
        
                                 Georg Wickram
                             Gabriotto und Reinhart
     Ein Schöne vnd doch klägliche History / von dem sorglichen anfang vnd
erschrocklichen vssgang / der brinnenden liebe / Namlich vier Personen betreffen
 /zwen Edle Jüngling von Paris / vnd zwo schöner junckfrawe vss Engelandt / eine
 des Künigs schwester / die an der eines Graffen tochter. Allen junckfrawen ein
                    gute warnung fast kurtzweilig zu lesen.
                                        1.
  Wie ein ritter, genant Gernier, an des künigs holf zu Franckreich umb seiner
                 frumbkeit willen von dem künig vertryben ward.
Zu der zeit, als künig Ludolffus zu Franckreich mit gewalt regiert, auch in
grosser tyranny gegen allem seinem volck robet, sich begab, das ein arm man für
den künig fälschlich dargeben ward, also das in der künig on all sein
entschuldigen und verantwortung wolt lassen tödten. Des ein frummer ritter an
seinem hoff vernummen hat, welcher genant was Gernier vom Hag, der sich schnell
zu dem künig fuget, anfieng den künig mit züchtigen worten zu straffen, in
vermeint von solchem übel zu wenden. Von wegen solicher straff der künig in
grossen zorn gegen dem ritter fallen tet, wiewol der ritter zuvor nit der
kleinest an des künigs hoff gewesen was; noch dannocht sich der künig also hart
wider in entrüstet, das er dem ritter Gernier gebodt, sein land mit leib und gut
inn monats frist zu raumen. Davon der ritter erstmals etwas unmuts empfieng,
jedoch zuletst im fürnam, des künigs gebott entlich nachzukummen.
    Der ritter Gernier hat einen son, der was genant Gabriotto, ein jüngling von
zechzehen jaren, ein fast schöner, geradner, züchtiger jüngling. Zu dem sein
vatter Gernier kam, mit trawriger stymm anhub und sprach: O du mein
allerliebster son, nit lang ist, du deiner muter beraubt wardest, welche gott
dem herren gefallen hat zu im in sein reich zu kummen; unnd nun in kürtze auch
deines vatterlandts beraubt werden must, wo du dich anderst mit deinem vatter
das ellendt zubawen nit widern wilt. Dann ich dir warlichen sag, so ich die
statt Paris nit in monats frist rammen tet, ich warlich ein ungenedigen herren
und künig haben würt. Darumb, mein allerliebster son, dieweil du sichst mich umb
mein trewen dienst kein ander belonung empfangen haben, dann mich meines
vatterlandes zu verweisen, wöllest dich auch willig darein ergeben und mit mir,
deinen vatter, an ander fürsten höffsziehen, umb dienst zu werben. Wer weisst, wo
uns gott unser Glück vorbehalten hat!
    Als Gabriotto, der jung, seinen vatter also reden hort, nit wohl wissen
mocht, ob Gernier, seinem vatter, solcher red ernst wer, mit lachendem mund zu
seinem vatter sprach: Ach mein allerliebster vatter, ich kann nit gedencken, das
dise wovt im ernst von dir geredt werden. Jedoch sei im, wie es wöll, wo dich
gott und das gelück hinleiten, mir nit müglich ist von dir zu kummen, alldieweil
mein seel und leib bei einander wonen. Doch bitt ich dich, lieber vatter, mir
den grundt deiner redt offenbaren wöllest. Der ritter seinem son alle ding nach
der leng zu wissen tet, demnach anfieng und sprach: Mein liebster son, dieweil
du sichst, das dein muter gott ergeben ist und wir bed nun zumal kein sundern
freünd inn allem Franckreich haben, darumb, mein allerliebster Gabriotto, solt
du wissen, das mein will und gemut nit ist, den künig umb einicherlei genad zu
bitten, dieweil ich doch mit schulden solchen undanck nit verwürcket noch
verdienet hab. Ich aber hoff, der künig sein unbillichen zorn, so er zu mir
tragen tut, zuletst selb erkennen werd.
    Als der edel Gabriotto seinen vatter gehört, auch alle ursach zumal
vernummen hat, einen schweren seüfftzen von seinem hertzen gon liess und sagt:
Die ungnad, hertzlieber vatter, so dir von dem künig widerfert, mich nit wenig
befrembdt.
    Dann so ich bedenck, inn was gnaden du allwegen an dem künigklichen hoff
gewont hast, mich nit genug verwundren kann des stimpfflingen umbwendens, das ich
aber als gott dem allmechtigen heimsetzen will. Du solt auch wissen, hertzlieber
vatter, das ich dir alle zeit willig und gehorsam sein will, als ich es dann
nach göttlichem gebott schuldig bin, wiewol mich in meinem hertzen die edel und
schöne statt Paris seer rewen tut, in deren ich so wohl und schön erzogen ward
von dir, auch meiner allerliebsten muter, deren gott genad, bei deren grab ich
gern mein leben enden wolt.
    O mein liebster son, sprach der ritter Gernier, du machest mich mit diesen
worten ingedenck des edlen Römers Marei Coriolani, welcher auch umb seiner
wolhandlung willen aus Rom in das ellend verjagt ward, sich zu der Römer feinden
schlagen tet, bei welchen er sich der massen halten kundt, das sye in zu einem
obersten fürer unnd hauptmann machten. In solchem ampt er den Römern grossen
abruch tet, sye der massen engstiget, das sye sich verwegen mussten, dio statt
auffzugeben. Durch vil und mancherlei weg an in versuchten, wie sye in mit guten
worten abweisen möchten; aber alles umbsunst was, wiewol er von Marco Minutio
seines vatterlands zum dickern mal ermanet ward, wie er bedencken solt die
gräber seiner altvättern, die in Rom weren, und das er noch sein muter, weib
unnd kind in der statt Rom hette, auch das im vil in der statt Rom beschenen
wer. Zuletst im Marcus Coriolanus antwurt und sprach: O mein allerliebster
Minuti, ich bekenn mich alles des, so du mir hie fürgehalten hast. Dann die
gräber meiner altvättern in der statt Rom seind; wie möcht ich aber an einem ort
mein wonung haben, da ich nit in eeren als meine altvättern leben möcht, und da
der grecht von dem schalck, der weiss von dem toren täglich undergetrucket
würdt! Darumb ich mir ein ort für mein vatterland erwölen will, da man das gut
vor dem bösen erkennen tut, unnd da der rhat dem pöfel nit underwürfflich sein
darff. Mit disen und andern worten sich Marcus Coriolanus von Minucio redet,
sich auch keines wegs erweichen lassen wolt, das er mit seinem hör abzieg.
Zuletst die Rhömer Marci muter, weib unnd kinder an in schickten, die ihn nach
langem bitten darzu brachten, das er mit seinem hör abzog; aber in die statt Rom
wolt er nit mer. Derselb Marcus Coriolanus mir nit wenig trost gibt, die statt
meines vatterlands zu verlassen. Darumb du, mein allerliebster son, betrachten
wöllest den grossen unbill, so uns von dem künig yetz begegnet, welchs uns
gnugsam ursach gibt, uns ein ander vatterland zu erkiesen. Dann ich mich warlich
gleich so wohl alle die von Paris nymmer erweichen lassen wolt hye zu bleiben, es
käme dann mein müter, weib und kind, das doch nit müglich ist zu geschehen; dann
sye vor langem mit todt abgangen seind.
    Da nun der jüngling Gabriotto das ernstlich fürnemmen seines vatters vernam,
wohl verstund, sein vatter seinem versprechen nachkummen würd, gab er sich willig
darein, seines vatters willen zu vollstrecken, wiewol im sein hertz nit wenig
davon beschwert ward; dann er einen getrewen gsellen zu Paris hat, der was
genant Reinhart, umb denselben im am meisten zu klagen was. Als er sich nun
seinem vatter gäntzlich ergeben hat, urlaub von im nam, Reinhart, seinen
liebsten gsellen, suchen ging.
 
                                       2.
 Wie Gabriotto seinem gsellen Reinhart seines vatters fürnemen zu wissen tut,
      und wie ihm Reinhart verspricht, mit ihm zu ziehen, wa er hin beger.
Traurig und übel zu mut was Gabriotto, als er von seinem vatter gangen was; ye
lenger er der freündtschaft unnd trewe seines gesellen Reinhardts nachgedencken
ward, ye mehr in sein wegscheiden bekümmern tet. Von stund an ging, da er
Reinhart vermeint zu finden, das dann nach seinem willen geschach. Er fand ihn
auff einem lustplatz, da er mit andren seines gleichen den ballen schlagen tet,
des sye beid ein sunder freüd hetten, so sye den ballen schlugen. Gabriotto sich
aber damals des ballen nit annam, mit manchem seüfftzen und traurigem angesicht
Reinhart, seinen gsellen, ansehen ward. Des Reinhart bald vernam, zu im ging
und sprach: Vie dem, Gabriotto? Woltest nit auch ein hoffrecht mit dem ballen
erzeigen? Sag mir, was meint  dein trawriges angesicht? Gabriotto zu im sprach:
Mein anligen, Reinhart, du von mir vernemmen solt, so du dich anderst nit
verdriessen lassest unnd ein klein mit mir da dannen gohn wilt. Reinhart nit
lenger verziehen wolt, seinen mantell umbwarff; von stund an mit Gabriotto zu
der statt hinaus uff einen lustigen anger giengen, sich under einer linden bei
einem kulen brunnen zusamen satzten.
    Gabriotto anfieng und sprach: Mein allerliebster bruder und gsell, du solt
wissen, du allein ein ursach meines trawrens bist. Dann du wohl weist, in was
liebe und freündtschaft wir allzeit gegen einander gestanden seind, die sich
aber nun zumal (gott erbarms!) enden will, wiewol das nit mit meinem willen
absicht. Hiemit im den willen seines vatters gäntzlich entdecket. Da nun
Reinhart vernam die ursach seines liebsten gesellen, darumb er dann also betrübt
was, Reinhart anfieng und sprach: Mein allerliebster Gabriotto, du solt wissen,
ehe dann du mir die ding halb erzalt hast, ich mein rechnung schon volligklichen
beschlossen hat. Du weist mich hie zu Paryss vatter und muterloss wonen; und
wiewol ich in Paris erzogen und erboren bin, noch lass ich mich beduncken, so du
allein nit werest, wolt ich gleich als mer anderswo als hie mein leben
schliessen. Dann mir der pfennig nit mer hie zu Paris gilt als an einem frembden
ort. So hab ich mein hab und gut fast in zinss unnd gilte, die ich dann, so ich
will, in kurtzer zeit zu barem gelt machen. Damit ichs leichtlich nach meinem
willen bringen mag, war mich lust. Darumb, mein allerliebster Gabriotto, wöllest
allen unmut meinetalb zuruckschlagen. Dann ich dir versprich bei dem todt
meines vatters, nymmer von dir zu weichen, es scheide dann mich oder dich der
todt; und dabei soll es beston krefftigklich. Und so erst dise fürgenummen reiss
beschicht, so lieber es mir sein soll. Vermeinest du, mir müglich sein solt, zu
Parciss zu wonen, so du an einem andren ort von mir werest? Nein, on zweifel
nimmer beschehen würt. Dann ich weder hie noch an einem andren ort on dich sein
will.
    Gabriotto seines gesellen red wohl vernummen hat. Wer was frölicher dann
Gabriotto! Von newem einander trew und freundschaft gelobten, auffstunden, mit
einander in die statt giengen. In dem die zeit des nachtmals kummen was; mit
einander das nachtmal sampt Gernier, Gabriotten vatter, namen, von vil und
mancherlei sachen under dem nachtmal zu red wurden.
 
                                       3.
Wie Gernier der ritter, Gabriotto und Reinhart das nachtmal mit einander nemmen
                  unnd iren sachen nachzukummen rahtschlagten.
Wol zu mut was Gabriotto, als er vernam, das Reinhart, sein gesell, mit im aus
Pareiss an andre herrenhöff ziehen wolt. Sobald er zu seinem vatter kam, im alle
verloffne sachen zu wissen tet. Des der vatter nit minder freüd nam, Reinhart
freündtlich batt, seinem zusagen nachzukummen. Edler ritter, sprach Reinhart,
ehe dann morgen die sonn zu genaden kumpt, ir sehen solt, wess gemüts ich sei.
Dann so mir gott der allmechtig gesundteit verleicht, ich mich minder von
meinem fürnemmen wenden lass, dann sich das wasser zu berg lasst treiben.
    Mit solchen worten der tisch bereit was; wasser über die händ namen, zu
tisch sich nydersatzten, mit dancksagung gott dem allmechtigen frölich anhuben
zu essen. Gernier erst alls seins unmuts vergessen tet, in ihm selbs gedacht:
Nun weiss ich, wo mich das gelück mit solchen zweien schönen jünglingen
hinbringt, nit lang stohn würt, ich mit sampt inen dienst bekummen soll. In
solchen gedancken die beden jüngling ansehen tet. Des Reinhart bald warnam, den
ritter fraget, was er in solchem seinem sehen gedacht hat. Dem Gernier der
ritter antwurt: Mein allerliebster Reinhart, des solt du dich nit verwundern.
Dann ich in mir selbs meinen alter betracht hab, dargegen ewer beder vermugliche
jugendt; dabei gedacht, wo wir drei mit einander hinkummen, wir bald dienst
haben werden; dann euch bed mein alter und mich ewer beider jugendt fürbringen
würdt. Ich holl auch, wir alle drei noch zu hoben eren und würden kummen werden.
    Gabriotto anhub und sprach: Mein allerliebster vatter, ich bitt, uns sagen
wöllest, wo doch dein fürnehmen zu dem ersten hinstand zu reisen. Der vatter
anhub und sprach: Mein son, wer wohl der Portugaleser sitten und wesen zu
erkunden, darnach das künigreich Schotten zu besehen, wo euch solche reiss nit
zuwider sein wolt, demnach uns in Engelandt an des künigs hoff zu Lunden dienst
zu suchen; dann ich dem selben künig viel guts hör verjehen. Welcher aber eunder
euch ein bessers meint zu erkiesen, mag das auch nach seinem willen anzeigen.
Reinhart, der ein freüdiger jüngling was unnd nit wenig lust hat vil ding zu
erfaren, anhub unnd sprach: Edler ritter, ich lass mich beduncken, wie ir vast
wohl geredt haben. Darumb ich mich keines andren anschlags underston will. Dann
so Gabriotto meines gemuts ist, würt im diser noch ander weg nymmer zu weit noch
schwer sein; dann so ferrer ir zichen, so lieber mirs sein soll. Gabriotto der
anschlag auch nit minder gefallen tet.
    Mit solcher red das nachtmal volendet haten, auffstunden, in einen schönen
lustigen garten, die speiss abzutewen, spacieren giengen, demnach zu bett sich
niderlegten, die nacht mit guter rhu vertreiben teten.
 
                                       4.
  Wie die ritter Gernier sein hab und gut auff offnem marckt vergantet und zu
                               barem gelt machet.
Nit mit wenig freüden Gerniers, Gabriotto unnd Reinharts der nechst tag kummen
tet. Als sye nun von dem bett uffgestanden waren, mit einander zu kirchen
giengen, nach dem den morgenymmbis mit grossen freüden volbrachten. Demnach der
ritter Gernier all sein hab und gut feil bodt, alles auff offnem marckt
verkauffet; des gleichen tet auch Reinhart, der jung edelmann. Nit lang stund,
ir gut mit nutz vertriben hatten, ein schöne barschaft zusamenbrachten.
    Semlichs dem künig für kam, im grossen rowen bracht, das er Gernier, den
ritter, mit solchen ungnaden angefaren hat, zuhandt einen seiner diener nach dem
ritter schicket. Der ritter dem gebott des künigs gehorsam was, bald vor ihm
erscheinen tet. Sobald in der künig ersehen ward, mit auffgehabnem finger und
lachendem mund dem ritter trewet. Gernier, sprach der künig, ich het mich nymmer
zu dir versehen, du meine wort also inn ganzem ernst auffgenummen haben
soltest, wiewol ich dir daran keins wegs unrecht gib; dann du mein gebott als
ein gehorsamer hast wöllen vollbringen. Das aber nymmer von dir noch mir gedacht
werden soll, so du anderst fürter an meinem hoff beleiben wilt. Du solt dich
auch nit irren lassen, das du all deine ligenden güter verkaufft hast; dann ich
dich von wegen deines dapffern und standtaften gemüts mit andern und bessern
güttern versehen will und dir die von meinem eignen gut bezalen.
    Gernier, der ritter, dem künig mit grossem fleiss zugehört hat. Als nun der
künig sein red geendt hat, der ritter anfieng und sprach: Allergnädigster herr
und künig, der gnaden und gutat, so mir von ewer majestet verleihen würdt, ich
mich nymmer genugsam bedancken mag. Dann ich mich gegen euch, meinem
allergnedigstcn herren, versündt hab und dannocht ein semlichen gnädigen herren
und künig an euch sind. Nun aber mir umb solche schuld ein buss auffgelegt ist,
die ich mir gäntzlich fürgenummen hab zu volziehen; dann ich ye meiner gelübt
genug tun will oder darumb sterben. So ich dann solche gelübt vollbracht han,
will ich mich der yetzigen zusagung trösten, hoff auch, wo ich nachgens meinen
gnädigen herrn den künig umb dienst bitten würd, ich wider einen genedigen
herren finden solt. Nunzumal aber langt mein freündtliche bitt an euch, mein
herren den künig, wöllendt mir ein gnädig urlaub geben, dieweil es ye keinen
andren weg haben mag.
    Semliche wort der ritter allein darumb mit dem künig redt, damit er mit lieb
von im kummen möcht; sein synn und gemüt aber nit was, wider in Franckreich zu
kummen, ihm wer auch leidt gewesen, solt er lenger darin gewohnt haben. Da nun
der künig verstund, das sich Gernier von seinem fürnemmen nit wolt lassen
wenden, den ritter nit mer bitten wolt; dann wohl wust als an im umbsunst sein;
er must sich auch des vor all seinem volck seer schamen, das er den, so er mit
grossem zorn seines landt verwisen, yetzund wider an seinem hoff zu bleiben
bitten solt; doch anfieng und sprach: Dieweil ye dein gefallen, edler ritter,
nit sein will, alhie au dissem hoff zu bleiben, so ist doch mein beger, du
wöllest mir deinen son Gabriotto hie lassen, damit du dester mer verlangen
habest vider in Fraukreich zu keren.
    Hernier, als er den künig vernummen het, in im selbs gedacht: O künig, an
deinem hoff weder ich noch mein son nimmer beleiben wöllen unnd noch vil minder
herkummen, so uns anderst gott von dir hilfft. Wider anhub und sprach: Ach
gnädiger herr, ich bitt euch, ihr wöllend mich solches begerens erlassen; dann
mein will unnd Meinung allzeit gewesen ist, vor unnd ehe ihr nach mir geschickt
hand, das ich nit lang von disem hoff beleiben wolt, sunder ein reiss tun durch
ettliche künigreich mit sampt meinem son Gabriotto, demnach wider an euch,
meinen gnädigen herren, supplicieren unnd umb gnad unnd dienst zu bitten, des
ich mich ganz zu euch versehen hab. Darumb ist mein bitt, ihr wöllend mir unnd
meinem son sampt dem, so mit uns ziehen würt, ein sicher pass unnd geleit durch
ewer künigreich geben, dessgleich ein eerlichen abscheidt, damit uns nit durch
arge nachreder ettwas uneerlichs zugemessen werden möcht, und uns das auch auff
das fürderlichest verschaffen zu geschehen, damit wir uns dann auch dester
fürderlicher herfügen mögen.
    Der künig den ritter nit lenger auffhalten wolt, zuhandt schuff, im ein
sicher und frei geleidt zu geben. Er schanckt im auch ein fast kostliche kette,
desgleich ein schon pferdt, welches der ritter als zu danck annam, in ihm selb
gedacht: Künig, die schencken mögend an mir nichts verfahen. Wann du mir schon
einen teil deines künigreich schaucktest, du würdest mich bei dir nit behalten.
Nach dem urlaub von dein künig unnd seinen fürsten nam, die all gemeinlich ihn
bitten teten bald widerzukummen. Nyemandts an des künigs hoff was, so nit leidt
empfahen tet von des ritters abseheid.
    Der ritter sich zu Haus füget, seinen son und Reinhardt in seltzamen
gedancken bei einander sitzen fand; dann sye in grossen sorgen stunden, der
künig würd den ritter Gernier nit von im ziehen lassen. Sobald syo aber in
kummen sahen, zuhandt aller sach, so sich zwischen im unnd dem künig verloffen
hat, underricht wurden.
    Als nun die nacht vergangen und der ander tag wider kummen was, Gernier und
sein son, Reinhardt und ein knecht und ein bub sampt zweien maultieren, so inen
ir barschaft kleinot und was in lieb was, trugen, mit einander sich der
morgenfrü in der küle auffmachten, zu der statt Paris hinaus ritten. Als sye nun
ein kleinen weg davon kummen waren, Gernier, der ritter, sich mit seinem pferdt
umbwandt, anhub und sprach: Nun bewar dich gott, du edle und wohl erbawen statt
Paris, in deren ich meine jungen tag verschlissen hab und aber yetzund in meinem
alter von dir ziehen muss. Gesegen euch gott, ihr schonen züchtigen frawen in der
statt, welchen ich all mein tag mit höchstem fleiss gedienet hab! Gesegen euch
gott, ir eerlichen burger zu Paris, die mich von jugendt auff in hohen ehren
gehalten handt! Gott wolt, ir mit einem andren künig versehen weren! Ich solt
mich in ewigkeit nymmer von euch gescheiden haben; dann ich mein begräbnus, auch
all mein ältern bei euch verlassen muss.
    Hiemit machet der ritter ein creütz über die statt unnd reit da mit seiner
gesellschaft den nechsten durch Frankreich auff Engelandt zu. Yedoch was ir
anschlag, zuvor das künigreich Portugal zu besehen, auch ander umbligende
lender, die ich von kürtze wegen underlassen will zu erzalen, dieweil sye nichts
sunders in Portugal verhandelt haben.
 
                                       5.
 Wie der ritter Gernier mit seiner gesellschaft aus dem künigreich Portugal in
  Engelandt schiffet und all drei dienst bei dem künig funden, wie nachstoht.
In was rüstung die drei sampt einem knecht und buben zu Pareiss aussgeritten
seind, haben ihr wohl vernummen. Ihr hand auch gehört, wie sye den ersten weg in
Portugal schifften, dergleich ander umbligende ort und grentzen besichtigten.
Kein gefallen an disen orten hatten zu beleiben, von ungeschicht an ein port der
Portugaleser kamen, da ein mechtig gallee aus Engelandt mit gewandt hinkummen
was. Der patron, demnach und er sein schiff entladen unnd widerumb darauff
geladen hat, so seins fugs was, nit lenger verziehen wolt, den nechsten in
Engelandt ihm fürnam zu faren, dieweil er guten wind vorhanden sach. Zu dem der
ritter mit seiner gesellschaft kam, sich auff die gallee verdingten, in kurtzer
zeit mit gutem windt das künigreich Engelandt erreichten, des sye all frölich
und wohl zumut waren. Dann in ir gemut und hertz allein in Engelandt gestanden
was, daselbs sye sich niderzulassen willen hatten, als auch geschach, wie ir
hören werdt.
    Dann zumal sich von ungeschicht fuget, das der künig von Engelandt ein edle
junckfraw, so in der küngin frawenzimmer gewesen, versorgt hat, ir ein eerliche
hochzeit zurichten liess, darauff er vil frembder herren geladen hat. Denen zu
lieb er einen turnier aussruffen liess, doch nit weiter dann in vier, fünff meilen
wegs; yederman, so sein bests tun wolt, darzu erlaubt was. Semlichs der ritter
Gernier alles durch seinen wirt bericht ward, das im dann ein sundere freüd
bracht. Zuhandt sich, Gabriotto und Reinhart alle drei geleich mit rossz und
harnasch und weer zurichten liess.
    Als nun der tag der hochzeit yetz vorhanden was und yederman auff die
schrancken und platz erschinnen was, Gernier mit sampt Reinhart unnd Gabriotto
in ganz grün kleidt auch ihre rossz mit schonen grünen parschen bedeckt waren,
also höfflich geritten kamen, das mencklich wunder ab ihnen nam; wiewol sye von
nyemandts erkant waren, dannocht von wegen ires zierlichen wandels inen all, die
zugegen stunden, guts verjehen teten. Der künig personlich ir mit fleiss warnam,
den turnier nit ganz aus warten mocht, seinen marschalck zu Gernier, dem
ritter, schicket, das er zu im kummen solt.
    Zuhandt der marschalck zu dem ritter kam, in freündtlich hat, er im sagen
solt, von wannen und wer er wer. Der ritter im zuhandt mit züchten antwurt und
sprach: Ich bin genant Gernier, ein ritter aus Franckreich geboren, und bin
darumb her in Engelandt kummen, ob ich mit sampt disen meinen allerliebsten
dienst bei dem künig finden möcht. Der marschalck von des ritters worten nit
wenig freüd empfangen hat, zu dem ritter Gernier sprach: Ir sond sunder zweifel
sein, edler ritter, ir werd von meinem herren, dem künig, als ewers begerens
gewert; dann im zuvor ewer wesen gefallen hat.
    Mit dem sye zu dem künig naheten. Gernier von seinem gaul abstund, dem künig
mit züchtiger reverentz entgegen ging, vor im nyderknyet. Der künig in zuhand
hiess auffston. Der marschalck dem künig yetz schon des ritters namen und
herkummen kürtzlich entdeckt hat. Des der künig im grose freüd nam, anfieng, zu
dem ritter Gernier sprach: Das ich nach dir gesandt hab, edler ritter, dich nit
frembd nemmen soll. Dann das in guter freündtlicher Meinung beschehen ist,
allein das ich gern wissen wolt, von wannen du her in unser künigreich kummen
seist oder wohin dein reiss sich weiter erstrecken wölle. Darzu solt du wissen,
das mir dein üstung sunderlichen wohl gefallen tut.
    Gernier dem künig mit züchten auff sein fragen antwort unnd sprach:
Allergenädigster herr, meinen namen ich mit geneigtem willen ewer küniglichen
majestet anzeigen will. Ich bin genant Gernier von Paris, do ich dann lang zeit
an dem küniglichen hoff gedient; unnd aber mich zuletst der künig unverdient
neiden und hassen ward, mir sein künigreich gebodt zu raumen, doch als umb
unschuld. Dem künig damit all verloffen sachen zu wissen tet, und damit er in
seiner sach kein zweifel het, er im den abscheid, so er in Franckreich von dem
künig empfangen hat, wisen tet, dem künig auch seinen son und Reinhardts nammen
und herkummen anzeiget.
    Des der künig alles wohl verstanden hat, anfieng unnd sprach: Edler ritter,
dieweil dich nun das Glück also her in Engelandt getragen, wer mein Meinung, du
ein zeitlang hie an dem holf beleibest, freüd und kurtzweil mit uns hettest,
damit du dir deinen unmut eins teils ringern würdest. Der ritter anhub und
sprach: Allergenedigster künig, es wer wohl mein will und Meinung, allzeit bei
ewern gnaden zu bleiben, wo ich und Gabriotto, mein son, sampt Reinhart, meinem
lieben und guten freündt, dienst bei ewern gnaden haben möchten; dann wir ye
darumb her in ewer künigreich kummen seind. Hierinn ich ewer gnad demütigklich
bitten will, uns gnediglichen auffzunemmen. Mit disen worten der ritter sein red
endet.
    Gernier, edler ritter, sprach der künig, wo dir mit den deinen gefallen will
bei mir zubleiben, ich dich mit sampt deinem son und wer dir liebt, zu grossem
danck auffnemmen will; dich auch nit minder an meinem hoff eerlichen halten, dem
du in Franckreich gehalten worden bist. Der ritter dem künig grossen danck
saget. Demnach sampt seinem son Gabriotten unnd Reinhardts so ritterlich und wohl
an dem küniglichen hoff hielten, das in alles hoffgesind günstig unnd holdt
wardt.
    Was nun für freüd und kurtzweil sich verlieff auff der hochzeit, ich durch
kürtze willen underlass zu schreiben; yedoch will ich etwas melduug davon tun,
damit ihr vernemmen, wie sich der zweier jungen Frantzosen Glück unnd unfal ein
ursprung genummen hat. Dann es sich mit allerersten auff diser hochzeit ein
anfang mit irer lieb geschach.
 
                                       6.
Hie werdt ir vernemmen, wie sich die liebe in Philomena gegen Gabriotto entzündt
 hat, dorgleich wie Rosamunda zu dem jüngling Reinhart anfieng lieb zu tragen.
Mit was kurtzweil sich die hochzeit angefangen und geendt hab, langweil nem zu
erzalen. Dann da ward mancher sper zerbrochen, auch mancher dapfferer mann zu
der erden gerandt. Reinhart und Gabriotto sich auch ritterlich auff dem turnier
brauchten; dann ihn von mengklichem der preiss geben ward. Da nun das stechen ein
end nam, der künig dem ritter Gernier zu ihm ruffet, im befalch die zwen jungen
mit im gehm hoff zu bringen; des im Gernier zu tun versprach.
    Als sye nun von iren geülen gestigen waren, die iren knechten zu verwaren
empfelhen tetten, ir harnasch bald abzugen, sich mit kostlichem gewand anderst
anlegten. Alle drei mit einander gen hoff giengen; Gernier von den zweien
jünglingen ahne ging, dem sye beid in grosser zucht nachvolgten. Wer sye sach,
wohl sprechen mocht, dise zwen jüngling nit menschen, sunder engel sein, die nit
ir schöne allein zieret, sunder ihr züchtiger wandel allen andren an dem
küniglichen hoff weit übertreffen tet.
    Als sye nun zu hoff kamen, der künig sampt seinen fürsten und herren yetz in
dem küniglichen sal waren, dem dantz zusahn. Gernier, Gabriotto und Reinhart
yetz auch in den küniglichen sal kamen, dem künig sampt andren fürsten ir
reverentz teten. Der künig Gernier freündtlich empfahen tet sampt den zweien
jungen, sye inn frantzösischcr sprach fraget, wie in das engelsch landt gefiel.
Dem Gabriotto züchtig antwort und sprach: Allergenädigster herr künig, ewer
landt uns aus der massen wohl gefelt. Gott ewer mayestet lang in gesundheit
bewaren wöll, damit ir ewer künigreich in solchem stadt regieren mögen! Der
künig vil und mancherlei gespräch mit Gernier, Gabriotto und Reinhart hat.
    In dem der dantz wider angefangen ward. Reinhart einen des künigs diener
fraget, ob man sich der welschen dantz auch zu hoff gebrauchet. Sicher ja,
sprach der diener. Der künig die wort des ritters ein wenig vernummen hat, sich
zu im wandt. Ritter, sprach er, hastu nit lust zu dantzen? Mich wundert deins
sons Gabriotto und Reinhardts, als jung sye seind, das sye also müssig ston
mögen, und doch so vil frawen und junckfrawen zugegen seind, so grossen lust zu
dantzen hetten. Allergnädigster künig, sprach Gernier, wir seind des dantzes, so
man sich hie gebraucht, ungeübt; so aber yemandts den frantzösischen dantz
anfieng, ich so alt nimmer bin, ich wolt mich auch denen züchtigen frawen zu
dienst eins dantzes underston. Warlich, sprach der künig, den nechst künftigen
dantz ir sampt ewern sönen versehen solt. Dann mein gemahel, die küngin, des
fast wohl kann: der gleich mein schwester Philomena den nit anderst übt, dann ob
sye ein geborne Frantzösin wer, sampt einer irer junckfrawen Rosamunda, die des
welschen dantz ein meisterin ist.
    Als nun der dantz ein end nam, der künig den spileüten befelhen liess, den
welchen dantz zu machen, als dann geschach. Der künig die alt küngin nam, sye
dem ritter Gernier zufüret, im befahl, den dantz mit ir zu tun. Der ritter die
küngin lieblichen umbfahen tet, dem künig der grossen eren dancket. Demnach der
künig Reinhart und Gabriotto mit im füret zu den schönen junckfrawen, dem
Gabriotto sein Schwester, die jung künigin, befahl mit ir zu dantzen, dessgleich
dem Reinhart eines graffen dochter, Rosamunda genant, den dantz befehlen tet.
Also Gabriotto unnd Reinhart, die beide ihren junckfrawen freündtlichen
umbfiengen, das sye leider zu einer unglücklichen stunden angefangen hatten.
Warumb ich aber das sprich, ir nachend wohl vernemmen werden. Dann sobald
Gabriotto die junckfraw Philomena umbfangen hat, sye beide zu stund ein
brinnendes feür durchgon tet, in solcher liebe gen einander entzündt wurden,
das mit keinen worten aussgesprochen werden mag. Der dantz yetz mit grossen
freüden angefangen ward Alle die, so in dem sal waren, den dreien Frantzosen mit
grosser begierdt zusehen tetten; dann ihn nyemandts mit behenden und schönen
springen geleicht. Des inen auch die schönen junckfrawen sunder freüd namen.
Gabriotto der junckfrawen Philomena manchen lieblichen blick gab, herwider sye
im, welche dann den dantz fast zierten. Was soll ich schreiben von der grosen
freüd, so die zwei liebhabenden menschen hatten, wiewol keins dem andren sein
lieb öffnen dorfft, sunder die lange zeit verborgen an iren hertzen tragen
mussten, biss sich zuletst das Glück über sye erbarmen tet, wie ir nacher wohl
vernemen werdt.
    Als nun der dantz yetzundt mit grossem leidt der zweier, Gabriotto und
Philomena, ein end nam, der künig sich sampt seinem hoffgesind das nachtmal zu
nemmen bereiten tet, das wasser über die händ namen, das nachtmal mit grossen
freüden durch mancherlei gespräch vollbrachten. Gabriotto der jüngling von
ungeschicht an einem tisch sass, da er die junckfraw Philomena mit steten augen
auschen mocht, ir schöne, hoch bedencken ward. Die junckfraw, so ir ein
augenblickle werden mocht, Gabriotten mit inbrünstiger liebe anschawen tet, in
ihr gedacht: O Gabriotto, du edler jüngling, wie hat dich die natur so mit
unausssprechlicher schöne begäbet! Wol der junckfrawen, so dein liebe mitteilt
würdt! Mit solchen gedancken die junckfraw den ymmbis verdrib.
 
                                       7.
Wie Gabriotto sich an dem küniglichen holl mit vil und mancherlei kurtzweil üben
               tet, davon der künig im grosses wolgefallen nam.
Gabriotto, demnach und die hochzeit vergangen was, sich von newem anhub in
mancherlei kurtzweil zu richten als mit dem ballen schlagen, springen,
steinstossen; dann er in semlicher behendigkeit ein sunder geübter jüngling was.
In kurtzer zeit er und Reinhart das ganz hoffgesind auff einen andren weg
richten teten, gleich als ob sye von dem schlaff aufferwachet; dann davor
nirgendt von zu sagen wussten dann von essen und trincken. Als nun der künig
solche übung von seinem hoffgesind sehen ward, der grosse freüd empfahen tet,
in kurtzer zeit einen lustigen platz, so hinden an dem palast was, verordnet,
welcher mit schönen grünen linden allentalben besetzt, darunder ettliche kalt
quellende brünnlein fast lustig entspringen tetten, davon dann ein laut
klingendes bechlin den platz allentalben durchfeüchten tet. Denselben
lustplatz der künig mit einer mauren umbfahen liess, seinem hoffgesind darauff
alle freüd erlaubt zu treiben. Sobald dann die jungen herren, so zu hoff waren,
ire dienst vollbracht hatten, sye sich zuhandt auff den geordneen platz
furgeten, da sye sich, wie oben gemeldt, aller kurtzweil üben unnd brauchen
teten. Nun was der platz gelegen, wie ihr gehört hand, hart hinden an dem
palast. Also wann junckfraw Philomena in ihrem gemach was, mocht sye
allentalben aus einem grossen feuster darauff sehen. Davon sye dann zu manchemn
mal grösslich erfreüdt ward, so sye iren allerliebsten Gabriotten darauff sehen
tet, dem dann alles das, so er anfieng, bass dann den andren anstund; nit minder
Reinhart, der im dann fast an allen dingen gleichen tet. Desselben Rosamunda
auch nit minder acht hett, sich aber keinswegs gegen nyemandts mercken liess, so
lang biss ihr Philomena ir liebe öffnet.
    Die junckfraw Philomena eines tags mit Rosamunda an irem fenster lag, mit
begirigem hertzen nach Reinhart, dem jüngling, sehen ward, in ir selb gedacht: O
allmechtiger gott, wer es müglich, Reinhart von Rosamunda also lieb gehabt wer,
alls Gabriotto von mir lieb gehalten ist, herwider sye uns beiden gleiche lieb
triegen, wie möcht uns zu beiden seiten mer freüd verluhen werden! Dann ye eins
dem andren sein anligen öffnen möcht; dann Rosamunda vil ding on allen argwon
zuwegen bringen möcht.
    Rosamunda das unbeweglich ansehen der junckfrawen Philomena wargenummen
hett, ir zustund in gedancken kam, sye dem jüngling liebe trieg, einen schwören
seüfftzen von ihrem hertzen gon liess. Des die junckfraw Philomena acht nam, zu
Rosamunda sprach: Ach mein allerliebste Rosamunda, ich bitt, mir die ursach
deines seüfftzens entdecken wöllest. Dann warlich on merckliche ursach nit
beschenen ist. Genedige junckfraw, sprach Rosamunda, die ursach ewers steten
hinab sehens das gewesen ist. Ich bitt euch aber, mich yetzundt weiter fragen
wöllen. So sichs aber mer begeb, ich euch das nit verhalten wolt. Die junckfraw
Philomena nit weiter fragen wolt, wiewol sye es fast gern gewisst het Damit aber
sye ir liebste junckfraw nit bekümmert, sye es underliess, hinfürter all ir sinn
und gedancken nach dem jüngling Gabriotto keret. Dessgleich Rosamunda klaget iren
Reinhart; dann gänzlich meint , Philomena gen im in lieb entzündt wer. Also bed
ir zeit in gedancken verdriben.
 
                                       8.
    Wie Gabriotto enten beisen mit einem seinem falcken reit, dem vogel mit
 verhengtem zaum nachrandt; indem sein pferdt mit im einen schweren fall tet,
 also das er von Reinhart, seinem gsellen, für todt auffgehaben, selb ander in
           eines armen fischers Haus trug, wider ein wenig erlabten.
Die zwen edlen jüngling nit minder hertzlich verlangen nach den zweien schonen
junckfrawen hatten, wiewol keiner dem andren sein lieb zu wissen tet. Sich
eines tags begab, das sye bed auff ein entenbeisen ritten, da sye ein meuge der
enten antraffen, auch ettlich von iren falcken zu der erden gefellt wurden. Das
so lang triben, ire falcken zulletst urdrützig wurden. Gabriotto sein falck
abzoch, weit in dem feld sich auff einen hohen baum niderlicss. Dem Gabriotto
also schnell mit seinem pferdt zurennen tet, au einen weiten trucknen graben
kam, vermeint sein pferdt hinüberzusprengen. Das im aber fehlt; dann sein pferdt
sich anstiess, schwerlich mit dem edlen jüngling zu der erden schlug, also uff im
ligen, der also in omacht nichts von im selb wissend ligen blib.
    Reinhart, welcher im von ferren nachreit, in yetz ganz aus seinem gesicht
verloren hett; deshalb im nichts guts einfiel, seinem rossz die sporen gab,
sampt einem knecht, so bei im was, dem fussschlag nach rannten. In kurtzer zeit
an das ort kamen, da sye den edlen Gabriotto mit schweissendem angesicht,
beschlossnem mund und tödtlicher farb under seinem schweren gaul ligen fanden. O
des grossen leidts, sprach Reinhart, du mein allerliebster bruder, wie ist dir
das gelück auff disen tag so widerwertig gewesen! Mit dem sye das pferdt von im
zugen, in auffhuben, in aber nit anderst dann einen erstorbnen menschen
erkannten. Erat fieng Reinhart bitterlich an zu weinen und klagen. Ach, ach,
sprach er, mein allerliebster Gabriotto, der unseligen stund, das wir ye in
Engelandt kummen seind! Ach des schandtlichen vogels, so dich zu solchem harten
fall geursacht hat! Ach, das ich nit disen fall für dich getan  hab, wie mirs
joch ging! Dann on dich leben mir ein schwere unnd harte sach sein würdt. O du
mein süser Gabriotto, sich mich doch noch einmal an, deinen lieben unnd getrewen
gresellen und freündt!
    Mit dem im der knecht sein gewant allentalben auffgeschnitten hat und
Reinhart, so best er mocht, trösten tet. In dem Gabriotto ein wenig uffblicket,
Reinhart seinen gesellen vor im ston sach, mit einem schweren seüfftzen und
schwacher stimm zu im sprach: O mein bruder Reinhart! Da Reinhart Gabriotten
wider reden hort, sein hertz im von freüden in seinem leib auffhupffet; sich
gegen seinem gesellen keret und sprach: Bis getröst, mein allerliebster
Gabriotto! Ich bin bei dir, will auch nymmer von dir weichen, dieweil ich leb. -
O Reinhart, sprach Gabriotto, ich bitt, gib mir zu trincken! Anderst ich muss hie
den todt leiden. Reinhart an dem ort weder wasser noch wein gehaben mocht, in
aber mit krefftigen wurtzen, so er bei im hat, erlabet.
    Nun was nit weit von dem ort ein armes hüttlin, in welchem ein arm alt mann,
ein fischer, sein wonung hat. Reinhart sein knecht bald dahin schicket, wasser
oder wein zu bringen, im auch befehlen tet, zwo stangen und stro, so er das
gehaben möcht, mit im zu bringen. Der knecht bald uff sein pferdt sass, dem armen
heüssle zuranndt, anklopffet. Die fischerin zu im heraus kam; deren er
freündtlich zusprach, sye umb einen trunck wein bitten tet, ir anzeigendt,
warzu er den haben wolt. Dem die fraw zuhandt antwort und sprach: Ach mein gut
freündt, ir sond mir glauben, dieweil ich in dem Haus gewont hab, nit zwirend
wein darein kummen ist. Das ist dannocht von andren leüten, so sich zu zeiten
verspät hatten, beschehen. Gute fraw, sprach der knecht, wo ir ye den wein nit
gehaben mögen, mir ein trunck wassers zustellen. Das bin ich willig zu tun.
Damit sich schnell in das Haus füget, dem knecht wasser unnd brodt bringen tet.
Weiter, als er straw unnd zwo stangen an die fraw begeret, ir auch anzeiget,
worzu er das haben wolt, sye im zuhandt ein tragberen, darauff sye dann zu
zeiten irem mann die liechergarn auff das wasser tragen halff, bringen tet, im
ettlich gute küssen, so gut sye es vermocht, dem knecht nachtruge, an das ort
bekam, da der ellendt Gabriotto noch ganz ellend unnd schwach sein leid klaget,
oft an sein allerliebste Philomena gedencken ward.
    Als nun des fischers weib den ellenden Gabriotto also schweissig und omechtig
ligen fand, gross mitleiden mit im hat, erbermblichen anhub zu weinen. Reinhart
das wasser von dem knecht nam, Gabriotten, so best er mocht, ihm sein angesicht
weschen tet, Gabriotto seinen mund, der ihm aller voll gerunnens bluts was,
schwencket. Also namen sye den edlen jüngling, legten in uff die mistperen mit
küssen und irem gewandt, darauff also in die ellend wonung des armen fischers
trugen, da ihn die fischerin erst mit einer warmen brugen laben tet. Reinhart
seinen knecht in die statt nach einer rossboren schicken tet.
    Sich von ungeschicht begab, das Gernier ders ritter zu hoff bei dem künig in
dem frawenzimmer was. Der knecht bald nach im fraget, zu im gewisen ward. Der
ritter in nit so bald ersehen hat, im sein hertz nichts guts saget; zu dem
knecht ging, ihn fragt, wie es im, Gabriotto, und Reinhart gangen wer auff dem
entenbeisen. Der knecht im zustund all sach entöffnet. Davon der ritter seer
bekümmert ward, zu dem künig kam, ihn umb ein rosszbor bitten. Zuhandt der künig
wissen wolt, wie und wem er die brauchen wolt. Gernier im des knechts
Botschaft (check capitalization) zu wissen tet. Davon der künig seer bekümmert ward, zuhandt schuff,
ein rosszbor mit linden küssen und decke zu bringen, auch seinem leibartzet
befelch gab, mitzufaren unnd dem jüngling nach seinem besten fleiss rhat zu tun.
Das alles nach des künigs befelch beschehen tet.
    Nun mocht das unsteht und wanckelmutig gelück der edlen junckfrawen
Philomena den unfal des jünglings Gabriotto nit verhalten, damit sye im ihr
mitleiden het mögen entziehen. Dann sye von Gernier dem ritter alle wort, so er
mit dem künig geredt, vernummen hat; derhalben sich von stund an mit Rosamunda
in ir gemach füget, anfieng bitterlichen zu weinen und klagen. Die junckfraw
Rosamunda ein frembde sach nam des schnellen klagen und weinens der junckfrawen.
Wiewol sye sah ir die sach schwer anligen, noch liess sy sye ungefragt, also
stillschweigend mit ir anhub zu weinen.
    Philomena sprach: O du mein allerliebste Rosamunda, wiewol du zugegen
gewesen bist, als ich die ursach meiner klag vernummen hab, noch ist dir das
alles verborgen; dann ich allein darauff merckung hat. Ich glaub, so du die
ursach meines weinens und klagens wissen möchtest, du dein klag noch minder
underlassen würdest. Damit ich aber dich mir ein gesellin meiner klag mach, ich
dir semlichs entdecken muss. Du solt wissen, das auff heüt dem edlen jüngling
Gabriotto ein mercklicher unfal zugestanden ist, das es warlich sorglich umb
sein leben stohn würt. Der junckfrawen damit alles, das sye von dem ritter
Gernier gehört hat, anzeiget.
    Sobald Rosamunda den unfal, so Gabriotto begegnet, von Philomena vernummen
hat, fast gross mittleiden mit ihm hat, erst anfieng erbermbklich zu klagen; dann
sye wohl wusst, das Reinhart ein harte zeit ihm umb seines gesellen unfal nemen
würd.
    In dem Gernier und der knecht zu seinem liebsten son Gabriotto kummen waren,
welcher seinen fall zum teil verklagt het, wiewol noch ganz unvermüglich
seines leibs. Der vatter gross mitleiden mit seinem son Gabriotto hat, so er
bests mocht, in trösten tet. Alsbald in auff die rosszbor luden, gen Lunden
furten, da ihm von dem künig ein sunder gemach ingeben ward, darein Gabriotto
mit allem dem, so ihm seines leibs halben nodt was, versehen liess. Die weil
Philomena unnd Rosamunda ir stetes klagen unnd trawren furten, so lang sye
vernamen, Gabriotto seines falls nit tödtlichen schaden nemmen würd.
 
                                       9.
     Wie Philomena mit ir selbs zu raht ging von wegen der lieb, so sye zu
  Gabriotten tragen tet, auch wie sye an Rosamunda begert, dem jüngling einen
                                ring zu bringen.
Wenig rug hat Philomena, die junckfraw, stetigs an iren liebsten Gabriotto
gedencken ward, solang sye vernam, er wider zu seinen krefften kummen wer,
anfieng in ihr selb zu bedencken die liebe, so sye zu im tragen, zu ir selbs
sprach: O du mein allerliebster Gabriotto, wie magst du mich also on dein wissen
und gedancken also mit unaufflösslichen banden peinigen und kräncken! Ich weiss,
wo dir semlichs zu wissen wer, du würdest von hertzen dich erfrewen. Wie mag ich
dir aber solche liebe zu wissen tun, damit du mich nit dest ringer achtest?
Dann solt ich dir mein liebe entdecken, du würdest mir das für einen grossen
frevel achten; dann sich keiner junckfrawen gezimmen will, sich also
unverschampt gegen einem jüngling selb feil zu bieten. Nun weiss ich dannocht, wo
Gabriotto wissen solt, in was liebe ich entzündt, er würd solche nit umbsunst an
mich begeren, sunder mich seiner liebe auch teilhaftig machen.
    Also Philomena manchen frembden anschlag machet, dadurch dem ritter ir liebe
zu wissen käm, schnell nach Rosamunda, irer heimlichen junckfrawen, schicket.
Die sich nit lang saumet, zu ir kam. Die junckfraw Philomena anhub und sprach: O
Rosamunda, darumb ich nach dir geschicket hab, du nit wunder haben solt. Dann
aller mein trost und hoffnuug zu dir statt; dann du mir in meinem leiden allein
ein notelfferin sein magst. Dir ist unverborgen der schwer fall, so Gabriotto
getan  hat. Nun aber mag ich nit erfaren, wie sich sein krankheit schicken will,
weiss auch das durch niemant zu erfaren, dann allein durch dich. Das müsst also
beschehen. Ich hab in mir ein raht funden, so on allen argwon beschehen mag und
aber Gabriotto mein liebe dadurch geöffnet würd. Du solt wissen, Rosamunda, das
ich ein fast kostlichen stein hab in einem kleinot versetzet, welcher den
krancken sunderliche grosse krafft gibt. Dasselbig kleinot ich dir geben will,
das solt du meinem allerliebsten Gabriotto geben, im dabei sagen, das ich ihm
das kleinot sampt dem stein aus sunderlicher liebe schicke, im darbei die krafft
des steins anzeigen, auch das ich so gross mittleiden mit im in seiner kranckheit
trag.
    Rosamunda, die junckfraw, etwas sorg hat, der junckfrawen gebott zu
vollbringen, derhalben anhub, zu Philomena sprach: O allerliebstw junckfraw, ir
sond wissen, das ich euch allzeit zu dienen geneigt wer und mich kein ding auff
erden nimmer beschweren solt. In dem fal aber mich warlich sorg und angst
umbgehen tut, mich auch ewer liebe gegen Gabriotto tragend nit genug verwundern
mag, dieweil ir wohl wissen in von einem schlechten ritter geboren sein, und aber
ir von künigklichem stammen herkummen. Wie wollten ir euch gegen ewerem bruder,
dem künig, verantworten, so er semlicher sachen von euch innen würd? Warlich er
in grossen zorn wider euch fallen würd. Darumb mein raht were, ir euch semliche
liebe von hertzen schliegen.
    Alsbald Rosamunda ihr red vollbracht hat. Philomena mit einem schweren
seüfftzen anhub und sprach: Ach mein allerliebste Rosamunda, ich bitt, mich nit
so hart betrüben wöllest und mir meinen allerliebsten Gabriotto nit also weren
lieb zu haben; dann du mir kein grösser leidt getun magst. Wie möcht ich in
doch von hertzen schlagen, so ich sein schöne und adelich geberdt bedencken tu!
Warlich ich mich des nymmer underston will. Sag mir, liebe junckfraw, wurden nit
bei den alten die künig von den edlen zu küniglichem stammen erwölt und gezogen?
Ja nit allein von den edlen, sunder von den dapffern und weidlichen burgern zu
künigen erwölt worden seind. Darumb ich sprich, das der jüngling Gabriotto wohl
einer künigin wirdig ist. Mein allerliebste Rosamunda, ich bitt dich, nit
semliche hertigkeit gegen mir üben wöllest. Hast du anderst ye liebe empfunden,
so bedenck, was schmertzen ich dir geberen würd, so ich dir das, so dir lieben
tet, understünd zu leiden! Gabriotto mir warlich aus meinem hertzen nymmer
kummen würdt, dieweil ich leb. Darumb, mein aller liebste Rosamunda, mir dein
fründtliche hilff nit entziehen wöllest und nach meinem willen dem jüngling
Gabriotto diss kleinot bringen wöllest. Daran du mir ein sunder wolgefallen tun
würst.
    Rosamunda, der jungfrawen, die sach so ganz widrig was, nit wissen mocht,
wes sich in den dingen zu halten wer; yedoch zuletst sich willig begab, der
junckfrawen Philomena gebott zu vollbringen, also sprach: Allerliebste
junckfraw, wiewol mich forcht unnd schrecken, so ich trag von wegen meines
herren des künigs, hinder sich ziehen tut, noch bezwingt mich die grosse trewe
unnd lieb, so ich zu euch trag, das ich mich keinswegs mer understand ewern
gebotten zu widerstreben. Darumb, mein allerliebste junckfraw, bin ich gäntzlich
bereit, ewerem gebott ein geniegen zu tun.
    Von semlichen worten Philomena nit wenig trost empfahen tet, ihrer
angefangnen lieb yetzundt vermeint ein sicheren anfang zu haben, der junckfrawen
den ring oder kleinot gebetet, sie also zu dem jüngling schicket, sye
freündtlich balt, die sach nach dem aller besten usszurichten.
 
                                      10.
    Wie Rosamunda dem jüngling einen köstlichen ring bracht aus befelch der
                             junckfrawen Philomena.
Die junckfraw Rosamunda mit grossen sorgen beladen was, in ir selbs vil und
mancherlei gedencken ward, was grosser sorg ir des künigs halb darauff stünde;
yedoch nach langem irem gedencken sich heimlich on all ander ire junckfrawen zu
des jünglings gemach füget, züchtiglichen anklopffet. Sich von ungeschicht
begab, das der jüngling Gabriotto ganz einig was, allein sein allerliebster
gesell Reinhart bei im sass, der in dann nymmer verlassen tet. Als nun die beden
jüngling das züchtig anklopffen vernummen hatten, nit gedencken mochten, wer sye
also besuchen wolt. Reinhardt bald auff stund, der junckfrawen die tür öffnet.
Die nit wenig freüd von disem portner empfahen tet, auch nit minder freüd
Reinhart von ir zukunft empfieng; noch mocht ir keins mit dem andren kein wort
gereden, solichs alls ir grosse liebe, die mit unmesslicher freüd unnd scham
vermischet was. Also mit einander in des jünglings kammer bekamen, welcher yetz
von seinem bet auffgestanden was, auff einem sessel in der kammer sitzen tet.
Die junckfraw Rosamunda in mit züchtigen worten grüsset. Der jüngling sich
solcher zukunft nit genug verwundren mocht, mit züchtigen worten der
junckfrawen danck saget.
    Rosamunda, als sye yetzt von dem jüngling empfangen was, auff semliche form
anhub zu reden unnd sprach also: Edler jüngling, ir sond euch nit verwundren ab
meiner zukunft; dann ich zu euch als ein vertrawter bott geschickt bin von
Philomena, meiner allergnädigsten junckfrawen, die dann also gross mitleiden mit
euch hat, das ich euch das nun zumal nit erzalen mag. Damit aber ir ein waren
ernst an meiner junckfrawen spüren mögen, so hat sye mir befohlen, euch diss
kleinot zu bringen, in welchem ein sunder köstlicher stein verfasst ist, der euch
dann zu ewer kranckheit nit wenig nutzet unnd zu gesundteit fürdern mag.
Darumb, edler jüngling, so nemendt hin dise gab, welche euch aus sunder lieb
geschickt würdt!
    Gabriotto sampt seinem gesellen Reinhart dise sach ein seer frembd ding was.
Beide nit wenig freüd davon empfiengen, also das der jüngling Gabriotto alles
seines schmertzens yetzt ganz vergessen tet, mit auffgehabnem frölichem
angesicht zu der junckfrawen sprach: Wolgeborne züchtige junckfraw, der gnaden,
so mir heüt von meiner allergenädigsten junckfrawen beschicht, ich mich
nymmermer genugsam bedancken mag. Gott wolt aber, ich mich in ihrer gnaden
dienst nach allem irem willen fleissen möcht! Ich mich warlich in keinen weg
sparen wolt. Der allmechtig gott wöll sye vor allem leid und übel bewaren und
mir genad geben, ir nach irem gefallen zu dienen! Dann ich von disem tag an
sunderlich in iren dienst begeben will.
    Nach disen worten die junckfraw urlaub von dem jüngling nam, sich wider zu
Philomena füget, ir alle verlassne sachen zu wissen tet, des sye nit wenig
freüd empfieng. Von tag zu tag die liebe sich in inen beiden meret, desgleichen
auch die liebe Rosamunda gegen Reinhart wachsen tet, also das in kurtzer zeit
dise alle vier keins des andren halben keinen zweifel der liebe halben tragen
dorfft. Als nun Rosamunda die junckfraw von den zweien jungen gegangen was, sye
mancherhand zu red wurden, in grossen freüden die zeit vertriben. Gabriotto sich
yetz ganz frisch und gesund schlief, wiewol im noch nit ganz vergessen was der
schwer und hart fall, so er erlitten hat, im also ausswarten must, bis sich sein
sach mit hilff der artzet seins zerfallnen leibs halben zu gutem end schicket.
 
                                      11.
Wie die beide junckfrawen ein gespräch mit einander haben, und wie Rosamunda die
junckfraw Plilomena mit züchtigen worten straffet, doch zuletst sich freündtlich
                            mit einander vertragen.
Nun habt ir gnugsam verstanden, wie sich Philomena, die junckfraw, gegen irem
liebsten Gabriotto gehalten hat, dadurch er dann genugsamlich irer liebe bericht
worden ist. Solicher trost in so grösslich erfrewen tet, das er in kurtzer zeit
zu allen seinen verlornen krefften kummen und yetz wider gen hoff mit andren gon
ward. Alsbald nun Rosamunda des jünglings innen ward, sye sich schnell zu
Philomena der junckfrawen füget, also sprach: Frewendt euch, allerliebste
junckfraw! Dann heüt zu tag hat der edel jüngling Gabriotto den ymmbis mit
andrem hoffgesind zu hoff besessen. Des sond ir on zweifel sein; dann ich in
mit meinen augen personlich gesehen hab.
    Philomena, als sye solche wort vernam, anhub von freüden zu erbidmen, lang
auff ir selb stund, kein wort reden mocht, zulegt anhub und sprach: O du mein
allerliebste junckfraw Rosamunda, wie mag ich mich ymmermer gegen dir semlicher
trew und freündtschaft bedancken! Dann du mir zu aller zeit mein hertz mit
frölicher botschaft erfrewest. Darumb ich dir billich ein eerlich bottenbrodt
schuldig bin zu geben. Sollichs geredt sye ein schon halssbandt von irem Hals
nam, Rosamunda, der junckfrawen, umb iren Hals legen tet Nimm hin, sprach sye,
du mein getrewe rhatgeberin, dises halssband, und nit wöllest es verschmahen!
Dann du noch vil mer von mir warten sein solt. Die junckfraw Rosamunda die
eerlich schenck mit grossem danck annam, der junckfrawen Philomena damit
versprach, ir alle zeit mit geneigtem willen zu dienen.
    Under andren bede von dem jüngling Gabriotto zu red wurden. Philomena
sprach: Ach mein allerliebste junckfraw Rosamunda, wie mag doch ein semlichs
ymmermer beschehen, das mich der jüngling Gabriotto so gäntzlich mit seiner lieb
gefangen hat! Ich glaub nimmermer, das Tristrant die schöne Ysald also mit
grosser liebe umbgeben hab, dergleich er gegen ir in semlicher inbrünstiger lieb
entzündt gewesen sei, als sye das unglückselig trunck inen beden unwissendt
getruncken hatten. Ich glaub auch nit, das junckfraw Bianceffora gegen Florio,
des künig Pfelice son, grösser huld und liebe getragen hab, als ich dem edlen
jüngling tragen tun, wiewol Florio und Bianceffora mancherlei ellend, leiden
und trübsal umb irer liebe willen erlitten haben.
    Auff semliche wort Rosamunda antwort und sprach: Mein allerliebste
junckfraw, ich bitt, mir meiner red verzeihen wöllendt; dann ich ye nit gedulden
mag, ich muss dise zwo edlen liebhaberin mit höchstem fleiss versprechen, wiewol
ich ewer liebe keinswegs verwerffen will. Die liebe aber der züchtigen beden
liebhabenden menschen, nammlich Bianceffora und irs Florio, nit ausszusprechen
ist; das mögendt ir mir bekennen. Was widerwertigkeit hat doch ye gemügt ir
beder lieb aussdilcken! Hat nie die züchtig junckfraw von wegen irs liebsten
Florions vil und mancherlei anstöss erlitten, als ir der künig Pfelice, des
jünglings vatter, einen vergifften pfawen, den sein marschalck bereit hat,
befahl fürzutragen! Solichs der schönen junckfrawen verborgen was; der künig,
der von solcher verräterei wohl wusst, dergleichen tet, als ob er grosse freüd
darab nem. Als aber das gifft an dem pfawen befunden ward, die unschuldig
junckfraw mit grossem rumor zu dem küniglichen palast hinaussgetriben ward, in
einen finstern kercker verhütet, unlang darnach als ein schuldige des vergifften
pfawens zu dem feür verurteilt, mit grosser ungestüme von den schergen auff die
halssstatt gefürt ward, in grossen engsten nichts anders dann des grimmen todts
warten was; yedoch in solchem leid ires liebsten Florions nye vergassz, welcher
sye auch, wiewol er weder von seinem vatter noch seiner allerliebsten
junckfrawen erkant ward, auch also unerkannt wider hinweg reit, von dem todt mit
ritterlichem kampff erlösen tet. Was mocht ir aber semliche erlösung gehelffen,
dieweil sye unlang darnach von dem künig fälschlich verkaufft ward in
Alexandria, auff einem mechtigen turn lang zeit verspert sein must. Semlichs
aber den künig Pfelice gar seer rewen ward; dann sobald Florio, sein son, vernam
sein Bianceffora verkaufft sein, zuhandt vatter und mutter verlassen tet, und
einer eerlichen gesellschaft mancherlei inseln durchschiffet, sein liebste
Bianceffora mit grossem fleiss suchet, die er nach erlittnen schiffbruch und
ander vil gefar zuletst in Alexandria auff den turn finden tet, mit grosser
sorg seins lebens und mancherlei erdachten list sich zuletst in einem rosenkorb
under den schönen rosen verborgen zu ir auff den turn an einem seil ziehen
liess. Das unstet wanckelmütig Glück aber inen nit lang solcher freüd vergünnen
mocht. Dann er in kurtzer zeit hernach von dem herren des turns bei seiner
allerliebsten Bianceffora funden ward. Also bede nacket an einem seil ab dem
turn gelassen wurden, ein lange zeit allermencklich zum gespött alda hangen
mussten, darnach in ein gross feür gebunden. Dann im der herr des turns nichts
anders mit in fürgenummen hat, dann das sye also ellend bei einander verbrennen
müsten. Aber nit geschehen mocht von wegen eines köstlichen rings und steins, so
der jüngling an seinem finger hat, des krafft all flammen des feürs löschen
tet. Als nun der herr des turns semlichs ersehen, hat er sye beid
heraussgenummen unnd nach langem erfaren, das Florio sein naher freünd gewesen
ist, die zwei zuletst also zamen geben und grose freüd mit in gehabt. Nun sagend
mir, edle junckfraw, habt ihr ye dergleichen liebe ersehen, die also biss in den
todt bestanden? - Nit minder die schöne Ysald iren liebsten Tristrant von
hertzen geliebt hat. Dann als er von eim vergifftem schoss verwundt und allein
seiner allerliebsten Ysalden hillf unnd artznei begeret, so gross verlangen nach
ir hat, das er zuletst vor grossem leid on alle hilff sternem tet. Da aber
seiner liebsten Ysalden kundt getan  ward, sye zuhandt zu seinem todten leichmam
kam, also mit grossem weinen unnd klagen irem allerliebsten nachfolget. Darumb,
junckfraw Philomena, ich nimmer glauben mag, ewer lieb der iren geleichen, ir
hetten sye dann auch durch semliche weg versuchet und probiert.
    Mit disen worten die junckfraw Rosamunda ir red endet. Als nun Philomena die
junckfraw solche wort verstanden, hub sye an und sprach: O junckfraw Rosamunda,
ich bitt, wöllest mich solcher wort erlassen und mir mein liebe, so ich meinem
liebschen jüngling trag, nit minder schetzen dann dise, so du mir nach der leng
erzalt hast. Dann warlich solt du mir glauben, ich von wegen meines lieben
jünglings nit minder dann dise leiden wolt unnd mich auch keinswegs sperren, in
den tod mit im zu gon. Du solt auch sicher sein, so im sein kranckheit, so er
newlich erlitten hat, zu dem todt gereicht hett, du mich nit einen tag nach im
hettest bei leben mögen behalten. Gott wolt, sein hertz, und gemüt nach mir
stünd, als das mein sich nach im senet und kräncket! Mich solt kein freüd noch
leid nymmer von ihm entziehen, gleich so und als Bianceffora an ihrem liebsten
Florio standtaft bliben ist.
    Rosamunda sprach: Junckfraw, wo ihm also ist, wie ihr gesagt hand, ich euch
nit minder dann dise obgedachten in ewig lieb schätzen tu. Doch wer mein raht,
ir euch die lieb nit so ganz beherschen liessen; dann wo ir flamm mit gewalt
auffgat, ihm gar kümmerlich widerstanden werden mag.
    O mein liebe Rosamunda, sprach die junckfraw Philomena, ich bitt dich,
wöllest dich solicher wort nit mer gegen mich gebrauchen. Dann so oft du mir
der ding gedenckest, du mir ein scharpff schneidend schwerdt in mein hertz
stossest. So unmüglich ist das wasser gegen berg auffzurichten, so unmüglich ist
mir meinen liebsten jüngling zu erleiden.
    Die junckfraw Rosamunda, als sye marckt die ding vergeben sein, liess sye von
solchen worten unnd gedacht ir der keinswegs mer und sprach: Allerliebste
junckfraw, ich bitt, mir solicher red verziehen wöllend. So versprich ich euch
bei meiner trewe, euch semlicher wort nymmer zu gedencken, sunder allzeit nach
ewerem willen zu leben.
    Des Philomena wohl zufriden was, ir auch alles, so sich verloffen hat,
verziehen und vergeben tet. Nach dem mancherlei von dem jüngling unnd Reinhart,
seinem gesellen, zu red wurden, so lang das Philomena an ir verston tet, das
die junckfraw Rosamunda auch in liebe gegen dem jüngling Reinhart entzündt was,
wiewol sye nit dergleichen tet, alls wann sye solcher ding bericht wer, so lang
biss ihr Rosamunda selbs eröffnen tet, wie ihr nachgonds hören werden.
 
                                      12.
 Wie Philomena aber mit ir selbs ein gspräch haltet, eins teils in eifer gegen
                             Rosamunda fallen tet.
Nach disen dingen die liebe Rosamunda gegen dem jüngling Reinhart grösslich
zunam, wiewol sye gegen nyemandts dergleichen tet, so lang biss sich zuletst
begab, das sye es nit mer verbergen mocht. Nit minder die junckfraw Philomena
manchen seltzamen gedancken trug, ir zum offtern mal fürnam, dem jüngling ir
liebe selbs zu öffnen, wo sye nit grosse scham davon entzogen hette.
    Als sye nun von Rosamunda, der junckfrawen, sich einig und verlassen sah,
fieng sye mit ir selb an auff semlich Meinung zu reden: Philomena, was
gedenckest du, das du also mit einbrünstiger liebe gegen einem jüngling dich
einlassest unnd doch nit wissen magst, ob du von im lieb gehalten seist oder
nit! Warumb sag ich, mich nit wissen von dem jüngling lieb gehabt werden! Hab
ich sein nit genugsam gezeügnüs von meiner junckfrawen Rosamunda! Was gewisse
gezeügnüss hab ich dann von ir empfangen? Das sye sprach, der jüngling sich von
stund an in seinem angesicht entferbt het, welches angesicht, zuvor mer todt
dann lebendig erschinnen, was yetzundt als mit bleicher und roter farb sich
erzeigen. Wie soll aber semlichs verstanden werden? Vielleicht ist die verkerung
beschehen von übrigem zorn oder von grosser scham; oder aber würt Rosamunda mer
von im geliebt dann ich. Das mag aber auch nit aus semlicher ursach beschehen
sein; dann zorn einem krancken menschen vorab kein fröliche farb in seinem
angesicht geberen tut sunder ein bleiche tödtliche farb mit züsamen gebissenem
mund, mit wider und für sprintzenden augen und zitterem leib. So bin ich des
auch gewissz, das er kein semliche liebe zu Rosamunda als zu mir tragen tut.
Sunst er sich der halben wort nit dörffen gebrauchen, vilmer würd er gesagt
haben: Junckfraw Rosamunda, sagendt Philomena, das sye ir liebe selbs behalt,
und gebendt ir mir die ewer dafür! Dessgleich wo in scham darzu geursacht, het er
ganz sich solicher freündtlichen wort nit mögen gebrauchen, wie mir dann
Philomena bekannt und gesagt hat. Darumb ich dann seiner liebe ganz sicher unnd
gewissz bin. Nun warumb gib ich im das nit gründtlich zu verstohn, damit er
meiner liebe auch ungezweiffelt sei? Wamit soll ich ihm aber das zu wissen tun?
Wie mag es mit fugen beschehen? Gaht mir denn ab an dinnten, federn und papyr?
Das wer aber ein seer unverschamptes ding einer junckfrawen, das sye ir liebe
einem ritter so aus freflem mut zu wissen tet. Wie soll ich im dann mein lieb
entdecken? Das soll beschehen durch fügliche weg, darin kein unzucht gespürt
werden mag, als wie also das ich mich zu zeiten frölich gegen dem jüngling
erzeigen tu, etwann ein frölichen blick zuschiessen lassen, bei weilen auch mit
hertzlichen seüfftzen gegen im gebar. Das alles im ein gnugsame anzeigung meiner
liebe gegen würt, so er anderst, als mir nit zweiffelt, ein rechter liebhaber
ist.
    Mit solchen seltzamen gedancken Philomena, die junckfraw, manche nacht
ongeschlaffen vertreiben tet, so lang biss sie ganz ungezweiffelt wust, das sye
der jüngling in gleichem fal lieb hat.
 
                                      13.
Wie Philomena und Rosamunda zu iren allerliebsten jünglingen mit schönen blümlin
     und fatzanetlin wurffen, als die zwen jüngling auff dem lustplatz mit
 steinstossen und ander kurtzweil sich übten, dabei sye erst ir lieb gegen inen
                                tragen erkannten.
Nun handt ir gehört, wie Philomena die junckfraw vil und mancherlei gedancken
nach dem jüngling Gabriotto hat. Dessgleichen der jüngling nit mit minder
schmertzen der junckfrawen halb beladen was, ihm auch täglichen nachsinnet, wie
er sich in der junckfrawen dienst schicken, damit er ir huld nach seinem begeren
erwerben möcht. Dann im noch nit gar kundt was, mit was liebe Philomena gen im
entzündt was, wiewol er sein zum teil von der junckfrawen Rosamunda bericht
was, nam im damit für, wie das er selb mit fleiss auff der junckfrawen sitten
unnd geberdt acht haben wolt, als er auch tet, wie ihr nachgandts hören werdt.
    Nit lang vergieng, der jüngling von all seiner kranckheit genass, wider zu
seinen vermüglichen krefften kam. Demnach sich nit lang saumet, sich wider mit
aller kurtzweil auff dem lustplatz dumlen tet, namlich mit dem ballen,
springen, den stein stossen etc. Des selben junckfraw Rosamunda bald wargenummen
hat, zu stund irer junckfrawen Philomena das zu wissen tet. Die dann seer
grosse freüd davon empfieng, sich sampt Rosamunda in ir gemach füget, in welchem
sye nach allem irem willen auff den obgemelten platz sehen mocht. Des dann der
jüngling sunderlichen warnam, sich vil mer dann vor an das ort füget sampt
Reinharten, seinem liebsten und vertrewten gesellen, welcher zum teil von allem
handel wissen trug.
    Nach dem unlang sichs an einem tag begab, das die beiden jüngling allein
auff dem lustplatz ihr kurtzweil übten, in dem Philomena mit irer liebsten
freündin auch an ihr gewonlich ort kummen waren. Als sye nun nyemandts dann die
zwen jüngling sehen tetten, sye mit ettlichen wohl schmackenden blümlin auff
guldin schnier gebunden zu ihnen hinab wurffen, under andrem aber die junckfraw
Philomena mit einem schönem unnd wohl gemachen fatzanetlin den jüngling
Gabriotten auff sein achsell warff, als er underhalb dem fenster die
hinabgeworffnen blumen auffgehaben hat.
    Ein solchs im ein gnugsame anzeigung der junckfrawen liebe geben tet; im
fürnam, der junckfrawen on allen verzug zu schreiben unnd ihr sein hertz zu
öffnen, wiewol er nit gedencken mocht, durch was mittel ers zuwegen bringen
möcht. Als nin Gabriotto sampt seinem gesellen den ganz yetz ganz wohl gelernet
hatten, auch fürtin keins andren dings mer dann der zweier junckfrawen zu red
wurden, die junckfraw Rosamunda kundt auch ir liebe keinswegs mer vor Philomena
verbergen; dann sye irs an allen weisen und geberden ansah. Des dann Philomena
wohl zu mut was, vermeint, sye irer liebe dest bass ein genügen tun möcht, als
auch geschach, wie ir nachgandts wohl bericht werden solt.
 
                                      14.
  Wie die beiden jüngling mancherlei gespräch von wegen der liebe mit einander
       hatten, und wie Reinhart seinen gesellen vor solcher liebe warnet.
Der jüngling Gabriotto sich nun gäntzlich beduncken liess, er wer yetz ganz
sicher unnd ungezweiffelt der liebe an Philomena; deshalben er im entlich
fürnam, der junckfrawen zu schreiben. Er gedacht auch an die trew und liebe
seines allerliebsten bruders und gesellen Reinharts und setzt im für, seines
rahts darin zu pflegen. Mit solchen gedancken beladen er sich schnell zu im
füget.
    Reinhart seines gesellen grosse freüd nam, in zuhandt füget, wie all sein
sachen stünden. Des im Gabriotto mit kurtzen worten zu verston gab, demnach
anhub und sprach: Mein allerliebster bruder und freünd, mir ist noch nit
vergessen der trew und liebe, so ich all mein tag von jugendt auff an dir
befunden hab; namlich als du mich und meinen vatter wegfertig vernamest, du dich
freiwillig deines vatterlandts begeben tetest und mit uns her in Engelandt
bekamest; nachgons, als ich den unglückseligen ritt meinem falcken nach tet,
ich warlich dazumal aller hilff halben verdorben wer, wo du allein nit gewesen
werest. Dieweil ich nun bisher und allweg nichts anderst dann brüderliche trew
an dir befunden hab mag ich dir ye mein yetzigen anschlag nit verhalten und will
auch hierinn deines getrewen rahts pflegen. Du solt wissen, mein lieber
Reinhart, das mich mein gnädige junckfraw Philomena mit irer liebe so ganz
gefangen hat, das mir nit müglich ist lenger zu harren, ich muss ir semlich meine
lieb öffnen. Nun kann ich in mir selb nit befinden, in welcherlei weiss ich das
nach dem allerfüglichsten zuwegen bringen möcht, damit die sach still und
heimlich beleiben möcht. Darumb ist mein fleissig bitt und beger an dich,
wöllest mir hierinn deinen getrewen raht geben und mir ein füglichen weg
anzeigen. Dann ich sunder zweifel weiss, das mir Philomena ir liebe nit versagen
würt.
    Da Reinhart seinen gesellen also reden hort, was grosser schrecken im davon
enstund, nit zu schreiben ist. Dann er die liebe seines gesellen uff das
tieffest erwegen tet, dargegen das herkummen der junckfrawen Philomena, das sye
von küniglichem stammen geboren was und aber Gabriotto, sein gesell, ir an
geburt nit geleichen möcht. Anfieng mit seinem gesellen uff soliche Meinung zu
reden: Gabriotto, mein liebster freünd, mich hat vor langem sorg und angst
deinentalben begeben; wann ich vor langer zeit die yetzigen ding besorgt hab,
als dir Rosamunda die junckfraw in deiner kranckheit die reiche schenck von
Philomena bracht, und noch vil mer, als mir nechst vergangnen tagen den ballen
schlugen, da sye also mit einem reichen düchlin nach dir werffen tet. Das alles
mir sorg und schmertzen deinetalben geschaffen hat. Du hast den verstand
dermassen wohl, das du erwegen magst dein und der junckfrawen herkummen. Was
grosser sorg meinst du dir daraus erfolgen würd, so sein mein allergnädigster
herr unnd künig innen wüd? Fürwar dein leib darob zu grundt gon muss, das mir
warlich nit wenig schmertzen bringen würd; ja ich vil lieber den todt leiden
wolt, dann dir etwas leid sehen zuhanden gon. Sag mir doch, mein Gabriotto, was
du doch ymmermer für ein aussflucht haben, so semlichs der künig von dir gewar
würde? Ich bitt dich, mein allerliebster Gabriotto, wöllest bedencken die alten
historyen unnd erwegen, was doch ye für freüd von solcher liebe entsprungen sei.
Bedenckest du nit den trawrigen aussgang der beder liebhabenden menschen, als
dann was Tisbe und Pyramus? Wie lang vergundt inen doch das unstandtaftig
gelück, ir liebe zu gebrauchen? Fürwar eine kleine zeit; dann als sye yetzund
der hoffnung waren, sich mit einander zu ergetzen, wurden sye beide mit
unzeitigem todt irer hoffnung entraubet. Was hat Jason umb sein leben bracht?
Allein das er sich der liebe underzogen hat. Und ob schon die sorg des lebens
hie nit bedacht würdt, solt im doch einer ein warnung lassen sein das unstet und
wanckelbar gemüt der weiber und bedencken, wie so mancher trewer mann so
listiglich von ihn verfürt unnd betrogen würt, deren ich dir manchen aus alten
historyen anzeigen wolt. Dann sobald sich ein mann der liebe underwürfflich
machet, ist er sein selb nimmer gewaltig; er verleirt zumal stercke unnd
weissheit, ja kein gottsforcht mer in im bleiben tut. Wer hat Samson seiner
sterck, Salomon seiner weissheit, David seiner gottsforcht mer beraubt dann
weiber? Wo hat Hercules seine waffen mer von im getan  und weibliche kleider
sampt der weiblichen werck sich underzogen, dann da in ein weib darzu gerejetzt
und geursacht hat! Ja sye machend nit allein den man zu eim weib, sunder zu
unvernünftigen tieren, wie du, als mich duncket, mir erwann in Franckreich ein
fabell von der Circes gesagt hast. Wer die liebe Achillis gegen der Polixena nit
also gross gewesen, wer nit also verräterlich in dem tempel erschlagen worden
sich sprich auch, het sich Paris der liebe Helene entziehen künden, die mechtig
statt Troja wer nit in semlich zerstörung kummen. Was sag ich aber von den
alten! Du sichst doch yetzundt bei unsern zeiten nit wenig angst und nodt daraus
erfolgen. Sag mir doch, mein Gabriotto, hastu mer von einer semlichen
verborgenen liebe gehort als von der tochter Tancrede, Sigissmunda genant? Wiewol
sye ir liebe also heimlich sunder allen argwon brauchten, noch kam es zuletst
darzu, das es dem vatter kundt ward, der dann so bald verschuff, den jüngling
Gwissgardum in still zu fahen, und nach langem klagen gegen der tochter befahl,
den edlen jüngling zu erwürgen, im sein hertz aussschneiden, welchs er seiner
tochter in einem guldenen kopff zuschicket, ir damit zu wissen tet, das hertz
Gwisszgardi darin wer. Des sye mit frölichem angesicht empfieng, nach dem so
kläglich darob anhüb zu weinen und klagen, das sich die umbstender des seer
verwundern teten; dann inen allen semlichs verborgen was. Aber nach langer red,
so sye mit dem vatter hat, sye ir ein vergifftes tranck, vor und ee zubereit, zu
iren handen nam, das unerschrockenlich usstranek, also mit grossem schmertzen
iren geist auffgeben tet. So ist dir auch die kurtze freüd on zweifel nit
verborgen, so die zwei liebhabenden menschen zu Senis, namlich Eurialus und
Lucrecia, gehabt hand. Deren geschichten ich dir noch mancherlei erzalen wolt,
wo ich dich nit besorgt verdriesslich damit zu machen. Damit aber du nit in
solche gfar gesetzet werdest, ich bitt, da wöllest dich von semlicher liebe
entziehen. Dann on zweifel nit minder sorg darauff zu haben ist, dann disen von
nöten gewesen wer, so ich dir nach der leng erzalt hab.
    Mit solchen worten Reinhardt seiner red ein end gab. Der jüngling seinem
gesellen auff sein red ein gute zeit nit antwort geben wolt, zuletst anfieng und
sprach: Ach gott, Reinhart, mag ich kein andren raht dann einen solichen von dir
gehaben, so rewt mich, das ich mich ye gegen dir meiner liebe halb hab lassen
mercken; dann ich mich des nymmermer zu dir versehen het. Ich sag dir aber, das
soliche warnung gar nichts an mir verfahen mag. Dann als wenig sich die, so du
mir erzalt hast, irer liebe hand mögen entziehen, als wenig mir auch solchs
müglich sein würt, so lang biss ich meinem begeren ein genügen tu. Dann mein
liebe also gefundiert ist, das sye weder der todt noch ander übel scheiden würt.
Ich wolt mich fürwar selig schetzen, so ich wisst, mir von wegen der
allerschönsten junckfrawen der todt zuston solt. Darumb, mein allerliebster
Reinhart, dieweil du mir doch deinen getrewen raht nit mitteilen wilt, so
wöllest mich doch nit understohn von semlicher meiner liebe abzuwenden.
 
                                      15.
   Wie Reinhart seinem gesellen einen weg anzeigt, dadurch er seiner liebsten
                  junckfrawen sein lieb zu wissen tun möchte.
Reinhart die antwort seines gesellen mit allem fleiss vernummen hat, in im selb
gedacht: Allmechtiger gott, mag ich dann ye mit meinem rhat gegen meinem gsellen
nichts anders verfahen, dann das ich sorgen muss, mir uss einem fründ einen feind
zu geberen, wolhin so will ich mich doch fleissen und im ye nach meinem vermögen
ein weg anzeigen, durch den er sein sach auff das verborgenlichest zuwegen
bringen mög.
    Anhub und sprach: Dieweil ye, Gabriotto, du dein sach also gesetzt hast unnd
ich [mich] gen dir umbsunst arbeiten sih, so bitt ich dich doch, du meinen
worten noch einmal zuhören wöllest. Ich sprich, wo Philomena, die junckfraw, dir
an geburt gleich wer, ich mich keins wegs darwider gelent haben, dieweil aber
sye eines künigs tochter unnd aber du nit also hoher geburt bist, muss man
warlich die sach mit grosen sorgen underston. Du solt wissen, wo mich nit solich
ursach davon entziehen tet, ich hett mir warlich auch ein junckfraw mir zu
einem bulen ausserwölt. So ich aber bedenck mich ir nit gemess sein, entzich ich
mich des, so fast ich ymmer mag, wiewol mirs auch hart anligt. Du solt auch
wissen, das ich nit minder hoffnung hab, ich sei von ir lieb gehabt, als du von
deiner Philomena. Ich gedenck aber auch herwiderumb, sye möcht mich also
verwenen unnd mich zilleicht understohn an das seil, da nit wenig narren
angebunden seind, verknipffen; dann sye möcht villeicht ein andren lieber han,
und müst ich allein ein verwenter liebhaber sein. Ist dir nit ingedenck die
handlung unsers gsellen Bruno, der, nit lang ist, sich mit einer burgerin diser
statt vertädigt und vermeint, er allein von ir lieb gehalten wer, liess sich gegen
ir in allem dienst willig finden. Da was kein sparens nit, so lang er zuletst
den, so sye im zu allerzeit verschworen, allein bei ir in irem gemach fand. Da
was erst zeit nachzulassen und denen zu glauben, so vor langem davon gesagt
hatten. Dise und ander ursachen mich warlich zum dickern mal davon entziehen.
Damit du aber nit meinst, ich mich ganz wider dich setzen wöll, so will ich
dir hie einen füglichen unnd heimlichen weg anzeigen, in welchem du die sach am
basten zu wegen bringen magst; und das muss aber also, zugohn. Dir ist
unverborgen, das die junckfraw Philomena zum offtern mal, so wir den ballen
schlagen, in ihrem palast oben an dem fenster ligt unnd die junckfraw Rosamunda
gewonlich bei ir, die mir dann auch nit wenig lieben tut. Nun sichstu, das wir
oft allein an das ort bekummen unnd sunst nyemandts dann wir vier zugegen
seind. So lug und mach dir ein ballen, den andren unsern ballen geleich; darein
verneg einen brieff; was dir dann angelegen ist, magst du den junckfrawen darin
zu wissen tun. So du dann uns allein umb die weg sichst, magst du ihr wohl den
ballen zuschlagen und ir zusprechen, das sye ihn zerschneiden soll. Das bedunckt
mich der sicherest weg sein, so ymmer erdacht werden möcht.
    Gabriotto der raht seines gesellen nit wenig trost gab: im auch entlich
gedacht nachzukummen, sich zuhandt sampt seinem gesellen in sein gemach füget,
sich nidersetzten. Reinhart einen ballen nam, die an einem ort uffschneid.
Gabriotto anfieng einen brieff zu schreiben auff soliche Meinung lautendt:
    Mit was gedürstigkeit, allergnädigste junckfraw, ich mich understand euch,
meiner allerliebsten junckfrawen, zu schreiben, ir nit wunder haben solt. Dann
mich das band der liebe gegen euch dermassen gebunden und gefangen hat, das mir
nit möglich ist euch das lenger zu verhalten, wiewol ich mich nit wirdig schetz,
von einer so hochgebornen junckfrawen liebgehabt werden; dann ich euch an geburt
und schöne nymmer geleichen mag, dieweil ir von küniglichem stammen und ich nur
von einem schlechten edelman geboren bin. Koch dannocht hoff ich, ihr mein
hertzlichs liebhaben nit verschmahen unnd mich für eweren armen diener
auffnemen. Gott wolt, müglich wer, das ir mein liebe recht erkannten! Hiemit
sind gott in sein hut befohlen.
    Der jüngling Gabriotto den brieff nam, er vernegt in wohl in den ballen, so
sein gsell Reinhart auffgeschnitten hat. Nach dem sye mancherlei mit einander zu
red wurdent, der jüngling seinem gsellen Gabriotto anfing zu bekennen die liebe,
so er Rosamunda, der junckfrawen, tragen tet. Des im Gabriotto einen guten mut
nam, anhub und sprach: Ach mein lieber Reinhart, wie mochtest du doch in deinem
in hertzen gedencken, mich von solicher meiner fürgenummener liebe zu wenden,
dieweil du dich doch selbst mit solchen banden weist behaft sein! Nun sag mir
umb aller freundschaft willen, ob du anderst meintest dir etwas widerswertigs
davon zu kummen.
    Reinhart anhüb und sprach: Gabriotto, ich bekenn mich dir einen freffel
begangen haben, dieweil ich [dich], wie du sprichst, meint  davon abzuwenden,
davon ich mich doch keinswegs entziehen mag. Dann du solt wissen, ich mir zum
offtern mal fürgenommen hab, weg und steg zu vermeiden, da ich meint Rosamunda
zu finden. So sich dann von ungeschicht begab, da ich irer schöne ingedenck
ward, iren züchtigen wandel befrachtet, wie mocht ich dann mein fürnemmen
erstatten! Ja! keinswegs, sunder ich mich mit fleiss fugen tet, da mir die
junckfraw zu sehen werden mocht. Sobald ich iren dann ymmer vorsichtig ward, so
meint ich nit mir grösser freüd zugestanden sein möcht. Derhalb ich mich auch
dest offter mit fleiss auff dem schönen lustplatz hab lassen finden; dann ich
gewissz die junckfraw an Philomena fenster finden tet, wie du dann selbs zum
dickern mal gesehen hast, so uns die junckfrawen mit kräntzen und
wolschmackenden blümlin zuwurffen.
    Ich bekenns, sprach Gabriotto, und frew mich auch des aus ganzen hertzen,
das du auch in dem netz gefangen bist, in dem ich yetz lang zeit gelegen bin.
Mit solchen worten die zwen ir zeit vertriben.
 
                                      16.
 Wie Gabriotto seiner liebsten Philomena ein brieff schreibt, welchen er ir in
       einem ballen zuwarff, den sye mit grossen freüden einpfahen tet.
In kurtzer zeit hernach begab sich eins tags, das Reinhart und Gabriotto allein
auff dem schönen lustplatz zusamen kummen waren und nyemands dann sye allein den
ballen mit einander schlugen. Sich nit lang verzog, Philomena mit Rosamunda an
das gewonlich fenster kamen, dem ballenschlagen zuzusehen. Als sye aber
nyemandts dann der zweier jüngling gewar wurden, aber nach irer alten gewonheit
anhuben mit schönen kräntzen nach inen zu werffen. Gabriotto des werffens bald
wargenummen hat, seinen krantz zuhanden nam, mit züchtigen geberden sich gegen
Philomena danckbar beweisen tet; seinen gemachten ballen zuhanden nam, den ein
mal oder drei hoch in den lufft schlagen ward, demnach zu der junckfrawen
Philomena fenster hineinschlug, zu der junckfrawen sprach: Allergnädigste
junckfraw, nemmendt hin den ballen und lond in umb kein ding unzerschnitten!
    Die junckfraw, welche mit sundrem fleiss des jünglings red warnam, wohl
verstohn kundt, die sach nit umbsunst geschehen wer, den ballen mit grossen
freüden auffhub, in freündtlich an ir brüstlin trucket, demnach in auffschneiden
tet, des brieffs, so darin was, bald warnam, in zu handt aufftet, den in
gegenwertigkeit irer vertrewten junckfrawen lesen tet, mit grossen freüden zu
Rosamunda sprach: Nun sichst du mein allerliebste Rosamunda, das mein liebe
gegen meinem allerliebsten Gabriotto nit umbsunst gewesen ist. Darumb frew dich
mit mir, mein liebe freündin!
    Ach gott, sprach Rosamunda, wie mag ich ein gleiche freüd mit euch haben,
dieweil ich nit wissen mag, ob mich Reinhart auch lieb haben will oder nit, oder
ob er mich villeicht zu einer liebhaberin zu gering achtet. - Biss getröst,
sprach Philomena, dann du in kürtze aller sorgen entladen würst. Ich sich, das
dich Reinhart ob allen andren liebt; und so du auff seine geberdt acht bettest,
du müste mir solchs selbs bekennen. Dann fürwar ich sein acht genummen hab, wo
es im als güt werden mag, er dich von ganzem hertzen anblicken tut und doch so
ganz züchtiglichen, das nit müglich ist im ein solchs abzumercken.
    Von disen worten Rosamunda nit wenig trost empfahen tet, das ir die
junckfraw also zugesagt hat, sich deshalb mit der junckfrawen Philomena grösslich
erfrewen tet. Als nun Philomena den brieff nach irem willen gelesen, sye sich
zuhandt nidersetzt, dem jüngling ein anderen brieff auff solche Meinung
schreiben tet:
    Mein hertzliche liebe, edler jüngling, füg ich dir zu wissen. Was grosser
freüden mir dein schreiben bracht hat, ich dir nimmermer erzalen mag. Fürwar
mich hertzlich erfrewen tut, so ich vernummen hab, dich also grosse liebe zu
mir tragen. Das du aber meinst dich nicht würdig sein mich lieb zu haben, solt
du in keinen weg gedencken. Dann dein züchtiger wandel, edels gemüt meiner liebe
wohl würdig ist, ich geschweig deiner schöne, welche den Hector von Troy weit
übertreffen tut, dergleich den Absalon mit seiner schöne übertriffet, ja sye
mer den englen dann menschen sich vergleichet. Darumb, mein allerliebster
Gabriotto, schlag zuruck alle solche gedancken und glaub meinen worten! Fürwar
mich nye mer freüd umfahen tet, dann da ich deines brieffs zum ersten mal
ansichtig ward. Doch klag ich, das du nit wissen magst, wie lieb ich dich hab;
ich aber hoff, du in kurtzer zeit ein solchs von mir erfaren solt, so uns
anderst das gelück nit mit widerwertigem fal begegnen tut. Edler jüngling, ich
bitt dich, so du mich anderst lieb hast, du wöllest mir zu wissen tun, ob doch
Rosamunda auch von deinem gsellen Reinharten gehuldet werd. Wo dem also wer, so
sag ich, das wir unser lieb on alle sorg zu end bringen wollten. Hiemit ich dich,
edler jüngling, gott dem herren in seinen schirm befehlen will.
    Als nun die junckfraw Philomena den brieff geschrieben: hat unnd den auff
das geschmeidigst zusamen gelegt hat, sye in mit fleiss wider in die ballen
vernegen tet, sich zuhandt wider an das fenster füget. Des der jüngling
Gabriotto bald ersehen hat, sich nit lang saumet, zu dem fenster kam, ob er doch
etwas von Philomena vernemmen möcht. Die junckfraw im den ballen wider
hinabwarff, also sprach: Nimm hin, jüngling, den ballen, unnd wie du mir
befahlst, also tu ihm.
    Der jüngling Gabriotto ein klein von solcher red erschrack; dann er
vermeint, die junckfraw den ballen nit auffgeton hette; sich also schamrot von
dannen machet an ein heimlich: end, da sein nyemandts acht nam, den ballen
auffschneid. Als er den brieff ersehen tet, von ganzem hertzen erschrecken
tet: dann in geducht, solichs sein brieff wer; in willen aus zu zerreissen. Als
er in yetz schon fasset, befand er das papyr dicker sein, dann seins gewesen
was: in zuhandt uffschloss, der junckfrawen geschrifft erkennen tet. Allererst
ward sein hertz mit lausentfaltigen freüden umbgeben; den brieff zum offtern mal
lesen tet, in auch als oft zu tausent malen kusset. Sieh wider zu Reinharten,
seinem gsellen, füget, der ihn so bald nit ersehen hat, an seiner gestalt
vermarckt, im ein frölich Botschaft (check capitalization) worden wer. Gabriotto im alle sach zu
verston gab und namlich den letsten inhalt seines brieffs. Des im Reinhart auch
sunder freüd nam, dann wohl gedacht, ein solich nit on ursach beschehen sein, als
es dann was. Dann ihm der jüngling Reinhart wohl gedacht, das Rosamunda die
junckfraw Philomena darzu bewegt bet. Darumb er sich dann eilend mit Gabriotto
berahtschlagen tet, mit was fugen er der junckfrawen ein semlichs zu verston
geben wolt, damit er von nyemandts gegen ir verdacht werden möcht.
 
                                      17.
    Wie Philomena dem hoffgesind ein kleinot ussgab, mit dem ballen darumb zu
                                   schlagen.
Eines tags sich begab, das die junckfraw Philomena mit irem frawenzimmer für die
statt auff einen schönen anger spacieren giengen und mit iren vil des künigs
hoffgesind, unter denen was auch Reinhart unnd Gabriotto. Als sye nun an das
lustig ort kummen waren, die junckfraw Philomena, welche allzeit ein wolgefallen
an irem allerliebsten jüngling nemen tet, - damit sye in aber mer dann die
andren preisen möcht, gedacht sye ir, den jungen edlen ein gab ausszugeben, mit
den ballen die zu gewinnen. Dann sye wusst Gabriotto also geschickt und behend
mit sein, das im nyemandts an dem hoff geleichen mocht. Das, so die junckfraw
aussgab, was ein reiche schnur, mit goldt und perlin meisterlich geschmuckt, also
das sye ein graff mit ehren wohl bet mögen tragen. Philomena schuff die zu
hencken an ein schöne grüne linden, da sye ihr dann iren sitz sampt iren
junckfrawen ausserkoren hat. Die jungen edlen, welcher an der zal bei dreissig
was, sich allzumal nach irem besten vermögen darzu schickten: dann ein yeglicher
die gab understund zu erlangen. Da sah man manchen behenden jüngling dem ballen
entgegenspringen, gleich als wann er gellogen wer, und dann den ballen mit
seiner band von im weisen so behendt, das man im nit bald genug hett mögen
zusehen. Wie vil aber deren waren, noch ward keiner under in, so dem jüngling
Gabriotto mit behendigkeit, weiss und geberden geleichen mocht. Des Philomena ir
sunder grosse freüd nam, dieweil sye menigklich frawen und junckfrawen dem
jüngling den preiss geben hort.
    Reinhart sich auch nach allem seinem vermögen brauchet unnd zu aller zeit
der junckfrawen Rosamunda warnam, die im nit minder eüglin zu tausent malen
schiessen liess; den jüngling in solch gedancken setzt, das er sein selbs
gäntzlich vergessen tet und, als im einer seiner gesellen den ballen zuschlug,
er in solchen gedancken im den ballen meint wider zuschlagen, in aber gegen
Rosamunda schlagen tet. Des er von hertzen seer erschrack, auch von allen
andren seinen gesellen grösslich verlacht ward: ihn damit bewegten, das er sich
denselben tag des ballens nit mer underziehen wolt. Also schamrot zu Rosamunda
sich füget, sye mit züchtigen worten freündtlich bitten ward. Die junckfraw, die
yetzund sampt Philomena ein klein von der linden unnd den andren junckfrawen
gangen waren, Reinharten mit mancherlei schimpffworten umbtriben, der in zu
aller zeit zuchtiglichen antworten kundt.
    Zuletst Philomena anhub und sprach: Fürwar, Reinhart, ir mir auff dissmal nit
mer schuldig seind. Dann ir euch mit ewerem missschlagen ein ursach genummen
haben, mit Rosamunda zu reden, welchs euch, als mich bedunckt, mer freüd geberen
tut, dann der ballen. Der jüngling Reinhart sich von wegen der wort Philomena
seer schamen ward, zuchtiglichen anhub und sprach: Ach allergnädigste junckfraw,
es ist nit on; mir ein semlichs grosse freüd bringen tut. Wiewol ich wohl
dencken mag, alles umbsunst sein, noch muss ich bekennen, mir grösser freüd nit
bekummen möcht, dann so ich wisst ein diener sein einer semlichen wolgebornen
züchtigen schönen junckfrawen, als dann mein gnädige junckfraw Rosamunda ist.
    Philomena sprach: Reinhart, so ich wissen möcht, dir semlicher wort ernst
sein, und das du nit deinen spott mit uns treiben tetest, ich dir warlichen
etwas zu wissen tut wolt, davon dir grosse freüd bekummen möcht. Der jüngling
anhub unnd sprach: Ach gnädige junckfraw, des sond ir sunder zweifel an mir
sein. Dann ich mich des nimmer gegen euch underston dörfft, als ir mir
vertrewen, ja das ich mich spottwort gegen euch oder der junckfrawen Rosamunda
gebrauchen solt; dann ich michs gegen einer mindern nye unterstanden hab. Ich
sprich wie vor, mir grösser freüd nymmer zuston möcht, dann so ich wisst einer
solchen schönen junckfrawen zu dienen, also das ir meine dienst angenem weren.
Sagend mir doch, ob sich ein jüngling auch seliger schctzen möcht, dann in einem
solichen stand, wie ich euch angezeigt hab!
    Philomena also sprach: Nun wolan, Reinhart, so biss du des sunder zweifel,
das dich junckfraw Rosamunda vor lang von ganzem gehuldet hat; darumb du dich
sein billich erfrewen magst. Die junckfraw Rosamunda zugegen stund, allen worten
von Philomena der junckfrawen geredt zuhort; derhalb sie sich in irem angesicht
entferbet, das sye ein klein rosslechter ward, das dann ir ein sunder zier gab.
    Reinhart sprach zu der junckfrawen Rosamunda: Wolgeborne junckfraw, dieweil
ir mich dann zu einem diener nit verschmahen wend, demnach Philomena mit mir
geredt hat, so bitt ich euch mit höchstem fleiss, ir wöllend mich in keinem
dienst nymmer sparen und mir zu aller zeit gebieten, euch zu dienen. In allem,
so ewer gefallen ymmer sein mag, ich mich nymmer in keinen weg sparen will.
    Die junckfraw Rosamunda dem jüngling seiner red mit grossen freüden zugehört
hat, anhub und sprach: Edler jüngling, ewer trostlich zusagen mich von ganzem
hertzen erfrewet; und wiewol ich mir fürgenummen hat, euch semlichs zu verbergen
und mein liebe, so ich euch lang zeit getragen hab, nit zu öffnen, so mag ichs
doch nymmer geleügnen, dieweil euch Philomena deren zum teil bericht hat. So
wissen, das ich euch fürtin für meinen lieben bulen halten will. Damit aber mir
yetzund nit den falschen zungen ursach geben, etwas args wider uns zu gedencken,
wöllend wir auff dissmal genug davon geredt haben. Den nechsten tag aber, so ihr
mir auff dem platz mit ewerem gsellen Gabriotto allein zu gesiecht kummen, will
ich eich den unsprung meiner liebe in gschrifft anzeigen. Darumb gond nun zumal
mit freüden wider zu ewerer gsellschaft und schaffend euch freüd und kurtzweil
mit inen! Dann uns die zeit lenger nit vertragen will bei einander zu bleiben.
Der jüngling mit züchten urlaub von den beden junckfrawen nam, frölich und wohl
zu mut von dannen ging.
    Gabriotto das lang gespräch mit fleiss wargenummen hatt, kaum gewarten mocht,
das er allein zu seinem gsellen käm, damit er vernemmen möcht, was doch
Rosamunda mit im geredt hett. In dem sich begab, das man dem schimpff yetzt ein
end gab. Alle, so zugegen waren, Gabriotto den preiss gaben. Des im dann
Philomena von hertzen günnet, ihn bald zu ir kummen schuff. Der jüngling das mit
grossen freüden volstrecket. Als er nun zu Philomena kam, sye mit züchtiger
reverentz grüssen tet, dem die junckfraw zuhandt züchtiglichen danck saget,
anhub und sprach: Edler jüngling, ich glaub, euch ein sundere gnad von gott
verleihen sei, dann euch yederman auff disen tag den preiss geben tut. Darumb ir
dann billich mit disem kleinot sollen begabt werden. Im mit solichen worten die
schon und wolgemacht schnur zu seinen handen geben tet, die er mit grossen
freüden von deren, so ihm ob allen weiben liebt, empfieng.
    Dem nach yedermann wider heim zoch. Reinhart und Gabriotto under allen
andern die frölichsten waren, aus der ursach Reinhart von seiner Rosamunda einen
sichern trost empfangen hat, Gabriotto von seiner liebsten junckfrawen Philomena
ein reiliche gab. Darumb sye sich dann billichen mer dann der andren keiner
erfrewen mochten; desgleichen die beiden junckfrawen mit grossen freüden wider
an den küniglichen hoff kamen.
 
                                      18.
 Hie würt Reinhart von seinem gesellen zu red gestelt der junckfrawen Rosamunda
                                    halben.
Gabriotto noch in gedancken hat das freündtlich gespräch, so sein gsell Reinhart
mit Rosamunda der junckfrawen gehabt. Darumb als sye yetzund an ort und end
kummen waren, da sye sich ganz einig wussten, Gabriotto anhub und sprach: Mein
lieber Reinhart, ich bitt dich, so du anderst ein recht und war vertrewen zu mir
hast, du wöllest mir sagen, was die junckfraw Rosamunda mit dir geredt hat, als
du den heütigen tag bei ihr gestanden bist.
    Reinhart anhub unnd sprach: Mein Gabriotto, du bedörffest mich nit also hoch
ermanen; dann du weist mich allzeit in allem vertrawen gegen dir ston. Ich hab
mir auch zuvor fürgenummen, dir ein semlichs nit zu verhalten. Du solt wissen,
das mich heüt zu tag Rosamunda, als ich mit andren den ballen schlug, mit so
inbrünstiger liebe entzündt hat, das ich zum teil nit wissen mocht, was ich
tet: sye mit solichen gedancken ansah und meint , meinem gsellen die ballen
zuzuschlagen. In solchem ansehen schlug ich der junckfrawen ir den ballen zu.
Des mich zuhand grosse scham umbgeben tet; von stund an mich zu Rosamunda
füget. Des Philomena bald warnam; als ich nun Rosamunda mit ganzem fleiss darfür
betten tet, fieng mich die junckfraw Philomena mit schimpfflichen worten an zu
kützlen, als ob ich mit fleiss Rosamunda den ballen zugeschlagen hette, mich
darbei irs gunsts zu mir tragen underrichten ward. Des mich grosse freüd
umbgeben tet, in dem mich zu Rosamunda, der junckfrawen, keret, die freündtlich
batt, sye mich für einen diener nit verschmahen solt. Des sye mir zuhandt
versprach, auch nit leügnet, das sye mir vor langem ir huld gern zu wissen
getan  hette, aber umb minder nachred willen sye mich batt, das ich wider zu
meinem gesellen keren solt, demnach wolt sye den nechsten tag so sye mich und
dich allein hinden an dem palast finden möcht, mir ir liebe zu tun. Darauff ich
mit ganzen fleiss harren will.
    Was grosser freüd Gabriotto von seines gsellen red empfieng, nit wohl zu
beschreiben ist. Dann er vor langen nichts auff erden mer beren tet, dann das
Rosamunds von Reinharten auch lieb gehalten, auch dermassen Rosamunda ihm liebe
tragen tet. Das alles nun vorhanden was, wie ir dann solichs wohl vernummen
hand.
 
                                      19.
 Wie Rosamunda iren liebgehabten Reinharten ir liebe zu wissen tut durch einen
                        brieff in einem meien verborgen.
Nun was das begeren der zweier par, namlich Philomena und Rosamunda, dergleich
Reinharts und Gabriotten, yetz ganz nach irem willen ergangen und nun der
anfang nach irem beduncken schon gemacht. Aber es mocht in nit also nach irem
willen zu end gon; dann das schmeichlend gelück, welches uns also lieblich
anlacht, aber zuletst mit bitterem angesicht sich von uns keret, dasselb in
zuletst auch ein bitteren unnd trübseligen aussgang geberen tet, wie ir dann ein
solchs eigentlich in diser History bericht werden solt. Das lassen wir berugen
und sagen fürtin, mit was gescheidigkeit dise ir liebe einander geöffnet, auch
wie sye die ein lange zeit heimlich getragen haben, biss zuletst die sach anfieng
aussfindig werden; da mussten sye sich ein wenig ihrer liebe entziehen, wiewol das
auch zu beden seiten mit grossem leid geschehen tet, wie ihrs dann wohl hören
werdt.
    Als sich nun begab nach kurtz vergangnen tagen, das Reinhart und Gabriotto
aber auff dem vil gemelten lustplatz ir kurtzweil mit dem ballen unnd ander
kurtzweil suchten, doch mer darumb, das inen ir liebsten junckfrawen zu gesicht
kummen möchten, sich von ungeschicht füget, das die junckfraw Philomena in irem
gemach allein was. Wiewol sye Rosamunda warten was, noch forcht sye, Reinhart
unnd Gabriotto vor der junckfrawen zukunft abweg gon würden, oder aber würd
sich das ander hoffgesind zu inen auff den lustplatz fügen; derhalb Philomena in
grossen sorgen was. Wie sye nun also mit mancherlei gedancken beladen was, so
kumpt Rosamunda ganz stillschweigend an die tür ires gemachs, mit züchten
anklopffet. Philomena das klopffen irer gespielen zu stund erkennen ward, mit
grossen freüden die kammertür auffschlossz. Ach gott, sprach sye, mein
allerliebste Rosamunda, wie hast du mich so ein lange zeit mit schweren
gedancken dein lassen warten, dieweil ich deinen liebsten Reinharten also oft
mit begirigem hertzen nach dir herauff an das fenster sehen sah, und er aber
deiner nit sichtig werden mocht. Deshalb ich in marckt mit trawren umbgeben
sein.
    Rosamunda nit erwarten mocht, biss Philomena ihr red zu end bracht, von stund
an an das fenster ging, daran sye iren allerliebsten Reinharten meint zu
finden. Der dann seine augen auch stetigs gegen dem vil gemelten fenster keren
tet, der zuhandt seiner allerliebsten junckfrawen an dem fenster ansichtig
ward; des ihm von stund an sein hertz von freüden in seinem leib auffhupffet.
Rosamunda anhub, zu Philomena sprach: Junckfraw, ir sond meines anssenbleibens
nit so gross wunder haben; dann mich nodtwendige geschefft davon entzogen hand,
mir nit müglich was eh herzu kummen; aber mein hertz zu allen zeiten an disem
fenster gewesen ist. Mit dem gered der junckfrawen Philomena ein schönen zusamen
gebundens meilin wiset, in welchen sye einen brieff mit subtilem list verborgen
hat, ir damit den inhalt des brieffs wissen tet, den ich hie von kürtze wegen
underlassen will.
    Rosamunda dem jüngling ein worttzeichen gab. Des er bald wargenummen hett,
sich behend unden an das fenster füget. Die junckfraw im das meilin hinabwarff,
also sprach: Jüngling, der meien würt euch offenbaren das, so mir vergangens
tags nit müglich was zu sagen.
    Als nun Reinhart den brieff mit grossen freüden in dem schönen meien
verborgen Gabriotten seinem gsellen bracht und noch kein gedencken hat, das
etwas gschrifft darin verborgen wer, zu seinem gsellen sprach: Mein
allerliebster Gabriotto, sag mir doch, ich kann mich der wort, so ich von
Rosamunda gehört hab, nit verston. Dann sye sagt, diser meinen würd mich
berichten des, so sye mir vor nit mit worten hett mögen anzeigen. Der jüngling
Gabriotto den meien in sein hand nam, in hinden und fornen mit ganzem fleiss
besehen tet, anhub unnd sprach: O du geschwinde lermeisterin, dein kunst und
behendigkeit nit ausszusprechen ist.
    Reinhart sah seinen gsellen an und gedacht: Was meint  er doch mit semlichen
worten? Also sprach: Gabriotto, sag, wie soll ich dise deine wort verston? Was
lermeisterin meinst du? - Das will ich dir sagen, sprach Gabriotto, ich mein die
mächtig und gewaltig liebe, deren doch kein heimlicher weg verborgen ist. Sih
zu, mein Reinhart, durch disen meien würst du bericht der trew unnd liebe, so du
von Rosamunda, deiner liebsten junckfrawen, wertig bist.
    Das must du mir anderst dann in einem solchen weg zu verston geben, sprach
Reinhart, dieweil doch diser meien mir nichts anderst dann den lieblichen geruch
geben tut. - So nymb in, sprach Gabriotto, und bind in auff an seinem styl! So
würstu mir aller meiner red gewunnen geben.
    Erst verstund Reinhart, wie es die junckfraw gemeint hat; er saumpt sich nit
lang und brach die blumen von einander, da fand er ein subteiligs briefflin in
dem styl des meiens mit einer kleinen geschrifft, in dem er allen willen seiner
allerliebsten junckfrawen verstund. Die freüd, so Reinhart von semlichem kleinem
briefflin nam, also gross was, das mir nit müglich ist die zu erzelen. Nun,
sprach Reinhart, mag ich mich wohl mit dir, mein allerliebster Gabriotto,
erfrewen, dieweil ich mich weiss von der schönsten junckfrawen geliebt sein, so
in der ganzen welt wonen tut. Ich sag auch, das mir bede zu einer glückseligen
stund aus Franckreich geritten seind unnd noch zu einer glückseligen stunden in
diss künigreich kummen, dieweil uns das Glück mit zweien solchen schönen und
züchtigen junckfrawen versehen hat, als kein mann auff erden nye versehen ward.
Dann da ist kein zweifel mer zu haben, so wir uns dermassen halten, und das wir
den orden der ritterschaft erlangen, uns die beden junckfrawen zu rechter ehe
werden. Was würt man dann in Franckreich sprechen, so man vernemmen würt dich
eines künigs schwester und mich eins graffen tochter zum weib haben! Warlich
sich noch manig jung edelman des hoffs und eines vatterlandts verziehen würt
unnd sich auch an andren höffen understohn ehr zu erwerben.
    Dein Meinung, sprach Gabriotto, fürwar nit zu verwerffen wer, wo die also
ganz richtig hinaussgieng. Aber ich sag dir, Reinhart, es sei dann das wir die
sach heimlichen und verborgenlich halten, mir dadurch in grosse angst und nodt
gesetzt werden mögen, also das wir unsers leib und gut darob besorgen müsten.
Aber so du meinem raht folgen wilt, wend wir on alle sorg unser beder angefaugne
liebe zu gutem glückseligem end bringen. - Des biss sunder zweifel, sprach
Reinhart, ich mich nymmer keins andren rahts mer trösten will dann des deinen.
    In solchem gespräch die beden jüngling ein lange zeit verharren teten, so
lang biss die zeit des nachtmals kummen was, welchs sye mit freüden namen,
demnach zu bet giengen, die nacht mit süssem schlaff vertreiben teten.
 
                                      20.
   Wie die liebe, so Reinhart zu Rosamunda trug, durch einen neidigen ritter
                                 geöffnet ward.
Die liebe dieser liebhabenden menschen so krefftiglichen zünam, das sye zu
beiden seiten kein rechte freüd nit gehaben mochten, wo eins des ander nit sehen
mocht; kein ander begeren hatten, dann sich einmal allein bei einander zu
finden. Nun was an des künigs hoff nyemandts, dem semliche lieb kundt war oder
so sein ye wargenummen hett, dann ein ritter, welcher der junckfrawen Rosamunda
lang zeit heimlich lieb getragen hat, aber nye kein gnad bei ihr hekummen mocht.
Der ritter war genant Orwin, eins freüdigen und dürstigen gemüts, sein hertz im
allein stund auff unfriden, zanck und hader anzurichten; es was auch sein grosse
freüd, so er sich mit eim zancken und hadren mocht. Deshalb er zum dickern mal
ein lerrmann an dem küniglichen hoff anbracht, darumb ihm dann Rosamunda ir huld
nit geben wolt. Als sich nun der ritter Orwin umbsunst fechten meint , gedacht
er ihm, womit er doch der junckfrawen möcht ein leid beweisen.
    Eines tags sich begab, das Rosamunda in einem garten ganz einig spacieren
ging; von ungeschicht Reinhardt auff einem gang an dem palast spacieren ging,
darab mocht er in den schönen garten sehen. Rosamunda in zustund erblickt hat,
im freündtlich zusprach. Des Reinhart zuhand wargenummen hat, zu Rosamunda in
den garten kam. Die ihn freündtlich empfieng, sye ihre schneeweisse händlin
zusamen verschliessen tetten, ein freündtlich gespräch mit einander hatten, ein
yegliches dem andren sein anligen zu wissen tet, wiewol nichts anders dann alle
zucht von ihnen begünnet ward. Nun begab sich, das Orwin, der ritter, auch auff
dem summergang yetzund spacieren ging, die zwei liebenden menschen in dem
garten ersehen tet. Des im sein hertz von zorn erbrann, sich hinder sich an die
wandt lenet, gern gesehen het, das die zwei etwas unerlichs mit einander
fürgenummen hetten. Das aber nit geschah, sunder ein züchtig urlaub von einander
namen. Als nun Orwin ersah, das sein Meinung umbsunst was, er sich mit eim
gebrecht herfürmachet unnd schrei hinab zu der junckfrawen: Junckfraw Rosamunda,
mich beduncket, so ich mit meinem nammen Reinhart hiess unnd nit Orwin, ir
würdend euch genädiger gegen mir beweisen. Aber damit ich mich gegen euch
verschuldt hab, das ir mir also ungenädig seind, kann ich wohl gedencken, das
macht allein, das ich mich nit also in weibische händel als Reinhart schicken
kann. Dann mein ding nit ist mit den ballen umbzugon.
    Da die junckfraw den unsinnigen ritter mit solchen fräffeln worten vernam,
sye von ganzem irem hertzen seer erschrecken tet, stillschweigen von dannen
schied. Reinhart ein klein vor der junckfrawen hinweggangen was, darumb er die
wort von dem ritter nit gehört hat. Des dann junckfraw Rosamunda wohl zu mut was:
dann sye in sorgen stund, wo er solche wort verstanden hett, nichts guts davon
bekummen wer. Darumb sye ir fürsetzt, dem jüngling semlichs zu verschweigen.
    Orwin, der ritter, welcher yetz ein ganz unrewigs hertz überkummen hat, in
steten gedancken was, womit er doch der junckfrawen ein unrhu zurichten möcht.
Nun was an des künigs hoff ein edler und wolgelerter bappagay, der die englisch
sprach seer wohl kundt reden. Der vogel hangt in mitten des küniglichen palasts,
also das alles hoffgesind den vogel üben mocht und kurtzweil mit im treiben. In
dem erdacht der ritter Orwin einen fundt und listigen weg zu finden; er lugt
täglich, wo er zu dem vogel allein kummen möcht, das er mit zucker und ander
leckeriger kost, so dem vogel angnem was, gerist war, des nun der pappagay an
ihm ganz gewont. Und so er dann dem vogel der ding gab, sprach er allweg darzu:
Orwin, Rosamunda hat dich nit, sunder Reinharten lieb. Das treib er so vil mit
dem pappagei, das er die red gäntzlich von im gewonet.
    Als nun der ritter vernam, das der pappagei, der vogel, an disen worten nit
manglet, entzoch er im den schleck und kam nit mer allein auff den palast,
sunder so er wusst allermeist volck darauff sein, lugt er, das er sich nit weit
von dem vogel stellet. Sobald in dann der vogel erblickt, fieng er mit lauter
stimm an zu schreien und sagt: Orwin, Rosamunda hat dich nit, sunder Reinharten
lieb. Das sprach er einmal [oder] sechs auff einander. So dann der falsch ritter
den gewenten vogel erhort, nam er sich an, als ob er sich der red des vogels ser
beschamet, und ging allweg damit von dem palast. So dann der pappagei den
ritter sah hinweg gon, hub er noch fester an zu schreien unnd meint, sein
entzogenen schleck damit zu bekummen.
    Das geschrei des vogels bald vor dem künig erschall, der zuhandt schuff, das
man den ritter zu ihm kummen hiess, des er zuhandt willig was.
 
                                      21.
  Wie der künig den falschen ritter zu dem pappagei furt, der vogel gleich wie
                         andre mal den ritter ansprach.
Orwin gedacht in im selbs: Was mag doch news vorhanden sein, darumb der künig
nach mir schicket? Sich nit lang saumet, zu dem künig kam, der in zuhand bei
seiner handt nam, auff den palast furt, da der pappagei hangen tett. Der vogel
den ritter so bald nit erblickt, sein alt geschrei wider anhub, des im der
künig von hertzen genug lachet. Der ritter, sich gleich wie andre mal schamhaft
beweisen tet. Der künig zu im sprach: Warlich, ritter, mich kann nit gnug
verwundren, das dich die vogel also ansprechen unnd dir die liebe der
junckfrawen also abkünden, die aber einem andren zusprechen. Der ritter Orwin
dem künig antwort und sprach: Allergnädigster herr künig, das, so mir diser
vogel anzeigt, ist mir nichts angelegen; dann er aus unwissenheit semlicks tut.
Wiewol ich bekenn, das mich die junckfraw, so er mir nennt, in keinen gnaden
auffnemen will, aber ob sye Reinharten lieb hat, mir verborgen ist. Der künig,
welchem des vogels red grosse freüd bracht, die sach also in einem schimpff
auffnam.
    Als nun Orwin hinweggangen was, meint der künig, der vogel solt sich solcher
wort mer gebrauchen, ein gute zeit bei im stund, aber nichts mer von ihm
vernemen mocht. Das ihnen zum teil argwenig machet; zuhandt nach dem, so des
vogels gewonlich warten must und im desgleichen sein speiss bracht, schicket.
Alsbald er zu im kam, sprach der künig: Sag mir, hastu auch desgleichen wort von
dem pappagei vernummen? Im damit die obgemeldten wort anzeiget. Allergnädigster
herr, sprach der vogler, so mir gott helff, ich der wort keins nye von im gehört
hab. Alsbald der künig das vernam, in ihm selb gedacht, die sach solt nit recht
zugon. Sag mir aber, sprach der künig, möchtest du auch den vogel ettwas lernen
reden, so du an in begeren tetest? - Ja, gnädiger herr, sprach der diener, on
zweifel. Der künig sprach: Wie müst aber solchs zuwegen bracht werden? Der
diener sprach: Dem wolt ich also tun. Ich wolt mich der wort alle zeit, so ich
im die speiss geb, gebrauchen; die würde dann der vogel also von mir fassen und
mich denmach sunderlich mit semlichen worten ansprechen. - Das möcht also sein,
sprach der künig; wolan, ich will den sachen recht tun; dann ich will ye
erkunden, von wem der vogel die wort gelert hab.
    Nun wusst Rosamunda ganz nicht von dem handel. Als es nun was umb
vesperzeit, liess der künig sein volck zusamen berüffen in den palast,
aussgenummen ritter Orwin, dem befahl er ettlich geschefft in der statt
auszurichten, damit er nit zu solcher berüffung erscheinen tett biss zu seiner
zeit. Als nun das volk gar nach bei einander was, so dann gemeinlich zu hoff
täglichen wonten, der künig zu dem jüngling Reinhart kam, in bei seiner handt
nam, zu dem pappagei füret und tet das darumb, ob doch Reinhart an des vogels
worten ein ursach were. Der pappagei sich aber deren keins hören liess, sunder
andre seine fantasyen, damit er täglich gewon was umbzugon, für sich treiben
tet.
    Der künig erst mercklichen uff den ritter Orwin zweiffeln tet. Demnach liess
der künig sein schwester Philomena auch in den palast berüffen sampt irem
frawenzimmer. Die junckfraw nit lang verzoch, mit iren junckfrawen züchtiglich
gegangen kam, dem künig ir reverentz beweisen. Als in nun der künig dancket unnd
sye auch mit freüden empfangen hat, hub er an unnd sagt: Mein liebe schwester
Philomena, nit verwunder dich ab dem, so ich nach dir geschicket hab! Dann es
umb einer schimpfflichen ursach willen beschehen ist; dann unser vogel hie
zugegen deiner junckfrawen eine mit einem lieben bulen versehen will. Nun lass
ich mich aber beduncken, der vogel sei mit listen darzu gewenet. Das zu erfaren
ich nach allem meinem hoffgesind hab geschicket, vernimb aber gegen keim, so der
vogel solcher wort gebrauch, dann einem allein, der dann zuhandt auch kummen
würt.
    Der künig noch kaum aussgeredet hat, der ritter Orwin in den küniglichen
palast kam. Alsbald nun der vogel sein ymmer wargenummen hat, fieng er an unnd
sprach: Orwin, Rosamunda hat dich nit, sunder Reinharten lieb. Das treib er lang
und vil, wolt auch sunst kein ander wort nit reden. Nun bedarff nyemandts
fragen, ob Rosamunda ab semlichen worten erschrocken sei oder nit; ich sprich
aber, das sye dermassen erschrack, das sye keinem lebendigen menschen mer gleich
sah. Der künig des mit fleiss warnam, anhub und sprach mit schimpfflichen worten:
Junckfraw Rosamunda, ich sih wohl, die zeit erfordert euch mit einem mann zu
versehen. Dann so ewer vatter daran seümig ist, so wend euch doch die vögel in
einem solchen bedencken. In dem sich zu dem ritter Orwin keret, also sprach:
Ritter, du solt wissen, das ich an deinem falschen anrichten kein gefallen nit
hab. Dann ich wohl verstand, der vogel also von dir gelert worden ist, das dann
einem ritter nit seer wohl zieret. Magst du dich sunst mit keinen andren an der
junckfrawen rechen dann in disem stuck, so hettest du es auch wohl mögen
erlassen. Mir ist unverborgen, das dich Rosamunda nit hulden will; darumb ich
ihr nit feind bin. So bedarffest du dich deiner ritterschaft nit überhaben unnd
dich ettwas mer beduncken sein dann Reinhart. Unnd damit du aber sehest dir den
jüngling an allen dingen gleich sein, so will ich in auff disen tag von wegen
seiner tugendt zu ritter schlagen sampt seinem gsellen Gabriotto, dir auch
darbei gesagt haben, wo ich semlichen auffsatz mer von dir vernimm, du solt an
ehr und gut gestrafft werden. Des wissz dich zu halten!
    Der ritter von der red des künigs in grossen schrecken kam und wusst im auch
ganz kein antwort darauff zu geben; dann er endtlich meint , er der sach ein
ganz vollkummen wissen trug; darumb er dann also schamrot vor allem hoffgesind
ston must. Die junckfraw Rosamunda aber wohl abnemen kundt, wavon ir die sach
zugericht was, in grossen freüden stund, das ihm der künig also über den kamm
gefaren tet.
 
                                      22.
 Was anschlags die beiden junckfrawen haben, von iren allerliebsten rittern vil
                                 zu red wurden.
Als nun Orwin also von dem künig die kapp empfangen hett, er sich schamrot in
mitten des hoffgesinds stellet. In dem der künig gebott, zwei ritterlicher
schwester zu bringen, das alsbald nach seinem willen volstreckt ward. Der künig
die beden jungen mit eigner handt zu ritter schlug, in die ritterlichen
schwerter umbgürtet, darnach zu seinen räten und allem hoffgesind sprach: Ir
mein allerliebsten, es soll sich nyemandts verwundren, das ich dise zwen edlen
herren alhie zu ritter gschlagen hab, so doch iren keiner ein solichs mit seiner
handt bewert und erlangt hat. Ich sprich aber, das mich ir weiss und wandel
nymmermer betriegen mag, sye werden, wo es zu beweisen kumpt, sich nit minder zu
der sach schicken, dann ander getan  hand. Des sye dem künig bed versprachen zu
tun.
    Diss, so der künig au den beiden jünglingen begangen hat, menglichen lobet,
in auch beden der ehren wohl gunten, allein Orwin, der allein daran ein ursach
was und meint  Reinharten einen unglimpff auffzudrechen, da schuff er im, das er
im an ehren und wirden gleich gehalten würd. Diss alles Philomena und Rosamunda
gesehen und gehört hatten, die nit minder freüd in iren hertzen empfiengen, dann
so es ihnen zuhanden gangen wer.
    Als sye nun urlaub von dem künig namen, seind die beden junckfrawen in
geheim in Philomena gemach gangen, sich also einig in grossen freüden zusamen
gesetzet, angefangen von iren zweien jungen rittern zu reden. Philomena mit erst
anfieng und sagt: Ach mein Rosamunda, sag mir, was gedachtest du, als der
verflucht vogel anhub und sagt, wie du Reinharten also für den ritter Orwin
liebtest? - O gott, sprach Rosamunda, so ir mein wargenummen hetten, ir mich
sunder zweifel nit einem menschen, sunder einem ungefasszten höltzenen bildt
vergleicht hetten. Noch wie grosser schrecken mich umbgeben tet, noch frewt
mich von hertzen, das der vogel Orwin, den ritter, also vor allem hoffgesind
beschammet unnd ihn auch nachgons mein herr künig also mit fräflichen worten
anfaren tet. Was grossen freüden mir aber bracht, als ich unser allerliebsten
zu ritter schlagen sah, ich nymmermer erzelen mag. Philomena sprach: Dir ist
gleich geschehen wie mir. Dann ich warlichen glaub, mir nymmer grösser freüd
zuhanden gohn werd, es sei dann sach, das ich mich bei mainem allerliebsten
Gabriotto on alle sorg wonen seh. Ich sprich auch, das ich ihm unnd keinen
andren sinn auff erden haben will. Das ist mein endtlich fürnem wort und
Meinung, davon mich nichts auff erden dann der todt scheiden mag. - Warlich,
sprach die junckfraw Rosamunda, das ist auch, das ich mir vor langem hab
fürgenummen. Es sei doch meinem vatter und muter lieb oder nit, so will ich mich
ehe aller mann auff diser erden verziehen und mich in einen ewigen unnd keüschen
stand begeben, eh dann ich einen andren dann in haben will. Ach gott, wie möcht
ich mir doch einen andren mann auff erden gefallen lassen dann meinen
allerliebsten ritter, welcher mein hertz und gemüt mit warer lieb gefangen und
gebunden hat!
    Philomena sprach: Ach mein allerliebste Rosamunda, es were uns warlich von
nöten zu betrachten, in welchen weg wir doch unsern allerliebsten rittern und
liebhabern Glück in iren newen orden wünschen möchten. Darumb so bitt ich dich
du wöllest hierinn das best raten und gedencken. Rosamunda anhub und sprach:
Mein liebe junckfraw, der weg ist gut Boden; unnd so ihr meins rahts pflegen
wend, so wend wir morgen zu tag die sach nach unserm willen zu end bringen.
Philomena sprach: Deinen raht will ich fast gern von dir hören. Sag mir den
bald, eh dann ich stirb! Rosamunda anfieng und sprach: Allerliebste junckfraw,
ich raht, das ir morgen, so das mal vollendet ist, nach unsern beden rittern
schicken in ewer frawenzimmer in beisein aller ewer junckfrawen und dann inen
nach unserm gefallen glücks wünschen. Und so wir in dann ettwas zu sagen hand,
möchte das wohl sunder allen argwon beschehen. So ir und ich an unser gwonlichen
statt sitzen bleiben, so wisst ir, das uns der andren junckfrawen keine möcht
gehören, was wir doch beide mit unsern rittern reden; dann die andren
junckfrawen zu weit von uns sitzen.
    Der raht Rosamunda von Philomena gelobt ward, also sprach: Warlich,
Rosamunda, du hast mir mit deinem raht fast wolgefallen; darumb ich dir dann
trewlich volgen will. Noch eins aber mich gedaucht; dieweil uns villeicht die
zeit nit vertragen würt nach unserem willen mit den beiden jungen rittern zu
reden, wer mein Meinung, wir schreiben inen unser yegliche, was ir zu willen
wer; das möchten wir ihn dann ganz verborgenlichen zuschreiben, das sein
nyemandts ynnen werden möcht. - Das widerraht ich, sprach Rosamunda, dann der
jungfrawen seind vil und nit all eines sinns. So dann eine, so uns widerwertig
wer, ein semlichs warnem, möcht uns unser freüd in leid und trawren verwendt
werden. Ich hab in mir weit einen andren raht erfunden; das ist: ihr wissendt,
das sich die beiden ritter fast auff das federspil gelegt haben und noch tundt;
so weiss ich, das unser erzettin durch das ganz jar turteltauben erziehen tut.
Wann wir nun der deüblin ein par zuwegen bringen, so will ich mit Reinharten den
mornigen tag verschaffen, das er mit seinem vogel hinden an mein gemach reiten
muss mit seinem falcken. So er mir dann nach dem deüblin schiesst, will ich in
zuhanden nemen und im die dauben geben unnd damit etzen. So das geschehen ist,
will ich ihm under seinen flüglen einen brieff mit listen anhencken, das es in
dannocht an seinem fluck nichts schaden noch hindren muss. Diss alles ich den
ritter underrichten will, damit er sich weisst zu halten.
    Der sinn und weg der junckfrawen Philomena fast wohl gefallen tet, anhub und
sprach: Rosamunda, ich kann mich deiner wunderbarlichen anschleg nit gnugsam
verwundern. Unnd so ich dich nit so wohl von jugent auff erkannt bett, du
möchtest mich gedencken dich die ding lang zeit gebraucht haben. Als nun die
junckfrawen iren anschlag gemacht, sye urlaub von einander namen, biss an den
mornigen tag die sach berugen liessen.
 
                                      23.
Wie die beiden junckfrawen iren allerliebsten rittern Glück wünschten, inen auch
                  iren heimlichen anschlag zu verstohn gaben.
Als nun des andren tags die zeit kummen was, in deren die beiden junckfrawen
ihren anschlag ein genügen tun wollten, und yetzundt der morgenymbiss vollendet
was, Philomena einen edler knaben, so allzeit in dem frawenzimmer was, nach
Gabriotten unnd Reinharten, den beiden jungen rittern, schicken tet. Als sye
nun die Botschaft (check capitalization) venummen hatten, sye von stund an zu den junckfrawen in das
frawenzimmer kamen. Die zuhandt freündtlich von iren liebsten junckfrawen
empfangen wurden, sich mit züchtiger reverentz gegen den schönen junckfrawen
beweisen tetten.
    Philomena anhub und sprach: Ir edlen ritter, darumb wir bede nach euch
gesandt haben, sond ir euch nit befrembden lassen. Dann es aus keiner andren
ursach beschehen ist, ir wissendt, was die ursach ist, das ir zu dem
ritterlichen schwerdt kummen seindt. Darzu wir euch beden als Glück wünschen
tun. Das aber ir, die beid von wegen meiner lieben Rosamunda dahin kummen, euch
also undankbar beweisen und deren, so gäntzlich ein ursach ist an dem handel,
noch kein danck beweisen hand, kann ich zu meinem teil nit sagen, bin auch von
Rosamunda, meiner junckfrawen, darzu erbotten worden, euch beiden ein semliche
Meinung fürzuhalten, und begeren hierauff von euch ein antwort zu hören. Die
schimpfflichen wort, so Philomena mit den beiden jungen rittern geredt hatt,
Rosamunda ein klein schamrot machten; darumb sye nit der antwort von inen warten
wolt; dann Philomena das alles on ir geheiss geredt hat. Rosamunda anhub und
sprach: Ir jungen edlen ritter, ich wünsch euch zu tausent malen alles heil. Das
aber junckfraw Philomena euch hie also mit schimpfflichen worten ansuchet, bin
ich sunder zweifel, ir das wohl verstanden, wie sye es gemeinet. Gabriotto der
erst was, so auff solche wort antwort gab, anhub unnd sprach: Allergnädigsten
junckfrawen, wir dancken euch zuvor der ehren, so ihr uns gunnen, die wir doch
unverdient zu solchen ehren gezogen seind. Wo sichs aber über kurtz oder lang
zutragen würd, das wir unsern stand beweren sollten oder müssten, wollten wir uns
dermassen halten, das wir unstraffbar gegen menglich sein wollten. Das vertrawen
hand wir zu gott und unsern feüsten. Das wir aber uns dermassen also undanckbar
gegen junckfrawen Rosamunda gehalten und erzeigt hand als gegen deren, von
dennher der erst ursprung unnd anfang unser ritterschaft ist, bitten wir
demütiglich uns semlichs zu vergeben; dann es aus keiner verachtnüss, sunder aus
lauter unwissenheit beschehen ist. - Wolan, sprach Philomena, dieweil ir dann
beide der stangen begeren, könnend wir euch der gnaden nit abschlagen. Doch bitt
ich euch mir meiner red verziehen; dann ich sein von Rosamunda ganz keinen
befelch gehabt hab unnd das allein für mich selb dargeben, damit ich mein
junckfraw vor euch beiden schamrot machen möcht.
    Reinhart, der ritter, anhub und sprach: Allergnädigste junckfraw, ich lass
mich beduncken, die red in schimpfflicher weiss von euch beschehen sein. Ihm ist
aber dannocht wohl halb, wie ihr angezeigt haben. Dann warlich, wo der ritter
Orwin mein gnädigen herren nit also in zorn mit dem pappagei bewegt hett, wir
weren noch nit zu dem schwert kummen. Doch frewt mich, das der vogel bekannt
hat, junckfraw Rosamunda mir mer liebe trag dann dem ritter Orwin, als ich auch
sunder zweifel glaub unnd halt. - Ir sond sein auch, sprach Rosamunda, sicher
und on allen zweifel sein, das ir mir nit allein vor dem ritter lieben, sunder
vor allen mannen auff erden. Des frew ich mich von hertzen, welches hertz ir zu
allen zeiten in waren und rechten trewen finden werden.
    Als nun die junckfrawen also bei den edlen jungen rittern gestanden waren,
sye, die junckfraw Philomena, sye beid bei iren händen nam, zu obrist des sals
auff einen banck zu ir sitzen hiess, des sye beid gutwillig waren. Also Rosamunda
zu ihrem ritter und Philomena zu dem ihren sitzen tet. Die junckfraw Rosamunda
anhub unnd sprach: Ihr edlen ritter, dieweil uns gott und das gelück also
vergnunnet hat mit einander zu reden, des wir dann lange zeit begert hand, so
sprich ich von wegen meiner junckfrawen unnd mein, das wir euch beid dermassen
ausserkoren hand, das uns nyemandts dann der todt aus diser welt scheiden muss.
Wiewol sye ein küngin und ich eins graffen tochter, so sagen wir doch beid von
wegen ewers tugendtsamen unnd edlen gemüts, ihr unser wohl wirdig seind. Deshalb
ihr euch auch dermassen gegen uns halten wöllen; dann wir zu rechter ehe keiner
andren gemeinschaft ingon wöllen.
    Wer mag doch beschreiben die gross freüd, so dise beiden jüngling umbgeben
tett, als sye verstunden sich also grösslich von den junckfrawen lieb gehalten
sein, das sye ir zu rechter ehe begerten! Gabriotto anhub und sprach: O
allergnädigsten junckfrawen, wir armen ritter schetzen uns nit so wirdig, das
wir euch, demnach ihr werdt seind, dienen mögen. Dieweil aber ihr uns ye ein
solchen grossen trost geben, wie mögend wir den ymmermer gegen gott und euch
verdienen! - Diss lond yetzund bleiben, sprach Rosamunda, unnd vernemendt mich,
was ich für einen rahtschlag in mir hab! Also anhub zu erzelen die Meinung von
der dauben und dem falcken. Des sye wohl und mit ganzem fleiss wargenummen
hatten, kümmerlich des andren tages erwarten mochten, von den beden junckfrawen
urlaub namen, von dannen giengen, mit grossen freüden ir gespräch biss in die
finster nacht vertriben.
 
                                      24.
 Wie die beide junckfrawen iren rittern durch listige weg die erst ursach irer
   liebe zu wissen tundt, und die ritter auff dem weidwerck geritten seindt.
Gar wenig schlaffen kam disen beiden in irem sinn, mit grossem verlangen des
zukünftigen tags erwarten mussten. Alsbald nun der sonnen glantz den morgenstern
seinen schein benummen und verdunckelt hat, unnd yetzund iren spreissigen kopff
hinder den hohen gipfflen herfürrag, die beiden jungen ritter von irer rhu
auffstunden, irem fürnemmen ein end zu geben sich rüsteten mit allem, so in zu
dem federspil und weidwerck dienstlich was, wiewol in die fasandt, reier und
räpphüner nit so vil anlagen als das unschuldig turteldeüblin, das dann schon zu
solchem schimpff verraten was.
    Die jungen ritter den tag so mit grossen freüden nit erlebt hatten,
Philomena und Rosamunda gleich so vil freüd davon empfiengen; so bald den tag
nit ersehen hatten, auffstunden. Philomena ihrer Rosamunda mit grosser begier
warten tet, die nit lang aussen was, zu der junckfrawen Philomena gemach sich
füget, ganz still anklopffet. Die junckfraw on alles rumor die tür so
heimlichen auffschloss, das ihr eigene kammerein des nit warnam. Philomena die
kammer in still wider verriglen tet, sich in ein heimlichs stüblin, so in ihrem
gemach was, setzten, anfiengen einen brieff zu schreiben, in welchem sye den
beiden jungen rittern den anfang unnd erst ursach irer liebe zu wissen tetten
(welches lange weil nem zu schreiben, auch verdriesslich wer zu hören, dieweil ir
sein nach der lenge vornen her bericht seind). Als nun der brieff vollendet, ein
yede junckfraw ir underschrifft an den brieff schreiben tett, auch mit beden
bittschieren verschliessen tetten.
    Als sye nun semlichs vollendt hatten, Rosamunda anhub und sprach: O gott,
ich bitt dich, wöllest heüt den botten, so disen brieff füren soll, in sicherem
und rechten weg geleiten, dieweil du doch erkennest uns ein erliche liebe
zusamen tragen, in deren kein falsch noch betrug nymmer gespürt werden soll. O
herr, schaff, das diser brieff nyemandts anders dann disen zweien edlen rittern
zuhanden kumm! Des wir dich von ganzem hertzen bitten wöllen. Als nun Rosamunda
die wort vollendt, sprach sye: O mein allerliebste junckfraw, ich muss euch
bekennen, das mich, dieweil und wir die beiden ritter anfiengen lieb zu haben,
nye mer sorg unnd angst umbgeben hat. Dann so ich betracht, was grosser gfar uns
uff disem handel statt, so umbgibt mich forcht allentalben; dann ich weiss mich
allein an dem ein anfengerin und ursach sein, dieweil ich mit erst den raht mit
dem falchen geben hab. - Ach gott, sprach Philomena, womit bekümmerst du dich
doch, das du dir ein semlich forcht auffladest bevor meinetalb! Ich bitt dich,
schlag semlichs als zuruck unnd hab meinentalben ganz kein unmut! Und ob sich
schon begeb, das der falck mit dem brieff zu meinem bruder, dem künig, käm und
er mich darzu beschicket, mir das also fürhalten würd, so wolt ich mich
unerschrockenlich darstellen und im die sach ganz bekennen. Wolt er dann ye
meinen, meinem ritter ettwas schmach anzulegen, und in mit einicherlei underston
zu straffen, müste er warlich die händ mit erst an mich legen. Und ob aber ein
seehlisches nit von im beschech, wolt ich mich warlich mit eigner hand in
gleichem straffen, wie mein allerliebster ritter gestraffet würd. Des ich aber
hoff alles vermitten bleiben soll.
    Die junckfraw Rosamunda von der trostlichen red Philomene ettwas hertz
empfahen tet, anfieng unnd sprach: Allerliebste junckfraw, ir sond keinswegs
gedencken, das ich meiner person halb einicherlei entsetzens hab. Dann ich, wie
ihr sprechen, von meines ritters wegen den todt in keinerlei weg fliehen wolt;
wie möcht ich doch ymmermer on in leben, dieweil ich ihm mein hertz für eigen
geben hab! Es müst mich aber ymmer rewen die schönen und züchtigen jungen
ritter, so in ettwas übels zuhanden gon solt, ja vil mer, dann so es mich selb
belangen würd. Dann gewiss were es, so ewer bruder diss brieffs sichtig würd, es
warlich misslich umb uns zugohn dörfft. Dieweil ihr mich aber, allerliebste
junckfraw, also mit dapfferem unnd unerschrockenlichem hertzen trösten seind,
wie möcht ich dann die sach mit verzagtem gemut underston! Eh will ich darumb
leiden alles, das mir gott unnd das gelück zusendet. - Das tu frölich, sprach
Philomena, unnd lass dich ganz nichts daran verhindren!
    Mit disen worten sye auffstunden. Philomena kamerin sich erst anlegt; als
sye Rosamunda ansichtig ward, kundt sye sich nit gnug verwundren, wie sye
hineinkummen was, yedoch nit fragen wolt. Also Rosamunda urlaub nam, irem
geschäfft nachgieng, zuhand in ihr kammer kam, zu vilmalen das fenster
auffsperret und besehen tet, ob sye doch ires ritters nit ersehen möcht.
    Nit lang stund, die beiden jungen herren on alle andre gesellschaft
geritten kamen, ire falcken zuhanden furten. Die junckfraw das deüblin bald
under iren laden setzt. Der ritter dem falcken sein haub abzoch, ihm die dauben
under dem fenster weiset. Der falck sye bald ersehen hat, darauff schossz, in
seine klawen grimmiglich erwischet. Die junckfraw dem vogel züsprach, welcher
ihr mit willen erwartet. Sye inen zuhanden nam, der ihr ganz williglich vergunt
mit im zu handlen. Die junckfraw ihm den brieff an sein gefessz band, inen, als
er die dauben yetzundt gar gfressen hat, wider in das fenster trug. Der ritter
mit seinem luder dem falcken zu im rüffet, der sich nit lenger saumet, wider zu
seinem herren geflogen kam, den brieff on alles übel seinem herren bracht. Der
mit grossen freüden den brieff von seinem gefessz nam, seinem gsellen den vogel
zu den seinen gab, anhub den brieff auffzuschliessen, seinem gsellen und im selb
den brieff zu vilmalen lesen tet. Darnach dem weidwerck mit grossen freüden
nachhangten, biss sye nach irem willen ersettigt waren, frölich und wohl zu mut
wider heim zu Haus geritten kamen.
 
                                      25.
  Wie die junckfrawen einer der künigin ertzettin ir heimliche liebe zu wissen
                  tundt, irs rats und hilff darin begeren.
Nit lang nach disen dingen begab sich, das Philomena und auch Rosamunda allein
bei einander waren. Philomena anhub aber von irem allerliebsten ritter zu reden
unnd sagt: Rosamunda, mein allerliebste, geb doch gott einmal das Glück, das uns
mit unser allerliebsten rittern ein geniegen sein möchte unnd aber ein semlichs
on alle sorg beschehen möcht. Fürwar ich darumb gern leiden wolt etwas, so mir
übel bekäm, ich sprich schier, ich wolt mich hernach nit widern zu sterben. Nun
aber ist uns allein solchs nit müglich zuwegen zu bringen, wir müssten dann einen
gehilffen darzu haben. Darnach lass uns mit löchstem fleiss bedencken!
    Rosamunda sprach: Mein liebe junckfraw, mein begeren warlich auch dermassen
gericht wer, das wir uns einmal allein bei unsern allerliebsten rittern möchten
finden. Das ir aber sprechen, uns ein gehilffen von nöten sein, beduncket mich
warlichen ein fast sorgliches ding sein, kann auch darzu gar keinen raht nit
finden. Sagend mir doch, wem wollten wir unser sach so gar vertrawen, da uns nit
zwyfaltige sorg in alleweg umbgeben würd! Dann nyemandts an disem hoff wonet, so
gern ettwas wider ewern bruder, den künig, handlet. So will uns auch nit
gebüren, die ding ausserhalb dem hoff anzufahen. Wo wir aber yemandts finden
möchten, so uns in ganzen trewen meint , es müsst aber ein weib unnd kein mann
sein; dann sunst wer aller anschlag umbsunst.
    Philomona sprach: Rosamunda, die ding ich alle wohl ermessen kann. Aber mich
gedaucht, ich mir ein vertrewte person an disem hoff finden solt; unnd das ist
mein ertzettin, so allweg sich freündtlich gegen mir in allen trewen erzeiget
hat; ich hab sye auch all mein tag nye in einem stuck ungerecht gegen mir
befunden. Nach deren, meint ich, wolt ich schicken unnd ir die sach von weitem
erkleren. So ich dann ein antwort von ihr bringen möcht, wolt ich bald an ir
vernemen, wes sinns oder willens sye wer.
    Rosamunda sprach: Liebe junckfraw, es möcht villeicht also sein. Die
ertzettin aber auch vil bei meiner frawen, der künigin, wonet, gegen deren sye
sich etwann möcht hören lassen, daraus uns dann zuvor der gröst unraht entstohn
möcht. - Dem will ich wohl vor sein, sprach Philomena, dann ich mich dermassen
gegen ihr will hören lassen, das sye ettwas von den beiden rittern [nit]
vernemmen mag, so lang ich ihrer trewe ganz gewissz bin. Desshalb, mein
Rosamunda, du on allen zweifel sein solt unnd gang hin, heiss mir die fraw
kummen! Dann mir endtlichen vor ist, sye werd sich nach allem unserm begeren
halten.
    Die junckfraw Rosamunda wohl zufriden was, schnell hingieng, da sye die
ertzettin wusst zu finden, die dann in irem gemach was. Als nun Rosamunda ir der
junckfrawen Philomena Botschaft (check capitalization) zu wissen tet, die zustund bereit was, zu
Philomena kam. Die sye mit grossen freüden empfahen tet sye zu ir nidersitzen
hiess, anhub und sprach: Mein allerliebste Laureta, darumb ich nach dir hab
geschicket, will ich dir kürtzlich zu verston geben. Das ist allein beschehen,
das ich deines rats pflegen mög. Du solt wissen, das ich mit einem schweren
[ge]dancken beladen bin, davon mich nyemandts dann du oder der todt entladen
mag. Und so du mir dein hilff und trost entyiehen tust, will ich mich
williglich dem todt angesicht deiner augen ergeben. Darumb, mein allerliebste
Laureta, mir dein hilff unnd trost nit entziehen wöllest. Damit Philomena
stillschweigend hertziglich anhub zu weinen.
    Als nun Laureta, die ertzettin, der junckfrawen red vernam, sye ein gross
bedauern mit ir haben ward, anfieng und sprach: Gnädige liebe junckfraw, nit
völlend einsmals also erschlagen sein, sunder entdeckend mir ewer anligen; will
ich mich mit allem fleiss darein schicken. Dann mich kein ding auff erden
beschweren soll, damit ich euch beraten und beholffen sein wisst, unnd ob ich
schon mein leib unnd leben darumb verlieren solt. Des sond ihr euch zu mir in
allen trewen versehen. Philomena sprach: Mein liebste Laureta, ich hab dich nye
anders dann in waren und rechten trewen befunden; darumb ich dann yetzund auch
meinen besten trost auff dich gestelt hab. Aber ich besorg, so du mein anligen
vernemen werdst, du dich nit darzu begeben, wiewol die sach an ihr selbs nit so
sorglich ist. Laureta anhub und sprach: Ir sond, allerliebste junckfraw, nit
lenger verziehen unnd mir ewer anligen entdecken. Ihr sond sehen, das ich mich
in keinen weg sparen will, sunder meinen dienst unverzogenlich an euch beweisen.
    Als nun Rosamunda fraw Laureta also reden hort und ir aber Philomena nit
antwurt geben wolt, hub sye an und sprach zu Philomena: Liebe junckfraw, dieweil
euch fraw Laureta mit semlichem trost und zusagen so vil versprochen und
zugesagt hat, so wolt ich mich nit so lang bedencken, sunder ir mein anligen zu
wissen tun, damit die gut fraw nit also in zweifel wer. Philomena anhub unnd
sprach: Mein allerliebste Laureta, mich hat vor langer zeit ein edler ritter mit
züchtiger unnd eerlicher liebe umbfangen, und hab seidher nye mögen also vil
zeit haben, in deren ich doch mich mit einem freündtlichen gespräch mit im het
mögen ergetzen, wiewol ich des in keinen andren weg beger, dann was mit zucht
und ehr beschehen mag; das will ich dir allhie versprechen und zusagen. Nun bist
du allein die, so mir ein semlichs zuwegen bringen mag. Darumb du dich, mein
allerliebste Laureta, gegen mir gnädiglich beweisen wöllest unnd mich nit also
in sinnen und verlangen lassen umbkummen.
    Als nun fraw Laureta das frembd begeren von Philomena vernam, sye sich nit
gnugsam verwundren mocht, ein klein weil also ungeredt auff ir selb stund,
darnach anfieng und sprach: Ich kann mich, allerliebste junckfraw, ewers begerens
halb nit gnugsam verwundren, das ir sagen euch also grösslich mit liebe gegen
einem ritter entzündt sein, dieweil ir doch noch wohl funden, so euch gleich an
geburt unnd küniglichem stammen weren. Yedoch bekenn ich, was ich euch
versprochen hab, das will ich euch trewlich halten, so es anders ewern ehren
unverletzlichen zugon mag. So zeigendt mir den jüngling an, will ich
verschaffen, das ir nit ein tag, sunder manchen on alle sorg bei einander wonen
mögen. Die junckfraw von den worten Laureta mercklichen trost empfieng, zuhand
auffstund, ir umb iren hals fiel, also sprach: O du mein getrewe fründin, wie
mag ich dir ewiglich semlicher gutat vergelten, dieweil du mir also hertzlichen
trost versprechen tust! Ich versprich dir auch in warer und rechter trewe, das
ich den ritter und er mich in allen züchten unnd ehren lieb habe.
    Nun wolan, sprach Laureta, dieweil ich dann ein semlichs von euch verstand,
des auch sunder zweifel keinen mangel mer hab, so mercken auff meinen anschlag,
so ich in mir selb bedacht und für den unsorgsamsten weg ansih! Ir müssendt
gleisen und euch annemen, als ob ihr mit ettwas kranckheit beladen werendt. In
dem mögendt ir on menglichs yrrung allein in ewerem gemach allein bleiben. In
dem will ich mich gäntzlich ewer underziehen unnd bei euch bleiben. So sich dann
begeb, das man zu hoff den ymbiss nemme, wolt ich den ritter on alle yrrung mit
mir zu euch bringen. Darzu müssen ihr ewer kammermeisterin auch gen hoff mit
ewerem frawenzimmer zu essen schicken, damit ihr die ding ganz verborgen
bleiben. Dann so wollten ich unnd Rosamunda uns einen guten mut mit euch nemmen.
Es müsste uns auch an guter speiss hieram nichts manglen; dann ich die nach aller
notdurfft weiss zu überkummen unnd zu bereiten.
    Rosamunda den anschlag Laurete vast tobet, der auch junckfrawen Philomena
nit minder gefallen tet. Laureta anhub unnd sprach: Junckfraw, auff welchen tag
ihr das haben wölt, so zeigendt mir das an! Ihr sond nun auch den ritter zu
erkennen geben, damit ich ihm den anschluss öffnen mög. Junckfraw Philomena
anhub unnd sprach: Laureta, dir ist der tugendtlich unnd edel ritter Gabriotto,
als ich mein, wohl bekannt. Das ist der, so mir ob aller welt lieben tut.
Denselbigen sampt seinem gesellen Reinharten solt du auff den mornigen tag zu
mir bringen. Du aber die weil alle ding, so du uns meinst nodtwendig sein,
bekummen solt. Mit disen worten sye Laureta ein summe gelts in einem seckel
geben tet, darumb sye dann alle notdurfft zuwegen bringen möcht.
    Laureta versprach, irem befelch trewlich nachzukummen; damit urlaub von
Philomena nam, wider in ir gemach ging. Demnach Rosamunda lang zeit bei
Philomena gewesen was, mancherlei gespräch mit einander hatten, zuletst auch ein
abscheid machten, von einander giengen, biss schier die zeit kam, das man zu dem
nachtmal gon solt. Wider zusamenkamen, mit grossen freüden gen hoff kamen, das
nachtmal mit andren junckfrawen vollbrachten, demnach ein kleine weil in dem
garten nach irer gewonheit spacieren giengen, zuletst sich zu bett niderlegten,
den zukünftigen tag mit grossen freüden erwarten tetten.
 
                                      26.
         Wie Laureta understund der junckfrawen begeren zu vollbringen.
Laureta, demnach sye von Philomena abgescheiden was, sye sich nach aller
notdurfft bewerben tet mit kostlicher speiss unnd tranck, so sye ankummen möcht,
alles in ihr eigen gemach tragen tet. Als nun der mornig tag kummen was und
sich menglich zu hoff dem morgen finden liess (dann ein yeder da seines diensts
ausswarten must), Laureta gedacht, wie sye zu Gabriotto, dem ritter, kummen
möcht, also nach ihm gon tet. Nit lang stund, sye Reinharten ersehen ward, in
ir selb gedacht genug sein, wann sye das Reinharten kund tet, dieweil doch die
junckfraw befohlen hatt, die beiden ritter miteinander zu kummen. Als nun
Laureta zu Reinharten kam, sprach sye: Edler ritter, wissen ir mich nit zu
weisen, wo ich den ritter Gabriotto find? - Fürwar, sprach Reinhart, ich glaub
in noch nit auffgestanden sein, oder verhart aber sunst also lang in seinem
gemach. Dann ich im hieher gezielt hab, da er mich auch gwisslich in kurtzer zeit
suchen würt.
    Als nun Reinhart noch nit aussgeredt hat, so kumpt der ritter dorter gon,
welchen Laureta ehe dann Reinhart ersehen hat. Darumb Laureta anhub und sprach:
Fürwar, so sich ein ding schicken will, so muss es ye einen anfang gewinnen. Dann
ir beid, so ich gern bei einander gehabt hett, yetzundt schon zusamen kummen. In
dem Reinhart seines gesellen auch wargenummen hat; des im grosse freüd bracht,
dann im ettwas der Laureta halben vor was. Als nun Gabriotto zu in beiden kummen
was, in ein guten tag gebotten hat und sye im yetzt gedanckt, Laureta anhub unnd
sprach: Ihr edlen ritter, ir werdt heüt zu tag meiner junckfrawen Philomena gast
sein, die mich dann nach euch aussgeschicket hat. Darumb so vernemendt, was ich
euch sagen würd! Sobald es umb die zeit würt, das man zu hoff geblosen hat, so
gedencken, das ihr für meinem gemach euch lassen finden. Unnd so wir dann meinen
sich das ganz hoffgesind gesetzt haben, so will ich euch verborgenlich in
meiner junckfrawen kammer unnd gemach bringen, also das sein kein mensch innen
werden soll.
    Wer mag da ausssprechen die grosse freüd, so disen beiden jungen rittern
zugestanden sei, als sye vernamen, das sye mit iren allerliebsten junckfrawen,
bei denen sye doch also ein lange zeit nye hatten eingetroffen, so lang bleiben,
das doch eins sich mit dem andren gnugsam ersprächen hett mügen, das sye aber
yetzund ganz gewiss waren! Der ritter Gabriotto anhub und sprach: Ach mein
allerliebste fraw Laureta, mit was gutat mögen wir doch ewiglich beschulden,
das ir uns beiden also ein fröliche Botschaft (check capitalization) bringen! Wir bedancken uns des
grösslich gegen Philomena der junckfrawen, nachgend gegen euch, das ir so demütig
gewesen seind und uns ein solche Botschaft (check capitalization) verkündet. Gond hin und sagend
meiner junckfrawen, das wir zu allen zeiten ir in dem und andren gebotten willig
und gehorsam sein wöllen!
    Laureta urlaub von den jungen rittern nam, sich wider zu Philomena füget,
anfieng, als sye ir die sach verkündt hat, ein kostlich malzeit zu bereiten,
deren die junckfraw Rosamunda, so best sye mocht, behilfflich was.
 
                                      27.
   Wie die beiden jüngling in grossen freüden bei ihren liebsten junckfrawen
                       sassen, den ymbiss mit inen namen.
Mit ganzem fleiss Reinhart unnd Gabriotto der zeit erwarten teten, da man zu
hoff anhub zu blasen. Als das nun geschach, sye sich zu fraw Laureta gemach
fügten, welche der beiden ritter warten tet. Als sye nun darkamen, die tür
offen funden, bald hineinkamen, die fraw Laureta sye freündtlich empfahen tet,
dieweil Philomena in ihrem gemach sass. Als nun ir kammermeisterin nach irer
gewonheit kam, die junckfraw in das frawenzimmer zu füren, Philomena zu ir
sprach: Gond hin zu den junckfrawen und sagend, das ich nit wolmögend sei!
Darumb ihr in freüden leben und mich diss tags unbekümmert lassen! Ir bedürffendt
auch heüt nit mer zu mir kummen; dann fraw Laureta unnd Rosamunda bei mir
bleiben werden, die mir dann meine geschefft wohl aussrichten werden. Darumb ich
euch heüt ganz erlauben will. Die kammermeisterin wohl zu mut was, von dannen
schied, den junckfrawen iren befelch zu wissen tet.
    Als nun Laureta meint , das yederman ob tisch sass, furt sye die beiden
jungen ritter mit ir in der junckfrawen Philomena gemach, die sye ganz frölich
und aller irer angenummenen kranckheit entladen funden. Philomena anffstund,
ihren Gabriotto mit iren armen umbfahen tet, dergleichen Rosamunda iren
allerliebsten Reinharten freündlichen umbfieng, davon inen allen vieren grosse
freüd kummen tet. Nit lang hernach Laureta das essen über tisch trug, das vast
könstlich und wohl bereit was; den ymbiss mit grossen freüden anhuben. Laureta,
welche ein frölich weib was, den beiden jungen rittern mit iren schimpfllichen
worten vil freüd machet: dergleich Philomena unnd Rosamunda sich nach aller
notdurfft yede mit irem ritter ersprachet. Das aber sye als mit einander
redten, lange weil zu beschreiben nem; es mag aber ein yeder liebhaber unnd
liebhaberin ein semlichs betrachten, was sich für red und freündtlicher antwort
von zweien begeit, so einander in rechter warer liebe hulden.
    Under andren aber Philomena anhub und sprach zu irem ritter Gabriotto: Edler
ritter, demnach und ir nechstvergangenen tagen von mir bericht worden seind, dem
ist also; es soll und muss auch also steiff und stet bleiben, das semlichs
nyemandts dann der todt wenden soll. Des band euch hie mein trew zu einem pfand.
Damit sye im ir schneeweisses händlin bieten tet. Der ritter der junckfrawen
einen schönen kostlichen ring zu einem waren unnd festen wortzeichen gab, den
sye zuhand von im nam. Laureta anhub und sprach: Also sih ich wohl, junckfraw
Philomena, auch nit bei einem krancken, sunder bei einem hirat sein. Darauff
Philomena sprach: Laureta, liebe freündin, lond euch unser willen nit betrüben!
Dann fürwar das, so mir yetzund handlen, vor langem durch brieff unnd andren
angefangen ist. Darumb ir euch darab ganz nit entsetzen dörffend, als ob ir ein
ursach daran sein sollten. Laureta sprach: Gnädige junckfraw, ich beger nit mer
von gott, dann das er ewer fürnemmen, anfang, mittel und end nach dem
allerbesten und glückseligsten schicken wöll. So ir mir aber all verziehen
wollen, will ich euch nach meinem besten beduncken einen raht anzeigen. Wo ir
dem also nachkummen, bin ich der hoffnung, euch nymmer übels davon bekummen
soll. - Sag an, mein allerliebste Laureta! Alles, so dich gut beduncket, wir dir
warlichen mit allem unserem vermögen volgen wöllen.
    Laureta anhub und sprach: Junckfraw Philomena, dieweil sich die sach mit
euch unnd dem ritter also weit verloffen hat, so wer mein raht, ir das auff das
heimlichst unnd verborgenlichest zu halten. Dann warlich, sobald des mein herr
der künig innen werden solt, ihr in grossen sorgen stohn müsten, desgleich ewer
geliebter ritter in grosser gfar seins leibs und lebens sein würd. Damit aber ir
mit der zeit on alle sorg zusamenkummen möchten, so müsst sich der ritter zu
allen zeiten freündtlich gegen dem künig, ewerem bruder, halten und lugen, das
er allweg des morgens der erst bei ihm unnd der letst von ihm wer unangesehen
der andren diener. Ob sye in schon darumb hasseten, so dörfft doch keiner
dergleichen gegen im tun. Auch so mer der künig verstohn würd, das er von
andren dienern umb seiner dienst willen geneidet würd, so mer er im gnaden zu
ihm ziehen würd. So sich dann begeb, das ettwann ein graffschaft ledig würd, so
möcht ihn dann der künig von wegen seiner dienst damit begaben; als ich dann vor
mer erlebt hab, das mein herr künig einen von beürischem geschlecht zu einem
edelman gemacht, demnach zu ritter geschlagen, zuletst hat er in gegräfft, und
statt darauff, er in bald zu einem hertzogen machen würt. Wann sichs dann mit
ewerem ritter allso begeb, des ich dann von hertzen begeren bin, dann so möcht
man durch mittelpersonen die sach zu gutem end bringen.
    Der raht Laureta den beiden zumal wohl gefallen tet, wiewol sye meinten, die
zeit sich lang verweilen würd, eh dann es darzu kummen möcht. Also sye nun den
ymbiss mit disen und andren vil worten in grossen freüden vertriben hat[ten] und
Laureta den tisch yetz auffgehaben hat, so ersicht Gabriotto ein schachbrett an
der wand hangen, zu der junckfrawen sprach: Junckfraw Philomena, seind ir auch
des spils in dem schoch bericht? - Ja, sicher, sprach Philomena, hand ir sein
lust zu ziehen? - So es, junckfraw, ewer gefallen wer unnd uns die zeit auch so
lang vergnunnen wolt bei einander zu bleiben, ich sein ein gross gefallen hett. -
Ach, sprach Philomena, edler ritter, ir sont euch ganz nichts besorgen. Dann
ich euch nit urlaub geben will, biss das man am abent das nachtmal zu hoff
besessen hat; sunst wer euch nit wohl müglich on yrrung von hinnen zu kummen. Der
ritter das schochtafelbrett von der wand nam, welches alles von kristallin unnd
jaspis verteilt was; die stein aber waren lauter helffenbein und schwartz
bilsenhornen, mit subteiler meisterschaft aussgraben. Philomena und Gabriotto
also anhuben in dem Graben schoch zu ziehen; Laureta ihn mit fleiss zusehen
wollte, in dem sich Reinhart unnd Rosamunda ein klein neben sich auff einen
banck zusamen setzten, damit sye auch nach dem gefallen mit einander reden
kundten. Unnd gleich als Philomena stete trew unnd liebe ewig zu leisten
versprochen hatt also auch Rosamunda irem allerliebsten ritter versprach und
besagt, der ir auch ein schönes kostliches kleinot zu einem haftgelt gab.
Laureta, welche aller gescheidigkeit voll was, die sach auch wohl verstohn kundt,
aber keineswegs dergleichen tet, als ob sie es verstanden hett. Philomena und
Gabriotto also die zeit in dem schoch ein gute zeit vertriben. Also die vier
lieben den ganzen tag mit freündtlichem gespräch und ander freüd, doch alles so
züchtig und erlich, das es nit zu glauben ist, [vertriben].
    Als nun der tag vergangen und die zeit kam, das man zu tisch geblasen hat,
Laureta die beden ritter durch sicher und verborgene weg von dannen trieb. Die
sich mit grossem unwillen von iren allerliebsten junckfrawen scheiden mussten,
einander freündtlich umbfahen tetten, von dannen giengen, zu hoff kamen, sich
mit andren des künigs hoffgesind zu tisch nidersetzten, das mal mit grossem
unmut vollbrachten; lieber bei iren allerliebsten junckfrawen gewesen weren,
aber wohl gedencken kundten, das es nit wohl geschehen möcht; darumb ire hertzen
zum teil in friden setzten, nach dem nachtymbiss mit einander zu bett giengen.
 
                                      28.
Wie der künig bei dem rosenstock argwenig gegen Reinharten und Rosamunda werden
          tet, auch wie Gabriotto den preiss auff dem turnier behielt.
Dieweil sich nun unter andrem vil und mancherlei verlieff mit disen zweien edlen
rittern und iren lieben junckfrawen, das als nit von nöten ist zu schreiben, als
sich nun das Glück anhub von inen zu wenden unnd ir heimliche liebe an wolt
sahen aussbrechen, begab sich einest in dem meien, das die künigin dem künig
einen schönen unnd wolgestalten son geberen tet. Davon der künig unnd als
hoffgesind mit grossen freüdenn umgeben warde, allentalben in der statt
freüdenfeür entzündt wurden dem jungen künig zu ehren. Als nun das kind zu tauff
mit grosser reiligkeit getragen ward unnd geteüffet, der künig in aller statt
auff allen plätzen gelt under das volck werffen liess. Darnach der künig einen
mechtigen hoff aussrüffen liess in allem seinem land, darauff er alle fürsten unnd
herren berüffen tet. Der hoff ward angestelt auff den achtzehenden tag des
brachmonats, damit sich sich yeder nach seinem gefallen darzu ordnen unnd rüsten
möcht. Es was auch angesehen, das die künigin dieweil aus der kindtbett käm.
    Sobald nun die beiden junckfrawen von dem hoff vernummen hatten, wohl
gedachten, ire ritter sich auch darzu rüsten würden. Deshalben sie inen mittler
zeit yede ein schöne liberei machen liess. Die junckfraw Rosamunda irem ritter
einen schönen und köstlichen rossenstock von berlin und goldt nach dem
allerbesten sticken liess, welchen er hinden und fornen auch an seinem harnasch
köstlichen hat lassen malen, und den köstlichen rossenstock auff seinem helmlin
füret. Seinem rossz liess er machen ein verteilte seidene decken rosseinfarb und
weiss und allentalben mit rechten nateurlichen rossen behencken; und wo die decke
weiss was, da hatt er der allerschönsten roten rossen daran lassen hefften, so er
sie gehaben mocht; wo aber das feld rot, was es mit den weissen rossen behencket.
Darzu was sein keirissrock von gleicher farb von gutem kermessein, roseinenrot
und weiss unnd auch allentalben mit rossen gleich der decken behangen. Das dann
also schon unnd lustig anzusehen was, das menglich sich darab verwundret. Er
hatt auch hinden unnd vornen an seiner brust einen reimen umb sein leibery also
gesichriben: So gott will, das eim geligt, der mei im vil der rossen bringt.
    Philomena aber irem ritter ein fliegend hertz mit einer guldenen kron auff
sein helmlin befal zu füren, dergleichen hinden und vornen an seiner brust ein
ballen mit einem reimen darumb also lautendt: Gross freüd ich in meim hertzen
trag, als trawren in den lufft ich schlag. Sein rosse, was bedeckt mit einem
schneeweissen seidig tuch oder decken, darin allentalben von roten kermessein
hertzen darauff gehefft waren. So was sein keürissrock ein schwartzer kermessein,
an dem an allentalben ballen gestickt waren.
    Als nun die zeit kummen was unnd yetz allentalben auff das hochzeit kummen
waren, da ward keiner kurtzweil vergessen. So lang der küniglich hoff weret,
must yederman frölich sein, es wer jung oder alt; dann es der künig also haben
wolt. Als nun die hochzeit bei vier tagen geweret hatt unnd der künig meint ,
das die frembden herren, so ettwann weiter geritten waren, yetzund wohl gerugt
hetten, desgleichen ihre pferdt, da liess der künig ein kurtzen turnier
aussrüffen, auff welchem sich ein yetlicher nach seinem besten vermögen brauchen
möcht, doch kein ander kleinot noch gab da erlangen solt. dann das im die frawen
unnd junckfrawen preiss und ehr nachsagen sollten und in mit einem krantz begaben;
den sollten sie nach ihrem gefallen so köstlich machen, als sie wollten. Das
gebott des künigs für die junkfraw Philomena kummen was. Als sie das vernam, mit
raht der künigin und andren ihren junckfrawen einen überaus köstlichen krantz
machet. Daran nun der künig nit ein klein gefallen hat, aber nit haben wolt, das
der krantz auff der ban gezeigt würd, so lang biss das stechen geendt ward, unnd
damit nit mancher nach der reiligkeit des krantz unnd auff geit trachtet: allein
wolt er wissen, welcher under ihn den preiss von frawen kennt, um frawen begert
zu erwerben.
    Als nun der bestimpt tag kummen was, ein lustiger platz darzu verordnet, so
zunechst vor der statt was, aller mit schrancken umbgeben und reinem sand
überschüttet was. Ein herolt sampt einem trummeter menglichen zu dem stechen
verkundten, allentalben in der statt umbritten zu allen herbergen, da die
frembden herren, ritter und knecht in lagen. Deren keiner gern der hindrest sein
wolt, sich also fürderlich auff die ban schickten. Eh dann die stund kummen was,
alle die, so zu dem turnier geschickt waren, in den schrancken auff iren geulen
hielten, nicht mer warten teten dann des künigs und seiner räht, dergleich der
frawen und junckfrawen, denen es bald kundt getan  wand. Die auch nit lang
verziehen teten, an das ort bekamen, dahin sie dann verordnet waren. Als nun
der künig mit sampt seinen räten einen semlichen wohl geordneten zeüg sah, deren
dann ein erbare summ was, sich nit gnug vervundren kundt (dann inen gar bei die
schrancken zu eng gewesen weren) und vorab, als er sah manchen alten ritter unnd
graffen und freien, die er dann an ihren harnasch und liberei erkennet. Das im
dann der künig ein sundere grosse freüd nam unnd seinem herolten befalch
ausszuschreien, wie ihr dann hernach hören werden.
    Da sich nun die frawen unnd junckfrawen ein yede nach irem stand und wirden
gesetzt hatten, der herolt anhub auff semliche Meinung ausszuschreien:
Hochgebornen, strengen, edlen, vesten, mein allergnädigster herr der künig lasst
euch allen gebieten und einem yeden in sunderheit, wer der sei, so ein keib
gegen einem andren hette, der soll hie keinen neid oder hassz brauchen, sunder
freündtlich unnd lieblich einen sper oder so vil in lust den frawen und
junckfrawen zu gefallen zerbrechen. Welcher aber ye seinen hass und neid nit
erlassen möcht, dem gebeüt ich aus befelch meines allergnädigsten herren des
künigs, still zu halten und von der ban ungerennt hin unnd abweg zu reite, so
lieb im des künigs huld sei. Darauff heben an in dem namen gottes, wann ir
wöllen!
    Als nun der herolt aussgeredt hat, da kamen ettlich, so zu den schrancken
verordnet waren, die ordneten, das ye vier zusammen rennen sollten; dann ihr nit
mer dann vier in den schrancken platz haben mochten. Als nun auff der einen
seiten sich viere mit iren speren herfür getan  hatten, under denen was der
ritter Orwin, derselb furt auff seinem helmlin einen abgestimpfften besen, den
ersah Gabriotto, von stund an sich gegen im herfür machet; Reinhart allzeit
neben seinem gsellen reiten tet. Als sie nun zu beiden seiten eingelegt hatten,
die hertrummen mit ganzer macht auff allen beiden seiten der schrancken
ertonten, das es eim durch seinen ganzen leib gon tet, die acht ritter mit
mannlichem gemüt zusamen rannten; ein yeder meint des andren mächtig sein. Indem
sie nun zusamen kamen, Gabriotto den Orwin mit semlicher macht traff, das er in
des ersten ritts zu boden gerannt hett, wo er nit von ungeschicht sich an einem,
so neben im rannt, entalten hett. Also er sich in grossen zorn auff seinem
hengst entielt zu end der schrancken reit sein sper wider zu seinen handen nam,
dem ritter Gabriotto wider begegnet, welcher in mit solcher geschicklichkeit
traff das er von seinem gaul zu der erden fallen musst. Darzu Gabriotto sein sper
zu stucken hoch in die lüfft zersprenget.
    Des stolzen ritts meniglich warnam. Philomena unnd Rosamunda die libery
deren beiden jungen ritter wohl erkannten, aber sunst keine erkennen mochten;
gern gewifä hetten, wer der ritter mit dem besen gewesen wer, dem Gabriotto so
seüberlich abgekert hat. Der künig selb den ritter Gabriotto nit erkennen mocht,
zuletst ein reitknecht fragen tet, wer der ritter mit dem fliegenden hertzen
wer. Der im zuhandt antwort gab: Allergnädigster herr, es ist Gabriotto, der
jung ritter. - Fürwar, sprach der künig, sein wesen mir nit übel gefalt. Er
fragt weiter nach dein mit dem rosenast; der ward im angezeigt, es wer Reinhart,
der ander jung. Davon der künig ettwas unwillens empfieng, sich doch keineswegs
nit mer annam: aber von stund an in ein argwon gegen dem ritter fiel, das im
Rosamunda, die junckfraw, ein semliche libery angezeigt oder villeicht hett
machen lassen. Daher dann der erst unwillen kam von dem künig gegen dem ritter.
    Als nun das stechen den ganzen tag geweret hat unnd yetz yederman wider zu
Haus geritten, dem ritter Gabriotten von menglich der preiss geben ward: dann
keiner des tags auff die ban kummen was, so sich den tag so mannlichen unnd
ritterlichen gegen manchem gehalten hat. Das wir yetzund umb kürtze willen
underlassen wend unnd sagen, wie sich der dantz des abendts angehaben hat, auch
in was gestalt dem ritter Gabriotto das kleinot, so er gewunnen hatt, zugeteilt
ward.
 
                                      29.
 Wie Gabriotten der krantz geben ward, so er auff dem turnier erlangt hat, wie
  der künig Gabriotten den vordantz mit Philomena gab unnd zu red stalt seines
                                gesellen halben.
Ir hand gehört, wie der ritter sich so mannlichen auff dem stechen gehalten hat.
auch wie im von frawen unnd junckfrawen der preiss gemeinglich geben und
zugeteilt ward, des nun Philomena grosse freüd in irem hertzen bringen tet.
Der künig verschuff durch seinen trummeter und herolten, das sie in der statt
umbritten unnd alle frembden herren, ritter und knecht an den küniglichen hoff
zu dem nachtymbiss laden sollten: das dann alsbald nach dem küniglichen befelch
geschach.
    Da nun die zeit kam, das menglich zu hoff erschein, da ward mancherlei
seitenspil gehurt, so lang biss man zu tisch sass. Der künig verschuff, das der
ritter Gabriotto an den nechsten tisch bei seinem tisch gesetzt ward desgleichen
Reinhart und Gernier, Gabriotten vater, welcher sich den tag auch weidlich
gedummelt hat. Der künig dem ritter Gabriotten vor allem seinem hoffgesind den
preiss gab. Als nun der nacht ymbiss vollbracht ward und man yetz die tisch
auffhaben wolt, der künig zu seiner schwester Philomena sprach: Schwester, nun
sag an. wem meinst du, das du den krantz geben wöllest? Dann es noch bei disem
abendt geschehen soll. Deshalben bedenck du dich! Welchem du ihn under allen
herren geben würst, der soll und muss den ersten dantz mit dir haben. Die
junckfraw Philomena sprach: Allerliebster herr und bruder, wem wolt ich in
billicher geben dann dem, so von frawen und junckfrawen der preiss geben würt? -
Recht unnd wohl hast du geredt, sprach der künig, verschaff, das der krantz
bracht werd! Dann man würt zuhand den dantz anfahen.
    Die junckfraw ir kammermeisterin nach dem krantz schicket, die der
junckfrawen gebott gehorsam was. Als sie in nun bracht hatt, der künig in zu
seinen handen nam. Sicher, sprach der künig, dem krantz an köstlichheit nit vil
manglet. Wol dem, so ein solcher zu teil würft. In dem ward der dantz
angehaben. Philomena den schönen wolgemachten krantz nam, mit grossen freüden zu
Gabriotten kam, also sprach: Junger ritter, nemendt hin den krantz, so euch von
frawen und junckfrawen gemeinlich zugesprochen ist von wegen ewers dapffern und
adelichen gemüts! Der ritter von grossen freüden aller in seim angesicht
entferben tet, die gab von seiner allerliebsten junckfrawen nam, sie
freündtlichen umbfahen ward, das in dann zu beiden seiten unmessliche freüd
bringen tet. Demnach den dantz mit züchten anfiengen. Alle, die da zugegen
stunden, sich der beider schöne nicht gnugsam verwundren mochten. Die andren
herren, frawen unnd junckfrawen auch anhuben zu dantzen, also der dantzpalast
mit einem schönen dantz erfüllt was.
    Als nun der erst dantz ein end nam, der künig dem jüngling ritter Gabriotto
befalch, die andren nachgonden dåntz nach seinem gefallen ausszuteilen, das er
nach des künigs befelch nach allem seinem vormögen vollstrecket. Als nun die
hoffspileüt den andren dantz auffmachten, der ritter die junckfraw Rosamunda nam
mitsampt einer andren edlen junckfrawen, die Rosamunda Reinharten, seinem
gesellen, befahl, die andren einem jungen graffen.
    Nun hat der künig sunder acht genummen, wem der ritter Rosamunda zufüren
wolt. Als er nun sah, das er sie Reinharten bracht ward, noch mer in argwon
gegen inen beiden fallen tet, zuhand dem ritter Gabriotten wincket, zu im
sprach: Ritter, ich bitt dich, mir des, so ich dich fragen will, ein rechten
waren bescheid geben wöllest. Sag mir, ist dir ettwas von der liebe wissen, so
Reinhart zu der junckfrawen Rosamunda tragen tut, so zeig mirs an! Dann ich ein
gross gefallen in dem ritter hab; unnd so ich sein liebe recht erkannt, verhoff,
ich wolt zuwegen bringen, das under in ein rechte ehe beschlossen werden solt.
Der künig aber solche wort aus lauterem falschen hertzen redt; dann er wusst die
beiden ritter einander so liebhaben, das ir keiner wider den andren reden mocht,
wo er gedencken mocht, dem andren ettwas args daraus zu erwachsen. Darumb der
künig also gegen dem ritter gleiset; es was aber sein fürnemen, wo er erfaren
möcht das Rosamunda von Reinharten liebgehabt würd; er er wohl in seines hoffs
unnd ganzen künigreichs verwisen haben.
    Der ritter Gabriotto dem künig mit wolbedachtem mut antwort auff sein frag
geben tet, also sprach: Allergnädigster herr künig, davon mich ewer mayestet
gefragt hat, ich ganz kein wissen trag. Wo aber lützel oder vil an der sach
wer, ich glaub, mein gsell Reinhart mir nichts daran verhalten würd. Der künig
die bescheiden antwort des ritters in im selbs loben musst, anfieng und sprach:
Wolan, ritter, dieweil du ein semliche Meinung in dir hast, so lass recht die
sach also bei dir bleiben! Dann ich im auch nit weiter nachfragen will. Also dem
ritter befalch, nach seinem willen den dantz weiter zu versehen.
    Mit grossen freüden der abent biss in die finster nacht vertriben ward, biss
die zeit kam, das yederman der rug begert. Urlaub von dem künig namen; yeder an
sein herberg an sein rhu ging, biss der ander tag kam.
 
                                      30.
Wie der künig ettlichen seines hoffgesinds befelch gab, Reinharten nachzuspehen;
das aber herr Eberhart von der Lilien nit gehelen wolt, vil seiner gsellen davor
                                    warnet.
Als nun die hochzeit ettlich tag geweret hat unnd nun ein end nam, die fürsten
unnd herren alle wider zu Haus zogen. Dem künig der argwon des ritters halb noch
nit aus des künigs hertze was; in im gedacht, ettlich seines hoffgesinds
anzurichten, das sye mit alllem fleiss dem ritter zu allen zeiteil nachgon sollten
unnd mit ernst warnemen, wo sie den ritter bei der junckfrawen ston schen oder
ander zeichen an im mercken muchten, das sie ihm ein semlichs unverzogenlich zu
wissen tun sollten. Des sye ihm gemeinlich zusagten.
    Nun was under disen einer, genant Eberhart von der Lilien, ein weidlich jung
edelman. Als sie von dem künig gangen waren, er in im selb bedencken ward den
gwalt der liebe unnd sagt damit also zu ettlichen under seinen gsellen: Ir mein
allerliebsten herren und eidsverwanten, ich muss bekennen, das wir all, demnach
uns unser eid weisen tut, unserm allergnådigsten herren dem künig schuldig
seind, seinen gebotten gehorsam zu sein. So ich aber hindersich gedenck, so weiss
ich, ewer keiner ist, er hat den gwalt der liebe empfunden, mit was starcken
ketten unnd banden er zwei zusamen verknipffet. Solten wir uns nun underston,
dem ritter der Meinung nachzugon unnd sein liebe also von im erfaren, dem künig
die anzeigen? Daucht mich fürwar ein unrechts ding sein. Bevor, so dem ritter
ettwas args daraus erwachsen solt, werend wir ye verruter an im worden. Nun
betracht ein yeder, so im ein semlichs begegnen würd, was gfallens er darin
haben wolt. Darumb wer mein raht unnd enttliche Meinung, wir wollten dem künig in
dem won lassen, als ob wir dem ritter tåglich nachstrichen. Ich sag aber zu meim
teil, wo ich in bei der junckfrawen sind, ich mich ein andren weg wenden will
und gleich tun, als ob ich nichts seh, es geschehe mir doch darumb, was es
wöll.
    Die red, so herr Eberhart getan , den andren allen wolgefiel, ihm auch
dergleichen zu tun versprachen. Also hub einer an under in allen und sprach:
Fürwar, der raht des herren von der Lilien mir ganz wolgefallen hat. Dann im
fürwar also ist, wie er anzeigt. Ich bekenn mich, das ich auch ettwann zu frawen
unnd junckfrawen liebe getragen hab. Solt mir dann einer oder mer auff solche
Meinung nachgezogen sein, ich wolt eiin sein Hals abgestochen haben. Yedoch noch
eins zu betrachten ist. Ihr wissend, da uns der befelch von dem künig ward,
unser noch vil mer gewessen seind, unnd nammlich die, so yetzund nit zugegen
seind. Den allen ist wohl mit semlicher verråterei, namlich dem Orwin, der
warlich an dieser sach, glaub ich, die grusst ursach ist, als ir noch all in
frischen gedechtnus haben, wie er den pappagei underricht hat. Derhalb von nöten
sein will, das unser einer den ritter mit subteilen worten vor semlichem warnet.
Darzu mich keiner besser duncket dann der von der Lilien; dann er sein
sunderlich mer kundschaft hat dann unser keiner.
    Eberhart zu seinen gsellen sprach: Lieben herren nnd guten freund, eh bin
willig dem ritter ein semlichs anzuzeigen, damit ihm nichts args daraus erwachs,
wiewol mir von seiner lieb mir ganz nichts zu wissen ist. Ich will mich aber
dermassen gegen im mit worten halten, das im kein verdruss davon bekummen soll.
Des sie in allsamen yetlicher in sunderheit freündtlich bitten warden, das in
herr Eberhart versprach. Also von einander yeder seinen geschefften nachgieng.
 
                                      31.
Wie herr Eberhart von der Lilien Reinharten trewlich warnet, sich vor des künigs
                               auffsatz zu hüten.
Eberhart von der Lilien mit ganzem fleiss betrachtet, wie er sein red mit dem
ritter anfahen wolt, damit er ie zu keinem verdruss annem. Nit lang zeit
vergieng, das er [und] der ritter mit einander auff eim entenbeisen allerhand zu
red wurden. Als nun den von der Lilien zeit daucht mit dem ritter, anhub und
sprach: Herr Reinhart, ich hett wohl ettwas vor lang im sinn gehabt mit euch zu
reden, unnd hat sich aber nye als auff dissmal wöllen schicken. Darumb so bitt
ich euch zuvor, so ich etwas mit euch reden würd, das euch zuwider wer, ihr
wullend mirs vergeben; dann es aus lauter warer und rechter trew beschicht. Es
hat sich begeben vergangner zeit, das unser allergnådigster künig unser ettlich
zusamen hat lassen beruffen und uns ettwas fürgehalten, das euch dann, wo es
also wer, wie im der künig fürnimpt, zu grossem schaden dienen würd. Darumb so
hahd unser ettlich mit einander beratschlagt, euch freündtlicher Meinung zu
warnen.
    Reinhart die wort mit grossem verwundren zu hertzen nam, nit wissen mocht,
was er doch wider den künig misszhandlet hett, kein gedencken hat, das im der
künig der junckfrawen halb auffsetzig sein solt. Zu dem von der Lilien sprach:
Lieber herr, ich bedanck mich auffs höchst gegen euch, auch andren, so nun in
solchem fall gedencken, mich vor meinem übel understohn zu warnen. Ich kann aber
warlich nit wissen, womit ich mich doch gegen meinem herren dem künig verschuldt
hab, das er semlich auffseher auff mich bestelt hat. Ich bitt aber euch, wöllend
mir ein sollichs offenbaren, damit ich mich dest bass wiss zu hüten. Dann es möcht
ein solche sach sein, so ich villeicht on alles wissen tet unnd ein semlichs
nit für unrecht schätzet.
    Der von der Lilien anhub und sprach: Herr ritter, ich will euch die Meinung
des künigs nit verhalten. Es ist mein herr der künig in einem solchen argwon
gegen euch, das er gäntzlich glaubt und haltet, ir unnd Rosamunda die junckfraw
seiendt in liebe mit einander vereinbart; davon will er sich ganz nit lassen
abwenden. Darumb, edler ritter, euch von nöten ist solchs zu wissen. Dann so ir
ettwann von ungeschicht bei der junckfrawen stunden zu reden unnd dann in dem
gegen dem künig versagt würden, ir möchten dardurch in gross leiden unnd leid
kummen, das mir dann von ganzem hertzen leid wer.
    Der ritter von der red ein solchen grossen schrecken empfieng, das er kaum
auff seinem rossz mocht bleiben, ein gute zeit also ungeredt fürreit, zuletst
anhub unnd sprach: O neid und hassz, o du schandtlicher böser klaffer! Ach gott,
wer mag doch der sein, so mich also gegen meinem herren dem künig also
fälschlichen dargeben hat! Nun muss mich ymmer rewen, das ich Engelandt all mein
tag ye ersehen hab. O schöne unnd tugendtliche junckfraw, was werden ihr
gedencken, so ihr ein semlich red von mir und euch hören aussgon! Ir mögen wohl
sagen, das ich euch zu allem unglück in diss künigreich kummen sei, dieweils ir
vormals auch in einem solchen gewert, mit mir gewesen sind, als der,
schalckhaft vogel mir durch falsche underweiser solcher ding auch zulegen wolt.
Gott wöll, ich mich mitlerzeit an solchen meinen widersächern gerechen mög.
Demnach zu dem von der Lilien sprach: Edler herr, ich sag euch zu dem höchsten
danck ewer getrewen und brüderlichen warnung. Ich hoff auch zu gott, er wird mir
die gnad geben, semliche gutat um euch zu beschulden.
    Mit dem gespräch also der statt zuritten. Dem ritter Reinharten seer we zu
mut was; mit grossem verlangen er warten musst, das er zu seinem allerliebsten
Gabriotten käm, das er im sein ellend anzeigen unnd klagen möcht unnd seines
guten rahts darinnen pflegen, des er dann sunst von nyemandt begeret.
 
                                      32.
Wie Reinhart seinem gesellen sagt von der trewen unnd freündtlichen warnung, so
                       im der von der Lilien getan  hat.
Alsbald nun Reinhart von seinem pferdt gestanden, in stiffel und sporen seinen
allerliebsten Gabriotten suchen ging. Den er in kurtzer zeit finden tet, mit
einem trawrigen angesicht unnd schweren seüfftzen anhub unnd sprach: O mein
allerliebster bruder und freündt, das gross verlangen, so ich nach dir gehabt
hab, ich dir in keinen weg erzalen mag. O gott, wie oflft hab ich [dich] diss
tags zu mir gewinschet, damit ich dir mein grosses ungefell, so mir entgegen
ist, het mögen entdecken! O du mein allerliebster bruder und trewer rahtgeber,
nun ist mir erst von nöten deines rahts zu pflegen; dann mirs, dieweil wir aus
Franckreich zogen seind, übler nye ergieng.
    Der ritter Gabriotto von seines gsellen worten einen solchen grossen
schrecken empfieng, das er im darauff nit wohl kundt antworten; dann er nit
gedencken mocht, was ihn doch zu solcher schweren, klag verursachet. Yedoch
zuletst anhub und sprach: Mein allerliebster Reinhart, mich wundert nit ein
klein, womit du umbgangest. Was ursacht dich doch zu einer solchen schweren
klag? Ich bitt, mirs anzeigen wöllest, damit ich aus dem zweifel kumm. - O mein
allerliebster Gabriotto, du solt wissen, das ich nit unbillich ein solche klag
vor dir füren tun; dann mirs warlich trübsäliger nit ergon möcht. O Gabriotto,
es ist an dem, das ich mein allerliebste Rosamunda wider allen meinen gedanck
meiden muss. Dann ich warhaftig zeügen hab, das mein herr der künig auff mich
ettlich seiner diener bestelt hat, so uff mich warten und gon sollen; unnd wo
sye mich in einicherlei weg betretten mögen, sollendt sye im das on allen verzug
anzeigen. Darumb, mein Gabriotto, wöllest mir hierinnen raten, wess ich mich
halten soll!
    Als nun Gabriotto seines gesellen wort gäntzlich verstanden hat, kam ihm in
gedanken die frag, so der künig an in getan  hat, anhub uund sprach: Warlich,
Reinhart, es ist nit lang verschinnen, das mich unser gnädigster herr zu red
stalt und mich ernstlich von deiner und junckfraw Rosamunda lieb fragen tet.
Darauff ich im kein antwort gab, dann das mir von semlicher liebe ganz nichts
zu wissen wer. Ein semlichs der künig also bleiben liess und mich nit weiters
fragen tet. Das aber ich dir nit hab wöllen sagen, hat mich auch nit von nöten
gedaucht sein. Wo im aber also wer, wie du mir anzeigest, fürwar ein grosse sorg
darauff ston würd; dann ich hiebei wohl abnimm, das der künig solche frag uss
einem lauteren falsch getan  hatt. So hab du nun zumal dein selb gewalt und
meid, so fast du magst, weg und steg, so sich die junckfraw gebrauchet! Begeb
sichs dann weiter, das der künig frag hernach haben würd, also das man den
auffsatz zu vil besorgen müsst, so will ich dir aber in ander weg mit meinem raht
beholffen sein.
    Der betrübt Reinhart, welcher mit schwerem gemüt beladen was, seinem
gesellen versprach, seines rats zu pflegen, wiewol im schwer was, seine liebe
junckfraw also zu verlassen. Yedoch ihm furnam, der junckfrawen zu schreiben und
ir den brieff bei der ertzettin verborgenlich zu schicken, die dann solcher lieb
wohl wissen trug.
 
                                      33.
 Wie Reinhart zu frawen Laureta kam, ihr sein leid zu wissen tut, irs getrewen
                             rahts darin begeret.
Reinhart mit ganzem bekümmerten hertzen von seinem gsellen gangen was, manchen
schweren gedancken hat, heimlich in sein gemach ging, nidersass, auff solche
Meinung anhub einen brieff zu schreiben:
    Mein hertz, sinn und gemüt, hertzliebste junckfraw, allzeit bei euch bleiben
würt, und ob schon der klaffer mit seinem falschen list uns noch einmal so
widerwertig wer. Ir sond wissen, mein allerliebste Rosamunda, das uns das Glück
nun zumal ganz widrig ist. Unnd ist das die ursach, es hat mein allergnädigster
herr der künig ein mercklichen argwon auff uns beide geworffen, also das er
Gabriotten von unser liebe ernstlich befragt hat, sich aber an seiner antwort
nit beniegen lassen, uns aber zu einem auffsatz vil seiner diener bestellt,
welche tag und nacht uff uns warten sollen. Wie sie uns dann bei einander finden
ston oder gon, so sollend sye das dem künig zustund anzeigen. Darumb, mein
ausserwölte Rosamunda, ir zu keinem verdruss annemmen sollen, so ir mich nit als
vor gegen euch befinden. Dann wiewol mein weiss und geberd sich endren unnd
verkeren, so soll doch mein hertz nymmermer von euch wenden, so lang uns der
allmechtig beiden unser leben verlihet. Hiemit, allerliebste junckfraw, wöllend
mein nit minder ingedencksein; dann ich ewer zucht und schöne in mein hertz
gebildet hab. Gott bewar euch vor allem trübsal!
    Als nun der ritter disen brieff geschriben hat, ihn auch nach aller noturfft
verschlossen, ist er wider gangen, seinen allerliebsten Gabriotten zu suchen.
Die zwen edlen ritter umb kürtzung willen ihrer langen weil auffgesessen sind,
mit iren falcken nach ir gewonheit zu feld ritten, ein lang zeit nichts anders
reden kundten dann von iren liebsten junckfrawen. In dem einen schönen fasandt
antraffen. Reinhart mit seinem falcken dem fasandt so lang nachvolget, biss er in
zu der erden stiess. Des der ritter ettwas mutiger ward, im zuhandt furnam, den
fasandt seiner allerliebsten Rosamunda zu schicken, wie er das doch zuwegen
bringen möcht. In dem wider zu seinem gsellen kam, der sich des fasandts auch
erfrewen tet; wider mit einander der stadt zu ritten. Reinhart seinem gsellen
seinen anschlag entdecket, ihm auch sagt, wie er der junckfrawen Rosamunda einen
brieff geschriben hett, in rats fraget, durch welcherlei weg er doch Rosamunda
den brieff überantworten und zustellen solt. Gabriotto im antwort und sprach:
    Lieber Reinhart, ich glaub, die sorg, so darauff statt, du selbs wohl ermessen
kündest. Darumb wer dir von näten fleissig in der sach zu handlen, damit ein
semlichs dem künig nit zu wissen würd. So du aber meinem raht volgen wilt, must
du die sach dermassen angreiffen, dich heimlich und still zu Laureta fügen und ir
den fasant befehlen Rosamunda zu bringen. Du magst ir auch den brieff, davon du
mir gesagt hast, wohl vertrawen. Dann du weist, sie unser beider lieb gut wissen
tregt; derhalben du dich irentalben nit besorgen darffest.
    Reinhart seines gesellen raht wohl verstanden hat, im mit fleiss understund
nachzufolgen, von stund an weg suchet, damit er zu Laureta kummen möcht. Nit
lang stund, seinen fasandt nam, den brieff im mit listen under sein flügel
verbergen tet, in zuhandt Laureta bracht, die er nach seinem begeren allein
fand in ihrem gemach sitzen. Als er sye nun mit freündtlichen worten gegrüsst
hat, sich zu ir nidersetzt, anhub und sprach: Fraw Laureta, ihr sond euch meiner
zukunft keinswegs verwundren. Dann mein hertz dermassen zu euch geneigt ist, das
ich weiss, mir niemants dann ir in meinen nöten hilfflich sein mag dann allein
ihr. Mit dem fraw Laureta all sein leid zu wissen tet, sie damit bat, junckfraw
Rosamunda den brieff zu antworten sampt dem gfangnen vogel. Des alles sie im
trewlich versprach, damit den fasandt und brieff nam, das biss zu seiner zeit
verwaren tet.
    Als nun fraw Laureta die junckfraw Rosamunda on alles fehlen allein wusst zu
finden, nam sie den fasandt und bracht in Rosamunda der junckfrawen, also
sprechend: Rosamunda, edle junckfraw, ewer ritter, so euch ob allen junckfrawen
lieb hat, der schickt euch disen vogel, unter welches flüglen ir seines trübsals
ein gnugsamen bericht finden werdt. Die junckfraw Rosamunda den vogel mit
grossem danck von fraw Laureta empfahen tet, den brieff mit grossen freüden
auffschloss, ihn aber sobald nit anhub zu lesen, mit tausentfaltigem leid
umbgeben ward, nit wusst, wovon doch semlicher auffsatz erwachsen wer. O Glück,
sprach sie, wie hast du mich in einem augenblick so gar aller meiner freüden
beraubt und mir all mein trost und hoffnung benummen! Weh dem, der sich
gäntzlich auff dich meint zu verlassen! Dann du mit hönnigsüssem anfang deinen
undertonen begegnen tust, aber mit gifft unnd gallen deinen aussgang beweisest.
Nyemandts auff erden dir getrawen soll. Das hast du an mir unnd meinem
allerliebsten ritter verschuldet. Mit solchen und andren, worten Rosamunda sich
lang zeit klagen tet, auch irer klag kein end gab, so lang sie von Philomena
getröst ward.
 
                                      34.
   Wie die beiden ritter von ungeschicht vor der statt spacieren gon, und ein
    nigromanticus zu in kam, sie beid mit iren nammen nannt und ansprach für
                                 schulgesellen.
Nit lang darnach begab sich eines tags, das Reinhart und Gabriotto mit einander
vor der statt spacieren giengen, einander ir anligen und leidt klagten. Wie sye
nun also in einem ernstlichen gespräch sind und nyemandts kein achtung haben, so
kumpt zu in ein mann von viertzig jaren in einem seltzamen frembden kleid, der
hebt an mit in zu reden und spricht: Reinhart und Gabriotto, ir beiden jungen
ritter aus Franckreich, gott der allmechtig verleih euch gesundteit und krafft!
Er geb euch auch alles das, so ir an in begeren!
    Die beiden jungen herren sich nit genugsam von diser frembden red verwundren
mochten, den guten mann ansahen, welcher in frantzösischer sproch mit in geredt
hat, auch sye beid mit iren nammen genent hat. Zuletst fieng Reinhart an und
sprach: Guter freündt, wer du bist, ist uns beiden verborgen. Deine wort aber
gend zeügnüss von dir, das du uns alles guts gunnest. Gott wöll, uns nach deinen
worten geling.
    Aber so es dir nit zuwider wer, wollten wir deinen nammen und herkummen gern
wissen.
    Der gut mann zu ihn sprach: Ir jungen edlen ritter, ich bin genant Valentin
von Paris und hab ewer beder, dieweil ihr jung gewesen, gute kundschaft
gehabt. Das aber ihr mich yetzund nit mer erkennen mögen, ist kein wunder nit.
Dann ich, dieweil ihr knaben von zehen jaren gewesen sind, von Paris kummen bin
unnd hab seidher mein zeit in der nigromantzei vertriben, auch manchen ferren
und weiten weg gezogen, biss ich der kunst nach meinem willen ein geniegen
erfaren hab.
    O Valentin, sprach Reinhart, dieweil du einer solchen kunst bericht bist, so
möchtest du uns beiden wohl zu steür kummen; dann ich oft unnd vil von solcher
kunst hab hören sagen. - Junger ritter, sprach Valentin, so meines bleibens
allhie wer, wolt ich euch in allem dem, so ich kündt, steüren und euch zu
statten kummen. Das ir aber vermeinendt euch ein semlichs zu underrichten, mir
in einer solchen kurtzen zeit nit müglich sein mag. So mich aber der weg aus
Portugal wider in diss künigreich tragen tut, will ich euch zu dienst, so lang
es euch gefallen tüt, bei euch bleiben unnd euch, so vil ihr fassen mögen,
underweisen.
    Des im die beiden ritter danck sagten. Yedoch fieng Reinhart an und sprach:
Mein Valentin, dieweil du uns yetzund in solchem fal nit geweren magst, so bitt
ich doch eines dings, so es dir anderst zu wissen ist, du wöllest mich lernen
ein geschrifft schreiben, so nyemandts lesen kann dann der, dem ich das offenbar.
- Das will ich tün, sprach Valentin. Damit zeigt er dem ritter an ettliche
materien, damit man auff tuch oder papyr schreiben möcht, und aber nit zu lesen
wer dann in einem lauteren brunnenwasser. Des ihm Reinhart grossen danck saget.
Er braucht auch nachgonds semliche kunst zum offteren mal gegen seiner
allerliebsten Rosamunda, dergleich Gabriotto gegen Philomena, seiner geliebten
junckfrawen. Demnach Valentin urlaub von inen nam; ir keiner hernach vernam, wo
er hinkummen wer.
 
                                      35.
 Wie Reinhart von dem künig in dem frawenzimmer: funden ward, was der künig mit
                                    im redt.
Als nun Reinhart ein lange zeit mit trauren unnd klagen vertreiben tet, sich
eines tages begab, das er mit seinem gselmit Gabriotten in das frawenzimmer
ging. Da sie Philomena mit allen iren junckfrawen funden sitzen, nit wenig
freüd empfiengen, allein das sie einander ansehen sollten. Als aber nun die
falschen zungen, so dem edlen Reinharten täglich auffzetzig waren, ein semlichs
vernummen hatten unnd namlich der falsch Orwin, welcher dem ritter zuvor neidig
und auffsetzig war, derselb zu stund wargenummen hat, das Reinhart in dem
frawenzimmer was, derhalben er sich bald zu dem künig füget, anhub und sprach:
Allergnädigster herr und künig, so mich ewer küniglich mayestet nit sunderlich
verdencken wolt, ich euch warlich anleitung geb, damit ir Rosamunda und iren
Reinharten bei einander funden.
    Der künig anhub und sprach: Orwin, du solt dich keins argen zu mir versehen;
dann ich dir und manchem meinem diener solchen befelch geben hab. Darumb sag mir
nur trostlich, wo ich den ritter finden mag! - Gnädiger herr, sprach Orwin, es
ist nit lang, ich ihn sampt seinen gsellen Gabriotten in das frawenzimmer gon
sah; darin ich sye zu vil malen unnd nun ein gute zeit hab sehen sitzen und
namlich Rosamunda und Reinharten ihr gesprech mit einander treiben.
    Der künig von zorn in seinem angesicht erbrann, sich zuhandt in das
frawenzimmer fügen tet, da er nach des ritters sag die beiden jungen ritter
finden tet. Der künig sich mit grimmigem angesicht gegen dem ritter Reinharten
keret, anhub und sprach: Einem jungen ritter, Reinhart, als du bist, will nit
gebieren, sein zeit also stetigs bei frawen und junckfrawen zu vertreiben. Ich
rieht, du stündest solcher sachen, so du vor dir hast, mussig; anderst ich sag
dir, du würst grösslich dein schaden tun. Mit dem sich umbwandt, von dannen
ging, im zuhandt fürnam, den ritter von seinem hoff zu verschicken, wo er
Gernier nit besorgt hett zu verlieren.
    Als nun Reinhart von des künigs worten nit ein kleinen schrecken empfangen
hat, dergleich die beiden edlen junckfrawen, den worten ernstlich
nachtrachteten, in grossem leid stunden; die beiden jungen ritter urlaub von den
junckfrawen uamen, von dannen schieden, nit wussten, was in in der sach zu tun
wer. In dem im der künig fürnam, mit dem ritter Gernier zu reden von wegen
Reinharten, des jungen ritters.
 
                                      36.
   Der künig beschicket den alten ritter Gernier, befilcht im, Reinharten mit
       worten zu straffen seiner liebe halben, so er zu Rosamunda treit.
Der künig nach disen geschichten im ein ganz unrüigs hertz machet, der liebe
des ritters stetigs nachgedacht, im fürnam, mit Gernier dem ritter zu
verschaffen, das der jüngling von im mit worten gestrafft würdt, damit er von
seiner liebe abstind; also schuff den alten ritter für in zu kuramen.
    Sobald der ritter zu dem künig kam, der künig anhub auff solche Meinung mit
im zu reden: Du weist sunder zweifel, Gernier, wie du in meinen hoff kummen
bist, auch nun ein zeit lang eerlich und wohl gehalten; also, wo du die warheit
bekennen wilt, nit klagen magst. Du weist auch, seidher der zeit ich deinen son
Gabriotten sampt Reinharten, seinen gesellen, zu ritter geschlagen, hab mir die
sunderlich für ander mein hoffgesind erwölet, und so sie mir beide fürtin also
dienen wöllen, ich sye sunder zweifel mit der zeit hoch begaben. Nun aber,
Gernier, solt du wissen, das sich Reinhart gegen einer junckfrawen in lieb
dermassen entzündt hat, das ich sorg, er werd ihm dar durch gross unrhu anrichten
und dardurch mein huld und gnad verlieren. Dann die jünckfraw, so er lieb hatt,
im an geburt zu hoch ist; dann sie ist eines mechtigen graffen tochter;
deshalben ihr nit zimmen will, einen schlechten ritter zu haben. Nun aber lass
ich mich beduncken, das stetig anhalten des ritters hab die junckfraw dermassen
dahin bracht, wo die sach nit bald fürkummen wer, sie weder stammen noch nammen
bedencken würt und sich wider aller irer freünd willen mit dem ritter
vertieffen, welches im dann nit zu gutem erschiessen möcht. Dieweil nun aber die
junckfraw mir an meinen hoff dermassen vertrawt ist, das ich sye nach meinem
besten vermögen bewaren soll, so ist mein bitt, Gernier, an dich, du wöllest
unverzogenlich mit dem ritter reden und in von semlicher liebe abwenden, damit
im nit mercklicher unraht daraus entstand. Daran tust du mir sunderlich gross
gefallen.
    Gernier, der die wort des künigs wohl verstanden hat, mit grossem schrecken
umbgeben ward, als er den künig also hat hören reden; nit wohl wust, was er
darauff antworten solt, zuletst anhub und sprach: Allergnädigster herr und
künig, der red, so ich von eweren gnaden bericht bin, mich nit gnug verwundren
kann, dieweil ich nye an Reinharten ein solichs gespürt hab. Yedoch, demnach ir
mir, allergnädigster herr, befohlen hand, will ich ernstlichen fleiss ankeren
und, ob gott will, die sach in kurtzer zeit dahin richten, das sich ewer gnad
hierinn keinerlei weg bekümmern soll. - Das tu, sprach der künig, dann mich der
ritter nit wenig dauern würd, solt im ettwas leidts zuhanden stossen.
    Mit den worten Gernier von dannen schied, Reinharten, den jungen ritter,
suchet, mit schweren gedancken beladen was; dann im Reinhart, der ritter, also
lieb was, als wer er sein son gewesen.
 
                                      37.
 Wie Reinhart von dem alten ritter Gernier mit züchtigen worten gestrafft würt,
          Reinhart bekennt im, das Rosamunda sein eelich gemahel sei.
Als nun Gernier mit bekümmertem hertzen den jungen ritter suchen ging, nit lang
stund, das er Reinharten fand; zu dem er sprach: O gott, Reinhart, mein
allerliebster freünd, ich hett mich nymmermer zu dir versehen, das du uns also
einen ungenädigen künig gemacht hettest. Ach, das ich in Engelandt ye kam,
dieweil ich meinen herren den künig also in grossem zorn gegen uns bewegt sind!
Was aber die ursach sei, du on allen zweifel gut wissen tregst.
    Der jung ritter von der schnellen straff ettwas schrecken empfieng, lang nit
gedencken mocht, was doch den alten ritter zu semlicher straff bewegen tet.
Yedoch zuletst gedacht, es nichts anders sein würd, dann das er der junckfrawen
Rosamunda grosse liebe trieg, anhub und sprach: Gernier, allerliebster vatter
unnd freünd, die warnung und straff, so mir hie von euch fürgehalten würt, mir
ganz verborgen ist, warurmb doch ein semlichs beschehen tu. Dann ich mich
keinswegs gegen dem künig also verschuldt hab, das wir darumb all drei ein
ungnädigen herren haben sollten.
    Gernier sprach: O Reinhart, du meinst villeicht, dem künig dein liebe nit
wissen sei, so du zu einer junckfrawen, so in der jungen künigin frawenzimmer
ist, tragen tust. Ich sag dir aber sicherlich, das mein herr der künig aller
sachen gut wissen tregt; von wem im aber das gesagt sei, mir verborgen ist. Ich
sag dir auch, allerliebster Reinhart, so du nit von solcher deiner liebe
abstohst, dir würt fürwar vil leids daraus erfolgen. Darumb biss ermant aller
trew und liebe, so wir ye und ye zusamen gehabt hand, und stand von deinem
fürnemmen! So dann der künig eins solchen innen würt, würst du on zweifel einen
gnädigen herren und künig haben.
    Reinhart nit lenger verziehen mocht, dem alten ritter auff seine wort
antwort und sprach: Das, so mir hie von euch fürgehalten würt, ich neimmer
leugnen mag; ich würd mich auch davon kein forcht noch trewen lassen wenden.
Dann so unmuglich ist dem wasser, so zu tal rinnt, seinen fluss zu wenden und
das gegen berg zu richten, also unmüglich ists mich von meiner allerliebsten
Rosamunda zu bringen. Mir ist unverborgen, das der künig solcher meiner liebe
wissen tregt: dann er mir vor langem nachspeher hat lassen heimlich nachgon unnd
mich auch nit lang vergangen selbs mit rauchen worten angefaren, als er mich bei
meiner allerliebsten Rosamunda sitzen fand, dabei Gabriotto auch gewesen ist.
Was mögendt aber semliche rauche wort an mir verfahen, dieweil ich mir von wegen
meiner liebsten junckfrawen den todt zu leiden nit zu schwer acht! Darumb,
allerliebster ritter, alle straff an mir versaumpt ist. Eh wollt ich willig in
den todt gon dann mein allerliebste junckfraw also zu verlassen.
    Gernier, der gut alt ritter, nit wenig unmuts von des jungen ritters red
empfahen tet, anhub und sprach: Fürwar Reinhart, yetz willt du deinem zusagen
unnd versprechen nit nachkummen. Dann als wir mit einander aus Franckreich zogen
seind, da begabest du dich in mein straff und versprachest, mir auch in allweg
gehorsam zu sein als deinem vatter. Yetzundt aber bist du eines andren gesinnet,
wie du dich dann mit worten gegen mir beweisest, dieweil du mein warnung und
straff also gering achtest, unnd dir dannocht so vil gefar darauff stoht. Wie
woltest mir erst in einem mindern gehorsam sein! Mich wundert warlich nit klein
an dich, Reinhart, das du dein ritterlich gemut dahin richtest, also das du dich
umb liebe willen, so du zu einer junckfrawen tragen tust, understohst in den
todt und andere gefar zu begeben. Fürwar, ein semlich fürnemmen den orden der
ritterschaft nit wohl zieret. Dann du fürwar mer zu gespött kummen würst, so es
andre ritter von dir erfaren, dann das du darduch ettwas rhums erholen würdest.
Derhalben ich dich nachmals, mein allerliebster Reinhart, gebetten haben will,
du wöllest von solchem deinem fürnemen abston, damit du in des künigs hulden
bleiben magst.
    Als nun Reinhart den alten ritter gehört hatt, hub er an und sprach: O
Gernier, liebster freünd unnd vatter, ich mag dir deiner trew nymmermer
vergelten; dann ich wohl spür, mir das in aller trew beschehen tut. Das ich mich
aber meiner liebe entschlagen solt, so wiss, das ichs weder in meinem gewalt noch
gemüt haben mag. Darzu wisst ichs auch gegen gott nymmermer zu verantworten; dann
so ich ye die warheit bekennen muss, so ist Rosamunda mein allerliebster gemahel,
welcher ich die göttlich eh versprochen hab, des sye mir noch ich ir in keinen
weg nymmermer abred sein werden. Hiemit, Gernier, lieber freünd, wöllest dich
nit weiter bekümmern, diweil doch die sach zu spat angefangen ist.
    Gernier, der gut alt ritter, von den worten so im Reinhart fürschlug, so
seer erschrack, das er sich kaum auff seinen beinen erhalten mocht. Vor grossem
schrecken kein wort mit dem ritter reden kundt, mit trawrigem ahgesicht von im
schied, seinen son Gabriotten süchet, welchem er die sach verborgen sein meint ,
im fürnam, seines gesellen Meinung zu entdecken unnd seines rahts darin zu
begeren.
 
                                      38.
 Wie Gernier, der alt ritter, seinem son Gabriotten das fürnemmen Reinharts zu
 wissen tut; Gabriotto bekennt seinem vatter, er aller sach ein anfenger sei,
   auch wie er Philomena die er versprochen hab; davon der alt ritter in ein
                              zwyfach leiden kam.
Ir hand gehört, mit was leid Gernier, der frumm alt ritter, umbgeben was; seinem
son Gabriotten sein leiden vermeint zu klagen, im was aber verborgen die
heimlich lieb, so sein son zu der junckfrawen Philomena tragen tet, dessgleich
das im seines gsellen liebe mer dann keinem menschen kundt was.
    Sobald nun Gernier zu seinem son kam, mit trawrigem angesicht unnd
bekümmertem hertzen anhub mit im zu reden unnd sprach: O Gabriotto, mein
allerliebster son, ich mag wohl sprechen, das wir zu einer unseligen stund in
Engeland kummen seind, dieweil sich das Glück also mit ungestümem lauff gegen
uns gewendt hat. Weh mir, das ich an den küniglichen hoff ye kummen bin!
Gabriotto von seines vatters wortten ettwas bekümmert ward, nit gedencken mocht,
was in doch zu semlicher schnellen klag ursachet, also sprach: Allerliebster
vatter, die ursach deiner klag ist mir ganz verborgen. Wo es aber dein gefallen
wer, wolt ich die gern von dir vernemmen.
    Der alt ritter hub an und erzalet seinem son alles: das sich mit dem künig
und Reinharten, seinem gesellen, verloffen hat. Alsbald nun Gabriotto seinen
vatter gehört, hatt er im behend geantwort und also zu im gesprochen: Mein
hertzlieber vatter, ich bitt, mir meiner antwort, verzeihen wöllest und mir
vergeben, so ich ettwas wider dich getan  hab, mir auch durch gott vergeben
wöllest unnd dem gewalt der liebe solche ding zumessen, welchem vil mannlicher
trewer leüt underwürfflich gewesen seind. Ich bitt dich, lieber vatter, du
wöllest meinem gsellen sein liebe nit so ganz für übel auffnemmen; dann ich
warlich ein grosse ursach seiner liebe bin; unnd so ich nit angefangen hett lieb
zu haben, fürwar Reinhart gegen Rosamunda nymmer in liebe entzündt wer. Du solt
auch wissen, lieber vatter, das ich nit minder gegen Philomena in liebe behaft
bin dann mein gsell Reinhart gegen. Rosamunda; ich hab mich auch nit weniger mit
ihr verpflicht. Darumb, mein hertzlieber vatter, wöllest mir mein freffelheit
verzeihen und mir hierinn ein vätterlichen raht geben, wes ich mich hinfürt
halten soll, dieweil ich doch spür, das unser lang verborgene lieb aussbrechen
will.
    Mit was schmertzen der gut frumb alt ritter umbgeben ward, mir nit müglich
ist zu beschreiben, dieweil er seinen son vernam mit vil mer sorglicher liebe
beladen sein dann Reinharten. O gott, sprach Gernier, mein son, wie hast du;
mich so ganz in angst und nodt versteckt! Ach das ich nit in Franckreich bliben
bin, dieweil ich doch einen genädigen künig hett mögen haben; so wer ich doch
semlicher grossen unnd schweren sorg entladen. O mein son, du hast die sorg, so
darauff statt, noch nye genugsam bedacht, dieweil der künig also schweerlich
gegen Reinharten ergrimmpt ist. Was würt er dann tun, so er vernommen würt, das
du im zuruck sein eigene schwester understohst zu empfuren? Warlich da würt kein
ander hoffnung sein, dann das wir all drei von dem künig getödt werden. O mir
armen ritter! Vil weger wer mir on ein son gewesen sein, dann eines semlichen
schweren urteils zu erwarten.
    Als der jung ritter seinen vatter alsü betrübt sah, wolt er nit lenger mit
seinem trost verziehen, anhub und sprach: Mein hertzlieber vatter, nit wöllest
dir die sach dermassen zu hertzen fassen. Dann warlich soltu mir glauben, wo du
meinem raht folgen wilt, wöllendt wir on alle sorg der sach zu gutem end kummen
und nit also in grossen sorgen ston, als du dann meinst. Darumb, so dirs
geliebt, will ich Reinharten, meinen gesellen, beruffen und im mein anschlag
entdecken. So mir dann Reinhart volgen würt, wend wir dem künig in kurtzer zeit
allen seinen argwon benemmen.
    Der alt ritter anhub unnd sprach: O mein son, wo dir ein semlicher raht zu
wissen wer, so wolt ich wohl sprechen, du werest nun zumal mit mer vernunft dann
ich begabet. Dann mich warlich sorg und angst dermassen umbgeben hat, das mir nit
muglich ist einicherlei darin zu raten. Darumb, mein son, wöllest
unverzogenlich nach Reinharten, deinem gsellen, schicken, damit mir mein leid
eins teils benummen werd.
    Gabriotto sich nach seines vatters worten nit lang saumen tet, seinen
gesellen beschicket, im sein anschlag in beiwesen seines vatters entdecket, wie
ihr hernach vernemmen werdt.
 
                                      39.
 Wie Gabriotto seinem gesellen seinen anschlag öffnet; wiewol das schwerlich zu
 vollbringen was, noch verwilliget Reinhart, damit ein ärgers vermitten blieb.
Als nun Gabriotto seinem vatter die sorg eins teils bennumen hat und yetz nach
seinem gesellen geschickt hat, welcher sich nit lang saumen tet, zu seinem
allerliebsten gsellen kummen was, seines gsellen vatter in grossem trawren bei
im finden tet, wohl gedacht, was die ursach seines berüffens sein würd,
Gabriotto anhub und sprach: Reinhart, darumb ich nach dir geschickt hab, solt du
dich nit verwundren. Dann es nit umbsunst beschehen ist; dann ich warlichen
förcht, unser heimliche liebe, wöll aussfindig werden. So dann semlichs bescheh,
würd uns warlich nit ein kleine sorg darauff stohn. Dieweil aber die sach noch
nit ganz lautbrecht ist, möcht man noch wohl weg finden, damit wir beide. on
argwon bei dem künig wonen möchten, das aber in kein andren weg beschehen mag,
dann wie ich dir, Reinhart, hie zu verston geben will. Du must dich erstmals
begeben, ein zeit lang aus Engelandt zu reisen, es sei ein jar oder mehr, ye
nach gstalt der sach, doch mit dem bescheid, das du und ich beid urlaub von dem
künig begeren, uns auch durch kein mittel noch weg bereden lassen, an disem hoff
zu bleiben. Dann ich weiss, der künig nit nachlassen würt, uns du durch bitt
understan zu behalten. Sobald er dann unser ernstlich fürnemmen sehen und hören
würt, er sich gäntzlich von seinem argwon keret. Wiewol mir diser mein anschlag
schwerlich zu volbringen würt, dannocht zwingt mich die liebe, so ich zu meiner
liebsten junckfrawen trag, das mir kein weg zu ferr, kein arbeit zu schwer sein
soll, damit ich hernach dest unforchtsamer bei meiner liebsten junckfrawen wonen
mag. Wer weisst, in mitler zeit sich begeben mag, das villeicht der künig abgoht
oder uns gott durch ander weg helffen mag, dardurch. wir unserem begeren on sorg
zu end kummen.
    Als nun der jung und edel ritter Reinhart seinen gsellen also hort reden, in
mit einem grimmen gesicht anblicket, zu im sprach: O Gabriotto, nun erst erkenn
ich, mit was liebe. du gegen deiner junckfrawen umbgeben ist. Fürwar dein liebe
sich nit dermassen enden will, wie du oft unnd dick gesagt hast. Ich mag nit
gelassen dich der ding zu erinnern, wiewol dein vatter zugegen ist Wie oft hast
du dich aller not begeben umb deiner junckfrawen willen zu leiden, auch mit deim
schreiben deiner junckfrawen oft verheissen, du wöllest, so es die nodt
erfordert, den todt von iretwegen zu leiden, wo es zu schulden kumb. Nun aber
begerst du der flucht, und ist doch nyemandts, so dir nachjaget; dann ich weiss,
das der künig in keinen weg argwenig gegen dir ist Lasst du dich anfechten, das
mir der künig also auffsetzig ist, dieweil es mich doch ganz nichts irret, wie
woltest du erst tun, wann du. als ich gegen im stindest? Fürwar, ich glaub, du
von dem ersten anrennen entritten werest und dich als einen flüchtigen erst
schuldig geben. Fürwar mich kein mensch des bereden soll, und solt ich wissen,
das mir der todt als nach wer, als mir das leben ist. Dann mich nyemandts von
meiner liebsten junckfrawen scheiden soll dann der todt.
    Gabriotto wider anhub und sprach: Ach mein lieber Reinhart, so du mit fleiss
betrachtest, was leids dir aus deinem hiebleiben entston mag, herwiderumb was
grossen glimpffs, freüd und liebs dir dein hinscheiden bringen würt, fürwar du
meinen getrewen und guten raht nit so ganz verachten würdest. Ich will dein
liebe nit dermassen urteilen, als du die mein. So ich aber mein Philomena nit
lieber hett, dann ich mich selbs hab, so sprech ich gleich wie du also, das mich
kein leiden noch angst von ir bringen solt; ja ich wolt auch mein leben gleich
so ring als du das dein schetzen. Sag mir aber, mein Reinhart, so sichs also
begeb, das dich der künig also liess umbbringen oder in gefencknüss werffen oder
zu dem gnädigsten dich seines künigreichs verweisen tet, und dein junckfraw
also deins trübsals, leiden und leids täglich gedencken und alsbald mit ihren
augen selbs sehen müsst und deiner zukunft kein hoffnung nimmermehr haben möcht,
was freüd würt sye davon nemmen? Warlich du würst sye in ein ewigs leiden unnd
kläglich leben setzen. Dasselb dir, so du sye anders lieb hast, mer anligen soll
dann dein eigen übel, so dir daraus folgen würt. Dann fürwar so würt dir ein
solches widerfaren, wo du meinen guten unnd getrewen raht verschmahest. Das
alles, so ich mich begeben tun, nit darumb beschicht, das ich mir fürgenummen
hab diss künigreich zu meiden, sunder das wir beid hinach mit minder sorgen umb
unsere allerliebsten junckfrawen wonen möchten. Sye würden auch sunder zweifel
solchen unsern anschlag grösslichen loben, wo sye anderst des recht und
gründtlich bericht wurden. Ich bin auch sunder zweifel, das kein ferre des wegs
unser liebe aussleschen solt. Darzu wollten wir mein vatter allhie bleiben lassen;
der möcht uns allzeit verschreiben, wie es in Engelandt stünde. Herwider solt im
von und keiner Botschaft (check capitalization) manglen, das uns dann ein sundern trost und freüd
bringen würd. Darumb, mein lieber bruder wöllest meinen raht nit verwerffen unnd
mir an dem ort folgen. Ich weiss du würst mir noch über lang meines rahts
dancken.
    Dem alten ritter Gernier der raht seines sons fast wohl gefallen tet. Wiewol
im ir abscheid auch ser zuwider was, noch redt er so vil mit Reinharten, das er
zuletst verwilliget seines gsellen raht zu folgen, anhub und sprach also: Wiewol
ich mit mir entlich beschlossen hab, uss disem künigreich nymmermehr zu kummen,
wie mirs doch gangen wer, noch dannocht müss ich bekennen, das mir ewer beider
raht nit gäntzlich missfallen tut. Jedoch bitt ich dich, mein lieber Gabriotto,
du wöllest bedencken, wodurch wir unseren allerliebsten junckfrawen unsern
willen und Meinung auff das füglichest entdecken wöllen. Dann dasselb zuvor unnd
eh geschehen muss, eh dann wir kein urlaub von dem künig genummen haben. Wer
weiss, was rahts sye uns darinnen geben mögen, so villeicht erschiesslich sein
würt!
    Gabriotto anhub und sprach: Reinhart, diss und alles, so du an mich begerest,
bin ich willig bereit zu volbringen, wo du mir versprichest und in mein handt
gelobest, deinem zu sagen nachzukummen. Der ritter Reinhart seinem gesellen in
sein handt geloben tet, alles das zu tun, so er im gerahten hett. Der sach der
ritter Gabriotto wohl zufriden was, wiewol im sein fürgenummene reiss mehr leid
dann freüd brachte. Die sach also auff disstmal rugen liessen, den tag volls mit
andren edlen in mancherlei kurtzweil und freüden vertriben. Reinhart aber seinem
versprechen stätigs nachsinnet; einsteils gerewen was, das er sich so vil gegen
seinem gesellen begeben hat, yedoch im entlichen fürnam, seinem zusagen
nachzukummen.
 
                                      40.
Wie Reinhart seiner liebsten Rosamunda das fürnemen seines gsellen verschreibet,
 die junckfraw sich fast übel davon gehebt, gäntzlich nit darin gehellen will.
Reinhart, welcher seinem zusagen ernstlichen nachgedencken tet, sich des andren
tags heimlich vor seinem gesellen verbarg, in seinem gemach nidersass, der
junckfrawen Rosamunda einen brieff, wie er von dem zauberer Valentin gelert hat,
auff einem schneweisen papyr schreiben tet auff semliche Meinung von wort zu
wort also lautend:
    So mir, hochgeborne züchtige allerliebste junckfraw, müglich sein möcht,
euch ettwas frölichs zu schreiben, wolt ich mich sunder zweifel diser trawrigen
unnd leidigen mass nit gebrauchen, damit ich euch sunder zweifel weiss grossen
schmertzen bringen würd. Dieweil mir aber, allerliebste junckfraw, nit müglich
ist mein hinwegscheiden zu verhalten, so bitt ich euch, wöllend ab meinem brieff
kein unmüt nemen und gedencken, was mich und meinen gsellen zu semlichen
hinwegscheiden ursachet. Ir sond wissen, mein allerliebste junckfraw, das der
argwon des künigs noch nit erloschen ist, sunder von tag zu tag ye mehr und mehr
zunimpt. Dann seidher er mich bei euch in dem frawenzimmer funden hat, er ein
schwere grosse klag wider mich gegen dem alten ritter, meines gesellen vatter,
gefürt, hat sich auch dabei hören lassen, wo er mehr dergleichen an mir spür, er
wöll mich hart unnd schwerlich darumb straffen. Damit hat mich der künig also
angstaft gemacht, das ich besorg, es möcht uns durch solche practick zugericht
werden, das wir von einander scheiden müsten unnd hierinn keinen trost mer haben
wider zusamenzukommen, das mir warlich minder dann der todt zu gedulden wer. So
ir mir aber, allerliebste junckfraw, erlauben wend, will ich mich sampt meinem
gsellen dahin richten, das wir in jars frist on alle sorg wider bei einander
sein wöllen und dem künig damit allen seinen argwon benemen. Hiemit befilh ich
mich, allerliebste junckfraw, in eweren schirm. Gott bewar euch, ein trost
meines lebens!
    Als nun Reinhart dissen brieff geschriben und volendt hat und aber das papyr
ganz lauter unnd weiss was, nam ers und brachts seiner Laureta, also sprach:
Mein allerliebste Laureta, ich bitt, wöllendt meiner junckfrawen diss papyr
eilens überantworten; dann sye es vast von nöten sein würt. Die ertzettin nit
anders meint, dann es wer ein ganz lauters papyr, sich des verwundert, was
Reinhart damit gemeinet also offen und nit zugeton; der junckfrawen Rosamunda
den brieff überantwort, die sye noch in irem gemach fand; dann es noch fast frü
was. Zu ir sprach: Rosamunda, nemend hin, junckfraw, diss papyr! Dann als ich
bericht würd, seind in sein von nöten. Rosamunda, die yetz der geschrifft
langest bericht was, das papyr mit grossen freüden empfahen tet zu Laureta
sprach: Ja fürwar, liebe Laureta, ich nit venig verlangen nach disem papyr hab
getragen. Darumb ich mit grossem danck von euch empfah. Laureta urlaub von der
junckfrawen nam, von dannen schied.
    Rosamunda ein beckin mit lauterem wasser nam, den schneweissen brieff darein
legt, der ir bald ires allerliebsten ritters fürnemen zu verstan gab. Ach, die
edel und züchtig junckfraw, so mit grossen freüden dos weiss papyr empfangen hat,
yetzundt mit tausentfaltigem leid und schmertzen umbgeben was, vor grossem leid
die geschrifft kümmerlichen zu end lesen mocht, mit manchem heissen trehen die
geschrifft ires allerliebsten ritters übergiesen tet, anhub das gelück zu
verfluchen und sprach: O du falsches schmeichendes gelück, wie machest du so
manch kurtze freüd also schnell zergon unnd übergeisst die mit tausendtfaltigem
leid und schmertzen! Ach warumb hastu doch dem jüngling also vil schöne verlihen
und zugeteilt, dieweil du ihm die zu gebrauchen nit vergünnest! Warumb hastu
mir anfencklichs zugelassen den ritter lieb zu haben, dieweil du ihn mit solchen
ungenaden von mir ziehen woltest! O Reinhart, gott wolt, du aus Franckreich nye
kummen werest! So hett ich dich nye erkannt, und werest du auch von vil leiden
und leid behüt gewesen, welchs dir yetzund vilfeltig begegnen würd. O Philomena,
solt dir diser anschlag. kundt sein, fürwar, du würdest auch mit tausentfaltigem
schmertzen umbgeben.
    Mit semlichen worten Rosamunda ein gute zeit vertreiben tet So lang sye
meint, Philomena allein zu finden, sye das nassz papyr zu ir nam, zu der
junckfrawen gemach ging, anklopffet bald eingelassen ward. Die junckfraw
Philomena an ir gestalt wohl abnam, das die sach nit nach dem glückliechsten
stünd; derhalben sye grossen schrecken von der junckfrawen zukunft überkam.
 
                                      41.
 Wie Philomena des ritters geschrifft selbs lesen tet, nit minder schmertzens
    dann Rosamunda davon empfieng, irem ritter einen andren brieff schreibt.
Was grossen schmertzens Philomena von der junckfrawen zukunft überkam, nit not
zu beschreiben ist; dann sye einer semlichen trawrigen zukunft nit an ir gewon
was. Da sye nun aller sach von Rosamunda bericht ward, den brieff auch selb
gelesen hett, fieng sie erbermblichen an zu klagen und weinen. O Gabriotto,
sprach sye, solcher untrew ich mich nymmer zu dir versehen hett, also das du
mich heimlich understohst zu verlassen. Ich hett wohl gemeint, du hettest mir die
deinen anschlag zu wissen getan ; das mir aber ganz verborgen bliben wer, wo
mich des Rosamunda nit wissen gemacht hett. Als nun Philomena den ritter in irer
klag vil unnd mancherlei schuldiget, sye ir zuletst fürnam dem ritter zu
schreiben, damit sye sein entschuldigen möcht hören. Anhub und schreib im ein
brieff also lautend:
    Wiewol ich dir, edler ritter, mein hertz und gemüt ganz für eigen geben
hab, mich auch zu aller zeit eines solchen zu dir versehen, so sih ich doch wohl,
mein hoffnung bisher umbsunst gewesen ist. Dann ichs dabei wohl abnemen mag,
dieweil du mir dein hinwegziehen und heimlichen anschlag also verhalten tust
Dann so mich Rosamunda des nit underricht hett, es mir warlich noch verborgen
wer. Yedoch will ich dich, edler ritter, nit ganz schuldigen, ich hab dann
zuvor und eh dein verantwortung auch gehört; dann mein hertz dir ye solcher ding
nit vertrawen tut. Darumb, hertzliebster Gabriotto wer mein will, das du morgen
zu primzeit sampt deinem gsellen Reinharten zu mir in Laureta gemach kummen
wöllest. Darumb, edler ritter, so es dir zu willen wer, so bitt ich, du wöllest
dich noch heüt auff dem lustplatz in grünem kleid sehen lassen. Wo du es aber
nit tun wilt; so lass mich; dich in schwartz bekleidt darauff ersehen; so bin
ich doch alles trostes von dir beraubt, des ich dir in ewigkeit nymmermehr
getrawen will. Gott der herr geb dir mein getrewes hertz zu erkennen!
    Die junckfraw den brieff nam, wohl verschloss, irer lieben und getrewen
Laureta überantwort, also sprach: Mein allerliebste Laureta, ich bitt, wöllest
disen brieff unverzogenlich meinem ritter überantworten. Dann mir ist gesagt,
wie er willen hab urlaub von dem künig zu nemmen und wider in Franckreich zu
ziehen. - Das glaub ich nymmermehr, sprach Laureta, wer doch solche red von im
aussschlecht! Ich weiss, er eh sein leben verlassen würt dann sich diss hoffs
entschlagen, dieweil euch gott das leben verlihen tut Aber. damit ich mich nit
ungehorsam gegen euch erzeig, will ich dem ritter disen brieff zuhand
überliffern.
    Mit dem geredt von der junckfrawen ging, den ritter Gabriotten in des
künigs capellen sampt seinem gsellen fand. Dem sie zuhand wincket, im den brieff
gab, wider zu Philomena kam, ir das zu wissen tet Die sich bald in ir gemach
füget, acht auff den ritter zu nemen. Dann sye wohl gedacht, sobald er brieff
gelesen hett, würd er sich auff den platz nach irem befelch fügen, als dann
geschah.
    Dann sobald der ritter den brieff gelesen hat, sich bald in ganz grün
antett, auff den gemeldten platz kam sampt seinem gesellen. Ein gute zeit
darauff spacieren giengen, biss sye irer beider junckfrawen sichtig wurden; aber
von vile der andren nichts mit ihn reden dorfften, also wider von dannen
schieden. Die beiden junckfrawen zu Laureta kamen, ir all ire anschleg zu wissen
tetten, des in Laureta gäntzlich verwilligen tet Die zwo betrübten junckfrawen
des künftigen tags mit grossem verlangen erwarten tetten.
 
                                      42.
  Wie die beiden jüngling sampt iren allerliebsten junckfrawen bei einander in
               fraw Laureta gemach ir leid zu beder seit klagten.
Sobald nun der morgen kummen was, unnd yetz die bestimpt stund kummen war, die
vier liebhabenden menschen zusamen in fraw Laureta gemach kamen, aber sich
allsamen nit so frölich als andremal sich erzeigten. Der ritter Gabriotto seinem
gsellen darvor alle verloffnen sachen zu wissen getan  hat, damit er sich auch
dest bass wisst zu bedencken auff seiner junckfrawen red.
    Also fieng der ritter Gabriotto mit erst an zu reden unnd sprach: Mein
allerliebste junckfraw, ich bitt euch, mir meiner red gnädiglich zu verziehen,
dieweil ich also unerlaubt anfah zu reden. Dann fürwar mich ewer schreiben
dermassen betrübt hat, das mir nit müglich ist lenger mit meinen worten zu
verziehen, dieweil ir mir zumessen, das ich on ewer urlaub mir fürgenummen hab
von euch zu scheiden. Dann warlich mir nye in mein sinn oder gedancken kummen
ist; des sei gott mein zeüg. Damit aber ir, allerliebste junckfraw, des ein
gewiss zeichen haben mögen, so ist mein erster anschlag nye anders gewesen, dann
das ich mich sampt Reinharten ein kurtze zeit von disem hoff tun wollten, und
aber allein darumb, das der künig von seinem fürnemen abstünd. Dann er im
entlich fürgenummen hat, in Reinharten meinen gesellen zu wüten, so er ihn mit
einem kleinen mehr gegen Rosamunda argwenig find; daraus uns dann allen grosser
schaden unnd leid zustohm möcht. So aber ihr mir, gnädige junckfraw, nit glauben
geben wöllt, so gedencken doch, wo ich willens wer nimmer in Engeland zu kummen,
das mir doch schwer würd, ich wolt meinen vatter nit also hinder mir lassen;
derselb uns dann allzeit Botschaft (check capitalization) zu beider seit tun mag. Darumb, mein
allerliebste junckfraw, so bitt ich euch von wegen aller liebe unnd
freündtschaft, so ich euch trag, wöllend mir gnädiglich erlauben. Yedoch will
ich die zeit zu ewerem gefallen gestelt haben und mich auch nit leuger saumen
dann nach ewerem erlauben.
    Die junckfraw Philomena wohl ermessen kundt, aus was ursach Gabriotto im
semliche reiss fürgenummen het. Deshalben sye irs auch dest leichter sein liess,
anhub und sprach: O mein allerliebster ritter so ich deiner widerfart sicher
sein möcht, wolt ich dir des lieber erlauben. Wer gibt mir aber sicherung vor
dem ungestumen und wütenden mör? Wer weisst ob dich der künig aus Franckreich
wider von im lassen würt. Villeicht wird er dich zu gisel behalten, so lang dein
vatter nit wider zu ihm kumpt. Dann ich zum offtern mal von dir gehört hab, wie
der künig deinen vatter mit grossem unwillen von ihm gelassen hab, dargegen das
dein vatter so hoch behalten hab nymmer in Franckreich zu kummen. So dann dein.
vatter nit zu im wolt unnd dich der künig nit lassen, so müst ich ye dein all
mein tag beraubt sein. Wo aber diss alles nit wer, so möchten dich villeicht die
frantzösischen junckfrewlin mit iren süsen und freündtlichen worten von mir
abziehen. Dann man spricht gemeinlich, das das gegenwertig allweg angenemer sei
dann das, so man erst mit grosser müh und arbeit suchen müss. Darumb, mein
allerliebster Gabriotto, gedenck, ob mich dise stuck nit billich beschweren!
    Der ritter anfieng und sprach: Allerliebste junckfraw, wider das erst, so ir
mir fürgehalten hand, kann ich euch nit ein gewisse sicherung zusagen. Dann so
mich der allmechtig gott nit bewaren will, mag er mir wohl hie in der statt mein
end zuschicken. Ich getraw aber gott dem herren so wohl, er werd mich yetz und zu
aller zeit beleiten. Zu dem andren, aber, das ir meinendt, der künig mich nymmer
von im lassen werd, darzu antwort ich, kein mensch auff erden mich nymmer
erhalten mag also, das ich ewerem gebott zuwider sein wöll. Dergleichen sprechen
ir, ich möcht mich die frantzösischen junckfrewlin lassen bereden oder mir ein
ander lieb erwölen. O mein junckfraw, ich bitt, semliche gedancken aussschlagen
wöllen und mich nit achten, als ob ich solche wanckelmütige lieb trüg. Dann
dieweil mir gott mein sinn und vernunft bewaret, so würt kein ander mein hertz
besitzen, dann allein ir. Dann ich euch vor allen creaturen diser welt lieben
tun; das sond ir in ewigkeit von mir erfaren. So aber ihr, mein allerliebste
junckfraw, ye nit erlauben wend, will ich gern hie bei euch aller angst und nodt
erwarten. Yedoch wann ir die sach im grundt erwegen, so mögendt ir ye mein
Meinung für die besser erkiessen.
    Die junckfraw Philomena wohl ermessen kundt, das der ritter in allem seinem
fürnemen den rechten weg vor im hat Darzu bedacht sye auch den grimm ires
bruders; dieweil er dem jüngling Reinharten also nachstallt, gedacht sye: Wie
vil mehr würd mir mein bruder auffseher bestellen, so ich sein schwester bin! In
den gedancken ir entlich fürnam, dem ritter ein jar lang zu erlauben, also
sprach: Wo dein hertz nit anders gesinnt wer, edler ritter, ich dir ein jar lang
erlauben wolt in Franckreich zu reissen. Hiezwischen mögen sich vil ding zutragen
und verlauffen. Deshalben ich dir, Gabriotto, erlauben will, wann es dir gefalt,
das du urlaub von meinem bruder, dem künig, nemen magst. Jedoch solt du von
hinnen nit ziehen, du seist dann noch einmal bei mir gewesen.
    Rosamunda als sye die wort vernam, kläglichen anhub zu weinen und sprach: O
Philomena, allerliebste junckfraw, ich hatt all mein hoffnung auff ewer antwort
gestellt; dann ich mich der wort, so ir geredt hand, uit versehen hett. Nun aber
mag kein anders nymmermer daraus werden, dieweil ir Gabriotten ewer urlaub geben
hand, dann das ich meinen allerliebsten ritter auch verlieren muss.
    Philomena anfieng und sprach: Ach mein allerliebste Rosamunda, mir zweiffelt
nit, du die sach bass dann ich erwegen und bedencken kanst. Ist nun Reinhart der
ritter dir als lieb, als du sprichst, das ich ganz nit zweifel, wie woltestu
in dann in semlich gefar kunmen lassen, in der er sich seins leibs unnd lebens
all stund besorgen müsst, und du dannocht seiner beraubt sein, dessgleich kein
hoffnung in zu sehen nymmermehr haben möchtest? Darumb, mein Rosamunda, lass von
deinem klagen und gedenck mich zu trösten, wie du dann allweg getan  hast!
    Mit solchen und andren vil tröstlichen worten Philomena ihr liebe junckfraw
Rosamunda bewegt, das sie auch gutwillig sich darein ergeben tet, wiewol es von
in allen mit grossem unwillen beschah, als dann gut glauben ist. Als sye sich
nun ein lange zeit mit einander ersprächt hatten, urlaub von einander namen,
yeglichs wider sein strass ging. Gabriotto seinem vatter, sobald er mocht, all
verloffen sachen zu wissen tet.
 
                                      43.
Wie Gabriotto und Reinhart an den künig ein urlaub begeren, das in der künig mit
                  grossem unwillen zuliess, wie ir hören werdt.
Als nun Gabriotto unnd Reinhart irer allerliebsten junckfrawen halben kein sorg
mehr hatten ihres fürnemens halb, begab sich eines tags, das der künig gutter
ding was, auff dem schönen lustplatz seinem hoffgesind irer kurtzweil zusehen
tet. Als es nun Gabriotten am füglichsten sein daucht, er mit sampt seinem
gsellen Reinharten für den künig kam, mit züchtiger reverentz nach seines
vatters underweisung anhub mit dem künig zu reden: Allergnedigster herr und
künig, wir armen ewer gnaden diener beid bitten euch, ihr wölt uns gnädiglich
erhören und uns nun zumal ein freündtlichs urlaub geben. Dann wir endtlichs
willens seind, einmal in Franckreich unser alt gesellschaft zu besichtigen.
    Der künig, welchem des jungen ritters red nit wenig befrembdet, anhub und
sprach: Fürwar, Gabriotto, mich befrembdt nit ein wenig, ob dir deiner red ernst
sei oder nit. Dann ich meint nit, das dir so trang an meinem hoff besehenen wer,
das du dir understündest einen andren herren zu suchen, dergleichen deinem
mitbruder Reinharten. Sagt mir doch, was euch zu einer solchen schnellen reiss
bewegen tut!
    Der ritter Gabriotto weiters anhub unnd sprach: Allergnädigster herr und
künig, weder ich noch Reinhart umb ganz keiner ursach willen von ewern gnaden
urlaub begeren, allein das wir ettlich unser freünd gern einest heimsuchen
wollten. Darumb begerendt wir wie vor ein genädig urlaub von euch.
    Der künig anhub und sprach: Gabriotto, ich bin sein noch ganz unbedacht, es
were dann sach das dein vatter bei mir bleiben wolt und ir mir auch versprechen,
in kurtzer zeit wider her zu kommen. Reinhart gab dem künig kurtz antwort und
sprach: Allergnädigster herr künig, die zeit also kurtz anzubinden unns nit
müglich ist. Dann wir auff das wenigst ein jar oder zwei in Franckreich bleiben
werden.
    Als Reinhart solche wort zu dem künig redt, gedacht der künig in ihm selbs:
Warlich es würt nichts an der sach sein das Reinhart Rosamunda lieb tregt,
dieweil er understaht zwei jar von ir hinweg zu ziehen. Anhub zu gedencken:
Warlich es mag wohl ein ursach sein, das Reinhart von meinem hoff stellet. Der
künig sagt: Reinhart, junger ritter, mir kumpt in gedancken, mit was rauchen
worten ich dich vergangnen tagen angefaren hab, als ich dich bei Rosamunda in
dem frawenzimmer sitzen fand. Du solt aber wissen, das mir solche wort nit in
ernst heraussgefaren seind. Dergleich hab ich mit Gabriotten vatter geredt, das
er dich davon ziehe. Nun aber kann ich wohl gedencken, wo du also in liebe gegen
Rosamunda behaft werest, du würdest dich nit also ein lange zeit begeben von ir
zu sein. Darumb, mein Reinhart, wo das ein ursach deines hinwegziehens ist, so
bleib frölich hie! Ich soll dir nichts mehr in dein sach reden.
    Reinhart gedacht in im selbs: O gott von himmel, solt ich wissen, das wort
unnd werck gleich aussgiengen, mich solt das sterckst pferdt, so in Engelandt
ist, nit von hinnen bringen noch ziehen. Als nun der ritter Gabriotto des künigs
Meinung verstanden hat, ward er von ganzem hertzen erfrewt und gedacht: Nun
wend all mein anschleg glücklich zu end gon. Zu dem künig sprach:
Allergnädigster herr, dieweil ich vernimm, das wir beid ein semlichen gnädigen
herren an euch haben, so bitt ich von wegen unser beider, ir wöllendt uns dieser
reiss vergunnen. So versprich ich dagegen für mich und meinen gsellen, das wir
beid innertalb einem jar wider in Engelandt sein wöllend. Unnd so uns müglich
wer in einem monat wider zu kummen, es soll beschehen.
    Reinhart seinen gesellen lang zeit nye also gern hort reden, dann da er im
sein ziel also kurtz steckt. Der künig dem jungen ritter antwort und sprach:
Gabriotto, so dein vatter hie bleiben will, so sei euch beiden ewer reiss
vergundt. Doch wöllend euch auff das firderlichest wider herfügen! - Das soll
geschehen, sprach Gabriotto, on all irrung.
    Damit urlaub von dem künig namen, sich mit aller nodtdurfft zu irer reiss
schickten, damit ir heimfart dest ehe wider käm; dem alten ritter Gernier alles,
so sich mit ihn unnd dem künig verloffen hat, zu wissen tetten. Des ihm Gernier
guten mut nam, hoffet, die sach sich noch zu dem allerbesten enden solt. Wiewol
in seines sons hinwegscheiden nit grosse freüd bracht, noch meint  er ein solchs
bass dann ein bösers zu gedulden. Also sich die beiden ritter zurichteten, das
sye den nechst zukünftigen tag darvon wollten. Dann eben zu derselben zeit ein
schiff in der englischen port stund, so in Franckreich faren wolt, wie ir
hernach hören werdt.
 
                                      44.
Wie die beiden jungen ritter urlaub von iren liebsten junckfrawen namen, und was
            sye dem alten ritter nach irem abscheid empfohlen hand.
Demnach und die beiden ritter all ir notdurfft, so ihn zu irer reiss notwendig
was, fertig gemacht hatten, seind sye on alle forcht zu iren allerliebsten
junckfrawen gangen, welche sye bei andren junckfrawen in der alten künigin
palast fanden, hand also die alt künigin sampt allen andren junckfrawen
gesegenet, die all gemeinlich von ires abscheids wegen bekümmert waren.
    Philomena die junckfraw bald irer vertrawten Laureta zu ir rüffet, sye zu
Gabriotten dem ritter schicket, das er gedecht unnd nit von land schied, sye
were dann zuvor bei im gewesen; unnd damit aber das bald geschehen möcht, so
solt sye die beiden ritter in iren wurtzgarten füren; da wolt Philomena sampt
Rosamunda zu ihn kummen. Laureta sich nit lang saumet, zu den beiden rittern
kam, inen der junckfrawen willen ansagt. Sye beid mit ir giengen in iren
wurtzgarten, da sye der junckfrawen mit grossen freüden warteten. Die
junckfrawen urlaub von der alten künigin namen, beid mit einander in den
wurtzgarten zu iren rittern kamen.
    Philomena so bald sie iren ritter ersach, erbermblich anhub zu weinen und
sprach: O Gabriotto, das ich den tag deines hinwegscheidens ye erlebt hab! Ich
förcht, du werdest mein in Franckreich bald vergessen haben. - Junckfraw, sprach
Gabriotto, ich bitt euch, mich semlicher wort vertragen wöllendt; dann ihr mir
mein hinfart darmit noch harter und schwerer machen. Nun seind ihr doch meiner
liebe so ganz sicher, das mich wundert, was ir doch damit gemeinen. Was soll
ich viel bewerens, dieweil mir mein hinwegscheiden des genugsam bezeuget! Aber
ich hoff zu gott, ehe dann ein halb jar verscheinet, ich wöll euch, mein
allerliebste junckfraw, wider mit lieblichen augen ansehen. Dann ich dem künig
ein solchs versprochen hab.
    Philomena von des ritters worten nit wenig trosts empfahen tett, als sye
hort, das Gabriotto sein ziel also kurtz gesetzt hat; dergleich Rosamunda nit
minder freüd empfieng. Philomena die junckfraw irem ritter einen köstlichen
guldinen ring schanckt. Nimb hin disen ring, sprach sye, mein hertzliebster
ritter; darbei biss mein zu aller zeit ingedenk! Dann so du ihn herwider bringst,
so mag ich wohl sprechen, das du mein nye vergessen habest. Gabriotto der
junckfrawen trewlich versprach, er ir zu aller stund ingedenck sein wolt, und zu
einem zeichen wolt er den ring in irem beiwesen anstecken und nymmer vonseiner
handt lassen kummen, es wer dann sach, das er wider zu ir käm.
    Damit die beid einander freündtlich umbfahen tetten, einander mit betrübten
hertzen begnadeten; dergleich auch Reinhart und Rosamunda mit bekümmerten
hertzen einander letzten und gesegneten. In dem Gernier, Gabriotten vatter, zu
den zweien jungen rittern kam in beisein irer liebsten junckfrawen, sye zu
beider seit freündtlich tröstet. Darnach die drei ritter mit einander zu dem
schiff giengen.
    Gabriotto zu seinem vatter sprach: Mein hertzliebster vatter, dieweil sich
unser sach also schicket, so bitt ich dich, du wöllest dich bei weilen zu unsern
lieben junckfrawen tun unnd sye in unserm abwesen trösten. Dergleich so dir zu
zeiten brieff von uns werden, würstu ettlich ganz schneeweiss darunder finden.
Auff welchen du dann ein rosen gemalt sihst, die gib Rosamunda; welche aber mit
einer kronen gezeichnet seind, die gehören meiner allerliebsten Philomena. Darzu
bitt ich dich, du wölst uns allzeit wissen lassen, wie es umb dich und unser
junckfrawen stand. Das wend wir auch nach unserm vermügen tun, wie oft wir
Botschaft (check capitalization) haben mögen. Der vatter seinem son versprach, seinem begeren
nachzukummen.
    In dem die zeit kam, das man zu schiff bliess. Gernier die beiden jungen
gesegnet. Mit dem sye in das schiff tratten, mit grossem leid von dannen
schifften. Gernier an dem port stund, in manchen segen nachwünschet. Dergleich
die beiden junckfrawen zu dem obristen in dem küniglichen palast stunden, dem
schiff mit grossem jamer nachsahen, manchen hertzlichen seüfftzen und süsen
segen ihn nachhin sandten, so lang biss sye das schiff nit mehr gesehen mochten.
Demnach die übrig zeit mit trawren und klagen vertriben, biss sye zuletst mit
irer zukunft wider getröst wurden. Als nun Gernier das schiff nit mehr sehen
mocht, zoch er trawrig und ganz bekümmert wider gen hoff. Dann im der gross
unfal, so den edlen rittern begegnen tet, gäntzlichen vor was, wie irs dann
nachmals vernemen werdt. Dann in gross ungefell auff dem mör zuhanden stiess, also
das sye kümmerlich mit irem leben davonkamen.
 
                                      45.
   Wie den beiden jungen rittern ein grosse fortun auff dem mör begegnet, in
                    grossen sorgen irs lebens stohn mussten.
Das unstet und wanckelmütig Glück sich noch nit benügen liess an dem
schmertzlichen unnd trawrigen abscheid, so es den zweien edlen rittern zugefügt
hat, auch die edlen und züchtigen junckfrawen noch in vil mer leid und
schmertzen setzet; dann nit lang nach dem abscheid der edlen jüngling inen eine
fast leidige und schwere Botschaft (check capitalization) von inen kam. Wie aber das geschach, ir
kürtzlich verston sollendt.
    Als der jüngling Gabriotto aus Engelandt faren tet, nam er mit im zwen
schöner englischer hund, welche er dem künig zu Franckreich gebracht wolt haben,
im die für ein beüt verehret. Als sye aber mit ihrem schiff kamen in das möhr,
entstund ein sorglicher grosser wind. Derselb das schiff mit grausamen wellen
umbgeben tet, dardurch alle die, so in dem schiff waren, in grossen sorgen
stunden, zum offternmal gott den allmechtigen anrufften. Zuletst der wind das
schiff dermassen erwischet, mit gewalt an einen felsszen so mit grosser
ungestümigkeit werffen tet, also das es sich von einander reissen must. Alle
die, so in dem schiff waren, mit grosser not in ettlich barcken, so an das
schiff gebunden waren, sprungen, auch ettlich auff brittern aussschwammen; dann
sye nit sunders ferr an das landt hatten. Das gut aber, so in dem schiff gewesen
war, alles zu grundt ging; allein ein yeder seiner barschaft acht nam, so im
anderst so vil zeit werden mocht. Die beiden hund aber nit aussschwammen, sunder
sich mit kläglichem geschrei an dem felssen erhalten teten, biss sich der
ungestüm wind yetz gestillet. Als nun Gabriotto sampt Reinhart mit grosser angst
und nodt das landt erreicht hatten, erst an ihre hund gedachten, aber deren zu
bekummen sye sich ganz verwegen tetten, desshalben in grossen unmut von newem
kamen.
    Nun aber mocht das leid, so inen zuhanden gangen was, ihren allerliebsten
junckfrawen nit verborgen bliben, damit sye auch dest mer betrübt würden. Sich
von ungeschicht begab, das ein ander schiff, so in Engelandt faren wolt, noch
bei den felssen anckern must, darauff sich die gedachten hund erhulten.
Dieselben yetz der hunger bezwingen tet, das sye sich in das mör wagten, dem
angeanckerten schiff zufuren. Als ir nun der schiffherr gewar ward, mit ersten
nit erkennen mocht, was es wer, so lang das er der köstlichen halssband an inen
gewar ward, wohl erkannt, das es hund weren, die man hoch geacht hett, was
wunders sye doch dahin getragen het, inen zuhandt in das schiff halff, also mit
ihm gon Lunden furt. Das schiff so bald nit an das landt kam, die beiden hund
gon hoff lieffen, mit ihren geberden sich dermassen erzeigten, das menglich
gedacht, die sach nit recht umb die beiden ritter ston kündt.
    Semlichs bald für den künig kam, der sich der mähr nit gnug verwundren
mocht, bald an das port schicket, ob villeicht die beiden ritter kummen weren.
Als nun die, so von dem künig befelch hatten, den beiden rittern nachfragten,
kundt ihn nyemandts kein bescheidt nit geben. Der schiffherr sunderlich von
wegen der hund gefragt ward, der dann alle ding, wie sich die verloffen hatten,
erzalet. Das ward dem künig auch verkündet, die schiffleüt für in fordern liess.
    Als sye nun beschickt und für den künig kamen, aller sach von dem künig
erfragt wurden. Der künig anhub und sprach: Ir herren, ich hab verstanden, wie
ir heüt an unserm port ankummen seind unnd namlich zwen hund mit euch bracht,
welche vor wenig tagen von zweien unsern rittern hinweggefürt worden seind der
Meinung, das sye die dem künig zu Franckreich geschenckt wollten haben. Nun aber
mögendt wir all nit wissen, wie es umb die beiden ritter stand, dieweil die hund
kummen unnd sye nit kummen seind. Darumb ist mein beger an euch, wo ir der sach
wissen trügen, wöllendt uns nichts daran verhalten, damit wir aus dem argwon
kummen mögen. Die kauffleüt und schiffherren gemeinlich anhuben und sagten dem
künig also, wie ir dann oben gehört hand. Ihm under andren anzeigten, das sich
die hund irs bedunckes die zeit her auff dem felssen erhalten hetten; dann inen
sunst nit müglich gewesen wer also lang auff dem mör zu schwimmen.
    Der künig zuhand befalch ettlichen seinen schiffleüten, mit parcken und
andren kleinen schiffen an das ort zu faren, den felsszen zu umbfaren, auch
darauff zu gon, soweit in müglich wer, mit schreien und rüffen zu versuchen, ob
sye doch deren ritter keinen darauff funden. Das alles nach des künigs befelch
geschehen tett; aber umbsunst was. Zuletst mit ettlichem zeüg in das mör
wurffen, wohl befunden, das ein schiffbruch da geschehen was. Das alles sye dem
künig ansagten. Der künig nit wenig unmut davon empfahen tet.
    Das geschrei gar bald dem alten ritter Gernier fürkam; bedarff auch nyemandt
fragen, ob er nit tausentfeltig leid davon empfangen hab, dieweil er seinen
einigen son also ellendtlich vermeint verloren haben. Von stund an zu Philomena
der junckfrawen kam, die er mit seiner zukunft erstlich erfrewen tet. Als sye
aber die leidig Botschaft (check capitalization) von im vernam, so kläglichen anhub zu weinen und
klagen, das sye Gernier mit ir bewegt zu weinen. In dem Rosamunda die junckfraw
von ungeschicht auch kam, in ein getrewe gesellin in ihrem leid gab.
    Philomena anhub unnd sprach: O du mein allerliebster ritter Gabriotto, wie
bist du so schnell gewesen zu deinem schaden zu eilen! Ach der verfluchten
stund, in deren du disen raht mit dir selb beschlossen hast! Nun mag ich wohl
klagen den tag, in welchem ich dich mit ersten erkennt hab, dieweil ich doch ein
einige ursach deines verderbens unnd ellenden tods bin gewesen. Warumb hab ich
in dein hinwegscheiden verwilliget, dieweil du mir doch allen gewalt gabest!
Warumb bin ich nit bei dir bliben und sampt dir und deinem liebsten gesellen
umbkummen und den todt erlitten! Mein sterben solt mir nymmer also wehe haben
getan . Rosamunda, als die verstund die ursach der klag irer liebsten
junckfrawen, bitterlichen anhub zu klagen iren liebsten Reinharten.
    Als nun der gut alt ritter Gernier die beiden junckfrawen so ganz kläglich
geberen sah, sye, so best er mocht, anhub zu trösten. Als er aber solchs alles
befand umbsunst sein, mit betrübtem hertzen von ihn schied, täglich an das port
des mörs ging, ob er doch nirgendt gewisse Botschaft (check capitalization) vernemen möcht, wiewol
er nach der schiffleüt sag kein ander gedencken hat, dann sein son wer in dem
mör versuncken. Deshalb ein lange zeit mit weinen und klagen verzeret. Dessgleich
die edlen junckfrawen ein harte zeit hatten, biss sich zuletst das Glück über sye
erbarmet, inen all ir klag in freüd verkeren tet, wie ir es hernach gründtlich
bericht werden solt.
 
                                      46.
 Wie die beiden jungen ritter iren allerliebsten junckfrawen Botschaft (check capitalization) tund,
                     dardurch sye von newem erfrewt werden.
Als nun Gabriotto und Reinhart yetzund in Franckreich kummen waren, ires
schreckens ganz vergessen hatten und yetzund mit andren rittern und edelleüten
mancherlei freüd und kurtzweil suchten, doch under andrem irer allerliebsten
junckfrawen nye vergessen teten. Sich eines tags begab, das sye mit einem alten
ritter auff ein halbe tagreiss von Paris auff einen seinen sitz ritten, ettlich
tag mit beissen, jagen und fischen ir zeit vertriben. Als sye nun eines tags sich
fast uff dem gejäg geübt hatten, also das sye fast müd heim kamen, das nachtmal
namen; demnach die speiss abzudewen mit dem ritter in einem schönen garten
spacieren giengen.
    Der jung ritter Reinhart unter andrem lust, so in dem garten war, ein schöne
rossenheld ersehen tet. Im sein allerliebste junckfraw zu gedancken kam; allein
sich zu dem rossenheld füget, under andern schöne roten rossen eine mit seer
bleicher farb erblickt. Dieselb an einem ort stund, da sye aller rauher lufft
anwehet, darzu sye die sonn mit irer hitz den ganzen tag anscheinen mocht. Der
ritter von diser rossen aus der massen seer betrübt ward, anhub zu gedencken: O du
mein ausserwölte Rosamunda, warlich dise ross gibt mir deiner gestalt ein gnugsame
anzeigung. O gott, wiewol ich weiss, das du nun zumal mit manchem trübseligen
wind angewehet würst, dieweil dir verborgen ist, wie mirs in Franckreich goht,
so würst du auch on zweifel täglich von dem künig angeschinnen, der dann ein
ursach unsers scheidens gewesen ist. Dann ich weiss, so er dich anblicket, er
dich allzeit unsers scheidens ermanet, dardurch dir on zweifel dein schöne
farb, die vor alle junckfrawen übertroffen hatt, erbleichen muss.
    Mit solchen gedancken Reinhart den ganzen abent vertreiben tet, so lang
das man zu bett ging, in solchen gedancken entschlieff. Deshalb im ein
schwerer unnd harter traum zustund; ihn gedaucht, wie er sein allerliebste
junckfraw in Philomena kammer seh, unnd die beiden junckfrawen von im unnd
Gabriotto redten; in dem Gernier mit trawrigem angesicht zu in käm, in yeder
hand ein grosse kettin trüg, mit weinenden augen zu den beiden junckfrawen
sprach: O ir züchtigen und edlen junckfrawen, mir ist leidt, das ich diss mein
ampt an euch vollbringen muss. Damit ein scharpff schneidendt schwert nam, die
beiden junckfrawen durch ire edlen hertzen stach, aber ihnen an ihrem leben nit
schaden bracht, wiewol sye grossen schmertzen davon erlitten. Demnach Gernier,
der alt ritter, die kettin nam, die beiden junckfrawen zusamen an ein grosse
seulen binden tet, mit einem malhenschlossz hart zusamen verschloss, also
sprach: Dises schlossz und bandt nyemandts macht hat auffzulösen dann mein son
Gabriotto und Reinhart sein gesell. Damit aber diss dest sicherer verhüt würd,
legt er die beiden hund, so sye verloren hatten, zu in, damit, so yemandts sye
von solchen banden lössen wolt, das sye von den hunden abgetriben würden. Demnach
Gernier mit weinenden augen von in ging, die züchtigen junckfrawen also in
leiden unnd schmertzen behaft bei den grausamen hunden sitzen liess, die mit
jämerlicher klag ir zeit vertriben, iren lieben rittern umb hilff zuschruwen.
Reinhart aber daucht sich so weit von in sein, das er sye keinerlei weg trösten
mocht, wiewol ers zum dickern mal versuchet. Sich so fast in seinem schlaff
übet, das er davon erwachet, den übrigen teil der nacht mit seüfftzen unnd
klagen zu end bracht.
    Da nun der tag anbrach, Gabriotto auffstund; dann sein gewonheit nit was
lang zu schlaffen. Lang in der kammer hin und her ging, das er Reinharten
schlaffen meint, in nit wecken wolt, wiewol er manchen schweren seüfftzen von im
hören tet; aber alles im in dem schlaff geschehen meint , so lang das sich
Reinhart mit einem schweren unnd grossen seüfftzen auff ein seiten warff.
Gabriotto des ein klein schrecken empfieng, zu seinem gsellen kam, also sprach:
Was ist das, Reinhart? Was bedeüten die schweren und grossen seüfftzen, so du
von deinem hertzen gon lasst? Ich bin lang in der kammer umbgangen, hab dich
gemeint noch mit dem schlaff beladen sein, so lang biss ich das schwer seüfftzen
von dir vernummen hab. Stand auff unnd lass uns kurtzweil in den grünen feldern
suchen! Villeicht würt dir dein schwermütigkeit benummen.
    Reinhart sprach: O mein Gabriotto, mein schwermütigkeit mir mit keiner
kurtzweill benummen werden mag. Ich glaub auch, wo ich dir mein anligen
entdecke, du werdest sampt mir in grossem trawren ettlich zeit vertriben.
Gabriotto von im die ursach seines trawrens begert zu wissen. Des ihm Reinhart
nit versagen wolt, die ursach seines traums im zu wissen tet, auch was im des
andren tags mit der rossen begegnet wer.
    Als nun Gabriotto von seinem gsellen aller sach bericht ward, in ihm selb
gedacht: Fürwar die ursach meins gesellen trawren nit umbsunst ist. Ich glaub
auch on zweifel, diser traum nit on ursach beschehen sei. Yedoch er ihm ein
hertz fasset, zu seinem gsellen sprach: Nit also, mein Reinhart! Der sachen würt
noch guter raht funden. Stand auff, so wend wir raht suchen, damit wir in
kurtzer zeit erfaren, wie es umb unser allerliebsten junckfrawen stand, die ich
on zweifel hoff noch frisch und gesundt sein.
    Also liess sich Reinhart von seines gesellen worten ettwas trösten,
auffstund. Mit einander giengen an ein heimlich ort; ein yeder seiner
allerliebsten junckfrawen einen brieff schreib auff ganz weiss. Gabriotto auff
den seinen ein schöne vergulte kron machen liess, Reinhart auff den seinen ein
rossen, wie sye dann solchs mit Gernier dem alten ritter verlassen hatten. In
disen brieff schriben sie allen unfall, so in auff dem mör begegnet was. Sye
schriben auch iren junckfrawen, das sie in irem abwesen sich gegen menglich
frölich sollten beweisen, damit sye nyemandts ursach geben, sie zu verargwonen
irs abwesens halb; baten sie auch hiemit, iren nit zu vergessen. Als sie nun
nach irem willen ein schiff fanden, so in Engelandt faren wolt, sie einem
getrewen kauffman die brieff überantworten mit ettlichen schönen kleinoten, so
sye iren liebsten junckfrawen aus Franckreich zu einem krom sckickten; dem
kauffmann befahlen, die ding dem ritter Gernier treuwlich zu überantworten. Das
alles in kurtzer zeit nach irem begeren vollbracht ward, wie ihr hernach hören
werdt.
    Als nun Reinhart und Gabriotto wider zu irem alten ritter auff sein gesess
geritten waren, wider ir zeit mit mancherlei kurtzweil zu vertreiben, Reinhart
wider sein altes wesen anfieng. So er sich von Gabriotto verstelen mocht, an das
ort kam, da die rossen stunden; acht nam, wann sich doch die farb an der bleichen
rossen ändren wolt; dann er endtlich meint , sie im sein allerliebste junckfraw
bedeütet. Zuletst aber, als er sie fand gar verrisen und den butzen on bletter
ston, nam er im erst ein newe fantasei für, ging ein klein davon, setzt sich
under einer linden an ein schattigs ort, fieng da an sein allerliebste junckfraw
als eine, die yetzundt dem todt ergeben wer, zu klagen. Nam im auch endtlich
für, da dannen nit zu kummen, sunder von seiner allerliebsten junckfrawen willen
zu sterben; das dann auch beschehen wer, wo Gabriotto und der alt ritter in nit
davon abgewendt hetten.
 
                                      47.
  Wie Gabriotto seinen liebsten Reinharten einen halben tag lang verloren hat;
      derhalben er und der alt ritter in mit bekümmertem hertzen suchten.
Gabriotto, der edel ritter, an einem tag vom morgen an seinen gesellen
Reinharten verloren hat, kundt in an keinem ort finden. Zuletst in den garten
kam, in bei den rosen suchet, aber nit fand. Des er im grossen kummer nam, wider
aus dem garten ging, zu dem alten ritter kam, im sein anligen seines gesellen
halb zu wissen tet. Des der ritter auch betrübt ward; von newen anhuben
Reinharten zu suchen. Aber alles umbsunst was, sich biss auff den mittag
verziehen tet. Also kein ort in dem ganzen gesess was, das sye nit durchsucht
hatten, allein under der linden, so in dem garten an einem ort stund. Sye mit
einander zu red wurden, sye wollten in ausserhalb dem garten und hoff suchen, ob
er villeicht ettwann leg unnd schlieff.
    Als sye yetz nun lang umbhergangen unnd umbsunst gesucht hatten, sye zuletst
ausserhalb des gartens an das ort bekamen, da Reinhart under der linden sass. Der
alt ritter so nah an der mauren des gartens gangen was, das in daucht, er hett
ettwas in dem garten gehört; Gabriotten zu im wincket. Stillschweigendt sich der
mauren nehern tetten. In dem Gabriotto vernam, das Rosamunda genent ward; nit
lenger verziehen wolt, mit dem alten ritter in den garten an das ort ging, da
sie Reinharten in grossem jamer mit schweren gedancken beladen fanden. Der ir
erstmals nit warnam; dann er sein klag so ganz hertlichen fürte, das er
nyemandts warnam. Gabriotto zu im under augen stund.
    Des Reinhart seer erschrack; yedoch sein klag für sich füren tet, anhub und
sprach: O mein getrewer und lieber bruder, ich bitt, mich an meiner klag nit
wöllest verhindern unnd mich also hie in meiner rhu lassen sitzen. Dann mir
hinfür zu leben nit mehr liebt, dieweil ich weiss mein allerliebste junckfraw
von diser zeit gescheiden sein. Des ich dann ein gewisse ursach bin; dann ich
weiss sie sich nach meinem abscheid dermassen gekrenckt haben, das sie darumb ir
edels leben hat müssen geben. Dasselb ich ir in keinen weg nymmer vergelten mag,
es sei dann sach das ich auch also in trauren und klagen mein seel zu der iren
schick. Zu dem hab ich mir dises ort ausserlesen. Mit disen worten Reinhart sein
red endet.
    Gabriotto nit wenig von den worten seins gesellens betrübt ward; dann er
meint, Reinhart des gewisse Botschaft (check capitalization) hette. In im selb gedencken ward: O
gott, ist dem also, wie Reinhart sagt, on zweifel so ist mein allerliebste
Philomena mit grossem und schweren leid umbgeben, dieweil sie einander also lieb
gehalten hand. Anhub, zu seinem gesellen sprach: Mein Reinhart, ich bitt dich zu
dem ersten, du wöllest dir den todt deiner junckfrawen nit also schwer lassen
anligen, das du darumb dein leben auch verlassen woltest. Was möcht sie dein
todt gehelffen! Sag mir doch, durch wen dir solichs zu wissen worden sei! Es
möcht villeicht ein andre Rosamunda und nit die dein sein. - Antwort Reinhart: O
Gabriotto, ich sorg, ich sei ires todts und sterbens vil zu gewissz. Dann mich
die gestalt der rossen nit betrogen hat; so ist mir auch der draum, so ich unlang
gehabt hab, ires todts ein gewisse anzeigung.
    Hast du kein anders wissens, sprach Gabriotto, dann mit der rossen unnd dem
draum, so bist du on zweifel betrogen. - O Gabriotto, sprach Reinhart, die
verkerung der gstalt der rossen hat mich nit betrogen. Dann als ich sie mit erst
in dem garten under andren rosen ston fand, kam mir gleich in mein gedancken,
sie Rosamunda die junckfraw bedeüten solt. Demnach sie under andern roten rossen
von tag zu tag ye mehr bleicher ward, biss sie zuletst auch irer bletter ganz
beraubt worden ist, das mir das verderben meiner allerliebsten junckfrawen
anzeigen tut.
    Antwort Gabriotto: Mit was dorheit, Reinhart, du umbgast, kann ich mich nit
gnug verwundren, dieweil ich von dir vernimb, das du dich ein einige blum lasst
aller deiner freüd berauben. Meinst du, ein blum in Franckreich einer
junckfrawen in Engelandt zu gleichen? Ist nit das die eigenschaft einer yeden
blumen, so sie schier verderben und abrisen will, das sie zuvor ir farb
verliert? Du hast mich schier gleubig gemacht. Dann ich meint, dir wer ein
gewisse Botschaft (check capitalization) kummen, wiewol mich nit wenig verwundren tet, das mir mein
vatter nit ein semlichs zugeschriben het. Ich bitt dich, stand auff und lass uns
ander kurtzweil suchen. Woltest du dir semlich fantaseien fürnemen, so sag ich
dir, möcht wohl dein lieb bei lebendigem leib sterben. Was meinst, das ihr
Rosamunda gedencken würd, wann sie dich in einem solchem leben wisst? Fürwar sie
würd dich gleich andren für einen narren und tollen menschen achten.
    Der alt ritter, so bei ihn was, Reinharten auch mit worten straffen ward,
also sprach: Ritter, mir ist verborgen die ursach deiner klag und fürgenummenen
trawrens. Aber soweit ich mich nach Gabriotten red darin bedenck, so beduncket
mich warlich, du ein grosse torheit vor dir habest, dieweil du dir selb also
von blumen und treümen ein ursach fürnimbst. Stand auff und erweg den stand, in
welchem du yetz bist, und lass die blind liebe nit also über dein ritterlich
gemüt herrschen! Gedenck, zu was grossen spott du kummen würdest, wo man die
ursach deiner klag vernemmen würd! Es würden dich alle edlen ritter verspotten,
darzu die edlen unnd züchtigen frawen und junckfrawen über deiner torheit mussen
lachen; ja den jungen kinden möchtest du spottens nit entrinnen.
    Mit disen und andren worten sie den jungen ritter also schamrot machten, das
er nit wusst, was er darauff antworten solt; sich bekennen musst alles sein
fürnemmen ein grosse torheit sein, uffstund, inen beiden danck saget irer leer
unnd straff. Dem ritter nit anderst was, dann wer er von dem schlaff erwachet.
All drei mit einander zu feldt ritten, mit weidwerck mancherlei kurtzweil
triben. Demnach der alt ritter den jungen ritter Reinharten oft mit der
rossenhürst schamrot machet. Also lange zeit auff dem gesess freüd unnd kurtzweil
suchten, zuletzt wider gen Paris ritten.
 
                                      48.
  Wie dem ritter Gernier die brieff kummen von seim son und Reinharten; das er
    bald den edlen junckfrawen zu wissen tut, frölich und wohl zu mut seind.
Ir hand gehört, wie Reinhart unnd Gabriotto ihr zeit in Franckreich vertriben.
Nun wend wir wider kummen an die schönen unnd züchtigen junckfrawen, welche
keinen trost nye empfangen hatten, sunder gäntzlich glaubten, ire beiden ritter
im mör versuncken weren, derhalb sie ir zeit lang in trawren und klagen
verzerten.
    Als sich nun das Glück ir anfieng erbarmen, fügt es sich, das die kauffleüt
mit gutem wind an dem englischen port ankamen, von welchem oben meldung
beschehen ist. Nit lang stund, dem ritter Gernier zu wissen kam, wie das ettlich
frantzösisch kauffleüt in ihrem englischen port ankummen weren. Gernier sich nit
lang saumet, an das port reit, da er die kauffleüt nach aller sag finden tet,
deren er ettlich, so von Paris waren, fast wohl erkannt. Zu den er sich füget,
sie freündtlich empfieng, demnach fragt, ob in neüt von seinem son zu wissen
wer. Ja sicher, sprach der ein, vil guts. Er hat mir auch ettlich kleinot und
brieff geben, euch die zu überantworten. Als der gut alt ritter den kauffmann
also reden hort, vor grossen freüden nit wusst, was er in zu antwort geben solt,
nit lenger warten mocht, urlaub von inen nam.
    Den beiden junckfrawen die frölich Botschaft (check capitalization) nit lenger verhalten wolt,
sich zuhandt zu Philomena gemach füget, anklopffet, von ungeschicht Philomena
und Rosamunda bei einander fand: in irem alten wesen einander ir leid klagten.
Als sie aber den alten ritter also frölichs angesichts erblickten, dann es lang
nit sein gewonheit gewesen was, ettwas freüd von seiner zukunft empfiengen. Der
in zustund der beiden jüngling wolfart zu wissen tet; des die schönen
junckfrawen mit unzalicher freüd umbgeben wurden, zustund der brieff von dem
ritter begerten. Der er aber noch keinen hat; dann sein begirdt zu gross gewesen
was inen die Botschaft (check capitalization) zu verkünden, das er die brieff und kleinot nit an die
kauffleüt begeren tet.
    Des die beiden junckfrawen aber seer betrübt wurden; dann sie meinten,
Gernier die ding erdicht het, damit er sie von irem trawren unnd klagen wenden
möcht. Desshalb Philomena anhub unnd sprach: O Gernier, mit diesem trost uns
unser klagen unnd trawren nit benummen werden mag. Dann wir wohl ermessen künden,
warumb solchs geschehen tut. Der ritter in die red so teür behalten tet, das
sie im zuletst glauben gaben; in bitten tetten, die brieff auff das
fürderlichest zu überkommen. Damit aber sie der ding gewiss weren, schicket
Philomena ir vertrawte Laureta sampt irer magt mit dem ritter und seinem knecht
an den port, da die kauffleüt ir güter aussluden.
    Als nun der kauffman, so die brieff hat, den ritter widerkummen sah, sich
nit gnug verwundren mocht, das im der ritter nit zum ersten die brieff
abgefordert hat, ihm fürnam stillzuschweigen und des ritters wort mit fleiss zu
vernemen. Der ritter so bald nit zu im kummen was, anhub unnd sprach: Herr
kauffmann, hab ich nit verstanden, wie ihr ettlich brieff haben, so mir
zustanden? - Ja, sprach der kauffmann, ich meint aber sye wider in Franckreich
zu füren, dieweil ir sie zuvor nit von mir hand wöllen empfahen und also
stillschweigendt von mir gangen seind. Damit im die brieff sampt den kleinotten
überantwort. Das nempt nit zu ungnad, sprach der ritter, dann mich also grosse
freüd umbgab, als ich vernam mein son noch bei leben sein, das ich an kein
brieff noch kleinot gedencken mocht.
    Als er nun dem kauffmann mit höchstem fleiss gedanckt hat, sie auch batt nit
hinweg zu scheiden, er wollt ihn vor gut gsellschaft halten, des sie im zu tun
versprechen tetten, der ritter mit seiner gsellschaft wider heim kam, zu den
beiden junckfrawen ging, die dann sein mit grossem verlangen warteten, inen die
brieff überantwort. Erst wurden sie mit grosser freüd umbgeben, von stundt an
die handtschrifft irer lieben ritter erkannten. Inen auch bei disen kauffleüten
wider schriben alles, das sich in irem abwesen verloffen hat, auch wie sie also
lange zeit irentalb in grossem leid gewesen weren. Die junckfrawen demnach mit
mehr freüd und kurtzweil ir zeit vertriben.
    Das alles wend wir umb kürtze willen underlassen unnd sagen, was sich
weiters mit Reinharten und Gabriotten in Franckreich verloffen hab. Dann es inen
zuletst auch nit nach irem gefallen gon wolt, wie ir hören werdt.
 
                                      49.
 Wie der künig in Franckreich understund die beiden ritter zu verheiraten, des
                         sie im aber ganz abschlugen.
Lange weil nem zu erzelen, mit was freüd und leid die beiden jungen ritter das
jar zu end brachten. Sie wurden auch an dem hoff zu Franckreich wohl von yederman
wohl gehalten. Der künig auch nit anders meint, dann ir bleiben würd hinfür in
Franckreich sein; derhalb er im fürnam, Gabriotten mit einem weib zu versehen:
vermeint, so ers zuwegen bringen möcht, Gernier würd auch nit lenger in
Engelandt bleiben, sunder wider in Franckreich bei seinem son wonen. Des künigs
fürnemen aber ganz umbsunst was.
    Eins tags er nach Gabriotten schicket, also mit im anhub zu reden: Junger
ritter, uns gefalt wohl dein widerfart, und so es deinem vatter gefallen wolt,
uns ein sundere freüd wer, so or sich auch wider zu uns füget. Damit aber dein
vatter vernem, wie wohl du von uns gehalten würst, so ist mein entlich will und
Meinung, dich mit einer wolgebornen frawen zu begaben, so auch gott mit schöne
irs leibs und zeitlicher narung reichlich begabt hat. Der ritter dem künig
schnell antwort gab, wie sein sinn und will nit wer in Franckreich zu bleiben,
sunder, so bald es ymmer sein möcht, wolt er wider in Engelandt zu seinem vatter
faren. Dann er im nit lenger dann ein jar erlaubt hat; solt er dann über die
zeit aussbleiben, so möcht sein vatter dardurch in angst und nodt gesetzt werden.
Desshalb wer sein bitt ihm zu verziehen und in solcher anmutung zu erlassen.
    Als nun der künig des ritters willen und Meinung verstanden hat, wolt er nit
weiter mit im davon reden; er nam im aber für mit ettlichen jungen edlen zu
reden, so der junckfrawen verwandt, im auch sunder gut gsellschaft hielten, ob
doch die selben ettwas an im vermöchten. Der künig zuhandt die gedachten jungen
edlen beschicket, in sein anschlag zu verston gab, sye damit batt, das sie sich
freündtlich mit dem ritter hielten, sagt in dabei vil guts und freündtschaft
zu, wo sie es zuwegen brechten. Des sye im all trewlich versprachen: wo es
müglich wer, wollten sie dem ritter so liebs tun, das er ihn willfaren müsst; sie
meinten auch, es würd nit vil span haben; die junckfraw wer schon, wo sich dann
der künig so freündtlich unnd gnädig gegen im erbeüt, was ihm dann weiter von
nöten sein würd, dieweil in doch beiden an reichtumb nit manglet. So es sich
dann schon zutragen wolt, das er seines gsellen halb nit bleiben wolt, so müsst
man Reinharten auch dermassen mit einer schönen junckfrawen versehen, damit sie
beide also verhaft bleiben mussten. Diser rahtschlag dem künig wolgefiel; sie
damit batt, im entlich von nachzukummen. Das sie im versprachen, also urlaub von
dem künig namen, iren anschlag machten, wie sie dem ritter zulieb gon wollten,
damit sie in bereden möchten, ein weib zu nemen.
    Als sie aber semlichs durch vil und mancherlei sach versuchten und doch
alles umbsunst getan  hatten, wie willig sie sich gegen dem ritter erzeigten,
wiewol ers zu grosser freündtschaft annam, noch dannocht verfieng es nichts an
ihm. Dann kein auff erden in von seiner allerliebsten Philomena wenden mocht.
 
                                      50.
Wie die junckfraw aus anweissung irer freünd die beiden ritter zu gast lud, auch
 noch ein schöne junckfraw bei ir hat, welche meint Reinharts huld zu erwerben.
Als nun der junckfrawen freünd verstunden, das sie sich umbsunst arbeiteten
gegen dem ritter, erdachten sie einen andren anschlag, dardurch sie den ritter
behemmen meinten, Sie giengen mit einander zu der junckfrawen, zeigten ir an des
künigs fürnemen, auch wie sie den ritter nit darzu bringen möchten, ein weib zu
nemmen; so hetten sie dem künig verheissen semlichs zu tun; wo in dann an dem
ort misslingen solt, würden sie sich vor dem künig seer schammen müssen. Derhalb
ir bitt an sie wer, das sie weg sind, damit sie den ritter zu ir lied; so wollten
sie dann heimlich ston und warten; wann dann die nacht anbrech und sie also
allein bei im ob tisch sess, wollten sie den ritter überfallen, erstmals gütlich
an in muten, das er nach irem willen leben wolt; wo er sich sein aber ye widern
wolt, sie in mit gwalt darzu nöten und bezwingen.
    Auff solch anmutung die junckfraw iren freünden antwort und sprach: Ir mein
allerliebsten brüder und freünd, mich wundert, ob euch der ding, so ir an mich
begeren, ernst sei, dieweil ir wohl in euch selb bedencken mögen den nachteil,
so mir in allweg daraus entston möcht. Mit erst will mir als einer junckfrawen
nit gebieren, ein solchen jungen ritter zu laden, dieweil ich vatter und
muterloss bin; es würd mirs auch der ritter zu grosser schand messen. Zum andren,
das ir meinendt den ritter also zu bededigen, würt kein weg haben, dieweil ir so
vil mit ihm versucht hand. So will ich auch nit gestatten, in mit gwalt dahin zu
dringen. Was guter tag meinendt ir ich nach solchem zwang soll bei ihm haben?
Würd fürwar kein anders, dann das ich stetig von im hören müsst, er wer gezwungen
mich zu haben. Solchs mir dann ein schwere harte zeit sein würd. Darumb bitt ich
euch all, wöllendt mich zuvor in disem anschlag bedencken. Dann welchen weg das
los fiel, so würd ich schwerlich darunder verdacht.
    Als nun die junckfraw iren brüdern und freünden ihren willen ganz entdeckt
hat, fiengendt sie an schwerlich über sie zu erzürnen, ir auch des künigs ungnad
oft under augen schlugen, mit vil worten ir trewten sie zu verlassen. Damit sie
die junckfraw dahin brachten, das sie in verwilligt irem raht zu folgen und
sprach: Damit ich nit also ganz in ungnaden gegen euch stand, so will ich mich
in ewern willen begeben, wie gross ich meinen ungewinn damit tun würd. Des nun
die freünd und brüder wohl zufriden waren, der junckfrawen befahlen, so sie den
ritter geladen und im ein stund angesetzt hett, so solt sie es in zwissen tun.
Das alles sie in versprach.
    Als nun ir freünd von ir gangen waren, schickt sie nach einer irer
vertrawten gespilen, zeigt ir die Meinung an. Derselben war bass damit dann ir;
desshalben sie ir rhiet dem also nachzukummen, dieweil ir so vil trost und
zusagung von dem künig bescheh; derselb würd ir wohl vor allem unrhat sein, so es
darzu käm. In dem die junckfraw anhub zu betrachten, wie sie der sach einen
anfang geben wolt. O Philomena, du edle junckfraw, solt dir diser anschlag zu
wissen sein, fürwar du würdest ein newes leid überkommen haben!
    Eins tags begab sich, das die junckfraw zu kirchen gewesen was mit sampt
irer gspilen. Als sie nun wider zu Haus gon will, bekumpt ir Reinhard unnd
Gabriotto. Die ritter die beiden junckfrawen züchtiglichen grüssten, sie in
herwider mit züchtiger geberd danckten. Die junckfraw mit schamhaftem angesicht
anhub und sprach: Ir edlen zuchtigen ritter, so ir mir mein red nit in übel
auffnemmen wollten, wer mein will ein bitt an euch zu legen. Antwort der ritter
Gabriotto: Züchtige edle junckfraw, wie möcht ein ritter oder ander mann so
hartes gemüts sein, das er einer semlichen schönen junckfrawen ir bitten
abschlagen solt, ich geschweig, die zu undanck anzunemmen!
    Die junckfraw anhub: Dieweil ich dann, edler ritter, gnad bei euch funden
hab, so ist mein bitt an euch, ir wöllen den mornigen tag beid mit mir das mal
essen, damit, so euch die fart wider in Engelandt tregt, das ir auch guts von
den frantzösischen junckfrawen sagen mögt. Die beiden ritter sich ab der
junckfrawen nit wenig verwundren tetten, yedoch in entlich fürnamen irem
begeren nachzukummen. Gabriotto anhub und sprach: Jungfraw, wir bedancken uns
der willigen ehrerbietung, dieweil mirs doch nymmer verdienen künden. Damit ir
uns aber nit achten als ungütig jung unverstanden ritter, so seind wir willig
bereit, ewer gebott allzeit willig zu volbringen. Damit sie es der junckfrawen
in ir handt versprachen, von einander schieden.
    Sobald die jungen ritter von den schönen junckfrawen kummen waren, allererst
anhuben zu bedencken, warumb sie von den junckfrawen geladen weren. Gabriotto
anhub und sprach: Reinhart, mir falt erst ein, was das freündtlich erbieten der
junckfrawen bedeüten will; dann mich warlich bedunckt, ein auffsatz darin
verborgen lig. Im sei aber wie im wöll, so will ich ye meinem verheissen statt
tun. Understaht mir dann yemandts ettwas widerdriess zuzufügen, er soll mich
warlich nit schlaffen finden. Also die beiden ritter entlich miteinander
beschlusszen, irem verheissen ein genügen zu tun.
    Als nun die zeit kummen was und die junckfraw iren freünden die stund
ernennt hat, die beiden ritter nach irer zusagung kamen. Die junckfrawen sie
freündtlich empfiengen, demnach die tisch köstlich zubereit warden. Mit freüden
zu tisch sassen, die zeit mit vil kurtzweiliger schimpfflicher red vertreiben
tetten. Wiewol sich die beide ritter ettwas besorgten, noch tett ir keiner
dergleich, damit sie die junckfrawen nit trawrig machten.
    Als nun die zeit kam, das der junckfrawen freund zeit daucht ihrem anschlag
nachzukummen, fügten sie sich heimlich in der junckfrawen Haus mit gewerter
handt. Die ritter das heimlich gemürmel eins teils horten, sich auch
glimpfflich in den handel schickten, von dem tisch auffstunden, in dem sal auff
und ab giengen, mit unerschrocknem hertzen ire widerpart warteten. Die sich nit
lang saumpten, mit einem grossen rumor in den sal trungen. Die zwen unverzagten
ritter sich zusamen an ein wandt stalten, beide schwerter zu iren händen namen,
also sprachen: Ir herren, warumb ir uns also mit einem rumor überlauffen, ist
uns verborgen. Darumb begeren wir von euch zu wissen, was doch ewer fürnemmen
sei.
    Ein junger, welcher der junckfrawen bruder was, anhub und sprach: Ir
unverschampten ritter, uns befrembdt seer, wer euch also zu meiner schwester
erlaubt hat zu gon. Und namlich du, Gabriotto, ich beger sunderlich von dir zu
wissen, in welcher Meinung du hinnen seist, ob du meiner schwester zu ehren
begerest oder nit. Dann wo wir ein anders von dir vernemen, es solt dir on
zweifel nimmer gut tun. Gabriotto sich kurtz bedacht hat antwort zu geben und
sagt: Junger guter herr, ich bin deiner schwester weder zu schand noch zu laster
nachgangen, so beger ich auch auff dissmal weder ir noch keiner junckfrawen zu
den ehren. Mich würt auch dein stoltze red in kein weg dahin bewegen; darnach
wissendt euch all zu richten! Welcher mich aber weiters treiben wolt, der müsst
sich warlich mein erweren.
    Als nun der junckfrawen freünd den ritter also horten reden, gedachten sie
inen wohl, das da kein anders sein würd, oder sie müssten aber mit grossen
schanden weichen. Derhalben sie gemeinlich zu iren wehren griffen, auff die
guten jungen ritter schlugen, so best sie mochten. Gabriotto und sein gsell sich
auch nit lang saumpten, ire schwerter zu beden händen namen, sich so ritterlich
werten, das sie bald iren zweien ir köpff der massen zerhackten, also das sie
kaum zu dem sal hinaussgesahn zu kummen. Die ander drei noch ein kleine zeit
stunden, biss einer under in von Reinharten durch sein Hals gehawen ward, das er
todt zu der erden fiel. Da das die letsten zwen ersahn, zuhant flucht gaben.
Die junckfrawen in solchem rumor aus dem Haus fluhen.
    Also ging Reinhart und Gabriotto on alle irrung aus dem Haus zu irem wirt,
bezalten dem alles, so sie bei im verzert hatten. Am morgen frü ritten sie on
alles urlaub aus der statt Paris den nechsten wider auff Engelandt zu; dann sie
wohl gedachten, irs bleibens in Franckreich nimmer sein würd. Als nun morgens der
künig vernam, das sie hinweg waren, het er die ursach gern gewisst, die er aber
erst nach langer zeit erfaren tett. Hiemit im der künig wohl gedacht, der ritter
keiner mehr in sein landt kummen würd.
 
                                      51.
Wie Gabriotto und Reinhart in grossen freüden unnd gutem wind wider in Engelandt
                                   schifften.
In kurtzen tagen die zwen edlen ritter wider an das mör kamen, zu allem Glück
ein schiff funden, welchs in Engelandt faren wolt. Daruff sie sassen, mit gutem
wind in kurtzer zeit in Engelandt ankummen tetten. Das bald Gernier dem alten
ritter zu wissen kam, welcher bald ein ehrliche gesellschaft uffgetriben hat;
seinem son und Reinharten mit grossen freüden entgegenritten; dann yederman irer
zukunft fro ward. Ire allerliebsten junckfrawen auch irer zukunft bald innen
wurden, mit grossen freüden zu obrist in dem küniglichen palast giengen, sie von
weitem herreiten sahen.
    Als nun Gabriotto und Reinhart von seinem vatter, auch andren herren,
rittern und knechten eerlich empfangen ward, all mit einander der statt
zuritten. Gabriotto seinem vatter anzeigt, wie er in Franckreich hett müsen
scheiden. Demnach sye nun abgestanden waren, auff den palast miteinander
giengen. Der künig die beiden jungen ritter auch mit grossen freüden empfahen
tet, ihrer widerkunft wohl zu mut was. Als nun Gernier und die zwen jungen
ritter ein gute zeit bei dem künig gewesen waren, Gabriotto nach seiner liebsten
junckfrawen grösslich verlangen ward; heimlich zu seinem vatter sprach, das er
urlaub von dem künig nemmen solt, damit er zu seiner liebsten Philomena kummen
möcht; des ihm der vatter bald verwilligen tet.
    Also von dem künig schieden, den nechsten weg zu Laureta gemach kamen; allda
vermeinten sie irer junckfrawen zu erwarten. Laureta bald den beiden junckfrawen
solchs zu wissen tet. Die sich nit lang saumpten, mit Laureta in ir gmach
giengen, allda sie ire allerliebsten ritter fanden, sie beid mit grossen freüden
empfahen tetten. Zusamen nidersassen, aller verloffnen ding berichtet wurden, so
sich der zeit her irs abwesens zugetragen hatten. Des die junckfrawen mit
grossem verwundren vernamen; Philomena anhub unnd sprach: O mein allerliebster
Gabriotto, erst nimpt mich nit mehr wunder, das ich in deinem abwesen mit
solchen schweren gedancken beladen gewesen bin. Dann mir warlich die anstöss, so
dir begegnet sind, täglich vor meinen augen geschwebt hand; mich auch kein nacht
nye fürgangen hat, in deren mir nit ein schwerer traum deinetalb zugestanden
sei. Des alles aber mir die zwen hund mit irem widerkummen geschafft hand. Du
solt auch, edler ritter, sicher und gewissz sein, wo nit dein schnelle
Botschaft (check capitalization) mich getröstet hett, du würdest mich in leben nimmer funden haben.
Des mir Rosamunda ein ware zeügnüss geben würt, welche mir auch ein getrewe
mitgesellin in meiner klag gewesen ist. Dann ir nit minder leid zugestanden wer
irs liebsten ritters halb, wo er also on alle hilff uff dem wütenden mör solt
den todt gelitten haben. Das alles aber gott der allmechtig fürkummen hat,
dardurch gewisslich ewer wolfart mag erkennt werden, also das gott der allmechtig
noch vil wunder mit euch wircken will. Mit disen worten Philomena ir red endet.
    Gabriotto anhub: Allerliebste junckfraw, der grossen trew, so mir in meinem
abwesen von euch begegnet ist, kann ich mich nit gnugsam bedancken. Ich mag auch
die freüd, so ich von ewerem lieblichen angesicht hab empfangen, nit gnugsam
ausssprechen; dann sobald ich euch ymmer erblickt, mir mein langwiriges trawren,
das mich, seid ich von hinnen schiffet, gekrenckt hat, mir yetzundt in einem
augenblick benummen ist. Mich soll auch kein trübsal noch unglück nimmer rewen,
so mir auff diser fart begegnet ist, dieweil ich euch, mein allerliebste, mit
meinen augen leiblich ansehen tu.
    Mit semlichen und dergleichen worten Reinhart und Rosamunda auch ir zeit
vertreiben tetten. Als sie nun alle vier nach irem willen ein gute zeit bei
einander gewesen waren, mit freündtlichem urlaub von einander schieden. Yedoch
zuvor ein yetlicher seiner allerliebsten junckfrawen iren krom, so er ir aus
Franckreich bracht hat, welches dann waren köstliche guldine stuck und andere
schöne kleinot, davon sich dann die liebe zu beiden seiten noch mehr erheben
tet.
    Hie wend wir gnug von der widerkunft der beiden jungen herren gesagt haben
unnd wöllendt weiter anzeigen, wie sie sich nachmals an dem küniglichen hoff
gehalten hand.
 
                                      52.
Gabriotto würt von newem von dem künig verargwönet von wegen eines rings, so im
 Philomena geben hat, den die künigin an Gabriotten finger ersehen hat und das
                              dem künig offenbart.
Als nun die edlen und züchtigen jungen ritter mit grossen freüden wider an dem
küniglichen hoff woneten, auch ir altes wesen mit mancherlei kurtzweil wider an
die haut namen und sich yetzundt ganz selig sein meinten, begab sich von
ungeschicht ein new unglück, davon sie in grösser leid kamen dann nye. Dann sich
eines tags begab, das der ritter in der alten künigin frawenzimmer von dem künig
geschickt ward. Die künigin, sobald sie den ritter erblickt, ihm ir handt bod
und freündtlichen willkumm sein hiess. Dann sie in, von dem an er in Franckreich
gewesen was, nye gesehen hat. Als aber der ritter der künigin sein handt bodt,
so ersicht sie den ring, so im Philomena die junckfraw geben hatt, an seinem
finger. Davon sie in ein grossen argwon fallen tet, ir entlich fürnemen was,
dem künig die sach zu entdecken, als dann geschach, wie ir nachmals vernemen
werd.
    Die künigin ganz stillschweigendt die sach vor dem ritter verbergen tett;
alsbald sie aber zu dem künig kam, hub sie also an mit im zu reden: Gnädiger
herr, sprach die künigin, mich nimpt nimmer wunder, das ewer schwester Philomena
so lang in trawren und verlangen ir zeit hat müssen vertreiben. Dann als mich
beduncken will, so hatt sie lang zeit ires lieben bulen manglen müssen. Darumb,
gnädiger herr, zu sorgen ist, wo ir die sach nit bei rechter zeit fürkummen, sie
werd sich selb mit einem mann versehen, es sei euch lieb oder nit.
    Da der künig semliche wort von seiner frawen vernam, von grossem zorn sich
als sein gemüt erschütten tet, wiewol er erstlich vermeint die künigin die red
erdacht haben. Darumb er ir dann mit zornigen worten antwort gab. Fraw, sprach
er, von wannen kummen soliche erdachte und verlimpte wort? Wamit hat doch mein
schwester ein solichs umb euch verdienet, das ir sye also underston gegen mir zu
vertragen? Meinendt ir nit, das ich wiss, wamit mein schwester umbgang? Ich sag
euch, gedencken mir solcher nit mehr, oder ir werdent mich in grossen zorn wider
euch bewegen.
    Die künigin von des künigs worten ettwas schrecken empfieng, yedoch fieng
sie an also mit dem künig zu reden: Allergenädigster herr, sprach die künigin,
ich bitt, mir ewer gnad verzeihen wöll und mir noch ein kleines vergunnen zu
reden. Dann ich fürwar aus keinem neid reden will, sunder euch das, so ich selbs
erfaren hab, anzeigen. Der künig als er verstund die fraw der sach ein wissen
tragen, erlaubt er ir nach irem gefallen zu reden, was ir von seiner schwester
zu wissen wer.
    Allergnädigster herr, sprach die fraw, es hat sich in kurtz verschiner zeit
zugetragen, das ir einen ritter ewers hoffgsinds nach mir in mein frawenzimmer
geschickt hand. Derselb einen ring an seinem finger tregt, welcher nit eins
kleinen werdt ist; dann ich in lang zeit in grosser achtung gehalten hab, bis
ich in ewer schwester zu einem newen jar hab geschencket Darumb, genädiger herr
unnd künig, ir mir meiner vorigen red verziehen und vergeben wöllen.
    Als nun der künig von der alten küngin soliche wort verstanden hat, ist er
zuhandt in einen argwon gegen Gabriotto, dem edlen ritter, gefallen, hat also
nit weiters von der künigin begert zu wissen. Er gedacht ihm aber mit allem
fleiss nach, durch was weg er der rechten mähr möcht innen werden. In im selb
gedencken ward, die ersten ursachen gewesen weren seiner schwester trawren und
klagen, das der ritter sich so lang in Franckreich gesaumpt hette. Manchen
grossen unnd schweren seüfftzen von seinem hertzen gon liess, in im selbs
gedencken ward, wie oder womit er doch Gabriotten, des edlen ritters, ledig
werden möcht, aber keinen weg bedencken möcht, so on argwon zugon möcht. Dann er
allweg in sorgen stund, seiner schwester würd ettwas nachteils daraus
erwachsen: entweders sie würd dem ritter nit abston, sunder mit grossem zwang,
also das sein menglich müst gewar werden, oder aber würd sie underston dem
ritter durch heimlich und verborgen weg nachzufolgen, welchs ihm dann zu grossem
nachteil gedient hett. Desshalb im der künig fürnam, sobald er der ding waren
und rechten bericht empfahen möcht, wolt er underston durch heimlich practick
den ritter mit gifft umbzubringen. Als nun der künig ein semlichs böse  fürnemen
wider den edlen ritter erdacht, auch mit im selbs ganz beschlossen hatt, ist er
eilents zu raht worden, ein reiss zu tun durch sein ganz künigreich, darab nun
alles sein volck ein gross verwundren gehabt. Warumb aber das beschehen sei, will
ich euch kürtzlichen zu verston geben.
 
                                      53.
Wie der künig das ganz Engelandt durchreisset mit einem kleinen volck, damit er
                   seinem fürnemmen ein genügen tun möchte.
Der künig nach solcher angenummener reiss bald sein ordnung geben tet, mit einem
kleinen volck zu Lunden aussreit, Gabriotto und Reinhart aber zu solcher reiss nit
haben welt; dann er in dieweil ander geschefft auszurichten befolen hatt.
    Als nun der künig in seinem landt ein ferren weg umbgeritten was und noch
nyemandts sein geschefft wissen mocht, da beschickt er einen graffen, so dann
auch seiner undertanen einer was. Mit dem redt er also: Mein allerliebster und
getrewer freünd, was mich zu solcher meiner reiss verursachet, noch nyemandts
dann mein eigens hertz gewisst hat; dir aber hab ich mir fürgenummen ein solichs
zu entdecken. Du solt wissen, das ich an meinem hoff hab einen weidlichen unnd
mannlichen ritter; und so er sich nit mit einer person an meinem hoff vertiefft
hett, wolt ich in all mein tag nit von mir gelassen haben; bin auch noch des
willens, in bei mir zu behalten, so lang das ich ein waren unnd rechten
bescheidt seinetalben erfaren mag; welchs mir aber zu tun ganz unmüglich ist,
ich hab dann einen guten und vertrawten freünd, so mir zu der sachen dienstlich
und beholffen sein wöll. Zu solchem ich dich vor allen andren meines landts hab
ausserkoren; wo du mir aber an disem ort nit woltest willfaren, das du mir doch
einen andren zu dem handel geschickt zuwegen bringen wöllest. Damit du aber
meinen anschlag vernemmen mögest, so wiss, das ich in mir selbs beschlossen hab,
sobald sich ymmer erfindet, das der ritter schuldig ist des, so man in zeücht,
will ich verschaffen, das im mit gifft vergeben werden muss, damit ich ander
sorgen gäntzlich entladen würd.
    Der graff des künigs worten mit ganzem fleiss zugehört hat, nit gedencken
mocht, wamit der ritter solch übel umb den künig verschuldt hett, also
stillschweigendt vor dem künig ston blib. Der künig wider anhub und sprach:
Guter freünd, du darffest dich ab meiner red nit entsetzen. Dann mein anschlag
fast gut zu vollenden sein würdt, dieweil ich den handel mit höchstem fleiss
erwogen hab; desshalben du und ein yeder, sich sein underzeücht, in [kein] sorgen
ston darff. Es müsst aber also angefangen werden, das sich der, so sich der sach
underziehen wolt, für einen narren aussgeben müsst, demnach sich allwegen umb und
bei dem ritter halten, seins tun und lassens mit ganzem fleiss warnemen, damit
die heimlich unnd verborgen weg des ritters erkündigen und erlernen; dann
gewisslichen würt der ritter nichs vor im verbergen. Also mag ich all sein tun
unnd lassen erkunden.
    Als nun der graff des künigs willen und Meinung ganz vernummen hat, sprach
er zu dem künig also: Allergnädigster herr und künig, ewer gnad wohl abnemmen
mag, das der, so die sach underston will, ettwas sunderlicher geschicklichkeit
an im haben muss, damit man ihm sein angenummene narrenweiss nit anspüren mög.
Dann wiewol mir der ritter unbekandt ist, noch glaub ich, sobald er den anschlag
vernemmen würd, er understünd einem sein leben zu nemmen. Dieweil ich mich dann
darzu ganz ungeschickt befind, so darff ich mich der sachen gar nit
underziehen. Damit mich aber ewer mayestet erkenn als ein getrewen diener, so
will ich euch einen jungen, so mir nah verwandt ist, anzeigen. Derselbig zu
zeiten so ganz närrisch geberen tut, also das all die, so in nit erkennen, für
einen rechten natürlichen narren halten. Er hat auch allwegen sein rüstung zu
solcher seiner narrenweiss aus der massen gut.
    Der künig von des graffen red grösslichen erfrewt ward, ihm zuhandt befahl,
den jungen graffen für ihn zu bringen in seiner rüstung. Er gebodt auch allem
seinem volck sich eilens zu rüsten; dann er willens wer den nechsten weg wider
gen Lunden zu reiten. Diss alles der künig allein darumb also anschicket, damit
der schalcksnarr von nyemandts dann im allein erkannt würd.
    Als nun der narr für den künig kummen was, vil und mancherlei kurtzweil vor
dem künig und dem alten graffen üben tett. Der künig gross freüd davon empfieng,
in zuhandt fraget, ob er mit im gen Lunden reiten wolt; des im der obgedacht
narr gäntzlich bewilligen tet. Der künig sich nit lang saumet, urlaub von dem
graffen nam, im ein reiche letze liess, den nechsten weg wider gen Lunden reiten
tet. Alles sein hoffgesind nit anders glaubt, dann den ein natürlichen und
gebornen narren sein, so der künig mit im heimfurt, wiewol nach langem sein
angenummene narrenweiss mit verlust seins lebens aussbrach, wie ir das kürtzlich
hernach vernemmen werdt.
 
                                      54.
Der künig yetz mit seinem volck wider zu landt kam, den narren, davon ir oben
gehört handt, mit im bracht hett. Nyemandts anders meint , dann es ein rechter
natürlicher narr wer, derhalben alles hoffgesind vil kurtzweil mit im hatten.
Nun was der narr schon von dem künig dermassen abgerichtet, das er sich zu
keinem mehr gesellet dann zu dem ritter Gabriotten. Des im der ritter ein
sundere freüd nam; dann im verborgen was, das ihm diser narr also nach seinem
leben stellen tet. Der ritter in dermassen lieb hat, also wo er ston oder gon
tett, den narren allwegen bei ihm hat.
    Nun begab es sich eins tags, das Gabriotto zu seiner allerliebsten Philomena
gon wolt und sich nach seiner gewonheit mit ir ersprächen, seinen narren bei im
het, der junckfrawen ir zeit mit im vermeint zu kürtzen. Der narr aller wort, so
von ihnen beiden geredt ward, mit ganzem fleiss warnam, das nachmals dem künig
alles zu wissen tett. Den künig dermassen in zorn gegen dem ritter beweget, das
er ihm fürnam, nach dem alten ritter Gernier zu schicken und im seinen dienst
gäntzlichen abkünden; doch so liess er es underwegen und beschicket in allein,
gütlich mit ihm zu reden.
    Alsbald nun Gernier für den künig kam, fieng der künig also an unnd sprach:
Ritter, mir seind unverborgen die trewen dienst, so du mir sampt deinem son
Gabriotten und Reinharten an meinem hoff vollbracht hand. Nun aber kumpt mir
under andrem, wie sich dein son understand meiner schwester Philomena lieb zu
tragen, und ist sein entlich fürnemmen sie zu einem ehelichen gemahel zu haben,
das mich dann, wo ihm also wer, nit wenig verkleinen würd. Darumb ich dich dann
zuvor gebetten haben will, die sach gegen deinem son zu fürkummen, damit ich nit
ursach hab in zu straffen.
    Gernier, der gut alt ritter, nit wenig schrecken von des künigs red
empfieng; dann im die liebe seines sons nit verborgen was, er hat auch wohl von
im verstanden, das im nit müglich wer von seiner liebe zu lassen, dieweil er der
junckfrawen die ehe versprochen hat. Darumb er nit gedencken mocht, wamit er die
sach verkummen solt; yedoch zu dem künig sprach: Allergenädigster herr und
künig, wo mein son oder ich nit tund alles das, so ewer küniglichen mayestet
willen und gefallen ist, soll es mir von hertzen leid sein. Ich will auch mein
son nach allem meinem vermögen davon entziehen unnd straffen.
    Mit disem geredt urlaub von dem künig nam, mit bekümmertem hertzen seinen
allerliebsten son suchen ging, im alles, so der künig mit im geredt hat,
anzeigen tett; davon Gabriotto grossen schrecken empfieng. Ach gott, sprach er,
wer mag doch mich unnd mein allerliebste junckfraw also schandtlich verrahten
haben! O du schandtliches Glück, wer soll auff dich hoffen, wer soll dir
vertrawen? Fürwar nyemandts. Dann so mehr du dich freündtlicher ansehen lassest,
so mehr ist sich vor dir zu besorgen. Hastu mich nit langest genug mit angst und
nodt angefochten! Bin ich nit in grossen sorgen auff dem wütenden mör gewesen,
darnach meines leibs halben in Franckreich in grossen gferden gestanden! Magstu
je nit dolest ein genügen an meinem trübsal haben! O du mein allerliebste
Philomena, nun hab ich dich doch nun dolest teür erkauffet, wo mir das Glück
nur dich vergunnen wolt. Ach mein liebste junckfraw, was würst du sprechen, so
du solches wider uns vernemen würst! Nun bin ich doch yetzund ganz der hoffnung
gewesen, alles unser leid soll ein end haben. So sih ich wohl, es will sich erst
grösslichen hauffen.
    Mit solchen worten Gabriotto sein leid klagen tett, das so hart an sein
hertz trucket, das er es kümmerlich verbergen mocht. Zuletst gedacht seiner
allerliebsten Philomena semlichs zu schreiben.
 
                                      55.
  Wie Gabriotto seiner liebsten Philomena einen brieff schreibt im beisein des
                 narren; derselbig dem künig alle wort ansagt.
Nit lang nach solchem verloffnem handel der künig den narren fraget, oh er nicht
an dem ritter mercket. Dem der narr zuhandt antwort: Nein, nit sunders, dann das
der ritter nun ettlich tag mit schweren gedancken beladen ist, manchen grossen
seüfftzen von seinem hertzen lasset. Was in aber darzu ursacht, ist mir
verborgen; kann auch weder mit meinen worten noch geberden den ritter wie vormals
zu lachen bewegen. Der künig von des narren worten wohl abnemmen kundt, was dem
ritter zu solchen seüfftzen und klagen bewegen tett. Darumb er dann den narren
nit weiter fragen wolt; er befahl ihm aber mit fleiss auffzuschawen, was doch der
ritter weiters begünnen wolt.
    Des ihm der schalcksnarr versprechen tet, also von dem künig schied, den
ritter Gabriotto suchen ging, den er noch trawrig in seinem gemach sitzen fand.
Der narr seine angenummene bossen vor dem ritter treiben tet, aber ganz nichts
an im verfahen wolt; stetig sein gesicht yetz über sich, dann under sich wenden
tet, zuletst auffstundt, sein unsichtbare dinnten zu handen nam, seiner
allerliebsten junckfrawen Philomena einen brieff schreiben tet, welches inhalt
was, wie nachstat:
    Ich wünsch euch, mein allerliebste junckfraw, vil Glück unnd freüd, wiewol
mir des ganz wenig beschert ist. Dieweil ich in hoffnung gewesen bin, das Glück
werd nun zumal an uns ein vernügen haben und mit seinen genaden handt ob uns
halten, so sorg ich aber, es sei umb unser liebe nye sorglicher gestanden. Dann
als ich von meinem vatter bericht bin, so ist der künig solichermassen in zorn
wider mich ergrimmpt, das er understaht mich an meinem leib zu straffen. Wer
aber daran schuldt tregt, mir ganz verborgen ist, kann auch auff nyemandts nit
zweiffeln. Darumb, mein allerliebste junckfraw, hab ich euch die ding keinswegs
wöllen verhalten, damit ir euch auch dest bass vor unsern feinden mögen bewaren.
Ich beger auch hierinn mir eweren getrewen raht nit zu verhalten. Hiemit,
allerliebste junckfraw, befihl ich euch in den schirm gott des allmechtigen.
    Der ritter disen brieff also schreiben tet, den ungetrewen narren also bei
im sitzen liess, welcher der feder nach den brieff gäntzlichen lesen tet, des
sich aber der ritter nit zu im versehen hat. Darumb im zuletst grosses leid zu
handen gon tet, als ir es hernach wohl bericht werden sollen.
    Sobald nun der ritter den brieff verschlossen hatt, ist er damit aus seinem
gemach gangen, den narren von im hinweggeschicket; dann er sich dannocht ettwas
von im besorget. Es war aber ganz zu spat. Der narr seiner schalckheit nach
schnell ging den künig suchen, dem er zuhandt wortzeichen gab, dabei der künig
verstund, das im der schalcksnarr aber newe mehr bracht. Deshalb er in bei
seiner handt nam, mit im allein in einen sal gon tet, nyemandts dann einen
jungen kammerbuben mit im nam. Der künig nit meint , das der bub auff ire wort
acht haben solt; es wolt sich aber ye dahin schicken, das dem verräter auch
sein verdienter lon werden solt. Dann gemeinlich geschicht es, so einer einem
andren ein gruben delben tut, das er selb hinnein fallet; also disem
schalcksnarren auch geschach.
    Als nun der künig sampt dem narren yetzundt in den sal kummen was und der
künig aller ding von dem narren bericht ward, der künig in zorn ganz gegen
Gabriotten wüten tet, im zustund den todt schweren tett, zu dem schalcksnarren
sprach: Du hast mir bisher mit ganzem fleiss gedienet, darumb ich dir dann
schuldig bin widergeltung zu tun. Derhalben ist mein bitt, du wöllest der
sachen ein end machen, damit mir der schandtloss ritter aus meinen augen kumm. So
das geschicht, solt du reichlich von mir begabt werden; wills auch ganz zu
deinem gefallen und willen setzen; so du wilt, magst du hie bei mir zu Lunden
bleiben oder gen Idenburg zu deinem vettern ziehen.
    Der schalcksnarr dem künig antwort unnd sprach: Allergnädigster herr und
künig, alles, so mir ewer künigliche mayestet gebeüt, bin ich willig unnd zu
vollenden. Darumb zeig mir ewer gnad an, durch was weg ich euch zu willen werden
kann; will ich mich unverzogenlich darein schicken.
    Der künig antwort und sprach: Du solt wissen, das ich in künftigen tagen
ein jagen anrichten will. Hiezwischen will ich dir zulassen bereiten ein
starcken gifft, mit dem solt du einen apffel vergifften. Und wann man dann auff
das gejäg zeücht, so will ich vor allen andren dich dem ritter befehlen, das er
acht auff dich haben soll. Sobald ich dann mit meinen andren dienern von euch
kumb, so lug du und verhinder dich mit deinem esel; so muss dann der ritter
meinem befelch nach bei dir bleiben. So will ich zuvor dem ritter bescheidt
geben zu einem brunnen, dabei er mich und das ganz gejäg finden soll. Sobald du
dann mit im zu dem brunnen kumpst, werden ihr nyemandts dabei finden; dann ich
mich mit fleiss auff einen andren weg richten will. So zeüch du dann deinen
apffel heraus unnd gib ihn Gabriotten; der würt ihn dann gwisslich von dir
nemmen. Alsbald aber er den von dir empfacht und im des gifftes ein kleines
stücklein in seinen leib kumpt, so muss er schnell on alle hilff sterben. Er würt
auch einen schritt nit von statt kummen mögen. Deshalb du dich in keinen weg
vor im besorgen noch entsetzen darffest.
    Der narr dem künig versprechen tett, seinem befelch also nachzukummen. Also
im ernstlichen gespräch sie beid mit einander redten, das sie des kammerbubens
ganz kein acht nit hatten; welcher allein iren anschlag gäntzlich vernummen
hatt, in im selbs gedacht: O gott, hilff, das ich von nyemandts gesehen werd! So
will ich underston den grossen mordt zu wenden. In dem der künig sampt dem
narren von dannen giengen, des buben ganz kein acht nit hatten. Zuhandt der bub
nach Gabriotten dem ritter schawet, damit er im solchen falsch und verrähterei
zu wissen tun möchte.
 
                                      56.
Wie Gabriotto durch des künigs kammerbuben vor dem schalcksnarren gewarnt würdt,
                 unnd wie Gabriotto mit im selbs zu raht würdt.
Der kammerbub allen seinen fleiss ankeren tett, damit er zu Gabriotten dem edlen
ritter käm. Nit lang anstund, den ritter an einer zinnen ligen fand. Der knab zu
im kam, also sprach: O edler ritter, wie mögendt ir also rewig hie an diser
zinnen ligen und betrachten aber ganz wenig den mortlichen und falschen
anschlag, so wider euch erdacht und beschlossen ist! Der ritter nit wissen
mocht, was er doch von des jungen worten abnemmen solt, anhub und sprach: Mein
lieber junger, deine wort mir warlich nit klein verwundern bringen. Darumb bitt
ich, mir anzeigen wöllest, was deine wort gemeinen. Ein solichs ich fast gern
von dir vernemmen will.
    O edler ritter, sprach der jung, so ich nit in sorgen stohn müsste, das ihr
mich vermelden würden, ich wolt euch warlichen ein solichen seltzamen anschlag,
so wider euch ist erdacht unnd zum teil ewer leib unnd leben berieren tut, wo
ir euch anderst nit darvor underston zu hüten. Der ritter noch mehr schrecken
von des knaben red empfieng, von newem anhub unnd sprach: Mein lieber junger,
ich bitt, mir solichen schweren anschlag wider mich erdacht nit verhalten
wöllest. Hergegen versprich ich dir, dich in keinen weg zu vermelden, und solt
mir schon mein leben daran stan. Daruff solt du dich frölichen verlassen. Darzu
soltu von mir ein eerliche schenckung warten sein umb die trew und
freündtschaftt, so mir von dir bewisen würt.
    Der knab anhub und sprach: Edler ritter, es hatt sich heüt begeben, das ich
in dem königlichen sal allein gewesen bin, also heimlichen gestanden, keines
dings wargenummen, so lang biss ich gehört hab den narren, so mein gnädiger herr
newlich an den küniglichen hoff bracht hatt. Derselb mit dem künig so weisslich
geredt hat, das ich mich grösslich darab verwundert; dann ich ihn bisher für
einen natürlichen narren gehalten hab. Derselbig euch gegen dem künig
fälschlichen verrahten und verkaufft hat, im erst heüt einen brieff, so ir
geschriben haben, von wort zu wort angezeigt, den künig dermassen in zorn gegen
euch bewegt, das der künig ewern todt geschworen hat; dermassen den
schandtlichen angenummenen narren mit grosser zusagung dahin bracht, das er
bewilligt hatt euch mit gifft in einem apffel zu vergeben. Darumb, edler ritter,
seind gewarnt vor dem schandtlichen verrähter! Dann wie ihr hie von mir bericht
seind, also und nit anderst ist im. Ir werdts auch in kurtzem selb erfaren.
    Dem ritter die sach seer frembd was; doch von des knaben worten wohl abnemmen
kundt, das im also was. Mit auffgehabnem angesicht also sprach: O gott, wie
seind deine wunder so manigfaltig! Nun sih ich wohl, das all mein hoffnung gar
umbsunst, dieweil also schwere unnd sorgliche netz gespannen sind, denen ich in
keinen weg empfliehen würd, ich woll mich dann meiner liebsten junckfrawen
gäntzlich verwegen. Das mir warlichen ein schweres creütz sein würt. Dann was
möcht mich helffen, das ich vor dem schandtlichen verrähter gewarnet wer und
mich wohl wisst vor im zu hüten! So mir doch der künig den todt geschworen hat,
würt er warlichen nit abston, er hab dann seinem fürnemmen ein genügen getan .
Derhalben ich mir kein andern weg weiss, so mir sicherer sein mag, dann das ich
mich hinweg mach. Wer weisst, Glück mag sich villeicht zuletst mein erbarmen und
mich als meins leids mit hauffen ergetzen. Yedoch will ich von disem hoff nit,
ich hab mich dann zuvor an dem schandtlichen verräter gerochen.
    Darumb er im fürnam der zeit, so im der kammerbub angezeigt hat, zu
erwarten, als er dann tet. Den knaben von wegen seiner getrewen warnung mit
einer schenck begaben tet, im auch darumb grossen danck saget. Der knab den
ritter batt, das er in keinerlei weg vermelden wolt; des im der ritter von newem
versprechen tet, also von einander schieden. Gabriotto manchen frembden
gedancken hat, wamit er sich doch an dem schalck rechen wolt.
 
                                      57.
Wie Gabriotto Reinharten seines leids underricht, wie im Reinhart rieht, seiner
                   lieben junckfrawen semlichs zu offenbaren.
Gabriotto nach des knaben abscheid Reinharten, seinen allerliebsten gesellen
suchen ging, damit er ihm sein leid klagen möcht. Als er in nun fand unnd im
sein anligen gäntzlich entdecket, Reinhart mit grossem leid umbgeben ward, nit
wissen mocht, mit was fugen, doch der sachen zu begegnen wer. Dann das in auch
der nechst weg sein daucht, wie im dann Gabriotto selbs fürgesetzt hatt, wiewol
im schwer was mit im zu ziehen. Dann in die liebe, so er zu seiner allerliebsten
Rosamunda trug, hindersich zoch, wiewol seiner Gabriotto nit begeren tet; dann
im sein gsell lieber in Engelandt was, damit er ihm nach seinem abscheiden
embieten möcht, wie es umb Philomena, sein allerliebste junckfraw, stünd, auch
was seinentalben an dem küniglichen hoff geredt würd. Als sie nun zu beider
seit ires scheidens halben manchen frembden anschlag umbsunst machten, zuletst
eins wurden, mit einander zu der junckfrawen Philomena zu gon und ir den
anschlag zu wissen tun, so über Gabriotten gemacht was.
    Als sie nun nach irem begeren die junckfraw Philomena und Rosamunda an irem
gewonlichen fenster fanden, die beide von der zukunft irer ritter grosse freüd
empfiengen; dann inen ir leid noch ganz verborgen was. Dann Gabriotto der
junckfrawen Philomena den brieff noch nit geantwurtet, darumb sie noch nichts
von dem handel wissen mocht; aber nit lang anstund, sie es mit grossem leid
erfaren tett. Als nun Gabriotto und Reinhart ire allerliebsten junckfrawen
ersehen hatten, sie sich nit frölichen wie andre mal erzeigten. Davon die
züchtigen und schönen junckfrawen zum teil zu trawren bewegt wurden, wohl
gedachten, die sach nit nach irem willen stünd.
    In dem Reinhart zu inen nahet, zu der junckfrawen Philomena sprach:
Allergnädigste junckfraw Philomena, Gabriotto, der betrübt ritter, begert, wo es
müglichen wer, ein klein mit euch zu reden; dann im ein seer schwere sach
angelegen ist. Die junckfraw Philomena dem ritter antwort: So sag im, das er
sich gleich zu unser Laureta gemach fügen tu! Dann ich sein daselbs warten
will.
    Reinhart seinem gesellen zuhandt solche Botschaft (check capitalization) zu wissen tet. Der sich
nit lang saumet, mit Reinharten seinem gesellen zu Laureta gemach kamen, die
tür auffgeschlossen funden, hinein giengen, ire allerliebsten junckfrawen mit
ganzem fleiss ir warten funden.
 
                                      58.
Wie Reinhart und Gabriotto zu iren junckfrawen in Laureta gemach kummen, inen ir
 leid klagten, und wie Gabriotto urlaub von seiner liebsten Philomena begeret.
Mit grossem verlangen Philomena ires allerliebsten ritters warten tett;
Rosamunda nit minder dann Philomena ires allerliebsten Reinharten wartet, damit
sie von inen vernemmen möchten die ursach ihres trawrens. Nit lang stund,
Gabriotto und Reinhart mit einander kamen, sich aber nit frölich wie andre mal
erzeigten, das sie zuhandt zu trawren tet bewegen.
    Philomena die junckfraw nit lenger beiten mocht. Nachdem sie iren
allerliebsten ritter empfangen hatt, hub sie an und sprach: Ach mein
allerliebster ritter, ich bitt, mir anzeigen wöllest, was doch dich zu semlichem
trawren bewegen tut. Dann ich an deiner gestalt abnimm und erkenn, das dir nit
alles nach deinem willen und gefallen goht.
    Der ritter der junckfrawen mit einem schweren seüfftzen antwort und sprach:
O mein allerliebste junckfraw, die ursach meines trawrens nit wohl ärger sein
möcht; dann nichts uff erden mich zu solchem ellendt bewegen künd, dann so ich
gewiss bin, euch, mein allerliebste junckfraw, zu verlassen. Nun mag es ye nun
zumal nit mehr andre weg haben, dann das wir uns gäntzlich müssen scheiden. Das
mir dann mein hertz dermassen zu trawren bewegen tut, das ich meinem leben
ganz feind worden bin. Gott wolt, das ich mich an dem rechten sächer rechen
möcht, der mich also fälschlich umb mein leben understat zu bringen. Das ich
alles nit so seer klag, als das ich euch, mein allerliebste, meiden muss.
    Als nun Philomena den ernst von irem ritter vernam, fieng sie an
bitterlichen zu weinen also kläglich, das Laureta und Rosamunda auch zu weinen
und klagen bewegen tet. Gabriotto und Reinhart, so best sye mochten, sie
trösten tetten. Nach langem klagen und weinen die junckfraw Philomena anhub und
sprach: Ach mein allerliebster ritter, wie hast du mir mein hertz mit deinen
worten so ganz bekümmert, dieweil ich dich willens vernimb von mir zu scheiden.
Die ursach aber, warumb das geschicht, mir ganz verborgen ist. Gott wöll, der,
so schuldt daran hatt, frölicher zeit nymmer erleb, dann ich yetzundt an meinem
hertzen trag!
    Gabriotto der junckfrawen alle ding nach der lenge erzalen tet, auch wie in
der knab so trewlich vor dem schandtlichen narren gewarnt hat. Er erzalet ihr
auch, was er mit ihm selbs hett beschlossen. Dann sobald, sprach Gabriotto, mir
der verrähter den apffel bieten und geben meint, will ich in mit aussgezogenem
schwert dahin dringen, das er den vergifften apfel selb essen muss, demnach mich
gott dem allmechtigen in seinen schirm ergeben, von land scheiden. Wo mich dann
der weg hintregt, will ich mein narung und wonung suchen und dann mein zeit in
trawren und klagen biss an mein end verzeren. Darumb, allerliebste junckfraw, ich
ein gnädig urlaub von euch beger, bitt euch, mein im allerbesten allzeit
gedencken und nit meinen, darumb das ich mit leib von euch scheid, das darumb
mein hertz ewiglich von euch scheiden werd. Lond mich meines hinwegscheidens nit
entgelten, dieweil ir doch sehen mich nit schuld daran tragen!
    Die junckfraw von des ritters worten also grossen schmertzen empfahen tett,
das sie ihm auff seine wort kein antwort geben kundt, anders nichts tett dann
ire schneeweisse händ winden und kläglichen weinen. Kein trost an ir nichts
verfahen noch helffen wolt, als sie da keiner andren zuversicht mer warten was
dann ihren allerliebsten ritter zu verlassen. O gott, sprach sye zuletst, mein
ausserwölter ritter, ich bitt, on mich von hinnen nit scheiden wöllest, sunder
mich dir ein getrewe nachfolgerin in deinem ellendt sein lassen. Dann mir nit
müglich sein wirt on dich hie zu bleiben.
    Der ritter mit seiner allerliebsten junckfrawen gross mitleiden und erbermbd
tragen tett, wiewol er sie in keinen weg trösten kundt. Noch dannocht ward er
bedencken, was grosser gferlichkeit inen beiden daruff stünde, so er die
junckfraw also mit ihm underston solt hinwegzufüren, anhub also mit ir zu reden:
Mein allerliebste junckfraw, ich bitt euch, wöllendt selbs bedencken die grosse
geferligkeit, so uns daraus erwachsen würd, so wir mit einander understünden von
hinnen, zu scheiden. Wer wolt uns doch vor dem gewalt ewers bruders entschütten!
Dann er zuhandt alle weg und strassen verlegen würd. So mögendt wir auch aus
disem künigreich nit kummen dann zu wasser. An welche porten des mörs wollten wir
uns dann wagen, da wir nit gwisslich ewers bruders volck finden werden! Wie
möchten wir dann von in kummen, das sie uns nit beid gefencklich für den künig
furten, der uns dann sunder zweifel fast schwerlichen straffen würd! Darumb,
allerliebste junckfraw, folgendt meinem raht und geben mir ein freündtlich
urlaub! So will ich an meiner statt hie lassen meinen vatter, auch meinen
allerliebsten gsellen und bruder Reinharten mit der hoffnung, das Glück werd
sich schier über uns erbarmen, also das wir on alle sorg umb und bei einander
wonen mögen. Was sich dann hiezwischen zutregt, mag mir allweg durch sie zu
embotten werden. Darumb, mein allerliebste junckfraw, mein nit vergessen
wöllendt, dieweil ich mit leib nit bei euch wonen mag; dann mein hertz dannocht
nymmermehr von euch scheiden würt. Damit aber ihr, mein allerliebste junckfraw,
dannocht wissen mögen, wo mein Meinung hin sei zu reissen, so wissen, das ich
willens bin mich in dem künigreich Portugal niderzulassen und daselb in trawren
mein zeit zu vertreiben, so lang mir wider von dem Glück verleihen würt, bei
euch, mein allerliebsten junckfrawen, zu wonen. Ich will auch, sobald ich ymmer
in Portugal kumm, euch embieten, wie es umb mich stand, es sei doch in welchen
weg es wöll. Wer es dann sach, das ich euch disen ring schickt, so seind gewiss,
das ich mit todt abgangen bin. Aber dieweil ich leb, soll und würt er von meiner
handt nit kummen. Nun aber mag ich nit gründtlich wissen, wann die zeit kummen
würt, das ich von hinnen scheiden muss. Darumb, allerliebste junckfraw, ich nun
zumal meinen abscheid mit euch machen will. Gott gesegen euch, mein freüd, mein
hoffnung und all mein trost, darzu ein auffentalterin meiner armen seelen!
Verflucht muss der sein, so ein ursach ist an meinem kummer und leiden. Ich
winsch, das er nymmer frölicher stund und tag erleben mög, dann er mir nun zumal
schaffen tut. Wee mir, das ich mich nit nach meinem willen an im rechen soll!
Verflucht sei der tag und stund, an welchem diser falsch anschlag über uns
erdacht ward!
    Mit solcher kläglicher red der ritter sein allerliebste junckfraw dermassen
von newem zu trawren unnd leid bewegt, also das sie vor in allen in grosse
omacht fallen tett. All die, so umb sie waren, bitterlichen ob ir stunden
weinen und klagen. Als nun die junckfraw wider zu ihr selb kummen was, hub sie
an vor inen allen zu reden und sprach: O du mein allerliebster ritter, der du
bist ein kron in meinem hertzen, ein ursacher aller meiner freüden, ein hoffnung
meines lebens, wie mag ich ymmer frölich werden, dieweil ich deines lieblichen
angesichts beraubt werden soll! O du unbarmhertziger bruder, der du mir, deiner
einigen schwester, in kurtzer zeit ir leben nemmen würst, verflucht sei die
stund, in deren ich dein schwester worden bin. Gott wolt, ich eines armen
ritters tochter wer, damit ich nit also von meinen freünden in hut gehalten
würd! O mein allerliebster ritter, ich behalt dir bei meiner seel, wo ich nit
deines lebens besorgen musst, es solt mich in disem Engelandt kein mensch
behalten; ehe wolt ich in einer bilgerin weiss aus disem künigreich ziehen. Aber
ich hoff, gott werd an unserem leid bald ein verniegen haben unnd uns unsern
trübsal in grosse freüd verkeren.
    Das kläglich klagen und weinen der zweier lieben nun lang zeit geweret hatt.
Mit vil erbermblichen worten ir leid klagten, zuletst urlaub von einander namen,
mit grossem schmertzen iren letsten abscheid machten; dann keins dem andren
nymmermehr zu gesicht kam. Gabriotto seim vertrawten gsellen Reinharten sein
allerliebste junckfraw befehlen tett, in freündtlich batt, das er sie nach
seinem abscheid trösten solt. Damit von einander schieden. Der ritter sich von
stund an zurüst, ein barschaft zusamen macht, nyemandts dann seinem knecht
davon sagen tett, des angeschlagnen jagens mit grossem trawren erwartet.
 
                                      59.
   Hie würt ein jagen von dem künig angericht, auff welchem Gabriotto von dem
 narren umbracht solt werden, welchs als widersinns aussgieng; dann der narr von
                         Gabriotten erstochen [!] ward.
Nit lang nach dem abscheiden des ritters und seiner allerliebsten junckfrawen
der künig als sein hoffgesind für sich berüffen liess, in allen ein gemein jagen
verkünden tett, dabei gebot, das sich menglich darzu rüsten solt. Gabriotto wohl
gedacht, diss der tag seines abscheidens sein würd, seinem knecht empfahl, sich
nach dem besten mit einem verborgenem harnasch anzulegen, auch seinem pferdt
dieselb nacht kein mangel am füter lassen; sobald dann mornigs der tag anbrech,
solt er zu im in sein gemach kummen, wolt er ihm ettlich bulgen geben, dieselben
solt er unverzogenlich an der Portugaleser port füren und dann seiner zukunft
warten. Das alles tet der ritter darumb, damit er nach seinem willen möcht mit
dem verrähter, so in umb sein leben bringen wolt, handlen möcht, als ir dann
nachmals wohl vernemmen werdt.
    Als nun yederman sein ordnung geben ward, wes er sich den zukünftigen tag
auff dem jagen halten solt, der künig dem ritter einen sundern stand in dem
holtz anzeigen tett, davon nit weit zu einem brunnen was, auch nyemandts dann
den ritter allein dahin schuff. Zustund des im der ritter zuhandt verwilliget zu
tun, urlaub von dem künig nam, seinen gesellen allein auff ein ort nam, also zu
im sprach: O mein allerliebster Reinhart, nun ist es an dem, das wir scheiden
müssen, und kein anders nit sein mag. Dann der bestimmpt tag, so der künig über
mich gesetzt hatt, ist der morndig tag, an dem er hofft, mein leben mit gifft zu
enden.
    Dieweil nun die beiden ritter also mit einander reden, so kumpt der
verrähter hinzu und meint  nach seiner gewonheit ettwas von dem ritter zu
vernemmen, damit er im dest nachteiliger sein möcht. Sobald nun der ritter den
narren erblickt, sich in seinem angesicht gäntzlichen entferbet, nit so mit
schimfflichen worten den narren entpfahen tet wie andre mal, sunder in ganz
stillschweigendt bei im ston liess.
    Davon der narr auch sunderen grossen schrecken empfieng, von dannen zoch, zu
dem künig kam, also sprach: Allergnädigster herr und künig, mich will beduncken,
Gabriotto sei meiner angenummenen narrenweiss innen worden; von wem aber, ist mir
verborgen. Dann als ich einig bei im gewesen bin, hatt er mich gar nit wie andre
mal mit schimpfflichen worten angeredt. Deshalb ich in sorgen stand, meinem
fürnemmen nachzukummen.
    Der künig von des narren worten nit gross gefallen empfieng; doch hub er an
und sprach: Das sich der ritter nit in gleichem fal wie andre mal frölichen
erzeigen tut, nit zu verwundren ist. Dann ein solchs einem yeden menschen von
natur angeboren ist, das er ein zeit mehr frölich dann die ander sein tut. Dann
sich etwann zutragen tut, das eim nit all sein anschleg nach seinem willen
aussgon. Dasselbig dann einen dermassen also entrüsten tut, das er nit allzeit
gleich frölichen sein mag; als mir dann auch nit zweiffeln tut, dem ritter auch
ettwann seine anschleg zuruckgon. Darumb du ganz on sorg deinem fürnemmen
nachkummen magst. Daran würstu mir warlichen ein gross gefallen tun, solt auch
von mir einer reichlichen belonung warten sein. Derhalben du dich nach dem
fürderlichsten dahin richten unnd schicken solt und das, so dir zu dem handel
von nöten sein würt, auff den morndigen tag bei dir haben; dann es nit lengern
verzug haben mag.
    Der narr, wiewol in die sach anhub zu rewen, yedoch versprach er dem künig
sein willen zu vollstrecken; damit von einander schieden. - Der verrähter
zuhandt den apffel zubereitet und vergifftet mit einem seer starcken gifft,
damit er meint  den edlen ritter umbzubringen.
    Nun was der ritter und sein allerliebster gsell noch nit von einander
gangen; dann sie dieselb ganz nacht bei einander bliben. Gabriotto Reinharten
freündtlich batt, das er im sein allerliebste junckfraw befohlen solt lassen
sein. Die ganz nacht also ongeschlaffen vertriben, so lang das der tag anbrach,
einander ir leid klagten. In dem des ritters knecht auffgestanden was, zu seinem
herren kam, der im zu stund ein schöne barschaft von gold geben tett. Der
knecht ganz stillschweigendt zu rossz sass, den nechsten nach seines herren
befelch an der Portugaleser port reiten tet, seines herren allda ein kleine
zeit warten musst. Der sich nit lang saumet, sobald er seinem begeren zu end
kummen was. -
    Als nun der tag kummen was, an dem der künig seinem bösen fürnemmen vermeint
stattzutun, der ritter, wie ir oben gehört hand, urlaub von seinem
allerliebsten gesellen nam, ihn hatt, das er nach seinem abscheid seinem
allerliebsten vatter alle sach entdecken wolt und im die ursach seines
hinwegscheidens anzeigen; dann im noch alle ding verborgen was. Damit schieden
die zwen getrewen gesellen von einander mit grossem jamer und leid; es gesah
auch keiner den andren nymmermehr.
    Der ritter nach seinem befelch an das ort reit, so im der künig bestimmpt
hat. Der narr sich bald zu im machet, im nachfolget biss an das ort, da er meint
seinem bösen fürnemmen stattzutun. Als sie nun dahin kamen, der ritter anhub
und sprach: Nun wundret mich nit klein, was mein herr der künig damit gemeinet,
das er mich an ein ort bescheidet, da weder hund noch jäger hin kummen werden.
Ich glaub schier, ein betrug dahinder verborgen lig. Nun wolan, was gott will;
ich hab mich ganz darein ergeben.
    Als nun der ritter sein red mit einem schweren seüfftzen endet, der narr in
grossen ängsten was, nit gedencken mocht, wie er sein sach angreiffen wolt; dann
er besorget, der ritter hett von der verrähterei bericht empfangen. Also auff im
selb stund, zuletst gedacht: Nun muss ich ye meinem verheissen nachkummen. Mit
dem zoch er seinen vergifften apffel aus seinem kappenzipffel unnd sprach zu dem
ritter mit erschrocknem hertzen: Den apffel hab ich dir behalten von gestern an
unnd hab dich aber nye künnen finden, damit ich dir in geben hett.
    Der ritter, sobald er die wort von dem narren verstanden hatt, mocht er sich
nimm entalten; von stund an sein schwert zucket unnd in grossem zorn zu dem
verrähter sprach: Du schandtlicher verrähter, umb deinen fälsch hab ich vor
langem gewisst. Noch hat mich dein schalckheit allzeit betrogen. Du bist ein
ursach, das ich in ungnad gegen dem künig kummen bin; du hast zuwegen bracht,
das ich von meiner allerliebsten junckfrawen scheiden muss. Darumb ich dir deinen
verdienten lon mit disem meinem schwert geben will; aber du must zuvor disen
bereiten apffel, so du mir bereit hast, selbs in deinen verrähterischen schlauch
fressen, und soltest du daran erworgen. Dann hie mag dich nyemandts fristen.
    Der narr zittern vor dem ritter stund, in mit flehen und weinen bitten ward,
im zu verzeihen. Aber alles umbsunst was; der ritter anhub und sprach: Nun
wolan, du schandtlicher verrähter, gedenck, das du den apffel essest; oder ich
will dir mit meinem schwert dein leben nemmen.
    Da nun der schalcksnarr sah, das kein frist noch besserung da was, fieng er
an und sprach: Mir beschicht warlich hie recht; nachdem und ich understanden hab
zu tun und an einem frummen unnd teüren ritter zu vollbringen, das würt
yetzundt an mir vollendt, wie billich und recht ist. Darumb, o mein gott unnd
mein herr, wöllest mir mein sünd und misszhat verziehen! Damit beiss er mit
ganzen krefften in den apffel. Nit lang anstund, an allem seinem leib
ufflauffen und gross geschwellen tet. Als er nun befand, das sein end nahendt,
hub er an unnd sprach: Edler ritter, ich bitt, mir nit weiter leid zufügen
wöllest; dann du wohl sihst, das ich zu meinem todt steür genug hab. Ich bitt
dich aber, durch gott mir verziehen wöllest, damit mir gott auch meine sünd
verziehe. Mit dem geredt seinen geist auffgab und von diser welt schied.
    Der ritter widerumb auff sein pferdt sass, von dannen reit, den nechsten weg
an der Portugaleser port kam. Daselbs seinen knecht noch warten fand. Nun was zu
derselben zeit kein schiff an dem port. Davon der ritter in ein new leid kam,
nit wusst, wie er seinen sachen ein end geben solt. Zuletst mit seinem knecht zu
raht ward, auff ein klein schiff zu sitzen und sich gott und dem Glück zu
ergeben; dann da wer kein ander flucht mehr; sobald der künig sein
hinwegscheiden vernemmen, würd er im eilens nachhangen und in underston zu fahen
und umbzubringen.
    Zuhandt mit einem schiffman überein kam, der im und seinem knecht ein
jagschiff zurichten solt unnd in in Portugal füren. Des im der schiffman
versprach, aber nit ganz in Portugal zu schiffen; er wolt sie aber an ein ander
port füren, so sie im anderst lonen wollten, da sie gwisslich portugalische schiff
funden, die sie gwisslich in Portugal bringen würden, wo ihn anderst von gott
wetter unnd Glück verluhen würd. Der ritter des schiffmanns zusagen wohl zufriden
was, seine bede pferdt an dem port verkauffet, allein mit seinem knecht, dem
schiffmann und zweien schiffknechten sich auff das ungestimb wütende mör wagen
tet, mit glückseligem wind, aber bekümmertem hertzen aus Engelandt schiffet. In
kurtzer zeit an das ort kamen, da sie zwei grosser schiff aus Portugal fanden,
welche yetzundt ganz ferig waren, also das sie den nechstkünftigen tag von
land faren wollten. Der ritter seinen schiffman eerlichen bezalen tet, in auch
mit einer sunderen schenck verehret. Der frölich unnd wohl zu mut wider heim fur.
Demnach sich der ritter anderwert verdinget, zu vollem in Portugal zu faren.
    Den lassen wir also in grossem leid dahin faren und sagen fürbass, wie es in
Engelandt an des künigs hoff ergangen sei. Als nun das jagen den ganzen tag
gewert und der künig meint, seinem bösen willen wer yetz ein geniegen beschehen,
reit er mit grossen freüden wider heim. So bald nit heim kummen was, nach dem
ritter und narren fragen tet, aber von nyemandts nichts erfaren mocht. Der
künig zuhandt grossen schrecken empfahen tet; dann im von stund an zu gedancken
kam, wo der ritter an dem narren gemerckt hette, wes willens er gegen im gwesen
wer, so würdt er ihn umbracht haben. Desshalb der künig von stund an die ort
schicket, da er den ritter und narren hinbescheiden hatte.
    Als sie aber dahin kamen, nyemandts dann den narren allein todt ligen
fanden, ganz gross auffgeloffen und zerschwollen, auch eins teils von dem
vergifften apffel bei im; aber von dem ritter mochten sie nichts erfaren. Die
diener des künigs eilens wider heimkerten, dem künig alle sach zu wissen
tetten. Der gross leid umb den narren hat und noch vil mehr, als er verstand den
ritter noch in leben sein, wiewol er gegen nyemandts dergleichen tett.
    Hiebei wöllendt wirs lassen bleiben und wider sagen von dem trawrigen ritter
Gabriotten, wie es im nach seinem abscheid ergangen sei.
 
                                      60.
  Wie Gabriotto in ein grosse kranckheit auff dem mör fallen tet, und was er
                             seinem knecht empfahl.
Mit grossem leid der edel ritter Gabriotto uss Engelandt schiffet. Aber alles ein
kleins war, biss das er anfieng seiner allerliebsten junckfrawen recht zu
gedencken; sich in dem grossen schiff zwischen ettliche ballen legen tet, sein
Philomena erst anhub zu klagen und redt also mit im selbs: O du mein
allerliebste junckfraw, ich klag die stund unnd auch den tag, aufs welchem ich
deiner edlen zucht und schöne immer beraubt ward. Ach, warumb hab ich mich nit
in alle gefar in Engelandt willig begeben! Was wolt mir doch der künig mehr
zugefügt haben, dann das er mich zu todt hett lassen schlagen! Ich hab den todt
geflohen und bin aber im mit ganzem gewalt entgegen gezogen; das muss ich
ymmermehr klagen. Dann ich wohl befind, das mein leben sich bald enden würt. Ach,
das mir nit also vil Glück hat mögen zuston, das ich bei meiner liebsten
junckfrawen gestorben wer, damit ich ires angesichts nit also lang hett dörffen
beraubt sein! Verflucht seiendt ihr grausamen wallen auff dem mör. Warumb hand
ir mich nit ganz verdilcket, als ich in Franckreich schiffet, da ir mich also
mit ewerem ungestümen zwirbeln umbgeben hatten! O ihr unseligen jüngling, so in
Franckreich von mir erschlagen seind, warumb habendt ir mich nit mit ewern
schwertern entlibet! Dann ich damals in guter hoffnung was, mein allerliebste
junckfraw wider zu sehen, des ich nun zumal ganz keinen trost mer haben darff.
O des unseligen tags, an dem ich in Engelandt mit meinem pferdt also einen
schweren und harten fall getan  hab unnd aber nit allda mein end hab mögen
nemmen! Allda wolt ich kein sterben nit geklagt haben, sunder mit grossen
freüden gestorben sein; dann ich noch nye angefangen hat lieb zu haben.
    Mit semlichen und dergleichen worten der ritter sein leid klagen tet, sich
nyemandts trösten wolt lassen, weder essen noch trinken wolt. Davon dann seinem
diener grosses leid zustund; tett sich zu seinem herren allein und sprach mit
trostlicher stimm also: Ach mein allerliebster herr, was ist es doch, das euch
in semlich gross leiden und leid bringt? Was ursachet euch zu solcher köstigung,
das ir euch understohn also umb ewer leben zu bringen? Ich bitt euch, ir
wöllendt ein mannlich unnd ritterlich gemüt haben unnd nit also ein weibisch
leben füren, damit man nit sprechen mag, Gabriotto, der edel, der unverzagt und
mannlich ritter, hatt ihm selbs on alle ursach sein junges leben gekürtzet.
    Nun wusst des ritters knecht noch nit, von weswegen der ritter ein semliche
harte und schwere klag furte. Das wusst der ritter wohl, darumb hub er an und
sprach: Mein allerliebster diener, die ursach meines trawrens magst du nit
wissen. Damit du aber mir glauben mögest, will ich dir semliche ursach zu wissen
tun. Dann ich mich wohl befind nit lang mehr zu leben; so beger ich auch ganz
keiner hilff meines lebens, dieweil ich meiner allerliebsten junckfrawen beraubt
sein muss, von deren wegen ich aus Engelandt hab mussen entweichen; und aber mich
seidher oft gerewen hat, das ich mich nit bei meiner allerliebsten junckfrawen
entalten hab, was mir doch daraus entsprungen wer. Gott wolt, ich den
vergifften apffel, so mir von dem künig bereit worden ist, gessen hett, damit
ich meinem leben in Engelandt ein end gemacht hette! So wer ich doch von meiner
allerliebsten junckfrawen geklagt worden. Die aber yetzundt nit wissen mag, wie
mirs goht; das ich dann zum allermeisten klagen muss.
    Nachdem der ritter solche wort mit seinem knecht geredt, hatt er im allen
handel entdecket. Davon der knecht gross verwundren empfangen, seinen herren, so
best mocht, tröstet. Aber alles umbsunst was. Zuletst sprach der ritter: Mein
allerliebster und getrewer diener, ich bitt, mich nit lenger mit deinen worten
bekümmern wöllest; dann sie nicht an mir verfahen mögen. Ist aber dein gemüt in
trewen gegen mir geneigt, als ich dir dann vertraw, so gewer mich meiner letsten
bitt; darumb soll dir wohl gelonet werden. Nimb war, wann ich meinem leben ein
end geben würd, so soltu alle mein kleinot sampt dem baren gelt on aller welt
einred von mir erben. Allein den ring, so ich an meinem Finger hab, den mustu
wider in Engelandt füren, denselben der schönen Philomena überantworten mit
sampt meinem hertzen. Das solt du mir mit eigner handt aussschneiden und mit
ganzem fleiss wohl verwaren und palsamiern, damit du es also frisch in Engelandt
bringen mögest. Das ist an dich meine letste bitt, deren du mich wohl geweren
magst.
    Der knecht, als er seinen herren also reden hort, mit bekümmertem hertzen zu
ihm sprach: Ach mein allerliebster ritter und herr, ich hoff, es sei noch nit an
dem, das ir also sterben. So sichs aber ye zutragen wolt, das ir also
ellendtlich sterben sollten, wolt ich nit allein das, so ir mir anzeigen, in
Engelandt füren, sunder ewerem vatter als ewer verlassen gut bringen und
überantworten. Des sond ir euch in allen trewen zu mir versehen.
    Der ritter dem diener seines erbietens freündtlich dancket, im darnach
schuff dinnten und federn zu langen, einen brieff an seinen vatter schreiben
tet uff soliche Meinung lautendt:
    Hertzlieber vatter, wiewol mich küntliche trew und liebe darzu reitzet, dich
in keinen weg weder mit worten noch geschrifften zu beleiden, so wills doch
yetzundt die zeit also geben dir zu schreiben, davon ich weiss, du grossen
schmertzen empfahen würst. Dann wiss, lieber vatter, das diss mein letste
geschrifften seind, so von deinem son Gabriotten aussgon; dann sich kurtz hernach
der todt mit mir vereinget hatt. Darumb, lieber vatter, ist an dich mein bitt,
wöllest disem meinem trewen diener alles mein verlassen gut willig folgen lassen
unnd ihn anstatt deines sons befohlen lassen sein; das ist an dich mein letste
bitt. Lieber vatter, gehab dich wohl und lass dich meinen todt nit krencken! Sih
an, das ich in trawren und ellendt mein übrige zeit hett müssen vertreiben! Gott
verleih dir und meinem liebsten bruder Reinharten ein frölicher zeit, dann ich,
seidher ich aus Engelandt geschiftt, gehabt hab!
    Mit disen worten der ritter sein brieff beschloss, den mit fleiss underschreib
mit disen worten: Dein ellender, verjagter, trostloser, abgestorbener son
Gabriotto.
    Hie möcht einer sagen, warumb der ritter also geschriben hatt, dieweil er
noch bei leben was. Darzu antwort ich: der ritter hatt am allerbasten
entpfunden, wie im an seinem hertzen gewesen ist; als sich dann nachmals wohl
beschinnen hett, wie ir das gründtlich vernemmen werdt.
    Nachdem Gabriotto seinen brieff verbittschet hat, gedacht er seiner
allerliebsten junckfrawen auch den letsten brieff zu schreiben. Derselbig auff
semliche form lautet:
    Ich entbiet euch gern, mein ausserwölte junckfraw, mein wolfart, das mir aber
nit mehr gebieren will. Dann mich ewer schöne unnd edle liebe dermassen so
schwerlichen kräncken tut, dass ich von allen meinen krefften kummen bin und
nichts mehr erwart dann des todts, der warlichen bald meinem trawren ein end
geben würt. Darumb, allerliebste junckfraw, ich euch verschafft hab mein hertz
zu bringen. Dasselbig mein unsichtbare seel nimmer verlassen soll. Darumb
wöllendt diss mein hertz bei euch behalten und gedencken, in was trewen es euch
gemeint, mit was freüden es euch gedient und in was eeren es euch geliebt hat,
da es noch in seinem leib gewesen ist. Nit schlagen im aus herberg zu geben,
darumb das es nit in leiblicher gstalt bei euch wonen mag! Dann wo diss mein
hertz ist, daselbs würt auch mein edle seel sein und euch beiwonen, solang mir
beid zusampt an unser verordnete wonung kummen. Darumb, mein allerliebste
junckfraw, nit seind bekümmert umb meinen todt! Dann ich vil neher bei euch sein
würd dann in meinem leben. Gott gesegen euch, mein ausserwölte ob allen
junckfrawen; der geb euch frölicher zeit und stund, dann mir seidher verluhen
gewesen seind!
    Damit der ritter seinen brieff, welchen er mit trehen ganz übergossen hatt,
zuschloss, in in ein liderins ledlin, welches mit einem silberin schlösslin ganz
subteil verschlosszen was, verschliessen tet, seinem knecht befal, so er von
diser zeit schied, das er dann sein hertz auch darein sampt dem ring legen solt
und das Philomena der junckfrawen überantworten, den andren brieff seinem
allerliebsten vatter bringen. Des im der diener versprach mit ganzem fleiss zu
volstrecken, wie er dann understund; aber nit nach seinem willen ergon mocht,
als irs dann nachgohns wohl hören werden.
 
                                      61.
 Wie der ellendt Gabriotto, demnach er lang auff dem mör gefaren was, in einer
 port in eim kleinen stettlin verschied, unnd wie in sein diener auffschneiden
                   liess, sein hertz wider in Engelandt fürt.
Ir hand gehört, mit was schmertzen unnd ellend der edel ritter Gabriotto uff dem
mör fur. Nach dem begab sich, das sie an landt schifften. Nit weit von dannen
ein mechtig schlossz was, aufs welchem ein grosser herr sein hoff hielt; unden
an dem schlossz stund ein kleines stettlin. Darinn liess sich der betrübt ritter
Gabriotto füren; dann er yetzundt von allen seinen krefften kummen was, wohl
entpfand, das die stund seines letsten ellendts nit ferr was. Darumb liess er
eilens die obersten desselbigen stettlins zu im brerüffen, fieng an und erzalt
in sein kranckheit und sagt also: Ir allerliebsten herren unnd freünd, dieweil
ich empfind, das meines lebens zu disem mal nit mehr ist, so bitt ich, ir
wöllendt mir in mein letsten willen nichts tragen und meinem knecht zulassen,
das er mich nach meinem todt uffschneid und mein hertz aus mir nemme, dasselbig
hindersich wider füren an die ort, so ich im dann befohlen hab, auch mein
verlassen gut meinem vatter wider überantworten. Daran tundt ihr mir ein sunder
wolgefallen.
    Die herrn, so zugegen waren, gross mitleiden mit dem ritter hatten, im
zuhandt versprachen zu willfaren, yedoch die sach zuvor hinder sich an iren
herren brachten, der dann auff dem obgedachten schlossz ein wonung hatt. Als er
der sach vernam, sich zuhandt auffmachet, den ritter in seinem leben zu sehen.
    Als er nun zu dem ritter kam, wohl sah, das er nit eines schlechten
herkummens was, wiewol er sein schein und adeliche gestalt ganz verloren hat.
Darumb der landsherr ein gross mitleiden mit im hat, in freündtlich batt, im sein
anligen und kranckheit zu entdecken. Des im der ritter zuletst nach der leng
erzalen tet, dadurch den herren bewegt, das er das zehern nit verhalten mocht;
dem ritter, so best er mocht, seinen trost mitteilet; aber alles umbsunst was.
Dann er im kurtz hernach in beisein des landtsherren mit lachendem mund also
sprach: Frew dich, mein edle seel; dann du würst in in einer kleinen weil dein
allerliebste Philomena sehen. Nach disen worten sich gott dem herren in seinen
schirm befehlen tet unnd mit frölichem angesicht seinen geist auffgeben tet.
    Alle die, so umb in stunden, gross leid davon empfiengen. Wiewol der ritter
nit lang umb sie gewonet hat, noch dannocht hat er ein solich sunder genad von
gott, alle die, so in sahen, im zuhandt alles guten gundten. Als nun Gabriotto
verscheiden was, sein knecht gross leid davon entpfangen hat, seinen
allerliebsten herren mit grossem leid klagen tet, darnach schuff, das man in
auffschneid, sein edles hertz mit grossem fleiss in das liderin ledlin
balsamiert; demnach in eerlichen zu der erden bestatten liess.
    Als nun das alles vollendt was, der knecht sich wider zuricht in Engelandt
zu schiffen, aber nit nach seinem begeren schiff finden mocht; dann er ein gute
zeit allda verharren musst, allen tag zu seines herren grab ging, in von newem
anfieng zu klagen, so lang das die zeit kam, in der er seines gefallens ein
schiff fand. Seinen wirt abzalt, sich zu dem patronen verdingt zu faren biss gen
Lunden an das port; also mit grossem leid von seines herren begrebnus schiffet,
allen tag sich zu undrist in das schiff füget, seinen allerliebsten herren mit
ganzem fleiss klaget.
 
                                      62.
 Wie des ritters knecht wider in Engelandt schiffet und seines herren hertz mit
im in einem ledlin verschlossen füret, und als er zu undrest in dem schiff lag,
   seinen herren klaget, im das hertz gestolen ward, wie ir vernemmen werdt.
Als nun des abgestorbnen ritters knecht mit grossem leid auff dem mör allen tag
zum wenigsten seinen herren ein stund klagen tet, sich eines tags begab, das er
sein ledlin ab dem gürtel getan  unnd das an seiner gemeinen legerstatt ligen
hatt lassen, aber zu undrest in dem schiff sein klag füret - begab sich, das ein
portugalesischer bub, eines kauffherren son, welcher seinem vatter ein grossen
teil seins guts verton hat, derselb lotter in sunder wargenummen hat, das des
ritters knecht das ledlin also wohl verwaret. Darumb er meint, er wer ein
zollerier und furt köstlich stein, so er dem künig gon Engelandt bringen wolt.
Deshalb er fleissig acht nam, wo der knecht das ledlin hat ligen lassen, sich
heimlich dahin schmeichet, das ledlin nam, zuruck des schiffs in ein finstern
winckel verstossen tet, da sein nyemandts warnemmen mocht. Sein rechnung
machet, das ers bei nacht auffbrechen wolt, die kleinot, so darin weren,
herausszunemmen und heimlich in seine kleider vernegen, demnach das ledlin in das
mör zu werffen.
    Als nun der knecht seiner klag ein end geben hatt, wider heruff kam,
allererst gewar ward, das im die lad an seinem girtel manglet, grossen schrecken
empfieng, allentalb hinder im unnd vor im suchen tett, aber nichts fand. O
gott, sprach der knecht, der ellenden stund, so ich erlebt hab! O du mein
frummer und allerliebster herr, nun wie mag ich dir deinen letsten willen
erfillen, dieweil mir das, so du mir in allen trewen hast empfohlen, ganz
entwert ist! Ach, das mir nit all mein hab dafür genummen ward!
    Der knecht mit solchem jämerlichen schreien und klagen sich also übel gehub,
das alle die, so mit im zu schiff waren, gross mitleiden mit im hatten. Der
patron sie allsamen zu dem höchsten ermanet, ihm das sein wider zuzustellen.
Aber nyemandts daran schuld tragen wolt, wiewol yederman auff den schalckhaften
buben zweiffelt. Der sich aber mit ersten zu dem betrübten knecht füget, im
allentalb suchen halff, sich erzeiget, als wenn er gross mitleiden mit im hett.
    Als nun der knecht sich des ledlins mit dem hertzen ganz verwegen hatt, der
obgemeldt nass knab sich zu im satzt, im mit listigen worten ausserfaren tet, was
doch in dem ledlin verborgen wer. Des ihm der knecht nit verhalten wolt, sunder
im alle ding zu wissen tet. Als nun der schalck vermarckt, das nichts anders in
dem ledlin was dann einn hertz, so balsamiert wer, gedacht er: Was ist mir das
hertz nütz, unnd das ich den guten jüngling umbsunst bekümmern soll! Ich wills
im heimlich wider an das ort legen, da ichs genummen hab.
    Als nun die nacht kummen was und yetz yederman zu rhu sich gelegt hatt, der
knecht die ganz nacht ungeschlaffen vertrib, der dieb, so ihm das ledlin
gestolen hat, heimlich hinzuschleich, nit anderst meint, dann er schlieff, und
legt im das ledlin zu seinem haupten. Der arm knecht seer erschrack; dann er
meint, er wolt in seines gelts auch berauben; zuhandt auffwuscht, in bei einem
arm fasset, so lang hub, biss ihm die andern zulieffen; dann er mit seinem
schreien alle, so zu schiff waren, erwecket.
    Als nun der patron mit andren kauffleüten hinzugelauffen kam und den
schandtlichen buben also fanden, bezwungen sie in, das er die warheit bekennen
musst. Als nun der knecht sein verlornes hertz wider überkummen hat, frölich und
guter ding ward. Der patron mit raht aller andren kauffleüt den buben in das
schiff schmiden liess, da er nachgohns an dem riemen ziehen musst und darzu mit
grossen streichen geplagt, so lang biss sie das engelisch port erreichten.
    Yederman den patron abrichtet; vom schiff tratten, iren geschefften
nachgiengen. Des ritters knecht sich nach seinem besten fleiss verstellet, damit
er onangefochten an dem küniglichen hoff sein befelch aussrichten möcht. Aber nit
nach seinem willen zu end ging, wie ir das nachgohns wohl vernemmen werdt.
 
                                      63.
 Wie der junckfrawen Philomena ihr allerliebster ritter einer nacht fürkam und
        mit einem schweren seüfftzen on alles reden wider von ir schied.
Als nun des abgestorbnen ritters knecht mit dem hertzen wider in Engelandt
kummen was, und aber nit weg finden mocht, das er zu Philomena der junckfrawen
kummen und ir das hertz überantworten kündt. Dann sich die junckfraw, von dem an
der ritter aus dem landt gefaren was, sich ganz nit sehen liess, dann so sie es
eren halben nit underlassen kundt. Sie hat auch in solcher zeit kein fröliche
kleidung nye angelegt sunder als eine, so ire liebste freund verloren hett, in
ganz schwartzer kleidung sich sehen lassen. Es ist auch nit ein klein von ir
schöne abgewichen, ja als wann sie mit einer schweren kranckheit beladen wer
gewesen, welches irem bruder, dem künig, nit kleinen schmertzen bracht hat. Dann
er sie zum dickern mal understund davon abzuwenden; die junckfraw aber ganz
keinen trost annemmen wolt.
    Eines tags begab es sich, das der künig aber zu seiner schwester in ir
gemach kummen was, sie aber von irem fürnemmen vermeint abzuwenden, auff
semliche Meinung mit ir anhub zu reden: Mein allerliebste schwester Philomena,
was ist doch das, so dich also in schwere gedancken gesetzt hatt? Ich bitt, mir
das anzeigen wöllest. Fürwar kein ding auff erden nit sein soll, so es mir
anderst müglich ist zu bekummen, es soll dir werden. Du solt mir aber keineswegs
dein anligen verhalten.
    Die junckfraw Philomena, wiewol sie noch nie ir hertz gegen irem bruder
auffgeton hat, noch bewegt er sie mit seinen guten worten, das sie ims nit
lenger verbergen wolt; dann sie meint , so der künig ye hören würd, was irs
fürnemmens wer, er würd sie irs begerens geweren. Darumb hub sie an und sprach:
Allerliebster bruder und herr, ir sond wissen, das ich nye willens gewesen bin
euch mein anligen zu entdecken. Dann mir ist zuvor wohl wissen, das euch die ding
unverborgen seind. Damit ich euch aber ein ganzen entscheid geben mög, so ist
das mein entlich fürnemmen und Meinung, nymmer kein küniglich kleinot anzulegen,
so lang ir mir nit meinen allerliebsten ritter zu kummen verschaffen, welchen ir
von meinetwegen befohlen hand mit tödtlichem gifft hinzurichten. Das aber gott
gewendt hat; dann der, so im das netz gespannen hat, selb darin gefallen ist. Wo
aber mein ausserwölter ritter hinkummen sei, mir ganz verborgen ist, allein das
ich sorg, ir habendt im so lang nachgestellt, das er umbkummen sei. Gott wolt,
ich das wissen möcht! Ich wolt im ein trewe nachfolgerin sein.
    Als nun der künig das steiff fürnemmen seiner schwester vernam, aus falschem
hertzen also zu ir sprach: Schwester Philomena, biss getröst! Glaub mir, solt ich
gewisst haben, das du also ein grosse liebe zu dem ritter getragen hettest, er
solt von meinem hoff nit kummen sein. Ich hab aber sorg getragen, dir sei die
liebe des ritters zuwider und, wiewol du sein nit achtung gehabt, noch möcht er
dich mit seinem wesen in ein verdacht bracht haben; das mir dann deinetalb seer
leid gewesen wer. Doch so biss getröst und stand auff! Dann ich mit allem fleiss
nach dem ritter will fragen lassen. Ist er noch bei leben, er soll in kurtzer
zeit wider an meinen hoff kummen.
    Die junckfraw sprach: Das wöll gott! Aber ich besorg, die wort und hertz, so
ir mir versprechen, nit gleich seiendt, oder aber statt es nit wohl umb den edlen
unnd teüren ritter Gabriotten. Dem aber sei, wie im wöll, so würt mich kein
mensch nymmer frölich sehen, ich hab dann ein gewissen buchstaben von meinem
lieben Gabriotten. Der künig seiner schwester von newem versprach, nach dem
ritter zu fragen; also urlaub von ir nam, von dannen ging.
    Die junckfraw wider anhub nach Gabriotten zu gedencken. In dem die zeit kam,
das man zu rhu gon solt. Philomena sich zu bett niderlegt, nach langem weinen
und klagen entschlieff. In dem schlaff bedaucht sie, wie sie iren allerliebsten
Gabriotten in einem weissen kleid vor ir ston seh, welcher sie mit einem dieffen
seüfftzen und trawrigen angesicht ansehen tet, also ungeredt von ir schied. Die
junckfraw im mit ganzer begierd nachsah; als sie aber marckt, das er von ir
gohn wolt, hub sie an mit lauter stimm zu schreien: O mein ritter Gabriott ker
wider zu mir, deiner allerliebsten junckfrawen!
    Die junckfraw also mit voller stimm geschrawen hat, das sie selbs aus dem
schlaff erwachet, desgleichen ire kammerjunckfrawen erweckt hat. Deren eine
schnell auffstund, zu der junckfrawen kam, sie fraget, was ir gebrech. Die
junckfraw züchtiglich antwort: Nichts, sprach sie, dann das mich ein schwerer
traum angefochten hat. Gond hin und seind rüwig! Als nun die junckfraw von ir
ging, Philomena die übrig nacht nirgendt mit anderst dann mit weinen, seüfftzen
und klagen zu vollem zu end bracht, so lang der morgenstern die duncklen wolcken
mit seinem liechten schein verjagen tet.
    Die junckfraw auffstund, on alles rumor aus der kammer ging zu Rosamunda
gemach, an dem sittlichen anklopffen tett. Die junckfraw Rosamunda, welche
yetzundt auch ihren schlaff geendt hat, das züchtig klopffen wohl erkannt.
Derhalben bald uffstund, sich, so schnellest sie mocht, antet, die kammer
auffschloss, ir allerliebste junckfraw empfahen tet; ires frügen auffstons
wunder nam.
    Philomena nit lang verzog, zu Rosamunda sprach: Ach mein allerliebste
junckfraw, ich bitt, on alles saumen mit mir in mein gemach gon wöllest. Dann
ich fürwar sunst von allen meinen sinnen kummen muss; dann gewisslich würd ich in
kurtzen tagen ein schwere und trawrige Botschaft (check capitalization) von meinem allerliebsten
ritter vernemmen. Die junckfraw Rosamunda sich nit lang saumet, mit Philomena zu
ihrem gemach ging, allda sie die tür noch offen fanden. Hinein giengen,
zusamen sassen, ir leid einander klagten, den tag also in grossem trawren
vertriben.
 
                                      64.
  Wie der künig von seinem hoffgesind underricht ward, das des ritters knecht
   wider in Engelandt kummen wer; der künig zuhandt gebot, das man in für in
          bringen solt, das zuhandt geschah, und wie es hernach ging
Ir hand gehört, mit was sorgen des ritters knecht in Engelandt umhergieng unnd
wie er sich verkleidt hat. Noch mocht er sich vor ettlichen des künigs hoffgsind
nit verbergen. Dieselben vermeinten, dem künig ein gross wolgefallen daran zu
tun, derhalben sie sich ganz schnell zu im fügten, im die zukunft des knechts
zu wissen tetten. Sobald der künig des gewar ward, von stund an ettlich seiner
diener bestellet, die sollten im des ritters knecht zuhanden bringen. Dann der
künig besorgt, der knecht wer darumb zu landt kummen, das er im sein schwester
heimlich hinwegfüren wolt, dieweil er hort, das er sich niemant zu erkennen
geben wolt.
    Als nun die, so befelch von dem künig hatten, zu dem knecht kamen, in mit
seinem nammen nannten, im anzeigten, was des künigs befelch wer, fieng er an
sich ganz unbekannt zu stellen. Lieben fründ, sagt er, ir mögendt wohl seer
unverstanden leüt sein. Ir wend mich eines nammens bereden, welchen ich nie an
mir gehabt, noch von keinem menschen also genennt ward. Ich bitt euch, sagendt
ewerem herren dem künig, wie ir euch selb geirrt haben, damit ich nit für sein
majestet kummen dörff. Die red tet er zu inen. Es was aber alles umbsunst; dann
sie in uss der massen wohl erkannten, und wie fast er sich widert, noch furten sie
in mit gewalt zu dem künig, davon er seer grossen schrecken empfahen tet.
    Als er nun für den künig kam, der künig in zuhant mit ruhen und
erschrocklichen worten anfaren tett, also sprach: Jüngling, wer hat dir
geraten, so unverschampt in mein künigreich zu kummen und dich also schnöder
verrähterig wider mich zu gebrauchen? Gedenck und zeig an, was du willen habest!
Du würst sunst mit grosser marter dazu bezwungen werden. Dann ich ye dein
fürnemmen wissen will, auch wo dein herr sei, mit dem du heimlich on alles urlaub
uss disem künigreich entritten bist.
    Der gut jung von dem grausamen anfaren des künigs nit wenig schrecken
empfieng, anhub und also sprach: Allergnädigster herr und künig, ich bitt, mir
verziehen wöllen, das ich mich also schwerlich gegen ewern küniglichen gnaden
übersehen hab. Dann mir warlich verborgen gewesen ist meines herren fürnemmen,
welcher yetzundt dem todt ergeben ist. Dann ich, weil er mein herr was, ye
verbunden gewesen bin im gehorsam zu sein. Darumb ich ganz kein schuld daran
hab.
    Was ursacht dich aber, sprach der künig, das du also dein nammen und gstalt
verkert hast? Das dann nirgendt umb geschehen, dann das du mich uss befelch
deines herren understanden hast zu verrahten. Dann ich weiss, das er noch nit
todt ist. - Sicher, sprach der jüngling, er ist in Portugal an einem port
gestorben, allda hab ich in zu der erden bestatten lassen.
    Warlich, sprach der künig, ich befind, das du mir mit grosser verrähterei
umbgahst. Befahl damit seinem volck, den guten jungen in gefencknus zu legen und
die schergen zu im zu füren, die sollten mit grosser marter an in setzen und sein
heimligkeit von im erfaren.
    Davon der jüngling grossen schrecken empfieng, für den künig uff die erden
fiel, also sprach: Genadent mir, allergnädigster herr und künig, und glaubendt
meinen worten! Das ir meines herren todt ein gewiss zeichen haben, so nemment
war, in disem ledlin hab ich sein hertz, das ich uss seinem leib hab lassen
schneiden, dessgleich einen ring sampt einem brieff, so mir der ritter befohlen
hat an seinem letsten end, an die ort zu überantworten, wie das ewer majestet
wohl lesen würt. Ein semlichs ich im als meinem lieben herren versprochen hab.
Gott wolt, er noch in leben wer, was mir doch darumb zustünd zu leiden! Dann er
mir warlich ein lieber herr gewesen ist. Ich wolt auch, so mir das nit fürkummen
wer, seinen befelch vollzogen haben. Darumb bin ich alles, so mir zuhanden gat,
willig zu leiden.
    Der künig nun zumal ein gut vernügen hat, alles von dem jungen empfieng,
yedoch verschafft er in zu verwaren; das dann nach des künigs befelch on als
verhindern vollstreckt ward. Demnach der künig mit im selbs beraht schlug, was
er weiter mit seiner schwester fürnemmen wolt, also beschloss, das er ir alls,
das von dem ritter geschickt wer, überantworten wolt, als er dann zuletst tet.
 
                                      65.
 Wie der künig seiner schwester alles, so ir von dem ritter geschickt was, selb
   überantworten tet, auch wie die edel junckfraw begert den botten zu ir zu
 bringen, des ir der künig verwilliget, und wie ir Gabriotten hertz über tisch
                                  bracht ward.
Als nun der gut jung in grossen sorgen stund, auch fast fleissig verwart ward,
hub er erst an seinen allerliebsten herren zu klagen. Den lassen wir also sein
zeit vertreiben und sagen fürbass, wie es mit dem hertzen gangen sei.
    Eines morgens umb primzeit sich der künig zu seiner schwester fügen tet,
das hertz, brieff und ring heimlich zu im nam, zu seiner schwester kam, ir einen
guten morgen wunscht. Die junckfraw im mit züchten dancket. Der künig anhub und
sprach: Schwester, so ich gesichert wer, das du von deinem trawren abston
woltest, du müsst bald Botschaft (check capitalization) von deim Gabriotten vernemmen. Du must mir
aber zuvor versprechen, sunst mag dir solicher brieff nit zu sehen werden.
    Die junckfraw vor freüd und leid nit wusst, was sie daruff antworten solt;
zuletst hub sie an und sprach: Ach bruder, nit verziehendt lang mit solchem
brieff! Dann er sei, wie er wöll, so seind des sicher und gewiss, das er meinem
trawren ein end geben würt. Des hand euch mein trew zu pfandt.
    Der künig sprach: Liebe schwester, ich glaub, wo du des ritters wolfart,
gesundteit und vermüglichkeit vernemmest, du werdest dich grösslich erfrewen. So
aber das widerspil vorhanden ist, wie wilt du dich dann halten? - Ihm sei, wie
im wöll, sprach Philomena, so würt sich mein trawren enden. Damit sie aber irem
bruder volss herusshalff, sprach sie weiter: Was ist mir von nöten weiters zu
trawren, so ich vernimb, das es wohl umb meinen ritter statt! Was hilfft mich dann
klagen und weinen, so er gestorben ist! Dann ich in damit nit widerbringen mag.
    Der künig von den worten seiner schwester zum teil ettwas freüd empfieng;
yedoch wolt er ir noch nichts verjehen; dann im zuhandt ein ander gedancken
fürkam. Zu seiner schwester sprach: Wolan, Philomena, dieweil ich die trostlich
antwort an dir erlangt hab, so will ich nit lenger verziehen dann disen
künftigen ymbiss. Yedoch so wiss zuvor, das ich dir die ding nit vor allen deinen
junckfrawen offenbaren will. Darumb so erwöl dir eine oder zwo, den du am basten
vertrawen tust, die schaff zu dir in dein gemach zu kummen! So will ich dir den
brieff und das, so damit kummen, bei meinem trucksessen schicken. Ich hoff auch,
du werdest deinem zusagen statt tun.
    Die junckfraw an den worten des künigs wohl abnam, das die sach nit so ganz
wohl umb den ritter stünd. Damit aber sie die recht warheit erfaren möcht, sprach
sie: Allerliebster bruder, herr und künig, dieweil mir semlich gnad von euch
widerfaret, so bitt ich, wöllent mir noch einer bitt gehorchen und mir den
brieff bei dem botten, wer der sei, so in bracht, überschicken. Hergegen ich
euch versprich und zusagen will, allem meinem zusagen statt zu tun. Der künig
seiner schwester gäntzlich versprach zu willfaren, demnach von ir schied.
Philomena zuhand nach Rosamunda und Laureta schicket; die sich nit saumpten, zu
ir kamen, aller sachen von ir verstendigt wurden.
    Als nun der künig meint  und gäntzlich in hoffnung was, sein schwester
Philomena würd nach irem zusagen iren unmut hinlegen, nam er des ritters knecht
uss gefencknüs und redt mit im also: Jüngling, demnach du gefangen worden bist,
alles darumb geschehen, das ich in zweifel stand, du gangest mit der unwarheit
umb. So ich aber gewiss wer des, so ich von dir vernummen hab, dir solt kein leid
von mir geschehen.
    Der knecht von des künigs worten in newes leid kam, also sprach: Es ist
leider war; ich wolt aber darin diese und noch grössere not leiden, das mein
herr noch bei leben wer. - Davon sei genug gesagt, sprach der künig, ich will
deinen worten glauben geben und, so dirs gelegen sein will, zu einem dieber
uffnemmen. Yedoch mustu mir in einem ding willfaren und dem also tun. Dann so
würstu auch deines herren lotsten willen erfillen.
    Der gut jung uss forcht dem künig zu tun versprach alles, so er an in
begeret. Du solt wissen, sprach der künig, das mein schwester ein bancket mit
ettlichen iren junckfrawen haben würt. Wann sie dann in mitten des mals sind,
mustu ir die gaben, so dir von deinem herren befohlen sind, bringen, desgleichen
warnemmen alles des, so sie dich fragt. Daran soltu ir ganz nichts verhelen und
mir dann, was sie dir zu antwort gibt, anzeigen. Der knecht des künigs befelch
nit wenig freüd empfieng, damit er seines herren seligen willen auch erfüllen
möcht. Als nun die stund kam, der künig dem diener das ledlin gab seiner
schwester zu bringen, als dann geschah.
    Nun hat Philomena einen seer köstlichen ymbiss zubereiten lassen; bei ir was
Laureta und Rosamunda und nyemants anders. Als sie nun in halbem essen waren, so
kumpt der knecht mit dem ledlin hineingon. Als er in nun die speiss und tranck
gesegnet, zuhandt uff seine knei für den tisch fallen tet, uff solche Meinung
anhub zu reden: Allergnädigste junckfraw, ich bitt, mir unseligen botten meiner
leidigen Botschaft (check capitalization) zu verziehen. Dann sie leider nit anderst an ir selbs ist,
gott müss erbarmen. Als er diss geredt, fieng er kläglich an zu weinen.
    Die junckfraw von disen worten ein solichen grossen schrecken empfieng, das
sie dem diener ganz kein antwort geben kundt; das ledlin, darin das hertz
versperrt was, stillschweigendt von im empfahen tet. Der diener ir den
schlissel auch zuwarff, damit sie es uffschliessen solt; das aber der
junckfrawen nit müglich was zu tun. Laureta ir das uss der handt nam, das
zuhandt uffschloss; der geruch von dem balsam zuhandt in dem gemach ganz wohl
riechen tet. In dem sich Philomena ein klein erholt hat, das ledlin zu iren
handen nam. Ach gott, sprach die junckfraw zu dem diener, wie lebt mein
allerliebster ritter? Dann ich sih hie den ring, so im seer geliebt hat, welchen
er on merckliche ursach nit von im gelassen. Demnach nam sie den brieff, schloss
in uff und lass den, ganz stillschweigendt tet sie in mit iren zehern ganz
übergiessen. Als sie nun bericht was, das ires ritters hertz in dem ledlin
verwicklet was, wand sie es uff (dann es in ein schön seidin düchlin gebunden
lag), also bloss das zu tausent malen kusset, an ir hertz trucket, aber ganz
ungeredt ein güte zeit so kläglich gebar, das Laureta und Rosamunda in grossen
schrecken kamen. Dann sie wussten nit, was sie davon abnemmen sollen, wiewol sie
meinten, es wer ettwas anders; dann sie keinen gedancken hatten, das es
Gabriotten hertz sein solt.
    Als nun Philomena ein semlich ellendts wesen lang zeit gefürt, fieng zuletst
an, trücknet ir ungesicht, und mit einer kecken stimm hub sie an und sprach: O
du mein allerliebstes hertz, nun mag ich erst erkennen die liebe, so du bei
deinem leben zu mir getragen hast, dieweil du also verordnet nach deinem
absterben zu mir kummest. Was grossen dancks bin ich dir von recht schuldig, das
du mir also ein getrewen geleidtsman geben wilt und nit von mir in meinem
letsten sterben scheiden wilt! O du schalckhafter bruder, nun ist dir dein
böser und schantlicher will erfillet, so durch deinen falschen anschlag zuwegen
gericht worden ist. Du solt aber gewiss sein, das du bald deiner schwester
beraubt würst. Die du hast meinen zu behalten, würstu erst verlieren und beraubt
sein. Demnach sie sich zu dem botten keret und sprach: Mein allerliebster
jüngling, ich bitt dich, zeig mir an, wo und wann doch mein allerliebster ritter
verscheiden ist, ob er doch mein in keinen weg gedacht hab!
    Der knecht mit trawrigen worten anhub und sprach: Allergnädigste und liebste
junckfraw, ir sond mir sunder zweifel glauben, das mein herr, seidher er uss
Engelandt gefaren ist, kein stund ewer vergessen hat, sunder zu aller zeit nach
euch gesinnet und gewinschet. Auch sein letst wort ist diss gewesen; als im sein
sel ussgon wolt, sprach er: Frew dich, du edle seel; dann du würst bald bei
deiner liebsten Philomena sein. Denmach sein geist uffgab.
    Nun wolan, sprach Philomena, dieweil num gott das also gefügt, das du edles
und usserwöltes hertz in leiblicher gstalt nimmer zu mir hast mögen kummen und
aber on mich nit hast mögen vergraben werden, so danck ich gott solcher reichen
gaben, auch meinen bruder. Demselben ich billichen danck schuldig bin zu sagen,
dieweil er mich mit einer solchen trawrigen und doch reichen gaben verehrt hat.
So will ich im auch mein versprochne zusagung halten und von allem meinem
trawren abston und ganz frölich mit meim allerliebsten hertzen von disem
jamertal scheiden. Das dann in kurtzer zeit geschehen soll, und muss davon mich
nyemants entledigen. Darumb bitt ich euch alle samentlich, wöllent von mir nit
weichen und mir die letst gsellschaft nit entziehen. Dann sich warlich nit lang
vorziehen würt, das mein seel zu meines allerliebsten ritters gesellschaft
kummen würt.
    Mit dem Philomena ungeredt und mit ganz frölichem angesicht des ritters
hertz zu ir trucket, unlang hernach mit lachenden mund und lauter stimm anhub
und schrei: Nun frew dich, geliebte sel meines ritters; dann die mein sich bald
zu dir gesellen würt. Als sie das gesagt, hat sie Rosamunda angesehen und
gesprochen: Nun gesegne dich gott, du mein allerliebste freündin und gesellin in
allen meinen freüden, ein trösterin in meinem leid! Gott geb dir in deiner liebe
einen frölichern ussgang, dann ich hab! Ich bitt dich, wöllest mir Reinhart
trewlich gsegnen. Und du, mein geliebte Laureta, gott geb dir nach meinem
abscheid ein fröliche zeit! Mit disen worten geredt schloss sie iren mundt hart
zu, und gleichendt als hett man gehört in irem leib ettwas zerbrechen, liess es
einen krach und schied also von diser welt.
    Was grosser klag nun Laureta und Rosamunda gefürt hand, nit zu beschreiben
ist. Dann als sie vernamen den ritter Gabriotten todt sein und yetzund
augenscheinlich ir allerliebste junckfraw todt vor in ligen sahen, mit
bitterlichem klagen und weinen ob ir stunden. Rosamunda anfieng und sprach: O
mort und ach des ellenden tags und stund, so ich an meiner allerliebsten
junckfrawen erlebt hab! O du mein Reinhart, was würstu sprechen, so du
vornimpst, deinen allerliebsten freünd und bruder also verloren hast, darzu
Philomena, welche uns ein trewe mitelfferin und gesellin gewesen ist! Ach gott,
wie ungleich ist diser tag dem, uff welchen ir beid mit grossen freüden uff dem
turnier euch dummleten und das best kleinot davon brachten! Nun ist es aber als
in trawren und leid verkert. Gott müss erbarmen, das ich solichen tag und stund
erlebt hab.
    Laureta nit minder klag furt dann Rosamunda. Das lond wir also umb kürtze
underwegen; dann yedes in im selbs erwegen und bedencken mag, was guter zeit sie
miteinander gehabt hand, und nun zumal aber so kläglichen ussgang nemmen tet.
    (Als nun die junckfraw mit grossem leid und kläglichem weinen und klagen iren
liebsten ritter klaget und sich ganz befandt den todt nit weit sein, hub sie
ire augen frölichen uff, und mit lachendem mund rufft sie iren liebsten ritter
mit eim hellen schrei, gab damit iren geist uff und verschied also züchtiglich,
das niemant meint, das sie yetzundt todt wer, so lang sie ganz nichts mer von
ir vernemmen kunten. Da aber Rosamunda und Laureta ir junckfraw yetzund
verscheiden sahen, da bedarff niemandts fragen, ob sie sich fast übel gehebt
hand. Dann solt ir klag von wort zu wort beschriben werden, man bedörfft ein
gross buch darzu. Das wend wir alles underlassen umb kürtze willen und wöllendt
fürbass sagen von dem künig, wie er sich nach seiner schwester todt gehalten hat,
auch wie es Reinharten ergangen, als er vernam sein allerliebster gesell todt
sein, als ir hernach alles bericht werden.)
 
                                      66.
  Was grosser klag der künig von seiner schwester todt empfangen hat, auch wie
                  sich Reinhart in disem handel gehalten hat.
Demnach Philomena die junckfraw verscheiden was und nun solche mär für den
künig, iren bruder, kam, von grossem schrecken nit wissen mocht, wes er sich
halten solt, schnell und bald zu seiner schwester gemach lauffen tet.
    Als er aber sie ganz verscheiden sah, anhub kläglich zu weinen und sprach:
O Philomena, du mein allerliebste schwester, wee mir, das ich ye an deinem todt
schulding ward! Ach gott, ich bin dises ellenden todts allein ein ursach. Nun
hab ich mit meinem neidigen ratschlagen drei junger edler menschen ubbracht. Wie
mag mir doch semlich immer vergeben werden! O des jämerlichen ellenden anblicks,
so ich an dir, mein liebste schwester Philomena, sehen muss! Ach, warumb hab ich
nit den edlen Gabriotten an meinem hoff bleiben lassen! Was ühels hab ich doch
je von im gehört! Gott wolt, das ir beide noch in leben weren. Mich solt kein
müh noch arbeit rewen, so lang ich den edlen Gabriotten ankummen möcht und in
für einen schwager haben. O gott, wer würt mich gegen dir immer und ewiglich
entschuldigen, dieweil ich durch mein bösen anschlag mein allerliebste schwester
sampt zweien edlen jünglingen umbbracht hab! O du unstätes Glück, wie kanstu die
menschlich hoffnung in so schnelles klagen und trawren verkeren! Nun was ich
heüt morgen einer semlichen hoffnung, mein schwester solt ires ritters ganz
vergessen, so sie vernem, das er nit mer in leben were. O Philomena, das ist nit
die zusagung, wie du mir versprochen hast, als du sagtest, ich sollte dir gwisse
Botschaft (check capitalization) von deinem ritter verkünden, du woltest von deinem trawren abston.
Ja, dein trawren hat sich geendt, aber mir zu einem grossen nachteil. Ich aber
hah nit mögen verston, wie du ein solchs gemeint hast, jetzundt aber sih ich
augenscheinlich. Gott von himmel müss sein erbarmen.
    Solche und dergleichen klag der künig lang füren tet. Die leidig geschicht
yetzundt uff dem palast erschallen was. Als nun die rät des künigs die sach
vernummen, hand sie sich schnell zu dem künig in seiner schwester gemach
gefüget. Da sie den künig in grossem klagen und jämerlichen geberden ob der
todten leich ston fanden, so best sie mochten, in trösten teten. Aber alles
umbsunst was; dann sein klag sich keinswegs mindret, sunder krefftiglich zunam
und meret. Als nun die fürsten und herren semlichs spürten, einer under in den
künig mit sanften worten straffen tet und in von seinem fürnemmen eines teils
abwandt und dannen fürt. Rosamunda aber und Laureta ir klagen und weinen erst
anfiengen.
    In dem die mär auch für Reinharten kam, wie Philomena verscheiden wer. Er
aber mocht die ursach irs schmellen todts nit wissen; durumb er sich dann oft zu
Laureta gemach füget, aber nit fand; dann sie noch bei der abgestorbnen leich ir
weinen und klagen vollbringen tet. Die nacht also anfiel. Der künig zu Laureta
und Rosamunda schicket, sie bitten liess, das sie die nacht bei der leich bleiben
wollten; das sie dann mit geneigtem willen vollbrachten. Darumb Reinhart dest
minder zu Laureta kummen mocht, damit er die ursach hett mögen vernemmen, warumb
doch Philomena so schnell von diser weit gescheiden wer.
    Sich also in grossem unmut zu bet niderlegt. Mancher frembder gedancken im
seines gesellen halben fürkam, aber nye gedacht, das er todt sein solt. Er lag
also die ganz nacht ungeschlaffen, nichts anders tet dann an seinen
allerliebsten Gabriotten zu gedencken. O mein allerliebster gsell und bruder,
sprach er, nun was wilt du sagen, wann du vernimmpst, das die, so du ob aller
weit lieb hast, also schnell mit todt abgangen ist! Fürwar dir würt nichts
anders daruss folgen, dann das du den übrigen teil deins lebens mit grossem
schmertzen und klagen beschliessen und enden würst. O mein allerliebster
Gabriotto, wie wiltu sagen, wann ich dir ein semliche trawrige botschaft
zuschick, dieweil du nichts dann frölicher mär von mir warten bist!
    Mit semlichen gedancken Reinhart die ganz nacht ungeschaffen vertreiben
tet, im solchen unmut fasset, das in ein groser frost anstiess, nit anders
meint, dann das in ein feber ankummen wer. In dem der liecht morgenstern an dem
blawen himmel erscheinen tet, die vogel in allen feldern ir stimmen erklingen
liessen. Des im Reinhart ein wenig wider mut schöpffet, uffstund, sich antet,
hin und her an dem küniglichen hoff spacieren ging, biss der tag mit vollem
gewalt das ganz erdtrich erleüchtet.
 
                                      67.
  Wie Reinhart vor grossem leid in onmacht fiel, im seine bede adern der median
               angiengen, also. in onmacht von diser welt schied.
Als es nun tag worden war, und alles hoffgsind uffgestanden was, Reinhart sich
schnell zu eim scherer füget, im die beiden der median schlagen liess, das feber,
so er meint haben, damit zu vertreiben. Demnach der künig allem hoffgesind
gebot, sich umb tertzzeit zu samlen in den palast, ein yeder in schwartzer
kleidung angeton. Dazwischen Reinhart alle forcht von im legt, in junckfraw
Philomena gemach sich fuget, da er sein Rosamunda, Laureta sampt dem
frawenzimmer in ganz schwartzer kleidung trauriglich sitzen fand.
    Reinhart, sobald er der todten leich ansichtig ward, das weinen nit
vorhalten mocht, sich zu Laureta füget, sie fraget, was doch die ursach des
schnellen todts und sterbens sein möcht. O Reinhart, sprach Laurcta, ist dann
dir verborgen das, so alles hoffgesind gut wissen tragen tut? Dein
allerliebster freünd und gsell mit todt abgangen ist, hat seiner liebsten
junckfrawen verschafft sein hertz zu bringen, welches du hie in disem ledlin
selbs sehen magst. Damit gab sies Reinharten zu seinen handen. Der das mit
grossem leid und schmertzen empfahen tet, sich bald zu Rosamunda, seiner
liebsten junckfrawen, nidersetzet: O Rosamunda, mein allerliebste junckfraw, was
sih ich hie jamer und leidt vor meinen augen! Mit disen worten ganz in omacht
fallen tet, in der junckfrawen schoss nidersanck, die zumal ser erschrecken
tet.
    In solcher omacht Reinharten beide adern angiengen, so fast bluteten, ee das
man sein warnam, den merern teil seines gebluts verrört hat. Laureta zum ersten
des gebluts warnam, dem jüngling sein einen ermell bald uffschneid, die ader, so
best sie mocht, verbinden tet, aber leider zu spat kam; dann im die ander ader
gleich einen brunnenquellen springen tet, deren niemants kein acht nam.
    Rosamunda in grossen sorgen und nöten was, wiewol sie vor andren junckfrawen
keins gleichen tun dorfft In dem Reinhart der junckfrawen, seiner liebsten
Rosamunda, noch einen lieblichen blick gab, mit seinem mund zu verston gab, wie
das er gern mit ir geret und seinen letsten abscheid gemacht het, aber mer sein
mocht. Also ungered seiner allerliebsten Rosamunda in iren armen verschyed.
    Was grossen leidts der edlen junckfrawe da zustund, nit zu schreiben ist,
als sie vernam, das der, welchen sie ob allen menschen liebt, in iren armen todt
und verscheiden lag. Sie hub an und sprach: O mort mir ellenden junckfrawen!
    Was unglückhaftiger stund tut mich hie überfallen, dieweil ich mein
allerliebste junckfraw verloren hab und nun disen edlen jungen ritter in meiner
schoss todt ligen sehen muss! O du ungutiger todt, kumb und löss mich von solchem
schweren leid, dieweil du mir heüt so nahen gewesen bist, mir mein junckfraw an
der seiten und disen jungen ritter in meiner schoss hingenummen hast! Ich bitt,
nim mich auch yetzundt mit diser edlen und wirdigen gesellschaft dahin. Wo
mögent mir immer mer lustiger wegferten zuston dann Philomena, Reinhart und
Gabriotto, welcher gewisslich noch hie zugegen umb den leib seiner liebsten
junckfrawen schwebet!
    Die mär auch bald dem künig zu wissen kam, wie Reinhart also verscheiden wer.
Davon im ein newes leid zustund, bald verordnet, das man im ein eerliche
begrebnüss zurichten liess, dessgleich sein schwester in ein künigliches grab sampt
dem hertzen zu begraben.
 
                                      68.
Wie man Philomena und Reinharten zu grab trug, Rosamunda den leichen nachvolgt,
   bei dem sarch sich uff des ritters leich legt, also mit kleinem rumor irem
liebsten ritter nachvolget und starb; also warden die vier uss befelch des künigs
                            in einen sarch begraben.
Demnach nun alles von dem ritter dem künig gesagt ward, gebot er, das man seiner
schwester küniglich begrebnüss zurichten solt. Das hertz des ritters ward auch in
einem guldinen gefess zu ir gelegt. Darzu verschuff der künig, das man Reinharten
erlichen zu der erden bestatten solt. Als es yetz ward umb nonzeit, wurden die
drei liebhabenden hertzen mit nander zu grab getragen mit einen herrlichen und
grossen gebreng, davon nit not zu schreiben. Dann da was das hoffgesind den
leichen nachfolgen; dergleich das ganz frawenzimmer in schwartzer kleidung
hinnach folgten, und insunders Rosamunda, die sich mit grossem klagen und weinen
zunechst bei der leich Reinharten des ritters halten tet, von grossem
schmertzen unnd kläglichem weinen zum dickern mal nidergesuncken wer, wo sie
Laureta nit erhalten hett, die dann zu allernechst bei ir was.
    In solchem kläglichem woynen und klagen sie yetzundt zu dem küniglichen grub
kummen waren, die leich allda nider salzten. Rosamunda sich nit lenger entalten
mocht; mit vollem leib sie sich uff die leich des ritters niderliess, also
züchtig on alles rumor irem leben ein end gab. So stillschweigendt zugieng, das
alle umbstender nit anders meinten, dann sie verharret allein also in irer klag.
Zuletst Laureta hinzugieng, understund die junckfraw uffzuheben; aber alles
umbsunst was.
    Davon Laureta zumal grossen schrecken empfahen tet. O Rosamunda, sprach
sie, wiltu mich arme, dein getrewe Laureta, allein in disem trawrigen leben
vorlassen? Ach stand uff und ker wider mit mir in den küniglichen palast! O
gott, mir armen verlassenen weib! Nun hab ich kein zuflucht auff allem erdtrich
mer; dann ich die allerliebsten verloren hab.
    Von disem geschrei der künig noch zu grösserm leid bewegt ward, wiewol im
der todt der junckfrawen noch verborgen was. Der künig seinen marschalck zu
Laureta schicket, liess ir gebieten, das sie von irem klagen und jamerlichem
geschrei abstünd. Das also an sie gelangt ward, aber sie nit dest minder ir klag
für sich furte. Ach gott, sprach sie, wie mag ich von meinem klagen lassen,
dieweil meine allerliebsten junckfrawen allhie todt vor mir ligen! - Wie? sprach
der marschalck, beide jungfrawen? Ist dann Rosamunda auch etwas leidts
widerfaren? - Ja leider, sprach Laureta, dann sie gleich so wohl als Philomena
todt hie liegen tut. - Das erbarm gott, sprach der marschalck; damit von
Laureta zu dem künig ging, im all ding zu verston gab.
    Der künig mit grossem unmut [sich] schnell zu den toden cörpeln füget; sein
hertz im von newer in grösser leiden und leid bewegt ward; dann im Rosamunda von
wegen seiner schwester seer geliebt hat. Also verschuff der künig, das man die
beide zu seiner schwester und dem hertzen vergraben solt, dieweil sie in irem
leben solche einbrünstige liebe gehabt hetten, des dann ir sterben ein gnugsame
anzeigung was. Nach dem mit sampt seinen räten wider in den küniglichen palast
giengen. Da der künig lange zeit mit grossem leid vertreiben tet, grossen rewen
gewann, das er die vier personen nit in freüden bei einander gelassen hat; aber
sein rewen gar zu spat was.
    Dieweil sich nun semliche sachen verloffen hatten, was der alt Gernier nye
anheimisch gewesen; dann er aus befelch des künigs ettlicher geschefften halben
aussgeritten was. Als er aber yetzundt wider heim kam, nit lang stund, im dise
leidige geschicht zu wissen kam. Davon der gut alt ritter in solchen grossen
schmertzen kam, das nit ein wunder gewesen wer, der alt ritter wer ihn auch mit
todt nachgefolgt.
    O gott, ich klag dir, sprach Gernier, das ich in Engelandt ye kummen bin.
Dann ich dardurch meines sons beraubt, auch meinen guten und lieben freünd
Reinharten nit mehr sehen mag. So ist der künig auch umb sein schwester kummen,
dergleichen Rosamunda, die zart unnd edel junckfraw, ir leben drumb geben hat.
Weh mir armen verlassenen alten! Zu wem soll ich mich hinfürter kehren! Meine
liebsten freünd unnd kind sind dahin. Gott wolt, ich nur auch bei in in ir
begrebnüs leg! Dergleichen ein ernstliche klag Gernier ein lange zeit an dem
küniglichen hoff vertreiben tet.
    Das ward dem künig zuletst angesagt. Der künig gross bedauern mit dem ritter
hat, nach im schicket. Als nun Gernier für in kam, der künig anhub unnd sprach:
Gernier, dein leiden und kummer mir von hertzen leid ist, und hab auch warlichen
nit klein bedauern mit dir, dieweil du also ein alt betagt mann bist. Aber biss
getröst! Ich will dich alles deines leids ergetzen unnd dich mit einem rüwigen
ampt versehen. Dann mir grossen schmertzen bringt, das ich deinen son Gabriotto
und mein liebste schwester nit bei einander haben mag; das aber leider nit mehr
sein mag. Darumb, Gernier, solt du an statt deines sons lieb wert an meinem hoff
gehalten werden.
    Der ritter dem künig seins erbietens dancksaget, also lange zeit seines
liebsten sons nye vergessen mocht.
 
                                      69.
  Wie der künig der junckfrawen Rosamunda vatter seiner tochter todt zu wissen
                                     tut.
Demnach es nit lang anstund, der künig dem graffen, Rosamunda vatter, seiner
tochter sterben zu wissen tet. Der graff unnd die gräffin grosse klag umb ir
tochter fürten, sich zuhandt uffmachten, in Engelandt kamen. Da sie erst aller
sachen bericht wurden, erst mit grossem jamer ir allerliebste tochter klagen
wurden, als sie vernamen, das Reinhart also ein edler ritter gewesen was unnd
ihnen aber das verborgen gewesen wer.
    Der graff anhub zu klagen unnd sprach: O Rosamunda, mein allerliebste unnd
einige tochter, warumb hast du mir nit dein anligen zu verston geben, dieweil
ich doch vernimb den ritter ein so ehrlichen mann gewesen sein! Gott wolt, das
ich dich bei leben haben möcht und deinen liebsten ritter! Ich wolt euch beide
aller ewer hoffnung ergetzen; das aber leider nit mehr geschehen mag. Das ich
gott von hymmel klagen muss.
    Dergleichen klag der graff unnd die gräffin lang furten umb ir allerliebste
tochter Rosamunda und in langwirigem trauren unnd weinen ir leben zuletst auch
endeten. Also hat die einbrünstig liebe so krefftig an disen jungen menschen
gewürckt, das sie dardurch ir leben geendt hand. Denen gott die ewig rug geben
unnd verlihen wölle, uns auch alle nach disem zergenglichen jamertal zu im in
sein ewigs reich nemmen.
                                     AMEN.
 
    