen. Unsere Christen hatte vor
ihrem Auszuge ihr andächtiges Gebeht gehalten / und nach angelegten festen
Waffen sich in fünff Schaaren / jede 34. Köpffe stark / verteilt; den Ersten
führete Leches und wahr bei demselben Ladisla; bei dem Andern Herkules und
Arbianes; bei dem Dritten Siegward; bei dem Vierden Olaff; und bei dem Fünften
Fabius / hatten sonst die tapffersten Ritter gleich unter sich geteilet. Es
wollten die Pannonier mit dem Speer nicht zuschaffen habe / sondern nur das kurze
Gewehr gebrauchen /daher die unsern / um alle Verdacht der Furcht abzuwenden
gerne einwilligten / jedoch ihnen diesen Verweis zuentbohten; Redliche Ritter
verachteten das Speer nicht / als welches ihr Ehren-Gewehr währe /und dabei
insonderheit erkennet würden. Sie setzeten Fuss vor Fuss auff ein ander an / biss
sie sich erreichen kunten / und jede Schaar eine gleiche Anzahl zubestreiten
hatte. Anfangs gingen sie beiderseits sehr behutsam / insonderheit spareten
unsere Helden ihre Kräffte nach Mögligkeit / und liessen ihre Leute fechten /
welche sich zwar als redliche Kriegsleute hielten / und doch dem Feinde keinen
Fussbreit abgewinnen kunten / auch schier mehr Wunden annahmen als sie
bezahleten. Als Mnata solches sah / sagete er zu Dropion: Der Feind hat unsern
Rittern keine Kinder entgegen gestellet / wie auch alle ihre Begleiter sehr
ansehnliche / tapffere und unerschrockene Ritter sind /deren gleichen ich mich
bei ihnen kaum versehen hätte / jedoch ist die Oberhand an unser Kämpfer Seite;
aber dieser stolze Ruhm währete nit lange; dann Herkules / Ladisla / Siegward /
Olaff und Fabius nahmen jeder sechs handfeste Ritter zu sich / schwänketen sich
damit von der Seite ab in den Feind / und schlugen dergestalt von sich / dass im
ersten Anfalle ein jeder seinen ersten Mann zu grunde richtete / wodurch die
übrigen in zimliche Verwirrung gerieten. Als die andern diese Lufftung von
fornen her empfunden / setzeten sie nicht minder eiferig hinein / da ihre
Verwundeten vor Zorn weder Müdigkeit noch Schmerzen empfunden. Ladisla traff
auff den obersten Führer / und befand / dass er guter Fäuste wahr /brachte ihm
aber gar bald einen Stoss unter den Krebs an / damit er ihm die Seele mit samt
dem Blute auszapfete. Als die unsern diesen grossen Vortel erstritten hatten /
und noch keiner von ihnen gefellet wahr /sie auch in behaltener
festgeschlossener Ordnung mit getrenneten stritten / sah Dropion bald / dass
solches kein gut tuhn würde / worüber er vor Zorn und Eifer anfing zu fluchen
und schänden / dass alle ihre Kämpfer seine Bernheuter und Narren sein mussten /
die sich nur auff ihre unerfahrne Frecheit verlassen / und sich einer Sache
unterfangen hätten / deren sie durchaus nicht bestand währen; sah doch endlich
mit etwas vergnügung an / dass die übrigen algemach sich in kleine Schaaren
setzeten / und ein Häuflein / 36 stark / eine neue Ordnung schloss / welches aber
Herkules gar zu zeitig inne ward / nam 24 Mann nebest Neda und Prinsla zu sich /
und befahl den andern / die annoch getrenneten fein warm zu halten / weil sie
ihnen ohndas an Mañschaft überlegen wahren / und stürmete er dergestalt auff
diese Schaar / dass sie alsbald hinter sich zu weichen gezwungen ward / da
Herkules Beistand in sie hinein brach / und nicht auffhöreten / biss sie alle
gestrekt lagen / dañ hie wahr alle Gnade auffgeruffen. Als Mnata und seine Leute
dieses sahen / bereueten sie ihre Tohrheit / aber zu späht /kehreten auch mit
ihren 500 Reutern umb / und gingen nach ihrem Lager zu / als hätten die Kämpfer
ihnen nicht zugehöret / weil sie das Elend länger nicht ansehen kunten / und von
den ihren nit 30 lebendige mehr übrig wahren / welche schon heftig verwundet
/ohn gegenwehr nidergehauen wurden / worauff man sie nacket auszohe / die Köpfe
ihnen abschlug / und sie auff den Wahl auff Stangen steckete / ihre Pferde
/Gewehr und Kleider mit nahmen / und mit einem Freudengeschrei von der
Streitbahn hinweg ritten /weil nur drei Böhmen zwei Teutsche und ein Friese das
Leben eingebüsst hatten / auch alle verwundete wieder geheilet wurden. Die
Fürsten und genennete Ritter kahmen alle / ausgenommen Günter / Adelbert und
Arnold / unbeschädiget davon / und wurden doch diese drei mit köstlichen Salben
in 24 Stunden geheilet. Mit so geringem Verlust wahr der kleine aber ansehnliche
Sieg erstritten / worüber unser Heer so frölich wahr / als währe der Feind gar
aus dem Felde geschlagen. Hingege schämete sich Mnata / sein Kriegsheer
anzusehen / welche in voller Schlachtordnung stunden / ihre überwinder zu
empfahen; aber als sie keinen einzigen wieder zurück kommen sahen / begunten
ihrer viel zu spotten / und riefen / die verwägene Narren hätten ihren
verdienten Lohn empfangen / in dem sie auff ihre Mannheit getrotzet / und ihnen
eingebildet / wann unter den andern sie mit föchten /würde man ihre tapffere
Tahten so eigentlich nicht können sehen / als wañ sie allein dz Schwert
gebraucheten; welches Dropion sehr verdross / weil er zu diesem Spiel am meisten
gerahten hatte. Agiss redete dem Heer ein mit guter freundligkeit / hielt
nachgehends sein absonderliches Gespräch mit dem Könige / und baht sehr / in
dergleichen vornehmen hinfüro nit zugehehlen. Die Götter wollten keinen Troz von
uns Menschen haben / und pflegten allemahl von solchen verwägenen ihre Hand
abzuzihen. Sie wollten weiters mit einander reden; aber es ward angemeldet / dass
ein Bömischer Trommelschläger sich vor dem Lager meldete / mit begehren / dass
jemand zu ihm heraus kähme / dem er etwas an seinen König zu bringen /anzeigen
wollte; und als ihm einer seines gleichen zugeschicket ward / gab er demselben
etliche Würffel und Kartenspiel mit diesen Worten: Sihe da mein Kerl / unsere
tapfere Kämpfer / deren nur sechs auff der Wahlstat blieben / und 27 untödlich
verwundet sind / überschicken eurem Könige und seinen Leuten dieses / die übrige
Zeit des anstandes damit zuvertreiben / weil sie damit besser / als mit dem
Waffenspiel umbzugehen gelehret sind; sie haben an der ihren Niederlage sich wohl
zu spiegeln / und können daher /wo sie nicht verblendet sind / fein lernen / was
vor einen Lohn der allerhöchste Gott den Räubern / Mördern und Mordbrennern
mitzuteilen pflege. Der ander wahr nicht viel bei solchen werbungen gewesen /
nam das eingereichete zu sich / und ging damit nach des Königes Zelt / da
inzwische der unsere auff seinem schnellen Pferde glücklich davon kam / sonst
würde man sein übel gewartet haben; dann so bald jener seinem Könige neben
erzählung der Rede / die er fein behalten hatte / alles vortrug / ward er
alsbald angeknüpfet / und fassete Mnata neben Dropion und andern Kriegs Obersten
daher solchen Grim / dass sie schwuren / es ungerochen nicht zu lassen; ja /
sagten etliche / es währe dieser Schimpf mit dem vorigen schäbichten Hunde fast
gleich zu schätzen. Die übrigen beiden Tage des anstandes wurden ohn alle
denkwürdige Begebnissen hingebracht / nur dass man allerseits die Völker übete /
und das Gewehr wohl versah. Des lezten Abends bekam König Mnata bei eiliger
Botschaft die Zeitung / dass sein treflicher Entsaz in der nähe währe / dessen er
sich sehr freuete / lieferte die Bömischen Geisel / und foderte die seinen
wieder ab / worauff er alsbald / noch desselbigen Abends /den vorigen Heerhold
an König Ladisla schickete /und ihn erinnern liess / dass die Zeit der offenen
Feldschlacht Morgen früh sein würde / dero behueff er zwo gute Meilen zurück
gehen wollte / und ihnen raum gnug machen / sich zur Schlacht einzustellen. Aber
Ladisla gab ihm kurzen Bescheid / ob seinem Könige irgend träumete; es währe ihm
ja die Macht nicht eingeräumet / dass er ihm vorschreiben sollte; wann seine Zeit
zur Schlacht kommen würde / sollte er noch mehr als zu früh erfahren / hoffete
auch in kurzen ihm so nahe zu treten / dass er ihm freilich raum genung lassen
sollte. Mnata hatte sich dieses Abschlages nicht vermuhtet / nam nicht desto
weniger seinen Abzug /und schickete diesen Heerhold abermahl an ihn / mit diesem
vorbringen; ob die Böhmen unter der Teutschen Beschützung sich nicht schämeten /
dass sie ihre Feinde mitten im Lande liegen hätten / und ohn wagung einer
redlichen Schlacht / sie vor sich sehen könten; man hätte gedacht / sie würden
durch das nähst erhaltene Sieglein / da 120 Teutsche und Bömische KriegsObersten
/ wieder so viel gemeine Pannonische Reuter gekämpfet / einen Muht geschöpfet
haben / welches sich aber nicht finden wollte; währe Ladisla ein Kriegsheld / wie
ihn etliche nennen dürften / sollte er sich finden lassen / oder es nicht vor
übel auffnehmen / dass man ihn mit einem grossen feigen Herzen abmahlete. Es
kähme dem Pannonischen Könige glaubwirdig vor / ob sollte er seine uralten
Landgötter verleugnet / und an deren statt einen erhenketen angenommen haben;
währe dem nun also / müste er gedenken / die Pannonier währen von den Bömischen
Göttern aufgemahnet / ihren Schimpf zu rächen. Hätte er dann das Vertrauen zu
seinem neugebackenen Gott / dass er mächtiger als die Alten währe / warumb
stellete er sich dann so zaghaftig / und dürste auff die angebohtene Schlacht
keinen richtigen Bescheid geben; er der Pannonische König währe schon vorhin /
und hinter sich gewichen / den Böhmen raum zu machen /würden sie folgen / wollten
sie auff gut Landknechtisch handeln / wo nicht / müste er ihm einen andern
Streich sehen lassen / als einer der seiner guten Sache / seinem Glük und seinen
Fäusten trauete. Ladisla empfand nichts über also hoch / als dass er die
verächtliche Gotteslästerung anhören musste / wollte dem Heerhold keine Antwort
geben / sondern liess ihn verwahrlich anhalten / beredete sich mit den übrigen
Fürsten / und hielt mit allen Christen (unter welchen nunmehr Olaff sich finden
liess) ein ernstliches Gebeht zu Gott / dass er seines Nahmens Ehre retten / und
den unschuldigen Beistand leisten wollte. Die Heerschauung wahr schon des vorigen
Tages geschehen / und ihnen ernstlich befohlen / sich alle Stunden zum Aufbruch
fertig zu halten / und auff drei Tage Speise zu sich zu nehmen / welche ihnen zu
aller gnüge ausgeteilet ward. Von Prag ab wurden ihne fast täglich
unterschiedliche Schaaren von neuen Völkern zugeschicket / welche mit dem
Pannonischen eroberten Waffen und Pferden gnugsam versehen wurden /so das ihr
Heer vor dissmahl 100000 zu Ross / und 50000 zu Fusse stark wahr / welches er also
austeilete / und gegen früh morgens fortgeführet ward. König Henrich / Fabius /
Markus und Gallus hatten das Fussvolk in der mitte. Zur Rechten hatten Herkules /
Arbianes / Olaff / Prinsla und Klodius 50000 Reuter. Zur Linken Ladisla /
Siegward / Leches und Neda eine gleiche Anzahl / wovon Leches 6000 zum Vortrab
führete. Sie nahmen den Pannonischen Gesanten mit sich / welcher über ihr
grosses Heer sich verwunderte. Eine halbe Meile von des Feindes neuem Lager /
stiess Leches auff 7000 Reuter / welche er beherzt angriff / und nach hartem
Gefechte auf die Flucht brachte; zog von den Gefangenen alle Kundschaft ein /
und taht es seinem Könige zu wissen / daher sie in gerichteter Schlachtordnung
fortgingen / uñ ihre Völker vermahneten / Stand zu halten / und nicht / wie im
ersten Treffen unter Siegwarden geschehen / ihre Ordnung brechen zulassen;
liessen den Pannonischen Heerhold seines Weges reiten / und zogen fort / biss sie
den Feind eine Meile von ihrem alten Lager dieser gestalt im Felde halten sahen.
Das Fussvolk 44000 wolgeübete Mannschaft hielt in der Mitte; Zur Rechten gegen
Ladisla stund der König mit 65000 Reutern; zur Linken gegen Herkules führete
Feldmarschalk Dropion eine gleichmässige Anzahl / wie sein König / aber die
auserlesenste Ritterschaft / dann er hatte ihm gänzlich vorgenommen / vor
dissmahl ein Königreich zuerstreiten / worzu ihm sein König nunmehr grosse
Hoffnung gemacht hatte / umb seine Verräterei zu hintertreiben dann er hatte
sonst mit Agis und Hyppasus schon abgeredet / dass nach erhaltenem Siege er ihn
vor Gericht stellen / seines Gottlosen Vorhabens ihn überzeugen / und ihn an den
Galgen wollte henken lassen. Er wahr sonst nicht allein ruhmrätig / sondern von
sehr grosser Leibeskrafft / und daneben vorsichtig und gerade / hatte auch 26
Römische Ritter in absonderlichen Kämpfen erleget. König Mnata sah zwar / dass
er den unsern an Mannschaft nicht sonderlich gross überlegen wahr / aber er
tröstete sich dessen / dass die seinen durchgehend wohl geübet /und unter den
unsern nicht wenig undüchtige gefunden wurden / welches auch unsere Helden am
meisten betrachteten; Uberdas verliess er sich auff seinen treflichen Entsaz /
welcher von lauter geübeten Grenzvölkern bestund / an deren stelle man ungeübete
hingeschicket hatte / und taht den unsern den allergrösten Schaden / dass von
diesem Entsatze sie nicht die allergeringeste Nachricht oder Muhtmassung hatten.
An allen Seiten wahren die Feld Herren bemühet / den ihren ein Herz
einzusprechen. König Mnata hielt den seinen vor / die Götter hätten den Feind
überredet /sich ins offene Feld zusetzen / da ihnen aller Vortel abgeschnitten
währe / hinter welchem sie sich biss daher so munter beschirmet hätten; es währe
jezt Zeit / der angefügeter Schmach eingedenke zusein / und den schäbichten Hund
zuvergelten; und ob des Feindes Frecheit anfangs etwas gegenhalten würde /
sollten sie nur behutsam fahren / und keine angebrachte Wunde unvergolten lassen
/ als dann würden die ohmächtigen Böhmen wie das Wasser zerrinnen / die ohndas
mit Ackerbau / Holzfellen und Handwerksübungen besser / als mit Waffen umzugehen
wüsten. Er erinnerte sie seines neugemachten Gesetzes / und liess ausruffen: Wer
ihm den Böhmischen König oder seiner anbefreundeten Fürsten einen lebendig
gefangen einliefern würde / sollte 60000 Kronen / oder da er ein geschlagener
Ritter währe / eine freie Herschaft von ihm zugewarten haben. Die unsern wussten
auch /wie sie ihrem Volk den Muht aufftreiben sollten; dann Herkules / dem hoch
und nidrig / wegen seiner Freundligkeit gewogen wahr / sagte mit einem frischen
lächelnden Angesicht: Es sollte keiner der Pannonischen Räuber Köpffe (deren
ohndas nicht mehr als der ihren währe) sondern ihre Herzen zählen /deren sich
gar wenig finden würden; dann ihr Gewissen überzeugete sie ihrer Untaht und
mördlichen Vornehmens. Vor fünff Tagen währe schon der dritte Teil ihrer
Mannschaft / und zwar die tapffersten nach ihrem Verdienste abgestraffet / und
würde der Almächtige Gott / als ein gerechter Richter und Vergelter / den
übrigen auch zulohnen wissen; man hätte an dieser Seite eine
ungezweifelt-gerechte Sache; man stritte vor das Vaterland wider diese
Mordbrenner; und ob gleich diese Feinde hart gegen halten sollten /müste man doch
biss auff den allerlezten Blutstropffen sich tapffer halten / weil man bei ihnen
weder Gnade noch Lebensfristung / sondern nur den abscheuhlichsten Tod
zugewarten hätte. Ey ihr lieben Brüder / sagete er / was hätten wir vor einen
köstlichern Wetzestein unsern Schwertern und Herzen antreffen können / als die
ädle Freiheit / die Beschirmung des Vaterlandes / die Beschützung unserer Weiber
und Kinder / welches alles diese Mörder auf ein mahl zuverderben geschworen
haben? So folget nun eure Anführern herzhaft und redlich / und versichert euch /
alles was die Räuber vor Schätze bei sich führen / muss noch heut vor der Sonnen
Untergang eure Beute und Reichtuhm sein. Hierauf fing das ganze Heer ein
algemeines Feldgeschrei an / und gaben dadurch zuverstehen / dass sie ungefochten
abzuzihen nicht gemeinet währen. Jene tahten nicht minder / und schicketen sich
gleich den unsern zum Angriff. An Herkules Seite taht Olaf den ersten Anfal mit
seinen eigenen Dähnen und Friesen / welche aus Wendland zurück kommen waren /
nahm darzu alle Wenden / und ging unverzaget los / dem der verwägene Pannonier
Pelegon mit 15000 Reutern entgegen geschicket ward / und tummelten sich diese
beide dermassen / nachdem keiner seines Vortels sich begeben wollte / dass
Herkules leicht muhtmassete / der Sieg würde ohn heftiges Blutvergiessen nicht
zuerhalten sein. Olaf ward des langen auffhaltens müde / setzete mit 600 Dänen
gleich auff den feindlichen Obersten zu / und ging hieselbst es scharff daher /
biss endlich Pelegon durch unterschiedliche schwere Hiebe taumlich gemacht ward /
welches Glüks Olaff sich gebrauchete /ihn mit Gewalt vom Pferde riss / und 20
Dänen übergab / welche ihn König Henrichen zuführen mussten; jedoch schlugen sie
sich zuvor rechtschaffen umb diese Beute / weil die Pannonier ihr Häupt nicht
gerne verlieren / und die unsern den erhascheten Raub ihnen nicht wieder nehmen
lassen wollten; worüber etliche hundert beiderseits das Leben einbüsseten / uñ
doch immerzu würgeten / dass es nicht anders schien / als hätten diese beide
Häuflein vor des ganzen Heers Wolfahrt kämpffen müssen / dass auch Olaf sich gar
matt arbeitete / und ihn Herkules durch Klodius mit 8000 entsetzete / dass er mit
den seinen freien Abzug bekam / nachdem er 150 Dänen / 400 Friesen / und 2000
Wenden eingebüsst / dagegen aber 5000 Feinde erschlagen hatte. Klodius bekam
auch einen frischen Gegener / nahmens Bato / Dropions unehelichen Sohn / welchen
er in seiner Jugend durch Blutschändung mit seines Vatern jüngster Schwester
gezeuget hatte. Dieser ging mit 8000 los / in Meinung /die unsern im erste Anfal
zutrennen; aber Klodius hielt ritterlich Widerstand nebest dem Dänen Harald /der
in diesem Treffen ein sonderliches Lob verdienete / und ihm nachgerühmet ward /
dass er mit seiner Faust 12 Pannonier hätte zur Erden gestürzet. Er ward zwar
drüber hart verwundet / aber doch aus dem Gedränge geführet / und beim Leben
erhalten. Ladisla hatte nicht weniger den Anfang durch Siegwarden machen lassen
/ als dem er diese Ehre schon beim Auffbruche versprechen müssen; gab ihm 3000
wehrhafte Teutschen und 7000 Böhmen zu / mit welchen er auff 14000 Pannonier
ging / aber solchen Ruhm einlegete / dass alle Zuseher sein Herz / Krafft und
Erfahrenheit rühmen mussten. Er schonete seiner Völker / so viel möglich / und
ging sehr behuhtsam / ungeachtet sein Feind Deon mit grossem wüten von sich
schlug / und hatte derselbe einen verwägenen Obersten unter sich /welcher
Siegwarden überfiel / in Meinung ihn hinzurichten / fand aber seinen Meister /
der ihm mit einem Stosse in den Unterleib das Leben nam / und den andern der
seinen Gesellen zurächen meinte / ohn Kopff springen lehrete. Seine Völker
nahmen von ihm ein Beispiel / und tahte nach allem Vermögen / so dass in kurzer
Zeit sie in gleicher Anzahl 8000 gegen 8000 stritten. König Mnata sah wohl / dass
es hieselbst über seine Leute ging / machete ihm auch die ganze Rechnung
Herkules oder Ladisla richteten ihm die seinen dergestalt zu / und schickete
einen Entsaz 8000 stark unter seinen geträuen Amntaon aus / dem sich aber
Leches mit 7000 entgegen stellete / so dass die ersten ihren Streit ungehindert
fortsetzeten / daran Ladisla keine Spereung machen wollte / weil es Siegwarden so
wohl glückete. Aber der Pannonische König kunte der seinen Unfal länger nicht
ansehe / weil dieser Hauffe kaum noch 6000 Mann übrig hatte / daher er ihm 12000
zu hülffe schickete / an welche Siegward sich nicht reiben wollte / sondern
nachdem er über die vorigen noch 300 eingebüsst hatte / mit volkommener Ehre
abzog als Neda mit 9000 den einbrechenden entgegen trabete. Klodius legete mit
einem Pannonischen Obersten absonderlich an / dem er auch gnug gewachsen wahr /
aber sein Pferd ward ihm von einem herzudringenden Pannonier erstochen / dass er
drunter zuliegen kam / und währe ohn zweifel zutreten worden / wann nicht ein
Teutscher und drei Böhmen das Leben vor ihm eingebüsst / welche mit ihrer
ritterlichen Faust so heftige Gegenwehr tahten / dass er von den seinen hervor
gerissen / und auff ein Pferd gesetzet ward. Er hat aber nachgehends den
nachgelassenen Witwen und Kindern dieser vier geträuen Leute 40000 Kronen zur
Dankbarkeit ausgezählet /und die Witwen überdas durch reiche Aussteur wieder
verheirahtet. Nun suchete er gleichwol diesen Schimpff zuräche / wagete sich zum
andern mahl an seinen Mann / und richtete ihn mit einem Stosse hin. Seinen
Reutern ging es anfangs sehr hart / aber nach Endigung dieses Kampffes entfiel
den Feinden das Herz / und wurden mit Hauffen niedergesäbelt / dass ihrer nur
4000 übrig wahren / und der rechte Führer Bato gefangen und verwundet hinweg
geschleppet ward; welches / da es seinem Vater Dropion angemeldet ward /
bekümmerte er sich nicht wenig / dann er liebete dieses unehrliche
Laster-Früchtchen heftig /weil er ihm im Frevel / Unzucht und Gottlosigkeiten
fein nachartete. Er liess auff Klodius 9000 lossgehen /aber derselbe sagete sich
aus / und gab dem einbrechenden Arbianes Raum / welcher alle seine Parter und
Meden nebest 5000 Teutschen (deren 1600 SchlachtSchwerter wahren) mit sich
führete. Der heranstechende Pannonische Oberster entrüstete sich sehr / dass
Klodius ihm entgehen sollte / nachdem er von Dropion den ausdrüklichen Befehl
hatte / ihn / weil er so grossen Schaden getahn / ungestraffet nicht abzihen
zulassen; weil ihm aber solches gehindert ward (dann nach Hinterlassung 2000
erschlagener begab er sich in Sicherheit) / als wollte jener seinen Muht an
Arbianes kühlen / dessen Schaar er auch mit solcher Macht anfiel / ob hätte er
sie auff einmal stürzen wollen; Seine Parter aber / welche durchaus den Vorzug
nahmen / begegneten ihm mit solchem Muht /dass es schien / als hätten sie sich
unter einander den Tod geschworen / und weil die Parter sich fleissig
schützeten / nahmen sie viel geringern Schaden / als die Feinde / wahren auch so
eiferig im fechten / als hätten sie alles allein ausrichten wollen; endlich
erinnerten sie sich ihres Fürsten Befehls / welcher in die Mitte die tapfferen
SchlachtSchwerter gestellet hatte /öfneten ihre Glieder / und gabe diesen den
freien Zutrit / welche als geruhete dergestalt den abgearbeiteten Pannoniern
einschenketen dass sie als Mücken von den Pferde stoben / auch ihr Führer selbst
welcher schon zimlich verwundet wahr / in diesem Satze zu Grunde ging / und von
den Pferden elendig zutreten ward / daher seine Leute aus Furcht sich zurück
zogen / und nicht desto weniger niedergeschlagen wurden /biss ihnen 8000 zum
Entsaz kahmen / da sie schon 5000 verloren hatten. Diese frische Andränger
hätten Arbianes schier zu schwer fallen sollen / dann er hatte auch 1500
verwundete unter sich / und 300 verloren; so dauchte Herkules nit raht sein /
seine übrige Mannschaft weiter zuschwächen deswegen setzete Olaff sich mit
Arbianes zusammen / und zauseten den Feind an allen Orten / weil sie stärker an
Mannschaft als die Pannonier wahren. Neda mit seinen 9000 Böhmen musste einen
schweren Stand halten / dann seine Völker wahren nicht sonderlich geübet /
hingegen wusste sein Widersacher das Schwert wohl zugebrauchen; nur die kühne
Willigkeit vor das Vaterland zusterben /taht das beste bei der Sache / dass sie
endlich mehr leisteten / als man ihnen beim Angriff hätte mögen zutrauen; massen
/ wann es ja sollte gestorben sein /gedachten sie / währe nichts bessers / als
den Feind mit sich nehmen / oder ihn vorhin zuschicken; welcher Vorsaz ihnen
dermassen glückete / dass sie 8000 niderschlugen / und dagegen nur halb so viel
einbüsseten. Der zierlichste Streit ging zwischen Leches und Amytaon vor /
massen dieser nur durch List zu siegen bemühet wahr / und jener zu tuhn hatte /
die Stricke zumeiden / biss ihm endlich der Handel verdriesslich ward / und einen
heftigen Fall mit drei tausend Mann zur Seite hinein wagete / welches ihm so
wohl geriet / dass der Feind die Glieder nicht wieder schliessen kunte / sondern
überal einbüssete / so dass er 3500 auff der Streitbahn liess / und der unsern
kaum 800 gefellet hatte; welches Mnata sehend / nunmehr Zeit sein meinte / dass
er mit den übrigen seines Flügels den algemeinen Ansaz wagete. Olaff und
Arbianes wahren an ihrem Orte noch in voller Arbeit /dann es glückete ihnen /
dass sie es vor dissmahl mit zimlich ungeübeten zu tuhn bekahmen / die zwar ihre
Feinde zu fellen kühn gnug wahren / aber weil sie sich vor ihnen zu schützen
nicht gelernet hatten / ging ihnen das Wasser über die Körbe / dass ihrer 5000
ins Grass bissen / und die unsern dagegen kaum 600 im Stiche liessen. Der
Pannonische Feldmarschalk Dropion sah / dass sein König sich begunte zusammen
zuzihen / daher er jezt gedachten Hauffen / welcher sehr gedränget ward / durch
15000 entsetzete / brachte alle gesunde Mañschaft / und die das Gewehr zu führen
annoch düchtig wahren / beieinander / und ging damit gegen Herkules los /
welcher hierauff schon lange und mit schmerzen gewartet hattee / weil die
absonderlichen Streite ihm zu viel Volk hinnahmen / und deswegen seinen ganzen
Flügel geschwinde also zurichtete / dass die geruheten vorne an gehen mussten /
setzete auch seine 3000 Schlachtschwerter bei kleinen Schaaren von 50 Mann durch
das ganze Volk / also dass gleichwol 600 die erste Spitze halten mussten. Als sie
aneinander gerieten / fielen sie wie grimmige Bähren und Löuen ineinander.
Dropion hatte die tapfersten vorne an gestellet / wahr auch selbst nicht weit
von ihnen / und versah alles so wohl / dass ihn Freund und Feind vor einen guten
und verständigen Feldherrn halten mussten. Olaf und Arbianes gingen an beiden
seiten / Herkules in der mitte / und hatte jeder 300 auserlesene Teutschen umb
sich /deren Schlachtschwerter gar bald von der Feinde Blut gefärbet wurden.
Dropion trieb gross wunder mit seinem Gefechte / dass er sich den unsern bald
bekant machete / Herkules liess die Fäuste auch nicht sinken; so übete sich sein
ädler Blänke dergestalt / dass er nicht minder als sein Reuter anfiel und die
Feinde beschädigte; welches Dropion bald kund getahn ward /der diesem Unheil bei
zeiten vor zubauen / 3000 gute Ritter zu sich nam / und sie also anredete: Komt
ihr Brüder / ich mus versuchen / ob dann dieser Herkules auch ein wahrer
Herkules sei / der mir meine beiden Brüder soll erschlagen haben; entweder ich
mus der dritte / oder sie gerochen sein. Herkules sah ihn herzu dringen /
gedachte wohl / es würde sein Mañ sein / nahm auch 3000 umb sich / und liess sich
von diesem Nachsucher gerne finden. Da ging es nun an ein eiferiges schlagen /
so dass da kein weichen wahr /biss Mann oder Ross oder beide gefellet / den
folgenden Raum gaben / über sich hin zu reiten / da inzwischen Olaf und Arbianes
auch das ihre tahten / und mit ihren Völkern den Feind rechtschaffen drängeten
/weil sie nunmehr an Mañschaft gleich / oder doch stärker wahren. Nicht lange /
da ward Herkules Dropions gewahr / und rieff ihm zu / er möchte gemach tuhn /
vielleicht fünde er noch Arbeit vor der Sonnen Untergang. Ja komm her du Lecker /
antwortete er / ich will schon machen / dass dich das Zahnweh nicht lange plagen
soll. O du Hund / bin ich dein Lecker? sagete er drauss; ging auch mit solchem
Zorn auff ihn an /dass die Anwesende bekenneten / er müste des dinges vor mehr
getrieben haben. Doch seumete der Pannonier auch nicht / sondern so bald sie
einander abreichen kunten / stürmeten sie dergestalt auffeinander ein / dass sie
beiderseits ihres wiederstreiters empfunden. Keiner liess einiges Zeichen der
Furcht noch machtlosigkeit spüre / aber die behendigkeit und grosse erfahrung zu
streiten / sah man auff Herkules seiten / welches doch der wilde Mensch nicht
erkennen kunte /dañ er gedachte ihn mit schweren Hieben zu fellen /deren ihm
doch keiner nach Wunsch angehen wollte /und er dagegen unterschiedliche Streiche
über den Hals annehmen musste / dass ihm die Ohren sauseten /und endlich zu ihm
sagete: Deines gleichen ist mir wenig vorkommen / aber doch rühme dich / dass du
von einer ritterlichen Hand den Tod empfähest. O du rechnest dich viel zu nahe /
antwortete er / und wirst vor dem Siege noch erst streiten müssen. Mit dem
schlug der Blänke Dropions Pferd in die Seite / dass es niderstürzete / und wahr
Herkules nicht faul / zuversuchen / ob er ihn also liegend hinrichten könnte;
aber die Pannonier umgaben ihn mit aller macht / rissen ihn unter dem Pferde
hervor / und führeten ihn aus dem Gedränge; worüber ihrer wohl 200 das Leben
zusetzen mussten. König Ladisla wahr mit Mnata auch schon in voller Arbeit /
wiewol dieser nicht bald anfangs mit fochte / sondern in begleitung 500 seiner
Geträuen hin und wieder rante / damit an allen Orten alles wohl versehen währe.
Siegward taht ihm an der rechten Seite sehr gedrange / hingegen litte Leches bei
der Linken / schweren überfal / welches er seinem Könige / der in der mitte
zimlichen fortgang hatte / zu wissen taht / bekam auch unter Neda anführung 2000
gute Teutschen zu hülffe / welche alles wieder ersetzeten / und mit den
unversuchten Böhmen sich vermischeten / dass sie ihrem Beispiel folgen / und von
ihnen ein muster nehmen kunten. Herkules wahr sehr zornig / dass ihm der Braten
aus den Fäusten hinweg gerissen wahr / und meinte / er würde etwa durch den Fal
mit dem Pferde so viel schaden genommen haben / dass er zum weiteren Gefechte
undüchtig worden währe / hoffete auch / weil er abwesend / die Feinde bald auff
die Weichseite zu bringen / wie er dañ in warheit eine ernstliche Schlacht hielt
/ und des Pañonischen Blutes so viel vergoss / dass es wie kleine Bächlein ran /
würde auch ohnzweifel sehr gefährlich umb sie gestanden sein / wañ ihr Herz /
der Feldmarschalk sich nicht wieder eingestellet hätte / der noch ohn allen
Leibesschaden blieben wahr / und nur neue Waffen angelegt hatte / weil die
ersten hin und wieder zerhacket wahren. So bald er sich wieder stellete und die
seinen wanken sah / rieff er über laut; wie schlaffet ihr / lieben Brüder / dass
ihr euch so wenig reget? es schien nicht anders / als wann seine Stimme beides
Ross und Mann auffgemuntert hätte / dañ das Blad wendete sich alsbald / so dass
die Weichende vor sich hinweg drungen / und die Treiber getrieben wurden;
welches Olaf / der an diesem Orte fochte / nicht ohn bestürzung ansah / und
sein äusserstes anwendete /das Werk wieder in Stand zubringen; aber es fiel ihm
zu schwer; dann weil er sich schon sehr abgemattet /und mit seiner Hand in einer
Viertelstunde acht Feinde erlegt hatte / dass auch sein Pferd nicht wohl mehr fort
kunte / ward ihm dasselbe erschlagen / und er /wie heftig er sich gleich
sträubete / gefange hinweg geführet / da man ihn dem Feldmarschalk einlieferte
/welcher nach seinem Nahmen fragend / diese Antwort von ihm bekam; ich habe noch
nie kein mahl meinen ehrlichen Nahmen gegen einen redlichen Ritter aus Furcht
verleugnet / sondern gerne gestanden / dass ich Olaf gebohrner Fürst aus
Dännemark bin und heisse. Worauff Dropion seinen Leuten befahl / ihn wohl
zuverwahren / dass er nicht entwieche. Er aber drang immerzu heftiger in die
unsern / welche an diesem Orte nunmehr ohn ein Häupt fochten / und gleichwol
Herkules des Fürsten Gefängnis zeittig wissen liessen /worüber er sich
schmerzlich bekümmerte / befahl Klodius daselbst die Auffsicht / und ging mit
2000 Mann den bedrängeten zu hülffe / da ihn Dropion mit diesen Worten empfing;
Komst du mir zum andermahl unter die Hände / du Herenmeister? O du verleumder /
antwortete er / hastu dich in einem neuen Harnisch verstecket? fiel hiemit über
ihn her / dass er sich kaum zur Gegenwehr gefasset machen kunte; worüber er
schier rasend ward / insonderheit / da Herkules zu ihm sagete: Du läst dich gar
vom Streite hinweg tragen / so furchtsam bistu / und deine Brüder schämeten sich
davon zu lauffen. Das rasende Tihr kunte vor Eifer kein Wort sagen / sondern
brach los wie ein Unsinniger / meinte / es sollte ihm nun nicht fehlen; wollte
ihm auch den Blänken niderhauen / der ihm aber gar geschiklich aus dem Schlage
sprang /bald unter seines Reuters Schutze sich wieder herbei machete / und ihn
vom Pferde zur Erden niderrisse /würde ihn auch vollends gar zu treten haben /
wann nicht seine Leute ihn zum andernmahl auffgehoben /und hinweg geschleppet
hätten / da er im falle den linken Arm verrenkete / welchen er wieder musste
einrichten und schmieren lassen / sich hoch verfluchend /nicht zu ruhen / biss er
den Buben (so durfte er einen König nennen) mit samt dem Teuffelspferde
erschlagen hätte. Zeit seines abwesens ging es über die Pañonier / dañ Herkules
blieb hieselbst in Olafs stelle /und taht dem Feinde so gedrange / dass er umb
Entsaz ausschicken musste. Bei dem andern Flügel gab es rechtschaffene Püffe /
woselbst Siegward eine solche Furcht in die Feinde gebracht hatte / dass sie
scheuh trugen / ihm zu nahen. König Ladisla / welches ein Teutscher Ritter
gezählet / hatte 16 Pannonier in diesem lezten Treffen nidergehauen / und
suchete hin und wieder / ob er den rechten Heerführer dieses Flügels nicht
ertappen könnte; welcher aber vor seines Entsatzes ankunft nicht willens wahr zu
streiten / mehr aus Furcht wegen Dropions nachstellung / als des Feindes; blieb
daher stets bei seiner kleinen geträuen Schaar / und hatte fleissige Aufsicht /
dass den bedrängeten zeitige hülffe geschahe. Der gewaltige Hyppasus nam einen
absonderlichen Kampf wieder Ladisla an / hielt sich auch eine gute Zeit / ehe er
sich geben wollte / aber endlich siegete die Königliche Faust ob /und nam ihn
hart verwundet gefangen / da ihn etliche Böhmen aus dem Gedränge nach König
Henrich führen musste. Leches und Neda hatten sich zusammen gesetzet / stunden
vor einen Mann / und schenketen ihren Feinden so tapfer ein / dass sie gnug daran
hatten / dann je länger ihre ungeübete Böhmen das Ding trieben / je besser sie
sich drein schicken kunten / und trug sich zu / dass da Leches einen grossen
starken Böhmen / der sehr blutete / fragete / ob er hart verwundet währe /
dieser zur Antwort gab; er sähe zwar das Blut hin und wieder hervor quellen /
und fühlete doch keine Wunde / fochte auch in dem gefasseten Eifer immer vor
sich weg / biss ihm die Seele ausfuhr /da er diese lezte Worte sagete; Ey wie ein
süsser Tod ist es / vor das Vaterland sterben. Diesem ward nach erhaltener
Schlacht / bei seiner bestattung eine sonderliche Lobrede gehalten. König Mnata
sah / dass die seinen allentalben abbruch litten / und hauffensweise
nidergeschlagen wurden / und wahr ihm leid /dass er den Entsaz nicht zeitiger
hatte herzu fodern lassen / welcher doch nunmehr nicht gar weit mehr sein müste;
liess auch bei seines Feldmarschalks Flügel vernehmen / wie es daselbst zuginge /
und als er die Zeitung bekam / er währe schon zweimahl von Herkules zur Erde
geschlagen / und allemahl gerettet /entsetzete er sich dessen / und befürchtete
sich einer algemeinen Flucht / ehe der Entsaz würde verhanden sein / dem er
etliche Reuter nach einander zuschickete / dass er / so viel möglich / eilen
sollte. Ladisla hatte so viel Zeitung / der König währe selbst bei diesem Flügel
im schwarzen Harnische / und führete auff dem Helme einen blauen Löuen / der
einen Hund zuriss; deswegen er mit 3000 Mann hin und her rante / biss er ihn mit
seiner Gesellschaft antraf / und überlaut rief: König Mnata / bistu Ritters wert
/ so lass deinen Feind König Ladisla empfinden / dass du ein Schwert führest.
Diesen Schimpff durffte er wege seiner inheimischen Feinde nicht überhin wehen
lassen / und stellete sich mit dieser Antwort: Wann ich mich vor deinem Schwert
fürchtete / würde ich dir so nahe nicht kommen / noch so weit nachgezogen sein.
Sie zuhämmerten einander weidlich / dann ihre guten Schwerter kunten den festen
Waffen nichts angewinnen / biss endlich Ladisla seinen Feind vom Pferde stürzete
/welcher im Augenblick von den seinen umringet und auffgehoben ward / die ihn
auch vor dissmahl ferneres Streits durchaus nicht gewehren wollten. Nun hatte
Herkules an seinem Orte es schon so weit gebracht /dass die Feinde sich enge
zusammen zogen / und die Hoffnung des Sieges albereit hatten fahren lassen; aber
da ihr Feldmarschalk zum dritten mahl herzu kam / entzündete sich ihr Muht
wieder von neuen; dann er traf auf Arbianes Hauffen / dass er gezwungen hinter
sich weichen und den Feinden Platz geben musste / deswegen seiner Meden einer
schleunig umhin rante / und Herkules diese Zeitung brachte; der seinen lieben
Schwager zuretten nicht faul wahr / kam auch eben dazumahl an / als Arbianes
sich mit ihm in einen absonderlichen Kampff eingelassen hatte / und durch seine
Ringfertigkeit und Fechterkunst / die er sehr wohl gefasset / ihn lange gnug
auffhielt; aber endlich würde es den Stich nicht gehalten haben; dann der
Pannonier taht ihm sehr gedrange / gleich da Herkules mit 800 Teutschen herzu
rante / und ihn anschrihe: Du Hund / werde ich dich dann nicht schier gewiss
fassen können? stellete sich in Arbianes Stelle /der wider seinen Willen
abweichen musste / und griff ihn zum dritten mahl an; aber die Pannonischen
Reuter wollten es durchaus nicht zugeben / trenneten sie mit Gewalt / uñ fingen
mit den Teutschen einen solchen blutigen Kampff an / dass desgleichen den ganzen
Tag nicht vorgangen wahr. Es hatte diese Schlacht schon über fünff Stunden
gewehret / und wahren an des Pannonischen Feldmarschalks Seiten in diesem
algemeinen Treffen 12000 erschlagen / und 5000 verwundet / da hingegen Herkules
nur 4000 missete / und 2000 beschädigte hatte. In Königes Mnata Flügel wahren in
diesem gemeinen Gefechte 14000 nidergehauen / und 7000 hart verwundet /daher
ihnen nit möglich wahr / längern Stand zuhalten / weil auch Ladisla nur 600
verloren / und 3000 Schadhafte in seinem Heere fand. Als es nun gleich drauff
stund / dass die Pannonier hinter sich weiche wollten / kahmen etliche Reuter
herzu gerennet / mit der frölichen Zeitung / der Entsaz währe verhanden; welches
doch die unsern nicht höreten / sondern immerzu muhtig ansetzeten / als die
nunmehr an dem Siege nicht zweifelten / dass auch König Henrich sich gefasset
machete / mit dem Fussvolke den Angriff zutuhn / dafern nicht Gott selbst ins
Mittel getreten währe / ohn zweifel zu der unsern augenscheinlichem besten; dann
es entstund ein solches erschrekliches Ungewitter mit Donner / Bliz und Regen /
dass Mann und Ross sich entsetzete / und keiner das Gewehr brauchen kunte; ja der
Sturm- und Wirbelwind wütete dergestalt / dass nicht allem die Hütten und Zelten
in den Lägern übern hauffen fielen / sondern etliche Reuter / deren Pferde
abgemattet wahren / wurden mit samt den Rossen zur Erde geworffen / daher dann
die feindliche Völker von ander gingen / und jedes Heer sich absonderlich
stellete / als hätte man den Friede ausgeblasen / oder einen Anstand des
Gefechts gemacht. Das Wetter hielt keine halbe Stunde an / und so bald sichs
gestillet hatte / mussten die unsern Speise nehmen / dann sie wahren willens /
dem Feinde vor Abends den Garaus zumachen / und wunderten sich über alle massen
/ dass die Pannonier nicht allein fest stunden / sondern auch ein grosses Freuden
Geschrei ergehen liessen / dessen Ursach ihnen aber gar bald vor Augen gestellet
ward; dann sie sahen die grosse Macht des Entsatzes in wolgeschlossener Ordnung
mit neue unbekanten Fähnlein daher zihen / deren Anzahl sie auff 60000
schätzeten / und doch 80000 vol wahren. Unsere Christen traten alsbald zusammen
/und fing Herkules dieses Gebeht überlaut an / welches ihm die andern im Herzen
nachsprachen:
    HErr JEsus Christ / du Sohn des Allmächtigen Gottes; du hast die Schändung
deines heiligen Nahmens heut anhören müssen / in dem der Wüterich dein gespottet
hat. O mein Heiland / rette du selbst deines Nahmens Ehre /wie du sie an dem
stolzen Sanherib gerochen / und durch einen Engel ihm in einer Nacht 185000
gotlose freche Mordbrenner erwürget hast; wie du den Spötter Pharao mit seinem
frechen Heer im Schilffmeer ersäuffet hast. Unser Häufflein ist geringe / und
welches noch das ärgeste / ein abergläubisches Häufflein; aber O HErr sihe uns
an deine Knechte / lass unser Schwert durchdringen / und erschrecke sie mit
deiner Macht / wie du die Heidnischen Könige vor Abrahams wenigen Knechten hast
furchtsam gemacht / auff dass ihnen ihre Gottslästerung nicht frei ausgehe. Du
HErr kanst so wohl durch Wenige und Matte / als durch Viel und Frische helffen;
ja ietzt schon hastu uns gezeiget, dass wann dirs gefiele / du die ganze Welt mit
einem einzigen Donnerschlage ümkehren / und in das ehmalige Nichts stürzen
köntest. Nun HErr unser Gott /wir deine Kinder verlassen uns auff deinen Rahmen
/dann unser Schwert kann uns nicht helffen; wir trauen auff deine Barmherzigkeit
/ dann unsere Macht ist gegen den Feind als nichts zu rechnen; aber wann du uns
deine Hülffe sendest von deinem Heiligtum / alsdann werffen wir Panier auff /
dann du HErr bist unsere Zuflucht in der Noht / und der Schild unsers Heils.
Deswegen unverzaget / ihr meine Glaubigen / mit Gott wollen wir Tahten tun /er
wird unsere Feinde untertreten.
    Nach gehaltenem Gebeht gingen sie zu Raht / wie sie es best anschlagen
wollten. König Henrich meinte / man müste sich zurück setzen / ob man einen
Vortel /und die alte Schanze wieder einbekommen könnte / alsdañ währe man
geborgen; aber Herkules hielt vors beste / weil ihre Reuter eine grosse Menge
Pferde von den Feinden auffgefangen hatten / wollten sie alles Fussvolk beritten
machen / alsdann könten sie noch 120000 Mann ins Feld führe / mit welcher Menge
wohl ehmahls 200000 geschlagen währen / woran doch die Feinde bei weitem nicht
reichen könten / dann er wüste sicher / dass der Feinde an diesem Tage an die
80000 und mehr / erschlagen / und zur Gegenwehr undüchtig gemacht währen /
welches man bei der geringen Zahl ihrer überbliebenen Reuterei leicht abnehmen
könnte; würde demnach nöhtig sein / dem Volke einen Muht zumachen / und sie
zuvertrösten /ihr Entsaz aus Teutschland würde gegen Abend verhanden sein.
Dieser Raht ward vor gut gehalten / und trat Herkules unter das traurige Heer /
sie mit dieser Rede auffzumuntern; ihr redlichen und ritterlichen Spiessgesellen
/ wie sehe ich euch doch so traurig / als ob ihr verschlagen oder Feldflüchtig
währet / da ihr doch heute diesen Tag dem Feinde an die 100000 Mann abgeschlagen
/ und seine vorige und gröste Macht bei nahe gar zu Bodem gelegt habet; lieber
lasset mich eure gewöhnliche Freidigkeit sehen / welche mich aller Furcht des
Feindes benehmen kann. Eure Schwerter sind ja noch nicht zubrochen; eure Arme
nicht Lahm oder ganz abgehauen. Zwar ich weiss wohl / was euer etliche mir
einwenden wollen; der Feind habe sich gestärket / und eine grosse Mannschaft zum
Entsaz bekommen; ja lieben Brüder /währe auch dieser nit herzugenahet / würden
die übrigen uns nur ein viertel Stündichen gekostet haben. meint ihr aber / dass
sie den Kern ihres Volks auffs lezte gesparret haben? es ist ein zusammen
geraffetes Gesindle / welches durch die Menge sich selbst hindern und verderben
wird. So ist ja der unsern so ein kleines Häufflein nicht / dass sie uns
einschliessen und lebendig fressen könten; lasset ihrer den fünften Teil mehr
sein als der unsern ist / stärker kann ich sie nicht schätzen; woltet ihr aber
vor diesem kleinen Uberschusse euch entsetzen? ich versichere euch / meine
Brüder / dass ihrer fünffe gegen der unsern einen auff der Wahlstat liegen; also
halte ich unser einen so gut /als ihrer fünffe / ja als ihrer achte / nunmehr;
dann ihre wehrhaftesten sind gefallen / und pochen sie uns nur mit der Zahl
ihrer Verzageten. Wir haben noch ein herrliches Fussvolk / 50000 Mañ / und ledige
Pferde zum Uberfluss / damit wollen wir uns alle beritten machen / und 120000
redliche Reuter ins Feld setzen / mit welcher Menge ich wohl ehmals zweimahl so
viel Völker aus dem Felde geschlagen habe / als dorten vor uns halten; und
deucht euch dieses noch nicht gnug sein / werde ich euch nunmehr offenbahren
müssen / was ich bisher aus sonderbahren Ursachen gar heimlich gehalten /
nehmlich / dass mein Herr Vater noch ein starkes Reuter Heer aus Teutschland
verschrieben hat / davon wir schon gewisse Zeitung haben / dass sie nicht gar
weit mehr von uns liegen. Wollet ihr aber leiden / ihr meine Brüder / dass
dieselben uns den schönen Sieg entwenden / und sich zueignen sollen? darzu haben
wir gewisslich es uns schon gar zu saur werden lassen. Ja werdet ihrs mit
geduldigen Augen ansehen können / dass sie uns den reichen Raub vor der Nase
hinweg nehmen / der uns Arbeit und Blut gekostet hat? Ey lasset uns in Gottes
Nahmen ansetzen / und die Mordbreñer vollends auffreiben; ich versichere euch /
sie werden nicht lange Fuss halten / wann sie nur sehen / dass ihr den Muht habet
/euch auffs neue mit ihne einzulassen. Als das Heer de Trost des Entsatzes
hörete / fingen sie ein starkes Feld Geschrei an / dass es in der Lufft
erschallete / welches der Feind meinte geschehen sein / weil Fürst Olaff wieder
zu ihnen kam. Dann unsere Könige hatten alsbald nach dem geendigten Ungewitter
Leches an den Feind geschicket / und ihm andeuten lassen / dafern sie dem
gefangenen Dänischen Fürste einiges Leid zufügen würden / sollte es an den vier
Obersten / welche sie in ihrer Hast hätten / sonderlich an Dropions Sohn ganz
grausam gerochen werden / dere zween sie sonst gegen Fürst Olaff wollten lossgeben
/ wie sie es wählen würde. Dropion hörete solches gerne / uñ erboht sich alsbald
/ Fürst Olaf gege seinen Sohn uñ Pelegon der Haft zuerlasse. Zwar der König
stund darauf / dz an Pelegons statt sein geträuer Hyppasus ausgewechselt würde;
aber Dropion wendete ein /weil Olaff sein Gefangener währe / stünde es bei ihm /
wz vor welche er tauschen wollte. Agis uñ Mastyes setzeten dagegen / dass ja
Hyppasus dem Pelegon billich vorgezogen würde / weil er eine höhere Bedienung
hätte; aber dieser antwortete / Pelegon hätte an seiner Seite gefochten; hätte
der andere Flügel auch Gefangene / möchten sie die ihren auch ausswechseln.
Welches Mastyes nit allerdinge unbeantwortet lassen wollte / und zu ihm sagete;
man wollte ja nicht hoffen /dass man die beiden unterschiedlichen Flügel ansehen
wollte / als wans zwei unterschiedliche Heere währe /nachdem sie alle miteinander
einem Könige dieneten /welcher auch billich dieser Sache den Ausschlag zugeben
hätte. Dropion war nicht gewohnet / dass dieser ihm so geherzt einredete / und
sagete mit höhnischen Worten; er hätte seiner Tahten noch wenig gesehen /uñ was
er sich hieselbst einzumischen hätte / da er bei der Schlacht nicht eins währe
zugegen gewesen? wir wollen uns hierüber nicht zweien / sagte Mastyes / aber das
sollet ihr wissen / dz ich meinem Könige ja so redlich und träu diene als ihr /
ob gleich meine Tahten schlecht und geringe sind / möchte auch wünschen / dass
der Feldmarschalk den unzeitigen Eyfer einhalten könnte. Mnata geboht ihnen
beiden ein Stillschweigen / und sagte mit sonderlichem Ernste / so wenig als er
einen Diener haben wollte / der sich unterstünde ihm vorzuschreibe / so wenig
könnte er gedulden / dass seine vornehmste Beamten sich untereinander zweien
sollten. Dropion entsetzete sich nit so sehr wegen des Königes Rede / als dass
Mastyes ihn dergestalt anzapffen durffte / und begunte ihm sein Gewissen zusagen
es müste sein Anschlag verrahten sein; doch liess er seine Furcht bald fallen /
und fragete Mastyes / ob er so viel Herzens hätte / wegen geführeter
nachteiliger Stachelrede es mit ihm ausszutragen. Ja antwortete dieser / ich will
euch zu recht stehen / wie ihrs begehret; aber nicht ehe / als nach vollendeter
Schlacht / und dass unser allerseits gnädigster König Richter sei. Mnata redete
ihnen nochmahl ein /sich alles Gezänks zuentalten / als lieb ihnen seine Gnade
währe; ob sie sich untereinander beissen wollten / dass der Feind sie desto
leichter fressen könnte? es sollte dem Feldmarschalk Dropion sein Begehren
eingewilliget sein / und hoffete er seinen liebe geträuen Hyppasus durch
Schwertes Kraft bald los zumachen. Dropion durffte fragen / unter wessen Befehl
die neuen herzu geführeten Völker sein sollten. Welches den König verdross / und
zur Antwort gab; unter wessen sonst / als unter meinem / und welche ich darüber
gesetzet habe? Ich frage nicht / gnädigster König /sagte er / nachdem höchsten
Häupte / welches uns allen befielet / sondern welcher Statverweser sie führen
soll. Der sie auff dem Wege hat befehliget / antwortete der König / der soll sie
auch an den Feind führen / gleich wie ich und Agiss an Hyppasus Stat meinen
ersten Entsaz; ihr aber den Uberschuss eures Heers und zwar in meinem Nahmen.
Hier merkete Dropion / dass die Karte falsch sein musste / wollte derwegen den
König weiter nit reizen / sondern sagete in ertichteter Demuht; meines Königes
Wille soll mein Befehl sein / und desto weniger Völker ich unter mir haben werde
/ desto weniger werde ich auch zuverantworten haben; nam damit Abscheid in
solcher Verwirrung / dass ihm das Gesicht schier dunkel worden währe; aber die
Verwägenheit bliess ihm bald stolzere Gedanken ein. Er liess Fürst Olaff vor sich
bringen /und sagete zu ihm; du hast dich zuerfreuen Däne / dass dieses Mittel zu
deiner Erlösung verhanden ist / sonsten hättestu mir gewisslich sollen den Galgen
bescheissen / doch bekomme ich dich zum andernmahle / will ich dieser Zusage
unvergessen sein. Dem Fürsten wollte das Herz im Leibe wegen des Schimpffes
bersten / und antwortete ihm; höre du unbescheider Pannonier; wann in dir eines
höflichen Ritters einziger Blutstropffen währe / würdestu dich in dein Herz und
Blut schämen / einem Königlichen Füsten den Galgen anzumuhten / welcher dir nie
kein Leid getahn / nur dass er in einem redlichen Feldzuge seinen besten Freunden
zugefallen / gegen deinen König sich ohn einige Bitterkeit hat gebrauchen
lassen. Ist dir aber der Galgen bescheret / kömstu noch zeitig gnug hinan.
Dropion fragete ihn / ob er auch wüste mit wem erredete; ja / antwortete er /
weil du nicht der König / sondern sein Diener bist / so rede ich mit einem der
viel geringer ist als ich ein gebohrner Königlicher Fürst / und Erbe eines
Königreichs. Der Pannonier hätte sich gerne gerochen / aber wegen der noch nit
eingelieferten Gefangenen durffte er nicht. Also nahm Olaff einen freimuhtigen
Abzug / und kam gleich dazumahl vor unserm Lager an / wie das FeldGeschrei
erging; klagete / was vor Hohn im begegnet währe / und vermochte die ganze
Fürstliche Gesellschaft / dass sie sich verpflichteten / es zurächen; Nachgehends
zeigete er an / dass der Feind alles Fussvolk zu Pferde setzete / und eine Macht
in die 170000 stark beieinander hätte / welche dannoch die grosse Menge ihrer
erschlagenen sehr beklageten / welche sich über 70000 Mann belieffe; hätten auch
den Schluss gemacht / die unsern zuumzihen / und von allen Orten her
anzugreiffen. Worauff sie alsbald schlossen / auffzubrechen / und hinter sich
zuweichen / damit ihnen die erschlagenen nicht am Gefechte hinderlich währen.
Der Feind / da er ihren Abzug sah /gedachte sie würden gar ausreissen /
deswegen sie mit grossem Geschrei folgete; woran aber Herkules /welcher den
Nachzug hatte / sich nicht kehrete / sondern immer in guter Ordnung fortrückete
/ biss er einen guten Raum erhielt / und sich zum Treffen fertig machete. Ihre
Ordnung hielten sie / wie zuvor / und musste König Henrich mit Fabius und seinen
berittenen Fussvölkern in der Mitte halten. Herkules nam zu sich lauter Teutsche
und andere Völker / aber keine Böhmen / 40000 Mann; Ladisla eine gleiche Anzahl
mehrenteils Böhmen / und etliche tausend Teutschen /in gleicher Anzahl; und
wurde König Henrich gleich so viel von den berittenen Fussvölkern gelassen.
Hingegen führete König Mnata gegen Ladisla 60000 wolgeübete Reuter;
Feldmarschalk Dropion gleich so viel wider Herkules / und zwar unter denen den
besten Kern seiner geträuen. Mastyes aber in der Mitte 50000 gegen König
Henrich. Der Feind meinte anfangs nur Schaars-weise zu streiten / und also die
unsern gemählig aufzureiben / weil sie über Zuversicht dieselben stärker
befunden / als sie nicht gegläubet hätten / daher sie an allen Orten 12000 /
ingesamt 36000 Mann auf die unsern lossgehen liessen / denen zubegegnen die
unsern anfangs bedenken trugen aber doch endlich diesen Saz wageten / und Olaff
/ Siegward und Fabius jeden mit 8000 wolgeübeten entgegen gehen liessen / welche
auch im ersten Anfal dergestalt wirketen / dass der Feind sich der
Herzhaftigkeit verwunderte; insonderheit wahr Olaff wegen des erwiesenen
Schimpfs so giftig eiferig / dass er als ein blinder zufiel / und in kurzer Zeit
seinen Feind drängete / dass er hinter sich weichen musste / nachdem er ihm 4000
abgeschlagen und 5000 verwundet hatte. Dropion stärkete sie mit 10000
wolgeübeter Mannschaft / denen Olaff in guter Ordnung wiche / und seine Völker /
deren nur 600 tod / aber 2000 wund wahren / abführete / weil Arbianes und Leches
ihn mit 5000 entsetzeten; und als dieselben dem Feinde gar zu leicht fallen
wollten / nam Olaff 3000 seiner vorigen Mannschaft / und ging ihnen damit zu
Hülffe /da er sich bezeigete / als ob er den ganzen Tag noch keinen
Schwertschlag geführet hätte / dass die Feinde gedachten / er währe Herkules
selbst in andern Waffen. Siegward taht auch sein bestes / aber er hatte einen
heftigen Feind / dz ihn Ladisla noch mit 1000 Mann unter Neda Anführung stärken
musste / da waren sie gewachsen / und vergossen einen grossen Teil ihrer Feinde
Blut / dass deren nicht 5000 ohn Wunden blieben / und 3000 gefellet wurden / da
hingegen der unsern 1000 erschlagene / und 800 verwundete wahren. Als sie nun
den lezten Anfal tahten / und ihren Feind gar auffzureiben die Rechnung macheten
/sahen sie 12000 frische heran hauen / daher ihnen Leches mit 3400 zu Hülffe
ging / dass sie diesen heftigen Anfal zimlich auffhalten kunten. An seiner Seite
schlief Fabius auch nicht / hieb und stach umb sich /dass ihm niemand nahen wollte
/ wie dañ seine Leute /halb Teutsche und halb Böhmen sich nicht träger
erzeigeten / dass auch hieselbst der Feinde 3500 erschlagen / und 4300 verwundet
wurden / die übrigen aber sich nach Entsaz umtahten / der ihnen nicht gewegert
ward / dann Mastyes schikte ihnen 8000 zu hülffe /die empfangene Schlappe
zurächen; aber Prinsla mit 5000 Mann trat zu Fabius / der sich noch wohl befand /
ungeachtet er 900 eingebüsst / und gleich so viel verwundete hatte; Da gab es
nun von neuen an allen dreien Orten sehr harte Stösse / dass zwar an Feindes
Seiten die meisten erschlagen und verwundet wurden /aber dannoch der unsern eine
zimliche Anzahl drauff ging / und Herkules den überschlag machete / dass wann man
also fortfahren sollte / es ihres Orts endlich an Mannschaft gebrechen würde;
taht deswegen seinem Vater und Ladisla zuwissen / es würde am rahtsamsten sein /
dass man mit der ganzen Macht föchte / vielleicht schikte sichs / dass der Feinde
ein oder ander Hauffe bald in die Flucht getrieben würde /alsdann könnte man in
gewisser Hoffnung des Sieges streiten. Weil dann dieser Raht vor best angenommen
ward / schicketen sie sich gemehlich darzu / und naheten den streitenden / die
sich rechtschaffen verwickelt hatten / und keiner dem andern eines Fusses breit
weichen wollte. Die Feinde sahen dieses Vornehmen /rücketen mit ihrer grossen
Menge auch fort / und sprachen den ihren ein frisch Herz ein: Sie sollten nur
eine halbe Stunde Mühe über sich nehmen / alsdann würde kein Feindes Hund mehr
übrig sein; gingen hiemit auff die unsern / nicht anders als die Wahnsinnige und
Verzweifelte / weil sie des unbewäglichen Schlusses wahren / entweder zusiegen /
oder nicht ungerochen zusterben. Dropion wollte sich auch als ein geträuer Diener
seines Königes äusserlich bezeigen /dem nunmehr sein verrähterisches Herz mochte
beginnen etwas leid zuwerden / nach dem er aus allerhand Reden und Vornehmen des
Königes merkete / sein Anschlag würde ihm fehlen / oder wohl schon gar verrahten
sein; wendete sich demnach zu seinem Könige / ihm des Feindes Vorhaben selbst
zuhinterbringen /und redete ihn solcher gestalt an: Wie heftig ich mich gleich
heut und voriger Tage bemühet habe / Euer Königl. Hocheit Ansehen zuverfechten /
und den Feinden sehen zulassen / was Pannonische Krafft und unerschrockener Muht
vermag / so will ich doch in diesem Satze eine sonderliche Bewehrung tuhn / dass
mein König Mnata wohl sänftere Schmeichler und verleumderische Ohrenbläser /
aber keinen geträueren Diener und Ritter in seinem ganzen Reiche / als seinen
Dropion habe / der aus wolbedachtem Muhte schwöret / von diesem Platze nicht
lebendig zuweichen / biss der Räuberische Hauffe dort vor uns / erleget und
vertrieben ist; vor welchen Dienst ich keine andere Belohnung begehre / als dass
Eure Königl. Hocheit mit voriger Gewogenheit mir gnädigst zugetahn verbleibe /
und das Angeben meiner boshaften Feinde nicht zu Herzen nehme. Mein geträuer
redlicher Statalter und Feldmarschalk / antwortete ihm der König / ich erkenne
diese Ergebenheit billich / will sie auch unvergolten nit lassen; greiffet nur
die Feinde an / und machet dem Sieg einen glücklichen Anfang /welcher ohndas
mehrenteils auff euer Faust und Tapfferkeit bestehet; ich will ritterlich
nachfolgen / und entweder mit euch siegen / oder Königlich sterben. Wolan /
sagte Dropion / das Feld ist unser. Fiel mit dem halben Heer in die unsern als
ein toller Hund /nachdem er den seinen diese Dräuung hatte hören lassen: Wer vor
dem Feinde weichen würde / sollte von seinem Schwerte nidergehauen werden. Er
setzete aber daselbst an / wo König Henrich mit seine berittenen Fussknechten
hielt / welche solcher Hefftigkeit ungewohnet / sich vor diesen starken
Streichen nicht zuschützen wussten / daher nicht allein ihrer etliche tausend
alsbald niedergeschlagen wurden / sondern die übrigen gerieten in solche grosse
Unordnung / dass unmöglich fiel / sie wieder einzurichten / uñ welches das
ärgeste wahr / begunten ihrer viel schon Schaarsweise die Flucht zunehmen / und
nach der Seiten auszureissen. König Henrich erschrak des Unfals nicht wenig /
legete zwar allen fleiss an / den Schaden zuersetzen / und taht nicht geringen
Abbruch denen /die sich an ihn wagen durfften; aber er wahr von Feinden
übermannet / und von seinen Leuten verlassen /dass seine Bemühung wenig schaffen
kunte. Herkules sah diesen Unfal / und wahr gleich im Anzuge / seinen lieben
Vater zuentsetzen; aber König Mnata liess ihm durch seinen geträuen Agis mit
30000 Mann vorbeugen / damit Dropion in seinem glücklichen Treffen nicht gestöret
würde. Dieses glückete dem Feinde so wohl / dass Herkules sein Vorhaben nicht zu
Werk richten kunte / deswegen er Siegwarden mit 8000 Mann abschickete / den
Entsaz zuversuchen / kam aber zu spät / und vernam mit grosser Herzensprast /
dass König Henrich in Feindes Gewalt gerahten / und unbarmherziger weise an
Händen und Füssen gebunden / davon geschleppet währe; daher dann seine Völker
/weil sie ohn Häupt wahren / durchaus keinen Widerstand mehr tahten / sondern
teils gefangen / teils nidergeschlagen wurden / nur Fabius / der König Henrichs
Statverweser wahr / behielt irgend 8000 Mann umb sich / mit welchen er dem
rasenden Dropion entgegen stund / und gleich in dem wahr / als Siegward sich zu
ihm nahete / dass die seinen ausreissen wollten; wurden aber durch den Entsaz
gestärket / und versucheten in fester Zusammensetzung ihr bestes. Nun wahr
Herkules sehr ungehalten / dass er seinem Vater nicht beispringen kunte / und
sagete ihm sein Herz schon zu / dass es nicht wohl umb ihn stehen würde /noch ehe
ihm die leidige Zeitung kam / deswegen er einen Reuter an Ladisla abgehen liess /
ihn gegen Dropion auffzumahnen / dessen Völker albereit den Sieg ausrieffen;
dann Siegwards Entsaz liess nach kurzer Gegenwehr sich auch die Furcht einnehmen
/ dass sie anfangs gar verzagt stritten / und endlich mit Fabius Hauffen sich zur
Flucht schicketen / daher diese beide Helden nebest Prinsla / Markus und Gallus
den Feinden lebendig in die Hände gerieten / weil sie lieber fechtend sterben /
als schändlich ausreissen wollten /wurden aber übermannet / und wider ihren
Willen hinweg geschleppet. Ladisla ward dieser Niederlage gewahr / und sah wohl
/ dass die Trennung dieses Hauffens dem ganzen Heer schädlich sein wollte /ging
aber doch mit den seinen unerschrocken fort /liess auch die Flüchtigen zu sich
samlen / als viel möglich wahr / und machte durch seine Ankunft Dropions Völker
stutzen / dass sie sich zusammen zogen /und vom würgen abliessen / welches ihr
Führer ihnen als eine unverantwortliche Faulheit verwies / sie auffs neue mit
herzhaften Worten auffmunterte / und eines starken Entsatzes sie vom Könige
vertröstete / daher ihr Muht wieder zunam / dass sie auff Ladisla (dem sie an der
Menge weit überlegen wahre) nicht anders angingen / als hätten sie noch keinen
Schwertschlag geführet. Da ging es nun an ein mätschen und würgen; dann Ladisla
durffte sich nicht enge zusammen zihen /dass er nicht umringet würde / darumb
wurden seine Glieder geschwächet / und setzeten bald im Anfang einen grossen
Teil der ihrigen zu. So verschlief Dropion seine Wolfahrt nit / sondern dass er
auch diesem Feinde in kurzem den Garaus machen möchte / foderte er von seinem
Könige noch 10000 zu hülffe / welche dergestalt ansetzeten / dass auch Ladisla
Völker zuweichen begunten / und würden zeitig die Flucht genommen haben / dafern
nicht Olaff und Klodius mit 3000 von Herkules zu ihnen gestossen währen / welche
durch ihren ritterlichen Anfal den Feind auffhielten / dass Ladisla sich wieder
setzen kunte. Herkules tummelte sich inzwischen weidlich mit Agis / der doch
nicht recht anbeissen wollte / nachdem er befehlicht wahr / nur den Feind
auffzuhalten / damit er gegen Dropion keinen Entsaz; schicke könnte; aber sein
Vorhaben wollte ihm nicht nach Willen glücken /dann Herkules schertzete nicht /
sondern taht ihm so gedrange / dass er sich zurück auff seinen König zihen musste /
der ihn mit 8000 stärkete / dass er zimlicher massen bestand wahr / daher Mnata
mit seinen übrigen dem Dropion zu hülffe ging / der Hoffnung / an diesem Orte
den völligen Sieg zu behäupten / dann hernach würde es leicht sein / Herkules
und sein Häuflein mit gesamter Macht anzugreiffen und niderzulegen. Nun müssen
wir dannoch unserer elenden Gefangenen nicht gar vergessen / welche in Feindes
Lager geführet wurden / woselbst man sie entwapnete / und alsbald scheidete /
dass jeder absonderlich sein /und verwahret werden musste. König Henrich empfand
diesen Schimpff heftiger als den Tod selbst / dann er ward von dreien
Pannoniern mit herben Spot angefahren / welche ihn erinnerten / er sollte sich
gefasset machen bald nach gehaltener Schlacht den Galgen mit seinem grauen
Häupte zu zieren; und begegnete den übrigen Gefangenen keine geringere Schmach /
welche sie doch / so best sie mochten / verschmerzeten /weil sie der Hoffnung
lebeten / Gott würde den Sieg auff ihre Seite fallen lassen / dass sie mit andern
ausgewechselt / und auff freien Fuss gestellet würden. Ladisla / wie droben
gemeldet / hatte sich gegen Dropion in etwas wieder gesetzet / so dass Gewin und
Verlust in gleicher Wage hing / ja fast auff der unsern Seite ausschlagen wollte;
aber Königes Mnata Ankunft machete eine schleunige Enderung / als welcher sich
bemühete / die unsern von der Seite her anzugreiffen / und ihre Ordnung zu
trennen / welches ihm so wohl geriet / dass er sich fast ohn Verlust hinein drang
/ und unter den abgematteten Böhmen eine heftige Blutstürzung verursachete /
welche Olaff gerne abgewendet hätte / oder zum wenigsten gemiltert; aber die
Völker wahren gar zu erschrocke / und überdas mehrenteils schon verwundet /
daher sie sich nach der Flucht umsahn / welche sie völlig vornahmen /als von
den Feinden ausgeruffen ward / dass Herkules Hauffe erleget währe; dann hiedurch
einfiel ihnen der Muht / die Fäuste sunken hin / und gedachten an keine
Gegenwehr / sondern gingen bei tausenden uñ hunderten fort / als ob ihnen das
lauffen angesagt /und die Gegenwehr verbohten währe. Zwar die beherzesten
Teutschen hielte bei ihren Häuptern Fuss / wollten auch lieber sterben / als ihre
Feld Herren schändlich verlassen / weil aber ihr Häuflein gar zu geringe wahr /
wurden sie übermannet und abgetriebe / daher ihrer viel einbüsseten / und von
den Feinden erleget wurden. Ladisla wahr Zeit seines Lebens in solcher Angst
nicht gewesen / auch da er unter Büttels Hand sich befand; Er sah / dass
unmöglich wahr / den Sieg solcher gestalt zubehäupten / massen er kaum 3000 Mann
bei sich hatte / welche von den Feinden von allen Seiten so gar eingeschlossen
wahren / dass sie sich kaum regen kunten / und mit ihrem Gewehr sich selbst
beschädigten über das wahr Olaff / Klodius und Neda schon in Feindes Händen /
und hielt nur Leches bei ihm / welchen er in dieser Angst also anredete: Mein
Freund / es hat dem lieben Gott gefallen / die Abgötterei meiner Untertahnen
durch das Pannonische Schwert heimzusuchen und abzustraffen; Ja ich selbst habe
mit meinen Sünden ein solches / und noch wohl ein mehres verdienet; jedoch will
ich wider meinen gnädigen GOtt nicht murren / noch meinen Muht sinken lassen /
sondern fechten / als lange mir das Schwert in der Faust bleibet; der
barmherzige GOtt bewahre nur meinen lieben Herkules wegen seiner Frömmigkeit /
dass er lebendig entrinnen möge / derselbe wird meinen Tod schon zu rächen
wissen. Euer Königl. Hocheit Tod wende Gott in Gnaden ab / antwortete Leches /
dessen Almacht kann uns retten / da wir keine rettung sehen; nur bemühe sich eure
Hocheit / mit der Flucht davon zukommen / welches wohl geschehen kann / so will ich
den Feind nach vermögen auffhalten / weil ich mein Blut in keiner Bedienung
besser anzuwenden weiss; uñ vielleicht ist König Herkules schon in sicherheit /
so dass er aus der Noht eine Tugend gemacht / und sein Leben auff ein besser Glük
durch die Flucht erhalten hat. Aber Ladisla kunte sich hierzu durchaus nicht
verstehen / sondern gab diese Antwort: Die Flucht ist zu spät / und die Schande
zu nachteilig / deswegen folget mir / und lasset uns sehen / was Gottes
Barmherzigkeit mit uns vor hat / ohn dessen willen kein Häärlein von unserm
Häupte fallen kann. Macheten sich hiemit aus dem Gedränge / und in begleitung 800
Teutschen brachen sie durch / dass sie raum zu fechten gewonnen / und über 4000
der stärkesten Feinde niderschlugen / matteten sich aber so gar ab / dass ihnen
die Arme entschlieffen / und die Schwerter aus den Fäusten fielen / dann sie
hatten sich durch Arbeit in den schweren Waffen dergestalt erhitzet / dass ihnen
die Zunge am Gaumen klebete / und sie wegen durstes vermeinten den Geist
auffzugeben; es erkenneten aber die Feinde den Bömischen König an den Waffen /
deswegen ward ihnen von Mnata und Dropion ernstlich gebohten / ihn nicht zu
fellen / sondern lebendig anzunehmen / welches auch geschahe / dass er nebest
Leches und 200 Reutern vom Pferde gerissen / mit Zäumen und Sattelriemen
gebunden / und nach dem Lager geführet ward. Herkules wahr dieses unglücklichen
falles nicht allein berichtet / sondern auch / dass sein H. Vater und andere mehr
gefangen wahren / welches ihm die Seele durchschnitte / und in dieser Gefahr
sich nicht zubegreiffen wusste; so hatte er keinen sonderlichen Kriegs
verständigen mehr bei sich / als Arbianes / welchen zu retten er sich äusserst
bemühete / und ihm deswegen ernstlich geboht / er sollte straks angesichts sich
mit 1000 wolberittenen durchschlagen / und nach Prag reiten / daselbst
anzuordnen / dass die Stad mit nöhtiger Mañschaft und Speise versehen / und ganz
Teutschland in Harnisch gebracht würde / weil vor dissmahl der Sieg vermuhtlich
auff Feindes seite fallen dürffte; welchem Befehl er wieder seine willen nachkam
/ aber doch aus sonderlicher schickung Gottes /dann es glückete ihm nicht allein
/ dass er von Feinden unangegriffen blieb / sondern weil sein Hauffe zimlich
ansehnlich wahr / und dannoch vor flüchtig angesehen ward / hieben ihm die
andere Feldfluchtige gutesteils nach / uñ folgeten seinem Huefschlage; es wahren
aber mehrenteils Parter und Meden / welche er anfangs mit sich nam / welche
auch redlichen Stand bei ihm gehalten hatten / dass Herkules bekennete /wann
ehmahls die Parter nur halb so träulich vor ihren König gefochten hätten /
würde Artaxerxes die Feldschlacht nicht erhalten haben. Nicht lange wahr
Arbianes hinweg / da ging die ganze Pannonische Macht auff Herkules an / und
riefen allentalben ihren Sieg aus / welches er vernehmend / seine Leute also
anredete: Gedenket / dass ihr freigebohrne Teutschen / und nicht gewohnet seid /
Bande und Ketten der Leibeigenschaft zu tragen; ist unsere Stunde verhanden / so
wollen wir ehrlich sterben / und gleichwol unser Blut so teuer verkäuffen / als
es immer gelten kann. Seine Leute wahren willig / mit ihm in den Tod zu gehen /
ungeachtet sie sich albereit sehr abgearbeitet hatten / und grossen teils
verwundet wahren; setzeten also 13000 stark dermassen in den Feind / dass alles
was sie traffen / zu grunde gehen musste. Ihr Anfal geschahe zu gutem Glük auff
König Mnata /und ob zwar die Pannonier alle Gegenwehr versucheten / ihn zu
befreien / so drang dannoch sein Löuenmuht hindurch / da seine Völker die
anfallenden auffhalten mussten / dass er sein Schwert wieder den König recht
gebrauchen kunte / auff welchen er dergestalt zuschlug / dass ihn von wenig
streichen geschwand / ihn vom Pferde risse / und durch drei Teutschen ihm das
Häupt entwapnen liess / mit der bedräuung / wo er im geringsten sich wegern würde
mit zu reiten / wohin man ihn führete / sollte seines lebens nicht mehr sein:
sonst sollte es ihm gehen wie es seine von ihm gefangene Anverwanten haben
würden. Darauf schlossen ihn 200 wolberittene Teutschen zwischen sich / und nach
Herkules Befehl gingen sie als Feldflüchtige des geradesten weges mit ihm nach
Prag zu. Die Pannonier fingen hierauf ein starkes Geruffe an; Unser König ist
gefangen / König Mnata ist gefangen; ja sie macheten sich hin zu Dropion / mit
ermahnung / die versehung zu tuhn / dass eine starke Schaar nachgeschicket würde
/ ihn wieder los zu machen; aber diesem wahr solche Zeitung ein gefunden Fressen
/ weil er hoffete seines Königes solchergestalt ohne zu werden; befahl deswegen
die Feinde / so annoch gegenwärtig / anzugreiffen / und den völligen Sieg zu
behäupten / alsdann sollte sich ihr König schon wieder finden. Damit fielen sie
als wilde Ochsen auff Herkules Leute / beklemmeten sie umb und umb / und
würgeten alles vor sich weg / biss Herkules mit 5000 an einem Ende durch brach /
in Meinung /sich nach einer Enge zuzihen / und daselbst / als lange er lebete /
Stand zu halten; aber seine Völker meinten nicht anders / als dass er die Flucht
zu nehmen vorhabens währe / daher sucheten sie sich auch zu retten / und gingen
zustreuet fort / was die Pferde lauffen kunte. Da befahl nun Herkules sich der
barmherzigkeit Gottes / und schickete sich zum gewissenrühmlichen Tode. Sein
Blänke wollte ihn zwar wieder seinen willen davon tragen / hätte auch ohnzweifel
sich in sicherheit bringen können / aber er wollte nicht / und musste das Pferd
gezwungen umbkehren / da er selb 300 auff eine Schaar 4000 stark anfiel / und
mit seiner Faust 15 manliche Ritter erlegete; die seinen spareten sich auch
nicht / und weil sie den gewissen Tod vor Augen sahen / trieben sie solch Wunder
/ dass ihrer keiner unter fünff oder sechs Feinde niderlegete /und die übrigen
vor ihnen ausweichen mussten; aber ein frischer Hauffe 6000 stark überfiel sie
von neuen /trieb sie enge ineinander / dass sie biss auff 40 alle auffgerieben /
und die übrigen / unter welchen Herkules wahr / von den Pferden gerissen / und
hinweg geschleppet wurden. Hiemit wahr der vollige Sieg in Dropions Händen /
wiewol durch sehr blutige überwindung; massen der Pannonier in diesem lezten
Treffen 50000 erschlagen und 16000 heftig verwundet wahren. Der unsern dagegen
lagen aus dieser lezten Schlacht 4000 gestrecket / und hatten sich über die
Gesunden 20000 verwundete durch die Flucht errettet / auch unterschiedliche hohe
Pannonische Befehlichshaber mit sich geführet. Dropion ward von des Königes
Geträuen vermahnet / den Flüchtigen nachzusetzen / ob ihr König wieder könnte
lossgemacht werden; aber darzu kunten sie ihn nicht bewägen / dann er gab vor /
das Heer währe durch den heftigen und langwierigen Streit abgemattet / und gäbe
es vorwarts unterschiedliche enge Durchzüge / woselbst die Flüchtigen ohn
zweifel sich samlen / und stand halten würden. Worauff Mastyes antwortete: Je so
mus dannoch mein König nicht so gar verlassen sein / sollte auch alles übern
hauffen gehen; liess alsbald 12000 von seinen Leuten (denen Agiss 200 des weges
erfahrne zu gab) nachhauen / welches gleichwol vergebens wahr. Das übrige Heer
gesunde und verwundete 108000 stark ward durch den gewöhnlichen Pauken- und
Trometenschal zusammen geruffen / und von der Nachfolge abgezoge. Der gefangene
Herkules ward noch / ehe man ihn ins Lager brachte / vor Dropion geführet /
welcher ihn bei den Waffen kennete / und im grimme ihn also anfuhr: Hastu
unbendiger teutscher Hund nun dereins ausgeraset? ich wusste schon wohl / dass die
Pannonischen Schuzgötter nicht leiden würden / dass meines ersten Bruders Blut /
und des andern Gefängnis ungerochen bliebe; darzu wird man dir vergelten / dass
du meinen König hinweg geschicket hast / wiewol zu seinem besten / auff dass er
das Königliche Schloss zu Prag einnehme / noch ehe ers bestürmet hat; du aber mit
deinem anhange schicke dich zum standhaften Tode / und gedenke nur / dass ich die
mir bewiesene Schmach mit eifern werde. Herkules sah ihn Zeit solcher Rede mit
gar freudigen Augen an / nicht anders /ob währe ihm nichts wiedriges begegnet /
enderte auch wegen der Schmachrede und Dräuung seine Farbe nit im geringsten /
und gab ihm diese Antwort: Dein schänden Dropion / mus ich verschmerzen / weil
mein Gott wegen meiner Sünde mich dir in die Hände gegeben hat; dein König ist
von mir ritterlich überwunden / und ohn einige angelegete Schmach in Sicherheit
geführet / da man ihn Königlich halten wird /dann unser Zorn währet nicht länger
als des Feindes Gegenwehr; deswegen wird dir obliegen / dass du gleicher weise
mit mir und anderen gefangenen Königen /Fürsten und Rittern also umbgehest / wie
es Kriegsgebrauch mit sich bringt / welcher noch nie keinem redlichen Sieger
unbillichen Rachgier eingeblasen hat / und ob dir gleich diesesmahl das Glük die
Uberwindung gegönnet / so gedenke doch nicht alsbald / dass du alles frei tuhn
mögest / was dir gefält; meinestu aber durch unterschiedliche meine Siege von
mir verlezt zu sein / so nim mich vor nach Kriegs- und Rittersbrauch / alsdañ
will ich dir antworten / dass jederman meine Unschuld und Auffrichtigkeit sehen
soll /nur lass nicht andere mit entgelten / wann du meinst von mir beleidiget zu
sein. Wiltu noch pochen und schnarchen / gab Dropion zur Antwort / da ich dich
in meiner Gewalt habe? gab hiemit einem Kriegsknechte einen Wink / welcher hinzu
trat / und den unvergleichlichen König mit der Faust ins Gesichte schlug;
welcher Schimpff ihn so heftig schmerzete / dass er sich nicht entalten kunte /
ihn also anzureden: Du bist nicht wert Dropion / dass du eines Ritters Nahmen
führest / weil du einen König und Ritter so schändlich halten darfst / und ich
versichere dich bei meinen Ehren / dass Gottes Hand / ehe du es meinst / dich
treffen wird. Er stellete sich aber / als hörete ers nicht / und redete
unterdessen mit einem andern / befahl auch alsbald / man sollte den Gefangenen
Teutschen Hund ins Lager führen / damit ihm neben den andern seine Straffe
angetahn würde. Bald darauff versamlete er alle seine verschworne / welche ihm
träulich rieten / er sollte Mastyes und Agiss neben anderen des Königes geträuen
nicht aus dem Raht schliessen / in betrachtung / es sich leicht zutragen könnte /
dass sie einen solchen Auffstand macheten / in welchem ihnen allen die Hälse
gebrochen würden / weil sie den mehren Teil der Völker auff ihrer Seite hätten;
welcher Erinnerung er / wie wohl ganz wieder seinen Willen / folgen musste / dass
er ihrer sechse fodern liess / dahingegen er der seinen achzehn bei sich hatte.
Mastyes und Agiss beredeten sich kürzlich / gaben etlichen vornehmen Obersten
Befehl / was Zeit ihres abwesens sie mit den Häuptleuten reden / und wie sie
sich auff Erinnerung ferner bezeigen sollten / und gingen mit den andern fort
nach der Gerichts Stat. Als sie nun bei einander wahren / fing Dropion diese
hochmuhtige Rede an: Die Pannonischen Götter haben nunmehr den Spot und Hohn
gerochen / welchen die Teutschen und Böhmen unserm hohen Adel durch Ubersendung
eines schäbichten Hundes angelegt haben; wird demnach unter uns sich keiner
finden lassen / welchem die Rache an den Urhebern nicht gefallen sollte / zumahl
sie von unserm lieben Könige selbst bestimmet / und zu dem Ende der Galgen schon
gerichtet ist. Was ich zur Behäuptung des Sieges durch meine Faust und Anführung
verrichtet / mögen diese zeugen / so es gesehen haben und die meiner Streiche
empfunden; einmal ist gewiss / dass die Teutsche und Böhmische Macht dergestalt
gebrochen ist / dass sie in Ewigkeit wieder die Pañonische Beherschung sich nit
auffrichten / noch deren Joch von sich abwerffen soll. Hiemit schwieg er / und
erwartete der Antwort mit sonderlichem Stolze. Niemand wollte hierauff Antwort
geben /weil ers von keinem foderte / biss endlich Agiss zu Mastyes sagete: Herr
Statalter und Feldmarschalk Herr Mastyes / euch gebühret die Ehre der ersten
Antwort /nachdem unser aller lieber König leider nicht zugegen ist / dass seine
Hocheit nach eigenem belieben Anordnung machen könnte / denen wir uns alle ohn
Einrede gemäss uñ untertähnigst-gehorsam bezeigen müsten. Ja mein Freund / sagte
Mastyes / ich werde euch gehorsamen / wann es den versamleten Pannonischen
Helden und Landesvätern also gefället. Weil dañ niemand dawieder redete / jedoch
auch niemand ihn weiters daran eriñerte / fuhr er dañoch also fort: Ruhmwirdiger
Feldmarschalk und Reichs-Statalter Herr Dropion; ich habe seinen Vortrag
angehöret / und gleichwol mich viel eines andern vermuhtet; massen ich der
Andacht wahr / einen Rahtschlag zuvemehmen / durch was Mittel und Gelegenheit
unser allerliebster König und Herr wieder erlöset / und auff freie Füsse
gestellet würde / damit seine Königl. Hocheit des Sieges mit uns geniessen könnte
/ welchen eure ritterliche Faust / wie jederman bekennet und rühmet / grossen
Teils erworben hat; so suchet aber der Feldmarschalk nur bloss die Abstraffung
der gefangenen Könige und Fürsten / dessen doch / meiner Meinung nach / vor
unsers Königes Erlösung wir uns nicht unternehmen dürffen; dann andere Ursachen
zugeschweigen / wird ja ein jeder vernünftiger Mensch es greiffen und fühlen /
dass unser lieber König ohn allen Zweifel durch den allerschändligsten Tod
hingerichtet werde müste /sobald des Böhmische und der beiden Teutschen Könige
Gemahle ihrer Gemahlen Tod vernehmen sollten; ja die erschrekliche Pein / die man
seiner Königl. Hocheit würde anlegen / würde nit ausszuspreche sein. Ist demnach
/ meine auffrichtige Meinung anzuzeigen / diss mein Raht / dass man die Gefangenen
nicht allein der schnöden Bande erlasse / sondern ihnen auch als Königen uñ
Fürsten gütlich tuhe / biss auff unsers allergnädigsten Herrn und Königes
glückliche Wiederkunft; alsdann wird dessen Hocheit schon weiter ordnen und
befehlen / was geschehen soll. Zwar der Herr Feldmarschalk wendet ein / es habe
unser König den Galgen schon bauen lassen; aber wer weiss / ob er annoch der
Meinung ist? Ja wer weiss nit / dass die Stricke / damit man unsere Gefangenen
henken würde / unsers lieben Königes Kehle zugleich zudrücken und das Genicke
brechen würden? Was hätten wir aber alsdann erstritten / als unsers Königes Tod
und Verderben? welches abzuwenden / wir alle schuldig /und Krafft unsers
geleisteten äides gehalten sind /unser Gut / Blut / Ehr und Leben auffzuopffern.
Ey freilich / antwortete Dropion; gerade als wann Mastyes nur allein vor den
König Sorge trüge; dass ich aber seiner Königl. Hocheit biss daher keine Erwähnung
getahn / und was zu seiner heilsamen Rettung dienlich sein kann / wie man mich
deswegen schon verleumde will / sondern von den gefangenen Hunden den Anfang
gemacht / ist nicht aus Vergessenheit / viel weniger aus Nachlässigkeit oder
Verachtung geschehe / sondern man muss durch ernstliche Abstraffung der
Gefangenen / die hinterbliebenen verzageten Weiber schrecken / dz sie ihres
eigene Lebens desto mehr fürchte / uñ solches zuerhalte / unserm Könige so viel
grössere Ehre erzeigen. Meiner redlichen Vorsorge vor unsern König / sagte
Mastyes / bin ich mir am besten bewust / welche so wenig als die eure / Herr
Dropion / soll in zweifel gezogen werden; nur befremdet mich nit wenig dass ihr
mein Vorbringen so höhnisch halten dürffet / ehe und bevor die anderen Herren
und Häupter ihre Meinung angezeiget haben. Und was bedeutet es / dass man bei
dieser allerhochwichtigsten Rahtschlagung nur etliche / und nicht alle vornehme
Häupter des Pañonischen Heers hat haben wollen? dürfften auch die
aussgeschlossene / deren eine grosse Menge ist / sich dessen über uns beschwehren
/ uñ uns wohl gar die Hälse brechen? doch stelle ich solches zu eurer
Verantwortung / weil ihr mich und Herrn Agiss / nicht als die mit euch einerlei
Amt bedienen /sondern nur als gemeine Obersten habt in eure schon angestellete
Versamlung fodern lassen. Ich setze aber auch dieses aus / und erinnere euch
Herr Dropion /dass wir beide nicht hier sind / mit einander zuzanken / oder
allein zuschliessen / sondern andere Stimmen auch anzuhöhren / daher ich auff
eure jezt eingeführete Ursachen kein Wort antworten will. Dropion musste sich vor
diesen Mann nunmehr fürchten / weil sein Anhang der gröste wahr / sonst würde er
ohn Urtel und Recht ihm alsbald das Leben genommen haben. Doch seinen Hochmuht
zuerzeigen / gab er ihm zur Antwort; was hat Mastyes mich zurechtfärtigen / oder
mir vorzuschreiben / wie viel / und was vor Obersten ich zu mir fodern soll? und
bildet er sich ein / dass er mit mir in gleicher Hocheit sitze? Ich bin ja der
Oberstatalter / und habe in des Königes abwesen zu ordnen und gebieten.
    Das gestehe euch einander / und ich nicht / fiel ihm Mastyes in die Rede /
es währe dann / dz ihr euch gar vor unsern König auffwerffen woltet; dann ihr
wisset wohl / dass in des Königes Abwesenheit / nicht einer allein / sondern der
ganze Raht ordnen und befehlen muss / es sei dann dz der König es ausdrüklich
anders haben wollte. Doch wir wollen alles hieselbst als unter der Rose angehöret
haben / sonsten / da zu der abgeschlossenen Obersten Wissenschaft es gelangen
würde / dass Herr Dropion ihm die Gewalt anmassete sie nach belieben aus dem
Kriegsraht zuschliessen /dürffte wenig gutes daher entstehen. Dropion sass und
knirrete mit den Zähnen / und wann Mastyes und Agiss nit ihre gewapneten Diener
in der nähe gehabt hätten / würde er gefährliche Dinge vorgenommen haben / wahr
auch bereit / Mastyes zuantworten / aber Agiss kam ihm zuvor / und sagete: Ihr
Herren / was soll das bedeuten / dass ihr euch zweiet / und habt dessen keine
Ursach? lasset uns über des Herrn Feldmarschalks Herrn Dropions Vortrag unsere
Stimmen geben / und zugleich bereden / wie unserm lieben Könige möge gerahten
werden. Ausser allem Zweifel bestehet seiner Königl. Hocheit Leben und Heil auff
dem / was der Feldmarschalk Herr Mastyes geträulich angezeiget hat / und durch
des Feldmarschalks Herrn Dropions Gegenwurff nicht umgestossen ist; dann wer
weiss nicht / was vor eine Heldenmuht Königin Vallfka träget / welche ihres
Gemahls Herkules / und ihres Bruders Ladisla der beiden Könige Tod / an unserm
Könige zum allergrimmigsten rächen würde / ob sie gleich ihr äusserstes
Verderben sollte vor Augen sehen. Es ist der Friesische König Baldrich / Herkules
Bruder bei ihr / wo nicht schon nach Teutschland und Friessland / uns ehistes ein
neues Heer über den Hals zuführen / und wir demnach keines Weges gedenken
dürffen / als sei mit dieser Schlacht der ganze Krieg zum Ende gerichtet; O
nein; haben wir noch gute Mannschaft bei uns und im Lande / werden wir derselben
wohl bedürffen / und möchte ich vor mein Häupt wohl wünschen / wir hätte unsern
lieben König los /und mit den Feinden eine ehrliche Rachtung / welches beides
ich zuerlangen hoffe. Vor dissmahl ist mein geträuer Raht / man nehme vor allen
Dingen unsers Königes Erlösung vor / welcher nachgehends die Bestraffung der
ansehnlichen Gefangenen nach seinem Willen anzustellen hat / und will dieser
Versamlung zur Nachricht so viel sagen / dass ich versichert weiss /dass unser
König durchaus nicht willens ist / die Gefangenen henken zulassen; und erfahret
ihr ein widrigen / so will ich mich selbst lassen auffknüpffen. Die andern
Obristen / welche dem Könige geträu wahren /stimmete hiemit gänzlich ein; aber
Dropions Anhang wollte nicht einwilligen / wanten einhellig vor / man müste
gleichwol dem Feldmarschalk und OberStatalter nit so gar zugegen streben / als
welcher durch seine Vorsichtigkeit und unüberwindliche Stärke den Sieg
erstritten / die Feindes-Häupter gefangen / und hiedurch die Pannonische
Herschaft den Teutschen und Böhmen auffgebürdet hätte / wovor ihr König ihm die
Böhmische Kron nicht missgönnen / viel weniger versagen würde; Was Agis von einem
neuen feindlichen Heer vorbrächte / währe eine vergebliche Furcht / und hätte
mit ihrem Könige es keine Gefahr; aber dagege müste der Schimpff ohn Verzug
gerochen werden / damit man das Pannonische Volk beleget hätte. Weil dann diese
Meinung mit den meisten Stimmen bekräfftiget ward / schloss Dropion / es sollte
alsbald ein neuer Galgen auffgerichtet / und alle gefangene Könige / Fürsten und
Häupter daran geknüpffet werden. Die Geträuen des Königes ingesamt wurden
darüber bestürzet / bahten und fleheten / man möchte der Sache einen geringen
Anstand geben / bedingeten sich daneben auffs allerbeste / wann ihrem Könige
daher einige Gefahr zustehen sollte / und führeten jenen zu Gemüht / wie schwer
solches vor dem Pannonischen Reiche würde zuverantworten sein. Aber dieses alles
verfing durchaus nichts bei Dropion / weil er bloss nur Gelegenheit suchete / dass
sein König umgebracht würde / dann er zweifelte nicht / die Kron müste ihm nach
dessen Tode auffgesetzet werden; gab demnach auff jezterwähnete der
Reichsgeträuen Bedingung diese Antwort: Ohn Zweifel sind etliche unter euch /
die wegen Hoffnung einer grossen Vergeltung sich bemühen dürfften / den
Gefangenen unsern geschwornen Feinden das Leben zuretten / wo nicht / ihnen das
Vaterland wohl gar zuverrahten; rahte also einem jeden / dass er / solchen
Verdacht zumeiden / sich alles ferneren Einredens entalte wo er sonst von mir
nicht will als ein Feind und Verrähter des Vaterlandes abgestraffet sein. Zwar
ich dürffte nunmehr auff die Gedanken gerahten / das gestrige mir eingehändigte
Warnungs-Schreiben müsse nicht allerdinge gerichtet sein / in welchem mein König
und ich erinnert werden / uns wohl vorzusehen / dass nit durch fremde Gelder
unsere Häupter verkaufft und verrahten werden. Die Königs Geträuen antworteten
unerschrocken / sie wüsten sich aller Verräterei ganz frei und unschuldig /
wollten doch diese Beschuldigung keines weges auff sich ersitzen lassen / sondern
zu seiner Zeit anzuhalten wissen / dass der Feldmarschalk öffentlich darlegete /
von was Leuten er solche Schreiben hätte / und aus was Gründen er sie so
erschreklicher Verräterei zeihen dürffte. Ja / gab Dropion zur Antwort / es soll
freilich ein solches zu seiner Zeit von mir nit verseumet werden / biss dahin ein
jeder sich wird gedulden können / weil ichs selbst so lange verschmerzen muss.
Befahl darauff einem Obersten / die Anordnung zutuhn / dass auffs
allerschleunigste der Galgen auffgerichtet / und die Gefangenen herzu geführet
würden; welches dann des Königes Geträue vor dissmahl mussten geschehen lassen.
Agis hatte im Treffen eine geringe Wunde an den linken Arm bekommen / stellete
sich / als schmerzete ihm dieselbe seht / und befahl seiner Diener einem / hin
nach dem Lager zureiten / und seinen Arzt zu hohlen /dass er ihm den Schaden
besichtigte. Dieses wahr mit dem Diener also angelegt / wusste wohl was es
bedeutete / und ritte schleunig fort nach den Obersten / mit welchen Mastyes und
Agis Abrede genomen hatten; Dieselben nun hatten eine grosse Anzahl Häuptleute
und Unterhäuptleute versamlet / und ihnen vorgetragen / es liesse sich ansehen /
als ginge Feldmarschalk Dropion mit sehr gefährlichen Dingen schwanger / die zu
ihres Königes Untergang gereicheten / hoffeten demnach gänzlich / es würde das
gesamte Heer ihres liebe Königes Wolfahrt ihnen lassen angelegen sein /und auff
allen fal dem Feldmarschalk einreden / insonderheit / wann derselbe etwa
vornehmen wollte /die Gefangenen tödten zulassen / weil ungezweifelt solches an
ihrem lieben Könige grausamlich würde gerochen werden. Diese erkläreten sich
alsbald / Leib und Leben vor ihres Königes Wolfahrt anzuwenden /und solches /
wie es immermehr könnte und möchte erfodert werden; es gäbe ihnen schon nicht
geringen Verdacht / dass man umb des Königes Rettung so gar unbemühet währe. Die
Obristen / deren 12 an der Zahl wahren / bedanketen sich der Träue / welche ihr
König unvergolten nicht lassen würde / nahmen auch 40 Häuptleute und 30 Unter
Häuptleute neben 1000 Reutern zu sich / und erwarteten getrost / was man ihnen
zuentbieten würde. Zeit wehrender Auffrichtung des Galgen zeigete Mastyes in
seiner Gesellen Nahmen den andern an / sie währen alle sechse gewilliget / mit
ihrem Gerichte durchaus nichts zuschaffe zuhaben / damit sie deswegen ihrem
Könige oder dem Heer nicht dürfften Rede und Antwort geben / dessen zur
Bezeigung sie auch begehreten / dass ihnen erläubet währe / einen absonderlichen
Siz von ihnen zunehmen / oder gar davon nach dem Lager zureiten. Dropion
antwortete ihm gar trotzig / sie möchten sich nach gefallen setzen wo sie wollten
/ aber nach dem Lager zureiten / sollte ihnen verbohten sein. Sie verschmerzeten
dieses geduldig / und hoffeten / es sollte noch anders ergehen / als dieser ihm
eingebildet hatte / weil sie auff der 12 Obersten Redligkeit sich verliessen.
Inzwischen lagen unsere Helden jedweder in einer schlechten Reuter Hütten
absonderlich gebunden auff blosser Erde / und ward ihnen weder Brod noch Wasser
gegeben / auch nicht eins nachgefraget /ob sie verbunden währen. Herkules
überlegete bald in seinem Siñe / wie Dropion mit ihnen verfahren würde / hatte
doch nicht desto weniger das Vertrauen zu Gott / er würde mit seiner Errettung
auch daselbst erscheinen / wo menschliche Hülffe aus und verloren wahr / und
verlangete ihn nicht wenig / mit seine Mitgefangenen zureden / uñ seinen
geträuen Raht ihne mitzuteile. Als er mit diesen Gedanken umging / trat ein
Pannonier zu ihm in die Hütte / und deutete ihm in Dropions Nahmen an / er sollte
sich zum wolverdienten Tode gefasset machen / und mit den übrigen Gefangenen
sich vor Gericht stellen / umb zuvernehmen / was man ihm wollte. Welches er kurz
beantwortete: Sein Leben und Tod stünde bloss in Gottes / und keines Menschen
Händen; was derselbe über ihn beschlossen hätte / wollte er gerne und willig
angehen /auch ungewegert sich in seiner Unschuld vor Gericht einstellen / umb
zuvernehmen / was Dropion sich über ihn als einen König zubeschweren hätte. Ging
also in seinen Banden unwegerlich fort / und sah die übrigen Gefangenen in
gleicher gestalt daher zihen; welcher elende Blik an Ladisla und seinem Vater
/ihm die Trähnen aus den Augen trieb / fassete doch ein Herz / und redete sie
also an: Herzlieber Herr Vater / auch Bruder Ladisla / und sämtliche
allerliebesten Freunde; Ich bitte höchlich / wollet über unsern frommen GOtt
nicht ungeduldig werden / dass er uns in diese Noht wegen unser Sünde hat wollen
fallen lassen; eben seine Hand / die uns gedemühtiget hat / kann uns hinwiederumb
erheben / und wohl ehe /als wir gläuben oder gedenken. Vorerst zeige ich euch an
/ dass König Mnata von mir gefangen / und nach Prag geschicket ist. Vors ander
bitte ich / ihr wollet mir gönnen / das Wort vor Gerichte zuführen. Gut mein
herzallerliebster Sohn / antwortete sein Vater /das erste gibt mir einen Trost
das andere ist mir sehr lieb und angenehm / und zweifele nicht / mein Sohn König
Ladisla werde gerne einwilligen. Warumb nicht / antwortete dieser; nur dass mir
Freiheit bleibet /mich zuverantworten / da ich sollte an meinen Königlichen Ehren
gekränket werden. Wir müssen geduldig sein / sagte Herkules / und nicht alles
hören / viel weniger verantworten / biss GOtt Besserung giebet. Sie gingen mit
gebundenen Händen auff den Rücken freudig fort / biss sie bei dem Gerüste
ankahmen / auff welches Dropion mit seinen Verschwornen sich in grossem Pracht
gesetzet hatten; Und da die unsern in der Reihe vorgestellt waren / redete
nicht Dropion /sondern Pyrechmes / der ihm am nähesten sass / trug dieses vor: Es
erinnert sich der gevolmächtigte Pannonische Königliche Statverweser / der
unüberwindliche Held / Herr Dropion / bestätigter König in Böhme /añoch sehr wohl
/ was gestalt seinem Könige / ihm /und dem unvergleichlichen ganzen Pannonischen
Adel von euch Teutschen und Bömischen Hunden (o du Hund sagte hierauff Ladisla)
durch übersendung eines eures gleichen schäbichten Hundes / und andere
schmähungen ist geschändet worden / welches sein Heldenmuht ungeroche nicht
hingehen lassen kann; lässet demnach durch mich seinen verbundenen euch ingesamt
und ohn unterscheid anmelden / dass ihr die wolverdienete Straffe jezt diese
Stunde von Henkers Hand annehmen / und mit dem Strange an diesem auffgerichteten
Galgen vom Leben zum Tode sollet gebracht werden; da dann der Zäuberer und
seiner Brüder Mörder Herkules oben an / nähest ihm Ladisla der verlauffene Böhme
/ und drittens der alte Henrich hangen soll. Alsbald brach Dropion mit freudigen
Augen den weissen Stab entzwei / welchen er in der Hand hielt / und befahl ein
ander den anwesenden Henkern / ihr Ampt und gebühr ohn auffschueb zuverrichten.
Die Gefangenen stelleten sich unerschrocken / und fing Herkules also an: Ich kann
mich nicht gnug verwundern über dieses unbesonnene vornehmen / dass ihr uns so
schändlich hinrichten wollet / da euer König in der unsern Gewalt ist. Er wollte
weiter fortfahren / aber Pyrechmes hies ihn mit ungestüm schweigen / oder es
sollte ihm alsbald die Zunge aus dem Halse gerissen werden. Woldann / sagete
Herkules / so will ich schweigen / und begehre nur vor mich und meine
mitgefangenen ein Viertelstündichen frist /dass uns gegönnet werde / alhier unser
Gebeht zu unserm Gott zu verrichten / damit er unser Seele möge gnädig sein.
Aber ihnen kunte so lange Zeit nicht zugelassen werden / sondern Pelegon sagete:
Es hätte kein Gott mit ihrer Seele etwas zuschaffen / weil sie alle alten Götter
verleugnet und einen erhenketen angenommen hätten; könnte derselbe nun seines
gleichen retten / würde man zuvernehmen haben. Uber welche Gotteslästerung die
unsern ihre Augen gen Himmel richteten / und sagte Herkules über laut: O mein
JEsus / rette deine Ehre / und biss uns deinen Dienern gnädig. Ja / sagte
Pyrechmes / mit einem hönischen Gelächter; er wird schier kommen und deinen
Königlichen Sitz / den Galgen meine ich / zuschmettern /oder uns an deine stelle
hinan bringen. Bei Gott ist kein ding unmöglich / antwortete Herkules. Dieser
aber befahl dem Henker / alsbald sein Amt zu volstrecken; welcher auch Herkules
angriff und zu ihm sagete: Kom mit mir / du sihest ja / dass kein Gott vom Himmel
komt / dich zu retten. Ja / antwortete er /ich ergebe mich in meines
allergütigsten Gottes willen / und ging mit ihm hin. Als er nun sein Gebeht auff
dem kurzen Wege verrichtete / und schon mit dem Henker mitten auff der Leiter
stund / ranten die 12 Obersten mit ihren Häuptleuten und Reutern spornstreichs
herzu / und weil sie sahen / dass Herkules schon auff der Leiter wahr / ritte
einer hinzu / und geboht dem Henker / er sollte mit dem verurteileten herunter
steigen oder alsbald erwürget werden. Herkules wahr in voller Andacht des
Gebehts / dass er der herzunahung dieser Reuter nicht eins wahr genommen hatte /
sprach auch eben die lezte Bitte des heiligen Vater unser (sondern erlöse uns
vom übel) als er diesen Obersten ruffen hörete. Der Henker hätte sein Amt gerne
verrichtet / aber die Todesfurcht schreckete ihn ab / dass er gehorchete / und
mit Herkules herunter stieg. Nun hatten unsere Helden sich des lebens schon
erwogen / stunden und ermahneten sich untereinander zur glaubens beständigkeit;
welches Leches mit solchen herzerfreulichen Worten verrichtete / dass sie alle
sich darüber verwunderten; aber die Zukunft dieser Reuterschaar / und dass der
Henker mit solchem ernst und eifer befehlichet ward / gab ihne gute Hoffnung
/Gott würde sich über sie erbarmen / und seine Almacht und Güte an ihnen sehen
lassen. Dropion / als er das Verbot hörete / gehuhb sich nicht anders als wollte
er von Sinnen komen / dräuete auch dem Obersten / es sollte ihm socher Frevel den
Hals kosten; welcher aber sich daran nicht kehrete / weil ein ander von seiner
Gesellschaft diese Rede hielt. Ihr Herren Feldmarschalke / Herr Dropion / Herr
Mastyes und Herr Agiss; vernehmet meine Worte / die ich euch nicht vor mich /
sondern aus geheiss und befehl des unüberwindlichen Pannonischen Heers vortrage:
Es verwundern sich alle Obersten und Häuptleute / ja alle Kriegsknechte / hoch
und nidrig / dass man hieselbst in so geringer Anzahl ein Gerichte über gefangene
Könige und Fürsten häget / sie an den lichten Galgen auffzuknüpfen / nicht
anders / als gehörete niemand mehr in dieses Kriegsrecht / als sie wenige. Noch
mehr aber befremdet sie unter höchster bestürzung / dass man durch hinrichtung
dieser gefangenen unsern auch gefangenen König an den Galgen bringen will; möget
euch deswegen / ihr Herren / wohl vor glückselig schätzen / dass wir noch zu
rechter Zeit alhier angelanget sind / dieses euer Vorhaben zu hindern; massen /
sollte es volstrecket / und unser lieber König dadurch in Lebensgefahr gestürzet
worde sein / müstet ihr alle solches mit dem Halse unter der grausamsten
Peinigung bezahlen. Welchem allem nach / im Nahmen und von wegen des ganzen
Pannonischen Heers ich euch samt und sonders ansage / dass ihr mit der
Verurteilung und hinrichtung dieser Gefangenen inne haltet / so lieb euch des
Heeres Gunst und Freundschaft / ja so lieb euch euer Leib und Leben ist. Ihr
aber Herr Feldmarschalk Mastyes / werdet Kraft dieses / von euren Völkern /
Häuptleuten und Obersten gefodert / vor ihnen zuerscheinen / und hören zu lassen
/ wie ihr dieses getrauet zu behäupten / dz ihr alle eure hohen Befehlichshaber
samt den Obersten ausschlisset / und euch allein hieselbst finden lasset / da
Herr Dropion die seinen nicht vorbei gangen ist /auch Herr Agiss ja noch etliche
von den seinen mit sich genommen. Ich bin bereit und willig / sagte Mastyes /
vor mein Heer mich zu stellen / und ihnen meine Unschuld darzulegen; inzwischen
ihr redlichen Brüder hoch und niedrig / euch sage ich von herzen dank / bevorab
unsern Göttern / dz ihr zu glücklicher Stunde hieselbst erschienen seid / unsers
allerliebsten Königes Leben vom abscheuhlichsten Tode zuerretten / welcher ihm
auf dieser hohen gefangenen erhenkung ungezweifelt würde zu teil worden sein.
Ich / wie gesagt / will mich bei dem Heer anfinden / weil mirs nunmehr frei
stehet / und werdet ihr inzwischen die Gefangenen Herren / welche weder Diebe
noch Mörder sind / in euren Schuz nehmen / damit sie vor aller gefahr sicher
bleiben. Die unsern kehreten sich an nichts / fielen plat nider auff die Erde /
und riefen Gott inbrünstig an / dass er seines heiligen Nahmens Ehre retten /
ihnen weitere hülffe erzeigen / und dem schändlichen Hochmuht ihrer Feinde
steuren und wehren wollte. Es trat aber einer von den 12 Obersten zu ihnen hin /
und redete sie also an: Ihr gefangene Könige / Fürsten und Herren / stehet auff
von der Erde / und ergebet euch unter den Schuz des Pannonischen Kriegsheers /
biss auff weitere anordnung unsers allergnädigsten Königes. Sie richteten sich
alsbald auff / und gab ihm Herkules diese Antwort; Tapferer Ritter und Freud;
ihr und eure Gesellen handelt redlich bei eurem Könige / in dem ihr uns diesem
schändlichen ganz unverdieneten Tode entreisset. Ich gestehe es dass ich euren
König gefangen genommen; aber ich habe ihn in ehrliche Haft geschicket / und
meinen Leuten befohlen / ihn Königlich zu halten /und dafern solches nicht
geschihet / sehet da / so wollen wir alle miteinander den Tod darumb leiden;
hingegen versichert euch auch dessen / dass wann diese Urtel an uns sollte
volstrecket worden sein / würde euer König durch die aller grausamste Straffe
hingerichtet werden / welches ohnzweifel alle dieselben ihm gönnen / welche uns
verurteilet haben. Dropion durfte annoch seinen Dienern befehlen / sie sollten
die Gefangenen nidermachen / aber der Obersten einer warnete ihn / er sollte ja
zusehen was er tähte / das ganze Heer würde sich von ihm nicht verachten lassen;
befahl auch alsbald 300 Reutern / welche sie zwischen sich nehmen mussten. Als
Mastyes wieder von dem Heer kam / ward er von einer grossen menge Obersten und
Häuptleuten begleitet / und hielt er diese Rede an Dropion: Herr Feldmarschalk;
es ist des ganzen Königlichen Heers ernstlicher Wille und unwiederruflicher
Schluss / dass die gefangenen Könige / Fürsten und Herren / weder mit Schmähworten
noch anderer Ungebühr sollen beleget / sondern von ihren Ketten und Banden
erlediget / und in guter verwahrung behalten werden / biss unser allergnådigster
König selbst anordnung machen wird / wie ers mit ihnen wolle gehalten haben;
dann nicht euch und euren Beisitzern / sondern unserm grossmächtigsten Könige
allein stehet zu / gefangene Könige zuverurteilen. So werdet ihrs auch zu
verantworten haben /dass ihr eurem Pyrechmes gönnet / euch vor einen bestätigten
König in Böhmen auszuruffen / dessen ihr ja von unserm Könige nicht die
allergeringste einwilligung habet; sonsten soll euch eure Wirde und Marschalksamt
über eure Völker völlig bleiben / aber an meinem Orte werde ich euch keines
befehlens gestehen / wie auch Herr Agiss an Herrn Hyppasus stelle den Königlichen
ersten Entsaz als ein Feldmarschalk führen wird / wornach ihr euch zu richten
habet. Dropion erschrak des Vorbringens nicht wenig / und gab zur Antwort; es
soll dir dein Vornehmen nicht gelingen Mastyes / dass du umb Geld und Gaben
träulos werden / und die Verbrechere / welche Pannonische Ehr auffs höchste
geschändet haben / der billichen Straffe entzihen wilt; unser König hat keine
Gefahr /und will ich mich dem ganzen Heer verbürgen / dz wegen dieses Gerichtes
seiner Hocheit nichts arges zustossen soll. Ihr verleumdet mich ohn Ursach / Herr
Dropion / sagte Mastyes; ich gedenke meinem Könige nimmermehr unträue zubeweisen
/ vielweniger die dem Pannonischen Nahmen angefügete Schande ungerochen zu
lassen / nur allein gefället es dem Heer dass die Verbrecher biss auff unsers
Königes wiederkunft hingesetzet werden / dann seiner Königl. Hocheit / sage ich
nochmahl / stehet allein zu / Königen und Fürsten die Endurtel zu sprechen;
überdas sihet ja kein Mensch / woher ihr wissen möget / dass unserm lieben Könige
dieser Gefangenen schändlicher Tod nicht sollte schädlich sein / welches der
geringste Landsknecht besser verstehet. Dropion wollte hieselbst die
mitgebrachten Völker zu rede stellen / warumb sie sich wieder ihn zum Auffruhr
erwecken liessen / welches ihnen schier heut oder Morgen übel bekommen würde.
Aber ein Oberster warnete ihn / er sollte wohl bedenken was er redete; ob sie
Auffrührer währen / oder dieses eine Auffruhr könnte genennet werden / wañ man
bemühet währe des KönigesLeben zuerhalten. Es währe wegen befahrung eines neue
feindlichen Anfalles nicht Zeit / dass er Trennung unter dem Pannonischen Heer
machen wollte; Sie stünden alle vor einen Mann / und wollten / so bald ihr König
würde frei sein / schon wissen / wie sie ihre Redligkeit vertreten sollten.
Endlich als Dropion sah / dass er seinen Willen brechen müste / gab er zur
Antwort: Des ganzen Heers Wille müste ihm endlich gefallen / nur hoffete er
nicht / dass man mit seiner höchsten Beschimpffung ihm seine Gefangenen entzihen
/und einem andern dieselben untergeben wollte. Aber Mastyes antwortete: Es sind
mit nichten eure / sondern unsers Königes Gefangene / und weil ihr ihne nach dem
Leben stehet / ist des ganzen Heers Schluss /dass sie Herrn Agiss / als
Statverweser bei dem Königlichen ersten Entsaz sollen zum Schuz untergeben
werden. So müssen sie gleichwol ihre Ketten und Bande billich tragen / sagte
Dropion / damit sie es nicht besser als unser König haben. Der Oberste / so die
unsern in Schuz genommen hatte / antwortete: Der junge Teutsche König hat sein
Leben davor verpfändet / dass unser König nicht unter Kettenliege / sondern auff
seinen ausdrüklichen Befehl Königlich gehalten werde. Wolan / sagte Mastyes / so
kann des algemeinen Heeres Schluss keines weges gebrochen werden / sondern sie
müssen ohngebunden von Agiss verwahret / und redlich geschützet werden. Ich nehme
diesen Befehl des Pannonischen Heers gehorsamlich über mich / antwortete Agis /
und will die Gefangenen also halten / dass ich mich stets erinnere / sie sein
unsers Königes und des Pannonischen Reichs Feinde; ritte hin zu den 300 Reutern
/ welche mit ihnen absonderlich im freien Felde hielten / und gab 6 Obersten und
20 Hauptleuten ernstlichen Befehl / sie ingesamt mit sich in ein grosses
gemeines Zelt zuführen /und keinen lebendigen Menschen / wer der auch sein
möchte / zu ihnen zulassen. Als diese hinweg geführet wahren / trat Dropion mit
seinem Anhange zusammen / und befrageten sich / was hier zu tuhn sein würde. Er
hatte kaum noch 30000 Mann von seinem ersten Heer / wusste auch wohl / dass nicht
3000 unter denselben es mit ihm gegen das Königliche Heer halten würden / daher
begab er sich aller Gewalttähtigkeit /und war auff List und Betrug bedacht / wie
er zum wenigsten Herkules und Ladisla ermorden lassen /und Mastyes bei dem Heer
in Verdacht einer Verräterei bringen möchte. Pyrechmes aber / Pelegon /und sein
Sohn Bato wiederrichten ihm das lezte träulich / und sageten: Sie hätten den
Göttern zudanken /dass sie noch bei ihrer habenden Gewalt gelassen würden / und
sähen vor Augen / dass sie noch zur Zeit Mastyes nicht heben könten; müsten
demnach aus der Noht eine Tugend machen / und diesen Schimpff über sich gehen
lassen; ob man aber den beiden Hunden (Herkules und Ladisla) den Lebens Fadem
brechen könnte / hätte man zuversuchen; wiewol es nicht ohn ihre selbst eigene
Lebensgefahr würde geschehen können. Herkules fürchtete sich sehr vor solchen
Meuchelmord / deswegen redete er ihrer Wachte freundlich zu / mit Bitte / bei
Herrn Agiss anzuhalten / dass ihnen vor heimlichen Mördern möchte schuz geleistet
werden / bekam aber zur Antwort: Sie hätten sich dessen nicht zubefahren / weil
sie eben der Ursach halben in solcher Anzahl bei ihnen wachen müsten. Es wurden
ihnen geringe Speisen und ein Trunk Wasser zur Labung gegeben / womit sie doch
zufrieden wahren / weil ihrer keiner verwundet wahr / ohn allein Klodius und
Gallus / welche Herkules mit seiner WundSalbe selbst verbunde. Nach gehaltener
kurzen Mahlzeit fingen sie ihr andächtiges Gebeht an zu Gott / danketen ihm
herzlich vor seine schon geleistete wunderbahre Hülffe / und bahten mit Trähnen
/ er wollte seine Barmherzigkeit ferner gross über sie machen / und den Spöttern
seiner Almacht zuerkennen geben / wie leicht es ihm währe / die Elenden
zuerheben / und die Gewaltigen vom Stuel zustossen. Sie wahren aber in ihrer
Seele so wolgemuht / dass sie mit einander den 91 Psalm des Königes Davids
anstimmeten / welcher also lautete:
                                       1
Wer in des Höchsten Schirm gehört /
Und hat sein Zelt geschlagen
Im Schatten des der mächtig fährt /
Darff frei zum HErren sagen;
O du mein Schloss / O du mein Gott
Und fester Schuz in aller Noht /
Mein ganzes wolbehagen.
                                       2
Dann er macht meine Füsse frei
Vom Jäger-Netz und Stricke /
Und treibt die Pestilentz vorbei
Dass sie dich nicht berücke /
Die sonsten leichtlich schaden tuht /
Drum nimt er dich in seine Huht /
Auff dass er dich erquicke.
                                       3
Mit seinen Flügeln will er dich
Als eine Henne decken /
Sein wahres Wort soll festiglich
Dir Schirm und Schild darstrecken /
Das dich des Nachtes Grausamkeit
Und Tages-Pfeil zu keiner Zeit
Mag treffen noch erschrecken.
                                       4
Vor Peste soltu sicher sein /
Die sich im finstern reget /
Dazu von aller Seuche rein
Die bei Mittage schläget /
Und griffe sie gleich tausend Mann
Und noch zehn tausend ander' an /
Bleibstu doch unbewäget.
                                       5
Ja du wirst deine Freud und Lust
Mit deinen Augen sehen /
Wie über aller Sünden Wust
Die schweren Straffen gehen /
Dann Gott ist deine Hülff' und Schuz /
Und der im Himmel wohnt / dein Truz /
Drum muss dir wohl geschehen.
                                       6
Vor Unglück bistu gnug befreit /
Kein Leid wird dich belegen /
Weil seinen Engeln er gebeut
Dass sie auff deinen Wegen
Dich schützen / so dass auch dein Fuss
An keinen Stein sich stossen muss /
So werden sie dein pflegen.
                                       7
Du wirst die Schlangen ohn Gefahr
Ertreten sampt den Löuen /
Der jungen Löuen wilde Schaar
Und Drachen gar nicht scheuhen /
Dann weil er meiner so begehrt /
Wil ich ihn wieder unbeschwert
Mit meiner Hülff erfreuen.
                                       8
Ich helff' ihm / dann er kennet mich /
Er rufft / ich will ihn hören /
Aus Nöhten will ich sicherlich
Ihn retten und hoch ehren /
Ich will ihm seine Lebens-Zeit
Erstrecken / und die Seeligkeit
In meinem Heil beschehren.
Ihre Hüter wunderten sich über alle masse / dass sie in dieser grossen Gefahr mit
so frölichem Munde und lächelndem Angesicht singen kunten / nicht anders als
wann sie in der allerbehägligsten Königlichen Lust sässen / brachten auch die
ganze Nacht mit Erzählung geistlicher Geschichten zu / wodurch ihre Wächter
desto besser vom Schlaffe abgehalten wurde. Umb die Mitternacht schliechen
dañoch drei verwågene Meuchelmörder mit kurzem Gewehr herzu / welches sie unter
ihren Kleidern verborgen hielten; und als sie befraget wurde wer sie währen /
gaben sie sich vor etlicher Obersten Diener aus / welche die Wacht bei den
Gefangenen hielten / als aber dieselben mit Fackeln zu ihnen heraus gingen / und
solches vorgeben falsch befunden / wurden sie in Fessel gelegt / und mussten
hernach mit dem Leben bezahlen / da sie bekenneten /es hätte Herr Bato /
Dropions Sohn jedem 3000 Kronen versprochen / wann sie den Böhmischen und jungen
Teutschen König würden hinrichte.
    Es wollte aber ihr Gott und Heiland dem sie so herzlich vertraueten / seine
völlige Hülffe und Rettung ihnen nicht lange hinterhalten / sondern sich herrlich
bei ihnen erzeigen / damit sie in der Taht empfünden / was König David Psalm 22
rühmet: Gott hat nicht verachtet noch verschmähet das Elend des Armen / und sein
Antliz vor ihm nicht verborgen / und da er zu ihm schrei / höret ers; dann bei
früher TagesZeit /eine Stunde nach der Soñen Auffgange (da Agiss und Mastyes
grosse aussgeschikte Schaaren / ihrem Könige nach zuforschen / schon vor vier
Stunden wieder ankommen wahren) jageten sechs Pannonische Reuter / so auff
Mastyes Anordnung auff einem Hügel Schildwache hielten / mit vollen
Spornstreichen auff ihr Lager zu / uñ brachten Zeitung / es gäbe von ferne ein
dicker Staub Anzeige / dass ein gewaltiges Heer von Prage werts im Anzuge währe /
und Zweifels ohn bald vor Augenschein komen würde. Dropion wollte solches nit
gläuben und sagete; etliche Ungeträue / die es gerne also haben möchten liessen
solches zum Schrecken ausssprengen; aber Mastyes baht ihn / er möchte seiner
Vernunft raum gönnen / und solche Zeitungen nit in den Wind schlagen / an deren
Tichtung kein redlicher Mann gefallen haben würde. Bei dieser Beredung kahmen 30
andere Reuter / die sudwerz auff einen Raub aussgangen wahren / und meldeten an /
dass auch von der Seiten ein gewaltiges Heer in blanker glinzender Rüstung heran
zöge / von welchen ein starkes Trometen blasen und Heerpaukenschlagen getrieben
würde; worüber Mastyes sich nicht wenig bestürzet befand / und zu Dropion
sagete; wollen wir unser Vaterland und die uns anvertraueten Völker nit
verrahten / werden wir uns fertig halten /damit wir nicht in unserm Lager
überfallen und als das Vieh abgeschlachtet werden; und wird nunmehr der
Feldmarschalk erkennen / obs nicht gut und heilsam sei dass man der Könige uñ
Fürsten verschonet hat. Ein Narr währe ich / sagte Dropion / wañ ich solches vor
gut hielte. Befahl darauff nach beiden Orten 500 Reuter gehen zulassen / welche
Nachforschung tähten / ob den Zeitungsbringern nicht möchte geträumet haben. Wie
wohl er auff allen Fal im Lager auffblasen liess / da inzwischen Agiss die
Gefangenen in sein eigenes Gezelt hinführete / und ihnen 1500 geträue Leute zu
ihrem Schutze zugab / wovor sie ihm höchlich danketen / und sich aller
Vergeltung anerbohten. Den Völkern kam es wunderselzam vor / dass sobald ein
gedoppeltes Heer über sie kommen sollte /gaben sich doch zeitig ins Gewehr / und
harreten mit Schmerzen / was vor Nachricht die aussgeschicketen bringen würden;
da nach Verlauff einer halben Stunde die von Abend her anzeigeten / sie håtten
nicht allein den grossen Staub / sondern bald darauff ein grosses Heer in zween
abgeteileten Flügeln gesehen / deren jeder wohl in 40000 Reutern bestünde. Nicht
lange hernach stelleten die von Suden her sich mit schnellem jagen ein /
anmeldend / es wåhre ein glinzernd Heer auffs wenigste von 50000 Reutern
verhanden /deren Trometen uñ Pauken man von ferne hörete Woher führet dann der
Teuffel alle die Völker in solcher Eile? sagte Dropion; teilete das Pannonische
Heer / welches annoch in 104000 gesunder Mannschaft bestund / gab Mastyes 36000
gegen die von Mittage anzugehen; Agiss 30000 gegen den rechten Flugel des andern
Heers / und behielt er von sich selbst 36000 gegen des Feindes linken Flügel.
Diese SchlachtOrdnung wahr kaum gerichtet / da kam das erste Heer aus Westen zum
Vorschein / dessen rechter Flugel in 50000 wolgewapneter Reuter bestund / der
Linke wahr 42000 stark / erzeigete sich aber viel muhtiger und erzürneter als
der ander. Sie wahren sobald nicht gesehen / da schickete Dropion eine Schaar
von 3000 an sie / um zuvernehmen / was Volk sie währen / und zu was Ende sie
unabgesaget ihm so gerade auff den Leib gingen; bekahmen aber von dem rechten
Flügel in lateinischer Sprache zur Antwort; was die Pannonier sie auff eines
andern Grund und Bodem zu rechtfertigen hätten; und ob nit ihnen so wohl als
einem andern fremden der Weg offen stünde; ihr begehren währe / dass man ihnen
ohnwegerlich Raum machete / weil ihr Zug eilig währe / sonst müsten sie
versuchen / es mit dem Schwerte zuerhalten. Dem Pannonier kam diese Antwort
fremde und trotzig vor / meinte / es würde etwa ein Römisches Heer sein /
welches vom Rein her durch Teutschland nach Italien ginge / weil die Römer mit
den Teutschen und Böhmen in guter Einigkeit stünden / daher liess er ihnen
wiedersagen; man währe nit der Meinung / sich ohn Ursach jemand zum Feinde
zumachen / nachdem sie ihre Feinde die Böhmen und Teutschen gestriges Tages
ritterlich geschlagen / und ihre Könige gefangen hätten / welche so lange in
Haft gehalten würden /biss ihr gefangener König / Mnata sich los gewirket håtte.
Dass sie aber ihnen als unbekanten und fremden das Feld ohn Wiedersetzung gönnen
sollten / kähme dem Pannonischen FeldHerrn Dropion und seinen Leuten sehr
nachdenklich vor / verhoffeten demnach /anjetzo ohn fernere Wegerung
verständiget zuwerden / wohin sie gedächten / und ob sie den Teutschen und
Böhmen Entsaz zuleisten gemeinet währen; würde man sich aber keiner Richtigkeit
erklären / könnte man an dieser Seite sie nicht anders als vor Feinde achten. Der
fremde Heerführer hörete solches alles mit unwillen an / und gab zur Antwort; es
erschiene aus des Pañonischen FeldHerrn Antwort und Werbung / dass er ein stolzer
und verwägener Kerl sein müste / in dem er sich nit scheuhete / dasselbe
zuwissen / welches ihm und allen den seinen biss dahin sollte verborgen sein;
seine Dräuunge achtete man nicht hoch /und doch vor gnugsam / dass hiemit die
Schlacht angekündiget währe; jedoch wollte man ihm noch zum Uberfluss erinnert
haben / seinen Hochmuht abzulegen / das Heer von dem Felde ins Lager zuführen /
und den Weg unbesetzet frei zulassen; würde er solches nicht straks Angesichts
eingehen / sollte ihm damit abgesaget / und die Schlacht angekündiget sein.
Dropion hörete hieraus / was dieser Völker Vorhaben wahr / nur verwunderte er
sich / woher diese grosse Macht kähme / welche / insonderheit der rechte Flügel
/ ganz neue unbekannte ReuterFahnen führete; so wahr auch ihr Drometen-Schal
nicht nach der gemeinen Teutschen Art / noch nach der Böhmischen / sondern gar
fremde und unbekant. Er sah / dass sie an der Zahl zwar nit überlegen wahren /
doch grauete ihn vor dem andern Heer noch am meisten / welche gleich in dieser
Handelung herzunaheten / und ein überlautes Freuden Geschrei ergehen liessen /
als sie sahen / dass diese zwei Heer zur Schlacht gegen einander hielten. Der
FeldHerr / bei dem Heere von Westen / sah dieses dritte Heer sich ins Feld
gegen die Pannonier setzen /und nahm ihn höchlich Wunder / was Völker sie sein
möchten / unterliess auch nicht / alsbald 500 Reuter an sie abzuschicken / und
den FeldHerrn bitlich zuersuchen / ihm unbeschweret anzuzeigen / wessen die
Teutschen uñ Böhmen sich zu ihnen zuversehen hätten / welche ihnen / dafern sie
nicht Pannonier währen / alle Freundschaft uñ möglichen Beistand wieder ihre
Feinde hiemit anböhten. Worauff der FeldHerr dieses treflich gewapneten Heers
mit sonderlicher Freundligkeit in lateinischer Sprache (in welcher er auch
angeredet wahr) zur Antwort gab; er und alle seine Volker wunscheten den
Teutschen und Böhmen des Himmels Beistand wieder ihre unbefugete Feinde die
Pannonischen Mordbrenner / und stünden um keiner ander Ursach im Felde / als dass
sie vor deren Könige Leben uñ Wolfahrt ihr Blut zuvergiessen bereit und fertig
währen; kehrete sich damit um / und befahl seinem Heer dass sie ihr Feldwort
ruffen sollten; dasselbe aber wahr der Nahme Valiska / welchen sie mit grossem
Geschrei etlichemahl wie der hohleten / und bald darauff den abgeschikten Befehl
erteilete / sie sollten hinreiten / und ihrem Heerführer solches anmelden. Dieser
Zeitung verwunderten sich die Häupter der beiden Flügel zum höchsten / und
sagete der eine zu den übrigen / deren unterschiedliche wahren /sehet meine
Freunde / wie wundergnädig handelt unser GOtt mit denen / die sich auff ihn
verlassen! ehe dieselben sollten untergehen / müsten ganz unbekannte komen / und
ihnen Rettung tuhn. Mastyes sendete feine Leute auch ab an dieses Südische Heer
/umb zuvernehmen / wz die Pañonier sich zu ihnen zuversehen hätte / welche mit
niemand in Feindschaft lebeten / noch jemand unrechmässiger Weise zubeleidigen
ausgezogen währen / nur dass sie den von den Böhmen empfangenen Schimpff zurächen
sich nohtwendig hätten in Harnisch begeben müssen. Aber er bekam diese harte
Antwort: Es ist Landkündig / dass die Pannonier das Böhmische Reich angefallen
nicht als Kriegsleute / welche die Fehde nach aller redlichen Völker Brauch
zuvor angesagt / sondern als Mordbrenner und Räuber / und solches darumb / weil
sie durchaus keine andere erhebliche Ursach einzuwenden gewust haben / als ihren
frechen und unbendigen Muhtwillen; daher sie sich desto weniger zu verwundern /
dass er mit seinen Völkern sich zu der Böhmen Beistand auffgemacht / die grosse
Ungerechtigkeit helffen abzustraffen / ungeachtet er mit denselben in keiner
Verbündnis stünde / möchten sich dannoch die Pannonier versichern / dass er ihrer
Bosheit Feind währe / und ein Freund deren / die recht und ehrlich handeln. Als
Mastyes diese Antwort hörete / seuffzete er / und sagte: Ach ach! also muss oft
ein ganzes Land büssen / was ein einziger verkehrter Mensch verschuldet. Sie
begunten sich allerseits zum ersten Angriff zu schicken; aber über alle
Zuversicht kam von Norden her noch ein neues Heer 60000 stark / als zween Flügel
Reuter / jeder 20000 Mann / welche gleich so viel wolbewehrete Fussvölker
zwischen sich eingeschlossen hatten. Das Heer von Westen meinte nicht anders /
es würde ein Pannonischer Entsaz sein; aber als der Führer des linken Flügels
300 Reuter an sie abschickete / zufragen / ob sie der Teutschen und Böhmen
Freund oder Feind währen; gaben sie zur demühtigen Antwort: Sie währen schier
zum dritten Teil Teutschen / und zween Teil Wenden / dem Teutschen und
Böhmischen Könige von ihrer Fürstin ganz eilig zu Hülffe gesand / weil ihre Gn.
Fürstin in glaubwirdige Erfahrung kommen währe / dass die Pannonier mit sehr
grossen heimlichen Werbungen umgingen /das Böhmische Reich züuberfallen / wie
ihnen dann nicht unbewust wåhre / dass solches schon geschehen /und sie demnach
bereit stünden / vor Teutschland und Böhmen ihr Blut biss auff den lezte Mann
zuvergiessen. Die unsern wussten nicht / was wegen dieser Erklärung sie vor
Freuden beginnen sollten / und liessen ihnen alsbald anzeigen / sie sollten alle
wilkommen sein / und wann es ihnen gefallen könnte / möchten sie ihre Fussvölker
samt der Halbscheid ihrer Reuterei nach Osten hinter den Feind gehen lassen /
dass ihnen der Rukweg zur Flucht abgeschnitten würde; der ander Teil aber ihrer
Reuter könten das Feld halten /und sich nicht regen / biss man ihres Entsatzes
würde von nöhten haben. Hier fing nun Dropion an den Muht sinken zulassen / weil
er ihm keiner neuen Hülffe vermuhten wahr / bald aber verkehrete sich die Furcht
in eine rasichte Wuht / und schickete an dieses Nordische Heer / sie sollte sich
erklåren / ob sie Pannonisch oder Böhmisch wåhren; bekam aber zur Antwort: Sie
währen aller Räuberischen Mordbrenner geschwohrne Feinde / und also auch der
Pannonier. Dropion entboht ihnen hinwiederumb: Währen sie dann seine Feinde / so
müste ers lassen dahin gestellet sein; nur wann sie redlich währen / sollten sie
harren /biss er mit seinen Feinden von Westen her Schlacht gehalten / alsdann
wollte er ihnen auch stehen; Welcher Anmuhtung nicht wenig gelachet / und zur
Antwort gegeben ward: Die Pannonier sollten wissen / dz sie weder mit Kindern
noch mit Narren zutuhn hätten / denen sie vorschreiben und gebieten wollten / da
sie doch ihre geschwohrne Feinde währen. Agis schickete sich zu einem ruhmlichen
Tode / und sagete zu Pyrechmes / der sein Obrister Statverweser wahr: Nun sehet
ihr Herrn / was vor einen Jammertanz ihr unserm guten Könige / dem Pannonischen
Reiche und uns allen zugerichtet habt / in dem ihr unsern König beredet / und
uns andere gezwungen / diesen unnöhtigen muhtwilligen Krieg anzufangen. Ich sehe
wohl dass ich sterben mus / antwortete er / aber ich will mich so lange wehren als
der Odem in mir ist / und mus ja ein sonderlicher Unglücks Teufel alle Feinde
auff einmal zusamen hergeführet haben. Das Nordische Heer richtete sich nach
dem empfangenen Befehl / und zogen zween teile mit fliegenden Fähnlein Ostwerz /
dass sie hinter den Feind sich in ausgebreiteter Schlacht setzen möchten /
welches ihnen glücklich anging / und der Feind nichts dawieder vornam. Der
Heerführer des rechten Flügels von Westen her /liess 36000 Mann in drei gleiche
Hauffen sich setzen /und wahr willens den Agriff auff Agiss Völker zutuhn / aber
Dropion wollte noch einmal versuchen ob er durch Worte diesen Feind furchtsam
machen könnte /da er ihm sagen liess; er wollte ihn nochmahl warnen sich vorzusehen
/ und sich nicht in unnöhtige Gefahr zu geben / noch in fremde Händel sich
einzumischen; dann wie durchdringend das Pannonische Schwert wåhre / hätten die
Teutschen in wenig Tagen empfunden / dass wie vor gute Kriegsleute man sie auch
hielte / währen sie doch wie das Reisich nidergehauen / dass sie nunmehr ihre
Verwägenheit zu späht bereueten /welches ihm ausserzweifel auch also ergehen
wurde. Ich merke wohl / antwortete der Feldherr / man will mich mit Worten
schrecken / da ich doch eigentlich kommen bin / solchen Trotzern ihren
verdienten Lohn ausfolgen zu lassen; darumb sage deinem Herrn; Kinder erschrecke
man mit einer Blase vol Erbsen / und feige Herzen mit trotzigen Worten: aber
unerschrockene Männer müsse man das Schwert empfinden lassen. Dieser hatte
befehl auff den fal solcher Antwort den endlichen Troz auszuschütten / welches
er also verrichtete: Nun dann ihr stolzer / höret des unüberwindlichen
Pannonischen Feldherrn / und bestätigten Königes in Böhmen Herrn Dropions
endlichen Bescheid. Ey des schönen Bömischen Königes / fiel ihm der fremde
Feldherr in die Rede / welcher besser zum Säuhirten bestätiget währe. Doch lass
hören / was vor einen endlichen Bescheid gibt er mir dann wohl / nach seiner
Königliche einbildung. Diss ist der Bescheid /fuhr dieser fort / dz / dafern ihr
nicht werdet eure Schmachreden wiederruffen / auch straks Angesichts umbkehren /
und mit schleiffenden Panieren zwo Meilen stilschweigens / ohn Geschrei /
Trometenklang und Tromelschlag hinter euch zihen / sollet ihr alle miteinander
zu kleinen Stücken zerhacket werden. Wolan / antwortete dieser; die Pannonische
Kerze hat vor ihrer gänzlichen Erlöschung noch einen Blik von sich geben sollen.
Ihr aber bringt dem hochmuhtigen Narren zur wiederantwort; Ob er dann von GOtt
gar geblendet sei / dass er nicht sehen kann / was gestalt er von tapferen Feinden
ganz umbgeben ist; ich wolle jezt kommen / und ihm mit meinem Schwert den
endliche Bescheid bringen / auch zugleich vernehmen /ob sein Säbel so schneidig
als seine Zunge sei. Damit liess er die drei gesetzeten gleichteile seines
Flügels gegen Agiss losbrechen / und musste der linke Flügel zugleich mit
fortgehen. Dropion liess gegen diesen Linken seinen Pelegon mit 10000 Mann
lossstürmen /denen nur 8000 begegneten / aber mit solcher Verwägenheit / als
hätten sie geschworen dass sie alle fechtend sterben wollten / daher sie bald im
ersten Anfal 300 Pañonier niderschlugen / griffen auch bald anfangs 30 von den
Feinden lebendig / führeten sie nach dem FeldHerrn des rechten Flügels (welcher
mit 14000 Reutern noch im Felde hielt / als wollte er seine drei aussgeschikte
Hauffen entsetzen / an was Ort es würde nöhtig sein) und wurden diese alsbald
bedraulich befraget / an was Ende des Lagers die gefangene Könige und Fürsten
behalten würden; welches sie einmühtig ausssagete; worauff dieser mit seinen
14000 beherzten Leuten des rechten Weges nach dem Lager zuging / auch die
Wendischen Fussvölker / weiche nahe dabei hielten / zu sich foderte / das Lager
mit stürmender Hand einzunehmen / welche alsbald zum Anlauffe fertig wahren;
aber es bedurfte keines Schwertschlages / weil solches mit lauter Verwundete
besetzet wahr / die um Gnade und Barmherzigkeit riefen; welche ihnen in so weit
gegeben ward / dz sie stündlich das Lager räumen / sich ins offene Feld legen /
und die Wendischen Fussvölker einzihen lassen mussten / denen bei Lebens Straffe
gebohten ward / sich an keiner Beute des Lagers zuvergreiffen. Der fremde
Feldherr ritte mit 3000 Pferden auch hinein /nach Agiss Gezelt / woselbst alle
Hüter bei den gefangenen Königen schon umb Leben und Freiheit angehalten hatten
/ welches ihnen willig versprochen ward. Alsbald liess der unbekannte FeldHerr
allen gefangenen Königen Fürsten und Herrn statliche Rustungen und muhtige
Pferde aussteilen / da sie sich insonderheit verwunderten / dass man Herkules
seinen ädlen Blänken darboht; und ein Teutscher überlaut anfing; seid getrost
ihr Helden / es sind diesen morgen vier unterschiedliche Heere ganz
unvermuhtlich ankommen / zu eurem Entsaz / deren keines von dem andern gewust
hat / ingesammt über 200000 Mann stark / welche euren Schimpff zuräche schon in
voller Arbeit begriffen sind. Die Gefangenen wussten vor Freuden nit zuantworte;
aber so bald Herkules im Harnische wahr fiel er nider auff seine Knie / und
sagete dieses Gebeht uberlaut: HErr JEsus / du wahrer Heiland und Helffer aller
deren die dir vertrauen; jezt spure ich / dass du von dem Stuel deiner Almacht
auff unser Elend gesehen / und unsere Schmach von uns gewendet hast / da wir
meinten / noch mitten driñen zustecken; Herr dir sei Lob / Preis und Herligkeit
/ von nun an biss in Ewigkeit / Amen.
    Der fremde Feldherr machte sich mit 6000 Reutern alsbald wieder hinweg nach
seinen Leuten / und liess die erlöseten ersuchen / dass sie sich in vier Teile
setzen / und jeder von seinen hinterlassenen 8000 Reutern / 2000 zu sich nehmen
möchte / so dass König Ladisla nach dem Sudheer / König Herkules nach dem
Westeer des linken Flügels; König Henrich und Fürst Siegward nach dem rechten
Flügel desselben Heers / und Fürst Olaff nach dem hinterbliebenen Nordheer;
Leches / Klodius / Gallus und Neda aber nach den Wendischen Reutern in Osten
sich verfügen / und ihr bestes prüfen möchten; worzu sie bereit uñ willig
wahren. Das Treffen ging inzwischen tapfer fort / und entsetzete sich Dropion
nicht ein geringes /dass seine Völker unter Pelegon dergestalt gestenzet wurden /
schickete ihnen 6000 zum Entsaz / und vermahnete sie / dass sie sich redlich
halten sollten; aber ihnen begegnete eine gleiche anzahl / und wetzeten sich
dergestalt / als ob sie einer dem andern den Tod geschworen hätten / und wahr
zuverwundern / dass die Fremden keinen Fuss sich wollten zurück treiben lassen /
sondern ja so willig zum Tode als zum Siege wahren; daher kam es / dz die
Pannonier häuffig gefellet /uñ von den andern über verhoffen wenig nidergelegt
wurden / dann da diese erste Schaaren samt ihrem Entsatze sich zurück zogen /
hatten die Feinde 7000 /und die unsern etwa 2000 eingebüsst. An seinem Orte
liess Agiss seine Völker auch in drei gleiche Hauffen / jeden 10000 stark / wieder
die drei Geschwader so ihn angriffen lossbreche / da Pyrechmes in der mitte ging
/ und an seinem Orte heftig wütete /weil auff den Fal der Niderlage / er ihm den
Tod erwählet hatte / damit er nicht lebendig in der unsern Hände gerahten möchte
/ als die von ihm gar zu heftig beleidiget wahren. Der linke Flugel merkete die
gegen Pyrechmes noht leiden / und sendete ihnen 6000 zum Entsaz / welche
ansetzen / die anderen aber abzihen mussten; da sich dann das Blätlein bald
umbkehrete; massen dieser Entsaz nicht weniger den Tod oder den Sieg ihnen
erwählet hatten. Agiss ging seines Orts zur rechten Hand / fochte auch so geherzt
/ dass hieselbst das Spiel in gleicher Wage hing; sein dritter Hauffe hielt
gleicher gestalt aus verzweifelung zimlich fest gegen / so dass hieselbst
allentalben das Schwert rechtschaffen wütete. Wir müssen aber des fremde
Sudheeres nicht vergessen / welches wegen der vielen lichtblanken Harnische das
scheinbahreste wahr; diese wollten nicht ehe fechten biss sie das Westenheer sahen
den Angriff tuhn / da brach die helfte 25000 stark auff einmal los / mit
welchen ihr Feldherr zugleich fortging / welcher 3000 prächtige Ritter mit
Speeren umb sich hatte; er selbst führete auch sein Speer / mit vergüldetem
Eisen / und sein ganzer Harnisch wahr uber und über vergüldet / mit schönen
eingeetzeten grünen Laubwerk. In seinem Schilde lag ein Kranker auff einem Bette
/ mit Ketten gebunden /dem ein schönes Weibesbilde die Hand reichete / und ihn
auffrichtete / mit dieser umbschrift; Coeci amoris remedium Caritas. Der blinden
verliebung Arznei ist die heilige Liebe. Auff dem Helm hatte er einen grossen
grünen Federbusch uñ daran drei weiss geetzete aus Golde gegossene Lilien / mit
dieser Unterschrift: Marcida reflorent. Die verwelketen blühen wieder. Er
setzete sich mit seinen 3000 SpeerRittern vor die angeführeten Völker her / und
drängete auff Mastyes ein / welcher ihnen die wolbewapnesten wiewol Speerlosen
entgegen schickete 18000 stark / und den vördersten befahl / sich wieder die
SpeerReuter fest zu halten /welches sie zwar nach vermögen leisteten / und ihrer
doch in die 1700 zur Erden gefellet wurde. Die fremden / nach erbrechung ihrer
Speere / griffen zu den Schwertern / und schlugen sehr behuhtsam auff die
Pannonier / weil sie sahen / dass dieselben als rasende Hunde wuteten / und ihrer
selbst eigenen beschützung wenig achteten / wañ sie nur den Feind verletzen
möchten. Ward demnach an diesen dreien Orten so eiferig gestritten / in dem der
Feldherr von Westen das Pannonische Lager einnahm / und die Gefangenen
losswirkete / dass die in der Schlacht dessen nicht eins wahrnahmen. Als die
Gefangene Fürsten zu Pferde sassen / und nach des fremden Feldherrn Vorschlag
sich verteileten / empfunden sie einen sonderlichen Eifer in ihrem Herzen wegen
des empfangenen Galgen-schimpfes / und sagete Herkules zum Abscheide zu ihne;
versichert euch ihr gläubige Kinder Gottes /dass unser Heiland des
Gotteslästerers Pyrechmes Weissagung erfüllen / und Dropion mit seinem anhange /
an unser statt an den auffgebaueten Galgen bringen werde / und lasset die uns
geleistete wunderbahre Erlösung ja nimmermehr aus euren Herzen kommen. So bald
Ladisla bei dem ruhenden teil des Sudischen Heers anlangete / schlug er seinen
Helm auff und sagte: Ihr ädle tapfere Ritter / euch sage ich wegen Zeitmangel
mit wenig Worten dank vor diesen euren Beistand / welchen ihr mir als Bömischen
Könige zuleiste / ankommen seid; gefält es euch nun so geht mit mir an den
Feind / euren und meinen Brüdern und Spiessgesellen Beistand zu leisten / auff
das wir auch teil mögen haben am Siege. Diese neigeten sich vor ihm / und
riefen; seine Königl. Hocheit möchte sie anführen / sie wollten mit ihm leben und
sterben / weil sie ihrem Feldherrn / welcher dorten im güldenen Harnische
ritterlich föchte / keinen angenehmern Dienst leisten könten. Mastyes hatte sich
bisher gefreuet / dass die seinen / ungeachtet sie der Zahl nach geringer / dem
Feinde gnugsam gewachsen wahren; aber vor dem eiferigen Einbruch dieser andern
helfte / welche noch mit 2000 Reutern gestärket wahr / entsetzete er sich / weil
er nur 12000 Mann bei sich übrig hatte; liess deswegen Dropion zuentbieten / sein
Feind währe ihm an der menge zu weit überlegen /dass er entsatzes bedürfte.
Gleich kam ein ander zu Dropion hingerant / mit anzeige / ihr Lager währe
erobert / von des Nordischen feindlichen Heers Fussvölkern / (welches lauter
Wenden) / besetzet / und die gefangene Fürsten frei und zu Pferde. Da schlage
Donner / Bliz und Hagel drein / gab er zur Antwort; nun mus es heissen / Vogel
friss oder stirb. Zu dem ersten aber sagete er: Gestern wahr der Hundsnase
Mastyes ja beherzt und tapfer gnug / die verurteileten Hunde vom Galgen
zuerlosen / und nun er fechten soll / hat er den Muht auff die Erde geschüttet;
sage ihm dass er sich gefasset halte / von denen gehenkt zu werden / die er dem
Büttel von der Leiter hinweg gerissen hat. Jedoch gab er ihm 2000 Reuter / und
befahl / dass er gleich so viel auch von Agiss fodern / und sie Mastyes zuführen
sollte. Herkules wahr zwar willens sich nach dem linken Flügel des Westen-Heers
hin zu wenden / aber weil ihm von seinen Reutern angezeiget ward / dass ihr
Feldherr / welchen sie nicht kenneten / bei dem rechten Flügel sich hielte /
machete er sich auch dahin / ihm mögliche Beistand zu leisten /welchen er auch
in voller Arbeit antraff / da er mit seinem Gesellen (den er aus dem Gefechte
vor Arbianes erkeñete) sich tapfer unter den Feinden tummelte /zu denen er sich
auch verfügete / und nebest ihne beiden unsägliche Tahten beging. Der fremde
Feldherr /diesen seinen lieben Freund an seiner Seite verspürend / wahr voller
Lust und Freude / und tahten sie des Pyrechmes seinem Hauffen so gedrange / dass
er immer hinter sich weichen musste. König Henrich und Fürst Siegward / da sie
Herkules enderung sah / gingen hin zu dem linken Flügel der Westischen Völker
/da sie mit unsäglichen freuden uñ Trähnen empfangen wurden; dann dieser Flügel
wahren die gestrigen Feldflüchtige Teutschen und Böhmen / welche Arbianes auff
dem Wege wieder gesamlet / und der rechte Flügel / der aus lauter neuen Völkern
bestund / ihnen gedräuet hatte / dafern sie die gestrige Schande ihrer
äidvergessenen Flucht heut nicht würden durch rühmliches verhalten rechtschaffen
einbringen / sollten sie ohn alle Gnade ehrloss und zu Leibeigenen gemacht werden
/ daher sie bei König Henrichs Ankunft umb Gnade und Barmherzigkeit bahte / und
auff sein freundliches Zusprechen sich gefast macheten / unter ihrem Führer (der
sich nicht zuerkennen gab) und diesen beiden Helden auff Dropions Heer
losszugehen /welcher an Pelegons Gefechte merkend / dass die Schaars-weise
angestellete Treffen kein gut tuhn wollten / vornam / mit gesamter Macht an den
Feind zusetzen / welches ihm anfangs ziemlich geriet / dass die unsern / nicht
wie sie wollten / durchbrechen kunten. Fürst Olaff kam bei dem Nordischen Heer an
/ wollte mit demselben alsbald losbrechen / und dem linken Westischen Flügel zu
hulffe gehen; weil er aber von ihnen verstund / dass der fremde FeldHerr ihnen
gebohten hätte / hieselbst stille zuhalten / biss man sie zum Entsaz foderte /
musste er gezwungen es also geschehen lassen; jedoch weil ihn der Eifer wegen des
empfangenen Schimpffs gar zu heftig reitzete / nahm er seine 2000 Mann zu sich
/ und ging damit auff Dropions Hauffen fort / ihm zur rechten Seite einzufallen.
Mastyes musste mit seinem geringen Hauffen gegen Ladisla einen sehr harten Stand
halten / so dass er schon auff der Weichseite wahr / als die 4000 ihm zum Entsaz
kahmen / durch deren heftigen Anfal er sich wieder setzete. Ladisla traff ihn
an / und nahm mit ihm den absonderlichen Kampf auf / wiewol er ihn vor dissmahl
nicht kennete; Er hielt aber so fest gegen / weil er ohndas lieber sterben als
gefangen sein wollte / dass er durch starke Gegenwehr ihm entging. Der Feld-Herr
dieses Suden-Heers empfand harten Wiederstand / so dass er nicht durch ihre
Ordnung brechen kunte / wie heftig er sich gleich bemühete; dann seine Feinde
wahren trauen keine Kinder / sondern alle handfeste beherzete Männer / dass er
Mühe gnug bekam / und die seinen / wie gute Waffen sie auch hatten / manniche
Wunden davon brachten; doch drang endlich ihres Führers Schwert durch / dass er
den Obersten dieser Völker erlegete / und dadurch eine grosse Furcht in sie
brachte. Bei Agis stund es fast am schlechtesten / dann Herkules schimpffete
nicht / so bezeigete sich sein ädler Blänke nicht anders / als hätte er den
gestrigen Spot mit rächen wollen; wiewol sein Reuter mehr bemühet wahr / den
fremden FeldHerrn zubeschützen / und allen Anfal von ihm abzuwenden / als dem
Feinde zuschaden. Es begab sich / dass der fremde FeldHerr auff Agiss traff /und
mit ihm anlegete / aber beiderseits Reuter trenneten diesen Kampff zeitig / dass
sie gescheiden wurden. Herkules wollte nicht gerne / dass diesem redlichen Manne
leid wiederfahren sollte / nam 300 Reuter zu sich / und suchete ihn von neuen /
traf ihn an / und machten ihm seine Leute Raum genug zum Kampffe. Er wollte ihn
aber nicht angreiffen / sondern redete ihn also an: Ihr redlicher Agis; ich bin
euch wegen meiner Wolfahrt verbunden / und würde mir leid sein / wann ich mein
Schwert wider euch gebrauchen sollte / seid demnach gebehten / und ergebet euch
mir / damit ich Gelegenheit haben möge / euch meine Dankbarkeit sehen zulassen.
Preisswirdigster König / antwortete er; womit hat euer Knecht solche Gnade
verdienen mögen / welche leider bei mir nicht haften kann /damit ich nicht von
andern vor einen Verrähter angesehe werde; welches mich auch antreibet / lieber
zusterben / als meinen Verleumdern ursach zu solcher Schåndung zugeben. So muss
ich euch nohtwendig angreiffen / nicht zu eurem Verderben / sondern zu eurer
Erhaltung / sagte er; stürmete auch damit auff ihn an /und nach etlichen Hieben
/ welche sie mit einander verwechselt hatten / stürzete Agis mit dem Pferde
übern Hauffen / weil es über etliche Erschlagene herstrauchelte. Herkules aber
liess ihn auffheben / und befahl / dass er absonderlich verwahret / ehrlich
gehalten und gelabet wurde. Uber welche Freundligkeit sich dieser so hoch
verwunderte / dass er überlaut sagete: O wir Unglückseligen / dass wir mit der
Tugend selbst den Streit auffgenommen habe / worzu uns der lasterhafteste
Mensch der Welt gezwungen hat / dem die Götter gebührlich lohnen wollen. Seinem
Gehülffen dem Pyrechmes ward seine Gefängnis zeitig kund getahn / welcher sich
äusserst bemühete / die Völker wieder in Stand zubringen / gleich da ihm Dropion
zuentboht: Er sollte sich nach ihm zihen / und Mastyes ein gleiches wissen liess;
Aber dieses wahr nicht so leicht getahn / als gesagt; dann die unterschiedliche
drei Schaare hatten sich zu sehr in einander mit dem Feinde verwickelt. Ladisla
an seinem Ort empfand zimlichen Wiederstand / als Mastyes den Entsaz der 4000
Reuter bekam / merkete auch / dass an der andern Seite der fremde FeldHerr mit
seinen Völker beide Hände zu tuhn hatte / deswegen suchete er Gelegenheit / mit
seinem Bestreiter bald fertig zuwerden / samlete 4000 umb sich / und sagete: Ihr
Herren /waget mit mir einen redlichen Ansaz / alsdañ wollen wir durchdringen /
und die ersten sein / welche sich des Sieges zurühmen haben. Diese ermunterten
sich unter einander selbst / und stürmeten so unmenschlich zu Mastyes ein / dass
er mit den seinen weichen musste / und wie heftig er sich bemühete / sich wieder
zu setzen / wahr es doch vergebens. Ladisla traff zum andern mahl auff ihn
selbst / und hatte freien Platz / mit ihm nach Willen zuhandeln / merkete vor
dissmahl /dass es Mastyes wahr / und sagte zu ihm: Ritter / seid ihr der redliche
fromme Mastyes / so zeigt mirs an /auf dass ichs vergelte / wie ihrs umb mich
und die meinen verdienet habet. Ja ich bin der unglückliche Mastyes / antwortete
er / und begehre keine andere Vergeltung / da ich einige verdienet / als dass ich
durch eines redlichen Ritters Faust das Ende meines Lebens empfahen möge. Nicht
also / sagte Ladisla; ich will euch sehen lassen / dass ich nicht allein
Woltähtern gerne danke / sondern auch die Tugend an meinem Feinde liebe. Er
wollte aber weder antworten noch sich ergeben / sondern suchte sich auff seine
Völker zuzihen / ob er sie in Ordnung setzen könnte; welches Ladislaen ungelegen
wahr / warf ihn vom Pferde / und liess ihn mit 20 Reutern aus dem Gedränge
bringen. Seine Völker sahen dieses / gaben an diesem Orte verloren / und
setzeten sich mit ihren andern zusammen / so best sie kunten / in Hoffnung /
daselbst glücklicher zustreiten / aber Fabius / der steiff bei seinem Schwager
hielt / ging ihnen in die Eisen /dass sie keine feste Glieder schliessen kunten /
welches bald hernach eine ursach ihrer Flucht wahr. Bei des gefangenen Agiss
seinen Leuten brauchte Pyrechmes grossen Fleiss / dass er endlich alle seine
verteilete in ein Heer brachte / welches noch in zimlicher Mannschaft bestund /
wollte auch damit nach Dropion zu /wo ihm sonst der Feind so viel Zeit und Raum
gönnen wurde / woran es ihm aber fehlete; dann Herkules /als er sah / dass er
diesen Hauffen bald dåmpffen könnte / sagte zu Arbianes: Mein Freund / wo ich
nicht irre / dass ihr mein Bruder Arbianes seid / so nehmet etwa 2000 oder 3000
Mann zu euch / umb nachzuforschen / wie es dem Sudischen Heer gehen möge /
dieses Orts wollen wir mit der Hülffe Gottes bald fertig werden. Ich bin zu
wenig / vor Eure Hocheit mich zuverbergen / antwortete er; samlete 3000 umb sich
/und ging hin / auch an diesem Orte sein Schwert zu versuchen. Der Westische
Feldherr fürchtete sich von Herkules erkennet zuwerden / und suchete Gelegenheit
/ sich von ihm zutrennen / indem er mit 5000 Reutern nach dem linke Flügel ging
/ und daselbst tapffer mit ansetzete. Herkules zog seine Völker zusammen /
welche noch über 38000 stark wahren / setzete dem verwägenen Pyrechmes nach /
und drängete ihn / dass er Stand halten musste; da ging es nun an ein Treffen /
als hätte alles zu Grunde gehen sollen / dass des Feindes Glieder bald getrennet
wurden; welches ihren Führer nicht wenig verdross / und sich dahin machete / in
Hoffnung / diesem Ubel noch vorzukommen / aber er sah es bald an dem Pferde /
wer ihm den Schaden taht / ging auch mit solchem Wuht auff denselben an / als
wollte er ihn mit samt dem Pferde zur Erden stürzen / aber er fand doppelt vor
einfach / und geboht Herkules seinen Leuten / ihm vor andern schuz zuhalten /
damit er diesen ihren Fuhrer zum Bahren bringen könnte; welcher sich auch finde
liess /und durch seine Raserei sich eine zeitlang schützete /endlich aber eine
Wunde an den rechten Arm bekam /dass er sein Schwert nicht mehr führen kunte /
welches er sonst / da es zum äussersten kommen wurde / wider sich selbst
zugebrauchen / ihm gänzlich vorgenommen hatte / weil er an aller Gnade
verzweifelte. Herkules reiss ihn vom Pferde / liess ihm den Helm abzihen (dann er
kennete ihn nicht) und als er sah / dass es Pyrechmes wahr / sagte er zu seinen
Leuten: Bindet mir den Schelm und Bösewicht / dass er sich selbst nicht leid
antuhe; er muss viel anders / als durch eines ehrlichen Ritters Hand seinen Lohn
empfahen; welches er vor schrecken nicht beantworten kunte. Dropion trieb an
seinem Orte Wunder / dann die Verzweifelung verdoppelte ihm seine Kräffte; Olaff
machte ihm zwar anfangs Ungelegenheit gnug an der rechten Seite / aber Bato
stellete sich wider ihn mit gleicher Anzahl Volckes / und hielten gleichsam eine
absonderliche kleine Schlacht / da der eine nicht schläfferiger vor sein Leben /
als der ander den Sieg zuerlangen / fochte. Der Führer des Westischen linken
Flügels hatte König Henrich und Fürst Siegwarden mit der grösten Macht lassen
auff den Feind gehen / er aber schwenkete sich mit 8000 Mann nach der Rechten /
dass er Dropion zur linken Seite einbrechen möchte / da er dann so ritterlich
fochte / dass jeder / der es sah / ihn preisen musste. Pelegon suchte ihn
auffzuhalten / aber er wahr ihm zu schwach an Volk und Kräfften / dass er endlich
von ihm hart verwundet und gefangen hinweg geschleppet ward; man band ihm aber
Hände und Füsse zusamme / weil man merkete / dass er suchete /sich selber
zuentleiben. Nach Pyrechmes Gefängnis gingen seine Leute von einander / weil
Herkules gar zu stränge auff sie hinein setzete / und sie über das weit
übermannet wahren. Dropion sah diese Niderlage mit betrübten Augen an / und
erkennete / dass ihm unmöglich wahr / den Sieg zubehäupten / wollte desswege sich
selbst niderstossen / damit er den unsern nicht lebendig zu teil würde; bedachte
sich aber / aus Hoffnung / er könnte noch allemahl dieses äusserste vornehmen /
und wollte zuvor seinen Feinden so wehe tuhn / als ihm wurde möglich sein; daher
er einen beherzten Obristen den Flüchtigen zusendete / sie in Ordnung zusetzen /
welches ihm zimlich geriet; dann Herkules übergab hieselbst Markus die Auffsicht
/und mit 1000 Reutern folgete er dem abgewichenen fremden Feldherrn / welchen er
keines weges verlassen wollte. Derselbe aber hatte sich mit dem Führer des linken
Flügels zusammen gesezt / kurz hernach als Pelegon von demselben gefangen wahr /
da sie dann mit gesamter Hand durchbrachen / und unter Dropions Völkern eine
grosse Unordnung macheten. Arbianes ging mit seinen Leuten ein wenig zu sicher
auff Mastyes hinterlassene / daher er von 5000 frischen und frechen Wagehälsen
angegriffen ward / dass er mühe hatte ihnen wiederstand zu leisten; König Ladisla
ging ohngefehr dahin / nur weil er sah dass an dem Orte sich ein neues ganz
ernstliches Schlagen erhuhb / und nam 5000 mit sich / unter welchen eine
Geschwade von 80 Reutern wahr / deren Ritmeister einen glinzend-schwarzen
Harnisch mit grunen Blumwerk an hatte / einen Schild in welchem an statt des
wapens eine dicke Wolke wahr / uñ in derselben diese Worte: Sic meruisti; Dass
hastu verdienet. Auff dem Helm stund das Laster-Bilde als ein sterbendes Weib /
und ein Täflein dabei mit diesem Worte Ejicior tandem. Ich werde endlich
ausgeworffen. Er hatte in dieser Schlacht trefliche anzeigungen seiner
Tapferkeit sehen lassen / und gaben seine Leute ihm das Zeugnis / dass er acht
Feinde nidergehauen hatte. Dieser wusste / dass der Bömische König ihren hauffen
fuhrete / und schwebete mit seinen Reutern hin und wieder / umb gelegenheit zu
haben / dass er in dessen gegenwart eine ruhmwirdige Taht möchte sehen lassen.
Das Gluk fugete ihm sehr wohl / und schickete es Gott /dass er gewahr ward / was
gestalt Arbianes von 600 Reutern umbgeben uñ fast eingeschlossen wahr / da er
nur 200 zu seinem beistande bei sich hatte / daher seiner Leute einer rieff: O
Fürst Arbianes leidet Noht. Dieser solches hörend / schätzete sich glückselig /
fragete / an was Ort solches geschähe / und auff nachweisung sagete er zu seinen
Reutern; auff / und folget mir / dañ hier finde ich was ich gesucht habe;
setzete in die Feinde hinein / da sie sich am dickesten geschlossen hatten / und
stürzete im durchbrechen zu grunde was sich ihm wiedersetzete. Nun hätte er
länger nicht dürffen ausse bleiben / dann Arbianes Leute wahren auff 24 nahe
alle erschlagen / welche wenige zu fusse fochten / und sich sterbens schon
erwogen hatten; aber dieser trieb die Feinde ab als ein wutiger Löue / und als
er zu Arbianes nahete / sprang er vom Pferde / reichete ihm den Zügel / und
sagete: Sitzet auff gnädigster Fürst / und vertrauet euch meinen Leuten. Ein
Pannonier wagete einen Fal auff ihn zu /in Meinung ihn niderzuschlagen / er aber
durchstach ihm das Bein / warff ihn herunter / und setzete sich auff sein Pferd;
noch wollten die Feinde nicht ablassen auff Arbianes zu schlagen / weil sie
merketen / dass er etwas sonderliches wahr / und hatte er nicht allein sich gar
abgemattet / sondern das Schwert wahr ihm auch vor der Faust abgesprungen / und
der Schild in stücken zerhauen / daher dieser ihm beides hinreichete / hernach
als ein Blinder einen Pannonier anfiel und demselben anfangs das Schwert bald
darauff auch den Schild hinweg nam / worüber er doch etliche Wunden empfing. So
bald er sich hiemit versehen hatte / setzete er Arbianes nach / dem seine Reuter
zimlichen Schuz hielten / blieb ihm stets zur Seite / und schlug sich glücklich
durch / dass er aller gefahr entrissen bei seinen Leuten wieder anlangete /
wiewol er so mat wahr / dass er sich kaum auff dem Pferde halten kunte. Nach
leistung dieser Taht / baht er den Fürsten untertähnigst / ihm seinen Schild
wieder zu geben / welcher nicht allein willig darzu wahr / sondern zu ihm
sagete: Mein Freund / dass vor dissmahl ich ihm nähest Gott mein Leben zu danken
habe / werde ich nimmermehr in abrede sein / hoffe auch / er werde sich mir
zuerkennen geben / damit ich sehen lasse / dass ich der Undankbarkeit nicht gerne
möchte gezihen werden. Dieser aber gab zur Antwort: Gnädigster Fürst / ich bin
nunmehr bereit und willig zu sterben / wann nur euer Durchl. nach vollendeter
Schlacht mich einer untertähnigsten Bitte gnädigst gewehren will. Alles mein
vermögen / mein Freund / ist zu eurem willen / antwortete Arbianes. Worauf
dieser antwortete: Und ich ruchloser Mensch bin nicht wert / dass eure Durchl.
einige erbarmung mir erzeige / so hoch ist dieselbe ehmahls von mir beleidiget.
Dessen wüste ich mich durchaus nicht zuerinnern / sagte der Fürst / sollte es
aber ja geschehen sein / wollen wirs in die unterste Erde vergraben / und so gar
der Vergessenheit übergeben / als währe es nie geschehen. Gnade genug gnädigster
Fürst / antwortete dieser / und tausendmahl mehr als ich nicht wert bin;
spornete damit sein Pferd an / uñ setzete mit seinen Reutern nicht weit von
Ladisla / mit solchem Grim in die Feinde / dass er ihre Ordnung trennete; welches
Ladisla sehend / ihm 3000 nachgehen liess / welche hieselbst den Feind auff die
Flucht brachten. Die beiden Führer des Westischen Heers hatten sich / wie gesagt
/ zusammen getahn /und ängstigten Dropions Hauffen von der linken Seiten
dergestalt / dass sie nicht mehr stehen kunten. An der rechten Seiten kunte Olaf
nichts sonderliches schaffen / wagete es derwege / die ruhende Nordische
Ritterschaft ingesamt 20000 stark zu sich zu fodern /welches Bato ersehend / die
helfte der wiedergesetzeten Völker von Agiss / zu sich hohlen liess / ob er dieser
Macht wiederstehen könnte. Dropion ward also von dreien Orten her angegriffen /
noch setzete er sich so grimmig wieder seine Feinde / dass es schien / er würde
allentalben durch brechen / traff endlich auff die beiden Führer des Westischen
Heers / und schlug bald auff den einen / bald auff den andern / dass sie ihm
nichts angewinnen kunten. Herkules kam gleich darzu / sah solches / und rieff
ihnen zu; gönnet mir /meine Freunde / gönnet mir diesen meinen Erzfeind /dann er
hat keinen Menschen höher beleidiget / als mich; rante auch mit einem
ungewöhnlichen Eifer auff ihn dar / und als er ihm nahete / sagte er: Du
gräulicher Blutund / Gott lob / dz ich meiner Fäuste wieder mächtig bin / dir
den teuflischen Schimpf einzubringen / und meine rechtmässige Rache auszuübe. O
du zum Galgen verdamter / antwortete er / was vor Unglück hat dich wieder in den
Harnisch verstecket? fiel zugleich über ihn her / ob wollte er ihn erstes
Treffens erlege; aber Herkules wollte dissmahl gewinnen oder verspielen / und
hielt ihm die Stange mit solcher Vorsichtigkeit / dz jenem sein Rasen zu nichts
dienete / als dz er sich selbst abmattete. Die beide Feld-Herren samt ihren
Leuten hielten ihm Schuz genug / dz kein ander sich in ihren Kampf einmische
kunte; daher Herkules sich desto emsiger befliesse ihn zu felle / oder wo
möglich / lebendig in seine Gewalt zubekomen / nit zweifelnd / nach seiner
überwindung sollte alles geschehen sein; er hatte sich aber mit so feste Waffen
versehe / dz er nit leicht zubeschädige war / worauf er sich dañ nit wenig
verliess; doch fügete es sein Unglück / dz sein Pferd aus Mattigkeit in die vörder
Knie schoss / und zugleich mit einem HinterBeine einen falschen Trit taht /
worüber es gar nach der rechten Seiten umschlug / dass Dropion darunter zuliegen
kam / und mit seinem Schwerte sich nicht beschädigen kunte / wie heftig er sich
auch darnach bemühete. Herkules nicht faul / sprang ab / reiss ihm das Schwert
aus der Faust / und liess sechs Teutsche Reuter herzu kommen / welche ihm die
Hände auff den Rücken zusammen binden / und den Helm ablösen mussten / bald auch
den Krebs und Rük Harnisch /worffen ihn auff ein Pferd in die quere / und
führeten ihn in Begleitung 80 Reuter davon / da er Herkules diese Worte hören
liess: Das sind die allergrössesten Wüteriche / die uns heissen leben / wann wir
gerne sterben wollten / und es also richten / dass wir weder Freund noch Feind in
der Welt haben müssen. Aber er bekam nicht die geringste Antwort darauff / dann
Herkules wahr in seiner Andacht begriffen / dass er seinem GOTT vor diesen
herrlichen Sieg dankete. Olaff /so bald er die Nordischen Reuter bekam /
vermahnete er sie mit kurzen Worten / sich redlich zugebrauchen /und als
geruhete / den abgematteten Feind mit allen Kräfften anzugreiffen / welches sie
dergestalt verrichteten / dass die Pannonier mehr weichens als wehrens macheten.
Markus ermunterte die seinen auch / so wollten König Henrich und Fürst Siegward
nicht die geringsten sein / dass demnach dieser Feind hinter sich ausswiech / und
alles verloren gab / wie heftig auch Bato sich bearbeitete / nach seines
Vaters Gefängnis die Völker zum Stande zubringen; auff welchen Olaff einen
gewaltigen Fal / mit einem geruheten Pferde wagete / ihn am rechten Arm
verwundete / und ihm das Pferd unter dem Leibe niderschlug / dass er stürzete /
und von 50 Reutern gefangen hinweg geführet ward; der Oberste / welcher ihm den
Entsaz zugebracht hatte / ward von einem Nordischen Obersten nach harter
Verwundung angenommen / und fortgeschicket. Als Dropion zu den andern Gefangenen
gebracht ward / unter welchen auch Hyppasus sich von gestern her befand / hiess
dieser ihn also wilkommen: Es ist mir lieb Dropion / dass / nach dem unser lieber
König durch diesen unnötige von euch angezettelte Krieg hat müssen in Gefångniss
gerahten /uñ in jenem Zelte / gleich gegen über verwahret wird /ihr als Stiffter
und Uhrheber dieses Elendes / ihm Gesellschaft leisten musset. Dass dir feihen
Afte Reuter mein Unfal nit unangenehm sein kann / antwortete er /weiss ich mehr
als zu wohl / kann auch leicht erachten /dz deine Beisitzer (diese wahren Mastyes
und Agiss) mehr über meine Bande lachen / als über die ihren weinen. Aber hättet
ihr Hudler euch redlich gehalten /und mir mein Gestriges Gericht nit gehindert /
wollten wir alle miteinander frei und Obsieger sein. Diese wollten ihm antworte /
aber Prinsla uñ Neklam / welche wegen ihrer Verwundung ihnen zu Auffseher
gegeben wahren / hiessen sie schweigen / uñ dass sie förder kein Wort / weder
böses noch gutes miteinander reden sollten / oder man wurde ihnen dz Maul mit
einem Knebel hemmen. Bald nach Bato Gefängnis wurden Agiss und Dropions Völker
ganz eingeschlossen / daher sie um Gnade uñ Lebens Fristung riefen /wie wohl
eine Schaar 12000 stark lieber sterben / als leibeigen sein wollten / schlugen
sich nach Osten zu durch / und setzeten sich in viel kleine Häufflein von
etlichen hundert Mannen / ob sie desto füglicher durch die Flucht entriñen
könten / aber Klodius uñ die andern / welche biss daher hieselbst mit 20000
Reutern geruhet hatten / setzeten sich gar breit ins Feld /dass sie ihren Siñ
endern / und sich ergeben mussten; Ladisla hatte nunmehr auch an seinem Orte es
so weit gebracht / dass der Feind Herz und Hände sinken liess /uñ bei grossen
Schaaren Ostwerz begunten auszureissen / wurden aber gleich wie die vorigen
zurück gewiesen / uñ mussten sich gefangen geben; nur ein Häuflein 500 stark
setzete sich enge zusammen / und weil sie lieber sterben / als leibeigen sein
wollten / drungen sie hindurch / dass sie das Feld einbekahmen; und die unsern sie
imerhin lauffen liessen / damit sie die unglücklichen Bohten sein / und ihre
gänzliche Niderlage de ihren ankündigen möchten. Also wahr dieser erschrekliche
grimmige Feind gedämpffet / und der herrliche Sieg durch grosse Blutströhme und
unsägliche Gefahr erhalten. Es wurden 70000 Pannonier lebendig gefangen / unter
welchen 150 Obersten / und 1300 Håuptleute wahren / mehrenteils hart verwundet.
Uber diese wahren 105 Obersten in diesem ganzen Kriege an Feindes Seiten
umkommen / und an die 2000 Häuptleute / nebest 342000 UnterHäuptleuten
/Fähndrichen und gemeinen Knechten / dieselben ungerechnet / welche im ersten
Einfal vor den GrenzFestungen blieben. In dieser heutigen Schlacht aber hatten
die unsern dannoch auch eine merkliche Anzahl eingebüsst; Das Westen Heer
missete von beiden Flügeln 12000 Mann / und hatte 7000 beschädigte; Von dem
Sudischen Heere wahren 7500 erschlagen /und 8500 verwundet. Das Nordische hatte
den geringsten Abbruch gelitten / massen deren nur 1500 erschlagen / und 2000
verwundet wahren / dass also die unsern noch ein Heer von 163500 gesunder
Mannschaft ins Feld stellen kunten / und von den beschädigten / deren 17500
wahren / etwa 5000 das Leben einbüsseten; hatten also uberal 26000 Mann in dem
heutigen ernstlichen Treffen zugesetzet. Nach erhaltenem Siege traffen die
Könige und Fürsten / die kurz zuvor gefangen gewesen waren / wunderlich
aneinander / setzeten sich ingesamt auff die Knie / und danketen dem Almächtige
Gott beides vor die väterliche Stäupe und allergnädigste Erlösung / eine gute
Viertelstunde lang / hernach trugen sie grosses Verlangen / die beiden tapfferen
Helden zuerkenne / welche den West- und Sudischen Entsaz herzugeführet hatten.
Sie sahen nicht gar weit von ihnen drei Geharnischte auff den Knien ihr Gebeht
halten / gingen zu ihnen hin /und wurden bei ihren entblösseten Håuptern gewahr
/dass Königin Valiska (dann eben diese hatte den rechten Flugel geführet / und
des Feindes Lager eingenomen) / König Baldrich / und GrossFürst Arbianes (der
sich schon hatte lassen verbinden) dieselben wahren. Da ging es nun an ein
umfahen / herzen und küssen /und sagete Herkules zu ihr: Ach warumb hat mein
Schaz sich vor mir so lange verbergen wollen / nach dem ich in so grosser
Lebensgefahr gestecket / dass wenig gefehlet / sie würde ihren geträuen Herkules
haben müssen am Galgen hängen sehen. Sie erschrak der Rede höchlich / und als
sie den Verlauff kurzlich vernommen hatte / baht sie anfangs umb Verzeihung /dass
ohn eingewilligten Urlaub sie sich in die Schlacht mit eingewaget hätte;
verständigte ihn hernach / dass aus Furcht des grimmigen Feindes sie bald nach
ihrem Abzuge von Prag nach Teutschland geschicket /und daselbst 40000 Reuter vor
baar Geld werben lassen / worzu sie 10000 Böhmen gesamlet / und den rechten
Flügel damit versehen / da ohn Zweifel der gütige Gott es also geschicket / dass
sie eben zu rechter Zeit ankommen mussen / als Arbianes auff sie gestossen / mit
dessen Zutuhn sie alle Flüchtigen auffgesamlet / und daraus den linken Flugel
unter Baldrichs Befehl gestellet / welche dann durch ritterliches fechten die
gestrige schändliche Flucht gut gemacht / und den verwirketen Tod von sich
abgewendet hätten. Der gefangene Blutund Mnata währe ihr auch auff dem Wege
eingeliefert / welcher sich gar demühtig erzeiget håtte / und unter starker Huht
auff seine Straffe warten musste. Die Obristen des Nordischen Heers kahmen zu
unsern Helden / und lieferten ihnen ihr ansehnliches Heer im Nahmen der
Wendischen Fürstin /welches alsbald Olaffen / als volwaltigem Feld-Herrn
übergeben ward. Es wurden alle Könige und Fürsten eins / nach dem Sudischen Heer
zureiten / von welchem sie noch das allergeringste nicht wussten / wz vor Leute
sie währen / oder wer sie ihnen zum Beistand ausgeschikt håtte; und rühmete
nicht allein Ladisla / dass sie ganz eiferig und tapffer gefochten hätten /
sondern Arbianes zeigete zugleich an / wie ernstlich ein handfester Ritmeister
von demselben Heer sich zu seines LebensRettung gebrauchet / und davor nichts /
als seines ehmahligen Verbrechens (welches ihm doch allerdinge unbewust) Gnade
und Vergebung begehret. Valiska / seine grosse Gefahr vernehmend /gab zur
Antwort: Wann dieser gleich die allergröbeste Missetaht hätte begangen / müste
ihm doch nicht allein verzihen / sondern auch Fürstliche Geschenke mitgeteilet
werden. Sie ritten hierauff fort nach dem Sudischen Heer / unter der Begleitung
von 100 Reutern / da König Ladisla mit entblössetem / die ubrigen mit behelmeten
Häuptern sich stelleten / und durch einen Gesanten freundlich begehreten / der
FeldHerr dieses mächtigen Heers / dem ein grosser Teil des erhaltenen Sieges
billich zugeschrieben wurdt / möchte sich unbeschweret gefallen lassen / mit
dieser Konigl. und Fürstlichen Gesellschaft sich zubesprechen / und ihnen seine
Kundschaft zugönnen / damit ihnen Gelegenheit an die Hand gegeben würde / sich
dankbarlich zubezeigen. Dieser wollte ihnen solches nicht abschlagen / nahm 120
ansehnliche Ritter zu sich /und ritte mit auffgeschlagenem Helme hinzu / da
Ladisla ihn auff dem Pferde umfing / und nachgehends ihn also anredete: Wie
erspriesslich / tapfferer Held /uns allen eure ganz unvermuhtliche Ankunft und
Hulffe gewesen / so begierig sind wir auch / denselben grossen Herrn zuerkennen
/ der uns einen solchen Beistand in unsern Nöhten geleistet hat / dass wir auch
nicht frölich sein köñen / ehe und bevor uns solches kund getahn ist; zweifeln
demnach gar nicht / es werde eure Tapfferkeit uns diese hohe Glukseligkeit
mitteilen / und sich versichern / dass wir alle miteinander zu dessen
Freundschaft nach aller Mögligkeit so erbötig als verbunden sind. Dieser
FeldHerr fragete kürzlich / was vor ein grosser Herr ihn angeredet hätte; und
nach dessen Anmeldung / gab er diese Antwort: Grossmächtigster unüberwindlicher
König / gnädiger Herr; die Anzahl Völker / welche unter meiner Anführung zu
rechter Zeit / (wovor ich dem Himmel danke) ankommen sind / hat ein wahrer
Freund der Teutschen und Böhmen in höchster Eil: bisshieher zu deren Beistand
fortgehen lassen / so bald er des unredlichen überfalles der Pannonier ist
berichtet worden / und solches insonderheit zu ehren der Grossmächtigsten Königin
/ Frau Valisken / unter dem mir gegebenen Befehl / dass ich meinen grossen Herrn
und mich selbst niemand melden soll / ehe und bevor höchstgedachter Königin ich
diese meine Völker zugestellet habe. Ladisla fiel ihm in die Rede / und sagete
zu ihm: Tapfferer Held / wann es sonsten an nichts als an diesem fehlet / wollen
wir ob Gott will gar bald gute bekanten werden / massen ich denselben versichere
/ dass des Westischen Heers Führer und Herzog kein ander / als meine geliebete
Fr. Schwester / König Herkules Gemahl / Fr. Valiska gewesen ist /welche hie bei
ihrem EheGemahl hält / und durch Ablegung des Helms sich alsbald wird zuerkennen
geben. Dieselbe hörete alle ihre Rede / legete den Helm von sich liess ihre
Goldgelben Haare umb die Schuldern fliegen / ritte dem fremden näher / und
redete ihn also an: Tapfferer Held / wann eure Völker mir insonderheit zu ehren
hergefuhret sind / wird mirs sehr schwer fallen / es zuvergelten / es währe dann
/dass der grosse Herr meinen Willen vor die Werke nehmen / und durch eine
stetswillige Begier sich wollte vergnügen lassen / wiewol ich mich nicht
entbrechen werde / seinen tapfferen Leuten eine mögliche Vergeltung sehen
zulassen; nur bitte ich vor dissmahl unsern brennenden Wunsch zuerfullen / und so
wohl seinen als seines grossen Herrn Nahmen uns anzumelden. GrossFürst Markomir
(dieser wahr der Sudische FeldHeer) kennete alsbald ihr Angesicht / durch dessen
anschauen sein Herz und Seele auffs heftigste geruhret ward / dass er sich so
bald nicht begriffen kunte; endlich legete er seinen Helm ab / schwang sich vom
Pferde / und trat zu ihr / des Vorsatzes / ihre Füsse im Stegreiff zuküssen /
welchem sie aber wohl vorzukommen wusste / und mit diesen Worten ihm die Hand
boht: Mein Herr und Freund / er wolle / bitte ich / mich nicht über Gebühr und
Wolstand ehren /sondern mir seinen Nahmen anzeigen / damit ich wissen möge / wie
ich mich gegen denselben zuverhalten habe. Welches er also beantwortete: Warumb
sollte der tieffverschuldete Knecht Markomir unterlassen /dieselbe über alles
zuehren / von welcher er aus der Unvernunft wieder zu seinem Verstande / uñ aus
dem Verderben zu seiner jetzigen Glükseligkeit gebracht ist. Valiska dieses
hörend / sprang gerade von ihrem Pferde / trat ihm entgegen / und nach einem
schwesterlichen umfangen und dargebohtenem ehrliebenden Kusse (wodurch er zum
allerhöchsten ergetzet ward) sagete sie zu ihm: Durchleuchtigster GrossFürst /
ich befinde mich bereit Euer Liebe stårker verbunden / als ich nimmermehr
bezahlen kann / und solches wegen der hohen und warhaften Freundschaft / welche
dieselbe zu mir tråget; wie werde ich dann diese mehr als Brüderliche
Hülffleistung vergelten können / ohn welche wir unsers Orts den Sieg schwerlich
würden erhalten haben? Ich trage aber zu Euer Liebe diese Zuversicht und festes
Vertrauen / dieselbe werde unsere Gesellschaft nicht so schleunig verlassen /
dass wir nicht sollten Zeit haben / zum wenigsten durch allerhand ehrliebende
Bezeigungen scheinen zulassen /wie herzlich gerne wir bezahlen wollten / wann nur
die Schuld nicht gar zu ubermässig währe. Der junge Fürst befand sich durch
diese Rede in der allersüssesten Vergnügung / wahr auch so gar von ihm selber
kommen / dass er aller Antwort vergessend / sich vor ihr auff beide Knie
niederwarff / und mit demühtigen Geberden ihre Knie umfing / so dass sie sich von
ihm nicht loswirken kunte / und befürchtete sie sich eines schweren Unfals /
weil sie nicht allein seiner Farbe Verenderung sah / und das zittern seiner
Glieder wahrnahm / sondern auch seine starken Seuffzer hörete; und wahr der mit
Liebe und Anmuht erfullete Fürst in dem Stande / dass wenig fehlete / er währe
vor Freuden Todes verblichen. Die gesamten Könige und Fürsten stiegen von ihren
Pferden / ihn ehrerbietig zuempfahen / da dann Herkules voraus trat / und mit
entblössetem Häupte zu ihm nahete / gleich da Valiska durch nicht geringe
Bemühung ihn von der Erden auffgerichtet hatte / uñ ihn zum andern mahle
umfangen hielt. Sie wollte ihm aber Zeit geben / sich in etwas zubegreiffen /
darumb redete sie ihren Herkules also an: Sehet hier / mein Schaz / den teuren
GrossFürsten und nähesten Erben des mächtigen Königreichs der Franken und
Sikambern / dessen Liebe so willig gewesen ist / uns in unsern höchsten Nöhten
beizuspringen / wovor wir ohn zweifel deroselben sehr hoch verbunden sind. Ja
Durchleuchtigster Furst / Herr Markomir / sagte Herkules / was vor eine
unbegreifliche Tugend euer recht Fürst- und Königliches Herz bewohne / hat Eure
Liebe durch diese kräfftige Hülffe dergestalt sehen lassen / dass es klärer nit
hätte geschehen können / und wie ich eine geraume Zeit her Euer Liebe
Kundschaft gewunschet / und des steiffen Vorsatzes gewesen bin / nebest meinem
Gemahl Eure Liebe zubesuchen / also erfreuet michs inniglich und von Herzen /
dass dieselbe ich dieser ends sehen soll /deren ich mich samt alle meinem Vermögen
zu allen geträuen Diensten und auffrichtiger wahrer brüderlicher Freundschaft
anerbiete. Der Fürst erhohlete sich etlicher massen / stund aber doch annoch in
grosser Verwirrung / dass er seine Zunge nicht gebrauchen kunte; welches Ritter
Farabert (der allernähest hinter ihm stund) merkend / seine Stelle vertrat / und
also antwortete: Ihr unüberwindliche Könige; verzeihet /bitte ich / meinem
gnädigsten GrossFürsten / Herrn Markomir / dass dessen durch die allervolkommenste
Vergnügung ganz verzucketen Geister / mit viel zu anmuhtigen Gedanken umgehen /
als dass dieselben durch der Zungen Laut sollte können ausgedrücket werde /
nachdem seine Durchl. ganz unvermuhtend hieselbst dasselbe antrifft / welches
zusehen / die ganze Zeit seiner wiedererlangeten Gesundheit / sein einiger
Wunsch gewesen ist. Valiska machete sich gemählig von Markomir los / dass
Herkules Gelegenheit bekam / ihm nahe zutreten / und ihn zu umfahen; Welcher
nunmehr sein Herz in etwas beruhiget befand / und sich unterstund / Herkules mit
ehrerbietiger Neigung zubegegnen; der ihm solches doch nicht gestattete /
sondern ihn zum andern mahle ganz Bruderlich umfing; Worauff jener endlich diese
Rede von sich gab: Grossmächtigster Unüberwindlicher König / auch Grossmächtigste
Unüberwindliche Königin; mit was Gehorsam kann ich diese hohe Gnade ersetzen /
welche von Ihren Hocheiten mir Unwirdigen hieselbst begegnet und mitgeteilet
wird? Ich ruffe den Himmel zu Zeugen / dass die Beherschung der ganzen Welt /wann
sie mir zustünde / ich willig übergeben wollte /wann dadurch ihre Gewogenheit und
Freundschaft ich konnte erlangen; und diese wird mir mit so grossem uberflusse
angebohten / dass ich eine Schuldigkeit sein / erachten muss / davor zusterben /
wann einigerlei weise Ihren Hocheiten mit meinem Tode würde können gedienet
sein. Vor dissmahl habe ich von nöhten / meines Unverhaltens gnädige Verzeihung
zu bitten / hoffe auch / nicht allein dieselbe zuerlangen /sondern mit der Zeit
/ da meine Gegenwart kann gelitten werden / meine Augen also zugewähnen / dass
dieselben die Strahlen der allervolkommensten Tugend-Sonnen in etwas werden
ertragen können / welche bei dem ersten unvermuhtlichen anschauen mich
allerdinge geblendet haben. Durchleuchtigster GrossFürst /antwortete Valiska;
eure Liebe wollen / bitte ich sehr / dieses Wortgeprånge denen überlassen /
welche mehr Freundschaft auff der Zungen als im Herzen führen; euer Liebe
gewogenheit lässet sich in der Taht so helle und scheinbar sehen / dass kein
Mensch ein mehres begehren kann. Ich habe lange und glücklich gnug gelebet /
unvergleichliche Königin / antwortete er / wann mein bemüheter Wille angenehm
ist / weil ausser dem meine Schwacheit nichts erhebliches leisten kann. Die
freundliche Beredung hielt bei ihnen zimlich an / biss Markomir seiner Eltern
Gruss anbrachte / und dass dieselben die Teutschen und Bömischen Könige und
Königinnen freundlich ersuchen liessen / ihr wahres und ergebenes Freundes Herz
aus diesem wilfärtigen Beistande zuerkennen / welche sich hiemit erböhten / vor
ihre Wolfahrt ihres ganzen Frankisch- und Sikambrischen Reichs vermögen willig
anzuwenden. Welches mit gebührlichem dank erkennet und beantwortet ward.
Herkules und Ladisla erläubeten den Völkern auff der Wahlstat Plunderung zu
halten / aber weder die Sudischen noch die Nordischen Völker wollten daran anteil
haben / derwegen mussten die Teutschen und Böhmen alle Beute an einen Ort
zusammen tragen / welche sich auff viel Tonnen Goldes an Barschaft / Geschmeide
und Pferdeschmuk belieff / welche nachgehends unter alle Völker verteilt ward /
wiewol man den Franken einen grossen Vorzug gab; des Lagers Reichtum wahr sehr
gross / welchen Ladisla unter die Könige und Fürsten verteilete / wo bei Markomir
sich heftig wegerte. Was man aber bei den gefangenen Pañoniern fand / ward alles
zur gemeine Beute geleget. Zeit wehrender einsamlung der Beute stelleten unsere
Helden das Gericht über ihre Gefangenen an / liessen in aller eile auff die
gestrige Stelle nahe bei dem annoch stehenden Galgen ein Gesäss auffbauen / und
alle vornehme Gefangene samt ihrem Könige / an der Zahl 127 / an Ketten lind
Banden herzuführen / unter denen aber Mastyes / Agis und etliche andere mehr
/die sich ihrer gestrigen Erlösung angenomen hatten /ehrlicher gehalten / und
von Leches ungefesselt begleitet wurden / dass sie nicht unter den andern
Gefangenen / sondern ihnen zur Seite gingen / uñ ihr Gleitsman sie mit
freundlicher Unterredung / wie ihm befohlen wahr / unterhielt / welches sie doch
wenig achteten / nachdem sie entschlossen wahren / mit ihrem lieben Könige zu
sterben oder zugenesen / welcher mit seinem Dropion (als ein par Hunde) zusammen
gefesselt wahr. Als sie vor dz Gerüste traten / auff welches alle Fürstliche
Häupter / ausser Königin Valiska sich gesetzet hatten / wurden diese beiden
voneinander gelöset / und musste Mnata allein etwas näher komen / welchen Ladisla
mit überaus grimmigen Angesicht und funkelnden Augen also zu Rede stellete: Was
vor ein böser Geist hat dich getrieben / du ehrvergessener gottloser Mordbrenner
/ Dieb / Räuber /und Mörder / dass du nicht allein mich und mein unschuldiges
Land / ohn alle gegebene Ursach / unabgesagt / und mit so teuflischem Grimme
angefallen /sondern auch allen Inwohnern den Tod / dem ganzen Lande die
Verwüstung / und welches erschreklich zu hören / vier unschuldigen ehrliebenden
Königen und dreien redlichen Königlichen Fürsten den Galgen hast angedräuet und
auffrichten lassen / auff dass du auff einmal und an einem Schand-holze fünff
grossmächtige Königreiche schmähen möchtest / welche dir nie keine beleidigung
angefüget hatten? und diese von ewigkeit her ganz unerhörete Grausamkeit würde
dein verteuffelter Marschalk / ohn zweifel aus deinem ehmahligen geheiss uñ
anordnung zuvolstrecken / gestriges Tages nicht unterlassen haben / dafern der
almächtige barmherzige Gott nicht etliche wenige auffrichtige Herzen deines
gewesenen Volkes aufgemuntert hätte / welche / inbetrachtung deiner selbst
eigenen Gefahr / seiner unmenschlichen Wüterei und durch triebenem Frevel sich
wiedersetzeten / welches ihnen unvergolten nicht bleiben mus. Nun sihestu ja
/dass gleichwol noch ein Gott im Himmel wohnet /welcher deinem närrischen
Hochmuht steuren kann /wann du ja Menschen zu geringe achtest / dich vor ihnen zu
fürchten. Und ich frage dich / du Henkermässiger / bildetestu dir wohl ein / als
du den Galgen vor meinem Lager auffrichtetest / diese Königliche /Hochfürstliche
und Ritterliche Gesellschaft würde deinen Strik ohn wegern umb den Hals nehmen /
und mit dir die Leiter hinan klimmen / dass du sie frei immerhin auffknüpfen
möchtest / da sie doch ein so wolgesetzetes Heer umb und bei sich hatten? Doch
setze ich dieses auch beiseit / und möchte nur gerne wissen / was vor eine
unsinnige Bosheit dich getrieben hat /dass du meinen wahre lebendigen Gott /
welchen du aus teuflischem Spot einen erhenketen nennest / lästern / und
gleichsam zum Kampfe hast ausfodern dürfen. Sihestu noch nicht / dass er dir
redlich / zeitig /und mehr dann zu scharff komen ist / und uns seine Kinder zwar
mit der gnädigen Vater-Ruhte / wegen unser Sünde gezüchtiget / wovor wir ihm
herzlich danken / dich aber mit schwerer Hand zur grimmigen Straffe / wegen
deiner lästerung und unmenschlichen gottlosigkeit hingerissen hat? So schicke
dich nun nebest deinen mitgefangene / von dir bestelleten Mordbrennern / Räubern
und Mördern zum wolverdieneten Tode / dann du must den Gagen / welchen du dieser
Königlichen Gesellschaft / wiewol / Gott lob / zu früh und vergebens hast
auffrichten lassen / mit deinem gottlosen verfluchten Leibe zieren und kleiden /
und daran deine zu leben unwirdige verfluchte Seele ersticken lassen; woraus du
noch vor deinem Ende die Warheit des alten Sprichworts lernen kanst: Mannicher
gräbet einem andern eine Grube / und fället selber dahinein. Der gefangene Mnata
entsetzete sich dieser schleunigen Urtel / sah den Galgen vor Augen / und
muhtmassete aus Ladislaen vorbringen / dass Dropion ihn den gefangenen Königen
würde haben auffrichten lassen / betraurete solches sehr / und fing an / dieser
gestalt sich zuverantworten: Wir Könige haben leider das gemeine Laster an uns /
dass wir nichts so heftig /als die Beherschung uber viel andere / und die Rache
der empfandenen Beleidigung mit aller macht zu volstrecken / uns lassen
angelegen sein; insonderheit wann hohe Beamten und Rähte nicht allein in solchen
Sachen sich vor stete Ohrenbläser angeben / sondern auch so viel gewalt über uns
erlangen / dass wir sie hören / uñ ihrer führung folgen mussen. Eben dieses
/bekenne ich / hat auch mich unglückseligen König verleitet und getrieben / einen
möglichen Versuch zu tuhn / ob mir das Glük / dem ich zu viel trauete / so
günstig sein / und meine Gewalt über dieselben ausbreiten / ja mich auch an
denen rächen wollte / welche mich den Römern zu zehnjähriger Schatzung übergeben
haben. Nun ist an meiner Seite alles zum ärgesten Unglück ausgeschlagen / und
habe nicht allein den ganzen Kern meiner Untertahnen eingebüsst / sondern auch
diese Ketten annehmen / und als ein Ubeltähter mich vor Gericht schleppen lassen
müssen; da ich dann gestehe / dass meine Obsiger leicht Ursach finden können /
mit mir also zuverfahren / wie mir anjetzo gedråuet ist. Ich erinnere mich
überdas auch meiner unbesoñenheit / dass in auffrichtung des verfluchten Galgen
ich eingewilliget / welches vielleicht (doch zweifele ich dran) ich durch
starkes und äusserstes wiedersprechen hätte hindern können; dass es aber aus
meinem Angeben / oder Geheiss und wolgefallen sollte geschehen sein / oder ich
jemahls des willens gewesen / König- und Fürstliche Häupter hinan zu heben /
oder heben zu lassen / wird mir kein Mensch überbringen; aber wohl / dz ich
anfangs dawieder geredet / uñ den ausgesprochene Schimpf nie gebillichet
/vielweniger aus meinem Munde gehen lassen. Hat mein gewesener Marschalk sonst
gestriges Tages /welches mir allerdinge unwissend ist / sich einiger
unbilligkeit wieder eure Königl. Hocheiten unternommen / solches ist mir bei
Königlicher Träue herzlich zu wieder / und machet mich fürchten / es sei solches
mehr zu meinem selbst eigenen / als zu anderer Leute verderben und untergang
angesehen gewesen / gestaltsam ihm ja meine Gefängnis nicht hat können unbewust
sein / deren mich zuenteben / / man ja alle güte / und keine grausamkeit hätte
anwenden und gebrauchen müssen / da man sonst meine Wolfart und Erledigung
suchen wollen; ist mir demnach von herzen lieb / dass etliche der meinen solchem
teuflischen Vornehmen wiederstanden / und so wohl von eurem tapferen Königlichen
Blute / als von mir selbst das Verderben abgekehret haben. Ja ihr redliche und
ehrliebende Könige / ich ruffe den wahrhaften Himmel zu zeugen / und alle Götter
/ die mich in dieses Unglück gestürzet haben / dass wann die Wahl bei mir
gestanden / wollte ich lieber durch eure ritterliche Faust in der Schlacht
nidergehauen sein / als durch eure schändliche Erhenkung mein Leben gerettet
haben. In betrachtung dessen gelebe ich der tröstlichen Hoffnung und zuversicht /
König Ladisla werde seine gesprochene Urtel gnädig mässigen / und an mir
unglückseligen / der ich gestern umb diese Zeit noch ein mächtiger König wahr /
seinen rechtschaffenen Heldenmuht sehen lassen / dass er an keinem andern
Fürstlichen Blute gefallen träget /als welches er ritterlich mit dem Schwerte
vergeusset /auff welche weise ich ihm das meine tausendmahl lieber hätte gönnen
und geben wollen / als dass ich diese Ketten tragen / und vor Gerichte stehen
mus. Kan mir nun solche Königliche barmherzigkeit wieder fahren /dass nach
fristung meines lebens / durch gutwillige abtretung alles meines gehabten
Rechtes / von seiner Hocheit ich etwas Land uñ Leute behalte / und dz übrige
nebest allen meine Barschaften / die fast unzählig sind / gerne verlasse uñ auf
ewig verzeihe / werde ich solche Königl. Gnade zu rühmen uñ zuerkeñen habe. Ihr
aber / hochberühmter König Herkules / von dessen Tugend uñ erbarmung die erbare
Welt preises vol ist / wollet von mir ganz demühtig gebehten sein /an mir eurem
gefangenen armen Mnata (welche dz Glük im Augenblick von der höchsten Staffel in
die tiefste Pfütze alles kumers gestürzet) eure so hoch gerühmete Gnade
erscheine zulassen / uñ durch eures allerliebsten Freundes / Königes Ladisla
(dessen Wille ihr beherschet) harten Zorns uñ Eifers milterung / es zuschaffen /
dz Mnata nicht der erste Pañonische König sei / welcher sein Leben in Böhmen an
einem Diebes-Galgen endigen sollte. Mit welchem Worte ihm die Rede stehen blieb /
fing vor grosser Angst anzuseuffzen uñ klugzen / uñ indem er einen demühtige
Fussfal taht / sagte er; verflucht sei mein Hochmuht und aller deren Raht /
welche mich in diesen elenden Stand gestürzet haben. O du grosser Gott /wie bald
und leicht kanstu den Stolz fellen / und den auffgeschwollenen Hochmuht zur Erde
niderdrücken! unsere ganze Gesellschaft ward zum Mitleiden gegen ihn bewäget /
liessen sichs doch nicht merken / sondern hiessen ihn und alle Gefangene einen
Abtrit ins weite Feld nehmen / mit ernstlichem Befehl / dass sie unter sich kein
einziges Wort / weder in gutem noch bösem wechseln sollten; welches dem
trostlosen Mnata schon etwas Hoffnung machete. Als sie wieder vorgefodert wurden
/ fing König Ladisla nach gehaltener Beredung also an: Ich und mein ganzes
Königreich / welches ihr Mnata / so elendig zugerichtet habet / möchten von
Herzen wünschen / dass ihr euren Hochmuht selber hättet breche können / ehe und
bevor Gottes schwere Hand über euch kommen währe / dass ihr aber nach begangener
gar zu ubermachter Freveltaht / Gnade und Lebens Fristung begehret / ist zu
lange geharret; dann bedenket nur selber / wie viel tausend unschuldiger
Menschen Seelen ihr auffgeopffert / wie viel betrübte Wåysen und Wittiben ihr
gemacht / in wie grosse Armut und Verderben ihr viel meiner Untertahnen gesetzet
/ worzu man euch nicht die allergeringeste Ursach gegeben / nur dass man sich
eurer boshaften Leute redlich erwehret / und auff ihre frevelmühtige Anfoderung
/ sie bestanden / welches das eingepflanzete Recht uns selbst geheisset und
aufferlegt hat; kann also euer Mutwille und übermachte Beleidigung nicht wohl
anders / als durch euren Tod gebüsst werden. Jedoch werde nach Befindung eurer
Busse und Auffrichtigkeit ich mich zumässigen wissen / wann ihr vor erst durch
gnugsame Zeugen euch des auffgerichteten Galgens entbrechen / und den wahren
Angeber ohn einige Verleumdung nahmhaftig machen; hernach auch anzeigen werdet
/ wer oder welche dieses unredlichen Mordes (dann ein Krieg kans nicht genennet
werden) Stiffter uñ Uhrheber sein. Dieses / antwortete Mnata / wird niemand
besser darzulegen wissen / als gegenwärtige meine allergeträueste und heilsamste
Rähte uñ Beamten / Mastyes / Agiss / Hyppasus / Amytaon und Deon / welche wohl
unschuldig mit den boshaften in dieses Elende gerahten sind / nachdem sie mir
diesen (muss nunmehr selbst bekeñen) ganz unbefugten unredlichen Einfal
geträulich wiederrahten / ich aber ihnen in etlichen Dingen nicht folgen wollen
/ und in den wichtigsten nit folgen dürffen. Der gebundene Dropion hatte sich
bisher gestellet / als ginge ihn dieses Gericht gar nit an / wahr auch des
Vorsatzes / kein Wort zureden / es geschähe dann zu unserer Helden
Beschimpffung; hieselbst aber fiel er seinem Könige ins Wort uñ sagete /König
Mnata; wañ guter Wille und wolgemeineter Raht unglücklich aussschläget / gebühret
keinem Könige / sich dessen zubeschweren / vielweniger seinen Kopff aus der
Schlinge zuzihen / und andere darinnen stecken zulassen / sondern mit seinen
Leuten gleiches Lieb und Leid ausszustehen; uñ solches würde einem geherzten
Pannonischen Könige ungleich besser uñ rühmlicher sein / als mit unablöschlichem
Schimpfe seiner Hocheit / sich vor seiner FeindeFüssen niderwerffen / welches
auch diese unsere jetzige Richter gestriges Tages in ihrer Verurteilung nicht
haben tuhn wollen. Sehet König Mnata; diese Bande und Ketten trage ich euret
wegen rühmlich / und bin eben derselbe / der ich gestern wahr. Er wollte weiter
grosssprechen / aber König Ladisla redete ihn also an: O du abgefeimeter Bube;
rühret dich schon dein Gewissen? und bistu noch eben derselbe / der du dich
gestern zusein rühmetest / ein bestätigter König in Böhmen? Lieber von wem hastu
doch solche Bestätigung? Sihe da / ich gönne deinem Könige wohl / dass er
allerdinge sich der Untaht entbrechen könnte / wie ich mich dessen schon guten
teils zu ihm versehe / da ich dann dir zu Troz mich ihm gnädiger erzeigen will /
als du ihm nicht gönnest. Wer mich zum Böhmischen Könige bestätigt hatte?
antwortete Dropion; das Glük uñ meine Faust; aber unbefugete Feinde / mit
welchen Pannonien in keiner Fehde gestanden / haben mich wieder aussgehoben /
dessen sie alles Unglück lohnen müsse. Du frecher Teufel bist keiner Antwort
wirdig sagte Ladisla / und wo du deine ruhmrätige Zunge nicht alsbald schweigen
machest / soll sie dir aus dem Schandmaule gerissen werden. Weil er nun dieselbe
nicht gerne verlieren wollte (dañ er wahr bedacht /deren hernåhst noch besser
zugebrauchen) liess er sich leicht stillen; und ward dem redlichen Agiss Urlaub
erteilet zureden / und seines Herrn Entschuldigungen /wie wohl ohn falsch und
anderer unschuldigen Verleumdung vorzutragen; welcher also anfing: Ihr
Grossmåchtigste / unüberwindlichste Könige / Durchleuchtigste Fürsten / und
ritterliche Helden; die allergifftigste Seuche / welche bei aller Könige und
Fürsten Höfen ein durchgehendes ubel ist / ich meine die Schmeichelei / und ihre
Tochter die Verleumdung / hat auch den Pannonischen Königlichen Hoff nicht
meiden wollen / sondern denselben so heftig angestecket / dass kaum vier oder
funf Rähte / samt etlichen anderen / wiewol wenigen Bedieneten davon frei
bleiben mogen / und die frei blieben sind / haben täglich unter dem
Meuchel-Schwerte sich wagen und besorgen müssen. Die grossen Götter / welche uns
billich gestraffet haben / ruffe ich zu Zeugen / dass mein König / euer
Gefangener / diesen unbillichen und unseligen Zug nicht aus seinem freien Willen
und Getrieb vorgenommen / sondern durch unnachlässiges anhalten und begehren /
meinäidiger Blutgieriger Rähte darzu angehetzet und fast gezwungen / nachdem er
schon über andertalb Jahr sich gewegert hat /ihnen Folge zuleisten; hätte auch
noch diese Stunde nit eingewilliget / wann nicht dieser ruchlose / Tugend- und
Ehr-vergessene Mensch / sein gewesener /(ja den Göttern sei Dank / gewesener)
Statalter und Feldmarschalk / der ungeheure Dropion / den grösten Teil der
Königlichen Råhte und Beamten eingenommen und auff seine Seite gezogen hätte /
so dass mein König und wenig andere wohl folgen müssen / wollten sie nicht gar /
als Verrähter des Vaterlandes / über Bort geworffen werden. Da stehet das Unglück
unsers Königes und des algemeinen Pannonischen Reichs gegenwärtig / unter dreien
Brüdern der allergottloseste / der seiner Brüder Tod und Leibeigenschaft
zuräche / keine Gelegenheit aus der acht gelassen ungeachtet sie ihres Frevels
wolverdienten Lohn bekommen haben; aber es ist ihm leider dergestalt gelungen /
dass ganz Pannonien mit samt ihrem Könige alles drüber haben eingebüsst. Wolte
Gott / seine Mutter /das Gottlose Weib / hätte ihn im ersten Bade ersäuffet /
oder in der Geburt erdrücket / so dürffte Pannonien heut nicht seuffzen / und
den UnglücksNahmen Dropion verfluchen. Doch die Götter müssen ihn ja uns zur
Straffe haben lassen gross werden / sonst währe unmöglich / dass er nicht
vorlängst schon von der Erden verschlungen / oder vom Donner erschlagen währe
/als welcher / da er noch nicht 16 Jahr alt gewesen /mit seines Vaters
leiblicher Schwester / das Blut-schandlose Früchtchen den Bato / welcher unweit
von ihm stehet / und sein an Untugend und Gesichte ganz ähnlicher Sohn ist /
gezeuget; Ein Jahr nach seines Vaters Tode kam seine Mutter nider / und hat man
festiglich gegläubet / kein Mensch als dieser ihr Sohn trage schuld daran. Seine
zwo leibliche Schwestern hat er hernach geschändet / da sie kaum manbar gewesen
/ und mit der ältesten eine Tochter gezeuget /mit welchem seinem eigenen Fleisch
und Blute er nachgehends die allerverfluchteste Blutschande getrieben; dass ich
anderer / mit Vieh und Menschen begangener Abscheuhligkeiten geschweige / die
vor keusche Ohren nicht zubringen sind / wozu er doch diesen seinen Bato selbst
angeführet und abgerichtet hat. O du hochmuhtiger Freveler / wie ist dir nun die
Böhmische Kron bekommen / welche du dir so fest eingebildet hattest / und bei
dieses unglücklichen Krieges Beredung sie von deinem Könige fodern durfftest /
wiewol sie dir dazumahl / und biss gestern von unserm Könige ist gewegert worden.
Zwar du hast dieselbe in etwas geschüttelt / und teuflischer weise in ihrem
wirdigsten Könige beschimpffet / aber leider deinem Könige die seine gar vom
Häupte geschlagen / dannoch aber / Gott Lob / deren keine auff deine Stirn
bekommen / wiewol du nach beiden zugleich strebetest. O du Verderben deines
Vaterlandes! O du Unehr alles Pannonischen Blutes! du stinkender schäbichter
Hund! Dropion kunte vor Ungeduld und Rachgier långer nicht schweigen noch sich
einzwingen / und sagte: O du Raben-Vieh / ist deine Zunge doch schärffer als die
Schwerter aller meiner Feinde; zückete zugleich den linken Fuss / welcher ihm
frei wahr /und stiess diesen Redener / dass er zurück prallete. Welcher Frevel
unsern Königen so sehr zu herzen ging /dass er aüff Befehl von vier Bütteln
dergestalt geprügelt ward / dass er als ein wilder Ochse brüllete / und als ein
Erdwurm sich krümmete; Worauff Agis also fortfuhr: Ich will es zu meiner
Entschuldigung nicht sagen / dass allein ich und gegenwärtiger Mastyes /nebest
wenig andern / unserm Könige diesen unseligen Zug wiederrahten haben; nur allein
führe ichs zu dem Ende ein / dass Ihre Königl. Hocheiten sehen /wie mächtig
dieser boshafte Mensch in unserm Vaterlande gewesen / dass er nicht allein aller
übrigen Rähte Willen zu sich lenken / sondern auch seinen König zwingen können /
sein begehren gut zuheissen. Niemand wird mirs leugnen / dass der Blutund mich
schon vor etlichen Jahren als einen LandVerrähter hat wollen hinrichten lassen /
weil ich uber Gerechtigkeit hielt / und hat bloss meines Königes mühselige
Vorbitte mein Leben erhalten. Eben dieser / ja allein dieser ist des Galgen
Angeber und Meister; Er hat ihn lassen zimmern und richten / dass Könige und
Fürsten daran sterben sollten / und hätte ihm jemand eingeredet / müste derselbe
als ein Verrähter hingerichtet worden sein / nachdem ers auch seinem eigenen
Könige nicht vor gut halten kunte / dass derselbe bei der Auffrichtung zu ihm
sagete: Feldmarschalk / Feldmarschalk / lasset uns gelinder und vorsichtiger
gehen /man henket die Könige nicht so bald an Galgen; so haben wir sie auch noch
nicht in unser Gewalt / und wann das Glük mit uns spielen wollte / als in der
ersten Bestürmung dieses wolbefestigten Lagers / ja wann es uns gar in unser
Feinde Hände liefern wollte (ach wie wahr hat unser König geweissaget!) wie würde
es uns dann wegen dieses Vornehmens ergehen? Uberdas ist dieser Landverderber
mit der allerunerhörtesten Verräterei umgangen / seinen eigenen König
auszuheben / und sich auff dessen Stuel zusetzen; dann Böhmen wahr seiner
eingebildeten Hocheit viel zu enge. Dessen müssen mir zwölfe unter diesen
Gefangenen Zeugnis geben / unter denen Pyrechmes /Pelegon / Bato / und der
jüngere Pines die Redlensführer sind / die übrigen aber ich auch nahmhaftig
machen will; wird man diese auff der Folter befragen /sollen sie schon
ausbeichten / wie sie unsern König in der Schlacht haben wollen entleiben /
dafern er vor FeindesSchwert sollte erhalten werden; welches auch die einige
Ursach gewesen ist / dass Mastyes nach dessen Erfahrung / aus eigener Bewägniss /
uns den lezten Entsaz zugebracht / dass unsers lieben Königes schon verrahtenes
Leben Schuz haben möchte; und werden jezt gemeldete zugleich aussbeichten müssen
/ wie ihr vermeineter König Dropion die Ehrenämter und Landschaften schon unter
ihnen aussgeteilet / versproche und verbriefet hat. So lasset nun / ihr
Grossmächtigsten Könige und Durchleuchtigste Fürsten / lasset dieses zur
Entschuldigung meines Königes eures Gefangenen in so weit gelte / dass er nicht
eigenwillig /sondern fast durch Zwang diesen unverantwortlichen Zug vorgenommen
/ und des Galgen Auffrichtung /dessen ich alle Götter zu Zeugen ruffe / in
seinem Herzen nie gebillichet hat; und kann endlich meines Königes Blut durch ein
anderes gelöset werden / so lasset das meine an seiner Stat vergiessen / ich will
mich glückselig preisen / wañ durch meinen Tod ich meinen lieben König beim Leben
erhalten werde / wie ich schon in meiner Seele die allerhöchste Vergnügung
befinde / dass mit zutuhn meines Freundes Mastyes ich durch Vorbitte bei dem
Pannonischen KriegsHeer dem Himmel sei Dank / es dahin gebracht / dass dem
Blutunde Dropion sein Vorhaben hat müssen gebrochen / und nachgehends auch sein
angestelleter Meuchelmord hintertrieben werden. Herkules wendete sich zu dem wohl
abgeprügelten Dropion / und sagete: Du bist viel ein heilloser Schelm als deine
Brüder wahren / dann die stritten und strebeten noch vor ihres Königes Wolfahrt
/ welchen du gar hast stürzen wollen / daher wundert michs um so viel weniger /
dass du mich und andere Könige und Fürsten so schändlich gehalten / und zum
Galgen hast dürfen verdammen / welchen du aber noch vor eine Gnade und Endigung
deiner Pein halten wirst / wann er dir wird können zuteil werden. Doch achtestu
uns so wirdig / so lass hören / was vor eine Entschuldigung du habest / damit
niemand spreche / du seist ungehöret und auff wüterisch verdammet / wie du
gestern mit uns verfahren / und mir kein einiges Wort hast göñen wolle. Meine
Entschuldigung / wird mir wenig helffe / antwortete er / da Freund und Feind
zugleich auff mich einstürmen / und mein Kläger auch mein Richter ist. Uberdas
befinde ich in mir einen recht-Königlichen Geist / welcher sich nie hat drücken
könne / sondern stets oben geschwummen ist /und uber andere herschen wollen; wer
würde mirs demnach verübeln / ob ich nach einem Konigreiche getrachtet hätte?
währe mirs gelunge / dann so håtte die ganze Welt gesaget; der tapffere ädle
Dropion hat ihm recht getahn / seine Wirdigkeit erfoderte ein solches; nun es
aber missglücket ist / darf auch dieser unnütze Hund (auf Agis zeigend) mir ins
Angesicht speie. Jedoch es gehe nach der GotterSchluss; Ich bin in meinem Gemuhte
noch diese Stunde ein König /und will nicht als mit Königlichen Gedanken sterben.
O du elender Tropff / antwortete Herkules / meinestu /dass ein Königlicher Muht
in der Herschaft-Sucht bestehe / und nicht viel mehr in dem / dass man sich
selber zwingen / und die Begierde meistern kann? daher ist dein Sin noch sehr
weit von einem Königlichen Muhte abgescheiden / und was du Königliche Gedanken
nennest / sind nichts als RäubersGedanken /daher auch / weil du solche ins Werk
zurichten / alle Mühe uñ Gottlosigkeit angewendet hast / du gewisslich nicht als
ein König / aber wohl als ein Dieb / ErzRäuber und wüterischer Beleidiger der
Königlichen Hocheit sterben wirst / darumb gedenke nur / wie du deinen
Königlichen Stuel / welchen du selbst hast richten lassen / nach ausgestandener
Pein / auffs zierlichste bekleidest. Herkules / ein gebohrner Grossfürst und
König / hat gut aus dem Tugend-Buche zuschwätzen / antwortete dieser freche
Mensch / nachdem ihm ein Königreich angebohren ist / und wann gleich solches
nicht währe / er wegen des vermeinten Königlichen Blutes / leicht durch Heirat
darzu gelangen könnte. Aber durch welche Tugend soll ich und ein ander meines
gleichen zum Königreiche auffsteigen / da uns eine Königliche Seel eingegossen
ist /und es uns nur an einem Vater-Könige gemangelt hat? Ich möchte wünschen /
dass ich auch in der Gnadenzeit gelebet hätte / als der tapffere und grossmühtige
Herr Jurelio Merkwol das Königreich Dalmazien sein eigenes Vaterland unter seine
gevolmächtigte Herschaft brachte; da er aus heuchlischem Schein zur Tugend und
Liebe der Landsassen Freiheit / seinem zur Herschung unwirdigen Könige (wie ich
ihn schätze) so lange nachtrachtete / biss er ihm den Kopff vom Rumpffe brachte /
und durch gemehlichen Fuchstrit nach wunder-listiger Verschlagenheit / mitten
unter seiner Feinde wuten gar auff den Oberstuel kam / welchen vor ihm kein
König hatte erlangen können; da dann alle dieselben ohn Köpffe gehen / oder in
der Lufft bammeln mussten / welche der von ihm so teuer versprochenen Freiheit
Erwähnung tahten. Ja er ward zugleich allen umliegenden Königreichen eine Furcht
und Schrecken / dass die Höchsten der Welt / wie neidisch sie ihm gleich im
Herzen wahren / dannoch ihre Gesandschaften an ihn abgehen liessen / und ihm
als einem irdischen Gott schmeichelten / so dass dieselben sich vor glückselig
schätzeten / die seine Hulde erlangen / und vor seinem durchdringenden
siegreichen Schwerte befreit sein kunten. Dazumahl wahr es gut / eine grosse
Herschaft an sich zubringen; aber die Zeiten lauffen nunmehr zu selzam / und kann
der gemeine Pöfel sein eigen bestes nicht erkennen; Und eben diss ist die Ursach
/ warumb ich und andere meines gleichen die Hocheit nicht erhalten mögen / die
unserm Königliche Geiste sonst von rechtswegen gebührete. Aber was muss ich doch
hören? bin ich ein Dieb und Räuber / darumb dass ich mich nach meiner Wirdigkeit
umsehe? Lieber was muss doch der Mazedonische Alexander gewesen sein / als sein
Geist viel zugross wahr / in dem engen Winkel Griechenlandes zubleiben / und
deswegen der ganzen Welt Herschaft suchete? Dieser wird ja daher von allen
tapferen Helden / ja auch in Büchern geruhmet. Aber wann er vor diesem Gerichte
seines verhaltens Rechenschaft geben sollte / müste er ein Dieb und Räuber
heissen. Und du Kajus Julius erster Käyser / wer hat dich doch zum einigen
stetswehrenden Herscher zu Rom eingesetzet und erkohren? hats nicht deine eigene
Faust getahn / als dein grosser Geist wallete / der nicht allein niemand über
sich dulden / sondern auch keinen gleiche neben sich leiden kunte? noch wann du
an meiner stelle dich befündest / müstestu ein Dieb und Räuber sein / da man dir
nicht allein den Tod / sondern alle ersinliche Pein dräuen / uñ den Galgen zur
Erquickung anbieten würde. Aber O ihr ehmahlige Helden /möchte ich eines
gleichmässigen Glückes mit euch geniessen / wie mir der Himmel eine
gleichwirkende Seele und troz-bietende Krafft eingegossen hat /würde ausser
allem Zweifel mir die Herschaft von des grossen Griechischen Herkules Seulen
biss jenseit des Ganges eingeräumet sein / da mich nun das neidische Unglück in
diese enge Ketten eingefesselt / und vor deren Gerichte gezogen hat / denen ich
vor wenig Stunden die Galgenstraffe auffgelegt hatte. Die Konigliche
Gesellschaft wollte sich an des Grosssprechers Auffschneiderei nicht kehren /
stelleten sich auch als höreten sie es nicht / und befahl Ladisla / dass alle
Gefangene nach dem Stokhause geführet / und daselbst mit Wasser und Brod
unterhalten würden / ihrer Ketten und Banden unbenommen / nur Hyppasus /
Amytaon und Deon wurden mit ihrem Könige entbunden / und in einem
absonderlichen ReuterZelte mit zimlicher Speise und Trank versehen / da man
Mastyes und Agiss / nebest ihren gestrigen Schützern alle Freiheit gab / zureiten
und gehen / wo sie wollten; welche aber bei ihrem Könige blieben / und ihm allen
Verlauff /was nach seiner Gefängnis sich zugetragen hatte / erzähleten; woraus
er unschwer abnam / dass Dropion durch Verdammung unserer Könige / allermeist
nach seinem Häupte und Leben hingezielet hätte. Nach gehaltenem diesen ersten
Gerichte / hielt Arbianes bei Markomir fleissig an / dass der tapffere Ritmeister
mit der dicken Wolke im Schilde / der ihm sein Leben ganz ritterlich errettet /
möchte herzu geladen werden / damit er ihm eine wirdige Dankbarkeit sehen
liesse. Derselbe aber schickete an seine statt einen von seinen Reutern ab / mit
gnugsamer Unterrichtung / wessen er sich verhalten sollte; welcher dann vor der
Königlichen Gesellschaft erscheinend / sich auff beide Knie nidersetzete / und
also anfing: Grossmächtigste Unüberwindliche Könige / auch Durchleuchtigste
Fürsten; auff allergnädigstes erfodern hätte mein Rittermeister sich in
alleruntertähnigstem Gehorsam gerne eingestellet / wann nicht seine Unwirdigkeit
und ehmaliges grobes Verbrechen ihn davon abschreckete /wiewol er ausdrüklich zu
dem Ende sich in des Durchleuchtigsten GrossFürsten Herrn Markomirs Kriegsdienste
mit seiner von ihm selbst geworbenen ReuterSchaar begeben hat / sich zubemühen /
ob der gütige Himmel ihm einige Gelegenheit an die Hand geben wollte / wodurch er
Gnade und Vergebung seiner schweren Sünde erhalten könnte; da ihm dann das Glük
so günstig erschienen ist / dass dem Durchleuchtigsten Medischen Grossfürsten er
nach seinem geringen Vermögen hat können auffwärtig sein / auch von dessen
Durchl. hohe Fürstliche Zusage seines begangenen übels erlanget / welche vor
andern höchlich beleidiget zuhaben / er sich nicht ohn beissende herzens Reue
erinnert; dafern nun die übrige Königl. und HochFürstliche Gesellschaft /
insonderheit die abwesende Durchl. GrossFürstin Fr. Klara / ihm gleichmässige
allergnädigste Vergebung erteilen könten / wird er mein Ritmeister mit höchster
Vergnügung von hinnen reiten / nachdem er sich selbst vor ganz unwirdig schätzet
/ vor eure Königl. Hochheiten und HochFürstl. Durchleuchtigkeiten zu erscheinen
/ verbindet sich auch in allertieffester Demuht / die ganze Zeit seines lebens
zu sein und biss in den Tod zuverbleiben / deroselben alleruntertähnigster
gehorsamster Knecht Reichard der büssende. Unsern Helden fiel alsbald bei
nennung des Nahmens ein / wehr er wahr / verwunderten sich seines redlichen
vornehmens die ehmahlige Bosheit zu büssen / hiessen den abgeschikten Reuter
einen Abtrit nehmen / und beredeten sich miteinander kürzlich; bald musste der
Reuter wieder vor treten / und gab Arbianes ihm diese Antwort: Reitet hin mein
Freund / und saget eurem Ritmeister Reicharden / dass seine heutige mir
geleistete Rettung und getråue Dienste / sein ehmahliges Verbrechen weit
überwogen haben / daher nicht allein diese ganze König- und HochFürstliche
Gesellschaft ihm gnädigst gewogen ist / sondern ich ihm auch meines lieben
Gemahls völlige Vergebung und Fürstliche Hulde zuwege bringen will; dass er aber
nicht davon zihe / sondern / wo seine Wunden / die er umb meinetwillen empfangen
/ es zugeben können / er alsbald mit seiner Geschwade sich alhie einstelle /
damit ich ihn meiner Gnade und Gewogenheit gnugsam versichern möge. Dieser
bedankete sich alleruntertähnigst in seines RitmeistersNahmen / und brachte dem
ängstig harrenden Reichard diese gewünschete Zeitung; welcher bei nahe vor
freuden vom Pferde in Ohmacht gesunken währe; ergriff sich doch bald wieder /
foderte seine Mannschaft / die noch in 50 Köpfen bestund (dañ 30 hatte er bei
Arbianes Erlösung eingebüsst / und wahren die übrigen biss auff sechse alle
verwundet) zusammen / und ritte mit ihnen ohn alle Waffen / (nur dass er seinen
kenlichen Schild mit sich nam) nach der Königl. Gesellschaft / liess seine Leute
auff 100 Schrit davon stille halten / stieg daselbst ab vom Pferde /und ging gar
allein tieff gebucket hin / taht vor den Königen einen demuhtigen Fussfal / und
ob er ihm gleich vorgenommen hatte / sich fest zu halten / fing er doch an zu
seufzen / und seine Bussträhnen so häuffigzuvergiessen / dass er kein einzig Wort
hervor bringen kunte. Die ganze Gesellschaft trug grosses Mitleiden mit ihm /
dann sie sahen vor Augen / dass seine Sunde ihm sehr leid wahr / deswegen redete
Herkules ihn also an: Mein Freund Reichard; ihr habet vor dissmahl in der Taht
sehen lassen / dass eure Seele ehmahl von den unbendigen Begierden zwar hat
können angesprenget und verleitet / aber nicht gänzlich überwunden werden /
gleich wie ein hoher Baum von einem heftigen Windsturm wohl zimlich gebeuget /
und doch nicht gar abgebrochen wird / sondern sich bald wieder gleich richtet.
Mein Bruder Fürst Arbianes scheuhet sich nicht / euch vor seines lebens Erretter
zu halten und öffentlich zu rühmen / darumb sollet ihr eures Herzen empfindnis
wegen des geschehenen / ablegen /und euch versichern / dass ihr von nun an / an
uns allen ingemein / und an einem jeden insonderheit /ganz gnädige und gewogene
Herren haben werdet /nicht anders / ob hättet ihr die ganze Zeit eures lebens
auff der heutigen Tugend-bahn zugebracht. So stehet nun auff / und haltet euch
nicht mehr vor einen Verbrecher / der sich vor der Straffe fürchtet / sondern
vor einen wolverdienten / der grosse vergeltungen zugewarten hat; ich vor mein
Häupt erbiete mich / dass ich euch in meine beharliche Dienste auffnehmen /und
mit einem wirdigen Amte versehen will. Ihr habt euch unter meiner Auführung wohl
gehalten / sagte Ladisla weiter zu ihm / des solt ihr bei der Beute austeilung
zu geniessen haben / und verbleibe ich euch mit beharlichen Gnaden gewogen.
Arbianes empfand eine grosse Zuneigung gegen diesen Menschen in seinem Herzen /
welche sehen zu lassen / er zu ihm trat / hies ihn freundlich von der Erden
aufstehen / boht ihm die Hand / welche er mit grosser Ehrerbietung küssete /und
sagete zu ihm: Was vor eine Träue ihr heut an mir / mit äusserster Gefahr eures
lebens / erwiesen /und mich abgematteten von des FeindesSchwert lossgemacht /
müste ich sehr unempfindlich sein / wann ichs in vergess stellen / und
zuvergelten mich nicht bemühen würde. Eur voriges euch zuvergeben ist uñöhtig /
weil es schon längst vergessen ist / daher sollet ihr alle Gedächtnis des
ergangenen bei seit setzen / als währe es nicht geschehen / und euch schicken
solche Vergeltung zu empfahen / wie ihrs verdienet / und mirs zu leisten
anstehet. Reichard erhohlete sich inzwischen / und zeigete kürzlich an / was
gestalt er seine empfangene Gnadengelder zur ausrustung seiner Reuter angewendet
/ und willens gewesen einen Zug in fremde Lande zu tuhn / hätte des Franken
Königes Werbung erfahren / und dass dessen Hocheit dem Bömischen Könige eine
ansehnliche Hülffe wieder die Pannonier zuschicken wollte / daher er sich in
dessen Dienste begeben / und diese seine höchstgewünschete Glükseligkeit
erlanget hätte / welche hiedurch volkommen gemacht währe / dass König Herkules
ihm gnädigste Bestallung angebohten / in dessen Diensten er zu leben und sterben
begehrete. Derselbe nun schlug ihn alsbald zum Ritter / und als die grosse
gemeine Feldbeute geteilet ward / bekam er vor sein Häupt 30000 Kronen an
Barschaft und Geschmeide /darzu 24 statlich geputzete Reitpferde / drei
Pakwagen mit 18 Pferden und eine Gutsche mit sechs Pferden / von der LagerBeute
aber / welche der Königlichen Gesellschaft vorbehalten ward / wendete ihm
Arbianes 20000 Krone und die andern Könige und Fürsten ingesamt auch so viel zu;
da seine 50 Reuter ingesamt zwo Tonnen Goldes / gleich unter sich zu teilen /
bekahmen / welche Arbianes alle in bestallung nam / und Reicharden 12 Teutsche
Reuter zugab /welche mit ihm nach seiner Heimaht alsbald fortzihen sollten / umb
seine Gelder und Sachen dahin zubringen / er aber sollte mit seiner Eheliebsten
sich bald wieder einstellen / und erwarten / was vor absonderliche Gnade ihm
daselbst begegnen würde. Er kam diesem Befehl willig nach / da er Südmeier den
ehmahligen Gutscher lossbaht / welcher / weil er sich kund gegeben hatte / über
10000 Kronen wert bekam / nebest viel Pferden und anderen Sachen / die er seinem
lieben Weibe und ihren armen Eltern mit übernehmen /und sich in Herkules Dienste
wieder einstellen wollte. Das übrige dieses Tages brachte die Königliche
Gesellschaft in aller ergezligkeit zu / da beides Herkules und Valiska sich über
der Vergnügung hoch verwunderten / welche Markomir an den Tag legete / darumb
dar er von ihnen so gar freundlich gehalten ward / wie sie dann beiderseits ihn
in ihre brüder- und schwesterliche vertrauliche Freundschaft aufnahmen / dessen
er sich selbst vor unwirdig schätzete; und wuchs diese Vertrauligkeit von Tage
zu Tage / weil er sich so züchtig gegen Valisken bezeigete / dass leibliche
Brüder und Schwester nie heiliger mit einander gelebet haben. Des folgenden
Morgens mussten alle Gefangene mit ihrem Könige (der mit einer zimlichen Kette
wieder beleget ward) abermahl vor Gerichte erscheinen / da Dropion ohn
gebehtenen Urlaub alsbald diese verwågene Rede anfing: Wañ das Glük mit mir nach
meinem Verdienste verfahren wollte / müste ich traue nicht gefesselt und
umbkettet als ein Ubeltähter vor diesem Gerichte stehen / sondern die
vorgestriges Tages abgefassete Urtel / wegen des übergeschikten schäbichten
Hundes an meinen Gefangenen / nunmehr sitzenden Richtern gebuhrlich volstrecken.
Meine tapfere Tahten sind grösser / als dass sie mit der Feder können beschrieben
werden. Wann ich meiner Fäuste mächtig bin / mus vor mir stürzen was ich mit
meinem Säbel berühre / und mus anjetzo mich von denen rechtfertigen lassen /
denen so zu reden der Diebsstrik schon umb den Hals geleget wahr. O du
verfluchte verhängnis / hastu den tapferen Dropion zum Schauspiel der jungen
Knaben / die in Königlichem Pracht sitzen / an diesen Ort hergestellet? Er wollte
fortfahren in seinem schänden / unter der Hoffnung / die unsern zu reizen / dass
sie ihm aus Eifer einen schleunigen Tod anlegeten / wie dann Ladisla sich schier
übersehen hätte; aber Herkules redete ihm ein / und sagete nachgehends zu
Dropion; Ey du gottloser Bube / sollte man deinen Stolz und Ubermuht dann so gar
nicht vertreiben können? dein Bruder Pines machte es nicht viel besser / aber
ich fand ein mittel zu seiner Zähmung / welches ich an dir auch werde versuchen
müssen; befahl darauff / dass man ihm dis Kleider gar vom Leibe reissen / ihn an
eine Galgenseule binden / und am Hinterleibe mit scharffen Ruhten von den
Fusssolen biss ans Häupt streichen musste / dass keine ganze stelle an ihm übrig
blieb; da er anfangs mit schelten und lästern fortfuhr / aber endlich durch
schmerzen überwunden / ein schrekliches Geschrei trieb / auch mit den
angebundenen Händen und Füssen solche Arbeit taht / dass er die Galgenseule
schier lossgerissen hätte; endlich ward er geschmieret / wieder abgelöset /und
allein hingestellet / da er ansehen und hören musste / was vor eine Urtel man
seinen Gesellen fellete; massen alsbald Pyrechmes vorgefodert ward / welchen
Herkules also anredete: Du frecher Bube / erinnerstu dich auch noch deiner
gestrigen Bosheit / da du die Galgen Urtel über uns sprachest / uns vor Hunde
und verlauffene ausscholtest / und bei dräuung / dass mir die Zunge sollte aus dem
Halse gerissen werden /mir keine verantwortung gönnetest; ja auch noch auff
meinen kråftigen und gütigen Gott hönisch reden durftest? Wer hat jemahls
erfahren / dass einiger Mensch deines gleichen / sich eines so verwägenen Trotzes
sollte gebrauchet haben? aber sihestu nun schier / dass du damahl selbst dein
Wahrsager gewesen bist / mein Gott würde dich und deine Gesellschaft an unsere
Stelle an den Galgen bringen? Dieser Boshafte bedachte sich ein wenig / was er
antworten sollte / biss Dropion ihm zurieff; lass den Muht nicht sinken /du mein
geträuer Freund / damit unsere Feinde nicht rühmen / sie haben unserer
Tapferkeit angewonnen. Durch welche Auffmunterung dieser ohndas verwägene Mensch
gleichsam wieder sich selbst wütend ward / dass er in diese Worte lossbrach: Was
ich gestern geredet und getahn habe / gereuet mich so gar nicht / dz ichs noch
tuhn wollte / wans nur in meiner Macht stünde / ob ihr Hunde mich gleich daruber
zureissen würdet. Dir frechen Schelm mus der wolverdiente Lohn werden / gab ihm
Herkules zur Antwort / liess ihn eben wie zuvor den Dropion mit Ruhten streichen
/ wobei er ein schändliches Låstern / Fluchen und Geschrei trieb. Pelegon ward
nach ihm vor Gericht gestellet / und von Herkules also zu Rede gesetzet: Du
Gottloses Schandmaul wirst dich erinnern / wie höhnisch du mich bei dem
gestrigen unbefugeten Gerichte angetastet / und mir nicht eins Zeit zum Gebeht
gönnen wollen / daneben es vor unmöglich hieltest /dass der Gott / welcher Zeit
seiner ernidrigung umb unser Sunde willen sich hat lassen aus Kreuz henken /mich
und andere unschuldigen von dem Strange befreien könnte; nun aber sihestu wie
mächtig derselbe sei / und wie er dich mit deines gleiche andern Buben zur
wolverdieneten Straffe fodert. Du hast gut trotzen / antwortete dieser / aber
währen meine Fäuste so wohl frei als die deinen / würde der Ausschlag es bald
geben / wer eines andern Richter zu sein das beste Recht hätte / nun aber mus
ich wohl schweigen und mich drücken / will ich sonst der Henkersruhten geübriget
sein. Bato / Dropions Sohn / ward auch zu rede gestellet / warumb er vor andern
sich bemühet hätte diese unschuldige Könige und Fürsten durch Meuchelmörder
hinzurichten; dann eben dieser hatte solches zu vollenden über sich genommen;
welches er auch nicht verleugnen wollte / sondern dich Antwort gab: Ob ich meinem
lieben Vater in verfolgung seiner Ertzfeinde gehorsam geleistet habe / ist nicht
zuverwundern / dann die eingegossene Pflicht erfodert solches von mir / und Odass
mir nur mein Anschlag hätte mögen gelingen / so hätte ich nicht dürffen mit
meinen blutigen Augen ansehen / dass der treflichste Held unter allen Pannoniern
/ mein Herr Vater Dropion mit Henkersruhten ist gegeisselt worden; welches die
hellischen Götter allen denen vergelten werden / die es angeordnet haben. Ich
sehe wohl / sagte Herkules / dass du in Blutschande gezeugeter Bube es nicht
besser als dein Vater haben wilt / sonst würdestu deinen Fluch gesparet haben.
Muste also auch dieser des Henkers Streiche unter grossen Schmerzen ausstehen /
wobei er sich sehr frech bezeigete. Der jungere Pines / des ältern unehelicher
Sohn gar ein verwägener Bube /musste nach diesem vor treten / welcher dann zu
seiner entschuldigung vorbrachte; er währe gehalten gewesen seines lieben
tapferen Vaters Schande und Leibeigenschaft nach vermögen zu eifern / deswegen
er seines vorhabens nicht um verzeihung bitten dürfte /sondern erwartete mit
standhaftem Gemühte des Todes / welchen er seinen Feinden lieber håtte mitteilen
/ als dessen von ihnen gewärtig sein wollen. Ja daran zweifelt unser keiner /
antwortete Herkules; liess die übrigen acht sonderlich Gefangene auch herführen /
und gab ihnen Freiheit / ihre entschuldigung vorzubringen / da sie einige
hätten; aber sie wahren erstarret / und wussten nichts anzuzeigen / als dass
Dropion durch grosse Verheissungen sie gar auff seine Seite gezogen / und
verleitet hätte / dass an ihrem Könige sie träuloss worden währen. Worauff König
Mnata mit alle gefangenen Obersten deren ausser den jeztgedachten noch 135
wahren / und den gefangenen 1300 Håuptleuten / abermahl vorgestellt ward / umb
anzuhören / was vor eine Urtel ihm und den andern sollte auffgeleget werden.
Leches musste solche mündlich vortragen / welcher dann anfangs dem Pannonischen
Könige es auff befehl gar verweisslich vorhielt /dass er ein solches grausames
Landverderben ohn alle gegebene Ursach angerichtet / nebest schimpflichen
Verweis / dass er dem Dropion so viel Macht und Muhtwillen über sein Reich uñ
über sich selbst eingeräumet / und zum Sklaven seines Knechtes sich gemacht
hätte; hernach lase er ihm diese Urtel vor; Ob zwar der Pañonische König Mnata /
darumb dass er ohn Ursach uñ unmabgesaget das Königreich Böhmen überfallen /
Stådte uñ Dörffer verheret und eingeäschert / Vieh uñ Menschen und andere
bewågliche Güter geraubet / Acker / Garten uñ Hölzungen verwüstet / die Könige
höchst beschimpfet / und zur auffopferung etlicher hundert tausend unschuldiger
Seelen Ursach gegebe / sein Königreich / Ehr und Leben wohl verwirket hätte / so
sollte ihm doch aus angebohrner Königlicher Barmherzigkeit uñ sonderlicher milden
Güte solches geschenket sein / dafern er folgende bedingungen ohn alle einrede
uñ wegerung eingehen /uñ erster mögligkeit nach / redlich uñ aufrichtig erfülle
würde. Als Erstlich sollte er mit einem bemühtigen Fussfalle wegen des
unabgesageten Einfalles / Landesverwüstung und auffgerichteten Galgen eine
öffentliche Abbitte tuhn. II. Eine halbe Stunde im Pfluge eingespannet stehen.
III. Eines gefelleten fruchtbaren Baumes Blok /eines Zentners schwer / hundert
und zwanzig Schritte auff seiner Schuldern hin und her tragen. IV. Alle
Gefangene und Leibeigene Teutschen und Böhmen / (auch /dafern Franken / Schweden
/ Dähnen / Friesen und Wenden darinnen sein würden) samt deren Weibern und
Kindern durch sein ganzes Königreich / ohn Entgelt und arge List frei und ledig
machen / mit der Verwahrung / dafern einiger zurück gehalten würde / sollte alles
übrige als ungeleistet gerechnet / oder nach wilkühr sehr hart gestraffet
werden. V. Die vornehmsten gefangenen Römer und Italiäner / biss an 10000 Mann /
mit Weib und Kind / ohn entgelt auff freien Fuss stellen / dass sie zu Prag
erscheinen. VI. Dem Bömischen Könige und seinen Nachkommen zu ewigen zeiten ein
Stük seines Königreichs / so breit es an Böhmen grenzet / acht Teutsche Meilen
lang einräumen / damit nach belieben / als mit seinem Eigentuhm und Erbe
zuschalten. VII. Vor des besameten Landes verderbung 30 Tonnen Goldes / zween
teile an Barschaft / und einen Teil an allerhand Getreidig erlegen und
einliefern. IIX. Alles aus Böhmen higweg getriebeut Vieh / als Pferde / Esel /
Ochsen / Kühe / Rinder / Schaffe /und Schweine (deren Anzahl die beraubeten
einbringen sollten) wiederstellen / oder davor ohn zugelegete Rechnung 40 Tonnen
Goldes entrichten. IX. Alle Zimmerleute / Bauleute und Tischer seines
Königreichs herzu fodern /nebest 15000 Frohndiensten / welche auff Pannonische
Kosten die abgebranten Städte / Flecken und Dörffer /auch einstendige adeliche
Sitze auffbauen. X. Vor jeden verderbeten fruchtbahren Baum zwo Kronen oder
ungezählet davor 20 Tonnen Goldes auszählen. XI Vor die grausame Nidermatzung
der Besatzung und Einwohner der dreien Grenzfestungen fünff Tonnen Goldes
erlegen. XII Vor jeden verwundeten des Böhmischen und Teutschen Kriegsheers /
von der ganzen Zeit des Kriegs her gerechnet / acht Kronen / oder im gemeinen
anschlage vier Tonnen Goldes. XIII. Vor jeden im Streit und Sturm erschlagenen
50 Kronen / oder ohn zugelegte Rechnung 42 Tonnen Goldes. XIV. Dem annoch
übrigen Bömischen und Teutschen Heer drei Monat Gold / oder davor 35 Tonnen
Goldes liefern. XV. Alle Festungen seines Königreichs andertalb Meilen von den
neu ewähneten Grenzen / so eingeräumet werden sollen / belegen / abbrechen. XVI.
Vor seine erledigung 30 Tonnen Goldes einschaffen. XVII. Die Güter aller
Obersten / welche gleich jezt zum Tode würden verurteilet werden / dem Bömischen
Könige geträulich ausfolgen. XIIX. Vor jeden im ganzen Kriege erschlagenen
Pannonier / drei Kronen / oder ingesamt eilf Tonnen Goldes erlegen. XIX. In
wirklicher Haft verbleiben / biss alles obgedachte völlig geleistet währe. Und
dann XX. sollte er ein Jahr und alle Jahr / 50 Jahrlang / dem Reiche Böhmen
300000 Kronen baar; 4000 Satteldüchtige Reitpferde; 2000 Wagenpferde; 3000
Ochsen / 5000 Kühe / 18000 Schaffe / und 9000 Häuptschweine auff seine Koste biss
drei Meilen über die Bömischen Grenzen liefern / und zwar auff eben den Tag / an
welchem sein Kriegsheer den ersten Einfal in Böhmen getahn hatte.
    Diss wahr die Urtel über den König / welche er schrifftlich begehrete / sie
desto besser einzunehmen. Darauff folgete der Straff-Spruch uber Dropion also:
Der Feind aller Ehr und Tugend Dropion / darum dass er so gar keine Demuht
erzeigen wollen / sondern in seiner teuflischen Schåndung verharrete / sollte
anfangs als ein Meinäidiger seiner beiden vördersten Finger an der rechten Hand
beraubet; II. als ein Mörder / Mordbrenner und LandVerderber lebendig gespiesset
/ III mit glüenden Zangen an sechs Orten seines Leibes gezwakt / IV mit einer
gluenden eisern Krohn gekrönet / V endlich an den von ihm selbst auffgerichteten
Galgen / als ein ander Haman auffgehenket; und VI alle seine bewägliche Güter
Könige Ladisla eingeliefert werden. Sein gotloser boshafter Richter und
Worthalter Pyrechmes sollte gleiche Straffe / doch die erste und vierde
aussgenommen / ausstehen. Pelegon der GöttesLåsterer sollte / wie dieser
/hingerichtet werden. Bato und Pines sollten jeder zweimahl mit glüenden Zangen
angegriffen / an allen ihren Gliedern von unten auff mit dem Rade zustossen /
und endlich nebest den andern an den Galgen geknüpffet werden. Die übrigen acht
boshafte Obersten sollten als schändliche Mordbreñer lebendig verbrennet werden.
Die sämtliche gefangene Pannonische Obersten 135 an der Zahl müsten eben diese
Straffe über sich nehmen / es wåhre dann dass vor Abwendung solcher Straffe
jedweder 50000 Kronen erlegen /und die ewige Leibeigenschaft antreten wollte /
da die Haabseligere den unvermogenden mit ihrem Uberflusse sollten zu Hülffe
kommen; doch sollten sie zuvor in vierwöchiger Haft verbleiben / und alle Tage
acht Stunden im Pfluge zihen / dass sie den Acker verwusstet / und die
fruchtbahren Bäume gefellet håtten; und sollten den vierwöchigen Unterhalt
ingesamt mit 150000 Kronen bezahlen / dieses Lösegeld der Obersten machte 67
Tonnen Goldes 50000 Kronen. Die 1300 gefangene Hauptleute währen zu gleicher
Feuers-Straffe verdammet / dafern nicht ein jeder 9000 Kronen vor sein Leben
bezahlen / und gleich den Obersten sich in willige Leibeigenschaft geben würde
/ müsten sonst gleiche Straffe des Pfluges über sich nehmen / und vor den
vierwöchigen Unterhalt eine Tonne Goldes erlegen. Ihre Lösegelder trugen 117
Tonnen Goldes aus. Die anderen Befehlichshaber und gemeinen Knechte / 68000
stark / sollten sich von der Straffe des Feuers durch die Bank hin / jeder mit 40
Kronen lösen / da die Reichen den Armen sollten zu steur kommen / uñ müsten
dañoch zur ewigen Knechtschaft behalten sein; machte ihr Löse- oder Feur-Geld
26 Tonnen-Goldes 20000 Kronen. Nach verlesenem Urtel hörete man einen
unsåglichen Jammer bei den Pannonischen Völkern / weil sie ihnen grösten Teils
Hoffnung zur Freiheit gemacht hatten; die zum schmählichen Tode verdamete aber
stelleten sich ganz rasend / weil sie vor den bevorstehenden Schmerzen sich
heftig entsetzeten / und doch über ihr hochmuhtiges Herz nit bringen kunten /
dass sie um Gnade hätten angehalten. Nachgehend wurden Agiss und Mastyes nebest
den gestrigen Schuzhaltern vorgefodert / wegen ihrer Redligkeit gerühmet / vor
frei und Freunde der Teutschen und Böhmischen Könige erkläret / und den beiden
ehrlichen Männern Dropions liegende Gründe und Güter erblich geschenket / den
übrigen aber 200000 Kronen aussgeteilet. Hyppasus /Amytaon und Deon wurden auch
ihrer Hafft erlassen uñ aller Straffe / auch stellete man ihnen (wie auch den
vorgedachten) alles unverrücket wieder zu / was sie im Lager hatten. Die
Volstreckung der Urtel ward bald darauff vor genomen / welche die Pannonischen
Henker mit mussten verrichten helffen / insonderheit die / so des vorigen Tages /
unsere Fürsten zuhenken bestellet wahren. Das Gerichte nam den Anfang von den
acht zum Feur verurteileten Obersten / unter denen ihrer drei noch gar spät umb
Gnade anhielten /daher wurden sie an den Galgen auffgeknüpffet / und die fünf
übrige mit ihren schweren Ketten lebendig ins Feur geworffen / da sie ein
grausames Gebrülle trieben / ehe sie die Seele aussbliesen. Bato und Pines mussten
diesen allernähest folgen / hielten den ersten Zangen Zwak an der rechten Brust
stilschweigend aus / aber bei dem andern an der linken Brust schriehen sie ganz
erbärmlich / und gerieten darauff in Ohmacht / wurden doch wieder erquicket /
und befrag er / ob ihr Verbrechen ihnen schier leid währe. Worauff sie sich
bezeigeten / als höreten sie es nicht. Bei Zerstossung ihrer Arme und Beine
schriehen und brülleten sie viel erschreklicher / da sie den Tag ihrer Geburt
verflucheten / biss ihnen endlich das Genik abgestossen ward / und alsbald an den
Galgen geknüpffet wurden. Dropion betrieb Zeit ihres Leiden ein solches fluchen
und lästern / dass der Himmel sich davor hätte entsetzen mögen / biss man ihm
einen Knebel ins Maul legete / da musste er schweigen. Pelegon und Pyrechmes
zitterten und zageten / als man ihnen die Kleider abzog / und sie hin zu den
spitzigen Pfälen führete / da sie anfingen Dropion und seinen teuflischen
Hochmuht zuverfluchen / welcher nicht weit von ihnen stund / und man ihn das
Maul wieder los machete / um zuvernehmen / wessen er sich darauff verhalten
würde; welcher sie also anredete; ihr lieben Spiessgesellen (also mag ich euch
nunmehr recht nennen) Lieber scheltet euren Freund nicht aus / dem euer
bevorstehendes Leiden eben so heftig schwerzet als sein eigenes; es wird der
Schmerzen nicht lange anhalten / wr aber wollen als tapffere unverzagte Helden
sterben. Aber dieser Trost wollte wenig fruchten / nur dass sie gleichwol
auffhöreten ihn zuschelten. Als sie an die Spiesse gezogen wurden / ging ihnen
die Spitze zur rechten Schulder heraus / und blieben an ihrem Eingeweide fast
unversehret / daher sie biss in die vierzehnde Stunde unaussprechlichen Jammer
trieben / und solche Gottes Låsterungen aussspihen / dass die unsern es nit
anhören kunten / endlich da man sie mit gluenden Zangen angriff / nahm die
gotlose Seele Abscheid vom Leibe. Eine halbe Stunde musste Dropion bei ihnen
stehen / und ihre Angst ansehen / wie auch König Mnata selbst / welcher sich des
bittern und mitleidigen weinens nicht entalten kunte / wie Ungetråu ihm gleich
diese Buben gewest wahren. Dropion aber redete ihn also an: Höre mich König
Mnata / du bist unter meiner Statalterschaft ein Herr / und ein Schrecken
deiner Feinde gewesen / und nun bistu ein Sklave und Hohn der Teutschen und
Böhmen. Sihe mich / und diese teils schon Verschiedene /teils noch Leidende
unvergleichliche Pannonier an; wie tapffer stehet es / in seiner Freiheit
sterben / und wähle lieber mit uns einen rühmlichen Tod / als deiner Königl.
Hocheit und des ganzen Pannonischen Reichs unvergängliche Schande. Aber Mnata
gab ihm zur Antwort: O du Schande und Verderben meines Königreichs! hätte ich
dich auff solche weise durch alle Pein hinrichten lassen / als du mich zu diesem
Kriege verleitetest / dann håtte ich dir dein Recht getahn / uñ einem grossen
Unheil löblich vorgebauet. Nennestu aber dieses einen tapfferen Tod / wann du
umb deiner Missetaht willen gespiesset und mit gluenden Zangen zurissen wirst /
da du als ein Mörder und Mordbrenner / der du bist / stirbest / mustu dir wohl
eine elende Tapfferkeit in deinem Gehirn abgerissen haben. Würde ich nun ein
Sklave der Teutschen und Böhmen sein / hätte ichs niemand als dir Buben
zudanken; jedoch hoffe ich mich dergestalt gegen diese höchstlöbliche Könige zu
verhalten / dass sie mit mir und dem Pannonischen Reiche den schweresten Stein
nicht heben werden / wie sie dann schon in den begehreten Stücken mich noch
haben lassen einen reichen gewaltigen Herrn bleiben / mehr als ich gehoffet. Und
zwar hieran redete er die Warheit / dann ob er gleich einen guten Teil seines
Schatzes hergeben / und ein Stük Landes abtreten musste / wahr doch seine Kammer
so reich / und seine Herschaft so weitlåufftig / dass er dieses Abganges wenig
achtete. Dropion wollte ihm antworten / aber die unsern / welche an Königes Mnata
Reden ein gutes genügen hatten / liessen den Henkern befehlen / mit Dropion zur
Straffe zuschreiten / darüber ihm die Haut am ganzen Leibe schauerte / und er zu
den Gespiesseten sagete: Jezt meine Brüder / werde ich euch gleich werden / aber
redet mir doch ein / wann des Fleisches Leiden mich zur unzimlichen Wehmuht
verführen wollte. Diese aber wussten vor grosser Angst ihm nicht zuantworten. Bei
Abhauung der beide Finger stellete er sich / als empfünde er solches nicht; und
als er auf de Pfahl gesetzet ward / druckete er selber nach / unter der Hoffnung
/ es sollte ihm die Spitze durchs Herz oder sonst durch ein lebend-führendes
Eingeweide gehen / aber es geriet nach der Rechten zu / dass ihm das Eisen hinter
der Schulder ausging. Als er nun also sass / und keine Todesangst empfand /
winselte er zwar anfangs ein wenig / und sagte zu den Henkern: O ihr Schelmen /
wie unredlich spiesset ihr mich; fing aber bald an / unsere Helden so
erschreklich zulästern / und wider den Himmel selbst die gräulichsten Flüche
auszuschütten / dass die anwesende sich darüber entsetzeten. Die gluende Kron
ward ihm auffgesetzet / jedoch dass ihm das Häupt nicht sonderlich verfehret ward
/damit er desto länger zur Pein behalten würde. Man liess ihn immerhin zappeln /
und gingen die unsern davon / Speise zunehmen / ward auch befohlen / dass er mit
den glüenden Zangen nicht gezwakt wurde /biss sie sich wieder einstelleten / wo
sonst seines Lebens so lange sein würde; da er dann nebest Pyrechmes und Pelegon
einen solchen Jammer betrieb / dass nicht auszusprechen wahr. Neklam vermahnete
sie /umb Gnade und umb einen schleunigen Tod anzuhalten / aber sie wahren
zuverstokt / und wollte durchaus nicht / daher sie biss gegen den späten Abend in
solcher Pein verblieben / weil man sie mit Wein und kräfftigen Sachen labete.
Endlich als unsere Helden wiederkahmen / wurden Pyrechmes und Pelegon zuerst mit
den Zangen angegriffen / da dieser unter dem andern / jener unter dem dritten
Zwak verschiede /und biss an ihr Ende zulästern und schänden nicht auffhöreten.
Dropion empfand den Tod noch so nahe nicht / entielt sich von allem Geschrei /
so dass er den ersten Angriff mit der Zange geduldig erlitte; bei dem andern
seuffzete er; bei dem dritten geriet er in harte Ohmacht / und nach geschehener
Erquickung /da er zum vierten mahle sollte angetastet werden / rief er mit
erschreklicher Stimme: Ihr feurigen Teufel /Herkules und Ladisla / habt ihr
nicht schier genug die Augen an unserm Jammer geweidet? fing darauff wegen des
vierten Zwaks so heftig an zubrüllen / als ob er besessen währe Der funfte und
sechste angriff erfolgeten bald darauf / worunter er auch das Leben liess; und
ward mit seinen beiden Gesellen an den Galgen zu den andern hin gehenket. Mnata
musste nochmahl alles ansehen / und nach Vollendung sich gerichtlich erklären /
ob er die vorgeschlagenen Posten willig eingehen / oder der Todesstraffe wollte
gewärtig sein; da er ohn einiges wegern alles einwilligte / den Fussfal alsbald
verrichtete / und bei demselben umb Gnade und Vergebung anhielt / nebest dem
Erbieten /das ubrige gleicher gestalt gerne zuleisten / als viel in seinem
Vermögen währe / nur dass vor geschehener Beredung mit seinen Landständen er den
4 / 5 / 6 / 9 /15 / und 20 Saz nicht zuversichern wüste / es währe dann / dass
König Ladisla alsbald ein starkes Heer fort schicken / und seine Leute durch
harte Dräuungen in Furcht setzen wollte / hoffete er die Volstreckung bald
zuleiste. Die unsern sahen aus seinem Vorschlage /seine Reue und Gutwilligkeit /
gaben Fürst Olaff als Obersten FeldHerrn 60000 Reuter / welche Leches /Klodius /
Neda / Markus und Prinsla fuhren sollten; nahmen Königes Mnata Geträue / den Agiss
/ Hyppasus und Amytaon (Mastyes und Deon blieben bei dem Könige) mit sich / und
gingen mit gnugsamer schrifftlichen Volmacht fort / da Mnata seinen Stånden
zuwissen taht / in was Unglück Dropion und dessen Anhang ihn gesturzet / und das
ganze Vaterland kraftlos gemachet hätte / welches sie wohl beherzigen / und die
begehreten Anfoderungen einwilligen möchten / nicht allein / dass er erlöset und
auff freien Fuss gestellet / sondern auch das ganze Königreich vor algemeiner
Verwüstung bewahret würde. Olaff ging mit seinem Heer freudig fort / fand aber
die Pannonischen Grenzen mit starker Mannschaft besetzet / die sich uber der
unsern Ankunft ganz verzweifelte Gedanken macheten / nicht anders wähnend / es
wurde ihr Königreich zur Wüstenei gemacht / und in Grund geschleiffet werden;
dann die 500 flüchtige Reuter hatten nicht geseumet / ihr Land zuerreichen / da
sie allen Verlauff erzähleten / und des Feindes Völker grösser macheten als sie
wahren; daher dann wenig Muht bei ihnen wahr; doch stelleten sie sich anfangs
zur Gegenwehr / welches die unsern nicht wenig verdross / liessen sich aber von
Agiss leicht begütigen /welcher dann mit seines Königes Schreiben sich bei den
Pannonischen Häuptern angab / dessen Hafft /und des Heers gånzliche Niderlage
nach der länge andeutete / und der 500 Feldflüchtigen Anbringen bekräfftigte;
daher sie nach kurz gehaltenem Raht sich hin zu Olaff macheten / und ihm die
Freiheit in das Land zuzihen / und alle Festungen mit seinen Völkern zubesetzen
anbohten. Er nam solches gutwillig an /hiess im Nahmen des Böhmischen und der
Teutschen Könige die versamleten Pannonier ihr Gewehr niderlegen / und ging eine
Tagereise in ihr Land / legete sich daselbst feste / und liess ihm und dem Heer
nöhtigen Unterhalt zuführen / dass kein einziger Reuter sich des Raubens oder
anderer Gewalttåhtigkeit unternehmen durfte. Die LandStände nach gehaltener
Berahtschlagung willigten alle Stücke ein schlugen eine grosse Schatzung auff
das reiche Land / dass nicht alles aus der Königlichen Schazkammer dürffte
genommen werden / und liessen ihren Ernst zu ihres Königes Erlösung gnugsam
spuren / da insonderheit durch schnelreitende Bohten im ganzen Königreiche
ausgeruffen ward / dass bei höchster Leib- und Lebensstraffe kein Mensch wer der
auch sein möchte / einigen Teutschen oder Böhmischen Leibeigenen oder Gefangenen
/ weder mit Worten noch in der Taht beleidigen / sondern allen guten Willen /
als besten Freunden bezeigen sollte. Der Hingerichteten liegende Güter (ausser
Dropions) wurden verkaufft / uñ nebest ihren bewäglichen geträulichst
eingeliefert / die sich über 40 Tonnen Goldes erstrecketen; das übrige sollte
inwendig vier Wochen alles folgen; und damit die Völker nur bald aus dem Lande
kähmen welche die sechs vornehmste Festungen besezt hielten / macheten sie 300
des vornehmsten Adels aus / welche mit dem Böhmischen Heer 42000 stark (dann
18000 blieben in den Besatzungen) nach Böhmen zihen / und sich als Geisel
einstellen sollten / biss die Anfoderung ihre Richtigkeit hätte. Sonst erzeigete
sich das Pannonische Reich sehr milde / teilten unter Olaffs Heer 8 Tonnen
Goldes aus / und schenketen dem FeldHerrn Furst Olaff 3 Tonnen / auch den
obgedachten fünff hohen Befehlichshabern jedem eine Tonne Goldes.
    Die Königl. Gesellschaft brach des nähesten Tages nach volstrecketem Gerichte
auf nach Prag / nachdem sie Markomirs hohe Kriegsbeamten mit Gelde / Geschmeide
und Pferden statlich begabet / und dem Heer durch die Bank drei Monat-Sold über
ihren anteil der gemeinen Beute ausgezählet hatten / so dass der junge GrossFurst
darüber ungehalten wahr / und anzeigete /es würde seinen lieben Eltern solches
sehr zu wieder sein; aber Valiska und Herkules wussten ihm dergestalt zubegegnen
/ dass er sich zu frieden gab. Ladisla schickete Könige Hilderich gar ein
freundliches Dankschreiben vor geschehene statliche Hülffe / und lude ihn nebest
seinem Gemahl ein / auff seine künftige Krönung; wobei Markomir an seine Eltern
schrieb / und ihnen feine hohe vergnügung über König Herkules und Königin
Valisken geträuer Freundschaft nicht gnug rühmen kunte; wie er dann in Warheit
von ihnen recht brüder- und schwesterlich geliebt ward /er sich auch gegen
dieselbe sehr demühtig und ehrerbietig erzeigete / und wahr sehr fleissig /
nicht allein die Reit- und Waffen-Ubung / sondern auch andere Fürstliche Sitten
von ihnen zu lernen / in welchem allen er ganz volkommen ward. Er hielt
nachgehends insonderheit sehr gnädige Freundschaft mit Leches und seiner
Libussen / welche ihn auch algemählig zum Christentuhm brachten. Die Wendischen
Völker wurden auch wolbegabet / nach Hause geschikt / und die alte Fürstin mit
grossen Schenkungen angesehen /auch zum KrönungsFest eingeladen. Alle Verwundere
das reiten nicht erdulden kunten / mussten im Lager bleiben / da ihnen wohl
gedienet ward biss sie geheilet wahren; unter diesen wahr der neue Ritter
Grozemisla / der in allen Treffen mit gewesen wahr / und 26 Wunden davon
getragen hatte / ward aber doch wieder geheilet / wiewol er hinkend an der
linken Huft und lahm am linken Arme blieb; man hatte ihm aber 30000 Kronen von
der Beute zugewendet / und ward ihm ein statliches Rittergut in dem
abgetrettenen Pañonischen teile versprochen / welches ihm auch nebest 50000
Kronen Barschaft geliefert ward / da ihm Valiska eine von ihren ädlen
Kammerjungfern freiete. Die König- und Fürstliche Gesellschaft ward zu Prag mit
grossen freuden von den beiden alten Königinnen und den hinterbliebenen
Römischen Herren und Frauen / auch andern / empfangen; nur Libussa und
Euphrosyne rücketen es Herkules in freundlichem Schimpfe auf / dass er ihre
Eheliebsten noch weiter hinweg geschicket hätte / und sie so viel länger allein
schlaffen müsten; wurden aber mit der Vertröstung einer guten Beute auff ihre
schleunige Wiederkunft wohl begnüget. Gallus hatte nicht allein bei der
Feldplunderung sondern auch aus FeindesLager ein ansehnliches bekommen / welches
er seiner liebsten Beaten zum Beutpfennige lieferte / und seiner Schwigermutter
davon 24000 Kronen schenkete. Arbianes ward von seiner Klaren überaus freundlich
empfangen / entsetzete sich zwar anfangs über seiner Verwundung / aber da sie
der schleunigen Gesundheit versichert ward / gab sie sich zu frieden / und
dankete Gott herzlich vor seine erhaltung; da Königin Valiska zu ihr sagete: Ihr
tuht recht / mein Schwesterchen / dass ihr dem Allerhöchsten danket / als welchem
alles Häuptsachlich mus zugeschrieben werden; wann aber unser Gott sich guter
Leute gebrauchet / die zu unser Rettung und Wolfahrt ihr leben gutwillig in die
Schanze schlagen / mussen wir denselben auch unsere Dankbarkeit sehen lassen. Ja
mein Schaz / setzete Arbianes hinzu / es hat ein tapfer Ritmeister durch Gottes
schickung vor dissmahl mein Leben erhalten /durch eine solche Wagnis / die nicht
leicht ein Bruder dem andern leisten würde / und hätte ohn dessen Rettung ich
ausser allem zweifel meinen Geist aufgeben müssen / wiewol weder ihr noch ich /
demselben jemahls etwas gutes getahn; er erinnert sich aber / euch ehmahls
beleidiget zu haben / und will es vor eine volkommene vergeltung halten / wann
ihr ihm sein voriges Verbrechen nur verzeihen / und ihn zu Gnaden aufnehmen
wollet; erzählete hierauff / wie es eigentlich ergangen / uñ wie gross seine
Gefahr gewesen. Da sie ihm zur Antwort gab; Dem almächtigen und grundgütigen
Gotte sei dank in ewigkeit vor diese Rettung / und werde ich dem tapferen
Ritmeister wissen zubegegnen / wans gleich Reichard selber währe. Ja mein Schaz
/ sagte Arbianes / eben derselbe ist es /und hat nicht ohngefehr / sondern aus
willigem Vorsaz sein Leben vor mich gewaget / so dass die ganze Königl- und
Fürstliche Gesellschaft ihm nicht allein allerdinge verzihen / sondern wolbegabet
hinzihen lassen / seine Eheliebste abzuhohlen / und sich ehist in eures Herr
Bruders / Königes Herkules beharliche Dienste wieder einzustellen; je gnädiger
ihr nun diesem redlichen Menschen (welcher seine rechtschaffene Busse durch
Trähnen und seufzen mit einem hochbewäglichen Fussfalle sehen lassen / und sich
aller Gnade unwirdig genennet hat) euch werdet erzeigen / je mehr werdet ihr
mich eurer Liebe versichern /an welcher mir nicht gebühret zu zweifeln. Der
frommen Fürstin kam dieses alles fremd vor / endlich sagete sie: Ich bekenne es
/ mein werter Fürst / dass dieser Mensch uns mehr gutes als böses getahn / drumb
mus das vorige ganz abe und vergessen sein / und werde auff eure eriñerung ich
mich wohl zubedenken haben / durch was bezeigung ich ihn meiner Gnade
vergewissern könne. Diese Zeit fuhreten sonst die unsern zu Prag ein fröliches
und Christliches Leben /und ward angeordnet / dass über fünff Wochen nach ihrer
Wiederkunft Ladisla und Sophien Krönung /auch zu gleich Arbianes und Klaren
Hochzeitfest (welches durch den Pannonischen Einfal verhindert wahr) sollte
gehalten werden; worauff auch die Könige aus Schweden und Dännemark geladen /
und überaus grosse bereitschaften darauff gemacht wurden. Gallus musste alsbald
mit 1000 Reutern nach Rom / dem Käyser ihren gedoppelten Sieg wieder die Wenden
und Pannonier anzumelden / und ihm 4000 Pannonische Pferde nebest 2000
Pannonischen Leibeigenen /auch 60 Pannonische Reuter- und 40 Fussfähnlein /nebest
vielen erbeuteten köstlichen Zelten und anderen Sachen zum Siegszeichen und
Beutpfennige überbringen; welcher dann sehr eilete / damit er bei der Krönung
sich finden möchte. Das Geschrei dieses blutigen Krieges und gewaltigen Sieges
wahr zu Rom bereit erschollen / dessen umbstände Gallus dem Käyser und seinen
Gewaltigen erzählen musste; worauff die Römer gnug merken liessen / wie leid
ihnen wahr / dass sie den zehnjährigen Anstand mit Mnata eingangen / nachdem
ihnen nunmehr leicht zu tuhn währe /der Pannonischen Gewalt viel eine grössere
Feder / ja wohl einen ganzen Flügel auszurupfen. Olaf kam endlich auch nach
wolverrichteter Sache mit seinen Leuten zu Prag wieder an / denen des dritten
Tages Agiss /Hyppasus und Amytaon mit der helffte aller versprochenen Gelder
(deren ganzes 217 Tonnen Goldes wahr) folgeten / hatten über das auff ihres
Königes Befehl an die 20 Tonnen Goldes wert Kleinodien und andere Kostbarkeiten
bei sich / welche Mnata über die Helffte dem König- und Fürstlichen Frauenzimmer
zum Geschenk austeilete / und dessen insonderheit Valiska und Sophia so viel
nehmen mussten / dass sie sich dessen fast schämeten / wobei sich aber der
Pannonier so freimuhtig stellete / dass er höchst beteuerte / es währe ihm eine
grössere Vergnügung in ihre Kundschaft gekommen zu sein / als ihn die
Niederlage betrübet hätte. Und eben diss wahr das rechte Mittel / wodurch er
unsern Helden das Herz abgewan / so dass auff Valisken anhalten sie ihn nicht
allein vor Einlieferung des hinterstelligen / aller Huht und Hafft erliessen /
sondern ihn vor einen freien König in Pannonien / und Bundgenossen der Teutschen
/ Böhmen und Friesen erkläreten / auch alsbald ihre Besatzungen aus Pannonien
abfoderten; worüber sein Reich sich zum heftigsten erfreuete / und ein
dreitägiges FreudenFest hielten / auch noch eine freiwillige Steur über sich
nahmen / welche dem Könige / behueff allerhand dankbahren Bezeigungen zugesendet
ward; der dann solche sehen zulassen / Herkules / Valisken und sich selbst
abmahlen liess / schickete solches in sein Land / und liess auff eine grosse ganz
silberne Stellung ihre drei aus dem besten Pannonischen Golde gegossene
Bildnissen / jedes 250 Pfund schwehr / setzen / da Herkules ihm eine Kette
anlegete / und Valiska ihm solche wieder abnam. Dieses ward des Tages vor der
Krönung übergeschicket / und den unsern unbewust / auff den grossen Saal
gestellet / da Mnata selbst es Königin Valisken mit diesen Worten zueignete:
Grossmåchtigste unvergleichliche Königin / vornehmste Ursach und Befoderin meiner
jetzigen Freiheit; Ihrer Liebe zu Dienst ergebener Mnata bittet demühtig /
dieses geringschätzige Gedächtnis seines Falles und auffstehens mit
hochgeneigetem Willen anzunehmen / und als ein ewigwährendes Pfand zubehalten;
wobei ich mich verpflichte /dass die mir von ihrer Liebe / wie auch von dero
Gemahl / Herrn Bruder / und sämtlichen König- und Hochfürstlichen Anverwanten
geschehene Gnade nun und nimmermehr aus meinem Herzen kommen lassen werde. Nun
wahr aber Valisken Bildnis mit so vielen köstlichen Perlen und anderen Kleinoten
ausgezieret /dass solches nicht bald zuschätzen wahr; daher gab sie ihm zur
Antwort: Grossmächtigster König; diese Gedächtnis ist in Warheit zu kostbar /
möchte auch von Herzen wünschen / dass unsere Kundschaft sich auff andere und
gütlichere weise håtte zutragen mögen; weil aber durch böser Buben Anstifftung
es also ergangen / wollen wir alles widrige aus dem Gedächtnis legen / und
hinfüro die Auffrichtige Freundschaft fest setzen; welches an unser Seite
zubezeigen / sollen eurem Lande hiemit und krafft diesem 40 Tonnen Goldes an der
bestimmeten Anlage geschenket sein. Worauff Mnata sich gegen sie neigete / und
Mastyes im Nahmen des Landes sich davor bedankete. Als die grossen Gelder aus
Pannonien ankahmen / wurden der abgestraffeten Obersten Güter unter die
Böhmischen und Teutschen Obersten ausgeteilet / wovon Königin Valiska Fürsten
Olaff 10 Tonnen Schaz anboht / welche doch anzunehmen / er sich durchaus wegerte
/daher sie endlich zu ihm sagete: Je so soll auch mein Herr Bruder diese Gelder
nicht eben wider seinen Willen haben / sondern ich will sie zu mir nehmen /und so
lange in Verwahrung behalten / biss ich sie dereins (Gott gebe gar bald) seiner
künftigen liebesten Braut in seinem Nahmen werde einhändigen können. Dessen er
sich bedankete / mit vorwenden / es würde ihre Vortrefligkeit noch viel Jahr zur
Auslieferung haben. Die erlassene 10000 Römische Gefangene und gemachte
Leibeigene stelleten sich zu Prag am zeitigsten ein / und wurden alsbald dem
Römischen Käyser wohl bekleidet und begabet / zugeschicket. Die anderen folgeten
almehlig hernach / und mussten zu Prag ihre Nahmen / Stand und Wesen auffzeichnen
lassen. Ihre Herren hatten sie auff des Königes und der Landstånde Befehl von
Fuss auff neu gekleidet /und mit nötigen Zehrgeldern und Reisekosten versehen /
und befunden sich 26000 Böhmen / Männer über 24 Jahren / die in ihrem
knechtischen Stande 60000 Söhne und 40000 Töchter gezeuget hatten welche alle
vor frei erkläret / und in die neugebauete Städlein / Flecken uñ Dörffer
verteilt wurden. Der Teutschen wahren 8000 alt und jung / die alsbald wieder
nach ihrem Vaterlande zogen / und daselbst ehrlich empfangen wurden. Schweden /
Dänen und Friesen funden sich nicht / nur 800 Wenden alt und jung / und 50
Franken / welche mehrenteils im durchreisen ehmahls auffgefangen / und vor
leibeigen verkaufft wahren.
    Eines Abends nach gehaltener Mahlzeit / da Arbianes zwar alle Gefahr
überstanden hatte / sich aber noch im Bette halten musste / sassen Valiska /
Klara und Sibylla vor ihm / mit Gespräch ihm die Zeit zuverkürzen / da Valiska
von ihm begehrete / er möchte ihr doch erzählen / wie es ihm Zeit seines Elendes
ergangen währe / da er von dem Fräulein geschieden /und endlich in Betlers
Kleidern wieder bei ihr angelanget. Gar gerne / antwortete er / dann meine
darauff erfolgete Glukseligkeit ist Gott Lob so gross / dass ich der kurzen
Wiederwertigkeit nicht mehr achte / auch zu Zeiten noch wohl mit Lust daran
gedenke. Fürstin Klara wahr dawieder / und baht sehr / es auff eine andere
Gelegenheit zuverschieben / dañ sie könnte es ohn Trähnen nicht anhören. Aber
Königin Valisken Wille ging vor / und sagete sie / es würden ihre Trähnen ihr
nit so gar unangenehme sein / weil sie ihre Fr. Schwester noch no comma? aus
Mitleiden weinen gesehen. Fing demnach Arbianes also an: Wañ ein Mensch die
Verfahrung des almächtigen Gottes mit uns armen Sündern betrachtet / wie dann
unser Glük und Unglück einig von ihm herkomt / hat man sich nicht unbillich
zuverwundern / wie bald und leicht er unsern Muht brechen / und das
auffgeblasene Herz demühtigen kann. Da ich mein Herzgeliebtes Fråulein bei mir in
einem Gemache / und von ihr eheliche Versprechung biss auff ihrer Eltern und
Anverwanten Einwilligung / wie wohl mit grosser Mühe erhalten hatte /gedachte ich
in meinem Herzen / je was sollte dich nun wohl hindern / dass du nicht inwendig
vier oder fünf Tagen mit ihr bei ihren Eltern sein / und durch deiner Fr.
Schwester Fr. Valisken Vorschueb das Beilager glücklich halten soltest? Aber wie
bald wusste mir Gott diese sichere Vermåssenheit ausszutreiben! vor erst schickete
er Feur über mich; das wahr nicht mächtig gnug. Hernach vier Mörder / denen
entbrach ich mich nach empfangener Wunde / aber wie ich mich umsah / wahr mein
Schaz nicht mehr verhanden. Wie ich derselben biss in ihre erste Herberge
Nachfrage getahn / ist alles schon wissend; da ich aber an die Stelle kam / wo
man sie gebunden hatte / ging ich immer mit meinem Bohten fort / die Stad
zuerreichen / dahin sie zuzihen willens gewesen war. Nun hatte dieser
leichtfertige Bube / mein jeztgedachter Bohte gesehen / dass ich etliche Kronen
aus meinem Schiebsak zog /und mochte ihm daher Hoffnung einer grossen Beute
machen / dass ihm der leidige Geiz den mördlichen Anschlag ins Herz gab / mich
niderzuschlagen uñ zuberauben / welches er auff diese Weise vornam: Er blieb ein
wenig zurück / ob müste er etliche eingefallene SandSteinlein aus den Schuhen
machen / dañ ich liess ihn sonst immerzu vor mir hinlauffen / so witzig hatten
mich die drei Räuber zwischen den Sand-Hügeln gemacht. Ich ging vordismahl in
tieffen Gedanken / wegen meines verlohrnen Seelen-Schatzes / welches dieser
Mordschelm merkend / gar heimlich hinter mir her schleich / und mit seinem
schweren Springstecken mir eins über den Kopff versetzete /dass ich als tod zur
Erden niderfiel / da er mich alsbald ins Korn schleppete / des Vorsatzes / mir
mit dem Messer die Kehle abzustechen / dass ich ja nit wieder erwachen sollte.
Mein Gott aber schickete es / dass ich mich entwarff / gleich da er neben mir
niderknien /und den Mord vollenden wollte / welches ich in halber Ohmacht
ersehend / ihn mit dem Fusse stiess / dass er strauchelte / machte mich auch von
der Erde auff /dem Tode zuentgehen / aber das Häupt wahr mir so taumlicht / dass
ich meinte / die Erde lieffe rings mit mir umb. Der Gotlose Bube merkete meine
Schwacheit / durffte doch mit dem Messer mir nicht nahen / sondern hohlete den
Springstecken wieder her / damit wollte er mich vollends hinrichten / unterdessen
ich meine Seuffzer zu Gott um Rettung gehen liess / und dass er mir nur so viel
Kraft verleihen wollte /mich vor dem Mord zuschützen; stehen kunte ich nicht /
welches der Schwindel mir nicht zulassen wollte / setzete mich deswegen auff die
Knie / uñ fühlete zu meinem Glük einen Stein neben mir in der Furche liegen /
welchen ich auffhueb / und nähst Gott hierauff meine Hoffnung setzete / gleich da
der Mörder auff mich anging / und die Arme zum Schlage auffhueb / die
TodesFurcht aber mir so viel Kraft verlihe /dz ich ihm das eine Auge ausswarff /
er aber vor Schmerzen niderfiel und ein heftiges Geschrei anfing; O rettet mich
armen Mann aus dieses Mörders Händen! ich erschrak dessen noch mehr / in
Betrachtung / da es Leute hören sollten / dürffte ich noch erst als ein Mörder
angefallen und hingerichtet werden /daher ich zu ihm kroch / und mit dem vorigen
Steine ihm den Kropff so lange beklopffete / dass ihm das Leben und die Stimme
zugleich verliess / und ich seinet wegen mich nicht weiters zubefürchten hatte.
Ich sah aber einen zimlich erwachsenen Knaben quehr über ein unbesamtes Feld
lauffen / welcher das Mordgeschrei gehöret hatte / gedachte auch / ich müste
gewiss als ein Mörder sterben / wann er Leute herzu aus dem Dorffe bråchte / die
mich bei dem Erschlagenen fünden / kroch deswegen auff allen Vieren mit höchster
Unmacht aus dem Korn / in dem Fahrwege gleich vor mir weg / wiewol ich nicht
weit fortkommen kunte / und nach Verlauff einer guten halben Stunde hörete ich
von ferne schreihen; wo ist der Mörder / wo ist der Mörder? halt ich sehe dich
wohl. Ich wendete mich hierauff wieder zurück / ihnen entgegen / und kroch immer
zu ihnen hinan / biss sie mein inne wurden / zu mir gelauffen kahmen / und mich
frageten / was mir gebräche / dass ich so daher kröche; denen ich zur Antwort
gab; es währe ein Mörder über mich komen / und hätte mir den Kopff schier gar
eingeschlagen / dass ich in Ohmacht nider gesunken / und als ich mich endlich
erhohlet / hätte ich mich nach meinem Bohten umgesehen / der mir entweder
entlauffen oder erschlagen sein müste; fragete sie auch /ob sie nit einen Mann
im blauen Fuhrmans Rocke lauffen gesehen / möchten sie mir denselben nachweisen
/ dann er hätte etliche köstliche Sachen bei sich /die mir zustünden. Ich hatte
dieses kaum ausgeredet /da lieffen andere herzu und sageten an / sie hätten den
erschlagenen Menschen funden / wann sie nur wissen sollten / wohin der Mörder
sich gewendet. Sie beschrieben mir auff mein Begehren den Todten / worauff ich
mich sehr übel gehuhb / es währe eben mein Bohte; ob nicht ein schwerer Wetscher
bei ihm gefunden würde / in welchem alle meine Wolfahrt steckete. Und als dieser
ertichtete Wetscher sich nirgend sehen liess / fing ich ein elendes Geschrei an;
man möchte doch den Mörder verfolgen / und wer ihn antreffen /und mir meine
Sachen wiederschaffen würde / sollte davon auff 500 Kronen wert zum Trinkgelde
haben. O hätten sie nun dz lauffen sehen sollen / welches diese Bauern trieben;
die ganze Dorffschaft wahr bei einander / wohl 50 Mann / welche hin und wieder
durch die Früchte setzeten / und zutraten meiner Meinung nach / wohl vor 500
Kronen Fruchte / auff dass sie 500 Kronen verdieneten / die in der Welt nicht
wahren. Verzeihet mir mein Herr Bruder / sagte Königin Valiska / dz ich eures
Ungluks lache / welches doch nicht wohl hätte grösser sein können; ich danke aber
Gott mit euch / dass er euch diesen heilsamen Fund ins Herz gegeben hat / und
mögen die Bauern immerhin das Korn durchsuchen biss sie müde werden / wann sie
nur den Tähter nicht antreffen. Der ist schon geborgen / antwortete er / aber
dazumahl wahr ers noch nicht / massen als diese Bauern biss in die sinkende Nacht
sucheten / und nichts funden / weil nichts da wahr / begunten sie den Schaden
jhres Korns zu beklagen / biss endlich ein altes Weib sie zu frieden sprach / ein
guter frischer Regen würde es wohl wieder auffrichte / womit sie nach dem Dorffe
kehreten / und mich im Elende liegen liessen / wie heftig ich sie gleich baht /
mich mitzunehmen. Um Mitternacht / da ich unter dem freien Himmel lag / und in
stetem Gebeht vor mein Fräulein zu meinem Gott verblieb / kahmen drei Bauern
(die ich an der Stimme kennete / dass sie von den vorigen wahren) zu mir /und
frageten / was ich die Nacht im Felde läge / höreten weiters nach keiner Antwort
/ sondern fasseten mich an / zogen mir alle meine Kleider aus / auch das Hemde /
und dräueten mir / dafern ich sie verfolgen /oder ein Wort sprechen würde /
wollten sie mich ohn alle Barmherzigkeit binden / und in dem nähesten Teiche
ertränken; welches mich lehrete gute Wort geben; sie möchten mit meinen Kleidern
nur hingehen / ich kennete sie ja nicht / währe auch in diesen Ländern unbekant
/ daher sie meinetwegen sich im geringsten nicht zubefürchten hätten; nur bähte
ich sie um Gotteswillen / mir das Hemde wieder zuzuwerffen; es währen in meinen
Kleidern eine gute Anzahl GoldKronen vermachet / die ich ihnen gerne gönnen
wollte / wann sie mir nur etliche Groschen Zehrgeld schenketen / und mir sageten
/ wohin ich meinen Weg nehmen sollte / du ihnen nicht zuwieder währe. Sie funden
das Gold / wie ich sagete / daher sie diese Barmherzigkeit mir erzeigeten / dass
der eine sich ausszihen / und mir sein altes wolzulappetes Hemde geben musste /
dann meines gefiel ihnen zu wohl. Nach ihrem Abscheide legete ich das unflätige
Leilach an /fiel auff meine Knie / und baht den grundgütigen Gott / er wollte mir
nur zu Leuten verhelffen / dass ich meinen Leib bedecken und erhalten könnte /
auch mich des Weges führen / den mein allerliebstes Fräulein gezogen währe; aber
so bald bekam ich keine Erhörung. Mein bestes wahr / dass ich am Häupte Linderung
fühlete / und noch zimlich fortgehen kunte / wiewol ich diesen ganzen Tag bei
keinem Dorffe noch Flecken ankam / und ob mir gleich etliche im Felde begegneten
/ lieffen sie doch vor mir Unbekleideten / und hielten mich vor einen unwitzigen
Menschen; wollte ich dann fragen / wohin ich gehen müste / kunte ich wegen
Schwacheit ihnen nicht nachlauffen. Gegen den späten Abend sah ich ein altes
Weib vor mir hergehen / die am Stecken hinkete / machte mich zu ihr hin / und
verstund mit grossen Freuden von ihr / dass ich nicht weit von einem Dorffe hätte
/ da sie zu Hause währe; ging also in ihrer langsamen Gesellschaft fort /und
erlangete auff vielfältiges bitten / dass sie mir die Nachterberge zusagete. Sie
hatte einen starken grossen Sohn / welcher aus der Schenke zu Hause kam /da er
sich rechtschaffen vol gesoffen hatte / machete sich nach der Scheuren / und
legte sich auffs Stroh /den Rausch auszuschlaffen. Die Alte folgete ihm / zog
ihm die Kleider ab / und begab sich wieder ins Haus nach ihrem Lager / da sie
mir gleichwol ein Stük Brod und Kähse / auch einen Trunk sauren Kofend gegeben
hatte / und ich wohl schwören kann / dass mir nie kein essen oder trinken besser
geschmecket; aber ich lohnete ihr übel; dann da sie mich nach der Scheuren gehen
/ und da schlaffen hiess / besuchte ich dem Tunkenbolt seinen Schiebsak / fand
etliche Groschen drinnen / und nam sie als eine Zehrung zu mir. Ich hätte ihm
die Kleider gar genommen / sagte Valiska /mit dem Vorsatze / es dereins
tausendfach zubezahlen. Ich bedanke mich des guten Rahts / antwortete Arbianes /
dann gleich also machte ichs auch; massen nach begangenem ersten Diebstal / liess
ich mich auch zu dem andern verleiten / schlohf in seine Kleider / legete seine
BauernPlötze an / und ging bei Nachtzeit im Mondenschein so weit fort als mir
möglich wahr /biss ich in sechs Stunden wohl zwo Meilen hinter mich gelegt hatte /
und bei einem Flecken anlangete / woselbst vor dem Tohr ein eingefallenes
Häusslein zur Linken stund. Ach mein Gott / sagte Fürstin Klara /in eben diesem
Flecken hatte ich mich vor eine Nähterin gleich dazumahl vermietet / und wann es
Gottes Wille gewesen / hätte unser Ungluk alsdann können geendet werden / wann
nur mein Schaz an meine Herberge gerahten währe. Ich hielt mich daselbst zehn
Tage auff / antwortete Arbianes / umb meine Kräffte zuerlangen / dann mein Häupt
wollte den Fussen nicht folgen / wie willig dieselben auch waren / den Weg
zumässen / der mich nach meiner Seelen Vergnügung tragen möchte; jedoch wahr
auch diese Verweilung meiner damahligen Meinung nach / mir sonderlich glukselig
dann wie ich ohn gefehr in ein Wirtshauss /einen Trunk zutuhn / einkehrete /
erfuhr ich daselbst /dass vor wenig Tagen ihre Nähterin mit ihrem Manne Wolffgang
nach dem Elbstrome gereiset währe / erkennete auch aus allen Wahrzeichen der
Kleidung und sonsten / dass eben die ich suchte / diese sein würde /daher ich
mich des folgenden Morgens sehr früh auffmachte / und in Gesellschaft eines mir
unbekanten Bohten / des nähesten Weges nach Magdeburg zulief / der Hoffnung / in
weniger Zeit zufinden / was ich suchete; aber mein Unfal musste so leicht nicht
geendet sein / gestaltsam ich abermahl am dritten Tage nach meinem abreisen
unter RäuberHände geriet / die mich nacket auszogen / und weil ich mich etwas
sträubete /mir etliche Wunden schlugen / dass ich halb tod liegen blieb / nachdem
mein Gefärte sich aus dem Staube machete / da ihm so wohl als mir / Kleider und
alles abgenommen wahr. Hieselbst hätte ich nun ohn Zweifel sterben müssen / wann
nicht Gottes Barmherzigkeit es gefüget / dass ein Baur mit einem ledigen Wagen
daher gefahren währe / welcher auf mein vielfältiges bitten / mich aufflud / und
nach seinem Dorffe brachte / da ich von seinem Sohn verbunden / und von seiner
manbaren Tochter fleissig gewartet ward / biss ich die GefahrTage vorbei gebracht
hatte. Dieser Baur wahr von guten Mitteln / und reich an grossem und kleinem
Vieh / hatte nur diese beiden Kinder / die sehr gute Neigung zu mir trugen /
insonderheit die Dirne / welche mir ihre Kleider / Korallen / und andere / ihrer
Meinung nach / gnug köstliche Sachen sehen liess / welche ich dann / ihre gute
Gunst zuerhalten /wider meinen Willen rühmen musste / taht mir auch so viel gutes
/ als ihr Bauern Hütlein / welches raum genug wahr / vermochte / umb mich zur
Gesundheit zubefodern / da der Sohn sich erboht / mich vor einen lieben Gesellen
anzunehmen / wann ich mich in den Ackerbau und zur Viehzucht schicken würde; dem
ich alle Mögligkeit und Träue versprach. So bald ich wieder gehen und mich
kleiden kunte / wahr die Tochter mit einem neuen Kleide fertig welches sie mir
selbst brachte / und mit diesen Worten mich solches anlegen hiess: Mein geliebter
Sebald (also nennete ich mich) /ihr seid nacket und bloss / verwundet und krank
in meines Vaters Haus kommen / aber ich werde nimmermehr zugeben / dass ihr so
schlecht wieder von uns hinweg scheidet / sondern ich habe euch dieses Kleid
machen lassen / welches euch zumahl statlich anstehen soll; das Wammes ist von
guter Baumseide / die Hosen von seinem Tuche / und ist kein Knecht im ganzen
Dorffe / der es besser håtte. Unsers Nachbarn Sohn Kurd meint  / er sei der
ansehnlichste und hübscheste im Dorffe / aber ihr geht ihm noch weit vor
/deswegen habe ich ihm gestern den Korb gegeben /weil ich euch lieber als ihn
haben will; so haltet euch nun frisch / und geht meiner Mutter fein zu Wege und
Stege / alsdann könnet ihr noch wohl bei ihr erhalten / dass ich eure Frau werde /
worzu ihr meinen Willen habt / und das Gluk euch bescheret ist / dass euch das
feineste und reicheste Mådchen im Dorffe lieb hat; mit welchen Worten sie sich
zu mir nahete / und wider meinen Willen mich bäurisch gnug umfahend /kussete /
welches mich / da sie zu kühn werden wollte / endlich verdross / und sie in
zimlichem Ernste abwiese / sie sollte sich dessen ja entalten / massen wann ihre
Eltern oder ihr Bruder dessen inne würden /dürfften sie ungleiche Gedanken
fassen / und mich wohl gar als einen unzuchtigen niderschlagen; aber sie achtete
dessen wenig / sagte / ihre Eltern hätten sie lieb / und würden ihr den zum
Manne wohl gönnen /den sie haben wollte und müste; welche Kuhnheit mich fast
antwortloss machete / hätte auch ohn zweifel ihr noch härter zugeredet / wann
nicht ihre Mutter darzu kommen währe / welche ihre Tochter vor mir auff dem
Bette sitzen sehend / zu uns sagete / wir sollten uns nicht zu weit vertuhn / ein
wenig ginge wohl hin / und wüste sie wohl / dz Knechte und Dirnen gerne mit
einander spieleten; und was des schändlichen Geblärres mehr wahr / wodurch sich
die Tochter so erkühnete / dass sie von der Mutter begehrete /mich ihr zum Manne
zugeben / oder sie wollte mit mir davon lauffen / dass kein Mensch erfahren sollte
/ wo sie gestoben oder geflohen währe. Die Mutter aber zur Antwort gab / wann
sie mich dann so lieb hätte /möchte sie mich imerhin nehmen; schlug die Kamer zu
/ und liess uns beide allein beisamen / da das freche Tihr anfing / mit hohe
Schwüren uñ Flüchen sich heraus zulassen / wie lieb sie mich hätte / und dz sie
mich nimermehr velassen wollte / fehlete auch wenig /sie hätte sich gar zu mir
gelegt / wañ ich nit aufgestanden währe / uñ die Kleider angezogen hätte / in
welchen ich ihr so wohl gefiel / dass sie mich von der Kammer nicht lassen wollte /
ehe und bevor ich ihr eine gleiche Liebe versprochen hätte. Ich speisete sie mit
guten Worten / sie möchte gemach tuhn / und an meiner Liebe nicht zweifeln / ich
wollte zuvor mit ihrem Bruder davon reden / dass er mir des Vaters bewilligung
erlangete; nam sie bei der Hand welche härter als ein Eichenbret wahr (massen
sie stränge arbeiten kunte) und führete sie zur Kammer hinaus. Ihr Vater sah
uns daher treten / und fragete mich / was ich mit der Dirne zu gehen hätte / und
wie ich zu dem statlichen Kleide kähme / dessen gleichen er sein Tage an seinem
Leibe nicht gehabt; es müste mir ja von den seinen geschenket sein / weil ich
nacket und arm von ihm auff den Wagen geworffen währe. Welches die Tochter
ungescheuhet beantwortete: Sie hätte es vor ihr eigen Geld machen lassen / wem
darauff etwas mangelte; sie wüste schon / woher sie die Bezahlung von mir haben
sollte. O du leichtfertiger Sak /sagte ihr Vater / soltestu so viel Geld an ein
Kleid legen / welches unter drei oder vier Gülden nicht gezeuget ist / uñ es
einem Wildfremden antuhn / der sich wohl mit schwarzer Linnewand / gleich wie ich
/behelffen könnte? Welches ich also beantwortete: Guter Vater / ich verspreche
euch hoch und teuer / dass ich alle angewante Kosten gerne und willig bezahlen will
/ darumb verzeihet eurer Tochter solches / und bleibet ihr und mir gewogen. Der
alte schüttelte den Kopf und sagete zu mir: Junger ich rahte dir in träuen / dass
du nicht zu grosse Kundschaft mit der Dirne machest; ich habe sie meines
Nachbars Sohn versprochen / der würde dir das Fell übel zu dröschen / wann er
dessen einigen Argwohn von dir haben sollte. Er hatte dieses kaum ausgeredet / da
trat eben derselbe Baurknecht zur Tühr hinein / hatte eine Mistgabel in der Hand
/ und ohn einige Begrüssung sagte er zu dem Alten: Er wüste sich seiner Zusage
wegen der Tochter zuerinnern / welche er durchaus wollte gehalten haben /
ungeachtet die lose Dirne ihm gestriges Tages den Kauff auffgesagt hätte /
welches er zu seiner Zeit ihr schon wollte geniessen lassen. Die frische Tochter
kunte solche Dräuung nicht verschmerzen /und antwortete: Höre Kurd / was habe
ich mit dir zuschaffen? gehe du hin nach deines Vaters alten Magd Metten /
welche du vor drei Jahren beschlaffen hast; ich begehre dich Hurentrecker nicht
/ will auch nicht gewärtig sein / dass du mich deiner Dräuung nach /jagen und
schlagen solt. Oder meinestu dass ich keinen Kerl ohn dich kriegen kann? Haha! ich
habe schon einen Bråutigam vor mich / und wiltu ihn gerne sehen? sihe da stehet
er / und hat mehr verstand in seinem kleinen Finger / als du in deinem
tölpischen grossen Kopfe. Hiemit wahr der Tanz gepfiffen / dann der Vater trat
hin zu der Tochter und gab ihr etliche Maulschellen / dass ihr Mund und Nase
blutete / da er zu ihr sagete: Du lose Haut / hastu den jungen Bengel darumb so
munter gekleidet / dass du deine Hurerei mit ihm treibest? nimermehr soll er dein
Kerl werden; fiel damit die Tochter aufs neue an / und schlug frisch auff sie
los; welche aber meinen Streit mit Kurd ersehend / einen Muht fassete / sich zur
wehre stellete /und den Vater nach wenigen ringen zur Erden niderwarff.
Inzwischen hatte ich auch meine Arbeit; dann als Kurd hörete / dass seiner
Meinung nach ich ihm vor dem Korbe fischete / sah er mich grimmig an / fassete
seine Mistgabel / und in dem er mich einen Schelm und Ehebrecher schalt / schlug
er auff mich zu / dass wo ich nicht ausgewichen währe / er mich bäurisch gnug
würde gezeichnet haben / uñ weis ich nicht / obs mein Glük oder Unglück wahr /
dass in diesem Sprunge ich eines Zuberbaums hinter der Tühr gewahr ward / mit
welchem ich dem Baurflegel entgegen trat / und ihm eins über den Kopf versetzete
/ dass er als ein Todter zur Erden niderstürzete / und keinen Finger regete. Der
Alte tummelte sich unterdessen mit seiner Tochter auff der Erden weidlich umb /
und hörete ich ihn ruffen / sie sollte aufhören / ihm die Kehle zudrücken; die
sich aber wenig daran kehrete / biss die Mutter hinzu trat / und den Alten
rettete / gleich da mein Gegener zu bodem fiel; worüber die Dirne sich höchlich
erfreuete / dass sie mit blutigem Maul und Gesichte mir zurieff; Halte dich
frisch du mein lieber Sebald / ich will niemand anders als dich haben. Mir wahr
trauen dazumahl nicht sonderlich wohl / massen ich mich vor des Alten Rache
fürchtete / den gleichwol sein Weib zu frieden sprach / vorgebend / er wüste ja
wohl / dass sie beide es mit ihrer Ehr eben so gemacht hätten / und wo er nicht in
seiner Tochter Willen gehehlen wollte / müste ohn seinen dank noch diesen Abend
die Ehe volzogen werden; wodurch er nähern kauff zu geben bewogen ward. Ich aber
machete mich freundlich zu der Dirne / hielt ihr meine Gefahr wegen des
nidergeschlagenen vor / und baht /mir zu helffen / dass ich mit einem geruheten
Pferde mich davon machen könnte / der Lebensgefahr zu entgehen / welches sie
ihrer einfalt nach / nicht allein gerne einwilligte / sondern den Bauernsattel
selbst hervor nam / und ihres Vaters beste Pferd mir fertig machete / da die
Mutter mir inzwischen 15 Gülden hohlete / mit der Abrede / ich sollte nach dem
nähesten Flecken / drei Meilen von dar / zu ihrer Schwester mich begeben / sie
wollte in dreien Tagen mich wissen lassen / wessen ich mich zuverhalten hätte.
Wem wahr lieber als mir? ich setzete mich geschwinde auff / und rante als ein
Vogel davon / dann das Pferd wahr guter Schenkel / mietete im nähesten Dorffe
einen Bohten / der mich des nähesten weges nach Magdeburg / bringen sollte; aber
es wollte sich annoch nicht nach willen fugen / sondern ich ward am Weserstrohm
von sechs Räubern überfallen / welche mir Pferd / Geld und Kleider nahmen / dz
ich mit noht Mutterleibes-nacket / jedoch ohn sonderliche Wunden davon kam. Also
musste ich in die sechs Stunden nach art unser ersten Eltern fein leicht dahin
springen / biss mir eine Bäurin mit einem Pelze begegnete / welchen ich ihr mit
gewalt abborgete / und ihn umb die Schuldern hing. Gott verzeihe mirs / dass ich
dazumahl gedachte / ob dem guten Adam sein Pelz auch also angestanden währe /
und wollte mich in dieser Kleidung noch wohl haben geduldet / wann nur mein
allerliebstes Evichen bei mir gewesen / deren ich mich doch nicht gerne in
solchem Schmuk hätte sehen lassen /wiewol sie mich hernach in einem lausichtern
antraff. Das Weib lieff mir eine weile nach / wollte den Pelz nicht gerne missen
/ endlich als sie sah / dass alles vergebens wahr / fing sie an / mich so
abscheuhlich auszuschelten und zuverfluchen / dass ich mich schier an ihr
vergriffen hätte. Sie wahr kaum von mir hinweg / da begegnete mir ein alter
Betler mit zurissenen Lumpen / dem ich einen Tausch anboht / welcher ihm nicht
zuwieder wahr / dann der Pelz wahr neu und gut. Ich bekleidete mich armselig
gnug / und hatte noch / wie mir dieser Betler sagete / 18 Meilen biss gen
Magdeburg / welchen Weg ich vor mich nam /und des folgenden Tages eine andere
Betlergeselschaft / sieben Mann stark antraff / unter denen ein Blinder / ein
Stummer und drei Lahme oder hinkende wahren / die übrige zween aber risch und
stark / und kunken sich doch stellen / als währen sie an der rechten Seite vom
Schlage gerühret. Diese macheten mit mit Kundschaft / und frageten / warumb ich
in solcher Jugend und bei so gesunden Tagen mich aufs betteln begäbe / und
anderen elenden unvermögenden Leuten das Brod vor dem Maule hinweg nähme; ich
könnte mich ja bei einem Bauern vor einen Knecht vermieten / und das Brod wohl
gewinnen. Ich gab ihnen zur Antwort; es hätten mich sechs freche Räuber durch
gewaltsame Plunderung in diesen Stand gesetzet / welchen ich nicht gedächte
långer zu führen / als von hier ab biss nach Magdeburg / woselbst ich mir
getrauete einen Herrn zubekomen / dem ich auffwartete / dann ich wåhre aus der
ferne / wüste mit Gewehr und Pferden umbzugehen / und hätte unterschiedliche
fremde Sprachen in meiner Jugend gefasset. Der eine hinkende Betler fing darauff
an; es wåhren Narren / die sich in Dienste begäben / und der Arbeit sich
unterwürffen / wann sie beim Müssiggange gute Tage und alles gnug haben könten;
wann mir nun ein solches sanftes Leben auch gefiele / wollte er mich in ihre
Gesellschaft / die sich zimlich stark befünde / aufnehmen / und zur versicherung
eines guten willens / mir seine jüngste annoch unverheirahtete Tochter nebest
2000 Gülden Brautschaz geben. Ich erschrak dieses erbietens / merkete schon /
was vor eine ehrliche Gesellschaft ich angetroffen hatte / erhohlete mich bald /
und sagete ihm dank vor den guten Willen / wollte mich bedenken /und ihn nach
Verlauff etlicher Stunden Antwort wissen lassen. Aber der eine / welcher sich
bisher als vom Schlage gerühret / bezeiget hatte / griff mit beiden Armen nach
mir / uñ indem ich auswiche / sagete er: Nein mein Kerl / hier gilt nicht lange
Bedenkzeit /ich merke schon wohl / dass du nicht Lust hast / lange in Betlers
Kleidern zugehen. Ich spürete / dass mirs das Leben gelten sollte / erwehrete mich
sein mit meinem zimlich starken Bettelstabe / dass er mich gleichwol nicht
greiffen kunte / und sprang immer weiter zuruk / weil ich sah / dass der andere
gesunde Schelm sich auch nahete / welcher dann eine kurze verdeckete Plötze
hervor zog / und auff mich darlieff. Ich trauete meinen Füssen / welche mich
auch eines Weges von ihnen brachten / da ich etliche Steine auffnam / und mich
gegen sie kehrete / sie vermahnend / mich gehen zulassen / oder der Steine
zugewarten. Sie hatten beide ihre Plötzen fertig / mit denen sie ohn zweifel
mannichen reisenden Menschen mochten ermordet haben / kehreten sich an meine
Warnung nichts / sondern lieffen als blindlings auff mich an / daher ich dem
vördersten einen zweipfündigen Stein entgegen schickete / dass ihm der Kopff
borste / und damit zur Erden fiel; der andere sah seinen Gesellen stürzen
/machete sich zur Rache gefasset / und gedachte mir aus dem Wurffe / damit ich
ihm dränete / zuweichen; aber weil ich zween Steine im Vorraht hatte / warff ich
ihm den ersten vor die Brust / dass es puffete / und er begunte nach frischer
Lufft zuschnappen; worauff ich ihm den andern vor das Maul legete / dass er wie
eine Garnwinde umlief / und ich zeit hatte / mit des ertödteten seiner Plötze
mich zuwapnen / mit welcher ich auch diesen andern vollends hinrichtete. Die
fünff übrigen erschraken dessen sehr / dann sie sahen / dass sie mir nicht
entlauffen kunten / ohn allein der Stumme / welcher quehr-Feldein ging / und ich
mich besorgete / er würde mehr Hülffe aus der Nähe herzuführen / nahm deswegen
gegen die übrigen nichts weiters vor / sondern besuchete die beiden Erschlagenen
/ fand bei ihnen einen guten Zehrpfennig / und nachdem ich die Plötze
eingestecket hatte / ging ich eilends nach dem nähesten Dorffe / sah mich
offters umb / und ward gewahr / dass die Mörder nach allem Vermögen zurück eilete
/ weil sie ohn zweifel in Furcht stunden /ich würde die Dorffschaft ihnen über
den Hals schicken. Aber ich hielt reinen Mund / aus Furcht / an meiner Reise
gehindert zuwerden; setzete demnach meinen Weg im Nahmen Gottes fort / gerade
nach Magdeburg zu / unter der Hoffnung / mein Schäzchen daselbst zufinden / aber
es wahr daselbst nichts zuerfahre / als dass die Fürstliche Gesellschaft vor
weniger Zeit nacher Prag gereiset / und das Königliche Fräulein als eine
verlohrne höchlich beklaget würde. Wohin wendestu elender Arbianes dich nun?
sagte ich bei mir selbst; Ich hatte ein Gelübde getahn / die Fürstliche
Gesellschaft nicht zusehen / biss ich entweder das Fräulein angetroffen / oder
einige Gewissheit von ihr würde erfahren haben; legete auch fleissig bei mir über
/ wessen ich mich verhalten sollte; endlich noch hielt ich vor rahtsam / mich
nach Böhmen zuwenden / und daselbst unfern von Prag mein Leben in der Einöde
zuführen / biss ich meiner Fräulein Leben oder Tod erkündigen würde; bettelte
mich also durch das Land / und lebete etliche Zeit in beschwerlichem Elende /
dass ich mehrenteils mein Leben mit Kräutern / Wurzeln und anderen Gewächsen
auffhielt / doch etliche Stunden mich bei den Landstrassen fand / und den Bauern
zuzeiten ein Stüklein Brod abkauffete /weil ich noch Vorraht an Gelde hatte. O
wie manniche Widerwätigkeiten bekümmerten Tag und Nacht mein ohn das gnug
trauriges Herz. Ist meiner Seelen Leben / Frl. Klara todes verblichen / sagte
ich / so wird die Auflösung meiner Seelen und Leibes mich dahin begleiten / da
sie in der Engel Gesellschaft ihren Heiland und Erlöser ohn auffhören preiset;
wie aber / gedachte ich bald darauff / wann etwa Wolffgang zum Wolffe worden /
sich einiger Unzimligkeit hätte gelüsten lassen / und dasselbe gesuchet /
welches ohn meiner Fräulein äusserstes Verderben nicht geschehen könnte? Und wañ
ich mich mit dieser Vergebligkeit lange gnug gepeiniget hatte / dañ so grauete
mir vor Räubern und Mördern / von denen ich selbst nicht hätte frei sein können
/ wie viel weniger ein Fräulein mit einem BauernKnechte; aber dass mein Schaz als
eine Dienstmagd leben sollte / ist mir nie eingefallen. Wann dann alle
Unglücksfälle / die zuersinnen wahren / mein Gehirn durchlauffen hatten / folgete
mein unbewäglicher Schluss / ich wollte entweder als ein Betler sterben / oder
ihrer frölichen Ankunft erwarten / oder sie aufs neue suchen. Aber Gott
schickete mir wider meinen Willen etwas Linderung / in dem mein Leib Schütze
Zariaspes / meiner Fr. Schwester ehemahligen Partischen Hofmeisterin der
Sysigambis Sohn / mich ohngefehr erkennete / da ich so wenig seiner als er
meiner vermuhten wahr; dann als ich des Nachtes im offenen Walde unter dem
freien Himmel mein Gebeht / und dass es niemand verstehen sollte / auf Medisch
taht / ruhete mein Schütze mir unwissend hinter einem Baume / hörete nicht
allein seine Muttersprache von mir / sondern erkennete auch meine Stimme /
dessen er nicht wenig erschrocken / in Demuht zu mir nahete / und ob er zwar in
dem FrühLichte meine elende Lumpen sah / kehrete er sich doch nicht daran /
setzete sich vor mir auff die Knie /und sagete auff Medisch zu mir:
Durchleuchtigster Fürst / welcher gütiger Gott hat mich zu so glückseliger Stunde
hieher geführet / Euer Durchl. Gegenwart zuerfahren? Und was vor herbes Glük
leget einem so mächtigen Fürsten diese hesslichen Betlers Kleider an? Ich hätte
mich gerne verstellet / und gab auff Teutsch zur Antwort: Ich verstünde seine
fremde mir unbekannte Sprache nicht / weil ich ein Teutscher / und zwar ein armer
Betler währe. Aber mein Zariaspes kehrete sich nichts daran / blieb in seiner
Demuht /und baht untertähnigst / mich dergestalt selbst nicht zuverleugnen /
weil mich weder Noht noch Gefahr darzu antriebe; daher ich mich ihm endlich
zuerkennen gab / und geboht ihm bei Lebensstraffe / meine Gegenwart keinem
einigen Menschen wissen zumachen; dessen er sich lange wegerte / und endlich
auff harte Dräuung versprach / doch mit dem bedinge /dass ich täglich von ihm
etliche Speise nehmen sollte. Also blieb ich in diesem Stande etwa zehn Tage /
biss der allergütigste Gott meinen Seelen-Schaz des Weges hersendete / da ich in
meinen Betlers Kleidern nicht weit von der Heerstrasse sass / und von meinem
Zariaspes heftig vermahnet ward / mich nacher Prag zuerheben / und zum
wenigsten als ein unbekanter mich daselbst auffzuhalten; ich mich aber gegen ihn
erklärete / wie ich diese Nacht bei mir beschlossen hätte / auff dem nähesten
Dorffe mich noch eine ganze Woche auffzuhalten / und nach deren Verlauff in
seiner und sechs anderer Meden Gesellschaft mich nach dem Flecken zumachen /
woselbst ich in der Herberge erfuhr / dass mein Fräulein mit Wolffgang nach dem
Elbstrohm sollte gereiset sein; der Hoffnung / ich wollte daselbst ihre Spuhr
antreffen / oder doch etwas bessere Zeitung von ihr erforschen / hatte ihm auch
schon befohlen / was vor Kleider / Waffen / Kleinot /Gelder und Pferde er mir
bringen sollte; Ja ich speiete mich schon selbst an / dass mir dieser heilsamer
Raht nicht zeitiger eingefallen wahr. Aber die unvermuhtliche Ankunft meiner
Fräulein machte nicht allein diesen meinen Vorsaz zu Wasser / sondern benam mich
aller Angst und Traurigkeit. Was vor Anfechtungen aber in meiner Einsamkeit und
Armut ich von dem leidigen Teuffel ausgestanden / und wie er mich / zur
Verzweifelung zubringen / angelauffen hat / davon will ich nicht viel Worte
machen / und nur / weil ich lebe / dieses rühmen / dass Gottes Krafft in mir
Schwachen so mächtig gewesen / dass ich alles ritterlich überwunden / ungeachtet
dieser geistliche Kampff mir mannichen Schweiss ausgejaget / und mein Fleisch
redlich gezähmet hat. Einen vor andern aus heftigen Saz habe ich dem Teuffel
halten müssen / des Nachtes zuvor / ehe Zariaspes mich antraff / und zweifele
ich durchaus nicht / der böse MenschenFeind sei mir das mahl in leiblicher
Gestalt eines Betlers erschienen / wovon ich zur andern Zeit ausführlichen
Bericht tuhn will / weil ich höre etliche zu uns komen /welche mich hindern werde
/ mich des ergangne recht zueriñern. O du wunderbarer Gott / sagte hierauff
Königin Valiska / wie gehestu mit deine lieben Kindern so wunderlich um auf
dieser Welt! jedoch muss ihnen alles zum besten gereichen / insonderheit deine
väterliche Heimsuchungen; dann ich gläube nicht / dass ein Mensch / wes Standes
er auch sein mag / sich recht erkenne / oder seine Schwacheit gläube / dafern er
nicht unter deiner Zucht gedemühtiget wird. Aber gnug vor dissmahl / von diesen
traurigen Begebnissen / wollen auch bei besserer Gelegenheit euren
ausgestandenen Straus mit dem grossen Versucher / anhören / und nunmehr
geschäfftig sein / beides zu euer Hochzeit / und zu meines Herr Bruders Krönung
Bereitschaft zumachen / und dass die geladenen Könige aus Gallien / Schweden und
Dänenmark wohl und gebührlich empfangen werden; nur wird ein einziges
Fräulein-Bild uns bei dieser Fröligkeit mangeln /welche zweifels ohn mein Herr
Bruder Arbianes gerne / meine Fr. Schwester Klara aber sehr ungerne dabei leiden
möchte. Diese kunten nicht gedenken / was vor eine diese sein möchte / biss
Valiska sagete: Er sollte sich seines ehmahligen Bräutigam-Standes mit dem
BauernFräulein / Frl. Metten erinnern; worüber sie beiderseits überlaut lacheten
/ Fr. Klara sagete: Ja Herzen Fr. Schwester / gedenket eure Liebe wohl / dass ich
meinen Fürsten aus dieser BauernHütte so rein und züchtig sollte wieder bekommen
haben / als er dahinein gangen ist? gewisslich möchte ich dieses schöne Bildichen
mit ihren pflaumen-weichen Händichen und blut-bund-gefärbeten Mündichen
hieselbst sehr ungerne sehen; dann wer weiss / ob sie nicht allein kühne
Einsprache tähte / sondern mein Fürst den alten Schrol wieder bekomen / mich
verlassen / und mit dieser kühnen Heldin / die ihrem Vater die Kehle so
freundlich zu küssen weiss gar davon zihen möchte. Verzeihe es Gott euch beiden /
sagte Arbianes / aber 5000 Kronen gäbe ich drumb / dz sie möchte zugegen sein /
es dürfte noch lustige Schwänke abgeben / und erkenne ich mich schuldig / ihr
das Pferd / Kleider und andere angewante Kosten zuerstatten / insonderheit
möchte ich dem guten Weibe ihren Pelz gerne bezahlen / ob sie gleich davor ein
übriges gescholten und gefluchet hat. Also brachten sie diese Zeit in aller
geziemenden Fröligkeit zu / und ob zwar König Mnata Freiheit hatte / nach seinem
Königreich zuzihen / baht er sich doch selbst zu Arbianes Hochzeit /welches den
unsern sehr wohl gefiel / und auff sein Ansuchen ihm ganz gerne einwilligten /
dass er 100 seiner besten Ritterschaft zu sich foderte / ihm auffzuwarten. Mit
Auffbauung der verstöreten Städte und Dörffer ward fleissig fortgefahren / und
alles auff Königs Mnata Befehl besser gemacht / als es vorhin gewesen; so hielt
er auch mit seinen Schenkungen bei dem Königl- und Fürstlichen Frauenzimmer
immer an / dass Valiska ungeduldig drüber ward; er aber hoch beteuerte / dass er
sein halbes Königreich nicht drum nehmen wollte / dass er in diese Tugend-Schuele
nicht kommen währe / woselbst er nunmehr in etwas gefasset hätte / was einem
Könige anstünde / welches ihm dann überaus lieb währe / ungeachtet er zuvor eine
zimlich harte Stäupe / welche er wohl verdienet / hätte aushalten müssen. Er
lebete sonst wie ein Bruder mit unsern Königen / und erlangete bei Valisken /
dass Herkules nacketer Kampf mit seinem ehmaligen Bato gehalten / auff seine
Kosten zum zierlichsten auff vier Tücher abgemahlet / und auff dem langen
Umgange auffgehenket ward.
    Bald nach geendigtem Pannonischen Kriege / kam der alte Friese Witto mit
seinem ungerahtenen Sohn Gerd zu Prag an / liess sich bei Wolffgang angeben /der
sie beide wohl empfing / sie aber wegen Verenderung seiner Sitten und Wandels
kaum gläuben wollten / dass er der vorige ihr Vetter währe. Er führete sie
unangemeldet hin zu Arbianes und seinem Gemahl / von denen der Alte überaus
freundlich empfangen ward /da sie sich nicht scheuheten / ihn ihren Erhalter und
Vater zunennen. Er hingegen bezeigete sich aufs demühtigste / und wahr sein
erstes Vorbringen / dass er vor seinen Sohn um Gnade und Vergebung anhielt
/welches ihm nicht allein gnädig eingewilliget ward /sondern es machete ihn
Arbianes zu seinem Unterstalmeister / weil er mit Pferden wohl umzugehen wusste.
Witto aber erhielt / dass er Zeit seines Lebens bei Wolffgang bleiben möchte /
der ihm alles gutes taht /und wohl erkeñete / dass er seiner Wolfahrt erste Ursach
wahr. Er hatte sonst noch sechs grobe einfältige BauernKnechte / seine
Anverwanten mit sich herbracht / denen statliche Meierhöfe eingetahn wurden;
berichtete auch / was gestalt der Rohtbart auf Königlichen Befehl angegriffen /
und wegen der vorgebrachten Lüge (ob hätte er Arbianes uñ das Fräulein sollen
nach dem Reinstrom bringen) befraget worden / hätte anfangs alles geleugnet /
aber nach angelegter harter Pein / nit allein sein Vorhaben / den Fürsten mit
dem Fräulein umzubringen / sondern in die 27 Mordtahten bekennet / auch sechs
Bauern ihres Dorffes / als seine Mitgehülffen angemeldet / welche samt ihm mit
dem Rade gestossen / uñ hingerichtet währen. Vierzehn Tage vor der angesetzeten
Krönung schrieb Reichard aus seiner Landstad zurück an Leches / was gestalt er
daselbst zwar wohl angelanget währe / hätte aber mit wehmühtigem Herze vernehmen
müssen / dass seine Eheliebste schon vor vier Wochen an einem hitzigen Fieber
Todes verblichen / wie auch Fr. Mechtild; deren hinterlassene älteste und
jüngste Töchter (die mittelste währe mit ihrer Mutter gestorben) Adelheit und
Adelgund nunmehr von Herzen wünscheten /ihrer Fürstin und Frauen untertähnigst
auffzuwarten; endlich baht er Leches in diesem Schreiben / bei dero Hochfürstl.
Durchl. untertähnigst zuvernehmen / ob dieselbe gnädigst einwilligen könnte /
währe er nit ungeneigt jungfer Adelheit zuheirahten / deren Herz / in
Betrachtung seines jetzigen Ritter Standes / er wohl zugewinnen verhoffete;
befahl sich der ganzen Königl-und Hochfürstlichen Gesellschaft / insonderheit
seiner verhoffentlich nunmehr wieder gnädigsten Grossfürstin Fr. Klaren
beharlichen Gnaden / und baht / auff sein gesiñen ihm zuantworten. Leches trug
dieses anfangs Arbianes allein vor / welcher nebest Königin Valisken es mit der
Fürstin beredete / die eine solche Heirat gerne befodert sah / daher sie
Leches befahl was er antworten und bei schleuniger Botschaft übersenden sollte;
sie aber setzete dieses Brieffelein selbst an Adelheit auff. Geliebte Freundin /
Jungfer Adelheid / ihr sollet euch im trauren wegen eurer Mutter tödlichen
Hintrittes mässigen / welches ausser zweifel Gott also zu eurem besten
geschicket hat; ich verbleibe eure und eurer Schwester gnädige Frau so lange ich
lebe /und will euch besser versorgen als euer Stand nicht mit sich bringt;
könnet ihr auch meinen Vorschlag genehm halten / und Ritter Reichard / der bei
mir nunmehr wieder in vollen Gnaden stehet / vor euren liebsten annehmen / so
lasset euch von ihm in eurem Jungfern-Stande herüber begleiten / alsdann will ich
euch die Hochzeit aussrichten / und zur Ausssteur euch dasselbe zuwenden /wovon
ihr und eure Nachkommen den Ritter- und Herrn Stand wohl sollet führen können.
Bringet auch eure Schwester mit über / und seumet nit. Gott befohlen von eurer
stets gewogenen Frauen / Grossfürstin Klaren.
    Reichard hielt sich sehr prächtig in seiner Heimaht / so viel seiner
Eheliebsten absterben leiden wollte /und weil er grosse Geldmittel hatte / taht
er seinen Eltern und anderen Anverwanten viel zugute / bezeigete sich sonst sehr
höfflich und Tugendreich / dass jederman sich über ihn verwunderte. Bei Jungfer
Adelheiden hatte er sich schon angemeldet / und biss auff Grossfurstin Klaren
(deren sie sich zueigen ergeben hätte) befehl und gnädigste Einwilligung ihm
gute Zusage getahn / wiewol jhr Vater es nicht gerne sah /und es gleichwol nie
hindern durffte. Als nun beides Leches und der Grossfürstin Schreiben nebest
überschikten statlichen Kleinoten / ankahmen / wahr allerseits grosse Freude /
und machten die beiden Schwestern nebest Reichard und seiner Reuterei sich
alsbald des folgenden Tages auff den Weg und weil sie Tag und Nacht eileten /
kahmen sie zween Tage vor der Krönung zu Prag an / liessen sich anmelden / und
wurden von Leches und Libussen auff Fürstlichen Gutschen nach dem Schloss
gehohlet / worüber dem guten Reichard die Trähnen häuffig aus den Augen fielen /
in Betrachtung / er vor diesem als ein Ubeltähter in Ketten und Banden
dahingeschleppet wahr. Sie wurden nach Arbianes absonderliches Gemach
hingeführet / darinnen kein Mensch / als er und sein Gemahl wahr. Reichard musste
anfangs allein hineintreten / welcher die Fürstin ersehend / alsbald einen
Fussfal taht / da ihm die Leid-Ohmacht überfiel dass er wie ein todter Mensch
gestrekt zur Erden stürzete / worüber die Fürstin sich entsetzete / und zu ihrem
Fürsten sagete: Allein diese Reue verdienet volkommene Vergebung; Leches wahr
mit ihm hineingangen / welcher ihn schüttelte und bald wieder zu sich selbst
brachte / da Arbianes zu ihm trat / und mit freundlichen Worten zu ihm sagete:
Mein lieber Freund Reichard / ihr habt förder nicht Ursach / euer Herz wegen des
ehemaligen dergestalt zuängsten / nachdem alles vergeben und vergessen ist / wie
ihr solches dann durch eure tapffere und geträue Rettung wohl verdienet habet. Er
noch auff den Knien sitzend / gab zur Antwort; wollte Gott / Durchleuchtigster
Fürst / dass ich meiner Bosheit selbst vergessen könnte / welche meine Seele
zupeinigen nicht auffhören wird / biss sie durch den Tod von ihrem Leibe
aussfähret: Euch aber Durchleuchtigste GrossFürstin / gnädigste Frau / bitte ich
nochmahls lauter umb Gottes willen / dieselbe wolle mir groben Missetähter und
boshaften Sünder gnädigste Vergebung wiederfahren lassen / und ihren gerechten
wolbefugeten Zorn abwenden / nachdem ich mich noch diese Stunde nicht wegern will
/ zur völligen Abtragung der begangenen gotlosen Bosheit meinen Kopff
herzugeben. Die Fürstin erinnerte sich zwar ihrer ehemaligen Angst und
EhrenGefahr / aber das wolverdienen behielt dannoch die Oberhand /daher trat sie
ihm näher / und sagte: Stehet auff Ritter Reichard / ich habe alles ehemalige
der Vergessenheit gänzlich übergeben / so gar / dass wer dessen gegen mich
Erwähnung tuhn wird / mein Freund nicht sein soll; dessen zum Zeugnis ich euch
meine gewogene Hand biete; hielt ihm dieselbe dar; welche doch zuberühren oder
zuküssen er sich viel zuunwirdig achtete / daher er sich zu ihren Füssen
niderlegte / und den RockesSaum ehrerbietig küssete / so dass Arbianes ihm hart
zureden musste / er sollte solche Bezeigung abstellen / wo er sonst wollte sein
Freund sein. Worauff er sich endlich auffrichtete / und doch die Augen vor sich
niderschlagend / die Fürstin nicht ansehen durffte. Sie aber hiess ihn nunmehr
freundlich wilkommen / und liess die beiden Schwestern Adelheit und Adelgund
hinein fodern / welche auch in ihren TrauerKleidern mit einem Fussfalle
erschienen / da nach Reichards Unterrichtung die kleinere / so kaum sechs Jahr
alt wahr / also anfing: Gnädige Fr. Armgart / ich bitte euch um Gottes willen /
ihr wollet meinem Vater seine Sünde vergeben / die er in meinem Beiwesen an euch
verübet hat / er soll nicht mehr mein Vater sein /sondern ich und meine Schwester
wollen allezeit eure gehorsame Mägde bleiben. Diese Rede brachte der Fürstin die
Trähnen aus den Augen / und gab sie zur Antwort; Herzliebes Kind / dein böser
Vater hätte in der Welt keinen besseren Vorbitter als dich haben können / daher
soll ihm verzihen sein / und du solt mein liebes Töchterchen bleiben. Höre Herzen
Adelheid / sagte darauff das Kind zu ihrer Schwester / unsere Armgart will meine
Mutter sein / sihe doch / wie schön ist sie jezt. Die Anwesende lacheten
hierüber /uñ die Grossfürstin hub Adelheid auff von der Erden /küssete sie / und
sagte / wilkommen meine liebe Freundin / verlasset euch darzu / dass ihr bei mir
allen gnädigen Willen finden weidet / gleich wie ihr ehmahls nach eurem Vermögen
mir alle Freundschaft erzeiget habet. Diese bedankete sich untertähnigst der
angebohten ganz unverdieneten Gnade / und erboht sich zu allem Gehorsam. Sie
gingen miteinander nach dem gemeinen Fürstlichen Saal / woselbst Reichard sehr
gnädig empfangen ward / auch Königin Valiska den beiden Schwestern grosse Hulde
zuwendete /deren kleinere sich hinmachete zu Herkuliskus / mit ihm zuspielen /
welcher / wie auch Herkuladisla nachgehend von diesem Kinde nicht lange sein
wollten; daher Valiska sie in ihr Frauenzimmer nam / und hat sie im sechzehnden
Jahre ihres Alters an einen vornehmen Teutschen Herrn verheirahtet. Zwischen
Reichard und Adelheit aber ward die Ehe abgeredet / und sollte über zween Tage
auff Arbianes HochzeitFest das Beilager zugleich mitgehalten werden / wie
imgleichen auch des guten Wolffganges / der sich über Reichards wolergehen sehr
erfreuete. Desselben Tages um den Nachmittag kam König Haron aus Schweden mit
seinem Gemahl Königin Hedit / und hielt mit 1200 Rittern / Schweden und Goten
seinen Einzug /da sie insonderheit von ihrer Schwieger-Tochter Fürstin Sibylla
sehr freundlich empfangen wurden / deren Geburtzeit herzunahete / und erfreueten
sich die Eltern höchlich über ihre Tugend und Frömmigkeit /hatten auch ihre Frl.
Tochter Frl. Schulda mit sich gebracht / die nunmehr das 16 Jahr hinter sich
gelegt hatte / und ein sehr schönes wolgezogenes Fräulein wahr. Des nähesten
hernach folgete der Dähnische König mit seinem Gemahl und dem Wendischen
Fräulein / nahmens Vanda / auch mit 1200 wolgeputzeten Rittern / und hatte seine
Fr. Schwester die Wendische Fürstin Fr. Bochild sich mit in seine Gesellschaft
begeben / welche auch wohl und freundlich gewilkommet wurden. Weil diese ihren
Einzug hielten kam ein Trometer / und meldete an / dass König Hilderich mit
seinem Gemahl Fr. Waldburg eine halbe Meile von Prag mit 1800 Rittern im offenen
Felde hielte / und begehrete freundlich / berichtet zuwerden / ob ihm erläubet
währe mit seinen Leuten der Stad zunahen; König Herkules wahr Willens / ihm
entgegen zuzihen / aber weil den anderen Königen solche Ehre nicht begegnet wahr
/ hielt sein Sohn Fürst Markomir sehr inständig an / solches zuunterlassen; Er
aber zog mit 10 Rittern seinen lieben Eltern nebest Herr Krokus entgegen / als
welcher ihn mit allen seinen Leuten einladen musste. Als der Vater seinen lieben
Sohn in einem Persischen güldenen Stük / mit Perlen und Demanten reichlich
besetzet / auff einem Persischen Pferde gar freidig gegen ihn daher kommen sah
/ und zwar viel eine andere Reitart halten /als vorhin / erfreuete er sich sehr.
Der Sohn / als er nahe hinzu kam / sprang gar zierlich vom Pferde /küssete
seinem Herr Vater anfangs das Knie / nachgehend die Hand / und sagete:
Gnädigster Herr Vater; Eurer Väterlichen Hulde danke ich von Herzen / dass
dieselbe mich hieher hat zihen lassen / woselbst meine Seele in der
allervolkommensten Vergnügung sich befindet / welche erdacht kann werden / und
weil die Zeit mir nicht gönnet / meine Glükseligkeit zuerzählen / wollen Eure
Hocheit wissen / dass an König Herkules und seinem Gemahl Königin Valiska / den
unvergleichlichen allervolkommensten Menschenbildern der ganzen Welt / ich nicht
allein geträue wahre Freunde / sondern die allerbesten Lehrmeister angetroffen
habe / von denen ich nunmehr den Königlichen Wolstand zulernen anfahe / dass wann
ich gleich meine Seele ihnen widmete / ich dañoch den tausendsten Teil ihrer
Gewogenheit und Woltahten damit nicht ersetzen würde. Herzlieber Sohn /
antwortete der Vater; dem Himel sei Dank vor deine Vergnügung; werde nachzusiñen
haben / was gestalt den Uhrhebern derselbe ich mich dankbar erzeige. Krokus
legete die Einladung gebührlich ab / nebest Anmeldung / dass dem Durchleuchtigste
GrossFürsten Herrn Markomir zugehorsamen / die jungen Könige uñ Fürsten
unterlassen hätte / ihrer Königl. Hocheit entgegen zureiten. Der König / ein
über die massen weiser uñ verständiger Herr / bedankete sich mit sonderlicher
Freundligkeit / uñ zoge miteinander fort / da dieser König gleich den vorigen
gewilkomet ward; doch Herkules uñ Valiska erzeigete ihm eine sonderliche Ehre
bei seiner Ankunft / uñ nenneten ihn allemahl ihren gnädige Herr-Vater / wie er
dañ Warheit eine solche Hulde gege sie fassete / dz er hoch beteuerte /wañ es
ihm an LeibesErben mangeln sollte / müste kein Mensch in der Welt / als sie beide
seine Nachfolger in der Herschaft sein. Dieser Abend aber ward in zimlicher
stille von ihnen verzehret / ohn dass Königin Valiska allemahl gelegenheit
suchete / dem hoch verständigen Franken Könige anlass zu geben / von wichtigen
Sachen zu reden / da sie unter andern zu ihm sagete: Gnädigster Herr und Vater;
weil der hohe Gott meinen Gemahl und mich (da wir unsere herzliebe Eltern
überleben sollen) darzu beruffen hat / dass wir dermahl eins die wirkliche
Herschaft über unsere Untertahnen / werden antreten müssen; und aber zu deren
rechtschaffener Verwaltung nit allein des höchsten Häuptes verstand und vorsorge
/ sondern auch redliche und kluge Rähte oder Amtsverwalter erfodert werden / so
dass ich dieselben Fürsten und Könige nur vor glückselig schätzen kann / denen Gott
düchtige Rähte zuweiset / welche wir dannoch selber wählen und bestellen müssen;
und aber mannicher Fürst und Herr nicht weiss noch verstehet / was vor Leute er
zu solcher wirde erheben soll / die gleichsam seine andere Hand sein müssen; als
würde ich mirs vor ein hohes Glük rechnen / wann dermahleins von eurer
väterlichen Gnaden und Hulde / mein Gemahl und ich / hierüber heilsamen
unterricht anhören möchten. König Hilderich gab hierauff mit einem freundlichen
Lachen zur Antwort: Hochwerte Fr. Tochter; es hat eure Liebe sehr wohl und recht
fürstlich geurteilet / in dem sie deren Könige und Fürsten Zustand vor glückselig
hält / denen der Himmel redliche und hochverständige Rähte gegeben hat; wie ich
dann nicht zweifele / dass der himlischen Versehung sonderliche Gnade es sei
/wann ein Landes-Herscher mit solchen Leuten zur gnüge versehen ist. Dann
hierauff beruhet der Untertahnen Wolfahrt / und auff dem wiedrigen / ihr
gewisses verderben. Daher mein Uhranherr König Rahter (welcher der achte vor
mich / die Herschaft über das Sikambersche Volk geführet / und vor 139 Jahren
diese Welt gesegnet / nachdem er 21 Jahr geherschet hatte) in seinem Handbuche
dieses unterandern aufgezeichnet hat; Welchem Lande und Könige die gütigen
Götter gewogen sind / dieselben versehen sie mit düchtigen frommen Rähten und
Dienern. Daher ausser allem zweifel eines Fürsten höchste uñ erste Sorge billich
sein mus / dass es ihm an guten Rähten nicht mangele. Dass aber meine Durchl. Fr.
Tochter hierüber von mir einige unterweisung begehret und wünschet / so erkenne
daher zwar ihre hohe gewogenheit gegen mich /aber zu gleich auch mein unvermögen
/ ihrem Willen ein genügen zu leisten; nicht allein / dass andere grossmächtige
Könige gegenwärtig / dessen viel grössere erfahrung und wissenschaft haben / als
ich; sondern meine Fr. Tochter / und ihr preisswirdigster Gemahl einen so hohen
verstand durch des Himels Gunst überkommen / dass auch die grauen Häupter sich
nicht schämen dürfen / von ihnen zu lernen; wie ich dann gar nicht zweifele /
sie werden beiderseits ihre hohe gedanken schon vor längst auff diese
betrachtung gewendet haben. Ach mein Gn. Herr Vater / sagte Herkules / wie sollte
unsere unwitzige Jugend an so hohe Weissheit gelangen / welche durch langwirige
Erfahrung muss zu wege gebracht werden? da wir überdas noch die wenigen Jahre
unsers angehenden verstandes / in steter Rittersübung zugebracht / und uns eine
Abenteur über die andere zugewachsen ist / dass wir nit eins so viel muess gehabt
/ an dergleichen wichtigkeiten zugedenken. Werde demnach nicht unterlassen /
mein liebes Gemahl zu muhtige / dass vor erlangete gn. einwilligung / sie nicht
abstehe / eure väterliche Gn. hierumb kindlich zuersuchen; zum wenigsten /dass
wir nur das Glük haben mögen / zuerfahren / was etwa ihrer Hocheit hochlöbliche
Vorfahren davon denkwirdiges auffgezeichnet / und ihren Nachkommen zu gute /
hinter sich verlassen haben. Meinem hochwerten Herrn Sohn / und dessen
ruhmwirdigstem Gemahl / sagte er / bin ich viel ein mehres schuldig /wann ich
mich selbst nur bereden dürfte / solches in dieser Hochköniglichen Versamlung
vorzutragen. Und als so wohl der Schwedische als der Dähnische König darumb
anhielt / brachte er nach gebehtener verzeihung dieses vor. Unter andern meinen
hochlöblichen Vorfahren / ist vor hochgedachter König Rater / und der fünfte
nach ihm / König Klodomir (welcher vor 64 Jahren diese Eitelkeit verlassen) vor
andern / wegen ihrer Weissheit und klüglich geführeten Herschaft hochbenahmet;
und weil ich mirs nicht vor ein geringes Glük schätze / dass ihre eigenhändige
Auffzeichnungen geerbet / habe dieselben ich fleissig gegen einander gehalten /
nach vermögen erwogen /und daraus diesen Nachricht angemerket: Nehmlich /wann
ein grosser Fürst oder König seine Herschaft wohl und glücklich führen will / mus
er sich vor allen dingen nach guten nützlichen Rähten / und anderen hohen
Bedieneten umbtuhn / welche Gottfürchtig /wolerfahren / ihrer eigenen Bewägungen
Meister /dem Geiz abhold / dem Lande und Untertahnen von herzen gewogen / ihrem
Herrn geträu und ergeben /und untereinander selbst einig als Brüder sind. Dann
ein Mensch / der die Götter nicht ehret noch fürchtet /gibt dadurch an den Tag /
dass er allerdinge Gewissen-los sei / und man sich zu ihm durchaus keiner Träue
versehen dürfe. Und wie kann derselbe Menschen träue beweisen / welcher der
grossen Götter spottet? Wer dann selbst keine erfahrung hat / wie soll der
anderen vorstehen? was ich selbst nicht habe / kann ich ja anderen nicht
mitteilen. Es wird ein unerfahrner Raht nicht anders zuplatzen / als ein Blinder
/ der aus vorwiz ohn einen Führer dahin springet; und mus nohtwendig ein solcher
blinder Leiter / die armen Untertahnen auch wohl / die besser sehen als er / in
die Grube stürtzen. Wird er aber überdas noch von seinen eigenen Bewägungen oder
Begierden übernommen und beherschet / dann wird weder sein Gehirn geschikt sein
/die wahre Klugheit zubegreiffen; noch sein Herz / die Gerechtigkeit zu
handhaben / sondern durch Liebe und Hass / wird er sich lassen zwingen / auff
nichts /als auff seinen Willen / alles sein vornehmen zu gründen. Komt dann der
schändliche Geiz noch dazu /dann ist der unerfahrneste Baur zur Rahtsbedienung
geschikter / weder der aller gelehrteste Geizhalss; dann jener wird so weit recht
tuhn / als ers verstehet; dieser aber umb Geschenke willen auch das bekanteste
und nöhtigste Recht unterdrücken. Uberdas müssen hohe Fürst- und Königliche
Bedinete nichts überal heftiger lieben / als ihres Herrn Land und Leute. Dann
umb derer Wolfahrt willen werden sie bestellet / so gar /dass wann die hohe
Obrigkeit sich denen unmilde und grausam bezeigen wollte / sie gehalten sind /
ihnen einzureden / und alles verderbliche von dem Lande abzuwenden. Und wie
hochnöhtig dieses mannichmahl bei Fürsten und Königen sei / lasset uns die
Erfahrung auff beiden Blättern lesen. Massen / wann die hohe Obrigkeit mehr auff
ihren nutzen / als des Landes Wolfahrt sihet / und die hohen Rähte / umb Gunst
zuverdienen / oder des Vortels mit zugeniessen / nicht allein gar nicht
wiederrahten / sondern noch wohl mit zustimmen / und / welches so viel schänd-und
schädlicher / der Obrigkeit solche Landes-verderbliche Vorschläge tuhn; O so weh
den armen Untertahnen! bei wem sollen sie sich Rahts erhohlen? wem sollen sie
ihre noht klagen / und nur erinnerung tuhn / was vor Unheil solches nach sich
zihe? Wolte Gott! dass die hohen Häupter und Könige ihnen nur dieses stets
liessen vor ihrem Gedächtnis schweben /dass nicht die Untertahnen umb des Königes
willen /sondern der König umb der Untertahnen willen gesetzt ist. Weil ja
Untertahnen noch wohl sein können /ob sie gleich keinen König haben; dann sie
können ihnen eine wilkührliche Obrigkeit wählen. Aber was ist ein König ohn
Untertahnen anders / als ein Bild ohn Leib? Nun achte ichs aber einem Könige
gleiche verweisslich / ob er gar keine Untertahnen / oder aber solche Untertahnen
habe / die wegen seiner Grausamkeit und ungerechten Verfahrungen ihn im Herzen
verfluchen. Dann jenes Römischen Käysers Sprichwort: O derint dum metuant: Lass
die Untertahnen mich nur immerhin hassen und im Herzen anfeinden /wann sie mich
nur fürchten; halte ich vor das allergewisseste Kennezeichen eines allerdinge
volkommenen Wüterichs. Gleichwol müssen die Rähte der Untertahnen bestes also
befodern / dass sie zugleich auch ihrem Herrn / der sie bestellet hat / geträu
sein; welches sie alsdann leisten / wann sie dessen fürstliche Ehre und guten
Nahmen zuerhalten bemühet sind; auch demselben / da er etwa unrecht vornehmen /
oder ein unfürstliches Leben führen wollte / geherzt / wiewol mit gebührlicher
Ehrerbietung einreden / und sonsten seine Wolfahrt nach vermögen fortzusetzen /
seinen Schaden aber abzuwenden / nimmer aus der Acht lassen; ist auch nicht ihre
geringste Schuldigkeit / dass bei den Untertahnen sie ihren Fürsten in gutem
vertrauen erhalten. Wann mirs nun nicht möchte verarget werden / sagte alhie
König Hilderich / könnte ich hiebei mit wenigen anführen; wie dann ein
ruhmwirdiger Fürst vor sich selbst / gegen seine Untertahnen sich müsse
verhalten / dass er in deren Liebe verbleiben möge / als welches ich vor die
gröste Kunst / und vornehmstes Stük einer löblichen Herschaft achte. Und als
Valiska mit wenigen zuvernehmen gab / wie sehr angenehm ihnen allen solche
zwischen eingeschlossene Lehre sein würde / fuhr er also fort: Ihr setze dieses
zum grunde / dass ein jeder Fürst oder König /krafft seines Amts und Gewissens
gehalten sei / sich dessen allemahl zuerinnern / dass alle seine Untertahnen /
auch die allergeringsten / ja so wohl Menschen sind / als er selbst; dann wird er
sich schon zugleich mit erinnern / dass er sie auch menschlich handeln und
ansehen müsse. Hierbei soll er bedenken / was ein Haussvater in seiner engen
Wohnung bei seinen Kindern ist / eben dass sei ein Fürst oder König in seinem
grossen Hause bei seinen Untertahnen. Darumb so mus er auch seine Untertahnen
wie ein Vater seine Kinder / lieben / und deren Heil und Wolfahrt ihm lassen
angelegen sein. Ist er dann seiner Untertahnen Vater / so mus er ihnen auch
freundlich sein; doch also / das sein Ansehen nicht geschmälert werde /sondern
die kindliche Furcht jene in stetem untertähnigen Gehorsam erhalte. Und weil
unter so grosser menge Volks sich viel mutwillige befinden / wie dann wohl eines
Vaters Kinder nicht alle gleiche from sind /so erfodert es des Landes Wolfahrt /
dass solche frevelmühtige durch scharffe Gesetze von der Bosheit abgeschrecket /
uñ durch Furcht der Straffe in den Schranken des Gehorsams gehalten werden:
wiewol eine Obrigkeit billich dahin zusehen hat / dass der Gesetze anzahl nicht
überhäuffet / noch den Untertahnen der Gehorsam unmöglich gemacht werde. Zu
wünschen währe es / dass die Obrigkeit allemahl mit dem Gehorsam könnte zufrieden
und vergnüget sein / welchen die Götter im Himmel / und die Ehrbarkeit auff
Erden erfodert; aber weil ein König und Fürst so wohl wegen des gemeinen besten /
als seines Königlichen Standes erhaltung viel anzuwenden hat / ist es billich
und recht / dass die Untertahnen die erträglichen Schatzungen und andere
unpflichte gerne und willig ausrichten; wozu die vernunftlosen Bienen sie
anweisen / welche ihre König reichlich ernähren. Doch mus solches alles / oder
ja der gröste teil zu des Landes besten angewendet werde; und währe sehr gut und
löblich / dass grosse Fürsten alle üppige kosten einzögen / wañ sie mit der
Untertahnen beschwerung geführet werde. Was aber zur erhaltung Fürstlicher
Hochheit und Würde erfodert wird / solches müssen die Untertahne gerne
herschiessen / weil es zugleich mit zu ihre besten angesehe ist. Da auch einige
sich nit scheuhen würden / an ihrer hohen Obrigkeit /durch schmähung oder
tähtligkeit sich zuvergreiffen /als dann mus man mit solchen verwägenen trauen
nicht durch die Finger sehen / sondern andern zum Beispiel uñ Schrecken / harte
und peinliche Straffen ergehen lassen / inbetrachtung / dass mannicher Bube sich
nicht vor dem Tode / aber gleichwol vor peinlicher hinrichtung fürchtet; daher
die Obrigkeit durch solche schärffe ihr selbst gute sicherheit schaffen mus. Wie
stränge man nun wieder solche Auffrührer sich bezeigen soll / so gnädig hat man
sich hingegen bei denen finden zulassen / welche durch eine sonderliche Träue
sich umb uns verdienet machen; und tuht eine Obrigkeit wohl / wann sie solche
gehorsame Untertahnen hervorzeuhet / und durch sonderliche Ehre und milde
Schenkungen sie gross machet / weil dadurch andere zu gleichmässigem wolverhalten
veranlasst werden. Der Stände und Städte / von unsern Vorfahren durch
wolverhalten erlangete Freiheiten und begnadigungen / sollen wir Nachfolger in
der Herschaft nicht suchen zuverringern / oder wohl gar ungültig zu machen /
sondern ihnen dieselbe gnädigst bestätigen /oder wohl gar vermehren / wann sie
dessen wert sind. Dañ es ist Fürstlich / dass man Woltahten austeilet /nicht /
dass man sie ohn wichtige Ursachen einzeuhet oder abschneidet. Wiewol eine hohe
Obrigkeit billich darauff zusehen hat / dass sie den verbundenen Vntertahnen
nicht zu grosse Freiheiten schenke /durch welche sie / oder ihre Nachkommen
könten veranlasst werden / sich ihrer Obrigkeit gar zu entreissen /
insonderheit / wann ihre Macht ohndass gross und zu fürchten ist. Vnd damit ich
zum Ende eile /mus die hohe Obrigkeit ein wachendes Auge auff ihre Vntertahnen
haben / dass dieselben nicht durch Reichtuhm und Frecheit in verschwendung und
wüstes Leben gerahten / sondern dieselben vielmehr zur Mässigkeit und
Sparsamkeit angehalten werden. Dann jenes bringt das gewisse Verderben des
Landes; dieses aber die ungezweifelte Auffnahme desselben mit sich. Hat dann
unser Land die Gnade der Fruchtbarkeit von Gott / und einen geschlachten Boden /
alsdann müssen des Landes Inwohner zum Ackerbau und zur Viehzucht fleissig
angehalten werden / damit das Land seine Leute speisen uñ ernähren könne / und
man solche nöhtige Lebensmittel nicht aus der ferne hohlen und an sich käuffen
dürfe / wodurch ein Land nohtwendig in armut und verderben gerahten mus. Hat
aber der Himmel unser Landschaft eine und andere nohtwendigkeit versaget / deren
wir nicht entrahten können / als da sind / Salz / Korn / Holz / Wein / Gewürtz /
Zeug zur Kleidung / und dergleichen / (dann dz unnöhtige ist besser gemieden als
gekauft) so soll zwar die Obrigkeit hieselbst Handel und Wandel gerne gestatten /
und denselben durch unerträgliche Zolsteigerung nicht zu schwer machen; aber
dabei doch / so viel möglich / verhüten / dass die fremden /sonderlich die
unnöhtigen Waaren / nicht durch lautere Barschaft erkauft werden / sondern man
dieselben umb des Landes überfluss / (es sei Korn / Vieh /Leder / Handarbeit und
dergleichen) durch einen Tausch oder Wechsel an sich bringe. Dann wo die
Inwohner des Landes die Freiheit haben / ihr Geld vor allerhand Waaren ausser
Landes hinzugeben / da mus nohtwendig ein solches Land endlich an Silber und
Gold erschöpfet werden / insonderheit / wañ den Kauffleuten auch die unnöhtigen
Waaren / die nur zur befoderung der Vppigkeit dienen / umbs Geld zu käuffen
gegönnet wird. Zwar man findet etliche Landschaften / deren Obrigkeit dieses
Stük gar nicht zu Herzen nimt; aber sie werden es zu spät bereuen /wann sie ihr
Land von allen baaren Mitteln werden entblösset sehen. Hingegen gibt es die
Erfahrung /wie reich dieselben Königreiche an Silber und Golde bleiben / welche
dessen nichts / als vor die nohtwendigsten Waaren / weder heimlich noch
offentlich / bei scharffer Lebensstraffe lassen hinaus führen. Es währe dann /
dass ein Inwohner umb seiner Wolfahrt willen sein Vaterland verlassen / und in
einem anderen Lande sich besetzen würde / dem dass seine billich abgefolget wird
/ nur dass er einen erträglichen teil /wo es die Satzungen also erheischen / wird
hinter sich verlassen müssen. Noch dieses wird nöhtig zubeobachten sein / dass
wann unsers Landes Inwohner Gelegenheit haben / auff grossen Wassern / oder wohl
auff dem Meer Schiffart zu treiben / sollen sie ein solches köstliches Mittel
zur Vaterlandes Wolfahrt ja nicht verabseumen / oder liederlich schätzen /
sondern sich dieser Gabe der gütigen Götter fleissig gebrauchen / und nicht
fremden Völkern einräumen / solches herrliche Gewerbe an sich zuzihen / und die
Inwohner dadurch auszusaugen / sondern / wessen sie bedürfen sollen sie selbst
einhohlen / und was sie überflüssig haben / andern zuführen. Dann was vor ein
grosser Vortel hierunter stecket / habe ich bei meines hochseel. H. Vaters
Königes Hunno / und bei meiner funffzehnjährigen Herschaft nicht ohn
verwunderung befunden. Aber gnug von solcher Nahrhandelung /welche in
Friedeszeiten der Inwohner Glükstopf ist. Es will aber dannoch mit pflügen /
Vieherzihen und Kauffmanschaft treiben nicht allemahl ausgerichtet sein /
sondern weil ein Land / dass vor andern haabselig ist / auch so viel mehr Feinde
hat / die dessen Wolfahrt an sich zuzihen bemühet sind / so müssen trauen die
Inwohner auff solchen Fal sich auch zu schützen wissen. Vnd will sich gleichwol
nicht alzeit tuhn lassen / dass man immerzu eine grosse Kriegsmacht bei
auffgerichteten und fliegenden Fähnlein unterhält und besoldet / dann solches
würde den Vntertahnen gar zu schwer fallen; und stecket noch viel eine grössere
Gefahr darunter. Massen wann solche Kriegsverfassung zu mächtig wird / dass bei
des Königes absterben / die Inwohner derselben nicht gewachsen sind / so pflegen
die hohen Kriegsbeamten muhtig zu werden / enttzihen den Ständen (da sie das
Recht haben) die freie Wahl / oder der Erbherr mus ihnen wohl gute Worte geben /
und die Herrschaft ihnen abkäuffen / wie solches die Römer mit ihrem grossen
Schaden bei ihres Käysers absterben erfahren müssen. Welchem Vnheil vorzubauen /
ist hochnöhtig / dass des Landes Inwohner selbst bei Friedeszeiten zum Krige
angewehnet / uñ in ritterlichen übungen getrillet werden; nicht allein / wie sie
ein Lager oder Festung handhaben und beschützen / sondern auch der Feinde
Schanzen und Mauren stürmen / ja / eine offentliche Feldschlacht antreten / und
auff allerhand weise dem Feinde Wiederstand leisten sollen. Da dann der Adel im
Reiten / Rennen und Stechen sich üben; Bürger und Bauern aber zum schiessen und
andern Kriegerischen Betreibungen sollen angeführet werden; so gar / dass die /
so sich wegern wollten / in der Jugend die Waffen anzulegen / als nichts werte
oder wohl gar als ehrlose zuzeichnen sind. Ja es soll kein Inwohner des Landes
sein / der nicht sein nöhtiges Gewehr in seinem Hause habe. Dann diese
vorsichtige Anstellung versichert das Land / schrecket alle muhtwillige Feinde
ab / und machet den König unüberwindlich; insonderheit / wann mans fein anordnet
/ dz durch ein gegebenes Rauch- oder Feurzeichen alle Inwohner in wenig Stunden
können ins Gewehr gebracht werden. Noch eins und anders ist übrig / mit wenigen
hiebei anzudeuten; dass bei solcher Kriegerischen Zubereitung / Recht und
Gerechtigkeit nicht verabseumet / oder auf die lange Bank geschoben werde /
sondern die / so darzu bestellet sind / allen Rechtfertigungen schleunigst
abhelffen / und den geizigen Vorsprachen nicht gönnen / umb ihres Nutzen willen
/ weitläufftiges Schmierment auffzusetzen /und die RechtsZänkerei unsterblich
zumachen / sondern sie sollen solche Zanksüchtige anhalten / dass sie ihre Klage
und Verantwortung auffs kürzeste verfassen / ihren Beweisstuhm dabei klärlich
führen / und durch Zeugen ( wann solche verhanden sind) alles fest machen / oder
sonst auff gebührliche Mittel sich schicken / dann wird es die Erfahrung geben /
dass nicht bald einiger Rechtsstreit so wichtig und schwer ist / welcher nicht
sollte können vermittels drei oder vier Satzen und Verhörungen / inwendig drei
Viertel Jahrsfrist gehoben und erörtert werden. Da man aber den Vorsprachen
gönnet / dass sie eine Sache oft vier /zehn / zwanzig / und mehr Jahr aufhalten /
oder der Richter durch Schenkungen sich verblenden lässet /vor das meiste Geld
das beste Recht zuverkäuffen / da muss endlich der Himmel ein Einsehen tuhn / und
wegen solcher Ungerechtigkeit das ganze Land abstraffen / weil die Götter der
Unrecht-leidenden Trähnen nicht ungerochen lassen. Schliesslich hat die hohe
LandesObrigkeit auch dahin zusehen / dass die Untertahnen ihnen nicht die freche
Freiheit nehmen / ausländische leichtfertige Sitten und Kleidungen einzuführen /
sondern der üblichen Landesart sich gemäss zubezeigen; dann es gibts die
Erfahrung / dass man bald hernach deren Joch und Herschaft hat müssen über sich
nehmen / deren Sitten und Trachten man wider Landesgebrauch sich hat gelüsten
lassen. Verzeihet mirs / bitte ich / ihr gewaltige Könige und andere hohe
Anwesende / dass in dieser Frage / wie die hohe Obrigkeit gegen ihre Untertahnen
sich bezeigen / und des Landes beste beobachten soll / ich etwas weitläufftig /
(muss wohl bekennen) gewesen bin / da doch /umb dasselbe zuerklären / nit bin
ersuchet worden; dann weil hochgedachte meine Vorfahren dieses in ihren
schrifftlichen Anmerkungen ganz fleissig untersuchet und auffgezeichnet habe /
so habe solches zugleich mit anzuführen / kein bedenken getragen. In Bestellung
aber der König und Fürstlichen Rähte und hohen Bedieneten / ist noch übrig / dass
die Obrigkeit bestes fleisses verhüte und hindere / damit unter ihren Rähten ja
keine Misshelligkeit oder Zwietracht entstehe; weil daher entweder dem Lande /
oder dem Könige Unheil zuwachsen kann. Dann hat der eine etwas gutes und
nüzliches vor / wodurch er ihm suchet Ruhm und Ehr zuerwerben / wird sein
neidischer bemühet sein / solches zuhindern / nur dass jener sich nicht möge umb
das gemeine Wesen oder den König verdienter machen / als er. Zwar es stehen
etliche Weltweise in den Gedanken / es könne der Obrigkeit vielfältig zuträglich
sein / wann die hohen Bedieneten Missverstände untereinander haben; dann da müsse
der eine sich vor dem andern fürchten / ichtwas vorzunehmen / was ihm einigen
Verdacht könnte zuzihen. Es werde auch ein jeder sich befleissigen / durch
woltuhn des Herrn Gnade zuerhalten; und sei dieser Zwietracht ein gewünschtes
Mittel / durch welches ein Fürst seinen Rähten hinter ihre Heimligkeit kommen
könne. Ich aber weiss dieser Meinung nicht beizupflichten; Ursach / die Gefahr
solcher Uneinigkeit ist grösser / als der verhoffete ungewisse Nutzen. Und wer
seinem Herrn durch Verleumdung anderer seiner Mitgesellen gefallen / oder dessen
Gunst suchen will /den achte ich des Nahmens eines redlichen Mannes unwirdig
sein. Dann er gebrauchet sich unredlicher Mittel zu seinem Vortel / und suchet
seine Auffnahme durch eines andern Unterdruckung / wodurch er sich in Verdacht
setzet / man ihm im grunde nicht trauen darff. Zugeschweigen / dass wann ein
Fürst solchen Verleumdungen das Gehör leihen wollte / er durch falsches angeben
leicht könnte dahin verleitet werden /dass er den schädlichen Schmeichlern trauete
/ und die Unschuldigen zu seinem grossen Schaden beleidigte. Mit wenigem
zusagen: Ich setze in allen Handlungen /(auff gut auffrichtig Teutsch) die
redliche Auffrichtigkeit zum Grunde / und verfluche dagegen allen Vortel /
welcher mit eines andern unbefugter Unterdrückung oder Schade erlanget wird.
Auff mein Vorhaben wieder zukommen / so wollen hieselbst etliche einsträuen; die
gar zu grosse Freundschaft und Einigkeit der Fürstlichen Rähte / könne dem
Herrn und seinem Lande schaden bringen / und sie in Gefahr setzen /wann sie sich
unterstehen dürfften / wider dieselben allerhand nachteilige Rahtschläge
zuschmieden. Denen ich zur Antwort gebe: Es müste ein Fürst die
allerschlimmesten Buben seines Landes zu Rähten angetroffen oder erwählet haben
/ wann nicht ein einziger frommer Mann unter ihnen sein sollte / welcher sich der
übrigen verrähterischen Bosheit dürffte oder wollte entgegen setzen. Aber es ist
eine vergebliche Furcht; massen solche Bedienete ihre Schelmstücken nimmermehr
so heimlich treiben können / dass von dem Fürsten selbst / oder von etlichen
seinen Leuten es nit sollte können gemerket werden. Welchem allen nach ein Fürst
seine Rähte zur Einigkeit vermahne und anhalte / und da unter ihnen ein reudiges
Schaff sich darzu nicht wollte bequehmen / gebe man ihm ehrlichen Abscheid. Dann
was jener Römischer Geschichtschreiber sehr nach denklich einführet / Concordia
res parvæ crescunt, etc Durch Einigkeit nehmen kleine Dinge zu / aber durch
Uneinigkeit zerfallen auch die allergrösten; dasselbe findet trauen auch
hieselbst statt; uñ kann ein Fünklein der Uneinigkeit zwische den Rähten ein
grosses verzehrendes Feur bei den Untertahnen anzünden / welches zu löschen der
Fürst selber nit mächtig gnug währe. Möchte jemand sprechen: Ich vernehme zur
gnüge / was vor Leute zu Fürst- und Königlichen Rahtsbedienungen tüchtig und
geschikt sind; aber wer stecket dem Menschen beim Herzen / oder wer kann einem
andern es vor der Stirn lesen / was er im Gemühts Schilde führet? es ist nicht
alles Gold was da scheinet / und die abgefeimteste Buben wissen durch Gleissnerei
sich am Tugendmildesten zustellen. Ist alles wahr / und erscheinet daher / wie
sorgfältig ein Fürst in Bestellung seiner Rähte verfahren müsse; nehmlich / dass
/ wo möglich /man keine fremde und unbekannte / noch junge unerfahrne Leute aus
blosser unbedachtsamer und blinder Gunst zu solchen Aemptern erhebe / sondern
die beides ihrer Geschikligkeit und auffrichtigen Wandels bei andern ein gutes
Zeugnis haben. Und handelt ein Fürst sehr klüglich / wann er einem
neubestelleten Raht / eine oder andere Sachen klar zumachen auffträget / da man
aus dessen Vornehmen und Bezeigung guter massen wird abnehmen können / wie weit
solches Mannes Vermögen und Aufrichtigkeit sich erstrecket. Wil man dañ einen
bestelleten Raht zugleich prüfen / ob er verschwiegen sei / und eine
anvertrauete Heimligkeit unter dem Schloss des Herzen behalten köñe / so rede
der Fürst ein und anders mit ihm allein / als im höchsten Vertrauen (obs gleich
nit viel auff sich hat) / und sage keinem andern ichtswas davon; dann wird sichs
finden / wie weit ihm zutrauen sei. Da ich dann allen verständigen Rähten und
Bedieneten die geträue Warnung erteilen will / dass niemand sein Weib / oder
Kinder / oder Anverwanten so lieb habe / ihnen dasselbe zuoffenbahren / was sein
Herr bei ihm / als in geheimer Verwahrung nidergesetzet hat; dann was drei
wissen / das bleibet nimmer heimlich. Schliesslich hat ein Fürst sich wohl
vorzusehen / dass seiner hohen Bedienten keinem es eingeräumet werde / Rähte und
andere Amtleute nach seinem Gefallen zubestellen / damit der Befoderer von
seinen Geschöpffen oder Befoderten nicht zu grossen Anhang bekomme / und der
Herr selber sich vor ihm fürchten müsse. (Dieses als Mnata es hörete / liess er
einen tieffen Seuffzer aus dem innersten seines Herzen; und König Hilderich fuhr
also fort:) Ich vor mein Häupt pflege es also zuhalten: Wann einige vornehme
Bedienung durch tödlichen Abgang meines Dieners erlediget wird / lasse ich mir
von meine Rähten unterschiedliche vorschlagen / nach deren Leben und Wandel ich
mich unvermerkt erkündige / auch mit ihnen wohl selbst Unterredung pflege; da
dann die blödesten / und die eine auffgegebene wichtige Frage aufzulösen /
Bedenkzeit begehren / mir nicht allemahl die unangenehmsten sind. Hingegen die /
so mit ihrer Antwort zuplatzen / und ohn Bedacht vor geschikt gnug wollen
angesehen sein / kommen mir sehr verdächtig vor / dass es ihnen entweder am
Verstande / oder gebührlicher Ehrerbietigkeit mangele. Ist nun einer unter den
vorgeschlagenen / der mir wohl anstehet / so bestelle ich denselben / und gebiete
/ dass ein jeder ihn erkennen und halten solle / vor den ich ihn gesetz habe. Kan
ich aber die Wahl unter den vorgestelleten selber nicht machen; dann trage ich
meinen Leuten auff /einen davon auszulesen / und mit einhelliger Stimme mir ihn
zunennen; und wann solches geschiehet / behalte ich mir dannoch die Freiheit /
ihn anzunehmen /oder eine andere Wahl von ihnen zuheischen. Können sie aber der
Sache unter ihnen nicht eins werden / so lasse ich die / an welchen keiner etwas
zutadeln hat /zusammen treten / und die Wahl durchs Los ausrichten. Da dann bei
Bestellung ich meinen Leuten ehrlichen und gnugsamen Unterhalt vermache / davon
sie nicht allein leben und ihren Stand führen / sondern auch den ihren einen
Noht- und Ehrenpfennig ersparen können; jedoch nebest dieser ernstlichen
Warschauung / dass wo ich an ihnen einige Unträue oder Ungerechtigkeit spüren
würde / dass umb Geschenk oder Gunst willen sie das Recht verkehreten /müste
solches an ihnen / andern zum Beispiel / ohn alle Gnade gestraffet werden. Und
bei Angelobung ihrer Träue erinnere ich sie zum überfluss / dass diese meine
Warnung sie ja nimmer aus ihrem Gedächtnis sollen kommen lassen / sondern bei
allem ihren Vornehmen daran gedenken. Doch untersuche ich hernach ihr verhalten
auch nicht auffs genaueste / dann ich weiss / dass wir alle der Schwacheit
unterworffen sind /und man zuzeiten einen Fehltrit tuht / der nicht aus Bosheit
vorgenommen wird. Wiewol ich dene zum fleissigsten auff die Hände acht gebe /
die mit dem Königlichen Schatze / und gemeinen Einnahmen und Aussgaben umgehen.
Dann wo diese nicht ehrliches Gemühts / sondern dem Geiz zugetahn sind / können
sie zu des Fürsten und Landes Nachteil sehr schlime Händel machen. Stehet einem
und andern etwz aus bei dem Fürste / oder bei der Landschaft / können sie
tausend Anschläge machen / dass ihr Anteil daran /der gröste wird / ob gleich
ihne kein Heller davon mit Recht zukomt. Ich habs erlebet / dass meines Reichs
Rentmeister / unter schiedlicher Leute rechtmässige Foderung / umb ein gewisses
Geld an sich gekaufft /uñ mir / als währe es richtig bezahlet / in Rechnung
gebracht haben / da auff fleissige Nachforschung ich ihnen zimlicher massen
hinter die Künste kam / und ihnen den Strik zum Lohn erteilet habe. Dass ich mich
aber sollte rühmen können / ich hätte aller Diebsgriffe / welche hiebei vorgehen
können / völlige Erkenntnis /ist weit gefehlet; dann ich muss bekennen / dass mir
zuzeiten / von einem und andern ein solcher blinder und unsichtbahrer Ohksbohks
vor die Augen gemacht wird / dass ich zwar merke / es sei nicht richtig / kann
aber den eigentlichen Betrug nicht finden / und muss also sehend blind sein. Zum
Beschluss währe noch übrig / mit wenigen anzufügen / wie mannicherlei nöhtige
Rahtsbedienungen anzuordnen sind / als da man Reichs- oder LandRähte / HofRähte
und GerichtsRähte zubestellen hat; was eines jeden Ampt und Verrichtung sei /
und wie man einen Rahtsbedieneten nicht mit gar zu vielen ämptern überladen
solle / noch solche unterschiedliche Bedienungen vermischen. Weil aber der späte
Abend uns vermahnet / die Ruhe zunehmen / damit man der morgenden Königlichen
Krönung beizuwohnen desto geschikter sei / will meiner ohndas schon zu
weitläufftiger und verdriesslicher Rede ich vor dissmahl anstand geben / nebest
freundlicher Bitte / alles was von mir vorgetragen ist / im besten zuvermerken /
sampt angefügeter ausdrüklicher Bedingung / dass zu keines Menschen Unterweisung
/ sondern bloss meiner Durchl. Fr. Tochter zu wilfahren / ich solches alles
angeführet habe. Dieselbe nun bedankete sich kind-uñ demühtig vor diese heilsame
Unterrichtung / nebest anzeige / sie würde wohl keinen Schlaff in ihre Augen
kommen lassen / ehe sie das angehörete / so viel ihr zufallen würde / in ihr
Gedächtnis-Büchlein auffgezeichnet hätte / welches sie bei besserer Muess etwas
fleissiger und nachdenklicher überzulegen /wollte bemühet sein. Des folgenden
Morgens ging es allentalben an ein zubereiten / so wohl zu Ladisla und seiner
Gemahl Krönung / welche umb 10 Uhr geschehen sollte / als zu Arbianes
HochzeitFest. Königin Valiska wahr über ihre Gewohnheit sehr frölich / und
rühmete ihrer Libussen / dass sider ihres Herkules erste Verlust ihr Herz nie so
leicht uñ vergnügig gewesen währe. Worauf diese aus Kurzweil zur Antwort gab:
Sie würde ohn zweifel heut einen guten Fund tuhn. Nach verrichtete Gebeht
schmückete sie sich Königlich / uñ wz sonderlich anzuordne war / hatte sie über
sich genomen / damit man bei de fremde ja keinen Schimpf einlegen möchte. Zwo
Stunden vor der angesetzeten Krönung kam ein junger Ritter in den Königlichen
Saal / mit Anzeige / es würde Herr Pribisla freundlich ersuchet und gebehten /
biss in das zunähst gelegene Wirtshaus zukommen / woselbst ein fremder unbekanter
sein wartete; uñ als er darzu willig wahr / empfing ihn ein alter eissgrauer Mann
in schlechter bürgerlicher Kleidung / dessen Bart schien in etlichen Jahren
nicht abgeschnitten sein. Die Wangen und Augen wahren ihm tieff eingefallen /
die Hände hart / und inwendig vol Schwelle / aussen aber von schwerer Arbeit
auffgesprungen und geborsten /und ging gar krum gebücket. Pribisla wunderte sich
/dass ein solcher ungestalter elender Mensch ihn hätte zu sich fodern lassen
dürffen / insonderheit / da er mit diesen Worten von ihm angeredet ward; mein
Herr es zweifelt mir nit / ihn werde sehr befremden / dass ich unachtsamer
denselben zu mir fodern dürffen / angesehen / er nicht allein mit hohen
Geschäfften beladen ist / sondern dem ansehen nach / ich demselben viel
billicher hätte auffwarten sollen. Es versichere sich aber mein Herr als mir
sehr wolbekanter Freund / dass nichts von mir aus Frecheit oder Unverstand
vorgenommen ist / sondern ich ermahne ihn bei der Pflicht und Träue / damit er
seinem Könige Herrn Ladisla /und seiner Fr. Mutter / der alten Königin
verpflichtet ist / dass er mir nicht versage / warum ich ihn bitten werde / und
da er etwa gleich jezt / oder nach diesem mich kennen würde / er mich doch
ungemeldet lasse /biss ich mich selbst kund gebe / und wird ihm solcher Dienst in
kurzem vergolten werden. Pribisla sah diesen Alten starre an / und dauchte ihn
/ denselben mehr gesehen haben; weil er sich aber keiner Gewissheit erinnern
kunte / antwortete er ihm; guter Freund / ohnzweifel Vornehmer / wiewol noch zur
Zeit mir unbekanter Herr; es ist ein gefährliches Ding / jemande sein begehren
vor dessen Erklärung zuverheissen; jedoch / wann er mich versichern kann / dass
solches weder diesem Königreiche / noch einigem anwesenden Könige und Herrn
schädlich und zuwieder ist /will ich in sein Ansuche so viel an mir ist / gerne
einwilligen. Dieses gelobe ich bei allen Göttern / sagete der Alte / und ist
meine Bitte / dass ihr nach eurer mir sehr wolbekanten Weissheit verschaffen
wollet / dass die junge Teutsche Königin Fr. Valiska und Herr Krokus in den
vörder- oder Mittelplaz des Schlosses kommen mögen / dahin ihr mich in Betlers
Kleidern zuführen unbeschweret sein werdet. Pribisla wahr voller Verwunderung
und argwönischer Gedanken /als dieser Alte sein neues überzogenes Kleid ablegete
/ und inzurissenen Lumpen vor ihm stund / daher er dieser Antwort sich nicht
entalten kunte: Guter Alter ich weiss nicht / ob ich euch wilfahren soll oder
nicht /weil mir dadurch ein grosses Unglück könnte auffgebürdet werden; zwar ich
halte euch vor redlich / aber wann je ein Meuchelmörder sein Blut vor eines
andern Leben verkäuffet hätte / wie könnte derselbe auff bessere Gelegenheit
bedacht sein / die Mordtaht zuvolstrecken? Der alte gedachte schon vorhin / dass
Pribisla sich dessen befahren würde / und gab ihm zur Antwort; mein lieber Herr
und Freund / nicht unbillich befürchtet ihr hoher Leute unvermutlichen Anfal /
weil deren unterschiedliche vorgehen / und ich davon zu seiner Zeit Zeugnis gnug
geben werde; aber dafern ich euch diesen Wahn nie benehmen kann / so lasset diese
meine BetlersKleider fleissig und genau durchsuchen / und wann ihr einiges
Gewehr oder schädlich Ding bei mir antreffet / sollet ihr mich alsbald dem
Henker zur grausamen Straffe übergeben; ist dann auch dieses Erbieten zuwenig /
so bindet mir die Hände nur fest genug / wiewol ich ungleich lieber ungebunden
vor der jungen Königin erscheinen möchte /nachdem ich lange gnug sehr harte
Fesseln in meiner Unschuld tragen müssen. Pribisla nahm das willige Erbieten
gerne an / und durchsuchete ihn selbst hin und wieder; weil er aber nichts bei
ihm fand / auch nicht ausssinnen kundte / wer dieser Alte sein möchte / und ihm
doch sein Herz etwas sonderliches zutrug /sagete er ihm zu / allen Fleiss
anzuwenden / dass nach gehaltener Krönung / deren er beiwohnen müste / seinem
Willen ein genügen geschehen sollte. Aber der Alte antwortete; O nein mein Herr
wann mein Vorhaben (welches wichtiger ist als ihr nicht gedenket) Auffschueb
haben könnte / wollte ich hernach wohl ohn euer zutuhn die junge Königin zusprechen
bekommen; seid ihr nun eurem Könige gewogen und träu /wie ich wohl weiss / so
werdet ihr mir straks Angesichts zuwillen sein. Es gedauchte Pribisla je länger
jemehr / das Angesicht auch die Stimme zukennen /ob sie gleich heiserich wahr /
und kunte doch die eigene Warheit nicht ausssinnen / endlich hielt er ihn vor
etwa einen guten Freund seines Kömges / der aus weit abgelegenen Landschaften
kähme / und auff der Reise in Ungelegenheit gerahten währe / daher nam er ihn zu
sich / und liess ihn hinter sich hergehen. Die erste Schildwache hätte des
elenden Betlers Eingang gerne verhindert / wie dañ ernstlich befohlen wahr /aber
seines Führers Ansehen wahr zu gross / auff dessen begehren sich niemand sträuben
durffte. Derselbe nun gedachte im hingehen darauff / wie er Königin Valisken und
Herr Krokus in den Vorhoff bringen möchte / weil der Alte gar nicht wollte / dass
man seiner einige Meldung tähte; endlich foderte er seine SchwiegerTochter
Libussen zu sich / welche sein begehren ins Werk zustellen ihm verhiess / auch
alsbald in den grossen Saal zu der Königlichen Gesellschaft ging / und unter dem
Schein ihrer Königin auffzuwarten / baht sie dieselbe / ein wenig mit ihr hinaus
zugehen / welche etwas sonderliches zu sein vermeinend ihr geschwinde folgete /
und vor ihr hörete / der Schwedischen Fräulein Leibdienerin hätte deroselben
Schwacheit geklaget / und würde ihr vielleicht eine Ohmacht zugestossen sein /
als sie hingangen währe /das Wendische Fräulein in ihrem Gemache zubesuchen. Das
wolle Gott nicht / antwortete die Königin /darum lauff geschwinde hin / es
eigentlich zuerfahren. Von Herzen gerne / sagete sie / aber kann eurer Hocheit
nicht gnädigst gefallen / mit mir zugehen / umzubesichtigen / wie im
VörderPlatze / wodurch wir gehen müssen / alles so artig angestellet sei? Du
schleppest dich allemahl gerne mit mir / antwortete die Königin / und wie
woltestu es machen / wann du dich von mir scheiden soltest? Ehe wird meine Seele
sich von ihrem Leibe trennen lassen / sagete sie / ehe ich das Leben meiner
Seele mit willen wissen werde. Nun so komm dann / sagte die Königin / ob das
Fräulein unser Hülffe dürftig währe. In dem sie die Steige in den innern Platz
hinunter gingen / sahen sie Krokus vor sich hertreten / welchen Valiska herzu
rieff / ihn fragend / wohin er so eilig gedächte; und als er zur Antwort gab /
Herr Pribisla hätte ihn zu sich in den Vörderplaz fodern lassen / sagete sie; so
gehen wir mit einander / dann mein Weg ist auch dahin. Der alte Fremde / die
Königin ersehend / empfand überaus heftige bewägung in seinem Herzen / und als
Pribisla ihr ehrenhalben mit entblössetem Häupte entgegen trat / folgete ihm der
Alte / kehrete sich an niemand /sondern mit gebogenen Knien redete er sie also
an: Grossmächtigste Königin; ihrer Königl. Hocheit glückliches wolergehen ist mir
von Herzen angenehm / als die ich lange Zeit her nicht gesehen; und ob gleich
dieselbe in diesem elenden Kleide / welches ich etliche Jahr ihretwegen getragen
/ mich nicht kennet / so versichere ich dannoch dieselbe / dass ihr Herr Vater
höchstseligen andenkens / mir nie ungnädig / sondern allemahl mit grosser Hulde
zugetahn gewesen ist /bitte auch eure Hocheit umb dessen willen / mir eine Gabe
mit zu teilen. Als Valiska ihres allerliebsten Herr Vaters Gedächtnis hörete /
schossen ihr die Trähnen häuffig aus den Augen / dass sie sich auff Pribisla
lehnen musste / welcher den Alten mit unverwendeten Augen ansah / und ihn
endlich kennete / daher er so grosse Herzensprast empfand / dass er mit diesen
Worten (O ihr Götter / ich will nun gerne sterben!) zur Erden nidersank. Valiska
und Krokus entsetzeten sich hierüber nicht wenig / und in dem sie mit Libussen
Hülffe ihn auffrichten wollten / fiel der Alte gleichergestalt in tieffe Ohmacht
nider / dann die Zähren so Valiska vergoss / belieffen ihm das Herz / dass er
meinte seinen Geist auffzugeben. Niemand kehrete sich an ihn / biss Pribisla
wieder zu sich selber kam / und den Alten gestrecket liegen sah / dessen rechte
Hand er mit grosser Ehrerbietung küssete / hernach zu Krokus / der ihn vor
unsinnig schalt / sagete: Wie nun mein Bruder; keñestu dieses ehrwirdige
Angesicht nicht mehr / welches niemand im ganzen Königreiche besser / als du /
gekennet hat? Krokus erschrak der Rede / besah den Ohmächtigen und gleichsam
erstarreten Alten gar genaue / streich ihm den linken wolzulappeten Ermel auff /
fand das begehrete Zeichen /und rieff: O unser König Notesterich / unser
wahrhaftiger König Notesterich! mit welchen Worten ihm die Sprache und alle
Kraft entging. Valiska hatte der Rede nicht acht / und fragete Pribisla / was
diese grosse Verenderung über diesen armen alten Mann doch bedeutete / und wer
er währe; beschauete ihn auch zugleich / da Pribisla zu ihr sagete: O gnädigste
Königin / ich meine gänzlich / und zweifele nicht / dieser arme Mensch sei euer
Königl. Hocheit Herr Vater /unser König Notesterich / wovor ihn Krokus auch
hält. Sie erkennete ihn darauff alsbald / und in dem sie überlaut rieff: O mein
HErr JEsus / wie gnädig bistu! bestarb gleichsam ihre Seele vor freuden / dass
sie auff ihren allerliebsten Vater niderfiel. Libussa wusste nicht / was sie vor
Angst beginnen sollte / rieff nach frischem Wasser / und bemühete sich / die
Königin zu laben / da inzwischen ein Königlicher ädelknabe nach dem Königlichen
Saale lieff / und daselbst anmeldete / es währe ein alter Betler im Vörderplaz
ankommen / über dessen Gegenwart /Herr Pribisla / Krokus / und Königin Valiska
selbst in harte Ohmacht gefallen währen. Dass mus eine sonderliche Wichtigkeit
auff sich haben / sagete Herkules / lieff mit Ladisla in Königlichem Pracht
hinunter /und folgeten ihnen die anderen so schleunig nach /dass die Besatzung
nicht anders meinte / es hätten die Könige einen Unwillen unter sich angefangen
/ dass sie sich rauffen wollten. Als die beide Helden in den Platz kahmen / sahen
sie Krokus sich wieder erheben /und dass er nebest Pribisla den alten Betler
auffrichteten / auch ihn als einen König ehreten. Valiska kam auch zu sich
selbst / stund auff / fiel dem alten umb den Hals / herzete und drückete ihn
auch so inbrünstig / dass alle Anwesende / denen es unbewust wahr /meinten / ob
währe sie bezaubert / daher Herkules hinzutrat sie hinweg zureissen; woran sie
sich doch nicht kehrete / sondern zu dem alten mit heissen Trähnen sagete: Ach
mein herzallerliebster Herr und Vater / an was unseligem Orte hat eure Hocheit
sich so lange auffgehalten? O wie schwere Rache mus demselben vorbehalten sein /
der euch in diesen Stand gestürtzet hat! Der Alte antwortete ihr:
Herzallerliebstes Kind / ich danke dem gütigen Himmel / der mich aus meiner
elenden Gefängnis und schmählichen Dienstbarkeit erlöset / und mich daher
geführet hat / meine lieben Kinder noch vor meinem ende zu sehen. Und ihr mein
herzgeliebter Sohn Herkules / sagete er weiter / verwundert euch nicht über
eures geliebten Gemahls Bezeigung / dann ihr werdet euren Vater Notesterich den
unseligen an mir gar bald erkennen. Ladisla hörete diese Worte auch / und fiel
nebest Herkules ihm umb den Hals / dann die Zeichen des Angesichts gaben ihm
bald kundschaft / daher sagete er zu ihm: Gnädiger Herr und Vater; mein Herr
JEsus ist mein Zeuge / dass mir angenehmers in dieser Welt nicht begegnen könnte /
als dass ich euch lebendig vor mir sehen soll; aber lasset euch doch erbitten /
und kehret mit mir auff das näheste Gemach / dass man euch daselbst Königlich
ziere / dann ich schwöre zu Gott im Himmel / dass bei eurer Lebezeit / welche
Gott lange fristen wolle / ich dieses Reich nicht beherschen will. Nicht also /
mein allerliebster Sohn / antwortete sein Vater; dann wie sollte dieser mein
krumgebogener Rücken solche schwere Last nach diesem ertragen können; beschaue
mich nur in dieser meiner Schwacheit / und betrachte / ob es möglich sei / dass
ein solcher durch allerhand Unglück und Elend abgemengelter Mensch / der seine
Knochen kaum fortschleppen kann / ein Königreich sollte verwalten können? daher
ist mir dein äidschwur sehr hart zuwieder. Vor dismahl aber will ich dir zu
Willen sein / und auff das näheste Gemach welches mir vor diesen zu Lust dienete
/ mich verfügen / damit ich diese Betlers-Kleider ablegen möge. Sonsten wundert
mich nicht wenig / dass noch einiger Mensch mein durch Sonnenbrand /Hunger und
Unglück verstelletes Angesicht hat erkennen mögen / daher ich mich auch nicht
wenig befürchtet / ich dürffte anfangs vor einen Betrieger gehalten werden /
aber Gott Lob / dass die Buben noch im Leben sind / welche mich in dieses Elend
gestürzet /und von mir Zeugnis werden geben müssen. Bald ward ein Feld-Scherer
herzugefodert / der ihn putzen und waschen musste / nachgehends brachte man ihm
Königliche Kleider / und ward inzwischen seinem Gemahl kund getahn / dass ihr
Gemahl und König lebendig zu Lande geschlagen währe / und gleich jetzo auff dem
Saale sich finden würde; über welche Zeitung sie vor unsäglicher Freude als eine
Leiche dahin fiel / und bei allen fremde eine grosse Verwunderung entstund.
Nachdem er gebührlich angetahn war / kanten ihn alle / die vorhin viel mit ihm
umgangen wahren / ward von seinem Schwager König Henrich brüderlich empfangen
und bei der Hand auff den grossen Saal geführet / da gleich sein Gemahl wieder
zu Kräfften kommen wahr. Als sie eines des andern ansichtig wurden /kunte keines
einigen Fuss aus der stelle setzen / biss endlich die alte Königin zu ihm
hingeleitet ward / die sich straks an ihn lehnete / endlich zu ihm sagete: O
mein werter Schaz und König; soll ich dann noch vor meinem Ende euch wieder sehen
/ und des Glückes volle Gunst geniessen? Ja mein hochgeliebtes Gemahl /
antwortete er; die Götter haben nach ihrem vollendeten Zorn mich wiederumb
begnadet / und nicht allein mein Königreich / sondern auch mein Gemahl / Kinder
/ Anverwanten und Freunde mich sehen und umfahen lassen / wovor ich schuldig bin
/ allen SchuzGöttern dieses Landes mich dankbar zubezeigen. Die fremden Könige
traten auch herzu / und wünscheten ihm wegen seiner unversehenen glücklichen
Ankunft alle Wolfahrt; so wollten Herkules / Ladisla und Baldrich nicht von ihm
weichen / aber sein Gemahl und Tochter fasseten ihn stets in die Mitte. Sophia
und Klara drungen auch herzu / und erkühneten sich die Römischen Herren mit bei
der Freude zusein / wie auch die Böhmischen Grossen / die mit Tränen beklageten
/ dass ihres KönigesLeben und Elende ihnen so gar unwissend gewesen / und sie ihm
nicht beispringen können. König Notesterich vergass nicht / alsbald zubefehlen /
dass ja seine Ankunft ausser dem Schloss nicht erschallen möchte / dann es
währen etliche wenige seiner Untertahnen / die ihn in dieses sein bisher
geführetes Elende ganz verrähterischer boshafter weise gestürzet hätten / wovor
ihnen der gebührliche Lohn werden müste; rieff Herkules zu sich / und baht ihn /
etliche Teutsche Reuter unter Neklams und Grozemisla Anführung (weil diese am
nähesten stunden) auszusenden / und einen Böhmischen Herrn / nahmens Ninisla
samt seinen Sohn Urisla / ohn Meldung anderer Ursachen / hohlen zulassen / als
dass ihr König Ladisla sie nach Hofe fodern liesse / so dass / wann sie willig
mitzihen würde / man ihnen keine Gewalt anlegete / aber doch auff dem ganzen
Wege ihrer zum fleissigsten acht hätte / damit sie von keinem Menschen / wegen
seiner Wiederkunft Nachricht bekähmen / noch auszureissen Gelegenheit hätten;
würden sie sich aber wegern mitzuzihen / sollte man sich ihrer / wie man best
könnte / lebendig bemächtigen / weil ihm zum allerhöchsten daran gelegen währe.
Es wahr schon zimlich weit auff den Tag / aber des zulauffens der
Glükwünschenden noch kein Ende / daher befoderte Valiska / dass man sich zu
Tische setzete. An einer Seite musste König Notesterich mit seinem Gemahl die
Oberstelle nehmen; neben ihm König Henrich / König Haron / Ladisla und Mnata /
alle mit ihren Gemahlen; und weil dieser keine hatte / ward ihm Frl. Vanda die
Wendin (des ehmaligen Krito Bruders Tochter) an die Seite gesetzet. An der
andern Seite des langen Königlichen Tisches sassen die jungen Eheleute /
Arbianes und Klara / weil es ihr HochzeitFest wahr / oben an; nähest ihnen König
Hilderich / der Dähnische König /und Herkules mit ihren Gemahlen. Oben vor dem
Tische musste König Baldrich mit seinem Gemahl den Siz nehmen / und an der andern
Setten vor dem Tische Herr Fabius mit seiner Pompejin / als Käyserlicher
Statalter und Böhmischer Schwiegervater. Der andere Tisch ward also besetzet /
dass an der langen OberSeite Herr Pompejus / der junge Fabius / Kornelius /
Emilius und Zezilius Antenor mit ihren Gemahlen; an der andern Seite / nach
langer nöhtigung /Fürst Siegward mit seinem Gemahl / Fürst Olaff mit dem schönen
Schwedischen Fräulein / Fürst Markomir mit einem jungen Sikambrischen Fräulein
zwölffjähriges Alters / seines Herr Vaters Bruders Tochter / Herr Pribisla /
Herr Bretisla der Böhmische Kanzler und Herr Krokus; vorne Stanisla und Mastyes
/ und gegen über Agis und Opimius ihre Stelle hatten. Am dritten Tische sassen
Wolffgang mit seiner Braut / und Reichard mit seiner Adelheid oben an /weil ihre
Hochzeit zugleich gehalten ward / und wurden die vornehmsten Franken / Schweden
/ Dähnen und Wenden gesetzet mit adelichem Böhmischen Frauenzimmer. Die übrigen
Tische noch zwölffe an der Zahl wurden alle vol. Leches / Klodius und Neda mit
ihren Eheliebesten warteten bei dem Königlichen; Markus / Prinsla und Gallus mit
ihren Liebesten bei dem Fürstlichen Tische auff / wie hart ihnen gleich befohlen
ward / sich niderzusetzen; und wahr kein Mensch zugegen / der seine Freude über
des alten Königes Wiederkunft hätte recht ausdrücken oder an den Tag geben
können / weil man ihn bisher nicht allein vor gewiss tod geschätzet / sondern
auch seine vermeinte Leiche schon längst zur Erde bestätiget hatte; welche
Gedächtnis algemach bei vielen Anwesenden einen Zweifel verursachete / ob er
auch der wahrhafte König / und nit vielmehr ein Landbetrieger / oder wohl gar
ein Schwarzkünstler währe / dem vorigen Könige in etwas ähnlich / dessen
Untergang er sich etwa erkündiget hätte / und auff den Königlichen Stuel sich
setzen wollte. Ja die alte Königin selbst geriet in Argwohn / welches ihre zu
unterschiedenen mahlen ausgelassene Seuffzer gnugsam an den Tag legeten / und
der König ihr Anliegen leicht merkete /deswegen er zu ihr sagete: Herzgeliebetes
Gemahl /wie auch Kinder und andere ehmahls bekannte Herren und Freunde; es nimt
mich noch immerzu höchlich wunder / dass kein Mensch zugegen an mir zweifelt /ob
ich König Notesterich sei oder nicht / nachdem mein Tod schon so lange gegläubet
/ und meine vermeinte Leiche (die man wohl hätte mögen etwas eigentlicher
besehen) zur Erden bestattet ist; ja weil ich eben zu dieser Stunde ankomme / da
mein geliebter Sohn zum Könige soll gekrönet werden; sollte aber einer oder ander
in mir einiges Misstrauen setzen /hoffe ich / dieselben werden sich eine kurze
Zeit gedulden / biss der Gottlose verrähterische Bube Ninisla und sein Sohn
Urisla ankommen werden / welche mein Herr Sohn König Herkules einhohlen lässet;
dieselben sollen durch Folterzwang schon dahin gebracht werden / im falle sie
nit gütlich bekennen wollen / wie verrähterisch sie mit mir ihrem Könige
umgangen /und mit was unaussprechlichem Jammer und Elende sie mich eine geraume
Zeit belastet / biss endlich der gütige Himmel durch einen fal mich los gemacht
/dass ich gefangen als ein Leibeigener in Pannonien geführet bin / woselbst ich
gegenwärtigem Könige und allen seinen Hofeleuten unwissend / über zwei Jahr ein
GänseHirte / auch ein Holz-Wasser- und Leimen-Träger / und dabei doch ein
Spielman uñ Unflaht-Reiniger gewesen bin (hier schosschen ihm die hellen Zähren
aus den Augen) / wovon ich heut diesen Tag weiters nicht melden will / damit
nicht die frölichen Herzen an diesem HochzeitFeste zu hoch betrübet /und ihre
Lust in Trähnen-Bäche verwandelt werden. Das Frauenzimmer (denen hiedurch ihr
Argwohn fast gar benommen ward) huben auff diese Worte an überlaut zuweinen /
dass König Notesterich selbst gereuete / dass er hierzu ursach gegeben hatte /
ungeachtet er selbst seine Trähnen nicht so bald einzwingen kunte /und gab der
Pannonische König mit bewäglichen Worten sein Mitleiden an den Tag / in dem er
bei seinen Ritterlichen Ehren schwuhr / so bald er in sein Land kommen würde /
das Haus / in welchem ihre Liebe solch Elend überstanden / zur Einöde zu machen
/ dass Hecken und Dornen drauff wachsen / und ein geheiligter Ort sein sollte /
dass / so ein übeltähter sich dahin verbergen würde / er völlige Vergebung haben
sollte; wollte auch seinen unbarmherzigen Hausswirt ihm gefänglich zuschicken /
oder ans Kreuz hefften lassen / damit er sich nicht berühmen könnte /dass ein
herschender König ihm vor leibeigen gedienet hätte. Welches erbieten den unsern
sehr wolgefiel /dass kein Widerwille gegen ihn in ihrem Herzen überblieb. Nach
auffgehobenen Speisen ward ein zierlicher Tanz gehalten / und entstund zwischen
König Mnata und Frl. Vanda eine inbrünstige Liebe / wie auch zwischen Fürst
Olaff und Frl. Schulda / welches aber vor dissmahl ingeheim verblieb / weil jeder
sich scheuhete / dem andern sein Anliegen zu offenbahren. Die alten Könige /
Henrich und Notesterich führeten den ganzen Abend ihr Geschwätze von allerhand
längstverlauffenen Dingen / welches dieser zu dem Ende taht / dz an seiner
Wahrhaftigkeit nicht möchte gezweifelt werden; insonderheit begehrete er zu
wissen / wie sichs mit Herkules zugetragen / auff was weise er wieder gefunden /
und mit seiner Frl. Tochter sich verehlichet hätte / welches sagte er / ihm von
ganzen Herzen lieb währe / weil er diese Heirat von langen Jahren her
gewünschet und vorgehabt. Aber König Henrich wollte ihm solches noch zur Zeit
nicht erzählen / einwendend / weil er ihm seines Elendes Ursach auch noch nicht
hätte wollen kund machen. Nun wahr niemand über der unvermuhtlichen Ankunft des
verlohrnen Königes verwirreter / als Libussa / dann ob sie ihn gleich kennete /
blieben ihr doch die Gedanken / es könnte ein Mensch dem andern ähnlich sein /
wie man dessen manniche Begebenheit hätte / insonderheit / weil an der
vermeinten Königlichen Leiche (daran das Gesicht zerhauen / und mit Pferde
Füssen zutreten wahr) sie zu der Zeit vermeinte etliche Wahrzeichen gesehen
zuhaben / dass sie des Königes währe; daher suchete sie Gelegenheit /mit ihm
zureden / und durch Erinnerung etlicher verlauffener Geschichten / die sonst
niemand kund wahren ihn zubewehren / und als ihr darzu gute Bequemligkeit
zuhanden stiess / sagete sie zu ihm: Gnädigster König; Euer Hocheit ich
unwirdigste Magd erfreue mich ihrer glücklichen Wiederkunft von Herzen /deren
sich kein Mensch vermuhten wahr; dass aber Ihrer Hocheit Gedächtnis ich aus
meinem Herzen nicht hinweg geräumet habe / soll mein Eheliebster mir Zeugnis
geben / und dass an unserm Hochzeitlichen Ehrentage / ohngeachtet wir auff der
Eile Beilager hielten / ihrer Hocheit ehmals in der neuen Läuben mir gnädigst
getahne Verheissung ich ihn wissen lassen / auch schmerzlich beseuffzet / dass
wegen ihres vermeinten Todesfalles ich dessen nicht geniessen könnte. Der König
hörete sie wolgehen / und wie hoch er sich ihrer Listigkeit verwunderte / so
wahr ihm doch solche unfehlbahre Bewehrung sehr angenehm /daher er ihr zur
Antwort gab: Geliebte Tochter / ich habe in meinem uberschwenglichen Elende auff
der gleichen Sachen zugedenken wenig mues gehabt / erinnere mich aber anjetzo
sehr wohl / dass da ihr mein herzen Töchterchen Valisken auff der Schoss führetet
/und wegen meiner Ankunft euch dessen schämetet /ich euch Königlich versprach /
allen Fleiss anzuwenden / dass ihr nach Standes Gebühr soltet verheirahtet werden
/ da ich dann nicht allein euch euren Bräutigam zur Träue / sondern auch ins
Ehebette zuzuführen und die Hocheit kosten abzutragen / ihn auch mit einem
Reichs Lehn anzusehen / mich gnädig anerboht / welches ihr dazumahl mit einem
untertähnigsten Handkusse vorbekant annahmet / uñ euch zu allen geträuen
Diensten / die insonderheit meiner Frl. Tochter könten geleistet werden /
darstelletet; weil ich dañ keinen Zweiffel trage / ihr werdet solches zur Gnüge
erfüllet haben / will ich das verseumete in andere Wege zuersetzen schon
Gelegenheit finden / wofern ich leben soll. Libussa küssete ihm die Hand
untertähnigst / und mit einem Herzfreudigen Lachen sagete sie zu der alten
Königin; ihre Hocheit haben nunmehr Zeugnis gnug / dass sie ihren wahrhaften
Herrn und König von Gott wieder bekommen / und müssen wir alle miteinander uns
billich schämen / dass wir so leichtgläubig gewesen / und eine unkentliche Leiche
vor unsern König zur Erden bestattet / nur weil derselben des Königes Kleider
angelegt / und dabei sein bekantes Seiten-Gewehr gefunden wahr. Und /gnädigste
Königin / rieff sie Fr. Valisken zu / hat Eure Hocheit / meiner heutigen
Ausdeutung nach /nicht einen herrlichen Fund / an ihrem Herr Vater getahn?
Geliebte Tochter / antwortete ihr der alte König; ich halte keinem Menschen den
Zweiffel wegen meiner warhaften Gegenwart vor übel / kann und will ihn auch
jederman gönnen / biss die boshaften Schelmen und Verrähter öffentlich bekennen
werden / wie schändlich sie mit mir verfahren. Herkules mengete sich mit ein /
und führete Libussen zum Tantze / die sich der hohen Ehr entschuldigte / wiewol
er mit ihr als mit einer seines gleichen ümzugehen pflegete; hernach brachte er
sie Baldrichen / da inzwischen König Mnata und Valiska ein Gespräch hielten /
darinnen er ihr zuverstehen gab / er hätte eine Bitte bei ihr abzulegen / und da
sie ihm selbige einwilligen würde / hätte er zeit seines Lebens Ursach / sich
der Vergeltung zubemühen; jedoch wollte er diese Nacht zur Nachsinnung ihm
vorbehalten haben / und folgenden morgen damit einkommen. Sie hingegen erboht
sich aller möglichen Ehren-Wilfahrung / ohn einiges bedingen; Und wahr in
Warheit dieser König keiner bösen oder gräulichen Art / sondern die Gewohnheiten
und vorige böse Gesellschaft hatten ihn verderbet / und hatte er diese wenige
Zeit über sich dergestalt geendert / dass er unter die redlichen und
Tugendhaften wohl kunte mit gerechnet werden / daher er seine erlittene
Niderlage vielmehr vor ein Glük als Unfal schätzete / weil er durch dieses
Mittel nicht allein auff die Tugend-Bahn geleitet / sondern auch seiner
boshaften ungeträuen Rähte und Beamten / denen er gehorsamen musste / abkommen
wahr. Als diese Königliche Gesellschaft bei später Nacht zu Ruhe ging /wollte
König Nosterich bei seinem Gemahl nicht schlaffen / biss die Volstreckung der
Straffe an den Uhrhebern seines Elendes verrichtet währe / und hatte er diesen
Abend mit Könige Henrich / Herkules und Ladisla Abrede genommen / etliche
ReichsBeamten und Diener wegen ihres wolverhaltens / folgendes Tages in höhern
Stand zuerheben / und dadurch andere zugleichmässiger Träue anzureizen /
deswegen / so bald die Sonne hervorbrach / wurden Herr Pribisla /Bretisla /
Wlodimir / Vorich / Bela / Bugesla / Krokus / Wratisla / Stanisla / Leches /
Klodius / Neda /Markus / Prinsla / Gallus / Mardus und Timokles /diese
siebenzehn / vor die Königliche Gesellschaft gefodert / und nachdem Herkules der
ersten neune ihre träugeleistete ReichsDienste / und der anderen Ritterliche
Tahten und unverdrossene Auffwartung erzählet und hoch gerühmet hatte / wie sie
/ hindan gesetzet ihrer Wolfahrt und Lebens / alles das überflüssig geleistet /
was redlichen tapfferen und geträuen Helden und Dienern obliegen könnte / meldete
er ihnen an /dass ihnen davor Standes-Erhöhung / und darzu gehörige Güter sollten
erteilet werden. Worauff König Notesterich die neun erstgedachten zu
ReichsGrafen in Böhmen machete / und ihnen auff Königes Mnata Anhalten / die
ReichsLehn über die abgetretene Pannonische Landschaften erteilete. Die fünf
folgende wurden von König Henrich zu Teutsche Grafen an der Weser gemacht / und
ihnen die Herschaften zugeeignet / wo jezt die Fürstlichen Schlösser und Städte
/Petershagen / Rinteln (woselbst Herr Ernst / Fürst des heiligen Römischen
Reichs Graff zu Holstein /Schaumburg und Sterneberg eine hohe Schuel gestifftet
/ da diese Geschichte an des TagesLicht kommen ist) Hameln / Holzminden / Höxar
und Münden belegen sind. Herkules nam Gallus und Timokles / Ladisla seinen
Mardus in den FreiHerrn Stand / zu welcher Ehre der alte Wenzesla schon vorhin
erhaben wahr. Nach solcher Verrichtung stelleten König Baldrich und Grossfürst
Arbianes ein Freistechen an / von daran über zwo Wochen zuhalten / und zwar
unten am weissen Berge / und nachgehends ein Ringelrennen und freischiessen /
liessen solches bei schleuniger Bohtschaft aussblasen / und macheten auff alles
gute Anordnung. Unterdessen begab sich Mnata hin zu Königin Valisken / erinnerte
sie der gestrigen Zusage / und zeigete ihr an / dass er schon ins dritte Jahr
Witwer gelebet / und keine Erben von seinem Gemahl übrig hätte / würde auch
berichtet / dass der gotlose Dropion an ihrem zeitlichen hinsterben Schuld trüge
/welcher ihm das heirahten biss daher gehindert hätte /müste aber dabei bekennen
/ dass er selbst kein grosses Belieben darzu getragen / ungeachtet er erst das
42ste Jahr hinter sich gelegt hätte. Es währen aber seine fast erloschene liebes
Begierden durch die Zucht und Schönheit des Wendischen Fräulein dergestalt
entzündet / dass ohn deren Liebe er hinfort nicht würde können glückselig sein /
wiewol er noch zur Zeit unwissend währe / ob dieselbe seine Huld zuersetzen /
und ihn vor ihren Gemahl anzunehmen / sich wolle finden lassen. Weil er nun nit
zweifelte / sie /Königin Valiska könnte ihm deren Gewogenheit sehr wohl erwerbe /
hätte er die Kühnheit gebrauche / uñ ihre Liebe darüber begrüsse wolle / mit
demühtiger Bitte / ihm solches nit abzuschlage uñ allemahl seine hochgewogene
volgewaltige Gebieterin zuverbleiben. Valiska vernam sein Begehren mit guter
Lust / weil sie ohndz mit Heirahtsachen und freiwerbungen gerne umbging / erboht
sich auch / allen möglichen fleiss anzuwenden / nebest guter vertröstung dass
alles nach seinem Wunsch ergehen könnte / dafern dieses Fräulein annoch
unversaget oder unverliebet währe / welches zuerforschen ihre erste Arbeit sein
sollte. Solches nun ins Werk zurichten / machte sie sich an Olaf /welchen sie
folgender gestalt anredete: Durchl. Herr Oheim / vertrauter Freund / mir
zweifelt nicht / eure Liebe werde bisher meine Ehrengewogenheit gegen ihn in
etwas verspüret haben / da ich sonst düchtig bin / selbige erscheinen zu lassen;
so machet mich überdas seine Auffrichtigkeit dermassen kühn und verwägen / dass
ich seiner Liebe mich in einer wichtigen Sache zugebrauchen / unternehmen darf /
in dem ich anfangs bitte / da es ihrer Liebe wissend / mich zuberichten / ob das
Wendische Fräulein annoch frei und ausser verliebetem Stande lebe / auff welchen
fal ich derselben mit einer zweifels ohn angenehmen Heirat an die Hand gehen
wollte. Der Fürst seufzete über dieser Rede / dass er eine Zeitlang gar stille
schwieg /daher sie vor gewiss hielt / er würde in sie verliebet sein / und taht
ihr sehr leid / dass sie ihn mit dieser Rede in solche bewägung gestürzet hatte /
deswegen tröstete sie ihn also: Ich bitte sehr / mein Oheim wolle mir verzeihen
/ dass aus blosser unwissenheit / die gar von keiner Arglist begleitet wird / ich
ihn in diese traurige schwermühtigkeit setze / da seine Geberden mich fast
versichern wollen / dass er an diesem Orte selbst müsse gefesselt sein / auff
welchen fal ich viel mehr helffen werde ihn fester zubestricken / als einen
andern an seine stelle zusetze. Olaf bedankete sich des hohen erbietens mit
tieffer / ihr unangenehmer Demuht / uñ gab diese Antwort: Unvergleichliche
Königin / volwaltige Beherscherin alles meines vermögens; meine weit
hervorgehohlete Seufzer gehen nicht aus einiger liebes / sondern tieffster
Leidensquelle hervor / welche zu unterdrücken ich nicht vermocht / als ihre
Hocheit von diesem Fräulein zu reden angefangen; sollte ich nun dessen die Ursach
dartuhn /würden wir die Mahlzeit drüber verseumen / wie früh es gleich annoch am
Tage ist. Königin Valiska hätte gerne etwas mehr hierumb gewust / und baht sehr
/dafern es keine sonderliche heimligkeit hinter sich hätte / ihr solches
zuerzählen; da sie ihm dann gerne eine oder etliche Stunden zuhören wollte;
worauff er sich erboht / in die kürtze zugehen / und fing also an: Ich gestehe /
Grossmächtigste Königin / dass mein Herr Vater nun schon etliche Jahr damit
ümgangen ist / dass ich dieses Fräulein / von der ich in Warheit nichts als alle
Fürstliche Ehr und Tugend weiss / heirahten / und nach seinem Todesfall die
Dänische Kron tragen sollte: Ich weiss aber nicht / welcher innerliche Wiederwille
und Ekel mich von dieser Heirat so gar abgezwungen hat / dass ich tausendmahl
lieber den Tod anzugehen entschlossen bin / und mag wohl sagen / oder vielmehr
klagen / dass mirs in diesem Falle geht / als denen / die keinen Kähse oder
Butter riechen noch schmäcken mögen / ungeachtet daran nichts zu tadeln ist.
Mein Herr Vater / so bald er mein wegern vernommen / ist mir fast gehässig
darüber worden / und hat durch bedrauung der Enterbung mich nöhtigen wollen /
hochgedachtes Fräulein zu ehelichen; worauff ich heimlich in Friessland gewiechen
/ und mich schriftlich gegen ihn erkläret habe /er sei mein Vater und König /
auch daher wohl bemächtiget nach gefallen mit mir zuschalten; dafern er auch
gesonnen / mich zuenterben / und das Dänische Reich darein gehehlete / müste ich
gedultig sein / und ihm gehorsamen / dass ich aber das Wendische Fräulein
heirahten sollte / währe mir schlechter dinge unmöglich / weil eine gar zuheftige
Abneigung von derselben / ich in meiner Seele empfünde / so dass ich lieber
no comma? die Folter ausstehen / als diese Ehe antreten wollte. Mein Herr Vater
aber wollte sich hiemit nicht begütigen lassen / sondern schrieb an meinen Oheim
den damahligen Friesischen König; er sollte mich von seinem Hofe schaffen / und
aus seinem Lande verbañen / weil ich ihm aus frevelhaftem Muhtwillen ungehorsam
währe / und wie er vor gewiss berichtet würde (welches doch nie in mein Herz
kommen wahr) mit einer unzüchtigen Metze / geringes herkommens mich ehelich
sollte versprochen haben /die ich nach seinem Tode der Königlichen Kron
teilhaftig zu machen / entschlossen währe. So bald der Friesen König mir solches
zeigete / und ich am Ende die Bedräuung fand (wo ich länger von ihm auffgehalten
würde / wollte er Friessland mit Feur und Schwert verfolgen) / nam ich mir vor /
alsbald nach Däñenmark zu sägeln / und mich meinem Herr Vater zur Straffe
darzustellen; welches mir aber dieser mein Oheim höchlich wiederriet / und mit
einem ansehnlichen stük Geldes mich versah / womit ich zu Schiffe ging und nach
Spanien fuhr / auch daselbst ein Jahr mich vor einen schlechten Ritter hielt /
und der Ritterlichen übung mit geringschätzung meines Lebens fleissig oblag; ich
werde aber mein daselbst unvermuhtlich gefundenes Unglück mit stilschweigen
vorbei gehen. Nein / fiel ihm Königin Valiska in die Rede /sondern will eure
Liebe mir einen gefallen tuhn / wird sie mir alles fein umbständlich erzählen.
Wie es ihrer Hocheit gefället / antwortete er: Und melde demnach /dass ich
etliche Schreiben / den Ort wo ich lebete / ungenennet / an meinen Herr Vater
abgehen liess / ihm ausserhalb der einigen Heirahtsache allen kindlichen gehorsam
versprechend / und ihn zuversöhnen allerhand bewägligkeiten einführend; worauff
ich doch nie keine Antwort empfing / ungeachtet ihm alle Brieffe wohl sind
geliefert worden. Nun trug sichs zu / dass in Spanien ein Freistechen und
Ringelrennen an des Käyserlichen Statalters Hofe angestellet ward / welcher ein
ansehnlicher Römer von 68 Jahren wahr /und ein junges Römisches Fräulein /
nahmens Kornelia Balba / vor weniger Zeit geheiratet hatte. Diese ohnzweiffel
der Leichtfertigkeit ergeben / hätte ihren alten Kajus Pupius Mela (so hiess der
Statalter) lieber auff der Todten Bahr / als im Ehebette gesehen /wiewol mir
davon nicht das geringste bewust wahr. Sie mochte zu meinem Unglück meiner bei
dem Speerbrechen wahrnehmen / und an mir ein mehrers / als ich wahr oder
leistete / ihr einbilden / daher sie anfangs / ihren Begierden Raum und
Gelegenheit zu machen / von ihrem Gemahl begehrete / mich an seinen Hoff
zunehmen; welches er / als schon mit Argwohn erfüllet / ihr nicht versagen
wollte; bestellete aber etliche des Frauenzimmers / die genau acht auff ihr tuhn
und lassen geben mussten. Ich wahr kaum 16 Tage zu Hofe gewesen / da ward mir von
einem alten Weibe ein Schreiben eingeliefert / welches ich erbrach / und der
Statalterin Nahmen darunter gezeichnet fand /dessen ich höchlich erschrak / und
nach verlesung nicht wusste / wessen ich mich erklären sollte. Mit der
Statalterin hatte ich noch kein Wort gewechselt /auch ihre Anblicke stets
gemieden; noch dannoch erklärete sie mir in diesem Schreiben ihre Liebe so rund
und offenherzig / dass ich ihrer Leichtsinnigkeit daher gnugsame Merkzeichen
nahm. Die alte Bübin hielt inständig bei mir an / gewierige Antwort von mir zu
geben / und der jungen schönen Statalterin Gunst und Liebe nicht zu verachten /
dafern ich nicht vor einen undankbahren und kleinmühtigen wollte gehalten sein;
ob mir nicht bewust währe / dass allein ihre Gewogenheit es dahin gebracht / dass
ich an den Hoff währe aufgenommen und in hohem Ansehen schwebete; welches mich
der gestalt verwirrete / dass ich mir selbst weder zu rahten noch zu helffen
wusste; endlich erklärete ich mich / sie möchte der Fr. Statalterin meinen
untertähnigen Gehorsam anmeldet / und dass innerhalb 24 Stunden ich ihr genehme
Antwort (also musste ich wieder meinen Willen reden) zuschreiben wollte. Nun hatte
der Statalter diesen mir eingehändigten Brieff schon gelesen / und drang das
alte Weib bloss zu dem ende auff meine schriftliche Antwort /dass der Statalter
in Fäusten haben möchte / wodurch er mich überzeugen / und andern zum
abschäulichen Beispiel mich bestraffen könnte. Er hatte aber einen unehlichen
Sohn / der ein handfester Ritter / und mir überaus wohl gewogen wahr / derselbe
hatte vor seines Vaters Gemache den mit diesem Weibe über mich gemacheten
Anschlag angehöret / und wessen ich mich erkläret hätte; und weil ihm mein
Verderben sehr zu Herzen ging / schrieb er mir in höchstem vertrauen diese Worte
bei seinem Knaben zu: Geehrter Herr Bruder Nauzius (also nennete ich mich) hastu
ein verdächtiges Schreiben gelesen / und genehme Antwort darauff versprochen /
so mache dich aus dem Staube /und warte keine Stunde mehr / doch so unvermerket
und einsam / als möglich ist; und dass du wegen meiner Träue mich nicht in Gefahr
stürzest / so verbrenne dieses Brieflein alsbald; auch wann du ausserhalb Landes
in Sicherheit sein wirst / lass michs unter dem verdecketen Nahmen Markus Salius
wissen. Die Götter geleiten dich /weil ich dich vor unschuldig halte. Es
gedauchte mich jedes Wort ein Donnerschlag sein / dagegen dieses Ritters Warnung
ein erquiklicher Regen / und liess ich mich gegen den Uberbringer nichts merken /
sondern befahl seinen Herrn zu grüssen / und dass ich bald wollte bei ihm sein /
wie er begehrete; nam etliche Kleinot und 300 Dukaten zu mir / damit ging ich
vor das Tohr hinaus als zur Lust / hiess meinen Diener wieder zurück gehen / und
eilete nach dem nähesten Dorffe / da verbarg ich mich in einer Scheuren / biss es
finster wahr / gab mich bei einem arme Bauern an /schenkete ihm 10 Dukaten / und
baht ihn / dass er seinen Wagen anspannen / und mich nach dem nähesten
Schiffhafen führen möchte / dann ich währe in höchster geheim von einem
vornehmen Herrn aufs schleunigste fort geschicket / eine Sache zuverrichten
/daran dem Statalter sehr viel gelegen währe. Ich erhielt mein Ansuchen leicht
/ und rollete mich dieser hin / da ich ihm zuvor sein bestes / wiewol geringes
TuchenKleid vor meines abgetauschet hatte; kam gegen morgen bei dem Meer an /
und fand ein Schiff /welches gleich nach Dänenmark zusägeln fertig war. Anfangs
zweifelte ich / ob ich mich dahin begeben dürfte / endlich dauchte mich die
Spanische Gefahr grösser als die Inheimische sein / und verdingete mich auff
dasselbe / vorgebend / ich hätte in Dänenmark nöhtige Sachen zuverrichten. Wir
fuhren mit sehr gutem Winde etliche Tage glücklich fort / biss wir von einem ganz
unvermuhtlichen Ungewitter überfallen wurden / und Schiffbruch erlitten / da ich
ein Stük vom Brete ergriff / und auff demselben mich 36 Stunden mit grossem
Kummer und Ungemach auffhielt /biss mir ein Friesisches Schiff zu gutem Glük ins
Gesichte kam / welches auff mich ansegelte / und die Schiffleute nach
geschehener Labung mir allen guten Willen erzeigeten. Der Schiffherr hatte seine
Handlung hin und wieder getrieben / und wahr willens in Engeland zufahren / uñ
weil es ihm an Ruderknechten mangelte / musste ich mich mit gebrauchen lassen; da
ich dann meine Stelle so fleissig vertrat / dass der SchiffHerr mich durchaus
nicht verlassen wollte / mit Einwendung / weil er mir das Leben erhalten / währe
ich schuldig ihm zudienen; welches mir aber ungelegen war / hätte auch lieber
meinen Geist mitten in den Wellen zugesetzet / als bei dem Ruder gefristet;
dannoch durffte ich mich nicht wegern damit er mich nicht anschmieden / und
unter die Zahl seiner Leibeigene / die nimmer vom Schiffe kahmen / verstecken
liesse; und nicht desto weniger urteilete er aus meiner Traurigkeit / ich würde
ihm / wann ich zu Lande kähme / nicht lange aushalten; daher er dreien andern
ernstlich befahl / dass sie mich nicht vom Schiffe gehen liessen / so lange er
mit seinen Leuten ins Land reisete / seine Kauffmanschaft fortzusetzen. Dieses
hörete ich selbst an / und beantwortete es mit frölichem Angesichte: mir währe
alhie besser als anders wo / und sollte er sich meinetwegen nur unbekümmert
lassen / massen wann ich in seinem Dienste nicht währe / wollte ich mich bemühen
/ darein zukommen; machte auch nach seinem Abzuge mit meinen Hütern bessere
Kundschaft / zog einen Dukaten hervor / als hätte ich denselben von alle meinem
Zehrgelde übrig behalten / und erboht mich / denselben zum besten zugeben / da
ihrer einer in die Stad gehen / und uns guten Spanischen Wein hohlen wollte.
Diese dem Trunk ohndas sehr zugetahn / danketen mir vor solchen Schmauss /
liessen den Wein eintragen / und soffen in kurzer Zeit einen starken Rausch /
dass sie wie die Ratzen fest einschlieffen; welche gute Gelegenheit ich nicht
verabseumete / band den eingeschlaffenen Hände und Füsse / machte mich aus dem
Schiffe / und liess mich von einem Bohten zu Fusse nach des Römischen Statalters
Schloss bringen / schaffete mir daselbst in der Stad Ritterliche Kleider und
Waffen /und legete mich in eine Herberge / da ich aus vielen Ländern neuer
Zeitung berichtet werden kunte. Bald des ersten Tages funden sich bei der
Mahlzeit zween Spanische Kaufleute / welche auff des WirtsNachfrage berichteten
/ ihrem Statalter währe sein junges Weib / eine vornehme Römerin von einem
fremden unbekanten Ritter / nahmens Nauzius / entführet /welches kein Mensch
erfahren könnte / wohin sie kommen währen / und ginge die gemeine Sage / der
Statalter währe ihrer Buhlerei wenig Stunden vor ihrer Flucht inne worden /
aber durch Nachlässigkeit hätte er sein bestes verseumet / welches er nun zu
späht beklagete / jedoch den Schimpff höher als den Schaden rechnete. Ich
wunderte mich der Zeitung heftig / und kunte daher leicht muhtmassen / das Weib
würde gewarnet sein / und sich beizeiten aus dem Staube gemacht haben / so dass
man meinte / sie währe mit mir davon gezogen. Weil ich dann einen Schiff-Herrn
antraff / der gleich nach Spanien fahren wollte /schrieb ich an des Statalters
Sohn und begehrete von ihm verständiget zuwerden / was nach meinem Abzuge sich
zugetragen hätte / bezeugete daneben meine Unschuld / und dass ich keinen
Gedanken gehabt /mich dergestalt an seinem H. Vater zuvergreiffen /und seinem
Ehebette einigen Schandflek beizubringen. Ich bekam in weniger Zeit Antwort von
ihm / er hätte seine Stifmutter gleich wie mich gewarnet / worauff sie in
MannesKleidern zu Lande durch Gallien /und also in Italien geflohen währe /
würde ohn zweifel sich nach ihren Verwanten in Sizilien verfüget haben / und
daselbst heimlich sich auffhalten. Zwar der Statalter / wie er meiner uñ ihrer
Flucht zugleich verständiget worden / hätte / wie auch jederman /nicht anders
gemeinet / als dass wir mit einander davon gelauffen währen / hielte auch noch
diese Stunde davor / ich würde sie in ein fremdes Land geführet haben / worüber
er hin und wieder nachfragen liesse; hätte insonderheit Engeland / Schweden und
Dänenmark in Verdacht / da wir uns etwa möchten nidergelassen haben. Ehe ich
diese Antwort bekam / lebete ich in Engeland sicher / und meinte aller Gefahr
entgangen sein / da ich doch dem Verderben bald in Rachen gelauffen währe. Ich
gab mich bei Hofe an / und wartete dem Statalter auf / der mich in Dienste nam
/und mich vor seinen HofJunker und Vorschneider bestellete / dessen Bruder
Tochter / Frl. Etburg / ein trefliches Fräulein / mir ihre gute Gewogenheit
unterschiedliche mahl zuverstehen gab / wiewol mit so höflicher Zucht / dass kein
anwesender dessen einigen Argwohn schöpffen kunte. Sie ward von dem Fürstlichen
Frauenzimmer etwas verächtlich gehalten / weil sie von der Mutter her nur
adeliches Standes wahr /deswegen sie auch selbst sich lieber mit einem ädlen
Ritter / als grossem Herrn verehlichet hätte. Ich stellete mich einfältig / und
wollte ihre Gunst nicht merken /daher sie sich entschloss / mir dieselbe etwas
deutlicher vorzutragen / indem sie in einem Tanze mir ein Ringelein schenkete /
mit begehren / es ihr zu liebe und Gedächtnis zutragen / welches dann /
Unhöfligkeit zumeiden / ich ihr nicht versagen wollte / steckete es an meinen
kleinen Finger / und bedankete mich der gar zu hohen Ehre / die in Betrachtung
meiner Geringfügigkeit ich zuerkennen nicht bestand währe. Sie aber antwortete
mir: Ein Ritter / welchen Tugend und Geschikligkeit begleiteten / hätte sich bei
ihr keiner Unwirdigkeit anzuklagen; sie hielte mehr auff Sitten und Tapfferkeit
als auff Blut / daher sie auch an vielen geringern Leuten die Tugend hoch
schätzete. Ich hatte keine Gelegenheit / ihr zuantworten / und ward nach
geendigtem Tanze mir zu meinem Unglück des Statalters Tochter / Frl. Pondizea
zugeführet / welche jeztgedachter ihrer Wasen an Schönheit wenig nachgab / aber
sehr bosshaftig / frech und unzüchtig wahr / welche Laster sie zuzeiten wohl
zuverbergen wusste / wann ihre Bewägungen nicht zu heftig gingen. Im Tanze ward
sie des jeztgedachten Ringes an meiner Hand gewahr / liess sich doch nicht merken
/dass sie ihn kennete / sondern fragete mich / von was lieber Hand mir eine so
anmuhtige Gedächtnis kähme; zwar sie währe willens gewesen / mir ein Zeichen
ihrer guten Gunst einzuhändigen / weil sie aber fürchtete / dz schon gelieferte
würde das ihrige unwert machen / oder von diesem nicht können gelitten werden /
wollte sie ihre hohe Gewogenheit so lange einzihen / biss sie von mir ihrer Furcht
benommen währe /nöhtigte mich auch / nach geendigtem Tanze zu ihr niderzusitzen
/ weil sie auff solche Gelegenheit schon mehr gewartet / und mit mir von
allerhand Sachen zureden hätte. Ich beantwortete ihre erste Frage: Ich trüge
kein Gunstzeichen an meiner Hand / ohn welches meine leibliche Schwester am Tage
meines Abscheides mir zum freund-brüderlichen Andenken eingereichet hätte; Ihr
gnädiges erbieten betreffend /währe solches viel zu hoch / und mein Finger ihres
Fürstlichen Ringes allerdinge unfähig; würde mir auch von den vornehmen
Anwesenden / insonderheit von ihren Eltern sehr ungleich / und zum bäurischen
Frevel ausgelegt werden / wann ich mich zu ihrer Gnaden würde nidersetzen; bähte
demnach untertähnig / mir nicht zuverargen / dz ihrer gnädigen Anmuhtung / der
ich sonst herzlich gerne in allem gehorsame folge leisten wollte / vor dissmahl
mich ungehorsam erzeigen müste / und hielt schliesslich umb ihre beharliche Gnade
an. Sie hingegen liess sich nicht merken /dass ihr solche Erklärung zuwider währe
/ setzete sich an ihre Stelle / und liess sich als eine tieffsinnige eine halbe
Stunde ansehen / dass niemand / der sie anredete einige Antwort von ihr bekam;
endlich nach aussgetichteter Bosheit / machete sie sich hin zu ihrer Fr. Mutter /
und ungeachtet Frl. Etburg zugegen wahr /brachte sie diese Verleumdung vor: Es
hat meine Fr. Mutter sich oft verwundert / warumb gegenwärtige meine Wase höher
geehret und beliebet ist / als ich /da ich doch keines gemeinen ädelmans Tochter
zur Mutter habe / sondern euch / die jederman weis von altem Königlichen Blute
entsprossen sein; aber lasset euch solches hinfüro nicht mehr befremden / dann
Leichtfertigkeit findet leider heut zu Tage allentalben Platz / und machet diese
Ungerahtene so angenehm / welche sich auch nit scheuhet / den Rittern von
fremden geringen Adel / deren Ankunft uns nicht eins wissend ist / die Ringe
von ihren Fingern zuverschenken; wie ich dann eben denselben jetzo an unsers
neuen Vorschneiders Finger gesehen / mit welchem ihr sie neulich angebunden
habet. Frl. Etburg erschrak der Rede höchlich / dass sie darüber erblassete; doch
wie sie sehr kluges Verstandes wahr / erdachte sie bald einen Fund / und gab
diese Antwort: Ach meine Durchl. Frl. Wase / ists möglich / dass der fremde
HofJunker meinen Ring haben soll / den ich vor einer Stunde verloren / und aus
Furcht und Schahm nicht habe nachfragen dürffen / ob er gefunden sei? ging
darauff zu mir / und sagete: Herr Ritter / ich vernehme ungefehr von meiner
Bekantin einer /dass bei ihm ein Ring gesehen sei / den ich vor einer Stunde
verloren habe; da er nun denselben gefunden / bitte ich freundlich / mir
denselben wieder zuzustellen / damit ich darüber nicht in ungleichen Verdacht
gerahten möge. Alsbald fiel mir ein / was die Ursach sein würde / trat mit ihr
nahe zu der Statalterin / dass sie uñ Fr. Pondizea meine Antwort wohl vernehmen
kunten / fassete den Ring zwischen zween Finger /und sagte: Hochgebohrnes
Fräulein; ich habe ja einen Ring funden / unwissend wem er zustehet / und ist
mir sehr lieb / dass ich ihn an gehörigen ort wieder einliefern kann / hätte auch
alsbald solches gerne verrichten wollen / wann die Unwissenheit mich daran nicht
verhindert hätte / und bitte untertähnig / mir ein solches nicht ungleich
auszulegen. Sie bedankete sich vor die überlieferung mit kurzen Worten und
schlechter Bezeigung / kehrete sich zu ihrer Frl. Wase / und sagte zu ihr: Ich
bedanke mich billich / dass ihre Liebe mir befoderlich gewesen / meinen lieben
Ring wieder zubekommen / bitte daneben von Grund meines Herzen / mich des
ungleichen Verdachts zuerlassen / ob sollte ich durch Geschenke und Verehrungen
suchen /mich bei Mannesbildern beliebet zumachen / welches mir nie in den Sin
gestiegen ist / will auch / da ich dessen kann überzeuget werden / die gebührliche
Straffe der leichtfertigen Unkeuscheit auszustehen mich nicht wegern; und sollte
ich von einigem Menschen höher als meine Frl. Wase geehret sein / müste mir
solches schmerzlich wehe tuhn / wollte auch nicht unterlassen / mich an solchem
groben Menschen zurächen; dann ich erkenne meine Geringfügigkeit sehr wohl / und
dass Euer Liebe Vortrefligkeit ich nicht zuvergleiche bin /aber doch willens /
meiner Ehren und guten Nahmens fleissige Hüterin zu sein. Frl. Pondizea lief vol
Zorn /dass sie dergestalt sollte auffm fahlen Pferde ertappet werden / rief mich
deswegen herzu / und fragete mich unwürsch gnug / ob ich nicht gestanden hätte /
dass mir der Ring geschenket währe. Ich gab ihr zur Antwort: Ich hätte ja solches
/ aber nicht von diesem / an dessen Gegenwart ich nicht mehr gedacht / sondern
von einem andern Ringe geredet / und da ihre Gn. einen andern gemeinet hätte /
bähte ich meines Irtuhms üntertähnige Vergebung / welcher daher gnug könnte
erkennet werden / dass ich hinzu getahn / es währe mir dieser Ring / nehmlich der
am Goldfinger /von meiner Schwester geschenket worden. Ihre Frau Mutter kam ins
Mittel / und gab vor / es währe ein schlechter Verstoss / der sich leicht
zutragen könnte; aber die Tochter bezeigete sich so unsittig / dass man leicht
zuschliessen hatte / sie ginge mit nichts gutes schwanger; wie sie dann alsbald
einen Trabanten zu sich gefodert hatte / und ihm befehl getahn / mir /wann ich
heimgehen würde / selb vierde auffzuwarten / und mich ungescheuhet hinzurichten
/ welches von ihrem Herr Vater also befohlen währe / und er samt seiner
Gesellschaft bei Leib und Leben heimlich halten sollte. Dieser wahr willig / es
ins Werk zurichten /als zu welchem Dienst sie ohn zweifel seiner ehemahl musste
gebrauchet haben; nur geschahe zu meinem Glük / dass mein Leibknabe unvermerket
anhörete / da dieser sich mit andern beredete / auff was Weise / und an welcher
Ecke sie mich ansprengen wollten / auch / dass sie dessen von dem Fräulein eine
reiche Vergeltung hoffeten. Ich ward dessen alsbald berichtet / hiess meinen
Knaben schweigen / und unser beide Pferde geschwinde fertig machen / wahr auch
gleich willens mich unvermerket hinweg zustehlen /da sich ein klägliches
Geschrei erhuhb / Frl. Etburg währe in ihr eigen Messer gefallen / und alsbald
Todes verbliechen. Bald vergass ich meines eigenen Unglücks / lieff dem Gemache zu
/ da der Unfal sollte geschehen sein / und fand es leider also / wiewol aus allen
Umständen gnugsam erschien / dass Frl. Pondizea diesen Mord mit ihrer
unbarmherzigen Faust selbst begangen hätte / gestaltsam der TodtenLeiche ein
kleines Messerchen im Herzen steckete / welches ja nicht kunte hinein gefallen
sein / auch ihre Leibdienerin geruffen hatte: O mein Gn. Fräulein wird
erstochen; wahr aber von der Tähterin durch harte Dräuung bald gestillet. Mir
wahr nit anders zumuhte /als währe der Scharffrichter hinter mir gestanden / mir
den Schedel herunter zuschlagen / drehete mich bei dem grossen Getümmel artig
hinweg / meidete die bestimmete Mordecke / und durch einen zimliche Umweg kam
ich an meine Herberge / woselbst mein Diener alles nach meinem Willen
verfertiget hatte; setzeten uns zu Pferde / und weil ich mit dem Tohrhüter wohl
daran wahr / ward ich willig aussgelassen; da seumete ich nun nicht / sondern
ritte nach dem nähesten Hafen / da mein ehemaliger SchiffHerr mich in einer
Herberge antraff / und wegen meiner ritterlichen Kleidung / die ich anhatte /
auch dass schon eine gute Zeit meiner Entweichung entgangen wahr / mich / vor den
er mich hielt / nicht anreden durffte / biss ich mich selbst meldete / und ihm
zwar vor die LebensRettung dankete / aber zugleich ihn erinnerte / niemand
sobald zur Ruderbank zuverdammen / er hätte dann dessen bessere Kundschaft; zwar
ich wollte ihm den Streich verzeihen / aber wann sein König es wissen sollte / bei
dem ich in grossen Gnaden stünde /dürffte derselbe es ihm nit so leicht schenken
/ weil ohn Ruhm zumelden ich hohes und Fürstliches Adels währe / dass noch wohl
ein geringer ihm das Ruder zihen könnte. Er wahr noch so bescheiden / dass er umb
Verzeihung anhielt / welche ich ihm völlig zusagte; uñ von ihm erfuhr / die drei
von mir gebundene hätte zur Straffe biss in den dritten Tag also verbleiben
müssen; beteuerte nachgehends hoch / dafern er meines Standes hätte sollen
berichtet sein / welchen er aus meiner Kleidung nicht muhtmassen können /wollte
er mir lieber auffgewartet / als das Ruder anbefohlen haben. Ich schrieb
hieselbst einen Brieff an den Statalter / bedankete mich als ein gebohrner
Fürst aller beschehenen Ehr / und baht um Vergebung meines stilschweigenden
Abscheides / dessen Ursach keine andere währe / als dass man ohn alles mein
verschulden mir nach Leib und Leben getrachtet / wie sein Trabant / wann er
peinlich gefraget würde schon bekennen sollte / rechnete es aber weiblicher
Blödigkeit zu / und erboht mich zu allen Freundschaftdiensten. Was aber
hierauff mag erfolget sein / habe ich noch zur Zeit nicht können erfahren. Auch
schrieb ich von dar ab an den Spanischen Statalter unter meinem ehemaligen
Nahmen Nauzius / gab ihm meine reine Unschuld zuerkennen / und dass Zeit meines
Lebens ich keinen Gedanken gehabt / einem Manne sein ehelich Weib zuverführen /
oder deren zumisbrauchen / und da er mich in den falschen Verdacht hätte / als
währe sein Gemahl mit mir davon gezoge / möchte er sich dessen wohl begeben /
weil ich dieselbe weder gesprochen noch gesehen. Darauf trat ich zu Schiffe / in
willens des geradesten Weges nach Friessland zugehen / schwebete aber sechs
Wochen auff dem Meer in überaus grosser Gefahr / biss wir noch endlich /
Friessland erreicheten / und ich samt meinen geträuen LeibKnaben nach Wunsch bei
dem Könige anlangete /bei dem ich mich etliche Wochen heimlich auffhielt /und
mit Freuden erfuhr / dass mein Herr Vater den Zorn etlicher massen gemildert
hätte / und entschlossen währe / mich der ungenehmen Heirat zuerlassen / nicht
allein / weil er sah / dass mir der Tod angenehmer als dieses Gemahl wahr /
sondern auch die gesamten LandStände auff des FriesenKöniges heimliches angeben
/ an den König meinen Herr Vater ausdrücklich begehret / mich dieser Heirat
wegen nicht zuverfolgen / viel weniger meine Enterbung vorzunehmen / weil das
ganze Reich eine solche Zuneigung gegen mich trüge / dass sie lieber sterben und
verderben / als mich verlassen würden. Uber welcher Erklärung die Königin meine
Fr. Stieffmutter mehr als mein Herr Vater sich entsetzet hatte / weil man sie
beschuldigen wollen / es währe alles ihr Getrieb / um ihre Fr. Schwester zur
Königin nach meines Herrn Vaters Tode zumachen / und ihres Vortels daher
zuspielen; dessen sie sich aber hoch entschuldiget / sich auff des Königes
Zeugnis beruffen / und den Ständen ein zimliches genügen getahn hatte. Es riet
mir aber nicht desto weniger mein Oheim der Friesen König /nochmahls ein
bewägliches Schreiben an meinen Herr Vater abgehen zulassen / umb gnädigste
Verzeihung meines Ungehorsams anzuhalten / und des mit den Ständen ergangenen
nicht zugedenken; worauff ich gleichwol eine ungütliche Antwort bekam / ob ich
noch nicht gelernet hätte / dem väterlichen Willen Folge zuleisten / sollte ich
ihm nit unter die Augen kommen / und dannoch wissen / dass Frl. Vanda ihr ganzes
Glük nicht eben auff mich unbesonnenen gebauet hätte / sondern meines gleichen
allezeit finden würde; wañ ich aber ihm kindlichen Gehorsam erzeigen wollte /
sollte ich unter angenomenem fremden Nahmen mich zu Rom eine Zeitlang auffhalten
/ biss er mich abfodern würde; worzu ich dañ sehr geneigt wahr / und zur Reise
mich schickete / weil ich aus Dänenmark Mittel gnug bekam. Aber das leidige
Unglück trat zwischen ein dañ mein Vetter der FriesenKönig starb eines jähen
Todes / nicht ohn glaubwirdige Zeichen eines beigebrachten Gifftes / dessen
Anstiffter ausser allem Zweiffel der Wendische Krito gewesen / und von Gott zur
rechtmässigen Straffe gezoge ist. So bald der König verschieden wahr /
begehreten nit wenig von de Landstände (wiewol Krito die meisten bestoche hatte)
ich möchte im Reiche bleibe /biss wege künftiger Herschung gewisse Anordnung
gemacht währe; da auch bald ihrer eine zimliche Anzahl auff meine Wahl gingen /
weil der König ohndass mich vorgeschlagen und mich zum Nachfolger im Reich
ernennet hatte / aber der Unglücksvogel Krito fidelte mir durch seine ergebenen
den Tanz / dass ich nicht auffkommen kunte / und Gott lob dieses Königreich dem
zu teil worden ist / dem ichs / wie mein Gott weiss / eben so gerne / ja lieber
als mir selbst gönne. Nun habe ich in mehr als drei Jahren meinen Herr Vater
nicht gesehen / als auff diesem Schloss /und bezeiget er sich annoch nicht so
gütig / dass ich ihm trauen darf: ja kriegen mich meine Gedancken nicht / dürffte
er noch eins versuchen / mich zu dieser Heirat zu nöhtigen / wovon mich aber
zum wenigsten der Tod befreien soll / und kann mirs so gut werden / will ich mit
Fürst Arbianes in Meden reisen / und mein angebohrnes Königreich / als lange
mein Herr Vater lebet / aus dem Sinne setzen / es währe dann sache / dass eure
Hochheit mir gnädigst befehlen wollte / ihr meine Flammen zu offenbahren / die
mir kaum vor 20. Stunden in meiner Seele auffgangen sind; bitte daneben
demühtigst üm Verzeihung / dass mit unlieblicher Erzehlung meines aussgestandenen
Unglücks dieselbe ich so lange auffgehalten / und ihrer Geduld missbrauchet habe;
welches eigentlich zu dem Ende geschehen ist / dass derselben ich die wiedrigen
Gedancken benehmen möchte / ob trüge ich einiges beliben zu dem Wendischen
Fräulein / da mir doch angenehmers nicht begegnen kann / als dass diese Ursach der
Ungewogenheit meines Herrn Vaters solcher Gestalt aus dem Wege geräumet werden
möge; worin Ihre Hochheit sich fleissigst bemühen wollen / ich demühtigst bitten
will. Eure Liebe hat mir in Warheit einen sehr angenehmen Dienst und Willen durch
die Erzählung ihrer denkwürdigen Glückes-Fälle bezeiget / antwortete Königin
Valiska; sonsten gestehe ich /dass die erst ausgelassene Seuffzer bei mir
allerhand Nachdencken verursacheten / und mein Vorhaben /die Heirat zwischen
König Mnata und diesem Fräulein betreffend / schier rükstellig gemacht hätten
/welche nunmehr mit gutem Verfolg zustiften / ich wenig zweifele. Hier bekam
Fürst Olaff erst gute Hoffnung seiner Liebe / weil er in furchten stund /dieser
König würde ihm an seinem Vorhaben hinderlich sein / und den süssen Schwedischen
Braten vor sich begehren; reizete deswegen Königin Valiska mit vielfältigem
Bitten / diese Heirat eiferig zu treiben /welches sie ihm geträulich versprach;
doch will ich hierin nicht das allergeringste vornehmen / sagte sie /es sei dann
/ dass eure Liebe mir ihrer erstgedachten Liebes-Flammen bessere kundschaft
gönne / ob ich dieselbe verhoffentlich nach ihrem Willen befodern könnte. Ich
sehe wohl / fuhr sie auff sein stillschweigen fort dass eine unzeitige Schahm eure
Zunge hemmet /massen der Liebe Eigenschaften mir auch zimlich bekant sind /
aber mein Oheim hat sich schon zu weit bloss gegeben / und was gilts / ob diese
Flammen nicht vom Schwedischen Schwefel angezündet sind /welche nicht als durch
ein Wasser aus eben diesem Schwefel gebrennet / können gelöschet werden? dafern
ich nun eine untriegliche Wahrsagerin bin / so lasse michs mein Oheim wissen /
und gebe mir Gelegenheit / in der Taht dereins sehen zu lassen / wie gerne ich
ihm zu dienen mich gebrauche liesse / insonderheit / weil auf diese Heirat ich
gleich damahls bedacht gewesen bin / als eure Liebe ich das erstemahl gesprochen
habe. Fürst Olaf bedankete sich mit sonderlicher Demuht / bekennete sein
Anliegen willig / stellete ihr alles sein Glük uñ Wolfahrt / wie er sagete in
ihre hülfreiche Hand / und gingen hiemit voneinander / Valiska aber alsbald nach
dem Dänischen Könige und seinem Gemahl trug ihnen Königs Mnata Anwerbung vor /
und rühmete ihn / dass er gnug wirdig währe / mit einem solchen Fräulein eine
Heirat zu treffen. Diese bedanketen sich sehr der getahnen Werbung / und dass
sie es in bedenken zihen / mit dem Fräulein bereden / und deren Erklärung ihrer
Liebe wieder hinterbringen wollten. Valiska begehrete von ihnen / dass ihr
vergönnet sein möchte / mit dem Fräulein selbst hievon zureden / und als ihnen
solches sehr lieb wahr / ging sie zu ihr hin in ihr absonderliches Gemach / fand
sie in dünnen Unterkleidern / welche ihr besser als der Fürstliche Schmuk
anstunden /und nach freundlicher Begrüssung suchete sie gelegenheit mit ihr von
Liebessachen zureden / welches dem frommen Fräulein nit eine geringe Schamröhte
austrieb / insonderheit / als sie ihr des Pannonischen Königes Gruss und Dienst
anmeldete / und seine inbrünstige Gewogenheit kund machete / auch dass er von ihr
begehret hätte / ansuchung zu tuhn / ob sie ihn in ihre Hulde nehmen / und
solche Heirat ihr gefallen lassen könnte; doch erholete sie sich endlich /
bedankete sich der hohen Ehre / nicht allein / dz König Mnata ihr solche
ehrliebende Gewogenheit trüge /sondern auch / dass sie solches selbst zubestellen
auff sich genommen hätte / wante ihre Unwirdikeit ein /und baht umb verzeihung /
dass sie völlige Antwort zugeben so ungeschikt als unvermögen währe / weil ihr
gn. Herr Schwager der Grossmächtigste König in Dännemark ihr an Vaters statt
stünde / und in diesem falle ihr völlig zugebieten und verbieten hätte; sie vor
ihr Häupt wollte hochgedachtem Pannonischen Könige vor diese hohe Zuneigung
gebührlich gedanket haben / als welchen sie vor einen verständigen ehrliebenden
König aus gestrigem Gespräch erkennete / und der mit ihrem unverstande mitleiden
tragen würde / dass sie ihm nach gebühr nicht hätte begegnen köñen. Valiska
merkete hieraus / dass ihr solche Heirat nicht unangenehm wahr / nam alles vor
bekant an / machte sich wieder nach dem Dänischen Könige / und erhielt von ihm
und seinem Gemahl diese Antwort; Dafern dem Pannonischen Könige das Fräulein zu
ehren beliebete / sollte sie ihm unversaget sein; und wann sie /Königin Valiska
der Anwerbung halben ausdrüklich abgeschikt währe / wollten sie ihrer Liebe
gebührliche Antwort geben. Worauff sie anzeigete / es währe ihr zwar volmacht
gegeben / die Handelung anzufahen /aber die ordentliche Anwerbung würde zweifels
ohn durch ansehnliche Herren verrichtet werden; sie hätte an dieser Erklärung
ein sattes Genügen / und bähte /ihr nicht zuverargen / dass sie mit dem Fräulein
noch einmal absonderlich reden wollte; ging zu ihr hinein /taht ihres Herrn
Schwagers Erklärung ihr zu wissen /und baht / dass sie sich etwas besser heraus
lassen /und mit ihr als mit einer vertraueten Freundin reden möchte; erhielt
auch eine solche Antwort / dass sie gnug versichert wahr / daher sie mit ihr nach
dem Dänischen Könige ging / und ohn Wortgepränge etliche trefliche Kleinot
hervor zog / welche sie ihr im Nahmen und von wegen Königes Mnata überlieferte /
bittend / solche als ein Zeichen ehrliebender Gewogenheit anzunehmen / und zu
weiterer Handelung den verliebeten König zuverstatten. Frl. Vanda stund als ein
gehauenes Bild / durfte die Schenkung weder ausschlagen noch annehmen / sondern
baht ihre Fr. Schwester Rusila die Dänische Königin / ihr zubefehlen / wessen
sie sich verhalten sollte; die mit einem freundlichen Lachen zu ihr sagete: Ob
sie nicht wüste / dass sie dieser treflichsten Königin der Teutschen /welche ihr
aller Menschen Herzen verbindlich machete / zu gehorsamen schuldig währe / als
die ihre Wolfahrt zubefodern / ihr so hoch liesse angelegen sein; warumb sie
dann erst fragete / ob sie ihre Schuldigkeit verrichten sollte oder nicht?
reichete ihr damit einen sehr köstliche Ring / und dass sie solchen dem Könige
zur Dankbarkeit wieder zusenden sollte / dafern sie gegenwärtige Königin bewägen
könnte / die Mühe der Lieferung auff sich zunehmen. Worauff das Fräulein ein
Herzfassete / und diese Erklärung von sich gab: Ich merke wohl / dass meine Fr.
Schwester /welche bisher noch allemahl Mutterstelle bei mir vertreten / sich
nunmehr dessen begeben / und meiner Gn. Fr. Königin / Fr. Valisken / solche
abtreten will /daher dero Königl. Hocheit zu gehorsamen ich mich schuldigst
erkenne / untertähnigst bittend / mit ihrer beharlichen Gunst und Gnade mir
zugetahn zuverbleiben / auch mir gnädigst zuverzeihen / dass diese mir
angebohtene Kleinot anzunehmen / mich so lange auffgehalten; nahm hiemit
dieselben von ihrer Hand mit sonderlicher ehrerbietigkeit / und fuhr also in
ihrer Rede fort: So empfahe ich nun / meine Schuldigkeit zu leisten / dieses
ansehnliche Geschenk mit gebührlicher Untertähnigkeit / bedanke mich beides
gegen den Ubersender uñ die hochwirdigste Uberbringerin / und wolle ihre Hocheit
nach anordnung meiner Fr. Schwester / diesen schlechten Ring höchstgedachtem
Könige aus Pannonien hinwiederumb einzureichen unbeschweret sein / mit solcher
Erklärung / die meiner gnädigsten völlig-gebietenden Königin gefällig / und
meiner jungfräulichen Zucht wolständig sein wird; sollte dann ein mehres von
mehrgedachtem Könige an mich begehret werden / wird ihre Hocheit solches mit
meiner Fr. Schwester und ihrem Königlichen Gemahl schon abhandeln / weil meine
angebohrne Scham mir dergleichen teidungen nicht zulassen will. Valiska erboht
sich zu aller mögligkeit / und verfügete sich alsbald nach Mnata / ihn mit ihrer
guten verrichtung zuerfreuen. Nun hatte die Dänische Königin es freilich bisher
bei ihrem Gemahl heftig getrieben /dass die Heirat zwischen ihrem StiefSohn und
dieser ihrer Frl. Schwester geschlossen würde / damit nach des Königes absterben
/ sie nach wie vor im Reiche mächtig bliebe / dann sie wahr Ehrsüchtig / und nam
sich der Herschaft mehr an / als ihrem Wolstande gemäss wahr / wozu der König
durch die Finger sah /dass er als ein alter Herr ihre Gewogenheit behalten
möchte; womit doch die Stände nicht allerdinge friedlich wahren / insonderheit
dass sie nicht wenig Auffkünfte an sich zohe / welche von rechtswegen der
Schazkammer hätten sollen einverleibet werden. Diese als sie vor gewiss sah /
dass Fürst Olaff sein Gemüht durchaus nicht zu ihrer Fräulein Schwester neigen
wollte / und ihr die Pannonische Krohn zu bohte stund / welche zu den Zeiten in
sehr grossem ansehen / und von jederman gefürchtet wahr / liess sie ihren ersten
Vorsaz schwinden / und lag ihrem Könige an / er sollte seinen Sohn vor sich
fodern / ihm den erzeigeten Ungehorsam gänzlich vergeben / und ihn zu vollen
väterlichen Gnaden wieder annehmen / auch dabei vermelden / dass sie ihn hierzu
ermahnet und vermocht hätte / damit er sie aus allem ungleichen Verdacht liesse
/ welcher nach des Vaters Tode ihn zur Rache antreiben dürfte; wie dann der
König solches alsbald verrichtete / und das geschehene der ewigen Vergessenheit
befehlend / ihm alle väterliche Hulde versprach; dessen Olaf sich von Herzen
erfreuend / beiden Eltern allen möglichen Gehorsam /Liebe und Träue verhiess /
und sich insonderheit gegen seine Stieffmutter höchlich bedankete / dass sie ihm
seines Herr Vaters Gnade und Gewogenheit wieder erworben hätte. Unterdessen
König Mnata von Königin Valisken hoch vergnüget / nam etliche Kleinot hervor /
und baht inständig / sie dem Fräulein einzuhändigen; als er aber vernam / dass
sie ein solches schon aus eigenem Getrieb ohn sein Vorwissen verrichtet hätte /
und den überschikten Ring von dem Fräulein empfing / küssete er ihr die Hände /
bedankete sich ihrer geträuen Vorsorge / und erboht sich /ihr zu Ehren und
Gedächtnis ein trefliches Schloss mitten in seinem Königreiche auffzubauen /
welches Valisken-Ehre sollte genennet / und auff demselben nicht allein die
Königlichen ReichsSchätze verwahret / sondern auch alle seine Nachfolger
gekrönet werden. Ging hernach auff ihr gutdünken mit ihr nach Herkules und
Ladisla / welche er vermochte / die Freiwerbung bei dem Dänischen Könige und
seinem Gemahl abzulegen / welches alsbald / noch vor der Mahlzeit verrichtet
ward / und liessen sie nach empfangenem Jaworte ihn hinfodern / da er mit dem
Fräulein sich selbst verlobete / und inwendig einer Stunde sich bei ihr durch
viel Geschenke und andern liebkosen sehr beliebt machete / dass sie ihm des
Beilagers Zeitbestimmung heimstellete. Also gingen sie miteinander zur Mahlzeit
/ woselbst ihnen von allen Anwesenden Glük und Heil gewünschet / und daneben
beschlossen ward dass das Beilager auff das angesetzete Freistechen sollte
gehalten / und zu Prag hochfeirlich begangen werden; welche kurze Zeit der
Dänischen Königin schwehr fiel / einwenden / sie könnte in solcher Eile /und
darzu noch in der fremde / zu dem gebührlichen Hochzeit Schmuk nicht rahten.
Valiska aber tröstete sie / mit Versprechung / weil sie die Königlichen Kleider
in grosser Menge mit sich aus weitabgelegenen Ländern gebracht hätte / und es
ihr an Kleinoten auch nicht mangelte / wollte sie Mutterstelle vertreten helffen.
Bei der Speisung wahr Valiska voller Gedanken / dass Herkules wohl sah / sie
währe mit Anschlägen beladen / wie sie dann emsig nachsinnete / auff was weise
sie noch heut den verliebeten Olaff befriedigen möchte; weil sie aber Frl.
Schulda Willen und Meinung nicht wusste / wiewol sie am Fortgange gar nicht
zweifelte / wollte sie doch dessen sich zuvor erkundigen / und nach geendigter
Mahlzeit redete sie allererst mit Siegwarden / offenbahrete ihm ihr Vorhaben und
Olaffs heftige Verliebung / mit begehren /ihr sein Gutdünken zueröffnen; sie
vor ihr Häupt könnte nicht anders als solche Heirat vor genehm halten / weil
obgedachter Fürst nach seines Herr Vatern Hintrit das Königreich Dänenmark
unstreitig beherschen würde / und hiedurch die Nordische Kronen treflich könten
verbunden werden. Als nun Siegward sehr bitlich anhielt / dass sie dieses gute
Werk fortsetzen möchte / suchte sie gelegenheit / mit dem Fräulein zusprechen /
bezeugete ihr anfangs ihre schwesterliche Hulde / und dass sie nicht anders
suchete / als dessen wirkliche Leistung sehen zulassen. Vor welche Gunst das
Fräulein sich sehr bedankete / und umb beharliche Gewogenheit anhielt / auch
hinwiederumb sich zu allem Gehorsam anerboht; daher Valiska ursach nam / ihr
etwas näher zutreten / sagete / sie wollte sehe / ob ihr Erbieten mit der Taht
überein stimmen würde / und fragete sie / ob ihr Herz annoch von der Liebe frei
/ oder albereit mit einem Schatze versehen währe; worauff sie mit einer ihr
ohndas beiwohnenden Schahm zur Antwort gab / dass ihr biss auff diese Stunde alle
Liebreizungen fremde und unbekant währen / als einer / die noch zur Zeit /
ausgenommen dissmahl / in keiner Gesellschaft sich hätte finden lassen /da junge
unverheirahtete Fürsten gewesen; ja sie hätte nie keinen jungen Herrn ohn vor
etlichen Jahren in ihrer Kindheit Fürst Herkules und Ladisla / und nachgehends
Fürst Baldrichen / ihre Oheimben gesehen /und währe nun der fünfte (ihren Herr
Bruder Siegward mitgerechnet) Fürst Olaf aus Dänenmark / welcher gleicher
gestalt ihr mit Blutfreundschaft zugetahn währe. In Warheit / antwortete Valiska
/ kann ich wohl bezeugen / dass dieser unser Oheim Fürst Olaff / einer solchen
lieben Wasen / als ihr seid / wohl wert ist /und verdienet seine Königliche
Tugend / die auff dem allerschönsten / aber auch bestendigsten Grunde (ich meine
die Demut) erbauet ist / dass er von jederman geliebt und geehret werde / möchte
auch meines teils von herzen wünschen / dass mein Frl. Schwester ihr annoch
unversagtes Herz diesem lieben Fürsten einräumen könnte / massen ich ihre Liebe
versichere / dass er nicht allein dessen wohl wirdig / sondern mit so inbrünstiger
Begierde zu euer Schönheit und Tugend gezogen wird / dass er tausendmahl lieber
sterben / als von ihr sich trennen lassen will; wie dann heut früh ihn die
tausendmahl lieber sterben / als von ihr sich trennen lassen will; wie dann heut
früh ihn die überflüssige Liebe dahin getrieben hat / dass er mir sein ganzes
Herz sehen lassen / mit inbrünstiger Bitte / ich möchte mich bemühen / ihm bei
Euer Liebe Gnade zuerwerben / umb welche selbst mündlich anzuhalten / er seinem
verliebeten vorgeben nach / unwirdig und ungeschikt währe; Wie dann / in
betrachtung unserer vertraulichen Freundschaft / und wegen der Neigung / damit
Euer Liebe ich verpflichtet bin / ihm solches nicht habe abschlagen können noch
wollen; und erinnere ich zufoderst Eure Liebe herzträulich / nur dieses
zubedenke / dass wir Königliche Fräulein vor allen andern unser bevorstehendes
Glük nicht übersehe / und mutwillig vorbei streichen lassen müssen / angesehen /
Bürger- und ädle-Töchter ihres gleichen alle Tage und allentalben finden / dass
wann dieser sie nicht will / oder er ihnen missfället / sie bald einen andern
aussehen und antreffen mögen / der sie zur Traue führe; aber Königliche junge
Fürsten sind gar ein selzames Wildbrät / welche uns nur von Gott sonderlich
zugeführet werben / so dass manniches Königliche Fräulein / will sie sonst im
Ehestande leben / sich in etwas verringern / und unter ihren Königlichen Stand
sich an einen nidrigen Fürsten verheirahten muss. Weil dann der günstige Himmel
Euer Liebe vor dissmahl seine hohe Gewogenheit scheinen lässet / zweifelt mir
nicht / sie werde ohn mein erinnern schon wissen / wie sie sich dabei verhalten
solle / nachdem ihr eigener Verstand sie dessen gnug berichten kann. Hiemit
endigte sie ihre Rede / und mit einem schwesterlichen Kusse liess sie ihre
Gewogenheit spüren; welches das Fräulein nicht minder schamhaftig / als die
angehöreten Reden annam / endlich noch fassete sie einen Muht / und gab diese
Antwort: Grossmächtigste Königin / Gn. Fr. Wase; es hat Eure Königl. Hocheit mir
solche Sachen vorgetragen / welche ich weder zubeantworten / noch schweigend
vorbei gehen zulassen weiss / nur dass ich daher die hohe unverdienete Gewogenheit
erkenne / mit welcher ihre Vortrefligkeit mir zugetahn ist / dann eine Todsünde
würde mirs sein / wann an ihrer aufrichtigen Träue ich das allergeringste
zweifeln sollte; dafern nun gleichwol mir als einem jungen Fräulein nicht
verarget würde /ihrer Hocheit vorgebrachtes in etwas zubeantworten /gestehe ich
/ dass ich meinen Fräulein-Stand annoch sehr weit hinaus gesetzet habe / und zwar
eben aus den jezt eingeführten Ursachen / dass wir Fräulein wegen Mangel unsers
gleichen / das Glük abwarten müssen / dessen ich mich noch nicht vermuhten kann
/angesehen meine Jugend und andere Unvolkommenheiten deren ich mich unterworffen
weiss / welche mich dann sehr zweifeln machen / dass der Königliche Fürst und
einige Erbe der Dänischen Krone meiner gross achten / oder sonst Neigung zu mir
fassen sollte /es währe dann / dass meine Gn. Fr. Wase ihn darzu anreizete und
beredete / welches ihm sonst sein eigen Herz nimmermehr eingeben würde. Ach nein
/ mein Schwesterchen / sagete Valiska; eine solche Beschaffenheit hat es trauen
mit der Liebe nicht / dass sie durch eines andern Geboht in des Menschen Herzen
könnte gezeuget werden / sondern die innerlichen Bewägungen wirken und blasen
diese Funken auff / welche durch Schönheit / Tugend und Freundligkeit geschüret
/ und in kurzer Zeit in volle über sich schlagende Flammen verkehret werden; und
versichere sich meine Frl. Schwester nur kühnlich / dass heftigere Liebes-brunst
nicht bald mag gefunden werden / als welche in dieses auffrichtigen
tapffermühtigen Fürsten Seele gegen ihre Vortrefligkeit brauset / so dass ihm
unmöglich ist / selbe länger zuverbergen. Ob er nun Euer Liebe wert sei / oder
nicht / will ich vor dissmahl nicht berühren; einmal ist gewiss / dass die beide
Kronen Dänenmark und Schweden / eine der andern nichts bevor gibt / und haben
wohl ehe durch Heirat vertrauliche Freundschaft gestifftet; deswegen wolle Eure
Liebe sich etwas eigentlicher erklären / damit ich wissen möge / ob der Mann ihr
beliebet sein könne; dann wann die Gemühter sich nicht sollte vereinbaren wollen
oder können / währe viel besser gelassen / als getahn. Ach meine Gn. Fr. Wase /
antwortete Frl. Schulda / ich bitte zum höchsten / mir meine Blödigkeit nicht
ungleich auszulege / vielweniger mich in den Verdacht zu zihen / ob sollte ich
aus frevelmühtigem Stolze mich über diesen Königlichen Fürsten erheben / den
Eure Hocheit als einen Bruder liebt; hat mir der Himmel dieses oder ein ander
Glük ausersehen / wird sich mit der Zeit schon entdecken /welches ich aber so
wenig wissen als sagen kann / in Betrachtung / dass ich unter meiner lieben Eltern
Gewalt bin / und dieselbe / wie in allen andern / also auch in diesem falle mir
völlig zubefehlen haben. Königin Valiska wollte hierauff antworten / aber sie
sah Fürst Olaff herzutreten / daher foderte sie das Fräulein auff / und führete
sie ihm mit diesen Worten zu: Memento tui, & desine latere. Das ist: Nehmet
eurer selbst wahr / und höret auff / euch so verborgen zu halten. Wodurch ihm
der Muht wuchs / dass er vornam /dem Fräulein seine Liebe zuerklären; wie er dann
nach geendigtem Tanze sich zu ihr nidersetzete / und also anfing: Mein Fräulein
wolle mir / bitte ich / diese Grobheit verzeihen / die mich kühn machet / einer
so treflichen Königlichen Fräulein mein dienstergebenes Herz gehorsamst
auffzutragen / nachdem ich nicht gläuben kann / dass einiger Fürst der Welt sich
nicht schuldig erkennen sollte / ihrer Vortrefligkeit sich zun Füssen zulegen /
ungeachtet nur ein einziger unter diesen allen glückselig sein / und die Gunst
der Gefälligkeit davon bringen wird / da dann über den Römischen Käyser selbst
ich mich schätzen würde / wann bei ihrer hohen Gewogenheit ich diesen Platz
erwerben / und von ihrer Liebe zum Diener könnte auffgenommen werden. Zwar ich
kann mich meiner Unwirdigkeit sehr wohl erinnern / und dass an das minste ihrer
Volkommenheit ich nit reichen mag / es währe dañ / dass mein gebietendes Fräulein
bloss aus Gunst mich vor etwas schätzen / und meine Geringfügigkeit gnädig
übersehen wollte / welches Zeit meines Lebens zuerkennen / ich mich befleissigen
würde / mit dem unbrüchigen versprechen / dass viel ehe der Tod meine Seele
dämpffen / als einiges Ding der Welt meine ehrliebende Gewogenheit und
dienstbegierigen Willen von meinem Fräulein abwenden sollte; und ob ich meines
ansuchens genügliche Erklärung zu empfahen nicht wirdig bin / so bitte ich nur
zum demütigsten /mein Fräulein wolle mein unwirdiges Herz nicht alsbald mit
Füssen treten / noch meinem Verdienste nach mich hinausstossen / sondern mir
gnädig vergönnen /dasselbe zulieben / welches mich mehr als aller Welt Hocheit
vergnüget / womit mein inbrünstiges Ansuchen ich schliessen / und ihrer
ungemässenen Gewalt mich ohn alle Bedingung untergeben will. Küssete darauff ihre
zarte Hand / und erwartete der genüglichen Erklärung / welche sie folgender
Gestalt aussliess: Durchleuchtigster Fürst; wie ungeschickt ein säugendes Kind ist
/ geputzete Reden vorzubringen / so wenig befinde ich einiges Vermögen oder
Kühnheit bei mir / ihrer Liebe Vorbringen zubeantworten /welches ohndas wegen
des mir noch zur Zeit unverständlichen uñ biss daher aller Dinge unerhöreten
Vortrages / sich aus meiner sehr kurzen Gedächtnis schon hinweg gestolen hat;
dafern aber mein kindischer Verstand mich nicht betreuget / will eure Liebe
entweder mich prüfen / ob ich könne hochmühtig sein / und ein mehres / als ich
nicht bin / von mir halten; oder aber /sie hält um etwas bei mir an / welches
zubeantworten nicht mir / sondern meinen lieben Eltern geziemen will; im übrigen
weiss euer Liebe Erfahrenheit und meine kindische Jugend ich sehr wohl gegen
einander zuhalten / uñ wie schlecht ich bestehen würde / wann mit euer Liebe ich
mich in ein Streit Gespräche einlassen wollte. Jedoch bedanke ich mich gebührlich
der hohen Ehre / die ohn meine Wirdigkeit mir angelegt wird / und wie ich mich
nicht bereden kann / dz ein Fürst Königliches Geblüts und nähester Erbe der
Grossmächtigen Dänischen Kron / ein unwitziges Fräulein auffzuzihen Lust haben
sollte / also will hingegen ihre Liebe ich freundlich gebehten haben / meiner mit
so hoher ganz unverdieneter Lobrede und niderträchtiger Bezeigung / die ich
durchaus nicht ersetze kann / freundlich zuverschonen / auch eine weitere
Erklärung von mir nicht zufodern / biss dahin solches von meinen lieben Eltern
mir wird zugelassen und befohlen sein. Diss wahr ihre gegebene Antwort auff des
Fürsten Vorbringen / und dauchte ihr unmöglich /sich weiter heraus zulassen;
jedoch ihren guten Willen zubezeugen / meldete sie ihm an / wie ihre liebe
Eltern sich so hoch erfreuet hätten / als ihr Herr Bruder Siegward ihnen die
geträue brüderliche Freundschaft zugeschriebe / welche sie beide miteinander so
fest gelegt / dz nichts als der Tod sie würde trennen können / weil hierinnen /
ihrer Eltern Meinung nach /beider Nordischen Reiche Wolfahrt und Sicherheit
bestünde. Fürst Olaff ward bald nach diesem Vorbringen von Königin Sophien zum
Tanze gefodert / da inzwischen Siegward sich zu seiner Frl. Schwester
nidersetzete / und sie zum Schimpff fragete / was vor ernstliche Sachen sie mit
dem Dänischen Fürsten berahtschlagete; er vor sein Häupt wollte sie brüderlich
ersucht haben / ihm ihrer Gewohnheit nach /freundlich zubegegnen / und ihm nicht
zuverargen /ob er gleich der jungen unverheirahteten Fürsten Gebrauch nach /
sich etwas kühn im Reden erzeigen würde; sie ihm aber zur Antwort gab; der Fürst
hätte nach seiner Höfligkeit mit ihr gescherzet / uñ sich im geringsten keiner
Ungebühr verlauten lassen / schätzete ihn auch der Zucht und Erbarkeit / dass er
mit ihr weiters nicht reden würde / als was ihr Unwiz zubeantworten tüchtig
währe. Königin Valiska hatte sich inzwischen zu der Schwedischen Königin Fr.
Hedit gesetzet / uñ nach Bezeugung ihres guten Willen / weitschweiffend
zuverstehen geben / dass sie an dem Dähnischen Fürsten eine sonderliche
ehrliebende Gewogenheit gegen ihre Frl. Tochter gespüret; da sie nun wissen
sollte / ob ihr und ihrem Gemahl dem Könige diese Heirat gefallen könnte / währe
nichts dienlichers / als dass man zur Sache tähte / massen ihr schon unfehlbahr
bewust währe / dass der Fürst darzu heftiges Belieben trüge / dessen hohen
Verstand und unerschrockenen Muht / nebest anderen Fürstlichen Tugenden sie hoch
rühmete / als welcher in künftig der Dänischen Kron wohl anstehen würde. Königin
Hedit bedankete sich der fleissigen Vorsorge und geneigeten Willens / baht den
Sachen einen geringen Anstand zugeben / biss sie mit ihrem Könige davon geredet
hätte / welcher ohn Zweiffel diese gute gewünschete Gelegenheit / beide Kronen
in Friede und Ruhe zuerhalten / nicht aus der acht lassen / noch einem so
mächtigen Fürsten und künftigen Könige sein Fräulein versagen würde. Nun hatte
die Dänische Königin eine aberwitzige Auffwärterin / nahmens Heta / welche viel
närrischer Auffzüge zumachen /sonderliche Einfälle hatte / und daneben doch sehr
einfältig wahr. Diese trat in dem offene Saal zu ihrer Frauen / und baht
überlaut / sie möchte fleiss anwenden / dz das schöne Schwedische Fräulein ihrem
Fürsten verheirahtet / und noch diesen Abend beigelegt würde; und ob ihr gleich
von der Königin hart und bedraulich zugeredet ward / liess sie doch nicht nach
/sondern ging zu der Königin in Schweden / und hielt umb eben dieses bei ihr an
/ rühmete was vor schöne Kleider der Fürst annoch in Dänenmark zurück gelassen
hätte / und wie zierlich ihm dieselben anstünden; so währe er from / hätte sie
oft der Ruhte entrissen /und ihrer gn. Frauen Zorn abgewendet / welches
zuvergelten / sie ihm das Fräulein zufreien wollte / dann allein dieser und
keiner anderen wollte sie den Fürsten ihren Bräutigam abstehen / welcher ihr
schon vor etlichen Jahren die Ehe versprochen hätte. Fr. Rusila die Dänische
Königin dieses hörend / liess die Närrin hinweg reissen / und baht die
Schwedische Königin / dieser Unsinnigen zuverzeihen; welche aber bald wieder kam
/ und kurzumb gewisse Erklärung haben wollte; daher die Schwedische Königin
lachend zu ihr sagete: Ihre Frl. Tochter währe hesslich / und würde der
Königliche Fürst keine Anmuhtigkeit zu ihr haben können / sonsten sollte sie ihm
unversaget sein. Was? ist sie hesslich? sagte die Närrin; zog Fürst Olaff herbei
/und fragete ihn / ob das Schwedische Fräulein nicht ein wunder-schönes
Engelchen währe; und als er solches mit gnug verwirretem Gemühte bejahete /
sagte die Närrin zu Königin Hedit: So höret ihr ja / dass sie unserm Fürsten
schöne gnug ist / deswegen saget sie ihm zu / dass wir bald zur Hochzeit gehen.
Fürst Olaff wünschete / weit gnug davon zusein / aber die anwesende / auch die
Eltern selbst nahmen es vor ein unfehlbares Zeichen der künftigen Heirat auff;
wie dann Königin Valiska bald herzu trat / und also redete: Ich weiss nicht / ob
das alberne Mensch einerlei Gedanken mit mir führet / ohn dass sie ihre Meinung
beherzter ausreden darff; zwar es würde kein fester Band diese NachbarKronen in
bessere Einigkeit erhalten / als eben diese gewünschete Heirat / wann es Gott
also versehen hätte / und dürffte ich mich erkühnen / meine Herren Oheimbe / die
Grossmächtigsten Könige der beiden Nordischen Reiche / umb ihre Meinung
zubegrüssen / hielte ich davor / der Fürst und das Fräulein könten eins an dem
andern gewünschete Vergnügung haben. Herkules meinte / seine Valiska gebrauchte
sich schier gar zu grosser Freiheit / und wollte ihr durch einen freundlichen
Scherz einreden; aber der Dänische König kam ihm zuvor / stund auff von seinem
Stuel / und antwortete ihr also: Grossmächtigste Königin der Teutschen /
höchstwerte Fr. Wase; nicht ohn Ursach hat das Gerücht ihren Preis überal durch
die Welt ausgebreitet / dass es fast in einem Nuh von einem Ende der Welt zum
andern geflogen ist; massen Eure Liebe ihr nichts so heftig lässet angelegen
sein / als wie sie der Könige Herzen mit beständiger Freundschaft verbinde /
und alle Fehde gänzlich auffheben mögt; welches dann gleich an diesem Tage Eure
Liebe mir so klärlich zu meinem besten sehen lässet / dass mein ganzes Königreich
ihr davor zudanken schuldig ist / wovon ich doch vor dissmahl weiter nicht reden
will / sondern wende mich zu meinem Hn. Oheim und Nachbar-Freunde dem
Grossmächtigste Könige aus Schwede / Hn. Haron /und bitte von seiner Liebe
verständiget zuwerden / ob dieselbe zugeben könne / dz das Durchleuchtigste
Königl. Fräulein / Frl. Schulda / seiner Liebe herzgeliebte Frl. Tochter / nach
meine Tode zur gewaltige Königin über Dänenmark möge gekrönet / uñ von meinem
freundliche lieben Sohn / ihrer hohe Tugend uñ Wirdigkeit nach / gebührlich
geliebt und geehret werden; dann ich zweifele nit / es werde mein Sohn solche
Glükseligkeit erkennen / und in diesem Stük seinem Stande nach sich zuverhalten
wissen. König Haron wahr gleichergestalt von seiner stelle schon auffgestanden /
uñ gab folgende Antwort: Grossmächtigster König / Herr Oheim und Nachbar-Freund;
nachdem mir gleichergestalt gebühren will / der unvergleichlichen Heldin und
ruhmwirdigsten Königin /meiner Fr. Wasen Fr. Valisken / wegen ihrer geträuen
Vorsorge zu denken / in dem ihre Liebe sich bemühet / das allerbequemste Mittel
zuersinnen und zubefodern / wodurch die Nordischen Reiche in bestendiger
Einigkeit können erhalten werden / wie dann hiemit ihrer Liebe / meiner Fr.
Wasen ich von Herzen danke / und zu ihrem Dienste mich mit alle meinem vermögen
anerbiete; so bin ich ebenermassen auch schuldig / die grosse Gewogenheit
zuerkennen / welche des Königs von Dännenmark seine Liebe / meiner Frl. Tochter
spüren lässet / in dem sie ihren geliebten Herr Sohn / den hochberümten Helden
und treflichen Fürsten / Herrn Olaff / nähesten Erben Dännenmarks /gedachter
meiner Frl. Tochter zum Gemahl und Herrn gönnen und geben will; dafern nun der
Durchl. Fürst /mein werter Oheim zu solcher Heirat belieben tragen würde
(massen die Heirahten aus freiem Gemüht gehen und geschlossen werden müssen) soll
seiner Liebe meine Frl. Tochter erwähneter gestalt unversaget sein / nachdem
seine Liebe sich darüber gebührlich wird erkläret haben. Fürst Olaf stund
zugegen /voller freunde und vergnügung / und als er sah / dass ihm zu reden
gebohten wahr / wendete er sich nach tieffer Neigung vor erst gegen Königin
Valiska mit diesen Worten: Grossmächtigste Königin der Teutschen / erwählete
Fürstin des grossen Fürstentuhms Susiana in Asien / unvergleichliche Heldin /
und auserlesenste Zier des menschlichen Geschlechts. Valiska stellete sich der
gar zu hohen benahmung sehr unwillig / er aber fuhr dessen ungeachtet also fort:
Wann ich alle die Gnaden und Gewogenheiten erzählen sollte / die von ihrer
Königl. Hocheit mir unwirdigen / auch da derselben Feind ich noch sein durfte /
erwiesen sind / müste ich dem berümten Griechischen Redener die Zunge / und dem
gedächtnis-reichen Kartaginischen Abgesanten die Behaltnis abborgen / und würde
dannoch so wenig in einem als anderm bestand sein / auch das minste düchtig an
den Tag zulegen; wiewol ich gerne gestehe / dass ihrer Königl. Hocheit heutiges
Gnadenwerk die vorigen so gar überwieget /dass ich meinen Ohren fast nicht trauen
darf / und billich umbfrage / obs dann möglich sei / dass einem Unwirdigen /
wovor ich mich bekenne / so hohe Gunst und Glükseligkeit zufliessen mögen / mit
welchen ich mich überschwemet befinde / in dem ihre Königl. Hocheit sich
gnädigst bemühet / das treflichste Königl. Fräulein aus Schweden / die Zier und
Ausbund jungfräulicher Zucht und Tugend mir zufreien / deren volkommenheit
zuverehren meine Seele fertiger ist /als deren Lieb und Heirat mir versprechen
/ weil der allerglückseligste ihm höheres Glük nicht wünschen noch einbilden kann.
Was soll ich dann vor dissmahl vortragen / als dass gegen ihre Hocheit / die meines
Tausend-glückes einige Ursach und Königin ist / ich mich demühtigst / und in
wahrer Untergebenheit bedanke / von Herzen wünschend / ihr Gott / der allein
wahre Gott / den sie ehret / wolle ihrer Hocheit solche Woltahten mit zeitlich-
und ewiger Belohnung ersetzen / auch mir das vermögen geben / solches nicht
allein zuerkennen / sondern in ihrer Hocheit Diensten mich können gebührlich
finden zulassen / damit tähtlich erscheinen möge / dass ich dero selbschuldiger
Knecht in wahrer ehrliebender Ergebenheit nichts suche / als mein Blut und Leben
zu deren Wolfahrt anzuwenden / daneben zugleich bittend / ihre Hocheit wolle den
erquiklichen Schein ihrer grossen Gewogenheit auff mich stets herunter schiessen
/ damit ich auff der höhesten Staffel meiner Glükseligkeit befestiget / dieser
volkommenen Gaben dereins wirklich geniessen möge / welche durch ihren Vorschub
mir anjezt bevorstehen. Es wahr Königin Valiska schon fertig / ihm sein hohes
Lobsprechen verweisslich vorzuhalten; er aber kehrete sich daran nichts / sondern
wendete sich gegen den Schwedischen König / und verfolgete seine Rede also:
Grossmächtigster unüberwindlicher König / Herr Haron / gnädigster Herr /Oheim und
Vater; ich weiss ohn jemands erinnern sehr wohl / dass nicht meine wirdigkeit / als
deren ich wenig bei mir befinde / sondern der allervortreflichsten Königin / Fr.
Valisken Gewogenheit bei euer Königl. Hocheit mir die Selle eines künftigen
Aidams erwirbet; dann welcher König und Herscher dieser Welt würde sich nicht
glückselig schätzen / ihrer Hocheit Frl. Tochter / ein solches mit allen
Fürstlichen Tugenden ausgeschmüktes Fräulein / auch mit seinem Blute
zuerstreiten / welche von euer Hocheit mir aus überflissender Gunst und Gnade
gegönnet und zugesprochen wird / und hätte inbetrachtung meiner wenigkeit ich
mich nicht unterstehen dürffen / umb ein solches Gemahl anzusuchen / da mein
erlegener Muht nicht durch solcher vermögenden Aerzte hülffe und Kraft gestärket
und erhoben würde. So nehme ich nun das höchst gewünschte Glük mit begierigem
Herzen an /umarme die Gelegenheit mit vergnügung / und verbleibe / weil ich lebe
/ euer Hocheit untertähniger Knecht und gehorsamer Sohn. Euch aber / gnädigster
/ herzlieber Herr Vater / danke ich in kindlicher Demuht vor diese väterliche
Liebe und Hulde / von Herzen wünschend / dz euer Hocheit Häupt die Dänische Kron
biss an mein graues Alter tragen / und dem Königreich mit heilsamer Raht und
Schuz noch manniche Jahr vorstehen möge / alsdann wird mir keine Kron kein
Königreich mangeln; bitte schliesslich /mein Herr Vater wolle bevorstehende Ehe-
uñ Ehrensache nach seinem väterlichen Wolgefallen handeln /ordnen und schliessen
/ dem ich mich zugehorsamen aus kindlicher Pflicht schuldig weiss. Sein Vater
wahr sehr vergnüget über seinem Verstande und wolständiger Fürstlicher
Beredsamkeit / deren er sich zu ihm nicht versehen hätte / stund auff und hielt
bei der Schwedischen Königin um günstige Einwilligung freundlich an / die sich
gewünscht erklärete / und ihre Frl. Tochter heran zutreten aufffoderte. Diese
nun hatte alles gegenwärtig angehöret / sass wie ein Stein /und sah vor sich
nider / weil des ganzen Frauenzimmers Augen auff sie hingerichtet wahren. Die
grosse Liebe des Fürsten hatte sie zur Gnüge vernommen /und alle Worte genau
angemerket / und weil sie einwenig Bedenkzeit hatte / erhohlete sie sich / und
ging mit ihrer Fr. Mutter hin / da der Dänische König ihr entgegen trat / und
freundlich baht / sie möchte ihrer Eltern Willen / die Heirat zwischen ihr und
seinen Sohn betreffend / guteissen / und die Dänische Kron inkünftig zutragen
sich unbeschweret finden lassen. Worauff sie sich schamhaftig erklärete; ihre
Schuldigkeit erfoderte nichts anders / als alles das zutuhn und leisten / was
von ihren lieben Eltern geordnet würde; bedankete sich der hohen Gnade / und
Gewogenheit / gegen den König / mit Bitte wegen ihres Unverstandes und
kindischen Gebrechligkeiten Geduld zutragen / und mit väterlicher Hulde ihr
allemahl gewogen zuverbleiben; dessen der Dähnische König sich überaus hoch
erfreuete / und dem herzunahenden Schwedischen Könige Raum gab / der seine Frl.
Tochter dem Dänischen Fürsten mit diesen Worten an die Hand boht: Sehet da /
Durchleuchtigster Fürst /hochgeliebter künftiger Herr Sohn / nachdem Euer Liebe
meine Frl. Tochter zum Gemahl hat gefallen wollen / soll sie derselben hiemit
zugeschlagen / und als eine Braut übergeben sein / die dann verhoffentlich gegen
ihren Herrn und Gemahl sich gebührlich verhalten wird / wie sie darzu ist
unterwiesen worden; Ich vor mein Häupt wünsche euch den Himlischen Segen / der
sich über euch ausgiessen wolle / mit aller gedeilichen Wolfahrt; umfing sie
hiemit beide nacheinander / und befahl seinem Gemahl / einen köstlichen Ring
zuverschaffen / weil die Dänische Königin umb eben der Ursach willen schon einen
Abtrit genommen hatte. Inzwischen ward den Verliebeten von allen anwesenden Glük
und Segen gewünschet / und da Königin Valiska solches mit einer sonderlichen
liebreichen Bewägung leistete / sagete sie hernach zu dem Fürsten: Eure Liebe
hat bloss dem Glücke zudanken / dass mir Zeit und Gelegenheit benommen wird /mich
an ihr zurächen; jedoch ernstlich davon zureden / wolle Eure Liebe hinfüro sich
des unbillichen Ruhms entalten / und mit solchen unverdienten /oder recht
zusagen / un- und übermenschliche preisen mich verschonen / dafern er sonst mich
zu einer steten Freundin haben will. Vor dissmahl wollen wir die anjezt glücklich
bestetigte Heirat besser zuordnen vor uns nehmen / und weiss Eure Liebe sich wohl
zuerinnern / welcher gestalt dieselbe sich bisher gewegert hat / das Wendische
Fürstentuhm anzunehmen / ungeachtet die Durchleuchtigste Fürstin der Wenden /
Fr. Bochild / auff unsern Vorschlag Eure Liebe zum Nachfolger in der Herschaft
schon erkläret hat; sollte nun dieselbe sich dessen noch weiter zuwegern gesinnet
sein / will ich die jezt hochgedachte Wendische Fürstin / Euer Liebe Herrn Vaters
leibliche Fr. Schwester hiemit bitlich ersuchet haben / sie wolle Euer Liebe
solches Fürstentuhm entzihen / und dem Durchleuchtigsten Schwedischen Fräulein
es nach ihrem Tode (welchen Gott lange verhüten wolle) als zur Heimsteur
zuwenden. Ja / fing Fürstin Bochild an / weil mein Herr Sohn mein Mutterherz
bissdaher nicht hat wollen erkennen / noch der Wendischen Herschaft sich mit
annehmen / welche mir und ihm aus Königlicher Teutscher Mildigkeit gegebe ist
soll hinfüro das Durchläuchtigste Fräulein / Frl. Schulda die Erbin sein / also
und dergestalt / dass ihr künftiger Ander-gebohrner Sohn dereins herschender
Fürst in Wendland gesetzet werde; welches sie alle gut hiessen. Valiska liess
darauff die verwahreten Pannonischen 10 Tonnen Goldes / nebest den ehmahls
versprochenen fünff Tonnen auch herzu tragen / und stellete sie dem Fräulein hin
zun Füssen / mit anmeldung / wie sie ihr zum besten solche bisher in Verwahrung
gehabt hätte; Vor welches alles so wohl die Braut als ihre Eltern sich sehr
bedanketen. Des Bräutigams Stiefmutter kam gleich dazu / brachte unter andern
Kleinoten einen treflichen Ring / und entschuldigte sich / sie hätte sich nicht
darauff geschicket / dass in dieser weit abgelegenen fremde sie einen Sohn und
eine Schwester zugleich und auff einmal ehelich versprechen sollte; sonsten
würde sie sich ihrer Schuldigkeit besser erinnert haben. Er aber nach
gebührlicher Danksagung nam die Kleinot zu sich / vermehrete sie mit einer
zimlichen Anzahl von seinen eigenen / und lieferte sie seinem geliebeten
Fräulein; empfing auch hinwieder von ihr einen köstlichen Ring / welchen ihre
Fr. Mutter ihr zugestellet hatte / und wahr keine des vornehmen Frauenzimmers
zugegen / welche dieser Braut zur Glükwünschung nicht sollte ein oder etliche
Kleinot verehret haben / deren Königin Valiska und Fürstin Sibylla / als
künftige Schwester / ihr ganze Schachteln vol einlieferten / und ward die
übrige Tageszeit in aller Fröligkeit zugebracht / auch des folgenden Tages die
Verlöbnis gehalten / da die beiden Bräutigambe ihren Liebsten das Königliche
Leibgedinge vermacheten / auch Fürstin Sibyllen und Königin Lukrezien ihres
zugleich mit bekräfftiget ward.
    Desselben Abends kahmen Herkules und Arbianes mit ihren Gemahlen ohngefehr
bei einander zusitzen /da Valiska den Fürsten erinnerte / er möchte ihnen die
Anfechtung erzählen / welche er zeit seines Bettelstandes von dem leidigen
Teuffel in BettlersGestalt ausgestanden hätte; worzu er willig wahr / und zur
Antwort gab: Ob ich gleich hievon lieber schweige /als viel Worte mache / weil
durch Gottes sonderbahre Krafft ich diese Versuchung überstanden habe / so tuhe
ichs doch nicht ungerne / unter der Hoffnung /mein Herr Bruder König Herkules /
oder sie meine Fr. Schwester werden mich fein unterrichten / da ich den
Einwürffen dieses verführischen Betlers nicht aus dem Grunde zubegegnen gewust:
Es wahr eine Stunde nach des zimlich helle scheinen den Monden Aufgange / da ich
hinter einer dicken finstern Hecke sass /und wohl tausenderlei Gedanken in meinem
Gehirn umlieffen / welche alle mit einander auff meiner liebsten Fräulein Leben
und Zustand hinzieleten / als ich gleich einen Menschen von ferne hörete in sich
selber reden / der mir je länger je mehr nahete / biss ich ihn ins Gesichte bekam
/ gross und ansehnlich von Gestalt / aber in Betlers Kleidern / gleich als ich;
Er stellete sich / als sähe er mich nicht / und fing in Lateinischer Sprache an:
O du blindes Menschliche Geschlecht /wie lässestu dich doch von so mannichem
falschen Irtuhms-Winde umtreiben / und deine arme Seele zuplagen / da du doch
wohl in Ruhe leben köntest / so lange dir solches von dem unvermeidlichen
Verhängnis zugelassen ist; O dass doch einverständiger sich unterfinge / die
mannicherlei Tohrheiten den Menschen aus dem Kopffe zubringen / damit sie aller
Unruhe und Furcht entrissen / dereins auffhöreten / dasselbe zuscheuhen / was
nichts / als ein ertichtetes Fündlein ist. Ich schloss aus diesen Worten / es
müste dieser etwas mehr als ein gemeiner Betler sein / ging zu ihm hin / und
nach Wünschung eines guten Abends / fragete ich ihn / was er bei Nachtzeit an
diesem wüsten Orte suchen ginge. Dieser stellete sich /als entsetzete er sich
über meiner unvermuhtlichen Gegenwart / und gab zur Antwort: Mein Freund / wer
ihr seid / ich hätte nicht gemeinet / dass jemand anders als ich / hieselbst bei
Nachtzeit sich finden würde /sonst hätte ich meiner Zungen gebieten wollen /
zwischen ihrem Zähn-gemäure sich stille zuhalten; jedoch eure freundliche Frage
zubeantworten / gebe ich euch zuvernehmen / dass ich wegen eines unglücklichen
Falles gezwungen bin / meine Heimat zuverlassen / und umb meines Lebens Rettung
mich in die unbekannte wild-fremde zubegeben / da ich schon 12 Jahr und länger
das Elend gebauet / und zwischen solcher Zeit nicht allein viel Landschaften in
Asien / Afrik und Europa gesehen / sondern auch mannicher Menschen wunderliche
Gemühter und Einbildungen erkennet habe / insonderheit was den Glauben und den
Gottesdienst betrifft worüber ich mich nicht gnug habe verwundern köñen / in
betrachtung / dass sie fast alle miteinander ihr höchstes Gut auff einen blossen
Wahn bauen / welcher keinen Grund hat. Hiemit schwieg er stille / umb dass ich
durch Nachfrage ihm Ursach geben sollte / sich weiter heraus zulassen / wie mich
dann der Vorwiz trieb / welches ich hernach bereuete / und lieber gewolt / dass
ich gar geschwiegen hätte; Ich fing aber also an: Ob ich zwar annoch jung und
unerfahren bin / so habe ich gleichwol auff der Menschen tuhn und lassen / den
Glauben und Gottesdienst betreffend / auch etwas acht gegeben / uñ ist zwar
nicht ohn / dass viel / ja wohl der gröste Teil hieselbst in grossem Irtuhm
stecken / aber das würde zu beklagen sein / wann sie alle miteinander des
rechtschaffenen Grundes verfehlen sollten. Des rechtschaffenen Grundes verfehlen?
fragete dieser; Je was vor ein Glaube ist dann wohl zufinden / der auff tüchtigem
Grunde bestehen sollte? Die / so man Heiden nennet /werden von den Juden und
Christen beschuldiget /dass ihr Glaube und Gottesdienst falsch und nichtig sei /
und gleichwol bauen dieselben darauff ihr höchstes Gut. Die Jude lauren auff
einen versprochenen Heiland / der sie aus allen Ländern / dahin sie verstossen
sind / wieder samlen / und ihr Reich zu Jerusalem auffrichten solle; Die Heiden
verachten sie deswegen / und die Christen dürffen gar behäupten und schwören /
dass sie sich selbst betriegen. Was soll ich aber von den Christen sagen? hat
jemand irgend auf schlimen Grund gebauet / so tuhn es diese / wovon ich aber
zureden vor unnöhtig halte / weil solcher Aberglaube in diesen Ländern annoch
unbekant ist /und ihr davon wohl niemahls möget gehöret haben. Ich gab ihm zur
Antwort / das wollte ich nicht gerne / dass ich von diesem herrlichen uñ allein
seligmachenden Glauben nicht sollte gehöret haben. Aber ihr müsst in Warheit wohl
eines wunderlichen Glaubens sein /wann ihr den Heidnischen / Judischen und
Christliche zugleich und auff einmal übern Tölpel werffet / wo ihr nicht allen
Glauben und allen Gottesdienst auffheben / und gar ein Ohn-Gott sein wollet. Ein
Ohn-Gott? antwortete dieser. Ja seid ihr dann nicht auch ein Ohn-Gott? ja sind
dann nicht alle Menschen miteinander Ohn-Gott? oder habt ihr einen Gott / so
lasset mir ihn sehen / dass ich auch ein Nicht-Ohn-Gott werde. Er wird schon
können gesehen werden / obs gleich anjetzo dunkel ist / wo er sonst ein Gott
ist. Ich erzürnete mich über dieser Gotteslästerung / wie ichs dann billich vor
die allergröste Gotteslästerung mit rechne / wann man Gottes Wesen ganz und gar
verleugnet. Freilich ist dieses eine schändliche Gotteslästerung / sagte
Herkules / wann man Gottes Wesen selbst auffzuheben sich erkühnen darff; Aber
was gabet ihr ihm auff solches anfodern / ihm Gott zuzeigen / vor eine Antwort?
Ich sagete anfangs / meldete Arbianes / es würde unvonnöhten sein / mich mit ihm
oder jemand anders über diese Frage / ob Gott wäre /oder nit / einzulassen /
nachdem alle welt solches vor wahr hielte / uñ aus der Welt Erhaltung klar genug
erschiene / dz notwendig ein Gott sein müste / der solches alles leistete / uñ
so wohl den Lauff der Sterne /als den Zustand dieser Unterwelt in seine Wesen und
Wirkung fest erhielte; und währe wohl lächerrlich / Gottes Wesen darum zuleugnen /
dz man denselben mit Fingern nit zeigen / noch sage könnte / hier stehet er; da
vielmehr zuschliessen währe / es müste Gott nit sein / wann mans sehe oder
zeigen könnte. Dieser fragete mich darauf / wz es dann eigentlich währe / das
ich GOtt hiesse. Und ob ich meinte dass die Erhaltung der Welt nohtwendig einen
GOtt erfoderte; gab mir doch nicht Zeit / ihm diese Fragen zubeantworten /
sondern fuhr fort in seiner Plauderei; GOtt währe zwar / aber die Menschen /
wenig aussgenommen /kenneten / ihn nicht / und wollte er mir GOtt zeigen /weil
ich ihn nicht zeigen könnte; nehmlich / die Krafft und das Vermögen / welches in
der Welt und in allen Stücken derselben sich befünde / dasselbe währe GOtt / da
dann die Ober Welt oder vielmehr deren Kräfte / verstehe / Soñe und Sternen /
die höchste Goteit oder Kraft ist / sagte er / welche den irdischen Dingen von
ihrer Kraft oder Goteit mitteilen / als viel ihnen dienet / und ihr Wesen
zulässet. Und also sehet ihr / sagete er weiter / dass aus der Erhaltung der Welt
nicht mag geschlossen werden / dass nohtwendig ein ander GOtt / als ihre selbst
eigene Krafft sei. Ich antwortete ihm mit wenigen; wann er mir dartuhn könnte /
dass seine Worte Warheiten währen / würde ich ihm bald müssen gewonnen geben /
aber so bloss hin könnte ich seinem Vorgeben nit trauen / weil ich viel ein fester
Wort der Warheit hätte / welches auch der Hellen Pforten wohl müsten stehen und
unüberwältiget lassen / das lehrete mich / dz ein GOtt von alle Ewigkeit her
währe / welcher die Welt / Himmel und Erden / und alles was drinnen ist /
gemacht und erschaffen / auch jedem Dinge seine Krafft mitgeteilet hätte. Ja /
antwortete dieser; eben das ist der blosse grundlose Wahn / auff welchen ihr und
eures gleichen euren Glauben bauet / welcher von der Vernunft selbst
umgestossen wird; wollet ihr nun meine Rede die mit der Vernunft fein zutrifft
/ nicht zulassen /und sie durch diss vermeinte andere Wort umstossen; je so
müsst ihr mir ja zuvor bescheinigen / das dasselbe ein unbetriegliches Wort sei
/ sonst werden wir unsers Dinges in Ewigkeit nit eins werden. Ob ich auch dieses
Dinges mit euch einig werde oder nicht /gab ich zur Antwort / muss mir endlich
gleiche viel sein / aber durch euren Vernunft Possen lasse ich mich nicht
bereden / Gottes Wort in Zweiffel zuzihen. Nun begehret ihr über das / ich solle
erweisen / dz dieses Wort die Warheit und Gottes Wort sei. Ja / ich will euch
solches beweisen / wann ihr nur Augen habet / die es sehen können. Wann ihr mich
anjetzo fragen würdet / wie ichs beweisen wollte / dass die Schrifften /welche dem
Homerus zugeschrieben werden / eigentlich seine sein; würde ich solches nicht
anders behäupten können / als dass solche Schrifften von Homerus Zeiten an biss
hieher allemahl vor dessen Schrifften sind gehalten worden / und solche
Wissenschaft von einem Gelehrten immerzu auff den andern kommen ist. Eben also
mache ichs auch mit dem Beweisstuhm / dass die heilige Schrifft Gottes Wort sei;
weil ja die Gläubigen von Anfang biss hieher die Bücher des Mose vor Gottes Wort
gehalten / und dessen so gewiss gewesen sind / dass sie lieber Leib und Leben
einbüssen / als solche Glauben sich nehmen lassen wollen; dass ich nicht sage /
wie wunderbarlich der almächtige Gott dieses sein Wort wieder alles toben und
verfolgen der Feinde dieser himlischen Warheit erhalten hat. Dieser ersetzete
solches mit einer höhnischen Antwort / und wahr über die massen verschlagen /
von einer Frage / die er weiters nicht behäupten kunte / auff die andere
zufallen / da er auff unsern Heiland zureden kam / und anfing die leicht
gläubigen Christen auffzuzihen / welche sich hätten können bereden lassen / dass
derselbe ein Gott währe /den man hätte am Kreuz getödtet. Aber ich redete ihm
ein / er sollte sich mässigen / denselben zulästern welchen er nicht kennete /
oder vielleicht aus teuflischer Bosheit nit wollte kennen / weil ich verstünde /
dass die Christliche Lehre ihm nicht so gar unbekant währe. Ich vor mein Häupt
wüste Gott Lob so viel /dass derselbe Gottes warhaftiger Sohn / und der
versprochene Heiland der Welt währe / weil er nicht allein durch kräfftige
Zeichen und Wunder sich also erwiesen / sondern nachgehends auch seine Jünger
mit solcher Krafft hätte aussgerüstet / dz sie in seinem Nahmen grosse Tahten
verrichtet / und über die Teuffel Macht und Gewalt gehabt hätten; wie dann in
Italien / Griechenland und Asien annoch Menschen lebeten / deren Eltern ihnen
hoch beteurlich erzählet / was ihre Gross Eltern vor Zeichen und Wundertahten von
den Jüngern des Herrn gesehen hätten; ja es geschähen noch heut zu Tage von
unterschiedlichen gläubigen Lehrern dergleichen Wunder im Nahmen und durch
Anruffung des HErrn JEsus; und währen trauen dieselben Gläubigen nicht so gar
ihres Witzes beraubet gewesen / welche lieber hätten durch tausenderlei Pein
sich lassen hinrichten / als dass sie die wahre Goteit ihres Heilandes wollen in
Zweiffel zihen. Dass ihr aber einwendet / dieser mein Erlöser sei am Kreuz
getödtet / und daher kein wahrer Gott / so werdet ihr Zweiffels ohn wissen / dass
dessen Wunder-Person aus zwoen Naturen (wie man redet) bestehe / der götlichen
und menschlichen / und derselbe nicht an seiner Goteit sondern an seiner
Menscheit solchen Tod / uns armen Sündern zum besten / aussgestanden habe.
Leugnet ihr aber dieses / so bringt gültige Ursachen hervor / dann mit lästern
und hohnlachen ists in solchen Sachen nicht getahn. Wir wollten zur Widerlegung
solcher Einbildung leicht gelangen / gab mir dieser zur Antwort / wann ihr nur
euch köntet weisen lassen / dass ihr dem vermeinten Worte Gottes nicht zuviel
trauetet; aber wie ists möglich / dass man euch die Warheit beibringe / wann ihr
wieder euren gefasseten Irre-Wahn nichts wollet geredet haben? sehet /dieses
Buch / wie alt es gleich ist (dann nichts ist eben darüm wahr dass es alt ist)
hat solche ungläubliche / und eigen zusagen / solche unwarhafte Dinge in sich /
die ein jeder vernünftiger Mensch besser weiss. Sehet den ertichteten Simson an
/ der soll mit gewalt tausend starke Kriegs Leute mit einem faulen
Esels-Kinnebacken zu tode geschlagen haben / und nachgehends aus demselben
Kinnebacken / ja nur aus einem Zahn desselben getränket sein. Stünde es beim
Homerus oder Naso / so müste es ein lächerliches Getichte heissen / aber in
diesem Buche wird alles zur Warheit. Sehet weiter die eingebildete Lehre an von
den Engeln und Teuffeln; wie kann ein vernünftiger Mensch ihm lassen einpredigen
/ sich vor solche ertichtete Geister zufürchten oder Schuz von ihnen zuhoffen?
Nichts sind solche Geister / als der Menschen Träume / und was eines Menschen
verrüktes Gehirn in ihm leistet dass mus alsbald einem Geiste zugeschrieben
werden / der in ihm wohne. Sehet an die Lehre von der verstorbenen Menschen
ertichteter Aufferstehung zum ewigen Leben. Mein / wie könnte ich doch meine
Sinnen dergestalt gar fressen / dz ich gläuben sollte / ein Leib / welcher
verweset ist / ja welcher teils von Hunden und wilden Tihren / teils von Vögeln
/ teils von Würmen / teils von der Sonnen verzehret ist / und in der fressenden
Tihre ihr Wesen verendert / ganz wieder sollte hervorkommen / und nach etlichen
tausend Jahren mit seiner ehemaligen Seele wieder vereiniget uñ unaufflösslich
verknüpfet werden? ist aber dieses noch nicht gnug / solchen Glauben auffzuheben
/ mein so sage ich euch ein mehres: Ich bin ja in einem Lande gewesen / woselbst
die Menschen einander fressen und verzehren / so dass sie oft ihre ganze Lebens
Zeit nichts als Menschen Fleisch geniessen; davon wachsen sie und bekommen daher
ihr Fleisch / ihren Leib; saget mir doch nun /wie es möglich sei / dass diese
auffgefressene Menschen / ein jedweder seinen eigenen ganzen Leib wieder
bekommen möge / der schon eines andern Menschen sein Leib worden ist? noch muss
euch Christen solches alles wahr / und ein Glaubens-Stük sein. Ich will noch mehr
sagen: Wann ein Mann mit einem Weibe / die ihm getrauet ist / der Lust pfleget /
das ist bei euch ja noch leidlich / aber wann er mit mehr Weibern solche
Kundschaft machet / das muss eine Tod-Sünde sein. Ey warüm dann? Sündiget dann
auch wohl der Ochse und der Bok / dass er einer ganzen Heerde vorstehet? in diesem
Falle sind die Juden ungleich witziger als ihr Christen. Uber das machet ihr oft
etwas zur Sünde oder zum Laster / das an sich selbst kein Laster ist / sondern
ihr plaget und naget euch selbst mit solchen unnöhtigen Gesetzen / welche eure
Fröligkeit und Wollust hindern / und euch lebendig in den Sarg hinein legen.
Mensch / was bistu mehr / als ein ander Tihr? ohn dass du bessern Verstand hast;
O wie närrisch bistu / dass du nach diesem Leben dir noch ein anders lässest
einbilden; dass du umb des zukünftigen ertichteten willen / das gegenwärtige
warhafte Gut von dir stossest / und dich selbst bestreitest / peinigest und
narrest. Wollet ihr aber wissen / sagete dieser Lästerer zu mir / was die
Menschen betöhret / solches Plage-Leben zuführen? nichts als das äusserliche
Ansehen deren / die ihnen solche Fratzen einbilden / welches sie zu ihrem besten
tuhn / auff dass sie gross geachtet / und vor andern hochgeehret werden. Es
begunte nunmehr mir die Geduld zuvergehen / das ich ihm also in die Rede fiel:
Es wird schier Zeit sein / dass ihr euch im reden / und ich mich im zuhören
mässige / in betrachtung / der Almächtige Gott uns alle beide wegen eurer
Lästerung straffen möchte; so zweifele ich auch / ob ich alles euer unnützes
Vorbringen werde behalten haben; es geht aber alles dahin / dass ihr die Heilige
Schrifft / Altes und Neues Bundes / bei mir in Verdacht bringen möget / ob
fünden sich darinnen Lügen und unwarhafte Dinge / welches doch unmöglich ist /
angesehen / dass unmöglich der warhafte Gott in seinem Heiligen Worte sollte
lügen können / und ich mir von dem Teuffel selbst es nicht werde einbilden
lassen /dass dieses nicht Gottes Wort sei / welches mein Heiland mich und alle
Menschen hat heissen hören / und darinnen fleissig nachsuchen / weil wir das
ewige Leben darinnen haben; Zwar ihr führet ein und anders ein aus Gottes Wort /
als kundbahre Unwarheiten; erstlich den starken Simson und sein verhalten; sollte
aber dem Almächtigen Gott wohl unmöglich sein / ein solches Ding durch einen
Menschen zuleisten / da es ihm nicht unmöglich ist / mit einem einzigen Strohalm
den ganzen Himmel herunter zuschlagen? O ihr vermässener und elender Urteiler
der hohen unendlichen Almacht! Ihr saget aber: Wann solches beim Homerus oder
Ovidius stünde / müste es ein Getichte sein. Ich sage nein darzu; ein solches
Ding könnte ich ihnen noch wohl gläuben / wiewol mirs frei stünde; Aber meinem
wahren GOtte nicht gläuben wollen / ist eine mehr als teuflische Bosheit / dann
derselbe Feind GOttes gläubet es / ob er gleich den Menschen gerne diesen
Glauben hinweg rauben wollte. Aber wz höre ich? ihr leugnet es / dass Engel und
Teufel sein /köñet auch nit anders / weil ihr Gott selbst verleugnet; aber was
dünket euch? sollte ich euch trauen /oder beifal geben / wann ihr mir vortragen
würdet /der Monde / welcher dort am Himmel scheinet /währe nichts als ein
eingebildetes Geticht / so aus verrüktem Gehirn entstehet? euer verrüktes Gehirn
/(wo ihr sonst noch eins habet) gibt euch solches ein. Ich sehe ja vor Augen /
dass Engel oder Geister sind /in dem ich höre / dass besessene Menschen wohl fremde
Sprachen reden / welche sie nicht gelernet haben; solches kömt ja nicht aus
einem mangel des Gehirns /sondern von einer neben Ursach her / welche solches in
dem Menschen wirket / und aus dem Menschen hervor gibt; und der solches leugnet
/ dem mus man mit Niesswurz zu hülffe kommen. Zu geschweigen der vielen Gespenste
/ welche sich oft und an mannichem Orte hören und vernehmen lassen. Aber diese
werden auch / eurem tichten nach / blosse einbildungen sein. Schäme soltet ihr
euch in euer Herz und Blut / wo ihr euch sonst nicht gar ausgeschämet habet /
dass ihr mit solchen Zoten die göttliche Warheit zubestreiten dürffet auffgezogen
kommen; doch leugnet ihr nur immerhin / dass Teuffel sein / ich gedenke / es
werde eine Zeit kommen / da ihr sie hart und heftig gnug empfinden werdet / es
sei dann dass ihr diese Bosheit noch in der Gnadenzeit bereuet. In dem
Glaubensstük von unserer Leiber aufferstehung / machet ihr euch gewaltig mausig
/ ob hättet ihr die Warheit der heiligen Schrift gar zu grunde gerichtet / da
ihr doch bloss nur erwiesen habt / dz die blinde Vernunft in dieser göttlichen
Warheit nichts erkennet; aber solches gestehe ich ohndass gerne / gebe aber
zugleich meinem Gott die Ehre / dass er alles tuhn und schaffen kann was er will.
Und wollet ihr unstreitig behäupten / dass der Almacht Gottes solches zu leisten
unmöglich sei / so musset ihr zuvor beweisen / dass es leichter und möglicher
gewesen sei / diss grosse rund der Welt aus nichts hervor zu bringen; mangelts
euch aber alhie an Häuptgründen / so habt ihr mit allen euren vorigen Einwürffen
bei mir ein mehres nicht erhalten / als dass ich daher erkenne / ihr suchet nur
Gottes Almacht zu umbschranken / und ihn einer Unmacht zu zeihen; welches ich
nicht anders zu beantworten schuldig bin / als dass ich sage; hebe dich weg von
mir Satan. Das übrige ist ganz keiner Antwort wirdig. Dann was Sünde oder nicht
Sünde sei / werde ich euch nicht zum Richter leiden / sondern die gesunde
Vernunft kann hieselbst in etwas / Gottes Wort aber den völligen Ausschlag geben.
Und ist wohl ein rechter Ochsen-verstand und eine stinkend Boks-Urtel / dass ihr
eines Menschen tuhn mit der Ochsen und Böcke verhalten dürffet vermischen. Das
Vieh sündiget nicht / und kann nicht sündigen / dann es ist vernunftloss / wie
solches auch die Heiden erkennen; so hat auch Gott denselben keine Gesetze vor
geschrieben / sondern den vernünftigen Geschöpfen / so dass alles dass Sünde ist /
was wieder Gottes Willen und Geboht streitet; dieses aber eine Tugend / was der
Mensch nach Gottes Willen und Befehl verrichtet. Endlich stosset ihr dem Fasse
gar den Bodem aus / in dem ihr der Seelen unsterbligkeit / und das künftige
ewige Leben leugnet / welches beides doch die klugen Heiden selbst aus
vernünftigen gründen zur gnüge erwiesen haben / und ich aus diesem eurem
Vorgeben nicht anders schliessen mus /als dass ihr der Warheit ganz abgesaget /
und den Lügen und Lästerungen euch mit Leib und Seele gewidmet habet / daher ihr
solches alles vor eine Erfindung deren Menschen angebet / welche dadurch suchen
/ ihnen einen Nahmen und sonderliches Ansehen bei andern zu machen. Solches aber
müsst ihr keinem verständigen / sondern den unwitzigen vorschwätzen. Ich bleibe
dabei / dz Gott warhaftig ist in allen seinen Worten und Werken / und dass alle
dieselben von dem Erzlügener getrieben werden / die solches wieder ihr Gewissen
leugnen dürfen. Ihr vermässet euch ein grosses / fing jener hierauff an; aber
was dünket euch / wann ich alles mein Vorgeben mit einem grossen Wunderwerk
bestätigte? Solches Wunderwerk würde euer eigenes Vorbringen ja grossenteils zu
Lügen machen / antwortete ich; dann Wunderwerke kann kein Mensch aus eigener
Kraft verrichten /sondern es mus durch hülffe eines Geistes geschehen /die ihr
alle miteinander vor ein Geticht haltet. Jedoch / wann ihr gleich die Sonne
würdet machen vom Himmel steigen / wollte ich euch nicht umb ein Häärlein in
diesen stücken mehr gläuben / als vorhin. Als dieser hörete / dass ich ihn so
verächtlich hielt / kunte er sich länger nit verbergen / der stolze hoffarts
Geist / sondern sagete mit einer erschreklichen brüllenden Stimme: Je so mustu
armer Medischer Betler dannoch wissen mit wem du bisher gestritten hast;
verwandelte sich auch augenbliklich in eine grausame Drachen /so gross als zehn
Elefanten aneinander nicht sein mögen / und sperrete den Rachen weit auff / als
wollte er mich alsbald / wie ein Sandkörnlein verschlingen; mus auch bekennen /
dass mir der kalte Angstschweiss ausbrach / und ich anfangs nicht wusste / wie mir
wahr; Aber Gottes Kraft / welche in den Schwachen (solches habe ich erfahren)
mächtig ist / stärkete mich / dass ich endlich in diese Worte lossbrach: Ich
fürchte mich nicht vor viel hundert tausend / die sich umdher wieder mich legen.
Auff HErr und hilff mir mein Gott / dann du schlägest alle meine Feinde auff den
Backen / und zerschmetterst der gottlosen Zähne. Hierzu behtete ich den
Christlichen Glauben und das heilige Vater Unser; worauff mir nicht allein alle
Furcht sondern zugleich auch dieses Gespenst verschwand / dass ich endlich
sagete: O du elender lügen Geist / woltestu Gottes Almacht leugnen / welche du
so hart empfunden hast / indem dieselbe dich aus dem Himmel in die Helle
gestürzet / und deine Macht dergestalt gebrochen hat / dass du mir nicht ein
einziges Häärlein auff meinem Häupte ohn Gottes verhängnis kränken kast. Ich
empfand aber einen schlimmen Stank / mit welchem dieser unsaubere Gast räumete /
und ich Ursach nam / ihn noch weiter hönisch zu halten; dankete hernach meinem
Gott vor seinen väterlichen Gnaden Schuz / und baht ihn / dass er sich meiner und
des verlohrnen Fräuleins gnädig annehmen / und nach diesem Leben uns in die
himlische Seligkeit versetzen wollte / welcher Bitte ich dann festiglich hoffe
und gläube / von meinem Gott gewehret zu werden. Und diss ist die Anfechtung
welche ich ausgestanden / und durch Gottes Kraft überwunde habe. Herkules und
Valiska wunderten sich der Erzählung zum höchsten /umbfingen ihn beiderseits /
und sageten: Sie könten sich nicht gnug darüber verwundern / dass er die Glaubens
Lehre so wohl gefasset / und solches doch vor allen Menschen so verborgen
gehalten hätte / danketen Gott neben ihn / und wünscheten ihm beständigkeit des
Glaubens biss an sein ende.
    Des nähst folgenden Tages wurden die verrähterische Buben / Ninisla und
Urisla / Vater und Sohn in freier gewahrsam zu Prag eingebracht / und alsbald
vor die ganze Konigl- und Fürstliche Versamlung (ohn dass König Notesterich
abwesend wahr) gestellet. Sie traten mit gnug frevelhaften Geberden hinein /aber
das zuschlagene Gewissen kunte man ihnen wohl anmerken / wie wohl sie ihnen nicht
einbildeten / dass ihre verübete Bosheit hätte mögen kund werden. Der Vater fing
alsbald an / die Versamlung zu grüssen /uñ sich dabei zubeschweren / was gestalt
die beiden groben Gesellen (auff Neklam und Grozemisla zeigend) ihn und seinen
Sohn / ungeachtet ihres Freiherrn Standes / nicht allein mit hochtrabender
Verächtligkeit / ohn auffweisung einiges schriftlichen Befehls nach Hofe
gefodert / sondern auff seine rechtmässige Wegerung ihn gezwungen / mitzureiten
/ und ihm nit gönnen wollen / auff der ganzen Reise mit einigem Menschen Sprache
zuhalten / welches in diesem Königreiche bisher unerhöret / und dem freien
Adelstande höchst schimpflich währe / hoffete / man würde solchem Frevelnach
diesem steuren / und denselben an diesen beiden unachtsamen Tropfen nicht
ungestraffet lassen. Ladisla erkennete hieraus seinen Hochmut / unterdrückete
seinen Zorn aufs beste / und befahl Neklam die Warheit zu sagen / wie alles sich
zugetragen hätte; welcher dann nach gebehtener Verzeihung andeutete: Er hätte in
beisein seines Gesellen Grozemisla / den Königlichen Befehl mit gebührender
Ehrerbietigkeit bei Vater und Sohn abgeleget /nämlich / dass ihr allerseits
gnädigster König an beide begehrete / straks angesichts mit ihnen zureiten / und
zu Prag zuerscheinen / auch nichts / ausser Gottes gewalt sich abhalten zulassen
/ weil man wichtige Sachen mit ihnen zuhandeln hätte; welches der Vater mit dem
Sohn im Brete spielend / vor endigung des Spiels mit keinem Worte beantworten
wollen / währe auch alles ungeachtet / auff seinem Stuel ohn Häuptes entblössung
sitzen blieben / und nach verlauff einer halben Viertelstunde / hätte er als
unwissend gefraget /was sein Begehren währe. Worauff er / Neklam / den Befehl
zum andernmahle vorgetragen / aber zur hönischen Antwort bekommen; Auff solche
Weise könnte ein jeder Landstreicher oder Mörder einen Herrn von seinem Schloss
abfoderen; man sollte ihm schriftlichen Befehl auflegen / oder sich alsbald
packen; er vor sein Häupt wüste nicht / dass er zu Hofe ichtwas zu schaffen hätte
/ und würde ohnzweifel / da solches ja befohlen währe / ein Irtuhm begangen sein
/ nachdem man ihn bissdaher / ungeachtet seines ansehens und erfahrenheit / zu
keinen Reichsgeschäften gezogen hätte; worauff er Grozemisla angesehen / und ihn
gefraget wer er währe / weil ihn däuchte / das Angesicht zu kennen. Derselbe nun
hätte weder seinen Nahmen / noch ehmaligen Stand leugnen wollen / uñ zur Antwort
gegeben: Er währe eben derselbe Grozemisla / welcher ihm vor diesen als ein
Seiler Geselle zum oftern Stricke zu kauffe gebracht / hätte aber nunmehr von
seinem aller gnädigsten Könige den ädlen Ritterstand erlanget. Welches Ninisla
also beantwortet: Wie nun zum Henker / machet man nun in Böhmen die Seiler Buben
zu Rittern / so müssen andere redliche Ritter bei zeiten sich davon machen
/damit sie nicht gezwungen werden / sich mit diesem Kohte zubesudeln. Welches
aber Grozemisla beantwortet: Er wollte diesen Schimpff in seinem Herzen vergraben
/ biss er Gelegenheit haben würde / es gebührlich zu ahnen. Hieselbst nun hielt
derselbe bei seinem Könige demühtigst an / ihm zuerlauben / dass er nach Ritters
art / ungeachtet er an der linken Seite zimlich gelähmet währe / es mit diesem
Schänder Ninisla austragen möchte / weil er den auff der ganzen Reise erlittenen
Spot sonst nimmermehr würde vergessen können. König Ladisla aber sagete ihm mit
guter Freundligkeit / er sollte sich gedulden / und nicht zweifeln / dass man ihm
Recht wollte wiederfahren lassen; befahl zugleich Neklam / in seiner Erzählung
fortzuschreiten; welcher dañ anzeigete; er hätte noch einmal angehalten / dass
dem ernstlichen Königlichen Befehl gelebet würde / damit er nicht Gewalt
brauchen dürfte / wie ihm solches auff den unverhoffeten Fall gebohten währe;
welche Bedräuung dann so viel gewirket / dass sie beide nähern Kauffs gegeben
/aber mit Troz geantwortet hätten / er sollte seinen Frevel sparen / und anwenden
/ da er geachtet würde; sie wollten in wenig Tagen folgen / und vernehmen / wz
man mit ihnen zuhandeln hätte; weil aber der Königliche Befehl ein anders mit
sich gebracht / hätte er / Neklam / zehn Teutsche Reuter hinein geruffen / und
ihnen beiden frei gestellet / ob sie zur Stund und willig mitreiten / oder aber
gebunden sich fortschleppen lassen wollten; wodurch sie eingetrieben / sich zu
Pferde gesetzet / und mit fortgeritten währen / aber auf der Reise immerhin in
murrender Widersezligkeit verhartet / hätten alle Reisende auffhalte / und nach
neuen Zeitungen fragen wollen / auch / wie man gemerket / etliche mahl
Gelegenheit gesuchet / auszureissen / dass man sie als einen Aug Apfel verwahren
müssen. Er hätte auch der Verspottung ja so wenig als Grozemisla können
entfreiet sein / indem ihn Ninisla mit seinem neugebackenen Adel auffgezogen /
welches auff Begebenheit zurächen / er ihm vorbehalten wollte. Ninisla fiel hart
auffs leugnen; es währe alles ertichtet / und könnte nicht anders wähnen / als
dass seine Wiederwärtigen / die am Hofe hoch dran währen / diese beiden
mutwilligen Verleumder (welche die Lügen ohn eine Schreibtaffel im Kopfe
behalten könten) nicht allein angestifftet / sondern auch ausgeschikt hätten /
ihn in Unglück zubringen / da sie doch vielmehr wegen seines erlittenen
Feurschadens /Mitleiden mit ihm tragen sollten. Aber König Ladisla gab zur
Antwort / er währe ganz unrecht daran; dann bloss allein durch sein Geheiss währe
er so ernstlich nach Hofe gefodert / weil man allerhand mit ihm und seinem Sohn
zureden hätte / da er sie anfangs fragen wollte / aus was ursache sie im
neulichsten Kriege keinen einzigen Lehn Reuter geschikt / noch mit ihrer Hand
dem Vaterlande Beistand geleistet / ja wegen des aussebleibens sich nicht eins
entschuldiget hätten; Hernach / warumb sie auff den angesezten Tag der Krönung /
darauff sie geladen währen / sich nicht eingestellet / noch ihres aussenbleibens
einige Enschuldigung eingeschicket. Der Alte gab verwägen gnug zur Antwort: Er
währe durch Brand und Raub in kundbahre Armuht gerahten / dass er keinen Reuter
ausrüsten können / hätte auch Leibesschwacheit wegen das Vermögen nicht gehabt /
sich zu Pferde zubehelffen / und währe sein Sohn etliche Zeit verreiset gewesen
/ und daher wohl zuentschuldigen. Seine eigene Entschuldigung hätte er nach Hofe
geschikt / und weil sein Diener / welcher nicht wieder kommen auff der Reise
müste erschlagen / oder ausgerissen sein /währe hierin die Gebühr auch
geleistet. Bei der Krönung zuerscheinen / hätte ihn der Kleider- und Geldmangel
gehindert / dass er nach seinem Stande sich nicht ausrüsten können. Ladisla
fragete Neklam / wie ers auff seinem Schloss befunden hätte; welcher
antwortete: Alles vol auff / ein neugebauetes prächtiges Schloss / eine grosse
Menge Reit- und Wagenpferde; einen Saal mit statlichen Kleidern umhänget / und
bei dem Spiel hätte ein jeder über 3000 Kronen vor sich liegen gehabt. Ninisla
baht / der König möchte den ertichteten Lügen nicht Glauben beimässen / weil
sichs in der Taht viel anders verhielte. Welcher zur Antwort gab: Wir wollen
diese Frage biss auff bessere Muess aussetzen; nur kann ich nicht umhin / euch
beiden / Vater und Sohn vorzuhalten / dass man mich berichten will / ob traget ihr
nicht allein gute Wissenschaft umb den erbärmlichen Tod und Mord meines
Hochseel. Herrn Vaters / eures frommen Königes /sondern kennet auch die Tähter
gar wohl; da nun dem also / müste mir sehr verdächtig vorkommen / dass ihr davon
meiner Fr. Mutter nicht die allergeringste Anzeige getahn habt; welches / wie
ihrs gedenket zuentschuldigen / ich gerne vernehmen will. Sie erblasseten beide
über dieser Frage / deren sie sich schon anfangs fürchteten / stelleten sich
sehr traurig / und bahten untertähnigst / man möchte sie des ungleichen
Verdachts gnädigst erlassen / und ihren den oder die boshaften Verleumder kund
tuhn / gegen welche sie ihren Fuss setzen / und auff alle gebührliche Mittel und
Weise ihre Unschuld hand haben und vertähtigen wollten; sie währen des freien
Reichs Adels / und hätten ihrem Könige den Geträu äid abgeleget / welchen
zubrechen / und ihren uhralten Ritterstand zuschänden / sie bisher noch nie
gemeinet gewesen. Ladisla fing schon an / vor Zorn auffzuschwellen; welches
Herkules ersehend / ihnen an dessen statt zur Antwort gab: Es währe sehr gut /
wann sie dieser Bezichtigung allerdinge unschuldig währen / wollte auch nicht
hoffen /dass sie dessen könten überbracht werden; sollten sie aber in ihrem
Gewissen ein anders befinden / währe noch Zeit / umb Gnade und Vergebung
zubitten /sonst da sie so hart auffs Recht drügen / und vielleicht dereins
überzeuget würden / dürffte hernach die Gnaden Tühr ihnen gar versperret werden.
Diese boshaften Buben aber stelleten sich sehr freudig / und sagte Minisla: die
Unschuld bedürffte keiner Gnade / so wenig Verräterei ungestrafft hingehen
könnte; und weil ihr Gewissen sie los spräche / wollten sie nichts als das aller
gesträngeste Recht begehren / nur bähten sie ihren König untertähnigst / er
wollte den unbillichen Verleumdern die Ohren nicht leihen; währe aber einer oder
ander / welcher sie dieser Untaht beschuldigen dürffte / wollten sie anhalten /
dass derselbe hervor treten möchte / damit ihm gebührlich könnte geantwortet
werden. Ist dieses eure auffrichtige Meinung /sagte Herkules / so darff es nicht
viel zankens; sollte aber euer Herz euch des widrigen anklagen / dass ihr etwan
aus Rachgier oder Feindschaft / oder unbillicher Begierde euren alten fromme
König hintergangen / und euch an ihm vergriffen hättet / möchte ich zu eurem
besten wünschen / ihr hieltet umb Vergebung an; dann der gerechte Gott lässet
keine verdeckete Bosheit ungestraffet / ob gleich anfangs die Ubeltähter
vermeinen in Sicherheit zusein. Hier fing Ninisla an / sich unnütze zumachen; er
wüste nicht / mit wes Standes Herren er redete / nur dass er muhtmassete / es
geschähe mit einem jungen Fürsten / weil er seinem Könige allernähest sässe /
und vor demselben das Wort tähte. Dafern ihn aber ein ander nidriges Standes
dessen zeihen würde / wollte er ihm der Gebühr antworten / und könnte anders nicht
urteilen / als ob man einen Unschuldigen in gute bereden wollte /sich einer
Missetaht / vielleicht einem andern zugefallen / schuldig zugeben / wo vor er
lieber zehnmahl sterben wollte; wie er auch / wañ er schuldig erfunden würde /
den aller grausamesten Tod ohn Anruffung einiger Barmherzigkeit über sich nehmen
wollte. Wolan / sagte König Ladisla / euer Frevel ist gross / und der Troz
verwägen / darumb sei hiemit der strängen Gerechtigkeit alles übergeben / und
die Gnaden-Tühr gänzlich verriegelt. Hiess sie darauff abtreten / und eines
Bescheides erwarten. Sein Herr Vater / welcher im Neben Gemache alles gehöret
hatte / setzete sich oben an / nähest bei König Hilderich / und wurden die
Tähter wieder hinein geruffen / welche mit gar verwirretem Gemüht sich
darstelleten / so dass sie des alten Königes auff dem Königlichen Stuel nicht
eins gewahr wurden / dann sie sahen sich nach der Seite umb / was vor Gezeugen
sich wider sie wollten finden lassen; biss König Notesterich sie mit gewöhnlicher
Sanftmuht also anredete: Lieber sage mir doch / Ninisla / was habe ich dir
jemahls zuwider getahn / dass du mich drei ganze Viertel Jahr mit dem Brodte der
unaussprechlichen Angst gespeiset / und mit dem Wasser der unerhörten Trübsaal
getränket hast / dessen dieser mein krummer Rücken / weil ich lebe / mir wohl
stete Erinnerung tuhn wird? Als diese Verrähter den alten König reden höreten /
und sein Angesicht eigentlich kennten / erstarreten sie anfangs vor grossem
entsetzen / dass sie weder reden noch sich bewägen kunten / erhohleten sich aber
/ zücketen ihre Brodmesser / und wollten sich damit selbst entleiben; aber die
umstehende Auffwarter / welche scharffen Befehl hatten / ihnen wohl auff die
Hände zu sehen /wurden dessen zeitig inne / und fielen ihnen in die Arme / dass
ihrer drei drüber verwundet wurden / fesselten ihnen darauff die Hände / und
fragete sie Herkules / ob sie nunmehr Gottes Rache schier sehen könten / und was
vor Entschuldigung ihre erzeigete Vermässenheit führete. Da Ninisla zur Antwort
gab: Er könnte nicht ausssinnen / was vor Unglück diesen Alten wieder aus dem Grabe
hervor geruffen hätte /dahin man ihn schon vorlängst geleget / und er von
rechtswegen schon halb sollte vermodert sein; merkete aber wohl / dass das
unbilliche Verhängnis keine geträue Vorsteher des Vaterlandes leiden wollte / und
welche bemühet währen / den Untertahnen die angebohrne Freiheit zuwege zubringe;
daher er sich dann willig in den Tod geben wollte / und da er gesündiget hätte /
welches doch nicht böser Meinung geschehen /währe er bereit / mit dem Halse
zubezahlen. Sein Sohn Urisla schweig stokstille / stund und sah Königin
Valisken mit starren unverwendeten Augen an; welches sein Vater merkend / zu ihm
sagete: Lieber Sohn / das anschauen ist nunmehr zuspäht und vergeblich / weil
wir sie auff unserm Schloss nicht haben sehen mögen. Es ist gut / sagete König
Notesterich / dass du die Beichte so früh und ohn Folterung anfähest / damit du
desto leichter vor einen Erz Verrähter / und ich vor den ungezweifelten König
Notesterich erkennet werde. Ladisla eiferte sich über des Buben getahne Spotrede
/ dz er schier nicht bei sich selber wahr / und mehrete ihm den Zorn nicht umb
ein geringes / als er den gottlosen Buben auff diese seines Herrn Vaters Rede
also antworten hörete: Wolte Glük / dass ich ehe wissen mögen / dass man an
Notesterichs warhafter Gegenwart gezweifelt / müsten wir beide uns noch lange
darüber zanken / ob du derselbe / oder ein Betrieger währest; dass du mir aber
die Folter dräuest / da ich ein Hochädler Herr bin / ist mir der aller gröste
Schimpff; fing hierauff an / so wohl Ladisla uñ Valisken als den Vater selbst
zuschänden / in Meinung / sie zur eitzen / dass er aus Zorn alsbald getödten
würde. Aber niemand kehrete sich daran / ohn Gallus gedauchte die Stimme
zukennen / trat zu ihm /und nach genauer Besichtigung sagete er: Wie nun Bruder
Victor / treffen wir uns alhie so unvermuhtlich und in solchem Stande? Dieser
kennete ihn bald / und gab zur Antwort: Hat dich dann der Teuffel auch noch zu
dieser unseligen Stunde hergeführet / dass du mein Unglück vermehren must? Hilff
Gott! sagete Gallus /sich gegen Königin Balisken wendend / wie schicket es die
himlische Versehung / dass der Uhrstiffter Ihrer Hocheit ehemaligen Gefängnis in
dem unseligen Flecken vor Padua / alhie auff diesem Schloss muss gefesselt / und
wegen seines Verbrechens abgestraffet werden. Ihr werdet euch irren / antwortete
die Königin / massen dieser ein Böhmischer Landsasse ist / und Zeit meiner Reise
nach Padua auff seinem Schloss sich finden liess. Ich versichere eure Hocheit /
sagte Gallus / dass er der eigentliche Uhrheber solches Unglücks ist / wie er
schon gnugsam gestanden hat / und meine Kundschaft nicht leugnen kann. Wolan /
sagte die Königin / so geht mit hin / und bei der Folterung befraget ihn auch
dieses Glückes wegen auffs allergenaueste und schärffeste / dass ich recht hinter
meine Verfolger komme / vielleicht ist er eben derselbe /welcher mich aus Angst
in die Moldau hat springen machen. Ja ihr Wunderschöne / antwortete der Bube
/währe ich selbst dabei gewesen / und hätte meinen Leuten es nicht allein
vertrauet / wollte ich sie von der Moldau weit gnug abgeführet / und allen meinen
Begierden ein glückliches Ende gemacht haben. Je bistu doch unser aller Teuffel
gewesen / sagte sie / wollte weiter nicht mit ihm reden / und befahl / mit ihm
hinweg zueilen.
    König Notesterich hielt nunmehr Zeit sein / sein ausgestandenes Elend
zuerzählen / damit aus der übereinstimmung mit der peinlichen Bekäntnis alles
desto gewisser dargelegt würde; liess alle anwesende Landstände in grosser anzahl
auf den Saal fodern /und hielt diese Rede zu ihnen: Grossmächtige Könige und
Königinnen / Durchleuchtige Fürsten / Fürstinnen und Fräulein; Hoch und
Wolgebohrne / auch ädle / Grafen / Ritter / Herren und Frauen / sämtliche
gegenwärtige Freunde und Freundinnen / teils herzgeliebete Kinder und
Anverwanten / teils gehorsame Untertahnen und sonst liebe Geträue. Wann des
Himmels sonderliche gütigkeit mir nicht Schuz gehalten /und in meiner Gefängnis
und schweren Dienstbarkeit sich meiner gnädig hätte angenommen / währe kein
Wunder / dass ich schon tausendmahl verzweifelt /und mir selbst gewaltsame Hand
angelegt hätte. Ich kann nicht ersinnen / warumb die Götter mir eben /grösser
Elend auflegen wollen / als nie keinem Könige vor mir geschehen ist / nachdem
ich ja der groben Laster mich nicht habe teilhaftig gemacht / noch gegen meine
Untertahnen mich grausam und unbarmherzig erzeiget. Wie dann etliche von meinen
Lands Rähten / hier anwesend / mir werden Zeugnis geben /dass jener wolergehen
ich über mein eigenes gesuchet habe. Die schweren Schatzungen uñ Frohndienste
habe ich nicht vermehret / sondern gemindert / und mich wohl nie no comma? über
ichtwas so geeifert / als da ein Schmeichler einsmahls sagen durfte: Die
Untertahnen blieben dannoch Untertahnen / wañ sie gleich ihrem Herrn alles
hergeben müsten. Doch mus ich nicht zweifeln / es müssen die Götter freilich
etwas an mir wissen / dass so harter Züchtigung wert sei / dann wer wollte
dieselben vor ungerecht schelten? Aber diese höchstansehnliche Versamlung nicht
übergebühr auffzuhalten / mus ich meiner Erzählung den Anfang machen. Es wird
annoch vielen von den meinen unvergessen sein / was gestalt ich vor drei Jahren
und sechs Wochen mit wenigen Dienern etliche Meilen auff die leidige Jagd
geritten (meine Fr. Tochter wird sich erinnern / was kurz vorher sie mir aus
eines Pfaffen Munde vor eine Warnung erteilet) als der Verrähter Ninisla mir bei
seinem Sohn zuentboht / es liessen sich etliche sehr grosse Uhrochsen in seinem
Gehölze spüren / und weil ich ein Geboht (O des leidigen Gebohts!) ergehen
lassen /dass kein Mensch ohn mein Vorbewust und einwilligung selbigen nachstellen
oder leid anfügen sollte /hätte er mir deren Anwesenheit untertähnigst
verstendigen wollen / ob mir gnädigst gefallen möchte /durch derselben fahung
mich zuerlustigen; und erinnere ich mich sehr wohl / dass mein geliebtes Gemahl
mich zwar wegen eines gehabten Traumes davon abriet / welches ich aber leider in
den Wind schlug / und solche Verachtung rechtschaffen büssen müssen. Ich wahr
behende auff / das Wild zuerhaschen / da der Lecker Urisla mich und meine Diener
einen wunderlich-verwirreten Weg führete / biss wir von acht Gewapneten uns
umgeben sahen / die auff uns zudrungen / meine vier Diener vor meinen Augen
nidersäbelten / und mich gefangen hin auff Ninisla Schloss führeten / woselbst
ich wilkommen geheissen / und zur Mahlzeit geführet ward; ich aber mich
erklärete /keinen Bissen anzurühren / biss ich zuvor wüste / ob ich verrahten /
oder unter Freunden währe. Ninisla antwortete mir gar trotzig; ich währe in
guter Sicherheit und Ruhe / wollte auch nach geendeter Mahlzeit mir alles
Verlaufs gnugsame Rechenschaft geben /dass ich verhoffentlich wohl zufriede sein
würde. Ich dagegen wendete ein / der Mörderische überfal / und dass meine Diener
straks Angesichts erschlagen / ich aber gefänglich angenommen wähte / könnte mich
keiner Sicherheit bereden / wüste vielweniger / wie sich eine solche Taht
verantworten liesse; welches er aber mit einem höhnischen Gelächter
beantwortete: Der Verlust vier Diener währe sehr geringe bei einem Könige / und
könnte mit leichter Mühe eingebracht werden; mich betreffend / währe ich kein
Gefangener /sondern ein gebietender König / es währe dann / dass ich mich selbst
darzu machen wollte. Da schlage Unglück zu / sagete ich; Heisst dass ein
gebietender König / der / wie ich verstehe / nach eines andern Pfeiffe tanzen
soll? wegerte mich auch / Speise zu nehmen / biss er mit etwas pochen mich
ermahnete / ihm seine Wirtschaft nicht zu schmähen; dann ob er gleich kein König
/ so währe er doch Herr und Gebieter auff dem seinen. Ich musste mich bequemen /
und ass / wiewol mit schlechter Begierde; aber die Gesundheiten musste ich so viel
stärker bescheid tuhn / da meiner Frl. Tochter / die erste; seines Sohns Urisla
die andere; meine die dritte; und Ninisla (welche der Sohn anfing) die vierde
wahr. Ich begunte schon zu merken /wohin dieses Beginnen zielete / wiewol ich
nicht desgleichen taht / sondern als ein Unachtsamer mich stellete / biss Ninisla
mich fragen durfte / wessen ich wegen meines Königreichs gesinnet währe /
nachdem mein Sohn / welcher ohndas zur Beherschung undüchtig gewesen /
erschlagen währe / dessen er gute und gewisse nachrichtung hätte / und nur eine
Spil Erbin Frl. Valiska übrig / die nunmehr Mannes-düchtig würde / und mit einem
wirdigen Gemahl /auch auf den Fal / künftigen Könige müste versehen werden. Mein
Sohn Ladisla / antwortete ich / welchen die Götter mit Königlichen Tugenden zur
gnüge versehen / wird sich bald wieder einstellen / von dem ich vor wenig Wochen
Schreiben erhalten; und wann er gleich dahin währe / müste das Königreich nicht
desto weniger nach meinem Tode ein Häupt haben / würde auch meine Tochter den
Landständen wieder ihren Willen nicht auffdringen / deren vielleicht schon in
der Fremde ein wirdiges Gemahl versehen währe. Dass währe zubeklagen / gab der
Bube zur Antwort / dass ein eingebohrnes Fräulein des Landes müssig gehen /oder
ein Ausländischer über die freien Böhmen die Beherschung nehmen sollte. O nein!
die Stände leiden solches nicht / und mus freilich das Fräulein einem des
vornehmsten Bömischen Adels verheirahtet werden / wo sonst Unruhe und des Reichs
gänzliche Verwüstung soll vermieden bleiben. Weil ich dann ohn Ruhm zu melden /
der gewaltigste Landsasse dieses Königreichs bin / und mein Sohn Urisla zur Kron
scheinet geboren sein / wie ihm ja alles Königlich anstehet / so wird König
Notesterich sich gefallen lassen / dass wir zwischen dem Fräulein und ihm eine
glückliche Heirat schliessen / und der wirdigen Kindes Kinder mit fröligkeit
erwarten. Ein solches / sagte ich / wird von uns solcher gestalt nicht können /
als auff der Jagd / verrichtet werden / weil uns der andstände Wille und Meinung
unwissend ist; werden demnach gemach fahren / und der Zeit erwarten / dass uns
die Eile nicht schier heut oder Morgen gereue. Solches nun wahr ihm eine
unangenehme Antwort /fassete den Becher und sagete: Er söffe den Tod daraus /
wofern diese Heirat vor meinem Abzuge nicht sollte und müste volzogen / und das
heimliche Beilager auff diesem Schloss gehalten werden; müste mich demnach kurz
bedenken / und vernehmen lassen / wessen ich gesinnet währe. Er taht mir überdas
den Vorschlag / dass ich mit eigener Hand und untergedrucktem Pitschaft an mein
Gemahl und Tochter schriebe / dass sie mit dem Kanzler Bretisla / Herrn Pribisla
und Krokus / ohn alle andere Gesellschaft herüber kähmen / weil sehr geheime
Sachen zuberahtschlagen vorfielen. Aber zu meinem Glük hatte ich bald anfangs
bei dem mördlichen Anfal meinen Daumen Ring in eine Hecke geworffen / dz er zu
meinem Schaden nicht missbrauchet würde, uñ kunte ich diss schändliche anmuhten
ohn Zorn nicht beantworten /wiewol mirs vielleicht so gar schädlich nicht hätte
sein mögen / nachdem ich Zeit gehabt / es bei mir besser überzulegen; dissmahl
aber verwies ich ihm seinen Frevel ernstlich / er sollte wohl bedenken / was er
anfinge / uñ sich durch Ehrsucht nicht zu hoch aufftreiben lassen; er könnte
leicht erachten / was vor einen Ausschlag solche unbesonnenheit gewinnen dürfte
/wiewol ich ihm äid- und Königlich versprechen uñ halten wollte / alles bisher
ergangene / ihm als ungeschehen / gänzlich zuverzeihen / dafern er in sich gehen
/ sein Vorhaben endern / und mich in Sicherheit nach Prag zihen lassen würde.
Welcher Anmuhtung er vor Eifer zu bersten meinte / sprang von dem Tische auff /
und schwur bei allen himlisch- und hellischen Göttern / ich müste ihm hierin zu
willen sein / und den Vorschlag mir gefallen lassen / oder dessen erwarten / was
mir und ihm unangenehm sein würde; der Wurf währe geschehen / und das Spiel
gewaget /es müste gewonnen oder verloren sein / nachdem es durchaus nicht könnte
auffgeruffen werden; der Gewin würde uns allerseits ergetzen und befriedigen /
der Verlust aber / mich oder ihn / oder alle beide in dz äusserste Verderben
stürzen. Bald darauff / wie ich gar nicht antwortete / sondern als ginge michs
nicht an / freimühtig hinsass / fing er an gelinder zuverfahren: Ich möchte mich
doch eines bessern bedenken /und seinem Ansuchen statt geben; sein Sohn währe
nicht so sehr durch Begierde der Herschaft / als Liebe gegen das schönste
Fräulein / zu diesem Vornehmen gezwungen; er währe ein einiger Sohn / und hätte
vor sich Güter gnug / Herrenstand zuführen / nur weil das Königreich dem
Fräulein nohtwendig folgen müste /würde beides zugleich gesucht / und was
sonsten des süssen pfeiffens mehr wahr. Ich gedachte / es währe nunmehr Zeit /
meine Ernstaftigkeit recht sehen zu lassen / stellete ihn zu rede / fragend /
ob etwa er und sein Sohn ihren Wiz gefressen / und durch garzuheftige Begierde
nach lautern unmögligkeiten / an ihrem verstande gar verblendet währen; alles
ihr tichten und trachten in dieser Sache / währe vergebens und umsonst / wie
bund sie es auch karten und kehren würden / sollten demnach diese nichtige
Einbildung bald ablegen / und die angebohtene Gnadenzeit nicht vorbei gehen
lassen / auff dass ihnen die Reue nicht zu spät kähme; es währe ja von einem
Knaben zuerkennen / das ihr Vornehmen nohtwendig zum ärgesten ausschlagen müste
/ welches ihnen leicht vor Augen stehen könnte / wann sie es nur wollten zu Herzen
fassen. Aber diese Warnung kunte der Vater nicht verdäuen / sondern dräuete mir
/ mit blossem Gewehr /das begehrete Schreiben alsbald zuverfertigen / oder eines
schnöden Todes zugewarten. Welches ich ihm also beantwortete: Es möchte nach der
Götter versehung ergehen / so schriebe ich doch einen solchen Brieff nicht / und
würde er viel klüglicher handeln /wann er durch andere mittel solches an mich
begehrete; ich währe bisher nicht gewohnet / mich durch Dräuung oder den Tod
schrecke zulassen / währe auch wohl versichert / dass mein Gemahl und Frl. Tochter
auff ein blosses Schreiben ohn starke Kriegsbegleitung nicht komen würden / da
nicht einer von meinen mit ausgenomenen Dienern ihnen solches mündlich anbrächte
/ und sie aller Gefahr / die man sich einbilden könnte / benehmen würde;
zugeschweigen /mein Kanzler Bretisla / wie ihm wohl bewust / ein verständiger
bedachsamer Mañ währe / uñ in solche Reise nimermehr gehehlen würde; dass er also
/ ob ich gleich schriebe / seine Zweg nit erreichen könnte; währe demnach añoch
mein geträuer Raht / dass er die angebohtene Gnade erkeñete / und nicht in
verderbliche Gefahr sich stürzete / welche ihm lauter schaden und keinen Vortel
bringen könnte. Aber dieses alles wahr den Taube geprediget; das Fräulein sollte
und müste daselbst sich einstellen / und seinem Sohn beigelegt werden; würde ich
mich dann weiter sperren /sollte ich mein Ungemach zu spät bereuen. Ey so habe
ich nur einen Hals / antwortete ich / welchen du meinäidiger mir nit ohn Straffe
brechen wirst / wo sonsten noch Gerechtigkeit bei den Göttern zufinden ist. So
habe ich und mein Sohn jeder auch nur einen /sagte Ninisla / aber so liderlich
wollen wir ihn nicht in die Schanze setzen / sondern zuvor alles versuchen / was
uns möglich und dienlich sein kann / das liebe Fräulein zuerhaschen / und sie
auff dieses Schloss zubringen; wirst dann du (also beschimpffete er mich) und
auch sie / in diese begehrete Heirat nicht einwilligen / als dann wollen wir
sie vor deinen Augen missbrauchen / und nach etlicher Zeit sie unsern Leibeigenen
zum Muhtwillen übergeben; dann wirstu gräulicher Blutund zu späte bereuen und
beklagen / dass du zu dieser Schande Ursach und Anlass gegeben hast. Die Götter
werden dieses dein schändliches Vorhaben schon zuhindern wissen / sagte ich; dass
du mich aber vor einen Blutund schiltest / redestu deinen Muhtwillen / weil
kein Mensch mich bisher einiger Grausamkeit mit Fuge beschuldigen kann / müste
aber in diese Zunft gerahten / wann ich in dein gotloses Vorhaben würde
einwilligen. Als ich mich solcher Gestalt verantwortete / fragete er mich zum
Beschluss / ob dieses mein beständiger Versaz währe / uñ ich mich keines andern
erklären wollte; und auff meine freimühtige Bejahung foderte er zween Leibeigene
in die Stube / mich zuentkleiden / und mein zuspotten; welche / auff meine Frage
/ ob sie an ihrem Könige sich vergreiffen wollten / sich dessen mit
Ehrerbietigkeit entielten. Dieses verdross ihre Herrn so heftig / dass er sie
alsbald niderhieb / und zween andere herzurieff / die durch der vorigen Straffe
gewahrschauet / seinem Befehl nachkahmen / mich entkleideten / hin und
herstiessen / und meines Mutter-nacketen Leiben spotteten / hernach mit einem
knechtischen Kittel mich bekleideten / und in ein enges Gewölbe einsperreten /
in welchem ich weder auffrecht stehen / noch aussgestrekt liegen kunte / dann es
wahr nur vier und einer halben Spannen hoch und lang. Ich bedingete mich von
solcher Gewaltsamkeit auffs beste / und wünschete ihm aller Götter Zorn und
Rache; welches er nur verachtete / einwendend / er währe Gott auff seinem
Schloss / in dessen Straffe ich gefallen währe / und nicht los kommen würde /
biss das Fräulein mit meinem guten Willen sich herzufügete / und die Heirat
einginge. Damit ward mein Gefängnis verschlossen /und hörete ich in 24 Stunden
keinen einigen Menschen / nach deren Verlauff ein Leibdiener die Tühr öffnete /
vorgebend / sein Herr liesse mich fragen / ob ich der engen Herberge nicht
schier überdrüssig währe; welcher Schimpff mich herzlich schmerzete /durffte ihn
doch nicht beantworten / sondern baht den Diener / dass er mich aussliesse / biss
ich meines Leibes Notturft abgelegt hätte; bekam aber zur Antwort; ich hätte
raum gnug es in meinem Gemache zuverrichten. Also ward mir ein wenig grob Brod /
und trübe Wasser zwischen die Beine gesetzet / welches meine Mahlzeit sein
sollte. Ich begehrete / dass sein Herr auff ein Wort zu mir kommen möchte /
welcher sich bald einstellete / und mit Ungestüm mich fragete / was mein
Begehren währe; da ich zur Antwort gab; wann er nicht bedacht währe mich los
zulassen / möchte er mich auff ein raumes Gemach versperren / da ich mich auff
richten / aussstrecken / und bewägen könnte. Aber er antwortete; dafern mit
dergleichen Anmuhtungen ich ihn ferner bemühen würde / sollten mir Peitschen und
Ruhten mitgeteilet werden; fing auch an /sich auffs höchste zuverfluchen / ich
sollte weder des Tages Licht sehen / noch aus diesem Loche kommen /biss Frl
Valiska in seinen Händen währe / als dann sollte der Tod aus sonderlicher Gnade
die Endschaft meiner Gefängnis sein / weil ich bessere Gnadenzeit nit hätte
erkennen wollen. Jedoch gab man mir ein kleines Gefäss zur Leibes Noturfft /
welches die Knechte allemahl mit Unwillen reinigten. Was ich nun dreiviertel
Jahr lang (die mir tausend Jahr dauchten) in diesem elenden Gefängnis erdulden
müssen /ist mir unmöglich ausszusprechen. Ich nam mir oft vor / mich durch
Hunger zutödten / aber des Brods uñ Wassers stete Gegenwart / erweckete die
Begierde zuessen und trinken / dass ich mein Vornehmen nicht volstrecken kunte.
Ja wann die Knechte merketen /dass ich meinen Anteil nicht verzehret hatte /
zwungen sie mich darzu / und trieben ihr stetes Gespötte mit mir. Einsmahls
erkühnete ich mich / den Diener durch statliche Verheissung zubereden / dass er
mir davon hülffe / aber Ninisla stund mir unwissend hinter der Tühr / und
dräuete mir die allerschändlichste Unfläterei / dafern ich mich noch einmal
unterstehen würde / sein Gesinde zuverführen. Ich kunte nichts anders /als ihm
Gottes schwere Hand zur Straffe wünschen; woran er sich durchaus nit kehrete /
sondern mich zutrösten pflag / ich sollte meine Frl. Tochter gar bald zusehen
bekomen / und als dann aussgelassen werden /auch mit Augen anschauen / wie
geschikt sie sollte gemacht werden / einen Mann zulieben / ungeachtet sie noch
zur Zeit lieber mit Geschoss und Pferden umginge. Nach Verlauff sechs Wochen /
hatte mich das Unzieffer / welches aus meinem Leibe wuchs / fast durch und durch
wund gefressen / welches ich einem Leibeigenen klagete / der mich mit den Füssen
zur Tühr hinaus legete (dann mit dem Häupte durffte ich aus dem stokfinstern
Loche nicht hervor kucken / des Tages Licht zusehen) zog mir die Kleider abe /
und schmierete mich an allen Gliedmassen mit einer stinkenden Salbe / wovon ich
nicht allein geheilet ward /sondern es weich auch alles Unzieffer hinweg von mir
/ dass ich nach der Zeit keines mehr spürete / welches mir ja noch eine Linderung
der stetswehrenden Pein gab. Wie oft erboht ich mich / mein Königreich und alle
meiner Bekanten und Freunde Landschaften zuverschwören / und an die
abgelegenste örter der Welt mich zubegeben / dass kein Mensch ichtwas von mir
erfahren sollte / dafern er mich nur aus Barmherzigkeit los lassen würde; aber
alles wahr vergebens / und bekam ich stets diese Antwort: Ob ich annoch im Leben
vermeinte zu sein / und weite Reisen über mich zunehmen? hätte man mich doch zu
Prag schon Königlich begraben / daher müste ich an keine Freiheit mehr gedenken
/ sondern in dieser Hölle mich fein gedulden / weil in der Gnadenzeit ich nicht
hätte glückselig leben wollen. Wann ich dann fragete / aus was Ursachen er mich
doch so lange peinigte / und nicht alsbald tödtete / da ich ihn die ganze Zeit
meines Lebens nie beleidiget hätte; sagete er; ich müste zuvor meine Tochter in
Mannes Armen sehen / und wie zierlich er sich mit ihr begehen könnte. Ich erboht
mich / ihm oder seinem Sohn meine Tochter gerne zugeben; aber er wendete ein /
es währe nun zu lange geharret / und aus meinen Händen; am ersten Abend /am
ersten Abend / sagte er / währe es Zeit gewesen /nun aber ist das Spiel versehen
/ und muss das liebe Häsichen zum Wildbrät auf andere Weise gefangen werden. Als
ich diesen seinen endlichen Willen vernam fing ich an / ihn zu schänden und
schmähen / in Meinung / ihn zureitzen / dass er mich erschlagen sollte / aber er
hatte nur seine Lust und Kurzweile dran / nit anders / ob hätte ich ihn vor
einen Ehrwirdigen Herrn aussgeruffen; wiewol ich dieses zu Lohn bekam / dass man
mir das grobe Brod mit abscheulicher Unfläterei beschmierete / welches ich
gezwungen verschlingen und auffressen musste; dann wañ ich michs zuessen wegerte
/ dräueten sie mir eine solche unmenschliche Schande / welche zumeiden / ich in
allem gerne gehorchete. Zeitwehrender solcher Erzählung / lieffen dem ganzen
Frauenzimmer die häuffigen Trähnen aus den Augen / biss dz Herz das Mitleiden
nicht länger unterdrücken kunte / daher sie auff diese des Königes leztgeredete
Worte ein so heftiges weinen anfingen /dass es unten im Platze gehöret ward / uñ
bekeñete Valiska / dass ihre ehmalige eigene Noht ihr nicht so sehr zu Herzen
gangen / noch mit diesem Jammer zuvergleichen währe. Die alte Königin währe
schier von Trähnen zerflossen / und mussten fast alle anwesende Mannes Bilder ihr
im weinen Gesellschaft leisten /dass man auch an König Mnata die Backen Trähnen
rinnen sah / und einer den andern fragete / mit was wirdiger Straffe ein
solcher verzweifelter Erz Bube zu belegen währe / der an seinem herschenden
Könige ein solches zubegehen sich nicht gescheuhet hätte. Das Frauenzimmer
wünschete / der König möchte seiner Erzählung die Endschaft geben / damit sie
in den Trähnen nicht gar ersticketen; er aber sobald sich das starke Geheule
gestillet hatte / fuhr also fort; versichert euch / meine liebe Anwesende / dass
ich gerne alle Tage zwanzigmahl den Tod erlitten hätte / wann mir nur hätte
mögen gegönnet werden / mich des Tages ein Stündichen ausszustrecken; ich musste
stets sitzen / und die Knie schier vorm Maule halten / oder so gekrümet mich
auff die Seite legen; bissweilen lag ich auff Knien und Händen; bissweilen wand
ich den Leib wunderlich und mit grossen Schmerzen / nur dz ich die Beine
aussstrecken möchte / welche mir anfingen krum zuwachsen / weil die Sehnadern
sich kürzeten / und wahr mein höchster Wunsch / nur allein zuwissen / wie lange
ich diesen unsäglichen Jammer noch treiben sollte / ehe die Seele aus der
beschwerlichen Herberge des Leibes Abscheid nehmen würde. Noch rieff ich täglich
alle Götter an / sie möchten gnädig abwenden / dass meine liebe Tochter / die von
dem Himmel selbst zu aller Tugend gezogen würde /dem boshaften Menschen nicht
in die Hände fiele; worin ich von den gütigen Götter ohn Zweiffel erhöret bin.
Als ich nun dieses Elend die drei viertel Jahr durch in der engen Finsternis
gebauet hatte / und die liebe Sonne mich wiedersehen wollte / trug sich zu /dass
Ninisla mit seinem Sohn aussgeritten wahr / und eine starke Schaar Pannonischer
Räuber sein Schloss überfielen / welche alle Menschen / gross und klein erschlugen
/ die verschlossenen Tühren und Kasten öffneten / und allen Raub auff Wagen
luden. Ich hörete den Jamer und das Klagen der sterbenden / auch dz die
Pannonische Sprache überal ging / dass sie auch endlich mein Loch mit einer Axt
auffschlugen / der Meinung / einen verborgenen Schaz daselbst anzutreffen. Sie
funden mit bald / und frageten / wer ich währe. Da gab ich zur Antwort: Ich
währe ein armer Mann / Bürger-Standes / und hätte der Herr dieses Schlosses mich
vor drei viertel Jahr in diss Loch geworffen / sint der Zeit ich keines Tages
Licht gesehen / mich auch nicht auffrichten oder aussstrecken können; bähte sie
demnach um aller Götter Willen / sie möchten sich meines Elendes erbarmen / und
dass ich hieselbst nit gar verdürbe / mich heraus und mit sich davon nehmen.
Diesen Räubern / wie grausam sie sonst wahren / ging mein Elend zu Herzen / weil
ich meiner Trähnen nicht sparete / und zogen mich bei den Füssen hervor; aber da
ich an die Lufft kam / und meine Augen des Sonnen-scheins empfunden / wusste ich
nicht zubleiben / kunte auch auff keinen Fuss treten / noch auffrechts stehen /
sondern lag auff der Erden als ein sterbender; sie schleppeten mich aber hinaus
/ und legeten mich auff einen Wagen / da ich das Angesicht unterwärz kehrete /
und meine Glieder fein gemach dehnete und lenkete / auch durch die zugetahnen
Finger / die ich vor die Augen hielt / des Tages Liecht gar ein wenig
durchscheinen liess / damit ich nicht gar erblendete. So bald die Beute zusammen
getragen und auffgeladen war / zündeten sie das Schloss an allen Ecken und Enden
an / dass es ohn zweifel in kurzer frist wird eingeäschert sein / wovon ich
eigentlich nicht zusagen weiss / weil die Räuber nicht lange seumeten / und ich
mich in der Lufft nicht umsehen kunte. Die erste Nacht hatten wir unser Lager in
einem dicken Gesträuche / daselbst speiseten sie / und teilten mir reichlich
mit / zeigeten mir auch an / ich müste mit ihnen / und könnte vielleicht noch zur
täglichen Hausarbeit wieder angewehnet werden; wogegen ich nicht das
allergeringste sagen durffte /und baht sie nur / sie möchten mir erläuben /
diese Nacht zwischen ihnen ein wenig umher zugehen / dass meine erstarreten
Glieder wieder gelenk würden; welches ich nicht allein erhielt / sondern weil
ein Wund Arzt bei ihnen wahr / schmierete mich derselbe an den Gelenken uñ am
Rücken / gab mir auch Oel /damit ich mich am ganzen Leibe bestreichen musste
/welches mir grosse Hülffe taht / so dass ich am dritten Tage etliche Stunden
aneinander mit fortinken kunte / welches mir die höchste Freude wahr / ob wohl
der Rükgrad mir nicht wieder gerade werden wollte / wie er dann wohl biss an mein
Ende mich der Gedächtnis meines Elendes erinnern wird. Ich scheuhete mich
/einiges Lösegeldes gegen sie zugedenken / und gelebete der tröstlichen Hoffnung
/ wann ich bei einem Herrn in Dienst getreten währe / wollte ich meine Freiheit
desto besser zu werk richten / ward aber hesslich betrogen / weil durch ganz
Pannonien bei Leib-und Lebensstraffe gebohten ward / keinen Böhmischen
Leibeigene oder Gefangenen losszugeben / ober umbs Geld sich lösen zulassen / wie
dann gegenwärtiger König / Herr Mnata bezeugen wird. Bei Teilung der Beute /
ward ich einem verwägene Menschen zugeloset / der aus Spot fragete / was er mit
dem alten Krüppel vor Vogel sah sollte / der nirgend besser /als auff der
Schindgrube läge; trat auch mit dem Worte zu mir ein / und wollte mich mit einer
schweren Hacke niderschlagen; aber der mich aus dem Loche gezogen hatte /
wehrete ihm / und erlegete vor mich den dritten Teil einer Krone; So teuer ward
der Böhmische König dazumahl geschätzet / und auff seinem eigenen Grund und
Boden verkaufft. Ich bedankete mich gegen meine Käuffer höchlich / versprach
alle mögliche Arbeit gerne zuverrichten / und mit gar geringer Speise vorlieb
zunehmen. O mein herzgeliebeter Herr und Gemahl / fing hieselbst die alte
Königin an zuruffen; ich bitte durch Gott / Eure Liebe wolle mein Herz nicht
weiter mit Erzählung dieses gar zu grossen Jammers quählen / sondern vielmehr
gedenken / dass der heutige Tag zur sonderlichen Ergetzung des Frauenzimmers
bestimmet ist / dass wir demnach ihn nicht gar mit heulen und weinen zum Ende
bringen mögen / und lasset uns vielmehr Gottes Barmherzigkeit danken / durch
welche Eure Liebe wunderlich errettet ist; sollte aber noch etwas zuerzählen
übrig sein / kann solches auff bequemere Gelegenheit verschoben werden. Das
sämtliche Frauenzimmer halff mit bitten / daher der König seiner Rede die
Endschaft gab / weil er ohn das sah und wusste / dass kein einiger Mensch an
seiner warhaftigen Gegenwart Zweifel trug. Die Gefangenen wurden in Leches
/Neda und Gallus bei wesen / jeder absonderlich sehr scharff befraget / da der
Sohn bald anfangs alles willig bekennete / und umb einen gnädigen Tod anhielt;
der Vater aber gar hart gefoltert ward / welches er beständig erlitte / unter
der Hoffnung / hiedurch das Leben einzubüssen; als er aber die heftige Pein
länger nicht erdulden kunte / begehrete er Erlassung /und dass er alles aussagen
wollte; wie er solches auch umbständlich vorbrachte / insonderheit / dass er
selbst gegen das wunder-schöne Fräulein sich heftig verliebet befunden / und
ihr hin und wieder auff dem Gejägde / und wann sie ausgeritten währe /
nachgetrachtet hätte / wiewol allemahl vergebens / so dz er mit Händen greiffen
mögen / die Götter währen ihre Beschützer gewesen / welches sich nie
augenscheinlicher hätte sehen lassen / als da seine Knechte sie schon in ihrer
Gewalt gehabt / und sie durch den starken Strohm schwimmend entrunnen währe /
wenig Wochen hernach / da sein Schloss verbrunnen / und der König gerettet
worden; noch hätte er sich ihrer nicht begeben könne / sondern währe ihr auff
der Reise nach Padua stets eine Viertelmeile gefolget /hätte gemeiniglich in
einem Dorffe oder Flecken mit ihr und ihrer Gesellschaft Herberge genommen / und
die Räuber / welche sie erstmahls geraubet / angestränget / nicht nachzulassen /
biss sie ertappet währe /einwendend / sie währe ein junger ädler Herr und von
grossen Mitteln / der sich mit etlichen Tonnen Goldes losskäuffen könnte / welches
sie unfehlbar zugewarten hätten. Ja als sie in der Räuber Händen gewesen /hätte
er sich wollen zu ihr hin verfügen / umb zuversuchen / ob er sie durch Auslobung
grosser Gelder lösen / und mit sich auff sein Schloss bringen könnte; aber die
Räuber / insonderheit Gallus / mit dem er unter dem Nahmen Victor / des Abends
Brüderschaft gemacht / währen wegen des grossen Verlustes ihrer Völker über ihn
unwillig worden / dass er mit genauer Noht sein Leben davon gebracht hätte. Als
der Königlichen Gesellschaft diese Uhrgicht vorgelesen ward /erblassete Valiska
vor Zorn / und fing also an: O du grundgütiger Gott / wie grosse Barmherzigkeit
hastu mir erzeiget / indem du mich vor dieses boshaften Menschen Frevel
beschützet; Wie hohe Gnade hastu mir sehen lassen / und noch in meiner blinden
Heidnischen Unwissenheit / dass ich nicht umb Ehr / Leben und Seltgkeit kommen
bin; davor sage ich dir von Herzen Dank / mein Schöpffer; davor preise ich dich
inbrünstig mein Heiland. Hernach erzählete sie den ganzen Verlauff / wie sichs
mit ihrer Rettung / da sie durch die Mulda geschwummen / zugetragen hätte /wie
solches im Ersten Buche dieser Geschichte ausführlich beschrieben ist. Die
anwesende / denen solches mehrenteils unbewust wahr / verwunderten sich zum
höchsten über dieses boshaften Mensche verwägener blinder Kühnheit / welche ihm
biss daher so wohl geglücket / dass er nie verrahte worden / und begehreten
zuwissen / was er doch wegen des Königes vor Gedanken gehabt / als er sein
abgebrantes Schloss angetroffen / und keinen Menschen gefunden hätte; worüber er
befraget ward / und ungezwungen bekennete: Er währe in den festen Wahn gerahte /
der König würde mit verbrant sein / weil vorerst er versichert gewesen / dass er
weder der Sonnen Strahlen hätte ertragen / noch seine krumgewachsene Beine zum
gehen oder entlauffen gebrauchen können; und ob er gleich seinen Leichnam oder
Knochen im Gefängnis nicht funden / währe er doch in den Gedanken gestanden /die
Räuber würden selbe geöffnet / und ihn heraus genommmen haben / da er entweder
wegen seiner Undüchtigkeit von den Räubern erschlagen / oder sonst im Feur
umkommen währe / weil sie mehr verbrante unkentliche Menschen-Leiber gefunden /
auch kein einiger Mensch von ihrem Gesinde lebendig blieben / und man in so
langer Zeit nicht das allergeringste von ihm gehöret hätte. Zwar sein Sohn
Urisla hätte sich stets gefürchtet / es würde ihre Taht endlich ausbrechen /
daher er unablässig angehalten / das Schloss nicht wieder aufzubauen / sondern
sich in Pannonien unter Königes Mnata Schuz zubegeben /und in dessen Dienste
sich einzulassen; möchte nunmehr von Herzen wünschen / dass er diesem heilsamen
Raht gefolget hätte; aber die Götter müsten ihm ja seine Sinnen verrücket haben
/ sonst wollte er diesem heutigen Unglück / und was ihm noch bevor stünde
/zuentgehen / Wege gnug gewust haben. Schliesslich baht er Gallus / er möchte bei
der Königlichen Gesellschaft umb Gnade eines schleunigen Todes anhalten /welchen
er willig ausstehen wollte / weil er denselben wohl verdienet hätte. Was Urisla
seinen Sohn beträffe /währe derselbe von ihm genöhtiget / in diese Taht
zugehehlen / daher er ohn zweifel mit gelinderer Straffe würde zubelegen sein.
Wie aber / fragete Gallus /wann dein Sohn dir deine Unzucht mit dem Fräulein
zutreiben / nicht hätte gestatten wollen / weil sie ihm zum Gemahl ausersehen
wahr? gewisslich würdet ihr über dieser Beute unter euch selbst uneins worden
sein. Ninisla antwortete mit einem Gelächter: Ja /mein Sohn sollte mir wohl keinen
Teil an dem Fräulein gehabt haben; Zwar ich gebrauchte ihn zum Deckel /und
bildete ihm diese Heirat feste ein / dann wie wollte ich ihn sonst auff meine
Seite gebracht haben? Aber mir selbst hatte ich sie ausgesehen / sonst würde ich
mich seinetwegen so tieff nicht gewaget haben. Hätte er mir aber Eintrag tuhn
wollen / sollte er mir alsbald mit dem Leben bezahlt haben. Der böse
Muhtwil-Teufel muss dein Herz ganz in seinen Stricken fuhren / sagete Gallus /
sonst währe unmöglich /dass du einer solchen Bosheit dich hättest unternehmen
dürffen; ging hin / und hinterbrachte alles der Königlichen Gesellschaft.
Worauff Valiska ihren Herr Vater fragete / mit was vor Straffe er diesen Erz
Verrähter zubelegen willens währe / dessen Bosheit alle überträffe / so von
Anfang der Welt möchte begangen sein. Hiemit rante eine kleine Trähnen Bach aus
ihren Augen / und fuhr gegen ihn also fort: Gn. Herr Vater /ich muss gestehen /
dass leider ich selbst alles des grossen Jammers Ursach bin / welcher euch
angeleget ist; dann mich / und nicht euch hat der gotvergessene Bösewicht fahen
/ und seinen unzüchtigen Willen an mir erfüllen wollen; daher bin ich schuldig /
eurem Vater herzen solches kindlich und demühtig abzubitten / ob ich gleich
weder Raht noch Taht / noch Willen darzu gegeben habe; hätte ich aber euer Elend
wissen sollen / würde ich unerschrocken mich selbst in dieses Verrähters Hände
eingestellet haben / umb euch zuerlösen / der ungezweiffelten Hoffnung und
Zuversicht zu Gott / er würde mir Krafft und Stärke verliehen haben / seinen
boshaften Begierden zuwiederstehen / und sollte mein erstes gewesen sein / den
Sohn auff den Vater anzuhetzen / dem ich würde geträuen Beistand geleistet / und
ihn auch nach des Vaters Hinrichtung mit falscher Hoffnung erfüllet haben / biss
ihr und ich der Gefahr währen entrissen worden; doch sind dieses menschliche
Gedanken / und hätten vielleicht keinen Verfolg haben köñen / deswegen auch Gott
es anders geschicket hat / dessen Gerichte und Werke uns Menschen zwar heimlich
und verborgen / und doch allemahl gut und gerecht sind. Herzgeliebte Fr. Tochter
/antwortete der König / warumb woltet ihr euch dessen beschuldigen / an dem ihr
aller Dinge unschuldig seid? euer kindlicher Gehorsam ist nie wieder mich
aussgetreten / zweifele auch nicht / die Gotter würden eure Ehr und Leben auch
unter dieses unzüchtigen Menschen Zwange wohl gerettet haben; aber dannoch sage
ich dem Himmel Dank / dass ihr unter seine Gewalt nicht gerahten seid. Ich bin
zwar scharff gezüchtiget / als nie kein König vor mir in der ganzen Welt; dañ
was achte ich / dass ehmahls Könige sich von einem grösseren Könige haben müssen
lassen vor den Wagen spannen? was rechne ich solches / dass Könige von den Römern
erschlagen und hingerichtet sind? jedoch / wer weiss / womit ichs an den Göttern
verschuldet / dass ich der ganzen Welt ein Beispiel sein / und von meinem eigenen
Untertahn mich dergestalt quälen / höhnen und peinigen lassen müssen? welches
ich aber alles vergessen will / nachdem die gütigen Götter mich mein liebes
Vaterland und Königreich / ja mein herzliebes Gemahl / Kinder und Anverwanten
wiederumb haben sehen lassen; daher ruffe ich den Himmel zu Zeugen / dass ichs
wenig achte / ob / und auff was Weise der Gott- und Ehr-vergessene Bube
gestraffet werde / will auch das Gericht keinesweges über mich nehmen / sondern
den anwesenden Grossmächtigen Königen heimstellen / in sonderheit ihren Liebden
/König Hilderich aus Gallien und König Haron aus Schweden / mit Bitte eine
solche Urtel zufellen die weder aus Hass noch Rachgier herrühre. Grossmächtiger
König / antwortete Hilderich / eure Liebde tuht wohl und löblich / dass dieselbe
diese Sache bloss der Gerecht und Billigkeit anbefehlen will / wie dann allemahl
ein Richter / wann er beleidiget ist / nicht sein eigen Richter sein / sondern
andere darüber urteilen lassen soll. Jedoch ist die an eurer Liebe begangene
Bosheit so gross und übermacht / dass wann dieselbe nicht ernstlich gnug
gestraffet würde / könnte es einem und andern Anlass gegeben / eines
gleichmässigen (dann ärger wird ers nicht leicht machen) sich zuunterfahen. Dann
gleichwie nähest Beleidigung der Götter / dieses Verbrechen das gröbeste ist /
wann man der höchsten Obrigkeit wirklich wehe tuht / also muss man solchen
Frevelern die schwere Hand aufflegen / und hiedurch den hohen Häuptern Freiheit
schaffen. Dass ich aber vor mein Häupt mir nicht unternehme / den Ubeltätern die
Urtel zu sprechen in einem Königreiche / darüber ich nicht zu gebieten habe /
wird weder eure Liebe / noch jemand anders mir verübeln / gelebe auch der
Zuversicht zu meiner allerwerdesten Fr. Tochter und grossen Freundin / Fr.
Valisken / sie werde mein Anmuhten ihr nicht lassen zuwider sein / und an meine
Statt das Recht über die Bosshafteste der Welt ausssprechen / da ich dann schon
weiss / dass sie den Mittel-Weg wohl treffen / und den Verbrechern die gebührliche
Straffe aufflegen werde. Grossmächtiger König / Gn. Herr als Vater /antwortete
sie ihm: Ich würde dieses Amt über mich zunehmen / von einem andern mich nicht
bereden lassen / weil ich unzähliche Entschuldigungen einzuführen hätte; nachdem
aber ich über mein Herz es nicht bringen kann / eurer Hocheit als meinem
recht-gewogenen Herren und Vater einige Mögligkeit zu versagen /bin derselben
ich demütig-gehorsam / und will mich hüten / dass meine Urtel nicht aus Rache /
sondern aus Recht herfliesse / wie dann ohn das Ihre Hocheit / der König aus
Schweden / mein Herr Oheim und Vater /als Mit-Richter mich schon wird zu führen
wissen /dass ich weder zur Rechten noch zur Lincken aussweiche. Grossmächtige
Königin / hochwerte Fr. Wase /und nicht minder-geliebete als Tochter / sagte
darauff König Haron; Ich gelebe der Zuversicht zu eurer Liebe / dass wann meine
auch herzliebe Fr. Tochter /Fr. Sibyllen ich an meine Statt derselben zur
Mitrichterin zugeben werde / wird euer Liebe solches nicht ungenehm / noch jetzt
gedachter meiner Fr. Tochter zuwider sein / welche ich Kraft dieses darzu
erbitte und bevollmächtige. Die frome demütige Sibylla rechnete dieses nit
unbillich vor ein gewisses Zeichen sonderlicher väterlicher Gewogenheit / damit
der König ihr zugetahn wahr / daher sie / ihren Gehorsam sehen zulassen /
auffstund / sich anfangs gegen ihn neigete /und bald zu ihm hintrat / ihm die
Hand zuküssen / an dessen Stat sie aber von ihm freundlich umfangen /und an die
Stirn geküsset ward. Worauff Valiska also antwortete: Gn. Herr Vater / Herr
König Haron; es hat Eure Hocheit mir eine solche Mit Richterin zugeben wollen /
welche wegen ihrer volkommenen Frömmigkeit / Tugend und Verstand ich von dem
ersten Tage unser Kundschaft her / so herzlich liebe / als ob wir zugleich und
auf einmal unter einem Herzen gelegen hätte / weiss auch schon / dz dieselbe mein
Herze-Schwesterchen mich schon wird einhalten köñen / dass ich nirgend zu weit
gehe; daher vor diese mir zugegebene Mit Richterin ich mich untertähnig bebanke.
Für stin Sibylla erröhtete wege des gesprochenen Lobes /als dere wahre Demut sie
nit berede kunte / dessen wert zu sein / wollte auch ihre Entschuldigung
vortragen / aber Herkules kam ihr vor / und liess eine Frage an die Königl.
Gesellschaft abgehe / obs nicht könnte gewilliget werden / dass das ganze Königl.
und Fürstliche Frauenzimmer das Richteramt über sich genommen hätten; welches
dann beliebet ward / jedoch also / dass die alten Königinnen keine Stimme mit
geben /sondern der jüngeren abgefassete Urtel ihnen vorgetragen werden sollte /
ehe sie den Königen und Fürsten zubekräftigen übergeben würde. Valiska wendete
ein / es dürfte ihr Gericht / als ein Weibliches von schlechter gültigkeit sein
/ wann gar kein Mannesbilde unter ihnen sich finden sollte / hielt demnach an
/ihr die Macht zuerteilen / einen zuerwählen; nach dessen erhaltung sie anfing:
Durchleuchtigster Gross Fürst / Herr Markomir / ehrengeliebter Herr Bruder und
Oheim; eure Liebe werden vor dissmahl sich nicht wegern / unser Auffseher und
Schrankhalter zu sein /damit wir nicht nach unser angebohrnen Art / den Zank
unter uns zu lange führen / sondern zur beschleunigung des Schlusses angehalten
werden / und solches begehre von euer Liebe ich im Nahmen aller meiner Amt
Schwesteren / dessen eure Liebe sich weder wegern noch davor danken soll. Dieser
erschrak der unvermuhtlichen Anmuhtung / stund auff / und sah seinen Herr Vater
an / als voller zweifelmuht /ob er reden oder schweigen / sich entschuldigen
oder gehorsamen sollte; daher sein Herr Vater zu ihm sagete: Lieber Sohn / du
hättest wohl Ursachen dich von diesem Amte los zu bitten; weil ich aber weis /
dass deine allergrösseste Ehren-Freundin dir völlig zubefehlen hat / wirstu nach
deren Willen dich zu schicken wissen. Gn. Herr und Vater / antwortete Valiska /
dieses soll auff bessere Gelegenheit beantwortet werden; vor dissmahl ists uns
gnug / dz mein Durchl. Herr Bruder und volkommener wahrer Freund meiner Bitte /
wie ich sehe / statt zu geben willens ist. Ja / Grossmächtige Königin und
volkommene Gebieterin / antwortete Markomir ich sehe hieselbst nicht an / weder
meine unwirdigkeit noch ungeschikligkeit / sondern bloss meine Schuldigkeit / und
schätze mirs vor eine hohe Gnade / bei solcher Rahtsversamlung / dergleichen in
der Welt wohl niemahls vorgangen / geheimter Diener und Schreiber zu sein; trat
damit zu ihr hin /ihr die Hand zu küssen / an dessen statt er von ihr freimühtig
und ehrliebend umbfangen und mit einem züchtigen Kusse begabet ward / dessen
sein Herz vor Wollust auffwallete. Dieser Raht nun nam einen Abtrit ins
Nebengemach / wurden ihrer Sachen bald eins / weil Valiska und Sibylla ihr
gutdünken sagen mussten / welches die übrigen / als Königin Sophia / Königin
Lukrezie / Gross Fürstin Klara / Fräulein Schulda / Frl. Vanda / und das junge
Frankische Fräulein /Frl. Künegund / ohn wiedersprechen vor genehm hielten /
daher Markomir es den alten Königinnen vortrug / und weil auch dieselben daran
nichts zuverbesseren wussten / gingen sie miteinander wieder hin in das grosse
Gemach zu der Versamlung / da Markomir den Königen die Urtel / wie er sie aus
Valiske Munde in die Feder gefasset hatte / vorlase / also lautend: Es lehret
uns die Vernunft und Erbarkeit / dass Untertahnen ihrer Oberkeit / Ehre und
Gehorsam geben sollen / wie sie darzu Kraft ihrer geschwornen Träue verbunden
sind. Weil dann Ninisla und Urisla / Vater und Sohn / ihren König und höchste
Obrigkeit (von dem sie nie no comma? sind beleidiget worden) bösslich hintergangen
/ geschändet / gefangen genommen / geängstet / und ärger als einen Hund /
vorsezlicher bedachter Weise gehalten / wie solches ihre eigene Aussage und
beständige Bekäntnis ausweiset; Gott aber solche Beschimpff- und Beleidigung der
Obrigkeit an den Untertahnen nicht will ungestraffet lassen / damit den
Ubeltähtern gebührlich vergolten / und andere ihres gleichen von solchem
vornehmen abgeschrecket werden; Als sprechen wir darzu insonderheit erwählete
und bestetigte Richterinnen (jedoch auf verbesserung unserer Gn. Herren Väter /
Gemahlen und Anverwanten) vor recht / dass gedachte muhtwillige Beleidiger der
höchster Wirde auff Erden / Ninisla und Urisla ihr Leben verwirket und peinliche
Straffe wohl verdienet haben / welche ihnen dergestalt und also soll angetahn
werden; dass Vater und Sohn nach gerichtlicher Bejahung ihrer Uhrgicht / von
allen anwesenden Zusehern / sonderlich von Gott im Himmel und ihrem
hochbeleidigten Könige mit einem demühtigen Fussfalle verzeihung bitten /
nachgehends beide zugleich an eine Seule auff offenem Markte angebunden werden /
zwo Stundenlang zur beschauung und zum Fluch allen Anwesenden; nach deren
verlauffe sollen sie von dem Büttel am ganzen Leibe mit scharffen Ruhten
gestrichen werden / und weiters der Sohn / weil er in des Vaters Bosheit
gehehlet / und seinen König nit gewarnet / sondern selbst ihn den Räubern in die
Hände geführet / an vier Ecken des Marktplatzes mit zwo glüenden Zangen
gezwacket / ihm das Herz lebendig aus dem Leibe gerissen und den Hunden
vorgeworffen /der Leib aber in vier Stücke geschnitten / und auff die vier
Grenzen des Pragischen Ackers zu ewiger Gedächtnis / neben angehefteter Schrift
und bezeigung der Ursach seines Todes auffgehenket werden / da dañ der Vater mit
umbher gehen soll / dass er eigentlich alles sehe / als ein Büttelknecht mit Hand
anlege /und ihm den ersten Zwak mit der glüenden Zangen gebe. Demselben aber soll
eine stokfinstere bewägliche Gefängnis / vier guter Spañen hoch und weit
zugerichtet / und er in derselben andertalb Jahr mit grobem Brodte und trüben
Wasser ernähret / aber mit kräftigen sachen täglich gestärket werden / dass er
bei Leben und Gesundheit bleibe; nach geendeter solcher Zeit / soll er an allen
Gliedern seines Leibes zerstümmelt / mit glüenden Pfriemen zustochen / und
endlich als sein Sohn / vom Leben zum Tode gebracht / auch an die vier Grenzen
des Bömischen Königreichs samt hinzugeschriebener Ursach seines Todes
auffgehenket werden. Alle seine unter und übersich steigende Verwanten biss ins
dritte Glied / sollen des Reichs ewig verbannet / und ihre Güter der Königlichen
Kammer heimgefallen / des Verrähters Schloss aber / nebest aller zubehörigen
Erbschaft soll (da es kann beliebet werden) dem alten geträuen Wenzesla Zeit
seines lebens geschenket sein. Diese Urtel ward von allen Anwesenden gebillichet
/ bestätiget / und folgendes Tages in gegenwart der Landstände und einer
ungläublichen Menge des Volkes volstrecket; wobei die erbärmlichste Schauung
wahr / dass der Sohn seinen Vater aufs äusserste verfluchete / offentlich
beteurend / er hätte ihn durch bedrauung des Todes mit auff die Brust gesetzetem
blossen Schwerte gezwungen / dass er äidlich angeloben müssen / seinem Willen
beizupflichten; hingegen wahr das aller abscheuhlichste /dass der Vater bei des
Sohns schmerzlicher Pein sich als mit freuden finden liess / auch ohn wegern ihn
mit der glüenden Zange angriff / da er zugleich sagete: Es wird dir wohl gleiche
viel gelten / ob hierzu meine oder eines andern Hände gebrauchet werden; welches
aber dem Sohn dergestalt zu Herzen ging / dz er in der ersten Zwackung todes
verbliech. Sonsten zuvor bei der Geisselung trieb der Sohn ein grosses Geschrei
/ aber der Vater unterdrückete das Geheule / stellete sich doch über alle masse
ungeberdig / ob wäre er seines Witzes beraubet. Er ward alsbald mit einer
Heilsalbe geschmieret / welche ihm doch / weil sie beizend war / grosse
schmerzen verursachete / und nach seines Sohns hinrichtung / sperrete man ihn in
die enge Gefängnis als in einen Tragekorb / da er des Tages über am offenen
Markte stund / und von allen vorübergehenden als ein Fluch angespeiet ward /
worüber er in solche Ungeduld geriet / dass er nur stets den Göttern und seinen
Königen fluchete / ungeachtet er darüber fast täglich mit Peitschen gestrichen
ward; endlich bezeigete er sich gleich einem wütigen Hunde / musste aber die
bestimmete Zeit aushalten / und die lezten drei viertel Jahr in einem tieffen
tunkelen Keller zubringen / wiewol in seinem engen verschlossenen Kefig / da er
krum ineinander wuchs / und nach Ausgang derselben Zeit durch die ausgesprochene
Straffe hingerichtet ward / da er grossen Jammer trieb / und die gottlose Seele
nicht so leicht von dem verfluchten Leibe abscheid nehmen wollte / so dass er auch
/ nachdem ihm das Herz schon ausgerissen / und damit aufs Maul geschlagen wahr /
sich noch mit Händen und Füssen bewägete. Unsere Königliche Gesellschaft aber
lebete in herzlichen ehrliebenden freuden / da Valiska aus kindlicher Liebe
nicht lange von ihrem Herr Vater sein kunte / und verlangete den beiden
verliebeten Bräutigams nicht wenig nach dem angesezten Tage ihres Beilagers /
welches eine Woche vor der Hochzeit und dem Freistechen bestimmet wahr / unter
welcher Zeit Valiska und Ladisla sich bemüheten / ihrem lieben Herr Vater den
Christlichen Glauben beizubringen / worzu er anfangs schwer zubereden wahr
/insonderheit / weil auff seiner Heimreise aus Pañonien ihm die Teutsche Göttin
Freia (wie er bestendig vorgab) des Nachtes erschienen währe / hätte ihn seines
ihr getahnen Gelübdes / da er in Teutschland geheiratet / erinnert / und dabei
angedeutet / das durch ihren Schuz und Beistand er unter so mannicher Gefahr
währe erhalten worden / darumb sollte er zur dankbarkeit ihr mitten auf seinem
innern Schlossplatze einen sonderlichen Gottes dienst und wöchentliches Opfer
anrichten / und zugleich bei seinen alten Landgöttern steiff und beständig
verbleiben / sonst würde er in grösser Elend gerahten als vorhin; drang diesem
nach stark darauff / dass er dieses sein Gelübde erfüllen wollte. Seine Kinder
zeigeten ihm an / sie könten sich endlich diesem seinen Vorhaben nicht
wiedersetzen / aber dieses wollten und könten sie ihm unangezeiget nicht lassen /
dass auff solchen fall sie das Pragische Schloss verreden / und hinfüro Zeit ihres
lebens keinen Fuss darauf setzen wollten; worüber er sehr betrübet ward / endlich
noch wirkete Gott durch Herkules vielfältige vermahnung / (dessen Worte am
meisten bei ihm golten) dass er gewonnen ward / und die Häuptstük der
Christlichen Lehre / von schöpfung der Welt / von des Menschen Fal / von dem
einigen göttlichen Wesen / von Gottes Gnade gegen die gefallene Menschen / von
der Menschwerdung des Sohns Gottes / von seinem Leiden / Aufferstehung und
Himmelfahrt / von der Busse und Glauben / von vergebung der Sünden und
göttlichem Wandel / vom jüngsten Gericht und ewigen Leben / auch andere zum
Christentuhm gehörige Unterrichtung fein annam /und in kurzer Zeit begriff; und
nam der Geist in ihm je mehr und mehr zu / dass inwendig Monatsfrist er mit
seinem Schwager Könige Henrich so geschiklich von Geistlichen Dingen reden kunte
/ dass man seine Gottesfurcht daher wohl merkete. Auch feireten Valiska und
Siegward nicht / Fräulein Schulda den Christlichen Glauben beizubringen / wozu
sie sich gerne bereden liess / da sie vernam / dass ihr Bräutigam Fürst Olaff
desselben Glaubens wahr; aber ihre Eltern kunten noch zur Zeit sich darzu nicht
erklären / vielweniger der Pannonische König und sein Fräulein Vanda /liessen
sich doch nichts Gotteslästeriches merken /sondern wendeten ein / (insonderheit
Mnata) sie dürfften eine solche Verenderung der Götter wegen ihrer Untertahnen
nicht vornehmen / wollten sich darauff bedenken / und nachgehends Erklärung von
sich geben; worauff man weiter nicht in sie dringen wollte /weil man spürete /
dass sie des Heiligen Geistes Gnade zuzulassen nicht willens wahren; wiewol Mnata
Königin Valisken auff ihr ansuchen beteurlich verhiess / dass in seinem Reiche den
Christen freie Wohnung und Aufentalt gegönnet / und sie wegen des Glaubens
nicht gehasset noch verfolget oder beschimpfet werden sollten. Gross Fürst
Markomir hielt sonderliche Kundschaft mit Leches und Libussen /welche den
ersten Grund zum Christentuhm bei ihm legeten / worauff Valiska uñ Herkules bald
hernach so fest baueten / dass er ein eiferiger und gläubiger Christ ward / und
gegen sie beide sich vertraulich heraus liess / was gestalt er in seinem Herzen
die künftige Beherschung seines Erb Reiches verschworen hätte / welches er
seinem neugebohrnen Bruder abzutreten bedacht währe / hoffete / König Herkules
würde ihm gönnen / etwa ein zimliches Schloss nicht weit von seiner Königlichen
Burg auffzubauen / daselbst in enger Gesellschaft sich auffzuhalten / und ihn
nach gefallen oft zubesuchen; Welches ihm nach seinem Willen beantwortet / doch
daneben erinnert ward / mit solcher Reichs-Abdankung sich nicht zuübereilen /
damit es ihn nicht dereins gereuen möchte. Aber er blieb beständig in seinem
Vorhaben / nam auch Richarden vor seinen Hofmeister an / und hielt sich eine
geraume Zeit bei den unsern auff / ehe er sein Vaterland wieder besuchete. Sein
Herr Vater hatte schon 14 Jahr die Herschaft verwaltet / lebete hernach noch 25
Jahr / so dz Markomir ein Jahr vor ihm her starb / und also die Herschaft auff
seinen Bruder sie / welcher ein weidlicher Herr und tapfferer Held wahr /
nahmens Barter.
    Die Zeit des Beilagers kam herzu / und wurden die beiden Bräute treflich
aussgeputzet / wiewol Frl. Schulda mehr als Frl. Vanda / wie sie überdas an
Leibes Schönheit und zierlicher Höfligkeit dieser weit vorging / dass der
Dänische König selbst sagete; er entschuldigte nunmehr seinen Sohn / dass er Frl.
Vanda nicht heirahten wollen / da er sonst einige Hoffnung lolcher Verbesserung
gehabt hätte. König Mnata hatte imgleichen seinen Königlichen Schmuk herzuhohlen
lassen / auch Fürst Olaff grosse Kosten an seine Kleidung gelegt / deren ihm
doch manniche aus den besten Persichen Stücken von Valisken und Sophien
geschenket wurden / die er wieder seinen Willen annehmen musste. Es ward unter
ihnen berahtschlaget / wie mans mit der Träue halten wollte / uñ wurden König
Baldrich und Fürst Siegward an den Dänischen und Schwedischen König abgeschicket
/im Nahmen ihrer Kinder bitlich anzuhalten / dass die Eltern ihnen göñen möchten
/ dass sie absonderlich nach Christlichen Brauche eingesegnet würden / weil sie
diesen Glauben angenommen und darinnen beständig zuverharren gesinnet währen;
welches ihnen dann gerne eingewilliget ward; da hingegen Mnata sich nach
heidnischer Pannonischer Weise trauen liess / dem kein Christ beiwohnen wollte /
die Gästerei dieses Beilagers wahr gar eingezogen / aber acht Tage hernach / da
das Hochzeit Fest gehalten ward / wurden über 5000 Menschen acht Tage lang
Fürstlich /und an die 20000 sonsten gar köstlich gespeiset / welche Kosten jeder
Bräutigam zum vierten Teil / die andere helffte König Baldrich und Grossfürst
Arbianes abtrugen / weil sie das dabei gehaltene Ritterspiel aussgeschrieben uñ
angestellet hatten / welche diese acht Tage über täglich von sieben biss zu
zehnen des morgens und des Nachmittages von eins bis viere gehalten ward; Ringel
rennen / weite rennen / lauffen /fechten / ringen / schiessen / werffen /
Lasteben / gerade Bäume anklimmen / mit Ochsen und Bähren streiten / und was
sonst zur Kurzveil erdacht werden kunte / als Kegelschieben und desgleichen /
wobei über 40000 Kronen zum Gewin aussgeteilet wurden. Als diese Tage vorbei
wahren / und nicht allein die Bauern und Bürger / sondern auch der gemeine Adel
und die junge Ritterschaft ihre Ubungen zum Ende gebracht hatten / da die
Teutschen und Franken im stechen / die Schweden im Wetterennen / und Lauffen /
die Böhmen im Werffen / die Friesen im Lasteben /die Pannonier und Parter im
Ringen / die Dänen und Wenden im Ochsen- und Bähren Streit / auch im Fechten /
die Meder und Parter aber im schiessen den höchsten Preis davon trugen; wurden
drei Tage angestzet / auff welchen nur die Herren Standes und in Waffen
wolgeübete Ritter zugelassen werden sollten; alle übrige wurden davon
aussgeschlossen / sie könten dann behäupten / dass sie gutes Adels / und in vier
Häuptschlachten sich hätten finden lassen. Die Könige und Fürstliche Zuseher
hatten je zween und zween / auch zwo uñ zwo ihren eigenen Schausiz auff der
Bühne / welche ümher behänget / und mit Persischen Tüchern verdecket wurden / da
forne ein enges Gegitter auffgelichtet stund / durch welches die Schauer zwar
alles sehen / aber von den Anwesenden nicht erkennet werden kunten / und wahren
vor jede Stelle die Nahmen der Einsitzenden daran geschrieben / dass ihnen
dannoch die gebührliche Ehre geleistet würde. Gegen Morgen stunden die Mannes-
gegen Abend die Frauenbilder. Unter jenen hatten König Henrich und König
Hilderich / die erste; Der Schwedische und der alte Böhmische / die andere; Der
Dänische und Pannonische König / die dritte; Herr Statalter Fabius und Pompejus
/ die vierde; König Herkules und Ladisla / die fünfte; Fürst Siegward und der
junge Fabius / die sechste; Fürst Olaff und Markomir / die siebende; König
Baldrich aber und Fürst Arbianes / als Stiffter dieses Spiels / die achte und
lezte. Bei dem Frauenzimmer hatten Königin Vanda / und Fürstin Schulda / als
Bräute / den ersten; Königin Waldburg aus Franken / und Königin Hedit aus
Schweden / den andern; Königen Rusila aus Dänenmark / und Königin Gertrud aus
Teutschland / den dritten; Königin Hedewieg und Fürstin Bochild aus Wendland /
den vierden; Fr. Sabina Pompeja und Fr. Terenzia / den fünften; Königin Valiska
und Sophia den sechsten; Königin Lukrezie und Fürstin Sibylla den siebenden;
Fürstin Klara Fr. Ursula / uñ das Frankische junge Fräulein / Frl. Kunegund den
achten; Fr. Fausta und Fr. Julia / den neunden; Fr. Konstanzia Herrn Antenors
Gemahl / und Fr. Florida /Gallus Schwieger / den zehnden Siz. Das übrige
Frauenzimmer hatten ihre Stellen etwas niedriger /doch an eben der Seiten. Herr
Kornelius / Emilius /Antenor und Opimius / nebest Grafen Pribisla / Bretisla /
Krokus und Stanisla / wurden zu Richtern gesetzet / derhalben sie eine offene
Stelle gegen Mittag oder Suden hatten / so dass gegen Norden die Stechebahn
unbebauet / und nur mit Schranken verschlossen wahr. Des ersten Tages hatten
sich acht Teutsche Herren vergeselschaftet / wider alle ankommende zurennen /
erschienen in einerlei Rüstung / glänzend schwarz / mit güldenen Striemen
durchzogen / und führeten im Schilde einen Löuen / welcher in der Rechten Tatzen
ein Speer / in der Linken ein Schwert hielt / mit dieser ümschrifft: Alles dem
Vaterlande zum besten. Auff dem Helm hatten sie ein Schneeweisses Lamb / an
dessen Halse ein Täflein hing / mit dieser güldenen Schrifft: Auch Schimpff
bringt Ehre. So funden sich auch 9 Franken und Sikambrer in glänzendweissen
Harnischen / mit güldenem Blumwerk; Auff den Schilden / welche grün / wahren
drei silberne Lilien mit dieser Unterschrifft: Flos perpetuo florens &
fragrans, Diese Blume blühet und riechet immerzu. Auff dem Helme stund ein
gekrümmeter Arm mit einem blossen Degen. Weiter stelleten sich 8 Böhmen mit
einträchtiger Rüstung / unter denen Leches / Neda und Prinsla wahren; Ihre
Harnische gülden mit schwarzem Laubwerk; Im Schilde stunden zween auffrechte
Bähren / mit einander ringend / und diese Worte umher: Auffs minste zween zu
einem Kampffe. Auff dem Helm führeten sie eine schneeweisse Taube / mit
ausgedehneten Flügeln / im Schnabel ein Lorbersträuchlein haltend. Acht Römer
gaben sich auch an in gleichen Harnischen / versilbert mit güldenen Schlängelein
/ bei denen Klodius und Markus sich finden liessen; Der glänzend-schwarze Adler
stund im weisssilbernen Schilde / mit dieser Umschrifft: Nullum ex quiete lucrum:
Das ist: Ruhen gewinnet nichts. Auff dem Helme ein Hecht / in dessen Maul ein
Täflein mit diesen Worten: Devoro & Devoror. Ich fresse und werde gefressen.
Auch ritten 10 Pannonier mit gleichmässiger Rüstung herzu; Die Harnische blau
angelauffen / und als mit Blutstropffen besprenget. Die Schilde grün und in der
mitte eine erloschene Kerze / welche sich bei einem Sonnenstrahl wieder anzünden
wollte / dabei diese Worte: Verwundet sein / ist noch nicht tod. Auff den Helmen
kroch eine Schlange unter einem Steine hervor / auff welchem diese Worte
stunden: Unterdrücket / nicht ersticket. Darauff liessen sich nicht weit von
ihnen neun Dähnen sehen / in gleicher wasserfarbiger Rüstung / mit güldenen
Rösichen besträuet. Im Felde ihres Schildes sägelte ein Schiff auff dem Meer /
welches von dem Winde nach der Seite gebogen ward /mit dieser Umschrifft:
Niemand fähret stets wie er will. Auff dem Helme flatterte ein zusamen
gewickeltes Sägel gar artig / und stunden diese Worte dabei: Richte dich nach
dem Winde. Acht Schweden und Goten kahmen auch heran / als Vögel einerlei
Federn; Ihre Harnische wahren Kupfferfarbe mit silbern Puckeln beschlagen;
hatten / wie die Dänen / ein Schiff im Schilde / welches aber mit gutem Winde
fortlieff / und wahren diese Worte umher geschrieben: Mit vollem Winde ist gut /
ob gleich gefährlich / sägeln. Oben auff dem Helme stund ein Löue / der ein Buch
in der Hand hiet / an welchem diese Worte zulesen wahren: Nicht stärker als
recht ist. Von den Friesen hatten sich acht in gleicher Art zusammen gesetzet;
Die Harnische wahren als lauter Grass und Blumen allerhand Farben durcheinander.
Am Schilde stund ein Ochs /welcher einen Hund mit Füssen trat / und diese Worte
dabei: Auffrichtigkett dämpffet den Buetrug. Auff dem Helm hatten sie ein
Kälbichen / welches unter eines Banms Schatten lag / mit dieser schrifftliche
Andeutung: Im Schatten nähert sichs wohl. Sechs Parter und vier Meden kahmen in
einer Gesellschaft mit Feur-rohten Harnischen voller silbernen Vögel / die sich
mit einander bissen. Im Schilde stund ein Baum / welcher zuoberst eine güldene
Kron hatte / und unten umb denselben etliche Männer mit Axten / welche ihn
umhieben / mit dieser Umschrifft: Ruinam metuo fortis. Ich starker fürchte mich
vor dem Fal. Auff dem Helme hieb ein Reuter ein Bündlein Pfeile mit dem Säbel in
stücken / dabei diese Worte stunden: A cinaces Sagittas domat. Der Medische
Säbel zähmet die Pfeile. Endlich sprengete die zehnde Gesellschaft /von 8 Wenden
versamlet / auch herzu / mit schwarzgelbichten Harnischen voller leibfarben
Rosen. Im Schilde lag ein blutiger abgehauener Büffels Kopff /mit dieser
Umschrifft: Zu heftig machet rasend. Den Helm zierete ein geflügelter Drache /
auff dessen Brust diese Worte stunden: Schleunigkeit machet den Eifer glücklich.
Diese zehn Geselschaften stelleten sich kurz eine nach der andern vor die
annoch verschlossene Schranken / und macheten ingesamt 86 Ritter / deren etliche
wohl 30 Feldschlachten und Scharmützeln beigewohnt hatten / und ob sich gleich
dazumahl etliche tausend Ritter in der Gegend auffhielten / wollte doch dissmahl
sich keiner mehr stellen / weil sie mehrenteils argwohneten / die Königliche
Helden würden mit stechen. Nun wollte kein Häuflein vor dem andern in die
Schranken reiten / da sie geöffnet wurden / damit sie nicht vor hochmühtig
angesehen würden / deswegen ihnen von den Richtern gehohten ward in der Ordnung
einzuziehen / wie sie nach einander ankommen wahren / und hatten demnach die
Teutschen den Vorzug / die sich gleich gegen ihren König Henrich über stelleten
/ und daselbst Stand fasseten. Ihnen folgeten die Pannonier / und setzeten sich
diesen gerade entgegen. Die Franken stelleten sich hin zu den Sachsen Teutschen
/ und nahmen die Römer nähest denen ihren Stand. Die Dähnen geselleten sich zu
den Pannoniern / und blieben die Friesen auch bei denselben; aber die Böhmen
stelleten sich den Römern an die Seite; da hingegen die Schweden sich zu den
Friesen tahten. Die Parter und Meden blieben bei den Böhmen / und die Wenden
liessen sich gefallen / die andere Seite nebest den Schweden zuschliessen. Nun
wahr nicht allein die Gleicheit der Waffen in jeder absonderlicher Gesellschaft
lustig anzusehen / sondern es stund sehr artig /dass ein jeder Ritter eine
Feldbinde sonderlicher art /und teils einfältiger / teils gemengeter Farben
führete /dabei er kunte vor andern erkennet werden. Weil dann niemand mehr zu
den Schranken hinein begehrete / ward drei mahl auffgeklopffet / und folgende
Gesetze abgelesen:
    I. So jemand unter den Stechern gefunden würde / der nicht entweber Herrn
Standes / oder auffs minste gutes gebohrnen oder gemacheten Adels (der gleichwol
in vier Felbschlachten gewest währe) sollte er Harnisch / Gewehr und Pferd
verloren haben / und zu Fusse aus den Schranken gehen / wiewol ohn Verletzung
seiner Ehren.
    II. Wer eines Ehebruchs / Mordes / Diebstahls / Meinäides / Verleumdung /
Verräterei oder Jungfern- könnte überzeuget werden / und bei diesem Ritterspiel
sich finden liesse / sollte des Ritterordens als Ehrloss entsetzet sein / und
sechs Streiche leiden.
    III. Wer hinterlistig stechen / oder verbohtene Zäubersachen bei sich haben
oder seines Gegeners Pferd vorsezlich treffen und beschädigen würde / sollte
wilkührlich / und nach Befindung / sehr hart gestraffet werden.
    IV. Ein jeder Stecher sollte gehalten sein / vor dem Stechen den Richtern
seinen Nahmen / Stand und Vaterland anzumelden.
    V. So aber jemand aus gewissen Ursachen solches vor dem Treffen gerne
hinterhielte / sollte er entweder einen am Hofe bekanten Ritter zum Bürgen seiner
Rittermässigkeit anmelden / oder Königin Valisken seinen Nahmen / Stand und
Vaterland auff einem Zettel einreichen lassen / oder mit der rechten Hand die
auffgehenkten Gesetze als äidlich berühren / dass er hierzu Rittermässig währe
/und vor dem Ausszuge aus den Schranken seinen Nahmen melden wollte.
    VI. Vor einer Fürstin oder Fürstlichen Fräulein (und geringer nit) ihre
Schönheit / möchte gestochen werden /doch nur mit einem Speer / so lange es
unzubrochen bliebe.
    VII. Kein scharff Rennen / noch Schwertschlag / noch Ringen zu Fusse sollte
zugelassen sein.
    IIX. Niemand sollte alhie icht was aus Feindseligkeit begiñen / wie es möchte
Nahmen haben / bei Lebens Straffe.
    IX. Keiner sollte einigen Wiederwillen gegen den andern aus den Schranken mit
sich nehme.
    X. Ob zwischen zween Kämpffern einiger Span vor fiele / sollte derselbe
alsbald den hochweisen Herren Richtern vorgetragen / und durch dieselben
entschieden werden.
    XI. Ein jeder Stecher möchte unter den Mitstechern aussfodern / welchen er
wollte / doch ohn Neid und Feindschaft / auch nicht weiter als zu dreien Ritten
/ dann der vierde sollte gänzlich werbohten sein / und durch kein anhalten
gesucht werden.
    XII. Wer mit zwölff unterschiedlichen Rittern in diesem Spiel vor
Wiederöffnung der Schranken getroffen hätte / und ungefellet blieben währe /
sollte seinen Nahmen den hochweisen Herren Richtern anmelden / und sollte kein
Ritter bemächtiget sein / denselben ausszufodern / er hätte dann mit neun Rittern
sich schon versuchet.
    XIII. Würden alle Ritter biss auff zehne gefellet / sollten diese zehne einer
den andern weiters nicht aussfodern / es geschehe dann mit Königin Valisken
vergünstigung /welche in diesem Stük masse geben würde.
    XIV. Welcher abgestochen würde / dass er zugleich sein Speer auff seinem
Bestreiter ritterlich gebrochen /oder denselben herunter geworffen hätte / sollte
weiter zustechen berechtiget sein / aber nicht mit diesem.
    XV. Wessen Pferd im Treffen fiele / und er im Sattel bliebe / sollte vor
ungefellet gehalten werden.
    XVI. Wer abfiele und bräche sein Speer nicht / sollte ferners ruhig sein /
oder Vergünstigung / weiter zustechen / von Königin Valisken erwarten.
    XVII. Wer beide Stegreiffe und den Zaum verlieren würde / sollte vor gefellet
geschätzet werden.
    XIIX. Wer zum andernmahl abgestochen würde (verstehe / dass er schon einmal
abgestochen währe) / so dass er beidesmahl sein Speer unzerbrochen behielte oder
fallen liesse / sollte um weitere Vergünstigung zusiechen nicht anhalten.
    XIX. Ob etliche Ritter einer gewissen Landschaft Geselschafts Weise stechen
/ und sich nicht sonderlich wohl verhalten würden / sollte niemand der ganzen
Landes Art ein solches ungleich oder schimpflich auffrücken oder ausslegen / bei
Ehr- und Lebens Straffe.
    XX. Dafern ganze Geselschaften gross oder klein /wieder ganze Geselschaften
stechen würden / sollte ihnen über zween gemeine Ritte nicht vergönnet / auch der
Fal im Gesellschaft-Rennen niemande am absonderlichen stechen verbinderlich sein
/ doch sollte des Obsiegers Wolverhalten gerechnet / und wer beidesmahl ohn
Zerbrechung seines Speers stürzete / nach der 16den Satzung geurteilet werden.
    Nach verlesung dieser zwanzig Bedingungen (welche schon vor fünff Tagen
wahre angeschlagen) wurde sie öffentlich in den Schranken aufgehenket /da
alsbald ein zierlicher ädelknabe auff der Steche-Bahn erschien / und nach
erzeigeter Höfligkeit / mit heller Stimme dieses vorbrachte: Königin Valiska
/entbeut allen hieselbst versamleten Rittern / nach Standes Gebühr ihren Gruss
und Gnade / und weil sie zwo gleiche Schaaren / jede 43 stark / gegen einander
halten sihet / lässet ihre Hocheit dieselben fragen / ob ihnen belieben könne /
also Schaars weise auffeinander zutreffen / dass ein jeder ihm einen Mañ / der
gegen ihn hält / wähle / und mit demselben einen oder zween Ritte wage / als
dann soll keinem gefelleten der Fall am künftigen Stechen / es geschehe in
kleineren Schaaren / oder einzelner weise / schädlich sein / wiewol jeder
Uberwinder von ihr einen sonderlichen Dank empfahen soll. Dieser Vorschlag gefiel
beides den Stechern und Zusehern / und leisteten jene zuvor den Richtern den
vierden Saz / gaben sich in Ordnung / wie sie hinein geritten wahren / und
empfing ein jeder die Hoffnung / den Sieg zuerhalten / welches doch unmöglich
wahr. So bald in die Trometen gestossen ward / ranten sie in zierlicher Ordnung
auffeinander los / legeten ein / und traffen so wohl / dass alle Speer bei stücken
in die Luft flogen / auch kein einziger den Sattel räumete / ungeachtet ihrer
etliche sich mit den Leibern dergestalt rühreten / dass ihne sehen und hören
verging; wiewol drei Pannonier / ein Teutscher / zween Römer / drei Franken /
zween Böhmen / ein Parter / zween Meden / so viel Friesen / Schweden und Dähnen
/ und drei Wenden schier den kürzern gezogen hätten. Jederman musste gestehen /
dass sie nie kein zierlicher Treffen in so grosser Gesellschaft gesehen hätten.
Sie schicketen sich zum andern Ritte / aber an der einen Seite mussten auff
Valisken anordnung die Ritter einer jeglichen Gesellschaft ihre Stelle verendern
/ damit keiner mit seinem ersten Wiedersacher zutreffen kähme; dieser Saz nun
wahr ernstlicher als der vorige / aber auch von mehrer Wirkung; dann ein
Teutscher fiel mit samt dem Pferde /nach wohl gebrochenem Speer übern hauffen;
fünff Pannonier / drei Franken / vier Dänen / drei Römer /drei Friesen / zween
Böhmen / vier Schweden /zween Parter / ein Mede / und vier Wenden mussten
herunter / denen etlichen ihre Pferde im fallen Gesellschaft leisteten; die
übrigen / unter denen die neugemachte junge Böhmische Grafen wahren / hielten
sich sehr wohl. Königin Valiska begehrete von den Obsiegern ein Pfand / aber die
ganze Ritterschaft hielt an /dass ihnen das dritte Treffen möchte gegönnet
werden; welches sie dann leicht erhielten / da von ihnen alle Kraft angewendet
ward / so dass drei Teutsche / fünff Franken / sechs Römer / vier Böhmen / vier
Parter und zween Meden an einer; an der andern Seite aber sieben Pannonier /
sechs Dänen / fünff Friesen / fünff Schweden und sechs Wenden die Erde küssen
mussten / und wahr ein solches ungestümes Treffen / dass der mehrerteil seinen
Gegener zugleich mit erlegete / aber doch keiner / dass zu verwundern /
sonderlichen Schaden nam. Leches / Neda / Prinsla / Klodius und Markus wahren
mit unter den Obsiegern / und hatten in allen dreie Treffen keinen Wank getahn /
dessen sie sehr geruhmet wurden; welchen Preis auch zween Teutschen / ein
Pannonier / ein Römer / zween Franken / zween Schweden / ein Dähne zween Parter
/und ein Wende erhielten / und diese alle und jede von Königin Valisken einen
güldenen Ring auff 500 Kronen gerechnet / bekahmen. Nach diesem Treffen fand
sich ein jeder bei seiner Gesellschaft / und foderten die Teutschen ihre Gegener
die Pannonier aus / da ein Teutscher Herr von der Oker / da jezt die berühmte
Stad Braunschweig lieget / nahmens Wilhelm / in zehn ritten sechs Pannonier mit
grossem Ruhm erlegete / deren zween doch zuvor drei Teutsche Sattel-los gemacht
hatten. Die acht Römer traffen mit den acht Schweden / da alle Römer biss auff
Klodius und Markus abgestochen wurden / und hingegen fünff Schweden absattelten
/ drei aber sich sehr wohl hielten. Die neun Franken wähleten die neun Dänen /
legeten mit ihnen an / und hielten im ersten und andern Treffen einander die
Stange redlich / aber im dritten fielen sechs Dähnen und sieben Franken / zu
Bodem /und hielt Ritter Farabert sich hieselbst am besten. Die acht Böhmen
bekahmens mit den acht Friesen zu tuhn / da vier Böhmen / aber auch alle Friesen
den unwilligen Sprung tuhn mussten. Die Parter und Meden rieben sich an die
Wenden / da ein Parter vier Wenden / jeden im andern ritte herunter sties / nur
der lezte stürzete im dritten gange / hingegen huhben zween Wenden drei Parter
und einen Meden aus / dass gleichwol der eine im falle Gesellschaft leistete /
weil ihm die Sattelgurt zubrach. Das einzelne Rennen ging hierauff an / welches
ein Schwedischer Herr / nahmens Haldan / anfing und sich tapfer tummelte / in
dem er einen festen Römer im andern ritte; einen Böhmen im ersten / zween
Pannonier / jeden im ersten /und einen Dähnen im dritten / herunter warff; aber
als er sich an Leches rieb / ward er im dritten Treffen der gestalt abgefertiget
/ dass er den linken Arm im falle zubrach. Ein ander Schwede / nahmens Schwercher
/wollte diesen rächen / musste aber im andern satze dem vorigen Gesellschaft
leisten. Worauff der bisher sieghafte Pannonier sich an Markus machete / und ihn
im dritten gange unsauber gnug zur Erden warff / wiewol der Uberwundene sein
Speer auff dem Uberwinder brach. Klodius verdross dieser Unfall nicht wenig
/stellete sich an seines lieben Gesellen Platz / aber den Sieg kunte er nicht
behäupten / ob er gleich alle drei Püffe redlich aushielt und bezahlete / und
doch im lezten etwas zu wanken gezwungen ward; dessen Prinsla wahr nam / und
diesem Pannonier / der ihn gleich ausfoderte / begegnete; im ersten Treffen
sassen sie beide fest; aber im andern purzelten sie beide mit ihren Pferden über
und über / so dass der Pannonier das rechte Bein im falle in etwas zuknirschete.
Der Teutsche Herr von der Weser / Herr Betram setzete sich nachdem auff die Bahn
/ hatte seinen Siz /da anjezt die Stad und Festung Hameln lieget / (von welcher
ehmahls ein müssiger Kopf getichtet / ob sollte ein Ratzenfänger vor etlichen
hundert Jahren eine grosse Anzahl minderjähriger Kinder in einen Berg geführet
haben / welche unter der Erden hingangen / und in Siebenbürgen wieder hervor
gesprungen währen) dieser trefliche Ritter erlangete vor dissmahl grosse Ehre /
gestaltsam er acht handfeste Ritter herunterwarff / dass er unbewäget im Sattel
sitzen blieb /biss ers mit Leches wagete / der ihn zwar im dritten Treffen
schwanken machete / aber ihn doch nicht fellen kunte. Neda hielt sich auch wohl /
doch hielt ihm ein Dähne die Stange zimlich / dass er ihm nichts anhaben mochte.
Farabert bekam das Glük / dass er drei Pañonier / zween Böhmen / einen Dänen /
und zween Friesen aushuhb / aber unter Leches seinem Speer musste er erliegen /
welches auch den nähstgedachten starken Dähnen in den Sand nidersetzete. Als nun
das Stechen vor dissmahl über die gesetzete Zeit angehalten / und die Sonne das
mittages Ziel schon hinter sich geleget hatte / ward der übung vor dissmahl
anstand gegeben / und stellete sich Valiska / Lukrezie und Klara ein / den
Uberwindern nach der Richter einhelliger Urtel / den Preis auszuteilen. Wegen
des Stechens da eine Landes-art Gesellschaft mit der andern getroffen hatte /
bekam Graff Leches / Herr Betram und Graff Neda den höchsten Gewin / jeder eine
Speer Spitze von klammern Golde mit Demanten aussgesetzet / deren jede 1000
Kronen ausstrug; den andern empfingen Graff Prinsla / Herr Wilhelm / und Graff
Klodius / jeder ein Kleinot von 900 Kronen; den dritten Graff Markus / Herr
Farabert und ein Parter; jeder eine Huhtschnur zu 400 Kronen. Aber wegen des
absonderlichen Treffens mussten Leches /Bertram / und der frische Pannonier den
ersten Preis nehmen / jeder ein köstliches Pferd mit Silbern Hueffeisen und
gestiktem Sattel / am Wert 1500 Kronen /den andern Preis bekam Neda / Farabert
und Wilhelm / ein herrliches Schwert auf 1000 Kronen. Den dritten Prinsla / der
Schwede Haldan / so den Arm zubrach /und der Däne / welcher mit Neda so tapffer
getroffen hatte; jeder ein Par güldener Sporen mit Rubinen aussgelegt / 600
Kronen am Preis. Und damit gleichwol der ansehnlichsten Manheit ein Vorzug
gegeben würde / setzete Königin Valiska ihrem geträuen Leches und Bertram einen
grünen Rossmarien Kranz auff / und erinnerte sie / dass in Beschützung der
unschuldig-unterdrükten / sie ihre Stärke anwenden sollten; vor welche
sonderliche Gnade sie sich untertähnigst bedanketen. Nach auffgehobenen Speisen
bereiteten sich die jungen Könige und Fürsten zum Ringel Rennen / bei welchem
Valiska sich in Amazonischer Kleidung mit finden lassen wollte / und ward sonst
niemand ohn der junge Fabius in diese Gesellschaft genommen / weil Leches und
die anderen jungen Grafen sich dessen aus Untertähnigkeit wegerten / und unter
der Ritterlichen Gesellschaft mit stechen wollten / welche ihre eigene Bahn
hatten. Ladisla machete an jener Seite / Leches an dieser den Anfang / und
hielten sich sehr wohl. Herkules dort / und Neda hier /machtens gleich also / wie
auch Valiska und Kodius; König Mnata aber (der in dieser Ubung schlechte
Erfahrenheit hatte) taht den ersten Fehlrit / wie auch Prinsla an jenem Orte.
Baldrich und Olaff wahren gleiche eiferig / nicht weniger Siegward und Arbianes
/ denen Markomir und der junge Fabius nichts nachgaben / aber niemand taht es
Herkules und Valisken gleich / und wahr eine Luft anzusehen / wie zierlich diese
aller schönste Königin den ädlen Blänken unter der Zeit tummelte / wann die
anderen in der Ubung des rennens wahren. Die Königlichen Zuseher hatten sich
vordismahl anders verwechselt / so dass der Schwedische und Böhmische König den
ersten; der Teutsche und Dänische den andern; der Fränkische und Herr Fabius den
dritten Stand hielten / und der Däne König Henrichen glückselig preisete / dass
der Himmel ihm nicht allein einen so volkomenen Sohn /sondern auch gleichmässige
und in allen Tugenden vortrefliche Schwieger Tochter gegeben hätte / welche
sonder einige Schmeichelei der ganzen Welt Beherschung wirdig währen. Worauff er
zur Antwort gab; er dankete dem wahren Gott billich / dass er diesen seinen
Kindern eine Tugend begierige Seele eingegossen hätte / hoffete auch / sie
würden biss an ihr Ende dabei beständig verharren; jedoch rechnete er dieses noch
nicht vor seine oder auch ihre höchste Glükseligkeit / sondern dz sie neben ihm
zur seligmachenden Erkenntnis des einigen wahren Gottes / und zur ungezweiffelten
Hoffnung des ewigen Lebens kommen währen / als welches ihrer aller Gewissen /
Geist und Seele inniglich erlüstigte / dass sie nach dieser mühseligen
Vergengligkeit / die billich einem Schatten und Traum vergliechen würde / eine
ewig bestendige und aller Dinge unvergängliche Himmels-Freude von ihrem Heilande
JEsus zugewarten hätten / deren kein irdischer Pracht / keine weltliche Ehr und
Wollust möchte verglichen werden / ob man gleich über hundert Königreiche die
Kronen auff dem Häupte trüge. Der Dänische König hatte dieser Christlichen Rede
keine Empfindligkeit / sondern schätzete es vor einen eingebildeten Wahn /
dessen rechten Grund zuerforschen ihm dannoch etlicher massen anlag; wollte aber
sichs gegen König Henrich nicht merken lassen / sondern nahm vor / von seinem
Sohn sich hernähst dessen zuerkunden / welches doch etliche Jahr verbliebe /uñ
er kurz vor seinem Lebens Ende von demselben zum Christentuhm gebracht ward.
Unter diesem und anderen Gesprächen ging das Ringelrennen beiderseits eiferig
fort / und zwar an der Ritter Seite so viel heftiger / weil daselbst ein
dreidoppeltes Gestelle neben einander auffgerichtet / und drei Ringe zugleich
angehänget wahren / dass allemahl ihrer drei zugleich rennen kunten / und funden
sich über hundert und sechzig Ritter / mehrenteils Grafen und Herrn Standes bei
dieser Ubung / welche biss an den späten Abend anhielt. An Fürstlicher Seite
schämete sich König Mnata sehr / dass er in der Jugend dieser Ubung nit
fleissiger obgelegen wahr / dann er wahr gegen die anderen kaum ein Lehr Schüler
zurechnen /dass er endlich das Stechen gar angab / und auff sich selbst zürnete /
dass er als ein unerfahrner sich darzu hatte bereden lassen. Als der Sonnen
Untergang dem Spiel sein Ende gab / traten die jungen Fürstinnen /Klara und
Schulda an Fürstlicher Seite hervor / lieferten Herkules und Valisken den
höchsten Preis / jedem ein Perlen Krönichen von treflicher Zierde und
Kostbarkeit / welche sie auch von ihrer Hand annahmen /aber Herkules das seine
Fürstin Schulda / und Valiska das ihre Fürstin Klara auff das Häupt setzeten /
mit bitte / ihrer stets babei zugedenken. Die Königiñen Lukrezie uñ Vanda
teilten den Rittern den erworbenen Preis aus / als Leches und Klodius / die vor
andern sich wohl gehalten hatten / und bekam jeder eine Halsskeite von 2000
Kronen. Der Abend ward nach gehaltener Mahlzeit mit tanzen und anderer Lust
zugebracht / da Baldrich seinem Bruder anzeigete / er hätte mit Siegward abrede
genommen / auff morgenden Tag in fremder Gestalt beim Stechen sich finden
zulassen / und auff ihre Schau Bühne andere zustelle /damit sie daselbst nicht
vermisset würden. Ladisla dieses hörend / erboht sich / den dritten Mann
zugeben; so kunte Herkules von ihm nicht bleiben / trat mit ein / und wurden
eins / in ganz gleicher Rüstung auffzuzihen / und sonst keinen in ihre
Gesellschaft zunehmen. Die Ritterschaft stellete sich frühzeitig gnug bei den
Schranken ein / aber keiner wollte vor den andern hinein reiten / biss die
nähesten darzu von den Richtern angemahnet wurden; Und als die meiste
Ritterschaft sich eingestellet hatte / liess Herkules einen verstelleten
Römischen Knaben hineinreiten / welcher den Richtern diese Werbung vortrug:
Hochweise und Grossansehnliche Herren; es sind vier fremde Ritter /Gebrüder /
gestern Abend spät zu ihrem Ebenteur alhie ankommen / gutes ungeschwächten Adels
/ die ohn Ruhm zumelden / zum Schimpff und Ernst sich ehmahls haben gebrauchen
lassen / uñ nach Begebenheit stärkere und schwächere angetroffen; Diese meine
Herren melden allen anwesenden Königen und Fürsten / ihre untertähnigste
gehorsamste Dienste / den Herren Richtern ihren Gruss / und alle Freundwilligkeit
an / und lassen durch mich vernehme / ob ihnen mit gänzlicher Hinterhaltung
ihres Nahmens / ein oder etliche Speere zubrechen / könne erlaubet sein /welches
sie weder aus Hochmuht noch Widersezligkeit / sondern aus andern hoch dringenden
Ursache begehren. Sie stelleten zwar gerne einen Bürgen / aber in der fremde
misstrauen sie denselben anzutreffen /und hoffen dannoch alhie so viel Glauben
zufinden /dass man sie vor redlich halten und erkennen wird /solle auch nach
geendigtem Stechen ihr Stand und Nahme gebührlich angemeldet werden / und
erbieten sich im übrigen / den Gesetzen sich gemäss zu verhalten. Die Richter
gaben nach gehaltener Unterredung zur Antwort: Wann die Grossmächtigste Königin /
Fr. Valiska sich hierzu gnädigst verstehen würde / könnte ihnen solches gleich
gelten / deren Antwort zuerwarten stünde. Weil nun diese alles angehöret hatte /
liess sie durch einen Knaben anzeigen / sie bedankete sich wegen des angetragenen
Grusses gnädigst / und dass die vier tapffere Ritter Gebrüdere diesem Stechen
beiwohnen wollten; weil dann ihnen noch zur Zeit nicht geliebete / sich kund
zugeben / sollte ihnen ihr ansuchen eingewilliget sein / mit Vorbehalt ihres
getahnen Erbietens. Auff welche Erklärung diese viere auff Apfelgrauen Rossen in
so gar einträchtigen Waffen den Einrit hielten / dass einiger Unterscheid an
ihnen nicht zuspüren wahr / ohn dass Herkules einen weissen / Ladisla einen
gelben / Baldrich einen rohten / und Siegward einen grünen Federbusch / auch
gleich solche Feldbinden führeten. Die Harnische wahren blau angelauffen / mit
kleinen güldenen Striemen; jeder hatte im Schilde vier neben einander stehende
Löuen / mit dieser Umschrifft: Fratrum Concordiâ nihil fortius. Nichts ist so
stark / als die brüdeliche Einigkeit. Sie sprengeten so freudig / und mit so
höflicher Art zu den Schranken ein / dass jederman die Augen auff sie warff / und
ihre geschikliche Rittermässigkeit nicht gnug loben kunte. Gegen Königin Baliska
über nahmen sie Stand / und erzeigeten sich überaus ehrerbietig gegen dieselbe /
mit halbverschlossenen Helmen / dass sie nicht unterlassen kunte / ihr Guk
Fenster auffzumachen / und mit Neigung des Häuptes ihnen ihre gute Gewogenheit
erkennen zugeben; welches auch Königin Sophia / die neben ihr stund / mit
verrichtete. Auff ihren Einzug fand sich noch mannicher Ritter in den Schranken
an / die sonst nicht willens waren / mit zustechen / dass ihre Anzahl sich auff
250 belief. König Mnata / Olaff / Arbianes / Markomir und Fabius eiferten über
diese vier Brüder / liessen ihre guten Reitarnische holen / und begaben sich in
die Schranken; und weil sie nicht wollten erkennet sein / liessen sie Königin
Valisken ihre Nahmen schrifftlich einreichen. Herkules sah sie hinein zihen /
zeigete es seinen Gesellen an / und erkennete sie / ausser Mnata und Markomir /
bei ihrem reiten / wünschete auch dass sie vor dissmahl ihren Ehrgeiz gesparet
hätten / und beredete sich mit den seinen / ihnen keine Ursach der Ausfoderung
zugeben / und alle Gelegenheit ihrer Handwechselung zumeiden. Anfangs tahten
sich vier ansehnliche Pannonier hervor / liessen die vier Gebrüder auff ein
Speerbrechen ersuchen / und mussten die mit Herkules und Ladisla traffen / im
ersten Ritte die Erde küssen; Baldrich aber und Siegward wurden mit den ihren im
andern Satze fertig. Mnata wunderte sich zum höchsten / dass der / so mit
Herkules stach / so leicht gesellet wahr / massen er gegen Olaff bekennete / er
würde unter die Handfestesten Ritter gerechnet /als der mannichem Ritter
angesieget hätte. Vier andere setzeten sich auff die Bahn / den Unfal ihrer
Landsleute zuverbessern / und traff der / so gestriges Tages den ersten Preis
mit davon gebracht / auff Herkules /hielt auch den Stoss redlich aus / und
brachte den seinen sehr wohl und geschiklich an / dz Herkules gestund / ihm währe
die gestrige Ehre nicht unbillich zu teile worden; aber im andern Gange musste er
/ wie ungerne auch / herunter springen / welches ihn über die masse heftig
verdross; dann er sah / dass sein Obsieger dessen von jedermännig gepreiset ward.
Ladisla hatte seinen schon im ersten Treffen nidergeworffen /aber Baldrich und
Siegward mussten den dritten Saz wagen / da es ihnen nach Willen fugete. Noch
kunten sie nicht unangefochten bleiben / dann ein sehr starker Dähne / der sich
gestern nicht hatte brauchen wollen /foderte Herkules auff ein Speer / setzete
auch mit solcher Krafft auff ihn / dass Olaff / der ihn kennete / zu seiner
Gesellschaft sagete: Dafern dieser des Streits erliegen würde / wüste er dem
Obsieger keinen festeren Stecher entgegen zustellen; nicht desto weniger warff
ihn Herkules mit samt dem Pferde über und über; weil er aber im Sattel sich fest
hielt / ward ihm auff begehren der ander Rit gerne verwilliget / in welchem er
dergestalt ausgehoben ward / dass ihm im falle die Waffenriemen zersprungen / und
er ohmächtig von dem Platze getragen ward. Ladisla bekam einen Teutschen zum
Ausfoderer / der ihm zween Stösse aushielt / und im dritten rüklings absitzen
musste /wie dann Baldrich und Siegward mit gleichmässigem Verfolge obsiegeten /
jener einem Schweden / und dieser einem Wenden. Alle Zuseher verwunderte sich
der treflichen Manheit dieser vier Brüder / welche alle mahl die Ordnung hielten
/ dass der mit der weissen Feder / oben an / nähest ihm der mit der gelben /
drittens mit der rohten / und unterst mit der grünen sich stellete / und
meinten die Zuseher / es geschähe ihres unterschiedlichen Alters halben. Fabius
begunte seine Gesellschaft schon zuvermahnen / ob nit schier Zeit währe / sich
mit diesen tapfferen Brüdern zuversuchen; aber Olaff hielt vor rahtsam / dass
mans vorerst mit andern wagete / damit sie auch zuvor einen Nahmen erhielten da
es irgend gegen diese missglücken sollte; stelleten sich demnach auff die Bahn /
und traffen mit vier Böhmen und einem Wenden / da Olaff mit seinem Manne im
ersten; Fabius im andern; Markomir auch im andern; Arbianes und Mnata im dritten
Stosse fertig wurden / welches den vier Brüdern nicht unangenehm wahr /
insonderheit als sie bald darauff zween Friesen / einen Schweden und zween Dänen
/im andern Treffen niderwurffen. Drittens wurden sie aber ausgefodert von zween
Teutschen und dreien Franken / da Fabius und ein Teutscher in dreien Treffen
sich umsonst bemüheten / den Sieg zuerhalte /wiewol sie im lezten schier beide
absatteln müssen. Arbianes entielt sich des Falles bloss durch Behendigkeit / da
er seinen Gegener einen Franken herunter warff. Mnata ward von einem Teutschen
im dritten Satze mit samt dem Pferde in den Sand gelegt. Markomir erlegete
seinen Gegenstecher einen Franken im dritten Treffen. Aber Olaff ward mit den
seinen bald anfangs fertig. Die vermeinten vier Brüder fingen von neuen an /
ihre Pferde zu tummeln / ehe dieser Streit geendiget war / damit sie von diesen
ihren Freunden nicht angegriffen würden / und stellete Herr Bertram nebest
Leches / Neda und Klodius sich gegen sie / hatten sich auch verbunden / alle
Krafft anzuwenden / ob ihnen gelingen möchte. Unsern vieren wahr dieses zwar
nicht so gar angenehm / jedoch mussten sie ehrenhalben sich finden lassen. Es
traff aber Herkules zweimahl auff Bertram / und machete ihn im andern Angriffe
Stegereiffloss / der Hoffnung / er würde sich des dritten entalten; weil er aber
auff denselben drang / ward er gewehret / und mit samt dem Pferde unsanft genug
nidergeworffen; welches König Henrich sehend / sich verwunderte / wer diesen
Handfesten Ritter gestürzet hätte. Ladisla musste seinem geträuen Leches begegnen
/ der ihm den ersten Stoss ritterlich aushielt / und weil ihm sein König im
vorüberrennen einen Wink gab / kante er ihn / und wollte weiter nicht treffen.
Baldrich aber hatte Mühe gnug / den festen Neda im dritten ritte zu fellen /
welcher doch sein Speer ritterlich brach / also taht auch Klodius sein äusserste
/ dass Siegward ihn rühmen must / ging aber auch von dem dritten Stosse über und
über. Als Fabius solchen Unfal sah / und dass Leches weiter nicht anhielt /
geriet er in zweifel / ob nicht Herkules und Ladisla unter diesen Stechern
währen / durfte sich doch dessen gegen seine Mitgesellen nicht merken lassen /
aus Furcht / er würde ihnen verdriess erzeigen / weil er leicht zu urteilen hatte
/ sie wollten unerkennet sein; Olaf aber reizete gewaltig zu / es währe hohe Zeit
/ ihnen das Speer zu bieten / weil der Sieg löblich / und die Niederlage nicht
schimpflich sein könnte / angesehen der grossen Mannheit / welche diese Brüder
hätten spüren lassen. Mnata hatte wenig belieben darzu / und ob gleich Arbianes
sagete / er hätte sich schon auff eine Wagnis geschikt / auch Markomir sich
vernehmen liess / er wollte nicht länger zu Pferde bleiben / als dieser Brüder
einer es ihm gönnen würde / so suchete doch Fabius Ursach / es aufzuschieben /
einwendend / er trüge belieben / erst noch einmal seine Arme gegen andere
zugebrauchen; aber es fiel ganz unverhoffet eine gewünschete Verhinderung
dazwischen / gleich als Bertram und Neda ihren Gesellen Leches zu Rede stelleten
/ warumb er das Stechen nicht fortgesetzet hätte / welches ihm von manniche zur
Zagheit dürfte gerechnet werden; er aber zur Antwort gab / wann nach des
Stechens endigung er dessen nicht gnug gültige Ursachen würde einführen können /
welche sie selbst billichen müsten / alsdann wollte er Zeit seines lebens vor
einen Verzageten gehalten sein. Bei dieser Unterredung / sage ich / kam ein
ansehnlicher Ritter eilend herzu gerennet / der sich mit acht Rittern
vergeselschaftet hatte / schickete auch behende einen zierlichen Römischen
Knaben auff einem kleinen Zelter in die Schranken / welcher in güldenem Gewande
gekleidet wahr / und mit artiger Ausrede dieses in Lateinischer Sprache vortrug:
Hochweise ansehnliche Herren Richter dieses treflichen Speer brechens; mein
gnädiger / dieses Orts unbekanter Herr / nähst anerbietung seiner Dienste /
Grusses und Freund willigkeit / hoffet nicht allein eure gute Gewogenheit /
sondern vorab der gegenwärtigen Grossmächtigsten Königen und Königinnen / dann
auch der Durchleuchtigsten Fürsten und Fürstinnen / und zugleich der
hochansehnlichen sämtlichen Ritterschaft / nach gebühr gnädigste und günstige
Vergebung / seines fast unzeitigen und späten vornehmens / und lässet durch mich
nachfragen / ob ihm und seinen acht Gefärten gutes Adels vergönnet sein könne /
in die Schranken zu reiten /mit der Bedingung / dass vor endigung des
Speerbrechens sie nicht genöhtiget werden / ihren Nahmen zu melden / als dann
geloben sie / den übrigen Satzungen gemäss zu leben. Die Richter bedanketen sich
des angetragenen Grusses / und verwiesen dz übrige an Königin Valisken / welche
nicht anders meinte / als dass ihr Herkules vor den Schranken hielte / welches
sie zwar ungerne sah / und ihm solches doch nicht wegern durfte; liess demnach
durch einen Knaben diese Antwort geben; Dem fremden Herrn und seinen Gefärten
sollten auff ansuchen und erbieten / die Schranken ungewegert sein / wiewol man
lieber gesehen hätte / dass sie etwas zeitiger währen zugegen gewesen. Worauff
der Fremde sich bedachte / ob er einzihen oder zurück bleiben sollte; doch weil
die seinen /als welche Ehre zuerwerben hoffeten / ihn fleissig anmahneten /
ritte er in seiner Pracht hinein. Er hatte einen ganz vergüldeten Harnisch an;
sein Pferd wahr schneweiss / mit einer kostbaren Decke von der aller reinesten
Seide gelber farbe behänget / auff welcher eine gute anzahl Morgenländischer
Perlen geheftet wahren; das Gebiss wahr von klarem Golde / und der Zaum starrete
von Demanten; die Steifbügel wahren ganz gülden / mit Rubinen und Schmaragden
eingeleget / und der Sattel gelbe / mit gleichen Steinen gezieret; das Schwert
führete er in einem gelben Feldzeichen / mit Perlen gesticket. Im Schilde stund
Königin Valisken Ebenbild / die einen nidergeworffenen Löuen mit Füssen trat /
dabei diese Umbschrifft: Virgo Bohemica Leonem Particum domuit. Das Böhmische
Fräulein hat den Partischen Löuen gezähmet. Auff dem Helme stund dieses
gekrönete Königin Balisken ehemahlige Zeichen / in Gold schwarz eingeetzet /und
ein Täflein daneben / darauff diese Worte: Post Luctum Gaudia. Freude nach Leid.
Er sprengete vor seinen Gefärten her / neigete sich gegen Königin Valisken sehr
demütig / und durch seine herzhafte Geberden gab er gnug zuverstehen / dass er
noch wohl ein Treffen mit wagen dürfte; ritte hernach zu der auffgehengten Taffel
/ und durch deren berührung gab er zuvernehme / dass er sich den Satzungen gemäss
verhalten wollte. Seine acht Gefärten folgeten ihm von ferne / und setzeten sich
mit ihm an einen absonderlichen Ort / wehrete auch nicht lange / dass neun
Pannonier sich ihm entgegen stelleten / deren der fremde Herr seinen Mann im
ersten Treffen niderlegete / und ging es den übrigen im andern und dritten ritte
gleich also. Neun andere / teils Böhmen / teils Friesen / funden sich an der
gefelleten Platz / aber sie wurden mehrenteils im ersten gange abgestossen / und
die übrigen im anderen / so dass Herkules an diesem Wolverhalten grosses belieben
trug / taht auch seinen Gesellen den Vorschlag / er wollte Leches Neda / Bertram
/ Prinsla und Wilhelm in seine Gesellschaft nehmen / und alsdañ mit diesen
fremden es wagen. Diese fünffe wurden alsbald herzu gefodert / und hermeten sich
nicht wenig / dass sie wieder ihre Herren das Speer gerichtet hätten / wahren
dannoch sehr froh / dass sie von keinen andern gefället wahren / preiseten Leches
wegen der frühzeitigen Erkäntnis glückselig / und stelleten sich als ohngefehr
hinter Herkules / da inzwischen drei Teutsche / zween Franken / drei Schweden
und ein Dähne sich an die Fremden macheten / und im ersten Treffen sich alle
miteinander wolhielten / wiewol sie im andern gange alle neun herunter mussten /
da von den Fremden ihrer drei mit absattelten / wiewol sie alle ihre Speer
redlich gebrochen hatten / daher Herkules die seinen vermahnete / gute Aufsicht
auff sich selbst zuhaben / weil sie vor Augen sähen / dass sie es nicht mit
Kindern würden zu tuhn bekommen. Valiska hielt den fremden nunmehr eigentlich
vor ihren Herkules / und wahr in ihrem Herzen fast gewiss / dass er wegen der vier
Brüder Wolverhalten sich hätte bewägen lassen / ihre Kräfte zu prüfen / da
dieser Fremde sich noch mit etlichen einzelnen versuchete / und sie glücklich
herunter warff / daher wollte Herkules sich auch sehen lassen / und foderte einen
ansehnlichen starken Goten aus / der sich schon wohl gebraucht hatte / und
dieser Ehre sich hoch erfreuete /ihm auch zween gewaltige Püffe aushielt / aber
doch zum drittenmahl einen / wiewol sehr unwillige Sprung nehmen musste; und ob
zwar ein ander handfester Gohte es zu rächen meinte / lief doch dessen Pferd im
andern Satze ohn seinen Reuter davon. Der Fremde hatte inzwischen ein wenig
geruhet / und wahr von den seinen verständiget / was gestalt die vier Brüder
ihre Anzahl ihnen gleich gemacht hätten /ohnzweifel mit ihnen anzubinden /
welches er gerne hörete / und sich ihnen als bald entgegen setzete. Aller
anwesenden Augen wahren auff diese beide Häuflein gerichtet / die sich in
Ordnung stelleten /und durch hurtige sprengung ihrer Pferde zuverstehen gaben /
dass sie zum Treffen unerschrocken währen. Herkules bekam den Vornehmsten zum
Gegener / und traff mit ihm sehr ernstlich / so dass dieser schon im erstenmahl
zu wanken begunte; dessen Valiska nicht wenig erschrak / welche diesen Fremden
sich so gar vor Herkules eingebildet hatte / dass sie zu keinen anderen Gedanken
greiffen kunte / insonderheit / als sie sein Schild und Helm-Zeichen sah /
deswegen sie des andern rittes sich sehr bekümmerte / und wenig fehlete / sie
hätte überlaut geschrihen / als sie gewahr ward / dass er von jenem vier Bruder
dergestalt getroffen ward / dass er das übrige seines zubrochenen Speers fallen
liess / und an seines Pferdes Mähne sich halten musste / dessen er sich nicht
wenig schämete /und wünschete / er währe über hundert Meile davon /dann er
meinte nicht anders / als Herkules stünde auff seiner Schau-Bühne / und würde
ihn nach erkennung vor einen ohmächtigen Ritter halten / daher er den dritten
Strauss wagete / und sein Verbrechen einbringen / oder gar verspielen wollte;
welches lezte auch erfolgete / dañ er ward dergestalt getroffen / dass er über
und über ging / und doch keinen Schaden nam / wiewol Herkules Pferd wegen
grosser bemühung schier auff den Kopf gestürzet währe / wie es dann durch
verrenkung eines Hinter-schenkels zum weitern Gebrauch undüchtig ward / dass er
ihm ein anders musste zuführen lassen. Des Fremden Gefärten hielten sich sehr
wohl; dann Ladisla erlegete seinen Mañ im dritten Treffen / mit solcher Mühe /
dass er selbstschier hätte mit springen müssen. Baldrich musste seinen Gegener in
allen dreien Treffen fest sitzen lassen /und hätte er selbst im lezten schier
den kürzern gezogen. Siegward stürzete mit seinem Pferde / als er seinen
Gegenkämpfer durch den dritten Stoss hatte herunter geworffen. Leches und sein
Mañ gingen beiderseits im andern ritte zu Bodem; Neda verlohr im dritten beide
Stegreiff / aber sein Bestreiter musste mit samt dem Pferde stürzen. Prinsla ward
im dritten gange gefellet / und blieb der so ihn herunter stach /fest sitzen.
Bertram und sein Gegener hielten einer dem andern die Stange redlich; aber
Wilhelm und sein Gegenstecher stissen sich mit den Leibern / dass sie beide das
Mass auff der Erde nahmen. Herkules verwunderte sich dieser ritterlichen
Gesellschaft dergleichen ihm nie vorkommen wahr / Fabius kunte nicht aussiñen /
wer sie sein möchten / uñ merkete an des vornehmsten Schilde doch / dass sie
bekannte wahren. Dieser hatte sich schon wieder zu Pferde gesetzet /des Vorhabens
/ mit dem andern vier-Bruder es auch zu wagen; aber Olaf / dem sein Herz brante
/ Ehre an ihm zuerstreiten / setzete sich ihm entgegen / traff auch dergestalt
mit ihm / dass ihnen beiderseits das Herz puffete / wiewol sie unbewäglich sitzen
blieben /und den Wahn geriet / es würde Leches sein. Im andern Satze gebrauchten
sie sich gewaltiger / dass nicht allein ihre Speere in die Luft flogen / sonder
sie beiderseits zimlich wanketen / und der Dänische König seines Sohns
Rittermässigkeit (welchen er doch dazumahl nicht kennete) sehr lobete. Im
dritten Treffen aber gingen sie beide mit samt den Pferden in den Sand liegen /
und wahr zuverwundern / dass der fremde das Genik nicht zubrach / massen seine
Gefärten ihm dass Pferd vom Leibe heben mussten / welchem der linke
hinter-Schenkel rein abgebrochen wahr. Nun wollte Fabius seiner Gesellen einen
auch prüffen / und foderte den ansehnlichsten aus; aber im dritten Gange musste
er springen; des Herkules leidig wahr / und seinen Fal dergestalt rächete / dass
diesem Obsieger im andern Treffen / da er zur Erden stürzete / der rechte Arm
verrenket ward. Die anderen Anwesende Ritter wollten nicht müssige Zuseher sein /
und fingen in so grosser Menge das Stechen an / dass ihnen die sehr weite Bahn
kaum Raum genug gab / und liess Arbianes sich hieselbst dergestalt gebrauchen /
dass er in 15 Ritten / neun ansehnliche Ritter niderlegete. Baldrich und Siegward
/ wie auch Fabius / gebraucheten sich nicht minder / aber Herkules und Ladisla
wollten weiter ungefodert nicht stechen / darum hielt sich auch König Mnata ein;
aber der fremde Herr tummelte sich weidlich / traff auch mit Siegward / und
mussten ein ander sitzen lassen. Das Stechen verzog sich über die bestimmete Zeit
/ und ging so krauss und bund durcheinander / dass fast keine Ordnung mehr zusehen
wahr / daher auch die Richter zum Abzuge auffblasen liessen. Valiska (welche
nicht anders meinte / als dass ihr Herkules herunter gestochen währe) und mit
ihr Sophia / Lukrezie und Klara / traten herzu / die Gewinn ausszuteilen / und
liessen anfangs die beiden ersten vier-Brüder herzuruffen / deren jedem sie ihr
Brustbild an einer Demant Ketchen / von 4000 Kronen wert um den Hals warff / und
sie also anredete: Sehet da ihr trefliche uñ unüberwindliche sie greiche Ritter
/ nehmet hin den Dank eures wolverhaltens /welcher ohn einiges Richters Zweiffel
euch gebühret uñ fahret fort / allen beleidigten zu gute / eure Waffen
zugebrauchen / mit welchen ümzugehen ihr so wohl gelehret seid; ich zweifele
nicht / sie nebest ihren Brüdern / werden von ihrem Abzuge / wie eilig er auch
sein möchte / ihren Nahmen und Stand uns wissen zulassen / unbeschweret sein.
Herkules sah / dass er vor ihr nicht länger kunte verborgen sein / und sagete zu
ihr auf Medisch: Wie mein Schaz? kennet ihr mich und euren Bruder nicht mehr? es
ist aber noch nicht Zeit dass man uns kenne / sonst würden meine Mit Brüder /
Siegward und Baldrich sich bald melden. Ging hierauff mit Ladisla davon / und
liess sie in lachender Freude und Verwunderung stehen. Nach ihrem Abscheide
wurden die anderen beide vier Brüder / auch der ansehnliche fremde / und Fürst
Olaff gefodert / denen Königin Sophia den andern Dank mit diesen Worten
einhändigte: Weil eure herzhafte Tugend ihr Herrn Ritter / sich im heutigen
Steche vor vielen andern hat hervorgetahn / muss ihr der gebührliche Preis
billich bleiben; legete ihnen darauff eine güldene Kette mit ihrem Brustbilde an
/ welches mit Demanten um setzet wahr / auff 2300 Kronen wert. Den dritten Dank
ordente man Arbianes / Fabius / Leches / Betram / und zween aus des fremden
Herrn Gesellschaft zu; nehmlich den ersten dreien eine güldene Kette / mit
Königin Lukrezien Bilde / welche sie ihnen selber um den Hals warff / und jede
1800 Kronen ausstrug. Den andern dreien gad Fürstin Klara ein gleichmässiges
Geschenk mit ihrem Brustbilde / und erinnerte sie die Fremden ihrer Schuldigkeit
eingedenk zusein / uñ vor dem Abzuge sich zunennen. Worauff der fremde Herr sich
gegen Königin Valisken tieff neigete / zog seinen Helm ab / und setzete sich vor
ihr auff ein Knie / in Meinung / nach geleistetem Hand Kusse seinen Gruss
abzulegen; weil sie ihn aber alsbald vor Fürst Pharnabazus von Susa kennete /
hub sie ihn geschwinde auff / umfing ihn mit beiden Armen auffs freundlichste /
und sagete zu ihm: Mein in Ehren herzgeliebeter Herr Bruder und wahrer Freund /
hat eure Liebe die beschwerliche Reise auff sich genommen / uns zubesuchen / so
gibt er dadurch seine hohe Gewogenheit mehr als zu viel an den Tag; will ja nicht
hoffen / dass einige Noht oder Gefahr denselben hieher getrieben hat / auff
welchen Fall wir dann weder Mühe noch Völker zu der der Hochfürstlichen
Verbündnis Dienste sparen werden. Er aber gab zur Antwort; seine Ankunft währe
aus keiner andern Ursach / als bloss aus Getrieb seiner herzlichen und
untertähnigen Neigung geschehen / mit welcher er ihrer Königl. Hocheit / auch
dero Herren Gemahl und Bruder zugetahn uñ verbunden währe. Die vermeinte Gefahr
hätte nichts auff sich / massen des Feindes Macht dergestalt geschwächet währe /
dass er sich in seinen Festungen einschliessen müste / wovon er zu gelegener Zeit
Bericht tuhn wollte. Nun erblickete Fabius ohn gefehr dieses bekannte Angesicht /
sprengete hin zu Arbianes / und sagete; Herr Bruder sein Oheim Fürst Pharnabazus
ist der fremde Herr mit Königin Valisken Bildnis / welchen ohn Zweiffel die hohe
Begierde nach den beiden Helden hieher getrieben hat. Dieser wollte es vor
Freuden kaum gläuben; weil aber Ladisla seinen geträuen Tyriotes / Obristen
Bubazes und den Teutschen Wedekind mit entblösseten Häuptern stehen sah /
gedachte er alsobald / Pharnabazus würde verhanden sein / daher er zu Herkules
sagete; gilt Bruder / du hast heut mit unserm Freunde Pharnabazus gestochen. Mit
diesem Worte kam Fabius herzu / und machte Leches / was er gesehen hatte /
zuwissen; welches Herkules bewågete / sich diesem nicht allein zuerkennen
zugeben / sondern ritte mit seiner ganzen Gesellschaft hinzu / fand die Warheit
/ vergass seiner Verstellung / und nach abgezogenem Helme trat er hin / und hiess
ihn mit einem brüderlichen umfahen sehr wilkommen sein; hernach baht er umb
Verzeihung / dass er / wiewol unwissend / wider ihn gestochen hätte. Dieser
freuete sich von ganzem Herzen / dass kein ander als Herkules sein Obsieger wahr
/ erzeigete ihm grosse Ehre / und entschuldigte sich /dz er ihn an seinem
ritterlichen und unvergleichlichen Verhalten nicht bald anfangs erkennet hätte /
welches nur die gemeine Sage verhindert / dass die Könige Herkules und Ladisla
auff ihrer SchauBühne sich hielten; legete sichs hernach zum sonderlichen Glük
aus / dass er noch die Ehre gehabt / mit dem trefflichen Ritter der Welt ein
Speer zubrechen / von dem jederman überwunden zuwerden / sich fast schuldig
erkennete. Herkules wollte seiner Höfligkeit länger nicht zuhören / liess Ladisla
hinzu treten / ihn zuempfahen /und hiess inzwischen Bubazes und die übrigen /
unter dem Nahmen seiner Freunde und Spiessgesellen sehr wilkommen sein / mit dem
erbieten / ihnen die Mühe ihrer getahnen Reise nach Vermögen zuersetzen; hernach
begab er sich wieder zu Pferde / ritten des Weges nach dem Schloss zu / und
musste Pharnabazus wider seinen Willen zwischen Herkules und Ladisla reiten.
Valiska folgete mit dem andern Frauenzimmer ihnen auff dem Fusse nach in ihrer
schönen Gutsche / welche sie zu Persepolis empfangen hatte / und als sie nicht
weit geritten wahren / begegnete ihnen Mazeus mit 50 Reutern / welchem Herkules
entgegen sprengete / ihn zu Pferde umfing / und zu ihm sagete: Mein
allerliebster Herr und wahrer Freund / ich weiss fast nicht / ob ich zu Prag oder
zu Persepolis mich befinde / so unvermuhtlich ist wir die Gegenwart meiner
geliebten Herren und Freunde. Mazeus wollte mit vielen Umschweiffen / seiner
Wolberedsamkeit nach /antworten / aber Herkules sagete / nach gehaltener
Mahlzeit würde es gelegener sein; ritten demnach mit einander fort / und sahen
zur Seiten einen treflichen ausgeputzeten Elefanten / dessen Valiska zu
allererst gewahr wurde / und leicht gedachte / es würden etliche Morgenländische
grosse Freundinnen sich darauff befinden / daher sie ihre Gutsche dahin wendete
/ und die Medische Grossfürstin Saptina; Roxanen / Mazeus Gemahl; Barsenen /
Pharnabazus Gemahl / uñ ihre geträue Kleofis herunter steigen sah / deren samt
und sonders sie sich nit wenig freuete / und mit Fürstin Klaren alsbald aus der
Gutsche sprang / sie zuumfahen. Ihre Unterredung wegen Mangel der Zeit /wahr
kurz / und dass sie solches gleichwol gebührlich verrichten möchten / stiegen sie
mit einander auff den Elefanten / da Saptina ihre Schnuhr Fürstin Klaren
herzlich umfing / und sich aller mütterlichen Liebe und Freundschaft erboht.
Diese bedankete sich kindlich / trug ihr allen möglichen Gehorsam hinwiederumb
auff / und liess Valiska sich zwischen ihnen als eins Dolmetscherin gebrauchen;
vernam auch mit höchster Vergnügung / dass nach Ableben des Erblosen Fürsten in
Assyrien Herrn Armametres / nunmehr Herr Mazeus mit selbigen Fürstentuhm
angesehen währe / auff dessen Todesfal / weil er keine LeibesErben hätte /
Arbianes in der Herschaft folgen sollte. Auff dem grossen Saal ging das empfahen
von neuen an / und wurden die höflichen Grüsse von Artaxerxes / Phraortes / und
den sämtlichen Bundsverwanten gebührlich abgeleget; auch erzählete Pharnabazus
nach gehaltener Mahizeit die unterschiedlichen kleinen Schlachten / welche sider
der Unsern Abzuge vorgangen wahren / in welchen der Feinde über 60000 erschlagen
/ und 40000 gefangen / auch alle Partische Besatzungen aus Kaspien / Hirkanien
und anderen Landschaften der Fürstlichen Verbündnis ausgejagt währen; kurz vor
seinem Abreisen hätten die Teutschen / Böhmen und Römer einen Streiff biss
jenseit Charas gewaget / dass sie 480 Kauffmans-Wagen / so aus Indien nach
derselben Stad gewolt / angetroffen /ihre Begleitung / 5000 stark /
niedergemacht / und die Beute zu Persepolis glücklich eingebracht; und ob ihnen
zwar unterschiedliche Völker nachgesetzet /hätten sie doch / als zu schwach /
keinen Anfal wagen dürffen; der Raub / an Barschaft / ädelsteinen / Perlen und
anderen köstlichen Waaren / hätte sich auf die 15 Million erstrecket / wovon sie
dem Persen Könige Artaxerxes den dritten Teil eingeliefert das übrige unter sich
brüderlich geteilet / und sich wohl beraspelt hätten. Betreffend des Partischen
Wüterichs Zustand / hätte derselbe über das falsche Geschrei ihres Unterganges
auff dem Syrischen Meer / sich hoch belustiget / biss ihm andere Zeitung zukommen
/ und stünde es umb denselben nunmehr ganz schlecht / würde ohn Zweifel gerne
einen billichen Vertrag eingehen / wann man wegen seiner begangenen
Grausamkeiten ihm verzeihen wollte. Fürsten Pakorus hätte ers zudanken /dass er
noch eines Königes Nahmen und Ansehen trüge / da er zuzeiten annoch seinen
auffgeblasenen Stolz und Hochmuht zimlicher massen sollte blicken lassen.
Vologeses währe bei ihm in schlechtem Ansehen / welcher sich auch des Kriegs
hätte abgetahn /und zweifelte man nicht / Pakorus würde auch endlich den Lohn
des Undanks davon tragen. Unter diesem Gespräch ward der grosse Gamaxus (welchen
sie bisher verborgen gehalten) im gewöhnlichen NarrenKleide auf den Saal
geführet / welche Herkules ersehend /zu ihm sagete: Sihe da mein Kerl / so hastu
auch noch deine Dräuungen erfüllen / und mich biss in Teutschland verfolgen
wollen / ungeachtet ich dir den ReuterSaz nach deiner Ausfoderung gehalten habe.
Die anwesende so ihn vormahls nicht gesehen / erschraken über diesem Ungeheur /
und liessen sich von Valisken berichten / wer dieser Unmensch währe; welcher
auff Herkules Rede nichts antwortete / nur dass er einen tieffen Seuffzen gehen
liess / nachdem er schon zimlich mürbe gemacht wahr. Auff der Reise wahr er
kärglich gnug gespeiset / und als Leches ihm etliche grobe Speisen vorsetzen
liess / frass er dieselben geitzig in sich / und sagete zu ihm: Mein Herr / ihr
tuht mir hieselbst bessere Freundschaft als in Persen / und O wollte Gott / dz
ich alhie entweder gnädigere Herren / oder den schleunigen Tod / wie hart er
immer währe / antreffen möchte; worüber Herkules zu Mitleiden bewäget ward / dass
er ihm von den besten Speisen aufftragen / und so viel er sauffen mochte / des
guten Weins einschenken liess; da er dann übermenschlicher weise in die 25 Pfund
allerhand niedlicher Speise /und daneben 6 Stübiche Wein einschluckete; wodurch
er die bisher geführete Schwermühtigkeit in etwas ablegete / und Herkules also
anredete: Unüberwindlicher grosser Fürst und Herr; ich bin zwar mit harten
Streichen genöhtiget worden / mich auff diese Reise zubegeben / welches mir sehr
unwillig eingangen / in Betrachtung des Spottes / der mir von unbekanten /wegen
meines ehemaligen sehr groben und unverantwortlichen Verbrechens / auffs neue
möchte angeleget werden / daher ich dann mein Leben auff dem Meer gerne würde
geendiget haben / wann man mich nicht so fest an die Ruderbank geschlossen
hätte; Nachdem ich aber viel eine grössere Gnade alhier antreffe / als ich mir
einbilden können / so zweiffele ich nicht /Eure Hocheit werde den über mich
gefasseten heftigen und gerechten Zorn gnädigst miltern / und durch mein Elende
sich bewägen lassen / ihre so hochgepreisete Barmherzigkeit mir mitzuteilen;
bitte demnach durch denselben starken Gott / welcher Eurer Hocheit mich
überliefert hat / demühtig und unterlähnigst / dieselbe wolle mir ferner Gnade
erzeigen / uñ der Beschimpffung der nicht-werten Knaben mich entreissen /
alsdann bin ich erböhtig / alles dasselbe gehorsamst zuleisten / was Eure Gn.
von mir begehret und haben will. Herkules antwortete ihm: Ich hätte dir diesen
Geist / der dich anjezt unterrichtet / wohl zu jener Zeit wünschen mögen /
welches dir sehr vorträglich würde gewesen sein / und ist mir lieb / dz du nicht
allein in der DemuhtSchuele schon zimlich zugenommen / sondern auch meines
Gottes Almacht erkennet hast / weiss dir aber auff deine Bitte nichts gewisses
zuverspreche / ohn dass ich an den Medischen GrossFürsten schreiben / und eine
Vorbitte vor dich einlege will / weil ich über dich nicht zugebieten habe.
Grossfürstin Saptina zeigete an / ihr Gemahl hätte ihn ausdrüklich mit
übergeschikt / dass er seiner Hocheit vor leibeigen wieder sollte eingeliefert
werden / als eine Gedächtnis ihrer herrlichen überwindung. Als Königin Valiska
solches vernam / fragete sie Gamaxus / ob ihm dann vorerst seine Gotteslästerung
/ hernach sein begangener Frevel von ganzem Herzen leid währe. Worauff er
antwortete: Es währe ihm beides von Herzen leid / bähte auch untertähnigst /
ihre Hocheit wollten ihm ein kräftiges Wort zum besten verleihen; Er hätte bisher
so viel Spot und Streiche erduldet / dz ihm der Hochmuht allerdinge ausgetrieben
währe. Ich weiss nicht / sagete Valiska / ob du nach diesem so standhaftig dich
im guten / als ehmahls im bösen erzeigen könnest / und nach meiner Vorbitte es
mir nicht ginge / als jenem frommen einfältigen Bauern / welcher einer in der
Höhle versperreten Schlange / durch Mitleiden bewogen / aushalff /die ihn
hernach umbringen wollte. Solche Falscheit /antwortete Gamaxus / hat nie in
meinem Herzen Raum finden können / sonsten wollte ich mich des Schmeichels
frühzeitig beflissen / und mannichem Elende mich entzogen haben; Versichere
demnach Eure Hocheit bei der höchsten Krafft des Himmels /dass ich mich aller
Untugend entalten / und in bäurischer Arbeit mein Brod gerne verdienen will /
als viel meine gekrümmeten Arme und Beine es vermögen. Ich werde es mit dir
versuchen / sagte Herkules / und nach Befindung deines Verhaltens mich wissen
zubezeigen; welches der elende Mensch mit grosser Herzensfreude annam / und vor
dem Tische als einer der geringsten Diener auffwartete. Des folgenden Tages
kahmen 124 beladene Wagen an mit allerhand herrlichen Sachen und Barschaften /
welche Pharnabazus folgender gestalt austeilete: Königin Valiska empfing im
Nahmen der vereinigten Fürsten 30 Wagen / auff welchen 40 Tonnen Goldes an ädeln
Steinen / Perlen /Golde / Gewürz und köstlichen Tüchern wahren; und noch 20
Wagen von den Persischen / Teutschen und Böhmischen KriegsObersten / welche 20
Tonnen Schaz an Geld und Gut geladen hatten. Könige Herkules und Ladisla
lieferte er 60 Wagen von den vereinigten Fürsten / beladen mit köstlichem Gewehr
/Harnischen / Schwertern / Hand Bogen / Pferde Zeuge / güldenen Huefeisen /
Steiffbügeln und Gebissen /gestikten Satteln / und jedem ein sehr grosses
Trinkgeschir aus klarem Golde / mit Demanten besetzet /alles geschätzet auff 40
Tonnen Goldes. Und endlich Valisken noch 12 Wagen / welche 15 Tonnen Goldes /
als fünffjährige Schatzung wegen des Fürstentuhms Susiana brachten; Uber welche
vielfältige Schenkungen die unsern sich höchlich beschwereten. Auch lieferte
Fürstin Saptina ihrer Schwieger Tochter den treflich geschmükten Elefanten / im
Nahmen ihres Gemahls Phraortes / und von wegen Königes Artaxerxes von Waaren /
Kleinoten / Perlen / Gewürz und Barschaften auff 10 Tonnen Goldes. Hernach kam
die Gesellschaft auff das ergangene Stechen zureden / und gelobete Valiska ihrem
Herkules / weil er sie dergestalt auffgetrieben hätte / und seinen Nahmen ihr
nicht melden wollen / würde sie nicht ruhen / ehe und bevor ihm ein gleiches
angebracht währe / worzu sie dann schon gute Mittel wüste / wie lange sichs auch
verzihen würde. Unter dieser Beredung empfing König Mnata ein Schreiben von
Mastyes seinem hinetrlassenen Statalter / wie dass des erhenketen Dropions
Bruder Pines / sich seiner Leibeigenschaft lossgemacht / und in elender Gestalt
auff den Grenzen des Königreichs angelanget währe; hätte sich aber daselbst
ritterlich ausgerüstet / und wie man sagete /nach erfahrung des schmälichen
Todes seines Bruders / etliche Schmachreden wieder den König und dessen jetzige
Bedieneten ausgestossen / worüber er ihn beim Kopfe nehmen lassen / und ihrer
Königl. Hocheit zusenden wollen; zweifelte nit / dafern er losskommen und im
Königreiche geduldet werden sollte / würde er nicht unterlassen / Dropions
überbliebene wieder auffzuwecken / und das Reich in neue Unruhe zustürzen. Mnata
verwunderte sich dieser Zeittung sehr / so dz er unter dem lesen die Farbe
etlichemahl verenderte / daher des Schreibens wichtigkeit wohl vernommen ward /
und Valiska sich nicht erhalten kunte nachzufrage / ob es auch in seinem
Königreiche wohl stünde /deren er zur Antwort gab: Er bedankete sich gegen ihre
Liebe der geträuen Vorsorge / und ginge daheim noch alles wohl zu / nur dass man
ein unvermuhtliches selzames Wild in seinem Lande gefangen / und ihm
zugeschicket hätte / welches er König Herkules als eigen übergeben und zuführen
lassen wollte / ob ers vielleicht kennen möchte / weil ihrer Liebe der Königin
damit gar nicht gedienet währe. Erteilete darauff den Befehl / und liess alle
Anwesende in verwunderlicher Begierde / was Wild dieses sein möchte. So bald der
Unhold an seinen schweren Ketten in den Saal geführet ward / und Herkules ihn
sah / sagte er zu ihm: Wie nun zum Henker? wie schmäcket dir verwägenen das
Brod nicht so wohl auff der See / als auff dem Troknen / dass du / wie ich
gänzlich muhtmasse /durch eine frische Untaht dich von der Ruderbank hinweg
gestohlen / und Pannonien wieder gesuchet hast? erkeñe doch nun dereins / dass
des allerhöchsten Gottes Rache allentalben hinter dir her ist / so dass du von
neuen in deiner eigenen Heimat mit Ketten must belegt werden / woselbst du am
allersichersten zu sein / dir eingebildet hattest. So bekenne mir nun gutwillig
/ auff was Weise du los kommen bist / weil ich ohndas die Warheit von Rom
alsbald erfahren /und da ich dich auff Lügen betreffe / gebührlich straffen
werde. Der Gefangene / nach ausgehohletem schweren Seufzen / antwortete ihm: Ich
unseliger mag wohl klagen / dass das verfluchte Glük mir den Rücken zugekehret /
und nach ehemaligem wolergehen mich in die tiefste Pfütze aller Wiederwertigkeit
gestürzet hat; und rechne mir nicht vor das schlechteste Unglück / dass mein
ehemahls gnädigst-gewogener König und Landes Herr / ohn alles mein Verbrechen
mir Ungnade zugeworffen / ungeachtet vor seine Hocheit und des Landes Wolfahrt
ich mich willig gewaget / und in diesen leidigen Stand gerahten bin / dem ich
durch meine Vorsichtigkeit allerdinge meinte entgangen sein. Warumb trage ich
diese Ketten? König Mnata /eure Hocheit frage ich; warumb schleppet man mich als
einen Ubeltähter gefangen? geschihets irgend meines Bruders wegen? je hat
derselbe missgehandelt /mus ja mir unschuldigen solches nicht zugeleget werden;
und hat er / meine ich / durch einen zuvor unerhörten schändlichen Tod sein
Verbrechen bezahlen können. Zwar König Herkules hat Ursach / mich zu
rechtfärtigen / aber nicht König Mnata / mich ihm zu übergeben / wo er sonst
nicht das Ziel der billichen Belohnung übertreten will. Man leget mir zu / ich
habe wieder den König geredet. Ich leugne es beständig /und ist allerdinge
unerweisslich / nur etliche Worte sind mir aus hohem mitleiden entfahren / als
ich den elenden Zustand meines geliebeten Vaterlandes gesehen habe / welche
meine Wiederwertigen / so vielleicht eine falsche Sorge tragen / durch ungleiche
Auslegung mir verkehren / und dadurch meinen König wieder mich auffmachen. Ich
bin in mein Vaterland verstohlner weise kommen / habe gemeinet dasselbe in
seinem ehemaligen guten Zustande wieder zu finden / aber leider da ich kaum den
ersten Fuss hinein gesezt hatte / solch klagen / seufzen / winseln und jammern
gehöret / dass ich vor Angst meinte zuvergehen. Ich fragete / ob dann alle
wehrhafte Mañschaft durch den Donner vom Himmel herab erschlagen / oder durch
eine algemeine Seuche nidergefallen währe; und vernam aus der Antwort / dass eben
der Bliz meinen König / und seine drei grosse Kriegsheer getroffen / durch
welchen ich und meine kleine Gesellschaft vor Padua versenget sind / ehe wirs
noch recht empfunden. Nun sehe ich aber / den Göttern sei dank / dass mein König
alhie Königlich gehalten wird / welches mich in diesem meinem Unglück ja noch
ergetzet / weil Königliche Pannonische Hocheit noch nicht gar unter die Füsse
getreten ist. Ey so mag dann mein Bruder immerhin am Galgen verdorren / wann nur
mein König lebendig und ein König bleibet. Ja ich will diese meine Ketten lieber
tragen /weil mein König ein König bleibet / als ohn Ketten in Freiheit ansehen /
dass mein König sollte verächtlich gehalten werden; und wann mich jemand eines
andern überzeugen wird / will ich gerne und willig grössere Straffen über mich
nehmen / als ich eine geraume Zeit auff dem Schiffe schon erduldet habe; ja man
zureiffe mich alsdann mit eben den glüenden Zangen / welche meinem Bruder sind
angelegt. Und O Dropion O Dropion / was vor ein Unglück hat mich nach Padua
getrieben / dass ich nicht bei dir bleiben können / deinen verfluchten Ehrgeiz
und Hochmuht einzuhalten / welcher dich / deinem eigenen Könige ungeträu zu
werden / leider verführet hat? Ich beschliesse aber dieses alles in den Leidens
Kasten meines Herzen / weil es nicht zuendern stehet / und damit der
Sieges-Fürst über alle seine Feinde / König Herkules sehen möge /dass ich ihm die
reine und lautere Warheit vortragen will / lasse ich seine Königl. Hocheit wissen
/ dass die tägliche / mehr als hundische Straffen / welche der Käyser mir
dortmahls andräuete / mir verdoppelt worden sind; keine einzige Mahlzeit / die
doch sehr schlecht und geringe wahr / reichete man mir / ohn vorher angelegte
Geisselung / das mein Fleisch schon zu faulen begunte / und ich in eine
beschwerliche Krankheit fiel; daher man mich der Bande erlassen musste / und
legte der Arzt allen fleiss an / mich zuheilen / nur dass ich umb so viel länger
könnte verwundet werden. So bald ich besserung äusserlich befand /überfiel mich
ein starkes Fieber / welches mich schwach uñ ohmächtig gnug machete / aber doch
bald verging / da ich wünschete mein lebenlang damit behaftet zu sein / weil
mirs ungleich erträglicher als die Gesundheit wahr. Ich stellete mich Zeit der
Besserung je länger je schwächer / daher kein Mensch acht auff mein Vorhaben
gab. Unser Schiff lag eine gute Viertelmeile vom Lande zu Anker / dann es wahr
kein Anfurt des Orts / welches mich kühn machete / einen blinden Glückes fall /
der mir wohl ehmahls gerahten wahr / zu wagen / weil ich sah / dass zum wenigsten
ich zu sterben Gelegenheit haben würde; legete als ein Schwacher meine
Niderkleider an / als wollte ich das Gehen wieder lernen / sah mich umb nach dem
Ufer /ergriffe ein Schwert / und schlug den Schiff Herrn mit acht andern (so
viel freie Leute wahren nur dazumahl verhande) zu bodem; redete hernach sechs
Teutsche an die Ruder geschmiedete Leibeigene mit mir auff /zubrach ihre Bande /
setzete mich mit ihnen in den Kahn (nach dem ich etliche der anderen
angeschmiedeten lossgemacht / und sie / mit dem Schiffe davon zufliehen /
ermahnet hatte) / und fuhren frölich zu Lande. Des Tages lagen wir mehrenteils
in Püschen und Felsen verborgen; des Nachts nahmen wir den nähesten Weg nach
Pannonien vor uns / kaufften auff den Dörffern nöhtige Speise / dann wir hatten
Geldes gnug vom Schiffe mit uns genommen / und kahmen ohn einige Widerwärtigkeit
in Pannonien an / da ich dann wie schon gesagt / des Königs und Vaterlandes
Unglück erfahren / und diese Ketten / ehe ich michs versehen / an meinen
Gliedmassen empfunden habe. Ist es nun / dass mein gnädigster König Mnata meiner
geträuen Dienste ehmahls genossen hat; bitte ich untertähnigst / ihre Hocheit
wolle bei König Herkules durch ihre kräftige Vorbitte anhalten / dass ich den
Römern nicht wieder überliefert werde / nachdem die günstigen Götter mich von
denselben lossgewirket haben; kann aber solche meine Freiheit auff andere weise
nicht erhalten werden / so bitte ich umb den Tod / bin auch wohl zu frieden / und
bereit / dass ich bei meinem Bruder auffgeknüpffet werde. Diese lezten Worte
bewägeten die ganze Gesellschaft zur Erbarmung / aber sein König gab ihm zur
Antwort: Was du bei nur suchest / stehet nicht in meiner Gewalt; so hastu ohn
mein Vorwissen und Befehl zu jener Zeit den Kampff unter der Bedingung begehret
/ dass entweder dein Feind oder du / leibeigen sein woltest /welches ich an dir
als an einem verwägenen mutwilligen Menschen billich tadele / und nicht zuendern
weiss / was du vorsezlich dir über den Hals gezogen hast. Sonsten gestehe ich /
dass du mir vor diesem mannichen guten Dienst geleistet / und sich keiner
gefunden / der deines Bruders Verräterei dich mit beschuldiget hätte / daher
ich / in Ansehung deines hitzigen Jach Zorns / dir deine aussgestossene Reden
/weil du sie bereuest / wohl verzeihen könnte / aber das übrige / wie du hörest /
ist nicht in meinen Händen. Dieser sah betrübt vor sich nider / durffte auch
bei Herkules wegen seines gar zu starken Verbrechens umb keine andere Gnade
anhalten / als dass er untertähnigst baht / seine Hocheit möchte an den schon
ausgestandenen herben Straffen seinen Zorn gnädigst brechen / und ihm einen
schleunigen Tod / es währe gleich mit dem Schwerte oder Strange / wiederfahren
lassen / nur dass er den Römern nicht übergeben würde. Worauff ihm Herkules zur
Antwort gab: Ich möchte dir diesen demühtigen Geist / Zeit unsers Kampffs / oder
kurz hernach / wohl gegönnet haben /alsdann würdestu mehr Güte und Barmherzigkeit
bei mir haben gefunden / als du dir irgend magst einbilden können; Zwar mein
Zorn hat nie kein mahl von einigem Menschen schwerere Rache begehret / als die
Busse / geschweige / dass ich ihm den Tod anzulegen sollte getrachtet haben /
welchen du jezt als eine sonderliche Gnade suchest; aber bedenke nur selber / ob
ich ohn Verletzung meiner Redligkeit anders könne /als dem Römischen Käyser dich
wieder zusenden; dann unterliesse ich solches / würde dessen Hocheit von mir
halten / ich billichte deinen Mord / welchen du selbst eigener Bekenntnis nach /
an neun unschuldigen Menschen begangen hast. Jedoch / dass du meine Gnade und
Gewogenheit die du nicht verdienet / erkennen mögest / will ich dich so lange in
gewarsamer Hafft behalten / und an Römische Käyserl. Hocheit schreiben / ob
dieselbe dich mir lassen könne; alsdann solstu auff Besserung deines Lebens
erfahren /dass ich ja so bereit und willig bin zuverzeihe / als du ehmals
zubeleidigen. Dieser durch Unglück gezähmeter Mesch hatte sich dieser Gnade nicht
versehen /taht einen wehmühtigen Fussfal vor der ganzen Gesellschaft / und nach
getahner herzlichen Danksagung vor angebohtene Gnade / hielt er bei Königin
Valisken an / wie auch bei König Ladisla / und den anwesenden Römischen Herren /
ihm bei Kayserl. Hocheit mit ihrer kräfftigen Vorbitte zu hülffe zukommen;
welches ihm allerseits versprochen ward / und liess ihm Herkules auff Königes
Mnata Einwilligung die Ketten abnehmen / und Ritterliche Kleider anlegen /dass er
neben Gamarus (dem das Narren Kleid auch schon abgenommen wahr) auffwartete.
Weil auch nachgehends der Käyser ihn auff solche Vorbitte Herkules schenkete /
sprach derselbe ihn nicht allein frei / sondern machete ihn zum Obersten über
2000 Pannonische Reuter / die mit Arbianes fortzogen / da er nach angenommenem
Christlichen Glauben sich in Persien gegen die Parter sehr wohl gehalten / und
in einem Treffen / nach Erlegung einer grossen Menge Feinde / sein Leben
ritterlich eingebüsst hat.
    O wie eine herrliche und Christliche Tugend ist die Versöhnligkeit / deren
unser Herkules so gar ergeben wahr / dass er seinen grausamesten Feinden /
ungeachtet alles schändlichen Wiederdriesses solcher gestalt vergeben kunte /
als hätten sie ihm nie kein Leid getahn: welches ja an Gamaxus und diesem Pines
Sonnenklar erscheinet. Seine Freunde hielten ihm oft vor / er überginge fast
die Grenzen der Sanftmuht / aber er pflag ihnen zuantworten; sein Heiland JEsus
währe noch viel sanftmühtiger gewesen / als welcher nicht allein seinen Feinden
nach ergangener Busse gerne verzihen / sondern auch mitten in der gewaltsamsten
Ungerechtigkeit sich ihrer erbarmet / welches er am herben Kreuz augenscheinlich
dargeleget / als er vor seine Feinde gedehten / da er gesprochen: Vater vergib
ihne / sie wissen nicht was sie tuhn Ja der hocherleuchtete Paulus in seinem
Sende Brieffe an die Römer zeugete / dass der Sohn Gottes nit allein seinen
damahligen Verfolgern und Mördern diese Gnade erzeiget / sondern gleicher
Gestalt das ganze menschliche Geschlecht geliebt / und vor dieselben sich in
den abscheulichsten Tod dahin gegeben hätte / da sie annoch seine Feinde / teils
in heidnischer Blindheit /teils im judischen Unglauben / teils in gotlosem
Wandel wahren. Und dass wir Menschen ihm solches albernen sollten / geböhte er
selber mit diesen Worten; Lernet von mir / dann ich bin sanftmühtig und von
Herzen demühtig / so werdet ihr Ruhe finden vor eure Seele. Daneben hätte er
gnugsam wissen lassen / dass ein unbarmherziges Gerichte wieder die
Unbarmherzigen ergehen sollte / und der unversöhnliche Hass den Menschen nicht
allein in den Augen Gottes unwert machete / sondern gar in die Hand der
unbarmherzigen Teuffel zur schreklichen Verdamnis übergäbe; deswegen wollte er
Zeit seines Lebens sich insonderheit der versöhnlichen Gütigkeit befleissigen /
und so oft ihn ein fleischlicher Stachel zur Rachgier antriebe /sich selbst
zwingen / und seinen Feinden ja so viel gutes / als seinen Freunden erzeigen.
Wann ihm dann eingeworffen ward / die Muhtwilligen würden dadurch nur frech /
und verliessen sich auff seine Gütigkeit; sagete er; solches würde GOtt an denen
schon zustraffen wissen / er wollte dasselbe so eigentlich nicht nachgrübeln /
sondern sich nach CHristus Befehl richten / jedoch also / dass den boshaftigen
nicht Ursach zusündigen / viel weniger Freiheit darzu geben würde. O du
allerschönste Sanftmuht / wie angenehm machestu den Menschen vor den
Gnaden-Augen unsers Heilandes JEsus / des allersanftmühtigsten. Aber wie saur
geht es den Weltergebenen ein /dass sie ihren Feinden nicht allein vergeben /
sondern auch wohl tuhn sollen. Der teure Herkules wahr nicht so irdisch gesinnet
/ und rühmete dissmahl König Notesterich an ihm / dass er eines unglücklichen
Menschen sein Elend so wohl zu Herzen fassen könnte; nicht / dass er dieses
Pannoniers Verbrechen gut hiess / sondern /weil er in dessen Herzen eine wahre
Reue seines begangenen Ubels spürete. Sonsten wahr diese Fürstliche Gesellschaft
nebest den morgenländischen Gästen in aller zugelassenen Lust sehr frölich / und
begehrete einsmahls Valiska von ihrem Herr Vater / ihr den endlichen Verlauff
seiner Leibeigenschaft zuerzählen /welchen sie vor diesem / wegen zu heftigen
Mitleidens nicht anhören können; worin er ihr gerne zu willen wahr / und in
beisein aller seiner Anverwanten und der Könige / also fortfuhr: Ob zwar meine
jetzige Vergnügung / die ich an den lieben meinigen habe /mir den grösten Teil
meines überstandene Unglücks aus dem Gedächtnis entrissen / will ich doch so viel
möglich / mich wieder besinnen / damit die Nachkommen wissen / in was vor Elend
ehmahls ein herschender König gerahten; auch meines gleichen gewaltige daher
lernen / sich selbst zuerkennen / und dass / wann Gott straffen will / er so
leicht einem Könige als armen Betler die ZuchtRuhte binden kann. Und zwar muss ich
nach erlangeten Christentuhm bekennen / dass mein damahl auffgeblasenes stolzes
Herz solcher Züchtigung wohl benöhtiget wahr; dann ich furchte mich vor niemand /
verliess mich auff meine Macht / und auff meine Nachbar Freunde / und meinte
nicht / dass mir ichtwas dergleichen hätte zustossen können; daher musste mein
Gott mich zur Erkenntnis meiner selbst bringen / wie er dann (ihm sei Dank in
Ewigkeit) solches rechtschaffen getahn hat. Ich eriñere mich /schon gemeldet
zuhaben / was gestalt der eine Räuber mich mit dem drittel einer Krone von Tode
losskauffte / worauff ich meinte / nunmehr aller Lebens Gefahr entgangen sein /
und fiel noch immer tieffer darein /wie ihr werdet zuvernehmen haben. Mein Herr
/ der mich gekaufft hatte / wahr seines Alters 54 Jahr /hatte ein junges / zwar
nicht hessliches aber sehr freches Weib / die ihn nur zum Schanddeckel zur Ehe
genommen hatte / und ohn alle Scheuh vielfältige Unzucht trieb / wozu dieser
Geduldige durch die Finger zusehen gezwungen ward / wollte er sonst Gewogenheit
im Hause / und raum am Tische haben. Ich hatte solches schon gemuhtmasset;
massen da wir auff der Heimreise wahren / er von seiner Gesellschaft zimlich
auffgezogen / und befraget ward / ob er mich mit einnehmen / und seinem Weibe
mich würde sehen lassen dürfen; wie es dann in Warheit nicht anders erging; dann
als er seiner Wohnung nahete / geboht er mir /ich sollte mich gegen niemand
merken lassen / dz ich von ihm gekaüfft währe / sondern mich halten / als
gehörete ich einem andern zu. Ich wahr gehorsam /und trat mit meiner
knechtischen Kette hinter ihm her / welcher Stand mir dannoch / in Betrachtung
der vorigen elenden Gefängnis / als eine sonderliche HimmelsGunst und Freiheit
gedauchte. Das Haus funden wir vol fremder Gäste / welche / weil die Frau eine
offene Schenke hielt / weidlich umzecheten / und meinen Herrn nach schlechtem
wilkommen zu sich sitzen hiessen. Sein Weib wahr halb beräuschet / und empfing
ihn mit dieser Freundligkeit: Wie du altes unnützes Raben Vieh / sagete sie /
hat dich alles Unglück schon wieder daher geführet? ich meine / du werdest dich
deiner Haut gefürchtet / und deine Gesellschaft verlassen haben / die in kurzem
ihre Weiber mit reicher Beute erfreuen werden / da hingegen ich dich ernehren
muss; O dass du im ersten Tritte den Hals gebrochen hättest / da du zu meiner
HaussTühr eintratest / und mich freietest. Tuhe gemach liebes Kind / antwortete
er / ich bin zu dem Ende nicht ausgezogen /nur müde Beine zuholen / habe auch
nicht etwa einem Hasen oder Fuchse nachgestellet / sondern an unsern ungeträuen
Nachbarn den Böhmen mich zur Gnüge geroche / und hat das Glük unserer
Gesellschaft so wohl gewolt / dass jeder zu seinem Anteil 1800 Kronen Barschaft
/ und 2000 Kronen an markfeilen Gütern erbeutet / welche inwendig einer Stunde
alhie sein werden. Das heist dich GOtt sprechen / sagete sie /ich hatte mir
sonst schon vorgenommen / dein müssig zugehen / und vor mich allein zuleben /
wie ich dann mein Brod ohn dich wohl gewinnen kann; aber nun werde ich mich eines
andern besinnen / jedoch dafern du bald wieder fort wandern / und diesem guten
Glük weiter nachsetzen wirst. Lass mich zuvor wiederkommen / antwortete er / und
etliche Wochen oder Tage aussruhen; ich bin ja kein Hund / dass ich immerzu
lauffen soll; so muss ich auch zuvor meine Beute anlegen / und gute Länderei davor
käuffen. Darauff foderte er Essen / und liess mir auch ein verworffenes
Steinhartes Rindichen geben / dabei ich einen frischen Trunk Wasser bekam / und
solche dürre Mahlzeit mir noch zimlich schmeckete. Kaum hatte ich solche Speise
eingeschlukt / sah mich sein Weib hinter der HaussTühr sitzen / und fragete ihn
/ wer ich währe. Er gab vor / ich währe ihm zum Leibeigenen geschenket / und
hoffete er / ich würde mein Brod verdienen können. Worauff sie mich eigentlich
besah / und musste ich vor ihr hin und hergehen; weil mir dañ solches zimlich
saur ward / auch der Rücken mir krum stund /die Haar auff dem Häupte und im
Barte sehr verwirret wahren / und wenig seines an mir erschien; gab sie mir mit
dem Prügel / den sie stets in Händen trug /drei oder vier Streiche über den
Rücken / dass ich vor Schmerzen meinte in Ohmacht zusinken; noch musste ich nicht
eins saur darzu sehen / weil ich in Hoffnung lebete / sie würde mir
Barmherzigkeit erweisen; worin ich mich sehr betrogen fand / gestaltsam sie mit
diesen Worten heraus brach: was sollte mir der unnütze Greise / der seinen halb
tobten Leib kaum schleppen /ja das Haar nicht eins strählen kann? flugs dass man
ihn niderschlage / und meine Teich-Hechte damit speise. Zu meinem Glük wahr
niemand verhanden / welcher diesen Befehl leisten kunte / uñ setzete ich mich
vor ihr auff die Knie / mit heissen Trähnen bittend / meines Lebens zuschonen /
weil ja kein Fleisch an mir währe / davon die Fische zu zehren hätten; sie
möchte mir bloss das Leben gönnen / und mit der allergeringsten Speise mich
unterhalten; ich wüste mit auferzihung der Gänse und Hühner wohl umzugehen /
deren ich eine grosse Menge auff ihrem Hofe gesehen hätte /wollte ihrer
dergestalt hüten / dass man meinen Fleiss rühmen sollte. Das mag dir alten Huster
den Hals fristen / antwortete sie / weil ich gleich diesen morgen meinen Gänse
Hirten wegen seines Verbrechens erschlagen lassen; so lege dich nun dort in
jenen Winkel (da gleichwol noch eine Handvol Stroh hingeworffen wahr) zur Ruhe;
morgen früh will ich dir die Gänse gross und klein lassen zuzählen / und dafern du
mir die Zahl nicht wieder lieffern wirst / mustu es mit deinem Blute bezahlen.
Ich gelobete alle Träue uñ Fleiss an / machete mich des morgens mit meiner
Gänse-Heerde / 500 Stük / gross und klein / auff die Weide /bildete mir dabei
meine ehemalige Herschaft über meine Untertahnen ein / und wie ich mich deren
Schuz musste lassen angelegen sein / also hatte ich noch grössere Mühe bei diesem
Feder Vieh / es zuverteidigen / massen der Geier mir den jungen Gänsslein immer
nachtrachtete / und wie fleissige Auffsicht ich gleich hatte / so entführete er
mir doch zum offtern deren etliche / an welcher Stelle / mein Leben zuretten /
ich mich des Diebstahls behelffen /und den andern / so neben mir hüteten / die
ihren entwenden musste / welche ich daheim in meinem Stalle aufferzog. Nun befand
ich mich diese Sommerzeit über zimlich wohl auff / dann ich kunte mich an der
Sonnen fein wärmen / ging zuzeiten umb mein Vieh her / bissweilen streckete ich
mich im Grase aus / und fehlete mirs an Wasser und Brod auch nicht; und weil die
AltFrau meinen Fleiss sah / warff sie mir des Abends etliche Fleisch Brötlein zu
/ und begoss mir das dürre Brod mit der übergebliebenen Brühe /wovor ich ihr sehr
dankete / und ihr das Holz in die Küche trug. Hingegen wahr der Frauen LeibMagd
mir sehr gehässig / dass sie nie ohn stossen und schlagen neben mir her trat /
welches mit Geduld zuverschmerzen / ich sehr wohl gelehret wahr. Als der Herbst
herantrat / und der gröste Teil meiner Gänse verkaufft wahr / da sollte ich
schwere Haussarbeit verrichten / Holz spalten / Korn dröschen / Futter schneiden
/ die Ställe misten / und mit zu Acker fahren / die Pferde vor dem Pfluge
zutreiben / welches mir unmöglich wahr / nicht dass ich die Arbeit nicht hätte
fassen können / sondern weil mein gebrechlicher Rücken es nicht ertragen wollte /
daher ich sehr kärglich gespeiset ward / und schlug das Unglück mit darzu /dass
meine gewogene AltFrau mit Tode abging / und obgedachte LeibMagd an ihre stelle
geordnet ward; da ging erst mein Herzleid an / dass ich entweder zusterben / oder
bei dem Könige mich zumelden / entschlossen wahr; dann wofern die anderen
Knechte mir nicht ihrer Speise etwas mitgeteilet hätten / würde ich schon
vorlängst des Hungers verschmachtet sein. Endlich besan ich mich eines andern /
da einsmahl unterisch iedliche unzüchtige Buben in des Hauswirts Abwesen sich
mit dem Weibe in unzimlicher Lust ergetzeten / und einen Spielman mit der
Sakpfeiffe fodern liessen / gab ich mich an / ich hätte auch in meiner Jugend
solches Spiel gelernet / foderte die Sakpfeiffe / und machete ein Liedlein auff
/ welches ihnen sämtlich so wohl gefiel / dass ich hernach ihr täglicher Spielman
sein musste / und mit guter Kost gelabet ward. Aber diese güldene Zeit wehren
kaum vier Monat / und verkehrete sich in jämmerliches Herzleid; dann es hatte
mein Haus Herr einen Bruder / der am Königlichen Hofe ein zimliches galt / und
wegen seiner LeibesKräffte zum Oberste über 2000 zu Fusse gesetzet wahr; dieser
hatte in Erfahrung bracht / was gestalt seines einfältigen Bruders Weib Haus
hielte /und ihr Mann durch die Finger zusehen gezwunge würde; worüber er sich
höchlich betrübete / und die Rache ihm vornam / die er sehr grausam
volstreckete; massen / als wir einsmahls in meines Herrn Abwesen eine gute
Gesellschaft gemacht hatten / so dass fünff unzüchtige Buben bei ihr zecheten /
und allen Muhtwillen mit ihr trieben / ich aber meiner Gewohnheit nach /
auffspielen musste / höreten wir / dz die HaussTühr mit Gewalt auffgebrochen ward
/ worauff geschwinde zehn Gewapnete zu uns ins Gemach traten / unter denen
obgedachter Oberster vorne an ging /und aus seinen fünkelnden Augen leicht
spüren liess /dass er nichts gutes im Sinne hatte. Es wahr eine Stunde vor
Mitternacht / und hatte die Frau zu ihrem Unglück sich mit der Gäste einem in die
Neben Kammer verfüget / woselbst ihr Schwager sie samt dem Buben fast gar
ungekleidet antraff / und nach Verweisung ihrer Unzucht sie beide nidersäbelte.
Dazumahl erwog ich mich des Lebens / weil bald darauff die übrigen viere hinter
dem Tische erschlage wurden / und ich mich nicht hätte retten können / wann
nicht der Oberste seinen Knechten zugeruffen / man sollte den Spielman leben
lassen / damit man aus demselben durch allerhand Peinigung die Warheit brächte;
auff welchen Befehl ich ganz unwirsch gefesselt / und wohl verwahret ward. Ich
hingegen suchete auff allerhand weise mein Leben zufristen / baht den Obersten
sehr /mich zuhören / mit dem Versprechen / dass ich von allem was ich wüste /
geträulich erzähle wollte; beklagete anfangs meines lieben Herrn Unfal / dessen
mich von Herzen gejammert hätte / als dessen leibeigener Knecht ich währe / der
mich aus Böhmen gefangen hinweg geführet / und zu seinem Gänse Hirten bestellet
/ biss vor etlichen Monaten das unzüchtige Weib in Erfahrung gebracht / dass ich
spielen könnte / daher /grössere Kosten zumeiden / sie mich vor ihren Spielman
gebrauchet; und als ich hierauff befehlichet ward / des Weibes Leben und Wandel
zuerzählen / entschuldigte ich zuvor meinen Herrn / und dass er nicht vermocht
hätte / des frechen Weibes Bosheit zuhintertreiben; hernach zeigete ich an / dass
alle Leibeigene und ander Gesinde / wenig ausgenommen (die ich nahmhaftig
machete) ihrem Herrn unträu gewesen /und es mit dem losen Weibe gehalten hätten
/ welche ihn nicht als einen Ehe Herrn / sondern recht hundisch gehalten;
brachte auch ungescheuhet hervor / was ich mit meinen Augen selbst gesehen / und
mit meinen Ohren angehöret hatte / und nennete acht abwesende /welche alle mit
ihr Unzucht getrieben / ob sie gleich ihre Ehweiber hätten. Die Magd / welche
zur Altfrau gesetzet wahr / widersprach mir heftig: Ihre Frau währe ehrlich und
from / und alles von mir schändlich erlogen. Ich dagegen zeigete an / dass eben
diese die rechte Kuplerin währe / und an dem Verbrechen die gröste Schuld trüge
/ daher man sie feste band / und biss auff ihres Herrn Wiederkunft verwahrete. So
bald dieser zu Hause kam / und seines Bruders Rache (welcher noch gegenwärtig
wahr) in Erfahrung brachte / wahr ihm solches sehr lieb / bekräfftigte meine
Reden / und liess die Magd peinlich fragen / welche dann alles gestund / und von
dem Obersten seinen zehn Kriegsgurgeln den ganzen Tag preiss gegeben ward /
hernach liess er sie in die HaussTühr auffhenken / und die andern ungeträuen
Dienstbohten nidermachen. Jezt / gedachte ich / währe es Zeit / umb meine
Freiheit anzuhalten / hätte sie auch ohn zweifel erlanget / wann nicht der
Oberste gar zu grosses belieben zu meinem elenden Spielwerk bekommen hätte; dann
ich gab mich bei meinem Herrn an / und hielt ihm vor / weil wegen meiner
Leibesschwacheit ich ihm wenig nützen könnte / möchte er mich mit der Freiheit
ansehen; ja / sagte ich / weil ich seine redliche Frömmigkeit nunmehr gnug
erkennet hätte / wollte ich nicht unterlassen / ihm meinen eigentlichen Zustand
zuentdecken / wie nehmlich ich kein Böhme / sondern ein Windischer Freiherr
währe / von grossen Mitteln und Reichtuhm; wann er nun Lust hätte mit mir
zuzihen /wollte ich ihn Zeit meines Lebens als einen Bruder halten / und ihm ein
statliches LandGut verehren / ja alle meine Wolfahrt mit ihm gemein haben.
Welches dieser ihm sehr wohl gefallen liess / und mir alles nach Willen versprach;
jedoch fingen wirs leider nicht klüglich gnug an / weil ausser Zweifel mein
frommer Gott / den ich dazumahl noch nicht kante / mich noch etwas besser in die
Leidens Schuele führen wollte. Dann mein Herr meldete seinem Bruder an / dass er
willens währe / mich einen gebohrnen Wenden mit der Freiheit zubegnaden / weil
ich ihm so träulich gedienet hätte. Derselbe aber / wie er dann ein über alle
masse verwägener frecher Mensch war / gab ihm mit grimmigen Geberden zur Antwort
/ Er sollte das Maul halten / und solcher Gedanken sich begeben / oder er wollte
uns alle beide niderhauen. Ich hörete solches an / und flehete dem Obersten
demühtig / sich nicht zueifern / massen ich willig und bereit währe / seines
Willens zuleben. Das hiess dich dein Glük sprechen / antwortete er mir / und
gedenke nur nicht / dass du aus meinem Dienst kommen werdest / weil ich lange
nach einem solchen Spielmanne getrachtet habe; brach auch bald auff / und
führete mich mit sich / hielt mich auch sehr unbarmherzig / dass ich mir oft den
Tod wünschete / und es vor unmöglich achtete / mein Königreich wieder zu sehen /
daher mir zuzeiten die Gedanken einfielen / ich wollte mich etwa vor einen vom
Adel bei ihm angeben / ob ich etwas gelinder möchte gehalten werden; aber als
ich gleich des vorhabens wahr / vernam ich ohngefehr aus seinen Reden / wie
gehässig er dem Adelstand währe / würde mir also noch eine schärffere Ruhte zu
meiner Straffe gebunden haben. Muste demnach in grosser Geduld und kleiner
Hoffnung diesem frechen Menschen ein Jahr und 31 Wochen meine Dienste leisten /
welche diese wahren: Die Mahrställe reinigen / Pferde und Ochsen tränken / und
vor andern Knechten die unflätigste Arbeit verrichten; das wahr mein Tagewerk;
hernach wann das andere Gesinde sich zur Ruhe legete / musste meine Sakpfeiffe
wache und munter sein; dann mein Oberster wahr ein Erz-Schwelger / schlief des
Tages /und soff des Nachtes mit seinen Zech-Brüdern / dass ich oft in zehn Tagen
die Kleider nicht vom Leibe zihen durffte. Es fand sich einsmahls ein ander
Oberster seines gleichen bei ihm / welcher einen sonderlichen Grol auff mich
warff / und mich mit meiner Sakpfeiffe vor seinen Augen nit leide mochte /
begehrete demnach an meinen Herrn / mit ihm umb mich zu spielen / und gegen mein
Häupt acht Kronen auffzusetzen; als nun mein Herr ihn fragete / ob er
sonderliche beliebung zu nur trüge / und dieser freche Bube zur Antwort gab: Ja
er hätte Lust / mich am Galgen bammeln zu sehen / wollte dannoch mein Herr /
ohnzweifel durch Gottes sonderliche schickung / darein nicht willigen / sondern
befahl seinem Leibdiener /mich hinweg zu schaffen / biss sein Gast seinen Abzug
genommen hätte; also ward auch dissmahl mein Leben gerettet / welche Gnade meinem
Herrn zuvergelten /ich auff diese Weise bedacht wahr.: Es hatte meiner
Mitknechte einer / ein gebohrner Mantuaner und abgefeimter Dieb / meinem Herrn
den Geldkasten heimlich auffgediedrichet / und einen guten Schaz daraus genommen
/ welchen er im Pferdestalle vergrub / der Meinung / ihn heimlich wegzubringen.
Ich lag in einem finstern Winkel / und ward durch seine Arbeit vom Schlaffe
erwecket / sah seinem wesen zu / uñ gedachte mir solches zu nütze zu machen /
deswege ich zu meinem Obersten mich verfügete / und ihm den Diebstahl anzeigete
/ weil ich schuldig währe / sein bestes zuwissen / und seinen Schaden
zuverhüten; möchte nur nachgraben aben lassen / und ferner nach seinem willen
schaffen. Er lieff selbst mit mir hin /befahl alsbald den Dieb zu greiffen / und
mich nachgraben / funden das gepregete Gold in zimlicher menge / und meinte ich
nunmehr den Nahme eines geträuen Knechtes verdienet zu haben / da ich umb ein
Haar als ein Dieb hätte sterben müssen; dann dieser gottlose Tähter nach
ausgestandener Peinigung /gab an; er und ich zugleich hätten diesen Diebstal
verrichtet / so dass er das Gold gelanget / und ich auff der Huht gestanden /
damit wir nicht dabei ertappet würden; und nachdem er mir auff mein begehren
nicht hätte wollen die Halbscheid / sondern nur den Vierdenteil davon geben /
hätte ich ihn des Diebstahls angeklaget. Ehe ich michs versah / ward ich in
Ketten und Banden gelegt / und als ich merkete / dass man die Folter zu meiner
Peinigung fertig machete / begehrete ich mein Verbrechen zu wissen; welches mir
alsbald vorgehalten ward / und ich meine Unschuld mit hohen beteurungen
anzeigete / auch / dass ich solche klärlich dartuhn wollte / wann mir mein Herr
der Oberste nur so viel Gnade erzeigen / und mich vor sich lassen würde. Die
mich peinigen sollten / wahren meine Mitknechte / und mir ganz ungewogen / aber
doch durften sie mir solches begehren nicht versagen / und meldeten es dem Herrn
/ welcher mich vor sich bringen liess / uñ im Zorn mich also anfuhr: Du alter
krummer Schelm / du hast den Diebstahl verrahten / nicht aus träue gegen mich /
sondern dass du dessen nicht so viel hast gemessen können / als du gewolt hast /
darumb mustu mit deinem Gesellen gleiche Straffe ausstehen. Ich fing an / mich
ganz demühtig zuentschuldigen / und baht durch alle Götter / mein Herr möchte
mich unschuldige nicht übereilen / ich wollte ihm meine Unschuld / und des Diebes
falsche bezichtigung handgreiflich vor Augen stellen / oder die allergrausameste
Straffe ohn einzige Gnade gerne über mich nehmen. Wo durch er sich dann in etwas
besänftigen liess / und mir Freiheit gab / mein bestes zu tuhn; ich aber darauff
untertähnig baht / dass der Tähter von unverdächtigen Leuten möchte befraget
werden / auff welche Zeit / und zu was Stunde er das Geld entwendet hätte; da
schicken es nun Gott ganz gnädig / dass er eine solche Zeit uñ Stunde nahmhaftig
machete / dass ich durch meines Herrn Zeugnis selbst darlegete / ich hätte ihm
dazumahl zwölff Stunden aneinander auffgewartet / und keinen Fuss aus dem Gemache
gesetzet. Der Dieb ward darauff zum andernmahle gefoltert / da er seinen
boshaften Anschlag bekennete / und meine Unschuld bekräftigte / ward deswegen
ganz jämerlich getödtet / klein zerhacket / und den Fischen zur Speise in den
Teich geworffen; mir aber gab der Haussverwalter (der mir gleichwol nicht
sonderlich günstig wahr) auff befehl ein neues Kleid von groben Tuch / und etwas
leichtere Dienstketten als die vorigen / mit der Erinnerung / ich sollte
fleissige Aufsicht haben / was die Knechte tåhten / und es meinem Herrn
geträulich vorbringen / dess sollte mir zu zeiten etwas bessere Speise als den
andern gegeben werden. Woraus ich wohl verstund / dass ich umb meine Freiheit
nimmermehr würde anhalten dürfen /hatte auch diesen Schaden vor meine Tråue /
dass die anderen Knechte ingesamt einen ganz grimmigen Neid auff mich worffen /
mir kein gut Wort gaben /sondern als einen Verrähter und Augendiener mich
verflucheten / und zu unterschiedlichenmahlen mir nach dem Leben stunden / dass
mich selbst hoch wunder nimt / wie ich ihren nachstellungen habe entgehen
können. Man hat mich ins Wasser gestossen; man hat mich ins Feur gejaget / man
hat von oben herunter grosse Steine und schwere Bäume auff mich geworffen / aber
nie bin ich beschädiget worden. In diesem Stande lebete ich / biss man Böhmen
einzunehmen das erste Heer samlete / da mein Oberster mit fort musste / welcher
auch im lezten Treffen soll geblieben sein. O wie gerne währe ich mit gelauffen;
hielt auch einsmahls darumb an; aber es ward mir mit einem Gelächter
abgeschlagen; ob ich lust hätte die Verwüstung meines Vaterlandes anzusehen?
oder ob ich gedächte davon zu lauffen / und dem Bömischen Könige vor einen Feld
Herrn zu dienen. Worauf ich antwortete; ich währe eigentlich kein Böhme /
sondern ein Wende / wie meines Herrn Bruder würde bezeugen können; doch baht ich
umb verzeihung meines unvorsichtigen begehrens / welches nicht / als aus
begierde / meinem lieben Herrn auffzuwarten / geschehen währe / welche
schmeichelei mir doch die Freiheit mitzuzihen / nicht erhalten wollte; doch weil
vor weniger Zeit ich meinem Herrn klagete / wie heftig alles Gesinde wegen
meiner träuen Dienste mir nach dem Leben stünden / ward ihnen allen und jeden
bei straffe des abscheuhlichsten Todes gebohten / sich an mir nicht
zuvergreiffen. Dieses / bekene ich / gab mir etwas Luft / dass sie nicht durften
/ was sie wohl schon mochten beschlossen haben. Die Frau währe insonderheit
meiner gerne abe gewesen / wann sie vor ihren Herrn sich nicht gescheuhet hätte
/ dann sie trieb den unzüchtigen Handel ja so stark als ihre ehemahlige
Schwägerin / nur dz sie den Schalk besser verbergen /und im Winkel spielen
kunte; hatte in erfahrung bracht / dass ich von jener alles nachgeschwatzet / und
fürchtete sehr / ich würde es nicht besser mache /daher ich selten in das
Wohnhauss gelassen ward / ohn wann sie allein wahr / und ich ihr auf der Flöte
oder Schalmeie eins auffmachen musste / wodurch ich noch etwas Gnade erwarb / und
sie selbst mir Schuz hielt wieder meine gehässigen / nach dem ich mich erboht
/ihr in alben dingen geträu zu sein / und mein Leben viel lieber als ihre Gnade
zuverlieren. Als nun endlich die liebe Sonne mein Elend lange gnug angeschautt
hatte / und der allerhöchste mir unbekannte Gott sich über mich erbarmen wollte /
ward durch das Königreich aus gebreitet / was gestalt die Schlacht verloren /
der König mit allen vornehmsten Obersten gefangen / das Kriegsheer mehrenteils
erleget / und die übrigen zu Leibeigenen gemacht währen / da stund es trauen
noch am allergefährlichsten um mein und aller leibeigenen Böhmen / Teutschen und
WendenLeben; man fing schon an zuruffen / es müste die Rache gesucht werden /
wie man best könnte; man sollte alle leibeigene Böhmen / Teutschen / und Wenden
(dañ man meldete / dass auch die Wenden dem Feinde hülffe getahn) durch die
allergrausamste Pein hinrichten / und zweifele nicht / es werden ihrer eine
zimliche Anzahl in der erster Eiferhitze elendig gnug auffgerieben sein / und
begunten meine Feinde mir schon zu dräuen /dass ich nicht 24 Stunden mehr ein
Verrähter / Fuchsschwånzer und Verleumder sein sollte / daher ich fast nicht
zweifelte / ich würde nun an den Todes Reihen müssen / und wahr mein einiger
Wunsch / dass ich nur eines gelinden Todes umbkommen möchte; aber was taht der
grosse Erbarmer? es ward unversehens an allen Orten und Enden ausgeruffen / dass
alle und jede Bömische / Teutsche / Wendische / Dänische / uñ andere Leibeigene
mehr / auch sonst Gefangene aus solchen Landschaften / bei Leib und
Lebensstraffe /auch bei verlust Ehre und Güter sollten allerdinge ungescholten /
unbeschimpfet und ungekränket bleiben /auch nicht allein alsbald und ohn entgelt
frei und lossgelassen / sondern überdass mit neuen Kleidern und nöhtigen
Zehrungskosten biss nach Prag versehen werden. Ich hatte schon durch fleissige
Nachfrage erfahren / auch aus meines Obersten Gespräch mit andern Pannoniern /
vernomen / dass der junge Bömische König aus weit abgelegenen Ländern wieder zu
Prag angelanget währe / und man sein Reich anfallen wollte / den empfangenen
Schimpff und Schaden zu rächen und einzubringen / daher ich manniche Nacht in
Nachdanken verzehrete / obs dann nicht möglich währe / einen Weg der Freiheit zu
finden. Ich habe vergessen anzuzeigen / dass zeitwehrendes Krieges es mannichen
Böhmen und Teutschen den Hals gekostet / wann Zeitung kam / dass die Pannonier
abbruch gelitten / und den kürzern gezogen hätten; wie ich dann etliche
begebnissen erzählen könnte / dass wann Eltern erfuhren / dass ihre Kinder; wann
Weiber erfuhren /dass ihre Männer; wann andere erfuhren / dass ihre Anverwanten
oder sonst andere gute Freunde drauff gangen währen / die Bömische Leibeigene /
als währen sie die Todschläger gewesen / ganz grausam ermordet sind / zweifele
auch nit Gott hätte mich durch ein Wunderwerk seiner Almacht erhalten müssen /
dafern mein Oberster im anfange des Krieges hätte sollen sein Leben einbüssen.
Als mir nun obgedachte erfreuliche Zeitung zu Ohre kam / wusste ich nicht / ob
ich mehr über meine Freiheit / oder des Vaterlandes uñ meines H. Sohns
glückseligkeit mich erfreuen sollte; machete mich hin zu meiner Fraue / eriñerte
sie des Königlichen uñ ganzen Landes ernstlichen befehls /nicht mit knechtischer
furchtsamer Rede / sondern mit unerschrockenem Herzen / begehrete auch / dass sie
mir Zehrungskosten zustellen uñ die Ketten der Dienstbarkeit abnehme sollte /
damit ich mein liebes Vaterland erreiche möchte / uñ müste sie nunmehr wissen /
dz ich des allervortreflichste Bömische Adels meinem herkomen nach währe / sie
aber uñ ihr Mañ eines solche Dieners uñ Leibeigene allerdinge unwirdig; über
welche Worte sie sich heftig erzürnete / so dz sie den Eifer nit allerdinge
bergen kunte / uñ mit den Gedanken umging / mich die folgende Nacht durch ihre
Knechte im Schlaffe erwürgen zulassen; dessen sie sich doch wege des algemeine
ernstlichen Befehls nicht durffte merken lassen / sondern mit zimlicher
Freundligkeit zu mir sagete: Mein guter Bolesla (also nante ich mich die ganze
Zeit meiner Leibeigenschaft) warumb habt ihr doch meinem Obersten euren Stand
nicht zeitig entdecket / dass er euch nach Wirdigkeit hätte halten mögen? ihr
wisset / dass ich euch kein Leid zugefüget / sondern allemahl gewogen gewesen bin
/ welches ich auch anjezt will sehen lassen; gab mir darauff ein ledernes
Ritterkleid / ein Pferd mit allem zubehör / und 90 Kronen Zehrgeld /mit
angehengeter Bitte / da etwa ihr Oberster annoch im Leben sein würde / nach
meinem Vermöge ihm zur Freiheit zuverhelffen / welches er mit gnugsame Dank
ersetzen sollte. Wer hätte unter diesem Schaffspelze des Wolffes sich vermuhten
können? mir gefiel ihr Vornehmen sehr wohl / bedankete mich der Hülffe /und
verhiess ihr / ihren Obersten unfehlbar auff freien Fuss zustellen / wo er sonst
noch lebete / auch das geschenkte Pferd dergestalt einzubringen / dass sie meine
Dankbarkeit in der Taht empfinden sollte. Dem Haussverwalter dankete ich vor
zimliche Gewogenheit / die er mir zu Zeiten hätte sehen lassen / und wann sie
bestendig gewesen und von Herzen gangen währe /wollte ich ihm dieselbe höher
vergelten / als er sichs einbilden möchte; die anwesende Knechte aber redete ich
in ihrer Frauen Gegenwart also an: Ihr Leibeigenen / die ihr mir unschuldigen
alten Manne / ohn einige Ursach dergestalt nach Leib und Leben gestanden /dass
mich nichts als der gütigen Götter Vorsorge vor eure teuflische Bosheit
geschützet hat; ich wollte gar leicht es bei meinem Könige dahin bringen / dass
ihr alle mit einander durch grausame Pein soltet gestraffet werden / aber weil
ich viel zu ädel und hoch bin / dass ich an leibeigenen Knechten sollte Rache
suchen / will ich alles der Vergessenheit befehlen / und euch dem Himmel zur
Straffe überlassen. Es sah mich der Schelmen keiner an / sondern gingen davon /
als hätten sie meine Worte nit verstanden. Es hatte aber die Frau einen
Säuhirten / einen grundfrommen Mann /welcher mir oft ein Stük Brod mitgeteilet /
auch mit alten Schuhen mich zu Zeiten versehen hatte / demselben gedachte ich
seine Guttaht zuvergelten / ging zu ihm in seinen Stal / verehrete ihm 10 Kronen
/ und gab ihm den Anschlag / er sollte mit seinem Sohn des Nachtes heimlich davon
lauffen / dass er die Böhmischen Grenzen erreichete / und meiner an einem
gewissen Orte wahr nehmen / dann wollte ich ihm sein Freundes Herz und die mir
erzeigete Guttaht dergestalt belohnen / dass er Zeit seines Lebens alles vol auff
/ als ein grosser Herr / haben sollte. Dieser liess einen schweren Seuffzen aus /
sah mich mit betrübeten Augen an / und schauete umher / ob auch jemand unser
Gespräch anmerkete / hiess mich hinterst in den Stal folgen / und nach
wiederhohletem Seuffzen sagete er: Mein lieber Bolesla (anders weiss ich euch
noch nicht zu ehren) ich erfreue mich eurer Freiheit von Herzen; aber wollet ihr
derselben geniessen / so bleibet ja keine Nacht bei uns / oder ihr werdet Böhmen
nimmermehr betreten / dann der Tod geht euch auff den Versen nach; alle unsere
Knechte haben von unser Frauen Befehl euch zuerwürgen / und wisset ihr ohn das /
wie hässig euch alles Gesinde ist / darumb nehmet euer selbst wahr; es ist eine
algemeine Verschwörung geschehen / vor Mitternacht euch zuerwürgen. In der
gemeinen Schenke nahe beim Tohr halten sich über 300 freigelassene Böhmen auff /
verfüget euch dahin / so seid ihr sicher / und hohlet das Pferd in gnug starker
Begleitung nach; ich will eurem Begehren gehorchen / und mit meinem Sohn (der ein
Knabe von 19 Jahren wahr) in diesen verwirreten Zeiten wohl davon kommen / wie
ich dann weiss / dass viel tausend Leibeigene davon zulauffen sich nicht sparen
werden; eure Woltaht / die ich nicht verdienet / will ich nit aussschlagen / und
begehre nichts weiters / als nöhtigen Unterhalt nebe der Freiheit. Er trat
hierauff etliche Schritte von mir / hohlete mir aus einem Winkel ein Beutelchen
mit 40 Kronen / taht die ihm von mir geschenketen darzu / und sagete; da mein
Herr /nehmet dieses / alle meine Barschaft / die ich in 20 Jahren sehr
kärglich ersparet habe / unb tuht euch damit auff der Reise gütlich / an der
Vergeltung zweifele ich / eurer Auffrichtigkeit nach / nicht im geringsten. Ich
dankete ihm herzlich mit einem umfahen /wegen der geschehenen Warnung und
mitgeteileten heilsamen Rahts / wollte auch das Geld nicht aussschlagen / sondern
als ein Erinnerungs Zeichen / was ich ihm schuldig währe / sagte ich / nahm ichs
zu mir; schliech aufs heimlichste hinweg / dass kein Mensch unsers Gesprächs inne
ward / und machete mich hin nach den versamleten Böhmen / denen nach getahner
Begrüssung ich anzeigete / ich währe ein vornehmer ädler Böhmischer Landsasse /
hätte mannichen sauren Apfelbiss in meiner Gefängnis und Leibeigenschaft
verdäuet / und wollte in ihrer Gesellschaft mit fort zihen / hoffete / sie würden
mich als einen Landsmañ annehmen / der sich auffrichtig erhöhte / ihnen allen
und jeden bei dem Böhmischen Könige eine sonderliche Gnade zuerhalten. Sie
bedanketen sich dessen dienstlich / bahten mich / die ungemåssene
Hauptmanschaft über sie anzunehmen / und mich von ihnen bedienen zulassen; da
hingegen ich mich erboht / mit ihnen als ein Spiessgesell zuleben. Nun wahr ich
nicht Willens / das geschenkete Pferd abzulangen /noch meine ehemahlige Frau
wiederzusprechen; aber das verschlagene Weib / so bald sie meines hingehens
berichtet worden / sendete ihre Leibmagd zu mir / andeutend; sie hätte ihre
besten Freunde zu gaste geladen / um dass sie mit mir lustig sein sollten / bähte
demnach / ich möchte mich alsbald einstellen / und mit ihrem guten willen zum
Abscheide vorlieb nehmen. Ich liess ihr wegen geschehener Einladung dank sagen /
und mich entschuldigen / dass zwar nach ihrem Begehren ich diesen Abend ihr nicht
könnte Gesellschaft leisten / jedoch wollte ich sie vor meiner Abreise sprechen.
Sie dieses vernehmend / hatte alsbald gefürchtet / ich müste von irgend einem
ihres Volks gewarnet sein / welche sie alle vor sich kommen lassen / und ihre
Unträue ihnen vorgehalten / dessen sich aber niemand schuldig geben wollen / biss
einer angezeiget / der Säuhirte und sein Sohn liessen sich ja nirgend finden /
hätten vor drei Stunden vorgegeben / es währe ihnen gestriges Tages ein Schwein
ausse blieben / welches sie suchen müsten / fürchteten sehr / er würde den
Anschlag verrahten / und wohl gar in seine Gesellschaft sich begeben haben.
Worauff sie dann alsbald ihren Haussverwalter an mich schickete / der in ihrem
Nahmen mir vortrug: Sie hätte nicht vermeint / dass ich in meinem angemasseten
Adelstande ihr eine solche Undankbarkeit erzeigen / und ihre Knechte
abspenstigen wollen / sollte alsbald ihren Säuhirten und dessen Sohn ihr wieder
zustellen / als welche weder Böhmen noch andere freigemachte währen; wo nicht /
wollte sie mich bei der Obrigkeit anklagen /dass ich als ein Verführer ihres Volks
am Leben sollte gestraffet werden. Ich hingegen hielt vor gewiss / des Säuhirten
Warnung währe verrahten / uñ hätte sie denselben durch peinliche Frage zur
Bekenntnis gebracht / oder wohl gar schon erwürgen lassen / suchete auch durch
diese Werbung mich in Lebensgefahr zubringen / deswegen dann guter Raht bei mir
sehr teuer wahr / und hielt ich den Abgeschikten mit guten Worten hin; ich wüste
von ihrem Säuhirten nichts zusagen / möchte etwa seiner Hantierung nach
ausgangen sein / daher sie mich des Verdachts erlassen / und in erzeigerer
gewogenheit verbleiben würde. Klagete hernach meinen Landsleuten / wie man mir
nachstellete / und begehrete / dass sie ingesamt mit mir nach dem Amtman des Orts
gehen möchten; wozu sie alle geneigt und willig wahren. Demselben nun taht ich
zu wissen / dass ich ein Wolgebohrner von freiem Adel /und ehemahls Königl.
Böhmischer geheimter Raht und Drost gewesen währe / hoffete / man würde an mir
Königl. Pannonischen Befehl nit brechen / sondern wider Gewalt mich schützen /
insonderheit / weil ich schon einen geträuen Menschen (dieses tichtete ich zu
meiner Versicherung) nach Böhmen ablauffen lassen / welcher meinem Könige / dass
ich annoch im Leben währe / anmelden sollte; begehrete endlich die Oberstin in
gebührliche Straffe zunehmen / und sie andern zum Beispiel ernstlich anzusehen /
als welche mich zuerwürgen / alle Macht anwendete; erboht mich dagegen / dafern
der Amtman einen nahen Verwanten oder sonst guten Freund unter den gefangene
Pannoniern hätte / ich ihm denselben ohn Entgelt auff freien Fuss stellen wollte.
Dieser entsetzete sich des Vorbringens / hatte ohn mein bewust eine geraume Zeit
mit meinem Obersten in Uneinigkeit gelebet / baht / ich möchte meiner Anklage
einigen Beweisstuhm führen /alsdann sollte das Weib mit allen ihren
Helffers-Helffern am Leben gestraffet werden; gab mir auch auff mein begehren 15
bewehrter Knechte zu / mit denen meine ganze Gesellschaft und ich / nach der
Obristin gingen / und bedräulich begehreten / man sollte alsbald den Säuhirten
nebest seinen Sohn lossgeben /oder der gewaltsamen Errettung gewärtig sein. Aber
er wahr schon über mein vermuhten davon gangen /welches ich mir nicht wohl
einbilden kunte / wahr sonst verwirret gnug / was gestalt ich das Weib des
mördlichen Anschlages überzeugen könnte; endlich liess ich einen mir sehr
ungewogenen Knecht gefangen nehmen / die Obristin aber mit ihrem ganzen Gesinde
verwahrlich halten / und den Gefangenen nach dem Amtman führen / der ihn auff
meine Verantwortung peinlich befragen liess / und den Anschlag alsbald erfuhr /
dass ihr ganzes Haus / niemand ausgenommen /dessen gute Wissenschaft hätte. Also
wurden noch andere fünff ihrer Knechte samt der Leibmagd hergehohlet / die ohn
angelegte Pein / bloss durch Bedräuung geschrecket / eine gleichmässige Bekenntnis
tahten; Worauff der Amtman mit mir nach der Frauen ging / ihr solche Bosheit
vorhielt / und dass sie hiedurch nicht allein ihren König / sondern das ganze
Vaterland in unwiederbringliches Verderben würde gesetzet haben / daher sie ihr
Leben verwirket hätte /und mit ihrem ganzen Hause sich zum Tode sollte gefasset
halten. Diese Urtel ging ihr hart ein / aber da halff keine Ausflucht; Sie ward
öffentlich angeklaget /mit ihren Leuten ganz grimmig erwürget / ihre Güter
eingezogen / und von ihrer Barschaft / die sehr gross wahr / meinen Gefärten
4000 Kronen / mir aber absonderlich gleich so viel zugestellet / mit angehengter
Bitte / bei meinem Könige des Landes Gutwilligkeit zurühmen / ihres gefangenen
frommen Königes Wolfahrt zubefodern / und seinen Bruder / da er noch im Leben
sein würde / meinem erbieten nach / loszumachen; welches ich / wie ihr wisset /
geleistet habe. Ich wahr gleichwol bemühet / dem Haussverwalter das Leben
zuerretten / aber ich kunte es nicht erhalten /daher ich mir diesen Richter
durch gar zu stränges ansuchen nicht zuwider machen wollte. Meine empfangene
Gelder aber teilete ich unter meine Leute aus /und brach des folgenden Morgens
auff / da ich vor meinem Häuflein / welche alle neu gekleidet wahren /her ritte
/ in so unaussprechlicher Vergnügung / als ich nie Zeit meiner ganzen
Beherschung mich befunden habe. Auff der Reise musste ich durch meines ersten
Herrn Dorff zihen / welchen ich ansprach / ihm seiner Schwägerin Untergang (die
ihn gar nicht leiden kunte) anmeldete / und mich alles gutes gegen ihn erboht /
insonderheit / dass er seines Bruders statliches LandGut erblich haben sollte /
welches ihm auch worden ist. Auff der Grenze traff ich meinen geträuen Säuhirten
an mit seinem Sohn / erzählete ihm allen Verlauff / und nam ihn mit mir / habe
ihm auch / wie bekam ist / seinen Unterhalt vermachet / dass ihm nach seiner
vorigen Bedienung nicht verlangen wird /wie dann meine damahlige ganze
Gesellschaft von mir ihrem Hauptman also begnadet sind / dz ihnen genügen kann.
Sehet / meine Allerliebsten / also hat mich mein Gott durch viel und manniche
Lebensgefahr / doch endlich noch wiederumb gerettet / und die Schande von mir
gnädig abgekehret / wovor die ganze übrige Zeit meines Lebens / die ich mir kurz
wünsche (sie wehrete auch nur noch drei Jahr) ich mit danken /loben und preisen
/ ihm zuehren / zuzubringen gedenke. Nachdem ich nun aber ein herzliches
Verlangen trage / meiner geliebeten Kinder Lebenslauff anzuhören / wird meine
Fr. Tochter unbeschweret sein / mir solches ausführlich zuerzåhlen. Valiska gab
ihm zur Antwort: Herzallerliebster Herr Vater; ob ich mir gleich seine
ausgestandene Leibeigenschaft schlim und beschwerlich gnug eingebildet / so
hätte ich doch nimmermehr gedenken können / dass sein Jammer dergestalt
überhäuftet gewesen / und er also aus einer Lebensgefahr in die andere gefallen
währe. Aber Gott sei ewig Lob / die Ruhte ist dannoch väterlich / und also
nüzlich und heilsam gewesen; ja sie ist / wie wir hoffen und trauen / zubrochen
und ins Feur geworffen; und wann wir werden im Glauben und in der Gotseligkeit
verbleiben / alsdann wird uns Gott nach diesem sauren Essige und bittern Wermut
/ den allersüssesten und erquiklichsten Wein seiner Woltaht uñ inniglichen
SeelenWollust reichlich einschenken / dass es uns nicht wird mangeln müssen an
irgend einem Gute. Die Erzählung aber / von ihren mañicherlei Begebnissen /
versparete sie / weil es schon zimlich spähte wahr / auff den folgenden Tag /
über welche ihr Herr Vater und die andern Könige sich nicht wenig verwunderten.
Wenig Tage hernach stellete sie ein Freischiessen an / bei welchem auch Batis
(der mit Fürst Mazeus kommen wahr) sich mit übete. Es wahren 100 Ziele gesetzet
/ und solche in vier gleiche Ordnungen geteilet; Nach den ersten fünff und
zwanzigen sollten die Bauern; nach den andern die Bürger; nach den dritten die
ädlen schiessen; bei der vierden und lezten Ordnung ward niemand / als Fürsten /
Grafen und Herren zugelassen. Der schlechteste Gewin in der nidrigsten Ordnung /
wahren 4 Kronen / der höchste aber 100 Kronen / so dass immer der folgende Gewin
vier Kronen höher als der vorhergehende war /und alle Gewiñ dieser ganzen
Ordnung 1300 Kronen macheten. In der andern Ordnung wahr der unterste Gewin 8
Kronen / der höchste oder fünff und zwanzigste 200 Kronen / und wahr stets der
eine acht Kronen höher als der andere / dass alle Gewiñ dieser Ordnung 2600
Kronen ausstrugen. In der dritten Ordnung wahr der schlechteste Gewin 12 Kronen /
der beste 252 / und wahr jeder Gewin seinem vorigen mit 10 Kronen überlegen;
macheten alle Gewiñ dieser Ordnung 3300 Kronen. Die vierde und höchste Ordnung
hatte zum kleinesten Gewin 150 Kronen / und wahr jeder Gewin nach der Reihe mit
30 Kronen vermehret / biss an die ersten zwanzig. Die fünff lezten dieser Ordnung
wahren höher auffgesteigert / massen der geringste auff 800 Kronen / der ander
auff 1200; der dritte auff 2000 / der vierde auff 3300; der fünfte und lezte
auff 20000 Kronen gesetzet wurden / dz diese vierde Ordnung 36000 Kronen austrug
/ und alle hundert Gewinne dieses Freischiessens sich auff 43200 Kronen
belieffen. Es funden sich 750 Bauern bei dem Schieffen; Ihre Ziele wahren grosse
schwarze Scheiben / in deren Mitte ein weisser Flecken wahr / und steckete ein
Ziel immer weiter als das ander. Die Bürger hatten hölzerne Vögel auff Stangen
in die Höhe gerichtet / von ungleicher Grösse und Höhe / und funden sich dabei
in die 1000 bürgerliche Schützen. Der ädlen Ziele wahren hölzerne Reuter / die
auff kleinen Rädern stets hin und her gezogen wurden; auff der Brust wahr ihnen
ein güldenes Herz gemahlet / nach welchem sie zielen mussten; dabei funden sich
550 ädle mit ihrem Schiesszeuge. Der Fürsten und Herren Ziele wahren 25 Vögel mit
ausgespanneten Flügeln /die hoch an quehrstangen hingen / und an Rollen
fortgezogen wurden / als ob sie in stetem Fluge blieben. Der erste Tag wahr den
Bauern gegeben / die in gnug wüster Ordnung und unbendigem Geschrei ihrer übung
nachsetzeten / und fand sich unter ihnen ein junger frischer Baurknecht /
bräunlich von Angesicht und Haaren / der in fünff Schüssen / den 5 / 10 / 15 /20
/ und 25sten Gewin davon trug. Jederman wollte wissen / wer dieser gute Schütze
währe / und fand sich doch niemand / der ihn kennete / weil er vorgab /er währe
von neun Jahren seines Alters her in Pannonien leibeigen gewesen / und hätte bei
einem WildSchützen gedienet / auch würde sein Meister sich ohn zweifel bei dem
Bürgerschiessen finden lassen / dann er hätte ihn gestriges Tages ohn gefehr in
der Stad gesehen. Es verzog sich dieses BauernSchiessen biss an den Abend / und
funden sich nur zwölffe / die den Gewin erhielten. Zeit solches schiessens / und
folgends die ganze Nacht durchhin biss an den hellen Morgen / ging das Gesöffe
unter diesen Bauern fort /denen zur linken Seiten sich eine andere Bauern
Gesellschaft in die 4000 stark gesamlet hatte / welche bei der jungen Böhmischen
und Teutschen Königin demühtig anhalten liessen / ob ihnen erlaubet sein könnte /
ein Wette-lauffen uñ Wette-werffen unter sich anzustellen / wollten sie ihrer
Obrigkeit und andern hohen Häuptern dadurch Kurzweil mache / welches ihnen nit
allein gegöñet ward / sondern es wurde an die 300 Lauf-Ziele / und 60 Werfziele
gestecket / und bei jedem ein Gewin auffgesetzet / da allemahl ihrer sieben nach
einem Ziel zugleich lauffen mussten / und der so am ersten dasselbe erreichete /
den Auffsaz erhielt. Da hätte man nun sollen eine Kurzweil sehen /massen / wo
einer vor dem andern so nahe lieff / dass er ihn mit den Händen abreichen kunte /
sties er ihn /dass er sich überwarff / und oftmahls mit blutigem Maule
umbkehrete; insonderheit fand sich ein Kröppel / auff zween Krücken hinkend /
welcher dieselben dergestalt in wunderlicher Hüpfart zugebrauchen wusste / dass er
den einen Zweg vor seinen anderen Mitläuffern erreichete / worüber bei allen
Zusehern ein grosses Gelächter entstund. Bei dem WerffSpiel gab es auch manniche
Kurzweil ab / biss alle Gewiñ erhalten wahren / und sie sich je dreissig und
dreissig umb ein Fass Bier legeten / biss sie es auff den lezten Tropfen
abgestochen hatten; dann König Ladisla liess ihnen solches volauff zuführen. Des
andern Tages ging dz BürgerSchiessen fort / und ward mannicher Pfeil vergebens
in die Luft nach den hölzern Gänsen geschikt / dass wohl erschien / ihrer viel
hätten des schiessens geringe erfahrung / doch wurden sie auch mannichmahl
rechtschaffen getroffen / insonderheit von einem dikgeschwollenen Manne / der
ein greises Haar und Bart / breite Schultern und kleines Angesicht hatte / mit
Haar schier gar bewachsen; die Hände wahren ihm mit alten Lumpen bewunden / weil
seinem vorgeben nach / sie räudig währen; sein Gang wahr so gebrechlich und
unvermögen / dass jederman gedachte / er würde wegen zittern seiner Beine
niderfallen; und wann er den Bogen ergrieff / zitterten ihm die Hände als das
Laub an den Bäumen / dass alle Zuseher sein spotteten / und Herkules zu
Pharnabazus sagete; Wañ dieser etwas redliches treffen wird / mus mans bloss vor
ungefehr rechnen. Dieser Alte sah und hörete den durchgehenden Spot mit
stilschweigen an /blieb in seinem angenomenen Ernste / und schoss nur nach dem
allerweitesten Ziele / welches er allemahl traff / biss ers gar herunter warff /
und der Zuseher Spot sich in eine Verwunderung verkehrete. Batis wahr mit in
dieser Ubung / neben anderen Meden und Partern / welche auch die meisten / und
zwar alle vornehmsten Gewin davon brachten / nur dass ein Teutscher den
vierzehnden / ein Pannonier den zwölften / und ein Franke den zehnden erhielt.
Das Gesöffe / welches die Böhmen und Teutschen dabei trieben /wahr auch wüste
gnug / wobei ihrer etliche blaue Augen davon trugen. Darauf folgeten des dritten
Tages die ädlen / welche nicht geringen fleiss anlegeten / ihre Wissenschaft in
dieser übung sehen zulassen / insonderheit die Meden und Parter. Batis war auch
hieselbst zugelassen / und hielt sich wohl / wie auch Neklam und Reichard; dann
jener schoss den achzehnden und neunzehnden; der andere den achten und zwölften;
der dritte den zehnden und vierzehnden hölzern Reuter mitten durchs Herz. Nach
vierstündigem Schiessen kam ein Alter auff einer Sänfte herzu /liess sich von
zween Dienern herab heben / und in ein Zelt tragen; von Leibe wahr er dürre und
hager / hatte einen langen schneweissen Bart / uñ im Gesichte /auch an Händen /
wahr er voller Sonnenstecken; sein Diener gab ihn vor einen 84 järigen an / der
noch von guten Leibeskräften währe / ohn dass er neulich am Zipperlein hart
danider gelegen. Er liess sich nach dem Schiessstande leiten / zielete nach dem
21sten Reuter /und traff gewünschet; und weil die Freiheit in diesem Schiessen
gegeben wahr / dass wer eines Ziels mittel getroffen / noch einen Schuss darauff
hatte / biss er fehl schoss / machte er sich an die vier lezten auch / und erhielt
sie alle in vier Schüssen / dass Herkules zu zweifeln begunte / wie es umb diesen
Schützen eine beschaffenheit haben möchte. Die Teutschen und Pannonier wendeten
allen fleiss an / einen Nahmen zuerlangen / aber es glückete wenigen / doch bekam
Ekhard den 20sten. Es ward dieses Schiessen bei früher Tageszeit geendet / und
gute zubereitung auff dass Fürstliche gemacht / welches des andern Morgens
anging. Alle Anwesende junge Könige / Fürsten und Herren /an der Zahl 42 liessen
sich hiebei finden / auch Valiska selbst / und ward Könige Mnata die Ehre
gegeben / dem Schiessen den Anfang zu machen; der vor dissmahl vom niedrigsten
anhueb / und es glücklich gewan / nehmlich eine Taube / die ein güldenes Ketchen
umb den Hals trug. Diesem folgeten drei Teutsche Herren / deren zween nach dem
andern Ziel vergebens schossen / und der dritte es herunter warff. Bubazes
erhielt das dritte; Tyriotes das vierde. Nachdem fünften schossen drei Bömische
Herren vergebens / biss es Prinsla erwarb. Neda rührete den sechsten Vogel /aber
Leches bekam ihn. Ein Friese / zween Pannonier und ein Römer zieleten auff den
siebenden / aber ohn wirkung / ein Franke traf ihn / aber er fiel nicht / Markus
erlangete ihn endlich. Den achten Vogel bekam Fürst Mazeus / als ein Teutscher
Herr / nahmens Wengist / auch Klodius / Bertram und Wedekind vergeblich
geschossen hatten. Olaf erfreuete sich des neunden. Gallus und zween Friesen
hoffeten den zehnden zuerlangen / aber ein Schwede / nahmens Biorn hatte dieses
Glük. Hierauff trachteten zween Dähnen / ein Wende / ein Gohte und ein Böhme
nach eilften / aber er wahr Markomir bescheret. Fabius erlangete den zwölften;
Arbianes den dreizehnden; Pharnabazus den vierzehnden; Siegward den
funffzehnden; Valiska den achzehnden / und Herkules den neunzehnden; damit wahr
das erste umbschiessen geendiget / uñ noch sechs Vogel übrig. Nach dem 20ste
schossen die erstgenanten fünff uñ dreissig umbsonst / wiewol er von Mnata /
Tyriotes / Mazeus / Fabius und Olaf getroffen ward / und endlich Arbianes ihn
davon brachte. Den 21ste bekam Ladisla; den 22 Valiska; den 23 Herkules. Nachdem
24sten (welcher eine Taube wahr / die in ihrem Schnabel einen Zaunkönig hielt /
und nicht die Taube / sondern dieser musste getroffen werden) wollten Herkules und
Valiska nicht mit schiessen / sondern den übrigen allen wurden jedem drei
Schüsse auffeinander darnach gegönnet / aber keiner traff ihn / ohn von Arbianes
und Baldrich ward er gerühret / aber von Siegward zimlich los gemacht / endlich
von Valisken herunter geworffen. Der Tag hatte hiemit seine endschaft / dz man
umb den höchsten Gewin nicht schiessen kunte /daher auch die austeilung der
erworbenen Danke auffgeschoben ward / und redete Ladisla über der Mahlzeit von
den beiden alten Schützen / und dem jungen Bauern / welche in den vorigen Tagen
den höchsten Preis davon getragen hatten / denen er nachzufragen /und bessere
Kundschaft von ihnen einzuzihen befahl; worüber Valiska sich des Lachens nicht
entalten kunte / und ihrer Libussen einen Wink gab; welche ihm antwortete:
Gnädigster König / diese drei Schützen sitzen mit an diesem Tische / mit einem
einzigen Rocke bekleidet. Herkules sagte darauff: So hat mein Schaz uns wieder
geblendet / und unsere Verstellung bei dem Stechen vergolten? wie sie dann
solches ungefraget bekennte; und dabei anzeigete / sie hätte nachgehends sich
ein Gewissen gemacht / wegen der angenommene Leibesschwacheit / und Gott im
Herzen gebehten / ihr solche Leichtfertigkeit gnädig zuverzeihen. Alle Anwesende
verwunderten sich der schlauhen verstellung / und sagte ihr Herr Vater zu ihr:
Geliebtes Kind / wann du dich in dieser bürgerlichen Kleidung vor dem Wüterich
Artabanus hättest finden lassen / würdestu vor seinen Liebes-ansprengungen wohl
gesichert blieben sein. Ja / Gn. Herr Vater / antwortete sie; hätte in der
Fremde es mir nicht an Mitteln gefehlet / wollte ich in gnug verächtlicher
Gestalt mich / nicht nach Ekbatana oder Charas / sondern nach Padua oder Prag
hingewendet haben; aber diss sind menschliche Gedanken / deren viel in der Lust
verstieben; dann Gottes versehungen müssen doch vor sich gehen / welche keines
Menschen Wiz hintertreiben / aber gleichwol durch ein fleissiges Gebeht und
bussfertiges Leben sich der Staffen entzihen kann. Des nähstfolgenden Tages ging
das Schiessen wieder an / wiewol wenige darzu Lust trugen / weil sie keine
Hoffnung zum Siege hatten. Das Ziel wahr ein kleines Vögelein aus festem Eisen
gemacht / auff einer Stange unbewäglich / auf dessen Schwanze an der rechten
Ecke ein rohtgefärbeter höltzener Meikefer sass / welcher ohn des Vögeleins
beruhrung sollte herunter geschossen werden / mit der Bedingung / wer das
Vögelein oder die Stange treffen würde / sollte 30 Kronen zur straffe erlegen /
behueff der Armen die unter den Zusehern wahren. Nun wollte dannoch ein jeder
lieber solche straffe erlegen / als gar nebenhin schiessen / daher etliche
hundert Kronen auffkahmen /und ward sechsmahl herumb geschossen / ehe Herkules
uñ Valiska sich mit gebrauchen liessen. Arbianes /Baldrich Siegward und Ladisla
versucheten zwar ihr äussertes / aber der Kefer blieb unberühret / so dass ihrer
viel sich zur Wette erbohten / es würde diesen Tag nicht vollendet werden;
endlich traten Herkules und Valiska mit herzu / und musste er wieder seinen
willen den Vorschuss vor ihr nehmen / welcher ihm auch geriet / dass der Meikefer
herunter flatterte / worüber sich niemand so hoch / als eben sein Gemahl
erfreuete / dass sie zu ihm sagete: Mein schönstes Seelichen / jezt geht mirs
recht nach meinem Wunsche /dass diese Ehr euch zuteile wird / wie schlecht auch
der Gewin mag gerechnet werden. Es entstund bei allem Volk ein so grosses
Freudengeschrei / dass die Lust erschallete / in dem überal von jungen und alten
geruffen ward: Glük zu dem siegreichen Könige Herkules / der zum höchsten Preise
geboren ist. Die Trömeter und Heerpauker liessen sich unangefodert mitören
/und wollte ein jeder sehen lassen / dass er diesem Helden gewogen währe; nur er
selbst ward darüber unwillig / verlachete nicht allein solche Eitelkeit in
seinem Herzen / sondern straffete auch seine Valisken /dass durch ihre erzeigete
Freude / wegen eines so liederlichen dinges sie dieses Frolocken verursachet
hätte / und wunderte sich nicht wenig / wie sie doch über diese kindische
Tohrheit so grosse Herzens vergnügung fassen könnte. Welches sie beantwortete;
Sie erkennete ihre schwacheit gerne / wüste auch / dass dieses alles nur eitel
und nichtig währe / und daher bloss allein die Betrachtung des ewigen Gutes /
dessen höchstes ZielGottes Gnade und Erbarmung ist / in unserm Herzen die wahre
Freude erwecken sollte; jedoch gestünde sie / dass sie in diesem Leben die
Volkommenheit noch nicht ergriffen hätte / und / als der menschlichen Schwacheit
unterworffen / auch zu zeiten von dem Irdischen sich reizen liesse; weil aber
dergleichen Ubungen noch wohl zugelassen währen /hoffete sie bei ihrem Gott des
unzeitige frolockens gnädige Vergebung. Nach vollendetem Freuden-geschrei traten
Königin Sophia / Lukrezie / und Vanda /auch Fürstin Sibylla / Klara und Schulda
herzu / liessen die Gewinne nachtragen / und überlieferten sie an behörige Orte
mit sonderlicher Freundligkeit / da Herkules von Königin Sophien einen
köstlichen grünen Kranz vor andern empfing / welcher seinen Gewin dem Statalter
Herrn Fabius zustellete / mit bitte / ihn unter die armen Christen zu Padua
auszuteilen.
    Des folgenden Tages zwo Stunden vor der Mahlzeit trat Ekhard zu den Königen
in den Saal / und meldete an / es währe ein elender Mensch in schlechten
knechtischen Kleidern haussen vor dem Schloss /welcher sehr inständig anhielte
/ eingelassen zuwerden / gäbe vor / er kähme aus Pannonien / und hätte bei König
Herkules und Ladisla etwas zuwerben; das Angesicht währe an ihm sehr verfallen /
sonsten sähe er dem ehemahligen Römischen Lehrmeister Tibullus nicht so gar
unähnlich. Herkules sagete; der dürffte es wohl sein / da er noch am Leben ist /
weil wir von der Zeit seines hinwegreisens nach Rom ganz keine Zeitung von ihm
gehabt haben / uñ würde er sich in Italien sonst bei uns haben gemeldet. Weil
ihm dann Herkules sehr gewogen wahr / wollte er die Warheit selbst erfahren / und
als ginge er ohn das zur Lust umher /nahete er sich dem SchlossTohr / vor welchem
dieser auf Antwort wartete. So bald er ihn sah / kennete er ihn gleich / liess
sichs doch nicht merken / sondern ging vor ihm vor über; jener folgete ihm von
seine /und weil er seines ehwahligen Schülers Angesicht sah / wahr ihm solches
annoch sehr wohl bekam / eilete demnach / dass er ihm vorbeugete / und redete ihn
also an: Grossmächtigster König / gnädigster Herr: Eure Königl. Hocheit bittet
ein ehmaliger geträuer Diener untertähnigst / sie wolle denselben mit gnädigen
Augen ansehen / ob etwa das aussgestandene langwierige Elend denselben nicht
aller Dinge unkäntlich /und sein Unglück ihn nicht gar unangenehm gemacht haben
möchte. Herkules antwortete ihm freundlich; es kann sein / mein Freund / dass
denselben ich ehmals gekennet habe / weil ich mich aber in der Eile nicht
zubesinnen weiss / wird er mir seinen Nahmen zunennen unbeschweret sein. Eure
Hocheit / sagte dieser /sihet ihren alten Diener Tibullus vor sich / welcher
hoffet dero Gnaden zu seiner Sicherheit zugeniessen. O mein wahrer Freund /
antwortete er / wie sehe ich ihn in so elender Gestalt? wollte ihn damit
umfangen; er aber legete sich vor ihm nider seine Knie zu ümarmen; welches er
doch nicht geschehen liess / sondern huhb ihn freundlich auf und versprach ihm /
alles sein Begehren nach Mägligkeit zuleisten. Und weil Gallus hinter ihm
hertrat / befahl er demselben / ein gutes seidenes Kleid herzuhohlen; Klodius
aber musste ihn mit sich in eine Herberge führen / woselbst Tibullus sich eilig
putzen liess / das Kleid anlegete / und mit beiden jeztgedachten nach dem
Schloss ging / woselbst Herkules im Vorhofe noch auff ihn wartete /hiess ihn
daselbst auffs freundlichste von neuen wilkomen / und musste er zu seiner Seite
mit ihm nach dem Saal gehen / da Herkules zu Ladisla sagete: schaue lieber
Bruder / unsern alten getrauen frommen Lehrmeister Tibullus / welchen ich in
elender Gestalt ohngefehr angetroffen habe / und verhoffentlich des Vermögens
sein werde / ihm seinen angewanten Fleiss zuvergelten. Mein lieber Freund /
sagete Ladisla / da er ihn freundlich empfing / er sei uns allen wilkommen / und
versichere sich / dass ich seiner guten Unterweisung / als lange ich leben werde
/ unvergessen sein will. Tibullus demühtigte sich sehr / bedankete sich der hohen
Neigung untertåhnigst / und wahr sein Herz mit der inniglichsten Vergnügung
erfüllet / weil er sah / dass sein Unglück nunmehr die Endschaft erreichet hatte
/ aber er ward wunderlich erfreuet / als er Herrn Fabius / Statalter von Padua
sah / dessen Angesicht ihm noch bekant wahr / ging zu ihm hin / setzete sich
vor ihm nieder auff die Knie / uñ fing also an: Durchleuchtiger Herr / ich bin
den Römischen SchuzGöttern alles mein Vermögen / wie schlecht es auch ist / ganz
schuldig / nachdem dieselben euer Gn. Angesicht mir noch vor meinem Ende haben
wollen sehen lassen; bitte untertähnig / dieselbe wolle ihr geneigtes Herz mir
unwirdigen wieder zuwenden / und mich ihren Knecht und Bastart Sohn Tibullus in
Dienste nehmen. Was mein Sohn? sagte Fabius /bistu annoch im Leben? ja / bistu
meines Herrn Schwieger Sohns Lehrmeister vor diesem gewesen? ja Gn. Herr /
antwortete er / die Götter haben mich vor 16 Jahren auff einem Streift wieder
die Teutschen / in Feindes Hände gegeben / welche mich zum Leibeigenen gemacht /
da ich nachgehends das hohe Glük gehabt / den beiden Grossmächtigsten Königen /
Herrn Ladisla und Herrn Herkules auffzuwarten / deren Herr Vater und Vetter /
der auch Grossmächtigste König der Teutschen / Herr Henrich / mir vor ohngefehr 8
Jahren die ädle Freiheit zugestellet / und mich wohl begabet nach Hause zihen
lassen / bin aber auff den Römischen Grenzen von etlichen Pannonischen Räubern
gefangen / vor leibeigen verkauft / und biss daher in überaus grossem Elende hart
gestrafet worden /welches alles ich doch gerne vergessen will / nachdem ich
dieselben meine Gnädigste Herrn alhie beieinander antreffe und sehe / denen ich
mich selbstschuldig bin. Stehe auff mein Sohn / sagte sein Vater zu ihm /boht
ihm auch die Hand / und taht ihm die gnädige Verheissung / er wollte ihn also
halten / wie sein Herr Schwieger Sohn / König Ladisla es ordnen und schaffen
würde. Königin Sophia hörete dieses alles mit Verwunderung an / wusste sich
zuerinnern / dass ihre Eltern Zeit ihrer Kindheit von ihrem Bastart Bruder
Tibullus geredet hatten / und weil sie sah / dass ihr Gemahl und Herkules
demselben so gewogen wahren / ging sie zu ihrem Vater / und baht denselben
demühtig / er möchte diesen seinen Bastart / der ja sein Fleisch und Blut währe
/ gnädig vor einen ehelichen Sohn ernennen / und ihm den Nahmen Fabius mitteilen
/ alsdann wollte sie ihm schon so viel Güter zuwenden / dass er seinen Stand wohl
führen sollte / und währe bei Römischer Käyserl. Hochheit leicht zuerhalten / dass
ihm der Bastart-Flecken durch deren Machtspruch abgewischet würde. Ladisla und
der junge Fabius selbst hielten zugleich hierum an / und weil König Henrich und
Herkules ihre Vorbitte hinzutahten / wahr der Statalter willig / umfing ihn /
uñ erklärete ihn biss auff Römische Käyserl. Einwilligung vor ehelich; welches
unvermuhtliche hohe Glük ihn so verwirret machete / dass er so bald sich nit
begreiffen /noch einige Antwort geben kunte; endlich fing er also an:
Durchleuchtiger Herr Statalter / Gnädiger Herr; ich erkenne mich aller Dinge
unwirdig dieser hohen Ehr und Gnade / zu welcher die Grossmächtigste Königin und
Frau / Fr. Sophia / nebest ihren Herr Bruder / meinen Gn. Herrn mich befodert /
und die Grossmächtigsten drei Könige eingebehten haben / wünsche nicht mehr / als
dass zur Behäuptung meines Gehorsams und hoher Vergnügung ich der eins
Gelegenheit haben möge / vor ihre Durchl. welche meinen Gn. Herr Vater zu nennen
ich mich untertähnig erkühne /mein Blut und Leben aufzuopffern. Ladisla
wünschete ihm zu diesen Ehrenstande Glük / mit dem Erbieten /ihn vor seinen
Schwager und lieben Freund zuerkennen; der junge Fabius trug ihm Brüderliche
Liebe und Träue an / welches Königin Sophia ingleichen taht /und verehrete ihm
Herkules zur Glükwünschung zwo Tonnen Goldes / 20 Reit- und 30 WagenPferde /
samt 24 Pannonischen Leibeigenen / nebest dem Erbieten /dass er ihm entweder im
Paduanischen Gebiet ein adeliches Gut käuffen / oder in Teutschland eine
Herligkeit eingeben wollte. Also musste dieser fromme Mensch nach ausgestandenem
herben Unglück noch zu ehren gelangen / da er dann in wenig Tagen den
Christlichen Glauben annam / und von Ladisla vor seinen geheimen Raht und
Statalter über einen grossen Teil seines Königreichs eingesetzet / auch mit
Ninislaen Gütern erblich versehen ward / weil er wählete / bei seiner
allergnädigsten Fr. Königin / Fr. Sophien / zeit seines Lebens zubleiben /
nachdem dieselbe nicht allein eine Ursach dieser seiner übermässigen
Glükseligkeit währe / sondern ihm / wiewol allerdinge unwirdigen / über das noch
den allersüssesten Bruder-Nahmen zulegete. Als die geschenkete Leibeigene ihm
zugestellet wurden / ersah er einen unter denselbe / worüber er sich gar
entfärbete / kehrete sich umb nach dem jungen Fabius / welcher nicht weit von
ihm stund / und sagete: Ich sehe nunmehr / dass der Himmel mich an meinem und
aller Römer unmenschlichen Feinde noch rächen will; trat hin zu demselben / und
redete ihn also an: Sihestu nun / du verteufelter Unmensch / wie die Göttliche
Rache hinter dir her ist /dich wegen deiner Unbarmherzigkeit abzustraffen
/welche du mir und viel andern unschuldigen Römern in unser grössesten Unschuld
hast angelegt? Dieser erblassete / und gab zur Antwort: O hätte ich dich
abgeschlachtet / wie andere deines gleichen / dürffte ich anjezt dein dräuen
nicht anhören. Der junge Fabius begehrete zuwissen / was er ihm hätte zu leide
getahn. Worauff er ihm weitläufftig erzählete: wie er 26 Wochen sein Leibeigener
gewesen / unter welcher kurzen Zeit er über 40 gefangene Römer an sich gekaufft
/bloss nur zu dem Ende / dass an ihrer unsäglichen peinlichen Hinrichtung er seine
Augen weiden möchte / dabei er oft diesen Wunsch getahn / dass er mit dem
Römischen Käyser und allen seinen hohen Bedieneten auch also verfahren möchte.
Ihn selbst hätte er bloss darumb beim Leben gelassen / weil er gesehen / dass er
den Tod / als seines Jammers Ende stets gewünschet. Fabius taht solches Ladisla
zu wissen / welcher den Buben gefangen legete / und weil drei Tage hernach sein
gewesener Herr / ein Böhmischer von Adel / ihn anklagete / dass er ihm seine drei
Mägde / und seines Jägers eheliches Weib genohtzüchtiget hätte /ward er durch
allerhand Peinigung hingerichtet. Tibullus ward sonst von Herkules befraget /
warumb er sich nicht bemühet hätte / unter den 10000 lossgelassenen Römern mit
zusein; worauff er antwortete; dass er solches zwar gesuchet / aber durchaus
nicht erhalten können; auch hätte man die geringesten frei gegeben / und die
vornehmsten behalten; baht darauff sehr inständig / bei König Mnata es zutreiben
/ dass den vornehmsten Römischen möchte gegönnet sein / sich mit einem
ansehnlichen Lösegelde frei zukäuffen; welches Mnata nicht allein gerne
einwilligte / sondern sich erboht / er wollte alle leibeigene Römer durch die
Bank hin / gegen so viel gemeine ädle Pannonische Leibeigene / frei geben;
welches auch stündlich an Statalter Mastyes geschrieben ward / der alle
Römische Leibeigene unter der Versprechung eines zimlichen Lösegeldes / bei Leib
und Lebensstraffe an allen / so es verhindern würden / in einer Pannonische
GrenzeStad versamlen liess / deren Anzahl sich auff 9000 erstreckete.
    Nach Endigung des obgedachten Freischlessens /hielt Arbianes auff
Pharnabazus Erinnerung bei Königin Valisken an / dass die versprochenen Völker
mit der Zeit möchten verschrieben und zusammen geführet werden; welches inwendig
fünff Wochen geschahe / und liessen sich 24000 Teutschen / 4000 Böhmen /2000
Pañonier / 1000 Schweden und Goten / 1000 Franken und Sikambrer / 1000 Dänen /
1500 Wenden / und 1500 Friesen / ingesamt 36000 wolgeübete wehrhafte Reuter
freiwillig bestellen / mit der Bedingung / dass nach Verlauff dreier Jahren /
ihnen / so viel ihrer im Leben bleiben würden / freier Abzug nach ihrem
Vaterlande sollte gegönnet / und aller Gold richtig ausgezahlet werden. Fürst
Olaff (weil er sich erboht / mit in Asien zuzihen) ward über das Heer
Feldmarschalk / die Dänen und Wenden aber zu seinem LeibSchuz gesetzet; Herr
Wedekind / nebest Graf Prinsla / Herr Bertram und Wilhelm setzete Arbianes zu
GrossOberWachtmeistere ein. Vierzehn Tage nach dem Freischiessen machete König
Mnata sich fertig zum Auffbruche / und liess durch seinen Schwager den Dänischen
König bei Ladisla ansuchen / nachdem eine so grosse Menge seiner geübten
Mannschaft in dem verfluchten Kriege drauff gangen währe / und sein Land von
Einwohnern zimlich entblösset / ob den gefangenen Pannoniern nicht könnte
vergünstiget werden / sich bei ihren Herren von der Leibeigenschaft
losszukäuffen / alsdann sollte ein jeder gemeiner Reuter und Landsknecht vor seine
Freiheit 250 Kronen / ein jeder UnterBefehlichshaber 350 Kronen; jeder
Unterhäuptman und Fähndrich 450 Kronen; jeder Häuptman und ädles Standes 600
Kronen; jeder ädler und Ritter 4000 Kronen / und jeder Oberster 12000 Kronen
erlege; da er dann nicht zweifeln wollte / der Römische Käyser würde auff
freundliches ansinnen gegen die 9000 neulich erledigte Römer / nicht allein die
2000 ihm zur Verehrung zugeschickete Pannonier / sondern auch noch 7000
Pannonische Leibeigene hinwiederumb sich lassen frei käuffen / dass also eine
gleiche Anzahl umb gleiches Geld ausgewechselt würde. Herkules riet gewaltig zu
/ man sollte so grosses Erbieten nicht ausschlagen; dem Lande und Inwohnern währe
ungleich mehr mit dem Gelde als Leibeigenen gedienet / welche ohndas sehr frech
währen / sich wo möglich / zusammen rotten / und ungeachtet aller Lebensgefahr
ihre Freiheit durch eine verzweifelte Auffruhr suchen dürfften / wie man dañ in
erfahrung bracht / dz ihrer viel sich schon unterstanden hätte / die flucht
zuergreiffen. Sein Raht ward angenomen / uñ schrieb man alsbald aus / dz die
gefangenen so hoch sollten gelöset werden. Auch musste Tibullus (seine
Ehelich-sprechung zuholen) mit Klodius uñ Gallus nach Rom reiten / Fr. Mameen
von Königin Valisken / Sophien / uñ König Mnata / auff 10 Tonnen gemünztes
Goldes zum Geschenke mitnehmen / und des Pannoniers Ansuchen vortragen /welches
nach gehaltener Berahtschlagung von dem Käyser eingewilliget ward; so schenkete
er auch Valisken nit allein den aussgerissenen Pines / sondern alle seine
Gesellen frei / mit ihnen nach Willen zuschalten / welche durch diese
Freilassung hoch erfreuet / mit Tibullus (der vom Käyser nit allein alles nach
Willen erhielt / sondern Fr. Mammea ihm überdas ein vornehmes Römisches Fräulein
aus ihrem Zimmer freiete / nahmens Aurelia) fortritten / deren zween sich zu
Pines schlugen mit ihm in Asien zuzihen (woselbst sie auch ihr Leben ritterlich
einbüsseten) / die übrigen aber bei ihrem Könige blieben /und von demselben gross
gemacht wurden. Die Leibeigene Pannonier kahmen in sechs Wochen eine Meile von
Prag beieinander / und wurden auff die nähesten Dörffer verlegt / an der Zahl
66000 / unter denen 150 Obersten; 1300 Häuptleute (deren 900 ädle 400 Unädle);
2400 Unter-Häuptleute und Fähndriche /(1800 ädle 600 unädle); 3150
Unterbefehlichshaber (unter denen 1600 ädle) / und 59000 gemeine Reuter und
Knechte wahren / unter welchen sich zwar noch in die 5000 ädle funden / aber man
liess sie im Anschlage der Unädlen durchlauffen. Die Obersten erlegeten 18 Tonnen
Goldes; die ädle Befehlichshaber 172 Toñen Goldes. Die Unädlen Häuptleute 240000
Kronen; die Unädle Unter Håuptleute und Fähndriche 270000 Kronen; die Unädle
Unterbefehlichshaber 542500 Kronen / und die gemeinen Knechte 147 Tonnen Goldes
50000 Kronen; wahr das ganze 331 Tonnen Goldes und 82500 Kronen / welches alles
nach geleisteter Verschreibung / in wendig drei Jahrfrist an Barschaft / Korn /
Wein / und Vieh geliefert / durch Böhmen und Teutschland unter die Einwohner aus
geteilet ward. Nach des Pannoniers Abzuge schieden die fremden Könige auch davon
/ nachdem sie mit König Henrich / Notesterich und Baldrich eine feste Bündnis
geschlossen hatten / da König Hilderich einwilligte / dass sein Sohn Markomir
sich eine Zeitlang bei Herkules auffhalten möchte. Sechzehn Tage vor Arabianes
Aufbruche nach Persepolis / genasen Königin Lukrezie und Fürstin Sibylla in
einer Stunde jede eines jungen Herleins / und ward Baldrichs Sohn in der Tauffe
Christian; Siegwards Sohn Karl genennet. Dreizehn Tage nach solcher Geburt
erhielten Herkules und Ladisla bei ihren Eltern / dass sie die heilige Tauffe zu
Prag empfingen: da Graff Pribisla / Bretisla / Krokus Wratisla / Herr Wenzesla /
und Tibullus (welcher in den Graffen Stand auffgenommen wahr) sich zugleich mit
tauffen liessen. Zween Tage brachten sie hernach mit der Heers Beschauung zu /
und wahr Grossfürstin Klaren sehr lieb / dass nicht allein Fürstin Schulda und
Gräfin Terba gar in ihrer Gesellschaft blieben / und zween Jahr bei ihr sich
auffzuhalten versprachen / sondern auch ihr Bruder König Baldrich / Fürst
Siegward und Fürst Markomir mit biss nach Jerusalem reiseten / dass sie sich zu
Betabara täuffen liessen. Valiska unterrichtete Klaren fleissig / wie sie sich
gegen ihren Schwäher Phraortes und die Morgenändischen Fürsten verhalten / und
da sie in frühzeitigen Witwen Stand gerahten würde / nicht in Meden bleiben /
sondern bei ihren Anverwanten Trost suchen sollte. Das gesegnen bei dem
Abscheiden wahr mit unzähligen Trähnen vermischet; Fr. Sabina Pompeja weinete
wegen Hinterlassung; Königin Gerdrut wegen Abzuges ihrer Tochter; doch weil es
anders nicht sein wollte / trosteten sie sich mit dem /dass sie einander zum
wenigsten alle zwei oder drei Jahr besuchen könten. Auch schmerzete es den
jungen Fabius sehr / dass er sich von seinen liebesten Freunden Herkules und
Ladisla scheiden musste / die ihm alle ihre Güter in Italien eingaben / und er
sie nachgehends fast alle Jahr zwei oder dreimal besuchete. Alle König- und
Fürstliche Häupter gaben den Abzihenden das Geleite biss an die Böhmischen
Grenzen /befahlen sich ingesamt Götlicher Beschirmung / und kehreten diese
wieder üm / jene aber nahmen den nähesten Weg auff Padua vor sich / woselbst die
Schiffe (wie vorher bestellet wahr) / bereit stunden / auff welchen das gesamte
Heer nach Tyrus mit sehr gutem Winde überfuhren; von dannen Arbianes / Baldrich
/Siegward / Olaff und Markomir mit schnellen Pferden nach Jerusalem ritten und
zu Betabara im Jordan sich täuffen liessen; hielten sich daselbst nicht lange
auff / sondern Baldrich und Siegward mit ihren Leuten 300 stark schiffeten
wieder zurück nach Padua /von dannen Herr Pompejus und sein Gemahl mit ihnen fort
gingen / das Statalter Amt zu Kölln anzutreten. Arbianes und Olaff folgeten
ihrem Heer / welches ungehindert ihres abwesens nach Damaskus zugehen musste /
daselbst sie es auch antraffen / und blieb Markomir bei ihnen / als welcher
Willens wahr / die Asiatischen Länder zubesehen / und wo möglich / Königin
Valisken Schloss zu Charas; welches er auch leistete / und nach Verlauf fünf
viertel Jahrs gesund wieder zu Prag anlangete / nachdem er auch Rom besehe
hatte. Sonsten ging Arbianes mit seinem Heer von Damaskus ungehindert fort des
geradesten Weges über den Eufrat und Tiger Fluss nach Persepoliss / da er die
Hochfürstiche Verbündnis beisammen fand / und von ihnen wohl empfangen ward;
erfreueten sich auch seiner treflichen Völker nicht wenig / weil Artabanus sich
aus Skyten und Indien auffs neue gerüstet / und eine grosse MengeReuter und
FussKnechte zusammen geführet hatte. Fürstin Klara ward nicht weniger von den
Fürsten wohl gewilkommet / die sich bei ihr unsers Herkules und Valisken zum
offtern erinnerten / und wegen dieser glücklichen Heirat Arbianes selig
preiseten. Sie hingegen stellete sich gegen ihre SchwiegerEltern mit kindlichem
Gehorsam ein / und nach Verlauff zehn Monat von ihrem Beilager an zurechnen /
gebahr sie einen wolgestalten Sohn / welchen sie nach seinem GrossVater Henrich
nenneten / der aber gar aus der Art schlug / nicht allein den Christlichen
Glauben nach seines Vaters Absterben (welchen er im 14 Jahre seines Alters
verlohr) verleugnete / sondern auch seine Oheimben / Herkuliskus / Herkuladisla
und anderen Christlichen Rittern grosse Ungelegenheit und äusserste Lebensgefahr
erweckete / ja nach heidnischer Persischer Gewohnheit seine leibliche Schwester
das fromme Gottfürchtige sehr schöne Fräulein Damaspia wider ihren Willen
heirahte wollte / dessen sie noch mit der Flucht nach Pahna sich entbrach / und
von Valisken an den jungen Fürsten aus Schwede / Fürsten Karl verheirahtet ward
/ wovon in Herkuliskus WunderGeschichten ausführlicher Bericht dürffte gemelden
werden. Kurz nach Baldrichs Wiederkunft von Padua und Köln nach Prag / kam
daselbst von dem Römischen Käyser Alexander Severus eine statliche Botschaft an
/ ihn wolangefangene Freundschaft zubestätigen / welche unsere Helden ihm zwar
versprachen / aber wegen der unruhigen Teutschen nicht leisten kunten / als die
wenig Jahr hernach ohn ihrer Könige Dank / die sich ihnen nicht widersetzen
durfften / über den Rein gingen / und dem Käyser in seinem Gebiet grosse Unruhe
macheten / so dass er gezwungen ward / mit starker Kriegsmacht gegen sie
auszuzihen / da er von seinem äidvergessenen Obristen Maximinus des Lebens und
Käysertuhms zugleich verrähterlich beraubet ward / wovon in andern
Geschichtbüchern zulesen ist.
    Sonsten führeten Herkules und Ladisla mit ihren Gemahlen ein ruhiges und
Gottfürchtiges Leben / weil ihre Eltern noch gute Zeit der Herschaft vorstunden
/insonderheit König Henrich / dass Herkules der Herschungs-Last sich so bald
nicht untergeben durfte; und weil sie nicht lange kunten von einander sein
/baueten sie beiderseits in ihren Grenzen Königliche Schlösser / auff welchen
sie ihr Wesen führeten; Herkules hatte seinen Siz da jezt Dressden liegt /
Ladisla eine kleine Meile davon / wo seine Grenzen auffhöreten / und ging kein
Monat hin / dass sie nicht zusammen kommen währen. Valiska gebahr am Ende des
Wintermonats / vier Jahr nach ihres ersten Sohns geburt eine wunder-schöne
Tochter auff dem Prager Schloss / welche die alte Teutsche Königin aus der
Tauffe huhb / und sie Elisabet nennete; im folgenden Merz genass Königin Sophia
auch einer jungen Fräulein sehr schöner gestalt / deren Gefatterin Königin
Hedewieg wahr / und aus sonderlicher Andacht ihr die beiden Nahmen Eva Maria
gab. Was vor Angst nun der trefliche Held Fürst Herkuliskus / Zeit seiner
blühende Jugend wegen dieser Fräulein erlitten / und wie sie hingegen sich gegen
ihn so herbe erzeiget / nicht aus Ungewogenheit und Feindschaft / sondern dass
sie ihr steiff vorgenommen hatte / ihre Jungfrauschaft biss an ihr Ende
zubewahren / aber noch endlich in seine Ehe einwilligte; auch / welcher gestalt
Frl. Elisabeht von ihrem Oheim Herkuladisla heimlich geliebt /und als sie von
einem jungen Fränkischen Fürsten /Markomirs Vaters Bruder Sohn / nahmens Rahter
entführet / von diesem ihren Oheim kühnlich errettet /und er doch darüber biss
auff den Tod verwundet /endlich wieder geheilet / und nach dreijähriger
ausgestandener Unruhe in Meden / Arabien und Egypten (woselbst er mit seinem
Vetter Herkuliskus Ritterschaft übete) sie endlich noch ehelichte / solches
alles wird in ihrer obgedachte Lebens-beschreibung mit lust zu lesen sein. Fürst
Siegward betreffend / ward derselbe / da er seine Schwieger Eltern zu Rom
besuchete / von Käyser Alexander und seinem Schwäher Herr M. Fabius dahin
vermocht / dass er sich ein Jahr daselbst bei ihnen aufhielt / biss er wegen
Schwacheit seines H. Vaters nach Schweden gefodert ward / die Herschaft
zuverwalten helffen / nach dessen Tode er gewaltiger König ward. Er zeugete mit
seiner herzgeliebeten Sibyllen noch einen Sohn / genant Gustaff /wie auch ein
sehr liebes Fräulein / nahmens Christina / deren Liebe Fürst Christian / König
Baldrichs ältester Sohn mit dem Schwert erstritte. Baldrich lebete gleicher
weise mit seiner Lukrezien in herzlicher einigkeit / und ward von seinen
Untertahnen den Friesen / mehr als kein König vor ihm / geliebt. Ein Jahr nach
seines ersten Herlein geburt / schenkete ihm Gott den andern Sohn / Dieterich
genand / und wurden beide zu ihrer Zeit in Ritterschaft sehr berühmt /stunden
auch grosse Mühe und Gefahr aus in nachsuchung ihrer Oheimben Herkuliskus und
Herkuladisla (von denen ihnen ein falsches Geschrei ihrer Gefängnis vor kam) biss
sie beide heirahteten / und der jüngere Herrn K. Fabius / dazumahl an seines
Seel. Vaters stelle zu Padua Statalters Fräulein Tochter / Frl. Margreten
Fabiin zum Gemahl bekam. Sie verharreten alle in eiferiger Gottesfurcht / aber
niemand unter ihnen trieb sein Christentuhm eiferiger als Herkules und Valiska;
dann sie wahren sehr gefliessen in lesung der heiligen Schrift und der
Kirchenlehrer Büchern / welche sie mit schweren Kosten an sich brachten; und hat
man nachricht / dass Valiska unterschiedliche Bücher des Worts Gottes / als das
erste Buch Mose / den Psalter Davids / das Hohelied Salomons /die vier
Evangelisten / und Paulus SendeBrieff an die Römer (doch alle nur aus dem
Griechischen) sehr artig soll verteuschet auch ein Gebeht- und Gesangbuch voller
Christlicher Andachten verfertiget haben /welches aber untergangen und verloren
ist. Herkules verfassete eine Glaubens-bekäntnis / die wohl wert ist /dass sie
nicht allein alhie aufgesetzet / sondern von dem Leser dieses Buchs mit güldenen
Buchstaben ins Herz hinein geschrieben werde / und lautet wie folget.
    I. Wir / die wir nach unserm Heilande Christus dem Sohn Gottes / Christen
genennet werden / gläuben und bekennen einen einigen wahren Gott / welcher ein
geistliches Wesen von ewigkeit her ist / ohn Anfang und ohn Ende; Heilig /
Gerecht / Gnädig und Woltähtig; Almächtig / Alwissend / Unendlich /
Unbegreiflich und allentalben gegenwärtig; der nicht allein unser und eines
jeden Werke sondern auch die verborgensten Gedanken unsers Herzen sihet / sie
sein gut oder böse. Vor ihm ist durchaus nichts verborgen / obs gleich in
Winkeln geschihet / sondern noch ehe wirs vornehmen / ja ehe wir erschaffen sind
/weis er schon / und weis es von ewigkeit her / was wir machen / und machen
werden.
    II. Wir gläuben und bekennen weiter / dass dieser unser Gott / der einig ist
in seinem Wesen / dannoch Dreifaltig nach den Personen sei / wie er sich dañ
also in seinem heiligen Worte geoffenbahret hat.
    III. Die erste Person dieses einigen göttlichen Wesens / ist und heisset der
Vater; die andere / der Sohn (darumb dass er aus dem Wesen des Vaters ganz
unbegreiflicher weise von ewigkeit her gezeuget ist) wird auch wohl genennet das
Wort (weil Gott durch denselben zu uns Menschen geredet hat); die dritte /der
Heilige Geist; vom Vater und Sohn von ewigkeit her ausgehend.
    IV. Dieser wahre / nach dem Wesen einige / nach den Personen dreifaltige
Gott (welcher daher die heilige Dreifaltigkeit genennet wird) / hat nicht allein
am anfange der Zeit / nach seinem freien Willen / zu gewisser Zeit / nehmlich /
wie mans rechnet / vor 4174 Jahren (ist von dem Jahr nach der Geburt unsers
Heilandes 227 / heutiger Rechnung nach zu verstehen) dieses ganze und grosse
Rund / Himmel / Luft / Erde / Meer / und alles was driñen ist / Sternen /
Gewächse / Tihre / und zu lezt die ersten beiden Menschen Adam und Even /
sondern auch (nicht eigentlich stehets / zu welcher Zeit) alle Engel erschaffen;
und erhält sein Geschöpff / so lange es ihm gefällig ist.
    V. Die Engel sind unsterbliche Leiblose Geister /alle miteinander / in
unzählicher Menge von Gott /gerecht / heilig und volkommen erschaffen: dere auch
eine sehr grosse Anzahl / unsäglich vieler tausenden /in ihrer anerschaffenen
Heiligkeit / unverrükt blieben sind / welche wir Heilige Engel neñen; andere
aber /und deren auch sehr viel tausend / von Gott ihrem Schöpffer abgefallen /
sich demselben mutwillig entgegen gesetzet / und darumb von ihm in die hellische
Verdamnis gestürzet sind / welche wir böse Geister oder Teuffel nennen.
    VI. Die heiligen Engel loben Gott und verrichten seinen Befehl oben im
Himmel uñ hie nieden auff Erden / in dem sie alle gläubige und fromme Menschen
schützen / uñ den Kindern Gottes zum besten /wieder die Teufel zu Felde liegen.
    VII. Die bösen Engel aber verführen die Menschen / stellen den gläubigen und
frommen Kindern Gottes nach / und beschädigen sie / so viel ihnen Gott verhänget
oder zulässet; und zwar sind sie mächtig in ihren Werkzeugen den gottlosen
Menschen und Zäuberern.
    IIX. Und haben die bösen Engel ihre Feindschaft gegen das menschliche
Geschlecht / bald im anfange der Schöpfung blicken lassen / in dem ihr Oberster
unsere erste Mutter die Even zur Sünde verleitet /welche hernach ihren Mañ den
Adam auch darzu verführet hat.
    IX. Hiemit ging es also zu: Es hatte Gott diese erste Menschen nach seinem
Ebenbilde / in volkommener Weissheit / Erkäntnis / Heiligkeit und Gerechtigkeit
erschaffen (den Mann aus einem Erdenkloss /das Weib aus einer Riebe des Mañes /
und solchen erschaffenen Leibern eine erschaffene vernünftige Seele eingegossen)
ihnen die Unsterbligkeit mit geteilet / sie in den Lustgarten des Paradeises
gesetzet / und ihnen allerlei Früchte des Garten zugeniessen erläubet / nur dass
sie von dem Baum des Erkäntnis gutes und böses (wie er nach dem Sündenfal
geneñet ist) sich bei Straffe des zeitlichen Todes und der hellische Verdamnis
entalten sollten; da ihnen Gott auch den Baum des Lebens gegeben hatte / durch
dessen Früchte sie bei steter Jugend und Kraft sollten erhalten werden.
    X. Da nam nun der Teuffel von dem verbohtenen Baum Anlass und Gelegenheit /
die ersten beiden Menschen / uñ alle ihre Nachkomen ins Verderben zu stürzen /
auff dass er in der hellischen Verdamnis Gesellschaft hätte / weil er ihnen nach
seiner angenommenen Bosheit / die Seligkeit missgönnete; er versteckte sich in
die Schlange / redete aus derselben mit Even / und durch seine Lügen (als wann
die Menschen durch niessung der Frucht dieses verbohtenen Baums Gotte selbst
gleich werden könten) erweckete er ihr die Begierde / solche Frucht zugeniessen
/ daher sie endlich von solcher Frucht ass / und ihrem Manne auch davon zu essen
gab.
    XI. Da ward nun Gott durch solche Ubertretung seines ernstlichen Gebohtes zu
Zorn gereizet / dass er die Menschen der eingegossenen Gnade (die in ihnen alle
Volkommenheit der Seelen und des Leibes wirkete) wieder beraubete / und die
sündlichen Begierde in ihnen wuchsen und zunahmen / auch alsbald ihre unzimliche
Bewägungen empfunden / und nach Kleidung sich umsahn / da sie vorhin ohn alle
scham und ärgernis nacket gingen / uñ ihnen weder Frost noch Hitze / noch
Ungewitter / noch Schläge / noch Feur /noch Gift / noch wilde Tihre håtten
Schaden oder Schmerzen bringen können.
    XII. Sie flohen auch wegen begangener Sünde vor dem Angesicht Gottes / als
die sich ihrer übertretung wohl bewust wahren / und meinten (so unwissend wahren
sie schon worden) sich vor dem alwissenden und algegenwärtigen Gotte
zuverbergen.
    XIII. Noch dannoch erzeigete ihnen Gott gnade /indem er sie wieder aus
Erbarmung vor Kinder annam / da er zwar den zeitlichen Tod ihnen und allen ihren
Nachkommen zum Sündenlohn aufflegete / aber doch ihnen wieder ein Mittel zur
Wiederbringung der Seligkeit ordente und mitteilete.
    XIV. Dieses Mittel wahr in der ersten Gnaden-Verheissung begriffen / da GOtt
sagete: Des Weibes Samen soll der Schlangen den Kopff zutreten. Das ist / die
andere Person der Heiligen Dreifaltigkeit / der ewige Sohn Gottes / oder das
wesentliche Wort Gottes /sollte in der Völle der Zeit aus dem Leibe ber
Jungfrauen Marien / unsere Menscheit (einen wahren Menschlichen Leib / und eine
wahre menschliche Seele in seine persönliche Vereinigung) annehmen /und in
solcher angenommenen Menscheit / nicht allein an unser statt das Gesez Gottes ohn
Tadel erfüllen / sondern auch vor unsere Sünde büssen / und dadurch die Macht
und Gewalt der hellischen Schlangen oder des leidigen Teufels von uns abwenden.
    XV. Diese gnädige Verheissung Gottes richtete unsere ersten Eltern und ihre
Nachkommen (welche alle miteinander die Sünde von ihren Eltern durch die
fleischliche Geburt erben / und krafft solcher Erbsünde / den wirkliche Sünden
nachhängen) wieder auff /dass sie durch den Glauben auff diesen versprochenen
zukünftigen Erlöser gestärket / sich der Gnade Gottes trösteten / und in
Hoffnung / die Seligkeit nach dem Tode zuerlangen / ihr Gewissen beruhigten;
jedoch mussten sie in rechtschaffener Gottesfurcht und Heiligen Werken sich üben
/ zu welchem Ende ihnen Gott sein Heiliges Gesetze gab. Dann den Gottlosen
Unbussfertigen tuht diese Verheissung Gottes keine Hülffe.
    XVI. Zwar der Sohn Gottes setzete die Erfüllung seines Versprechens (dass er
die Menscheit an sich nehmen / und vor uns sterben wollte) eine geraume Zeit
zurücke / nehmlich / wie mans rechnet / 3947 Jahr; jedoch hat er solches alles
reichlich schon erfüllet / da er vor 227 Jahren sich als ein wahrer Mensch an
diese Welt gebehren liess.
    XVII. Dann da musste anfangs unsers Heilandes Wegbereiter und Vorläuffer /
der Täuffer Johannes von einer sonst unfruchtbaren altbetagten Frauen / der
Elisabet geboren werden / nach dessen Empfängnis ein halb Jahr / sendete Gott
seinen Engel Gabriel an eine keusche unberührte / jedoch einem alten Manne /dem
frommen Joseph / verlobete Jungfer von Königlichem Jüdischen Geschlecht / welche
in Armuht gerahten wahr / Nahmens Maria; welcher Engel ihr die Empfängnis des
Sohns GOttes ankündigen musste / dass nehmlich die andere Person des einigen
Göttlichen Wesens in ihrem Leibe / ohn Zutuhn eines Mannes /bloss durch Wirkung
und überschattung des Heiligen Geistes menschlichen Leib und Seele an sich
nehmen / und damit sich persönlich vereinigen wollte.
    XIIX. Worauff auch solche Empfängnis alsbald geschahe / und gebahr diese von
Gott geheiligte keusche und unbeflekte Jungfer den Sohn Gottes in angenommener
Menschheit zu Betlehem im Viehstalle an diese Welt / welche Geburt ein Engel
Gottes etlichen Hirten auff dem Felde in derselben Nacht anmeldete /die auch
hingingen / uñ es also funde.
    XIX. Und dass auff solche weise unser Heiland der Sohn GOttes an diese Welt
geboren sei / dessen haben wir so unfehlbare Gewissheit / dass kein Christ und
von GOtt erleuchteter daran zweifeln kann / sondern lieber alle Pein angehen /
als diesen Glauben ihm nehmen lassen würde.
    XX. Als dieser Sohn Gottes solcher gestalt war Mensch worden / hat er allen
menschlichen Gebrechligkeiten (ohn allein der Sünde nicht) sich unterworffen /
da er als ein ander Mensch gesäuget / ernehret / aufferzogen / und nach
Judischem Gebrauch beschnitten ward; aber nachdem er das dreissigste Jahr
erreichet / und von Johannes dem Täuffer sich hatte täuffen lassen / wodurch er
zu seinem bevorstehenden Erlösungs-Amte sich einweihen liess; ward er alsbald
darauff von dem Heiligen Geiste in die Wüsten geführet / und daselbst 40 Tage
und so viel Nachte aneinander von den bösen Geistern hart versuchet / welches er
kräfftig überwand / trat darauff sein Heilandes-Amt an / wählete seine 12
sonderbahre Jünger / als künftige Bohten und Prediger der Christlichen Lehre /
predigte selbst hin und wieder im Jüdischen Lande /und bestätigte sein Amt durch
unzählich viel Wunder und Zeichen / da er Blinde sehend / Taube hörend /Stumme
redend / Lahme gehend / Ausssätzige rein / ja auch etliche Todten lebendig
machete. Endlich da er der Gerechtigkeit Gottes vor der Menschen Sünde gnug tuhn
wollte / liess er sich von den Gottlosen boshaften Hohenpriestern und
Schrifftgelehrten des Jüdischen Volks (die er wegen ihrer Sünde straffete)
gefangen nehmen / schlagen / verspotten / verspeien /verurteilen / geisseln /
mit Dornen krönen / und am Kreuz sich tödten; worauff etliche seiner geträuen
Freunde ihn in ein Grab legten / und über seinen Todesfal (dessen Wichtigkeit
und heilbringende Krafft sie nicht verstunden) herzlich betrübt wahren.
    XXI. Nachdem aber unmöglich wahr / dass Gottes Sohn im Tode bliebe / ist er
am Sontage sehr früh da er des Freitags Abends zuvor gestorben wahr / als ein
sieghafter Held vom Tode wieder aufferstanden / hat des Teuffels Macht und
Gewalt zubrochen / uñ sich 40 Tage lang bei seinen Jüngern und Gläubigen nach
seiner Aufferstehung gezeiget / biss er mit ihnen auff den Oelberg vor Jerusalem
gangen / und daselbst sichtbarlich gen Himmel gefahren ist; woselbst er in
seiner Menscheit zur Rechten der Krafft Gottes sitzet / über alle seine Feinde
herschet / seine Christenheit beschützet / und alle gläubige frome Menschen bei
seinem Himlischen Vater vertrit.
    XXII. Er hat aber zehn Tage nach seiner Himmelfahrt seine Jünger mit der
Gabe des Heiligen Geistes ausgerüstet / welchen er in Gestalt feuriger Zungen
über sie ausgoss; worauff sie sich durch die Welt verleiteten / den Menschen die
Christliche Lehre vortrugen / und alle / so gläubig wurden / täuffen mussten.
    XXIII. Diesen Jüngern des HErrn folgen in solchem Lehr Ampte biss an das Ende
der Welt / alle rechtmässiger weise beruffene Diener des Göttlichen Worts /
welche von Gott darzu gesezt werden / dass sie sein Heiliges Wort den Menschen
vortragen / und die Heiligen Sakramenta ihnen ausspenden sollen.
    XXIV. Das Wort Gottes / welches von ihnen muss gelehret und geprediget werden
/ bestehet in diesen Stücken: Dass die Menschen müssen angeführet werden / zur
Erkenntnis Gottes und ihres Heilandes / zur Busse ihrer begangenen Sünde / zum
Glauben und Vertrauen auff Gottes Barmherzigkeit und auff Christus Verdienst;
und endlich zu einem Christlichen gottseligen Leben und Wandel.
    XXV. Das erste Sakrament / durch welches wir in die Gemeinschaft der
Heilligen Kirchen versetzet werden / ist die Tauffe / ein rechtes Wunder-Bad der
Wiedergeburt eines sundlichen Menschen / in welcher Tauffe unser Gott mit uns
den GnadenBund auffrichtet / dass wir / krafft des Verdienstes unsers Heilandes
sollen Gottes Kinder sein; daher wir in der Tauffe und durch die Tauffe von
unsern Sünden abgewaschen und gereiniget werden. Dieses GnadenBad bekräfftigte
der Sohn Gottes / da er seinen Jüngern den Befehl erteilete: Gehet hin in alle
Welt / lehret alle Völker / und täuffet sie im Namen des Vaters / und des Sohns
/ und des Heiligen Geistes.
    XXVI. Das Abendmahl des HErrn / welches er des Abends vor seinem Leiden
einsetzete / und seinen Jungem austeilete / ist das Sakrament der Bekräfftigung
im Christentuhm / und bestehet hierinnen / dass den gläubigen Christen hieselbst
Brod und Wein /sichtbahrer empfindlicher weise; und zugleich der Leib und das
Blut des HErrn / Sakramentlicher / das ist / unsichtbahrer unempfindlicher weise
/ wiewol warhaftig / zuessen und zutrinken gegeben wird / und solches zur
Stärkung ihres Glaubens / und zur Versicherung ihrer Seligkeit; welches
andächtig zugebrauchen er seiner Kirchen anbefihlet / da er spricht: Solches
tuht zu meinem Gedächtnis.
    XXVII. Wann nun ein Mensch / Gott und seinen Heiland erkeñet / an denselben
gläubet / die Sünde meidet / und in der Furcht Gottes from und heilig lebet:
auch da er gesündiget hat / sich davon bekehret / und sich wieder zur
Gottseligkeit wendet / in festem Vertraue auff Gottes Barmherzigkeit und auff
Christus Verdienst sich verlassend / und unter dem zeitlichen Kreuz oder
Zuchtruhte Gottes geduldig ausshålt; alsdann ist er ein Kind Gottes / und wird
nach diesem Leben die ewige Seligkeit erlangen.
    XXIIX. Hingen ist es unmöglich / dass ein erwachsener Mensch / der seiner
Vernunft zu gebrauchen weiss / sollte können selig werden / der seinen Gott und
Heiland nicht erkennet; welches der Sohn Gottes uns mit diesen Worten anzeiget:
Das ist das ewige Leben / dass sie dich einigen wahren Gott / und den du gesand
hast / JEsus CHrist / erkennen. Unmöglich ist es / dass ein erwachsener Mensch
sollte können selig werden / der an den Sohn Gottes nicht gläubet / weil ja der
Glaube das Mittel ist / durch welches wir vor Gott gerecht werden; dann also
lehret uns der heilige Bohte des HErrn / da er in seinem SendeBrieffe an die
Gläubigen zu Rom schreibet: Die Gerechtigkeit die vor Gott gilt / komt durch den
Glauben an JEsus CHrist / zu allen und auff alle die da gläuben. Dañ wir werden
ohn Verdienst gerecht aus Gottes Gnade /durch die Erlösung / so durch JEsus
CHrist geschehen ist. Darumb so halten wir es gänzlich davor / dass der Mensch
durch den Glauben gerecht werde / ohn des Gesetzes Werke. Dann der nicht mit
Werken umgehet (der bisher nicht in heiligen Werken / sondern in sündlichen
Betreibungen sein Leben geführet hat /nunmehr aber davon ablässet) uñ gläubet an
den der die Gotlosen (so bisher gotloss gewesen sind / uñ nunmehr in wahrer Busse
auffhören gottloss zusein) gerecht machet / dem wird sein Glaube gerechnet zur
Gerechtigkeit. Und eben solches wiederhohlet er in seinem Brieffe an die Galater
mit diesen Worten: Wir wissen / dass der Mensch durch des Gesetzes Werke nicht
gerecht wird / sondern durch den Glauben an JEsus Christ / so gläuben wir auch
an JEsus Christ /auffdass wir gerecht werden durch den Glauben an Christ / und
nicht durch des Gesetzes Werke / dann durch des Gesetzes Werke wird kein Mensch
gerecht. Welches alles eine Erklärung ist des herrlichen Kernspruchs / welchen
unser Heiland selbst anführet / da er zu Nicodemus saget: Also hat Gott die Welt
geliebt / dass er seinen eingebornen Sohn gab / auffdz alle die an ihn gläuben /
nit verloren werden / sondern das ewige Leben haben. Wer an ihn gläubet / der
wird nicht gerichtet / wer aber nicht gläubet / der ist schon gerichtet.
    XXIX. Welcher Mensch nun die Hoffnung haben will zur Seligkeit / derselbe muss
mit festem Glauben sich auff das teure Verdienst seines Heilandes verlassen /
auffdass ihm Gott das Verdienst und die Gerechtigkeit seines JEsus durch den
Glauben zurechnen oder mitteilen möge. Und wann ein Mensch durch den Glauben ist
gerecht worden / so muss er ja bei Leib und Leben nicht gedenken / dass es nun mit
seiner Seligkeit alles gute Richtigkeit habe / und Gott der Herr nichts mehr von
ihm erfodere / als nur solchen vertraulichen Glauben an seinen Sohn. Nein O
nein! sondern da muss ein Mensch der von Gott ist gerecht gemacht / derselbe soll
und muss nohtwendig sich aller Christlichen geistlichen guten Werke nach
äusserstem Vermögen befleissigen / so dass er nach Erfoderung der heiligen zehn
Gebohte Gottes / alle Bosheit und Ubeltaht meide / und dagegen in allen
Christlichen Tugenden sich übe. Dann wer in Sünden verharret /der verdirbet
dadurch seinen Glauben / und fället aus der Gnade Gottes / ja er verleuret die
durch den Glauben empfangene Gerechtigkeit. Daher spricht abermahl Paulus: So
ihr nach dem Fleische werdet leben /so werdet ihr müssen sterben; so ihr aber
des Fleisches Werke durch den Geist tödtet / so werdet ihr leben. Dann wo eure
Gerechtigkeit (welche ihr nach der durch den Glauben empfangenen Gerechtigkeit
/in Ubung der Gottseligkeit leistet) nicht besser ist /als der Schrifftgelehrten
und Phariseer (welche nur in Heuchelei / nicht in wahrer Ubung der Gotseligkeit
bestund) so werdet ihr nicht in das Himelreich komen; spricht unser Heiland
selber. Dann nur allein derselbe Glaube gilt vor Gott / welcher durch die Liebe
wirket / oder sich kräfftig darstellet. Der Glaube aber / welcher ohn die Werke
der Gottseligkeit ist / derselbe ist ein todter Glaube. Dann ob wir gleich aus
Gnaden selig worden sind durch den Glauben / und nicht aus den Werken / wie
Paulus abermahl lehret in seinem SendeSchreiben an die Epheser; so setzet er
doch alsbald hinzu / dass wir Gottes Werk sind / geschaffen /in JEsus Christ / zu
guten Werken / zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat / dass wir drinnen wandeln
sollen. Und allein diese erwachsene Christen / welche solcher Gestalt alles
ungötliche Wesen / und die weltlichen Lüste meiden / und hingegen züchtig /
gerecht und gottselig in dieser Welt leben / dieselben haben sich der künftigen
Seligkeit des ewigen Lebens zugetrösten / wie auch dieselben / welche nach
begangenen Sünden noch in der Gnadenzeit rechtschaffene Busse tuhn / von Sünden
ablassen / uñ da ihre Lebenszeit es zulässet / die Ubung der wahren Gotseligkeit
eiferig fortsetzen; Da sie aber nach geschehener Busse bald durch den Tod aus
dieser Welt Abscheid nehmen / sie dannoch den steiffen Vorsaz der
Lebens-Besserung biss an ihr Ende im Herzen behalten. Diese alle können mit
Paulus / wann sie durch den zeitlichen Tod abgefodert werden / freudig sprechen:
Ich habe einen guten Kampff gekämpffet / ich habe den Lauff vollendet / ich habe
Glauben gehalten / hinfort ist mir bei gelegt die Kron der Gerechtigkeit welche
mir der HErr an jenem Tage der gerechte Richter geben wird / nicht mir aber
allein / sondern auch allen / die seine Erscheinung lieb haben.
    XXX. Diese Kron der Gerechtigkeit werden die frommen und Gläubigen von ihrem
Heilande empfangen / nicht nur der Seele nach / sondern auch dem Leibe nach.
Dann unsere Leiber sollen nicht ewig im Tode bleiben / sondern zu gewisser Zeit
(welche allein Gott bekant ist) / aus dem Staube der Erden zum Leben
aufferwecket / und mit ihrer ehmaligen Seele wieder vereiniget werden; worauff
Gott durch seinen Sohn in angenomener Menschheit das algemeine Gerichte über
alle Menschen halten / die Ungläubigen und Gottlosen den bösen Teuffeln zur
ewigen Hellen Pein übergeben / die Gläubigen und Frommen aber in die ewige
himlische Seeligkeit auffnehmen wird.
    XXXI. Dieses ist der kurze Begriff der Christlichen Lehre / welche ein
Mensch behueff seiner ewigen Seligkeit wissen / gläuben und leisten mus; bei
welcher Einfalt die Ungelehrten verbleiben / und nicht durch ketzerische
Irgeister und Schwärmer sich verleiten lassen sollen / als dañ werden sie ausser
zweifel des ewigen Lebens versichert sein.
    O ihr Könige und Fürsten / die ihr von Gott auff die höchsten Zinnen
gesetzet seid / nach deren Verhalten sich die Untertahnen gemeinlich zu richten
pflegen / nehmet von dem Christlichen Teutschen Herkules ein Beispiel / und
erkeñet doch / dass euch ja so wohl obliege / euer Seligkeit / als anderen /
wahrzunehmen / und in dem Worte Gottes euch fleissig zu üben. Wolte euch aber
Herkules nicht darzu bewägen / so höret doch nur eures Gottes Befehl / welches
der grosse Fürst und Kriegsheld Josua empfing / er sollte das Buch des Gesetzes
Tag und Nacht betrachten /und von seinem Munde nicht kommen lassen. König David
wahr auch ein König ein Held und tapferer Kriegsman / und dannoch legte er oft
den Reichsstab und Kron zu seines Gottes Füssen / nam die Harffe zur Hand / und
tichtete die herrlichsten geistreichesten Lieder / an denen alle betrübte und
elende ihre erquiklichsten Trost haben. Unser Herkules wahr Davids Nachfolger;
wann er in Noht geriet / rieff er zu seinem Gott; wañ er Rettung empfing /
opferte er ihm ob /Preis uñ Dank / daher ihm nicht anders / als gelingen kunte.
Und weil wir in dem Werke etliche Gebehter lücht hinzu gesezt haben / da sie
eigentlich vom ihm sind gehalten worden / wollen wir dieselben alhie anführen.
  Herkules Gebeht / welches er wegen seiner Bekehrung in damahliger Einfalt zu
                                  Gott getahn.
O Du ewiges Licht / welches der Sonnen und allem Gestirn ihren Schein giebet;
mit was inbrünstiger Dankbarkeit soll ich deine unaussprechliche Gnade rühmen und
preisen / dass du mich blinden elenden Sünder mit den Strahlen deines himlischen
Glanzes erleuchtet / und mich zu deiner heilsamen Erkenntnis gleichsam bei den
Haaren herzugezogen hast / in dem du mich durch Räubers Hand aus meinem
vergötzeten abergläubigen Vaterlande hinweg gerissen / und an diesen Ort mich
geführet hast / da ich deinen heiligen Nahmen / und deinen lieben Sohn JEsus
Christ / meinen Heiland und Seligmacher erkennet habe. O du himlische Klarheit /
dir sei davor ewig Lob und Preis gesaget; mein Gott! mein Schöpffer! mein
Heiland! erhalte und bekräfftige mich in diesem angefangenen Christentuhm / dass
mich weder Noht noch Tod /weder Schande noch Ehre / weder Armuht noch Reichtuhm
weder Freunde noch Feinde / weder Leibeigenschaft noch Freiheit davon
abschrecken mögen / damit ich nach dieser mühseligen Vergängligkeit / unter den
ausserwähleten Kindern deines grossen ewigen Reichs möge erfunden werden. Behüte
mich auch vor groben Sünden /dass ich deine Güte nicht verscherze / noch deiner
Gnade mich verlustig mache; und dafern es dein gnädiger Wille ist / so gib mir
oder einem andern die Gnade / dass meine liebe Eltern / Bruder / Schwester und
Anverwanten / und unter diesen insonderheit mein Ladisla und dessen Frl.
Schwester auch zu dir mögen bekehret werden. Und wann ich dereins nach deinem
Wolgefallen diese meine Knechtschaft ablegen / und nach Erheischung meines
Standes / Ritterschaft üben und treiben soll / so behüte mich vor unnöhtigem
Kampff und Blutvergiessen; lass mich auch / mein Heiland / den Ort besuchen /
woselbst du vor meine Sünde gelitten / und mich am Stamme des heiligen Kreuzes
erlöset hast / und leite mich in meinem ganzen Leben / mit deinem Heiligen
Geiste / dass ich ein lebendiges Glied an deinem Liebe sein und allezeit bleiben
möge / Amen Amen.
Herkules Gebeht / als ihn Gott aus seiner Knechtschaft durch Ladisla erlösete.
Mein Heiland JEsus! wie süsse ist dein Nahme; wie gross deine Güte; wie
unbegreiflich deine wunberbahre Almacht; wie unermässlich der Abgrund deiner
Barmherzigkeit! Herr mein Gott! gestern wahr ich ein Sklave und Leibeigener /
jezt bin ich wieder eines GrossFürsten Sohn / und Königlicher Hocheit nahe. O du
Brunquel aller erbarmung / wer ist dir gleich? O du Wundertähter / wer verstehet
die Heimligkeit deiner Wege? Herr ich bin nicht wert / ich bin nicht wert aller
barmherzigkeit und Güte /die du mir deinem schlimmen Knecht erzeigest. Du hast
mich / Zeit der Leiblichen Dienstbarkeit / von den Ketten und Banden der
geistlichen Knechtschaft / damit ich zur verdamnis gefesselt wahr / lossgemacht /
welche Güte ich weder begreiffen noch erkennen kann; und nun mus auch mein Leib
und Leben von dem Joche der zeitlichen Leibeigenschaft befreit werden. Mein
Erretter! gross sind deine Wunder / die du an mir beweisest; unermässlich ist
deine Barmherzigkeit / die mit leiblicher uñ geistlicher Glükseligkeit mich
überschüttet. HErr mein Gott! sihe an meines Geistes Inbrunst / welcher dein Lob
gerne erzählen wollte / und vor übermachter Freude nicht eins den Anfang darzu
machen kann. Ey los dir wolgefollen / dass der Wille da ist / den du mir gegeben
hast / ob gleich das Vermögen wegen fleisches schwacheit nicht kann folge
leisten. Du weist es / mein Hort / mein höchstes Gut du weist es / dass ich dich
liebe / dass ich an dir meine Vergnügung habe / und mit dir wohl zufrieden sein
wollen /ob ich gleich in meinem elenden Stande biss an mein greises Alter hätte
sollen verbleiben / welches du aber nicht hast wollen zugeben. O du Erbarmer /
wie soll ich dir davor gebührlich danken? Nun dann mein Heiland /fahre fort
deinen Knecht gnädig heimzusuchen; fahre fort ihn zu trösten und zu laben /
auffdass er fort mehr deine Barmherzigkeit rühmen / und das Opfer seiner Lippen
dir vorlegen könne. Aber O mein Gott! zubrich auch die Bande des leidigen Satans
/ mit welchen mein Ladisla /meine Eltern und Anverwanten / als deine abgesageten
Feinde (Ach Gott erbarme dich ihrer) im Unglauben und verachtung deines Sohns
gebunden sind. Du mein Helffer / zubrich sie / wie du die meine zubrochen hast /
und erweiche ihre Steinerne Herzen / dass sie dereins erkennen mögen / was sie
verachten / wann sie deinen Sohn verachten. Sihe an mein Gott / dass sie mehr aus
Unwissenheit als Bosheit sündigen / und lass sie / wie den verstokten Saul / nach
deiner Gnade zu Paulussen gedeien /umb deines lieben Sohns JEsus Christus meines
Heilandes Willen / Amen Amen.
  Herkules Gebeht / da er aus Henkers Händen entran /als Charidemus ihn wollte
                              abschlachten lassen.
Süsser Heiland aller die auff dich trauen! dich will ich loben allezeit / dein
Lob soll immerdar in meinem Munde sein; meine Seele soll sich freuen über deiner
Hülffe; mein Geist soll nicht müde werden zu deinem Preise. O du Vater der
Barmherzigkeit! du hast mich HErr aus des Löuen Rache gerissen / und aus dem
augenscheinlichen Verderben hastu mich erlöset / mein Heiland! O ihr gläubigen /
preiset mit mir den HErrn / uñ last uns miteinander seinen Nahmen erhöhen; da
ich den HErrn suchte antwortete er mir / und rettete mich aus den Händen der
grimmigen Henker. Davor rühme ich HErr deine Güte; davor erhebe ich deine
grundlose Barmherzigkeit. Dann sihe / das Schwert wahr schon über mich gezücket;
der grimmige Blut Hund wollte mich gestücken lassen; aber du hast jhm gewehret /
und mein Leben errettet / durch eine wunderbahre Errettung. Lob sei dir du mein
Heiland Preis sei dir / du mein Helffer in aller Noht! So hilff nun ferner mein
Gott / üm deines Namens Ehre willen /und gönne mir auffs minste nur so lange
dieses zeitliche Leben / dass ich mein vertrautes Fräulein dir zuführen /und sie
im Christentuhm unterweisen möge; hernach fodere mich wann dirs gefält. Doch ist
es dein Göttlicher Wille / so lass mich nicht durch Henkers Schwert / als ein
Ubeltähter / gefället werden / es währe dann / dass es üm deines Namens Bekäntnis
geschehen sollte / dessen ich mich nicht wegern / sondern dir zu Ehren alle
Schande und Schmach gerne über mich nehmen will. Bewahre auch meinen Ladisla /
und übersihe gnädig seinen Unglauben; bekehre sein Herz / und lass jhn dereins
den Nahmen eiferig bekennen / welchen er anietzt verächtlich hält / wiewol er /
meines wissens / denselben zu lästern auffgehöret hat. Meine liebe Eltern und
andere Anverwanten befehle ich gleicher weise deiner Gnade zur Erkäntnis der
seligmachenden Warheit / und führe mich den Weg den ich wandeln soll / mein
Fräulein zu erlösen /Amen / Amen.
             Herkules Gebeht / da er erstmahls von Charas anlagete.
Bissher hastu mich geführet / O du GOtt meines Heilss! bisher habe ich deines
kräfftigen Schutzes genossen / O du GOtt aller die auff dich trauen! wie
mannicher Gefahr bin ich auff dieser Reise entgangen / aber HErr durch deine
Hülffe; wie manniches Unglück hat mich müssen vorbei gehen / weil deine
almächtige Gnaden Hand es abgewendet hat. Ich bin aber noch nicht vorüber / mein
Helffer / sondern das wichtigste stehet mir noch bevor. Bissher habe ichs mit
Räubern und einzelnen frevelhaften Buben zutuhn gehabt / aber nun werde ichs
wider den mächtigsten Wüterich wagen müssen / an dem Orte /da seine grösseste
Macht herschet / und mein Unvermögen durchaus nichts schaffen kann. Aber dieses
tröstet mich / mein Gott; dieses stärket und kräftiget mich / mein Heiland / dass
ich dich an meiner Seiten habe und spüre /dich / der du aller Könige Herzen in
deiner Hand hast /und leitest sie / wie die Wasserbäche. Weil nun her HErr mein
Licht und mein Heil ist / ei vor wem solt ich mich dann wohl fürchten? weil der
HERR meines Lebens Kraft ist / ei vor wem sollte mir dann wohl grauen? O HErr / es
ist gut / sich auff dich verlassen / und nicht auff Menschen; deswegen / weil
ich dich habe / so frage ich nichts nach Himmel und Erden; was sollte mich dann
der Partische Wüterich schrecken? ich habe seinen frevelmuhtigen Sohn erschlagen
/ ehe ichs gedenken mögen; wie leicht ist dirs / dass du des gottlosen Vaters
Macht auch danieder legest. Nun HErr ich trau auff dich in dieser Sache / die
meines Nehesten Ehr / Leben und Seligkeit betrift / welche demnach dir nicht kann
zuwider sein; daher wirst du mir zur Rechten stehen / und mir heilsame
Rahtschläge ins Herz geben / dass ich mein Vornehmen durch dich vorsichtig
anfahen / geherzt fortsetzen und glücklich aussführen möge Amen. Deine Güte HErr
sei über uns / wie wir auff dich hoffen / Amen.
    Herkules Gebeht / da er sein Gemahl Valisken aus Charas hinweg führete.
Jezt iezt mein Helffer! iezt habe ich deines Schutzes von nöhten / mehr als vor
nie; darüm hilf O du mein Heiland und Erretter / dann ich verlasse mich auff
deinen Beistand: sonst müste ich unter den grimmigen Löwen vergehen / die ohn
zweifel mir bald folgen werden. HErr du weist es / dass auff deine Hülffe ichs
gewaget / und auf Menschen Arm mich nicht verlassen habe; ja mein Gott /du weist
es. O so geleite du mich des Weges / den ich wandeln soll; verblende meine Feinde
/ dass sie mich nicht sehen; verbirge ihnen meine Flucht / dass sie sein späte
gnug inne werden; verhindere ihre Einfältigkeit / und lähme ihre Rosse; lass sie
in ihren Rahtschlägen sich verwickeln / und drinnen zu schanden werden / welche
sie zu meinem Verderben halten / und führe mich HErr in den Hafen der Sicherheit
/ dass ich nebest meinem Gemahl unser Vaterland wieder sehen möge; alsdann will
ich dir diesen Tag feiern mein lebenlang / und dir zu Ehren ein Dakfest
anstellen / so lange ich den Odem ziehe / Amen / Amen.
    Wir sehen aus diesen und anderen dergleichen Gebehten / welche an
unterschiedlichen Orten dieses Werks gelesen werden / was vor inbrünstige
Gottesfurcht unser Herkules in seinem Herzen geführet / und dadurch allen
Rittersleuten sich als ein Beispiel und Vorbilde zur Christlichen Nachfolge
vorgestellt hat /welches sie wohl beherzigen möchten / damit sie nicht nach Art
der Boshaftigen / an statt des Heiligen Gebehts nur ein stätes erschrekliches
Fluchen / Låstern und Schwören von sich hören lassen / die gottlosen
Marterhansen / welche ihnen dadurch Gottes Ungnade und die hellische Verdamnis
über den Hals zihen /auch aller redlichen Menschen Feindschaft damit verdienen.
    Unser Schiff aber hat vor dissmahl / ungeachtet der unaussprechlichen
heftig-stürmenden Wellen / dannoch den gewünschten Hafen erreichet /
insonderheit /wann der Uhrschreiber dieses Werks erfahren sollte /dass der Ehr-
und Tugendliebende Leser durch diese Geschichte Leib- und Geistlich erquicket
währe / als zu welchem Ende er die Mühe bei seinen vielfältigen Geschäften auff
sich nehmen / und täglich etliche Schlafstunden seiner nächtlichen Leibesruhe
entzihen wollen / damit er diese Geschichte der Welt bekant machte / welche über
1400 Jahr vergrabe gelegen / uñ durch den Krieg / welcher des ganzen
Teutschlandes unterstes zu oberst gekehret / ohngefehr bei dem Weserstrohme
unter einem hohlen Steine hervor gezogen ist; wodurch die Versetzung ausser
allem zweifel hat wollen zuerkennen geben / dass nicht allein tapffere Helden aus
Frankreich / Italien / Spanien und Griechenland / sondern auch deren viel aus
Teutschland /uñ anderen Nordische Ländern; entsprossen sind / die über andere
ihres gleiche sich der wahren Tugend und ungefärbeten Gottesfurcht gewidmet
haben.
                   Ende des Christlichen Teutschen Herkules.
 
                            Anmerkung der Redaktion
A1 / A2 In der Originalvorlage fehlt die äussere Ecke der Buchseiten 285/286 des
zweiten Teils. Die fehlenden Stellen sind durch eckige Klammern gekennzeichnet.
 
    