
        
                            Johann Valentin Andreae
                   Chymische Hochzeit: Christiani Rosencreütz
                                   Anno 1459
         Arcana publicata vilescunt; & gratiam prophanata amittunt.
         Ergo: ne Margarit as obyce porcis, seu Asino substerne rosas.
                                   Erster Tag.
An einem Abend vor dem Ostertag, sass ich an einem Tisch, vnd wie ich mich meiner
gewonheit nach [Rand: Meditation / des Verf.] mit meinem Schöpffer, in meinem
demütigen Gebett gnugsam ersprachet: Vnd vielen grossen Geheimnussen: (deren
mich der Vatter dess Liechts seine Majestät nit wenig sehen lassen) nachgedacht.
Auch nuhn mir mit meinem lieben Osterlämblein, ein ohngesäurt, vnbeflecktes
Küchlein in meinem Hertzen zubereitten wöllen, kommet einsmals ein solcher
grausamer Wind daher, das ich nit anders meinte, dann es wurde der Berg, darein
mein Häusslein gegraben, vor grossem gewalt zerspringen müssen. Weil mir aber
solches vnnö dergleichen an dem Teuffel (der mir manch leids getan) nit ant
tat, fasset ich einen mut, vnd bleib in meiner Meditation, biss mich, wider
mein gewonheit jemand auff den Rucken anreget, darvon ich dermassen erschrocken,
das ich mich kaum vmbsehen dörffen, noch stellet ich mich so frewdig, als
Menschliche schwachheit zu dergleichen sachen sein kann. Vnd [Rand: ihm /
erscheint /eine / Heroldin] wie mich solch ding zu etlich mahlen beim Rock
zupffet, sihe ich hinvmb, da war es ein schön herrlich Weibsbild, deren Kleid
ganz blaw, vnd mit gulden Sternen, wie der Himmel, zierlich versetzt gewesen.
In der rechten Hand trug sie ein ganz güldin Posaun, daran ein Nam gestochen
gewest, den ich wohl lesen kund, mir aber nochmahlen zu offenbaren verbotten
worden. In der lincken Hand hatte sie ein grosses büschel Brieff, von allerlei
sprachen, die sie (wie ich hernach erfahren) in alle Land tragen musste: Sie
hatte aber auch Flügel, grosse vnd schön, voller Augen, durch vnd durch, mit
denen sie sich aufschwingen, vnd schneller dann kein Adler fliegen kundt. Ich
hette vielleicht noch mehr an jhr können notieren, Aber weil sie so kurtz bei
mir geblieben, und noch aller schreck vnd verwunderung in mir gestecket, muss
ichs so sein lassen. Dann so bald ich mich vmbgewendet, blättert sie ihre Brieff
hin vnd wieder, vnd zeücht entlich ein klein Briefflein heraus, welches sie mit
grosser Reverentz auff den Tisch gelegt, vnd ohne einig wort, von mir gewichen.
Im auffschwingen aber hat sie so kräfftig in ihr schöne Posaunen gestossen, das
der ganze Berg davon erhallet, vnnd ich fast ein Viertel stund hernach mein
eigen wort kaum mehr gehöret. In solcher vnversener Abenteur wusste ich mir
Armen selber weder zu rahten noch zu helffen: fiel deswegen auff meine Knie,
vnd bat meinen Schöpffer: Er wollte mir nichts wider mein Ewiges Heil zugehen
lassen: [Rand: mit einem / Brief] Gieng darauff mit forcht vnd zittern zu dem
Briefflein, das war nuhn so schwer, das, da es lauter Goldt gewesen were, hette
es kaum so schwer sein können. Wie ich es nun fleissig besihe, befinde ich ein
klein Sigill, damit es vermacht, Darauff ward ein zartes Creütz gegraben [Rand:
dessen / Siegel] mit der Inscription: In hoc signo vinces. So bald ich nun das
Zeichen befunden, war ich desto getröster, als welchem nit vnbewust, dz solches
Sigill dem Teuffel nit annemmlich, viel weniger gebräuchlich were. Macht
derowegen das Briefflein subtil auff: Darinnen fand ich im blawen Feld mit
guldenen Buchstaben, nachfolgende Verss geschrieben:
Heut, Heut, Heut,
Ist dess Königs Hochzeit,
Bistu hierzu geboren,
Von Gott zu Frewd erkohren,
Magst auff den Berge gehen,
Darauff drei Tempel stehen,
Daselbst die Geschicht besehen.
Halt Wacht,
Dich selbst betracht,
Wirstu dich nit fleissig baden,
Die Hochzeit kann dir schaden.
Schad hat wer hie verzeucht,
Hüet sich wer ist zu Leicht,
Vnden an stund: Sponsus & Sponsa.
    Da ich nuhn diesen Brieff gelesen, erst wollte mir ganz geschwinden, alle
Haar giengen mir zu Berg, vnd [Rand: Inhalt / von der / Hochzeit] lieff mir der
kalte Schweiss vber den ganzen Leib herab, dann ob wohl ich merckte, dass diss die
angestelt Hochzeit were, von deren mir vor sieben Jahren in einem Leiblichen
Gesicht gesagt worden, auch welcher ich nuhn ein so lange zeit mit grossem
verlangen gewartet, vnd endtlich in fleissiger nachrechnung vnd Calculation
meiner annotierten [Rand: Erfordernisse / an / den Hochzeitgästen / nach / 7
Punkten] Planeten also befunden, hätte Ich mich doch nimmermehr versehen, dass es
mit so schweren vnnd gefährlichen Conditionen würde zugehen. Dann da ich zuvor
gemeint: Ich dörffte nur gerad bei der Hochzeit erscheinen, da wurde ich
willkommen vnd lieber Gast sein, jetzt aber weist es mich auff Göttliche
versehung, [Rand: 1. / ungewisse / Erwählung] derer ich noch dissfals nimmer
gewiss: so befandt ich auch bei mir selbst, je mehr ich mich selber erwegete,
das in meinem Kopff nichts dann grosser vnverstandt, vnd blindheit in geheimen
sachen were, auch dass nit[Rand: 2. / Unwissenheit vnd / Blindheit / des
Verstandes] verstehen kundt, dass mir vnter den Füssen gelegen, vnnd mit dem ich
täglich vmbgangen, viel weniger dass ich sollte zu erforschung vnd erkandtnuss der
Natur Secreten geboren sein, weil meines erachtens die Natur allwegen einen
Tugentlicheren discipel hette finden mögen, dem [Rand: 3.] sie ihren so teüren,
gleichwol zeitlichen vnd vergänglichen[Rand: 4.] Schatz vertrawete. So befand
ich auch dass mein [Rand: Geheimnisse der / Natur] Leib, vnd eusserlicher guter
wandel vnd Brüderliche lieb gegen meinem nechsten auch nit recht gereiniget
[Rand: 5.] vnd geseübert were. So erzeigt sich auch noch dess [Rand: 6.]
Fleisches kützel, welchem sein Sinn nur zu hohem ansehen, vnd weltlichem Pracht,
nit dem neben Menschen zu gut stund, vnd jmmer gedachte, ei wie köndte ich
[Rand: Weltsinn] durch solch Kunst meinen nutzen in kurtzem so trefflich
befördern, statliche Gebäw aufführen, ein ewigen Namen in der Welt machen, vnd
was dergleichen fleischliche gedancken mehr sein, sonderlich aber bekümmerten
mich [Rand: 7.] die dunckele Wort, von den 3. Tempeln, die ich mit keinem
nachdenken zuwege bringen köndte, Auch vielleicht noch nit kundte, wann mir
solches nit wunderbarlich were eröffnet worden. Wie ich nuhn in solcher forcht
und hoffnung steckte, mich selber hin vnd wider erwegete, zu allmahlen aber
nur mein Schwachheit, vnnd vnvermöglichkeit befande, vnd also mir selber in
keinen weg helffen konnte, auch mich vor gemelter betrawung heftig entsetzete:
griff ich entlich nach meinem gewönlichen vnnd aller sichersten weg, legte mich
nach [Rand: Gebet] vollendtem ernstlichem vnd eifferigem Gebett in mein Bett: Ob
mir doch mein guter Engel aus Göttlicher verhengnuss möcht erscheinen, in diesem
zweifelichem handel, wie vormals etlichmal beschehen, berichten, welches dann
auch Gott zu Lob, mir zum besten, vnd meinem Nechsten zu trewlicher vnd
hertzlicher warnung vnd besserung geschehen. Dann wie ich kaum entschlaffen,
[Rand: Gesicht im /Schlaff] dauchte mich, ich lege in einem finstern Turn neben
andern unzahlbaren Menschen, an grossen Ketten [Rand: Der / finstere / Turm]
gefangen, darinnen wir dann ohn alles Liecht und schein, wie die Immen
vbereinander gewimlet, vnnd also einer dem andern sein trübsal noch schwerer
gemacht: wiewol nuhn weder Ich, noch vnser keiner ein sticken gesehen, höret ich
doch jmmer sich einen vber den andern zu erheben, wann sein Ketten oder
Springer, nur vmb das geringste leichter gewesen, ohn angesehen, vnser keiner
den andern viel auffzuheben hatte: Weil wir allezumal gemachte tropffen gewesen.
Wie ich nun auch in solchem Trübsal mit andern ein gute weil verhartte, vnd
immer einer den andern ein blinden vnd gefangenen gescholten, hören wir entlich
mit viel Trommeten zusammen blasen, auch die Heertrommel so Künstlich darzu
schlagen, dass es vns dennoch in vnserm Creütz erquickt vnd erfrewet hatt. Vnter
solchem getön wirdt [Rand: Erleuchtung] der Deckel am Turn oben auffgehoben,
vnd vns ein wenig Liechts zugelassen. Da hette man vns erst recht sehen durch
einander burtzlen, dann da ging alles durch einander, vnd musste etwa der, so
sich zu viel erhoben, andern vnder die Füss kommen: Summa, ein jeder wolt der
oberst sein, wie ich mich dann selber nit gesaumt, sondern mit meinen schweren
Springern, dannoch vnder andern herfür gewischt, vnd an einen [Rand: der zum /
Schutz / dienende / Stein] stein, den ich erwischt, erhoben, wiewol ich auch da
etlich mahl von andern angriffen worden, da ich mich allweg, so gut ich gemöcht,
mit Händ vnd Füssen erwehrt, dann wir meinten nit anders, dann wir werden alle
ledig gelassen werden, welches doch weit anders geschehen: Dann nach dem sich
die Herren, so oben vom Loch dess Turns auff vns hinab gesehen, durch solches
zabeln vnnd wünseln ein wenig erlustriert, heisset vns ein Alter [Rand: der
Aufseher des / Turms] Eyssgrawer Mann still sein, vnnd wie er diss kaum erhalten,
fanget er, wie ich es noch behalten, also an zu reden:
Wann sichs nicht tet erheben,
Das arm Menschlich geschlecht,
Wer jhm viel guts gegeben,
Von meiner Mutter recht,
Weils aber nit will folgen,
Bleibt es in solchen sorgen,
[Rand: siehe S. / Bernhard / serm. 3. / de 7. fragmentis] Vnd muss gefangen sein.
Noch will mein liebe Mutter,
Ansehen ihr Vnart nicht,
Last jhre schöne Gütter,
Zu viel kommen ans Liecht,
Wiwol solchs geschicht gar selten,
Damit sie auch was gelten,
Sonst helt mans für ein Gdicht,
Darumb dem Fest zu ehre,
Welchs wir heut feiern tun,
Das man jhr Gnad vermehre,
Ein gut Werck will sie tun,
Das Seil wird man jetzt sencken,
Wer sich daran wirdt hencken,
Der selb soll werden los.
    [Rand: die Fraw / mit dem / Seil] Wie er nun diss kaum aussgeredt, befahle die
Alte Fraw jhren Dienern, das Seil in den Turn zu sieben mahlen hinab zu lassen,
vnnd wer da behangen wurde, [Rand: siebenmal] herauff zu ziehen. O wollte Gott
ich köndte gnugsam beschreiben, was vnruh sich dazumahl vnder uns erhaben, dann
jeder wolt an das Seil fallen, vnd hindert doch nuhr einer den andern. Es war
aber nach sieben [Rand: der erste / Zug 4.] minuten, mit dem Glöcklein ein
Zeichen gegeben. Darauff die Diener auffs erste mahl vier ausgezogen, dann
dazumal konnte ich noch bei weitem zum Seil nit kommen, als der ich mich, wie
vorgemelt, zu meinem grösten vnglück, an der Wand dess Turns auff einen Stein
begeben, vnd deswegen zum Seil, dass in der [Rand: der zweite] mitten hinab
gangen, nit kommen mögen. Dess andern mals wirdt das Seil hinab gelassen, Aber
weil manchem die Ketten zu schwer, die Händlin aber zu weich gewesen, kondte er
sich am Seil nit erhalten, sonder schlug noch wohl manchen der sich villeicht
erhalten hette, mit sich hinab, Ja es wurde noch wohl mancher von eim andern
herab gerissen, der doch selber nit dahin kommen konnte: waren also in vnserm
grossen Elend noch neidig auf einander. Die aber daurten mich selber am aller
vbelsten, denen jhr Gewicht so schwer gewesen, dass sie jhnen selbst die Hand aus
dem Leib gerissen, vnd doch nicht hinauff kommen können. Also kams, das zu den
fünffmahlen gar wenig auffgezogen worden: Dann so bald das Zeichen ward gegeben,
waren die Diener mit dem auffziehen so schnell, das der mehrteil vber ein ander
geburtzelt: sonderlich aber das fünftemahl das Seil gar ler auffgezogen worden,
deswegen der mehrteil, auch ich selber an vnser erledigung verzagt, vnd Gott
angeruffen, er wollte sich vnser erbarmen, vnd da es müglich aus dieser
finsternuss vns erlösen: der dann auch etliche vnder uns erhört. Dann da das Seil
zum [Rand: der / sechste] sechsten mal kommet, hencken sich jhrer etliche
festiglich daran. Vnd weil das Seil im auffziehen hin vnnd her schwanket, ist es
villeicht aus Göttlichem willen zu mir gefahren, welches ich schnell erhaschet,
zu obrist auff alle andere gesessen, vnnd also entlich wider verhoffen
herausskommen, welches mich hoch erfrewet, das ich der Wvnden, so ich am Kopff,
von eim spitzigen [Rand: Wunden / im / Turm] Stein im auffziehen empfangen nit
empfunden, biss ich mit andern erledigten, den 7. vnd letzsten zug tun helffen
(wie zuvor allweg beschehen) müssen, da mir dann von arbeit dz Blut vber mein
ganzes kleid abgeloffen, welchs ich doch vor frewd nicht geacht hatte. [Rand:
der / siebente / Zug] Wie nun auch der letste zug, daran noch am aller meisten
gehangen, vollendt gewesen, lasset die Fraw das Seil hinweg tun, vnd jhren
vhralten Sohn (dessen [Rand: der Sohn / der Fraw] ich mich höchlich verwundert)
den andern gefangenen jhren bescheid verkündigen, der sie dann nach wenigem
bedencken also angeredt:
Ihr liebe Kind,
Die jhr hie sind,
Es ist vollendt,
Was lengst erkennt,
Was meiner Mutter grosse gnad
Ewren beiden hie erwiesen hat,
Dass solt jhr ihn nit tun missgönnen,
Ein frölich zeit die soll bald kommen.
Darin einer wirt dem andern gleich,
Keiner wirt sein arm oder reich,
Wem viel befohlen,
Muss viel holen,
Wem viel vertrawt,
Dem gehts and' haut,
Darumb so last ewer grosse klag,
Was ists vmb etlich wenig tag.
    So bald er die wort vollendt, ward der Deckel wider zugetan, vnd
verschlossen, vnd das Trommeten vnd Heertrommeln wider angehoben: So laut kont
aber der Ton nit sein, man hört noch der gefangenen bittere klag, die sich im
Turn erhoben für allen heraus. Welches mir dann auch bald die Augen
vbergetrieben.[Rand: die Fraw / zählt die / herausgezognen] Bald setzt sich die
alt Fraw mit jhrem Sohn auff zubereitte Sessel nieder, vnd befilcht die erlöste
zu zehlen. Wie sie nun die zahl vernommen, vnd auff ein Goldgelb Täffelein auff
geschrieben, begert sie eines jeden Namen, welche auch von eim Knäblein
auffgeschrieben [Rand: der / Schreiber] worden: Wie sie vns nun nacheinander
ansihet, erseüfftzet sie, vnd spricht zu jhrem Sohn, dz ichs wohl hören kundt:
Ach wie tawren mich die arme Menschen im Turn so vbel, wolt Gott, ich dörffte
sie [Rand: warum / nicht alle / erlöst sind] alle erledigen. Darauff der Sohn
geantwortet: Mutter, so ists von Gott verordnet, dem sollen wir nit
widerstreben, wann wir alle Herren weren, vnd alles Gut hetten auff Erden, vnd
weren dann zu Disch gesessen, wer wolt vns doch bringen zu essen. Deswegen die
Mutter geschwiegen, Aber bald darauff sagt sie: Nuhn so last doch diese von
jhren Springern erledigen: Welches dann auch schnell geschehen, und war ich ohn
[Rand: Danckbarkeit des / erlösten / Verfassers] wenig der letste. Noch kundte
ich mich nit entalten, ob ich wohl als auff andere gesehen, sonder neiget mich
vor der alten Frawen, vnnd dancket Gott, der durch sie mich aus solchem
Finsternuss ans Liecht gnedig vnnd Vätterlich bringen wöllen, welches dann auch
andere nach mir getan , vnd also die Fraw vernieget. Entlich wurde einem jeden
ein guldiner denck- vnd zehrpfenning gegeben, Darauff war auff der einen seitten
[Rand: Goldmüntze / ] die Sonn, wie sie auffgieng gepreget, auff der andern
seiten stunden meines behaltens diese drei Buchstaben [Rand: Deus Lux / Solis /
vel / Deo Laus / Semper] D. L. S. Damit einem jeden vrlaub gegeben, vnd zu seim
tun geschickt worden, mit dem anhang wir sollten zu Gottes lob, vnserm Nechsten
nutzen, vnnd was vns vertrawet, verschwigen behalten, welches wir auch zu tun
versprachen, vnd also von einander geschieden. [Rand: Gebot des /
Stillschweigens] Ich aber kundte von wegen der Wunden, so mir die Springer
gemacht, nit wohl fort kommen, sonder hinckte an beeden Füssen, welches die Alte
bald ersehen, hierüber gelacht, vnd wider zu sich gefordert vnd angeredt. Mein
Sohn, lass dich diesen mangel nit bekümmern, sonder erinnere dich deiner
Schwachheiten, vnd dancke [Rand: Beurlaubung / des Verf.] ödaneben Gott, der
dich zu so hohem Liecht, noch auff dieser Welt, vnnd im stand deiner
vnvollkommenheit kommen lassen, vnd behalte diese Wunden von meint  wegen.
Darauff sich dann das Trommeten abermal [Rand: Wunden /an den / Füssen] erhoben,
welches mich dermassen erschreckt, dz ich erwacht, vnd erst gemerck't dz es nuhr
ein Traum gewesen, welcher mir doch so starck im Sinn gelegen, das ich [Rand:
Erwachung / vom / Traume] mich noch immer vor dem Traum besorget, so däucht mich
auch, wie ich noch der Wunden an den Füssen empfünde. Wie nun dem allen, so
verstund ich doch wohl, dz mir von Gott vergünnet worden were, solcher [Rand:
Trost] heimlichen vnd verborgenen Hochzeit beizuwohnen, deswegen ich seiner
Göttlichen Majestät hierumben mit Kindtlichem vertrawen gedanck't vnd gebetten,
Er wollte [Rand: Gebet] mich ferner also in seiner forcht erhalten, mein Hertz
täglich mit Weissheit vnd verstandt erfüllen, auch entlich zu erwünschtem end,
ohne mein verdienst gnediglich [Rand: Zurüstung / zur Reise] bringen. Darauff
rüstet ich mich auff den weg, zog meinen weisen Leinen Rock an, vmbgürtet meine
lenden mit einem Blutrohten Bendel kreützweiss vber die Achslen gebunden: Auff
meinen Hut steckt ich vier rohter Rosen: damit ich vnder dem Hauffen durch
solche Zeichen könnte desto eh gemerckt werden. Zur Speiss nam ich Brot, Saltz vnd
Wasser. Deren ich mich dann, aus raht eines Verständigen, zu gewisser zeit nit
ohne nutz in solchen fählen gebraucht. Ehe ich aber aus meinem Hüttlein
gewichen, fall ich zuvor in solchem meinem Apparat vnd Hochzeitkleid auff die
Kniehe, vnd bitte [Rand: Gelübde] Gott, dz wa solches war, Er es doch mir zu eim
guten end gereichen lassen wolt, hab auch darauff vor Gottes Angesicht gelobt:
dass da mir etwas durch sein Gnad wurde eröffnet werden, Ich mich dessen weder zu
ehr noch ansehen in der Welt, sonder seines Namens befürderung vnd dem neben
Menschen zu dienst wölle gebrauchen. Und bin mit solchem Gelübt, vnd guter
Hoffnung mit frewden aus meiner Cellen geschieden.
 
                                  Zweiter Tag.
Bloss war ich aus meiner Cellen, in den Wald [Rand: Frewde / aller / Kreaturen /
wegen der / Hochzeit] kommen, da duncket mich schon, es hette sich der ganze
Himmel vnd alle Element, zu solcher Hochzeit geschmucket. Dann auch die Vögel
meines erachtens lieblicher sungen dann zuvor: so sprungen die junge Hirschlin
so frewdig daher, das sie mein altes Hertz erfrewet, vnnd zu singen bewegt,
fieng derwegen mit lauter Stimm auch also an zusingen:
Frew dich du liebes Vögelein,
Dein Schöpffer hoch zu loben,
Dein Stimm erheb nun hell vnd fein,
Dein Gott ist hoch erhoben,
Dein Speiss hat er dir vorbereit,
Gibt dirs zu recht bequemer zeit,
Daran lass du dich genügen,
Was wolstu doch unlustig sein,
Was wolst vber Gott zürnen,
Dass er dich wolt ein Vögelin sein,
Wolst das Köpfflin verwirren,
Dass er dich nicht ein Menschen gemacht,
O schweig er hatt es bass bedacht,
Daran lass du dich genügen.
Was mach ich armer Erden Wurm,
Wolt ich mit Gott tun rechten:
Dass ich so in den Himmelstürm,
Mit g'walt gross Kunst z'erfechten,
Gott will sich ja nit bochen lan,
Wer hie nit daugt mach sich davon,
O Mensch lass dich genüegen.
Dass er dich nit zum Keiser g'macht,
Das lass du dich nit krencken,
Sein Namen hetst villeicht veracht,
Dess hatt er sein bedencken:
Die Augen Gottes heller sein,
Er sieht dir gar ins Hertz hinein,
Drumb wirst Gott nit betriegen.
    [Rand: durch den / Wald] Diss sang ich nun von grund meines Hertzens, durch
den Wald hindurch, dass es allentalben erschallte, vnd die Berg mir die letsten
wort repetierten, biss ich [Rand: auf die / Heide] entlich ein schöne grüne
Heiden ersehen: Dahin ich mich aus dem Wald begeben. Auff dieser Heiden stunden
[Rand: 3. Cedern] drei hohe schöne Cedern Bäum, welche umb jhrer breiten willen,
ein herrlichen vnd erwünschten Schatten [Rand: 3 Tempel] gegeben, dessen ich
mich höchlich erfrewet: dann ob ich wohl noch nit weit gangen, machte mich doch
das grosse verlangen schier müed, deswegen ich den Bäumen zugeeilet, darunder
ein wenig zu ruhen. Wie ich aber [Rand: ein / Täfelchen / ] neher hinzu komme,
ersihe ich ein Täfelein, so an den einen Baum gehefftet, Auff welches, da ichs
nachmalen gelesen, nachfolgende wort, mit zierlichen Buchstaben geschrieben
gewesen:
    Hospes salue: si quid tibi forsitan de nuptiis Regis auditum. Verba haec
perpende. Quatuor viarum optionem per nos tibi sponsus offert, per quas omnes,
modo non in devias delabaris, ad Regiam ejus aulam peruenire [Rand: 1.] possis.
Prima breuis est, sed periculosa, & quae the in varios scopulos deducet, ex
quibus vix the expedire licebit. [Rand: 2.] Altera longior, quae circumducet the,
non abducet, plana ea est, & facitis, si the Magnetis auxilio, neque ad
dextrum, neque finistrum abduci patieris. Tertia vere Regia est, quae [Rand: 3.]
per varias Regis nostri delicias & spectacula viam tibi reddet jucundam. Sed
quod vix millesimo hactenus obtigit. [Rand: 4.] Per quartam nemini hominum
licebit ad Regiam peruenire, ut pote, quae consumens, et non nisi corporibus
incorruptibilibus conveniens est. Elige nunc ex tribus quam velis, & in ea
constans permane. Scito autem quamcunque ingressus fueris: ab immutabili Fato
tibi ita destinatum, nec nisi cum maximo vitae periculo regredi fas esse.
    Haec sunt quae the scivisse voluimus: sed heus cave ignores, quanto cum
periculo the huic viae commiseris: nam si the vel minimi delicti contra Regis
nostri leges nosti obnoxium: quaeso dum adhuc licet per eandem viam, qua
accessisti: domum the confer quam citissime.
    So bald ich nuhn diese Schrifft gelesen, war mir schon alle frewd wider
dahin, vnd der ich zuvor frölich gesungen, fieng nuhn an inniglich zu weinen:
dann ich sah gleichwol alle drei Weg, vor mir, vnd wusste auch das mir nach der
zeit erlaubt were, mir einen Weg zu erwählen. Noch besorget ich, da ich auff den
Steinigen [Rand: der Verf. / soll einen / Weg / wählen] vnd Felsigen Weg käme,
möchte ich jämmerlich zu todt fallen: Oder da mir der lange Weg wurde, köndte
ich entweders durch abweg verirren oder sonsten auff der weiten Reiss bleiben: So
dorffte ich auch nit hoffen, das vnter tausent ich eben der sein sollte, der den
Königlichen Weg erwehlte. Den vierten sah ich gleichwol vor mir, aber er war
mit Fewr vnd Dampff dermassen vmbgeben, dass ich bei weitem nit hinzu nahen
dörffte. Bedachte mich also hin vnd her, ob ich wider vmbkehren, oder der Wege
einen für mich nemmen [Rand: bedenckt / sich] sollte. Mein vnwürdigkeit bedacht
ich wohl, aber mich tröstet alzeit der Traum, da ich aus dem Turn erlediget
worden, vnd dorffte mich doch nit kecklich auff ein Traum verlassen, deswegen
ich mich dann so lang hin vnd wider besonnen, biss mir von grosser mattigkeit
wegen, der hunger vnd durst in Bauch kommen. Deswegen ich bald mein Brot herfür
gezogen, vnd [Rand: eine weisse / Taube / fliegt zu / ihm] auffgeschnitten,
welches ein Schneeweisse Taub, so auff dem Baum gesessen, deren ich nit wahr
genommen, ersehen, vnd deswegen villeicht jhrer gewonheit nach herab gemacht,
vnd zu mir gar heimlich sich begeben, deren ich dann mein Speiss gern mit
geteilt: die es auch angenommen, vnd also durch ihr schöne, wider ein wenig:
erquickt. So bald es aber ihr feind ein schwartzer [Rand: ein / schwartzer /
Rabe] Rab ersehen, Ist er gleich auff die Taub zugeschossen, vnd gleichwol
meiner nit begert, sondern der Tauben das jhre nemmen wöllen, die sich anders
nit dann mit fliehen erwehren können. Seindt deswegen mit einander [Rand:
fliegen / beide /gegen / Mittag] Mittagwerts zu geflogen, welches mich dann
dermassen erzürnet vnd betrübt, dass ich aus vnbedacht dem losen Raben nacheilt,
vnd also wider meinen willen, fast einer Ackerlänge weit, in der verzeichneten
Weg einen geloffen, vnd also den Raben vertrieben, die Tauben [Rand: der Verf. /
gerät im / Nachlaufen auf / den unrechten / Weg] aber erlöst. Allererst mercket
ich, was ich unbesonnen gehandlet, vnd das ich allbereit auff ein Weg kommen,
darvon ich nit wider (bei gefahr grosser Straff) weichen dörffte. Vnd wiewol ich
mich noch etlicher massen hätte trösten können, war mir doch dz allermeist, das
ich mein Säcklein vnd Brot bei dem Baum gelassen, vnd es nimmer holen kundte.
Dann so bald ich mich vmbkehret, war mir ein so grosser Wind so starck zu wider,
dass er mich leichtlich fellet, ging ich dann zu dem Weg fort, so mercket ich
ganz vnd gar nichts: daraus ich leichtlich schliessen können, Es würde mir das
Leben kosten, da ich mich sollte wider den Wind legen. Nam deswegen mein Creütz
gedultig auff mich, macht mich auff die Füss, vnd gedachte, weil es je sein
musste, wölle ich dahin arbeiten, das ich vor Nacht könnte dahin [Rand: nimmt /
seinen / Compass] kommen. Wiewol sich nuhn manch scheinlicher abweg erzeiget,
wischet ich doch allweg mit meinem Compass heraus, vnd wollte von der Mittaglini
vmb kein Schritt nit weichen, wiewol der Weg manchmal so rauch vnd vngebant
gewesen, dass ich nit wenig ob jhm gezweiffelt, auff solchem Weg gedacht ich
stettigs an die Taube vnd Raben, vnd kundte es doch nit erspeculieren: Biss ich
entlich auff einem hohen Berg ein schön Portal von [Rand: findet / gegen /
Sonnenuntergang / ein Portal / Unterg. / ] weitem ersehen, dem ich dann
vngeacht, es mir weit, weit ab dem Weg war, zugeeilt, weil allbereit die Sonn
sich vnder die Berg verborgen, vnd ich sonsten bei weitem noch kein bleibende
stadt ersehen können, vnd das zwar schreib ich allein Gott zu, der mich wohl
hätte können auff solchem Weg fort gehen lassen, vnd mir die Augen verhalten
mögen, dass ich solche Port hätte können vbergaffen: Der eile ich nun, wie
gesagt, heftig zu, die ich dann noch bei solcher Tagzeit erreichet, dass ich sie
dannoch nach aller notturfft besehen können. Es war aber ein vberauss Königlich
schön Portal, daran viel herrlicher Bilder vnd Sachen gehawen, deren jetlichs,
wie ich hernach erfahren, sein sondere bedeutnuss hatte. Oben an war ein zimlich
gross Täfelin gehefftet, mit diesen Worten: Procul hinc, procul ite Prophani: Vnd
[Rand: mit einer / Aufschrift] anders mehr, welches mir zuerzehlen ernstlich
verbotten worden. So bald Ich nuhn vnder die Portal kommen, wischet gleich einer
in eim Himmel blawen Kleid herfür, den ich dann freündtlich gegrüst, dessen er
sich gleichwolen bedanckt, aber alsbald mein Ladbrieff von mir [Rand: der /
Türhüter / fordert / den Brief] gefordert. O wie froh war ich da zumalen, dass
ich ihn mit genommen: dann wie leicht hätte es sein können, das ich seiner
vergessen, welches dann auch andern beschehen, wie er mir selber referiert: den
hab ich nuhn bald auffgelegt, dessen er nit nur zufrieden gewesen, sonder mich
noch, darob ich mich verwundert, hoch geehret, vnd gesagt: Geht hin mein Bruder,
ein lieber Gast seit jhr mir: Bat mich darneben, ich wolt jhm meinen Namen nit
verhalten, da ich jhm nuhn geantwortet, Ich wer der Bruder von dem Rohten Rosen
[Rand: Nahmen / des Verf.] Creütz, hat er sich verwundert, vnd gleichsam
gefrewet, vnd darauff angehebt: Mein Bruder, habt jhr nit so viel zu euch
genommen, dass jhr könten ein Zeichen kauffen. Ich antwortet: Mein vermögen were
ring, sehe er aber etwas bei mir, dass jhm liebt, dass möchte [Rand: muss ein
/Zeichen / kaufen] er nemmen. Wie er nuhn mein Fläschlin mit Wasser von mir
begert, Ich auch solches bewilliget, gibt er mir ein guldin Zeichen, darauff
stund mehr nit als diese zween Buchstaben S. C. (Sanctitate Constantia, Sponsus
Charus, Spes Charitas.) mit vermanung, da mir solches wohl würde bekommen, sollte
ich seiner gedencken: darauff fraget ich ihn wieviel vor mir hinein weren,
welches er mich auch berichtet: Entlich aus guter freüntschaft [Rand: ein
versiegelter /Brief.] hat er mir ein verpitschiert Briefflein an den andern
Hüetter geben. Wie ich mich nuhn etwas lengers bei jhm auffhielte, fället die
Nacht, daher, deswegen bald auff der Porten ein grosse Pechpfannen angezündet
worden, damit so jemandt noch auff dem Weg were, er herzu eilen köndte: der Weg
aber so vollendt zum [Rand: Schloss] Schloss ging, war zu beiden seiten mit
Mawren beschlossen, vnd mit schönen Bäumen von allerlei Früchten besetzet, auch
allweg drei Bäum auff beeden seiten, daran Laternen gehefftet, darinnen schon
allbereit alle [Rand: die Jungfraw mit /einer / Fackel / oder Hofmeisterin /
Vögtin] Liechter, durch eine schöne Jungfraw auch im Blawen Kleid, mit einer
herrlichen Fackel angezündt worden, das war so herrlich vnd Meisterlich
anzusehen, dass ich mich wider die notturfft etwas langes auffgehalten. Entlich
aber nach genugsamen bericht, vnd nutzlicher instruction bin ich vom ersten
Hütter freündtlich geschieden: Auff dem Weg hatte ich gleichwol gern gewüst, was
in meinem Briefflein geschrieben, weil ich aber dem Hütter nichts böses zutrawen
dörffte, must ich mein fürnemmen im Zaum halten, vnd also den [Rand: die andere
/ Pforte] Weg fort passieren, biss ich auch zur andern Porten kommen, die
gleichwol der andern fast gleich, aber mit andern Bildern, vnd heimlichen
bedeütungen gezieret gewesen. In dem angehefften Täffelin stund Date &
[Rand: an derselben / ein Täfelchen] dabitur vobis. Vnder dieser Porten lag an
einer Ketten ein grausamer Löw, der sich, so bald er mich ersehen, auffgericht,
vnd meiner mit grossem brüllen begehrt: [Rand: darvor / ein Löwe] Darvon dann
der ander Hütter, so auff einem Marmelstein gelegen, auffgewacht, vnd mich
geheissen ohne Sorg [Rand: der 2te / Türhüter] vnd Forcht sein. Darauff auch
den Löwen hinder sich getrieben, vnd das Briefflein, welches ich jhme mit
zittern dargereicht, empfangen, gelesen, vnd mit grosser Reverentz also
angesprochen: Nun sei mir Gott willkommen, der Mensch den ich längst gern
gesehen hätte: vnder dessen zeücht er auch ein Zeichen heraus, vnd fragt mich,
ob ichs lösen köndte. Weil ich aber nichts [Rand: gibt ein / Zeichen / das durch
/Salz gelöset wird] mehr hatte, dann mein Saltz, bot ich jhm das dar, welches er
mit danck angenommen. Auff dem zeichen stund abermal nur zwen Buchstaben,
nämlich, S. M. (Studio Merentis. Sal humor, Sponso mittendus, Sal mineralis, Sal
menstrualis,) wie ich nuhn auch mit dem sprachen wöllen, fanget man in dem
Schloss an zu leutten, deswegen mich der Hütter ermahnet, Ich sollte schnell
lauffen, sonsten wer all mein gehabte mühe vnd arbeit vergebens, dann man fieng
schon oben an die Liechter ausszuleschen: dass ich dann so schnell getan, dz ich
auch den Hütter nit behiet, so angst war mir, vnd zwar war es warlich vonnöten.
Dann so starck kunt ich nit lauffen, es war die Jungfraw schon an mir, nach
deren alle Liechter aussgeloschen, hätte auch den weg nimmer treffen können, wann
sie mir nit mit jhrer Fackel noch ein schein gemacht hätte: Noch treibet mich
die not, das ich allernechst an jhr hinein kommen, da dann die Port so schnell
zugeschlagen worden, das mir auch ein stuck vom Rocke hinein geschlossen worden,
[Rand: die Pforte / wird verschlossen] welchs ich gewisslichen dahinden lassen
müssen, dann den Torwartten kondten weder Ich, noch die so allbereit vor der
Türen daraussen gerufft, dahin bringen, dz er wider eröffnet hätte, Sondern er
hab die Schlüssel der Jungfrawen gegeben; die sie mit sich in den Hoff genommen:
Vnder dessen sihe ich mich abermals an der Porten vmb, die war nuhn so köstlich,
dass jhrs [Rand: zwo Pyramiden vor / derselben] gleichens die ganze Welt nicht
hatt: Neben der Türen waren zwo Seülen. Auff der einen stund ein frölich Bild
mit dieser inscription: congratulor. Das and' verhület sein Angesicht, war
trawrig, vnd stund darunder Condoleo. In Summa, solche dunckele verborgene
Sprüch, vnd Bilder waren daran, dass sie die gescheidesten auff [Rand:
Versprechen / des Verf.] der Erden nit hätten ausslegen können. Es sollen aber
solche alle, so es anderst Gott zulest, in kurtzem von mir an Tag gebracht, vnnd
eröffnet werden. Vnder dieser Porten musste ich abermal meinen Namen geben, der
würde in ein Pergamentin Büchlein zu letst angeschrieben, vnd alsbald mit
andern, dem H. Bräutigam vberschickt, da ward mir erst dz rechte Gastzeichen
gegeben, das war etwas kleiners dann die andern, doch viel schwerer, auff diesem
stunden diese Buchstaben S. P. N. (Salus per naturam, Sponsi praesentandus
nuptiis.) vber dess gab man mir ein new par schu, dann der Boden dess Schlosses
war von lauter hellem Marmor gelegt, Meine alte Schuh dörffte ich der Armen
einem, so häuffig vnter dem Tor, doch fein ordentlich gesessen, geben, welchem
ich wollte. Die ich dann einem alten [Rand: ein Knabe /führt ihn] Mann
geschencket: Darauff führet mich ein Knab, mit zweien Fackeln in ein kleines
Gemächlein. Da hiessen sie mich auff ein Banck nider sitzen, welches ich auch
getan , sie aber steckten jhre Fackeln, in 2. löcher, so in den Boden gemacht,
vnd gehen darvon, lassen mich also allein sitzen. Bald darauff hörte ich ein
gereüsch, sah [Rand: Balbierer] aber nichts, vnnd das waren etlich Männer die
fallen vber mich hin, weil ich aber nichts sehen kundt, musst ichs so geschehen
lassen, vnd warten, was sie doch mit mir wurden anfangen. Weil ich aber bald
vermerckt, dass es Balbierer: bitte ich sie, sie wollten mich nit so heben, ich
wäre doch willig zutun, was sie begehrten, darauff sie mich bald gelassen, vnd
also einer, [Rand: schneiden / ihm das / Haar ab, / vnd lassen / andres /
stehen] den ich doch nit sehen kundt, fein sitlich dz Haar mitten auff dem Kopff
herumb hinweg geschnitten, an der Stirn aber, Ohren vnd Augen, mein langes
eissgrawes Haar hangen lassen. In solchem ersten angriff, muss ich bekennen: Wer
ich schier verzagt: dann weil mich jhrer etliche so starck hebten, vnd ich doch
nichts sehen kundt, möcht ich nit anders gedencken, dann Gott hette mich vmb
meines fürwitz wegen fallen lassen. Nun diese vnsichtbare Balbierer lesen das
abgeschnitten Haar fleissig auff, vnd tragens mit sich hinweg: darauff sich dann
beide Knaben wieder eingestelt, vnd mein jnniglich gelacht, [Rand: zween /
Knaben] dass ich mich so geförcht hette. Wie sie aber kaum etlich Wort mit mir
geredt, fanget man wid' an mit eim kleinen Glöcklein zuleutten, vnd wie mich die
Knaben bericht, der versamblung zeichen zugeben. Deswegen sie mich auffgemant,
vnd durch viel Gänge, Türen vnnd Schnecken, in ein grossen Saal vorgeleüchtet.
[Rand: Speisesaal] In diesem Saal war ein grosse menge der Gäst, von Keiser,
König, Fürsten vnd Herren, Edel vnnd Vnedel, Reich vnd Arm, vnd allerlei
gesinds, dessen ich mich höchlich verwundert, vnd bei mir selber gedacht: Ach
wie bistu so ein grosser Narr gewesen, dass du dir solche Reise so bitter vnd
sawr hast lassen angelegen sein, Sihe da sein doch Gesellen, die du wohl kennest,
vnd nie nichts auff sie gehalten: die seind nun alle hie: vnd bistu mit all deim
bitten vnd beten kaum zu letst hierein kommen. Diss vnd anders mehr gab mir der
Teufel dazumal ein, den ich doch, so gut ich [Rand: Gottlosigkeit derer, / so
nicht /den rechten Weg / gekommen / waren] kunt, auff den Ausgang gewiesen.
Vnder dess spricht mich meiner bekandten einer hie, d' ander da, an. Sihe Frater
Rosenkreuzt, bistu auch hie: Ja antwortet ich, meine Brüder, die Gnad Gottes hat
mir auch herein geholffen, dessen sie sehr gelacht, vnd für spöttisch gehalten,
in so schlechtem ding auch Gottes bedürffen. Wie ich nuhn jeden seines wegs
halber befragt, mehrerteil aber vber die Felsen abklettern müssen, fahet man an
mit ettlich trommeten, deren wir doch keinen gesehen zu Tisch zublasen: darauff
sich dann männiglich gesetzt, jmmer einer nach dem jhn gedauchte, er were vber
andere: deswegen mir sampt andern armen Gesellen kaum ein Pletzlein an dem
vndersten Tisch worden. Bald stellen sich die beide Knaben ein, vnnd Betet einer
vnder jhnen so schöne vnd herrliche Gebetlein, dass sich mein Hertz im Leib
erfrewet. Dessen doch etlich [Rand: einige / unterlassen / das Beten] grosse
Hansen wenig geachtet, sondern mit einander gelachet, einander gewuncken, in die
Hüt gebissen, vnd dergleichen Fantaseien mehr getrieben. Darnach ward das [Rand:
Gerichte] Essen auffgetragen, vnd wiewol man keinen Menschen sehen kundt, war
doch alles so ordentlich versehen, [Rand: unsichtbare / Diener] dass mich
gedaucht, es hette ein jeder Gast, seinen eigenen diener. Wie nun meine Künstler
sich ein wenig erlabt, vnd jhnen der Wein die scham ein wenig vom Hertzen
geruckt: Da erhub sich erst ein Rühmen, vnd wohl können. Der wollte diss probieren,
der ander jenes, vnd [Rand: Prahlerei / der / betrunckenen] waren gemeiniglich
vnnütze tropffen die läuttesten: ach wann ich gedenck was vbernatürlichs, vnd
vnmüglichs ausstun ich damalen gehört, möchte mir noch darüber vnwillen. Endlich
blieben sie auch nimmer bei jrer ordnung, sondern da flicket sich da ein Lecker
zwischen den Herren ein, da ein anderer, da gaben sie solche streich für,
dergleichen weder Samson, noch Hercules mit all jhrer Stärcke nit hetten zuwegen
bringen können. Der wollte Atlantem seines Lasts erledigen, Jener wollte den
dreiköpffigen Cerberum wieder aus der Hellen ziehen. In Summa, jeder hat sein
eigen geschwader, noch waren die grossen Herren so Närrisch, dass sie jhrem
fürgeben glaubten, vnd die Bösswicht so verwegen, dass ob wohl einer hie der ander
da, mit dem Messer auff die Finger geklopfft worden, sie doch sich nit daran
kereten, sondern da einer etwa ein guldin Ketten erschnapt, wollten sie es alle
darauff wagen, Ich sah einen, der hörte die Himmel rauschen. Der ander kundte
Platonis Ideas sehen. Der dritte wollte Democriti Atomos zehlen. So waren auch
der ewig mobilisten nicht wenig. Mancher hatte meines erachtens ein guten
verstandt, aber er masse jhm selbst zu seinem verderben zuviel zu. Endlich war
auch einer, der wolt vns kurtzumb bereden, Er sehe die Diener, so auffwarteten,
hette auch sein streitten noch lenger getrieben, wann jhm nicht der vnsichtbaren
[Rand: unsichtbare / Diener] auffwärter einer ein so redlichs auff sein
verlogenes Maul geben hette, dass nicht allein er, sondern auch viel neben jhm
wie die Mäusslein geschwiegen. Dass [Rand: Bescheidenheit der / rechten / Gäste]
aber gefiel mir am besten, dass alle die Jenige, auff die ich etwas gehalten, in
jhrem tun fein still waren, vnd nicht laut darzu schrien, sondern erkandten
sich für vnverstendige Menschen, denen der Natur geheimnuss zu hoch, sie aber
viel zu gering weren. In solchem Tumult hette ich schier den tag daran ich
hieher kommen, verflucht: dann ich musste mit schmertzen sehen, dass lose
Leichtfertige, Leut, oben am bret waren, Ich aber in solchem geringen ort noch
nicht köndte mit frieden bleiben, wie mich dann dieser Bösswicht einer hönisch
ein geschecketen Narren gescholten: Nun gedacht ich nicht dass noch ein Port
vorhanden were, dadurch wir mussten gehen, sondern meinte, Ich wurde die ganze
Hochzeit vber, in solchem Spot, Verachtung, vnnd vnwerdt müssen verbleiben,
welches ich doch weder vmb den H. Breuttigam, noch Braut jemalen verschuldet
hette, sollte jhm deswegen meines erachtens einen andern Narren zu seiner
Hochzeit gesucht haben dann mich. Sihe zu solcher Vngedult bringt einfeltige
Hertzen die vngleichheit [Rand: Ungedult / wegen Ungleichheit ] dieser Welt.
Aber dass war eigentlich ein stuck meines Hinckens, darvon mir, wie oben
gemeldet, getraumet, vnd zwar nam diss geschrei je lenger je mehr zu. Dann da
waren schon die sich falscher vnd erdichter Gesicht berümbten, die greiflich
erlogene träwm vns wollten bereden. Nun sass ein feiner stiller Mann [Rand: ein
bescheidener / Tischnachbar] bei mir, der redet nun zu manchmalen von feinen
sachen, Endtlich spricht er, sihe mein Bruder, wann nun jemand keme, der solche
verstockte Leut wollte auff den rechten Weg bringen, wurde man jhn auch hören:
Nein [Rand: die Welt / will betrogen sein] trawn antwortet Ich. So will nun,
spricht er, die Welt mit gewalt betrogen sein, vnd mag die nit hören, so es gut
mit jr meinen. Sihestu auch jenen Lecker, mit was grüllengirigen Figuren, und
Närrischen gedancken er andere an sich bringt. Dort äffet einer mit vnerhörten
verborgenen Worten die Leut. Doch glaube mir darumb, es kommet noch die zeit, da
man diesen Mummereien die schämen wird abziehen, vnd aller Welt Weisen, wz für
Landsbetrieger darunder gesteckt, da wird villeicht noch gelten, dessen man nit
geachtet. Wie er diss redet, vnd das geschrei auch je lenger je ärger wird,
erhebt sich einsmals in dem Saal ein so [Rand: Music] zierliche vnd statliche
Music, dergleichen ich die Tag meines Lebens niemalen gehört: deswegen
Männiglich geschwiegen vnd gewartet, wz doch daraus werden wollte. Es waren aber
bei solcher Music alle Seitenspiel, dergleichen man hette erdencken mögen, vnd
mit solcher Harmoni zusammen gestimmet, dz ich mein selber vergass vnd also
vnbeweglich gesessen, dass sich meine Beisitzer [Rand: Strafe / für die, / so
nicht / zuhörten] ab mir verwunderten, vnd diss weret fast ein halbe stund,
darinnen vnser keiner kein wort geredt, dann so bald einer dass Maul wolt
aufftun, wurde im vnversehens ein streich, vnd wusste doch nit, waher er käme:
Mich gedauchte weil vns je von den Musicanten nichts zu sehen zu teil wurde,
wann ich nur alle Instrumenta, deren sie sich gebrauchten, beschawen möchte.
Nach einer halbenstund hörete diese Music vnversehens auff, vnnd kundten wir
nichts weiters sehen noch hören. Bald darauff erhebt sich vor des Saals Tür ein
gross geprassel vnd getön, von Posaunen, Trommeten, vnd Heerpaucken, vnd war
alles so meisterlich, als wollte der Römische Keiser einziehen. Deswegen die Tür
sich selber eröfnet, da dann der Posaunen schall so laut worden, dass wir es
kaum möchten erleiden: vnder dess kommen in den Saal meines erachtens viel
tausent Liechtlein, welche alle in richtiger ordnung für sich selbst [Rand:
Liechter] daher gezogen, dz wir vns gentzlich entsetzet, bis endlich die
vorgenanten zwen Knaben mit hellen Fackeln in den Saal getretten vnd einer
schönen Jungfrawen, so auff [Rand: die Jungfraw mit /der Fackel] einem Herrlich
vergulten Triumph Sessel für sich selber daher gefahren, vorgeleuchtet, mich
gedauchte, es were eben die, so zuvor im weg die Liechter angezündt vnnd
abgelescht, vnnd waren eben diss ihre Diener, die sie zuvor an die Bäwm
gestellet. Diese war nun nit wie zuvor Blaw: sondern mit eim Schneeweissen
glantzenden [Rand: weiss / gekleidet] Kleid angezogen, welches von lauter Gold
schimmert, vnd so klar sah, dass wir sie nicht Recklich dörfften anschawen. Die
beide Knaben waren fast auch so, wiewol etwas schlechters bekleidet. So bald die
nun mitten in den Saal kommen, vnd vom Stul abgestiegen: Neigeten sich vor ihr
alle Liechtlein. Darauff wir alle von vnsern Bäncken auffgestanden, aber doch
jeder an seinem ort geblieben. Wie sie nun vns, wir ihr hinwider alle Reverentz,
vnd ehr-erbiettung erwiesen, fanget sie mit Holdseliger stimm an also zu reden:
Der König, mein gnedigster Herr:
[Rand: Grüssung / der Gäste] So jetzmals ist nit allzufern.
Wie auch sein allerliebste Braut,
Die jhm in Ehren ist vertrawt,
Die haben nun mit grosser frewd,
Euwer ankunft gesehen albereit,
Tun auch jedem insonderheit,
Ihr Gnad entbieten jederzeit,
Vnd wünschen von ihrs Hertzens grund,
Das euch geling zu jeder stund,
Damit ihr künftig Hochzeit freud,
Nit wirdt vermengt mit jemands Leid.
[Rand: Antrag] Darauff sie abermal höfflich mit allen ihren Liechtlein sich
geneiget, vnd bald darauff also angefangen:
Ihr wist das in dem Ladungs Brieff:
Kein Mensch nit hieher worden brüfft:
Der nit von Gott all schöne gaben,
Vor lengsten möcht empfangen haben,
Vnd wer mit aller notturfft ziert,
Wie sich in solcher sach gebürt,
Wiewol sie nun nit glauben mögen,
Das jemand sei so gar verwegen,
Der mit so schwer Condition,
In dem fall dörfft einstellen ton,
Wann er sich nit vor langen zeiten,
Zu dieser Hochzeit tet bereitten.
Darumb sie in gut Hoffnung stehen,
Alles guts zu euch allen versehen,
Frewt sie dass in so schwerer Zeit,
Gefunden haben so viel Leut,
Noch seind die Menschen so verwegen,
Dass sie ihr grobheit nit bewegen,
Vnd tringen sich an orten ein,
Darzu sie nicht beruffen sein,
Dass sich nun hie kein Bub verkauff,
Ein Schalck mit andern vnder lauff,
Sie aber bald ohn alles verhelen,
Ein reine Hochzeit haben wöllen,
So wirt auff den morgenden Tag,
[Rand: Probierwage] Angstelt werden der Künstler Wag,
Da jeder leichtlich wird ermessen,
Was er daheimbden hab vergessen.
Ist nun jemand aus dieser Schaar,
Der ihm nit darff vertrawen gar,
Der mach sich jetz schnell auff ein seit:
Dan gschicht es dass er lenger beit,
So ist all Gnad an jhm verloren,
Vnd muss er morgen vnder d' Sporen,
Bei wem nun sein G'wissen klopfft an,
Den wirt man heint im Saale lan,
Biss morgen soll er werden frei,
Doch dass er nimmer komm hierbei.
Weiss jemand nun was hinder jhm,
Der geh mit seinem Diener hin,
Der jhm sein gemach wird zeigen tun,
Darin er heint sein ruh mög han,
Da er der Wag mit ruhm erwart,
Sonst wirt jhms schlaffen mächtig hart,
Die andern nemen hie für gut:
Dann wer wider vermögen tut,
Dem wer besser, Er wer entloffen,
Das best will man von jedem hoffen.
    So bald sie das aussgeredt, tut sie wider Reverentz, vnd springt mit frewden
auff ihren Stul: darauff abermahl die Trommeter angefangen zu blasen, welches
doch manchem seine schwere Seüfftzen nit nemmen mögen: haben sie also wieder
Vnsichtbar hinaus geleittet: doch sein mehrerteil Liechtlein in der Stuben
geblieben, vnnd hatt sich allweg eins zu vnser einem gesellet. In solcher
perturbation ist nit wohl müglich ausszusprechen, was schwerer Gedanken, vnd
Geberden hin und wider gangen. Noch wahr der mehrerteil dahin bedacht, der Wag
zuerwarten. Vnd wann es je da nit sein wollte, mit friden (wie sie verhofft)
darvon zu ziehen. Ich hatte mich bald besunnen, vnd [Rand: dem Verf. / wird
Angst] weil mich mein Gewissen alles vnverstands, vnd vnwürdigkeit vberzeügt,
nam ich mir für in dem Saal mit andern zu bleiben, vnnd empfangener Mahlzeit
viel lieber Content zu sein, dann zukünftiger schlappen, mit gefahr zuerwarten.
Nachdem nuhn einer da, der ander dort in ein Gemach (jeder wie ich nachmahls
erfahren, in ein eigen) von seinem Liechtlein geführet worden. Blieben vnser
neun, vnd vnter andern auch der so vormals am Tisch mit mir gesprachet: Wiewol
vns aber vnsere Liechtlein nit verlassen, Ist doch bald nach einer Stund der
ernandten Knaben einer kommen, ein grosse büschel Strick mit sich gebracht, vns
erstlich gefragt, ob wir da zubleiben entschlossen, da wir nuhn solches mit
seüfftzen bewilligt, hat er jeden an ein besonder ort angelegt, vnd ist also mit
unseren Liechtlin [Rand: bringt die / Nacht / traurig zu] gewichen, vnnd vns
Arme im finstern gelassen: Da fieng allererst an das Wasser bei manchem vber die
Körb zulauffen, vnnd kundte ich mich selber dess weinens nit entalten. Dann ob
wohl vns nit zu reden verbotten worden, liesse doch der Schmertz vnd Betrübnuss
keinen reden. So waren die Strick so wunderlich gemacht, das sie keiner
auffschneiden, vielweniger vom Fuss bringen kundte, noch tröstet mich das, dass
noch manchem der sich jetzt zur ruh begeben, sein gewinnen mit grosser Schmach
bevorstunde, wir aber mit einer einigen Nacht, all vnser vermessenheit könten
abbüssen. Biss ich entlich in meinen schweren Gedancken entschlieff. Dann ohn
angesehen der weniger teil vnter vns die Augen zutet: So konnte ich mich doch
wegen der mühde nit entalten. In solchem Schläff hätte ich [Rand: hat einen /
typischen / Traum] einen Traum, wiewol nun dasselbig nit viel hinder jhm, halte
ich doch nit für vnnötig, denselben zu erzählen! [Rand: Was mit / der Prob / wag
abgehen / würde] Mich gedauchte, wie ich auff einem hohen Berg wäre: Vnd sah
vor mir ein grosses vnd weites Tal. In diesem Tal, waren bei einander ein
vnsägliche menge Volcks, deren jeder auff dem Kopff einen Faden hatte, mit dem
er an den Himmel angehencket war. Nun [Rand: Wer hoch / steigt: / fällt hoch]
hienge einer hoch der ander nider, etliche stunden noch gar auff der Erden. Es
flog aber in den Lüfften ein alter Mann vmb, der hatte in seiner Hand ein
Scheren, damit er hie einem dort eim andern sein Faden abschnitt, Welcher nuhn
nahe bei der Erden war, der war desto eh fertig, vnd fiel ohne rumor. So es dann
an ein hohen kam, da fiel er dass sich die Erd erzittert. Etlichen geriets, dass
jhn jhr Faden nach gelassen wurde, dass sie auff die Erden kamen, ehe der Faden
abgeschnitten wurde. Ab solchem burtzeln hatte ich meinen lust, vnd frewet mich
von hertzen, wann einer, der sich lang in Lüfften seiner Hochzeit vberhub, so
schantlich herunder fiel, vnd noch etwan seiner nachbarn etlich mit sich nam. So
frewet mich auch, wann der so sich jeder zeit bei der Erden gehalten, so sein
still konnte hiervon kommen, dass es auch seine Nechsten nit mercketen. Wie ich
aber nun in höchsten meinen frewden bin, werde ich von einem meinem mitgefangnen
vnversehens gestosen, deswegen ich erwacht, vnd gar vbel mit jhm zufrieden
gewesen. Dachte doch meinem Traum [Rand: erwacht] nach, vnd erzehlt jhn meinem
Bruder, der auff der andern seiten neben mir lag. Der liesse es jhm nit vbel
gefallen, vnd verhofft es sollte etwan noch ein hülff darhinder stecken: In
solchem gespräch vertrieben wir die vbrige Nacht, vnd erwarttete mit verlangen
dess tags.
 
                                  Dritter Tag.
So bald nun der liebe Tag angebrochen, vnd die helle Sonn sich vber die Berge
erhoben, vnnd am hohen Himmel zu seinem befohlenen ampt wider eingestelt.
Fiengen sich an meine guter kämpffer aus den Betten zu erheben, vnnd sich
allgemach zur inquisition gefast zumachen. Deswegen dann einer nach dem andern
[Rand: Unterredung / der Gäste / am / Morgen] wider in den Saal kommen, vnd
einen guten Tag gewündscht, vnd gefragt, wie wir diese Nacht geschlaffen, wie
sie nun vnsere Bande gesehen, waren auch viel die vns erfiltzeten, dass wir vns
so verzagt hätten ergeben, vnd nu viel mehr, auff Glück vnd Vnglück wie sie
gewaget, wiewol etliche, denen das Hertz immer geklopffet, nit laut zur sachen
schrien. Wir entschuldigten vns mit vnserm Vnverstand, vnd verhofften, wir
sollten nun bald los aus gehen, vnd vns diesen Spot für ein witzigung sein
zulassen, das sie hergegen noch nit aller dings entrunnen, vnd villeicht noch
die gröste gefahr bevor hätten. Entlich wie sich nuhn jedermann wider [Rand: man
hört / Musik] versamlet, fanget man abermals an wie vormals zu Trommeten, vnd
die Heerbaucken zuschlagen, da meinten wir nit anders, denn es wurde sich der
Bräutigam präsentiren, welches doch manchem gefehlet: Dann es [Rand: die
/Jungfraw / erscheint / wieder] war abermal die gesterige Jungfraw, die hätte
sich in ein ganz rohten Sammet bekleidet, vnd mit weissem Bändel umbgürttet:
Auff jhrem Haupt hatte sie ein grünen Lorberkrantz, welcher sie trefflich
zieret: Ihr apparat waren nicht mehr Liechtlin, sondern auff die 200.
Geharnischter Männer, welche alle gleich in Roht vnd Weiss, wie sie gekleidet
gewesen. So bald die nuhn vom Stul gesprungen, geht sie gleich zu vns gefangenen
her, vnnd nach dem sie vns gegrüst, sagt sie mit wenig worten: Das ewer etlich
jhr Elendt erkanndt, [Rand: tröstet / die /verzagten] das last jhm mein
Gestränger Herr gefallen, vnd will es euch auch geniessen lassen. Vnd wie sie
mich in meinem habit, ersicht, lachet sie vnd spricht: Sih hastu dich auch vnter
das Joch begeben: Ich meint du hättest dich so fein gerüst: mit welchen worten
sie mir die Augen vber getrieben. Darauff heist sie vns aufflösen, vnnd zusammen
kupplen, auch an ein ort stellen, da wir die Wag wohl sehen kundten, dann sagte
sie: Es [Rand: die / güldene / Wage / wid aufgehängt] kann jhnen noch besser
ergehen, dann einem vermessenen, so noch hier ledig steht. Vnter dessen wirt die
Wag so ganz guldin gewesen, mitten in dem Saal auffgehenckt, auch ein kleines
Tischlein mit rohtem Samet bedeckt, vnd darauff 7 Gewicht gestelt: Erstlich
stund [Rand: 7. Gewichte] ein zimlich gross: darauff vier kleine besonders:
Entlich 2 grosse aber besonders. Vnd waren diese Gewicht zu jhrer Proportz so
schwer, dass es kein Mensch glauben, noch begreiffen kann. Es hatte aber jeder
Geharnischter [Rand: Geharnischte] neben einem blossen Schwert ein starcken
Strick, die sie denn nach der zahl der Gewicht in 7 Rotten geteilt, vnnd aus
jeder Rotte einen zu seinem Gewicht erwehlet: vnnd darauff wider auff jhren
hohen Tron gesprungen. So bald sie nuhn jhr Reverentz getan, fangt sie also
mit starcker stim an zu reden.
Wer in eines Malers Stuben geht,
Vnd sich vmb Malen nichts versteht,
Redt doch darvon mit grossem pracht,
Der wirt von menniglich verlacht.
Wer sich nuhn gibt in Künstler Orden,
Vnd ist doch nit erwehlet worden,
Vnd kunstlet doch mit grossem pracht,
Der wirt von menniglich verlacht.
Wer zu einer Hochzeit bald erscheint,
Vnd ist doch niemal worden gemeint,
Vnd kommet doch mit grossem pracht,
Der wird von menniglich verlacht,
Wer nun auff diese Wag wirt steigen,
Die Gewicht jhn dann nit werden wigen,
Vnd fehrt alsbald nauff das es kracht,
Soll sein von menniglich verlacht.
    [Rand: man fängt / an zu / wiegen] So bald die Jungfraw aussgeredt: Heisst
der Knaben einer jeden seiner ordnung nach stellen, vnd einen nach dem anderen
auffsteigen: Dessen sich dann der Keiser [Rand: den ersten / Keiser] einer nit
gewegert, sondern sich erstlich gegen der Jungfrawen ein wenig geneiget: Darnach
mit allem seinem statlichen Habit auffgestigen: Darauff jeder Oberster sein
Gewicht auffgelegt, bei welchen er mit menniglichs verwundern beharret. Aber dass
letste wurde jhm zu schwer, musste also mit solcher betrübnuss hinauff, dass er
auch wie mich gedauchte, die Jungfraw selber erbarmet, die dann auch den ihren
zu schweigen gewuncken, noch wurde der gute Keiser gebunden, vnnd der [Rand: den
/ andern] 6. Rott vbergeben. Auff jhn kam aber ein Keiser daher, der tratt
stoltz auff die Wag: Vnd weil er ein gross dick Buch vnter dem Rock hatte, meint
er, es wurde ihm nit fehlen. Wie er aber kaum dass dritt Gewicht [Rand: 3. noch /
andere / Keiser] erleiden mögen, vnd vnbarmhertzig hinauff geschlingt wurde, jhm
auch sein Buch im schrecken entpfallen, fangen alle Soldaten an zu lachen, vnd
wirt er der 3. Rott gebunden vberlifert: So giengs noch etlichen Keisern, [Rand:
den / vierten, / der die / Probe / ausshielt] die alle spötlich verlacht vnd
gefangen worden. Nach diesen komt ein kurz Männlin, auch ein Keiser daher, hatte
ein krauss brauns Bärtlin, der stellet sich nach gewohnlicher Reverentz auch
auff: Dass er sich so standtaft gehalten, dass mich bedunckt, wann noch mehr
Gewicht vorhanden wären, er wurde sie ausshalten: Gegen welchem dann die Jungfraw
schnell auffgestanden, sich vor jhm geneigt, vnd ein roht Sametin Rock anziehen
lassen. Entlich auch ein Lorberzweig deren sie viel auff dem Stul hatte,
gereichet, vnd auff die Träppen jhres Stuls heissen nidersitzen. Wie es nun nach
diesem andern Keisern, Königen vnd Herren ergangen, were zu lang zu erzählen,
allein kann ich ungemeldet nit lassen: dass wenig aus solchen hohen Heüptern
geblieben. Wiewol sich sonsten manch feine Tugent wider mein verhoffen an vielen
gefunden. Einer möcht diss ausshalten, der ander ein anders. Etlich 2. etlich 3.
4. oder 5. wenig aber kundten zu rechter perfection kommen. Aber zu jedem dem es
gefehlet, warde von den Rotten heftig gelachet. Nach dem auch die inquisition
vber die vom Adel, Gelehrte vnnd andere ergangen, vnd bei jedem Standt, etwann
einer, etwa zwen, zu mehrmalen aber gar keiner just erfunden worden. Ist es
entlich auch an die frommen Herren Landbetriegern, vnd [Rand: Probe / der /
Landbetrieger] Lapidem Spitalauficum machenden Leckern kommen. Die wurden mit
solchen gespöt auf die Wag gestelt dz mir selber in meinen Leid der Bauch vor
lachen wolt zerspringen, so kondten auch die gefangenen selber das lachen nit
halten: Dann da kundte der mehrteil dess ernsten Gerichts nit erwartten, sondern
wurden mit Pritschen vnd Geisseln von der Wag geschmissen, vnd zu anderen
Gefangenen, jedoch bei gebührender Rott geführt. Sein also von so grossem
Hauffen so wenig geblieben, dass ich mich jhre zal zu eröffnen schäme, doch waren
hohe Personen auch darunter, wiewol man einen [Rand: die edlen / darunter /
werden / inzwischen / ausgezeichnet.] wie den andern mit Sametin Kleid vnnd
Lorbeerzweig geehrt.
    Wie nun die inquisition nun mehr allerdings vollendet gewesen, auch niemand
mehr auff der seiten, dann wir arme gekuplete Hund da stunden: Trit entlich der
Hauptleut einer herfür und spricht: G. Fräwlin, wann es E.G. gefällig, wollte man
diese arme Menschen, welche [Rand: Probe der / Gebundenen] jhren vnverstand
erkent, ohne jhr Gefahr auch nuhr zur Lust auff die Wag stehen lassen. Ob doch
etwas rechtes unter jhnen were. Allererst war ich in grossen Nöhten, dann in
meinem Creütz war diss nuhn mehr mein Trost, dass ich nit müsste so in schanden
stehen, oder von der Wag gepeutscht werden. Dann mir zweiffelt nit, das viel der
gefangenen wündschten, sie weren zehen Nächt bei vns in dem Saal geblieben: Noch
weil es die Jungfraw bewilligt, musst es sein, vnnd wurden wir auffgelöst, auch
einer nach dem andern auff gestellt: wiewol es nuhn mehresteils misslungen,
wurde jhrer doch weder gelacht noch sie gepeutscht, sondern mit frieden auff
[Rand: ein Freund / des Verf.] eine seit gestelt. Mein Gesell war der 5. der
erhielt sich stattlich, deswegen von Menniglichen, sonderlich aber dem
Hauptmann, so vns erbetten, gefrolocket, vnd von der Jungfrawen gewohnliche Ehr
ihm erzeigt wurde. Nach [Rand: der Verf. / selbst / kommt auf / die Wage] jhm
wischen abermal zwen flux hinauff. Ich aber war der Acht, so bald ich nun mit
zittern auffgetretten, sihet mich mein Gesell, so allbereit inn seinem Sammet da
gesessen, feundtlich, vnd Lächlet die Jungfraw selber ein wenig: Nach dem ich
aber auff alle gewicht beharret, heisset mich die Jungfraw mit gewalt
auffziehen. Deswegen noch 3. Mann an das ander teil der wag gehanget, so doch
nichts vermöcht: deswegen bald der Knaben einer auffgestanden, vnd überlaut
geschrien der [Rand: der ists] ists, darauff der ander geantwortet: So last jhm
sein Freiheit gelten, welches die Jungfraw vergönnet: vnd [Rand: wiegt am /
meisten] nach dem ich mit gebürlichen Ceremonien auffgenommen worden, wird mir
die Wahl gegeben, einen gefangenen, wer mir gefiel, zuerlösen. Deswegen ich mich
nit lang [Rand: befreit den / ersten / Keiser] besonnen, vnd den ersten Keiser,
der mich lengsten erbarmet, erwehlt, welcher dann bald los gelassen, vnd zu vns
mit allen Ehren gesetzt worden. Wie nun der letste auch auffgestelt worden, die
gewicht jhm aber zu schwer worden, sieht vnder dess die Jungfraw meine Rosen,
die ich von dem Hut in die Händ genommen, [Rand: schenkt der / Jungfraw / seine
Rose] deswegen sie dieselbe durch ihren Knaben bald von mir Gnedig begehrt: Die
ich ihr willig vberschickt. Vnnd ist also dieser erste Actus vmb zehen Vhr
[Rand: so schliesst /sich der 1. / Act um / 10 Uhr] vor Mittag absolviert worden,
deswegen man abermal angefangen zu Trommeten. Welches wir doch noch der zeit nit
sehen konten. Vnder dess mussten die Rotten mit jhren gefangenen abtretten, vnd
eines vrteils erwarten. Darauff wurde der Rat von den 5 Obersten vnd vns
besetzt, vnd von der Jungfrawen als Präsidentin der handel fürgehalten vnnd
begert, Es wolt jeder [Rand: Gericht / über die / gefangenen: erste / Stimme]
sein Meinung geben, wessen sich mit den gefangenen zu verhalten. Die erste
Meinung war, man sollte sie alle Tödten, doch einen härtter, dann den andern: Als
welche sich wider die lautere Conditionen mutwillig eingestelt. Andere wollten
sie gefangen behalten, welches beides [Rand: zweite] weder der Präsidentin noch
mir gefiel. Endlich war durch einen Keiser, den ich erledigt, einen Fürsten,
meinen [Rand: dritte] Gesellen, vnd mich die sach dahin gebracht. Es sollten
erstlich, was fürneme Herren weren mit bescheidenheit aus dem Schloss gefürt
werden. Andere könnte man etwas spöttlichers hinaussführen: Die sollte man
aussziehen, vnd nackend lauffen lassen. Die vierdten mit ruten geiseln oder
hunden hinaus jagen: was sich gestern willig ergeben, sollte man ohn alle
entgeltnuss ziehen lassen: Endlich aber die gar mutwilligen, vnd die sich in
gesteriger Malzeit so vngebürlich verhalten, an Leib vnd Leben nach jedes
verwircken straffen. Vnnd diese Meinung gefiel der Jungfrawen wohl, vnnd behielt
die Oberhand: wurde jhnen auch noch zum vberfluss ein Mittag essen vergünt:
Welches jhnen bald angezeigt, das Vrteil aber auff 12. Vhr nachmittag
auffgeschoben worden. Hiemit nam der Senat ein End. Vnd verfügt sich gleichwol
die Jungfraw sampt den jhrigen an jhr gewohnlich ort, vns aber wurde der Oberste
Tisch in dem Saal eingeben, mit bitt wir wollten so für gut nemen, biss der Handel
vollend aussgericht wurde: Als dann sollen wir zum H. [Rand: Mittagsmahl]
Bräutigam vnd Braut gefürt werden, mit welchen wir vns dann der zeit willig
abweisen lassen. Vnder dess wurden die gefangene wieder in den Saal gebracht,
vnnd jeder seinem standt gemess gesetzt. Wurde auch jhnen befohlen sich etwas
züchtigers dann gestern beschehen zu verhalten: Welches doch keines verbietens
bedörfft, dann jhnen war die Pfeiff ohne dass in die Taschen gefallen. Vnd kann
ich nit umb schmeichlen willen, sondern der warheit zu Lieb diss kecklich sagen,
dass sich gemeiniglich hohe personen am besten gewust in solch vnverhofften
vnfall zuschicken: Ihre Tractation war zimlich [Rand: sichtbare / vnd
vnsichtbare Diener] schlecht, jedoch Ehrlich vnd kondten sie jre auffwärter noch
nit sehen: vns aber waren sie sichtbar, welches mich dann höchlich erfrewet.
Darneben aber ob vns wohl das Glück erhöhet, liessen wir uns doch nit mehr als
andere beduncken, sonder spracheten mit den andern vnd hiessen sie ein gut Hertz
haben, es wurde so vbel nit aussschlagen, Ob sie nun wohl das Vrteil von vns gern
hetten erfahren, war es vns doch so hart eingebunden, dass es keiner dorffte
verlauten lassen: Doch trösten wir sie so gut wir kundten, Truncken auch mit
jhnen, ob sie doch der Wein möchte frölicher machen. [Rand: Erhöhung / derer die
/ bestanden / sind] Vnser Tafel ward mit rotem Sammet bedeckt, mit lauter
Silbern vnnd Guldinen Trinck geschirren besetzt. Welches dann die andern mit
verwunderung vnd grösten schmertzen gesehen. Eh wir aber vns gesetzt, komment
beide Knaben herein, vnd verehren von dess Bräuttigams wegen jedem die Guldin
Vliess, mit einem fliegenden Löwen: mit begeren, wir wollten dieselbe vber der
Tafel anhaben, vnd dess Ordens (den S.M. vns jetzt schencket bald auch mit
gebürlicher Solennitet Confirmiren wurde) reputation vnd Herrligkeit gebürlicher
weiss erhalten, so wir mit höchster vndertenigkeit angenommen, vnd versprochen,
alles was seiner Majestet wurde belieben gehorsamlich zu verrichten. Neben
diesem hatte der Edel Knab einen zedel, darinnen wir ordenlich Lociert wurden,
vnnd begehrt ich sonsten meinen locum nicht zu verhelen, so mir nit solches
villeicht zur Hoffart, welcher doch wider das 4. Gewicht, gedeutet wurde. Weil
nun vnser Tractation [Rand: dem Verf. / wird alle / Gemeinschaft mit / den
verworfenen / versagt] gar statlich, fragten wir der Knaben einen, ob vns nicht
erlaubt were vnsern Freunden vnd bekandten bescheid Essen zuschicken, der es
denn in kein bedencken gezogen, deswegen jeder seinem bekandten reichlich durch
die Diener zugeschickt, deren sie doch keinen gesehen, vnd weil sie nicht
gewusst, wa her es keme, wolle ich einem etwas selber bringen, so bald ich aber
auffgestanden, war mir schon der Diener einer auff der Hauben, mit vermeldung,
er wolt mich freundlich gewarnet haben: dann wa solches der Knaben einer hette
gesehen, wer es für den König kommen, welches mir gewisslich vbel erschossen,
weil es aber niemand als er gemercket, gedencke er mich nicht zuverrahten, sollte
aber fürhin dess Ordens würde besser in acht nemmen: Mit welchen Worten der
Diener mich warlich dermassen gesetzt, das ich mich inn langer zeit auff meinem
stul kaum mehr geregt: Bedanckte mich doch der getrewen Warnung, so gut mir in
eil vnnd schrecken einfiel. Bald darauff [Rand: die / Jungfraw / erscheint]
fanget man an zu Drommeten, dessen wir schon gewohnet, dann wir wussten wohl, dz
es die Jungfraw wer, deswegen wir vns gerüstet sie zu empfahen: die kommet nun
mit gewohnlichem Apparat: Auff jhrem hohen Sessel daher, vnd wird jhr von dem
einen Knaben ein hoher guldiner Becher, von andern aber ein Pergamentin patent
[Rand: lässt einen /Pocal / herumgehen] vorgetragen: Wie die nun vom Sessel
Künstlich geschwungen, nimmet sie den Pocal von dem Knaben, vnd vberliffert
denselbigen von dess Königs wegen, mit vermeldung er wer vns von seiner M.
gebracht, vnnd sollten wir dem zu Ehren jn herumb gehen lassen. Auff dieses
Pocals deckel stund die Fortuna, von Gold zierlich gegossen. Die hatte in der
Hand ein rohtes fliegendes Fänlein, deswegen ich etwas traurigers getruncken,
als dem dess Glücks Tück nun mehr genugsam bekandt worden. Es war aber die
Jungfraw gleich so wohl als [Rand: ihr / Schmuck] wir mit der guldin Vliess vnd
Löwen gezieret, daraus ich vermerckt, dass sie villeicht dess Ordens Präsidentin
wurde sein: Deswegen wir sie gefragt, wie doch der Orden genent wurde: hat sie
vns geantwortet, es wer noch nicht zeit solches zu eröfnen, biss die sach mit den
Gefangenen aussgericht werde. Deswegen jhnen auch noch die Augen gehalten weren:
vnnd was an jetzo vns beschehen, sei nur jhnen zum Anstoss vnnd Ergernuss, wiwol
es noch für nichts gegen der Ehr deren [Rand: die verworfenen / werden /
geteilt] wir gewertig zurechnen. Hiemit empfieng sie das Patent von dem andern
Knaben, in zwei teil vnderschieden: dem ersten hauffen wurde dass Patent
vngefahrlich so viel vorgelesen:
    [Rand: Anklage / des einen] Sie sollen bekennen, dass sie falschen erdichten
Büchern zu leichtlich geglaubt, ihnen selber zu viel zugemessen, vnd also in
diss Schloss kommen, darzu sie doch niemalen berufft worden. Were auch villeicht
der mehrerteil vorhanden gewest, sich hierinnen zubesappen, vnd darnach desto
prächtiger vnd Herrlicher zu leben, so hette auch einer den andern auffgebracht,
vnnd in solch Spott vnnd Schand gesteckt, weren derwegen wert ein zimliche
straff zu leiden:
    Welches sie dann demütiglich bekandt, vnd die Hand dargebotten: darauff den
andern etwas hartes vngefehrlich auff die weiss zugeredt worden:
    [Rand: und des / zweiten / Teils] Sie wüsten gründtlich wohl, vnd weren in
jhrem gewissen vberzeugt, dass sie Falsche erdichte Bücher geschmiedet, andere
genarret, betrogen vnd hierdurch Königliche Ehr bei Männiglich geschmälert. So
wüsten sie was Gottloser verfürische Figuren sie gebraucht. Da sie auch
Göttlicher Dreifaltigkeit nit verschonet, sondern sich derselben Land vnd Leut
zu betriegen gebraucht, So wer nun mehr am Tag, mit was Practicken sie rechten
Gästen nachgestellet: vnverstendige eingesetzt. So were Menniglich bekand, dass
sie in offentlicher Hurerei, Ehebrecherei, Füllerei, vnd andern vnreinen wesen
steckten, welches alles wider offentliche ordnung vnsers Königreichs were: In
Summa sie wüsten, dass sie R.M. auch bei dem gemeinen Man verkleinert, sollten
derowegen bekennen, dass sie offentliche vberwiesene Landbetrieger, Lecker vnnd
Buben weren, welche verdient, dass sie von redlichen Menschen abgesondert, vnd
hertiglich gestrafft würden. Hinder diese [Rand: bekennen / vngerne] bekanntnuss
kamen die gute Künstler vngern, dieweil ihn aber nicht allein die Jungfraw
selber den Todt getrewet vnd geschworen, sondern noch die ander Partei
heftig vber sie getobet, vnd einmütiglich beklagt, sie weren von ihnen bösslich
hinder dass Liecht geführt worden: haben sie grossen vnfall zuverhütten, endlich
solches mit schmertzen bekennet, vnnd doch daneben fürgebracht, was hierinnen
beschehen, were jhnen nit in ärgstem zuvermercken: Dann weil einmalen die Herren
[Rand: entschuldigen sich] in das Schloss kommen wöllen, auch hierumben gross Gelt
versprochen, hette jeder alle list etwz zuerschnappen gebraucht, vnd es also wie
es albereit vor Augen so weit gebracht: Das es aber nit geraten, hetten sie
jhres erachtens nit mehr als die Herren verwürckt: Als welche dess verstands
sollten gewesen sein, dz da einer hette sicher herein kommen können, würde er nit
vmb schlechtes gewins willen, mit jhnen, mit so grosser gefar vber die Mauren
gestiegen sein. So weren jhre Bücher so heuffig auffgekaufft worden, dass wer
sich anderst nit neren können ein solchen betrug anfangen müssen: Sie verhofften
auch wann man recht wollte vrteilen, es solle an jhnen, als die den Herren wie
Dienern gebürt, auff jhr embsigs begehren, gar kein [Rand: darauff / wird
/geantwortet] Misshandlung erfunden werden: Mit solchen vnd dergleichen Worten,
wollen sie sich entschuldigen. Es wurde jhnen aber geantwortet: K.M. sei
entschlossen alle vnd jede zustraffen, doch einen herter als den andern. Dann
was von jhnen fürgebracht werde, sei gleichwol zum teil wahr, solle auch
deswegen den Herrn nicht gar geschenckt sein: Die aber mögen sich wohl zum Todt
rüsten, so mutwilliglich sich angebotten, vnd etwan vnverstendige wieder jhren
willen verführt. Item die mit falschen Büchlin K.M. verletzet, wie denn solche
alle aus ihren eignen Schrifft, vnd Büchlin zu vberzeugen.
    [Rand: jammern / vber ihre / Verurteilung] Hierüber erhub sich bei vielen
ein erbärmlich Klagen, Weinen vnd Flehen, Bitten vnd Fussfallen, welches doch
alles nit helffen mögen: vnd wundert mich sehr, wie sich doch die Jungfraw so
standtaftig kondte erhalten, da doch jhr Elend vns allen (wie wohl vns [Rand:
welche / vollzogen / wird] mehrerteil viel leids vnd Marter angetan) die Augen
vbertrib, vnd zu mitleiden bewegt: Dann sie fertigt bald jhren Knaben ab: Der
brachte mit sich alle Kürisser, so sich heut bei der Wag eingestellt: diesen
wurde befohlen, jeden den seinen zu sich zu nemmen, vnnd in jhren grossen
Gartten, in ordentlicher procession, dass allweg ein Kürisser mit einem gefangnen
gienge, zuführen. Da denn jeder den seinen so artlich erkent, das ich mich
verwundert. Es wurde aber auch meinem gestrigen Companen erlaubet hinaus in den
Gartten vngebunden zugehen, vnd der Vrtel Execution bei zuwohnen. [Rand:
Zuschauer /dabei] So bald nun jedermann hinaus komen, schwinget sich die
Jungfraw aus jhrem Stul, vnd begehret wir wollten auch auff den Träppen
aufsitzen, vnd bei der Vrteil erscheinen: Welches wir nit geweigert, sondern
liessen alles auff dem Tisch (ohne das Pocal, welches die Jungfraw dem Knaben
zuverwahren befohlen) stehn, vnd fuhren in vnserm Schmuck auff dem Stul hinaus,
welcher für sich selbst so sanft gangen, [Rand: im / Garten] als wir im Lufft
fuhreten, biss wir also in den Garten kommen, da wir sammentlich abgestanden.
Dieser Garte war nicht sonderlich zierlich, allein gefiel mir dass die Bäum so
ordentlich gesetzt waren, sonsten lieffe auch ein köstlicher Bronne darinnen,
mit wunderbarlichen Bildern, vnd inscriptionen, auch seltzamen Zeichen (deren
[Rand: dessen /Inschriften / der Verf. / verspricht] ich wills Gott in
künftigem Buch gedencken will) gezieret. In diesem Garten war ein hültzerin
Gerüst auffgemacht, mit schönen gemahlten Deckenin umbhenget. Es waren aber 4.
Gäng vbereinander gemachet: der erste war herrlicher dann der ander keiner, vnd
deswegen mit eim weiss Daffeten Vmbhang bedeckt. Also das wir damalen noch nicht
wissen kundten, wer darvnder wäre. Der ander war leer, vnd vnbedeckt: Die
letsten zwen waren abermal mit rotem vnd blawem Daffet bedeckt: So bald wir nun
zu dem Gerüst kommen, neiget sich die Jungfraw nahend zu der Erden, deswegen wir
heftig erschrocken. Dann wir kundten leichtlich erachten, der König vnd Königin
mussten nit weit sein: Wie wir nun auch vnser Reverentz wie billich erzeigt:
führt vns die Jungfraw durch den Schnecken auff den andern Gang, da sie sich zu
oberst gestellet, vnd wir in voriger ordnung geblieben. Wie sich nun [Rand:
Dankbarkeit des / Keisers / gegen / seinen / Befreier] der Keiser, den ich
erlöst, damalen, wie auch zuvor ob der Taffel, gegen mir erzeigt, kann ich ohne
böser Mäuler nachteil nicht wohl erzählen. Dann er kundte wohl erachten, in was
Trübsal vnd sorgen, er jetzt were, da er erst mit solchem Spott musste dess
Vrteils erwarten, vnd er nun mehr durch mich zu solcher dignitet vnd [Rand: die
/ Heroldin / erscheint / wieder] würde da stunde: Vnder dess tritt die Jungfraw,
so mir erstmals die Ladung gebracht, vnnd die ich bisher nimmer gesehen,
herfür: blaset erstlich mit ihrer Posaunen eins herab, eröffnet hierauff mit
lauter stimm dass Vrtel also:
    Es möchte die König. M. Mein aller: H. von [Rand: ihre Anrede an / die
Verurteilten] Hertzen wündschen, dass alle vnd jede so hie versamlet, mit
solchen qualiteten auff S.M. erfordern weren erschienen, dass sie dero zu ehren
mit grösserer frequentz dass Hochzeitliche angestelte Frewdenfest köndten zieren.
Weil es aber Gott dem Allmächtigen anderst gefallen, hat sein M. nichts dawider
zu murren, sonder muss bei altem löblichen herkommen, dieses Königreichs wider
S.M. belieben verbleiben. Damit aber nun J.M. angeborne Miltigkeit in aller Welt
möchte celebrirt werden, hat sie mit dero Rähten vnd Landtständ dahin allerdings
gehandlet, das dass gewonliche Vrteil vmb [Rand: Vrteil in / Ansehung / der /
Potentaten] mercklichs gelindert wurde: wölle also erstlich den Herren vnd
Potentaten nit allein dass Leben gäntzlich geschenckt, sondern auch sie frei los
gelassen haben. Mit fr. Gunst vnd G. bitt, es wollten J.L. ja nit zürnen, dass sie
S.M. Ehren Fest nit können beiwohnen, sondern gedencken, Es sei J.L. ohne das
von Gott dem Allmächtigen mehr auffgelegt, dann sie füglich vnd mit ruh tragen
mögen, der habe auch in aussteilung seiner Gaben, ein vnbegreiflich bedencken,
So sei es auch J. Reputatz nicht nachteilig, wann sie schon bei solchem vnserm
Orden verworffen werde, weil wir einmal nit alle, alles können mögen. Das aber
J.L. von bösen Leckern verführt worden, solle an jhnen nicht vngerochen bleiben.
Wie dann sein Maj. willens in kurtzem E.L. ein Catalogum Haereticorum oder
indicem expurgatorium mit zuteilen, damit dieselben fortin mit besserm
Verstand können vnder gutem vnd bösen dijudiciren: Weil auch S.M. in kurtzem
auch vnder dero Bibliothek ein Aussmusterung, vnd die Verführische Schrifften dem
Vulcano auffzuopffern bedacht, Will sie E.L. Fr. Dienst vnd G. gebeten haben. Es
wölle jeder mit den seinigen auch so hausen: Damit verhoffendlich allem vbel vnd
vnraht künftig möge gestewret werden. Darneben sollen sie auch ermahnet sein,
fürohin so vnbedachtsam nimmer herein zu begeren, damit jhnen nicht voriges der
verführern entschuldigung möchte fürgerupfft werden, vnd sie bei meniglichen in
spot vnd verachtung kommen: Endlich weil je die Landschaft etwas an jhr L. zu
fordern, verhoffe J.M. Es werde keiner sich beschweren mit einer Ketten oder was
er bei handen zu lösen, vnd also freundlich von vns abzuscheiden, vnd durch
vnser begleit wider sich zu den seinigen begeben.
    Die andern, so im 1. 3. vnd 4. Gewicht nit bestanden, [Rand: zweites /
Urteil] will J.M. so leichlich nit von sich lassen: Damit nun auch die S.M.
gelindigkeit mögen spüren, [Rand: 2.] ist jhr befehlch, dieselbige ganz nackend
aus zuziehen, vnd also fort zuschicken.
    Was in 2. vnd 5. Gewicht zu leicht erfunden [Rand: 3.] worden, solle neben
der entblössung auch mit einem, 2. oder mehr Brandmalen (nach dem jeder leichter
oder schwerer gewest) bezeichnet werden.
    Die so von 6. oder 7. ohn die anderen auffgezogen [Rand: 4.] worden, sollen
etwas gnädigers gehalten werden. Vnd so fortan: dann es wurde auff jede
Combination ein gewisse straff verordnet, welches zu lang wurde hie zuerzählen.
    Die so sich gestern freiwillig abgesondert, sollen [Rand: 5.] ohn alle
entgeltnuss ledig aussgehn. Entlich sollen die vberwiesene Landtbetrieger, so kein
Gewicht auffwegen [Rand: 6.] mögen, an Leib vnd Leben nach gelegenheit, mit dem
Schwert, Strang, Wasser vnd Ruten gestrafft werden. Vnd solle solch Vrteils
Execution vnbeweglich andern zum Exempel, gehalten werden.
    Hiemit brach vnser Jungfraw dass Stäblein: darauff [Rand: Ende des /
gehaltene / Gerichts] bliess die ander, so dass Vrteil verlesen jhr Posaun, vnd
tratt mit hoher Reverentz gegen denen, so under dem Vmbhang gestanden. Aber hie
kann ich nit [Rand: Summe / der Gewogenen / 7. 21 35. / 35. 21. 7. / 1. 130.
125.] vnderlassen, dem Leser von der zahl vnserer Gefangenen etwas zu eröffnen:
Deren so ein Gewicht: waren 7. die zwei gewogen waren 21. die drei, 35. die
vier, 35. die fünff, 21. die sechs 7. Aber so auff die siben kam, vnd doch nit
gern auffheben möcht, der war einer, vnd zwar den ich erledigt: Sonsten deren,
die gar hindurch gefallen, waren viel. Deren aber so alle Gewicht auff den Boden
gezogen etlich. Vnd so hab ichs fleissig [Rand: ihre Verschiedenheit] in mein
Schreibtäfelin, da sie vnderschiedlich vor vns gestanden, abgezählet vnd
notiert. Vnd das sich hoch zu verwundern, das vnder allen denen, so etwas
gewogen, keiner dem andern gleich gewesen. Dann obschon vnder den dreien wie
gesagt, 35. gewesen, hat doch dieser den 1. 2. 3. der ander den 3. 4. 5. der
dritt den 5. 6. 7. vnd so fortan gewogen, dass also zum höchsten wunder, vnder
126. so etwas gewogen, keiner dem andern gleich gewesen, vnd die wollte ich all,
mit jedes Gewicht wohl nennen können, wann mir [Rand: Verhalten / beim / Abzug]
es nicht noch der zeit verbotten were: Ich hoffe aber es solle künftig mit der
interpretation an tag kommen.
    Als nun diss Vrtel verlesen worden, waren die Herren zu forderst wohl zu
frieden. Weil sie sich bei solcher strenge eines milten Sententz nicht hetten
versehen dörffen. Deswegen gaben sie noch mehr, dann man begert, vnd lediget
sich jeder mit Ketten, Geschmeid, Gold, Gelt vnd anderm, so viel er bei handen,
vnd namen mit Reverentz vrlaub. Wiewol nun [Rand: Verhalten / der Diener /
dabei] den Königlichen Dienern verbotten, keines im abzug zu spotten. Kondten
doch etliche Spottvögel dass lachen nit halten, vnd zwar war es lächerrlich genug,
wann sie sich so geschwind ohn hinder sich sehen darvon machten: Etliche
begerten man wollte jhnen den versprochenen Catalogum fürderlich zukommm lassen,
wollten sie sich mit jhren Büchern dermassen verhalten, dass es K.M. würde
gefällig sein. Welches jhnen abermalen zugesagt worden, vnder dem Tor wurde
jedem [Rand: Trunck / der Vergessenheit] aus einem Becher ein Oblivionis haustus
gegeben, damit er also vnfalls möchte vergessen.
    Nach diesem zogen die Freiwillige darvon, die liess man vmb jhrer redligkeit
willen Passiren, doch sollten sie nimmer in solcher gestalt herwider kommen. Da
jhnen aber, wie auch den andern, etwas mehrers eröffnet werde, sollten sie liebe
Gäst sein.
    Vnder dess war man am aussziehen, in welchem dann abermal ein vngleichheit,
nach jedes verwircken gehalten worden. Etliche wurden nackend vnbeschedigt
fortgeschickt: Etliche trib man mit Glöcklin vnd Schellen hinaus. Etliche wurden
hinaus gepeutscht. In summa [Rand: ihre / Strafen] der Straffen waren so
mancherlei, dass ich sie nit alle erzählen kann. Endlich kam es auch an die
letsten, mit denen verzog es sich etwas längers: Dann biss etlich gehenckt,
etlich geköpfft; etlich ins Wasser gesprengt, Andere anders abgefertigt wurden,
ging eine gute zeit fürvber. Vber solcher Execution giengen mir warlich [Rand:
finden / Mitleid] die Augen vber, nit zwar der Straff halber, welche sie sonsten
vmb jhres frevels willen wohl verdient, sondern in betrachtung Menschlicher
blindheit, dass wir vns jmmerdar in dem bemühen, dass vns vom ersten fall hero
versiegelt: Wurde also der Gart so kurtz zuvor aller voll war, bald geleeret.
Das ausser den Soldaten kein Mensch mehr da war. So bald nun solches beschehen,
auch auff Fünff Minuten lang sich ein Stille [Rand: Nachtspiel] erhebt: Kam
herfür ein schönes schneeweisses Einhorn, [Rand: ein Einhorn] mit einem guldin
Halssband, darinnen etliche Buchstaben, herfür biss zu dem Brunnen, daselber
neiget es sich auff beide fordere Füss, als ob es dem Löwen, so auff [Rand: Löwe]
dem Brunnen so vnbeweglich stund, dass ich jhne für Steinen oder Ehrnen gehalten,
hiemit ehr beweiset: der nam also bald das blose Schwerdt, so er in den [Rand:
Schwerd] Klawen geführt, vnnd brach es mitten entzwei, dessen stücke meines
bedunckens in den Brunnen versuncken. Brüllet darauff so lang, biss eine weisse
Tauben in jhrem [Rand: eine Taube] Schnäbelein ein Aestlein von einem Oelbaum
bracht, welche der Löw als bald verschlucket, vnd darauff zu frieden worden. So
ging auch das Einhorn mit frewden wider an sein Ort. Hierauff führet vnser
Jungfraw [Rand: die Zuschauer / werden / weggeführt] vns wider den Schnecken
vber das Gerüst herab, vnd also war vnser Reverentz abermal gegen dem Vmbhang
getan. Musten wir vnsere Händ vnd Häupter aus dem Brunnen waschen, vnd in vnser
Ordnung da ein kleine zeit warten, biss der König durch einen verborgenen Gang
sich wider in seinen Saal verfüget, vnd wir auch wider mit sonderlicher Music,
Pomb, Pracht, auch löblichem Gespräch aus dem Garten in voriges vnser Losament
geführet worden. Vnd diss geschah vmb vier Vhren nach Mittag. Damit vns nun die
weil der Zeit nicht zu lang wurde, gab die Jungfraw vnser jeder eim Edlen Knaben
zu, die waren nicht allein köstlich [Rand: die / Jungfraw /geht auch] bekleidet,
sondern auch trefflich gelehrt. Kundten deswegen von allen sachen so artlich
discurriren, dass wir vns billich zu schämen hatten. Diesen wurde befohlen, vns
im Schloss hervmb (jedoch an gewisse ort) zuführen: vnd da müglich vnsern begeren
nach die weil zuverkürtzen. Vnder dess nam die Jungfraw vrlaub, mit vertröstung
sie wollte bei dem Nachtessen wider erscheinen. Vnd darauff die Ceremonien
suspensionis ponderum celebrieren, mit bit, wir wollten also dess morgenden Tags
mit gedult erwarten: dann morgen [Rand: jeder / ergötzt sich / nach seiner /
Art] mussten wir dem König präsentiert werden. Wie sie nun also von vns
gescheiden, täte vnser jeder wz jm am liebsten. Ein teil besah die schöne
Taflen, die sie jnen selber verzeichneten, bedachten sich auch wz die
wunderliche Characteres bedeuten möchten, etliche mussten sich mit speiss und
Tranck wider erquicken: ich zwar liesse mich meinen Knaben, samt meinem gesellen
[Rand: der Verf. / auch] im schloss hin vnd her führen, welcher spatzier weg auch
die tag meines lebens mich nimmer gerewen soll: dann neben manchen herrlichen
antiquiteten wurden mir auch der Könige begräbnuss gezeigt, bei welchen ich mehr
gelernet, dann in allen Büchern geschrieben steht. Daselbst [Rand: sein /
Büchlein / von / Phönix] steht auch der herrliche Phönix von dem ich vor zweien
Jahren ein sonder Büchlein hab ausskommen lassen, bin auch willens vom Löwen,
Adler, Greiffen, Falcken, vnd andern mehr (da anderst diese meine Narration wird
Frucht schaffen) vnd zwar von jedem ein sonder Tractätlein mit derselben Abriss,
vnd Inscription ans Liecht kommen zulassen. Es dauern mich auch noch meine
andere Consorten, dass sie solchen tewren Schatz versaumpt: vnd muss doch
gedencken, Es sei Gottes sonderlicher will hierin gewesen. Vnd hab ich zwar
mehrerteil meins Knaben genossen, dann wie jedes Ingenium war, also führt er
seinen anbefohlenen an end vnd ort die jhm gefellig. Nun waren meinem [Rand: was
er / gesehen] Knaben die Schlüssel hierzu vertrawet, deswegen mir vor andern diss
Glück zugestanden. Wiewol er nun auch andere hierzu beruffen, meinten sie doch,
es würden solche Begrebnussen nur auff dem Kirchhoff sein, darzu sie noch wohl
(wann je da etwas zu sehen) kommen werden. Es sollen aber auch solche monumenta,
wie wir beide sie verzeichnet vnnd abgeschrieben, meinen Danckbaren schulern nit
verhalten werden: das ander so vns zweien gezeigt ist worden, war die herrliche
Bibliothek: Wie die auch vor der Reformierung bei [Rand: die / Bibliothek]
einander war. Von welcher (wiewol sie mir mein Hertz erquickt, so oft ich jhrer
gedencke) desto weniger begehr zu sagen: weil dern Catalogus auffs ehest ans
Liecht kommen soll. Zu eingang dieses gemachs, steht ein gross Buch, dergleichen
ich niemalen gesehen, in welchem sein alle Figuren, Saal, Portal, auch alle
schrifft, Ænigmata, vnd dergleichen gerissen, wz im ganzen Schloss zusehen.
Wiewol wir nun auch von diesem etwas versprochen, halt ich doch noch der zeit
jnnen, vnd muss die Welt vor besser lernen erkennen. Bei jedem Buch steht sein
Autor gemahlet. Deren wie ich verstanden, viel sollen verbrennt werden, damit
auch jr Gedächtnis von rechten Leuten aussgetilgt werde. Wie wir nun auch solches
perlustrirt, vnd kaum heraus kommen waren, lauffet ein anderer Knab daher, vnnd
wie er den vnsern etwas in ein Ohr geredt, vbergibt er jhm die Schlüssel, der
sie bald den Schnecken hinauff getragen: Vnser Knab aber war sehr erplichen,
vnnd weil wir jhm mit bitten hart zugesetzt, vermeldet er R.M. wöll nicht haben
dass jemand die beide, als bibliotecam vnd die Begrebnussen sehe, woll vns
deswegen, so lieb wir sein Leben haben, bitten, solches niemand zu entdecken,
weil er es schon allbereit geleugnet. Deswegen wir beides in frewden vnd forcht
gestanden, doch blieb solches verschwiegen vnnd fraget niemand mehr darnach,
hatten also an beiden orten drei stund zugebracht, welche mich niemalen gerewet.
Wiewol es nun albereit sieben geschlagen, gab [Rand: vergisst /darüber / den /
Hunger] man vns doch noch nit zuessen, Es war aber vnser Hunger mit stettiger
erquickung wohl zubüssen, vnd wolt ich bei solcher Tractation mein lebenlang
fasten. Vnder dess wurden vns auch die schöne brunenwerck, Bergwerck, auch
allerlei Kunst Officinen gewiesen, deren keine war, die nit all vnser Kunst,
wenn man die all zusammen schmeltzte, vbertreffe. All jhr gemach waren in eim
halben Circkel gebawen: Damit sie das Köstliche [Rand: sieht verschiedene /
Kunstwercke] Vhrwerck, so in Centro an einen schönen Turn gemacht war, vor
Augen haben, vnd sich nach der Planeten lauff (welches hieran Herrlich zusehen
war) richten möchten. Darbei ich abermal leichtlich erachten können, waran es
vnsern Künstlern fehle, wiewol meines beruffs nit ist, dieselbige zu
informieren. Endlich kam ich in ein Weiten Saal (welcher zwar den andern schon
lengst gezeigt worden) darinnen stund in der mitten ein [Rand: einen / Globus]
Globus terrenus, dessen Diameter 30. schuh hielt, wiewol fast das halbe teil,
biss an etlichs, so mit den stafflen bedeckt war, in die erden vergraben war:
diesen Globum konten 2. Man, mit seinen gewerben artlich herumb bringen, dass
allweg mehr nicht, dann soviel vber den Horizontem zusehen war. Wiewol ich nun
leichtlich mercket, dass er auch einen sonderlichen nutzen musste haben, kondte
ich doch nit wissen, warzu die guldin Ringlin, die an etlich orten darauff
waren, dieneten. Dessen mein Knab gelacht, vnd ermant, ich wolt sie fleissiger
besehen. In summa, ich fand da mein Vatterland auch mit Golde notiert: deswegen
mein gesell das seinig auch gesucht vnnd also befunden. Weil nun solches auch
bei anderer, so geblieben, heimat gestanden: Saget vns der Knab für gewiss, Es
sei gestern von jhren alten Atlante (so heist der Astronomus) K.M. angezeiget
worden, dass alle vergulte puncten derer Vatterland, wie dz von jedem angezeigt
worden, ad unguem respondiere. Deswegen er auch da er gesehen, das ich mich
aussgeschetzt, vnd doch bei meinen Vatterland ein punct stehe, der Hauptleut
einen angericht, für vns zu bitten, dass wir auff Glück vnd Vnglück, ohn vnsern
schaden auffgestellt wurden, sonderlich weil eines Vatterland ein sonderlich gut
signum habe. So sei auch er der Knab, als welcher vnder allen den grösten
gewalt hatte, nit ohne vrsach mir zugegeben worden, dessen ich mich dann
bedanckt, vnd [Rand: und auf / demselben / sein / Vatterland] hierüber
fleissiger nach meinem Vatterland gesehen, auch befunden, dass neben dem Ringlein
noch etliche schöne Striemen weren, welches ich mir doch selber nit zu Ruhm
oder Lob will gesagt haben. Ich sah noch wohl mehr auff diesem Globo, welches ich
nit beger zu eröffnen, es gedencke jhm doch jeder selbst nach: warumb nicht jede
Statt ein Philosophum hab. Hieraff führet [Rand: wird in / denselben /
hineingeführt] er vns in den Globum gar hinein. Dass war also gemacht, auff dem
Meer da es ohne dass grossen platz, war ein Tafel, darauff drei Dedication vnd
Autoris nam stund, diese kundt man Subtil auffheben, vnd durch ein geschmeidig
Brettlein, in dz Centrum, welches jhre vier tragen möcht, hinein kommen, dz war
mehr nit, dann ein rund Bredt, darauff wir sitzen, vnd wohl bei hellen tag
(jetzmals war es schon dunckel) die Sternen hetten Contemplieren können: Meines
erachtens waren es lauter Carbunckele, die gläntzeten in gebürender Ordnung vnd
lauff so schön, dz ich kaum mehr heraus wolt, dessen hernach der Knab bei der
Jungfraw gedacht, die mich offtmals mit veriert: dann es war albereit essens
zeit, vnd hatte in dem Globo ich mich dermassen ergucket, dass ich fast der letst
beim Tisch [Rand: geniesst / über der / Tafel /viele Achtung] war. Deswegen
saumbt ich mich lenger nit, vnd wie ich meinen Rock (zuvor hatt ich jhn
abgelegt) wieder angetan, vnd zu Tisch getretten, würde mir von den Dienern so
viel Reverentz vnd Ehr entbotten, das ich vor scham nit auffsehen dorfft, vnd
liess also die Jungfraw, so meiner auff einer seiten gewartet, vnbewust, stehen:
welches sie bald gemercket, mich bei dem Rock erwischt, vnd also zu Tisch
geführt: von Music vnd anderer Herrlichkeit weiter zusagen, halt ich für
vnnötig, weil nicht allein solche nicht genugsam ausszusprechen, auch oben, so
viel in meinem vermögen, gerümbt worden: in Summa da war nichts dann Kunst vnd
lieblichkeit. Nachdem wir nun vnser tun, so wir nachmittag gehabt, einer dem
andern erzählt, (wiewol [Rand: Hoffmeisterin, / Vögtin] der Bibliothek vnd
Monumenten geschwiegen worden) auch wir albereit vom Wein lustig waren: Fengt
die Jungfraw an: Liebe Herren, Ich hab ein grossen zanck [Rand: verwickelte /
reden] mit einer meiner Schwester: In vnserem gemach haben wir einen Adler: Nun
nehren wir denselben mit solchem fleiss, dz jede will die liebste sein, vnd haben
deswegen manchen Zanck. Die Tag beschlossen wir mit einander [Rand: die Jungfraw
legt / eine Frage / vor] zu jhm zugehn, vnd gegen welcher er sich am
freundtlichsten erzeigen wird, desse solt er eigen sein, diss geschahe, vnd trug
ich wie gemeiniglich in meiner Hand ein Lorbeerzweig, meine schwester aber hat
keinen: wie er nun vns beide ersicht, gibt er von stund an meiner schwester
einen zweig, den er im schnabel hat, vnd begert hingegen dess meinen, welches ich
ihm geben. Nun vermeint jede er habe sie am liebsten, wess hab ich mich zu
verhalten: Solches der Jungfrawen züchtiges fürbringen, gefiel vns allen wohl,
hette auch gern jeder die [Rand: er eine / andere] Solution gehört, weil aber
Menniglich auff mich sah, vnd den anfang von mir zu haben begert, war mein
Gemüt dermassen verwirt, das ich jhm anderst nit wusste zu tun, den ein anderst
an der statt zu setzen, sprach derhalben: Gnedigs Fräwlein, Ewer G. quästion wer
leichtlich auffzulösen, wann mich nit eins bekümmert. Ich hatte zween gesellen,
die beide liebeten mich ohne mass, weil sie nun zweiffelten, welcher mir am
liebsten, beschlossen sie vnversehens zu mir zulauffen, wen ich alsdenn
auffangen würde, der were der rechte: Dass teten sie nun, doch möchte der eine
dem anderen nit gefolgen, blieb deswegen dahinden, vnd weinet: den andern
empfieng ich mit verwundern. Wie sie mir nun nachmalen den handel entdeckt,
wusste ich mich nit zu resolvieren, habe es also bishero anstehen lassen, ob ich
doch hierein guten rat finden möchte: die Jungfraw wundert sich hierüber vnd
mercket wohl warumb es mir zu tun were, antwortet deswegen, wolan, so last vns
beide wett sein: Begehre hierauff von anderen die Solution. Ich hette sie aber
schon witzig gemacht: fieng deswegen dieser auch an. In meiner Statt wurde
[Rand: die dritte] newlich ein Jungfraw zum Todt vervrteilt: weil sie aber den
Richter vmb etwas dauret, liess er ausruffen, da jemand wer, der die Jungfraw
begerte zu erfechten, dass stund jhm frei. Nun hatte sie zwen Liebhaber, der ein
macht sich bald fertig kam auff den plan seiner wiederpart zu erwarten. Vnder
dess präsentiert sich der ander auch, weil er aber zu spat kommen, gedacht er
dennoch zu streiten, vnd sich mit willen vberwinden zulassen, damit nun die
Jungfraw bei leben bleibe, welches dann auch geschehen. Hierauff wollte sie ein
jeder haben. Nun lehrt mich jhr Herren wem gebürt sie: Die Jungfraw kundt sich
nimmer entalten, sprach: Ich meinte viel zu erfahren, so komm ich selbst ins
Netz, noch möcht ich hören, ob mehr vorhanden weren: [Rand: vierte] Ja wohl
antwortet der 3. Gröser abenteur ist noch nie erzählt worden, dann mir selbst
begegnet: In meiner Jugent liebt ich ein ehrliche Jungfraw, damit nun solch
mein Lieb zu erwüntschten end möchte kommen, musste ich mich eines alten
Mütterleins gebrauchen, die brachte mich auch letzlich zu jhr. Nun begab sichs,
dass eben der Jungfrawen Brüder zu vns kamen, da wir 3. allein beisammen waren,
die erzürneten so sehr, dass sie mir wollten dass leben nemen, weil ich aber so
sehr bat, must ich endlich schweren, jede ein Jahrlang für mein Ehelich Weib zu
haben: Nun sagt mir jhr Herren, sollte ich die alte oder junge vorgenommen haben:
Dieses Retzels lachten wir alle gnug, vnd wiewol jhr etlich darüber zu einander
mumleten, wollte doch keiner den aussschlag geben. Darauff fieng der 4. [Rand:
fünfte] an: In einer Statt wohnet ein Ehrliche Fraw vom Adel, die ward von
Menniglich lieb gehaben, sonderlich aber von einem Jungen Edelman, der jhr
zuviel zumuten wolt, sie gab jhm endlich den Bescheid: werde er sie im kalten
Wintter inn einen schönen grünen Rosengarten führen, so sollte er gewert sein, wa
nicht, solle er sich nimmer finden lassen. Der Edelman zog hin in alle Land, ein
solchen Mann, der diss prästieren kundte, zufinden, biss endlich traff er ein
altes Mänlein an, der versprach jhm solches zu tun, wa er jhm das halbteil
seiner Güter werde versprechen: Welches dieser bewilliget, vnd jener verrichtet.
Deswegen er benandte Fraw zu sich in seinen Garten berufft, die es wider
verhoffen alles Grün Lustig vnd Warm befunden, darneben sich jhres versprechens
erinnert, vnd mehr nit dann noch einmal zu jhrem Herren zukommen begehret, dem
sie jhr Leid mit seufftzen vnd zehren geklaget. Weil aber der jhr Trew gnugsam
gespüret, fertigt er sie wider ab jhrem Liebhaber, der sie so Tewr erworben,
ein genügen zutun: den Edelman bewegt dieses Ehemans redligkeit so sehr, dass er
jhm Sünden förcht, ein so Ehrlich Weib zu berühren, schicket sie also mit Ehren
jhrem Herren wider heim: Wie nun solcher beider trew dess Mänlein erfahren, wolt
er wie arm er sonst war, auch nit der geringst sein, sondern stellet dem Edelman
all seine Güter wider zu, vnd zog darvon: Nun weiss ich nit liebe Herren, wer
doch vnter diesen Personen die gröste trew möchte bewiesen haben. Hie war vns
das Maul recht abgehawen, so wolt auch die Jungfraw nichts anders respondieren,
dann nur fahre fort ein anderer Herr. Deswegen sich der fünft [Rand: sechste]
auch nicht saumt, fieng an: Liebe Herren, ich begers nit lang zu machen. Wer hat
grösser Frewd? Der so [Rand: siebende] das, so jhm geliebt anschawet, oder der
so jhm nur nach gedenckt? Der so es sihet, sprach die Jungfraw. Nein antwortet
ich, hiemit erhub sich ein Streit: deswegen ruffet der Sechste: Liebe Herren,
ich soll ein Weib nemmen, Nun hab ich vor mir ein Jungfraw, ein Verheurate, vnd
ein Wittib, helfft mir dieses zweifels ab, so will ich hernach auch helffen
jenes schlichten. Da gehts noch wohl, antwortet der Siebende, wa man die Wahl
hat: Mit mir hat es ein andere Gestalt: In [Rand: achte] meiner Jugendt liebt
ich ein schöne vnd ehrliche Jungfraw von grund meines Hertzen, vnd sie mich
widerumb, noch kunten wir aus versagung jrer Freund nit ehelich zusammen kommen,
würde deswegen einem andern wiewol ehrlichen züchtigen Gesellen Vermählet, der
hielt sie in Zucht vnd Liebe, biss sie in Kindsbanden kam, da es jhr so saur
würde, dass meniglich meint  sie wäre Todt, wurde auch also köstlich, vnd mit
grossem Leid zur Erden bestattet: Nun gedacht ich, hat dir diss Mensch in jhrem
Leben nicht mögen zu teil werden, so wiltu sie doch also Todt vmfahen, vnd gnug
küssen, nam deswegen meinen Diener zu mir, der grub sie wider bei Nacht auff,
wie ich nun den Sarch eröffnet, vnd sie in meine Arm geschlossen, auch jhr Hertz
berühret, befand ich, dass es sich noch ein wenig reget, welches von meiner
wärme, je mehr vnd mehr zu genommen, biss ich entlich gemerckt, dass sie
eigentlich noch lebet, trug sie deswegen in stillen zu Haus, vnd nach dem ich
jhren erkalteten Leib, durch ein köstlich Kräuterbad erwärmet, befahl ich sie
meiner Mutter, biss sie eines schönen Sohns genass, dessen liess ich auch wie der
Mutter getrewlich pflegen: nach zweien Tagen, da sie sich heftig verwundert,
entdecket ich jhr allen fürgeloffenen handel mit bit, sie sollte nun fürohin mir
eheliche beiwohnung tun: dessen sie sich dergestalt beschweret, wann es jhrem
Ehemann, der sie wohl vnd ehrlich gehalten, werde leid sein, da aber solches auch
sein will, sei sie nun mehr einem so wohl als dem andern mit Liebe verpflicht:
Nun lude ich nach zweien Monaten (dieweil musste ich anders wahin verreisen)
jhren Ehemann zu gast, vnd wie ich jhn vnder anderem befragt, Ob er auch sein
verstorbene Haussfraw, da die jhm wider zu Haus käme, wollte wider annemmen: Er
aber solches mit zeheren vnd weinen bejahet. Bracht ich jhm entlich sein Weib
sampt dem Sohn: Neben erzehlung aller verloffener Handlung, mit bitt, er wollte
solche meine fürgenommene Verehligung mit seinem Consens ratificiren. Nach
langem disputieren, mochte er mich von meinem rechten nicht bringen, musste mir
also das Weib lassen, noch war der Streit vmb den Sohn: Hie fiel jhm die
Jungfraw in die red vnnd sprach, mich wundert, wie jhr habt mögen dem betrübten
Mann sein Leid dopplen. Wie antwortet dieser, war ich es dann nit befügt: Vber
das erhub sich ein disputieren vnder vns, doch wollte der mehrerteil, er hätte
recht getan, Nein sprach er, Ich hab jhm beedes sein Weib vnnd Sohn
geschencket: Jetzt sagt mir liebe Herren, war mein redlichkeit, oder dess Mannes
frewd grösser? Diese wort hetten die Jungfraw dermassen erquickt, dass sie glich
vmb dieser beeder willen liess ein Trunck herumb gehen. Darauff giengen der
anderen vbrigen auffgaben, etwas verwirrtes zu, dass ich sie nit alle behalten
kundt. Eins felt mir noch ein. Dass sagte einer, er hatte vor wenig Jahren einen
Medicum gesehen, der habe auff den Winter jhme Holtz eingekaufft, darbei auch
sich den ganzen Winter gewermet, So bald aber der Früling wider herbei kommen,
habe er eben diss Holtz wider verkaufft, vnd also vergebens seiner genossen. Hie
muss Kunst sein, sprach die Jungfraw, aber die zeit ist nunmehr fürvber, Ja
antwortet mein Gesell, wer die Rätzel [Rand: neunte Frage] nit alle weist
auffzulösen, der mag es eim jeden bei eim eigenen Botten wissen lassen, Ich
meinte nit, dass jhm sollte versagt werden: vnter dess ward das gratias angefangen
zusprechen, vnd stunden wir alle sampt von der Tafel auff, mehr satt vnd frölich
dann voll, möchte auch wünschen, dass alle Gastungen vnd Malzeiten also gehalten
wurden. Wie wir vns nun wider ein wenig [Rand: der / Jungfraw] in dem Saal
erspatziert, fraget vns die Jungfraw, ob wir begerten, der Hochzeit ein anfang
zumachen: Ja sprach einer, Edle vnd Tugentsame Jungfraw. Darauff fertiget sie
ein Knaben heimlich ab, fuhr doch vnter dess mit vns im Gespräch fort. In Summa
sie war mit vns so heimlich, dz ichs wagt, vnd jhres Namens begert. Die Jungfraw
lächlet meines Fürwitz, liess sich [Rand: Leutseligkeit] doch nichts bewegen,
sonder antwortet: mein Nam helt fünff vnd fünftzig, vnnd hat doch nur acht
Buchstaben, [Rand: Rätsel, / wegen / ihres / Nahmens] der dritte ist dess
fünften dritter teil, kompt er dann zu dem sechstem, So wirt ein zahl, dessen
Radix schon vmb den ersten Buchstaben grösser wirt, dann der dritte selbst ist,
vnd ist dess vierdten halbteil. Nun seind der fünft vnd siebent gleich, so ist
der letst dem ersten auch gleich, vnd machen mit dem anderen soviel als der
sechste hat, der doch nuhr vmb vier mehr als der dritte dreimal hat: Nun sagt
jhr mein Herr, wie heiss Ich? Die Antwort war mir krauss gnug, noch liess ich nit
nach: Sprach, Edle vnd Tugentsame Jungfraw, mocht ich nit einen einigen [Rand:
60. /nehmlich / so viel als / Jungfrawen / sind] Buchstaben erlangen? Ja wohl
sprach sie, dz ist wohl zutun, was mag dann, antwortet ich wider, der Siebend
haben? Er hat, sprach sie, so viel als der Herren hie seind: Hiemit war ich
Content, vnnd fand jhren Namen leichtlich: dessen sie wohl zufrieden war, mit
vermelden, es sollte vns noch wohl mehrers vnverborgen sein. Vnder dessen hatten
sich etliche Jungfrawen fertig gemacht: Die kamen daher mit grossem [Rand: zween
/ Jünglinge] gepräng: Erstlich leichteten jhnen zwen Jüngling vor. Der ein war
eins lustigen Gesichts, hellen Augen, vnnd feiner proportion. Der ander war
etwas Zornigs anzusehen, was er haben wolt, das musste sein, wie ich nachmalen
innen worden. Vff sie folgeten erstlich vier [Rand: vier Jungfrawen] Jungfrawen.
Die eine sah züchtig zu der Erden, an geberden gar Demütig. Die ander war auch
ein züchtige schamhaftige Jungfraw, die dritte entsetzet sich vmb etwas, da sie
in die Stuben tratte. Wie ich aber vernommen, so kann sie nit wohl bleiben, da man
zuviel lustig ist. Die vierdte bracht etliche Streusslein mit sich, jhre Liebe
vnd Freigebigkeit hierdurch zuerzeigen. Nach diesen vieren kamen zwo, so etwas
herrlichers bekleidet. [Rand: noch zwo] Die grüsseten vns schön. Die eine hat
ein ganz blawen Rock, mit guldin Sternlin versetzt. Die ander ganz grün mit
rohten vnd weissen Strichen geziert, auff den Haupten hatten sie fliegende
Tüchlein, welche jhnen auff [Rand: eine / /Herzogin] das zierlichst zustunden.
Entlich kam eine allein, die hatte ein Krönlin auff dem Haupt, sah doch mehr
vber sich gehn Himmel denn auff Erden. Wir meinten alle es wäre die Braut, Aber
es fehlet noch weit, wiewol sie sonsten an Ehren, Reichtumb vnd stand der Braut
weit vberlegen, vnd diese hat nachmal die ganze Hochzeit regieret. Nun in
solchem fall folgeten wir vnserer Jungfrawen, fielen ganz nider auff die Knie,
wiewol sie sich gar demütig, vnd Gottsförchtig erzeiget; Bot jedem die Hand,
vermanet vns auch, wir sollten vns nit zu hoch ab diesem verwundern, dann diese
wäre ihrer geringsten Gaaben eine: Vnsere Augen aber sollten wir zu vnserem
Schöpffer erheben, vnd hierinnen sein Allmacht lernen erkennen, auch in
angefangenem vnserm Lauff fortfahren, Gott zu Lob, vnnd dem Menschen zu gut, vns
solcher Gnaden gebrauchen. In Summa jhre wort waren gar anderst, dann vnserer
Jungfrawen, die war noch was Weltlichers: Sie trungen mir durch Marck vnd Bein.
Vnd du, sprach sie weiter zu mir, hast mehr dann andere empfangen, sihe das du
auch mehr aussgebest: Diese Predigt war mir gar frembd. Dann wie wir die
Jungfrawen mit der Music ersehen, meinten wir, wir mussten schon tantzen, aber
die zeit war noch nicht da. Nun stunden die Gewicht, deren [Rand: die / Gewichte
/ werden / weggenommen] oben meldung getan worden, noch alle da. Deswegen hiess
die Königin (ich weiss doch nicht wer sie gewesen) jede Jungfraw eins zu sich
nemmen. Vnserer Jungfrawen aber gab sie das jhrige, so das letst vnd gröste
gewesen, vnd hiess vns hernach folgen: vnser Majestät war da etwas geringers:
dann ich mercket wohl das vnser Jungfraw vns nur zu gut wäre, vnd wir nicht so
gar hoch geschetzt weren, wie wir vns schier zum teil selbst wollten anfangen
einbilden: Wir ging also in vnser Ordnung hernach, da wurden wir in das erst
Gemach geführt, da hencket vnser Jungfraw der Königin [Rand: Gemach / der /
Königin] Gewicht am ersten auff, vnnd wurde dabei ein schön Geistlich gesang
gesungen. In diesem Gemach war nichts köstlichs, dann etlich schöne Betbüchlein,
deren [Rand: Geräte] man dann nimmer gerahten kann. In der mitten stund ein
auffgericht Pult, zum betten gar füg ich, darauff knühet die Königin nider: Vmb
die mussten wir alle herumb knühen, vnd der Jungfrawen, so aus eim Büchlein
gelesen, nachbetten: Dass solche Hochzeit mit Gottes Ehr vnnd vnserm nutzen
abgehe. Hierauff kamen wir in das ander gemach, da hencket die erste Jungfraw
jhr Gewicht auch auff vnd so fortan, biss alle Ceremonien verrichtet worden.
Hierauff bot die Königin [Rand: die Jungfraw geht / schlaffen] jedem wider die
Hand, vnd schied mit ihren Jungfrawen darvon. Vnser Präsidentin blieb noch ein
weil bei vns, weil es aber allbereit vmb zwei Vhren in der Nacht war, wollte sie
vns lenger nit auffhalten. Mich gedauchte sie war sehr gern vmb vns, noch nam
sie ein gute nacht, vnd befahl vns die Nacht rüwiglich zuschlaffen, schied also
freundtlich gleichsam vngern von [Rand: Verrichtung der / Knaben] vns. Vnsere
Knaben waren der sachen berichtet, weiseten deswegen jeden sein Kammer, blieben
auch bei vns in einem andern betlin, damit so wir etwas bedurfften, [Rand: des
Verf. / Schlaffkammer] wir jhrer vns gebrauchen köndten. Mein Kammer (von andern
weiss ich nichts zusagen) war Königlich bereitet, mit schönen Teppichen, vnd
Gemälden vmbhencket. Vor allem aber liebt ich meinen Knaben, der war so
trefflich beredt, vnd in Künsten erfahren, dz er mich auch noch vmb ein stund
bracht, vnd erst vmb halbe viere entschlieff. Vnd diss zwar war die [Rand: vnd /
Traum / von einer / Tür] erste Nacht, dass ich mit ruh geschlaffen. Noch liess
mir ein schändlicher Traum nicht zu lieb werden. Dann die ganze Nacht ging ich
mit einer Türen vmb, die kundt ich nit auffbringen, entlich geret es mir. Mit
solchen Fantaseien vertrieb ich die zeit biss Ich entlich gegen Tag erwachet.
 
                                  Vierter Tag.
Ich lag noch in meinem Bett, vnd besah algemach [Rand: der Verf. / erwacht /
spät] die herrliche Bilder vnd Figuren, so hin vnd wider in meinem Gemach waren,
vnter dess erhört ich schnell ein Music von Zincken, als ob man schon allbereit
in der Procession wer: mein Knab wischet aus dem Bet als ob er von Sinnen were,
sah auch einem Todten viel gleicher, dann eim Lebendigen, wie nun mir gewesen
sei, ist gut zugedencken, dann er saget, die andern wurden allbereit dem König
präsentiert, Ich wusste mehr nit zutun, dann die hellen zehren zuweinen, vnd
mein Faulkeit selber zu verfluchen. Noch tat ich mich an, Aber mein Knab war
lengst fertig, vnd lieff zum Gemach hinaus, zu sehen wie doch die Sachen
stunden. Er kam aber doch bald wider, vnd bracht die fröliche Pottschaft, dass
gleichwol nichts versaumt were, allein hätte ich dz Frühstück verschlaffen, man
hätte mich doch [Rand: vnd hat / das Frühstück verschlaffen] vmb meines Alters
willen nit begert zu wecken. Jetzt aber sei es zeit, dass ich mit jhm zum Brunnen
gehe, da seien sie mehrerteils versamlet: Von diesem Trost kam mein Geist
wider, ward deswegen bald wit meiner Kutten fertig, vnd zog dem Knaben nach, in
obgemelten Garten, zu dem Brunnen. Nach dem wir nun einander salviert, auch die
Jungfraw meines langschlaffens gespottet, führt mich bei der Hand zu den
Brunnen, da fand ich das der Löw, an statt seines [Rand: sieht einen / Löwen mit
/ einer / Taffel] Schwertes, ein ziemliche grosse Taffel bei sich hatte. Wie ich
nun die eben besichtiget, befand ich, dz sie aus den alten Monumenten genommen,
vnd hieher zu sonderlicher Ehr gesetzt worden: Die Schrifft war etwas aus älte
abgelescht, will sie derowegen, wie sie ist, hieher setzen, vnd einem jeden nach
zudencken geben.
                                HERMES PRINCEPS.
                                POST TOT ILLATA
                              GENERI HUMANO DAMNA,
                                 DEI CONSILIO:
                              ARTISQVE ADMINICVLO,
                            MEDICINA SALVBRIS FACTVS
                                   HEIC FLVO.
                    Bibat ex me qui potest: lauet, qui vult:
                               turbet qui audet:
                           BIBITE FRATRES, ET VIVITE.
    [Rand: Schrift / war leicht / zu lesen] Diese Schrifft war nun gut zu lesen,
vnd zu verstehen, mag auch wohl darumb hieher gesetzt worden sein, weil sie
leichter, dann sonst keine. Nach dem wir vns nun erstlich aus dem Brunnen
gewaschen, [Rand: er trinkt] Auch jeder ein Trunk aus einer ganz güldin Schalen
getan: Musten wir der Jungfrawen noch einmal in [Rand: muss sich /anders /
anziehen] den Saal folgen, vnnd daselber newe Kleider anziehen: Diss waren
ganz guldene Stuck, mit Blumen herrlich gezieret. So wurde auch jedem ein ander
Guldin Fluss gegeben, welche mit Edelgestein vbersetzt waren, vnnd mancherlei
wirckung, nach jedes wirckhener Krafft mit sich bracht. Daran hieng ein schweres
stuck Gold, darauff waren Sonn vnd Mond gegen einander gebildet, auff der andern
Seiten aber stund dieser Spruch: dess Monds Schein wird sein wie der Sonnen
Schein, vnd der Sonnen Schein wird siebenmal heller sein, dann [Rand: gibt sein
/ voriges / Geschmeide / ab] jetzt. Vnser vorige Geschmeid aber wurden in ein
Trüchlein geleget, vnd der Diener einem befohlen: Nach diesem führet vns die
Jungfraw in vnser Ordnung hinaus, da warteten allbereit vor der Tür die
Musicanten, alle in rohtem Samet mit weissen Borten bekleidet: Hierauff [Rand:
findet / Music] wurde ein Tühr (so ich zuvor nie offen gesehen) zum Königlichen
Schnecken eröffnet. Da hinauff führet vns die Jungfraw, sampt der Music, 365.
Staffeln hinauff. [Rand: wird ins / Königl. / Zimmer /geführt] Da sahen wir
nichts dann lauter köstliche vnd künstliche Arbeit. Jemehr wir auch giengen, je
herrlicher die Zier wurde, biss wir endtlich zu oberst in ein gemahlet Gewelb
kommen: Da warteten vnser auff die 60. Jungfrawen, [Rand: findet in / einem /
Gewölbe / 60 Jungfrawen] alle köstlich bekleidet, so bald die nun sich gegen vns
geneiget, wie auch wir vnser Reverentz so gut wir kundten erzeiget, fertiget man
vnsere Musicanten ab, die mussten wider den Schnecken hinunder: Vnd wurd die Tür
beschlossen. Hierauff wurde ein klein Glöcklin geleutet: Da kam ein schöne
Jungfraw herfür, die brachte jedem einen Lorberkrantz: Vnsern Jungfrawen aber
wurde ein Zweig gegeben. Vnder dess ward ein vmbhang auffgezogen. Da ersah ich
den König vnd Königin: Wie [Rand: Sieht den / König vnd / die Königin in / ihrem
/ Glantz] die in ihrer Majestät da sassen. Vnnd da mich die gesterige Königine
nicht hette so trewlich ermahnet, hette ich mein selber vergessen, vnd solch
vnsäglich herrligkeit dem Himmel verglichen, dann neben dem dass der Saal von
lauter Gold vnd Edelgestein gläntzet, waren doch der Königin Kleidung dermassen
beschaffen, das ich sie nicht ansehen mocht. Vnd da ich zuvor etwas für schön
gehalten, war doch da alles eins vber das ander, wie die Stern am Himmel
erhaben. Hiezwischen [Rand: die Jungfraw mit / der Fackel / stellt die / Gäste
vor] tratt die Jungfraw hinein, so namen auch jede Jungfraw vnser einen bei der
Hand, vnd präsentierten also mit hoher Reverentz dem König: Darauff hub die
Jungfraw also an zu reden: Das Ewer Königliche Majestät zu Ehren:
Allergnädigster König vnnd Königin, gegenwertige Herren sich mit Leibs vnd
Lebens gefahr hieher begeben, das haben S.M. billich zu erfrewen, weil auch
mehrenteil qualificiert E.M. Königreich vnnd Landen zu amplificieren: Wie die
dann selber von jedem allg. werden explorieren können, wölte also hiemit E.M.
Ich sie in Vndertänigkeit präsentiert haben, mit vndertänigster bitt, solcher
meiner Commission mich zu erlassen, vnnd von jedem meins tun vnnd lassens
gnugsame Kundschaft allergnädigst einnemmen. Hiemit leget [Rand: Gäste können
nichts /reden, / Atlass / antwortet] sie ihren Zweig auff die Erden. Nun wollte es
sich gleichwol gebühren, dass vnser einer auch etwas hette hierauff geredt: Weil
vns aber allen war das Zäpfflein herab gefallen: Tratt endtlich der alte Atlas
herfür, vnd sprach vons Königs wegen: König. May. tun sich ewerer Ankunft
allergnädigst erfrewen, wölle auch Ihr Königliche Gnad allen vnnd jeden zugesagt
haben. Mit deiner verrichtung L. Jungfraw sein sie auch Allgst. zufrieden, solle
dir auch deswegen ein Kön. verehrung vorbehalten sein. Wer doch jhr Meinung, du
soltest dich noch heut jhrer annemmen: Dann sie wussten dir nichts arges zu
zutrawen. Hierauff hub die Jungfraw den Zweig wider demütig auff. Vnd mussten wir
also hiemit auff das erstemal mit vnsern Jungfrawen abtretten. [Rand:
Beschreibung eines / Sals] Dieser Saal war vornen vierecket, fünffmal breiter
dann er lang war, gegen dem aussgang aber, hatte er ein grossen Bogen wie ein
Tor, darinnen [Rand: Stüle] stunden im Zirckel drei herrliche Königliche Stüle:
doch war der Mittel etwas höhers, dann die andern. Nun sassen in jedem Stul zwo
Personen. Im ersten sass ein Alter König, mit einem grawen Bart, doch war sein
[Rand: 1. ein alter / König mit / e. jungen / Gemahlin] Gemahel vberauss schön
vnd Jung. Im dritten Stul sass ein schwartzer König, mittelmässiges alters: Neben
diesem war ein fein alt Mütterlein, nicht Gekrönet, [Rand: 3. ein / schwarzer /
König u. / ein alt / Mütterlein / 2 junge / Leute] sondern mit einem Schleier
verhület. Im mitlen aber sassen die zwei Junge Menschen. Die hatten gleichwol
Lorberkräntz auff ihren Haupten, ob jhnen aber hieng ein grosse köstliche Kron.
Nun waren sie gleichwol damalen nicht so schön, als ich mir sie fürbildet. Aber
das musste so sein. Hinder jhnen sassen auff einem [Rand: Bänke u. / wer darauff
sass] runden Banck mehrerteil alte Männer: Deren doch keiner, das mich wunder
nam, kein Schwert, noch ander Wehr bei sich hatte, so sah ich auch kein andere
Leibsquardi: Dann etliche Jungfrawen, so gestern bei vns gewesen, die sassen
auff der seiten, an dem Bogen. Hie kann ich nit verschweigen: Der kleine Cupido
flog [Rand: Cupido] da auch vmb, haspelt vnd gaucklete doch mehrerteil auff der
grossen Kronen vmb. Zu weilen setzet er sich zwischen beide Liebhabende hinein,
etwas jhnen lächlend [Rand: scherzt mit / Vögeln / und Jungfrawen] mit seinem
Bogen. Ja er stellet sich auch zu weilen, als wollte er vnser einen schiessen. In
Summa das Knäblin war so mutwillig, dass es auch der kleinen Vögelin, so
hauffenweiss im Saal vmbflogen, nicht verschonet, sonder sie vexieret, wa er
kundte, die Jungfrawen hatten auch jhr kurtzweil mit jhm: vnd wann sie jhn
kundten erwischen, mochte er so balt nicht von jhnen kommen, machte also dieser
kleine Knab alle Frewd vnnd Wollust. Vor den Königen stund ein kleines aber vber
die massen zierliches Altärlin: Darauff lag ein [Rand: ein Altar / darauff: / 1.
Buch, / 2. liechtlin, / 3. Sphära, / 4. Vhr, / 5. brönlin, / 6. Todtenkopff.]
schwartz Sametin Buch, mit Gold nur ein wenig beschlagen. Neben diesem stund ein
klein Liechtlin, auff einem helffenbeinen Leuchter. Wiewol nun das gar klein
war, brandte es doch jmmer vnnd jmmer, auch also steht: Das wann Cupido nit zu
weilen aus kurtzweil darein geblasen hatte, möchten wir es nicht für ein Fewr
gehalten haben. Neben diesem stund ein Sphära oder Himmelskugel, die ging für
sich selber artlich herumb. Nach dieser ein kleines schlag Vhrlin, darauff ein
klein Christallin Rohrbrünlin, daraus ein Blutroht hell Wasser stetigs lieff,
vnnd entlich ein Todtenkopff. [Rand: eine / Schlange] In dem war ein weisse
Schlang, die war so lang, dass ob sie wohl ringsweiss vmb die andere stuck herumb
kroch, blieb ihr doch allweg der Schwantz in einem Aug, biss der Kopff wider zum
andern hinein kam, wich also nimmer aus jhrem Todtenkopff: begab sich dann das
sie Cupido ein wenig pfetzet, so wischet sie so geschwind hinein, dass wir vns
alle verwundern [Rand: Bilder] mussten. Neben diesem Altärlin waren hin vnd wider
in dem Saal wunderliche Bilder, die regeten sich alle als ob sie lebten, vnd
hatten so wunderliche Fantasei, das mir vnmüglich war alles zuerzählen. So erhub
sich auch wie wir hinaus giengen, ein so wunderliche [Rand: Music / führet die /
Gäste wieder ab] Vocal Music, dass ich nit eigendlich wusste, ob es von
Jungfrawen, die noch darinnen blieben, oder von den Bilden selbst gehalten
wurde. Nun wir waren auff dissmal zufrieden, vnd zogen mit vnseren Jungfrawen
darvon, so waren allbereit vnsere Musicanten vorhanden, die führten vns wider
den Schnecken hinab, aber die Tür wurde fleissig beschlossen und verrigelt. Wie
wir nun wider in den Saal kommen, fangt der Jungfrawen eine an: Schwester mich
wundert, dass du dich [Rand: die Jungfrawen / schertzen / über das / Alter des /
Verf.] vnder so viel Personen hast wagen dörffen: Mein Schwester, antwortet
vnser Presidentin, ich besorget mich vor keinem so vbel, als vor dem: deütet
also auff mich. Diss wort gienge mir nahe zu hertzen, dann ich verstund wohl, dz
sie meins alters spottet. Vnd zwar war ich vnder allen der eltest. Doch tröstet
sie mich wider, mit verheissung, da ich mich würde recht mit jhr halten, wölte
sie mir dieses [Rand: er speist / mit den / Jungfrawen] Lasts wohl abhelffen.
Dieweil ward das Essen wider auffgetragen, vnnd jedem sein Jungfraw beigesetzt:
die wussten vns mit holdseligem Gespräch die Weil wohl zuverkürtzen. Was aber jhr
Gespräch vnnd Kurtzweil gewesen, darff ich nicht aus der Schul schwätzen. Der
mehrerteil fragen aber waren von Künsten, dabei ich [Rand: Tischreden]
leichtlich erachten kundt, dass Jung vnd Alt mit Kunst vmbgienge. Noch lag mir
jmmer im Sinn, wie ich doch [Rand: Verf. /wünscht / wieder / jung zu / werden]
wider köndte Jung werden: War deswegen etwas trawrigers: Das mercket die
Jungfraw, hub derowegen an: Ich mercke wohl was diesem jungen Gesellen fehlet.
Was gilts wann ich künftige Nacht bei jhm schlaffe, [Rand: erhält von /der
Jungfraw einen / Trost] er soll morgen lustiger sein: Hierauff fiengen sie an zu
lachen, vnd wiewol mir Roht an allen orten aussgieng, must ich doch meins eigenen
Vnglücks lachen. Nun war einer da, der wollte mein Schmach wider an der [Rand:
den ein / anderer in / Ernst annimmt] Jungfraw rechen: Sprach deswegen, Ich
hoffe es werden nicht allein wir, sondern auch die Jungfrawen selber zugegen
vnserm Bruder zeugnuss geben, dass sich vnser Jungfraw Präsidentin versprochen,
künftige Nacht [Rand: wie sich / die Jungfrawen / heraus finden] bei ihm zu
schlaffen: Dess wer ich wohl zufrieden antwort die Jungfraw: wann ich mich nit vor
diesen meinen Schwestern zubeförchten hette: denen wer es nit zutun, wann ich
ohn jhren Willen mir den Schönsten vnd besten erwehlete. Mein Schwester, fieng
bald ein andere an, wir spüren hiebei, dass dich dein hohes Ampt nicht stoltz
gemacht. Da wir nun aus deiner erlaubnuss gegenwertige Herren vns zu Schlaffbulen
möchten durchs Los aussteilen, soltestu mit vnserm guten willen, solche
praerogativam haben. Wir liessen diss also ein Schertz sein, fiengen auch also an
wieder einander [Rand: sie wollen / losen] zuzusprechen, vnser Jungfraw aber
kundt vns nit vngevexiert lassen, fieng deswegen wider an: Ihr Herren, wie wann
wir das Glück liessen erzeigen, wer doch heunt bei dem andern schlaffen musste.
Wolan, sprach Ich, kans nit anders sein, so können wir ein solch erbieten nicht
abschlagen. Weil nun beschlossen wurde, solches nach dem Essen zu probieren,
wollten wir auch lenger nicht zu Tisch sitzen, stunden also auff, vnd spatzieret
jeder mit seiner Jungfrawen auff vnnd ab. Nein, sprach die Jungfraw, das soll
noch nit sein, aber lasst sehen, wie vns das Glück gesellen wölle. Hierauff
wurden wir voneinander vertrennet: Nun erhub sich erst ein disputation, wie
diese sachen anzugreiffen, es war aber diss nur ein angelegtes Spiel, dann die
Jungfraw tet bald den fürschlag, wir sollten vns vndereinander in einem Ring
vermischen: so wollte sie an jhr anheben zuzählen, vnnd musste der Siebend, mit
dem nachfolgenden siebenden für gut nemen, es wer jetzt gleich ein Jungfraw oder
Mann, wir versahn vns keines Lists, liessens deswegen geschehen, vnd da wir
meinten, wir vermischten vns eben wohl, waren die Jungfrawen doch so verschmitzt,
dass jede jhren Ort schon vorhin wusste: die Jungfrawn hub an zu zählen, da traff
es ein Jungfraw, nach jhr ward das siebend wider ein Jungfraw, zum 3. wider ein
Jungf. und diss geschahe so lang, biss alle Jungfrawen mit vnserer verwunderung
herausskommen, vnd vnser keiner getroffen worden, blieben also wir arme tropffen
allein stehn, vnd mussten noch vnser darzu spotten lassen, vnd bekennen dass wir
ja redlich betrogen weren, In summa, wer vns in vnserer ordnung hette gesehen,
möchte sich schier dess Himmels fall ehe versehen haben, dann dass es nimmer an
vns kommen solt. Hiemit war vnser schertz aus, vnd mussten wir vns der Jungfrawen
Schalckheit gefallen lassen. Hiezwischen kam auch zu vns der kleine [Rand:
Cupido] mutwillige Cupido, weil aber der von Königlicher Majest. wegen da war,
Auch von derenwegen vns ein trunck [Rand: man / trinkt] aus einer guldin
Schalen, vberlifert: Auch vnsere Jungfrawen zum König abfordert, darneben
erklärt, er kundte dissmals lenger nit bei jhnen sein, kundten wir vns nit recht
mit jhm erlieben. Liessen jhn also mit gebürender vndertänigster dancksagung
fort fliegen. Weil nun auch hierzwischen, meinen Consorten die Frewd in [Rand:
man / tanzt] die Füss kam, solches auch die Jungfrawen nicht vngern sahen, hatten
sie in kurtzen ein züchtig Täntzlin angestelt: denen ich mehr mit frewden
zusah, dann halff. Dann es kundten sich meine Mercurialisten so artig in den
bossen schicken, als ob sie das Handwerck lengsten gelernet. Nach etlichen
Täntzen kam vnser Präsidentin [Rand: die Gäste / werden / zur / Comödie /
eingeladen] wider daher, vnd vermeldet vns, wie das sich die Künstler vnd
Studiosi gegen jhrer König. Majest. erbotten, deren zu ehren, vnd gefallen vor
dero abzug ein fröliche Comödiam zu agieren, wollten nun wir derselben auch
beiwohnen, vnd König. Maj. auff der Sonnen Haus begleiten, das were dero Lieb,
vnd wollte solches in allen gnaden erkennen: Hierauff teten wir vns zuforderst
der angebottener ehr allerundertänigst bedancken, vnd nicht allein hierinnen,
sondern noch mehrem vnsere geringe Dienst demütigst offerieren: welches die
Jungfraw wider anzeigt, vnd bald bescheid bracht, Kön. May. auff den gang in
vnserer Ordnung zuwarten, dahin wir dann bald geführt wurden, stunden auch nicht
lang da: Dann die Königliche procession war schon vorhanden, [Rand: der König /
wohnt der / Comödie / auch bei] doch ohn alle Music: vorher ging die vnbekandte
Königin, so gestern bei vns gewesen mit einem kleinen vnd köstlichen Krönlin in
weiss Atliss bekleidet, die trug mehr nit dann ein klein Kruzifix, so von einem
Perlin gemachet war, das war heut zwischen den Jungen König vnd der Braut
auffgemachet gewesen: nach jhr giengen die Sechs vorgenandte Jungfrawen zu
zweien Glieden, die trugen dess Königs Kleinot, so auff das kleine Altärlin
gehörig. Auff diese kamen die drei König, vnder denen der Bräutigam in der
mitten war, ging aber schlecht, nur in schwartz Atliss auff Italienisch
bekleidet, hatte ein klein schwartz rund Hütlin auff, mit einem kleinen
schwartzen spitzigen Federlin: das zog er freundlich gegen vns ab, hierdurch
sein gnad gegen vns zuerweisen, gegen diesem neigeten wir vns (wie auch gegen
den ersten) wie wir dann dessen erinnert worden. Nach den Königen, kamen die
drei Königin, deren die zwo köstlich bekleidet waren. Allein die mittel ging
auch ganz Schwartz, vnnd trug jhr der Cupido den Schweiff nach: Hierauff wurde
vns gewuncken [Rand: Stellung / der / Zuschauer] zu folgen, vnd nach vns den
Jungfrawen, biss entlich der alte Atlass den Reien beschlossen. In solcher
Procession kamen wir entlich durch manchen köstlichen Gang auff der Sonnen Haus,
daselber auff einem zugerichten stattlichen Gerüst, neben dem König vnd
Königin, der angestelten Comödi zuzusehen: Wir zwar stunden den Königen
(gleichwol vnterscheiden) an der rechten, die Jungfrawen aber zur lincken,
aussgenommen denen, so die Königliche Insignia befohlen. Denen war zu obrist ein
sonderer Stand eingegeben: Was aber andere Diener waren, die mussten zu vnderst,
zwischen den Säulen stehen, vnd also für gut nemen. Weil [Rand: Inhalt / der /
Comödie] nun an dieser Comödi viel sonderlichs zu bedencken, wollte ich
dieselbige kürtzlich zu vberlauffen, nicht vnderlassen.
    [Rand: erster / Act] Erstlich kam heraus ein alter König, mit etlichen
Dienern, für dessen Tron wurde ein kleines Kästlin gebracht, mit vermeldung, es
were auff dem Wasser gefunden worden: Wie man nun solches eröffnet, war es ein
schön Kind: das neben etlichen Kleinoten, auch ein klein Pergamentin versigelt
Brieflin, welches Vberschrifft an den König stund: Deswegen der König solches
bald eröffnet, vnd nach dem ers gelesen darüber geweinet, hierauff zeigt er
seinen Dienern an, mit was grossem schaden, der Moren König seiner Basen das
Land eingenommen, vnnd allen Königlichen Samen biss an dess Kind aussgetilget
hette. Mit deren Tochter er doch jederzeit, seinen Sohn hette gedacht
zuvermählen. Schwur darauff ewige Feindschaft wider den Mohren vnd seine
Gehülffen zutragen, vnd solches an jhm zu rechen. Hiemit befahl er das Kind
zartlich auffzuziehen, vnd sich wider den Mohren gefasst zu machen. Solch rüsten
nun, vnd des Töchterlins disciplin (Sie war aber nach dem sie ein wenig
erwachsen, eim Alten Lehrmeister vndergeben) wehret durch den ganzen ersten
Act. mit viel feiner vnd löblicher kurtzweil hinaus.
    Hiezwischen liess man ein Löwen vnd Greiffen miteinander [Rand:
Zwischenspiel] kämpffen, vnd blieb dem Löwen der Sieg: Welches auch wohl zusehen
war.
    Im andern Act. Kam auch der Mohr herfür, ein [Rand: Zweiter / Act]
schwartzer tückischer Mann. Der hatte nun mit schmertzen vernommen, wie das sein
Mord eröffnet, vnnd jhm doch ein Fräwlein durch List were entzuckt worden,
berahtschlagt sich deswegen, wie er einem so mächtigen Feind kondte mit List
begegnen, welches jhm auch endtlich durch etliche so aus Hungersnot zu jhm
geflohen, gerahten: Vnd das Jungfräwlein wider meniglichs verhoffen in seine
Händ kommen, der sie dann gleich erwürgen lassen, wann er nicht von seinen
eignen Dienern wunderbarlich wer betrogen worden. Wurde also dieser Act. mit
einem wunderbarlichen Triumph dess Mohren auch beschlossen.
    Im 3. Actu wurde vons Königs wegen ein gross [Rand: Dritter / Act] Kriegsheer
wider den Mohren versamlet, vnd vnder einen Alten dapfferen Ritter getan, der
fiel dem Moren ins Land, biss er endlich mit gewalt die Jungfraw aus dem Turn
erledigt, sie wider bekleidet. Nach diesem richteten sie geschwindt ein herrlich
Gerüst auff, stelleten jhr Fräwlin darauff: Bald kamen 12. Königliche Gesandten,
vnder welchen bedachter Ritter die Red tat: vnd vermeldet, wie das sein
Allergnädigster H. König sie nicht allein schon zum andernmal vom Todt erlöset,
auch bisher Königlich aufferziehen lassen, sie aber sich nit allwegen, wie sich
wohl gebürt hatte verhalten. Noch habe J.K.M. sie vor andern seinem Jungen Herren
vnd Sohn zum Gemahl erwehlet, begerte auch solche Verlobung Allergnädigst ins
werck zu rüsten, da sie sich wurden auff folgende Articul gegen S.M. Verloben.
Hiemit lass er aus einem Patent etliche herrliche Conditionen, die wohl wert
weren, hie zuerzählen, wann es nit zu lang würde: kürtzlich, die Jungfraw schwur
einen Ayd, solches vnbeweglich zuhalten: sich darneben solcher so hohen gnad
auffs zierlichst bedanckend. Deswegen huben sie an zu singen, Gott, den König,
vnd die Jungfraw zu loben, tratten also auff dissmal wider ab.
    [Rand: Zwischenspiel] Zur Kurtzweil wurden dieweil die vier Tier Danielis,
wie er die im Gesicht gesehen, vnd ausführlich geschrieben, auffgeführt, welches
alles sein gewisse bedeutung hatte.
    [Rand: Vierter / Act] Im 4. Actu ward der Jungfrawen jhr verloren
Königreich wider eingeraumbt, sie Gekrönet, auch ein zeitlang in solchem Schmuck
auff dem Platz mit herrlichen Frewden vmbgeführt, darauff erschienen viel vnd
mancherlei Legaten, nit allein jhr Glück zu wündschen, sondern auch jhr
herrligkeit zusehen. Nun bliebe sie nit lang bei jhrer Frombkeit, sondern fieng
schon an wider frech vmb sich zusehen, gegen den Legaten vnnd Herren zuwincken,
darinnen sie warlich ihr Person wacker agierte.
    Solch ihre Mores werden dem Mohren bald kundt, der wollte solche Gelegenheit
nicht versaumen, vnd weil jhre Hoffmeister nit gnugsam achtung auff sie hetten,
ward sie leichtlich durch grosses versprechen verblendet, dass sie jhrem König
nichts guts vertrawet, sondern sich heimlich dem Mohren nach vnd nach gäntzlich
befahl. Hierauff eilet der Mohr zu, vnd wie er sie durch jhre bewilligung in
seine Händ gebracht, gab er jhr so lang gute Wort, biss all jhr Königreich sich
jm vnderwarff: Hierauff liess Er sie in der dritten Scena dieses Actus heraus
führen: Vnd erstlich ganz nackend aussziehen, auff einem groben hültzen Gerüst
an ein Säul binden, vnnd wohl Geisslen: Entlich auch zum Todt vervrteilen. Diss
war so kläglich anzusehen, dass es manchem die Augen vbergetrieben, hiemit wurde
sie also nackend in den Kercker geworffen, daselber des Todts zuerwarten, vnd
das sollte mit Gift beschehen: Welches sie doch nicht ertödtet, sondern ganz
ausssetzig gemacht: War also dieser Actus mehrerteil kläglich.
    Hiezwischen führeten sie Nebucadnezars Bild heraus, [Rand: Zwischenspiel]
das war mit allerlei Wappen am Kopff, Brust, Bauch, Schenckeln, Füssen, vnd
dergleichen geziert, von welchen auch in künftiger Explication soll geredet
werden.
    Im fünften Actu wurde dem Jungen König angezeigt, [Rand: Fünfter / Act] was
sich mit dem Mohren vnd seiner zukünftigen Gespons verloffen. Der tet erstlich
Intercession bei seinem Vatter für sie, mit bitt, man wollte sie so nicht hangen
lassen. Da solches der Vatter bewilliget, werden Legaten abgefertiget sie in
jhrer Kranckheit vnd Gefängnuss zu trösten: Doch auch jhr vnbedachtsame
zuverweisen. Sie aber will sie noch nit annemmen, sondern bewilliget des Moren
Concubina zu sein, welches auch geschehen, vnnd dem Jungen König angezeigt
worden.
    Nach diesem kommen ein Chor Narren, deren jeder [Rand: Zwischenspiel] ein
Stäcken mit sich gebracht, daraus machten sie in kleiner eil ein grosse
Weltkugel, die sie auch alsbald verlegen, war ein feine kurtzweilige Fantasei.
    Im sechsten Actu beschloss der Junge König dem [Rand: Sechster / Act] Mohren
ein Kampff an zubieten, welches auch beschehen. Vnd wird gleichwol der Mohr
erlegt, Aber meniglich hält den Jungen König auch für todt. Endlich kam er wider
zu recht, löset sein Gespons, vnd schicket sich zur Hochzeit, besucht sie vnder
dess seinem Hoffmeister vnnd Hoffprediger.
    Deren der erste sie heftig gepeiniget, endlich kehret sich das Blätlin vmb,
vnd wird der Pfaff so vbermütig böse , dass er vber alle wolt sein, biss solches dem
Jungen König angezeigt worden: welcher eilends einen abgefertiget, so dem
Pfaffen sein gewalt gebrochen, vnnd die Braut zur Hochzeit etlicher massen
geschmuckt.
    [Rand: Zwischenspiel] Nach dem Actu führet man ein gemachten vbergrossen
Elephanten heraus, der trug ein grossen Turn mit Musicanten, welches auch
meniglich wohl gefiel.
    [Rand: Siebender / Act] Im letzten Actu erschien der Bräutigam mit solchem
Pomp, dass nicht wohl zu glauben ist, vnd mich wunder genommen, wie solches
anzubringen gewesen: Ihm kam die Spons mit gleicher Solennitet entgegen: Damit
rieff [Rand: Glückwunsch an / das Königl. / Brautpaar] alles Volck vivat
Sponsus: Vivat Sponsa. Damit sie alle durch solche Comödiam vnserm König vnnd
Königin auff das stattlichst gratulieren. Welches jhnen (wie ich wohl gesehen)
vber die mass trefflich gefallen.
    Endlich zogen sie also in solcher Procession einmal etlich herumb, biss zu
letst fiengen sie allzumal also an zusingen.
                                       I.
    Die liebe Zeit, bringt vns so grosse Frewd, mit [Rand: Gesang] des Königs
Hochzeit, darumb singet alle, dass es erschalle, Glück sei dem ders vns geit.
                                      II.
    Die schöne Braut deren wir so lang gewartet, wird jhm nunmehr vertrawt, wir
han gewonnen, darnach wir gerongen, Wol dem der für sich schawt.
                                      III.
    Die Eltern gut, die sein nuhn erbetten, lang gnug, war sie in hut, mehrt
euch mit ehren, dass Tausendt werden, aus ewrem eignen Blut.
    [Rand: Schlussrede] Nach diesem ward abgedanckt, vnd nam die Comödi mit
frewden, vnd den Königlichen Personen sonderlichen gefallen ein Endt. So war der
Abent auch allbereit herbei kommen, tratten deswegen in vorgedachter Ordnung
miteinander ab, doch mussten wir die Königlichen Personen, den Schnecken hinauff
biss in obgemelten Saal [Rand: Die Gäste / begleiten / den König / zur Tafel]
begleiten, daselber waren die Taflen schon köstlich zugericht, vnd war diss das
erste mal, dass wir an die Königliche Tafel geladen wurden. Das Altärlin stelt
man mitten in den Saal, vnd wurden die besagte sechs Königliche Insignia drauff
gelegt. Dazumal hielt sich der junge König gegen vns sehr gnädigst, aber er
kundt nit recht frölich sein, sondern ob er wohl zu weilen mit vns etwas redet,
erseufftzet er doch manchmalen, dessen der kleine Cupido nur gespottet, vnd
seinen Mutwillen getrieben.
    Die alten König vnd Königin wahren sehr ernstaft allein dess einen Alten
Gemahl erzeiget sich Frisch gnug, dessen vrsach ich doch nit wusste, Herzwischen
wurde die erste Tafel mit den Königlichen Personen besetzet, An [Rand: Ordnung /
der / Sitzenden] der andern sassen wir alleine. An der dritten, setzten sich
etliche fürneme Jungfrawen nider. Die andere Männer vnd Jungfrawen mussten alle
auffwarten. Das ging nun mit solcher köstlichkeit vnd ernstaftem stillem
wesen zu, dass ich mich schewe viel hiervon zureden. Hie kann ich nicht vnangeregt
lassen, wie das alle Königliche [Rand: Anzug der / Königl. / Personen] Personen,
vor dem Essen, sich in schneeweisse glantzende Kleider angezogen, vnd also zu
Tisch gesessen. Ob der Tafel hieng vorgemeldte grosse guldine Kron, deren Edle
[Rand: Eine Krone / hängt über / der Taffel] Gestein wohl hätten ohn alles anders
Liecht den Saal erleuchten mögen.
    Sonsten wurden alle Liechter von dem kleinen Liechtlein auff dem Altar
angezündet, wz die vrsach, weiss ich nit eigentlich. Dass hab ich aber wohl war
genommen, dass der junge König manchmal der weissen Schlangen auff dem Altärlein
zu Essen geschickt, welches mir auch nachdenckens gemacht. Das Geschwetz dieses
Panckets, war fast aller dess kleinen Cupidinis, der kondte vns, [Rand: Cupido /
war der / lustigste] vnnd zwar mich sonderlich nit vngevexiert lassen. Brachte
jmmerdar etwas wunderlichs auff die Ban. Aber da war kein sondere frewd, alles
ging still zu. Darauss ich mir selber grosse künftige Gefahr imaginiren
kundte, dann auch kein Music nicht gehört wurde, sondern so [Rand: Kurtze
Antworten] etwas von vns gefragt wurde, mussten wir kurtze runde Antwort geben,
vnd es dabei bleiben lassen. In summa es hatte alles ein so wunderlichs
ausssehen, dass mir der Schweiss begundte vber den Leib anzufangen zurinnen, vnd
glaub ich wohl das noch dem behertzesten Mann der Mut hätte können empfallen.
Wie nun also fast diss Nachtessen zu end geloffen, heisset ihm der Junge König
[Rand: Rede des / jungen / Königs] das Buch von dem Altärlin herreichen, das
tet er auff. Vnd liess vns nochmalen durch ein alten Mann fürhalten, ob wir
gedächten, bei jhm in Lieb vnd Leid zuverharren: Da wir solches mit zittern
bewilliget, liess er vns weiter trawriglich fragen, Ob wir uns zu jhm
verschreiben wollten, da kondten wir nit hinumb, Es must auch sein. Hierauff
stunde einer nach dem andern auff, vnd schrieb sich mit eignen Händen in diss
Buch. Da [Rand: Der Trunk / des Stillschweigens / geht der / Reihe nach /herum]
solches auch verricht, bringt man dz Christallin Springbrünlin herbei samt
einem sehr kleinen Christallin Glässlin, dess truncken alle Königliche Personen
nacheinander heraus, danach wurde es vns auch gereichet, vnd so fortan zu allen
Personen, vnnd wurde diss genennet, der Haustus Silentii. Hierauff boten vns alle
Königliche Personen die Hand mit vermeldung, dass da wir an jetzo nit an jhnen
halten wurden, wirden wir sie jetzt vnd nimmermehr sehen, welches vns warlich
die Augen vbergetrieben, vnser Präsidentin aber versprach sich an vnser stadt
gar hoch, welches sie zu friden gewesen. Vnter dess wirt ein Glöcklin geleutet,
darüber erplichen alle Königliche Personen so hoch, das wir gar wollten verzagen.
Bald legten sie jhre weisse Kleider wider ab, zogen ganz schwartze herfür, so
wurde auch der ganze Saal mit schwartzem Samet vmbhencket, der Boden mit
schwartzem Samet bedecket, auch oben an der Büni (welches alles zuvor zugericht
gewesen) fürgezogen. Nach dem auch die Tisch weggeraumbt gewesen, vnnd sich
menniglich auff die Banck herumb gesetzt, wir auch schon schwartze Kutten
angezogen, kommet vnser präsidentin, so zuvor hinaus gegangen, wider herein,
vnnd trug mit sich sechs Schwartz Taffetin Binden, mit welchen sie den sechs
Königlichen Personen die Augen verbunden: Da sie nun nichts mehr gesehen, werden
fluchs von den Dienern sechs verdeckter Sarch in den Saal getragen, vnnd nider
gesetzt, auch ein niderer schwartzer Sessel in die mitten gestelt. Entlich trat
in den Saal hinein ein Kohlschwartzer langer Mann, der trug in der Hand ein
scharpff Beiel. Nach dem nun erstlich der alte König auff den Sessel geführet
worden, wurde ihm das Haupt flux abgeschlagen, vnnd in ein schwartz Tuch
eingewickelt, [Rand: Die Könige / werden / entauptet] das Blut aber in ein
guldin gross Pocal auffgefangen, vnnd zu jhm in den beigestelten Sarch geleget,
vnd also beseits zugedeckt gestellet. Vnd so giengs mit den andern auch, das ich
entlich gedacht es wirt an mich auch kommen: Aber es geschach nit, dann so bald
die sechs Personen entauptet wurden, ging der schwartze Mann wieder hinaus,
dem folget ein anderer nach, so jhn gleich vor der Tür auch Entauptet, vnnd
sein Haupt sampt den Beiel mit sich gebracht, welches [Rand: Ihr / Hencker
/auch] in ein klein Trüchlein geleget worden. Diss gedauchte mich warlich ein
Blutige Hochzeit, doch weil ich nit wissen kundt, was noch geschehen möchte,
musste ich dazumal mein Witz gefangen nemmen, biss auff weiter bescheid, dann auch
vnser Jungfraw hiess vns zu frieden sein, weil vnser etlich Kleinmütig wollten
sein, vnd [Rand: Die Gäste / weinen.] weineten. Dann sprach sie zu vns: Dieser
Leben stehet nunmehr in ewerer Händ, vnd da jhr mir folgeten, soll solcher Todt
noch viel lebendig machen. Hiemit zeigt [Rand: Trost] sie vns an, wir sollten
nun schlaffen gehen, vnd vnsert halben weiters nicht bekümmern, dann jhnen sollte
jhr recht wohl geschehen. Gab vns also mit einander ein gute Nacht, mit
vermeldung, sie musste heunt der todten [Rand: Todtenwache] Leichnam wachen, diss
liessen wir geschehen, vnnd wurden von vnsern Knaben ein jeglicher in sein
Losament geführt. [Rand: Die Gäste / gehen / schlafen] Mein Knab redet mit mir
viel vnnd mancherlei, deren ich noch wohl gedencke, hatte mich auch an seinem
Verstandt gnug zuverwundern. Sein intent aber war mich zum Schlaff zu bewegen,
welches ich zu letst wohl merckt, deswegen ich mich auch stellet als ob ich
starck schlieffe, aber kein Schlaff war in meinen Augen, vnnd kondte der
Entaupteten nit vergessen. Nun [Rand: Des Verf. / Schlafzimmer] war mein
Losament gegen dem grossen See gerichtet, dass ich also wohl drauff sehen kundte.
So waren die Fenster nahe bei dem Bett. Vmb Mitternacht so bald [Rand: hat des /
Nachts ein / Gesicht] es zwölff Vhren schlug, da ersah Ich schnell auf dem See
ein grosses Fewr, deswegen ich aus forcht, schnell das Fenster auffmachte, zu
sehen was daraus werden wollte. So sihe ich nun von fernen sieben Schiff daher
kommen, so alle mit Liechtern voll besteckt waren. Vber jedem schwebet zu obrist
ein Flamme, die fuhr hin vnnd wider, liess sich auch zuweilen gar hernider, das
ich leichtlich erachten kundt, es mussten der Entaupten Geister sein. Diese
Schiff kamen nun gemechlich ans Landt, vnnd hatte jedes mehr nit als einen
Schiffman. So bald die nun ans Landt gestossen, ersah ich bald vnser Jungfraw
mit einer Fackel den Schiffen entgegen gehen, deren trug man die sechs verdeckte
Sarch [Rand: Die Leichname / werden /eingeschifft] sampt dem Kästlein nach, vnd
wurde jedes in ein Schiff verborgen geleget. Wecket deswegen meinen Knaben auch,
der dancket mir höchlich, dann weil er den Tag vber viel geloffen, hätte er diss
schier verschlaffen, so ers doch wohl gewust: So bald nun die Sarch in die Schiff
geleget wurden, wurden alle Liechter aussgelescht. Vnd fuhren die Sechs Flammen
mit einander vber den See hinein, dass also mehr nit als in jedem Schiff ein
Liechtlein zur Wacht war. So hatten sich auch etlich hundert Hüeter an das
Gestad gelägert, vnd die Jungfraw wider in dass Schloss geschicket, die alles
wider fleissig verrieglet, das ich also wohl kundte erachten, es wurde weiters
heunt nichts geschehen, sondern musste dess Tags erwarten, gaben vns also wider zu
ruh: Vnd war ich der einig vnter allen meinen Gesellen, so mein [Rand: Der Verf.
/ sieht diss / allein] Gemach gegen dem See gehabt, vnd solches gesehen. So war
ich auch jetzt aller dings matt vnnd entschlieff also in meinem vielfältigen
speculieren.
 
                                  Fünfter Tag.
Die Nacht war fürvber, vnnd der liebe erwündschte [Rand: lässt sich / früh /
herumführen] Tag angebrochen, da macht ich mich flux aus dem Bett, mehr begierig
zuerfahren, was doch geschehen möchte, dann das ich geschlaffen gnug hätte. Nach
dem ich mich nun angezogen, vnd meiner gewonheit nach die Stiegen hinab begeben,
war es noch zu frühe, vnnd fand niemand anders in dem Saal, bat deswegen meinen
Knaben mich ein wenig in dem schloss vmbzuführen, vnd etwas sonderlichs zuzeigen,
der war nun wie allweg willig führet mich auch alsbald etliche Stiegen vnter die
Erd, zu einer grossen eisenen Türen, darauff waren nachfolgende wort von
Kupfferen grossen Buchstaben angehefftet:
    Diss hab ich also abgemahlt, vnnd in mein Schreibtäfelein auffgezeichnet:
Nach dem nun diese Tür eröffnet, führet mich der Knab bei der Hand durch einen
ganz finstern Gang, biss wir wider zu einem kleinen Türlein kamen, das war nun
zugeleinet, dann wie mich der Knab berichtet, hatte man solches erst gestern
eröffnet, vnnd die Sarch daraus genommen, wäre also noch nit beschlossen worden,
wie wir nun hinein getretten, ersah ich das allerköstlichste ding, so jemal die
Natur erschaffen. Dann solch Gewelb hatte sonst kein ander Liecht, denn von
etlicher vbergrossen Carbunckel, vnd diss war (wie ich berichtet wurde) dess
Königes Schatz. Das [Rand: Verf. sieht /des Königs / Schatz] herrlichst vnd
fürnembst aber so ich hierinnen gesehen, dass war ein Grab, so in der mitten
stund von solcher köstligkeit, dass mich wundert, dass solches nit besser
versorget würde. Darauff antwortet mir der Knab: Ich hätte mich billich gegen
meinen Planeten zu bedancken, aus welches Influentz mir nun mehr etliche Stuck
zusehen worden, so keines Menschen Aug sonsten jemalen gesehen, ausser dess
Königs Gesinde. Diss Grab war dreiecket, hatte in der mitten einen Polierten
Kupfferin Kessel, dass ander war von lauter Gold vnnd Edelgestein. In dem Kessel
stund ein Engel, der hielt in Armen [Rand: Beschreibung eines / kostbaren /
Grabes] einen vnbekandten Baum, von dem tropffnet es stetigs in den Kessel, auch
so oft die Frucht abfiel in den Kessel, wurde sie auch zu Wasser, vnnd floss von
dannen in drei guldinen neben kesselin. Dieses Altärlin trugen die drei Tier,
Ein Adler, Ochs, vnnd Löwe, vnnd stunden auff einem vberauss köstlichem
Postament. Ich fraget meinen Knaben, was doch das bedeutten möchte: hie ligt
begraben (sagt er) Venus, die schöne Fraw, so manchen hohen Mann, vmb Glück,
Ehr, Segen vnd Wolfart gebracht hatt. Hierauff zeigt er mir ein kupfferne Tür
auff dem boden. Hie können wir (sprach er) so es euch [Rand: steigt in / ein
Gewölbe] beliebet, weiter hinab gehen: Ich gehe jmmer mit antwortet ich, hiemit
kam ich die Stiegen hinab, da war es ganz finster, der Knab aber eröffnet flux
ein klein Kästlin, darinnen stundt auch ein jmmer mehrendes Liechtlein, von dem
zündt er ein beiligende Fackel, deren viel waren, an. Ich erschrack heftig, vnd
fraget ernstlich, ob er diss tun dörffte? Er gab mir zur antwort: weil die
Königliche Personen jetzund ruhen, habe ich mich nichts zubefahren. Hiemit
ersihe ich ein zubereit köstlich Bett, mit schönen Vmbhängen vmbzogen, deren
einen [Rand: sieht die / Venus / schlaffen] er öffnet. Da sah ich Fraw Venerem
ganz bloss (dann die Decken hatte er auch auffgehebt) in solcher zierd vnd
schöne da ligen, dass ich schier erstarret, auch noch nit weiss, ob es nur also
geschnitten, oder ein Mensch todt hie lig, dann sie war ganz unbeweglich, noch
dorffte ich sie nit anrühren. Hiemit wurde sie wider bedeckt, vnnd der Fürhang
fürgezogen, Mir aber war sie noch als in Augen, doch ersah ich bald hinder dem
Bett ein Tafel, darauff stund also geschrieben:
    Ich fraget meinen Knaben vber die Schrifft, Er aber lachet, mit versprechen,
ich sollte es noch wohl erfahren. Also leschet er die Fackel aus, vnd stiegen wir
wider herauff: Da besah ich alle Türlein besser, vnd befand erst, das auff
jedem Eck, ein Piretes Liechtlein brante, deren ich zuvor nit war genommen, dann
dass Fewr war so hell, dass es einem Stein viel gleicher sah, denn eim Liecht.
Von dieser hitz musste der Baum jmmerdar [Rand: Hitze des / Baumes / von den /
vielen / Lichtern] schmeltzen, doch bracht er jmmer andere Frücht herfür. Nun
secht, sprach der Knab, was ich von Atlante hab hören dem König eröffnen: wan
der Baum (sagt er) wirt vollendts verschmeltzen, so wirdt Fraw Venus wider
erwachen, vnnd sein ein Mutter eines Königs. Da er noch diss redet, vnd mir
villeicht mehr sagen wolt, flog der kleine Cupido daher, der war erstlich ab
vnserer gegenwart etwas bewegt, doch wie er sah, dass wir beede dem Todt
gleicher, dann den Lebendigen, must er entlich selbst lachen, fraget mich also,
welcher Geist mich daher gebracht hatte? dem antwortet Ich mit zittern, ich wäre
in dem Schloss verirret, vnd vngefehr hieher kommen, so hätte mich der Knab
allentalben gesucht, vnd entlich [Rand: Verweis / wegen / dieser Neugierde] da
angetroffen, ich verhoffte er sollte mir es nit arg deutten. Nun steht es noch
wohl, sprach Cupido, mein alter fürwitziger Vatter, Aber leicht hättet jhr mir
ein groben Zotten reissen können, so jhr dieser Türen wargenommen hetten. Nun
muss ich es besser versorgen, leget also ein starck Schloss an die Küpfferin
Türen, da wir zuvor hinab gestiegen, Ich dancket Gott, dass er vns nit ehe
angetroffen, so war mein Knab noch fröher, dass ich ihm so hindurch geholffen.
Ich kann doch sprach Cupido, dass nit ungerochen lassen: dass jr mein liebe Mutter
schier hätten vberloffen: Hebet also ein spitz seiner Pfeil in der Liechtlin
eines, biss er ein wenig erwarmet, damit stupffet er mich auff die Hand, dessen
ich doch dazumal wenig geachtet, sondern war fro, dass vns so wohl gelungen, vnnd
doch ohne weiter Gefahr so darvon kämen. Hierzwischen hätten sich meine Gesellen
auch aus den [Rand: Schertz des / Cupido mit / dem Verf.] Betten gemacht, vnnd
in dem Saal eingestelt, zu denen füget ich mich auch, vnd stellet mich, als wer
ich erst auffgestanden. Nach dem Cupido alles fleissig verrigelt, kam er auch zu
vns, vnnd musste ich ihm die Hand zeigen. Da befand sich dannoch ein tröpflin
Bluts, dessen er wohl gelacht, auch den andern angezeigt, sie sollten meiner
[Rand: Verwunderung ob / Cupidinis / Lustigkeit] Acht haben, ich wurde in
kurtzem veriaren. Vns wundert alle wie Cupido köndte so lustig sein: Vnd der
gesterigen trawrigen geschicht, so gar nichts achtete: Aber da war kein trawren.
Nun hette sich vnter dess auch [Rand: seine / führerin / erscheint / in / Trauer]
vnser Präsidentin zur wegfart bereitet. Die zog auff in ganz schwartzem Samet:
vnd trug doch jhren Lorbeerzweig: So hatten auch jhre Jungfrawen alle
Lorbeerzweig. Wie nun alles fertig: Heisst vns die Jungfraw erstlich einen
Trunck zu vns nehmen, darnach bald zur Procession fertig machen, deswegen wir
vns nicht lang saumbten, sondern folgeten jhr nach für den Saal hinaus, biss in
den Hoff. Im Hoff stunden sechs Sarch, vnnd meinten meine Gesellen anderst nit,
dann es legen die sechs Königliche Personen darinnen. Ich aber mercket den
bossen wohl. Doch wust ich nit, was man mit den anderen tun würde. Bei jedem
Sarch waren acht vermumte Männer. So bald nun die Music angieng (dass war so ein
trawrig gravitetisch Musicieren, dass ich mich entsetzet) huben die Männer die
Särch auff, vnd mussten wir, wie wir geordnet wurden, hernach gehen, biss in
obgedachten Garten, in dessen mitte war ein hültzen Haus auffgericht, welches an
dem Tach rings vmb ein herrliche Kronen hatte: vnd auff 7. Säulen stunde,
darinnen waren sechs gemachte Gräber, vnd bei jedem ein Stein, doch hatte es in
der mitten ein runden holen erhabenen Stein. In diese Gräber wurden die Särch
still vnnd mit vielen Ceremonien gelegt, die Stein darüber geschoben, vnnd
starck verschlossen. Im mitlen aber sollte dass kleine Trüchlein liegen. Mit
diesem wurden meine Gesellen betrogen, dann sie meinten nit anderst, dann es
wären die Todten Leichnam darinnen. Zu obrist war ein grosser Fahn, vnnd stund
Phönix darinnen gemahlet, vns villeicht hiemit noch mehr zu äffen. Hie hat ich
GOTT viel zu dancken, dass ich mehr als andere gesehen. Nun, nach dem die
Begräbnussen geschehen: Hielt die Jungfraw, so sich auff den mittelen [Rand: Die
Gäste / werden / auffgefordert, etwas / für das / Leben der / Könige zu / tun]
Stein gestellet, Ein kurtze Oration: wir sollten an vnserm Versprechen halten,
vnd vns künftige mühe nit bedauern lassen, sondern gegenwertigen begrabenen
Königlichen Personen wieder zum Leben helffen, vnnd deswegen mit jhr
unverzogenlich auffsitzen, an Turn Olympi zufahren, daselber hierzu
taugentliche vnd notwendige Artznei abzuholen. Dess bewilligten wir bald, vnd
folgten jhr durch ein ander Türlein nach biss an das Gestad. Da stunden
obgemelte sieben Schiff alle leer da, dahin steckten alle Jungfrawen jhre
Lorberzweig, vnd nach dem sie vns in die sechs Schiff abgeteilet, liessen sie
vns also im namen Gottes fahren, vnd sahen [Rand: Die Jungfrawen / bleiben im /
Schloss] vns zu so lang sie vns im Gesicht haben kondten: darnach zogen sie mit
allen Hütern wider ins Schloss hinein. Vnsere Schiff hat jedes ein grossen Fahnen
vnnd sonderliches Zeichen. Die fünff zwar hatten die fünff Corpora Regularia.
Jetlichs ein besonders, dass meinig, darinnen auch die Jungfraw sass, führet ein
Globum. Wir fuhren also in besonderer ordnung daher, vnnd hatte jetlichs nur
zwen Schiffmänner. Erstlich zog vorher das Schifflin a. darinnen meins
bedünckens der Mohr lag, in diesem hielten sich zwölff Musicanten, die machten
gut Arbeit, sein Zeichen war ein Pyramis.
[Rand:
]
Darauff drei neben einander, b. c. vnd d, Darinnen wir aussgeteilt wurden, Ich
sass im c. im mitten fuhren die zwei schönsten vnnd stattlichsten Schiff e. vnnd
f. darinnen fuhr kein Mensch, mit vielen Lorbeerzweigen besteckt, ihr Fahnen
waren Sonn vnd Mond. Zu letst aber ein Schiff g. In diesem waren 40. jungfrawen.
Wie [Rand: 40 Jungfr. / begleiten / den Verf.] wir nun also den See vberfahren,
kamen wir durch einen engen Arm erst auff das rechte Meer, da hatten vnser alle
Sirenen, Nymphen, vnnd Mörgöttin gewartet, fertigten [Rand: werden von / Nymphen
/ erwartet] derowegen bald ein Meerfräwlein zu vns ab, Ihr geschenck vnnd
Hochzeit verehrung zu vberlieffern. Dass war ein köstlich gross angefast Perlin:
Dergleichen weder in vnser, noch newen Welt jemalen gesehen worden, Rund vnd
glantzend. Da nun solches die Jungfraw freundlich angenommen, bat die Nympha
weiter, man wollte jhren Gespielen Audientz geben, vnnd ein wenig still halten,
dessen war die Jungfraw auch zufrieden. Hiess beide grosse Schiff in der mitte
halten, vnnd mit den andern ein Pentagonum darumb machen.
[Rand:
]
Darauff machten sich die Nymphen rings herumb, vnd fiengen mit lieblicher Stimm
an also zusingen:
                                       I.
Nichts besser ist auff Erden,
Dann die schön edel Lieb,
Damit wir Gott gleich werden,
Dass keins das ander trüb.
Darumb last dem König singen,
Dass ganz Meer tu erklingen,
Wir fragen, Antwort jhr.
                                      II.
Was hat vns bracht das Leben?
Die Lieb.
Was hat Gnad widergeben?
Die Lieb.
Waher seind wir geboren?
Aus Lieb.
Wie wären wir verloren?
Ohn Lieb.
                                      III.
Wer hat vns dann gezeuget?
Die Lieb.
Warumb hat man vns geseüget?
Aus Lieb.
Was seind wir den Eltern schuldig?
Die Lieb.
Warumb sein sie so Dultig?
Aus Lieb.
                                      IV.
Was tut diss vberwinden?
Die Lieb.
Kan man auch Liebe finden?
Durch Lieb.
Wa lest man gut Werck scheinen?
In Lieb.
Wer kann noch zwei vereinen?
Die Lieb.
                                       V.
So singt nun alle.
Mit grossem Schalle,
Der Lieb zu ehren,
Die wöll sich mehren,
Bei unserm Herrn König vnd Königin,
Ihr Leib sein hier, die Seel ist hin.
                                      VI.
So wir noch leben,
So wird GOtt geben,
Dass wir die Lieb vnd gross Huldschaft,
Sie teilt hat mit grosser Krafft,
Also wir auch durch Liebes Flamm,
Mit Glück sie wider bringen zusamm.
                                      VII.
Da soll diss Leid,
In grosse Frewd,
Wens noch viel tausent Junge geit,
Verkert werden in Ewigkeit.
    [Rand: so dem / Verf. / gefallen] Wie sie diss Lied mit herrlichem Content
vnd Melodei zu End gebracht, nam mich nimmer wunder, warumb Vlysses seinen
Gesellen die Ohren verstopfft, dann ich dauchte mich den Vnglückhaftigsten
Menschen zu sein, das mich die Natur nit auch ein so holdselige Kreatur
erschaffen hätte. Die Jungfraw aber macht jhren Abscheid bald, vnnd hiess von
dannen fahren. Deswegen sich auch die Nymphen, nach dem jhnen ein lang roht Band
zu lohn verehret wurde, zertrent, vnd im Meer aussgeteilt (dissmals empfandt ich
das Cupido auch bei mir anfieng zu operieren, welches mir doch zu schlechten
ehren gereichet, weil auch sonsten dem Leser mein Schwindel nichts nutzet, will
ichs also bei diesem beruhen lassen, Es war aber eben die Wund, so ich im ersten
buch im Kopff im Traum empfangen hätte, wollte sich aber einer von mir warnen
lassen: Der gehe Veneris Bett müssig, dann Cupido kann solches nicht leiden. Nach
etlichen stunden, als wir in freundtlichem Gespräch, ein guten weg gefahren,
[Rand: Der Turn / Olympus] werden wir dess Turns Olympi ansichtig, deswegen die
Jungfraw befohlen, mit etlichen stucken ein zeichen vnserer ankunft zu geben,
welches auch beschehen. Alsbald ersahn wir einen grossen weissen Fahnen
aussstecken, vnd mit einem kleinen verguldten Schifflein entgegen zuziehen. Wie
nun diss zu vns kommen, war es ein alter Mann, dess Turns Wächter, mit etlichen
Trabanten in weiss bekleidet, von dem wurden wir freundlich [Rand: dessen /
wächter / vnd Bevestigung] empfangen, vnd also dem Turn zugeführt. Dieser Turn
stund auff einer ganz vierecketen Insul, die war mit einem so festen vnnd
dicken Wahl umbgeben, das ich selber 260. Schritt hindurch gezählet. Nach dem
Wahl war eine feine Wiese, mit etlichen Gärtlin, darinnen seltzame vnd mir
vnbekandte Früchten wuchsen, vnd dann aber eine Mawr vmb den Turn. Der Turn an
jhm selbst war eben, als hette man sieben runder Türn an einander gebawt, doch
war der mittel etwas höhers, vnnd giengen auch inwendig alle ineinander, vnd
sieben Stöck auffeinander.
    Wie wir nun also biss zur Türen dess Turns kommen, führet man vns auff den
Mawren ein wenig beseits, damit wie ich wohl mercket, man die Sarch kondte ohn
vnser wissen in den Turn bringen, hiervon wussten die andern nichts. So bald nun
solches geschehen, führet man vns zu vnderst in den Turn, der war gleichwol
schön gemahlet, aber wir hatten hie wenig Kurtzweil, dann diss war anderst nichts
dann ein Laboratorium. [Rand: Die Gäste / kommen in / ein Laboratorium] Da
mussten wir Kräuter, Edelgestein, vnd allerlei stossen, wäschen, den Safft vnd
Essentiam heraus bringen: dieselbige in Glässlin tun, vnd auffzubehalten geben,
vns zwar war vnser Jungfraw so geschäfftig, vnd anrichtig, das sie jedem wust
Arbeit gnug zugeben, da mussten wir vns recht in dieser Insel dummeln, biss wir
alles zu wegen brachten, was zu widerbringung der entaupten Leiber vonnöten.
Vnter dess (wie ich [Rand: dergleichen / auch die / Jungfrawen] nachmalen
vernommen) waren die drei Jungfrawen im ersten Zimmer, vnd wäscheten die
Leichnam auffs fleissigst. Endlich wie wir nun mit solchem zubereiten fast
fertig, bracht man vns mehr nit als ein Suppe, mit [Rand: erhalten /dafür /
schlechte / Kost]eim Trüncklin Weins, dabei ich wohl mercket, dass wir vmb
Wollusts willen nit hier: dann auch da wir vnser Tagwerck verrichtet, wurde
jedem nur ein Kolter auff die Erden gelegt, damit wir sollten für gut nemmen.
[Rand: und ein / schlechtes / Bett] Mich zwar fachte der Schlaff so viel nicht
an, Spatziert deswegen hinaus in die Gärten, kam auch endlich biss an den Wahl
vnd weil der Himmel dazumal sehr hell, kondte ich mir die weil mit
Contemplierung der Sternen [Rand: Verf. betrachtet / statt dessen / den /
Himmel] wohl vertreiben. Vngefehr kam ich zu grossen Steinenen Stafflen, die
führeten auff den Wahl. Vnd weil der Mon gar hell schiene, war ich desto kecker,
ging hinauff vnd ersah mich auch ein wenig auff dem Meer, dass war nun ganz
stille, vnd weil ich also gute gelegenheit hette der Astronomi besser nach zu
dencken, befand ich, dass auff gegenwertige Nacht ein solche Conjunction der
Planeten geschehe, dergleichen nicht bald sonsten zu observieren. Wie ich nun
also ein gute weil vber dass Meer hinein sihe, vnd es eben vmb mitternacht war,
so bald es zwölff Vhr schlug, sah ich von fernem die sieben Flammen vber das
Meer daher fahren, vnd sich zu obrist auff die spitz dess Turns zubegeben, dass
brachte mir etwas forcht, dann so bald sich die Flammen gesetzt, fiengen die
Wind an, dass Meer gar vngestümm zumachen. So wurde auch der Mond von Wolcken
bedecket, vnnd mein frewd mit solcher forcht geendet, das ich kaum zeit gnug
hatte die Stafflen wider zu treffen, vnnd mich in den Turn wider zubegeben. Ob
nun die Flammen lenger geblieben oder wider weg gefahren, kann ich nit sagen,
dann ich mich in solcher finstere nimmer hinaus wagen dörffen, leget mich also
auff meinen Kolter, vnd weil ohne das der Brunn in vnserm Laboratorio lieblich
vnnd still rauschet, entschlieff ich desto eher, vnd war also diser fünfte Tag
auch mit Wunder beschlossen.
 
                                 Sechster Tag.
Am Morgends nach dem einer den andern erwecket, sassen wir ein weil zusammen,
vns zuersprachen, [Rand: Vermutungen / über den / Ausgang] was doch daraus
werden wurde: Dann etliche hielten darfür, sie wurden alle mit einander wider
lebendig. Etliche widersprachens: Denn es mussten der Alten vndergang den Jungen
nicht allein dass Leben, sonder auch die vermehrung widergeben. Etliche meinten,
sie weren nicht ertödtet, sondern andere an jr statt entauptet worden. Wie wir
nun vns zimlich lang miteinander besprachet: Kompt der alte Mann daher, grüsst
vns, vnd besihet, ob alle sachen fertig, vnd den Processen gnug beschehen: da
wir vns dann dermassen verhalten, dass [Rand: der Wächter ist mit / dem Fleiss /
der Gäste / zufrieden] er vnsern fleiss hatt müssen passieren lassen, rüstet
deswegen alle Gläser zusammen, vnd stellet sie in ein Futer. Bald kommen etliche
Jungen, die bringen mit sich etliche Leitern, Seiler, vnd grosse Flügel, die
legten sie vor [Rand: Knaben / bringen / Leiter / Seile vnd /Flügel] vns nider,
vnnd giengen darvon: Der Alte fieng an: Ihr liebe Söhn, dieser dreien stuck
eines muss jeder diesen Tag bei sich stettigs tragen, so stehet es euch nun frei,
wolt jhr eins erwählen, oder soll man darumb losen: wir sprachen wir wollten
wählen, Nein antwortet der Alte, es muss durchs Los sein. Hiemit machet er drei
Brieflin, [Rand: darüber / wird geloset] auff dass ein, schrieb er Leiter, auff
das ander Seil, auff das dritt Flügel. Die legt er in ein Hut, vnnd musste jeder
ziehen, was jhme wurde, dass blieb jhm. Die Seil vberkamen, meinten sie weren am
besten daran, mir aber wurde ein Leiter, welches mich heftig betrübet, dann sie
war zwölff Schuch lang, vnnd zimlich schwer, die musste ich auff mich nemen, die
andern kundten jhre Seil geschmeidig vmb sich wicklen, so machte der Alte den
dritten die Flügel so artlich hinan, als ob sie ihnen da gewachsen weren. Hiemit
zog er einen Hanen für, da lieff der Brunn nimmer, vnnd mussten wir ihn aus den
mitteln hinweg raumen. Nach dem auch alles aussgetragen worden, nam er das
Kästlein mit den Gläsern mit sich, nam Vrlaub, vnnd beschloss die Tür hinder jhm
starck zu, dass wir also nicht anderst meinten, dann [Rand: sie steigen / in ein
/obers / Gemach] wir weren in diesem Turn gefangen. Aber es stund kein viertel
stund an, da wurde zu obrist ein rund Loch auffgedeckt, da ersahn wir vnsere
Jungfraw, die rieff vns zu, gab vns ein guten Tag, mit begeren, wir wollten
hinauffkommen. Die mit den Flügeln waren geschwind durch das Loch hinauff, so
sahen wir andere auch wozu vnser Leitern gut weren, Allein die mit jhren Seilern
waren vbel daran. Dann so bald vnser einer heroben war, wurd jhm befohlen die
Leiter an [Rand: Das Seil / macht / Schwierigkeit] sich zu ziehen. Endlich wurde
jedem sein Seil an einen Eysenen Hacken gehenckt, da musste jeder am Seil
selber herauffklettern, so gut er kundt, welches warlich ohne Blattern nit
zugieng. Wie wir nun also alle heroben, wurde das Loch wider zugedeckt, vnnd wir
von der Jungfrawen freundlich empfangen. Dieser Saal war so gross als der Turn,
hatte Sechs schöner Zellen, ein wenig höher als der Saal, dahin musste man durch
drei [Rand: Beschreibung der / Zellen] Stafflen auffsteigen. In diese Zellen
wurden wir aussgeteilt, daselber für das Leben der König vnd Königin zu
bitten. Dieweil ging die Jungfraw in dem Türnlin a. aus vnd ein, biss wir
fertig wurden. Dann so bald wir vnsere Prozess absolvieret, wurde durch das
kleine Türlein von zwölff Personen (so zuvor vnsere Musicanten waren) ein
wunderlich langlecht ding in die mitten gestelt, welches meine Gesellen nur für
einen Brunnen hielten: Ich aber mercket wohl, dass die Leichnam darinnen lagen.
Dann es war der vnder Kast ein Quartal figur, gross dass sechs Personen
auffeinander wohl ligen kundten. Hierauff giengen sie wieder hinaus, holeten jhre
Instrumenta, vnnd begleiteten vnser Jungfraw, sampt jhren Dienerin mit
lieblicher Music herein. Die Jungfraw trug ein klein Kästlin, die andere aber
lauter Zweig, vnd kleine Ampelen, etliche auch angezünd Facklen: Alsbald wurden
vns die Facklen in die Händ gegeben, [Rand: Ordnung / des Chors] vnd mussten wir
dero gestalt vmb den Brunnen herumb stehen. Erstlich stund die Jungfraw A. mit
jhren Dirnen im ring herumb mit den Amplen, und Zweigen c. Darnach stunden wir
mit den Fackeln b. darnach die Musicanten a. in der lenge hinab, endlich die
andere Jungfrawen d. auch in der lenge.
Wa nun solche Jungfrawen herkamen, oder ob sie im [Rand: Jungfrawen, / ungewiss /
woher] Turn gewohnet, oder ob sie bei Nacht dahin geführt worden, weiss ich
nicht, dann jhre Angesichter waren alle mit weissem zartem Tuch bedeckt, dass ich
keine kandte. Hiemit öffnet die Jungfraw das Trüchlin, da war es ein [Rand:
öffnen ein / Kästchen] rund ding in ein grün Doppeldaffet eingewicklet, diss
leget sie in das obere Kesselin, vnd decket es wieder mit einem Deckel zu, so
voller löchlin war, vnd doch einen Ranft hatte, darauff goss sie etliche der
Wasser hinein, so wir gestern präpariert hatten, davon der Brunn alsbald anfieng
zulauffen, vnnd doch vier Röhrlein wider in das Kesselein trieben, vnderen dem
vnder Kessel aber hatte es viel spitz, dahin steckten die Jungfrawen jhre
Ampeln, dass also die hitz an den Kessel kam, vnnd das Wasser siedent macht. So
nun dass Wasser wallet, hatte es bei a viel Löchlin, davon es hinein auff die
Leichnam fiele, vnnd war es so hitzig, dass es allen Leichnam solvieret vnd zum
liquor machet. Was aber das obere runde eingewickelte ding sei gewesen, wissen
meine Gesellen noch nit. Ich aber verstund, dass es dess Mohren Kopff were, von
dem die Wasser solche grosse hitz empfiengen. Bei b. vmb den grossen Kessel
herumb, hatte es abermal viel Löcher, darein steckten sie jhre Zweigen, ob nun
solches vonnöhten, oder nur zur Ceremoni geschehen, [Rand: Lorbeerzweige] weiss
ich nicht, gleichwohl sein solche Zweig jmmer von dem Brunnen besprützt worden,
von dannen es hernach etwas gelblicher in den Kessel getropffnet: Diss weret nun
fast auff zwo stund, dass der Brunn von jhm selber noch jmmerdar lieff, jedoch
wurde er je lenger [Rand: Zeitvertreib im / Zimmer] je schwecher: Hiezwischen
tratten die Musicanten ab, vnd spatzierten wir in dem Saal hin vnd wider, vnd
zwar war der Saal dermassen beschaffen, dass wir gelegenheit genug hatten vns die
weil zuvertreiben, da war an Bildern, Gemählen, Vhrwercken, Orgelen, Springende
Brünnlein, vnnd dergleichen, nichts vergessen: Nun war es auch an dem, dass der
Brunn sein end nam, vnd wolt nimmer lauffen: Deswegen hiess die Jungfraw ein
runde Guldene Kugel bringen. Zu vnderst aber dess Brunnens war ein Zapff: Durch
den liess sie alle Materi so sich durch solch hitzig tropffen solviert, in die
Kugel, dessen dann etlich mass waren, sehr Roht: Dass ander Wasser so obrist noch
in dem Kessel blieb, schüttet man aus. Vnd wurde also dieser Brunn (der [Rand:
Schwehre / des / Wassers] nun vmb viel leichter worden) wieder hinaus getragen.
Ob nun solcher daraussen eröffnet worden, oder ob etwas weiters von Leichnamen
nutzlichs geblieben, darff ich nit eigendlich sagen, dass weiss ich aber, dass das
Wasser, so in die Kugel empfangen worden viel schwerer gewesen, dann das sie
vnser Sechs oder noch mehr hetten können ertragen: Wiewol sie der grösse nach
einem Mann nicht hette sollen zu schwer sein. Wie nun auch diese Kugel mit mühe
zur Türen hinaus kommen: Sassen wir abermal alleine. Weil ich nun mercket, das
man ob vns gienge, sah ich mich nach meiner [Rand: der Verf. / allein / weiss,
was / vorgeht] Leiter umb, Hie hette einer wunderliche opinionen meiner Gesellen
vber diesen Brunnen gesehen. Dann weil sie nicht anderst meinten, dann die
Leichnam legen im Schlossgarten, wussten sie sich in solch laborieren nicht zu
richten, Ich aber dancket Gott, dass ich zu so gelegener zeit gewachet, vnd
gesehen, welches mir in allem der Jungfrawen tun besser zuhalffe. Nach einer
[Rand: steigt mit / seinen / Mitgästen / in ein / oberes / Zimmer] viertel stund
ward aber der Deckel oben abgehebt, vnd vns befohlen hinauff zukommen, das
geschah wie zuvor, mit Flügeln, Leitern vnd Seilen. Vnnd verdross mich nicht
wenig, dass die Jungfrawen einen andern weg kondten hinauff kommen, wir vns so
bemühen mussten, kondte doch wohl erachten, es were hiemit etwas besonders, vnnd
mussten wir dem alten Mann auch etwas zu tun lassen. Dann auch jenen jhre Flügel
nichts nutzten: Dann wann sie sollten durchs Loch hinauff kommen, wie wir nun
auch das vberstanden, vnnd dass Loch beschlossen worden, sah ich die Kugel
mitten in dem Saal an einer starcken Ketten hangen: In diesem Saal war nichts
dann lauter Fenster, vnd allweg zwischen [Rand: dessen / Beschreibung] zweien
Fenstern eine Türe. Diese bedeckt anders nichts dann ein grossen polierten
Spiegel, Vnd waren diese Fenster vnnd Spiegel so opticè gegen einander gericht,
das ob wohl die Sonne (so dazumal vber die mass hell schiene) nur ein Türe traff.
War doch (nach dem die [Rand: ein optisches / Kunststück] Fenster gegen der
Sonnen geöffnet, vnnd die Türen vor den Spiegeln auffgezogen worden) in dem
ganzen Saal, an allen orten, nichts dann Sonnen, die traffen durch künstliche
Refraction alle die Guldene Kugel, so in der mitten hieng, vnnd weil dieselbe
ohne dz hell poliert war, gab sie ein solchen glantz, dz unser keiner die Augen
kundt aufftun. Musten deswegen zun Fenstern aussschawen, biss die kugel wohl
erhitzet, vnd zu begertem effect gebracht würde. Hie darf ich wohl sagen, ich hab
[Rand: wunderbare / Spiegel] an diesen spiegeln, dz wunderbarlichst ausssehen
gesehen, so jemalen die Natur ans Liecht gebracht, dann es waren in allen Orten
Sonnen, so schein die Kugel in der mitten noch heller, dass wir sie so wohl als
die Sonn selber kein Augenblick erleiden kundten. Endlich hiess die Jungfraw
die Spiegel wieder zubeschliessen, die Fenster fürzumachen, vnnd also die Kugel
wider ein wenig erkülen zulassen, vnd diss geschah umb sieben Vhr. Dauchte vns
deswegen gut, weil wir jetzmals Vacantz haben kondten, [Rand: philosophisches /
Frühstück] vns mit dem Frühstück ein wenig zuerlaben. Diese Tractation war
abermal recht Philosophisch, vnnd hatten wir vns keiner nötigung zur vnmässigkeit
zubefahren, doch hatten wir keinen mangel, So machte vns die Hoffnung künftiger
Frewd (deren vns die Jungfraw stettigs vertröstet) so lustig, dass wir keiner
arbeit oder vngelegenheit achteten. So kann ich auch meinen Gesellen so hohes
Stands diss mit Warheit nach sagen, dass sie sich nach jhrer Küchin oder Tafel
niemahlen gesinneten, sondern jhr Wolgefallen war allein solcher Abenteurlichen
Physic bei zuwohnen, vnnd hier ausser dess Schöpffers Weissheit vnnd Allmacht zu
bedencken. Nach eingenommenem Imbiss, rüsteten wir vns wieder zur Arbeit, dann
die Kugel war gnugsam erkület. Die mussten wir mit mühe vnd arbeit von der Kettin
auff den Boden heben. Nun [Rand: Teilung / der Kugel] war die disputation, wie
wir die Kugel möchten von einander bringen, dann vns war befohlen, selbige
mitten von einander zuschneiden. Endlich musste ein spitziger Demant das best
tun. Wie wir nun die Kugel also eröffnet, war nichts rohts mehr vorhanden,
sondern ein schön grosses schneeweisses Ey: Das frewet vns zum höchsten, dass es
so wohl gerahten. Dann die Jungfraw besorget jmmer die Schalen wurde vielleicht
noch zu [Rand: ein weisses / Ey] weich sein. Wir stunden vmb diss Ey herumber mit
frewden, als ob wirs selbst gelegt hetten. Aber die Jungfraw liess es bald hinaus
tragen, wich auch selber wieder von vns vnnd beschloss die Tür, wie allwegen,
zu. Was sie aber daraus mit dem Ey gemacht, oder ob etwas heimlichs mit jhm
fürgenommen worden, weiss ich nit, glaub es auch nit. Doch mussten wir abermal ein
viertel stund bei einander Pausieren, biss das dritte loch eröffnet wurde, vnnd
wir auff den vierdten Stock [Rand: sie steigen / ins 4. /Stockwerk] oder Boden
durch vnsere Adjumenten kamen. In diesem Saal funden wir ein grossen kupfferin
Kessel, mit gelbem Sand gefüllet, der wurde mit einem schlechten Fewrlin
erwärmet, nachmalen das Ey darein verscharret, dass es darinnen vollends
maturierte: Dieser Kessel war viereckend, Auff der einen seiten stunden diese
zween verss mit grossen Buchstaben geschrieben.
                            O. BLI. TO. BIT. MI. LI.
                         KANT. I. VOLT. BIT. TO. GOLT.
    Auff der andern Seiten waren diese drei Wörter.
                              SANITAS. NIX. HASTA.
    Die dritte hat mehr nit als diss einig Wort.
                                  F. I. A. T.
    Aber zu hinderst stund ein ganze Inscription, Also lautend:
                                     QUOD.
                          Ignis : Aër : Aqua : Terra :
                       SANCTIS REGUM ET REGINARUM NOSTR:
                                   Cineribus.
                             Eripere non potuerunt.
                           Fidelis Chymicorum Turba.
                                 IN HANC URNAM
                                   Contulit.
                                      Ao.
    Ob nun hierdurch der Sand, oder das Ey gemeinet, gib ich gelehrten Leuten zu
disputieren. Ich tue doch das meinig, vnnd lasse nichts vnangezeigt. Nun vnser
Ey war fertig, vnnd wurde aussgenommen. Es bedorfft [Rand: ein junger /
unbefiederter Vogel] aber keines auffbickens, dann der Vogel so darinnen war,
macht sich selber bald ledig, vnnd erzeigt sich ganz frewdig, doch sah er
sehr blutig vnnd vngestalt: Wir setzten jhn erstlich auff den warmen Sand, so
befahle die Jungfraw, dass ehe jhm zu essen geben wurde, wir jhn zuvor wohl
anlegten, dann sonst wurde er vns allen gnug zu schaffen geben. Diss geschahe nun
auch. [Rand: wird gebunden] Alsbald bracht man jhm zuessen, dass war gewiss anders
nichts, dann der entaupten Blut, mit präparierten [Rand: bekommt / das Blut /
der entaupteten / zu trinken] Wasser wieder diluiert. Darvon wuchss der Vogel
vns vnder den Augen so sehr, dass wir wohl sahen, warumb vns die Jungfraw vor jhm
gewarnet. Er biss vnnd kratzet so feindlich umb sich, dass da er hette können
einen seines gefallens haben, wurde er bald mit jhm fertig gewesen sein. Nun war
er ganz schwartz vnd wild, deswegen wurde jhme andere Speise gebracht:
vielleicht eines anderen Königlichen Personen Blut, darvon fielen jhme alle
seine schwartze Federn wider aus, [Rand: wird von / dem Blut / eines /andern /
zam] vnd wuchsen an statt andere schneeweisse Federn, so war er auch etwas
zamers, vnd liess besser mit sich umbgehen, doch traweten wir jm noch nit. Von
der dritten speise fiengen jhm an seine Federn gefarbet zu werden. so schön, dz
ich mein Lebtag von farben dergleichen nichts so schönes gesehen, so war er auch
vber die mass zam, vnn tet sich so freundlich bei vns zu, dz wir aus [Rand: und
/ los gefallen] bewilligung der Jungfrawen jhn der Gefengnuss erledigten. Nun
ists billich fieng die Jungfraw an, dass weil durch ewern fleiss, vnd vnsers alten
bewilligung dem Vogel sein Leben vnnd höchste perfection gegeben, dass er von uns
auch in frewden eingeweiht werde: Hiemit [Rand: der Gäste / Erholung] befahl
sie, dass Mittagmal auff zutragen, vnd vns wider zu erholen, weil nunmehr das
sorglichst werck vorüber vnd sich auch gebürte vnserer gehabten arbeit anfangen
zu geniessen. Wir fiengen vns an vnder einander selber lustig zumachen: Hatten
doch noch alle vnsere Trawrkleider an, welches vns zur Frewde etwas spöttlich
bedauchte. Nun fraget die Jungfraw jmmer vnd jmmer, vielleicht zuerforschen,
welchem vnder vns jhr zukünftig vorhaben möchte dienstlich sein: Am meisten
aber wars jhr vmbs schmeltzen zutun, vnnd gefiel jhr wohl, wo einer in feinen
Handgriffen versiert, welche einem Künstler sonderlich wohl anstehen. Diss
Mittagessen wert lenger nit als drei viertel stund, dass wir doch mehrerteil
mit vnserm Vogel zubrachten, dem mussten wir stettigs von seiner Speiss zu essen
geben. Er blieb aber jetzmahls als bei seiner grösse. Nach dem essen liess man
vns die Speiss nicht lang concoquieren, sondern nach dem die Jungfraw, sampt dem
Vogel von vns geschieden, wurde vns der fünfte Saal eröffnet, [Rand: sie
steigen / ins 5. / Stockwerk] dahin wir oft besagter weiss auch kommen, vnnd
vnsere Dienst angebotten. In diesem Saal, war vnserem [Rand: baden den /Vogel]
Vogel ein Bad zubereitet, diss wurde mit einem weissen Pulverlin also geferbet,
dass es ein ansehen hatte, als were es lauter Milch. Nun ward es erstlich kühl,
da man den Vogel hinein setzet, dessen er wohl zu frieden war, tranck daraus vnnd
spielet kurtzweilig. Nach dem es aber von Ampeln so darunder gesetzt wurden,
anfieng zu erwarmen, hatten wir zuschaffen, jhn im Bad zu erhalten, decketen
deswegen ein Deckel vber den Kessel. Vnd liessen jhm den Kopff durch ein Loch
heraus ragen, biss er also in solchem Bad alle seine Federn verlohr, vnd so glat
wurde, als ein Mensch, noch schadet jhm die hitz weiter nichts: Welches mich
schier wundert, dann es wurden auch in solchem Bad die Federn ganz verzehret,
vnd von jhnen das Bad blaw geferbet. Endlich [Rand: der / angelegt / wird]
liessen wir dem Vogel lufft, der sprang selber aus dem Kessel, vnnd war so
glantzend glat, dass es ein Lust zusehen was. Weil er aber etwas wilds, mussten
wir jhm ein Band, sampt einer Ketten vmb dm Hals legen, vnd also in dem Saal
auff vnd ab führen. Hiezwischen [Rand: Vom Bad / bleibt ein / Stein / zurück]
wurde ein starck Fewr vnder den Kessel gemacht, vnnd dass Bad eingesotten, biss es
ganz zu einem blawen Stein wurde, den namen wir heraus, stiessen jhn erstlich,
darnach mussten wir jhn auff einem Stein anreiben, vnnd endlich mit solcher Farb
dem Vogel sein ganze Haut vbermahlen. Da war er noch wunderbarlicher anzusehen,
dann er war ganz blaw, biss an den Kopff, der blieb weiss. Hiemit war auch vnser
arbeit auff diesem Stock verrichtet, vnd wurden wir (nach dem die Jungfraw mit
jhrem blawen Vogel von vns geschieden) auff den [Rand: 6. Stockwerck] sechstes
Stock durchs Loch gefordert: welches auch beschehen. Da wurden wir höchlich
bekümmert: Dann in die mitten wurde ein Altärlin gestellet, allerdings, wie ich
es oben in dess Königs Saal beschrieben. Darauff stunden die sechs ermelte stuck,
vnd er selbs der Vogel, war der Siebend: Erstlich wurde jm das kleine Brünnlein
fürgestelt, daraus tranck er, ein guten trunck. Darnach bicket er in die weisse
Schlange, biss sie heftig blutet. Diss Blut mussten wir in ein Guldin Schalen
empfangen, vnd dem Vogel, der sich heftig wegert, in den Hals hinab schütten,
darauff steckten wir der Schlangen den Kopff in das Brünnlin, darvon wurde sie
wider lebendig, vnd kroch in jhren todten Kopff hinein, dass ich sie lang nimmer
sah. Vnder dess beweget sich die Sphära immer fort, biss sie die begerte
Conjunction machet. Alsbald schlug das Vhrlin eins: Hierauff geschahe aber ein
Conjunction, da schlug das Glöcklin zwei. Endtlich wie die dritte Conjunction
von vns observiert, vnd vom Glöcklin gemeldet wurde: Leget der arme Vogel seinen
Kragen selbst demütig auff das Buch dar, vnd lasst jhm den Kopff von vnsern
einem, so hierzu durchs Los erwehlet worden, gutwillig abschlagen: [Rand: dem
Vogel / wird der / Kopff abgeschlagen] Doch gab er keinen tropffen Bluts, biss er
an der Brust geöffnet wurde, da sprang das Blut so frisch und hell daher, als ob
es ein Rubinen Brünnlein wer: Sein todt ging vns zu hertzen, vnnd kondten doch
wohl gedencken, es wurde vns mit einem blossen Vogel nicht geholffen sein,
liessens deswegen geschehen: raumeten das Altärlin ab, vnd halffen der
Jungfrawen den Leib auff dem Altärlein mit Fewer (dass wurde von dem Liechtlein
genommen) sampt dem beigehenckten [Rand: er wird / verbrennet] Täfelin zu Aschen
verbrennen. Dieselbige nachmalen zu etlich malen reinigen, vnd in ein hültzerin
Cypressin Lädlein fleissig auffbehalten. Hie kann ich nicht verschweigen, [Rand:
dem Verf. / widerfährt / ein Possen] was mir sampt noch dreien für ein Poss
widerfahren, nach dem wir also die Aschen fleissig auffgehebt, fengt die Jungfraw
also an zureden. Liebe Herren, wir seind hie in dem sechsten Saal, vnd haben nit
mehr als noch einen vor vns, damit sich vnser mühe endet, vnd wir wider nach
vnserm Schloss, zuerwecken vnserer aller Gnädigst Herren vnd Frawen heimfahren
werden. Nun möchte ich gleichwol wünschen, dass jhr alle zumal, wie jhr hie
beieinander seidt, euch hetten dermassen verhalten, dass ich euch köndte bei
höchstgedachten vnsern König vnd Königin ruhm nachsagen, vnd gebürende
vergeltung erlogen hette mögen: weil aber ich vnter euch diese vier (hiemit
deutet sie auff mich vnd noch drei) als faule und träge laboranten wider meinen
Willen erfunden. Vnd sie doch nach meiner liebe gegen allen vnd jeden, nit
begere zu wohl verdienter Straff anzugeben: wollte ich doch, damit solcher Vnfleiss
nicht gar vngestrafft bleibe, diss gegen jhnen fürnemen, dass sie allein von
künftiger siebender vnd allerherrlichster Action aussgeschlossen wurden, vnnd es
doch nachmalen bei Königlicher Majest. weiters nichts zu entgelten hätten. Wie
mir nun auff solche red zu mut gewesen, gib ich andern zubedencken, dann die
Jungfraw konnte sich so ernstlich stellen, dass vns bald das Wasser vber die Körb
lieff, vnd wir vns für die vnseligste vnter allen Menschen schetzeten. Hierauff
liess die Jungfraw durch der Dirnen eine (deren dann jmmerdar viel zugegen warn)
die Musicanten holen, die mussten vns mit solchem Spott vnd hon für die Tür mit
Zincken hinaus blasen, dass sie selber vor lachen kaum blasen konten,
sonderlich aber verdross vns sehr, dass die Jungfraw so sehr vnsers weinen, Zorns
vnnd Vngedult lachete, so mügen auch wohl vnter vnsern Gesellen gewesen sein, die
vns solch [Rand: gute Folgen / davon] vnglück gönneten. Aber es ging anderst
aus. Dann so bald wir für die Tür hinaus kamen, hiessen vns die Musicanten
frölich sein, vnnd jnen den Schnecken hinauff nachfolgen, die führeten vns vber
den siebenden [Rand: das 7. / Stockwerck] Boden vnter das Dach, da funden wir
den alten Mann, den wir bisher nit gesehen, ob einem kleinen runden Oeffelein
stehen. Dieser empfieng vns freundtlich, gratuliert vns auch von Hertzen, dass
wir hierzu von der Jungfrawen erwölt worden, Nach dem er aber von vnsern
eingenommenen schrecken vernommen, wolt jhm vor lachen schier der bauch
zuknellen, das wir vns ab solchem Glück so vbel gehebet. So lernet nun hierauss
sprach er jhr liebe Söhn: Dass der Mensch nimmer weiss, wie gut es Gott mit jhm
meint . Vnter solchem Gespräch kam auch die Jungfraw mit jhrem Schächtelein
daher geloffen, welche nach dem sie vnser gnug gelachet, leret sie jhr Aschen in
ein ander Geschirr aus, füllet das jhrig mit anderer Materi wider, mit
vermelden, sie musste jetzmals den andern Künstlern etwas blawes für die [Rand:
die Jungfr. / mit der / Fackel erscheint / wieder / geht mit /einigen in / das
7. / Stockwerck] Augen machen, wir sollten dieweil dem alten Herren folgen, was
er vns befehlen wurde, vnd an vorigem vnserm fleiss nit nachlassen. Hiemit
scheidet sie von vns in den siebenden Saal, dahin sie vnsere Gesellen erfordert,
was sie nun damit jhnen erstlich gemacht, kann ich nit wissen, dann es war jhnen
nit allein zum höchsten aus zusagen verbotten, sondern auch wir dörfften
geschäfften halben jhnen nit durch die Büne zusehen: Vnser Arbeit war diese: Die
Aschen mussten mir durch vnser [Rand: Neue / Arbeit des / Verf.] zuvor präpariert
Wasser anfeuchten, dass sie ganz wie ein dünner Teig wurde. Darnach setzten wir
die Materi vber das Fewr, biss sie wohl heiss wurde. Von dannen [Rand: und der /
übrigen im / 7. Stockwerck] gossen wir sie also heiss in zwei kleine Förmlin vnd
Mödelin, vnnd liessens also ein wenig erkülen. (Hie hatten wir raum vnsern
Gesellen ein weil durch etliche gemachte Spält zuzusehen, die waren nun auch ob
einem Offen geflissen, vnd musste jeder mit einem Rohr selber das Fewr
auffblasen, stunden also herumb blasend, das jhnen der Atem möchte aussgangen
sein, noch meinten sie wunder, wiewol sie für vns daran wären: Vnd diss blasen
wäret so lang, biss vns vnser Alter wieder zur arbeit auffmahnet, dass ich also
nit sagen kann, was hernacher beschehen.) Wir eröffneten die Förmlin, da waren es
zwei schöne helle vnnd schier durch scheinende Bildlin, dergleichen Menschen
Augen niemalen gesehen, ein Knäblin [Rand: zwei / 4 Zoll lange / Menschen] vnd
Meidlein, Jedes nur vier zol lang, vnd dass mich am höchsten wundert, waren sie
nit hart, sondern weich vnd Fleischin, wie ein anderer Mensch, doch hatten sie
kein Leben, dass ich also gäntzlich glaub Fraw Venus Bilde werde auch auff solche
Art gemachet worden sein. Diese Engelschöne Kindlein legeten wir erstlich auff
zwei Atlasin Küsselein, vnnd besahns ein gute weil, dass wir schier vber solchem
zierlichen spectacul zu Lappen wurden. [Rand: trinken das / Blut des / Vogels]
Der Alte Herr wehret vns ab, vnnd befahl jmmer ein Tröpfflein nach dem andern,
von des Vogels Blut, so in das Guldin Schälein auffgefangen worden in der
Bildlin Mund fallen zulassen, davon namen sie augenscheinlich zu, vnnd da sie
zuvor schon klein gewesen waren sie jetzt der Proportz nach noch schöner, das
billich alle Mahler hie hätten sollen sein, vnnd sich jhrer Kunst gegen diesem
Geschöpff der Natur geschämbt haben. Nun fiengen sie an so gross zu werden, dass
wir sie ab dem Küsselein heben, vnd auff einen langen Tisch, [Rand: sie sind /
wunderschön] welcher mit weissem Samet bedecket worden, legen mussten, so befahl
vns auch der Alte, einen weissen zarten Doppeldaffet vber sie biss an die Brust
zu decken, welches vns vmb vnausssprechlicher schöne willen schier zu wider war,
damit ichs aber kürtze, ehe wir dass Blut gar also verbraucht, waren sie schon in
rechter erwachsener grösse, hatten Goldgelbe krause Haar. Vnd war das obgemeldte
Venus Bild nichts gegen jhnen: Aber da war noch kein natürliche Wärme, oder
Empfindligkeit, sonder Todte Bilder, doch Leblicher vnd Natürlicher Farb: vnd
weil zubesorgen, sie wurden zu gross, wollte jhnen der Alte nichts mehr geben
lassen, sonder decket jhnen mit dem Tuch vollends dz Gesicht, vnd liess den Tisch
rings umbher mit Fackeln bestecken (Hie muss ich den Leser warnen dz er diese
Liechter nit für notwendig achte, dann es war dess Alten Intent allein dahin, dass
wir nit mercken sollten, wann die Seel in sie fuhre, wie wirs dann auch nit
gemerckt hetten, wa ich die Flammen nit zuvor zweimalen gesehen hätte, doch liess
ich die andere Drei auff dem Glauben bleiben, so wusste der Alte auch nit, dass
ich etwas mehrers gesehen). Hiemit hiess er vns auff [Rand: sie bekommen /
Kleider] einen Banck gegen den Tisch nider sitzen. Bald kommet auch die Jungfraw
mit der Music, vnnd allem Apparat. Vnd trug zwei schöne weisse Kleider,
dergleichen ich im Schloss niemalen gesehen, auch nit beschreiben kann, dann ich
meint  nit anders, denn es were lauter Christall, Aber es war weich vnnd nit
durchscheinig. Dass ich also darvon nit reden kann. Die leget sie auff einen Tisch
nider, vnd nach dem sie jhre Jungf. auff den Banck herumb geordnet, fangen sie
vnd der Alte umb den Tisch herumb viel gauckelwercks an, welches vns nur zur
blendung geschehen, diss geschahe [Rand: die Zuschauer / werden getäuscht] wie
gesagt, vnter dem Dach, dass war so wunderlich formieret. Dann es gab inwendig
sieben halber gewölbter Kuglen, deren die mitten etwas höhers war, [Rand:
sonderbares Dach] vnd hatte zu obrist ein klein rund loch, welches doch
beschlossen gewesen, vnd von der andern keinem observiert worden. Nach vielen
Ceremonien tretten sechs Jungfrawen hinein, deren jede trug ein grosse Possaun,
die war mit grüner Liechtbrennender Materi als ein Krantz vmbwicklet. Deren eine
empfieng der Alte, vnnd nach dem er zu obrist etliche Liechter weg geraumbt,
jhnen auch die Gesichter auffgedeckt, setzet er der Posaunen eine dem Leichnam
an den Mund, Also das dass ober [Rand: Gebrauch / der Posaunen] vnd weite teil
gerade vber das erstgemelte Loch kam. Hie sahen meine Gesellen immer auff die
Bilder, Ich aber hätt andere gedancken. Dann so bald das Laubwerck oder Krantz,
am Rohr angezündet wurde, sah ich zu obrist das Loch eröffnen vnd ein hellen
Fewrstriemen, [Rand: (der eben / vom /Himmel / fuhr] durch das Rohr hinab
schiessen, vnd in den Leichnam fahren: Darauff wurde das Loch wider verdecket,
vnnd die Posaun weggeraumbt, durch solchen bossen wurden meine Gesellen
betrogen, dass sie meinten, dass Leben [Rand: die zwei / kleine / Menschen /
werden / lebendig] wer dem Bilde, durch das Fewr dess Laubwercks herkommen) dann
so bald er die Seel empfangen, tat er die Augen auff vnd zu, doch beweget er
sich nit fast: dess andern mals stellet er ein ander Rohr auff jhren Mund, zündet
es aber an, vnnd wurde die Seel durchs Rohr herab gelassen, diss geschah, bei
jedem dreimal, darauff wurden alle Liechter aussgelescht, vnd hinweggenommen. Die
Sametin Decken dess Tischs vber jhnen zusammengeschlagen, auch alsbald ein
Reissbettlein auff geschlossen vnd zugerüst, darin also eingewicklet getragen,
vnnd also nach dem sie aus der Decken genommen worden, [Rand: was im 7. /
Stockwerck / vorgeht] fein neben einander geleget. Da sie mit fürgezogenen
Vmbhängen ein gute weil geschlaffen, Nun war es auch zeit, dass die Jungfraw
sehe, wie sich vnsere andere Künstler hielten: Die waren wolzumuht, dann wie
mich die Jungfraw nachmahlen berichtet, mussten sie in Gold laborieren: Welches
wohl auch ein stuck dieser Kunst, aber nit das fürnembst, nöttigst vnnd beste
ist. Zwar hatten sie auch ein teil dieser Aschen, dass sie also anderst nit
meinten, dann der ganze Vogel wäre umbs Golds willen angesehen, vnd musste also
den entleibten dass Leben hierdurch wider gebracht werden) Dass belangend, fassen
wir also in stillem da zuerwarten, wenn vnser Eheleute wurden erwachen, diss
verzog sich etwann [Rand: die eingeschlafenen / Kleinen / werden / vom / Cupido
/ aufgeweckt] ein halbe stund. Dann jetztmals stellet sich der mutwillige Cupido
wider ein, vnd nachdem er vns nacheinander salutiert, flog er zu jhnen vnter den
Vmbhang, vexiert sie auch so lang, biss sie erwachen. Diss beschah bei jhnen mit
grosser verwunderung, meinten auch anderst nit als ob sie von der stund an, da
sie Entauptet [Rand: es sind die / zuvor Entaupteten] worden, biss anhero
geschlaffen hätten, Cupido nachdem er sie erwecket, vnd sie beide einander wider
zu erkennen geben, machet sich ein wenig beseits, vnd liess sie bede sich noch
ein wenig besser erholen, trieb hiezwischen sein fatzwerck mit vns, vnd musste
man jhm [Rand: sie werden / prächtig / angezogen] entlich die Music holen, vnd
etwas frölichers sein. Nicht lang hernach kommet die Jungfraw selber. Vnd nach
dem sie den jungen Künig vnd Königin (so sich etwas mats befunden) vndertänig
salutiert, vnd die Hand geküst, bracht sie die bemelte zwei schöne Kleider
herbei, welche sie angezogen, vnd also herfürgetretten. Nun waren schon
allbereit zwen schöner sessel, zubereitet: Darein setzten sie sich, vnnd wurden
also von vns mit vndertänigster Reverentz gegrüst, dessen sich der König in
eigener Person, [Rand: sie gehen / zu Schiff] auff das aller gnädigst bedancket,
vnd hinwiderumb alle Gnad anerbotten: Nun war es allbereit vmb fünff Vhren,
konten sich deswegen nit lenger saumen, sonder so bald jmmer die fürnembste
Sachen haben auffgeladen werden können: mussten wir die Jungen Königlichen
Personen den Schnecken hinab durch alle Tor vnnd Wacht hinaus biss zu dem Schiff
geleiten. Darein setzten sie sich sampt etlichen Jungfrawen vnd der Cupidine,
vnnd fuhren so schnell darvon, dass wir sie bald aus dem Gesicht verloren, doch
war man jhnen, wie ich berichtet worden, mit etlichen stattlichen Schiffen
entgegen gezogen, dass sie also in vier stunden, etlich viel Meil Meers
vberfahren: Nach fünff Vhren wurde den [Rand: Die Musicanten / folgen]
Musicanten befohlen alle Sachen wider hinab auff die Schiff zutragen, vnd sich
zur wegfart fertig machen. Weil aber solches etwas langsamer zugieng: Liess der
[Rand: Der Alte / lässt durch / seine Soldaten / helffen] Alte Herr erst seine
verborgene Soldaten ein teil aus, die waren bisher im Wahl versteckt gewesen,
dass wir keines war genommen, dabei ich vermerckt, dass solcher Turn zum
widerstandt wohl versehen wäre. Nun diese Soldate waren mit vnserm plunder bald
fertig, dass also weiter nichts mehr zu tun was, als zu nacht essen. Wie [Rand:
Letzte / Mahlzeit] nun die Tisch allerdings zubereitet worden: Bringet vns die
Jungfraw wider zu vnsern Gesellen da mussten wir vns Warlich kläglich stellen,
vnd das lachen verheben. Sie aber schmolleten jmmer zusammen, wiewol auch
etliche mit vns mitleiden hätten, vber solchem Nachtessen [Rand: der Alte / lässt
die / Gäste / nicht aufkommen] war der alte Herr auch bei vns, der war vns ein
scharpffer Inspector. Dann keiner kundte nichts so weisslich fürbringen, er wusste
es jhm entweder vmbzustossen, oder zu verbessern, oder auffs wenigst ein gute
Lehr hierüber zugeben. Bei diesem Herren hab ich am meisten [Rand: sein Lob]
gelernet, vnd wäre wohl gut, dass sich jederman bei jhm zutet, vnnd seiner Sachen
warnemme, so würde es manchmal nicht so vngleich aussschlagen.
    Nach eingenommenem nacht Imbiss führet vns der [Rand: er führt / die Gäste /
in die / Kunstkammer] Alte Herr erst in seine Kunstkammern, so hin vnd wider
auff den Pasteien waren herumb, da sahen wir solch wunderbarliche Geschöpff der
Natur, auch andere sachen, so Menschliche Vernunft der Natur nachgetan, dass
wir noch wohl ein Jahr hätten gnug zusehen gehabt. Diss trieben wir dennoch beim
Liecht lang in die Nacht hinein. Entlich weil wir auch schier mehr zu schlaffen
dann viel frembds zusehen geneigt waren, wurden wir in Kammern eingelosiert, vnd
hatten da in dem Wahl nit allein köstliche gutte Bett, sondern noch darzu vber
die mass zierliche Kammern. Welches vns desto mehr wundert, warumb wir vns
gestern hätten so leiden müssen. In solcher Kammer hätte ich gute ruh. Vnd weil
ich mehrerteils sorgen ab war, wie auch von stettigem Arbeiten mich mühd
befand, halff [Rand: Schlaff und / Traum / des Verf.] mir dess Meers stilles
rauschen zu einem starcken vnnd sanften Schlaff, denn ich an einem Traum von
eilf Vhren an biss Morgens vmb acht Vhren Continuiert.
 
                                 Siebenter Tag.
Nach acht Vhren als ich erwachet, vnnd mich schnell angelegt, wollte ich mich
wider hinein in den Turn begeben, Aber es waren der finstern Gäng in dem Wall
so viel vnd mancherlei, dass ich ein gut weil jrr ging, ehe ich ein Ausgang
gefunden. Diss geschah anderen auch, biss wir entlich in dem vntersten Gewelb
wider zusammen kamen, vnd wurden vns ganz gelbe [Rand: die Gäste / legen ihre /
Trauer ab, / werden zu / Rittern ernennt und / beschenkt] Kutten sampt vnsern
guldin Flüssen gegeben. Dazumal zeigt vns die Jungfraw an, wir weren Ritter zum
Guldin Stein, welches wir zuvor nie wussten. Nach dem wir vns nun also fertig
gemacht, vnnd das Frühstück genommen: verehret der alte Mann jedem ein stuck
Golds, auff der einen seiten stunden diese Wort:
    AR. NAT. MI. [Rand: Ars / naturæ / ministra / Temporis /natura / filia]
    Auff der andern seiten diese:
                                  TE M. NA. F.
    Vermahnet vns auch darzu, wir sollten vber vnd wider diesen Denckpfennig nit
handlen. Hiemit zogen wir auff das Meer hinaus, da waren vnsere Schiff so
köstlich zubereitet, dass nit wohl müglich gewest, es müssen solche schöne Sachen
erst daher gebracht worden sein. Der Schiff waren zwölffe. Sechs der vnserigen,
vnd sechs dess alten Herren. Der liess seine Schiff mit lauter wolgebutzten
Soldaten besetzen. Er aber begab sich zu vns in vnser Schiff, da wir alle
beieinander [Rand: sie schiffen / ab] waren: Ins erste setzeten sich die
Musicanten, deren der alte Herr auch eine grosse anzahl hat, die fuhren vor
[Rand: Flaggen / der Schiffe] vns her, die weil zu kürtzen, vnsere Fahnen waren
die zwölff Himmlische Zeichen, so sassen wir in der Wag, [Rand: das Schiff / des
Verf. / hat eine / Vhr] Neben andern hatte vnser Schiff auch ein herrliche
schöne Vhr, die zeigt vns alle Minuten, so war das Meer so still, dass es ein
sonderlicher lust zufahren was. Vber [Rand: Gesprächigkeit / des Alten] alles
aber war dess Alten gespräch: Der kundte vns mit wunderlichen Hystorien die weil
dermassen vertreiben, dass ich mein Lebenlang hätte mögen mit jhm fahren. Vnter
dess giengen die Schiff mechtig schnell fort, denn ehe wir zwo stund gefahren,
saget vns der Schiffman, Er sehe allbereit fast den ganzen See mit Schiffen
bedeckt, darbei wir kundten abnemmen, man zoge vns entgegen, welches auch wahr
gewesen, dann so bald wir aus dem Meer durch obangeregten Fluss zu dem See [Rand:
500 Schiffe / kommen / ihnen entgegen] kommen, hielten allda in die fünffhundert
Schiff, vnter welchen eines von lauter Goldt vnd Edelgestein schimmert, darinnen
sassen der König vnd Königin, sampt mehr Hochgebornen Herren, Frawen vnd
Jungfrawen. So bald man nun vnser recht ansichtig worden, liess man [Rand:
salutieren / einander] zu beiden teilen alle Stuck los gehen, vnd war von
Posaunen Trommeten, vnd Heertrumlen ein solch geprassel, dass alle Schiff auff
dem See gezittert. Entlich so bald wir hinzu kommen, vmbringeten sie vnsere
Schiff miteinander, vnd hielten also still. Alsbald machet [Rand: Atlas tut /
eine Anrede] sich der alte Atlas vons Königs wegen herfür, tät ein kurtze doch
zierliche Oration, darmit er vns hiess willkommen sein, mit begeren ob die
Königliche Gaab zugerüst were: Meine andere Gesellen nam grösslich wunder, warvon
dieser König aufferstanden were, dann sie meinten nit anderst, dann sie mussten
jhn wider erwecken: Wir liessen sie auff jhrer verwunderung bleiben, vnd
stelleten vns auch als obs vns frembd däuchte: Auff des Atlantis Oration machet
sich vnser Alter herfür: Respondieret etwas weitleuffigers, darinnen er dem
König vnd [Rand: dem / antwortet / der Alte] Königin alles Glück vnd vermehrung
wünschet, vberlieffert hierauff ein klein zierlich Trüchlein, was aber darinnen
weiss ich nicht, allein wurde es Cupidini, so zwischen jhnen beiden vmbhasplet
zubewahren befohlen: [Rand: Cupido beschenkt das / Königliche / Paar] Nach
vollendter Oration liess man abermal frewden Schuss abgehen, vnd fuhren wir also
ein gute zeit miteinander dahin, biss wir entlich zu einem anderen gestad kamen.
    Diss war nahe bei der ersten Porten, da ich von erst hienein kommen. Auff
diesem Platz warteten abermal ein grosse mennig dess Königlichen Hoffgesinds,
sampt etlich hundert Pferden. So bald wir nun ans Land gestossen, vnnd
aussgetretten, botten vns der König vnd Königin alle mit einander die Händ, mit
sonderer freundtlichkeit, vnnd mussten wir also zu Pferd sitzen. Hie will ich den
Leser freundtlich gebetten haben, Er wolle mir folgende Narration zu keinem
eigenen Ruhm oder stoltz deuten, sondern mir das zutrawen, dass da es nicht ein
sonderliche Notturfft, wollte ich solcher mir erzeigten Ehr wohl gar geschweigen:
Wir wurden alle nach einander vnder die Herren aussgeteilt: Vnser Alte Herr
[Rand: Ehre, die / dem Verf. / widerfährt] aber, vnnd ich Vnwürdiger mussten
neben dem König reiten, vnnd trug vnser jeder einen Schneeweissen Fahnen, mit
einem rohten Creutz, Ich zwar wurde vmb meines Alters willen gebraucht, dann wir
beede hatten lange grawe Bärt vnd Haar. So hatte ich meine Zeichen auff dem Hut
herumb gehefftet, deren der Junge König bald war genommen, vnd gefragt, ob ich
der were, so die Zeichen vnder dem Chor hätte lösen können? Ich antwortet
vnterteniglich, Ja: Er aber lachet mein, mit vermeldung es bedürffe sich
fürohin keines geprängs. Ich wer sein Vatter. Fraget mich Hierauff, warmit ich
[Rand: Vatter] sie doch gelöset hätte? Ich antwortet, mit Wasser vnnd [Rand:
hatte seine / Zeichen / mit Saltz / und Wasser / gelöset] Saltz, da verwvndert
er sich, Wer mich so witzig gemacht. Hierauff wurde ich etwas keckers: Vnnd
erzählt jhm wie es mit meinem Brot, der Tauben vnd Raben ergangen. Er liess jhms
gefallen, sagt auch ausstruckenlich, es musse mir Gott sonderlich viel Glück
hierzu verliehen haben.
    Hiemit kamen wir zur ersten Porten, da der Hütter mit dem blawen Kleid
stund, der trug in der Hand ein Supplication, So bald er mich nun neben dem
König ersehen: Vbergab er mir die Supplication, dess vndertenigen anersuchens,
Ich wollte seiner Trew gegen mir [Rand: der erste / Pförtner, / wer er gewesen, /
was er / verbrochen] bei dem König gedencken: Nun fraget ich erstlich den König,
wie es doch umb diesen Hüter beschaffen wäre? Der antwortet mir freundtlich: Es
wäre ein berümbter trefflicher Astrologus, so allwegen bei seinem Herren Vattern
in hohem ansehen gewesen. Nun hab er sich [Rand: der Verf. / wird / wegen /
gleichen /Verbrechens / von ihm / verraten] auff ein zeit gegen Fraw Venere
verwürcket, vnd die in jhrem Ruhbett besichtiget, deswegen jhm diese straff auff
erlegt worden, dass er so lang der ersten Porten hüten sollte, biss ihn jemand
würde hievon erlösen. Ich antwortet, ob er dann auch zu erlösen wäre: Der König
sprach ja, so jemand erfunden wurde, der sich so hoch versündigt als er, der
müste an sein statt stehen, vnd er wer los: Diss Wort ging mir zu Hertzen, dann
mein Gewissen vberzeuget mich, dass ich der Täter wäre, doch schweig ich still,
vnnd vbergab hiemit die Supplication: So bald er die gelesen, Erschrickt er
heftig, dass es auch die Königin, so nur hinder vns mit vnseren Jungfrawen, vnd
noch einer Königin, deren ich oben in Auffhenckung der Gewicht gedacht,
geritten, gemercket, Ihn deswegen gefragt, was dieser Brieff zubedeuten habe. Er
aber wollte sich nichts vermercken lassen, sondern nam den Brieff zu sich, vnd
fieng an von anderen Sachen zu reden, biss wir also umb drei Vhre vollends in das
Schloss hinein kamen.
    Da wir abgestiegen, vnnd den König in obgedachten seinen Saal begleitet:
Alsbald fordert der König den Alten Atlanten zu sich in ein klein Stüblein,
zeigt jhm [Rand: was hierauff im / Schloss vorgefallen] den Brieff, der saumet
sich nit lang, ritt wider zum Hütter hinaus, die sachen besser einzunemmen.
Hierauff setzet sich der Junge König mit seinem Gemahl, auch andern Herren,
Frawen vnd Jungfrawen nider. Da fieng vnser Jungfraw an, vnsern gehabten fleiss,
mühe [Rand: die Jungfraw mit / der Fackel] vnd arbeit hoch zu rühmen, mit bitt,
vns Königlich zu begaben, Sie aber jhrer Commission fürohin geniessen zulassen:
So stund auch der alte Herr auff, vnd bezeugets, dz alle der Jungfrawen reden
wahr, vnd deswegen billich, dass wir zu beeden teilen befriediget wurden: Hiemit
mussten wir ein wenig abtretten, Vnd wurde beschlossen, jedem einen müglichen
Wunsch zutun, so solle er dessen gewert sein, dann es wer nicht zu zweifflen,
der Verständige wurde auch den besten wunsch tun, vnd hierauff sollten wir vns
besinnen, biss nach dem nachtessen. Dieweil fiengen der König vnnd [Rand: das
Königl. / Paar / spielet] Königin kurtzweil wegen miteinander an zuspielen. Das
sah einem Schach nicht vngleich, allein hätt es andere Leges: Es waren aber
Tugendt vnd Laster wider einander, da kundte man artlich sehen, mit was
Practicken die Laster der Tugendt nachstelleten, vnd wie jhnen wider [Rand: ein
künstlich Spiel] zu begegnen, diss ging so artlich vnd Künstlich zu, dass zu
wünschen, wir hetten dergleichen Spiel auch.
    Vnter dem Spiel kommet Atlas wider daher, tut sein Relation heimlich, doch
ging mir der Rot an allen orten aus, dann mein Gewissen liess mir kein ruh,
hierauff bot mir der König die Supplication selber zulesen, [Rand: die Supplik
des / Pförtners / wird dem /Verf. vbergeben] deren Inhalt war vngefahrlich
dieser: Erstlich wünschet er dem König Glück vnnd vermehrung, dass sein Same weit
aussgebreitet werde: Darnach zeigt er an wie das nuhn mehr der Tag erfüllet,
daran er der Königlichen Zusagung nach solt erlediget werden. Dann Venus sei
allbereit von seiner Gäst einem auffgedeckt worden, dann seine observationes
können jhm nicht liegen. So solle nun, Königliche Majestat scharpff vnd fleissig
inquirieren, werde er befinden, dass seine entdeckung wahr, dann wann solches nit
werde also befunden werden, wölle er sein Lebenlang vor der Porten verbleiben.
Bitte demnach auff das aller vntertänigst, man wölle jhn auff sein Leibs vnd
Lebens gefahr bei heintigem Nachtessen sein lassen, wölle er verhoffentlich den
Tätter selber erspähen, vnd zu erwünschter erledigung kommen. Diss war nun
ausführlich vnd zierlich gestellet: dabei ich sein Ingenium wohl spüren kundte,
aber mir war es zu scharpff, vnnd hätt mögen leiden, Ich hette es nie gesehen.
Nun gedacht ich, ob jhm vielleicht durch meinen Wunsch möchte geholffen werden.
Fraget demnach den König: Ob er sonsten durch keinen andern weg könnte erlediget
werden? Nein antwortet der König, dann die sachen haben ein sonders bedencken,
doch können wir in seines begehren auff diese Nacht wohl gewehren: Schicket also
einen hinaus jhn herein zuholen: Vnter dess wurden Taflen in einem Saal zugerüst,
in dem wir zuvor nie gewesen, der war das Complete, vnd dermassen beschaffen,
dass mir nit müglich ist, jhn nur anzufangen zuerzehlen. [Rand: wird in / ein
prächtigen Saal / geführt] In diesen wurden wir mit sonderm Pomp vnd Ceremonien
geführt.
    Cupido war dissmal nit vorhanden: Dann wie ich berichtet worden, hat jhn der
Schimpff, so seiner Mutter begegnet, vmb etwas erzürnet, In Summa, mein tat,
vnnd die ergebene Supplication waren ein vrsach [Rand: Cupido ist / unwillig, /
der König / auch] vieler trawrigkeit. Dann dem König war bedencklich, vber sein
Gäst zu inquirieren, mehrerteils darumb, dass es also auch die, denen es noch
vnbewust, wurden erfahren. Liess also den Hüter selber, so schon albereit
ankommen, sein scharpffes auffsehen haben, vnd stellet [Rand: die Gäste / aber
sind / vergnügt] er sich so frölich er kondte. Doch fieng man zuletzt an wider
lustig zu werden, vnd mit allerlei kurtzweiligen nutzlichen Gesprächen einander
zu zusprächen. Wie nun die Tractation, vnd andere Ceremonien damalen gewesen,
ist vnvonnöten zusagen, weil solches dem Leser nit von nöten, vnd zu meinem
vorhaben vndienstlich, alles aber vber die mass, mehr von Kunst vnd Menschlicher
geschickligkeit, dann das wir mit Trincken weren beschweret worden, vnnd diss war
das letste vnd herrlichste Maal, bei welchem ich gewesen. Nach dem Pancket,
wurden [Rand: Nach der / Tafel werden die / Ritter verpflichtet] die Tisch
schnell auffgehebt, vnnd etliche schöne Sessel im Zirckel herumb gestellet,
darein wir vns sampt dem König vnd Königin, deren beiden Alten, der Frawen vnd
Jungfrawen, nidersetzen müssen. Hierauff eröffnet ein schöner Knab das
obgedachte herrliche Büchlin, Bald [Rand: Seite 61] stellet sich Atlas in die
mitte, vnd fieng folgends Inhalts mit vns an zu reden,
    Königliche Mayestät hetten noch nicht in Vergess gestellet, was wir an jhm
gehandelt, vnnd wie fleissig wir vnserm Ampt abgewartet, hetten vns demnach zur
Vergeltung sampt vnnd sonders zu Rittern des Guldin Steins erwehlet. So sei nun
von nöten, dass wir vns nachmalen nit allein gegen Königlicher Majestät
obstringieren, sondern auch auff folgende Articul angeloben, So werden alsdann
Kön. May. abermal wissen, wie sie sich gegen jhren Bundsgenossen sollen
verhalten. Hierauff liess er den Knaben die Articul ablesen: Die waren diese.
    I. Ihr Herren Ritter solt schweren, das jhr ewern Orden, keinem Teuffel oder
Geist, sondern allein Gott, Ewerm Schöpffer, vnd dessen Dienerin der Natur
jederzeit wöllen zuschreiben.
    II. Dass jhr alle Hurerei, Vnzucht, Vnreinigkeit wöllen gehass sein: Vnd mit
solchen Lastern Ewern Orden nicht beschmeissen.
    III. Dass jhr durch Ewere Gaben, menniglich wer deren wert, vnnd bedürfftig,
wöllen zu hülff kommen.
    IV. Dass jhr solche Ehr nicht begeret zu Weltlichem Pracht, vnnd hohem
ansehen anzuwenden.
    V. Dass jhr nicht wöllet lenger leben, dann es Gott haben will.
    Vber diesen letzten Articul mussten wir gnug lachen, mag auch wohl nur zum
Possen hinzugesetzt worden sein. Wie nun dem allem, wir mussten bei dess Königs
Scepter angeloben. Hierauff wurden wir mit gebräuchlicher [Rand: Privilegien]
Solennitet zu Rittern installiert, vnd vnder andern Privilegien vber Vnverstand:
Armut: vnd Kranckheit : gesetzet, mit denselben vnsers gefallens zu handlen.
Vnd diss wurde hernach in einer kleinen Capellen (dahin wir in aller Procession
geführet worden) bestettigt. Gott hierumben gedanckt: Da ich dann auch Gott zu
Ehren mein Guldin Fluss, vnd Hut auffgehenckt, vnd zu ewiger Gedächtnuss allda
gelassen. Vnd weil jeder da sein Namen schreiben musste, schreib Ich also:
                           Summa scientia nihil scire
                          Fr. CHRISTIANUS ROSENCREUTZ,
                              Eques aurei Lapidis:
                                   Anno 1459.
    [Rand: sollen / sagen, was / jeder / wünscht] Andere schrieben anderst, vnd
zwar jeder was jhm gut dauchte. Hierauff wurden wir wider in den Saal gebracht,
vnd nidergesetzt, auch ermahnet, wir sollten vns schnell besinnen, was jeder
wündschen wollte: Der König aber mit den seinigen hatte sich in das kleine
Stüblein gesetzt, daselber vnsere Wündsch anzuhören. Nun wurde jeder
insonderheit hinein gefordert, dass ich also von keines einigen Wunsch etwas
sagen kann. [Rand: Verf. bittet /um die / Befreiung / des / Pförtners] Ich
gedachte, es wer nichts Löblichers, dann wann ich meinem Orden zu Ehren ein
löbliche Tugend sehen liess. Befand auch, dass keine jetzmals rühmlicher, vnnd die
mich säurer ankam, dann die Danckbarkeit. Deswegen vnangesehen Ich mir wohl etwas
liebers hette wündschen können, vberwand ich mich selbst, vnnd beschloss auch mit
meiner Gefahr den Hüter, meinen Guttäter zuerledigen: Wie ich nun hinein
gefordert wurde, zeigt man mir erstlich an, weil ich die Supplication gelesen,
ob ich nichts vom Täter gemerckt, oder verargwohnet hette? Hierauff fieng ich
an vnerschrocken zuberichten, wie alle sachen ergangen, wie ich aus vnverstand
dahin geraten, Erbot mich also, alles ausszustehen, so ich hierüber verwürcket
[Rand: Verf. bekennt sein / Anteil an / dem Verbrechen] hette: Der König vnd
andere Herren verwvnderten sich hoch ab solcher vnverhoffter Bekandtnuss: Hiessen
mich also ein wenig abtretten. So bald Ich nun wider fürgefordert wird, zeigt
mir Atlas an: Es were gleichwol Königlicher Majestat schmertzlich, dass ich, den
sie vor andere geliebt, in solchen Vnfall gerahten, weil aber jhr nicht müglich
vber jhr Altes herkommen zuschreiten, wusste sie mich nicht anderst zu
Absolvieren, dann das jener los, vnnd ich mich an sein statt stellen solt, wölle
sie verhoffen, es wurde sich bald ein anderer vergreiffen, damit ich also wider
heimkommen köndte. Gleichwol were kein Erledigung vor jhres Zukünftigen Sohns
[Rand: vernimmt / das Vrteil] Hochzeitlichem Fest zuhoffen. Diss Vrteil hatte
mich bei nahem vmb das Leben gebracht, vnnd war ich mir vnd meinem Verschwatzten
Maul erst feind, dass ichs nicht hette Verschweigen können, fasset doch entlich
ein Hertz, vnd weil Ich gedachte es musste einmal sein, referiert [Rand: rühmt
die / Wohltaten des / Pförtners] ich, wie mich dieser Hüter mit einem Zeichen
begabet, vnnd bei den andern Commendiert. Durch welcher hülff ich auff der Wag
bestanden, vnd also alle eingenommene Ehr vnd Frewd teilhaftig worden, So habe
sich nun wöllen gebühren, dass er sich gegen seinem Guttäter danckbar erzeige,
weil es dann anderst nit sein könne, bedanck ich mich des Vrteils, wölle gern
von dessen wegen etwas vngelegens tun, der jhm zu solchem Stand behülfflich
gewesen, da aber mit meinem wundsch etwas auszurichten were: wündschet ich mich
wider heim, were also dieser durch mich, Ich aber durch meinen [Rand: wird vom /
König / gelobt] wundsch erlediget: Mir wurde zur Antwort: Das wünschen
erstreckte sich so weit nit, sonst hette ich wohl jhn Los wündschen können: Doch
liess J.R.M. wolgefallen, dass ich mich so fein darein schickt, sie besorgten
aber, ich möchte noch nit wissen, in was elende Condition ich mich durch solchen
Fürwitz gestecket.
    [Rand: die übrigen / gehen vergnügt ab] Hiemit, wurde der gute Mann ledig
gesprochen, vnd must ich mit trawrigem hertzen abtretten. Nach mir wurden die
vbrigen auch erfordert, die kamen alle frölich [Rand: Verf. macht / Grillen]
heraus, welches mir noch schmertzlicher war, dann ich meint  nit anderst, Ich
must mein Leben vnter dem Tor beschliessen. Spintisiert auch hin vnd her, was
[Rand: Hoffnung, / Furcht vnd / Trost] ich doch anfangen, vnnd warmit ich die
zeit hinbringen wolt. Entlich gedacht ich, ich were nunmehr alt, hette
natürlicher weise wenig Jahr mehr zu leben: So würde mich dieser Kummer vnd
Melancolisch leben leicht hinrichten, so were dann mein Hüten aus. Köndte ich
mich auch selber durch seligers Schlaffen bald ins Grab bringen: dieser
Gedancken hätte Ich mancherlei. Zu weilen verdross mich, dass ich so schöne sachen
gesehen, vnnd deren musste beraubt sein. Zu weilen frewet mich, dass Ich dannoch
vor meinem Ende zu allen Frewden genommen worden, vnnd nicht so schandlich
abziehen müssen, wap also diss der letste vnd beste stoss, den ich erlitten. Vnder
solchem meinem Tichten wurden die anderen fertig, vnnd deswegen, nach dem sie
eine gute Nacht von dem König vnnd Herren genommen, ein jeder in sein Losament
geführt. Ich armer Mann aber hatte keinen der mir den Weg zeigt, vnnd musste
mich [Rand: der Verf. / bekommt / einen Ring] noch darzu vexieren lassen, vnnd
damit ich doch meiner künftigen function gewiss were, musste ich den Ring, den
jener zuvor getragen anstecken. Endlich ermahnet mich der König, dass weil ich
jhn einmal jetzvnder dass letstmahl in solcher gestalt sehe: Solte Ich mich doch
meinem Beruff gemess, vnd nicht wider den Orden, halten: Nam mich auch hierauff
in den Arm, vnnd küsset mich, welches ich alles dahin verstund, als musste ich
morgen zu meinem Tor sitzen. Nach dem sie nun alle noch ein weil mit mir
freundlich geredt, vnnd zu letst die Hand gebotten, mich Göttlichem Schutz
befohlen, werde ich durch beide Alte: dem Herren dess Turns vnnd Atlante [Rand:
Verf. schläft / sammt dem / Atlas und / dem Alten / ein] in ein herrlich
Losament geführt, darinnen drei Bett gestanden, vnnd jeder in eines gelegen. Da
brachten wir noch fast zwo, etc.
    Hie manglen vngfehr zwei quart Bletlin, vnd ist er (Autor huius) da er
vermeint er musste morgens Torhüter sein, heimkommen.
                                     ENDE.
 
    