
        
                                Johann Fischart
                              Geschichtklitterung
                                  (Gargantua)
               Affenteurlich Naupengeheurliche Geschichtklitterung
Von Taten und Rhaten der vor kurtzen langen unnd je weilen Vollenwolbeschreiten
Helden und Herren Grandgoschier Gorgellantua und dess dess Eiteldurstlichen
Durchdurstlechtigen Fürsten Pantagruel von Durstwelten, Königen in Utopien,
Jederwelt Nullatenenten und Nienenreich, Soldan der Neuen Kannarien, Fäumlappen,
Dipsoder, Dürstling, und OudissenInseln: auch Grossfürsten im Finsterstall und Nu
bel NibelNebelland, Erbvögt auff Nichilburg, und Niderherren zu Nullibingen,
Nullenstein und Niergendheim. Etwan von M. Frantz Rabelais Frantzösisch
entworffen: Nun aber überschrecklich lustig in einen Teutschen Model vergossen,
und ungefärlich oben hin, wie man den Grindigen lausst, in unser MutterLallen
über oder drunder gesetzt. Auch zu disen Truck wider auff den Amposs gebracht,
und dermassen mit Pantadurstigen Mytologien oder Geheimnus deutungen
verposselt, verschmidt und verdängelt dass nichts ohn das Eisen Nisi dran
mangelt.
                         Durch Huldrich Elloposcleron.
        Si laxes erepit: Si premas erumpit.
        Zu Luck entkriechts: Ein Truck entziechts.
Demnach ich sah, wie ihr euch naget
All tag mit kommer frett und plaget,
Meint ich ein guten dienst zutun
Wann ich euch davon abhülff nun,
Und vorkäm etwan grösserm übel,
Dass keiner nicht die Zän aussgribel
Vor schwären gdancken sich erhencke,
Wie Wittfrau auff der Bien ertrencke:
Sintemal je ein Artzet soll
Krancken auff all weg rahten wohl,
Und sonderlich das Gmüt frisch halten,
So wird der Leib selbs naher walten.
Wann aber nun kurtzweil und freud
Ist dess Gemüts artznei vor leid,
So hab ich so mär wollen schreiben
Von lachen, als vil weinens treiben:
Bedacht, das lachen in all krafft
Ist dess Menschens recht eigenschaft:
Und, so ein Autor je ward gerümet
Dass er den nutz mit süss verblümet,
So ist diss Buch nicht zuverachten
Dieweil es auch dahin tut trachten,
Und schmiert mit Honig euch das Glas
Dass der Wärmut eingang dess bass.
Und lasst euch sein, als ob ihr hörten
Democritum den Weissheitglehrten
Überlaut lachen der Welt torheit,
Die ihr Narrheit halt für klug warheit:
Dann man solch Leut auch haben muss
Die weisse Wänd bstreichen mit Russ:
Und im schimpff die Leut rühren fein:
Dann wir nicht all Catones sein:
Und gleich wie Schlaff dem Leib wohl tut
So kompt kurtzweil dem Gmüt zu gut.
Drumb less es nun du frölichs Blut,
Ob es dir geb ein frischen mut.
 
       An alle Klugkröpffige Nebelverkappte NebelNebuloner, Witzersauffte
Gurgelhandtirer und ungepalirte Sinnversauerte Windmüllerische Dürstaller oder
                                Pantagruelisten.
Grossmächtige, Hoch und Wolgevexirte tieff und aussgelärte, eitele, orenfeste,
orenfeisste, allerbefeistete, ährenhafte und haftären, orenhafen, unnd
hafenoren oder hasenasinorige insondere liebe Herrn, gönner und freund. E.
Keinnad unnd dunst sollen wissen, dass die alte Spartaner, das sprichwort (Ein
unflat erleidets dem anderen) warzumachen, kein bessere weiss gewusst haben, ihrer
jungen Burgerschaft die Trunckenheit zuerleiden, als dass sie zu gewissen
Festtagen an offenem platz in beisein ihrer Kinder ihre Knecht sich redlich voll
unnd doll sauffen liessen, auff dass so sie die also hirntobig und schellhörnig
unnd hirnschöllig von Wein rasen, balgen, walgen, schelten, gauckeln, fallen,
schallen, burtzeln, schrien, gölern, prellen, wüten, sincken, hincken, speien
und unflätig genug sein sehen, sich vor solcher Vihischen unweis fortin zu
hüten wüssten: Gleich wie auch zu unserer zeit ein namhafter Fürst den
Lumpenhösslern und Zotten junghern ihr zottengelümp zuerleiden, eins tags einen
Hencker, in der neuen Kleidungsweiss, die damals Braunschweigisch hiess, antun
liess, unnd den auff die Schlossbruck, da alle Hofleut fürzogen, stellen, damit er
ihnen durch diss schön schinder muster das gesäss gefress versauerte, und hat
dannoch darmit so vil geschafft, dass die Lumpen an Hosen sind abkommen, und in
das gekröss geflogen, und in die vorgewelbte bäuch geschloffen. Dessgleichen
pflegen nit auch noch heut etliche Eltern ihre Kinder, sie von Lastern unnd
Bubenstücken abzuschrecken, zur warnung mitzunemmen, wann man einen Übeltäter
vom leben zum todt zurichten aussfüret? alda die schöne Leichpredig, so der Dieb
schwanenmäsig zur letzt aüff der leiter ihm selbs zu spat Galgenreulich unnd
andern zu frühe Galgentreulich tut, anzuhören. Unnd zwar, welche sich solche
beid wüste und schreckliche spectacul nit erschamroten und abmanen lassen,
werden nimmermehr durch glimpfflichere und vernünftigere mittel fruchtbarlich
zu recht zubringen sein.
    So nun beides die alte und auch heutige welt, solche beispilige spigelweiss
und spigelweissliches beispiel, und Comedische art der leut scham unnd zucht, (wo
anders noch einige im hindersten spulwinckel bei ihnen verborgen) zuerwecken und
auffzumuntern, gebillichet und nutzlich befunden: wie sollten wir uns dann
derselbigen bereit bewärten weiss nun hierin und zu andermalen anderswo
zugebrauchen, und ein verwirretes ungestaltes Muster der heut verwirrten
ungestalten Welt, sie von ihrer verwirrten ungestalt und ungestalter verwirrung
abzufüren und abzuvexieren, fürzuspiegeln beschamen? Sintemal doch aussfündlich,
dass es der Welt auff solchen schlag mächtig wohl gefallt, und ohn nutz nicht
abzugehen pfleget, weil sie augenscheinlich spüren, dass ihnen daselbs, da der
Wirt ein Dieb ist, nicht wird zu stelen sein: (doch dem Autorem unverglichen,
sonst müst er auch wie der Schulteiss von Hundsfelden mitetschen.) Solt aber
darumb ich oder ein anderer schumpfierboss (wie ich wohl weis etliche Wechselhirn
schliessen) ein Unflat sein, weil wir villeicht euch und euers gleichen Unfläter
unflätig beschrieben? (gleichwol solchs unserm Handwerck nit schad, dann wir
dörffen nit kochen) Solten darumb die Spartaner, weil sie trunckenböltz
vorstelleten, trunckenböltz sein? der Fürst, weil er einen Hosenbutz auffstellt
ein Hosenlump? die Eltern, weil sie galgenschwengel vorspiegeln, galgenmässig
heissen? Non sequit, sagt der Abt: sondern im gegenspil mögen die, denen man
solche unnd andere saubere muster vorbildet, wohl für sich sehen, solche Unfläter
nicht zu werden: weil sie sich on das zimlich darzu arten und geberden. Was kann
ein Spiegel dazu, dass er ein lützelhüpschen lützelhüpsch anzeigt? der Kütreck,
dass er eim die Nass ausstruckt, nach dem er drein fallt? Die Blum, dass eine Spinn
gifft aus ihr zeicht? der Paracelsus, dass ihm der Hencker, wie er schreibt, 21
Knecht gehenckt hat? Der Spiegel wird darumb nicht dunckeler, wann schon ein
Schmutzkolb drein sieht: die Sonn wirt drumb nicht wüst, wann sie schon Wasser
aus Pfitzen ziecht. Der Artzet muss darumb nicht kranck werden, wann er schon mit
Krancken umbgeht: Solt ich nit ein geistlichen Text under eine Weltliche weiss
singen können? oder ein Weltlichen Dantz aus der Psalmenweiss, Der Torecht
spricht, geigen können? Dichten doch unsere Predicanten Geistliche Lieder von
einer Wilden Sau, das geistliche wacker braun Meidlein, den geistlichen
Felbinger etc. O mein lieben Gäst, ich sah den Bettlerdantz auch wohl grosse
Herren dantzen, unnd den Philipinadantz, dantz auch wohl ein Bauer. Ich tu wie
die Griechischen Philosophi, die zogen auff alle Kirchweihen, Messen und
Märckte, nicht dass sie kaufften, sonder alles, wie es zugieng, begafften, waren
Gaffleut für Kaufleut. Ich sorg nit wie jener Cardinal, der nit durch Genff
ziehen wolt besorgend der Lufft macht ihn Ketzerisch, wie jener zu Rom, ging
den Griechen zu neid, nit durch die Griechisch strass, förchtend, er ererbe die
Griechisch Pestilentz, oder wie jener Signor, der nicht durch Neapolis wolt
reissen, aus sorg, es stoss ihn die Neapolitanisch sucht an, das ist, er erb die
Rittermäsigen Frantzosen: wie jene Mönch zu Franckfort kein Luterisch Bücher in
ihr Kloster wollten einstellen, vor ängsten sie würden Ketzerisch: Hei, wie
herrlich schöne Wjetztölpel: sie sind auch etlicher widertäuffer art, die, wenn
sie durch ein Kirch oder Rahtauss gehen, die schuch, wiewol nit auff Mosis,
sonder widersinniger Meinung aussziehen, damit sie nit die geweihete schuch aber
nit die geweiheten Fuss enteiligen, oder vil mehr den geheiligten Boden
verunreinen, und den staub wie die Aposteln von Füssen schüttlen müssen. Darumb
nam michs oft wunder, warumb die Durchliechtelligsten, die man auff Mistbären
tragen muss, und sonst auff Lewen und Otter gehen, damit sie kein Zähe an ein
stein stossen, ihnen nit auch die Zähen wie die Finger beschweren, versegnen,
weihen, schaben, beschneiden, verchrisamen, verelementen und versacramenten
lassen, als dann möchte sie kein Pantoffel noch Schuch trucken, wie jenen
Predigkauzischen tropffen der die Schuch mit Chrisam schmieret. Aber diss soll
noch wohl auff eim Concilio berahtschlaget werden, wann mich einmal die Schuch
nimmer trucken: Nun ha, reim dich Eisenhut an den Fuss oder Fut: das sind eitel
Saturnische, turmische Windmüller und Letzköpff: Die Leut sind nicht
Schlangenart, dass sie sich so leichtlich mit bösen worten sollten beschweren unnd
vergifften lassen, dieweil sie je den verstand gutes und böses haben, und nichts
böses beschrieben wird, dass nicht von ihnen herkompt, und es selbs böse  erkennen.
Verwirfft man doch von wegen etlicher unbescheidener Wort nit jedes Buch: Kan
doch das Ohrenzart Frauenzimmer wohl etliche Zotten inn Bocatii Centonovel, dess
Jacob Winters Wintermeien, der beiden Stattschreiber zu Burckheim und
Maursmünster Wickram und Jacob Freien frei Rollengespräch und Gartenzech: Auch
dess M. Linders Katzipory gestech, und dess Straparole Historien vertragen: dass
ich jetzt anderer Eulenspiegelischer und Wegkurtzerischer art buchern
geschweige. Sie seind dannoch weit nit, wie dess Pogii purcitiarum opus.
Verwirfft man doch in Schulen von wegen leichtfertiger reden nit etliche
mutwillige Poeten, als den Martialem (wiewol ihn Naugerius järlichs auff
gewissen tag verbrennt hat, wie Paracelsus den Dioscoridem) Ovidium, Plautum,
Juvenalem, Pogium, Bebelium, und schier alle Comedische und Satyrische
scribenten, denen bossenzureissen angeboren: Terentius der so gar sauber sein
soll, ist im Eunucho nit so gar lauter, so doch seine Comedien die ernhaftesten
Römer Lelius und Scipio sollen geschmit haben.
    Man hat zu allen zeiten bei allen Nationen solcher art kurtzweiligs Gespötts
vorgehabt: die Griechen mit Tragedien, Dityrambis, Dionisiacis: die Römer mit
Fescenninis, Manduconen, Mimis, Pasquillen: Die Teutschen mit Fassnachtspielen,
Freihartspredigen, Pritzenschlagen: die in Schulen mit deponieren, und
Quotlibeten: welche weis, wie die Quotlibetarii fürgeben, auch S. Augustin soll
gebraucht haben, und gewiss S. Tomas vom Aquavino. Die Atener hatten ein Fest
Kytroi, da sie einander mussten närrisch gnug verkittern, durchs Gitter, wie der
Apoteckernar durch den Fingersträl. So bringen wir nun hie aus allen
vorgedachten arten ein gebachenen kuchen, und nach jetziger welt lauff schöne
Mytologias Pantagruelicas dz ist Alldurstige Grillengeheimnussen und
Märendeitungen (dann diss wer dieses buches warer Titul) Welche in was Meinung
sie seien gestellet worden, will ich nachgehends, wa ich zuvor, was dess Autors
person betrifft, angezeigt, vermelden.
    So wisst demnach, dass er Frantz Rabelais bei vilen einen bösen ruff hat, als
ob er ein Gottloser Ateos unnd Epicurer sei gewesen: Welchs ich dann in seim
werd beruhen lasse, dann heilig ist er nit gewesen: darumb sorg ich dess weniger,
dass man ihn dafür anbett. Gleichwol dass man solches unnd ärgers aus seinen
schrifften zuschliessen gedencket, dessen entschüldigt er sich auffrichtig und
redlich, inn einer Dedicationepistel an den Cardinal von Castillon, dess Admirals
Bruder, darin er das vorhaben solcher Bücher, welchs wir, wie erst gedacht,
baldfolgends auch setzen wollen, scheinlich anbringet: unnd meint darbei, dass
von wegen dess schmutzes die alte Real nicht hinzuwerffen seien, noch die Kern
von wegen der Spreuer: es stehe eim jeden frei drauss zulesen was er will: wann er
schon einen sich hiess hinden lecken soll er ungezwungen sein: besser ein Fenster
aus, als ein ganz Haus, sagt der Probst, da man ihn warnet, er würd sich blind
sauffen. Ist derwegen er nit allein diser beschönung, sonder auch seiner
Physicischen Lehr, wolbelesenheit, Artzeneierfahrung, und fürnemblich seines
Diogenischen kurtzweiligen lebens und schreibens halben bei hohen Leuten
liebgehalten worden, bei den Königen in Franckreich, allen Gelehrten und Poeten,
ja auch bei den geistlichen, wie gehört, ja bei den Hocherleuchten Frauen, der
Königin von Navarra, etc. Dann ihr auch diss beineben wissen solt, dass er ein
Doctor der Artzenei gewesen, und desshalben ihm ein schlecht gewissen gemacht,
etwan von natürlichen sachen natürlicher zu reden, auch etwas Gurgellantischer
zuweiselen, zukröpffen und sich zubeweinen, dieweil er, als ein Physicus sein
Natur im höchsten gradu trocken befunden, und das Heilpflaster als ein Artzt
auff die gemeine Weinwunden zuhanden gehabt. Daher ihm dann der heut berümtest
Frantzösisch Poet Ronsart (in massen auch die Poeten Marot unnd Auratus) ein
lustigs ihm gemäses Epitaphi folgendes Inhalts hat gestellet.
Wann aus eim todten, so wirt faul,
Kan etwas anders werden,
Gleich wie ein Rosskäfer von dem Gaul,
Wie Krotten aus der Erden,
Die Maden aus den faulen Käsen:
Und wie die Glehrte halten
Dass der abgang und das verwesen
Könn ander wesen gstalten:
So wird, wa etwas werden soll,
Gwiss aus dess Rabelais Magen
Sein Kutteln und seim Eierstoll
Ein schön Reb fürher ragen:
(Wie man dann auch find solchermossen
Dass aus S. Dominici Grab,
Ein Reb sei nach seim todt fürgsprossen,
Die gut Domvinischen Wein gab)
Dann weil er lebet must er trincken,
Und trincken war sein leben,
Und wann er müd war an der lincken
Must die recht das Glas heben:
Dann er gern mit der lincken tranck
Weil sie ist nahe dem Hertzen,
Auff dass es dess meh krafft empfang,
Und kützel es zum schertzen.
Solchs wust er alls wohl ausszurincken
Weil er ein Artzet war,
Dass man den Ring tregt an der lincken
Dass es das Hertz erfahr:
Er tranck Jüdischen Wein allein
Der nicht getauffet was,
Und den Lateinischen Wetzstein,
Den mitteln aus dem Fass.
Ehe dass er einen niderstelt
Hub er ein andern auff,
Hiemit zu zeigen an der Welt
Der Stern und Sonnen lauff:
So bald er hat das Maul gewischt
Netzt ers wider behend,
Zuzeigen wie der Mon erfrischt
Was die Sonn hat verbrent:
Sein Gurgel starck den Wein anzog
Vil besser alle stund
Alss den Regen der Regenbog,
O wie ein guten Schlund.
Die Sonn kont nicht auff sein so frü
So sah sie ihn schon truncken,
Der Mon konnt so spat kommen nie
So sah er ihn schon duncken:
Und wann die Hundstag fulen ein
So sah man ihn dort sitzen
Halb nackent bei dem külen Wein
Und den Wein von sich schwitzen,
Streifft seine Ermel hinter sich
Und streckt sich auff die Matzen,
Auff dass ihm nichts wer hinterlich,
Da fieng er an zu schmatzen,
Wült sich herumb inn Wein und Kost
Zwischen Bechern und Platten,
Gleich wie im Mur und schleim ein Frosch,
Lehrt seine Zung da watten.
Wann er dann also gar war truncken
So sang er Bachus lob,
Lobt ihn von seinem grossen Schuncken
Und seiner Rebengob:
Träuet alssdann Sanct Urban auch
Wann er nicht schafft gut Wein
Werd man ihn nach dem alten brauch
Werffen in Bach hinein:
Sang auch von dess Grandgusiers Kuchen
Und dess Gargantoa Tier,
Wie es zerschmiss ganz Wäld voll Buchen
Im grossen Schwantzturnier:
Auch wie Bruder Jan Onkapaunt
Mit der Kreutzstangen focht,
Und Wurstdurstpantel Fürtz kartaunt,
Und was Panurgus kocht.
Aber der Tod der gar nicht trinckt
Zucket den Trincker hin,
Wiewol er rufft: dem Tod eins bringt,
Heisst ein weil sitzen ihn:
Aber er wolt nicht sitzen nider,
Wolt auch keins warten aus,
Er ging dann vor mit ihm hernider
Inn sein Liechtfinster Haus:
Daselbst bringt er ihm Wassers gnug
Aus dem Fluss Acherunt
Und heisst ihn sitzen bei dem Krug
Und schwencken wohl den Mund:
Jedoch so war ist, was wir lesen,
Das Wein vor Fäule bhüt,
So wird dess Rabeles Nam und Wesen
Nimmer verfaulen nit
Dann er je wohl beweinet war,
Sein Leib und Därm durchweint,
Wein war sein Weih und Balsam gar:
Der Balsam hie noch scheint.
Und nimpt mich wunder, dass ihr nicht
Dürmelt weil ihr hie steht,
Dass euch der Wein ins Haupt nicht rücht
Dann diss Grab weinlet stät:
Gleichwol weil ihr hie bleibet stehn
So steht hie nicht so schlecht,
Sonder ehe ihr von dannen gehn
So tut ihm auch sein Recht,
Und opffert ihm ein Glas mit wein
Und gsaltzen Ränftlin Brot,
Das wird ihm liber als beten sein,
Dann beten gehöret Gott.
    So vil sei genug von dess Autors person: Was aber demnach sein fürnemmen
unnd bedencken solche Grillenbucher zustellen belanget: ist es, wie ers selbs
meldet, dises: Dieweil er ein Artzet war, und wust was Hippocras im sechsten
Buch Epidemie lehret, Dass ein rechtgeschaffener Medicus in allem seim leben,
tun und wandel dahin sinnen und schalten soll, die leut auff alle mögliche weg,
es sei mit Artzneistücken, worten oder geberden bei gesundheit frisch
zuerhalten, oder von kranckheit zuerledigen: und aber wisslich ist, dz nit alle
kranckheit am oder im leib sich erregen, sonder mehrmals im gemüt durch
melancholi oder traurigkeit sich begeben, welche hertzkränckung folgends am Leib
pfleget ausszubrechen und es zu schwächen: wie dann solches der wolerfarn Artzt
Erasistrat Aristotels tochter Son an königs Antiochi puls, so sich vor grosser
Lieb gegen seiner Stieffmutter kräncket, erkannt, und ihm desselbigen
leibschmertzens abhalff: Derwegen will er, dz ein Artzt nit allein mit kreutern,
salben träncken, und confecten gerüst sein soll, angesehen erstlich, weil solches
der Medicorum Köchen nämlich den Apoteckern zubefehlen, unnd nachgehends weil
diese stück zu zeiten nit helffen, demnach das Leid nicht eusserlich leiblich,
sondern, welchs gefärlicher, innerlich hertzlich ist: sonder auch wolgeberdig,
holdselig, freindlich gesprächig, kurtzweilig, bossenreissig, der eim schwachen
etwan, wans not tut, ein Mut einschwetzen, und eingauckelen kann, ihn lachen
machen, wenn er schon gern weint, ihn überreden er sei gesund, dieweil man doch
einen überredt er sei kranck, er sei rotprecht, wann er todt färbig sicht: Oder
über zwerch felds mit eim schalen Bossen daher kommen, der, wie man sagt, einen
todten möchte lachend machen, ihm ehe einen Esel fürfüren der Disteln frisst:
Dann vom Prediger und Sakrament soll er ihm nicht vil sagen, das mögen andere
Leut tun, die gern da bald erben, soll sich ehe selbs zum Esel machen, der
Disteln frisst, auff dz es der Kranck auch esse: soll seim Nächsten Krancken und
Krancken Nächsten alles zu lieb werden, wie die Hoffleut ihren Herren, und die
Buler ihren Närrin.
    Sol keinen trösten wie Callianax seinen Krancken: dann als ihn der Kranck
fraget, ob er sterben würde? antwortet er ihm: Es sei doch wohl dess Keiser Koch
gestorben.
    Dieser grobe Sauzius hat Platonem nit gelehrt, welcher, wiewol er die lügen
als schändlich jederman verbiet, doch dieselbige dem Artzet trostalben
gestattet. Ja unsere geschriebene Gesatz heissen einen Medicum wohl nit liegen
(dann er kans ungeheissen) aber geschwetzig sein (Abcursius in l. parabolanos C.
de Epis. & cler.) weil sie Hebammen geschlecht seind: aber notfolglicher
weiss, lassen sie es doch zu: dann wer vil schwetzet der lügt vil. Iuxta illud in
multiloquio etc.
    Darumb mag ihm wohl zu zeiten ein Medicus ein reuschlin trincken, nit alleine
den bösen lufft und geruch minder einzulassen, sonder auch bossierlicher zusein:
der wird ein Krancken mutiger und getröster machen, als ein langweiliger
Langschaubiger Stirnruntzelter Fantast.
    Dann wisst ihr nit von jenem Philosopho, der sich ab eins Affen Bossen gesund
lacht, als er sah ihne sein Doctor Häublin und Überparetlin vom Nagel ziehen,
und es so ordenlich wie der best Dorff Calmäuser auffsetzen? und gewiss es sicht
lächerrlich, ich habs versucht.
    Ja ich kenn noch einen, dem sein Melancholisch Kranckheit vergieng, da man i
hm nur das Bachkanten Versslin recitiert.
                    In veteri cacabo medico faciente cacabo.
    Unnd der gross Spottvogel Erasmus, hat über den Episteln obscurorum virorum
also gelacht, dass er ein sorgfältig geschwär, welchs man ihm sonst mit gefahr
auffschlagen müssen, hat auffgelacht: unnd wie mancher kann durch wagendes
schüttelens lachen einen ungeraden, Magenrumpeligen, Därmspenstigen und
Bauchhängstigen Furtz vertreiben.
    Es könnens wohl Jungfrauen am besten, wann sie das Kittern in sich beissen
und vertrucken, und alleweil das Nasstüchlein fürs Maul heben, dass der geruch nit
inns Hirn steig.
    Wie vil hat auch die Music gesund gemacht? Was ist aber die Music als ein
klingend freud? Wie vil anmutiger aber ist ein angenemme freudige Red eins
Menschen?
    Galenus schreibt, der höchst Artzt Aesculapius habe lächerliche Liedlein
gedicht, darmit in den Krancken Lung und Leber zuüben, unnd ein hitz in kalte
Leut zubringen. Ohoh in kein Holtzbürstenhertz.
    Ja sie schreiben, das Gesang heile die Schlangenbiss: Wie vil mehr dann den
Narrenstich. Ja der Jurist Tiraquellus von Wasserschöpffingen hat, wie er
schreibt, das Viertägig Fieber mit singen vertrieben: unnd ich mit trincken.
    Ja Asclepias hat mit der Trommeten einen Tauben hörend gemacht: Ja ich glaub
noch mehr, er hab inn eim engen gemach darmit ein hörenden daub gemacht.
    Und sicht man nit wie es die Meidlein so wohl kitzelt wann die junge
Schneider mit anmessen umb die Brust zugreiffig und schweiffig sind: desgleichen
wann ihnen die Schuchmacher die enge Stieffeln anmessen, dass manche vor grossem
Kitzel, wann sie das Bein zu hoch auffhebt, ein Schweisslein hinten aus lasset,
wie die Magd deren man den Dorn ausszog: Wie solt es dann nicht auch kurtzweilig
sein, wann ein Medicus mit Pulsgreiffen zutastig und kitzelich wer: unnd warumb
weren sonst die Näderin so anmütig, wann sie nit mit Hembd unnd Bruchanmessen so
subtilig unnd kurtzweilig weren, und langweilig anzusehen wie ein alte
Badreiberin.
    Derwegen Rabelais inn solchem wendunmütigem Stück seim obersten Lehrmeister
Hippocras genug zutun, und darinnen, so vil als an ihm wer, die Krancke
trostlose und schwermütige, als ein Artzet nicht zuverwarlosen, hat er ihnen
zimliche lustige Materi, sie zuerlüstigen unnd vor schweren gedancken
zuverwaren, hierin zusammen getragen, unnd also nichts ausserhalb seim Ampt,
Beruff und Facultet getan, sondern gutertzig geschertzt, wers gutertzig
verschmertzt.
    Hierauff mögen ihrs neben euern geschefften zu verlornen miessigen
Erquickstunden, Spacierzeiten, Spielen, Festen, Reisen, under zechen,
Schlafftrüncken, unnd zu Tisch gebrauchen, betrachten und belachen, und zu
weilen die Frümettliche Augbroen, oder dz Vespasianisch Cacantis faciem ablegen:
und an das alt Sprichwort gedencken, Caput melancholicum, est balneum
Diabolicum, ein Melancholischer Kopff, ist dess Teuffels Hafen und Topff, darein
er tropff und darinnen er koch sein Hopff.
    Sonst so viel den Dollmetschen belangt, hab ichs (eben gründlich die Ursach
zuentdecken) darumb zu vertiern fürgenommen weil ich gesehen, wie bereit etliche
solche arbeit unterstanden, doch ohn Minerve erlaubnus und mit darzu
ungemachenem und ungebachenem Ingenio unnd genio, zimlich schläfferig, ohn einig
gratiam, wie man den Donat exponiert, unbegreifflich wider dess Autors Meinung,
undeitlich und unteutschlich getractiert.
    Derwegen da man ihn je wolt Teutsch haben, hab ich ihn eben so mehr inn
Teutsch wellen verkleiden, als dass ich einen ungeschickteren Schneider müst
druber leiden: Doch bin ich an die Wort und Ordnung ungebunden gewesen: unnd
mich benügt, wann ich den verstand erfolget: auch hab ich ihn etwan, wann er aus
der Küheweid gangen, castriert, und billich vertiert, das ist, umbgewand.
    Das übrig, was noch weiters zusagen, und welchem er diss Buch zugeschrieben,
werdet ihr im folgenden Bereitschlag dess Autors vernemmen. Hiemit euch
jederzeit zu ergetzligkeit geneigt: Geben auff den Runtzel Sontag, inn Voller
Fantast Nacht wenn man die runtzeln mit Erbsen abreibt.
                        Subscripsit.
                        Ihrer Fürstlichen Gnaden
                        Mutwilliger.
                                                                   Huldrich Elle
                                                                      Poscleros.
 
    Ein und VorRitt, oder das Parat unnd Bereitschlag, inn die Chronick vom
              Grandgoschier, Gurgellantual und Pantadurstlingern.
Ihr meine Schlampampische gute Schlucker, kurtzweilige Stall und Tafelbrüder:
ihr Schlaftrunckene wolbesoffene Kautzen und Schnautzhän, ihr Landkündige und
Landschlindige Wein Verderber unnd Banckbuben: Ihr Schnargarkische
Angsterträher, Kutterufstorcken, Birpausen, und meine Zeckvollzepfige Domini
Winholdi von Holwin: Ertzvilfrass lappscheisige Scheisshaussfüller unnd
Abteckerische Zäpfleinlüller: Fressschnaufige Maulprocker, Collatzbäuch,
Gargurgulianer: Grosprockschlindige Zipfler und Schmärrotzer: O ihr Latzdeckige
Bäuch, die mit eim Kind essen, das ein Rotzige Nasen hat: ja den Löffel wider
holt, den man euch hinder die tür würfft: Ja auch ihr Fussgrammige
Kruckenstupfer, Stäbelherrn, Pfatengramische Kapaunen, händgratler,
Badenwalfarter: Huderer, Gutschirer, Jarmessbesucher, ihr Garganztunige
Geiermundler und Gurgelmänner, Butterbrater, safransucher, Mess und
Marcktbesucher, Hochzeitschiffer, Auffhaspler, Gutverlämmerer, Vaterverderber,
Schleitzer, Schultrabeiser: Und du mein Gartengeselschaft vom Rollwagen, vom
Marckschiff, von der Spigeleulen, mit eueren sauberen Erndfreien Herbstsprüchen.
Ihr Sontagsjüngherlin mit dem feiertäglichen angesicht, ihr Bursch und
Marckstanten, Pflastertretter, Neuzeitungspäher, Zeitungverwetter,
Naupentückische Nasen und Affenträher, Rauchverkeuffer, Geuchstecher, Blindmeuss
und Hütlinspiler, Lichtscheue Augennebeler: Und ihr feine Verzuckerte Gallen und
Pillulen, unnd Honiggebejetzte Spinnen. Sihe da, ihr feine Schnudelbutzen. Ihr
Lungkitzlige Backenhalter unnd Wackenader, ihr Entenschnaderige, Langzüngige
Krummschnäbel, Schwappelschwäble, die eim ein Nuss vom Baum schwetzen: ihr
Zuckerpapagoi, Hetzenamseler, Hetzenschwetzer, Starnstörer, Scherenschleiffer,
Rorfincken, Kunckelstubische Gänsprediger, Schärstubner, Judasjagige Retscher,
Waffelarten, Babeler und Babelarten, Fabelarten und Fabeler, von der
Babilonischen Bauleut einigkeit. Ihr Hildenbrandsstreichige wilde Hummeln,
Bäumaussreisser, Trotzteuffelsluckstellige Stichdenteuffel unnd Poppenschiser,
die dem Teuffel ein horn aussrauffen, unnd pulferhörnlein drauss schrauffen. Unnd
endlich du mein Gassentrettendes Bulerbürstlein, das hin und wider umbschilet,
und nach dem Holtz stincket, auch sonst nichts bessers tut, dann rote Nasen
trincket, und an der Geisen elenbogen hincket. Ja kurtzumb du Gäuchhornigs unnd
weichzornigs Haussvergessen Mann unnd Weibsvolck, sampt allem anderen dürstigen
Gesindlein, denen der roh gefressen Narr noch auffstoset.
    Ihr all, sag ich noch einmal, verstaht mich wohl, solt sampt und sonders hie
sein meine liebe Schulerkindlein, euch will ich zuschreiben diss mein fündlein,
pfündlein und Pfründlein, euer sei diss Büchlin gar mit haut und haar, weil ich
doch euer bin so par, Euch ist der Schilt aussgehenckt, kehrt hie ein, hie würd
gut Wein geschenckt: was lasset ihr lang den Hipenbuben vergebens schreien? Ich
kann euch das Hirn erstäubern, Geraten ihr mir zu Zuhörern, so wird gewiss dort
die Weissheit auff der Wegscheid umbsonst rufen.
    Demnach mir dann euer holdseligkeit mit euerm anhang zu ehren erscheinen, so
solt ihr zu eingang wissen, dass der Atenisch Krigsfürst Alkibiad in des Preiten
Plautischen Oedipischen Platons gespräch, dessen überschrifft die Zech ist, als
er under anderem sehr will loben seinen Lehrweiser Socrat, (welcher ohn alle
einred und streit, aller Philosophen oder Gernklugen, der erste anführer war)
spricht er, Er sei gleich unnd änlich gewesen den Schilenden Silenis oder
Seullänen. Was ist aber das für ein Teuffel in der Höll, der also heist?
    Exspeckta aus der Taschen, Sileni, solt ihr mich verstehn, waren etwann die
wundergestalte Grillische, Grubengrotteschische, fantästische krüg, läden,
büchsen und häfen, wie wir sie heut in den Apotecken stehen sehen, von aussen
bemalet mit lächerlichen, gecklichen, ja oft erschrecklichen Häu unnd
Grassteuffeln, wie sie aus Pandore büchs fligen, unnd der Grillen Römischen Mül
stiben, gesellen die im hafen schlecken, und haben die Kertz im hindern stecken,
wie sie Dantes inn der fegfeurigen Höllen beschreibet, Jott unnd Michelangel im
Jungsten Gericht malen, Olaische Mittnächtige Meerwunder, wie sie einem zu
mitternacht inn der Fronfasten, wann man zu vil Bonen isst, und am rucken ligt,
fürkommen, Ovidische verformungen, Weinsauffende Grillos unnd Apuleios, seltzame
trachenschlund an den Canälen unnd Bronnrören, Midisch Königsoren, Ackteonisch
Fürstenhörner: Leut, wie Megasten, Solin, Franck und Munster inn ihren
Cosmographien gegen Morenland und Affrich versetzen und Colonisiren, als
einfüsige Hasenjäger, einäugige Schützen, Brustgeköpffte Hundsköpff, die auff
eim fuss Postiren, geruchlebige Leilachoren, geile Satyri und Geissmänlin,
Scherzengefider, Höllhacken, Charpie des Jupiters Vogelhund, fornen schön und
lieb gestalt als Frauen, unnd hinden hön und dib mit klauen.
    Ja zu diesen Autentischen beschribenen Fassnachtbutzen suchen sie noch
Rumörischere Ladengezird, die eim allen Confect erleiden sollten, als gezeumt
Vögel inn Planetenschlitten, Rappen inn Mönchskappen, Kropfigel inn
nadelbesteckten läzen auff schaltberen: Donnenköpff mit beuchen der Esslingischen
Jungfrauen im hafenreff: Bemäntelt, bestebt treifussgekrönte Widhopffen, die man
mit lichtern besteckt, auff der Mistbären daher träget. Wie zu Strassburg im
Mönster bei dem Chor an der seulen stehen, und im Bruderhof über dem Keller, da
ein Rephun einen Schatz verrhiet, gemalt zufinden. Kändlinmeuler mit
glockenhüten, wie der Gorgonisch Römisch Medusenkopff. Geschleiert Gäns auff
Pantoffeln, beprillet und schulsack behenckt Esel auff steltzen, torweit
zerflennend schusslöcher, Carpatische hogerige Ofenkrucken, Brotmeier, die den
bauch im Schubkärchlin führen, halb Pfaffen unnd halb Landsknecht, gehalbiert
Menschen vom Bischoff und Bader: krebs, die im schlitten zihen, darbei der
spruch, Es geht wie es mag: gehörnecht Hasen, Menschen mit Krebsnasen, gesattelt
Hund, fligend Hechsenböck, reutend Hirtz, kunden wie man hinder Job und Sanct
Töngis malet, in spilen unnd Mummereien brauchet, inn Christofelgnosse seulen
unnd gebeu hauet, auff die Pfäl fur Vogelscheuen stellet, für gerems und
compartement auf täppich stricket, damit man die Kinder schweiget, und andere
dergleichen Malerträum, hülengrillen, wie dern mit der weil ein ganz büchlin
ins Rabelais Trollatischen treumen sollen aussgehen, mit welchen dise
Pulverkrämer Gaffleut für Kauffleut an sich ziehen können, und die vorgehende
wie des Abisai Leib auffhalten, wie Gorgon vergestalten, den Bauern die mäuler
auffsperren, machen dass die Mägd den Korb und Zuber müsen nidersetzen, die
Frauen die Kinder vergessen, und alles gesind wie zur Regenspurgischen Walfahrt
zu lauffen.
    Nun die Strass ist zu eim teil gebanet, ich versihe mich zu euerer
köpffründe, ihr habt die Esilischen Silen, und Seulen verstanden. Jedoch
möchten, glaub ich, meine Rebenhenslein unnd Weingänsslein leiden, dass ich es ih
nen auff ihren schlag greiflicher erkläret: wolan, das muss auch also par
geschehen. Wisst ihr nicht, wie ihr zu zeiten seit bei höflichen zechen gewesen,
da man euch zu eim willkomm hat mit einer schönen Kälichfecundeten red ein schön
grossgebeuchet wunderfrembd gebossiret schrecklich trinckgeschir, welches die
Latiner futile vas heisen, forgestellet, das man gleich alle teller unnd platten
vor euch hat müsen wegraumen, unnd darnach wann man inn die sprüng kommen, die
mutwilligste Geschirr herfür gesuchet. Als gepichte Armprost, Jungfrauschülin,
silberbeschlagene Bundschuch, gewachtelt stiffel, Polnische Sackpfeiffen, Bären,
Leiren, Lautenkübel, Kübel Lauten, Narrenkappen, beknöpfft Tolchen, Windmülen,
Sauärs, Lastwägen, Lastschiff, nackende Megdlein, Bübelein, Hänlin, Gissfasser,
häfen, onruhige Lufftvogel gemese Dannzapffen, die nicht stehn Sine ponere,
sonder gehn wollen, Fäustämer, Weinfeurspeiende Büchsen, unnd andere
dergleichen schöne muster. Ecce, das sind die Rechte Sulenen und Lenseulen und
Eselen darauff Silenus reutet.
    Ein solcher Grillus und Silenus, sagt Alcibiad, wer sein Preceptor Socrates.
Wie so? Da so, Dann gleich wie solche Hanfgebutzte Apoteckergeschir und
Weinbüchsen von ausen hässlich und gresslich überaussscheinen, unnd doch zu innerst
mit herrlichem schleck und Confect seind geschicket unnd gespicket, von Balsam,
Bisam, Latwergen, Sirup, Julep, Treseneien, und anderen kostbaren fantaseien,
wie sie ins Reiffen gemusterter Abecedeck zufinden. Also wer auch der Weisest
Lerer Socrat euserlichem schein nach von gestalt gering anzusehen, also das so
du nach erstem anplick ein urteil von ihm hetst sollen fellen, würdest ihne
gleich so wohl wie der Phisionomygaffer Zopyrus nicht einer Lorischen
zwibelschelf oder Knoblauchsbutzen werd gehalten haben, so Bäurisch quartiert
von leib war er, so Seeländisch lam von unfechterischen geberden, so
Franciscanisch von zugespjetzter Elennasen oder (wie etlich wöllen) Schafsnasen,
mit eim glatzenden kopff, eingezogenem Hals, haarigem nacken, darzu allzeit
lachend, übersichtig und augensperrig wie ein Stier, dem gebunden seind alle
vier, von sitten einfaltig, von Kleidung prestaftig, zu Weibern (Aber
villeicht nit zum Alcibiad) unglückhaftig, im Regiment untauglich, tranck eim
jeden so viel zu als eim andern, war mit allen überwerflich, redgeb unnd
schimpflich, darmit er seinen hocherleuchten verstand decket glimpflich. Aber so
du ihm hetst sollen in die Hertzbüchs hinein schauen, würdest ein Recht
himmlischen unschetzbaren Indianischen geruch von edelem gewürtz gefület haben,
ein mehrer dann Menschliche klugheit, ein unüberwindlichen standmut,
unermessliche nüchterkeit, gewissbestimmte genügung, vollkommenen trost,
vernünftige geringachtung alles dessen, darumb jederman so tollgirig zabelt und
grabelt, laufft und schnaufft, machet und wachet, kriegt und betrügt, wült und
stilt, wandelt und handelt, fecht und recht und alle hertzbefridung verschmecht.
    Secht, solch Fürtugenden lisen sich inn diesem des Socrats unachtsamen, und
nicht auff Aronisch verprustlatztem hertzenschrein finden. Gleich wie hingegen
vom schönen Absolonischen Leib seines erstgedachten Jüngers Alcibiadis gesagt
ward, dass welcher in dasselb Samatküsslin hett ein plick tun mögen, eitel lär
stro, an statt der federen, unnd sein grosse schöne nur überzuckerten Spanischen
Pfeffer für Zuckererbsen, befunden hette: Ja ein Pleien schwerd inn einer
güldenen scheiden.
    Wahin meinst aber, du mein kurtzweiligs geschöpff, das diss vorgespilt,
gevortrabet, vorbeloffen, an und fürgebauet werde? Zwar zu nichts anders, als
das ihr meine Jünger, unnd etliche andere euere mitnarren nicht gleich nach dem
äuseren betrüglichen schein urteilen lernen, Also, das so ihr einmal von der
Bibel über etliche unsers gespunst Büchertitel kommen, die euch wunderlich
Krabatisch inn den Ohren lauten, als Gargantua, Pantagruel, Gsespinte oder
feistseidlin: von letzter lätzen letzwürde: Erbisen zum Speck mit der ausslegung:
dz Speckgewicht cum commento. Aller Practic grossmuter: Der Practicmuter
erstgeborner Son, die Spigeleul gesangsweiss, Flöhatz, Apologi der flöh wider der
Weiber, Podagramisch Trostbüchlin, Die träum des schlaffenden Reinicken fuchs,
von bauung des Castells in Spanien, von Neuerfundenen Inseln inn den lüfften,
Von der Zwerchschlacht mit den Kränchen. Schnacken und Muckenlob: Über dem
spruch, Magister his opus habet, Vom streit des Wehrmuts unnd des Wend unmuts.
Die stoltz armut, unnd der Arm stoltz, sampt dem stinckenden Betlerstreck. Von
blinder hundsgeburt heutiges bücher schreibens. Teses im Frauenzimmer zu
disputiren fürgelegt. Von Simonei der Buler, so sie mit der huldschaft treiben.
Schwäbisch Ehr Rottung der nötlichkeit der Löffel wider Diogenem. Die Kunckel
oder Rockenstub. Fatztratzprieff, Bacbuc: Flaschtasch, Taschflasch: Schwalb und
Spatzenhatz, Gauchlob, Ratschlag von erweiterung der Hellen, die Hofsupp, Aller
gesess Mummplatz, die Schiffahrt zum Beutellegele. Die Göffellöflicheit,
Froschgosch Die halb dachisch volleseuordnung, Anatomi der knackwürst,
Würdigkeit der Seustell, Trollatisch treum, Gerichtlicher Prozess des Herrn
Speckessers gegen dem vom Hering, etc. Und andere dergleichen Winholdisch und
Elloposcleronisch saurwerck: das ihr, sag ich, nit gleich darauff fallen, und
meinen, es werd nichts anders als spottwerck, narrei, und anmütige lugen
darinnen gehandelt, sintenmal die Rubric und titul einen darzu also anlachen.
    O nein, ihr meine liebe Kinder, es hat weit die Meinung nicht, sonst
dörfften ihr kein Wein aus Knebelspisen trincken: Es stehet inn des gereimten
Eulenspigels Vorred, es sei angenemer ermant werden schertzlich als
schmertzlich, schimpflich dann stümpflich, gecklich dann schrecklich, wörtlich
dann mördlich. Also auch hie, muss ich euch fein hinderschleichen, und wie eim
Kind das muss einstreichen, ich geb es sonst dem Hund.
    Es gebürt sich gar nicht der Menschen hendel nach solchem leichtfertigen
lecherrlichen anschein zuschetzen, sonst möcht nach des Erasmi Torheitlob gar
nichts hie bestan, das nicht zu verlachen wer. Dann was fängt nicht lächerrlich
an? wer wolt gern mit eim witzigen Kind spilen? wer vertritt nicht die Narren
schuh? wer erdantzt nicht seinen Bulen? wo ist ein gastung ohn Narren? Dannoch
so werden aus Kindern auch Leut, aus Stamlenden Kindern werden Redner, Und das
ich mit des Ismenii Vorredner schliss, wann als dann kommet guts aus spott, was
ist der spott zu klagen not? Ein Scheisshauss ist ein Scheisshauss, wann man es
schon wie ein altar bauet, unnd ein Schatzkammer pleibt ein Schatzkammer, wann
man sie schon unter die Erd welbet: Es kann sich im Marcolfischen Esopo auch ein
Salomon verbergen: Ihr pfleget doch selber zusagen, das Kleid mach kein Mönch,
und mancher ist verkappt inn ein Mönchskutt, trägt doch ein Mönch Illsungischen
Landsknechtsmut, mancher trägt ein Pfaffenschlappen, trüg billicher ein
Reuterskappen, Mancher der nie kein Pferd beschritt, singet doch ein Reuterlied,
und viel tragen Spanische gesäss, die doch den Spaniern gönnen alles böse : Es
seind nicht all Köch, die lang Messer antragen, es mögen wohl etlich Schinder
sein. Non est Venator, jeder durch chornua flator. Es jagen nicht all Hasen, die
Hörner plasen: Im langen Haar stecken auch Fechter.
    So dem nun also, das nicht nach dem äuseren schein zu sehen, so will sich
auch gebüren, das man hie diss Büchlin recht eröffene, unnd dem innhalt gründlich
nachsinne, so wird sich befinden, das die Specerei darinnen von meherem unnd
höherem werd ist, als die büchsse von aussen anzeiget und verheisset, das ist,
das die fürgetragene materi nicht so närrisch unnd aus der abweiss geschaffen,
wie die überschrifft möcht vielleicht fürwenden.
    Und auff den fall gesetzt, das ihr aus zu vil miltem verstand, etwas
lustiges, so sich zum Namen schicket, darinnen antreffen, muss man darumb nicht
an demselben allein kleben und schweben, harren und verstarren, wie an dem
schlafsüssen Sirenischen Meidlingsang, sonder das jenig, so aus zu vil leicht
freimütigkeit gered scheinet, auff ein höhersinnige ausslegung zihen.
    Habt ihr auch je ein fläschen auffgeschraubet, oder mit eim Diterich
erbrochen? so werd ihr wohl wissen was ihr darin gefunden habt. Habt ihr nie die
Nuss umbher tragen gesehen, die schlecht geschinen, aber teuer verkaufft worden,
dieweil ein Zihender Passion darein geschnitzelt gewesen? so gedenckt auch was
inn dieser unserer Gribelnuss für Säckgerät möcht stecken. Ja, das ich euch auff
den Hund bring (welches Tir, wie Plato schreibt im andern Buch von der
Reichpöblicheit, unter allem das Philosophisch und gütartigest ist) habt ihr
nicht gesehen wie andechtich er das marckbein, wann er eins find,
verschiltwachtet, wie eiferig er es halt, wie vernünftig er es anatomirt, wie
unvertrüsslich ers zerprech und zerreiss, und anmütig vernag, saug unnd zerbeiss.
Fümemlich wan ers dem Ulmischen Schwaben hat gestolen, der ihm einmal das marck
zwischen der türen zu dem hindern heraus klemmet, unnd es, wiewol es minckelet,
für schmutz hinweg schlemmet. Was ist nun die hoffnung der Hundsmühe? was
vermeint er hierauss guts zuerlangen? Nichts mehr, als ein wenig Schmerhaft
marck. Es ist wohl war, diss wenig ist anmüntlicher, als des andern geschmeiss gar
viel: Angesehen, das alles marck zu seiner vollkommenen Natur unnd Natürlicher
vollkommenheit ist ernehret und aussbereit: wie Galen iii facult. natural. Und xi
von Usu partium meldet.
    Nach disem fürbild solt ihr euch weisslich wissen anzustellen, so werden ihr
die süsse diser holdseligen Büchlein von innerlicher dicker fette, und
mercklichem marckhaftem Schmär viler lehren gespicket, fülen und hoch zilen:
Dieweil sie im anfüren und trib wohl leichtschäfftig, aber im antrefen, nachtruck
und vollführen, sich werden erweisen als heftig unnd kräfftig. Derwegen
erprecht das bein fleissig durch genau sorgfeltiges lesen, unnd stätem
unauffhörlichem nachsinnen, und sauget daraus dz substantzialisch wesenlich
Marck, nit wie der erstbenant Hundsklemmer, die Gerberzullen für minckelend
Schmär. Schlappert nit auff Chorherrisch die Wort in euch, wie der Hund die Sup,
sonder kauet und widerkauet sie wie die Küh, distilliert sie durch neun balcken,
so findet ihr die Bon, das ist, findet was ich durch diese Pitagorische
unsimpele simbolen, unnd geheime losungen gesuchet hab: inn gewisser hoffnung
dadurch euch ganz trucken aus dem bad aussgezwagen und abgeriben heimzufertigen.
    Glaubt ihr auch, sagt mirs auff euern eid (wiewol er heut teuer ist) dass je
der blind Homer, da er sein Troi und Niman beschrib, auff die lätze
bedeutnussen, gekrümte allegorien, verwänte gleichnussen gesehen habe, wie sie
Plutarch, Heraclid, Cornut, Stesichor, Androtion, Amphiloch, Natal, nach ihren
köpffen aus ihm gepresst, gekältert, getrott, gezwungen, und wie ein
Bauchwäscherin gerungen haben? Oder was Politian aus ihnen hat gestolen, unnd
der Hadermeier Lorich dörffen holen, oder M. Andres Delitsch de Colonia in
literali und Origenischer ausslegung super artem amandi molen, und Frater Tomas
de Wallei in Concordantzen der H. Schrifft mit den Poetischen Fabeln, und auff
Castalionisch der hohen Lieder Salomonis zu der Ars amandi bekolen? Wa ihrs
glaubt, kompt ihr weder mit Händen noch Füsen bei vilen Bauernschritten nit zu
meiner Meinung, welche schon beschlisslich das urteil gefelt, dass solche
mutwillig gesuchte deutungen von Pandora, dass sie die Eva sei, die neun Muse,
die siben Chör, der treiköpffig Höllisch Cerberprack, die drei weg und weisen zu
Philosophirn auff Logicisch, Physicisch, und Eticisch, der arm hinckend Vulckan
der tieff gefallen Teuffel, unnd der Bellerophon, der keusch Joseph, eben so
wenig dem Homero geträumt haben, als dem Ovidio inn seinen verstaltungen, die
siben Sakrament, welche ein guter Bruder Veit, ein rechter Speckhecker, aus ihm
hat wöllen erweisen, ob er vielleicht auch Narren ihm gleich, und wie man sagt,
ein deckel zu eim solchen Hafen gefunden hette. Was solt die Kumpffgelegen Nas
auf Sibillisch die Marien der Semele vergleichen, die den Bachum bisgenitum wie
ein wider gebachen Schiffbrot und Biscuyt erzilet? Er ist noch nicht mit dem
Gansfuss durch den Bach gewattet: Ja wohl die Niobe die Saltzseul? Es reimet sich
wie des Vietors Vergilisch Kälber machen cum faciam Vitula, etc. zu der Mess: Wie
des HimmelErdHölligen auff Schlangen unnd Ottern gahn, auff dem Keiser Friderich
stan. Wie des Tallorin dreimal drei in Franckreich welches die ganz Welt solt
Christianissimiren.
    Wa ihr dann diss Lichtenbergisch oder Lichtverbergisch traumdeiten nit
glaubt, warumb wollten ihr nit eben so vil von diser kurtzweiligen zeitung und
neuen Chronich halten, die euch villeicht eben so vil retersch als jenes
fabuliren kann auffgeben? Wie wohl ich, da ich es schrib, gleich so wenig daran
gedacht, als ihr, die vielleicht den Wein auch trincket wie ich: Dann ich inn
stellung dieses herrlichen Buches kein ander zeit hab verloren, als die ich ohn
das zu sättigung meins fräsigen Leibs oder leiblicher erquickung mit essen unnd
trincken pflegt für bestellt zuhaben. Und ist warlich eben, wann die fressglock
im Magen sturm schlegt, und der klipffel verstopfft ist und gelegt, die recht
Dietalisch zeit zu solchen Gemsenkletterigen und Trittimelverzuckten Materien
unnd reinspinnenden gedancken.
    Es gibt doch unter dem Wein die besten keuff, ja die besten rhatschläg, als
Tacit von den Teutschen meld, und Strabo im 15. Buch von den Persen helt. Wie ih
m dann Homer, der sich an Königs Meons Hof blind gesoffen, ein aussbund aller
beredheitgirigen Philologen inn dem fall wohl zutun wust: Dessgleichen der
Zihvatter aller Latinischen Poeten der Podagramisch Ennius, inn massen von ihm
Horat, so mit gleicher Weinlaug gewaschen, schreibet, dass er nie hab sein
federwehr geschliffen, und ein dapffere Schlacht inn reimen angriffen, er hab
dann vor ein gesetzlin gepfiffen, wie der fromm C. Scheit im Grobiano zu dem
Bacho spricht, Ich muss mich vor ein wenig kröpffen, Dass ich ein guten Trunck mög
schöpffen: Hör Bache mit dem grossen Bauch, Lang mir dorter den vollen
schlauch, Eyn gute Pratwurst aus dem sack, Dass mir ein küler trunck darauff
schmack, Da lass mich tun ein guten suff, Marcolfe sich, der gilt dir drauff,
Hehem, das heist ein guter tranck, Jetz bin ich gsund, vor war ich kranck.
    Was soll aber ein krancker Poet? weniger als ein ungewürtzt Pastet und
Klaret: Doch wann sie so leichtlich sind bei gesundheit zubehalten, will ich sie
lassen die bodenloss Göttin Potinam walten, sintemal Poeten von Potus, Potae, il
boit, und Pott kommet, wie Gwido de Monticella im Vocabulista etymologisato
& Ecclesiastico auff seinen eid behelt, aus dem Spruch, Non est Dityrambus
aquam si potitet, vel poietitet, unnd des Martials Possum nil ego sobrius
bibenti, etc. Es gibt gefrorn ding, was man aus Bronnen schöpfft: Eyn Poet soll
auff einer seit am Gürtel ein Dintenhorn, auff der andern ein fläsch hencken
haben, das soll sein Brevirbuchlin sein.
    Und die Exempel des Alceons, des Rabulischen Aristophans, und Alckmans
bezeugens: so sagt Sophocles von Eschilo, der Wein hab ihm sein Tragedien, wie
ein Spiritus familiaris, geschmidt, unnd ist an seinen vollen Cabiris und
Jasonsgesellen wohl zu sehen. So lehrt auch der Pindarisirend Pindarus, man soll
Alten Wein trincken, aber aus neuen Poeten frisch blumen prechen. Was geht uns
die unpoetisch neu Postimeliseisch ketzerei an, die alten Marckstein seind nit
zuverrucken: was setzt man die Musas so trucken? Wa ist ihr Bronnencaballischer
huffschlag? Ist es wasser, so ist es warlich mehr dann Artischoisch Weinstarck,
dieweil es nur die, so drumb bettelen, also auff Oraculisch verzuckt und
verpitisirt: Kommen nit Verss und Reimen vom singen oder singen vom Reimen? Wie
reimt unnd stimpt sich aber ein aussgetrocknet heisere stimm? pringt aber wasser
nicht roscht? macht nicht der eingegossen Wein die Pfeiff resch? Derhalben Potor
esse volo, Quia cantor esse volo. Ich Trinck dass ich sing und sinck, und sing
dass ich trinck, spring unnd hinck: Ich bin ein Hofmann, kann Senff essen, und
doch nicht weinen: Kont nit der Hess mit seinen Weingetränckten Versen die
Psalmen schön ausstrucken? O ihr Potulente Poeten, potirt der pott und bütten,
unnd potionirt euch potantlich mit potitioniren, compotiren unnd expotiren, dann
potiren und appotiren kompt von petiren und appetiren, unnd pringt potate
poesei, dieweil potantes sind potentes. Unnd Potentaten sind Potantes. Und wie
unser Horatius singt
Der Wassersauffer Reimengang
Gefallen nicht den Leuten lang.
Dann weil sie nicht lebhaftig sind
Verschwind ihr leben auch geschwind,
Dass man nit vil darvon verkündt.
    Ihr Poeten dörft euch des nicht schämen, eben so wenig als ich unnd der
Sauressich Cato von Utica, der allzeit den Unmut zuverdistilliren, pflegt
zuschlafftrinckeliren: was hat den grossleberigen Democrit also gekizelt, dann
dass er täglich für sein ordinari Diät vier unnd viertzig Nussel Wein tranck?
Kont doch jener Predikautz, wie im Sauffteuffel steht, am besten predigen, wann
er ein rausch hat: Und die Stentorisch Chorbassisten, müssen warlich ihr stimm
mit Wein zurüsten: Was schads dem Ennio, wann ihme schon der neidig tropff
Horat, der auch an dem bein gehuncken hat, beschuldigt, sein gedicht zeigten meh
Weins an dann Liecht, und stinck mehr nach der Weinkant, als dem Unschlitbrand,
mehr nach dem Weintranck, dann dem ölgestanck: Was schad es ihm? es hat ihm
dannoch wohl geschmackt, beiss ihm einer jetz ein Or ab. Dessgleichen was schadets
mir, dass auch ein loser Klemdenhund unnd Maulfranck gleicher gestalt von meinen
Büchern halt: kleien und minckelend Hundsmarck gehört in denselben hudler. Aber
wie vil nützlicher, schützlicher, hitziger, kützeliger ist uns der geruch unnd
die krafft vom Rebensafft, als dass schwermütig schmutzig öl: die Ampel unnd der
taache verschlucken viel öls, und werden doch nit feisster darvon. Was soll das
nüchtern gestänck, wann man nach nüchterkeit schmedkt, Ieiunum olet, Nüchtern
stinckt eim der Atem, wann man voll ist, schmeckt mans nicht: Ich bin
Bienenart, mit öl töd man mich, mit Wein macht man mich lebendich. Nun ist
dannoch ein Bienlin, auch ein feins Tierlin, dz Honig scheisst.
    Ich will mir für ein ruhm rechnen, dass man von mir sagt, ich hab mehr an
Wein gehenck, als im Oel ertrenckt: Dann man pringt an Höfen, inn Klöstern und
sonst Häusern eim viel eher ein trunck den er versuch, als ein Buch darin er
ein guten Spruch such: Dieweil die geschrifft, wie die Regengern sagen, lehrt
ketzerlich gifft: Das wust wohl König Ludwig der Elfft inn Franckreich, der wolt
nit dass sein Son inn Historien lese: quare? Dare: dann die da lesen, sprach er,
von schweren geschichten, schreckt es sie ab solche auszurichten: Unnd warumb
muss mein Tochter nit schreiben lernen? auff dass sie kein Bulbrieflin schreibe:
Darumb war unsers Barfüserischen Superioristen Murrnarrs Fund mächtig wohl
bedacht, und nimbt mich wunder, wie es Polidor Vergil in seim buch von Erfindern
allerhand sachen hat ausslassen können: er sah wie ärgerlich ding oft inn
Buchern stund, darumb erfand er Cartiludium Institutionum, und ein Schachspiel,
ubi trahunt quantitates.
    Derhalben schetz ich es noch einmal für ein ehr, wie noch der fratzen mehr,
wann man mich für ein guten Prillenreisser und Grillenscheisser aussschreit, ich
bin darumb nit gescholten, sonder des wolkommener in allen meinen
Pantagruelistischen ganzdurstigen gesellschaften und zünften. Dem Demostene
ward es für ein unehr nachgesagt, dass er vor angstaftem Fleiss, unnd fleissiger
angst, den er inn stellung seiner Reden brauchet, meher an öl vertat dann an
Wein, unnd mehr bei dem Liechtschein schrib, als es bei dem Wein trieb, und dass
seine Orationen wie ein Salat nach öl stancken. Dasselb Cherephonisch
nachteulisch und Fledermäusisch klittern will ich mir bei leib nicht nach lassen
sagen: Sonder Wein her, der scherpffet das Hirn, fürnemlich wann einer die Stieg
einfellt.
    Hierumb so wolt nun fortan alle meine reden, rahten unnd taten zu dem aller
vollkommenesten deiten, unnd also auch auff eim hinckenden Pferd musterig
reuten: Dantz ich nicht recht vor, so dantzt mir nicht nach, die Römer müsten
sonst vonwegen eins Bauern traum das spil wider ergentzen. Gerade bein dantzen
auch nit allzeit gerad: Es stolpert ein Pferd mit vier beinen: was ist das best
im dantzen? Antw: Dass man auch umbkeret. Wolan so haltet in williger und
billicher verehrung dz feucht Käsformig Hirn, das euch bringt so seltzame Würm,
der SpiegelEul Prophetenbör, unnd kugelechte Pröbstbeuch, und kegelechte Bachus
schleuch: haltet mich dass ich lustig bleib: So bin ich euch geneigt zu
kurtzweiligen Rhäten, und Rabiles res Mirabiles.
    Nun wolauff du meins Hertzens ein Schatz, ihr meine holdselige Lehrkinder,
erschwinget unnd erspringt euch, unnd leset das überig leibschützlich und
Nierenkitzelig, mit lust, nicht mit wust, das ist, dass euch vor rollendem lachen
und lachendem rollen kein Nestel zerspring, und es im Bauch ein aufflauff bring,
ich halt sonst die Nass zu. Hiezwischen vergesst nicht mir einen auff ein gleichs
zuzutrincken, ich will euch Bürgen setzen, innsonderheit so euch der
Dörrschnabel reutet: Sauffts gar aus, dann halb trincken ist bettlerisch, es
ertrinckt im Mör kein Fisch: jetz das maul gewischt, unnd dahinden gefist, so
seit ihr zum lesen gerüst. Subscripsit. Inn Freuden Gedenck Mein.
 
                               Das Erst Capitel.
    Von veralteter Ankonft des Gorgollantua von Gurgelstroslingen, unnd wie
   wunderlich dieselbige Antiquitet erfunden und biss hieher erhalten worden.
Damit nicht das Wasserlechtzend Pferd mit durstgirigem übertrincken verfang, muss
ich euch die erste brunst anzihen unnd einzäumen: Dann was wer mir mit euerem
schaden gedienet? derhalben lasst es euer lieb nicht verschmehen, dass ich so frü
die auff die Haberweid schlag, und gleich nun zu anfang hindersich zu ruck inn
die grosse Pantagruelinische oder Alldürstige Chronic verweise: allda ihr im
andern Buch, welches auff diss folgt, werd unsers Gurgel Lantua Ururan register,
Geschlechttafel, unnd Geburtsstafel nach allem begeren zuvernemmen haben, wie
die Risen, die Siren, die Recken, die Kern, die Kerles, die Helden auff die Welt
kommen, und unser Gurgelstrossa nach direchter gerader lini von ihnen abgestigen
sei. Lasst euch nicht verdriessen (sonst möcht ich meiner arbeit nicht
geniessen) dass ich euch die Zän so lang mache, und mich jetzumal, da ihr all die
Oren gespitzt, anderswo hin beruffe. Wiewol die sach also geschaffen, dass je
mehr man sie erholet, Kornschüttet, erbeutelt und remembriret, es des mehr Euern
herrlichkeiten solche zu ergetzlichem wolgefallen solt erschiessen: Wie euch
dann solchs Plato im Philebo und Gorgia lehret, auch Flaccus, welcher sagt, dass
etliche ding sind, je mehr man sie widerholet und errollet, ersinnt unnd
erschindt, erkäuet unnd widerkäuet, je annemlicher werden sie: Aber dieweil ein
Tor ein arbeit zweimal tut, wöllen wir sie an gedachtem ort gekauet ligen
lassen, unnd euch hiemit dahin veranlassen, dass ihrs auffassen: auff dass wir
fortpassen.
    O wie köstlich gut wer es, dass jederman sein geburtsregister von staffel zu
staffel und stigenweiss so gewiss aus dem Schiff Noe schöpffen, Bronnenseilen,
auffkranen, dänen und ziehen könnte, wie wir und Bonfin seinen Boras, Damas,
Chulchas, Bulchus, Attila: O wie würd der Flegelbeschiltete Marcolfus so stoltz
mit seim Rustinco Rustibaldo werden? Aber nicht ein jeder hat das Glück, dass er
ungeschlagen den Bapst erblick. Ich halt, dass heut manche König, Fürsten, Bäpst
und Herrn seien, fürnemlich die so schindische Tirannische Prachtschaben sind,
(dann ein lasterhaft gemüt, zeigt an ein unadelich geblüt) die nur von eim
Torhüter, Stallfincken, Eseltreiber, Holtzträger, Schnapphanen und Kistenfeger
herkommen. Wie im gegenspil manche arme Teuffel, Landläuffer, Gartenstreiffer,
Pfannenpletzer, Quiengoffer unnd Zwicker von Königen, Bapsten und Bischofen
mögen hoch geboren sein. Inn massen solchs Plato beweiset, dass kein König sei,
der nit von eim Knecht herkomme, und im gegenspiel, wann man hinauff schielet,
zehlet und zielet, ein Knecht von eim König, ja oft Redliche von unredlichen,
dann die redlichen sehen, wo es den unredlichen fehlet: unnd wer will den Reimen
zu Nörnberg abwischen? Ich tus diss Jahr nicht: auffs ander Jar kommen die
Heiden. Was? kommen nicht die Türckische Keiser von dem Arabischen Cameltreiber
Machomet? Die Persischen König von eim Königlichen Köchertrager? Sind nit die
Mamaluckischen Knecht in Egypten regierende Soldan gewesen? Sind nit die erst
abgestorbene König inn Poln von eim Littauischen Knecht Gedimin, der seinen
Herrn erstochen, kommen? Sind nicht ein gut teil Päpst Calmäuser, Spänhocken,
Parteckenstecher unnd Partemsinger gewesen, ja Pfaffensön unnd Nonnenkinder?
Unnd kommen nit der mehrteil Churwallischer Spatzacaminer von Römischen
Geschlechtern aus Tuscanien, so müst Tschudi liegen. Und was ists wunder.
Angesehen die wunderbare veränderung, und abwechsslung der Königreich unnd
Keisertumb, von Assiriern und Chaldeern zu den Meden, von den Meden zu den
Persen, von diesen zu den Macedoniern und Griechen, von Macedoniern auf die
Römer, von Römern wider auff die Griechen, von Griechen zu den Teutschen
Francken unnd Franck Teutschen: nun vom Herren zum Knecht, nun vom Knecht zum
Herren: nun von Weibern auff die Mann, nun von Mannen auff die Weiber (da lass
ichs bleiben) wie in Behem unnd bei den Amazonischen Metzen unnd Hetzen oder
Hexen: dass ich jetzt des Türcken geschweige, und heut der Portugaleser inn
Indien, der Indianer inn Moren, der Moranen in Spanien, der Spanier inn Italien,
der Italiener in Franckreich, der Juden undern Christen, der Schotten in
Preussen, der Franzosen in Teutschland, der Engelländer im Niderland, der
Teutschen in Moscau, der Moscowiter inn Polen, der Polen in Ungarn, der Ungarn
inn Türckei, der Türcken inn der Christenheit, der Christen in der Türckei:
Schreibt doch Merlin Coccai inn seinen Nuttelverssen, Plus Roma parit quàm
Francia Gallos: nämlich in illo tempore, da man bald hernach die Sicilisch
Vesper hat gespilt.
    Also kugelts im kreiss herumb, wie solt es nicht kegel geben: Ja dass ich
geschweig des verreisens, migrirens, verruckens unnd auffbrechens etwann ganzer
Länder unnd Völcker von wegen plagung der Mäus und Schnacken. Darvon ganze
Postillen von Noe Kasten aus vorhanden, der Goten, Wandeln, Langparten,
Nortmannen, Saracenen, Marckmannen, Wenden, Sclaven, Rugen, Walen, die
untereinander gehurnauset, gewalet, gewandelt und gewendet haben, wie ein Hafen
voll Beelzebubmucken: also dass es dem Wolffio im Scipionischen Himmel noch ein
lust herab zusehen gibt, dass die Mirmidonische zweibeinige Omeisen hie unten
noch also durch einander haspeln unnd graspeln. Ja welchs Land lauffen nicht die
Schwaben aus? fragt doch jener Würtenberger wie Bebel meld, so bald er inn Asien
nur aus dem Mörschiff stig. Ist nicht ein gut gesell von Beblingen hie? So ist
die gemein sag, Schwaben geb der ganzen Welt genug Huren. Und was gibts
gestochen lebens und angststich unterm Weibsvolck, wann man ein Land und Statt
mit gewalt gewinnet. Hat doch der inn den Secreten der Finantzen inn Franckreich
allein von den treissig letzten Jaren her, weil die Krieg daselbst gewährt,
zwölff tausent unnd trei hundert genotzüchtigter unnd geschwächter Frauen unnd
Jungfrauen gerechenet: Wie viel haben dann die Böckstinckenden Spanier seiter
im Niderland vergifft? Sie habens weit weit über den Keiser Proculum gemacht,
derselb schrib an den Römischen Raht, für ein Triumpffwürdige tat, er für sein
Person het inn Sarmatien, das ist Polen, inn fünffzehen Nächten unnd Tagen
hundert gefangener Jungfrauen zu Frauen gemacht. Ey des schönen
Fotzenhelmsstechens, Dass man ihm eine für ein Prill auff die Nass setz, so
scheuen ihn auch seine Kinder, und schreien desto minder.
    Und inn was Land ziehen nicht die Zigeiner, Kauffleut, Studenten, Becken,
Kämetfeger, Handwercksgesellen, Allgäuische Maurer, Schnitter, Elsessische
Betler, Pilger, Stazionirer, farende Schuler, Kriegsleut, Juden. Item
Landraumige: Dann wa wer der Ronzefall bewont, wann man nit in Franckreich Oren
abschnit? Wa het der Türck so viel Janitzerschützen, wann nicht Mamalucken
weren? wa hett der Reuss so viel Teutschen, wann nicht Polen, Schweden und die
Seestätt vielen das Land verbieten: Wo wer die neu Welt bewont, führ man nicht
zu gewissen jaren Banditen inn die Neuen Insuln.
    Man sagt, und ist kaum nicht war, dass mehr Schweitzer in Franckreich, als in
ihrem Land werden aufferstehen, gleich wie mehr Frantzosen in Sicilien und
Italien, als in Gasconien: mehr Balduinischer Christen im gelobten Land, dann
inn Flandern: und mehr Engelländer inn Normandien, als inn Wallien: mehr der
alten Römer am Rhein, als umb Polesein: mehr Spanier inn Wirtenberg und
Niderland, als umb Miral kamp: Mehr Portugaler im Mör als zu S. Jacob, Mehr
Westfäling inn Liffland als Widerteuffer zu Mönster: Wie solt man nicht inn
solcher Babilonischen trennung die Kinder verwechsseln, die Frauen vertauschen,
muss doch mancher seine zu Blois bei den Mönchen suchen, Es heisst, wilt dein Haus
behalten sauber, so verwars vor Pfaffen unnd Tauben: unnd Peter Schott reimt.
Alt Affen, jung Pfaffen, darzu wild Bären
Soll niemand inn sein Haus begeren.
Und Jacob Wimpfeling verbeisst es, und spricht:
Foelix Plebanus, foelixque parochia, sub qua
Nec Naam, Abraham, nec Sem, nec vivit Elias.
Die Pfarr ist glückhaft, lobesam,
Inn der Naham noch Abraham,
Noch Sem, noch kein Elias ist:
Das ist: kein Maltz, kein Jud sich mischt,
Noch ein Geistlicher Potentat,
Noch auch ein Mönch: dann gwiss es schad.
    O wie tun Fündelhäuser unnd Weisenkästen so wohl, wa dise hauende Schwein
sind: wo findet man ein Nonnenkloster, da nicht ein Mönchskloster nahe darbei
sei, die Trescher fein nah bei der Scheuren. O Lüttich, Utrecht, Köln,
Wirtzburg, Bamberg, Mentz, O wie Reichstägisch, wie Beichtvätterisch, was
schöner Visitation König Henrichs inn Engelland.
    O Badgestrigelter Doctor von Costentz: die Müllerin auff der Nidermül: der
habersack: der Tumherr mit der Frau Eselerin. Die beicht der Baselerischen
Müllerin: wir beide fahren wohl über den Rein: treizehen Nonnen, viertzehen
Kinder: der Pfaff im Federfass: die zwölff Atzelmönch im Keller: der Tübingisch
Mönch im Ofen: der Betler heiaho, der Augspurgisch Spinnenstecher, welcher der
Bettlerin den Pflaumenbaum schütt, und in eil ihren Bettelsack für den Fischsack
erwischt. Schlaf Töchterlin, du weckest mich, schlaff müterlin, die Deck lang
ich, O wee der leidigen Decken, die du gelanget hast, ich sihe vier füss da
strecken, du hast gewiss ein Gast: und was dergleichen sauberer Lieder mehr sind,
die man singt und getruckt find, darin man die tägliche gedachte Practic der
wechsselung der Kinder gründt. Eins morgens fru, tat ich mich zu, zu einer
Meid, schmuckt sie zu mir, was schaffet ihr, lasst mich kehren, man möcht uns
hören, etc. Dergleichen, Junger Knab, nun zihe dich ab. Item es fischt ein frei
Frau Fischerin. Item, Ich arme Magd, wie gern ichs wagt, aber es ist kein Recht,
dass ein Magd aussbeut dem Knecht. Item wie wers, wann ich nicht schlieffe, und
liess dich doch nicht ein, dann ich lig jetz so tieffe, ins andern Aermelein.
Und, Es wolt ein Jäger jagen, es ward ihm viel zu spat, Juheiaho, sie bei
einander lagen, trei stund unnd zwo gerad, kehr dich schöns Lieb herumb, beut
mir dein roten Mund etc. Und hat dich dann der Hund gebissen, und hat dich doch
nicht gar zerrissen, etc. Es wohnt ein Müller vor jenem Holtz, hat ein
Töchterlin das war stoltz, zu der liess sich ein Reuter strack, tragen inn eim
Müllersack, zu Nacht ruhrt sich der Haber im Sack, etc. Brauns Mägdelin zih dein
Hembdlin ab, unnd leg dich her zu mir, etc. Es ging ein Meidlein Abends spat,
für einen jungen Knaben, etc. des war sie fro, er rauscht im Stro, etc. Der
Schwester waren trei, die aller jüngst, die under ihn war, die liess den Knaben
ein. Es hat ein Schwab ein Töchterlein, das wolt nicht lenger ein Meidlein sein,
O du mein feines Elselein, etc. Es steht ein Lind in jenem Tal, ist oben breit
unnd unden schmal, etc. Es hett ein Meidlein sein Schuh verloren, es kondt sie
nimmer finden, etc. Ich weiss mir ein stoltze Müllerin, und solt ich bei ihr
malen, etc. Der Guckgauch der flog hinden aus, wohl für der Beckerin Haus, darin
ein Goldschmid mausst. Wa gehn die Bamberger Meidlin hin, etc.
    Unnd wa wollten wir alle solche Geuchlieder, darmit sich noch die Buben ihrer
Grassmuckeneier rühmen in Sinn fallen: Mann kann aus diesen genug absehen, wie inn
Stätten weder Mägd noch Frauen, auff dem Land weder die Müllerin noch die
Eselerin sicher sind: Welchen wolt es dann wunder nemmen, dass mancher inn
solchem Geläuff dem Keiser Octavian gleich sicht, und der Edelleut Kinder den
Müllern, und des Mullers Kinder den Edelleuten ehnlich sehen. Wie solts wunder
sein, dass etwann grosse Herren, Zwerg unnd Högerling zu Erben haben, so doch
jener König den Zwerg auff seiner Frauen fand, und jener Herr seinen Moren. Ach
was ist über Weibergelüst und list, da helffen keine beschnittene Kämmerling,
noch Pantzerfleck mit Mahlschlossen, und Diogen besorgt, dass ein Kind, dem
lengst sein Wohnvatter gestorben, noch seinen rechten Vatter möchte treffen,
wann er unter ein hauffen Volcks sollte werffen.
    Und ist warlich, nach des Bockazii Meinung misslich, dieweil die Kauffleut
verreisen, unnd die Edelleut inn Krieg zihen, und doch die Weiber daheim Kinder
aussbrüen: Aber das best ist der gut Wahn: sonst wanns einer wisst, so solt er
auch wie Orestes dort sagen, Wer wolt gern inn Krieg sich wagen, wann er daheim
ein Clitemnestram solt haben? so fahr der Teuffel ins Häuw: So sei der Teuffel
ein Schiffmann, der köndt bald heimkommen. Tetst es du, so dörffts nit der
Knecht tun. Aber es wird auch heut so genau nicht gesucht? dieweil ein grosse
ehr bei den Spaniern, Frantzosen, Italienern, Niderländern, unnd andern worden
ist, eins grossen Herrn Bänckling, Spörling, unnd Nef zu sein unnd heissen,
ungeacht des Mörspurgischen Spruchs.
Sacrificum nati, non possunt esse beati,
Non sunt foelices, quia matres sunt meretrices.
Die Pfaffen Sön kein Glück angaht,
Danns Vatters platt zeigt inn das Rad,
Der Muter spatt den Nachtschad,
Und Natus adulterio, semper adulter erit:
Filia moechatur, quæ moecha matre creatur.
    Was von Huren seuget, ist zuhuren geneiget,
    Was von Huren erboren, ist zu Huren erkoren:
    Gerät das Kalb nach der Ku: So sind der Huren zwo: sie lassen das Wundmal
    nit, was man auch daran Alchimisirt und verschmidt.
    Exempel odiosa sunt: aber bedenck einer den Alciatischen Hercules, der inn
einer Nacht kont 50 Nuss erbrechen: daher der Weckenruffer Goropius sagt, Heckul
trage seinen Namen von den Kullen oder Hoden. Und wie manche Statt kompt von
eitel Bastarten: Kommen nicht die Römer von geraubten Mütern. Die Gotten (wie
Jornandes hällt) von Auffhockern? Aus was ursach aber haben etlich die Stichling
so lieb? darumb dass man sagt: Semper Bastardi sunt addictissimi Marti: das ist:
was auf der Banck gemacht ist, das ligt nicht gern darunter: die Banckart werden
bereit inn hitz, im liebkib und neid, darumb haben sie freud zur Spitz, zum kieb
und streit: unnd die Venus bulet gern mit dem Mars, das ist die geheimnuss. Aber
es heisset hinwider: Non gaudent sorte, quia cadunt misera morte: Es belangt
ihnen nicht zum Glück, sondern zum Strick, Sie sind gemeinlich schrecklich
gestorben, dann inn schrecken hat man sie erworben. Sie saugen dann, wie aller
Bastart Patron Hercules, heimlich unnd verstolen der Juno Milch, so sitzen sie
auch alsdann mit andern Göttern zu Tisch: unnd werden ehrlich wie des Hectors
Bastart, nach dem ihn sein Frau Andromeda geseuget hat: Secht da: Hie weisst man
euch ein weiss, Bastart ehrlich unnd Ehelich zumachen.
    Aber dise Liffkindecken sterben wie sie wöllen, sie sind nicht des minder
gemacht: unnd bescheinet gleichwol aus oberzehltem, wie ein seltzam gekocht
Pludermuss hie unten sei unter Gevatter und Vatter: unnd dass mancher ist hoch
geboren, aber nicht hoch erkoren, und mancher hoch erkoren, aber nider geboren.
Und dass ich mich, der ich jetzund red, allein zu eim exempel auffwerffe, so
glaube ich gäntzlich, dass ich etwann von eim reichen König oder Fürsten aus der
alten Welt auff dise werckstatt kommen sei. Dann ihr habt euer lebenlang kein
Menschen gesehen, der lieber ein König und reich wer als ich: auff dass ich neben
andern gut vergurgelern auch könnt im sauss leben, unnd nicht schwer arbeiten,
noch den rucken bucken, mich vor jedem ducken, noch vil sorgen, und könt meinen
Freunden vil schencken unnd borgen, auch sonst fromm und geschickt Leut reich
machen (welchs doch manche Scharrhansen nicht achten) des möcht unser genad
gelachen: Aber ich tröst mich dessen, ist es nicht hie, so ist es dort, unnd
villeicht mehr als ich mir inn ein hand wünschen solt. Auff solche oder auch ein
bessere weiss solt ihr allzeit euerm unglück mit trost wissen zubegegnen, dass
noch morgen Taler könten regnen: Trinckts fein frisch, wann ihrs habt, dann im
trincken mag man vil unmuts versincken.
    Aber lasst uns den Wider auff unsere Hämmel widerbringen, davon uns der Bock
gebracht hat. Ich sprich, dass aus sonderer Inflissung des Himmels zu lieb dem
eingissenden bürstlein; die Altiquitet, und das geschlecht des Herren
Gorgulantua vor andern sei in Esse erhalten: und vil besser dann der Harlunger,
Amelunger oder Bechtunger Stammen, oder des Mandafabul, des treiäugigen
Horribel, Riss Rupran, Goffroi mit dem Zan. Ja dann des faulschalen Dietrichs von
Bern Gapt unnd Hundsleiter: des Margeckischen unnd Beckischen Brabons
Handwerber: des Werlischen Antier Kükopff, dann des Preto Johan Davidsstamm: des
Schiffmans unnd Volterra Abentinischer Perleon: des Gebwilers Noachisch Priam:
dann Leckus unnd Zechauss, des Humels Danman, Angul und Gramm: der Engelländer
Brut: der Schotischen Königsmänner Barn, Fergauss unnd Malcolm: der Venetisch
Antenor: der Zürcherklösslin Arlischer Turich: der Tellischen Brudermörder Tschei
Schwiter, wie auch der Römer Wolffsauger Rümel, der Winckelritischen Unterwälder
Silvanischer Rumo, der Laterner zorniger Sepilat, und meiner Treuwoner unnd
Treierischen Semiramischer Treues Treiwetta, der Statt Damasc und Trier
Schwester Solotorn Sol Abraham, gleich wie der Märckischen Saltzwedeler Sol, der
Basilisckischen Basslerlösslin Basilius, meiner Menzerischen Landsleut
Trauianischer Magunt, der Metzer Römisch Metius, der Amazonischen Augspurger
Japetisch Frau Eisen, der Kölner Troianisch Colon, der Brantenburger Wallisch
Brenno, der Grüninger Priamisch Grun, der Wickbodischen unnd Trutgrimmischen
Lubecker Bonnisch Luba: der Brotaufisch Berenringer, der Lonenburger Jobstisch
Frau Laun, deren von Turs Rutulischer arm verjagter Teuffel Turnus, der
Frantzosen Gilischer unnd Ronsardischer Priamischer Francio, der Treisener von
Dreux Panische Trutenfüss, der Nortwindigen Nörtlinger unnd Nörnberger Nero, der
Windwunischen Wiener Blauer Bonenfresser Fabian, der Marckmirischen Marburger
Mördischer Mars, der Francksachsischen Franckforter Frau Helena, der Wimpfischen
Weiberpeiniger Jungfrau Corneli, der Müllerischen Erforter Erfft, der
Fechterischen Hamburger Starckhaterischer Hama, der Offenburger Heiser
Englischer König Ofen: der Grochauer Lechischer Cracke: der Gewürtzherben
Wurtzeldelber Wörtzburger Plutonischer Herebus: wie auch der Clareanischen
Schweitzer Höllvatter Pluto: der Magdeburger Kräntzlinmacherin Jungfrau Venus:
der Zwickauer Cidnus, der Churer Kurio: der Wädelburger Wadelloser begrabener
Quedelhund: der Mänicher gefundener Mönchskopff, wie der Cartager Rosskopff, unnd
der Indischen Bucephaler Kufalkopff Und entlich (dass ich aus der Welt komm) viel
besser als der schönsten wüsten unfletigen Parisischen Pastetenbecken, Weibische
Hundsfutt Paris von Troia: oder deren, die nur ihr geschlecht aus Armenien und
Archadien, von Römern, Kolumnesern und Ursinern herzihen wöllen.
    Unsers Pantagruels Noachischer Stamm aber, der aus dem Seeturn Saturni
herkommet, ist eben so wunderlich als des Henrich von Soliaco König Arturs Grab
gefunden worden, oder die Koccayschen, durch Jan Audeau, sonst Gänssrich
Altgoltalt, in einer Wisen, von deren das blau Storckenlied lautet, ob Mumpffel
und dem Weinstrutel im Höllhacken bei Lauffen, wann man auff Höllenstein
zugehet: Dann als der König Wasso von Wäsel dem guten Wein nach mit den
Süsswassergirigen Salmen den Rhein herauff gestrichen, und die Statt Augst, durch
die Allemannen zerstört, wider auffbauen, unnd nach seim Namen Wasle nennen
wollte: auch desshalben das Fundament, oder, wie der Bauer sagt, das unten am End,
ergraben liesse: da geriehten seine Pickler, Karstansen, Schantzgräber unnd
Scheuffler auff einen Kupfferen boden: dessen breite noch lenge sie ein ganz
Jar nicht erbickelen mochten, eben so wenig als Cesar des Schwartzwalds end
erreuten, und Keiser Karl der gross die Pegnitz unnd Regnitz inn den Mein
geleiten: Sie hetten auch wohl ihr lebtag daran geschickelet und gebickelet, und
weren doch darmit nit fertig worden: dieweil diser kupffern Todenkasten zu den
vier Eckmören reichete: und weit weit das hundert kläffterig Grab des
fünftausentjärigen Macroseir bei Aten übertrafe: Sintemal das Haupt darvon
zwischen Mörselien inn Bruchwalen unnd Gänua im Lugerland lage: die Achssel aber
im Rauhen Rachen bei Augst, da diese Grundfahrer Gruben: der Bauch unter dem
Eychelstein zu Mentz, da die Beut von den schnäbeligen Armen Gecken soll
stecken. Sein latz streckt sich biss gehn Köln unter das Kloster zu den
schwartzen Schwestern: Sein fuss badet er im verfallenen Schloss Katwick gegen
Engelland über: da man einmal die Spanier weiss gewäschen, und mit Häringen
eingesaltzt hat: Mit der lincken Hand tätschelet und wätschelet er im Mörport
bei der Rostigen Rossschellen, inn Zeltwahlen oder Santwohnerland, darvor etwann
die Kühschellen lagen. Sein Rechte aber ist durch ein Erdbibem etwas verruckt
worden, als Atlas die Erdkugel auff die ander Achssel wolt abwechsseln, zusehen
was der gross Fisch tet, darauff die Welt stehn soll: also ist sie nun durch das
Kropffreich Pintzgau hinaus erstreckt. Fasst also noch die zwei Weinreich da ihm
der Wein so wohl geschmackt, zusamen, aus sonderer geheimnuss, wie solches der
gross Englisch Prophet Mörlin aussleget.
    Da nun gedachte Maulwerff und Rubentelber oder Schantzgräber, aber nit
Schatzgräber, an disem unerwercklichen werck lang gegraben, unnd nichts erhaben,
brachen sie den Kasten an eim ort auff: Hei botz tausent hundert Frantzosen da
hett einer sein lust gesehen, wie sich die arme Teuffel duckten, als die
Weinstein so hauffenweiss zu ihnen hagelten: biss der verständigst unter ihnen,
der einmal ein Messner gewesen, das Weinwasser aus allen Maltzenlägelin unnd
Pascalerfläschlin hiess gegen dem Wetter zuspritzen, da hört es auff, als wann
man Sanct Antoni Rubenschnitz vorstellt, dann man muss eim Heiligen dienen, mit
dem das ihn mag versünen.
    Letzlich fanden sie auff dem innern Sarck ein woltischponierten Hofbecher
eingegraben, da rüffet der vorig Sigerist, fort, fort, da wöllen wir bald die
abgehauen zwen finger über dem Kelch finden, Als sie sich nun nicht saumten, und
tapffer hinweg raumten, da fanden sie mit Cimbrischen Scytischen, Tracischen,
Phrygischen unnd Hetrurischen alten Buchstaben darumb geschriben, HIC BIBERE, HI
WINBERE: HIC LIBERE, HI LEBERE: HIC WINWITUR, SIC VIVITUR: und da unten dran,
hie ist nit aliud vivere, dann bibere: O Liber Pater fach hi liberè leberè bibere
vivere.
    Diss war sein Hierogliphisch Grabschrifft, so nit allein sein wesen anzeiget,
sondern auch bedeitet, wie die lebhaften Weinbören und das lieb Weinelen mit
der zeit von dem Ort an, den Rhein oder Weinstram hinab solt also fort wachssen.
    Weiter fanden sie an statt Heidnischer Ampeln, seltzame Liechtstöck, nämlich
neun wolmäsige: wie sag ich, wolmäsige? ja wohl fuderige Altwilische Flaschen,
das fuder nach der alten Rastatter, Schilckhaimer unnd Henauer mass zurechnen:
die stunden fein nach der ordnung wie die Prettspil auf der Schützen Haus, oder
wie die Krüg inn Cana Galilea: waren darzu wohl umbmauret, dass sie nicht konten
sincken, weder zu der rechten noch zu der lincken, sonder fürsich oder
hindersich, wie die kitzelige Mägd fallen: wie man dann derselbigen
Flaschenfuter (die etlich Altdickwitetendeiter für Camin und Cisternen (ja
Weincisternen) geschetzt haben) noch sechs oder siben auff dem weg gegen
Lichtstall sehen mag: dahin ich die, so es nit glauben wöllen, will gewisen
haben.
    Und soll euch solche Flaschen begengnuss nicht frembd sein, dann vorzeiten
hat man gepflegt die abgestorbene Helden inn steinene fässer einzuschlagen: wie
diss Phlegon Trallian von seins Troianischen Herhohen Ide Trollenkopff, der
viermal grösser als unserer gewesen, bezeuget, unnd schreibt dass dasselb schön
Futerwannenköpflin nach vil Hundert Jaren aus einem solchen eröffneten Weinfass
mit ganz frischen Zänen gerollet sei, als ob er noch dem Wein treuet ihn zu
beissen. Aber beati credentes: wers nicht glaubt, dem wirds nicht eingeschraubt.
    Nun zu unsern Flaschen: die mitler unter denselben stund auff eim lustigen,
rostigen, grossen, fetten, dicken, kleinen, schmutzigen, rotzigen, kleberigen
unnd verschimmelten Büchlein, welchs viel stärcker, doch nicht vil besser, als
rosen roche. Darinnen hat man seinen stammen, nach rechter Altwilischer
Cantzeliischer Teutischer Schrifftartlickeit, unnd Artschrifftlichkeit
beschriben gefunden, nit auff Papir, nit in Wachss, nit in Geissfell, nit in
marmor, sonder auff Olmen oder Rüstbaumrinden: welche doch das schabenessig und
Madenfressig alter wider das verbott Keisers Justinian im anfang der Digest in
fine wider die vorteilhafte unnd Papirsparsame Schreiber, also verzert,
abgenützt, durchlöchert, zerkerfft, vergettert, zerflötzt, abgeetzt und zerfetzt
hat, dass man kaumlich den anfang und das end am rand und bort hat können
erkennen.
    Derhalben ward ich (als mit züchten ein unschuldiger Bürstenbinder) der
damals auff Pitagorisch Seelwechselig wie der Finckenritter in Muter Leib
reiset, zu ergribelung diser Antiquitet erfordert: da praucht ich mich warlich,
wie der Pfarrherr zu Tettenhofen, scharffsichtig genug mit vier plintzlenden
Augen durch Finger und Prillen: Und regt die Epidaurisch Probisch, Agrippisch,
Sarreinisch, Marlianisch, Calepinisch, Huttichisch, Vicisch, Peutingisch,
Toscanellisch, Altisch, Stradisch, Goltzisch unnd Alciatdispunctisch kunst, die
vertipfelte, verzwickte, Geradprechte, verzogene, zeichentrügliche,
zifferreterische, abgeprochene, aussgehauene, abgefallene, versunckene,
unsichtbare, geschundene, unnd (dass ich wider Atam hol) die geschendte,
geplendte buchstaben und wörter ausszulegen: Unnd warlich die halb Caballistisch
kunst gerit mir schir, dass ich den verstand auff Oedipisch rätersweiss erratet:
wie ihr dann hie lesen möcht, doch mit Pantagruelisiren, auf Durstbergisch, das
ist, dass ihr vor den Mund netzt, und die Augen trockenet: vor den Wein zepfft,
unnd darnach allgemach den Verstand schöpfft: So werd ihr also fein mit massen,
die Bundgreuliche taten des Pantagruels einschleichen lassen.
    Zu end des bestimmten Fleschenbüchleins stund für ein Mönchisch Korallen
Corollari, Schulerisch Appendix, Historisch Supplement, Musicisch Cadentz, der
Artzet Misch und fiat, Dialectisch Ergo, Retorisch Quamobrem, Notarisch inn
krafft diss Brieffs, der Prieffschreiber hiemit Gott befohlen, das Osterlich
Allerleiluia, das Teologisch inn ewigkeit Amen: ja für der Schneider knopff, der
Spinnerinn schlupff, der Rimpffer Martsch, Pretspiler Lurtsch, das Schachtisch
Matt, das Säuferisch Nägleinklopffen, Gaucklerisch Nemt so für gut, Betlerisch
Danckhabt, jedermans Adi, der Kaufleut Summa summarum, und für die zwo zugebene
Biren (aber Mantissa obsonum vincit, die zugab übertrifft schier die Schuldgab)
da, sag ich noch einmal, stund, ein klein Anhänglin und Tractetlin, dessen Titul
war wie nun gleich folgen würd. Aber die schandliche Mäuss und Ratten, Schaben
und Maden, oder (dass ich weniger lüg) sonst schädliche Tier, hatten den anfang
und das forder teil (hei dass ihnen der Teuffel das hinder teil gesegene) gar
vernaget: Also dass ich desselbigen, neben den Berosischen und Römischen
Aneteichen unnd Antiquariis, den Armen Protsamschluckern, Winckelschlupffern,
Wändschabern, Steinweschern, Seulengaffern, Tulkräpsen und Heidochsen, noch inn
mangel stande. Gleichwol hab ich denselben schimmeligen Steinschabern, unnd
Müntzgaffern, die auch ein gebuckleten Schröter für ein Antiwitet auffheben, und
jedes Missgewechss auffkleben, zu ergetzung, von wegen Altwibitet, dannoch den
überrest hiemit wollen einpringen: damit möcht ihr mit dem Guttaruff
Glucktratrara singen.
 
                               Das Ander Capitel.
 Von einer Alten Mistwälcken Pantagruelischen Vorsagung, in einer denkbegräbnuss
  oder Grabverzeichnuss erspehet, daraus ihr die Oraculisch Tripodisch Poetisch
                             ergeisterung ersehet.
                          VI WIDERTODE, WITARBORSTIGE,
                        WITERWETTERIGE UND WITARSINNIGE
                    fanfrelischeit, unt wissagung: sampt den
                       wanfrolichen Gluktratrara, fon tar
                           Lantagruelichen wirckung,
                           sagensweis, wi scorpionoel
                                  einzunemmen.
A W Wa D fluten
T Hac, lac berg, nachen
r schon Sat P T T guten
Dis V Teut Teuchwallionrachen
Gallion P gog O hoch Bachen
Aettal Z P Aette edel Aettalien
Tahar X noch heisst Wallien
S komt Bach, Becher, Bauch, Nassachen.
2. Trat har tär Zwingar all tär Zimmerar,
Ti ein Söturn gezimmart hatten:
Welchs waran rechte Söbekummarar
Ti inn täm watar tahar wattan.
Tas waran acht bekummart schwimmar
Ti inn täm hohan Kastanzimmar
Schwaman on füss, on bintzen, Plasan
O war ti berg mit schleimecht wasan:
Tarinnan sie ain ganz Jar sasan,
Unt niman me ein woltan lasan.
3. Er awar flog tahar in lüfften,
Gleich wie ein Unholt auff tär gawal:
Kain wettar mocht ihn nicht fargifften,
Also hat er ain wilt gestrawal:
Hat tar gross Teuffal seinen schnawal
Ta prauchan mögen, unt sain stawal,
Er hatt sie gar um törfen pürtzlen
Mit seiner Newtunischen gawal,
Unt wi ain Muckenhauss umstürtzlen
4. Er trehet si gleich wi ain topff,
Das si umkraiselten do,
Ta rufften sie all schelmio,
Spil röpflins tu auff teinem kopff.
Er awer trat har auff tem stro,
Hat ein strofitel an tem kropff,
Und spilet for sein unmut to.
5. Awer als er nicht mö kont stifften,
Lis er sein zorn turch tosen fallen,
Wi er sa tas sichar schifften,
Unt auff tem Archmanberg all stallen:
Was mach ich lang? lass sie nur wallen,
Tan Altaro mein Tochtar zart
Ti aus meinem gesäs ist gfallen,
Spricht in mein Püchslein plaset hart
Peisst tise feig, ten Erisballen:
6. Wil tan Formötig sie nicht hausen,
So ist noch ta ter Obermötig,
Ter hat for ihren gar kain grausen,
Er nimt sie auch ins bett genätig,
Unt macht ihr ta tas Scheishaus letig,
Welches turch ti ganz Welt tut rüchen,
Unt all sein Kintar macht unflätig:
Tan taraus ti Grasteufal krichen:
O Pantora mich nicht beschätig.
7. Aus tisar Nuss, unt Büchsenhöll,
Aus Obermötig, der Altor gsell,
Komt Hakbak har, Tifhöllenwäll,
Grosfatar des Pfrantagruel:
Dan sein Vatar his Sarmatschäll,
Namlich auf di Armenich sprach:
O wie ain schonar stamm unt kwäll,
Dan alles süset gat ihm nach
Wan si lan tropfen auf die schwöll.
8. Als di Sankt Tora sazt di füs
Da regnets Mett unt eital buttar,
Was si nur biss das war als süss:
Da ruft Areta di Grosmutar,
O tas tär Süsflus lang hi güs
Unt tas mein schmozig har fol flüss.
Das wer ain schant doch inn dar höllen,
Das man di inn dem wassar lis,
Ich wolt ihr e ain laiter ställen.
9. Harauf, harauf du Weinsüs waffal,
Wir langen dir ain sait unt strang:
Harauf, harauf auf disan staffal,
Dein Har ist wohl zu angaln lang:
Nun angal recht, nun strek den strang,
Das man auch mit ihr Sönlin fang,
Den Schmuzkolb hi Hakinteback,
Der mit dem kopf ihr hart bestak
Zwischen den bainen wi ein sack,
Das si da auf dar Rormus mak,
Di gschmirt hat Arsbak, bak unt nak
Mit bottar, das kain wassar strak
Behaft, unt in artränk im bak,
Dan är gehort noch an den kak.
10. Etlich ti ruften unfarholen
Tas ihr Prunznas pantoffel küssen
Sei bessar als schwär Ablas holen,
Wi sör si wären auch beschissen,
O sprach si, ich ampfind solch frost
Zu untarst inn meim fell unt secklin,
Tas mir tas hirn harum farroscht,
Unt es nicht wärm mit kainem päcklin,
Ta untarstuzt mans mit aim stecklin,
Unt reucherts mit aim Rubenrauch,
Si kroch in ihr höl wi ain schnecklin
Tas er ta witar wärm tän bauch.
11. Ihr räten warn fon Giwaltar,
Unt fon Sankt Fratrich kwatarloch,
Fon Hölkalberg, unt Klippen gfar
Fon Kuraengruw, di üwel roch.
Fon Flamprons Basilisken loch.
Fon Stokhorn, Ness, unt Niklausperg,
Fom Choullischen Pilatusperg
Zum Wilten Anträs, Kalt unt Prige,
Fon gros unt klain Sankt Parnhartswerck,
Fon Schackental, fom felt um Rige,
Fon Golant, Urslar, Fogal, Mor,
Schalberg, Zuckmantal, Stammarlucken,
Fon Lukmannier Busfalor,
Fon Retikon, unt Teuffals prucken,
Unt auff dem Mart, da Schnapphän hucken,
Fon übern Peltz, unt Atoskruken,
12. Fom Badenwilerisch Bergrucken,
Fon Aetna, Abila, unt Kalpe,
Fon Herkulsul, Fagfur, unt Sirten,
Fon Pfilatus sö, Giwaln, Alpen,
Wi Ernst im Tonaustrutal irten,
Wi Schär im Tonau fil zerschirten:
Fon Skars, Sul, Trollhett, Teufalskopff,
Fon Runtisfall, Rontsö, Onwirten,
Fon Stentor, Taunafors, unt Knopff.
Fon Gotart, Hilmsnapp, Bivra kluppen,
Fon Roest, Loffoet, unt Mostrastrom,
Fon Idebenka, unt Gruntsuppen,
Fon Teneriffa, Wassarstomm,
Fom Katzenloch, unt Kessaltromm,
Fom Monch inn Faran inn Nortwegen
Fom Fall am Lauffen zu Schiffhausen,
Fom Gletschar, unt fom fernen rägen,
Und sonst von solchar löchar tausent.
13. Ratschlagten inn dem Kamargericht
Wi man gedachtem Höllenwust,
Den Stain schnitt turch das scharff gericht
Das ihn fargieng där Teuflisch hust.
Tiweil es ist ain gross farlust
Si sehen iten Wint umwäwen,
Dan wa sie wern farnagalt sust
Könt man sie zum Pfantschilling gewen.
14. Disen zu temmen kam Q.B.
Im glait der Nasweis Katzenrain:
Der Kiklops fettar sich arhube
Der Owerst beutlar an dem Rein,
Der stillet es ain zeitlang fein.
Ein itar butz das näslin sein,
Dan wenig Lochfegar sint rain
Das alles nun beschlossen klemm
Ward gschnawelt, gspitzet unt gewetzt
Zu trotz der Schate Ate schwem,
Di sich im Antengses da setzt.
15. Hei das wacklend Aentengses
Di Wolffstreck unt die Raigelwaich,
Di Mosku, Rortrum wart ser bös
Als si Pantasile sa plaich,
Das sie nach kat unt zwiwal reuch,
Ain itar rufet owarlaut,
O schlimme Kolenklopfferinn
Gest tu noch da mit ganzar haut,
16. Het Juno nicht keholfen streng,
Man hett ihrs Ksäs kemacht so eng,
Das sie wer allantalwen luck,
Unt helff kains Hosenlappars stuck,
Müsst Altore Latwerck farsuchen,
Unt, wie man ihr rit, inn aim schluck
Zwai aier aus Proserpin kuchen:
Unt wa sie me behaft zu ruck
Inn weissen Tornbärkpinten fluchen.
17. Awar siwen Mont gleich harnach
Doch mintar zwainzig zwai
Legt sich där so Cartago prach
Zwischen si baiterlai.
Wolt sein Erwtail darbei:
Otar man solts kerechtlich tailen
Nach ksaz där flözerei,
Nach der Waleenbuwen sailen,
Das namlich däm aus däm Profai
Der solchs farschreiwt mit fetarpfeilen
Ain Kässupp wert fon Haitalprei.
18. Awar es wirt ain Jar harschleichen
Kezaichnet mit aim Pogen,
Mit fünff Spintaln, trei hafenbäuchen,
Da ain König wirt umgezogen
Untar aines Weinsitals klait
Unt ihm där rucken wie ain rogen.
Kesaltzt, kepfefart, mülwengstrait.
19. Ach jamar, um ain heuchlisch weilen.
Wilt so fil Juchart lants farscherzen,
Unt lan farschlucken so fil meilen,
Das tät mir warlich we im herzen.
Ach folgt nicht dem farbuzten üwal
Lert fon der Schlangen in dem Merzen,
Offnet nicht den schön Altor kübal.
20. Nach tem würt herschen, ter da herscht,
Ruig mit sein freunten,
Kain Schmach noch growhait ta erferst
Man läwt untar farainten
Nicht untar lachent feinten:
All gutar will wirt ta bewisen
All frait, die fil farmainten,
Auch träumten, unt for langst farhisen:
Ti leut ti etwan scheinten
Kommen inn ihr alt Wart fon himmal,
Tas fich wölchs si farzäunten
Würt trihumbiren mit getümmal
Auff ainem Königlichen schimmal.
21. Würt also was for zog ten Wagen
Selwst auff ten Wagen sitsen,
Unt der Esel, ten man tet schlagen
Würt seinen treiwer fitsen,
Ter Wolff tas Schaff beschütsen:
22. Auff tis schön Wanreich irtisch reich
Solt warten, lauffen, schnauffen,
Wart ter Juten Messias gleich
Unt steirt ten alten hauffen
Ta Teuffel ainantar rauffen.
Tan ter ist tot, ter nicht nem gelt
Tas er kem witer auffher
Unt ter lewt wohl, ter wölt ti Welt
Willik abhin zulauffen.
Wör sich selb tot will sauffen
Tarff kaine Reu ihm kauffen
23. Secht, ist tas nicht ain herrlich lewen
Nach wölchem Staren scharenweis
Ti liw Welt Föglin wewen, schwewen
Auff tas si faren auff ain eis
Ta si ter rauch int augan beis.
Bfeis, pfis, nun lok ihn recht bis, beis.
Wolan, iz seit ihr inn den zeiten
On tas si niman merckt mit fleis
Biz man ten Staren stech ten leuten.
24. Lezlich würt ter, so was fon wachs
Zufordarst tes striks, lachs, unt bachs
Werten gesatzt fon Honigsönich,
Ta würt man nicht me ruffen könich
Sontar ter Kanig, Kantrich herr
Tregt ain Hobffstang für scepter schwer,
Ter Brimwaler tregt her ten Kassal
Auff tem kopff ten Höwammensessal.
Ei liwe Gsellen langt tas legelin,
O könt man han sein Malchus teglin
So weren balt geseuwert rain
Ti Weinklingent Grosschetalstein.
Ti köbff so schwintaln wie ti töbff.
Hört, langt mir für solch hurnausköbff
Ti schnur zu klos, tobff, hawergaisen,
Ich will si schnurren, murren weisen.
O Zettenschais, ist tir so hais
Tas tir auspricht ter hintarst schwais.
Langt her ti Kugal, hi gilts Kögal,
Hüt euch ihr Knolfink, flögal, schlegal,
Wir wöllen euch ten topff erlausen
Unt euar stall unt scheur ermausen.
Hüt euch ihr meus auff zwaien bainen
Sankt Ulrichs ert mus euch farstainen,
Tas Rattenas mus euch betreppen
Tas Schmeishaus mus man spinnenwebben.
Ei tas tich Otmars flasch betauw
Wi fellt tär hals mir in ten stauw.
Hui bfu dich, räusper tich, Chrasch, wasch,
Schrasch, schrasch, bfasch: o langt ti flasch
Tas ich ten Wein in Källar leg
Auch on ain laiter, sail unt steg,
Also muss ich ten unflat schwämmen
Wi gässlin, ta ti änten schlämmen:
Tas heisst ti fetarn recht erstäuwern
Gleich wie ti Weiwer wan si Klaiwern.
Secht wie ihr ta ergaistart stät
Tas man euch inn ti hent wohl tät
Wisst toch nicht wa ihr stät noch get
Also macht euch tis Trara plöt,
Tis Quot libet fon ter Trommet
Als het es ti Siwill geret.
O Mumm her tas man ti köpf löt,
Holt ain Rokkenstubnars Profet
Ti euch tarfon ain Retars zett,
Nun knett, nun trett, ter lett ist fett.
r T tanz W weis T V schwizarstiffal
O l x g schliffal d t m büffal
b k m p lülzapfflin s r en
n p wachtalpfeif e k p ven.
Deest Was abest fon den Krotteschischen Kluftgrillen
                        Nun trara traro, gluk trara trara
                       Nun lasst uns fara i para unt para:
                     Sint wir nicht hie, so sint wir tara:
                      Komst izund nicht, so komst zu lara
                         Ti ich farfür, sint all Narra
                        Unt ist toch schwær tisar karra:
                           Aes ist halt schone warra,
                            Ich farlur tran ti tara:
                             Was ich an aim spara,
                              Ist am antarn lara.
                                Lasst fara para.
                               Wolts nicht harra.
                               Schalts den Karra.
                                   On gfara,
                                     TRARA.
                                     trara.
                                    Win iss.
    Aber innsonderheit sind zu ehren der Uralten, für sich selbs bestendigen
Teutischen sprach, die nachgesetzte sechssprüngige Verkers, oder (wie es unser
offtberürte Scarteck, daraus diss kürtzlich gezogen, nennet) Wisartische,
Mansehrische, und Herhohe Reimen, unnd Silbenpostirliche Wörterläuff und
Wörterleufige Silbenpostirung, wohl für ein Venedischen Schatz auffzuheben.
Dieweil daraus die Künstlichkeit der Teutschen sprach inn allerhand Kermina
bescheinet, und wie sie nun auch an stellung des Hexametri oder Sechsmäsiger
Silbenstimmung unnd Silbenmäsigem Sechsschläg weder den Griechen noch Latinen
(die dass Muss allein essen wollten) fortin weichen. Wann sie schon nicht die
Apostitzlerisch zustimmung, Prosodi oder Stimmässigung also Aberglaubig, wie bei
ihnen halten, so ist es erst billich, dann wie sie ihr sprach nit von andern
haben, also wollen sie auch nicht nach andern traben: ein jede sprach hat ihr
sondere angeartete tönung, und soll auch bleiben bei derselben angewöhnung.
    Kan mich derhalben aus Poetischem Wetterauischem Taubenflug, weil sie mir
steigen, und mich on dis Appollo inn der lincken seit kützelt, und das recht or
vellicirt, jetz nit entalten, dass ich nicht auch also par mit Sechstrabenden
und fünftzelterigen Reimen heraus fahr, unnd grüss euch also hoppenhupffenbar.
Aber bei leib dass mirs keiner less, der nicht auff Cisioianisch an fingern
klettern, scamniren und scandiren kann: Dann Ascendens scandit, distinguens
Carmina scandit: Jedoch tröst ich mich M. Ortwini, der spricht von der Altiqua
Poetria und Metrischer Compilation, Si non benè sonant, attamen curriliter
tonant. Ita Herr Domine, Ist es nit war, so ist es doch lieblich zuhören. Ergo
auff unnd darvon, lasst den Zelter gohn.
Dapffere mein Teutschen, Adelich von gemüt und geplüte.
Nur Euerer herrlichkeit: Ist dises hie zubereit.
Mein zuversicht jder zeit ist, hilft mir Götlich güte.
Zupreisen in ewigkeit, Euere Grosmütigkeit:
Ihr seit von Redlichkeit, von grosser streitwarer hande.
Berümt durch alle Land, Immerdar ohn widerstand:
So wer es Euch allesamt fürwar ain mächtige schande.
Würt nicht das Vatterland, In künstlichkeit auch bekant.
Darumb dieselbige sonderlich zuförderen eben
So hab ich mich unverzagt, Auff jetziges gern gewagt:
Und hoff solch Reimes art werd euch ergetzlichkeit geben,
Sintemal ein jeder fragt, Nach Neuerung die er sagt.
O Harffeweis Orpheus, jetzumal kompt widerumb hoche
Dein artige Reimeweiss, Zu ihrigem ersten preiss:
Dan du ein Tracier von geburt unnd Teutscher Sprache
Der erst solch unterweist, Frembd Völckeren allermeist,
Diselbige lange zeit haben mit unserer kunste
Allein sehr stoltziglich, Gepranget unpilliglich:
Jetzumal nun bass bericht, wollen wir den fälschlichen dunste
Ihn nemmen fom angesicht, Uns nemmen zum Erbgedicht.
    Darauff folgen nun die Manserliche oder Wisartische Sechshupfig Reimen
    Wörterdäntzelung, und Silbensteltzung: Aber es ist nur der anfang darvon.
    Das ander ist verzuckt worden: Da denckt ihr ihm nach, wie es zugangen sei.
    A.w. ch. k.t.ä.e.ö.f.g.h.i.l.m.n.o.p. pf. r.s. sc. sch. st. schw, schl,
schm, schn, sp. spr, spl. str. u.z. zw, ai. ei. eu. au.
Far sitiglich, sitiglich, halt ein mein wütiges gmüte.
Lass dich vor sicheren di kluge himmlische güte,
Das du nit frefelich ongefär färst auff hohe sande.
Und schaffest onbedacht dem Wisart ewige schande.
Dann jagen zu hitziglich nach Ehr und Ewigem Preise.
Die jaget ein offtermal zu sehr inn spötliche weise.
Sintemal wir Reimenweiss unterstan ein ungepflegts dinge
Das auch die Teutsche sprach süsiglich wie Griechische springe.
Darumb weil ich befind ungemäss die sach meinen sinnen.
Werd ich benötiget höhere hilff mir zugewinnen.
Dann drumb sind sonderlich auffgebaut die Himmlische feste.
Das allda jederzeit hilff suchen Irrdische Gäste.
O Müsame Muse, Tugetsamm und Mutsame Frauen:
Di täglich schauen, dass si di künstlichait bauen.
Die kein Müh nimmermeh scheuen zuförderen diese.
Sonderen die Mühlichait rechenen für Müsiggang süse,
Wann ihr dieselwige nach wunsch nur fruchtwarlich endet:
Drumb bitt ich inniglich dass ihr mir fördernuss sendet
Durch euere mächtigkait, damit ihr gmüter erregen,
Dass sie ergaisteret nutzliches was öffenen mögen,
Zu unserem jetzigen grossen forhabenden wercke.
Fon manlicher Tugent, und meh dann Menschlicher stärcke.
Des Streitwaren Hackenback, etc.
DESUNT Di nicht da sind.
 
                              Das Dritte Capitel.
    Von dem ordenlichen Kosten oder Diät, welche Grandgoschier mit essen und
                             trincken halten tät.
Vorzeiten in die illa, da treizehenelenbogige reisende oder reissende Risen,
Recken, Giganten oder Wiganten waren, unnd Gross Christoffelgmäse Langurionen,
Langenlänter, Langdärmige Longherri, LangeSchröter, Langgamba, Blattfuss,
Patagonische Pfalkränch, Alzenfidler, Asperian, Pusolt, Strausfüssige Staudenfüss
und Schruttanen, ha, da war nur die sag von Zwerchen Elberich, Rauch Elsen
auffwartern, König Laurin, des Herman von Sachssenheim Eckartszwerch, Amadis
Nainchen, und solchen Spinnenstubisschen Bergmänlin, Elnhohen Kranchshelden,
vierspannigen Juden inn Arabischen gebürgen, deren Hercules für flöh zwölff
Schilling in ein nackenden busen schob, als sie ihm zwischen den beinen
umbgiengen zu grob, und ihm die Hünerstang oder das Daubenstänglin
unterstützten, darauff zusitzen, unnd zum Taubenschlag und hinderm
Badstubentürlin aus unnd ein zuplitzen: ja von solchen treckbatzen,
Kruckäntlin, Kotäntlin, Muckenscheisserlin, Hafenguckerlin, Schnackenstecherlin,
Geissnopperlin, Wollenzupfferlin, Benckmauserlin, Nancken, Bulcken, Mäussfüsslin,
Erdtelberlin, Zaunschlipferlin, Nussbengelin, Reiffspringerlin, Fröschhupfferlin,
Kurtgamberle, Hauptleut Gerngross, Holla wa tregt der Tegen den Man hin, unnd
andern dergleichen missgewächssen, die man an eim Rost erhieng, und hopffen im
Bachofen treschen könten, deren neun in einer Spinnwepp behangen möchten, unnd
wann sie auff den Meulen oder Pantoffeln herschlappen, diesen vorteil haben,
dass sie weder Stümpff noch Mäntel betreppen, sonder den treck über den kopff
aussschlaudern: von solchen Bachofentrescherlein und Ballenspilerlein inn eim
Hellhafen ging allein damals die sag: Gleich wie heut zu tag, da Treikniehohe
leut fallen, unnd hohe hertzen auf eim nidern gerüst, sagt man hingegen von
Risen und Haunen, zeigt ihr gebein in den Kirchen, unter den Rahtsheusern, ihre
Nimrotische spiss, Stälin Stangen, Goliatische Weberbäum, Starckarterisch Degen,
Palladisch Schäfelin, Hörnenseifrige Wurmstecher, Durandal, Rolanden, etc.
Welches ein anzeigung gibt heutiger unvollkommenheit, dass die Leut wie erfrorene
oder erdörrte Fröschleich, Rossnagel unnd Hauptbrüchel nicht mehr zu
rechtzeitiger grösse gelangen.
    Was mag aber die ursach sein, dass ihr also wachssen wie ein Nuss inn der
Kisten, oder wie ein Rub inn die ründe? On zweifel diese, dass ihr den Heuwagen
nicht genug mistladet, euch am täglichen und nächtlichen Futer zu vil abprechet:
schwelgen, schlemmen, temmen das macht starck hälss, deren neun ein Galgen
niderzihen. Ihr daurt mich, dass ihr euch also kasteiet, sintemal die Fasten
nicht will gedeien: wem spart ihr die trei Badheller? villeicht zu des Pfaffen
Opffer, und also per consequens seiner lieben getreuen.
    Wisst ihr nicht den schönen Spruch, Trincken wir Wein, so beschert Gott Wein,
Je mehr man auff den stock geusst, je mehr er auffscheusst. Wa wer der Bauer von
Saltzburg, so ein kleins gross Hänslin worden, wann er nicht sein Muter schier
arm an trockengebachenen Dorffsrondelen gefressen hette? Wa wer Hercules
gebliben, wann er nicht vor durst oft den Bach, darin er gefahren, hett wie
ein Zungstreckiger Hund aussgeleppert? Wa het der Kämpffer Milo ein lebendigen
Ochsen auff den achseln getragen, und (zusetzlich zulügen) wie ein Ballen mit
der Racketlichen hand bandirt und geschlagen, wann er nit auch ein solchen Stier
zu einer stehenden Schneidersuppen het mögen vermagen? wa könten die Pomerische
Säu unnd Beckermoren gedulden, dass ihnen die Meuss also spannentieff hinden aus
dem Ars speck nagen, ja gar Nester hinein tragen, und Hochzeit darin halten,
wann sie nicht stäts im trog legen?
    Also auch ihr (verzicht mir, dass ich euch den Säuen vergleich, sie geben
dannoch guten Speck) wie könt ihr gedeuen, wann ihr nicht tapffer keuen, speien
und widerkeuen, und gleich werd den Säuen. Aber den Säuen gleich werden ist kein
schand, fürnemlich was den Magen antrifft: dieweil doch die Menschen unnd Säu,
so viel den innern Leib betrift, einander änlich sind: man sagt doch, ein
Jungfrau soll untersich sehen wie ein Sau: Sollen es die zarte Jungfräulin tun,
was wöllen wir schönen Gesellen, wie ich und du seind, erst uns schämen?
    Derhalben wolt ihr eueren Vorfahren recht nachschlagen, und erweisen was inn
aller Edelgestein Grossmuter Gemma gemmarum stehet. Est procerum verè, procerum
corpus habere. Die grossen Herren, soll auch ein grosser Leib ehren, und ein
grosser Arss muss ein grosse Bruch haben: so müsst ihr euch der närrischen weiss und
speiss, die ihr täglich brauchet, abtun: Als dass ihr frembder aussgedörrter
Völcker gefräss, darbei sie selbs nicht gedeien können, auff euern Tisch
bestellen: kommen und prangen daher mit vilen kleinen Plättlin und Muckenlädlin,
inn deren keim über ein Pfund steckt, von Pfeffer ein lot, von Saffran ein
Qintlein, von Reiss ein Pfündlein, von Welschen Disteln oder von Postimelisso
verbottenen Artischock, so das Arsschockeln pringen, ein Bündlein, mit zwoen
Schüsseln gegen Orient und Occident mit Eulenspieglischem Hanff, rotten Rüblein,
Melonen, Pfed, Granat, Citrinat, wurtzgeketzerten Pastetlin, Chelonophagischen
Schnecken, Fröschen, Ottern, Tachs, Murmeltier, Eichhörnlin, Biber, Storcken,
ohn das hinder loch, darin der Frösch hinder vierteil unverdäuet ligen, und
des gedachten Niderlendischen Edelgesteins schreibers Fungi, Schwammen, Si
fuerint fungi dulces, poteris bene fungi, Seind die Schwammen süss so geniess.
Imo:
Mandentes fungos, faciunt fungi quoque fungos:
Wer solche ungeschmackte Schwammen frisst
Wird auch zu eim solchen ungeschmackten tölpel gewiss.
    Aus mit solchem Schleck (hett schier anders gesagt) wann er schon befürtzt
ist: Es solt einer den Magen nicht mit bescheissen. Solt ich nicht lieber ein
starcken Quallen mit Knoblauch gespicket darfür essen, wann mir ihn schon ein
Kochersperger oder Odenwälder fürstellt. Ich bin schier auch des glaubens, des
jener Kabsbaur, der meint , wann ein Sau federn hett, unnd über ein Zaun könt
fliegen, es wird das aller adelichst Federwildprett sein: Gewiss wann einer
derselben ein par im leib hett, sie würden ihm den Magen besser erdänen als
etlich und zwentzig Sester wolln Röhrspätzlin oder Knopfsterteckens. Wiewol man
sagt, Ain Haselhun das fleugt, ain Rech dz da steubt, ain äsch der da schwimmet,
sei das best Wildpret, das man find.
    Dann an dem aussdänen ligt es, merkts wohl, dass man fein den Magen allgemach
mit ein unnd zuschütten auff die Mül gewöhn sich zuergeben, wie ein par stümpff
von geschlachten Bocksfellen? Dann were das Leder breit genug, so dörffts der
Schuster nicht inn Zenen umbzihen.
    So sind on das der Menschen Mägen darzu geartet, dass sie sich erstrecken,
wann man sie nur übet, aber was verroscht nicht, das man lasst verligen: Ich muss
wissen (doch dir auff deinen Trüssel) wie der innerst Brütkessel geschaffen ist,
besser als Vesalius: dann ich weiss mit was Noht wir etwann dem Bauern von
Krafftshofen haben geholffen, der den Magen mit Kuttelfleck und Molcken on
Weintrincken also verwüst gehabt, dass wir ihn haben müssen aussnemmen, ein
Inventari mit Numero daruber machen, und wie ein Pfeffersack umbstilpen, auch
mit eim Strohwisch, Kalck und Sand wohl reiben unnd fegen, wie die Weiber die
Stegen: Aber ein unglück hat darzu geschlagen, dass wie wir ihn zutrucknen an den
Zaun gehenckt, ein Elementsloser Rab ihn hat herab gezuckt und verschluckt? Was
sollten wir damals tun? wir taten wie erfarene Leut, die aller Megen
gelegenheit erkannten, und wohl wussten dass der Saumagen dem Menschlichen sehr
ehnlich, fügten unnd setzten ihm flugs den Saumagen für seinen Baursmagen ein:
Ist auch darmit auff und darvon, und soll noch kommen, dass er seinen andern hol.
    Es heisst experto crede Lugmerdo, derhalben wagets nur sicher darauff,
schicket euere Wolffsmegen nur weidlich auff die Rackbanck, sie seind
spitzhirtzich zeh, schlagen nicht durch wie ungeleimt Lotringisch Papir, sind
etwas stercker als das Pergamen inn den alten Messbüchern: tenets nur dapffer,
schüttet dapffer auff, schüttelt den Sack, so steht er strack, stopfft und
schopfft, plotzt unnd klopfft, nemt die Ballenhöltzer, die Wollsackstangen, die
Wind Bengel, unnd was zu ausstänung helffen mag: ein Schiff wohl geladen,
erleidet vor dem Wind mindern schaden. Unnd wa es schon nit wer, so beweisst doch
Aristoteles, dass der Mensch nach eingeladenem tranck und speiss, eben das gewicht
behalt, so er zuvor nüchtern hatte: Das erfehrt man ja täglich, wie man voller
weis so leichtfertig den hals abfellt.
    Wann ihr disem rhat folgt, so werd ihr sehen, dass ihr schöne auffgeschissene
grosse Buben solt werden, die auff eim Treifuss inn Hafen gucken können: unnd
werdet also euer Ururäne Gurgelstrozza, Garganzsus, und Durstpantel fein
Modelmessig ausstrucken, erstatten, ersetzen, exprimiren unnd representiren, dass
ihr, so bald ihr aus der schalen schlieffet, werd nit wissen, wie ihr euch breit
genug machen sollet, unnd kein Teufel gleich mit euch wird naher kommen können:
Hüt euch ihr Teuffel, wie vor S: Leons Hauptpolster, sie dörfften euch sonst mit
dem Wein hinein sauffen.
    Dann wie gedachter Arles meldet proble. 3. sect. 4. De arte & aqua, unnd
Plutarch von der Kinderzucht, so soll nicht ein kleins zu schöner Kinderzielung
vortragen, wann die Eltern rechter ordenlicher Speiss und Tranck gebrauchen. Wie
ihr dann dessen ein stattlich Exempel an unsers Gurgelstrosslingers Vatter
Gurgelgrosslinger werdet vernemmen, der darumb solche vierschrötige, ja
sibenschrötige Plotzwedel, Balckenhotzler, Secktrager, Trollen, Knollen, stollen
und Babilonische Turnbauer hat verlassen, dieweil er sich nach bestimbter
Regel, oder die Regel nach ihm wüsst zumassen.
    Dann ihr solt diss wissen, dass unser hochgedachter und hochgeachter
Grandgurgler bei seiner lebzeit ein mächtig Seelos gut gesell gewesen ist, und
ein zimlicher Rollart und Ramler, dem man warlich die Geissen hat aus dem weg
führen müssen: unnd war sein lust sauber ausszutrincken: het einen lieber umb
hundert Gulden beschissen, als im trunck: es war auch seiner Meisterstuck und
siben freier Kunst eine, sauber rein arbeit im Becher zumachen, wiewol er kein
Goldschmid war, dann sein Reimen war, Wer etwas im glass überlast, dem Teuffel
ein Opffer lasst: darumb musst er täglich nach der Weinvisirer Tabulatur viermal
weiselen treubelen und beibelen. Nach demselben teilt er auch inn seim Land
die tagstunden, wie Julius Cesar aus.
    Doch pflegt er auch der gesundheit, tranck nit ungefüttert, sonder versah
sich zuvor mit den scalis vini, die zu dem untertrunck mundten: fürnemlich ass er
gern die Weinzihende Fisch, auch on ein Zürichischen Kalender, es wer im Wolff
oder Schafmonat: verursacht derhalben oft ein grosse teurung darein, wie die
Schweitzer ins holtz, wann sie gen Paris kommen, oder die Schnitter inn den
Nörnbergischer Platsch, Pritschen und Bierlackel, wann sie zur Erndschnitt
dadurch zihen: inn massen solches, nach dem Lebwein im buch De Necessitate
lupanarium die Fastenstifter wohl erachten können.
    Angesehen dass er der Stör, Mörtunnen und Hausen etlich Legion auff einen
schnitt nam, wie der Baur die Bambele, Mülling und Grundeln, da er sie für
Welsch kraut ass. Acht sich derhalben nicht der Scheinmal, da man nicht die Hand
füllen kann. Als der Spanier ayantar de gorrion, da auch die Fliegen dabei müssen
hungers sterben, wann sie trei gebrüt Mandeln inn dem einen Pletlin, zwen
eingemacht Tattelkern in der andern, ein verpomerantzten Pfannenstiel, und
Pfifferling in dem dritten aufftragen, und alsdann aus Nussschalen trincken.
Solche gesellen wolt ich zu dem Bodin in Franckreich verschicken, der wird sie
fressen lehren: oder nur gen Mittelburg inn Seeland, da sie Oelkuchen fressen
lehrnten, aber wegen unschmacksamkeit es bald auffgaben.
    Vil weniger acht er den Cynischen Hundsschlamp, das ist, ein Malzeit ohn
Wein: unnd das Schwebisch Suppenmal, da man trei Suppen auf einander gibt, dann
Offa nocet fanti, nec prodest esurienti. Suppen machen schnuppen, unnd füllt dem
Bauern nicht die Juppen: Wiewol es den Schwatzschwaifige Schwaben nur die Zung
desto mehr wäscht. Noch ein Polnisch Wiezerza, dann hoffieren sie schon nicht
gar ins Gesäss, so sind doch ihre Koppen und Fürtz von Gewürtz Krisamssaur räss:
dann sie schütten mehr gewürtz überm Herd ab, dann man in dem ganzen Zwibelland
braucht. Kölner Peperkornisch Pepermal von der Pepermül, die auch den Imber
peperen, dann Copia cui piperis, hic vescitur ipse polentis, welcher hat vil
Pfefferruss, der pfeffert auch darmit dz Muss: O wie erkaltet Meuler sind
Westfeling Meuler, welche die Bonen essen, und sie mit Peper unnd Magsamen
bestreien, darumb haben sie allzeit das hindertürlin offen, und ein erfrorenen
Eyerstock, und schlaffen wie die Ratzen.
    An des Saturns ars, das ist, den Hessischen Schneiderspeck rib er sich auch
nicht: unnd liess den alten Käsfressern ihr weiss, ein tag nur einmal zuessen unnd
sich zufüllen: wiewol ers auch kont, mit der Sonnen auffgang die Kandel
auffheben, und mit dem nidergang nidersetzen. Jedoch gefül ihm vil besser die
Edelsessische weiss de virtute in virtutem, von eim schlamp zu dem andern, ein
tag fünff mal gezehrt unnd aussgelehrt. Dann Aristotel von natürlichen
Gweschionen schliesst, dass die viel mürrischer sein, die nur einmal essen, als
die zweimal: Und ich glaubs warlich, dann manche Frau empfind es wohl daheim.
    Auch war er gern bei seines gleichen, da er sich regen mocht, da ihm das
Schwerdt nicht über dem Damoclischen Kopff hieng, und das Hütlein beschmutzet,
unnd den Bart verliert, komm Bauer, mach mir die Supp sauer, inn expensis, Baur
zahl den Kosten, wie viel hast Gersten getrescht? Issest auch Feigen? O weh, da
kopirt man bald auff, was pro widerpart aus der Kannen fellt, da heisst es, Der
mit mir in die Schüssel greifft, hic est, welcher treifft, etc. Unnd ipsi
observabant eum, ut caperent, etc. Item accessit Tentator, etc. O wie heilige
Kirschenstiel, die sie eim inn Bart werffen. Settigen einen mit Worten, wie
jener Goldschmid seine Gäste mit beschauung Salomons Staffel auff dem Credentz
Tisch. Der Herr nemm Wasser, Der Herr netz sich, Der Herr setz sich, Der Herr
ruck hinauff, der Herr sei gedeckt, der Herr greiffs an, der Salat wird kalt.
Ach der Herr sitzt unproperlich, Ey dass man ihm das gross Küssen bring, so sitzt
er höher. Alsdann muss die Antipha im anderen Chor antworten, Ach der Herr sei
unbemühet: der Herr ist zu vil angstaft: der Herr machts nur zu viel. Dann
darumb grüsset man Bona dies, dass der ander antworte semper quies: Und rufft
Dominus Strildriotus, Transeat vestra dignitas, dass die Magisnostrisch Echo
widerhall Transite melius venerabilis Andræas: Darumb singt der Ut ist la, dass
der Sol ist antwort va: darumb hotzelt der ein hernider, dass der ander auff
hotzel wider: Der ein steht auff, Ich will dem Herrn ein dienstlichs Trüncklein
bringen, so knapt der ander hinwider, des Herrn Diener, ich wills vom Herrn
dienstlich warten sein. Darumb reuspert sich der Herr auff der Gassen, dz man an
die schlapp greiff, und weich aus der strassen: Macht dem Herren platz, Ach (wie
heuchlerisch geantwort) Gott ist ein Herr. Wo hat der Jungherr sein Pferd
stehen? ho, kein Guncker, ein armer Stallbroer, mein Jung ritts gester voran:
Darumb lecket der ein die finger immerzu, dass der ander binden aussschlag unnd
zisch mit dem Schuch: darumb wisch ich die Nass, das Jungherr Hochtrapp ans
Hütlein stoss. Ich gribel inn der Nasen, so reib du das Aug. Kurtzumb wäsch du
mich, so wesch ich dich, so sind wir beide schöne Buben.
    Er vermocht sich nicht des Bellischierens und Kappenruckens, wer dem andern
zu erst die Hend unter dz Hänlin stoss, die Handzwehl halt, mit dem Hartzkäpplin
hinder den Tisch zih, den ersten Löffel steck inn die Hünerbrü, sich mit
Wurstanatomieren bemühe: wie den Kindern fürschneid unnd fürleg, das höltzen
gebreng mit Tellern trib. Er hielt was die Gelerten lehren, Dum convivaris, hüt
dich, ne multa loquaris, noch viel moraris: Wer über Tisch vil schwetzen will,
der wird gewiss nicht fressen vil: Wer stets will brangen, ist ihm bald ein guter
bissen entgangen. Im Rhat sei ein Schwetzer, im Bett ein Pfetzer, über dem Tisch
ein Ketzer: zu der arbeit sei kretzig, zum fressen auffsetzig: im schwetzen sei
ein hetz, im fressen Bel der Götz.
    Er kont nicht mit den gemodelten, Labirintischen Servieten und fatziolen
umbgahn: kont nicht den Küchleinturn unzerrürt abnemmen, sein finger waren zu
tölpisch stumpff darzu. Die wahl tat ihm weh, wann man ihm viel
Senffschüsselein unnd Capresplettlin zu den vier Eckwinden setzet. Der Spiler
Abendzehren oder untertrunck, sagt er schmack eben, als wann einer im Schlaff
schmatzt.
    Gleichwol hetten die Spitzmeulige Weberzechlin auch kein Stul inn seim
Magen, dann er war gern da man mit grossen Löffeln auffgiesset: den Butter ins
feuer schüttet, wanns nit brennen will: was soll man Brot zu Brot brocken, mit
viel Häberen, hechten, Gsataber, Graupen und Heidelbrei den Magen
verwollstopffen: spick Galle meine ist feisst: pfui der Schneiderfisch zwischen
den fingern, und kaltseichigen Biersuppen. Solche ermagerte Spitzmeuss werden
durch solch Strupisch Segspänenessen mit der weil dahin gebracht, dass sie dem
Pitagora zu leid auch dem leben nicht verschonen, fressen wie die Moren und
Sanct Johan inn der Wüsten die Spanische Heuschrecken, wider Mosis gesatz: Wie
es dann kundbar von jenem Algeuer, der auff dem Kirschenbaum Kefer für Kriechen
ass: sie hoissen ja Kroichen, sie kroichen wider auher. Solche kunden dörfften
die alt weiss wider anfangen und mit den Iberis Eicheln essen: Was Eicheln? lehr
michs nur keiner, ehe ich wolt hungers sterben, ich äss ehe, wie jene Gnad Frau,
Käss und Brot: Es ist genug dass einer die Säu isst, solt einer erst ihr Speiss
darzu geniessen, wird einer wohl gar zur Sau: Inn betrachtung das Cardanus
schreibet, die Teutschen seien darumb solche Ochssen und Kälber, weil sie viel
Milch essen: So wird er gewiss Treck gesogen haben, weil er so ein wüst Maul hat.
Aber Camerarius gefallt uns, der probiert, dass die Spartanischen Weiber ihre
Kinder nicht allein schöns Leibs halben im Wein haben gebadet (gleich wie sie
die Alten Teutschen auf eim Schilt im Eis badeten, unnd die Hollender ihre
Kinder noch mit Butter schmieren) sondern auch das Gemüt dardurch zuscherpffen.
Daher die Teutschen Hebammen noch recht tun, dass sie den Kindern die Zung mit
Wein lösen, und hernach allzeit die billerlein mit Wein steiffen, dann diss
macht, dass sie beim Wein so beredt sein.
    Ferner von der Regula Bursalis, excipiert er omni, tempore malis. Er konnt
nicht im flug die dick rauch coquinaz also ungereuspert durch seinen
halstrechter inn Kessel lauffen lassen, fürnemlich da man getreng tabuliert, als
wann man auff der Spirer Roll rotuliert.
    Die Hofmäler an der Heren Höfen liess er den Haberlachenden Pferden, die ihn
wohl hören schwingen, aber nicht sehen bringen, dann was ist da wolfeilers, als
Spulwasserige Hofsuppen, und den blunder geschwind postweiss mit Stifelgespickten
taschenlöffeln einwerffen, Ja, dass man eim den Bettel dazu bald vergont: Ich
weiss wohl, dass wann Aeneas Sylvius solt aufferstehn, er kem warlich wohl fressens
halben nit gehn Hof, eben so wenig als gen Rom, in massen er sich ganz
jämerlich in seinen Miseriis Curialium beklagt, dann an einem ort tregt man wüst
gifft auff, am andern geschmuckt gifft, unnd an beiden tödtlich gifft, und
unterscheidets nichts, dann dass ains länger wert dann das ander. Es will ihm nit
schmacken aus den schwartzen schmutzigen Hofbechern zutrincken, welche die
Hofleut bissweilen für pisskacheln prauchen: Noch das Weichwasser zu Hof, da man
allzeit inn die Weingeschirr, wie in die Weihstein das Weihwasser schütt, und
nicht drauff acht gibt, was am boden ligt: Item die schmutzigen Hofermel unnd
kleberig brust an statt der Tischtüchlein: Noch dass man alda bald ainem das
kleid betreifft und beschütt, und sich doch nicht darff mercken lassen, dass es
einen verdreusst: Ist dass nit ein Ilias und Aeneas von Cardinatischen plagen?
Nein ich hab nicht Hans Streidels Stein unter der Zungen, dass ich blasen kann und
schreien.
    Dessgleichen des Hofs schatten, nebenregenbogen unnd Teuffelskappell, der
Jarkuchen oder Scharrkuchen Sudelei, verflucht er wie die Bauern den Büttel:
Dann trei rauchige, Spaltenverkleibte, Daumensdickwüste höltzene Kar, was
resonantz geben die? Item trei unnd treissig Regument magerer schmeissiger
Mucken, Schnacken, Prämen, was für streifenblündern, speissfreibeuterei,
vergifftung, suppenschädigung, unnd Birnerlegung können die vorhaben?
    Item des Garkuchners vier rotzklitzige, grindschupige, reudige, beschissene,
beseichte, molckentremlige Hurenkinder, was lusts können die eim geben? wann das
ein neben den Tisch pflatteret, das ander darunter die bein abwässerlet, das
dritt bei den Herd hoffiert, das viert mit Hunden unnd Katzen aus den Schüsseln
frisst, unnd alle Kar mit dem spiegeligen ermel aussspilet, auch das Sudelweib das
ein strelt, wischt und wescht, dem andern schreiling mit Muss wie den Rappen das
Maul stopfft und mest. O weh es beisst mich, wann ich ein anderen jucken sihe:
derhalben hat Eulenspiegel nicht unrecht gehabt, dass er ungern einkehrt ist da
Kinder waren: Dann, sagt er, sie haben tachtropfige Nasen, helle stimmen,
verguldete löcher und glitzende ermel, unnd vor der Kinder nötlichkeit, vergess
man eins Gasts allzeit.
    Demnach beseh einer den kleberigen, schmotzigen, klotzigen Sudelkoch unnd
Kuchenlumpen, Unnd sein holdseligs Ehegemahl die nasstrieffige, überkupfferte,
pfitzige, Säupfinnige, Pleuelwäschige, bachschnadrige, pfudelnasse,
Sacksteubige, Sackwirdige, unnd (dass ich mich nicht verredt) Schneckkrichige,
belzpletzige alte kupplern, Pfaffenkrauerin, Teuffelsfängerin, unnd
Gabelreuterin.
    Ja die zwen Diebische, tuckelmeusige, eckschilige, banckraumige,
ruckenfegige, Ohrenschlitzige, Galeenpeitschige, Brandnarbige, Winckelglurige
(die solch liebäugeln am pranger gelehrnt haben) naschige, sackbloderige,
seckelschneidige Galgenschwengel, Halbhössler, Galgenass, Rabenfuter, zu bestalten
Kuchenbosslern. Folgends trei lausige, schläfferige, flöhbeissige, Hundsflöhige,
Düttenwelcke, mistfaule, füssschleiffige, Zwibelstinckende Harigel, Blassbelg,
Hurenbelg, Schleppseck, Zwibelseck zu schönen Bratenwenderin, Kuchenrätzen,
Rauchmeusen und Russleusen.
    Ach was für senffigen lust und Mörrettigen Appetit sollten wolgedachte
saubere Kuchenmuster einem zufressen unnd zuscheissen bringen? was für herrliche
Muckenfüll, Lausszucker und Flörosinlen solt es da geben? O aus für tausent
Teuffel auff die Schelmenschlut mit solchem ungebaliertem, ungehöfeltem,
Henckermässigem, Radbrüchigem, Rauchhimmeligem, und nichtigem Gesind. Sie sollten
dem Teuffel darunder inn der Höllen zu Kuchen dienen, unnd des Teuffels Muter zu
gast haben. Geschweig auff Reichstagen unnd Hoflägern unsere Sammetütige,
Seidenkappige, Goldrappirige, Gelbringige, befederte, hochtrappende,
Elenbogensperrige, sauerblickende, beknechtete, Mauleselige, Fotzenbehelmte
Hoffrätzlin, unnd Hagjünckerlin. Ja geschweig unser Katzenreines,
Seidenspinniges Kölblin Grosswustier, der warlich seiner Muter nicht an den
fersen gewachssen ist, dass man ihm also die höllenküchlein verbitterte. Hört
aber nun dargegen, was unserm Grosgoschier für sein Stomachitet und Magerei war
gelegen, so werd ihr sehen, dass ihm sein Maul nicht war mit Leder besetzt, noch
sein Magen mit Geisblasen gebletzt. Derhalben on lenger Senffmalen, so hört,
wamit er sich ergetzt.
 
                              Das Vierdte Capitel.
 Von des Grandgoschier vollbestallter Kuchen, Kasten, und Keller: was endweder
                     ins Glas gehort, oder auff den Teller.
So hört nun ihr meine Orenspitzige unnd offenmaulvergessene Zuhörer, inn was
schlampen, unser Grandgausier pflegt zu kran laden seine Wampen Reusper dich
Rosstreck, der Herr will reuten.
    Er befand sonst under anderen vilen, dise bald folgende sehr just auff
seiner Goldwag, darauff man die Holtzschlegel lancirt: Als die schläfferige
Sibaritische, die Lindbettige Milesische, die Nussölige zart Tarentische, die
Zottenreissende Asotische die Grossbissige Frisische, die Abtpröbstliche
Benedictinische, die Rebensafftige Reinstromische, Kerntische Erndtische,
Weinsammete Elsassische, Herbstmostige Fränckische und Bambergische zechen, nach
aller Land art unnd gelegenheit, auff Hochzeiten, Metzigerkeuffen, unnd
fürnemlich bei dem Kottfleisch, da geht es wie bei Nabals Schafscheren ordenlich
zu, da würstelirt man, Saumagirt man mit Hammen unnd pachen, da halt man
ordenlich etlich tag dem S. Schweinhardo gribenfressige, maulschmutzige
begengnuss mit Lederkrachen, Fettschwimmendem Wein, frisst wie ein Klosterkatz zu
beiden backen: Dann Schwein töden ist der frölichen töd einer, neben der
erbreichen Pfaffen und vergulten alten Weibs ars tod. Unnd gewiss wann einer
wüsst, dass die Canibalische Leutfresser, solche schmutzige Freud mit eim nach dem
Tod triben, solt sich einer noch so willig an Pratspiss stecken lassen, weil man
doch sagt, ein gut mal sei henckens werd. Wiewol jener Italianer meint, ein
Jungfraukuss sei henckens werd: Dann er wer lieber von einer Jungfrauen gehengt,
dann aussgestrichen: Ursach: inn Italien muss der Hencker seinen Henckmessigen
Son, zuvor zu guter nacht küssen. Und solche unsere Meinung von den schlampen
sollen folgende Reimen bestettigen.
Welcher ein stund will leben wohl
Der seh und tu das Henckermol:
Oder lass ihm ein stund balbiren,
Oder mit Seitenspiel hofiren.
Wilt aber ein Tag frölich sein,
So gang ins Bad, so schmeckt der Wein:
Wilt du dann lustig sein ein Woch,
Spreng die Ader, auff Beirisch doch:
Nemlich hindern Umbhang gelegen,
Dass dir kein Lufft nicht gang entgegen.
Gefallt dir sein ein Monatsfürst,
Schlacht Säu, fress und verschenk die würst.
Wilt dann ein halb Jar freuden treiben,
So magstu auff gerhat wohl Weiben:
Oder nem dich eins Aemtlins an,
So heist das Jar durch Herr fortan.
Aber wilt wohl dein lebtag leben,
So magst dich inn ein Kloster geben.
Oder wilt einmal wohl leben, so koch ein Henn, wilt zweimal wohl leben, ein Ganss,
wilt ein ganz Woch wohl leben, schlacht ein Schwein, wilt ein Monat wohl leben,
so schlacht ein Ochssen.
    Demnach waren ihm die Pfaffenbisslin auch noch nit gar erleidet: die
Hennenpörtzel, unnd Pfaffenschnitt kont er noch treffen: Es war eben ein zapff
für dise Flasch, dann faul eier unnd stinckend Butter gehören zusamen: Ists
nicht war Herr Prior, so Priet oder pringt mir eins.
    Aus diesem streich gehn noch viel stück, als die Christliche
Klöstercolätzlin, wann der Herr Abt Würffel auflegt, unnd sich der Culullus
regt, da glüen die Julier treibatzner ins Granalirers Ofen, da regt sich unser
Dänkunst. Dann die Kutt ist weit, und die Hosen über dem Peterman sind preit.
Holla probetur, dass man sing. Ein Abt den wöllen wir weihen, Ist aus dermassen
gut, Ein Kloster wöllen wir bauen, Ligt gar inn grosser Armut, Darinn manch
Bruder tringt kein gelt, Unnd isst kein Wein, dass er den Orden helt. Wolan die
Hüner gachsen viel, die Eyer kommen schier, und wer die Eyer haben will, Muss
gachsen hören mir: Derhalben pfeiff auff Bruder, Ich lig auch gern im Luder, Ich
saugts von meiner Muter, die tranck es nur bei fuder: Nun resonet in laudibus,
Heut gar mit guter muss: Messner richt die Kirchen zu, der Nachbaur ist zur
Todenrhu: Seit frölich, lauff zum Pfaffen inn der nech, dass sie kommen zu der
Zech, zum Gabriel, Eya, Eya, derselbig hat viel guter Fisch, So sitz ich oben an
dem Tisch, Sauffs gar aus, Hodie der Baur ist todt, der Baur ist tod inn diesem
Dorff, Gibt er kein gelt, so legt man ihn nicht inn Kirchoff, Elslein liebes
Elslein, so han wir aber zu trincken Wein, Biss frölich, Eya, Eia, so lasst uns
han ein guten mut, als der Baur der Bäurin tut, Im Kämmerlein. Unser Herr der
Pfarrherr, der hat der Pfenning vil, darzu ein schöne Köchin etc. Ein rickmess
gick, dass gire giregick, wohl von dem Pfaffen von Wisental, unnd was er hat
getan, Pi pa pu pe, das hebedehe, Er schickt die Magd nach Wein, wohl nach dem
allerbesten, der inn der Statt mocht sein, der Pfaff der ging die Steg hinauff,
Er fand die Magd am Rucken, Ein langen Schreiber drauff, der Schreiber was ein
Mann, Er gab dem Pfaffen ein päuderling, und lieff darmit darvon. Hoscha lætæ
mentis: Gleich wie diss Glässlin geht im schwang, Also das Lied herumb her gang,
dass der Supprior anfang.
    Sprecht mir nach, Nu sehet all auff mich, Nun sehet all auff mich: Tut wie
ich, Tut wie ick, Ein Mönch, zwen Mönch, trei Mönch, baten mich, umb ein alte
Kippen, Kappen, hat ich, etc. verstaht mich. Aha wer dz Cartäuser Orden, Ich wer
längst ein Mönch worden. Proficiat ihr lieben Herrn, Gesegen euch trincken und
essen, Seit willkomm all inn ehrn, Ihr seit uns lieb, des solt ihr euch
vermessen, und habt ein guten mut, der Wein ist treflich gut, unnd lasst euch
nicht verdriessen, Aus einem Fass, Aus einem Glas, Tu einer den andern grüssen.
Da kam der Bruder Stöffel, mit seinem langen spiess, kent ihr mich nicht, Bene
fecistis Domine, daheim und sonst an einem ort, Ist hunds, Gut Hanicken unter
dem zaune sass, Es regnet sehr unnd es ward nass, Ist Hunds: Vil ämter unnd wenig
Plech, Ein läre tasch, und Schneiderzech, Ist hunds: lichter dann ein
Kachelofen, hat sie ein klaren schein, R.S.M. Ist Hunds, Sie sucht den
schwartzen Pfaffen, Sie fand ihn aber nicht, Schabab ist mir gewachsen, im
Garten voll, kent ihr mich nicht, Ist Hunds. Aha Bene veneritis Domine Custos,
ut humiliatum est cor vestrum: Wie ist euer Korrock so verhumpelet, Hosanna, Säu
han Chorröck an, unnd hinden lang Zwibelseck dran: Horremus, Horremus. Liebe
gesellen mit sorgen, der Kerl will uns erworgen, und lebt noch heut am morgen,
In convivio nostro: darumb ihr Gsellen helfft ihm klagen, und zu dem Kirchof
tragen, Auff dass wir nicht verzagen, in potatione: Will uns der Pfarrherr nicht
beistahn, So wöllen wir ihn also ligen lan, Illudemus ei: Nun beide Chör zusam,
Glam Glam Gloriam, die Sau hat ein Pantzer an.
    Secht bei solchen Herrlein ist gut wohnen, da ist ihr Taborsberg, da gehts
andechtig zu, die meinen einander getreulich, die sauffen gutertzig: Et quis
non: Wer wolt nicht der öpffel, wann sie pfeisen? Es könnens noch wohl dise, die
es ihnen missgönnen, und doch nit so statlich nachtun können, wann es schon
Predigkautzen weren: Fürnemlich die den Baurn Brentenwein aussschencken.
    Weiter hielt unser Gurgelgross bannlich die Zinsskappige Martinsnacht unnd den
Martinsbrand, da ging es Post Martinum bonum vinum, Gänss unnd Vögel sind gut
Binen: krag ab: lasst den Bauern die Gänss gahn. O Martein Märtein, der korb muss
verbrent sein, dz gelt aus der Täschen, den Wein in die Fläschen, die Ganss vom
spiss, da sauff und friss, wer sich voll sauffen kann, wird ein rechter Märtinsman.
Dort niden an dem Reine, da ist ein Berg bekant, der tregt den guten Weine,
Fürstenberger genant, gro ist sein farb vom Garten, darin er wachssen tut, Er
darff des Mans wohl warten, Erbutzen ihm den Hut, darzu den Kopf erlausen, umb
kein gibt er nit vil, das Hirn macht er sausen, dem der ihn trotzen will, Er
ligt mit unden oben, zu diser Martinsnacht, darumb ist er zu loben, hei dass ihr
ihm zu ehren Vögel bacht. Diss sei ihm zu guternacht gebracht: Nun dz wir der
Ganss lausen, Tringt ein ander mit Krausen, vil krümmer ängster pringet her, die
kehret umb und macht sie lär, Ach lieber Hans, Nun ropff die Ganss, und iss sie
nicht ganz, sonder geb uns armen Schulern ein stuck vom schwantz.
    Item der Martinsganss Rottgesell S. Urban, den die nassen Vätter schmucken
mit Rebenbletter, und mit frischen Kräntzen, weil an seim tag sich end der
lentzen, an seinen Hals viel Gläser hencken, daraus sie ihrn Freunden schencken:
Führn ihn zur Tabern so doll, pringen ihm eins halb und voll, und tun von
seinet wegen bescheid, wann er dann nit gut wetter geit, so wird er inn die
Pfitzen geleit. Die Heilig Fantastnacht, die war unser Grandgurler Chare, sein
Letare, sein Jubilate, sein Cantate, die war sein Göttin, sein Patronin, die
führt er im Venusschlitten, die pflegt er mit blumen und Wein zu beschütten. Da
giengs, Es kompt ein zeit heisst Fasenacht, inn der regiert mit ganzer macht,
Ein Planet heisst der Elsässer, Macht einem oft das köpflin schwer, den Beutel
lehr, und schmal das schmer: In diser zeit, macht man viel Bräut, da krieg ich
auch mein beut, unnd lass den Bräutgam sorgen, wa ers gelt kann erborgen: So
kuppeln wir bei diser Breut, zusamen noch zwei junge Leut, So kommen wir wider
auff die Hochzeit: und lauffen gleich dem Wirtshauss zu, dann sein Tor kent ein
jede Khu, und sauffen biss wir stutzen, unnd ruffen dann dem Utzen, etc. Dann
Hochzeit haben, ist weger dann Todten begraben. Die Fassnacht pringt uns freuden
zwar, vil mehr als sonst ein ganzes Jar, etc. Der mit der Katz gen Acker fehrt,
der egt mit Mäusen zu, Also tut manch guter gefert, der laufft unnd schnaufft,
und bricht vil Schu, unnd hat den Tag kein rhu, die ganze Nacht darzu, Stösst
doch nicht heim die Khu: Wer aber kann die Fachnacht prauchen, der gewint sein
Brot ohn hendkauchen: wer ein Pferd hat am barren stan, zu fuss darff er nicht
gan, unnd die allein nicht schlaffen kann, Nemm die Fassnacht ein Mann, unnd zih
mit freuden dran: Unnd wer des Weins nicht trincken mag, der ist nicht unsers
fugs, der zih ins Bierland Koppenhag, da find er böse  Bier gnug: Hie immer Würst,
Nimmer Hering. So gehn wir umb umschantzen Prassen, rasen, dantzen: mummen,
stummen, Prummen, rennen, fechten, ringen, stechen, Bagschirrn mit der Trummen,
Butzen, mutzen unnd larfiren, den Schnabelkönig fuhren, Teuffelentzen,
Mönchentzen, Weibentzen, und Türckentzen, Mit todten gespensten unnd
Feurschwäntzen, So gibts dann Kleiderprentzen und Orensensen: Gölen, bölen mit
Narrnkolben, Scharmutzeln mit der Wechter Igelskolben, fenster einwerffen unnd
glasiren, die bänck verrucken, Kerch verführen, die Glocken läuten, Schelln
abschneiden: Eschermitwochisch berämen: verkleiden: berusen und bekriden:
nackende Mummerei mit eim übergespanten Netz: Brüteln Narrn aus, halten Hans
Sachssen Fassnachtspiel: Suchen die Fassnacht mit Fackeln: wie Ceres ihre Tochter:
tragen die Hering an der stangen inn bach für Erdfortische Essenbitter, da regen
sich die Timmerwürst: da geht man auff hohen steltzen mit flügeln und langen
schnebeln, wöllen Storcken sein unnd scheissen Hackmesser stil: da gibts Wild
Holtzleut, tragen ein Treck auff eim küssen herumb: ein Pfeiff drinn: wehrn ihm
der Fliegen. O sollten sie ihn schneitzen und ihm den rotz ablecken: spielen die
Schelmenzunft: ziehen eim stroern Man Kleider an, zieren ihn mit eichenmass:
unnd tragen ihn auff der Bar daher, als ob er gestern gestorben wer, mit eim
Leinlach zugedeckt: mit wachsliechtern besteckt: schau da dort kompt mein Herr
von Runckel pringt am arm ein Kunckel: die Magd zeucht des Knechts hosen an:
suchen Küchlein inn der Mägd Kammer: Ja suchen Küchlein über dem Tisch: da man
die Schuh unter das Bett stellt, da gibts dann über ein Jar Mäl unnd
Milchschreiling. Hie zum Schaurtag, der lieben Weiber Saufftag, da saufft dass
man einander darvon trag. Ja in summa gar den Teuffel angestelt: mit solcher
zucht man Fassnacht helt. Also behelt man das Feld, inn der Fassnachtbutzischen
Welt.
    Noch viel minder vergass die lieb Grandgurgel die ordenliche Kirchweihen, die
Messtag, die Jarmarckt, da lindiert er, kelberiert er, Dorffariert er, kegelt,
sprang umb die Hosen, jagt umb den Barchat, dantzt umb den Hanen, dantzt auff
den plosen Schwertern, erklettert die stangen nach den Nesteln, schoss zum ziel,
plättelet, spielt ins Zinn, wurff inn die Prenten, wurff bengelein nach dem
Kappaunen, fochtelt mit den Bauern herumb, stach ihnen die Kannen, Häfen und
krüg zum Kopff, jagt den Jäkel mit dem Karrenmesser vom Kegelplatz, trug ihm die
Kett von der seiten, soff gut Prelatisch, soff mit dem Pfaffen auffs Requiem,
lag vor der Tunnen, schloff in die Tunnen, zeigt den Bauern den hindern aus
der Tunnen, da sie mögen gewinnen: Warff aus under die Buben, hub dann der
Pfarrherr neben ihm an aussspeien, tet er aus lieb ihm hülff verleihen, hielt
ihm das haupt, und dient ihm wohl, biss dz er macht ein Kübel voll: Und weil er
sich so freundlich stellt, ihm Dorff man dess mehr von ihm helt, wann ihm alsdann
geschicht desgleichen, tut man diss werck der lieb ihm auch reichen: da führt
man dann den Herrn Pfarrherr voll heim sampt der Källerin, darnach helt der
Pfaff Nachkirchweih, und den Jarstag recht im Pfarrhof umb die Presentz: Nun
vergelts Gott und die heilig Kirchweih: Unser Gurgelgrozza machts vil
gugelfüriger als es der Bauernfeind Neidhart Fuchs beschriben hat: dann eim
solchen jungen mollentrolligen, affenrunden Bärenstengler stund es mechtig wohl
an, Er hat sein sachen wohl getan, dummel dich gut Birckel, pip op Bercken,
dantz op Rusken: lass weiter sehen, wa sind die Königskuchen, die Pfaffenparet,
die Pfingstvögel, Auffartstag geflügel, S. Johans Mett, der Dintzeltag, die
Rockenfart, die Kunckelstub, der Natal, oder Geburtstag: wa langt man die
Emaushammen, die Fladen, die Erndbiren, den Herbstmost, die Lerchenstreng, die
Zerrhen, wa gibt man das Wettmal, den Willkomm, die letz, den Liechtpraten, das
Straffmal, die Kindtauff, die Kindschenck, die Kindbettöf, die Küchelbäder, da
man die Kindbetterin und sechswochnerin wider zu Jungfrauen und gromat sauffet,
die Kindsentwänung: wa verschenkt man den namen, wa gibt man die häflin
zusamen, wo lösst man sich, wo gibt man Richtwein, wa ruckt man den Tisch, wa
gibt man die Haussrachtung, wa ertrenckt man das Liecht, wa geht das Kräntzlin
herumb, der Kolben, wo weihet man die Birbischoff, wa ist des Nabals Schafscher,
das Ermeien in der Kreutzwoch, S. Michels Liechtgans, Erndgans, die Landzechen,
die Metziger Irten, die Lauberfest, die Fachnachtüner, die Güter erneuerung,
die erkauffte gericht, die Jar geding, die Ambtbestellungen, die Magistermal,
der Schwertag, unsere Burgerzechen, Nachzechen, Abendzeren, undertrunck,
Schlafftrunck, und sonst dürstige Gesellencolätzlin, die sich fein inn einander
fügen, unnd schliessen, wie ein dutzend silbere Becher unnd Venedische
Trinckgläser, und sonsten an einander hencken wie Paternoster in der Kiklopedi,
ja einander die händ bieten wie Gratie Meidlin, wann sie reien: also das kein
Schlamp dem andern weichen kann: dann gewiss wer heut getruncken hat, der wolt
gern morgen sauffen, unnd wer heut voll ist, wer gern morgen doll: dieweil die
hitzig Leber den Wein an sich zeicht, wie die Nachmittagsonn das Wasser.
    Secht ihr meine Knabatzen, waren das nicht herrliche herhohische
Magenpulferige Heldenübungen, die unsern Grandbüchier unnd Buchgrossier zu eim
grossmägigen oder grossmächtigen Man amplum virum, mochten machen? unnd was tut
ihr zur sachen? was tut ihr, wann ihr nichts tut? Schemen solt ihr euch, dass
ihr euch also ausshungert, Es wird noch gelt sein, wann ihr nicht mehr lebet,
unnd die Schwaben mit euern beinen Nuss abwerffen. Es ist kein wunder, dass die
Prediger auf den Cantzeln über die böse  Welt schreien: und die Feust auf dem
Pulpret so verpleien: Was macht sie böse , ohn dass sie also über ihr selber sitzt
zunagen und zuplagen, und wie Janus inn die ander Woch schilet, ist die noch
nicht herumb: das hindert die käuung und däuung: Sorgen macht worgen: unnd macht
euch also unleidlich, dass ihr an ein jeden Treck stoset, der im weg ligt: Dann
welche Fügen beissen übeler? die hungerige: welche Läuss stechen übeler? die
magere: welche Bienen angeln mehr? die dörren, welche Wölff zerreissen mehr? die
unersetliche: welche Hund bellen mehr? die fräsige: welche Herrn schinden sehr?
die Armen: welche Leut zörnen eher? die kleinen. Derhalben lasst das Vögelin
sorgen? haltet S. Burckhards abend mit Most, so lad euch S. Pantel in Sachssen
zu Schuncken, zu Knachwürst, und Knoblauchkost: und bacht auff die Ostern
Fladen, so wird euch, die Pfingsten zum Pfingstbier unnd zur Lauberhütten laden.
    Nun möcht mich einer fragen, wie stund es aber inn des Grossgurglers
Hausshaltung? so hört. Er wusst des Catons spruch, das gessen ungetruncken sei
gehuncken, und im gegenspiel, getruncken ungessen, sei zwischen zweien Stülen
nidergesessen: darumb versah er sich zuvor mit Wasser, eh mit Kalck, das ist,
solchen dingen, die den durst herzu pfeiffen, locken, singen, unnd pringen,
solchen sachen, die den trunck wolschmeckend machen, unnd bei den haren ziehen
inn den Rachen: Er war ein Reutersmann, fütert eh er trenckt, ein Weidman, trib
auff, eh er zu Garn lauff, ein Rhatsherr, reuspert sich, eh er spricht.
    Und dieselbige Rachenkitzel, unnd Weinhaspeln, waren gewiss ausserlesene
stücklein, die ihm wohl anstunden, unnd den Wein wohl auffwinden, auffkranen und
einladen konten.
    Glaub derhalben gar nicht dass Aristotel im Buch von der Trunckenheit von
Andro schreibt, er hab viel trockener gesaltzener Speiss genossen, aber nie
getrenckt noch begossen: Überred er die Bauern inn Mechelburg, denen ihre
Jungkherrn kein grösser Phalarisch straff antun können, als wann sie
dieselbigen ein Tag hinder den glüenden Ofen spannen, und ihnen nichts dann
rostig versaltzen Häringsnasen zufressen geben, aber gar nichts zu trincken: da
wer kein wunder, sie leckten vor durst die Kacheln, oder rüfften wie der Reich
Mann im Nobiskrug nach eim nassen Finger. O ihr glassfegende Herrlein behüt uns
Gott vor diesem Fegfeur, unnd schick uns unsers Grosswurstiers feisste Kuchen zu.
    Dann in derselben war Protfrission von aller hand magenkräfftigem Protviand
unnd Labsal, zu allem anlauff fertig, wa man mit eim Glas her stach: Als nämlich
gute Munition von Schuncken, Spintspeck, Füllspeck, quia Caseus und Schunkuss,
die machen optime trinck aus: Unnd dieselbige aus den besten orten, nicht von
Magentz noch Mentz, wie es die Frantzosen nennen und meinen, dieweil man etwar
daselbst von unden herauff mit schuncken hat gehandelt, sonder aus Westfalen
unnd Frissland: wiewol etlich auch von Baion im Gasconischen Biscai, da die Leut
singen, wann man sie auffknipfft, so fro sind sie der Himmlischen Freuden: Item
ein festung von gesengten Speckrimen und Speckseiten, darzu nie kein Schermesser
kommen, unnd von Backen, Pratfercken, oder Spanferlin aus Bayern: Item von
allerlei geräuchtem, gedörrtem, eingesaltzenem, und grünem fleisch: Auch viel
Tunnen voll Waidelendens Hundsbefürtztens Wildschweinens, desgleichen von
Mastrindern, Weidfleisch, verheilten Stieren, Vernondten Stechkelbern,
verschnittenen Ochsen von Pfarren oder Farren, Rindbacken sauber aussgebeint,
geruck, Hammelsköpff, Nirendeckige, oder Nirenhenckige Lämmer, von
schwartbehauenen Schweinen, Unabgelertem Speck, von Beckermoren, Ackerschweinen:
und guten vorrhat von starcken Quallen vom Hundsruck und Hanenkamm, mit Zwibeln
den Egiptischen Göttern gespickt, aussgefüllt, eingebaisst, inn Essich versaurt,
und saurveressigt: ungeacht der Araber und Galenisten Zanck, ob gepratens oder
gesottens feuchter und trockener sei. Ich wolt sie beide mit eim solchen
feuchttrockenen schwallen und Quallen wohl eins machen, wann ichs den einen für
feucht, den andern für trocken liess verpancketiren, und darbei trocken und
feucht abschmieren, dass ihnen die Nass ins Maul müst distillieren.
    Item ferner im text, verschantzt mit Hammen, hindervierteiln vom Schöps,
Hammelebug von Franckfort, Geschnätel von Kalbfleischtigen Hammen, Gänssmeuen,
Schenckel, Castraunenfleisch, Schützenprätlin, Kaltgepratens von Wittenberg,
Pans in der Sultz, Hammelsschlegel, Stockfischpläuige eingemachte Lumel:
gerollte Wammen, Spallen, Kalbspraten, Nirpraten, ein getonnet Fleischmauen,
Zemmer und Knöpff von Hirtzen, Rechschlegel, hinderlauff, Bug vom Räch,
Hirschenlummel, Lämmerpraten.
    Item libenter (heisst ein Pfaffenfisel, unnd semper ein Wolffsmagen)
gereuchte, eingesaltzte Ochsenzungen aus Ungarn, Hirschleber aus dem Schonbach,
gesaltzen Botter aus Holland, Kompost aus der Kappesbütten, Ständel voll Senff
von Obernähenhaim, Säck voll bitterer Mandeln von Speir, Ballen voll Pfersich
vom Rein, Bütten voll geplotzter Rettich unnd gekotzter Mörrettich aus dem
Elsass, Hackstöck voll füllmägen, saltzis, geprüten kalen Kalbsköpffen, Kröss,
Schweinenfüsen weiss geprüt wie unserer Köchin Waden, inn Essich oder Galrei: das
Testament von einer Ganss aus dem Nördlinger Ried.
    Demnach gerüst mit seiten und Prustwehren von gedörrten, gereucherten,
gesottenen, gepratenen per omnes casus unnd Species Würsten, Halsbesteckten
Leberwürsten, Kropffstopffenden würgenden Plutunden, glatgehöbleten Schübling
und Pratwürsten, Lantzknechtischen Schübelwürsten, räsen Pfefferwürsten,
Bauchplehigen Rosswürsten, stulgengigen Mettwürsten, zitterigen Rech und
Hasenwürsten, Rosenwürsten, Saltzsutzen, Kropstösigen Plutwürsten und
Flämmischen Hillen, In nostra villa, tigno suspenditur hilla, die sie zur
grösten zier umb den Tisch hencken, dass sie eim auff Schlauraffisch ins maul
hencken, und alle andere omnis generis fartzimina, welche er alle, wann er zur
Zech ging an gürtel umbher hencket, wie die Schwebische Furleut die rote
Senckel, über das glat artlich gekerbet ledere gesäss, oder wie Clauss Narr seine
Genss, da er seinen Fürsten Fritzen im feld sehen wolt, oder wie jhener, der die
Brettstelln verbarge.
    Unnd solche Schweinene Ael liess er nit pringen von Luca: Wiewol sie daselbs
dz künstlich Wursteisen und die ganz wurstichitet wöllen erfunden haben: dann
er forcht, sie möchtens ihm auch schmincken und schmieren, wie sich die Weiber
daselbst durchleuchtig anstreichen. Auch nicht von Bolonien, dann er besorgt das
Lombardisch gifft: Sonder von Dingelfingen: von Filtzhofen, aus Bauern
Baierland: aus der Eiffel, und wo der Saurtreck eicheln gibt, und die Eicheln
wider saurtreck machen.
    Dise hielt er für beissiger unnd anatomiriger als der Engellender unnd
Spanier Ertzknappige Künigklein, Katz und Motzenfleisch. Auch für
Magenstilliger, geniesslicher und erschiesslicher, als das Weibergepräng, unnd den
Meidleinschleck, den man mit spitzen fingern unnd messern fürlegt, Als jung
Hanenhödlin, Hechtschwentzlin, Krebseierschwentzlin, röglin, Meissnische
Zäussleinmeglin, Karpffenzünglein, Rupen oder Rufolckenleberlin: Hasenhirnlin,
Nierlin, Lerchenklölin, Entenfüsslein, Genssmeglin, Congerköpflin, Genssfüsslin aus
dem Pfefferlin, Barbeln han ein süsses Meulchen, brachten jenen Reuter von seim
Geulchen: Schlehenconfect und diss geschleck, mit ihren Kindbetterkenlin: dann
solche verstecken meh inn den Seckeln, als sie in den fingern lecken.
    Den verketzerten, Hechsengeprendten, gefeurten, gezimmerten, beimberten,
bekümmerten Butterpraten, liess er den Banckprüchigen, Arsplaterigen,
Bitterdäschigen, übelsessigen, Land und Tischraumigen Kaufleuten und
Fürkeuffern, die mit ihrem fallement, machen fluchen viel tausent Sakrament:
dann die kost es wenig, wann sie es mit ander Leut gut, oder mit fersengelt
zahlen. Wie er auch der Berendatzen nicht achtet, er liess sie den schwertapigen
und greiffklauigen Fürsten.
    Folgends hett er ein Schlachtordnung von weissen, plauen, gelben, grünen,
aussetzigen, Zöhstinckenden, faulen, mürben, würmwüblenden und fallensichtigen
Käsen, von Küen, Zigen, Geisen, Schafen, Reinigern, ja auch Eseln, Aber nicht
von Bauern noch Beurinen: Dann er wusst, das Caseus und coepe, die kommen ad
prandia soepe: Unnd Caseus und Panis, sind köstliche Fercula Sanis. Stunden
derwegen da vielkrautige, Kütreckige, Grassgrüne Schabziger, sampt den Holeisen
und hobeln aus Schweitzerland (dann dise gefüln ihm besser dann die Reibeisen
zun Muscatnussen, unnd die Rubeneisen für faul Megd) Parmasaner aus Walen, die
man nicht schneiden, brechen, rauffen noch ropffen darff, sondern schaben, wie
die Bairischen Rüblein, die köstlichkait halben den Gallileischen Feigen
verglichen werden, Schwartzwälder aus Chaldea, Mönsterkäss aus dem Weinsas, Ziger
von Glaris, Kreutzkäss von Werd, welche die Schweitzer gern im Wapen führen,
Delsperger aus freien Bergen, Sanerkäss aus Wiflispurger Gäu, Geisskäss aus Hessen,
Speisskäss, Hasenkäss, aus der Grempen geses. Item Ostergottische Helsinger,
Narwegianer, tausentpfündig Finlendisch Geisskäss mit Mirten gereuchert,
Bitinisch Käss, die von Muterleib gesaltzen sein, Scandisch Käss, die allein die
Nastropfige Weiber machen, und in formen bachen, an deren eim zwen Bauern auff
Mistberen, wie am Cananeischen trauben zuketschen haben, und die Rinde darvon
für Tartschen und Schantzkörb prauchen, Auch Nemauserkäss, Wasgäuer, Hornbacher,
Putlinger, Holender, Degenseer, Riser, Almer, Frisslender Mümpelkäs, der Meissner
Napkäss und Querge etc. Unnd was dergleichen mehr sind: die legt und setzt er
auff einander stafelsweiss für Pollwerck wie die Gerber ihre Loskäss, und die inn
Nordwegen ihre Stockfisch.
    Es war ihm ein lust zuzusehen (wer gern Purgiren wolt) wann er die
vermoderte, verkoderte, verschloderte unnd verfallene Kässzinnen etwann mit
schauffeln auff das Brot striche, und die lebendige Käss und Lindwürm zwischen
seinen Zänhammern unnd Mülsteinen also sauberlich zermalmet und zerknirschet,
das es lautet als wann ein Galgen voll gestiffelter Bauern bei Nacht durch das
Kot ins Dorff stampfften und postierten, oder ein viertzig Bauernmeidlin auff
der Alp Stro in Leimen tretten, dass ihnen das Leimwasser zur quinternen hinauff
stritzet. Dann nach seim todt, haben etliche Lumpenstämpffige Papirer, unnd
Saurpäppige Buchbinder, sein ober und nider gebiss für Glätt Zän geprauchet.
    Letzlich hett er zu eim hinderhalt unzahlich viel Häringstonnen von
gewesserten, bezwibelten, beessigten, gesaltzenen, frischen und roschtigen
Höringen und Böckling, welche rochen wie deiner Magd pfu, von welchen er ihm
pflegt wöchlich ein wichtige Ketten zumachen, und hieng sie umb den Hals, wie
ein Zanprecher die Zän: welches warlich ein schöner fund für die Töringer ist,
der ihnen dann nun ein lange zeit, wie uns Teophrasti kunst, verborgen gewesen:
Unnd auff dass ich nicht missgönstig und saumig an meiner treu befohlenen
Lehrkinder underweisung erscheine, will ich ihnen dieselbige vil treuhertziger,
als Alex Pedemontan sein Secret, offenbaren: So wisst, dass er gemeinlich die
Heringsnasen bei vil Regimenten, wie man sie kluppenweiss fängt, durch ein
strackseil zoge, wie die Kinder die Butten anfademen, und die Weiber die
Aeschenrösslin anweiden: dieselbig wand unnd wundt er alsdann fünff, sechs,
sibenfach umb den kragen, eng in einander, auff dass ihm die durstige Schlucker
nicht drein fülen und es ihm zerwülen: Als dann bei den zechen küsst und leckt er
sie hinden und fornen wann und wie er wolt. So hielt er auch sonst auff
Diogenisch in der Teschen Haus, zog auch etlich Regiment Schmorotzermäuss
darinnen: Wa er zur seiten hin griff inn die Diebs oder Commisssäck, in Hosen
oder Ermel, da war er gespickt, auff dass aus mangel einiger Labsal, er nicht inn
onmacht sünck, wann man ihm nicht bald zutrünck.
    Dessgleichen vergass er sich auch nicht mit frischen Fischen, als allerhand
Bratfischen vom Bodensee, Hausengalreien, gebratenen Forellen, Hausstockfischen,
Dörren, Posten, Prösem, Stören, scheiden, Rot Fohren, weiss Orffen, unnd gel
Haselnaschen, Raumen den Streidasgütlein die Taschen. O kugelhaupt, gebachen
Pirsching für die Pfaffen gut, gebraten Latfohren gut zum Salat, Miltzhäring gut
zum sauren Kraut, gereuchert Rencken, blo Felchen, weiss unnd gelb Gangfisch,
Rüdling, Kelchlin, Lauben, Truschen, Ropelen, die er nach der Feldmesserkunst,
wie die Winterige Lappenländer treissig und ein vierteil von einer Elen hoch
als die Holtzhauffen im Buchwald ordenlich auff einander zimmert, auff dass sie
im lufft recht genug Wackensteinig erhärteten, unnd wider mit laugen zu miltern,
noch mit Stempffeln unnd Stampffmülen, Treschern unnd Stockfischklopffern
zuerweichen weren: dann solches übet den Magen mechtig wohl.
    Weiter versehen mit frischen und gedörrten Hechten aus der Speckbrüe, oder
blau abgesotten auch mit gebratenen Salmenrucken aus Schotten: Ja bist du da
kranck, so hail dich der Fischerhans zu Costentz, und die faisst Kuchen.
    Zur Not aber des unversehenen überlauffs braucht er 200 kad würffelsweiss
geschnitten unnd inn Butter geröstelet, geschwaisset und geschmeisset,
gebreunlet Brot, dann solchs sind zum Schlaftrunck die kramatsvögel, wie die
gesaltzene unnd befenchelte rindlein unnd Kröstlein die Trincker Marcipan zum
untertrunck. Lasst auch die Specksupp kochen schier, Gebachen Eyer viertzig vier,
so speien dann des leichter wir. Auch Pfannenkuchen, Nonnenfürtzlen, Polster,
Krapffen, Nudeln, Pfanzelten, Bauernküchlin, gebraten Maroni und der Schwaben
Nuss im Leiderlin, etc. ein braun fut auff eim weissen Teller, zerschnitten
Köller. Unnd desgleichen unseglichens geschmeiss mehr, welches mir nicht alles
einfällt biss zum Schlafftrunck, Ich steh aber erst auff, derhalben ein guten
morgen.
    Habt ihr dann nun ihr meine zuloser vernommen wie unser Kleinbusier,
Grandbruchier unnd Grossbuchier ins Maratonisch Grass unnd Prass, Gross und Frossfeld
gerüst sei kommen, unnd sein Schiltwacht mit NachTischen bestellt hab: so
gedenckt was euch zu tun werd sein: Ist er durch solche leibzucht zu einem
anfichtigen Himmelsstürmer Alpenketscher unnd Bergversetzer worden, was meint
ihr, es könn euch nicht auch gedeien? Gewiss wie einer Speiss braucht, also lebt
er auch, rauhe Weid, macht rauhe Leut, zarte Süpplin und Meisenripplin, bringen
auch zarte Püpplein, lebhaft Fleisch, lebhaft Geist, schleimecht Fisch unnd
Ael, machen schwermütig und schwermägig Leib und Seel. Was? der Mussversotten,
verspanischpfeffert, geketzert, vermischt, zerknischt, versüsselet, verröstet,
verräset, verbrant plunder, solt eim die höll im leib anzünden und den Teuffel
verbrennen. Dann saur heiss gewürtz, bringt saur heiss Fürtz, daraus die Merdici
gleich prognasticken von folgender Gottsackriger ewiger durstleschung unnd
Himmlischer gesundheit stellen.
    Gewiss es ist nicht ein klein teil der Gesundheit, wann die Wind ihren gang
haben, Ich weiss dass der, dem gester der Truckenscherer den Sack verknipfft hat,
hette gleich so wohl als der Fürst zwentzig Gulden darumb geben, wann er schon in
ein Laden hett sollen darumb einbrechen, dass er noch inn eim Jar ein klein
Schleicherlin mit freiem leib hett lassen mögen, begert dannoch kein lohn darzu,
als des Abts Narr, der von seim hinderdonnerklepffigem Doppelhacken auch
Doppelsold fordert.
    Botz Angst, wie eben recht, bei dieser Fartzbüchssen erinnere ich mich eben
unsers Landwüstiers Fest und Feldgeschützes: welches er hin unnd wider inn den
Pasteien, mäusslöchern, Gewelben, und Trachenhölen auff Ligerlings Rädern
versteckt ligen hatte, grossgebeuchet, wolbereiffet, starck bedaubet, scharff
bezapffet, rund verpontet, künstlich behanet: aber nicht alleine von aussen
wundergaffig, sonder auch einwerts sehr kräfftig, und safftig: dann was genüget
einen erfahrenen Schützenmeister, die herrliche Zeughäuser zu Wien Strassburg
unnd Nörnberg oben hin zubesehen, wann er nicht auch jedes stücks gelegenheit
erfahret. Also was hilfft mich, wann man mir das gross Fass auff dem Schloss zu
Tübingen, die Kellerei zu Schafhausen, und die Berggebärende alte Fuder zu
Murbach weiset, wann man mir nicht auch den Wein vom heissen Sommer daraus also
zuversuchen gibt, dass ich die Kellersteg nicht mehr finden kann: wiewol die Leut,
die es eim weisen, selbs so verstendig sein, und wissen dass einer den Babst
nimmer on ein zwenfingerigen Herrgottseseligen segen sihet. Ich weiss wohl, wie es
dem Poeten ging auff der Hochzeit zu Studgarten, im Kellerstüblin, da ihn das
neu Fass anlacht, welchs hielte der Fuder zwentzig siben, welche ihm recht die
Reiff antrieben. Grandgusier liess auch ein Weinkeller in ein Felsen hauen in
welchem er etlich tausent Fuder Weins ohn Fass erhielte, besser als ein Bischoff
von Würtzburg, der solches auch unterstunde, oder der zu Trier auff dem Schloss
Ehrnbrechtstein.
    Hierumb so wisst, dass es nicht ein Nam on den Kram sei gewesen, sonder Revera
heisst ein Minnbruder, versehen mit wolmundeten, Maulreissenden, Zapffresen,
Lautschwatzenden, Zungklapffigem, Zungzwitzerigem, Zungkützeligem,
Glassschwitzigem, rauschdantzendem, brentzlendem, graugebartetem, röschem Wein,
von fürnen unnd heurigem, Dörrsommerigem unnd järigem, mostigem und verjartem,
welche allerhand Hoffarbröcklin anhatten, dieweil sie ein Reichen Herren haben,
der sie kleidet, wie König Salomons Plumen, geferbt als die Sempachische
Schweitzergesess, Frantzösische raupenferbige Mäntel, Spanische
Zigeinerparetlein, Antörffische Bottenhüt, Strassburgische Müllerhüt, vilwürstige
gemalte Lätz mit Landsknechtischen Fenlin durchzogen, Feldzeichnete
Halbmonverfinsterte Wapensgenosse Arsbacken, Pritschenschlagerische
Schellenröcklin, Liripipische Achsselbrüch, und sonst Verbum Domini manet im
Ermel, unnd etc. bundte Bundschuch einerlei farb wie die Schwestern per omnes
ordines gehen, unnd wie sie Velten Bock im Farbbüchlein beschreibt.
    Ihr versteht mich wohl, wann ich sitz, ein jeder isst unnd trinckt es, nach
dem er ein Kalenberger Krautkopff unnd verplanetirten Calenderschedel hat. Der
ein Rebenflachs, war Claretrot bekleidet, der ander Liechtrot behütet, der dritt
Schwartzrot verkappet, der vierdt Goldgelb gekrönet, der fünft Lederfarb
gestiffelt, der sechst bleichart, der sibend ein Participium unnd Schiller, inn
Schillers ton zusingen unnd zubringen: Intelligis, Allkant Wein, ist mein
Latein, wirfft den Bauern über die Zäun, unnd stosst die Bürger an die Schinbein.
    Da war Ehrwein, wie man ihn möcht dem Schulteiss ins Ampt schencken, war
Landwein, Brachwein, Traberwein, Fuhrwein, Fuderwein, Rappis, Kirschwein,
Bastart, Bruder Morolff, Weichseln Wein, Trupffwein, Nachtruckwein, Moscateller,
Belner, Arboiser, Beaner, Spanischer S. Martin, Romanei, Frantzösischer
Orleanser, Lionischer Muscat, Weinseck, Börwein, Ougstaler, Reingauer, Mentzer,
Necker, Moseler, Tonauer, Granwiler von der Etsch, Flaschenberger von
Montfiascon, Est, est, propter bonum est, meus Dominus hic est. Vernetscht ist
gut Verniss, Eckwein, Scharnickel, von Tai, Bisantzer, Wetterwein, des Babsts Pii
4. Mangeguerra unnd Fress den Feind, der ihm das heilig Habetglid so oft hat
erhaben, biss er ihn habet aus dem Sattel gehaben, Ungarische Georger, Klyber,
unnd Symiger, Mergobremer vom Main hat bremen, Calobriger, Marckwein, Wibacher,
Rosatzer, Ottenberger aus dem Turgäu. Von Veseva und Surent, den mein
langwadeliger Bruntzhalter und schwimmer Peter Gravin gern tranck, Brubacher,
Grünstätter, Fürstenberger zu Bachrach, O Bachi rach im Rauhen Rachen, solstu
heut erwachen, wie wird dein Gurgel lachen. Ja da war mehrlei Wein dann zu
Studgart auff der Hochzeit beschrieben werden, als Würtenbergischer
Weidenberger, der von Lauffen, so etwann die Ferdinandischen Knecht machet
lauffen, und die Landgrävischen nachlauffen. Item der Elfinger, so die finger
und bein Elenlang macht, der Beutelspacher, so die Beutel machet krachen, der
Hebbacher ging glatt in Rachen, Rote Felbacher, Mönchberger, Beinsteimer, weiss
und rot Wangheimer, die oft gut Verss helffen erdencken, wann mans Poetisch tut
einschencken, Seckenheimer aus der Pfaltz, sampt Gunteimern, Dürmsteinern,
Manheimern unnd Gänssfüssern, starck von geschmack, die einen bald werffen auff
den Sack: Steinheimer aus Francken.
    Item Seiffwein, Treiffwein, Tropffwein, Pfaffendorffer, Peternacher,
Scharlacher (ein schöne farb zu eim Kleid) Brendeler, Leutenberger, Hirtzenauer,
Heintzrucker, Ruck den Heintzen, Kochheimer, Loricher, Hassmisshauser, Pontricher,
Gulscher, Engergauer, Frinckeler, Leinsteiner, Renser, Filtzer, Horcheimer,
blutiger Maulbörischer Wallischer, Heintzenrock, Bisenberger, Turgeuischer
Berlimost, O Katzentaler, und Lüppelsperger von Reichenweir, wie halten euch
mein Lippen so teuer. Wein vom Noha und Sara, den Göttlichen tranck Nepente oder
Ochssenzungen Wein, und Leidvergess.
    Item Osterwein, Tramminner, oder Trabrauter (wie jene Jungfrau, die nit gern
das bruch nent, sagt) Reinsfelder, Keisersperger, Andlauer, Rangenwein,
Pfedersheimer, Astmanshauser, Treckshauser, Rotz oder Kotzberger, Cursswein,
Veltliner, den Keiser Augustus gern tranck, Reiffwein, Reinfall unnd Pinöl, ist
gut öl, Roter Marlheimer, unnd von S. Bild, o wie milt: Kalenberger, etc. In
summa es war allda ein solch einreuten von Wein zur Aechsst und Schiff, als vil
all Berge Trauben geben, wie viel kornär an stengelein heben.
    Item inn einem besonderen NebenKellerlein, die Schleckwein, und die
Essigfässlein. Dann Essig macht Essig, unnd macht die schwere Köpff lässig.
    Dessgleichen in einer Kellershülen vielerlei Weinmässig, wolgebrauet,
glitzend, schmutzig, dunckel, dick, kleberig Zit unnd Bier, für die
Hopfenbrüder unnd Birmörder, als so Bremisch, Emdisch, woldäuig Englisch,
geförnisst Juppenbier aus Gersten von Dantzwig, augenblendig Neuburgisch,
Töringisch, Bambergisch, Schwabachisch, Masauisch, Liflendisch, Stetinisch,
Hamburgisch und Lubeckisch Weitzenbier, Einbeckisch hopfenbier, Torgisch
gewürtzt Bier, Nachbier, jung Bier, dünn bier, Kufenbier, Kleienbier, und sonst
selsam geschelet Biren. Item Begeranischbier, darvon geschriben steht, Begerana
est omnibus sana. Vorcellischbier, Friburgisch bier, Neumägisch Juckstertz,
Werdisch Brühan, Binackel, Scerpbier, Prisanbier, Wurtzisch, Zerbstisch,
Rostockisch, Bernauisch, Rebin, Garlebin, Soltwedelisch, Kolbergischbier, der
Erdtfortisch Schluntz und Kidegern, der Braunschweigisch Mumm, Leipsisch
Rechenrastrum: Ein Topff, Scherpetum, zwen Rastrum, dat spanque coventum:
Magdeburgisch Filtz, Gosslarisch Gause, Quitschart, Kühschwantz, Kälberzagel,
Büffel. Item Franckfortoderisch staffeling, Betörwan, Schlipschlapp,
Fitscherling, Stampff in die äschen, störtz den Kerl, Batzmann, Hotenbach,
Glückelsham, Sperpide, Horlemotsche, Stroheingen, Bastart, Rutetop, Helschepoff,
Lorch, Itax, Salat, Streckelbörtzel, Fertzer, Rolingsbier, Raseman, Kurfinck,
Kressen, Fidelia, Alcklaus, Mortbotner, Reisekopff, Lötenas, Hartenack, Preibot,
Mückensenff, etc. Hei wie süssklingend Sirenisch Tauffnamen, eben wie die
Gevattern sind.
    Aber was bemüh ich mich lang, all seine Lüllzepfflin zuerzehlen, ihr könt
selbs erachten, dass er, zu dem als er ein Kölnischer Weinkoster und
Strassburgischer Zepfflinsauger von den Weinstichern war, nit den schlechtsten
getruncken hab: Ich hets ihm auch nicht gerahten, dann warumb wachsst gut Wein,
wann man den bösen wolt trincken ein? dem Teuffel zu mit den Weinkömmen und
Weinsophisten, die den edelen safft mit Schwebel unnd Speck verketzeren: Der
lebe inn æternum, der gibt potare Valernum, wer aber mir gibt villum, all
Teuffelsplag torqueat illum. Sanct Urban wöl die Seel erfrischen, die mir
einschenckt den frischen, und dass derselb bekomme das grimmen, der mir
einschenckt den schlimmen. Nur Kleientranck für denselben Prenckelschencken,
oder Moscovitisch Habernwasser, oder Tartarisch distilliert Pferdsmilchwasser,
oder Aepffeltranck aus Hessen. O du edeler Wetzstein Cos, du bist für all
Edelgestein mein trost, du kleidest mich für hitz und frost, dich ess und kau ich
för mein kost, du machest dass mir kein gelt verrost: du bist mehr dann mein
Rippig dürr Weib mein Rippenkost, wan michs kost: Bei dir ist color, odor, sapor
und tactus, du bist die Ars Cos, das ist des Schaubels Algeber Regel. Ich kann
nit Rebenhänsleins Segen, dass ich könn dein ganz lob erwegen? Aber das weiss ich
frei, dass der Wein mitten im Fass am besten sei, unnd im Winter am stercksten,
dann er bringt sein külwasser alsdann mit sich. Nur Catolischen Wein her, so
sich auff seine güte verlasst. Was soll ich viel erzählen, was man allda für
Frucht und getreid zugeführt habe vom Kochersperg, vom Wormsergäu, vom
Neckertal, von der Rems, von der Glems von der Viltz, und von den Oesterlingen
zu Schiff, Ich bin keim Einnemmer übers Register kommen, wie Froumenteau über
den Frantzösischen Finantzhabern: es sind mehr Wägen da gefahren, dann gefahren
sind zu jeden Jaren, der Eissschemel im Rheine gross, wann im Früling der Westwind
blosst: alle Kästen, Speicher, Schütten und Gebien lagen voll.
    Hiemit so sei es genug für diesen Heller, von unsers Grosshustiers Koch unnd
Keller? ihr habt jetz sein Magengrentzen, Magentzen, Magenstädel, Bauchgetäfer
unnd Därmgebün verstanden, nun ist sein würckung noch dahinden vorhanden, die
daraus ist entstanden, da hört zu in allen Landen.
 
                              Das Fünft Capitel.
 Mit was wichtigem bedencken unser Held Grandgauchier zu der Ehe hab gegriffen,
                           und sich nicht vergriffen.
Wie ist ihm dann nun gedachte füterung bekommen? wann ich mein Maul nicht zur
Taschen mach, so muss ich nichts anders sagen, als wie es die Welschen
ausssprechen, voll voll, für wohl wohl. Was heisst aber wohl, wo nicht bei eim vollen
Fass, auch staht ein schönes Glas, bei nötlichkeit ein zierlichkeit, das ist, bei
eim wolgesetzten Müllersackstracken Mann von leib, auch ein Ranbigend,
Tieffundament gewelbig, wohl gegossen, Grabtieffgesencktes Weib: Dann wie kann man
sich fräuen, da sich das Kitzelfro Tier nicht regt, welches den namen vom
fräuen trägt? wie solt es stehn, wann der Adam an der Müntz zu Worms allein solt
schlagen, und kein mitschlagende Evam haben?
    Derhalben unnd dieweil er mercket, dass die Strofitel Venus zu einem
widerschein gern stünde an der Sackpfeiffen Bauchus, unnd neben der
Bauchfuderigen Zeres: so sah er ihm umb ein bezöpfftes Aussstracktieff und
beginenpflaster umb, zu beförderung der inneren Nierendäuung pro Knibus, und
stillung des auffrhurigen geschwollenen Welschhanenhalss, und auffgelauffener
rotblauen Schlangenkäl, welchs er klafftern lang im schweiss seins angesichts
warm überlegen musst.
    Liess sich auch an der einigen Fidel benügen, dieweil er auch nur einen
Fidelbogen hat, dann was sollen zusamen vilerlei Safft? eins nimpt dem andern
die krafft, die Adlersfedern verzehren die Taubenfettich, so warff ja den roten
unnd weissen jener voll Zapff zum Laden aus, doch den Strassburgischen Botten
ungemeint: So heissts ja auch, wa sich uneinigkeit strausst, da wird zu eng das
Haus, unnd ziehet der stärckst dem schwächern den Harnisch aus.
    Hielts derhalben gar nicht mit den göle, gule, gaule, geilen,
Zungstreckenden Hundsbrautläuffern, Kässhirnwürmmürben,
Aussquinkessentzgemergelten Kucurbitirern, beulengeschwollenen Rähgerittenen
Bockenreutern: Rotznassglitzenden, Dürrbackenschmutzigen, Beingrattelen
Elenbogenhinckern: Bleichgeschmirbeten, Mottengefressenen, wurmstichigen,
dolchgestümmelten, Müntzbeschnittenen Bruchbindern und lätzfüterern:
Blaterbletzigen, ausssetzigen, weissschupigen, im Holtzsequester ligenden und
erfaulenden Jobsmärtlern, Lazarus Spenglern, und Holtz Junckern von Caiaco:
Blintzlenden, Glasszitterigen, Kruckenstupffigen, stimmmaunzenden, Sinnstumpffen,
Marckersäugerten, Ruckengrimmigen, Ohrensausigen Kopffschüttelern, die
verglasurte Bleienfarbe gesicht haben, lere Gedächtnis unnd lere Seckel: In
summa, er sagt gar ab, disen Stinckböcken, siechtägigen Schmotzenschmeckeren,
Hindenleckeren, Hosenschmierern, Strümpffüteren, Wadenstecken, Parpelschwitzern,
Bockenholtzsauffern, neunmal Frantzösigen Rittern, Eselsmessigen Dorffarren unnd
andern verminnten Ochssen, die inn alle Krebslöcher ihre Nasen stecken wöllen,
unnd das Pönitere teuer kauffen. O wie fein haltet Hippocrates den Coitum oder
geheitum für ein art vom fallenden siechtag, da man mit dem Kopff tut, als wer
man mit dem Arss unsinnig.
    Nein, Nein, diss war seins glaubens gar nicht, er fieng kein Troianischen
farrenwütigen Hellenkrieg drumb an, mault mit keim Agamemnon umb das
Brisachelslein, stürtzt sich in kein Kurtzenloch drumb, war kein Pausanischer,
Scedasischer, Carrarischer, Barhüserischer, Levitischer und Dirschereitischer
Freimüllerischer Meidlinmetziger: ward kein Mundischer Isenpfaff drumb, dass er
ins elend einer nacht halben komm: Er war kein Bryas, dass ihm die Braut im
schlaff die augen aussriss: man dorfft ihn nicht drumb auff Macrinisch inn ein
Ochsen vernehen, noch Sicilische Vesper mit ihm spilen: Temoclia dorfft ihm
keinen Schatz im Bronnen zeigen: man gesegnets ihm nit wie dem Salust mit
Peitschen oder dem Schweitzerischen Amptmann mit der Achsst im Bad, und dem
Domherren mit dem Strigel: Er stürtzt kein Bischofflichen Hals darumb im Keller
ab: zünd nicht der Herrengurr Tais zu lieb Xerxis Königlichen Palast an: er acht
nicht der Flora Erb: man dorfft ihm nicht wie den Affen die Stifel halb
aussziehen, und darnach fliehen: die Päpstmuter Marozia dorfft ihn mit keim
küssen ersticken: pfälet kein Frau durch die täschen, wie der Hunnisch König
Cacan zu Forliff des Lombardischen Königs Gisulffs Frau, die er, nach dem sie ih
m die Statt und ihr ehr verahten gehabt, wie gehört, mit eim unadamischen spiess
und flocken hat gespisset und verkeihelt. Es dorfften ihn Königs Gisulffs
Töchter mit ihrem Milchmarckt nit betriegen, und faul stinckend fleisch unter
das Nackmentelein zwischen die Brüst verstecken, auff dass vor scheutzlichem
gestanck niemand mit ihnen schertzte: Daher die Ungarn meinten, dass alle
Lombardische weiber also stincken, und liessen derhalb den Kitzel in die Hosen
sincken.
    Vergass sich nicht wie Hercul in der Spinstuben, wie dz Ulenweiss
Weissheitmuster im Circenberg, der Treu Eckart, Dannheuser unnd Sachsenheimer in
Venusberg, König Mitridat im Mörland Ponto, Hannibal in Capua, Juli unnd Antoni
inn Egipten. Insumma er liess nie kein Nieren, noch anders, wie das Hündlein von
Bretta dahinden, von frembdes genäsch wegen: dann sein ehr war ihm lieber, wie
der Jungfrauen, die band die Aer an ein Seidenen faden beim Küschwantz am
Hurendantz.
    Verspeiet derhalben die Corintische hohe Zatzenstifft, Solonisch
Wolffshülen, Hellegablische Bordäl, Sixtische Mummenheuser, Bussklöster, halbe
Tächer, Rosenauische, Schweinauische, Oberhausische Fischerfeld, Metziger Auen,
auff dem Röberg: Neuhauserwäldlin, Neupeterswäldlin: Leipsische Kniehöltzlin:
die Widertäufferisch Liechtmeicherei, die pecora campi, die das Grass mit dem
Gesess abmeien, unnd den Leuten vor dem gesicht mit ihrem Aretinischen Welschen
Passion umbgehn: dann die Kinder trüncken oft nicht, wann sie nicht den
Wasserkessel vor ihnen sehen: unnd was bringen sie darvon, als erlamete
Wolffsweichen, und das blau unnd grün im Rucken, welchs sie darnach mit wilden
Katzenbeltzen wöllen vertrucken: unnd wann sie die frische junggefiderte pfeil
verschossen haben, darnach bei den jungen Frauen wie ein verschnittener
seufftzen ligen, und unbesoldete Factoren unnd Substituten kriegen, es besolde
sie dann die Frau.
    Pfuy aus, beids mit den Milchpfennigen Barrenmerrern, und Gartleuffigen,
Stallnaschigen, bodenhartbretkerbigen Bockenbrecken, Ovidischen Neunreutigen
Zirene, Hurenmuter Arsbasia, Hurenreimerin Zapffo, Huren Procuratorin Lenont:
süsseinschwetzige Zomproni, Hurentreue Lewin, augenschädliche Sinoppe, Hellwert
Quadratari, Landhur Rudope mit dem Kunckelturn, Hengstbrünstige Schamiramis,
Farrengebrüte Baszipfae, Hundsgebrüte Minerva, Geile Gulia, Populea, Klepatra:
Gallische unnd Arterische todgeminnte, fünff und zwentzig reutige Mezalin,
Procolische zehenspeniger, Herculische fünftzighuderer, Indische
sibentzigmögige, Machometische viertzigmansame, Gregorii des 7. S. Mechtild,
Neapolitanische Janna, Frantzösische Valentina, Bellagnes, Stampiana, unkaste
Chastegnereich, Katzenreine Brandenkäterlin, Drottin und Rossliebe.
    O wie ein gute Pitagorische, Druidische, Caballisti, Minemonische unnd
Lullische Gedächtnis für solchen Huren und Bubentross. Es nimpt mich selber
wunder, wie ich den Hurendantz weiss also zuerzelen, gleich wie Simonides die
verfallen Zech: und Petrarch den triumpff Damore: ich bin gar der Memori über
das Fass kommen: derhalben haltet in ehren solchen Xerxischen kopff, der alle
seine Kriegsleut im ganzen Hör von 100000 wusst mit ihren besondern namen
zunennen: Ja wers glaubt, ich denck wann er einen schon Cläuslin geheissen hat,
unnd Peternel hiess, so hat er doch Cläuslin müssen heissen, dann bei diesen
Herrn gilt der Hofmennisch Reimen, Ich lass Ruben Bieren sein.
    Nun wolan, so wisst ihr nun, dass er nichts hielt auff die Heimdückische,
gestolene, Nachtdiebische Kitzelfreud, da sich einer inn Dachmarter und gespenst
verstellen muss, ja wie Jupiter inn Ochssen, Drachen, Schwanen, Kefer, Wider,
Mörschwein, Widhopffen, und Gold verwandeln, und wie Ovidius in ein Floh sich
wünschen. Dann es gibt gestolene Kind, Liffkindecken, eilwerck, ungeheure
Krippel, Spanische Hechizos, unzeitling, ehezeitig geburt, unzeitig erstickt
Obs, Hebammenpfetz, Stieffvattersüpplin, Henckergriff, Liebtränck, ja
Lebenertrenck, Blind Hebammenholen, tollsüff, Brustschwindung, Kindverschnirung,
leibpfrengung, auffgeschürtzt enggürtel, Profeibegrebnuss, weirwigen, Fischspeiss,
fündling, ausswirffling, Bauchbinderin, Sevenbäum, Ruckenschmär, Pfulwenbäuch,
und ehrgrindig Vertugallen röck, darunder man den aufflauffenden Deig inn der
Multer kann verbergen. Er hielt das Bachikantversslin gar Zehengebottisch. Est
magnum crimen, corrumpere virginis himen.
Der ein Jungfrau darff schwechen
Darff auch inn ein Capell brechen.
    Noch viel minder kont er verdäuen des Platons Lacedemonisch Gartenbrüderisch
Weibergemeinschaft, wiewol es inn den Dekreten cap: dilectissimis, causa 12 q.
I gebillicht wird, weil unter guten Freunden all ding soll gemein sein, wie der
Lufft unnd der Sonnenschein. Noch die Lesbische Laudische Klingenbalierer unnd
Wadelsauger, Buberonen, wie sehr es der Maleventisch Bischof de la Casa Sodomæ
rhümet: noch alle Kysolacken, Pfitzidisser, Cotitto, Fellrumer, die die Jungen
durchs Maul wie die Wisel werffen sollten, Lidische Mittaggeile Stielmelcker,
Geisshirten inn der Sonnen, Siphniasserische Pfostenhalter und Cibeles Orden.
Noch das unmenschliche, Stallstinckige Stafermo schöne Frau Geissbergerin.
    Sonder (damit ich ein mal abtruck) er schicket sich nach ordnung der natur
zu einer ordenlichen Ehrennehrlichen, Nachbaurlichen, gesindfolgigen,
gemeinnutzlichen, handlichen und wonhaftlichen Hausshaltung und eigenherd. Dann
seins Vatters Hofmeister Silenus ihne mehr dann einmal hat berichtet, dass nichts
auff Erden einer Alleinbeherschung und Monarchi oder Manherschi (welche man dann
für die beste Regimentsbestellung aussgibt) gleichähnlicher nachömet, und sich
Königlicheres ansehens erweiset, auch mehr nach weiss der gemeinartung schicket,
als die häussliche Herrschaft, und Herrschaftliche Häuslichkeit.
    Dann inn derselbigen erkennt der Haussfürst seines Tachtropffes
Reichsgrentzen, daraus ihne niemand ziehet, l. nemo. ff. de Reg: iur, seins
Ackerlands Marggraffschaft, seins Feldes järliche eintrag, Zöll und gefell,
seines Schatzkastens erweiterung unnd mehrung, seinen zweizöpffigen Tresorirer
und Kuchenmeister, seine Kindercredentzer, seiner Kastenbeitzung
unverfangenheit, seine feindliche straufende Rotten und freibeuterei der
Spatzen, seiner gibel befestet anstöss, seins Rauchloches, Lichtes und Lufftes
bekömlichkeit, seine Cloacische heimliche Schusslöcher, seines bodens Freiheit,
seines Undertanen Gesindes gewerb, Gesatz und gepreuch, seiner Höfischen
Ehehalten Reisstäg, seiner Kinder Schalcksnarrenkurtzweil, kurtzweilige rhät unnd
Affenbossierlichkeit, desgleichen derselbigen Kinderpapagei tägliche unnd
nächtliche Lautgestimpte Kammergeigung, Tischhofirung unnd Capellemeisterei,
sein Hund und Katzenschmeichler, sein Mäuss und Fligenschmarrotzer, seines hohes
unnd nideres Hausswildes oder Vihes sicheren ein unnd ausszug, seiner Dauben und
Bienen freien ab und anzug, seiner Pferd Ackerpostlauff, sein Spitalfresig
Almusenreichung, seiner Nachbauren frid und bündnuss, sein Holtzmarckatisch
Waldholtz unnd Kuchenspeiss, seinen Fischmärckischen Geltnetzechten freien
Fischfang, sein Schlaffkemmerliche Wehr und Waffen und Zeughauss, seine
Kammerzünft und Hofstuben: seiner Hofkleidung, auch Haus unnd Hofhaltung kosten
unnd unkosten: Er hat an seim Weib, Kind und gesind, genug Mörräuber unnd
Schnaphanen im Seckel und in der Täschen.
    Diese und andere meh Haussnötige stück, so sie dem Hausskönig gründlich
zuerwigen fürkommen, spüret er alsbald seine unvermöglichkeit, dass er, wa er
nicht von Land und Leuten raumig und schachmat werden will, notwendig dem
hundertäugigen Argo ein Fünff dutzend Fenster auff gute rechnung abborgen, und
mit dem Mercurio ein anstand treffen müste. Derwegen denselben genug man zu
sein, vergleichet unnd einiget er sich mit einer ihm anmütigen Gehülfin: Welche
er darauff umb meher erleuchterung inn ebenmässige vollmacht, das seine
zuverwalten unnd zugebrauchen, mit ihm als ein gemeinerin unzertrenlich
einlasset, und zu einem Tisch unnd Bettgeheimesten rhat erwölet: ja gleichsam in
ebenwürdigen Tron für ein Hausskönigin auffnimmet und neben ihm einsetzet.
Welche freikürliche, ehrenbilliche unnd Hausssteurliche gemeinschaft, so sie ins
werck gerichtet, als bald vor Gott unnd der Welt, als ein notwendige
Lebensfrist, unnd Menschlichem geschlecht unvermeidliche auffentaltung wird
gerechenet und gestattet: Auch solcher contract, verlob, Handschlag und
verbündnüss, von der ewigen treuleistung, die sie einander in krafft natürlicher
zuneigung, zugelassener Beilag unnd Ehkoppel, nottringliches beistands unnd
freiwilliger zusag schuldig, ein rechtmessige Eh, die Contrahenten und verlobte
aber Ewige Ehleut, unnd eins leibs genosse geachtet, bestimmet und gepreiset.
    Welcher sehr geheimnüssreicher nam nicht schlechtachtsam ist auff und
anzunemmen, inn betrachtung, dass er auch nach beider Ehgatten tödlichem abstand
noch nit verschwindet: sonder auch im ewigen Paradis (da sie einander wider
kennen und wie keusche Geistlich: Engelshertzen sich beisamen freuen)
beharrhaft, so viel den namen betrifft, bestehet.
    Hierumb so allein der Ehnam also ehrlich inn die ewigkeit (da sich doch sein
würckung nicht mehr ereiget) erhaben wird: Wie viel mehr gebüret uns, die wir
sein krafft und steur in unseren baufalligen Pilgerhütlin vorständig empfinden,
denselbigen nicht allein werd zuhalten, sonder auch seiner eigenschaft
nachzusetzen.
    Sintemal solcher noch mehr süssere Namen mit ihren auff dem rucken pringet,
also dass man einander mit den allerholdseligsten Namen, des Vatters, der Muter,
der Brüder, der geschwister benennet, ruffet und gemeinet: daraus abzunemmen,
dass wa sie inn ein abgang geraten, bald alle Schwerd und Spilmagen, all
Sipschaften, verwandschaften, Vetterschaften, Bassschaften, Oehemschaften,
Mumschaften, Nef und Nichtschaften, Kindschaften, Gevatterschaften,
Holdschaften müssten wie die glider des leibs, da sie dem bauch nicht dienen
wollten, abgehn und fallen: ja die ganze Welt zu grund sincken, unnd inn ihrer
Muter Leib das Chaos, den Kochhafen und Bachofen tretten: Inn betrachtung dass
dieselbige von solchen verfreundungen und gemeinschaften allein also gemehret,
bewonet und geziert auffkommet: Seit einmal der Mensch sonderlich zu eim
geselligen, leutseligen, selhaften lebwesen ist geschaffen: Unnd also, anhengig
zuschliessen, auch zu der ehlichen Hausshaltung naturneigig geordenet: Dann durch
zusamenwachsung, unnd vernachbaurung einer ganzen Freundschaft wird ein gass
besetzt, aus vielen gassen ein Flecken, aus eim Flecken ein Statt, aus Stätten
ein Land: aus Landen ein Königreich und Keisertumb, aus Keisertummen die Welt,
aus der Welt das Paradis.
    Dannenher man wohl von der Vermälung, Wie Tullius von der Freundtschaft
gleichnussweiss sprechen mag, dass welche dieselbige abzuschaffen vorhabens, sich
einer unersinnigen tat, nämlich die Sonn aus dem Weltkreiss hinzureissen
unterstehn. Dann wie könnte on Ehliche saat das Land erbauet, die Stätt besetzet,
die Dörfer bewohnet, die Gemeinden versehen, die Hausspfleg verweset, die
Geschlecht aussgepreitet, unnd entlich Gottes befehl, die Welt zumehren,
vollzogen werden, oder auch die genadgesalbte Kirch (daraus Gott Colonias (doch
nicht von Cölln noch von Käl) Burgerstifft und bewoner, als geimpffte
versetzling unnd schössling ausssetzet und zihet) allhie bestand haben? welchem zu
nutz würde die Sonn scheinen, die Erd erleuchten, auff unnd nidergehn?
Dergleichen der Mon unnd Tau den Boden erkülen, der Regen befeuchtigen, die
Wind trockenen, alle Tir zunemmen, die Bäum fruchtbaren, das Feld getreid
tragen? Mehret sich diss nicht alles, nach anzahl unnd menge der Leut, die es
gebrauchen? Befand nidit Keiser Maximilian zu Cölln je mehr Brot überig, je mehr
Leut dahin zum Reichstag kamen? trägt nit der Sand umb Nörnberg dest mehr
Heidel, je mehr Heidelfresser da auffstehn? Kommen nicht zu Paris dest mehr
Jarkuchen auff, je mehr Pastetenmangierer sich allda regen? Wachsen nidit die
Ruben dest grösser, damit die Krautfresser zu delben haben? Seind dann nicht
alle geschöpff zu aussbringlicher erhaltung des Menschen geschaffen und gesegnet?
Ist nicht die grosse leblose von wegen der kleinen lebhaften Welt erbauet? Wa
nun dieselbige aus unprauch ehlicher mehrung abgienge, were nicht Gott als ein
unfürsichtiger, und der unnötlichkeit Bauherr beschuldiget? oder als ein
unkrefftiger erhalter seiner geschöpff, und unmächtiger Vollzieher seiner gebott
geschmehet?
    Stünde nit diss mittelteil und Punctzweck zwischen den vier Allgemeinten
oder Hälementen (die des Menschen halben rund gewelwet) seiner einigen zierd
beraubet? Würde nicht alles traurig, unbewont, wild und öd ligen? Die künst
abgehen? Die Erbschaften absterben? Frid, gerechtigkeit, und übung aller Tugend
auffhören? Die Himmlische Engelsbotten ihrer freud, die sie mit uns auch hie von
wegen hoffnung zukünftiger ewiger kundschaft pflegen, entbären? Die Teuffel i
hres Zolles mangeln? Der Höllisch Schiff unnd Karrenmann Charon hungers sterben?
Aller Gottesdienst ernider und vergessen ligen? Ja ganz unnd gar kein Gott, so
es regieret, scheinen? Unnd endlich dieser mittelkreiss ein ware Teuffelshöl
werden?
    Wie könnte aber die überhimlische Mayestatt so man also die Ehgelübt unüblich
machete, oder unnötig achtete, Lästerlicher angetastet sein unnd heissen?
Hingegen wie kann sie Ehrwirdiger erhaben und geprisen werden, als so man
gehorsamlich nach dero gegontem mittel inn Ehlicher keuscheit ihm dienet?
    Da doch solche ehliche Weltsamung zu fördern, der höchstgedacht weisest
Schöpffer dem Mann, so das ansehlichest unnd erstgestifftes vernünftig
geschöpff ist, nicht allein von aussen ein standmäsige und zugelassene
mitgefärtin und gespilin an dem Weiblichen geschlecht, sonder auch von ihnen im
Hertzen ein Natürliche zuneigung und anmut zu derselbigen hat gebildet. Also das
er beide von wegen begird unabsterblicher fortpflantzung unnd hinderlassung
seines gleichen namens unnd Fleisches, auch angenemer zudienung (dieweil er kein
füglicher und ihm gefelliger hülffgesellin, zu seinem Eh unnd Haussgeschefft
under allen Kreaturen dienlich befindet) sich zu dessen beiwonung und
gemeinschaft desslieber, ja schier naturbetrenglich einlasset und gesellet.
    Dann zwar ein jeder Ehgeneigter beide berürte stück, als nemlichen verlangen
in seinen Nachkommenen Unsterblich zuplühen unnd zuerscheinen, und angeborner
geschicklicher hülff zu Unterhaltung seiner Person, unnd der seinen unnd des
seinigen zugeniessen, inn der Weiblichen zugesellung allein unabbrüchlich
befindet. Auch warumb solt anders das holdselig Weiblich geschlecht also
anmütig, zutätig, kützelig, Armfähig, Brüstlindig, anbiegig, sanftliegig,
Mundsüsig, Liebäuglig, Einschwetzig, Milt, Nett, glatt, schön und zart
erschaffen sein, wa nicht weren die sich darin erlustigten? Was solt der Rosen
Geruch, wa nicht weren die sie zur Erquickung abbrechen? Was solt der gut Wein,
wann keine weren die ihn zechten? was wer der Turnirring, wann nicht die
Hofleut darnach stechen? Wie solt Weibern solch natürliche geschicklichkeit dem
man zu dienen, und on ihne weniger dann ein Hebheu ohn das Haus zubestehen,
umbsonst zugestanden sein? warumb wer sie also plöd geschaffen, on dass sie
sterckeren zusatz und beistand bei dem man het zuerheben unnd zusuchen? Und dass
des Manns festleibigkeit die Weibliche Plödmütigkeit, wie der Augstein die
Spreuer an sich ziehe. Warumb ist der Mann rauch und Harig geschaffen, dann dass
er ihren mehr wärm, Lust und Kitzel einreibe und eintreibe? Warumb sind ihr
zwei, auff dass wo sie Zwilling bekommen, ein jedes eins auff seiner seit Nachts
zuwagen, und zuwiegen hab.
    Auff was ander end hin wolt sonst ein solche unerschöpffliche lieb unnd lust
Kinder zutragen, auch unverdrüsslichkeit solche auffzuziehen inn ihr hertz
eingestigen sein, ohn durch des vorsichtigsten Artschaffers verordnung, der dass
tugend und demutübende Weibliche joch hiedurch der freigirigen unbändigen
Mannschaft wie dem Pferd das Saltzbestrichen gebiss, hat süss unnd annemlich
gemachet.
    Dann also muss der Mann alle die sorgfeltige wartung, so an seine recht
eingeimpffte Impffling Zweig und Erben angewendet wirdt, ihm als dem Stammen
selber widerfahren sein auffnemmen, und zu danck gegen seiner Ehverknipfften mit
widerlieb verstehn unnd erkennen. Derhalben man recht saget, dass die Kinder
PfandSchilling, Stärckung und Confortatif der Ehelichen pflicht seien, und das
beider Ehgesünten lieb inn disen, wie die auffgezogene Seiten innerhalb dem
Lautenstern zusamen stimme: Dann dise sind der Eltern schönster WinterMeien,
leid vergess unnd wend unmut, des Vattern auffentaltung, Leitstäb, Krücken und
Stützen, inn welchen sein alter wider plüsam wird, sind der pleiblich nam seines
Stammens, Spiegel seiner vergangenen Jugend, anmasung seiner geberden, angesicht
unnd angestalt, gleich wie ein gezeichnete Herd: ein lebendig gegossen, doch
etwas verkürtzte Modelbildung: ein grosse traumgebildet hoffend freud von ihrem
zukünftigen wolstand, sein ewige gedächtnuss, immerwirigkeit und
Unsterblichkeit, inn denen er wie ein mürber Käss zu vielen stücken zerfällt, in
partibus similaribus, deren jedes, ohn das missgewächss der Töchter, sein namen,
samen und wesen treget, unnd genericè prediciret.
    Durch dise wird er gesegnet, dise machen ihm alle arbeit süss, dieweil er
ihnen gern viel verliess, von diesen Erben sich die guter und künst von eim zum
andern inn seim geschlecht staffelsweiss, wie man einander die Ziegel biss zum
Tach hinauff reichet, und die Käss ins Schiff ladet. Dise, wann sie etwas mehr
erwachsen, werden die wäre zier des Hauses, die Rebenhalter des Tisches, der
schütz und das lebhaft gemeur des Vatterlands, die macht des Kriegs, der Statt
Neue Burgerschaft, der Regiment frische pfeiler. Wo bliben aber diese schöne
Sprösslin, wann man sie nit auffzilete? wer kann sie aber besser auffzielen, als
die von natur darzu geschaffene? die Eh und Bettgenosse Weiber: welche es auch
zum grösten teil antrifft, als die sie saur ankommen, die ihres Leibsstammens
aussschössling und Nabelstück sind, und derwegen dess lieber haben: wiewol
Aristoteles 8. Etic. auch ein andere ursach anzeiget, warumb sie die Kinder
heftiger lieben, nämlich dieweil sie derselben gewiss sind, aber die Männer
wenen und meinen: Daher die Töchter den Mütern zu Kirchen vorgehn, aber die Sön
den Vattern nach. Auch meint Wilhelm Benedict inn seiner Repetition C. Reinut,
es geschech darumb, weil die Muter die materi, die Vätter aber nur die form mit
ihrem träheisen darzu geben, und wie Galen sagt, auff der Citar schlagen.
    Derhalben, inn Rabelistigem ernst von der sach zureden, von den guten
Weiblin nicht steht zu argwonen, dass sie an ihrer eigenen Leibsfrucht sollten
saumig werden, sintemal sie gleich so wohl als der Mann an deren alle Ehr und
freud begern zuerleben: dann wer hat je sein Fleisch gehasst? Darumb secht ihr,
wie sie die Kinder lehren betten, schicken sie zur Kirchen und Schulen, stecken
ihnen allerlei weck, schleck, treck und Latwergen inn den Schulsack, verehren
dem Schulmeister etwas dass er sie nicht streich, geben für, sie seien kranck,
könen nicht zur Schulen kommen, geben ihnen zur straff eine Knipp mit dem
Fingerhut. Heisen sie das stülchen zum Dutten pringen, Becorallens, bemuschelens
wie die Jacobsbrüder, behenckens wie S. Urban mit Kutteruffen und die
Würtzkrämer ihren Kram mit Niesswurtzsecklin: kauffen ihnen guldene Schühelin
unnd Peltzlin, kleiden sie fein pundlich auff den neuen schlag, setzen Leuss inn
Peltz, hencken ihnen Tölchlin an, lehren sie, dem Vatter, den sie sonst nicht
kenten, Ette raffen, das schmutzhändlin reichen, sich Elephantisch neigen, den
rechten backen zuküssen bieten, auff den beinen hotzeln, also reuten die Bauern,
bei den Oren auffheben und Rom zeigen, Mummelspilen, die lectz auffsagen, aus
der Predig behalten, geben ihnen heimlich gelt, schicken sie zu guten gespilen,
zum dantz, lehren sie den gang wie der Krebs seine Jungen, sammeln ihnen ein
Schatz, verwarn ihnen ihr verlassenschaft: da stellen sie ihre zucht umb den
Tisch staffels weiss wie die Orgelpfeiffen, die kann der Vatter mit der Ruten
pfeiffen machen wann er will, on blasbälg tretten: und da befleisst sich das
Weib, dz sie dise Costentzische Himlische Sackpfeiff oder pfeisen mit eim jungen
Discantbläserlein, Vogelgeschrei und Pfeiffrörlein stäts ersetz, damit das
Orgelwerck ganz bleib.
    Und wer kann all ihr müh, so sie mit der Kinderzucht haben, erschwetzen, was
sie für allerhand kurtzweil vorhaben die Männer zuergetzen, mir entgieng vil eh
der hust, als ihnen der wust: kurtzumb wer kein Ehgesibete hat, ist halb tod,
mangelt ein stuck des leibs, weisst kein sesshaft Heusslich wohnung, wie die
Tartarische Hörkärch, ist nirgends daheim, ist meher eim irrschweifigen Vihe
ahnlich, als eim eingesetzten Colon und Kolbauren, oder bestalten Abureigenen
Ingevone, Einwoner unnd erbauhern dieses zeitlichen Lustbaren Paradises. Dann ob
er schon ein obtach hat, ist ihm als wer er darein gelehnet, und sitzt
wandersweiss wie ein anderer Landstreiffer im Gastauss, niemand kocht für seinen
Mund, niemand helt ihm das sein zusammen, weder das gross noch das kleinest
Haussrütlein weder das täglich, noch das nächtlich, alles verschwindt ihm unter
den Henden, hat niemands dem er sein not klaget, der ihm sein anligen abnimpt
oder mit gleicher achsel leuchteret, keiner eifert umb sein Heil, niemand warnet
ihn mit treuen, und wann der Han todt ist krähet kein Henne nach ihm, niemand
truckt ihm mit tieffgesuchten Turteltaubenseufftzen die augen zu, niemand nimpt
Leidkleider auff ihn aus, keine lasst ihn inn ein alte Säuhaut begraben, keine
trinckt auff Tratzisch ein halb mass Wein auff ihm aus, keine lasst auff Indisch
sich mit ihm Lebendig verscharren.
    In summa, wer sich mit keiner Ehgehülffin behilffet, ob er schon der
reichste wer, hat er doch nichts das recht sein ist. Dieweil er es mit keinem
inn gleicher freud weiss zugeniessen, hat niemand dem ers pring, der ihm bescheid
tut, das sein verwaret, beschlieset, verkramet, dem ers sicher vertraue, dem
ers auch zukünftig hoffentlich und offentlich könn getröst verlassen, alles das
sein stehet in fremder gefehrlicher misstrauiger Hand, sein eigene Ehhalten, ja
Weehalten die Knecht unnd Mägd betriegen ihne darumb, tragen ihm heimlich ab:
tun wie des Callimach Aff, der, als er sah wie das gesind in ihres Herrn
tödlichem hinzug anfiengen ausszutragen, zustelen, zuketschen, zuschlaifen,
zuverstecken, wolt er auch von dem untestierten unnd unverlegierten Erb was
haben, lieff hin unnd nam dem Todschwachen Kallimach die Schlafhaub vom Kopff,
unnd das Doctorhäublin drüber, des musst wohl der Kranck lachen, hat sich auch
also gesund gelacht und das gesind zum Haus aussgejacht: Aber was ists? urlaubt
er schon etliche, und nimpt andere an, so ladet er nur an statt gesättigter, mehe
hungerige Fuchsfligen.
    Ja das Eseltreibig, Lonsorgig, Augendienschaft Gesind ist ihm kaum
gehorsam: Ist Murrisch, widerbefftzig, Diebraumisch, unvertreglich,
Futerstichig, Meisterloss, Kifig, Balgisch, umb ains andern haar, Geschwetzig,
aussträgig aus dem Haus, und im Haus träg, Bauernstoltz: Eissspatzirig:
schlauderig, Hans unfleiss: der Niemands im prechen und verderben, ist Wolffs
fräsig: Klosterkatzenart: versoffen: Vollfaul: studfaul: Schlaffdürmelig:
Kopffkratzig: Wolffslendenschleifig: Unvernüglich: Ungeschickt: Sorgloss:
Verwarloss. Ach welcher Plautischer ComediSchreiber will alles Davisch unnd
Getisch Knechtrecht nach Niemands Zedel beschreiben? Wie viel Gesind, so viel
Feind, da ist Hund und Katz das best Vihe, dann so er den Rucken verwendt, hat
er keinen Anwalt noch HaussLieutenant, der es inn seim Abwesen auff guten Weg
richt und schlicht.
    Sein Freund verlassen ihn, oder warten ihm Erbgirig auff die Seel, wünschen
ihn inn die Hell, Er ist veracht bei seinen Beinachbaurten, wird zu dem Regiment
nicht gut geacht, würd von Ehrlichen, gemeinnutzlichen Namenswürdigen ämptern
durch aller Gesatz einhelliges verbott abgewisen unnd verschmehet: Bedacht, dass
der nicht tauglich einer gemein forzustehen, der ihm ein eigenen Herd zuversehen
nicht getrauet: Welcher doch, wie oben gedacht, eins rechten Regiments andeitung
ist: Ja ein ware Schul und übung viler tugenden, wie dann auch das Ehwesen aus
tugend entspringet: sintemal durch diss Eheinig mittel die befleckte unzucht
verhütet, und Gotts huld erhalten wird: da vergleicht man sich mit einer Elige
cui dicas, tu mihi sola places, unnd etc. placas, Benügt sich mit einer, wie der
Himmel mit der einigen grossgebeuchten schwangeren Erd, die Sonn dem einigen Mon:
Lebt also on eifer, darff mit keim anderen umb die Herrn gobelen, hat sein
eigene Leibsguardi, Haus gbärin (doch kein Salomons Bärin) muttrösterin, sein
zweck nach dem er zielet: ziehet Ehehrliche Kinder, darff sich deren nicht
schämen, wie der Banckressen, die ihm ein unehr, schmach und rach sind, dieweil
sie den namen des geschlechts ihrer Vorfaren, den guten Leumund, die ehrlich
ersigte Wafezeichen, gezierden, Freiheiten, unnd Stammlehen, nit mit ehren
führen und erhalten, man darff ihnen aus verbott der Gesatz nichts verlassen.
    Derhalben O mein Heimen ehe, Ducite ab urbe domum, mihi ducitur uxor, Mopso
Nisa datur, führe meim Grandgauchiher ein Haussschwalm heim, die ihm ein Gesellin
sei inn der Not, seins hertzens ein Sessel, seim Leib ein küssen und
elenbogensteurerin, seines unmuts ein Geig, sein Ofenstütz, das ander Bein am
Stul, die ihm auff dem Kopff helf tragen, was er auff der Achssel tregt, wie
zwen ungleiche Todtensarckträger: Die bei ihm auff dem Stul bleibt sitzen, dass
er nicht tu plitzen: die sein sparhäflin sei, sein Feur im Winter, das mit
gesottens und gebratens umbgeben ist, sein schatten im Sommer, sein Mitzecherin,
seine Teckelwärmerin zu seim Nabel, wann ihn der Bärvatter plaget. Die sich auff
Alckestisch für ihren Mann darff inn todt begeben, auff Spartanisch an ihrs
Ferrgnants statt sich inn gefengknuss stellen, das gifft aus ihres König Rotwerds
Wund saugen, mit ihren henden die Ader schlagen: doch nicht auff
Grandcardinalvellisch, da mans auff Senecisch so lang lasst lauffen biss die Seel
mit dem Blut aus dem Löchlein wischet: Ja sie darff ihm auffplasen, mag ihrs
Mausols Aschen und treck sauffen, ihren David zu eim Bild machen, zum Fenster
ausslassen, auff Schützisch Euadnisch und Getisch zu ihm ins Feur springen, auff
ihrs Abradots leib sich erstechen, vor leid ihrs Bruti glüend Kolen schlucken,
auff Eneisch ein Krätzen aus ihr machen, die ihren liebsten Schatz aus Winsberg
trag, ab ihres Protesila schatten erschrecken, inn ihres Amirals armen vor
freuden verscheiden, ihren Juni auff Tanisisch inn der Kist aussführen lassen,
mit ihrem Fildloch verwundten Fischer inn Larsee störtzen, vor leid auff der
Einen sich ertrencken, über Schnee und Eis, Stock und Stauden, mit ihm ins Elend
reisen, ihne auff Sarisch nicht Clauss, sonder Haussherr, nicht Abraum sonder Herr
Oberhaim heissen, ihrem Keiser Friderich zu lieb kein Wein trincken, an ihm
ihren schmuck suchen ihren Speriol, eh er aus dem Haus geht, vor küssen, ihm aus
grosser lieb auch die Megd nicht vergonnen, ja ihrem Hector die Bastart seugen,
nicht zu viel heischig noch beissig sein.
    Warauss wollen wir aber solche des Vives aussbündige Ehfrau schnitzen unnd
schnetzelen: Aus Eve Leimen nicht: aber vielleicht aus Platons Retpöblicheit,
der Cisererbsen Oredner, des Stürmen Notwilligtat, des Vitrovini Archidecker,
des Curions Grammatico, des Augustins Gotstatt, des Hegendorffs unnd Cantiuncul
Juristen: Nein, auch nicht, warauss dann? aus Pirre hinderrucksinnigen
Wackensteinen, oder des Hanssachsen Hundsschwantz. Wie? treffen wirs nicht recht
mit dem Ars ins kalt Wasser? Oui par messer: alsdann bleibt das gemecht beim
geschlecht, unnd das geschlecht beim gemecht.
    Alsdann wird sie ihrem Haussvatter alle geprechen, on einen, übersehen, und
gedencken, es sei kein Mann, er hab ein Wolffszan, hat er anderst nicht das
ganz Maul voll: wird er fluchen, so wird sie segnen, je wilder er, je milter
sie, pricht er Häfen, so pricht sie Krüg, unnd wie in D. Mentzers
Naturgescheidem Ehezuchtbüchlein steht: wann er schreiet, sie nur schweiget: ist
er grimmsinnig, ist sie külsinnig, ist er ungstümig, ist sie stillstimmig, ist
er stillgrimmig, ist sie trost stimmig, ist er wütig, so ist sie gütig: er ist
die Sonn, sie ist der Mon, sie ist die Nacht, er hat Tagsmacht, was nun von der
Sonnen, bei tag ist verbronnen, das kült die Nacht, durch des Mons macht, sie
lasst keinen unwillen zwischen ihnen einwerffen, sonst wo die Erd sich zwischen
Sonn und Mon einlegt, so gibts finsternuss, wann der unwillen im Hafen zu vil
will sieden, brüteln unnd grollen, so hebt sie den deckel ab, schafft ihm lufft,
gibt ihm ehe ein linds Erbsenbrülein ein, welchs ihm den nahegelegenen harten
Treck weiche: sie wird ein Wittenbergischer Mülstein, gibt dem Mehl Sand zu,
sonst malen zwen harte Stein nicht rein: Er wird ihr Abgott sein, das Bett ihr
Altar, darbei man die Schuh stelt, darauff alle versönung geschieht: Sein
streich halt sie für Huldpfetz, wie des Herbersteins Reusisch Haussjuckend Frau
die Beulen für liebsigel, darumb musst der Mann auch ob Tisch ihren ein
Taschenmeulige und Maultäschige, ein faustpäuderige und pauderfeustige Product
abkehren. Seine schwerwichtige Cestische Fulcanische Holtzschlegelige Bärentapen
(magna vi brachia tollunt) sind ihrem Handtrucksame Bulerdätzlin, sein
kropffstöss ihr Niderländisch Kützelttrutteln, Sein zanck bei tag, liebs anfang
zu Nacht, amantium iræ amoris pyræ, der Buler zorn, der Bulschaft Sporn und
Dorn, liebs gramm, liebs flamm, liebs zanck, liebs danck, ihr lieb wachsst durch
kieb. Wirfft er ihr schon alles im Haus nach, so ist es ihr, als schiss ein
Spanier Streusslin und Rosswassereier nach ihr: sein saur sehen, ist ihr als wann
ein Vatter mit dem Kind mummels spielt: Trifft er sie schon auff die recht seit,
so hinckt sie auf der lincken, trifft er sie auffs linck Aug, so helt sie das
recht zu, nennt sie ihn schon nicht Laussknicker mit worten, so zeigt sie es ihm
doch aus dem Bronnen mit fingern, schlegt er sie heut schon unschuldig auff die
Eselshaut, so gedenckt sie auff morgen es zuverschulden mit der Hundshaut, dann
sie weiss, dass sie ihrs Leibs nicht mächtig ist: Beisst derhalben alles inn sich,
tregt den Mann nicht darumb auff dem Marckt aus, sie geh dann ins Bad, oder
unter die Schrannen: Und gewonet also gar seiner geschlachten art, dass ihr dass
schwer leicht wird, wie sehr sie es auch truck, das saur süss, wie ungern sie es
auch schluck, ihr wird auff Gaucklersweiss, der Kopff die Füss, ait, aio, die
gemähet Wise ist ihr beschoren: Dann es ist kein tugend, mit eim guten Mann
ausskommen, sonder eim Bösen: Ihr wisst, man löset kein Gelt zu Franckfort inn der
Mess, wann man schon lang ein scherlosen Krebs umbführet, sonder ein Löen.
    Ja sie würd zu letzt gar in ihren Ehgejochten verwandelt, geht er aus zum
Wein, so bleibt sie wie die Cölnische Weiber unnd jhene vom zapfflosen Mann
erschlagene Römerin beim zapffen daheim: und darff, wie des Plinii Frau ihrem
Ehvogt, ihrem schwatz und Schatzgenossen zu lieb studieren unnd Doctoriren,
seine Schrifften und Reimen ausswendig lehrnen, seine Gesang singen und springen,
und auff dem Seitenspil klingen: sorgt nicht wie D. Ges. Ehkuppel, dass ihr das
Nachtfuter dadurch abgang. Schickt sich ganz und gar nach ihres Ehgegatten
geberden, wie der Wittebergisch Magister, der seines Preceptors Schlaffhaub
auffsatzt, unnd auff Philippisch ein wunderlich Schrifft kratzt. Ist ihr Ehwirt
frölich, so frolockt sie, Gott sei gelobt, der Korb ist gemacht, sie kann mit ihm
weinen, auch gleich wider lachen, nach dem man auff der Papirmül bald den
zapffen fürstopfft: Sein einfach Glück ist ihr zwifach, macht er ein par
Stümpff, so macht sie vier par Röck: welchen ihr Haussherr schilt, den lobt sie
gewisslich nicht, die Bauern möchtens sonst mercken: Fluchet er, so lechelt sie,
ist der Saul unwirs, zisch zisch Davidlein, dass die Kinder nicht schreien, er
schiset sonst ein Spiss nach ihnen: ist er truncken, so tädingt sie ihn ins
Bett, raumt ihm Stül und Bänck aus dem Weg: Dass er dest bälder fall hinab die
Steg: spart inn die Gesatzpredig, biss morgens: tut ihm dann das Häuptlin weh,
so ist ihr gleich allentalb nicht wohl, klagt er sich wenig, so fragt sie viel,
klagt er sich viel, so fragt sie ihn wenig, nötigt ihn auff die Federn, beredt
ihn hinder den Umhang, fast den harn, schickt zum Doctor, pringt Schleier her,
dass sie ihm den Kopff wie ein daubenfellig Fass umbbind und umbwind, umbreiff,
und umbschweiff, sie reicht ihm aus ihrer Reiffischen Haussapoteck, ihr selbs
geprant Wasser, bereit Confect für den Schnupffen, Husten, Pfnissel, Rand,
Grimmen, Weinwe, Durchlauff, Augen, Würm, Fieber, Prand, deckt den Gauch warm
zu, dass die Gaucheier nicht erfrieren, gewermt Kirsensteinsecklin und
erhitzigten genetzten Ziegelstein im sack zun füssen, umbwickelt den Wunden
finger, hengt ihn in die Schlingen, bei leib das kein Mertzenlufft darzu gang,
den Nachtbeltz her, die Socken unnd Solen her, wischt ihm den schweiss ab, so
kehrt er ihr die Flöh ab: fragt ihn was ihm schmackt, und gibts ihm nit, wehrt i
hm der Mucken, wann er hat Bremen, streicht ihm die Füss, langt ihm Krucken, die
Etschländische Hund, beruffet Jobs freund, die ihn aus dem Podagrammischen
Trostbüchlein trotzlich trösten, und tröstlich trotzen: sie giesset ihm das
Süpplin ein, schüttelt all augenblick die Pfulwen, sperret die Läden zu,
verbauet den Lufft, macht ein Rouch, betast und schmiert den Puls, zeucht ihn
aus und an, greifft selbs zur Wunden, truckt das Geschwer, scheucht kein
Pestilentz, verbinds und salbts selbs: sein stinckender Atem von allen enden,
riechet ihr wie Encian, Specian Grüben dran, meint  alle Männer stincken unter
den Uchsen nach Martertreck, und zwischen den Bauernzehen nach Imberzehen, sein
Hechelbart ist ihr wie Wollen: hört ihn selbs beicht, holt den Pfaffen der den
Wagen schmier ehe er recht faren will: und will ihn kurtzumb mit ihrer treuen
pfleg dem Todt aus den Klauen reissen.
    Secht ist da der Ehestand ein Wehstand? O nein, sonder ein bestand und
beistand, dann da ist er eben sie selbs, und sie er selbs, ist ein gehackt Muss,
Sie ist sein Handhab, sein Hausshab, sein Brustgesell, sein Wärmpfann, recht
Kirsensecklin, wie David eins im alter begert: sein Haussehr, Hausstreu,
Haussfreud, Hausszierd, Haussstern, Haussmon, sein Morgenröt, wann sie spat
auffsteht, sein Abendröt, wann sie spat nidergehet, ja sein Glück, wann sie bald
abgeht, sie ist seins lebens labung, Bettgenoss, Lebensgespan, sein Kuchen
Keiserin, sein Besemsfürstin, sein Kunckelgräfin, Spindelsceptrige
Windelkönigin, HaussGlück, Haussdück, Haussschmück, sein Schweitzerisch und
Schottisch Leibsgwardi, sein Dietartzt, Mundsaltzerin, Mundköchin, will er
Krebs, so kocht sie Zwibelen, isst er kein Käss, so isst sie kein Würm, wie jhener
Francisci Kuttengenoss, der wie der Frosch sich blähet Ochssengross, unnd lag auff
der Nonnen, wann Franciscus im Stro lag, ass kein Bein, wann Frantz kein Fleisch
ass: isst ers gern kalt, so macht sie es warm, dann den Feberhaften gibt man das
widerspiel: sie truchsessiert ihm zu seiner gewonlichen zeit, dass so bald er
heim kompt, nichts gekocht sei, sie gibt achtung was ihm für Kleider wohl
anstehn, und ihne an ihren geduncken schön und tut die widersinnigen an, hat
acht auff was gestallt das Bett bereitet ihm mundet, die Feder oben oder unden,
oder inn der mitten vest, so sticht er als dann umbs best: auch was er für Gäst
wohl leiden mag, welcherlei gesprech und Sach: sie ist sein Lustesseriger Senff,
sein senffiger Lust, sein augenbeissiger Mörrettich, sein weinender Augenbiss.
    Ja, so es war ist, wie es war muss sein, dass kein Gasterei unnd Malzeit recht
herrlich, Herrschisch, Xerxisch, Persisch, mutig, rustig unnd lustig sei, wa
nicht Frauen sind darbei, so wird gewiss eim solchen Haussmann nimmer an freuden
abgehn, angesehen, dass er solche Tischmusic, Prett unnd Bettspiel augenblicklich
umb sich hat, an der Tafel bei der Seiten, auff dem Lotterbett, oder Hobelbanck,
im Garten, unterm Baum, neben dem Baum, wie der Susanna zwen Alten, nicht auff
dem Baum, wie die Teuffelsbraut mit ihrem Kaltsamigen Stinckbräutgam, Ja im Bad,
inn der Bütten, auff dem Schrepffbanck, inn der Senften, inn der Kammer, mit
welcher er ungehindert mag schertzlen, stertzelen, mertzelen, kützeln, kritzeln,
schmützeln, schwitzeln, Pfitzelen, dützelen, mützelen, fützelen, fürtzeln und
bürtzeln, so oft es ihn gelust zustützlen und zustürtzlen.
    Ach wann der lieben Ehegespilin etwann einmal i hr nachtspeisiger Hausstrost,
Hausssonn, Hausshan, Ehegespan, aus den Augen kommet, und über Feld ziehet, o wie
sorgfeltig geleitet ihn die Andromache für die Tür, als solt ihr Hector mit dem
Achille ein Kampff antretten, O wie nasse Augen gibt es da, wann es schon
Speichel wer oder Zwibelsafft. Ja wann ers zuliess, sie zög mit ihm in
Landsknechtischen Hosen, wie Mitridats Gemahl wider den Teuffel ins Niderland,
auff dass sie ihren Alexander von Metz im weissen Badhembd am Pflug nicht
verliere.
    O wie ernstaft betten gibt es alsdann für ihn, dass er wider gesund
heimkomme: da bekompt man Witwens andacht, die wehret biss sich einer
auffnestelt, da lasset das gemein Gebett für ihn tun, gedenckt seinen über
Tisch, wann der Knecht an seiner statt liget: hat sie ein guts Bisslein, so
wünschets sies ihm, und gibts dann dem Pfaffen: O wie ein Penelopisch sehnen im
einöden Bett, O wie schwere Träum hat sie von ihm.
    Kompt er alsdann wider, da ist freud in allen Gassen, da darff sie sich wohl
verköstigen, unnd wie die Nörenbergischen Weiber ein Kreutzer zum Bottenbrot
verschenken und für ein plappart Zwibelfisch kauffen zu dreien Trachten, da
rüffet sie den Nachbauren, Freuet euch mit mir, dann mein Groschen ist gefunden,
Mein Sau ist wider kommen, da rust man, da verdüst man, da streiet man dem
Palmesel Zweig unter, da macht man die Tor weit, dass der Hausskönig einreut,
laufft ihm mit zugetanen Armen entgegen, die Töchterlin sitzen ihren auff dem
Arm, wie die Mörkätzlin, die Sönlin hencken am Rock, wie die Aefflin, unnd
rüffen all Brot, Brot, so fragt sie nach dem Kram, bald nimpt sie ihm den Mantel
ab, bringt ihm ein frisch Nasstüchlin, tregt das beste aus dem Hackstock auff,
das sie von seinetwegen nicht hat essen mögen, macht ihm mit den Kindern ein
kurtzweil vor dem Tisch, Guck Vatter unser Sönlin, mit dem Satinlin, wie wachsst
es so sehr, die Ermel seind ihm zu kurtz, es bedörfft wohl ein anders Röcklin: da
ist er erfreut, als käm einer und brecht ihm nichts? Flugs bringt die Magd ein
Fusswasser, da schürtzet sich die Frau, kniet zum Kübel, wäscht ihm die Zähen,
trocknet ihm die Schenckel: unnd solchs warumb? Darumb (wie Joan Andreæ der
Jurist in c. literas, in verb. incert. de restit. spol. cum concord: meldet)
weil er ihr Haupt und Ehelicher Bapst ist, und auff dass er sie weniger oder
gelinder unnd sauberlicher mit füssen trett: Dann wie gedachter Doctor sagt, ist
sie auch von Rechtswegen schuldig sein Kuchenlump zusein, dass sie ihm koch, weil
er sie speisst, ihm das Bett mach, weil er müh hat, ihm das Bad wärm, weil er sie
auch wärmt, ihm ein frisch Hembd lange, weil er ihr zum ersten das Hembd
auffhub, ja sie butzt ihm die Schuch, fegt die Kleider aus, hengt die Hosen
auff, wärmet das Bett, reicht ihm die Schlafhaub, da wiget sie das Kind, da
wehet der Wind, da ligen wir beide alleine, alleine, dass man die Hünerbrü
verdiene. O wie ein köstlich ding ist das Nächtlich singen zur Wiegen, es
vertreibt das Gespenst: Merckts ihr Männer, und singt wann ihr auff der einen
Seiten wieget, dass es zum Discant stimme, wann sie auff der anderen Seiten
gigaget unnd knappet, klopffet an die Kammer, so schweigen die andern junge
schreiling so lang still, biss sie es vergessen: O die Kinder singen oft wie
einer durch ein finsteren Wald, mit forchtsamer freud und freudiger forcht, das
eine innerlich, das ander eusserlich.
    Und was ists wunder, dass die Weiber so fein wissen mit ihren Ehegetrauten
umbzugehn, demnach sie es doch von jugend auff mit Docken unnd Puppen Spielsweiss
also gewohnen, dass sie nachgehends inn der Ehe auch solche Poppenspiel mit ihren
Ehegepareten üben: dardurch sie dann ihr Gegenlieb erwucheren, unnd nach
Biblischer Sprach zureden, ihnen das Hertz stelen, unnd das Lauff mir nach
geben: Also dass der Mann ihr ganz geheim wird, ihren viel übersicht, ihre
Mengel für holdselige Kinderfehl rechenet, ihr Geschwetzigkeit für ein Mittel
sein letzmutigkeit zu linderen, ihr Zunggänge geschwetzgirigkeit, für ein
förderliche unterweisung die Kinder durch übung bald reden zulehren, ehret
nehret und mehret sie, trucket und schmucket sie. Welche Ehr des Schmucks ihnen
doch Vives wider der Spanier art will abstricken: Ach es gereuet darnach den
guten Mann, wann er ihr etwann zu unseuberlich hat den Schleier geruckt, hält
ihr die Kindbett des besser, und gönnet ihr desto ehe die ewige rhu.
    Dargegen ist dise Nadelveste Ehegefährtin aber nicht faul, spinnet ihm
Hembder darfür, nehet ihm reine Krägen, mit Toppelkrösigen Kesselringen, macht
Leilach, Bettgewand, Tischtücher, Teppich, Umbheng, Schalaunen, Decken, Ziechen,
Zwelen, Hand unnd Schnaubtüchlein, Windeln, alles aus des Manns Gelt, ordnet den
Haussrhat auff alle Euclidische Ecke nach dem Schwadrangel, wie die Jungfrauen
die Schleier auffsetzen, hat ihre Hafenschäfft (welcher ordnung dem Ischomach
bei dem Xenophon gar wohl gefallen) ihr durchsichtig Zinnkensterlin, ihr
Kesselhenck, ihr Schrepffhörnlin, ihr Orgelpfeiffen von Schaumlöffeln unnd
Hafendeckeln, ihr Fischsecklein blau und weiss eingeteilt wie ein Brettspiel,
ihr Salomonische Leuchter, ihr Federwerck, ihr eingebisamt Schmuckladen, ihr
Stangen voll gesottener Garnstrengt, ihr Gewelb voll Flachs, ihr Stül, Sidel und
Schemel nach Reichstägischer session geordenet: etlich und dreissig Saltzfässlin
unnd Schüsselring, die man zu eim Jar treimal reibet, ihr Pfannen, ihr Kannen, i
hr Becken, ihr Fischplatten, ihr täglich unnd feirtäglich, ja Festtäglich,
Ostertäglich, und Kottfleischgästlich Teller, ihr Kindbettfestlich Küssen und
Silbergeschirr: sie verwahrt ihr Kastengeräht vor Motten, henckt järlichs ihr
Kleider in die Mertzensonn, saltzt das Getüch ein, Lavandelierts unnd
einspicknardisierts: da bessert sie das zerrissen, dort zerreiss sie das
gebletzt, da bletzt sie das zerbrochen, da zerbricht sie das gespalten: Allzeit
findt man sie wie Lucretiam über der Spindel, wann sdion Tarquinius bei Nacht
käme: sie manet den Mann bei Zeiten einzukauffen, erinnert ihn von dem das
abgeht, ermanet ihn zu dem was zugeht, dann sie können gute Haussrhät geben, wie
Sara ihrem Mann mit der Magd, dass er von ihr solt samen erwecken.
    Sie geht im Haus auff wie die Sonn, ist des Hauses Lucifer (Gott behüt uns)
versicht das Vihe, melcket die Kü, weckt die Län wie der Han frü, schickt die
Knecht ins Feld, schaffet den Mägden ihr Tagwerck, ist die unrhu in der Uhr, ein
lebendiger Haspel und Bratspiss, des mans Mül und unrhüwiger Beutelsteck, ist ein
HaussSchneck, trägt das Haus am Hals, ist sie schon leiblich drauss, ist sie mit
sinnen zu Haus, dasselb ist ihr Niniveisch grossstatt, ihr liebgebannte hofstatt,
ihr einiger spacierplatz, ihr Dantzboden, ihr Lustgarten, die Türschwell halt
sie für ihr heilig verbotten Romulisch Maur, darüber sie zuschreiten ihren mehr
als Remus ein gewissen macht: ohn sein willen geht sie nicht aus, ist nit
rässzüngig, tachtropfig, widerbeffsam, auffruckig, Adelstoltz, treckbatzig,
schmäh, zornkäuig, kleiderprächtig, Heimsteurrühmig, Gallkallig, Wortstichig,
Wurmstichig, Stichwortgelehrt, freundtschafttrotzig, Redschärpffig. Ist kein
Schandhipischer Hausshagel, der nach dem Donnern auch den Regen mit
Bruntzscherben und Scheisskacheln ihrem Man Saukratz Pfannkratz über den Kopff
abschüttet, sie ist ein Pestilentznebel, kein Haussrauch, nit Taubschreisam,
prediget nicht über die Stund, man bringe ihr dann ein Stülchen. Darumb Bruder
Nass nicht unrecht sagt, dass die Weiber in dem fall fast Luterisch sind, lieber
predigen, dann Stillmess hören, aber sonst inn anderm Bettgelübde besser
Catolisch, mehr auff die Werck dann den Glauben halten. Sie vergisst auch bald
alle Schmach, fürnemlich wann die Federen stieben, allda die recht Virgaplaca,
der rechte Bettanstand und Rutenfridigung regiert, on der Atener Eherichtiger,
unnd der Spartaner Harmoneiischer Harmosiner und Eheversüner.
    Was soll ich weiter sagen? sein Hertz darff sich auff sie verlassen, da
regnets dann eitel Glück, dass man im Treck sitzet biss über die Ohren, da
schneiet und hagelt es mit Gelt zu, das es Beulen gibt, da sitzt Sanct Peter
auff dem Tach, wirffet Bieren herab, unnd Sanct Claus faul Oepffel hinauff, da
bauet man, da brauet man, da gedeiets wie Hundisch Trauben, spritzen hinden
wider heraus: dann gewiss zwo getreue Eheversipte Hende, förderen mehr als acht
frembde: da gehen die Stätt auff und das Land ab: dieweil ein solche Ehemuter
ist wie ein Kauffmanschiff aus Indien, welches Gold und Specerei bringt. Ihr
Liecht verleschet nicht, wa Oel genug ist: sie hat notturfft inn der Not,
vorsihet wie ein Sternverkündiger die Teurung, versorget sich wie ein Omeiss vor
dem Winter, brauchet den Sommer wie die Häuschrecken, frölich weil mans hat, hat
man nichts, so sauget man die Tapen, sie verwahret das kein Regen noch Schnee ih
r Haus schädige, trächet das Feuer zusamen, beschleusst Tor und Tür, die letzt
schlaffen, die erst auff, schlaffet mit offenen Hasen Augen, ist die Ganss im
Capitoli, Anser vigilantior cane, ist der Samier Schaf, welches den
Kirchenräuber Apollinis verrhiete mit Blähen ungesehen, ist gewarsamer als ein
Kettenhund, und dass ichs alles beschliess, bringt ihren Man zu Ehren: wer wolt
sie dann nicht wider Ehren?
 
                              Das Sechste Capitel.
Von der Gurgelmilta von Honigmunda, des Grandgosiers Gemal schwangerem Leib, und
 ihrem Katzenreinen Weibergelüst, welchen sie mit Würsten, Kutteln und Pletzen
                                  hat gebüsst.
Aus diesen nun aussgeführten des Schilenden Preceptors Sileni Ehelehren bewegt,
wolt Kandbusier auch nicht lenger on Blasen schwimen, sondern sah ihm auch umb
ein Ruckenkrauerin umb, auff dass so er Puntenvoll wer, eine hett, die der Sau
unden am Bauch kratze: derwegen beheuratet, freiet unnd trauet er ihm, inn
seinem nicht allein Bartfehigem, sondern auch Mannskräfftigem unnd
Haussverständigem alter, das Durchlaternige Honiggurgelsame Fräulin Gargalmelle,
die Tochter Hupffedopffs des Königs der Parpelloner und Butterschützen: warlich
ein schönes Truserle Muserle, hüpsches Visiers, die kein Judicium Paridis, noch
Formenspectator Gmeiner und Dressin hetten verbesseren können, dass man wohl das
lied von ihr singen mocht: unmöglich ists, das man find, etc. und: Auff freud
und leid, ist jetz mein bescheid, etc. Dann sie hatte die vier schöne an statt
der vier tugenden, ja der siben schöne wohl vierzehen, sampt dem löchlin im
Backen, wann sie lacht, und dem grüblin im kün. Innsumma, sie hett die vier unnd
treissig stuck des Nevizans, im Hochzeitwald.
Trei weiss, trei schwartz, trei Rote stück,
Trei lang, trei kurtze und trei dick,
Trei weit, trei schwanger und trei enge,
Trei klein, und sonst recht breit und lenge.
Den Kopff von Prag, die Füss vom Rein,
Die Brüst aus Osterrich im schrein,
Aus Franckreich den gewelbten Bauch,
Aus Baierland des Buschlein rauch,
Rucken aus Braband, Händ von Cölin,
Den Arss aus Schwaben, küsst ihr Gselln.
    Ihr Leib war recht safftig, weich und lind, wie die Nörlingische Bett, der
Atem war recht balsam oder Specereikräfftig, wie Alexandri Magni schweiss nach
Bisam roch, dann er wusst das recht cui os olet, morbosa est, welcher stinckt der
Mund, die ist im Leib nicht gsund, unnd wie das Lied klinget, es fält dir wohl
unter dem Nabel: Sie hett lang goldgelb Haar, ja Haargespunnen Gold, nach dem
gewicht Absolons, ihr Augbroen waren wie ein Gewelb von Ebenholtz, die Augen wie
Diane Stern klar, ihr Augenblick wie Sonnensträm, kurtz Helffenbeinen Zän, ja
weiss Orientalisch Perlinzanlein wie Zenobia die Königin, darunder oft weiss
gifft steckt, sie hat nicht viel Zucker noch heiss Suppen gessen, das
Corallenmündlein eng unnd schön, die Lefftzen Presilgenrot, Honig an statt des
Speichels, daher es die Spanier noch so gern lecken: Rosenblüsame Wängelin, die
auch den umbwebenden Lufft mit ihrem gegenschein als ein Regenbogen klärer
erleuterten, wie die alten Weiber, wann sie aus dem Bad kommen: Schwanenweiss
Schlauchkälchen, dardurch man wie durch ein Mauranisch Glas den roten Wein sah
schleichen: ein recht Alabastergürgelein: ein Porphyrenhaut, dardurch alle Adern
schienen, wie die weissen unnd schwartzen Steinlein inn eim klaren
Bronnwässerlein: Apffelrunde und lindharte Marmol Brüstlein, rechte
Paradissöpflin, unnd Alabasterküglein, auff die Prob der Spanischen Filtz, die
nach Palmenart vom griff nicht weichen, sonder aussspringen wie die Valenzische
Rapierklingen, auch fein nahe ans Hertz geschmuckt, und inn rechter höhe empor
geruckt, nicht zu hoch auff Schweitzerisch unnd Kölnisch, nicht zu nider auff
Niderländisch, die sie zertrucken dass sie Milch geben, sondern auff
Frantzösisch, wann sie es nur haben, oder auff gut Engellendisch. Item ein rane
Weich, gerade volle Aermlin, weiss wie Topas, Lilgenblancke Wollngelinde Händlin
wie Künicklinhaar, lange Fingerlin zum Orgeltretten, Kreidenweiss Nägelin
Haselnuss gross, dardurch das Leibfarb heutlin herfür scheinet, wie die Gulden
Haarhauben unter den weissen Schleiern: darzu wolgeberig, holdseliger anmassung,
und anmütiger Redbescheidenheit, und & cætera, nec non und plus si velleret.
    Wie meint ihr, dass auch bei eim schönen aussgehenckten Schilt böser Wein
vorhanden sei? meint  ihr, dass inn solcher sauberer Herberg könn ein wüster Würt
oder Gast Hausen? oder in einer Helffenbeinen Scheiden ein bleien Messer
stecken? Ich weiss nicht, nach dem Moses die Schu nicht ausszihet: über schwartz
hennig stinckend Fleisch macht man sonst gern ein gelben Pfeffer. Gleichwol sagt
man, schöne Glider, bedeuten schöne Gemüter, sonst wers ein Tempel über ein
Laddrin gebaut, und ein Altar über ein Mördergrub. Jedoch, das weiss ich, wann
einen die Ros anlechelt, dass ers gern abbrech: Ich brech immer hin, auff das alt
Liedlin: Die Rösslin sind zubrechen zeit, derhalben brecht sie heut, und wer sie
nicht im Sommer bricht, der brichts im Winter nicht. So absolviert einen Peter
von der Pfitzen inn der summ super Rachel, wann einer schon eine schöne halben
nimpt, doch dass es nicht die Principal, sonder die Indutiff ursach sei.
    Ergo, wer wolts aussschlagen, zwo Kirssen an eim Stiel, derhalben war es
unserem Grosskäligen Grandgusier nur ein Venialsünd ein solches Honigswäffelin ih
m ausszutretten: dann der gut rot Wein, ladet mehr dann der gemalt Schilt ein,
obiecta movent sensus, was den Sinnen tut vorschweben, demselbigen sie
nachstreben: wann der Springhengst das Muterpferd ersicht, so hinnewihelet er:
der Parisischen Frauen Apoteckerin weisse Bein bewegen on Rag unnd Stendelwurtz
die Sinn, wann sie auff der Leiter ein Büchsen langet. Darumb gäbe es auch
nachmals so fein Kiefferwerck, dass sie einander den Speck dapffer einsaltzten,
und spielten der faulen Brucken, unnd des Tiers mit zweien Rucken: Also dass sie
nachgehends anfieng sich gegen dem Mann auffzublähen: unnd sehr schwermütig unnd
schwerleibig zu Bauch tragen, mit manigfaltigem schwampelen, schwindelen,
Stirnweh, Auggülben, Blumstellen, erbrechen, Antlitzflecken, Brust wachssen,
Ruckenweh, Nabelschwachheit, biss zu dem eilfften Monat. Dann also lang unnd noch
wohl lenger können die Weiber geschwellen, unnd vom eingenommenem Gift des
Cornelagrippischen Erbsündigen Schlangenschwantz aufflauffen: fürnämlich so es
ein aussbund von eim Werck sein soll, wie solches des Neptuni Kind erweiset,
welchs die Nimpha, deren ers, wie Homer schreibet, noptunisiert, nach einer
ganzen Sonnläuffigen Jarzeit, nämlich ein Jar nach der Revolution unnd umb
postirung der Sonnen, das ist zwölff Monaten, geboren hat: Dieweil, wie Aul.
Gell. im Dritten Buch meldet, kein geringere zeit die maiestat des
Mörherrschenden Neptuns tet erheischen, solt er anders warhaftig inn demselben
vergestaltet, dargestellt, angeprisen, geformiert unnd vergegenwertiget werden.
    Gleicher massen war nicht dem Cretischen Jupiter die lengst Winternacht zu
kurtz, also dass er sie liess noch auf xlviii Stunden erstrecken, als er die
Argmännin beschlieff? dann wie könnt er inn minderer zeit ein solchen
Herculischen grossen Betzen zimmeren, der die ganz Welt von Scheusalen, Mör und
Hörwundern und Wüterichen erseubert, erläuteret, erlauset, und Spinnenweppet.
    Meine Herren, die alten Durstallerische Pantagruelisten, haben das jenig, so
ich schreib für warhaft bekrefftiget, es auch nicht allein für möglich erwisen,
sonder ein solches Kind, den elfften Monat nach tödlichem abschid des Manns vom
Weib an das tagliecht gebracht, für rechtmessig, ehemesig und Erbfähig erkannt
und angenommen.
    Als Hipocras im Buch von der Nahrung. Plin: im vii. Buch, am v. Capitel.
Plaut inn der Kistellari. Marc Varro im Tractätlin der Satirischen zottensitten,
unnd Schimpffstraffen vom Testament, allda er das ansehen des Aristotel zu dem
Handel anziehet, Censorin im Buch vom Natal oder Geburtstag. Aristotel im
Sibenden Buch iii. iiii. Capitel von Natur der lebhaften ding. Gell. lib. iii
Cap: xvi inn seiner Nachteulen. Servius über die Hirtengedicht Vergili: als er
den Vers ausslegt Matri Longa decem, etc. zehen Oepffel, zehen Monat, etc. Egid
Hertog prüff, wie man ein todte Frucht auch treizehen Jar tragen kann. Und andere
tausent Fantastenköpff mehr. Welcher zahl noch bass zuerfüllen, sind die Juristen
auch auff der Hebammen Richterstul gesessen, es zuermessen, als in L. intestato
P. fin. ff. de suis et legit: unnd inn der Autentich von restitut: unnd dem die
gebarit im xi. Monat.
    Dessgleichen haben sie auff Duarenisch, Alciatisch, Ochslinisch, Loriotisch,
Cumanisch unnd Zwicheimisch, zum überfluss mit solchem Göttelbeltz auch ihr
Robidilardisch unnd Brockarttrabulisch gesatz Gallus. ff. de liber: &
postum. Und L. septimo ff. Vom statt der Menschen, ff. de lib. agnosc: ff. de
ventre inspiciendo. Von Hebamlicher besichtigung des schwangeren schweren Leibs.
ff: si ventris nomine, etc. Ja im Geistlichen decretal. lib: iii von
purification post partum, von Kindbettreinigung. Item De natis ex libero ventre,
von freiem leib erzeugten. Item de frigid. & maleficiat: & impotentia
coeundi: Von kaltgenaturten, übelgeschaften, böse  gestaffierten, gelämten,
vernestelten, bruchverknipfften, entmannten, verhechssten, und unvermöglichkeit
dem Weib bei zuwohnen. Unnd sonst etlich viel dutzend andere Hebamordnungbüchlin
unnd Frauenzimmer, die ich auff diss mal nit nennen darff.
    Mit der weiss, mögen, wie Tiraquell in seinen Brautgesatzen meld, die
naschige, nachtseufftzende Witwe, durch mittel solcher Vorsehung zwen Monat nach
abgang ihrer Ehmänner unverdechtlich nach allem vorteil und zum überrest
arsbosselieren, und ein Truckerisch Bosselat verschenken: das heisst, ihr
Weiber, etwas mehr freiheit als das Velleianisch gesatz, dadurch die Weiber
gefreiet sind inn händeln kein trau und glauben zuhalten: Weil sie es on diss vom
ledigen stand her gewonet seind, ihren Bulen Nullen für drei zuverkauffen.
    Ha ha, ich bitt euch, ihr mein andere Kuttenhämmel, wa ihr secht, dass sich
einer wolt entbruchieren, sitzt darauff und reutet mirs zu. Dann wird sie im
dritten Monat hernach schwanger, so ist ihr Monatmensurlich Leibsfrucht der
abgestorbenen Grabschaufel rechtgezehletes Erb: Versteht ihrs, ein jedes Kind
ist seins Vatters, da krehet kein Han nach. Nun ha ha ha ihr Noppenteurige
Hudler, holtzschlegelet den Wecken dapffer drein, es gilt mir audi den mein. Aha
lasset die Walee fein mit vollen Segelen daher wagen, so kompt ihr bald gen
Cuiaco.
    Wisst ihrs nicht, so will ichs euch sagen, wie Keisers Octavian Tochter Julia
sich hielte, die untergab sich nur den Trabanten, wann sie schweres Leibs ging:
Und warumb das? aus disem bedencken, weil das Schiff Galeenrecht vermag, dass man
keinen frembden Passagier auff nimpt, es sei dann aller dings geladen,
gebodemet, vergurbet, begordet, verdennet, beschnarret, auffgebuselt,
geschnaltzeit, berudert, umbdostet, verstrupffet, gelaseiet, bepfompffet,
gehelmkörbelet, bemastet, verpatersnosteret, betonnet, erspritet, verbrauet,
bebastet, bezackelet, beanckert, berollet, becompasset, beraseilet, besanet,
befanet, getopffseilet, bezugcabebelet, belullet, unnd endtlich wie die
Pedastinckende der trei Heiligen König Melchior Morenschiff von Cöllen,
verstopfft, verklopfft, verleimt, verdicht, verbicht und verricht, unnd ganz
abzustechen fertig.
    Wa sie aber jemands darumb reditfertigen wolt, dass sie sich also auff ihrem
Tragbären ertrumzumpumpelen liesse, fürgebend, das solches auch bei dem
unvernünftigen Viech unbreuchlich: dem war die Antwort schon fertig, dass jenes
Tier, sie aber verstand begabte Weiber seien, die das köstlich kützelig Recht
der überfötation besser verstehn: wie dann dise Antwort etwann Populia (als
Mackrob im Andern Saturnalbuch anbringt) soll gegeben haben: Eben wie jener
Knecht, da man ihn frü weckt, die Vögelcken pipen schon inn die Rörcken. O, lat
pipen, sagt er, lat pipen, die Vögelcken hefen kleine Häuptcken, hefen bald
utgeschlapen, aber sein Häubtchen sei gar grot, tu ihm mehr Schlapen noht etc.
Nun diese Populia war ein guts Bübelisch Bisslin zum Schlafftrunck. Aber das Maul
zu, unnd den Bratspiss weidlich herumb getrehet, was gelts wa sie ein Auffhocker
wird ergrossieren, unnd wie die Ente Christ gebärend Jungfrau zu Esslingen
auffblähiren.
 
                              Das Sibende Capitel.
 Wie Gurgelmiltsam, als sie mit dem Kindlin Gurgellantule schwanger ging, ein
                  grossen wust Kutteln frass, und darvon genas.
Gelegenheit und weiss, wie Gargalmelle genesen sei, ist folgender gestalt
geschaffen, und wann ihrs nicht glaubt, so entgeht euch das ganz Fundament. Das
unden am end aber entgieng ihren ein stund nach mittag, den dritten des
Hornungs, da eben dasselbig Jar die Fassnacht eingieng, als sie zu viel Bauntzen
gegessen het, Bauntzen sind feisste Magendärm von Barrenrindem: Von diesen
grossen Überreusischen Urochsen, die man hinder dem Baum sticht, haben sie auff
Hecatombisch drei hundert, siben und sechtzig tausent und viertzehen schlagen
lassen. Ja noch für ein Anhenckichts oder Anpendix doppel so viel Schwein, wie
viel mögen das sein, Millia sex legio, Sexcentum, Sex decies Sex, das such inn
Gemma Gemmarum, der ist mehr dann einmal darbei gewesen, wann man einander das
Maul mit Würsten gemessen hat.
    Alles obgenent fräsig Schlachtopffer ward zur heiligen Frassnacht
eingesaltzen, und gleich zum eingehenden Früling wie das gold probirt. Was meint
ihr dass der ganz gepraten Ochs auff der Krönung zu Franckfort gegen disem sei?
Wann man schon daselbs mit acht henden, musst das Pratrad wenden und der Hass mit
seinen langen Ohren, sich im bauch hat verloren, und die Rechkeul:
Kalbsschnautzen: Hirtzsput: und Schweinköpff heraus guckten, auch das hinder
virteil mit Federwildpret, und den Hals mit Fischen schmückten? Was war es?
Eben gegen dieser anzal zurechenen, wie der Hanna Opffer zu des König Salomons
Tempelweihe. Dann er het aus seinem Kässmilbigen Hirn erst zu disem
maulschmutzigen handel ein Lebendig Pratspisswerck: oder selbsgengig Pratspissmül
von 72 Pratspissen erfunden: wer hett ihm sonst bei zeiten kochen können: Und
nimpt mich wunder, wa unserer heutiger Seidenwurmiger Meister sein Hundseidenmül
her hat: Gewiss ist er unsern Alledurstigen und Allegrillischen Geheimnussbullen
und Pantarchen über den Sack kommen, dann man stellet ihnen heut so sehr nach,
wie den Übercelsischen Arslullenbüchern.
    Ein solchs unmenschlich metzigen aber, soll euch nicht wunder nemmen, dann
was Griechischer Köpff gibt es, wann der unsinnig Aiax unter das vihe geraht:
andere zeit, zeugen auch ander Leut: damals musst es alles auff
Gargrossgrandgeidisch zugehen: dann wa Weibergelüst fallen ein, da muss nichts zu
teuer sein.
    Ach ihr glaubt nicht, wie tröstliche Schlafftrünck es pringt, wann man
dermassen aus der feissten Kuchen aufftringt, als wann man holtz zur saltzpfannen
fürt. Wie stehet es so wohl, wann ein jdes Platteiselengesäss, und Alantischer
ruckenkrebs ein sondern stul einnimbt: habt ihr nicht die feisst andacht gemalet
gesehen, da die schmutzkolbige Buben unnd trieffnäsige Würstfüllstopper so
sautrogisch mit beiden tapen inn der Pratpfann ligen, da man den Bachenspeck mit
Ferckensschwentzlin herab wirft, da der Herr Be er o Probst mit eim waschengill
voll Wein das Weinwasser gibt: Ha, ha: da gehts volle wohl: da hetzt man den
Lazarmen, Latzleren, aussgedörrten, rauchgehenckten bickingischen
Schneckenfresser und haffenscharrer Bruder Lantzenstil sampt seiner lären
Sackpfeiffen mit kröpfigen hunden aus, dass dem armen schwantz vor feisstem
schrecken möcht das pruch entfallen: dann armut schneid da kein Speck, aber jene
suchen äl inn eim jeden treck. Dem Herrn Raumauff und den Barrenhengsten ist die
weid gewachssen, die Ackermerren mögens wohl mit dörrem rucken bauen unnd
Haberstro fressen: man machts diss Jar keim anders, En quêis consevimus agros?
    Darumb hat unser Grosspruchier so viel Würst gemacht: da waren vollauff
Kuttelfleck, Kopff und Kröss, Utter, Gehenck sampt den Netzen und Börsel,
Tribdärm, treibwürst, Sultzwammen, Saltziss: Bononische Tucedenwürst, Lucanisch
Mettwürst, Bülling: Burgundisch Allandrillewurst: Langenitzische Botullenbüdin:
Rollpansen, eingemacht Hauben und Bücher, versultzt manigfalt: magenfett:
Bautzendärm: Würstbuntzen: Plutund, Weckerlin, Fleischdärm, eingehacktes unnd
allerlei Küdreckottfleisch, unnd dasselb also leckerhaft, das jeder die
tappende tapen und Zähen darnach lecket.
    Aber des genäsches war nur zu viel für vier Personen, also das es unmöglich
war lang zu halten, dann es wer ob einander erfaulet unnd erstuncken, wie der
Papirer Lumpen, welchs sich nicht gebüren wolt. Derwegen ward beschlossen, auff
dass der Plunder nicht unnützlich verdirb, unnd aus dem weg kem, den Rucken
darhinder zutun, unnd es weidlich, und neidlich auffzureiben. Hiezu worden
durch das Orlandisch greuelhorn auffgemanet die Schlegel Leuten Leut unnd
wangenlanggeübte Kunden aus dem Trettacher, Iler, Irracher und Breitachertal,
Essfeld, Esslam, Esslingen, Darmstatt, Lebersweiler, Arsfeld, zum Gefräss, die von
Langenwangen, Langweid, Hindenlangen, Langenlumpen, Sibenwürst, Saurmund,
Bautzen, Küchel, im Gewäng, Gemündt, Bömischem Brot, Schmärmeusel, Langenzän,
Elwangen, Kolwangen, Honigspittel, Wangenstantz, Haltenwangen, Nesselwangen,
Eyterwangen, die zu der kalten Herberg, zu der Fetten Hennen, zur Anricht:
Welche auch die von Issne, Füssen, Geckingen, Mundelheim unnd andere
Gurgelschmirer mitprachten: Unnd solche erschienen alle von wegen Wolffmägiger
Brotmeierei. Aber von wegen Weinschlauchitet unnd Birpausitet worden, mit der
Sturmglocken zusamen gelitten, sonst machtloss gut gesellen, die von Bachi rach,
von Wachbach, Bachern, von Koburg, Bamberg, Rube aqua, Wartwineler, Hebwineler,
Gebwineler, Neuwineler, Schleckstatt, Weinfelden, Ketwein, Weinam, Weinmar,
Glettwin, Krügel, Schadwin, Kitziwin, Lamenhand, Sedelbach, Feucht, Weichmichel,
Merding, Buntzel, Dinckelspül, Daubsal, Kandstatt, Treckshausen, Hopfica,
Springlingen, Kelberbach, Eselbach, Herbstausen, Haslach, Rebenmund,
Haubenweissheit, die zum Bauern, zur Frauen, zum Gevatter, zur Höll: Und sonst
Sanct Urbans Jünger umb Ensheim, und Ritter des ordens von S. Otmars Lägeleflüss,
und was das Glas heben und geben, wenden unnd legen, halten und pringen kont,
experte und diserte auff guterruff rencken, und angster schwencken.
    Der gut Mann Grandgusinger het sein hertzliche freud damit, wann er also
gutertzig sah die Platten raumen, und die Becher schaumen, die spumantes
pateras: und tat nichts anders, als dz er sie auffmunteret, nicht in der predig
zuentschlaffen: frisch auff ihr Gesellen, die Hüner praten schon, trincken wir
Wein, so beschert Gott Wein, seit frölich bei den Leuten, und wer hie will ein
hadermann sein, der mach sich weit von Leuten, und fahr in Wald nach scheuten.
    Jedoch warnet er sein Gemal, als einer der für den schwachen Werckzeug
sorget, dass sie sich etwas entielte, weil sie nahe auff dem zil gienge, und
aber diese Kuttelwescherei kein Kindbetterinhenn, Capaun oder verplutetes
Täublin war. Diser, sagt er, muss gewiss grossen lust zu treck kauen tragen, der
auch den Sack davon frisst, und noch an zipffeln will nagen. Gleichwol sie, nach
art des widerstramigen zeugs, von gelüsten überwunden, ase der Kutteln und
pfutteln sechtzehen Seiffkessel, zwen Amen, sechs Nossel, zwo Schauffel unnd zwo
Bollen voll. O schöne Fecalische materi unnd Trusenmüsslein, schöne Krebsmüsslin,
und gebachen Haselstaudenkätzlin, welchs sie lustig darmwinden, Kisslinflötzen,
unnd zur Wassersüchtigen sackpfeiffen auffplehen kont, das rejetzt und trib die
geburt, da ward ihr plau vor den augen, das hinderst teil des hals warm, der
ruckgrad kalt, einsmals rotprecht, und daraus man das zukünftig Fülle mocht
erprofeceien, so setzt sie den rechten fuss für, und was ihr die recht seit und
Prust spitziger als die linck.
    Nach dem Mittag anbiss, da man genug Kutteln geweschen hat, zog die obgedacht
erfordert gesellschaft hauffenweiss ordenlich, wie die Säu zum Tor einlauffen,
hinaus under die Linden, bei die Weidenbäum, unnd Wilgenbusch, da dantzten,
schupfften, hupfften, lupfften, sprungen, sungen, huncken, reieten, schreieten,
schwangen, rangen: plöchelten: füssklöpffeten: gumpeten: plumpeten: rammelten:
hammelten, voltirten: Branlirten, gambadirten, Cinqpassirten: Capricollirten:
gauckelten, redleten, bürtzleten, balleten, jauchtzeten, gigageten,
armglocketen, hendruderten, armlaufeten, warmschnaufeten (ich schnauff auch
schier) nach den lustigen Schalmeien, seiffelen: Pfeiffenbeuckelen, hend und
maul, Lullepfeiffen, Schwegeln: maultrummen: schnurren, Säutröglein,
Ruspfeiffen, unnd anderm kunstreichen Sackpfeiffengeschlecht, das es für Herrn
ein Narrenlust gab zusehen, wann sie sich also wacker auff eim fuss herumb
wurffen und dummelten, wie ein bleiens Vögelin das heisst Kü, und so
Hurnausenstürmig und Brämenschwirmig wie die Beckerbuben auff der Tantzlauben
und dem Fechtboden: O weit von dannen ihr Hofdäntz: Es ist einmal gut, dass ihr
etwas guts zu Hof habt, welches die hoflebenschender nit schelten mögen: auch
ihr Nörnbergisch Geschlechterdäntz, die kein herumbspänleinn leiden können: Hie
ist ein ander Tantzschul, auch ein anderer Schweitzerischer Buffe, der mit einer
Elenlanghandhabigen Fochtel unnd mit aussgestrecktem Contractem ungebogenen Arm
daher vordantzet, oder vortritt: Hie gilts den Scharrer, den Zäuner, den
Kotzendantz, den Moriscen, den schwartzen Knaben, der gern das braun Meidlein
wolt haben, Ja haben, wann mans ihm geb. Nun Meidlin fort, dran, sprungsweiss an
Spiss, wie ein jungs Wild im Spisshart. Seh, seh, mein leidiger kund, wie schöne
hochauff hebende, langschreitende Storckenbein zum dantzen.
 
                               Das Acht Capitel.
    Das Truncken Gespräch, oder die gesprächig Trunckenzech, ja die Truncken
Litanei, unnd der Säuffer unnd guten Schlucker, Pfingstag, mit ihrer unfeurigen
        doch dürstigen Weingengen Zungenlös, schönem gefräss und getös.
Auff solche wolerschnauffte und errammelte abdauung, entschlossen sie sich eben
auff der selben kampffmartischen Walstatt auch die abendzech zu vollbringen: Da
het einer wunder gesehen, wie da die Gleser, Becher und allerlei Trinckgeschirr
umbgiengen, wie man allda die Kandel übet, da schar man den Schuncken, da zog
man den Käss producten, dem Ferlin die Hartzhaub ab, da griff man den Hespen auff
die hauben, da stachen sie einander die Pocal auff die Prust, da flogen die
mühele, da stibeten die Römercken, da raumt man die dickelbächer, da soffen je
zwen und zwen aus doppleten: die man von einander bricht, ja sie soffen aus
gestifleten Krügen, da stürtzt man die Pott, da schwang man den Gutruff, da
trähet man den Angster, da riss und schält man den wein aus Potten, aus Pinten,
aus Kelchen, Napffen, Gonen: Kellen: Hofbechern: Tassen: Trinckschalen:
Pfaffenmasen: Stauffen von hohen stauffen: Kitten: Kälten: Kanuten: Köpffen:
Knartgen: Schlauchen: Pipen: Nussen: Fiolen: Lampeten: Kufen: Nüsseln: Seideln:
Külkesseln: Mälterlin: Pleisäcken, Peuscheln, Strassmeiern, Muscasnussen,
Mörkrebsschalen, Stübichen, Melckgelten, Spitzmasen, Zolcken, Kannen,
Schnaulzenmas, Schoppenkännlein, Stotzen: Da klangen die Gläser, da Funckelten
die Krausen. Holla schenck ein, Wirtsknecht: gib, reich, hol, lang, biet, zeig:
weiss: stürtzs umb: streichs: klopffs nägelin, machts voll, so werden wir voll,
nach dem Streichholtz: den Willkomm her, Auff kundschaft, auff du, Latz und
Nestel abschneiden, den dran, den drauff, den darbei, so sind der guten drei,
Korn umb Saltz, nichts umbsonst. Also gefelst mir, hau mir das glass dapffer zu.
Hör Weinschenck, pring mir den Roten, pleich sehen die Todten, Mir ein frischen
Glassschwitzigen, darvon das Glas wie Catarinaberg öl weint. Also kann man ein
anstand mit dem durst treffen.
    Ha der Ritten, rufften die andern aus eim andern ton, wann gehst du
Klingelflesch, werst gut nach dem Todt zuschicken: was Todt? töd du den Durst,
der ist mein gröster Feind: Auff mein Fidelbogen, Gevattern, wir wöllen die
runtzeln recht einander abweschen, unnd sollten sie nur aus dem gesicht in Arss
schlagen, der gilt von ihretwegen, den gesegene sie dir von meint  wegen.
Warlich Bäslin, es hat euch ein frost angestossen, secht für euch, ihr habt ein
loch für euch. Ey Sanct Veltin von Rufach, lasst uns von trincken parliren. Kan
keiner kein Liedlin? Holla Fritz, du singst uns diss unnd sonst noch mehr, vom
Buchsbaum und vom Felbinger. Nein, Nein, ein anders, Es geht gen diesem Summer,
Oho lass einher gahn, die Ochssentreiber kommen, do, do, Oho lass einher gahn,
diri diri dein, lass einher gähn, Pum Pimperlin Pump. Hoscha ho, sind wir alle
do? Nun singt das keiner trincke, Nun trinckt das keiner singe. Ich trinck nicht
dann nach meinen horis, uren und Paternostern, wie des Bapstes Maulesel, zur
vesper reut man ihn zur tränck. Ich trinck nicht, dann inn meim Breviari, wie
ein guter Gardian Vatter, aber das Longiari wert inn hohen, geglässten
geknöpfften rosszageln viel lenger, Herr Prior, welchs war am ersten, durst oder
tranck? durst. Dann warumb wolt man sonst gessen haben? warumb wolt man zur zeit
der unschuld on durst getruncken haben? durst kommet vom dürr und dürresten.
Non, Non Schwester, tranck dann privatio præsupponit habitum, wa man gelescht
hat, da muss es geprent haben. Ich bin ein Cleric und Jan von Löwen, ich bin ein
Magister von des Matesii drei Magis von Cöln, Foecundi calices quem non fecere
disertum? Das müsst ein ungeschlachter Wein sein, der eim nicht giset Latein ein.
Wir zu unserer unschuldigen zeit Trincken nur zu vil on Durst: Und billich. Wir
trincken für den zukünftigen: Kaufft inn der Noht: (sagen die betrengten
Quacksalber) so habt ihrs im tod: Ich bin kein Sünder on durst: ich trinck
ewiglich: Trincken ist mein Ewigkeit, unnd Ewigkeit ist mein trincken: Fress ich
mich arm: unnd sauff mich zu tod, so hab ich gewiss gewalt über den Tod. Lasst uns
singen, sauffen ein gesetzlin, trincken ein mutet: dass dieser Schnarckgarkuss
darzu geht: nun biss mir recht walkommen, du Edler Rebensafft: Ich hab gar wohl
vernommen, du pringst mir süsse krafft: Lasst mir mein gmüt nicht sincken, und
sterckst das hertze mein, drumb wöllen wir dich trincken, unnd alle frölich
sein: Man sagt wohl inn dem Meien: da sind die Prünlein gsund: Ich glaubs nicht
bei mein treuen: Es schwenckt eim nur den Mund, unnd tut im Magen schweben,
drumb will mirs auch nicht ein: Ich lob die Edlen Reben: die pringen uns gut
Wein. Hoichta, Ju, Ju, den Gatter zu, das aussflieg kein Ku: Lasst uns wider
eingiesen, eintonnen, einträchtern: einsurffeln: wa ist mein Trächter? mein
Seigertuch? Ich trinck nicht dann durch Procuration, man muss mir ihn einreden,
unnd einschmeicheln, ist besser, als giess man mirs ein: Es hat mir ihn nie keine
hinein gewisen. Ich trinck nicht nach dem stundglass, wie ein Prediger auff der
Cantzel, ders oft schüttelt, Ich nicht durch die Sip, aber durch den Bart
seigern, das ist das best, so hat einer ein Nachzechlin, doch beiss nicht vor
girigkeit der Speiss, wie der Dänisch Starckhalter ein stuck vom Knebelbart.
Netzt ihr dass ihrs trocknen, oder trocknet ihr, dass ihrs netzt? Ach Gevatter,
Ich verstand dise Redtorich nicht, Teoric solt ich sagen, aber mit der Practic
behelff ich mich ein wenig, und wie aller Practic Grossmuter schreibt, mit der
Glasprechsi und einlassbruchy. Es sind Plindstrick: Ich netz, Ich feucht, ich
trinck, und alles aus forcht zusterben: Trinck ich nicht, so verdörr ich, was
helff ich aber den dörren Sommer, der dörr Sommer möcht wohl mir helffen: Secht
hin, bin ich nicht Todt? Mein Seel wird sich noch vor forcht des bösen Herbsts,
in ein Froschmalter verkriechen: wie die Weiss heutdürstigen Pytagoristen: Im
trocknen wohnet nimmer kein Seel, wiewol man sagt Anima sicca sapientissima, ein
Seel die im trockenen sitzt, hat witz. Aber umversio simplex vermag, Anima
sapientissima siccissima, die klug Seel muss verdorren, erdursten, erseugern,
verschmachten, aussmergeln, dann hitz macht witz, und witz macht hitz, fürnemlich
wann man inn Hundstagen, Stuben und Kammer über einander auffsetzt: Darumb das
mir der Narr nicht erfrier, sauff ich mir mit disem Pocal ein Beltz: Die hitzig
Natur ist die best. Dann die Pferd die sich im Sand umbwaltzen, und wie die
geilen Hennen bestauben, die sind besser, als die sich im Wasser niderlegen,
Merckts ihr Sattelvernagelte Hofleut, Scaliger schreibts, ich glaubs: Ach ihr
lieben Keller, die ihr aus fässlicher vollmacht und vollmächtiger fässlichkeit
neue formen schaffet, und die naturen ändert, macht mich aus eim
nichttrinckenden trincken, aus eim untrunckenen truncken. Bub lang her, ich
insinuir dir mein nomination inn dein Hertz, verstehst diss Dintenteutsch? Ich
geb mich dar für ein Apellanten vom durst, wie von den misspräuchen, Jung,
relevier mir mein apffelatz inn ein rechte form. Butz diss Glas, feg jens
Suppenkar, was sollen die Lassköpflin, die Fingerhüt, die Schrepffhörnlin, die
Plackhörner? Was sollen die Geschirr, da man endweder mit der Zungen oder Nasen
anstosst, es sind Weinkiserglässlein: Ein Glas her wie mein Latz: Ey nicht so
letz, wie mein Schedel: Ich muss bei S. Küris leiden, dise Leberwürst und
Kutteldärm abschwemmen, sie werden sonst den Fürtzen und Koppen oben und unden
den pass verstoppen: Lang her für tausent Teuffel, lang her, sichst nicht wie ich
mich worg, die Kuttelfleck verursachen ein unjärliche besprentzung und
besprengwädelung. Ich muss kurtzumb die Ochssendärm aussfegen, die ich diesen
Morgen hab angezogen, Duck dich Seel, es kompt ein Platzregen: den wird dir das
Höllisch Feur wohl legen. Mir zu: ich bin ein Birstenbinder. Was? hab ich ein
tode Sau geschunden, dass mir keiner kein bringt: Ich hab ein Igel im Bauch: der
muss geschwummen haben. Sih da, der Wirt der ist der best, wird vil völler dann
die Gäst. Ey seit getrost lieber Wirt: Den liebsten Bulen den ich hab, der ligt
beim Wirt im Keller: Er hat ein höltzins Röcklin an, und heisst der Moscatteller:
Er hat mich nechten truncken gemacht, unnd frölich diesen tag vollbracht, drumb
geb ich ihm ein gute Nacht: Von diesem Bulen den ich mein, will ich dir bald
eins bringen, Es ist der allerbeste Wein, macht mich lustig zusingen: frischt
mir das Blut, gibt freien mut: Als durch sein krafft: unnd eigenschaft: Nun
grüss ich dich mein Rebensafft. Häu wie stimmt sich der Wein so wohl: Es wer schad
dass dich der tropff schlüg, du magst noch wohl ziehen: Nun weiter im text, Bub
wends platt umb, Tabernaculum: der Wein macht noch keinen stum. Hie sitz ich
besser, dann zu Speir im Stock. Guts muts wöllen wir sein, Trotz der uns das
wehre: Es müst ein rechter Baur sein, der uns so ernehre: Ich bitt euch drumb:
Trinckt flugs herumb, und macht es aus, So wird ein frölich Bruder drauss,
trincks gar aus: trincks gar aus: so wird ein voller Bruder drauss: Totum ex, fit
ex perfex: Hei gemach, fährt man den Berg auff, ich muss den Hafen vor
schwencken, so wird sich die stimm fein lencken und rencken. Nun wolauff ihr
Ordens Brüder: Ein Liedlin sing ein jeder: So gehts Glas auff und nider: So
kommets an mich wider: Holla: holla: wi dolla: stilla: stilla: man pringt ihn
auff der Mistbärn. Wer hie mit mir will frölich sein, dz Glas will ich ihm
pringen: Wer trincken will den guten Wein, der muss auch mit mir singen. So
trincken wir alle, diesen Wein mit schalle, dieser Wein vor alle Wein ist aller
Wein ein Fürsten, trinck mein liebes Brüderlein: So wird dich nimmer dürsten,
trincks gar aus. So wollen wir trincken die ganze Nacht, biss an den hellen
Morgen, Hol Wein, schenck ein, wir wollen frölich sein, wer aber nicht will
frölich sein, der soll nicht bei uns bleiben, wir trincken drumb den guten Wein,
die sorgen zuvertreiben, drumb Bruder mein, ich bring dir das, so vil vom Wein,
ist inn dem glass. Nun singt ihm drein, so trinckt ers fein, dann er war allzeit
ein böse  kind, schlief nimmer ungesungen. Er setzt das Glässlin an den Mund, er
trinckts wohl aus biss auff den grund, es schmackt ihm wohl, es hat ihm leiden wohl
getan, das Glässlin das soll umbhergahn. Welcher nun leit, inn diesem Streit,
dass er nit mehr kann tun bescheid, der mach sich auff unnd lauff darvon, so
singen wir Victoriam, wir wöllen frölich dran, wer sich förcht leg ein Pantzer
an, den dran, den dran, wolan, so gan, allweil ich kann, will ich bestahn, unnd
solt es gar den Teuffel han. Ocha wie wild? das fünffplättig dran, beiss die
Feig, beiss dem ein Aug aus, küss den boden, ich will noch Bischoff an dir werden,
ich kann dich firmen, ich kann dir den Krisam anstreichen: lang mir Roswasser: mir
Roswein, ich streich dich, ich weich nit: Ich stich dich, ich wehr mich: ich
schwertz dich, ich stertz mich: Mein Tochter ist Heurats zeit, ich gib ihr einen
Mann: Ich fahr ins Holtz, ich spann vor: Ich reut mein Pferd inn Schwäm, wie
tieff? Biss ich ruff, ich halt meiner Herrn gebott, das ist je nit gespott, es
sind noch trei tropffen drinn: das heisst dem Taler nah geschoren: den pring ich
dir, so darff ich ihn nicht holen, Ist das schmutz, das Patscht, Frisch auff wir
trincken Pfenningbier, O nein, Sanct Urbans Bier, das wöllen wir, das Bier
schlegt eim fürs Loch: Und ist ein böser Koch, doch trincken wir es noch, dass
man das Wasser poch. Wa seit ihr Bauernhofleut, die nicht inn die Stub dörffen,
wie? seit ihr gestorben? schlaffen die Hund? hei weckt es, dann es ist weckens
zeit, ists nit also? Ein guter Wein ist lobens werd, für ander ding auff dieser
Erd, den ich auch nicht kann meiden, und welcher ist im trunck der letzt, wann da
nun ist der Tisch besetzt, der hab das heimlich leiden: Ein groses Glas: von
einer mass: Voll külen Wein: dunckt mich schön sein: dz soll jetz gan herumben:
wer trincken will: wie ich so viel, will frölich sein, bei diesem Wein: der tu
oft zu mir kommen: Mit einem trunck: in einem schlunck: tu ich dir nun das
pringen: Trincks aus: trincks aus: es wird dir gelingen, Tust du nicht
bescheid: es ist mir leid: ich darff dir keins meh pringen: du solt auch nit mit
singen. Hoppaho henecken: der Han ist noch nicht tod: Man hört ihn krehen
nächten spat: ist umb den Kamm noch Rot. Hotteiahum, Nun sing herumb, biss es
auch an mich komm. Ein Hänlin weiss: Mit ganzem fleiss: sucht seine Speiss: bei
einem Han, ka ka ka ka ka nei: das Hänlin legt ein Ey: Bachen wir ein Küchelein,
Meuselein und Sträubelein, unnd trincken auch den külen Wein: ka ka ka ka ka
nei: das Hänlin legt ein Ey: ke ka ke nei: das Ey das ist geleget: ke ka ke nei:
dass man frölich sei. Haha das tonirt: Nun die Gurgel geschnürt: Diser stauff
hie mag die bin netzen, dann der es nicht empfind: der trinckt für nichts:
dieser tringt durch wie Quecksilber: Meiner durchsucht alle Aderen: Beseh diss
Zipperlin: schau dise Beutelhänd: Ha diser haft: der hat krafft, diser Safft,
diser schafft: was afft? diser wascht die Pias, Da wird der Kalt seich kein
platz finden: Sup hel ut min Proer: Seh: wie ligt der Tau dem auff dem Bart,
wie geifferst? Wie tropffelest? ein fürsetzlin her: deiner Frauen wird kein
Essig mangelen: Secht die hohen Pasteien und Türn: wie sich der mit Bächeren
verschantzt: Hie der Weinmarckt, dort des Fuggers Haus: Was gefalt euch? Roter
oder Weisser? Hei Nasser, so steubts nicht. Wa wachsst Häu auff der Matten, dem
frag ich gar nichts nach, Es hab Sonn oder Schatten, Ist mir ein ringe sach, Gut
Häu das wachsst an Reben, dasselbig wöllen wir han, das kann uns freuden geben,
das weisst doch Weib und Mann, das ist gut Häu, des ich mich freu, Mich belangt
wann es reiffen tut, Macht uns allzeit viel freud und mut, das ist gut Häu, das
macht gut Strei, O führets sauber ein, unnd wer es nicht kann keuen, der gang
auch nit zum Wein, Aber ich seh am häuen, dass sie gut Käuer unnd Häuer sein, Sie
rechens mit den Zänen, und worbens mit dem Glas, der Magen muss sich dänen, das
ers in dScheuren lass. Hoscha wann wöllen wir frölich sein, der küle Wein, tut
unser täglich warten, die Gsellschaft auch versamlet ist, On bösen list, Sie
mischet schon die Karten: Wolauff zum Wein, Mein Brüderlein, lass sorgen
underwegen: Hab guten mut, Wer weiss wers tut, wohl über ein Jar, vielleicht
ligen wir, so habens wir gar, sechs Glas mit Wein, Sauff nüchtern ein, dz mag
Kopffweh vertreiben, vergebens solst die Kunst nicht lehrnen, Ich will den
Meister Ehren, und die sechs inn den Busen Scheiben: was soll ein Mann, der nit
all tag sauffen kann, Sei nur guts muts, mein lieber Utz, mein gelt ist dein,
unnd dieser Wein, trinck redlich zu, lass sorgen sein. Hui Flaschentrager, wie
hast so ein holdseligen Rucken? gewiss es ist ein kunst auff Flaschen tragen,
fürnemlich wann die ringlin nach der Tabulatur klinglen, Hui Hipenbub stürtz das
Fass umb, versuch unseren sauren Trunck, Horcha Buba wechsel hie den Kreutzer,
butz mir die Bir, du butzst wohl, gebst ein guten Goldschmid, machest sauber
arbeit, ein guter Kretzenwäscher, ein guter Aussbereiter. Hör Juvenal stoss den
Hund aus, wer hat so gefeust: was? kanst du kein Hundsfurtz riechen, so solstu
kein Wildbrett fressen. Was wild? ich fang gern Hockheimer wild mit Schleiern:
darumb hört wie ich so ein schön Gesetz will meiern. Sommer botz wurst wer
meiner Greten was tut, den hau ich, dass die Sau blut. Hopfaho, sind die
unfläter do, Er führet sie hinder Rauten, er wolt sie gern proho braune Kleider
trägt sie gern, Müho, Mönchen ist ein schöne Statt, dummel dich gut Pärchen,
Eschenfarb und blau, Eschenfarb und Leberfarb, Von der Nipp von der Nippedei.
Ein Bauerntöchterlin wolt Gersten auffbinden, da stachen sie die Distel inn die
Finger, Hoschoho he ha wohl inn die Finger. Meidlin sind dir die Schuh recht, bei
nachte, bei nachte, halt dich Annele feste. Du bist mir lieber dann der Knecht,
pum Meidle pum, Ich freu mich dein ganz umb und umb, wa ich freundtlich zu dir
kumm, hinderm Ofen und umb und umb, freu dich Stiffelbrauns Meidelein, Ich kumm
ich kumm, ich kumm. Wolauff wolauff am Bodensee, sonst find man nindert freuden
meh, Mit dantzen und mit springen, und welcher gleich nicht dantzen will, der
hört doch höflich singen. Wolauff vollauff, vollsauff, dollauff, frisch auff,
friss auff mein Brüderlein, Es sei gleich gut Bier oder Wein, So muss es doch
getruncken sein, Es ist ja voll, Es schmackt auch wohl, friss auff mein liebes
dieterlein, Es muss doch getruncken sein, hett schon der Wein mein Eltern
erschlagen, Ich wolt drumb keim kein trunck versagen. O wie schleicht der durch
ein Schalcksschlauch: wie? findst grund? sichst den Herrgott am boden? Mächtig
fein die Recht verbieten, man soll kein Creutz auff den Erdboden machen, da man
drauff tritt, so machts man auff die Wehr, unnd inn die Becher, die einen
umbbringen, Dann es ist gewiss, bei den Teutschen hat Mars unnd Bachus mehr
erlegt, als Venus bei den Welschen aussgefegt. Hei Weinwitzig. Ich bin noch nit
Schwenckfeldisch, aber Schweinfeldisch, oder Reissfeldisch: Ha ha, und ich
Kaltwinisch, wann ich ihn kalt habe: und Luterisch wann er trüb ist. Nun aus
eim andern ton, wer singt uns eins? Herbei, herbei, was Löffel sei, zu disem
Brei, gar bald und frei: Ich hof uns soll gelingen, hetten wir nur Löffel,
Stöffel, lang Löffel, so wöllen wir den Schweitzer Hauptmann frölich singen, und
höfisch Löffel, Bauernlöffel: vor freuden wollten wir springen, und Muslöffel,
Busenlöffel, Bubenlöffel, Stubenlöffel, die tut uns auch herbringen, und
gewaschene Löffel, eng Jungfraulöffel, Ein futer mit Löffel, und unsere löffel:
Sind löffel do, So sind wir fro, Gin löffel, Maullöffel, faumlöffel,
Beinenlöffel, Milchlöffel, Löffelmäuler, Gänslöffel: Nun sing mir lieber
Stöffel, hoho lieber Löffel. Nun sih ich wohl, dass ich auch soll, Mein Löffel
einher tragen, So bring ich Rotzlöffel, Orenlöffel, Butterlöffel, Schaumlöffel,
Was soll ich weiter sagen: Secht liebe Freund schön glatte Löffel, rau
Wirtshausslöffel, Ammeisterstubenlöffel, der Martschen Löffel, der Dürlin Löffel,
der Ursel Löffel, der Hopffensidrin Löffel, Heintz Löffel, Kuntz Löffel, Claus
Löffel, Fritz Löffel, Ule Löffel: wer will darüber klagen, All Ort voll Löffel,
all Winckeln voll Löffel, die Stub voll Löffel, das Haus voll Löffel, Ich will
nach keim mehr fragen: Singt nur mit Schall, ihr Löffel all, hoho Löffel do.
Heiaho, gut Heinrich Encian, Specian, Agermund unnd Rübenkraut, Lorkäss,
Dannzapffen, Achsselkolben, Deitelkolben, und die breiten Dockenpletter, waren
wohl getan. Oho ho ho sie will mir kramen: Horcha, welchen lieb trinckst am
liebsten? Den andern: Nein, Trinck diesen, der ist dein, doch der Wein, die
Geschirr wöllen wir dem Wirt zu Pfand lassen, er mag sie darnach unter die Juden
versetzen. Holla Wollax, Dolla vollax: Nimbs und stimbs recht. Frölich so will
ich singen, Schlage dein Weib umb den Kopff, Ich muss dir diesen bringen, Zih
dein Weib bei dem Zopff, Das Lied das will nicht klingen, Ich stopff darfür den
Kropff. Sing fort du Rebentopff. Der Ludel und der Hänsel Figel, und Oswald der
Zirel, und der Jörgel Caspar kam, Dieselben guten Compan, die truncken, der Lipp
schaut inn die Kandel, Er klopftet, sie war lähr, Hupff auff, Presinger, hupff
Lipp in den Klee: Wer singt nun meh. Nun grüss dich Hei du Edler Safft, Und hast
du Gugel funden, du gibst uns Freude, Mut und krafft, und hastu Gugel, und wiltu
Gugel, unnd hastu Gugel funden. Frisch auff Rebhans im Mäntelein, die Gugel muss
gewaschen sein, Diss Glässlin Weins das gilt dir halb. Trincks gar aus du mein
liebes Kalb, Er satzt dz Glässlin an den Mund, er trancks wohl aus biss auff den
Grund. Er hat ihm leiden recht getan, Das Glässlin das soll umbher gahn. Zu
letzt fül einer undern Banck, Dem andern ward die Zung zu lang: Ade Ade mit
guter Nacht, Wir han die Gugel zuwegen bracht. Obehe, wir fressen Bauern, und
sauffen Edelleut, unnd scheissen Mönch, darumb so weissge hie und tünch. Von
Edler art, Spei ich inn Bart, On als gefehr, Trug ich so schwer, von starckem
Wein, Fürt man mich heim, im Sessel bald, drinn ich erkalt, und speit ein Ban,
Es möcht einer han, Ein Schiffelein gefürt, Gantz unverirt, darumb tut mir noch
der Bauch zwischen den Ohren wee: der Teophrastisch Tartarisch Weinstein hangt
mir noch an Zänen, wann nur alte Weiber unnd die Hund dran seichten, so gebs
guten Burgundischen Salpeter. Nun es gilt ein Taubenschluck unnd ein truck, auff
ein Muck, ich erstick sonst dran, wie jener Herr, der das Maul offen vergass, dass
ihm ein Flieg in die Gurgel sass, und ihm verletzt die Weinstrass, wie die
Reinstätt den Cöllnern den Weinpass unnd das neunt Fass: es schluckt sich besser
als Camelshaar und Katzenhaar, diss muss von eim schwieren unnd gieren, wie der
Hechssen Scherben unnd Lumpen. Hei nein, wir Schälck sitzen hie bei frommen
Leuten. Frau Wirtin, habt ihr uns nicht gern im Haus, So jagt uns wider gütlich
drauss, Aber zum Sturmwind heisst diss Haus, darumb so leben wir im sauss: So sauss,
so sauss mein Windelein sauss, das Glas ist aus, Fein nach der pauss. Ich armer
Knecht, kam selten recht, Mein Seckel hat kein Futer mehr, Hoscha wer weiter
kann, der sings fortan. Des muss ich euch bescheiden, die Parschaft mein, was mir
gaht ein, zahl ich nicht bald zu zeiten, die fahrend hab, gaht auff und ab, Ich
habs auff andern Leuten, Ich hab auch ligend Güter, die dörffen nicht viel Mist,
darzu darff ich kein Hüter, Man stilt mirs nicht zur frist, von Korn und Wein,
was mir gaht ein, darff ich kein Zehend geben, Was ich trinck zwar, Ein ganzes
Jar, das wachsst mir alls an Reben, Mein Haus ist fein auffgeraumet, Stossest
dich zu Nacht nicht drinn, die Knecht lan dich ungesaumet, darffst kriegen nicht
mit ihn, kein Ratt noch Maus, inn meinem Haus, hörstu zu keiner Stunden, darzu
kein Schab, in Kleidern hab, Ich all mein tag nicht funden, Ich hab in meinem
Keller, kein Seigern brochen Wein, der kost mich nicht ein Heller, kein Brot
wird schimlicht drin, Auch mein Kornschütt, hat Wibeln nit, Mein ställ sind fein
aussgbutzet, Stirbt mir deshalb, kein Ku noch Kalb, lug was mir das nur nutzet,
hab gar ein ruhig wesen, darff nit inn Raht zur witz, darff nicht viel Bücher
lesen, hab gar ein guten sitz, Gib wenig Steur, ist manchem teuer, Mein Vih ist
bald erzogen, Gelt leihen aus, kompt mir nicht zu Haus, mit borgen wird ich
nicht betrogen: Mit fegen und mit wäschen, darffst du kein müh nit han, ich hab
ein weite Täschen, nimm mich keiner Hoffart an, Als mancher tut, Mit seinem
gut, Inn Gold, Sammat unnd Seiden, kein Silbern Gschirr, Tu mir herfür, Von dir
will ichs nicht leiden. Die Frau die sprach mit züchten, Ich acht nicht Seidener
Häss, Meins guts will ich dich berichten, Ich hab ein gut gesess, darin ein
Bronn, Bscheint nit die Sonn, So will ich dir auch bringen, Ein gut einkumm, Nun
glaub mir drumb, kämst noch zu grossen dingen, du brauchst nicht alls dein
leben, was ich jetz bring zu dir, wolts nicht umb Meiland geben, Allein das
Wassergeschirr, gleich morn unnd heut, darffst haspeln neut, das Garn das ich
dir spinne, kein Weberlohn, darffst geben darvon, Ist nit ein kleiner gwinne,
das Hund unnd Katzen nit fressen, hab ich inn guter hut, das minst das du wirst
essen, Sind Hüner, Wildbrett gut. Doch ding aus, dass du kein Haus, zubauen
woltst verdingen, was zu hinderst im Winckel ist, das will ich mit dir teilen.
Unnd wann du wilt verterben, Schuldhalb must aus dem Land, So zeigt man mirs an
dKerben, gibst weder Gelt noch Pfand, Das macht dass ich, So dienstbarlich, Mich
gen der Welt kann halten, ich trau dich zu mol, Ernören wohl, und solt ich drumb
zerspalten: das ist ein schöne Nehrsteur, Ehsteur, Wehsteur, das macht der Wein
ist teuer, ja so saur und teuer ist jetzt der Wein, dass man ihn eim muss spielen
und singen ein. Ist niemands hie der doppeln will. Nur närrisch sein ist mein
manier. Inn dieser Welt hab ich kein Gelt, inn jener Welt, mir keins gefellt. Wo
soll ich mich hinkehren, Ich dummes Brüderlein, wie soll ich mich ernehren, Mein
gut ist viel zu klein, Als wir ein wesen han, so muss ich bald darvon, was ich
heut soll verzehren, dass hab ich fern vertan, Ich bin zu frü geboren, wa ich
heur nur hinkomm, Mein Glück das kompt erst morgen, hett ich ein Keisertumb,
dazu den Zoll am Rhein, unnd wer Venedig mein, so wer es alls verloren, es müsst
verschlemmet sein: Was hilffts dass ich lang spare, vielleicht verlier ichs gar,
solt mirs ein Dieb aussscharren, es reuet mich ein Jar, Ich will mein gut
verbrassen, mit schlemmen frü und spat, ich will ein sorgen lassen, dem es zu
hertzen gaht, wann wir das Gelt verbrassen, darnach so trinckt man Wasser, wie
geschriben staht, Sitientes venite ad Aquam. Ihr Wasserige kompt zum durst, der
Wein ist heur nicht wohl gerahten, Aber wir kommen ungeladen. Der Zapff ist
klein, und laufft gemach. Der gar hungerigen waren trei, Sie liessen kochen
einen Brei, sie truncken als sie konten, der Gibling hielt den Pfannenstiel, O
Sauer im Arss, du frist zu viel, des Brei bei siben pfunden. Losa, Losa, trincket
ehe euch der Bachus tringt: Qui timet irati numina magna bibat, Wer sich besorgt
vor Cadmi Muter Plag, derselb wohl trincken mag, dann er macht die so ihm
widerstarren zu Narren, und zu farren die ihm nachfahren: Es ist Medicisch, im
Monat zweimal voll, bekompt dem Magen wohl: Wir ehren den Atenischen Bachum
rectum nit recht: dann wir sauffen uns Contract und lam: Es ist kein rechter
Fuhrman, der nicht umbwerffen kann: Diss schneid den Wein, das schneid den Gewinn,
das truckt der Taschen das Hirn aus, Was soll mirs Gelt inn der Täschen, mir
tut viel bass das Gurgelwäschen, schenckt ein unnd lebt wohl, wir wollen werden
voll. Wer hat mir den Kreutzer in Becher geworffen, jetz muss ich ihn mit grosser
not holen, das mir die Zung nass wird, die ich doch lieber netz als ein Katz die
Tapen, O wie ein nass durstig Angesicht, es durst einen wann ers ansicht, Trag
auff mit schalle, wers auch zale, hüpschlich nicht stoss umb, Sich Nasen König,
wie die Nass drein steckst, Jora je jo, wir sind fro, der Pfarrherr ist do, Vinum
Cos her, ja kost, Vinum Teologicum aus des Pfarrherrs Fass, der macht kein
Kolocompass, wie dünn knite und knoll, der eim im Bauch roll. Vinum quæ pars,
verstehst du das, ist aus Latin gezogen, ja nur gar wohl, ich bin es voll, Ich
bin ihm oft nachzogen, inn dem Donat, der Reiflin hat, hab ich es oft gelesen,
quod nomen sit, das fält mir nit, Man trinckt ihn aus den Gläsern, Vinum quä
pars, unnd hast kein Glas, so sauff mir aus dem etc. a: Nims Glas zu dir,
declina mir, Vinum lass Glässlin sincken, Nominatiff hoc winum, Ist mächtig gut
zutrincken, welcher gesell, Jetz weiter wöll, Vinum aus declinieren, Pluraliter,
den bring man her, Ein mass drei oder viere. Wer sind die uns diss Liedlin sungen,
das haben getan zwen Schreiber gut, ein alter und ein junger. Nun fort du
voller Zwölffnarr: sauff wie ein guter Oelpresser. Wolauff ihr Brüder allzumal.
Quos sitis vexat plurima. Ich weiss ein Wirt klug überall, quod wina spectat
optima. Sein wein mischt er nicht mit dem Safft, E Puteo qui sumitur, Ein jeder
bleibt inn seiner krafft, E botris ut exprimitur. Herr Wirt bringt uns ein
guten, im Keller quod est optimum, die Brüder wollen frölich sein, Ad Noctis
usque terminum, wer greinen oder murren will, ut Canes decet rabidos, der mag
wohl bleiben aus dem Spil, Ad porcos eat sordidos. Botz tausend Rasperment, das
heisst wohl solmisiert, lass sehen ein Tricinium, ich will mit dem Gutteruff
Bassieren, so Tenorier du mit deim Kranchhalss, unnd der vagier mit dem
Lüllzagelzincken, drei Gänss im Haberstro, Sie asen unnd waren fro, da kam der
Bauer gegangen, Wer do, wer do, wer do, drei Gänss im Haberstroh, Bibit pater
Abraham, wiwit Noa, winwit Lot, biberunt Prophete, Biberunt omnes Apostoli,
Bibit Dominus Johannes inn Charitate, trincks gar aus, Alleluia. Unsere Eltern
trunckens voll, unnd wir trincken uns halb doll, unnd fegen die Lüllpott wohl:
heisst das nicht wohl geschissen unnd gesungen. Nun trincken biss ihr pincken, den
Becher lieb ich für ein Zincken: der darff so starcken Atem nicht,
Zinckenblasen den Kopff zerbricht. Nun Trinckenblaser, blass inn Zincken, spann
die Backen. Was solt ich den drei Gratien zu lieb nur treimal trincken, warumb
nicht den Krügen inn Kana zu lieb sibenmal, unnd wie man den Brüdern vergibt,
ein tag siben unnd sibentzig mal? warumb nicht den neun Musis zu lieb neunfach
noppel so viel xcix mal: Was? Vel duo potanda, vel tria multiplicanda. Martialis
gefallt unser genaden, der tranck so viel Hochbecher aus, als viel seiner
Bulschaft Nam Buchstaben innhielt, Gar bene, so muss mein Bulschaft Be a er
bar, the o to barto, el o lo, lo, tolo bartolo, em e me, me, lome, tolo me,
bartolome, e es us sus, muss Dittel Krebsfuss, küss vier dahinden, trei ist
ungerad, heissen: Als dann so werd ich ihren des öffter gedencken, je öffter man
mir wird einschencken. O ihr liebe Weiber, wie ein gutes Fündlein für euch, auff
diese weiss können die Männer beim Wein euer nicht vergessen, lasst ihnen nur
dapffer einschencken, heisst eine schon Annle, so sag sie, sie heiss
Peternellulele, oder Magdalenelelle, so trincket er des meh, unnd rauffet sie,
wann er heim kompt, des ehe. Wein hat doch Weiberart, lämet einen gleich so
hart, darumb Weinbeer unnd Weiber zusamen, so können sie die murrenden und
hurenden Männer lamen, Was lamen? Hieher Cordele Huy auff, an mein grüne Seiten.
Was greiffet ihr? Ihr macht schier, dass ich euch das Fallend Übel schwür. He he,
die Weinlein, die wir giessen, die soll man trincken, die Brönnlein die da
fliessen, die sollen schwincken. Unnd wer ein stäten Bulen hat, der soll ihm
wincken: unnd wincken mit den Augen, unnd tretten auff den Fuss, Es ist ein
harter Orden, der seinen Bulen meiden muss, unnd noch viel härter, dass ich diss
hoch Glas ausssauffen muss. O wie ein harte Büss, drei Gläser mit Wein auff ein
schimlich Nuss: gewiss die Gänss gehn ungern barfuss: Nun sing, Es flog ein Ganss mit
ihren Federn weiss, die flog inns Wirtshauss mit fleiss, Sie was gar schön
formieret, mit einem langen Hals unnd gelben Schnabel gezieret, ihr Gesang ist
da ga ga ga. Schürtz dich Gretlin schürtz dich, du must mit mir darvon, das Korn
ist abgeschnitten, der Wein ist eingeton, Sich Hänslin liebes Hänslin, so lass
mich bei dir sein, die Wochen auff dem Felde, den Feirtag bei dem Wein, da nam
ers bei der Hand, führet sie an ein end, da er ein Wirtshauss fand, Wirtin liebe
Wirtin, schaut uns nach külem Wein, die Kleider die das Gretlin anträgt, müssen
euer eigen sein, Weisst uns ins Bett hinein. Ach Gretlein lass dein weinen sein,
Gehst du mit eim Kindlein klein, Ich will der Vatter sein, Ja ist es dann ein
Knäbelein, Eyn kleins Knäbelein, So muss es lehrnen schiessen, die kleine
Waldvögelein, Ist es dann ein Meidelein, Ein kleins Meidlein, so muss es lehrnen
nehen, den Schlemmern ihr Hemmetlein: ja Hemmetlein: Ey dass man ihm lang ein
Gläselein, Ein gross Gläselein, daraus er schiess sein Nachbaur Jäckelein, Hans
Jackel Guttuen Hudelump, Es ist ein Sehne gefallen, Es giengen trei gut
Gesellen, Jörg Nissel, Sig Michel, Hudelump Hans Jackel, spazieren umb das
Haus, hudelumpe, dann es ist noch nicht zeit, O Lempe, der Weg der ist
verschneit. Gut Reuter bei dem Weine sass, Oho, der sich viel stoltzer Wort
vermass, do do, ists nicht blo, so ist es gro, So, so. Wann der best Wein ins
faul Fass käm, darin müsst er ersauren, So wann jungs Meidlin ein alten näm, ihr
hertz müsst drob ertrauren: Unnd nimpt das Meidlin ein alten Man, So trauren all
die Gäste, drumb bitt ich zarts Jungfräulin nun, Halt du dein Kräntzlin feste,
Soll ich mein Kräntzlin halten fest, will es doch nicht meh bleiben, lieber wolt
ich mit eim jungen Knaben, Mein zeit unnd weil vertreiben, unnd wer das Fässlin
noch so rein, So find man trusen drinnen, So welch Jungfräulin seuberlich sein,
die sind von falschen Sinnen, Ein Zuckerlad mit Spinnen, ja Spinnen. Nun spinn
ich den aus, der muss ins Narrenhauss, jetzund ein anderer paus. Man sagt, Nems
nicht zu hoch Bruder, Man sagt, ist noch zu hoch, von Gelt und grossem gut, das
tu ich als ring achten, für alles gefalt mir ein freier mut, darnach ich nur
will trachten, kein sonder witz, unnd kunst so spitz, will lassen umb mich
wonen, und singen frisch, frölich ob Tisch, Nun gang mir aus den Bonen. Will
Gott, muss kein Gelt bei mir, durch alter schimlig werden, Raum auff, halt
nichts, ist mein begir, vil glücks ist noch auff Erden, Es kompt all tag, wer
warten mag, das mir die weiss wird lohnen, nach dem ich ring, und täglich sing,
Nun gang mir aus den Bonen, bei dem ichs jetz will bleiben lon, Mich gar nit
kümmern lassen, was jeder sagt nach seinem won, Trag auff vier, fünff, sechs
massen. Ich bring dir ein, Auff siben stein, und kost es schon ein Kronen, So
sing ich doch in disem gloch, Nun gang mir aus den Bonen. Wer wenig behalt, unnd
viel vertut, der darff nicht stahn inn sorgen, dass man zu letst vergannt sein
Gut, kein Jud tut drauff nicht borgen, dem Kargen geht, wie dem Esel geht, der
Holtz und Wasser muss fronen, wärmt sich nicht mit, und wäscht sich mit, zu letzt
muss er aus den Bonen. Secht wie ich die Bon will holen, und wie ein Weinmilb
ausshölen. Oho, schmatz, klapff, das Kannenlied hett mir schier die Nass erwischt,
es setzet mir hart zu, die Augen gehen mir über: Ich wusst wohl, die Wund liess
sich nicht ohn weinen heilen. Wolauff mit reichem schalle, Ich weiss mir ein
Gesellschaft gut, gefallt mir vor anderen alle, Sie trägt ein freien Mut, Sie
hat gar kleine sorgen, wohl umb das Römisch Reich, es sterb heut oder morgen, so
gilt es ihnen gleich. Gehabt euch wohl zu disen zeiten, freuden voll seit bei den
Leuten. Paule liebster Stallbruder mein, Wisch ein mal herumb, lass dir das
Glässlin befohlen sein, Rumm, Rumm, wider rumm, Ich bitt dich all mein Lebtag
drumb, Wisch einmal herumb. Hie Cuntz Löffelstiel, hie diesen Spül. Ihr
Nasennetzer, trincket den Wein, den guten Moscateller, die Frau hat den Beltz
verbrant, Er kostet nicht drei Heller, Trinckt ihrs Latznasse dess völler, Es ist
noch meh im Keller, Holla mein lieber Stalbruder, Nun hör mir fleissig zu, Ich
lig auch gern im Luder, Hab tag unnd nacht kein rhu. Den Becher nimm ich jetz zu
mir, du sichst er ist schon voll, den will gewiss ich bringen dir, Soll dir
bekommen wohl. Da hub er an zu trincken, Den Becher halber aus, Ich meint er wolt
versincken, Erst kam in mich ein grauss, Doch war der handel nicht so schwer, Es
stund noch zimlich wohl, der Becher der war worden lähr, Den ich hat gsehen voll,
Dem will ich einen bringen, der an der seiten sitzt, Wie kann ichs als
erschlingen, Ich hab fürwar ein Ritz, Doch will ich von dir wissen bald: Was
gibst mir für ein bscheid, Wilt den Becher gar oder halb, Zeigs an bei rechter
zeit. Was wöllen wir mehr haben, den Schlafftrunck bringt uns her, Von Lebkuchen
und Fladen, unnd was ihr guts habt mehr, die Specksupp lasst uns kochen schier,
Es ist grad rechte zeit, Ich glaub es hab geschlagen vier, Der Han den Tag
ankrät. Das Liedlein will sich enden: Wir wöllen heime zu, Wir gahn schier an
den Wänden, Der Gluchssen hat kein rhu, Ich dürmel wie ein Ganss herein, das mir
der Schedel kracht. Das schafft allein der gute Wein: Alde zu guter nacht.
R.S.M. Geb euch ein frölichen morgen, Ist keiner hie, der spricht zu mir: Gut
Gesell der gilt dir, Ja lieber Dölpel, Ein Glässlin Wein trei oder vier: Ist
Hunds zum Bier, der Keller ist gefangen, der Koch der ist gehangen. Ist Hunds,
der Benzenauer sprach, Ist Hunds: wa habt ihr geschlaffen, daheim oder sonst an
eim ort, Ist Hunds, O lami lam vih. Bistu der Hänsel Schütze was ist dir dein
Armbrost nütze, wann dus nicht spannen kanst, prim, pram, prim, prom, pram, da
giengen die Glocken an, prim pram: Was prim pram, vom Morenstamm: Friss auff unnd
scheiss es wider, das bringt das verloren gut wider. Wir zwen lieben, euch zwen
Dieben, wir zwen frommen: wartens von euch zwen dummen, dummel dich mutz, O
Morenwadel wie sauffst dich so strack, wie ein Wollsack: Sehe wie siehst, wie
ein Kätzlin das niessen will, Hei wie sichst du so rot, wie ein Kätzlin am
Bauch, Ich süff dich tod, unnd wider lebendig, Ich wolt dich inn ein Stro
sauffen, Ha du sauffst an Galgen, deiner neun fress ich zur Morgensupp, Ach nicht
halb so wild, stundst heut gesund auff, was ist dir jetz geschehen? bistu hön,
so mach dich von der Wand, dass du berämst kein Hand. Holla, das Maul zum Arss,
man blasst auff, blass mir inn Aermel, kuss mir den Elenbogen, ich hab den Arss inn
Ermel geschoben, spann die backen, und schiess mir die Zung inn Arss, biss ich mag,
der Teuffel soll dich lecken, der hol dich, der nem dich, der zerreiss dir das
Fidle, der hol dich inn der Senfte, so zerstossst kein Knie: O ihr Weinesel, O
Schweinkuntz von Morenfeld, O Säu Jost, wie schmackt der Most, jetzt wers
zubrauchen auff der Post, Aus die Kant an Kopff: Sih Zettenscheiss, rüch, wie ist
mir dahinden so heiss, dass dir Paule Krebserle das Loch zerreiss, da beiss, zünd
mirs Haar im Arss an: was darffs der Mäuss, Mein Schwester ist ein Bierfass, sauff
ihr die Heffen aus dem arss, Mein Arss ein Kalbskopff, friss du das Hirn, Meiner
ein Saltzfass, sei du die Geiss: Hui Unfleter, O Hundsfliegen, Küsskul Kelbertate,
leckt Schmaut im Hünerhauss, Wie? soll ich hinaus, Botz hundert tausent Elen an
enden, ich wags so dürr als im Sommer, die Schneider zum Arsswisch, Ich fress dich
sampt deinen Läusen, Fang hinden an, so hast den Senff zum besten, Hoho Narr,
wilts Kind beissen, wie? woltst ehe du kieffest schmeissen, halten ihn, halten
ihn, Man wird mich wohl halten: Herauss bist Mans werd, da wöllen wir einander die
Seel auff dem Pflaster umbjagen, unnd solt ich zehen Marck verschlagen: Ach du
blöder Hasenkopff, O Muffmaff, dat dir hundert tusend Tüffel in de Liff fahren,
Hei dass dich der Teufel zu Schilttach hol, so sitzst auch wohl, hei der hol euch
beide, so haben wir friden. Ich hab auch des Krauts, Rausch wider Rausch, lass
mich machen, ich hab Haar im Arss, Hui, hui dem Ofen zu, zur Stub hinaus: Hie
ligt er im Treck inn aller Saunamen. En iacet in trexis, qui modo palger erat.
Wie ein geschlachtes Bürstlein. Das Wetter ist fürüber, der Wein ist uns dest
lieber, dass er die Köpff so wunderlich schöpfft und töpfft: Was soll ein Mann,
der nicht mit eim rauffen und sauffen kann, Idi hau eben so mär mit eim, als ich
mit ihm sauff, darumb heiss ich Schramhänsslin, mein Vatter hett nur einen arm, so
hab ich andertalben: Aber ich iss mein Teil ungeschlagen, ich auch, wann ich
mich genug mit eim überworffen hab: Idi will lieber mein Gelt verzechen, als den
Herren geben und den Fürsprechen. Wolan hin ist hin, Leget euch inn die Sach,
mit den Elenbogen ins Kaht, stupffet ein, sprecht nach, dass ihr wolt zufriden
sein, was der Richter spricht, euch wegern nicht: Lang den Richtwein, die
Richter haben sich gesetzt, Wer den andern hat verletzt, Lang dem andern das
Detzlin, Und bring ihm drei Gesetzlin, Uns auch auff den schaden, Zwölff Mass
Wein und zwölff Fladen, So seit ihr aller Ansprüch entladen. Ha volle wohl, wir
bedancken uns des Urteils, hierauff gilts drei auff eim Stiel, was geht auff
drei Beinen, die vier dran, bin unerschrocken, fährst an kein Stock, Wer nun ein
Huderbutz will sein, der verschwer den Wein, stopfft noch eins ein, Iss
Furtzknecht, Wirtsknecht trag auff, das ist ein Neuer Weinkauff, Es gilt mir
mein teil mit, HerdSu, HerdSäu, wir haben erst die erst Mass, Schenck ein, dass
ein Müle treib, Bring Brot das überbleib: Gelt das nimmer bleib. Ich süff jetz
das Mör aus, wann mir die Wasser auffhieltest, die drein lauffen: Lass uns diss
Bier mit Schüsseln aus der Melckgelten schöpffen, unnd es bei zehen Schüsseln
zusauffen, Gelt es schmackt wohl über nacht auff dem Mist, liebe Schlucker
gaudiamus, der Elsassbachus lad uns auff ein neus, Secht wie rauscht der Wein,
wie trabt er herein, das kann mir ein Hertzensafft sein, O Hertzensälble zur
vierten völle schmackst erst wohl, O Erdenblut, O Leberfrist, mein Lungenschwämm,
du heilige abwäschung meiner Kleider, O Kragenspülerle, Stirnstosserle,
Zungenbädlin, du Fussfiderer, du Vettelnkützler, du Bettlerbett, Ach Himmeltau,
durchfeucht meins Hertzens Au, du bist doch solcher Kindbettern fünft essentia,
du mein liebes Rebenbrülin, mein Banckpfulwelein, Gumenkitzel, Netz den Gaum,
Meienreglin, Herbstmellin, Aprillenbädlin, Widergrün: Wend unmut, Wintermeien,
du mein Triackers, in summ, in Vite vita, inn Reben steckt das Leben, Ich werd
allzeit feisster im Herbst wie die Wachteln: das weiss hie mein Nachbauer
Bonenstengel. Gelt es kost dich die Hand wohl etwas: Gewiss du hast keinen Zan im
Maul, er kost mich hundert gulden: genau gerechnet: Mein Knabatz bring uns ein
Poetenseidle, Ede, bibe, lude, nach toden nulla wolustas: sauffts, spielts,
hurts, seits nur nicht Lauterisch: Vivite, Winwite læti dum fata sinunt, Saufft
euch satt, weil mans gestatt: morgen wird mans verbieten: dann den Herrn
schmackt der Wein nicht mehr: Ja, ja, er schmackt ihnen nur zu vil: daher ihr
keiner es verbieten will: het ich so lang gelt zu zahlen. Empfangt zu danck, was
die gegenwertig stund schanckt: Jetz empfangt, was sie jetzt langt, du bist des
mornigen tags kein Herr: wir seind einmal geboren, das andermal will mans nicht
zulassen. Nun linque severa, lass die Rahtsherrn ernstschaft sein: Was morgen
geschehe fuge quærere, darnach sei dir nicht weh. Nun ist bibendum, nun pede
libero zuträppelen tellus, unnd zu Läppelen häl us, wie man schreibet in
Tabernaculis rusticorum, im Land zu Sachsen, ca: ubique, inn altiquo muro, mit
weissen Kolen, Sauff dich voll unnd leg dich nider, Steh frü auff, und füll dich
wider, So vertreibt ein füll die ander, Schreibt der FronPrister Arslexander.
Ecce wie bonum unnd iocundum wa die Brüder zusamen tun, und werffen den Abt zum
Fenster aus. Dann alsdann completum est gaudio cor nostrum, So waschen wir
unsern Schnabel im Wein, unnd lingua nostra in exultatione, und singen mit
wonne, Kein besser freud auff Erden ist, dann gutes Leben han: Mir wird nit meh
zu diser frist, dann schlemmen umb und an, darzu ein guten mut: Ich reiss nit
sehr nach gut, als mancher Schabenkäss tut. Ich lass die Vögel sorgen, in disem
Winter kalt, Will uns der Wirt nit borgen, Mein Rock geb ich ihm bald: das
Wammes auch darzu: Ich hab noch rast noch rhu, den abend als den Morgen: Biss dass
ichs gar vertu. Steck an den Schweinen Praten, dazu die Hüner jung: darauff
wird mir geraten: Ein guter frischer trunck, Trag einher külen Wein, unnd
schenck uns tapfrer ein: Mir ist ein beut gerhaten, die muss verschlemmet sein.
Trei würffel und ein Karten, das ist mein Wapen frei, trei hüpscher Fräulin
zarte, An jeglicher seiten trei. Ich bind mein Schwerd an seiten, Und mach mich
bald davon: Hab ich dann nit zu reuten, zu fusen muss ich gohn, Es kann nit sein
gleich: Ich bin nit allweg reich: Ich muss der zeit erwarten: Biss ich das Glück
erschleich. Hieher Frau Wirtin, trinckt eins für euer Irrtin: Geltet ihr
Fronecken, welche nit gern spinnen, die geben gute Wirtin? Ja scheiss hast nit
geschissen, jedoch seit willkomm ihr hüpschen Gäst, wer hat euch dises Jar
gemäst? Du wüster wust, dass dich der Ritt, in die Knoden mit deim greiffen
schüt, Ich weiss wohl wo mir hin solst greiffen. Daselbst hin solstu mir auch
Pfeiffen. Ey pfeiff Ludy Säuburst, der hat ein wüst maul. Hui annen, hui annen,
Lerma, lerma ihr Hofleut, sagt der Teuffel, ritt er auff der Sau, hie zum
Hoffannen, zu des Philoxen Nebelschiffs Segel, zum Kranchskragen, da last uns
das Läger schlagen, allein sauffen ist Viehisch, In dem Land kann ich nicht meh
bleiben, der lufft tut mich in Schlauraffen treiben, drei meil hinder
Weihenacht, da seind die Lebkuchenwänd, Schweinepratentröm, Malvasirpronnen,
Bachschnittbach, Bachfischbäch, braune Füt auff dem Deller, Eyer im Schmaltz für
Hartz und Gummi da die Taubenschlag mäuler gepraten Wachteln fangen, die dem
Bauern über Nacht im gesäss geruhet haben, da der Milchramregen, der Zuckererbsen
Hagel, der speisold, unnd schlaflon regieret, O der Pratwürst Zäun, honiggips,
fladendächer, welche die Weinhelden vorstürmung des vollen Bergs sehr
verschantzen, Ach des guten Herrn von Weitloch der da blib, in Pintersleben
natus, Hans Raumtasch sic vocatus, Omnibus war er gratis, quia bipsit in
charitatis. Was? ich nem ein Kutt, und versuff ein Kloster, Hiha Farghans, Mir
zu als einer Ku, Ich wart sein, als ein Schwein, Halb als ein Kalb, Gantz als
ein Farrenschwantz, Ist gut Bir, Es gilt dir, liebes Tier, Ein stubgen oder
vier. Ach wie tauflos gut Kunden, Nun cantate canticum aus der kanten, dass die
noten auf die Erden fallen, pfui wie rauchen die kleien, Fress du die
Schweinfedern, Pfei der Lucerner Psalmen, Lang her die Bückelhäring von der
stangen, Nach der Specksup hab ich verlangen, sonderlich wann man
Kertzenstümpfflein drein stosst. Den Gumpost her inn Essich geplotzt, die
Butterbüchs her, Rostig Häring aus der Tonnen inn Essig gezwibelet, Mir
Pfirrsichkern, Gib einen Kappen, einen Trappen, und vier Klappen, dass wir die
schnappen, aus einer Baierischen gemalten Schussel, die uns ferbt den Trüssel,
auch feisste Gänss, gut gedöns, Gut Most aus ungefügen Krügen, Trincken dass ihr
sincken, hincken und zersprängt die rincken zu diesem schüncken, Nun glincken,
nun gläncken zu den Bäncken, lass einschencken, biss wir an durst nimmer dencken.
Vom Früstuck soll man gahn, ins Bade dann, da lasst uns reiben, von schönen
Weiben, unser kurtzweil treiben. Sich Baderin Kett, bereit ein Bett, darfst
nicht sorgen, umb das borgen, wir borgen gern alle morgen, morgen machen wirs
eben wett. Nun ihr Trabseck wider zu dem Mostikosti, dass niemand nit rostig,
wisch, wesch, tisch, tesch, Pring frisch Fisch zu Tisch, im Pfeffer heiss, auch
Nonnenscheiss, Hirschen hinden, wir verschlinden: will jeglich Knab, dass er hab,
zwölff Cappaunen, elff Castraunen, Grosse Praten, lang als ein gaden, zwölff
Pariserelen, die quelen, würst lenger dann ein spärpraten, von Ochsenbügen inn
Kolen,Han unnd Hennen, von der Tennen, zu dem spiss: das was erschis, bereit den
Mannen, inn der Pfannen: die Beirisch schlannen, wir fressens dannen. Wirt hast
nicht ein volles Kar, Gar schmutzig klar, sultz von Ochssenfüsen: da mag ein
trunck füsen, Pring Wampenfleck, das etwas kleck: Auch Haupt unnd Zungen, Leber
und Lungen, Käss und Magen: durch den Kragen: Noch sind wir nicht voll: Dirn noch
drei tutzend Regelpiren hol, die legen wir ein, darnach in Wein, lass uns
fressen: Als die Hessen: unnd nicht vergessen, Gross trünck inn Pässen, lass
frölich leben, umb hingeben, oft auffheben, von den Reben: Nun kröpffen: Nun
schöpffen, den Osterwein aus hohen Köpffen. Wirt hast nit ein volles Fass,
dasselb anstechen lass, Wir wöllen zechen bei der Glut, darzu seind Kitten unnd
Kästen gut. Dises räumt Seckel unnd Täschen, dass uns kaum bleibt die warme
äschen. O du hockst wohl zu Tisch: Das macht ich hab auch auff der Rebleut Stub
zu Bennfeld promoviert: Ja mit bestossung und behobelung der Stegen: Ha, das
schad nichts, es vergeht mir wohl biss ich ein Frau nemme: Wanns nur alles wohl
bestellt ist, dass wann der Wirt einen die erst Steg hinunder wirfft, ein anderer
ihn flugs die ander auch hinab los, und der Haussknecht ihn gar zur Türn hinaus
stoss. Hei, also verdient man die Irrten, darauff stoss ich dir den zu: Besser diss
zugestosen dann ein Geiss, Pfui. Es gelt mein Alte, Warumb nit, wir haben je
gewett. Gelt der Wein ist im Bett über alle Glutpfannen, da sticht einen kein
Flo, wann man ligt im Stro. Itax ist kein Mistgawel, das Kellerlich eingeweid
ist mein freud, mein Deckbet, mein Wolffsbeltz, mein Nasenkap, mein Handsocken
unnd mein Fussschuch, der sterckt das Hertz bass, als neunfach Korallen und
Agstein körner, der streicht ein Färblin an, errichit socium den dillichit
uchsor, der bleibt wunderlich frisch vom Mör, welchs kein Wasser tut, wann es
schon aus Capaunen geprent wer. In summa er hat meh tagenden, als ein alt Weib
Zän im maul. Aber einen Mangel hat er: der gut ist zu teuer, und der saur zu
geheur, Also dass dieser der meim Magen all Krafft verleucht, derselbig meim
Seckel all safft entzeucht. Domine Phisiguncke ist nicht ein gemeine Regel,
treimal ober Tisch getranckensei das gesundest, mehr hab ich nit gelesen: Nein,
Nein Marce fili, du hast den Cratippum nicht recht gehört, das Buch, so gelesen
hast, ist falsch verkehrt, Im abschreiben ists versehen worden, drei für
dreitzehen. Ey studier morgen. Scheib du mir disen mit beiden henden unnd allen
Zänen zu: Huy scheib, schalt, wie eins Kerchelziehers Frau, die den arss
verrenckt. Hie hie Bässlin Trein, Röste mir diss Bisslein zum Wein, Pa Po geröst
Fürtz in der Schafschellen. Ruckt zusamen ihr Knospen, Ich gehör auch an den
Pfosten, sagt der Dib, dir lib, zu eim gespickten Galgen. Was truckst den Käss?
es gehn vil gut Schaf in einen engen stall, Ich wolt nit dass ich allein im Himel
wer, Hett unser jeder im Paradis so viel raum. Wer wirfft mit mir inn die Höll.
Hei bestettig dir dein Ehr lieber Son, das Weinschencken steht dir wohl an, das
dus lang mit freuden treibst, wie das Kindheben zur Gevatterschaft: Solcher
Vätter hab ich viel am Galgen. Villeicht auch vil Brüder Ist dannoch war.
Weinschencken ist ein gut handwerck, wie Honig machen, dann die damit umbgohn,
bekommen allzeit ihr Partickel davon. Hui störtz den Becher, Gödecke Michel, da
hat der Teuffel ein gleichs geworffen, Gelt Raumsattel, mein Schitdensam. Last
uns eins toppeln, der minst ist Knecht: es glückt bass, wann ich mit singen darzu
Pass: Sechs unnd siben, haben mich vertrieben, aus meinem gewand, das tut mir
and, eins drein, Botz Velten zwei drauss, Halta schau, da komt Quater dauss, ja
sechssen machens ganz, das ist eben mein schantz: Nun ein anders, dir wässerts
maul, Nein, es Weinelt mir: Mir saugcrts, darumb hört zu ihr Gesangrichter inn
der schönen Trinck oder Singschul: sitz ich schon auff keim hohen Stul, so
darffs ich auch nit so hoch anfangen, nun es gilt die Kron. Hilf dz ich frölich
bin, das macht allein der gute Wein, der tut mir sanft einschleichen: Er
liebt mir ins Hertzensschrein: von ihm kann ich nit weichen: ja weichen: Und
wann ich zu dem Wein will gahn, so muss ich ein par batzen han: das ich die Käl
tu schmiren, Es ist ein guter sanfter Wein: Er tut mich oft verführen. Wo
ich bei dir sitz über Tisch: So machst mich also frisch: dz ich heb an zusingen,
und wa ich bei den Gsellen bin: So tu ich ihn das pringen. Ach Wein du
schmackst mir also wohl, du machst mich dick auch also voll: das ich nit heim kann
kommen: So fangt mein wunder böses Weib, daheimen an zuprumen, ja prummen. Ach
Wein du bist mir viel zu lieb: du schleichst mir ein gleich wie ein Dieb: drumb
lass ich Vöglen sorgen: Kein Wolff frisst mir kein Ku noch Kalb: und solt er daran
erworgen, ja worgen. Hei die Truncke metten die lasst uns hertretten: Er sinckt
schon auff die Banck: Urbans Plag macht ihn kranck: und machts nicht lang: Bei
diesem Gesind: Da trinckt man geschwind: Arbeit langsam unnd lind: der Wirt ein
groben Bass zustimpt, so ist es jetz das allerbest: der Wirt ist völler dann die
Gäst: im kropff fengt er zu dichten an: ein compositz kann niemand verstan: Er
dunckt sich weiss unnd wohl gelehrt: die noten wirfft er wider die Erd: Dasselb
ein halbe stund wohl wehrt: Er madits so krumm, unnd spricht kurtzumb, Wer kert
mirs Pultpret umb: So ist doch das ein edel gesang: Er käut es hin und her im
wang: Sie singen Noten klaffter lang: der dicken singens also vil, und schiessen
unbillich zum ziel: In eim Suspir, Pringt ers herfür, der Haussknecht kehrts bald
hinder die Tür, oder vom Tisch: mit Flederwisch: das Gsang das inn den Gsellen
steckt: Gar übel inn der Stuben schmeckt: Es macht ein Plüder: laufft als über,
der Haussknecht kompt mit Kessel und Zuber: und kehrt die Noten one zal, under
dem Tisch und überal: Oho das sind grob noten, Sie haben lang inn euch gesotten:
Herauss mit dem Butzen, halt den Kopff dem Utzen: halt dem Aderlässer das Becken
under. Jetzund trinck ich nur des meh: Es gilt Capias tibi asine, Wer ein voll
macht, auch billich leid, dass man ihm in den Busen speit. Man muss hie keine
Stillmett halten: Sonder im getümmel als zerspalten: Nun zuck den Bande: Nun
wirff den Stul, schrei Ketzer inn der Judenschul: die Kanten zu dem Kopff
gestochen, den Tisch umb: Gläser all zerbrochen: das Liecht aus: Laust einander
das Haar, dass wir den Judas jagen gar. Wolan der Wirt ist auch behend, Er nimt
die kreid inn die Händ, zeichnet den unlust an die Wänd. Holla halt frid ihr
Biderleut, wer schaden hat der trag ihn heut: Morgen sols ein vertragwein geben:
So heben wir an das heutig leben. Ein Kotzschilling, Ein Kotzfärlin: wolan nun
führet einander heim, secht wie der kugelt dort im schleim, und hat die noten
noch im Bart, wie wirt ihn sein Frau küssen zart: wirfft uns der Wein schon inn
treck nider, Gehn wir doch morgen zu ihm wider: Hieher ihr unfläter, es soll
noch diesen ständlingen gelten: Ach es gibts Podagram: da nimm disen und
schwencks Maul, ach die Zän seind mir zu scharff, mich brent der Sot, Da iss für
Johansbrod diss Ränftlein brot. Oho schmaltz, das ist hinein gejuckt. Hieher
setz dich neben mich, ich sing dir eins biss diss dännlein ausspfeiffst. Mein Tag,
kein zag, Bein Gsellen was, darbei ich sass, den Abend als den Morgen frü, da war
kein rhu, Allein trag auff, zett nicht: Lauff bass: Schenck ein das Glas: Tu
bescheid: Bei meinem Eyd: Ich hab dirs Pracht: ohn allen Pracht: Ey wie muss ich
des Wundenlosen guten Gesellen lachen: Gott grüss fromme Landsknecht: Wo sie
schlaffen oder wachen. Lang her Korallenwein, Bibe, oder abi, wie sauffst so
gählich wie ein Hund aus dem Nil: Hie den Willkomm, Es steht in guter hand, Ach
die bein wöllen nicht meh tragen: die Sonn will ihren schein versagen: die Zung
geht auff Steltzen: Sie stottert, der Kopff schlottert: Jetz wir inn den
Säustall gahn, unnd raffen den Sau Utzen an. Was Utzen: Lass uns gen Fach fahren.
Setzt einander recht zu: wie viel trinckst auff disen Hennenpörtzel aus: Siben:
wer will meh geben? Ich nit, ich hass das Ganten, dann es manet mich an die Gant,
da man mir vergant, allen Haussrhat und gewand: unnd liess mir auch an der Wand,
Nit ein Kräusslein noch ein Kant, darin ich doch manchen trunck fand. Den will
ich dir darfür inn Busen schieben, den in Ofen schiessen: Verfehl des Mauls
nicht, und treff die Nass: Ich kützel dich: Ich lach noch nicht: Eyns auff den
Becher: zwei fürs Maul: diesen dass das Glas kracht: den biss die Augen
überlauffen: Biss der Atam zu kurtz wirt: den wöllen wir pleichen: Trincks in
die Zänn: du must ihr sonst trincken neun: Ein weisse Hos, zu der Mum unnd Goss:
Es gilt dir inn eim schmertz: inn schmalen Zügen: Hie diss Kleplatt zu sampt dem
stil: Den Murlepuff: auff einer Guff: Ein Küsuff das nicht sitzest nider, Man
heist dich sonst auffstehn wider, sine ponere: Ein Katzentrunck: inn eim funck,
du hast ein stumpff Messer, das aus der schönen Westpholischen Krausen kein
Funcken kanst schlagen. Ja das macht, ich hab gester die spitz abgebissen unnd
gefressen: so frass ich gester ein halb glass, het ich treck darfür gessen, es
bekäm mir bass. Nun inn eim gang, ein Andreskreutz: Armgeschrenck: In Floribus:
Mit trei worten, Auff der Post, dass dein nächsten stost, Auff Hofrecht, Mit
Koppen und Pfeiffen, Auff Weiber schlagen, Aus der Arskerben. Hie die vier Eck
der Welt gesucht, die Rossmül getriben. Beu Männecke beu, Mit Nesteln einander
zusamen geknipfft, das heisst complier, die Wamstknöpflin sind aussgezelt so viel
hab ich eingezehlt und hinein gequelt: Sich da, du bringst ein neu Paternoster
an zehlung der Burgerssön auff. Den Gürtel auff, lass dem bauch seinen gang wie
ein fromme Frau. Also recht zwen aus eim Glas, das heisst Jani stirnschopffige
für und hindersichtigkeit. Sich da, wie greiffts der so hoch an. Ich sih den
Hirtz springen aus dem Wald, unnd trincken bei dem Pronnen, du siehst er ist
aussgspunnen, Nun tu bescheid unbsunnen, Wir haben Bauch wie Tonnen. O Gott
behüt den Wein, vor Hagelstein, unnd treff den der die Mass macht klein, unnd
tut Wassermilch, Eyerklar, Saltzspeck, Senff, Weidäschen unnd Tropffwurtz
drein. Pring uns den firnen, den Kehrauss inn der Stirnen. Ach wie verwund von
des Kellers Geschoss, die Farb zeucht mich wie der Magnet, das ist der
Johanssegen. Ey lieber mein, mach zur letz uns das, es geht gar wohl, du weist
wohl was, zeuch die Geig aus dem Sack, oder nem die Sackpfeiff strack unnd mach
uns den Tutelei, den Spisinger unnd Tirlefei: Wolan so gehts. Den Esel will ich
preisen, Ist aller Säuffer Fürst, der Pastor kann uns weisen und pfeifft uns wann
uns dürst, führt uns auf saure Weiden, den guten er selbs fasst: unnd solt er
mirs erleiden: ich lüd ihn nit zu gast. Hehem, der gumet, O treinche, wie ein
Weiche, da, da, die Kleider aus und darauff getantzt, Hei das sind schöne
Weinkälber, ja Weinkälber: Trara Trara Trantrara: Nun springt hinüber: Hei hei
das sind Kropffstöss: das ist Jägerrecht: die Füchs nur dapffer gestreifft: wer
kaufft disen Fuchsbalg: leg du ihn über: er stellt den Kaltenseich: Hodrihein,
hinnacht nimmer heim: sonder henckt die Sonn an den Moh, die Nacht an den Tag,
die Tisch aneinander trag, heiss heiss wie sticht die Sonn. Der ist im
Narrenhäusslin tu quoque mach simile: hie fesselt man: hie kesselt man: Und die
den Wein verschütten werden: lecken ihr teil von der Erden. Das walt sie der
Vatter: der Son trinckt: das walt sie der Teufel: solcher Son ist sein on
zweifel. Pfui aus mit dem Küpfferling: der Schwaben willkomm: Giss auff der
Mördel muss begossen sein. Schenck ein aus aller Heiligen Fass: das heisst den
Magen eingebejetzt: das heisst geeicht: Das heisst dz Schiff geladsandet. Trüncken
meine Schulzedel so wohl: als ich: meine Schuldgläubiger würden ihren Wein wohl
haben: wann es zur Ausshibigen formel kern. Du hebst zu hoch auf: Die hand
verstellt dir die Nass. Es pricht dem Gaul die Gürte: wann er im seichen Wasser
schwimmen soll. Unnd wer im seigen Weinbad zerstosset die Zung: mein Schinbein
sind mir lieber. Was soll dz Spinnhäflin, darüber man das Leistenmaul zerspannt.
Ein gross Torcular Pocal her: ein Trottpot, ein Keltergelt: da ihren zwen zu
beiden seiten die Lefftzen wie Kornseck einzuschütten spannen: ich sauff durch
kein Strohalm noch Federkengel, es sei dann Most aus dem Fass: Das heisst mit der
Flaschen gelockt. Was underschids ist, audi Provisor, zwischen Flaschen:
Angster: und gutteruff? Grosse, dann die erste sind eng geseckelmeulet am
Mundport, der Kuterruff am Weidengewundenen Kranchshals. Aus dem Angster muss
mans mit engen Aengsten wie die Balbierer ihr Spiccanarden und Rosswasser, heraus
ängstigen, wirbeln: Türbeln: Türmeln unnd gleichsam betteln: O es macht blöd
Köpff unnd übersichtig Augen. Ha bon, gebt ihm zutrincken, dass ers Probier. Nun
Gurgelguttere dapffer, Spitz das schlehenmaul, Secht wie schön der geschnäbelt
König Gutterschnatteret, Er hat ein besser hand zu Angsteren: undergäbelet ihm
den Kopff, er wird sonst zu windhälsig vor angstigen Angsterwirbelen. Lass dir
nicht grausen, ich süff dich dass du neunerlei Treck schissest, wie ein Leidhund.
Wilt dem vom Bach nichts entbieten, diser geht hin den Schwelckendarm zuwaschen.
Ich sauff wie ein Tumbher, Ich wie ein Tempelherr, unnd ich tanquam sponsus. Ich
tanquam terra sine Aqua. Noch kann ich mit der Labirintischen Krausen nicht
fertig werden, es hat ein häcklin, ein heimlichen gang. Nein es hat ein
heimlichen spiritum. O Meister Titus Cimmermann, der so subtile Spänen von eim
Säutröglein hauet, legt mir disen ein, Eingelegt Arbeit hab ich gern im Keller:
Weinschröter könnens am besten. Sihe Ernte kikeronis, Illuseras heri inter
scyphos. Ja ja Tityre du plazars, reck den schwantz sub tegmine Küschwantz. Ille
ego qui quondam, Kannen Vinumque cano Botz guckauch, jeder seh zu seim Seckel,
die Sprach will sich ändern. Nun sechs zinck, weldis eh kompt der trinck. Nit
ein meit, sonder was der Würffel under dem Becher geit. Sih Judengeschlecht, was
hast für Schwefelreiff an der Brust. Eben so mehr inn die Höll getrabt als
gegangen: Aber der von Prandenberg, unnd Durstlingen wonen allzeit drinnen, unnd
welchs das ärgst ist, man kann kein Lazarum mit eim nassen finger da antreffen.
Wend ihm diss Stundglass umb, wann er will Predigen. Ich sauff dich, Ich tauff
dich, Ich rauff dich, Seh wie dir die Stieraugen spannenweit vor dem Kopff
ligen, jetz sechst ein weissen Hund für ein Müllerknecht an. Ein schuncken
Synonimon? ist der Säufer Senff, der Weinschwein Locknuss, Kübelnuss, ist ein
schlauch, ein trächter, durch den schlauch lasst man ihn inn Keller, durch den
Trächter inns Fass, durch den Schuncken inn Magen. Holla hieher zutrincken.
Sauffen her: Das ist nicht gewichtig, das mag nichtss erschissen, quid hoc inter
tam multos? Bei der schwere, respice Personam, Pone pro duos bus non est in usu.
Wann ich so dapffer auffstig, als zu tal lass, Ich wer lengst hoch im Lufft.
Also tat ihm Gackele Mutrich, Also gedäut es ihm ersogenen Erdrich. Also gewann
Bachus Indien, Also die Philosopbi oder Weissheit durstige Melindien. Ein kleiner
Regen, mag ein grossen Wind legen, lang Läuten pricht den Tonner. Hieher sauff
auf Cananeisch. Wer sich nicht vollsauffen darff, hat endweder ein böse  stuck
getan, oder wills begehn: Aber wann mein Trommenschlegel solchen pruntz geb,
wolst ihn auch gern saugen. Saug ihn des Pfisters Magd, hat ein gross loch.
Knabatz gib her, Sörfel ihn aus Willot, Füllot, Es ist noch meh im Pott, Ich
trancks etwann gar aus, Jetz lass ich nicht drinnen, Es ist kein eilwerck,
verdingt pringt weilwerck, Es ist noch kein Khu auffgeflogen. Sih da
freudenkutteln, unlustnudeln, Lasst uns ihn strigeln dem Zeug zum besten.
Trincket, oder ich trinck euch, Nein, Nein, trinckt, ich bitt euch, die Spatzen
essen nicht man streich ihnen dann den Schwantz, die Kelber lauffen nicht man
trähe ihnen dann den Wadel, unnd ich sauff nicht man schmeichel mirs dann ein,
unnd schertz mir ihn ein. Lagenaedatera, hieher, was Glas heben und geben kann.
Es ist kein Königlin Nest noch irrgang in meim ganzen Leib, da dieser Wein
nicht den durst erfrettelet, ersuchet, durchforettet, Huronet. Geisel mir den
dapffer, der wird mich gar in bann tun. Plaset und Püffet mit Ledern Flaschen,
Maltzenlägelin unnd Gurgutteruffen, auff das wer den durst verloren hat, ihne
nit hierinnen such. Ihr seit wohl besoffen und wohl befrasst. Ja, ursach, Gott
schuff die Planeten, unnd wir machen die Plat nett. Federweiss unnd Erdflachs ist
leichtlicher zuleschen, als mein Erbsündiger durst von Mutterleib. Ich will dich
mit disem erjungen. Der gelust unnd Appetit kompt, sagt Angeston, allweil man
isst, aber der durst verschwind weil man trinckt. Ein gut remedi für den durst?
Ist ein gute heilung für den Hundsbiss, lauff allzeit nach dem Hund, so beisset
er dich nimmer wund. Trinck allzeit vor dem durst: so tringt dich kein durst
mein Hans Wurst. Da hab ich dich, mit disem opstecker will ich dich auffwecken,
Ewiger Keller behüt unser Kel vor ewiger kalt, und unser äugen vor
übernächtlichen schlaf. Es ist wohl angesehen, allzeit drei Keller zu eim Koch.
Argus hett hundert augen zum sehen, aber hundert hend muss ein Keller und
Haussknecht haben, wie Briareus, auff das er unauffhörlich unnd unermüdet zäpff,
schöpft, gewinn, hol, trag, ketsch, biet, stell, giss, schenck, füll. Aber diser
ist auff der Pleich gewesen, der Teuffel hol den Pleicher, Wirt duck dich, er
holt dich so bald als ein andern. Netz weidlich, es trocknet sich schön: Mir vom
Schiller. O Räppis, O Rebenbiss, der biss: Jung sehendes als ein: klöpff die Kann,
ein frischen. Schenck ein, schenck, das dich der tropff schlag: Mein Zung schelt
sich, meine Entenschnaderet, meine steltzet, Landsman trinck, trinck mein
Compan, Curasche, Boneschere. Allegremente, Io prinde à vostra Signoria, Hei las
min gurr gut Disch: gut lansequenet: gut Reistres. Hie gut Win Dorleans, von
Montflascon, von Arbois, da da da, das heisset Glockengossen das ist gestälet. O
lachrima Christi, das schmackt dewinisch. O des Edlen weisen Weins, und auff
mein prinnend Sei, es ist nichts als taffete Wein, unnd besser als Fin Englisch,
darumb führt ein taffeten mut: mit Carmesin verbrämet Hen, Hen, er ist
Ertzlöndisch, er tüchelet recht wohl, er ist an eim Or wohl betuchet, und am
andern guter Woll. Krach, krach, schlaff morgen zu nacht, Dises Spils halben
wöllen wir einander nicht berauben, Ich flih auch noch nicht: dann ich kann
Fickmülen unnd Rucken von einem Leger ins ander, Ex hoc in hoc. Ich will dir den
Teuffel im Glas zeigen. Ich will dich butzen, das wird eben Laug für deinen
Kopff sein, Streich mir solch Krafftwasser an: diss ist gewiss weiss kirssenwasser
es pringt mir die sprach wider. Es geht mit keiner Zauberei zu, ihr habts je
allgesehen: Ich hab sonst so ein gute stimm zu trincken und ich zuschlaffen: wie
der Pfarrherr ein gute hand zu predigen. Da bin ich für ein Meister bestanden:
das ist etwas mehr als der Nestler Meisterstück: die Wigoleisisch Abenteur ist
überwunden worden: wir kommen aus dem Vollenberg, zum Brum, zum Brum, Ich bin
Pfaff Matz. O der guten Schlucker: O der durstprünstigen Kunden: Wirtsknecht:
der Sat prent mich hinden: Lesch da: mein Freund fülls recht: unnd krön mir den
Wein: Ich bitt dich. Dann nach Autentischem unwidersprechlichem Cardinalspruch,
Natura abhorret vacuum. Könten ihr auch sagen, das hie ein Muck daraus getrungen
het. Ein Pornerischen schlurck: fein lange züg wie die Polnischen Geiger. Auff
Braunschweigisch: wie die Elsassbettler auff dem Kolberg: Feinsauffer aus: Suffer
Goldschmidarbeit: Nett: Nett: Seh im Bart klebt die Klett: wie Juppenbir Fett,
Nemm ein diss Pillulen: schicks hinab: Es ist Kraut: Es sticht nicht. Hehem: dem:
schlemm: recht: eh dich der Schelm schlecht. Der Wein ist genug aussgeruffen, man
wöll ihn dann gar über die Cantzel abwerffen: So kommen wir auff die Hochzeit:
Claudite nun Rüff us Pueri, sat prota biberunt.
 
                               Das Neunt Capitel.
Wie Gurgelstrozza in eben so wunder Abenteurlicher weiss geboren ward, gleich wie
                       auch war seins ganzen Lebens art.
Inn dem sie also im sauss lebten, unnd diss sauber subtil Zechgesprech und
Gesangzech vorhatten, fieng Gurgelschwante, die gut schwanger Frau an zukrachen,
und sich zu underst übel zugeheben. Derhalben sprang Grandgoschier aus dem Klee,
und sprach ihr tröstlich zu, vermeinend es wird gleich an die Bindriemen gehn:
Hiess sie sich under den Wilgenposch dort hin ins grass strecken, ob sichs
schickt, dass sie neun Füss von sich streckt.
    Derwegen umb tröstlicher hoffnung willen bald ein frisch kurtzweilig Püplein
zubekommen, hielt er bei seim Bürstlein an, dass man es auff ein neues anfieng,
da man es vor gelassen hat, lustig gut geschirr zumachen. Ein Schelm der vom
andern weicht, allweil Sonn und Mon leucht: Eyn Schelm der dem andern etwas
vergibt, und ihn nit lasst ausssauffen. Wer einen im trunck unnd spiel darff
betriegen: darff auch ein Statt verrhaten und seine Eltern verliegen. Diss Rumorn
geschach zur nachfolg der geburt Jovis, darbei die rasenden Corybanten auch ein
Cabirisch unsinnig wesen, jauchtzen, göln, singen, dantzen, getrümmel und
gedümmel mussten führen, auff dass der Kinderfresser Saturn, das ächtzen und
krächtzen, und das ruffen Iuno Lucina fer opem seiner Berekyntischer Frauen
Opsrhea im Kindergebären nicht hörte, noch vernem wann der jung herfür kriechend
Bastart Jupiter mit weinen und greinen den Tag anzännet.
    Wiewol nun ihren der Kindsgepfrengten Frauen das bauchgrimmen etwas ungewont
war. Gleichwol dieweil derselb schmertz nur ein kurtzer übergang, und die freud,
so bald hernach zu folgen pflegt, langwiriger und grösser, die alles vor
erlitten leid auffhebt, also das auch die Gedächtnis und erinnerung darvon nicht
überbleibt: Ja grösser freud als über eim gefundenen verlornen Schaf. Derhalben
liebe Gemahl, sprach er, frisch auff, lustig, lustig sie praten schon, Seit
künreg, Seit Kündegen, frisch auff umb die Schaf, die Bock springen. Helff uns
dessen ab, habe ein gut hertz, lasst den Bauch S. Velten haben. Machs auff ein
ort, so kompt bald ein anders fort. Ha, sagt sie, ihr habt gut sagen, Were dem
Fass der boden aus, Jedoch mit guter hilff will ich mich brauchen, unnd dapffer
bauchen, dieweil ihrs also haben wolt. Aber was geb ich drumb, dass er abgehauen
wer. Was? sagt Grandgosier.
    Ha antwort sie, wie seit ihr so einfaltig: Ihr verstehets je wohl. Ja ich
meints auch, sagt er, Du meinst mein gesellen? Bei dem Schneckenblut, gelusts
dich, so schaff mir ein Messer. Ach, sagt sie, bei leib nidit, verzeih mir, ich
meints nicht von hertzen. Aber inn ernst, ich werd heut wohl zu tun gewinnen, wo
mir das Glück nicht beisteht, Und dasselbig alles vonwegen einer Pflitschen, den
euch S. Sebastian Pfeil beschütz, welchen ein andechtige Frau, als er zu tieff
stack, etwann für etwas anders ansehe, Wolauff, wolauff (sprach er) Bekümmer
dich desshalben nicht mehr, und lass es die vier Ochssen da vornen schalten und
walten. Ich muss noch hingehn ein Fach ausszufüren, und ein Schnittlein weichen.
Wa unter des dich ein Wee anstiess, will ich bald bei dir sein, und inn die Händ
mächtig fertig speitzen.
    Über ein kleins hernach begunt sie zu seufftzen, zu echtzen, zu krechtzen,
zu hendwinden, zuweinen, zugreinen, zuschreien, zu scheuen, zu zitteren,
zuschaudern, zubeben, und sich übel genug zugeheben. Alsbald postierten die
Hebammen Säcklin herzu, trugen den Achgnesischen Babst her auff dem Agnesischen
Habetstul, mischt Schnittlauch, Bingelsafft, Hasenrennlin, Gichtkörner,
Gertwürtzlin, Natterwurtz, Nesselsamen, Quittenkerner, Pappelskässlin,
Balsamrauch, Magdalenenkraut, Basiliscendampff, Nepten, welchs sie alles zuvor
gebraucht gehabt: Aber in der höchsten noht stiess man ihr Magnetstein zu,
Trachenkraut, Adlerstein, Smaragden, Corallen, Sibenzeit, Nebelgertim, Camillen,
Eisenkrautwasser, Betonien, Hirtzkreutz, Helfantenzän, Büglin, Bibergeil, unser
Frauen eiss. Dessgleichen taten ihr gebür die Weemütter, aus vielen orten
erfordert, die ein hört beicht, die ander lass, die dritt bat ihr vor, die viert
hielt ihr das Mönchisch Kreutzstöcklin vor, die fünft als sie tastet, fand ein
fellwerck, eins zimmlichen argen geschmacks, und meint es wer das Kind, aber es
war nur das unden am end, welchs entgieng von der mollification und miltifincatz
des rechten darmes, welchen ihr den Wolffmag nennen, der sich also erzeiget, von
wegen dass sie zu vil Kutteln hat gessen, wie ihr hie oben verstanden.
    Derhalben zwo alte verrostete Schellen aus den beiwonenden Gevatterin,
welche für grosse Kuhärtztin und Alraundelberin geacht waren, und die ein aus
der Krautenau von Colmar, die ander von Wisensteig bei Ulm dargegabelet waren,
macheten ihr alsbald ein solch schrecklich restrinctiff, verstrengung,
einpfrengung und verstricktiff, dass es alle Brachäcker dabei verdorren, und wohl
neuntzig Küen hett vergeben mögen: Darumb auch alsbald der armen Kindbetterin
darvon gleich alle Däuchel, furen, runsen, klafegen, dolen und riolen
verstopflet, opilirt, vernagelt, und vermalschlosset gestunden, also dass ihrs
kömmerlich mit den zänen hetten erlargiren, erlassen, erweiteren, lassiren und
erditerichen mögen: Welchs dannoch schrecklich ist zugedencken, wann die
Zullspilenden Buben, so sies spil verlieren, zur straff den zweck mit den
schönen zänen aus dem treck müssen auf Niderländisch trecken und schlecken: Und
der Teuffei hinder S. Martins Mess mit weissen Rubenzänen das Pergamen, darauff
der alten Welschparlirenden geschnatterigen Weiber geschnader zucopieren, muss
wie der Schuster das leder erzerren, errecken, erstrecken, erdänsen und
aussdensieren.
    Diesem unfall nun zuweren, worden ihren gleich die Seitenwehr der Mutter mit
Hasenlupp bestrichen, auch gar erlassen und eröffenet, on den angebundenen
Naterschlauch. Darvon fing das Kind an zuerschrecken und erhupffet, und kam inn
solchem Auflauff in die kraus Holader, zabelet und grabelet daselbs durch die
langscheidige leibsleist, so lang biss es unter die Uchsen und Schulter kam, da
sich vorgedachte Ader entzwei teilt. Allda macht es nicht lang mist, sonder nam
seinen weg durch die Königliche Weinstrass zu der lincken, kam also zu dem
lincken Ohr heraus. Oho der weiten langen Ohren, darin der schwimmend Esel viel
Reiss voll Fisch het fangen können: darumb heisst er nit geboret, dann vom Vatter,
sonder eroret, das ist, von der Mutter aus den Ohrn geschüttelt: und ist warlich
eben so ein grosse ketzerei, wan man sagt, Diese Frau hat das Kind geborn, als
wann man im Elsass sagt, Diser Mann hat das Kind gemacht, drumb muss man ihm zu
Jar die Zunftvermehrungirrten schencken, dass er über ein Jar dest williger sei:
So mans doch viel mehr den Kindermachenden Weibern schencken solt, die sonst zum
handel unwillig sein. Aber wir wöllen bald ein Häringconcily drüber halten.
    So bald es nun erohret war, schrei es nicht wie andere Kinder Mie, Mie, Mi,
noch auff Herodotisch und Beccesalenisch Beck, Becke, Becken: (wiewol das gebäch
und die Wecken zu seim folgenden durstigen geschrei sich wohl schicken) auch
lachts nicht auff Zoroastrisch, dann es sparts nach der Physicorum lehr biss über
40 tag: Sonder raffet mit heller stimm zusauffen her, zusauffen, tosupen, und
bald hernach im andern ton, Tranck, trenck, trinck, tronck, trunck, und zum
letzten, Aha Baire, Bere, Bibere, Boire, Bure, als ob er die ganz Welt
zusauffen ermant, das ganze Supplingerland, Weinstram, und Tranckreich.
    Wann ihrs nicht glaubt, ficht es mich nicht an, aber ein Bidermann, ein
verstendiger mensch, glaubt allzeit was man ihm verkündt, unnd was er inn
Schrifften find. Ist es wider die Natur, wider den gemeinen braudi? Haha, hast
noch viel nicht erlebt, hast auch noch viel nicht gehört, die Gabelen sind nicht
all zweizinckig: Liss das Wunderbuch, liss Trallian von Mirabilibus unnd
langlebigen, Appolon, und Antigon von Mirabilischen Narrationen: du findst meh
dann einmal, das ein Baur ein Igel geschissen hat: dass man in Indien den Eseln
auff den ohren reut: dass einer auff eim halben Pferd, welches ein fallender
Schussgatter entzwei geteilet, noch etlich Meilen sei geritten, unvermerckt biss
ers gedummelt: dass einem Feldflüchtigen im Sprung über ein Zaun mit eim
Schlachtschwerd unversehrter füss alle vier schuhlümmel seien hinweg gehauen
worden: dass einer solchen starcken Brantenwein getruncken, dass ihm Nachts vom
Atem das Bett angangen, und wann er nicht ungefehr im Schlaf drein geseicht,
drinn verbrunnen wer. Aber genug, wann Urganda nicht im Amadis wer, was wer es?
was weren die Caballistische Bücher nutz, von den obgehülten der Natur und
Naturmachei, wann man nicht einen andern verstand darhinder sucht? Man muss nicht
bei einerlei Ovidischen und Liberalischen verformungen bleiben, die Legend muss
auch etlich schreiben, und wir auch etlich dutzend treiben.
    Aber was darff es der Mäuss, wann Katzen da sind: ich bitt euch,
stichelgrüblet und wannereuteret euere Mollenköpff nicht mit disen eitelen
gedancken. Was? ist nicht Bachus unser Landbruder dem Jupiter nah bei dem Gesess
heraus geschloffen, unnd aus der hufft erzeuget. Daher noch das sprüchwort
kompt, wann einer eim änlich sicht dass man spricht, Er ist ihm so gleich, als
wer er ihm mit der leiter aus dem Arss gestigen, der Pyrgopolinitisch
Rocketeillad oder Spaltdieburg vom Rogenstück, war er nit aus seiner Mutter
Fersen geboren? der Crockemuschisch Muckenkracher von Krichenknack aus seiner
Säugammen Pantoffel? Papentap aus seiner Grossmutter Schlapphaub? Finckenritter
im Lautenstern. Ja war nit Minerva inn Jupiters hirn durch orenöffnung des
Vulcan Achsst erzeuget? Erichtton der Atener König aus Volckans Schüttdensamen?
Adonis durch des Mirrenbaums rinde? Castor unnd Pollux aus den Eierschalen, die
Leda aussbrütet? der Sicilisch Ertzräuber Selvus aus dem feurspeienden Etna? der
gross Alexander aus dem Hammonischen Lindwurm? Goffroi aus eim Melusinischen
Mörwunder? welches Paracels für warhaft im Onomastico mit dem exempel der
geschicht des von Stauffenberg bekräfftiget: die ersten Menschen aus Pyrrhe
steinwurff? Cadmi gesellen aus Trachenzänen? der Engellendisch Prophet Merlin,
aus zwei bösen, eim Nachtgeist unnd eim alten Weib? gleich wie auch Plato aus
eim Geist und einer Jungfrauen soll hindersich kommen sein? und wie ein
Kartentäuscherischer saurer Laur, sampt eim Schneckenfresser schreibt, soll auch
der heut verrufft Luter von eim Auffhocker aussgeheckt sein: eben wie ein
Predigkautzischer Brieffmaler malet und dicht, das der Teuffel die Mönch von eim
Galgen hab geschissen, unnd den hindern mit Nonnenkutten gewischt: aber der
Socius machts zu grob, man solt ihm das Maul mit eim handvölligen Bauernkegel
wischen: der machts höflicher, der sie aus verlegenem Korn malet? Was sind nit
die Mirmidonische Völcker aus Aumeisen? die Gotier aus den Panischen
Waldwundern? Was? wirfft nicht das Wisele seine jungen durchs Maul: Kriechet nit
aus des Phönichs Aeschen ein anderer Phönichs? aus verfaulten Küen, Binen? aus
den Binen würmlein? aus dem Mist die Mäuss? aus dem Chamelstreck ein Machometisch
Sau? aus eim Löwen ein Katz? aus eim Hanen ein Basilisc? aus meim unnd deim
Fleisch Schlangen? aus den vergrabenen KrebsSchwäntzen Scorpionen? Was? sind
Marx Curio und Marx Kolencarbo nicht mit zänen gleich auff Erden kommen, als ob
sie gleich dem brot träueten? haben wir nit im Wunderbuch erlebt, dass die
Kinder, alsbald sie aus Mutterleib kommen, gepredigt haben? Schreibt doch
Donatus, der Vergilius hab auch nicht geweint, als er geboren ward, Es lehrt
doch der Obercelsisch Teophrastus in seiner Metaformirung, wie man Riesen unnd
Zwerglin soll im Perdsmist aussbrüten, und Kinder ohn Weiber machen, Ja Eyer
unter den Uchssen aussbrüten, ja auch im Latz, den Hennen unnd Weibern zu tratz:
Dise Spagirische Kunden werden bald neben den Buberonen unnd Geisseronen ein
Weibsparkunst erfinden, wie jene die Holtzsparkunst. Hierzu werden die Weiber
keim Privilegy geben: O auff ihr Weiber, schlagt tod die loidigen Göcken Spatzen
und Hasen, die es beides mit einander versehen wöllen. Dann diss ist keine
Spanische sparsamkeit, da ihren zwen oder drei wohl an einer Huren und an eim
Mantel genug können haben: Was auch der Han könn.
    Aber was bemühe ich mich lang, die frembd Geburt zubewehren, ihr werden euch
noch mehr verwunderen, wann ich euch jetz des Plinii Capitel aussleget, inn
welchem er von den frembden widersinnischen Missgeburten handelt: ob ich wohl
nicht so ein Glaubgesicherter, gewisser und standhafter Lugener bin, als er
gewesen. Liss das sibend Buch in Natürlichen Historien am vierten Capitel: Und
lasst mich damit unbekümmert, verrucket mir fortin nicht mehr also meine gute
gedancken.
 
                              Das Zehend Capitel.
   Mit was gelegenheit dem Gurgellantua, der Nam war gegeben: Und wie er mit
             Treubelmüselen unnd Börenmuffelen zubracht sein leben.
Der gute Mann Grossgisier, als er unter dem ernstlichen Glassraumen unnd
possenreissen, das schrecklich Geschrei vernam, welchs sein Sohn, als bald er an
das Liecht der Welt kam aussliesse, da er so daub unnd tobend zusaupen, zusaupen
rüffet. Sprach er gleich, Wie hast so gar ein gross, supple, das ist zuverstehn,
Gorgelstrosen. Darauff schloss gleich der ganz umbstand unnd umbsitz einhellig,
dass dieser durstig Schreiling darumb müsst den Nam Gorgellantua oder
Gurgelstrozza tragen, weil diss das erst wort seines Vaters zu seiner Geburt
gewesen, gleich wie dem König Xuto sein erster Sohn alsbald vom Gohn musst Jon
heissen, weil der Oraculisch geist, den er umb Erben fragt, durch oraculi ihn
gehn hiess, hui annen: daher darnach das ganz Land Jonien genannt worden. Dann
also auff die weiss haben die alten Hebreer ihren Kindern Namen angeeigenet, und
dieselbige nach gestalt der sach auff ihre Sprach gegeben. Derhalben hielt
Grosskälier diesen des Weinverzuckten Völcklins gemeinen raht für ein gut
zeichen, das liess ihr auch die Mutter nit missfallen. Dann die Müter haben das
Recht den Kindern Namen zugeben, unnd missfallt unsern Gnaden auch nicht, dass man
von eim sonderen unversehenem fall eim Kind den Namen auffsetze.
    Unangesehen was Jörg Witzel hie von witzelet, welcher meint man soll die
Kinder all Latinisch auff ein us und sus nennen, gleich wie man sie Latin
tauffet: Ja auff Welsch Ceco und Beco, Malatesta, Malespina, Malestroit,
Sansvin. Hei warumb nicht auff Türckisch und Sclavisch Baiazet, Zisca und
Rockenzan, sie sind je auch frembd. Aber er meint Henckel, Hubelt, Del, Gele,
Metz, Leis, lauten schrecklich inn seinen Sirenischen Oren, und machen einen bei
den Leuten nicht angenem. Wie dann? tut es ihm so wohl inn seinen Priscianischen
Witzoren, wann man die Susnamen so schön vergorgelet, verjörgelet, verjoeelet
unnd verhundstutzet, Hen, Trebes, Debes, Kres, Gruner, Sar, Sechel, Craz, Nys,
Gilg, Ciliox, Fester, Bestel, Lentz, Bläss, Veitz, Lips, Brosi, Tönge, Bentz,
Jost, Luz, Trin, Zilg, Plön, Gret, Kön, Len, Seicken, Nes, Dörle, Zoff etc.
Sollen dise gemarterte wörter einen angenem machen, da sie doch keiner versteht:
ja wann ein jeder Odenwälder einen Witzel bei sich hett, ders ihm ausswitzeliger
weiss ausführlich aussleget.
    Solt ein Kabissbauer in seim Kabiskopff nit besser verstehn, wann ich ihne
nennt Wolffharte, Hildebrand, Sigfrid, Friderich, Gottfrid, Winrich, Hartman,
Gebart, Burckhart, Richart, Bernhart, Vischart, Volckart, Reinrat, Kunrad,
Reinhold, Richwin, Winhold, Bruder Birhold, Walterr, Landbrecht, Lautbrecht,
Volckmeier, Eberhart und Degenhart.
    Was? solt ich bei Mannlidien Leuten nicht angenemer werden, wann ich ein
solchen Knebelbartfressigen Namen hette, der von getön unnd hall den Leuten
ausszusprechen ein lust gibt, als Eisenbart, Kerle, Hörebrand, Hartdegen,
Schartdegen, Degenwerd, Wildhelm, Helmschrot, Voland, Grimmwald, Grimmhild,
Kibhelm, Künhelm, Fastkün, Eisenarm, Hörwart, Marckwart, Girfalck, Sattelbog,
Starkwin, Schlag inn hauffen, Rauchschnabel, Wolffskäl, Fuchsmagen, Pickhart,
Raumland, Hagelwild, Hartmut, Manswerd, Manwurg, Muckensturm, Manrich,
Hochschritt, Werruch, Wischgul, Hörschirm, Hardknot, Wolsporn, Wolfhekn, Stich
den Teuffel, Trag den Knaben, Brech den Busch, etc.
    Sind dann Stillfridsame und sittsame Leut, so kann ich ihnen das Muss audi süss
einstreichen, kann mich auff Philosophisch Richfrid, Gottfrid, Fridger, Sigstab,
Lantfrid, Schirmfrid nennen: Welchen wolt es nicht gefallen, wann einer heisst
Gottliebe, Gottshunger, Gottwach, Gottwald, Jesuwalt, Trostwehr, Wollob,
Goldacker, Vollrhat, Christman, Gotart, Gebrich, etc. Oder wann eine heisst
Rosenmund, wie unsers Gargantoa Mutter Honiggurgelin, und Schmandkälchen: oder
Gottshulda, Trugarta, Wisarta, Liebwarta, Fridburgin, Adelinda, Adeltrud,
Adelgunt, Machtilda, Gerntrud, Ehrentrut, Engeltrut, etc. die Namen sollten eim
die Weiber schier einschwetzen: wie können sie dann so grell inn Oren unnd
unangenem sein? Der gut Herr acht seinen Griechischen Bauernnamen hoch, und
veracht seinen Teutschen ererbten Namen, der je nicht Latin ist: er wöll dann
das Kälblin Vitellus werden. Verschmecht also seine Vorfahren, die denselbigen
Namen besonder allein gebraucht haben: dann unsere vornamen sind nicht eher
auffkommen, als da wir Christen worden, on dass die Wolgeborene ihren sitz unnd
Herrschaft gemeinlich, doch nicht allzeit, darzu setzten. Sonst waren unsere
jetzige zunamen zugleich der alten vor und nachnamen. Darumb lauts den Mallen
und Bottenflemming, und den plumpen Holländern so widersinnisch, dass einer soll
Diebold Angelgert oder Lentz Ochsenfuss heissen, meinen ein Hochteutscher hab
drumb zwen Vätter, aber Wilhelm Wilhelms Son, Erich Erichsson ist ihrs
Verstands.
    Jedoch den Nam Witzel belangend, ist ihm vielleicht der Nam auch zu klein,
das verschmecht ihn villeicht, wie die Hetzhundischen Kleinwitz: Garwisus und
Trostwitz, das weren Namen. Was darf man sich nach den Juden nennen, die sich
doch nit nach uns nennen, sie werden dann im Tauff degradirt von ihren Namen.
    Unser sprach ist auch ein sprach, unnd kann so wohl ein Sack nennen, als die
Latiner saccus. Ich glaube, man meint unsere Vorfahren haben stäts geschlaffen,
und nit eben mit so grossem bedacht gewusst ihren lieben Kindern Namen zugeben,
als die Griechen und Latiner. Wir haben jetz das frei Regiment, was dörffen wir
uns nach den Sclavischen Römern nennen, die Herren nach den Knechten? Welche
Rümling doch, da sie das Keisertumb einhatten, so trotzig gewesen, dass sie uns
zur schmach ihre Knecht Getas unnd Dacos genannt haben. Wie solt es sich reimen,
wann die Griechen ihre Kinder Xerxes und Mardonios, die Römer die ihren Perses
und Stichos, die Sirier Dama, die Frigier Midas genant hetten, die Siger nach
den Überwundenen?
    Und war des Pomposians Knecht darumb köstlicher und grösser, weil er
Hannibal heisst, und der Hund, wie du? Solt ein kurtzer Zacheischer
Feigenbaumsteiger darumb lenger sein, wann er Langbrecht heisset. O viel lieber
kurtz Arm dann lang Arm. Solten die Trogloditen darumb kein rechte Namen haben,
weil sie ihre Kinder nach den Küen, Schafen unnd Geissen, die sie saugen,
nennen? oder die alten Nortmannen und Goten in Nordwegen die sich nach den
Fischen benanten? oder die in Riobella plata Land, die nach den Papageien und
Vögeln Wassu heissen? So müsst Keiser Cyrus nit dem Hund Kyrr, den er gesogen,
nachheissen (der ihm gleichwol hindersich lesend ein Rieh verkündet het) die
Keiserin Semiramis nach den Tauben, die sie ernehrt: des Herculis Sohn Telephus
oder Eilenfuss von dem Räch: noch der Held Ursus dem Bären, und Ritter Leo dem
Löwen nach. So müssten sich auch die Römer nit von den Bonen, Linsen, Lattich und
Zisererbsen, noch dem Sarcerischen Geistlichen Kräuterbuch, oder des Lewini
Lemnii Biblischen gleichnussen von Erdgewächssen nennen.
    Unnd dass wir widerumb auff unsere Teutsche kommen, wann ihre Namen so
unchristlich lauteten, wie Witzel meint, warumb sieht man inn allen Bischoffs
Catalogen und Abt Registern, dass die ersten aus ihnen Teutsche Namen haben:
sollen sie drumb im Glauben Barbarisch sein gewesen, weil etlich heissen
Erbargast zu Strassburg, Mallo zu Paris, Hartin zu Speir, Berwolff oder Wehrwolff
zu Augspurg, Pflegbarwis zu Saltzburg, Ehrenbrecht zu Frisingen, S. Burghart zu
Wirtzburg, Richhulff zu Mentz, Magnerich und S. Lutwin zu Trier, S. Ewerwiss zu
Trecht, Willigbrot zu Utrecht, S. Künbrecht zu Cöllen, S. Meinrat zun Einsideln,
S. Otmeier zu S. Gallen, Geitzo zu Basel. Sind solche Namen an den
Christgetaufften darumb noch Heidnisch, weil sie von Heiden herkommen? Sind
nicht die heutige Latinische Tauffnamen von Heiden? Solt Judas Jacobs Sohn, unnd
Judas Machabe darumb des ärger sein, dieweil der Verräter Judas also heisst?
    Wolt darumb der König inn Franckreich all Eseltreiber hencken, weil sie den
Eseln Herri ruffen, unnd die Teutsche Seuhirten all ertrencken, weil sie die Seu
Heintzlin heissen, und die Gärtner dem Teuffel schencken, weil sie das Kraut
Guten Heinrich nennen, und seine Artzet alle versencken, weil sie dem grossen
Arsdarrn Lang Heri sagen? Ey das müsst eim doch gar ein heissen Scheiss einjagen.
    Wolt ich darumb nicht wöllen Herman oder German heissen, weil man dem Bock,
Hermanstoss nicht, sagt? (welchs doch ein Antiquitet von den Hörkriegischen
stossenden Teutschen, und Noachs oder Bachi Bock ist) Oder weil man die Gäuch,
Herman gut Schaf, nennt? Dessgleichen wolt ein Jud darumb nit Moses heissen, weil
wir die Böck also heissen? Wolt einer drumb nicht mehr der alt Peter und Paule
sein, weil die Wettermacherischen Glocken zu Cölin also getaufft seind? Wolt ein
Königin drumb nicht Isabella heissen, von wegen einer Jesabel? und eine nicht
Elisabet, der Wolffdieterischen Rauch Elsen halben?
    Wolst darumb nicht Kuntz heissen, weil man inn Sachssen den Schweinen also
locket, unnd die Gauckler Kuntz hinderm Ofen ruffen, unnd bei den Frantzosen
unfletig ein beschorene Maus Conras heisset? Wolt ich darumb nicht Hans inn
allen Gassen sein, weil man im Niderland die Grassmuckenkönig Jan schilt? Noch
Siman, weil man meinen Simischen schafnäsigen Delphinen unnd den Mörschwein
Näsigen Schafen, und den Weiberbeherschten Gaucheierbrütlern also raffet? Noch
Stöffel, weil alle Seulgötzen, unnd die Heustöffel, unnd das Lied O Stöffel
lieber Göffel Löffel also klingt? Noch Nicht Claus von wegen des Papiren
fensters? Noch Vilhelmus des Strosacks halben. Noch nicht casius von wegen des
Kütrecks? Noch Mangold, dass er besorgt er werd arm? Noch Bartel von wegen des
Trockenen Bartscherers Meister Bartels? Noch Märtin, weil der Gauckeler seinem
Affen Meister Märtin, unnd die Müller ihren Eselen unnd die Churwalen den Bären
also ruffen? Noch Jungfrau Län, von wegen einer faulen Länen? Noch Marckhulff
von wegen des Salomonischen Marcolphi (welcher Nam demselben Marcolffdichter
auch Grell in den Ohren getan) Noch Margret von wegen Murrgret: Noch Morolff
vonwegen Bruder Morolffs des Holtzvogels, aber von wegen des guten Weins: Gleich
wie etwann die Römisch Manlier wollten keinen Marx unter ihnen wissen, weil ein
Marx ihr Geschlecht schelmisch hat beschissen, und die Claudier keinen Luci oder
Lauxen.
    Was? es sind nit all Latiner die Gabeluszinkus können. Solt Kasrom darumb
ein Römer sein, weil man ihm Kasramus schreibt, So müsst Lentulus ein Baier sein,
weil er Liendel laut.
    Man soll nach dem geburtsfall und zufälligen geschienten die Kinder nennen,
wie hie unser Gurgelzipfflin auff Spanisch und Nabalisch Gargantomänlin: Was
schad es, wann sie schon Nasichi heissen, oder Nasonen, Capitonen, Lefftzen,
Flachohren, Lappi, Kalbe, Plauti, Zäntati, Memmule, Lecke, kreummaul Cote,
diebisch Masse, fressig lamie, Lefftzenwartzige Verrucosi, Badstüblin auff der
Nasen, schöns haar Cesar, ja Cesar von des Frantz Rousset partu Cesareo oder
Nachgeburtscherung: Cincinnat, Asine, Säuhuren, Scrofe, Gurgellantische Gurges,
Maultaschin, Guldenmund, Antigonisch Grossknie, Diotinisch trechter, Xenarchisch
Metretes, schind den Buben, Mange diable, friss dahinden, etc. Oder von den
Landen Alloprochisch, Cautzisch, Turagaramantisch, etc.
    Das ist der alt brauch, und der allererst, wie Gorop beweiset, dass auch Adam
und Eva Niderländische namen Hatdamm und Ehevat haben gehabt, wie sehr es auch
den jungen Leitertrager Joseph inn seim Castigierten Festo verdreusst: was soll
dann dise Latinische Tirannei mit us und Esels ja?
    Schöne Namen reitzen auch zu schönen taten, darumb muss es Gurgelstrossisch
auff den glückfall ausserlesen sein, nicht dass alle Schlesier Furmans claus,
Lubecker Till, Nörnberger Sebald, Augspurger Urli, die Weber Galle, die Kuh
Bartel, Holländer Florentz, Schotten Andres, Spanier Ferrnant, Portugaler
Jacob, Engellender Richart und Edwart, Behmen Wentzel, Polen Stengel, Ungern
Stephan, Pommern Ott, Preussen Allbrecht, Lotringer Claudy, Flemming Baldwin,
Francken Kilian, Westfalen Gisbart, Märcker Jochen, oder Ochen, oder Chim (dann
nach dem einer reich ist, gibt man ihm silben zu) etc. heissen. Sonder eim jeden
ein sondern Helm auffgesetzt, so kent man die Mummer undereinander.
    Also habt ihr den fall, dardurch dem Gurgullantula sein Nam entstanden,
vernommen, auch sein durstig anligen verstanden, welches er der Göttin Potina
klaget, Darumb opffert ihm wacker und tapffer Gläser voll Wein, steckets ihm
aber nit wie dem Priapo an das Latzstümpfflein und stossdegen, sonder hanckt ihm
die Gutteruff umb den Hals, wie der Zanbrecherischen S. Apolonien die Zän, und
das Angsterlied, von Legelnoten, So trincken wir alle etc. die Sackpfeiflein,
KrausenKelchlin, und Würffelfugen aneinander hencket. Badet das arm Kindlin auf
Spartanisch im Wein ab, nicht wie die Teutschen auff eim tieffen Schilt im
kalten Rein, Wein, Wein, das kann ein Bad sein: und es zustillen, bitt ich euch
gebt ihm aus dem Zihdenrimen zutrincken, darnach trags zur Tauff, wie ihr könt.
    Aber diss geht euch Gevattern an: secht dass ihrs hoch genug auffhebt, dass es
auch hoch wachss, ziehet Händschuch an, dass es kein Copronymischer Tauffscheisser
werd. Hebts ihr lieben Paten, wie die frommen Cheiben die Eydgnossen ihren
lieben Pfetterman König Heinrich, welcher wohl hat ein grosser Haine müssen
werden, und neben der Plusultischen Sonnen, sein der Mon der Erden, weil ein
ganz Land an ihm gehebt hat, ja ein Land von grossen hohen Bergen, unnd langen
schmalen Leuten. Aber botz Chüwunden, es kost diss Göttelkindlein manchen feinen
Abbezeller chnaben, unnd manch weidlichen Pfettern: so gehts wann Bauern der
Edelleut gevattern wollen sein. Es kartet sich selsam, der ein hebt ihn aus dem
Tauff, der ander zu danck ins Grab. Ich muss erzählen wie Plutarchisch er
geseuget sei worden: zu demselben warden geordnet tausent sibenzehen, treizehen
Küh aus dem Kühland unnd freien Bergen unnd Ungerischen Weiden, dieselbige
seugeten es fein ordenlich nach der Tabulatur ein Tag umb den andern. Dann es
war unmöglich genug vermögliche Säugammen für ihn ausszutreten: inn betrachtung
der grossen quantitet Milch, so zu seiner narung auffgieng. Was auch etliche vom
Helden Olgier schreiben, er hab seiner corpulentitet halben vier Milchflaschen
gebraucht, das ist zwo Säugammen, also das man ihm, wann er die ein aussgelährt,
flugs ein par andere dargeworffen hat: ist Kinderwerck. Doch wöllen etliche
Scotisten Doctor er hab sein leibliche Muter gesutzelet, unnd aus ihren Brüsten
viertzehen hundert zwen Reingäuisch Vierteil unnd neun Mass für jedes mal
ausszepffen können. Aber es scheint der warheit nicht änlich, und ist auch solche
Meinung als Übermamalelelich scandelos, Äffensiff unnd ärgerlich den frommen
andächtigen unschuldigen Ohren, und für anstössig und stolperig den reinen
heuschen Hertzen und unreinen füssen, und als von alter Hereseu stinckend
declariert worden. Dann es lassen auch meine Juristen nicht zu, dass ein Edel
Weib ein Kind seug. Doct. in l. alimenta. C. De neg: gest.
    Nun in solchem seugenden stand ist er gestanden biss auff ein Jar unnd zehen
Monat: nicht lenger hat er den Brüstlichen safft, ziehender und lullender weiss
ersogen: dann die Artzet rhieten nach verscheinung der zeit, dass man alsbald das
Kind anfangen solt zu tragen, zuhotzelen, zublotzelen, zuketschen und zusetzen,
dann das macht wohl däuen. Auch damit es bald gehen lernet, macht man ihm durch
künstliche Invention des M. Johan Demalts aus Westerich (der etwann auch die
Kuchin auff die Kotschen, unnd die Windspferdsmül, aus des Herons Zygiis sampt
dem Nebelschiff angeben hatte) ein Kolwagenkärchlin, daran vier Ochssen hetten
mögen ziehen. Inn demselbigen führt man den jungen Printzen und Infant von
Nullubiquingen, und Delphin auff Nienenburg, ab, auff unnd nider, hin und wider.
Und war nicht unholdselig zu sehen, ohn wann er mit dem Wagen besteckt, da schri
er ketzerjammer unnd wohl so sehr als die Nörlingischen Fuhrleut Elementisch
fluchen, und wann es nicht gehn wolt, macht er flugs ein solch Wasser, das ein
Mül getriben hett, geschweig das Kindskärchlin. Von ihm haben es darnach die
Bömische Pascaler, wie Bonfin schreibet, gelehrnet, da sie das Wibende wabende
Wasser (wie sie das Mör nanten) inn Fläschlin heim getragen, unnd wann die Wägen
nicht gehn wollen, darunder geschütt haben, auff dass es die Kärch wie die grosen
Schiff fortstiess: Ja hetten sie den Arslochigen Aeolischen stinckenden Sack
auffknipfft, unnd Windmäsig drein geblasen, oder fürtzlicher weiss gehustet, da
wers gangen, wie ein alt Weib am stecken.
    Nun, unser Hänlin liess sich wohl an, hat schon viel Eyer verderbt, het schon
schier zehen Kin, und schrei nicht als nur ein wenig, aber beschiss sich schir
alle stund, so gar treckfegmatisch von Lederem gesäss war er, zum teil aus
natürlicher Complexion, zum teil aus zufälliger disposition, die inn ihm das zu
viel einnemmen der geschölten Reben Pillulen und des Herbstrames verursachet.
Dann wie er kein tropffen on ursach einsurfelet: also spei er keinen on ursach.
On ursach aber tranck er nit. Dann wann es sich begab, das er zornig, rasend,
hirnprünstig, treckauffstösig: Unsinnig: grimmig: schreiend: weinend: wütend:
und Teuffelisch ward: dass er anfieng vor rachgiriger Bosheit zu Veitsdäntzelen:
zuhupffelen: schupffelen: zabelen: strabelen: zitteren: witteren: Zänknarspelen:
Toben: dauben: Strampelen: arschritschelen, kreuschen und fallendsüchtig werden:
Da must was hand und fuss hat lauffen, unnd ihm pringen zu sauffen, das war die
Losung, also kont man die gut art ein weil stillen, biss dass er wider Atam
holet, da ging das Lied auff ein neues an, da musst man ihm etwann zum
drittenmal aus dem zwölffmäsigen Säugammenkennlin zuschlucken geben und dahinden
wohl auff heben: dann die guten Kindlin haben grossen durst, die milch ist
gesaltzen, das macht das grass so die Müter assen, war nit ungesaltzen: so haben
sie gross Hitz vom Zanwee, ehe sie ausszanen, so muss man dann den kalck mit Wein
leschen, das madit die Pillerlein steiff. Darumb verfaulen den Teutschen
Todtenköpffen die Zän am letzten, von wegen des Weins weihe: wers nicht glaubt,
versuchs.
    Es hat mir seiner Warterin eine gesagt, die ihm den zipffel oft im maul
gehabt, unnd auff mein tru geschworen, das Gargelzimplin hab so gar dise weiss an
ihm gehabt, dass er nur vom getön unnd klang der flaschen und kannen in ein
solche abgründige, tiflose, sinnlose verzudcung sei gefallen, als ob er wie
Machomet unnd die Propheten von Mönster die Paradissfreud empfünd: Het es
allerdings reden können, es het euch auff Delphisch Reimenweiss die warheit
gesagt. Derhalben als sie solche Heilige Complexion und art an ihm vermerckt,
haben sie täglich an statt der Kindschlätterlin, unnd Malzenplättelin solch
Cibelisch kübelklopffen, Fassfingerlen, gläserklingelen, unnd flaschendäntzelen
vor gehabt: auch so bald er auffstund, und noch Leilachgieng und Federstibig
gewesen, mussten sie an allen echen mit den ketten und Schrauben an den Flaschen
rasselen, unnd mit dem deckel auff der Kandel klöpffelen, dass er den Kopff
umbwarff, wie ein Tauber vor dem Schlag, und vor Freuden gleich erhupffte,
erlupffte, erschupffte: ermunderte: erschulterte: erschüttelte: unnd wagete:
wigete sich selber: didelinend mit dem Ditelkopf, monochordisend und
instrumentisend, und quenckelingend mit den fingern, und baritonirend,
Lullepipend und grubenklimmend mit dem hindern. Und ist solchs heut eben so
wenig fremd, als das ein Welt under uns sei, welche die Füss gegen uns kehrn.
Dann Bellonius schreibet in Creta lassen sich die weinenden Kinder nit stillen,
man zeig ihnen dann Bogen unnd Köcher, und geb ihnen ein Pfeil inn die Hand:
gleich wie man keiner Schwäbin Kind bald schweigt, man zeig ihm dann ein Löffel,
oder ein Küchlein.
 
                              Das Eilfft Capitel.
          Von des Gargantua lustiger Kleidung, und deren bescheidung.
Als nun das jung Hosenscheisserlin inn das alter kommen, dass er seinen
treckgespickten, geherteten, Pruntzgebejetzten, ärmelerleuchteten, katgebordeten,
Mistpretextirten, mit Bauernpurpur umporphirirten und Carmesinirten
Levitenbeltz, unnd Türckentalar sollte aussziehen: und in ein Latzgehorntes
vernestelt geses, für die weiss Purentogam der Römer schlifen, pflegt sein Vatter
grosses bedenckens darüber, dann er wust die Kante versslin. Im faulen veste,
nimand tractatur honestè, kleidung ist der Mann, wer sie hat zulegen an. Wiewol
inn vestimentis nicht ist Sapientia mentis: So mäsigt er es, so viel ihm
möglich, Kleidet ihn nach seinem stand, und fürnemlich inn seine Farb, welche
weiss und plau war, fein auff den neuen schlag.
    Und aus den alten Pontarchen und schrifftlichen Gedenckwürdigkeiten, welche
inn der Rentkammer zu Ingelheim unnd Montsoreal vorhanden gewesen, hab ich
folgends von seiner Kleidung verstanden.
    Erstlich worden zu seinem Hembd aufgenommen bei den Brabäntischen Näderin
fünftalb hundert Ballen Ochssen Pruckisch Leinwates: und so viel auch
krespelinen zu Castelleralt bei den Pictavern: und zu Reims inn Franckreich:
Dessgleichen zwei hundert des schmalen Sindais von Spinal und Kölln, zu
underfuter oben am hals, wie Bombesin: gar subtil als man unter die Sättel
fütert. Dann es war nicht gekröset: noch geruntzelet: gekräuselet: gekrisamet:
gefältelet: gevolschleget: gerissen oder gewunden. Sintemal diss Krösszinnenwerck
und die Beckerfürtuch umb den hals noch nicht erfunden warn, biss hernach da den
Näderin die spitz an der Nadel abgeprochen, haben angefangen mit der faust,
darauff sie sitzen, den Löchelstich zuarbeiten, unnd als die Bauchwäscherin mit
dem Seiffenreiben wollten zu faul werden: oder zu alt, dass sie das gesäss nicht
mehr so hurtig und fertig rhüren und coloriren wollten, da must man ihnen ein
hitz darein zupringen, diss Eychenlaub umb den Hals zubauchen, zu pläuweln,
zuschlegeln: zureiben: ausszuwinden: zustärcken und auffzuziehen erdencken. Ja
nach dem man inn Ungarn gezogen, da haben sie für die Läuss kein besseren fund
können erdencken, als den Irrgarten umb den hals, dass sie also darin
verirreten, unnd sie zu friden lisen. Darumb verzäunt man heut diese kraussbüsch
doppelfach, wie die Edelfrau, von deren im Flohatz steht: welche zwen Beltz
antat, unnd von beiden das rauch zusamen kehrt, auff dass sie darin verschantzt
keinen aussgang wüssten.
    Aber unserem Sönlin macht man das Hembd aussgeschnitten, wie die alte
Schweitzerische Goller, deren noch etlich in Pemond auff den Aeckern umbfligen,
oder vor kurtzer zeit umbgeflogen sind. Dann es waren auch damals die hohen
Krägen noch nit, biss hernach da die Bäder ab und die heilige Frantzosen auff
kamen, dass man den schmutzglitzenden und Purpelschwitzigen nacken und hals musst
vor den Leuten decken: fürnemlich wan er so starensteiff vom holtzligen war
worden, wie der Hofleut ungrussbare obeneinsteigende contracte hend: Darumb secht
ihr wie ungern sie sich umbwenden, auff dass sie das Schlangenwindig Hals oder
Kalbskröss von urochssen, daran ein Junger Wolff Neun Tag zufressen het, oder die
Krössleist, unnd das gespannt Kragerems nicht verrücken. Wiewol sie es heut
gebessert haben, wie hie der zäher dort der träher: Dann jetzund muss es ihnen
spannen lang auff den achsseln liegen: Das können die Studenten zu Paris dem
Hoffgesind mit Papir so fein nachmachen, dz man sie in die Kefich schliesst.
    Zu seinem Wammest nam man hundert acht dreitzehen Saumballen weisen Satins:
macht den Leib eng, unnd die Aermel weit, anzuzeigen dass ein Kriegssman dem Bauch
nicht so vil raums als den Armen soll geben: Weil die arm ungesperrt für den
Bauch sich müssen regen, unnd der Bauch den Füssen nicht zu schwer und
unträglich werden, ihn hernach zuhotzeln. Sonst was ist ein grosser
ausgeblasener Schnauffender Schmerbauch: er schickt sich auch hinder den Tisch
nicht wohl, dann der neben ihm sitzt, muss sich schämen, und hat dest weiter zur
Blatten, und wird ihm heiss vom schnaufen. Zu seinen Nesteln hat er fünftzehen
hundert neun Häut, und dieselben zu eim teil hünden, vil mehr als Dido, da sie
das Cartagisch Birssland mit Nestelrimen umbzog.
    Damals fieng die Welt an die Hosen an die Wammest zuknipffen, unnd nicht die
Wämster an die Hosen, dann es ist gar wider die Natur, wie solch Okam über die
Explonible aussplanirung des M. Hochpruchii weitläuffig aussfüret. Unnd hett noch
so vil müssen haben, wan man damals, wie heut, die Wämster mit anderem gelümp
hett durchspicket, oder dem latz so ein schandlichen abpruch getan, dass man das
nasstuch nit meh darein, sonder in den Kappenzipffel und Lecksack am Aermel
stecket, unnd dem Kuchenlumpen zu leid den Teller damit feget, unnd die
Büchsenhulffter vor regen damit decket, unnd wann sie mit der einen hand in die
Platt langen, mit der andern den Ermel halten? O ihr verletzer Lecherrlicher
würdigkeit: wie wohl was hab ich die Nass drein zumischen, man möcht mir sonst das
maul wischen, Es ist dannoch ein schöner Ermel Hippocratis, darin man hausshalten
kann, wie die Gasconier inn ihren Garageskenhosen, und Diogenes im Fass, und die
Tartarer im Karren und der Finckenritter in der Lauten, unnd jener ungebachen
jung Schlüngel im Böltzpletz im Hüllhafen, unnd du im Narrenkleid.
    Zu seinen Hosen wurden aussgenommen, elffhundert, fünff ballen und ein
dritteil weissen stammet, daraus macht man ihm ein Lacinirt Schlangenwendig
Plitzsträmig unnd geflemmet Kleid, welchs dahinden zerschnitten war zerseget,
unnd durchfeihelet auff die weiss der Crenelirten, gewässerleten,
berechenzänelten, krenirten, gelaubwirckten, und durchsichtigen seulen: Auff dass
die Niren des Hosendegens alzeit im Kulwasser stunden, und nit erstickten noch
erstincketen: Gleich wie sie heut schwartzwäldisch danzapffen, Säueicheln,
Engelländer Rossen, Frantzosen Lilgen, Schweitzerkreutz drein schneiden. Auch
must es Pfausecht, bauschecht sein zwischen den schnitten, dass der Plau Damast
und Taffat heraus boschete: Doch etwas mässiger als des unflats mit 99 elen,
auch etwas artlicher als die Spanische Hörpaucken, und der Schweitzer
Hemdfänlin, das hinden allein ausshenckt: Es solt fornen fligen, nicht hinden
ligen, so möcht man sigen, und nit erligen und flihen: Wiewol es kommen mehr
Leut hernach, die sehen müssen, wo die Latern auff dem Berg leucht, dahin man
dem ungewitter entfleucht.
    Mächtig Adelich war er beschinbeint, alle stümpff lagen ihm glat an, fein
wie es die Jungfrauen gern sehen, wohl bewadet, darüber keiner hett abscheissen
mögen: Und sonst von allen vieren aus Mutter Leib gerad unnd wohl geproportzet,
wie Rossdiebold, ohn das er ein Gelschuss an den Fersen hett.
    Zu dem Latz nam man aus sechtzehen ballen ein virteil, reichlich gerechenet,
eben vom selben tuch, dessen form ward fein gemodelet nach gestalt eines
gespanten bogens, wie er zu Roan in der Kirchen hangt, war nicht so Hundsfiselig
gespitzet, wie der Spanier Geissreuter, noch so WanckelLätzig, der im gehn von
einer seiten zur andern rucket als wolt er Pfäl einstossen oder aussziehen.
Sondern, weil viel daran gelegen, ward er nicht eingestefftet, sonder wohl
angehefftet, Lustig mit zwen starcken eingelöten Hacken von Glockenspeiss
gegossen, an deren jedem ein grosser Smaragd in der grösse eins
Pomerantzenapffels versetzt war, dann diser Stein hat, wie Orpheus von den
Steinen, unnd Plini im letzten Buch meldet, errecktiff unnd confortatifische
krafft. Sonst war sein vorschuss und vorschupff, wie ein lang Ror oder Feld
Geschütz, auch fein zerschniten wie die Hosen, unnd durchgezogen mit Ploem
Damast, auff das allerzirlichst.
    Aber wann ihr von stuck zu stuck gesehen hetten das schön gepräm, die
Fransen, Karsaminpasament, segment, Bendeln, gestepp, gebord, die stöss daran,
und wie es alles gepleiget, gefademet, durchstrickt, unnd durchstickt war:
desgleichen die lustig eingemengt, eingelegt, eingestickt, eingeflickt,
eingepickt, eingewunden, eingeflochten, eingeschenckt, undermischt und
eingelatzt Goldarbeit von goldstrimen, Purpurrimen, gulden Schnieren, vergarnirt
unnd verkernet: mit guten Edelen Diamanten, wolfärbigen Rubinen, hellen Türckis,
klaren Smaragden, unnd Persischen Perlin. So würden ihr gefragt haben ob König
Ortwin und Ortnitt im Graal inn aller ihre herrlichkeit herrlicher gewesen
seien, Und wirden gewiss es verglichen haben dem schönen, überhaufften,
plumgezierten, fruchtgespickten, trauben behenckten, opsreichen horn der Geiss
Amaltee, der Honigspinnen Melisse Schwester, oder dem Geschmuckten Plumenkrug
der Göttin Ceres. Dann gleich wie solch horn unnd krug allzeit fruchtbar,
plumreich, frisch und voll aller erquickung und freud war, also auch dieser
unser Latz, nit auff den schein: Dann so lang weit und preit er war, so wohl war
er von innen proviandirt: Er trug ihn nicht zum vorwort, wie manche schlump das
Fischsäcklin ins Bad, wie die Schwäbin den Korb, und wie die Schweitzermeidlin
den eimer wann sie Seiff kauffen. Oho, er dorfft nicht wie jener Bauernhebel ein
Gänsskrag drein stecken, gleich wie die Basslerkacheln lumpen für dütten. In summa
es war kein auffgeplassner Hipocritischer, heuchlerischer scheinlatz, wie
denselbigen etliche Nascher zu mercklichem nachteil und Interesse des
Weiblichen geschlechts anmassen. Ihr solt mirs glauben, ihr fromme Mägd, er war
nopperteurig lustig zusehen. Aber ich gedenck es euch besser ausszulegen inn eim
besondern büchlin, das ich von Würdigkeit der Lätz hab zugerichtet. Dan man muss
solch ding den Leuten beschreiben, weil sie so grose kurtzweil mit treiben,
zusehen ob mans kann erleiden und vertreiben: Dann waran kann man heut besser die
Völcker unterscheiden, als an Lätzen: die Teutschen machen Ochsenköpff, die
Welschen Hundsfidelbögen. Die Türeken, Ungarn, Polen unnd Reusen (welchs noch
das best ist) gar keine, sonder bedeckens mit langer kleidung, Die Schlesier
tun Beckerfürtuch von taffat darfür, die Gasconier machen einen weiberschlitz
darfür, und damit es nicht die Zan pleck, wie ein Wammest mit Hafften, so wirds
geköllert mit knöpflin, etliche haben glatte, andere rauhe, etlich aussgezogene,
andere eingezogene, etlich gehörnte, andere Schneckenhäusslin etc. Darumb hat
unser gnediger Herr Grandkälier die Nationen, nicht auff des Türckischen Keisers
Solimans weiss inn seinen Sal mit eins jden Hosen unnd Wammest, Hut und Mantel,
Färb und bart lassen malen, sonder nur die Art der Lätz bei eim jeden Volck
Präuchlich inn Leimen, Wachss, Stein, Marmor unnd Metall bossiren, unnd visiern,
unnd also zur Gedächtnis auffstellen lassen. Dann zu unsers Kälgrosen zeit war
der brauch, wann einer ein Eyd schwur, küsst er zwen Finger, und legt sie auff
den Latz, und schwur beim Inhalt: wie die Weiber unnd Geistlichen bei Lehen
Verleihungen die hand auff die brust legen: Darvon hats jener Burgunder
gelehrnt, welcher im Fünften Collegio zu Freiburg nur zur Losung ein Kron auff
die Latzspitz legt unnd fragt, Schweste si fu Pletz.
    Zu seinen Bundschuhen worden auffgepracht vierhundert sechs Ballen
gedruckten sammat auff Leder Musiert, unnd so viel Plauen Bruckischen Atlas nach
dem Antorff er zettel zum underlegen, welche fein artlich zerfetzelt,
zerschnitten, und zerstochen waren, auch mit Paralelischen gleichweitstehenden
Linien, unnd einformlichen Cylindern unnd rollen zusammen gehenckt. O es dantzet
sich mechtig wohl daruff, besser als inn den Baslerischen Roten und Schwäbisschen
weissen Stifeln, oder uff den Barfüserischen Ungarischen und Lotringischen
Plochschuhen: Ist es nit war ihr Meidlin mit den weisen orten, unnd schmalen
rimen, so macht mir ein knoff an den?
    Zu den schuhsolen worden gepraucht eilf hundert Prauner kühäut zu Mastrich
und Weisenburg bereit, unterfutert, undersetzt und durch gezogen mit
Ochsensennen unnd stockfischschwentzen, das helt besser als Gebicht
seilistratorum Ledere Leistis, und verprent Leder, oder Schuhnegel: Was hilffts
das man Solen Leder feil hat, und es hoch an den stangen daher tregt: Sessen sie
daheim auff dem Loch beim wein, so prechen sie kein Schuch unnd zerstiessen kein
Bein.
    Zu seinem Leibrock nam man achtzehen hundert ballen Genuesischen
Kremmesinsammat nach Palmen wohl gemessen, sampt der grösten überleng, wohl inn
grän gedunckt, umbher fein gebordirt mit Schönen gefeihelten Zünglein und
Laubwerck, wie man etwan umb den Harnischkragen Rittergürtel pflegt zutragen,
unnd noch heut umb die Wapen, Schilt unnd Helm malet. Ein fein Wapenröcklin,
daran Silbere Schellelein unnd Flinderlein zum Turniren unnd Schlittenfahrn an
Kettlein hingen. Dann solchs war damals der brauch, dass man mit eim klingenden
gepräng und prangenden gekläng, als wann der HohePriester ins Heiligtumb ging,
auff den Platz erschien: Seiter aber die Turnier, das ist, die Adels Probir,
sind abgangen, haben die Fuhrleut ihren Gäulen die Schellen angehengt. Ist
dannoch besser als wann mans den SaumEseln, MüllerEseln, und Colmarischen
Misteseln anhengt, dann man kent sie ohn das, und sie einander noch bass. Auch
über Rucken, Arm unnd Prust wars mit Güldenen Passamenten eingefasset, unnd mit
Perlin bestickt, fein Knap unnd Bund wie des Papstes Maulesel, der einmal ein
Auffrhur zu Rom auff Fronleichnamstag macht, unnd schwerlich ist absolviert
worden. Mit disem geschmuck allem anzuzeigen, dass er etwann ein feiner Han, und
ein feins Feistinseidele unnd Fartzflasch werden solt. Die gefaltene und
eingeschnierete Reutröck wie die Kocherspergische Falten Juppen waren noch nit
auffkommen. Dann was soll diss ruckenspannen, und sorgfeltig einfalten,
einstechen, und einwinden der Weiberröck? kurtzumb wann man die Stifel nicht meh
wachtelt, so müssen die Kleider gewachtelpfeiffelet werden: Wolan so secht wohl
zu, das es nicht aus den falten komm, der Bub müsst es sonst getan haben, macht
eh eigene Wachtelhöltzer dazu, wie zu den Hembdkrösen: Aber was gehn mich euere
Faltzenschindelen an, ich mag euch die falten nicht weiter verrucken: gürtet
darfür den Degen auffs Miltz, Hosenbendel geben auch gut Feldzeichen. Dann die
Amiralischen Hemder zu Montgontour hass ich. Ihr habt doch jetzund feine glate
behaftete und befransete mutzen mit runden Schösslin oder dreien zipffelen, wie
man etwann die Ledere Koller machet, die man zwischen den Beinen zusamen band,
als man noch die lange weichen unnd Mastbeuch zog. Ha wie schöne Pavianröcklin,
wann die Ermel entzwei geschnitten sind, dass die Lackeien daher fügen, und die
Seiten voll Nestelen hencken, deren keiner zu ist, als hetten ihnen die Hund aus
der seiten gessen. Es steht wohl wie die knöpflin an den Röcken, auff allen
ecken, ihre Knöpffigkeit auffzudecken. Aber quæstio: Welchs ist Närrischer oder
nötiger, dass der Mantel den Latz deck, oder das gesäss. Ist wunder, das weil sie
fornen die Mäntel auff beiden seiten schlitzen, damit das Latzgesperr raum hab,
warumb sie nicht so mehr Mentel machen, wie die Niderländischen Mäntel, fornen
kürtzer als hinden, wie den Schwangern Frauen. Oder ich frag, sind die Rock
erdacht zur deck, oder für Regensäck: Ich halt nicht allein für Kält unnd Regen
(sonst trüg man sie nicht inn Stätten, über Tisch, zum Dantz, zu Hof unnd im
Sommer) sonder zur deck der hindern und fordern Scham, wie Adams zweizipffeliger
Beltz aussweisst, dann er het im selben heissen Land sonst keinen bedörfft, er hab
dann glaubt, was gut sei für hitz, sei auch gut für Frost, wie die Bronnen, wie
der Weber dunckkeller, wie der Weiber Brautbeltz, und der Männer Wolffsbeltz.
Darumb haben die Männer erstlich nur Mäntel getragen, daher auch der namen ist:
Hosen und Wammes ist inn Kriegen von Kürissen entstanden, und ist der letzt
Närrisch fund: Aber man sicht, dass die Alte lange Kleidung der Türcken, die
kurtzen Hosenwämmstler gar nah verstecket.
    Sein Gürtel war von viertalb hundert gepäck Arbruische Aluzossa seiden von
Karamanta, Salmantinergewichts unnd fünftalb hundert Karten Organziner seiden
von Bolongia mit untzen und Quarti abgewogen on aussschlag eins dunckel Tenet,
das ander Turginfarb, vil sittich Grün, unnd das überig halb Weiss, halb Flau, es
fall mir dann nicht recht ein. Dann er trug es auff die Handzweien art, wie es
die Türcken tragen, nicht so dünn auff Barfusserseilerisch, wie es den Frauen
Paternostersweiss hinab muss lappen. Sintemal der Gürtel ein zeichen der
Ritterschaft bei den alten war, wie auch noch bei den Engelländern, wiewol
dasselb ist ein Hosenbendel: Darumb mussten die Macedonische Knecht halfftem für
Gürtel tragen. Aber Keiser Augustus trug für den Donner ein Gürtel von einer
Mörkalbshaut, auff dass ihn als ein Keiser nicht der Stral erschlüg, wie den
ersten König Romulum. Was nutzt ihn dann sein Adler, welchen kein Donnerstral
treffen soll?
    Sein Wehr war nicht von Valentz, noch ein Passauer kling, noch sein Tolchen
von Sarragossen aus Spanien, dann sein Vatter hasset alle diese Indalgoss und
Maranisirte hudler, buratschen und Geissreuter, wie die leibhafte Teuffei,
Sonder er hett für sein Alter ein schön Schwerd von Holtz, und den Tolchen von
eingesottenem Leder, auch fein gemalet, damascenirt unnd verguldet, wie mans nur
wünschen wolt. Dann er bedorfft noch nicht des Achillis Peliasspiess, den niemand
als er schwingen kont, noch des Rolands Durandal, des Artus Kaliburn, des Ogiers
Kurtein, des Keisers Grosskarle Oriflambe, des Renalds Flamberge, und solche
Flammklingen und Wurmstecher. Noch Rogiers Balisard, noch Scanderbecks Schwer
Scharsachfochtel, noch Pompei Löwen Schwerd, noch des Conestabel Aplanos, noch
des Königs Rogiers Apulus unnd Calaber, noch Bruti unnd Cassii Lotringisch
Hutdölchlin, noch des Meidlins Johanna Poucelle inn Franckreich Verrost
Catarinen Schwerdt, damit sie die Engelländer vertriben, und noch zu S. Dionys
ist gepliben: noch Königs Etzels aus Ungarn hochgeadelt unglückschwerd, dessen
genealogy unnd Uräne die Manssfeldisch Chronic beschreibt, biss auff Graf Lupold,
dem es, als er im Schlaf reutend vom Gaul fül, das sächlin machet: und welches
zu unserer zeit der Duc Dalba nach der Schlacht bei Mülberg selsam soll
aussgegraben haben: und niemand weiss wo er mit hinkommen? Ja, unser Steckenreuter
unnd blindstreichiger Tuseckenfechter kont der Felsässer klingen, Meiländisch
Froschstecher, Türckischen Sebel, Pantzertrenner, Reuterböck, Ruting, Stosdegen,
Ruckenlemer, Fischplötzer, Malchusdäglin, Schlavonescen, Reisswart, Pfrömbrecher,
Beiderseiter, Schweitzerfochteln, Schlachtschwerd, Dolchen die von einander
springen, wann mans bei dem hefft truckt, zwei Rapir inn einer Scheiden,
Halbhauer, Krommort, Poniart, Weidner, Hessen, Mortpfrimen, Jacobsstecken,
Palster, Dollen, Schwertpfrimen, und andere dergleichen Gottslästerer, Murren
schwingen und Platschen, damals noch nicht mächtig werden, er liess sie seim
Vatter in der Rüstkammer.
    Sein Seckel war von eins Oriflans und Libisschen Urochsens hoden, welchen ihm
Monsier Pracontal der Stattalter inn Libien verehret, der etwann auch den
Fortunatusseckel zumachen angabe, denselben band man ihm an, wie den Kindern die
Rotzglocken und Glockentüchlein, und an die springend Pronnen die
Wasserpfannen, unnd inn den Wirtshäusern die Messer unnd Anziher: welchen
löblichen Prauch die Schwaben mit den roten Seckeln noch löblich erhalten:
sollten sie ihn gelb tragen, man möcht sie von Judas geschlecht sagen, weil sie
on das gelb Füss haben.
    Für seinen Rock nam man aus neun tausend sechs Hundert Pack minder drei
dritteil Ploen Sammat von Messina, der ward auch wie das ander schön
durchgoldfademet mit goldnähets unnd ganzen goldstrangen auff Paragandisch,
auch gesteppet in einer zwercheckigen geschrenckten Diagonalischen figur,
welches nach gerechter Perspectif ein ungewisse unnd unamhafte farb gab gleich
wie ihr am Turteltaubenhals und Raupen sehen, oder dem Pfauen in der Sonnen, wan
er sich aufschwäntzet unnd spigelet. Welches mächtig Lustig Crabatisch sah, vil
besser als der sein Mantel mit Stro verprämet. Es war auch fein kurtz auff den
neuen schlag Spanekappisch, war kein traur oder Leidmantel, kont nicht darauff
sitzen, er zög ihn dann aus: Dass man fein den Arssbacken binden zitteren, und
fornen den Krummen Latz, wie ein Pfal im Wasser wäferen sah: Dann inn Curte
tunica saltat Saxo quasi pica. Im kurtzen Rock springt der Sox wie ein Bock.
Sihe Sehe: wie fliegt der daher, wie der Pfaff aus dem Federfass.
    Zu seinem Hütlin worden genommen drei hundert zwei Pfund Jenueser gewicht à
la grossa, tun in Venedig subtili 86 Pf. Taffet, dann wie wok ein Huter eim
jeden Narren ein rechten Hut auffsetzen: Derhalben liess ers ihm inn die Form
giesen nach seinem runden Schedel: Der war wohl bestulpet, berondelet,
bewolltzottet und überhängig wie die Altdickitetische tächer zu Ach, Cöln unnd
Metz, und die Fürmännische rotte Schweitzer Paret, das es eim auff der Achssel
lag und den Regen abtrag, unnd daraus sah wie ein Schiltkrott aus der Schalen.
Dan sein Vatter sagt, dass die heutige Hütlein auff Marabesisch, unnd die
Zigeinerschlappen, auch die Mastrichische groe und rusige Hüt, und die
Braunschweigische glattwollige gebichte Beckelhauben, darmit man die Hüner uff
dem garten tod wirfft, und die wie ein Pastetensatz gestaltet, etwan einmal
ihrer beschorenen wollen werden übel lohnen: dann ich mein lebenlang nichts
närrischers gesehen, als elenlange und klaffterpreite Hafften auff dem Hut. Was
sollen haften auff dem Hut, setz sie darfür wie unser Pantagruhel an den Latz,
dann er ist heut wohl so wild und unrichtig.
    Für seinen Federposch trüg er ein schöne lange hohe Ploe Feder von eim
Onocrotalischen Grottomolinarische Kropffvogel oder Fürstenaug, Ocello del duca,
aus wilden Hindern Hircanien, da man die Vögel mit eitel Feigen speiset, weil
ein jede Feig sechtzig Scheffel tregt. Diser Firlefans lappet ihm lustig über
das recht Or herab, wie den Zimmerleuten die Hanenfedern, dann er dorffts den
Schweitzern zu lieb nicht für sich tragen, so waren die Reutterdollen noch nicht
auffkomrnen. Zu einem Federhalter, Medeibild und Hutzeichen, auch zu einem
Schaupfenning unnd Göttelgelt, Hett er ein ganze guldene Platten, wie die zu
Lunenburg von 68 Marcken, ein schöne Medei: darauff von angebrenten Farben ein
Figur gebossiret, die hat ein zweiköpffig Bild, welchs die Taubenschnebel
stracks gegen einander kehrt, mit vir armen, vier Füsen, unnd zwen ärsen, doch
eim Bauch, wie Plato inn seim Sammenpausen oder Symposi meld, dz im
Geheimnussamen Anfang die menschlich Natur einleibig gewesen sei: Und was darumb
mit Jonischen Budistaben, da man das Teutsch noch Griechisch zur zeit Caroli
Machni geschriben, gegossen.
                           ATAII HOYZH TEI TA EY THZ.
    Sein Ketten die er am hals trug, wog 25000 sechtzig drei Marck lötig Golds,
wie es der Fiscal in der Kammer jedesmal empfengt. Unnd waren die gleich wie
Hagenbutten, Jacobsmuscheln unnd Perlemuter geformiret, zwischen welche an statt
der Corallenbollen und Eychelnstollen grosse grüne Jaspiss einverteilet waren,
und mit des Wolffditerichs Lindwürmen und Trachen ergraben und erhaben, auch
rings herumb mit Diamantischen spitzen als flammen Funckelend und zwitzerend
besetzt. Sonst fein mit einer Perlinschnur, oder Margariten Paternosterlin
eingefasst. Wie es etwann der Jaspenkönig Nechepsos solcher gestalt getragen. Sie
hieng ihm auch zimblich lang hinab biss zum überbauch, unnd gab ihm, wie die
Griechische Artzet wohl wissen, grosse krafft, besser als der Suppenhofleut und
Spornloss Jungkherrn, von Eisen und GoldParticipirte Ketten.
    Zu seinen Händschuhen worden verschnitten sechtzehen Luchssenheut,
Unzenfell, und Trollengefüll, auch drei heut von Wehrwölffen, Pilosen,
Geissmänlin, Dusen, Trutten, Garauss und Bitebauen: die man rings darumb
verprämet, durch einen neuen Händschuchkünstler zu Löwen. Unnd worden von
solchen zeug zugericht aus angeben der Cabalistischen Künstler zu Sainlovald und
Dölpolsinlingen aus dem Heckelberg, die solches für dz unsichtbare gespänst im
Ofen gut wussten, wann einer nackend im Kachelofen stünd, dass man ihn in der Stub
nicht sah. Da hingegen die Hündine, Schäfne, wullene, hertzpfeilgemalte,
peltzene, Geissene, Wölfine, Füchssen, Carmasinen, auch die tüchene
Langzipflige Reuterhändschuch nichts vermögen, dann die Hand und Finger dicker,
oder länger zumachen. Die Leut machen heut die Kleider stäts weiter, dann die
Glider, da billicher wer, die Glider weren grösser dann die Kleider, zu dem wie
sie den Teuffel heut anstellen. Aber, billich, ist ein Hund: solt ich die heutig
Welt lehren? die mit dem Teuflel inn die Schul ist gangen? O nein, sie kann on
mich einer Milben ein par Reutstiffel anmachen.
    Sein Vatter wolt auch dass er Ring trüg, zu einer widerstattung und
frischergäntzung des lang wolhergebrachten alten zeichens des Adels unnd warer
Rittermäsigkeit, wie solchs die Historien und Juristen de Iure aureorum
Annulorum beweisen. Und Plini Lib. 33 cap. 1 dartut. Liess ihm derhalben an den
Lincken Zeigfinger einen Carfunckel, so gross als ein strausenai, wie dern einer
der Hertzog Ernst mit dem Schwert aus dem Strudelberg auff der Tonau erhiew,
einfassen, fein schraf mit Seraphgold von Ophir und Saba.
    Am Artztfinger oder Hertzfinger hette er einen Ring von vier metallen für
den Hertzkrampff im Beutel, auff die wunderlichst weiss, die einem je zu gesicht
kommen mag, zugericht, dann der Stahel verzeret, schwechet unnd schändet nicht
das Gold, noch das Silber das Kupffer: der Mars nicht die Sonn, noch Venus den
Mon. Dann es ward alles aus Lulli Ars gemacht durch den Iliastischen erfahrenen
Hauptman Chappuis Kappenhobelkopp, und den Biervogt Alcofribras seinen
künstlichen Meister.
    Am Prangfinger oder (verzeicht mir) am arsfinger der rechten hand, hett er
ein Ring, Spiral oder Pretschetweiss, wie die Seiler, Schiffleut unnd
Bronnentrögler die Seil zusamen legen, gemacht, unnd darein versetzt ein
aussbündige Besenbalach, sampt eim aussgespjetzten Diamant, und überaus schützigen
Smaragd vom Paradisischen fluss Physon, oder auff Junitremelisch Pischon. Dann
Hans Carvel, Oberster Jubilirer unnd Gestein händeler des Königs von Melinde
schätzt sie auff den werd der sechtzig tausend million flämmischer Hämmel der
grösten Woll, sampt neun tausent Englischer Rosen Nobel, acht Hundert Gulden
Real, und 94 Portugalischer Ducaten vom Güldenen Ritter, unnd 18 Wilhelms
Schild. Die Fuckart von Augspurg schätztens nicht geringer nach specie
bestimpter ablosung, als 900 tausent schurckens, 60 tausent Phillippisch
Klinghart unverruffen, 50000 Peter von Löven. 40000 Arnolds Gulden. 30000
Borbonisch Postulatz, sampt Säcken voll Grivan, vier Eiser, Johannes Brast
Pfenning, Königsteiner Batzen und Saltzburger gröschlein. Ein gering gelt für
einen der keins hat: O die Stein hatten grosse krafft, wann er auff dem Banck
lag, empfand er kein Feder: Unnd ful nur allzeit auff den ars, wie die Katzen
und Herren auff die Füss: Unnd wann er auff den Arss ful, so schads ihm nichts am
Kopff: das macht die Kinderpauschen waren wohl gestopfft.
 
                              Das Zwölfft Capitel.
  Von den Hoffarben und Gemerckreimen des Gurgelgrossa, und seins Sönlins, des
                             schönen Hembdfänlins.
Ihr habt hie oben verstahn mögen, dass des Garganz und balds farb ist gewesen
Weiss und Plo, wie gedörrt Bonenstro. Dadurch er zuverstehn gab, wie ein
himlische freud er seim Völcklin sei. Sintemol durch weiss: Lust, kurtzweil unnd
freud, durch Plo gestirnhimmelige Sachen werden bedeit. Dann wer wolt nicht
glauben das der Himmel Plo sei, was auch des Mentzers Gesangsweiss gestellter
Eulenspiegel disputiert Grün sei Plo. Lib. 1 ca. 65.
    Ich Förcht euer etlich werden schmollen, diser sachen, und des alten
Trinckers wohl lachen, dass er so sinnspitzig das NadelLoch trifft, und gereimt
die Farben aussleget: und gedencken, weiss bedeit beser nach gemeinem Prauch
Glauben und Treu, und Plau, bestendigkeit und auffrecht on scheu.
    Aber euch nit zu verrucken oder zuverzucken (dann die zeit sind gefärlich) so
antwortet mir, seit ihr frisch: (dann strenger will ich mit euch nit faren,
sonder allein etwas aus meiner flaschen schrauben.) Wer überred euch also, dass
weiss die treu bedeit und Plau die beständigkeit? Hei, werd ihr sagen, ein
überhüpsch ertzschön büchlein, welchs die hausirer, Zeitungsänger und sonst
Priffheffter, welche die Lider auff den Hut und das gelt in den Latz stecken,
herumb tragen, dessen Titul ist, Bläsonirung der Farben oder von Wapenvisierung
und Farbenlosung: Aha bene, wer hats gemacht: wer hats Visiert?
    Warlich wer auch der Bläsonirer sei, so ist er in dem gescheid gewesen, dass
er seinen Namen nicht gesetzt hat: und weiss nicht, ob ich mich meher über seim
frevel, oder meher seiner ungehöblichkeit versegnen soll. Seinen frevel inn dem,
das er on ursach, ohn bescheid, ohn einigen grund oder schein aus eigenem
dürmelkopff hat uns seinen Farbenverstand dörffen fürmalen, als ob er der
Tyrannen einer wer, die ihren mutwilligen vorsatz und vorsetzlichen mutwil an
statt der notbeweglichen ursach und ursächlichen notbeweglichkeit setzen, denen
ihr angenommener willen, muss die beweisung erfüllen, Wir wollen, für Wir sollen,
Wir gebiten, für Wir rhiten: Ist unser ernstlich Meinung, für, Ist unser
wolbedachte scheinung: Bei tödten, für Es ist von nöten, bei hencken, für
Aussbedencken. Solches gilt aber bei weisen verständigen Leuten nicht, sonder sie
müssen es also fügen, dass sie den Leser durch greifliche Ursachen benügen.
    Seine ungehoblete Grabeseligkeit inn dem, dass er gemeint hat, die ganze
Welt werd on ferrnere nachdenckung und erweisung gleich einsmals ihre gemärck,
zeichen, Divis, Wapenreimen, Hofkleider, Wapenlosung, Reimenloss nach seinen
unholdseligen, vorgemodelten, für gekauten und gekotzten gebotten richten.
    Gleichwol ist nit on, er hat nach dem Sprichwort (Auff Märckten unnd
Kirchweihen find ein durchlaufiger Arss allzeit genug Trecks) etliche grobe
Heintzen unnd Gribensinnige Molckenhirn von des Metzigers Taschen zur zeit der
hohen Schlaphauben gefunden, die seinem schreiben gleichwol haben statlichen
glauben geben: Und nach denselben ihre Hofärmelreimen erleucht, ihre
Wapengemerck, Mommerkleider, geschmeid, geschmuck, haussrhat, Teppich, Pitschier,
Wänd, Pfosten, Pfulwen, Wapen Röck: Helmsprüch: Stammreimen, und sonst Schilt
und Tartschen geschickt unnd aussgeteilet, ihre Jungen darnach gekleidet, die
Stumpf darnach geschecket, die Arsbacken gequartieret, die
Pritschenschlagerröcklin gehalbieret, die MaulEsel gezäumet, die Rossdecken
gestreimet, die Händschuch gebordiret, die Federn geiustiret, ja die Weiber
haben auch ihre Bett, ihre Umbhäng, ihre Pleigen, ihre Fransen, die Jungfrauen i
hre sträusslin Je länger je lieber, Holderstöcklin, Kräntz, Fatzenetlin, darnach
geschicket, ihre Küssen gesticket: Ihre Lieder gedichtet, inn Praun will ich
mich kleiden, gegen diesem Winter kalt, etc. Ja inn allen Festen, Turniren,
Haupt unnd Landschissen allein darnach alles geordenet, die Fänlin dem gemäss
aussgeteilet, alle Kleider darnach verprämet, gesaumet, berandet, beleistet,
gebortpleget, den Helm geschmucket, die triumphgebäu gemalet, die groen Röck,
die man zu Hof verdienet, darnach aussgegeben. Und welches das ärgst ist, grossen
beschiss und trug unter erbare Matronen eingeführt unnd die gute Jungfräulin
schandtlich verführt. Weil sie auff die gedacht Farbendeitelei ihren glauben
gepackt, da doch ein anders darhinder Stack.
    In gleicher Finsternuss stecken auch die Ofenschrantzen, die Spissprecher,
Ringstecher, Vilhelmige und Schiltquartirte Wapenverbesserer, und
Wapenprifkaufer. Auch die Namen veränderer, Wortverrucker, die so
geheimnussreichlich die wort in frembdem unertraumlichen verstand sdireiben und
malen können: die in ihren Ritterreimen unnd Turnirsprüchen hoffnung und Espoir
anzuzeigen, ein Ofen oder Hopffenstang, und ein Spher oder Weltkugel malen: für
die pein und peen, pennefedern oder bein, für die Melancholi das Kraut Ancholi,
den halbmon für zunemmen leben, ein verrumpelte Banck für ein verdorbenen
Banckerottierer, Non und ein Halsgerät oder Prustarnisch für kein hart Kleid
und wesen, oder non dur habit: ein Bett on Himmel, oder Lit sans ciel für ein
Licentie: Litzel Salat, für Licentiat. Ein Weltkugel unnd ein Leir, für die Welt
ist ein Laur: Ein Apffel, Löwen, Maus, Wei, Storck, Angster, Treibschnur, Hirtz,
Leiter, Bien, Schabeisen, Dannen, Bien, o, holtz, El, Licht: für O Appel
lebendige Maus, wie starcke angst treibst meim hertzen ein, leider ich bin
schabab, dann ich bin nit holdselig. Item Lipp, Habich, o, glock unnd külung, für
inn lieb hab ich kein Glück noch fristung: Ein schafft oder schaf, Jäger, Has:
Für, Das schafft des Hassers Hass. Ein Am Weins oder Eymer unnd ein Or oder Uhr,
für Amor: Ein Weltapffel und Nullen, für oder Keiser oder Nollpruder: ein Perlin
und ein Clavicordi, für Die Margarit ist meins hertzen schreins ein Schlüssel:
ein A. und ein Mor Amor, den Mon für Man, ein Leib brots, und ein Zig für
Leiptzig, ein hertz, küssen, Hund, Säg und ein Nulle, für Hertzlieb Küss mich und
sags nicht: Eyn Kann und ein Vogel, für Kann ich so kogel ich dich, unnd sonst
ein Pfeiff, im treck auff eim Küssen, und ein S. oben unnd ein Q. unden.
    Welches alles und anders meher so ungereuterte und ungereimte närrische,
Barbarische, Homonima oder Nameinige Wortgleicheiten sind, dass man bei heutigem
Licht guter künst fortin, einem der sie meher prauchet, solt einen
Fuchsschwantz an hals hencken, und ein Butzenantlitz von Kütreck fürtun, oder
im Meien inn süssen warmen Kütreck abtrucken, auff dz man den Gauch lehrnete
kennen. Ja mit eim warmen Kütreck ein zeichen inn backen Prennen.
    Mit diser weiss, wann diss gelten solt, möcht einer ein jden Hautjuckigen
Vogel für ein Gauch ansehen, ein Sau für ein Baier, ein Nuss für ein Schwaben,
ein Geiss für ein Schneider, ein Maultier für ein Francken, ein Schlesischen
Esel für aller Hasen Grossmuter, ein Pomerisch Storckennest für Salat, ein Ku für
ein Schweitzer, ein Töringisch Pflugrädlin für ein Prettstell, ein weisen Hund
für ein Müllerknecht, die Eselin für Frau Müllerin, ein Hasenkopff für ein
Niderländer, ein Hammel für ein Flamming, ein Kachel für ein Basslerische Köchin:
    Solcher gestalt wann man von gleichlautendes klangs willen eins für das
ander will prauchen, so will ich ein Paner malen und verstehn dass mich mein
Bulschaft will bannen, ein Pensel und meins Hertzens Seelpeinig Fegfeur
verstehn, ein Kalbskopff für ein Kalkopff, ein Hafen mit Senff, das mein hoffen
unsanft versaur, ein Pott mit Moustart, dass mein Hertz moult tard, ist Most
art, jürt wie neuer Wein hinden aus: Also muss mir ein Pott ein Official und
schuldbott sein: das Unden am end, meines gesäses ein Fartzbüchs: mein Pruchlatz
ein Forsprechstüblin oder Lass eisen: ein Hundsstrud und Estron de chien für ein
tronc ceans oder grundstand meines Bulen leib: der Hundstreck ein
Niderländischen händschuch oder antrecker: ein Nonnenbauch, ein Brevirbuch, da
man die Nonas liset: ein schraub und är, ein Schreiber, Grandmercy, ein langer
Krämer, mein Nasstuch ein Rotzherr, mein Arskerbenei ein artzgerbnei, die Katz
inn der Suppen ein höfische Supplicatz oder Purgatz, ein Eul unnd ein Schneck,
Eil mit weil, hurnauss ein Hurnhauss: Ackermerr ein Kramer: umgestürtzt läre Kann,
ein Kantzler, heimlichs gemach ein Sekretari: kale Maus ein Kalmäuserischer
Commisari: Hebammenstul ein Notari: Helffant ein helffer, Kalecut ein beschabet
Mönchskapp oder abgerieben zinckenbläsermaul, Lame tatz für Lamentatz: Pfrimen
inn oren die Memori: Bock im Beltz der Teufel: Prust Latz für Protestatz: arm im
reff ein Reformirer: ein entschipter kaler Fisch oder Al ein Fiscal: die eim
hinden aus essen, die Interesse Wucherer: Der Ars ein Arrest, und die einen
Arstiren. Unnd wer kann alles ersinnen, wie es der ein auffs Heu, die ander auff
die Eh macht: und wann der ein sagt, suo more canit, der ander versteht, ein Sau
unnd Mor, unnd kann nichts? sua cuique sponsa placet, jedes Sau unnd Ku pletzt
sein Braut, und der ein die Aberacht auff sechtzehen ausslegt, unnd das Einig für
Ewig versteht. Es sind eitel faul Fisch. Die Weisen in Egypten haben vorzeiten
der sachen vil anders getan, wann sie durch gemälschrifften und Schilderbilder,
welche sie Hieroglypisch nanten, geschriben haben. Welche keiner nicht verstund,
er verstünd dann auch die Natur, krafft und eigenschaft der vorfigurirten unnd
fürgemaleten Natürlichen sachen. Als der Helffant ein Keiser: ein gross Ohr ein
Weiser, Schaf gedult, Taub einfalt, Schlang listig, Wolff fräsig, Fuchs
diebisch, Delphin libisch, KürissPferd Krieg, Han sig: Hund unflätig. Aff
unverschamt: Seu wüst: Schneck langsam: Wider widersinnig: Wölfin ein Hur: Esel
ein Stockfisch: ein Beschneidstul: ein Cartetschbanck: Has forchtsam: Maus
schaden: Katz Weiberrammel: Maulwerff plind: Storck fromm, Kranch wacker: Eul
weiss: Aug Auffsehen: Greiff schnelligkeit: ein tod Ross schelmigkeit: Crocodyl
untreu: ein Schermeusslin ein Mäutzlein: ein Schöffel ein Rhatsherr: ein Sessel
ein Richter: ein Cantzel ein Predigkautzen: zwen Finger über eim Kelch ein
Priester, ein Kelch inn Munsteri Mapp ein Hussit: ein Lucern ein Candelabrum
Patriæ: eins Menschenhaupt ein Gelehrten: ein Eselskopff ein unverständigen:
Fisch stumm: Schwalb leidig: Nachtigall Music: Hetz geschwetz: Ganss geschwigen:
Pfau stoltz: der Gauch ein guter Mann: der die Frembde Schuh bei seiner Frauen
Bett vor zorn zerschneidet: die Binen einig: Muck verdrüssig: Spinnwepp vergeben
werck: Krebs hindersich: Frösch Beurisch: Hebheu alter: Weiden Unfruchtbar:
Maulbör ein Maultasch: Feigen Or Feig: Apffel Meidlinspil: Ror zart: oder
unbeständig: Dornen hass: Lilgen schöne: Nesselen Kranckheit: Rut zucht: Bonen
Keusch: Zwibel weinen: Kürbs onnütz hoffnung: Oelzweig Frid: daraus man sicht
das Gott etwas auff solche zeichen gehalten: weil er mit Noe durch ein Rappen:
Taub unnd ölzweig inn der Arch geredt hat. Auch Jonas auff die Kürbs vergebens
hoffnung satzt, da citò quod fit, cito perit.
    Wie solche unnd dergleichen Bilderschrifften der uralt Orus Apollo, der
VollibPolyphil im Libtraum, Pieri Boltzan, Cälius Cittolinus, der Herold, der
Goropius, der Schwartzialupi, die Hieroglyphischen Heiligschrifftenerklärer
haben artlich erkliebet, auch sonst vil Emplemateschreiber, Sam Buch Stamm Buch
Holderstock, Aldus Hadrianus Brachmonat, Reussner, Holtzwart, Fischart, Paradin,
Jovius, unnd viel Divisendichter verblümt und verkünstelet.
    Aber was bemüh ich mein gut Schiflin länger zwischen disen klippen, wär
jagen unnd würwellen umbzutreiben, ich will eben so mehr widerumb inn den
Anfurtafen, daraus ich gesägelt, einlauffen. Dann besser wohl hindersich als
übel für sich.
    Gleichwol wollen wir einmal besonder von den Farben handelen: Wann mich nur
alle Heiligen bei lust erhalten, und mir den Leist im hütlein gesund bewaren, so
ist ein gute Rastatter Kann, oder tieffe Bannmass mit keim bösen Wein, wie mein
liebe Grossmutter sagt.
 
                            Das Dreitzehend Capitel.
       Was bedeitet werd durch Plau und Weiss, auch nach Natürlicher weiss.
So hört ihr nun, ihr seit dann daub, das Weiss bedeit freud, wollust und
kurtzweil: unnd nit unfüglich noch übertieffklüglich, sonder sehr billich,
naturmüglich und tüglich welchs ihr auch werd billichen, wann ihr, hindan
gesetzt alle An oder Onmutungen, das jenig, so ich jetz also par will aussführen,
wollet on Fussscharren und räuspern anhören. Nun Silentium, das Maul zu oder etc.
    Aristoteles schreibt, so man zwei widerwärtige ding inn ihrer art und
specie, als gut und Böss, Tugend und Laster, warm und kalt, schwartz und weiss,
Lust und schmertz, freud unnd leid unnd andere widerstrebende sachen zusamen
halt und vergleicht, da muss notwendiglich folgen, wann ihr sie solcher gestalt
gegen einander stellt, das so das widerspil eines, mit dem einen, so dem andern
zuwider, überein kommet, alsdann das ander wideriges, dem andern überplibenen
zugehör. Als exempelsweiss, tugend und laster sind inn einer art specie
widerwertig, wie auch gut unnd böse . So nun eins der ersten streitigen specien
mit einer der andern zustimmet, als tugend und gut (dann diss besteht ausserhalb
allem zweifel, das tugend gut sei) So müssen von notwegen die andere zwei
überigen überein treffen, welche sind Laster unnd böse , dann Laster sind ja böse :
das frag man den Erlöss uns vom Beza, der wird uns den betzen zu Bern im Loch
zeigen.
    Wann ihr nun dise Redwechselig Dialectisch Kunst und Logicalisch Regel
ergriffen, so versucht es nun mit anderm, Nembt dise zwei widerstrebende freud
unnd leid, darnach dise zwei weiss unnd schwartz: Dann sie streiten naturmäsig
und Physicisch widereinander. So ihm nun also, das schwartz bedeitet leid, so
wird von rechtswegen Weiss bedeiten freud.
    Unnd zwar diese Ausslegung ist nicht durch Menschlichs gründelen und Fündelen
auffkommen, sonder durch ein allgemeine Emhälligung der ganzen Welt
auffgenommen. Welchs die Philosophi das Völcker Recht heissen, ein rund recht,
das durch die ganz Weltründe unwandelbar wandert: und allentalben gilt
ungeändert. Wie ihr dann wohl wisst, dass alle Nationen (aussgenommen die alte
Syracusaner und etliche Argiver, welchen die Seel überzwerch gelegen) alle
Sprachen, alle Zungen, alle Völcker, alle Heiden, wann sie äusserlich anzeigen
ihr traurigkeit, so tragen sie ein schwartz Kleid.
    Welche allgemeine der ganzen Welt gleichstimmung jedoch also ist
auffkommen, das gleichwol darzu die Natur selbs vil notwegliche anleitungen,
Folg und schlissursachen gibt, die leichtlich ein jeder on einige unterweisung
von ihm selbs kann begreiffen und erkennen, welches wir sonst das Natürlich Recht
nennen. Aus welcher anführung und Induction dann, wie gesagt, die ganz Welt
durch Weiss hat verstanden lust, Freud, Kurtzweil unnd ergetzlichkeit.
    Vorzeiten haben die Traces und Creter durch weisse stein die freudenreiche
glückfertige tag verstanden, durch schwartze die traurige unglückselige: wie
solche stein die Juden Christo nachwurffen, und heut von vilen böse 
bottschaftbringern auffgelesen und Damnoclamantisch gebraucht werden. Mir nit
des Bottenbrods, ich will mich des Trinckgelts behelffen. Item macht nicht der
vilsprachmalerisch Eisenturn inn seinen Calendern etlich Tag mit schwartzen
widerwertigen. (.) Etlich mit Roten unglückhaft, etlich gemeines Unglücks, vor
dem grossen behüt uns Got. Was? Ist nit die nacht traurig, öd, schwermütig,
schläfferig, unlustig, schrecklich, Gespänstgrausend, Hechssenführig,
Katzenmautzig, Todenleichig, unnd etwas Höllischer art? Dass sich auch ein
sprichwort daher angespunnen, die Nacht sei niemands Freund, unnd derwegen
unholdselig, unfreundlich, ja Feindselig unnd feindlich? Dann sie ist schwartz,
dunckel unnd Finster aus mangel: was aber mangel leidet, ist unvollkommen und
derhalben unglückhaft.
    Hingegen erfreut nicht die klarheit, der Tag und das Liecht die ganz Welt?
Ist aber der tag nit weiss, so muss Marcolfi rechenung mit der Milch fälen,
darüber Salomon ful. In summa es ist weisser als kein ding. Welches ferrner zu
beweren kann ich euch auff das Buch Laurentz Valle wider den Bartolum De Insignii
weisen. Aber der Evangelisch Spruch wird euch vernügen, da staht, Seine Kleider
worden so weiss als das Liecht. Durch welche Weisse der Herr seinen Jüngern das
Himmlisch Leben wolt einbilden. Dann durch klarheit wird alles was Menschlich
ist erfreut: Wie ihr dann ein Sprüchwort von einer alten pflegt zuhaben, welche,
wiewol sie keinen Zan im Hals hat, doch alle morgen Bona Lux sagt: Deren geful
der Schnee hie noch wohl, besser als dort die Pfaffenkolen, oder das
Tyrannodisciplinisch Lemanisch Bad im Genfischen Todenmeer.
    Unnd lieber sagt nicht Tobias, da er sein Gesicht verloren: Was freud kann
ich haben, sintemal ich nicht des Himmels Liecht sihe: Auch bezeugen es meine
Juristen, l. inter Claras. C. de sum. trin. ibi. nihil est etc. In solcher Farb
Kleidung erzeigen sich die Engel gemeinlich, wann Gott etwas Freudhafts auff
Erden wircket. Auch sah inn solcher gestalt Johan in der Offenbarung im
Ewigseligen Jerusalem alle Gleubige gekleidet.
    Leset beide Griechische unnd Römische Geschichten, so findet ihr, dass die
Statt Alba, so der erst Model unnd Patron der Statt Rom gewesen, gebauet unnd
genant sei worden nach einer weissen Sau, die da gefunden worden. Wer sie
schwartz, oder halb und halb, wie man die Hund schiert, gewesen, sie hettens
dahin nicht gebaut, sonst wers ihr wie Troia gangen, die ein schwartze Sau im
Wapen führen: Darumb hat Keiser Carl der Machtgross, den Sachssen, nach dem sie
Christen worden, das Westphalisch schwartz fal oder Pferd im Wapen in weiss
verkehrt. Ihr werd auch finden, das wann einer an den Feinden einen Sig erholet,
also das ihm desshalben vom Rhat inn Triumphirender gestalt zu Rom einzuziehen
gegont war, solchen Triumph mit Weissen Pferden vollprachte. Ihr findet weiter,
das Pericles der Atener Kriegsoberster gebot, das diss teil seins Kriegsvolcks,
welchem das Los der weissen Bonen zugefallen, den ganzen tag rhüig in freuden
und kurtzweil zuprächte, unter des das ander teil stritte, unnd fechte.
    Noch andere Tausent Zeugnuss rneher könt ich zu diesem fürnemmen dienstlich
anziehen: Aber was darff ich vil knöpff an einer Bintzen suchen, ich möcht sonst
die Halffter am Barrn vergessen. Nicht dess minder, hab ich euch durch diss
weitläuffig erzelen gar geschickt gemacht, also dass ihr durch vorgesetzter stuck
erkantnuss, itzund könt ein frag, welche Alexander von Aphrodis unaufflösslich
schätzte, schön auflösen. Warumb der Löwe, ab welches Prüllen alle Tier
erschrecken, allein den weissen Hanen förchte und ehre. Dan solches geschieht
darumb (wie Proclus im buch vom Sacrificio und Magia meld) Weil der Sonnen
krafft, welche ein ursach unnd zeug alles Irdischen und gestirnigen Lichts ist,
sich viel reimet, schicket unnd Artet in dem Weisen Hanen, also dass sie auch an
der Farb aussspricht: Demnach dann das Licht, wie erwisen, weiss ist, und der Löe
das Feuer scheuet, wie auch der Elephant, vil meher scheuet er das Sonenartig
Tier, welches von hitz ganz schneweiss wie der Tag worden: Dann des Feuers und
Sonnen wirckung ist inn ihrer krafft weiss: Daher den Latinern die Kolen
candiren.
    Ja ich will noch weiter sagen, das in Löen gestalt offtermals sind die
Teuffel gesehen worden, welche, so bald ein weiser Han darzu kommen und gehebt
worden, plötzlich sind verschwunden.
    Daher kams, das die geile, gobelige, gogelige, guckelhanige Gallier (mit
wölchem Namen die über Reinige Francken benant werden, von wegen dass sie
gemeinlich weiss sind wie Milch im Kolsack, welche die Griechen Gala nennen) gern
weisse Federn auff den Hüten tragen. Weil sie von Natur freudig, Lustig unnd
(mit zweien Worten zusagen) leichtsinnig unnd leichtfertig sind: dantzen auff
eim Fuss, wa ein Schweitzer Baur zwen bedarff, gleichwol nicht rahtsam ist, sich
von eim solchen Heine von Ury mit Füssen tretten zulassen: Ja dise Feder
Francken können den ganzen Leib mit der Beckelhauben im stürm decken, da ein
breiter Plateiselschwab aus seim Rucken ein Rückkorb macht, so vil stein trägt
er darvon: Ja hupffen wie ihr Katzenspiliger Ball, scheissen nicht dann im flug:
eh ein anderer auffsteht, sind sie ein halbe stund gelegen, springen einem meher
umb ein Haller, als ein Botter Holländer, oder ein enzwei geprochener Lamer
Seeländer umb ein Taler. Sie bestehen wie ein Beltz auff seinen ärmeln. Darumb
haben sie auch die allerweissest, zartest unnd hinfelligest Plum die Lilg zu eim
zeichen im Wapen.
    Und darumb secht ihr, auch wie die Zimmerleut die feinen Hanen, also hui
sind, wann sie über die Plöcher springen, das machen die Hanenfedern, die sie
auff den Hüten stecken haben. Auch die Dänen, welche Gorop von den Hanen
herreimet, wann sie im schwimmen das Geses hinden aussburtzelen: dann es geht,
wie Magister Pileatoris in tertia sui spricht, Quamvis arte nates, tamen
apparent tibi nates. Wann schon schwimmest nach der Ars, sicht man dir doch den
Arss:
    So ihr aber fragt, wie die Natur uns unterweise, durch weise farb freud
zuverstehn. Antwort, die vergleichung, conformitet, proportz und zusammen
reimung darin halt sich also folgender massen. Gleich wie dass weiss eusserlich
das gesicht verteilt, verstreiet, spazieren und splaciren füret: Also
enscheiden, ermunteren, erstäuberen, erquicken und erspatzieren sich auch davon
die gesichtliche Spiritus oder augenscheinliche lebkräffte: nach Meinung des
Aristotels in seinen fragen von der perspectiff. Wie ihr dann solches inn
greifflicher erfarung empfindet, wann ihr durch Berg und Tal mit Schnee
überdecket, reiset, da klaget ihr bald, ihr sehet nicht wohl, die augen tun euch
wee, wie auch solches seinem Kriegsvolck geschehen sein Xenophon schreibet: auch
Galen: lib. 10 de usu partium erkläret: wiewol mich jener Vilochssenfuss bereden
wollen, der Schnee sei schwartz, Gott geb ihm ein gute zeit, wa er auch
schwartzen Schnee mit weissen Kolen distillier.
    Wann sich nun die ergetzlichkeit inn das Gesicht schicket, reicht es
folgends einwertz zum hertzen, welches alsdann von fürtreflicher freud innwendig
gar zerlöset, ein öffentliche erlassung des lebhaften Geistes verursachet.
Welche folgends also übermässig mag zunemmen unnd aussgelassen werden, dass ein
hertz warhaftig von seiner auff und unterhalt kann entsetzt, entblöset und
beraubt werden: und also folglich das leben aus Pericharischer überfreudigkeit
verlieren unnd erleschen, wie Galen: sagt lib. 12 Metod: lib. 5 de locis
affectis, und lib. 2 De Symptomaton causis. Unnd wie solches Mar. Tull. im
Ersten Buch Tusculanischer fragen, auch Verrius, Aristotel, Livius, nach der
Schlacht vor der Cannen geschehen sein bezeugen. Item Plini lib. 7 c. 3 2 und 53
Aul. Gell: lib. 3. 15 unnd andere vom Diagora von Rodo, vom Chilon, Sophocle,
Dion dem Tirannen von Sicilien, Philippide, Philemon, Polycrate, Philistion, M.
Juventi, Bapst Julio unnd Leo, die alle vor freuden starben: darumb muss man sie,
wo sie jetzund sitzen, mit kaltem Wasser beschütten, sie lachen sich sonst wider
lebendig.
    Wie desgleichen auch Avicen im 2. Canon und im Buch von den Viribus des
hertzens schreibet vom Safran: welcher also das hertz erfreuet, dass er einen zu
tod kützelt, unnd durch überschwenckliche und überflüssige erlassung, Dilatation
und verstreiung das leben nimpt, wann mans zu vil über sein mass einnimpt. Hiezu
hebt unnd leset auch den Aphrodisischen Alexander im ersten Buch inn der 119.
frag. Unnd diss aus ursach. Unnd aus welcher? Hei kleine Häflin lauffen bald
über. Ich vertieff mich zu ferr inn diser Materi, wiewol ichs zu anfang nicht im
sinn gehabt. Derhalben lass ich hie mein Segel nider, unnd spar das überig inn
unser Vollendal. Und schliess entlich mit eim wort, ihr wolt mir wie euerem
Beicht Vatter diss falls glauben, blau bedeut gewisslich den Himmel und Himmlische
Sachen, gleich wie das Weiss freud und lust bedeut. Weiter darff ich nicht sagen,
dann wann man ein ding zu vil lobet und liebt: gemeinlich viel falsches damit
unterstiebet: Und wie man spricht. Wer sein Frau lobt unnd sein Kunst, der käm
ihren gern ab umbsonst. Ach ich hab viel zugedencken, wie der Schulteiss im Bad,
der nicht wusst, ob er gezwagt hatte.
 
                            Das Viertzehend Capitel.
         Von des Gargantua Adelicher Jugend, und Jugendgemäser Tugend.
Von dreien Jaren biss zu fünffen ward Gargantua durch befelch seines Vatters inn
aller gebürlicher lehr erzogen und unterricht. Pracht daneben die darzwischen
einstehende zeit zu wie die kleine Knaben des Lands pflegen, das ist mit
trincken, essen und schlaffen, mit essen, schlaffen, und trincken, mit
schlaffen, trincken und essen.
    Täglich waltzet er sich im kaht, allzeit ging er massgen mit der Nasen, ja
butzen inn der Nasen, er dorfft kein schonbart, wann er sich unter den Augen mit
Rotz beschmiret, berusiget, besudlet, unnd beknudelet. Auch verguldet er gern
die schuh, wie die alten Francken, von denen Lazius schreibt, doch macht er
darmit keinen Goldschlager reich, er bliess ein Katzengeschrei durch die
verstopfft nass: spiegelt sich im ermel, versilbert die Backen, buckt sich oft
nach den Mucken, griff gern nach dem Messer, lieff gern nach den Schrötern,
Meikäfern, und fürnemlich den Farfallischen Baumfaltern unnd Papilonischen
Butterfligen unnd Pfeiffholdern, und den Mariposischen Botterschützen, deren
König sein Vatter kurtz zuvor inn Volaterra, an Nullenburg stossend, worden war.
Beseicht viel die Schuh, das macht er war gern im nassen, schiss ins Hembd, das
macht er sass gern warm, schiss die bein ab vor dem Tisch, und sah es darnach an,
ass es doch nicht mit löffeln wie Eulenspiegel, gunts aber seim Engellendischen
Hündlin: treiffet und geiffert inn die Supp, tappet ins Muss, tappet an allen
orten an. tastet, zopffet, kratzet, jauchtzet und Ketzerschrei tranck aus seinen
Pantoffeln, unnd täglich rib und kratzt er ihm den Bauch mit eim Nonnenkörblin,
und alter Weiber Cartetschfleck.
    Sein Zän steifft, wetzt und spitzt er mit negeln, Holtzsolen,
Pantoffelholtz, dem topff, mit eim Niderländischen Nonne: mit schletterlen, mit
Puppen, diss waren sein eingefasste unnd angehenckte Wolffszän zum zanen und
zännen, und sein Tattelkern für fallen: waschet sein händ inn der Suppen, malt
die Wend mit dem Muss, streit sich mit dem Glas, sass zwischen zwen Stülen nider,
neben den schemel mit seim zarten ärsslin auff den harten boden, deckt sich mit
eim beschissenen Sack, wischt sich mit treck, tranck weil er die suppen ass, wie
ein anderer närrischer Schwab, steckt alles ins Maul, reicht vil eher die linck
dann die recht: Dann solchs ist, wie Meister Bartel Erbsenschütz,
Superintendens zu Superbingen, im Buch, Von eins sanft donnerenden Predigers
lincken fuss auff der Cantzel, und seim rechten Aug in der Rahtstuben schreibet,
ein anzeigung der Erbsündlichen art, eher krums dann schlechts zutun: er dautzt
jederman, wolt nit A. sagen, auff dass er nicht müss B. sagen, stammelt im betten,
aber sehr fertig fluchet, unnd schalt es ungestammelt, neigt dass Amen im mitteln
Vatterunser, trehet dass Hütlein herumb, wurf dass Hütlein in die lufft nach dem
Weihen, ass dass Fleisch ohn Brot, griff inn heissen Brei, verbrent die Finger im
Liecht, biss und lachet, lachet und biss: hett zwen böse Zän, der ein ass gern
Weissbrot, der ander Lebkuchen: war fromm, biss nieman im schlaff, küsst die Rhut,
doch nit gern, spie oft ins Becken, forcht den Kemmetfeger, den Hudelump, und
den Mann mit dem Sack, forcht man steck ihn wie der Mönch den Käss darein, schiss
vor feisste, tet ins Bett, und bestrich sich damit im Antlitz, seicht gegen der
Sonnen, wind unnd wand dass Zümpelin, sauget am Leilachzipffel, verbarg sich im
Wasser vor dem Regen, zucket den Kopff und stiess ihn ans brett, schlug nach der
hand unnd traff die Wand, schlug und bauet im kalten, bliess in die kalt Milch,
traumet krauss im holen, stiess ihm Wurtz und Zucker aus Steinen, bettet dass
Affenpaternoster, kehrt zu seinen Hämmeln: Munter dich auff Kinds treck: trieb
die Säu wider umb zum Häu, schlug den Hund vor dem Wild, spannt dass Ross hinder
den Wagen, ass die Lebkuchenleut, hasst den Schulsack wie schön er gemalt war,
gleich wie die Meidlin ungern spinnen, wie hüpsch man auch die Kunckeln mal,
geiget auff den Nussschalen, pfiff auff eim Stecken, kriegt hinder dem Ofen, hett
die windeln am gesäss kleben, war nass hinder den Oren, dass Hembd lag im neher als
der Rock, kratzt sich wa ihn nicht biss, zog die Würm spannenlang aus der Nasen,
umbfasst viel und hielt wenig, ass dass weiss Brot am ersten, setzt den Bauern auff
den Edelman, vom Pferd zum Esel: war sauber, schiss kein Leimen: hett dann ein
Bachofen gessen: schiss ins bruch unnd ass zu nacht, weint kein Gold, liss Nacht
und Tag werden, beschlug die Häuschrecken, macht der Lauss Steltzen, macht Schiff
aus Papir, bauet Muckenhäusslin, unnd bliess sie selbst umb, brach den Mucken die
Köpff ab, riss ihnen die füss aus, steckt sie an einen höltzin spiss, wie die
Weiber die Flöh an die Nadeln, stach den Vögeln, wie der Spartanisch König, die
Augen aus, nit aus greulicheit, sonder wie die Kinder nach den Kindlin inn den
augen stupffen, trehet die kögel umb: sass dass Hänlin im Korb, so wolts heraus,
war es draussen, so wolts hinein: was er sah begert er, was er begert dass
erweint er: war gar sauber, was er schiss liess er ligen, und sah es alsdann an,
wie ein Gaul, der den Karren hat umbgeworffen: war aber darneben unsicher, schiss
im schlaff, wie die Bäurin, die mit dem hindern in die Milch bliss: liess die
Lerch in der hand fliegen und griff nach eim fligenden Storcken, schlug dass hund
Wölflein für ein Wolff, sauget am hemd, kützelt sich selbs zu lachen, dient wohl
in die Kuchen, macht den Göttern Garben von Stro: acht sich keins glantzes,
wischt den hindern ans hutlin: und ass küchlein aus dem Hafen: was ein
Krautschütz, wann er ins kraut schiss: biss auff ein federkengel, damit ihm die
rat nit weh tet, und weint doch, dass ihm die rotzkengel aus beiden Nasslöchern
ins gefress hiengen, und vor ängsten die stinckenden Kegel entgiengen? wann er
ins Bett seicht, sagt er es hett ihm geträumt, wie er an der wand stünd, und
wässerlet, oder es sei ihm der bruntzscherben ins Bett gefallen: liess dass
Magnificat zur Metten singen, unnd befand es mächtig gut, frass Köl und schiss
Mangolt, wie die Geisen spotten, fressen Kraut und scheissen Bonen, er kant die
Mucken in der Milch, schabt dass Papir, mördelet dass Pergamen, gewan es zu fuss,
schoss nach der Geisen oder den Geissennesteln, macht die zech ohn seinen Wirt,
schlug in den posch, und fieng kein Vogel, meint der Himmel hang voll Geigen,
glaubt gefartzt sei geschworen, geschissen sei gemalt, gebrent sei gebissen,
treck sei Rötelstein, dass Messer beiss, die Wolcken weren Woll oder blumentolter,
dass Gewülck Spinnwepp oder Schinhüt, der Schnee Mäl, die Schlosen Zuckererbsen,
die Wasserblasen Laternen, neben dem stecken gegangen sei geritten, man schöpff
die Kinder aus dem Bronnen, wann es fall, es fall noch eins vom Himmel, Rotz
auff dem Brot schmack wie Honig, die Katz ess dz Messer, dass Holtz schneid Eisen,
wie der Römer Scharsach den Wetzstein, und die Maus die Feihel nagt: stelt sich
als ein Esel, auff dass er Kleien hett, ass gebrants für gebraten, Stockfisch für
kraut, meint ein Beltz dient für ein schuss, ein Harnisch für die kalt, liess
Bonen Erbsen sein, macht aus seiner faust ein hamer, fing die Kränch im ersten
sprung, schalt den Weihen ein Hünerdieb und stal ihm keins: rufft unnd lobt den
storcken, dass er ihm übers jar rote schu bringe, ass die biren ungeschelt, die
Fisch unergränt, erwischt dass schwerest für dass best, wie Keisers Sigmunds
Hofman die Bleigefüllt Büchs für gülden, tat auch wie dess Keisers Ross, welchs
im wasser stallet, gab wo vor war, schiss zum grösten hauffen, seichet inn den
Badzuber, meint was glitzet dass sei Gold, unnd beschiss oft die Finger dran, wie
der Pfaff an dess Eulenspigels Erb: liess dass Vögelin sorgen, holt sein Brot beim
Becken, nam ein schnellfetzlin für ein Nuss, gab ein Nuss umb ein Pfeiff, ja gab
ein Esel umb ein Peif, ging auff vier füssen, macht sich zu eim Ross dass er
Habern ess, trug sein Hand am Arm, schob es alles unter der Nasen ein, fand dass
Maul finsterling, warff ein Ey nach eim Spatzen, meint wann ihn hungert die
Frösch murreten im Bauch: sein Bauch hett kein Oren, liss nit mit ihm tädingen,
wann ers hat so ass er, hat ers nit, so tranck er dafür, wan er den Kessel an sah
so durst ihn, liess die Würm spiesslang von sich kriechen, ohn verzuckerten
Wurmsamen, er danckt fürs Weisel und durst ihn noch: er wolt dass man von rincken
zu rincken unnd glidsweiss den Pantzer flick, sah dem geschenckten Gaul allzeit
ins Maul, sprang vom Hanen zum Esel, setzt unter zwei grüne ein zeitigen, unter
zwei dörre ein grünen, unter zwei zeitige ein unzeitigen: nach dess Bodini
Geometrischer proportz: dass macht sein Red hieng an einander wie ein kett von
Kühtreck, mass, wie König Cyrus, dem langen ein langen, dem kurtzen ein kurtzen
Mantel an, macht von Erden ein Grub, besah den Wölffen die Zän, besah sie im
Mon, bliess kein Muss, verbrant dass Maul, sah den Wolff dess Mons, sah im Mon ein
Männlin dass Holtz gestolen hett: macht ein tugend aus der Noht, Macht ein Supp
von solchem Brot: wann die Wolcken fallen, hofft er alle Lerchen auff zufahen:
Noht brach bei ihm eisen, dass kont er mit scheissen beweisen, er verzett es eh
ers zum Stülchen bracht, dass wann der weg gen Rom also wer gepflestert gewesen,
ein Hund ihn wohl het finden können: brüntzelt nit, man schlug ihm dann ans
Zümplin, und pfiff ihm wie den Pferden darzu: sagt alles was er wusst, tat als
was ihn gelust, glaubt alles was er hört, hört alles was man böses lehret, gab
als was er hat, nam alls was er begert, was man ihm zeigt wolt es haben,
bekömmert sich eben so klein umb die geschabene als die beschorene, sagt vom
fernigen Schnee, wie ers vom Grossvatter Hackeleback gehört hat, meint wann man
ihn neu antat es wer Sontag, meint Sant Claus reut auff eim Esel herumb und
scheiss ihm sein Schu voll Lebkuchen: biss den Leusen die köpff ab, gleich wie der
im Flöhatz den Weibern mit den Flöhen rhatet, fieng Mucken mit dem Maul, und die
Flöh in den Ohren.
    Alle Morgen sang er die truncken Metten, streiffet den Fuchs, seins Vatters
kleine Hund und Katzen asen aus seiner Schüssel, er auch selbs mit ihnen, zopfft
sie beim schwantz, biss und bliess ihnen in die Ohren, bleckten sie die Zän, meint
er sie lachten, murrten sie dann, so lacht er, die Hund bissen ihm inn die
finger, die Katzen zerkratzten ihm die Nass, alsbald lecktens ihm wider,
schleckten ihm den Trüssel, so bliess er ihnen ins Loch: diss waren seine
Hofschmeichler, seine Auffwarter wie die Mäuss des Diogenis Schmorotzer, die ihm
auffwarteten weil er etwas hat: Da wolt er auff ihnen reuten, so wollten sie
essen, keiner dorfft sich inn ihren streit legen: Dann die Tellerschlecker soll
man umb den Atz üben. Nun nun, dass man den Bock nit zu weit inn Garten lass gehn.
    Wolt ihr etwas weiters wissen, ihr Hodenkröpffige Kullensäck, ihr
Schüttenast, ihr Hillot, dass euch das übel zur Pfeiffen schlag, Ey dass euch der
kalt das Loch verbrenn, unnd euch das Maul an die Pfeiff müss wachssen, dass klein
Hurenjägerlin griff allzeit seinen Seugamen zum Aug, weiss nicht wie hoch, hinden
und fornen. Harri hotta Schelme: und fieng schon an sein gelätz zuexerciren,
darumb schmuckten ihn alle Tag seine Priapische abgebrüete Ammen unnd Warterin
mit Blumen, zierten ihn mit Krentzlin, und hatten ihre lust unnd freud damit,
nur dass er ihnen unter die Hend wie ein Magdalonisch Zepfflin gerhiet: alsdann
lachten sie, kütterten und schnatterten wie die Storeken auff dem Schornstein
zusamen, wann er die Oren auffrichtet, als ob ihm das Spiel gefallen hette: eine
nannt ihn mein kleiner Dille, mein Deitelkölblin, die ander mein Guldenglüflin,
mein Guffenspitzlin, die dritt mein Guldenästlin von Cural, mein
Korallenzincklin, mein Wolffszänlin, mein Billersteifferlin, mein
Zuckerdeichelin, mein Vibrewin, mein Wurstzipflin, mein MörselStösslin, mein
Capellenglöcklin, Glockenschwengelin, Ofenstenglin, Kogbenglein, Ziechzipflin,
Ei mein Henckelosche, mein Torschellelein, mein Beutelstecklein, mein
lebendiges Weckerlein, mein rohe freud, ach rauch und breit, mein klein frisch
Andowillewürstlin, mein lispelend Klappersecklin, mein Kitzeltrutlin, es ist
mein, sagt die ein, ist mein eigen, sagt die ander, und was soll ich haben, sagt
die dritt, solt ich lehr aussgehn? Hei bei meiner treu, so will ichs ihm
abschneiden: was schneiden? sagt die ander, ihr würden ihm weh tun, liebe Frau,
hauet ihr den Kindern also die dinglin ab, so wird er Junckher von Degenbloss
unnd Waddelloss werden, der Monsier sans queue. Herr Batt mit dem glatten
Schaden, der die Zwillingbrüderlein irn Bauch verbirgt, unnd seicht hinden aus
wie des Meiers Stut. Auch damit dem Kind nichts an kurtzweil abgieng, macht man
ihm ein Flinderlestecken, und fornen dran ein Windspiel von den flügeln einer
Windmül aus Francken: damit lieff er auff unnd ab die Gass, unnd Turnieret den
Leuten die fenster aus.
 
                            Das Funffzehend Capitel.
        Von des Gargantoa geschnetzelten Pferden, und ihren ungeberden.
Als nun dem lieben Gargantomänlein das Schiessstülchen anfieng zu klein zuwerden,
also dass man ihm eim weitern und höhern Stul musst erhöhen, da musst man sehen,
wie man ihm das Seil glimpflich umb die Hörner würff: derhalben damit er
zeitlich zur Reuterei angezogen würde, so macht man ihm schöne grosse Pferd von
Holtz: darhinder man Repphüner hett fangen können. Dann sie gedachten, können
die Westwind im Linsebonerland Gurren Schwengern, dass sie füllen, und haben doch
kein handhab, warumb sind dann uns die Händ gewachssen, dass wir sie ins Gesess
schieben? Nein, wir wöllen von EichenBäumen wohl andere Troianische Pferd
zimmern, dann dise Windfüllen, die nur trei Jar leben. Dass sollen rechte
Lignipedische vituli equi sein, die man nicht striegeln darff: Als sie nun von
Meister Gissrecht Seidenschwantz, der von dem Geschlecht des jenigen war, der dass
Montis instar Pferd zu Troia gemachte hatte, gentzlich waren gefertiget, da musst
sie der jung Reuttersknab anführen und üben mit sprengen, dummelen, umbwerffen,
springen, dentzlen, hupffelen, stutzen, Lufftspringen, alles zugleich: Item den
Pass gahn, den mittelpass, den Tross, den tritt, den schritt, den Trab, den trott,
hoflin, den zelter, den klop, den treckenart, den Camolin, den Eselstritt, den
Treischlag, den Stapff: Endert sie auch fein von haaren, wie die Mönch von
Curtibal, nach den Festen von Beilbrunn, als von Apffelgro, Rappen, Hirtzhaar,
Rattenfarb, Schimmel, Fuchs, Liechtgro, falb, Falck, kästenbraun, fahl,
rauchfarb, Wolffsfarb, farb, Maussfall, blass, rotgemalte von Mim und Eyerklar
etc.
    Er schnitzelt ihm auch von eim grossen Balcken unnd Schlaiffen ein
Rabicanisch Pferd zum jagen, darnach eins aus dem Trottbaum zum täglichen
brauch. Auch von einer Schwartzwäldischen Tannen, unnd Goliatischen Weberbaum,
zwei Maultier sampt dem Sattel, für die lange weil damit umbzuspacieren inn der
Stuben und Kammer: folgends noch zehen oder zwölff zu dem prangen, unnd siben
zur Post: unnd legt solche Berckgenosse Cabellen alle zu sich schlaffen: dass war
sein Stall für solche Ogiers Broifort, Rolands Bridelor, Renalds Baiard: Keisers
Adrian Borystenes, Keisers Veri Volucris, Phöbi Phlegon, Neptuni Scyphius (mag
wohl Noe Schiff sein, unnd hindersich, gelesen ein Fisch) dess Plutons Alastor
(mag wohl hindersich ein Rossstall sein) dess Achillis Balias, den Kyllarhengst dess
Castor (mag wohl hindersich heissen, der dass Ross stach) Dunckt euch aber dass
wunderlich, ha, so dencket wie Ehrlich die Pferd etwann mit fürstmäsigen
Ehrenseulen seind von den Agrigentinern begraben worden, wie der gross Alexander
seinem Kuköpflin ein leichtend Liecht gehalten, auch Keiser Octavius unnd
Hadrian ihren Gäulen getan, unnd Keiser Commodus sein Pferd Prasin inn dem
Vatican bestattet: wie solt sie einer dann nit inn sein Gemach stellen, wann sie
wie dise Pferd kein Sträu bedörffen und keinen Mist machen. Liess doch Keiser
Caius Ligula Caligas, sein pferd Incitatum neben sich an der Tafel sein Futer
aus eim Guldinen Beckin essen, unnd wie den Apuleischen Venusesel Wein drauss
trincken: ja sein höchster schwur war, bei seins Leibhengst gesundheit. Ja er
machts doch zu seim Mitpriester: unnd wolts letzlich gar zum Burgenmeister
machen, wie jener Rollfinck sein Pferd, seins trabs halben zu eim Paduanischen
Doctor: Jedoch meint  Mögeintzer im Antimachiavell, es wer besser Incitatissimi
Gaul weren Burgermeister, Vögt, Pfleger unnd Amptleut, dann die Scheleratissimi.
Ich nem des Gosslarischen Jungherrn Gaul Ramel darfür, der kont am Berg
angebunden, also rammeln und stampffen, dass er mit den wolgescherfften
Hufeisennegeln ein Goldader entblöset. Haha mit disem Pegaso halt ichs, der
scharet uns kein Wasser herfür, sonder gelt zum Wein, das möcht den Poeten gut
sein. Mir nit Königs Henrichs Ronsardischen Gaul Haber, dann ich könt ihn nicht
lang habern reichen, wann er mir Gomhoberisch das Aug aussturniert. Nur her Sant
Märtens pferd, dz hielt König klug und weiss werd.
    Der Herr Brotinsack von Bovincasiis unnd Vilmusis besucht ihn ein mal mit
einer stattlichen Reuterei unnd grossem anhang von Hofgesind: Auff welchen tag
eben der Hertzog von Franckrepas der Fürst zu Erquicklingen, sampt dem Graven
von der Windmülen starck beleitet ankamen, Da war warlich das Losament zu eng
für so viel Volcks, fürnemlich die Rossställ. Allda wolt der HofmeisterOngezogen,
sampt dem Einfurirer Stampffort, des Herrn Brotinsack, seinem Ampt genug tun,
lieffen herumb zusehen ob lehre Ställ vorhanden weren, da war niemand daheim:
Letzlich fügten sie sich zu dem jungen Gargantomänlin, fragten ihn heimlich, wa
die Stall für die grosse Pferd weren, gedachten an das Sprüchwort, Kinder,
Weiber, trunckene und Narren, pflegen gern alle ding zuoffenbaren.
    Da führt sie unser Gurgelmänlin gleich hinauf den grossen Schnecken, wie der
Turn zu Bononien unnd des Diodori Siculi Babilonischer bau, daran sich alle
Nationen haben zu Narren verbubelt und gebauet, daran sie noch haben zukauen: da
giengen sie durch den ersten und andern Saal auff einen langen Gang, von dannen
in eine grosse Rundel, und als er sie noch andere Stegen hinauff führen wolt,
sprach der Furirer Fortstampff zu dem Hofmeister Übelgezogen, Das Kind närret
uns, dann allweil die Welt gestanden, hat man die Ställ nie zu oberst ins Haus
gebauet. Wie so? antwort der Hofmeister, Ich weiss doch wohl ort, als zu Lyon, zu
Bamette und Schenon, auch in Ungarn und Sibenbürgen, da nicht allein die Ställ
am höchsten des Hauses sind, sonder auch die Keller: und diss haben sie die
fromme Landsknecht gelehret, die nur gleich auff der Gart unten inn die Keller
nach dem Wein stürmen: also haben ihnen die Bauern darnach die müh gemacht, dass
sie Leitern suchen mussten, oder auff den Spiessen einander hinauff heben,
dieweil die Stegen abgebrochen waren, auff dass sie den Wein auff dem Speicher
suchten. Ich hab wohl erfahren, dass man bei grossen anlauffenden gewässern, musst
den Wein auff der höchste Bünen haspeln. Was sag ich vom Wein. Ja ich bin im
Hundsfuttkrieg darbei gewesen, da ein Esel zu dem Fensterladen heraus sprunge,
und also die Pferd, die ihn geschlagen hetten, verrhiet. Hat er sich aber nit
wohl gerochen? Was? stehn nit heilige Palmesel gemeinlich auff der Borkirchen,
oder auff dem höchsten gewelb. Ich weiss dass ich ihn an etlichen orten hab gar
ehrenwürdig zu dem obersten Kirchenturn sehen heraus gucken. Ja stelt man nit
die Kürispferd auf die Binen in die Rüstkammer? Dessgleichen wer weiss, was hie
für Schlupffwinckel sind: ein jeder Vogel bauet sein Nest, wie es ihn dunckt
auffs best: Man macht doch heut wohl Ställ aus den Kirchen, unnd Kirchen aus den
Ställen und Ballenspielen. Gleichwol mehrer sicherheit halben muss ich ihn
fragen: Fragt demnach dz Gargantole, Mein jungs Mänlin, mein liebs Hodensecklin,
wo führt man uns hin? zum Stall, sprach es, da meine grosse Gäul stehen: Nit zu
den blinden Meusen. Wir sind gleich darbei, lasst uns nur die Staffeln
hinauffsteigen.
    Folgends führet er sie wider durch einen weiten Saal, und von dannen erst zu
seiner Kammer, da tat er das Tor auff und rufft, hie secht ihr die Ställ die i
hr begert: Hie heisst es, schöne Meidlin und schöne Gäul find man zu Haus, euch
Esel lasst man wohl drauss. Seh da meinen Plassen, meinen Rundtraber, mein Lerchle,
mein Gromel, Blum, Essich, hotta Schimmele Schelmele, Breunlin, Scheck, meinen
Trotter, mein Kutschenross, mein Englischen Zelter, mein Irrländischen Hobner und
Rennbock, so den König Henrich blind rennet, Sehe da meinen Küheschwantz, mein
Muckenwadel, meinen Mutzen, Aha der kann stutzen. Nam demnach einen grossen
Balcken, Ludedenselben den beiden Stallbeschaueren auff, unnd sprach, Secht da,
ich schenck euch diesen Frisischen Hengst, Ich hab ihn erst neulich zu
Franckfort lassen kauffen, aber er soll euer sein, es ist ein guts Rösslin, als
klein es ist, so hart unnd arbeitsam ist es: Nempt dises Fläcklin auch mit
untern Arm, es ist ein Ungarisch Ross, fornen dür unnd hinden mager, unnd ein
halb Tutzend diser Spanischen und Neapolitanischen Pferd, desgleichen dieser
Türckischen Walachen zwen: Secht da ihr Rephüner König, nun seit ihr wohl begabt,
ich setz euch zu König der Rebenhünlein disen ganzen Winter. bei Sant Johans
übel, sagten sie, wir möge es sein oder nicht, jetz haben wir den Mönch im Sack,
ja trei Wachteln im löcherigen Sack. Nicht ein meit, sprach Gargantole, dz
gesteh ich nicht, er war drei tag hierinnen: O Bechfisel, Foss im häfelin, fress
Treck im Schüsselin. Wie? schmackts euch ohn Schmaltz nicht, so schmatzt auch
nicht? Nun rahten ihr zu, welchs disen zwen Hofstubenstänckern under den beiden
stucken nötiger war, sich zuverkriechen, oder für die lang weil zulachen, dass
sie sich beschissen. Nicht dess minder zogen inn disem Trab, meine schöne
Stallstäuber ab, und schemeten sich, wie ein Pfeifer der den Dantz verterbt hat:
da ruffet Gargantule ihnen nach, Trara, Trara, fresst die Feig: secht, wie trägt
der seinen Schelmen, wie ein Metziger die Kälber: Hei botz Lorentz Rost, nem den
Caballen recht, trag ihn wie man die Juden henckt, den kopf undersich wie den
Säuen, dann es ist ein geschlecht mit den under der Bütten. Nun nun ihr
Mistschröter hört eins, dass euch der Plickarss reut, wolt ihr ein Albenschleier?
wz ist das? fragten sie. Das sind, antwort er, fünff Treck, euch zu eim
Maulkorb. Das wer ein wüst Caschenes unnd ein selsamer Mundschleier, sprach der
Hoffmeister, sechs treck im reiss, fress du die Fisch: Warlich man hat uns bezalt,
wann man uns disen tag solt braten, würden wir bei dem Feuer nicht bald brennen,
also hat man uns nach allem vorteil, wie mich bedunckt, gespickt: Wir werden
wohl heut schön sein, also schön hat uns diss lustig Hertzenzümpelin aussgezwagen:
O Mänlin, Mänlin, du hast uns recht das Häu zwischen das Horn gelegt, du hast
uns trocken aussgeriben, Hei ich will noch erleben, das du Bapst würst. Ich mein
auch also, sprach er, so solt ihr alsdann mein Rorpfäffelin und Capellelin
werden, und diser Edel Papagei, soll also gar mit haut und haar werden ein
Papelard, das ist auff Frantzösisch ein Heiligtumesel. Ey, ei, Botz leidiger
leiden willen, sprach der Furirer, Sech zu, sech zu, der führt uns recht gehn
Penckheim auff die Leffelschleiff. Aber sprach Gargantua, rahtet, wie viel hat
mein Muter nadelspitzen an ihrem Hemd zerprochen eh sie es hat können aussmachen?
oder wie viel hat sie Guffen im Schleier stecken? Sechtzehen, sagt der Furirer,
Nein, sprach Gargantua, du sagst kein Evangelium Johannis, dann sie empfinds
hinden und fornen. Wann dann? Fragt der Furirer. Als dann, antwort Gargantua,
wann man aus deiner Nasen ein Leiter macht, dass man ein Fass vol Treck darauff
inn Keller zihe, und dein Hals zum schlauch, zum Ablass, da würden sich die Hüfen
recht regen, als wann die Wirt mit der Ketten im Fass rumpeln, unnd die Drusen
Judassiagen. Ists nicht also du Kropffiger Bassist? Bei dem fligen Gott, sprach
der Hoffmeister, wir haben unseren Flederwisch gefunden, der kann uns abkehren,
seh: seh: Gesell: bist auch noch stäubig? Seh du Stall inspector, lass dir die
hand beschauen, ist dir nicht inn die Hand geschissen? Ey wie zersperret sich
das jung Hänlin wie ein Krott auff einer Hechel. Wolan Herr
Schnackenscheisserle, er geb euch ein guten morgen, ihr seid warlich frisch
munds, lasst ihn nur nicht vertrocknen. Ich will euch auff hinnacht eins drauff
pringen. Nun wir scheiden mit wissen: Ja ihr habt euch wohl beschissen, kompt
Morgen, henckt mir die Tür an, vergesset der Nägel nit.
    Giengen damit geschwind zu dem bogen des grossen Schneckens, und lisen den
grossen Frisischen Hengst sampt den jungen Füllen, die er ihnn auffgeseilt,
hinab rumpeln. Da ruffet Gargantua: Hei der Arswolfreuter, wie sind das
Reutterkerles, wie ein Igel ein Arswisch? dieser schellig Schellhengst hett euch
noch wohl in nöten chenen mögen, und ihr stürtzt ihm seinen unschuldigen
Speckhals also ab? Wann je gen Gemint sollten zihen, wollten ihr lieber ein Gans
reuten, oder ein Sau am Strick zum äcker führen? Ich wolt lieber sauffen, sprach
der Furirer. Und mit disen worten kamen sie in den understen Sal, da die ganze
Gesellschaft bei einander war, erzehleten da die Hofmännisch abfertigung, und
lachten darmit, als ob sie ein Rosseisen gefunden hetten, dass sie einen solchen
Hofleutwecker an diesem Höltzinen Reutter hetten angetroffen: so man sonst dem
unstäten Mon, kein Kleid anmachen kann. Aber lieber Hofwetschger, mein, mach mir
ein Hirtzengesäss von SchafFellen.
 
                            Das Sechtzehend Capitel.
  Wie Grantgusier an erfindung Künstlicher Gesesswisch, seins Sönlins Gargantua
                          wunderlichen Geist erwischt.
Zu endung der fünften Jarzeit, als der Herr Grandgoschier von der ersigten
Schlacht bei NullenPruck gegen die Gähnarrier wider gesund heimkeret, da
besuchet er bald seinen Son Gurgellantua: Und ward ein solcher Vater eins
solchen Sons hoch erfreuet: halset und küsst ihn, tätschelt ihn, pfetzelt ihn,
kützelt ihn, hotzelt ihn, zopfft ihm das kien, klopfft ihm den hindern, begert
doch kein Supp, und ward mit ihm zum Kind, fragt ihn allerlei Kindische Fragen:
Tranck auch ein zimmlichs mit ihm und seiner Warterin, dann ungetruncken gehts
bei Gurgelgrossa unnd Gurgelstrosa nicht zu: Fragt demnach eigentlich seine
abgenützte Schuhjungfräuliche Leibsgwardi under anderm, nach dem ers auffs Loch
geküsst hat, ob sie sein Liebstes Kind auch sauber und rein hielten? Darauff
antwort dz Gargantule. O Jungherrle gar Bauernpur wie ein Schindmesser, ich butz
und schneitz mich hinden und fornen, aber fornen hat mans lieber: mein Nass gibt
Tännen voll, weiss nicht obs schmaltz ist, es ist gelb wie Böhmisch Butter, und
der Kindsdutter: Ich hab es also fein angestellet, das im ganzen Land kein
sauberer Büblin zu finden, als ich, wie ich eingenestelt hie stehe, dann ich hab
durch genaue erforschung die köstliche weiss, das Gesäss zuwischen erfunden,
dergleichen nie ersehen worden. Wie die? Fragt der Vatter. Also antwort der
Sohn.
    Man sagt von des WeltPrintzen des Teuffels köstlichstem Arswisch, der sei
armer Leut Hoffart: oder wie es M. Mateshans verquantet, An armer Leut Hofars,
da wischt der Böse seine Lateinische kunst, und macht recht aus Hoffart, Hofars:
Ich aber hab etwas bessers erfunden, dann ich hab mich etlich mal mit des
Frauenzimmers Nasenfutern und Mundschleiern von Sammat, Taffat, Gallischen
Schleierleinwat und anders gewischt, und es mächtig gut befunden: dann die
gelinde davon gab mir von unden auff ein unseglichen kitzeligen Lust, viel
besser als das gemein gewisch von sonst gelümp, da eim die fasen, zwischen der
Kerben bleiben, oder sie sonst verwund: auch besser, als het ich alle Priff der
Cantzelei erlesen, dann der Goldsand beisst wie Zänstumpffend Schlehenkompost
dahinden: Auff einander mal nam ich darzu der Jungfrauen halssgolter unnd
Übermüter, unnd war auch gut: Andermal ein Peltzen Prusttuch. Item die
Carmosinen Orläpplin, aber das verguldet daran riss mir einmal ein flecken
Pöllelin so hart hinweg, das es mir das ganz verpronnen hinderdorff schund: das
Sant Tönigis Feur dem Goldschmid in arssdarm schlag, zu sambt der Frauwen die es
getragen hat. Gleichwol tat ich disem unrhat wider raht mit eins
Jarkuchenjunckers unnd Hoffjungen hütlin, welchs fein auff Schweitzerisch mit
der Feder geplümt war. Aber es gilt auffsehens mit den Guffen, dass sie eim nicht
bestecken.
    Demnach waren die Pauschen an den ärmelin auch edelmessig dazu: Item die
beltzin Hauptlätz, Item die allerhand Fürtücher, die Augspurgisch
Röckschlaiffen, die Pleigen, die Seiden Fransen, die Schermeusenhüt, doch ohn
elenlange Hafften: Die Nackmäntelin, die einflechten, etc. Da dorfft ich nit
besorgen, dass mir des Bapstes Oberster Culitergius unnd Mundcredentzer unnd
Schermesser Reformirer den wisch vergifft.
    Nachgehends als ich mein noturfft hinder ein Zaun tet, fand ich zu der hand
ein Maulworff, mit Welchem ich mich seuberet: aber seine Kloen triben mir ein
geschwulst im ganzen tal auff, ass wz ursach, das mag Levinus Lemnius von
natürlichen heimlichkeiten erkündigen. Ich aber heilts auff morgen mit meiner
Muter Hendschuch, die wolriechend gereuchert waren. Darnach wischt ich mich mit
Sammatplumen, Haselnussenplätern, Wollkraut: welches des Ars scharlach ist, mit
Kölkraut: daran einer nicht die finger bescheisst: dann man schreibt gemeinlich
zum Laddrein, wilt die Finger behalten rein, so mach den Wisch nicht zu klein.
Es taten mir wohl etwas wohl an meinen Schenckeln, die Küwurtz, und die Walwurtz,
aber ich bekam die Lombardisch Plutscheiss darvon. Sonsten etlich die färbten mir
das Loch, das ich dahinden sah wie die Nörnbergischen Krampuppen under dem
gesicht, wann sie ein Jar ein Mann gehabt haben, etlich pranten mir
Nesselblatern, das es sah als wann man mir Kirsenstein ins Andlitz hett
geblasen.
    Darnach braucht ich Jungfrauschwamen, die sie auff den Hobelwägen prauchen,
aus Nasstüchlein macht ich arstüchlein, aus Bettküssen Gesäsküssen: und gewiss
es hat mir alles wöler getan als den Reudigen das strigelen, und den Grindigen
das strälen. Wiewol ich nicht wolt, das ich im Leib het, was sie mir ins Loch
wünschen: Aber ist der Leib nicht mehr dann das Kleid? soll ich lang umb ein
Wisch umblauffen: Das Schornsteinloch ist so wohl ein stuck des Hauses als die
Stegen, noch reibt man die Stegen unnd bedeckt den geribenen Stubenboden mit
tüchern: solt es mein Loch nit besser werd sein: O als nur Wisch daraus
gemacht, warauff die Welt gross acht. Auff grosser Leut pracht, Furtz ich das es
kracht, wird es dann schon veracht, hat man doch nur eins Furtzs gelacht. Hei,
Hei, was hört einer, sprach Grandgurglier, wie redstu so Nassweisslich von der
Wischlichkeit: Aber welcher Naswisch ist dir am besten bekommen? Ich war botz
Frantzosen, sagt Gargantua, und ihr solt noch einmal erfahren das tu autem: Ists
nicht also, der Kopff am Krebs ist dem Ars gleich? Ich wischt mich etwann mit
Häu, Stro, Woll, Zundel, Papir, Aber der reim heisst.
Wer mit Papir wischt das wüst Loch.
Lasst oft an kleppres Bisslein noch.
    Was? sagt Grandbuchier, mein kleins Hodenmänlin, ich glaub du hast inn die
Kannen geguckt? oder der Flaschen getretten auff den Riemen, dz du schon
anfangst zu reimen? Ja bei Golle, antwort Gargantua, mein Kanniger Koniger
König, ich reim uns das unnd noch viel mehr, und unter dem reimen raum ich die
Kann oft sehr, und rhüm als dann des Bachi ehr, wann mir am gaum klebt der Ram
von Traubenbör. Hui nun annen, lasset uns die reimen herumb rammelen und
rommelen, dummelen unnd trummelen: Hört zu, die Magd hat Hummelen im gesäss, ich
hab sie hören prummen Hört, hört ihr Herd Säu, wie die hinder Posaun so schön
zum hauffen auffplaset, zu jedem ock und tritt und trott ein Fürtzlein, horcha.
Scheissbock. Flugs noch.
Stinckbock. Trucks doch.
Finckkock. Das noch
Treckschnock. Her poch
Nun lock. Ein flock
Fartzglock. Fürtzglock.
Bucksloch. Holtzbock.
Rucks hoch. Das dir das Glock
Glucks koch. Feurschlag ins Loch.
Stopffsloch. Schornstloch.
Wisch doch. Betzloch.
Wesch noch. Mit flock.
Fartzbock. Mit Ploch.
Wa noch Mit stock.
So pocht Stopff noch.
Dein Loch So fegst nit vor deim
Schussloch. Zündloch.) tod das Loch.
    Und wolt ihr noch weiters? Ja warlich, antwortet Grandbruchier: Ich hör dir
lieber zu, dann dass ich dirs zutu: Es gfalt mir, es geht fein von statten,
besser als Pech von Hosen, unnd Filtzläuss von hoden: Nun wer sich schämt, leg
ein Finger oder das gesäss auf die Nass. Da fing Garganzsoffa an.
Rundreimen.
Schweissweis hab nechten ich den Zoll
Den meim gsäss schuldig bist empfunden,
Der gschmack tet mir gar selsam munten
Von gstanck war ich verstäncket voll:
O wann mir imans tet so wohl,
Fuhrt mir zu, der ich wart zur stunden.
Ja Schmeisweiss.
So tet ich vor dem Fass den Punten,
Und sie müsst greiffen in das hol,
So heilet sie mir das geschrunden:
Ich seufftz nach ihr ganz wüst und doll
Ja Schmeisweiss.
    Haha, sagt fortin meher das ich nichts könne: ich habs wohl etwann besser
gemacht. Aber weil dise grosse Gnadfrau hie zuhört, hab ichs im Seckel meiner
Gedächtnis verhalten.
    Lasst uns, sagt Grandgausier, also dass Pappenheimisch fürnemmen forttreiben,
ich will ein seidle Bacheracher zalen. Dann du hast so ein edelen verstand, du
mein kleins Bäpstlin. Auffs nechst will ich dich für ein Meister in
kurtzweiligen künsten lassen mustern, magst leicht so wohl bestehn als ein
Bullatus Doctor. Dann du hast meh verstands als alters. Aber vollführ disen
torscheculatifischen handel: Ich bitt dich darumb. So solt du bei meim
Westfalischen Geissbart für ein Seidlin sechtzig Mass Weins haben. Und nämlich
dises Beerweins, der an der Linden Hart wächsset. Ja des Rangenweins zu Dann, da
steckt der Heilig Sanct Rango, der nimpt den Rang und ringt so lang, biss er
einen rängt und trengt under die Bänck.
    So trocknet ich mich, sprach Gargantua weiter, an die lange Schleierstürtz,
und gele Schleierlin. Die Seidene, Sammate Pantöffelchen, die Sammete Täschlin,
doch aussgelehrt. Item streifft ihn an die durchsichtige Körblin: Aber es ist ein
unholdseliger Wisch, ich wolt es keim meher rhaten. Item an die mancherlei Hüt:
Aber hiebei ist zumercken, das etliche beschoren sind, etlich Langzottig, etlich
krausswollig, etlich gebicht, etlich ungebicht, etlich Seiden, etlich spitzig:
etlich Cardinalisch, etlich breitstulpig, etlich schmalstulpig. Die besten unter
allen sind die harige und zottige, dann es macht ein reine abstersion der
Fecalischen materi. Auch welchs euch wunderlich würd geduncken, ich prauch auch
von wegen lindigkeit der Federn, das Federspiel. Auch Sammate Beltzmitzen,
Herrenhäublin, der Fürsprechen Prifsäck, doch nicht ihr Zungen, die jener
Maulschmirer fürs Gelt zum Gesesswischlichem prauch zuentlehnen begert: sie waren
mir zu lind unnd weich, ich sorge sie zerführen mir untern händen: Aber sonst
musst herhalten, was zartlichkeit unnd wundersamens war, darmit man sich mutzet
und spiegelt. Aber beschlisslich, so sag ich, unnd wils bei dem nächsten
Kraistag, da man der Müntz unnd des Calenders halben eins wird, erhalten, das
desgleichen Wisch nicht sei als ein Riedisch Gänsslin wohl bepflaumet, doch dass
man ihm den Kopff zwischen die Bein steck, es dreimal umbtreh und entschleff.
Unnd glaubt mir bei meinen ären, die mir am Korn wachssen, dass ihr davon ein
wunderliche ergetzlichkeit empfindet, beide von wegen der senfte der
Pflaumfederen, unnd auch der wohl temperirten Hitz, die der Vogel in ihm hat,
welche leichtlich sich inn den Wolffsdarm füget, und von dannen inn andere Därm
schlegt, biss sie gar inn die gegene des Hertzens unnd Hirns ziehet. Diss will ich
so wohl erhalten, als der da hielt, der gewissest glaub sei, ein Khu scheiss mehr
dann ein Zeusslin.
    Auch glaubt, bitt ich, bei Römischem Bannen und Predigkautzischem Dammen
nicht, dass der Herhohen und Heidnischer HalbGötter glückseligkeit, die sie auff
dem Elisischen, oder Elsessischem, oder, wie etlich wöllen, Schlesischem Feld
haben, in geniesung ihres Affodillenkrauts, Ambrosien oder Amelprosam, unnd
Nectar, oder Neckerwein stehe, wie jene alte Blindschleuch davon geaberwitzet
haben: sonder nach meiner Meinung, auff verbesserung, in gebrauch eins
Nörlingischen Gänsslins, unnd dass heisst das Hälmlin durchs maul gestrichen, und
nit das härin Seil durch den hindern gezogen, Und also halt auch Frater Johan
Dunst aus Schotten darvon, in erklärung der Dionisischen heiligen Welt, von
Signor Bagna Cavallo castigirt aussgangen.
 
                           Das Sibentzehend Capitel.
    Wie Gurgelstrozza von einem Weissheitwichtigen Sophisten inn Latinischer
    geschrifft und kunst ward underricht, nach dem allerschwersten Gewicht.
Als der gut Man Grandgoschier solche unverhoffte unersinliche reden, biss in das
underst unnd innerst gewelb seins verstands reichend, von seim Sohn vername, war
er vor wunder verzucket, dann er diese wunderliche Grillenstibung bei ihm nicht
gesucht hatte: Sprach derhalben zu seinen Warterin mit Namen Amlung weiss und
Saifenschön. Philippus der König inn Macedonien erkant seins Sohns Alexanders
hohen Geist an musteriger dummelung unnd bereutung eins Pferds, Welchs also
schrecklich unnd ungezämet war, das keiner es zubeschreiten dorfft underwinden,
weil es allen seinen bereutern die sattelraumig Sackade an statt der Strapade
gab, und sie auff den quetschsack nidersetzt und warff, dass sie sich wie die
Krotten beseichten. Dann dem einen brach es von solchem Sattelrottaspilen die
Schenckel, dem andern das Hirnbecken, dem dritten den Kifel sampt der Weinstrass.
Welchs als der Alexander ersah im Hippodrom (welchs ein ort war, da man die
Pferd abrichtet, und drumb hiess Hüpffet herumb) nam er acht, das diss doben dess
Pferds anderswoher nit kam als vom scheuen seins eigenen schattens, darab es, wa
es ihn erplickt, scheuet und stutzet eben wie der wild Kässwürmfresser und
Crocodylstecher, welcher ab ihm selbst erschrack, wann er sein schön Fatzen
Facies im Spiegel besah. Derhalben alsbald er auff gedacht Pferd kam, rant ers
gegen der Sonnen zu, also dass der Schatten hinder ihm plib, und durch solchen
Fund macht er das Ochssenköpffig Pferd nach seim willen bändig, Laitig und zaum
gerecht, also das es auff die Knie fül, wann er auffsitzen wolt.
    Darbei erkant sein Vatter seinen hocherleuchten verstand, liess ihn derwegen,
auff dass er aus unübung nicht verläge, den allergeachtesten under den
Griechischen Philosophis damals, den Aristotel, inn allerhand Lehr underweisen.
    Aber ich sag euch, sagt Grandguss weiter, hab allein aus diesen reden, die
ich mit meim Sohn jetzund inn euerem beiwesen getriben, vollauff erkannt, das
sein verstand übermenschlich bestand: also gar erfahr ich ihn scharpffsinnig,
auff beiden seiten schneidig, auff allen ecken stichig, spitzfündig, unpfinnig,
reinspinnig, klarsinnig, und durchlucernig. Unnd wird gewiss, wann er ein rechten
Lehrweiser bekommet, zu dem höchsten sprossen gelangen unnd Candelabrum Patriæ
werden: wie heut manchs schön Labralactucisch labrum der Cantzel: Dann solck
Männecken möten stiegen, wo nit op de Pregstul, doch de Orgel, die ist wohl etwas
höher, unnd dem Fledermausshimmel näher. Derhalben will ich ihne einem weisen
Mann inn die Lehr geben, ihne nach seines alters ergreifflichkeit zu
unterrichten: will auch nichts daran sparen.
    Auff solchs gleich in frischer tat also warm und heiss, wie man die
Pastetlin frisst, schafft er ihm einen grossen Sophistischen Supermagister
genannt Herr Trubalt Holofernes, der unser Strotzengurgelchen sein Namenbüchlin,
sein Abecetäflin, das gross Lehrprett, damit Hercules seinen Lehrmeister Linum
todt schlug, garbald lehret, dass ers im sinn in und ausswendig, hindersich und
fürsich kont, wie die Segmüller. Und in solchem Lässwerck und Schreibbüchlin üben
pracht er fünff jar unnd drei Monat zu. Darnach lehret er ihn den Donat, den
Facet, Teodolet, und Alanum in Parabolis, unnd verzert 13 Jar, sechs Monat und
zwen darmit: Dann wer reden will lehrnen muss vor stammlen lehrnen. luxta illud,
Minorans se maiorabitur: der kleinst muss den grösten chenen. Hiezwischen solt
ihr aber auch wissen, dass er die Gottische Schrifft hat lehrnen schreiben, wie
deren Exempel etlich Lazius und Goropius zeigen. Er schrib auch alle Bücher,
dann die Truckerkunst war noch nit auffkommen, der Gutenberger zu Strassburg und
die Schäfer von Mentz warn noch in Lumpis Abraham: Drumb trug er allzeit ein
grossen wüsten schreibzeug, unnd pennal, welcher wag siben tausent quintal nach
Venedischem gewicht zu Nörnberg gelifert, und dass calamar war so gross unnd dick
als der gross Pfeiler zu Enach und der gegossenen Seulen eine in der Abtei zu
Schafhausen: daneben hing an einer dicken Fallpruckketten ein dintenhorn, welchs
so viel hielt als die Bambergische Brutkessel.
    Nachgehends lehrt er ihne eine schöne Namenclatur und sprachserklärung,
Slemslicida ein Hafenreff, Bracus Pruch, Vilwundus Hackbanck, Vilhelmus
Strosack: Vilrincus Pantzer: Stercus Küssin: Anus Lecker: Fornicator
Ofenpletzer: biszinkus Ofengabel: lobium leib Brot: obsenogarus Linsenmäuchlin:
Sufflabulum Plassbalg. Suppedanium Fussbanck: Stercorium Scheisshauss: Sorsicetum
Maussloch: scutellarium Schüsselkorb: Porcistetum Seustall: Pullarium Hünerkorb:
Post cras übermorgen: Pomerium Oepffelmuss: Offagium Eyersupp: Mastigare mesten:
Pelliparius Lederbereiter: Digeteca Fingerhut: Leccator schlecker: Alabrare
Haspeln: Antecopium Forschopff: Auriscalpium OhrLöffel: Dentiscalpium
Zansteurer: Berillus Prill: Blauipes Plaufuss: Facialis Butzenantlitz:
Horripilatio Hargrausen: Ovificare Eyerlegen: Palpo tölpel: Casiprodium Kess und
Brot: buccaldus Bücking: Burgarius Burger: Burgimagister Burgermeister: Burista
Baur: Poltopfodium Holtzschuch: Cantrifusor Kannengiser: Carrucator Karrenman:
Emplastrare Pflastermachen: Cervisianum Bir im Prot gesotten: Cervisiana
Birwisch: Chirogrillus Mörkatz: Marcipotus Weinkauff: Cupa Kuff: Stufa stub:
cucurbitare supponiren: gracillare krähen: funcilare feurschlahen: formipedia
schuhleist: focarista koch: filatissa spinnerin. figellator fideler: Farricaptio
melkasten: Fabacium bonnenstro: Epicolarium Halsgoller: equistarium Rossstall:
Habenare halten: insellare sattelen: lebifusor kessler: pantaplasta pfannen
pletzer: culpo baurenschuch: Stulpo: baurenstiffel: nascula nestel: Strefa
stegreiff: Murarius Maurer: Strigilare strigeln: Birretum Paret: Bibalia
Trinckgelt: Transgulare verschlinden: Tremulus Tremmel: Tremulare Dörmeln:
Ventilugium Wetterhan: Ventimola Windmül Quascula Wachtel, lappa Schupletz, unnd
desgleichen Kurant zum vich, virlam enten, ku klee ass, kräh sand ass, mistelinum
gabelinum, treib den Son aus dem stalino hinab das Stiglinum, speckorum
Kelberdantzen.
    Weiter lehrt er ihn auch exponiren die Collectas Quesumus, die wir sind,
Omnipotens Deus Himlischer Vatter, Ut Beatus Apostolus Das Sant Batt, imploret
bewein, Pronobis für uns, tuum Auxilium dein Elend, ut absoluti, das so wir
bezalt haben, à nostris reatibus unsern Schuldnern, etiam exuamur, das wir nicht
ausgezogen werden, à nostris periculis von unsern Kleidern, etc. Agnus Dei, O
ihr lieben Herrn, qui tollis, die ihr hinnembt, peccata mundi, das Gelt der
Welt, Miserere nobis, Ach gebt uns auch ein teil. Item Sacerdotes tut, die
Geistliche und gelehrte, induantur iusticia, sollen gut Böltzröck anlegen, &
sancti tui exultent und mit den heiligen Creutzen gehn und die Mägd nach
Dantzen. Item. Dant duo bos, Impos, Compos, custosque sacerdos. Impos, die
bauren, dant, geben, duo bos zwen Ochsen, sacerdos, dem Priester, Compos, der
Gumpost, Custos dem Sigristen. Item qui convertit petras in stagna aquarum, wie
kün wehrt sich Sant Peter mit der Stang im Wasser, etc: Item die Preposition, ad
Patrem den Nontag, apud Villam ein Baur inn der Sonnen, ante ædes ein Betler,
propè Fenestram ein Schneiderknecht, sine labore ein Pfaffenknecht, circa sepem
ein Kütreck, und desgleichen gehäck aus der Cavaten zu Erfurt.
    Demnach zuförderung zu höhern Künsten, las er ihm de modis significandi, mit
den Commenten dess Hurtebitze, des Fasswins, des Troppisel, des Galehalts, dess Jan
Kalben, des Billoni, dess Breligandi, und ein dutzend anderer meher
Fronfastengeltsammeler und Lochfegende Ruten König im Birckenwald. Behart auch
in disem stuck der lehr beinach 18 Jar und eilff Monat: und wusts so wohl, dass
ers im copulat kondt hinder sich unnd fürsich prauchen wie die Pragische
Würffel. Ja wust auff eim nägelin, das de modis significandi non erat scientia,
unnd wo defectuositas sei cervelli oder rationum, dass man Captivitatem rationis,
soll einwenden. Dann wisst ihrs nit Rubrum compositum heisst ein Rubengompost.
    Auch gab er ihm auff zulehrnen, beide Partes für die Tabulisten und
Contonisten. Es tu Scholaris? Sum Scholaris verè, si non vis credere quære. Sum
quae Pars? etc. Waher kompt Volo? Vom Griechischen Beniamin, das Bein inn vo und
Jam in lo und dz geht ins Stro: Kehr umb sum, muss: Kehr umb muss, sum, und ein T.
darzu, stumm. Wie bist ein Scholar, Magnus in sensu, parvus in scientia, wie
auch heut ist viel scientiæ, wenig Conscientiæ. Es Scutellaris? Non quia non
lavo Scutellas in coquina: Es scandalaris, scamnifex, stratilata, follis ein
Narr? Non, dann ich heiss Bartele. Bist ein Christ? Nein: mein Muter heisst
Christein. Wie viel Vögel sindt im Donat? weren es noch so viel, so weren ihr
sechs, Aquila, mustela, milvus. Was essen sie? Weren es Gäuch, so ässen sie
dich, also essen sie nur Fructus unnd Species. Wa fliegen sie hin? Ad antiquam
sylvam, zu den alten gebärteten beginen. Solches kondt er alles wie sein
Corallen Paternoster: quantum Abaguc die erst silb hab.
    Folgends lass er ihm dass Compost unnd das Postkomm: das Brodium Lovaniense
per Petrum de Broda. Die Formalitates Scoti mit Supplementis Bruliferi und
Magistri Langschneiderii Ortwiniste: Die Casus longos über Institutis, durch den
H. Conrad Unckebunck Fumistam. Item das Hackstro des Hugitions novi Greciste.
Auch pro practicatoribus in partibus Alexandristis de quantificabilibus et
accentualibus, mit der gloss M. Warmsemmelii cursoris artistæ. Ferner Petrum
Hispanum mit den copulatis elucidatoriis Magistrorum in bursa montis Coloniæ
regentium. Unnd sonst Parva logicalia, mit dem Vademecum unnd opere minore
aussgelegt durch den Cursor inn Grammatica D. Daubengigelium. Augustanum. Mit
solchem staubmäl bestäubt er sich sechtzehen Jar unnd zwen Monat. Es war alles
richtig, wie ein strang Garns, den die Mäuss zerbissen.
    Unnd als sein hochgedachter Preceptor inn dem 63. Jahr, welchs im sibenden
unnd neunten grad den Gelehrten Climasterisch auffsetzig, von den Edelen
Frantzosen eingenommen, oder wie etlich schreiben, von eim Frantzösischen Fieber
erstickt starb: ward ihm geordnet ein anderer alter huster mit namen Meister
Gobelin vom Henckzigel, der lass ihm den Hugotion, den Flebard, Grecismum
Doctrinalem, die grössere Partes, dz quid est, dz Supplementum, den
Mammotrectum, de moribus in mensa servandis. Auch mussten eins teils herhalten,
Seneca von den Vierfüsigen virtutibus cardinalibus: Unnd sonst diss folgend ganz
Register.
Parvulus Philosophiæ moralis, mit erklerung dess M. Schindengulii de Erfurdia.
Grammatica Græca absque titellis per Petrum Charitatis, Baccalaureum si vellet.
Die Epistelen Caroli, quæ practicantur in aula Grammaticorum contra Hæreticos in
    Grammatica, per M. Pannirasons.
Epistolæ epistolisatæ per scientificum Gingolfum Scherschleiferium. Bestiarium
    & Brutarium Aesopi mit der Apoteca carminum Bechtungi Lumpelini.
Die Replicationes über Veterem artem M. Sotphi lectoris qualificati in
    Bursakneck.
Die Reparationes aller bursarum: M. Fenestrifici.
Gemma Gemmarum, mit dem Tabulare studentium und Pagis de honestè comedere, in
    simul combibilata Per M. Langmulum.
Die Summa Mandrestons mit den Moralibus Angesti und Logic Entzinas sambt dem
    Breckental deponental Buntenmanteli & Mollenkopffii.
Das loquagium de Rhetorica, und Cantuagium de Musica Morlandi Philomuli.
Die Jacobi von partibus sampt den Forliviensischen Commentatoren, Campanatoris
    und Lignipercussoris, Teologosissimorum.
Die Combibilaciones Parisienses zum teil von M. Mistladerio, sacræ paginæ
    professore geladen, zum teil vom D. Fornafice zusammen geschmeltzt.
Der Laborantisch Laborint über Cornutum dess M. Nostri Bundschuchmacherii de
    Lovanio.
Cursorium Teologicum Saurbonicum mit dem Processu Burse: per Fortunatum
    Baumwürdig.
Der Dialecticorum Esels bruck: mit den Impedimentis Alexandri aussgelegt
    magistralitivè per Signoralum Kleinehr, de magnis Oribus.
Lectionarius mensæ pronunciatus ad pennam per Iacobum Gutrut.
Die Praxis numerandi zur Commoditet studiosorum: mit der arte punctandi: per
    Rogerium Computistam.
Das Quadrat Sapientie. und Vulgaria puerorum. Foenificæ. Sophisticalia
    Parisiensia Maieri: mit dem Florario, Liliario, Viatorio Introductorio und
    Roseto: und Summa Magistrucia.
Papiæ Sucui Vocabularius ex poetria: & compendium pro Virsificatoribus.
Stephani Flisci Logici copiosi, & Rab: Ioannis, Vocabularius rerum
    etymologisatus.
Iodoci de Calve Prædicatoris in Heidelberga Expositor Vocabulorum.
Horlogium Sapientiæ, sampt dem Tonario Musicorum, und Matriculario, und
    Passavanto mit dem Commento. Unnd Dormi securè auff die hohe Fest. Unnd noch
    andere desgleichen Haars Frascari, Rebaldri, Freterei unnd spötterei.
Darvon er also geschickt ward, das wir uns noch alle damit zubehelffen haben:
Dann kein grösser Fräud man findt, Als, allzeit böses sein zulehrnen gesint, Zu
trincken geschwind, zu unverschampten Sachen ein Kind, Inn der Ehe blind, und
dass man dem Grind kratz gar lind, und wo man nicht schaben kann, das man daselb
schind, und wo man nicht acht das Bannen, dass man bind, unnd was man nicht kauen
kann, dass mans verschlind. O wann michs einer lehrnen köndt, ich wolt ihm ein
Becher vom Träher verehren. Aber ich hab euwer Weissheit heut den ganzen tag
gesucht, unnd nie können finden.
 
                            Das Achtzehend Capitel.
 Wie Gargantua andern Lehrmeistern ward untergeben, die über einen andern Leist
                           ihm richteten sein Leben.
Des Gargantuwalds Vatter sah wohl, dass sein schöner Filius am ihm nichts liess
erwinden allen fleiss fürzuwenden, unnd kein stund hinschleichen liess, darin er
nit ein Lini zog, und solt er auch schon mit dem Rastro sechs gemacht haben:
aber das er gleichwol nichts zu höherer künst verstand fortstieg, sonder nur
wuchse wie ein Eselsohr in eim Negelinhafen, jhe lenger jhe Närrischer, ward mit
gewalt zu eim Stockfisch, Plateisel, Tölpel, Fantasten, unnd sonst nichts fast.
Dessen beklagt sich der gut Mann auff ein zeit bei dem Dom Philippo von Marach,
Vicekönig inn Papeligosse, der gab ihm zuverstehen, dass ihm schier nutzer wer
nichts zulehrnen, als zulehrnen das ihm nichts nutz wer: Dann sprach er was sind
diser Fretter Künst als Kuntzenwerck unnd Kühdunst, ihr Weissheit ist
Schmeissheit, ihr klugheit Lugheit, damit sie die Kinder, wie mit den
Winterhändschuhen schrecken, die gute Edele Geister verbastarten, und die ganze
Blühe der Jugend vergifften, ersticken, der flor defloriren erfrören unnd
versehren. Dass ihm also, nempt mir einen jungen Knaben von diser jetzigen jungen
Welt, der allein zwen Monat gestudiert, da wett ich, wa er nicht ein besser
Urteil, bessere Gesprechlichkeit und bessere Zuberclausische zufäll in eim
Item, als euwer Son inn vielen summarum hab, auch bassgeberdiger unnd
ehrenerbietiger sei: unnd wa es nicht war, will ich mein Lebenlang ein
Mechelburgischer Schunckenmadenfresser und Speckhecker aus Engern bleiben.
Welchs dem Grandgusier mächtig wohl geful, unnd befahl alsbald, dass mans
versuchte.
    Auff den Abend zu dem Nachtimbiss, fürt der von Marias seiner Jungen einen
von Gongewiler genannt Eudemon Wolbegeist hinzu, so wohl begnadet, guts Kopffs,
so Bossenschicklich, so schön rein abgestäubet, und inn seinen Geberden so
holdselig, das er viel meher einem kleinen Engelchen vom Fron Altar als eim
Menschen änlichet. Sprach darnach zu dem Grandgoscher, Secht ihr das jung Kind?
es trägt noch nicht gar zwölff Jar auff ihm: Nun lasst uns, wann es euch gelust,
ein versuchens understehen, was underscheids sei zwischen eueren Mateologischen
Künstümplern, Weissheitverkauffern unnd Fantasten aus der alten Welt, und den
jungen Leuten dises unseren Neuen wesens. Diss fürnemmen geful unserm Herrn von
der Grossgoschen und hiess den jungen Knaben gleich sein Sach vortragen. Hierauff
bat Eudemon zuforderst seinen Herren den Königlichen Stattalter umb erlaubnuss
solches zutun, sein Hütlin inn der Hand stätt haltend, mit auffrechtem sittigem
Antlitz, doch etwas jugendgemäser schamerrötung, mit unerschrockenen stäten
augen, sein gesicht uff den Gargantua richtend, nicht dass er sich vom ort
verwendt, oder die füss, nach Storcken art, wie die Schmid die Blasbälg,
abgewechsselt hette.
    Nach dem er sich also inn den Bossen geschickt, fieng er an mit züchtiger
geberdung, wie seinem Alter gezimmet, den halb verzuckten Gargantubald höchlich
zuloben unnd zuerheben, (wie man dann pflegt, wann man ein trägen will wacker
wecken) erstlich wegen seiner hohen tugend, demnach seines von Natur hoch
erleuchten, und durch ergreiffung guter Künst und vieler erfahrenheit gemehrten
und aussbalierten verstands, nachgehends seines Adels, folgends seiner anmütigen
freundlichen schöner gestalt. Unnd nach allem ermanet er ihn mit sanften
worten, seinem Vatter inn aller Kind gebürlicher erherbietung vorzugahn, weil er
ihn wohl zu unterrichten kein fleiss noch müh spare. Beschliesslich bat er
dienstlich, unter seine geringste Diener ihn zurechenen unnd auffzunemmen, dann
grösser gnad köndt ihm für dissmal nicht widerfaren, als wan er so viel gnaden
bei seiner Durchleuchtigkeit köndt erheben, dass er dero wolgefällige dienst
köndt erweisen. Diss alles ward von ihm mit so artlichen und sachgemäsen geberden
dargetan, mit so deitlicher red fürgebracht, beredfertiger Zung aussgesprochen,
mit zierlichem gutem Teutsch und Latin erkleret, dz er sich eher einem Gracho,
einem Cicero, einem Päpstlichen oder Königlichen Oratori, Sadoleto, Bembo,
Longolio, Mureto, als eim jungen Knabatzen diser neulicheren zeit het mögen
vergleichen. Hingegen wüsst sich Gargantua nicht anders zustellen, als dz er, all
dieweil der redet, greinet unnd weinet wie ein sieche Kuh, unnd das gesicht
hinder sein Hütlein verbarg. Unnd war unmöglich ein einiges wörtlin von ihm
zubringen, vil minder als ein furtz von eim todten Esel.
    Darab sein Vatter also erzörnet, dass er kurtzum den Meister Jobelin wolt
umbbringen, oder auffs gelindest mit ihm zufahren, ihn von den Schulknaben
lassen mit Ruten aussstreichen, wie die Römer dem Schulmeister taten, der die
unschuldige Jugend inn der Belägerung wolt dem Feind verrhaten: Sintemal solche
Jugendverterber, welche manche gute Art verkeren unnd hindern, eben so wohl der
Jugend, Ja einer ganzen Policei verrhäter seind, als der so sie auff die
Fleischbanck opffert: Aber der von Marais hielt ihn durch bescheidene wort davon
ab, ihm fürbildend, man könne solche Murmeltier nicht besser abfertigen, dann
man werff ihnen den Sack für die Tür, unnd lass sie stampen.
    Darauff befahl er dem Tropffen seine Besoldung zuzalen, und ein guts
Sophistisch Trüncklein zugeben, und für alle Teuffel fortzuschicken. Auff solche
weiss, sprach er, wann er also gecapaunenpfropfft ist, kann er seinen Wirt nicht
vil kosten, wann er also voll wie ein Engelländische Zeck darvon stirbet.
    Als nun Meister Gobelin abgeschiden, berhatschlug Grandgosier mit gedachtem
Vicekönig, was man ihm für ein Preceptor solt zuordnen, da ward unter ihnen
beschlossen, zu solchem Ampt den Ehrenbrecht Kundlob von Arbeitsteig, sonst
genant Ponocrates, des erwöhnten Eudemons Gutgeists Pedagog zuerforderen: dann
der verstund sich umb Politisch leben? was wollten dise Schlapphaubige cape tibi
asinum und Calamarius am gürtel wissen? sie tun ihm recht, dass sie die Ohren
decken, damit man sie nicht kenne: oder diese neue Lectoriabrillen, die mit
sonderm Namen getrente Heiligen, die Zuchtgleissnende Farreseichische
Quadricornuten: die entweders die Jungen zu unsittlichen erschrockenen
Augensperrigen Stierköpffen machen, oder zu hoch trabenden rhumsüchtigen,
neidigen und frefeln Schreiern und plauderern: oder zu Schalckverbergenden
Schleichern, Schlüsselsuchern, Verhetzern, Verrhetschern, Lockvögeln,
Duckmäusern, und Ertzarchibuben im busem, wie sie sind. Solche Teuffelei
zuverhüten, schickt Grandmulier sein Sönlin sampt seim Lehrweiser Herrn Lockhund
gehn Paris auff die Hohe Schul, zuerfahren was daselbst der Jugend studieren für
ein gelegenheit habe: Dann was soll er zu Haus verschimmelen? in der Frembde
lehret er neben seinen Ordinarylehren, auch die Sprachen, welcher wann er vier
kann, mag er vermög der Gulden Bull dises Punctens halben wohl Keiser werden: Es
ziehe dann der Bronnenschöpffer nicht recht am Rad, wann er lehre für volle
tauschet: Dann das Glück ist rund, eim lauffts inn Arss, dem andern in Mund.
 
                            Das Neuntzehend Capitel.
   Wie Gargantua gen Paris geschickt ist worden, und wie das ungläublich gross
    Elendeiss oder Urtier, welches ihn trug, die Rossbrämen und Kühmucken im
                       Beaucerland straffet und erschlug.
Zu eben der zeit, schickt Faiole der viert König in Numidien aus Affrichen dem
Grandkälier das aller grössest schrecklich unnd wunderlichst Tier, welchs je
gesehen worden: Wie ihr dann wohl wisst, dass Affrica allezeit etwas Neues bringt,
eben wie die Musick ungefehrlich. Dann es war so gross als sechs Oriflant, unnd
waren ihm die Füss inn Finger zerteilt, wie des Keisers Julii Pferd, het lange
hangende Ohren, wie die Geissen inn Langegot, unnd ein kleines Hörnlin auff dem
hindern, wie die Stertman. Zu dem, über den Rucken ein schwartzen striemen, nach
Neapolitanischer farb Fliegengetreifft, unnd mit growen würwelen gezeichnet.
Aber über alles hett es einen Teuffelischen grossen Schwantz.
    Dann er war ein litzel kleiner grösser als der Pfeiler zu Sanct Marx bei
Langres unnd der gestutzt Judenturn zu Prag, auch geästelet und geschärtelet
auff alle Eck, wie die Aehern am Korn, und des Mörschweins Federn.
    So ihr euch desshalben verwundert, wundert euch viel meher der Schwäntz an
den Scytischen Schafen, welche meher als dreissig Pfund wigen. Oder
verkreutziget euch über den Schafen in Riobella plata, da N. Schmidt von
Straubingen auff eim etlich Meiln ist geritten: Oder versegnet euch ob den
Castronen zu Riame inn Arabien, deren Schwäntz einer vier unnd zwentzig pfund
soll wigen: Oder pfeifft über den Spannenbreiten Schafschwentzen inn Cypern,
daraus etwann die Venedischen Curtisanen reiff unter die Röck machten, Ja
verkrisamt euch über den Hämmeln in Syrien, denen man (so anders Tenald war
sagt) einen Karren mit Holtz geladen darauff bind, Holtz zur Kuchen zuführen,
als lang und starck ist er. Was gelts, wa ihr Schlingel und Rollenböck hinder
den Mauren so lange habt, und ihr andere Schmotzennascher auff dem Land: Dann
ihr lose GrattelJäcklein lasst ihn kein rhu.
    Nun dieses Schwantzlappen Tier ward zu Mör in treien Furachen, und einem
Jagschiffelin geführt biss in den Anfurtafen zu Olone im Talmondorland: Welches
als der Grandbuchier sah, sprach er. Sehe, wie fein schickt sichs, dass auff
disem Felledeiss mein Sohn gen Paris reiss: Wolan, das walt sie unnd schalt sie
der dahinden, es wird alles wohl von statten gehn, Er wird zukünftig noch ein
gelehrter Kautz werden, wann er under die Stossvögel kompt: Auch wie Keiser
Augustus und Keiser Sigmund, den Gelehrten noch wider in Stegreiff helffen:
Weren nicht die Herren des Viechs der Herd
Und die Herren der Herd auff diser Erd
So weren wir all Geistlich und gelehrt.
    Auff Morgen, nach dem sie gesuppet, das ist den Leib mit Wermutwein, das
ist, dem besten aus dem mitteln Fass, gewärmet hetten, brachen sie auff:
Gargantua, und sein Preceptor Kundlob von Ehrensteig unnd sonst Volck, sampt dem
Eudemon dem Hofjungen. Unnd weil damals schön steht Wetter war, liess ihm sein
Vatter blaue Kniestifel machen: Dann welche Rote vom Preusischem Leder tragen,
vor denen fliehen die Küh, und vor den schwartzen alles Vihe, seien Bauern oder
Küh: Aber die Kniestifelchen kommen sanftmütig, wie ein lastbarer Esel,
fürnemlich wann ein Pfatengrammischer Leist darin steckt, und unten
Pantoffelsolen drein sind gelegt: Solche nennet Babin Brodequin, das sind
Brautstiffelchen, sollen ein wenig besser für den Pfotenkrampff sein, als die
Holtzschuch, schreibet Hartfisch im Podagramischen Trostbüchlein.
    Also reiseten sie ihren weiten weg mit gutem mut, allzeit lustig und
frölich, machten allentalb gut Krabatisch geschirr, gut Pfeffer gut Reissmuss,
gut Bauernküchlein, inn allen Herbergen stunden ihre Namen immatriculiert an
Wenden und Läden: Biss sie über Orleans kamen: Allda was ein weiter breiter Wald,
in die läng auff treissig fünff Meilen, und inn der breite sibenzehen, drunder
und drüber ungeferlich: Derselbige war grausam fruchtbar, unnd voll von Brämen
oder Kühfligen, also dass es für die arme Tier, Esel unnd Pferd, die da
durchzogen, ein rechte Rauberei unnd Mörderei war: Sollen, wie Tillet schreibt,
von den Völckern Rhyzophagen oder Wurtzelfressern dahin gebant und verflucht
sein worden, als sie gar aus der art der andern frommen Brämen schlugen, und
nicht mehr, wie vor, ihnen ein beistand tun wollten, und die Löwen tapffer
anpfetzen, wann sie im Wurtzeldelben ihnen hinderlich sein wollten. Aber unsers
Gurgelstrossa Lastmaul rach allen unbill, ihm unnd seins gleichen Geschlecht
bewisen, sehr redlich an ihnen, und dasselbige mit eim solchen Duck, dessen sie
sich am minsten versehen hetten.
    Dann alsbald sie inn den Forst kamen, unnd ihm die Rossbremen ein Schlacht
lifferten, und dapfer den Sturm anlieffen, zog er seinen Schwantz von Leder,
scharmützelt mit ihnen, schnitzelt unnd schneitzet ihnen so gewaltig, dass er den
ganzen Wald, alle Bäum, Stock und Stauden, das hoch und nider gehöltz, das bau
und daubholtz, alle hursten, vom nidersten Liebstöckel an biss zum Cederbaum
hinauff, und überall den Forst niderschlug, zerschmiss, zerriss, zerbiss, zerstiess,
von oben an biss unten, zur seiten, die quäre, überzwerch, da unnd dort, disseit
und dort seit, über und über, dortinauss, da hinein, in die läng und inn die
breit, und in summa schmettert das Holtz hernider, wie ein Mäder das Häu: Also
dass es fortin da weder Holtz noch Rossmucken hat, sonder die ganze gegene ist
seidher zu einer feinen ebene worden, wie die Lunenburger Heid, da diss
gehörnecht UrChammel hernachgehends auch einen solchen Scharmützel hat gehalten.
Dann im gedachten Wurtzeldelber Land, wurden abermal viel Legionen Tobbrämen
vertrieben, das vernamen die Wendischen, und Sorbisschen Crabrowespen, berufften
sie wider die Herulisch fliegend Herd der Scharp-Schröter, also zogen sie über
Mör mit der Spanischen Flut der Mosquiten und Zeunganischer Zigeiner, und
Meiländischen grünen Cantarkäfern, kamen an umb Holm, Bommeln und Brämen (die
noch den Namen darvon haben) verderbten den Teuffel mit einander, biss ein alte
Wurtzeldelberin den Raht gab, mit ihrs gleichen sie zuvertreiben, wie die
Scorpion böse  mit bösem, nämlich mit Rauch von Brumm und Hundsbrämen, von der
Titanischen Himmelstürmer Blut (dann dise Wolckentremmeliche Gigfitzen waren
auch nur Wespen) von Brombeerhecken und Brembüschen: das tat man, brants alles
auff sechtzig meiln auff: biss auch die alten andechtigen Weiblein ihre
Wehrebenische und Segamenisch Würtzwisch von Donnerwurtz müssten herfür suchen
und verbrennen, die sie von vilen Jaren auff den Tag unser Liebenfrauen
Himmelfahrt für Gespenst unnd Ungewitter geweicht unnd gesammelt hatten: da wich
das Geschmeiss, und traff eben den Gargantua, so auff ein Hochzeit reisst, mit
seim Ulcktier, auff gedachter Heid an, da waren sie empfangen wie gehört:
wiewol Lazius nichts darvon hat gehört: Als nun vorgemelt Bremenschlacht
Gargantua sah, het er seine hertzliche freud darab, und ohn ferner rhümen,
sprach er zu seinem Volck auff desselben Landssprach, O wie Beau ce, das ist,
wie ein schöner böser Besen für die bösen beissige Bremen? Daher würd darnach
das Land allzeit Beauce oder Bössausse genant. Aber zur abend zech mussten sie
sich mit Heidbören behelffen: Daher noch auff den heutigen tag die Jungherrn des
Lands Heidbör unterzechen, und befindens bei ihrem guten Wein sehr gut, und
speien nur des besser darvon. Dann ihr wüsst, das Körbelkraut grosse krafft, die
Leut zuverändern hat, also dass jhene Frau ihren Mann, der sonst einen bei ihr
fand, überredt, er hett Korbein gessen, weil er noch einen bei ihr sah.
    Letzlich ländeten sie zu Paris, allda er sich zween oder drei Tag von der
Reiss erquicket, und kreutz gut Leben mit seinen Gefärten führet: Auch folgends
fragt, was es für weise gelehrte Leut da hette, und was sie für Wein trincken:
Dann gemeinlich wann einer inn ein Statt kommet, so fragt er nach der Kirchen,
so zeigt man ihm das Mumenhauss. Also bald sicht man eim an der Nasen an, was er
im Schilt führt. Aber rhatet, was ist diss, einer geht hinein, die andern zwen
bleiben heraus hencken? Ist kaum ein kluppen Schlüssel: Ha, was geht das Graff
Egon an, Ich schiss drein, wann ich ein Armbrust hett. Lass mich ungeheit, ich muss
ein Nonn werden.
 
                            Das Zwentzigst Capitel.
Wie Gargantua den Parisern seinen Willkomm gab, und die grosse Glocken von unser
               Frauenkirch nam, daraus eine grosse Disputatz kam.
Etlich Tag nacher, als sie sich wider von der Reiss mit Rebenkrafft erkräftiget
gehabt, ging er mit seinem anhang die Statt zubeschauen: da lieff die ganze
Welt zu, ihn mit grosser wunderung zubegaffen, das schön Trossbüblin, welchs
einem Kerles mit dem Spiess hett hinweg tragen mögen: Dann dass Volck zu Paris ist
so närrisch, so Fotzentürlich, so Futzspitzig, so wunderfützig, so fürwitzig
von Natur, dass ein Gauckler, ein Quacksalber, ein Ablasskrämer, ein Maulesel mit
Cymbalen unnd Schellen, zwei balgende Weiber, ein Teutscher Latz auff dem Kopff,
ein blinder Spieler auff der Strassen, meher Volcks sollte sammelen, als der best
Evangelien Prediger: dann die Regel gilt bei ihnen, Ist es nicht besser, so ist
es doch schöner, sagt einmal ein Blinder, zeiget ihm die Frau das Loch fürs
Liecht.
    Derhalben giengs unserem Gargantua allda auch also, dann sie trängten ihn
also sehr, dass er getrungen ward sich auff den höchsten Turn Nostre Dame
zusteuren. Inn dem er nun des zulauffens kein end, und so eine grosse Welt umb
sich sah, sprach er über laut: Ich glaub dass dise unfläterlin, unnd
Liartpastetlin gern wollten, dass ich ihnen hie meinen Willkomm zale, unnd dass
Proficiat gebe. Hei ja, es ist billich, Beim Risenwadel, ich will ihnen den Wein
schencken, aber nur lachendes Munds, par riss, unnd gleich den Zotten also par
reissen. Fieng demnach an zu lachen, den Barchat zureissen, seinen Latz
zuentbreisen, und sie so Krotten und Katzenseichisch zubeseichen, unnd
zubeschmeisen, dass er zwei hundert sechtzig tausent, vierhundert achtzehen
erseufft, ohn Weiber unnd Kinder, die gehn drein. Ein anzahl ihren entran diser
Seichschwämme unnd Pissefort, durch hilff gänger, oder viel mehr läuffiger, ja
geschwinder dann der Wind füssen, und geflügelter Fersen, auff Pegasisch volante
Caballo. Als sie nun an das höchst Ort des teils der Statt, welchs die
unniversitet heisst entkamen, und schwitzten, und schnaufeten, und husteten, und
speieten und kaum atam hatten, fiengen sie an auff gut Parisich zubetten,
zufluchen und zuschweren, dass es donneren möcht, etliche aus zorn, andere
lachends munds, per riso, weil mans also offenbar ihnen also parriss,
schnatterten, tadderten, kläpperten, unnd schnäbelten zusammen, wie die Vögel
wann sie dem Garn entwischen, und etlich Gesellen dahinden liessen: Carymary
Garymara, Scharifari Scharifara, Hammira Hummira, Danderlo, Dunderlo, Ketten
für: Das dich die Höllische darr ankomm, dass dir Sant Asmus Haspel die Därme
zerwirr: dass dir der Schorbock inns Ding schlag: Sammer botz Heiligen kreutz,
bei allen Heiligen im Calender, man hat uns lachends Munds, paris gen Baden
geführt, Paris man uns den Zotten, ja gar zerrissen Stümpff, die Fasen kleben
uns noch dahinden. Daher ward darnach die Statt Paris geheissen: welche zuvor
Lucece genannt ward, wie Strabo meldet Lib: 4 Das ist zu Griechisch Weissloch von
Weissbaden und Schartzwaden, vonwegen der weissen Bein unnd Posterioren
desselbigen Orts Frauen: Dann als Paris von Troia zwischen den trei Frauwen den
Apffel aussteilt (daher noch der löblich brauch des Stein aus gebens) sah er
mehrteils nach denselben zweien Stücken, wie noch der Beinschauer mehr: dann an
Fersen sieht man, ob eine mit dem Arss kann Zundel schlagen. Viel heissen die
Statt von Luto, weils Luter Kaat Endten da hat. Aber vom Paradyss hats den Namen,
wie jener farend Schuler die Bäurin uff dem kropff liess als sie ihrem gestorbnen
Man kleider unnd zerung schickt.
    Jedoch weil bei stifftung dess ersten Namens ein jeder aus dem ganzen
umbstand der Pariser bei den Heiligen seiner Pfarr rüstung unnd reisig schwur,
als ein andächtig Pfarrkind, seind noch auff den heutigen tag die Pfarrhiser,
als ein Volck von allen enden und stücken geflickt, von Natur beides gute
Jureurs unnd Juristen, Gottsächter unnd Gutsrechter, Barenscheisser unnd
Pfarrenreisser, die nur ihren lust haben den Leuten ausszuschneiden und Häuser
nider zureissen, darumb heissen sie Bärenreisser, sind freche Parides, die inn
den Toden Achillem stechen, sind Hasen, die umb den toden Lewen dantzen unnd ihm
den Bart aussreissen, daher sie heisen vom Bart reissen, sind öpffelspiler zu
ernst, wie ihr Hundsfutt Paris, fressen die toden Hugenoten inn Pasteten. Weil
sie dann so mutig mit worten unnd morden sind, so meint  Joaninus de Barraveo im
Buch de copiositate reverentiarum, dass sie auff Griechisch Parrhesier genannt
seien worden, als farrenfrech mit schwetzen und pletzen, ja par Esel, und ein
par hässle inn einer heissen Birenpastet. Mais horch Pareiser, wann einer dein
fleisch inn einer Pasteten ess, fress er nicht Schelmenfleisch? ich frag nur.
    Nach dem nun gedachtes Seichbad vergangen, besah er die grose Glocken
desselben Turns, und liesse sie gar harmonisch unnd wolstimmig zusammen läuten,
unnd Salve puella drauff machen: Welcher klang ihm so wohl geful, dass er gleich
gedacht, dise Kirchschellen unnd Schlittenglocken möchten seinem Hammeltier an
seinem hälsslin wohl anstehn so brächt es auch etwas neues aus dem Bad: dann er
wolts wider seim Vatter heimschicken, beladen mit getreid und frischen Häringen,
die kein Spanische Schlänglein in ihnen hatten. Tat ihm auch also, unnd nam die
Glocken mit ihm inn sein Herberg. Under dess schlich daher ein
Schunckenkommenter von Sant Tönigs Ritterschaft, welche nit Seeräuber zu Mör,
sonder Säuräuber zu Land seind, statzionirt uff der Säugart herumb ein
Schweinene Beut zuerjagen, und meint ihm und seiner Sau stünden die Glocken auch
wohl an, so möchte man sein Heiligtumbeselige Suitet, wan er Gribenklingelet von
weitem hören, und den Speck im kärner erschrecken, dass die hespen zu den kämeten
abfallen: derhalben wolt er sie diebisch entlehnen: Aber ehrenhalben liess ers
ligen, nicht dass sie ihm zu heiss waren, sonder dass sie etwas am Gewicht zu
schwer wagen, für einen Bruder zuertragen: wie der Römisch Landherr Verres, der
alle Bilder nam, ohn die S. Christoffel Triptolemass, quibus pulchritudo
periculo, amplitudo saluti fuit. Wer er nicht der von Burg: dann er ist gar mein
gar zu guter freund, ich het ihn schier genent. Die ganz Statt war der glocken
halb auffrürisch, wie ihr dann wisst, dass die Pariser dazu sehr leicht geneigt
sind, also dz sich fremde Nationen verwunderen müssen der König von Franckreich
grosser gedult, dz sie die nit mit gebürlicher Justici züchtigen, angesehen, dz
so grosse nachteil daraus entstehn, wie augenscheinlich, und noch kein end da
ist: Aber der Teuffel holt kein pfinnig Sau, dann wz nichts werd ist, gonnt man
ihm ohn das wohl. Doch geb ich etwz drumb, dass ich die werckstatt wisst, da dise
trennungen, und meutereien, ja mördereien geschmidt werden, ich wolt sie inn der
Bruderschaft zu dem roten Hut inn der Pfarr zur katzenreinischen Gisabel wohl
nutz machen: Dann gewiss wann man die Cardines terrae, die Erdhängel, nicht mehr
schmiret, so werd ihr sehen, das es der Welt bass gehn wird: aber Ariolator
Narriolator.
    Damals, wie diss geschach, pflegt das Volck Hurnaussen weiss, Legionisch unnd
Belzenbubbisch, dürmisch unnd stürmisch zusammen zukommen an dem Ort, so Nessle
genannt, unnd da damals, (heut nicht mehr) das Luletisch (nicht Luterisch, dann
diss kam hernach inn die Jacobsstrass unnd under S. Hugons Tor) Oraculum, oder
Weissagergeistung war. Daselbst ward der handel fürgebracht, und der gross
nachteil so aus verwendung der Glocken besorglich entstehen möcht erwagen. Als
sie nun wohl argutirt die köpff erschüttelt und die händ darüber erklopfft hetten
pro & contra, ward ihm Baralipton entschlossen, dass man die ältesten und
fürnemesten aus der Facultet zu dem Gargantua solt abfertigen, ihm den grausamen
schaden vonwegen der verlorenen Glocken fürzuhalten. Unnd unangesehen, dass
etliche von der Universitet ihr hochbesinnlich bedencken hetten, das zu disem
geschefft viel meher ein Politischer Orator als ein Sophist unnd Scotist
zugeprauchen wer, ward doch zu diser Legation unser Meister Janotus de Bragmado
für gut erkant, benant und gesandt, als ein zimlicher unverschamter
Janepetischer Ignorant unnd Teologant: dann ihr erfahrt ja heut wohl, dass es dess
besser inn der Welt steht und geht, weil man Cantzel unnd Cantzelei vermenget.
 
                        Das Ein und zwantzigst Capitel.
Wie Janotus von Bragmado zu Gorgellantua abgefärtigt, von ihm die grosse Glocken
                 zuerlangen, sehr Schoffmännisch kont prangen.
Meister Janot von Braccamado auff Cesarnisch beschoren, von guten Sorbonisten
haren, bekleidet auff die alt weiss mit seinem Lyripipi und achselpruch: und den
Magen wohl antidotirt und eingeweiht mit Höllenküchlin aus dem Höllhaffen inn
der Fägisch und Pfaffentäsch, unnd mit Weihwasser aus dem Weistein und Kessel:
desgleichen mit sein Breviarischen und Tattarerischen Feurbüchsslin an der
seiten, gut für S. Quirins unser Gurgelstrosslingers gnad: Füget sich solcher
gestalt zu der herberg hinden nach mit eim gezett unnd nachtrab von sechs oder
fünff Ertz ungeschickten Meistern unnd Pacemküssigen Nominaten, fein beträpt und
beschläpt nach allem lust zu dem Handel, doch etwas sauberer als jener
Pfarrherr, der dreimal inns kat ful eh er die Kirch erreicht, und darnach gar
zur Kirchen hinein Plumpet, als ob Sanct Paulus vor Damasco nider geschlagen
wer, wie er es ungefärlich verglich, und die Bauern bat, dass sie auff morgen
wider kämen, da müssts sichs Predigen lassen, und sollten sie die Pestilentz auff
ihre köpff haben: Also war es auch mächtig wohl mit unserem Janotto versehen, wie
ein Dorff mit eim unsinnigen Pfaffen unnd ein Statt mit eim stoltzen geitzigen
Predigkautzen, es hett müssen ein heiloser Teuffel sein, dem er ein Seel entfurt
hett, unnd gewiss ein Plinder-Pratenwender, dem er ein Praten gestolen hett.
    Bald zu dem eintritt ersah sie Herr Ehrenwerd Lobkund, unnd erschrack gleich
als er sie also entstalt sah wie ein Spin aus eim Läglin, unnd meint es weren
etwann sinn verruckte Fassnachtbutzen, die inn der Mommerei giengen. Dann er
kandt noch nicht dise Parisische superpellicia, unnd viereckende Klosterleiblia
cornuta und rote Pfrundprot auff dem kopff: ja sie kanten sich auch selber kaum,
wie Narr Löbelin, da er ein neuen Rock an hatt, unnd under wegen jederman fragt,
ob sie nit den Löbelin gesehen hetten: Sitzt still, sitzt still, sagt jhenes
Schulteisenfrauw im neuen Schurtz und Kürssen, zu den Weibern, die zum Evangeli
auffstunden, es gedenckt mir auch dass ich euwers gleichen war, unnd die Nollplon
hiss: Aber sagt jetzt nit mehr was ich war, sondern was ich bin, Es geht mir auch
wie jenem Schulmeister, da er Mist aussführet, unnd ein stimm von Himmel hört,
Achaci, Achaci lass dein klöpffen sein, du bist zu höherem beruffen, du solt aus
eim Nasenfenger ein Hasenfenger werden, wan es schon groppen weren. O wie bin
ich meinen Herren so ein werder Man, sie lassen mich nimmer müssig gehn, Frau du
hast ein gemachten Herren: Es soll dich wohl etwas batten dz ich da sitz: Ich bin
auch der zehen einer, es fäl mir dann der Daumen. Wolan seit ihr dann lang
gesessen, so steht ein weil, geb Gott, dass ihr das Podagram am anderen Fuss auch
bekommet.
    Darnach befragt sich Ehrenbrecht von Tugend steig bei einem aus dem Nachtross
der siben faulkünstlichen Meistern, aus den Fürtzauflesern, was dise Mommerei
beger, ein Mumm oder umschantz, die steg hinab oder hin auff? Da antwortet ihm
der Chorista, sie weren da vonwegen der glocken, dass man ihnen die wider geb.
Als bald er das verstund, liff er flugs hin dem Gargantua die neu zeitung
zusagen, auff dz er sich wiss darnach zurichten.
    Als bald Gargantua dessen verständigt, nam er gleich uff ein seit Herrn Kund
Lob, sonst genant Peinekrafft, seinen Preceptor, Volckhuld von Krantzwick seinen
Hoffmeister, Wolhinan Kampffkeib seinen Goliatischen Wafenträger und den
Wolbeigeist: berhatschlagt sich mit ihnen was beid zutun unnd zureden wer. Da
beschlossen sie all einmüttiglich, dass man disen Glockenwerbern zum pott, zum
pott auffpliss, den willkomm fürstelt, unnd einen jeden mit eim müsigen glass
arrestiert, und sie recht wohl sauffen liess: Dann wer einen kindelen will, muss
eim auch kramen: unnd gewiss es ist ein grose kunst lachen zur Gesellschaft,
weinen zur andacht, Reden zur notwendigkeit, Singen zur tröstlichkeit, Schweigen
zun gedancken, Schlaffen zur rhu, Auffstehn zur Arbeit, Trincken zur
durstlichkeit, und ausssauffen zur geselligkeit, also erlangt man die Lucernisch
seligkeit. Vitam quæ faciunt. etc.
    Damit auch der alt Scheisser unnd Wuster Bruchmatt, dess Murners von der
Gauchmatt Vetter sich nicht überheb, als ob man auff sein Nass ansehlich anlangen
die Kirchenturnschellen hett wider geben, befahl man zuforderst, dz, under dess
mein safftiger Herr von Bruchmatt einguss unnd einsurffelet, man den Stattvogt,
den Rector der Facultet, und den Pfarrherr beschicket. Unnd ihnen, eh der
Ehrwürdig Liripipich Sophist sein Commission anprächt, die Glocken
überliefferte: Unnd gleichwol nachgehends inn ihrem anwesen, seine schöne Red
anhörete: Dann man sah es ihm an, dass er mit etwas Schwanger ging, also strotzt
er den Bauch, Plapperet mit dem Maul, spilt an den Hafften, unnd räuspert sich
mit allen kräfften. Matz hast ein Hemd an, so wisch mein schnuder unnd strauchen
dran.
    Diser nun angelegter massen, ward ihm auch nachkommen unnd nach dem die
Obenernante erschienen, ward der Formular Redner inn den mittelen Sal geführt,
da fing er an, in hustender und räusperender gestalt zuharangiren und Narriren,
wie folgt inn nachgehenden Inhalt Dass ein jeder seinen husten an allen enden
halt.
 
                        Das Zwei und zwantzigst Capitel.
 Des Meisters Janoti von Pragamado Red an Gargantua, umb erlangung der grossen
                       Glocken, unnd ein neuw par Socken.
Ehen, hen, Hem, Mnadies Gnadherr Bnadies. Und vobis anderen Gnadjunckern. Ehen.
Warlich per Deum es wer gar gut, das E. Würde uns unsere Tintina Tintina
Tintinabelische bellende, billende, bollende, Kirchposaunen, oder, ohn figur
zureden, unsere klangende klingende glungende glodri Glocken sampt dem
einhangenden schwede schwengel widerumb zustellten, dann sie tun uns leiden wohl
von nöten. Hen, Chen, Hasch, Chratasch. Ihr solt wissen, wir haben wohl etwann
gut gelt, welchs uns die von Londen im Cahorland darfür anbotten, abgeschlagen:
So hetten wir auch wohl ein statliches mögen haben von den von Burdeo im
Brierland, welche sie kauffen wollten vonwegen der substantificklichen qualitet
der Elementarischen Complexion, welche inn die terrestritet unnd irdigkeit ihrer
quidditativische Natur intronificirt ist, die widerwitterig wolckenfeuchtigung
und Lufftgespänstige turbines und hagelung von unsern lieben Labsäligen Reben zu
extranesiren unnd ausszubanächtigen: aber gleichwol inn der warheit nicht unser
Reben, jedoch hie nahe bei inn der nehe: wir behelffen uns mit den Nachbarn. E.
Weissheit weiss wohl, mit den Nachbarn soll man Heuser auffführen, wie man bei den
Klöstern Kinder auffzilet. Nun bona fide, certè sic, die gedachten Reben, können
propter Rhitmum kreutz guten Wein geben, wer schad dass sie erfrüren, man solt
ihnen ehe Hosen und doppel Socken anziehen: Doch cum protestatione für meine.
Warlich verlieren wir das Weinmuss, so verlieren wir alles, mut und gut. Wann ihr
uns aber die Heilig Turnschellen sampt den einverfügten Crepitaculschwentzen
(dann ohn dieselbigen wern wir doch Leut ohn geläut) wider zustellet, so können
wir mit zertrennung und erschütterung des schreckenden hagelrasselden Gewülcks
unsere Rebenselige vor ungemach fristen: Und ich, der ich hie steh, Vester
steiffer Jungherr gewinn mit meim reden oder Harangiren sechs Häringsstangen mit
Würst, dern mir jede dreimal umb das Maul gehn soll, und ein gut par Schuh, und
ein neu par Hosen, die mir warlich wohl an meinen Füssen bekommen werden, oder
die Hudler so mich hergeschickt, werden mir ihr verheissen nicht halten. Ho bei
Gott Domine Jungherr, ein gut par Schu und neu Hosen von zopfigem Nollentuch
stehn nicht zuverachten, & vir sapiens non abhorrebit eam, sagt in illo
passu Ecclesiastes (wann ihr ihn habt, ich lass ihn erst gester) dort in puncto
medicinæ. Ha, ha, es wer kein gut par Schu, ders nit wolt: gewiss der sie begert,
der mangelt ihr: man soll die alte Schu nicht hinwerffen, man hab dann neue: dass
weiss ich wohl an mir, wo mir der treck in die Schu tringt. Secht Signor Monsieur
Gentilman, es sind achtzehen tag, dass ich an diser mühlichen red hab
metagrabulisirt, und gekauet, und geraspelt ritzigs unnd reudigs. Mach ich
nichts guts, so ists dern schuld, die keinen geschicktern aussgeschickt haben:
Imputent sibi: ihr werd meiner wolmeinenden Ignorantz zugeben: damit ich mit dem
Apostel sagen mög, lgnorans feci, propter quod Misericordiam consecutus sum.
Aber ad Rhombum: Mein, ich bitt, das wir unser Glocken sampt ihrn Klipffeln
haben möchten. Reddite quæ sunt Cæsaris, Cæsari, & ea quæ sunt Dei, Deo, Ibi
iacet lepus in pipere, da isst man den Teuffel im rauch am geilen Montag, unnd
gibt pinguem propinam. Auff mein treu sampt disen drei Fingern, damit ich
manchen Kelch gesegnet hab, Herr Domine, wann ihr bei mir zu nacht essen wolt
inn camera, bei dem Sackertauffkrisam, charitatis, nos faciemus bonum Cherubin
& geschirrium. Ego occidi unum Porcum, & ego habet bonum Vino & tria
Oves. Aber von gutem Wein, kann man nicht reden böse  Latein, & ego solvam
Zecham. Videte, Wolan de parte Dei, bei Gott umb Gotts willen, date nobis
glockas nostras, nostra Tiatina, Tiatina. Sie seind unser Kirchtrommeten, darmit
unser Herr Gott zu Hof blasst, wie mein Daubengrauer Præceptor Dubalt darvon
redt, dass sie an statt der Schallhörner, so die Juden auffs Hallposaunenfest
brauchten, kommen weren, ut scribit Reverendus Knapfellus in Manipolo florum
claustralium, nicht furum: Wie es der Ketzer Nickels Russ ausslegt im Büchlein de
Triplici funiculo vehiculi Ecclesiæ. O tet ihm einer das trifach gesail und
gestrick umb sein rusigen Hals, er wirds fühlen wie starck es wer, obs ein solch
Feldglock ertragen möcht. Unnd ist dannoch schier war, dass die Posaun am
Jüngsten tag werd ein grosse Glock sein, daran alle Engel sturm läuten werden,
und das Sail daran wird sein von eitel Barfüsser Corden, so wie die Jacobs
Leiter sich inn Himmel erstrecken wird: Autore Mulocollo in Cribratorio
Alcorani. Secht da ich schenck unnd übergeb euch von der Facultet, ein Sermones
de Utino, das Utinam ihr uns unsere Glocken wider gebet. Vultis etiam Pardonos
& Ablass? Per Diem apud DEUM vos habebitis, & nihil payabitis noch
Zaletis. O Herr Domine, Glocke donna minor nobis, Botz verden Plut, est bonum
Urbis. Ziert es wie ein Esel den Rossmarck. Die ganz Welt behilfft sich darmit.
Aber wir ziehen die Khu, ihr esst die Milch. Jedoch ist besser ihr esst die Milch
als die Khu, dann essen ihr die Reben, so träncken wir nie: Besser ein Lauss im
Kraut, als gar kein Fleisch. Ja ad nostras res, zu unsern räsen Käsen, besser
ein klein geläut denn kein geläut. Ich hörs doch lieber gross, das macht mein
heisserigkeit inn Orn: doch weiss ich nicht, wie ich das gross geläut hörn werd,
wann ich stirb: wiewol ich als ein Catolischer nicht gern ohn geläut stirb:
doch dass sie mich nicht schrecken unnd wecken. Jedoch ich scheu nicht mehr dann
die Teuffelischen Bechtoldischen Büchssen, welche Canon heissen, dann seidher
sie auffkommen, entsteht ein grosse Glockenverfolgung, man schmeltzt sie zu
Maurprechern, Ja zu prechern unserer Canonischen Recht unnd aller
Glockenfreiheit. Non diu vadet benè, wann es also wattet. Dann wie Speculator im
grossen Buch Ceremoniale Ecclesiæ schreibt (ich suchts erst gester im Repertorio
) so seind die Glocken der Pfaffen Büttel und Stattbotten, die den Leuten zum
Opffer gebieten: Und wer sie angreifft, begeht toppeln Kirchenraub: Unum mit
dem, dass er geweichte Büttel angreifft, secundum illud Nolite tangere etc. Fürs
ander, quia in loco sacro, tut ers am geweichten ort. Sed tamen, si vales, bene
est, wann sich euer Jument und Leibhengst (He, hen, dass ihm das Glockfeur in
Leib schlag: Chasch, hen) wohl befind, desgleichen tut auch unser Ehrwürdig
Scherubinisch Facultet, quæ comparata est iumentis insipientibus, & similis
facta est eis: Psalmo, nescio quo, weiss nit wo: sonst steht es wohl auf meim
concepirten Papirat daheim begriffen, darauff beruff ich mich, & est unum
bonum. Aschilles, Frosch im Bach, öpffel in der asch, Hen, hen, ehen, hasch, die
Memory will mir schier in caducas gehn: Chen, Pfui der flüss, sie wollen mich
ersticken. Platsch: Iuvenalis tritts aus: Nun es kompt mir. Ich wills euch
stattlich bewären, dass ihrs uns geben solt: Ego sic argumentor Jungherr
Respondens: Omnis glocka glockabilis in glockerio glockando glockans glockativè,
glockare facit glockabiliter glockantes. Parisius habet glockas. Ergo gluck. Ha,
ha, ha, das heisst Narriert, das heisst gered, das heiss Parlirt. Es ist inn tertio
primæ im Darii oder anderswo. Ich könts auch aus Canonischem Rechten Probirn,
aber die Allegationes sind mir aus geschwitzt, Canon non cano, kans nit mehr.
Auff mein elende Seel, ich hab gesehen, dass ich den Teuffel anstellt mit
arguiren und disputiren: Aber itzund kann ich nichts als aberwitzen und
guckgucken unnd in den schnattergallen glückglucken, und den leuffigen Sessel
zum Tisch rucken, unnd den fünften zipffel am Sack suchen. Jetzund bekompt mir
nichts bessers, als gut Wein, gut Bett, den Rucken am Ofen, den Bauch beim
Tisch, den Schemel unter den Füssen, unnd ein tieffe Schüssel. Dann ihr wisst, es
geht noch wohl, wann schon ein ganz Dorff verprent, unnd nur des Pfaffen Haus
auffrecht bleibt: und mancher verdäut den Hafen, mancher kaum das Muss. Doch
besser im Suppenrauch, als im todenrauch. Besser die händ zittern eim vom
trincken als vom Hencken. Ein guten Schäfer geb ich, ich läne mich wohl an, aber
ich müsst auch ein guten Hund haben. Nun, nun, zum text, zum text. Mein Maior ist
gehört, folgt Minor cum Conclusione, Hei Domine, ich bitt E. Multificentz in
nomine Patris & Filii & Spiritus sancti: Amen, Das E. Gratiositet unnd
gnaden uns die Superimpendentz unsers Tempels wider zuweisst, dann ohn dise
überhangsamkeit hiess sonst unser keiner Superintendens: die lieben Kirchturn
Cimbaln halten für uns Wacht und Superintendiren, wir verschlieffens sonst oft:
nun ist auch billich, dass wir zu dieser not einmal fur sie Superintendiren,
wachen und acht haben: Zun opffern sind sie unser Fürsprechen, wir müssen einmal
auch ihre Fürsprechen unnd Oratores sein. So gebt uns nun unsere
Glockenformliche Wächter, unnd Superinten tint tint tint tent (Hei, kann ich aus
dem tinnenden, tönenden Veitzdäntzlingischem langententlingischen Namen nicht
kommen) Super in tent dentliche vorsprechen: unsere fromme Kirchenbüttel, sampt
ihren einhangenden oder impendentierten Zungen: dann ohn dieselben schiss ich den
Fürsprechen ins Maul (vor E. Reverentz mit Reverentz zugedencken) Ist dannoch
besser, wir haben Glocken, als das wir auff Türckisch auff die runden
Mossquekirchen müssten steigen, unnd die finger in die Oren stecken, und dass Maul
auffrecken, unnd den Leuten zur Kirchen ruffen, das uns der Hals kracht. O Nein,
ad patibulum cum illis: Wir begeren unsere Glocken: Und diss ist aller unser
nachklang, Glock, Glock, Und Gott behüt euch und unser liebe Frau vor
gesundheit, Commendier euch hiemit aller ApostelPrintzen, meim lieben Herrn S.
Johan, dem Teologo: Qui vivit & regnat per omnia sæcula sæculorum. Amen.
Heu, haschehsach krach gzrenhen hasch: Botz Longins spiess, die Muck will nicht
heraus.
    Nunc probo: Veruntamen, enim verò, quandoquidem, dubio procul, ædepol,
quoniam, ita, certè, medius fidius, eine Statt ohn Glocken, ist wie ein Plinder
ohn ein Stecken, ein Esel ohn ein Saumsattel, ein Khu ohn ein Schelle, ein
Lazarit und Lepross ohn ein Maltzenschlätterle? Derhalben wollen wir nicht, biss
ihr uns unser geläut unnd Glockenbüttlichkeit wider gebet, nachlassen euch
nachzulauffen und nachzuschreien, wie ein Plinder der seinen Stecken verloren
hat, uns zuschüttelen wie ein Esel der kein Saum hat, zu muen wie ein Khu on ein
Schafschell, zubettelen wie ein Aussätziger ohn ein Feldsiechklapper.
    Videte mysterium. Die Griechen, wann sie ihre Pferd wollten gewänen, dass sie
zukünftig des wesens und getümmels inn Kriegen wern gewont, so Schällten unnd
Lütten sie ihnen mit grossen Cimbaln und Glocken für den Orn: also auch wir,
will man uns willig haben zum Chorprellen, so muss man uns darzu vor Schellen.
Heut gewänt man die Pferd mit dem Geschütz, vertreibt auch (wie ich hör, dann
zuerfahrn war nie mein beger) das Wetter darmit: O meiner Kirchen nicht, mein
Haus steht gleich darneben: sie vertreiben das Wetter, dass die Kirchen weder
bescheint noch beregnet werden. Ein sonderer Latinisirer oder Lantinisator, bei
dem Spital wonhaft, sagt einmal, und beruffet sich auff ein Taponnus, ich irr,
ich irr, es war der Pontanus, ein Weltlicher Secular Poet, er möcht wünschen das
alle Glocken Federn weren, und der Schwengel Fuchsschwäntzen, weil sie ihm das
Metzisch Geschütz im eingeweid des Hirns verursachten, und gar Stül und Bänck
darin verruckten, wann er seine Carminiformliche Vers solt schmiden. Aber Pfui,
Pfai, pi aus scheissack, dann er ward zu eim Ketzer erkant kurtzumb: Pfi, ich
hab das Maul mit ihm beschissen, Hen, chrasch. Wir prauchen ihn wie das Wachs:
Wie die alten Juden die entlehnten gefäss der Egyptier, sonst diabolus teneret
lucem, wann mans wolt inn Leimen trucken, Ja inn den Mist von Kauburg, welchen
man zu ehrn praucht, und an Schuhen inn die schönsten Gemach tregt, und am
Sontag auffpflantzt, wie ein Braut von Schwollen. Dann es ist ein grosse
Walfahrt auff Sanct Lamprechts Mist, da die Kü zum Heiligtumb Scheuen, ibi est
bonum pro caseis ire, & In simul bibere bonam positionem ex flasconibus.
Dann es tut den Pferden wohl, wann man ihnen darzu pfeifft: Also wann man einem
darzu läut und klingt unnd singt, der König trinckt, so machts, dass man noch so
wohl schlingt. Hei wolauff, den Tisch auff. Chrasch hembasch. Hab ichs nicht wohl
getroffen, so langt mir zu trincken. Hiemit setzt sich der gesand deposant
nider, und räuspert sich noch neun unnd zwentzig mal darzu, sprechend, valete
& plaudite, Calepinus recensui: Ist dass spil schön und gut, so reuspert euch
hell und lut: Mein Koderigkeit hat sich schon gesetzt: vestræ Reverentiæ wollen
gleichsfals gedeckt sein, burfuss haupts fallen die flüss: Chen Chach, Chasch
Chrasch, Prasch, Platsch, Hisch, hisch, zisch.
 
                        Das Drei und zwentzigst Capitel.
Wie der Sophist seine Würst sampt eim neuen par Schuh und Stümpff darvon pracht:
       Welchs einen schweren Prozess wider die andere Meister verursacht.
Der gedacht Sophistisch Redner Herr von Bruchmatt hett kaum seine Red geendet,
da fingen Kundlob, Huldvolck unnd Wolgeart also an zulachen, dass sie meinten
Leber und Miltz solt ihn zersprungen sein, nicht anders als Crassus, da er einen
behodeten Esel sah seins gleichen munds disteln schlemmen, unnd als Philemon, da
er ein Maultier sah die Feigen fressen, die man zu dem Mittagimbiss für ein
ander Maul het zubereitet, der auch also lacht, dass ihm der Geistauffgebend
Nestel zersprang. Oder wie das Frauenzimmer des Ulmischen Fartzenden Legaten
lacht, da er den Furtz hiess herumbher gehn: ihr finds ins Bebels Bibel. Hierzu
fing auch Meister Janotus von Mattbruch weidlich an zulachen, eben so sehr als
sie, das ihnen das wasser in den augen gestund, durch die heftige erregung der
Substantz des Hirnes, dadurch diese zäherrliche feuchtigkeiten aussgetrocknet und
zu dem gesichtlichen Glid oder Optischen Nerfen ausszurinnen getriben worden.
Darmit sie fein augenscheinlich den Heraclytisenden Democritum und
Democrytisenden Heraclitum anmaseten. Dann es steckt viel freud inn der
Weinkanten, mehr als im gauckelsack.
    Als nun die Storcken aussgelacht, berhatschlagt sich Gargantua mit seim
Hofgesind was zutun sei. Da geful dem Rhumbrecht von Hohen Lobsteig, dass man
diesen schönen Redner wider über den Wein schicket, dem er abgesagt hat.
    Und weil er ihnen dannoch auch alle kurtzweil und mehr lachen gemacht als
alle Witzboldi unnd Visonasi, so erkannten sie, dass man ihm die Stangen mit
Würst, inn seiner Ehrwürdigen Red gedacht, zustelte, sambt eim par Schu und
Hosen, drei hundert Fudern Prennholtzes des alten Lastmesses, fünff unnd
zweintzig Fudern Weins, eim Bett mit treifachen decken von Gänssfedern, eim
durchlöcherten Fussschämel, wie viel auff der Kürssnerlaub zu Strassburg stehen,
sambt dem Lollhafen der darunder gehört, und ein zimmlich weite Schwäbische
tieffe Schüssel, welche stuck er zuvor in seiner Red gesagt hat, dass sie nötig
zu ausspringung seines alters weren.
    Solches ward alles, wie es der Rhat beschlossen, vollpracht: Ohn das
Gargantoa zweiffelt man möcht nicht also auff der stätt ein gerecht gesäss für
seine Adeliche Proportz gehaben: Auch nit errahten, auff welche weiss sie dem
Legaten a Latere vom Zigeltach, wohl anstünden unnd gezimmeten, endweder auff
Martingalisch, welchs ein FallPruck ist für den hindersten Wächter des besser
zuschissen: oder auff Seländisch, Pottfagerisch unnd Schiffmännisch, gut für die
räudige, unnd sonst dem Zansteurerlein unnd gsäs stümpflin meh raum zugeben,
Oder auff Schweitzerisch, das Geschirr warm bei einander zuhalten, und glat
anliegig zuzeigen das man wohl befidelochet ist. Oder uff
stockfischschwäntzenart, aus sorg die niren zuerstöcken. Oder auff Caracosisch,
und Gasconisch, Haus darin zuhalten. Oder auff Spanisch und hörpauckisch, viech
darin zuziehen, und für ein Postküssen zuprauchen: Dann er wusst, das er ohn das
zu seiner alten toritet keine Landsknechtische hosen trug, sonst möchten ihne
die Hund an den zotten halten, wann er ins Kloster ging unnd stieg, oder die
Hecken die auffgeblassenen hosen, wie die Bauernkütel, für ihr recht anfordern.
auch kein Braunschweigisch Plass bälg, Sackpfeiffen und Schmaltzhäfen, dann sein
Orden war, Euntes docete: wan man auff Gutschen terminirt unnd reformiert.
    Derhalben tat er, wie der Türckisch Keiser Selim, welcher als er aller
Nationen kleidung het malen lassen, unnd an den Teutschen und Frantzosen kam,
wusst er nit was er denselbigen für ein latz machen solt: derhalben liess er sie
nackend malen, unnd ihnen ein ballen tuch mit elen unnd spissen ausszumessen
geben, daraus möchten sie ihnen latz unnd gsäss machen so wunderfundsam unnd so
oft veränderlich wie sie ihmer wollten: Dann der Teuffel mahl oder schreib disen
fundschwangern Kleidfuhrierern und hosenquartierern ein Formularbuch von
kleidern für, wie man wohl heut den Notariis fürkauet unnd fürspeiet: Ja wie die
Cantzelärmel der unformularigen und unconcordirenden Welt heut Gebett Formular
vorschreiben. Darumb, weil Garganzumol diesem Herrlin keinen überzug zu seim
Leist wusst, gab er ihm Burgundischer elen wolgemessen siben weiss tuches, das
mocht er nach dem model seines leibs verkleiden unnd färben wie er wollte die
stümpff oben ans gesäss, oder unden an die Schu.
    Das holtz ward ihm von der Zunft der Kärchelzieher heim gefärtiget, so
trugen die ploen Meister in artibus das Musskar und die würst an stangen wie die
Schuster zu Marck, im Trab und Triumpf daher, das es sah als wan man den Meyer
von Londen einsetzet, oder, unvergleichen, einen dieb zu seiner letzten erhöhung
geleitet. Aber Meister Janot von Bruchmeid trug das tuch allein, unnd prangt
daher wie ein Ochs am Kolwagen. Als diss einer aus den Magistern sah, genannt
Joder Haubenschlappius, von Badowiler zeigt er ihm an, wie dises seinem
Aratorischen staat nit gezimme, sonder es einem under ihnen gebe. Ha sagt Ehr
Janotus, Esel, Eselskopff, du schlisest nit in modo & figura. Seh da, wazu
einem nutz sind die suppositiones, & parva logicalia? Pannus pro quo
supponit? Confusè, Antwort Hauben Schlappius, & distributivè: Ich frag nicht
du Esel, Sprach Janot, quomodo supponit, Sonder Pro quo: Das heisst, pro Tibiis
meis. Unnd derhalben will ichs egomet tragen, sicut Suppositum portat Appositum.
Und ob du schon die Bratwürst trägst, ist doch dasselb das Concretum, das ist,
die würst mein, aber das abstractum, das ist, das übergezogen lederle dein.
Ehem, das ist aus einer andern schmiden. Also pracht er Heimduckisch mit seim
Supponiren unnd abstrahirn den Plunder heim, unnd hett die hund zu gefärten.
    Aber das best war, das diser alt Huster kecklich inn offentlicher versamlung
unnd audientz zu den Maturin, inn der Sorbon gehalten, noch einmal seine Würst
unnd Hosen fordert. Die ihm doch gleich Peremptorie worden abgeschlagen, weil er
sie vom Herren Garkantenvoll einmal für alle mal hat empfangen, laut der
Information darüber auffgericht. Dagegen repliciert er, das solchs wer von
Gratis her und aus des fremden Herrn Gnädiger Freigabe: durch welche sie darumb
nit ihres verheissens weren relevirt unnd entschlagen. Diss unangesehen, ward ihm
zur antwort, dass er sich eines billichen vernüg, unnd nit ein Bettlermeitlin,
noch diss von ihnen gewärtig sei. Was: billich, sagt Janotus Latzmat, billichkeit
gilt doch nit hierinn: ihr schelmische Bösswicht, vel dic Ertzverrähter, ex nunc
prout ex tunc, ihr seit nicht eins Sautrecks werd: uff dem Herrgots boden sind
nicht ärgere lauren als ihr seit. Ich weiss es nur zu wohl, Ich kenn euch, wer
euch kent der kauft euch nicht. Nicht hincket vor dem Lamen: Ich hab solche
Büberei auch mit euch getriben: Ich kann dem Dib die händ im Sack erwischen. Beim
Heiligen Miltz, ich will bei dem König euch die strei machen, unnd alle die
arglistige bubenstück, die ihr hierin kocht unnd Prüttelt, entdecken: Und da
wett ich dass ich aussetzig werd, wann er euch nit alle lasst lebendig de facto
verprennen, als Florentzer, Verräter, Ketzer unnd verführer, als aller Tugend
unnd Gottsfeind: Ihr Gottsdieb und Gottverräter, & salvo iure addendi, Mit
vorbehalt solche Titul zu bessern unnd zumehren. Auff solche wort rufften sie
all Blasphemavit, und stelten darüber ärtickul wider ihne. Er zu seim teil
unerschrocken citirt sie ad instantiam, unnd setzt ihnen einen tag. Inn summa
der Prozess ward von dem hoffgericht unnd Parlament angenommen, da hangt es noch.
Die Magistri nostri gelobten ihre Röck nit eh ausszubürsten, noch ihre Läuss ab
zusträlen, hingegen Janot Mattlatz sampt seim anhang die Nasen noch den Arss
nicht ehe zuwischen, es sei dann durch einen endlichen spruch entscheiden. Von
disem gelübd an, sind sie biss auff den heutigen Tag Lausige und Rotzige Unfläter
gepliben: dann das Dollosisch Kammergericht hatt noch nit alle allegaten unnd
probaten inn defectum, unnd passus dubios recht ergrabelet, unnd erstrabelt. Das
urteil soll auff neheste Griechische Calendas, das ist, auff der Juden Christag,
unnd der Genffer Liechtmess aussgesprochen werden. Wie ihr dann wisst dass dise
Rechtsklügler mehr als die natur künnen, unnd wider ihre eigene articuln tun.
Dann die artickel der Parisischen schul, daraus die Parlement ersetzt werden,
lauten, Gott allein könn unendliche sachen machen: Die Natur mach nichts
unabsterblich: Sondern allem dem sie ein anfang gibt, dem geb sie auch ein
endschaft: Nam omnia orta cadunt. etc. Hingegen dise Daukauer, Muckenkauer,
Kamelschlucker, Häuserschlucker, Goldvernagelte Zungen, die recht sprechen,
nicht recht tun, Halssstürtzer guter wörter inn Parim vom Puteo, die Liebhaber
der Rubricpfenning, der Hern de Auricuria & de Terra rubea: Und sonst Jacobs
von Beutingarus: Unnd Saturnische Weisenfresser, machen die Prozess unnd
rechtfertigung bei ihnen anhängig, unnd nimmer abhängig noch abgängig, sondern
jhe mehr zugängig unnd verlängig, unendlich und unabsterblich. Damit sie dess
Spartanischen Chilons spruch, der im Delphischen Tempel zu Gedächtnis geheiliget
stund, bestettiget haben, welcher laut, die Armseligkeit sei dess processes unnd
Rechtfertigens gefertin und ehgemal, unnd alle Rechtfertiger seien armselig oder
werdens. Dann viel eh erlangt ein end solcher hinderstelliger Gäul leben, als
das Recht welchs sie fürgeben: Was hilffts als dann, wann der kopff ab ist, dass
man den Hut halt? unnd dass man den aussgeloffenen Wein mit mäl auff trocknet, wie
der Türck vor Siget die Pfützen mit wollsecken. Gemalte vögel sind wohl gewiss
zuschissen aber nit zugeniesen. Was gehst auff steltzen, dass der stümpff
schonst, und fällst gar in treck. Meinst die Leut seien Katzen, weil sie Haar am
Bauch haben?
 
                        Das Vier und zwantzigst Capitel.
Von des Gargantua studieren, nach seiner Sophistischen Lehrmeister anfüren, und
  wie ihn sein Neuer Preceptor Kundlob darvon tet abführen und bass anführen.
Als nungedachter gestalt die erste tag mit kundschaftmachen zupracht, unnd die
Glocken an ihr ohrt wider geliffert worden, erboten sich die von Paris, unserm
Gurgelstrozza zur danckbarkeit für die beweisene Ehr, sein Leibvieh, als lang er
wolt, zuerzihen unnd zufütern. Welchs er zu danck annam: Darauf schickten sie
Futer und Proviand genug in den Forst von Biere: Ich glaub er sei jetzund nicht
mehr vorhanden.
    Nach disem nam ihm Strossengurgel gäntzlich inn sinn, nach dess Rhumprechts
Kundkolb urteil unnd discretion sein studieren anzuschicken. Aber Rhumlob sein
Lehrweiser verordenet, dass er sich noch zur zeit seiner alten weiss unnd
gewonheit geprauchen solt, zuersehen unnd zuspüren, durch was gelegenheit in so
langer zeit seine alte Zuchtmeister ihn also zu eim ungeschickten Fratzen
gemacht hetten.
    Derhalben erzeigt Gurgelstross dess Kölers Glauben, nämlich dass er wer wie
seine gewesene Zuchtpfleger, welche wie er, das Pfleg Kind, warn. Dispensirt,
diätirt, unnd teilt seine zeit solcher gestalt aus, dass er ordenlich zwischen
achten unnd Neunen kein rhu im Bett hett, es war Tag oder Nacht: Dann also
hetten ihne seine alte Zuchtregenten underwiesen, unnd dazu den spruch
angezogen, da David spricht, vanum est vobis ante lucem surgere. Darnach wann er
erwacht, gumpet, plitzet, strabelt, geilet, rammelt unnd hammelt er ein weil im
Bett herumb, die leblichkeit der sinn unnd mütigkeit dess Geistes unnd fleisches
etwas auff zumuntern unnd zuerfrischen: Dann er liess die Hund sorgen, die
bedörffen vier Schuh.
    Darnach tet er sich nach gelegenheit an, nach des Grobians zwölff Römischen
Tafeln: dann die Morenkübelitet Erasmi war noch nicht auffkommen. Aber gern trug
er einen grossen langen Rock von grosser auffgeribener oder aufgetribener
kraussrauher Woll, mit Füchssen gefütert durchaus, nicht dass die Schaf die Füchss
an das ort aus gebissen hetten, wie etliche heuchlerische beltz. Folgends strält
er sich mit eim Bömischen sträl, der war vier finger und der daumen, welchen er
warlich nicht umb dein halb Reich geben hett. viel weniger umb einen pleienen
sträll, damit man die grauwen Haar dunckel macht. Dann seine Preceptores lehrten
ihn, dass wann man sich anders strälet, wäschet unnd wischet, wer es so viel, als
die zeit unütz verlieren unnd missprauchen.
    Nachgehends schiss er, pisst er, fartzt er, seicht er, erprach sich, rib sich:
streifft sich: juckt sich: dänet sich: stach ein stund säuren auff: niset:
kodert: göwet: ginet nach dem Leinlachen: steuret unnd rib die Zän: Hustet:
Schweiset: Plutet: Bekotzet unnd schneitzet sich wie der best Ertz-Priester: der
jetz die Kantzel antretten soll. Wann er sich nun also überworffen und
purkratzet het, nach der Regel (Schüt nicht ein neuwe schnabelweid, du hast dann
vor die alt verdäut, welche wird vernummen, an dünnem speichel, unnd
magenprummen) so nam er als dann die Morgensup ein, dadurch den Nebel unnd den
Dau zulegen, unnd sonst von des bösen Luffts wegen, als schöne Fenchelwürstlin,
geröstete züngleinstucklin, beim Berte Pfaffenbisslin, gröstets Katzengeschrei,
Euterprätlin, schöne Wampen unnd Schuncken, oder feisste Hennensüpplin,
Kindbetterprühlin, Weinwarm, Matzisprülin, von der ersten sut.
    Ponocrates zeigt ihm etwan an, dass er nicht so bald vom Bett sich bekröpffen
solt, eh er zuvor eine übung vorgehabt het. Da antwort Gargantubal Was? hab ich
mich nicht genug geübt: Ich hab mich wohl siben tag im Bett herumb gekälbert eh
ich auffstund: Ist das nicht genug? Bapst Alexander tat ihm doch also aus rhat
seines Jüchschen Artzet, unnd lebt seinen Neidigen zu leid, biss er starb. Auch
haben mich meine ersten Lehrmeister darzu gewänet, und gesagt, das früstücken
unnd die Morgenzechelin gute gedächtnuss machen, darumb prachen sie mir allzeit
vor das eiss, unnd bestachen mir den Rein, unnd trancken am ersten ein guts
Positzlin ein. Ich befind mich mechtig wohl darbei, und mag nur des mehr zu
Mittagimbiss essen: und mein alter Meister Tubald (welcher der Oberst seiner
Licentz zu Paris war) Predigt mir oft, das diss nicht gar der vorteil sei,
geschwind lauffen, sonder bei zeiten ablassen zuwissen. So ligt auch nit die
ganz total häl gesundheit unserer Menschheit an dem, dass man wie die Canes
lapp, Schlapp unnd Läpper, und tropffen für tropffen Schupff, sonder viel mehr
an dem, dass man fein frü trinck: Unde Versus? Frü auffstehen ist nicht gut, Frü
trincken noch das best tut.
    Heisst nicht Plautus (welchen einmal ein Gugelkapp für Paulus lass) sich vor
den Maulginenden Diätmalenden Tagkritlern unnd Tischpropheten hüten: dann sie
rhaten eim wie Doctor Silvan dem krancken Bischoff von Gwewara, welcher ihm
Fumum vitis, Rebenrauch verbot, unnd er tranck selbs den besten Wein von Sanct
Martin fürs Fieber: Das heisst auff Eulenspiglisch der Bäurin das Muss erleidet,
dass ers allein ess. Was gehn mich die Rotweise Kalendrige Fasten unnd Nitfasten
an? Die Hund essen Grass, wann es regnen will, unnd sie Purgiren sich darmit. Was
Diætæ, die einen tödten? Das Bäurelin und die Greta, sind dispare valde diæta,
Sintemal der schlaffet, cum Greta parocho schaffet. Das ist, der Müller und sein
Frau haben ungleiche mägen, dann er malt kaum bei tag, da sie auch wohl bei nacht
mag, und hindert sie kein klepperen daran. Derhalben aus mit disen
langschaubigen Apoteckerpleichen, gespänstmageren, Seichstinckigen,
bisamknopfigen Fürtzwindern, Ess kul Lapp iss, ein gulden vom Henckergang: recipe
acht real für ein Schlotfegung, riech dran obs auch stinck wie Keisers
Vespasians Scheisshausszoll von den hinderärckern unnd arsscaminen: was wollten dise
Leibmartler wissen, was da fehlet meim Magen, unnd understen Kränchskragen? sie
erpurkratzen nur die Seckel, und machen aus der Natur ein Kindbetterin, binden
die Leut ans bett, wickelen sie inn die Todenleinlach, Folteren, strecken,
Arssbosselen sie, hinden ein plasen, oben ausslassen, magenkrümmen,
kopffverwirren, hirnschalen auffboren, fressen verbieten, sauffen verhüten, die
Nabelspeiss den Weibern verschlagen, glett, Coloquint, Zinober, turbit, Tassia,
Arsenicum und sonst gifft aufflegen unnd eingeben. Und warumb sollten sie es nit
tun, weil sies ungestrafft tun: Dann wie Bart, in l. omnes. la. 3. C. de
Decurion. bezeugt, so haben sie im rechten kein widerstand, weil sie den
Hebammen verglichen werden: Unnd was können dise Magenketzer? Kont doch des
Bapstes Leo Arsneiprütler mit einer Purgatz von 500 gülden den Elephanten,
desgleichen einer zu Speir den Seckel frass, wiewol er ihm den Harn besah, nit
für ein Pfennig scheissen machen: hett er dem Element (wie ihn der Baur nennet)
darfür, wie die Apoteckergesellen zu Augspurg des Medici Esel, Pfeffer inn Arss
gestreit. Derhalben will ich wohl ohn den Treckenschlappius, Räsiss und
Hupfinsgrass fressen, ohn ein Venedischen Koch, oder Teutsche Speisskammer, ohn
dass Süssmaul Ficinum von treierlei weiss zukröpffen, ohn Avile Bancket, sie seien
Averroisch oder Rornanisch, Lacunisch oder Kornarrisch, Teophrastisch oder
Erastisch, Serapionisch oder Scribonisch, Ramisch oder Carpentarisch, Simonisch
oder Scheckisch, Füchssisch oder Meusisch, Fedronisch oder Desseunisch,
Mercurialisch oder Wilandinisch, Brunisch oder Traffichettisch, Turnisch oder
Kurtisch, Schwartzialupisch oder Matiolisch, Susisch oder Trinckavellisch, unnd
sonst im Weinzanck Fumanellisch oder Clivanisch, Pistorisch oder Mannardisch. Es
gilt mir gleich, wie der Frauen bei Nacht der Vetter oder Herr Peter. Man darff
mich nicht in die Salernisch Schul führen, ich weiss on des, Nach Fischen Nuss ess,
nach Fleisch die stinckende Kess fress. Hei wie sauber Klippelverss für die Jugend,
Nicht hindere Bruntzen, nicht nötige heftiglich arsum. Mit Eselen fartziss
streite, sic non eges arzis. Vier ding aus winden, veniunt, so ventre
verschwinden. Wer die Fürtz verkrümmen will, den grimmen sie her wider vil, lass
rauschen was nicht bleiben will: Nicht iss beim Scheisshauss, so nicht wilt
weiselen seichuss. Lig auff dem rechten Or, dass dir keiner ins Linck bor. Dann
vinum saure, klinglitumm machet in aure. Aber Wein saltzt alles ein. Ruben
helffen stomagum, wissen zuförderen Wintum, förderen urinam, schedigen auch zano
ruinam etc. Aber non fortat debile membrum. Pringet Humores, Bacherach vinum
meliores. Je stercker Wein, je schwecher bein. Nach Biren geb Potum, nach Potum
eile cacotum. So satur es, totum mit Procken evome potum: Und widerkomm certa
Gleser zulehren referta: Bist satt, so Spei dich matt, komm Traber, füll dich
aber. Farcimen discis puellis ponito. etc. Dann ad caudam tendunt, ultrò
manibusque præbendunt. Das ist, Wurst stellet den Meidlin den Durst, unnd
greiffen all, gern nach dem Al, und streichen kein Sand doch in die hand. Secht,
secht, hat man mich nicht wohl underwisen? Sic lacerare grossos coram ne desine
bossos. Unnd im Dantz, werff sie herumb wie ein Küschwantz: dass Posteriora illis
börtzelen wie hesslichen villis. Alsdann so oft dich liebt, dich schmitzelen
küssele iubet. Diss nisi procures nit hertzecken Meidelis ures. Spöttiglich
exibis, nimmermeh zulöffelen redibis. Sih da, Domine Preceptor, hab ich die Letz
nit letz behalten? das heist Läuss inn Beltz gesetzt, Fischlin hast auch ein
Röglin? Oha, solch ding lehrnet man ohn den einörigen Dorffcalmäuser: man hat
mich nie darumb geschlagen, wie umb das betten. Dann sauffen, schmeissen, bulen,
schweren. Darff man keinen wies betten lehren.
    Darumb eck nur keiner meinen Magen aus. Ey ja eck biss zum andern eck, und
leck biss zum andern, etc. Schmeckt es dir, so leck inn mir. Ich muss den magen
selbs tragen, unnd sehen wo der Gänsskragen bekomm zu nagen, auch inn manch
gefehrlich loch wagen: die Nonnendiet ist gut, umb vier gessen, zu fünffen
schlaffen.
    Mit solchen und dergleichen Worten, wüsst dieser schön Discipel seinem Hof
unnd Lehrmeister zubegegenen, dass sie fro worden, zu schweigen, und ihn machen
zulassen. Derwegen als er nach allem vorteil nun gefrüstuckt, ging er zur
Kirchen. Dann auff vollem Bauch, steht wohl volle andacht, und aus der Kuchen in
die Kirchen: Da trug man ihm in eim grossen ledern Sack ein gross schwer
beschlagen und vereinpantoffelt Brevirbüchlin nach, welchs roh und an prettern,
solen, beschläg, Clausuren, Leder und Pergamen wag eilft inn die zweilff virteil
eins Centners Sechs Pfund a la grossa Venediger gewichts gegen Kaliss malis und
Malucka respondirend. Da hört er sechs und zwentzig inn die treissig Messen auff
eim fuss: Dann ubi maxima spes, ibi minitna res. Unnd conversò. Unter des kam
sein Horasbetter und Tonsurat an statt, unnd ersetzt ihn mit seim matutinal unnd
exequial, schön bestolet, bealbet, bekaselt, verschappliret, versubtilet,
behandfanet, und behumeralet, wie ein Eul im Schornstein auch seinen Heiligen
atam wohl verbinet, vernitet und antidotirt mit starckem Weinelenden Sirup. Mit
demselben mammelt und mummelt er alle seine Kirchen lös uns: und erkernet,
ertreschet, unnd erlass es so eigentlich, das nicht ein einigs körnlin umbsonst
auff die Erd ful, es hett kein frachmentaklaubend Hündlein darvon ein Brösamlein
under des Herrn Tisch gefunden.
    Als er nun aus der Kirchen wider gehen solt, führt man ihm auff eim
Ochssenwagen und Weinschleiffen nach ein grossen plunder Paternoster von Sanct
Claudi, daran ein körnlin so gross war als ein Filtzform oder Hutleist. Damit
ging er im kloster im Kreutzgang und Garten herumb, und bettet mehr als
sechtzehen Einsidler de profundis aus der Gruben: Bissweiln flucht er darzu, wann
er mit der Zungen stolpert: dann es colerirt sich mächtig wohl, wann man zu Pferd
singt.
    Nach disem studiert er etwann ein halb verloren stündlin, mit gar genauen
augen auff das Buch gedigen gericht, aber (wie der Comedidichter sagt) das gemüt
in die Küchen geschicht. Folgends seicht er ein grosse Kachel voll, unnd setzt
sich zu Tisch: Dann, wie Eupolides sagt, hat der ein recht Palamedisch Invent
erfunden, so erstlich den Pruntzscherben hat erdacht unnd zum Tisch gebracht,
gleich wie der, so den Schwammen auff den Hobelwagen. Auch weil er von Natur gar
flegmatisch war, fieng er gemeinlich sein essen an mit etlich dotzend Schuncken,
mit gereuchten Ochssenzungen, rauchgedörten Würsten, kalten Eyern, unnd anderen
desgleichen des Weins vorleuffern unnd Einfurirern, seim Vatter nachschlagend:
dann der Apffel fellt nicht weit vom Baum.
    Mitlerweil warffen sechs seines Hofgesinds, einer nach dem andern, dass sie
einander ersetzten und vorspanten, stets mit vollen Schaufeln Obernähemischen
Senff in das Maul, dass ihm die augen übergiengen: Dann der Senff war noch vom
sauren Herbst. Darauf tat er einen schrecklichen trunck weissen Weins, ihm alle
strümpff und stock des leibs zubegiessen unnd zuerquicken. Demnach ass er wie es
ihn ankam, so viel als ihm geful, spant die Backenleist, liess zu tal, schütt
auff die Mül, schwedert in sich wie ein Laugensack, schoppet sich unnd frass biss
ihm der Bauch strotzt, wie ein Füllwürst unnd Seusack. Im trincken hett er kein
Mass, regel, noch zehengebott. Dann er sagt, mass unnd ziel des trinckens sei,
wann der trinckend Kerles seine Pantoffelsolen umb ein halben fuss auffplaset,
die Nestel, haften und Kneiflin aufftreibet, unnd oben zum Hals ein mit eim
Leffel mag den Wein erreichen unnd schnitten darein weichen. Das heisst ein zil
gesteckt, ein Rock gelegt, es springt hernach, welchen gelust: Lang Füss teten
es, aber nicht lang Arm: Wiewol wer ist arm? sind wir doch Reich Hudler, wir
haben zerrissen Kleider.
 
                       Das Funff und zwentzigst Capitel.
               Von des Gargantuwalts mancherlei Spiel, und gewül.
Nach endung des Nachtimbiss (und bissweilen auch zum Mittagmal) kauet er etlich
büschlin Spanischer Gratias, welche vermögen, das under dem man bitt, so sicht
man sich umb wo etwas zustälen ist, oder vor verzuckter andacht das Bettbuch mit
den vier Königen erwischt. Darnach wescht er sein Händ mit frischem Wein,
steuret und grübelt in zänen mit eim kalten Kalbsfuss, mit Schweinen Kloen aus
der Fischgalrei inn Essig gedunckt, auch mit eim Rechschenckel, der aus einer
kalten Pasteten sich wie der Papst seinen Ellendskloen zuküssen darff bieten.
Disen Zansteurer befand er besser, dann die so heut die Italiäner aus
Mastixholtz spitzen, oder die Niderländer aus Wackholder und Lorberholtz, oder
mein Löblich Handwerck die Schreiber aus Federkeilen. Doch bissweilen braucht er
auch stockfischschwentz, und auff hohe Fest, den schnabel und die kloen von
Rortrummen, oder RorReigeln, oder Mossküen, oder MurRindern, oder Erdbüchssen.
Item schwentz von Heien unnd Rochen: Darvon die heutig form der Güldenen unnd
Silbern Zansteurer, so man anhencket, herkommet.
    Jedoch gribelt er nicht in Zänen wie der Amiral, dessen Zansteuren Gwyse
sehr forcht, unnd es hat ihm nit gefehlt. Aber unser Stockfischschwantzsteurer
war mechtig lustig, war über neun Lauten und neuntzig Affen mit seim Volck.
Folgends ward der Tisch entdeckt, unnd ein Tapet auffgelegt, da bracht man
alsbald ein hauffen Welscher wolgepepter, wolgeferbter glatter Karten,
Pragischer Würffel, und die Schantzen von Prettspiel. Dann er musst gespilt
haben: Kart war sein Morgengab, wie den Augspurgischen Weiber: wan es ihm mit
eim Buch der König nicht wolt glücken, Oho ein andere her, die wöllen wir zum
Fenster aussschicken, und solts dem Predicanten umb den Kopff fliegen. Was fragen
wir nach dem Genffischen Tonneau, der kein Sternen in der Karten will zulassen:
sind doch schöne Farben drin, inn welcher, wann einer gekleidet geht, Glück hat
unnd Schätz findet, wie D. Toman von Filtzbach im Planetenbuch schreibt: So muss
ich mir bei der Heiligen Aeschen, die neu Kart bekommen, von vier ausserlesenen
Farben, Roten Cardinalshüten, grauen Mönchskappen, blauen Cornutschlappen, und
schwartzen Predicantischen über Paretdellern. Nun biss ichs bekomm so hört. Es
war unserm Spiler wie dem grossen Alexander, der weint dass sein Vatter viel
gewan, dann er besorgt er möcht nichts zugewinnen haben: So weint diese unsere
Spilgurgel dass sein Vatter viel verlor, besorgt sein Vatter liess ihm nichts dass
er auch zu verlieren hett. Warlich rechte Heldentugenden, wann man das Gelt
unter die Leut lasst kommen, den Schimmel davon treibt, unnd des gelts ein
Meister ist. Jedoch hett er allerlei Spiel inn allerlei Wehren vor, mit unnd ohn
Frauen, ohn und mit Frauen, mit und ohn das gesind, bei Liecht und bei keim
Liecht: war gar kurtzweilig wie ein Floh im Ohr, lustig wie ein Nasser Sontag,
und dasselb spilender und gailender weiss, wie folget, als nämlich spilt er,
Der Flüssen:
Des Premiere:
Den Picarder:
Ticke tack:
Schachmatt:
Lurtsch:
Des Schulteissen:
Des Reissers.
Des Legens.
Der 31.
Marsch
        Rümpffen:
        Trumpffen
        Rum und stich.
        Aus und ein machen die Meidlin gern.
        Fickmül:
        Hupff auff, dupff auff,
        Wintertrost.
        Dummel dich gut Birche,
        Plinden mäuss.
        Eselin beschlagen
Hundert eins:
Gänsslin beropffen:
Welch Kart wilt verstecken, die kann ich entdecken.
Du der Hass, Ich der Wind
Ich hang, ich hafte:
In Himmel, in dHöll:
Der Wolff hat mir ein Schäflein gestolen, weil ich Käss und Brot will holn.
Trickretrac.
Vier Wachtel im Sack:
Dorn ausszihes.
Der Unfur.
Der Schantz.
Neun und hundert
Der Palirmül,
Ein und dreissig:
Krumme neun:
Rausch:
Umbschlagen:
Par mit dem Dantz:
Trei Hundert:
Der Condemnade.
Non verende:
Ich vernüg mich:
Malcontant:
Königs lösen:
Des Gauchs
Der Rusig Schulteiss aus Morenland:
Wer hat dich geschlagen, ist mir leid für den schaden, ich reche mein unschuld,
Burckhart mit der Nasen, komm helff mir grasen.
Wolauff das walts Gott nider
In die Brenten:
        Mit wem hat man gekallt.
        Wir geben und nemmen einander.
        Nach dem won:
        Wer eins tut, tu auch das ander
        Sequentz:
        Jeder hab des Mauls acht:
        Der Bonen
        Des Borers:
        Kochimbert, wer gewint verlört.
        Das widerle, wederle.
        Torment:
        Den Schnarcher:
        Contemonte
        Des glucks:
        Wer find, der gewinnt.
        Der Muter:
        Nun fah den Ball, eh er fall
        Der beschorenen Hund,
        Des Plättlins.
        Über eck ins bein,
        Der hupfelrei:
        Ballenripotei:
        Tochter lass die Rosen ligen.
        Schwartzer Dorn ist worden weiss:
        Das Pickelspil:
        Zipffelzehezupffen
        Die hüpsch als ich,
        Tölpeltrei:
        Mit Wasser grüsen:
        Jeder seh seiner Nächstin die hand.
        Der Girlande:
        Der Fastenbrüder:
        Wirt geb uns f. und p.
        Des Andres:
Des Kolbens.
Der Liebhell:
Was wundert euch?
Wa geht der Dantz hin Eselmut:
Wem krähet der Han:
Nadel on fadem in Hoff tragen:
Pferdlin woll bereit.
Cock, Code ei will.
Lausen oder Noppen.
Fingerschnellen
Den verkaufften gabelochssen mit Wasser zahln:
Wer kann siben Lügen
Wer kann siben Lügen verschweigen:
Greiff jeder seiner Nachbarin den Puls.
Was wer dein gröst begern.
Meiner Muter Magd macht mir mein Muss, mit meiner Muter Mäl:
Warzu sind lang Nasen gut?
Welches Bubenstucks rümst dich am meisten.
Des Friden machens.
Secht Muter der Dütten.
Des Untreuen baurens.
Der Alten Lüller.
Was sagt man Neues im Bad?
Gevattern betten
Das Alefrentzlin greiff ans schwentzlin.
Das zünglinspitzlin, fritzenschmitzlin:
Das Zeisslin, Mäusslin,
Kläusslin, komm inns häusslin, würff ein däusslin:
        Trotzenträtzlin, wie ein Lätzlin:
        Susa seusslin, flusa fleusslin.
        Zuck nit mein lib, ist ein billich sach:
        Matz werffs der Metzen zu
        Des Fuchsses:
        Des küschwantzes:
        Der Planchen:
        Der drei würffel:
        Der nickenocke:
        Des Zäumlins:
        Wisch auff:
        Wann ich mein Hörnlin plas:
        Loch zu Loch:
        Es miet mich
        Inn die Würst faren:
        Auff allen Tischen:
        Der geschrenckten Schenckel.
        Womit chenstu deim bulen?
        Was für Blumen gebt ihr mir zum krantz?
        Des grösten betrugs:
        Des Liebrhatens:
        Des Spitals der Narrn:
        O mein hertz verschwind
        Den Pronnen schöpfen.
        Auff den Berg faren:
        Eyn rusigen dib fahen:
        Der untreu under dem Mäntlin spilen:
        Was ist diss, fornen wie ein gabel, in der mitten wie ein Fass, das
            hinderst wie ein besem? Ku.
        Was geht auff dem kopff in bach?
        Aller heiligen Fass:
        Gott verläugnen:
Frauenspil:
Röpflins:
Der Baboben,
Primus secundus:
Zu underst des messers:
Des Schlüssels:
Des freien Karrens:
Grad oder ungrad:
Kreutz oder plättlin:
Faul faudel:
Laussknickel:
Härlin zupffen:
Ich fisch in meins Herren täuch:
Des schülins:
Heimlich seitenspil ungelacht:
Umb den Gänstreck füren:
Grüss dich bruder Eberhart:
Ist Weichsel reiff.
Stein aussgeben:
Gickel hie, warauff gickelst.
Martres:
Pingres:
Ess setzt ein stein, nimbt ein.
Haspeln.
Geb Arss, Nemm Arss.
Ich bin König, du bist Knecht.
Des deitens on Reden.
Wo schlafft des Wirts Töchterlein:
Memminger Vokatzer beckenprot.
Meidlein tu den Laden zu, lass den Ladennagel hangen.
Die Floh laufft im hemd
Schlägels:
Des Wirts.
Billard.
        Hellenpart schmiden:
        Des Schupletzers
        Hibu.
        Dorelot hässlin.
        Tirelitantine.
        Färcklin gang du vor.
        Des hörnlins:
        Des weitlochs:
        Des Habern verkauffens.
        Der blinden Ku.
        Rhat der finger.
        Pick Olyet offte graef.
        Nacht oder tag.
        Vergebens machen.
        Gäulchen lass dich beschlagen
        Das eisen aus der Ess zihen.
        Den falschen bauren:
        Der heilig ist gefunden:
        Reiben, stosen, stechen, boren.
        Von Wollen auf die wellen.
        Burri burrisu
        Ich setz mich:
        Disen angel mein Frau.
        Wendeln im bret,
        Meister hemmerleins nachfahr.
        Wechsseldantz.
        Allemant damour.
        Löss mir ein frag, die ich dir sag etc.
        Der Contrafeitischen geberden.
        Das bottensäcklin, schlotterpäcklin.
        Mal das Mörlin:
        Der Sau:
        Bauch wider bauch
        Des stichgrübels:
Huhu Eulen:
Der Himmel hat sich umbgelegt.
Nun geht davon
Es laufft ein weise mauss die maur auff:
Die Gans gaht auff den Predigstul.
Handwercksman was gibst du darzu?
Ochs inn den Veiolen.
Duck dich Hänsslin duck dich.
Alstreiffen
Eisen abwerffen.
Des barbedoribus.
Bratspisswenden.
Gevatter leihet mir euer sack.
Esel zemmen,
Der Widershoden.
Der Feigen von Marsilien.
Des Fuchsstreiffens.
Kohlen auffblasen.
Ein Ey, zwei halb, unnd ein halb Ey, wie viel seinds?
Was stilstu? Taler, Taler.
Was seind wir? Stockfisch.
Der krippel und Lamen,
Das A b c. reimen.
Zum lebendigen und toden Richter.
Des Hogerigen Hofmans.
Des pimpompens
Des körblin machens.
Meidlin sind dir die Schuch recht.
Kram ausslegen.
Der Abereh.
Triori.
Des Zirckels.
        Kocherspergerdantz.
        Der Spindel.
        Wickerlin weckerlin, wilt mit mir essen, bring ein Messer.
        Ungelacht pfetz ich dich.
        Der Pickarome.
        Des Roten Rauhen Trecks.
        Des Engelarts.
        Des Rekockillechen.
        Brich den Hafen,
        Montalant.
        Das Wasserbettlen,
        Steur den hauffen,
        Des Bräutgams.
        Des kurtzen steckens.
        Pire vollet.
        Kline musettecken,
        Des grübleins.
        Dess schnauffers.
        Dess ernsten Schulmeisters.
        Der Hofämpter.
        Was schrieben ihr uns umbs bett?
        Welches Narrheit wer dir lieber?
        Dess Artzets.
        Was gibt ein gross Maul guts?
        Zur Trompe.
        Der Haber im Sack.
        Dess Mönchs.
        Tenebei.
        Das wunder,
        Naschettechen Navettechen,
        Fessart, Kerbart.
        Sanct Kosman ich rüff dich an.
        Der Braunen schröter
        Ich fang euch on ein Meien.
Ich fang euch, wa ich euch find:
Wol und voll vergeht die Fasten.
Der gabeligen eichen.
Dess gegossenen Gauls.
Dess Wolffschwantzes,
Dess furtz inn Hals.
Willhelm lang mir den spiss.
Der Brandelle.
Dess Muckenwadels
Mein Oechsslin, mein Oechsslin,
A proposs.
Der neun Hend,
Chapifon Narrene kopff,
Der zerfallenen Brucken,
Dess gezäumten schmid Tolins,
Der Polderigen tobenden Cantzel,
Das Handwerck aussschreien.
Dess Teuffels Music,
Wie vil dess krauts umb ein Heller?
Dess Vogelküssens.
Dess Bilgramsteurens,
Dess Grolle Gollhammers,
Seit ihr die braut von Schmollen, so lacht mir eins,
Dess Kockantins,
Dess Mirelimuffle,
Mouschart,
Der Krotten,
Dess Bischofsstabs,
Hämmerlin himmerlin,
Bille bocket,
Der Königin,
Kopf zu kopf an rechen,
        Dess Todendantzes,
        Malle mort,
        Krockmolle,
        Frau wöllen wir die Kuff wäschen,
        Belusteol
        Den Habern seien,
        Dess Deffendo,
        Dess Frases,
        Virevoste,
        Dess Bacule,
        Dess Bauern,
        Die unsinnige esconblette,
        Das tod Tier,
        Steig, steig auffs leiterlin
        Der Toden Sau,
        Dess gesaltzenen arss,
        Des Täublins,
        Jeder trott unnd tritt,
        Gott grüss euch schöne
        Dess Mörselstein tragens,
        Dess Venus Tempels,
        Was wünsch dir von deim bulen,
        Für den Richter,
        Dess bösen das es gut werd,
        Dess Besems,
        Spring aus dem busch.
        Der verborgen Kutten
        Bulgen und Seckel im Arss.
        O bohe dass Habichnest.
        Passavant, Passefort
        Der Petarrade.
        Raht wer hat dich geschlagen?
        Der Senffstempffel.
        Cambos.
        Fürsich, hindersich,
        Raht was ist das?
Picandeau
Krocketeste, Hackenkopf,
Dess Kranchs.
Taillecop.
Nasenkönig Nasart.
Der Lerchen:
Der Stirnschnallen.
Der blinden würffel.
Dess Sacks im Wasserzuber.
Es brent, ich lesch.
Jungfrau küssen,
Im sack verbergen,
Der schönsten den stein,
Die finger krachen, die Männer wachen.
Mein Tochter ist heurahts zeit.
Es kombt ein Fisch, es komt ein Vöglin.
Waich oder trockens.
Rumpele stilt oder der Poppart.
Den Kessel auff dem Leilach rucken,
O sie ist hüpsch.
Rahtet ihr, was stund im brieff?
Umbschantz.
Winckelrut,
Ich rür, ich rür,
Ich raht,
Ribon Ribaine,
Har auff har, katzenhar,
Wer das nicht kann, kann nicht vil.
Teller im Kübel abschlagen.
Dess Sack zuckens.
Knecht vernims.
        Fudum, die Mor ist im Kessel.
        Meidlin lass dirs wohl tun,
        Loch schlagen, suppen zuhaben.
        Der Geiss hüten,
        Rucken oder schneid.
        Sie taten all also.
        Inn Bernhards namen,
        Ich haft ich hang.
        Rindenpfeiflin, Weidenböglin,
        Vögel aussnemmen
        Im Sack ein Repphun das übrig soll mein knecht Heintz tun.
        Jeder Vogel inn sein Nest.
        Der Verzäuberin,
        Der Muttwilligen Wittfrauen.
        Hupff inn Klee.
        Meidlin was hat dir die Kunckel getan?
        Teller von der stangen schlagen.
        Auff dem Gsäss mit gebunden Händen und füssen turnieren, das recht ohr
            inn die lincke Hand, und den arm dardurch geschleifft.
        Unser Han der König, der streit ist gewonnen
        Der Hoffarben des scheidens.
        Es giengen drei Jungfrauwen
        Der Baur schickt sein Jockel aus.
        Frosch fangen,
Dess Apts unnd seiner Brüder?
Kluckern, schnellkugeln
Knopff oder spitz
Inn kauten, kautenfaul.
Die Imen stechen.
Auff der brucken suppere inn glorie.
Auff tellern mit händen gähn,
Mein Man ist ein Gauch, mein Gauch ein Man.
Über dass kreissle
Der Leibpredig.
Gesellens.
Murr murr nur nicht.
Ritter durchs gitter,
Das spill ich auch, ich auch, die Sau ass ein treck, ich auch.
Poselleich
Der mehesten augen,
Der besten gerad.
Pumpimperlein pump.
Der unverständtlichen sprachen.
Wer poppenschiesst
Die grösten Weidsprüch?
Was für zeitung auff der Post?
Was setzt ihr den Gästen auff?
Dess Alters.
Matz stampff hinein.
Seit ihr die Meid von Rosental
Die faulen Mägd.
Desperat
Auff den Reutterschlag.
Dess unverbottene kusses.
        Klopff wer da wöll.
        Hanss hau dich nicht.
        Liendel lass dir die Juppen blacken.
        Moriscendantz
        Durch den Sträl schalmeien
        Den Schuch ausstretten.
        Propter S. Franciscum.
        Fünften stein,
        Wa zu ist stro gut?
        Adam hett siben Sön.
        Widerfüren,
        Der letzt der ists.
        Jungfrauenspiel.
        Räters.
        Neunten stein,
        Des Verdiensts des Liebkrantzes.
        Stein verbergen.
        Schüchle bergen.
        Plöchlin machen
        Zum zwire zum zware, der Vogel ist gefangen.
        Welchs sind der Buler gröste torheiten?
        Wie heissen des Wirts kammern?
        Was schenckst mir inn das Haus?
        Womit verdieneten ihr den krantz?
        Schachzabel. Wolffs zagel.
        Höltzin gelächter.
        Warumb hast dein liebchen lieb?
        Faul eisen
        Verbotten mein.
        Der letzt ein Schelm.
        Wie reuten die Mönch.
Häubeln.
Der Braut.
Schuch pletzen.
Schelmentrager.
Der minsten augen.
Zwei gleich gewints.
Stecken stöcken,
Nestel vom Messer blasen.
Nussenspicken,
Wie vil schiesest mir auff ein Nestel,
Plöchlin stellen fällen,
Zeichen oder unzeichen.
Pfenning im Buch pletern,
Tafel schiessen,
Helmlin zihen,
Verbergens.
Kinder aussteilen,
Käss trucken,
Da sitz ich fein, da ward ich dein,
Ich gang, ich komm, ich komm, ich gang,
Der Träum.
Dess beichtens,
Dess Schulmeisters mit der langen Nasen.
Alle bösen
Der Sünden büss.
Ich erinner euch,
Ich ging durch ein enges Gässlin, begegnet mir ein schwartz Pfäflin, etc.
Es wolt ein Jungfrau züchtig sein, nam ihn inn die hand und wiss ihn drein, etc.
Ich legt mein Bauch auf sein Bauch, etc.
        Wann ich dirs nenn, und du so grosser Narr bist, und nicht weist was das
            ist.
        Wickerlin, weckerlein laufft übers Aeckerlein, hat mehr bein, dann
            meiner Hund kein.
        All zinck.
        Sess ess,
        Kuntz hinder dem Ofen.
        Zu den Hunden.
        Wer ja und Nein sagt.
        Keller und Koch, bloss ins loch.
        Haden umb die händ in vil gestalt winden.
        Grandmercy,
        Ich bleib. Ich tausch.
        Mönchsgebett,
        Wers hat der red,
        Schimmel lass dich wischen,
        Wessen ist die hand, der finger?
        Der erst heraus, der letzt drinnen,
        Das Bocken,
        Harnisch fegen.
        Fasten auff der Karten.
        Titerint tractro, stampf ins Stro.
        Wie gibst den Fincken
        Wer was weiss der sags,
        Weiss oder schwartz?
        Dess Igelstechens,
        Spitz das mündlin,
        Wer kans wissen, wie vil die Magd hat, etc.
        Den Katzenstrigel.
        Oel aussschlagen,
Pfeifft oder ich such euch nicht.
Kapp komm aus dem Häusscken.
Des Warnens,
Wie erschien dir vornächten dein Bule?
Bierenbaum schütteln.
Küle, kühele gump nit.
Schabab
Trag den Knaben.
Dess Judas.
Da zünd er ihr den Rocken an,
Des Weberspils.
Hütlin, hütlin durch die bein.
Rebecca ruck den stul.
Leuss oder Niss,
Wie reutst die Sau, dass sie nicht hau.
Im Winter aus, im Sommer an,
Den Hund heben.
Der schleckhaften Katzen,
Vier bein zwei bein,
Wa lauffen die Seck selbs heraus?
Hinden rauch, fornen kal,
Wa tun all hüpsch Frauen hin?
Wünsch das beiden nutzt,
Trei wünsch auff eim stiel,
Mein Vatter fieng ein Fisch, wie lang?
Dess Welschen giffts.
Warumb seufftzt ihr Nachbar?
Was reuet dich?
Ists Esel oder Edel?
        Inn was gestalt dir die Wandlung gefallt.
        Herbei, es ist opfferens zeit.
        Ich und mein Knecht tragen ein Harnisch feil.
        Wirten,
        Hilteckens.
        Treimal sechs,
        Den überwurff,
        Den zwölfften stein,
        Pferdlin wohl bereit.
        Ritschen.
        Pfeifft oder ich such euch nicht,
        Schulwinckel,
        Hol oder voll
        Hänlin komm aus dem winckelein.
        Das Hänlin, hänlin hat gelegt.
        Furtz im Bad, oben aus, nirgend an
        Es beisst bass,
        Der kleiner ziehet den grossen,
        Tantz oder pfeiff,
        Wa klebt der Senff.
        Iss Heues vil, so iss des meher,
        Den grindigen Gauch beropffen,
        Kätzlin mach ein hasentäplin,
        Wolff beiss mich nicht.
        Der schmach und raach,
        Der Neue Zeitung beim Bronnen.
        Des Promovirens inn der Lehr der Lieb.
        Der Heimlichkeit.
Was krüselt sich, was mauset sich?
Ist nahe darbei, bass auff den Esel.
Soll ich, bin ich,
Dem Blinden opfferen.
        Was ich wünsch, sei dein halb,
        Immen wigen.
        Ich bring dir ein Vögelin,
        Was für Blumen zieren sie wohl?
    Solche bossierliche Rockenstubnarrische Spil, unnd Schlafftrünckliche
bungen, sampt eim ganzen Wald mit Rhätersch, kont er so meisterlich zu pass
bringen, dass ihm ein lust zu zusehen, unnd zu zuhören war. Es haben heut die
neuen Academien der Intronater unnd Illustrater zu Siene unnd Casale ihr Muster
daher genommen: was dörffen sie uns dann mit dem Socrate kommen, was er mit der
Diotima gespielt hat? Eim alten Wein gehört kein Neuer Krantz. Eins alten
Schinders Tür find man ohn ein Rossschwantz. Unnd wann ihr meine liebe
Superattendentige Zuloser nicht alle diese Noppenteurlichkeit, wie sie inns
werck zurichten, verstehet, so lasst es mich nur bei der Reinauischen Post
wissen, unnd gebt euch darumb geschriben, alsbald will ich mit meiner
gemälartlichen Hand fertig sein, euch dieselbige fürzureissen. Dann die mit
Kühtreck getaufft seind, die werden nicht federig: Und seind vor den
Neidbissigen Momhunden wohl sicher, besser als der Trachenblutgetaufft Hörnin
Sifrid vor stich und wunden.
    Wan er dann nun genug gespielet, gerasselt, gefesselt, gekesselt, und die
zeit verrammelt hett, da wolt sich auch nun in alle weg gebüren, ein weil zu
bausen aus der Krausen, des waren nach seiner ordenlichen Diæt Eilff Seidle für
den Mann. Dann ich lass den passieren, welcher eins Sitzens so viel saufft als er
wigt. Gleich auff das bancketlin, war ein feine banck sampt dem banckpfulwen und
sonst ein Faulbettlin zur Hand, darauff streckt er sich bancketierlich unnd
zierlich, und schlieff ein zwo oder trei stunden dahin, nicht dass er eim ein böse 
wort hett geben. Als er widerumb erwacht, schüttelt er ein wenig die Ohren, als
hett der Hund Enten im Wasser geholet: Mitler weil trug man ihm frischen Wein
auff, da soff er meh als vor nie darauff.
    Herr Kundlob Arbeitsam beredet solchs Mischmesche, und zeigt ihm an, wie es
gar ein böse  undiætlich wesen sei, gleich auff das schlaffen die Zung netzen unnd
schleiffen. Da antwortet Gargantua, Was sagt ihr? das ist das recht war leben
der Vätter. Dann von Natur schlaff ich gesaltzen, der schlaf ist das Saltz des
Lebens, und dass schlaffen hat mich allzeit so viel Schuncken gekost. Das ist die
recht Ortographi auff fressen unnd sauffen. also erlangt man des Teophrasti
lang leben: lehrnet man doch inn der Dialectick. Qui benè bibit, benè dormit,
Wer wohl saufft, schlaffet wohl, wer wohl schlafft, sündiget nicht, derhalben lasst
uns sauffen unnd schlaffen, dass wir nit sündigen. Ich halts mit dem alten
glauben, der frisst kein Stiffel er sei dann geschmiert: Wer nicht alt will
werden, stoss den Hals jung am Galgen ab.
    Darauff ging er hin, fieng ein wenig an studieren: unnd nam die Paternoster
für sich: welche förmlicher zu expedieren, und daraus zukommen, sass er auff ein
alten abgeribenen Maulesel, welcher neun Königen gedienet hat, plapperet mit den
lefftzen nach dem Paternosterlichen Kerbholtz, lottelt und hinckt mit dem Kopff,
runtzelt die Stirn, blintzelt mit den augen, nottelt mit der hand, gauckelt mit
den fingern, glunckert mit den Füssen, blotzet mit dem Gesäss, unnd zog also
allgemach damit hinaus Königlin mit stricken unnd Netzen zufangen, oder seinen
Hund Bombo abzurichten, zu holen, den Hut abzunemmen, das Paternoster
nachzutragen, gansatum zustreiffen, die Enten zustieben, unnd sonst Wild inn
Schleiern auffzutreiben. Auch sonsten spiel die inns Feld gehörten zuüben:
Nestel aus dem Kreis, Klossstechen, Schleiffen, schleimen, Ritschen, Ross machen,
Habergeiss ziehen, Zull wann ichs triff, botten raumen, umbspännlin, Pfenning vom
blöchlein werffen, Nuss aus dem Ring dopffwerffen, den Stecken aus dem Leimen
stechen, Hirt setz Geiss auff, Hurrnauss, Häubleins, Stecken steckens, den Zweck
holen, zum ziel schocken, der weissen Tauben, der breiten unnd halben Kugel, der
faulen Brucken, zehen pass fünff Sprüng auff eim Fuss, etc. Wann er dann heim kam,
fügt er sich flugs inn die Kuchen, zusehen was am Spiss steck: Da frass er auff
mein treu wohl zu Nacht Etwann besser als der Gross Keiser Karles, welcher wann er
lustig war, ein ganzen Pfauen, oder Hammen, oder Schafsballen gebraten ringlich
kont auffreiben: das macht die übung dess Jagens: wie auch Xenophon sein Cyro
sein essen mit solchem Mörrettich versenffet: was auch der Jagteuffel darvon
schreibe: Sehe er zu, dass er nicht verjagt werde. Auch weil der Mensch ist ein
Animal sociale, lud er gemeinlich gern zu ihm etlich wolbesoffene Schlucker
seiner Nachbauren: mit denen nam ers an inn allen Pässen unnd Süffen wie mans
ihm bracht, sagten vom alten biss zum neuen: allzeit einen dran, dass man den
Pilatum mit dem Keiser schreck. Fürnemlich aber unter anderen waren seine
geheime Freund unnd Hofbesucher die Herren von Stockenvol, von Studenful, von
Gurgviler, von Nagalt, von Neumagen, und von Schnabelrausch: unnd innsonderheit
ein Chrisamentloser guter Magenpflästerer Jungherr Goschenberger von Waffeleck.
    Nach dem Nachtessen kamen auff den Plan, die schöne Evangeli von Holtz, das
ist, Vollauff Prettspiel, oder das schön Flüssen, Ess, dauss, troi. Oder, die
erzehlung abzukürtzen, giengen sie herumb gassatum, Hipenspilatum, Mummatum,
dummatum, fenstratum, Raupenjagatum, unnd sonst zu den heimlichen
Klostercolätzlin, Jungfraubancketlin, zum Liecht unnd zun Schlafftrüncken. Ja
giengen herumb zu gast fressen, wie der Hirt im Dorff. Darnach schlaffeten sie
unabgezäumt, biss zu Morgen umb acht Uhren.
 
                       Das Sechs und zwentzigst Capitel.
  Wie Gurgellantula mit der massen feiner zuchtlehrung unnd Lehrzucht durch D.
    Lobkundum von Ehrnsteig ward unterricht, dass er kein stündlin vergebens
                                   hinricht.
Als Kundlob von hohen Ruhmsteg die undietlichkeit und schädliche weiss zuleben
seines undergebenen Gurgelmans erkant, ward er zu rhat ihn in studierung guter
Künst anders anzuweisen. Aber übersah es ihm die ersten tag, inn betrachtung,
dass die Natur die plötzliche änderungen wegen der gewaltsame, on verdrüsslichkeit
nicht wohl überstehet und ausshart. Derwegen solch sein vorhaben füglicher ins
werck fort zusetzen, bat er ein Weisen Artzet derselbigen zeit, genant Herr
Teodor Lilgenkol oder Lüllenkul (vom geschlecht des Ehrwürdigen Latinzarten
Herren Lilii, dessen der Priscianus vapulans Kautreckkodrisch wohl gedencket)
darauff bedacht zusein, den Gargantubald auff bessere pfad zubringen: Er
Cullingius etwas klüger, doch nicht glückhafter, als der Baur, welcher ein
heilige allgmeinhilffliche Purgatz seinen verlohrenen Esel zufinden einnam, und
denselben als er sich zu pflütteren beim Zaun nidersetzet, durch die Hurst
ersah: ging gleich hin und rüstet ihm ein Teuffelsbannige scharffe Purgatz von
Anticirischem Helleborischem Niesswurtz zu, gab ihm die ein, unnd reiniget ihm
damit alle verruckung, verschupffung, alteration unnd verkehrte disposition und
unwesenlichkeit des Hirns. Wundert euch diss, es dundert noch schlägt doch noch
nicht. Es hat doch der Warsager Melampus (der also genandt ward von dem einen
schwartzen fuss: dann als ihn sein Mutter Kindsweiss inn ein Wald liess vertragen,
ward ihm inn der eil alles verdeckt ausserhalb eim fuss, welchen die Sonn gar
schwartz brante) derselb Schwartzfuss hat mit der schwartzen Niesswurtz, oder
Daubmäl, des Königs Proeti unsinnigen Töchtern wider zu recht geholffen, unnd
die ein Tochter Hüpschnässlin darmit verdienet. Hat der nicht wohl geniesst, so
sagt ihm, Gott helff euch. Was sag ich vom schwartzen Mäl am Fuss? Cameades der
Philosophus mit den langen Negeln, hat nimmer ein Buch anfangen zu schreiben, er
hat zuvor die schwartz Christierwurtz (welche die Narren Christwurtz nennen)
gebraucht. Darumb haben alle Würtzler umb Bingen unnd Mentz, auch damals, als
Lingeculius für unser Strotzgurgel das Recept macht, die Clistierwurtz auff der
Ingelheimer Heid all ergraben unnd zutragen müssen, also dass es die Venediger,
denen mans hievor Ruckörbenweiss zugetragen, sehr geklagt, auch die Bingheimer
Meuss, so deren gelebt, vor leid seidher gestorben. Nun mit disem Hirnhölenborn
bracht Kundlob zuwegen, dass er alles das, welchs er zuvor unter seinen alten
Lehrmeistern eingesogen, vergass, gleich wie etwann der Musickünstlich Meister
Timoteus seinen Lehrjüngern tat, die zuvor von anderen Musicweisern underricht
waren worden. Dann nicht weniger müh ist, böse angenommene unart abzugewinnen,
abzuziehen unnd zuentwehnen, als von Neuem zu rechter weiss anzuführen,
zugewehnen, unnd gute art zuentlehnen. Derhalben solches bekömmlicher
ausszuführen, führet er ihm zu Gefehrten und Gesellen zu, weise Leut, alle die er
da antreffen mocht: aus welcher beiwohnung er ihnen änlich zu sein oder
vortrefflicher zuwerden, aus eifer entzündet, noch grossmütiger ergeisteret unnd
hertzhafter ermanet, einen begirlichen gelust unnd sehnliche begird bekam auff
andere gestalt sein studieren anzurichten, unnd sich auch wohl begabt von
angearteter scharffsinne zuerweisen. Dann es ihm auch jetzund anfieng an die
Bindriemen, wie dem Hercule, zugelangen: Da ihm auff dem wegscheid Frau tugend
mit Buch unnd Rocken, unnd Frau Wollust, mit Lauten und eim Weinkelch der Hurn
in der Offenbarung bekamen, und jede auff ihren weg ihn bereden wolt. Derwegen
solchen mut nicht under der Aschen erstöcket ligen zulassen, sondern mit dem
Blassbalg strenger anmanung und unablässlicher übung mehr auffzublasen, richtet
ihm Kindlob sein studium auff ein semliche weiss an, dass er nit eine tagstund
unnützlich verzeret, sondern all sein zeit inn Schrifftgründung und ehrlichen zu
Weissheit förderlichen künsten und übungen zubracht. Also ward alleweil Gargantua
dahin gewänet, dass er umb vier uhren morgens erwachet. und under dess er sich mit
eim helffenbeinen Sträl, von ganzen Helffanten zänen zusammen gefügt, kämmet,
und mit eim höltzinen Reissbürstlein das Haupt kratzet und rib, lass man ihm etwas
aus heiliger Geschrifft, mit verständlicher prononciation durch einen jungen
Knaben, bürtig aus dem Land, da man (Kompt ihr) grüsset, genannt Anagnostes:
Darauff kondt er Gott des andächtiger anruffen: dann was der Mund annimpt
zukauwen, daran hat der Magen zudauwen. Was darff man viel Bettglöcklein? seinds
Puff oder Stossgebettlein, so gibt eins jeden anligen genug Notpüff unnd Notstöss
zum Gebett: derhalben behulff er sich nit der Gebettformular, die heut ein jeder
Cantzelstand und Predigstulbeschreiter zusamen klittert, damit er auch wie ein
Schwalbennest am Haus, an Doctor Gessners Biblioteck oder ins Suppliment
zugeflickt werde: aber sie werden mir im andern teil zur Liberi noch wohl
bekommen, und wird sie kein Lumroff schützen, es sei dann ein frommul. Folgends
ging er zur heimlichen reinigkeit, sich der natürlichen däuungsmateri
zuentladen. Demnach widerholet sein Preceptor was gelesen war worden, unnd legt
ihm die schwerverständlichsten puncten aus. Kehrten alsdan wider umb, unnd
besahen gelegenheit des himels, ob er noch solcher gestalt, wie sie ihn den
vorigen abend gemerckt, geschaffen: Unnd inn was zeichen Sonn unnd Mon denselben
tag gang, unnd solche ohn die Nörnbergischen lebendigen Aeurlein, unnd ohn ein
Uhrwerck im Mönster zu Strassburg: Allweil man diss vorhett, under des war er
angetan, gestrält, vom Schuh biss zum hut, aussgebutzt, geräuchert unnd erlabt,
also das wann er nur gebeicht het, wer er mit dem nechsten pergamenseligen in
den Himmel gefahren.
    Hierauff repetiert und repliciert man die Lection des vorigen tags, das er
die nicht im SchulSack verligen liess. Da recitiert ers ausswendig: goss, gründet
und gab umb mehr verstands willen desselbigen etlich Exempel von fürfallenden
händeln unnd geschäfften, die er oder andere practicirt hetten: Das weret etwan
auff zwo oder drei stunden, biss er sich gar aussgerüst, eingnestelt, gefegt, inn
die Händ gespeitzet, die Stümpff auffgebunden, aussgebürstet, ersteubert und
erblasen hett. Da kam man erst darnach auff den rechten butzen, tat ihm die
ordenliche Lection auff drei stunden. Nach vollendung dessen, giengen sie hinaus
auff Ferripfatetisch, conferierten und unterredeten sich von einhalt der
gehaltenen Lectur, und fügten sich hiemit auff das grün Bruch, oder auff die
Schweitzermatten, die Reinisch Wisen, und die Schwäbisch Au, da spilten sie des
Ballens, sprangen der Röck, stiessen der Böck, des Handballens, des
überkreissschenckens, der Grubenkinder, des Rucksprungs, des Häuschreckensprungs
mit gleichen füssen fürsich, des Jungfrauwurffs durch die Bein, der Barr, des
Wettlauffs, des einbeinigen Turniers, der Garnwind, des Brennjagens, der fünff
Sprüng der weitest, und anders, damit sie eben so weidlich den Leib übten, als
sie zuvor das Gemüt und die Seel geübt hetten. Unnd stunden solche Spiel ihnen
frei, dann sie liessen davon ab, wann es ihnen geful: Und hörten gemeinlich
auff, wann sie über den ganzen Leib vor schweiss tropfften, wie ein
Badschrepffer, oder sonst ermüdet waren. Darauff trockneten, wischeten und riben
sie sich sehr wohl, zogen frische hemder an, neue kleider über alte Filtzläuss,
und gingen damit allegemachlich fuss fur fuss zu Haus, zusehen ob der Imbiss fertig
sei. Under dess sie nun warteten, prachten sie beredeter, divisierlicher,
Discurirlicher, avisirlicher weiss die zeit zu, mit erkündigung unnd erwegung
allerlei zeitung, discutirung etlicher Antiquitteten, erzehlung etlicher schöner
Sprüch, die sie aus der Lection behalten hatten. Welchs sie nicht lang triben,
da fing sie der Herr Happetit von Darmstatt unnd Esslingen an zureiten: Satzten
sich derwegen ordenlich zu Tisch. Zu anfang des essens lass man etwan ein Lustige
Hystori von der alten Dapfferkeit: Biss er ein Trunck Weins getan hett.
    Alsdann, wa es ihm gefellig, fuhr man inn der Lectur fort, oder wa nicht,
fiengen sie an kurtzweilig sich mit einander zubesprachen, unnd gemeinlich zum
allerersten nach form des Philosophischen Mensæ, oder der Plutarchischen
Gastreden oder Zechkallung, von krafft, Tugend, stärck, eigenschaft und Natur
alles dessen, was ihnen zu Tisch auffgetragen ward: als von Prot, Wein, Wasser,
Saltz, Speiss, Fischen, Früchten, Ops, Kraut, Wurtzeln, und wie solch stuck auffs
gesundest unnd nach dem Mentzischem Kochbuch zubereiten. Mit welcher Tischweiss
er inn kurtzer zeit alle die örter und allegationen, so zu disen sachen aus dem
Plinio, Ateneo, Dioscoride, Polluce, Galeno, Porphirio, Opiano, Polybio,
Heliodoro, Aristotele, Eliano unnd anderen, so hie von etwas gedacht, angezogen
und gefunden werden, kondt wissen, unnd ohn sondere müh ergreiffen: Pflegten
auch oft, meherer vergwissung halben, die gemelte Bücher über Tisch
darzureichen. Dadurch er benante stück also fein und vollkommenlich inn
Gedächtnis behilt, das damals kein Medicus war, der halb so vil het verstanden
als er. Darnach redeten sie wider von den desselben Morgens gelesenen Lectionen.
Zu letzt endeten sie ihre Malzeit mit eim Catoniatconfect, oder
küttenlatwerglin, mit korkraut vermengt: da fieng er an ein weil seine zän mit
eim gespitzten Gribelspisslein vom Mastichbaum zusteuren, seine hend unnd augen
mit frischem Wasser zuweschen, und endlich mit etlichem schönen Lobwasserischen,
Marotischen, Mentzerischen, Waldischen, Wisischen etc. Psalmen unnd lidern, zu
lob Göttlicher mildgüte gemacht, danck zusagen: Als nun diss für über, trug man
Karten auff, nit zuspilen, sondern vil hundert geschwindigkeiten, kurtzweil unnd
neuwe fündlin zu leren und zulernen: welche alle aus der Rechenkunst entstunden:
durch welche angeneme weiss er ein lustneigung zu derselbigen zalkunst bekam: wie
auch wohl sonst viel ohn Karten, wann sie nur vil gelts zuzalen hetten: O
rimpffen lehrt fein rechenen. Unnd also pracht er alle tag nach Mittag und
nachtimbiss die zeit auff das kurtzweiligst zu, wie man auff Würffeln unnd Karten
erdencken mag. Auch verstig er sich inn derselben Plätterkunst unnd
Augenrechnung also hoch, dass er beides inn der Teorie unnd Practic, inn
ertürung und erprechung derselbigen vortreflich ward berümt. Dann Tunstal der
Engelländer, welcher weitläufig davon geschriben, selber ihm den Preis gab, unnd
bekandt, das er inn vergleichung seiner, weniger darin als inn Knifwendischer,
Frisischer, unnd alter Britannischer Wallischer sprach verstand. Unnd nicht
allein inn deren, sondern inn anderen Matematischen Weissheitkundlichkeiten unnd
erfarungskünsten nicht minder, als inn Geometry, Astronomy und der Music. Dann
inn dem er der verdäuung und Konkochsion seiner eingenommenen Speiss ausswartet,
rüsteten unnd Zimmerten sie daneben viel tausend lustige Instrument und
Geometrischer Figuren: übten und Practicirten also damit die Astronomysche
Hauptregelen unnd Canones: so gut als het sie Gamnitzer, Apian, Lescher, oder
sonst ein Eysenmenger von Weil entworffen.
    Nachgehends hatten sie ihren mut Musicisch mit vier und fünff stimmen
zufiguriren, aus allerlei Partes, wie es Gernlachs Erben zu Nörnberg Trucken
möchten: Ungefährlich wie die Baierisch Capell: oder sonst der Kälen zu lieb,
diezuüben und zuentrostigen, ein gut gesetzlin Bergreien, Bremberger,
Villanellen, unnd Winnenbergische Reuterliedlin zusingen, zu gurgelen und im
Hals Nachtigallisch zu dichten und zuüberwerffen: Und solchs wann sie mutig
warn, dann wann der Mut sigt, so singt man Mutsig nit Mutlig.
    So viel die Instrument der Music betrifft, so lernet er auff der Lauten
spilen, auf dem Spinet, der Harpffen, der Teutschen Zwerchpfeiff, dem Polnischen
Sackpfeifflein, den Braunschweiger Hermele, die sie inn die Aermel stecken, der
Cyttar, dem Zincken, den Posaunen: Aber die HarschHörner unnd Alpenhörner sambt
den Trommeten sparten sie zur andern zeit, der Flöten auff neun Löchern, der
Geigen, des Hackprets, unnd der Sackebutte. Nach dem also die zeit angewendet
und die verdäuung vollpracht worden, Purgiert er sich des natürlichen und
innerlichen überlastes: Füget sich folgends zu seinem fürnemesten
Principalstudiren auff drei stunden, oder ferner, eins teils sein vorgenommen
Buch oder Matery ausszufüren, auch dann ein weil zuschreiben unnd die Feder
zufüren, unnd die alte Römische, so man die Lombarchsch nennet, Schrifft recht
zu arten, unnd zuformieren. Dessgleichen auch ander Sprach Schrifften mit rechtem
Schreiberischem grund zugestalten: Da wusst er was mit dem breiten teil, was mit
fleche der Federn zumachen, wusst das recht unnd Linck Eck der Feder, ihr Spitz
und Schneid, wie die Fechter auff ihrn Wehrn (dann die von der Feder geben gute
Fechter, und schirmen mit Federklingen unnd Lemmerkengeln manchen aus dem Land)
Er wüsst wie die Rauten zumachen, wusst das Quadrangels Zirckels Eck, der Circuls
fläche gewunden, auffgezogen, verlängt, die selberwölte, die sichtige und
unsichtige Puncten: das geschweifft: das gebogen: das hol: die Schlangenliny:
die Schneckenliny: die zerstreiung der Buchstaben unnd ihr vergleichung, er
kondt die gelegte, die gebrochene, die Current Schrifft: die Versal unnd Canon:
Schier wie ein Dintenklitteriger GuldenSchreiber unnd Schlangenzügmaler, als
hets ihn der Nef von Cölln, oder der Neudörffer und Prechtel zu Nörnberg
gelehrt.
    Auff diss alles giengen sie aus, unnd mit ihnen der offtgedacht Kammerjung
Kampkeib, sonst genant Gymnastes, ein guter Federfechter, der underwiss ihne in
allen Ritterlichen übungen sehr kunstfertig. Da schickten sie sich inn ein
andern bossen, verwechselten die Kleider, hingen den Schulsack an ein nagel, da
schwang er sich zu Pferd, da sass er auff ein ungesattelts, ein gesattelts, mit
sporen, ohnsporen, auff ein licht Ross, ein kürissPferd, ein Harttraber, ein
Hochheber, ein Hochstampffer, ein Sanftzeltner: ein Jungfraudiener: ein
Rennross: da stach ers an: da musst es traben: treischlagen: Rennen, gengen:
anhalten: Passen: Schreiten: heben: Hässiren: Zabelen: Galopen: Lufftspringen:
Aussspringen, auflänen: Schweiffen: hacken, über den graben unnd wider herüber,
durchs Wasser und wider dadurch setzen: Schwimmen: Klimmen: über den Pfal: über
die Schrancken: über Eppelins Häuwagen: Albrecht von Rosenberg hat ein Rösslein,
das kann wohl reuten unnd traben etc. Eng in eim ring lincks und rechts umbkehren:
sich Zäumen: Sperren: Prangen: feldschreien: Feldmütig: Forstrutig: Und was
dergleichen geradigkeit mit Pferden zutreiben ist. Doch prache man nicht vil
Schäfftlin, dann was soll diss Spissprechen, diss Rumpellantzen. Es ist die gröste
Narrheit die man erdencken mag, wann ainer kompt und sagt: Ich hab im Turnier:
oder Scharmützel zehen Rennsper erprochen: ein Schreiner könds auch tun: es ist
auch ein handel für Schreiner Inn der Fassnacht brechen die Fischer auch kolben
Stangen im Schiffturnier: es ist als wann einer vermeint gross Fisch mit
zufangen, wann er etlich Algäuische Deller kann nach einander auff eim Finger
oder an der Stirnen zerschlagen, oder zwischen jedem Finger mit eim Deller Fünff
Nuss auff quetschen: Diss ist Affenwerck. Aber das ist Rhumswerd, mit einem
Rennspiess zehen seiner Feind nidergesetzt haben. Derwegen erlasen sie dafür gute
bewärte, starcke, schwere, grüne und dicke Rennstang, damit rannten sie ein Tor
auff, zerspilten einen Harnisch, stutzten an eim baum, zersprengeten ein ring,
führten inn eim Ritt sattel und man hinweg, und trenten alle Pantzer: Unnd diss
alles von Fuss auff biss zur Scheitel beharnischt und bekürisst. Sonst so viel das
Pferdgepreng, das trabschencken, das libtraben, das zaumdäntzelen: Und sonst
solch Poppenspil zu Ross belangt, kondt er, wann ers gern tat, besser als ein
anderer Reutersman, also das der Pferddummeler und Rossbereuter von Ferrar ein
Aff gegen ihm zurechenen war. Fürnemlich war er wohl geübt, von eim Pferd auf das
ander geschwind zuspringen, das er kein Erd berürt: Unnd solche Pferd nannt man
Desultorios, Zu unnd absprüngling: O hettens die gekrönten Pfauwenschwentzige
helm inn der Sempacherschlacht gekent, die Unbeschnittenen Schweitzer hetten so
vil nicht erlegt. Er kondt auch auff jede seit die glän inn der faust halten,
und füren, on stegreiff das Pferd besitzen, ohn zaum unnd zügel das Pferd nach
seim gefallen leiten, on sattel alle sprüng, es stiss den kopif zwischen die
Bein, oder warff die hinderste Füss nach den Rappen, ausstehen: die staffelen
hinauff, den Berg hinab rennen, den Schonbachischen Hirtzsprung tun, rinn den
Mein sprengen, die stiffel zu Nörenberg holen. Dann solche wagstück sind
krigsstück, die inn Schlachten und Streiten zu nutz kommen. Er macht ein feins
schnabelschühig S. Jörgen füsslein, kont ein Plappart unverruckt ein ganzen tag
unabgesessen im Stegreiff führen: Kondt den abgefallenen Hut im rennen
auffheben, in vollem renn wie die Irrländer ein Pfeil aus der Erden ziehen, und
eim auff ihn geschossenen Pfeil entreuten, sass fein lang, doch dass ein Hass mit
auffgereckten Ohrn zwischen dem Sattel unnd dem Gesäss unangestossen wer
durchgeloffen, wann er sich in Stegreiff stellt zustallen: Er kont wie ein
Egyptischer Mameluckischer Gwardyknecht eim Gaul inn vollem lauff ein Sattel
gürten: Postiern, viel tag ohn ein Postküssen: die Gäul zur Noht im Wagen
auffrecht strack wie die Müller auff den Kärchen regiern. Auff ein anderen Tag
übt er sich mit breit Beiheln, als ob er inn der Mameluckenschul inn Egypten
wer, mit den Streitachssten, mit Bömischen Hacken, mit Wurffgewehr, mit
Ungarischen Streitkolben, Faustämmern, Harnischprechern, Kutschen, Knotsen,
Knebelspiessen, Helleparten, die er ihm alle so fertig inn der Hand liess umbher
gehn, lehrnet sie so kräfftig ansetzen, so nutzlich anlegen, so steiff halten,
dass er in Schimpff unnd Ernst für den besten Ritter Passiret. Hub den schweren
Ceständschuch hoch auff, unnd schlug ihn mit solchem geschrei nider, dass einer
vom ruff mehr als vom streich geschlagen ward: wurff Eisene Lantzen wie die
alten Frisen: Liess ihm, wie der gross Keiser Carl, einen Kürisser auff die Hand
stehn, unnd hub denselben stracks mit dem einigen arm auff biss zu seinen
achsseln, und stellt ihn darnach wider nider. Darnach schwang er den Reissspiss,
setzt ihn gerad, setzt ihn schrancksweiss, schoss die Federspiss, meiet mit den
Fochteln zu beiden händen, focht mit den Degen, stach mit den Rapiren,
durchstrich mit den Sebelen, stupfft mit den Tolchen, nun im Harnisch, dann on
Harnisch, itz mit Bucklen, flugs mit Tartschen, mit Schilten, mit Rondelen, mit
Armgewundenen Mänteln und Kappen, mit Händschuhen, ohn Händschuh. Weiter lehrnet
unser Gargantuischer Wolffditerich von seim Gimnastischen Hertzog Bechtung, wie
zu Fuss einer zu Ross zubestehen, wie mit vielen zu balgen, wie mit zweien Rapiren
zu schirmen, wie die Knebelspiess underzulauffen, die Bauernhebel abzuweisen, die
Stein zuschlingen werffen, mit dem stahel zuschiesen, zu Plättelen, Rädelen,
Ritschen auf den Reutschuhen: Bogenschiesen: wettlauffen: im kalten baden, im
Schnee wie S. Frantz umbwaltzen, Schneballengschütz, öpffelkrieg: wie die jungen
König in Franckreich sich üben: barhaupt im Winter reisen, ein starcken Kopff
zumachen, damit er mit dem Arss ein Tor aufflauff, so dörfft ers nicht aussheben
wie Samson die Stattor zu Gaza, noch ausswinden, wie Grunbach die zu Würtzburg:
er bekam sonst ein guten starcken Schedel, dass er mehr dann neun Stirnschnallen
mit Pantzerhändschuhen eim gehalten hett: Ja Stirnböcket mit den Herman
Leitämmeln. Ein Adler het auch ein Mörschneck auff seim Schedel, wie auf des
kalen tropffen kopff entzwei geworffen. Man kont auch von ihm sagen, wie einer
vom König Masinissa schreibt: kein Reg ihn darzu bracht noch kält, dass er sein
Haupt je decken wollt, und war sein Leib so trucken doch, als ob er all sein
hitz het noch, auch neuntzigjärig ging er so sehr, dass er keins Rosses achtet
mehr, unnd wann er ritt, stieg er noch ab, als ob er müd wer worden darab. Wer
weiss, er möcht vielleicht drab müd sein worden, wie heut unsere
Gutschen-Jungherrn, darüber Marx Fucker inn seim Buch vom Gestud klaget, dass
seidher man auff die Gutschen gefallen, man kein rechte ReutPferd mehr inn
Teutschland ziehe. Aber es sitzt sich dannoch sanft darinnen auff den Küssen
under eim Ledern Himmel: Es ist mir nur leid, dass man ihnen zu lieb die Gleiss
oder Wagenlaist nicht reformieret: es wird auch ein nötlichkeit sein, auff
nächsten Tag fürzupringen, auch beineben zuberatschlagen, wie man möcht die alt
Troianisch weiss auff den Bigis zustreiten, wider anstellen. Under dess lehrt
unser Gargantobel ringen: schwingen: verträhen: kämpffen: Zilschiesen: den
schafft ziehen, den Helm recht binden, den Küriss schrauben, das Visier ablassen:
Aber dass Baderisch unnd Bechtungisch Messerwerffen, Scharsach schiesen, liess er
Sant Velten haben: Auch das Fischgarn kempffen, unnd ölgeschmiert ringen.
    Nachgehends lieff er der Barr, der eier, des Hirtzes, des Bärens, des
Schweins, des Hasens, des Repphuns, der Röck, des Fasanen, sprang der Geiss,
sprang über das Gälglin, klettert auff Maximilianisch oder Teurdanckisch, der
Gemsen, spielt des grossen Ballens, schmiss ihn so wohl mit den füssen als fäusten
in die höh: rang, liff, und sprang, sprang, lief und rang, nit mit trei Passen
ein sprung, nit des hinckebincke Knapfuss, nicht des Xockspringens, seit und
rucksprungs, noch des Böhmischen sprungs, noch auff eim Fuss schupffen: dann sein
Abrichter Wolhinan sagt, solche Sprüng weren nichts werd, noch etwas nutz im
Krieg. Sondern in eim zulauff sprang er über ein graben, an eim Reiffspiss
schwang er sich über alle pfitzen, flog über ein zaun, ersprang ein wand, lieff
sechs schritt ein Maur auff, unnd erstig also ein Laden unnd Fenster eines
spises hoch, also dz kein Hund sicher am Getter schlief. Schwamm inn vollem
stram, zur seiten, die zwär, im kreiss, auf dem rucken, ein Liechtstöcklin, mit
ganzem Leib, mit halbem, allein mit den Füssen, allein mit den armen, den einen
arm übersich streckend, unnd ein Buch darinnen tragend, welches er ungenetzt
über den fluss pracht, seinen Mantel inn den Zänen nach ziehend, wie Julius Cæsar
inn Alexandria etwann getan, und wie die Spanier bei Mülhausen über die Elb
taten, schwam auff Türckisch unterm Wasser, wie die inn neuen Insuln, wann sie
die Spanier fliehen: dorfft sich nit wie der gross Alexander in ein glass
schrauben lassen, die Schätz des Mörs zuerspähen: stig mit gewalt inn ein
zimmlich gross Schiff, mit einer Hand das Schiff, in der andern ein stecken
haltend: Hielt das Schiff mit den Zänen, wie jener Griech, da ihm beide Händ
abgehauen waren: stürtzt sich alsdann wider ins Wasser, den kopff vor an, spilt
des Tauchentlins, holt ein Pfenning darunter, schloff unter den Flotz, sass auff
den Flotz, schwam auff dem Dielen, bürtzelt umb mit dem Dilen, spilt wie der
Walfisch mit den Tonnen, sprang wie die Mörkälber, waltzt sich im Mur, beschmirt
sich mit kat, wusch sich wider, hing ein ploch an ein fuss, unnd schwum darmit:
er hett sein Brot mit schwimmen können gewinnen, wie die Kinder inn Egypten am
Nilfluss, welchen man nit ehe das Brot gibt, man werffs ihnen dann inn mitteln
stram, dass sie inn den Nil darnach schwimmen müssen, unnd es im Maul holen, wie
unsere Barbehund, da müssens das Hembd unnd den Mantel wie ein Türckischen bund
umb den kopff winden. Und warlich es tut den Egyptiern vonnöten, dann weil der
Nil stäts nach dem Monliecht ausslaufft müssen sie wohl von eim Dorff zum andern
schwimmen, wie die in Schweden auff Reiss unnd Reutschuhen zusamen fahrn: welche,
wann der weg sehr weit ist, Ried und Mörbinssen hernach ziehen, etwann
underwegen darauff zuruhen: diss musst Garganzuwol alles nachtun: dann wann er
oder seine Auffwarter etwas lasen oder hörten, das wacker war, so musst mans nach
machen. Darumb turniert er auch auff dem Wasser, macht plasen und wällen hinden
und fornen, lieff am gestad und hielt den Haussrhat, sprang über die Prucken ab:
darnach wider über sein Schiff, welchs der Fischer da anhieng, auff das des
Müllers Esel drein ging und drinnen untergieng, auff dass man ein rechtfertigung
drauss anfieng, dasselbig wand er herumb, stiess es ab: schalt es: regierets:
führets, praucht die nächst Stang für ein Steurruder, tribs geschwind, tribs
lind, inn strengem ablauff des strams, wider den stram, in der mit, an dem
uffer, hielts im mittelen lauff auff, mit einer hand leitet ers: mit der andern
schirmet er und trib sein Affenspiel mit einem grossen Ruder, wurff dass Netz
aus, stelt den Setzbären, schoss die Fischergere, die Tridenten, die trei Zänig
Elger, die Füscingabel, stellt Reuschen, Angelt, zog die Segel an, stig die
Seilleiter den Mastbaum auff und ab, ging auff den Zehen auff dem rand, am
bort, auff der spitze: wickelt und wackelt: justiert unnd richtet den
mörquadrant unnd Compass, widerstrebet dem Wind, er liess sich dem Wind, da band
er das Nachsteurruder hoch, da nider, hie zog ers zur lincken, dort zur rechten,
unnd hett also sein flechten und fechten.
    Wann er aus dem Wasser kam, lieff er inn alle macht den Berg hinauff, bald
ins Tal, flugs wider hinauff, erklettert die Bäum wie ein Katz, sprang von eim
zum andern wie ein Eychhörnlin, oder wie die Ilophagi, schlug die grosse äst
herab wie ein anderer Milo: wusst die Türckisch geschicklichkeit sich von Bergen
zulassen: soff wie die Masegetischen Teutschen seins Pferds Blut mit Milch ein
auff das kalt Bad: Mit zweien Meiländischen Schweitzertölchlin, unnd
wolgestahelten Reuterböcken Klemmet er zum höchsten Haus hinauff, wie ein
Marter, flog darnach so hoch wider herab, mit solcher geschicklichkeit der
Glider unnd gleichwagung des Leibs, dass er vom fall, sprung oder Fusssatz inn
keinen weg beschwert, noch verruckt ward, wurff breite Kiselstein am gestaden
schlimms auffs Wasser, das sie ob dem Wasser weiss nicht wie viel sprüng taten:
warff über alle Türn, schornstein und Storckennest, ja dem Storcken auff dem
Nest ein bein entzwei, warff stein mit der obern fläche des Fusses, fasst stein
zwischen die Zähen und schlaudert sie, wurff Stein hindersich wie die Pilger zu
Mecha, den Teuffel darmit zusteinigen: Ja wurff auch zum ziel wie die Cynischen
Hundsphilosophi. Warff dass Englisch Beihel, schlenckert den Spiss, schlaudert die
Stangen unnd schweresten Rigel, warff Leiter an und stig darauff, warff Hacken
an unnd zog sich hinauff, warff mit Bengelin nach der Ganss, hefftet auff
Saulisch den Spiess, dartet den sparren, schoss zum zweck, trug den schweresten
Palcken auff eim daumen, wie des Pompeii Gwardiknecht seine gefangene: ketschet
einen baum das er sich darunder buckt wie Simon unter dem kreutz, oder die
Giganten, da sie die Berg auff einander setzten, stiess den stein, viel schwerer
als den Turnus dem Aenea nachwurff, hätschiert mit der Hallenpart, zog darmit
wer den anderen von der statt reiss: wann er ein Seil gefasst hat kondens ihm
fünff Kerles nicht aus der Hand zwingen, wie des Keisers Valentinian Vatter
Gratian, so desshalben der Seiler ward genannt: Er liess ihm ein Amposs auff die
Brust setzen, unnd darauff Hemmern, wie Firmus der Römisch Regent. Er kont mit
der Faust eim Ross die Zen einschlagen, unnd oben die Schenckel entzwei stossen,
unnd mit beiden Henden ein Rosseisen von einander reissen, wie der ReissEisen
Keiser Maximin, so Acht Schuh lang war: Ja kont wie der gross Keiser Karl (von
dem es Bischoff Turpin schreibt) vier neuer Huffeisen von einander reissen (aber
nicht beissen) Krümmet sich wie ein Spartiatischer Bub nit, wann man ihn schon
schlug: O es gibt gut starck hart Buben, die darnach die Folter und ein
Strapekorden wohl aussstehn können, wie auch der Spartaner, so den Gestolnen Fuchss
under den Mantel versteckt, unnd ihm ehe die halb Seite wegfressen liess, ehe er
schreien unnd sich verrhaten wolt: Er stund auch oft vier Stunden inn nasser
Kleidung, der Kelte zugewonen: Er verschwur oft nicht zutrincken, er schiess
dann ein auffgehengten Angster von eim Hausshohen stangenbaum herab, wie es die
Holtzflötzhendler bei ihrn Holtzmerckten, oder die Wirt bei den Herbergen stehen
haben. Gleich wie inn Balearischen Insuln die Muter dem Kind ein ziel steckt,
unnd ein stuck Brots oder Schüssel mit Muss auffs zilholtz bindet, welchs es
nicht ehe essen dorfft, es würffs dann am anstall herab, Er spannt von Freier
sperriger hand des Herculis Armprost, krümmet den Türckischen Flitschbogen über
das Knie, legt die Sennen an, zog sie an, liess sie ab, zielt mit der
Bürstbüchssen, legt sich hinder die Toppelhacken, praucht Esslingische Handror,
Gasconische Musceten, Hispanische Muscatnuss auff gäbelen wischt und Pliss, Pliss
unnd wischt, ward einäugig, damit ers zil reicht, schoss mit Lumpen, mit gekauet
Papir, mit Schröt, mit Speck, mit trei unnd vier Kugeln, mit toppelem Lot,
gestälten Kugeln, mit trippeler ladung, halb zündpulffer unnd halb Ladpulffer,
schoss im ritt, im tritt, im lauff, im sincken, nach dem augenmass, im griff, nach
des Daumens absehen, so gewiss als schiss er nach dem besten mit einer
Nörnbergischen geschraubten Büchssen, die Neuner hettens ihm auch zugesprochen,
schlug bald an, zielt kurtz, baut nit lang, acht nit das Aermelpopperle, truckt
schnell ab, hub nicht viel ab, kont dass Geschoss wohl stechen, trang den anschlag
nicht zu viel, hielt recht aus, verwart das Treff sehr wohl: Richtet und
underlegt das Feldgeschütz, zilet nach dem Zweckvogel, schoss vom Berg zu tal,
aus dem tal gehn Berg, fürsich, zur Seiten, hindersich wie die Parten, und das
Tier Bevasus, nach dem höltzenen Zweckman, nach dem kopff unnd Latz, mit dem
Feurstein, mit der Zündrut, mit den Zündlunten, da waren kein fäler, eitel
Treffer, es wer im rechten Berg oder versuchrein, on quadrant, ohn
Sattelschlagen: kein Pöltz giengen überzwer, sie Pfiffen dann: oder waren ihm
versehrt und zerschossen: oder trugen zu weit auff die seit: man schwang ihm
nimmer die Gärten, sie waren all umbspringens unnd auffschreibens werd: er schoss
eim ein Pomerantzen vom Kopff, wie Histaspes unnd Wilhelm Dell den Apffel seim
Kind, schoss eim ein Groschen zwischen den Fingern hin: Sein Geschoss war aller
Ehrn werd, dz mans mit trummen unnd Pfeiffen aufftrug. Im stechen verlor ers
nimmer, es wer dann die senn zerstochen, verruckt oder zerprochen: oder das
Schloss hett gelasen: oder ein Wind hett ihn angeplasen: oder einer hett ihn
gestossen: oder der Stul wer verritscht: oder der Fuss wer ihm geglitscht: oder
der Stand war uneben: oder hett was umb das Inbein geben: oder die Sen war zu
lang: dass ihm der Schuss nidersanck: oder hett den Bogen gehengt: oder die Seul
zersprengt: oder die Nuss war zu klein: oder der Poltz nicht rein, oder einer
neben ihm auffstund: oder die Nuss ging nicht umb sehr rund: oder die Wind wer
überrungen: Oder das Bein abgesprungen: Oder hett zu vil eingeleimet: oder den
Poltz nicht recht eingereimet: oder dass schloss nicht gehangen: Oder ihm zweimal
war gangen: Oder war ihm zu Hart: oder der Bock zu krumm: Oder der Pfeil zu
stump: oder das Geschoss zu gross: oder die wartz ihm abschoss: oder der Treff
nicht recht kam, oder der Windenschlupff ihm entkam, oder der Windfaden
gewichen, oder die Nuss entzwei gestrichen, oder der Poltz hett sich gestrichen,
oder het das messen vergessen, oder das Reissbein ging ihm auff (dann er besorgt
sich nit, dass er sich im bart raufft) oder das Zünglin kroch unnd hieng, oder
ein feuchter lufft ging, oder der berg wär zu weich, dass der Poltz zu tieff
hinein schleich, oder giengen die Federn ab, oder der windfad ein streich gab,
oder die senn erliess sich, oder vergieng ihm das gesicht, dass er zuweit ins
windloch sticht, oder het ihm zuviel herab geprochen, oder das gesicht
verstochen. Oder bei der Büchssen hat er nicht wohl gewischt, oder das Pulver het
gepflischt oder der schuss versagt, oder ihn verwagt, oder nit recht eingeraumpt,
oder der filtz versaumt, oder dz Pulver wer zu feucht: oder das futertuch zu
leicht: oder der schwam nit prent: oder die Sonn plent: oder dass schloss war
verrürt: oder hett nit vor der kugel gschmirt: oder der han schlug nit ein: oder
felet schmär: das ist gut wein: oder het den schuss verschufft: oder hets auff
die büchsen trufft: Solche mengel verwireten zuzeiten unsern jungen schützen:
die klagt er seim hoffmeister: der sagt ihm hinwider solcher faulen aussreden
müsig zustahn. Dan gewiss wann der jäger kompt unnd sag. Wer dass nit gewesen etc.
so pringt er keinen Hasen: des Nisi kondt ich nie geniessen. Unnd weiter sprach
er, wie kein kunst ist bei eim guten Wein wohl leben, unnd eim frommen weib
nachgeben, mit einer guten Feder wohl schreiben, unnd aus gutem flachss gut Garn
treiben. Sonder bei eim schlimmen Wein, auch frölich sein, unnd mit eim bösen
Weib, leben ohn keib: Also ist kein kunst mit gutem geschoss unnd geschraubten
oder gezogenen Büchssen wohl schissen, sondern aus jeder, wie selsam sie auch
sei, das schwartz zutreffen wissen. Dann was sind das für faule schnacken, dass
man sagt, man hab zuviel am backen, oder die büchss hab gestossen, oder das Feur
hab ihn erschreckt, O Glockengeck, dass dich der erst streich nicht erschreck:
Bist Härings Art, stirbst vom Plitz, oder Krebsart, stirbst vom Donner knall: So
verkriech dich auch wie die Krebss, Förchst nicht: wanns Tonnert, ein Tron werd
vom Himmel fallen? Weist nicht das schrecklich laut kecklich, unnd kecklich ist
schrecklich. Die Getischen völcker, wanns donnert, Schossen sie inn all macht
mit Pfeiln dargegen, dem Jupiter solchen trotz zuwehren, seine rumpelende
steinfässer umzukern, wie unsere kugelklemmer heut mit grobem geschütz tun:
Heut haben die Leut meher als ein Löenmut ja über Basiliscenmut, dann die Löen
förchten ein Hanengeschrei, die Basiliscen ein geräusch vom Wisel, aber die
Menschen nicht den Feurspeienden, Pulverscheissenden und Salpeter furtzenden
höllenfund, und das Prasslend erschütteren und erzitterend Prasslend
Teuffelsgeschrei. Ja sie jagen mit den Püchssen Pröllen, den Teuffel noch mit
seinen Hechssen aus der Lufft in die Höllen, Ja Schisen sie bei totzend herab:
Dass sie wohl bei uns hie unden bleiben müssen, aus sorg man schiess sie wider
heraber: daher kompts dz die Leut nit meher des Tonners: noch Erdbidems achten,
ja schier den Jüngsten Tag gar verachten, dieweil er im Feur soll kommen. Also
dass Granich recht schreibt, Hannibald mit seinen Ochssen, welchen er feur und
stro zwischen die hörner legt, Pyrrhus mit seinen Elephanten, Alexander mit
seinen höltzinen rädergengigen türnen, Antiochus mit seinen hauenden
hackenkarren, Cæsar mit seinen Feurigen Bergablauffenden fässern, wird heut die
Leut so wenig schrecken, als lieff einer mit nassen Stroschauwen gegen ihnen:
dann sie füren heut nicht mehr Stätt umb die Berg, sonder Berg umb die Stätt,
geleiten Mör darumb, ja graben abgründ darumb: Allweil man die Sündflut besorg,
bauet man uff die Berg: heut da man die Sündbrunst besorgt, bauet man inn die
tieffe inn die Wasser: und hilfft doch so vil als es mag, steigt schon kein
Troianisch Ross hinein, kompt doch etwan ein Goldbeschlagener und goldbeladener
Esel darein, oder schiesst Gulden Ketten hinein, oder schickt Bestechgold in eim
Fass mit Wein. Aber dz Hurrlebausisch geschütz hat dannoch ein Weck uff in die
andacht gebracht, und die Leut gar Heiligenehrsam gemacht: Dann wie fallen sie
nur so demütig nider, wann S. Peters oder S. Marx, oder eins andern Heiligen
begevatterter Maurbrecher inn tonnerender gestalt vom Berg Sina mit ihnen das
Gesatz redet, also dass mancher vor Welterstorbener demut vergisst auffzustehn,
wie die Moscowiter Legaten, die den kopff zur ehrerbietung wider die Erd
stossen. O wie bucken sich die Königische vor dem Roschellischen Evangelio, unnd
die Ingolstadische vor dem Protestantischen verbo, und die Tordesillische
Junckern vor des Bischofs Gwevare Zamorischen Pfaffen geweiheter Kreutzbüchss,
der kondt sie Beicht hören, unnd also gefirmt par gen Himmel schicken, O wie
lieffen die Mäuss vor dem Frantzösischen geschütz aus Terowan, und zu Quintin
liessen sich die Ratten zwen Monat nit sehen, unnd starben vor schrecken, unnd
die Hasen lieffen im Land Lützelburg aus den Hecken. Derhalben unerschrocken,
fehrt Sant Johans Kugel inn dich, so bist wohl vor dem Teuffel gesegnet. Schreibt
doch Lemnius inn seiner verborgenheit (die doch heut jeder mag lesen) die
Lantzknecht inn Flandern umb Tornay haben mit pulvergestanck die Pestilentz
weggeschossen: diss war ein besser Meisterstück als Hippocratis, der die Wäld
desshalben anzündet, oder eben disses Lemnii, da er mit gestanck gebranter
Abschnidling von Leder und Hörnern die Pest wolt vertreiben, als ob die Leut die
Bärmuter hetten. Ach nein, es hilfft nicht ein jeden das Lorberkräntzlein für
den Donner, wie Keiser Tiberium. Es regnet nicht wann die Bauern auff Steltzen
gahn, es hat aber geregnet Unnd Claus Narr sagt, dass seien die besten Schützen
die fählen, denn sie schiessen niemand tod.
    Man hieng bissweiln unserm Durstgurgeler zu oberst eins Turns, ein gross
Kamelseil an, das biss uff die Erd reichet, an demselben haspelt er mit beiden
Händen hinauff, darnach fuhr er widerumb so gewaltig unnd gewiss herab, dass einem
das Gesicht darob vergieng. Man richtet ihm einen grossen Gabelgalgen auff
zwischen zwen Bäum gesperret, an demselbigen hieng er sich mit den Händen an,
unnd fuhr daran herumb unnd herwider, wie ein anderer mürber braten am Spiss
herumb, dass er mit dem Fuss gar nichts berühret, so starck war er inn den Armen:
Er kondt auch auff eim Arm auff ein Stock sich steuren, dass der Leib wie ein
Kauffmännische Bilantz inn der Wag stund. Auch auff dass er das gebrüst unnd
gelüng exercieret, schrye er wie tausendt Teuffel, wie die Schifleut über Rein,
als ob er im Heckelberg sess. Ich hab ihn einmal gehört, dass er seim spiessjungen
Wolbeiart von Sanct Vitorsporten biss zu Montmartre ruffet, unnd inn der schlacht
wider die Hutzelbutzen, auff dem Lechfeld hort man ihn schreien biss gehn
Langweit, etwas neher als das Geschütz vor Metz, welchs man über Rein Teutsch
Laureto oder Lor gehört hat. Der berümbt Stentor hett lang kein solche stimm inn
der schlacht vor Troi, noch Demostenes, der stein inn mund nam unnd am Mörufer
in den Wind ruffet, als ob ihm der Hals ab wer, damit er das R ausssprechen
lehre. Auch seine Glider unnd Adern mehe zusteiffen und inn seiner stärcke
zuerhalten, worden ihm gemacht zwo grosse Bleiene Kugeln, grösser als die
Margraff Albrecht inn Franckfort geschossen, ein jede acht tausent, siben
hundert Quintalpfund wigend, welche er Alteratzen und Zuckander nennet. Dieselbe
nam er von der Erden inn jede Hand, hub sie inn die höhe über den Kopff, und
hielt sie also unverwendet drei vierteil Stund, unnd wohl noch mehr, welchs ein
unnachzutunige stärck ist. Spielt mit den Glingstangen, Sperrbäumen,
Handspacken und Sperrlingen: riss mit den aller stärckesten. Unnd wann es zu dem
fall kam, stund er so fest auff den füssen, dass er sich eim jeden Waghals
aussbot, wa er ihn von der stett ziehe, wie vorzeiten faustbeheb Milo tat: Nach
dessen Exempel pflegt er ein Granatapffel inn die Hand zunemmen, unnd schanckt i
hn dem, der ihn ihm aus der Hand kondt bringen. Mit diser weiss gewöhnet er sich,
dass er nicht alleine stärcker ward, sondern mit der stärcke auch jünger: wie
König Masinissa, der durch gleiche weiss sich erjunget wie ein Adler, dass er auch
neuntzigjärig einen Son erzielet: und kont 14 tag Postlauffen.
    Wan er also nun die zeit hat zugebracht, und sich getrocknet, geriben,
gewischt gefrischt, und die Kleider geendert, zettelt er allgemach wider heim,
nam den Weg durch etliche lustige Wisen oder andere krautbare Örter, da hat er
sein Gesprech von Feldbaulichen Sachen, von des Liebalti Meierhof, erfragt der
Bienen Policei und Regiment, erwog, wie Stigelius an eim jeden kräutlin Gottes
fürsehung, besichtiget, und ersuchet etliche Bäum und Kräuter, die heut etwas
zweifels haben, und hielt sie gegen der Alten Bücher, die davon geschriben, als
Teophrast, Dioscorid, Marin, Plinius, Nicander, Macer und Galen: trugen auch
der simplicien hand voll zu Haus: welcher ein junger Knab, Rhizotomus genant,
von Würtzburg bürtig, warten musst mit Hackengraben, Schaufelen, Sichelen,
Karstlen, Rattenkloen, Spaden, Hebzapffen, Jettauen, Grabstickeln, Eggezincken,
Gertauen, Hippen, Pickeln, ZänGäblin, Gerteln, Bindmessern, Hagmessern, Häplin,
Raupenhecklin unnd anderm Gartnerszeug, wohl zuarborisieren, und zuherbieren,
zupflantzen, zubeltzen, zuversetzen, zuschripffen, zujetten und den bäumen
zuschneutzen, zubeschneiden, zupfrupffen, zuschröten. So bald sie nun heim
kamen, erholten unnd sinnschöpfften sie etlichs was zuvor gelesen war worden,
alleweil man das essen zurichtet, unnd sassen damit zu Tisch. Hie solt ihr
mercken, dass er sich von dieser Disciplin auch über Tisch bessert: Dann seine
Mal waren nüchtern, mässig unnd sparsam, sintenmal er der Speiss nur genoss den
widerspennigen aufflauff des Magens zustillen: aber das Nachtmal war gemeinlich
etwas flüssiger und weitleuffiger: und also solls sein: darumb haben die Alten
das Nachtessen allein für ein recht Mal gehalten, den Mittagimbiss zu acht Uhren
nur für ein Morgensupp: daher kompts dass man sagt: Ein Abend ist frölicher dann
vier Morgen. Was auch der Tross anderer vieler ungehöfelter unerbeutelter und
schüpiger Artzet in der Sophisten Werckstatt abgerollet unnd gewalblochet im
gegenteil halten und rhaten. Unter des man nun ass, ward die Lection zum
Morgenimbiss angefangen, unnd als lang es jhenen gefellig vollzogen. Die überige
zeit ward mit guten gelehrten unnd nutzlichen reden zugebracht. Nach dem nun der
Tisch auffgehaben, unnd Gott umb seine Gaben danck gesagt gewesen, da fieng man
widerumb an Musickartlich zusingen, auff zugestimpten Instrumenten zuspilen,
quatuor, trium, Muteten, Vilanellen, etc. oder die kleine kurtzweilchen auff
Karten, Würffeln und Prettspiel vorzunemmen: Und dabei blieben sie mit grossem
lust unnd gutgeschirrig, unnd übten sich zuzeiten biss sie die stund zuschlaffen
scheidet. Bei weilen besuchten sie gelehrte belesene Leut, wolgeschickte
Versamlungen, Historicos, Poëtas, die einen unsterblich machen können, entweders
Jambisch oder Heroisch, Dann Carmen amat quisquis carmine digna gerit: Wer
Lobswürdig kann tun und beweisen, der liebt die so einen können loben und
preisen. Oder sie besprachten Leut, welche frembde Länder gesehen hatten.
    Inn mitteler Nacht, ehe sie sich zur ruh begaben, giengen sie zuvor an das
lufftigste ort, welchs offen unnd frei stund, des Himmels wesen unnd enderung
zubeschauwen, unnd da gaben sie acht auff die Planeten, Cometen, Figuren, leger,
gelegenheit, Aspect, ansehen, Oppositzen, und conjunctionen des Gestirns.
Darauff recapitulirt, unnd überschlug er kurtzlich auff Pytagorische weiss mit
seinem Lehrweiser alles was er die ganze Tagzeit durch gelesen, gesehen,
erfahren, gehört, getan unnd vernommen hat. Ja er trutiniert sich auch unnd
legt sein Leben unnd wandel desselben Tags auff die Wag des Vergilischen Vir
bonus & sapiens, etc. Wann du dich legst zu süsser rhu, unnd dir wöllen gehn
die augen zu So denck zuvor ein jede nacht, Wie du den tag habst hingebracht und
was daselbst weiter folgt.
 
                               Das XXVII Capitel.
          Wie Gargantuwal die zeit anlegt, wann sich Regenwetter regt.
Begab sichs dann, dass das Wetter nicht getemperiert, unfrisch, trüb unnd
tropffig war, so bracht man die vormittagig zeit nach obgedachtem ordenlichen
brauch zu: On dass er weiter ein schön hell Feuer anmachen liess, die betrübung,
nibelung, unnd feule des luffts zuenderen und zuleuteren, wie man etwann ganze
Weckholterwäld, die Pestilentzische Lufft zuvertreiben anzünt, und den ganzen
Birneischen Rontzefall des Bergwercks halben, auff Phaetontisch Gold drauss
zuschmeltzen, und wie jener Töringisch Jungherr die Scheur von wegen der grossen
Mäuss ansteckt.
    Aber nach dem Mittagmal pflegen sie an statt ihrer gewonlichen
Heuschrecklichen feldübung und Grassverrammelung, Spinnen und Schneckenmäsig zu
Haus zubleiben, oder inn der Statt unnd nähe herumb zufahren. Und auff
Apoterapische gesundheitpflegige manier in der Scheuren, Tennen, und dem vor
und Hinderschopff etwas leibswäferung halben zutun zusuchen: da banden sie
Garben, schütteten und warffen Korn, wanneten das getreschte, trug einer zwei
Malter oder vierteil Frucht auff beiden Achsseln, und zwei zwischen beiden
Armen, halfen ein weil dem Vulcano schmiden, wie der Hörnen Seifrid, der den
Amposs trei Klaffter inn die Erd schlug, rührten Mörtel, trugen und waltzten
stein, strigelten die Pferd, haueten Holtz, trescheten, und anders. Dann sie
waren nicht des Reigergeschlechts und Mönchischen glaubens jenes Malers, der nur
wans regnet spacieren ging, damit ihn niemand auff der Gassen irrt. Was soll
diss Saugeschlecht, die Regenwürm? Sonder Fürstenmäsig, taten wie die grosse
Potentaten unnd Regenten, welche auff der Bärenhaut nicht zu verschimmelen, unnd
dass Armbrost ernstlicher anspannung bissweiln nachzulassen, gemeinlich wann ihnen
das jagen erleidet, ein Handwerck oder sonst Geschäfft herfür suchen, Da haspelt
der Sardanapal, Vespasian flechtet Baderhütlin, Augustus trehet Spindelböltz,
der ander glaset Aengster, Carolus V. dichtet lebendige Urwerck, einer schleifft
Scheren, jener schmirt Stifel, diser fegt Kisten, etlich stricken Netzgarn,
Domitian zimmert Prettspil, oder lehrt dantzen, die Egyptischen König bauen
Pyramidische Todenbeinheusslein. Scipio Muckenheusslin aus Schneckenheusern. Der
Schulteiss ladet Mist für kurtzweil, dass man ihn fragen muss, wer der Schulteiss
sei, Der Burgemeister spitzt Federn und messt aus, Jener Algäuisch Vogt bricht
Hanff oder spinnt, Curius delbt Ruben, andere weben, etlich machen
fingerbrillen, viel erdencken weite Seckel und eng Kasten, mancher Registriert
das Mettenbuch, Demetrius König inn Asien spilt mit gulden würffeln, die ihm der
König Perses schicket, der darnach an den Römern ganz Asien inn einer schantz
verspilt: der gut teil saufft mit Alexandro Magno: viel blendet die Schrifft,
darumb lesen und studieren sie des weniger, sie möchten sonst Schreiber und
Pfaffen werden, etlich tretten den Einsidlern die Schuh aus unnd flechten Körb,
jener Spartanisch König sticht den Zeusslin die augen aus, Cyrus schneutzt die
Bäum, Attalus giesset Puppendocken, Severus hetzt Rephüner zusamm: Agesilaus
reut mit den Kindern auff dem Stecken herumb, der Görtzisch Graff schleifft mit
den Buben auff dem Eis: Keiser Varius suchet alle Spinnwepp inn der ganzen
Statt Rom ab, und lasst sie bei 10000 Pfunden wiegen: Keiser Henrich fangt
Fincken, König Deiotarus schlägt den Pferden ein, oder bind den Geissen den
hinckenden Elenbogen. König Corvinus bind Reben, Keiser Antonius Pius eget:
Diocletianus hällt den Pflug. König Agamemnon setzt Massholderbäum. Keiser
Vespasian tauscht Maulesel, Martius schmidt Harnisch. Affricanus setzt Oelbäum.
Hercules setzt Eychen, und pflästert die Häfen, Ptolomeus Auletes Pfeifft,
Maximilian steigt nach Gemsen: Nero schlegt auff der Cytar, Epaminondas singt
darzu: dann was die Fürsten geigen, das müssen die Untertanen dantzen. König
Wilhelm Vischart inn Normandy bindet und windet die Segelseil, Europus bauet
Laternen. Die Schwedisch König giessen Kannen und pletzen Pfannen, die
Portugalischen König schütteln nicht wie Keiser Pertinax den Pfeffer Sack:
sondern laden ganz Pfefferschiff aus, die Partische König spitzen Nadeln. Der
jung Dionys legt ein, Demetrius wird ein Schwerdfeger, wie auch gemeinlich die
alte Teutsche König: Daher heissen sie so gern Kündegen, Degenbrecht, Degenhart,
Degenward, und Reckdendegen: und die Castilischen Spanier, der Schwaben Bastart,
Diego. Unnd hierumb ist auch jener unschuldig Poet zuentschuldigen, der des
Keisers Maximilians, Hochlöblichster Gedächtnis, Demut aus seiner Rhetorick
nicht anders zuloben wusst, als dass er setzt, Er hab seinen Pantzer geflickt unnd
den Harnisch gefegt: Hats villeicht bei dem Homero gelehrnt, der lobt seinen
Ulyssem, dass er sein Schiff bletz. Ja es lehrt die Frau wohl das Netz bletzen,
wann der Meister nicht zu Haus ist.
    Nun disen angleichungen hoher Leut, folgt auch unser Discipel Garganzumal,
wan ihm das Regenwetter den Pass auff dem Feld verlegt: doch mit gutem Raht seins
Preceptors übet er sich inn wolgegründeten zierlichen Künsten, als mit malen,
schnitzen, schnetzeln, Wachsbossieren, schindelgebeuvisieren, Papirenschiff
formiren, eingraben, Kupfferstechen, etzen, formenschneiden, entwerffen,
abreissen, Land unnd Stätt inn grund legen, Festungen stellen und auffreissen,
Bildhauen, aussstreichen, illuminieren. Oder bracht die alt weiss mit dem Schach
und Prettspiel auff die ban, wie Leonicus davon geschriben, und unser gut freund
hat Lascaris getriben: Und solches nicht on nutz, dann unter dem spielen kamen i
hnen zu sinn die alte Scribenten, die davon meldung getan, unnd Gleichnussen
daraus zu nutz gezogen haben.
    Oder sie giengen aus, oder fuhren herumb etliche künstliche Werck und fünd
zubeschauen, wie man die Metall extrahirt und solvirt, scheidet und aus ziehet:
die Alchemisten, wie sie calcinieren, reverberiren, cimentiren, sublimiren,
fixiren, putreficirn, circulirn, ascrudirn, laviren, imbibiren, cohobiren,
coaguliren, tingiren, transmutiren, laminiren, stratificiren, den König suchen,
den Geist, den lapidem philosophorum, den Mann beim Weib, den entloffenen
Mercurium, und per omnes species gradiren, es seien Metall, gemmæ, Mineralien,
kräuter, säfft, olea, salia, liquores, oder anders: Item wie man falsche
Perlein, Edelgestein und Corallen mach: dann aus dem missbrauch lehrt man den
rechten brauch: der missbrauch ist aller guter bräuch rost, der sich stets an
hängt: also dz auch einer schreibet, Superstitiones seien Religionis Rubigines.
Item sie besuchten die Müntzbräger, die neuen Talertrucker, die Jubilierer,
Gesteinbalierer, Steinmetzen, Goldschmid, Goldarbeiter, Steingruben,
Guckesbergwerck, fuhren ein in die Gäng, schecht, stollen, und geschick, sahen
schürffen, weschen, rösten, quetschen, zermalmen, räden, schroten, Marscheiden,
Wünschelruten, Masen, Bauchen, Bauchstempffeln, Durchwerffen, Durchschlagen,
Durchlassen, Troffteren, Stampffen, Graubstreichen, Stempffen, Seiffen,
Radschlagen, Spleissen, Schlackenschlagen, Steinabziehen, Dörren, Dornziehen.
Auch den Hauerzeug und sonst Instrument, Aertztröge, Bergtrög, Wasserseig,
Häspel, Spillscheiben, Kampffreder, Gebell, Schwengreder, das Heintzenseil, den
höltzen Heine, den Heintzen, die Rosskunst mit der BremScheib, das KehrRad, die
Pauchtrög, Säckschleiffen, Saumhund, Sauseck, Schlaffkarren, Pompenzög,
Mangelrad mit wasserkannen, Haspelpompen, Wasserwerck zur kunst, Schemelpompen,
Jochergebeu, Ventilpompen, Scherpompen, Hundzeug, Kimpompen, Schauffelpompen,
underlegt Pompen, Troghespel, viel gerinnpompen, Klammerpompen, Taschenpompen,
Taschenhespel, Trettpompen, Hengsitzerpomp, Windfeng, Wettergezeug, Windfass,
Flügelfeng, Windschecht, Windstangen, Balgfeng, Haspelfeng, Windschöpffen,
Leilachfochtern, Probiröfen, Malmülen, Bereitstuben, Lautertrög, Schlemmgräben,
Bauchgräben, Sigertrög, Goldschlichen, Schmeltzöfen, Windöfen, Kupfferbrechen,
Eisenziegel, Dörröfen, Dessgleichen ferrner die Saltzbornen, Salpetersud,
Alaunsud, Kupfferwasserscheid, das Geschütz giessen, die Zeugheuser, die
Antiquiteten, die Friburgisch Cristallenmül, die Hamer oder Eisenschmidt, die
Büchssenschmid, dz Arckenal, die Festungen, Wassergebeu, neu Mülwerck von
Gewichtmülen, Wagenmülen, Eselsmülen, Wurtzmülen, Urwerck, den Schatz zu Sanct
Dionyss, die Englische Docken an Bären und Bollen üben, Schiffzimmern,
Rüstkammer, Tuchferber, Seidenstricker, Sammatwepp, Organisten, Lautenmacher,
Pfeiffentreher, Musirer, Damascanirer, Weinbrennen, Birbrauen, Weinfeuren,
Bronnkammern, Seiffensieden, Steinbrechen, Eisenschmid, Täppichwircker,
Schüssgraben, Schützenmatten, Seiden machen, Brotsparkunst, Weinsparkunst, aber
nicht Wasser Sparkunst, es sei dann auff Brisach, Dantzigische Fürnisssieder,
Farbensieden: Goldschlagent gemalen Gold: Inn Leimen farbenbrennen, springende
Bronnen, Quellen, Saltzpfannen, Glasshütten, Schreiner eingelegt arbeit,
Contrafeiten, Steingraben, Rotschmid, frembde Pferd Kuppeln, Schmeltzhütten,
Ofenkunst, Holtzsparkunst, Bibliotecken, Klöster, Spitäl, Feldsichenhauss,
Bäder, Paliermülen, Möntzstempffel Mülen, Seidenmülen, Rossmülen, Pulvermülen,
Zehenrädermülen, die Mülartzt, Truckereien, Kupffertrucken, Schrifftgiesser,
Urenmacher, und etcetera die ganz Künstlerzunft, zogen von einer zu der
andern, schenckten Trinckgelt und etlich mass Wein, da war man williger dann
willig: da forscheten, ergründeten, unnd ersinnten sie eines jeden
Kunstfertigkeit, fund unnd grund: und gerauet sie keine zeit, die sie damit
zubrachten, wie Sant Augustin, da er einer Spinn ein halbe stund hett zugesehen.
    Ferner giengen sie publicas Lectiones zuhören, die Solen Actus mit ihrer
gegenwart zuehren, zu den Doctormalen, Magistrirungen, Promotionen, Gradationen,
Degradationen, Disputationen, Quotlibeten, Comödien, Anatomien, aussfahrten,
Hochzeiten, Däntzen, Kirchweihen, auff die Bürst, aufs Rahtauss, fürs Gericht,
zur Audientz die Bescheid ablesen zuhören, unterm freien Himmel inn die Acht
tun sehen, zur Curia Rotæ, zu Parlementen, unnd den ganzen Prozess zu sampt des
Knausten Gerichtlichem Feurzeug zuüben: auch die Predigt, die Vesper, Complet,
die gemeine Herbergen, Zünft, Gaffel, Stuben, Türn, Dummhöff, die Rot Kammer,
die brennend Kammer, inn die Senisch Academy à l'intronato, Fronleichnamsprocess,
Fastenbuss, Cellenfahrten, Refenterschlampen, und wa kurtzumb etwas zusehen
stund.
    Oder unser Cyrogargantua besucht die Fechtschulen unnd Fechtböden, da tat
er sein Schulrecht, hub auff, ging ein mit Dusacken, darin Blei gegossen war,
im Bogen, im geschlossenen unnd einfachen sturtz, legert sich inn die Bastei,
erzeigt sich inn allen Ritterlichen Wehren, wie sie vor Augen lagen, im Schwerd,
Messer, Spiess, Stangen, Stänglin, Tolchen, Hallenbart, Rapier, Paratschwerd,
Lederen Tusacken zum Platzmachen, Sträusst sich wider die Marxbrüder, die
Franckfortische Meister des langen Schwerdts, schrib mit Dinten, so sicht wie
Blut, die Feder musst ihm oben schweben, und solt es kosten sein junges Leben, er
wagts inn Gotts Macht, schlug drauff dass der Beltz kracht, focht umb die höchst
Blutrur, umb das Kräntzlin, umb die Schul, ein Glas mit Wein, wie es der Gesell
an ihn begert, trocken oder nass, scharff oder stumpff, nackend oder bloss,
braucht vor dem Man Hildenbrantsstreich, siben klaffter inn die Erd, braucht des
Ecken eckhau, des Laurins Zwerckzug, Fasolts blindhau, den ober und unterhau,
mittel und flügelhau, im tritt, mit kurtzer unnd langer schneid, knopf, ort,
einlauff, gemächstoss, beinbruch, armbrüch, fingerbrüch, gesellenstöss, mordstöss,
Gesichtstich, waren alle erlaubt, denen die sie brauchen konten: dann Dolus an
Virtus etc. den Zornhau, krumhau, schillerhau, scheitelerhau, wunder versatzung,
nachreisen, überlauff, durchwechssel, hengen, anbinden, stich im winden
abschneiden, schlug sie aus den vier Legern erstes eingangs, aus alber, tag,
Ochs und Pflug, het sein Gemerck auff die vier blöse, schwäche und stercke,
abnemmen unnd aussnemmen, verweisen, durchhauen, verfürhau, den Türckischen zug,
treiben, rad, etc. ohn den Vatterstreich, welchen der Schmidlein inn seinen
Fechtschulpredigten weisst, unnd des Bauern Speichelhau.
    Item an statt des umbmeiens im Garten, pflegten sie heimzubesuchen die
Specereiläden, Wurtzkräm, Balbierstuben, des Gessners Gärten, die Wasserbrenner,
Krautnirer, Pulverkremer, Simplicisten, Kälberärtzt, Bader, Platerscherer,
Steinschneider, Wundärtzt, Apotecker: besah, beroch, betastet, versuchet,
schmacket, rib, und betrachtet ihr materien, Frucht, Wurtzeln, Pletter, Gummi,
Samen, Safft, Salben und Schmer, so eigentlich als wern sie von Gwalter Reiffen
von Strassburg, und Meister Lisset Benancio darzu bestelt: unnd namen war mit was
betrug unnd beschiss dise Elementsbeteurer, Saffranirer, Chrisostometäflin,
Latwergen, vergülder, Wurtzelbeitzer, unnd Tranckferber, umbgehn: wie nach ihrer
Quidproquockitet, Merdapromuscitet und Pfeffersecklichkeit sie alles was inn
Menschlichen leib kommen soll, verketzern, verehbrechen, verstümpeln,
vergrümpeln unnd verhümpelen, Landkremerei mit Spanischen Pfeffer treiben,
Gerbelirpfeffer under guten Pfeffer mischen, Rumpff under Moscatnuss,
Weingebejetzt Schwertwurtzel under Galange, gedörrt Weissbrot under Speisswurtz,
Fusci und gedörrt Holtz under Saffran, Leimen under Imber, Gummi under
Zuckerkandel: abgangen, verlegen, vermischmescht, verrochen, versaurt spänen
unnd Spinnenwerck, gedrüss unnd gemüss, gehackt Stro unnd staub inn gemalten
Büchssen und Laden für Arabische unnd Indische wehrschaft haben (darumb gab
disen Quinquo brockern auch Eulenspiegel zu Möllen ihr Gespick treuwlich wider,
den kat für den wust) ein Gurgelwasser unnd Recept von dreien gemeinen wurtzel
Epfich, Fenchel unnd Wegwart für ein gulden, was sie von Unschlit, Seiff, Wachs,
Zucker, Honig, öl, Ertz unnd Metal bei kauffmansgewicht einkauffen, bei
Medicischem gewicht, da vier untzen ein pfund tun, ausswigen: mit ihren totus
Modus regitur in minis, unnd Luminariis ins grab leuchten: die freigabe der
Natur, Erd und Wasser teuer verkaufen, einer Teuffelsgerittenen wurtzeltelberin,
Segensprecherin, unnd abgeribenen Krautgraserin Autentischen glauben, wie den
Sibyllen geben: halten ding die sich minder als der Welsch wein über jar halten
lassen, darumb muss es verfaulen, das die Gläser zerspringen: nemmen Recept
anzumachen, deren materien sie nicht halb haben, darumb müsen sie quid pro
quisieren und Merda promuscisiren, Teuffelsmilch für Reubarbar reichen, böse 
Granaten für Malorum Granatorum, Clistir von heisser Suppenbrü, Gallöpffel für
Myrobalan, succum titbymalli für Diagrodium, Kirsengommi für Arabischen gummi,
Kerigmus für Alckermes, änis und Mäusstreck für Garamantischen Pfeffer, gebrant
Hundszän, unnd weiss Kiselstein für Elephantenzän und Spodium, gestossen Glas für
Electuari de gemmis, Wild rauten für Zigerkraut: und anders unzalichs, welches
Gargantua alles erfaren wolt: auch wie sie distilieren, dass es nach siben
Brüdern schmackt, ziecht der Acht voran: wie sie die Fluss des Seckels an sich
ziehen, wie die Sonn das Wasser: wie sie Capaunen essen, unnd geben den Krancken
die Brü: wie sie, die Kunst zuverbergen, alles bei nacht, oder im Hinderhauss
bereiten: Unnd als dann sagen, pereat qui pereat, der Tod kein zorn nit hat. Hei
wie frü ihr liebe Sirupmänlin, ihr Clisterisisten, Sackpfeiffer unnd Atam
verkauffer, wie habt ihr so schöne geschwollen Backen. Ach dass ihr euwer
lebenlang müssten Diebsaugen für oculorum populi essen, unnd die Käfer ohn
flügel, dass euchs hertz abstoss, so gibts euch auch ein krafft. O ihr Leuss und
Leutfresser, ihr Saffranirer, Pulveristen unnd Zuckeristen, ihr verzuckerte
Honigmäuler, wer wird euch von euwerem alten Adam bringen, gewiss noch die
Pulvermül. Ihr Proquokisten seit nach Lissets Meinung nicht werd, dass ihr Kolen
umbtraget, noch gebletzt Schuh und abgetragene Schulümmel aussschreiet, oder
geferbt Hütlin und gebrochen Gläser aussruffet. Aber Kundlob von Hohen Rhumsteig
sagt, es wer schad umb euwer künstliche hand, welche so herrlich im Klingelstein
Metten unnd Wetterleuten kann: es seien noch etlich feine Mörselstempffel under
euch, welchen das Fassbinderisch punperlepump wohl von Hand geht: auch feine
scharpffe Scharnützel köpfflin, welche die Gordische knöpfflin mächtig sauber an
die wurtzbrieff und Sambenitenhüt schrauben: auch es so meisterlich mit dem
Maul, sampt dem Weberknoff einbinden und winden, dass es wenig Fadem kostet.
Derhalben meint er, wann euch schon Silvi und Champier verjagten, weren ihr zu
eim Pasteten oder Pestenbeck dannoch nit verdorben. Dan graben mag ich nicht,
betteln schäm ich mich.
    Warlich diser Bettelschamischer Mammonischer Schaffner, ist ein warer Sam
der Welschen Practic, de tri unnd Wechsselrechenung der vorteiligen spitzigen
griflin, der hat die Kauffmännische Beutelzauser unnd Geltmauser, die
Genuesische, Florentzische unnd Venedisch Buchhaltung gelehret, unnd wie man die
Handtwerck soll vertrucken: Fretten unnd spötten, an, vor unnd hinderkauffen:
Blutwucheren, underm Wucherhütlein spilen, die Müntz verwechsselen, umbschlagen:
ausslesen: beschneiden: befeihelen: mehr nemmen dann geben: Drei Leiptziger Märck
und ein Franckforter Mess jeden fünff vom hundert gibt auch 20. O Neschehbeisser,
Tarbit, Diebraht, Koirtmeister aus Hellenengelland: O Regenspurgischer Mosche,
der sagt, wo ich wone, daselbst sind die Hirten nicht teuer, O Ribbis:
Usurupinæ, Corrosuren: Wachenwucherer: Zeitverkäuffer, Zeitfinantzer: die
teurer verborgen dann umb bereit Gelt geben: Geitzaugen, im Sack verkauffen,
Schade Lot, Waarbefeuchtiger, Wollnetzer, Ingwerbeschwerer: Farbenänderer: oben
das hüpsch, unden das ärgst: Ja oben unnd unden hüpsch, unnd inn der mitten der
ärgst, da heissts nicht in medio consistit Virtus, wie der Teuffel zwischen
zweien alten Weibern: Item verfinsterer unnd verhencker der Gewälb und Gäden zum
augen verblenden: dise wird Bodinus gewisslich auch under die Zaubergeschlecht
rechnen, weil er der Augenblender unnd Vergauckler kein gnad will haben: Item
Elenzucker, messschürtzer, da uns des messen teurer als bei den Pfaffen
ankommet, also heissts, aus dem befürtzen kommen ins bescheissen: Zahlverwerffer:
Gewichtfälscher: Eisern werden: Bubenfreiheitsucher: da billicher vor dem Tor
das Galgengericht ihr Freitoff unnd Kirchoff were: Ja lass mich ledig des
dritten Pfennings, so zahl ich das überig: O Quinquernellisten: Wahrvermenger,
Blindenkauffgeber: Stulreuber, die darnach die Strauchdieb unnd Strassenräuber
müssen strecken, damit der Schelm den dieb straffe. O Campsortes Banquarii,
Müntzwescher, Müntzwelsche, Müntzfelscher, Müntzschmeltzer, ihr werd des
Contrabantz nicht Reicher, der Teuffel hol dann den letzten. Etwann feurt man
die Heiligen, unnd verbrannt die, so die gemein Müntz enteiligten, jetzund
Feurt man die gemeines Nutzes enteiliger, unnd tregt sie schier auff den
Henden, unnd verbrennt dargegen die Heiligen. O Müntzringerer, Müntz schwecher,
Müntzabgieser, müntzaufzieher, müntz Contrafeiter, O wie wird man euch für
zerschrickte Ziesalien oder Pagament im Höllchimischen SchmeltzDigel granuliern,
als wann man euch über Bäsem reiss schüss: Ja diesen Diebisschen grempel wissen
auch wohl die, so Sperber auff der Hand tragen, damit sie nur des Sebastians
Francken Adler war machen, das krumbschnäbel müssen geraubt haben. Ach wo
bleiben die Turnierarticul? mancher schilt heut einen ein Pfeffer Sack, der
eben an dem bein hinckt, manchem wehrts nur das Posse, das Velle wer genug da.
Ihr köndt das dienst oder Gnadengelt zu der gelihenen Hauptsumm schlagen: Aber
was gwint ihr mit euwern einreuten unnd leisten, Fürsten bleiben Fürsten, wann
ihr schon die Kachelöfen einschlegt, und den Pferden Zuckererbes inn den
Rossbaren schütt: die Witwen unnd Weisen, die ihr verderbt, werden genug Raach
über euch schreien, alsdann nemm euch der Teuffel zum Giselpfand: Der möcht euch
auff kein Rad Malen, und an die Kacken hefften, sonder euch gar auffs Rad den
Rechten einsatz und das widergelt geben, auff eitel Longins Judenspiessen: da
hütet euch ihr Herrn, welche gelbberingelte unnd ungberingelte Juden den
Undertanen zuschaden ziehet. Leut die man im Ellend solt behalten, den hülfft
man zu Reichtumb von aller heiden Hemdat der Goym, müssen als die Herrn
dienen, unnd solche dieb müsig ziehen, als wann ein Haussvatter ein pockechte Hur
im Haus ziecht, die ihm sein Sön und gesind vergifftet. Ja versprech mir mein
wahr, dass deiner des teurer ohn werdest: Verkauff mir die Frucht auff
auffschlag: Lei mir auff die saat: deins abwesserens und abreissens bedarff der
Müller Herrgot: Ich leih den Leuten drumb kein gelt, das sie bei mir malen
solln, Ey tu ihm ein vererung, so lasst er dir das Gelt lenger: Ich lass mich
nicht ehe zahlen, die Müntz ändere sich dann: die los Müntz muss man eim
studenten, oder Landsknecht, oder eim der hinweg ziecht anhencken: ich muss mein
dienst dess höher anschlagen: O Schadewacht, Leg mir lieber schloffen: Ist dann
dein gelt Hasenart, welche zugleich geberen, andere jünger auffziehen, unnd sich
wider belauffen, so hetz dich der Lucifer. Aus diesem sind viel andere gute
Bösslin entstanden, als dass man Fremde Pracht leichtfertigkeit hat eingeführt,
und wie Cæsar sagt mit der Wahr auch die gefar der Laster gar, die
Seidenspinnwep, die zufuhr dem Feind Wehr und Wafen, das Möntzgerberliren, das
Post-Papir wigen, steigern, auffnemmen, anlösen: weinjudentzen, kornratten, mit
den Protmäusen mählgrempelen. Ja, ich behalt mein Frucht biss Sanct Gregor auff
eim Falben Hengst daher Reut: Hui Teuffel schlag dem Fass den Boden aus, unnd
schliff inns Korn unnd fahr zum Tachfenster aus: O ihr getauffte Juden, unnd
elementsbodenlose ertzhertzen unnd Landratzioner, gelt der Reimenweiss Euspiegel
kann euch Schimpffsweiss im lxx. Capitel fein treffen, mit den steinenen
Stulräubern: Darumb prechen euch auch die Stül, weil ihr so gar schwer steinen
seit, wann schon euwer Häuser, vom Plutschweiss gemörtelte starcke Pfeiler haben:
Was achts er, wann ihr schon Gelt auff lehen leihet, dass ihr Jungherrn seiet:
Unnd die Seel inn die Kist pfrengen, unnd das gewissen über die Obertür an
Nagel hengen, unnd nit glaubt dass ein Kerless im andern steck: Ihr werd mir kein
Katz im Sack verkauffen, wann ihr schon zu Linsen und Bonen seit gewesen:
Scheisset all inn Prei, sagt Glockengieserhänsslein zu Nörnberg.
    Folgends ging er auch hin, die Lugenpriviligirte wortbeutelige Landfarer,
alte weiber Clistirer: Coloquintenpurgatzer: wurmsamenkrämer: Triackerslapper:
Schlangenbeschwerer: Starenstecher: Zanprecher: knabsack unnd Marcktlötschen mit
dem Englischen verstand für die langweil zuhören, wie schön ihnen der schwatz
anstehet, wie ungelacht unnd ohn zungenstölpern sie die grobsten lügen
aussstossen, dass sie den Teuffel sollten lachen machen: wie ab geführt sie die
Leut übertölpelen, besefelen, und ihnen das Pludermuss und wurmsamenkat auff
Zigeinerisch eingauckelen und den Seckelsamen aussgauckelen: furnemlich gefulen i
hm die aus dem Quatland: Dan von Erbsündiger natur sind sie neben ihrem
quacksalben, herrliche gute Bossenreisser: Kuntzenjäger: Miesterhämerlin und
Rosstreckgauckeler: gute Selärtzt, die mit Scamoni unnd Niesswurtz eim die Seel
ausspurgieren, Hola herbei, zu unserem Prei: Kaufft in der noht: so habt ihrs im
tod, ein wurtzel inn dem mund: so ist er gesund: hie rauch Bibergeil unnd
Frauwenkut für den Krampff gut: diss Kirsenmuss mit Teriacs vermengt ist gut
mitridat: stileoswurtz fürs Podagram: ein pfund Victrill für würm, gepraten
Speck für Ratten, hie disen Zucker von Himmel gebracht: O gut Cristier mit
Birckengerten für Weiber: Für den Sot Johans Prot: Für den Schweiss, Harn von
einer Geiss: den Glockenklang, und was heur der Guckgauch sang, das Plo vom
Himmel, unnd dess bösen gelts schimmel, von der Prucken das getümmel, das gelb
von einer besengten Mor, der Affenschwantz unnd Sneckenor, unnd das Hirn von der
Mucken, gut zum Schlaff, die Schläff damit getrucknet. Ja Hamelshoden, der euch
kunden mit Flachssadern unnd Hanffringen den Hals ein kleins virteil Stündlein
rib, was gelts wa es euch den Krampff an Fingern nicht vertreib: Und wer als
dann die Diebsdaumen abschnitt, der hett gewiss gluckhaft Würffel. Es solt einer
auch zu ihnen sagen, wie dort der Fuchss zum Froschartzet: wilt besehen eins
andern Seich, wie sichstu dann ums maul so pleich, es gibt dein Plo Maul, dz dir
ist Lung unnd Leber faul, man sicht am Quacken unnd der Gosch, das du bist ein
Frosch: Aber eben so mehr erstickt als erfroren, wann es jhe muss gehenckt sein.
    Nach dem sie nun lang also der Welt Läuff zuerfaren, umbgezogen waren,
fügeten sie sich heim zu dem nachtessen, unnd demnach es schwer wetter, assen
sie vil mässiger als zur andern zeit, speiss die abtrocknet, ringert unnd
extenuirt: auff dass die feuchte betrübung des Luffts, welche von wegen
notwendiger nähe mit dem Leib gemeinschaft suchet, hie durch also verbessert
würde, unnd ihnen nit zu unstatten käm, weil sie kein übung, wie zu ander malen,
vorgehabt hetten.
    Also ward Gargantua angezogen unnd Gubernirt, unnd pracht solche weiss durch
täglichen geprauch inn ein gute gewonheit, unnd nach seins alters vermöglichkeit
zu grossem nutz, wie ihr hört. Welches wiewol es erstlich schwer scheinet,
jedoch ward es durch stäte übung so leicht, süss unnd angenem, dass es viel meher
ein kurtzweil für ein König, als befleissigung und lehr eines Schulers war.
Gleichwol Herrkundlob auff dass er ihm von diser strengen sinn unnd Leibsbemühung
zuzeiten eine fristung gebe, ging er ihm etwann in eim Monat ein schönen Tag
aus, an dem sie morgen Frü auffprachen, und entweders gehn Gentili zogen, oder
zu Charantonsprucken, oder Sant Claudi, oder Montrouge, aber nit Rotenburg bei
Tübingen, dahin die studenten wöchlich umb guten Wein walfarten, Papir zuholen,
welchs sie gleich so wolfeil ankompt, als wann die Nörenbergischen Bierbrauwer
järlichs höfen in Türingen holen: oder es stattlicher zuvergleichen, als wann
man das Pallium zu Rom holet. Unnd daselbs pliben sie als dann den ganzen Tag,
unnd machten des besten dings gut geschirr, als man erdencken mag: rammelten,
rolleten, luderten, trancken genug, spileten, sungen, jauchtzeten, kögelten,
dantzeten, kälberten sich etwann auff einer schönen grünen Wisen, bürtzelten,
suchten Vogelnester, namen Spatzen aus, fiengen Wachtelen, triben Federspiel,
bestelten ein Lerchenherd, angelten: fiengen Frösch, Krebseten, gruben
Schnecken, badeten, fiengen Ael, besahen die Binenkörb, hauten Gerten und Meien,
machten Weidenflöten und Holderpfeiffen, stelten den Kautzen auff den Kloben,
führten einander auff dem Schlitten den Berg auff unnd ab, vogelten. Und übten
ein jungen Sperwer.
    Wiewol nun also derselb Tag ohn Bücher unnd Lectur hingieng, ging er
gleichwol nicht on Frucht ab: Dann sie erinnerten sich inn dieser lustigen
Wisen, etlicher schöner Verss oder sprüch vom Feldbau, aus dem Vergilio, Hesiodo,
Rustico, Politiano: Clemente Affrico: machten unnd schriben inn ihre
Schreibtäflin etliche kurtze lustige Epigrammata zu Latin, unnd übersetzten sie
darnach inn Rondeo und Ballade gestalt auff Frantzösisch oder Teutsch, Reimeten
umb die wett, dichteten Lieder, auff allerlei melodei, erfunden neue bünd, neue
däntz, neue sprüng, neue Passa repassa, neue hoppeltäntz, machten neue
Wissartische Reimen von gemengten trei hüpffen und zwen schritten.
    Wann sie dann bancketierten und underzechten, scheideten sie von dem
Wasserigen Wein das Wasser, oder vom Weinhaften Wasser den Wein, wie Cato von
der Re Rustica lehret, unnd Plinius mit eim Hebhäubecher weiset: wescheten den
Wein inn einem Becken voll Wasser, darnach zogen sie ihn wider ab, unnd
schanckten das Wasser von eim Glas ins ander: erfunden, baueten und zimmerten
viel kleine sinnreiche automata, das ist, selbs bewegliche kunstwercklin, neue
Pratspisswerck (dern Rob. Stephani sich so sehr zu Franckfort verwundert, als er
ihr Mess beschreibet:) Das Fünft Rad am Karren, Stockfischmülen, darauff man die
Stockfisch pläuet, die Popfingisch Narrenschleiffen, da ein grober rauher
Burgermeister neulich den Schleiffstein also verderbt hat, dass man ihn wider
behauen muss: Neu Trägerzeug, neue Schlösser zu gewelben unnd Kisten, die
fürfallen mit einem Schlüssel: Malschlösser mit Buchstaben, Verremsster Sessel,
die eim Händ und Füss fiengen, wann einer drein sass, selsam Fusseisen, künstliche
Circul und Messstäb, unerfaulige Deuchel, Lauten die sich selbs richten, unnd
Feurzeug, der selbs im Busen ein Feur auffschlegt: Dann sie wussten bessers als
Clauss Narr, der sorgt, der Feurzeug, welchen einer inn Busen schob, solt ihn
verbrennen.
 
                        Das Acht und zwentzigst Capitel.
   Wie sich ein sorglicher Streit zwischen den Nutelpauntznern, Krapffen unnd
      Kässfladenbecken von Lerne, eins teils, und des Gargantua Landsässen
     andersteils hat begeben, daraus sich ein grosser Krieg tet erheben.
Man fragt und disputirt nun lange zeit, waher doch der erste krieg sei
entstanden: der gröste teil sagt von dem grossen Jäger und Turnbaubeler
Nimprot, des Chams Son, wie es auch der nam soll mit sich bringen, dass er
erstlich andern das Brot nam, und ein Namrott an sich hing, die weit und preit
nam, was sie ankam. Darumb er wohl die namhaft Rut Rotrur, und das hoch Wildpret
heisst: Aber von wem hats Nimrot oder Nimmerrat gehabt? Dann man weiss, dass sie
auch vor der Sündfluss gekrieget haben: sonst het Cain seinen Bruder nit
erschlagen, noch feste Stätt gebauet, oder sein Enckel Tupalkain, oder
Toppelkeinnutz Wehr und Waffen erfunden. Derhalben muss es ein ander Häcklin
haben, daran der Fisch behang. Ihr wüsst die ersten Menschen wonten inn hülen, da
begab sich oft, dass die wilden Tier und Menschen wollten vor ungewitter, kält
oder hitz inn eine Hül schlieffen, da wolt keins das ander einlassen, da gabs
ein streit, der Mensch verbauet den eingang mit Bäumen, hinder diesem Pollwerck
schützt er sich, das Tier verwart ihn, wann er aussgieng seinen jungen Storcken
essen zu holen, da kamen sie an einander, der Mensch schirmet mit eim
angebrunnenen Baum mit dem Tier herumb: wann ers erlegt, macht er ihm und
seinen Kindern Röck aus den Fellen: Oder sie stiessen bei den Bronnen zusamen,
wie im Sandigen erdörrten Affrica, oder am Mör, da es wenig süss Wasser gibt, da
macht sie zu beiden teiln der durst unsinnig, dass der Wasserdurst ward zum
Blutdurst: hier aus gewonten sie des Kriegs: Darumb meinen etlich der Krieg sei
darnach auch unter die Menschen erwachssen von wegen der Tierheut, damit sie
sich auff Adamisch kleideten, wann einer ein köstlicher haut an hett als der
ander: Als der, welcher ein Löenhaut umbhat, liess sich feuchter geduncken als
der in der Schafhaut herein trat: die Bärenhaut, wann sie zu kurtz war, nam eim
andern sein Geissfell, damit er sein Haut damit verpremet: Der Hirschheuter meint
ein Wolffshaut geb wermer, unnd nam eim andern sein Wolffshaut, also zog der
stercker den schwechern aus: der Wolffheutig Cain (welcher ohn diss Matesius
beschreibt, den Lycaon gewesen sein) zog dem erschlagenen Abel sein Schafskleid
aus: zuvor tat jeder des Tiers Haut an, welchs er gefangen hat, hernach wer
den Man fieng, hat auch sein Haut. Daher kompts, dass man sagt, mit eim herumb
hauten, sein Haut darstrecken, jeder sorgt seiner Haut, den Hasen umb dz fell
schaisen, sich seiner Haut wehrn, es juckt ihn die Haut, man muss sie ihm gerben,
man muss ihm mit eim eichenen Flederwisch die Leuss abstrelen, man muss ihm hinders
Leder wischen: Luditur de ipsius corio: Ein jeder Fuchss wart seins Balgs. Daher
kompt auch Palgen, walgen, unnd Bellum, dass man den Fuchs umb den Palg und Fell
jagt: darvon ist noch das spiel, umb den Barchat jagen, unnd Haar auff Haar.
    Die Juristen mit ihren Feld dienstbarkeiten, meinen von wegen der Zäun seien
die ersten Palgereien angangen, dass einer dem andern zu weit einrucket, oder den
Zaun zu hoch aufführt, als wolt er ihm den Lufft verbauen, oder ihm etwas daran
lenet, oder ein stinckenden zweck neben setzt, oder eins andern Vih ihm
durchprach, oder seins Nachbaurn Han ihm auff seine Heck sass, unnd ihm die
Hennen verführt, daraus dann ein kammrotblutiger streit zwischen beider
Bannherrn Hanen entstund, dass die Hanenfedern auff der Walstatt umbstoben, die
darnach beiderseits Haussherrn einander zu leid auffsteckten (weil Hanenfedern
gross krafft geben, demnach die Leuen die Hanen scheuen) da wolt dann ein jeder
vom andern sein Hanenfeder wider holen: oder wolt wie die Schweitzer nicht
leiden, dass er die feder fornen auff die stirn setzt, sonder ruckts ihm hin
hindern: weil es sein Han nit vorwerts gewonnen. Daher soll das streitbar Volck
Gallier unnd die Danen, das ist, die Hanen, Hunni, Hennegäu, Henneberg genant
sein: Und vom Hanenkamm, wird noch der kampff genant: auch führt man noch auff
den Beckelhauben den helmkam: unnd darumb sagt man: dann kamm streussen, eim
abkämmen, einem den Kamm erlausen und ersträlen etc. Daher kompt auch noch das
knoblochhetzend Hanenkempffen. Unnd darumb sagt man, mit eim durch ein Zaun
zannen, ein ursach vom Zaun brechen: und daher ist auch die gemein Kriegsregel,
das es besser sei, sein Pferd an des Nachbaurn Zaun binden zugrasen, als des
nechsten Gaul an seim Hag grasen lassen. Viel andere meinen er sei umb der Immen
willen erstlich entsprungen, wann dieselben stiessen, und wie die Falcken in ein
ander Land fuhlen: Oder des bronnenschöpffens halben, wann sie das Vieh
tränckten, wie man wohl an Lots unnd Abrahams Knechten erfahrn: Auch inn Indien
sicht, da die Indier von den Beumen mit den Schlangen umbs Wasser kriegten. Oder
dass einer, weil der ander die Eycheln unnd Nuss schwung, dieselben inn des
tapffer in sich frass: Oder das jenes Nachbaurn Wider oder Ochss dises Viech
geschädigt oder todt gestossen hat. Oder des Feuers halben, dass einer dem andern
ein Liecht anzuzünden versagt. Oder weil der Nachbauren Hund einander bissen.
    Aber ich sag, dass die mit den Hanen am nechsten zum zweck schiessen, weil
sie die Eyer gerochen haben, umb die am ersten der Krieg auff kam. Dann zur
ersten Weltzeit, da man noch den Hafen auff den Tisch trug, wann einer ein ast
vom baum gebogen hat, unnd ein Prett drüber tat, so hat er schon ein Haus, hat
er dann ein Weib, ein Pflugknechtischen Ochssen unnd ein Wächterhund, so war
nach Hesiodi Meinung sein hausshaltung schon bestellt: fürnemlich wann er ein
Stang oben durchzog, darauff der Han mit seinen Kebsweibern sass, und ein
Storckennest oder Prutkörblin darbei auffricht, auff dass sie ihm die Eyer nicht
auff den Kopff inns lang Haar legten. Bei tag aber musst das Hünergeschlecht
hinaus ins Feld sein nahrung zusuchen: da begab sichs dann, das etwann ein geile
Henn inn ein überzäunig Gebiet stobert, und allda Eyer legt: Von notwegen musst
es da unter Nachbauren zanck geben, und letzlich ein streit erheben, mit guten
Fäusten, Nägeln und Zänen, Haarzausen, Bartaussrauffen, stecken und hebelen mit
hörnern beschlagen, darein dann die Weiber als flügelschützen mit schönen
Wackensteinen zuwurffen, unnd mit herben schmechworten auffbliesen. Und solches
meher zu bekräfftigen, secht ihr doch an den Tieren, dass ihr erster streit von
wegen der Eyer gewesen: Dann zerbricht, zerwirft oder frist nicht der Krannich
seiner Kränchin zuleid seine eigene Eyer, das Wachtelmänlin seins
Wachtelweiblins, der Pfo der Pföin, das Rephun der Rephennin, der Rapp der
Krähin, nur umb Ehrgeitz des Kindergewalts? Oder, wie etlich meinen, desshalben,
weil man sagt unnd erfehrt, dass man vor der Kinder nötlichkeit, vergisst eins
Manns allezeit, so doch billich der Kachelofen mehr gelten soll dann ein Kachel.
Also frisst unnd verderbt nicht die Eul des Hähers unnd der Tauben Eyer? Der
Kautz die Amselneier, die Aumeisen des Kautzen eier, das Rötele der Aumeisen
eier, die Fisch der Wasserhünlin eier, der Huhu der Krehen, die Lerchen der
Heuschrecken, die Krotten der Lerchen, die Immen der Meisen, der Habich des
Reigers, die Schaben der Schwalmen, die Schwalmen der Storcken, der Specht des
Grünlings, der Grünling des Spechts, der Guggauch der Spatzen unnd Grassmucken.
Unnd also je eins dem andern aus neidigem trotz und Frass, oder das ander
geschlecht under zutrucken. Ja die Kinder nur aus mutwill die Nester, unnd die
Hexen zum Zauberen die Widhopffen eier. Und die Alchymisten, wie viel verderben
sie Eyer mit ihrem Calcinieren? Aber es sind böse  Brutennen, sie lauffen
gemeinlich bald von der Brut? Hat nicht der Rosskäfer dem Adler sein Eyer inn
Jupiters Schoss zerstört? Darvon der Londisch Johan vom Ey gross Monadisch
heimlichkeit den Keiser lehrt, als er beweisst, die Welt geh wie ein Ey umb: Ja
Jupiter, damit er sein Stral Schilttragend Vogelgschlecht erhalt, schafft, das
alsdann, wann der Adler übern Eiern sitzt, keine Schalkäfer umbfliegen: Warumb
aber die Rosskäferisch Scherabeierisch art 30 eierschalen so feind: das macht,
weil sie verdreusst, dass sie aus Rossfeigen unnd keinen Eyern kommen: Nun so viel
hat dannoch der vom Ey, aus den Grabakarabis Pillulariis ergarakrabelet, dass wir
all aus eim Ey herkommen, weil die Welt ein Ey ist: das hat gelegt ein Adler,
das ist die hoch, weit und schnellfliegend Hand des Jupiters, das ist das Chaos,
das Cavum, das Chaovum, der offen Ofen, hauffen, Hafen, welches des Adlers Hitz
Chaovirt, Fovirt, Feurofirt, Chaoquirt unnd Coquirt: Ja Jupiters krafft war
distillirer inn dem Vacuo Cavo Ovo, inn dem Ofen Hafen Ey: Der schoss war der
Himmel: O ihr Alchymisten freuet euch, hie geht euer geheimnuss an. Diss schön Ey,
hat zerstört die Sündflutisch Mistkäferei, da ein Mistkasten über die Wolcken
inn den andern Elementen ist umbgefahren, der Dotter im Eyerklar. Merckt ihrs ih
r Eyerbrütling, warumb ihr im Helm geboren werd, und warumb ihr weint, wann man
euch dieselb Sturmhaub abziecht?
    Und dass ich entschliess, kompt nicht der gefehrliche und unausstregliche
streit der Hochgebeinten und hochbekragten Krännich wider die Hochmütige, aber
niderleibige Pygmäermännlin daher, dass die Treckbatzige Zwerglin ihnen wider
Landlich Gastrecht unnd Gastmäsig Landrecht die Eyer stürmen und zerstören? Und
noch darzu sie mit ihrer eigenen Leibsfrucht den Eyeren bestreiten, inn dem sie
ihre Eyer inn der Schlacht für Schlauderstein gebrauchen: das kein wunder wer,
es entgieng den armen Krenchen, wann sie ihre Eyer vergiessen sehen, alle krafft
zum widerstand, wie dem Jason, da er die stück sah von seim Kind, welche die
Preckin Medea inn der flucht von sich warff, ihne ihm nachjagen zuhindern. Ja
diese Eyerstürmerlin machen auch, wie Plinius schreibt, Häuser aus der Kränch
eiern: da rahten zu, wie gross die Vögel oder die Leut sind. Ja ist nit der
Troianisch krieg von eim Ey herkomen? Sintemal ja die Helena die einig
Krigspraut, mit ihren Zwen Prüdern Castor und Pollux aus eim Ey geschloffen: Hat
nicht auch der Hercules lang mit des Königs Actors Sönen Euryt und Cteat
desshalben lang zustreiten, weil sie aus Sylberen Eyerschaln warn geschloffen: So
werden sie heut gewiss aus Stählinen Nebelkappen schliefen. Seit einmal man der
Krieg zu kaim end kann kommen. Und streit man nit das meherteil umb die Hennen
und Gauch Eyer? Es kompt doch noch daher, dass man umb die Eyer wettlauffet.
    Derhalben secht ihr, wie ganz war sei, dass man sagt, auch von zerbrochenen
krügen kön ein krieg werden: Ja von zerprochenen Eyerschalen: Und jener
Landsknecht kont von wegen eins Reifes mit seim gesellen uneins werden da er
auff ein stuck des Reiffs stund unnd sein Gesell auffs ander, und jeder sagt, er
wer ganz sein, biss sie ihn mit klingen teilten. Also hat es sich auch ein
EyerKässfladenkrieg eben zur selbigen zeit, als Gargantua zu Paris studieret umb
den Herbst inn seines Vatters Land geschickt, unnd derselb aus solcher ursach.
    Umb die zeit, wan man die Nuss schwingt, hüteten des Grandgusiers undertan
Bangart oder Bannwarter, unnd sonst die nächst umbligend Hirten derselbige
gegene der weingärten und Reben, auff dass die Staren unnd sonst ihres
geschlechts vögel nit die Trauben abfressen. So kamen eben damals die
Wassernotelenbecken unnd Kässkrapffener von Lerne daher mit eim ganzen Hörzug
Karren getrottelt unnd geschottelt, die zehen oder tausent last Nuteln,
Bauernküchlein und Käsfladen in die Stat führen wollten. Die gedachte Bangart
baten sie bescheidenlich ihnen nach gemeinem lauff des kauffes umb das gelt
etlich Kässstrauben zukauffen zugeben: Dan ihr solt wissen, das es aus Merulæ
Kockai erfarung, ein recht Amprosisch und Männisch essen ist, frische
Notelpauntzen zu den Trauben nüchtern einnemmen, fürnemlich zu den Hindischen
Muscatellertrauben, Stockbören, Knusselen, und Spantrauben, wan einer villicht
verstopfft ist: Dann sie treibens von eim Knebelspiess lang vollkommen
handvöllig, wie die Westerischische Ael: Ja oft wann sie dencken ein Fürtzlein
zulassen, so bescheissen sie sich gar, daher heissen sie die Herbstduncken und
Herbstbescheisser.
    Aber die stoltze Nutelpautzener wollten die guten Bangart gar nicht gewehren,
sonder (das noch ärger ist) Hochmütigen sie noch darzu, und schalten sie
Lumpenstecher, Lumpenwescher, Fröschzän, Ackermäuss: unnütze Betscheisser:
Galgentropffen: Lausige Grindfessel: Plattläuss, Arsskratzer: Bauernflegel:
Hundbengel: Galgenschwengel, Hafenscharrer: Hapelopin: schöne Arssbollen:
Schliffel: Arsskappen: Plickschlaher: Plotzhäuser: bechfisel: grobe misteintzen:
Stulpenesel: Trollenknollen: Kolpenknospen: Tiltappen: Pluntzen: Gulime:
Mussrappen: Tap ins Muss: Tötsch in Prei: Säutrüssel: Hundstäschen: Treckbangart:
Treckhirten: unnd mit anderen meher dergleichen schmelichen ehrrürigen
schmitzworten, unnd zunamen, sagten ihnen dabei, sie weren nicht werd solche
edele Kässkuchen zufressen, es tuns ihnen noch wohl ein Jar gepachen Filtzläuss,
Plo Fürtz im Plättlin: geröst anspin und Würten, Rossfeigen: Küfladen: Geissbonen:
oder zum besten grob Westfalisch Kleien Prot, unnd Häbere Hecht.
    Auff solchen unbil fieng einer under ihnen an, genant Forgier Schollentritt,
ein ansehlicher erbarer Man unnd ein zimlicher Becherlerauss, und antwort ihnen
gütlich. Seit wann sind euch die Hörner gewachssen, dass ihr also Bockstoltz
seidt? Es gedenckt mir wohl, das ihrs uns gern gaben, und jetzundt wolt ihr uns
keine umbs gelt widerfaren lassen: Das ist nicht Nachbäurlich, unnd wir machens
nicht also, wann ihr bei uns die gute Frucht ladet, davon ihr euwere Fladen,
Krapfen und Nuteln machet: Aber bei dem gelbesten Kindstreck, es soll euch noch
gerauwen, es ist nicht noch aller tag abend, es wird sich noch inn kurtzem
schicken, dass ihr auch mit uns werd zutun bekommen, so wöllen wir euch mit
gleicher Müntz beschlagen, unnd da gedenckt dran. Da fieng Marcket Saur im Arss
von Lerne, ein berümter Geiselschmicker under den Nutelbauren an, unnd sagt.
Sihe, Hagenbutz, du machst dich disen morgen mechtig batzig, unnd bist sehr
gelusterig, ich glaub du habst nächten Hirssbrei gessen: oder heut villeicht
Kuttelfleck, das Maul stinckt dir jhe noch nach Treck. Komm her, komm her, ich
will dir von meinem Semkuchen geben. Darauff tratt Schollentritt inn aller
einfalt auff gut vertrauwen zu ihm, zog ein Treier oder zwen aus dem
Kochersperger hütlin, meint er solt ihm seine Nudelküchlin hingegen herfür tun:
aber er gab ihm mit der Geisel so ein feuchts umb die bein, dass die knöpff
darinnen stunden: und flugs auff und will davon fliehen: Aber Schollentritt
rüfft ketzer, jamer, Mordio, Schelmio, halten den Dieb, lieff in alle Macht
hernach, traff ihn mit eim grossen Hebel, den er uff der Achssel trug, so gewiss,
als hett er das Beihelschracken von den Böhmischen Holtzbauren gelernet: dann er
traff ihn bei der Kronalhaftung des Haupts, auff die Crotaphickische Ader der
rechten seit, so unseuberlich, dass Saur im Arss von der Merren herab bürtzelt,
unnd mehr eim toden als eim lebenden gleich sah. Under des lieffen die
Taglöner, welche daselbs herumb Nuss schwungen, mit ihren langen Stangen,
Nussschwingern und Nussbengeln herzu, schmissen so unbarmhertzig auff die arme
Fladenbecken, als ob sie noch wollten nuss schwingen, dass die arme Nutel nussen
von den Pferden herab hagelten, unnd schrien unnd lieffen unnd schreien unnd
lieffen als wolt ihn Gott nimmer gnädig sein.
    Dessgleichen als inn der nähe die andere Bangart unnd Hirten, sampt den
Bangartinen unnd Hirtinen, des Schollentritts geschrei gehört hatten, kamen sie
wie die grunnende Säu herdsu getrollt mit ihren schludern unnd schlingen, jagten
und triben die Schnudelbecken mit guten grossen Wackensteinen, so hagelweiss, dass
ihnen die köpff saussten unnd die Lenden geschwunden, und nicht anders meinten,
dann Sant Catarin regnet Knebelspiess vom Himmel herab. Letzlich worden sie so
schön mit ihnen eins, unnd truckten ihnen den Nusskuchen also ein, dass sie aller
ihrer notteln unnd Fladen mächtig worden: jedoch zalten sie es ihnen nach
gemeinem gebräuchlichem anschlag, mit trei Rückkörben baumspint und hundert
schönen Keiserspergischen aussgeschossenen Rebstecken, aus dem Marckirchertal,
sampt dem überblibenen Past. Nach disem hulffen die Fladenmäuler ihrem Haubtman
Saurimars wider auff die Gur, weil er, wie gehört, ein schädliche wund empfangen
hat: kehrten demnach trostmütig wider heim gehn Lerne, liessen den weg auff
Gleichpareulheim ligen, träueten underwegen fast bei dem grossen und schwären
Gott von Schaffhausen allen Kühhirten, Geisshirten, Bangarten, Raupen,
Weingartnern unnd Taglönern daselbst umb Sewiler unnd Sinach herumb.
    Nach vollendung dises alles, waren unsere Hirten unnd Bangart sampt ihren
getreuwen Weibergehülffin mächtig wohl zufriden, sassen zusammen unnd frassen zu
beiden Händen die Wassernuteln und Kässküchlin zu den Wassersüchtigen Hündisch
trauben so statlich, als ob es umb gross gelt bestellt wer: spotteten auch
gesangsweiss durch ein Rebblat, mit abgestollener stimme der armen Fladengecken
unnd Nudelnbecken, dass sie so übel angeloffen waren unnd mit einer guten hand zu
morgen sich übel kreutzgesegnet hatten: auch die Meisterlosest under disen
Bangartfräuwlin, welchs lang bei dem Pfarrer zu weitloch Kastenkaute gelebt hat,
fieng so ein schön Meistersangerisch Liedlin inn der Jülgenweiss von diser
Victori an zusingen, dass es ein lust zuhören war, unnd es nicht unterlassen kann
hieher zusetzen: wiewol es nicht wohl steht, wann die Frauwen Meistergesang zu
Haus singen, dann es ist gewiss, wie jener gut Freund vom neuwen Hanenpropheten
von Gugelkam reimet: Wann die Henn will kräyen oder Propheceien, so muss der Han
oder schweigen oder O weh schreien. Das Meisterloss Fladensiglied aber laut also
im Lilgenton.
Allso, allso es uns gefällt.
Allso man recht begengnuss hält:
Dir O lieber Speckkuchenheld,
Dir Finckenritter, hie im Feld:
Du hast gern Kuchen ghölet,
So fressen wir mit haut unnd haar
Die Fladen unberopffet gar,
Die wir den Nudelnsudlern zwar
Jetz haben abgejagt mit gfar.
Welchs die Hudler sehr quelet.
Sih Saur im Arss
Wie saur erfarst
Das ander Arss
Auch haben haar darinnen,
Und kaum mögen den Bangartsweibern entrinnen,
Drumb dancken wir wie obgemelt
Dir O lieber Speckkuchenheld,
Der du ankamst sehr hart
Dein Muter auff der fart
Da sie Speckkuchen schelet:
Ja schelet, quelet, hölet.
    Dass aber der gut Schollentritt nicht allein im schaden leg, wescheten unnd
salbeten sie ihm die Füss so fein sauberlich, mit Höndisch Traubenbören, dass er
als bald heil ward. Dann wer sich umb ein Lebkuchen pfeffern lasst, ist billich
dass man ihm ein Weinachtfladen schenckt.
 
                        Das Neun und Zwentzigst Capitel.
 Wie das Landvolck umb Lerne aus geheiss ihres Königs Picrocholi unversehen die
   Hirten und Bangart des Grandgusiers überfulen, weil sie ihnen die Krapffen
                                    stulen.
Sobald die Kässflademer wider heim gehn Lerne kamen, fügten sie sich, eh sie
etwas asen oder trancken, zu dem Capitolio oder der gemeinen Laub und hallen
über dem stattor unnd trugen daselbs ihr klag für bei dem König Picrocholo, dem
Herrn der Bittergallier, und Gallenkoderer, dem dritten dises Namens, zeigten da
ihr zerrissene Fanen und Paner der Plagen, so über die Kärch gespant waren, die
Filtzhüt vol beulen, die Nestel daran verloren, die Juppen und Blatröck besudelt
unnd zerrissen, ihre Notelbauntzen und Kässkrapffen verloren, und fürnemlich den
Saur im Arss gefehrlich verwundt auff der seiten, da die Scherer den Strel ins
haar hinstecken: und sagten darbei: das diser überfall alleine von dess
Grandgoschiers von Grosskäl Hirten, Bangarten, Wingartsknechten und Nussschwingern
bei dem grossen furweg jenseit Sewiler, geschehen sei. Welcher alsbald ers hört,
ward er gleich unsinnig, Gallenbitterig zornig, und ohn weiteren bedacht oder
nachfrag wie oder warumb, liess er gleich durch sein Land die acht unnd aberacht,
Bann und aberbann, lermen in allen Gassen umbschlagen und aussschreien, mandiren
und Remandiren, dz ein jeder bei leibs straff, so lieb ihm die Weinstrass ist,
sich umb Mittag zeit in der Rüstung uff dem grossen Platz di S. Marco vor dem
Schloss zum Musterplan finden lasse. Und sein ernstlich vorhaben noch ernster
zumachen, liess er selbs vor ihm her umb die Statt die Spil gehen, Trometen und
Hörpauckelen: und zwischen der weil dz man den Imbiss zubereitet, dz Feld
geschütz uff der Achss herfür zihen, seinen Haubt und Blutfanen und Oriflant
fliegen, dz Zeughauss, wie dz Römisch Capitoli zum unfriden aufftun, Harnisch,
Halsskrägen, Ringkrägen, Kraut und Lot, Schröt, Zündstrick, Pulverfleschen,
Faustkolben, kurtz und lang wehren, Schlachtschwerter, Partesanen, Schürtzer,
Lemeisen, Handrohr, Handgeschütz, Hacken, Büchssen, Toppelhacken auff Böcken,
Zielrohr, Schlencken, Werffzeug, Hagelgeschütz, Ladstecken, Sturmkrüg
aussteilen: Auch den Spissern, Trossern, Vorreutern, und Botten pferd darführen
und geben, ihre Küriss mit ganzen Parschen, wolbedeckt stälen Glider, und
verdeckt Hengst, Hauptarnisch die wohl schliessen und visieren, gute stählin
Krägen, Armzeug, Rucken unnd Krebs, Schürtz, Kniebuckel, Rossstirnen, knopff,
stälen Puckelbantzer, und was darzu gehörig.
    Zwischen dem essen bestellt er die Aempter, die hohen gefell und
Commissionen, die musterung, die ober unnd unterwachten, Hut, Stattalten,
Starten, forderst und hinderst unterhalten, Schilt und Scharwachten, das
Lehengelt, die Übersold, Toppelsold, den Bestallbrieff, Articulbrieff,
Kammerwägen, den verlornen Hauffen, den Rennfan, die angehenckt Flügel, die
Zugordnung, die Glider: ernant die Malstatt, Pherien unnd Feldzeichen, den
Feldmarschalck, Cardinal Obersten, unnd wa er etwann nicht zugegen wer, sein
Lochotenent, die Unterhauptleut, Fenderich, Rittmeister, Quartiermeister,
Wachtmeister, Profosen, Feldweibel, Fürer, Rottmeister, Hurnweibel,
Steckenknecht, Brandmeister. Zum abenteurwertigen Vorzug aber erkant er mit dem
Schützenfanen den Herrn Trapelum vom Wetterhan: der führet sechzehen tausent,
vierzehen Hackenschützen, sampt treissig tausenten unnd eilff Läuffern unnd
Waghälsen.
    Zur Artilleri ward bestallt der gross Schilttrager Truckedillon, darunter
neun hundert vierzehen grosse Feldstuck unnd Maurbrecher waren, Scharffmetzen,
Basiliscen, Nachtgallen, Singerin, Virteilbüchs, Passevolanten, Spirolen,
Cartaunen, Notschlangen, Schlauckenschlangen, halb Schlangen, Falckenetlin, on
die Mörtier, Böler, Narren, Orgeln, Nachbüchssen, das Geschreigeschütz,
Kammerbüchssen, Scharffentinlin, die zwölff Botten. Welche samptlich mit aller
darzu gehöriger Munitionzeug wohl versehen waren, als mit Zünd und Werckpulver,
Ansetzkolben, Zündruten, Raumern, Wischern, Ladschauffeln, Feurkugeln,
Bechringen, allerhand Sturmfeurwercken, Mörseln, Sturmleitern, Feurleitern,
Feldbären, Zügkriegen, Spritzen, Legeisen, Hebtremeln, Walhöltzern, Hebzeug,
Geissfüssen, Winden, Spannern, Schiffbrucken, Zugbrucken, Rüstwägen,
Schleppkarren, Rosspfelen, Schlachtmessern, Lanten, Lunten, Feidfleschen,
Brechwinden, Getterschrauben, Feuerpfannen, Multer, Reiss unnd Rossbaren,
Rantzwegen, Deichsselwegen, Zeugwagen, Bruckwagen, Arckelleiwagen, Schmidtwagen,
Kugelwagen, Bleiwagen, Stemmeisenwagen, Senftwagen, Schantzzeug, Handwaffen,
Giesslöffel, Spiesseisen, Geschifft und ungeschifft Spiess, Fürsetzzeug, Eselzeug,
Stoltzbeum, Straubhöltzer, Feldmülen, Zugmülen, Handmülen, Treibmülen,
Zielscheiter, Lannegel, Brechmeissel, Lanseiler, Lanstangen, Zeltbäum,
Zeltnägel, Lanbäum, Kipffblöck, Tragkörb. etc. Zusampt ihren Feldzeugmeistern,
Schantzmeistern, Zeugwarten, Wagenburgmeistern, Pulverhütern, Zeugdienern,
Schnellern, SchützenPferden, Schantzgräbern.
    Der hinderharrenwertig Nachzug ward bestimpt dem Hörtzogen von
Rackedennarren: Inn mitteler Feldschlachtordnung liess sich der König sampt
seinen Landfürsten selber finden, mit Keihel, Wecken und Monordnungen, von siben
tausent Janitscharen, grad gerechnet, umbgeben. Also kurtz überschlagen und
gerüstet, ehe sie sich in den Anzug begaben, oder den Feind anwendeten unnd
ersuchten, schickten sie mit dem Hauptmann Eugulewind von Klatterbuss, drei
hundert leichte Pferd das Land zuberennen, ob irgends ein verborgener Hinderhalt
versteckt lige. Aber nach dem sie es fleissig erspehet, befunden sie die ganze
Landschaft daselbs herumb ganz still unnd sicher, ohn einige auffwickelung,
vergaderung oder widerstand. Welches so bald es dem König Picrocholo
verkundschaft worden, befahl er das alle Fänlin zu gleich streng fortzuziehen
sich nicht saumeten. Darauff fulen sie mit gewalt ein, zerteileten sich auff
beide seit, streiffeten ferr unnd weit, verderbten, jagten, blünderten, raubten,
garteten, brandschatzten alles was sie ankamen, ohn einige ansehung der Person,
wer arm oder reich: Kirchen oder Klöster, Witwen oder Weisen: war alles preiss,
triben hinweg Ochssen und Küh, Lemmer und Hemmel: Geiss und Böck, Han und Hennen,
Henn unnd Hünlin, Antrach und Enten, Ganss unnd Ganser, Moren und Säu, kein Vogel
war inn seim Nest sicher, namen die Taubhäuser aus, frasen das Nest mit dem
Vogel, liessen den Wein ausslauffen, schossen, warffen und schlugen alle Nuss
herab, machten inn eim augenblick den Herbst ein, namen die zäun hinweg, als ob
sie auff Moscovitisch für Polotzko schantzkörb tragen wollten, knipfften und
kuppelten Mägd und Knecht, Jungfrauen unnd Junge Knaben zusamen, und tribens vor
ihnen her, stürmeten die Binenkörb: wiewol mit gefahr, dann sie mussten das
Visier fürtun: schmissen die schönsten öpffel, Biren, Kütten unnd Nespeln von
bäumen herab, ja hiewen die fruchtbarn Beum umb, wie der Fucker zu Bredau,
stiessen alle türen auff und liessen kein Nagel inn der Wand? Ach es war ein
jämerliche ungestalte unordnung, als ob sie umb den löffel renten, welcher ihn
am ersten der Braut bring. Und da fanden sie keinen widerstand, Juncker Frech
mut sass im Sattel, und Jungfrau Reutrut dahinden: Wa sie hinkamen ergab sich ein
jeder auff gnad, bittend zu dem freundlichsten mit ihnen zufahren, aus
betrachtung dass sie allzeit gute liebe Nachbauren gewesen weren, Unnd ihnen nie
nichts unbilles oder gewalts zugefügt hetten, Gott werds gewiss nicht
ungestraffet lassen, wa sie über die Schnur hauen. Ja ja liebe Nussheintzen, hett
ich seidher gelt zuzehlen, sprachen sie, biss euer straff kommet, Botz todenbaum,
wir wöllen euch die Kässkrapffen gesegnen, dass euch alle Plag und Beulen schend:
biss Gott selbst kompt, haben wir Vogel und Nest weg geraumt.
 
                             Das Dreisigst Capitel.
 Wie ein Mönch von Sewiler das Kloster der Aptei daselbs sehr wolbevespert und
        bemettet, von der Feind mutwill, Raub unnd Plünderung errettet.
Die Bittergallische Picrocholisten streiffeten, plünderten, raubten, also lang,
biss sie gen Sewiler kamen, da übten sie sich erst recht, schlugen Mann und Weib
nider, hielten mit mörden, würgen, erschiessen, also Haus, dass (wie dort
geschriben steht) ein so weite Höll find man kaum, da all die Toden hetten raum:
zogen alles nackend aus biss auff die Viehmagd, brachen alle Trög unnd Kisten
auff, mauseten alle Heuser und Gemach aus, wann ihnen ein Nagel zu hoch steckt,
warffen sie mit den Faustbüchslin oder Nussbengelin darnach, also wee tats ih
nen, wann sie es nit erreichen konten, durchgruben die Wänd, huben die Böden
auff, stampfften unnd stiessen mit den Spiessen, zulaustern wo es hol wer:
nichts war ihnen zu heiss noch zuschwer, was nicht gehn wolt, trugen sie: suchten
die Profei aus, ob etwann ein Goldbergwerck und Schatz darinnen leg: schnitten
die Leut auff, nit zusehen, wie Nero, wa sie im Mutterleib gelegen weren:
sondern ob sie ein guldenen Eierstock inn den Hennen fünden. Wiewol die
Pestilentz inn mehrteil Heusern war, lieffen sie doch inn alle, und stalen
alles was darinnen war, nit dass sich einer darab schaudert: welches wunderlich
ist, weil Pfarrer, Caplän, Prediger, Artzet, Scherer und Apotecker, welche sonst
die Krancken pflegten zubesuchen, zutrösten, zuheilen, zusalben unnd
zuschmieren, alle waren von der Erbvergifftung gestorben oder gewichen, und dise
Teuffelsmörder unnd Henckersbuben kam nit ein schauderlin an: wie kompt doch
das? Ihrr Herren, ich bitt, gedenckt ihm nach: es ligt mir auch sehr, bricht mir
manchen süssen Schlaff, als dem Prediger die frag, warumb das Zanweh im
Scherhauss vergehe und inn der Kirchen recht angehe: warumb das Feber in der
Kirchen sich mehrt, und im Wirtshauss eher auffhört: warumb die Flöh den Weibern
in der Kirchen am auffsetzigsten sein, Die Pest belangend, lehrt ein Genffischer
Apostel inn zwoen Questionen, es sei nichts bessers darfür, dann ein gut neu par
Schuch, unnd dieselben von dannen gebraucht, biss sie brechen: Oho so käm ich mit
Holtzschuhen zu spat. Nach dem nun die Statt also zugerüst unnd aussgesacket war,
lieffen sie mit hellem geschrei der Abtei zu, aber sie fanden sie wohl verrigelt
unnd verschlossen: derhalben zog das fürnembst Hör fürüber auff den Furt von
Vede, aussgenommen siben Fänlin Fussvolcks und zweihundert Spiser, die da bliben
und die Mauren des Klosters stürmeten, auff dz sie den Herbst gar verderbten.
Die arme Teuffel, die Mönch, wussten inn solchem trüppel nicht zu welchem ihrer
Heiligen sie sich sollten geloben: gleichwol auff allen fall läuteten sie ad
capitulum capitulantes. Darinn ward beschlossen, das sie ein stattliche
Procession halten wollten, mit starcken Ora pro nobis und Litanien contra hostium
insidias, und mit schönen Responsen pro pace gespickt und gefütert.
    Damals war inn der Aptei ein Mönch, genant Bruder Jan de Capado von
Entommingen oder Entmannhausen, ein junger Hach, ein Waghertz, lustig, munter,
wacker, hurtig, rund, tratzig, hatzig, wolgesetzt, von wolgelösster Gurgel, von
wolbegnadeter freimutigkeit, von wolbevorteilter Nasen, ein geschwinder
Horasfertiger, und Paternosterpostierer, ein herrlicher Messabsatteler, mächtig
geübt unnd fertig die Viglien ausszubürsten: und es inn einer Summ zubegreiffen,
ein rechter Mönch, so je einer gewesen ist, seit die Welt Mönchenzend Möncherei
gemönchet und genonnet hat. Ja zum überfluss zu seim Ordus in der materi seins
Breviari ein zimmlicher guter Latiner biss zu den Zänen: konnt dannoch Invenimus
Messiam von der Mess ausslegen, Molossos die Müllerhund für Maulesel, Presbyter,
q. præ aliis bibens ter. Sant Dominicus, so viel als donans minus, unnd Dominus
q. dormiens minus. Sant Hippolitus, hüpsch poliert. Sant Matteus Manus Dei:
Sant Mauritius ein Mor inn Demut: Sant Damianus, Domini manus. Lucas ein Liecht.
Judas, Jubilum dans. Lenhart, legens inn Ara. Corbis, ein Korb, q. curvis
virgis. Discus oder tella q. dans escas oder tollo: ciphus, Schaff, q. cibos
fovens: cadaver q. caro data vermibus, Schelmenfleisch, fimus, Mist, q. fio mus,
dann aus Mist werden Meuss, wers nicht weiss. Pubes. q. pudendorum nubes, scurra,
scutellas radens, Schüsselschürer: duo passeres veneunt asse, zwen Platteisel
kommen essen: ulcus, Geschwer, vom culdus, durch versetzung der buchstaben oder
oli: Magister, ter magis: Solche subtiliteten wusst er all: aber Hebraisch war ih
m palea, das Häu ass er nicht: Græcum est, sagt mein Accursius, non legitur: Dann
der Prior lehrt ihn, es sei unbillich, Heiliger Geschrifft Maiestat und Raht,
einschliessen inn die Regel vom Donat. Nun derselbig Bruder Jan Onkapaunt, da er
das geschrei unnd getümmel der Feind in des Klosters Wingarten und Reben höret,
lieff er herfür, zusehen was sie guts machten. Unnd als er sicht, dass sie also
den Herbst, damit sich ein ganz Jar das Kloster zur ihrem Mettlichem und
Vesperlichem durst behalff und erlabet, unbestellt und ungedingt einmachten,
stiess ihn das eiferfieber blötzlich an, lieff inn das Chor, da die andere Brüder
ganz erschrocken wie unglückhafte Glockengiesser übereinander sassen und halb
grunnen unnd halb sungen Mi, i, i, se, e, e, re, re, re, vi, i, vin, vi, vin, o,
o, o, rum, no, o, stro, stro, ro, rum: a, a, fu, u, fu, ro, ro, o, re, nor, no,
nor, ma, man, no, nor, um, li, i, i, be, e, ra, ra, no, nos, do, o, do, mi, i,
ne, ne, e: unnd rufft. Ja Mi, Mi, Ne, Ne, Botzsacker Ammion, was miet aus euch,
was darff es des blehens? Ihr seit mächtig wohl beschissen und besungen,
Botzelement, was heult ihr lang. Es mühet mich, etwas anderst, ich schiss inn die
Bütten, da rein kein Wein mehr kompt: Bei S. Sebastians Heiligen Armbrost, ich
rass schier vor eifer. Adi, adi, ihr lieben Fesser, der Herbst ist eingebracht,
die Trauben seind abgelesen. Oder ich sei des Teuffels, wa sie nicht schon inn
unserem Kloster sind, unnd so lustig zaun, Reben unnd Trauben abhauen unnd
klauben, dass wir bei Sant Otmars warem schimmeligen Maltzenlegelin diss Jar
nichts als Daubenseufftzen nach Traubenseufftzen und Hummelwassern werden: Ich
aber Traubensaufftze jetzund vor unfallen: Botz Krisam was werden wir arme
Teuffel sidher sauffen müssen. Nein, Nein, botz bettel, nein, es wirt sich also
nicht tun: O lieber guldener S. Urban von Ensheim, serva mihi potum. Da fieng
der Prior an. Ei Ei botz Morgenkrantz, was will der voll Gauch hie? das man mir
ihn inn die Prisaun führt, soll er also das Divinum zerstören, Nein, Nein bei
leib, sprach der Mönch, lass uns ihn alleweg verhüten, dass man die Win nicht
zerstöre. Dann warlich, ihr Herr Prior, trinckt gern den besten, und dass tut
jeder, frommer Biderman. Das Edel lebend geblüt, hasst nimmer das Edel Reben
geblüt: das ist ein Monocalisch Apophtegma, diss habt von mir, also lautet mein
Reimen, zwischen zwo Hopffenstangen. Aber diese Responsa, die ihr da singt,
schicken sich bei dem sackerleiden jetzunder nicht. Warumb sind sonst unsere
Hore zur Ernd unnd Herbstzeit kurtz, unnd umb den Advent im Winter lang? Machts
ein ander mal dest lenger: jetzund ist abbrechens zeit. Weiland Ehrwürdiger
Gedächtnis Bruder Mattes Kloppenstumpe, sonst genant Glockenstum, dessen Seel
Gott tröst, bei dem heiligen Weihwadel, ein warer eiferer, oder ich sei des
leibhaften Teuffels, inn unserer Religion, sagt mir einmol, ich erinner mich
noch wohl, wie gedachte kürtzung des gesängs seine wolbedenckliche ursach hab,
nämlich dass man zu solcher zeit den Wein einbring, auff dass man ihn im Winter
einschling. Alles hat seine zeit, bauen hat seine zeit, sagt Salomon, brechen
hat auch sein zeit: aber botz dufft, diese Hudler haben die Reben nicht gebauet,
und brechen mir darzu die Trauben zur unzeit ab, dass sie die Feiffel bestand,
solt ich diss leiden: ich schiss sie ehe voll Seutreck, so fress sie kein Jud. Aber
hört mir zu, ihr Herren, percipe vocibus aurem meam: unnd vernembts wohl alle ihr
andere, die ihr den Wein bei dem Kreutz Gottes auch lieb habt, wann ihr mir
folget: botz hinden und vornen, so soll noch mancher den Kopff daran zerlauffen,
unnd ihnen wie den Juden die Wachteln bekommen. Dann oder das Glockenfeur schlag
mir ins Loch, ich weiss, wan wir wollten den faulen Rucken darhinder tun, wa wir
nicht unsere liebe Traubenselige unnd milter gedächtnuss Reben, wollten erhalten
bei leben: Bocks marter es daurt mich das schön Kirchengut? wollten wir also
unsere Stiffter ehren, das wir das jenig, was sie gestifftet, so liederlich
wollten in Wind schlagen? Ha nein, nein, der Teuffel, S. Tomas aus Engelland
liess doch sein leben ob dem heiligen patrimonio, wann ichs auch darüber lass,
komm ich so wohl ins Marterbuch unnd inn den Calender als er? Hei ich will drumb
nicht sterben, dann ich bin der ders andern tut: Wir sind Chrisamskinder: uns
rhürt kein Schinder: Botz sackerdam, solt uns einer antasten, er solt bei S.
Assmus heiligen Därmen, den Chrisam auff seinen Kopff bekommen: Was? wir bestehen
für all Tausent Teuffel, es haft kein Schuss an uns, wie an Wollsäcken: wir sind
ölig, glatt und hell wie die Ael, truckt mans, so wischts aus, schliesst mans, so
glitschs aus.
    Auff solche red, warff er seine weite kleidung von ihm, erwischt die
Sporbierenstang am Kreutz, welchs im Chor war, fein lang als ein Reissspiess, rund
in der Faust, und ein wenig mit Lilgen angemalt, die schier aussgelescht waren.
Also inn Hosen unnd Wammest mit eim Hartzkäpplin, wischt er hinaus, warff die
Flockenstol über die Achsel, und mit der Kreutzstangen über die Rebenfeind, oder
viel meher Freund, aber Rebenverherger, schmiss, schlug trescht darauff das die
Jupp knapt, dieweil sie ohn einige ordnung, Fanen, Trometen unnd Trommen hin und
wider inn des Klosters Reben zerstreiet stackten, und die Trauben abzwackten
unnd hackten. Dann die Fendrich hatten ihre Fenlin auff die Maur gesteckt, die
Trommenschlager ihre Trommen obenzu abgelassen, und mit Trauben gefüllet, die
Pfeiffer und Trommeter ihre Instrument an eim ohrt verstopfft, und die beste
Malvasierbören darein gepfropfft oder aussgetruckt: Er, solches ihnen zusegnen,
überfule sie mit der Kreutzstangen, ohn einig Auffsehen oder Warda schreiend, so
dobend und wütig, dass er sie niderschlachtet wie die Schwein: schirmet zur
Lincken unnd zur Rechten, nach der Alten weiss zufechten, als ob es Mönch Illzam
im Rosengarten wer. Dann die Armen Teuffel konten nit lauffen, so voll hatten
sie die Hosen mit Trauben gesteckt, und konten sich nicht wehren, so voll hatten
sie die Ermel gesteckt, und konten nit ruffen, so vol stacken ihnen beide
Backen. Hieher ihr Herbststaren, sprach er, ich will euch weisen, das noch ärger
Teuffel inn der Kappen stecken, als inn euwern zerfetzten Hosen. Etlichen spallt
er den Scheitel, dass ihnen das Hirn vor die Füss oder ins Gesess ful, den andern
zerrädert und stigmatisirt er händ und füss, etlichen verwirrt er den knickwirten
und dz Kropffbein im Hals, dass ihn der kopff wackelt wie eim Hass am Sattel, den
andern zerschmiss er Weich unnd Lenden, wie einer schleckhaften Katzen, etlichen
zermalmet er die Nieren unnd Hanenkäpplin, schmiss ihnen die Nasen unnd Ohren
herab, stach ihnen die Augen aus, zerspilt ihnen die Apffelwangen unnd Kifel,
schmettert ihnen die Botterzän inn Hals, dantzt ihnen auff den Kniescheiben und
Armspindeln, zerfoltert ihnen die Flachsadern, schlug ihnen den Puls, das der
Hertzbendel kracht, distiliert ihnen das glidwasser, schneutzt ihnen den roten
saft aus der Nasen, dass sie sich beseichten wie ein Galgen am Dieb, zerknirscht
ihnen die Hauptschüssel, riss die Kopffpfannen aus den fügen und Angel, zerstiess
ihnen das Halsszäpflin, beschor ihnen die Schwart, zerquetsch ihnen den
Quatschsack, brach ihnen den Ruckgrat, zerplotzt ihnen das Schulterblatt, wan
sich einer wolt in die dicke Dornsträuch verstecken, zermörselt er ihm die
überige Rippen mit einander, dass er sich inn einander krüppelt wie ein
getrettener Wurm, er entnieret unnd stutzt sie wie die Hund. Wann einer floh,
firmt er ihm zur letz so ein tröstlichen streich über der Lambdoidischen unnd
Ypsiloidischen Commissur oder Näd der Hirnschalen her, das ihm der kopff zu
stucken dort hinaus stibet, man hett ihn mit bäsen nit zusammen gefegt. Wann
einer ein Baum hinauff klettert, spisst er ihn auff gut Türckisch zum hindern
hinein, wie man die Fercklin ansteckt. Wann einer von alter kundschaft ihm
zuschrei, Ha bruder Jan mein freund, Mesericordi, Mesericordi, A bruder Jan ich
ergib mich. Du must wohl, sprach er drauff, doch must dein Seel vor auch den
Teuffelen ergeben: Was Messericordi? Messer unnd korden sind genug hie, euch wie
die Hünlein zuwürgen. Unnd gleich drauff gab er ihm den segen, das er die Knie
zum Maul zog.
    Wa sich aber einer gemeid unnd so kün bedunckt, das er ihm under augen zur
gegenwehr dorfft tretten, da zeigt er ihm die sterck seiner mäuss unnd fäust. Dan
er schlug ihnen den Leib mitten bei der mediastine und dem hertzen entzwei, dass
ihnen der Hafen im Magen gleich zerscherbet, und nidersuncken als hett man sie
abgemäyet. Andern gab er so ein nasses auff den Nabel, oder tratt ihnen
dermassen auff den Tribsack und Seelsack, dass ihnen Kutteln, Kröss und därm
heraus, wie dem verräter Judas lappten, oder das biet hernach ging, oder der
Arssdarm armes lang rot vor dem fidloch hing, und dass ihnen das zäpflin gar
entful, Andern stach er zu den schwestercken hinein, und sucht ihnen die Seel im
Arsdarm. Glaubt mir, es war das jämerlichst spectakul, das ie gesehen ward.
Etlich rufften Sant Barbara im Turn, etlich dem Ritter S. Jörg, S. Angstet im
Elsass, etlich S. Nytouche, S. Schonmein. Andere, unsere lieben Frauen von
Laureto, de Meritis, von alten Oetingen, zun Einsidelen, zum Pfannenstil, von
Heilpronn inn Nesseln, zur Eychen, von Neuenstat an der strasen. Etlich gelobten
sich zu S. Jacob gen Compostel, etlich zu dem Heiligen Schweistuch gehn
Cammerich, aber es verpran drei Monat hernach so sauber, das nicht ein Fädemlin
davon überplib. Etlich zu S. Cadovin, zu Sanct Töngisbild gen Wesel, dem grosen
Kreutz gen Stormberg, gen Dundenhausen. Andere zu dem Heiligtumb zu Andechs:
Vil zu allen Heiligen, und eilff tausend Jungfrauen, zu den drei Königen gen
Cöln, Agulach Magulach (dern einem kurtz zuvor die Perlingestickte Schuch
gestolen warn) zu Sanct Cukakille Mäusen, zu Sant Wentzel inn Behem, Sanct
Stengel inn Polen, zur beschnitten Vorhaut gen Antorff, zu unser lieben Frauen
Nähkörblin gen Hall, zun Heiligen Würffeln gehn Trier: Zu S. Josephs bruch gehn
Aach, H. Eselsschwantz gen Genua, zun benedeiten händschuhen gehn Rulle, zu dem
drei füsen des Palmesels gehn Birnbaum. (Dann der viert ist noch zusuchen) Unnd
wa einer ein starcken Christoffel wusst.
    Etlich starben ohngeredt, etlich redeten ohngestorben, etlich starben und
redeten, etliche redeten unnd starben. Andere rufften von heller Stimm,
Confessio, Confessio, Confiteor, Miserere, In manus. Es war ein solch geschrei
von erschlagenen, dass der Prior mit allen seinen Mönchen hinaus ging, unnd als
sie die arme Leut also tod und verwund inn denn Reben ligen sahen, erbarmeten
etlich sich über sie, höreten etlich Beicht. Aber under des die Priester beicht
hörten, liefen die junge Mönchlin alle an dz ohrt, da bruder Jan sich prauchet,
unnd fragten Fr. Iohannes, können wir dir helffen? da sagt er, macht den
schelmen allen kragab. Flugs sie hin, werffen ihre Kappen oben auff den nechsten
Rebenhalter, fangen an wetzen unnd schleiffen, wie der best Säumetziger, und
stechen den Feinden, wie den Hünlin die Gurgel ab, unnd fertigen sie also inn
ein par stunden hinweg: So bald lehrnt das Kalb von der Ku: So gern greiffen die
nach dem messer, denen es verbotten ist. Wist ihr mit was eisen unnd messer sies
taten? Mit schönen guvetlin unnd stümpflin, welchs kleine halbe Messerlin sind,
damit die kinder diser Land die Nuss schelen und ergrübelen, gestalt wie die
Taschenmesser: darvon die Seckelabschneider ein muster genommen.
    Mitler weil kam unser bruder Veit mit seinem Hoppenstock in der feind
schantz. Etlich aus den Mönchlin namen flugs die Fänlin in ihre Cellen,
Hosenbendel daraus zumachen. Aber da die, welche gebeicht hatten, über
denselbigen Schantzwal wider davon wollten, gab unsere Weineifferiger
Rebenschirmer dieser Rebenstürmern die Letz mit guten streichen, sprechend, dise
haben gebeicht und gereuwet, unnd Ablass bekommen, darumb werden sie also Par
inns Paradis fahren, wie ein Säns inn Sack, und ein Sau inns Mäussloch, fein
ebens Pfades wie der weg auff Dornstett. Ich will ihnen mit der kreutzstang den
weg weisen, weil doch die crucifix auff den kreutzstrasen den Weg weisen müssen:
O sie sterben jetz in ihren grösten ehrn, wie der Jud, welchen der Jungherr aus
dem schiff zu tod daucht unnd taufft. Dann so das Himmelreich der Armen ist muss
man sie arm behalten.
    Also ward durch unsers Bruders manlichkeit das ganze Hör, welchs in das
Kloster nidergestaret war, erlegt, auff die dreitzehen tausend, sechs hundert,
zwen unnd zweintzig, ohn die weiber und kleine Kinder, dann solchs versteht sich
allzeit. Der Waltpruder Maltgiss, von dem inn den geschichten der vier Sön
Haimons (so auff eim Pferd Ritten) geschriben steht, hat sich sein lebenlang nie
so dapper wie ein Wapner mit allem seim Pilgerstab wider die Zarrazenen
gehalten, als hie unser Bruder Jan wider die Picroscholler mit seiner
Kreutzstangen: Hei der solt Abt zu Fulda werden, der könt mit den Bischoflichen
von Hildesheim auff dem Tag umb die session herumb huddeln: Ja er solt Bischoff
zu Cölln werden, der köndt den Grafen von Bergen inn ein Eisenkorb setzen, und
ihn zur Sommerzeit mit Honig beschmiren, dass ihn die Mucken zu tod stechen. Also
muss man das Geistlich gut schützen: ein jeder stand sein gut, der Geistlich sein
Geistlichs, der Weltlich sein weltlichs: die Fäust sind den Geistlichen nit
umsonst gewachssen: ihr Recht gebiet nicht vergebens, man soll keinen weihen, er
hab dann sein Glieder all, sei Glid ganz, sei gang hällig, geng unnd geb, am
schrot unnd Korn unmangelhaft, hab Haar am Weihwadel. Wie meint ihr versammelte
Herrn, wann diser brauch auffkäm, ob auch Kriegsleut widern Türcken würden
mangeln? Dann noch vil solcher eifferiger Kuch unnd Kirchgutschirmer vorhanden,
denen, wann sie das guts Kropffstöpffig geniessen, der gallenkoderig eiffer auch
also auffkoppet: die es nicht tun wollten, solt man als nicht Manns werd nicht
Mansgliedganz lassen, unnd recht Mönch aus ihnen machen, unnd ihnen die
aussgebrochene Zän zum Paternoster an Hals hencken, dass man sie an diesen
Judenringlein vor andern Geist unnd Fleischwürdigen erkente. Was bemühet unnd
bemüdet dann ihr ungeweihete Reuterkerles und hoppenbrüder lang euwer Gäul, unnd
versucht euwer heil, zuschützen der geweiheten teil: Die es erbettelt haben,
die werdens auch wohl schützen, ohn euwer Pulverpflützschen unnd Rorschützen: ein
geweiheter Kreutzbruder, ein geweihet Kreutzstang, ein geweiheter Kreutzesel
können vil tun, wan sie ein Fr: Capistranum haben, der tapffer wider ihr feind
Bannodamnodemantisch das Kreutz Predigt.
 
                               Das XXXI. Capitel.
Wie König Picrocholus der Gallen Cholerer, mit Sturm die Klermaltburg einbekam:
  Und von der beschwerlichkeit, die Grosskölier macht ehe er einen Krig vornam.
Unter des der Mönch, wie gehört, mit denen, die ins Kloster eingefallen,
scharmützelt: Mitler weil zog Picrocholus mit seim Volck inn groser eil über den
furt von Vede, und stürmeten die Burg Clermaut, allda ihnen gar kein widerstand
geschah. Unnd demnach die Nacht einful, ward er zu rhat, darin mit seim volck
zu übernachten, es von seinem streiterhjetztem zorn zukülen. Morgens frü nam er
das Bollwerck und Schloss ein, befestigt und versah es mit zugehöriger munition,
in Hoffnung, wa er angestrenget würde, sich inn disen Halt zuhindergeben. Dan
das ohrt war von Natürlicher unnd Kunstgefügter gelegenheit sehr fest. Aber lasst
uns sie da ligen, unnd zu unserem guten Gurgelstrozza, welcher zu Paris sich
fast verstudiret und kempfferisch übet, umbkehren. Auch zu dem guten alten
Grandgoschier von Grosskeil seim Vatter: welcher nach dem essen unnd
eingenommenem ungespuletem Wein, bei eim grosen hellen Feur pflegt sein gepäck
zuwärmen, und zuerharren, wann er von dem Aecker der Kesten feisster würde, unnd
pflegt dieweil mit eim angepranten stecken, damit man das Feur schüret, auff den
Herd etwas zumalen und zuschreiben, und seim Weib und Haussgesind etliche lustige
geschichten von alten abenteuren zuerzehln. Als er nun also sein zeit
vertreibt, kompt aus den vorgedachten Bangarten, Pilot Gabelhoch, Fritzen
Habercläusslin Nachverlassener Ehlicher Son, der best Urenrichter im Dorff, wohl
beredt, der auff allen schencken und hochzeiten pflegt abzudancken, zeigt dem
König stil unnd butzen an, was Kyklokolen der König von Bitterlerne für grosen
übertrang mit Schwerd, Prant, Nam und Plünderung in seim Land und Gebiet
vorhette: Und dass er allbereit das ganz Land verhergt hab, aussgenommen das
Kloster zu Sewiler, welches Bruder Jan Onkapaunt zu seinem grosen rhum hab
errettet, auch zum willkomm ihnen zimlich den leimen geklopfft, wie die Bassler
den Armen gecken im loch: und das jetzumal der König in Rosche Clermault lig,
allda sich auff allen fall einzurüsten. Darauff fieng Grossbuchier an, Holoss,
holos, Och, och, wie geschicht mir? was ist das ihr fromme Leut? Traumt mir,
oder ist war, was man mir sagt: Soll Picrochol mein alter Freund, beides von
Stammen unnd Bündnuss mich also feindlich besuchen? Was bewegt ihn darzu? Was ist
die ursach? wer weisst ihn also an? Ich glaub, er will war machen, was man sagt,
wer ein Schelmen von eim Pferd hat, vertauscht ihn bei seinen Freunden. Ho, ho,
ho, ho, Mein Got helf mir. Ich protestir vor dir, wolst mir so genedig sein, als
war ich ihm oder den seinigen je etwas leides zugefügt habe: derhalben muss es
vom bösen Geist herkommen dass er mich also betrübet. O du liebe Billigkeit,
kenst mein hertz: wie wann er vieleicht wer unsinnig worden, und er mir jetzund
darumb in die hand gerhit, auff dass ich ihn wider zu recht prechte? Hocha, ho,
ho, es ist mir nur umb dich du mein liebes Volck und mein getreuwe Diener
zutun, muss ich euch dann nun zu disem gefärlichen geschefft bemühen? Ach mein
hohes Alter sollte jetzund in Ruhen schweben, in betrachtung sonderlich, weil ich
mein lebenlang nur nach friden gestellet: So sihe ich wohl, es muss sein, das ich
jetzunder mein schwache matte Schultern mit dem last des Harnischpleches muss
beschweren, und inn mein zitterende bebende hand den verrosteten Spiess, darauff
die gute Hennen so lang ihr gut gemach hatten, nemmen, unnd die Beckelhaub,
darin die liebe Meusslin ihre liebe jungen so lang wohl aussgeprütet, auff meine
graue Haar stürtzen, unnd solches zu entschüttung und schutz meiner armen
Untertanen: Aber es ist erst billich, dann von ihrer arbeit werd ich
unterhalten, von ihrem schweiss werd ich, meine Kinder unnd Haussgesind erzogen.
Der auff der Banck schlaffet, und der darauff stilet, unnd der darauff
schlaffet, unnd der darauff stelen lasst, sind gleich schuldig. Drumb will ich
meins teils mein best tun, wie einer der allein pfeifft. Jedoch will ich noch
kein Krieg wagen, ich hab dann zuvor alle weg und weiss zu einem friden
versuchet: ich scheu den Krieg wie ein tauber Hund das Wasser, dann er frisst
Gold unnd scheisst Kiselstein, ich wolt ihn nicht, fress er schon Kiselstein, unnd
schiss Gold. Wiewol man sagt: friss Treck und scheiss gold so werden dir die
Meidlein hold. Dann der einmal einsteigt, der muss das Bad aussbaden, oder doch
zahlen: Darfür hilfft weder Witzling noch spitzling. Darumb nur Haar inn die
Woll geschlagen. Besser ein ungerechter Frid, als ein gerechter Krieg. Nemo
Sapiens, nisi patiens: Frid mehrt, Unfrid verzehrt: Ich denck was mein
Grossvatter Hacqueleback sagt: Büchssenschiessen, Glocken giessen, Teuffel
bannen, Armprost spannen, wer dz nicht wohl kann, solls underwegen lan: Ich aber
sage wers auch wohl kann, solls lassen anstahn. Und dass sei also beschlossen, man
wöll mirs dann gar abtringen unnd aussstossen.
    Demnach beruffet er seine Rhät, hielt ihnen das vorgefallen Geschäfft für:
Da folget der beschluss, man solt ein weisen Mann zum Picrocholo abfertigen,
zuerforschen, warumb er sich also plötzlich aus seiner rhu in betrübung frembder
Herrschaft, die er anzufallen unbefügt, begebe. Folgends weiter, den
Gorgellantuwal und seinen anhang erforderen, sein anwartend Land inn
vorstehender gefahr zubeschirmen. Diss alles liess ihm Grandbusier wolgefallen,
und befahl ihm unverzöglich nachzukommen. Fertigt derhalben auff der stätt
Basswein seinen Lackeien, ab, seinen Son Gargantual mit allem fleiss zuerforderen,
und schrib ihm darneben wie folget.
 
                        Das Zwei und dreissigst Capitel.
Inhalt des Priefes, welchen Gurgelgrossa seim Son Gurgelstrossa schrib, damit er
                       sein Land zuretten nicht aus blib.
Der ernst und trib deines emsigen studierens, vorbelibter Son, möcht wohl
gäntzlich erheischen, dich inn einer mercklichen zeit, noch nit von solchem
Philosophischen ruhigem weissheitgeschäfft und geschäfftiger weissheitrhu
abzuziehen, oder anders wohin zuforderen: Wa nit das Fürstenmesig woltrauen,
welchs wir auff unsere Gefreundte und alte Bundsverwante gesatzt, für dissmal uns
nit allein zu solches vorhabens zerstörung, sondern auch zu ungeschickter
betrübung der naturmäsigen befridigten sicherheit und rhu unsers hohen Alters
übel aussschlüge. Inn dem es sich aber nun aus Göttlicher vorsehung dermassen
unvermeint schicket, dass wir uns von einem solchen, dessen wir uns etwann viel
unnd hoch vertröstet, wider recht unnd billichkeit verunrhüwiget und angegriffen
sehen unnd erfahren: werden wir nottringlich, dich beides umb ersetzung unserer
verlebten Person, auch hilff, rettung und entschüttung dieser Land unnd Leut,
welche dir zukünftiglich aus natürlicher rechtfuge erblich anfellig unnd
zuständig, zu beruffen unnd zuerforderen beweget. Demnach gewiss, dass zugleicher
gestalt, wie äuserliche unnd aussländische wehr, ohn innerlichen, beihändigen
unnd heusslichen rhat, keiner vermöglichkeit nit sind, sondern gleichsam ohn
lebhafte unterhalt schwächlich erligen. Also muss auch alles studieren, unnd der
wolerlehrnet verstand, sampt allem guten rhat, wo er nit zu gelegener zeit durch
kräfftige tugent scheinbarlich exequirt, vollzogen und ins werck gerichtet wird,
unnützlich abgehn unnd verschwinden. Gleichwol dir diss zuforderst zuwissen, das
unser bedencklich vorhaben dahin gar nicht stehet, jemands zureitzen, noch
zubeleidigen, sondern, so viel Durchleuchtiger ehren halben tunlich, zuweichen
unnd den streich abzukehren, unnd gar nicht offensivê einzufallen, sondern
defensivè aus zuweisen oder einzutreiben, noch vil wenigers sins eines anderen
Herrschaft uns einraumig zumachen unnd einzuziehen, sondern unsere liebe
getreue Undersassen und Erblandschaften vor gewalt unnd unbill zuvertädigen,
unnd handzuhaben. Wann dann nun unser Benachbarter Herr Ohem König Picrochol
aller einigung, sampt erwisener gut unnd woltat vergessend, uns ganz
unverschulter sachen, ohn einigen redlichen rechtgegründeten schein, neulicher
zeit hat inn unseren Erblanden mit feindtlichem überfall dörffen ersuchen unnd
verhochmütigen: auch noch zur weil von täglichem unleidlichem mutwill unnd
freien Leuten unträglichem gewalt sein wütig fürnemmen vorzusetzen nicht
ablasset: Auch zu dem unnd über diss, dass wir durch ordenliche vernünftige
Mittel sein Tyrannischen grimm zu besänftigen nichts haben unterlassen:
Gleichsfalls uns gegen ihm alles dessen, was zu glimpflicher begütigung seines
gefassten Zornkoders unnd grollens, auch widerstattung und erhebung alles
vorgepflegten nachbarlichen und bundgemesen freundtlichen unnd fridelichen
willens uns dienstlich unnd vorträglich bedauchte, zum überfluss erbotten unnd
angetragen. Unnd desshalben durch unsere stattliche Legation zu mehrmalen an ihne
freundtliche werbung gesinnet, seins als verursachenden teils klerlichen und
endlichen bericht zutun, wamit, durch wen, und wie er sich zu disem plötzlichen
überfall befügt, verrejetzt oder verursacht sein vermeine und halte. Nicht dest
weniger nicht die geringste richtige antwort von ihm können erheben, also dass
klar bescheinlich nichts anders daraus zulesen unnd abzunemmen, als ein
mutwilliggesuchte absagung, aus unverschemten trotz unnd Ehrgeitz eigenes
gewalts unnd Landfridprüchiger weiss eines andern gebiet ihm eigentumlich
einzuraumen unnd sässhaft vorzuhalten. Zu welchem dann villeicht Gott ihm zur
straff den Zaum nun etwas verhenget, auf dass wir durch seinen frevel erregt,
ihne nach gebür eintreiben, züchtigen und wie man sagt, zum barren pringen.
Derhalben vorgeliebter Sohn, mein ernstlich Vätterlich begeren und ermanen an
dich ist, auff dass ehest, so dir immer möglich, alsbald nach ablesung dieses
schreibens dich hieher zufördern, nicht allein uns (welches du doch aus
naturkindtlicher neigung und erbärmte zutun schuldig) sondern auch die deinige
(welcher dich von rechtswegen annimmest) zu entschütten. Sonst hoffen wir ohn
minsten Blutverguss, so viel Menschlich, leidlich unnd meidlich, die sach
zuverrichten: Unnd so viel es möglich durch geschwinden Kriegsranck,
welchsteils unschuldiger Seelen zuerretten, und frölich, nicht auff Sempachisch
gesotten unnd gebraten, inn ihre behausung heim zufertigen. Dann wir gedencken
nicht wie der Wendisch König sein Land mit Schäubenhüten zudecken, oder wie
Graff Hug von Paris, siben stroen Sachssenkerles mit Wehr und Harnisch inn eim
soff zuverschlingen: oder wie jener Herr, ihm so viel Feind ins Land zuführen,
als viel er Körn aus dem Habersack schütt (die doch die erhungerten Hüner bald
auffriben) Oder wie Darius dem Alexander träuet, da er ihm ein sack voll
Magsamen sand, wann er disen Samen zahlen könt, würd er auch sein wider ihn
aussziehend Kriegsvolck zehlen mögen: Da hingegen Alexander ihm ein wenig
Pfeffers schicket, mit vermeldung, wie der Magsamen dem Mund zu lind und weich,
aber ein wenig Pfeffer viel stercker, schärffer und räser, also er sein Volck
soll geschaffen wissen. Oder wie König Karl der Kaal, der seim Bruder Ludwig
troet unnd trotzet so viel Reuter ins Land zubringen, dass die Pferd den Rein
müssten ausssauffen, damit dass Fussvolck trocken durch ging. Oder wie der
Kaalkopff Keiser Carus, der den Persern, weil sie kein Erbsenmuss mit ihm aus dem
Hafen essen wollten, träuet, ihnen alle Aecker, Feld und Wäld, glatter und ebener
zumachen, dann sein kaler Scheitel were: Ach mit solcher greulichkeit will ich
meine graue Haar nicht ins Grab bringen: Sanftmut soll mir den Schilt
vortragen, und gütigkeit den Spiess nachtragen: dass geb Gott: dessen schutz ich
dich sampt uns befehle. Grüss dein Hofgesind. Datum 20. Sep. underschriben: Dein
Vater Grandgoschier. Versigelt mit Canarrischem Wachss, und oben auff der
überschrifft drei Ito inn eim grossen C.
 
                        Das Drei und dreissigst Capitel.
 Wie Ulrich Gallet zum König Bittergroll ward gesand, und unterwegen erwog der
                                Regiment Stand.
Sobald die Brieff angeben und geschriben gewesen, verschafft Grandbuchier dass
Ulrich Gallet sein Sekretari, ein weiser und bescheidener Mann, dessen tugend
unnd rhat er inn mancherlei und zweiffeligen sachen erfahren, zu dem Picrocholo
ward abgefertiget, bei ihm, was im engen rhat beschlossen worden, einzubringen.
    Er als ein verschmitzter Welt unnd Eissvogel, flick auff stück unnd tück, der
etwann auff dem Eis, wann der Rein übergefrorn, gemacht war worden, halb wüllen
und halb härin wie des Juden Grama, und etwas beredter als die zur Hochzeit
laden, bedacht sich auff Janisch hinden unnd fornen, auff dass ihn kein Storck am
Kopff noch Schopff nirgend weissget, wie sich die Meidlin spiegelen: Er wag es
auff und ab, ging hin in gedancken wie ein Hund inn Flöhen, spintisirt wie die
Muck die wand aufflauff, und redet wie ein Comedischer gesanter vom Himmel mit
ihm selber. O wie gehts so übel zu, wa frevel die Trommen schlegt unnd hoffart
das Fänlin tregt. Wie wer manchem so wohl, wann ers wisst: aber wann der Fuchss
einen schlaffenden Löwen an backen schmeisst, billich er ihm den Balck zerreisst:
wann ein Schaf den Wolff will wecken, muss es auch das Fell darstrecken: Da heisst
es, wer den Kopff bekompt, der schär den Bart: Unnd will man da Wecken
einschlagen: so muss man warlich darauff schlagen. Aber wie gar ist kein freud
ohn leid, es verlirt eh einer etwas beim dantz, Reien und freuen pringt reuen,
freuen am Morgen, pringt zu abend sorgen, die helle Morgenröt, pringt oft ein
wüsst Abendröt: Und je höher je gäher, je höher je mehr dem fall näher, je höher,
dest schwindelt eim eher: also sorg ich gar, des Picrocholi lust werd ihm noch
zum unlust, sein steigen zum neigen, sein Obohe zum owe, sein jauchtzen zum
ächtzen. Dann Risende Bören fallen gern inn die pfitz: Aber er tut erst seim
namen Bittergall und Gallbitter genug wie Nabal: Es solt einer noch nicht wöllen
Peter heissen, weil ihn die Sachssen Bitter nennen: gleich wie jene Witfrau kein
Andres mehr wolt, weil sie mit ihrn Endersköpffen oft über Petersköpff sein.
Aber dise des Pickerocholts greulichkeit belangend hat er dieselb nur damit
gelehrnet, dass er von jugend auff die arme Kässmaden also lebendig gefressen hat,
meint also, er müss allzeit dahinden anfangen, weil am Krebs der schwantz dem
kopff gleich ist: Gleich wie Keiser Caligula auch allein aus schlechtem anfang
so greulich ward: nämlich, weil er von Säugammen saugt, welche die Wartzen von
den Dütten pflegten zureissen, unnd weil er so gern Menschenblut von Tolchen
lecket. Nun wolan, so fahr er an, der Ambos erschrickt nit vor dem Hammer: wer
gern zutun hat, dem gibt Gott zuschaffen, und, wie man sagt, dieweil die Weiber
allzeit müssen klagen, darumb schickt ihnen Gott allzeit plagen, auf dass sie
haben zusagen: Wer dir dz Haus abpricht, dem biet zutrincken, dann er hat müh.
Es ist dannoch wunderlich, dass der ältst Philosophus Pytagoras, dessen Seel
(wie er sagt) in mancherlei Menschen unnd Tieren umbgewandert ist, pflegt
zusagen, es sei ihm viel besser gewesen, da er ein Frosch, als da er ein König
war: Gewisslich nur darumb, dieweil die Frösch nit im Mör, da es stets ungestüme
gibt, wonen, sondern inn Seen, Pfützen, kleinen Bächlin und darzu nur am gestad,
und nur gern inn dem Land, da fromme Leut sind, darumb sind sie nicht inn
Engelland, darumb sind auch die Häuser glückhaft, darauff die Storcken nisten,
dann sie tragen Frösch hinauff: und darumb ist der Storck fromm, dieweil er
Frösch isst: gleich wie der Rapp diebisch, weil er Diebsfleisch frisst: Und die
Carteuser dumme und stumme unfläter, weil sie eitel flegmatische Fisch fressen:
Unnd die Pintzgäuer kröpffig, weil sie faul Wasser trincken: Und die
Sachssenkerles Falbbärtig, weil sie Bier sauffen: Unnd die Frantzosen
schwartzbärtig, weil sie gern starcken Wein leppern. Aber an Spanniern fehlets,
die essen gern weiss Brot unnd küssen gern weisse Meidlein, und sind sie
stiffelbraun und Pechschwartz wie König Baltasar mit seim Affen. Aber wider zu
unserm Toren unnd Morenkönig inn Moria, ein König ist wie die unrhu inn der ur,
ja wie das Schiff auff dem Mör, das die Wind und Wellen jetz dahin, jetz dort
hinaus stossen, darumb nannten die Alten Cimbrer unnd Triballer das Schiff ein
schweiffend Wetterhauss: Und darumb reimt ein Poet Ifgem in der Audientz des
Keisers sehr wohl. Dass man vil rauherer Wind, auff hohen Bergen als im Tal find,
im hohen Mör gebs grösser Gewitter, als im Rein unnd stürtzt umb grösser Güter,
wer viel versicht, denselben vil sorg anficht, wer grosses verricht, auch
grosses pricht, wer viel besitzt, auch vil beschützt, wer höher unnd näher der
Sonnen sitzt, auch meher schwitzt: was deiten viel Trabanten, als vil
gefehrlichkeit vorhanden? was deiten vil Knecht, als vil gefecht? besoldete
Freund, besorgte Feind, vil Volcks vil wachen, vil Rhät vil sachen? müssen
andere beschützen, unnd selbs inn sorgen sitzen: Sorgen auff borgen, und borgen
auff sorgen: sorgen wie die Hund, die bellen den Mon an, meinen er wöll ins Haus
steigen: Wie die Hasen mit sorgen schlaffen. Und die Esel mit sorgen sauffen,
dann sie dörffen die Gosch nicht recht inns Wasser stossen, förchten sie netzen
die Ohren, so lieb haben sie ihre schöne Ragörlin, wie die Katz ihr
Jungfrautäplin: da hingegen ein Gaul das Gefräss hinein biss über die nasslöcher
stosst, das er das wasser wie ein Walfisch von sich blost. Ey ja Ohrentrager,
versteckst wie der Strauss den Kopff, und entdeckst das loch. Ja wohl, geraht wohl
pfeiffenholtz, ich pfeiff dir ja wohl darzu, oder du wirst zum boltz. Warumb
legst nicht auch, wie das Zaunschlupfferin, die klölin auff das häuptlin, das
nicht der Himmel auff dich fall? Unnd stehst auff eim Fuss wie ein Kranch, das
nicht die Erd beschwerst: und sauffst Wasser, dz nicht der Wein teuer werd? Unnd
fressest Erd, wie ein Krott, die sorgt die Erd werd ihr entgehn, unnd meint, sie
hab die Erd im Sündflut in ihrem Bauch erhalten, unnd wölls noch tun. Ja wisch
das Gesäss an die Hecken, dass nicht das Häu verteurst? Und heb die füss wohl an
dich wie der Han, das kein Pferd im Stall trettest? Was frag ich nach den
Vögeln, die mir über den kopff fliegen. Will das holtz nit zun Pfeiffen
gerhaten, ich Pfeiff ihm dann wohl, so will ich singen, so gerhats zum boltz. Es
heisst, Sitz auff den arss, so tregt dir kein Maus kein Stro drein. Aber Herrn
sind Katzenart, streicht man sie glatt rucken ab, so recken sie den Schwantz,
streicht man sie widerporstig hinauff, so Funckelen sie, Darumb schreibt
gedachter Reimist recht, gute Rhät haben der Prophetin Cassandre Glück, deren
der Apollo die gab verlih warzusagen, aber bei dem Volck nicht warzuglauben:
darum wer (wie Euripides sagt) gut das Phoebus selber rhatet und warsaget, weil
er nach niemand fraget: Grosen Herrn unnd schönen Frauen, soll man wohl dienen
und übel trauen, dann ihr beider lieb hat Sonnenart, fällt so bald auff ein
Kütreck als auff ein Rosenblatt. Ach ist diss nicht ein ehrlichs erbieten, werfft
mich nicht zum Fenster aus, sondern die steg hinab. Ja lieber Hoffman, der einen
heisst die steg hinauff tretten, der kann einen wider heissen hinab schmettern,
ziecht man dich mit Haaren hinauff, so ziecht man dich mit den Beinen herab:
Bist zur stubentür hinein gangen, so fal zum fenster Laden wider hinaus: Sei
nur frölich unnd lach nicht, fall die steg ein und rumpel nicht: Jedoch,
empfangens auch die Herrn als dann, wie sie es aussgeben: ruffen sie Hotta, so
gehts Wust: da gibts dann beides Et Cæsar & Nolo: doch bleibt er stäts das
Haupt seiner Läuss etc.
    Dises und noch meher bedacht unnd handelt unser abgesandter Höralt Herr
Gallet mit ihm selber biss er für den Furt zu Vede kam, da erkündigt er bei dem
Müller, was es für ein gestalt mit König Picrochol habe: der zeigt ihm an dz ihm
desselbigen Volck weder Han noch Henn gelassen, und sich in Clermaltburg
geschlagen hette: Unnd dass er ihm nicht rhaten wolt ferner fortzuziehen,
vonwegen der Wacht, dann sie weren Teuflisch wild, fressen die Nuss
unauffgeklopfft, und schissen die Kirsenstein ganz von ihnen. Welchem er
leichtlich glauben gab, dann er kant den Han auff seiner Mist, unnd plieb
derwegen übernacht bei dem Müller. Morgens frü fügt er sich zu dem Schloss, pliess
unnd schwung die Trommet dreimal umb den kopff, ritt zu der halt: und begert mit
dem König zuparlamentieren, Welchs als es dem König angesagt ward, liess er ihn
nicht in die Statt, sondern hiess ihn vor der Statt auff dem Bollwerck seinen
warten. Da kam er unnd rüfft ihm, Was neues da sei? Was ist dein anligen? Wo
scheissst her? Hierauff trug seine Sach der Legat für wie folget.
 
                             Das XXXIIII. Capitel.
  Die Red welche Grandgusiers Gesanter zum König Bittergroll tat, das er ihm
                                  friden raht.
Hoehers unnd kümerlichers hertzenleid mag einem auff Erden nicht zustahn, als so
er von dannen, daher er allen guten willen solt gewertig sein, hingegen allerlei
widerwillen, undanckbarkeit unnd feindschaft muss erfaren. Deshalb dann ihrer
viel, die ein solcher unfall übereilt gehabt, und in dise klammer geraten, nicht
ohn ursach (wiewol wider vernunffbescheiden Recht) denselbigen so hertzlich zu
mut gezogen, dass ihnen ihr lieb Leben darob Bitter und schmäh worden, und
dasselbige weniger als den unbill erträglich und leidlich geschetzet: also, dass
da sie den plötzlichen ruckwend und spott des glücks weder durch sanffsame noch
gewaltsame mittel zuverbesseren gewusst noch vermocht, dahin sinnverrucklich sind
verfüret worden unnd verfallen, das ihnen die ganze Welt unnd alle Menschliche
beiwonung dermassen abscheulich ist erleidet, dass sie derwegen aus
verzweiffelung solchen ihnen widerfahren unfall widerumb abzubringen, sich
selber dises Liechts entsetzt und zur ewigen Todenfinsternuss eigner hand haben
gefördert. Ist derwegen nicht zuverwunderen, wa auch nun zumal der Grossmächtig
König Grossgurglier mein gnädigster Herr ab deinem wütigen und feindlichem
einfall etwas grosses missfallens unnd beschwernuss trägt. Ja vil mehr stünd es
zuverwundern, wann S. Mt: sich den manigfaltiggeübten überfall und mutwill von
dir unnd den deinen an ihm und den seinen angewendt unnd geübt, nicht zu treuen
hertzen fürete. Dann über diss, das seiner Kön: Würde dero liebe Untertane sehr
ängstlich, wie eim Vatter seine Kinder angelegen, so tut es dero insonderheit
weh, solch schmach und tratz von dir und deim Volck zuerfaren, mit welchem doch
S. Mt: unnd dero Vorreltern von alten ohnhinderdencklichen zeiten her inn fester
Nachbar licher Erbverbündnuss allweg ist gestanden. Dieselbige auch biss hieher
also unverbrüchlich Heilig und steiff beiderseits gehalten worden, dass es nicht
allein bei seiner Mt: sondern auch den Barbarischen oder Ferrfarenden Nationen
jhenseit der Zucker Insel Canarien unnd Isabelle ein solch ansehen gehabt, dass
vil leichter das Firmament zuzerrütten, unnd der abgrund über die Wolcken
auffzurichten, als euer beider Mayestat bund zutrennen sein geschinen: auch dise
Länder denselbigen also gescheuet, dass sie aus forcht eines und des andern,
gegen keim teil, oder deren Bundverwanten niemals etwas feindlichs haben
unterstehen dörffen: sonder noch wohl zuzeiten inn die Gemeinschaft der einigung
auffgenommen zuwerden angelanget. Ja sich gutwillig ihrer ein ansehlich teil
zinssbar gemacht: der ein mit Dänischen Pferden, der ander mit Frisischen
Ochssenhäuten, der dritt mit Specerei, der viert mit Frantzosenholtz, der fünft
mit Papegeifedern: der sechst mit Türingischen Sauhäuten: der sibend mit
Bambergischen weissen Pferden, der acht auff Esslingisch und Leberauisch mit eim
Wagen mit Flachs, unnd ein Sester voll Haller: der neunt mit eim Englischen
Docken: Dann sie ihrem keim den hon tun wollten, wie Keiser Henrich der Vogler,
den Hunischen Ungarn, dass sie ihnen schäbige gemutzte unnd gestutzte Hund sollten
für Tribut aufferlegt haben. Was für unsinn treibt dich dann nun, so liederlich
alle freundschaft ausszutilgen, alle Bündnuss zutrennen, alles recht zu
undertretten, und unverursacht oder ungerejetzt die Nachbarschaft verherglich
und arglich anzufechten und zubetrüben. Wa ist treu und glauben? Ist diss recht
und billichkeit? Heisst dz Menschlich und vernünftig bei einander gewonet?
Förcht man also Gott? Meinst Göttliche allgemeine gerechtigkeit, welche allen
unbill sihet und richtet, werd dich allein übersehen? Nemm dirs nur nicht inn
sinn: Gedenck an mich, diser hochmut wird dir noch zur demütigung gereichen, wie
gemeinlich allen Königreichen, die sich ihrer Macht überhebt, geschehen? Dann
die auff der höchsten Spitze stehen, die stehen nicht satt, es wird ihnen nichts
meher, dann dass sie wie im Spil der faulen brucken, einmal die händ zusammen
schlagen unnd jauchtzen, unnd alsdan wider herab springen, ritschen unnd
bürtzeln: ja wann sie sich nit recht vorteilhaftig inn die Wag stellen, darff
sie die spitze des gewalts durchtringen unnd umbringen. Die auff der höhe des
Baums hangen, stehen gefehrlicher als die so die Mitte, da der Baum am
stercksten ist umbfangen. Derwegen hast du den gipffel des Turns erlangt, so
gedenck nit über den knopff, sonst wirdest keinen bestand noch haftung
antreffen. Wiewol etwan einer sagt, wer am höchsten schweb, der zerstoss kein
kopff, so sagt doch einer hinwider, ob wohl nit den Kopff, doch dermassen die
Knie, das der Kopff hernach bürtzelt. Aber, wa es jhe also Gott verhenglich
vorbestimmet, zumal deiner Wolfahrt unnd Rhu entsetzt zuwerden, ist es mir leid,
dass es sich eben inn betrübung meins Gnädigsten Herrn Königs, durch den du
eingesetzt und allzeit bestandhaftiget gewesen, schicken: und der fall deines
Hauses durch disen, der es gezieret, befördert werden soll: Leid ist es mir, das
dass undergestützte Haus sich wider seine eigene Stützen und Pfeiler, von denen
es seine Auffentalt hat, setzet unnd strebet. Sintemal es ganz und gar wider
alle vernunft streitet, unnd von keim Sinnbegabten Menschen kann gebilichet
werden: Sondern von allen Einheimischen und Fremden, zu denen dise ungeschicht
aussbricht, wohl für ein Exempel und muster menschlicher unbestendigkeit, mag
auffgenommen, unnd zur Warnung auff einigerlei Menschengeschäfft und kräfft, wie
hoch es auch versichert, und beeidheiliget ist, nicht zu trauen noch zubauen,
dienlich behalten werden. Wa dir unnd deim Reich einiger gewalt von uns
begegnet, wa wir deinen Feinden etwas gonstes oder vorschubes beweisen, nicht
allen unraht gewendet, inn deinen nöten nicht beiständig, deiner Würden und
Ehren verletzlich gewesen weren: Oder, es näher zubegreiffen, uns vileicht ein
hinderruck verlügender Geist und vergifft schandmaul, durch dückische
verblendung und arge geschraubte Lugenwort bei dir vertragen hette, stunde es
doch inn alle weg deiner hohen Würden wohl an, zuvor desselbigen einen grund
zuerforschen, unnd alsdann uns dessen zuerinnern: so solt es unsers teils
bescheidener billichkeit halben nicht also glimpffvergesslich fehlen, das wir uns
nicht entweders der beschuldigten aufflagen entlediget, oder darumb ehrengemäsen
abtrag getan hetten: Aber, ach du ewiger Gott im Himel, was kanst du andere,
dises deines frevels und untat, ursachen anziehen oder fürwenden? als eben den
gewaltätigen mutwill, und gelüstige begewaltigung, damit du uns nun
augenscheinlich aus hochmut und vermessener rachgir, eigenes mutwillens
meineidig, Räuberisch unnd Tyrannisch anwendest. Daurt dich nit dein liebes
Völcklin, welchs du inn die Brü führest: Es daurt doch etwann den von Hagenbach
nicht so sehr sein kopff, welchen er durchs Schwerdt verlieren musste, als das
gut Volck, welchs Ertzhertzog Carl sein Herr, ihnen zurechen, wirde verwagen.
Kein wunder wers dass dich, umb verhütung zukönftiges Jamers, ein Donnerstral
drittalb Centner schwer, inmassen einer zu Enssheim inn der Kirchen hengt, inn
die Hell hinab schlüge, gleich wie die Auffrührer Datan und Abiron. Jedoch was
wirstu mit deiner unweiss gewinnen? Zwar nichts anders, als alle Wüterich, die
Gott unnd Ehren vergessen an eigner Herschaft unbenügig, andere unbefügt
anfallen. Dan hastu jhe unsern Gnädigsten Herrn also unverstendig und unbehutsam
erfaren, dass er also gerejetzt nit wolt, oder also machtloss an volck, gelt, Raht
und Kriegserfarenheit gespürt, das er nit köndt und solt deim unköniglichem
trotzigen einfall widerstehen? Derwegen hab dir dz entlichem bescheid, zihe von
stundan on ferrner betrübung von dannen, dz du zum aller lengsten des morgigen
tags in deins Lands Grentzen und Boden legerst unnd stallest: und zal für den
abzug und abtrag tausent Besanten oder siben tonnen golts: dz halb uff morgen
zuerlegen, das überig auff nächstkünftigen ersten Mei: Unnd dessen
zuverbürgung, schaff uns zu Geiseln die Hertzogen von Tournemole, von Treibmül,
von Wentdenhaspel, von Bassdefesses, von Schnaubdibillen, von Menual: auch dem
Dom de Nalga, und Waivoda von Polrzitki: sambt dem Vicegraven von Morpiaille,
Herr zu Schüpeneck, und dem Printzen von Grateln, sampt dem Jungherrn
Goschenberger von Waffeleck.
 
                               Das XXXV. Capitel.
  Wie Grangoschier, von Grosskählingen friden zuerheben, schafft die Samkuchen,
                      Noteln unnd Kässfladen wider zugeben.
Hierauff zog mein Gesandter Herr Gallet die Pfeiff inn Sack: Aber König
Kyklopokol Herr von Bitterkalt gab auff alle seine Reden keinen andern bescheid,
als Kompt unnd versuchts, Kompt unnd versuchts: Iht habt schöne Mäuler darzu,
Sucht, sucht, ihr werd die Bon finden, Man muss euch vor die Gurgel schmieren, es
schmackt sonst ohn schmaltz wie ein toder Jud: kompt, kompt, habt ihr ein hertz
wie ein Lauss, was gelts man wird euch den Eissen aufftun, unnd die
Kässfladengelüst legen: wolt ihr Kässfladen, so fresst auch Kässmaden, sie werden
euch recht die Feig zeigen, unnd die Kässkrapffen und Küfladen eintreiben, Was
solt auff dise beschissene Antwort der Höralt anders tun, als sich wider zu
seim Hern Grantbuchier fügen, und ihm den schönen handel anzeigen: Welcher, so
bald er ihn ansichtig ward, rüffet er ihm zu: O Gallet, geb Got das gute zeitung
bringst: was guts? was guts? Was solt es guts sein, antwort Gallet, was guts
solt man von bösen Leuten bringen? Da ist kein ordnung, minder als im Häuhauss:
Der arm Mann bedörfft S. Lienhart mit den grossen Ketten, und den Engel Sant
Michel mit des Lucifers schweren Fesseln. Aber doch, sprach Grandgosier, was
ursach wendet er für dieser seiner ungebür? Er hat mir, sagt Gallet, gar nichts
richtigs geantwortet, ohn dass er Gallbitterzornig von Käss unnd Kühfladen heraus
gefahren ist. Ich wills dannoch, sprach GrossBruchier vor wissen was es sei, ehe
ich etwas weiters underneme. Befahl demnach dem Handel nachzufragen, da befand
sich, dass man die Picrocholische Krapffbauren umb etliche Kässnotteln gestreckt,
und der Saurimarss ein feuchts mit dem Hebel auff den Schettel bekommen hett:
jedoch dz alles wohl bezahlt sei worden, und gemelter Saurimarss am ersten dem
Grossgoschischen Untertan Schollentritt mit einer wolbeknöpfften Geisel von
Barfüsserkordenart umb die bein geschmickt habe: Beschloss derwegen aus diesen
umbständen der ganz Raht, dass ihr König Goschengross sich nottringlich inn
gegenwehr begeben sollte. Diss unangesehen, sprach Grantbruchier, dieweil nur der
unwill an etlichen Kässfladen hangt, so will ich ihn zufriden stellen. Dann es
will mir gar nicht ein, darumb einen krieg anzufangen: Fragt folgends nach, wie
vil ungefehrlich der nidergelegten Kässkrapffen gewesen, unnd als er von vier
oder fünff totzent vernam, liess er gleich dieselbige nacht fünff Kärch machen,
und einen Kuchen fürnemlich aus gutem Holändischen und Böhmischen Botter,
schönem frischen gelben Eiertotter, köstlichem Saffran unnd herrlicher Specerei
zurüsten, dem Märxlein Saurimarss zu zustellen: auch für seinen schaden hundert
siben tausent Engergroschen zugeben, den Schererlohn drauss zurichten: Und zum
überfluss etlich Hub ackers und Baumgärten zu ewiger freier besitzung erblich
auff seine Nachkommene zuverschaffen. Welches alles auszurichten, ward Gallet
abermal abgefertiget.
    Der liess unterwegen bei den Weidenbuschen ein hauffen Zweig von Roren und
Riet abhauen, damit die Kärch zubestecken, auch etliche Kärcher mit antun unnd
schmucken, dass sie wie ein alter Silvanus zur Fassnacht sahen. Er hielt auch
selber der Ror eins inn der hand, anzuzeigen dass er umb frid komm, und darzu
denselbigen zukauffen.
    Als sie nun an das Stattor kamen, begerten sie von wegen des Grandgusiers
mit dem Picrochol zu sprachen, aber er wolt sie nit einlassen, auch nit zu ihnen
hinaus, dann er liess fürwenden, er wer sonst mit geschäfften beladen, sollten
aber alle ihre Werbung bei dem Hauptmann Duckedilen anbringen, welcher on das
auff der Maur ein stuck Büchssen beschoss: Dem sagt nun der abgesant Heralt: Herr
Hauptmann, euch nit lang auffzuhalten, unnd gegenwertiger unrhu unnd aller
aussred, inn die altgewonte Freundschaft zutretten, zuenteben, so übergeben wir
euch jetzumal die Kässkrapffen, derenhalben der heftig streit ist: unser Volck
nam ihr fünff totzent, doch mit erfolgter erbarer bezahlung: gleichwol sind wir
also fridgeflissen, dass wir euch 5 Kärch voll wider geben: unter denselben soll
dieser so der breitest, des Marxen Saurimgesess sein, welcher sich am mehsten
beschwert fület: und zum überfluss ihn gentzlich zuvernügen, secht da huntert
siben tausent und trei Engergroschen, die ich ihm überlifer: Dessgleichen für
allen weiteren anspruch, übergeb ich ihm die freie Erbnutzung der Meierei zu
Gaggenpfill, oben an den Regenbach, unten auff die Junckhern von Adelstoll
stossend, unnd zur seiten auff Fritzenlippen Matten, und Schulteisen
Lentzenpopp Senne, ihm unnd seinen Nachkommenen ewiges bestands erbnutzlich, in
bester form Erbrechts, laut der gegenwertigen exhibirten verschreibung darüber
auffgericht: unnd lasst uns umb aller Heiligen willen fortin fridlich
miteinander leben, ziehet mit freuden wider heim in euer Land, lasst uns diese
Landwehr, darzu ihr gar nichts befügt, unvorgehalten, und bleibet Freund wie
vor. Haubtmann Trockenteller zeigts alles seim König Picrochol an, doch mit
zusatz und vergifften nebenhetzworten, sprechend. Botz hundert tausent Regiment,
die Knebel förchten sich rechtsinnig, die Katz laufft ihn den rucken auff, es
träumt ihnen vom Teuffel. Bei Jobs Hunden, Grossbruchier scheisst schon vor angst
inn die Hosen, es ist dem armen Weinlepper ungewont in Krieg zuziehen, aber
hinter die Krüg geb er ein Schützen, er ziehet lieber inn die Häfen als inn
Krieg, so kann er sicherer heraus kommen. Mein Meinung wer, man schickt ihnen
ihre Notelkrapffen und Gelt wider heim, liess sie ein Pfeffer darüber machen:
Unnd wir führen inn alle Macht fort, wie angefangen. Dann sehen sie E. Mt. für
ein Bonenwibel unnd Rattenkönig an, dass sie die mit ihren Kässfladen mästen
wollen? da sicht sie was es ist, euer grosse freundlichkeit, die ihr ihnen vor
der zeit erzeigt gehabt, gereicht euch jetzt bei ihnen zu einer verachtung.
Salbt den Schelmen, so sticht er euch, stecht den Schelmen, so salbet er euch.
Da, da, da, sprach Koklopocol, bei tausent Elenwunden, sie habens nur darumb
getan, wie du gesagt hast.
    Aber Herr König, sprach Tuckedillon, eins muss ich euch erinneren, Bei dem
heiligen Spiess, wir sind hie nicht sonders wohl Proviantiert, unnd mägerlich mit
Gurgelharnisch unnd Halsskragenblech versehen: Wann Grossguchier uns heut oder
morgen solt belägeren, wolt ich mir gleich alle Zän aussreissen ohn drei, und dem
Volck desgleichen, so wird man nit so leichtlich und fertig die Munition alle
hinweg fressen und kauen, Taubenschlück aber müssten verbotten sein. Das wer ein
besserer fund zu hungerszeit als des Palamedis vor Troi, der am ersten das
Brettspiel erfand, damit man des essens vergess: wie die Siracuser auch darumb
das dantzen. Ich meint die zugeschickten Fladen möchten uns auch wohl bekommen.
Was tausent Frantzosen, Antwort Picrockol, wir werden nur zuviel Brotfrission
haben. Sind wir hie umb fressens oder streitens willen? Warlich umb streitens
willen, sprach Duckedil, aber auff vollen Wanst folget der Dantz, der Dantz
reget den Schwantz, voll bringt Groll, Groll schlägt drein toll, wolgemäst ist
man wolgetröst, und steht fest, dass man drauff trescht, vollgesetzt Bäuch tun
wolgesetzt Streich: Hinwider wa Hunger regiert, die stärcke man verliert: wa
Nagenranft überhand gewint, da hat stercke aussgedient, Wo ich mit dem hunger zu
Feld muss ligen kann ich mit dem Feind nicht kriegen, kont doch der Hörnen Seifrid
auff einmal nit zwen bestehn, viel weniger ich den Mars und Hunger: Warlich
Gnädiger Herr, am Hungertuch nagen, macht schwechlich zuschlagen: der hungerig
Wolf muss den lähren Magen mit Sand füllen, dass er gewichtig sei ein Pferd
niderzuziehen. Es ist genug, sprach Picrochol, fress ein Ochssen biss an die
hörner: Welches ist das best stuck am Ochssen? Ich denck das zwischen Hörnern
unnd Schwantz, Welchs ist das best am Pfaffen? Oho, das Horn reiss ihm der
Teuffel aus, und mach Clistierpfeiffen den Nonnen drauss. Wolan dann, förcht ihr
euerm Magen, so nempt alles was sie hergeführt haben. Darauff namen sie Gelt,
Kässkrapffen, Eierkuchen, Ochssen und Kärch und schickten die Grossgoschianer also
mit langen Nasen fort, mit dem anhang, der Teuffel solt sie bescheissen, wann
sie wider kommen, ursach halben, die man ihnen Morgens werd anzeigen. Also
zottelten sie unverrichter sachen widerumb heim zu ihrem Grandgusier, unnd
zeigten ihm den schönen handel sampt seim anhang an, mit dem bescheid, wann man
disem Zornstrotzigen Bauch lang vorgang und schon, wie eim schallosen Ey, so
werd doch nichts anders daraus, als den friden mit wehrhaftem gewalt
zuerlangen, dann er sei so grumsig wie ein Maus inn der Kindbett, darein müss man
ihm Katzenbälg schencken.
 
                        Das Sechs und dreisigst Capitel.
Wie etliche Rhät unnd Amptleut des Königs Picrocholi von Grollenkoderingen, aus
   überstürtztem gehem Rhat, ihne brachten zu entlichem verterben und schad.
Nach dem die Semkuchen in Clemaltburg geführt gewesen: erschinen vor dem
Gallenkollerigen König Kyklopocol, der Grosshertzog von Testamale, der Hertzog
von Tandmäringen, Graff Spadassin, Freiherr von Schnaderentingen, und Hauptman
Michel Merdaille genant Sichelzull, sampt seim Litenant Eberzan Tonnerbotz, unnd
sagten ihm: Gnädigster Herr, wir wöllen E. Mt: heutiges tags ein rhat geben, der
die mächtiger unnd glückhafter als den grossen Alexander machen soll. Wie da?
Seit gedeckt, sprach Picrochol: Danck haben E.L. sagten sie, Gnädigster Herr,
wir tun unser gebür: Aber zur Sach: unser bedencken ist diss, E. Mt. lass hie
einen Haubtman inn besatzung mit etwas Volcks, diese feste zu halten: und teil
alsdann ihr Hör inn zwei teil, wie die am besten verstaht: Deren das ein den
Grossguchier unnd sein Volck überfall: den werdet ihr im ersten zug und flug
gleich haben: Da werd ihr Gelt vollauff finden, dann der Filtz hats bei der
schwäre: Filtz sag ich, dann ein hochgeadelt Fürstlich gemüt hat nimmer kein
Haller, die grobe unverstendige Filtzhüt schatzen und sammelen nur Taler. Das
ander Hör ziehet dieweil auff Xanton, Angolme, unnd Gasconien, da gewint sie
Stätt und Land ohn widerstand: zu Baion, zu Sant Jan von Luc, unnd Fontarabien
nemmet ihr alle Schiff, damit ihr gegen Gallicien unnd Portugal streiffet, unnd
alle Möranstössig Land biss gen Ulisbona plündert, oder rüstet daselbst euch mit
einem Kriegsgemäsen Schiffzeug als ein Zugherr, etwas einzunemmen. Ho, bei
hundert tausent Lastwegen Lamenten, Spanien ergibt sich: dann es sind nur
Moranische Granatbutzen und Magsamen Köpff. Nur dem Draco und Frofischer
darwider geschickt. Wir wöllen auch den Don Antonio einsetzen, dann sie haben
doch gern Bastart und Don Joan ist gestorben. Da werd ihr durch die Sibyllische
Enge rauschen, unnd viel stattlicher Seulen als des Herculis daselbs zu ewigem
gedenckmal auffrichten, unnd wird dieselbig gegene fortin das Kyklopocolisch
Bittergallisch unnd Picrocholisch Mör heissen. Wie? wann ich, sprach der König,
daselbst die Gaditanisch Enge des Mörs wider zuwürffe? welche Hercules mit
grosser mühe aussgegraben hat, darmit er daselbst das Mitländisch Mör herein
brächt? so könt man darnach allzeit truckens fuss aus Europa inn Affricam unnd
Asien spacieren: über die andern Mör machen wir Brucken: oder wolt sich etwa ein
Mör widersetzen, so geisseln wir es wie Xerxes, unnd lassen ihm das Loch voll
streichen: Dann ihr wüsst, das Hör der flüchtigen auffrhürischen Knecht ward
gleich flüchtig, da ihre Herren mit handvölligen Peitschen und Ruten gegen ihnen
zur Schlacht traten: O hett mans im Bauernkrieg getan, unnd wer mit Flegeln
wider sie ausgezogen, viel Bauern weren bei Leben blieben: Aber du Sichelzull
sag, wer hat den Bauernkrieg gemacht? Hay, ich mein die Hafner. Aber, wo
schiffen wir auff dem Mör? Wan aber manchs Mör, wie ein böses Kind, nicht auff
die Ruten gebe? Da müsst mans wie die Venediger mit güte gewinnen, ihm ein Ring
darein werffen, unnd es uns vermählen: tets dann wie ein ander halssstarrig
Weib, so öffnet man den verlornen Lauffgraben zum Mon, unnd lasst es inn den Mon
ablauffen. O wie werden da die Türckische Weiber inn dem Mon, inn dem
Machometischen Weiberhimmel not ruffen, wann diese Weibersündfluss käme. Der
Monsüchtig fluss Nilus inn Egypten wirds auch nit gelachen. Wir wollten alsdann
aus dem Egiptischen D ein schön L machen: wir wöllen auch wie Caligula Berg ins
tieffst Mör setzen, und schlösser drauff bauen, damit die müde Vögel, wann sie
über Mör fliegen, drauff rhuen mögen: und die Berg ins Tal ziehen, die Mör
entweder aussfüllen oder zusamen graben, die See pflästern, das Mör durchziehen,
Brucken von eim Berg zum andern machen, über das Mör zugehn unnd übers Land
zuschiffen.
    Hei es ist zuviel auff einmal: Wie? Kühdesch es iss ja besser, dann inn die
hand geschissen. Ich kann von dem Mör nicht kommen, ich muss dem Caligula helffen
darwider ziehen, da wöllen wir ihm seinen schmuck unnd pracht, seine selsame
Schneckenhäusslin unnd Muscheln nemmen, damit es am Gestad branget, und
derselbigen Beckelhauben unnd Busen voll gehn Rom ins Capitoly tragen,
auffhencken und anhefften, Ja zur Gedächtnis der oberhand unnd des erhaltenen
Sigs wider den Oceanum, paternosterweiss Ketten unnd Gürtel darvon machen unnd
umbtun: Hei wie wird das so wohl lauten ihr Jacobsbrüder und Muschelnritter wie
ein Schnur mit Todenbein. Beim Cannal des Roten Mörs, bei Mosisbronnen, wöllen
wir aussmachen was Ptolemeus angefangen hat, nämlich das Mör in den fluss Nil
graben: was bekümmerts uns, wo darnach Egipten süss Wasser bekomme? Oder wöllen
wir Egipten höher mit grund beschütten, weil es nur trei Elen höher als das Mör
sein soll? Kommen wir ins Rot Mör zuschiffen, müssen wir kein Eisennägel in die
Schiff geschlagen haben, die Diaimanten ziehen uns sonst zu sich: sonder müssen
da von den roten Juden das Schiffschneiderhandwerck lehrnen, die Schiff mit
Seilern von Palmen zusamen zubinden und zunähen. Was nun weiters? So bald ihr
über das Kyklopocolmör seit, seh da, so wird gleich der Barbarossa gelauffen
kommen, und sich für Leibeigen ergeben. Ich will ihn dannoch, sprach Picrochol,
zu gnaden auffnemmen, dann er ist ein guter Mörteuffel unnd Mörkatz. Doch,
antworten sie, das er sich tauffen lass: Folgents werdet ihr das Königreich
Tunis, unnd die ganze Barbarei einnemmen: Auch daraus fallen, unnd Maioricam,
Corsicam, sampt andern Insuln des Ligustischen und Balearischen Mörs
begwaltigen: Ferrner auff die lincke setzen, unnd ganz Narbonisch Franckreich
beherrschen, sampt der Provintz, Savoi, Genua, Florentz, Luca: unnd Gott behüt
dich als dann Rom ich ken dich nit mehr: Der arm Juncker Babst stirbt schon vor
schrecken. Bei den heiligen zwen Palmeseligen fingern, sprach Picrochol, ich
will ihm. als dann warlich nit die gross zeh küssen, er möcht mir sonst auff den
Hals treten und super aspidem & Basiliscum mit mir spilen: aber will ihm wie
der Saracener König die pferd in S. Petri vorhoff stellen, und wie Fronspergers
knecht mit den bullen und Cantzleibrieffen ihren gäulen ein schöne strei machen:
es soll mich Pabsts Pelagii ehr würdig angesicht nit ermiltern wie Totilam: noch
Leonis Päbstlich gewand und hirtenstab erschrecken wie Attilam: jedoch wann uns
im alter etwan ein andacht anstiess, wollten wir ein neuwen stul setzen (Dann die
Welt kann nit ohn Hebammenstul unnd Pabststül sein, minder dann ein Haus ohn ein
scheissstul) so wöllen wir alsdann zu Rom auch ein Kirch bauen, unnd wie
Constantinus selbst 12 ruckkörb mit grund aus dem gegraben fundament am ersten
tragen: Pabst Os porci muss den ersten Fundamentstein legen unnd weihen, auch zum
ersten seinen Namen Ferckenmaul inn Sanctoschergium oder Tergium verendern. Wo
wöllen wirs aber hinsetzen? Inn Lateran? Ja warlich inn Lataran, und Ranolata,
da Keiser Nero seinen breiten Frosch gebar. Und wisst ihr wie? Nero wolt
kurtzumb, sein Artzet sollten machen, dass er auch ein Kind gebär, da gaben sie ih
m Froschleich ein, dass ihn ein Frosch auffblehet, Letzlich schiss er seinen
Frosch, und hielt ein gross Kindbettermal, darvon nennt man das Ort Lata Rana:
oder Froschbraite: dahin wöllen wir allen Suavischwaifigschwetzigen Schwäbisschen
Froschgoschigen breiten schwatzmäulern, wie ihr auch seit, ein Tempel stifften.
Den Graben von Averno, welchen die Römer angefangen, wöllen wir biss gehn Ostia
aussfüren: Bei Puteolis wöllen wir den guten Falernischen Wein sauffen, und
darauff also voll und doll noch ein ander Loch neben dem das Filius Vergilius
durch den Fallabferrnischen Berg hat gezaubert, durchfluchen: Da müsst ihr bei
dem Höllment mit fluchen das best tun, Auch zur andern seit den Gral oder
Venusberg besuchen, und die guten Tropffen besehen, die das feuer im Vesuvio
auffblasen: von dannen der Sibylla zu leid zum Tartarischen Acheront absteigen,
unnd den treiköpffigen Kettenhund herauffschleppen, und dem Teuffel die Höll zu
eng machen. Wir kommen von Rom mächtig nahe zur Hell: Aber je näher Rom jhe
böser Christ: Alexander Magnus ist dannoch so weit nit kommen dass er den Teuffel
het an der Ketten gesehen, ob ihn wohl zwen Greiffen in die Lufft trugen auff dass
er auch den luft zwing, da inn der höhe das Erdtrich ihne so klein daucht wie
ein pfal im wasser, unnd das Mör wie ein Schlang (oder Schlam) der sich umb den
Pfal het wunden: unnd liess sich inn einer Gläsinen stub ins tieffst Mör, all
Mörwunder zubesehen, die er darnach seim Preceptor Aristotel hat geschriben
geben: Wann wir Italien nit wollen behalten, können wir denselben Fuss, welchen
Europa durch Italien ins Mör streckt, abhauen.
    Ist dann Italien eingenommen, seh da, so ist gleich an der hand Neaplis,
dasselb gross Ey gewinnen wir mit hülff des Königs Caroli von Aniou Zauberer, der
macht uns aus einer Wolck ein Bruck ins Mör: aber da schrenck keiner Hend noch
Finger kreutzweiss, wir hetten sonst unser Tod und Rot Mör genug daselbst. Von
Sicilien macht man ein steglein mit eim krengel auff Italien, und ein Fallbruck
inn Sardinien. Malta nimpt man unter den arm. Ich wolt auch gern, sagt
Picrochol, gen Laureto, ein Walfahrt zum fliegenden stiebenden Marienkämmerlin
zutun: nein, nein, sprachen sie, es schickt sich nit, das geschicht wohl im
wider umbkeren. Darnach bezwingen wir Candien, Cipren, Rhodiss, die Cicladische
Insulen, Moream, sampt dem gelobten Land. So will ich alsdann, sprach er, gleich
Salomons Tempel bauen. Nein, sprachen sie, wartet noch ein wenig, nit eilet also
mit der Geiss auff den Marckt. Wisst ihr was Keiser Octavian sagt, Festina lente,
Eil mit weil. Ihr müsst vor klein Asien, Carien, Lycien, Pamphilien, Cilicien,
Lydien, Phrygien, Mysien, Bitinien, Charasien, Satalien, Samagetien, Castamena,
Luga, Savasta biss an den Euphratem haben. Werden wir auch, fragt König
Koderbitter, Babel sehen, welchs von keim Kalck, sonder von Judenleim aus dem
Gomorrischen Bechpful auffgebauet ist, unnd leichtlich mit angezünten
Schäubenhüten zugewinnen were: Item auch den Berg Sinai sehen? Es ist, antworten
sie, für dissmal nicht vonnöten: Ist es nicht genug umbgezogen, wann man über das
Hircanisch Mör hat gesegelt, beide Armenien unnd die Trei Arabien durchgeritten?
Auff mein treu, sprach er, wir närren uns, ach arme Leut (wie so? wurffen sie
darunder) was werden wir in derselben öden wüsten stäubigen stibigen
Sandschandban der sandschampanien zusauffen haben? Dann Keiser Julian und sein
ganz Hör starben daselbs durstes: es ist allda ein rechter Gottsacker der
Cammel, unnd ein stets hochzeitfest der Geiren: darzu stäubt eim der sand in
hals, das verursacht ein unseglichen durst: Wir, antworteten sie, haben dem
schon rhat gefunden. Im Sirischen Mör werd ihr neun Tausent virtzehen groser
Nauen mit bestem wein geladen haben, von dannen segeln sie auff Japhes: Allda
werden allzeit zwei unnd zwantzig hundert tausent Camel und sechtzehenhundert
Elephanten ordenlich nach dem Compass über Land zutragen warten, welche ihr in
einer jagt bei Sigeilme, wann ihr ohn das durch Lybien reiset, fangen köndt: Und
zum überfluss köndt ihr die ganz Choroana, oder die Caravanische Cameelsaum unnd
Gesellenschar, die von unnd auff Mecha Walfartenweiss wie die Aumeisen aus und
einziehen mit Kauffmanschatz beladen, zum vorteil haben: Da wolln wir den Mör
Räubern zu Land, oder viel mehr Arabischen Sand Räubern und Staubstäubern das
streiffen legen. Oder der Zambei in Wüst Arabien leihet euch sein 1000 stuten,
die ein tag hundert Meiln lauffen: oder leihet euch sein künstlich Armbrost,
darauff man euch darschiess: Ist das nit ein vorteil, in dem dürstigen land so
vil leut und viech zu land und mör zum besten haben? Sorgt ihr noch, die können
euch nit Wein genug zufüren? Nicht dess minder, antwort er, werden wir den Wein
dannoch nicht frisch trincken. Bei Sanct Franciscus leiden, sprachen sie, nicht
umb ein kleins heller werts schneider Fischlein: Ein Held, ein Landzwinger,
einer der nach allgemeiner Erdbeherrschung und Welt Keisertumb trachtet, kann
nicht alles so geschliffen nach seim willen haben: Er muss zuzeiten mit Keiser
Cyro aus einer schmotzigen Beckelhaub trincken, unnd mit dem Kärntischen Fürsten
aus eim gebichten Filtzhütlin, unnd mit König Gwischard aus Hörmuscheln, unnd
mit jenem vertriebenen König aus einer schaffschellen, und mit den hoffleuten
aus der schwertzgespickten hulfter, oder gar aus der Schwertzbüchs, oder aus dem
dolchenknopff am Reuterbock: Man kann eim Kriegs Fürsten nicht nach der
Päpstlichen ordnung, wie den Cardinäln auff dem Concily zu Trient ihre Sammate
Scheissstül unnd Bespiegelte Seichkacheln, oder ein Wagen Credentzter unnd
Versecretierter gelinder Arsswisch nachführen. Aber das können wir tun, unnd von
Casir die schiff auff Cameeln ins Rot Mör übertragen lassen, wider die Indier
zukriegen: Doch wöllen wir vor die von Alexandro Magno mit Eisenbalcken
versperrte Caucasische Clausen inn den Caspischen Gebürgen erbrechen, es
kriechen darnach Teuffel, Türcken, Geschnäbelt Leut, blau oder Rot Juden oder
was es will heraus. Nun, kommen wir nicht schier wider herumbher? Wir sind fro
dass ihr und euwer Volck so gesund unnd frisch biss zum Tigerfluss ankommen seidt,
o wie keichen sie schon, wie wird ihnen der wein so wohl schmacken.
    Aber, sprach König Bitterkoder, was tut sidher unser ander Hör, welchs
diesen Koderrotzigen Riltz Grasspissier soll bestreiten? Sie Feiren auch nicht,
antworten sie, wir wollen sie bald antreffen. Sie haben euch under des
Britannien und Normannien bezwungen, haben die Sone und die Moss, durch den Berg
Waseck, da sie entspringen, zusammen gegraben, damit man fortin darauff von eim
Mör zum andern inns Mittagisch unnd Mittnächtisch Mör kön fahren: Von dannen,
wie der Graff von Lumme, am Briel inn Seeland angelend, und durch ganz Seeland,
Holland, Frisen und Gellern die dämm gestürmt und eingerissen, dass das ganz
Land im Wasser steht: Bald haben sie den Schwaben und Schweitzern zu leid auff i
hrem bauch über den Rein gesetzt. Im Elsass haben sie inn eim schnaps die sechs
und viertzig Stätt unnd fünftzig Schlösser überumpelt, unangesehen alle
Landsrettung, Landkettung und Landgräben: haben wie Attila ein strass durch
Strassburg gebrent, des Cæsars Pruck von Mentz mit getragen, unnd da über
geschlagen, alle Danzapffen im Schwartzwald angezünd, dass ein rechte
Rontzefallische Pirneische brunst daraus entstanden, welche wie ein lauffend
Feur in die Alpen und das Schweitzergebirg kommen und mehrteils stätt verbrent:
und wo sie darein seichen, da etzt es, besser als Hannibals siedender Essig,
strassen durch die Berg, fürnemlich wann sie den kalten Seich und die Pferd die
streng haben. Bei Basel im Obern Hauenstein hindern sie dass man die Wägen, und
zu Lauffenberg im Reinfall die Schiff nicht mehr an Seilern kann ablassen, und
machens alles eben: dann bei Belele etzen sie auch mit gesottenen verjärten
Delspergerkäsen und allerhand Schabziegern und Küfladen durch einander gekocht,
die Pirreport durch. Die Statt Bern, im sack gebaut, saccagirt man umb die
Futerwannige Parmasangmäse Käss und steckt sie mit ihren Lauben zu Käss und Brot
inn Sack. Von dannen ziehen sie den nächsten weg, wie die Huren ins Bad, auff
die Hussiten inn Behem, dieselbigen mag ihr Heiligtumb, ihrs blinden Hörführers
Zisca haut über ein Trom gespannt, nit schützen, man zündet nur den Behmerwald
an, so ersticken sie all im Rauch, weil sie doch Ketzer sind. O recht, da recht,
sagt der König, also muss man ihnen den Kelch einschencken: Wann wir bald fertig
sind, wollen wir wie der Ende Christ zum end ein feurigen Ofen umbher führen,
und all die drein werffen, die es nit mit uns halten. Ey gemach Herr König,
sprachen sie, die Donau laufft noch streng, die muss die meng der Pferd
aussauffen, dass ihr trucken durch den Jordan ziehet. Die Elb, muss die unzahl der
Bierbräuer inn euerm hör aussschöpffen, dass die armen Sachssen aus Biers mangel
Rossbruntz sauffen und dran sterben. Ho ho, wo bleibt Francken? Das tregt man an
den Schuhen hinweg. Die Baier sind fridsam still Leut, die dingen wir, dass sie
dem Läger stets die Säu nachtreiben. Wo bleibt Schweden unnd Denmarck? Ja, da
muss man vor den Weitmosigen Mosswütenden Moscavitern ein Krabatischen verrenckten
bossen reissen. Wie laut der? Wir wollen auff Reinigern flugs wie Alexander
übers Eis rennen, unnd alsdann mit den Hechssen unnd Hechssenmeistern im
Lappenland anlegen, dass so bald die Moscoviter uns nachjagen, sie machen, dass
das Eis unter ihnen schmeltz: He ha he, da wird der Pharao recht im Mör sitzen:
Also könt Batori und König Sigmund die Moscoviter demmen: Mit hülff derselbigen
Finlappischen Unholden, verzaubern wir auch die Schweden und Denmärcker, dass sie
meinen ihre Schiff seien eitel Schlangen, unnd die Wäld eitel Feur: Wo bleibt
Schotten und Engelland stecken, divisi orbe Britanni? Die muss man aus der Insul
Meinau bestreiten, dann ihr Merlinisch Glück ligt da begraben. Wie die Römer
haben etwann daselbst mit den Bäumen gekriegt, unnd 25 Meil lang all Bäum
nidergehauen, also dass man noch unter der Erden, das Brennholtz suchen muss: dz
kann man inn Engelland auch tun durch mittel des Schwantzlaptirs, welches wir
dem Greingussier abgewinnen, dann es sind Stertman. Dann mit Spanische
Galeassentürnen richt man nichts gegen ihnen aus: sie machen nur kaltpfinnische
Badstüblein draus. Von dannen über das Sandmör durch Sarmatien gezogen, Ungarn,
weiss unnd Rote Reussen, und Türckei undergetruckt, so ligen wir jetz vor
Constantinopel. Flugs lasst uns auff sein und dahin ziehen, sagt Picrochol, ihnen
den gar aus zumachen: Dann ich will auch Keiser zu Trapesunt sein: wie meint ihr
wollten wir nit alle dise Machometische Türckische Hund den Teuffel in
auffopffern? Wet den Teuffel, sprachen sie, was wollen wir darnach tun? Ihre
Land und güter denen die euch wohl gedienet, aussteilen. Das ist erst billich,
sprach Bittergroll, Ich schenck euch darauff auff gut rechnung, Carmannien, unnd
Surien, unnd dir ganz Philisterland: Ha, sagten sie, Gnädigster Herr, es ist E.
Mt: ehr, deren kombts zum besten, danck haben euwer gnaden: Gott wöll deren alle
wolfart mehren. Unnd euch desgleichen, ihr liebe getreuwe sagt er, Hei, sprachen
sie, E. Mt: Diener.
    Damals, als sie diss fürprachten, war eben auch zugegen ein alter erfahrener
vom Adel, ein rechter nasser Kund unnd ein Schnautzhan inn Kriegen, genannt
Echephron von Hattmut vom geschlecht Cyneæ, dess Epyrischen Königs Pyrrhi wohl
vertrauwten Rahts, welcher, als er diss traumkriegen angeben höret, sprach er.
Ich besorg, das all diser anschlag werd aussschlagen wie dem Einsidel im Buch der
alten Weisen: wie war das? antwort, In illo tempore, da die Tier redten, ja da
die gemalten unnd Götzen bestelte Wänd Predigten, und die Menschen schwigen,
unnd die Häuser mit S. Loreto über Mör flogen, unnd die Ostien das Wasser
hinauff schwamen, da war ein wilder Mönch, ein Waldbien, ein Waldbruder, aber
kein Waldenser: jedoch ein Bruder Clauss in der Clausen, aber ein äsiger, doch
kein Häuschreckenäsiger, sonder Honigfräsiger, dem schickt der König zu
aufentaltung seins Lebens allzeit seine Speiss, unnd darbei für Senff etwas
Honigs, dann er hett auch ein Englisch Zuckermaul: Die Speiss ass er, den Honig
spart er, und tat denselbigen in ein grossen irrdinen Cananeischen Krug über
seiner Bettstatt hangend, biss er voll ward, da kam ein grosse teurung inn den
Honig. Dann der Welsch Bapst hett dasselbig Jahr Weidvergiffter aussgesant, also
dass der Kütreck, daraus die Binen wachssen, übel gerhaten war. Das hett nun diss
Honigmaul vorlengst wohl im Traum durch S. Francisci holen Stab am Gestirn
gesehen und Prognosticirt, und desshalben den Honig wie Joseph auff die siben
magere Jar auffgeschüttet: hiess derhalben sein Seel, wie der reich Mann, frölich
sein und essen, unnd freuet sich des Honigsterbens unnd Kühtreckvergifftens wohl
so fast als die Kornjuden wann Sanct Gregor auff eim falben Hengst daher reut:
Als er nun eins morgens frü im Bett lag, und dichtet wie Marcolfus, bauet
Schlösser in Spanien unnd Stätt inn die lufft, da sah er sein liebes
Honigkrüglin über ihm zu haupten hangen, lacht es an, und redet mit ihm selber.
O du mein Hertzensefftlin, du kompst mir jetzund wohl, du wirst mich noch reich
machen, dann jetzund kann ich dich umb siben gulden verkauffen, umb dieselbigen
kauff ich mir zehen Schaf, die tragen alle Jar zweimal Lämmer, also werden eins
Jars zweintzig, inn zehen Jaren Tausent: alsdann verkauff ich davon Milch, Käss
und Woll, und kauff für daselb gelt Kü, und je für Fünff Schaff ein Ochsen, die
machen vil Mist, leih als dann den Bauern auff die Aecker, und löss sie an mich,
unter dess haben sich Ochssen und Kü gemeret, die treib ich zu Marck, löss viel
Gelt, ding mir damit Mägd und Knecht zu Haus und zu Feld, werd also von Tag zu
Tag Reicher, bau schöne Häuser halt Königs Artus hoff, unnd nem alsdan ein
frisch, das ist, From, Reich, Jung, schön Weib von grosem Geschlecht, dann wer
wolt mich nicht, wan mir die schwer Täsch also den Latz eintruckt? Da schertz
ich dann mit ihr, Käterle geb mir ein schmutz, und schlaff bei ihren an ihren
Schneweisen Armen, und truck sie, dass sie über ein Jar ein holdseliges Sönlin
pringt, das heiss ich alsdan wie mich, und zih es fein inn aller Lehr und
Gottsforcht auff: Dan es ist kein Hur so verrucht, sie zög dannoch gern ein From
Kind. Aber wann mir dass Cläussle nit folgen wolt, Botz Krisam, so wolt ich ihn so
jämmerlich abbören mit diesem Stecken (dann er hett eben damals seinen Stecken,
damit er das Bett macht, inn der Hand, und Fantasirt dran) dass ihm nach Gott und
der welt wee müsst sein: zuckt damit den stecken, und wolt ihm selbs weisen wie
er das ungeborn Sönlin so hart schlagen und abbören wolt, und traff im streich
sein unschuldigs Krüglin dass es zu scherben zerfuhr, und ihm der Honig ins
angesicht, haar und bart floss und spritzt, und ihm die augen verkleibet und das
Bett beschiss: Ach, da lag aller anschlag im treck, da lag der Honigträumer im
Honig vergult biss über die Oren, beschiss sich hinden und fornen, da waren schon
die Häuser aus gebauet, dass Sönlin war schon so wohl gerhaten, dass es ihm den
Honigkrug zerprach, unnd gewan von allem seim Armen judischen Sinn wuchern
nichts meher, als dass er sich unnd das Bett wischen unnd weschen müsst: O du arm
irdin Glück, warumb bist nicht stälin? O Honigglück wirst so bald Konig? sichst
im hafen Guldenfarb, unnd im Bett Kindstreckfarb. Secht liebe Herren also
gerhiet diesem Bruder das Honigwuchern, da er gar reich wolt werden, het er
nicht meh zuessen, der irdin anschlag plib irdin und zerful irdin. Derhalben
habt ihr wohl furzusehen, dass wann ihr nach Schne zihet, er villeicht vergeh, eh
ihr dahin kommet: wann ihr nach grass zihet, es schon abgemaiet sei: Oder ihr
vergeht eh ihrs secht: Oder ein Berg steht dazwischen, dass ihr nicht ins ander
tal sehen könt: Unnd lasst das stuck Fleisch im maul fallen und schwimt nach dem
schatten. Gedenckt an Hertzog Lupolds Narren, welcher, da er hört, dass sein
Kriegs Räht ihm all rhieten wie er in das Schweitzergebirg käm, sprach er, ich
hör wohl rhaten wie man hinein komm, aber keiner sagt wie man wider heraus komm,
der Fisch kompt wohl ins Reiss, wie in die Fall die Maus, aber nicht wider heraus.
Es ging auch also: darumb war der Fuchss gescheider, der zum Krancken Löwen
nicht inn die Hül wolt: quia me Vestigia terrent: sprach Keiser Rudolff von
Habspurg, als man ihm rhiet, er solt wie andere Keiser inn Italien ziehen: die
spur ist wohl hinein gericht, aber keine heraus nicht sicht. Ist derwegen
unvonnöten ausszuteilen die Beut, eh erhalten ist der streit: Die Bärenhaut
verkauffen, eh der Bär gestochen ist: die Pruck zum anzug über das Mör wie
Xerxes, unnd über den Rein bei Mentz wie Julius Cæsar anwerffen, unnd zur flucht
abwerffen. Und lieber sagt mir, was wird das end sein solches ziehens und
bemühens? Das wirds sein, antwort Bittergroll, das wann wir wider kommen, uns
zur rhu begeben, unnd guts muts sein. Darauff fragt Habmut, unnd wann ihr
villeicht nicht wider kämen? sintemal der weg weit und gefehrlich ist: wers nit
besser dass wir uns jetzund zur rhu begeben, eh wir uns inn die gefahr wagten?
Dann die Wittib, deren Keisers Traians Son das Kind zu tod hat gesprengt, wolt
dem Keiser den Rechtspruch darüber zugeben nicht so lang sparen, biss er aus seim
vorhabenden Zug wider käm: O, sprach der Herr von Schnaderentingen, botz
Erdrich, secht da den guten alten Koderer, er kodert dannoch nit so gar übel:
hei wohl an, hats die Meinung, so lasst uns inn ein eck beim Camin schrauben, oder
für Ofen ziehen auffs Spanbett, und dafür allda unser weil mit schönen Frauen
zupringen, neue Däntz unnd trachten erdencken, Perlein einfademen, Corallen
einstechen, den Anspin unnd Würten treiben, den Meidlein die Agen schütteln, die
Rocken anstecken, oder, wie Sardanapal, Gold spinnen und tapffer schupffen: Was?
sagt nit Salomon, wer sich nicht darff wagen, bekompt weder Pferd noch Wagen:
Hingegen sagt nicht Malcon, wer sich, sprach Hattmut, zu viel waget, Wagen und
Ross verwaget. Geltgeitz wird oft zur Gelbscheiss, Ehrgeitz zu eim Erbkreutz,
unnd der Landgeitz zu eim Landschalck. Nun fortan, sprach Picrochol, was haben
wir weiters zum besten. Ich förcht mich nur vor des Grandgusiers Legion Teuffeln
unter des wir drinnen inn Mesopotamien stecken: Wann sie hinden inn uns fallen
da rhaten zu was man da tu? Gar wohl, antwort Merdaille, dann wann E.M.
obgedachter Rhat nit gefällig, schicken sie nur ein feine kleine Commission an
den Moscoviter, so schickt er euch inn eim schnaps vier hundert fünftzig tausent
ausserlesenes Volcks, welche nur mit eim rauchspeienden Tartarkopff alle
Schlesieroren ablassen und allen Polen bigaice machen, oder beschreibt des
Delphins Armegecken und Schinder aus klein Britannien, die kommen als dann mit
den Edeln Zigeinern aus klein Egypten, und stelen und hencken das Land aus. O
wann ihr mich zu euerem Lieutenant setzten, ich fräss ihren ein ganzen Sträl
voll umb ein geringen Solt, wann es schon Leuss für Leut weren, Pa, Ich sterb vor
lust, ich platz an, ich fall an, ich schmeiss, ich zerreiss, ich beiss, ich schiss,
spei Feuer, schlag aus, werff mit Steinen, stoss mit Ferssen, schlag tod, ohn
genod. Auff, auff, rufft Picrochol, truckt, ruckt hernach, ungesaumpt, wer mich
lieb hat, folg mir, tu wie ich, der Teuffel hol den letzten, den nächsten beim
Kachelofen, den hindersten fauln arss wöllen wir auch wie die Scyten dem Mars
opffern: Occupet extremum scabies. Das Glockfeur schlag dem hindersten ins Loch,
dass alles verprenn, was kompt hernach. Es ist nimmer gut der letzt sein. Dann
under den Storcken, welcher am letzten inn Asia ankompt, den zerreissen die
andern. Trommenschleger schlag drauff, Trommeter Plass auff: zuckt, haut, stecht:
werfft alle Nuss und Holtzöpffel herab, dann die stumpffe Stossdegen sind mächtig
gut dazu: aber nicht die stumpffe Zän. Nun stumpfft, kumpff, rumpff, und
stumpff: Tut die Augen auff unnd die händ zu: speiet fornen Feuer unnd scheisst
hindenauss funcken: schnurrt, murrt und burrt wie dort der Heiden hauff: brumpt
ein Bass wie ein Hurnauss inn eim Stiffel: haltet den Schilt wider den Trüssel,
und schreiet das es widerhallt, als käm der Teuffel mit gewalt. Dann wie Homerus
schreibet, welchs teil under den Troianern und Griechen am besten hat schreien
können, dasselb hats müssen gewinnen. Dann hie gewints non ordo, sed horror.
Nemm ein jeder ein Strick mit, dass wir sie all hencken, Gott behüt unsere Hälss.
 
                        Das Siben und dreisigst Capitel.
 Wie Gurgellantuwal von Paris auffprach sein Land zuretten, unnd wie Kampffkeib
                   genant Gymnastes die Feind tet betretten.
Gleich zur stund als Gargantua seins Vatters Prieff verlass, sass er auff sein
obengedacht Lastmaul, welches er sidher allzeit auff der Streu gehalten, dann ih
m die von Paris ein grosse Pfrund als eim Königlichen Professor darzu geschenckt
hatten: Unnd eh sich einer umbsah war er schon bei der NonnenPruck. Kundlob,
Kampffkeib und Wolbeart namen Postpferd dass sie ihm folgten: Dann damals hat der
Genueser mit seinen Kutschen allda kein Privilegy den Postpferden aussgebracht.
Das ander Gesind und angeheng zogen ordenlicher Tagreisenweiss hernach, und
führten alle seine Bücher unnd Philosophische Instrument mit.
    Als er nun gen Parille kam, nam er vom Sennenmeier zu Guget kundschaft
ein, wie Picrochol Clermaltburg eingenommen, und den Hauptmann Wurststumpen mit
eim grossen Hör auff den Forst von Vede voran geschickt, Valgaldrich
einzunemmen, unnd bereit es beschossen hab: auch wie Ungleublichen unnd
Unerhörten mutwill sie triben: Also dass er unserem jungen Tyroni unnd
Kriegsneuling schier ein schrecken einjagt, unnd nit wusst was er darzu sagen
solt. Aber Lobkund von Hohen Ehrnsteig rhiet ihm zu dem Herrn von Valguion,
welcher allzeit ihr lieber Bundsverwanter gewesen, zuziehen, da könten sie der
sachen besseren bericht empfangen: Fügten sich darauff zu ihm, den betraffen sie
gutwillig ihnen zuhelffen: Unnd war sein rhat, dass er etliche seins Volcks
ausssende die gegene zuberennen, zuerspähen wie sich die Feind halten: alsdann
daraus gelegenheit etwas fürzunemmen zuschöpffen. Kampffkeib erbot sich selbs
solchs zuverrichten, doch befand man gutrhatsam, dass er einen, welcher der
strassen, abweg und Wasser kündig wer, mit ihm neme. Zogen damit er und
Prelingant von Vorleckbruch, des Vauguions Trossart, dahin, steubeten und
spüreten unerschrocken alle tritt unnd spuren aus, das Wild wer inns Holtz oder
heraus gangen, Kacus hett die Kü beim Schwantz hindersich oder fürsich inn die
Höl gezogen, oder hett S. inn den sand gemalt, sie erschmacktens alles durch ein
Lollhafen der neun Heut hat, das Feuer im hindersten Winckel, wie eine treue
Inquisitormuck, sahen Luchssenmäsig durch Neun Zäun wie ein Reiger, rochen ein
frischen Treck hinder vier Mauren, wie ein AeckerSau.
    Unter des erquickt sich Gargantua etwas mit den seinen, unnd liess seim
Lastbaren Jument ein Picotin oder Strassburgischen Kolerruckkorb mit Habern
geben, der hielt sechtzig unnd viertzehen Mess oder Sester. Keibkamp und sein
Gesell ritten so lang herumb, biss sie die Feind sahen hin und wider zerstreiet,
umbgarten, stelen und rauben, was sie ankamen: So bald sie nun diese zwen
Kompanen erplickten, meinten sie auch da ein beut zu erbeuteln, lieffen so weit
als sie die sahen zu, sie nider zulegen unnd zu Plündern: Da ruffet Keibkamp:
Holla ihr Stallbrüder, holla, hüpschlich ihr Jungherrn, hüpschlich, was wolt ihr
mit mir anfangen, ihr secht doch, ich bin nur ein armer Teuffel hei, pfei, gehei
dich, tu mir disen Treck von der Nasen, wie bald ging der Teuffel los, ä, ä,
beweisst mir genad. Ich hab noch etlich Kronen, die wöllen wir mit einander
vertrincken, dann es ist Aurum potabile, unnd diss Ross mag man verkauffen meinen
Willkomm zuzahlen: Wa das geschicht, so bin ich der euer, ihr wolt mich dann
nicht: ich hetsch mit wie der Schulteiss von Stechfelden, der hieng mit, man kann
mir kein Spiel verderben. Dann botz elenFrantzosen, es sols mir keiner bald
vortun mit Hüner und Gänss stelen, wann mir eine aus der Scheuren entfleigt, so
will ich euch all im arss lecken, ich habs im Marggräfischen Zug gelehrnet:
Damals warn die Baurn gar einfeltig, verborgen die Hanen mit den Hennen: So doch
ein Han viel Hennen verrhat. Darzu bin ich ein Meister darauff sie on Wasser
zuprüen, zusengen, ohn die Köpff an ein Höltzinen Spiess zustecken, ohn
Hendschuch zuzerlegen, ohn ein Nadel unnd Fingerhut zuspicken, unnd bei dem
Steinen Steffan zuschlicken das es ein lust ist: Ich hab ihr wohl etwann zehen an
einer Spanischen Rapirklingen wissen zubraten, und trei am finger. Dann ihr mein
liebe Hundsfütt wüsst, im Krieg ist das gebratens das allerbest, man darff ihm zu
lieb nicht viel Häfen nachführn. Aber auff Türckisch Camelsfleisch underm Sattel
kochen, ist nicht für mich noch euch, ich seh euch an der Nasen wohl an, ihr werd
nie kein Ey under den Uchssen gewärmt haben: Aber botz Hodensack, wohl zwischen
den Beinen. Ja eben recht, man brüet auch Eyer im Bachofen aus: Ich kann sie auch
wohl rho ungeschelet und unauffgeklopfft essen: Ja eben ich, der ich hie steh,
besecht mirs Maul nur wohl, ich hab die Zän noch all, angebrent Hüner haben mir
nie kein plater geprent, wie heiss sie waren: dann ich hab ein Rollersmaul, ich
ess die Sup ungeplasen, und sauff darauff mit massen: Secht da, für mein
Proficiat will ich eim jeden guten Gesellen eins hie zutrincken: Zog damit sein
wohl verbicht Satteltäsch und Malschloss, darin guter Wein war, auff, tranck fein
erbarlich ein guts Positzlin, nicht dass er die Nass drein gesteckt het. Die
Hudeler gafften ihn an wie ein Kalb ein neu Tor, sperrten die gurgel schuweit
auff, und streckten die Zungen aus spannenlang wie ein Leitund, also durstig
waren sie: Aber Hauptmann Wurst eilet gleich auff der stätt hinzu, zubesichtigen
was es sei. Da bot ihm Kampffkieb gleich sein Flächlin, sich bei ihm
einzukauffen wie Ulysses beim Cyclops, sprechend: Secht da Herr Hauptmann,
Trinckt tapffer, ich hab ihn schon Credentzt, es ist Wein vom Scharlacherberg.
Was? sprach Hauptmann Wurststümpfling, der boss stumpfiert uns hie: wer bistu?
Ich bin leider, antwort Gimnaste, ein armer Teuffel. Ha wolan, sagt
Stumpffwurst, wann dann ein armer Teuffel bist, ist billich dass du weiter
fortstampest: dann all arme Teuffel, ziehen hin wo sie wöllen on Zoll. Aber es
ist nit der prauch, dass arme Teuffel also wohl beritten sind: derhalben mein
Juncker Teuffel steigt herab, unnd stelt mir euern Fuchsen zu, Unnd tregt er
mich nicht wohl, so müsst ihr Meister Teuffel mich tragen: Unnd solt kein danck
darzu haben. Dann ich frag nicht viel darnach, wann mich schon ein solcher
Teuffel hintregt, doch nicht wie die Pfaffenkellerin durch den Schornstein:
Zeich hin Höllenjungherr, lass mir den beropfften Vogel, behalt dir die Federn.
 
                        Das Acht und dreissigst Capitel.
Wie Gimnaste Supplikatzenweiss und hinderlistig den Hauptmann Wurststümpfling und
             sein Volck umbracht, und also sein Leben davon bracht.
Nach dem solche wort aussgestossen worden, fieng etlichen unter ihnen das gesäss
zutottern, unnd dass Haar zugrausen, unnd mit allen Henden kreutz für sich
zumachen, und sich inn alle macht zusegnen: Dann sie nicht anders meinten, als
es wer ein vermumpter, vergalsterter, vergstalter, fleischechter Leibhafter
Teuffel. Unnd einer unter ihnen Don Joan von Montecuculo, Hauptmann über die
Francktopinen: Zog alsbald sein Horasbüchlin aus dem Latz, oder ihm
überschäfftlin gleich dabei, fieng an zwen Finger ins Maul zustossen, zunetzen
und zu pletteren und zimmlich laut zuschreien, Hagios ho teos, Inn principio
erat, etc. Bistu von Gott, so gib ein warzeichen, bistus nicht, so pack dich
hinweg: Aber er packt sich drumb nicht: Sagt Nolle: Wie Nollis? Non, quia
rumpelnas in Grammateica. Wie, gibst nichts auff Frater Jeronimum Meng, das
Flagellum Dæmonum: Exorciso, Exorcizo, Adiuro, bei der Schlangenhaut, die S.
Paulus in der Insel Malta am Finger beschwur. Welches als es viel aus der Rott
hörten, liesen sie den Teuffel S. Lönhart haben, der hat viel Ketten: und stalen
sich ab: andere griffen unter den Arm nach ihren Wundsegen mit Fledermaussblut
geschriben: etlich machten auff Schotisch ein kreutz in Sand und stelten den fuss
drauff, und flohen doch: etlich zogen ihre Kinderpälglin herfür, etlich
abgeschnitten Diebszähen, und Diebstreng, auch Wolffsaugen, und des Bocks hart
inn schwartze Katerheut eingewickelt: etlich Jungfraupergamen mit Kinderschmaltz
geschriben, die andere Krottensegen.
    Die einfeltigsten zogen Brot aus dem Busen, fünffpletterklee, Grüselbeer,
Kreutzblumen, Mörzwibel, die ihnen ihr GrossMuter lang im Schornsteinloch verwart
gehabt: meinten also dem Teuffel zuentfliehen: Welches alles Kampkeib genau war
nam, als ein durchtribener Eissvogel: Derwegen solchen wahn zustärchen, nam er
sich an, als ob er vom Pferd steigen wolt und supplicieren, behielt sein
verborgen Bastartkling an der Seiten, unnd krümpt sich zusamen wie ein Hogeriger
Igel, liess sich also Mörkatzengestalt ab den Stegreiffzigel, wendet darmit den
Sattel unter den Bauch, bald schwang er sich durch die hinderste Bein, mit der
Zung durch die Kerb fahrend auff des Pferds rucken, stellt seinen Arss gegen dem
Kopff, unnd das Gesicht gegen dem Schwantz, nam den Zigel inns Maul und die
Hengriemen inn beide Händ, zog also ständling den Sattel wider hinauff, unnd
stellt sich mit gleichen füssen darauff, unnd sprach damit Mein Glück hat ein
Krebsgang, wie ichs anfang und hindergang. Folgends wie er also stund, macht er
ein Storckenbein unnd Gambade auff eim Fuss, kehrt sich zur lincken, und traff
allzeit eben den vorigen stand, knappt alsdann wie ein Weber von den Fersen zu
den Zehen, unnd schlug mit beiden Händen die Trommen auff dem Maul, verkehrt die
Augen, rimpffet die Nass, regt die Stirn, Augbroen und Ohren als der Adelichst
Mülleresel: zog das Hembd aus dem Latz, und wischt die Nass dran, kehrts herumb,
da war der Rotz gelb worden.
    Da sprach Hauptmann Wurststumpen: Ha gesell, das hat hie nicht platz, spars
auff ein andermal. Ein treck, sagt Kampffkeib, ich hab gefelet, ich will den
Sprung verbesseren. Wand sich darmit geschwind inn aller macht auff dem
Storckenbein zur rechten hand wie ein lincker Haspler, neigt sich im schwung,
und setzt flugs den rechten daumen auff den sattelbogen, hub den leib inn die
lufft, also dass er den ganzen leib allein mit den fleischmauen und Spannadern
des Daumens inn der Wag auffhielt und sich zum dritten mal radsweiss herumb liess.
    Zum viertenmal sprang er freies fusses, dem Ross über den Kopff, trehet sich
herumb wie ein Topff, flugs sprang er nach des Pferds Ohren, erwischt sie, und
übergab sich also dass er auff den lincken daumen kam, unnd auch wie vor im
Rädlin herumb fuhr wie ein Windmül, schmiss zugleich darauff mit der rechten
flachen hand auff den mitteln Sattel, dass es im Tal widerhallet, unnd nam ein
solchen Schwang, dass er im Sattel wie ein Frau zusitzen kam, doch nicht wie ein
Hundsruckerin, dann dieselben sitzen grattelig wann sie zu Acker fahren, und
schadet ihnen nichts am bruntzen. Darnach schwang er den rechten Fuss allgemach
über den bogen, unnd setzt sich wie ein anderer Reutter auff das hinderteil,
allda ihm ein Nestel zersprang. Aber, sprach er, es ist besser, dass ich mich inn
den Sattel schraub, dann darneben zusitzen ist jedem erlaubt: setzt darauff
beide daumen strack für sich, übergab den arss inn die höhe über den kopff, also
dass er recht zusitzen inn Sattel kam: Folgends inn eim Lufftsprung erhub er sich
wider mit ganzem leib inn die höhe, hupfft geschrenckt mit den füssen auff den
zwen Sattelbogen hin unnd wider, wie die Hörbauckener mit den händen Trommen
schlagen: dann mit den füssen hab ichs noch nicht gesehen: Darnach bezog er ein
Laut an den Zähen die Waden hinauff, unnd schlug auff den Zitterigen arssbacken
über dem Sternen, daraus ein schöner ton und geruch folget. Und nach diesem
allem, erstund er wider mit zugetanen füssen inn den Sattel, rädelt wohl
hundertmal herumb, wie ein Habergeiss, die händ kreutzweiss aussstreckend, dass eim
das gesicht darob vergieng, unnd unter des rufft er grell unnd hell. Hui
Teuffel, ich muss verrasen, hui Astarot, Belial, ich vertob, halten mich, hui
Teuffel halten, hei halten den Schelmen, hui Beelebub, Leviatan.
    Mittlerweil er also rädlenspielet, vergassen die Hudler die Mäuler auff, und
sprach je einer zum andern, Botz sacker menschenkopff, das ist ein
Zunselgespenst: ja wohl Zunssler, par la merdee, es ist ein verbutzter Teuffel,
Bei dem sackerleiden, der leibhaft butz, behüt uns das heilig kreutz, versteht
er nit Teutsch, so sags ihm Latin, ab hoste maligno libera nos Domine. Hei es
ist ein Tauber Teuffel: er hört nit: oder ist ein Bullenteuffel, die sich
annemmen, sie verstehn das hoch Latin inn den Ablassbriefen nit, unnd wann fromme
Leut als dann dieselben ins Fegfeur bringen, wischen sie den arss dran. Oho, hie
ist meins bleibens nit mehr: mein bestallung lautet wider keinen Teuffel: Hui
das keiner den andern halt, hui dem Teuffel zu: Flohen damit wie tausent
Teuffel, unnd sahen hindersich wie ein Hund der etwas vom Bratspiss hat gezogen,
oder der die Blater am hindern kleben hat.
    Da Kampffkeib disen vorteil ersah, er vom Pferd, zeicht von leder,
hernach, lauffst nicht so hast nicht, stach unnd hieb inn den dicksten hauffen,
erlegt sie kluppenweiss wie hohe Berg zusamen von verwunten unnd erschlagenen,
nicht dass sich einer zur Wehr stalte. Dann sie aus seim wunderdürmeligen
dummelen unnd den worten, die ihr Wurststümpfling aussgestossen, da er ihn ein
armen Teuffel hiess, nicht anders meinten, als wer es ein aussgelassener
erhungerter Teuffel: Gleichwol wolt Stümmelwurst (der sich auff sein geweihete
Schuch verliess, weil er kurtz zuvor inn ein Kirch gebrochen war, unnd den
Pfaffen zu schmach die Schuch mit Chrisam geschmiert hatte) ihm ein
Hauptmannsstück beweisen, und ihm hindenzu mit eim Landsknechtsdegen den Schetel
spalten, aber er war zu wohl bebeckelhaubet, dass er nichts als den streich
fühlet, unnd kehrt sich flugs umb, schoss ein Spiss, den er der erschlagenen eim
genommen, auff ihn, unnd unter des derselbig sich obenzu will schützen, zerhieb
er ihm durch ein mittelhau die Lumpen, den halben Wolffsdarm und ein stuck von
der Leber, dass er zur Erden ful, wie ein Ochs, unnd meh dann vier
Kottfleischhäfen, mit Suppen von sich gab, und die gut schmutzig Seel zugleich
unter der Suppen vermischt: also wüst entful dem Hauptmann Wurst der Löffel.
    Welches nach dem der Gimnaste verrichtet, zohe er wider ab, inn bedenckung,
dass man ein glückfällig wagstück nimmermehr zu keck, soll treiben und vollführen
zum entlichen Zweck: und das wolfärig Glück halten ehrerbietig, es nit
übertreiben, plagen und bemühen zu viel frechmütig unnd freudenwütig? Dann zu
hoch gürten sprengt die Gurt, zuviel gepack zerreisst den Sack: eim flüchtigen
mag inn der flucht aus scham und nottringlichkeit wider der mut wachssen, unnd
aus notwehr ein Todwehr machen: Es ist die alt Kriegsregel, eim fliehenden Feind
bau ein guldene Bruck, dass er nur bald und sicher drüber ruck, aber vermach dem
Fuchs die luck, dass er nicht wider umbruck unnd meh Hennen zuck. Der wegen sass
er wider zu Pferd, gab ihm die Sporen, unnd ritt stracks pfads mit seim Gespan
wider zu seim Herrn: flucht unterwegen dem Teuffel ein Bein aus dem Arss, unnd
dass linck Horn vom Kopff, er wolt ihnen auff die Kirchweih kommen.
 
                        Das Neun und dreissigst Capitel.
Wie Gurgelstrozza das Schloss am Furt zu Vede zerstöret, unnd über den Furt zog,
                           da er sich dapffer wehret.
Als er ankommen, erzählt er inn welcher gestalt er die Feind angetroffen, und
wie er durch ein geschwind Kriegsstück allein ein ganz Herd Kyklopocoler,
Picrocholer unnd Bittergroller auffgeriben hab, unnd dass sich vor ihnen nicht
zubesorgen sei, dann es weren nichts als Huderbutzen, Grindpfutzen, Fetzglocken,
Raumsfelder, Marterhansen, Hans Humm, Muffmaffen, Bauernelementer, die gar kein
Kriegsweiss wissen als stelen und rauben: Derhalben sollen sie sich frisch an sie
machen, sie werden sie wie das Viech schlachten.
    Hirauff macht sich Gargantoa auff sein schwantzlappenmaul und zusampt ihm
alle seine obgedachte mitgefärten zu Ross: Und als er unterwegen ein grossen
hohen baum antraf, welchen man gemeinlich S. Martins baum nant, dieweil er aus
des guten heiligen Bilgerstab, den er einmal dahin gepflantzt, soll gewachssen
sein (wie der Dornstrauch im Schonbach von des Hertzogs Eberhard mit dem Bart
Laubstrauss) da macht er ihm ein Spanisch Bäselosmanos, und sprach, Sehe da, was
mir gefehlet hat: dieser baum soll mir für ein Leitstab unnd Spiess dienen: riss
ihn derwegen flugs leichtfertig aus wie ein anderer Christoffel, behieb ihm die
äst, unnd machts wie ihrs gern esst. Unter des stallet sein Libysch Maultier die
blass zuentlähren: und dasselbige so überflüssig, dass auff siben meilen ein Flut
drauss ward, als ob das Mör ein Tamm inn Seeland eingerissen hett. Auch luff
alles das Seichwasser an den furt zu Vede, unnd schwemmet den fluss so blötzlich
unnd gewaltig, dass alle die daselbst ligenden geschwader der Feind schrecklich
ersoffen, aussgenommen etlich wenig, die den weg zur lincken auff die höhe namen.
    Gargantoa als er umb die gegene des Forstes zu Vede kam, ward er vom Gotart
Wolbeigeist gewarnet, dass im Schloss noch etlich Feind legen: welches zuerfahren,
rüffet Gargantoa als fast er mocht. Seit ihr drinn, oder nicht? seit ihr drinn,
so secht und geht drauss: seit ihr nicht drinn, ha so darf es nicht der Wort.
Aber ein schelmischer Schützenmeister, so die kunst vom Juden, der den Hertzog
Albrecht von Mechelburg vor Franckfort erschoss, gelehrnt, und auff der Bastei,
welche die Frantzosen Machicoulis unnd wir Nagloch heissen, stund richtet ein
stuck büchssen nach ihm, unnd schoss ihn grausamlich auff die rechte Schläffe,
aber schadet ihm eben so wenig als ob ihn einer mit eim Pfirsichkern geschnelt
het. Was ist das? sprach Gargantoa, werfft ihr mit Traubenbören zu? der Herbst
soll euch wohl etwas kosten: meint also nit anders dann es weren der grösten
Cananeischen Traubenbör eine gewesen: seufftzt derhalben drüber, dass sie die
Edel Kreatur so übel anlegten, gleich wie die Spangrünköch.
    Die so im Schloss waren und ein weil mit dem Tachballen kurtzweilten, als sie
diss vorgedacht tonnerend geschrei vernamen, wischten auff was hand unnd fuss hat,
liessen etlich die wehr dahinden, setzten das hinder herfür, und kamen also
uneingenestelt, schnaufend auff die Türn unnd Pollwerck gelauffen, taten wohl
neun tausent fünff unnd zwentzig schuss aus Falckonetlin unnd Toppelhacken nach
ihm, dass ihm die Kugeln umb den Kopff sausseten, als ob die Meikäfer geflogen
kämen, und so dich in einander wie die Türcken Flitschen, dass er kein Himmel
sah, unnd ihm den Lufft verschlug Atam zu schöpffen: da fieng er an zukeuchen,
als ob man ihn mit kalt Wasser beschütt, und schry, Ha ha, Kundlob mein Freund,
dise Mucken hie werden mich noch gar blenden: reich mir etliche Weidenbäume für
ein Muckenwadel oder Fuchsschwantz her, sie zuverscheichen: dann er sah dise
Eisenmucken für Rossbrämen an.
    Ponocrates berichtet ihn, dass sie also aus ihren Schlebüchssen,
Schlüsselbüchssen und Vogelroren, Kirsenstein schnellten, aber es werd sie nicht
vil helfen, diss Wetter sei ein übergang. Er soll an jenen Teutschen Keiser
gedencken, welcher als er für ein feindliche Statt inn Italien überzog, unnd sie
ungeschwunden ding mit Büchsstralen zu ihm heraus prassleten, tonnerten und
hurnaussten, unnd ihm viel an der Seit erschossen, zog er den Helmlin ab, unnd
sprach, Oho lass rauschen, Herrn haben mehr Glück als dass sie so liederlich von
disen Pillulen sterben: man find von keim Teutschen Keiser, der vom Geschütz
erlegt sei, aber sonst wohl dass ihnen ein Sakramentloser Mönch im Sakrament
vergab. Papst Hiltebrand fehlet auch, da er unter der Mess vom Kirchengeweib ein
stein auff Keiser Heinrichen den vierten wurff. Derhalben unerschrocken dran,
drara, dran, mit dem kopff voran, er ist rund, es haftet nichts dran, können
sie eins, können wirs ander, sie poltern, wihr foltern. Hiemit schirmt unnd
stürmet Gargantoa mit seim grossen bäum so hurlebausisch wider das Schloss, dass
er Turn, Mauren unnd Pollwerck niderstiess, zerbrach, zerschmettert unnd zerriss,
als ob alle Römer mit Böcken angelauffen weren: also dass alle die so auff den
Festen stunden inn disem ersten lauff bliben. Von dannen zogen sie auff die
Mülbruck zu, unnd fanden den ganzen fürt so überhäuffig voll Todtenleich ligen,
dass sie dem Mülwasser den lauf verstopfften. Und waren eben dise die jenigen,
die in des Lastmauls seich verdarben. Da giengen sie zu rhat, wie sie über disen
schelmenhauffen kommen sollten. Aber Kumpfkieb sprach. Sind die Teuffel hinuber
kommen, will ich auch wohl hinüber, Was? sagt Gutart, der Teuffel mit dir, Gott
mitt uns, schriben etwan die Griechen dem Babst: Die Teuffel, mustu wissen,
haben da jenseit zuschaffen unnd geleit gehabt, dann sie die verdampfe Seelen
haben müssen holen. Ha Kürissbuss, sprach der von Lobsteig, so wird er gewiss auch
hinüber kommen, dann er ist der armen hungerigen Teuffel einer: treibt nit der
hunger den Wolf über schnee und eiss? Auch des eh kompt er drüber, wann er sich
nit mit seeltragen beschwäret: des minder schreien ihm die Pfaffen nach, die
kein Seel verloren lassen werden: dann Seeltagen, Mähltragen. Aubeia, eia, sagt
Kampffkeib, lasst euch diss nicht grauen: komm ich nicht hinüber, so bleib ich im
Dörfflein Beitein weil unterwegen: pax mihi est cum mortuis. Stach damit sein
Pferd an, wischt hinüber wie ein Tartarpferd übers Mur nicht dass sein Pferd
einmal für den Toden gescheuet het. Dan er hette es nach Eliani lehr gewöhnet,
weder Seelen noch Tode leichnam zu scheuen, doch nicht auff Diomedisch, der sein
Ross mit Traciern und erschlagenen Gästen tet mesten, und ihre häupter wie
wildschweinen köpff an die Pfosten hefften: Noch wie Ulysses, der (wie Homerus
ihm zum lob, das scheltens werd, gedencket) seiner Feind tode körper den Pferden
unterstreiet. Nein solchen Todenlust hat er nicht, wie könig Metzenz von Metz
und Mentz, der die lebendige auff die Tode band, und dran verschmachten und
faulen liess: noch wie Babst Sergius, der seins Vorfaren toden leib köpffen liess,
und Cambyses der des Egiptischen Königs tod Ass geiseln hiess: noch wie sonst
Ketzermeister, die Tode aussgraben, und verbrennen: noch wie König Albowin auff
Essedonisch, der aus seines Schwähers Hirnschal ein Trinckschal macht: noch wie
Anteus der aus der erhangenen Hirn Pillulin für den Hundsbiss zubereitet. Noch
wie die feind Keisers Caligulæ, welche mit lust sein fleisch frassen fürgebend,
weil er sich für Gott aussgeben, müssen sie versuchen, ob Göttlich fleisch auch
wohl schmackt: ja Schelmenfleisch frass Schelmenfleisch. Noch wie der Litauisch
König Wütold (welcher so gehorsame Undertanen gehabt, dass wann er einen sich
hat hencken heissen, solchs gleich getan hat) der die Leut in Bärenhaut
vernehet, und die Hund an ihnen übet: wiewol diss stücklin auch wohl ein
weidmänischer Bischoff zu Saltzburg mit einer Hirtzhaut gekönt hat, wan er mit
den Wildschützen des Actæons spilet. Noch wie Alexander Magnus, der ein bruck
von toden Cörpern machet. Noch wie König Toas, der allen anlendenden die köpff
abhieb, und sie seiner Göttin Diane umb den Altar hieng: noch wie etlich Scytæ,
die ihrer Feind köpff auff den Helm heffteten, unnd aus ihren abgeschundenen
heuten glate Pferdsdecken machten: ja wohl gar Reutröck: überzogen auch mit der
Arssbackenhaut ihre Köcher, dörrten das Menschenfleisch, maltens, unnd gabens den
Pferden unders futer: (O wie vergönstig Leut, die den Würmen ihr Speiss
vergonnen.) Noch wie die Perser, die aus des Königs Ochi Todenbeinen handhaben
zu Schwerdgefässen machten: noch wie Pollio der die tode Knecht seinen Lampreten
fürwarff, noch wie Tracula, der zwischen der gespissten und gemarterten
todengestanck bancketieret, und wie Keiser Vitell (oder Kalb) der zwischen dem
stinckenden Menschenass spaciert: und darzu lustig sagt, ein erschlagener Feind
rieche wohl, aber viel besser ein toder Burger: noch wie die inn America, welche
die Kinder inn der erschlagenen blut duncken, unnd auff Jüdisch saugen: noch wie
Cicerons Frau, die ihren Knecht sein selbs abgehauenen arm zukochen und fressen
zwang: und der Eleer König Pantaleon, der den Legaten aussschnit, und sie ihr
eigen geschirr zuessen zwang: noch wie die Jesabelisch Königin in Franckreich,
die unter den toden Mannen umbzog, zusehen, wa es eim jeden gemangelt, dass er
keine Kinder zeuget: noch wie die Gasconier, die den kriegischen Pfaffen tote
Hund an Hals hiengen: anzuzeigen dass ein schelm am andern hieng: noch wie die
Türeken vor Wien, die aus der Christen auffgeschnittenen unnd aussgenommenen
leibern ihren geulen krippen machten, und bänck aus erschlagenen
Christenhauffen, und wann sie nit Seiler noch Strick genug hatten, Riemen von
Menschenheuten schnitten, andere mit zubinden unnd zuknipffen: noch wie die
Spanier, die auff Cilicisch unnd fallensüchtisch aus der erschlagenen Wunden
Blut sauffen: noch wie die unfietige Pariser, die den Leuten aussschneiden,
Paternoster daraus zumachen: Tode in Rauch zuhencken, ihre Ohren, Händ und
anders in Pasteten zufüllen und einander zuverehren. Nein, so greulich war er
nit, wie Teuffelisch er war, mit solcher schelmenübung gewönet er weder sich
noch sein Pacolletrösslin untodenscheu und gespenstfrei zusein: sonder legt ihm
sonst ein gespenst in sein futer, auff dass es also darüber gewonet. Die andern
drei folgten ihm ohn einigen anstoss nach, aussgenommen Gottart Wolbeikopff,
welcher mit seim Pferd eim grossen feissten Schelmen, der da ersoffen war, mit
dem rechten Schenckel biss an die Kniebüg inn den Bauch ful, und dermassen
bestack, dass ers nit mehr heraus bringen kont, biss ihm Gargantoa zu hilff kam,
und mit dem äusersten seins Stabs dem schelmen die Kutteln ins Wasser hinab
stiess und senckt, dass das Pferd die Schenckel wider heraus renckt, sonst
wickelten sich die därm umb die füss wie die Schlangen umb den Troianischen
tropffen Laocoon. Und welchs wunderlich in der Hippiatri oder Rossartznei
zumereken, so war durch disen fall das Pferd von eim Überbein, welchs es am
selbigen fuss hat, geheilet, nur aus anregung dieses grosses unflats gedärm:
welchs dann auch des Bapsts Nef Hertzog Octavian im Schmalcaldischen Krieg an
seinen Welschen Pferden probieren wolt, da er inn der Teutschen blut biss an die
Sättel gedacht zureuten: aber die kunst fehlt ihm, dann er war zu frü
auffgestanden, er bückt sich nach eim Strohalm, vermeinend es wer Gold, und
richtet sich auff wie ein Ginaff. Jedoch fress mich eben so mehr ein Wolff als
ein Schaf, dann er wird nicht so lang an mir käuen, auch mich bälder verdäuen.
Demnach doch die sag geht, es tu den Toden wohl, wan sie kommen in ein erden,
darin die Cörper bald erfaulet werden: Di es erfaren haben, werden darvon wissen
zusagen.
 
                            Das Viertzigst Capitel.
 Wie dem Strozzagurgel, als er sich strälet und butzet, die Büchssenkugeln aus
                        dem Haar fulen mit viel tutzent.
So bald sie über den fluss Vede gesatzt, kamen sie nach einer kleinen weil inn
des Grandgoschiers Schlos Nichilburg, welcher ihren mit grossem verlangen
wartete. Und als sie einander ansichtig worden, empfiengen sie einander auff das
freundlichst: euer lebenlang habt ihr nit leut gesehen, die frölicher gewesen.
Dan das Supplement supplementi Chronicorum meld, dass unsers Grosstrosseis gemalin
Gurgelmelle vor fräuden gestorben sei, meins teils weis ich nichts davon,
bekömmert mich auch weder ihrer noch anderer halben darumb. Aber dieses ist
nicht unwar, dass nach dem sich Gargantoa mit frischen Kleidern angetan, und nun
angefangen sich mit eim Sträl von hundert und etwas mehr ungerad Zänen, welche
wie oben gehört, ganze Elephanten Zän waren, zukemmen unnd zu reiben, da fielen
zu einer jeden huschen übersich und jedem abzug untersich heraus mehr dann
sieben Ballen kugeln, welche ihm inn zerstörung dess Forsts Vede im langen haar
behangen gebliben. Welchs als es sein Vatter Grangusier ersehen, meint  er es
weren Läuss, und sagt zu ihm. Botz Elenguckguck mein lieber Son, bringst du uns
so weit dass Ungarisch Vihe her, dise Ulmerschiltlin, und die Sperber aus dem
Collegio Montis acuti? Ich meint nit, das dich daselbs auch gehalten habst. Da
antwortet der von Lobkundsteig sein hofmeister: Gnädigster Herr, E. Mt: verdenck
mich nicht, als ob ich ihn inns Läusscollegium, des Montaguischen Spitzbergs
getan het: Dan was wolt er bei den Spitzbergern unnd spitzmäuligen Spitzmäusen
gelernet haben, als greulichkeit und Schelmenwerck: Es klagt dodi vor kurtzen
langen zeiten auch der alt Niclauss Herman inn seinen Jochimstalerischen Liedern
über solche garstige Schulhäuser, die Bütteleien, Schindereien, Henckereien, da
man mitten unter Ratten und Mäusen, Flöhen, Wantzen und Läusen, und was der
Bursalia mehr mit dem Beanischen Bachantischen Lupus gefrett sein. Ich wolt ihn
ehe zu den Mörkätzlin, unnd Preceptorn im langen Hemd, oder die fretterei zu
Sant Innocent getan haben. Dann man halt gefangene und taube vil besser bei den
Mauren und Tartarn, die Mörder die umb das Leben gefangen ligen, Ja die Hund bei
euch, als die arme schweiss im gemelten spitz Collegi: Es ist ein recht
Studentengalee: Und wer ich König zu Paris, oder der Teuffel hol mich, wa ichs
nicht ansteckte und verbrente, den Principal sampt dem Pedagogo und Regenten:
die solcher unmenschlichen tractierung zusehen, unnd es nicht verbessern.
    Demnach hub Rumsteig eine der Kugel auff, und sprach: dz sind schüss aus
stuck büchsen, welche zu euerm Son verräterlich aus Vede neulich geschossen
worden: Aber sie haben es wohl mit der haut bezalt, dann das Schloss hat sie im
Sturm all erschlagen, wie die Philister, da Samson blindenmäusig die Seulen
umbriss. Derhalben wer mein Rhat, dass man dem Glück nachstellt, allweil es
getreulich mit uns hält. Dann des Truckers zu franckfort Frau Gelegenheit, hat
nur haarlock an der Stirnen breit, übersicht mans, dass man sie nit vornen darbei
erwischt, so ist sie entwischt, dann hinden zu ist sie kaahl, und nimmer
zuerhaschen überall. Wann kompt Hanss Fug, so sehe unnd lug, unnd tu ihm gnug,
Kommet aber Fritz Regenspat, so dörrt rhat und tat. Warlich, sprach Grangosier,
das kann jetzund so einsmals nidit sein, dann ich muss euch disen abend vor den
Willkomm schencken: und seit mir hiemit all wolkommen: dann man sagt auch
hingegen, wann der Fischangler zog zu früh, so fung er nie: unnd wein so giret
frü, druset auch frü.
    Darauff fieng man an das Nachtessen zubereiten, als ob der verloren Sohn
kommen wer: und worden neben anderm gebraten, 16 Ochssen, 32 Kälber, 63 saugende
Geisslin, 24 fünftzehen Hämmel für Chammeel. 300 Bärgk und Färcklin von der
Milch kommend, guts Mosts, 400 Kappen von Cornovaille unnd Genff, viertzehen
hundert Hasen aus dem land Lützelburg, unnd sonst vil hundert Kalecutisch
Hennen. Von Wildbrett kont man so bald etwas statlichs nit zu wegen bringen, on
einliff hauend Schwein, welche der Abt von Turpenach und Stürtzelbronn schickt,
und achtzehen stuck hohes wilds des roten Wildprets, Welche der Herr von
Grandmont gab: zusampt 27 Phasanen, und Urhanen, die der Herr von Essars sandt,
unnd etlich totzend Ringeltäublin, wild Enten, Antvögel, Bachentlin,
Kruckentlin, Dauchentlin, Haselhüner, wachteln, Repphüner, Schnepffen, Fincken,
Rorhänlin, Wasserhünlin, Pfoen, Schwemmergenss, Hagelgänss, Trappgänss, Zapgänss,
Kramatvögel, junge Kreuch, Plovögel, Böllhinn, Prachvögel, Scheltrachen,
Scholucher, Fluder, Gifitzen, Hegeschär, Mattkern, Kopprigerle, Meben, Mistler,
Schneehüner, Holbrot unnd sonst ein geschwader Merchen unnd Lerchen: unnd
starcke Bastei von guten brülin und suppen: alles überflüssig: und ordenlich
zugericht aus dem Mentzischen Kochbuch durch Armengast wurstpumper, Haberlötz
Schüttdenbrei, Claudi Frippesaulce, Nicola, Hoschepott, und Pilleverius des
Grandgusiers Mundköch und Kässcredentzer: aber Hänsslin Mühebchen, öberster
Glassäuberer, Holwin, Schwenckglass, genant Verrenet, Birolff Raum die kann, unnd
Gosswin Moststempffel trugen bei der schwere zutrincken auff, unmüsiger als einer
Reiberin oder Wassersteltzen arss.
 
                        Das Ein und Viertzigst Capitel.
  Wie Gurgelstrozza im Salat, sechs Bilger ass, oder (umb Reimens willen) frat.
Jetzund fallt uns eben ein wunderliche geschicht ein, die sich damals mit 6
Pilgern hat zugetragen: Dieselbigen gute Muscheln könig, kamen eben zur zeit
diser unruh von S. Sebastian bei Nantes inn Britanien gelegen, unnd vor sorg der
feind, hatten sie sich inn ein Garten hinder die Bonenstengel, hindern langen
Lattich und breite Köl versteckt und gestreckt, meinten allda wohl zulosieren.
Gurgelstrozza aber war eben damals etwas unlustig, unnd fraget, ob man nit
Kropfflattich gehaben möge, ein Köpffelsalat mit Köl vermengt zumachen. Als er
nun verstund, dass die schönsten und grösten im ganzen Land daselbs wachssen, so
gross als die Pflaum unnd Nussbäume hie aussen, ging er für lust selbs dahin, und
bracht ein Handvoll desselben, so vil ihn genug bedaucht, mit, und zugleich auch
darin die sechs Pilger, welche vor forcht nicht reden noch husten dorfften,
geschweig ein fürtzlin lassen, dass kein wunder gewesen, es hett sie aller
Schwindel angestossen.
    Als er nun den Salat erstlich beim Bronnen Wasserstein oder Röhrkasten (dann
ich wills wandel haben) geweschen, sprachen die Jacobsbrüder heimlich zusammen:
Ei, ei, was will das werden? wir ersauffen wohl hie zwischen dem Lattig: wollen
wir uns hören lassen? aber reden wir, so töd er uns gewiss für Kundschafter:
Unter des sie also rahtschlagten, legt sie Gargantoa mit dem Lattich inn ein
Platt, so gross als die Tonn zu Cisteaux, unnd sibenmal grösser als der rund
napff vor dem Domm zu Spir welchen man zu jedes Bischofs einritt mitt wein
füllt, unnd gute arme schlucker sich redlich darumb rauffen lässt: Der Salat war
beräit das fläisch darin schmückt sich, er streifft die Aermel hindersich,
griff darein, unnd ass es also mit öl, Essig unnd Saltz hinein, vor dem essen
sich zuerfrischen, unnd het bereit fünff Pilger verschlungen, der sechst lag inn
der Schüssel unter eim Lattichblatt, in einander Igelmäsig gekrümt, gepfumpfft
und gewickelt, als het man ihn inn eim Mörsel zusammen gestossen, und die
Ballenbinder zu Franckfort zusammen gerollt, oder als der im kalten bett ligt,
und die füss ins loch und die knie inns maul steckt, aber so genau hat er sich
nicht geschmuckt, das ihm nit der Messenbeschlagen Bilgerstab hett herfür
geguckt. Welchen als der Grandgoschier ersah, sprach er zum Gargantua, Ich glaub
es gutz da ein Schneckenhorn herfur, nicht ess es. Warumb? sagt Gargantoa, es ist
disen ganzen Monat gesund: griff damit zum stab, unnd hub den Pilger zugleich
under dem Lattigblatt auf, und zecht ihn lustig mit dem andern gekraut hinweg:
Tat darauff ein guten suff furnen Wein, und wartet demnach wann man das
Nachtessen zurüstet.
    Die verschluckte Bilger, wandten und schraubten sich, so vil ihn möglich,
aus seinen Malzänen, vermeinend, man het sie vileicht inn die äusserste
finsternuss eins Kerckers, und das unterst gewelb eines Turns oder ins
Hechssenkämmerlin geworffen, da den letzten Heller zubezalen. Aber als
Strosagurgel den Küsuf tat, meinten sie nicht anders, dann sie müsten all im
Maul ersauffen: Auch hett sie beinah der anlauffend stram des Weins in abgrund
seins magens geschwemmet und getriben, doch erhielten sie sich Ritterlich mit
den Pilgerkrucken, und sprangen damit wie die Frisische Botten über die
Tammgräben, biss sie die grentze oder das gezäun der Zän, wie es Homerus septum
dentium heisst, widerumb erlangten: da fing zu allem unglück einer unter ihnen an
mit seim stock auffs Land zuschmeissen, zufülen ob sie sicher weren, und fest
Land erreicht hetten: dann derselb hat etwann von dem Walfisch gehört, welcher
so vil Sand und Erd auff den Rucken nimpt, das, wann er im Mör ligt, es ein
Insel scheinet, und so die Schifleut die äncker drauff anwerffen, dieselbigen zu
grund gehn: Derwegen wolt ers besser versehen, unnd schmiss so heftig durch ein
grub eines holen Zans, dass er ein Ader des Kinbackens traff, und der streich
auff ein geschwollen Zanfleisch abglitschet, davon ein solcher schmertzen dem
Gurgellantua entstund, dass er gleichsam inn einer Tobsucht Mordio schri, und wie
ein tolle Ganss im Kreis herumb lieff. Doch dem übel zuraten, hiss er ihm seinen
Zansteurer pringen, stach stracks gegen dem Nussbaum zu, da der specht angehauen
hat, und hub da meine liebe Junghern von Sant Jacob aus dem Nest. Dann den einen
erhascht er beim Bein, den andern bei der Pilgertaschen, den tritten bei der
muschelhaft, damit er den Mantel zuband, den vierten bei dem Dieb oder
Schiebsack unnd Plodergesäss, dass die stuck Prots hernach fulen, den fünften
durch ein schnitt im Schuch, den er minders Truckens halben drein gekerbet hat,
also dass die Filtzsocken heraus ragten: Und den letzten armen JacobsPruder der
mit dem stecken hat anackern wölln, ergrappt er durch den Latz: Doch war es sein
gross gluck, dann er stach ihm damit ein hesslich Schlirgeschwär auff, welchs ihn
sidher sie von Ancenis aussgangen, hesslich plagte.
    Nach dem also die Pilger aussgehaben, unnd dort hinaus für besteckend gekräut
geschlaudert gewesen, flohen und stoben sie über die Heid hinüber, zohen den
hals inn sich, huben den Lincken Fuss Kreutzfertig auf, dass man sie inn kurtzem
verlor: Damit hört auch das Zanwe auff, Unnd kam eben zur stund Jungker Artdich
wohl, berufft sie zu tisch, dann es wer alles gerüst. So muss ich, sprach er, vor
hingehen mein unglück mit dem wasser abzuschlagen, und meim geselln ein
Aderlassen: fing darauff an so überflüssig zuharnen, dass dz wasser ein Welsche
meil von dannen lieff, und den Pilgern den weg verschlug, also dz sie darüber
nit watten konten: und einer, wie S. Sebald sein kotzen nemmen must, und darauff
hinüber schwimmen dann er het sonst geschwummen wie ein Wetzstein, weil er die
gröst unnd ungeschickst Mor unnder ihnen war. Als sie gleichwol mit Not hinüber
kommen, kamen sie inn ein andern unfall, und fulen alle, aussgenommen Cläusslin
Kleienfurtz von Fournilier, inn ein Zuggarn, welches den Wölffen gestellet ward:
daraus sie durch geschwindigkeit des gemelten Kleienfurtz entkamen, unnd war das
Mäuslin welchs dem Löwen aus dem Netz hülff, dann er alle Strick und Seiler als
ein Cordischen Knopff mit scharpffen langen Nägeln unnd spitzen Zänen zerriss
unnd zerbiss: Von dannen zogen sie auff Couldrai, und lagen dabei übernacht: da
ergetzten sie sich wider von allem überstandenen unglück. Dann ein belesener
Kautz unter ihnen, genant Zihdenbart Lasdaller von Träggänglingen, welcher aus
eim Kloster entloffen war, richtet sie durch tröstliche wort auff, unnd bewiss
ihnen auff Müntzerisch unnd Münsterisch Prophetisch, dass diese abenteur vom
David inn Psalmen were vorgesagt: cum exurgerent, forte vivos deglutissent nos:
Als man uns im Salat für Saltzkörnlin ass: (Wir weren als die ein flut erseufft)
als er den Suff tat. Torrentem transivit Anima nostra, als wir über die gross
Schwämm watteten, pertransit Aquam intollerabilem, Als er uns die Strass
unterschlug und verloff. (Gelobt der nit zugab, dass ihr schlund uns möcht
fangen, wie ein Vogel des Stricks kompt ab, ist unser Seel entgangen) Als wir
inn die Wolffstrick fulen: (Der Strick ist entzwei) durch des Furnilliers gute
Händ und Zän. Und wir sind Frei. Adiutorium nostrum etc. Secht da, diss reimt
sich, wie quatuor quadrigæ, des Propheten Zacharie, zu den vier Bettelorden:
Unnd wie dort, amo decorem Domus tuæ: Ich hab den Chor deins Doms lieb. Unnd wie
die Pasquillendichter die gute sprüch aus der Heiligen schrifft mutwillig auff i
hre aussrichtige verkleinerliche Materien verbiegen unnd herbei ziehen. Nun wer
kans alles umbrüsseln? Si non probitate, at pravitate: Es ist dannoch ein kunst,
inn ein jeden glockeoklang einen Text erdencken.
 
                        Das Zwei und viertzigst Capitel.
      Wie der obgemelt Ritterlich Mönch herrlich wohl vom Gurgellantua ward
           getractiert: Und von den schönen Tischreden, die er führt.
Da nu unser Durstgurgel getischet het, und der erste mumpffel verkröpft und
verdistillirt war, fing sein vatter Goschgros an den ursprung des Krigs zwischen
ihm und Picrochol zuwiderholen. Und untern anderm kam er auff den Bruder Jan
Onkapaunt, der wer ein rechter Jag den Teuffel, der solt zu Rom im Triumpff
daher getragen werden, der könn die Teuffel eintun, der könn die Gottshäuser
schützen. Und lobt ihn für alle schwangere bauren hinaus, ja über Camillum,
Scipionem, Pompeiüm, Cæsarem und Temistoclem: Da begert alsbald unser
Gurgelstross, dass man nach ihm schicke, sich mit ihm von sachen zuberhatschlagen.
Hizu ward sein hofmeister abgesand, der pracht ihn Mardocheisch auff des
Grandgusiers maulesel mit seiner Plogemalten Kreutzstangen lustig daher. So bald
er abgestigen unnd ins gemach getretten, da war nidits als alle freud, viel
Tausent Willkomm, viel Hundert guter Tag, Säck voll Grüss, ein solch handgebens,
hendschlagens, hendtruckens, die Händ auff die Kniestossens als ob alle Metziger
zu Lins auff den Viehmarckt zusammen kommen weren, Ungerisch vihe zukauffen: ein
solch umbfangens, ruckenklopffens, röcklinzerrens: höfischen anlachens,
hingebens, dass ein wunder war. Ha, he, bruder Jan, mein freund, bruder Jan, mein
groser vetter, Bruder Jan, botz 100 tausent Teuffel, dass dich Gott behüt, du
edler Bapst, dat di tusent Tüfel in die Lif fahren, hals mich doch mein Freund,
ha so umbfang du mich für meinen segen, reich mir doch das heilig
schmutzhändlin, dass libe täplin, die kreutzstangbewerte Ritterliche Faust: Da,
da du edler schwantz ich entnir dich schir vor lib, ich zertruck dich, ich fress
dich: jedoch ich schiss dich wider ei, lass mich nur an den saum deins kleids
greiffen, O du Heilige Vesper schell. Was solt unser bruder Jan bei solchem fest
tun, als nur sich herumm werffen, sich tummeln, da eim die recht, dem andern
die linck nemen, hie zwen zugleich ummfangen, dort dreien dancken: und seinen
hofman recht ausszulassen und zuerzeigen: dann er der werdest und anmütigest
Kerles war, der inn seiner Haut und kappen Stack. Da, da, sprach Gargantua, setz
den lieben schelmen und kuttenhämmel den schemmel da neben mich an dess eck hie
an meine grüne seit. Wol gut, sprach der Mönch, es ist mir lib, weils euch also
liebt: ich lass mich gern laden, wie lang häu: Ich folg den leuten, dann folgt
ich den gänsen, so müst ich wasser trincken. Bub, wasser her, schenck, schenck
mein Sohn, schenck, dass würd mir die Leber erfrischen. Gib her dass ich mich
ergurgele und erschnargareke. Deposita cappa. sagt Kampfkeib, lasst uns den
Kappenzipffel hie abtun. Was soll man hie wie im Chor und rhat sitzen.
Depositis superbiis, sagt Nestorianus. Ho bei Gott, sprach der Mönch, mein Gros
Jungher, es ist ein Capitul in statutis ordinis, dem wird der handel nicht
gefallen. Eyn Quarck, sprach Keibkampff, Quarck mit euerm Capitul, diser
gugelzipffel beschwärt euch nur beide Achsselen: Tuts ab, mein Herr, tuts ab:
Was soll dise Röckliche Erbarkeit und Mäntlige hoffart: Wir seind Schweitzer
hofleut, wir dantzen inn keim Rock, wie die Elsässischen Jungfrauen inn Hosen
und Wammest zur Kirchen gehn, unnd inn den Schauben dantzen: sind erbarer zum
dantz als zur andacht. Hie darff man keiner andacht, derhalben die Kapp aus.
Mein freund, sprach der Mönch, lassts pleiben: dann bei der Heiligen Kreutz
stangen ich sauff nur des besser davon, sie macht mich nur des lustiger: Ich
müsst sorgen, wan ich sie von mir legt, dass dise schöne Stallmistjungherrn die
Buben, Hosenbendel drauss machten, wie mir einmal zu Coulaines ist gangen: Zu dem
wann ich sie auszich, hett ich kein lust meh zufressen noch zusauffen, dann wann
ich sie ansihe so dürst mich, wie ein Rote damascenierte Nass, und maseren
angesicht. Warumb begrabt man die Leut drinn, als dass sie den Durst drin büsen?
ich hab wohl gehört, dass etliche ihrer Bulschaft kleidung fürs bett wie
Rittersporen hingen, ihre augen und gedancken damit zuerwecken, was meint ihr
erst, dass die Kap mag klecken? wisst ihr nicht, dass bei den Persen der prauch
gewesen, denselben zum König zuwelen, dessen Pferd am ersten an eim gewissen
platz auff dem feld, nach dem die Sonn auffgangen, schri: welches Darius durch
list zuerlangen, seinen Hengst den abend zuvor am selbigen ort eine Stuten
erspringen liess: als nun auff morgen eins jeden Fürsten pferd daselbstin
geleitet ward: fing des Darii Hengst gleich am ersten an zurihelen unnd zu
hinnewihelen, aus Gedächtnis des vorgehenden Geilen abends: also pfleg ich auch
noch, wie des Darii hengst, wan ich an die kurtzweil gedenck, die ich inn diser
kappen oft geübt, zusehen; zuplitzen und ihr nachzuschwitzen: Ihr versteht mich
wohl: derhalben lasst mich in diser gugel nur mein fadenrecht treiben, ich will
bei dem grosen Schafhuser Gott dir und deim Gaul genug zusauffen: Und nur frisch
auff, lætæ mentis, Got wöll die ehrlidie Gesellschaft bewaren. Benedictus
benedicat: Wer ich eins andern ordens, so hiess es, Bernhardus Bernhardet, und
Ignatius Ignatiet: Die langen Benedicite gehören für den Gratias sprecher auffs
Ammeisters stub zu Strassburg: demselben klopfft man wan er anfangen soll, es wer
auch gut, dass man ihm klopfft, wan er auffhören solt. Wolan, Ich hab wohl zu
nacht gessen, aber ich will darumb hie nicht des minder essen, dann ich hab ein
gefüterten magen, er ist weit hol und wachtelgleichich wie S. Benedicts Stiffel,
bodenloss on solleder, wie der, welchen der Teuffel zu Spir mit talern solt
füllen, ja fein weit, wie unserer Frantzösischen Hofleut stiffel die man von
Füssen schüttelt, und anligen wie ein glock dem Schwengel: mein kragen und magen
steht allzeit offen, wie eins Fürsprechen Täsch: was darff es des fürlegens, Ich
schneid und leg niman für, dann den kindern und Meidlin. Von allen Fischen ohn
vom Schlei und dem Niderländischen Schumacher, nemm darfür Rephünerflügel, oder
das fidle von einer Nonnen, heist das nit geil gestorben, wan eins schlirigen
Fibers stirbst? Dise Henn ist fein zersotten: Unser Prior isst gern das weiss an
den Kapaunen.
    Inn disem stuck, sprach Keibkamb, vergleicht er sich mit keim Fuchss, dann
die fressen von Kappen, Hünern unnd Hennen die sie erzwacken, nimmer mehr das
weiss, unnd wie tut ein Wolff, er frisst es das ganz Jar ungekocht: Warumb?
fragt der Mönch: Darumb, antwort Keibkamb, dass sie kein Köch haben unnd wann sie
nicht Competentlich, wie sich gebürt gekocht werden, pleiben sie rot unnd nicht
weiss: der speiss röte zeigt an röhe unnd räuhe, aussgenommen das Krebsgeschlecht,
welchs man erst mit dem sieden cardinalisirt. Aber der Quallen hie, ist recht
safftig, das Blut geht noch hernach derhalben guten wein drauff, Horcha Sohn,
hab acht auff deinen Vatter, giss ein disen: Trinckt jetz fur Funff die keinen
Trincken, Dann darummb wird einer zum Pfaffen, dass man nicht mehr für ihne
trinck, sondern er für andere. Botz leidiger Judentauff willen, sprach der
Mönch, wan Röte bedeit Rohe, so wird der Beschlisser inn unserem Kloster nimmer
kein gesunden gekochten köpf haben, und gewiss roh unnd ungebachen sein, dann er
hat rote augen wie ein Indianischer Han: Unnd was meint ihr dass unserer Leib
Bauchwäscherin ihm Kloster mangel, die hat blo Lefftzen als het sie stäts
Maulbeer gessen: Was solt ihr mangelen, sagt Keibkamp, sie hat zu vil Niren
gessen. Aber audite Domine, wie möcht ihr ein Kälblin stechen, das die augen
verkehrt, erbarmts euch nicht? Hiha, sagt der mönch, habt euch wohl betreppt:
Lehrt nicht Socrates: schlecht augen sehen nur schlecht was für den Füssen ligt,
aber ein schilbock sicht auff all seit, und diss ist das best gesicht fur die
Huren, sie betrigen darmitt den Man und den Bulen. Ja so seh ich wohl, so muss der
krebs das best gesicht haben: In allweg, es ist ihm böse  der weg zuverlauffen, er
sicht wohl so krumb als er geht: Gleichwol hat er starck augen, die ein Puff
aussstehn. Ihr lobts wie die Königin, da man sie fragt, warumb sie ein hinckenden
Man genommen het? Respondit, sie hupffen und stupffen wohl, darumb nam auch die
geil Venus den hinckenden gauch Vulcan. Es ist keiner zuverachten, der ein füllt
wohl, der ander gründt wohl, der dritt füselt wohl. Sed hæc narrativè. Hei dass
keiner den andern verfuhr: Nun greifft zu. Diss hinder virteil vom Hasen (mit
erlaubmiss euer weidmännischer Rhetorich also zureden), wie dürr die Arssbacken
scheinen, sind gut für die Patengrammische Hackprettdäntzer. Aber zur
sachkachel: warumb ist einer Jungfrauen Gsäss allzeit frisch? Diss fragstück, und
Problema, sagt Strosengurgel, ist weder im Aristotele, noch Alexandro von
Aphrodis. Es geschicht, sprach der Mönch, aus treien das ein ort natürlich
allzeit kul und frisch besteht. Primo, dass das wasser fein nach der läng
ablaufft: Secundo, dz es beschattigt ist, finster und tunckel, dahin nimmer kein
Sonn scheint: Und zum dritten, weil es stäts durchs loch des nort oder beisswinds
lüfftig erwähet unnd bewindet wird, desgleichen vom hemd, und zum Überfluss vom
geprüch: aber kein sauberer Arsslöcher find ihr als der Schreiber, das macht, die
wisch haben sie zur Hand: Jedoch mit Züchten zugedencken vor züchtigen Leuten.
Unnd holla frisch auff, Bub zum gespei zum gespi, trett aus, schon deins Beins,
krack, krack, krack. O wie ein gütiger S. Urban, der uns so gut gurgelwasser
schafft, gewiss wann ich in Francken auf seim Festtag wer, ich liess ihn nicht ins
Wasser werffen, ich ging mit ihm inn Todt besser als Petrus: O wer ich bei
unserm Erlöser im Garten gewesen, ich wolt den Schelmischen Juden wohl Füss
gemacht haben: der Teuffel holt sie dann. Auch meinen Herrn den Aposteln recht
nach den spanadern gestochen haben, da sie so schandlich flohen: nach dem sie
wohl zu Nacht gessen hatten: Unnd warurnb nicht? König Saul träuet seim Volck
auch also zutun, und liess zum Stectackel den Ochssen die spannadern vor i hnen
abhauen. Ich hass wie Gift, wer fliecht wann man Lederfeihein und einander
zermesseren und zerfleischen soll: hon, dass ich nicht König in Franckreich vier
unnd zwentzig, oder hundert jar bin: ich wolt bei Gott aus allen den flüchtigen
vor Pavi im Tiergarten eitel gestutzte Hund machen: das sie der jarrit schütt,
sollten sie nit eh da gepliben sein auff dem Wasen, als ihren König in nöten
stecken lassen, unnd an ihm zu Judas werden: wie auch in der Sporenschlacht vor
Terowane geschah. Ist es nit besser unnd ehrlicher streitend standhaftig
erligen, als schandtlich leben und fliehen. Ich sihe hieran, wir werden nicht
viel Gänss diss jar essen. Ha mein freund, lang mir von dem Spanfärlin. Diavol, es
ist nicht meh mostig, schmutzig und lederkrachig, germinavit radix Jesse: Das
ist ein Sandstein, daran ich meinen Schnabel kann wetzen, dass ich hernach dess
besser kann netzen, was soll ich Leben, ich stirb vor durst? Ich zergeh wie Wachss
beim Feur, Schütt ein, ein Külen, der war Badwarm, es war mir als Tränck ich
meiner Muter Milch. Dieser Wein ist nicht der Bösest, ist aller Wein ein Fürste:
Was für Wein trancken ihr zu Paris? Oder ich sei des Teuffels, wa ich nicht meh
dann sechs Monat einmal freie Tafel daselbst hielt, als der statlichst Rector zu
Padua unnd Doll. Kent ihr nicht Bruder Claudi von Borenhoch? O wie ein machtloss
gut Gesell: Aber was hat ihn für ein Muck gestochen, dass er jetzund, weiss nicht
seit wann, nichts als studieren tut? Ich lass meinen Büchern wohl rhu, fallt ein
Klitter drein so bin ich unschuldig, wie der besport unnd gestiffelt
Stattjungherr am zertrettenen Kind, der doch nie auff kein Pferd kam: Man wird
mich nicht ob den Büchern wie Archimedem erstechen: Inn unserer Aptei studieren
wir nimmer nicht, vor forcht der Nachtkreckel und Ohrenmittel, und fürnemlich
der Liechtfligen. Wiewol, mir schad kein studiern, wie dem Salamander kein Feur:
Ich studier dass ich feist werd, dann die gross witz wird mir zum Nutriment: Ich
denck sie sei gesaltzen wie einer Sauseel. Es haben doch wohl grosse Philosophi
ihnen die Augen aussgekratzt, damit sie on Bücher unnd specula unverhinderter
Speculirn möchten. Unnd Sanct Antoni der Einsidler sagt sein Codex unnd gross
buch wer die ganz Welt, umb und umb ubique, wo er hinsehe. So sagt ein anderer
Claussbruder, er läss im buch dreier blätter, eins Rot, das ander weiss, das dritt
schwartz, das verstund er vom Passion, von der Ewigen Glory, und der Höll. Dieser
war einer der frommen, wa sind aber die so ihm nachkommen. Aha, wie mancher kert
nur das buch herumb von zweien blättern, unnd fahrt mutwillig mit seim Teuffel
im Latz in die Höll unders Fürtuch: Gleich wohl folgt aus vorigen Exempeln, dass
es die Bücher nicht allein tun. Unser verscheidener Abt, sagt, dass ein Weiser
gelehrter Mönch ein ungestalt Mörwunder sei, Bei GOTT, mein Gönstiger Herr,
magis magnos Clericos, non sunt magis magnos Sapientes. Sed Dominum Martinum de
Lauterbach, vult semper esse Prudentiorem quàm aliis. Ich wünsch nicht wie jener
Keiser, dass alle Römische Burger ein Kopff hetten, sie des geringer in eim
streich hinzurichten, sonder dass alle Bücher ein Buch weren, und dasselbig
hinder mir leg, ich wolt damit fahren, wie der Canonist mit den Episteln Pauli,
wann ers allein hett, nämlich Zundel drauss machen, so wer ich nit allein ein
Stockfisch. Ihr habt euer lebenlang nicht mehr Bücher gesehen als diese Jar her,
wann werden sie einmal aussgeschriben? Ich rhiet dem Bapst, dass er einmal durch
seine Brand Legaten, die er Järlichs inns Teutschland schickt, die Buchgass zu
Franckfort liess anzünden, da würden viel Episteln Pauli im Lauff bleiben, unnd
würd meh nutz mit schaffen als mit dem Catalogo der verdampten Ketzerischen
Bücher: Hats doch König Ptolomeus in Egypten getan, oder nicht getan, aber
geschehen lassen, und wir mangeln derselbigen bücher noch: O da würden die
Postillenprediger und Vademecum wohl so sehr über disen Kram we we schreien, als
die Beschorne über ihr Babylon: dann was wollten sie ohn solch fürgekauet arbeit
und das gross buch von Tübingen den Bauern predigen? aber ich und meins gleichen
wollten Cecidit Cecidit ruffen, Sie ist gefallen, quoniam merces eorum nemo emet
amplius: ihren Kram wird niemand meh kramen, ihr Damnomany fällt inn die äschen,
dann ihr Malleus Damnatorius ist nur Papiren. Solch Papiren feur möcht ich wohl
so gern sehen als Nero zu Rom die Troianisch Prunst: da führ im Rauch gen Himmel
alle Kunst, da leg litera unnd spiritus, wiewol vom spiritu weiss ich nichts, wie
Geistlich das Kleid ist: Aber doch, also bliben wir bei ehren, und könten
sicherer zehren: Dann gewiss ein Schwäbisch Nonn, ein Böhmischer Mönch, der
Teutschen Fasten, der Mönch studieren, der Mörleut gelübd, unnd Welsche andacht,
geschicht über macht. Aber die trüss, ich führet lieber wie unser Abt Pax vobis
ein Hund am Strick zum gejagt: Gebt sidher unserm guten alten Herrn Grandgusier
von Grosgiesslingen zutrincken. Dann Plato schreibt, der Wein weich der alten
leib wie das Feur das Eisen. Wein ist der Alten Zanlosen Leut Milch, den saugen
sie, wann sie ihn nicht können beissen: wie sie am gesicht abnemmen, also nemmen
sie am geschmack zu: Alte Leut unnd trunckene Leut werden zweimahl zu Kindern.
Geltet das ränfrtlein Brot im Becher zeicht den Schwebel an sich? Aber wann ihrs
darnach esst, so ist der Schwebel nicht getruncken? Secht wie die hand diss Pocal
so steiff hellt, das gewont man, wann man den Sackerhabich lehrnt tragen: Ich
hab inn langer zeit kein guten Gerfalcken bekommen, der mir recht Abtgemäss
gehäupt auff der hand stund: wiewol ich gen Heinburg nach plofüsen geschickt
hab. Der Herr von Bellonniere hat mir ein Sperber verheissen, aber neulich
schrib er mir, er sei unreisch worden, unnd inn ein ander Land gefallen, wöll
aber bald ein andern Nistling aus dem geständ heben und berichten. Schoch, wie
heiss, es bedörfft einer auch zu dem zerlegen ein händschuh wie zum
Plateiselessen, quàm multa patimus: der Spiss prennt auch einen an die Zung, wann
ihn einer schon gern leckt, wie die Lispelende Schlesier. Es ist auch einer auff
dem Lerchenherd nicht sicher wann einer schlafft, dann die Räbhüner dörffen eim
bald die Ohren abstossen unnd abbeissen, so unkeusch sind sie, wie die Hund, die
eim an eim Schenckel noppen. Wiewol ich nichts auff die Bergknappisch
Nebelkappen halt: fein barhaupts, wie jener Kriegs Fürst inn Schnee und Regen:
das ist Weidmännisch. Und also taten die alten Francken, wie Agatius
schreibet: mit der weiss gewönten sie sich, weder vor dem Plitz, noch vor dem
streich zuscheuen: unnd achteten in Schlachten nicht, wann schon der Regen ihnen
inns gesicht schlug: Sonst schreckt Jung Kriegsleut bald ein streich, der gegen
dem gesicht geht, wie Cæsar inn der Pharsalischen Schlacht den Pompeianern wohl
hat gewisen: unnd heut unser Schützenreuter, wann sie nach dem gesicht
schiessen. Ich hab kein lust mit Spigeln oder Hirtzenheuten zu federspilen. Wann
ich nicht lauff, schnauff, rauff, sauff und wäfer, so ist mir nicht wohl: wiewol
wann ich vil soll durch hursten kriechen, und über Zäun unnd stauden klimmen, so
lasst mein Kutt das haar, und mausst sich gar: aber wie kann ichs weren, wann sie
es gern lasst. Ich hab jetz ein edelen Löndischen Wind bekommen, ich sei des
leibhaften Butzen, wann ihm ein Hass entgeht. Ein Lackei wolt ihm den Herrn von
Argwint unnd Maulevrier zufüren, so legt ich ihn nider, unnd behielt ihn mir
selbs, hab ich übel daran getan? Nein Bruder Jan: sagt Keibkampff, nein, nicht
ein meit, nein für tausent Teuffel nein. Also mein Son, sprach der Mönch, kegel
recht zu mit Teuffeln, allweil sie weren: Botz macht, was wolt der hinckend
hogerig Bünteltrager damit getan haben: Bei dem Kreutzleiden Lots, es ist ihm
lieber wann man ihm ein gut joch par Ochssen schencket: inn ein Bauern gehört
Haberstro. Wie? sprach, Lobkün, seh wert ihr Bruder Jan? Nein Herr: Ich kann
sonst so wohl mit dem Sakrament gehn unnd nicht Läuten. Ich tuss, nur mein Red
damit zuschmucken, dass sind der Ciceronischen Retorich Zirfarben: Damit schlegt
man den Türeken, von solchem Rasparmentdonnern, tut sich die Erd auff,
zerkliben die Felsen, entferbt sich die Sonn: mehr als wann die Hexen Hagel
sieden. Vil ungewitters misst man den Unholden zu, welchs ein
durchelementtringender fluch und schwur hat verursacht. Diss Furmanss gebett
treibt Schiff unnd Wagen, ein Hauptmansfluch etzt durch Neun Harnisch: Mir aber
entfährts zuzeiten, wie den Nonnen der Zintzius Herr Andres Nonnentröster, wann
ihnen ein Nadel entfällt: Wie bald entfährts eim wanns eim entfellt? Ich könt
dannoch wohl Basilien, Quendel, und Kressen setzen, dann dieselben vom Fluchen
gedeien, unnd sind doch gut zu Artzeneien: Darumb wards jens Manns
entschuldigung bei dem Richter, warumb er sein Weib geraufft hette, nämlich
darumb weil er hat Rauten setzen müssen.
 
                        Das Drei und viertzigst Capitel.
Warumb die Mönch Weltflüchtig, Liecht und Leutscheu sind, und man an etlichen so
                               grosse Nasen find.
Bei ehren glauben, sprach Artsichwol, ich werd schier zum Narren ob dises Mönchs
lustigen erbarn bossen, dann er macht uns all frölich: Und wie kompts dann, dass
man die Mönch von aller guten Gesellschaft verstosst, und heisst sie Trubelefest,
Glückstüber, Senffversaurer, Freudenstörer, Freudenversenffer, spilverderber,
Stupffelhaass, Binenhummel, Mussversaltzer, Kalklescher, Zechmilben,
Schwalbentreck, der Ganssheisern Beichtwolff, Arons Kälber, Bruder Unlust und den
Teuffel auff dem gerüst? Und sie abtreibt wie die Immen die Horlitz, oder
Wefftzen vom waben unnd Honigrat. Ignavum fucos pecus (spricht Maro) à
præsepibus arcent, Die Hurnaussen hurrnen die Bienen aus. Darauff antwort unser
Gurgeldurstlinger, Es ist nichts so war, als dass der Rap, die Kap und die
Pfaffenschlap, alle Schmach, Hass unnd fluch der Welt an sich sap, wie der
Nordwestwind die Wolcken an sich zeicht. Die Peremptorisch endlich ursach ist,
dass sie der Welt treck essen, das ist, ihr Sünd inn sich schlucken, darumb stosst
man sie als Schlotfeger unnd Treckkauer inn ihr heimlich Gemach und
Scheisshaussfegertal, welchs ihre Klöster und Convent sind, so abgesöndert stehn
von aller Politischer gemeinschaft, wie die Arsspulkämmerlin in Häusern unnd
die Hurenkauten inn Stätten.
    Gleichwol wann ihr wisst, warumb ein Aff, wa er inn eim Haus ist, allzeit
verspott, gevexirt und geübt wird, wie ein Nussbaum, Esel unnd Weib, welche stäts
wölln getrescht sein, und wie ein schalcksnarr ungeübt kein freud macht, so werd
ihr auch verstehn, warumb die Mönch inn der Welt von jung und alten gescheuet
werden. Der Aff hütet nit des Hauses wie der Hund, er zeicht nicht im Pflug wie
ein Ochss, er tregt weder Woll noch Milch wie das Schaf, ist weder zureuten noch
zufahren wie das Pferd, tregt weder Holtz zur Kuchen, noch Korn zur Mülen wie
ein Esel: sein gröst tun ist, alles bescheissen und verderben, den kopff mit
den Leusen hinwerffen, sdimatzen und im Plosen hindern kratzen, darumb wird er
von allen verspott, gestossen unnd geschlagen. Also auch ein Mönch (doch die
müsige tropffen verstanden, sampt eim grossen Register mit Predighandtierer) der
ackert nicht wie der Baursman, beschützt nicht Land und Leut wie ein Kriegsmann,
heilt nicht die Krancken wie ein Artzet, lehrt das Volck nicht auff Canceln unnd
in Schulen wie ein rechtschaffener Prediger unnd Schulmeister, hilfft keim zum
rechten wie ein Jurist, füret einer Statt oder Landschaft nicht allerlei nötige
bekömmliche waren zu wie ein Kauffman: sonder etcetera, ihr versteht mich, er
zeigt nur stäts die blotte blatt, dann er ist umbs maul dahinden glatt: Küss
Affenfutt, so hebst kein Schwantz auff: oder versteht ihrs nicht. So leset das
Simiacum. Secht da habt ihr die ursach, warumb sie von allen wie Kautzen und
Eulen gescheuet werden. Sed Pauper ubique iacet. Ich hab noch andere Schaaf, die
muss man auch inn disen Notstall bringen, sie werden mir sonst vor grossem
Teologischen stoltz aus dem Digel springen: das macht sie sitzen inn Rosen wie
ein Katz im Rauchloch: Sind Affenschwäntz, sind Kühoden, sie wollens sein unnd
wöllens nicht sein: Gleichwol hört bei dem Affen ein Aeffisch geheimnuss: Warumb
die Affen den Vulcanum sollen erzogen haben? Da raten zu ihr
Flagelloflegellanten: Errahten ihrs nicht, so seits warend im Gegenflegel. Aber
zu unsern verklaussten, und verklaustrierten brüdern wider.
    Gleichwol, sprach Grangusier, betten sie Gott für uns: Nicht ein dinglin,
antwort Gargantoa, sed pium est credere, sonder mit Glockentrinckeballieren und
stätem klancklinckgluckern machen sie schier ein ganze Nachbaurschaft taub und
doll wie die, so zu nächst bei dem fall des Rheins wohnen vom rauschen daub
werden. Nichts umb sonst sprach der Mönch, ein Mess, ein Metten, ein Vesper wohl
an unnd eingelitten, sind schon halb gesungen unnd überstritten: man sagt ein
Prediger auff der Cancel, ein Barfuser im Chor, ein Carmeliter in der kuchen und
ein Augustiner im huren Haus, zierens überaus: nur ein hauffen Paternoster
angesteckt, und mit fetten Ave Maria gespickt, und auff der post fort geschickt,
das Glück und mest die zuhörer, welche sich gern mit worten settigen lassen: uns
aber heist es, Bäurlin trags ins Kloster hinein, so gibt man dir ein Sup und ein
sauren Trunck Wein. Ich weiss wohl, sprach Gurgellang, dass sie meh für die Suppen
und das Mäl betten, als für mein Seelmetten: Gleichwol seit ihr Frater Jan nit
also, ihr seit kein Heiligenfresser, kein Himmelsnister, kein Todenpfeiffer,
kein Conscientzpresser, sonder Indulgentzmesser: ihr seit nicht Weltgescheiden
sonder Weltbescheiden, geltet ihr messt den Himel nicht mit Loten aus? ihr seit
lustig mit, seit wie ein Weidsack, auff welche seit man greifft, findt man ein
Loch: so seit ihr auch nicht müssig, ihr beschirmt je die Untergetruckten,
helfft den angefochtenen, beschützt die Klöster, erhaltet die Geistliche: Von
welcher tugenden wegen etwann König und Keiser mit den namen Christenlichst,
Erstgebornes Sohns, Pius, defensor fidei, und Catolicus vom Super heiligsten
Vatter begabt wurden: wie wöllen wir euch dann tauffen. Fratissimum: und
Claustralissimum? oder superiissimum, per p. non b. sonst möchten ihr
Bäpstlicher Heiligkeit zu verkürtzung König Tarquinius zu Rom werden: aber diss
wollen wir dem Grosshertzogen, nein, Gröstertzogsten zu Rom vorbehalten haben.
Bei dem H. Weiwadel, sprach der Mönch, ihr seit wolberhümt in genere
demonstrativo Ego Cucullariorum novissimus: lasst mich mit solchen Tituln
ungeschnejetzt. Ein jeder hat ein Ader vom Narren. Inn meniglich stecken semina
stulticiæ, man mags leicht säyen, so wächssts daher: das unzeitig loben aber
besprentzt es: Jedoch was sagt ihr von müssiggehn? minder als der Seiren
auffsticht. Dann wann wir im Chor sitzen unsere Metten und Jarbegegenussen
fortzuhudem, so mach ich darzwischen Armbrostwinden, Sennen, Treibschnür,
Seidengestrickt Memorialschnür, die man inn die Bettbücher legt, flecht körblin,
nähe unnd stopff ballen, schnetzel bilder, spitz Zansteurer, schneid
Zungschaber, höl orlöfflin, mach ein ganzen Haussrhat inn ein büchslin, oder den
zihenden Passion, bereite flöfallen unnd Nonnentröster, damit ich mich bei den
Schwestern zukauff, stricke Königlingarn unnd garnsecklin: kurtzumb, mussig
ging ich nie, dann ich ging ehe auffs Weidwerck, oder besucht das Vogelnest
oder Daubhauss, oder, wie jene Schwester sagt, lausst ehe für die lange weil die
Maus: oder, wann mirs schlaffen nicht ein wolt, legt ich mich an Rucken, unnd
zalt die fürfligende Vögel, oder, auff das ich nit ohn weidwerck wer, fieng ich
im schlaff Mucken. Aber bücher abschreiben, buchstaben malen, Clasuren machen,
den Passion aussstreichen, dz kont ich nie und noch: vil weniger, wie her Mönch
Tutilo zu S. Gallen, in kupffer stechen und formen schneiden. Aber höra, hieher
zutrincken, zu trincken her: bring das Obs: Botz hinden unnd fornen diese
gebratene Kästen mit neuem Wein eingenommen sind gute compositores unnd
Modelgiesser der fürtz. Ihr seit noch nicht hierinn recht bemostilliert. Bei dem
kreutzschwammen, ich trinck zu aller wacht wie eins Promotors gaul, sie itur ad
astra, da die funcken wie die Sternen bei nacht, zur Schmidten aussschiessen:
Warumb geht kein Mönch allein über die gass? Antwort: wann der Teuffel den einen
holt, dass der ander sag, wo er hin sei kommen. Aber Frater Cucullarie, sagt
Keibkamp weiter, warumb braucht ihr Klosterheiligen beide händ zum Becher. Das
hat ein Laur gemacht, der die hand einer frembden Nachbarin stäts über dem tisch
im Schlitz het: Aber Bruder Jan, tut das Rotbrüstlin von der Nasen, seh wie es
Claretrot dran henckt: wiewol es etwas besser steht als das Nasenkleinot, darvon
Grobianus schreibt: ob ers wohl aus India beweisst, da man das Edelgestein an die
Nasen henckt: wolan, so gebt ihr auch ein guten Perleinsticker, wann euch also
die weisse durchsichtige tropffen an der Nasen bleiben hencken, wie Eisszapffen
an eim Dach. Ha, ha, sprach der Mönch, solt ich drumb ersauffen, weil mir das
Wasser biss an die Nass geht: Nein, nein: Quare? Quia, sie geht wohl heraus, aber
nit hinein: dann sie ist wohl antidotiert unnd gesegnet mit Reblaub. O mein
Freund, wer von solchem Leder Winterstifel het, der möcht getrost nach Ustern
fischen, dann sie würden kein Wasser fangen. Waher kompts aber, sprach
Gorgellang, dass Bruder Jan so ein schöns nässlin hat? Darumb antwort
Langgoschier, dass es Gott also gefeilig war, der uns inn form und weiss, als es
ihn gut bedunckt, schafft, wie ein Hafner seine geschirr ihmo. Darumb, sagt
Künlob, weil er der erst auff dem Nasenmarckt war, da man die Nasen ausswiget,
und ihm gleich die gewichtigst liess darwegen. Wolbegeist sagt ja: darumb, weil
der Nasenaussweger eim mehr bein unnd fleisch als dem andern zuwog. Nein sprach
der dritt, darumb, weil einer stercker durchs ober Nassloch blosst, unnd die Nass
aufftreibt wie ein Glassmacher, wann er zu starck in die gemartert äsclien blosst.
Schickts fort, sprach der Mönch, jetz ists an mir: nach der waren Mönichalischen
Phylosophy ists daher kommen, das mein Säugamm gar waiche Dutten hat: unnd wann
sie mich seuget, truckt sich mein Einleghacken hinein wie in ein Butter, davon
wuchss sie und lieff auff wie ein teig in der multer. Dann die harte saugende
Brüst machen den Kindern kumpffe Schafsnasen: die geben gute Dellerschlecker:
gleich wie die andern gute Kirschenhacken und Leschhömer: Aber dir haben deine
die grossen schweren Becher also eingetruckt, weil zu faul warest sie zuheben,
sonder nur auff die Nasen legtest. Wie mag wohl Socrates mit seiner Silenischen
Nasen getruncken haben, weil sie ihm wie ein Rhinocerot allzeit übersich
gestanden: doch riechen dieselbigen überstülpten Nasen besser, und geben gut
Wetterschmecker, bass als die Laubsäcklin, so untersich sehen, oder wie die
Keiserischen Maximinasischen, die wie ein Nussbaum inn eim Gärtlein sich
aussbreiten: dann inn den übersichtigen schornsteinlöchern kann der geruch oben
und unten zustieben, und hat darbei den vorteil, dass sie die augen nit wie ein
schidmaur teilen, und also hindern, dass einer nit auff beide seiten kann umb
sich schielen. Socrates hat ein solche Nass müssen haben, wie es der Fratz
Aristophanes aussrechnet, dann er schmackt und gafft nur stäts nach dem Himmel:
Dein Nass wird dir nicht ins Maul wachsen, sie lenckt sich zur seiten, sie wächsst
ins Allmend, die Bauern werden noch drein scheissen: meine wachsst inn mein
eigentumb, ich mag drein beissen. Aber sehet da, dises Nässlein hat neun krümme,
wie ein Hirtenstecken. Aber lustig, guts, quachs, ad formam nasi cognoscitur ad
the levavi. Lasst mich mit diser Latwerg unbeschmiert: Ich hab mein lebenlang kein
Confect gessen, es geht von eim als gehaspelt Hafenkässsuppen und Saurmilch am
Rad gespunnen. Holla Bub, zur trenck, schenck, senck, dass ich mein gehenck, zu
guter nacht schwenck, nun schrenck und renck dich auff die benck, ehe ich dich
henck, dann deine kreutz inn der hand geben, dass nicht wirst ertrenckt, es gang
dann das Wasser über den Galgen wie über die Diebsmüller: Wolan Gott wöll den
Reben viel Trauben geben, den Aeckern viel getreid, unnd uns ein langes lustiges
leben, das wirs geniessen mit freud.
 
                        Das Vier und viertzigst Capitel.
 Wie der Mönch den jungen Fürsten Gurgellang Bettsweiss entschläfft, und solchs
                durch seins Brevier und Mettenbüchleins kräfft.
Nach geendeter Malzeit, rahtschlagten sie von nun schwebenden sachen (dann
nirgends besser Käuff es gibt, als wo man Weinkäuff gibt) unnd befanden für gut,
dass man umb Mitternacht aussfallen sollte zum Scharmützel, die Feind zuversuchen,
was sie für Wacht hielten. Unter des möcht ein jeder ein Positzlin schlaffen,
des wackerer zuwerden. Aber Gurgelstrozza kont nicht schlaffen, wie er sich auch
legt und krümpt, dann Homerus schreibt: Ein Regent, ein Rahtsherr und ein Wacht,
sollen nit schnarchen die ganz nacht: darumb tun sie heut schlafftrünck, dz
sie morgen im Raht schwerköpffig zu jedem ding ja nicken. Da sagt der Mönch zu
ihm, Viel Leut schlaffen wohl zu Pferd unnd im Schiff, das macht das wagen: Einer
legt sich einmal unter einen Bierenbaum, und fienge an Eieren zuzahlen, und ehe
er über etlich totzend kam, da lag er schon unnd schnarcht, und schnarchet schon
unnd lag. Ich aber schlaff nimmer besser als inn der Predig, oder wann ich bett.
Derhalben lasst uns die siben BussPsalmen für uns nemmen, zusehen ob ihr nicht
entschlaffen werdet. Der fund geful dem Gargantua besser, als der Amadisischen
Urganda weiss, die sibentzigen järig siben Schläfer macht, fiengen damit gleich
den ersten Psalmen an, unnd als sie biss auff das Beati quorum kamen,
entschlieffen sie beide ungewagen, und ohn giessfasstropffen, und ohn ein
Mercurischen Rorpfeiffer, der den huntertäugigen Argo entschläfft, als ob sie
bei dem lustigsten Poetischen rauschenden Prönlin oder Bächlin legen, und die
Windlin hörten wähen, oder Magsamen gessen hetten, oder Mett getruncken, oder
einen Saffransack zun haupten ligen hetten.
    Nit des minder verschlieff der Mönch die Mitternacht nit, also gar war er
der Mettenstund gewont: und so bald er erwacht, liess er auch niemand schlaffen,
sonder fieng über laut an das Lied zusingen. Wach auff Diebolt, hau Dibolt wach,
Es ist morn auch ein nacht, wach eh dirs ding ans Leilach bach, Horch wie der
Han schon wacht, horch wie im Ror das Vöglin lach, und treibet seinen pracht.
Als sie nun all von disem Turnbläser erwachten, ohn etlich wenig, die im
Gegenchor die Respons drauff wussten. Lass wachen Bruder wer da wacht, hinnacht
ist auch ein nacht, das Leilach ziecht inn alle macht, ich hör kein Han zu
nacht, Das Vögelin ein kleins schläflin macht, weils häuptlin klein ist acht.
Gleichwol sprach Bruder Jan zu den ermunterten: Ihr Herrn, man sagt das die
frümetten anfangt von husten, unnd das nachtessen von trincken. So lasst uns das
widerspiel tun, unnd jetzt unser frümett anfangen von trincken, Und zu abend,
wann wir essen wollen, umb die wett das haar aus der Nasen husten, dann wir
seind keine Xenophontische Perser, die bei der Malzeit sich auch nicht reuspern
noch schneitzen dörffen. Wie? sprach Gurgellantua soll man so gleich auff den
schlaff trincken? dass wer nit nach des Artzts ordnung gelebt: man muss vor den
Magen kämmetfegen. Aubeia, antwort der Mönch, es hat sich wohl geartzet:
schlaffen wir doch auff den trunck, wie sollten wir nicht auff den schlaff
trincken. Oder 1000 Teuffel sollen mir inn den Mönchsack fahren, wa man nicht
mehr alte Vollseuffer find, als alte Artzet: die ihren warten am besten, seind
kranck am mehsten, unnd sterben zum ehesten: die Pest stosst die am ersten an,
die ein gut Diät han: der Schnuppen plagt auch die stercksten, gleich wie das
unglück die unschuldigsten, die sichersten überfellt der Feind: wa heimlichkeit
neuzeitung ist da bricht sie am ersten aus. Ich hab mit meim appetitlichen
hunger und durst also ein gedingten pact getroffen, dass sie sich alzeit mit mir
niderlegen und auch mit mir auffsten. Aber ein jeder verseh sich jetzund zum
besten wie er will ich muss mich zu meim beitzluder fügen. Was für beitzluder?
fragt Gargantoa. Mein brevierbüchlin, antwort der Mönch: dann zugleicher weiss
wie die Falckonirer eh sie ihre vögel speisen und behauben, sie vor etwann mit
eim hünerfüsslin erbeitzen, lock machen unnd ätzen, ihnen das Hirn vom pflegma
zureinigen, und sie speissgelüstig zumachen: also wann ich diss klein Breviarium
morgens frü übernag, und ein kleins vierteilstündlin zersaug, so erpfluttere,
und erpolstere ich meine Lung so lustig, dass sie gleichbereit ist zutrincken.
Wafür, fragt Gargantua, sprecht ihr diese Gezeitbettlin? Ja fragt, sprach der
Mönch, für den Bloen husten, also hat es der heiligen Mutter gefallen: aber mit
drei Psälmlin unnd drei Lectionen auff unnd darvon, bereit unnd beschoren, wems
nit gefallt, der spei es aus, machts keim anders, er sei dann der grossen Appeln
Sohn, dass man ihm dreimal Pfeffer anricht. Man heisst es Bettstundenbüchlin oder
Stundengebettlin: aber ich hab mich nie den stunden unterwürfflich gemacht, dann
die stunden seind des Menschen halben, unnd nicht der Mensch von der Stunden
wegen gemacht: sonst müsst der Bapst die Venediger und Hornberger inn Bann tun,
dass sie ihre Tertz Morgens früe singen? Derhalben mach ichs mit meinen
Horasgebettlin wie mit den Stegreiffen, kurtz oder lang, nach dem es mir
gefallt. Brevis oratio penetrat coelos, longa potatio evacuat cyphos, kurtz
Gebett inn Himmel trengt, ein langer Trunck die Becher schwenckt.
    Wa steht das geschriben? Auff mein treu, sagt Konlob, ich wisst es nicht,
aber du liebes Hodensecklin hast zufäll wie Zuberclauss: wie meinst? der
Pantarbesstein ziecht das Gold, das Gold die Habichbein, der Bornstein die
Spänen, das gestälet Messer die Glufen, Niesswurtz zeicht die Wachteln, der
Agstein die Spreier, der Schirling die Staren, der Magnet das Eisen: wer nit
besser dein Straussmägiger Magnet ziehe Gold wie der Stiglitz die Leimrut am
wadel nach? aber es fehlet dir noch weit lieber Bruder. In dem, sprach der
Mönch, schlag ich erst euch nach: Aber des Teuffels Muter, venite à potemus zum
Pott: lasst uns die backen auffblasen, als wollten wir ein Scheuer anstossen, oder
dem Teuffel das Feur auffblasen, jedoch mit solchen Weinspritzen kulet er sein
höllisch Feur: dann wie ins Mentzers S. Dominico steht, so brennen ihn auch die
geweihet Kertzen an die finger: so kompt je Wein von weihen, darumb hält man
starcke Schlafftrünck zu Weinachten, wann inn eim Hanenkräh alles Wasser Wein
und Wasser wird. Ergo gluck. Jener Leffler wünscht dass seins Bulen gürtel aus
seim arm gewirckt wer, so wünsch ich dass dieses Bechers ranft von meinen
Lefftzen gebordiert wer, dann ich heiss Hans, darurnb bin ich auch ein
Maulverguldeter Chrysostomus: wolt mirs einer vergulden, er müsst viel Lötgolt
haben, doch Kindstotter unnd Wittwenleimen tet auch etwas: gewiss wer wohl
bemault ist, unnd ein gut Pantoffelgosch hat, der beisst ein grösser unnd breiter
stück ab: was sollen dünne Lefftzen, ob schon ihre küss besser angehen, so seinds
doch böse befftzen. O Lefftzen her, darvon man mit keim baurenkegel, geschweig
eim Hanenbengele ein stuck abwürff. O diss Leschhorn reimt sich wohl darzu: sonst
steht ein gross Nass über eim kleinen maul, wie ein Scheisshauss an der Ringmauren,
unnd ein kurtz Hembd zu eim beschissenen Loch. Aber was geht euch mein Nass an, i
hr schissen wohl all drein, dann es können ihren zwen geruhig neben einander
drauff sitzen. Capitolinus schreibt: Benè nasatus, est benè peculatus. Nun
dratt, dratt, man läut zu raht, fort im gang, fort im schwang, so nem ich mein
Kreutzstang, du den Partisan, der die Bechpfann, dran, dran, nimm du den fan,
der Sigerist das Weiwasser, der Teuffel den Pfaffen, so haben wir alle
zuschaffen. Sed, holla, wa bleibt der Johanssegen? die Rebenweih her: stellet
euch fein hie nach des Türcken Monschlachtordnung umb des Cayphas Glut her: ich
halt nichts von eim der nit auff eim fuss ständling drei Mass Wein kann trincken,
stando non concipitur, lehrt ich einmal ein fromme Magd.
    Hiemit, nach dem sie also in eil ein zimmlich loch ins Fass getruncken, zog
ein jeder sein beste rüstung an: zwangen auch den Mönch dass er wider seinen
willen sich bewaffnen unnd zu Ross begeben musst, wiewot er sonst nichts als seine
Weingebleichte Kutt für die Brust, und sein getreue Kreutzstang inu die faust
gedacht zuhaben. Dessgleichen Gorgelstrozza, Lobprecht, Keibkamp, Artsichwol,
unnd fünff und zwentzig des waghaftesten Hofgesinds namen ihre Spiess inn die
glenck, lustig beritten wie Sant Jörg, und ein jeder ein Schützen hinder ihm.
 
                       Das Fünff und viertzigst Capitel.
  Wie der Mönch seinen Gefährten ein Hertz macht, und an eim Baum hieng dass es
                                    kracht.
Nun wolan, Glück zu, sie ziehen hin die edele Kämpffer, auff gute abenteur,
gelegenheit zuerspehen, dass sie die schreckliche grosse Schlacht antretten: der
Mönch aber redet ihnen einen mut ein, sprechend. Ihr meine Söhn, scheuet noch
förchtet euch nicht, ich will euch sicher führen, besser als der
Widertäufferisch Moses der Müntzer seine Bauern. Gott unnd S. Benedict sei mit
uns, S. Benedict für mich, Gott für euch. Wann ich so viel stärck als muht het,
botz krisam, ich wolt sie euch all wie ein Antvogel beropffen, unnd ihnen recht
die Feibel schneiden, dass ihnen nach Gott unnd der Welt weh müsst sein: ich wolt
sie lehren an Gott glauben, der Teuffel holt sie dann: Ich förchf nichts als das
geschütz, doch weiss ich ein Segen dafür, welchen mir unsers Klosters Custor
geben hat, hiess Clemens, aber Clemens non Papa, auch nicht der Musicus, der
heilt allen Brandt: aber 20 mich wird er nit helffen, dann ich setz kein glauben
drauff: es möcht mir sonst gehn wie dem Spanier, der, wie die Sachssen sagen,
ein Schusssegen hat, aber kein Busssegen, da ihn der Hofman mit dem Fäustling über
den Caball abschmiss, der kont ihm den Segen aufftun: oder wie des Ovidii Cigno
und Ceneo, die Wundsegen hatten, aber kein wurff noch stosssegen, für Bäum,
Stangen, unnd Stossdegen: was halff es den Hörnin Sigfrid, das er fornen hörnin
war, und am rucken zuerstechen gar, fornen beschlossen, hinden erschossen:
allentalb gesund, ohn unter dem hütlin: am haupt verwart, am Latz verfart: am
bauch gross, hinden bloss: darumb tat der Holländer recht, da er im sinn
zufliehen hat ehe er antrat, macht er ein Pantzerfleck auff die Hirsshäutin
Arssbacken, meint das Hertz steck daselbs, da der Leib am weichsten, dicksten und
geschwollenesten, unnd wie das Sauhertz geteilt wer: Ihr wüsst, ein wurff aus
der Hand, ist ins Teuffels hand: die Schuss unnd würff seind misslich, wie die
griff bei Nacht, das erfuhr wohl jene Magd, deren der Scherer wolt zum Aug
greiffen, und griff, dass ihn die Frantzosen bestanden, es geht ihr noch nach,
der frommen Dochter.
    Aber ich getröst mich meiner Kreutzstangen, mit deren will ich den Teuffel
anstellen: Bei dem steinen kreutz, solt einer Ridror aus euch machen, so wolt
ich ihn, oder ich sei ungerecht, zu eim Mönch an mein statt machen, und ihm
meine Kuttenhalffter auffnesteln, an werften, auffsatteln und anzäumen, wie
Mönch Illzan seinen Brüdern die Rosenkräntz aufsetzt: sie ist ein Artzenei für
faule Leut. Habt ihr nie von des Herren von Meurles Windhund gehört, der wolt
nichts im Feld daugen, biss er ihm ein Mönchskapp umbtat, da entlieft ihm bei
dem kreutz Gotts weder Hass noch Fuchs, Unnd welchs mehr ist, ward mit allen
Precken und Zatzen im ganzen Land läuffig, da er zuvor Nierenloss und de
frigidis & maleficiatis war. Ein Latz aus einer Mönchskutten geschnitten,
ist allzeit geilart. Nach dem der Mönch solche wort im zorn geredt, rant er
unter ein Nussbaum, unnd behieng gleich mit des Helms visier an eim verwirrten
kraspeligem ast: Gleichwol ergrimmt, stach er das Pferd noch an, welches
ungewohnt der Sporen, noch mehr forttrang, unnd ihn mehr verhaftet: der Mönch,
das visier zuledigen, liess den zaum gehn, und hieng sich mit der Hand an den
Ast, also dass das Ross unter ihm weg lieff: da blib mein schöner Mönch am Nussbaum
hencken, wie ein anderer Dannzapff, oder wie Hauptmann Schnackenstecherlein inn
der Spinnwepp: da schrei und rufft er hilffio, rettio, schelmio, dibio, unnd
protestiert sich der verrhäterei, wa sie ihn verliessen: Jungherr Artichwol ward
es am ersten gewar, rufft dem Gargantua, Herr, Herr, kompt, secht einen
Mönchischen Absalon hencken. Gargantua kam, und sah, inn was gelegenheit der
Kuttensack da hieng, unnd sprach zum Artsichwol, Du hasts mächtig schön mit der
Nasen auff den Ermel getroffen, dass ihn dem Absalon vergleichest: dann Absalon
behieng an Haaren, so behenckt dieser beschoren Mönch bei den Oren: hei der
schönen langen Walnuss, da ess kein Schwab kein Kern drauss: was würden die
Frisischen Bauern da tun, wann sie diss frembd Obs an ihren Bäumen sehen, gewiss
auch darfür auff die knie fallen, unnd Gott für die frembd Frucht eben so sehr
dancken, wie damals, als sie die Spanische Gesesslin sampt dem inhalt an ihren
Bäumen hangen sahen für Spanischen Pfeffer: hie unten sollten die Nonnen stehn,
die gern lange dinger sehen. Also soll man die Mönch Mertzen unnd inn Lufft
hencken, so fressen sie keine Maden: Hett mans des Königs in Franckreich
Beichtvatter bei zeiten getan so hett er seinen König nicht erstochen, gleich
wie jener PredigerMönch seinen Keiser im Sakrament hat vergeben. Aber botz
Murrners guckguck, was sehe ich, du hast ein krummen Latz, bist aussgetan. Was
darff es viel schnatterens, sprach der Mönch, helffet mir für tausent Teuffel
helffet mir: es ist hie nit spottens zeit. Ihr mant mich an die Dekretalistische
Prediger, die sagen, wann einer seinen Freund in nöten sieht, soll er ihn bei
trisulckischer treispitzstraliger bannung viel eher zubeiditen vermanen, als ihm
helffen: ha nun, fallen mir dann solche gesellen einmal in bach, und an dem
seind, dass sie jetzt ersauffen wollen, so will ich ihnen an statt der
handreichung und rettung, ein weil ein lange Sermon von absterbung der Welt, de
contemptu mundi & fuga seculi daher halten: Und wann sie dann rack tod sint,
sie beicht hören, und ein schöne Leichpredig nachhalten: Dann man belohnt heut
die Leichpredigen eben so wohl als die Seelmessen: auch diesen Predigkrausen, die
es andern verbotten. Hör Bruder Jan, sprach Keibkamp, nicht verwendt dich mein
liebs Mänlin, bei Jobs Hunden, du bist ein rechter Edeler lustiger kleiner
Monachus. Monachus in claustro non valet ova duo: Sed quando est extra,
benèvalet triginta: ein strenger Klostermeier, gilt nit zwei faul Eyer, aber
ausserhalb, gilt er treissig halb: jederman ein Ey, hie unserm Schweppermann
zwei. Ich hab wohl bei fünffhundert sehen hencken, aber keinen nie, dem es so wohl
angestanden: unnd stünd es mir so wohl an, ich hieng all mein lebenlang dran.
    Die trüss auff deinen kopff, sprach der Mönch, und das gesperr inn den
kropff, hang immer hin, ich will dir zusehen, wann habt ihr einmal
aussgeprediget? es überred mich keiner dass hencken wohl tut, sie würden sonst
pfeiffen: ich schenckt auch, wie jener Dieb, dem Meister Fröschlin von
Wittenberg die Irten, das er dort das Mahl für mich ess, wann ers gern ess: Na,
na, genug von dem, sat, sat, wann man genug hat: helfft mir darfür umb Gotts
willen, wolt ihrs umb keins andern willen tun: bei dem geweiheten Kleid das ich
trag, und bei meiner heiligen Kreutzstangen, ihr solts entgelten tempore &
loco prælibatis.
    Darauff stig Kampkeib von seim Gaul, klettert auf den Baum, fasst mit der
einen hand den Mönch bei dem Halsskragen, hub ihn auff: und mit der andern
arbeitet er ihm das Visier aus dem astacken, und liess ihn also hinab fallen,
unnd ful er hernach, beide auff die füss wie die Katzen und wie die bleiene
holderzwerglin. So bald der Mönch hieunden war, riss er den Harnisch selbs vom
Leib, warff ein stuck nach dem andern dort ins Feld hinaus, unnd wider zu seiner
Kreutzstangen, mit der macht er ein auffhebens, und satzt sich wider zu Pferd,
welchs unter dess der Wolartig ihm auffgefangen hat. Stutzten damit lustig fort,
und liessen den Nussbaum zur Gedächtnis an dem ort. Unterwegen, ehe sie den feind
antraffen, hatten sie mit einander ihr gefatz. Keibkamp fieng ein Liedlein an:
Es ist ein Mönch vom Baum gefallen, Ich hab ihn hören plumpen. Ach dass ihm pring
kein schad das knallen, Er könt sonst nicht mehr gumpen, Hibe ha wohl zumpen.
Kanst auch, sagt der Mönch, das Lied, Der Gauch hat sich zu todt gefallen, von
jenem hohen zaune: etc. Nit vil darvon, sagt Keibkamp, Aber solstu der Gäuchin
gefallen, so werstu kein Capaune. Inn dess fragt einer den Bruder von der
gemalten Kreutzstangen: warumb man sag, Ein Convent mit Brüdern, leb lenger als
zwei Fänlein Lantzknecht: Was solts tun, antwort der Mönch, es schlägt ihnen
kein kälte darzu, und haben gewisse Metten und Vesperzeit wann mans tu, bei
hitz sind sie in der küle, im schatten, in der kälten stecken sie warm in den
betten, im Sommer trincken sie aus gekürten Fläschen, im Herbst aus den mostigen
Krausen, im Winter aus den Gläsern. Oho, solt nit einer auch da wünschen, wie
Claus Narr, dass einer ein Mönch wer, auff dass er auch ein Kleid trüg wie ein
Narr. Was schad eim die Narrenweiss, wann sie einen nur speisst, Nennet man doch
die besten Leck und Lebkuchen Narrenbrot. Darumb ist kein wunder, das die
Kriegsknecht den Klöstern so gefähr seind, das macht, der Hund ligt inn der
Krippen. Weil der Löw unnd der Bär umb die Geiss sich müd stritten, inn des kam
der Fuchs und stall die Geiss: also geniesst der listig fremder müh Ja, sagt
Gurgelstrossa, was sagt aber dort der Hund, da er nit mehr inn Regen wolt, Man
hat mich einmal mit heisswasser beschütt, seidher komm ich inns kalt nit: es gilt
kein Arglist, wo sich find Märcklist: Mir nicht wie dem Hirten, dem die Säu
unter des er ihnen die Eicheln vom Baum schüttelt, zerrissen den Küttel. Aber
gemach inn die Kolen geblasen, so fährt dir kein staub in die Nasen: Secht da,
der ist genug gestäubt, als käm er vom Eschermittwoch, und dieser da, ist von
der bleich gelauffen, darumb ist er so schwartz gebliben: Secht da, wie beissen
disen die angstläuss, der feind ist gewiss nicht weit: Solch unnd anderst gesprech
triben sie unter wegen, biss sie dem Feind kamen entgegen.
 
                       Das Sechs und viertzigst Capitel.
Wie des Königs Bittergrolls vortrab von dem Gurgelstrozza angetroffen ward, und
der Mönch den Hauptmann Ninenan von Tiravant erschlug, und drüber ward gefangen
                                    im flug.
Koenig Bittergroll, als ihm die, so aus der niderlag, da Hauptmann Wurststumpen
von Kuttelnbach die stumpen dahinden liess, unnd entkuttelt ward, entkamen, den
Handel, wie es mit dem Gaucklerteuffel ergangen, referierten, ward er so
gichtig, böse  und kiebig, dass er vor zorn ein Nuss mit dem Arss auffgebissen het,
fürnämlich da er vernam, dass ihm auch die Teuffel abgesagt hetten: unnd hielt
die ganz Nacht raht: zu letzt beschlossen seine Hauptleut, Herr Hastiveau
Schöllkopff, Pfankratz Streichdenbart, Hannibal Truckinsgsess, Clade
Toucquedillon, Nickel von Degenrauschenburg, Sebald von der Beseichten Scheiden,
und der Freiherr von Schnuderentingen, er were mit seim Heer so mächtig, dass er
auch alle Teuffel, wann sie kämen, bestreiten könt. Welches doch Picrochol nit
so gar kont glauben, gleichwol verzagt er nicht: Sondern schicket mit den
Hauptleuten Streckdenstiel und Niergentan, sechzehen hundert Reuter zu leichten
Pferden zum Scharmützel das Land zuberennen, alle mit geweiheten Fanen, wohl
genetzt unnd besprengt mit Weihwasser, und ein jeder ein Pfaffenstol, hinden am
Rucken abfligen für ein Feldzeichen, auff dass sie auff allen fall, wa sie die
Teuffel antreffen, beid durch krafft dises Gringorianischen Wassers, unnd auch
der Kerseufelstol und kehrteuffelstol, sie vertriben und verjagten.
    Ranten derwegen biss ans Sondersichenhauss bei Vauguion, trafen aber niemand
an: derhalben stutzten sie weiter, biss sie bei Cudrai in eim Hirtenhäusslin, die
fünff Pilger fanden, welche sie fessleten unnd mit allen vieren, wie die Kälber
auff die Ross banden, und für Aussspeher darvon führten, unangesehen wie sehr sie
dafür schwuren, und ihre Heilige Muscheln zu pfand lassen wollten.
    Als nun die Bittergrollischen daselbs herumb bei Seuile umbschweifften und
streifften, ward ihren Gurgellantua innen: und red gleich sein Volck an. Ihr
Hopffenbrüder, hie werden, wir zutun gewinnen, es seind ihren zehenmahl mehr
als wir, wollen wir sie ansprengen? Wat den Teuffel, sprach der Mönch, was
wollten wir sonst tun? Wir seind drumb hie: wollten ihr die Leut nach der Zahl
unnd nicht nach der manlichkeit schätzen? Viel Leut, viel beut: viel Feind, viel
ehr, sagt Fronsperger: Rufft demnach, sprengt an ihr leibhafte Teuffel, sprengt
an: Wir wollen ihnen das Weihwasser geben. Welchs als es die Feind horten,
meinten sie es weren warhafte Teuffel, fiengen derhalben all an mit
verschossenen Zaum fersengelt zugeben. Jedoch Hauptman Nienenan, der legt die
Glän ein, unnd rant inn vollem Ritt dem Mönch auff die Prust: Aber so bald es
die Teuffels schrecklich Kutt antraff, bog es sich beim Späreisen, als wann
einer mit eim gewächssten Faden auff ein Amposs schlüg, oder mit eim Federkengel
an ein wand rent: Hingegen der Mönch versatzt ihm mit dem Kreutzstock so ein
unsaubers zwischen den Hals unnd halsskragen auffs Acromibein, dass er ertaubet
und schwindelet, unnd nichts umb sich selbs wusst, ob er ein Knäblin oder Meidlin
wer, und ihm gestrack für die Füss ful als ob ihn der Hagel herab schlüg, und
vergass auffzustehn: unnd als er den Messschleier ihm auff dem Nacken sah, sagt
er zu dem Durstgurgeier. Botz Chrisam, es sind nichts als Pfaffen, bei dem
sackerleiden: Aha, das ist erst ein anfang von eim Mönch: bei heiligen S. Jan
ich bin ein rechter aussbund von eim Mönch, ich will euch tödten wie die Mucken,
9 inn eim streich, wie jener Schneider. Bei dem Heil. S. Erharts Beihel, soll
mir einer entlaufen, so soll ihn der Teuffel holen. Jagt ihnen demnach hurtig
nach, biss er die letsten inn der flucht ertappet, da schmiss er unter die Nussen,
da sie am dicksten stunden, und biss vor girigkeit die Lefftzen durch wie
Scanderbegck.
    Keibkamp fragt unter des den Gurgeldurst, ob sie ihm nachsetzen sollten?
Nein, antwort er, dann nach rechter Kriegsart soll man den Feind nimmer in die
äusserst Eisenprechend noht setzen, unnd inn verzweiffelung pringen: weil ihm
solche nohttringlichkeit ein frische sterck unnd mut aus vorstehender
gefährlichkeit und scham einjagt, welcher zuvor ganz erschlagen niderlag: und
ist kein besser mittel für erschrockene unnd mutlose Leut, als kein Hoffnung ih
res Heils wissen: Der verzweiffeit würd erst verteuffelt: wie viel Victorien
sind verschertzt worden, wann man also gar zur internecion, unnd biss auff den
letsten Man alles hat wöllen auffreiben, dass auch keiner, der die Zeitung
brecht, überplibe. Tu eh dem Feind Tür und Tor auff, und mach ihm ein gulden
Prucken, dass er fort mög rucken. Aber sprach Keibkamp, es ist mir leid, sie
haben den Mönchischen Hasen bei den Ohren. Haben sie, sagt Gargantua, den Hasen,
so geb Gott dass sie ihn im busen haben, so wird es sie nicht vil Frommen. Aber
ich rhiet, wir bliben hie in der stille auff der Walstat, allentalben auff den
fall gerüst zuzuspringen. Dann ich seh jetzund was unsere Feind im Schilt
führen, dass sie alles ohn rhat auff wohl gerhat angreiffen.
    Unter des sie unter den Nussbäumen also halten, jagt der Mönch inn alle macht
hinden nach, schlug ohn genad Todt alles was er antraff, biss er ein Reuter
betrat so der Armen Pilger einen gebunden hinder dem Sattel fuhret, und wolt ihm
da sein sächlin machen: davon ruff und schrei der Pilger: Ha: Herr Prior, mein
Freund, holla mein Herr Prior helfft mir, ich bitt euch umb Gottes willen. Seit
ihr nicht Prior, so helfft mir doch wie ein Abt. Welches als es die Feind
erhorten, ritten sie wider hindersich unnd als sie sahen, das niemand als der
Mönch da war, der ihnen solche schmach antat, setzten sie an ihn, und treschten
auff ihn wie auff ein Esel, aber er empfand nichts, wa sie seine Kutt trafen, so
ein harte haut hat er: demnach fiengen sie ihn, und gaben ihn zwen Schützen
zuverwaren, warffen den Klepper umb: Und als sie sahen dass niemand wider sie
war, meinten sie Gurgelstroz mit seim geschwader hab das Feld geraumet: Ranten
derhalben mit verhängtem Zaum gegen den Nussbäumen zu, die Gargantuisten
zuschaisen, und lisen den Mönch allein mit den zwen Schützen. Strotzgurgel
erhört das getümmel und der Pferd geschrei (dann einer unter ihnen legt sich mit
dem einen Or auf den boden) und red sein Volck an. Ihr Gesellen, ich hör unser
Feind inn vollem trab daher stutzen, sie werden uns ein pancket wollen
schencken, es seind ihnen mehr dann ein Galgen voll, wir müssen uns warlich
zusammen packen, und fledermäusig zusamen schicken und halten, lasst uns hie
diese Strass zum vorteil einnemmen, so wöllen wir sie wie ehrliche Stallbrüder
zu ihrem Schaden empfangen, dass sie den Boden küssen müssen, unnd den Tact
schlagen mit den füssen.
 
                       Das Siben und viertzigst Capitel.
    Wie der Mönch sich von der wacht aussriss, die ihn verwart, und des Königs
                     Bittergroll vortrab auffgeriben ward.
Da der Mönch die Bittergrollischen Gesellen sah on ordnung also davon
schnellen, kont er wohl erachten, dass sie den Gurgelstrossa und sein Volck
überfallen würden: und bekümmert sich heftig, dass er ihnen nicht beiständig
solt sein. Darnach ersah er, was für Hundsfisel diese zwen Birsschützen seine
verwarer wern, dass sie nämlich wie die Rappen den Wölffen, allzeit liber dem
grösten hauffen wern gefolgt, etwas zuerbeuten, derhalben sie dann allzeit gegen
dem tal zuschileten, da die andere hinab ritten, als dass sie da eim losen
Klosterpsalter ausswarten mussten. Zu dem Sillogisirt unnd schloss er bei sich
selbs, diss Gesind hie weiss nicht viel Kriegsprauch, dann sie haben nie kein
verlobung noch treu von mir genommen, und haben mir meinen Gottslesterer, dise
schöne Mäderfochtel noch nie abgefordert, derhalben mag ichs wagen: Zuckt
darauff flugs die Fochtel, schlug auff den Schützen zur rechten, hieb ihm eins
streichs die halsstrosseladern sampt der Weinstrass biss zum Lufftror ab, zuckt
noch einmal und öffnet ihm das Spinalmarck zwischen dem andern unnd dritten
Ruckknochel. Da ful der arm Schütz ungeschossen und ungesegnet Todt zur Erden.
Folgends warff er seinen Gaul zur Lincken umb, strich auff den andern, welcher
als er seinen Gesellen todt unnd den Mönch ihm überlegen vermerckt, schry und
floh er, und floh und schri Gotts jämmerlich. Ha Herr Prior, ich ergib mich, O
Herr Prior mein Freund, O mein Heiliger Herr Prior. Der Mönch rufft nicht dess
weniger auch hingegen, Ha Herr Posterior, mein Freund, O mein heiloser Herr
Posterior, man wird dir die Posteriora herumb keren: Ha, rufft der Schütz, mein
lieber Herr Prior, mein Edeler Keiser? O Herr Prior, dass euch Gott wöll zum Abt
machen. Bei meim heiligen Aronskleid, schwur der Mönch ich will dich hie zum
Cardinal machen, dass dir die roht Kapp herab hencken soll: Wie? ihr
Picrochollisten, Solt ihr die Geistliche hie Rantzionen? euch am Geistlichen
Fleisch oder Fleischlichen Geist vergreiffen? Ich will dir jetzund also par mit
meiner hand ein rohts Hütlin auffsetzen. Aber der Schütz schrie immer fliehend
fort, Herr Prior, Herr Prior, O heiliger zukünftiger Abt, mein Ehrwürdigster
Herr Cardinal, O mein Herr überall? Ha, ha, hes, nein Herr Prior, mein gross
GrandPrior von Malta, ha, heiss, nein mein hertzlieber Herr Prior, ich ergib
mich. Und ich gib dich, sprach der Mönch, allen Teuffeln für eigen, wollen sie
sich mit keim Schelmen zahlen lassen, will ich ihnen morgen meiner Brüder einen
schicken: Spaltet ihm hiemit gleich den Schedel, dass ihm das Hirn an der Haut
der Hirnschalen auff die achsel hing, wie ein Doctorhäublin, dass innwendig rot,
ausswendig schwartz ist: und also zur Erden todt nidersanck. Auff solche tat,
gab der Mönch seim Pferd die Sporen, Ritt stracks dem Pfad nach, welchen die
Feind fürgenommen hatten, die dann bei der Landstrassen den Gurgelstrosslinger
unnd sein Gesellschaft zu ihrem nachteil betretten hatten: Dann sie bereit
durch ungläublichen streit, dessen von der Gurgelstrosen, mit seim zuvor
aussgeropfften Baum, und des Kampffkeibs, Lobkund, Artsichwol und anderer
gewaltiger Wehr, also geringert waren, dass ihnen die Katz inn alle macht den
Rucken hinauff lieff, und anfiengen als vor eim gewissen Todt zufliehen. Ja
aller massen, wie ihr an eim Esel secht, wann ihnen die Junonische Rossprämen
stechen, hin und wider ohn weiss und weg laufen, seine bürd von ihm schütteln,
Zaum und riemen zerreissen, ohn unterlass wie ein Veitsdäntzer springen und
hindenauss schlagen, und niemand wissen mag, wer ihn darzu treibet, dann niemand
sicht, wer ihn anrhüret. Also flohen diese Leut, als ob sie unsinnig weren, unnd
nichts von sich selbs wüssten, noch wer sie jaget, dann es nichts als ein
Panischer Laubplattrauschender schrecken war, den sie ihnen so steiff
einbildeten, als ob ihnen der Hencker auff dem Rucken wer. Welchs als es der
Mönch ersah, das nur ihr sinn zufliehen und zu Fersengeben stund, stieg er von
seim Ross, trat auff ein grossen Hügel der im weg stund, unnd mähet mit
aussgestreckten Armen mit seiner Fochtel unter dise flüchtige Protverderber, wie
ein anderer Todenvorläuffer der Höllen. Tödtet und erlegt auch so vil, und liess
sie so dapffer durch die Prenn lauffen, dass ihm sein fochtel entzwei prach, da
gedacht er, das es genug werd sein, weil ihm die Wehr inn der faust erstarret
war, auch wusst, das stäts etliche überzulassen, so die zeitung heimpringen.
Derhalben erhascht er eines der erschlagenen Spiss, unnd stellt sich wider auff
den Hügel, zusehen wie die Todten unter einander zabelten unnd grabelten, unnd
die überige, die daher Ritten drüber bürtzelten, doch liess er ihnen ihre Wehr,
Spiess und Büchssen nemmen. Aber die so die Pilger gefesselt führten, hiess er
freundtlich absteigen, und gab den gedachten Pilgern ihre Pferd, und behielt sie
bei ihm, sampt dem gefangnen Duckendilen. Gleichwol redet er ihnen freundtlich
zu, unnd tröstet sie, das besser sei gefangen, als gehangen: besser im
Schiffpruch ihm mit eim hacken den arm durchstechen, und sich also retten
lassen, als ersauffen: wiewol einmal ein undanckbarer Gauch einen drumb
verklagt.
 
                        Das Acht und Viertzigst Capitel.
Wie der Mönch die Pilger mit ihm pracht, und von den guten Lehren die ihnen der
             alt Grandgoschier gab, und sie darauff liess ziehen ab.
Nach vollendetem gedachtem Scharmützel, zog unser Gurgellang mit seim Volck ab,
aussgenommen den Mönch: Und gleich mit dem Tag erzeigten sie sich vor dem
Grandgusier, welcher im Bött für sie bettet. Und als er sie alle frisch unnd
gesund sah, umbfieng er sie hertzlich, und fragt gleich wie es dem Mönch ging.
Da sagt ihm Grandgurgel, dass seine Feind für gewiss den Mönch hetten: Wann sie,
antwort Grandgoschier, nach dem Frantzösischen sprüchwort den Mönch, das ist,
den Hasen oder das unglück im Busen haben, so stehn sie übel: Oder haben sie
nach der Buchtrucker Red ein Mönch geschlagen, so werden sie es klein ehr
tragen. Welchs auch war gewesen. Daher ist noch dz sprüchwort, eim den Mönch
schlagen, oder den Mönch stechen, oder einen Mönchen.
    Hierauff befahl er den Imbiss zuzurüsten, dass sie sich erfrischten: Unnd da
nun alles bereitet war, rufft man unserm Durstgurgler, aber es tat ihm so and
und wehe, da sein Mönch nicht zugegen war dass er weder essen noch trincken wolt.
Auff der stätt (als wann man vom Wolff sagt, so ist er im spil) kam mein Mönch
daher getrollt wie ein anderer Klosterhund, und rufft, so bald er in den Hof
kam, Holla, holla Frischen Wein her, kein Külwasser, sonder Külwein: Holla
Keibkamp Frischen Wein her. Keibkamp hinaus, sah dass es Bruder Jan war, der
bracht sechs Pilger unnd den Tucketillon gefangen: Alsbald lieff ihm Gargantoa
entgegen, empfieng ihn auffs freundtlichst, führt ihn zum Grandbusier, der fragt
ihn, was ihm sidher wer zu gestanden. Der Mönch erzehlts ihm alles, wie er
gefangen gewesen, und nun andere gefangen hab, die Pilger und den Hauptman
Truckezullon: hirauff fiengen sie an weidlich zuzechen und sich zuersprechen.
    Unter des fragt Grandpruchier die JacobsKönig, von wannen sie weren, waher
sie kämen, wa hinaus sie wollten: da gab Zettefurtz für alle antwort. Gnedigster
Herr, ich heiss Zigenbart Lassdaller, sonst Kleienfurtz, unnd bin von
Träggänglingen bei Füssen, mit ehm zumelden ein Schwab. Diser heisst, Dietz
Langenzagel, ist von Küssloch bei Gemünt. Der heisst Florentz Florentzson, ist von
Kulenburg in Holland: Diser Onofro Halberkalt von Faullauffen: Und der Frantz
Seckelkranck von Langezän: Unser reiss betreffend, kommen wir von Sanct Sebastian
bei Nantes, und seind vor etlich Wochen auch zu NiclaussPort inn Lotringischen
Lorraine gewesen, und wollen jetz allgemach heim streichen: Aber, sprach
Grandbuchier, was hatten ihr zu S. Sebastian zutun? wir mussten dahin, sprach
der Träggänglinger, dann wir hatten uns wider die Pestilentz dahin gelobt. O,
sagt Grandbusier, ihr arme Leut, meint ihr die Pestilentz komm von S. Sebastian?
Ja warlich, antwort Zettenfurtz, unser Pfarrherr kann ja nicht Liegen, er heisst
Herr Adam Schibloch, und sagt, Sebestle heiss also von der Seupest: Unnd wann
dieser nicht helff, so verstehe sich Rochus etwas auff den handel. Ja warlich,
sprach Grandgusier, lehren euch euere Schiblochs Propheten so ungereimt ding?
das sie die fromme Heiligen also lästern, als ob sie Teuffel seien, die den
Menschen alles übels zuschicken, wie der Heidnisch Poet Homerus schreibt, Apollo
hab die Pestilentz inns Griechisch Hör geschickt: Unnd andere Poeten machen ein
ganzgeschwader WeJoves, unnd bauen dem Fieber unnd Podagram Tempel: die sie aus
forchten anbetten, wie die inn Calicut den Teuffel, dass er ihnen nicht wöll
schaden, wann er sie doch nicht könn begnaden. Oder wie die Egyptier die
Storeken anruffen, dass sie ihnen die Schlangen auffressen, wie mancher die Magd,
dass er zur Frauen komm. Also Predigt einmal zu Sinais ein schlimmer Luderbruder
aus dem Gabriel Bühel, und Argumentirt ex loco contrariorum, das Sant Antoni das
Glockfeur eim inns Bein schick. S. Eutropi in krafft seins Namens mach den
Tropffschlag, und die Wassersucht, Sanct Glidas die Narrensucht, Sanct Genou das
Zipperlin in genibus, Sanct Lupus plag mit Wölffen unnd Martern, S. Veit mit
langem schlaffen unnd dantzen, S. Gertrut mit Mäusen, die den Mägden das Werck
abbeissen. S. Dorote die junge Leut mit hässlichen Bulen, Sanct Andres mit alten
Weibern, Sanct Scolastica mit Tonner. S. Margret die Weiber mit unbären, welchs
einmal eine von jungen Bären verstund, undertränekt ihren Hund der hiess Bärlin.
S. Anna mit armut, S. Barbara mit Sakramentlosigkek. S. Christoffel mit gähem
Todt, S. Agata mit bösen Prüsten, S. Fiacrius mit Feigwartzen, S. Meinus mit
Platern, S. Liberius mit dem Stein, S. Erasmus mit grimmen. S. Otilien mit bösen
Augen, S. Alo mit bösen Pferden, S. Maturin mit Melancholi, S. Crispin mit bösen
Schuhen, S. Cosmus mit trüsen, S. Hundprecht, mit dem wutenden Hundsbiss, S.
Magnus mit Raupen, S. Jost mit Kornmilben, S. Ludwig mit saurem Bier, S.
Wolffgang mit Gicht, S. Florian mit Feur, S. Lorentz mit Ruckenwe, S. Blasi mit
Halsszäpflin fallen, S. Petronell mit Fieber. S. Martin mit dem Ritten, S.
Johannes mit Schafsterben, S. Feriol mit Gänsssterben, S. Wendel mit Kühsterben,
S. Loi mit unglückhaftem Bergwerck, S. Appel mit Zanwe (aber jener
Boitduvinisch oder Potewinisch Baur gelobt sich dafür zu dem Goffroi mit dem
Zan, und in Wassersnöhten zu dem grösten Christoffel, der köndt ihn drauss
tragen) S. Quintin mit dem Husten, S. Clara mit roten Augen, S. Valentin mit der
fallendensucht, S. Simphorian mit Priapischem Schlir, S. Job mit Frantzosen, und
S. Cyriax mit allen Teuffeln. Als er mir ein solch Register Unglückheiligen
daher erzählt, strafft ich ihn solcher massen, wie sehr er mich auch darüber
ein Ketzer scholt, das sidher solcher Speckmäuss keiner inn mein Land genistet
hat. Und nimpt mich wunder, wie euer König solche ärgerliche Terzelische
Schmaltzprediger im Reich leiden mag: Dann sie seind straffwürdiger als die
durch vergifftung und Zauberei den Lufft vergifften, und faul Häring ins Land
führen, dann die Pest tödt nichts als den Leib, aber dise Bescheisser,
bescheissen und vergifften die Seel, mit falschem Wohn und Glauben.
    Inn des er solches redet, trat der Mönch auch hinein, fragt sie. Waher seid
ihr armen Sdiweiss? von Sanct Genou und anderswo her, sprachen sie: Und wie lebt,
sagt der Mönch, das lieb Herlein Abt Tranchelion, das Bärenstecherlin, ein
bodenloss gut Zecherlein. Seind seine Mönchün noch lustig? schmackt ihnen der
Wein noch? steigen sie noch so gern über die Mauren? Bei dem Creutzvatter, weil
ihr auff der Romfahrt umbwallet, kehren sie euch die Weiber herumb. Hin hen,
sprach Lassdaller, ich besorg meiner nicht, dann wer sie bei tag sicht, wird bei
nacht nicht den Hals drumb prechen, dass er zu ihr komm. Ja Gsell, sprach der
Mönch, Treck lescht auch Feur, diss gestech begibt sich das mehrerteil bei
Liecht unnd Nebel, bei Nacht seind alle Khü schwartz: Und wann sie so hässlich
wer als die Frau Serpina, in der Höllen, noch ist sie bei dem todten Blut vor
den Hirtzbrünstigen Mönchen nicht sicher, sie giengen ein Geiss an die ein
Schleier auff hat: Ja brechen ein Tor auff, da ein Küschwantz vorhieng. Die
Meidlein machen die Mönch die Fasten brechen, sie können sie gar schön in Pace
legen: Die schönen braudien sie bei Tag, die hesslichen nachts. Es ist nur ein
won, dz man meint, der Most schmack bass aus der krausen, dann aus dem glass: Wer
er lauter, ich süft ihn nit aus der krausen. Dann ein guter Werdoneister lasst
kein stuck ungearbeitet, er nimpt es alles unter die hand: alte Geisen lecken
auch gern Saltz, ein alten verlegnen Furman tliut auch das Geiselklöpffen noch
wohl: kann einer nicht mehr trincken, so sihet er doch gern zepffen, und hört gern
die Kannen klepften: ein alter Gaul regt zum wenigsten die Ohren, wann er hört
auff blasen: eim Podagrischen träumt zum wenigsten wie er reut, wann er schon da
gestreckt leit. Secht da, ich wett, oder es stossen midi alle Frantzosen an, wa
ihr nicht, wann ihr heim kompt, euer Weiber schwanger finden: Zum wenigsten,
wann ihrs habt angefangen, so machen sie doch, wie jener Friesisch Pfaff, die
Köpff dran: dann es macht auch nur der schatten von eim kloster fruchtbar:
gleich wie auff den äckern eins Nussbaums schatten unfruchtbaret: Es muss sich in
Klöstern alles mehren Hund und Katzen, Esel und Geisen. Hoho, sprach
Gurgelstross, haben die Klösterschatten solche krafft, so ist es eben mit ihnen,
wie mit dem Nilwasser inn Egypten, wa ihr dem Strabo unnd Plinio Lib. vii Cap.
iii glaubt: unnd wie das Pfrundbrot, das macht ihn allen inn denen es auffgeht,
endweder Geistlich fleisch, oder fleischlichen Geist, oder heuchlisch feisst. Ihr
gehörten wohl inn die unbewont Welt, ihr wurdens bald mehren: O könt man Lüttich
über Mör führen wie Loreta: da würden die Gänss gross Eyer legen. Ja gewisslich,
sagt der Mönch, darumb schickt der König von Hispanien järlichs Schiff voll
solcher guten Nollbrüder in die Neuen Inseln, und man vernimpt täglich, wie umb
ein jedes Kloster bald ein Statt auffstehet: Dann der Haass ist gern, da er
geheckt wird.
    Demnach sagt Grandgosier zu den Walfahrtlauffern, Geht hin ihr arme Leut in
Gottsnamen, der sei euer ewiger geleiter, aber nicht auff die Leiter: Und
unternemt euch fortin nicht mehr solcher unnützen reisen, noch des unmüssigen
müssiggangs: steh ein jeder seiner hausshaltung für, schaff das sein, dazu er
beruffen, zieh seine Kinder, und tu wie ihn der lieb Apostel Paulus lehret: wa
solchs geschieht, habt ihr Gott, seine Engel und alle Heiligen umb euch, und
wird euch kein Pestilentz noch grössers übel schaden: Dann der auff Gott tut
bauen, denselbigen stosst nichts an von grauen.
    Folgends führt sie Strozzagurgel: inn ein Saal, unnd liess ihnen aufftragen:
Aber die Pilger taten nichts als seufftzen, unnd sagten zu Gurgelstrozza. O wie
glückselig ist das Land, welchs ein solchen feinen Herrn hat: Aber wa man kein
alt Leut hat, da muss man Kinder auff die Bänck setzen. Man sucht doch nur witz
bei den Alten, wie sehr sich die jungen für klug halten. Wir haben mehr aus
seinen Reden jetzund gelehrt, als aus allen Predigen daheim. Hie sieht man,
sprach Gurgelstrosslinger, das war ist, was Plato Lib. 5 de Repub: schreibt, das
alsdann ein Regiment wohl werd bestellt sein, wann endweder die Regenten
Philosophiren, oder Philosophi und Weissheit gelehrige regiren. Nachgehends liess
er ihnen ihre Pilgertäschen voll Proviand stecken, ihre Fläschen mit Wein
füllen, und schanck eim jeden zur erquickung ein Pferd fortzukommen, und etliche
dicke Pfennig von seinentwegen zuverzehren, des dancken sie ihm der Ehren, und
zogen hin sich zubekehren.
 
                        Das Neun und viertzigst Capitel.
      Wie König Gurgelgrozza von Grandgoschlingen den gefangenen Hauptmann
    Tucquedillon hielt sehr wohl, Aber dargegen sehr übel König Bittergroll.
Dessgleichen ward auch Hauptman Tragdendilen dem Alten Grandguchier presentieret,
der erforschet von ihm Königs Picrochols, des Koderkolterers, vorhaben und
gelegenheit, und was sie mit diesem plötzlichen einfall suchten: darauff
bescheidet er ihn, dass seins Herrn vorhaben wer, das ganze Land einzunemmen,
von wegen der schmach die seinen Nutelnbauren bewisen worden. Das ist, sprach
König Gurgelgros, zu weit und zu viel gesucht. Wer zu vil fasset, vil fallen
lasset: Der zuviel fasst, wenig fasst? Es wird heut nit mehr billich gehaisen,
also Land und Leut mit des nächsten Bruders schaden zu überziehen und
einzunemmen: dann die Exempel des Herculis, Alexanders, Hannibals, unnd andere,
gelten heut nicht mehr, dieweil sie wider unsers glaubens Profession, unnd wider
den löblichen auffgerichten Landfriden seind, welcher vermag, dass ein jeder
seine Herrschaft bewar, halt, regier und verseh, und nicht nach anderer steh:
Und was etwann desshalben bei den Saracenen unnd Barbaris hat Manlichkeit
geheissen, das heissen wir heut Rauberei und schelmenwerck. Er het Königlicher
getan, so er seim gebiet wohl wer vorgestanden, als dass er mir meins feindlich
verderbt mit schanden: Dann durch wolregierung des seinen, het ers vermehret,
durch betrübung aber des meinen wird er zerstöret. Zihet nun hin inn Gottes
Namen, machts wohl aus, habt ihrs wohl angefangen, habt ihrs wohl kocht, so esst es
gut: Zeiget euerm König seine fehl, die ihr jetz euers teils erkent, wie ein
getreuer Diener an, rhatet ihm nimmer zu euerem eignen nutz: dann eigennutz ein
böser butz: mit dem gemeinen geht auch eins jeden besonder eigenes zu grund. So
viel euer rantzon betrifft, schenck ichs euch gar, und will auch dass man euch
Pferd unnd Harnisch wider zustell: Also muss man unter benachbarten unnd alten
bekandten handeln: in erwegung, dass solcher unser span eigendlich kein Krieg
ist, wie dann Plato Lib: 5: in Repub: von den einländischen überzügen der
Griechen untereinander halt, dass sei kein Krieg, sonder Auffrhür und Meutereien
heissen und seien: und will derhalben, wa sich durch unfall solche empörungen
begeben, dass man zu dem mäsigsten darinnen soll geleben: wie auch solches Julius
Cæsar erkant, der inn voller Schlacht mit dem Pompeio seim Kriegsvolck zuruffet,
Parce Miles Civibus: Ihr Kriegsleut schont der Burger: So wolt Fabius von der
Urienter Schlacht nit Triumphiren, weil viel Burger darin bliben warn, Dann
wann kann es die rechte hand freuen, wann sie die lincke hat abgehauen?
Dessgleichen Keiser Antonin sagt, das besser sei ein Burger erhalten als vil
Feind vergwalten: darumb ist der Blutund Sylla ewig zuverfluchen, der ganze
Blutschuldbücher stelt von Marianischen Burgern, so er zumetzigen erlaubt. Wie
vil mehr seind dann dise Potentaten dem Teuffel zugeben, die auff Machiavellisch
meinen sie können ihre Königliche schällige doll und vollmacht nicht bass
fortsetzen, als wann sie ihre Undertanen zusamen hetzen, und durch schwächung
eins unnd andern teils in zwischen des Lands Freiheiten pfetzen, unnd sich für
ein Exlexigen Halsherscher einsetzen. Ja aus Burgermetzigung und
Bartolomisirungen der undertanen noch Stratagemata und köstliche
Kriegsvorteiln machen, Man soll also feindschaft treiben, dass man auch dermaln
eins könn wider freundschaft üben. Wolan nent ihrs Bittergrollischen dann ein
Krieg, so ist ers nur oben hin Superficiarisch, er tringt nicht in den innersten
Schrein unsers hertzens. Dann keiner unter uns ist an seiner ehr angetastet: Und
ist überal inn der Totalsum kein anderer span, als etwas fähles von beider seit
Volck abzulegen, dazu ich mich dann erbotten: Gott sei Richter zwischen mir und
ihm, der wöll mich auch eher durch den Todt von hinnen beruffen, und mein Land
vor meinen Augen verderben lassen, als dass ich oder die meinige ihm einigen
betrang und überlast zufügten. Es ist besser ein anderer schlag inn den busch,
dass ich die Vögel fang, als das ich inn busch schlag, dass sie ein anderer fangen
mag: Der erstlich zuckt, hat allzeit unrecht, das wissen auch die
Sonnenstichling unnd Dungkäfer zu Augspurg: aber recht find allzeit seinen
Knecht.
    Nach dem er diss aussgeredet, rafft er dem Mönch, unnd fragt ihn vor allen,
Mein Freund Bruder Jan, habt ihr den Hauptman Toucquedillon, so hie gegenwertig,
gefangen? Gnädiger Herr, antwort der Mönch, er steht hie selbs zugegen, er ist
auch alt und verstendig genug, es ist mir lieber, ihr wissens von ihm selber als
von mir. Da sagt Truckdendilen. Gnädigster Herr, es ist eben der, der mich
gefangen, ich hab ihm mein Wehr überreicht, unnd ich stell mich frei ledig für
seinen Gefangenen dar. Habt ihr ihn, fragt der alt Herr weiter, gerantzont?
Nein, bescheidet der Mönch, ich bekümmer mich umb solche ding nicht: Ich bin hie
nicht umb der Beichtpfennig willen: Wie viel, sprach Grandgoscha, begerten ihr
zu lösung seiner gefengnuss? Nichts, nichts, sprach der Mönch, das wird mich auch
nichts wärmen. Solche wort ungeacht, befahl Grandgusier, das in beisein des
Tuckedilons dem Mönch sechtzig unnd zwei tausent Salusgulden gezahlt würden:
welchs, all dieweil geschah, unter des dem Toukedillon ein gute Collatz
zugerüstet war: den fragt beineben Grandgoschier, ob er bei ihm bleiben, oder
lieber zu seim König wider umbziehen wöll. Ruckdendilen antwort, dass er folgen
wöll zu welchem teil er ihm rhat. Wolan, sprach Goschgrozza, so ziehet zu euerm
König, und aller Heiligen Segen sei mit euch. Schencket ihm demnach ein schön
Schwerdt von Vienne, mit einer güldenen Scheiden, von gestochenem und erhabenem
Reblaubwerck und sonst Goldschmidarbeit, unnd ein guldin Halssketten von
sibenhundert zwei tausent Marck, auch zehen tausent Kronen zu einer verehrung.
    Diesem allem nach, satzt sich Ruckdendilen zu Ross. Gurgelstrozza gab ihm zu
mehrer sicherung treissig Landsknecht, und sechs und zwentzig Bogenschützen mit
dem Keibkamp zu, die ihn, wa es vonnöhten, biss vor das Tor zu Clermalburg
geleiten sollten. Als die hin waren, gab der Mönch dem Grandbusier sein obgenant
Ranzongelt wider. Gnädiger Herr, sprechend, es ist jetzund nicht zeit, dass ihr
solche gaben aussteilet: wartet biss zu ende des Kriegs, dann ihr wisst nicht was
sich noch zutragen möcht. Ein Krieg ohn guten vorrhat von Gelt, erstickt ohn
atam, unnd schafft viel seufftzen: des Kriegs und bauens Haubtadern sind gelt
wo die verbluten, so fleigt kein Fan mehr, und krähet kein Han mehr auf der
Zelt. Nun, sprach Grandbuchier, in fine videbitur cuius toni, zu underst des
Weinfasses, fühlet man was es für ein ton hat: werden wir mit der unmuss fertig,
wollen wir euch und einen jeden nach gebür unnd verdienst bedencken: Dann
borgen, heisst nicht schencken.
 
                            Das Fünftzigst Capitel.
Wie Goschagrotza seine Regiment erfordert, und Truckdendilen den Herrn Hastiveal
 von Schnaderentingen ersticht, und desshalben aus befehl des Königs Bittergroll
                               ward hin gericht.
Zu ebener zeit schickten ihre Gesanten zu unserm König Goschagrotza, die von
Besse, von Altemarck, von S. Jacobsburg, von Vaubreton, von Brehemont, von
Kleinbruck, von Granmont, vom weiler zur Muter, von S. Louant, von Coldreal, von
Burgweil, von der Insel Bouchard, von Montsoreal unnd andern umbligenden orten:
ihm anzuzeigen, wie sie inn erfahrung gebracht, mit was unbill ihn König
Bitterkoder suche: und derwegen, alter bündnuss halben, ihm mit Leib und gut bei
zustehn urbietig vorhanden weren: Schickten ihm hierauff aus gemeiner steur
sechs und zwentzig vierzehen Million, zwo Kronen unnd ein halb Pistolet, von
Volck aber fünffzehen tausent gerüsteter Fussknecht, treissig zwei tausent ringer
Pferd, vier unnd zwentzig neun tausent Hackenschützen, hundert viertzig tausent
Abenteurer, eilff tausent zwei hundert Cartaunen, Notschlangen, Falckanetlin
und sonst Feldgeschütz, viertzig siben tausent Schantzgräber: alles besoldet und
geproviandiert auff sechs Monat und vier tag.
    Welche antrag Gurgelstrozza weder abschlug noch gar annam: sonder bedanckt
sich gegen ihnen höchlich, fürgebend, diesen Krieg mit solcher geschicklichkeit
zurichtigen, dass so viel redliche Leut zubemühen nicht von nöhten sein werde.
Allein fertigt er etliche ab, die seine ordenliche bände und Regiment, so auff
den Festungen zu Deviniere, Schauignicht, Gravot und Quinquenaiss inn besatzung
unnd bestallung lagen, zusamen forderten, welche an der zahl loffen zwei tausent
fünffhundert Kürisser, sechtzig sechs tausent Fussvolcks, sechs unnd zwentzig
Muscetenschützen, denen die zilgebelchen hinden im gürtel, wie dem Wilhelm Tell
der Boltz im Goller stacken, oder wie den Schweitzern unnd Scherern dieTolchen
auff dem Arssbacken: Item zwei hundert grobes geschützes, zwei und zweintzig
tausent Schantzbauren unnd sechs tausent leichter Pferd, alle Bandeweiss und inn
Fänlin gemustert, so wohl mit ihren Hörwagen, sampt dem Hanen darauff, und mit
vorraht von Gurgelprovision, auch Schmiden und Sattlern, unnd anderm nötigem
anhang versehen: desgleichen so wohl in rüstungen unnd Kriegsübungen erfahren, so
ordenlich ihren Fänlin gefolgig, ihren Hauptleuten und Obersten gehorchsam,
geschwind ab und zuzurennen, hurtig ab und anzulauffen, so vorteilig einander
zuentsetzen, dass es sich viel mehr der Accordantz der Orgelpfeiffen, oder eim
wolgewichtrichtigen Uhrwerck als eim Hör und Zug vergliche.
    Der obgedacht gefangen Hauptman Toucquedillon, so bald er zu Clermaburg
wider ankommen, stellt er sich bei dem König Picrochol ein, und erzehlt ihm nach
der leng, was er getan  und gesehen: rhiet ihm zu letzt, mit dem Kälgrosen König
Grandgoscha einen friden anzustossen, weil er der allerbillichste Mensch were.
Mit dem anhang, dass es weder vernünftig noch billich, also seine Nachbaren, von
denen er alle Ehr und Freundtschaft erfahren, zubekümmern: Und welchs das
fürnemst, stund zubesorgen, wa man also fortfahret, werde man sich ohn
mercklichen schad unnd schand nicht daraus mögen wickeln, noch inn der enge
mögen die kehr haben. Dann ziehe man ein Seit auff: so müss man meh auffziehen:
So sei sein des Picrochols gewalt nit so übermenschlich, dass er nicht von
Grandgoschier könn geschwächet werden.
    Er mocht diese Wort kaum aussgereden, da ful ihm Hastigwalt, Freiherr von
Schnaderentingen in die Red. Das ist ein armer Fürst, sprechend, der solche
Diener hat, die sich so leichtlich bestechen lassen, die so gern linde Häut
haben, sich schmieren zulassen: Dann ich sihe dem Toucquedillon an, dass ers
nicht mehr gut mit uns gemeint, und sich gern zu unseren Feinden uns
zuverrhaten, schlüge, wa sie ihn nur annemmen: aber wie die Tugend von jedennan,
beid Feinden unnd Freunden wird werd gehalten: Also werden die verrhäterische
Bubenstuck beid von Feinden unnd Freunden verdächtig gehalten und angefeindet.
Solche bekreidete Kolen, unnd verzuckerte Wurmsamen, die inn einer hand ein Brot
zeigen, in der andern ein Stein halten, dörfften einen frommen Abner im grüss
hinderwertig wie Joab erstechen. Unnd gesetzt, dass sich die Feind seiner zu
ihrem vorteil gebrauchten, werden sie ihm doch nicht trauen, Dann die verrhäter
braucht man wie das Gift inn nöhten, aber die verrhäterei scheucht man wie die
Erbschäden: man nimpt zur noht einen Dieb vom Galgen, unnd wann man sein nicht
meh bedarff, henget man ihn wider daran. König Gelautwig verehrt den Verrhätern
vergulte kupffere Ketten, anzuzeigen wie sie weren, unnd hieng sie darnach an
solche Ketten, da hieng ein schein am andern.
    Auff solche wort zuckt Zuckdendilen von Leder, und durchstach den
Schnaderentinger gleich ob der lincken Brust, dass er auff der stätt todt
nidersanck. Zog demnach sein Wehr wider aus des erstochnen leib, unnd sagt
unerschrocken: Also müss denen geschehen, die fromme getreue Diener schmehen.
Alsbald erbittert unnd erbleichet darüber Bittergroll, unnd, als er bei ihm das
schön frembd Schwerdt und die köstlich Scheid ersah, sprach er. Hat man dir
drumb den Stecken geben, dass du mir also frevenlich unter meinen Augen meine
liebe Freund soltst ermörden: Befahl damit gleich seinen Wartknechten, dass sie
ihn zu stucken sollten zerhauen. Welchs unverzogenlich also greulich vollzogen
ward, dass der ganz Saal mit Blut überschwam.
    Folgends liess er des von Schnaderentingen Körper ehrlich bestatten, aber des
Truckdendilen Leichnamsstück über die Mauren schlaudern. Dise untat ward bald
im ganzen Hör ruchtbar, und fiengen etlich an allerlei selsam wort wider
Picrochol ausszustossen: also dass Grippepinalt vom Strobeldorn ihm gut rund
Teutsch unter die Nasen sagt. Herr, ich weiss nicht was zu letzt aus diesem wesen
werden will: ich sihe wohl dass euer Volck mit der weiss nicht viel lustig wird:
sie haben wenig zufressen, und haben jetz zimmlich inn etlichen Sträussen an
Volck sehr abgenommen: so ziehet euern Feinden vil frisch Volck unnd hilff zu:
wann wir einmal hierinnen behämmet und umblegert würden, wüsst ich warlich nicht
wie wir bestünden, wer zubesorgen wir müssten die Stümpff dahinden lassen. Treck,
treck, sprach Picrochol, ihr gemanet mich an die Ael von Melun, schreiet ehe man
euch schind: lasst sie nur kommen, wir seind ihnen gewachssen annd gesessen.
 
                        Das Ein und funftzigst Capitel.
   Wie Gurgelstrozza den Bittergrollinger König Picrochol in Roche Clermault
       angriff, und ihnen nach erlegung seins Volcks aus dem Land pfiff.
Gurgellangewang, als ein junger Hornübender Ritter, ward über das ganz Hör
Feldoberster, dann sein Vatter Gurgelgroza blib in der Festenburg. Da redet ih
nen Gurgelstroza getröstlich zu, ehe er sie aussführet, unnd verhiess reiche
beuten von armen Leuten, auch gross verehrung denen die sich Mannlich erzeigten.
Damit satzten sie über den Furt zu Vede, durch hilff der mitgeführten Nachen
unnd Schiffbrucken. Als sie nun auff ein guten Büchssenschuss davon waren, und
die gelegenheit der Statt besichtigten, dass sie hoch und ihnen nicht zum
bequemesten lag, giengen sie die ganz Nacht davon zu rhat. Aber Keibkam sagt zu
Gargantua: Herr Oberster, das ist die Natur unnd art unsers Gallofrancken, dass
sie nichts gelten, als in erster hitz, wann ihnen die Köpff noch glüen, da soll
man das Eisen schmiden, da soll man sie anführen zum ersten anlauff, seind sie
Teuffellischer dann Teuffel: Aber wann man sie erkalten und verligen lasst, und
es lang verweilt, da seind sie Weibischer dann Weibisch. Mein raht wer, dass ihr
euer Volck jetzund auff der stätt, wann sie sich nur ein wenig erschnaufft unnd
erholt haben, gleich den Sturm anlauffen liessen. Der raht geful ihnen.
    Hierauff führt er sein Hör ins Feld, und stellet die ersatzung unnd
hinderhalt auff beide seiten des Bergs. Der Mönch nam zu ihm sechs Fänlin
Fussvolcks, und zwei hundert Kürisser, mit denen setzt er mit sonderer
geschicklichkeit über ein Mur oder gemöss, also dass er die höhe auff der Strass
gehn Loudin zum vorteil einname. Unter des ging der Sturm in alle macht an:
Die Picrocholisten wussten inn solchem plötzlichem getümmel nicht, ob rhatsamer
wer ausszufallen, und die anlauffende zuträngen, oder die Statt einzuhalten, unnd
sich lassen pfrengen: Gleichwol wischten sie unbedacht mit etlichen Panern
Hofgesinds hinaus, die wurden schön mit vielen Stuckbüchssen, so all gegen
demselben halt gericht waren, empfangen: unnd damit man dem geschütz des mehr
raum geb, es sicherer gegen dem Feind zugebrauchen, wichen die Gurgelstrozzianer
in ein Tal hinab, da stoben die Köpff übersich, dass es sah, als ob die Buben
mit hütlein etwas vom Baum würffen.
    Die in der Statt schützten sich zum besten, als sie mochten: Aber ihr
Geschütz war inn der eil viel zu hoch gericht, unnd hielt die daraussen alle
schadloss. Etliche der aussgefallenen Bände, die dem geschüss entgangen waren,
setzten dapffer inn unser Volck, aber richteten wenig aus, dann man sie redlich
mit dem kopff voran nidersetzt: also, dass da sie es fületen, nicht lenger fuss
halten wollten, sonder sich widerumb hindersich begaben. Aber der Mönch het
siter ihnen denselben Ranck abgeloffen, derhalben begaben sie sich ohn alle
Ordnung in die flucht: etlich der Strotzegurgler wollten ihnen den Rucken fegen
unnd nachjagen, aber der Mönch erhielt sie, besorgend, wa sie den Flüchtigen zu
girig nachtruckten, sie aus ihren Stellen und Ordnungen kemen, und also
leichter, wa man aus der Statt füle, zutrennen weren. Hielt derhalben also ein
gute weil in der Ordnung, unnd als er niemand freindlich kommen sah: schicket
er den Hauptman Phrontistem Mutrich zum Feldobersten Gurgellang, ihn
zuverständigen, dass er kein müh noch fleiss spare, die seit zur lincken
einzunemmen, dem König Grollenkoderer die aussflucht zur selbigen Porten aus
zuverschlagen: welchem Gargantua sehr fleissig nachkam, unnd schickt vier
Regiment, so zu Sebaste gemustert worden, dahin: So bald mochten sie daselbs nit
die höh eingenommen haben, sihe da, so traffen sie den Bittergroll mit seim
Volck hin unnd wider zerstreuet an: den strichen sie nun zimmlich die Flöh ab:
gleichwol ging es ihnen auch nicht ohn schaden ab, dann die von der Mauren sie
hesslich mit Geschütz schädigten: So bald solchs Gurgellantua war genommen,
entschüttet er sie mit aller seiner Macht, und liess alles das Geschütz und die
Maurbrecher so ernstlich und streng auff dasselb teil der Mauren abgehn, dass
alle Macht der Statt zur rettung dahin gelocket ward.
    Der Mönch, als er diss teil, da er hielt, ganz bloss unnd sorgloss von
Wechtern vermarckte, bestig ers kecklich mit seim Volck, ohn die zwei hundert
Kürisser liess er zum Wagbestand draussen: so bald er nun hinein kam, schri er
und sein ganz volck aus dermassen greulich, schlugen gleich die Wacht desselben
Tors tod, taten demnach den Kürissern auff, unnd eilten inn aller ungestüm
schnell zu dem Tor gegen auffgang, da der gröst ernst unnd lärma war, schlugen
hinden alles nider, also, dass da sie sich von allen enden von den Gargantuisten
übergewältiget sahen, ergaben sie sich an den Mönch, der gab eim jeden ein
stecken und liess sie in die Kirchen sperren, doch nam er vor alle Kreutzstangen
heraus, unnd bestellt Wachten unter die Tor, die nieman aussliessen. Demnach
liess er die Port gegen Ost öffenen, und zog hinaus dem Gurgelstrozza zu hilff.
König Picrochol aber meint, dass ihm hülff aus der Statt zustünde, und ward
desshalben noch hochmütiger, biss er den Gorgollantua höret raffen: Mein Freund
Bruder Jan willkommen, Glück zu mein Bruder Jan, da trefft ihr recht die
Mettenzeit: Da gedacht Bittergroll, hie wird man dir und dem Volck das Requiem
und Complet singen, unsers bleibens ist nicht mehr hie, verzagten derhalben,
unnd floh ein jeder, wa er hinaus kommen mocht. Strotzegurgel jagt ihnen nach
biss gehn Vaugaudrich, und legt sie auff der Strass nach ein ander, als wann man
die Eyer zum Wettlauffen legt: darnach liess er wider zum alten hauffen blasen, à
la Retreck zum Profei.
    Picrochol aber floh in solcher Zerrüttung auff die Insel Bouchart, unnd ward
ihm sein Pferd unterwegen räch, da ergrimmet er so Cholerisch Bittergrollisch
unnd Koderkolderisch drüber, dass ers selbs vor bittergalligem zorn erstach. Unnd
als er niemand meh umb sich het, der ihm zu Pferd hulff, wolt er inn der näh
eins Müllers Esel diebisch entlehnen, dieweil er meint, es könt sich kein Dieb
am andern vergreiffen: aber die Müller taten zusamen, und zerbläueten ihn
rechtsinnig Picrocholisch und Bittergallisch wohl, und blünderten ihm seine
Kleider, und gaben ihm darfür ein gebletzten armseligen Küttel, welchen ein
Müllerknecht da inn rauch gehengt hat, die Läuss daraus zuräuchen und
zuscheichen: also zog der arm Bitterkoderisch Tropff darvon, wie ein
verscheichter Hass: Unnd als er über dz Wasser bei dem Port zu Huaulx fuhr, und
sein unglück da erzählt, ward ihm von einer alten Loupidonischen Vettel
vorgesagt, dass ihm sein Reich wider soll werden, wann die Coquecigruische
Guckenhuserkränch kernen. Demnach hat er sich verloren, dass noch auff den
heutigen tag niemand weiss, wa er hinaus kommen ist, etlich meinen er hab sich zu
dem verlornen Hertzog Baldwin von Flandern: oder dem Meinicke Müller Woldemar zu
Brandenburg, oder zu dem Keiser Friderich, der in Asien ertranck, unnd dessen
man noch zu Keiserslautern warten ist, getan, etlich er sei des Hertzogs Carls
von Burgund unnd König Christierns gesell worden, und soll mit dem Geldrischen
Keiser kommen, den die Fisch gefressen haben: oder mit dem Malerkönig Ballomer,
der mit dem Oriflammenpanier vor Rosenbeck verloren ward: wann er anders nit zu
Wetzflar verbrant ist worden, wie Tilockolup, welchen die von Colmar für Keiser
Friderichen hatten auffgenommen. Gleichwol halten etliche Amadisischen
Orianisten darfür, er werd in der Urganda Affenschiff wider kommen, wann dem
König Artus die Mörfein Morgana in der gläsern Insul die Wunden wird geheilt
haben, welche er inn der Schlacht bei Kamlan wider den Verrhäter Mordred hat
empfangen. Aber man hat mir für gewiss gesagt, dass er jetzunder zu Leon ein
Holtzträger sei und noch Bittergrollisch unnd Koderkolderischere wie vor, helff
auch zuzeiten Ballen tragen und binden: Und bei allen frembden Kauffleuten, die
dahin kommen, fragt er allzeit eigentlich nach, ob sie nichts von den
Gugkenhäuserkränchen haben vernommen, wann dieselbigen sollen ankommen: dann er
noch gäntzlich nach Propheceiung der alten Unholden hofft, er werd zu ihrer
ankunft wider eingesetzt werden. Nun aber rhatet ihr zu, wie man ihm tut, dass
dieser Bitterkoderer nicht wider ins. Regiment komm? wie Nabuchodonosar, nach
dem er etlich Jar ein Waldku, das ist, ein Hirtz gewesen war, Aha, man tu ihm,
wie Evilmerodach seim Vatter der liess ihn zerhauen zu drei hundert stucken, und
berufft darnach drei hundert Geier, und gab eim jeden ein Stuck zuverschlucken,
unnd dasselb inn drei hundert Eck der Welt zu verzucken. Was gelts wo er mehr
kommen ist? Dann die Bluttropffen konten nicht wie Medusæ abgehauener
Strobelkopff Schlangen geben: Es seien dann unsere heutige
Schrapherbscharffschärcharpische Herren von der Greiffen edlem Treck entstanden,
welcher inn etlichen noch so Bitterkoderisch auffkoppet. Nach dem die Feind
entkommen, überschlug Gurgelstrozza gleich sein Volck, unnd befand dass dessen
wenig gebliben, ohn etliches aus des Tolmere unnd Hauptmans Hindennach von
Benshaim Fänlin: Und das Lobkund ein schuss ins Wammest bekommen, dass ihm der
Latz nottelt, und das Ohr auff ein seit hieng wie ein Welckror. Hiess folgends
das ganz Hör rhuen unnd guter ding sein, befahl auch den Proviandmeistern allen
auff seinen Kosten vollauff zugeben: Dessgleichen liess er aussschreien in der
Statt kein gewalt noch mutwill zuüben, dann sie sei sein: warumb er dann die
seinigen plagen wolt? Unnd auff den abend auff dem Burgplatz zu erscheinen, da
werd man ihnen sechs Monat sold zahlen: welchs auch also geschah. Folgends liess
er auff gedachten Platz, alle die, so von Bittergrolls Volck überbliben,
fordern, unnd tat inn beiwesen aller seiner Fürsten und Hauptleut zu ihnen ein
solche red, wie folgt.
 
                       Das Zwei und Fünftzigst Capitel.
             Die Rede welche Gurgelstrotza an die überwundene tat.
Unsere geliebte Uränen und Vorältern sind je und allwegen dieser löblichen
Meinung unnd neigung gewesen, dass sie an statt der augenfälligen scheinbarn
Sigzeichen, und glücklichen Streitermanungsseulen und Kriegsstöcken, welche
mehrerteils Kriegs Fürsten unnd Hörführer mit grossen Steinhauff en und
Baukosten, zusetzen pflegen, viel mehr und eher in der überwundenen und Siglosen
Hertzen, durch Genad und milte ein ewiges auff die Nachkommene unvergessliches
und erbliches Ehrengemerck unnd gedächtnussmal ihres gütlich und
vernünftiggeprauchten Sigs, stiffteten unnd hinderliesen. Dieweil sie viel
höher und mehr die lebhafte erinnerung Menschlicher gedächtnuss ihrer
gnädigsterwisenen freundlichkeit achteten, als die Stumme und dumme
überschrifften, inn leblose Seulen, Stöck unnd Egiptische Türn eingegraben,
welche jedem Wetter des Luffts, neid und mutwillen der Tier unnd Menschen, frei
und offen stehn. Dann ihr werd euch, zweiffels on, noch wohl zuerinnern wissen,
welcher gute unsere Vorfahren sich gegen den Britanniern inn der Schlacht bei S.
Albin am Sporbierbaum gebraucht, Auch werd ihr gehört, und wa ihrs gehört euch
verwundert haben, wie gnädig sie mit den Barres von Spagnola, welche die
Mörgrentzen bei Olone und Talmondois anfulen, gefahren seien. Wie war nur
damals, als König Alpharbal von Canarre, seins glucks nit vernügt, ganz wütig
das Onixland, und alle Amorichische Insuln mit brand und nam ersucht, so ein
jämerliches klagen unnd jamern an allen enden? wie bald aber ward solche noht
inn frolocken, unnd das Wasser inn Wein verwandelt, als man ihn in einer
Schiffschlacht überwand und fienge? Aber was mehr? ihr wüsst, wie schmählich
villeicht andere König und Fürsten, die sich sonst viel hoch Catolisch
betitulen, wa ihnen ein solcher Vogel inn die händ gerhat, ihn mit harter
gefengnuss und äusserster rantzon geplagt hetten: Er aber tat nichts
dergleichen, jenes Teutschen Fürstens red, da er sich ergab, zu mut führend,
dass ein Sigherr einen gefangenen soll halten, wie er wolt, dass man ihn, wa er
inn desgleichen unfall gerhiete, handeln soll: sondern unser Grossäve tröstet ihn
mitleidig, wie Aemilius den König Perseum, unnd Alexander Magnus des Königs
Darii gefangen gemahl, losiert ihn zu ihm in seinen Pallast, schickt ihn mit
sicherer geleitung unnd verehrung grosser geschenck, ja gleichsam mit guttat
überschüttet, widerumb zu Land. Welcher alsbald er inn seim Reich angelendet,
liess er alle seine Fürsten unnd Stand zusamen beruffen, tat ihnen relation von
der ungleublichen freundlichkeit unnd ehrlicher tractirung, die er bei uns
erfahren, und bat sie darneben, darauff bedacht zusein, wie man solche erzeigte
woltat zu ewigem exempel ehrenmäsig unnd danckbarlich vergelten solle. Hierauff
ward einmütiglich beschlossen, dass man uns ihr ganz Gebiet, Land unnd Leut, für
eigen, damit nach unserm gefallen zuschalten unnd zu walten, aufftragen solle.
    Solchen Spruch zu vollziehen, macht sich Alpharbal selber auff mit neun
tausent acht und treissig grossen Lastschiffen, mit seim Königlichen, ja allem
von seiner Lini her an erblichen und beinah des ganzen Lands Schatz beladen.
Dann als er ausskünden lassen, mit dem Westnortwest abzufahren, haben die
Undertanen alle, dieweil die Schiff an den Anckern gestanden, was ein jeder
köstlichs gehabt, hinein getragen, geschleifft, geführt unnd geworffen, als
Golt, Silber, Kleinot, Edelgestein, Specerei, Ebenholtz, Psittich, Chropassen,
Helfenbein, Einhorn, Carfunckel, Perlein, Aloesholtz, Papagei, Pellicanen,
Mörkatzen, Zibeten, Bisamtier, Stachelschwein, und viel anders: unnd ward
keiner einer frummen Mutter Sohn gehalten, der nicht etwas sonders hinein gab,
also dass sie auch, wie die Israeliter zum Aaronischen Götzenkalb ihre Arm und
Orenring herab zogen und opfferten.
    Da er nun ankam, wolt er meim Urane die fuss küssen, aber man wolts als ein
unbillich ding nicht gestatten, sondern umbfieng ihn ganz geselliglich: er
presentiert seine geschenck, aber sie wurden wohl bedancket, doch als zu unmässig
nit angenommen: er stellt sich unnd seine Nachkommene dar für willige Knecht:
aber es ward gleicher gestalt als unzimmlich abgedanckt: übergab durch erkantnuss
der Ständ sein Land und Königreich, zugleich damit die verschreibung und
vertragsarticul, von denen so darin zusprechen, bekräfftigt und versigelt,
darüber auffgericht, überreichend: aber ward ganz und gar abgeschlagen, und die
Contractsprieff ins feur geworffen. Demnach war diss der beschluss, dieser
handlung, dass meim Urane ob dieser einfaltigen gutwilligkeit und wolgemeinter
einfalt der Canarrier die augen anfiengen überzugehn: Unnd durch glimpfliche
geschickte reden, seine, ihnen erzeigte woltaten zuringern, und ihre
bescheidenheit hingegen zuerheben musste unterstehn: Endlich war diss der aussgang,
das an statt einer unerschwinglichen und Blutstelligen rantzon von fünff und
zwentzig mal hundert tausent Kronen, die man ihnen trotzlich het abheischen, und
zu Versicherung dessen des Königs älteste Söhn für Geisel abtringen mögen, sie
sich zu immerwerenden Steurverpflichten Nachbarn unnd Lehensleuten haben
verbünden, unnd jeglichs Jar zwo Million lötigs Golts zugülten und zu gelten
versprochen: welches sie uns auch erstes Jars bestimpter massen vernüget: des
andern aber freies willens 23 hundert tausent Kronen, des dritten 26 hundert
tausent, das viert drei Million gezahlet, und also von Jar zu Jar gutwillig
gestigen, biss wir ihnen solche unmass einzustellen verursacht worden.
    Sehet, solches vermag gütliche freundtlichkeit, das auch die zeit, welche
alles versehret und verzehret, doch die guttaten häuffet und mehret:
Fürnemlich, so sie inn ein geschlacht fruchtbar Feld verständiger, adelicher
gemüter unnd hertzen, welche nit mit groben unhöflichen Guckgauchdornen der
undanckbarkeit, unachtsamkeit und vergessenheit verstellet sind, gepflantzet und
geseet werden. Hette diss unserer Benachbarten König einer mit seinen
Neuerfundenen Mörländern vorgehabt, er hette auff den heutigen tag derselbigen
mehr nutz, unnd Golds vollauff, als da er die unbewehrte Leut hat lassen nach
seins Spanischen Kriegsvolcks Blutdurst und mutwillen hinmetzigen und verdilgen.
    Derwegen aus der art solcher lang her ererbter gütigkeit meiner Vorfahren
unnd Eltern nicht zuschlagen, will ich euch hiemit ledig und los gesprochen, und
in alle vorgehabte freiheit widerumb gesetzet haben und halten. Weiter dessen
zum überfluss soll man jedem zum abzug trei Monat zahlen, ehrlich heim zukommen:
Auch soll euch mein Gwardi, Hauptman Hulffdegen mit sechs hundert Spisern und 8
tausent Hallepartern, Trabanten, Hetschirern und Janitscharn geleiten, dass ihr
von den Bauern kein anstoss möcht leiden. Gott sei mit euch. Ich wünsch von grund
meins hertzens, das Bittergroll jetzund zugegen wer, ich wolt ihm erweisen, das
ich disen zug nit mit sonderm lust, noch zu erweiterung meines gebiets und
namens habe vorgenommen. Aber demnach er sich verloren, unnd weder butz noch
stil von ihm zuerfahren, ist mein Meinung, seim Sohn das Reich unverruckt
bevorzuhalten. Und demnach er noch unter seinen Jaren (sintemal er noch nicht
gar fünffjärig) soll er von den ältesten Landfürsten, auch gelehrten und Weisen
unterwisen, und gemoderit werden. Gleichwol betracht, das ein solch verlassen
Reich, leichtlich, wa man der Amptleut, Vögt, unnd Verweser unersettlichem
blutsaugigem geitz nicht ein gebiss einleget, mag zu grund gerichtet werden: so
verordene unnd will ich, das Lobkund über alle Vjetztom, Pfleger, Verwalter,
Schösser und Amptleut ein Einseher, Superintendent, Episcopos, Landshauptman und
Oberhaupt, mit genugsamer dazu erheischter autoritet verwaret sei: Und mit dem
Königlichen Kind so lang zu gewalt und rhat sitz, biss er das Reich für sich
selber zuregiren sich teuglich befind. Dem allen nach, so ich den gerechten
spruch des rechtens bedencke, welcher sagt, das die zuviel hinlässig nachgebung
verwirckter straff, den bösen entweder von neuen oder noch mehr zu misshandeln
mut unnd gelegenheit schaff. Ja dass, so man den Verbrechern ihre untaten
vergeh, dadurch ihnen und andern argen Buben ferrner auff gnad zusündigen ursach
geb. Und auch an dem frommen Mose sihe, dass wiewol er der aller sittigest Mann
seiner zeit gewesen, dannoch die Auffrhürer inn Israel zum heutigsten hab
gezüchtiget. Dessgleichen Cæsar, der ein solcher gütiger Keiser gewesen, dass auch
Cicero von ihm meldet, sein Glück hab nichts höhers gehabt, als dass er wohl
vermocht, und sein tugend nichts bessers, als dass er alzeit war gesinnt, jeden
gnadbegerenden zubegnädigen, nicht des weniger etliche Meutmacher hart gestrafft
hab.
    So werd ich aus billichkeit solcher exempel beweget, von euch, ehr ihr
abzihet, zubegeren, und beger auch hiemit, mir den schönen Gesellen Märxlin
Saurimgsess, der durch seinen Knopffstoltz diss Feur auffgeblasen, herzustellen:
folgends auch seine andere Gesellen die Nutelnbecken, die ihm inn seine
närrische unbescheidenheit nichts eingetragen: dann Stäler und Häler begehn
gleiche Fäler. Und entlich alle Raht, Haupt unnd Dienstleut des Bittergrols,
welche ihn entweder gerejetzt, gelockt, gelobt, oder mit ihrem rhat zu solchem
aussfall uns zu betrüben verleidet haben.
 
                       Das Drei und fünftzigst Capitel.
 Wie die Gurgelstrozianer nach erhaltenem Sig, ehrlich begabt worden zu genüg.
Auff solche Hörsermon worden dem Gurgelstrotza die Auffrhürer, so er begert,
geliffert, aussgenommen Zechulff Spadasin, Merdaille von der Sichelzull, Eberzan
Tonnerbotz, und Toldrian Streckdenstil, welche sechs stunden zuvor eh der streit
angieng, darvon strichen ohn hindersich sehen und atam holen auff sechs meilen:
Und zwen Küfladenbecken, die inn der Schlacht bliben. Gleichwol nam er gegen den
lebensverwirckten gefangenen nichts strengers für, als dass er sie inn seiner
neuen auffgerichten Truckerei an die Pressen stellt, dapffer am Bengel zuziehen,
und den lauffkarren zutreiben unnd zubemühen, dass sie den kalten seich möchten
kriegen.
    Nachgehends liess er alle erschlagene ehrlich begraben im Schwärtzlinger tal
und im Feld zur Vettelprunst, sonst genant Bruslevieille, auff die
Vettelpruntzermatt stosend: Den Verwandten schafft er inn seim Sichenhauss unnd
Spital rhat zu tun: Was aber an der Statt abgangen, unnd wa den Burgern leid
widerfahren, liess er aus seiner Schatzkammer büsen unnd ergäntzen. Zu dem setzt
er ein fest Meiländisch und Antorfisch Citadell und Trotzdenburger, oder
Trotzdenkeiser dahin, unnd ein gute Wacht darein für die plötzliche auffläuff.
    Als er nun von dannen scheidet, danckt er allen besoldeten Knechten ab, unnd
schickt sie inn ihr Winterläger und besatzung, aussgenommen etlich von der
Decumancohort oder dem freien Hauptfanen, die er sich im streit hat manlich
prauchen sehen, desgleichen alle Hauptleut behielt er bei sich, unnd führet sie
samptlich zu seim Vatter Gurgelgrozza: Welcher, wie sehr er erfreut sei gewesen,
als er sie gesehen, ist unmöglich zuschreiben. Über ein weil liess er das
köstlichste Festmal, das herrlichest Pancket, so sidher König Asveri zeit
gewesen zurüsten, da hielt er sie recht Fürstlich, ja Churfürstlich.
    Nach der mahlzeit, teilt er seinen ganzen Orgelgemäsen Tresor und
Credentz, sampt allem was dazu gehörig, unter sie aus, welehs 18 hundert tausent
viertzehen Bisantinen Golds oder Toppelducaten wog, als allerhand grosse
Antiquische geschirr, vierämige silbere Fässlin, Schenckfass, Ehrenkannen,
Schraubflaschen, grosse Beckin, Giessfässer, umbläuffige Liechtstöck, tieffe
Täller, Saltzbüchsen, Messerkocher, Leffelfuter, schalen, Näpff, Scheuren,
Dupplett, gäbelein, beschlagene Cristallenkrausen, eingefasste Eilend Klauen: Und
Greiff Klauen (vor welchen beiden Klauen mich doch Gott behüt: dann eins
Podagramisirt übern Leib, das ander Tyrannisirt übers gut) item Lampeten,
Schenckkandel, Külwasserkessel, Trinckbecher, Trinckköpff, Trinckschalen:
Trincknuss, Pocalen, Hengeimer: Bollen: Wassertupffen: Schüsseln: Platten:
Kommeken: Spulfasser: Und andere Credentzgefässer von lauter Gold und Silber,
ohn die Edelgestein, gegossen, gemodelt: versetzt: eingesetzt: geätzt:
versteint: verbeint: eingegraben: verhöcht: vertiefft: eingeprent und sonst
arbeit, die den Zeug weit übertraff.
    Weiter liess er eim jeden aus seinem Schlosstrog zahlen, zwölff hundert
tausent Parer Kronen. Item setzt ihnen Lehen an auff die nechstgelegene Güter,
invetirt und belehenet sie nach Lombardischem Capedistischem Lehenrecht, auff
Soldatenlehen, Stamlehen: KunckelLehen: CapitanLehen: GwardiLehen: KammerLehen:
Und nach den Salischen siben Hörschilten GnadLehen: ZinssLehen: GerichtLehen:
AmmansLehen: FanLehen: SchiltLehen: BurgLehen: auch nach Hofrecht Schenck und
TruchsesLehen: sampt freiem Wildpan: Wildfuhr, Beholtzung der vier Stämm,
Fischfang unnd Mülen. Dem Kund Lob gab er Clertmautburg: dem Kampkeib Coudrai.
Dem Artsichwol Montpensier: dem Hulfdegen Tolmere Rival, dem Itybolo
Sdilechtgerecht Montsoreal, dem Acamas Unverdrossen Cande, dem Cheironacte
Arbeitsam Vorenes, dem Machtwald Heilkün Gravot, dem Witzlib Warmunt
Quinquenais, dem Rumprecht Schindenbuben Legre, und also die andere Hern
Hauffschlag, Greuelhelm: Helmschrot: Kleingolt: Wolmut: Nesselprunst: Vollruff,
Saumnit: Spurkeib: Wackertreu: Hebdenman: Truckenbrot: Rohfleisch, mit andern
Lehengütern: Dann er tat wie Keiser Heinrich der Vogler, er praucht diesen
überwundenen spott der Feind, zu ehren und rhum seiner Freund, unnd gewisslich,
hetten die Hunnen diesem Keiser nicht unrhu gemacht, unnd er het wider sie
erfahren seiner Leut macht inn der greulichsten Schlacht, es wer die schön
Tumiersordnung mit auffgebracht: welche doch leider heut ist im Hofkaat
verschmacht.
 
                       Das Vier und funftzigst Capitel.
Wie Gurgellantua die Eygenwillig Abtei Willigmut der Telemiter zur Rhuwart für
                             den Mönch bauen liess.
Allein stund der Mönch noch zuverehren: den wolt Gurgellantua kurtzumb zu eim
Abt zu Sewiler machen, aber er wolt nicht, dann heisse lieb gibt heisse fürtz:
er wolt ihm die Abtei zu Burgweiler schaffen, aber er wolt auch nicht, dann wer
ein guten Hecht will essen, muss die Gall hinweg werffen, er trug ihm das Kloster
zu S. Florentz an, er wolt aber nicht, dann wer den Puls will greiffen, muss
subtile finger haben: Er wolts ihm all drei zugleich schaffen: Aber der Mönch
zeigt ihm glat an, er mocht kein Mönchsampt haben, dz weder zum Himmel noch zur
Erd gehört: dann, sprach er, wie solt ich andere gubernieren, da ich mich selbs
nicht kann regieren: andern ein Formünder, mir ein Torminder: Wann ich euch
angeneme dienst hab geleistet, oder noch verhoffentlich leisten möchte, so lasst
mich ein Abtei auff meine sondere weiss, unnd eigenen Zaum Willigs Muts stifften.
Die bitt geful dem Gargantua, und bot ihm das ganz Telemerland bei dem
Loirfluss gelegen an.
    Das nam der Mönch für bekant auff, und sagt, Ihr könt euch mit stifftung
vorhabendem gutwilligen Ordens gleich so grossen Namen schöpffen, als wann ihr
ein Academy unnd Spittal stiffteten, Dann die Hohen Schulen seind als dannmals
erst auffkommen, da die Orden aus den Klosterschulen Klosterrhülen, aus
Lehrschulern, Chorheuler, aus Schullehrer Hülplerrer machten. Derhalben bitt
ich, helfft mir ein Unantonisch, Uncarmelitisch, Uncartäuserisch,
Unbettelordisch, Unsuitisch, Uncarafisch, Unconscientzmarterig, Uneidfesselig
unverregelrigelig Muster von eim freien guteigenwilligen und Willigmutigen Orden
stifften. So muss man, sprach Gargantua, erstlich kein Maur darumb aufführen,
dann alle andere Abteien sind mächtig wohl vermaurt. Ja billich, sagt der Mönch,
Lauren, schälck, Buben, Huren, schnurren, murmler, Murmeltier, Murrer, Bruder
Murrnarrn, die muss man vermauren: Dann der neid wird zu Hof geboren, im Kloster
erzogen, im Spital stirbt er ab. Nachgehends, weil inn etlichen Conventen brauch
ist, das so ungeordnirte, ungeweihete, unprofessionirte unnd unprofeurte
Weibsbilder hinein gehn, man denselben die spur nachfegt, wie der Löw sein spur
mit dem Schwantz selbst verschlägt: so ordnen wir, das wa ungefehr ein
vermeinter Geistlicher Bruder oder Schwester von anderen Daxorden inn unsers
kompt, man ihnen gar eigentlich alle tritt nachfegen und wischen soll: weil
ihnen bald etwas, wie dem Vulcano, da er mit Junone rang, kann entfallen. Unnd
demnach alle Stifft geregliert, aussgeteilt unnd compassiert werden inn Horas
unnd stunden, wollen wir, das da weder Urwerck, Stundglass, Zeiger noch quadrant
seien: Sonder alles nach dem es sich schickt unnd begibt verrichtet werd. Dann,
sprach Gargantoa, ich weiss kein zeit, die mich meher daurt, als die man das
Glockenschlagenzahlen, Stundglasswenden unnd Sandurschütteln wendt: es ist ein
schand, dass man sich mehr nach eins schläferigen Urenrichters Glock als der
vernunft richtet.
    Item, weil man damals niemand inn Orden stiess, schmiss und riss, als etwann
gestampffte Frauen und Jungfrauen, die etlich eisen abgeworffen hatten, oder
plinde schilende Bettschelmen, hogerige, krüppele, Veitz däntzige Butzenandlitz,
hinckende, närrische, unsinnige, verschimmelte, verlegene, korbfällige,
Bestieffmuterte, unfolgsame, unhäussliche, verschreite, gereuterte Töchter:
Dessgleichen kein Mansbilder, als minderjärige Kinder, unverständige, faule,
langsame, schläferige schlingel, Rutenforchtsame, Schulscheue,
Lehrverzweiffelte, Lehrhässige und disciplinfeinde tropffen, bestieffvatterte,
Lebensverdrüssige, Lebensverwirckte Lecker und Buben, Schelmenbeinruckige,
Pfluggebissene blaterarbeiter, gesundheitverlobte Messsamuel, abgesoffene,
abgehurte, aussgespielte Leidige tropffen, Maulhengkolische, aberwitzige, sparren
verlorene, verbanckarte, unehliche, prestafte: Galeenwürdige: Mannlose:
geprochene: unnütze augengreuel: Hausshinderer und Hausstölpel. Verzeicht mir
sprach der Mönch, dass ich euch in die Red fal: ein Weib welchs weder schön noch
fromm ist, wem ist sie nutz? Ins Kloster zustecken, antwort Gurgelstrozza. Oder,
sprach der Mönch, zu Näherin, Hembdmacherin, Bruchanmesserin, Klosterwäscherin:
badermägden: Pfaffenköchin: Speirischen Beckenmägden: Wirtsmägden: Baucherin:
Klosterläuferin: Badreiberin: Kranckenwarterin: Leirerin: Kindbettkellerin:
Wiennische PfifferLingbraterin: Heidelbergische Beckerhürlein, Zubringerin:
Augspurgische Kramschwalben: Beginen. Aber die Klöster braucht man an statt der
bei den Heiden geheiligten Felssen, darüber sich die Leut aus verzweiffelung
stürtzen mochten, oder an statt der Feigenbäum, daran sich die Weiber hiengen.
    So ward geordnet, dass man hierin niemand nemm als schöne, wolgestalte und
kluge: dann man soll Gott das best opffern, darumb ist die Erstgeburt sein: man
soll ihm nicht die Spreuer opffern wie Cain, sondern das Schafschmaltz wie Abel,
Darumb schilt S. Augustin auff die junge Hachen, die ihre Plüst der Jugend in
aller Üppigkeit dem Teuffel opffern, und das verdorret machtloss spreueralter
unserm Herrn Gott.
    Item dieweil in die Nonnenklöster kein Mann kam, als nur heimlich unnd
verholen, ward versehen, das hierin kein Schwester sei, es seien dann öffentlich
Mann für Zeugen dabei. Item demnach Mann und Weib, so sie einmal in der Religion
auffgenommen worden, nach dem Probierjar gezwungen waren ihr Lebenlang drin
zuverharren: Ward da geordenet, dass alle Ordensgenosse, wann es ihnen geliebt,
ungehindert möchten ab unnd aus tretten. Item weil gemeinlich die Ordensleut
drei gelübd tun, nämlich Keuscheit, Armut und gehorsam, ward versehen, dass man
da mit Ehren möcht heurhaten, mit gutem gewissen reich sein, und sich
Gottgehorsamer, und Vernunftfolgiger Freiheit geprauchen. Item weil man dort
bei überfluss willig Arm ist: Wollen wir hie bei zimmlicher Genüge willig Reich
sein: Die Reichtumb prauchen als ob wir nicht Reicht weren, die Welt prauchen,
als ob wir nit drinn weren, wollen wie ein frommer Beichtvatter auch im
Hurenhauss fromm bleiben, auch bei dem feur nicht brennen. Item wie jener
starcker Mollenköpff und Schlingel etlich bettlen, also wollen wir den Bettlern
geben. Item wie jene wollen kein eigen Frauen haben, damit sie anderer unnd
frembder geniesen: also soll hie frei stehn, wann sie ihr alter erreicht,
ausszutretten, unnd der Mann sein eigen Weib, unnd das Weib sein eigen Mann ihm
wölen, nemmen unnd haben: Wie jhene die ehliche keuscheit verschweren, also
hingegen wollen wir keusche ehlichkeit ehren, unnd unehlicher unkeuscheit mit
zeitiger vermälung wehren. Item, weil jene dem Abt oder sonst eim Prelaten
gehorsam schweren, wollen wir, das der Abt uns schwere uns bei unserer freiheit
zulassen. Item wie jene den Kopff auff die Schultern hencken, unnd wie die
Kirchen-Eulen finstere augen machen: Also wollen wir den mut innerlich sencken,
und das Haupt gegen Himmel erheben, daher unser erlösung kommet. Item wie jene
bei nacht wachen, das sie bei tag schlaffen, also wollen wir das widerspil tun.
Item wie jene ihr eigen gut verlassen, dass sie von anderer Leut gut prassen:
Also wollen wir unser eigen Gut behalten, dass wir anderer Leut gut und steuren
nicht bedörffen, sondern noch andern zugeben haben. Item wie jene nicht
arbeiten, dessbesser zucontemplirn, und guten gedancken obzuligen, also wollen
wir alles unser dichten unnd trachten im werck erzeigen, und zur arbeit unnd
dienst des nächsten richten. So vil das rechtmäsig alter betrifft, sollen die
Weibsbilder angenommen werden von 10 biss 15 Jaren, die junge Gesellen von 12 biss
zu 18.
 
                       Das Funff und funftzigst Capitel.
Wie die Abtei der Willigmutigen Telemiten zu Rhuwart, gebauet und begabt ward.
Zu auffrichtung des neuen Klosters S. Willigmuta, liss Gurgellantua zahlen für
kosten 2700000 Hundert treisig, und ein guldin Flüsskuchen: Unnd jedes Jar, biss
es aussgebauet werd, schafft er auff Legdare sechtzehen hundert neun unnd
sechtzig tausent Sonnenkronen, unnd auch so vil mit dem Sternen und dem
halbenmon, donec totum impleat orbem, und knapkuchen. Zu ihrer stäten
unterhaltung stifftet er zu ewiger zeit unablösslich auff grund unnd boden als
eigen, drei unnd zwentzig hundert, neun unnd sechtzig tausent fünff hundert
viertzehen Rosennobel, alle Jar vor des Klosters Tor ohn allen unkosten
abzulegen unnd zulifern: darüber dann gute Stifftprieff auffzulegen.
    Der bau ward auff Exagonisch sechseckig, und auff jedes eck ein grosser
runder Turn gehauen, wie die zu Nürnberg einen bei der Burg haben, im begriff
gleichscheidbar von sechtzig schritten. Der Loirfluss, oder die Liger lieff gegen
mittnacht daran, zu äusserst am selbigen war der Türn einer gebauet, genandt
Artica, hoch wie die Wart zu Ulm und Rotenburg: gegen Orient war ein anderer
geheissen Calae, oder Gutlufft: der drite Anatole oder Auffgang: der vierdt
Mesembrina, der Mittler wie der Berlinturn zu Augspurg, der fünft Hesperia,
wie der Luginsland, der letst Criera oder Schreckdenfeind. Zwischen jedem Turn
waren drei hundert 12 schritt weite: jeder Turn von sechs gebinen und gewelben,
die Keller mit begriff. Das zweit war gewelbt wie ein handhab an eim Algäuischen
körblin: Zu oberst war er rundbehauptet wie der Turn zu Franckfort, grad wie
ein Cardinalshut, unnd Liechtstockfuss: Einer war im absatz rot gedeckt wie die
Reutlingische Tächer, einer mit Schifer wie zu Worms, einer mit Plei, wie das
KirchenChor, einer mit Kupffer, wie des Fuggars Haus: aber alle Tächer endweder
mit aller hand farbgeprenten Zigeln versetzet mit dem namen IHS. oder der
Jarzahl, oder öl gemalt, unnd vergult von selsamen fantastischen Tieren und
Grillen: auch biss auff den boden mit gehäuss unnd gesims gemalt: Unnd fürnemlich
an eim der Mönch Milchzan, so gross er war, mit einer Kreutzstangen, wie der
hörnin Seifrid am neuen Turn zu Worms gegen dem Rein zu. Diss gebäu war
Tausentmal köstlicher als Bonivent, Fulden, S. Gallen, Lützel, Kemten oder
Weisenburg: dann es war auch nach dem Kalender gebauet wie ElsassZabern, unnd
nach dem einmal eins wie die Kirchen zu Cölln: Und nach der Leiren wie Lucern,
unnd nach dem Griechischen O oder Scheubenhut, wie die ersten Häuser. Und nach
dem hirtzhorn wie die Statt Brundus. Unnd nach eim Macedonischen filtzmantel wie
Alexandria: unnd nach eim Macedonischen Reutrock wie die Demetrisch Welt: und
nach dem hertzen wie die Mappemundisch krämerisch Welt: und nach dem Bärenstall,
wie Bern: unnd nach eim D wie Alkair, unnd nach dem Ay wie Ulm, unnd nach einer
Tartschen wie neu Malta. Dann es hat 9 tausent 3 hundert, 32 Kammern, ein jede
mit eim Hinderkämmerlin, Stüblin und Cappellelin, daraus man inn ein grossen
Saal ging: auch an statt der Stegen allentalben Schnecken, deren staffeln ein
teil von Porphir, andere von Numidischen, etliche von marmolstein waren, zwei
und zwentzig schuhlang: die dicke dreier finger, unnd zwischen jedem aussgang,
deren zwölff waren, ein sitz: dabei schöne altmanirliche Bögen, dadurch der tag
schien: Durch die Schnecken kam man allzeit erstlich in ein Saal, und aus dem
Saal in die Kammern. Vom Artigturn biss zum Schreckdengast war inn die läng die
gross herrlich Liberei von Hebraischen, Griechischen, Latinischen, Teutschen,
Frantzösischen, Sclavonischen, Krabatischen, Toscanischen, und Spanischen
Büchern, geschriben und getruckt: nit wie des Königs Eumenis zwei hundert
tausent Bücher zu Pergamo (daher das erst Pergamen kam) inn Geiss oder Schäfin
Leder, sonder bretter überzogen mit Sauleder gebunden. Warn ihm auch mehr dann
siben hundert tausent des Kö: Philadelphi: mehr dann der Strada in der Vorred in
Julium Cæsareum von Mönchen und Wien gedenckt, unnd der Fugkar Büchermarckt,
darmit der gut Wolffius zu Augspurg sein Himmelsfreud hat: unnd der Medices zu
Florentz, daraus die Juristen ihren rechten Leib bekommen. O wie herrlich, dass
solche reiche Herrn als Fugkar und Medices, nicht allein stattlich Buch halten,
sonder auch herrliche Bücher auff halten, auch die Gelehrten wohl vergelten: Ihr
geschlecht wird desto länger inn ehren plühen, je mehr sie die Musas an sich
ziehen: Neben die Bücherpultschäfft unnd Kästen waren die Contrafacturen
gelehrter Leut, die Astrolabia, Globi, Weltkugeln, Mappen, Landtaffeln, auch die
Anbildnussen der Stiffter, unnd die darzu etwas gegabt, angehefft, stattlicher
als des Jovii und der Rantzau Museum oder die Ungarisch, Sambucisch, unnd
Baierisch Biblioteck: Die sprachen und materien diser bücher warn auch fein
zusamen geordnet: unnd zu eingang hielt der abcontrafeit Bibliotecarius
Ptolomæus inn eim langen Zedel an der wand folgende Verss geschriben.
Gott grüss euch Liebe Bücher mein,
Ihr seit noch ungverseehrt,
Dann ich schon euer wohl und fein,
Dass ich nit werd zu Glehrt.
Dann wer vil kann, der muss vil tun,
Und wer vil tut, nimbt ab.
Desshalb ich euch die Rhu wohl günn,
Dass mein lang wart das Grab.
Ihr seit noch ungbeschmutzt und schon:
Weil ich nit über euch
Gleich nach dem essen pfleg zugehn,
Mit Händen, so Schmutzweich.
Ihr daurt mich, solt ich euch vil netzen
Mit fingern ins Maul gsteckt,
Dann diss hiess euer Ehr verletzen,
Wann man mit Rotz euch bfleckt.
Ich will nicht, wie Erasmus tat
Seinem Terentz unfüglich
Euch so trivirn und martern matt
Dass ich kauff neunmal jeglichs.
Dann solchs ist gleich als wann ein Aff
Vor Lieb sein Kind erstickt:
O Aeffelein, wie ein süsse straff
Dich knickt, was mich erquickt.
Also was schads euch Büchern auch,
Wann man vor grosser Lieb
Euch schon was abnutzt in dem prauch,
Die Salb roch, da mans rieb:
Dann hierein kompt kein Zeigerzitter,
Und kein Donatverkrätzer,
Die aus Neid die Buchstaben splittern,
Unds Namenbüchlein ketzern.
Ach disen ist ein Pult ihr Knie:
Ihr ligt auff hohen Pulten:
Darumb besuchen euch nicht hie
Die ein Tolle verschulden:
Sondern die, so auff andere weiss
Euch hoch missprauchen künnen,
Und darumb durch ihr aberweiss
Schärffer Product verdienen.
Aber was kann das Kalb darfür,
Dass ein Hur ist die Ku,
Jedoch scheu ich mir darfür schier,
Und lass euch drumb mehr Rhu.
Ihr liegt hie underm staub wie Gold,
Ihr werd noch wohl erhaben:
Dann darumb ist man dem Gold so hold
Weil man es muss aussgraben:
Ihr secht, was etwann man nicht acht,
Das wird jetzt fürgekratzt,
Was alt ist, wird jetz neu gemacht,
Der ältst ist der best Schatz.
Gott grüss euch dort, im Winckel dort,
Den Autor sampt seim Buch,
Verziecht mir, dass ich an dem ort
So selten euch besuch:
Ich weiss wohl, dass kein Wolff euch frisst,
Noch kein Ungelehrter stielt,
Sonst ich ein Hirten halten müsst
Der euch inn Huten hielt:
O wer zu Kriegs und Frideszeit
So sicher alles gut
Bei ehren bliben sehr vil Leut,
Vergossen wird kein Blut.
Es wolt dann der Kriegsman on scheu
Villeicht seim Feind zu trutz
Machen aus euch ein Eselstrai,
Weldis ihm doch wer kein nutz.
O ihr Scribenten wohl erkant,
Die ihr durch euer Schrifft
Berhümt macht euer Vatterland,
Und ewig Ehr euch stifft:
Ihr seit die Seuln von Ertz und Erd,
Drein vor der Sündflut man
Grub die Kunst, die man het gelehrt,
Auff dass sie stäts bestahn.
Drumb noch die Händ verfaulen nit
Die euch oft han abgschriben,
Und uns Nachkommnen gdient darmit
Dass ihr uns noch seit blieben.
Gelobet sei der löblich Fund
Der Edeln Truckerei,
Der euch uns noch erhalt zur stund:
Gelobet sei die treu
Der beid Erfinder, Gutenbergck.
Und Schäfers, sampt sein gsiepten,
Die Gmeinem Nutz zu gut solch Werck
Zu Strassburg, Mentz erst übten.
Der ein bracht uns vil Berg mit Gut,
Ja Bergwerck guter Künst,
Der Schäfer aus eim Jasons mut
Brachts Gulden Vlüss erwünscht,
Der weisst das Gulden Schaaffell recht,
Die Woll, so recht ist gulden.
O dass er ewig sei verschmecht
Der die Kunst nit mag dulden,
Und welchen guter Bücher Schrifft
Ein Haberacker ist,
Und halten gute Kunst für Gift:
Ihr Narn verfaul wie Mist.
Hett Welschland disen Fund ergründ,
Seins rhümens wer kein end,
Nun hats euch Teutschen Gott gegünt
Desshalb ihn wohl anwendt:
Gott hat euch durch diss Mittel gwisen
Ein weg zu allen Künsten,
So brauch dasselb vor andern gflissen
Zusein drinn nicht die minsten.
Die Truckerei han gut Autoren
Ein recht ansehen gschaft:
Und ihr Autorn wern längst verloren,
Tet nicht des Truckens krafft:
So lang nun euer eines wert
So lang wärt beider Rhum,
Derhalb ihr beid einander ehrt
Dass keines nicht abkum.
Euer Scribenten guter Nam
Bleibt bei Namhaften gnaden
Besser als mancher Edler Stamm
Welcher verwelckt on taten,
Oder des Reichen Cuntzen Nam:
Dann euer tode Schrifften
Jagen den Leuten ein mehr scham
Als Lebend Reden stifften.
Ja auch die Lebendigen müssen
Noch reden aus euch Stummen,
Und wann sie darauff sich nicht füssen,
So trampt ihr Red Welsch Trummen.
Ihr strafft die Fürsten, den sonst wenig
Einreden dörffen frei:
Ja vor euch haben Keiser, König,
Zutun was unrechts scheu.
Dann nach dem sie verhalten sich,
Nach dem beschreibt man sie:
Noch dannoch find man sonderlich
Dass euch doch je und je
Monarchen han inn ihren Zügen
Mittgführt zulesen euch:
Ja ihr, als das Liebst müssten Liegen
Ihn underm Pfulwen gleich:
Man musst dem Fürsten Pico auch
Das Essen zum Buch bringen:
Und nicht das Buch zum gfräss und Bauch,
Man wolt dann villeicht singen.
Wie solt es dann nicht Fürstlich sein
Solchem ein Haus zubauen:
O möcht ich tausent Jar Fürst sein
Ihr solt vil solch Stifft schauen:
Vil solcher Zeughäuser der Weissheit.
Und Mercurius hülen
Da man die recht Oracula heischet
Von Büchern hie auff gstülen.
Dann kann ichs schon nit machen nach,
Ergetz ich mich doch dran:
Weiss ich schon nicht ein jede sach,
Daselbst ichs suchen kann:
Oder erinner mich alsbald
Wann andre darvon sagen,
Alsdann es dannoch mir gefallt
Wann ichs lass vor den tagen.
Durch Bücher Mittel kann man wissen
Was Gottes Willen heisst,
Wie man ihm dien mit gutem Gwissen,
Woher die Welt entspreusst,
Wie lang sie haben werd bestand,
Was sie von anfang ghandelt,
Wie auff und abging jedes Land,
Darnach sich d Welt noch wandelt.
Allhie man mit den ältsten redt,
Hie find man Rhat zur tat:
Hie lehrt man, wie man recht vertrett
Jeden beruff und staat.
Hie kann man von Teologis
Gleich zun Juristen gehn,
Von disen zu den Physicis,
Bald zur History stehn:
Und allda mit ungwehrter Hand
Mit Römern führen Krieg,
Bald in der Tafel an der Wand
Sehen wahin man züg,
Oder wo man neu Insuln gründt,
Wie Poli Höh sich schickt.
Ja jeder guter Geist hie find
Was ihn freut und erquickt.
Darumb ihr Mühsam Musæ mein
Wehrt nie den Milben, Schaben:
Dann diss die ärgsten Feind hie sein
So dise Kunst hie haben.
Secht wie dort der Lombardus ligt
Zernagt, verfretzt, zerbissen:
O wie manchs Herrlich Buch mich mügt
Dass darumb ward zerrissen:
Vor Ketzerfeur sie auch behüt
Wie Cæsar sein Maronem,
Kein Alexandrisch brunst hie wüt:
O Vulcan wölst hie schonen.
Verwart sie auch vor Pappenschmieren,
Den starck Papyr nur gfallt,
Auch vor den Pergamenhandtierern,
Die böse  achten das alt.
Sih da, ich hör ein Würmlein hie
Klopffen in diesem Brett,
O dass man es herfürher zieh,
Und es zermaln, zertrett.
Herfür herfür du schelmisch Tierlein,
Ghörst nicht inn disen Tempel
Verkriech dich du unnützes Würmlein
Sonst inn ein alt gerümpel.
Du ghörst ins Gessners Tierbuch nit,
Dass dich flickst inn sein Bretter,
Du hast sein Bibliothek zerrütt
Mit ätzung viler Bletter,
Drumb sei verbant der für und für
Von Musis, der dich setzt
Ins Tierbuch under ander Tier,
Weil du es hast verletzt,
Seh da, hie hab dir diesen streich,
Dein los Blut ist nit werd
Dass es solch Heilgen Altar weih:
Darumb lieg hie zur Erd,
Nun freut euch Musæ, der Feind ligt,
Der euer Freund stäts frett,
Hie hengt sein Haut, die nit vil wiegt,
Eudi zu Lieb, ihm zum gspött,
Damit fortin geschmeiss seins gleichen
Ab diser Haut stäts scheu,
Gleich wie Wölff ab der Wolffshaut weichen
Und keins sich näher bei.
    Bei dem heimlichen Gemach zu underst waren alle ungeschickte Tölpel, Momi,
kunstneider, gelehrtenhasser, nichtskönnige Toren mit langen Oren Contrafeit,
wie die Augspurgische Narren am Pranger, unnd die Nörnbergische Feind am
Pronnen, wie der Attila undern Bildern Jovii. In der mitte war ein wunderlicher
Schneckensteg, dessen eingang war zu äusserst des Hausses durch ein Bogen
sechsmal sechs Schuh preit: der war so weit, das sechs Landsknecht mit
Reissspiessen auff dem nacken nebeneinander biss zu oberst des Hausses zihen
mochten, wie auff den Turn zu Bononien reuten, unnd auff den zu Alckair fahren.
Vom Turn Anatole biss gehn Mesembrin waren schöne Gallerien unnd umbgäng, welche
auff beiden selten mit schönen Historien, emblematis, einplümungen, Devisen,
Medeien, Zeichen, Taten und geschichten auff gut Michelangelisch, Holbeinisch,
Stimmerisch, Albrechtdurerisch, Luxmalerisch, Bockspergerisch, JossAmmisch,
bemalet war, wie der Königin Haus zu Londen: Dass es eim ein Lust zudencken,
geschweig zusehen gibt. In der mitte war noch eben auch ein solcher eingang, wie
der dem Wasser zu: Über derselbigen Pforten war mit altfränckischen buchstaben
geschriben folgendes inhalts.
Hierein komm kein Heuchler, Windhals, unnd NollBruder,
    Kein Bruder Rollus von Bruchfartzius,
Kein Lollhaf, Weidsack, Holprot, Teuffelsfuter,
Bei leib kein Schafsgro Katzenwollen Luder,
    Kein Balckgeplännter Splitterartzius,
    Kein Wachtelpfeiffstirn und Arsfeigwartzius,
Kein Maulstorck, leftzenplapper, Gzeitenschlapper,
Imwolf, Hundib, luftschnapper, und messknapper
    Korallenzeler Paternosterqueler,
    Gschwolln Bettlertreck, Plähbäuch, Kuttensäck
    Kein Predigläufer Widertäuffer.
    Kein bepantoffelt schnudler, Kuttelnsudler,
    Kein Grängribler und grossbeinknochenschlucker,
Der Ablas grosse Ballenbinderhudler,
Der Gbettlin kleine Wellenbinderstrudler,
    O lasst mir drauss all disen Judaszucker:
    Zihet anders wohin ihr Gottsraubschmucker,
Ihr werd mir sonst mit euer unwarer War
Mein Pare ware war vergifften gar:
    O scheimen war Zum Teuffel far
    Gesell dich par Zu gleicher war:
    Du solst diss Jar Hierein nicht zwar.
    O weit von hinnen weit ihr verdinst verhändler:
    O ihr Zeichner Syllanischer Blutregister:
Ihr verdampte verdammer und Blutvermäntler:
Ihr Lotterisch Volaterranisch Wortändler:
    Ihr Paxsüsse, Pacemküssige Paxpriester:
    Ihr Liebverdüster, ihr Kirch und Schulverwüster:
Ihr Formendängier, ihr form mul from, nit im hertzen,
Ihr Luxmundige ArssLaternenkertzen:
    Ihr Wannenwäher, Ihr Wetterhäher:
    O Hetzenschwetzer, Aufhetzer, Fürstenretscher:
    Fridensprecher, Blutrecher.
Herein komm auch kein listfuchs, heuchler, schmeichler
    Kein Fischrogenfresser, Hartzhaubziehisch Amptleut.
Kein zungverkäufer, wortgrempler, kautzenstreichler
Kein taschenhirnsam Ratsherrn und gerichtsmeuchler
    Kein blut und gutsauger, die verdampt leut,
    Kein prachtschab, schmärschnarcher, die unverschamt leut
Welche die leut wie hund am strick füren:
Aber ihr plaudrer werd uns nicht verfüren,
    Dann euer lon Wird am Galgen stohn,
    Dahin geht schreien, Zungenpleien,
    Hie ist kein excess Zu euerm process.
Herein komm auch kein karger wuchergeier
    Kein Quittendantzer, Leckars, sparer, scharrer,
Kein Beuteltrescher, Kornkäfer, Weinentweiher,
Kein Handschrifftkratzer und Euclionsmeier,
    Elenkürtzer, messschürtzer, aussschlagsparer,
    Goldprüe, bucklig geltmauser, müntzplarrer,
Die auch selbs ihren treck gern wollten sparen,
Das haar vom schwantz verkauffen mit der taren.
    O schleckverkauffer, Treckerkauffer,
    Pleib drauss du schnauffer, Landausslauffer,
    Man kaufft kein Haar Hierin diss Jar,
Herein komm auch kein eiferiger Frauengauch,
    Die fremds naschen und ihr eignes andern lassen,
Die aus dem Haus beisst der Xantippe rauch,
Und nemmen fürs Weibs bauch ein vollen Bauch,
    Aus mit euch befrantzosten, befranssten nasen
    Ihr gschipet Fisch, die die haut hinden lassen.
Dann hierin ist nichts als der tugendsam
Darumb komm nichts es sei dann tugendsam,
    Höflich und Düchtig,
    Nicht gröblich, undüchtig:
    Glehrt, zuchtbescheiden,
    Nicht glärt, zuchtgescheiden
Frau Tugentscham, Nicht der tugend scham.
So trettet herein beide Mann und Frauen,
Hierin solt ihr nichts als Zucht und ehr schauen,
Dann darumb ist die Rhuwart auffgebauen,
Alles zuhandelen on scheu und grauen,
Keiner ist gezwungen den es hat gerauen,
Gott geb euch hiemit Glück auff gutes trauen,
Und euch viel Gulden Ablas erlauben:
Dann da vil steht zuklauben, da ist glauben,
    Or donne par don, Ordonne pardon,
    Seckellösen Mag sünden lösen
    Sündenloss Macht Seckellos,
    Seckelloss Ist Sündenlos,
    Wolan so löset Dass ihr löset,
    So wird man lösen Von guten und bösen
    Und Ablass lesen, biss ihrs ablösen, abplosen, und ablesen und genesen: O tut
Tor unnd Rigel für, wann die Bullengnad kompt für die Tür.
 
                       Das Sechs und funftzigst Capitel.
    Vom Willigmutigen Stifftauss, seiner bekömlichkeit, und von Kleidung der
                       Telemoniten besonderer bescheid.
In der mitte des untersten Hofes war ein herrlicher Pronnen von Alabaster: Und
darauff die drei Gracie oder Gnadengöttin mit den Cornucopischen Zereshörnern
des überflusses eins guten Jars: Unnd gaben Wasser aus Prüsten, mund, oren,
augen unnd andern öffnungen des Leibs. Umb diss ging ein umbgang auff
Cassidonischen und rot Marmolsteinin Seulen und schwibbögen: gemalt und geziert
mit allerhand zincken, morchen, kolben unnd gehürn von Hirtzen, Gemsen,
Einhörnern, Rhinoceroten, wasserpferden, Elephantenzänen, und anderm
schauwürdigem schmuck. Das Frauenzimmer ging vom Artica biss zum Mesembrinturn,
das ander hatten die Mansbilder ein: Und gleich gegen der Frauen Gemach über
waren die Übplätz, Kampffplän, Pferdgericht, Turnierschrancken, schaugerüst,
die arm vom fluss, darin sie schwummen, sampt wunderlichen Badstuben, von
dreifachen oder geschraubtem getäfer, wie die ein Stub inn der Cartauss im
kleinen Basel: wohl gattirt mit allerlei gesunden Wassern und Kräutern. Bei dem
fürfliessenden bach aber lag der schön Lustgarten, darin ein hüpscher Labyrint
oder Irrgarten. Zwischen den andern zwen Türnen hielt man das Katzenspil, und
den grossen Ballenschlag: Neben dem Schreckdengast, war der Wasenhof voll
fruchtbarer Bäum in der Ordnung gesetzt: zwischen dem tritten Turn wäre der
Schiessrein von Büchsen, Armprosten und Bogen: Nah darbei der Marstall und die
Jaghundsställ: gegen über das Federspil und die Vogelhäuser, welche järlich von
neuen frembden Vögeln von Venedig, Candien, Schweitzergebirg Schwartzwald unnd
Sarmatien besetzt und gemehrt worden. Alle Säl, Kammern und gemach waren mit
vilerlei Tapezerei behencket nach den vier Jarzeiten: alle Böden mit grünem
tuch bedeckt: die bett alle mit umbhängen: Und in jedem Nebenkämmerlin ein
Cristallen Spiegel, mit Gold und Perlen eingefasst, so gross, das sich einer von
fuss auff drin mocht besehen. Zu aussgang der Säl des Frauenzimmers waren die
Auffbutzerin, Auffzäumerin, Harkrauserin, Bisamreucherin, Hendschuchbeitzerin,
Halsseifferin, Anstreicherin: Die mussten beid Mann und Frauen, wann sie zusamen
spaciren wollten, vor zurüsten, auffraumen und behobeln: dieselbe besprengten
auch allen morgen die Kammern mit Rosswasser, Fenchelwasser, Feielwasser und
anderem: auch gaben sie einer jeden das köstlich Cassolette von allerhand
Specerei gemacht.
    Die Frauen Kleideten sich erstlich nur nach ihrem wolgefallen: Damach aber
worden sie nach ihrer freien willigung reformirt in gestalt wie folget. Sie
trugen weiss Scharlachen Hosen, die giengen gerad drei finger preit über die
Knie: Die Hosenbendel waren eben der Farb, deren die Armband und Händschuch,
unnd bunden sie kreutzweiss oben und unter dem Knie: die Schuch, Pantoffelchen
und mäulen von rot Carmesinsammat zerschnitten wie ein Krebsbart: die Beltz von
gutem Fäh mit Seidenschamlot überzogen: den überrock mit Gold und Silber
durchsticktem Taffat, Grobgrän, Satin, Damast, unnd anderem neuerfundenem
Carteck, auff alle Fest etwas besonders: köstlich Perlingestickte Haarhauben,
und die sammete Paretlin darauff, auff die Meichssnisch art zur Seiten hangend,
wie die Leipsische Jungfraukräntzlin zur Hochzeit: auch flinderfedern darauff,
wie der Turgäuisch Adel, wan sie einmal inn ein Mess kommen: Item im Winter ein
Nörnbergisch beltzen mäntelin von Zobeln, Genetkatzen, Calabrischen Martern, und
anderm futer und gefüll: die Paternoster, Ring unnd Halsgeschmeid, waren von
guten Edelngsteinen: der Hauptschmuck nach gelegenheit der zeit: Im Winter auff
die Frantzösisch, im Meien auff die Spanisch, im Sommer auff die Toscanisch
Manier: aussgenommen auff Festen giengen sie Teutsch, weil es einfaltig erbar
scheint, wie die Letze kirsenbeltz zu Strassburg. Die Männer hatten zu stumpften
stammet, oder Särge, oder Scharlach: zu gesäsen, unnd Wammast Zendeldort,
Toppeltaffat, gesträmten sammat, nach ihrem lust gestept, gefranset und
zerschnitten: die Nestel von Seiden, nach der Hosen farb, mit silbern stefftzen:
ihre röck, mäntel und kappen eben so statlich als der Frauen, mit guldinen
knöpffen, oder dickbekrössten fransen, haften, Ketten, wie die reichen
Holsteinjunghern: der gürtel war des wammest farb, unnd das Wehr daran geetzt,
conterfeit, versilbert und vergult, desgleichen der Tolchen gar in die Saurmilch
gestosen, zuzeiten in Kindstreck, wie der Schweitzer Pratfischtölchlin. Das
paret aber fürnemlich von guten schwartzen sammat, mit einer schönen schnur von
gulden spangen und bollen, dann das haupt, als ein sitz aller witz, billich an
gelehrten und weisen Leuten zukrönen steht: darumb hat allein under den Göttern
Mercurius ein Hütlin auf, und darzu als ein guter Federfechter, Federn drauff:
gleich wie auch unsere Mutwillige Ordensleut oder Gutwilligiter befidert warn,
halb gelb unnd halb schwartz, nach des Reichs farb, auff Sächsisch, mit
Schmaragden und Rubinen versetzt. Auch war ein solche vergleichung unter Mann
und Frauen, dass sie täglich alle sampt inn gleicher Kleidung erschienen: Dann
sondere Leut darzu bestellt waren, die es beiden teil ankündeten: Gleichwol
musst dessfalls alles nach des Frauenzimmers bedencken geschehen, dann die wissen
Planetenmässlich wohl, welche verworffene Tag ein farb gut ist. Auch solt ihr
nicht meinen, dass sie viel weil mit der rüstung zuprachten, als wann man eim
Baier ein Harnisch soll antun, sonder wisst, dass sie sondere Kleiderverwarer zu
solcher Sacristei hatten, die es versahn. Umb den Forst zu Teleme, auff ein
halbe Meil, war ein ganzer Flecken, darin sasen nichts als Goldschmid,
Guffenspitzer, Näherin, Seidenstrickerin, Edelgesteinhändler, Weber, Wircker,
Schneider, Goldspinnerin, Sammatmacher, die all inns Kloster arbeiteten: Denen
schafft Herr Nausicletus Schiffprächt genug zeugs, dann Järlich pracht er ihnen
siben Schiff aus den Tanibaln und Perlininseln, beladen mit Kleinot, Margariten,
Gulden Leinwat und roher Seiden. Wa etlich Perlin veralteten, und die recht weiss
Farb nidit meh hilten, verneuerten sies bald durch ein neue Kunst, dass sie die
eim schönen Hanen zu fressen gaben und ihm durch den magen lauffen lisen. als
wan man die Falcken curirt, und als dann wider drauss lassen, wie die Apotecker
dz Gold, die Landsknecht das Gelt, die Wurmsamenkrämer die Spulwürm, und die
alte karge Euclyones die alte nägel aus den Katlachen: das ist ein kunst für
die, so die rote Müntz Quecksilbern, unnd die leichte Kronen mit Orenschmaltz
schmieren, unnd ihr Andlitz mit Bruntz weschen und den Leib inn öl baden. Inn
summa ihr ganz Leben war inn kein Regel, gesatz noch ordnung eingefangen,
sonder alles ging nach eigenem willen: sie stunden auff wans ihnen geful on
Mettenläuten, trancken, asen, Zechten Arbeiteten, schlieffen wann ihnen der Lust
kam: Keiner weckt sie, auch kein Han: Keiner nötigt sie zutrincken, wie auch nit
zu feisten. Also hets Gurgellantua geordnet: Unnd ihr ganze Regul war inn dem
spruch, Tu was du wilt. Was dein Hertz Stillt. Dann ein Adelicher mut, tut
ungezwungen das gut: genötet heisst getödtet: was man verbeut, das tun erst die
Leut: Darumb man sie treibet unnd trübet, dasselb ihnen geliebt: Nitimur in
vetitum. Wir schwimmen gern wider den Stram. Durch diese Freiheit kamen sie
dahin, das was einem gefuhl, dem andern nicht missful, was der jung Temistocles
wolt, das wolt sein Muter, was sein Muter wolt, das wolt auch der alt
Temistocles, und was diser alt wolt, das wolt der ganz Rhat zu Aten, und also
was die jungen legten, mussten die alten prüfen: wann einer oder eine sagt,
wolauff lasst uns trincken, so trancken sie alle wie die Gänss: wann einer ginet,
unnd göwet, so göbeten sie all: Wolten sie jagen, so sassen die Frauen auff ihre
Zelter, zohen Hirschen Händschuch an und ein Sperber drauff. Sie waren also
geschickt, das keine, geschweig einer, war, die nicht schreiben, geschweig
lesen, auff allen Instrumenten spilen, mit fünff sprachen reden, schöne Prieff,
orationen, gespräch und Reimen stellen konnt, besser als im Tresor des Amadys.
Begab sichs dann, das jemands aus demselben Stifft tretten wolt, so nam er mit
ihm eine, oder einen, auff die er oder sie, sein oder ihre andacht gelegt hat,
hinaus, unnd worden zusamen verheuraht: unnd hatten sie vor freundlich
miteinander zu Willigmut gelebt, so lebten sie darnach inn der eh noch
freundlicher, der letzt tag ihrer eh war ihnen so freudig als der erst. Ich kann
auch nicht underlassen, inn folgendem Capitel eudi ein AEnigma oder
Knorrenknochig Inwolckerisch vergriffen Scirpescrupisch Rhäters oder Rhätzal
zubeschreiben: welches in einer Kupfferin Blatten im Fundament gedachter Abtei
ist gefunden worden: Unnd dasselb lautet wie folget.
 
                       Das Siben und funftzigst Capitel.
 Innhaltend ein Knochenknorrig, Scrupescirphisch und Gewülckwickelig Rhäterisch
 Rätzel nach Warsagerischer einflecht, inn worten schlecht, unnd im sinn recht,
         das errätzelet und errhatet recht, ehe ihr das end gar secht.
Ihr Armen Menschen, die stets harren
Auff glücklich zeit, wan die komm gefahrn,
Erhebt nun euer girig gmüter,
Und hört mir zu, was ich euch fider,
Das ist, was ich euch jetz dictier
Mit der Feder auff diss Papyr.
Wan man soll für gewiss ganz glauben
Dass Menschlich sinn so hoch sich schrauben
Dass sie aus dem Gestirn dort oben
Oder aus viln vorgangnen Proben
Mögen was zukönftigs vorsagen
Von dem, was sich hie werd zutragen:
So geb ich zuverstehn nun euch,
Dass eben jetz den Winter gleich,
Ja eben hie inn disem Land
Da du nun stehst und ich nun stand
Auffkommen werd ein art von Leuten,
Die also wird Frau Unrhu reuten,
Dass sie kein Rhu nicht werden haben,
Sonder ungscheucht herumbher traben
Bei hellem tag, und sich bemühen
Allerlei Standes Leut zuziehen
Auff ihr weiss zu Rotten und Trennung,
Zu streitig Parteischer Meinung.
Ja welche ihnen geben werden
Gehör und glauben, wie sie bgerten,
Die werden sie gleich, ungeacht,
Es kost gleich gelt, gut oder Macht,
Bringen dahin, dass die Verwandten
Und besten Freund, on scheu all schanden
Werden ganz trotziglicher massen
In offnem streit sich ein da lassen:
Ja kein schand werden die Sön schätzen
Sich dem Vatter zuwidersetzen.
Auch werden die von Hohem Stammen
Erfahren, dass sich tun zusammen
Wider sie ihre Undertanen
Und gegen sie sich starck auffmanen.
Alsdan wird sein inn solcher Wütung
Kein unterscheid der Ehrerbietung.
Dan ein jeder wird alsdan sagen,
Jeder soll umb das sein sich wagen,
Man machets hie keim anderst nit,
Was der ein stosst, der ander tritt,
Man hebt es auff nach dem es fallt.
Und wer dann nicht mehr solcher gstalt
Bestehn mag, der mag dann aussstehn,
Und darnach wider herbei gehn,
Und sich versuchen auff all Weg
Dass er die schand einbringen mög.
Hierüber wird sich dann begeben
Ein solches auff und ab da schweben,
Ein solches hin und wider lauffen,
Ein solches keuchen schwitzen, schnauffen,
Dass dergleichen Auffrhur, Erregung,
Und widerspänstig Widerlegung
Kein History nie hat gemeldt
So wunderlich wird sein die Welt.
Bald wird man auch erfahren dann
Dass mancher feiner küner Man
Durch sein jung Gmüt und hitzig Gblüt
Verrejetzt, darin also verwüt
Dass er sehr kurtz darvon wird sterben
Wan er noch ist im Mitteln werben.
Auch wird keiner von disem Werck
Daran er einmal setzt sein stärck
Ablassen, er hab dann zuvor
Getriben ein selsam Rumor,
Und lang gewüt und lang gewült,
Alles mit Neid und Streit erfüllt,
Den Himmel auch mit Gschrei zun Nöten,
Die Erd mit Tritten undertretten.
Alsdan werden zur selben zeit
Gleich so vil gelten Treuloss Leut
Als die so warhaft und getreu,
Ihr beider Glaub wird da stehn frei.
Dann sie all werden sich befleissen
Gantz gefällig sich zuerweisen
Dem unverständigen grossen Hauffen,
Auch ihren Glaub auff ihn nur schrauffen.
Also dass under ihnen auch
Der ungschickst wird zum Richter braucht
O der schädlichen Schwämm und flut,
O der Mühlichen Sündflutrut.
Ja wohl wird sie ein Flut genent:
Dann dise Müh nimpt ehe kein end,
Noch die Erd wird ihr nit ehe gledigt,
Biss dass sie mit gewalt aussnötigt
Vil Wassers, welchs plötzlich mit hauffen
Hin und wider herab tut lauffen,
Darmit diselben, so am meisten
Im streit gross müh und arbeit leisten
Werden durchfeuchtet und genetzt,
Und billich darmit so verletzt
Weil ihr Gemüt zu disem streit
So gar durchbittert ist mit Neid
Dass es keinem kurtzumb vergibet
Und kein Barmhertzigkeit nicht übet,
Auch nit gen der Unschuldigen schar
Des Haussviechs, welchs uns ist dinstbar:
Also dass sie on alls erbarmen
Von ihm Adern und wüsten Därmen
Zwar kein Opffer den Göttern pringen,
Sonder ein schnöden prauch erzwingen,
Zu täglichem dienst der sterblichen
Und der täglich zerscherblichen.
Nun lass ich selber euch ersinnen
Wie dise ding all zugehn künnen,
Und was des Runden Gbeues Leib,
Die Himmelsrund gewelbte scheib
Bei solchem unrhüwigem keib
Für Rhu könn han, und was sie treib.
Doch sag ich, dass die allerbesten
So sie bhalten am aller mehsten
Am meisten dahin werden walten
Sie unverderblich zuerhalten:
Doch also, dass sie sehr mit fleiss
Auff ein sonder Manier und weiss
Sich werden ängstlich fast bemühen
Gefenglichen sie einzuziehen,
Und inn ein dienstbarkeit zubringen:
Also das die, die man tut tringen,
Und ängstigen und niderlegen,
Und jagen hin und her mit schlägen,
Nicht haben wird, zu dem sie flieh,
Als dem, der sie gemacht hat hie.
Ja wans zum ärgsten mit ihr staht
Wird die Sonn, als wans nidergaht,
Ein Fisternuss lan über sie,
Die dunckler dann kein Nacht ward nie,
Oder als kein Eclypsis nit,
Und alsdan wird sie gleich darmit
Ihr Freiheit sampt dem Schein von Himmel
Verlieren in eim tieffen Schimmel,
Oder zum wenigsten verlosen
Bleiben inn der Einöd verstosen:
Aber zuvor und ehe sie bstand
Der Undergang, der schad, die schand,
Wird sie ein lange zeit erzeigen
Ein heftig gross Erbidmen, neigen,
Ja so gewaltsam sich bewegen
Als der Berg Aetna sich tet regen
Da er geworffen ward von hinnen
Auff einen der Titanen Sönen,
Oder als wan Typho der Riess
Die Affen Insul ins Mör stiess:
Also wird sie inn kurtzen stunden
Bald inn leidigem stand befunden:
Auch so veränderlich, das die
Welche nun han erhalten sie,
Doch sie denselben werden lassen
Die nach der hand sich drumb anmassen.
Folgends geht an die rhüwig zeit
Welche stillt den langwirigen streit:
Dan die gedachten grossen Wasser
Welche sie machen je meh nasser
Tun sie dermassen sehr bemühen
Dass sie müssen einmal abziehen.
Und gleichwol, ehe man also weicht
Sicht man, dass in den Lüfften leucht
Ein scharffe hitz, welche ereugt
Ein grosse Flamm, die drumb aussteigt,
Damit der Wasserflut sie wehr,
Und diss wesen einmal auffhör.
Nach allem, wann diss nun vollführt,
Weiters zutun sich nicht gebürt
Als dass die Ausserwehlten dann
Mit alln Güttern und Himmlisch Mann
Werden erlabet auff die Schlacht,
Und zum Überfluss Reich gemacht
Mit wolgebürlicher Verehrung
Umb ihre wohl erzeigt bewärung,
Auch etlich zu letz ausgezogen,
Und diss wird billich so gepflogen
Damit so dise müh und fleiss
Sich endet auff ein solche weiss
Ein jeder hett zu seinem heil
Sein vorbestimpt vorsehen teil:
Inn massen solchs bewilligt ward.
O wie wird der zu jeder fart
Geehrt, so biss ans End verharrt.
    Als dise Antiquitet ward aussgelesen, holet Gurgelstrozza etliche tieffe
Seufftzen darüber, und sagt zu den Umbstehenden. Nun seh ich, es ist der brauch
nicht erst heut auffkommen, dass man die, so zur Evangelischen erkantnuss
schreiten, verfolget: Aber wohl dem, der sich nit ärgert, und von fleischlichen
Affecten und neigungen ungehindert und unbetrübt, allzeit nach demselben Zweck
zilet, welchen uns der treue GOTT, inn seinem Sohn vorgesteckt hat. Darauff sagt
Bruder Onkappaunt: Ihr holts mächtig tieff: was meint ihr andere, dass durch
diese Aenigmatisch Rhätsal verstanden werd? Errhatets, so wirds ein Gerhatsal.
Könt ihr sonst Validos Veneris perumpere nodos, so entnodiert unnd beisst mir
diesen verknipfften Knopff auch auff, habt ihr änderst gut scharff Nägel unnd
spitze Zän. Hie übt euch ihr Knöff und Knebel in Wämstern, ihr Knorrenspalter, i
hr Knochensplitterer, ihr Marckbeinsauger, ihr Gordiknöpff hauer. O Alexander
Magnus hat mächtig gross Ehr mit Lösung des Gordischen Gurtenknopffs eingelegt,
dass man ein Verblümt Emblema unnd Divis hat drauss machen müssen, da ein Sebel
inn eirn Zweiffelknopff steckt. Ja hindenauss, wie die Küh Seichen: jeder
SchweitzerBaur hets mit seiner Fochtel auch also aufflösen können: Auch können
noch zur Knopffnot die Fuhrpech mit ihm Sebelmäsigen Karrenmessern, unnd die
Fischer mit ihren Salmenplötzen sehr fertig die Notknöpff auffnöten und
aufftödten, wie ein Nuss mit dem Arss: Auch war Gordius, der denselben Knopff
vergurtet hat, unnd seiner verknipfflichen Knöpffigkeit halben König der Phrygen
ward, ein Fuhrman gewesen, unnd hat so wacker als der best Gespan anschirren
können, wie der im Geistlichen Fularwerck. Mein Vatter aber schlug mich darumb
wann ich mein Nestel der gestalt aufftat, ob mich auch schon ein
angstscheissige Leibsnot bestund, oder ein träppelende Scheiss anstiess. Aber meim
Schulmeister wars erlaubt, wann ich inn Nöhten aus sorg der Lochfegung mein
Nestel auff allen Ecken, Schantz unnd Schwantzwehren, mit Notknöpffen
verknipfft, der schnitt sie mir so lustig auff dass ich Barärssig vor ihm
niderfuhl. Ich gewann nichts dran wie ichs macht, ich verknipffts oder
verspielts, so kam man mir übers Gesäss: doch schads nichts Lieben Kinder, ihr
werd nur gross darvon, es vergeht euch wohl biss ihr ein Frauen nempt, solch Nestel
auffknipffen und Solve Ligulas verwart vor hoch auffknipffen unnd
Henckersknöpffen: besser gezabelt am Declinenden Scamno, als am Undeclinenden
Ligno, so ein GalgenPfosten heisst.
    Wiewol, meint ihr nicht, dass der Gordisch vergurdtet Zweiffelstrick etwann
ein Rhäters gewesen sei von seim Knopff im Bart: Dann ein Knopff an ein Furtz
sah ich nie machen. Ja bei dem heiligen Bischoff Gürtelknopff zu Basel ich
glaubs.
    Derhalben mein Liebe Wamstknöpff, auch ihr Wammst-Knebel, entknöpffet unnd
entknebelet mir diesen Meisterlichen Weberknopff: schneidet dapffer inn diesen
zusamen gelegten Faden, ich kann ihn wider ganz machen ohn Schaden: Aber trefft
ihr mirs nicht, so muss hie diser Keib zur Straff für alle ein Bastonata mit
Knöpffen von Barfüsser Corden ausshalten. Was darff es viel wesens, sagt
Gurgellantua, Ich halt es sei nichts Lecherrlichs, es deitet auff den Lauff und
die erhaltung Göttlicher Warheit. Bei dem heiligen Sanct Goderan, sprach der
Mönch, was kodert ihr hie? diss kompt mit meiner Ausslegung gar nicht überein: Es
ist des Propheten Märlini Stylus unnd Art zuschreiben: Ihr möcht die wichtigsten
und ernstaffsten Allegorien drüber zu Marckt bringen, die ihr wolt, so halt ich
meins teils, kein anderer verstand sei under den gelesenen verzwickten
dunckelen Worten darin begriffen: Dann ein Beschreibung des Katzenspringenden
Ballenspils oder Ballenspiligen Katzensprungs. Dann die Anstiffter zum Spiel
seind die so sich Parteien, welchs gemeinlich gut Freund seind.
    Wann die zwo Schasse vollbracht worden, so seind aus dem Spiel, der so
darin war, unnd der hinein kompt. Man glaubt dem Ersten, welcher sagt, ob der
Ball über oder under die Corden sei gangen. Der Schweiss ist das Wasser so
anlaufft. Die geremssten Schnür und Netz in den Racketen seind von Hämmel oder
Geissdärmen gemacht.
    Die Runde Machina oder das Rund umbwelbt Gebeu ist der Ball, darumb man so
unrhüwig ist. Nach dem Spiel erfrischt man sich vor eim guten Feuer unnd ziecht
frisch Hembder an, das ist an statt viel Badens, gleich wie den Meidlin das
dantzen: Auch zecht unnd Collacioniert man gern hernach, aber die jenigen mit
mehrerm lust, so gewunnen haben. Nun gut geschirr, wir wöllens auch geniessen:
Studiert nicht zu sehr, dann die nichts können die studieren: Euch aber ist
schon geholffen, ihr tragt den Ring schon am fördersten Finger: Wie wann ihr den
fördersten inn den hindersten steckten? Habt mir nichts für ein Kübel, wann ich
ein Brenckel bracht: Es ging mir auch oft übel, wann ich die Feder ins Glas
stiess, vermeinend ins Dintenhorn zustossen: Vita verecunda est, Musa iocosa
mihi. Welche am meisten von grossen streichen und vilem Bulen singen unnd sagen,
die Taten am wenigsten schaden.
    Jedoch, soll unnd muss ich dermal eins wider das fliegengeschmeiss ein
Nasenschirm schreiben? Melius non tangere clamo, Qui me commorit, tota
cantabitur urbe: Ja tota orbe, dann ich kann auch noch fünff Sprachen ohn
Schwätzenschwäbisch, das ist die sechsst, heisst Lügen. Aber nicht halb so wild,
es mags einer versuchen: Im folgenden zweiten Buch will ich sie suchen: Es wird
mir die Liberei zu S. Victor wohl dienen inn die Kuchen: Auch Panurgi weiss, und
wider die Dipsodischen dürre dürstige Riesen die Reiss, sampt den Zwerchen welche
kamen aus Pantagruels Fürtzen, und den Freulin Zwerchinnen, welche aus seim
Wasser teten rinnen: Auch werden mir sehr wohl stehn zuhanden, die neu Zeitung
von Teuffeln und den Verdampfen, sampt der Zung, darmit Pantagruel, ein ganz
Hör deckt, unnd was wunderlichs ihm inn dem Maul steckt. Hie wöllen wir ein
ander weisen, dass man den Rabelais nicht umbsonst ein Aristophanem hab geheisen:
Jedoch also: mit dem geding, Si mala condiderit in quem quis Carmina, Ius est
(merckts ihr Juristen) Iudiciumque esto, si quis mala: Sed bona si quis
Condiderit etc. Si quis Opprobriis dignum latraverit, integer ipse, Solventur
risu tabulæ, tu missus abibis. O geb Untreu Wein als die Reben, wir wollten all
Trincken vergeben. Nun wolan, stirbt mir einmal ein Kuh, will ich euch auch
laden zu Gast darzu: Oder kompt ihr lieber zum Speck, so lad ich euch auch,
wegen Reimens, zum Seumagen. Haben wir schon kein Gelt, han wir doch gut
Kleider, das best Hembd hat kein Ermel. Hie heissts zur schmalen Wart, da isst man
übel und ligt hart, etc.
                                     FINIS.
                                    Win uss.
 
    